diff options
Diffstat (limited to 'old')
| -rw-r--r-- | old/7hnhr10.txt | 2816 | ||||
| -rw-r--r-- | old/7hnhr10.zip | bin | 0 -> 38291 bytes | |||
| -rw-r--r-- | old/8392-8.txt | 2857 | ||||
| -rw-r--r-- | old/8392-8.zip | bin | 0 -> 39027 bytes | |||
| -rw-r--r-- | old/8hnhr10.txt | 2816 | ||||
| -rw-r--r-- | old/8hnhr10.zip | bin | 0 -> 38329 bytes | |||
| -rw-r--r-- | old/8hnhr10h.html | 2413 | ||||
| -rw-r--r-- | old/8hnhr10h.zip | bin | 0 -> 461884 bytes |
8 files changed, 10902 insertions, 0 deletions
diff --git a/old/7hnhr10.txt b/old/7hnhr10.txt new file mode 100644 index 0000000..65f5226 --- /dev/null +++ b/old/7hnhr10.txt @@ -0,0 +1,2816 @@ +The Project Gutenberg EBook of Hin Und Her, by H. H. Fick + +Copyright laws are changing all over the world. Be sure to check the +copyright laws for your country before downloading or redistributing +this or any other Project Gutenberg eBook. + +This header should be the first thing seen when viewing this Project +Gutenberg file. Please do not remove it. Do not change or edit the +header without written permission. + +Please read the "legal small print," and other information about the +eBook and Project Gutenberg at the bottom of this file. Included is +important information about your specific rights and restrictions in +how the file may be used. You can also find out about how to make a +donation to Project Gutenberg, and how to get involved. + + +**Welcome To The World of Free Plain Vanilla Electronic Texts** + +**eBooks Readable By Both Humans and By Computers, Since 1971** + +*****These eBooks Were Prepared By Thousands of Volunteers!***** + + +Title: Hin Und Her + +Author: H. H. Fick + +Release Date: June, 2005 [EBook #8392] +[This file was first posted on July 6, 2003] + +Edition: 10 + +Language: German + +Character set encoding: US-ASCII + +*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK, HIN UND HER *** + + + + +E-text prepared by David Starner, Delphine Lettau, Charles Franks, and the +Online Distributed Proofreading Team
+ + + +HIN UND HER + +Ein Buch fuer die Kinder + +Zusammengestellt von H. H. FICK + +Supervisor of German, Cincinnati Public Schools + + + + + + + +INHALT + + + 1. Am Morgen + 2. Der Tag bricht an + 3. Der Hahnenruf + 4. Beim Fruehstueck + 5. Zur Schule + 6. Bruder und Schwester + 7. Der Specht + 8. Die Uhr + 9. Schuleifer + 10. Raetsel + 11. Unser Hof + 12. Die Haustiere + 13. Sprueche + 14. Die Aepfel + 15. Peter Faulpelz + 16. Der Knabe am Bache + 17. Daheim + 18. Der Bau des Hauses + 19. Die Wohnung der Maus + 20. Karls Hase + 21. Das Lied vom Monde + 22. Das Mueckchen und das Maedchen + 23. Nasch-Ernst + 24. Der blinde Geiger + 25. Das Brot im Weg + 26. Die schoenen Drei + 27. Das Vogelnest + 28. Der Drache + 29. Die Voeglein + 30. Vom Haenschen + 31. Sprueche + 32. Die Schnecke + 33. Die Henne und die Entlein + 34. Die Tageszeiten + 35. Kind und Sonne + 36. Sonne und Regen + 37. Astern + 38. Raetsel + 39. Voegel und Blumen + 40. Danksagungstag + 41. Vom Vater + 42. Die vier Brueder + 43. Die zwoelf Monate + 44. Die Blaetter tanzen + 45. Die vier Jahreszeiten + 46. Winters Ankunft + 47. Der Tannenbaum + 48. Vogel am Fenster + 49. Das Bueblein auf dem Eise + 50. Raetsel + 51. Weihnachtsfreude + 52. Schneesterne + 53. Brief vom Weihnachtsmann + 54. Zu Neujahr + 55. Verstehst du das? + 56. Der Schneemann + 57. Maerz + 58. Ostergruss + 59. Der Osterhase + 60. Der Obstgarten + 61. Sprueche + 62. Die Voegel im Fruehlinge + 63. Das rote Huehnchen + 64. Raetsel + 65. Der naseweise Bello + 66. Heil, Amerika! + 67. Petersilie + 68. Das Kind und sein Bluemchen + 69. Nachlaessigkeit + 70. Ein Raetsel + 71. Was wuerdest du tun? + 72. Was wollen wir spielen? + 73. Die schlaue Katze + 74. Kannst du es sagen? + 75. Der Sperling + 76. Das Pferd und der Esel + 77. Der kluge Star + 78. Der Apfelbaum + 79. Der Hase und der Fuchs + 80. Sprueche + 81. Der Hase und die Schildkroete + 82. Hasenbraten + 83. Der Schein truegt + 84. Der Frosch + 85. Vom listigen Grasmuecklein ein lustiges Stuecklein + 86. Ein toerichter Streit + 87. Herr Wind! Herr Wind! + 88. Das Fuenkchen + 89. Raetsel + 90. Das Gaensebluemchen + 91. Die gruene Stadt + 92. Deutschland + 93. Sonnenschein + 94. Die Koenigin Luise + 95. Das goldene Schloss + 96. Die kleinen Muessiggaenger + 97. Der gute Kamerad + 98. Der Goldbaum + 99. Gerettet +100. Sprueche + + + + +1. AM MORGEN. + + Die Erd' erwacht, die Sonne lacht + Sie an mit hellem Schein + Und ruft ihr zu: komm aus der Ruh', + Der ganze Tag ist dein. + Guten Morgen. + + + + +2. DER TAG BRICHT AN. + +Es ist dunkel. Am Himmel leuchten die Sterne. Zwischen ihnen steht +der Mond. Nun wird es langsam heller. Im Osten zeigt sich ein lichter +Schein. Das ist die Morgendaemmerung. Die meisten Leute schlafen noch +fest, aber der Hahn ist wach und kraeht ganz laut. Bald steigt die +Sonne empor. Dann ist es Tag. Die Voegel sind erwacht und zwitschern. +Jetzt stehen auch die Menschen von ihrem Lager auf und gehen gestaerkt +an die Arbeit. Die Tiere im Freien suchen ihre Nahrung und das Vieh +im Hofe bekommt sein Futter. Im Garten und auf den Wiesen glaenzt der +Tau. Alles ist neubelebt. + + + + +[Illustration] + + +3. DER HAHNENRUF. + + Im ersten Hofe kraeht der Hahn, + Da faengt auch gleich der zweite an + Und denkt: "Haett' ich's zuerst getan!" + Doch, wie der zweite kaum beginnt, + Kraeht schon der dritte Hahn geschwind. + Der viert' und fuenfte faul nicht sind + Und fallen schnell ins Lied mit ein, + Denn jeder will der erste sein, + Und jeder will am schoensten schrei'n.-- + Bald rufen alle in der Rund', + Als staenden sie zusamm' im Bund, + Und tun die Morgenstunde kund + Aus voller Kehle laut und schnell: + "Die Nacht entweicht, der Tag wird hell. + Kikeriki! Kikeriki! Wir sind zur Stell'!" + So soll'n auch wir in allen Sachen, + Wo's gilt, zum guten zu erwachen, + Es wie der Hahn am Morgen machen. + + + + +4. BEIM FRUEHSTUECK + +_Mutter_: Papa, Karl, Emma und Klara, hurtig, kommt zu Tisch! +Das Fruehstueck ist aufgetragen! + +_Papa_: Sieh! Da bin ich schon. Guten Morgen! + +_Emma_ und _Klara_: Liebe Mama und lieber Papa, Wir sind +auch bereit und wuenschen euch einen recht guten Morgen! + +_Mutter_ und _Vater_: Vielen Dank, ihr Kinder! Wo steckt +aber der Karl? + +_Emma_ und _Klara_: Da kommt er! + +_Karl_: Seid nicht boese, liebe Eltern, ich habe mich +verschlafen. Es soll aber gewiss nicht wieder geschehen! + +_Mutter_: Schon gut! Setzt euch alle. Schaut, dass der Papa +bedient wird! Emma, reiche doch das Brot herueber und gib mir die +Butter. Nun, trinkt eure Milch! Klara und Emma, fuer euch habe ich ein +Stueck Kuchen. + +_Karl_: Bekomme ich nicht auch eins? + +Mutter: Du bist zu spaet gekommen! Dafuer musst du Strafe leiden. Heute +ist fuer dich nur Brot vorhanden. + +_Karl_: Ach, liebe Mama! Ich bin so hungrig! + +_Mutter_: Ei! Hungern sollst du nicht. Da ist eine Semmel und +dann habe ich auch noch ein Ei fuer dich. Aber der Kuchen ist nur fuer +die puenktlichen Leute da, merke dir das! So, seid ihr nun alle +fertig? + +_Kinder_: Jawohl, Mama! + +_Mutter_: Stellt eure Stuehle an ihre Plaetze! Jetzt koennt ihr +gehen! Du, Karl, holst dem Vater noch die Zeitung herein! + +_Karl_: Gerne, liebe Mutter! + +_Kinder_: Ade, Papa! Leb wohl, Mama! Heute mittag sehen wir uns +wieder! + + + + +5. ZUR SCHULE. + + Nun hurtig vom Stuhle + Und schnell in die Schule; + Es ist an der Zeit. + Holt Huete und Kappen, + Bringt Tafeln und Mappen; + Nehmt auch fuer die Pause + + Euch etwas zum Schmause; + So, Kinder, jetzt seid + Zur Arbeit bereit! + + + + +6. BRUDER UND SCHWESTER. + +Es ist Morgen. Die Nacht hindurch hat es geregnet und immer noch +fallen einzelne Tropfen. Seit einigen Tagen besucht der kleine +Wilhelm die Schule. Er hat einen neuen Anzug, eine huebsche Muetze und +einen bunten Schulsack erhalten. Wie leid tut es ihm, dass alles vom +Regen soll nass werden. Da kommt die gute Schwester Emilie. Sie muss +fuer die Mutter noch einen Gang auf den Markt machen. Nun will sie den +Bruder unter den Schirm nehmen und ihn bis an das Schulgebaeude +begleiten. Wilhelm fasst die Schwester am Kleide, und sie treten in +die Tuere. Aber, siehe da, der Regen hoert auf und als Emilie +vorsichtig die Hand ausstreckt, kann sie kein Troepfchen mehr spueren. +Da darf auch der zottige Spitz mit ins Freie. + +[Illustration] + + + + + +7. DER SPECHT. + + Herr Specht! so frueh schon klopfest du! + Was stoerte dich denn aus der Ruh'? + Es herrscht noch Stille im Erdenraum-- + Du haemmerst schon am Fichtenbaum. + + "Ist es auch frueh, ist's nie zu frueh, + An Arbeit fehlt's dem Fleiss'gen nie,-- + Wer Tages etwas will gewinnen, + Der muss recht fruehe schon beginnen." + + + + +8. DIE UHR. + +Eben hatte es sieben geschlagen. Die Mutter ging in die Kammer, um +den kleinen Leo zu wecken. Der war aber schon wach und sass aufrecht +im Bette. "Ei, Leo!" sagte die Mutter, "Wie kommt denn das? Sonst muss +ich dich viele Male rufen und schuetteln, und heute bist du ganz +munter!" "Ach, denke nur, liebe Mama," sagte Leo, "ich War ja auch +noch so muede und haette gerne laenger geschlafen. Aber da hatte auf +einmal die grosse Uhr dort an der Wand ein Gesicht wie ein Mensch, und +machte immerfort: Auf! raus! Auf! raus! Nun hatte ich Angst, liegen +zu bleiben und wollte aufstehen. Jetzt hoerte ich die Uhr ganz +deutlich sagen: Recht so! Recht so! und sie sah wieder freundlich +aus!" + +[Illustration] + + + + + +9. SCHULEIFER. + + Im Winter, wenn es frieret, + Im Winter, wenn es schneit, + Dann ist der Weg zur Schule + Fuerwahr noch mal so weit. + + Und wenn der Kuckuck rufet, + Dann ist der Fruehling da, + Dann ist der Weg zur Schule + Fuerwahr noch mal so nah. + + Wer aber gerne lernet, + Dem ist kein Weg zu fern; + Im Fruehling, wie im Winter, + Geht er zur Schule gern. + +[Illustration] + + + + +10. RAETSEL. + + Im Wasser schwimmt es, gross und klein. + Nun rat' einmal, was das mag sein! + + Wer waescht sich so rein + Und haelt sich so fein + Und braucht doch kein Handtuechelein? + + Ich weiss ein kleines, weisses Haus, + Hat nichts von Fenstern, Tueren, Toren; + Und will sein kleiner Wirt hinaus, + So muss er erst die Wand durchbohren. + + + + +11. UNSER HOF. + +Hinter dem Hause ist ein Hof. Da haben viele Tiere Platz. In einer +Ecke steht die Hundehuette. Dort wohnt Nero. Er bewacht unser Haus. +Auf der Kellertreppe sitzt Mieze. Das ist die graue Katze. Sie waescht +und putzt sich gern. Im Korbe liegen ihre vier Kaetzchen. Die koennen +noch nicht sehen. Mitten im Hofe geht der stolze Hahn. Er hat bunte +Federn und einen roten Kamm. Bei ihm sind fuenf huebsche Hennen. Auch +Tauben fliegen herbei und picken Koerner auf. Seht doch den grossen +Puter da drueben! Der ist zornig und jagt die anderen Voegel fort. + + + + +12. DIE HAUSTIERE. + + Lieb Kindchen, sag mir an, + Was ein Haustier nuetzen kann! + + Die Kuh gibt Milch uns, liebe Mutter, + Draus macht man Kaese, Rahm und Butter. + Das Pferd zieht fleissig deinen Wagen + Und kann dich in die Ferne tragen. + Der Hund schuetzt treu dir Hof und Haus. + Die Katze lauert auf die Maus. + Das dicke, schmutz'ge, dumme Schwein + Bringt Schinken uns und Wuerste ein. + +[Illustration] + + + + + +13. SPRUECHE. + +Lust und Liebe zum Dinge +Macht Muehe und Arbeit geringe. + +Morgen, morgen, nur nicht heute, +Sagen alle traegen Leute. + +Lerne Ordnung, liebe sie; +Ordnung spart dir Zeit und Mueh'. + + + + +14. DIE AEPFEL. + +Am Montag morgen wollte Otto seinen Freund Ludwig zur Schule abholen. +Als er aber in die Stube trat, war niemand da. Vorne beim Fenster +stand ein Korb voll Aepfel. Die waren schoen gelb und rot. Gerne haette +Otto einen genommen. Aber er dachte: "Nein, das tue ich nicht, die +AEpfel gehoeren nicht mir." + +Schnell wollte er wieder zur Tuere hinaus. Da kam gerade Ludwigs +Mutter herein. Die freute sich sehr, als sie Otto sah. Sie steckte +ihm beide Taschen voll Aepfel. Dann rief sie Ludwig und gab den beiden +Kindern noch einen Apfel mit auf den Weg. Mit frohem Herzen gingen +die Knaben nun zur Schule. + + + + +15. PETER FAULPELZ. + + Laengst ist schon die Schule aus, + Alle Kinder sind zu Haus: + Peter nur, der faule Bube, + Muss noch sitzen in der Stube, + Hat gelernt nicht, noch geschrieben, + Hat sich draussen 'rumgetrieben. + Nun geht es ihm bitterschlecht-- + Faulpelz, das geschieht dir recht! + + + + +16. DER KNABE AM BACHE. + +Siehst du den Knaben dort am Bache sitzen? Es ist Robert, der mit +seiner armen Mutter in dem kleinen Haeuschen wohnt. Sie hatten fuer den +Abend nichts zu essen. Da sagte Robert: "Mutter, ich will zum Bache +gehen und einige Fische fangen." + +Hier sitzt er nun ganz stille. Zwei Fische hat er schon gefangen, und +den dritten macht er eben vom Haken los. Wie wird sich die Mutter +freuen, wenn Robert mit den Fischen nach Hause kommt! + +[Illustration] + + + + +17. DAHEIM. + +Hurra, die Schule ist aus! Schnell eile ich nach Hause, denn die +Mutter wartet schon auf mich. Sie hat ja mancherlei Arbeit, die ich +fuer sie besorgen kann. Erst bekomme ich aber ein grosses Stueck +Butterbrot. Wenn ich das gegessen habe, hole ich Kleinholz aus dem +Keller. Damit macht die Mutter das Feuer im Kuechenofen an fuer das +Abendessen. Dann gehe ich zum Metzger, um das Fleisch heimzubringen, +das der Vater am Morgen bestellt hat. Auf dem Wege bringe ich aus dem +Kramladen Seife mit und Streichhoelzchen. Auch sonst muss ich der +Mutter in der Kueche noch zur Hand gehen. Ich tue es gerne, denn ich +habe mein Muetterlein lieb. Wenn ich alles besorgt habe, darf ich eine +Weile auf der Strasse mit anderen Kindern spielen. + +Bald ist es Zeit zum Abendessen geworden. Richtig, da ruft mich schon +die Mutter. Der Vater ist nun auch schon nach Hause gekommen, und +meine aelteren Geschwister sind ebenfalls da. Wir sitzen jetzt alle um +den grossen Tisch im Esszimmer, und der Vater erzaehlt, was er waehrend +des Tages in der Stadt gehoert und gesehen hat. Nach dem Essen nimmt +der Vater die Zeitung, und meine kleine Schwester und ich machen +unsere Schularbeiten. Da muss manchmal die liebe Mama ein wenig +helfen. Spaeter liest sie uns eine schoene Geschichte vor, oder spielt +mit uns Domino und Lotto. + +Ich glaube, es ist nirgends schoener als abends daheim. + + + + +18. DER BAU DES HAUSES. + +"Kommt, Knaben, wir wollen ein Haus bauen," sagte Emil zu Karl und +Heinrich, "Ich will den Keller ausgraben," sprach Karl. "Und ich," +sagte Emil, "ich bin der Maurer; ich nehme Kalk und Steine und baue +die Mauern." Da meinte Karl: "Du darfst aber die Tueren und die +Fenster nicht vergessen. Ohne Tueren kann man nicht in das Haus +hinein, und durch die Fenster soll Luft und Licht in die Zimmer +kommen." Heinrich sagte: "Ich bin der Zimmermann; ich setze die Tueren +und Fenster und lege den Fussboden. Von einem Stockwerke in das andere +mache ich Treppen. Und oben auf das Haus setze ich das Dach; das +schuetzt vor Regen und Schnee. Unser Haus soll ein Wohnhaus sein mit +Kueche und Zimmern und einem Boden unter dem Dach." + + + + +19. DIE WOHNUNG DER MAUS. + + Ich frag' die Maus: + Wo ist dein Haus? + Die Maus darauf erwidert mir: + Sag's nicht der Katz', + So sag' ich's dir. + Treppauf, treppab, + Erst rechts, dann links, + Dann wieder rechts + Und dann grad' aus-- + Das ist mein Haus; + Du wirst es schon erblicken! + Die Tuer ist klein, + Und trittst du ein, + Vergiss nicht, dich zu buecken! + +[Illustration] + + + + +20. KARLS HASE + +"Papa, darf ich ein wenig deinen Stock nehmen?" + +"Ja, Karl, aber was willst du damit machen?" + +"Einen Hasen will ich schiessen, Papa." + +"Dann musst du ja auf das Feld gehen." + +"O nein, dein Stock ist meine Flinte und unsere alte Katze ist der +Hase." + +Der Vater gab seinem Sohne den Stock. Karl legte ihn an die rechte +Wange, zielte und rief: "Piff, paff! piff, paff!" Ei, wie die Katze +von dem Stuhle unter den Tisch sprang! + +Karl aber lachte und rief: "Hast du nun meinen Hasen laufen sehen, +Papa?" + + + + +21. DAS LIED VOM MONDE. + + Wer hat die schoensten Schaefchen? + Die hat der gold'ne Mond, + Der hinter unsern Baeumen + Am Himmel drueben wohnt. + + Er kommt am spaeten Abend, + Wenn alles schlafen will, + Hervor aus seinem Hause + Zum Himmel leis' und still. + + Dann weidet er die Schaefchen + Auf seiner blauen Flur; + Denn all' die weissen Sterne + Sind feine Schaefchen nur. + + Sie tun sich nichts zuleide, + Hat eins das andre gern, + Und Schwestern sind und Brueder + Da droben Stern an Stern. + + Und soll ich dir eins bringen, + So darfst du niemals schrei'n, + Musst freundlich wie die Schaefchen + Und wie ihr Schaefer sein! + + + + +22. DAS MUECKCHEN UND DAS MAEDCHEN. + +[Illustration] + + +Ein Mueckchen flog um ein Licht, das am Abend auf dem Tische brannte. +Da sagte ein Maedchen, welches nebenbei sass und strickte: "Mueckchen, +bleib' von dem Lichte, sonst verbrennst du dich!" Das Mueckchen aber +folgte nicht und flog so lange auf und nieder und um das Licht, bis +es daran seine Fluegelchen sengte und in die Flamme fiel. "Habe ich es +dir nicht gesagt?" sprach das Maedchen. "Haettest du auf mich gehoert, +muesstest du jetzt nicht sterben!" + + + + +23. NASCH-ERNST. + +Ernst konnte das Naschen nicht lassen. Er ging oft an den Schrank, um +Zucker zu naschen. Die Mutter schalt, aber es half nicht. + +Eines Tages ging Ernst in die Scheune. An der Wand hing etwas Rotes. +Ernst sagte: "Oh, hier hat die Mutter Zuckerzeug versteckt. Ich +sollte es nicht finden!" Schnell kletterte er auf einen Stuhl, um es +zu holen. Er biss gierig hinein. Aber, o weh, es verbrannte seinen +Mund. Er liess das Zuckerzeug fallen und schrie laut. Nun kam die +Mutter und gab ihm einen Trunk Wasser. Was Ernst naschte, war nicht +Zucker gewesen. Es war roter Pfeffer. + +Ernst naschte nie wieder. + + + + +24. DER BLINDE GEIGER. + +Ein armer, blinder Geiger ging auf der Strasse. Er suchte den Weg mit +seinem Stocke. Seine Geige trug er unter dem Arme. Bald kam er an +einen Steg. Als er das merkte, getraute er sich nicht hinueberzugehen. +Hans und Eugen kamen daher, und der arme Mann bat, sie moechten ihn +doch ueber den Steg fuehren. Aber die mutwilligen Buben lachten den +Geiger aus und liefen weg. + +Da kam die kleine Lina aus der Schule. Die wartete nicht, bis sie +gebeten wurde. Sie fasste den Blinden bei der Hand, brachte ihn ueber +den Steg und schenkte ihm einen Cent, den sie von ihrer Mutter +bekommen hatte. + +[Illustration] + + + + + +25. DAS BROT IM WEG. + + Im Weg das Kruemchen Brot + Tritt nicht mit deinem Fuss, + Weil's in des Hungers Not + Ein Tierlein finden muss. + Leg's auf den Stein vor'm Haus, + Und kannst du, broesel's klein: + Still dankt es dir die Maus + Und still das Voegelein. + + + + +26. DIE SCHOENEN DREI. + + Voeglein im hohen Baum, + Klein ist's, ihr seht es kaum, + Singt doch so schoen, + Dass wohl von nah und fern + Alle die Leute gern + Horchen und stehn. + + Bluemlein im Wiesengrund + Bluehen so lieb und bunt, + Tausend zugleich; + Wenn ihr voruebergeht, + Wenn ihr die Farben seht, + Freuet ihr euch. + + Waesserlein fliesst so fort + Immer von Ort zu Ort + Nieder ins Tal; + Duerstet nun Mensch und Vieh, + Kommen zum Baechlein sie, + Trinken zumal. + + Habt ihr es auch bedacht, + Wer hat so schoen gemacht + Alle die drei? + Gott, der Herr, machte sie, + Dass sich nun spaet und frueh + Jedes dran freu'. + + + + +27. DAS VOGELNEST. + +In einem Garten lebte ein Voegelein, das sehr schoen singen konnte. Es +baute sich in einem Busch ein huebsches Nestchen. In dieses legte es +Eier hinein und bruetete Junge aus. Einmal suchte das alte Voegelein +Futter fuer seine Kinder. Da sahen zwei Buben das Nest und nahmen es +samt den Jungen weg. Darueber wurde die Mutter der jungen Voegelein +sehr traurig. + +Sie flog hin und her und schrie, so laut sie konnte. Die Knaben +machten sich aber nichts daraus. Endlich hoerte die Schwester der +boesen Knaben das Voegelein schreien. Gleich ging sie hin und nahm +ihren Bruedern das Nestchen Weg und trug es wieder in die Hecke. Seit +dieser Zeit hatten die Voegelein das Maedchen recht lieb, und wenn es +im Garten war, sangen sie noch einmal so schoen wie sonst. + + + + +28. DER DRACHE. + +Mein Bruder Karl hatte einen grossen Drachen gemacht. Er war aus holz +und Papier. Um untern Ende befand sich ein langer Schwanz und am +obern eine lange, duenne Schnur. + +Nachmittags gingen wir hinaus auf das Feld hinter unserm Hause. Es +war ein schoener Tag; die Sonne schien praechtig, und es wehte ein +guter Wind. Wir liessen den Drachen steigen. Er stieg so hoch, wie die +Schnur reichte. Wir konnten ihn kaum noch sehen. + +So standen wir lange im Schatten neben dem Zaune. Auch unser Hund +Karo kam unter dem Karren hervor. Wir waren sehr vergnuegt, bis der +Abend dem Spiele ein Ende machte. + +[Illustration] + + + + + +29. DIE VOEGLEIN. + + Warum wohl die Voeglein fliegen koennen? + Ei, das magst du ihnen schon goennen. + Auf der Erde sind Tiere viel + Und haben hier und dort ihr Spiel. + Da war kein Platz fuer die Voegel mehr; + Das dauerte den lieben Gott so sehr, + Darum hat er ihnen Fluegel gegeben, + Dass sie dort oben in Lueften schweben; + Da koennen sie spielen den ganzen Tag + Und haben Platz, wie viel jedes mag. + + + + +30. VOM HAENSCHEN. + +Haenschen und Gretchen spielten im Garten. Da kam ein schoener +Schmetterling geflogen. Gleich wollte Hans ihn fangen. Gretchen rief: +"Ach, lass doch das huebsche Tierlein gehen!" Aber Hans hoerte nicht +darauf. Mit dem Hute in der Hand lief er dem Schmetterlinge nach. Er +schaute immer nur in die Hoehe. Patsch,--fiel er in einen tiefen +Graben voller Wasser. Der Schmetterling flog munter davon. Haenschen +ging weinend heim und wurde noch ausgelacht. + + + + +31. SPRUECHE. + + Ein gutes Kind gehorcht geschwind + Und folgt sofort aufs erste Wort. + + Was du nicht willst, das man dir tu', + Das fueg' auch keinem andern zu. + + Vorgetan und nachbedacht + Hat manchem grosses Leid gebracht. + + Quaele nie ein Tier zum Scherz, + Denn es fuehlt, wie du, den Schmerz. + + + + +32. DIE SCHNECKE: + + Die Schnecke ist gar uebel dran. + Wie muss sie sich doch plagen! + Sie muss ihr Haus + Tagein, tagaus + Auf ihrem Ruecken tragen. + + Die Schnecke ist nicht uebel dran. + Sie weiss sich wohl zu schuetzen: + Nimmt sie Gefahr + Vom Feinde wahr,-- + Bleibt sie im Haeuschen sitzen. + +[Illustration] + + + + +33. DIE HENNE UND DIE ENTLEIN. + +Die kleine Anna hatte eine Henne zum Geschenk bekommen. Diese legte +jeden Morgen ein Ei. Als nun Annas Mutter eines Tages das Nest mit +zwoelf Eiern sah, nahm sie dieselben voller Freude in die Kueche. Aber +siehe da! Die Henne jammerte und suchte ihr Nest. Nun fand sie in der +Naehe ein Entennest, in dem auch Eier waren. Sie setzte sich darauf, +bis die Jungen herauskamen. Das waren aber Entchen statt Kuechlein. +Doch die Henne hatte sie so lieb, als ob es Kuechlein waeren. Sie +suchte Futter mit ihnen und nahm sie unter ihre Fluegel, damit ihnen +kein Leid geschehe. Doch eines schoenen Tages liefen die Kleinen +davon. Wohin? In grosser Angst eilte die Henne hinterher. Die Entchen +waren zum Teiche gelaufen. Umsonst warnte die Henne: "Das ist Wasser! +Ihr muesst ertrinken!" Lustig schwammen die kleinen Enten schon umher, +und alles Glucken der alten Henne brachte sie nicht ans Ufer zurueck. + +[Illustration] + + + + +34. DIE TAGESZEITEN. + +Hoch am Himmel steht die Sonne. Sie leuchtet so hell, dass man sie +nicht lange ansehen kann. Wenn die Sonne morgens aufgeht, wird es auf +der Erde hell. Dann sagen die Leute zu einander: "Guten Morgen!" Die +Sonne steigt nun immer hoeher und hoeher, bis sie zuletzt fast ueber +unserem Kopfe steht. Es ist jetzt Mittag. Wenn sich Bekannte treffen, +wuenschen sie einander: "Guten Tag!" Bald darauf neigt sich die Sonne +wieder abwaerts. Sie sinkt bis an den Rand des Himmels. Alsdann sieht +sie wie eine grosse, feurige Kugel aus und faerbt die Wolken schoen rot. +Auf einmal ist sie verschwunden. Es wird dunkler und die Nacht bricht +an. Man bietet sich "Guten Abend!" und wuenscht allen vor dem +Schlafengehen eine "Gute Nacht!" Nun kommt die Zeit der Ruhe. + + + + +35. KIND UND SONNE. + +_Kind_: Sag einmal, liebe Sonne, wohin gehst du, wenn es Abend +wird? Es heisst dich doch niemand fortgehen. Ich meine, du koenntest +immer bei uns bleiben. Das waere so schoen! + +_Sonne_: Nein, mein Kind, das kann nicht sein! Wenn es Nacht +wird, schlafen die Leute, und du schlaefst auch. Beim Schlafen braucht +man mich aber nicht. Ich reise dann weit, weit fort in ein fernes +Land. Dort wohnen auch Menschen: Vaeter, Muetter und viele brave +Kinder. Wenn ich zu diesen komme, haben sie ausgeschlafen. Vater und +Mutter stehen dann auf und arbeiten, und die groesseren Kinder gehen in +die Schule, um zu lernen. + +_Kind_: Ei, ei! Und wenn du bei diesen Menschen gewesen bist, +wohin gehst du hernach? + +_Sonne_: Wenn ich dort gewesen bin, komme ich wieder zu dir, wie +an jedem Morgen. So reise ich zu allen Menschen auf der ganzen Erde. + + + + +36. SONNE UND REGEN. + + Die Sonne sprach: "Ich will scheinen + So fort und immerfort!" + Der Regen sprach: "Ich will fallen + Ohn' Ende an jedem Ort!" + Die Sonne: "Du machst ja alles + Auf der Erde gang nass!" + Der Regen: "Du machst zu trocken, + Wenn du scheinst ohn' Unterlass!" + Die Sonne: "Ich mache fruchtbar, + Und alles freut sich mein!" + Der Regen: "Du machst zu trocken, + Dich mag man nicht allein!" + So haben sie lang gestritten, + Doch wurden sie einig zuletzt: + Sie wollten miteinander wechseln, + Und so ist es denn auch jetzt. + + + + +37. ASTERN. + +Ein kleiner Knabe lag einmal im Grase und schlief. Da sah er im Traum +einen Engel, der eine wunderschoene Blume in der Hand trug. Der Engel +sagte, dass es im Himmel viele solche Blumen gebe. Der Knabe haette sie +gerne gehabt. Als er aufwachte, lagen da ein paar glaenzende +Samenkoerner. Die pflanzte der Knabe in seinem Garten. Als der Herbst +kam, waren aus den Samen die Blumen entstanden. Sie sahen gerade wie +Sterne aus. Der Knabe rief seine Eltern. Vater und Mutter sagten: +"Das sind Sternblumen oder Astern. Die sollen uns an den, Himmel +droben erinnern." + +[Illustration] + + + + + +38. RAETSEL. + +Loch bei Loch, +Und haelt doch. +Was ist's? + +Rat! Das Haus hat lauter Treppen, +Keine Fenster, keine Zimmer; +Wer drin wohnt, muss es immer +Auf seinem Ruecken schleppen. + +Es ist ein Ding, hat Stamm und Zweig' und Blaetter, +Schuetzt dich vor Sonne und im Regenwetter. + + + + +39. VOEGEL UND BLUMEN. + + Die Voegel, sie fliegen wie Blaetter im Wind; + Da winken die Bluemlein zum Abschied geschwind. + Es singt in den Baeumen der Herbst schon sein Lied, + Fort ziehen die Voegel, die Blumen sind mued'. + + Im Sueden die Voegel, die Blumen im Schnee, + Sie warten, dass wieder der Fruehling ersteh'. + Dann lachen die Blueten, das Voegelein singt; + Dann duftet's und jubelt's, bis rings alles klingt. + + + + +40. DANKSAGUNGSTAG. + +Was tut ihr, wenn euch jemand etwas geschenkt hat oder recht gut +gegen euch gewesen ist? Nicht wahr, ihr sagt: "Danke schoen!" +Vergesset das ja nicht! Wir Menschen, gross und klein, haben fuer gar +vieles dankbar zu sein. Die Kinder koennen sich freuen, wenn sie noch +Eltern haben, die sie lieben und fuer sie sorgen. Erwachsene Leute +sollen froh sein, wenn sie gesund sind und keine Not zu leiden +brauchen. Doch das wird oft nicht bedacht. Deshalb ist ein Tag da, an +dem ein jeder von feiner Arbeit ausruhen und froehlich Gott danken +soll fuer allen Segen. Im Herbste, wenn die Ernte vorueber ist, kommt +der Danksagungstag. Da gibt es meistens gut und reichlich zu essen +und zu trinken. In den Kirchen ist Gottesdienst. Auch fuer die Armen +und Ungluecklichen wird gesorgt, damit ein jeder im Herzen dankbar +sein moege fuer das Gute und Schoene, was das Jahr gebracht hat. + + + +41. VOM PUTER. + + Puter, Puter, Polterhahn, + Hast 'ne rote Weste an, + Hast 'ne rote Nasenspitze + Und 'ne rote Zipfelmuetze; + Aber das gibst du wohl zu: + Ich bin schoener doch als du! + +[Illustration] + + + + + +42. DIE VIER BRUEDER. + + Vier schoene Brueder kenn' ich wohl, + Geschmueckt so wunderbar; + Sie kommen schon seit alter Zeit + Zu uns in jedem Jahr. + Der erste Bringt uns einen Strauss, + Streut Blumen um sich her. + Den zweiten schmueckt ein goldner Kranz + Von Aehren voll und schwer. + Der dritte reicht uns Aepfel dar + Und neuen goldnen Wein. + Der vierte ist in Pelz gehuellt + Wie Schnee so weiss und rein. + Wer nennt die schoenen Brueder mir, + Geschmueckt so wunderbar? + Sie kommen schon seit alter Zeit + Zu uns in jedem Jahr. + + + + +43. DIE ZWOELF MONATE. + + Gleich anfangs mit dem neuen Jahr + Erscheint der kalte Januar, + Dann kommt alsbald der zweite Mann, + Der Februar, in Eile an. + Der Maerz ist nun auch nicht mehr weit, + Und der April ist bald bereit. + Ihm folgt der wunderschoene Mai, + Der Juni kommt drauf schnell herbei, + Und ist der Juli nun erst da, + So ist auch der August schon nah; + Ihm schliesst sich der September an, + Und der Oktober folgt alsdann. + November ziehet schleunig ein, + Dezember wird her letzte sein. + + + + +44. DIE BLAETTER TANZEN. + + Die Baeume stehen ruhig da, + Die Blaetter fluestern leise. + Hoert ihr den Wind, hei, hussassa, + Bald blaest er seine Weise. + + Da braust der Wind gar wild einher + Und ruettelt an den Baeumen, + Er beugt sie hin, er beugt sie her, + Laesst keine Zeit zum Traeumen. + + "Halt ein, du stuermischer Gesell', + Wir stehen fest wie Lanzen!" + Die Blaetter aber lachen hell: + "Herr Wind, wir moechten tanzen!" + + "Ei," ruft der Wind, "ein luftig Wort, + Da kann ich stark mich zeigen!" + Er Blaest die bunten Blaetter fort; + Die tanzen froh den Reigen. + + Der Wind ist fort, der Tanz ist aus, + Die Blaetter sinken nieder; + Der Schnee streckt sein Decke aus, + Der Fruehling hebt sie wieder. + +[Illustration] + + + + +45. DIE VIER JAHRESZEITEN. + +Es gibt vier Jahreszeiten: Fruehling, Sommer, Herbst und Winter. Im +Fruehling wird die Luft warm. Der Schnee schmilzt, und die Fluesse +werden wieder frei vom Eise. Auf den Wiesen und in den Gaerten keimen +Graeser und Kraeuter, auf den Feldern gruent die Saat, und die Baeume +bekommen frisches Laub. Sie treiben Knospen und Blueten. Die Voegel, +welche im Herbste in waermere Laender gezogen waren, kehren zurueck. +Andere Tiere, die den Winter in ihren Hoehlen verschlafen hatten, +wachen auf und kommen hervor. Mit dem Sommer werden die Tage laenger, +und die Waerme nimmt zu. Das Getreide wird reif und vom Landmanne +geschnitten. Auf den Sommer folgt der Herbst. Im Herbst gibt es Obst, +Trauben und Kartoffeln, auch wird die Saat fuer das naechste Jahr +bestellt. Das Laub der Baeume vertrocknet und faellt zur Erde nieder. +Die Tage werden immer kuerzer. Oft ist es neblig und rauh. Bald wird +es recht kalt; die Fluesse frieren zu, und es gibt Schnee. Die Voegel +koennen draussen kein Futter finden. Sie kommen in die Strassen und vor +die Tueren, um einige Koerner und Broeckchen zu suchen. Zu Hause wird +eingeheizt; aber im Freien tummeln sich die Kinder, gleiten auf dem +Eise, oder fahren Schlitten. Sie freuen sich darauf, einen Schneemann +machen zu koennen. Bald naht auch das liebe Weihnachtsfest. + + + + +46. WINTERS ANKUNFT. + + Im weissen Pelz der Winter + Steht lang' schon hinter der Tuer, + Ei, guten Tag, Herr Winter, + Das ist nicht huebsch von dir! + + Wir meinten, du waerest, wer weiss wie weit, + Da kommst du mit einmal hereingeschneit. + Nun, da du hier bist, so mag's schon sein; + Aber, was bringst du Gutes uns Kindelein? + + Was ich euch bringe, das sollt ihr wissen: + Froehliche Weihnacht mit Aepfeln und Nuessen + Und Schneeballen, + Wie sie fallen, + Und im Jaenner + Auch Schneemaenner! + +[Illustration] + + + + +47. DER TANNENBAUM. + + So manches Baeumchen in dem Wald + Verliert im Herbst die Blaetter, + Jedoch der liebe Tannenbaum + Der trotzet Wind und Wetter. + + Ist alles draussen oed' und leer, + Steht er im gruenen Kleide + Und setzt sich stolz ein Kaepplein auf, + Ein Kaepplein weiss wie Kreide. + + Das nimmt er aber artig ab + Am frohen Weihnachtsfeste, + Und gruesset liebevoll und gut + Die Kinder all' aufs Beste. + + O Tannenbaum, o Tannenbaum, + Du kannst mir sehr gefallen, + Du bist der allerliebste mir + Doch von den Baeumen allen. + + + + +48. VOGEL AM FENSTER. + + An das Fenster klopft es: pick, pick! + "Macht mir doch auf einen Augenblick! + Dicht faellt der Schnee, der Wind weht kalt, + Habe kein Futter, erfriere bald. + Liebe Leute, o lasst mich ein, + Will auch immer recht artig sein!" + + Sie liessen ihn ein in seiner Not; + Er suchte sich manches Kruemchen Brot; + Blieb froehlich manche Woche da. + Doch als die Sonne durchs Fenster sah, + Da sass er immer so traurig dort: + Sie machten ihm auf, husch, war er fort. + +[Illustration] + + + + +49. DAS BUEBLEIN AUF DEM EISE + +Es war Winter. Da kam ein Knabe an einem Teiche vorbei. Der Teich war +zugefroren. Der Knabe hatte grosse Lust, auf das Eis zu gehen. Der +Vater aber hatte es ihm verboten. Das Eis war noch nicht stark genug. +Der ungehorsame Knabe wagte sich dennoch auf das Eis. Er hackte +darauf mit seinen Stiefeln. Auf einmal krachte das Eis. Der Knabe +fiel in das Wasser hinein und schrie laut um Hilfe. Ein Mann eilte +herbei und zog ihn heraus. Ganz durchnaesst musste der Knabe nach Hause +laufen. Die Mutter brachte ihn in das Bett, und dazu wurde er noch +von seinem Vater bestraft. + + + + +50. RAETSEL. + +Weiss wie Kreide, +Leicht wie Flaum, +Weich wie Seide, +Feucht wie Schaum. + +Wer baut wohl die billigste Bruecke? +Wer reisst sie nieder und schlaegt sie in Stuecke? + +Was moegen das fuer Blumen sein, +Die unsre Fenster zieren, +Wenn drauss' vor Kaelte Stein und Bein +Im rauhen Winter frieren? +Sie sind nicht rot und blau gemalt, +Wie Blumen auf den Wiesen, +Und wenn die liebe Sonne scheint, +In Wasser sie zerfliessen. + + + + +51. WEIHNACHTSFREUDE. + +Am Abend vor Weihnachten kam Else zur Mutter gelaufen und rief: +"Denke nur, Anna Maurer hat mir heute ins Ohr gesagt, sie haetten seit +gestern kein Holz, kein Brot und keine Milch. Und sie haben doch ein +kleines Kind, und die Grossmutter ist krank. Darf ich der Anna heute +Abend mein Brot geben?" + +"O, gewiss," sagte die Mutter, "geh nur gleich hin. Bringe ihnen auch +diese Kanne voll Milch. Robert soll seinen kleinen Schlitten voll +Holz laden und es hinfahren." Wie freuten sich die Kinder, dass sie +den armen Leuten helfen durften. + +Aber Robert wollte noch mehr tun. Er bat den Vater um ein ganz +kleines Tannenbaeumchen. Das schmueckte er mit farbigen Sternen und +Lichtlein. Dann suchte er seine warme Kappe fuer Maurers Karl und nahm +ein Saecklein voll Nuesse. Else holte eine ihrer Puppen. Alles das +packten sie in einen Korb. + +Als es dunkel war, nahm Robert das Baeumchen und Else den Korb. Sie +gingen hin und stellten die Sachen leise vor Maurers Tuer. Dann +klopften sie und eilten davon. + +Wie sich da die armen Leute freuten! Aber auch Robert und Else +meinten, noch nie so schoene Weihnachten gehabt zu haben, wie diesmal. + + + + +52. SCHNEESTERNE. + +_Olga_: Komm, liebe Mama, komm geschwind! Ich hab' dir etwas +mitgebracht. Rate, was es ist! + +_Mutter_: Nun, was mag das wohl sein! Blumen, Obst oder gar +Kuchen? + +_Olga_: O, nein, nein; ganz etwas anderes. Schoene, weisse Sterne +sind es. Sieh her, hier hab' ich sie in meiner Schuerze! + +_Mutter_: Wo sind sie denn? Ich kann nichts sehen. + +_Olga_: Ach, Mama! Sie sind nun fort, und ich habe mich doch so +gefreut, sie dir zu bringen. Es sind nur noch kleine Tropfen auf +meiner Schuerze. Ich moechte weinen! + +_Mutter_: Weine nicht, liebe Olga: Solche Sterne koennen nicht +bleiben. Die Waren einmal Wasser, und die Kaelte machte sie zu Schnee. +Da sehen sie gerade wie kleine, blitzende Sterne aus. Nachher werden +sie wieder zu Wasser. Menschen, Tiere und Pflanzen trinken das +Wasser. Nach und nach holt die Sonne auch viele Tropfen hinauf zu den +Wolken. Ohne Wasser koennten wir gar nicht leben. + +[Illustration] + + + + +53. BRIEF VOM WEIHNACHTSMANN. + +Daheim, am 1. Januar 1913. + +Liebe Kinder! + +Mein Vetter, der Neujahrsbote, bringt Euch meine Gruesse und Wuensche. +Eure Bitten habe ich, wie Ihr wisset, erfuellt. Erfreuet Euch nur +recht an den Geschenken. + +Wenn nun heute mein Baum noch einmal strahlt und glitzert, dann nehmt +Euch vor, auch in diesem Jahre immer lieb und brav zu sein. Ihr koennt +Euren Eltern und mir keine groessere Freude machen. Schreibt mir zur +rechten Zeit wieder, ob Ihr Wort gehalten habt. Dann schenke ich Euch +das naechste Mal, was Ihr als gute Kinder verdient. + +Euer Freund + +Der Weihnachtsmann. + + + + +54. ZU NEUJAHR. + + Noch nicht erwachsen bin ich, + Drum wuensch' ich kurz, doch innig: + Ein glueckliches Neujahr! + + Und was euch freut, das weiss ich: + Wenn brav ich bin und fleissig, + Mehr als ich sonst es war. + + Gesundheit, Freude, Frieden + Sei allen euch beschieden, + Wie heut, so immerdar. + + + + +55. VERSTEHST DU DAS? + + Er ritt auf einem Rappen aus, + Da kam etwas vom Himmel, + Und als er wieder kam nach Haus, + Da war der Rapp' ein Schimmel. + Verstehst du das? + + + + +56. DER SCHNEEMANN. + +Es hatte geschneit. Dick lag der Schnee auf Strassen und Plaetzen. Die +Knaben wollten sehen, wie tief er wohl sei. Sie wateten hindurch, dass +der Schnee in die Stiefel fiel. "Heute wollen wir einen Schneemann +bauen!" So riefen Fritz, Karl und Otto. Schnell machten sie einen +grossen Schneeball und waelzten ihn im tiefen Schnee herum. Bald wurde +der Ball so gross, dass ihn die Knaben nicht mehr fortbringen konnten. +Nun waelzten sie einen neuen Ball heran, den setzten sie auf den +ersten. Oben darauf kam ein kleiner Ball, das war der Kopf des +Schneemannes. In den Kopf steckte Fritz zwei Kohlen, das waren die +Augen. Auch Nase und Mund, ja sogar die Rockknoepfe des Mannes wurden +aus Kohlen gemacht. Nun bekam der Schneemann noch zwei Arme. In den +einen Arm legten ihm die Knaben einen grossen Stock. + +Da stand er nun und drohte. Aber der arme Mann konnte nicht schlagen. +Fortlaufen konnte er auch nicht, als ihn die jungen mit Schneebaellen +warfen. Doch das war noch das Schlimmste nicht! Auf einmal guckte die +liebe Sonne ueber das Dach. Da fing der Schneemann an zu weinen. +Traenen liefen ihm ueber das Gesicht und den weissen Pelzrock. Es war +gut, dass die Sonne heute nicht noch laenger schien, sonst waere er ganz +zu Wasser geworden. Morgen aber oder uebermorgen wird's wohl so +kommen. + +[Illustration] + + + + +57. MAERZ. + +Nach vielen trueben Tagen sehen wir den blauen Himmel wieder. Manchmal +scheint auch schon die Sonne freundlich auf die Erde herab. Da muss +der Winter weichen. Der Schnee faengt an, zu schmelzen, und nur noch +des Nachts gibt es ein wenig Eis. An schoenen Tagen laesst sich +vielleicht ein Vogel hoeren, und ein fleissiges Bienchen fliegt umher. +Auf dem Felde und im Wald sieht es aber noch recht oede aus. Nur die +Weiden und Birken haben graue Kaetzchen, und an den Zweigen der Ulme +sind kleine Blueten. Die Kinder gehen ins Freie; sie spielen Ball oder +lassen den Drachen steigen. + + + + +58. OSTERGRUSS. + + Das Haeschen im Walde eilt hin und her, + Nach Eiern ist heute ein grosses Begehr. + Es borgt bei der Henne, es borgt bei dem Spatz + Und sucht fuer die Nester den passenden Platz. + Ein artiges Kindlein erhaelt heut' sein Ei. + Es schleppen die Haeschen die Eier herbei; + Und bist du am Ostermorgen erwacht, + Hat Haeschen die Nester gefuellt ueber Nacht. + + + + +59. DER OSTERHASE. + +Bald ist es Ostern. O, wie freue ich mich, denn es kommt der +Osterhase! Der bringt schoene, bunte Eier. Wir wollen ihm deshalb ein +Nest zurecht machen. Oft versteckt der Osterhase die Eier. Dann +muessen wir sie suchen. Zuweilen legt er sie in Huete, Schuhe oder +Koerbe. Auch unter den Schrank hat er sie schon gelegt. Ja, er steckt +sie uns wohl gar in die Taschen. Welche Freude, wenn wir sie finden! +Erst zaehlen wir sie und spielen damit. Spaeter essen wir sie; sie +schmecken gut. In Washington werden am Ostermontage viele Kinder zum +Praesidenten eingeladen. Sie koennen lange auf dem Rasen bei dem grossen +Hause spielen. Da gibt es dann viele und sehr schoene Ostereier. Die +werden hin und her gerollt und schliesslich verzehrt. Ihr moechtet auch +dabei sein, nicht wahr? + +[Illustration] + + + + +60. DER OBSTGARTEN. + +Neben dem Gemuese und den Blumen ist oft ein Platz, auf dem nur Gras +und Obstbaeume wachsen, es ist der Obstgarten. Welche Pracht, wenn die +Baeume im Fruehlinge bluehen! Der Kirschbaum kommt zuerst mit seinen +weissen Blueten. Dann ziehen der Birnbaum und der Pflaumenbaum ihr +weisses Kleid an. Am schoensten aber Bluehen der Apfelbaum und der +Pfirsichbaum, die bluehen schoen rot. Das Obst ist zuerst gruen; dann, +wenn die Sonne recht heiss scheint, wird es gelb, rot oder blau. Ah, +Wie schmecken Kirschen und Pflaumen so gut! Wenn sie nur schon reif +waeren! + + + + +61. SPRUECHE. + +Was Haenschen nicht lernt, +Lernt Hans nimmermehr. + +Gute Sprueche, weise Lehren +Muss man ueben, nicht bloss hoeren. + +Frage nicht, was and're machen, +Sieh auf deine eig'nen Sachen. + + + + +62. DIE VOEGEL IM FRUEHLINGE. + +Im Winter sind nur wenige Voegel Bei uns. Wo sind die andern? Sie sind +fortgezogen nach waermeren Laendern. Jetzt wird es aber auch hier bei +uns warm, und die Voegel kehren zurueck. Bald werdet ihr sie singen +hoeren. Fleissig fliegen sie zum Baume. Sie arbeiten. Im Schnabel +tragen sie Stroh, Heu, Pferdehaare oder auch kleine Zweige herbei; +damit bauen sie ihre Nester. + +[Illustration] + + + + +63. DAS ROTE HUEHNCHEN. + +_Huehnchen_: Hier ist ein Weizenkorn. Wer wird mir helfen, es zu +pflanzen? Bitte, hilf du mir, Frau Gans. + +_Gans_: Es tut mir leid, aber ich kann dir nicht helfen. + +_Huehnchen_: Bitte, hilf du mir, Frau Ente. + +_Ente_: O, ich kann dir heute nicht helfen. Ich habe so viel mit +meinen Kindern zu tun. + +_Huehnchen_: Nun, dann hilf du mir, alte Katze. + +_Katze_: Ich kann dir auch nicht helfen. Ich muss meine Kaetzchen +waschen. + +_Huehnchen_: Willst du mir denn nicht helfen, kleines Schwein? + +_Schwein_: Ich kann keinen Weizen pflanzen. Ich bin zu muede. +Pflanz du ihn selber. + +_Huehnchen_: Das will ich auch tun! Ich lege dich in die Erde, +Koernchen, und die Sonne, der Regen und der Wind werden dich wachsen +lassen. + + + * * * * * + + +_Huehnchen_: Jetzt ist der Weizen reif. Wer wird ihn nach der +Muehle fahren? Willst du es tun, Frau Gans? + +_Gans_: Es tut mir recht leid, Huehnchen, aber heute kann ich +nicht nach der Muehle fahren. Ich habe Rueckenschmerzen. + +_Huehnchen_: Willst du es tun, Frau Ente? + +_Ente_: Nein, ich kann auch nicht fort. Ich muss jetzt schwimmen. + +_Huehnchen_: So tu du es, alte Katze! + +_Katze_: Sch! Sch! Ruhig! Ich laure auf eine Maus. Ich kann +diesmal nicht gehen. + +_Huehnchen_: Bitte, tu du es doch, kleines Schwein. + +_Schwein_: Ach was! Es ist gerade Zeit fuer mein +Mittagsschlaefchen. Du kannst den Weizen selber zur Muehle fahren. + +_Huehnchen_: Das werde ich auch tun. + + + * * * * * + + +_Huehnchen_: Hier ist Mehl. Wer wird Brot daraus backen? Willst +du das Brot backen, Frau Gans? + +_Gans_: Ei, nein! Ich habe in meinem Leben noch kein Brot +gebacken. + +_Huehnchen_: Willst du das Brot backen, Frau Ente? + +_Ente_: Ich! Brot backen? Nein, das kann ich wirklich nicht tun. + +_Huehnchen_: Backe du das Brot, alte Katze! + +_Katze_: Ich tue alles andere auf der Welt lieber als backen. + +_Huehnchen_: Wach auf, kleines Schwein, und back du das Brot. + +_Schwein_: Ach! lass mich in Ruhe. Ich will dir beim Essen +helfen, wenn es gebacken ist. + +_Huehnchen_: Gut; da backe ich es selbst. + + + * * * * * + + +_Huehnchen_: So, jetzt ist das Brot gebacken. Sechs schoene, +braune Laibe. Wer will helfen essen? + +_Gans, Ente, Katze, Schwein_: Wir wollen dir helfen! + +_Huehnchen_: O, nein! Nun brauch' ich euch auch nicht. Ich werde +es essen, und meine Kuechlein sollen mir helfen. Gluck, gluck, gluck! + + + + +64. RAETSEL. + +Rate flink: +Ein kleines Ding, +Duenn und spitz; +Sticht wie der Blitz. + +Zwei sind's, die nebeneinander steh'n +Und alles ganz gut und deutlich seh'n, +Nur immer eines das andre nicht, +Und waer' es beim hellsten Tageslicht. + + + + +65. DER NASEWEISE BELLO. + +In einem Stalle wohnten fuenf kleine Hunde mit ihrer Mutter. Alle +waren schoen weiss mit braunen Flecken. Sie spielten lustig umher und +lernten auch von der Mutter Ratten und Maeuse fangen. + +Nur einer der Kleinen wollte nicht folgen. Er wollte auch nicht mit +seinen Geschwistern spielen, sondern trieb sich lieber draussen herum. +Einmal war Bello--so hiess der kleine--wieder hinausgeschlichen. Bei +der Tuere stand ein Topf voll schwarzer Farbe. Bello wollte gerne +wissen, was darin waere, und so steckte er seine Nase hinein. Aber, o +weh! er kam mit dem Kopfe zu Weit hinein und warf den Topf um. Jetzt +war er ueber und ueber mit schwarzer Farbe bedeckt. Langsam ging er +zurueck und blieb mit haengendem Kopf auf der Tuerschwelle sitzen. Seine +Mutter und seine Geschwister schaemten sich des schmutzigen, +naseweisen Bello. + + + +66. HEIL, AMERIKA! + + Hoch die Fahnen, + Sie gemahnen + An das teure Vaterland. + Rot und weiss die Streifen winken, + Licht im Blau die Sterne blinken, + Sind der Freiheit Unterpfand. + + Freudig singen + Wir und bringen + Gruesse viel von fern und nah. + Wo die Flaggen munter wehen, + Stolz wir, sie beschuetzend, stehen, + Deiner wert, Amerika! + +[Illustration] + + + + +67. PETERSILIE. + +Es waren einmal zwei Kinder, ein Knabe und ein Maedchen. Das Maedchen +hiess Silie, der Knabe Peter. Die Kinder konnten sich gar nicht +miteinander vertragen. Sobald sie zusammenkamen, stritten sie und +schlugen einander. Dies machte den Eltern viel Kummer. Das aergerte +den Paten der Kinder, der ein Zauberer war. Er sprach zu den beiden: +"Hoere ich euch wieder zanken, so lasse ich euch zur Strafe +zusammenwachsen." + +Es dauerte gar nicht lange, so war wieder Streit; Silie schlug den +Peter, und Peter schlug Silie. Da kam der Zauberer durch die Luft +gefahren und ruehrte beide mit seinem Stabe an. Nun waren sie +verwandelt. Peter wuchs in die Erde hinein als Wurzel, und oben auf +ihm Silie als gruenes Kraut. Der Zauberer nannte sie nun zusammen: +Petersilie. + + + +68. DAS KIND UND SEIN BLUEMCHEN. + + Ward ein Bluemchen mir geschenket, + Hab's gepflanzt und hab's getraenket. + Voegel, kommt und gebet acht! + Gelt, ich hab' es recht gemacht? + + Sonne, lass mein Bluemchen spriessen! + Wolke, komm es zu begiessen! + Richt' empor dein Angesicht, + Liebes Bluemchen, fuercht' dich nicht! + + Und ich kann es kaum erwarten, + Taeglich geh' ich in den Garten, + Taeglich frag' ich: Bluemchen, sprich, + Bluemchen, bist du boes auf mich? + + Sonne liess mein Bluemchen spriessen, + Wolke kam, es zu begiessen; + Jedes hat sich brav bemueht, + Und mein liebes Bluemchen blueht. + + Wie's vor lauter Freuden weinet, + Freut sich, dass die Sonne scheinet; + Schmetterlinge, fliegt herbei, + Sagt ihm doch, wie schoen es sei! + +[Illustration] + + + + + +69. NACHLAESSIGKEIT. + +Eine fleissige Mutter baute in ihrem Garten Gemuese aller Art. Eines +Tages sagte sie zu ihrer kleinen Tochter: "Lieschen, sieh da an der +untern Seite des Kohlblattes die kleinen, netten, gelben Tuepfelchen! +Das sind die Eier, aus denen die schoenfarbigen, aber verderblichen +Raupen kommen. Suche diesen Nachmittag alle Blaetter ab und zerdruecke +die Eier, so wird unser Kohl gruen und unversehrt bleiben." + +Lieschen meinte, zu dieser Arbeit sei es immer noch Zeit, und dachte +am Ende gar nicht mehr daran. Die Mutter war einige Wochen krank und +kam nicht in den Garten. Als sie aber wieder gesund war, nahm sie das +saumselige Maedchen bei der Hand und fuehrte es zu den Kohlbeeten, und +siehe! aller Kohl war von den Raupen abgefressen. Man sah nichts mehr +als die Stengel und Gerippe der Blaetter. Das erschrockene und +beschaemte Maedchen weinte ueber seine Nachlaessigkeit. Die Mutter aber +sprach: "Tu' kuenftig das, was heute geschehen kann, sogleich heute +und verschiebe es niemals auf morgen!" + + + + +70. EIN RAETSEL. + +Ratet, ratet, was ist das: +Es ist kein Fuchs und ist kein Has'. +Es hat zwei Augen und kann nicht sehen. +Es hat zwei Fuesse und kann nicht gehen. +Es hat zwei Ohren und kann nicht hoeren. +Es hat zwei Haende und kann sich nicht wehren. + +Es ist ein Maedchen huebsch und fein, +Tut niemals zanken und niemals schrei'n. + +Was fuer ein Maedchen mag das sein? + +[Illustration] + + + + +71. WAS WUERDEST DU TUN? + +"Wenn ich ein Koenig waere," sagte ein Kind, "liesse ich mir ein Schloss +bauen bis an die Wolken!" + +"Und ich," sagte ein anderes, "truege nur Kleider von Silber und +Gold!" + +"Und ich," rief ein dicker Bube, "ich aesse nur Kuchen und Wurst!" + +"Ich," sagte ein kleines Maedchen und wurde ein wenig rot, "ich gaebe +allen armen Kindern Geld, dass sie sich Brot und Kleider kaufen +koennten!" + + + + +72. WAS WOLLEN WIR SPIELEN? + +_Ella_: In fuenf Minuten ist Essenszeit, + Noch schnell was zu spielen, das waere gescheit! + +_Toni_: Ei! Jede holt ihre Puppe heraus, + Wir tragen sie etwas spazieren ums Haus. + +_Ella_: Das Puppenholen haelt aber doch auf! + Komm, spielen wir haschen; ich fange dich, lauf! + +_Toni_: Beim Haschen kommt man ja gar nicht zur Ruh'. + Ach! spielen wir lieber Blindekuh! + +_Ella_: Bei Blindekuh komme ich immer zu Fall. + Topp! Weisst du was, spielen wir Fangeball! + +_Toni_: Ach was, das Ballspiel machte mir niemals Spass; + Reifentreiben, das waere noch was! + +_Ella_: Die Reifen, die sind auch drinnen im Haus. + Was meinst du, wir suchen Mama einen Strauss! + +_Toni_: Wir duerfen ja nicht auf dem Rasen springen. + So lass uns lieber ein Liedchen singen! + +_Ella_: Ich habe den Husten, faellt eben mir ein! + +_Toni_: Na, gut! So spiele ich fuer mich allein! + +_Ella_: Ganz alleine? O, das waere nicht schlecht: + Dir ist ja auch nimmer ein Vorschlag recht! + +_Toni_: Was spiele ich nun?--Die Zeit geht vorbei-- + Zum Wettelaufen gehoeren doch zwei! + +_Ella_: Mir ist nicht sehr zum Spielen zu Mut-- + Alleine tanzen geht auch nicht gut! + +_Toni_: Mama ruft zum Essen! Wir muessen ins Haus! + Ach, Ella, nun ist mit dem Spielen es aus! + +_Ella_: Wie ist die Zeit nur so hingegangen! + Wir haben ja nicht einmal angefangen! + +_Toni_: Ja! weisst du, das Ueberlegen und Streiten! + Es war doch wirklich recht dumm von uns beiden! + +_Ella_: Wir haben recht kindisch uns angestellt! + +_Toni_: Nach Tische spielen wir-- + +_Ella_: Was dir gefaellt! + + + + + +73. DIE SCHLAUE KATZE. + +Die Nachbarin hatte einen zahmen Zeisig, den sie oft aus dem Kaefig +liess. Dann huepfte das Tierchen in der Stube umher und suchte Krumen +am Boden. Die alte Katze war immer sehr freundlich mit dem Voegelchen. +Vor einigen Tagen aber erfasste sie ploetzlich den Zeisig, nahm ihn ins +Maul und sprang mit ihm auf den Tisch. + +Die Nachbarin erschrak und glaubte, die Katze wolle ihr liebes +Voegelein auffressen. Da sah sie jedoch, dass die Stubentuere offen war +und eine fremde Katze sich ins Zimmer geschlichen hatte. Schnell +jagte sie diese hinaus, und sieh, die alte Hauskatze sprang sogleich +vom Tische herab und liess den Zeisig auf den Boden fallen, ohne ihm +etwas zuleide getan zu haben. Hat die alte Katze nicht klug +gehandelt? + + + + +74. KANNST DU ES SAGEN? + + Es sassen zehn Sperlinge auf dem Dach; + Da kam der Jaeger und schoss danach; + Er traf davon nur vier. + Wie viel bleiben sitzen? + Das sage mir. + + + + +75. DER SPERLING + + Ich bin wohl ein gemeiner Wicht, + Das Singen, das versteh' ich nicht, + In schoenen Kleidern geh' ich nicht; + Es sieht mich auch der Mann kaum an; + Nur boese Buben dann und wann, + Die werfen mich mit Steinen; + Und dennoch will mir's scheinen, + Als sei so schoen die ganze Welt, + So blau die Luft, so gruen das Feld-- + Zip, zip, zip! Ich hab' die Welt so lieb! + + + + +76. DAS PFERD UND DER ESEL. + +Einst schleppte ein Esel eine schwere Last. Neben ihm ging ein +lediges Pferd. Der Esel bat das Pferd, es moege ihm doch helfen; +allein es hoerte nicht auf seine Bitte. Zuletzt konnte der Esel nicht +mehr weiter; er fiel zu Boden und starb. + +Nun lud der Treiber die ganze Last dem Pferde auf. Er zog dem toten +Tiere die Haut ab, und das Pferd musste dieselbe noch obendrein +tragen. Hilf deinem Naechsten in der Not. + + + + +77. DER KLUGE STAR. + +Ein durstiger Star wollte aus einer Wasserflasche trinken. Er konnte +aber das Wasser mit seinem kurzen Schnabel nicht erreichen. Da hackte +er damit aufs dicke Glas; doch er vermochte nicht, es zu zerbrechen. +Dann stemmte er sich gegen die Flasche und wollte sie umwerfen. Aber +dazu war er nicht stark genug. + +Was tat der kluge Star zuletzt? Er las kleine Steinchen mit seinem +Schnabel zusammen und warf eines nach dem andern in die Flasche. +Dadurch stieg das Wasser endlich so hoch, dass er es erreichen konnte. +Jetzt loeschte er seinen Durst. + +[Illustration] + + + + +78. DER APFELBAUM. + + Der Apfelbaum, das ist ein Mann! + Kein andrer gibt so gern wie der. + Im Winter, wenn man schuettelt dran, + Da gibt er Schnee die Fuelle her. + Im Fruehling wirft er Blueten nieder. + Im Sommer herbergt er die Finken. + Jetzt streckt er seine Zweige nieder, + Die voller Frucht zur Erde sinken. + Drum kommt und schuettelt, was ihr koennt! + Ich weiss gewiss, dass er's euch goennt. + +[Illustration] + + + + +79. DER HASE UND DER FUCHS. + +Ein Hase und ein Fuchs machten im Winter eine Reise. Alles war mit +Schnee bedeckt. Der Hunger plagte sie sehr. Da sahen sie ein Maedchen +mit einem Korbe kommen, darin war Brot. Das merkte der Fuchs und +sagte zu dem Hasen: "Lege dich wie tot auf den Boden, dann wird das +Maedchen den Korb niederstellen, um dich aufzuheben. Ich nehme den +Korb weg und mache mich schnell davon. Du eilst mir nach, und dann +lassen wir es uns wohl sein." Das war dem Hasen recht. + +Der Fuchs verbarg sich hinter einem Haufen Schnee, und der Hase legte +sich nieder. Das Maedchen stellte den Korb richtig hin und griff nach +dem Hasen. Da schlich der Fuchs hervor und machte sich mit dem Korb +so schnell davon, dass das Maedchen ihm nicht nachkam. Unser Hase aber +eilte ihm in grossen Saetzen nach. An einem Wasser hielten sie still. +Weil aber der Fuchs nicht teilen wollte, so sagte der Hase: "Brot +haben wir, jetzt sollten wir auch noch Fische haben. Dann haetten wir +ein Essen wie die grossen Herren. Stecke deinen Schwanz ins Wasser, so +werden sich die Fische daran haengen, denn die haben jetzt auch nicht +viel zu beissen." + +Der Fuchs ging an den Weiher hin und hing seinen Schwanz in das +Wasser. Es dauerte aber nicht lange, so war er im Eise festgefroren. +Der Fuchs konnte ziehen und zappeln, wie er wollte--das Eis liess ihn +nicht los. Er musste nun zusehen, wie der Hase ein Brot nach dem +andern verzehrte. Dann rief der listige Hase dem Fuchs zu: "Im +Fruehjahr sehen wir uns wieder. Lass dir die Zeit nicht zu lang werden, +bis das Eis auftaut." + + + + +80. SPRUECHE. + +Wer andern eine Grube graebt, +Faellt selbst hinein. + +Wer redet, was er nicht sollte, +Muss hoeren, was er nicht wollte. + +Kein besseres Kissen in Freude und Schmerz, +Als gutes Gewissen und froehliches Herz. + + + + +81. DER HASE UND DIE SCHILDKROETE. + +Ein flinker Hase forderte einst die langsame Schildkroete zum Wettlauf +auf. Sie willigte ein, und eine grosse Eiche im Walde sollte das Ziel +sein. + +Mit den ersten Sonnenstrahlen machte sich die Schildkroete auf den +Weg, der Hase aber hatte keine grosse Eile. Er spielte lange im Grase +umher, ehe er ans Laufen dachte. Endlich sprang er fort und holte die +Schildkroete wirklich ein. Da er jedoch sah, wie muehsam sie vorwaerts +kroch, legte er sich im Schatten eines Baumes nieder und schlief fest +ein. + +Als er erwachte, war es schon lange nach Mittag. Da rannte er, so +rasch er konnte, den Weg entlang. Aber, siehe da, als er die Eiche +erblickte, sass die Schildkroete schon darunter und lachte den Hasen, +der seine Zeit verspielt und verschlafen hatte, tuechtig aus. + +[Illustration] + + + + +82. HASENBRATEN. + + Auf dem Dach viel blanke Zapfen, + Zu dem Schnee viel kleine Tapfen, + Alle laufen nach dem Kohl! + Haeschen, das gefaellt dir wohl? + + Naechtlich, bei des Mondes Schimmer, + Sitzt es dort zu schmausen immer; + Knusperknaeuschen, gar nicht faul: + Ei, du kleines Leckermaul! + + Haeschen ist es schlecht bekommen; + Vater hat's Gewehr genommen; + Eines Abends ging es: bumm! + Bautz! da fiel das Haeschen um. + + Kannst du wohl das Ende raten? + Heute gibt es Hasenbraten, + Apfelmus mit Zimt dazu. + Ach, du armes Haeschen du! + +[Illustration] + + + + +83. DER SCHEIN TRUEGT. + +Bei einem Teiche wohnten viele Gaense. In der Naehe hatte auch ein +Fuchs seinen Bau. Gar oft versuchte er, sich eine Gans oder ein +Gaensekuechlein zu fangen. Daher fuerchteten sich diese sehr vor dem +braunen Gesellen. Einst war der Fuchs sehr hungrig. "Heute muss ich +mir einen fetten Braten holen!" sagte er zu sich selber. + +Er streckte sich, so lang er war, im Grase aus und ruehrte kein Glied. +Als die Gaense den Raeuber so liegen sahen, kamen sie naeher und erhoben +ein freudiges Geschnatter. "Jetzt werden wir Ruhe haben!" sprachen +sie. "Unser Feind ist nicht mehr am Leben!" + +Schnell sprang der Fuchs auf, erwischte den Gaenserich beim Fluegel und +trug ihn in seine Hoehle. + +[Illustration] + + + + +84. DER FROSCH. + +_Berta_: Geschwind, geschwind, Mama! + +_Mutter_: Was fehlt dir? Wer hat dir etwas zuleide getan? + +_Berta_: Sieh nur, was mir unser Spitz in den Schoss fallen liess! + +_Mutter_: Einen kleinen Frosch! Und deshalb bist du so +erschrocken? Rasch, nimm den kleinen Burschen und setze ihn in das +Gemuesebeet! + +_Berta_: Tragen soll ich das haessliche Tier? Ich wuerde es um +alles in der Welt nicht in die Hand nehmen! + +_Mutter_: Nun, dann muss ich es tun! Schau, wie ich jetzt das +Tierchen anfasse und es ins Beet huepfen lasse. Hopp, da sitzt es +schon drinnen. + +_Berta_: O, Mama, was tust du? Warum hast du den Frosch nicht +getoetet? + +_Mutter_: Weil er ein sehr nuetzliches Tier ist. Freust du dich +nicht, wenn es im Garten die zarten Ruebchen und die suessen Erbsen +gibt, die Papa jedes Fruehjahr pflanzt? + +_Berta_: Gewiss, Mama! Ich esse beides sehr gerne; aber was hat +das mit dem Frosch zu tun? + +_Mutter_: Hoere nur, du wirst es gleich erfahren. Den Raupen und +Kaefern schmecken diese Gemuese auch gut, gerade wie dir. Im Fruehlinge +stellen sich diese Insekten ein und fressen die Blaettchen ab, so dass +die Pflaenzchen sterben muessten, wenn der Frosch nicht zur Hand waere. +Der glatte Bursche huepft dann durch den Garten, faengt die Raupen, +Fliegen und Kaefer, und die Pflaenzchen wachsen wieder. Soll ich den +Frosch zum Dank dafuer toeten, Berta? + +_Berta_: Nein, liebe Mama; und wenn ich wieder sehe, dass ein +Knabe einen Frosch quaelt, will ich ihm sagen, was ich heute von dir +gelernt habe. + +[Illustration] + + + + +85. VOM LISTIGEN GRASMUECKLEIN EIN LUSTIGES STUECKLEIN. + + Klaus ist in den Wald gegangen, + Weil er will die Voeglein fangen; + Auf den Busch ist er gestiegen, + Weil er will die Voeglein kriegen. + Doch im Nestchen sitzt das alte + Voegelein just vor der Spalte, + Schaut und zwitschert: "Ei, der Taus! + Kinderlein, es kommt der Klaus, + Hu, mit einem grossen Pruegel, + Kinderlein, wohl auf die Fluegel!" + Brr, da flattert's: husch, husch, husch! + Leer das Nest, und leer der Busch. + Und die Voeglein lachen Klaus + Mit dem grossen Pruegel aus, + Dass er wieder heimgegangen + Zornig, weil er nichts gefangen; + Dass er wieder heimgestiegen, + Weil er konnt' kein Voeglein kriegen. + + + + +86. EIN TOERICHTER STREIT. + +Zwei Knaben, Albert und Paul, suchten im Walde Nuesse. Da bemerkte +Paul eine grosse Walnuss unter einem Baume und rief seinem Kameraden +zu: "O, sieh dort vor dir die Walnuss!" Albert hob sie schnell auf und +steckte sie in seine Tasche. Damit war aber Paul nicht zufrieden; er +sagte: "Die Nuss gehoert mir, ich habe sie zuerst gesehen!" "Und ich +habe sie aufgehoben," erwiderte Albert trotzig; "ich gebe sie nicht +her!" So stritten sie heftig, und schon wollten die toerichten Knaben +einander schlagen, als Georg, ein aelterer Junge, herbeikam, der im +Walde Eichhoernchen schoss. Albert und Paul baten den grossen Knaben, er +solle entscheiden, wem die Nuss gehoere. Was tat Georg? Er zerbrach die +Nuss mit einem Steine und gab jedem der beiden Streitenden ein Stueck +von der Schale. "Den Kern," sprach er, "behalte ich als Lohn dafuer, +dass ich euer Richter war!" Dann ging er lachend fort. + +[Illustration] + + + + +87. HERR WIND! HERR WIND! + + Ein Bauer hat ein Haus gehabt, + Und auf dem Haus ein Dach. + Zur Nachtzeit kam der Wind getrabt, + Da ward der Bauer wach. + Wie's heulte, krachte, klirrte, klang! + Der arme Bauer flehte bang: + "Ich bitt' dich, lass' dein Toben, + Und lass' mein Dach dort oben, + Herr Wind! Herr Wind!" + + Des Daches Luken schlossen gut + Der Bauer und sein Knecht. + Da ward der Wind voll Trotz und Wut + Und kreischte: "Nun erst recht!" + Herr Wind! Herr Wind! du boeser Wind, + Du bist wie manche Kinder sind, + Die das just haben wollen, + Was sie nicht haben sollen. + Herr Wind! Herr Wind! + + Mit Draeuen draengt der Wind und drueckt + Mit Groll und grausem Krach; + Er zieht und zerrt und ruettelt, rueckt + Und reisst vom Haus das Dach. + Zerstoert ist herzlos Heim und Haus; + Der Bauer sieht so traurig aus, + Sein Weib und seine Kleinen, + Sie stehen da und weinen. + Herr Wind! Herr Wind! + + Hast du's gehoert, mein liebes Kind? + Sei freundlich, friedlich, froh! + Denn wuerdest du ein solcher Wind, + Dann spraech' man von dir so: + Du bist nicht gut, du tust nicht gut, + Du bist ein wild und trotzig Blut, + Das stets gern haben wollte, + Was es nicht haben sollte!---- + Herr Wind! Herr Wind! + +[Illustration] + + + + +88. DAS FUENKCHEN. + +Das Kind hatte mit dem Fuenkchen gespielt, obgleich seine Mutter es +schon oft verboten hatte. Da war das Fuenkchen fortgeflogen und hatte +sich ins Stroh versteckt. Das Stroh fing an zu brennen, und es +entstand eine Flamme, ehe das Kind daran dachte. Da wurde es dem +Kinde bange, und es lief fort, ohne jemandem etwas von der Flamme zu +sagen. Und da niemand Wasser darauf schuettete, ging die Flamme nicht +aus, sondern breitete sich im ganzen Hause aus. Als sie an die +Fenstervorhaenge kam, wurde sie noch groesser, und das Bett, worin die +Leute nachts schliefen, brannte hell auf, und die Tische und die +Stuehle und die Schraenke und alles, was der Vater und die Mutter +hatten, das wurde vom Feuer erfasst, und die Flamme wurde so hoch wie +der Kirchturm. Da schrieen die Leute vor Schrecken, die Glocken +laeuteten; es war fuerchterlich zu hoeren, und die Flamme war +schrecklich zu sehen. Nun fing man an zu loeschen, indem man Wasser in +das Feuer schuettete und spritzte; aber es half nichts; das Haus +brannte ganz ab, und nur noch ein wenig Kohlen und ein bisschen Asche +blieben uebrig. Da hatten nun die Eltern des Kindes kein Haus mehr und +kein Plaetzchen, wo sie wohnen und wo sie schlafen konnten, und auch +kein Geld, um sich ein neues Haus und neue Betten und Tische und +Stuehle zu kaufen. Ach, wie weinten die armen Eltern! Und das Kind, +das mit dem Fuenkchen gespielt hatte, war schuld daran. + + + + +89. RAETSEL. + +Kennt ihr die Blume, in guter Ruh' +Dreht sie sich immer der Sonne zu; +Sie hat viel Samenkoerner schoen, +Wie Strahlen ihre Blaettchen stehn. + +Erst weiss wie Schnee, +Dann gruen wie Klee, +Drauf rot wie Blut, +Dann schmeckt es gut. + + + + +90. DAS GAENSEBLUEMCHEN. + +[Illustration] + +Die Rose feierte einmal ihren Geburtstag. Sie stand mitten im Garten, +und alle Blumen kamen zu ihr, um ihr Glueck zu wuenschen. Zuerst kamen +die stolze Lilie und die praechtige Tulpe, hernach kamen die kleinen +Blumen. Alle neigten sich vor der Rose und sagten: "Wir wuenschen dir +Glueck, liebe Rose." + +[Illustration] + +Aber ein kleines, weisses Bluemchen getraute sich nicht, nahe an die +Rose heranzutreten, weil es so schuechtern und bescheiden war. Es +blieb von ferne stehen und fluesterte nur: "Ich wuensche dir auch +Glueck, liebe Rose!" Die Rose hatte das Bluemchen aber gesehen und +winkte ihm, naeher heranzutreten. "Komm doch naeher, liebe kleine +Schwester," sagte die Rose guetig. Als nun das Bluemchen naeher +herangetreten war, fragte die Rose: "Wie heisst du denn, liebe +Kleine?" Da sprach es ganz leise: "Ich heisse Gaensebluemchen." + +[Illustration] + +"Aber, liebes Gaensebluemchen," sagte die Rose freundlich, "du bist ja +tausendmal schoener als alle andern Blumen. Du sollst jetzt nicht mehr +Gaensebluemchen, sondern Tausendschoen heissen, weil du tausendmal +schoener bist als alle." Darueber freute sich das gute Gaensebluemchen +so sehr, dass es ueber und ueber rot ward, und seit der Zeit haben alle +Gaensebluemchen--rote Ohrlaeppchen. + +[Illustration] + + + + +91. DIE GRUENE STADT. + + Ich weiss euch eine schoene Stadt, + Die lauter gruene Haeuser hat. + Die Haeuser, die sind gross und klein, + Und wer nur will, der darf hinein. + + Die Strassen, die sind freilich krumm, + Sie fuehren hier und dort herum; + Doch stets gerade fort zu gehn, + Wer findet das wohl allzuschoen! + + Die Wege, die sind weit und breit + Mit bunten Blumen ueberstreut. + Das Pflaster, das ist sanft und weich, + Und seine Farb' den Haeusern gleich. + + Es wohnen viele Leute dort, + Und alle lieben ihren Ort. + Ganz deutlich sieht man dies daraus, + Dass jeder singt in seinem Haus. + + Die Leute, die sind alle klein, + Denn es sind lauter Voegelein; + Und meine ganze gruene Stadt + Ist, was den Namen "Wald" sonst hat. + + + + +92. DEUTSCHLAND. + +[Illustration] + +Weit weg von hier liegt Deutschland. Das ist ein schoenes Stueck Erde. +Zu Deutschland gehoeren Preussen, Sachsen, Bayern, Baden und andere +kleinere oder groessere Staaten. Dort gibt es breite und tiefe Fluesse. +Der Rhein, die Elbe und die Donau sind am bekanntesten. Daneben +finden sich weite Ebenen, hohe Berge und dichte Waelder. Auch fehlt es +nicht an Staedten, in denen viele fleissige Leute leben. Berlin, +Muenchen, Koeln, Dresden, Frankfurt und manche andere sind +bemerkenswert. Ueberall hat man praechtige Wohnhaeuser, reiche Kirchen +und herrliche oeffentliche Gebaeude. Alles wird sehr sauber und +ordentlich gehalten. Von Hamburg und Bremen aus fahren maechtige +Dampfschiffe und Segler nach allen Gegenden der Welt. Deutschland +besitzt auch zahlreiche grosse Fabriken. Die Felder werden auf das +Beste bestellt. Die deutsche Fahne ist schwarz, weiss und rot +gestreift. An der Spitze des Reiches steht der deutsche Kaiser. + + + + +93. SONNENSCHEIN. + + Sonnenschein, + Klar und rein, + Leuchtest in die Welt hinein; + Machst so hell, so warm und schoen + In den Taelern, auf den Hoeh'n, + Die du alle ueberstrahlst + Und so hold und lieblich malst. + + Sonnenschein, + Klar und rein, + Kehre auch ins Herz mir ein! + Wenn ich habe heitern Sinn, + Gut und froh und freundlich bin, + Dann ist's in dem Herzen mein + Wunderbarer Sonnenschein. + + + + +94. DIE KOENIGIN LUISE. + +Vor hundert Jahren lebte in Preussen eine Koenigin, namens Luise. Sie +war jung und schoen, aber auch ebenso gut. Ein jeder liebte sie. Schon +als kleines Kind hatte sie ihre Mutter verloren und wurde von ihrer +Grossmutter einfach erzogen. So war sie zu einer echten, deutschen +Jungfrau herangewachsen, als der Kronprinz und spaetere Koenig von +Preussen, Friedrich Wilhelm, sie kennen lernte. Bald darauf wurde sie +seine Frau. Eine grosse Freude hatte sie an ihren Kindern, zwei +Knaben, mit denen sie gerne lernte und spielte. Aber da gab es einen +schrecklichen Krieg mit dem Kaiser von Frankreich, Napoleon. Die +Feinde waren staerker als die Preussen und besiegten sie. Das tat dem +Koenige und der guten Koenigin sehr weh. Es kam so weit, dass sie ihr +Schloss in Berlin verlassen mussten. Als die koenigliche Familie endlich +wieder zurueckkehren konnte, herrschte grosser Jubel. Die Freude sollte +aber nicht lange dauern, denn bald darauf wurde die edle Koenigin +schwer krank und erholte sich nicht mehr. Als sie starb, war die +Trauer allgemein. Noch heute ist die Koenigin Luise unvergessen. + +[Illustration] + + + + +95. DAS GOLDENE SCHLOSS. + +"Willst du eine Prinzessin sein?" So fragte ein Knabe seine kleine +Schwester. Die lachte ihn aus. Er sagte aber: "Ja, ich kann ein Koenig +und du kannst eine Prinzessin werden. Du bekommst ein schoenes, neues +Kleid und einen silbernen Thron. Ich bekomme einen roten Mantel, eine +goldene Krone und einen goldenen Thron." Die Schwester glaubte das +nicht und sagte: "Unsere Eltern sind ja so arm." Der Knabe erzaehlte +dann: "Letzte Nacht im Traume kam ein kleiner Mann zu mir. Er fragte +mich: 'Willst du ein Koenig sein und in einem goldenen Schlosse +wohnen?' Ich sagte, ja. Da sprach der Kleine: 'Komm in den Wald mit +deiner Schwester, wenn der Mond scheint. Bei der grossen Tanne warte +auf mich. Aber spaeter im goldenen Schlosse darf keine Traene auf den +Boden fallen. Wenn eine Traene auf den Boden faellt, muesst ihr wieder +heim.'" Jetzt glaubte die Schwester, was der Bruder sagte. Sie wollte +gerne mit ihm gehen. + +Am Abend schien der Mond sehr hell. Da gingen Bruder und Schwester +hin zu der grossen Tanne im Walde. Das Maennlein war noch nicht da. Die +Kinder setzten sich ins Moos, um zu warten. Sie waren muede und +schliefen bald ein. Auf einmal wachten sie auf. Verwundert schauten +sie um sich. Sie hatten schoene neue Kleider an. Der Bruder hatte +einen roten Mantel und trug eine goldene Krone. Die Schwester hatte +ein himmelblaues Kleid mit silbernen Sternen. Auf ihren Haaren war +ein Kranz von Diamanten. Der kleine Mann kam und rief: "Willkommen, +willkommen!" Dann kamen noch viele kleine Maennlein mit einem goldenen +und einem silbernen Wagen. Der Bruder musste sich in den goldenen +Wagen und die Schwester in den silbernen Wagen setzen. Die Maennlein +zogen die Wagen und fuhren durch den Wald an einen Berg. Im Berge war +eine grosse, hohe Halle, und darin stand ein goldenes Schloss. Die +kleinen Maenner fuehrten die Geschwister in dieses Schloss. Dann holten +sie einen goldenen und einen silbernen Thron. Der goldene Thron war +fuer den Bruder und der silberne fuer die Schwester. Die kleinen Maenner +stellten sich vor sie hin und riefen: "Hoch lebe unser Koenig und auch +die Prinzessin!" Dann gab es zu essen, lauter gute Sachen. + +Nach dem Essen wollten die Kinder schlafen, denn es war schon spaet. +Im Schlafzimmer standen zwei Betten, ein goldenes und ein silbernes. +Der Koenig legte sich in das goldene, die Prinzessin in das silberne +Bett. Da fragte der Bruder: "Schwesterchen, wie gefaellt dir das +goldene Schloss?" Sie antwortete: "Schoen ist es schon hier; wenn nur +der Vater und die Mutter auch hier waeren!" Der Bruder sagte: "Das +moechte ich auch haben. Was werden die Eltern jetzt machen?" Die +Schwester meinte: "Sie werden uns suchen und weinen, weil sie uns +nicht finden koennen." "Ja," war des Bruders Antwort, "sie werden +denken, der Wolf habe uns gefressen." Das konnte die Schwester nicht +anhoeren. Sie fing an zu weinen. Da warnte der Bruder: "Nicht weinen, +sonst fallen deine Traenen auf den Boden!" "Nein," sagte die +Schwester, "ich hab' sie mit der Hand aufgefangen. Aber ich muss +weinen." Nun wurde auch der Bruder ganz traurig. Auch er weinte +einige Traenen. Doch die Traenen fielen in das Bett. Die Schwester +fragte: "Wie lange willst du noch Koenig bleiben? Ich will nicht mehr +Prinzessin sein. Ich will heim!" Der Bruder sagte: "Ja, zu Hause bei +Vater und Mutter ist es doch schoener!" Da liessen sie beide grosse +Traenen auf den Boden fallen. Es donnerte, und die Kinder fielen aus +den Betten. + +Nun kamen die kleinen Maenner wieder. Sie waren sehr traurig und +brachten die Geschwister zurueck zu der grossen Tanne im Wald. Da +schliefen Bruder und Schwester bald ein. Als sie die Augen oeffneten, +war es heller Tag, aber der rote Mantel und das himmelblaue Kleid +Waren verschwunden. + +Da kamen auch schon die Eltern. Die freuten sich sehr, ihre Kinder +wieder zu haben. Die Geschwister waren ebenso froh und versprachen, +nie mehr fortgehen zu wollen. + + + + +96. DIE KLEINEN MUESSIGGAENGER. + +Drei Kinder sollten nach der Schule gehen, aber sie sprachen: "Was +kann das Lernen helfen! Lasst uns in den Wald laufen; da spielen die +Tierlein, und wir wollen mit ihnen spielen." + +Als die Kinder nun im Walde waren, luden sie zuerst die Kaefer zu +ihrem Spiele ein. Da summten die Kaefer um die Koepfe der Kinder, und +der eine sprach: "Ich habe keine Zeit, ich muss Holz saegen!" Der +andere sprach: "Ich muss ein Loch graben!" Noch andere riefen: "Wir +muessen uns ein Huettlein aus Gras bauen!" + +Nun kamen die Kinder an einen Ameisenhaufen. Hier lief eine ganze +Menge von Ameisen aus und ein. Jedes dieser winzigen Tierchen hatte +etwas in seine Wohnung zu tragen; und wo es dem einen zu schwer ward, +sprach es zum andern: "Komm', hilf mir!" + +Die Kinder schlichen vorbei und fanden Bienlein auf den Blumen. Die +waren so eilig und mochten gar nicht zu den Kindern aufsehen. Sie +sammelten Honig und Bluetenstaub und flogen dann flink davon. + +Da hoerten die Kinder einen Vogel singen. Es war ein Fink. "Du kannst +so schoen singen," riefen sie, "und hast auch gewiss Lust, mit uns zu +spielen." Allein der Fink sagte: "Pink, pink! Flink, flink! Ich muss +Muecken fangen fuer meine Jungen und dann die Kleinen in den Schlaf +singen. Auch muss ich mich fleissig im Singen ueben, damit ich dem +Wanderer schoene Lieder vorsingen kann." Und fort war er. + +Auf einmal rasselte es im Busche. Die Kinder erschraken. Eins sagte: +"Wenn nur ein Eichhoernchen kaeme und mit uns spielte!" Da lief auch +schon eines aus dem Busche und kletterte auf einen Baum. Es kicherte +und rief: "Ich suche Knospen und Nuesse!" Die Kinder baten: "Komm' und +bring' uns auch schoene Nuesse!" Aber das Tierchen zischte und knurrte +nur. + +Bald darauf hoerten sie ein Baechlein plaetschern, und nun riefen sie +froehlich: "O, mit dem Baechlein moegen wir spielen! Kommt!" + +Sie liefen geschwind hin. Aber das Baechlein sagte: "Seht doch die +faulen Kinder! Ihr meint, ich haette nichts zu tun. Ich muss Tag und +Nacht arbeiten; ich netze Felder und Wiesen und traenke die durstigen +Tiere. Wenn ich gross und stark bin, treibe ich Muehlen und trage +Schiffe. Geht, geht, ihr faulen Kinder!" + +Da wurde den Kindern gar aengstlich zu Mute. Sie gingen beschaemt weg +und blieben nie mehr aus der Schule. + + + + +97. DER GUTE KAMERAD. + + Ich hatt' einen Kameraden, + Einen bessern find'st du nit. + Die Trommel schlug zum Streite, + Er ging an meiner Seite + In gleichem Schritt und Tritt. + + Eine Kugel kam geflogen, + Gilt's mir oder gilt es dir? + Ihn hat es weggerissen, + Er liegt mir vor den Fuessen, + Als waer's ein Stueck von mir. + + Will mir die Hand noch reichen, + Derweil ich eben lad'. + "Kann dir die Hand nicht geben, + Bleib' du im ew'gen Leben + Mein guter Kamerad!" + + + + +98. DER GOLDBAUM. + +Eduard scherzte gerne und spielte auch gerne anderen einen Streich. +Dabei kam es nicht immer darauf an, ob, was er sagte, auch der +Wahrheit gemaess sei. Seine kleine Schwester Emilie, die noch nicht in +die Schule ging, fragte gerne ihren Bruder, den sie fuer sehr weise +hielt, ueber alles aus. Um sie schnell wieder los zu werden, sagte ihr +Eduard oft Dinge, welche das Kind ganz falsch belehrten. + +Eines Morgens, es war Eduards Geburtstag, sah Emilie auf dem Tische +ihres Bruders ein Goldstueck liegen, das er vom Vater zum Geschenk +bekommen hatte. Sie fragte ihn: "Wo waechst das Gold?"--"Es wird +gesaet," antwortete Eduard, der sich wieder einmal auf Kosten seiner +Schwester einen Spass machen wollte, "dann wird ein Baum daraus, an +dem wachsen die Goldstuecke." + +Als Eduard beschaeftigt war, nahm Emilie leise das Goldstueck vom +Tische, eilte damit hinunter in den Garten, grub mit den Haenden ein +Loch in die weiche Erde, legte das Goldstueck hinein und bedeckte es +wieder mit Erde. + +Eine Weile spaeter sprang sie in Eduards Zimmer und rief: "Jetzt wirst +du bald viele, viele Goldstuecke haben! Ich habe deines im Garten +gepflanzt." + +Umsonst bekannte Eduard, er habe nur gescherzt, und umsonst suchte +und grub er im Garten nach seinem Golde. Emilie wusste die Stelle +nicht anzugeben, wo sie es eingegraben hatte. + +Der Vater kam hinzu und sagte: "Es war unklug von Emilie, das +Goldstueck pflanzen zu wollen; du aber, Eduard, hast gefehlt, da du +ihr, wenn auch im Scherze, eine Unwahrheit sagtest." + + + + +99. GERETTET. + +"Rasch, Ernst, kleide dich an, und komme sogleich herunter!" + +"Was ist geschehen, Vater?" + +"Geschwind, mein Junge! Der Ohio ist ueber Nacht gestiegen, das Dorf +ist unter Wasser, und wir muessen unser Haus verlassen." + +Mit einem Satz war Ernst aus dem Bette und fuhr wie der Blitz in +seine Kleider. Dann lief er die Treppe hinunter in die Wohnstube. +Hier stand das Wasser schon ueber zwei Fuss hoch. Auf einem Tische am +Fenster war der Vater mit den Seinen. Die Mutter hielt die kleine +Rosa an der Hand und trug das Juengste, ein herziges Bueblein, auf dem +Arme. Sie hatte Traenen im Auge, der Vater aber sprach ihr Mut zu. +Endlich kam ein Mann in einem Kahn, alle stiegen hinein, und durch +dieselben Strassen, durch welche gestern noch Leute gegangen und Wagen +gefahren waren, ruderten sie jetzt im Rachen dem Lande zu. Nachdem +sie eine hochgelegene Stelle erreicht hatten, stiegen sie aus. Der +Bootsmann ging mit dem Vater, der Mutter und den zwei Kleinen den +Huegel hinauf nach einem Hause. Dort wollten sie ein Unterkommen +suchen. + +"Du kannst dableiben und auf meinen Kahn achtgeben," sagte der +Bootsmann zu Ernst. Das war dem Knaben gerade recht. Jetzt erst +schaute er sich um. Welch ein Anblick! Nach dem Flusse zu sah man nur +Wasser. So weit das Auge reichte, schien alles ein grosser See zu +sein. Drueben am anderen Ufer, ganz in der Ferne guckten die Wipfel +der Baeume und die Schornsteine aus der Flut empor. Ganz in der Naehe +stand das Bretterhaus der alten Frau Werner, welche sehr arm war und +von guten Leuten unterstuetzt wurde. Schon hatte das Wasser den +zweiten Stock erreicht und stieg immer hoeher und hoeher. + +[Illustration] + +Waehrend Ernst das Haeuschen der Frau Werner betrachtete, kam es ihm +vor, als rufe jemand um Hilfe. Richtig, jetzt oeffnete die alte Frau +einen Laden und schaute heraus. Als sie ringsum nichts als Wasser +erblickte, klagte und jammerte sie laut und rang die Haende. + +Ernst sah alles und dachte nach, was er wohl tun koenne. Ja, so ging +es! Er wollte rasch den Huegel hinauflaufen und den Vater und den +Bootsmann rufen. Aber siehe da! Die Flut trieb einen maechtigen +Baumstamm gerade auf das Haeuschen zu. Wenn er gegen dasselbe stiess, +loeste es sich gewiss los, schwamm in der Stroemung fort, und dann waere +die alte Frau verloren. + +Da sprang Ernst in den Kahn, stiess vom Ufer und steuerte nach dem +Haeuschen. Frau Werner stieg aus dem Fenster in den Rachen, und der +Knabe ruderte, so rasch er konnte, an das Ufer zurueck. Als er sich +demselben naeherte, kam sein Vater gerade wieder vom Huegel herab. + +"Hurra, wir sind gerettet!" rief Ernst, als der Kahn ans Land stiess. +Mit Traenen des Dankes im Auge drueckte die alte Frau dem Knaben die +Haende. Der Vater aber schloss ihn an seine Brust und sprach: "Das war +wie ein braver Mann gehandelt, mein Sohn!" + + + + +100. SPRUECHE. + +Erfuellte Pflicht +macht froh Gesicht. + +Die traege Hand sei noch so glatt und weiss, +Der fleissigen allein gebuehrt der Preis. + +Traegt einer gar so hoch den Kopf, +So ist er wohl ein eitler Tropf. + +Allen Leuten recht getan, +Ist eine Kunst, die niemand kann. + + + + +*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK, HIN UND HER *** + +This file should be named 7hnhr10.txt or 7hnhr10.zip +Corrected EDITIONS of our eBooks get a new NUMBER, 7hnhr11.txt +VERSIONS based on separate sources get new LETTER, 7hnhr10a.txt + +Project Gutenberg eBooks are often created from several printed +editions, all of which are confirmed as Public Domain in the US +unless a copyright notice is included. Thus, we usually do not +keep eBooks in compliance with any particular paper edition. + +We are now trying to release all our eBooks one year in advance +of the official release dates, leaving time for better editing. +Please be encouraged to tell us about any error or corrections, +even years after the official publication date. + +Please note neither this listing nor its contents are final til +midnight of the last day of the month of any such announcement. +The official release date of all Project Gutenberg eBooks is at +Midnight, Central Time, of the last day of the stated month. A +preliminary version may often be posted for suggestion, comment +and editing by those who wish to do so. + +Most people start at our Web sites at: +http://gutenberg.net or +http://promo.net/pg + +These Web sites include award-winning information about Project +Gutenberg, including how to donate, how to help produce our new +eBooks, and how to subscribe to our email newsletter (free!). + + +Those of you who want to download any eBook before announcement +can get to them as follows, and just download by date. This is +also a good way to get them instantly upon announcement, as the +indexes our cataloguers produce obviously take a while after an +announcement goes out in the Project Gutenberg Newsletter. + +http://www.ibiblio.org/gutenberg/etext05 or +ftp://ftp.ibiblio.org/pub/docs/books/gutenberg/etext05 + +Or /etext04, 03, 02, 01, 00, 99, 98, 97, 96, 95, 94, 93, 92, 92, +91 or 90 + +Just search by the first five letters of the filename you want, +as it appears in our Newsletters. + + +Information about Project Gutenberg (one page) + +We produce about two million dollars for each hour we work. The +time it takes us, a rather conservative estimate, is fifty hours +to get any eBook selected, entered, proofread, edited, copyright +searched and analyzed, the copyright letters written, etc. Our +projected audience is one hundred million readers. If the value +per text is nominally estimated at one dollar then we produce $2 +million dollars per hour in 2002 as we release over 100 new text +files per month: 1240 more eBooks in 2001 for a total of 4000+ +We are already on our way to trying for 2000 more eBooks in 2002 +If they reach just 1-2% of the world's population then the total +will reach over half a trillion eBooks given away by year's end. + +The Goal of Project Gutenberg is to Give Away 1 Trillion eBooks! +This is ten thousand titles each to one hundred million readers, +which is only about 4% of the present number of computer users. + +Here is the briefest record of our progress (* means estimated): + +eBooks Year Month + + 1 1971 July + 10 1991 January + 100 1994 January + 1000 1997 August + 1500 1998 October + 2000 1999 December + 2500 2000 December + 3000 2001 November + 4000 2001 October/November + 6000 2002 December* + 9000 2003 November* +10000 2004 January* + + +The Project Gutenberg Literary Archive Foundation has been created +to secure a future for Project Gutenberg into the next millennium. + +We need your donations more than ever! + +As of February, 2002, contributions are being solicited from people +and organizations in: Alabama, Alaska, Arkansas, Connecticut, +Delaware, District of Columbia, Florida, Georgia, Hawaii, Illinois, +Indiana, Iowa, Kansas, Kentucky, Louisiana, Maine, Massachusetts, +Michigan, Mississippi, Missouri, Montana, Nebraska, Nevada, New +Hampshire, New Jersey, New Mexico, New York, North Carolina, Ohio, +Oklahoma, Oregon, Pennsylvania, Rhode Island, South Carolina, South +Dakota, Tennessee, Texas, Utah, Vermont, Virginia, Washington, West +Virginia, Wisconsin, and Wyoming. + +We have filed in all 50 states now, but these are the only ones +that have responded. + +As the requirements for other states are met, additions to this list +will be made and fund raising will begin in the additional states. +Please feel free to ask to check the status of your state. + +In answer to various questions we have received on this: + +We are constantly working on finishing the paperwork to legally +request donations in all 50 states. If your state is not listed and +you would like to know if we have added it since the list you have, +just ask. + +While we cannot solicit donations from people in states where we are +not yet registered, we know of no prohibition against accepting +donations from donors in these states who approach us with an offer to +donate. + +International donations are accepted, but we don't know ANYTHING about +how to make them tax-deductible, or even if they CAN be made +deductible, and don't have the staff to handle it even if there are +ways. + +Donations by check or money order may be sent to: + + PROJECT GUTENBERG LITERARY ARCHIVE FOUNDATION + 809 North 1500 West + Salt Lake City, UT 84116 + +Contact us if you want to arrange for a wire transfer or payment +method other than by check or money order. + +The Project Gutenberg Literary Archive Foundation has been approved by +the US Internal Revenue Service as a 501(c)(3) organization with EIN +[Employee Identification Number] 64-622154. Donations are +tax-deductible to the maximum extent permitted by law. As fund-raising +requirements for other states are met, additions to this list will be +made and fund-raising will begin in the additional states. + +We need your donations more than ever! + +You can get up to date donation information online at: + +http://www.gutenberg.net/donation.html + + +*** + +If you can't reach Project Gutenberg, +you can always email directly to: + +Michael S. Hart <hart@pobox.com> + +Prof. Hart will answer or forward your message. + +We would prefer to send you information by email. + + +**The Legal Small Print** + + +(Three Pages) + +***START**THE SMALL PRINT!**FOR PUBLIC DOMAIN EBOOKS**START*** +Why is this "Small Print!" statement here? You know: lawyers. +They tell us you might sue us if there is something wrong with +your copy of this eBook, even if you got it for free from +someone other than us, and even if what's wrong is not our +fault. So, among other things, this "Small Print!" statement +disclaims most of our liability to you. It also tells you how +you may distribute copies of this eBook if you want to. + +*BEFORE!* YOU USE OR READ THIS EBOOK +By using or reading any part of this PROJECT GUTENBERG-tm +eBook, you indicate that you understand, agree to and accept +this "Small Print!" statement. If you do not, you can receive +a refund of the money (if any) you paid for this eBook by +sending a request within 30 days of receiving it to the person +you got it from. If you received this eBook on a physical +medium (such as a disk), you must return it with your request. + +ABOUT PROJECT GUTENBERG-TM EBOOKS +This PROJECT GUTENBERG-tm eBook, like most PROJECT GUTENBERG-tm eBooks, +is a "public domain" work distributed by Professor Michael S. Hart +through the Project Gutenberg Association (the "Project"). +Among other things, this means that no one owns a United States copyright +on or for this work, so the Project (and you!) can copy and +distribute it in the United States without permission and +without paying copyright royalties. Special rules, set forth +below, apply if you wish to copy and distribute this eBook +under the "PROJECT GUTENBERG" trademark. + +Please do not use the "PROJECT GUTENBERG" trademark to market +any commercial products without permission. + +To create these eBooks, the Project expends considerable +efforts to identify, transcribe and proofread public domain +works. Despite these efforts, the Project's eBooks and any +medium they may be on may contain "Defects". Among other +things, Defects may take the form of incomplete, inaccurate or +corrupt data, transcription errors, a copyright or other +intellectual property infringement, a defective or damaged +disk or other eBook medium, a computer virus, or computer +codes that damage or cannot be read by your equipment. + +LIMITED WARRANTY; DISCLAIMER OF DAMAGES +But for the "Right of Replacement or Refund" described below, +[1] Michael Hart and the Foundation (and any other party you may +receive this eBook from as a PROJECT GUTENBERG-tm eBook) disclaims +all liability to you for damages, costs and expenses, including +legal fees, and [2] YOU HAVE NO REMEDIES FOR NEGLIGENCE OR +UNDER STRICT LIABILITY, OR FOR BREACH OF WARRANTY OR CONTRACT, +INCLUDING BUT NOT LIMITED TO INDIRECT, CONSEQUENTIAL, PUNITIVE +OR INCIDENTAL DAMAGES, EVEN IF YOU GIVE NOTICE OF THE +POSSIBILITY OF SUCH DAMAGES. + +If you discover a Defect in this eBook within 90 days of +receiving it, you can receive a refund of the money (if any) +you paid for it by sending an explanatory note within that +time to the person you received it from. If you received it +on a physical medium, you must return it with your note, and +such person may choose to alternatively give you a replacement +copy. If you received it electronically, such person may +choose to alternatively give you a second opportunity to +receive it electronically. + +THIS EBOOK IS OTHERWISE PROVIDED TO YOU "AS-IS". NO OTHER +WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, ARE MADE TO YOU AS +TO THE EBOOK OR ANY MEDIUM IT MAY BE ON, INCLUDING BUT NOT +LIMITED TO WARRANTIES OF MERCHANTABILITY OR FITNESS FOR A +PARTICULAR PURPOSE. + +Some states do not allow disclaimers of implied warranties or +the exclusion or limitation of consequential damages, so the +above disclaimers and exclusions may not apply to you, and you +may have other legal rights. + +INDEMNITY +You will indemnify and hold Michael Hart, the Foundation, +and its trustees and agents, and any volunteers associated +with the production and distribution of Project Gutenberg-tm +texts harmless, from all liability, cost and expense, including +legal fees, that arise directly or indirectly from any of the +following that you do or cause: [1] distribution of this eBook, +[2] alteration, modification, or addition to the eBook, +or [3] any Defect. + +DISTRIBUTION UNDER "PROJECT GUTENBERG-tm" +You may distribute copies of this eBook electronically, or by +disk, book or any other medium if you either delete this +"Small Print!" and all other references to Project Gutenberg, +or: + +[1] Only give exact copies of it. Among other things, this + requires that you do not remove, alter or modify the + eBook or this "small print!" statement. You may however, + if you wish, distribute this eBook in machine readable + binary, compressed, mark-up, or proprietary form, + including any form resulting from conversion by word + processing or hypertext software, but only so long as + *EITHER*: + + [*] The eBook, when displayed, is clearly readable, and + does *not* contain characters other than those + intended by the author of the work, although tilde + (~), asterisk (*) and underline (_) characters may + be used to convey punctuation intended by the + author, and additional characters may be used to + indicate hypertext links; OR + + [*] The eBook may be readily converted by the reader at + no expense into plain ASCII, EBCDIC or equivalent + form by the program that displays the eBook (as is + the case, for instance, with most word processors); + OR + + [*] You provide, or agree to also provide on request at + no additional cost, fee or expense, a copy of the + eBook in its original plain ASCII form (or in EBCDIC + or other equivalent proprietary form). + +[2] Honor the eBook refund and replacement provisions of this + "Small Print!" statement. + +[3] Pay a trademark license fee to the Foundation of 20% of the + gross profits you derive calculated using the method you + already use to calculate your applicable taxes. If you + don't derive profits, no royalty is due. Royalties are + payable to "Project Gutenberg Literary Archive Foundation" + the 60 days following each date you prepare (or were + legally required to prepare) your annual (or equivalent + periodic) tax return. Please contact us beforehand to + let us know your plans and to work out the details. + +WHAT IF YOU *WANT* TO SEND MONEY EVEN IF YOU DON'T HAVE TO? +Project Gutenberg is dedicated to increasing the number of +public domain and licensed works that can be freely distributed +in machine readable form. + +The Project gratefully accepts contributions of money, time, +public domain materials, or royalty free copyright licenses. +Money should be paid to the: +"Project Gutenberg Literary Archive Foundation." + +If you are interested in contributing scanning equipment or +software or other items, please contact Michael Hart at: +hart@pobox.com + +[Portions of this eBook's header and trailer may be reprinted only +when distributed free of all fees. Copyright (C) 2001, 2002 by +Michael S. Hart. Project Gutenberg is a TradeMark and may not be +used in any sales of Project Gutenberg eBooks or other materials be +they hardware or software or any other related product without +express permission.] + +*END THE SMALL PRINT! FOR PUBLIC DOMAIN EBOOKS*Ver.02/11/02*END* + diff --git a/old/7hnhr10.zip b/old/7hnhr10.zip Binary files differnew file mode 100644 index 0000000..1281356 --- /dev/null +++ b/old/7hnhr10.zip diff --git a/old/8392-8.txt b/old/8392-8.txt new file mode 100644 index 0000000..ebdef5e --- /dev/null +++ b/old/8392-8.txt @@ -0,0 +1,2857 @@ +The Project Gutenberg EBook of Hin Und Her, by H. H. Fick + +This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and most +other parts of the world at no cost and with almost no restrictions +whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it under the terms of +the Project Gutenberg License included with this eBook or online at +www.gutenberg.org. If you are not located in the United States, you'll have +to check the laws of the country where you are located before using this ebook. + +Title: Hin Und Her + +Author: H. H. Fick + +Posting Date: September 2, 2014 [EBook #8392] +Release Date: June, 2005 +First Posted: July 6, 2003 + +Language: German + +Character set encoding: ISO-8859-1 + +*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK HIN UND HER *** + + + + +Produced by David Starner, Delphine Lettau, Charles Franks, +and the Online Distributed Proofreading Team + + + + + + + + + + +HIN UND HER + +Ein Buch für die Kinder + +Zusammengestellt von H. H. FICK + +Supervisor of German, Cincinnati Public Schools + + + + + + + +INHALT + + + 1. Am Morgen + 2. Der Tag bricht an + 3. Der Hahnenruf + 4. Beim Frühstück + 5. Zur Schule + 6. Bruder und Schwester + 7. Der Specht + 8. Die Uhr + 9. Schuleifer + 10. Rätsel + 11. Unser Hof + 12. Die Haustiere + 13. Sprüche + 14. Die Äpfel + 15. Peter Faulpelz + 16. Der Knabe am Bache + 17. Daheim + 18. Der Bau des Hauses + 19. Die Wohnung der Maus + 20. Karls Hase + 21. Das Lied vom Monde + 22. Das Mückchen und das Mädchen + 23. Nasch-Ernst + 24. Der blinde Geiger + 25. Das Brot im Weg + 26. Die schönen Drei + 27. Das Vogelnest + 28. Der Drache + 29. Die Vöglein + 30. Vom Hänschen + 31. Sprüche + 32. Die Schnecke + 33. Die Henne und die Entlein + 34. Die Tageszeiten + 35. Kind und Sonne + 36. Sonne und Regen + 37. Astern + 38. Rätsel + 39. Vögel und Blumen + 40. Danksagungstag + 41. Vom Vater + 42. Die vier Brüder + 43. Die zwölf Monate + 44. Die Blätter tanzen + 45. Die vier Jahreszeiten + 46. Winters Ankunft + 47. Der Tannenbaum + 48. Vogel am Fenster + 49. Das Büblein auf dem Eise + 50. Rätsel + 51. Weihnachtsfreude + 52. Schneesterne + 53. Brief vom Weihnachtsmann + 54. Zu Neujahr + 55. Verstehst du das? + 56. Der Schneemann + 57. März + 58. Ostergruß + 59. Der Osterhase + 60. Der Obstgarten + 61. Sprüche + 62. Die Vögel im Frühlinge + 63. Das rote Hühnchen + 64. Rätsel + 65. Der naseweise Bello + 66. Heil, Amerika! + 67. Petersilie + 68. Das Kind und sein Blümchen + 69. Nachlässigkeit + 70. Ein Rätsel + 71. Was würdest du tun? + 72. Was wollen wir spielen? + 73. Die schlaue Katze + 74. Kannst du es sagen? + 75. Der Sperling + 76. Das Pferd und der Esel + 77. Der kluge Star + 78. Der Apfelbaum + 79. Der Hase und der Fuchs + 80. Sprüche + 81. Der Hase und die Schildkröte + 82. Hasenbraten + 83. Der Schein trügt + 84. Der Frosch + 85. Vom listigen Grasmücklein ein lustiges Stücklein + 86. Ein törichter Streit + 87. Herr Wind! Herr Wind! + 88. Das Fünkchen + 89. Rätsel + 90. Das Gänseblümchen + 91. Die grüne Stadt + 92. Deutschland + 93. Sonnenschein + 94. Die Königin Luise + 95. Das goldene Schloß + 96. Die kleinen Müßiggänger + 97. Der gute Kamerad + 98. Der Goldbaum + 99. Gerettet +100. Sprüche + + + + +1. AM MORGEN. + + Die Erd' erwacht, die Sonne lacht + Sie an mit hellem Schein + Und ruft ihr zu: komm aus der Ruh', + Der ganze Tag ist dein. + Guten Morgen. + + + + +2. DER TAG BRICHT AN. + +Es ist dunkel. Am Himmel leuchten die Sterne. Zwischen ihnen steht +der Mond. Nun wird es langsam heller. Im Osten zeigt sich ein lichter +Schein. Das ist die Morgendämmerung. Die meisten Leute schlafen noch +fest, aber der Hahn ist wach und kräht ganz laut. Bald steigt die +Sonne empor. Dann ist es Tag. Die Vögel sind erwacht und zwitschern. +Jetzt stehen auch die Menschen von ihrem Lager auf und gehen gestärkt +an die Arbeit. Die Tiere im Freien suchen ihre Nahrung und das Vieh +im Hofe bekommt sein Futter. Im Garten und auf den Wiesen glänzt der +Tau. Alles ist neubelebt. + + + + +[Illustration] + + +3. DER HAHNENRUF. + + Im ersten Hofe kräht der Hahn, + Da fängt auch gleich der zweite an + Und denkt: "Hätt' ich's zuerst getan!" + Doch, wie der zweite kaum beginnt, + Kräht schon der dritte Hahn geschwind. + Der viert' und fünfte faul nicht sind + Und fallen schnell ins Lied mit ein, + Denn jeder will der erste sein, + Und jeder will am schönsten schrei'n.-- + Bald rufen alle in der Rund', + Als ständen sie zusamm' im Bund, + Und tun die Morgenstunde kund + Aus voller Kehle laut und schnell: + "Die Nacht entweicht, der Tag wird hell. + Kikeriki! Kikeriki! Wir sind zur Stell'!" + So soll'n auch wir in allen Sachen, + Wo's gilt, zum guten zu erwachen, + Es wie der Hahn am Morgen machen. + + + + +4. BEIM FRÜHSTÜCK + +_Mutter_: Papa, Karl, Emma und Klara, hurtig, kommt zu Tisch! +Das Frühstück ist aufgetragen! + +_Papa_: Sieh! Da bin ich schon. Guten Morgen! + +_Emma_ und _Klara_: Liebe Mama und lieber Papa, Wir sind +auch bereit und wünschen euch einen recht guten Morgen! + +_Mutter_ und _Vater_: Vielen Dank, ihr Kinder! Wo steckt +aber der Karl? + +_Emma_ und _Klara_: Da kommt er! + +_Karl_: Seid nicht böse, liebe Eltern, ich habe mich +verschlafen. Es soll aber gewiß nicht wieder geschehen! + +_Mutter_: Schon gut! Setzt euch alle. Schaut, daß der Papa +bedient wird! Emma, reiche doch das Brot herüber und gib mir die +Butter. Nun, trinkt eure Milch! Klara und Emma, für euch habe ich ein +Stück Kuchen. + +_Karl_: Bekomme ich nicht auch eins? + +Mutter: Du bist zu spät gekommen! Dafür mußt du Strafe leiden. Heute +ist für dich nur Brot vorhanden. + +_Karl_: Ach, liebe Mama! Ich bin so hungrig! + +_Mutter_: Ei! Hungern sollst du nicht. Da ist eine Semmel und +dann habe ich auch noch ein Ei für dich. Aber der Kuchen ist nur für +die pünktlichen Leute da, merke dir das! So, seid ihr nun alle +fertig? + +_Kinder_: Jawohl, Mama! + +_Mutter_: Stellt eure Stühle an ihre Plätze! Jetzt könnt ihr +gehen! Du, Karl, holst dem Vater noch die Zeitung herein! + +_Karl_: Gerne, liebe Mutter! + +_Kinder_: Ade, Papa! Leb wohl, Mama! Heute mittag sehen wir uns +wieder! + + + + +5. ZUR SCHULE. + + Nun hurtig vom Stuhle + Und schnell in die Schule; + Es ist an der Zeit. + Holt Hüte und Kappen, + Bringt Tafeln und Mappen; + Nehmt auch für die Pause + Euch etwas zum Schmause; + So, Kinder, jetzt seid + Zur Arbeit bereit! + + + + + +6. BRUDER UND SCHWESTER. + +Es ist Morgen. Die Nacht hindurch hat es geregnet und immer noch +fallen einzelne Tropfen. Seit einigen Tagen besucht der kleine +Wilhelm die Schule. Er hat einen neuen Anzug, eine hübsche Mütze und +einen bunten Schulsack erhalten. Wie leid tut es ihm, daß alles vom +Regen soll naß werden. Da kommt die gute Schwester Emilie. Sie muß +für die Mutter noch einen Gang auf den Markt machen. Nun will sie den +Bruder unter den Schirm nehmen und ihn bis an das Schulgebäude +begleiten. Wilhelm faßt die Schwester am Kleide, und sie treten in +die Türe. Aber, siehe da, der Regen hört auf und als Emilie +vorsichtig die Hand ausstreckt, kann sie kein Tröpfchen mehr spüren. +Da darf auch der zottige Spitz mit ins Freie. + +[Illustration] + + + + + +7. DER SPECHT. + + Herr Specht! so früh schon klopfest du! + Was störte dich denn aus der Ruh'? + Es herrscht noch Stille im Erdenraum-- + Du hämmerst schon am Fichtenbaum. + + "Ist es auch früh, ist's nie zu früh, + An Arbeit fehlt's dem Fleiß'gen nie,-- + Wer Tages etwas will gewinnen, + Der muß recht frühe schon beginnen." + + + + +8. DIE UHR. + +Eben hatte es sieben geschlagen. Die Mutter ging in die Kammer, um +den kleinen Leo zu wecken. Der war aber schon wach und saß aufrecht +im Bette. "Ei, Leo!" sagte die Mutter, "Wie kommt denn das? Sonst muß +ich dich viele Male rufen und schütteln, und heute bist du ganz +munter!" "Ach, denke nur, liebe Mama," sagte Leo, "ich War ja auch +noch so müde und hätte gerne länger geschlafen. Aber da hatte auf +einmal die große Uhr dort an der Wand ein Gesicht wie ein Mensch, und +machte immerfort: Auf! raus! Auf! raus! Nun hatte ich Angst, liegen +zu bleiben und wollte aufstehen. Jetzt hörte ich die Uhr ganz +deutlich sagen: Recht so! Recht so! und sie sah wieder freundlich +aus!" + +[Illustration] + + + + + +9. SCHULEIFER. + + Im Winter, wenn es frieret, + Im Winter, wenn es schneit, + Dann ist der Weg zur Schule + Fürwahr noch mal so weit. + + Und wenn der Kuckuck rufet, + Dann ist der Frühling da, + Dann ist der Weg zur Schule + Fürwahr noch mal so nah. + + Wer aber gerne lernet, + Dem ist kein Weg zu fern; + Im Frühling, wie im Winter, + Geht er zur Schule gern. + +[Illustration] + + + + +10. RÄTSEL. + + Im Wasser schwimmt es, groß und klein. + Nun rat' einmal, was das mag sein! + + Wer wäscht sich so rein + Und hält sich so fein + Und braucht doch kein Handtüchelein? + + Ich weiß ein kleines, weißes Haus, + Hat nichts von Fenstern, Türen, Toren; + Und will sein kleiner Wirt hinaus, + So muß er erst die Wand durchbohren. + + + + +11. UNSER HOF. + +Hinter dem Hause ist ein Hof. Da haben viele Tiere Platz. In einer +Ecke steht die Hundehütte. Dort wohnt Nero. Er bewacht unser Haus. +Auf der Kellertreppe sitzt Mieze. Das ist die graue Katze. Sie wäscht +und putzt sich gern. Im Korbe liegen ihre vier Kätzchen. Die können +noch nicht sehen. Mitten im Hofe geht der stolze Hahn. Er hat bunte +Federn und einen roten Kamm. Bei ihm sind fünf hübsche Hennen. Auch +Tauben fliegen herbei und picken Körner auf. Seht doch den großen +Puter da drüben! Der ist zornig und jagt die anderen Vögel fort. + + + + +12. DIE HAUSTIERE. + + Lieb Kindchen, sag mir an, + Was ein Haustier nützen kann! + + Die Kuh gibt Milch uns, liebe Mutter, + Draus macht man Käse, Rahm und Butter. + Das Pferd zieht fleißig deinen Wagen + Und kann dich in die Ferne tragen. + Der Hund schützt treu dir Hof und Haus. + Die Katze lauert auf die Maus. + Das dicke, schmutz'ge, dumme Schwein + Bringt Schinken uns und Würste ein. + +[Illustration] + + + + + +13. SPRÜCHE. + +Lust und Liebe zum Dinge +Macht Mühe und Arbeit geringe. + +Morgen, morgen, nur nicht heute, +Sagen alle trägen Leute. + +Lerne Ordnung, liebe sie; +Ordnung spart dir Zeit und Müh'. + + + + +14. DIE ÄPFEL. + +Am Montag morgen wollte Otto seinen Freund Ludwig zur Schule abholen. +Als er aber in die Stube trat, war niemand da. Vorne beim Fenster +stand ein Korb voll Äpfel. Die waren schön gelb und rot. Gerne hätte +Otto einen genommen. Aber er dachte: "Nein, das tue ich nicht, die +Äpfel gehören nicht mir." + +Schnell wollte er wieder zur Türe hinaus. Da kam gerade Ludwigs +Mutter herein. Die freute sich sehr, als sie Otto sah. Sie steckte +ihm beide Taschen voll Äpfel. Dann rief sie Ludwig und gab den beiden +Kindern noch einen Apfel mit auf den Weg. Mit frohem Herzen gingen +die Knaben nun zur Schule. + + + + +15. PETER FAULPELZ. + + Längst ist schon die Schule aus, + Alle Kinder sind zu Haus: + Peter nur, der faule Bube, + Muß noch sitzen in der Stube, + Hat gelernt nicht, noch geschrieben, + Hat sich draußen 'rumgetrieben. + Nun geht es ihm bitterschlecht-- + Faulpelz, das geschieht dir recht! + + + + +16. DER KNABE AM BACHE. + +Siehst du den Knaben dort am Bache sitzen? Es ist Robert, der mit +seiner armen Mutter in dem kleinen Häuschen wohnt. Sie hatten für den +Abend nichts zu essen. Da sagte Robert: "Mutter, ich will zum Bache +gehen und einige Fische fangen." + +Hier sitzt er nun ganz stille. Zwei Fische hat er schon gefangen, und +den dritten macht er eben vom Haken los. Wie wird sich die Mutter +freuen, wenn Robert mit den Fischen nach Hause kommt! + +[Illustration] + + + + +17. DAHEIM. + +Hurra, die Schule ist aus! Schnell eile ich nach Hause, denn die +Mutter wartet schon auf mich. Sie hat ja mancherlei Arbeit, die ich +für sie besorgen kann. Erst bekomme ich aber ein großes Stück +Butterbrot. Wenn ich das gegessen habe, hole ich Kleinholz aus dem +Keller. Damit macht die Mutter das Feuer im Küchenofen an für das +Abendessen. Dann gehe ich zum Metzger, um das Fleisch heimzubringen, +das der Vater am Morgen bestellt hat. Auf dem Wege bringe ich aus dem +Kramladen Seife mit und Streichhölzchen. Auch sonst muß ich der +Mutter in der Küche noch zur Hand gehen. Ich tue es gerne, denn ich +habe mein Mütterlein lieb. Wenn ich alles besorgt habe, darf ich eine +Weile auf der Straße mit anderen Kindern spielen. + +Bald ist es Zeit zum Abendessen geworden. Richtig, da ruft mich schon +die Mutter. Der Vater ist nun auch schon nach Hause gekommen, und +meine älteren Geschwister sind ebenfalls da. Wir sitzen jetzt alle um +den großen Tisch im Eßzimmer, und der Vater erzählt, was er während +des Tages in der Stadt gehört und gesehen hat. Nach dem Essen nimmt +der Vater die Zeitung, und meine kleine Schwester und ich machen +unsere Schularbeiten. Da muß manchmal die liebe Mama ein wenig +helfen. Später liest sie uns eine schöne Geschichte vor, oder spielt +mit uns Domino und Lotto. + +Ich glaube, es ist nirgends schöner als abends daheim. + + + + +18. DER BAU DES HAUSES. + +"Kommt, Knaben, wir wollen ein Haus bauen," sagte Emil zu Karl und +Heinrich, "Ich will den Keller ausgraben," sprach Karl. "Und ich," +sagte Emil, "ich bin der Maurer; ich nehme Kalk und Steine und baue +die Mauern." Da meinte Karl: "Du darfst aber die Türen und die +Fenster nicht vergessen. Ohne Türen kann man nicht in das Haus +hinein, und durch die Fenster soll Luft und Licht in die Zimmer +kommen." Heinrich sagte: "Ich bin der Zimmermann; ich setze die Türen +und Fenster und lege den Fußboden. Von einem Stockwerke in das andere +mache ich Treppen. Und oben auf das Haus setze ich das Dach; das +schützt vor Regen und Schnee. Unser Haus soll ein Wohnhaus sein mit +Küche und Zimmern und einem Boden unter dem Dach." + + + + +19. DIE WOHNUNG DER MAUS. + + Ich frag' die Maus: + Wo ist dein Haus? + Die Maus darauf erwidert mir: + Sag's nicht der Katz', + So sag' ich's dir. + Treppauf, treppab, + Erst rechts, dann links, + Dann wieder rechts + Und dann grad' aus-- + Das ist mein Haus; + Du wirst es schon erblicken! + Die Tür ist klein, + Und trittst du ein, + Vergiß nicht, dich zu bücken! + +[Illustration] + + + + +20. KARLS HASE + +"Papa, darf ich ein wenig deinen Stock nehmen?" + +"Ja, Karl, aber was willst du damit machen?" + +"Einen Hasen will ich schießen, Papa." + +"Dann mußt du ja auf das Feld gehen." + +"O nein, dein Stock ist meine Flinte und unsere alte Katze ist der +Hase." + +Der Vater gab seinem Sohne den Stock. Karl legte ihn an die rechte +Wange, zielte und rief: "Piff, paff! piff, paff!" Ei, wie die Katze +von dem Stuhle unter den Tisch sprang! + +Karl aber lachte und rief: "Hast du nun meinen Hasen laufen sehen, +Papa?" + + + + +21. DAS LIED VOM MONDE. + + Wer hat die schönsten Schäfchen? + Die hat der gold'ne Mond, + Der hinter unsern Bäumen + Am Himmel drüben wohnt. + + Er kommt am späten Abend, + Wenn alles schlafen will, + Hervor aus seinem Hause + Zum Himmel leis' und still. + + Dann weidet er die Schäfchen + Auf seiner blauen Flur; + Denn all' die weißen Sterne + Sind feine Schäfchen nur. + + Sie tun sich nichts zuleide, + Hat eins das andre gern, + Und Schwestern sind und Brüder + Da droben Stern an Stern. + + Und soll ich dir eins bringen, + So darfst du niemals schrei'n, + Mußt freundlich wie die Schäfchen + Und wie ihr Schäfer sein! + + + + +22. DAS MÜCKCHEN UND DAS MÄDCHEN. + +[Illustration] + + +Ein Mückchen flog um ein Licht, das am Abend auf dem Tische brannte. +Da sagte ein Mädchen, welches nebenbei saß und strickte: "Mückchen, +bleib' von dem Lichte, sonst verbrennst du dich!" Das Mückchen aber +folgte nicht und flog so lange auf und nieder und um das Licht, bis +es daran seine Flügelchen sengte und in die Flamme fiel. "Habe ich es +dir nicht gesagt?" sprach das Mädchen. "Hättest du auf mich gehört, +müßtest du jetzt nicht sterben!" + + + + +23. NASCH-ERNST. + +Ernst konnte das Naschen nicht lassen. Er ging oft an den Schrank, um +Zucker zu naschen. Die Mutter schalt, aber es half nicht. + +Eines Tages ging Ernst in die Scheune. An der Wand hing etwas Rotes. +Ernst sagte: "Oh, hier hat die Mutter Zuckerzeug versteckt. Ich +sollte es nicht finden!" Schnell kletterte er auf einen Stuhl, um es +zu holen. Er biß gierig hinein. Aber, o weh, es verbrannte seinen +Mund. Er ließ das Zuckerzeug fallen und schrie laut. Nun kam die +Mutter und gab ihm einen Trunk Wasser. Was Ernst naschte, war nicht +Zucker gewesen. Es war roter Pfeffer. + +Ernst naschte nie wieder. + + + + +24. DER BLINDE GEIGER. + +Ein armer, blinder Geiger ging auf der Straße. Er suchte den Weg mit +seinem Stocke. Seine Geige trug er unter dem Arme. Bald kam er an +einen Steg. Als er das merkte, getraute er sich nicht hinüberzugehen. +Hans und Eugen kamen daher, und der arme Mann bat, sie möchten ihn +doch über den Steg führen. Aber die mutwilligen Buben lachten den +Geiger aus und liefen weg. + +Da kam die kleine Lina aus der Schule. Die wartete nicht, bis sie +gebeten wurde. Sie faßte den Blinden bei der Hand, brachte ihn über +den Steg und schenkte ihm einen Cent, den sie von ihrer Mutter +bekommen hatte. + +[Illustration] + + + + + +25. DAS BROT IM WEG. + + Im Weg das Krümchen Brot + Tritt nicht mit deinem Fuß, + Weil's in des Hungers Not + Ein Tierlein finden muß. + Leg's auf den Stein vor'm Haus, + Und kannst du, brösel's klein: + Still dankt es dir die Maus + Und still das Vögelein. + + + + +26. DIE SCHÖNEN DREI. + + Vöglein im hohen Baum, + Klein ist's, ihr seht es kaum, + Singt doch so schön, + Daß wohl von nah und fern + Alle die Leute gern + Horchen und stehn. + + Blümlein im Wiesengrund + Blühen so lieb und bunt, + Tausend zugleich; + Wenn ihr vorübergeht, + Wenn ihr die Farben seht, + Freuet ihr euch. + + Wässerlein fließt so fort + Immer von Ort zu Ort + Nieder ins Tal; + Dürstet nun Mensch und Vieh, + Kommen zum Bächlein sie, + Trinken zumal. + + Habt ihr es auch bedacht, + Wer hat so schön gemacht + Alle die drei? + Gott, der Herr, machte sie, + Daß sich nun spät und früh + Jedes dran freu'. + + + + +27. DAS VOGELNEST. + +In einem Garten lebte ein Vögelein, das sehr schön singen konnte. Es +baute sich in einem Busch ein hübsches Nestchen. In dieses legte es +Eier hinein und brütete Junge aus. Einmal suchte das alte Vögelein +Futter für seine Kinder. Da sahen zwei Buben das Nest und nahmen es +samt den Jungen weg. Darüber wurde die Mutter der jungen Vögelein +sehr traurig. + +Sie flog hin und her und schrie, so laut sie konnte. Die Knaben +machten sich aber nichts daraus. Endlich hörte die Schwester der +bösen Knaben das Vögelein schreien. Gleich ging sie hin und nahm +ihren Brüdern das Nestchen Weg und trug es wieder in die Hecke. Seit +dieser Zeit hatten die Vögelein das Mädchen recht lieb, und wenn es +im Garten war, sangen sie noch einmal so schön wie sonst. + + + + +28. DER DRACHE. + +Mein Bruder Karl hatte einen großen Drachen gemacht. Er war aus holz +und Papier. Um untern Ende befand sich ein langer Schwanz und am +obern eine lange, dünne Schnur. + +Nachmittags gingen wir hinaus auf das Feld hinter unserm Hause. Es +war ein schöner Tag; die Sonne schien prächtig, und es wehte ein +guter Wind. Wir ließen den Drachen steigen. Er stieg so hoch, wie die +Schnur reichte. Wir konnten ihn kaum noch sehen. + +So standen wir lange im Schatten neben dem Zaune. Auch unser Hund +Karo kam unter dem Karren hervor. Wir waren sehr vergnügt, bis der +Abend dem Spiele ein Ende machte. + +[Illustration] + + + + + +29. DIE VÖGLEIN. + + Warum wohl die Vöglein fliegen können? + Ei, das magst du ihnen schon gönnen. + Auf der Erde sind Tiere viel + Und haben hier und dort ihr Spiel. + Da war kein Platz für die Vögel mehr; + Das dauerte den lieben Gott so sehr, + Darum hat er ihnen Flügel gegeben, + Daß sie dort oben in Lüften schweben; + Da können sie spielen den ganzen Tag + Und haben Platz, wie viel jedes mag. + + + + +30. VOM HÄNSCHEN. + +Hänschen und Gretchen spielten im Garten. Da kam ein schöner +Schmetterling geflogen. Gleich wollte Hans ihn fangen. Gretchen rief: +"Ach, laß doch das hübsche Tierlein gehen!" Aber Hans hörte nicht +darauf. Mit dem Hute in der Hand lief er dem Schmetterlinge nach. Er +schaute immer nur in die Höhe. Patsch,--fiel er in einen tiefen +Graben voller Wasser. Der Schmetterling flog munter davon. Hänschen +ging weinend heim und wurde noch ausgelacht. + + + + +31. SPRÜCHE. + + Ein gutes Kind gehorcht geschwind + Und folgt sofort aufs erste Wort. + + Was du nicht willst, das man dir tu', + Das füg' auch keinem andern zu. + + Vorgetan und nachbedacht + Hat manchem großes Leid gebracht. + + Quäle nie ein Tier zum Scherz, + Denn es fühlt, wie du, den Schmerz. + + + + +32. DIE SCHNECKE: + + Die Schnecke ist gar übel dran. + Wie muß sie sich doch plagen! + Sie muß ihr Haus + Tagein, tagaus + Auf ihrem Rücken tragen. + + Die Schnecke ist nicht übel dran. + Sie weiß sich wohl zu schützen: + Nimmt sie Gefahr + Vom Feinde wahr,-- + Bleibt sie im Häuschen sitzen. + +[Illustration] + + + + +33. DIE HENNE UND DIE ENTLEIN. + +Die kleine Anna hatte eine Henne zum Geschenk bekommen. Diese legte +jeden Morgen ein Ei. Als nun Annas Mutter eines Tages das Nest mit +zwölf Eiern sah, nahm sie dieselben voller Freude in die Küche. Aber +siehe da! Die Henne jammerte und suchte ihr Nest. Nun fand sie in der +Nähe ein Entennest, in dem auch Eier waren. Sie setzte sich darauf, +bis die Jungen herauskamen. Das waren aber Entchen statt Küchlein. +Doch die Henne hatte sie so lieb, als ob es Küchlein wären. Sie +suchte Futter mit ihnen und nahm sie unter ihre Flügel, damit ihnen +kein Leid geschehe. Doch eines schönen Tages liefen die Kleinen +davon. Wohin? In großer Angst eilte die Henne hinterher. Die Entchen +waren zum Teiche gelaufen. Umsonst warnte die Henne: "Das ist Wasser! +Ihr müßt ertrinken!" Lustig schwammen die kleinen Enten schon umher, +und alles Glucken der alten Henne brachte sie nicht ans Ufer zurück. + +[Illustration] + + + + +34. DIE TAGESZEITEN. + +Hoch am Himmel steht die Sonne. Sie leuchtet so hell, daß man sie +nicht lange ansehen kann. Wenn die Sonne morgens aufgeht, wird es auf +der Erde hell. Dann sagen die Leute zu einander: "Guten Morgen!" Die +Sonne steigt nun immer höher und höher, bis sie zuletzt fast über +unserem Kopfe steht. Es ist jetzt Mittag. Wenn sich Bekannte treffen, +wünschen sie einander: "Guten Tag!" Bald darauf neigt sich die Sonne +wieder abwärts. Sie sinkt bis an den Rand des Himmels. Alsdann sieht +sie wie eine große, feurige Kugel aus und färbt die Wolken schön rot. +Auf einmal ist sie verschwunden. Es wird dunkler und die Nacht bricht +an. Man bietet sich "Guten Abend!" und wünscht allen vor dem +Schlafengehen eine "Gute Nacht!" Nun kommt die Zeit der Ruhe. + + + + +35. KIND UND SONNE. + +_Kind_: Sag einmal, liebe Sonne, wohin gehst du, wenn es Abend +wird? Es heißt dich doch niemand fortgehen. Ich meine, du könntest +immer bei uns bleiben. Das wäre so schön! + +_Sonne_: Nein, mein Kind, das kann nicht sein! Wenn es Nacht +wird, schlafen die Leute, und du schläfst auch. Beim Schlafen braucht +man mich aber nicht. Ich reise dann weit, weit fort in ein fernes +Land. Dort wohnen auch Menschen: Väter, Mütter und viele brave +Kinder. Wenn ich zu diesen komme, haben sie ausgeschlafen. Vater und +Mutter stehen dann auf und arbeiten, und die größeren Kinder gehen in +die Schule, um zu lernen. + +_Kind_: Ei, ei! Und wenn du bei diesen Menschen gewesen bist, +wohin gehst du hernach? + +_Sonne_: Wenn ich dort gewesen bin, komme ich wieder zu dir, wie +an jedem Morgen. So reise ich zu allen Menschen auf der ganzen Erde. + + + + +36. SONNE UND REGEN. + + Die Sonne sprach: "Ich will scheinen + So fort und immerfort!" + Der Regen sprach: "Ich will fallen + Ohn' Ende an jedem Ort!" + Die Sonne: "Du machst ja alles + Auf der Erde gang naß!" + Der Regen: "Du machst zu trocken, + Wenn du scheinst ohn' Unterlaß!" + Die Sonne: "Ich mache fruchtbar, + Und alles freut sich mein!" + Der Regen: "Du machst zu trocken, + Dich mag man nicht allein!" + So haben sie lang gestritten, + Doch wurden sie einig zuletzt: + Sie wollten miteinander wechseln, + Und so ist es denn auch jetzt. + + + + +37. ASTERN. + +Ein kleiner Knabe lag einmal im Grase und schlief. Da sah er im Traum +einen Engel, der eine wunderschöne Blume in der Hand trug. Der Engel +sagte, daß es im Himmel viele solche Blumen gebe. Der Knabe hätte sie +gerne gehabt. Als er aufwachte, lagen da ein paar glänzende +Samenkörner. Die pflanzte der Knabe in seinem Garten. Als der Herbst +kam, waren aus den Samen die Blumen entstanden. Sie sahen gerade wie +Sterne aus. Der Knabe rief seine Eltern. Vater und Mutter sagten: +"Das sind Sternblumen oder Astern. Die sollen uns an den, Himmel +droben erinnern." + +[Illustration] + + + + + +38. RÄTSEL. + +Loch bei Loch, +Und hält doch. +Was ist's? + +Rat! Das Haus hat lauter Treppen, +Keine Fenster, keine Zimmer; +Wer drin wohnt, muß es immer +Auf seinem Rücken schleppen. + +Es ist ein Ding, hat Stamm und Zweig' und Blätter, +Schützt dich vor Sonne und im Regenwetter. + + + + +39. VÖGEL UND BLUMEN. + + Die Vögel, sie fliegen wie Blätter im Wind; + Da winken die Blümlein zum Abschied geschwind. + Es singt in den Bäumen der Herbst schon sein Lied, + Fort ziehen die Vögel, die Blumen sind müd'. + + Im Süden die Vögel, die Blumen im Schnee, + Sie warten, daß wieder der Frühling ersteh'. + Dann lachen die Blüten, das Vögelein singt; + Dann duftet's und jubelt's, bis rings alles klingt. + + + + +40. DANKSAGUNGSTAG. + +Was tut ihr, wenn euch jemand etwas geschenkt hat oder recht gut +gegen euch gewesen ist? Nicht wahr, ihr sagt: "Danke schön!" +Vergesset das ja nicht! Wir Menschen, groß und klein, haben für gar +vieles dankbar zu sein. Die Kinder können sich freuen, wenn sie noch +Eltern haben, die sie lieben und für sie sorgen. Erwachsene Leute +sollen froh sein, wenn sie gesund sind und keine Not zu leiden +brauchen. Doch das wird oft nicht bedacht. Deshalb ist ein Tag da, an +dem ein jeder von feiner Arbeit ausruhen und fröhlich Gott danken +soll für allen Segen. Im Herbste, wenn die Ernte vorüber ist, kommt +der Danksagungstag. Da gibt es meistens gut und reichlich zu essen +und zu trinken. In den Kirchen ist Gottesdienst. Auch für die Armen +und Unglücklichen wird gesorgt, damit ein jeder im Herzen dankbar +sein möge für das Gute und Schöne, was das Jahr gebracht hat. + + + +41. VOM PUTER. + + Puter, Puter, Polterhahn, + Hast 'ne rote Weste an, + Hast 'ne rote Nasenspitze + Und 'ne rote Zipfelmütze; + Aber das gibst du wohl zu: + Ich bin schöner doch als du! + +[Illustration] + + + + + +42. DIE VIER BRÜDER. + + Vier schöne Brüder kenn' ich wohl, + Geschmückt so wunderbar; + Sie kommen schon seit alter Zeit + Zu uns in jedem Jahr. + Der erste Bringt uns einen Strauß, + Streut Blumen um sich her. + Den zweiten schmückt ein goldner Kranz + Von Ähren voll und schwer. + Der dritte reicht uns Äpfel dar + Und neuen goldnen Wein. + Der vierte ist in Pelz gehüllt + Wie Schnee so weiß und rein. + Wer nennt die schönen Brüder mir, + Geschmückt so wunderbar? + Sie kommen schon seit alter Zeit + Zu uns in jedem Jahr. + + + + +43. DIE ZWÖLF MONATE. + + Gleich anfangs mit dem neuen Jahr + Erscheint der kalte Januar, + Dann kommt alsbald der zweite Mann, + Der Februar, in Eile an. + Der März ist nun auch nicht mehr weit, + Und der April ist bald bereit. + Ihm folgt der wunderschöne Mai, + Der Juni kommt drauf schnell herbei, + Und ist der Juli nun erst da, + So ist auch der August schon nah; + Ihm schließt sich der September an, + Und der Oktober folgt alsdann. + November ziehet schleunig ein, + Dezember wird her letzte sein. + + + + +44. DIE BLÄTTER TANZEN. + + Die Bäume stehen ruhig da, + Die Blätter flüstern leise. + Hört ihr den Wind, hei, hussassa, + Bald bläst er seine Weise. + + Da braust der Wind gar wild einher + Und rüttelt an den Bäumen, + Er beugt sie hin, er beugt sie her, + Läßt keine Zeit zum Träumen. + + "Halt ein, du stürmischer Gesell', + Wir stehen fest wie Lanzen!" + Die Blätter aber lachen hell: + "Herr Wind, wir möchten tanzen!" + + "Ei," ruft der Wind, "ein luftig Wort, + Da kann ich stark mich zeigen!" + Er Bläst die bunten Blätter fort; + Die tanzen froh den Reigen. + + Der Wind ist fort, der Tanz ist aus, + Die Blätter sinken nieder; + Der Schnee streckt sein Decke aus, + Der Frühling hebt sie wieder. + +[Illustration] + + + + +45. DIE VIER JAHRESZEITEN. + +Es gibt vier Jahreszeiten: Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Im +Frühling wird die Luft warm. Der Schnee schmilzt, und die Flüsse +werden wieder frei vom Eise. Auf den Wiesen und in den Gärten keimen +Gräser und Kräuter, auf den Feldern grünt die Saat, und die Bäume +bekommen frisches Laub. Sie treiben Knospen und Blüten. Die Vögel, +welche im Herbste in wärmere Länder gezogen waren, kehren zurück. +Andere Tiere, die den Winter in ihren Höhlen verschlafen hatten, +wachen auf und kommen hervor. Mit dem Sommer werden die Tage länger, +und die Wärme nimmt zu. Das Getreide wird reif und vom Landmanne +geschnitten. Auf den Sommer folgt der Herbst. Im Herbst gibt es Obst, +Trauben und Kartoffeln, auch wird die Saat für das nächste Jahr +bestellt. Das Laub der Bäume vertrocknet und fällt zur Erde nieder. +Die Tage werden immer kürzer. Oft ist es neblig und rauh. Bald wird +es recht kalt; die Flüsse frieren zu, und es gibt Schnee. Die Vögel +können draußen kein Futter finden. Sie kommen in die Straßen und vor +die Türen, um einige Körner und Bröckchen zu suchen. Zu Hause wird +eingeheizt; aber im Freien tummeln sich die Kinder, gleiten auf dem +Eise, oder fahren Schlitten. Sie freuen sich darauf, einen Schneemann +machen zu können. Bald naht auch das liebe Weihnachtsfest. + + + + +46. WINTERS ANKUNFT. + + Im weißen Pelz der Winter + Steht lang' schon hinter der Tür, + Ei, guten Tag, Herr Winter, + Das ist nicht hübsch von dir! + + Wir meinten, du wärest, wer weiß wie weit, + Da kommst du mit einmal hereingeschneit. + Nun, da du hier bist, so mag's schon sein; + Aber, was bringst du Gutes uns Kindelein? + + Was ich euch bringe, das sollt ihr wissen: + Fröhliche Weihnacht mit Äpfeln und Nüssen + Und Schneeballen, + Wie sie fallen, + Und im Jänner + Auch Schneemänner! + +[Illustration] + + + + +47. DER TANNENBAUM. + + So manches Bäumchen in dem Wald + Verliert im Herbst die Blätter, + Jedoch der liebe Tannenbaum + Der trotzet Wind und Wetter. + + Ist alles draußen öd' und leer, + Steht er im grünen Kleide + Und setzt sich stolz ein Käpplein auf, + Ein Käpplein weiß wie Kreide. + + Das nimmt er aber artig ab + Am frohen Weihnachtsfeste, + Und grüßet liebevoll und gut + Die Kinder all' aufs Beste. + + O Tannenbaum, o Tannenbaum, + Du kannst mir sehr gefallen, + Du bist der allerliebste mir + Doch von den Bäumen allen. + + + + +48. VOGEL AM FENSTER. + + An das Fenster klopft es: pick, pick! + "Macht mir doch auf einen Augenblick! + Dicht fällt der Schnee, der Wind weht kalt, + Habe kein Futter, erfriere bald. + Liebe Leute, o laßt mich ein, + Will auch immer recht artig sein!" + + Sie ließen ihn ein in seiner Not; + Er suchte sich manches Krümchen Brot; + Blieb fröhlich manche Woche da. + Doch als die Sonne durchs Fenster sah, + Da saß er immer so traurig dort: + Sie machten ihm auf, husch, war er fort. + +[Illustration] + + + + +49. DAS BÜBLEIN AUF DEM EISE + +Es war Winter. Da kam ein Knabe an einem Teiche vorbei. Der Teich war +zugefroren. Der Knabe hatte große Lust, auf das Eis zu gehen. Der +Vater aber hatte es ihm verboten. Das Eis war noch nicht stark genug. +Der ungehorsame Knabe wagte sich dennoch auf das Eis. Er hackte +darauf mit seinen Stiefeln. Auf einmal krachte das Eis. Der Knabe +fiel in das Wasser hinein und schrie laut um Hilfe. Ein Mann eilte +herbei und zog ihn heraus. Ganz durchnäßt mußte der Knabe nach Hause +laufen. Die Mutter brachte ihn in das Bett, und dazu wurde er noch +von seinem Vater bestraft. + + + + +50. RÄTSEL. + +Weiß wie Kreide, +Leicht wie Flaum, +Weich wie Seide, +Feucht wie Schaum. + +Wer baut wohl die billigste Brücke? +Wer reißt sie nieder und schlägt sie in Stücke? + +Was mögen das für Blumen sein, +Die unsre Fenster zieren, +Wenn drauß' vor Kälte Stein und Bein +Im rauhen Winter frieren? +Sie sind nicht rot und blau gemalt, +Wie Blumen auf den Wiesen, +Und wenn die liebe Sonne scheint, +In Wasser sie zerfließen. + + + + +51. WEIHNACHTSFREUDE. + +Am Abend vor Weihnachten kam Else zur Mutter gelaufen und rief: +"Denke nur, Anna Maurer hat mir heute ins Ohr gesagt, sie hätten seit +gestern kein Holz, kein Brot und keine Milch. Und sie haben doch ein +kleines Kind, und die Großmutter ist krank. Darf ich der Anna heute +Abend mein Brot geben?" + +"O, gewiß," sagte die Mutter, "geh nur gleich hin. Bringe ihnen auch +diese Kanne voll Milch. Robert soll seinen kleinen Schlitten voll +Holz laden und es hinfahren." Wie freuten sich die Kinder, daß sie +den armen Leuten helfen durften. + +Aber Robert wollte noch mehr tun. Er bat den Vater um ein ganz +kleines Tannenbäumchen. Das schmückte er mit farbigen Sternen und +Lichtlein. Dann suchte er seine warme Kappe für Maurers Karl und nahm +ein Säcklein voll Nüsse. Else holte eine ihrer Puppen. Alles das +packten sie in einen Korb. + +Als es dunkel war, nahm Robert das Bäumchen und Else den Korb. Sie +gingen hin und stellten die Sachen leise vor Maurers Tür. Dann +klopften sie und eilten davon. + +Wie sich da die armen Leute freuten! Aber auch Robert und Else +meinten, noch nie so schöne Weihnachten gehabt zu haben, wie diesmal. + + + + +52. SCHNEESTERNE. + +_Olga_: Komm, liebe Mama, komm geschwind! Ich hab' dir etwas +mitgebracht. Rate, was es ist! + +_Mutter_: Nun, was mag das wohl sein! Blumen, Obst oder gar +Kuchen? + +_Olga_: O, nein, nein; ganz etwas anderes. Schöne, weiße Sterne +sind es. Sieh her, hier hab' ich sie in meiner Schürze! + +_Mutter_: Wo sind sie denn? Ich kann nichts sehen. + +_Olga_: Ach, Mama! Sie sind nun fort, und ich habe mich doch so +gefreut, sie dir zu bringen. Es sind nur noch kleine Tropfen auf +meiner Schürze. Ich möchte weinen! + +_Mutter_: Weine nicht, liebe Olga: Solche Sterne können nicht +bleiben. Die Waren einmal Wasser, und die Kälte machte sie zu Schnee. +Da sehen sie gerade wie kleine, blitzende Sterne aus. Nachher werden +sie wieder zu Wasser. Menschen, Tiere und Pflanzen trinken das +Wasser. Nach und nach holt die Sonne auch viele Tropfen hinauf zu den +Wolken. Ohne Wasser könnten wir gar nicht leben. + +[Illustration] + + + + +53. BRIEF VOM WEIHNACHTSMANN. + +Daheim, am 1. Januar 1913. + +Liebe Kinder! + +Mein Vetter, der Neujahrsbote, bringt Euch meine Grüße und Wünsche. +Eure Bitten habe ich, wie Ihr wisset, erfüllt. Erfreuet Euch nur +recht an den Geschenken. + +Wenn nun heute mein Baum noch einmal strahlt und glitzert, dann nehmt +Euch vor, auch in diesem Jahre immer lieb und brav zu sein. Ihr könnt +Euren Eltern und mir keine größere Freude machen. Schreibt mir zur +rechten Zeit wieder, ob Ihr Wort gehalten habt. Dann schenke ich Euch +das nächste Mal, was Ihr als gute Kinder verdient. + +Euer Freund + +Der Weihnachtsmann. + + + + +54. ZU NEUJAHR. + + Noch nicht erwachsen bin ich, + Drum wünsch' ich kurz, doch innig: + Ein glückliches Neujahr! + + Und was euch freut, das weiß ich: + Wenn brav ich bin und fleißig, + Mehr als ich sonst es war. + + Gesundheit, Freude, Frieden + Sei allen euch beschieden, + Wie heut, so immerdar. + + + + +55. VERSTEHST DU DAS? + + Er ritt auf einem Rappen aus, + Da kam etwas vom Himmel, + Und als er wieder kam nach Haus, + Da war der Rapp' ein Schimmel. + Verstehst du das? + + + + +56. DER SCHNEEMANN. + +Es hatte geschneit. Dick lag der Schnee auf Straßen und Plätzen. Die +Knaben wollten sehen, wie tief er wohl sei. Sie wateten hindurch, daß +der Schnee in die Stiefel fiel. "Heute wollen wir einen Schneemann +bauen!" So riefen Fritz, Karl und Otto. Schnell machten sie einen +großen Schneeball und wälzten ihn im tiefen Schnee herum. Bald wurde +der Ball so groß, daß ihn die Knaben nicht mehr fortbringen konnten. +Nun wälzten sie einen neuen Ball heran, den setzten sie auf den +ersten. Oben darauf kam ein kleiner Ball, das war der Kopf des +Schneemannes. In den Kopf steckte Fritz zwei Kohlen, das waren die +Augen. Auch Nase und Mund, ja sogar die Rockknöpfe des Mannes wurden +aus Kohlen gemacht. Nun bekam der Schneemann noch zwei Arme. In den +einen Arm legten ihm die Knaben einen großen Stock. + +Da stand er nun und drohte. Aber der arme Mann konnte nicht schlagen. +Fortlaufen konnte er auch nicht, als ihn die jungen mit Schneebällen +warfen. Doch das war noch das Schlimmste nicht! Auf einmal guckte die +liebe Sonne über das Dach. Da fing der Schneemann an zu weinen. +Tränen liefen ihm über das Gesicht und den weißen Pelzrock. Es war +gut, daß die Sonne heute nicht noch länger schien, sonst wäre er ganz +zu Wasser geworden. Morgen aber oder übermorgen wird's wohl so +kommen. + +[Illustration] + + + + +57. MÄRZ. + +Nach vielen trüben Tagen sehen wir den blauen Himmel wieder. Manchmal +scheint auch schon die Sonne freundlich auf die Erde herab. Da muß +der Winter weichen. Der Schnee fängt an, zu schmelzen, und nur noch +des Nachts gibt es ein wenig Eis. An schönen Tagen läßt sich +vielleicht ein Vogel hören, und ein fleißiges Bienchen fliegt umher. +Auf dem Felde und im Wald sieht es aber noch recht öde aus. Nur die +Weiden und Birken haben graue Kätzchen, und an den Zweigen der Ulme +sind kleine Blüten. Die Kinder gehen ins Freie; sie spielen Ball oder +lassen den Drachen steigen. + + + + +58. OSTERGRUSS. + + Das Häschen im Walde eilt hin und her, + Nach Eiern ist heute ein großes Begehr. + Es borgt bei der Henne, es borgt bei dem Spatz + Und sucht für die Nester den passenden Platz. + Ein artiges Kindlein erhält heut' sein Ei. + Es schleppen die Häschen die Eier herbei; + Und bist du am Ostermorgen erwacht, + Hat Häschen die Nester gefüllt über Nacht. + + + + +59. DER OSTERHASE. + +Bald ist es Ostern. O, wie freue ich mich, denn es kommt der +Osterhase! Der bringt schöne, bunte Eier. Wir wollen ihm deshalb ein +Nest zurecht machen. Oft versteckt der Osterhase die Eier. Dann +müssen wir sie suchen. Zuweilen legt er sie in Hüte, Schuhe oder +Körbe. Auch unter den Schrank hat er sie schon gelegt. Ja, er steckt +sie uns wohl gar in die Taschen. Welche Freude, wenn wir sie finden! +Erst zählen wir sie und spielen damit. Später essen wir sie; sie +schmecken gut. In Washington werden am Ostermontage viele Kinder zum +Präsidenten eingeladen. Sie können lange auf dem Rasen bei dem großen +Hause spielen. Da gibt es dann viele und sehr schöne Ostereier. Die +werden hin und her gerollt und schließlich verzehrt. Ihr möchtet auch +dabei sein, nicht wahr? + +[Illustration] + + + + +60. DER OBSTGARTEN. + +Neben dem Gemüse und den Blumen ist oft ein Platz, auf dem nur Gras +und Obstbäume wachsen, es ist der Obstgarten. Welche Pracht, wenn die +Bäume im Frühlinge blühen! Der Kirschbaum kommt zuerst mit seinen +weißen Blüten. Dann ziehen der Birnbaum und der Pflaumenbaum ihr +weißes Kleid an. Am schönsten aber Blühen der Apfelbaum und der +Pfirsichbaum, die blühen schön rot. Das Obst ist zuerst grün; dann, +wenn die Sonne recht heiß scheint, wird es gelb, rot oder blau. Ah, +Wie schmecken Kirschen und Pflaumen so gut! Wenn sie nur schon reif +wären! + + + + +61. SPRÜCHE. + +Was Hänschen nicht lernt, +Lernt Hans nimmermehr. + +Gute Sprüche, weise Lehren +Muß man üben, nicht bloß hören. + +Frage nicht, was and're machen, +Sieh auf deine eig'nen Sachen. + + + + +62. DIE VÖGEL IM FRÜHLINGE. + +Im Winter sind nur wenige Vögel Bei uns. Wo sind die andern? Sie sind +fortgezogen nach wärmeren Ländern. Jetzt wird es aber auch hier bei +uns warm, und die Vögel kehren zurück. Bald werdet ihr sie singen +hören. Fleißig fliegen sie zum Baume. Sie arbeiten. Im Schnabel +tragen sie Stroh, Heu, Pferdehaare oder auch kleine Zweige herbei; +damit bauen sie ihre Nester. + +[Illustration] + + + + +63. DAS ROTE HÜHNCHEN. + +_Hühnchen_: Hier ist ein Weizenkorn. Wer wird mir helfen, es zu +pflanzen? Bitte, hilf du mir, Frau Gans. + +_Gans_: Es tut mir leid, aber ich kann dir nicht helfen. + +_Hühnchen_: Bitte, hilf du mir, Frau Ente. + +_Ente_: O, ich kann dir heute nicht helfen. Ich habe so viel mit +meinen Kindern zu tun. + +_Hühnchen_: Nun, dann hilf du mir, alte Katze. + +_Katze_: Ich kann dir auch nicht helfen. Ich muß meine Kätzchen +waschen. + +_Hühnchen_: Willst du mir denn nicht helfen, kleines Schwein? + +_Schwein_: Ich kann keinen Weizen pflanzen. Ich bin zu müde. +Pflanz du ihn selber. + +_Hühnchen_: Das will ich auch tun! Ich lege dich in die Erde, +Körnchen, und die Sonne, der Regen und der Wind werden dich wachsen +lassen. + + + * * * * * + + +_Hühnchen_: Jetzt ist der Weizen reif. Wer wird ihn nach der +Mühle fahren? Willst du es tun, Frau Gans? + +_Gans_: Es tut mir recht leid, Hühnchen, aber heute kann ich +nicht nach der Mühle fahren. Ich habe Rückenschmerzen. + +_Hühnchen_: Willst du es tun, Frau Ente? + +_Ente_: Nein, ich kann auch nicht fort. Ich muß jetzt schwimmen. + +_Hühnchen_: So tu du es, alte Katze! + +_Katze_: Sch! Sch! Ruhig! Ich laure auf eine Maus. Ich kann +diesmal nicht gehen. + +_Hühnchen_: Bitte, tu du es doch, kleines Schwein. + +_Schwein_: Ach was! Es ist gerade Zeit für mein +Mittagsschläfchen. Du kannst den Weizen selber zur Mühle fahren. + +_Hühnchen_: Das werde ich auch tun. + + + * * * * * + + +_Hühnchen_: Hier ist Mehl. Wer wird Brot daraus backen? Willst +du das Brot backen, Frau Gans? + +_Gans_: Ei, nein! Ich habe in meinem Leben noch kein Brot +gebacken. + +_Hühnchen_: Willst du das Brot backen, Frau Ente? + +_Ente_: Ich! Brot backen? Nein, das kann ich wirklich nicht tun. + +_Hühnchen_: Backe du das Brot, alte Katze! + +_Katze_: Ich tue alles andere auf der Welt lieber als backen. + +_Hühnchen_: Wach auf, kleines Schwein, und back du das Brot. + +_Schwein_: Ach! laß mich in Ruhe. Ich will dir beim Essen +helfen, wenn es gebacken ist. + +_Hühnchen_: Gut; da backe ich es selbst. + + + * * * * * + + +_Hühnchen_: So, jetzt ist das Brot gebacken. Sechs schöne, +braune Laibe. Wer will helfen essen? + +_Gans, Ente, Katze, Schwein_: Wir wollen dir helfen! + +_Hühnchen_: O, nein! Nun brauch' ich euch auch nicht. Ich werde +es essen, und meine Küchlein sollen mir helfen. Gluck, gluck, gluck! + + + + +64. RÄTSEL. + +Rate flink: +Ein kleines Ding, +Dünn und spitz; +Sticht wie der Blitz. + +Zwei sind's, die nebeneinander steh'n +Und alles ganz gut und deutlich seh'n, +Nur immer eines das andre nicht, +Und wär' es beim hellsten Tageslicht. + + + + +65. DER NASEWEISE BELLO. + +In einem Stalle wohnten fünf kleine Hunde mit ihrer Mutter. Alle +waren schön weiß mit braunen Flecken. Sie spielten lustig umher und +lernten auch von der Mutter Ratten und Mäuse fangen. + +Nur einer der Kleinen wollte nicht folgen. Er wollte auch nicht mit +seinen Geschwistern spielen, sondern trieb sich lieber draußen herum. +Einmal war Bello--so hieß der kleine--wieder hinausgeschlichen. Bei +der Türe stand ein Topf voll schwarzer Farbe. Bello wollte gerne +wissen, was darin wäre, und so steckte er seine Nase hinein. Aber, o +weh! er kam mit dem Kopfe zu Weit hinein und warf den Topf um. Jetzt +war er über und über mit schwarzer Farbe bedeckt. Langsam ging er +zurück und blieb mit hängendem Kopf auf der Türschwelle sitzen. Seine +Mutter und seine Geschwister schämten sich des schmutzigen, +naseweisen Bello. + + + +66. HEIL, AMERIKA! + + Hoch die Fahnen, + Sie gemahnen + An das teure Vaterland. + Rot und weiß die Streifen winken, + Licht im Blau die Sterne blinken, + Sind der Freiheit Unterpfand. + + Freudig singen + Wir und bringen + Grüße viel von fern und nah. + Wo die Flaggen munter wehen, + Stolz wir, sie beschützend, stehen, + Deiner wert, Amerika! + +[Illustration] + + + + +67. PETERSILIE. + +Es waren einmal zwei Kinder, ein Knabe und ein Mädchen. Das Mädchen +hieß Silie, der Knabe Peter. Die Kinder konnten sich gar nicht +miteinander vertragen. Sobald sie zusammenkamen, stritten sie und +schlugen einander. Dies machte den Eltern viel Kummer. Das ärgerte +den Paten der Kinder, der ein Zauberer war. Er sprach zu den beiden: +"Höre ich euch wieder zanken, so lasse ich euch zur Strafe +zusammenwachsen." + +Es dauerte gar nicht lange, so war wieder Streit; Silie schlug den +Peter, und Peter schlug Silie. Da kam der Zauberer durch die Luft +gefahren und rührte beide mit seinem Stabe an. Nun waren sie +verwandelt. Peter wuchs in die Erde hinein als Wurzel, und oben auf +ihm Silie als grünes Kraut. Der Zauberer nannte sie nun zusammen: +Petersilie. + + + +68. DAS KIND UND SEIN BLÜMCHEN. + + Ward ein Blümchen mir geschenket, + Hab's gepflanzt und hab's getränket. + Vögel, kommt und gebet acht! + Gelt, ich hab' es recht gemacht? + + Sonne, laß mein Blümchen sprießen! + Wolke, komm es zu begießen! + Richt' empor dein Angesicht, + Liebes Blümchen, fürcht' dich nicht! + + Und ich kann es kaum erwarten, + Täglich geh' ich in den Garten, + Täglich frag' ich: Blümchen, sprich, + Blümchen, bist du bös auf mich? + + Sonne ließ mein Blümchen sprießen, + Wolke kam, es zu begießen; + Jedes hat sich brav bemüht, + Und mein liebes Blümchen blüht. + + + Wie's vor lauter Freuden weinet, + Freut sich, daß die Sonne scheinet; + Schmetterlinge, fliegt herbei, + Sagt ihm doch, wie schön es sei! + +[Illustration] + + + + +69. NACHLÄSSIGKEIT. + +Eine fleißige Mutter baute in ihrem Garten Gemüse aller Art. Eines +Tages sagte sie zu ihrer kleinen Tochter: "Lieschen, sieh da an der +untern Seite des Kohlblattes die kleinen, netten, gelben Tüpfelchen! +Das sind die Eier, aus denen die schönfarbigen, aber verderblichen +Raupen kommen. Suche diesen Nachmittag alle Blätter ab und zerdrücke +die Eier, so wird unser Kohl grün und unversehrt bleiben." + +Lieschen meinte, zu dieser Arbeit sei es immer noch Zeit, und dachte +am Ende gar nicht mehr daran. Die Mutter war einige Wochen krank und +kam nicht in den Garten. Als sie aber wieder gesund war, nahm sie das +saumselige Mädchen bei der Hand und führte es zu den Kohlbeeten, und +siehe! aller Kohl war von den Raupen abgefressen. Man sah nichts mehr +als die Stengel und Gerippe der Blätter. Das erschrockene und +beschämte Mädchen weinte über seine Nachlässigkeit. Die Mutter aber +sprach: "Tu' künftig das, was heute geschehen kann, sogleich heute +und verschiebe es niemals auf morgen!" + + + + +70. EIN RÄTSEL. + +Ratet, ratet, was ist das: +Es ist kein Fuchs und ist kein Has'. +Es hat zwei Augen und kann nicht sehen. +Es hat zwei Füße und kann nicht gehen. +Es hat zwei Ohren und kann nicht hören. +Es hat zwei Hände und kann sich nicht wehren. + +Es ist ein Mädchen hübsch und fein, +Tut niemals zanken und niemals schrei'n. + +Was für ein Mädchen mag das sein? + +[Illustration] + + + + +71. WAS WÜRDEST DU TUN? + +"Wenn ich ein König wäre," sagte ein Kind, "ließe ich mir ein Schloß +bauen bis an die Wolken!" + +"Und ich," sagte ein anderes, "trüge nur Kleider von Silber und +Gold!" + +"Und ich," rief ein dicker Bube, "ich äße nur Kuchen und Wurst!" + +"Ich," sagte ein kleines Mädchen und wurde ein wenig rot, "ich gäbe +allen armen Kindern Geld, daß sie sich Brot und Kleider kaufen +könnten!" + + + + +72. WAS WOLLEN WIR SPIELEN? + +_Ella_: In fünf Minuten ist Essenszeit, + Noch schnell was zu spielen, das wäre gescheit! + +_Toni_: Ei! Jede holt ihre Puppe heraus, + Wir tragen sie etwas spazieren ums Haus. + +_Ella_: Das Puppenholen hält aber doch auf! + Komm, spielen wir haschen; ich fange dich, lauf! + +_Toni_: Beim Haschen kommt man ja gar nicht zur Ruh'. + Ach! spielen wir lieber Blindekuh! + +_Ella_: Bei Blindekuh komme ich immer zu Fall. + Topp! Weißt du was, spielen wir Fangeball! + +_Toni_: Ach was, das Ballspiel machte mir niemals Spaß; + Reifentreiben, das wäre noch was! + +_Ella_: Die Reifen, die sind auch drinnen im Haus. + Was meinst du, wir suchen Mama einen Strauß! + +_Toni_: Wir dürfen ja nicht auf dem Rasen springen. + So laß uns lieber ein Liedchen singen! + +_Ella_: Ich habe den Husten, fällt eben mir ein! + +_Toni_: Na, gut! So spiele ich für mich allein! + +_Ella_: Ganz alleine? O, das wäre nicht schlecht: + Dir ist ja auch nimmer ein Vorschlag recht! + + +_Toni_: Was spiele ich nun?--Die Zeit geht vorbei-- + Zum Wettelaufen gehören doch zwei! + +_Ella_: Mir ist nicht sehr zum Spielen zu Mut-- + Alleine tanzen geht auch nicht gut! + +_Toni_: Mama ruft zum Essen! Wir müssen ins Haus! + Ach, Ella, nun ist mit dem Spielen es aus! + +_Ella_: Wie ist die Zeit nur so hingegangen! + Wir haben ja nicht einmal angefangen! + +_Toni_: Ja! weißt du, das Überlegen und Streiten! + Es war doch wirklich recht dumm von uns beiden! + +_Ella_: Wir haben recht kindisch uns angestellt! + +_Toni_: Nach Tische spielen wir-- + +_Ella_: Was dir gefällt! + + + + +73. DIE SCHLAUE KATZE. + +Die Nachbarin hatte einen zahmen Zeisig, den sie oft aus dem Käfig +ließ. Dann hüpfte das Tierchen in der Stube umher und suchte Krumen +am Boden. Die alte Katze war immer sehr freundlich mit dem Vögelchen. +Vor einigen Tagen aber erfaßte sie plötzlich den Zeisig, nahm ihn ins +Maul und sprang mit ihm auf den Tisch. + +Die Nachbarin erschrak und glaubte, die Katze wolle ihr liebes +Vögelein auffressen. Da sah sie jedoch, daß die Stubentüre offen war +und eine fremde Katze sich ins Zimmer geschlichen hatte. Schnell +jagte sie diese hinaus, und sieh, die alte Hauskatze sprang sogleich +vom Tische herab und ließ den Zeisig auf den Boden fallen, ohne ihm +etwas zuleide getan zu haben. Hat die alte Katze nicht klug +gehandelt? + + + + +74. KANNST DU ES SAGEN? + + Es saßen zehn Sperlinge auf dem Dach; + Da kam der Jäger und schoß danach; + Er traf davon nur vier. + Wie viel bleiben sitzen? + Das sage mir. + + + + +75. DER SPERLING + + Ich bin wohl ein gemeiner Wicht, + Das Singen, das versteh' ich nicht, + In schönen Kleidern geh' ich nicht; + Es sieht mich auch der Mann kaum an; + Nur böse Buben dann und wann, + Die werfen mich mit Steinen; + Und dennoch will mir's scheinen, + Als sei so schön die ganze Welt, + So blau die Luft, so grün das Feld-- + Zip, zip, zip! Ich hab' die Welt so lieb! + + + + +76. DAS PFERD UND DER ESEL. + +Einst schleppte ein Esel eine schwere Last. Neben ihm ging ein +lediges Pferd. Der Esel bat das Pferd, es möge ihm doch helfen; +allein es hörte nicht auf seine Bitte. Zuletzt konnte der Esel nicht +mehr weiter; er fiel zu Boden und starb. + +Nun lud der Treiber die ganze Last dem Pferde auf. Er zog dem toten +Tiere die Haut ab, und das Pferd mußte dieselbe noch obendrein +tragen. Hilf deinem Nächsten in der Not. + + + + +77. DER KLUGE STAR. + +Ein durstiger Star wollte aus einer Wasserflasche trinken. Er konnte +aber das Wasser mit seinem kurzen Schnabel nicht erreichen. Da hackte +er damit aufs dicke Glas; doch er vermochte nicht, es zu zerbrechen. +Dann stemmte er sich gegen die Flasche und wollte sie umwerfen. Aber +dazu war er nicht stark genug. + +Was tat der kluge Star zuletzt? Er las kleine Steinchen mit seinem +Schnabel zusammen und warf eines nach dem andern in die Flasche. +Dadurch stieg das Wasser endlich so hoch, daß er es erreichen konnte. +Jetzt löschte er seinen Durst. + +[Illustration] + + + + +78. DER APFELBAUM. + + Der Apfelbaum, das ist ein Mann! + Kein andrer gibt so gern wie der. + Im Winter, wenn man schüttelt dran, + Da gibt er Schnee die Fülle her. + Im Frühling wirft er Blüten nieder. + Im Sommer herbergt er die Finken. + Jetzt streckt er seine Zweige nieder, + Die voller Frucht zur Erde sinken. + Drum kommt und schüttelt, was ihr könnt! + Ich weiß gewiß, daß er's euch gönnt. + +[Illustration] + + + + +79. DER HASE UND DER FUCHS. + +Ein Hase und ein Fuchs machten im Winter eine Reise. Alles war mit +Schnee bedeckt. Der Hunger plagte sie sehr. Da sahen sie ein Mädchen +mit einem Korbe kommen, darin war Brot. Das merkte der Fuchs und +sagte zu dem Hasen: "Lege dich wie tot auf den Boden, dann wird das +Mädchen den Korb niederstellen, um dich aufzuheben. Ich nehme den +Korb weg und mache mich schnell davon. Du eilst mir nach, und dann +lassen wir es uns wohl sein." Das war dem Hasen recht. + +Der Fuchs verbarg sich hinter einem Haufen Schnee, und der Hase legte +sich nieder. Das Mädchen stellte den Korb richtig hin und griff nach +dem Hasen. Da schlich der Fuchs hervor und machte sich mit dem Korb +so schnell davon, daß das Mädchen ihm nicht nachkam. Unser Hase aber +eilte ihm in großen Sätzen nach. An einem Wasser hielten sie still. +Weil aber der Fuchs nicht teilen wollte, so sagte der Hase: "Brot +haben wir, jetzt sollten wir auch noch Fische haben. Dann hätten wir +ein Essen wie die großen Herren. Stecke deinen Schwanz ins Wasser, so +werden sich die Fische daran hängen, denn die haben jetzt auch nicht +viel zu beißen." + +Der Fuchs ging an den Weiher hin und hing seinen Schwanz in das +Wasser. Es dauerte aber nicht lange, so war er im Eise festgefroren. +Der Fuchs konnte ziehen und zappeln, wie er wollte--das Eis ließ ihn +nicht los. Er mußte nun zusehen, wie der Hase ein Brot nach dem +andern verzehrte. Dann rief der listige Hase dem Fuchs zu: "Im +Frühjahr sehen wir uns wieder. Laß dir die Zeit nicht zu lang werden, +bis das Eis auftaut." + + + + +80. SPRÜCHE. + +Wer andern eine Grube gräbt, +Fällt selbst hinein. + +Wer redet, was er nicht sollte, +Muß hören, was er nicht wollte. + +Kein besseres Kissen in Freude und Schmerz, +Als gutes Gewissen und fröhliches Herz. + + + + +81. DER HASE UND DIE SCHILDKRÖTE. + +Ein flinker Hase forderte einst die langsame Schildkröte zum Wettlauf +auf. Sie willigte ein, und eine große Eiche im Walde sollte das Ziel +sein. + +Mit den ersten Sonnenstrahlen machte sich die Schildkröte auf den +Weg, der Hase aber hatte keine große Eile. Er spielte lange im Grase +umher, ehe er ans Laufen dachte. Endlich sprang er fort und holte die +Schildkröte wirklich ein. Da er jedoch sah, wie mühsam sie vorwärts +kroch, legte er sich im Schatten eines Baumes nieder und schlief fest +ein. + +Als er erwachte, war es schon lange nach Mittag. Da rannte er, so +rasch er konnte, den Weg entlang. Aber, siehe da, als er die Eiche +erblickte, saß die Schildkröte schon darunter und lachte den Hasen, +der seine Zeit verspielt und verschlafen hatte, tüchtig aus. + +[Illustration] + + + + +82. HASENBRATEN. + + Auf dem Dach viel blanke Zapfen, + Zu dem Schnee viel kleine Tapfen, + Alle laufen nach dem Kohl! + Häschen, das gefällt dir wohl? + + Nächtlich, bei des Mondes Schimmer, + Sitzt es dort zu schmausen immer; + Knusperknäuschen, gar nicht faul: + Ei, du kleines Leckermaul! + + Häschen ist es schlecht bekommen; + Vater hat's Gewehr genommen; + Eines Abends ging es: bumm! + Bautz! da fiel das Häschen um. + + Kannst du wohl das Ende raten? + Heute gibt es Hasenbraten, + Apfelmus mit Zimt dazu. + Ach, du armes Häschen du! + +[Illustration] + + + + +83. DER SCHEIN TRÜGT. + +Bei einem Teiche wohnten viele Gänse. In der Nähe hatte auch ein +Fuchs seinen Bau. Gar oft versuchte er, sich eine Gans oder ein +Gänseküchlein zu fangen. Daher fürchteten sich diese sehr vor dem +braunen Gesellen. Einst war der Fuchs sehr hungrig. "Heute muß ich +mir einen fetten Braten holen!" sagte er zu sich selber. + +Er streckte sich, so lang er war, im Grase aus und rührte kein Glied. +Als die Gänse den Räuber so liegen sahen, kamen sie näher und erhoben +ein freudiges Geschnatter. "Jetzt werden wir Ruhe haben!" sprachen +sie. "Unser Feind ist nicht mehr am Leben!" + +Schnell sprang der Fuchs auf, erwischte den Gänserich beim Flügel und +trug ihn in seine Höhle. + +[Illustration] + + + + +84. DER FROSCH. + +_Berta_: Geschwind, geschwind, Mama! + +_Mutter_: Was fehlt dir? Wer hat dir etwas zuleide getan? + +_Berta_: Sieh nur, was mir unser Spitz in den Schoß fallen ließ! + +_Mutter_: Einen kleinen Frosch! Und deshalb bist du so +erschrocken? Rasch, nimm den kleinen Burschen und setze ihn in das +Gemüsebeet! + +_Berta_: Tragen soll ich das häßliche Tier? Ich würde es um +alles in der Welt nicht in die Hand nehmen! + +_Mutter_: Nun, dann muß ich es tun! Schau, wie ich jetzt das +Tierchen anfasse und es ins Beet hüpfen lasse. Hopp, da sitzt es +schon drinnen. + +_Berta_: O, Mama, was tust du? Warum hast du den Frosch nicht +getötet? + +_Mutter_: Weil er ein sehr nützliches Tier ist. Freust du dich +nicht, wenn es im Garten die zarten Rübchen und die süßen Erbsen +gibt, die Papa jedes Frühjahr pflanzt? + +_Berta_: Gewiß, Mama! Ich esse beides sehr gerne; aber was hat +das mit dem Frosch zu tun? + +_Mutter_: Höre nur, du wirst es gleich erfahren. Den Raupen und +Käfern schmecken diese Gemüse auch gut, gerade wie dir. Im Frühlinge +stellen sich diese Insekten ein und fressen die Blättchen ab, so daß +die Pflänzchen sterben müßten, wenn der Frosch nicht zur Hand wäre. +Der glatte Bursche hüpft dann durch den Garten, fängt die Raupen, +Fliegen und Käfer, und die Pflänzchen wachsen wieder. Soll ich den +Frosch zum Dank dafür töten, Berta? + +_Berta_: Nein, liebe Mama; und wenn ich wieder sehe, daß ein +Knabe einen Frosch quält, will ich ihm sagen, was ich heute von dir +gelernt habe. + +[Illustration] + + + + +85. VOM LISTIGEN GRASMÜCKLEIN EIN LUSTIGES STÜCKLEIN. + + Klaus ist in den Wald gegangen, + Weil er will die Vöglein fangen; + Auf den Busch ist er gestiegen, + Weil er will die Vöglein kriegen. + Doch im Nestchen sitzt das alte + Vögelein just vor der Spalte, + Schaut und zwitschert: "Ei, der Taus! + Kinderlein, es kommt der Klaus, + Hu, mit einem großen Prügel, + Kinderlein, wohl auf die Flügel!" + Brr, da flattert's: husch, husch, husch! + Leer das Nest, und leer der Busch. + Und die Vöglein lachen Klaus + Mit dem großen Prügel aus, + Daß er wieder heimgegangen + Zornig, weil er nichts gefangen; + Daß er wieder heimgestiegen, + Weil er konnt' kein Vöglein kriegen. + + + + +86. EIN TÖRICHTER STREIT. + +Zwei Knaben, Albert und Paul, suchten im Walde Nüsse. Da bemerkte +Paul eine große Walnuß unter einem Baume und rief seinem Kameraden +zu: "O, sieh dort vor dir die Walnuß!" Albert hob sie schnell auf und +steckte sie in seine Tasche. Damit war aber Paul nicht zufrieden; er +sagte: "Die Nuß gehört mir, ich habe sie zuerst gesehen!" "Und ich +habe sie aufgehoben," erwiderte Albert trotzig; "ich gebe sie nicht +her!" So stritten sie heftig, und schon wollten die törichten Knaben +einander schlagen, als Georg, ein älterer Junge, herbeikam, der im +Walde Eichhörnchen schoß. Albert und Paul baten den großen Knaben, er +solle entscheiden, wem die Nuß gehöre. Was tat Georg? Er zerbrach die +Nuß mit einem Steine und gab jedem der beiden Streitenden ein Stück +von der Schale. "Den Kern," sprach er, "behalte ich als Lohn dafür, +daß ich euer Richter war!" Dann ging er lachend fort. + +[Illustration] + + + + +87. HERR WIND! HERR WIND! + + Ein Bauer hat ein Haus gehabt, + Und auf dem Haus ein Dach. + Zur Nachtzeit kam der Wind getrabt, + Da ward der Bauer wach. + Wie's heulte, krachte, klirrte, klang! + Der arme Bauer flehte bang: + "Ich bitt' dich, lass' dein Toben, + Und lass' mein Dach dort oben, + Herr Wind! Herr Wind!" + + Des Daches Luken schlossen gut + Der Bauer und sein Knecht. + Da ward der Wind voll Trotz und Wut + Und kreischte: "Nun erst recht!" + Herr Wind! Herr Wind! du böser Wind, + Du bist wie manche Kinder sind, + Die das just haben wollen, + Was sie nicht haben sollen. + Herr Wind! Herr Wind! + + Mit Dräuen drängt der Wind und drückt + Mit Groll und grausem Krach; + Er zieht und zerrt und rüttelt, rückt + Und reißt vom Haus das Dach. + Zerstört ist herzlos Heim und Haus; + Der Bauer sieht so traurig aus, + Sein Weib und seine Kleinen, + Sie stehen da und weinen. + Herr Wind! Herr Wind! + + Hast du's gehört, mein liebes Kind? + Sei freundlich, friedlich, froh! + Denn würdest du ein solcher Wind, + Dann spräch' man von dir so: + Du bist nicht gut, du tust nicht gut, + Du bist ein wild und trotzig Blut, + Das stets gern haben wollte, + Was es nicht haben sollte!---- + Herr Wind! Herr Wind! + +[Illustration] + + + + +88. DAS FÜNKCHEN. + +Das Kind hatte mit dem Fünkchen gespielt, obgleich seine Mutter es +schon oft verboten hatte. Da war das Fünkchen fortgeflogen und hatte +sich ins Stroh versteckt. Das Stroh fing an zu brennen, und es +entstand eine Flamme, ehe das Kind daran dachte. Da wurde es dem +Kinde bange, und es lief fort, ohne jemandem etwas von der Flamme zu +sagen. Und da niemand Wasser darauf schüttete, ging die Flamme nicht +aus, sondern breitete sich im ganzen Hause aus. Als sie an die +Fenstervorhänge kam, wurde sie noch größer, und das Bett, worin die +Leute nachts schliefen, brannte hell auf, und die Tische und die +Stühle und die Schränke und alles, was der Vater und die Mutter +hatten, das wurde vom Feuer erfaßt, und die Flamme wurde so hoch wie +der Kirchturm. Da schrieen die Leute vor Schrecken, die Glocken +läuteten; es war fürchterlich zu hören, und die Flamme war +schrecklich zu sehen. Nun fing man an zu löschen, indem man Wasser in +das Feuer schüttete und spritzte; aber es half nichts; das Haus +brannte ganz ab, und nur noch ein wenig Kohlen und ein bißchen Asche +blieben übrig. Da hatten nun die Eltern des Kindes kein Haus mehr und +kein Plätzchen, wo sie wohnen und wo sie schlafen konnten, und auch +kein Geld, um sich ein neues Haus und neue Betten und Tische und +Stühle zu kaufen. Ach, wie weinten die armen Eltern! Und das Kind, +das mit dem Fünkchen gespielt hatte, war schuld daran. + + + + +89. RÄTSEL. + +Kennt ihr die Blume, in guter Ruh' +Dreht sie sich immer der Sonne zu; +Sie hat viel Samenkörner schön, +Wie Strahlen ihre Blättchen stehn. + +Erst weiß wie Schnee, +Dann grün wie Klee, +Drauf rot wie Blut, +Dann schmeckt es gut. + + + + +90. DAS GÄNSEBLÜMCHEN. + +[Illustration] + +Die Rose feierte einmal ihren Geburtstag. Sie stand mitten im Garten, +und alle Blumen kamen zu ihr, um ihr Glück zu wünschen. Zuerst kamen +die stolze Lilie und die prächtige Tulpe, hernach kamen die kleinen +Blumen. Alle neigten sich vor der Rose und sagten: "Wir wünschen dir +Glück, liebe Rose." + +[Illustration] + +Aber ein kleines, weißes Blümchen getraute sich nicht, nahe an die +Rose heranzutreten, weil es so schüchtern und bescheiden war. Es +blieb von ferne stehen und flüsterte nur: "Ich wünsche dir auch +Glück, liebe Rose!" Die Rose hatte das Blümchen aber gesehen und +winkte ihm, näher heranzutreten. "Komm doch näher, liebe kleine +Schwester," sagte die Rose gütig. Als nun das Blümchen näher +herangetreten war, fragte die Rose: "Wie heißt du denn, liebe +Kleine?" Da sprach es ganz leise: "Ich heiße Gänseblümchen." + +[Illustration] + +"Aber, liebes Gänseblümchen," sagte die Rose freundlich, "du bist ja +tausendmal schöner als alle andern Blumen. Du sollst jetzt nicht mehr +Gänseblümchen, sondern Tausendschön heißen, weil du tausendmal +schöner bist als alle." Darüber freute sich das gute Gänseblümchen so +sehr, daß es über und über rot ward, und seit der Zeit haben alle +Gänseblümchen--rote Ohrläppchen. + +[Illustration] + + + + +91. DIE GRÜNE STADT. + + Ich weiß euch eine schöne Stadt, + Die lauter grüne Häuser hat. + Die Häuser, die sind groß und klein, + Und wer nur will, der darf hinein. + + Die Straßen, die sind freilich krumm, + Sie führen hier und dort herum; + Doch stets gerade fort zu gehn, + Wer findet das wohl allzuschön! + + Die Wege, die sind weit und breit + Mit bunten Blumen überstreut. + Das Pflaster, das ist sanft und weich, + Und seine Farb' den Häusern gleich. + + Es wohnen viele Leute dort, + Und alle lieben ihren Ort. + Ganz deutlich sieht man dies daraus, + Daß jeder singt in seinem Haus. + + Die Leute, die sind alle klein, + Denn es sind lauter Vögelein; + Und meine ganze grüne Stadt + Ist, was den Namen "Wald" sonst hat. + + + + +92. DEUTSCHLAND. + +[Illustration] + +Weit weg von hier liegt Deutschland. Das ist ein schönes Stück Erde. +Zu Deutschland gehören Preußen, Sachsen, Bayern, Baden und andere +kleinere oder größere Staaten. Dort gibt es breite und tiefe Flüsse. +Der Rhein, die Elbe und die Donau sind am bekanntesten. Daneben +finden sich weite Ebenen, hohe Berge und dichte Wälder. Auch fehlt es +nicht an Städten, in denen viele fleißige Leute leben. Berlin, +München, Köln, Dresden, Frankfurt und manche andere sind +bemerkenswert. Überall hat man prächtige Wohnhäuser, reiche Kirchen +und herrliche öffentliche Gebäude. Alles wird sehr sauber und +ordentlich gehalten. Von Hamburg und Bremen aus fahren mächtige +Dampfschiffe und Segler nach allen Gegenden der Welt. Deutschland +besitzt auch zahlreiche große Fabriken. Die Felder werden auf das +Beste bestellt. Die deutsche Fahne ist schwarz, weiß und rot +gestreift. An der Spitze des Reiches steht der deutsche Kaiser. + + + + +93. SONNENSCHEIN. + + Sonnenschein, + Klar und rein, + Leuchtest in die Welt hinein; + Machst so hell, so warm und schön + In den Tälern, auf den Höh'n, + Die du alle überstrahlst + Und so hold und lieblich malst. + + Sonnenschein, + Klar und rein, + Kehre auch ins Herz mir ein! + Wenn ich habe heitern Sinn, + Gut und froh und freundlich bin, + Dann ist's in dem Herzen mein + Wunderbarer Sonnenschein. + + + + +94. DIE KÖNIGIN LUISE. + +Vor hundert Jahren lebte in Preußen eine Königin, namens Luise. Sie +war jung und schön, aber auch ebenso gut. Ein jeder liebte sie. Schon +als kleines Kind hatte sie ihre Mutter verloren und wurde von ihrer +Großmutter einfach erzogen. So war sie zu einer echten, deutschen +Jungfrau herangewachsen, als der Kronprinz und spätere König von +Preußen, Friedrich Wilhelm, sie kennen lernte. Bald darauf wurde sie +seine Frau. Eine große Freude hatte sie an ihren Kindern, zwei +Knaben, mit denen sie gerne lernte und spielte. Aber da gab es einen +schrecklichen Krieg mit dem Kaiser von Frankreich, Napoleon. Die +Feinde waren stärker als die Preußen und besiegten sie. Das tat dem +Könige und der guten Königin sehr weh. Es kam so weit, daß sie ihr +Schloß in Berlin verlassen mußten. Als die königliche Familie endlich +wieder zurückkehren konnte, herrschte großer Jubel. Die Freude sollte +aber nicht lange dauern, denn bald darauf wurde die edle Königin +schwer krank und erholte sich nicht mehr. Als sie starb, war die +Trauer allgemein. Noch heute ist die Königin Luise unvergessen. + +[Illustration] + + + + +95. DAS GOLDENE SCHLOSS. + +"Willst du eine Prinzessin sein?" So fragte ein Knabe seine kleine +Schwester. Die lachte ihn aus. Er sagte aber: "Ja, ich kann ein König +und du kannst eine Prinzessin werden. Du bekommst ein schönes, neues +Kleid und einen silbernen Thron. Ich bekomme einen roten Mantel, eine +goldene Krone und einen goldenen Thron." Die Schwester glaubte das +nicht und sagte: "Unsere Eltern sind ja so arm." Der Knabe erzählte +dann: "Letzte Nacht im Traume kam ein kleiner Mann zu mir. Er fragte +mich: 'Willst du ein König sein und in einem goldenen Schlosse +wohnen?' Ich sagte, ja. Da sprach der Kleine: 'Komm in den Wald mit +deiner Schwester, wenn der Mond scheint. Bei der großen Tanne warte +auf mich. Aber später im goldenen Schlosse darf keine Träne auf den +Boden fallen. Wenn eine Träne auf den Boden fällt, müßt ihr wieder +heim.'" Jetzt glaubte die Schwester, was der Bruder sagte. Sie wollte +gerne mit ihm gehen. + +Am Abend schien der Mond sehr hell. Da gingen Bruder und Schwester +hin zu der großen Tanne im Walde. Das Männlein war noch nicht da. Die +Kinder setzten sich ins Moos, um zu warten. Sie waren müde und +schliefen bald ein. Auf einmal wachten sie auf. Verwundert schauten +sie um sich. Sie hatten schöne neue Kleider an. Der Bruder hatte +einen roten Mantel und trug eine goldene Krone. Die Schwester hatte +ein himmelblaues Kleid mit silbernen Sternen. Auf ihren Haaren war +ein Kranz von Diamanten. Der kleine Mann kam und rief: "Willkommen, +willkommen!" Dann kamen noch viele kleine Männlein mit einem goldenen +und einem silbernen Wagen. Der Bruder mußte sich in den goldenen +Wagen und die Schwester in den silbernen Wagen setzen. Die Männlein +zogen die Wagen und fuhren durch den Wald an einen Berg. Im Berge war +eine große, hohe Halle, und darin stand ein goldenes Schloß. Die +kleinen Männer führten die Geschwister in dieses Schloß. Dann holten +sie einen goldenen und einen silbernen Thron. Der goldene Thron war +für den Bruder und der silberne für die Schwester. Die kleinen Männer +stellten sich vor sie hin und riefen: "Hoch lebe unser König und auch +die Prinzessin!" Dann gab es zu essen, lauter gute Sachen. + +Nach dem Essen wollten die Kinder schlafen, denn es war schon spät. +Im Schlafzimmer standen zwei Betten, ein goldenes und ein silbernes. +Der König legte sich in das goldene, die Prinzessin in das silberne +Bett. Da fragte der Bruder: "Schwesterchen, wie gefällt dir das +goldene Schloß?" Sie antwortete: "Schön ist es schon hier; wenn nur +der Vater und die Mutter auch hier wären!" Der Bruder sagte: "Das +möchte ich auch haben. Was werden die Eltern jetzt machen?" Die +Schwester meinte: "Sie werden uns suchen und weinen, weil sie uns +nicht finden können." "Ja," war des Bruders Antwort, "sie werden +denken, der Wolf habe uns gefressen." Das konnte die Schwester nicht +anhören. Sie fing an zu weinen. Da warnte der Bruder: "Nicht weinen, +sonst fallen deine Tränen auf den Boden!" "Nein," sagte die +Schwester, "ich hab' sie mit der Hand aufgefangen. Aber ich muß +weinen." Nun wurde auch der Bruder ganz traurig. Auch er weinte +einige Tränen. Doch die Tränen fielen in das Bett. Die Schwester +fragte: "Wie lange willst du noch König bleiben? Ich will nicht mehr +Prinzessin sein. Ich will heim!" Der Bruder sagte: "Ja, zu Hause bei +Vater und Mutter ist es doch schöner!" Da ließen sie beide große +Tränen auf den Boden fallen. Es donnerte, und die Kinder fielen aus +den Betten. + +Nun kamen die kleinen Männer wieder. Sie waren sehr traurig und +brachten die Geschwister zurück zu der großen Tanne im Wald. Da +schliefen Bruder und Schwester bald ein. Als sie die Augen öffneten, +war es heller Tag, aber der rote Mantel und das himmelblaue Kleid +Waren verschwunden. + +Da kamen auch schon die Eltern. Die freuten sich sehr, ihre Kinder +wieder zu haben. Die Geschwister waren ebenso froh und versprachen, +nie mehr fortgehen zu wollen. + + + + +96. DIE KLEINEN MÜSSIGGÄNGER. + +Drei Kinder sollten nach der Schule gehen, aber sie sprachen: "Was +kann das Lernen helfen! Laßt uns in den Wald laufen; da spielen die +Tierlein, und wir wollen mit ihnen spielen." + +Als die Kinder nun im Walde waren, luden sie zuerst die Käfer zu +ihrem Spiele ein. Da summten die Käfer um die Köpfe der Kinder, und +der eine sprach: "Ich habe keine Zeit, ich muß Holz sägen!" Der +andere sprach: "Ich muß ein Loch graben!" Noch andere riefen: "Wir +müssen uns ein Hüttlein aus Gras bauen!" + +Nun kamen die Kinder an einen Ameisenhaufen. Hier lief eine ganze +Menge von Ameisen aus und ein. Jedes dieser winzigen Tierchen hatte +etwas in seine Wohnung zu tragen; und wo es dem einen zu schwer ward, +sprach es zum andern: "Komm', hilf mir!" + +Die Kinder schlichen vorbei und fanden Bienlein auf den Blumen. Die +waren so eilig und mochten gar nicht zu den Kindern aufsehen. Sie +sammelten Honig und Blütenstaub und flogen dann flink davon. + +Da hörten die Kinder einen Vogel singen. Es war ein Fink. "Du kannst +so schön singen," riefen sie, "und hast auch gewiß Lust, mit uns zu +spielen." Allein der Fink sagte: "Pink, pink! Flink, flink! Ich muß +Mücken fangen für meine Jungen und dann die Kleinen in den Schlaf +singen. Auch muß ich mich fleißig im Singen üben, damit ich dem +Wanderer schöne Lieder vorsingen kann." Und fort war er. + +Auf einmal rasselte es im Busche. Die Kinder erschraken. Eins sagte: +"Wenn nur ein Eichhörnchen käme und mit uns spielte!" Da lief auch +schon eines aus dem Busche und kletterte auf einen Baum. Es kicherte +und rief: "Ich suche Knospen und Nüsse!" Die Kinder baten: "Komm' und +bring' uns auch schöne Nüsse!" Aber das Tierchen zischte und knurrte +nur. + +Bald darauf hörten sie ein Bächlein plätschern, und nun riefen sie +fröhlich: "O, mit dem Bächlein mögen wir spielen! Kommt!" + +Sie liefen geschwind hin. Aber das Bächlein sagte: "Seht doch die +faulen Kinder! Ihr meint, ich hätte nichts zu tun. Ich muß Tag und +Nacht arbeiten; ich netze Felder und Wiesen und tränke die durstigen +Tiere. Wenn ich groß und stark bin, treibe ich Mühlen und trage +Schiffe. Geht, geht, ihr faulen Kinder!" + +Da wurde den Kindern gar ängstlich zu Mute. Sie gingen beschämt weg +und blieben nie mehr aus der Schule. + + + + +97. DER GUTE KAMERAD. + + Ich hatt' einen Kameraden, + Einen bessern find'st du nit. + Die Trommel schlug zum Streite, + Er ging an meiner Seite + In gleichem Schritt und Tritt. + + Eine Kugel kam geflogen, + Gilt's mir oder gilt es dir? + Ihn hat es weggerissen, + Er liegt mir vor den Füßen, + Als wär's ein Stück von mir. + + Will mir die Hand noch reichen, + Derweil ich eben lad'. + "Kann dir die Hand nicht geben, + Bleib' du im ew'gen Leben + Mein guter Kamerad!" + + + + +98. DER GOLDBAUM. + +Eduard scherzte gerne und spielte auch gerne anderen einen Streich. +Dabei kam es nicht immer darauf an, ob, was er sagte, auch der +Wahrheit gemäß sei. Seine kleine Schwester Emilie, die noch nicht in +die Schule ging, fragte gerne ihren Bruder, den sie für sehr weise +hielt, über alles aus. Um sie schnell wieder los zu werden, sagte ihr +Eduard oft Dinge, welche das Kind ganz falsch belehrten. + +Eines Morgens, es war Eduards Geburtstag, sah Emilie auf dem Tische +ihres Bruders ein Goldstück liegen, das er vom Vater zum Geschenk +bekommen hatte. Sie fragte ihn: "Wo wächst das Gold?"--"Es wird +gesät," antwortete Eduard, der sich wieder einmal auf Kosten seiner +Schwester einen Spaß machen wollte, "dann wird ein Baum daraus, an +dem wachsen die Goldstücke." + +Als Eduard beschäftigt war, nahm Emilie leise das Goldstück vom +Tische, eilte damit hinunter in den Garten, grub mit den Händen ein +Loch in die weiche Erde, legte das Goldstück hinein und bedeckte es +wieder mit Erde. + +Eine Weile später sprang sie in Eduards Zimmer und rief: "Jetzt wirst +du bald viele, viele Goldstücke haben! Ich habe deines im Garten +gepflanzt." + +Umsonst bekannte Eduard, er habe nur gescherzt, und umsonst suchte +und grub er im Garten nach seinem Golde. Emilie wußte die Stelle +nicht anzugeben, wo sie es eingegraben hatte. + +Der Vater kam hinzu und sagte: "Es war unklug von Emilie, das +Goldstück pflanzen zu wollen; du aber, Eduard, hast gefehlt, da du +ihr, wenn auch im Scherze, eine Unwahrheit sagtest." + + + + +99. GERETTET. + +"Rasch, Ernst, kleide dich an, und komme sogleich herunter!" + +"Was ist geschehen, Vater?" + +"Geschwind, mein Junge! Der Ohio ist über Nacht gestiegen, das Dorf +ist unter Wasser, und wir müssen unser Haus verlassen." + +Mit einem Satz war Ernst aus dem Bette und fuhr wie der Blitz in +seine Kleider. Dann lief er die Treppe hinunter in die Wohnstube. +Hier stand das Wasser schon über zwei Fuß hoch. Auf einem Tische am +Fenster war der Vater mit den Seinen. Die Mutter hielt die kleine +Rosa an der Hand und trug das Jüngste, ein herziges Büblein, auf dem +Arme. Sie hatte Tränen im Auge, der Vater aber sprach ihr Mut zu. +Endlich kam ein Mann in einem Kahn, alle stiegen hinein, und durch +dieselben Straßen, durch welche gestern noch Leute gegangen und Wagen +gefahren waren, ruderten sie jetzt im Rachen dem Lande zu. Nachdem +sie eine hochgelegene Stelle erreicht hatten, stiegen sie aus. Der +Bootsmann ging mit dem Vater, der Mutter und den zwei Kleinen den +Hügel hinauf nach einem Hause. Dort wollten sie ein Unterkommen +suchen. + +"Du kannst dableiben und auf meinen Kahn achtgeben," sagte der +Bootsmann zu Ernst. Das war dem Knaben gerade recht. Jetzt erst +schaute er sich um. Welch ein Anblick! Nach dem Flusse zu sah man nur +Wasser. So weit das Auge reichte, schien alles ein großer See zu +sein. Drüben am anderen Ufer, ganz in der Ferne guckten die Wipfel +der Bäume und die Schornsteine aus der Flut empor. Ganz in der Nähe +stand das Bretterhaus der alten Frau Werner, welche sehr arm war und +von guten Leuten unterstützt wurde. Schon hatte das Wasser den +zweiten Stock erreicht und stieg immer höher und höher. + +[Illustration] + +Während Ernst das Häuschen der Frau Werner betrachtete, kam es ihm +vor, als rufe jemand um Hilfe. Richtig, jetzt öffnete die alte Frau +einen Laden und schaute heraus. Als sie ringsum nichts als Wasser +erblickte, klagte und jammerte sie laut und rang die Hände. + +Ernst sah alles und dachte nach, was er wohl tun könne. Ja, so ging +es! Er wollte rasch den Hügel hinauflaufen und den Vater und den +Bootsmann rufen. Aber siehe da! Die Flut trieb einen mächtigen +Baumstamm gerade auf das Häuschen zu. Wenn er gegen dasselbe stieß, +löste es sich gewiß los, schwamm in der Strömung fort, und dann wäre +die alte Frau verloren. + +Da sprang Ernst in den Kahn, stieß vom Ufer und steuerte nach dem +Häuschen. Frau Werner stieg aus dem Fenster in den Rachen, und der +Knabe ruderte, so rasch er konnte, an das Ufer zurück. Als er sich +demselben näherte, kam sein Vater gerade wieder vom Hügel herab. + +"Hurra, wir sind gerettet!" rief Ernst, als der Kahn ans Land stieß. +Mit Tränen des Dankes im Auge drückte die alte Frau dem Knaben die +Hände. Der Vater aber schloß ihn an seine Brust und sprach: "Das war +wie ein braver Mann gehandelt, mein Sohn!" + + + + +100. SPRÜCHE. + +Erfüllte Pflicht +macht froh Gesicht. + +Die träge Hand sei noch so glatt und weiß, +Der fleißigen allein gebührt der Preis. + +Trägt einer gar so hoch den Kopf, +So ist er wohl ein eitler Tropf. + +Allen Leuten recht getan, +Ist eine Kunst, die niemand kann. + + + + + + + + + + +End of the Project Gutenberg EBook of Hin Und Her, by H. H. Fick + +*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK HIN UND HER *** + +***** This file should be named 8392-8.txt or 8392-8.zip ***** +This and all associated files of various formats will be found in: + http://www.gutenberg.org/8/3/9/8392/ + +Produced by David Starner, Delphine Lettau, Charles Franks, +and the Online Distributed Proofreading Team + +Updated editions will replace the previous one--the old editions will +be renamed. + +Creating the works from print editions not protected by U.S. copyright +law means that no one owns a United States copyright in these works, +so the Foundation (and you!) can copy and distribute it in the United +States without permission and without paying copyright +royalties. Special rules, set forth in the General Terms of Use part +of this license, apply to copying and distributing Project +Gutenberg-tm electronic works to protect the PROJECT GUTENBERG-tm +concept and trademark. Project Gutenberg is a registered trademark, +and may not be used if you charge for the eBooks, unless you receive +specific permission. If you do not charge anything for copies of this +eBook, complying with the rules is very easy. You may use this eBook +for nearly any purpose such as creation of derivative works, reports, +performances and research. They may be modified and printed and given +away--you may do practically ANYTHING in the United States with eBooks +not protected by U.S. copyright law. Redistribution is subject to the +trademark license, especially commercial redistribution. + +START: FULL LICENSE + +THE FULL PROJECT GUTENBERG LICENSE +PLEASE READ THIS BEFORE YOU DISTRIBUTE OR USE THIS WORK + +To protect the Project Gutenberg-tm mission of promoting the free +distribution of electronic works, by using or distributing this work +(or any other work associated in any way with the phrase "Project +Gutenberg"), you agree to comply with all the terms of the Full +Project Gutenberg-tm License available with this file or online at +www.gutenberg.org/license. + +Section 1. General Terms of Use and Redistributing Project +Gutenberg-tm electronic works + +1.A. By reading or using any part of this Project Gutenberg-tm +electronic work, you indicate that you have read, understand, agree to +and accept all the terms of this license and intellectual property +(trademark/copyright) agreement. If you do not agree to abide by all +the terms of this agreement, you must cease using and return or +destroy all copies of Project Gutenberg-tm electronic works in your +possession. If you paid a fee for obtaining a copy of or access to a +Project Gutenberg-tm electronic work and you do not agree to be bound +by the terms of this agreement, you may obtain a refund from the +person or entity to whom you paid the fee as set forth in paragraph +1.E.8. + +1.B. "Project Gutenberg" is a registered trademark. It may only be +used on or associated in any way with an electronic work by people who +agree to be bound by the terms of this agreement. There are a few +things that you can do with most Project Gutenberg-tm electronic works +even without complying with the full terms of this agreement. See +paragraph 1.C below. There are a lot of things you can do with Project +Gutenberg-tm electronic works if you follow the terms of this +agreement and help preserve free future access to Project Gutenberg-tm +electronic works. See paragraph 1.E below. + +1.C. The Project Gutenberg Literary Archive Foundation ("the +Foundation" or PGLAF), owns a compilation copyright in the collection +of Project Gutenberg-tm electronic works. Nearly all the individual +works in the collection are in the public domain in the United +States. If an individual work is unprotected by copyright law in the +United States and you are located in the United States, we do not +claim a right to prevent you from copying, distributing, performing, +displaying or creating derivative works based on the work as long as +all references to Project Gutenberg are removed. Of course, we hope +that you will support the Project Gutenberg-tm mission of promoting +free access to electronic works by freely sharing Project Gutenberg-tm +works in compliance with the terms of this agreement for keeping the +Project Gutenberg-tm name associated with the work. You can easily +comply with the terms of this agreement by keeping this work in the +same format with its attached full Project Gutenberg-tm License when +you share it without charge with others. + +1.D. The copyright laws of the place where you are located also govern +what you can do with this work. Copyright laws in most countries are +in a constant state of change. If you are outside the United States, +check the laws of your country in addition to the terms of this +agreement before downloading, copying, displaying, performing, +distributing or creating derivative works based on this work or any +other Project Gutenberg-tm work. The Foundation makes no +representations concerning the copyright status of any work in any +country outside the United States. + +1.E. Unless you have removed all references to Project Gutenberg: + +1.E.1. The following sentence, with active links to, or other +immediate access to, the full Project Gutenberg-tm License must appear +prominently whenever any copy of a Project Gutenberg-tm work (any work +on which the phrase "Project Gutenberg" appears, or with which the +phrase "Project Gutenberg" is associated) is accessed, displayed, +performed, viewed, copied or distributed: + + This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and + most other parts of the world at no cost and with almost no + restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it + under the terms of the Project Gutenberg License included with this + eBook or online at www.gutenberg.org. If you are not located in the + United States, you'll have to check the laws of the country where you + are located before using this ebook. + +1.E.2. If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is +derived from texts not protected by U.S. copyright law (does not +contain a notice indicating that it is posted with permission of the +copyright holder), the work can be copied and distributed to anyone in +the United States without paying any fees or charges. If you are +redistributing or providing access to a work with the phrase "Project +Gutenberg" associated with or appearing on the work, you must comply +either with the requirements of paragraphs 1.E.1 through 1.E.7 or +obtain permission for the use of the work and the Project Gutenberg-tm +trademark as set forth in paragraphs 1.E.8 or 1.E.9. + +1.E.3. If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is posted +with the permission of the copyright holder, your use and distribution +must comply with both paragraphs 1.E.1 through 1.E.7 and any +additional terms imposed by the copyright holder. Additional terms +will be linked to the Project Gutenberg-tm License for all works +posted with the permission of the copyright holder found at the +beginning of this work. + +1.E.4. Do not unlink or detach or remove the full Project Gutenberg-tm +License terms from this work, or any files containing a part of this +work or any other work associated with Project Gutenberg-tm. + +1.E.5. Do not copy, display, perform, distribute or redistribute this +electronic work, or any part of this electronic work, without +prominently displaying the sentence set forth in paragraph 1.E.1 with +active links or immediate access to the full terms of the Project +Gutenberg-tm License. + +1.E.6. You may convert to and distribute this work in any binary, +compressed, marked up, nonproprietary or proprietary form, including +any word processing or hypertext form. However, if you provide access +to or distribute copies of a Project Gutenberg-tm work in a format +other than "Plain Vanilla ASCII" or other format used in the official +version posted on the official Project Gutenberg-tm web site +(www.gutenberg.org), you must, at no additional cost, fee or expense +to the user, provide a copy, a means of exporting a copy, or a means +of obtaining a copy upon request, of the work in its original "Plain +Vanilla ASCII" or other form. Any alternate format must include the +full Project Gutenberg-tm License as specified in paragraph 1.E.1. + +1.E.7. Do not charge a fee for access to, viewing, displaying, +performing, copying or distributing any Project Gutenberg-tm works +unless you comply with paragraph 1.E.8 or 1.E.9. + +1.E.8. You may charge a reasonable fee for copies of or providing +access to or distributing Project Gutenberg-tm electronic works +provided that + +* You pay a royalty fee of 20% of the gross profits you derive from + the use of Project Gutenberg-tm works calculated using the method + you already use to calculate your applicable taxes. The fee is owed + to the owner of the Project Gutenberg-tm trademark, but he has + agreed to donate royalties under this paragraph to the Project + Gutenberg Literary Archive Foundation. Royalty payments must be paid + within 60 days following each date on which you prepare (or are + legally required to prepare) your periodic tax returns. Royalty + payments should be clearly marked as such and sent to the Project + Gutenberg Literary Archive Foundation at the address specified in + Section 4, "Information about donations to the Project Gutenberg + Literary Archive Foundation." + +* You provide a full refund of any money paid by a user who notifies + you in writing (or by e-mail) within 30 days of receipt that s/he + does not agree to the terms of the full Project Gutenberg-tm + License. You must require such a user to return or destroy all + copies of the works possessed in a physical medium and discontinue + all use of and all access to other copies of Project Gutenberg-tm + works. + +* You provide, in accordance with paragraph 1.F.3, a full refund of + any money paid for a work or a replacement copy, if a defect in the + electronic work is discovered and reported to you within 90 days of + receipt of the work. + +* You comply with all other terms of this agreement for free + distribution of Project Gutenberg-tm works. + +1.E.9. If you wish to charge a fee or distribute a Project +Gutenberg-tm electronic work or group of works on different terms than +are set forth in this agreement, you must obtain permission in writing +from both the Project Gutenberg Literary Archive Foundation and The +Project Gutenberg Trademark LLC, the owner of the Project Gutenberg-tm +trademark. Contact the Foundation as set forth in Section 3 below. + +1.F. + +1.F.1. Project Gutenberg volunteers and employees expend considerable +effort to identify, do copyright research on, transcribe and proofread +works not protected by U.S. copyright law in creating the Project +Gutenberg-tm collection. Despite these efforts, Project Gutenberg-tm +electronic works, and the medium on which they may be stored, may +contain "Defects," such as, but not limited to, incomplete, inaccurate +or corrupt data, transcription errors, a copyright or other +intellectual property infringement, a defective or damaged disk or +other medium, a computer virus, or computer codes that damage or +cannot be read by your equipment. + +1.F.2. LIMITED WARRANTY, DISCLAIMER OF DAMAGES - Except for the "Right +of Replacement or Refund" described in paragraph 1.F.3, the Project +Gutenberg Literary Archive Foundation, the owner of the Project +Gutenberg-tm trademark, and any other party distributing a Project +Gutenberg-tm electronic work under this agreement, disclaim all +liability to you for damages, costs and expenses, including legal +fees. YOU AGREE THAT YOU HAVE NO REMEDIES FOR NEGLIGENCE, STRICT +LIABILITY, BREACH OF WARRANTY OR BREACH OF CONTRACT EXCEPT THOSE +PROVIDED IN PARAGRAPH 1.F.3. YOU AGREE THAT THE FOUNDATION, THE +TRADEMARK OWNER, AND ANY DISTRIBUTOR UNDER THIS AGREEMENT WILL NOT BE +LIABLE TO YOU FOR ACTUAL, DIRECT, INDIRECT, CONSEQUENTIAL, PUNITIVE OR +INCIDENTAL DAMAGES EVEN IF YOU GIVE NOTICE OF THE POSSIBILITY OF SUCH +DAMAGE. + +1.F.3. LIMITED RIGHT OF REPLACEMENT OR REFUND - If you discover a +defect in this electronic work within 90 days of receiving it, you can +receive a refund of the money (if any) you paid for it by sending a +written explanation to the person you received the work from. If you +received the work on a physical medium, you must return the medium +with your written explanation. The person or entity that provided you +with the defective work may elect to provide a replacement copy in +lieu of a refund. If you received the work electronically, the person +or entity providing it to you may choose to give you a second +opportunity to receive the work electronically in lieu of a refund. If +the second copy is also defective, you may demand a refund in writing +without further opportunities to fix the problem. + +1.F.4. Except for the limited right of replacement or refund set forth +in paragraph 1.F.3, this work is provided to you 'AS-IS', WITH NO +OTHER WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, INCLUDING BUT NOT +LIMITED TO WARRANTIES OF MERCHANTABILITY OR FITNESS FOR ANY PURPOSE. + +1.F.5. Some states do not allow disclaimers of certain implied +warranties or the exclusion or limitation of certain types of +damages. If any disclaimer or limitation set forth in this agreement +violates the law of the state applicable to this agreement, the +agreement shall be interpreted to make the maximum disclaimer or +limitation permitted by the applicable state law. The invalidity or +unenforceability of any provision of this agreement shall not void the +remaining provisions. + +1.F.6. INDEMNITY - You agree to indemnify and hold the Foundation, the +trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone +providing copies of Project Gutenberg-tm electronic works in +accordance with this agreement, and any volunteers associated with the +production, promotion and distribution of Project Gutenberg-tm +electronic works, harmless from all liability, costs and expenses, +including legal fees, that arise directly or indirectly from any of +the following which you do or cause to occur: (a) distribution of this +or any Project Gutenberg-tm work, (b) alteration, modification, or +additions or deletions to any Project Gutenberg-tm work, and (c) any +Defect you cause. + +Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg-tm + +Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of +electronic works in formats readable by the widest variety of +computers including obsolete, old, middle-aged and new computers. It +exists because of the efforts of hundreds of volunteers and donations +from people in all walks of life. + +Volunteers and financial support to provide volunteers with the +assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's +goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will +remain freely available for generations to come. In 2001, the Project +Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure +and permanent future for Project Gutenberg-tm and future +generations. To learn more about the Project Gutenberg Literary +Archive Foundation and how your efforts and donations can help, see +Sections 3 and 4 and the Foundation information page at +www.gutenberg.org Section 3. Information about the Project Gutenberg +Literary Archive Foundation + +The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit +501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the +state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal +Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification +number is 64-6221541. Contributions to the Project Gutenberg Literary +Archive Foundation are tax deductible to the full extent permitted by +U.S. federal laws and your state's laws. + +The Foundation's principal office is in Fairbanks, Alaska, with the +mailing address: PO Box 750175, Fairbanks, AK 99775, but its +volunteers and employees are scattered throughout numerous +locations. Its business office is located at 809 North 1500 West, Salt +Lake City, UT 84116, (801) 596-1887. Email contact links and up to +date contact information can be found at the Foundation's web site and +official page at www.gutenberg.org/contact + +For additional contact information: + + Dr. Gregory B. Newby + Chief Executive and Director + gbnewby@pglaf.org + +Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg +Literary Archive Foundation + +Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide +spread public support and donations to carry out its mission of +increasing the number of public domain and licensed works that can be +freely distributed in machine readable form accessible by the widest +array of equipment including outdated equipment. Many small donations +($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt +status with the IRS. + +The Foundation is committed to complying with the laws regulating +charities and charitable donations in all 50 states of the United +States. Compliance requirements are not uniform and it takes a +considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up +with these requirements. We do not solicit donations in locations +where we have not received written confirmation of compliance. To SEND +DONATIONS or determine the status of compliance for any particular +state visit www.gutenberg.org/donate + +While we cannot and do not solicit contributions from states where we +have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition +against accepting unsolicited donations from donors in such states who +approach us with offers to donate. + +International donations are gratefully accepted, but we cannot make +any statements concerning tax treatment of donations received from +outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff. + +Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation +methods and addresses. Donations are accepted in a number of other +ways including checks, online payments and credit card donations. To +donate, please visit: www.gutenberg.org/donate + +Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic works. + +Professor Michael S. Hart was the originator of the Project +Gutenberg-tm concept of a library of electronic works that could be +freely shared with anyone. For forty years, he produced and +distributed Project Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of +volunteer support. + +Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed +editions, all of which are confirmed as not protected by copyright in +the U.S. unless a copyright notice is included. Thus, we do not +necessarily keep eBooks in compliance with any particular paper +edition. + +Most people start at our Web site which has the main PG search +facility: www.gutenberg.org + +This Web site includes information about Project Gutenberg-tm, +including how to make donations to the Project Gutenberg Literary +Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to +subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks. + diff --git a/old/8392-8.zip b/old/8392-8.zip Binary files differnew file mode 100644 index 0000000..17a49c1 --- /dev/null +++ b/old/8392-8.zip diff --git a/old/8hnhr10.txt b/old/8hnhr10.txt new file mode 100644 index 0000000..05fb5a6 --- /dev/null +++ b/old/8hnhr10.txt @@ -0,0 +1,2816 @@ +The Project Gutenberg EBook of Hin Und Her, by H. H. Fick + +Copyright laws are changing all over the world. Be sure to check the +copyright laws for your country before downloading or redistributing +this or any other Project Gutenberg eBook. + +This header should be the first thing seen when viewing this Project +Gutenberg file. Please do not remove it. Do not change or edit the +header without written permission. + +Please read the "legal small print," and other information about the +eBook and Project Gutenberg at the bottom of this file. Included is +important information about your specific rights and restrictions in +how the file may be used. You can also find out about how to make a +donation to Project Gutenberg, and how to get involved. + + +**Welcome To The World of Free Plain Vanilla Electronic Texts** + +**eBooks Readable By Both Humans and By Computers, Since 1971** + +*****These eBooks Were Prepared By Thousands of Volunteers!***** + + +Title: Hin Und Her + +Author: H. H. Fick + +Release Date: June, 2005 [EBook #8392] +[This file was first posted on July 6, 2003] + +Edition: 10 + +Language: German + +Character set encoding: ISO-8859-1 + +*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK, HIN UND HER *** + + + + +E-text prepared by David Starner, Delphine Lettau, Charles Franks, and the +Online Distributed Proofreading Team
+ + + +HIN UND HER + +Ein Buch für die Kinder + +Zusammengestellt von H. H. FICK + +Supervisor of German, Cincinnati Public Schools + + + + + + + +INHALT + + + 1. Am Morgen + 2. Der Tag bricht an + 3. Der Hahnenruf + 4. Beim Frühstück + 5. Zur Schule + 6. Bruder und Schwester + 7. Der Specht + 8. Die Uhr + 9. Schuleifer + 10. Rätsel + 11. Unser Hof + 12. Die Haustiere + 13. Sprüche + 14. Die Äpfel + 15. Peter Faulpelz + 16. Der Knabe am Bache + 17. Daheim + 18. Der Bau des Hauses + 19. Die Wohnung der Maus + 20. Karls Hase + 21. Das Lied vom Monde + 22. Das Mückchen und das Mädchen + 23. Nasch-Ernst + 24. Der blinde Geiger + 25. Das Brot im Weg + 26. Die schönen Drei + 27. Das Vogelnest + 28. Der Drache + 29. Die Vöglein + 30. Vom Hänschen + 31. Sprüche + 32. Die Schnecke + 33. Die Henne und die Entlein + 34. Die Tageszeiten + 35. Kind und Sonne + 36. Sonne und Regen + 37. Astern + 38. Rätsel + 39. Vögel und Blumen + 40. Danksagungstag + 41. Vom Vater + 42. Die vier Brüder + 43. Die zwölf Monate + 44. Die Blätter tanzen + 45. Die vier Jahreszeiten + 46. Winters Ankunft + 47. Der Tannenbaum + 48. Vogel am Fenster + 49. Das Büblein auf dem Eise + 50. Rätsel + 51. Weihnachtsfreude + 52. Schneesterne + 53. Brief vom Weihnachtsmann + 54. Zu Neujahr + 55. Verstehst du das? + 56. Der Schneemann + 57. März + 58. Ostergruß + 59. Der Osterhase + 60. Der Obstgarten + 61. Sprüche + 62. Die Vögel im Frühlinge + 63. Das rote Hühnchen + 64. Rätsel + 65. Der naseweise Bello + 66. Heil, Amerika! + 67. Petersilie + 68. Das Kind und sein Blümchen + 69. Nachlässigkeit + 70. Ein Rätsel + 71. Was würdest du tun? + 72. Was wollen wir spielen? + 73. Die schlaue Katze + 74. Kannst du es sagen? + 75. Der Sperling + 76. Das Pferd und der Esel + 77. Der kluge Star + 78. Der Apfelbaum + 79. Der Hase und der Fuchs + 80. Sprüche + 81. Der Hase und die Schildkröte + 82. Hasenbraten + 83. Der Schein trügt + 84. Der Frosch + 85. Vom listigen Grasmücklein ein lustiges Stücklein + 86. Ein törichter Streit + 87. Herr Wind! Herr Wind! + 88. Das Fünkchen + 89. Rätsel + 90. Das Gänseblümchen + 91. Die grüne Stadt + 92. Deutschland + 93. Sonnenschein + 94. Die Königin Luise + 95. Das goldene Schloß + 96. Die kleinen Müßiggänger + 97. Der gute Kamerad + 98. Der Goldbaum + 99. Gerettet +100. Sprüche + + + + +1. AM MORGEN. + + Die Erd' erwacht, die Sonne lacht + Sie an mit hellem Schein + Und ruft ihr zu: komm aus der Ruh', + Der ganze Tag ist dein. + Guten Morgen. + + + + +2. DER TAG BRICHT AN. + +Es ist dunkel. Am Himmel leuchten die Sterne. Zwischen ihnen steht +der Mond. Nun wird es langsam heller. Im Osten zeigt sich ein lichter +Schein. Das ist die Morgendämmerung. Die meisten Leute schlafen noch +fest, aber der Hahn ist wach und kräht ganz laut. Bald steigt die +Sonne empor. Dann ist es Tag. Die Vögel sind erwacht und zwitschern. +Jetzt stehen auch die Menschen von ihrem Lager auf und gehen gestärkt +an die Arbeit. Die Tiere im Freien suchen ihre Nahrung und das Vieh +im Hofe bekommt sein Futter. Im Garten und auf den Wiesen glänzt der +Tau. Alles ist neubelebt. + + + + +[Illustration] + + +3. DER HAHNENRUF. + + Im ersten Hofe kräht der Hahn, + Da fängt auch gleich der zweite an + Und denkt: "Hätt' ich's zuerst getan!" + Doch, wie der zweite kaum beginnt, + Kräht schon der dritte Hahn geschwind. + Der viert' und fünfte faul nicht sind + Und fallen schnell ins Lied mit ein, + Denn jeder will der erste sein, + Und jeder will am schönsten schrei'n.-- + Bald rufen alle in der Rund', + Als ständen sie zusamm' im Bund, + Und tun die Morgenstunde kund + Aus voller Kehle laut und schnell: + "Die Nacht entweicht, der Tag wird hell. + Kikeriki! Kikeriki! Wir sind zur Stell'!" + So soll'n auch wir in allen Sachen, + Wo's gilt, zum guten zu erwachen, + Es wie der Hahn am Morgen machen. + + + + +4. BEIM FRÜHSTÜCK + +_Mutter_: Papa, Karl, Emma und Klara, hurtig, kommt zu Tisch! +Das Frühstück ist aufgetragen! + +_Papa_: Sieh! Da bin ich schon. Guten Morgen! + +_Emma_ und _Klara_: Liebe Mama und lieber Papa, Wir sind +auch bereit und wünschen euch einen recht guten Morgen! + +_Mutter_ und _Vater_: Vielen Dank, ihr Kinder! Wo steckt +aber der Karl? + +_Emma_ und _Klara_: Da kommt er! + +_Karl_: Seid nicht böse, liebe Eltern, ich habe mich +verschlafen. Es soll aber gewiß nicht wieder geschehen! + +_Mutter_: Schon gut! Setzt euch alle. Schaut, daß der Papa +bedient wird! Emma, reiche doch das Brot herüber und gib mir die +Butter. Nun, trinkt eure Milch! Klara und Emma, für euch habe ich ein +Stück Kuchen. + +_Karl_: Bekomme ich nicht auch eins? + +Mutter: Du bist zu spät gekommen! Dafür mußt du Strafe leiden. Heute +ist für dich nur Brot vorhanden. + +_Karl_: Ach, liebe Mama! Ich bin so hungrig! + +_Mutter_: Ei! Hungern sollst du nicht. Da ist eine Semmel und +dann habe ich auch noch ein Ei für dich. Aber der Kuchen ist nur für +die pünktlichen Leute da, merke dir das! So, seid ihr nun alle +fertig? + +_Kinder_: Jawohl, Mama! + +_Mutter_: Stellt eure Stühle an ihre Plätze! Jetzt könnt ihr +gehen! Du, Karl, holst dem Vater noch die Zeitung herein! + +_Karl_: Gerne, liebe Mutter! + +_Kinder_: Ade, Papa! Leb wohl, Mama! Heute mittag sehen wir uns +wieder! + + + + +5. ZUR SCHULE. + + Nun hurtig vom Stuhle + Und schnell in die Schule; + Es ist an der Zeit. + Holt Hüte und Kappen, + Bringt Tafeln und Mappen; + Nehmt auch für die Pause + Euch etwas zum Schmause; + So, Kinder, jetzt seid + Zur Arbeit bereit! + + + + + +6. BRUDER UND SCHWESTER. + +Es ist Morgen. Die Nacht hindurch hat es geregnet und immer noch +fallen einzelne Tropfen. Seit einigen Tagen besucht der kleine +Wilhelm die Schule. Er hat einen neuen Anzug, eine hübsche Mütze und +einen bunten Schulsack erhalten. Wie leid tut es ihm, daß alles vom +Regen soll naß werden. Da kommt die gute Schwester Emilie. Sie muß +für die Mutter noch einen Gang auf den Markt machen. Nun will sie den +Bruder unter den Schirm nehmen und ihn bis an das Schulgebäude +begleiten. Wilhelm faßt die Schwester am Kleide, und sie treten in +die Türe. Aber, siehe da, der Regen hört auf und als Emilie +vorsichtig die Hand ausstreckt, kann sie kein Tröpfchen mehr spüren. +Da darf auch der zottige Spitz mit ins Freie. + +[Illustration] + + + + + +7. DER SPECHT. + + Herr Specht! so früh schon klopfest du! + Was störte dich denn aus der Ruh'? + Es herrscht noch Stille im Erdenraum-- + Du hämmerst schon am Fichtenbaum. + + "Ist es auch früh, ist's nie zu früh, + An Arbeit fehlt's dem Fleiß'gen nie,-- + Wer Tages etwas will gewinnen, + Der muß recht frühe schon beginnen." + + + + +8. DIE UHR. + +Eben hatte es sieben geschlagen. Die Mutter ging in die Kammer, um +den kleinen Leo zu wecken. Der war aber schon wach und saß aufrecht +im Bette. "Ei, Leo!" sagte die Mutter, "Wie kommt denn das? Sonst muß +ich dich viele Male rufen und schütteln, und heute bist du ganz +munter!" "Ach, denke nur, liebe Mama," sagte Leo, "ich War ja auch +noch so müde und hätte gerne länger geschlafen. Aber da hatte auf +einmal die große Uhr dort an der Wand ein Gesicht wie ein Mensch, und +machte immerfort: Auf! raus! Auf! raus! Nun hatte ich Angst, liegen +zu bleiben und wollte aufstehen. Jetzt hörte ich die Uhr ganz +deutlich sagen: Recht so! Recht so! und sie sah wieder freundlich +aus!" + +[Illustration] + + + + + +9. SCHULEIFER. + + Im Winter, wenn es frieret, + Im Winter, wenn es schneit, + Dann ist der Weg zur Schule + Fürwahr noch mal so weit. + + Und wenn der Kuckuck rufet, + Dann ist der Frühling da, + Dann ist der Weg zur Schule + Fürwahr noch mal so nah. + + Wer aber gerne lernet, + Dem ist kein Weg zu fern; + Im Frühling, wie im Winter, + Geht er zur Schule gern. + +[Illustration] + + + + +10. RÄTSEL. + + Im Wasser schwimmt es, groß und klein. + Nun rat' einmal, was das mag sein! + + Wer wäscht sich so rein + Und hält sich so fein + Und braucht doch kein Handtüchelein? + + Ich weiß ein kleines, weißes Haus, + Hat nichts von Fenstern, Türen, Toren; + Und will sein kleiner Wirt hinaus, + So muß er erst die Wand durchbohren. + + + + +11. UNSER HOF. + +Hinter dem Hause ist ein Hof. Da haben viele Tiere Platz. In einer +Ecke steht die Hundehütte. Dort wohnt Nero. Er bewacht unser Haus. +Auf der Kellertreppe sitzt Mieze. Das ist die graue Katze. Sie wäscht +und putzt sich gern. Im Korbe liegen ihre vier Kätzchen. Die können +noch nicht sehen. Mitten im Hofe geht der stolze Hahn. Er hat bunte +Federn und einen roten Kamm. Bei ihm sind fünf hübsche Hennen. Auch +Tauben fliegen herbei und picken Körner auf. Seht doch den großen +Puter da drüben! Der ist zornig und jagt die anderen Vögel fort. + + + + +12. DIE HAUSTIERE. + + Lieb Kindchen, sag mir an, + Was ein Haustier nützen kann! + + Die Kuh gibt Milch uns, liebe Mutter, + Draus macht man Käse, Rahm und Butter. + Das Pferd zieht fleißig deinen Wagen + Und kann dich in die Ferne tragen. + Der Hund schützt treu dir Hof und Haus. + Die Katze lauert auf die Maus. + Das dicke, schmutz'ge, dumme Schwein + Bringt Schinken uns und Würste ein. + +[Illustration] + + + + + +13. SPRÜCHE. + +Lust und Liebe zum Dinge +Macht Mühe und Arbeit geringe. + +Morgen, morgen, nur nicht heute, +Sagen alle trägen Leute. + +Lerne Ordnung, liebe sie; +Ordnung spart dir Zeit und Müh'. + + + + +14. DIE ÄPFEL. + +Am Montag morgen wollte Otto seinen Freund Ludwig zur Schule abholen. +Als er aber in die Stube trat, war niemand da. Vorne beim Fenster +stand ein Korb voll Äpfel. Die waren schön gelb und rot. Gerne hätte +Otto einen genommen. Aber er dachte: "Nein, das tue ich nicht, die +Äpfel gehören nicht mir." + +Schnell wollte er wieder zur Türe hinaus. Da kam gerade Ludwigs +Mutter herein. Die freute sich sehr, als sie Otto sah. Sie steckte +ihm beide Taschen voll Äpfel. Dann rief sie Ludwig und gab den beiden +Kindern noch einen Apfel mit auf den Weg. Mit frohem Herzen gingen +die Knaben nun zur Schule. + + + + +15. PETER FAULPELZ. + + Längst ist schon die Schule aus, + Alle Kinder sind zu Haus: + Peter nur, der faule Bube, + Muß noch sitzen in der Stube, + Hat gelernt nicht, noch geschrieben, + Hat sich draußen 'rumgetrieben. + Nun geht es ihm bitterschlecht-- + Faulpelz, das geschieht dir recht! + + + + +16. DER KNABE AM BACHE. + +Siehst du den Knaben dort am Bache sitzen? Es ist Robert, der mit +seiner armen Mutter in dem kleinen Häuschen wohnt. Sie hatten für den +Abend nichts zu essen. Da sagte Robert: "Mutter, ich will zum Bache +gehen und einige Fische fangen." + +Hier sitzt er nun ganz stille. Zwei Fische hat er schon gefangen, und +den dritten macht er eben vom Haken los. Wie wird sich die Mutter +freuen, wenn Robert mit den Fischen nach Hause kommt! + +[Illustration] + + + + +17. DAHEIM. + +Hurra, die Schule ist aus! Schnell eile ich nach Hause, denn die +Mutter wartet schon auf mich. Sie hat ja mancherlei Arbeit, die ich +für sie besorgen kann. Erst bekomme ich aber ein großes Stück +Butterbrot. Wenn ich das gegessen habe, hole ich Kleinholz aus dem +Keller. Damit macht die Mutter das Feuer im Küchenofen an für das +Abendessen. Dann gehe ich zum Metzger, um das Fleisch heimzubringen, +das der Vater am Morgen bestellt hat. Auf dem Wege bringe ich aus dem +Kramladen Seife mit und Streichhölzchen. Auch sonst muß ich der +Mutter in der Küche noch zur Hand gehen. Ich tue es gerne, denn ich +habe mein Mütterlein lieb. Wenn ich alles besorgt habe, darf ich eine +Weile auf der Straße mit anderen Kindern spielen. + +Bald ist es Zeit zum Abendessen geworden. Richtig, da ruft mich schon +die Mutter. Der Vater ist nun auch schon nach Hause gekommen, und +meine älteren Geschwister sind ebenfalls da. Wir sitzen jetzt alle um +den großen Tisch im Eßzimmer, und der Vater erzählt, was er während +des Tages in der Stadt gehört und gesehen hat. Nach dem Essen nimmt +der Vater die Zeitung, und meine kleine Schwester und ich machen +unsere Schularbeiten. Da muß manchmal die liebe Mama ein wenig +helfen. Später liest sie uns eine schöne Geschichte vor, oder spielt +mit uns Domino und Lotto. + +Ich glaube, es ist nirgends schöner als abends daheim. + + + + +18. DER BAU DES HAUSES. + +"Kommt, Knaben, wir wollen ein Haus bauen," sagte Emil zu Karl und +Heinrich, "Ich will den Keller ausgraben," sprach Karl. "Und ich," +sagte Emil, "ich bin der Maurer; ich nehme Kalk und Steine und baue +die Mauern." Da meinte Karl: "Du darfst aber die Türen und die +Fenster nicht vergessen. Ohne Türen kann man nicht in das Haus +hinein, und durch die Fenster soll Luft und Licht in die Zimmer +kommen." Heinrich sagte: "Ich bin der Zimmermann; ich setze die Türen +und Fenster und lege den Fußboden. Von einem Stockwerke in das andere +mache ich Treppen. Und oben auf das Haus setze ich das Dach; das +schützt vor Regen und Schnee. Unser Haus soll ein Wohnhaus sein mit +Küche und Zimmern und einem Boden unter dem Dach." + + + + +19. DIE WOHNUNG DER MAUS. + + Ich frag' die Maus: + Wo ist dein Haus? + Die Maus darauf erwidert mir: + Sag's nicht der Katz', + So sag' ich's dir. + Treppauf, treppab, + Erst rechts, dann links, + Dann wieder rechts + Und dann grad' aus-- + Das ist mein Haus; + Du wirst es schon erblicken! + Die Tür ist klein, + Und trittst du ein, + Vergiß nicht, dich zu bücken! + +[Illustration] + + + + +20. KARLS HASE + +"Papa, darf ich ein wenig deinen Stock nehmen?" + +"Ja, Karl, aber was willst du damit machen?" + +"Einen Hasen will ich schießen, Papa." + +"Dann mußt du ja auf das Feld gehen." + +"O nein, dein Stock ist meine Flinte und unsere alte Katze ist der +Hase." + +Der Vater gab seinem Sohne den Stock. Karl legte ihn an die rechte +Wange, zielte und rief: "Piff, paff! piff, paff!" Ei, wie die Katze +von dem Stuhle unter den Tisch sprang! + +Karl aber lachte und rief: "Hast du nun meinen Hasen laufen sehen, +Papa?" + + + + +21. DAS LIED VOM MONDE. + + Wer hat die schönsten Schäfchen? + Die hat der gold'ne Mond, + Der hinter unsern Bäumen + Am Himmel drüben wohnt. + + Er kommt am späten Abend, + Wenn alles schlafen will, + Hervor aus seinem Hause + Zum Himmel leis' und still. + + Dann weidet er die Schäfchen + Auf seiner blauen Flur; + Denn all' die weißen Sterne + Sind feine Schäfchen nur. + + Sie tun sich nichts zuleide, + Hat eins das andre gern, + Und Schwestern sind und Brüder + Da droben Stern an Stern. + + Und soll ich dir eins bringen, + So darfst du niemals schrei'n, + Mußt freundlich wie die Schäfchen + Und wie ihr Schäfer sein! + + + + +22. DAS MÜCKCHEN UND DAS MÄDCHEN. + +[Illustration] + + +Ein Mückchen flog um ein Licht, das am Abend auf dem Tische brannte. +Da sagte ein Mädchen, welches nebenbei saß und strickte: "Mückchen, +bleib' von dem Lichte, sonst verbrennst du dich!" Das Mückchen aber +folgte nicht und flog so lange auf und nieder und um das Licht, bis +es daran seine Flügelchen sengte und in die Flamme fiel. "Habe ich es +dir nicht gesagt?" sprach das Mädchen. "Hättest du auf mich gehört, +müßtest du jetzt nicht sterben!" + + + + +23. NASCH-ERNST. + +Ernst konnte das Naschen nicht lassen. Er ging oft an den Schrank, um +Zucker zu naschen. Die Mutter schalt, aber es half nicht. + +Eines Tages ging Ernst in die Scheune. An der Wand hing etwas Rotes. +Ernst sagte: "Oh, hier hat die Mutter Zuckerzeug versteckt. Ich +sollte es nicht finden!" Schnell kletterte er auf einen Stuhl, um es +zu holen. Er biß gierig hinein. Aber, o weh, es verbrannte seinen +Mund. Er ließ das Zuckerzeug fallen und schrie laut. Nun kam die +Mutter und gab ihm einen Trunk Wasser. Was Ernst naschte, war nicht +Zucker gewesen. Es war roter Pfeffer. + +Ernst naschte nie wieder. + + + + +24. DER BLINDE GEIGER. + +Ein armer, blinder Geiger ging auf der Straße. Er suchte den Weg mit +seinem Stocke. Seine Geige trug er unter dem Arme. Bald kam er an +einen Steg. Als er das merkte, getraute er sich nicht hinüberzugehen. +Hans und Eugen kamen daher, und der arme Mann bat, sie möchten ihn +doch über den Steg führen. Aber die mutwilligen Buben lachten den +Geiger aus und liefen weg. + +Da kam die kleine Lina aus der Schule. Die wartete nicht, bis sie +gebeten wurde. Sie faßte den Blinden bei der Hand, brachte ihn über +den Steg und schenkte ihm einen Cent, den sie von ihrer Mutter +bekommen hatte. + +[Illustration] + + + + + +25. DAS BROT IM WEG. + + Im Weg das Krümchen Brot + Tritt nicht mit deinem Fuß, + Weil's in des Hungers Not + Ein Tierlein finden muß. + Leg's auf den Stein vor'm Haus, + Und kannst du, brösel's klein: + Still dankt es dir die Maus + Und still das Vögelein. + + + + +26. DIE SCHÖNEN DREI. + + Vöglein im hohen Baum, + Klein ist's, ihr seht es kaum, + Singt doch so schön, + Daß wohl von nah und fern + Alle die Leute gern + Horchen und stehn. + + Blümlein im Wiesengrund + Blühen so lieb und bunt, + Tausend zugleich; + Wenn ihr vorübergeht, + Wenn ihr die Farben seht, + Freuet ihr euch. + + Wässerlein fließt so fort + Immer von Ort zu Ort + Nieder ins Tal; + Dürstet nun Mensch und Vieh, + Kommen zum Bächlein sie, + Trinken zumal. + + Habt ihr es auch bedacht, + Wer hat so schön gemacht + Alle die drei? + Gott, der Herr, machte sie, + Daß sich nun spät und früh + Jedes dran freu'. + + + + +27. DAS VOGELNEST. + +In einem Garten lebte ein Vögelein, das sehr schön singen konnte. Es +baute sich in einem Busch ein hübsches Nestchen. In dieses legte es +Eier hinein und brütete Junge aus. Einmal suchte das alte Vögelein +Futter für seine Kinder. Da sahen zwei Buben das Nest und nahmen es +samt den Jungen weg. Darüber wurde die Mutter der jungen Vögelein +sehr traurig. + +Sie flog hin und her und schrie, so laut sie konnte. Die Knaben +machten sich aber nichts daraus. Endlich hörte die Schwester der +bösen Knaben das Vögelein schreien. Gleich ging sie hin und nahm +ihren Brüdern das Nestchen Weg und trug es wieder in die Hecke. Seit +dieser Zeit hatten die Vögelein das Mädchen recht lieb, und wenn es +im Garten war, sangen sie noch einmal so schön wie sonst. + + + + +28. DER DRACHE. + +Mein Bruder Karl hatte einen großen Drachen gemacht. Er war aus holz +und Papier. Um untern Ende befand sich ein langer Schwanz und am +obern eine lange, dünne Schnur. + +Nachmittags gingen wir hinaus auf das Feld hinter unserm Hause. Es +war ein schöner Tag; die Sonne schien prächtig, und es wehte ein +guter Wind. Wir ließen den Drachen steigen. Er stieg so hoch, wie die +Schnur reichte. Wir konnten ihn kaum noch sehen. + +So standen wir lange im Schatten neben dem Zaune. Auch unser Hund +Karo kam unter dem Karren hervor. Wir waren sehr vergnügt, bis der +Abend dem Spiele ein Ende machte. + +[Illustration] + + + + + +29. DIE VÖGLEIN. + + Warum wohl die Vöglein fliegen können? + Ei, das magst du ihnen schon gönnen. + Auf der Erde sind Tiere viel + Und haben hier und dort ihr Spiel. + Da war kein Platz für die Vögel mehr; + Das dauerte den lieben Gott so sehr, + Darum hat er ihnen Flügel gegeben, + Daß sie dort oben in Lüften schweben; + Da können sie spielen den ganzen Tag + Und haben Platz, wie viel jedes mag. + + + + +30. VOM HÄNSCHEN. + +Hänschen und Gretchen spielten im Garten. Da kam ein schöner +Schmetterling geflogen. Gleich wollte Hans ihn fangen. Gretchen rief: +"Ach, laß doch das hübsche Tierlein gehen!" Aber Hans hörte nicht +darauf. Mit dem Hute in der Hand lief er dem Schmetterlinge nach. Er +schaute immer nur in die Höhe. Patsch,--fiel er in einen tiefen +Graben voller Wasser. Der Schmetterling flog munter davon. Hänschen +ging weinend heim und wurde noch ausgelacht. + + + + +31. SPRÜCHE. + + Ein gutes Kind gehorcht geschwind + Und folgt sofort aufs erste Wort. + + Was du nicht willst, das man dir tu', + Das füg' auch keinem andern zu. + + Vorgetan und nachbedacht + Hat manchem großes Leid gebracht. + + Quäle nie ein Tier zum Scherz, + Denn es fühlt, wie du, den Schmerz. + + + + +32. DIE SCHNECKE: + + Die Schnecke ist gar übel dran. + Wie muß sie sich doch plagen! + Sie muß ihr Haus + Tagein, tagaus + Auf ihrem Rücken tragen. + + Die Schnecke ist nicht übel dran. + Sie weiß sich wohl zu schützen: + Nimmt sie Gefahr + Vom Feinde wahr,-- + Bleibt sie im Häuschen sitzen. + +[Illustration] + + + + +33. DIE HENNE UND DIE ENTLEIN. + +Die kleine Anna hatte eine Henne zum Geschenk bekommen. Diese legte +jeden Morgen ein Ei. Als nun Annas Mutter eines Tages das Nest mit +zwölf Eiern sah, nahm sie dieselben voller Freude in die Küche. Aber +siehe da! Die Henne jammerte und suchte ihr Nest. Nun fand sie in der +Nähe ein Entennest, in dem auch Eier waren. Sie setzte sich darauf, +bis die Jungen herauskamen. Das waren aber Entchen statt Küchlein. +Doch die Henne hatte sie so lieb, als ob es Küchlein wären. Sie +suchte Futter mit ihnen und nahm sie unter ihre Flügel, damit ihnen +kein Leid geschehe. Doch eines schönen Tages liefen die Kleinen +davon. Wohin? In großer Angst eilte die Henne hinterher. Die Entchen +waren zum Teiche gelaufen. Umsonst warnte die Henne: "Das ist Wasser! +Ihr müßt ertrinken!" Lustig schwammen die kleinen Enten schon umher, +und alles Glucken der alten Henne brachte sie nicht ans Ufer zurück. + +[Illustration] + + + + +34. DIE TAGESZEITEN. + +Hoch am Himmel steht die Sonne. Sie leuchtet so hell, daß man sie +nicht lange ansehen kann. Wenn die Sonne morgens aufgeht, wird es auf +der Erde hell. Dann sagen die Leute zu einander: "Guten Morgen!" Die +Sonne steigt nun immer höher und höher, bis sie zuletzt fast über +unserem Kopfe steht. Es ist jetzt Mittag. Wenn sich Bekannte treffen, +wünschen sie einander: "Guten Tag!" Bald darauf neigt sich die Sonne +wieder abwärts. Sie sinkt bis an den Rand des Himmels. Alsdann sieht +sie wie eine große, feurige Kugel aus und färbt die Wolken schön rot. +Auf einmal ist sie verschwunden. Es wird dunkler und die Nacht bricht +an. Man bietet sich "Guten Abend!" und wünscht allen vor dem +Schlafengehen eine "Gute Nacht!" Nun kommt die Zeit der Ruhe. + + + + +35. KIND UND SONNE. + +_Kind_: Sag einmal, liebe Sonne, wohin gehst du, wenn es Abend +wird? Es heißt dich doch niemand fortgehen. Ich meine, du könntest +immer bei uns bleiben. Das wäre so schön! + +_Sonne_: Nein, mein Kind, das kann nicht sein! Wenn es Nacht +wird, schlafen die Leute, und du schläfst auch. Beim Schlafen braucht +man mich aber nicht. Ich reise dann weit, weit fort in ein fernes +Land. Dort wohnen auch Menschen: Väter, Mütter und viele brave +Kinder. Wenn ich zu diesen komme, haben sie ausgeschlafen. Vater und +Mutter stehen dann auf und arbeiten, und die größeren Kinder gehen in +die Schule, um zu lernen. + +_Kind_: Ei, ei! Und wenn du bei diesen Menschen gewesen bist, +wohin gehst du hernach? + +_Sonne_: Wenn ich dort gewesen bin, komme ich wieder zu dir, wie +an jedem Morgen. So reise ich zu allen Menschen auf der ganzen Erde. + + + + +36. SONNE UND REGEN. + + Die Sonne sprach: "Ich will scheinen + So fort und immerfort!" + Der Regen sprach: "Ich will fallen + Ohn' Ende an jedem Ort!" + Die Sonne: "Du machst ja alles + Auf der Erde gang naß!" + Der Regen: "Du machst zu trocken, + Wenn du scheinst ohn' Unterlaß!" + Die Sonne: "Ich mache fruchtbar, + Und alles freut sich mein!" + Der Regen: "Du machst zu trocken, + Dich mag man nicht allein!" + So haben sie lang gestritten, + Doch wurden sie einig zuletzt: + Sie wollten miteinander wechseln, + Und so ist es denn auch jetzt. + + + + +37. ASTERN. + +Ein kleiner Knabe lag einmal im Grase und schlief. Da sah er im Traum +einen Engel, der eine wunderschöne Blume in der Hand trug. Der Engel +sagte, daß es im Himmel viele solche Blumen gebe. Der Knabe hätte sie +gerne gehabt. Als er aufwachte, lagen da ein paar glänzende +Samenkörner. Die pflanzte der Knabe in seinem Garten. Als der Herbst +kam, waren aus den Samen die Blumen entstanden. Sie sahen gerade wie +Sterne aus. Der Knabe rief seine Eltern. Vater und Mutter sagten: +"Das sind Sternblumen oder Astern. Die sollen uns an den, Himmel +droben erinnern." + +[Illustration] + + + + + +38. RÄTSEL. + +Loch bei Loch, +Und hält doch. +Was ist's? + +Rat! Das Haus hat lauter Treppen, +Keine Fenster, keine Zimmer; +Wer drin wohnt, muß es immer +Auf seinem Rücken schleppen. + +Es ist ein Ding, hat Stamm und Zweig' und Blätter, +Schützt dich vor Sonne und im Regenwetter. + + + + +39. VÖGEL UND BLUMEN. + + Die Vögel, sie fliegen wie Blätter im Wind; + Da winken die Blümlein zum Abschied geschwind. + Es singt in den Bäumen der Herbst schon sein Lied, + Fort ziehen die Vögel, die Blumen sind müd'. + + Im Süden die Vögel, die Blumen im Schnee, + Sie warten, daß wieder der Frühling ersteh'. + Dann lachen die Blüten, das Vögelein singt; + Dann duftet's und jubelt's, bis rings alles klingt. + + + + +40. DANKSAGUNGSTAG. + +Was tut ihr, wenn euch jemand etwas geschenkt hat oder recht gut +gegen euch gewesen ist? Nicht wahr, ihr sagt: "Danke schön!" +Vergesset das ja nicht! Wir Menschen, groß und klein, haben für gar +vieles dankbar zu sein. Die Kinder können sich freuen, wenn sie noch +Eltern haben, die sie lieben und für sie sorgen. Erwachsene Leute +sollen froh sein, wenn sie gesund sind und keine Not zu leiden +brauchen. Doch das wird oft nicht bedacht. Deshalb ist ein Tag da, an +dem ein jeder von feiner Arbeit ausruhen und fröhlich Gott danken +soll für allen Segen. Im Herbste, wenn die Ernte vorüber ist, kommt +der Danksagungstag. Da gibt es meistens gut und reichlich zu essen +und zu trinken. In den Kirchen ist Gottesdienst. Auch für die Armen +und Unglücklichen wird gesorgt, damit ein jeder im Herzen dankbar +sein möge für das Gute und Schöne, was das Jahr gebracht hat. + + + +41. VOM PUTER. + + Puter, Puter, Polterhahn, + Hast 'ne rote Weste an, + Hast 'ne rote Nasenspitze + Und 'ne rote Zipfelmütze; + Aber das gibst du wohl zu: + Ich bin schöner doch als du! + +[Illustration] + + + + + +42. DIE VIER BRÜDER. + + Vier schöne Brüder kenn' ich wohl, + Geschmückt so wunderbar; + Sie kommen schon seit alter Zeit + Zu uns in jedem Jahr. + Der erste Bringt uns einen Strauß, + Streut Blumen um sich her. + Den zweiten schmückt ein goldner Kranz + Von Ähren voll und schwer. + Der dritte reicht uns Äpfel dar + Und neuen goldnen Wein. + Der vierte ist in Pelz gehüllt + Wie Schnee so weiß und rein. + Wer nennt die schönen Brüder mir, + Geschmückt so wunderbar? + Sie kommen schon seit alter Zeit + Zu uns in jedem Jahr. + + + + +43. DIE ZWÖLF MONATE. + + Gleich anfangs mit dem neuen Jahr + Erscheint der kalte Januar, + Dann kommt alsbald der zweite Mann, + Der Februar, in Eile an. + Der März ist nun auch nicht mehr weit, + Und der April ist bald bereit. + Ihm folgt der wunderschöne Mai, + Der Juni kommt drauf schnell herbei, + Und ist der Juli nun erst da, + So ist auch der August schon nah; + Ihm schließt sich der September an, + Und der Oktober folgt alsdann. + November ziehet schleunig ein, + Dezember wird her letzte sein. + + + + +44. DIE BLÄTTER TANZEN. + + Die Bäume stehen ruhig da, + Die Blätter flüstern leise. + Hört ihr den Wind, hei, hussassa, + Bald bläst er seine Weise. + + Da braust der Wind gar wild einher + Und rüttelt an den Bäumen, + Er beugt sie hin, er beugt sie her, + Läßt keine Zeit zum Träumen. + + "Halt ein, du stürmischer Gesell', + Wir stehen fest wie Lanzen!" + Die Blätter aber lachen hell: + "Herr Wind, wir möchten tanzen!" + + "Ei," ruft der Wind, "ein luftig Wort, + Da kann ich stark mich zeigen!" + Er Bläst die bunten Blätter fort; + Die tanzen froh den Reigen. + + Der Wind ist fort, der Tanz ist aus, + Die Blätter sinken nieder; + Der Schnee streckt sein Decke aus, + Der Frühling hebt sie wieder. + +[Illustration] + + + + +45. DIE VIER JAHRESZEITEN. + +Es gibt vier Jahreszeiten: Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Im +Frühling wird die Luft warm. Der Schnee schmilzt, und die Flüsse +werden wieder frei vom Eise. Auf den Wiesen und in den Gärten keimen +Gräser und Kräuter, auf den Feldern grünt die Saat, und die Bäume +bekommen frisches Laub. Sie treiben Knospen und Blüten. Die Vögel, +welche im Herbste in wärmere Länder gezogen waren, kehren zurück. +Andere Tiere, die den Winter in ihren Höhlen verschlafen hatten, +wachen auf und kommen hervor. Mit dem Sommer werden die Tage länger, +und die Wärme nimmt zu. Das Getreide wird reif und vom Landmanne +geschnitten. Auf den Sommer folgt der Herbst. Im Herbst gibt es Obst, +Trauben und Kartoffeln, auch wird die Saat für das nächste Jahr +bestellt. Das Laub der Bäume vertrocknet und fällt zur Erde nieder. +Die Tage werden immer kürzer. Oft ist es neblig und rauh. Bald wird +es recht kalt; die Flüsse frieren zu, und es gibt Schnee. Die Vögel +können draußen kein Futter finden. Sie kommen in die Straßen und vor +die Türen, um einige Körner und Bröckchen zu suchen. Zu Hause wird +eingeheizt; aber im Freien tummeln sich die Kinder, gleiten auf dem +Eise, oder fahren Schlitten. Sie freuen sich darauf, einen Schneemann +machen zu können. Bald naht auch das liebe Weihnachtsfest. + + + + +46. WINTERS ANKUNFT. + + Im weißen Pelz der Winter + Steht lang' schon hinter der Tür, + Ei, guten Tag, Herr Winter, + Das ist nicht hübsch von dir! + + Wir meinten, du wärest, wer weiß wie weit, + Da kommst du mit einmal hereingeschneit. + Nun, da du hier bist, so mag's schon sein; + Aber, was bringst du Gutes uns Kindelein? + + Was ich euch bringe, das sollt ihr wissen: + Fröhliche Weihnacht mit Äpfeln und Nüssen + Und Schneeballen, + Wie sie fallen, + Und im Jänner + Auch Schneemänner! + +[Illustration] + + + + +47. DER TANNENBAUM. + + So manches Bäumchen in dem Wald + Verliert im Herbst die Blätter, + Jedoch der liebe Tannenbaum + Der trotzet Wind und Wetter. + + Ist alles draußen öd' und leer, + Steht er im grünen Kleide + Und setzt sich stolz ein Käpplein auf, + Ein Käpplein weiß wie Kreide. + + Das nimmt er aber artig ab + Am frohen Weihnachtsfeste, + Und grüßet liebevoll und gut + Die Kinder all' aufs Beste. + + O Tannenbaum, o Tannenbaum, + Du kannst mir sehr gefallen, + Du bist der allerliebste mir + Doch von den Bäumen allen. + + + + +48. VOGEL AM FENSTER. + + An das Fenster klopft es: pick, pick! + "Macht mir doch auf einen Augenblick! + Dicht fällt der Schnee, der Wind weht kalt, + Habe kein Futter, erfriere bald. + Liebe Leute, o laßt mich ein, + Will auch immer recht artig sein!" + + Sie ließen ihn ein in seiner Not; + Er suchte sich manches Krümchen Brot; + Blieb fröhlich manche Woche da. + Doch als die Sonne durchs Fenster sah, + Da saß er immer so traurig dort: + Sie machten ihm auf, husch, war er fort. + +[Illustration] + + + + +49. DAS BÜBLEIN AUF DEM EISE + +Es war Winter. Da kam ein Knabe an einem Teiche vorbei. Der Teich war +zugefroren. Der Knabe hatte große Lust, auf das Eis zu gehen. Der +Vater aber hatte es ihm verboten. Das Eis war noch nicht stark genug. +Der ungehorsame Knabe wagte sich dennoch auf das Eis. Er hackte +darauf mit seinen Stiefeln. Auf einmal krachte das Eis. Der Knabe +fiel in das Wasser hinein und schrie laut um Hilfe. Ein Mann eilte +herbei und zog ihn heraus. Ganz durchnäßt mußte der Knabe nach Hause +laufen. Die Mutter brachte ihn in das Bett, und dazu wurde er noch +von seinem Vater bestraft. + + + + +50. RÄTSEL. + +Weiß wie Kreide, +Leicht wie Flaum, +Weich wie Seide, +Feucht wie Schaum. + +Wer baut wohl die billigste Brücke? +Wer reißt sie nieder und schlägt sie in Stücke? + +Was mögen das für Blumen sein, +Die unsre Fenster zieren, +Wenn drauß' vor Kälte Stein und Bein +Im rauhen Winter frieren? +Sie sind nicht rot und blau gemalt, +Wie Blumen auf den Wiesen, +Und wenn die liebe Sonne scheint, +In Wasser sie zerfließen. + + + + +51. WEIHNACHTSFREUDE. + +Am Abend vor Weihnachten kam Else zur Mutter gelaufen und rief: +"Denke nur, Anna Maurer hat mir heute ins Ohr gesagt, sie hätten seit +gestern kein Holz, kein Brot und keine Milch. Und sie haben doch ein +kleines Kind, und die Großmutter ist krank. Darf ich der Anna heute +Abend mein Brot geben?" + +"O, gewiß," sagte die Mutter, "geh nur gleich hin. Bringe ihnen auch +diese Kanne voll Milch. Robert soll seinen kleinen Schlitten voll +Holz laden und es hinfahren." Wie freuten sich die Kinder, daß sie +den armen Leuten helfen durften. + +Aber Robert wollte noch mehr tun. Er bat den Vater um ein ganz +kleines Tannenbäumchen. Das schmückte er mit farbigen Sternen und +Lichtlein. Dann suchte er seine warme Kappe für Maurers Karl und nahm +ein Säcklein voll Nüsse. Else holte eine ihrer Puppen. Alles das +packten sie in einen Korb. + +Als es dunkel war, nahm Robert das Bäumchen und Else den Korb. Sie +gingen hin und stellten die Sachen leise vor Maurers Tür. Dann +klopften sie und eilten davon. + +Wie sich da die armen Leute freuten! Aber auch Robert und Else +meinten, noch nie so schöne Weihnachten gehabt zu haben, wie diesmal. + + + + +52. SCHNEESTERNE. + +_Olga_: Komm, liebe Mama, komm geschwind! Ich hab' dir etwas +mitgebracht. Rate, was es ist! + +_Mutter_: Nun, was mag das wohl sein! Blumen, Obst oder gar +Kuchen? + +_Olga_: O, nein, nein; ganz etwas anderes. Schöne, weiße Sterne +sind es. Sieh her, hier hab' ich sie in meiner Schürze! + +_Mutter_: Wo sind sie denn? Ich kann nichts sehen. + +_Olga_: Ach, Mama! Sie sind nun fort, und ich habe mich doch so +gefreut, sie dir zu bringen. Es sind nur noch kleine Tropfen auf +meiner Schürze. Ich möchte weinen! + +_Mutter_: Weine nicht, liebe Olga: Solche Sterne können nicht +bleiben. Die Waren einmal Wasser, und die Kälte machte sie zu Schnee. +Da sehen sie gerade wie kleine, blitzende Sterne aus. Nachher werden +sie wieder zu Wasser. Menschen, Tiere und Pflanzen trinken das +Wasser. Nach und nach holt die Sonne auch viele Tropfen hinauf zu den +Wolken. Ohne Wasser könnten wir gar nicht leben. + +[Illustration] + + + + +53. BRIEF VOM WEIHNACHTSMANN. + +Daheim, am 1. Januar 1913. + +Liebe Kinder! + +Mein Vetter, der Neujahrsbote, bringt Euch meine Grüße und Wünsche. +Eure Bitten habe ich, wie Ihr wisset, erfüllt. Erfreuet Euch nur +recht an den Geschenken. + +Wenn nun heute mein Baum noch einmal strahlt und glitzert, dann nehmt +Euch vor, auch in diesem Jahre immer lieb und brav zu sein. Ihr könnt +Euren Eltern und mir keine größere Freude machen. Schreibt mir zur +rechten Zeit wieder, ob Ihr Wort gehalten habt. Dann schenke ich Euch +das nächste Mal, was Ihr als gute Kinder verdient. + +Euer Freund + +Der Weihnachtsmann. + + + + +54. ZU NEUJAHR. + + Noch nicht erwachsen bin ich, + Drum wünsch' ich kurz, doch innig: + Ein glückliches Neujahr! + + Und was euch freut, das weiß ich: + Wenn brav ich bin und fleißig, + Mehr als ich sonst es war. + + Gesundheit, Freude, Frieden + Sei allen euch beschieden, + Wie heut, so immerdar. + + + + +55. VERSTEHST DU DAS? + + Er ritt auf einem Rappen aus, + Da kam etwas vom Himmel, + Und als er wieder kam nach Haus, + Da war der Rapp' ein Schimmel. + Verstehst du das? + + + + +56. DER SCHNEEMANN. + +Es hatte geschneit. Dick lag der Schnee auf Straßen und Plätzen. Die +Knaben wollten sehen, wie tief er wohl sei. Sie wateten hindurch, daß +der Schnee in die Stiefel fiel. "Heute wollen wir einen Schneemann +bauen!" So riefen Fritz, Karl und Otto. Schnell machten sie einen +großen Schneeball und wälzten ihn im tiefen Schnee herum. Bald wurde +der Ball so groß, daß ihn die Knaben nicht mehr fortbringen konnten. +Nun wälzten sie einen neuen Ball heran, den setzten sie auf den +ersten. Oben darauf kam ein kleiner Ball, das war der Kopf des +Schneemannes. In den Kopf steckte Fritz zwei Kohlen, das waren die +Augen. Auch Nase und Mund, ja sogar die Rockknöpfe des Mannes wurden +aus Kohlen gemacht. Nun bekam der Schneemann noch zwei Arme. In den +einen Arm legten ihm die Knaben einen großen Stock. + +Da stand er nun und drohte. Aber der arme Mann konnte nicht schlagen. +Fortlaufen konnte er auch nicht, als ihn die jungen mit Schneebällen +warfen. Doch das war noch das Schlimmste nicht! Auf einmal guckte die +liebe Sonne über das Dach. Da fing der Schneemann an zu weinen. +Tränen liefen ihm über das Gesicht und den weißen Pelzrock. Es war +gut, daß die Sonne heute nicht noch länger schien, sonst wäre er ganz +zu Wasser geworden. Morgen aber oder übermorgen wird's wohl so +kommen. + +[Illustration] + + + + +57. MÄRZ. + +Nach vielen trüben Tagen sehen wir den blauen Himmel wieder. Manchmal +scheint auch schon die Sonne freundlich auf die Erde herab. Da muß +der Winter weichen. Der Schnee fängt an, zu schmelzen, und nur noch +des Nachts gibt es ein wenig Eis. An schönen Tagen läßt sich +vielleicht ein Vogel hören, und ein fleißiges Bienchen fliegt umher. +Auf dem Felde und im Wald sieht es aber noch recht öde aus. Nur die +Weiden und Birken haben graue Kätzchen, und an den Zweigen der Ulme +sind kleine Blüten. Die Kinder gehen ins Freie; sie spielen Ball oder +lassen den Drachen steigen. + + + + +58. OSTERGRUSS. + + Das Häschen im Walde eilt hin und her, + Nach Eiern ist heute ein großes Begehr. + Es borgt bei der Henne, es borgt bei dem Spatz + Und sucht für die Nester den passenden Platz. + Ein artiges Kindlein erhält heut' sein Ei. + Es schleppen die Häschen die Eier herbei; + Und bist du am Ostermorgen erwacht, + Hat Häschen die Nester gefüllt über Nacht. + + + + +59. DER OSTERHASE. + +Bald ist es Ostern. O, wie freue ich mich, denn es kommt der +Osterhase! Der bringt schöne, bunte Eier. Wir wollen ihm deshalb ein +Nest zurecht machen. Oft versteckt der Osterhase die Eier. Dann +müssen wir sie suchen. Zuweilen legt er sie in Hüte, Schuhe oder +Körbe. Auch unter den Schrank hat er sie schon gelegt. Ja, er steckt +sie uns wohl gar in die Taschen. Welche Freude, wenn wir sie finden! +Erst zählen wir sie und spielen damit. Später essen wir sie; sie +schmecken gut. In Washington werden am Ostermontage viele Kinder zum +Präsidenten eingeladen. Sie können lange auf dem Rasen bei dem großen +Hause spielen. Da gibt es dann viele und sehr schöne Ostereier. Die +werden hin und her gerollt und schließlich verzehrt. Ihr möchtet auch +dabei sein, nicht wahr? + +[Illustration] + + + + +60. DER OBSTGARTEN. + +Neben dem Gemüse und den Blumen ist oft ein Platz, auf dem nur Gras +und Obstbäume wachsen, es ist der Obstgarten. Welche Pracht, wenn die +Bäume im Frühlinge blühen! Der Kirschbaum kommt zuerst mit seinen +weißen Blüten. Dann ziehen der Birnbaum und der Pflaumenbaum ihr +weißes Kleid an. Am schönsten aber Blühen der Apfelbaum und der +Pfirsichbaum, die blühen schön rot. Das Obst ist zuerst grün; dann, +wenn die Sonne recht heiß scheint, wird es gelb, rot oder blau. Ah, +Wie schmecken Kirschen und Pflaumen so gut! Wenn sie nur schon reif +wären! + + + + +61. SPRÜCHE. + +Was Hänschen nicht lernt, +Lernt Hans nimmermehr. + +Gute Sprüche, weise Lehren +Muß man üben, nicht bloß hören. + +Frage nicht, was and're machen, +Sieh auf deine eig'nen Sachen. + + + + +62. DIE VÖGEL IM FRÜHLINGE. + +Im Winter sind nur wenige Vögel Bei uns. Wo sind die andern? Sie sind +fortgezogen nach wärmeren Ländern. Jetzt wird es aber auch hier bei +uns warm, und die Vögel kehren zurück. Bald werdet ihr sie singen +hören. Fleißig fliegen sie zum Baume. Sie arbeiten. Im Schnabel +tragen sie Stroh, Heu, Pferdehaare oder auch kleine Zweige herbei; +damit bauen sie ihre Nester. + +[Illustration] + + + + +63. DAS ROTE HÜHNCHEN. + +_Hühnchen_: Hier ist ein Weizenkorn. Wer wird mir helfen, es zu +pflanzen? Bitte, hilf du mir, Frau Gans. + +_Gans_: Es tut mir leid, aber ich kann dir nicht helfen. + +_Hühnchen_: Bitte, hilf du mir, Frau Ente. + +_Ente_: O, ich kann dir heute nicht helfen. Ich habe so viel mit +meinen Kindern zu tun. + +_Hühnchen_: Nun, dann hilf du mir, alte Katze. + +_Katze_: Ich kann dir auch nicht helfen. Ich muß meine Kätzchen +waschen. + +_Hühnchen_: Willst du mir denn nicht helfen, kleines Schwein? + +_Schwein_: Ich kann keinen Weizen pflanzen. Ich bin zu müde. +Pflanz du ihn selber. + +_Hühnchen_: Das will ich auch tun! Ich lege dich in die Erde, +Körnchen, und die Sonne, der Regen und der Wind werden dich wachsen +lassen. + + + * * * * * + + +_Hühnchen_: Jetzt ist der Weizen reif. Wer wird ihn nach der +Mühle fahren? Willst du es tun, Frau Gans? + +_Gans_: Es tut mir recht leid, Hühnchen, aber heute kann ich +nicht nach der Mühle fahren. Ich habe Rückenschmerzen. + +_Hühnchen_: Willst du es tun, Frau Ente? + +_Ente_: Nein, ich kann auch nicht fort. Ich muß jetzt schwimmen. + +_Hühnchen_: So tu du es, alte Katze! + +_Katze_: Sch! Sch! Ruhig! Ich laure auf eine Maus. Ich kann +diesmal nicht gehen. + +_Hühnchen_: Bitte, tu du es doch, kleines Schwein. + +_Schwein_: Ach was! Es ist gerade Zeit für mein +Mittagsschläfchen. Du kannst den Weizen selber zur Mühle fahren. + +_Hühnchen_: Das werde ich auch tun. + + + * * * * * + + +_Hühnchen_: Hier ist Mehl. Wer wird Brot daraus backen? Willst +du das Brot backen, Frau Gans? + +_Gans_: Ei, nein! Ich habe in meinem Leben noch kein Brot +gebacken. + +_Hühnchen_: Willst du das Brot backen, Frau Ente? + +_Ente_: Ich! Brot backen? Nein, das kann ich wirklich nicht tun. + +_Hühnchen_: Backe du das Brot, alte Katze! + +_Katze_: Ich tue alles andere auf der Welt lieber als backen. + +_Hühnchen_: Wach auf, kleines Schwein, und back du das Brot. + +_Schwein_: Ach! laß mich in Ruhe. Ich will dir beim Essen +helfen, wenn es gebacken ist. + +_Hühnchen_: Gut; da backe ich es selbst. + + + * * * * * + + +_Hühnchen_: So, jetzt ist das Brot gebacken. Sechs schöne, +braune Laibe. Wer will helfen essen? + +_Gans, Ente, Katze, Schwein_: Wir wollen dir helfen! + +_Hühnchen_: O, nein! Nun brauch' ich euch auch nicht. Ich werde +es essen, und meine Küchlein sollen mir helfen. Gluck, gluck, gluck! + + + + +64. RÄTSEL. + +Rate flink: +Ein kleines Ding, +Dünn und spitz; +Sticht wie der Blitz. + +Zwei sind's, die nebeneinander steh'n +Und alles ganz gut und deutlich seh'n, +Nur immer eines das andre nicht, +Und wär' es beim hellsten Tageslicht. + + + + +65. DER NASEWEISE BELLO. + +In einem Stalle wohnten fünf kleine Hunde mit ihrer Mutter. Alle +waren schön weiß mit braunen Flecken. Sie spielten lustig umher und +lernten auch von der Mutter Ratten und Mäuse fangen. + +Nur einer der Kleinen wollte nicht folgen. Er wollte auch nicht mit +seinen Geschwistern spielen, sondern trieb sich lieber draußen herum. +Einmal war Bello--so hieß der kleine--wieder hinausgeschlichen. Bei +der Türe stand ein Topf voll schwarzer Farbe. Bello wollte gerne +wissen, was darin wäre, und so steckte er seine Nase hinein. Aber, o +weh! er kam mit dem Kopfe zu Weit hinein und warf den Topf um. Jetzt +war er über und über mit schwarzer Farbe bedeckt. Langsam ging er +zurück und blieb mit hängendem Kopf auf der Türschwelle sitzen. Seine +Mutter und seine Geschwister schämten sich des schmutzigen, +naseweisen Bello. + + + +66. HEIL, AMERIKA! + + Hoch die Fahnen, + Sie gemahnen + An das teure Vaterland. + Rot und weiß die Streifen winken, + Licht im Blau die Sterne blinken, + Sind der Freiheit Unterpfand. + + Freudig singen + Wir und bringen + Grüße viel von fern und nah. + Wo die Flaggen munter wehen, + Stolz wir, sie beschützend, stehen, + Deiner wert, Amerika! + +[Illustration] + + + + +67. PETERSILIE. + +Es waren einmal zwei Kinder, ein Knabe und ein Mädchen. Das Mädchen +hieß Silie, der Knabe Peter. Die Kinder konnten sich gar nicht +miteinander vertragen. Sobald sie zusammenkamen, stritten sie und +schlugen einander. Dies machte den Eltern viel Kummer. Das ärgerte +den Paten der Kinder, der ein Zauberer war. Er sprach zu den beiden: +"Höre ich euch wieder zanken, so lasse ich euch zur Strafe +zusammenwachsen." + +Es dauerte gar nicht lange, so war wieder Streit; Silie schlug den +Peter, und Peter schlug Silie. Da kam der Zauberer durch die Luft +gefahren und rührte beide mit seinem Stabe an. Nun waren sie +verwandelt. Peter wuchs in die Erde hinein als Wurzel, und oben auf +ihm Silie als grünes Kraut. Der Zauberer nannte sie nun zusammen: +Petersilie. + + + +68. DAS KIND UND SEIN BLÜMCHEN. + + Ward ein Blümchen mir geschenket, + Hab's gepflanzt und hab's getränket. + Vögel, kommt und gebet acht! + Gelt, ich hab' es recht gemacht? + + Sonne, laß mein Blümchen sprießen! + Wolke, komm es zu begießen! + Richt' empor dein Angesicht, + Liebes Blümchen, fürcht' dich nicht! + + Und ich kann es kaum erwarten, + Täglich geh' ich in den Garten, + Täglich frag' ich: Blümchen, sprich, + Blümchen, bist du bös auf mich? + + Sonne ließ mein Blümchen sprießen, + Wolke kam, es zu begießen; + Jedes hat sich brav bemüht, + Und mein liebes Blümchen blüht. + + + Wie's vor lauter Freuden weinet, + Freut sich, daß die Sonne scheinet; + Schmetterlinge, fliegt herbei, + Sagt ihm doch, wie schön es sei! + +[Illustration] + + + + +69. NACHLÄSSIGKEIT. + +Eine fleißige Mutter baute in ihrem Garten Gemüse aller Art. Eines +Tages sagte sie zu ihrer kleinen Tochter: "Lieschen, sieh da an der +untern Seite des Kohlblattes die kleinen, netten, gelben Tüpfelchen! +Das sind die Eier, aus denen die schönfarbigen, aber verderblichen +Raupen kommen. Suche diesen Nachmittag alle Blätter ab und zerdrücke +die Eier, so wird unser Kohl grün und unversehrt bleiben." + +Lieschen meinte, zu dieser Arbeit sei es immer noch Zeit, und dachte +am Ende gar nicht mehr daran. Die Mutter war einige Wochen krank und +kam nicht in den Garten. Als sie aber wieder gesund war, nahm sie das +saumselige Mädchen bei der Hand und führte es zu den Kohlbeeten, und +siehe! aller Kohl war von den Raupen abgefressen. Man sah nichts mehr +als die Stengel und Gerippe der Blätter. Das erschrockene und +beschämte Mädchen weinte über seine Nachlässigkeit. Die Mutter aber +sprach: "Tu' künftig das, was heute geschehen kann, sogleich heute +und verschiebe es niemals auf morgen!" + + + + +70. EIN RÄTSEL. + +Ratet, ratet, was ist das: +Es ist kein Fuchs und ist kein Has'. +Es hat zwei Augen und kann nicht sehen. +Es hat zwei Füße und kann nicht gehen. +Es hat zwei Ohren und kann nicht hören. +Es hat zwei Hände und kann sich nicht wehren. + +Es ist ein Mädchen hübsch und fein, +Tut niemals zanken und niemals schrei'n. + +Was für ein Mädchen mag das sein? + +[Illustration] + + + + +71. WAS WÜRDEST DU TUN? + +"Wenn ich ein König wäre," sagte ein Kind, "ließe ich mir ein Schloß +bauen bis an die Wolken!" + +"Und ich," sagte ein anderes, "trüge nur Kleider von Silber und +Gold!" + +"Und ich," rief ein dicker Bube, "ich äße nur Kuchen und Wurst!" + +"Ich," sagte ein kleines Mädchen und wurde ein wenig rot, "ich gäbe +allen armen Kindern Geld, daß sie sich Brot und Kleider kaufen +könnten!" + + + + +72. WAS WOLLEN WIR SPIELEN? + +_Ella_: In fünf Minuten ist Essenszeit, + Noch schnell was zu spielen, das wäre gescheit! + +_Toni_: Ei! Jede holt ihre Puppe heraus, + Wir tragen sie etwas spazieren ums Haus. + +_Ella_: Das Puppenholen hält aber doch auf! + Komm, spielen wir haschen; ich fange dich, lauf! + +_Toni_: Beim Haschen kommt man ja gar nicht zur Ruh'. + Ach! spielen wir lieber Blindekuh! + +_Ella_: Bei Blindekuh komme ich immer zu Fall. + Topp! Weißt du was, spielen wir Fangeball! + +_Toni_: Ach was, das Ballspiel machte mir niemals Spaß; + Reifentreiben, das wäre noch was! + +_Ella_: Die Reifen, die sind auch drinnen im Haus. + Was meinst du, wir suchen Mama einen Strauß! + +_Toni_: Wir dürfen ja nicht auf dem Rasen springen. + So laß uns lieber ein Liedchen singen! + +_Ella_: Ich habe den Husten, fällt eben mir ein! + +_Toni_: Na, gut! So spiele ich für mich allein! + +_Ella_: Ganz alleine? O, das wäre nicht schlecht: + Dir ist ja auch nimmer ein Vorschlag recht! + + +_Toni_: Was spiele ich nun?--Die Zeit geht vorbei-- + Zum Wettelaufen gehören doch zwei! + +_Ella_: Mir ist nicht sehr zum Spielen zu Mut-- + Alleine tanzen geht auch nicht gut! + +_Toni_: Mama ruft zum Essen! Wir müssen ins Haus! + Ach, Ella, nun ist mit dem Spielen es aus! + +_Ella_: Wie ist die Zeit nur so hingegangen! + Wir haben ja nicht einmal angefangen! + +_Toni_: Ja! weißt du, das Überlegen und Streiten! + Es war doch wirklich recht dumm von uns beiden! + +_Ella_: Wir haben recht kindisch uns angestellt! + +_Toni_: Nach Tische spielen wir-- + +_Ella_: Was dir gefällt! + + + + +73. DIE SCHLAUE KATZE. + +Die Nachbarin hatte einen zahmen Zeisig, den sie oft aus dem Käfig +ließ. Dann hüpfte das Tierchen in der Stube umher und suchte Krumen +am Boden. Die alte Katze war immer sehr freundlich mit dem Vögelchen. +Vor einigen Tagen aber erfaßte sie plötzlich den Zeisig, nahm ihn ins +Maul und sprang mit ihm auf den Tisch. + +Die Nachbarin erschrak und glaubte, die Katze wolle ihr liebes +Vögelein auffressen. Da sah sie jedoch, daß die Stubentüre offen war +und eine fremde Katze sich ins Zimmer geschlichen hatte. Schnell +jagte sie diese hinaus, und sieh, die alte Hauskatze sprang sogleich +vom Tische herab und ließ den Zeisig auf den Boden fallen, ohne ihm +etwas zuleide getan zu haben. Hat die alte Katze nicht klug +gehandelt? + + + + +74. KANNST DU ES SAGEN? + + Es saßen zehn Sperlinge auf dem Dach; + Da kam der Jäger und schoß danach; + Er traf davon nur vier. + Wie viel bleiben sitzen? + Das sage mir. + + + + +75. DER SPERLING + + Ich bin wohl ein gemeiner Wicht, + Das Singen, das versteh' ich nicht, + In schönen Kleidern geh' ich nicht; + Es sieht mich auch der Mann kaum an; + Nur böse Buben dann und wann, + Die werfen mich mit Steinen; + Und dennoch will mir's scheinen, + Als sei so schön die ganze Welt, + So blau die Luft, so grün das Feld-- + Zip, zip, zip! Ich hab' die Welt so lieb! + + + + +76. DAS PFERD UND DER ESEL. + +Einst schleppte ein Esel eine schwere Last. Neben ihm ging ein +lediges Pferd. Der Esel bat das Pferd, es möge ihm doch helfen; +allein es hörte nicht auf seine Bitte. Zuletzt konnte der Esel nicht +mehr weiter; er fiel zu Boden und starb. + +Nun lud der Treiber die ganze Last dem Pferde auf. Er zog dem toten +Tiere die Haut ab, und das Pferd mußte dieselbe noch obendrein +tragen. Hilf deinem Nächsten in der Not. + + + + +77. DER KLUGE STAR. + +Ein durstiger Star wollte aus einer Wasserflasche trinken. Er konnte +aber das Wasser mit seinem kurzen Schnabel nicht erreichen. Da hackte +er damit aufs dicke Glas; doch er vermochte nicht, es zu zerbrechen. +Dann stemmte er sich gegen die Flasche und wollte sie umwerfen. Aber +dazu war er nicht stark genug. + +Was tat der kluge Star zuletzt? Er las kleine Steinchen mit seinem +Schnabel zusammen und warf eines nach dem andern in die Flasche. +Dadurch stieg das Wasser endlich so hoch, daß er es erreichen konnte. +Jetzt löschte er seinen Durst. + +[Illustration] + + + + +78. DER APFELBAUM. + + Der Apfelbaum, das ist ein Mann! + Kein andrer gibt so gern wie der. + Im Winter, wenn man schüttelt dran, + Da gibt er Schnee die Fülle her. + Im Frühling wirft er Blüten nieder. + Im Sommer herbergt er die Finken. + Jetzt streckt er seine Zweige nieder, + Die voller Frucht zur Erde sinken. + Drum kommt und schüttelt, was ihr könnt! + Ich weiß gewiß, daß er's euch gönnt. + +[Illustration] + + + + +79. DER HASE UND DER FUCHS. + +Ein Hase und ein Fuchs machten im Winter eine Reise. Alles war mit +Schnee bedeckt. Der Hunger plagte sie sehr. Da sahen sie ein Mädchen +mit einem Korbe kommen, darin war Brot. Das merkte der Fuchs und +sagte zu dem Hasen: "Lege dich wie tot auf den Boden, dann wird das +Mädchen den Korb niederstellen, um dich aufzuheben. Ich nehme den +Korb weg und mache mich schnell davon. Du eilst mir nach, und dann +lassen wir es uns wohl sein." Das war dem Hasen recht. + +Der Fuchs verbarg sich hinter einem Haufen Schnee, und der Hase legte +sich nieder. Das Mädchen stellte den Korb richtig hin und griff nach +dem Hasen. Da schlich der Fuchs hervor und machte sich mit dem Korb +so schnell davon, daß das Mädchen ihm nicht nachkam. Unser Hase aber +eilte ihm in großen Sätzen nach. An einem Wasser hielten sie still. +Weil aber der Fuchs nicht teilen wollte, so sagte der Hase: "Brot +haben wir, jetzt sollten wir auch noch Fische haben. Dann hätten wir +ein Essen wie die großen Herren. Stecke deinen Schwanz ins Wasser, so +werden sich die Fische daran hängen, denn die haben jetzt auch nicht +viel zu beißen." + +Der Fuchs ging an den Weiher hin und hing seinen Schwanz in das +Wasser. Es dauerte aber nicht lange, so war er im Eise festgefroren. +Der Fuchs konnte ziehen und zappeln, wie er wollte--das Eis ließ ihn +nicht los. Er mußte nun zusehen, wie der Hase ein Brot nach dem +andern verzehrte. Dann rief der listige Hase dem Fuchs zu: "Im +Frühjahr sehen wir uns wieder. Laß dir die Zeit nicht zu lang werden, +bis das Eis auftaut." + + + + +80. SPRÜCHE. + +Wer andern eine Grube gräbt, +Fällt selbst hinein. + +Wer redet, was er nicht sollte, +Muß hören, was er nicht wollte. + +Kein besseres Kissen in Freude und Schmerz, +Als gutes Gewissen und fröhliches Herz. + + + + +81. DER HASE UND DIE SCHILDKRÖTE. + +Ein flinker Hase forderte einst die langsame Schildkröte zum Wettlauf +auf. Sie willigte ein, und eine große Eiche im Walde sollte das Ziel +sein. + +Mit den ersten Sonnenstrahlen machte sich die Schildkröte auf den +Weg, der Hase aber hatte keine große Eile. Er spielte lange im Grase +umher, ehe er ans Laufen dachte. Endlich sprang er fort und holte die +Schildkröte wirklich ein. Da er jedoch sah, wie mühsam sie vorwärts +kroch, legte er sich im Schatten eines Baumes nieder und schlief fest +ein. + +Als er erwachte, war es schon lange nach Mittag. Da rannte er, so +rasch er konnte, den Weg entlang. Aber, siehe da, als er die Eiche +erblickte, saß die Schildkröte schon darunter und lachte den Hasen, +der seine Zeit verspielt und verschlafen hatte, tüchtig aus. + +[Illustration] + + + + +82. HASENBRATEN. + + Auf dem Dach viel blanke Zapfen, + Zu dem Schnee viel kleine Tapfen, + Alle laufen nach dem Kohl! + Häschen, das gefällt dir wohl? + + Nächtlich, bei des Mondes Schimmer, + Sitzt es dort zu schmausen immer; + Knusperknäuschen, gar nicht faul: + Ei, du kleines Leckermaul! + + Häschen ist es schlecht bekommen; + Vater hat's Gewehr genommen; + Eines Abends ging es: bumm! + Bautz! da fiel das Häschen um. + + Kannst du wohl das Ende raten? + Heute gibt es Hasenbraten, + Apfelmus mit Zimt dazu. + Ach, du armes Häschen du! + +[Illustration] + + + + +83. DER SCHEIN TRÜGT. + +Bei einem Teiche wohnten viele Gänse. In der Nähe hatte auch ein +Fuchs seinen Bau. Gar oft versuchte er, sich eine Gans oder ein +Gänseküchlein zu fangen. Daher fürchteten sich diese sehr vor dem +braunen Gesellen. Einst war der Fuchs sehr hungrig. "Heute muß ich +mir einen fetten Braten holen!" sagte er zu sich selber. + +Er streckte sich, so lang er war, im Grase aus und rührte kein Glied. +Als die Gänse den Räuber so liegen sahen, kamen sie näher und erhoben +ein freudiges Geschnatter. "Jetzt werden wir Ruhe haben!" sprachen +sie. "Unser Feind ist nicht mehr am Leben!" + +Schnell sprang der Fuchs auf, erwischte den Gänserich beim Flügel und +trug ihn in seine Höhle. + +[Illustration] + + + + +84. DER FROSCH. + +_Berta_: Geschwind, geschwind, Mama! + +_Mutter_: Was fehlt dir? Wer hat dir etwas zuleide getan? + +_Berta_: Sieh nur, was mir unser Spitz in den Schoß fallen ließ! + +_Mutter_: Einen kleinen Frosch! Und deshalb bist du so +erschrocken? Rasch, nimm den kleinen Burschen und setze ihn in das +Gemüsebeet! + +_Berta_: Tragen soll ich das häßliche Tier? Ich würde es um +alles in der Welt nicht in die Hand nehmen! + +_Mutter_: Nun, dann muß ich es tun! Schau, wie ich jetzt das +Tierchen anfasse und es ins Beet hüpfen lasse. Hopp, da sitzt es +schon drinnen. + +_Berta_: O, Mama, was tust du? Warum hast du den Frosch nicht +getötet? + +_Mutter_: Weil er ein sehr nützliches Tier ist. Freust du dich +nicht, wenn es im Garten die zarten Rübchen und die süßen Erbsen +gibt, die Papa jedes Frühjahr pflanzt? + +_Berta_: Gewiß, Mama! Ich esse beides sehr gerne; aber was hat +das mit dem Frosch zu tun? + +_Mutter_: Höre nur, du wirst es gleich erfahren. Den Raupen und +Käfern schmecken diese Gemüse auch gut, gerade wie dir. Im Frühlinge +stellen sich diese Insekten ein und fressen die Blättchen ab, so daß +die Pflänzchen sterben müßten, wenn der Frosch nicht zur Hand wäre. +Der glatte Bursche hüpft dann durch den Garten, fängt die Raupen, +Fliegen und Käfer, und die Pflänzchen wachsen wieder. Soll ich den +Frosch zum Dank dafür töten, Berta? + +_Berta_: Nein, liebe Mama; und wenn ich wieder sehe, daß ein +Knabe einen Frosch quält, will ich ihm sagen, was ich heute von dir +gelernt habe. + +[Illustration] + + + + +85. VOM LISTIGEN GRASMÜCKLEIN EIN LUSTIGES STÜCKLEIN. + + Klaus ist in den Wald gegangen, + Weil er will die Vöglein fangen; + Auf den Busch ist er gestiegen, + Weil er will die Vöglein kriegen. + Doch im Nestchen sitzt das alte + Vögelein just vor der Spalte, + Schaut und zwitschert: "Ei, der Taus! + Kinderlein, es kommt der Klaus, + Hu, mit einem großen Prügel, + Kinderlein, wohl auf die Flügel!" + Brr, da flattert's: husch, husch, husch! + Leer das Nest, und leer der Busch. + Und die Vöglein lachen Klaus + Mit dem großen Prügel aus, + Daß er wieder heimgegangen + Zornig, weil er nichts gefangen; + Daß er wieder heimgestiegen, + Weil er konnt' kein Vöglein kriegen. + + + + +86. EIN TÖRICHTER STREIT. + +Zwei Knaben, Albert und Paul, suchten im Walde Nüsse. Da bemerkte +Paul eine große Walnuß unter einem Baume und rief seinem Kameraden +zu: "O, sieh dort vor dir die Walnuß!" Albert hob sie schnell auf und +steckte sie in seine Tasche. Damit war aber Paul nicht zufrieden; er +sagte: "Die Nuß gehört mir, ich habe sie zuerst gesehen!" "Und ich +habe sie aufgehoben," erwiderte Albert trotzig; "ich gebe sie nicht +her!" So stritten sie heftig, und schon wollten die törichten Knaben +einander schlagen, als Georg, ein älterer Junge, herbeikam, der im +Walde Eichhörnchen schoß. Albert und Paul baten den großen Knaben, er +solle entscheiden, wem die Nuß gehöre. Was tat Georg? Er zerbrach die +Nuß mit einem Steine und gab jedem der beiden Streitenden ein Stück +von der Schale. "Den Kern," sprach er, "behalte ich als Lohn dafür, +daß ich euer Richter war!" Dann ging er lachend fort. + +[Illustration] + + + + +87. HERR WIND! HERR WIND! + + Ein Bauer hat ein Haus gehabt, + Und auf dem Haus ein Dach. + Zur Nachtzeit kam der Wind getrabt, + Da ward der Bauer wach. + Wie's heulte, krachte, klirrte, klang! + Der arme Bauer flehte bang: + "Ich bitt' dich, lass' dein Toben, + Und lass' mein Dach dort oben, + Herr Wind! Herr Wind!" + + Des Daches Luken schlossen gut + Der Bauer und sein Knecht. + Da ward der Wind voll Trotz und Wut + Und kreischte: "Nun erst recht!" + Herr Wind! Herr Wind! du böser Wind, + Du bist wie manche Kinder sind, + Die das just haben wollen, + Was sie nicht haben sollen. + Herr Wind! Herr Wind! + + Mit Dräuen drängt der Wind und drückt + Mit Groll und grausem Krach; + Er zieht und zerrt und rüttelt, rückt + Und reißt vom Haus das Dach. + Zerstört ist herzlos Heim und Haus; + Der Bauer sieht so traurig aus, + Sein Weib und seine Kleinen, + Sie stehen da und weinen. + Herr Wind! Herr Wind! + + Hast du's gehört, mein liebes Kind? + Sei freundlich, friedlich, froh! + Denn würdest du ein solcher Wind, + Dann spräch' man von dir so: + Du bist nicht gut, du tust nicht gut, + Du bist ein wild und trotzig Blut, + Das stets gern haben wollte, + Was es nicht haben sollte!---- + Herr Wind! Herr Wind! + +[Illustration] + + + + +88. DAS FÜNKCHEN. + +Das Kind hatte mit dem Fünkchen gespielt, obgleich seine Mutter es +schon oft verboten hatte. Da war das Fünkchen fortgeflogen und hatte +sich ins Stroh versteckt. Das Stroh fing an zu brennen, und es +entstand eine Flamme, ehe das Kind daran dachte. Da wurde es dem +Kinde bange, und es lief fort, ohne jemandem etwas von der Flamme zu +sagen. Und da niemand Wasser darauf schüttete, ging die Flamme nicht +aus, sondern breitete sich im ganzen Hause aus. Als sie an die +Fenstervorhänge kam, wurde sie noch größer, und das Bett, worin die +Leute nachts schliefen, brannte hell auf, und die Tische und die +Stühle und die Schränke und alles, was der Vater und die Mutter +hatten, das wurde vom Feuer erfaßt, und die Flamme wurde so hoch wie +der Kirchturm. Da schrieen die Leute vor Schrecken, die Glocken +läuteten; es war fürchterlich zu hören, und die Flamme war +schrecklich zu sehen. Nun fing man an zu löschen, indem man Wasser in +das Feuer schüttete und spritzte; aber es half nichts; das Haus +brannte ganz ab, und nur noch ein wenig Kohlen und ein bißchen Asche +blieben übrig. Da hatten nun die Eltern des Kindes kein Haus mehr und +kein Plätzchen, wo sie wohnen und wo sie schlafen konnten, und auch +kein Geld, um sich ein neues Haus und neue Betten und Tische und +Stühle zu kaufen. Ach, wie weinten die armen Eltern! Und das Kind, +das mit dem Fünkchen gespielt hatte, war schuld daran. + + + + +89. RÄTSEL. + +Kennt ihr die Blume, in guter Ruh' +Dreht sie sich immer der Sonne zu; +Sie hat viel Samenkörner schön, +Wie Strahlen ihre Blättchen stehn. + +Erst weiß wie Schnee, +Dann grün wie Klee, +Drauf rot wie Blut, +Dann schmeckt es gut. + + + + +90. DAS GÄNSEBLÜMCHEN. + +[Illustration] + +Die Rose feierte einmal ihren Geburtstag. Sie stand mitten im Garten, +und alle Blumen kamen zu ihr, um ihr Glück zu wünschen. Zuerst kamen +die stolze Lilie und die prächtige Tulpe, hernach kamen die kleinen +Blumen. Alle neigten sich vor der Rose und sagten: "Wir wünschen dir +Glück, liebe Rose." + +[Illustration] + +Aber ein kleines, weißes Blümchen getraute sich nicht, nahe an die +Rose heranzutreten, weil es so schüchtern und bescheiden war. Es +blieb von ferne stehen und flüsterte nur: "Ich wünsche dir auch +Glück, liebe Rose!" Die Rose hatte das Blümchen aber gesehen und +winkte ihm, näher heranzutreten. "Komm doch näher, liebe kleine +Schwester," sagte die Rose gütig. Als nun das Blümchen näher +herangetreten war, fragte die Rose: "Wie heißt du denn, liebe +Kleine?" Da sprach es ganz leise: "Ich heiße Gänseblümchen." + +[Illustration] + +"Aber, liebes Gänseblümchen," sagte die Rose freundlich, "du bist ja +tausendmal schöner als alle andern Blumen. Du sollst jetzt nicht mehr +Gänseblümchen, sondern Tausendschön heißen, weil du tausendmal +schöner bist als alle." Darüber freute sich das gute Gänseblümchen so +sehr, daß es über und über rot ward, und seit der Zeit haben alle +Gänseblümchen--rote Ohrläppchen. + +[Illustration] + + + + +91. DIE GRÜNE STADT. + + Ich weiß euch eine schöne Stadt, + Die lauter grüne Häuser hat. + Die Häuser, die sind groß und klein, + Und wer nur will, der darf hinein. + + Die Straßen, die sind freilich krumm, + Sie führen hier und dort herum; + Doch stets gerade fort zu gehn, + Wer findet das wohl allzuschön! + + Die Wege, die sind weit und breit + Mit bunten Blumen überstreut. + Das Pflaster, das ist sanft und weich, + Und seine Farb' den Häusern gleich. + + Es wohnen viele Leute dort, + Und alle lieben ihren Ort. + Ganz deutlich sieht man dies daraus, + Daß jeder singt in seinem Haus. + + Die Leute, die sind alle klein, + Denn es sind lauter Vögelein; + Und meine ganze grüne Stadt + Ist, was den Namen "Wald" sonst hat. + + + + +92. DEUTSCHLAND. + +[Illustration] + +Weit weg von hier liegt Deutschland. Das ist ein schönes Stück Erde. +Zu Deutschland gehören Preußen, Sachsen, Bayern, Baden und andere +kleinere oder größere Staaten. Dort gibt es breite und tiefe Flüsse. +Der Rhein, die Elbe und die Donau sind am bekanntesten. Daneben +finden sich weite Ebenen, hohe Berge und dichte Wälder. Auch fehlt es +nicht an Städten, in denen viele fleißige Leute leben. Berlin, +München, Köln, Dresden, Frankfurt und manche andere sind +bemerkenswert. Überall hat man prächtige Wohnhäuser, reiche Kirchen +und herrliche öffentliche Gebäude. Alles wird sehr sauber und +ordentlich gehalten. Von Hamburg und Bremen aus fahren mächtige +Dampfschiffe und Segler nach allen Gegenden der Welt. Deutschland +besitzt auch zahlreiche große Fabriken. Die Felder werden auf das +Beste bestellt. Die deutsche Fahne ist schwarz, weiß und rot +gestreift. An der Spitze des Reiches steht der deutsche Kaiser. + + + + +93. SONNENSCHEIN. + + Sonnenschein, + Klar und rein, + Leuchtest in die Welt hinein; + Machst so hell, so warm und schön + In den Tälern, auf den Höh'n, + Die du alle überstrahlst + Und so hold und lieblich malst. + + Sonnenschein, + Klar und rein, + Kehre auch ins Herz mir ein! + Wenn ich habe heitern Sinn, + Gut und froh und freundlich bin, + Dann ist's in dem Herzen mein + Wunderbarer Sonnenschein. + + + + +94. DIE KÖNIGIN LUISE. + +Vor hundert Jahren lebte in Preußen eine Königin, namens Luise. Sie +war jung und schön, aber auch ebenso gut. Ein jeder liebte sie. Schon +als kleines Kind hatte sie ihre Mutter verloren und wurde von ihrer +Großmutter einfach erzogen. So war sie zu einer echten, deutschen +Jungfrau herangewachsen, als der Kronprinz und spätere König von +Preußen, Friedrich Wilhelm, sie kennen lernte. Bald darauf wurde sie +seine Frau. Eine große Freude hatte sie an ihren Kindern, zwei +Knaben, mit denen sie gerne lernte und spielte. Aber da gab es einen +schrecklichen Krieg mit dem Kaiser von Frankreich, Napoleon. Die +Feinde waren stärker als die Preußen und besiegten sie. Das tat dem +Könige und der guten Königin sehr weh. Es kam so weit, daß sie ihr +Schloß in Berlin verlassen mußten. Als die königliche Familie endlich +wieder zurückkehren konnte, herrschte großer Jubel. Die Freude sollte +aber nicht lange dauern, denn bald darauf wurde die edle Königin +schwer krank und erholte sich nicht mehr. Als sie starb, war die +Trauer allgemein. Noch heute ist die Königin Luise unvergessen. + +[Illustration] + + + + +95. DAS GOLDENE SCHLOSS. + +"Willst du eine Prinzessin sein?" So fragte ein Knabe seine kleine +Schwester. Die lachte ihn aus. Er sagte aber: "Ja, ich kann ein König +und du kannst eine Prinzessin werden. Du bekommst ein schönes, neues +Kleid und einen silbernen Thron. Ich bekomme einen roten Mantel, eine +goldene Krone und einen goldenen Thron." Die Schwester glaubte das +nicht und sagte: "Unsere Eltern sind ja so arm." Der Knabe erzählte +dann: "Letzte Nacht im Traume kam ein kleiner Mann zu mir. Er fragte +mich: 'Willst du ein König sein und in einem goldenen Schlosse +wohnen?' Ich sagte, ja. Da sprach der Kleine: 'Komm in den Wald mit +deiner Schwester, wenn der Mond scheint. Bei der großen Tanne warte +auf mich. Aber später im goldenen Schlosse darf keine Träne auf den +Boden fallen. Wenn eine Träne auf den Boden fällt, müßt ihr wieder +heim.'" Jetzt glaubte die Schwester, was der Bruder sagte. Sie wollte +gerne mit ihm gehen. + +Am Abend schien der Mond sehr hell. Da gingen Bruder und Schwester +hin zu der großen Tanne im Walde. Das Männlein war noch nicht da. Die +Kinder setzten sich ins Moos, um zu warten. Sie waren müde und +schliefen bald ein. Auf einmal wachten sie auf. Verwundert schauten +sie um sich. Sie hatten schöne neue Kleider an. Der Bruder hatte +einen roten Mantel und trug eine goldene Krone. Die Schwester hatte +ein himmelblaues Kleid mit silbernen Sternen. Auf ihren Haaren war +ein Kranz von Diamanten. Der kleine Mann kam und rief: "Willkommen, +willkommen!" Dann kamen noch viele kleine Männlein mit einem goldenen +und einem silbernen Wagen. Der Bruder mußte sich in den goldenen +Wagen und die Schwester in den silbernen Wagen setzen. Die Männlein +zogen die Wagen und fuhren durch den Wald an einen Berg. Im Berge war +eine große, hohe Halle, und darin stand ein goldenes Schloß. Die +kleinen Männer führten die Geschwister in dieses Schloß. Dann holten +sie einen goldenen und einen silbernen Thron. Der goldene Thron war +für den Bruder und der silberne für die Schwester. Die kleinen Männer +stellten sich vor sie hin und riefen: "Hoch lebe unser König und auch +die Prinzessin!" Dann gab es zu essen, lauter gute Sachen. + +Nach dem Essen wollten die Kinder schlafen, denn es war schon spät. +Im Schlafzimmer standen zwei Betten, ein goldenes und ein silbernes. +Der König legte sich in das goldene, die Prinzessin in das silberne +Bett. Da fragte der Bruder: "Schwesterchen, wie gefällt dir das +goldene Schloß?" Sie antwortete: "Schön ist es schon hier; wenn nur +der Vater und die Mutter auch hier wären!" Der Bruder sagte: "Das +möchte ich auch haben. Was werden die Eltern jetzt machen?" Die +Schwester meinte: "Sie werden uns suchen und weinen, weil sie uns +nicht finden können." "Ja," war des Bruders Antwort, "sie werden +denken, der Wolf habe uns gefressen." Das konnte die Schwester nicht +anhören. Sie fing an zu weinen. Da warnte der Bruder: "Nicht weinen, +sonst fallen deine Tränen auf den Boden!" "Nein," sagte die +Schwester, "ich hab' sie mit der Hand aufgefangen. Aber ich muß +weinen." Nun wurde auch der Bruder ganz traurig. Auch er weinte +einige Tränen. Doch die Tränen fielen in das Bett. Die Schwester +fragte: "Wie lange willst du noch König bleiben? Ich will nicht mehr +Prinzessin sein. Ich will heim!" Der Bruder sagte: "Ja, zu Hause bei +Vater und Mutter ist es doch schöner!" Da ließen sie beide große +Tränen auf den Boden fallen. Es donnerte, und die Kinder fielen aus +den Betten. + +Nun kamen die kleinen Männer wieder. Sie waren sehr traurig und +brachten die Geschwister zurück zu der großen Tanne im Wald. Da +schliefen Bruder und Schwester bald ein. Als sie die Augen öffneten, +war es heller Tag, aber der rote Mantel und das himmelblaue Kleid +Waren verschwunden. + +Da kamen auch schon die Eltern. Die freuten sich sehr, ihre Kinder +wieder zu haben. Die Geschwister waren ebenso froh und versprachen, +nie mehr fortgehen zu wollen. + + + + +96. DIE KLEINEN MÜSSIGGÄNGER. + +Drei Kinder sollten nach der Schule gehen, aber sie sprachen: "Was +kann das Lernen helfen! Laßt uns in den Wald laufen; da spielen die +Tierlein, und wir wollen mit ihnen spielen." + +Als die Kinder nun im Walde waren, luden sie zuerst die Käfer zu +ihrem Spiele ein. Da summten die Käfer um die Köpfe der Kinder, und +der eine sprach: "Ich habe keine Zeit, ich muß Holz sägen!" Der +andere sprach: "Ich muß ein Loch graben!" Noch andere riefen: "Wir +müssen uns ein Hüttlein aus Gras bauen!" + +Nun kamen die Kinder an einen Ameisenhaufen. Hier lief eine ganze +Menge von Ameisen aus und ein. Jedes dieser winzigen Tierchen hatte +etwas in seine Wohnung zu tragen; und wo es dem einen zu schwer ward, +sprach es zum andern: "Komm', hilf mir!" + +Die Kinder schlichen vorbei und fanden Bienlein auf den Blumen. Die +waren so eilig und mochten gar nicht zu den Kindern aufsehen. Sie +sammelten Honig und Blütenstaub und flogen dann flink davon. + +Da hörten die Kinder einen Vogel singen. Es war ein Fink. "Du kannst +so schön singen," riefen sie, "und hast auch gewiß Lust, mit uns zu +spielen." Allein der Fink sagte: "Pink, pink! Flink, flink! Ich muß +Mücken fangen für meine Jungen und dann die Kleinen in den Schlaf +singen. Auch muß ich mich fleißig im Singen üben, damit ich dem +Wanderer schöne Lieder vorsingen kann." Und fort war er. + +Auf einmal rasselte es im Busche. Die Kinder erschraken. Eins sagte: +"Wenn nur ein Eichhörnchen käme und mit uns spielte!" Da lief auch +schon eines aus dem Busche und kletterte auf einen Baum. Es kicherte +und rief: "Ich suche Knospen und Nüsse!" Die Kinder baten: "Komm' und +bring' uns auch schöne Nüsse!" Aber das Tierchen zischte und knurrte +nur. + +Bald darauf hörten sie ein Bächlein plätschern, und nun riefen sie +fröhlich: "O, mit dem Bächlein mögen wir spielen! Kommt!" + +Sie liefen geschwind hin. Aber das Bächlein sagte: "Seht doch die +faulen Kinder! Ihr meint, ich hätte nichts zu tun. Ich muß Tag und +Nacht arbeiten; ich netze Felder und Wiesen und tränke die durstigen +Tiere. Wenn ich groß und stark bin, treibe ich Mühlen und trage +Schiffe. Geht, geht, ihr faulen Kinder!" + +Da wurde den Kindern gar ängstlich zu Mute. Sie gingen beschämt weg +und blieben nie mehr aus der Schule. + + + + +97. DER GUTE KAMERAD. + + Ich hatt' einen Kameraden, + Einen bessern find'st du nit. + Die Trommel schlug zum Streite, + Er ging an meiner Seite + In gleichem Schritt und Tritt. + + Eine Kugel kam geflogen, + Gilt's mir oder gilt es dir? + Ihn hat es weggerissen, + Er liegt mir vor den Füßen, + Als wär's ein Stück von mir. + + Will mir die Hand noch reichen, + Derweil ich eben lad'. + "Kann dir die Hand nicht geben, + Bleib' du im ew'gen Leben + Mein guter Kamerad!" + + + + +98. DER GOLDBAUM. + +Eduard scherzte gerne und spielte auch gerne anderen einen Streich. +Dabei kam es nicht immer darauf an, ob, was er sagte, auch der +Wahrheit gemäß sei. Seine kleine Schwester Emilie, die noch nicht in +die Schule ging, fragte gerne ihren Bruder, den sie für sehr weise +hielt, über alles aus. Um sie schnell wieder los zu werden, sagte ihr +Eduard oft Dinge, welche das Kind ganz falsch belehrten. + +Eines Morgens, es war Eduards Geburtstag, sah Emilie auf dem Tische +ihres Bruders ein Goldstück liegen, das er vom Vater zum Geschenk +bekommen hatte. Sie fragte ihn: "Wo wächst das Gold?"--"Es wird +gesät," antwortete Eduard, der sich wieder einmal auf Kosten seiner +Schwester einen Spaß machen wollte, "dann wird ein Baum daraus, an +dem wachsen die Goldstücke." + +Als Eduard beschäftigt war, nahm Emilie leise das Goldstück vom +Tische, eilte damit hinunter in den Garten, grub mit den Händen ein +Loch in die weiche Erde, legte das Goldstück hinein und bedeckte es +wieder mit Erde. + +Eine Weile später sprang sie in Eduards Zimmer und rief: "Jetzt wirst +du bald viele, viele Goldstücke haben! Ich habe deines im Garten +gepflanzt." + +Umsonst bekannte Eduard, er habe nur gescherzt, und umsonst suchte +und grub er im Garten nach seinem Golde. Emilie wußte die Stelle +nicht anzugeben, wo sie es eingegraben hatte. + +Der Vater kam hinzu und sagte: "Es war unklug von Emilie, das +Goldstück pflanzen zu wollen; du aber, Eduard, hast gefehlt, da du +ihr, wenn auch im Scherze, eine Unwahrheit sagtest." + + + + +99. GERETTET. + +"Rasch, Ernst, kleide dich an, und komme sogleich herunter!" + +"Was ist geschehen, Vater?" + +"Geschwind, mein Junge! Der Ohio ist über Nacht gestiegen, das Dorf +ist unter Wasser, und wir müssen unser Haus verlassen." + +Mit einem Satz war Ernst aus dem Bette und fuhr wie der Blitz in +seine Kleider. Dann lief er die Treppe hinunter in die Wohnstube. +Hier stand das Wasser schon über zwei Fuß hoch. Auf einem Tische am +Fenster war der Vater mit den Seinen. Die Mutter hielt die kleine +Rosa an der Hand und trug das Jüngste, ein herziges Büblein, auf dem +Arme. Sie hatte Tränen im Auge, der Vater aber sprach ihr Mut zu. +Endlich kam ein Mann in einem Kahn, alle stiegen hinein, und durch +dieselben Straßen, durch welche gestern noch Leute gegangen und Wagen +gefahren waren, ruderten sie jetzt im Rachen dem Lande zu. Nachdem +sie eine hochgelegene Stelle erreicht hatten, stiegen sie aus. Der +Bootsmann ging mit dem Vater, der Mutter und den zwei Kleinen den +Hügel hinauf nach einem Hause. Dort wollten sie ein Unterkommen +suchen. + +"Du kannst dableiben und auf meinen Kahn achtgeben," sagte der +Bootsmann zu Ernst. Das war dem Knaben gerade recht. Jetzt erst +schaute er sich um. Welch ein Anblick! Nach dem Flusse zu sah man nur +Wasser. So weit das Auge reichte, schien alles ein großer See zu +sein. Drüben am anderen Ufer, ganz in der Ferne guckten die Wipfel +der Bäume und die Schornsteine aus der Flut empor. Ganz in der Nähe +stand das Bretterhaus der alten Frau Werner, welche sehr arm war und +von guten Leuten unterstützt wurde. Schon hatte das Wasser den +zweiten Stock erreicht und stieg immer höher und höher. + +[Illustration] + +Während Ernst das Häuschen der Frau Werner betrachtete, kam es ihm +vor, als rufe jemand um Hilfe. Richtig, jetzt öffnete die alte Frau +einen Laden und schaute heraus. Als sie ringsum nichts als Wasser +erblickte, klagte und jammerte sie laut und rang die Hände. + +Ernst sah alles und dachte nach, was er wohl tun könne. Ja, so ging +es! Er wollte rasch den Hügel hinauflaufen und den Vater und den +Bootsmann rufen. Aber siehe da! Die Flut trieb einen mächtigen +Baumstamm gerade auf das Häuschen zu. Wenn er gegen dasselbe stieß, +löste es sich gewiß los, schwamm in der Strömung fort, und dann wäre +die alte Frau verloren. + +Da sprang Ernst in den Kahn, stieß vom Ufer und steuerte nach dem +Häuschen. Frau Werner stieg aus dem Fenster in den Rachen, und der +Knabe ruderte, so rasch er konnte, an das Ufer zurück. Als er sich +demselben näherte, kam sein Vater gerade wieder vom Hügel herab. + +"Hurra, wir sind gerettet!" rief Ernst, als der Kahn ans Land stieß. +Mit Tränen des Dankes im Auge drückte die alte Frau dem Knaben die +Hände. Der Vater aber schloß ihn an seine Brust und sprach: "Das war +wie ein braver Mann gehandelt, mein Sohn!" + + + + +100. SPRÜCHE. + +Erfüllte Pflicht +macht froh Gesicht. + +Die träge Hand sei noch so glatt und weiß, +Der fleißigen allein gebührt der Preis. + +Trägt einer gar so hoch den Kopf, +So ist er wohl ein eitler Tropf. + +Allen Leuten recht getan, +Ist eine Kunst, die niemand kann. + + + + +*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK, HIN UND HER *** + +This file should be named 8hnhr10.txt or 8hnhr10.zip +Corrected EDITIONS of our eBooks get a new NUMBER, 8hnhr11.txt +VERSIONS based on separate sources get new LETTER, 8hnhr10a.txt + +Project Gutenberg eBooks are often created from several printed +editions, all of which are confirmed as Public Domain in the US +unless a copyright notice is included. Thus, we usually do not +keep eBooks in compliance with any particular paper edition. + +We are now trying to release all our eBooks one year in advance +of the official release dates, leaving time for better editing. +Please be encouraged to tell us about any error or corrections, +even years after the official publication date. + +Please note neither this listing nor its contents are final til +midnight of the last day of the month of any such announcement. +The official release date of all Project Gutenberg eBooks is at +Midnight, Central Time, of the last day of the stated month. A +preliminary version may often be posted for suggestion, comment +and editing by those who wish to do so. + +Most people start at our Web sites at: +http://gutenberg.net or +http://promo.net/pg + +These Web sites include award-winning information about Project +Gutenberg, including how to donate, how to help produce our new +eBooks, and how to subscribe to our email newsletter (free!). + + +Those of you who want to download any eBook before announcement +can get to them as follows, and just download by date. This is +also a good way to get them instantly upon announcement, as the +indexes our cataloguers produce obviously take a while after an +announcement goes out in the Project Gutenberg Newsletter. + +http://www.ibiblio.org/gutenberg/etext05 or +ftp://ftp.ibiblio.org/pub/docs/books/gutenberg/etext05 + +Or /etext04, 03, 02, 01, 00, 99, 98, 97, 96, 95, 94, 93, 92, 92, +91 or 90 + +Just search by the first five letters of the filename you want, +as it appears in our Newsletters. + + +Information about Project Gutenberg (one page) + +We produce about two million dollars for each hour we work. The +time it takes us, a rather conservative estimate, is fifty hours +to get any eBook selected, entered, proofread, edited, copyright +searched and analyzed, the copyright letters written, etc. Our +projected audience is one hundred million readers. If the value +per text is nominally estimated at one dollar then we produce $2 +million dollars per hour in 2002 as we release over 100 new text +files per month: 1240 more eBooks in 2001 for a total of 4000+ +We are already on our way to trying for 2000 more eBooks in 2002 +If they reach just 1-2% of the world's population then the total +will reach over half a trillion eBooks given away by year's end. + +The Goal of Project Gutenberg is to Give Away 1 Trillion eBooks! +This is ten thousand titles each to one hundred million readers, +which is only about 4% of the present number of computer users. + +Here is the briefest record of our progress (* means estimated): + +eBooks Year Month + + 1 1971 July + 10 1991 January + 100 1994 January + 1000 1997 August + 1500 1998 October + 2000 1999 December + 2500 2000 December + 3000 2001 November + 4000 2001 October/November + 6000 2002 December* + 9000 2003 November* +10000 2004 January* + + +The Project Gutenberg Literary Archive Foundation has been created +to secure a future for Project Gutenberg into the next millennium. + +We need your donations more than ever! + +As of February, 2002, contributions are being solicited from people +and organizations in: Alabama, Alaska, Arkansas, Connecticut, +Delaware, District of Columbia, Florida, Georgia, Hawaii, Illinois, +Indiana, Iowa, Kansas, Kentucky, Louisiana, Maine, Massachusetts, +Michigan, Mississippi, Missouri, Montana, Nebraska, Nevada, New +Hampshire, New Jersey, New Mexico, New York, North Carolina, Ohio, +Oklahoma, Oregon, Pennsylvania, Rhode Island, South Carolina, South +Dakota, Tennessee, Texas, Utah, Vermont, Virginia, Washington, West +Virginia, Wisconsin, and Wyoming. + +We have filed in all 50 states now, but these are the only ones +that have responded. + +As the requirements for other states are met, additions to this list +will be made and fund raising will begin in the additional states. +Please feel free to ask to check the status of your state. + +In answer to various questions we have received on this: + +We are constantly working on finishing the paperwork to legally +request donations in all 50 states. If your state is not listed and +you would like to know if we have added it since the list you have, +just ask. + +While we cannot solicit donations from people in states where we are +not yet registered, we know of no prohibition against accepting +donations from donors in these states who approach us with an offer to +donate. + +International donations are accepted, but we don't know ANYTHING about +how to make them tax-deductible, or even if they CAN be made +deductible, and don't have the staff to handle it even if there are +ways. + +Donations by check or money order may be sent to: + + PROJECT GUTENBERG LITERARY ARCHIVE FOUNDATION + 809 North 1500 West + Salt Lake City, UT 84116 + +Contact us if you want to arrange for a wire transfer or payment +method other than by check or money order. + +The Project Gutenberg Literary Archive Foundation has been approved by +the US Internal Revenue Service as a 501(c)(3) organization with EIN +[Employee Identification Number] 64-622154. Donations are +tax-deductible to the maximum extent permitted by law. As fund-raising +requirements for other states are met, additions to this list will be +made and fund-raising will begin in the additional states. + +We need your donations more than ever! + +You can get up to date donation information online at: + +http://www.gutenberg.net/donation.html + + +*** + +If you can't reach Project Gutenberg, +you can always email directly to: + +Michael S. Hart <hart@pobox.com> + +Prof. Hart will answer or forward your message. + +We would prefer to send you information by email. + + +**The Legal Small Print** + + +(Three Pages) + +***START**THE SMALL PRINT!**FOR PUBLIC DOMAIN EBOOKS**START*** +Why is this "Small Print!" statement here? You know: lawyers. +They tell us you might sue us if there is something wrong with +your copy of this eBook, even if you got it for free from +someone other than us, and even if what's wrong is not our +fault. So, among other things, this "Small Print!" statement +disclaims most of our liability to you. It also tells you how +you may distribute copies of this eBook if you want to. + +*BEFORE!* YOU USE OR READ THIS EBOOK +By using or reading any part of this PROJECT GUTENBERG-tm +eBook, you indicate that you understand, agree to and accept +this "Small Print!" statement. If you do not, you can receive +a refund of the money (if any) you paid for this eBook by +sending a request within 30 days of receiving it to the person +you got it from. If you received this eBook on a physical +medium (such as a disk), you must return it with your request. + +ABOUT PROJECT GUTENBERG-TM EBOOKS +This PROJECT GUTENBERG-tm eBook, like most PROJECT GUTENBERG-tm eBooks, +is a "public domain" work distributed by Professor Michael S. Hart +through the Project Gutenberg Association (the "Project"). +Among other things, this means that no one owns a United States copyright +on or for this work, so the Project (and you!) can copy and +distribute it in the United States without permission and +without paying copyright royalties. Special rules, set forth +below, apply if you wish to copy and distribute this eBook +under the "PROJECT GUTENBERG" trademark. + +Please do not use the "PROJECT GUTENBERG" trademark to market +any commercial products without permission. + +To create these eBooks, the Project expends considerable +efforts to identify, transcribe and proofread public domain +works. Despite these efforts, the Project's eBooks and any +medium they may be on may contain "Defects". Among other +things, Defects may take the form of incomplete, inaccurate or +corrupt data, transcription errors, a copyright or other +intellectual property infringement, a defective or damaged +disk or other eBook medium, a computer virus, or computer +codes that damage or cannot be read by your equipment. + +LIMITED WARRANTY; DISCLAIMER OF DAMAGES +But for the "Right of Replacement or Refund" described below, +[1] Michael Hart and the Foundation (and any other party you may +receive this eBook from as a PROJECT GUTENBERG-tm eBook) disclaims +all liability to you for damages, costs and expenses, including +legal fees, and [2] YOU HAVE NO REMEDIES FOR NEGLIGENCE OR +UNDER STRICT LIABILITY, OR FOR BREACH OF WARRANTY OR CONTRACT, +INCLUDING BUT NOT LIMITED TO INDIRECT, CONSEQUENTIAL, PUNITIVE +OR INCIDENTAL DAMAGES, EVEN IF YOU GIVE NOTICE OF THE +POSSIBILITY OF SUCH DAMAGES. + +If you discover a Defect in this eBook within 90 days of +receiving it, you can receive a refund of the money (if any) +you paid for it by sending an explanatory note within that +time to the person you received it from. If you received it +on a physical medium, you must return it with your note, and +such person may choose to alternatively give you a replacement +copy. If you received it electronically, such person may +choose to alternatively give you a second opportunity to +receive it electronically. + +THIS EBOOK IS OTHERWISE PROVIDED TO YOU "AS-IS". NO OTHER +WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, ARE MADE TO YOU AS +TO THE EBOOK OR ANY MEDIUM IT MAY BE ON, INCLUDING BUT NOT +LIMITED TO WARRANTIES OF MERCHANTABILITY OR FITNESS FOR A +PARTICULAR PURPOSE. + +Some states do not allow disclaimers of implied warranties or +the exclusion or limitation of consequential damages, so the +above disclaimers and exclusions may not apply to you, and you +may have other legal rights. + +INDEMNITY +You will indemnify and hold Michael Hart, the Foundation, +and its trustees and agents, and any volunteers associated +with the production and distribution of Project Gutenberg-tm +texts harmless, from all liability, cost and expense, including +legal fees, that arise directly or indirectly from any of the +following that you do or cause: [1] distribution of this eBook, +[2] alteration, modification, or addition to the eBook, +or [3] any Defect. + +DISTRIBUTION UNDER "PROJECT GUTENBERG-tm" +You may distribute copies of this eBook electronically, or by +disk, book or any other medium if you either delete this +"Small Print!" and all other references to Project Gutenberg, +or: + +[1] Only give exact copies of it. Among other things, this + requires that you do not remove, alter or modify the + eBook or this "small print!" statement. You may however, + if you wish, distribute this eBook in machine readable + binary, compressed, mark-up, or proprietary form, + including any form resulting from conversion by word + processing or hypertext software, but only so long as + *EITHER*: + + [*] The eBook, when displayed, is clearly readable, and + does *not* contain characters other than those + intended by the author of the work, although tilde + (~), asterisk (*) and underline (_) characters may + be used to convey punctuation intended by the + author, and additional characters may be used to + indicate hypertext links; OR + + [*] The eBook may be readily converted by the reader at + no expense into plain ASCII, EBCDIC or equivalent + form by the program that displays the eBook (as is + the case, for instance, with most word processors); + OR + + [*] You provide, or agree to also provide on request at + no additional cost, fee or expense, a copy of the + eBook in its original plain ASCII form (or in EBCDIC + or other equivalent proprietary form). + +[2] Honor the eBook refund and replacement provisions of this + "Small Print!" statement. + +[3] Pay a trademark license fee to the Foundation of 20% of the + gross profits you derive calculated using the method you + already use to calculate your applicable taxes. If you + don't derive profits, no royalty is due. Royalties are + payable to "Project Gutenberg Literary Archive Foundation" + the 60 days following each date you prepare (or were + legally required to prepare) your annual (or equivalent + periodic) tax return. Please contact us beforehand to + let us know your plans and to work out the details. + +WHAT IF YOU *WANT* TO SEND MONEY EVEN IF YOU DON'T HAVE TO? +Project Gutenberg is dedicated to increasing the number of +public domain and licensed works that can be freely distributed +in machine readable form. + +The Project gratefully accepts contributions of money, time, +public domain materials, or royalty free copyright licenses. +Money should be paid to the: +"Project Gutenberg Literary Archive Foundation." + +If you are interested in contributing scanning equipment or +software or other items, please contact Michael Hart at: +hart@pobox.com + +[Portions of this eBook's header and trailer may be reprinted only +when distributed free of all fees. Copyright (C) 2001, 2002 by +Michael S. Hart. Project Gutenberg is a TradeMark and may not be +used in any sales of Project Gutenberg eBooks or other materials be +they hardware or software or any other related product without +express permission.] + +*END THE SMALL PRINT! FOR PUBLIC DOMAIN EBOOKS*Ver.02/11/02*END* + diff --git a/old/8hnhr10.zip b/old/8hnhr10.zip Binary files differnew file mode 100644 index 0000000..d5333a7 --- /dev/null +++ b/old/8hnhr10.zip diff --git a/old/8hnhr10h.html b/old/8hnhr10h.html new file mode 100644 index 0000000..1e06500 --- /dev/null +++ b/old/8hnhr10h.html @@ -0,0 +1,2413 @@ +<!DOCTYPE HTML PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01 Transitional//EN"> +<html> +<head> + <meta http-equiv="Content-Type" content="text/html; charset=iso-8859-1"> + <meta name="GENERATOR" content="Mozilla/4.7 [en] (WinNT; I) [Netscape]"> + <title> The Project Gutenberg eBook of TITLE, by AUTHOR. + </title> +<style type="text/css"> + <!-- + * { font-family: Times;} + P { margin-top: .75em; + font-size: 14pt; + margin-bottom: .75em; } + H1,H2,H3,H4,H5,H6 { text-align: center; } + HR { width: 33%; } + // --> + </style> +</head> +<body> + +<h2> +The Project Gutenberg EBook of Hin Und Her, by H. H. Fick</h2> +Copyright laws are changing all over the world. Be sure to check the copyright +laws for your country before downloading or redistributing this or any +other Project Gutenberg eBook. +<p>This header should be the first thing seen when viewing this Project +Gutenberg file. Please do not remove it. Do not change or edit the header +without written permission. +<p>Please read the "legal small print," and other information about the +eBook and Project Gutenberg at the bottom of this file. Included is important +information about your specific rights and restrictions in how the file +may be used. You can also find out about how to make a donation to Project +Gutenberg, and how to get involved. +<p>**Welcome To The World of Free Plain Vanilla Electronic Texts** +<p>**eBooks Readable By Both Humans and By Computers, Since 1971** +<p>*****These eBooks Were Prepared By Thousands of Volunteers!***** +<p>Title: Hin Und Her +<p>Author: H. H. Fick +<p>Release Date: June, 2005 [EBook #8392] [This file was first posted on +July 6, 2003] +<p>Edition: 10 +<p>Language: German +<p>Character set encoding: ISO-8859-1 +<p>*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK, HIN UND HER *** +<br> +<hr style="width: 35%;"> +<br>E-text prepared by David Starner, Delphine Lettau, Charles Franks, +and the Online Distributed Proofreading Team +<hr style="width: 95%;"> +<h1> +HIN UND HER</h1> + +<h2> +Ein Buch für die Kinder</h2> + +<h1> +Zusammengestellt von H. H. FICK</h1> + +<h2> +Supervisor of German, Cincinnati Public Schools</h2> + +<h2> +<a NAME="INHALT"></a>INHALT</h2> + +<table WIDTH="100%" > +<tr> +<td VALIGN=TOP><a href="#1. AM MORGEN.">1. Am Morgen</a> +<br><a href="#2. DER TAG BRICHT AN.">2. Der Tag bricht an</a> +<br><a href="#3. DER HAHNENRUF.">3. Der Hahnenruf</a> +<br><a href="#4. BEIM FRÜHSTÜCK">4. Beim Frühstück</a> +<br><a href="#5. ZUR SCHULE.">5. Zur Schule</a> +<br><a href="#6. BRUDER UND SCHWESTER.">6. Bruder und Schwester</a> +<br><a href="#7. DER SPECHT.">7. Der Specht</a> +<br><a href="#8. DIE UHR.">8. Die Uhr</a> +<br><a href="#9. SCHULEIFER.">9. Schuleifer</a> +<br><a href="#10. RÄTSEL.">10. Rätsel</a> +<br><a href="#11. UNSER HOF.">11. Unser Hof</a> +<br><a href="#12. DIE HAUSTIERE.">12. Die Haustiere</a> +<br><a href="#13. SPRÜCHE.">13. Sprüche</a> +<br><a href="#14. DIE ÄPFEL.">14. Die Äpfel</a> +<br><a href="#15. PETER FAULPELZ.">15. Peter Faulpelz</a> +<br><a href="#16. DER KNABE AM BACHE.">16. Der Knabe am Bache</a> +<br><a href="#17. DAHEIM.">17. Daheim</a> +<br><a href="#18. DER BAU DES HAUSES.">18. Der Bau des Hauses</a> +<br><a href="#19. DIE WOHNUNG DER MAUS.">19. Die Wohnung der Maus</a> +<br><a href="#20. KARLS HASE">20. Karls Hase</a> +<br><a href="#21. DAS LIED VOM MONDE.">21. Das Lied vom Monde</a> +<br><a href="#22. DAS MÜCKCHEN UND DAS MÄDCHEN.">22. Das Mückchen +und das Mädchen</a> +<br><a href="#23. NASCH-ERNST.">23. Nasch-Ernst</a> +<br><a href="#24. DER BLINDE">24. Der blinde Geiger</a> +<br><a href="#25. DAS BROT IM WEG.">25. Das Brot im Weg</a> +<br><a href="#26. DIE SCHÖNEN DREI.">26. Die schönen Drei</a> +<br><a href="#27. DAS VOGELNEST.">27. Das Vogelnest</a> +<br><a href="#28. DER DRACHE.">28. Der Drache</a> +<br><a href="#29. DIE VÖGLEIN.">29. Die Vöglein</a> +<br><a href="#30. VOM HÄNSCHEN.">30. Vom Hänschen</a> +<br><a href="#31. SPRÜCHE.">31. Sprüche</a> +<br><a href="#32. DIE SCHNECKE:">32. Die Schnecke</a> +<br><a href="#33. DIE HENNE UND DIE ENTLEIN.">33. Die Henne und die Entlein</a> +<br><a href="#34. DIE TAGESZEITEN.">34. Die Tageszeiten</a></td> + +<td VALIGN=TOP><a href="#35. KIND UND SONNE.">35. Kind und Sonne</a> +<br><a href="#36. SONNE UND REGEN.">36. Sonne und Regen</a> +<br><a href="#37. ASTERN.">37. Astern</a> +<br><a href="#38. RÄTSEL.">38. Rätsel</a> +<br><a href="#39. VÖGEL UND BLUMEN.">39. Vögel und Blumen</a> +<br><a href="#40. DANKSAGUNGSTAG.">40. Danksagungstag</a> +<br><a href="#41. VOM PUTER.">41. Vom Vater</a> +<br><a href="#42. DIE VIER BRÜDER.">42. Die vier Brüder</a> +<br><a href="#43. DIE ZWÖLF MONATE.">43. Die zwölf Monate</a> +<br><a href="#44. DIE BLÄTTER TANZEN.">44. Die Blätter tanzen</a> +<br><a href="#45. DIE VIER JAHRESZEITEN.">45. Die vier Jahreszeiten</a> +<br><a href="#46. WINTERS ANKUNFT.">46. Winters Ankunft</a> +<br><a href="#47. DER TANNENBAUM.">47. Der Tannenbaum</a> +<br><a href="#48. VOGEL AM FENSTER.">48. Vogel am Fenster</a> +<br><a href="#49. DAS BÜBLEIN AUF DEM EISE">49. Das Büblein auf dem +Eise</a> +<br><a href="#50. RÄTSEL.">50. Rätsel</a> +<br><a href="#51. WEIHNACHTSFREUDE.">51. Weihnachtsfreude</a> +<br><a href="#52. SCHNEESTERNE.">52. Schneesterne</a> +<br><a href="#53. BRIEF VOM WEIHNACHTSMANN.">53. Brief vom Weihnachtsmann</a> +<br><a href="#54. ZU">54. Zu Neujahr</a> +<br><a href="#55. VERSTEHST DU DAS?">55. Verstehst du das?</a> +<br><a href="#56. DER SCHNEEMANN.">56. Der Schneemann</a> +<br><a href="#57. MÄRZ.">57. März</a> +<br><a href="#58. OSTERGRUSS.">58. Ostergruß</a> +<br><a href="#59. DER OSTERHASE.">59. Der Osterhase</a> +<br><a href="#60. DER OBSTGARTEN.">60. Der Obstgarten</a> +<br><a href="#61. SPRÜCHE.">61. Sprüche</a> +<br><a href="#62. DIE VÖGEL IM FRÜHLINGE.">62. Die Vögel im Frühlinge</a> +<br><a href="#63. DAS ROTE HÜHNCHEN.">63. Das rote Hühnchen</a> +<br><a href="#64.">64. Rätsel</a> +<br><a href="#65. DER NASEWEISE">65. Der naseweise Bello</a> +<br><a href="#66. HEIL, AMERIKA!">66. Heil, Amerika!</a> +<br><a href="#67. PETERSILIE.">67. Petersilie</a> +<br><a href="#68. DAS KIND UND SEIN BLÜMCHEN.">68. Das Kind und sein Blümchen</a></td> + +<td VALIGN=TOP><a href="#69. NACHLÄSSIGKEIT.">69. Nachlässigkeit</a> +<br><a href="#70. EIN RÄTSEL.">70. Ein Rätsel</a> +<br><a href="#71. WAS WÜRDEST DU TUN?">71. Was würdest du tun?</a> +<br><a href="#72. WAS WOLLEN WIR SPIELEN?">72. Was wollen wir spielen?</a> +<br><a href="#73. DIE SCHLAUE KATZE.">73. Die schlaue Katze</a> +<br><a href="#74. KANNST DU ES SAGEN?">74. Kannst du es sagen?</a> +<br><a href="#75. DER SPERLING">75. Der Sperling</a> +<br><a href="#76. DAS PFERD UND DER ESEL.">76. Das Pferd und der Esel</a> +<br><a href="#77. DER KLUGE STAR.">77. Der kluge Star</a> +<br><a href="#78. DER APFELBAUM.">78. Der Apfelbaum</a> +<br><a href="#79. DER HASE UND DER FUCHS.">79. Der Hase und der Fuchs</a> +<br><a href="#80. SPRÜCHE.">80. Sprüche</a> +<br><a href="#81. DER HASE UND DIE SCHILDKRÖTE.">81. Der Hase und die Schildkröte</a> +<br><a href="#82. HASENBRATEN.">82. Hasenbraten</a> +<br><a href="#83. DER SCHEIN TRÜGT.">83. Der Schein trügt</a> +<br><a href="#84. DER FROSCH.">84. Der Frosch</a> +<br><a href="#85. VOM LISTIGEN GRASMÜCKLEIN EIN LUSTIGES">85. Vom listigen +Grasmücklein ein lustiges Stücklein</a> +<br><a href="#86. EIN TÖRICHTER STREIT.">86. Ein törichter Streit</a> +<br><a href="#87. HERR WIND! HERR WIND!">87. Herr Wind! Herr Wind!</a> +<br><a href="#88. DAS FÜNKCHEN.">88. Das Fünkchen</a> +<br><a href="#89. RÄTSEL.">89. Rätsel</a> +<br><a href="#90. DAS GÄNSEBLÜMCHEN.">90. Das Gänseblümchen</a> +<br><a href="#91. DIE GRÜNE STADT.">91. Die grüne Stadt</a> +<br><a href="#92. DEUTSCHLAND.">92. Deutschland</a> +<br><a href="#93. SONNENSCHEIN.">93. Sonnenschein</a> +<br><a href="#94. DIE KÖNIGIN LUISE.">94. Die Königin Luise</a> +<br><a href="#95. DAS GOLDENE SCHLOSS.">95. Das goldene Schloß</a> +<br><a href="#96. DIE KLEINEN MÜSSIGGÄNGER.">96. Die kleinen Müßiggänger</a> +<br><a href="#97. DER GUTE KAMERAD.">97. Der gute Kamerad</a> +<br><a href="#98. DER GOLDBAUM.">98. Der Goldbaum</a> +<br><a href="#99. GERETTET.">99. Gerettet</a> +<br><a href="#100. SPRÜCHE.">100. Sprüche</a></td> +</tr> +</table> + +<br> +<h2> +<a NAME="1. AM MORGEN."></a><a href="#INHALT">1. AM MORGEN.</a></h2> + +<table> +<tr> +<td VALIGN=TOP>Die Erd' erwacht, die Sonne lacht +<br>Sie an mit hellem Schein +<br>Und ruft ihr zu: komm aus der Ruh', +<br>Der ganze Tag ist dein. +<br>Guten Morgen.</td> + +<td><img SRC="3.png" ALT="cockeral" height=250 width=230 align=RIGHT></td> +</tr> +</table> + +<h2> +<a NAME="2. DER TAG BRICHT AN."></a><a href="#INHALT">2. DER TAG BRICHT +AN.</a></h2> +Es ist dunkel. Am Himmel leuchten die Sterne. Zwischen ihnen steht der +Mond. Nun wird es langsam heller. Im Osten zeigt sich ein lichter Schein. +Das ist die Morgendämmerung. Die meisten Leute schlafen noch fest, +aber der Hahn ist wach und kräht ganz laut. Bald steigt die Sonne +empor. Dann ist es Tag. Die Vögel sind erwacht und zwitschern. Jetzt +stehen auch die Menschen von ihrem Lager auf und gehen gestärkt an +die Arbeit. Die Tiere im Freien suchen ihre Nahrung und das Vieh im Hofe +bekommt sein Futter. Im Garten und auf den Wiesen glänzt der Tau. +Alles ist neubelebt. +<h2> +<a NAME="3. DER HAHNENRUF."></a><a href="#INHALT">3. DER HAHNENRUF.</a></h2> + +<blockquote>Im ersten Hofe kräht der Hahn, +<br>Da fängt auch gleich der zweite an +<br>Und denkt: "Hätt' ich's zuerst getan!" +<br>Doch, wie der zweite kaum beginnt, +<br>Kräht schon der dritte Hahn geschwind. +<br>Der viert' und fünfte faul nicht sind +<br>Und fallen schnell ins Lied mit ein, +<br>Denn jeder will der erste sein, +<br>Und jeder will am schönsten schrei'n.-- +<br>Bald rufen alle in der Rund', +<br>Als ständen sie zusamm' im Bund, +<br>Und tun die Morgenstunde kund +<br>Aus voller Kehle laut und schnell: +<br>"Die Nacht entweicht, der Tag wird hell. +<br>Kikeriki! Kikeriki! Wir sind zur Stell'!" +<br>So soll'n auch wir in allen Sachen, +<br>Wo's gilt, zum guten zu erwachen, +<br>Es wie der Hahn am Morgen machen.</blockquote> + +<h2> +<a NAME="4. BEIM FRÜHSTÜCK"></a><a href="#INHALT">4. BEIM FRÜHSTÜCK</a></h2> +<i>Mutter</i>: Papa, Karl, Emma und Klara, hurtig, kommt zu Tisch! Das +Frühstück ist aufgetragen! +<p><i>Papa</i>:: Sieh! Da bin ich schon. Guten Morgen! +<p><i>Emma</i>: und <i>:Klara</i>:: Liebe Mama und lieber Papa, Wir sind +auch bereit und wünschen euch einen recht guten Morgen! +<p><i>Mutter</i>: und <i>:Vater</i>: Vielen Dank, ihr Kinder! Wo steckt +aber der Karl? +<p><i>Emma</i>:und <i>:Klara</i>: Da kommt er! +<p><i>Karl</i>: Seid nicht böse, liebe Eltern, ich habe mich verschlafen. +Es soll aber gewiß nicht wieder geschehen! +<p><i>Mutter</i>: Schon gut! Setzt euch alle. Schaut, daß der Papa +bedient wird! Emma, reiche doch das Brot herüber und gib mir die Butter. +Nun, trinkt eure Milch! Klara und Emma, für euch habe ich ein Stück +Kuchen. +<p><i>Karl</i>: Bekomme ich nicht auch eins? +<p>Mutter: Du bist zu spät gekommen! Dafür mußt du Strafe +leiden. Heute ist für dich nur Brot vorhanden. +<p><i>Karl</i>: Ach, liebe Mama! Ich bin so hungrig! +<p><i>Mutter</i>: Ei! Hungern sollst du nicht. Da ist eine Semmel und dann +habe ich auch noch ein Ei für dich. Aber der Kuchen ist nur für +die pünktlichen Leute da, merke dir das! So, seid ihr nun alle fertig? +<p><i>Kinder</i>: Jawohl, Mama! +<p><i>Mutter</i>: Stellt eure Stühle an ihre Plätze! Jetzt könnt +ihr gehen! Du, Karl, holst dem Vater noch die Zeitung herein! +<p><i>Karl</i>: Gerne, liebe Mutter! +<p><i>Kinder</i>: Ade, Papa! Leb wohl, Mama! Heute mittag sehen wir uns +wieder! +<h2> +<a NAME="5. ZUR SCHULE."></a><a href="#INHALT">5. ZUR SCHULE.</a></h2> + +<blockquote>Nun hurtig vom Stuhle +<br>Und schnell in die Schule; +<br>Es ist an der Zeit. +<br>Holt Hüte und Kappen, +<br>Bringt Tafeln und Mappen; +<br>Nehmt auch für die Pause +<br>Euch etwas zum Schmause; +<br>So, Kinder, jetzt seid +<br>Zur Arbeit bereit!</blockquote> + +<h2> +<a NAME="6. BRUDER UND SCHWESTER."></a><a href="#INHALT">6. BRUDER UND +SCHWESTER.</a></h2> + +<table> +<tr> +<td><img SRC="7.png" ALT="bruder und schwester" height=387 width=500 align=RIGHT></td> + +<td VALIGN=TOP>Es ist Morgen. Die Nacht hindurch hat es geregnet und immer +noch fallen einzelne Tropfen. Seit einigen Tagen besucht der kleine Wilhelm +die Schule. Er hat einen neuen Anzug, eine hübsche Mütze und +einen bunten Schulsack erhalten. Wie leid tut es ihm, daß alles vom +Regen soll naß werden. Da kommt die gute Schwester Emilie. Sie muß +für die Mutter noch einen Gang auf den Markt machen. Nun will sie +den Bruder unter den Schirm nehmen und ihn bis an das Schulgebäude +begleiten. Wilhelm faßt die Schwester am Kleide, und sie treten in +die Türe. Aber, siehe da, der Regen hört auf und als Emilie vorsichtig +die Hand ausstreckt, kann sie kein Tröpfchen mehr spüren. Da +darf auch der zottige Spitz mit ins Freie.</td> +</tr> +</table> + +<h2> +<a NAME="7. DER SPECHT."></a><a href="#INHALT">7. DER SPECHT.</a></h2> + +<blockquote>Herr Specht! so früh schon klopfest du! +<br>Was störte dich denn aus der Ruh'? +<br>Es herrscht noch Stille im Erdenraum-- +<br>Du hämmerst schon am Fichtenbaum. +<p>"Ist es auch früh, ist's nie zu früh, +<br>An Arbeit fehlt's dem Fleiß'gen nie,-- +<br>Wer Tages etwas will gewinnen, +<br>Der muß recht frühe schon beginnen."</blockquote> + +<h2> +<a NAME="8. DIE UHR."></a><a href="#INHALT">8. DIE UHR.</a></h2> +Eben hatte es sieben geschlagen. Die Mutter ging in die Kammer, um den +kleinen Leo zu wecken. Der war aber schon wach und saß aufrecht im +Bette. "Ei, Leo!" sagte die Mutter, "Wie kommt denn das? Sonst muß +ich dich viele Male rufen und schütteln, und heute bist du ganz munter!" +"Ach, denke nur, liebe Mama," sagte Leo, "ich War ja auch noch so müde +und hätte gerne länger geschlafen. Aber da hatte auf einmal die +große Uhr dort an der Wand ein Gesicht wie ein Mensch, und machte +immerfort: Auf! raus! Auf! raus! Nun hatte ich Angst, liegen zu bleiben +und wollte aufstehen. Jetzt hörte ich die Uhr ganz deutlich sagen: +Recht so! Recht so! und sie sah wieder freundlich aus!" +<h2> +<a NAME="9. SCHULEIFER."></a><a href="#INHALT">9. SCHULEIFER.</a></h2> + +<table> +<tr> +<td><img SRC="9.png" ALT="SCHULEIFER." height=300 width=244 align=LEFT></td> + +<td VALIGN=TOP>Im Winter, wenn es frieret, +<br>Im Winter, wenn es schneit, +<br>Dann ist der Weg zur Schule +<br>Fürwahr noch mal so weit. +<p>Und wenn der Kuckuck rufet, +<br>Dann ist der Frühling da, +<br>Dann ist der Weg zur Schule +<br>Fürwahr noch mal so nah. +<p>Wer aber gerne lernet, +<br>Dem ist kein Weg zu fern; +<br>Im Frühling, wie im Winter, +<br>Geht er zur Schule gern.</td> +</tr> +</table> + +<h2> +<a NAME="10. RÄTSEL."></a><a href="#INHALT">10. RÄTSEL.</a></h2> + +<blockquote>Im Wasser schwimmt es, groß und klein. +<br>Nun rat' einmal, was das mag sein! +<p>Wer wäscht sich so rein +<br>Und hält sich so fein +<br>Und braucht doch kein Handtüchelein? +<p>Ich weiß ein kleines, weißes Haus, +<br>Hat nichts von Fenstern, Türen, Toren; +<br>Und will sein kleiner Wirt hinaus, +<br>So muß er erst die Wand durchbohren.</blockquote> + +<h2> +<a NAME="11. UNSER HOF."></a><a href="#INHALT">11. UNSER HOF.</a></h2> +Hinter dem Hause ist ein Hof. Da haben viele Tiere Platz. In einer Ecke +steht die Hundehütte. Dort wohnt Nero. Er bewacht unser Haus. Auf +der Kellertreppe sitzt Mieze. Das ist die graue Katze. Sie wäscht +und putzt sich gern. Im Korbe liegen ihre vier Kätzchen. Die können +noch nicht sehen. Mitten im Hofe geht der stolze Hahn. Er hat bunte Federn +und einen roten Kamm. Bei ihm sind fünf hübsche Hennen. Auch +Tauben fliegen herbei und picken Körner auf. Seht doch den großen +Puter da drüben! Der ist zornig und jagt die anderen Vögel fort. +<h2> +<a NAME="12. DIE HAUSTIERE."></a><a href="#INHALT">12. DIE HAUSTIERE.</a></h2> + +<table> +<tr> +<td VALIGN=TOP>Lieb Kindchen, sag mir an, +<br>Was ein Haustier nützen kann! +<p>Die Kuh gibt Milch uns, liebe Mutter, +<br>Draus macht man Käse, Rahm und Butter. +<br>Das Pferd zieht fleißig deinen Wagen +<br>Und kann dich in die Ferne tragen. +<br>Der Hund schützt treu dir Hof und Haus. +<br>Die Katze lauert auf die Maus. +<br>Das dicke, schmutz'ge, dumme Schwein +<br>Bringt Schinken uns und Würste ein.</td> + +<td><img SRC="12.png" ALT="horse & pigs" height=381 width=500 align=RIGHT></td> +</tr> +</table> + +<h2> +<a NAME="13. SPRÜCHE."></a><a href="#INHALT">13. SPRÜCHE.</a></h2> + +<blockquote>Lust und Liebe zum Dinge +<br>Macht Mühe und Arbeit geringe. +<p>Morgen, morgen, nur nicht heute, +<br>Sagen alle trägen Leute. +<p>Lerne Ordnung, liebe sie; +<br>Ordnung spart dir Zeit und Müh'.</blockquote> + +<h2> +<a NAME="14. DIE ÄPFEL."></a><a href="#INHALT">14. DIE ÄPFEL.</a></h2> +Am Montag morgen wollte Otto seinen Freund Ludwig zur Schule abholen. Als +er aber in die Stube trat, war niemand da. Vorne beim Fenster stand ein +Korb voll Äpfel. Die waren schön gelb und rot. Gerne hätte +Otto einen genommen. Aber er dachte: "Nein, das tue ich nicht, die Äpfel +gehören nicht mir." +<p>Schnell wollte er wieder zur Türe hinaus. Da kam gerade Ludwigs +Mutter herein. Die freute sich sehr, als sie Otto sah. Sie steckte ihm +beide Taschen voll Äpfel. Dann rief sie Ludwig und gab den beiden +Kindern noch einen Apfel mit auf den Weg. Mit frohem Herzen gingen die +Knaben nun zur Schule. +<h2> +<a NAME="15. PETER FAULPELZ."></a><a href="#INHALT">15. PETER FAULPELZ.</a></h2> + +<blockquote>Längst ist schon die Schule aus, +<br>Alle Kinder sind zu Haus: +<br>Peter nur, der faule Bube, +<br>Muß noch sitzen in der Stube, +<br>Hat gelernt nicht, noch geschrieben, +<br>Hat sich draußen 'rumgetrieben. +<br>Nun geht es ihm bitterschlecht-- +<br>Faulpelz, das geschieht dir recht!</blockquote> + +<h2> +<a NAME="16. DER KNABE AM BACHE."></a><a href="#INHALT">16. DER KNABE AM +BACHE.</a></h2> + +<table> +<tr> +<td><img SRC="16.png" ALT="fishing" height=418 width=500 align=LEFT></td> + +<td VALIGN=TOP>Siehst du den Knaben dort am Bache sitzen? Es ist Robert, +der mit seiner armen Mutter in dem kleinen Häuschen wohnt. Sie hatten +für den Abend nichts zu essen. Da sagte Robert: "Mutter, ich will +zum Bache gehen und einige Fische fangen." +<p>Hier sitzt er nun ganz stille. Zwei Fische hat er schon gefangen, und +den dritten macht er eben vom Haken los. Wie wird sich die Mutter freuen, +wenn Robert mit den Fischen nach Hause kommt!</td> +</tr> +</table> + +<h2> +<a NAME="17. DAHEIM."></a><a href="#INHALT">17. DAHEIM.</a></h2> +Hurra, die Schule ist aus! Schnell eile ich nach Hause, denn die Mutter +wartet schon auf mich. Sie hat ja mancherlei Arbeit, die ich für sie +besorgen kann. Erst bekomme ich aber ein großes Stück Butterbrot. +Wenn ich das gegessen habe, hole ich Kleinholz aus dem Keller. Damit macht +die Mutter das Feuer im Küchenofen an für das Abendessen. Dann +gehe ich zum Metzger, um das Fleisch heimzubringen, das der Vater am Morgen +bestellt hat. Auf dem Wege bringe ich aus dem Kramladen Seife mit und Streichhölzchen. +Auch sonst muß ich der Mutter in der Küche noch zur Hand gehen. +Ich tue es gerne, denn ich habe mein Mütterlein lieb. Wenn ich alles +besorgt habe, darf ich eine Weile auf der Straße mit anderen Kindern +spielen. +<p>Bald ist es Zeit zum Abendessen geworden. Richtig, da ruft mich schon +die Mutter. Der Vater ist nun auch schon nach Hause gekommen, und meine +älteren Geschwister sind ebenfalls da. Wir sitzen jetzt alle um den +großen Tisch im Eßzimmer, und der Vater erzählt, was er +während des Tages in der Stadt gehört und gesehen hat. Nach dem +Essen nimmt der Vater die Zeitung, und meine kleine Schwester und ich machen +unsere Schularbeiten. Da muß manchmal die liebe Mama ein wenig helfen. +Später liest sie uns eine schöne Geschichte vor, oder spielt +mit uns Domino und Lotto. +<p>Ich glaube, es ist nirgends schöner als abends daheim. +<h2> +<a NAME="18. DER BAU DES HAUSES."></a><a href="#INHALT">18. DER BAU DES +HAUSES.</a></h2> +"Kommt, Knaben, wir wollen ein Haus bauen," sagte Emil zu Karl und Heinrich, +"Ich will den Keller ausgraben," sprach Karl. "Und ich," sagte Emil, "ich +bin der Maurer; ich nehme Kalk und Steine und baue die Mauern." Da meinte +Karl: "Du darfst aber die Türen und die Fenster nicht vergessen. Ohne +Türen kann man nicht in das Haus hinein, und durch die Fenster soll +Luft und Licht in die Zimmer kommen." Heinrich sagte: "Ich bin der Zimmermann; +ich setze die Türen und Fenster und lege den Fußboden. Von einem +Stockwerke in das andere mache ich Treppen. Und oben auf das Haus setze +ich das Dach; das schützt vor Regen und Schnee. Unser Haus soll ein +Wohnhaus sein mit Küche und Zimmern und einem Boden unter dem Dach." +<h2> +<a NAME="19. DIE WOHNUNG DER MAUS."></a><a href="#INHALT">19. DIE WOHNUNG +DER MAUS.</a></h2> + +<table> +<tr> +<td VALIGN=TOP> +<blockquote>Ich frag' die Maus: +<br> Wo ist dein Haus? +<br>Die Maus darauf erwidert mir: +<br> Sag's nicht der Katz', +<br> So sag' ich's dir. +<br> Treppauf, treppab, +<br>Erst rechts, dann links, +<br>Dann wieder rechts +<br>Und dann grad' aus-- +<br>Das ist mein Haus; +<br>Du wirst es schon erblicken! +<br> Die Tür ist klein, +<br> Und trittst du ein, +<br>Vergiß nicht, dich zu bücken!</blockquote> +</td> + +<td><img SRC="19.png" ALT="wohnung" height=124 width=300 align=RIGHT></td> +</tr> +</table> + +<h2> +<a NAME="20. KARLS HASE"></a><a href="#INHALT">20. KARLS HASE</a></h2> +"Papa, darf ich ein wenig deinen Stock nehmen?" +<p>"Ja, Karl, aber was willst du damit machen?" +<p>"Einen Hasen will ich schießen, Papa." +<p>"Dann mußt du ja auf das Feld gehen." +<p>"O nein, dein Stock ist meine Flinte und unsere alte Katze ist der Hase." +<p>Der Vater gab seinem Sohne den Stock. Karl legte ihn an die rechte Wange, +zielte und rief: "Piff, paff! piff, paff!" Ei, wie die Katze von dem Stuhle +unter den Tisch sprang! +<p>Karl aber lachte und rief: "Hast du nun meinen Hasen laufen sehen, Papa?" +<h2> +<a NAME="21. DAS LIED VOM MONDE."></a><a href="#INHALT">21. DAS LIED VOM +MONDE.</a></h2> + +<blockquote>Wer hat die schönsten Schäfchen? +<br>Die hat der gold'ne Mond, +<br>Der hinter unsern Bäumen +<br>Am Himmel drüben wohnt. +<p>Er kommt am späten Abend, +<br>Wenn alles schlafen will, +<br>Hervor aus seinem Hause +<br>Zum Himmel leis' und still. +<p>Dann weidet er die Schäfchen +<br>Auf seiner blauen Flur; +<br>Denn all' die weißen Sterne +<br>Sind feine Schäfchen nur. +<p>Sie tun sich nichts zuleide, +<br>Hat eins das andre gern, +<br>Und Schwestern sind und Brüder +<br>Da droben Stern an Stern. +<p>Und soll ich dir eins bringen, +<br>So darfst du niemals schrei'n, +<br>Mußt freundlich wie die Schäfchen +<br>Und wie ihr Schäfer sein!</blockquote> + +<h2> +<a NAME="22. DAS MÜCKCHEN UND DAS MÄDCHEN."></a><a href="#INHALT">22. DAS +MÜCKCHEN UND DAS MÄDCHEN.</a></h2> + +<table> +<tr> +<td><img SRC="22.png" ALT="DAS MÜCKCHEN UND DAS MÄDCHEN." height=421 width=500></td> + +<td VALIGN=TOP>Ein Mückchen flog um ein Licht, das am Abend auf dem +Tische brannte. Da sagte ein Mädchen, welches nebenbei saß und +strickte: "Mückchen, bleib' von dem Lichte, sonst verbrennst du dich!" +Das Mückchen aber folgte nicht und flog so lange auf und nieder und +um das Licht, bis es daran seine Flügelchen sengte und in die Flamme +fiel. "Habe ich es dir nicht gesagt?" sprach das Mädchen. "Hättest +du auf mich gehört, müßtest du jetzt nicht sterben!"</td> +</tr> +</table> + +<h2> +<a NAME="23. NASCH-ERNST."></a><a href="#INHALT">23. NASCH-ERNST.</a></h2> +Ernst konnte das Naschen nicht lassen. Er ging oft an den Schrank, um Zucker +zu naschen. Die Mutter schalt, aber es half nicht. +<p>Eines Tages ging Ernst in die Scheune. An der Wand hing etwas Rotes. +Ernst sagte: "Oh, hier hat die Mutter Zuckerzeug versteckt. Ich sollte +es nicht finden!" Schnell kletterte er auf einen Stuhl, um es zu holen. +Er biß gierig hinein. Aber, o weh, es verbrannte seinen Mund. Er +ließ das Zuckerzeug fallen und schrie laut. Nun kam die Mutter und +gab ihm einen Trunk Wasser. Was Ernst naschte, war nicht Zucker gewesen. +Es war roter Pfeffer. +<p>Ernst naschte nie wieder. +<h2> +<a NAME="24. DER BLINDE"></a><a href="#INHALT">24. DER BLINDE GEIGER.</a></h2> + +<table> +<tr> +<td VALIGN=TOP>Ein armer, blinder Geiger ging auf der Straße. Er +suchte den Weg mit seinem Stocke. Seine Geige trug er unter dem Arme. Bald +kam er an einen Steg. Als er das merkte, getraute er sich nicht hinüberzugehen. +Hans und Eugen kamen daher, und der arme Mann bat, sie möchten ihn +doch über den Steg führen. Aber die mutwilligen Buben lachten +den Geiger aus und liefen weg. +<p>Da kam die kleine Lina aus der Schule. Die wartete nicht, bis sie gebeten +wurde. Sie faßte den Blinden bei der Hand, brachte ihn über +den Steg und schenkte ihm einen Cent, den sie von ihrer Mutter bekommen +hatte.</td> + +<td><img SRC="24.png" ALT="DER BLINDE GEIGER." height=393 width=500></td> +</tr> +</table> + +<h2> +<a NAME="25. DAS BROT IM WEG."></a><a href="#INHALT">25. DAS BROT IM WEG.</a></h2> + +<blockquote>Im Weg das Krümchen Brot +<br>Tritt nicht mit deinem Fuß, +<br>Weil's in des Hungers Not +<br>Ein Tierlein finden muß. +<br>Leg's auf den Stein vor'm Haus, +<br>Und kannst du, brösel's klein: +<br>Still dankt es dir die Maus +<br>Und still das Vögelein.</blockquote> + +<h2> +<a NAME="26. DIE SCHÖNEN DREI."></a><a href="#INHALT">26. DIE SCHÖNEN +DREI.</a></h2> + +<blockquote>Vöglein im hohen Baum, +<br>Klein ist's, ihr seht es kaum, +<br>Singt doch so schön, +<br>Daß wohl von nah und fern +<br>Alle die Leute gern +<br>Horchen und stehn. +<p>;Blümlein im Wiesengrund +<br>Blühen so lieb und bunt, +<br>Tausend zugleich; +<br>Wenn ihr vorübergeht, +<br>Wenn ihr die Farben seht, +<br>Freuet ihr euch. +<p>Wässerlein fließt so fort +<br>Immer von Ort zu Ort +<br>Nieder ins Tal; +<br>Dürstet nun Mensch und Vieh, +<br>Kommen zum Bächlein sie, +<br>Trinken zumal. +<p>Habt ihr es auch bedacht, +<br>Wer hat so schön gemacht +<br>Alle die drei? +<br>Gott, der Herr, machte sie, +<br>Daß sich nun spät und früh +<br>Jedes dran freu'.</blockquote> + +<h2> +<a NAME="27. DAS VOGELNEST."></a><a href="#INHALT">27. DAS VOGELNEST.</a></h2> +In einem Garten lebte ein Vögelein, das sehr schön singen konnte. +Es baute sich in einem Busch ein hübsches Nestchen. In dieses legte +es Eier hinein und brütete Junge aus. Einmal suchte das alte Vögelein +Futter für seine Kinder. Da sahen zwei Buben das Nest und nahmen es +samt den Jungen weg. Darüber wurde die Mutter der jungen Vögelein +sehr traurig. +<p>Sie flog hin und her und schrie, so laut sie konnte. Die Knaben machten +sich aber nichts daraus. Endlich hörte die Schwester der bösen +Knaben das Vögelein schreien. Gleich ging sie hin und nahm ihren Brüdern +das Nestchen Weg und trug es wieder in die Hecke. Seit dieser Zeit hatten +die Vögelein das Mädchen recht lieb, und wenn es im Garten war, +sangen sie noch einmal so schön wie sonst. +<h2> +<a NAME="28. DER DRACHE."></a><a href="#INHALT">28. DER DRACHE.</a></h2> + +<table> +<tr> +<td><img SRC="28.png" ALT="DER DRACHE." height=380 width=500></td> + +<td VALIGN=TOP>Mein Bruder Karl hatte einen großen Drachen gemacht. +Er war aus holz und Papier. Um untern Ende befand sich ein langer Schwanz +und am obern eine lange, dünne Schnur. +<p>Nachmittags gingen wir hinaus auf das Feld hinter unserm Hause. Es war +ein schöner Tag; die Sonne schien prächtig, und es wehte ein +guter Wind. Wir ließen den Drachen steigen. Er stieg so hoch, wie +die Schnur reichte. Wir konnten ihn kaum noch sehen. +<p>So standen wir lange im Schatten neben dem Zaune. Auch unser Hund Karo +kam unter dem Karren hervor. Wir waren sehr vergnügt, bis der Abend +dem Spiele ein Ende machte.</td> +</tr> +</table> + +<h2> +<a NAME="29. DIE VÖGLEIN."></a><a href="#INHALT">29. DIE VÖGLEIN.</a></h2> + +<blockquote>Warum wohl die Vöglein fliegen können? +<br>Ei, das magst du ihnen schon gönnen. +<br>Auf der Erde sind Tiere viel +<br>Und haben hier und dort ihr Spiel. +<br>Da war kein Platz für die Vögel mehr; +<br>Das dauerte den lieben Gott so sehr, +<br>Darum hat er ihnen Flügel gegeben, +<br>Daß sie dort oben in Lüften schweben; +<br>Da können sie spielen den ganzen Tag +<br>Und haben Platz, wie viel jedes mag.</blockquote> + +<h2> +<a NAME="30. VOM HÄNSCHEN."></a><a href="#INHALT">30. VOM HÄNSCHEN.</a></h2> +Hänschen und Gretchen spielten im Garten. Da kam ein schöner +Schmetterling geflogen. Gleich wollte Hans ihn fangen. Gretchen rief: "Ach, +laß doch das hübsche Tierlein gehen!" Aber Hans hörte nicht +darauf. Mit dem Hute in der Hand lief er dem Schmetterlinge nach. Er schaute +immer nur in die Höhe. Patsch,--fiel er in einen tiefen Graben voller +Wasser. Der Schmetterling flog munter davon. Hänschen ging weinend +heim und wurde noch ausgelacht. +<h2> +<a NAME="31. SPRÜCHE."></a><a href="#INHALT">31. SPRÜCHE.</a></h2> + +<blockquote>Ein gutes Kind gehorcht geschwind +<br>Und folgt sofort aufs erste Wort. +<p>Was du nicht willst, das man dir tu', +<br>Das füg' auch keinem andern zu. +<p>Vorgetan und nachbedacht +<br>Hat manchem großes Leid gebracht. +<p>Quäle nie ein Tier zum Scherz, +<br>Denn es fühlt, wie du, den Schmerz.</blockquote> + +<h2> +<a NAME="32. DIE SCHNECKE:"></a><a href="#INHALT">32. DIE SCHNECKE:</a></h2> + +<blockquote> +<table> +<tr> +<td VALIGN=TOP>Die Schnecke ist gar übel dran. +<br>Wie muß sie sich doch plagen! +<br>Sie muß ihr Haus +<br>Tagein, tagaus +<br>Auf ihrem Rücken tragen. +<p>Die Schnecke ist nicht übel dran. +<br>Sie weiß sich wohl zu schützen: +<br>Nimmt sie Gefahr +<br>Vom Feinde wahr,-- +<br>Bleibt sie im Häuschen sitzen.</td> + +<td><img SRC="32.png" ALT="DIE SCHNECKE:" height=178 width=300></td> +</tr> +</table> +</blockquote> + +<h2> +<a NAME="33. DIE HENNE UND DIE ENTLEIN."></a><a href="#INHALT">33. DIE +HENNE UND DIE ENTLEIN.</a></h2> + +<table> +<tr> +<td><img SRC="33.png" ALT="DIE HENNE UND DIE ENTLEIN." height=392 width=500></td> + +<td VALIGN=TOP>Die kleine Anna hatte eine Henne zum Geschenk bekommen. +<p>Diese legte jeden Morgen ein Ei. Als nun Annas Mutter eines Tages das +Nest mit zwölf Eiern sah, nahm sie dieselben voller Freude in die +Küche. Aber siehe da! Die Henne jammerte und suchte ihr Nest. Nun +fand sie in der Nähe ein Entennest, in dem auch Eier waren. Sie setzte +sich darauf, bis die Jungen herauskamen. Das waren aber Entchen statt Küchlein. +Doch die Henne hatte sie so lieb, als ob es Küchlein wären. Sie +suchte Futter mit ihnen und nahm sie unter ihre Flügel, damit ihnen +kein Leid geschehe. Doch eines schönen Tages liefen die Kleinen davon. +Wohin? In großer Angst eilte die Henne hinterher. Die Entchen waren +zum Teiche gelaufen. Umsonst warnte die Henne: "Das ist Wasser! Ihr müßt +ertrinken!" Lustig schwammen die kleinen Enten schon umher, und alles Glucken +der alten Henne brachte sie nicht ans Ufer zurück.</td> +</tr> +</table> + +<h2> +<a NAME="34. DIE TAGESZEITEN."></a><a href="#INHALT">34. DIE TAGESZEITEN.</a></h2> +Hoch am Himmel steht die Sonne. Sie leuchtet so hell, daß man sie +nicht lange ansehen kann. Wenn die Sonne morgens aufgeht, wird es auf der +Erde hell. Dann sagen die Leute zu einander: "Guten Morgen!" Die Sonne +steigt nun immer höher und höher, bis sie zuletzt fast über +unserem Kopfe steht. Es ist jetzt Mittag. Wenn sich Bekannte treffen, wünschen +sie einander: "Guten Tag!" Bald darauf neigt sich die Sonne wieder abwärts. +Sie sinkt bis an den Rand des Himmels. Alsdann sieht sie wie eine große, +feurige Kugel aus und färbt die Wolken schön rot. Auf einmal +ist sie verschwunden. Es wird dunkler und die Nacht bricht an. Man bietet +sich "Guten Abend!" und wünscht allen vor dem Schlafengehen eine "Gute +Nacht!" Nun kommt die Zeit der Ruhe. +<h2> +<a NAME="35. KIND UND SONNE."></a><a href="#INHALT">35. KIND UND SONNE.</a></h2> +<i>Kind</i>: Sag einmal, liebe Sonne, wohin gehst du, wenn es Abend wird? +Es heißt dich doch niemand fortgehen. Ich meine, du könntest +immer bei uns bleiben. Das wäre so schön! +<p><i>Sonne</i>: Nein, mein Kind, das kann nicht sein! Wenn es Nacht wird, +schlafen die Leute, und du schläfst auch. Beim Schlafen braucht man +mich aber nicht. Ich reise dann weit, weit fort in ein fernes Land. Dort +wohnen auch Menschen: Väter, Mütter und viele brave Kinder. Wenn +ich zu diesen komme, haben sie ausgeschlafen. Vater und Mutter stehen dann +auf und arbeiten, und die größeren Kinder gehen in die Schule, +um zu lernen. +<p><i>Kind</i>: Ei, ei! Und wenn du bei diesen Menschen gewesen bist, wohin +gehst du hernach? +<p><i>Sonne</i>: Wenn ich dort gewesen bin, komme ich wieder zu dir, wie +an jedem Morgen. So reise ich zu allen Menschen auf der ganzen Erde. +<h2> +<a NAME="36. SONNE UND REGEN."></a><a href="#INHALT">36. SONNE UND REGEN.</a></h2> + +<blockquote>Die Sonne sprach: "Ich will scheinen +<br>So fort und immerfort!" +<br>Der Regen sprach: "Ich will fallen +<br>Ohn' Ende an jedem Ort!" +<br>Die Sonne: "Du machst ja alles +<br>Auf der Erde gang naß!" +<br>Der Regen: "Du machst zu trocken, +<br>Wenn du scheinst ohn' Unterlaß!" +<br>Die Sonne: "Ich mache fruchtbar, +<br>Und alles freut sich mein!" +<br>Der Regen: "Du machst zu trocken, +<br>Dich mag man nicht allein!" +<br>So haben sie lang gestritten, +<br>Doch wurden sie einig zuletzt: +<br>Sie wollten miteinander wechseln, +<br>Und so ist es denn auch jetzt.</blockquote> + +<h2> +<a NAME="37. ASTERN."></a><a href="#INHALT">37. ASTERN.</a></h2> + +<table> +<tr> +<td VALIGN=TOP>Ein kleiner Knabe lag einmal im Grase und schlief. Da sah +er im Traum einen Engel, der eine wunderschöne Blume in der Hand trug. +Der Engel sagte, daß es im Himmel viele solche Blumen gebe. Der Knabe +hätte sie gerne gehabt. Als er aufwachte, lagen da ein paar glänzende +Samenkörner. Die pflanzte der Knabe in seinem Garten. Als der Herbst +kam, waren aus den Samen die Blumen entstanden. Sie sahen gerade wie Sterne +aus. Der Knabe rief seine Eltern. Vater und Mutter sagten: "Das sind Sternblumen +oder Astern. Die sollen uns an den, Himmel droben erinnern."</td> + +<td><img SRC="37.png" ALT="ASTERN." height=418 width=500></td> +</tr> +</table> + +<h2> +<a NAME="38. RÄTSEL."></a><a href="#INHALT">38. RÄTSEL.</a></h2> + +<blockquote>Loch bei Loch, +<br>Und hält doch. +<br>Was ist's? +<p>Rat! Das Haus hat lauter Treppen, +<br>Keine Fenster, keine Zimmer; +<br>Wer drin wohnt, muß es immer +<br>Auf seinem Rücken schleppen. +<p>Es ist ein Ding, hat Stamm und Zweig' und Blätter, +<br>Schützt dich vor Sonne und im Regenwetter.</blockquote> + +<h2> +<a NAME="39. VÖGEL UND BLUMEN."></a><a href="#INHALT">39. VÖGEL UND +BLUMEN.</a></h2> + +<blockquote>Die Vögel, sie fliegen wie Blätter im Wind; +<br>Da winken die Blümlein zum Abschied geschwind. +<br>Es singt in den Bäumen der Herbst schon sein Lied, +<br>Fort ziehen die Vögel, die Blumen sind müd'. +<p>Im Süden die Vögel, die Blumen im Schnee, +<br>Sie warten, daß wieder der Frühling ersteh'. +<br>Dann lachen die Blüten, das Vögelein singt; +<br>Dann duftet's und jubelt's, bis rings alles klingt.</blockquote> + +<h2> +<a NAME="40. DANKSAGUNGSTAG."></a><a href="#INHALT">40. DANKSAGUNGSTAG.</a></h2> +Was tut ihr, wenn euch jemand etwas geschenkt hat oder recht gut gegen +euch gewesen ist? Nicht wahr, ihr sagt: "Danke schön!" Vergesset das +ja nicht! Wir Menschen, groß und klein, haben für gar vieles +dankbar zu sein. Die Kinder können sich freuen, wenn sie noch Eltern +haben, die sie lieben und für sie sorgen. Erwachsene Leute sollen +froh sein, wenn sie gesund sind und keine Not zu leiden brauchen. Doch +das wird oft nicht bedacht. Deshalb ist ein Tag da, an dem ein jeder von +feiner Arbeit ausruhen und fröhlich Gott danken soll für allen +Segen. Im Herbste, wenn die Ernte vorüber ist, kommt der Danksagungstag. +Da gibt es meistens gut und reichlich zu essen und zu trinken. In den Kirchen +ist Gottesdienst. Auch für die Armen und Unglücklichen wird gesorgt, +damit ein jeder im Herzen dankbar sein möge für das Gute und +Schöne, was das Jahr gebracht hat. +<h2> +<a NAME="41. VOM PUTER."></a><a href="#INHALT">41. VOM PUTER.</a></h2> + +<table> +<tr> +<td VALIGN=TOP><img SRC="41.png" ALT="VOM PUTER." BORDER=0 height=216 width=250></td> + +<td VALIGN=TOP> +<blockquote>Puter, Puter, Polterhahn, +<br>Hast 'ne rote Weste an, +<br>Hast 'ne rote Nasenspitze +<br>Und 'ne rote Zipfelmütze; +<br>Aber das gibst du wohl zu: +<br>Ich bin schöner doch als du!</blockquote> +</td> +</tr> +</table> + +<h2> +<a NAME="42. DIE VIER BRÜDER."></a><a href="#INHALT">42. DIE VIER BRÜDER.</a></h2> + +<blockquote>Vier schöne Brüder kenn' ich wohl, +<br>Geschmückt so wunderbar; +<br>Sie kommen schon seit alter Zeit +<br>Zu uns in jedem Jahr. +<br>Der erste Bringt uns einen Strauß, +<br>Streut Blumen um sich her. +<br>Den zweiten schmückt ein goldner Kranz +<br>Von Ähren voll und schwer. +<br>Der dritte reicht uns Äpfel dar +<br>Und neuen goldnen Wein. +<br>Der vierte ist in Pelz gehüllt +<br>Wie Schnee so weiß und rein. +<br>Wer nennt die schönen Brüder mir, +<br>Geschmückt so wunderbar? +<br>Sie kommen schon seit alter Zeit +<br>Zu uns in jedem Jahr.</blockquote> + +<h2> +<a NAME="43. DIE ZWÖLF MONATE."></a><a href="#INHALT">43. DIE ZWÖLF +MONATE.</a></h2> + +<blockquote>Gleich anfangs mit dem neuen Jahr +<br>Erscheint der kalte Januar, +<br>Dann kommt alsbald der zweite Mann, +<br>Der Februar, in Eile an. +<br>Der März ist nun auch nicht mehr weit, +<br>Und der April ist bald bereit. +<br>Ihm folgt der wunderschöne Mai, +<br>Der Juni kommt drauf schnell herbei, +<br>Und ist der Juli nun erst da, +<br>So ist auch der August schon nah; +<br>Ihm schließt sich der September an, +<br>Und der Oktober folgt alsdann. +<br>November ziehet schleunig ein, +<br>Dezember wird her letzte sein.</blockquote> + +<h2> +<a NAME="44. DIE BLÄTTER TANZEN."></a><a href="#INHALT">44. DIE BLÄTTER +TANZEN.</a></h2> + +<blockquote> +<table> +<tr> +<td>Die Bäume stehen ruhig da, +<br>Die Blätter flüstern leise. +<br>Hört ihr den Wind, hei, hussassa, +<br>Bald bläst er seine Weise. +<p>Da braust der Wind gar wild einher +<br>Und rüttelt an den Bäumen, +<br>Er beugt sie hin, er beugt sie her, +<br>Läßt keine Zeit zum Träumen. +<p>"Halt ein, du stürmischer Gesell', +<br>Wir stehen fest wie Lanzen!" +<br>Die Blätter aber lachen hell: +<br>"Herr Wind, wir möchten tanzen!" +<p>"Ei," ruft der Wind, "ein luftig Wort, +<br>Da kann ich stark mich zeigen!" +<br>Er Bläst die bunten Blätter fort; +<br>Die tanzen froh den Reigen. +<p>Der Wind ist fort, der Tanz ist aus, +<br>Die Blätter sinken nieder; +<br>Der Schnee streckt sein Decke aus, +<br>Der Frühling hebt sie wieder.</td> + +<td><img SRC="44.png" ALT="DIE BLÄTTER TANZEN." height=355 width=500></td> +</tr> +</table> +</blockquote> + +<h2> +<a NAME="45. DIE VIER JAHRESZEITEN."></a><a href="#INHALT">45. DIE VIER +JAHRESZEITEN.</a></h2> +Es gibt vier Jahreszeiten: Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Im +Frühling wird die Luft warm. Der Schnee schmilzt, und die Flüsse +werden wieder frei vom Eise. Auf den Wiesen und in den Gärten keimen +Gräser und Kräuter, auf den Feldern grünt die Saat, und +die Bäume bekommen frisches Laub. Sie treiben Knospen und Blüten. +Die Vögel, welche im Herbste in wärmere Länder gezogen waren, +kehren zurück. Andere Tiere, die den Winter in ihren Höhlen verschlafen +hatten, wachen auf und kommen hervor. Mit dem Sommer werden die Tage länger, +und die Wärme nimmt zu. Das Getreide wird reif und vom Landmanne geschnitten. +Auf den Sommer folgt der Herbst. Im Herbst gibt es Obst, Trauben und Kartoffeln, +auch wird die Saat für das nächste Jahr bestellt. Das Laub der +Bäume vertrocknet und fällt zur Erde nieder. Die Tage werden +immer kürzer. Oft ist es neblig und rauh. Bald wird es recht kalt; +die Flüsse frieren zu, und es gibt Schnee. Die Vögel können +draußen kein Futter finden. Sie kommen in die Straßen und vor +die Türen, um einige Körner und Bröckchen zu suchen. Zu +Hause wird eingeheizt; aber im Freien tummeln sich die Kinder, gleiten +auf dem Eise, oder fahren Schlitten. Sie freuen sich darauf, einen Schneemann +machen zu können. Bald naht auch das liebe Weihnachtsfest. +<h2> +<a NAME="46. WINTERS ANKUNFT."></a><a href="#INHALT">46. WINTERS ANKUNFT.</a></h2> + +<blockquote> +<table> +<tr> +<td><img SRC="45.png" ALT="WINTERS ANKUNFT." height=538 width=500></td> + +<td VALIGN=TOP>Im weißen Pelz der Winter +<br>Steht lang' schon hinter der Tür, +<br>Ei, guten Tag, Herr Winter, +<br>Das ist nicht hübsch von dir! +<p>Wir meinten, du wärest, wer weiß wie weit, +<br>Da kommst du mit einmal hereingeschneit. +<br>Nun, da du hier bist, so mag's schon sein; +<br>Aber, was bringst du Gutes uns Kindelein? +<p>Was ich euch bringe, das sollt ihr wissen: +<br>Fröhliche Weihnacht mit Äpfeln und Nüssen +<br> Und Schneeballen, +<br> Wie sie fallen, +<br> Und im Jänner +<br> Auch Schneemänner!</td> +</tr> +</table> +</blockquote> + +<h2> +<a NAME="47. DER TANNENBAUM."></a><a href="#INHALT">47. DER TANNENBAUM.</a></h2> + +<blockquote>So manches Bäumchen in dem Wald +<br>Verliert im Herbst die Blätter, +<br>Jedoch der liebe Tannenbaum +<br>Der trotzet Wind und Wetter. +<p>Ist alles draußen öd' und leer, +<br>Steht er im grünen Kleide +<br>Und setzt sich stolz ein Käpplein auf, +<br>Ein Käpplein weiß wie Kreide. +<p>Das nimmt er aber artig ab +<br>Am frohen Weihnachtsfeste, +<br>Und grüßet liebevoll und gut +<br>Die Kinder all' aufs Beste. +<p>O Tannenbaum, o Tannenbaum, +<br>Du kannst mir sehr gefallen, +<br>Du bist der allerliebste mir +<br>Doch von den Bäumen allen.</blockquote> + +<h2> +<a NAME="48. VOGEL AM FENSTER."></a><a href="#INHALT">48. VOGEL AM FENSTER.</a></h2> + +<blockquote> +<table> +<tr> +<td VALIGN=TOP>An das Fenster klopft es: pick, pick! +<br>"Macht mir doch auf einen Augenblick! +<br>Dicht fällt der Schnee, der Wind weht kalt, +<br>Habe kein Futter, erfriere bald. +<br>Liebe Leute, o laßt mich ein, +<br>Will auch immer recht artig sein!" +<p>Sie ließen ihn ein in seiner Not; +<br>Er suchte sich manches Krümchen Brot; +<br>Blieb fröhlich manche Woche da. +<br>Doch als die Sonne durchs Fenster sah, +<br>Da saß er immer so traurig dort: +<br>Sie machten ihm auf, husch, war er fort.</td> + +<td><img SRC="48.png" ALT="VOGEL AM FENSTER." height=426 width=500></td> +</tr> +</table> +</blockquote> + +<h2> +<a NAME="49. DAS BÜBLEIN AUF DEM EISE"></a><a href="#INHALT">49. DAS BÜBLEIN +AUF DEM EISE</a></h2> +Es war Winter. Da kam ein Knabe an einem Teiche vorbei. Der Teich war zugefroren. +Der Knabe hatte große Lust, auf das Eis zu gehen. Der Vater aber +hatte es ihm verboten. Das Eis war noch nicht stark genug. Der ungehorsame +Knabe wagte sich dennoch auf das Eis. Er hackte darauf mit seinen Stiefeln. +Auf einmal krachte das Eis. Der Knabe fiel in das Wasser hinein und schrie +laut um Hilfe. Ein Mann eilte herbei und zog ihn heraus. Ganz durchnäßt +mußte der Knabe nach Hause laufen. Die Mutter brachte ihn in das +Bett, und dazu wurde er noch von seinem Vater bestraft. +<h2> +<a NAME="50. RÄTSEL."></a><a href="#INHALT">50. RÄTSEL.</a></h2> + +<blockquote>Weiß wie Kreide, +<br>Leicht wie Flaum, +<br>Weich wie Seide, +<br>Feucht wie Schaum. +<p>Wer baut wohl die billigste Brücke? +<br>Wer reißt sie nieder und schlägt sie in Stücke? +<p>Was mögen das für Blumen sein, +<br>Die unsre Fenster zieren, +<br>Wenn drauß' vor Kälte Stein und Bein +<br>Im rauhen Winter frieren? +<br>Sie sind nicht rot und blau gemalt, +<br>Wie Blumen auf den Wiesen, +<br>Und wenn die liebe Sonne scheint, +<br>In Wasser sie zerfließen.</blockquote> + +<h2> +<a NAME="51. WEIHNACHTSFREUDE."></a><a href="#INHALT">51. WEIHNACHTSFREUDE.</a></h2> +Am Abend vor Weihnachten kam Else zur Mutter gelaufen und rief: "Denke +nur, Anna Maurer hat mir heute ins Ohr gesagt, sie hätten seit gestern +kein Holz, kein Brot und keine Milch. Und sie haben doch ein kleines Kind, +und die Großmutter ist krank. Darf ich der Anna heute Abend mein +Brot geben?" +<p>"O, gewiß," sagte die Mutter, "geh nur gleich hin. Bringe ihnen +auch diese Kanne voll Milch. Robert soll seinen kleinen Schlitten voll +Holz laden und es hinfahren." Wie freuten sich die Kinder, daß sie +den armen Leuten helfen durften. +<p>Aber Robert wollte noch mehr tun. Er bat den Vater um ein ganz kleines +Tannenbäumchen. Das schmückte er mit farbigen Sternen und Lichtlein. +Dann suchte er seine warme Kappe für Maurers Karl und nahm ein Säcklein +voll Nüsse. Else holte eine ihrer Puppen. Alles das packten sie in +einen Korb. +<p>Als es dunkel war, nahm Robert das Bäumchen und Else den Korb. +Sie gingen hin und stellten die Sachen leise vor Maurers Tür. Dann +klopften sie und eilten davon. +<p>Wie sich da die armen Leute freuten! Aber auch Robert und Else meinten, +noch nie so schöne Weihnachten gehabt zu haben, wie diesmal. +<h2> +<a NAME="52. SCHNEESTERNE."></a><a href="#INHALT">52. SCHNEESTERNE.</a></h2> + +<table> +<tr> +<td><img SRC="52.png" ALT="SCHNEESTERNE." height=356 width=500></td> + +<td VALIGN=TOP><i>Olga</i>: Komm, liebe Mama, komm geschwind! Ich hab' +dir etwas mitgebracht. Rate, was es ist! +<p><i>Mutter</i>: Nun, was mag das wohl sein! Blumen, Obst oder gar Kuchen? +<p><i>Olga</i>: O, nein, nein; ganz etwas anderes. Schöne, weiße +Sterne sind es. Sieh her, hier hab' ich sie in meiner Schürze! +<p><i>Mutter</i>: Wo sind sie denn? Ich kann nichts sehen. +<p><i>Olga</i>: Ach, Mama! Sie sind nun fort, und ich habe mich doch so +gefreut, sie dir zu bringen. Es sind nur noch kleine Tropfen auf meiner +Schürze. Ich möchte weinen! +<p><i>Mutter</i>: Weine nicht, liebe Olga: Solche Sterne können nicht +bleiben. Die Waren einmal Wasser, und die Kälte machte sie zu Schnee. +Da sehen sie gerade wie kleine, blitzende Sterne aus. Nachher werden sie +wieder zu Wasser. Menschen, Tiere und Pflanzen trinken das Wasser. Nach +und nach holt die Sonne auch viele Tropfen hinauf zu den Wolken. Ohne Wasser +könnten wir gar nicht leben.</td> +</tr> +</table> + +<h2> +<a NAME="53. BRIEF VOM WEIHNACHTSMANN."></a><a href="#INHALT">53. BRIEF +VOM WEIHNACHTSMANN.</a></h2> + +<div align=right>Daheim, am 1. Januar 1913.</div> +Liebe Kinder! +<p>Mein Vetter, der Neujahrsbote, bringt Euch meine Grüße und +Wünsche. Eure Bitten habe ich, wie Ihr wisset, erfüllt. Erfreuet +Euch nur recht an den Geschenken. +<p>Wenn nun heute mein Baum noch einmal strahlt und glitzert, dann nehmt +Euch vor, auch in diesem Jahre immer lieb und brav zu sein. Ihr könnt +Euren Eltern und mir keine größere Freude machen. Schreibt mir +zur rechten Zeit wieder, ob Ihr Wort gehalten habt. Dann schenke ich Euch +das nächste Mal, was Ihr als gute Kinder verdient. +<p>Euer Freund +<p>Der Weihnachtsmann. +<h2> +<a NAME="54. ZU"></a><a href="#INHALT">54. ZU NEUJAHR.</a></h2> + +<blockquote>Noch nicht erwachsen bin ich, +<p>Drum wünsch' ich kurz, doch innig: +<br> Ein glückliches Neujahr! +<p>Und was euch freut, das weiß ich: +<br>Wenn brav ich bin und fleißig, +<br> Mehr als ich sonst es war. +<p>Gesundheit, Freude, Frieden +<br>Sei allen euch beschieden, +<br> Wie heut, so immerdar.</blockquote> + +<h2> +<a NAME="55. VERSTEHST DU DAS?"></a><a href="#INHALT">55. VERSTEHST DU +DAS?</a></h2> + +<blockquote>Er ritt auf einem Rappen aus, +<br>Da kam etwas vom Himmel, +<br>Und als er wieder kam nach Haus, +<br>Da war der Rapp' ein Schimmel. +<br> Verstehst du das?</blockquote> + +<h2> +<a NAME="56. DER SCHNEEMANN."></a><a href="#INHALT">56. DER SCHNEEMANN.</a></h2> + +<table> +<tr> +<td VALIGN=TOP>Es hatte geschneit. Dick lag der Schnee auf Straßen +und Plätzen. Die Knaben wollten sehen, wie tief er wohl sei. Sie wateten +hindurch, daß der Schnee in die Stiefel fiel. "Heute wollen wir einen +Schneemann bauen!" So riefen Fritz, Karl und Otto. Schnell machten sie +einen großen Schneeball und wälzten ihn im tiefen Schnee herum. +Bald wurde der Ball so groß, daß ihn die Knaben nicht mehr +fortbringen konnten. Nun wälzten sie einen neuen Ball heran, den setzten +sie auf den ersten. Oben darauf kam ein kleiner Ball, das war der Kopf +des Schneemannes. In den Kopf steckte Fritz zwei Kohlen, das waren die +Augen. Auch Nase und Mund, ja sogar die Rockknöpfe des Mannes wurden +aus Kohlen gemacht. Nun bekam der Schneemann noch zwei Arme. In den einen +Arm legten ihm die Knaben einen großen Stock. +<p>Da stand er nun und drohte. Aber der arme Mann konnte nicht schlagen. +Fortlaufen konnte er auch nicht, als ihn die jungen mit Schneebällen +warfen. Doch das war noch das Schlimmste nicht! Auf einmal guckte die liebe +Sonne über das Dach. Da fing der Schneemann an zu weinen. Tränen +liefen ihm über das Gesicht und den weißen Pelzrock. Es war +gut, daß die Sonne heute nicht noch länger schien, sonst wäre +er ganz zu Wasser geworden. Morgen aber oder übermorgen wird's wohl +so kommen.</td> + +<td><img SRC="56.png" ALT="DER SCHNEEMANN." height=392 width=500></td> +</tr> +</table> + +<h2> +<a NAME="57. MÄRZ."></a><a href="#INHALT">57. MÄRZ.</a></h2> +Nach vielen trüben Tagen sehen wir den blauen Himmel wieder. Manchmal +scheint auch schon die Sonne freundlich auf die Erde herab. Da muß +der Winter weichen. Der Schnee fängt an, zu schmelzen, und nur noch +des Nachts gibt es ein wenig Eis. An schönen Tagen läßt +sich vielleicht ein Vogel hören, und ein fleißiges Bienchen +fliegt umher. Auf dem Felde und im Wald sieht es aber noch recht öde +aus. Nur die Weiden und Birken haben graue Kätzchen, und an den Zweigen +der Ulme sind kleine Blüten. Die Kinder gehen ins Freie; sie spielen +Ball oder lassen den Drachen steigen. +<h2> +<a NAME="58. OSTERGRUSS."></a><a href="#INHALT">58. OSTERGRUSS.</a></h2> + +<blockquote>Das Häschen im Walde eilt hin und her, +<br>Nach Eiern ist heute ein großes Begehr. +<br>Es borgt bei der Henne, es borgt bei dem Spatz +<br>Und sucht für die Nester den passenden Platz. +<br>Ein artiges Kindlein erhält heut' sein Ei. +<br>Es schleppen die Häschen die Eier herbei; +<br>Und bist du am Ostermorgen erwacht, +<br>Hat Häschen die Nester gefüllt über Nacht.</blockquote> + +<h2> +<a NAME="59. DER OSTERHASE."></a><a href="#INHALT">59. DER OSTERHASE.</a></h2> + +<table> +<tr> +<td><img SRC="59.png" ALT="DER OSTERHASE." height=466 width=500></td> + +<td VALIGN=TOP>Bald ist es Ostern. O, wie freue ich mich, denn es kommt +der Osterhase! Der bringt schöne, bunte Eier. Wir wollen ihm deshalb +ein Nest zurecht machen. Oft versteckt der Osterhase die Eier. Dann müssen +wir sie suchen. Zuweilen legt er sie in Hüte, Schuhe oder Körbe. +Auch unter den Schrank hat er sie schon gelegt. Ja, er steckt sie uns wohl +gar in die Taschen. Welche Freude, wenn wir sie finden! Erst zählen +wir sie und spielen damit. Später essen wir sie; sie schmecken gut. +In Washington werden am Ostermontage viele Kinder zum Präsidenten +eingeladen. Sie können lange auf dem Rasen bei dem großen Hause +spielen. Da gibt es dann viele und sehr schöne Ostereier. Die werden +hin und her gerollt und schließlich verzehrt. Ihr möchtet auch +dabei sein, nicht wahr?</td> +</tr> +</table> + +<h2> +<a NAME="60. DER OBSTGARTEN."></a><a href="#INHALT">60. DER OBSTGARTEN.</a></h2> +Neben dem Gemüse und den Blumen ist oft ein Platz, auf dem nur Gras +und Obstbäume wachsen, es ist der Obstgarten. Welche Pracht, wenn +die Bäume im Frühlinge blühen! Der Kirschbaum kommt zuerst +mit seinen weißen Blüten. Dann ziehen der Birnbaum und der Pflaumenbaum +ihr weißes Kleid an. Am schönsten aber Blühen der Apfelbaum +und der Pfirsichbaum, die blühen schön rot. Das Obst ist zuerst +grün; dann, wenn die Sonne recht heiß scheint, wird es gelb, +rot oder blau. Ah, Wie schmecken Kirschen und Pflaumen so gut! Wenn sie +nur schon reif wären! +<h2> +<a NAME="61. SPRÜCHE."></a><a href="#INHALT">61. SPRÜCHE.</a></h2> + +<blockquote>Was Hänschen nicht lernt, +<br>Lernt Hans nimmermehr. +<p>Gute Sprüche, weise Lehren +<br>Muß man üben, nicht bloß hören. +<p>Frage nicht, was and're machen, +<br>Sieh auf deine eig'nen Sachen.</blockquote> + +<h2> +<a NAME="62. DIE VÖGEL IM FRÜHLINGE."></a><a href="#INHALT">62. DIE VÖGEL +IM FRÜHLINGE.</a></h2> + +<table> +<tr> +<td VALIGN=TOP>Im Winter sind nur wenige Vögel Bei uns. Wo sind die +andern? Sie sind fortgezogen nach wärmeren Ländern. Jetzt wird +es aber auch hier bei uns warm, und die Vögel kehren zurück. +Bald werdet ihr sie singen hören. Fleißig fliegen sie zum Baume. +Sie arbeiten. Im Schnabel tragen sie Stroh, Heu, Pferdehaare oder auch +kleine Zweige herbei; damit bauen sie ihre Nester.</td> + +<td><img SRC="62.png" ALT="DIE VÖGEL IM FRÜHLINGE." height=414 width=500></td> +</tr> +</table> + +<h2> +<a NAME="63. DAS ROTE HÜHNCHEN."></a><a href="#INHALT">63. DAS ROTE HÜHNCHEN.</a></h2> +<i>Hühnchen</i>: Hier ist ein Weizenkorn. Wer wird mir helfen, es +zu pflanzen? Bitte, hilf du mir, Frau Gans. +<p><i>Gans</i>: Es tut mir leid, aber ich kann dir nicht helfen. +<p><i>Hühnchen</i>: Bitte, hilf du mir, Frau Ente. +<p><i>Ente</i>: O, ich kann dir heute nicht helfen. Ich habe so viel mit +meinen Kindern zu tun. +<p><i>Hühnchen</i>: Nun, dann hilf du mir, alte Katze. +<p><i>Katze</i>: Ich kann dir auch nicht helfen. Ich muß meine Kätzchen +waschen. +<p><i>Hühnchen</i>: Willst du mir denn nicht helfen, kleines Schwein? +<p><i>Schwein</i>: Ich kann keinen Weizen pflanzen. Ich bin zu müde. +Pflanz du ihn selber. +<p><i>Hühnchen</i>: Das will ich auch tun! Ich lege dich in die Erde, +Körnchen, und die Sonne, der Regen und der Wind werden dich wachsen +lassen. +<br> +<hr WIDTH="35%"> +<p><i>Hühnchen</i>: Jetzt ist der Weizen reif. Wer wird ihn nach der +Mühle fahren? Willst du es tun, Frau Gans? +<p><i>Gans</i>: Es tut mir recht leid, Hühnchen, aber heute kann ich +nicht nach der Mühle fahren. Ich habe Rückenschmerzen. +<p><i>Hühnchen</i>: Willst du es tun, Frau Ente? +<p><i>Ente</i>: Nein, ich kann auch nicht fort. Ich muß jetzt schwimmen. +<p><i>Hühnchen</i>: So tu du es, alte Katze! +<p><i>Katze</i>: Sch! Sch! Ruhig! Ich laure auf eine Maus. Ich kann diesmal +nicht gehen. +<p><i>Hühnchen</i>: Bitte, tu du es doch, kleines Schwein. +<p><i>Schwein</i>: Ach was! Es ist gerade Zeit für mein Mittagsschläfchen. +Du kannst den Weizen selber zur Mühle fahren. +<p><i>Hühnchen</i>: Das werde ich auch tun. +<br> +<hr WIDTH="35%"> +<p><i>Hühnchen</i>: Hier ist Mehl. Wer wird Brot daraus backen? Willst +du das Brot backen, Frau Gans? +<p><i>Gans</i>: Ei, nein! Ich habe in meinem Leben noch kein Brot gebacken. +<p><i>Hühnchen</i>: Willst du das Brot backen, Frau Ente? +<p><i>Ente</i>: Ich! Brot backen? Nein, das kann ich wirklich nicht tun. +<p><i>Hühnchen</i>: Backe du das Brot, alte Katze! +<p><i>Katze</i>: Ich tue alles andere auf der Welt lieber als backen. +<p><i>Hühnchen</i>: Wach auf, kleines Schwein, und back du das Brot. +<p><i>Schwein</i>: Ach! laß mich in Ruhe. Ich will dir beim Essen +helfen, wenn es gebacken ist. +<p><i>Hühnchen</i>: Gut; da backe ich es selbst. +<br> +<hr WIDTH="35%"> +<p><i>Hühnchen</i>: So, jetzt ist das Brot gebacken. Sechs schöne, +braune Laibe. Wer will helfen essen? +<p><i>Gans, Ente, Katze, Schwein</i>: Wir wollen dir helfen! +<p><i>Hühnchen</i>: O, nein! Nun brauch' ich euch auch nicht. Ich +werde es essen, und meine Küchlein sollen mir helfen. Gluck, gluck, +gluck! +<h2> +<a NAME="64."></a><a href="#INHALT">64. RÄTSEL.</a></h2> + +<blockquote>Rate flink: +<br>Ein kleines Ding, +<br>Dünn und spitz; +<br>Sticht wie der Blitz. +<p>Zwei sind's, die nebeneinander steh'n +<br>Und alles ganz gut und deutlich seh'n, +<br>Nur immer eines das andre nicht, +<br>Und wär' es beim hellsten Tageslicht.</blockquote> + +<h2> +<a NAME="65. DER NASEWEISE"></a><a href="#INHALT">65. DER NASEWEISE BELLO.</a></h2> +In einem Stalle wohnten fünf kleine Hunde mit ihrer Mutter. Alle waren +schön weiß mit braunen Flecken. Sie spielten lustig umher und +lernten auch von der Mutter Ratten und Mäuse fangen. +<p>Nur einer der Kleinen wollte nicht folgen. Er wollte auch nicht mit +seinen Geschwistern spielen, sondern trieb sich lieber draußen herum. +Einmal war Bello--so hieß der kleine--wieder hinausgeschlichen. Bei +der Türe stand ein Topf voll schwarzer Farbe. Bello wollte gerne wissen, +was darin wäre, und so steckte er seine Nase hinein. Aber, o weh! +er kam mit dem Kopfe zu Weit hinein und warf den Topf um. Jetzt war er +über und über mit schwarzer Farbe bedeckt. Langsam ging er zurück +und blieb mit hängendem Kopf auf der Türschwelle sitzen. Seine +Mutter und seine Geschwister schämten sich des schmutzigen, naseweisen +Bello. +<h2> +<a NAME="66. HEIL, AMERIKA!"></a><a href="#INHALT">66. HEIL, AMERIKA!</a></h2> + +<blockquote> +<table> +<tr> +<td VALIGN=TOP> Hoch die Fahnen, +<br> Sie gemahnen +<br> An das teure Vaterland. +<br>Rot und weiß die Streifen winken, +<br>Licht im Blau die Sterne blinken, +<br> Sind der Freiheit Unterpfand. +<p> Freudig singen +<br> Wir und bringen +<br> Grüße viel von fern und nah. +<br>Wo die Flaggen munter wehen, +<br>Stolz wir, sie beschützend, stehen, +<br> Deiner wert, Amerika!</td> + +<td><img SRC="66.png" ALT="HEIL, AMERIKA!" height=446 width=500></td> +</tr> +</table> +</blockquote> + +<h2> +<a NAME="67. PETERSILIE."></a><a href="#INHALT">67. PETERSILIE.</a></h2> +Es waren einmal zwei Kinder, ein Knabe und ein Mädchen. Das Mädchen +hieß Silie, der Knabe Peter. Die Kinder konnten sich gar nicht miteinander +vertragen. Sobald sie zusammenkamen, stritten sie und schlugen einander. +Dies machte den Eltern viel Kummer. Das ärgerte den Paten der Kinder, +der ein Zauberer war. Er sprach zu den beiden: "Höre ich euch wieder +zanken, so lasse ich euch zur Strafe zusammenwachsen." +<p>Es dauerte gar nicht lange, so war wieder Streit; Silie schlug den Peter, +und Peter schlug Silie. Da kam der Zauberer durch die Luft gefahren und +rührte beide mit seinem Stabe an. Nun waren sie verwandelt. Peter +wuchs in die Erde hinein als Wurzel, und oben auf ihm Silie als grünes +Kraut. Der Zauberer nannte sie nun zusammen: Petersilie. +<h2> +<a NAME="68. DAS KIND UND SEIN BLÜMCHEN."></a><a href="#INHALT">68. DAS +KIND UND SEIN BLÜMCHEN.</a></h2> + +<blockquote> +<table> +<tr> +<td><img SRC="68.png" ALT="DAS KIND UND SEIN BLÜMCHEN." height=485 width=500></td> + +<td VALIGN=TOP>Ward ein Blümchen mir geschenket, +<br>Hab's gepflanzt und hab's getränket. +<br>Vögel, kommt und gebet acht! +<br>Gelt, ich hab' es recht gemacht? +<p>Sonne, laß mein Blümchen sprießen! +<br>Wolke, komm es zu begießen! +<br>Richt' empor dein Angesicht, +<br>Liebes Blümchen, fürcht' dich nicht! +<p>Und ich kann es kaum erwarten, +<br>Täglich geh' ich in den Garten, +<br>Täglich frag' ich: Blümchen, sprich, +<br>Blümchen, bist du bös auf mich? +<p>Sonne ließ mein Blümchen sprießen, +<br>Wolke kam, es zu begießen; +<br>Jedes hat sich brav bemüht, +<br>Und mein liebes Blümchen blüht. +<p>Wie's vor lauter Freuden weinet, +<br>Freut sich, daß die Sonne scheinet; +<br>Schmetterlinge, fliegt herbei, +<br>Sagt ihm doch, wie schön es sei!</td> +</tr> +</table> +</blockquote> + +<h2> +<a NAME="69. NACHLÄSSIGKEIT."></a><a href="#INHALT">69. NACHLÄSSIGKEIT.</a></h2> +Eine fleißige Mutter baute in ihrem Garten Gemüse aller Art. +Eines Tages sagte sie zu ihrer kleinen Tochter: "Lieschen, sieh da an der +untern Seite des Kohlblattes die kleinen, netten, gelben Tüpfelchen! +Das sind die Eier, aus denen die schönfarbigen, aber verderblichen +Raupen kommen. Suche diesen Nachmittag alle Blätter ab und zerdrücke +die Eier, so wird unser Kohl grün und unversehrt bleiben." +<p>Lieschen meinte, zu dieser Arbeit sei es immer noch Zeit, und dachte +am Ende gar nicht mehr daran. Die Mutter war einige Wochen krank und kam +nicht in den Garten. Als sie aber wieder gesund war, nahm sie das saumselige +Mädchen bei der Hand und führte es zu den Kohlbeeten, und siehe! +aller Kohl war von den Raupen abgefressen. Man sah nichts mehr als die +Stengel und Gerippe der Blätter. Das erschrockene und beschämte +Mädchen weinte über seine Nachlässigkeit. Die Mutter aber +sprach: "Tu' künftig das, was heute geschehen kann, sogleich heute +und verschiebe es niemals auf morgen!" +<h2> +<a NAME="70. EIN RÄTSEL."></a><a href="#INHALT">70. EIN RÄTSEL.</a></h2> + +<blockquote> +<table> +<tr> +<td VALIGN=TOP>Ratet, ratet, was ist das: +<br>Es ist kein Fuchs und ist kein Has'. +<br>Es hat zwei Augen und kann nicht sehen. +<br>Es hat zwei Füße und kann nicht gehen. +<br>Es hat zwei Ohren und kann nicht hören. +<br>Es hat zwei Hände und kann sich nicht wehren. +<p>Es ist ein Mädchen hübsch und fein, +<br>Tut niemals zanken und niemals schrei'n. +<p>Was für ein Mädchen mag das sein?</td> + +<td><img SRC="70.png" ALT="EIN RÄTSEL." height=264 width=300></td> +</tr> +</table> +</blockquote> + +<h2> +<a NAME="71. WAS WÜRDEST DU TUN?"></a><a href="#INHALT">71. WAS WÜRDEST +DU TUN?</a></h2> +"Wenn ich ein König wäre," sagte ein Kind, "ließe ich mir +ein Schloß bauen bis an die Wolken!" +<p>"Und ich," sagte ein anderes, "trüge nur Kleider von Silber und +Gold!" +<p>"Und ich," rief ein dicker Bube, "ich äße nur Kuchen und +Wurst!" +<p>"Ich," sagte ein kleines Mädchen und wurde ein wenig rot, "ich +gäbe allen armen Kindern Geld, daß sie sich Brot und Kleider +kaufen könnten!" +<h2> +<a NAME="72. WAS WOLLEN WIR SPIELEN?"></a><a href="#INHALT">72. WAS WOLLEN +WIR SPIELEN?</a></h2> + +<blockquote><i>Ella</i>: In fünf Minuten ist Essenszeit, +<br> Noch schnell was zu spielen, das wäre gescheit! +<p><i>Toni</i>: Ei! Jede holt ihre Puppe heraus, +<br> Wir tragen sie etwas spazieren ums Haus. +<p><i>Ella</i>: Das Puppenholen hält aber doch auf! +<br> Komm, spielen wir haschen; ich fange dich, lauf! +<p><i>Toni</i>: Beim Haschen kommt man ja gar nicht zur Ruh'. +<br> Ach! spielen wir lieber Blindekuh! +<p><i>Ella</i>: Bei Blindekuh komme ich immer zu Fall. +<br> Topp! Weißt du was, spielen wir Fangeball! +<p><i>Toni</i>: Ach was, das Ballspiel machte mir niemals Spaß; +<br> Reifentreiben, das wäre noch was! +<p><i>Ella</i>: Die Reifen, die sind auch drinnen im Haus. +<br> Was meinst du, wir suchen Mama einen Strauß! +<p><i>Toni</i>: Wir dürfen ja nicht auf dem Rasen springen. +<br> So laß uns lieber ein Liedchen singen! +<p><i>Ella</i>: Ich habe den Husten, fällt eben mir ein! +<p><i>Toni</i>: Na, gut! So spiele ich für mich allein! +<p><i>Ella</i>: Ganz alleine? O, das wäre nicht schlecht: +<br> Dir ist ja auch nimmer ein Vorschlag recht! +<p><i>Toni</i>: Was spiele ich nun?--Die Zeit geht vorbei-- +<br> Zum Wettelaufen gehören doch zwei! +<p><i>Ella</i>: Mir ist nicht sehr zum Spielen zu Mut-- +<br> Alleine tanzen geht auch nicht gut! +<p><i>Toni</i>: Mama ruft zum Essen! Wir müssen ins Haus! +<br> Ach, Ella, nun ist mit dem Spielen es aus! +<p><i>Ella</i>: Wie ist die Zeit nur so hingegangen! +<br> Wir haben ja nicht einmal angefangen! +<p><i>Toni</i>: Ja! weißt du, das Überlegen und Streiten! +<br> Es war doch wirklich recht dumm von uns beiden! +<p><i>Ella</i>: Wir haben recht kindisch uns angestellt! +<p><i>Toni</i>: Nach Tische spielen wir-- +<p><i>Ella</i>: Was dir gefällt!</blockquote> + +<h2> +<a NAME="73. DIE SCHLAUE KATZE."></a><a href="#INHALT">73. DIE SCHLAUE +KATZE.</a></h2> +Die Nachbarin hatte einen zahmen Zeisig, den sie oft aus dem Käfig +ließ. Dann hüpfte das Tierchen in der Stube umher und suchte +Krumen am Boden. Die alte Katze war immer sehr freundlich mit dem Vögelchen. +Vor einigen Tagen aber erfaßte sie plötzlich den Zeisig, nahm +ihn ins Maul und sprang mit ihm auf den Tisch. +<p>Die Nachbarin erschrak und glaubte, die Katze wolle ihr liebes Vögelein +auffressen. Da sah sie jedoch, daß die Stubentüre offen war +und eine fremde Katze sich ins Zimmer geschlichen hatte. Schnell jagte +sie diese hinaus, und sieh, die alte Hauskatze sprang sogleich vom Tische +herab und ließ den Zeisig auf den Boden fallen, ohne ihm etwas zuleide +getan zu haben. Hat die alte Katze nicht klug gehandelt? +<h2> +<a NAME="74. KANNST DU ES SAGEN?"></a><a href="#INHALT">74. KANNST DU ES +SAGEN?</a></h2> + +<blockquote>Es saßen zehn Sperlinge auf dem Dach; +<br> Da kam der Jäger und schoß danach; +<br> Er traf davon nur vier. +<br> Wie viel bleiben sitzen? +<br> Das sage mir.</blockquote> + +<h2> +<a NAME="75. DER SPERLING"></a><a href="#INHALT">75. DER SPERLING</a></h2> + +<blockquote>Ich bin wohl ein gemeiner Wicht, +<br>Das Singen, das versteh' ich nicht, +<br>In schönen Kleidern geh' ich nicht; +<br>Es sieht mich auch der Mann kaum an; +<br>Nur böse Buben dann und wann, +<br>Die werfen mich mit Steinen; +<br>Und dennoch will mir's scheinen, +<br>Als sei so schön die ganze Welt, +<br>So blau die Luft, so grün das Feld-- +<br>Zip, zip, zip! Ich hab' die Welt so lieb!</blockquote> + +<h2> +<a NAME="76. DAS PFERD UND DER ESEL."></a><a href="#INHALT">76. DAS PFERD +UND DER ESEL.</a></h2> +Einst schleppte ein Esel eine schwere Last. Neben ihm ging ein lediges +Pferd. Der Esel bat das Pferd, es möge ihm doch helfen; allein es +hörte nicht auf seine Bitte. Zuletzt konnte der Esel nicht mehr weiter; +er fiel zu Boden und starb. +<p>Nun lud der Treiber die ganze Last dem Pferde auf. Er zog dem toten +Tiere die Haut ab, und das Pferd mußte dieselbe noch obendrein tragen. +Hilf deinem Nächsten in der Not. +<h2> +<a NAME="77. DER KLUGE STAR."></a><a href="#INHALT">77. DER KLUGE STAR.</a></h2> + +<table> +<tr> +<td><img SRC="77.png" ALT="DER KLUGE STAR." height=500 width=292></td> + +<td VALIGN=TOP>Ein durstiger Star wollte aus einer Wasserflasche trinken. +Er konnte aber das Wasser mit seinem kurzen Schnabel nicht erreichen. Da +hackte er damit aufs dicke Glas; doch er vermochte nicht, es zu zerbrechen. +Dann stemmte er sich gegen die Flasche und wollte sie umwerfen. Aber dazu +war er nicht stark genug. +<p>Was tat der kluge Star zuletzt? Er las kleine Steinchen mit seinem Schnabel +zusammen und warf eines nach dem andern in die Flasche. Dadurch stieg das +Wasser endlich so hoch, daß er es erreichen konnte. Jetzt löschte +er seinen Durst.</td> +</tr> +</table> + +<h2> +<a NAME="78. DER APFELBAUM."></a><a href="#INHALT">78. DER APFELBAUM.</a></h2> + +<blockquote> +<table> +<tr> +<td><img SRC="78.png" ALT="DER APFELBAUM." height=500 width=355></td> + +<td VALIGN=TOP>Der Apfelbaum, das ist ein Mann! +<br>Kein andrer gibt so gern wie der. +<br>Im Winter, wenn man schüttelt dran, +<br>Da gibt er Schnee die Fülle her. +<br>Im Frühling wirft er Blüten nieder. +<br>Im Sommer herbergt er die Finken. +<br>Jetzt streckt er seine Zweige nieder, +<br>Die voller Frucht zur Erde sinken. +<br>Drum kommt und schüttelt, was ihr könnt! +<br>Ich weiß gewiß, daß er's euch gönnt.</td> +</tr> +</table> +</blockquote> + +<h2> +<a NAME="79. DER HASE UND DER FUCHS."></a><a href="#INHALT">79. DER HASE +UND DER FUCHS.</a></h2> +Ein Hase und ein Fuchs machten im Winter eine Reise. Alles war mit Schnee +bedeckt. Der Hunger plagte sie sehr. Da sahen sie ein Mädchen mit +einem Korbe kommen, darin war Brot. Das merkte der Fuchs und sagte zu dem +Hasen: "Lege dich wie tot auf den Boden, dann wird das Mädchen den +Korb niederstellen, um dich aufzuheben. Ich nehme den Korb weg und mache +mich schnell davon. Du eilst mir nach, und dann lassen wir es uns wohl +sein." Das war dem Hasen recht. +<p>Der Fuchs verbarg sich hinter einem Haufen Schnee, und der Hase legte +sich nieder. Das Mädchen stellte den Korb richtig hin und griff nach +dem Hasen. Da schlich der Fuchs hervor und machte sich mit dem Korb so +schnell davon, daß das Mädchen ihm nicht nachkam. Unser Hase +aber eilte ihm in großen Sätzen nach. An einem Wasser hielten +sie still. Weil aber der Fuchs nicht teilen wollte, so sagte der Hase: +"Brot haben wir, jetzt sollten wir auch noch Fische haben. Dann hätten +wir ein Essen wie die großen Herren. Stecke deinen Schwanz ins Wasser, +so werden sich die Fische daran hängen, denn die haben jetzt auch +nicht viel zu beißen." +<p>Der Fuchs ging an den Weiher hin und hing seinen Schwanz in das Wasser. +Es dauerte aber nicht lange, so war er im Eise festgefroren. Der Fuchs +konnte ziehen und zappeln, wie er wollte--das Eis ließ ihn nicht +los. Er mußte nun zusehen, wie der Hase ein Brot nach dem andern +verzehrte. Dann rief der listige Hase dem Fuchs zu: "Im Frühjahr sehen +wir uns wieder. Laß dir die Zeit nicht zu lang werden, bis das Eis +auftaut." +<h2> +<a NAME="80. SPRÜCHE."></a><a href="#INHALT">80. SPRÜCHE.</a></h2> + +<blockquote>Wer andern eine Grube gräbt, +<br>Fällt selbst hinein. +<p>Wer redet, was er nicht sollte, +<br>Muß hören, was er nicht wollte. +<p>Kein besseres Kissen in Freude und Schmerz, +<br>Als gutes Gewissen und fröhliches Herz.</blockquote> + +<h2> +<a NAME="81. DER HASE UND DIE SCHILDKRÖTE."></a><a href="#INHALT">81. DER +HASE UND DIE SCHILDKRÖTE.</a></h2> + +<table> +<tr> +<td VALIGN=TOP>Ein flinker Hase forderte einst die langsame Schildkröte +zum Wettlauf auf. Sie willigte ein, und eine große Eiche im Walde +sollte das Ziel sein. +<p>Mit den ersten Sonnenstrahlen machte sich die Schildkröte auf den +Weg, der Hase aber hatte keine große Eile. Er spielte lange im Grase +umher, ehe er ans Laufen dachte. Endlich sprang er fort und holte die Schildkröte +wirklich ein. Da er jedoch sah, wie mühsam sie vorwärts kroch, +legte er sich im Schatten eines Baumes nieder und schlief fest ein. +<p>Als er erwachte, war es schon lange nach Mittag. Da rannte er, so rasch +er konnte, den Weg entlang. Aber, siehe da, als er die Eiche erblickte, +saß die Schildkröte schon darunter und lachte den Hasen, der +seine Zeit verspielt und verschlafen hatte, tüchtig aus.</td> + +<td><img SRC="81.png" ALT="DER HASE UND DIE SCHILDKRÖTE." height=332 width=500></td> +</tr> +</table> + +<h2> +<a NAME="82. HASENBRATEN."></a><a href="#INHALT">82. HASENBRATEN.</a></h2> + +<blockquote> +<table> +<tr> +<td><img SRC="82.png" ALT="HASENBRATEN." height=318 width=500></td> + +<td VALIGN=TOP>Auf dem Dach viel blanke Zapfen, +<br>Zu dem Schnee viel kleine Tapfen, +<br>Alle laufen nach dem Kohl! +<br>Häschen, das gefällt dir wohl? +<p>Nächtlich, bei des Mondes Schimmer, +<br>Sitzt es dort zu schmausen immer; +<br>Knusperknäuschen, gar nicht faul: +<br>Ei, du kleines Leckermaul! +<p>Häschen ist es schlecht bekommen; +<br>Vater hat's Gewehr genommen; +<br>Eines Abends ging es: bumm! +<br>Bautz! da fiel das Häschen um. +<p>Kannst du wohl das Ende raten? +<br>Heute gibt es Hasenbraten, +<br>Apfelmus mit Zimt dazu. +<br>Ach, du armes Häschen du!</td> +</tr> +</table> +</blockquote> + +<h2> +<a NAME="83. DER SCHEIN TRÜGT."></a><a href="#INHALT">83. DER SCHEIN TRÜGT.</a></h2> +Bei einem Teiche wohnten viele Gänse. In der Nähe hatte auch +ein Fuchs seinen Bau. Gar oft versuchte er, sich eine Gans oder ein Gänseküchlein +zu fangen. Daher fürchteten sich diese sehr vor dem braunen Gesellen. +Einst war der Fuchs sehr hungrig. "Heute muß ich mir einen fetten +Braten holen!" sagte er zu sich selber. +<p>Er streckte sich, so lang er war, im Grase aus und rührte kein +Glied. Als die Gänse den Räuber so liegen sahen, kamen sie näher +und erhoben ein freudiges Geschnatter. "Jetzt werden wir Ruhe haben!" sprachen +sie. "Unser Feind ist nicht mehr am Leben!" +<p>Schnell sprang der Fuchs auf, erwischte den Gänserich beim Flügel +und trug ihn in seine Höhle. +<h2> +<a NAME="84. DER FROSCH."></a><a href="#INHALT">84. DER FROSCH.</a></h2> + +<table> +<tr> +<td><img SRC="84.png" ALT="DER FROSCH." height=500 width=424></td> + +<td VALIGN=TOP><i>Berta</i>: Geschwind, geschwind, Mama! +<p><i>Mutter</i>: Was fehlt dir? Wer hat dir etwas zuleide getan? +<p><i>Berta</i>: Sieh nur, was mir unser Spitz in den Schoß fallen +ließ! +<p><i>Mutter</i>: Einen kleinen Frosch! Und deshalb bist du so erschrocken? +Rasch, nimm den kleinen Burschen und setze ihn in das Gemüsebeet! +<p><i>Berta</i>: Tragen soll ich das häßliche Tier? Ich würde +es um alles in der Welt nicht in die Hand nehmen! +<p><i>Mutter</i>: Nun, dann muß ich es tun! Schau, wie ich jetzt +das Tierchen anfasse und es ins Beet hüpfen lasse. Hopp, da sitzt +es schon drinnen. +<p><i>Berta</i>: O, Mama, was tust du? Warum hast du den Frosch nicht getötet? +<p><i>Mutter</i>: Weil er ein sehr nützliches Tier ist. Freust du +dich nicht, wenn es im Garten die zarten Rübchen und die süßen +Erbsen gibt, die Papa jedes Frühjahr pflanzt? +<p><i>Berta</i>: Gewiß, Mama! Ich esse beides sehr gerne; aber was +hat das mit dem Frosch zu tun? +<p><i>Mutter</i>: Höre nur, du wirst es gleich erfahren. Den Raupen +und Käfern schmecken diese Gemüse auch gut, gerade wie dir. Im +Frühlinge stellen sich diese Insekten ein und fressen die Blättchen +ab, so daß die Pflänzchen sterben müßten, wenn der +Frosch nicht zur Hand wäre. Der glatte Bursche hüpft dann durch +den Garten, fängt die Raupen, Fliegen und Käfer, und die Pflänzchen +wachsen wieder. Soll ich den Frosch zum Dank dafür töten, Berta? +<p><i>Berta</i>: Nein, liebe Mama; und wenn ich wieder sehe, daß +ein Knabe einen Frosch quält, will ich ihm sagen, was ich heute von +dir gelernt habe.</td> +</tr> +</table> + +<h2> +<a NAME="85. VOM LISTIGEN GRASMÜCKLEIN EIN LUSTIGES"></a><a href="#INHALT">85. +VOM LISTIGEN GRASMÜCKLEIN EIN LUSTIGES STÜCKLEIN.</a></h2> + +<blockquote>Klaus ist in den Wald gegangen, +<br>Weil er will die Vöglein fangen; +<br>Auf den Busch ist er gestiegen, +<br>Weil er will die Vöglein kriegen. +<br>Doch im Nestchen sitzt das alte +<br>Vögelein just vor der Spalte, +<br>Schaut und zwitschert: "Ei, der Taus! +<br>Kinderlein, es kommt der Klaus, +<br>Hu, mit einem großen Prügel, +<br>Kinderlein, wohl auf die Flügel!" +<br>Brr, da flattert's: husch, husch, husch! +<br>Leer das Nest, und leer der Busch. +<br>Und die Vöglein lachen Klaus +<br>Mit dem großen Prügel aus, +<br>Daß er wieder heimgegangen +<br>Zornig, weil er nichts gefangen; +<br>Daß er wieder heimgestiegen, +<br>Weil er konnt' kein Vöglein kriegen.</blockquote> + +<h2> +<a NAME="86. EIN TÖRICHTER STREIT."></a><a href="#INHALT">86. EIN TÖRICHTER +STREIT.</a></h2> + +<table> +<tr> +<td><img SRC="86.png" ALT="EIN TÖRICHTER STREIT." height=364 width=500></td> + +<td VALIGN=TOP>Zwei Knaben, Albert und Paul, suchten im Walde Nüsse. +Da bemerkte Paul eine große Walnuß unter einem Baume und rief +seinem Kameraden zu: "O, sieh dort vor dir die Walnuß!" Albert hob +sie schnell auf und steckte sie in seine Tasche. Damit war aber Paul nicht +zufrieden; er sagte: "Die Nuß gehört mir, ich habe sie zuerst +gesehen!" "Und ich habe sie aufgehoben," erwiderte Albert trotzig; "ich +gebe sie nicht her!" So stritten sie heftig, und schon wollten die törichten +Knaben einander schlagen, als Georg, ein älterer Junge, herbeikam, +der im Walde Eichhörnchen schoß. Albert und Paul baten den großen +Knaben, er solle entscheiden, wem die Nuß gehöre. Was tat Georg? +Er zerbrach die Nuß mit einem Steine und gab jedem der beiden Streitenden +ein Stück von der Schale. "Den Kern," sprach er, "behalte ich als +Lohn dafür, daß ich euer Richter war!" Dann ging er lachend +fort.</td> +</tr> +</table> + +<h2> +<a NAME="87. HERR WIND! HERR WIND!"></a><a href="#INHALT">87. HERR WIND! +HERR WIND!</a></h2> + +<blockquote>Ein Bauer hat ein Haus gehabt, +<br>Und auf dem Haus ein Dach. +<br>Zur Nachtzeit kam der Wind getrabt, +<br>Da ward der Bauer wach. +<br>Wie's heulte, krachte, klirrte, klang! +<br>Der arme Bauer flehte bang: +<br> "Ich bitt' dich, lass' dein Toben, +<br> Und lass' mein Dach dort oben, +<br> Herr Wind! Herr Wind!" +<p>Des Daches Luken schlossen gut +<br>Der Bauer und sein Knecht. +<br>Da ward der Wind voll Trotz und Wut +<br>Und kreischte: "Nun erst recht!" +<br>Herr Wind! Herr Wind! du böser Wind, +<br>Du bist wie manche Kinder sind, +<br> Die das just haben wollen, +<br> Was sie nicht haben sollen. +<br> Herr Wind! Herr Wind! +<p>Mit Dräuen drängt der Wind und drückt +<br>Mit Groll und grausem Krach; +<br>Er zieht und zerrt und rüttelt, rückt +<br>Und reißt vom Haus das Dach. +<br>Zerstört ist herzlos Heim und Haus; +<br>Der Bauer sieht so traurig aus, +<br> Sein Weib und seine Kleinen, +<br> Sie stehen da und weinen. +<br> Herr Wind! Herr Wind! +<p>Hast du's gehört, mein liebes Kind? +<br>Sei freundlich, friedlich, froh! +<br>Denn würdest du ein solcher Wind, +<br>Dann spräch' man von dir so: +<br>Du bist nicht gut, du tust nicht gut, +<br>Du bist ein wild und trotzig Blut, +<br> Das stets gern haben wollte, +<br> Was es nicht haben sollte!---- +<br> Herr Wind! Herr Wind!</blockquote> + +<h2> +<a NAME="88. DAS FÜNKCHEN."></a><a href="#INHALT">88. DAS FÜNKCHEN.</a></h2> + +<table> +<tr> +<td VALIGN=TOP>Das Kind hatte mit dem Fünkchen gespielt, obgleich +seine Mutter es schon oft verboten hatte. Da war das Fünkchen fortgeflogen +und hatte sich ins Stroh versteckt. Das Stroh fing an zu brennen, und es +entstand eine Flamme, ehe das Kind daran dachte. Da wurde es dem Kinde +bange, und es lief fort, ohne jemandem etwas von der Flamme zu sagen. Und +da niemand Wasser darauf schüttete, ging die Flamme nicht aus, sondern +breitete sich im ganzen Hause aus. Als sie an die Fenstervorhänge +kam, wurde sie noch größer, und das Bett, worin die Leute nachts +schliefen, brannte hell auf, und die Tische und die Stühle und die +Schränke und alles, was der Vater und die Mutter hatten, das wurde +vom Feuer erfaßt, und die Flamme wurde so hoch wie der Kirchturm. +Da schrieen die Leute vor Schrecken, die Glocken läuteten; es war +fürchterlich zu hören, und die Flamme war schrecklich zu sehen. +Nun fing man an zu löschen, indem man Wasser in das Feuer schüttete +und spritzte; aber es half nichts; das Haus brannte ganz ab, und nur noch +ein wenig Kohlen und ein bißchen Asche blieben übrig. Da hatten +nun die Eltern des Kindes kein Haus mehr und kein Plätzchen, wo sie +wohnen und wo sie schlafen konnten, und auch kein Geld, um sich ein neues +Haus und neue Betten und Tische und Stühle zu kaufen. Ach, wie weinten +die armen Eltern! Und das Kind, das mit dem Fünkchen gespielt hatte, +war schuld daran.</td> + +<td><img SRC="88.png" ALT="DAS FÜNKCHEN." height=385 width=500></td> +</tr> +</table> + +<h2> +<a NAME="89. RÄTSEL."></a><a href="#INHALT">89. RÄTSEL.</a></h2> + +<blockquote>Kennt ihr die Blume, in guter Ruh' +<br>Dreht sie sich immer der Sonne zu; +<br>Sie hat viel Samenkörner schön, +<br>Wie Strahlen ihre Blättchen stehn. +<p>Erst weiß wie Schnee, +<br>Dann grün wie Klee, +<br>Drauf rot wie Blut, +<br>Dann schmeckt es gut.</blockquote> + +<h2> +<a NAME="90. DAS GÄNSEBLÜMCHEN."></a><a href="#INHALT">90. DAS GÄNSEBLÜMCHEN.</a></h2> + +<table> +<tr> +<td><img SRC="90a.png" ALT="Die Rose" height=202 width=200 align=LEFT></td> + +<td COLSPAN="2">Die Rose feierte einmal ihren Geburtstag. Sie stand mitten +im Garten, und alle Blumen kamen zu ihr, um ihr Glück zu wünschen. +Zuerst kamen die stolze Lilie und die prächtige Tulpe, hernach kamen +die kleinen Blumen. Alle neigten sich vor der Rose und sagten: "Wir wünschen +dir Glück, liebe Rose."</td> +</tr> + +<tr> +<td COLSPAN="2">Aber ein kleines, weißes Blümchen getraute sich +nicht, nahe an die Rose heranzutreten, weil es so schüchtern und bescheiden +war. Es blieb von ferne stehen und flüsterte nur: "Ich wünsche +dir auch Glück, liebe Rose!" Die Rose hatte das Blümchen aber +gesehen und winkte ihm, näher heranzutreten. "Komm doch näher, +liebe kleine Schwester," sagte die Rose gütig. Als nun das Blümchen +näher herangetreten war, fragte die Rose: "Wie heißt du denn, +liebe Kleine?" Da sprach es ganz leise: "Ich heiße Gänseblümchen."</td> + +<td><img SRC="90b.png" ALT="Gänseblümchen" height=176 width=200 align=RIGHT></td> +</tr> + +<tr> +<td> +<center><img SRC="90c.png" ALT="Gänseblümchen" height=200 width=77 align=LEFT></center> +</td> + +<td>"Aber, liebes Gänseblümchen," sagte die Rose freundlich, +"du bist ja tausendmal schöner als alle andern Blumen. Du sollst jetzt +nicht mehr Gänseblümchen, sondern Tausendschön heißen, +weil du tausendmal schöner bist als alle." Darüber freute sich +das gute Gänseblümchen so sehr, daß es über und über +rot ward, und seit der Zeit haben alle Gänseblümchen--rote Ohrläppchen.</td> + +<td> +<center><img SRC="90d.png" ALT="Gänseblümchen" height=200 width=72 align=RIGHT></center> +</td> +</tr> +</table> + +<h2> +<a NAME="91. DIE GRÜNE STADT."></a><a href="#INHALT">91. DIE GRÜNE +STADT.</a></h2> + +<blockquote>Ich weiß euch eine schöne Stadt, +<br>Die lauter grüne Häuser hat. +<br>Die Häuser, die sind groß und klein, +<br>Und wer nur will, der darf hinein. +<p>Die Straßen, die sind freilich krumm, +<br>Sie führen hier und dort herum; +<br>Doch stets gerade fort zu gehn, +<br>Wer findet das wohl allzuschön! +<p>Die Wege, die sind weit und breit +<br>Mit bunten Blumen überstreut. +<br>Das Pflaster, das ist sanft und weich, +<br>Und seine Farb' den Häusern gleich. +<p>Es wohnen viele Leute dort, +<br>Und alle lieben ihren Ort. +<br>Ganz deutlich sieht man dies daraus, +<br>Daß jeder singt in seinem Haus. +<p>Die Leute, die sind alle klein, +<br>Denn es sind lauter Vögelein; +<br>Und meine ganze grüne Stadt +<br>Ist, was den Namen "Wald" sonst hat.</blockquote> + +<h2> +<a NAME="92. DEUTSCHLAND."></a><a href="#INHALT">92. DEUTSCHLAND.</a></h2> + +<table> +<tr> +<td><img SRC="92.png" ALT="DEUTSCHLAND." height=500 width=437></td> + +<td VALIGN=TOP>Weit weg von hier liegt Deutschland. Das ist ein schönes +Stück Erde. Zu Deutschland gehören Preußen, Sachsen, Bayern, +Baden und andere kleinere oder größere Staaten. Dort gibt es +breite und tiefe Flüsse. Der Rhein, die Elbe und die Donau sind am +bekanntesten. Daneben finden sich weite Ebenen, hohe Berge und dichte Wälder. +Auch fehlt es nicht an Städten, in denen viele fleißige Leute +leben. Berlin, München, Köln, Dresden, Frankfurt und manche andere +sind bemerkenswert. Überall hat man prächtige Wohnhäuser, +reiche Kirchen und herrliche öffentliche Gebäude. Alles wird +sehr sauber und ordentlich gehalten. Von Hamburg und Bremen aus fahren +mächtige Dampfschiffe und Segler nach allen Gegenden der Welt. Deutschland +besitzt auch zahlreiche große Fabriken. Die Felder werden auf das +Beste bestellt. Die deutsche Fahne ist schwarz, weiß und rot gestreift. +An der Spitze des Reiches steht der deutsche Kaiser.</td> +</tr> +</table> + +<h2> +<a NAME="93. SONNENSCHEIN."></a><a href="#INHALT">93. SONNENSCHEIN.</a></h2> + +<blockquote>Sonnenschein, +<br>Klar und rein, +<br>Leuchtest in die Welt hinein; +<br>Machst so hell, so warm und schön +<br>In den Tälern, auf den Höh'n, +<br>Die du alle überstrahlst +<br>Und so hold und lieblich malst. +<p>Sonnenschein, +<br>Klar und rein, +<br>Kehre auch ins Herz mir ein! +<br>Wenn ich habe heitern Sinn, +<br>Gut und froh und freundlich bin, +<br>Dann ist's in dem Herzen mein +<br>Wunderbarer Sonnenschein.</blockquote> + +<h2> +<a NAME="94. DIE KÖNIGIN LUISE."></a><a href="#INHALT">94. DIE KÖNIGIN +LUISE.</a></h2> + +<table> +<tr> +<td VALIGN=TOP>Vor hundert Jahren lebte in Preußen eine Königin, +namens Luise. Sie war jung und schön, aber auch ebenso gut. Ein jeder +liebte sie. Schon als kleines Kind hatte sie ihre Mutter verloren und wurde +von ihrer Großmutter einfach erzogen. So war sie zu einer echten, +deutschen Jungfrau herangewachsen, als der Kronprinz und spätere König +von Preußen, Friedrich Wilhelm, sie kennen lernte. Bald darauf wurde +sie seine Frau. Eine große Freude hatte sie an ihren Kindern, zwei +Knaben, mit denen sie gerne lernte und spielte. Aber da gab es einen schrecklichen +Krieg mit dem Kaiser von Frankreich, Napoleon. Die Feinde waren stärker +als die Preußen und besiegten sie. Das tat dem Könige und der +guten Königin sehr weh. Es kam so weit, daß sie ihr Schloß +in Berlin verlassen mußten. Als die königliche Familie endlich +wieder zurückkehren konnte, herrschte großer Jubel. Die Freude +sollte aber nicht lange dauern, denn bald darauf wurde die edle Königin +schwer krank und erholte sich nicht mehr. Als sie starb, war die Trauer +allgemein. Noch heute ist die Königin Luise unvergessen.</td> + +<td><img SRC="94.png" ALT="DIE KÖNIGIN LUISE." height=500 width=358></td> +</tr> +</table> + +<h2> +<a NAME="95. DAS GOLDENE SCHLOSS."></a><a href="#INHALT">95. DAS GOLDENE +SCHLOSS.</a></h2> +"Willst du eine Prinzessin sein?" So fragte ein Knabe seine kleine Schwester. +Die lachte ihn aus. Er sagte aber: "Ja, ich kann ein König und du +kannst eine Prinzessin werden. Du bekommst ein schönes, neues Kleid +und einen silbernen Thron. Ich bekomme einen roten Mantel, eine goldene +Krone und einen goldenen Thron." Die Schwester glaubte das nicht und sagte: +"Unsere Eltern sind ja so arm." Der Knabe erzählte dann: "Letzte Nacht +im Traume kam ein kleiner Mann zu mir. Er fragte mich: 'Willst du ein König +sein und in einem goldenen Schlosse wohnen?' Ich sagte, ja. Da sprach der +Kleine: 'Komm in den Wald mit deiner Schwester, wenn der Mond scheint. +Bei der großen Tanne warte auf mich. Aber später im goldenen +Schlosse darf keine Träne auf den Boden fallen. Wenn eine Träne +auf den Boden fällt, müßt ihr wieder heim.'" Jetzt glaubte +die Schwester, was der Bruder sagte. Sie wollte gerne mit ihm gehen. +<p>Am Abend schien der Mond sehr hell. Da gingen Bruder und Schwester hin +zu der großen Tanne im Walde. Das Männlein war noch nicht da. +Die Kinder setzten sich ins Moos, um zu warten. Sie waren müde und +schliefen bald ein. Auf einmal wachten sie auf. Verwundert schauten sie +um sich. Sie hatten schöne neue Kleider an. Der Bruder hatte einen +roten Mantel und trug eine goldene Krone. Die Schwester hatte ein himmelblaues +Kleid mit silbernen Sternen. Auf ihren Haaren war ein Kranz von Diamanten. +Der kleine Mann kam und rief: "Willkommen, willkommen!" Dann kamen noch +viele kleine Männlein mit einem goldenen und einem silbernen Wagen. +Der Bruder mußte sich in den goldenen Wagen und die Schwester in +den silbernen Wagen setzen. Die Männlein zogen die Wagen und fuhren +durch den Wald an einen Berg. Im Berge war eine große, hohe Halle, +und darin stand ein goldenes Schloß. Die kleinen Männer führten +die Geschwister in dieses Schloß. Dann holten sie einen goldenen +und einen silbernen Thron. Der goldene Thron war für den Bruder und +der silberne für die Schwester. Die kleinen Männer stellten sich +vor sie hin und riefen: "Hoch lebe unser König und auch die Prinzessin!" +Dann gab es zu essen, lauter gute Sachen. +<p>Nach dem Essen wollten die Kinder schlafen, denn es war schon spät. +Im Schlafzimmer standen zwei Betten, ein goldenes und ein silbernes. Der +König legte sich in das goldene, die Prinzessin in das silberne Bett. +Da fragte der Bruder: "Schwesterchen, wie gefällt dir das goldene +Schloß?" Sie antwortete: "Schön ist es schon hier; wenn nur +der Vater und die Mutter auch hier wären!" Der Bruder sagte: "Das +möchte ich auch haben. Was werden die Eltern jetzt machen?" Die Schwester +meinte: "Sie werden uns suchen und weinen, weil sie uns nicht finden können." +"Ja," war des Bruders Antwort, "sie werden denken, der Wolf habe uns gefressen." +Das konnte die Schwester nicht anhören. Sie fing an zu weinen. Da +warnte der Bruder: "Nicht weinen, sonst fallen deine Tränen auf den +Boden!" "Nein," sagte die Schwester, "ich hab' sie mit der Hand aufgefangen. +Aber ich muß weinen." Nun wurde auch der Bruder ganz traurig. Auch +er weinte einige Tränen. Doch die Tränen fielen in das Bett. +Die Schwester fragte: "Wie lange willst du noch König bleiben? Ich +will nicht mehr Prinzessin sein. Ich will heim!" Der Bruder sagte: "Ja, +zu Hause bei Vater und Mutter ist es doch schöner!" Da ließen +sie beide große Tränen auf den Boden fallen. Es donnerte, und +die Kinder fielen aus den Betten. +<p>Nun kamen die kleinen Männer wieder. Sie waren sehr traurig und +brachten die Geschwister zurück zu der großen Tanne im Wald. +Da schliefen Bruder und Schwester bald ein. Als sie die Augen öffneten, +war es heller Tag, aber der rote Mantel und das himmelblaue Kleid Waren +verschwunden. +<p>Da kamen auch schon die Eltern. Die freuten sich sehr, ihre Kinder wieder +zu haben. Die Geschwister waren ebenso froh und versprachen, nie mehr fortgehen +zu wollen. +<h2> +<a NAME="96. DIE KLEINEN MÜSSIGGÄNGER."></a><a href="#INHALT">96. DIE KLEINEN +MÜSSIGGÄNGER.</a></h2> +Drei Kinder sollten nach der Schule gehen, aber sie sprachen: "Was kann +das Lernen helfen! Laßt uns in den Wald laufen; da spielen die Tierlein, +und wir wollen mit ihnen spielen." +<p>Als die Kinder nun im Walde waren, luden sie zuerst die Käfer zu +ihrem Spiele ein. Da summten die Käfer um die Köpfe der Kinder, +und der eine sprach: "Ich habe keine Zeit, ich muß Holz sägen!" +Der andere sprach: "Ich muß ein Loch graben!" Noch andere riefen: +"Wir müssen uns ein Hüttlein aus Gras bauen!" +<p>Nun kamen die Kinder an einen Ameisenhaufen. Hier lief eine ganze Menge +von Ameisen aus und ein. Jedes dieser winzigen Tierchen hatte etwas in +seine Wohnung zu tragen; und wo es dem einen zu schwer ward, sprach es +zum andern: "Komm', hilf mir!" +<p>Die Kinder schlichen vorbei und fanden Bienlein auf den Blumen. Die +waren so eilig und mochten gar nicht zu den Kindern aufsehen. Sie sammelten +Honig und Blütenstaub und flogen dann flink davon. +<p>Da hörten die Kinder einen Vogel singen. Es war ein Fink. "Du kannst +so schön singen," riefen sie, "und hast auch gewiß Lust, mit +uns zu spielen." Allein der Fink sagte: "Pink, pink! Flink, flink! Ich +muß Mücken fangen für meine Jungen und dann die Kleinen +in den Schlaf singen. Auch muß ich mich fleißig im Singen üben, +damit ich dem Wanderer schöne Lieder vorsingen kann." Und fort war +er. +<p>Auf einmal rasselte es im Busche. Die Kinder erschraken. Eins sagte: +"Wenn nur ein Eichhörnchen käme und mit uns spielte!" Da lief +auch schon eines aus dem Busche und kletterte auf einen Baum. Es kicherte +und rief: "Ich suche Knospen und Nüsse!" Die Kinder baten: "Komm' +und bring' uns auch schöne Nüsse!" Aber das Tierchen zischte +und knurrte nur. +<p>Bald darauf hörten sie ein Bächlein plätschern, und nun +riefen sie fröhlich: "O, mit dem Bächlein mögen wir spielen! +Kommt!" +<p>Sie liefen geschwind hin. Aber das Bächlein sagte: "Seht doch die +faulen Kinder! Ihr meint, ich hätte nichts zu tun. Ich muß Tag +und Nacht arbeiten; ich netze Felder und Wiesen und tränke die durstigen +Tiere. Wenn ich groß und stark bin, treibe ich Mühlen und trage +Schiffe. Geht, geht, ihr faulen Kinder!" +<p>Da wurde den Kindern gar ängstlich zu Mute. Sie gingen beschämt +weg und blieben nie mehr aus der Schule. +<h2> +<a NAME="97. DER GUTE KAMERAD."></a><a href="#INHALT">97. DER GUTE KAMERAD.</a></h2> + +<blockquote>Ich hatt' einen Kameraden, +<br>Einen bessern find'st du nit. +<br>Die Trommel schlug zum Streite, +<br>Er ging an meiner Seite +<br>In gleichem Schritt und Tritt. +<p>Eine Kugel kam geflogen, +<br>Gilt's mir oder gilt es dir? +<br>Ihn hat es weggerissen, +<br>Er liegt mir vor den Füßen, +<br>Als wär's ein Stück von mir. +<p>Will mir die Hand noch reichen, +<br>Derweil ich eben lad'. +<br>"Kann dir die Hand nicht geben, +<br>Bleib' du im ew'gen Leben +<br>Mein guter Kamerad!"</blockquote> + +<h2> +<a NAME="98. DER GOLDBAUM."></a><a href="#INHALT">98. DER GOLDBAUM.</a></h2> +Eduard scherzte gerne und spielte auch gerne anderen einen Streich. Dabei +kam es nicht immer darauf an, ob, was er sagte, auch der Wahrheit gemäß +sei. Seine kleine Schwester Emilie, die noch nicht in die Schule ging, +fragte gerne ihren Bruder, den sie für sehr weise hielt, über +alles aus. Um sie schnell wieder los zu werden, sagte ihr Eduard oft Dinge, +welche das Kind ganz falsch belehrten. +<p>Eines Morgens, es war Eduards Geburtstag, sah Emilie auf dem Tische +ihres Bruders ein Goldstück liegen, das er vom Vater zum Geschenk +bekommen hatte. Sie fragte ihn: "Wo wächst das Gold?"--"Es wird gesät," +antwortete Eduard, der sich wieder einmal auf Kosten seiner Schwester einen +Spaß machen wollte, "dann wird ein Baum daraus, an dem wachsen die +Goldstücke." +<p>Als Eduard beschäftigt war, nahm Emilie leise das Goldstück +vom Tische, eilte damit hinunter in den Garten, grub mit den Händen +ein Loch in die weiche Erde, legte das Goldstück hinein und bedeckte +es wieder mit Erde. +<p>Eine Weile später sprang sie in Eduards Zimmer und rief: "Jetzt +wirst du bald viele, viele Goldstücke haben! Ich habe deines im Garten +gepflanzt." +<p>Umsonst bekannte Eduard, er habe nur gescherzt, und umsonst suchte und +grub er im Garten nach seinem Golde. Emilie wußte die Stelle nicht +anzugeben, wo sie es eingegraben hatte. +<p>Der Vater kam hinzu und sagte: "Es war unklug von Emilie, das Goldstück +pflanzen zu wollen; du aber, Eduard, hast gefehlt, da du ihr, wenn auch +im Scherze, eine Unwahrheit sagtest." +<h2> +<a NAME="99. GERETTET."></a><a href="#INHALT">99. GERETTET.</a></h2> +"Rasch, Ernst, kleide dich an, und komme sogleich herunter!" +<p>"Was ist geschehen, Vater?" +<p>"Geschwind, mein Junge! Der Ohio ist über Nacht gestiegen, das +Dorf ist unter Wasser, und wir müssen unser Haus verlassen." +<p>Mit einem Satz war Ernst aus dem Bette und fuhr wie der Blitz in seine +Kleider. Dann lief er die Treppe hinunter in die Wohnstube. Hier stand +das Wasser schon über zwei Fuß hoch. Auf einem Tische am Fenster +war der Vater mit den Seinen. Die Mutter hielt die kleine Rosa an der Hand +und trug das Jüngste, ein herziges Büblein, auf dem Arme. Sie +hatte Tränen im Auge, der Vater aber sprach ihr Mut zu. Endlich kam +ein Mann in einem Kahn, alle stiegen hinein, und durch dieselben Straßen, +durch welche gestern noch Leute gegangen und Wagen gefahren waren, ruderten +sie jetzt im Rachen dem Lande zu. Nachdem sie eine hochgelegene Stelle +erreicht hatten, stiegen sie aus. Der Bootsmann ging mit dem Vater, der +Mutter und den zwei Kleinen den Hügel hinauf nach einem Hause. Dort +wollten sie ein Unterkommen suchen. +<p>"Du kannst dableiben und auf meinen Kahn achtgeben," sagte der Bootsmann +zu Ernst. Das war dem Knaben gerade recht. Jetzt erst schaute er sich um. +Welch ein Anblick! Nach dem Flusse zu sah man nur Wasser. So weit das Auge +reichte, schien alles ein großer See zu sein. Drüben am anderen +Ufer, ganz in der Ferne guckten die Wipfel der Bäume und die Schornsteine +aus der Flut empor. Ganz in der Nähe stand das Bretterhaus der alten +Frau Werner, welche sehr arm war und von guten Leuten unterstützt +wurde. Schon hatte das Wasser den zweiten Stock erreicht und stieg immer +höher und höher.<img SRC="99.png" ALT="GERETTET." height=394 width=500 align=LEFT> +<p>Während Ernst das Häuschen der Frau Werner betrachtete, kam +es ihm vor, als rufe jemand um Hilfe. Richtig, jetzt öffnete die alte +Frau einen Laden und schaute heraus. Als sie ringsum nichts als Wasser +erblickte, klagte und jammerte sie laut und rang die Hände. +<p>Ernst sah alles und dachte nach, was er wohl tun könne. Ja, so +ging es! Er wollte rasch den Hügel hinauflaufen und den Vater und +den Bootsmann rufen. Aber siehe da! Die Flut trieb einen mächtigen +Baumstamm gerade auf das Häuschen zu. Wenn er gegen dasselbe stieß, +löste es sich gewiß los, schwamm in der Strömung fort, +und dann wäre die alte Frau verloren. +<p>Da sprang Ernst in den Kahn, stieß vom Ufer und steuerte nach +dem Häuschen. Frau Werner stieg aus dem Fenster in den Rachen, und +der Knabe ruderte, so rasch er konnte, an das Ufer zurück. Als er +sich demselben näherte, kam sein Vater gerade wieder vom Hügel +herab. +<p>"Hurra, wir sind gerettet!" rief Ernst, als der Kahn ans Land stieß. +Mit Tränen des Dankes im Auge drückte die alte Frau dem Knaben +die Hände. Der Vater aber schloß ihn an seine Brust und sprach: +"Das war wie ein braver Mann gehandelt, mein Sohn!" +<h2> +<a NAME="100. SPRÜCHE."></a><a href="#INHALT">100. SPRÜCHE.</a></h2> + +<blockquote>Erfüllte Pflicht +<br>macht froh Gesicht. +<p>Die träge Hand sei noch so glatt und weiß, +<br>Der fleißigen allein gebührt der Preis. +<p>Trägt einer gar so hoch den Kopf, +<br>So ist er wohl ein eitler Tropf. +<p>Allen Leuten recht getan, +<br>Ist eine Kunst, die niemand kann.</blockquote> + +<hr style="width: 95%;"> +<h2> +*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK, HIN UND HER ***</h2> +This file should be named 8hnhr10h.txt or 8hnhr10h.zip Corrected EDITIONS +of our eBooks get a new NUMBER, 8hnhr11h.txt VERSIONS based on separate +sources get new LETTER, 8hnhr10ha.txt +<p>Project Gutenberg eBooks are often created from several printed editions, +all of which are confirmed as Public Domain in the US unless a copyright +notice is included. Thus, we usually do not keep eBooks in compliance with +any particular paper edition. +<p>We are now trying to release all our eBooks one year in advance of the +official release dates, leaving time for better editing. Please be encouraged +to tell us about any error or corrections, even years after the official +publication date. +<p>Please note neither this listing nor its contents are final til midnight +of the last day of the month of any such announcement. The official release +date of all Project Gutenberg eBooks is at Midnight, Central Time, of the +last day of the stated month. A preliminary version may often be posted +for suggestion, comment and editing by those who wish to do so. +<p>Most people start at our Web sites at: http://gutenberg.net or http://promo.net/pg +<p>These Web sites include award-winning information about Project Gutenberg, +including how to donate, how to help produce our new eBooks, and how to +subscribe to our email newsletter (free!). +<p>Those of you who want to download any eBook before announcement can +get to them as follows, and just download by date. This is also a good +way to get them instantly upon announcement, as the indexes our cataloguers +produce obviously take a while after an announcement goes out in the Project +Gutenberg Newsletter. +<p>http://www.ibiblio.org/gutenberg/etext05 or ftp://ftp.ibiblio.org/pub/docs/books/gutenberg/etext05 +<p>Or /etext04, 03, 02, 01, 00, 99, 98, 97, 96, 95, 94, 93, 92, 92, 91 +or 90 +<p>Just search by the first five letters of the filename you want, as it +appears in our Newsletters. +<p>Information about Project Gutenberg (one page) +<p>We produce about two million dollars for each hour we work. The time +it takes us, a rather conservative estimate, is fifty hours to get any +eBook selected, entered, proofread, edited, copyright searched and analyzed, +the copyright letters written, etc. Our projected audience is one hundred +million readers. If the value per text is nominally estimated at one dollar +then we produce $2 million dollars per hour in 2002 as we release over +100 new text files per month: 1240 more eBooks in 2001 for a total of 4000+ +We are already on our way to trying for 2000 more eBooks in 2002 If they +reach just 1-2% of the world's population then the total will reach over +half a trillion eBooks given away by year's end. +<p>The Goal of Project Gutenberg is to Give Away 1 Trillion eBooks! This +is ten thousand titles each to one hundred million readers, which is only +about 4% of the present number of computer users. +<p>Here is the briefest record of our progress (* means estimated): +<p>eBooks Year Month +<p> 11971 July +<br> 101991 January +<br>1001994 January +<br> 10001997 August +<br> 15001998 October +<br> 20001999 December +<br> 25002000 December +<br> 30002001 November +<br> 40002001 October/November +<br> 60002002 December* +<br> 90002003 November* +<br>100002004 January* +<p>The Project Gutenberg Literary Archive Foundation has been created to +secure a future for Project Gutenberg into the next millennium. +<p>We need your donations more than ever! +<p>As of February, 2002, contributions are being solicited from people +and organizations in: Alabama, Alaska, Arkansas, Connecticut, Delaware, +District of Columbia, Florida, Georgia, Hawaii, Illinois, Indiana, Iowa, +Kansas, Kentucky, Louisiana, Maine, Massachusetts, Michigan, Mississippi, +Missouri, Montana, Nebraska, Nevada, New Hampshire, New Jersey, New Mexico, +New York, North Carolina, Ohio, Oklahoma, Oregon, Pennsylvania, Rhode Island, +South Carolina, South Dakota, Tennessee, Texas, Utah, Vermont, Virginia, +Washington, West Virginia, Wisconsin, and Wyoming. +<p>We have filed in all 50 states now, but these are the only ones that +have responded. +<p>As the requirements for other states are met, additions to this list +will be made and fund raising will begin in the additional states. Please +feel free to ask to check the status of your state. +<p>In answer to various questions we have received on this: +<p>We are constantly working on finishing the paperwork to legally request +donations in all 50 states. If your state is not listed and you would like +to know if we have added it since the list you have, just ask. +<p>While we cannot solicit donations from people in states where we are +not yet registered, we know of no prohibition against accepting donations +from donors in these states who approach us with an offer to donate. +<p>International donations are accepted, but we don't know ANYTHING about +how to make them tax-deductible, or even if they CAN be made deductible, +and don't have the staff to handle it even if there are ways. +<p>Donations by check or money order may be sent to: +<br> PROJECT GUTENBERG LITERARY ARCHIVE FOUNDATION +<br> 809 North 1500 West +<br> Salt Lake City, UT 84116 +<p>Contact us if you want to arrange for a wire transfer or payment method +other than by check or money order. +<p>The Project Gutenberg Literary Archive Foundation has been approved +by the US Internal Revenue Service as a 501(c)(3) organization with EIN +[Employee Identification Number] 64-622154. Donations are tax-deductible +to the maximum extent permitted by law. As fund-raising requirements for +other states are met, additions to this list will be made and fund-raising +will begin in the additional states. +<p>We need your donations more than ever! +<p>You can get up to date donation information online at: +<p>http://www.gutenberg.net/donation.html +<p>*** +<p>If you can't reach Project Gutenberg, you can always email directly +to: +<br>Michael S. Hart:  <a href="mailto:hart@pobox.com">hart@pobox.com</a> +<p>Prof. Hart will answer or forward your message. +<p>We would prefer to send you information by email. +<p>**The Legal Small Print** +<p>(Three Pages) +<p>***START**THE SMALL PRINT!**FOR PUBLIC DOMAIN EBOOKS**START*** Why is +this "Small Print!" statement here? You know: lawyers. They tell us you +might sue us if there is something wrong with your copy of this eBook, +even if you got it for free from someone other than us, and even if what's +wrong is not our fault. So, among other things, this "Small Print!" statement +disclaims most of our liability to you. It also tells you how you may distribute +copies of this eBook if you want to. +<p>*BEFORE!* YOU USE OR READ THIS EBOOK By using or reading any part of +this PROJECT GUTENBERG-tm eBook, you indicate that you understand, agree +to and accept this "Small Print!" statement. If you do not, you can receive +a refund of the money (if any) you paid for this eBook by sending a request +within 30 days of receiving it to the person you got it from. If you received +this eBook on a physical medium (such as a disk), you must return it with +your request. +<p>ABOUT PROJECT GUTENBERG-TM EBOOKS This PROJECT GUTENBERG-tm eBook, like +most PROJECT GUTENBERG-tm eBooks, is a "public domain" work distributed +by Professor Michael S. Hart through the Project Gutenberg Association +(the "Project"). Among other things, this means that no one owns a United +States copyright on or for this work, so the Project (and you!) can copy +and distribute it in the United States without permission and without paying +copyright royalties. Special rules, set forth below, apply if you wish +to copy and distribute this eBook under the "PROJECT GUTENBERG" trademark. +<p>Please do not use the "PROJECT GUTENBERG" trademark to market any commercial +products without permission. +<p>To create these eBooks, the Project expends considerable efforts to +identify, transcribe and proofread public domain works. Despite these efforts, +the Project's eBooks and any medium they may be on may contain "Defects". +Among other things, Defects may take the form of incomplete, inaccurate +or corrupt data, transcription errors, a copyright or other intellectual +property infringement, a defective or damaged disk or other eBook medium, +a computer virus, or computer codes that damage or cannot be read by your +equipment. +<p>LIMITED WARRANTY; DISCLAIMER OF DAMAGES But for the "Right of Replacement +or Refund" described below, [1] Michael Hart and the Foundation (and any +other party you may receive this eBook from as a PROJECT GUTENBERG-tm eBook) +disclaims all liability to you for damages, costs and expenses, including +legal fees, and [2] YOU HAVE NO REMEDIES FOR NEGLIGENCE OR UNDER STRICT +LIABILITY, OR FOR BREACH OF WARRANTY OR CONTRACT, INCLUDING BUT NOT LIMITED +TO INDIRECT, CONSEQUENTIAL, PUNITIVE OR INCIDENTAL DAMAGES, EVEN IF YOU +GIVE NOTICE OF THE POSSIBILITY OF SUCH DAMAGES. +<p>If you discover a Defect in this eBook within 90 days of receiving it, +you can receive a refund of the money (if any) you paid for it by sending +an explanatory note within that time to the person you received it from. +If you received it on a physical medium, you must return it with your note, +and such person may choose to alternatively give you a replacement copy. +If you received it electronically, such person may choose to alternatively +give you a second opportunity to receive it electronically. +<p>THIS EBOOK IS OTHERWISE PROVIDED TO YOU "AS-IS". NO OTHER WARRANTIES +OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, ARE MADE TO YOU AS TO THE EBOOK OR ANY +MEDIUM IT MAY BE ON, INCLUDING BUT NOT LIMITED TO WARRANTIES OF MERCHANTABILITY +OR FITNESS FOR A PARTICULAR PURPOSE. +<p>Some states do not allow disclaimers of implied warranties or the exclusion +or limitation of consequential damages, so the above disclaimers and exclusions +may not apply to you, and you may have other legal rights. +<p>INDEMNITY You will indemnify and hold Michael Hart, the Foundation, +and its trustees and agents, and any volunteers associated with the production +and distribution of Project Gutenberg-tm texts harmless, from all liability, +cost and expense, including legal fees, that arise directly or indirectly +from any of the following that you do or cause: [1] distribution of this +eBook, [2] alteration, modification, or addition to the eBook, or [3] any +Defect. +<p>DISTRIBUTION UNDER "PROJECT GUTENBERG-tm" You may distribute copies +of this eBook electronically, or by disk, book or any other medium if you +either delete this "Small Print!" and all other references to Project Gutenberg, +or: +<p>[1] Only give exact copies of it. Among other things, this requires +that you do not remove, alter or modify the eBook or this "small print!" +statement. You may however, if you wish, distribute this eBook in machine +readable binary, compressed, mark-up, or proprietary form, including any +form resulting from conversion by word processing or hypertext software, +but only so long as EITHER*: +<p>[*]The eBook, when displayed, is clearly readable, and does *not* contain +characters other than those +<br>intended by the author of the work, although tilde (~), asterisk (*) +and underline (_) characters may be used to convey punctuation intended +by the author, and additional characters may be used to indicate hypertext +links; OR +<p>[*] The eBook may be readily converted by the reader at no expense into +plain ASCII, EBCDIC or equivalent form by the program that displays the +eBook (as is the case, for instance, with most word processors); OR +<p>You provide, or agree to also provide on request at no additional cost, +fee or expense, a copy of the eBook in its original plain ASCII form (or +in EBCDIC or other equivalent proprietary form). +<p>[2] Honor the eBook refund and replacement provisions of this "Small +Print!" statement. +<p>[3] Pay a trademark license fee to the Foundation of 20% of the gross +profits you derive calculated using the method you already use to calculate +your applicable taxes. If you don't derive profits, no royalty is due. +Royalties are payable to "Project Gutenberg Literary Archive Foundation" +the 60 days following each date you prepare (or were legally required to +prepare) your annual (or equivalent periodic) tax return. Please +contact us beforehand to let us know your plans and to work out the details. +<p>WHAT IF YOU *WANT* TO SEND MONEY EVEN IF YOU DON'T HAVE TO? Project +Gutenberg is dedicated to increasing the number of public domain and licensed +works that can be freely distributed in machine readable form. +<p>The Project gratefully accepts contributions of money, time, public +domain materials, or royalty free copyright licenses. Money should be paid +to the: "Project Gutenberg Literary Archive Foundation." +<p>If you are interested in contributing scanning equipment or software +or other items, please contact Michael Hart at: <a href="mailto:hart@pobox.com">hart@pobox.com</a> +<p>[Portions of this eBook's header and trailer may be reprinted only when +distributed free of all fees. Copyright (C) 2001, 2002 by Michael S. Hart. +Project Gutenberg is a TradeMark and may not be used in any sales of Project +Gutenberg eBooks or other materials be they hardware or software or any +other related product without express permission.] +<p>*END THE SMALL PRINT! FOR PUBLIC DOMAIN EBOOKS*Ver.02/11/02*END* +<br> +<hr style="width: 35%;"> +</body> +</html> diff --git a/old/8hnhr10h.zip b/old/8hnhr10h.zip Binary files differnew file mode 100644 index 0000000..af46ecc --- /dev/null +++ b/old/8hnhr10h.zip |
