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+The Project Gutenberg eBook of Hin Und Her, by H. H. Fick
+
+This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and
+most other parts of the world at no cost and with almost no restrictions
+whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it under the terms
+of the Project Gutenberg License included with this eBook or online at
+www.gutenberg.org. If you are not located in the United States, you
+will have to check the laws of the country where you are located before
+using this eBook.
+
+Title: Hin Und Her
+ Ein Buch für die Kinder
+
+Author: H. H. Fick
+
+Release Date: July 6, 2003 [eBook #8392]
+[Most recently updated: March 19, 2023]
+
+Language: German
+
+Produced by: David Starner, Delphine Lettau, Charles Franks and the Online Distributed Proofreading Team
+
+*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK HIN UND HER ***
+
+
+
+
+HIN UND HER
+
+Ein Buch für die Kinder
+
+Zusammengestellt von H. H. FICK
+
+Supervisor of German, Cincinnati Public Schools
+
+
+
+
+
+
+
+INHALT
+
+
+ 1. Am Morgen
+ 2. Der Tag bricht an
+ 3. Der Hahnenruf
+ 4. Beim Frühstück
+ 5. Zur Schule
+ 6. Bruder und Schwester
+ 7. Der Specht
+ 8. Die Uhr
+ 9. Schuleifer
+ 10. Rätsel
+ 11. Unser Hof
+ 12. Die Haustiere
+ 13. Sprüche
+ 14. Die Äpfel
+ 15. Peter Faulpelz
+ 16. Der Knabe am Bache
+ 17. Daheim
+ 18. Der Bau des Hauses
+ 19. Die Wohnung der Maus
+ 20. Karls Hase
+ 21. Das Lied vom Monde
+ 22. Das Mückchen und das Mädchen
+ 23. Nasch-Ernst
+ 24. Der blinde Geiger
+ 25. Das Brot im Weg
+ 26. Die schönen Drei
+ 27. Das Vogelnest
+ 28. Der Drache
+ 29. Die Vöglein
+ 30. Vom Hänschen
+ 31. Sprüche
+ 32. Die Schnecke
+ 33. Die Henne und die Entlein
+ 34. Die Tageszeiten
+ 35. Kind und Sonne
+ 36. Sonne und Regen
+ 37. Astern
+ 38. Rätsel
+ 39. Vögel und Blumen
+ 40. Danksagungstag
+ 41. Vom Puter
+ 42. Die vier Brüder
+ 43. Die zwölf Monate
+ 44. Die Blätter tanzen
+ 45. Die vier Jahreszeiten
+ 46. Winters Ankunft
+ 47. Der Tannenbaum
+ 48. Vogel am Fenster
+ 49. Das Büblein auf dem Eise
+ 50. Rätsel
+ 51. Weihnachtsfreude
+ 52. Schneesterne
+ 53. Brief vom Weihnachtsmann
+ 54. Zu Neujahr
+ 55. Verstehst du das?
+ 56. Der Schneemann
+ 57. März
+ 58. Ostergruß
+ 59. Der Osterhase
+ 60. Der Obstgarten
+ 61. Sprüche
+ 62. Die Vögel im Frühlinge
+ 63. Das rote Hühnchen
+ 64. Rätsel
+ 65. Der naseweise Bello
+ 66. Heil, Amerika!
+ 67. Petersilie
+ 68. Das Kind und sein Blümchen
+ 69. Nachlässigkeit
+ 70. Ein Rätsel
+ 71. Was würdest du tun?
+ 72. Was wollen wir spielen?
+ 73. Die schlaue Katze
+ 74. Kannst du es sagen?
+ 75. Der Sperling
+ 76. Das Pferd und der Esel
+ 77. Der kluge Star
+ 78. Der Apfelbaum
+ 79. Der Hase und der Fuchs
+ 80. Sprüche
+ 81. Der Hase und die Schildkröte
+ 82. Hasenbraten
+ 83. Der Schein trügt
+ 84. Der Frosch
+ 85. Vom listigen Grasmücklein ein lustiges Stücklein
+ 86. Ein törichter Streit
+ 87. Herr Wind! Herr Wind!
+ 88. Das Fünkchen
+ 89. Rätsel
+ 90. Das Gänseblümchen
+ 91. Die grüne Stadt
+ 92. Deutschland
+ 93. Sonnenschein
+ 94. Die Königin Luise
+ 95. Das goldene Schloß
+ 96. Die kleinen Müßiggänger
+ 97. Der gute Kamerad
+ 98. Der Goldbaum
+ 99. Gerettet
+100. Sprüche
+
+
+
+
+1. AM MORGEN.
+
+ Die Erd' erwacht, die Sonne lacht
+ Sie an mit hellem Schein
+ Und ruft ihr zu: komm aus der Ruh',
+ Der ganze Tag ist dein.
+ Guten Morgen.
+
+
+
+
+2. DER TAG BRICHT AN.
+
+Es ist dunkel. Am Himmel leuchten die Sterne. Zwischen ihnen steht
+der Mond. Nun wird es langsam heller. Im Osten zeigt sich ein lichter
+Schein. Das ist die Morgendämmerung. Die meisten Leute schlafen noch
+fest, aber der Hahn ist wach und kräht ganz laut. Bald steigt die
+Sonne empor. Dann ist es Tag. Die Vögel sind erwacht und zwitschern.
+Jetzt stehen auch die Menschen von ihrem Lager auf und gehen gestärkt
+an die Arbeit. Die Tiere im Freien suchen ihre Nahrung und das Vieh
+im Hofe bekommt sein Futter. Im Garten und auf den Wiesen glänzt der
+Tau. Alles ist neubelebt.
+
+
+
+
+[Illustration]
+
+
+3. DER HAHNENRUF.
+
+ Im ersten Hofe kräht der Hahn,
+ Da fängt auch gleich der zweite an
+ Und denkt: "Hätt' ich's zuerst getan!"
+ Doch, wie der zweite kaum beginnt,
+ Kräht schon der dritte Hahn geschwind.
+ Der viert' und fünfte faul nicht sind
+ Und fallen schnell ins Lied mit ein,
+ Denn jeder will der erste sein,
+ Und jeder will am schönsten schrei'n.--
+ Bald rufen alle in der Rund',
+ Als ständen sie zusamm' im Bund,
+ Und tun die Morgenstunde kund
+ Aus voller Kehle laut und schnell:
+ "Die Nacht entweicht, der Tag wird hell.
+ Kikeriki! Kikeriki! Wir sind zur Stell'!"
+ So soll'n auch wir in allen Sachen,
+ Wo's gilt, zum guten zu erwachen,
+ Es wie der Hahn am Morgen machen.
+
+
+
+
+4. BEIM FRÜHSTÜCK
+
+_Mutter_: Papa, Karl, Emma und Klara, hurtig, kommt zu Tisch!
+Das Frühstück ist aufgetragen!
+
+_Papa_: Sieh! Da bin ich schon. Guten Morgen!
+
+_Emma_ und _Klara_: Liebe Mama und lieber Papa, Wir sind
+auch bereit und wünschen euch einen recht guten Morgen!
+
+_Mutter_ und _Vater_: Vielen Dank, ihr Kinder! Wo steckt
+aber der Karl?
+
+_Emma_ und _Klara_: Da kommt er!
+
+_Karl_: Seid nicht böse, liebe Eltern, ich habe mich
+verschlafen. Es soll aber gewiß nicht wieder geschehen!
+
+_Mutter_: Schon gut! Setzt euch alle. Schaut, daß der Papa
+bedient wird! Emma, reiche doch das Brot herüber und gib mir die
+Butter. Nun, trinkt eure Milch! Klara und Emma, für euch habe ich ein
+Stück Kuchen.
+
+_Karl_: Bekomme ich nicht auch eins?
+
+Mutter: Du bist zu spät gekommen! Dafür mußt du Strafe leiden. Heute
+ist für dich nur Brot vorhanden.
+
+_Karl_: Ach, liebe Mama! Ich bin so hungrig!
+
+_Mutter_: Ei! Hungern sollst du nicht. Da ist eine Semmel und
+dann habe ich auch noch ein Ei für dich. Aber der Kuchen ist nur für
+die pünktlichen Leute da, merke dir das! So, seid ihr nun alle
+fertig?
+
+_Kinder_: Jawohl, Mama!
+
+_Mutter_: Stellt eure Stühle an ihre Plätze! Jetzt könnt ihr
+gehen! Du, Karl, holst dem Vater noch die Zeitung herein!
+
+_Karl_: Gerne, liebe Mutter!
+
+_Kinder_: Ade, Papa! Leb wohl, Mama! Heute mittag sehen wir uns
+wieder!
+
+
+
+
+5. ZUR SCHULE.
+
+ Nun hurtig vom Stuhle
+ Und schnell in die Schule;
+ Es ist an der Zeit.
+ Holt Hüte und Kappen,
+ Bringt Tafeln und Mappen;
+ Nehmt auch für die Pause
+ Euch etwas zum Schmause;
+ So, Kinder, jetzt seid
+ Zur Arbeit bereit!
+
+
+
+
+
+6. BRUDER UND SCHWESTER.
+
+Es ist Morgen. Die Nacht hindurch hat es geregnet und immer noch
+fallen einzelne Tropfen. Seit einigen Tagen besucht der kleine
+Wilhelm die Schule. Er hat einen neuen Anzug, eine hübsche Mütze und
+einen bunten Schulsack erhalten. Wie leid tut es ihm, daß alles vom
+Regen soll naß werden. Da kommt die gute Schwester Emilie. Sie muß
+für die Mutter noch einen Gang auf den Markt machen. Nun will sie den
+Bruder unter den Schirm nehmen und ihn bis an das Schulgebäude
+begleiten. Wilhelm faßt die Schwester am Kleide, und sie treten in
+die Türe. Aber, siehe da, der Regen hört auf und als Emilie
+vorsichtig die Hand ausstreckt, kann sie kein Tröpfchen mehr spüren.
+Da darf auch der zottige Spitz mit ins Freie.
+
+[Illustration]
+
+
+
+
+
+7. DER SPECHT.
+
+ Herr Specht! so früh schon klopfest du!
+ Was störte dich denn aus der Ruh'?
+ Es herrscht noch Stille im Erdenraum--
+ Du hämmerst schon am Fichtenbaum.
+
+ "Ist es auch früh, ist's nie zu früh,
+ An Arbeit fehlt's dem Fleiß'gen nie,--
+ Wer Tages etwas will gewinnen,
+ Der muß recht frühe schon beginnen."
+
+
+
+
+8. DIE UHR.
+
+Eben hatte es sieben geschlagen. Die Mutter ging in die Kammer, um
+den kleinen Leo zu wecken. Der war aber schon wach und saß aufrecht
+im Bette. "Ei, Leo!" sagte die Mutter, "Wie kommt denn das? Sonst muß
+ich dich viele Male rufen und schütteln, und heute bist du ganz
+munter!" "Ach, denke nur, liebe Mama," sagte Leo, "ich War ja auch
+noch so müde und hätte gerne länger geschlafen. Aber da hatte auf
+einmal die große Uhr dort an der Wand ein Gesicht wie ein Mensch, und
+machte immerfort: Auf! raus! Auf! raus! Nun hatte ich Angst, liegen
+zu bleiben und wollte aufstehen. Jetzt hörte ich die Uhr ganz
+deutlich sagen: Recht so! Recht so! und sie sah wieder freundlich
+aus!"
+
+[Illustration]
+
+
+
+
+
+9. SCHULEIFER.
+
+ Im Winter, wenn es frieret,
+ Im Winter, wenn es schneit,
+ Dann ist der Weg zur Schule
+ Fürwahr noch mal so weit.
+
+ Und wenn der Kuckuck rufet,
+ Dann ist der Frühling da,
+ Dann ist der Weg zur Schule
+ Fürwahr noch mal so nah.
+
+ Wer aber gerne lernet,
+ Dem ist kein Weg zu fern;
+ Im Frühling, wie im Winter,
+ Geht er zur Schule gern.
+
+[Illustration]
+
+
+
+
+10. RÄTSEL.
+
+ Im Wasser schwimmt es, groß und klein.
+ Nun rat' einmal, was das mag sein!
+
+ Wer wäscht sich so rein
+ Und hält sich so fein
+ Und braucht doch kein Handtüchelein?
+
+ Ich weiß ein kleines, weißes Haus,
+ Hat nichts von Fenstern, Türen, Toren;
+ Und will sein kleiner Wirt hinaus,
+ So muß er erst die Wand durchbohren.
+
+
+
+
+11. UNSER HOF.
+
+Hinter dem Hause ist ein Hof. Da haben viele Tiere Platz. In einer
+Ecke steht die Hundehütte. Dort wohnt Nero. Er bewacht unser Haus.
+Auf der Kellertreppe sitzt Mieze. Das ist die graue Katze. Sie wäscht
+und putzt sich gern. Im Korbe liegen ihre vier Kätzchen. Die können
+noch nicht sehen. Mitten im Hofe geht der stolze Hahn. Er hat bunte
+Federn und einen roten Kamm. Bei ihm sind fünf hübsche Hennen. Auch
+Tauben fliegen herbei und picken Körner auf. Seht doch den großen
+Puter da drüben! Der ist zornig und jagt die anderen Vögel fort.
+
+
+
+
+12. DIE HAUSTIERE.
+
+ Lieb Kindchen, sag mir an,
+ Was ein Haustier nützen kann!
+
+ Die Kuh gibt Milch uns, liebe Mutter,
+ Draus macht man Käse, Rahm und Butter.
+ Das Pferd zieht fleißig deinen Wagen
+ Und kann dich in die Ferne tragen.
+ Der Hund schützt treu dir Hof und Haus.
+ Die Katze lauert auf die Maus.
+ Das dicke, schmutz'ge, dumme Schwein
+ Bringt Schinken uns und Würste ein.
+
+[Illustration]
+
+
+
+
+
+13. SPRÜCHE.
+
+Lust und Liebe zum Dinge
+Macht Mühe und Arbeit geringe.
+
+Morgen, morgen, nur nicht heute,
+Sagen alle trägen Leute.
+
+Lerne Ordnung, liebe sie;
+Ordnung spart dir Zeit und Müh'.
+
+
+
+
+14. DIE ÄPFEL.
+
+Am Montag morgen wollte Otto seinen Freund Ludwig zur Schule abholen.
+Als er aber in die Stube trat, war niemand da. Vorne beim Fenster
+stand ein Korb voll Äpfel. Die waren schön gelb und rot. Gerne hätte
+Otto einen genommen. Aber er dachte: "Nein, das tue ich nicht, die
+Äpfel gehören nicht mir."
+
+Schnell wollte er wieder zur Türe hinaus. Da kam gerade Ludwigs
+Mutter herein. Die freute sich sehr, als sie Otto sah. Sie steckte
+ihm beide Taschen voll Äpfel. Dann rief sie Ludwig und gab den beiden
+Kindern noch einen Apfel mit auf den Weg. Mit frohem Herzen gingen
+die Knaben nun zur Schule.
+
+
+
+
+15. PETER FAULPELZ.
+
+ Längst ist schon die Schule aus,
+ Alle Kinder sind zu Haus:
+ Peter nur, der faule Bube,
+ Muß noch sitzen in der Stube,
+ Hat gelernt nicht, noch geschrieben,
+ Hat sich draußen 'rumgetrieben.
+ Nun geht es ihm bitterschlecht--
+ Faulpelz, das geschieht dir recht!
+
+
+
+
+16. DER KNABE AM BACHE.
+
+Siehst du den Knaben dort am Bache sitzen? Es ist Robert, der mit
+seiner armen Mutter in dem kleinen Häuschen wohnt. Sie hatten für den
+Abend nichts zu essen. Da sagte Robert: "Mutter, ich will zum Bache
+gehen und einige Fische fangen."
+
+Hier sitzt er nun ganz stille. Zwei Fische hat er schon gefangen, und
+den dritten macht er eben vom Haken los. Wie wird sich die Mutter
+freuen, wenn Robert mit den Fischen nach Hause kommt!
+
+[Illustration]
+
+
+
+
+17. DAHEIM.
+
+Hurra, die Schule ist aus! Schnell eile ich nach Hause, denn die
+Mutter wartet schon auf mich. Sie hat ja mancherlei Arbeit, die ich
+für sie besorgen kann. Erst bekomme ich aber ein großes Stück
+Butterbrot. Wenn ich das gegessen habe, hole ich Kleinholz aus dem
+Keller. Damit macht die Mutter das Feuer im Küchenofen an für das
+Abendessen. Dann gehe ich zum Metzger, um das Fleisch heimzubringen,
+das der Vater am Morgen bestellt hat. Auf dem Wege bringe ich aus dem
+Kramladen Seife mit und Streichhölzchen. Auch sonst muß ich der
+Mutter in der Küche noch zur Hand gehen. Ich tue es gerne, denn ich
+habe mein Mütterlein lieb. Wenn ich alles besorgt habe, darf ich eine
+Weile auf der Straße mit anderen Kindern spielen.
+
+Bald ist es Zeit zum Abendessen geworden. Richtig, da ruft mich schon
+die Mutter. Der Vater ist nun auch schon nach Hause gekommen, und
+meine älteren Geschwister sind ebenfalls da. Wir sitzen jetzt alle um
+den großen Tisch im Eßzimmer, und der Vater erzählt, was er während
+des Tages in der Stadt gehört und gesehen hat. Nach dem Essen nimmt
+der Vater die Zeitung, und meine kleine Schwester und ich machen
+unsere Schularbeiten. Da muß manchmal die liebe Mama ein wenig
+helfen. Später liest sie uns eine schöne Geschichte vor, oder spielt
+mit uns Domino und Lotto.
+
+Ich glaube, es ist nirgends schöner als abends daheim.
+
+
+
+
+18. DER BAU DES HAUSES.
+
+"Kommt, Knaben, wir wollen ein Haus bauen," sagte Emil zu Karl und
+Heinrich, "Ich will den Keller ausgraben," sprach Karl. "Und ich,"
+sagte Emil, "ich bin der Maurer; ich nehme Kalk und Steine und baue
+die Mauern." Da meinte Karl: "Du darfst aber die Türen und die
+Fenster nicht vergessen. Ohne Türen kann man nicht in das Haus
+hinein, und durch die Fenster soll Luft und Licht in die Zimmer
+kommen." Heinrich sagte: "Ich bin der Zimmermann; ich setze die Türen
+und Fenster und lege den Fußboden. Von einem Stockwerke in das andere
+mache ich Treppen. Und oben auf das Haus setze ich das Dach; das
+schützt vor Regen und Schnee. Unser Haus soll ein Wohnhaus sein mit
+Küche und Zimmern und einem Boden unter dem Dach."
+
+
+
+
+19. DIE WOHNUNG DER MAUS.
+
+ Ich frag' die Maus:
+ Wo ist dein Haus?
+ Die Maus darauf erwidert mir:
+ Sag's nicht der Katz',
+ So sag' ich's dir.
+ Treppauf, treppab,
+ Erst rechts, dann links,
+ Dann wieder rechts
+ Und dann grad' aus--
+ Das ist mein Haus;
+ Du wirst es schon erblicken!
+ Die Tür ist klein,
+ Und trittst du ein,
+ Vergiß nicht, dich zu bücken!
+
+[Illustration]
+
+
+
+
+20. KARLS HASE
+
+"Papa, darf ich ein wenig deinen Stock nehmen?"
+
+"Ja, Karl, aber was willst du damit machen?"
+
+"Einen Hasen will ich schießen, Papa."
+
+"Dann mußt du ja auf das Feld gehen."
+
+"O nein, dein Stock ist meine Flinte und unsere alte Katze ist der
+Hase."
+
+Der Vater gab seinem Sohne den Stock. Karl legte ihn an die rechte
+Wange, zielte und rief: "Piff, paff! piff, paff!" Ei, wie die Katze
+von dem Stuhle unter den Tisch sprang!
+
+Karl aber lachte und rief: "Hast du nun meinen Hasen laufen sehen,
+Papa?"
+
+
+
+
+21. DAS LIED VOM MONDE.
+
+ Wer hat die schönsten Schäfchen?
+ Die hat der gold'ne Mond,
+ Der hinter unsern Bäumen
+ Am Himmel drüben wohnt.
+
+ Er kommt am späten Abend,
+ Wenn alles schlafen will,
+ Hervor aus seinem Hause
+ Zum Himmel leis' und still.
+
+ Dann weidet er die Schäfchen
+ Auf seiner blauen Flur;
+ Denn all' die weißen Sterne
+ Sind feine Schäfchen nur.
+
+ Sie tun sich nichts zuleide,
+ Hat eins das andre gern,
+ Und Schwestern sind und Brüder
+ Da droben Stern an Stern.
+
+ Und soll ich dir eins bringen,
+ So darfst du niemals schrei'n,
+ Mußt freundlich wie die Schäfchen
+ Und wie ihr Schäfer sein!
+
+
+
+
+22. DAS MÜCKCHEN UND DAS MÄDCHEN.
+
+[Illustration]
+
+
+Ein Mückchen flog um ein Licht, das am Abend auf dem Tische brannte.
+Da sagte ein Mädchen, welches nebenbei saß und strickte: "Mückchen,
+bleib' von dem Lichte, sonst verbrennst du dich!" Das Mückchen aber
+folgte nicht und flog so lange auf und nieder und um das Licht, bis
+es daran seine Flügelchen sengte und in die Flamme fiel. "Habe ich es
+dir nicht gesagt?" sprach das Mädchen. "Hättest du auf mich gehört,
+müßtest du jetzt nicht sterben!"
+
+
+
+
+23. NASCH-ERNST.
+
+Ernst konnte das Naschen nicht lassen. Er ging oft an den Schrank, um
+Zucker zu naschen. Die Mutter schalt, aber es half nicht.
+
+Eines Tages ging Ernst in die Scheune. An der Wand hing etwas Rotes.
+Ernst sagte: "Oh, hier hat die Mutter Zuckerzeug versteckt. Ich
+sollte es nicht finden!" Schnell kletterte er auf einen Stuhl, um es
+zu holen. Er biß gierig hinein. Aber, o weh, es verbrannte seinen
+Mund. Er ließ das Zuckerzeug fallen und schrie laut. Nun kam die
+Mutter und gab ihm einen Trunk Wasser. Was Ernst naschte, war nicht
+Zucker gewesen. Es war roter Pfeffer.
+
+Ernst naschte nie wieder.
+
+
+
+
+24. DER BLINDE GEIGER.
+
+Ein armer, blinder Geiger ging auf der Straße. Er suchte den Weg mit
+seinem Stocke. Seine Geige trug er unter dem Arme. Bald kam er an
+einen Steg. Als er das merkte, getraute er sich nicht hinüberzugehen.
+Hans und Eugen kamen daher, und der arme Mann bat, sie möchten ihn
+doch über den Steg führen. Aber die mutwilligen Buben lachten den
+Geiger aus und liefen weg.
+
+Da kam die kleine Lina aus der Schule. Die wartete nicht, bis sie
+gebeten wurde. Sie faßte den Blinden bei der Hand, brachte ihn über
+den Steg und schenkte ihm einen Cent, den sie von ihrer Mutter
+bekommen hatte.
+
+[Illustration]
+
+
+
+
+
+25. DAS BROT IM WEG.
+
+ Im Weg das Krümchen Brot
+ Tritt nicht mit deinem Fuß,
+ Weil's in des Hungers Not
+ Ein Tierlein finden muß.
+ Leg's auf den Stein vor'm Haus,
+ Und kannst du, brösel's klein:
+ Still dankt es dir die Maus
+ Und still das Vögelein.
+
+
+
+
+26. DIE SCHÖNEN DREI.
+
+ Vöglein im hohen Baum,
+ Klein ist's, ihr seht es kaum,
+ Singt doch so schön,
+ Daß wohl von nah und fern
+ Alle die Leute gern
+ Horchen und stehn.
+
+ Blümlein im Wiesengrund
+ Blühen so lieb und bunt,
+ Tausend zugleich;
+ Wenn ihr vorübergeht,
+ Wenn ihr die Farben seht,
+ Freuet ihr euch.
+
+ Wässerlein fließt so fort
+ Immer von Ort zu Ort
+ Nieder ins Tal;
+ Dürstet nun Mensch und Vieh,
+ Kommen zum Bächlein sie,
+ Trinken zumal.
+
+ Habt ihr es auch bedacht,
+ Wer hat so schön gemacht
+ Alle die drei?
+ Gott, der Herr, machte sie,
+ Daß sich nun spät und früh
+ Jedes dran freu'.
+
+
+
+
+27. DAS VOGELNEST.
+
+In einem Garten lebte ein Vögelein, das sehr schön singen konnte. Es
+baute sich in einem Busch ein hübsches Nestchen. In dieses legte es
+Eier hinein und brütete Junge aus. Einmal suchte das alte Vögelein
+Futter für seine Kinder. Da sahen zwei Buben das Nest und nahmen es
+samt den Jungen weg. Darüber wurde die Mutter der jungen Vögelein
+sehr traurig.
+
+Sie flog hin und her und schrie, so laut sie konnte. Die Knaben
+machten sich aber nichts daraus. Endlich hörte die Schwester der
+bösen Knaben das Vögelein schreien. Gleich ging sie hin und nahm
+ihren Brüdern das Nestchen Weg und trug es wieder in die Hecke. Seit
+dieser Zeit hatten die Vögelein das Mädchen recht lieb, und wenn es
+im Garten war, sangen sie noch einmal so schön wie sonst.
+
+
+
+
+28. DER DRACHE.
+
+Mein Bruder Karl hatte einen großen Drachen gemacht. Er war aus holz
+und Papier. Um untern Ende befand sich ein langer Schwanz und am
+obern eine lange, dünne Schnur.
+
+Nachmittags gingen wir hinaus auf das Feld hinter unserm Hause. Es
+war ein schöner Tag; die Sonne schien prächtig, und es wehte ein
+guter Wind. Wir ließen den Drachen steigen. Er stieg so hoch, wie die
+Schnur reichte. Wir konnten ihn kaum noch sehen.
+
+So standen wir lange im Schatten neben dem Zaune. Auch unser Hund
+Karo kam unter dem Karren hervor. Wir waren sehr vergnügt, bis der
+Abend dem Spiele ein Ende machte.
+
+[Illustration]
+
+
+
+
+
+29. DIE VÖGLEIN.
+
+ Warum wohl die Vöglein fliegen können?
+ Ei, das magst du ihnen schon gönnen.
+ Auf der Erde sind Tiere viel
+ Und haben hier und dort ihr Spiel.
+ Da war kein Platz für die Vögel mehr;
+ Das dauerte den lieben Gott so sehr,
+ Darum hat er ihnen Flügel gegeben,
+ Daß sie dort oben in Lüften schweben;
+ Da können sie spielen den ganzen Tag
+ Und haben Platz, wie viel jedes mag.
+
+
+
+
+30. VOM HÄNSCHEN.
+
+Hänschen und Gretchen spielten im Garten. Da kam ein schöner
+Schmetterling geflogen. Gleich wollte Hans ihn fangen. Gretchen rief:
+"Ach, laß doch das hübsche Tierlein gehen!" Aber Hans hörte nicht
+darauf. Mit dem Hute in der Hand lief er dem Schmetterlinge nach. Er
+schaute immer nur in die Höhe. Patsch,--fiel er in einen tiefen
+Graben voller Wasser. Der Schmetterling flog munter davon. Hänschen
+ging weinend heim und wurde noch ausgelacht.
+
+
+
+
+31. SPRÜCHE.
+
+ Ein gutes Kind gehorcht geschwind
+ Und folgt sofort aufs erste Wort.
+
+ Was du nicht willst, das man dir tu',
+ Das füg' auch keinem andern zu.
+
+ Vorgetan und nachbedacht
+ Hat manchem großes Leid gebracht.
+
+ Quäle nie ein Tier zum Scherz,
+ Denn es fühlt, wie du, den Schmerz.
+
+
+
+
+32. DIE SCHNECKE:
+
+ Die Schnecke ist gar übel dran.
+ Wie muß sie sich doch plagen!
+ Sie muß ihr Haus
+ Tagein, tagaus
+ Auf ihrem Rücken tragen.
+
+ Die Schnecke ist nicht übel dran.
+ Sie weiß sich wohl zu schützen:
+ Nimmt sie Gefahr
+ Vom Feinde wahr,--
+ Bleibt sie im Häuschen sitzen.
+
+[Illustration]
+
+
+
+
+33. DIE HENNE UND DIE ENTLEIN.
+
+Die kleine Anna hatte eine Henne zum Geschenk bekommen. Diese legte
+jeden Morgen ein Ei. Als nun Annas Mutter eines Tages das Nest mit
+zwölf Eiern sah, nahm sie dieselben voller Freude in die Küche. Aber
+siehe da! Die Henne jammerte und suchte ihr Nest. Nun fand sie in der
+Nähe ein Entennest, in dem auch Eier waren. Sie setzte sich darauf,
+bis die Jungen herauskamen. Das waren aber Entchen statt Küchlein.
+Doch die Henne hatte sie so lieb, als ob es Küchlein wären. Sie
+suchte Futter mit ihnen und nahm sie unter ihre Flügel, damit ihnen
+kein Leid geschehe. Doch eines schönen Tages liefen die Kleinen
+davon. Wohin? In großer Angst eilte die Henne hinterher. Die Entchen
+waren zum Teiche gelaufen. Umsonst warnte die Henne: "Das ist Wasser!
+Ihr müßt ertrinken!" Lustig schwammen die kleinen Enten schon umher,
+und alles Glucken der alten Henne brachte sie nicht ans Ufer zurück.
+
+[Illustration]
+
+
+
+
+34. DIE TAGESZEITEN.
+
+Hoch am Himmel steht die Sonne. Sie leuchtet so hell, daß man sie
+nicht lange ansehen kann. Wenn die Sonne morgens aufgeht, wird es auf
+der Erde hell. Dann sagen die Leute zu einander: "Guten Morgen!" Die
+Sonne steigt nun immer höher und höher, bis sie zuletzt fast über
+unserem Kopfe steht. Es ist jetzt Mittag. Wenn sich Bekannte treffen,
+wünschen sie einander: "Guten Tag!" Bald darauf neigt sich die Sonne
+wieder abwärts. Sie sinkt bis an den Rand des Himmels. Alsdann sieht
+sie wie eine große, feurige Kugel aus und färbt die Wolken schön rot.
+Auf einmal ist sie verschwunden. Es wird dunkler und die Nacht bricht
+an. Man bietet sich "Guten Abend!" und wünscht allen vor dem
+Schlafengehen eine "Gute Nacht!" Nun kommt die Zeit der Ruhe.
+
+
+
+
+35. KIND UND SONNE.
+
+_Kind_: Sag einmal, liebe Sonne, wohin gehst du, wenn es Abend
+wird? Es heißt dich doch niemand fortgehen. Ich meine, du könntest
+immer bei uns bleiben. Das wäre so schön!
+
+_Sonne_: Nein, mein Kind, das kann nicht sein! Wenn es Nacht
+wird, schlafen die Leute, und du schläfst auch. Beim Schlafen braucht
+man mich aber nicht. Ich reise dann weit, weit fort in ein fernes
+Land. Dort wohnen auch Menschen: Väter, Mütter und viele brave
+Kinder. Wenn ich zu diesen komme, haben sie ausgeschlafen. Vater und
+Mutter stehen dann auf und arbeiten, und die größeren Kinder gehen in
+die Schule, um zu lernen.
+
+_Kind_: Ei, ei! Und wenn du bei diesen Menschen gewesen bist,
+wohin gehst du hernach?
+
+_Sonne_: Wenn ich dort gewesen bin, komme ich wieder zu dir, wie
+an jedem Morgen. So reise ich zu allen Menschen auf der ganzen Erde.
+
+
+
+
+36. SONNE UND REGEN.
+
+ Die Sonne sprach: "Ich will scheinen
+ So fort und immerfort!"
+ Der Regen sprach: "Ich will fallen
+ Ohn' Ende an jedem Ort!"
+ Die Sonne: "Du machst ja alles
+ Auf der Erde gang naß!"
+ Der Regen: "Du machst zu trocken,
+ Wenn du scheinst ohn' Unterlaß!"
+ Die Sonne: "Ich mache fruchtbar,
+ Und alles freut sich mein!"
+ Der Regen: "Du machst zu trocken,
+ Dich mag man nicht allein!"
+ So haben sie lang gestritten,
+ Doch wurden sie einig zuletzt:
+ Sie wollten miteinander wechseln,
+ Und so ist es denn auch jetzt.
+
+
+
+
+37. ASTERN.
+
+Ein kleiner Knabe lag einmal im Grase und schlief. Da sah er im Traum
+einen Engel, der eine wunderschöne Blume in der Hand trug. Der Engel
+sagte, daß es im Himmel viele solche Blumen gebe. Der Knabe hätte sie
+gerne gehabt. Als er aufwachte, lagen da ein paar glänzende
+Samenkörner. Die pflanzte der Knabe in seinem Garten. Als der Herbst
+kam, waren aus den Samen die Blumen entstanden. Sie sahen gerade wie
+Sterne aus. Der Knabe rief seine Eltern. Vater und Mutter sagten:
+"Das sind Sternblumen oder Astern. Die sollen uns an den, Himmel
+droben erinnern."
+
+[Illustration]
+
+
+
+
+
+38. RÄTSEL.
+
+Loch bei Loch,
+Und hält doch.
+Was ist's?
+
+Rat! Das Haus hat lauter Treppen,
+Keine Fenster, keine Zimmer;
+Wer drin wohnt, muß es immer
+Auf seinem Rücken schleppen.
+
+Es ist ein Ding, hat Stamm und Zweig' und Blätter,
+Schützt dich vor Sonne und im Regenwetter.
+
+
+
+
+39. VÖGEL UND BLUMEN.
+
+ Die Vögel, sie fliegen wie Blätter im Wind;
+ Da winken die Blümlein zum Abschied geschwind.
+ Es singt in den Bäumen der Herbst schon sein Lied,
+ Fort ziehen die Vögel, die Blumen sind müd'.
+
+ Im Süden die Vögel, die Blumen im Schnee,
+ Sie warten, daß wieder der Frühling ersteh'.
+ Dann lachen die Blüten, das Vögelein singt;
+ Dann duftet's und jubelt's, bis rings alles klingt.
+
+
+
+
+40. DANKSAGUNGSTAG.
+
+Was tut ihr, wenn euch jemand etwas geschenkt hat oder recht gut
+gegen euch gewesen ist? Nicht wahr, ihr sagt: "Danke schön!"
+Vergesset das ja nicht! Wir Menschen, groß und klein, haben für gar
+vieles dankbar zu sein. Die Kinder können sich freuen, wenn sie noch
+Eltern haben, die sie lieben und für sie sorgen. Erwachsene Leute
+sollen froh sein, wenn sie gesund sind und keine Not zu leiden
+brauchen. Doch das wird oft nicht bedacht. Deshalb ist ein Tag da, an
+dem ein jeder von feiner Arbeit ausruhen und fröhlich Gott danken
+soll für allen Segen. Im Herbste, wenn die Ernte vorüber ist, kommt
+der Danksagungstag. Da gibt es meistens gut und reichlich zu essen
+und zu trinken. In den Kirchen ist Gottesdienst. Auch für die Armen
+und Unglücklichen wird gesorgt, damit ein jeder im Herzen dankbar
+sein möge für das Gute und Schöne, was das Jahr gebracht hat.
+
+
+
+41. VOM PUTER.
+
+ Puter, Puter, Polterhahn,
+ Hast 'ne rote Weste an,
+ Hast 'ne rote Nasenspitze
+ Und 'ne rote Zipfelmütze;
+ Aber das gibst du wohl zu:
+ Ich bin schöner doch als du!
+
+[Illustration]
+
+
+
+
+
+42. DIE VIER BRÜDER.
+
+ Vier schöne Brüder kenn' ich wohl,
+ Geschmückt so wunderbar;
+ Sie kommen schon seit alter Zeit
+ Zu uns in jedem Jahr.
+ Der erste Bringt uns einen Strauß,
+ Streut Blumen um sich her.
+ Den zweiten schmückt ein goldner Kranz
+ Von Ähren voll und schwer.
+ Der dritte reicht uns Äpfel dar
+ Und neuen goldnen Wein.
+ Der vierte ist in Pelz gehüllt
+ Wie Schnee so weiß und rein.
+ Wer nennt die schönen Brüder mir,
+ Geschmückt so wunderbar?
+ Sie kommen schon seit alter Zeit
+ Zu uns in jedem Jahr.
+
+
+
+
+43. DIE ZWÖLF MONATE.
+
+ Gleich anfangs mit dem neuen Jahr
+ Erscheint der kalte Januar,
+ Dann kommt alsbald der zweite Mann,
+ Der Februar, in Eile an.
+ Der März ist nun auch nicht mehr weit,
+ Und der April ist bald bereit.
+ Ihm folgt der wunderschöne Mai,
+ Der Juni kommt drauf schnell herbei,
+ Und ist der Juli nun erst da,
+ So ist auch der August schon nah;
+ Ihm schließt sich der September an,
+ Und der Oktober folgt alsdann.
+ November ziehet schleunig ein,
+ Dezember wird her letzte sein.
+
+
+
+
+44. DIE BLÄTTER TANZEN.
+
+ Die Bäume stehen ruhig da,
+ Die Blätter flüstern leise.
+ Hört ihr den Wind, hei, hussassa,
+ Bald bläst er seine Weise.
+
+ Da braust der Wind gar wild einher
+ Und rüttelt an den Bäumen,
+ Er beugt sie hin, er beugt sie her,
+ Läßt keine Zeit zum Träumen.
+
+ "Halt ein, du stürmischer Gesell',
+ Wir stehen fest wie Lanzen!"
+ Die Blätter aber lachen hell:
+ "Herr Wind, wir möchten tanzen!"
+
+ "Ei," ruft der Wind, "ein luftig Wort,
+ Da kann ich stark mich zeigen!"
+ Er Bläst die bunten Blätter fort;
+ Die tanzen froh den Reigen.
+
+ Der Wind ist fort, der Tanz ist aus,
+ Die Blätter sinken nieder;
+ Der Schnee streckt sein Decke aus,
+ Der Frühling hebt sie wieder.
+
+[Illustration]
+
+
+
+
+45. DIE VIER JAHRESZEITEN.
+
+Es gibt vier Jahreszeiten: Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Im
+Frühling wird die Luft warm. Der Schnee schmilzt, und die Flüsse
+werden wieder frei vom Eise. Auf den Wiesen und in den Gärten keimen
+Gräser und Kräuter, auf den Feldern grünt die Saat, und die Bäume
+bekommen frisches Laub. Sie treiben Knospen und Blüten. Die Vögel,
+welche im Herbste in wärmere Länder gezogen waren, kehren zurück.
+Andere Tiere, die den Winter in ihren Höhlen verschlafen hatten,
+wachen auf und kommen hervor. Mit dem Sommer werden die Tage länger,
+und die Wärme nimmt zu. Das Getreide wird reif und vom Landmanne
+geschnitten. Auf den Sommer folgt der Herbst. Im Herbst gibt es Obst,
+Trauben und Kartoffeln, auch wird die Saat für das nächste Jahr
+bestellt. Das Laub der Bäume vertrocknet und fällt zur Erde nieder.
+Die Tage werden immer kürzer. Oft ist es neblig und rauh. Bald wird
+es recht kalt; die Flüsse frieren zu, und es gibt Schnee. Die Vögel
+können draußen kein Futter finden. Sie kommen in die Straßen und vor
+die Türen, um einige Körner und Bröckchen zu suchen. Zu Hause wird
+eingeheizt; aber im Freien tummeln sich die Kinder, gleiten auf dem
+Eise, oder fahren Schlitten. Sie freuen sich darauf, einen Schneemann
+machen zu können. Bald naht auch das liebe Weihnachtsfest.
+
+
+
+
+46. WINTERS ANKUNFT.
+
+ Im weißen Pelz der Winter
+ Steht lang' schon hinter der Tür,
+ Ei, guten Tag, Herr Winter,
+ Das ist nicht hübsch von dir!
+
+ Wir meinten, du wärest, wer weiß wie weit,
+ Da kommst du mit einmal hereingeschneit.
+ Nun, da du hier bist, so mag's schon sein;
+ Aber, was bringst du Gutes uns Kindelein?
+
+ Was ich euch bringe, das sollt ihr wissen:
+ Fröhliche Weihnacht mit Äpfeln und Nüssen
+ Und Schneeballen,
+ Wie sie fallen,
+ Und im Jänner
+ Auch Schneemänner!
+
+[Illustration]
+
+
+
+
+47. DER TANNENBAUM.
+
+ So manches Bäumchen in dem Wald
+ Verliert im Herbst die Blätter,
+ Jedoch der liebe Tannenbaum
+ Der trotzet Wind und Wetter.
+
+ Ist alles draußen öd' und leer,
+ Steht er im grünen Kleide
+ Und setzt sich stolz ein Käpplein auf,
+ Ein Käpplein weiß wie Kreide.
+
+ Das nimmt er aber artig ab
+ Am frohen Weihnachtsfeste,
+ Und grüßet liebevoll und gut
+ Die Kinder all' aufs Beste.
+
+ O Tannenbaum, o Tannenbaum,
+ Du kannst mir sehr gefallen,
+ Du bist der allerliebste mir
+ Doch von den Bäumen allen.
+
+
+
+
+48. VOGEL AM FENSTER.
+
+ An das Fenster klopft es: pick, pick!
+ "Macht mir doch auf einen Augenblick!
+ Dicht fällt der Schnee, der Wind weht kalt,
+ Habe kein Futter, erfriere bald.
+ Liebe Leute, o laßt mich ein,
+ Will auch immer recht artig sein!"
+
+ Sie ließen ihn ein in seiner Not;
+ Er suchte sich manches Krümchen Brot;
+ Blieb fröhlich manche Woche da.
+ Doch als die Sonne durchs Fenster sah,
+ Da saß er immer so traurig dort:
+ Sie machten ihm auf, husch, war er fort.
+
+[Illustration]
+
+
+
+
+49. DAS BÜBLEIN AUF DEM EISE
+
+Es war Winter. Da kam ein Knabe an einem Teiche vorbei. Der Teich war
+zugefroren. Der Knabe hatte große Lust, auf das Eis zu gehen. Der
+Vater aber hatte es ihm verboten. Das Eis war noch nicht stark genug.
+Der ungehorsame Knabe wagte sich dennoch auf das Eis. Er hackte
+darauf mit seinen Stiefeln. Auf einmal krachte das Eis. Der Knabe
+fiel in das Wasser hinein und schrie laut um Hilfe. Ein Mann eilte
+herbei und zog ihn heraus. Ganz durchnäßt mußte der Knabe nach Hause
+laufen. Die Mutter brachte ihn in das Bett, und dazu wurde er noch
+von seinem Vater bestraft.
+
+
+
+
+50. RÄTSEL.
+
+Weiß wie Kreide,
+Leicht wie Flaum,
+Weich wie Seide,
+Feucht wie Schaum.
+
+Wer baut wohl die billigste Brücke?
+Wer reißt sie nieder und schlägt sie in Stücke?
+
+Was mögen das für Blumen sein,
+Die unsre Fenster zieren,
+Wenn drauß' vor Kälte Stein und Bein
+Im rauhen Winter frieren?
+Sie sind nicht rot und blau gemalt,
+Wie Blumen auf den Wiesen,
+Und wenn die liebe Sonne scheint,
+In Wasser sie zerfließen.
+
+
+
+
+51. WEIHNACHTSFREUDE.
+
+Am Abend vor Weihnachten kam Else zur Mutter gelaufen und rief:
+"Denke nur, Anna Maurer hat mir heute ins Ohr gesagt, sie hätten seit
+gestern kein Holz, kein Brot und keine Milch. Und sie haben doch ein
+kleines Kind, und die Großmutter ist krank. Darf ich der Anna heute
+Abend mein Brot geben?"
+
+"O, gewiß," sagte die Mutter, "geh nur gleich hin. Bringe ihnen auch
+diese Kanne voll Milch. Robert soll seinen kleinen Schlitten voll
+Holz laden und es hinfahren." Wie freuten sich die Kinder, daß sie
+den armen Leuten helfen durften.
+
+Aber Robert wollte noch mehr tun. Er bat den Vater um ein ganz
+kleines Tannenbäumchen. Das schmückte er mit farbigen Sternen und
+Lichtlein. Dann suchte er seine warme Kappe für Maurers Karl und nahm
+ein Säcklein voll Nüsse. Else holte eine ihrer Puppen. Alles das
+packten sie in einen Korb.
+
+Als es dunkel war, nahm Robert das Bäumchen und Else den Korb. Sie
+gingen hin und stellten die Sachen leise vor Maurers Tür. Dann
+klopften sie und eilten davon.
+
+Wie sich da die armen Leute freuten! Aber auch Robert und Else
+meinten, noch nie so schöne Weihnachten gehabt zu haben, wie diesmal.
+
+
+
+
+52. SCHNEESTERNE.
+
+_Olga_: Komm, liebe Mama, komm geschwind! Ich hab' dir etwas
+mitgebracht. Rate, was es ist!
+
+_Mutter_: Nun, was mag das wohl sein! Blumen, Obst oder gar
+Kuchen?
+
+_Olga_: O, nein, nein; ganz etwas anderes. Schöne, weiße Sterne
+sind es. Sieh her, hier hab' ich sie in meiner Schürze!
+
+_Mutter_: Wo sind sie denn? Ich kann nichts sehen.
+
+_Olga_: Ach, Mama! Sie sind nun fort, und ich habe mich doch so
+gefreut, sie dir zu bringen. Es sind nur noch kleine Tropfen auf
+meiner Schürze. Ich möchte weinen!
+
+_Mutter_: Weine nicht, liebe Olga: Solche Sterne können nicht
+bleiben. Die Waren einmal Wasser, und die Kälte machte sie zu Schnee.
+Da sehen sie gerade wie kleine, blitzende Sterne aus. Nachher werden
+sie wieder zu Wasser. Menschen, Tiere und Pflanzen trinken das
+Wasser. Nach und nach holt die Sonne auch viele Tropfen hinauf zu den
+Wolken. Ohne Wasser könnten wir gar nicht leben.
+
+[Illustration]
+
+
+
+
+53. BRIEF VOM WEIHNACHTSMANN.
+
+Daheim, am 1. Januar 1913.
+
+Liebe Kinder!
+
+Mein Vetter, der Neujahrsbote, bringt Euch meine Grüße und Wünsche.
+Eure Bitten habe ich, wie Ihr wisset, erfüllt. Erfreuet Euch nur
+recht an den Geschenken.
+
+Wenn nun heute mein Baum noch einmal strahlt und glitzert, dann nehmt
+Euch vor, auch in diesem Jahre immer lieb und brav zu sein. Ihr könnt
+Euren Eltern und mir keine größere Freude machen. Schreibt mir zur
+rechten Zeit wieder, ob Ihr Wort gehalten habt. Dann schenke ich Euch
+das nächste Mal, was Ihr als gute Kinder verdient.
+
+Euer Freund
+
+Der Weihnachtsmann.
+
+
+
+
+54. ZU NEUJAHR.
+
+ Noch nicht erwachsen bin ich,
+ Drum wünsch' ich kurz, doch innig:
+ Ein glückliches Neujahr!
+
+ Und was euch freut, das weiß ich:
+ Wenn brav ich bin und fleißig,
+ Mehr als ich sonst es war.
+
+ Gesundheit, Freude, Frieden
+ Sei allen euch beschieden,
+ Wie heut, so immerdar.
+
+
+
+
+55. VERSTEHST DU DAS?
+
+ Er ritt auf einem Rappen aus,
+ Da kam etwas vom Himmel,
+ Und als er wieder kam nach Haus,
+ Da war der Rapp' ein Schimmel.
+ Verstehst du das?
+
+
+
+
+56. DER SCHNEEMANN.
+
+Es hatte geschneit. Dick lag der Schnee auf Straßen und Plätzen. Die
+Knaben wollten sehen, wie tief er wohl sei. Sie wateten hindurch, daß
+der Schnee in die Stiefel fiel. "Heute wollen wir einen Schneemann
+bauen!" So riefen Fritz, Karl und Otto. Schnell machten sie einen
+großen Schneeball und wälzten ihn im tiefen Schnee herum. Bald wurde
+der Ball so groß, daß ihn die Knaben nicht mehr fortbringen konnten.
+Nun wälzten sie einen neuen Ball heran, den setzten sie auf den
+ersten. Oben darauf kam ein kleiner Ball, das war der Kopf des
+Schneemannes. In den Kopf steckte Fritz zwei Kohlen, das waren die
+Augen. Auch Nase und Mund, ja sogar die Rockknöpfe des Mannes wurden
+aus Kohlen gemacht. Nun bekam der Schneemann noch zwei Arme. In den
+einen Arm legten ihm die Knaben einen großen Stock.
+
+Da stand er nun und drohte. Aber der arme Mann konnte nicht schlagen.
+Fortlaufen konnte er auch nicht, als ihn die jungen mit Schneebällen
+warfen. Doch das war noch das Schlimmste nicht! Auf einmal guckte die
+liebe Sonne über das Dach. Da fing der Schneemann an zu weinen.
+Tränen liefen ihm über das Gesicht und den weißen Pelzrock. Es war
+gut, daß die Sonne heute nicht noch länger schien, sonst wäre er ganz
+zu Wasser geworden. Morgen aber oder übermorgen wird's wohl so
+kommen.
+
+[Illustration]
+
+
+
+
+57. MÄRZ.
+
+Nach vielen trüben Tagen sehen wir den blauen Himmel wieder. Manchmal
+scheint auch schon die Sonne freundlich auf die Erde herab. Da muß
+der Winter weichen. Der Schnee fängt an, zu schmelzen, und nur noch
+des Nachts gibt es ein wenig Eis. An schönen Tagen läßt sich
+vielleicht ein Vogel hören, und ein fleißiges Bienchen fliegt umher.
+Auf dem Felde und im Wald sieht es aber noch recht öde aus. Nur die
+Weiden und Birken haben graue Kätzchen, und an den Zweigen der Ulme
+sind kleine Blüten. Die Kinder gehen ins Freie; sie spielen Ball oder
+lassen den Drachen steigen.
+
+
+
+
+58. OSTERGRUSS.
+
+ Das Häschen im Walde eilt hin und her,
+ Nach Eiern ist heute ein großes Begehr.
+ Es borgt bei der Henne, es borgt bei dem Spatz
+ Und sucht für die Nester den passenden Platz.
+ Ein artiges Kindlein erhält heut' sein Ei.
+ Es schleppen die Häschen die Eier herbei;
+ Und bist du am Ostermorgen erwacht,
+ Hat Häschen die Nester gefüllt über Nacht.
+
+
+
+
+59. DER OSTERHASE.
+
+Bald ist es Ostern. O, wie freue ich mich, denn es kommt der
+Osterhase! Der bringt schöne, bunte Eier. Wir wollen ihm deshalb ein
+Nest zurecht machen. Oft versteckt der Osterhase die Eier. Dann
+müssen wir sie suchen. Zuweilen legt er sie in Hüte, Schuhe oder
+Körbe. Auch unter den Schrank hat er sie schon gelegt. Ja, er steckt
+sie uns wohl gar in die Taschen. Welche Freude, wenn wir sie finden!
+Erst zählen wir sie und spielen damit. Später essen wir sie; sie
+schmecken gut. In Washington werden am Ostermontage viele Kinder zum
+Präsidenten eingeladen. Sie können lange auf dem Rasen bei dem großen
+Hause spielen. Da gibt es dann viele und sehr schöne Ostereier. Die
+werden hin und her gerollt und schließlich verzehrt. Ihr möchtet auch
+dabei sein, nicht wahr?
+
+[Illustration]
+
+
+
+
+60. DER OBSTGARTEN.
+
+Neben dem Gemüse und den Blumen ist oft ein Platz, auf dem nur Gras
+und Obstbäume wachsen, es ist der Obstgarten. Welche Pracht, wenn die
+Bäume im Frühlinge blühen! Der Kirschbaum kommt zuerst mit seinen
+weißen Blüten. Dann ziehen der Birnbaum und der Pflaumenbaum ihr
+weißes Kleid an. Am schönsten aber Blühen der Apfelbaum und der
+Pfirsichbaum, die blühen schön rot. Das Obst ist zuerst grün; dann,
+wenn die Sonne recht heiß scheint, wird es gelb, rot oder blau. Ah,
+Wie schmecken Kirschen und Pflaumen so gut! Wenn sie nur schon reif
+wären!
+
+
+
+
+61. SPRÜCHE.
+
+Was Hänschen nicht lernt,
+Lernt Hans nimmermehr.
+
+Gute Sprüche, weise Lehren
+Muß man üben, nicht bloß hören.
+
+Frage nicht, was and're machen,
+Sieh auf deine eig'nen Sachen.
+
+
+
+
+62. DIE VÖGEL IM FRÜHLINGE.
+
+Im Winter sind nur wenige Vögel Bei uns. Wo sind die andern? Sie sind
+fortgezogen nach wärmeren Ländern. Jetzt wird es aber auch hier bei
+uns warm, und die Vögel kehren zurück. Bald werdet ihr sie singen
+hören. Fleißig fliegen sie zum Baume. Sie arbeiten. Im Schnabel
+tragen sie Stroh, Heu, Pferdehaare oder auch kleine Zweige herbei;
+damit bauen sie ihre Nester.
+
+[Illustration]
+
+
+
+
+63. DAS ROTE HÜHNCHEN.
+
+_Hühnchen_: Hier ist ein Weizenkorn. Wer wird mir helfen, es zu
+pflanzen? Bitte, hilf du mir, Frau Gans.
+
+_Gans_: Es tut mir leid, aber ich kann dir nicht helfen.
+
+_Hühnchen_: Bitte, hilf du mir, Frau Ente.
+
+_Ente_: O, ich kann dir heute nicht helfen. Ich habe so viel mit
+meinen Kindern zu tun.
+
+_Hühnchen_: Nun, dann hilf du mir, alte Katze.
+
+_Katze_: Ich kann dir auch nicht helfen. Ich muß meine Kätzchen
+waschen.
+
+_Hühnchen_: Willst du mir denn nicht helfen, kleines Schwein?
+
+_Schwein_: Ich kann keinen Weizen pflanzen. Ich bin zu müde.
+Pflanz du ihn selber.
+
+_Hühnchen_: Das will ich auch tun! Ich lege dich in die Erde,
+Körnchen, und die Sonne, der Regen und der Wind werden dich wachsen
+lassen.
+
+
+ * * * * *
+
+
+_Hühnchen_: Jetzt ist der Weizen reif. Wer wird ihn nach der
+Mühle fahren? Willst du es tun, Frau Gans?
+
+_Gans_: Es tut mir recht leid, Hühnchen, aber heute kann ich
+nicht nach der Mühle fahren. Ich habe Rückenschmerzen.
+
+_Hühnchen_: Willst du es tun, Frau Ente?
+
+_Ente_: Nein, ich kann auch nicht fort. Ich muß jetzt schwimmen.
+
+_Hühnchen_: So tu du es, alte Katze!
+
+_Katze_: Sch! Sch! Ruhig! Ich laure auf eine Maus. Ich kann
+diesmal nicht gehen.
+
+_Hühnchen_: Bitte, tu du es doch, kleines Schwein.
+
+_Schwein_: Ach was! Es ist gerade Zeit für mein
+Mittagsschläfchen. Du kannst den Weizen selber zur Mühle fahren.
+
+_Hühnchen_: Das werde ich auch tun.
+
+
+ * * * * *
+
+
+_Hühnchen_: Hier ist Mehl. Wer wird Brot daraus backen? Willst
+du das Brot backen, Frau Gans?
+
+_Gans_: Ei, nein! Ich habe in meinem Leben noch kein Brot
+gebacken.
+
+_Hühnchen_: Willst du das Brot backen, Frau Ente?
+
+_Ente_: Ich! Brot backen? Nein, das kann ich wirklich nicht tun.
+
+_Hühnchen_: Backe du das Brot, alte Katze!
+
+_Katze_: Ich tue alles andere auf der Welt lieber als backen.
+
+_Hühnchen_: Wach auf, kleines Schwein, und back du das Brot.
+
+_Schwein_: Ach! laß mich in Ruhe. Ich will dir beim Essen
+helfen, wenn es gebacken ist.
+
+_Hühnchen_: Gut; da backe ich es selbst.
+
+
+ * * * * *
+
+
+_Hühnchen_: So, jetzt ist das Brot gebacken. Sechs schöne,
+braune Laibe. Wer will helfen essen?
+
+_Gans, Ente, Katze, Schwein_: Wir wollen dir helfen!
+
+_Hühnchen_: O, nein! Nun brauch' ich euch auch nicht. Ich werde
+es essen, und meine Küchlein sollen mir helfen. Gluck, gluck, gluck!
+
+
+
+
+64. RÄTSEL.
+
+Rate flink:
+Ein kleines Ding,
+Dünn und spitz;
+Sticht wie der Blitz.
+
+Zwei sind's, die nebeneinander steh'n
+Und alles ganz gut und deutlich seh'n,
+Nur immer eines das andre nicht,
+Und wär' es beim hellsten Tageslicht.
+
+
+
+
+65. DER NASEWEISE BELLO.
+
+In einem Stalle wohnten fünf kleine Hunde mit ihrer Mutter. Alle
+waren schön weiß mit braunen Flecken. Sie spielten lustig umher und
+lernten auch von der Mutter Ratten und Mäuse fangen.
+
+Nur einer der Kleinen wollte nicht folgen. Er wollte auch nicht mit
+seinen Geschwistern spielen, sondern trieb sich lieber draußen herum.
+Einmal war Bello--so hieß der kleine--wieder hinausgeschlichen. Bei
+der Türe stand ein Topf voll schwarzer Farbe. Bello wollte gerne
+wissen, was darin wäre, und so steckte er seine Nase hinein. Aber, o
+weh! er kam mit dem Kopfe zu Weit hinein und warf den Topf um. Jetzt
+war er über und über mit schwarzer Farbe bedeckt. Langsam ging er
+zurück und blieb mit hängendem Kopf auf der Türschwelle sitzen. Seine
+Mutter und seine Geschwister schämten sich des schmutzigen,
+naseweisen Bello.
+
+
+
+66. HEIL, AMERIKA!
+
+ Hoch die Fahnen,
+ Sie gemahnen
+ An das teure Vaterland.
+ Rot und weiß die Streifen winken,
+ Licht im Blau die Sterne blinken,
+ Sind der Freiheit Unterpfand.
+
+ Freudig singen
+ Wir und bringen
+ Grüße viel von fern und nah.
+ Wo die Flaggen munter wehen,
+ Stolz wir, sie beschützend, stehen,
+ Deiner wert, Amerika!
+
+[Illustration]
+
+
+
+
+67. PETERSILIE.
+
+Es waren einmal zwei Kinder, ein Knabe und ein Mädchen. Das Mädchen
+hieß Silie, der Knabe Peter. Die Kinder konnten sich gar nicht
+miteinander vertragen. Sobald sie zusammenkamen, stritten sie und
+schlugen einander. Dies machte den Eltern viel Kummer. Das ärgerte
+den Paten der Kinder, der ein Zauberer war. Er sprach zu den beiden:
+"Höre ich euch wieder zanken, so lasse ich euch zur Strafe
+zusammenwachsen."
+
+Es dauerte gar nicht lange, so war wieder Streit; Silie schlug den
+Peter, und Peter schlug Silie. Da kam der Zauberer durch die Luft
+gefahren und rührte beide mit seinem Stabe an. Nun waren sie
+verwandelt. Peter wuchs in die Erde hinein als Wurzel, und oben auf
+ihm Silie als grünes Kraut. Der Zauberer nannte sie nun zusammen:
+Petersilie.
+
+
+
+68. DAS KIND UND SEIN BLÜMCHEN.
+
+ Ward ein Blümchen mir geschenket,
+ Hab's gepflanzt und hab's getränket.
+ Vögel, kommt und gebet acht!
+ Gelt, ich hab' es recht gemacht?
+
+ Sonne, laß mein Blümchen sprießen!
+ Wolke, komm es zu begießen!
+ Richt' empor dein Angesicht,
+ Liebes Blümchen, fürcht' dich nicht!
+
+ Und ich kann es kaum erwarten,
+ Täglich geh' ich in den Garten,
+ Täglich frag' ich: Blümchen, sprich,
+ Blümchen, bist du bös auf mich?
+
+ Sonne ließ mein Blümchen sprießen,
+ Wolke kam, es zu begießen;
+ Jedes hat sich brav bemüht,
+ Und mein liebes Blümchen blüht.
+
+
+ Wie's vor lauter Freuden weinet,
+ Freut sich, daß die Sonne scheinet;
+ Schmetterlinge, fliegt herbei,
+ Sagt ihm doch, wie schön es sei!
+
+[Illustration]
+
+
+
+
+69. NACHLÄSSIGKEIT.
+
+Eine fleißige Mutter baute in ihrem Garten Gemüse aller Art. Eines
+Tages sagte sie zu ihrer kleinen Tochter: "Lieschen, sieh da an der
+untern Seite des Kohlblattes die kleinen, netten, gelben Tüpfelchen!
+Das sind die Eier, aus denen die schönfarbigen, aber verderblichen
+Raupen kommen. Suche diesen Nachmittag alle Blätter ab und zerdrücke
+die Eier, so wird unser Kohl grün und unversehrt bleiben."
+
+Lieschen meinte, zu dieser Arbeit sei es immer noch Zeit, und dachte
+am Ende gar nicht mehr daran. Die Mutter war einige Wochen krank und
+kam nicht in den Garten. Als sie aber wieder gesund war, nahm sie das
+saumselige Mädchen bei der Hand und führte es zu den Kohlbeeten, und
+siehe! aller Kohl war von den Raupen abgefressen. Man sah nichts mehr
+als die Stengel und Gerippe der Blätter. Das erschrockene und
+beschämte Mädchen weinte über seine Nachlässigkeit. Die Mutter aber
+sprach: "Tu' künftig das, was heute geschehen kann, sogleich heute
+und verschiebe es niemals auf morgen!"
+
+
+
+
+70. EIN RÄTSEL.
+
+Ratet, ratet, was ist das:
+Es ist kein Fuchs und ist kein Has'.
+Es hat zwei Augen und kann nicht sehen.
+Es hat zwei Füße und kann nicht gehen.
+Es hat zwei Ohren und kann nicht hören.
+Es hat zwei Hände und kann sich nicht wehren.
+
+Es ist ein Mädchen hübsch und fein,
+Tut niemals zanken und niemals schrei'n.
+
+Was für ein Mädchen mag das sein?
+
+[Illustration]
+
+
+
+
+71. WAS WÜRDEST DU TUN?
+
+"Wenn ich ein König wäre," sagte ein Kind, "ließe ich mir ein Schloß
+bauen bis an die Wolken!"
+
+"Und ich," sagte ein anderes, "trüge nur Kleider von Silber und
+Gold!"
+
+"Und ich," rief ein dicker Bube, "ich äße nur Kuchen und Wurst!"
+
+"Ich," sagte ein kleines Mädchen und wurde ein wenig rot, "ich gäbe
+allen armen Kindern Geld, daß sie sich Brot und Kleider kaufen
+könnten!"
+
+
+
+
+72. WAS WOLLEN WIR SPIELEN?
+
+_Ella_: In fünf Minuten ist Essenszeit,
+ Noch schnell was zu spielen, das wäre gescheit!
+
+_Toni_: Ei! Jede holt ihre Puppe heraus,
+ Wir tragen sie etwas spazieren ums Haus.
+
+_Ella_: Das Puppenholen hält aber doch auf!
+ Komm, spielen wir haschen; ich fange dich, lauf!
+
+_Toni_: Beim Haschen kommt man ja gar nicht zur Ruh'.
+ Ach! spielen wir lieber Blindekuh!
+
+_Ella_: Bei Blindekuh komme ich immer zu Fall.
+ Topp! Weißt du was, spielen wir Fangeball!
+
+_Toni_: Ach was, das Ballspiel machte mir niemals Spaß;
+ Reifentreiben, das wäre noch was!
+
+_Ella_: Die Reifen, die sind auch drinnen im Haus.
+ Was meinst du, wir suchen Mama einen Strauß!
+
+_Toni_: Wir dürfen ja nicht auf dem Rasen springen.
+ So laß uns lieber ein Liedchen singen!
+
+_Ella_: Ich habe den Husten, fällt eben mir ein!
+
+_Toni_: Na, gut! So spiele ich für mich allein!
+
+_Ella_: Ganz alleine? O, das wäre nicht schlecht:
+ Dir ist ja auch nimmer ein Vorschlag recht!
+
+
+_Toni_: Was spiele ich nun?--Die Zeit geht vorbei--
+ Zum Wettelaufen gehören doch zwei!
+
+_Ella_: Mir ist nicht sehr zum Spielen zu Mut--
+ Alleine tanzen geht auch nicht gut!
+
+_Toni_: Mama ruft zum Essen! Wir müssen ins Haus!
+ Ach, Ella, nun ist mit dem Spielen es aus!
+
+_Ella_: Wie ist die Zeit nur so hingegangen!
+ Wir haben ja nicht einmal angefangen!
+
+_Toni_: Ja! weißt du, das Überlegen und Streiten!
+ Es war doch wirklich recht dumm von uns beiden!
+
+_Ella_: Wir haben recht kindisch uns angestellt!
+
+_Toni_: Nach Tische spielen wir--
+
+_Ella_: Was dir gefällt!
+
+
+
+
+73. DIE SCHLAUE KATZE.
+
+Die Nachbarin hatte einen zahmen Zeisig, den sie oft aus dem Käfig
+ließ. Dann hüpfte das Tierchen in der Stube umher und suchte Krumen
+am Boden. Die alte Katze war immer sehr freundlich mit dem Vögelchen.
+Vor einigen Tagen aber erfaßte sie plötzlich den Zeisig, nahm ihn ins
+Maul und sprang mit ihm auf den Tisch.
+
+Die Nachbarin erschrak und glaubte, die Katze wolle ihr liebes
+Vögelein auffressen. Da sah sie jedoch, daß die Stubentüre offen war
+und eine fremde Katze sich ins Zimmer geschlichen hatte. Schnell
+jagte sie diese hinaus, und sieh, die alte Hauskatze sprang sogleich
+vom Tische herab und ließ den Zeisig auf den Boden fallen, ohne ihm
+etwas zuleide getan zu haben. Hat die alte Katze nicht klug
+gehandelt?
+
+
+
+
+74. KANNST DU ES SAGEN?
+
+ Es saßen zehn Sperlinge auf dem Dach;
+ Da kam der Jäger und schoß danach;
+ Er traf davon nur vier.
+ Wie viel bleiben sitzen?
+ Das sage mir.
+
+
+
+
+75. DER SPERLING
+
+ Ich bin wohl ein gemeiner Wicht,
+ Das Singen, das versteh' ich nicht,
+ In schönen Kleidern geh' ich nicht;
+ Es sieht mich auch der Mann kaum an;
+ Nur böse Buben dann und wann,
+ Die werfen mich mit Steinen;
+ Und dennoch will mir's scheinen,
+ Als sei so schön die ganze Welt,
+ So blau die Luft, so grün das Feld--
+ Zip, zip, zip! Ich hab' die Welt so lieb!
+
+
+
+
+76. DAS PFERD UND DER ESEL.
+
+Einst schleppte ein Esel eine schwere Last. Neben ihm ging ein
+lediges Pferd. Der Esel bat das Pferd, es möge ihm doch helfen;
+allein es hörte nicht auf seine Bitte. Zuletzt konnte der Esel nicht
+mehr weiter; er fiel zu Boden und starb.
+
+Nun lud der Treiber die ganze Last dem Pferde auf. Er zog dem toten
+Tiere die Haut ab, und das Pferd mußte dieselbe noch obendrein
+tragen. Hilf deinem Nächsten in der Not.
+
+
+
+
+77. DER KLUGE STAR.
+
+Ein durstiger Star wollte aus einer Wasserflasche trinken. Er konnte
+aber das Wasser mit seinem kurzen Schnabel nicht erreichen. Da hackte
+er damit aufs dicke Glas; doch er vermochte nicht, es zu zerbrechen.
+Dann stemmte er sich gegen die Flasche und wollte sie umwerfen. Aber
+dazu war er nicht stark genug.
+
+Was tat der kluge Star zuletzt? Er las kleine Steinchen mit seinem
+Schnabel zusammen und warf eines nach dem andern in die Flasche.
+Dadurch stieg das Wasser endlich so hoch, daß er es erreichen konnte.
+Jetzt löschte er seinen Durst.
+
+[Illustration]
+
+
+
+
+78. DER APFELBAUM.
+
+ Der Apfelbaum, das ist ein Mann!
+ Kein andrer gibt so gern wie der.
+ Im Winter, wenn man schüttelt dran,
+ Da gibt er Schnee die Fülle her.
+ Im Frühling wirft er Blüten nieder.
+ Im Sommer herbergt er die Finken.
+ Jetzt streckt er seine Zweige nieder,
+ Die voller Frucht zur Erde sinken.
+ Drum kommt und schüttelt, was ihr könnt!
+ Ich weiß gewiß, daß er's euch gönnt.
+
+[Illustration]
+
+
+
+
+79. DER HASE UND DER FUCHS.
+
+Ein Hase und ein Fuchs machten im Winter eine Reise. Alles war mit
+Schnee bedeckt. Der Hunger plagte sie sehr. Da sahen sie ein Mädchen
+mit einem Korbe kommen, darin war Brot. Das merkte der Fuchs und
+sagte zu dem Hasen: "Lege dich wie tot auf den Boden, dann wird das
+Mädchen den Korb niederstellen, um dich aufzuheben. Ich nehme den
+Korb weg und mache mich schnell davon. Du eilst mir nach, und dann
+lassen wir es uns wohl sein." Das war dem Hasen recht.
+
+Der Fuchs verbarg sich hinter einem Haufen Schnee, und der Hase legte
+sich nieder. Das Mädchen stellte den Korb richtig hin und griff nach
+dem Hasen. Da schlich der Fuchs hervor und machte sich mit dem Korb
+so schnell davon, daß das Mädchen ihm nicht nachkam. Unser Hase aber
+eilte ihm in großen Sätzen nach. An einem Wasser hielten sie still.
+Weil aber der Fuchs nicht teilen wollte, so sagte der Hase: "Brot
+haben wir, jetzt sollten wir auch noch Fische haben. Dann hätten wir
+ein Essen wie die großen Herren. Stecke deinen Schwanz ins Wasser, so
+werden sich die Fische daran hängen, denn die haben jetzt auch nicht
+viel zu beißen."
+
+Der Fuchs ging an den Weiher hin und hing seinen Schwanz in das
+Wasser. Es dauerte aber nicht lange, so war er im Eise festgefroren.
+Der Fuchs konnte ziehen und zappeln, wie er wollte--das Eis ließ ihn
+nicht los. Er mußte nun zusehen, wie der Hase ein Brot nach dem
+andern verzehrte. Dann rief der listige Hase dem Fuchs zu: "Im
+Frühjahr sehen wir uns wieder. Laß dir die Zeit nicht zu lang werden,
+bis das Eis auftaut."
+
+
+
+
+80. SPRÜCHE.
+
+Wer andern eine Grube gräbt,
+Fällt selbst hinein.
+
+Wer redet, was er nicht sollte,
+Muß hören, was er nicht wollte.
+
+Kein besseres Kissen in Freude und Schmerz,
+Als gutes Gewissen und fröhliches Herz.
+
+
+
+
+81. DER HASE UND DIE SCHILDKRÖTE.
+
+Ein flinker Hase forderte einst die langsame Schildkröte zum Wettlauf
+auf. Sie willigte ein, und eine große Eiche im Walde sollte das Ziel
+sein.
+
+Mit den ersten Sonnenstrahlen machte sich die Schildkröte auf den
+Weg, der Hase aber hatte keine große Eile. Er spielte lange im Grase
+umher, ehe er ans Laufen dachte. Endlich sprang er fort und holte die
+Schildkröte wirklich ein. Da er jedoch sah, wie mühsam sie vorwärts
+kroch, legte er sich im Schatten eines Baumes nieder und schlief fest
+ein.
+
+Als er erwachte, war es schon lange nach Mittag. Da rannte er, so
+rasch er konnte, den Weg entlang. Aber, siehe da, als er die Eiche
+erblickte, saß die Schildkröte schon darunter und lachte den Hasen,
+der seine Zeit verspielt und verschlafen hatte, tüchtig aus.
+
+[Illustration]
+
+
+
+
+82. HASENBRATEN.
+
+ Auf dem Dach viel blanke Zapfen,
+ Zu dem Schnee viel kleine Tapfen,
+ Alle laufen nach dem Kohl!
+ Häschen, das gefällt dir wohl?
+
+ Nächtlich, bei des Mondes Schimmer,
+ Sitzt es dort zu schmausen immer;
+ Knusperknäuschen, gar nicht faul:
+ Ei, du kleines Leckermaul!
+
+ Häschen ist es schlecht bekommen;
+ Vater hat's Gewehr genommen;
+ Eines Abends ging es: bumm!
+ Bautz! da fiel das Häschen um.
+
+ Kannst du wohl das Ende raten?
+ Heute gibt es Hasenbraten,
+ Apfelmus mit Zimt dazu.
+ Ach, du armes Häschen du!
+
+[Illustration]
+
+
+
+
+83. DER SCHEIN TRÜGT.
+
+Bei einem Teiche wohnten viele Gänse. In der Nähe hatte auch ein
+Fuchs seinen Bau. Gar oft versuchte er, sich eine Gans oder ein
+Gänseküchlein zu fangen. Daher fürchteten sich diese sehr vor dem
+braunen Gesellen. Einst war der Fuchs sehr hungrig. "Heute muß ich
+mir einen fetten Braten holen!" sagte er zu sich selber.
+
+Er streckte sich, so lang er war, im Grase aus und rührte kein Glied.
+Als die Gänse den Räuber so liegen sahen, kamen sie näher und erhoben
+ein freudiges Geschnatter. "Jetzt werden wir Ruhe haben!" sprachen
+sie. "Unser Feind ist nicht mehr am Leben!"
+
+Schnell sprang der Fuchs auf, erwischte den Gänserich beim Flügel und
+trug ihn in seine Höhle.
+
+[Illustration]
+
+
+
+
+84. DER FROSCH.
+
+_Berta_: Geschwind, geschwind, Mama!
+
+_Mutter_: Was fehlt dir? Wer hat dir etwas zuleide getan?
+
+_Berta_: Sieh nur, was mir unser Spitz in den Schoß fallen ließ!
+
+_Mutter_: Einen kleinen Frosch! Und deshalb bist du so
+erschrocken? Rasch, nimm den kleinen Burschen und setze ihn in das
+Gemüsebeet!
+
+_Berta_: Tragen soll ich das häßliche Tier? Ich würde es um
+alles in der Welt nicht in die Hand nehmen!
+
+_Mutter_: Nun, dann muß ich es tun! Schau, wie ich jetzt das
+Tierchen anfasse und es ins Beet hüpfen lasse. Hopp, da sitzt es
+schon drinnen.
+
+_Berta_: O, Mama, was tust du? Warum hast du den Frosch nicht
+getötet?
+
+_Mutter_: Weil er ein sehr nützliches Tier ist. Freust du dich
+nicht, wenn es im Garten die zarten Rübchen und die süßen Erbsen
+gibt, die Papa jedes Frühjahr pflanzt?
+
+_Berta_: Gewiß, Mama! Ich esse beides sehr gerne; aber was hat
+das mit dem Frosch zu tun?
+
+_Mutter_: Höre nur, du wirst es gleich erfahren. Den Raupen und
+Käfern schmecken diese Gemüse auch gut, gerade wie dir. Im Frühlinge
+stellen sich diese Insekten ein und fressen die Blättchen ab, so daß
+die Pflänzchen sterben müßten, wenn der Frosch nicht zur Hand wäre.
+Der glatte Bursche hüpft dann durch den Garten, fängt die Raupen,
+Fliegen und Käfer, und die Pflänzchen wachsen wieder. Soll ich den
+Frosch zum Dank dafür töten, Berta?
+
+_Berta_: Nein, liebe Mama; und wenn ich wieder sehe, daß ein
+Knabe einen Frosch quält, will ich ihm sagen, was ich heute von dir
+gelernt habe.
+
+[Illustration]
+
+
+
+
+85. VOM LISTIGEN GRASMÜCKLEIN EIN LUSTIGES STÜCKLEIN.
+
+ Klaus ist in den Wald gegangen,
+ Weil er will die Vöglein fangen;
+ Auf den Busch ist er gestiegen,
+ Weil er will die Vöglein kriegen.
+ Doch im Nestchen sitzt das alte
+ Vögelein just vor der Spalte,
+ Schaut und zwitschert: "Ei, der Taus!
+ Kinderlein, es kommt der Klaus,
+ Hu, mit einem großen Prügel,
+ Kinderlein, wohl auf die Flügel!"
+ Brr, da flattert's: husch, husch, husch!
+ Leer das Nest, und leer der Busch.
+ Und die Vöglein lachen Klaus
+ Mit dem großen Prügel aus,
+ Daß er wieder heimgegangen
+ Zornig, weil er nichts gefangen;
+ Daß er wieder heimgestiegen,
+ Weil er konnt' kein Vöglein kriegen.
+
+
+
+
+86. EIN TÖRICHTER STREIT.
+
+Zwei Knaben, Albert und Paul, suchten im Walde Nüsse. Da bemerkte
+Paul eine große Walnuß unter einem Baume und rief seinem Kameraden
+zu: "O, sieh dort vor dir die Walnuß!" Albert hob sie schnell auf und
+steckte sie in seine Tasche. Damit war aber Paul nicht zufrieden; er
+sagte: "Die Nuß gehört mir, ich habe sie zuerst gesehen!" "Und ich
+habe sie aufgehoben," erwiderte Albert trotzig; "ich gebe sie nicht
+her!" So stritten sie heftig, und schon wollten die törichten Knaben
+einander schlagen, als Georg, ein älterer Junge, herbeikam, der im
+Walde Eichhörnchen schoß. Albert und Paul baten den großen Knaben, er
+solle entscheiden, wem die Nuß gehöre. Was tat Georg? Er zerbrach die
+Nuß mit einem Steine und gab jedem der beiden Streitenden ein Stück
+von der Schale. "Den Kern," sprach er, "behalte ich als Lohn dafür,
+daß ich euer Richter war!" Dann ging er lachend fort.
+
+[Illustration]
+
+
+
+
+87. HERR WIND! HERR WIND!
+
+ Ein Bauer hat ein Haus gehabt,
+ Und auf dem Haus ein Dach.
+ Zur Nachtzeit kam der Wind getrabt,
+ Da ward der Bauer wach.
+ Wie's heulte, krachte, klirrte, klang!
+ Der arme Bauer flehte bang:
+ "Ich bitt' dich, lass' dein Toben,
+ Und lass' mein Dach dort oben,
+ Herr Wind! Herr Wind!"
+
+ Des Daches Luken schlossen gut
+ Der Bauer und sein Knecht.
+ Da ward der Wind voll Trotz und Wut
+ Und kreischte: "Nun erst recht!"
+ Herr Wind! Herr Wind! du böser Wind,
+ Du bist wie manche Kinder sind,
+ Die das just haben wollen,
+ Was sie nicht haben sollen.
+ Herr Wind! Herr Wind!
+
+ Mit Dräuen drängt der Wind und drückt
+ Mit Groll und grausem Krach;
+ Er zieht und zerrt und rüttelt, rückt
+ Und reißt vom Haus das Dach.
+ Zerstört ist herzlos Heim und Haus;
+ Der Bauer sieht so traurig aus,
+ Sein Weib und seine Kleinen,
+ Sie stehen da und weinen.
+ Herr Wind! Herr Wind!
+
+ Hast du's gehört, mein liebes Kind?
+ Sei freundlich, friedlich, froh!
+ Denn würdest du ein solcher Wind,
+ Dann spräch' man von dir so:
+ Du bist nicht gut, du tust nicht gut,
+ Du bist ein wild und trotzig Blut,
+ Das stets gern haben wollte,
+ Was es nicht haben sollte!----
+ Herr Wind! Herr Wind!
+
+[Illustration]
+
+
+
+
+88. DAS FÜNKCHEN.
+
+Das Kind hatte mit dem Fünkchen gespielt, obgleich seine Mutter es
+schon oft verboten hatte. Da war das Fünkchen fortgeflogen und hatte
+sich ins Stroh versteckt. Das Stroh fing an zu brennen, und es
+entstand eine Flamme, ehe das Kind daran dachte. Da wurde es dem
+Kinde bange, und es lief fort, ohne jemandem etwas von der Flamme zu
+sagen. Und da niemand Wasser darauf schüttete, ging die Flamme nicht
+aus, sondern breitete sich im ganzen Hause aus. Als sie an die
+Fenstervorhänge kam, wurde sie noch größer, und das Bett, worin die
+Leute nachts schliefen, brannte hell auf, und die Tische und die
+Stühle und die Schränke und alles, was der Vater und die Mutter
+hatten, das wurde vom Feuer erfaßt, und die Flamme wurde so hoch wie
+der Kirchturm. Da schrieen die Leute vor Schrecken, die Glocken
+läuteten; es war fürchterlich zu hören, und die Flamme war
+schrecklich zu sehen. Nun fing man an zu löschen, indem man Wasser in
+das Feuer schüttete und spritzte; aber es half nichts; das Haus
+brannte ganz ab, und nur noch ein wenig Kohlen und ein bißchen Asche
+blieben übrig. Da hatten nun die Eltern des Kindes kein Haus mehr und
+kein Plätzchen, wo sie wohnen und wo sie schlafen konnten, und auch
+kein Geld, um sich ein neues Haus und neue Betten und Tische und
+Stühle zu kaufen. Ach, wie weinten die armen Eltern! Und das Kind,
+das mit dem Fünkchen gespielt hatte, war schuld daran.
+
+
+
+
+89. RÄTSEL.
+
+Kennt ihr die Blume, in guter Ruh'
+Dreht sie sich immer der Sonne zu;
+Sie hat viel Samenkörner schön,
+Wie Strahlen ihre Blättchen stehn.
+
+Erst weiß wie Schnee,
+Dann grün wie Klee,
+Drauf rot wie Blut,
+Dann schmeckt es gut.
+
+
+
+
+90. DAS GÄNSEBLÜMCHEN.
+
+[Illustration]
+
+Die Rose feierte einmal ihren Geburtstag. Sie stand mitten im Garten,
+und alle Blumen kamen zu ihr, um ihr Glück zu wünschen. Zuerst kamen
+die stolze Lilie und die prächtige Tulpe, hernach kamen die kleinen
+Blumen. Alle neigten sich vor der Rose und sagten: "Wir wünschen dir
+Glück, liebe Rose."
+
+[Illustration]
+
+Aber ein kleines, weißes Blümchen getraute sich nicht, nahe an die
+Rose heranzutreten, weil es so schüchtern und bescheiden war. Es
+blieb von ferne stehen und flüsterte nur: "Ich wünsche dir auch
+Glück, liebe Rose!" Die Rose hatte das Blümchen aber gesehen und
+winkte ihm, näher heranzutreten. "Komm doch näher, liebe kleine
+Schwester," sagte die Rose gütig. Als nun das Blümchen näher
+herangetreten war, fragte die Rose: "Wie heißt du denn, liebe
+Kleine?" Da sprach es ganz leise: "Ich heiße Gänseblümchen."
+
+[Illustration]
+
+"Aber, liebes Gänseblümchen," sagte die Rose freundlich, "du bist ja
+tausendmal schöner als alle andern Blumen. Du sollst jetzt nicht mehr
+Gänseblümchen, sondern Tausendschön heißen, weil du tausendmal
+schöner bist als alle." Darüber freute sich das gute Gänseblümchen so
+sehr, daß es über und über rot ward, und seit der Zeit haben alle
+Gänseblümchen--rote Ohrläppchen.
+
+[Illustration]
+
+
+
+
+91. DIE GRÜNE STADT.
+
+ Ich weiß euch eine schöne Stadt,
+ Die lauter grüne Häuser hat.
+ Die Häuser, die sind groß und klein,
+ Und wer nur will, der darf hinein.
+
+ Die Straßen, die sind freilich krumm,
+ Sie führen hier und dort herum;
+ Doch stets gerade fort zu gehn,
+ Wer findet das wohl allzuschön!
+
+ Die Wege, die sind weit und breit
+ Mit bunten Blumen überstreut.
+ Das Pflaster, das ist sanft und weich,
+ Und seine Farb' den Häusern gleich.
+
+ Es wohnen viele Leute dort,
+ Und alle lieben ihren Ort.
+ Ganz deutlich sieht man dies daraus,
+ Daß jeder singt in seinem Haus.
+
+ Die Leute, die sind alle klein,
+ Denn es sind lauter Vögelein;
+ Und meine ganze grüne Stadt
+ Ist, was den Namen "Wald" sonst hat.
+
+
+
+
+92. DEUTSCHLAND.
+
+[Illustration]
+
+Weit weg von hier liegt Deutschland. Das ist ein schönes Stück Erde.
+Zu Deutschland gehören Preußen, Sachsen, Bayern, Baden und andere
+kleinere oder größere Staaten. Dort gibt es breite und tiefe Flüsse.
+Der Rhein, die Elbe und die Donau sind am bekanntesten. Daneben
+finden sich weite Ebenen, hohe Berge und dichte Wälder. Auch fehlt es
+nicht an Städten, in denen viele fleißige Leute leben. Berlin,
+München, Köln, Dresden, Frankfurt und manche andere sind
+bemerkenswert. Überall hat man prächtige Wohnhäuser, reiche Kirchen
+und herrliche öffentliche Gebäude. Alles wird sehr sauber und
+ordentlich gehalten. Von Hamburg und Bremen aus fahren mächtige
+Dampfschiffe und Segler nach allen Gegenden der Welt. Deutschland
+besitzt auch zahlreiche große Fabriken. Die Felder werden auf das
+Beste bestellt. Die deutsche Fahne ist schwarz, weiß und rot
+gestreift. An der Spitze des Reiches steht der deutsche Kaiser.
+
+
+
+
+93. SONNENSCHEIN.
+
+ Sonnenschein,
+ Klar und rein,
+ Leuchtest in die Welt hinein;
+ Machst so hell, so warm und schön
+ In den Tälern, auf den Höh'n,
+ Die du alle überstrahlst
+ Und so hold und lieblich malst.
+
+ Sonnenschein,
+ Klar und rein,
+ Kehre auch ins Herz mir ein!
+ Wenn ich habe heitern Sinn,
+ Gut und froh und freundlich bin,
+ Dann ist's in dem Herzen mein
+ Wunderbarer Sonnenschein.
+
+
+
+
+94. DIE KÖNIGIN LUISE.
+
+Vor hundert Jahren lebte in Preußen eine Königin, namens Luise. Sie
+war jung und schön, aber auch ebenso gut. Ein jeder liebte sie. Schon
+als kleines Kind hatte sie ihre Mutter verloren und wurde von ihrer
+Großmutter einfach erzogen. So war sie zu einer echten, deutschen
+Jungfrau herangewachsen, als der Kronprinz und spätere König von
+Preußen, Friedrich Wilhelm, sie kennen lernte. Bald darauf wurde sie
+seine Frau. Eine große Freude hatte sie an ihren Kindern, zwei
+Knaben, mit denen sie gerne lernte und spielte. Aber da gab es einen
+schrecklichen Krieg mit dem Kaiser von Frankreich, Napoleon. Die
+Feinde waren stärker als die Preußen und besiegten sie. Das tat dem
+Könige und der guten Königin sehr weh. Es kam so weit, daß sie ihr
+Schloß in Berlin verlassen mußten. Als die königliche Familie endlich
+wieder zurückkehren konnte, herrschte großer Jubel. Die Freude sollte
+aber nicht lange dauern, denn bald darauf wurde die edle Königin
+schwer krank und erholte sich nicht mehr. Als sie starb, war die
+Trauer allgemein. Noch heute ist die Königin Luise unvergessen.
+
+[Illustration]
+
+
+
+
+95. DAS GOLDENE SCHLOSS.
+
+"Willst du eine Prinzessin sein?" So fragte ein Knabe seine kleine
+Schwester. Die lachte ihn aus. Er sagte aber: "Ja, ich kann ein König
+und du kannst eine Prinzessin werden. Du bekommst ein schönes, neues
+Kleid und einen silbernen Thron. Ich bekomme einen roten Mantel, eine
+goldene Krone und einen goldenen Thron." Die Schwester glaubte das
+nicht und sagte: "Unsere Eltern sind ja so arm." Der Knabe erzählte
+dann: "Letzte Nacht im Traume kam ein kleiner Mann zu mir. Er fragte
+mich: 'Willst du ein König sein und in einem goldenen Schlosse
+wohnen?' Ich sagte, ja. Da sprach der Kleine: 'Komm in den Wald mit
+deiner Schwester, wenn der Mond scheint. Bei der großen Tanne warte
+auf mich. Aber später im goldenen Schlosse darf keine Träne auf den
+Boden fallen. Wenn eine Träne auf den Boden fällt, müßt ihr wieder
+heim.'" Jetzt glaubte die Schwester, was der Bruder sagte. Sie wollte
+gerne mit ihm gehen.
+
+Am Abend schien der Mond sehr hell. Da gingen Bruder und Schwester
+hin zu der großen Tanne im Walde. Das Männlein war noch nicht da. Die
+Kinder setzten sich ins Moos, um zu warten. Sie waren müde und
+schliefen bald ein. Auf einmal wachten sie auf. Verwundert schauten
+sie um sich. Sie hatten schöne neue Kleider an. Der Bruder hatte
+einen roten Mantel und trug eine goldene Krone. Die Schwester hatte
+ein himmelblaues Kleid mit silbernen Sternen. Auf ihren Haaren war
+ein Kranz von Diamanten. Der kleine Mann kam und rief: "Willkommen,
+willkommen!" Dann kamen noch viele kleine Männlein mit einem goldenen
+und einem silbernen Wagen. Der Bruder mußte sich in den goldenen
+Wagen und die Schwester in den silbernen Wagen setzen. Die Männlein
+zogen die Wagen und fuhren durch den Wald an einen Berg. Im Berge war
+eine große, hohe Halle, und darin stand ein goldenes Schloß. Die
+kleinen Männer führten die Geschwister in dieses Schloß. Dann holten
+sie einen goldenen und einen silbernen Thron. Der goldene Thron war
+für den Bruder und der silberne für die Schwester. Die kleinen Männer
+stellten sich vor sie hin und riefen: "Hoch lebe unser König und auch
+die Prinzessin!" Dann gab es zu essen, lauter gute Sachen.
+
+Nach dem Essen wollten die Kinder schlafen, denn es war schon spät.
+Im Schlafzimmer standen zwei Betten, ein goldenes und ein silbernes.
+Der König legte sich in das goldene, die Prinzessin in das silberne
+Bett. Da fragte der Bruder: "Schwesterchen, wie gefällt dir das
+goldene Schloß?" Sie antwortete: "Schön ist es schon hier; wenn nur
+der Vater und die Mutter auch hier wären!" Der Bruder sagte: "Das
+möchte ich auch haben. Was werden die Eltern jetzt machen?" Die
+Schwester meinte: "Sie werden uns suchen und weinen, weil sie uns
+nicht finden können." "Ja," war des Bruders Antwort, "sie werden
+denken, der Wolf habe uns gefressen." Das konnte die Schwester nicht
+anhören. Sie fing an zu weinen. Da warnte der Bruder: "Nicht weinen,
+sonst fallen deine Tränen auf den Boden!" "Nein," sagte die
+Schwester, "ich hab' sie mit der Hand aufgefangen. Aber ich muß
+weinen." Nun wurde auch der Bruder ganz traurig. Auch er weinte
+einige Tränen. Doch die Tränen fielen in das Bett. Die Schwester
+fragte: "Wie lange willst du noch König bleiben? Ich will nicht mehr
+Prinzessin sein. Ich will heim!" Der Bruder sagte: "Ja, zu Hause bei
+Vater und Mutter ist es doch schöner!" Da ließen sie beide große
+Tränen auf den Boden fallen. Es donnerte, und die Kinder fielen aus
+den Betten.
+
+Nun kamen die kleinen Männer wieder. Sie waren sehr traurig und
+brachten die Geschwister zurück zu der großen Tanne im Wald. Da
+schliefen Bruder und Schwester bald ein. Als sie die Augen öffneten,
+war es heller Tag, aber der rote Mantel und das himmelblaue Kleid
+Waren verschwunden.
+
+Da kamen auch schon die Eltern. Die freuten sich sehr, ihre Kinder
+wieder zu haben. Die Geschwister waren ebenso froh und versprachen,
+nie mehr fortgehen zu wollen.
+
+
+
+
+96. DIE KLEINEN MÜSSIGGÄNGER.
+
+Drei Kinder sollten nach der Schule gehen, aber sie sprachen: "Was
+kann das Lernen helfen! Laßt uns in den Wald laufen; da spielen die
+Tierlein, und wir wollen mit ihnen spielen."
+
+Als die Kinder nun im Walde waren, luden sie zuerst die Käfer zu
+ihrem Spiele ein. Da summten die Käfer um die Köpfe der Kinder, und
+der eine sprach: "Ich habe keine Zeit, ich muß Holz sägen!" Der
+andere sprach: "Ich muß ein Loch graben!" Noch andere riefen: "Wir
+müssen uns ein Hüttlein aus Gras bauen!"
+
+Nun kamen die Kinder an einen Ameisenhaufen. Hier lief eine ganze
+Menge von Ameisen aus und ein. Jedes dieser winzigen Tierchen hatte
+etwas in seine Wohnung zu tragen; und wo es dem einen zu schwer ward,
+sprach es zum andern: "Komm', hilf mir!"
+
+Die Kinder schlichen vorbei und fanden Bienlein auf den Blumen. Die
+waren so eilig und mochten gar nicht zu den Kindern aufsehen. Sie
+sammelten Honig und Blütenstaub und flogen dann flink davon.
+
+Da hörten die Kinder einen Vogel singen. Es war ein Fink. "Du kannst
+so schön singen," riefen sie, "und hast auch gewiß Lust, mit uns zu
+spielen." Allein der Fink sagte: "Pink, pink! Flink, flink! Ich muß
+Mücken fangen für meine Jungen und dann die Kleinen in den Schlaf
+singen. Auch muß ich mich fleißig im Singen üben, damit ich dem
+Wanderer schöne Lieder vorsingen kann." Und fort war er.
+
+Auf einmal rasselte es im Busche. Die Kinder erschraken. Eins sagte:
+"Wenn nur ein Eichhörnchen käme und mit uns spielte!" Da lief auch
+schon eines aus dem Busche und kletterte auf einen Baum. Es kicherte
+und rief: "Ich suche Knospen und Nüsse!" Die Kinder baten: "Komm' und
+bring' uns auch schöne Nüsse!" Aber das Tierchen zischte und knurrte
+nur.
+
+Bald darauf hörten sie ein Bächlein plätschern, und nun riefen sie
+fröhlich: "O, mit dem Bächlein mögen wir spielen! Kommt!"
+
+Sie liefen geschwind hin. Aber das Bächlein sagte: "Seht doch die
+faulen Kinder! Ihr meint, ich hätte nichts zu tun. Ich muß Tag und
+Nacht arbeiten; ich netze Felder und Wiesen und tränke die durstigen
+Tiere. Wenn ich groß und stark bin, treibe ich Mühlen und trage
+Schiffe. Geht, geht, ihr faulen Kinder!"
+
+Da wurde den Kindern gar ängstlich zu Mute. Sie gingen beschämt weg
+und blieben nie mehr aus der Schule.
+
+
+
+
+97. DER GUTE KAMERAD.
+
+ Ich hatt' einen Kameraden,
+ Einen bessern find'st du nit.
+ Die Trommel schlug zum Streite,
+ Er ging an meiner Seite
+ In gleichem Schritt und Tritt.
+
+ Eine Kugel kam geflogen,
+ Gilt's mir oder gilt es dir?
+ Ihn hat es weggerissen,
+ Er liegt mir vor den Füßen,
+ Als wär's ein Stück von mir.
+
+ Will mir die Hand noch reichen,
+ Derweil ich eben lad'.
+ "Kann dir die Hand nicht geben,
+ Bleib' du im ew'gen Leben
+ Mein guter Kamerad!"
+
+
+
+
+98. DER GOLDBAUM.
+
+Eduard scherzte gerne und spielte auch gerne anderen einen Streich.
+Dabei kam es nicht immer darauf an, ob, was er sagte, auch der
+Wahrheit gemäß sei. Seine kleine Schwester Emilie, die noch nicht in
+die Schule ging, fragte gerne ihren Bruder, den sie für sehr weise
+hielt, über alles aus. Um sie schnell wieder los zu werden, sagte ihr
+Eduard oft Dinge, welche das Kind ganz falsch belehrten.
+
+Eines Morgens, es war Eduards Geburtstag, sah Emilie auf dem Tische
+ihres Bruders ein Goldstück liegen, das er vom Vater zum Geschenk
+bekommen hatte. Sie fragte ihn: "Wo wächst das Gold?"--"Es wird
+gesät," antwortete Eduard, der sich wieder einmal auf Kosten seiner
+Schwester einen Spaß machen wollte, "dann wird ein Baum daraus, an
+dem wachsen die Goldstücke."
+
+Als Eduard beschäftigt war, nahm Emilie leise das Goldstück vom
+Tische, eilte damit hinunter in den Garten, grub mit den Händen ein
+Loch in die weiche Erde, legte das Goldstück hinein und bedeckte es
+wieder mit Erde.
+
+Eine Weile später sprang sie in Eduards Zimmer und rief: "Jetzt wirst
+du bald viele, viele Goldstücke haben! Ich habe deines im Garten
+gepflanzt."
+
+Umsonst bekannte Eduard, er habe nur gescherzt, und umsonst suchte
+und grub er im Garten nach seinem Golde. Emilie wußte die Stelle
+nicht anzugeben, wo sie es eingegraben hatte.
+
+Der Vater kam hinzu und sagte: "Es war unklug von Emilie, das
+Goldstück pflanzen zu wollen; du aber, Eduard, hast gefehlt, da du
+ihr, wenn auch im Scherze, eine Unwahrheit sagtest."
+
+
+
+
+99. GERETTET.
+
+"Rasch, Ernst, kleide dich an, und komme sogleich herunter!"
+
+"Was ist geschehen, Vater?"
+
+"Geschwind, mein Junge! Der Ohio ist über Nacht gestiegen, das Dorf
+ist unter Wasser, und wir müssen unser Haus verlassen."
+
+Mit einem Satz war Ernst aus dem Bette und fuhr wie der Blitz in
+seine Kleider. Dann lief er die Treppe hinunter in die Wohnstube.
+Hier stand das Wasser schon über zwei Fuß hoch. Auf einem Tische am
+Fenster war der Vater mit den Seinen. Die Mutter hielt die kleine
+Rosa an der Hand und trug das Jüngste, ein herziges Büblein, auf dem
+Arme. Sie hatte Tränen im Auge, der Vater aber sprach ihr Mut zu.
+Endlich kam ein Mann in einem Kahn, alle stiegen hinein, und durch
+dieselben Straßen, durch welche gestern noch Leute gegangen und Wagen
+gefahren waren, ruderten sie jetzt im Rachen dem Lande zu. Nachdem
+sie eine hochgelegene Stelle erreicht hatten, stiegen sie aus. Der
+Bootsmann ging mit dem Vater, der Mutter und den zwei Kleinen den
+Hügel hinauf nach einem Hause. Dort wollten sie ein Unterkommen
+suchen.
+
+"Du kannst dableiben und auf meinen Kahn achtgeben," sagte der
+Bootsmann zu Ernst. Das war dem Knaben gerade recht. Jetzt erst
+schaute er sich um. Welch ein Anblick! Nach dem Flusse zu sah man nur
+Wasser. So weit das Auge reichte, schien alles ein großer See zu
+sein. Drüben am anderen Ufer, ganz in der Ferne guckten die Wipfel
+der Bäume und die Schornsteine aus der Flut empor. Ganz in der Nähe
+stand das Bretterhaus der alten Frau Werner, welche sehr arm war und
+von guten Leuten unterstützt wurde. Schon hatte das Wasser den
+zweiten Stock erreicht und stieg immer höher und höher.
+
+[Illustration]
+
+Während Ernst das Häuschen der Frau Werner betrachtete, kam es ihm
+vor, als rufe jemand um Hilfe. Richtig, jetzt öffnete die alte Frau
+einen Laden und schaute heraus. Als sie ringsum nichts als Wasser
+erblickte, klagte und jammerte sie laut und rang die Hände.
+
+Ernst sah alles und dachte nach, was er wohl tun könne. Ja, so ging
+es! Er wollte rasch den Hügel hinauflaufen und den Vater und den
+Bootsmann rufen. Aber siehe da! Die Flut trieb einen mächtigen
+Baumstamm gerade auf das Häuschen zu. Wenn er gegen dasselbe stieß,
+löste es sich gewiß los, schwamm in der Strömung fort, und dann wäre
+die alte Frau verloren.
+
+Da sprang Ernst in den Kahn, stieß vom Ufer und steuerte nach dem
+Häuschen. Frau Werner stieg aus dem Fenster in den Rachen, und der
+Knabe ruderte, so rasch er konnte, an das Ufer zurück. Als er sich
+demselben näherte, kam sein Vater gerade wieder vom Hügel herab.
+
+"Hurra, wir sind gerettet!" rief Ernst, als der Kahn ans Land stieß.
+Mit Tränen des Dankes im Auge drückte die alte Frau dem Knaben die
+Hände. Der Vater aber schloß ihn an seine Brust und sprach: "Das war
+wie ein braver Mann gehandelt, mein Sohn!"
+
+
+
+
+100. SPRÜCHE.
+
+Erfüllte Pflicht
+macht froh Gesicht.
+
+Die träge Hand sei noch so glatt und weiß,
+Der fleißigen allein gebührt der Preis.
+
+Trägt einer gar so hoch den Kopf,
+So ist er wohl ein eitler Tropf.
+
+Allen Leuten recht getan,
+Ist eine Kunst, die niemand kann.
+
+
+
+
+*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK HIN UND HER ***
+
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+<div style='text-align:center; font-size:1.2em; font-weight:bold'>The Project Gutenberg eBook of Hin Und Her, by H. H. Fick</div>
+<div style='display:block; margin:1em 0'>
+This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and
+most other parts of the world at no cost and with almost no restrictions
+whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it under the terms
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+</div>
+<div style='display:block; margin-top:1em; margin-bottom:1em; margin-left:2em; text-indent:-2em'>Title: Hin Und Her<br />
+  Ein Buch für die Kinder</div>
+<div style='display:block; margin-top:1em; margin-bottom:1em; margin-left:2em; text-indent:-2em'>Author: H. H. Fick</div>
+<div style='display:block; margin:1em 0'>Release Date: July 6, 2003 [eBook #8392]<br />
+[Most recently updated: March 19, 2023]</div>
+<div style='display:block; margin:1em 0'>Language: German</div>
+<div style='display:block; margin-left:2em; text-indent:-2em'>Produced by: David Starner, Delphine Lettau, Charles Franks and the Online Distributed Proofreading Team</div>
+<div style='margin-top:2em; margin-bottom:4em'>*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK HIN UND HER ***</div>
+
+<h1>HIN UND HER</h1>
+
+<h3>Ein Buch für die Kinder</h3>
+
+<h2 class="no-break">Zusammengestellt von H. H. FICK</h2>
+
+<h3>Supervisor of German, Cincinnati Public Schools</h3>
+
+<hr />
+
+<h2>INHALT</h2>
+
+<table summary="" style="">
+
+<tr>
+<td> <a href="#chap01">1. Am Morgen</a></td>
+</tr>
+
+<tr>
+<td> <a href="#chap02">2. Der Tag bricht an</a></td>
+</tr>
+
+<tr>
+<td> <a href="#chap03">3. Der Hahnenruf</a></td>
+</tr>
+
+<tr>
+<td> <a href="#chap04">4. Beim Frühstück</a></td>
+</tr>
+
+<tr>
+<td> <a href="#chap05">5. Zur Schule</a></td>
+</tr>
+
+<tr>
+<td> <a href="#chap06">6. Bruder und Schwester</a></td>
+</tr>
+
+<tr>
+<td> <a href="#chap07">7. Der Specht</a></td>
+</tr>
+
+<tr>
+<td> <a href="#chap08">8. Die Uhr</a></td>
+</tr>
+
+<tr>
+<td> <a href="#chap09">9. Schuleifer</a></td>
+</tr>
+
+<tr>
+<td> <a href="#chap10">10. Rätsel</a></td>
+</tr>
+
+<tr>
+<td> <a href="#chap11">11. Unser Hof</a></td>
+</tr>
+
+<tr>
+<td> <a href="#chap12">12. Die Haustiere</a></td>
+</tr>
+
+<tr>
+<td> <a href="#chap13">13. Sprüche</a></td>
+</tr>
+
+<tr>
+<td> <a href="#chap14">14. Die Äpfel</a></td>
+</tr>
+
+<tr>
+<td> <a href="#chap15">15. Peter Faulpelz</a></td>
+</tr>
+
+<tr>
+<td> <a href="#chap16">16. Der Knabe am Bache</a></td>
+</tr>
+
+<tr>
+<td> <a href="#chap17">17. Daheim</a></td>
+</tr>
+
+<tr>
+<td> <a href="#chap18">18. Der Bau des Hauses</a></td>
+</tr>
+
+<tr>
+<td> <a href="#chap19">19. Die Wohnung der Maus</a></td>
+</tr>
+
+<tr>
+<td> <a href="#chap20">20. Karls Hase</a></td>
+</tr>
+
+<tr>
+<td> <a href="#chap21">21. Das Lied vom Monde</a></td>
+</tr>
+
+<tr>
+<td> <a href="#chap22">22. Das Mückchen und das Mädchen</a></td>
+</tr>
+
+<tr>
+<td> <a href="#chap23">23. Nasch-Ernst</a></td>
+</tr>
+
+<tr>
+<td> <a href="#chap24">24. Der blinde Geiger</a></td>
+</tr>
+
+<tr>
+<td> <a href="#chap25">25. Das Brot im Weg</a></td>
+</tr>
+
+<tr>
+<td> <a href="#chap26">26. Die schönen Drei</a></td>
+</tr>
+
+<tr>
+<td> <a href="#chap27">27. Das Vogelnest</a></td>
+</tr>
+
+<tr>
+<td> <a href="#chap28">28. Der Drache</a></td>
+</tr>
+
+<tr>
+<td> <a href="#chap29">29. Die Vöglein</a></td>
+</tr>
+
+<tr>
+<td> <a href="#chap30">30. Vom Hänschen</a></td>
+</tr>
+
+<tr>
+<td> <a href="#chap31">31. Sprüche</a></td>
+</tr>
+
+<tr>
+<td> <a href="#chap32">32. Die Schnecke</a></td>
+</tr>
+
+<tr>
+<td> <a href="#chap33">33. Die Henne und die Entlein</a></td>
+</tr>
+
+<tr>
+<td> <a href="#chap34">34. Die Tageszeiten</a></td>
+</tr>
+
+<tr>
+<td> <a href="#chap35">35. Kind und Sonne</a></td>
+</tr>
+
+<tr>
+<td> <a href="#chap36">36. Sonne und Regen</a></td>
+</tr>
+
+<tr>
+<td> <a href="#chap37">37. Astern</a></td>
+</tr>
+
+<tr>
+<td> <a href="#chap38">38. Rätsel</a></td>
+</tr>
+
+<tr>
+<td> <a href="#chap39">39. Vögel und Blumen</a></td>
+</tr>
+
+<tr>
+<td> <a href="#chap40">40. Danksagungstag</a></td>
+</tr>
+
+<tr>
+<td> <a href="#chap41">41. Vom Puter</a></td>
+</tr>
+
+<tr>
+<td> <a href="#chap42">42. Die vier Brüder</a></td>
+</tr>
+
+<tr>
+<td> <a href="#chap43">43. Die zwölf Monate</a></td>
+</tr>
+
+<tr>
+<td> <a href="#chap44">44. Die Blätter tanzen</a></td>
+</tr>
+
+<tr>
+<td> <a href="#chap45">45. Die vier Jahreszeiten</a></td>
+</tr>
+
+<tr>
+<td> <a href="#chap46">46. Winters Ankunft</a></td>
+</tr>
+
+<tr>
+<td> <a href="#chap47">47. Der Tannenbaum</a></td>
+</tr>
+
+<tr>
+<td> <a href="#chap48">48. Vogel am Fenster</a></td>
+</tr>
+
+<tr>
+<td> <a href="#chap49">49. Das Büblein auf dem Eise</a></td>
+</tr>
+
+<tr>
+<td> <a href="#chap50">50. Rätsel</a></td>
+</tr>
+
+<tr>
+<td> <a href="#chap51">51. Weihnachtsfreude</a></td>
+</tr>
+
+<tr>
+<td> <a href="#chap52">52. Schneesterne</a></td>
+</tr>
+
+<tr>
+<td> <a href="#chap53">53. Brief vom Weihnachtsmann</a></td>
+</tr>
+
+<tr>
+<td> <a href="#chap54">54. Zu Neujahr</a></td>
+</tr>
+
+<tr>
+<td> <a href="#chap55">55. Verstehst du das?</a></td>
+</tr>
+
+<tr>
+<td> <a href="#chap56">56. Der Schneemann</a></td>
+</tr>
+
+<tr>
+<td> <a href="#chap57">57. März</a></td>
+</tr>
+
+<tr>
+<td> <a href="#chap58">58. Ostergruß</a></td>
+</tr>
+
+<tr>
+<td> <a href="#chap59">59. Der Osterhase</a></td>
+</tr>
+
+<tr>
+<td> <a href="#chap60">60. Der Obstgarten</a></td>
+</tr>
+
+<tr>
+<td> <a href="#chap61">61. Sprüche</a></td>
+</tr>
+
+<tr>
+<td> <a href="#chap62">62. Die Vögel im Frühlinge</a></td>
+</tr>
+
+<tr>
+<td> <a href="#chap63">63. Das rote Hühnchen</a></td>
+</tr>
+
+<tr>
+<td> <a href="#chap64">64. Rätsel</a></td>
+</tr>
+
+<tr>
+<td> <a href="#chap65">65. Der naseweise Bello</a></td>
+</tr>
+
+<tr>
+<td> <a href="#chap66">66. Heil, Amerika!</a></td>
+</tr>
+
+<tr>
+<td> <a href="#chap67">67. Petersilie</a></td>
+</tr>
+
+<tr>
+<td> <a href="#chap68">68. Das Kind und sein Blümchen</a></td>
+</tr>
+
+<tr>
+<td> <a href="#chap69">69. Nachlässigkeit</a></td>
+</tr>
+
+<tr>
+<td> <a href="#chap70">70. Ein Rätsel</a></td>
+</tr>
+
+<tr>
+<td> <a href="#chap71">71. Was würdest du tun?</a></td>
+</tr>
+
+<tr>
+<td> <a href="#chap72">72. Was wollen wir spielen?</a></td>
+</tr>
+
+<tr>
+<td> <a href="#chap73">73. Die schlaue Katze</a></td>
+</tr>
+
+<tr>
+<td> <a href="#chap74">74. Kannst du es sagen?</a></td>
+</tr>
+
+<tr>
+<td> <a href="#chap75">75. Der Sperling</a></td>
+</tr>
+
+<tr>
+<td> <a href="#chap76">76. Das Pferd und der Esel</a></td>
+</tr>
+
+<tr>
+<td> <a href="#chap77">77. Der kluge Star</a></td>
+</tr>
+
+<tr>
+<td> <a href="#chap78">78. Der Apfelbaum</a></td>
+</tr>
+
+<tr>
+<td> <a href="#chap79">79. Der Hase und der Fuchs</a></td>
+</tr>
+
+<tr>
+<td> <a href="#chap80">80. Sprüche</a></td>
+</tr>
+
+<tr>
+<td> <a href="#chap81">81. Der Hase und die Schildkröte</a></td>
+</tr>
+
+<tr>
+<td> <a href="#chap82">82. Hasenbraten</a></td>
+</tr>
+
+<tr>
+<td> <a href="#chap83">83. Der Schein trügt</a></td>
+</tr>
+
+<tr>
+<td> <a href="#chap84">84. Der Frosch</a></td>
+</tr>
+
+<tr>
+<td> <a href="#chap85">85. Vom listigen Grasmücklein ein lustiges Stücklein</a></td>
+</tr>
+
+<tr>
+<td> <a href="#chap86">86. Ein törichter Streit</a></td>
+</tr>
+
+<tr>
+<td> <a href="#chap87">87. Herr Wind! Herr Wind!</a></td>
+</tr>
+
+<tr>
+<td> <a href="#chap88">88. Das Fünkchen</a></td>
+</tr>
+
+<tr>
+<td> <a href="#chap89">89. Rätsel</a></td>
+</tr>
+
+<tr>
+<td> <a href="#chap90">90. Das Gänseblümchen</a></td>
+</tr>
+
+<tr>
+<td> <a href="#chap91">91. Die grüne Stadt</a></td>
+</tr>
+
+<tr>
+<td> <a href="#chap92">92. Deutschland</a></td>
+</tr>
+
+<tr>
+<td> <a href="#chap93">93. Sonnenschein</a></td>
+</tr>
+
+<tr>
+<td> <a href="#chap94">94. Die Königin Luise</a></td>
+</tr>
+
+<tr>
+<td> <a href="#chap95">95. Das goldene Schloß</a></td>
+</tr>
+
+<tr>
+<td> <a href="#chap96">96. Die kleinen Müßiggänger</a></td>
+</tr>
+
+<tr>
+<td> <a href="#chap97">97. Der gute Kamerad</a></td>
+</tr>
+
+<tr>
+<td> <a href="#chap98">98. Der Goldbaum</a></td>
+</tr>
+
+<tr>
+<td> <a href="#chap99">99. Gerettet</a></td>
+</tr>
+
+<tr>
+<td> <a href="#chap100">100. Sprüche</a></td>
+</tr>
+
+</table>
+
+<h2><a name="chap01"></a>1. AM MORGEN.</h2>
+
+<p class="poem">
+Die Erd' erwacht, die Sonne lacht<br/>
+Sie an mit hellem Schein<br/>
+Und ruft ihr zu: komm aus der Ruh',<br/>
+Der ganze Tag ist dein.<br/>
+Guten Morgen.
+</p>
+
+<h2><a name="chap02"></a>2. DER TAG BRICHT AN.</h2>
+
+<p>
+Es ist dunkel. Am Himmel leuchten die Sterne. Zwischen ihnen steht der Mond.
+Nun wird es langsam heller. Im Osten zeigt sich ein lichter Schein. Das ist die
+Morgendämmerung. Die meisten Leute schlafen noch fest, aber der Hahn ist wach
+und kräht ganz laut. Bald steigt die Sonne empor. Dann ist es Tag. Die Vögel
+sind erwacht und zwitschern. Jetzt stehen auch die Menschen von ihrem Lager auf
+und gehen gestärkt an die Arbeit. Die Tiere im Freien suchen ihre Nahrung und
+das Vieh im Hofe bekommt sein Futter. Im Garten und auf den Wiesen glänzt der
+Tau. Alles ist neubelebt.
+</p>
+
+<div class="fig" style="width:100%;">
+<img src="images/3.png" width="250" height="230" alt="[cockeral]" />
+</div>
+
+<h2><a name="chap03"></a>3. DER HAHNENRUF.</h2>
+
+<p class="poem">
+Im ersten Hofe kräht der Hahn,<br/>
+Da fängt auch gleich der zweite an<br/>
+Und denkt: "Hätt' ich's zuerst getan!"<br/>
+Doch, wie der zweite kaum beginnt,<br/>
+Kräht schon der dritte Hahn geschwind.<br/>
+Der viert' und fünfte faul nicht sind<br/>
+Und fallen schnell ins Lied mit ein,<br/>
+Denn jeder will der erste sein,<br/>
+Und jeder will am schönsten schrei'n.—<br/>
+Bald rufen alle in der Rund',<br/>
+Als ständen sie zusamm' im Bund,<br/>
+Und tun die Morgenstunde kund<br/>
+Aus voller Kehle laut und schnell:<br/>
+"Die Nacht entweicht, der Tag wird hell.<br/>
+Kikeriki! Kikeriki! Wir sind zur Stell'!"<br/>
+So soll'n auch wir in allen Sachen,<br/>
+Wo's gilt, zum guten zu erwachen,<br/>
+Es wie der Hahn am Morgen machen.
+</p>
+
+<h2><a name="chap04"></a>4. BEIM FRÜHSTÜCK</h2>
+
+<p>
+<i>Mutter</i>: Papa, Karl, Emma und Klara, hurtig, kommt zu Tisch! Das
+Frühstück ist aufgetragen!
+</p>
+
+<p>
+<i>Papa</i>:: Sieh! Da bin ich schon. Guten Morgen!
+</p>
+
+<p>
+<i>Emma</i>: und <i>:Klara</i>:: Liebe Mama und lieber Papa, Wir sind auch
+bereit und wünschen euch einen recht guten Morgen!
+</p>
+
+<p>
+<i>Mutter</i>: und <i>:Vater</i>: Vielen Dank, ihr Kinder! Wo steckt aber der
+Karl?
+</p>
+
+<p>
+<i>Emma</i>:und <i>:Klara</i>: Da kommt er!
+</p>
+
+<p>
+<i>Karl</i>: Seid nicht böse, liebe Eltern, ich habe mich verschlafen. Es soll
+aber gewiß nicht wieder geschehen!
+</p>
+
+<p>
+<i>Mutter</i>: Schon gut! Setzt euch alle. Schaut, daß der Papa bedient wird!
+Emma, reiche doch das Brot herüber und gib mir die Butter. Nun, trinkt eure
+Milch! Klara und Emma, für euch habe ich ein Stück Kuchen.
+</p>
+
+<p>
+<i>Karl</i>: Bekomme ich nicht auch eins?
+</p>
+
+<p>
+Mutter: Du bist zu spät gekommen! Dafür mußt du Strafe leiden. Heute ist für
+dich nur Brot vorhanden.
+</p>
+
+<p>
+<i>Karl</i>: Ach, liebe Mama! Ich bin so hungrig!
+</p>
+
+<p>
+<i>Mutter</i>: Ei! Hungern sollst du nicht. Da ist eine Semmel und dann habe
+ich auch noch ein Ei für dich. Aber der Kuchen ist nur für die pünktlichen
+Leute da, merke dir das! So, seid ihr nun alle fertig?
+</p>
+
+<p>
+<i>Kinder</i>: Jawohl, Mama!
+</p>
+
+<p>
+<i>Mutter</i>: Stellt eure Stühle an ihre Plätze! Jetzt könnt ihr gehen! Du,
+Karl, holst dem Vater noch die Zeitung herein!
+</p>
+
+<p>
+<i>Karl</i>: Gerne, liebe Mutter!
+</p>
+
+<p>
+<i>Kinder</i>: Ade, Papa! Leb wohl, Mama! Heute mittag sehen wir uns wieder!
+</p>
+
+<h2><a name="chap05"></a>5. ZUR SCHULE.</h2>
+
+<p class="poem">
+Nun hurtig vom Stuhle<br/>
+Und schnell in die Schule;<br/>
+Es ist an der Zeit.<br/>
+Holt Hüte und Kappen,<br/>
+Bringt Tafeln und Mappen;<br/>
+Nehmt auch für die Pause<br/>
+Euch etwas zum Schmause;<br/>
+So, Kinder, jetzt seid<br/>
+Zur Arbeit bereit!
+</p>
+
+<h2><a name="chap06"></a>6. BRUDER UND SCHWESTER.</h2>
+
+<p>
+Es ist Morgen. Die Nacht hindurch hat es geregnet und immer noch fallen
+einzelne Tropfen. Seit einigen Tagen besucht der kleine Wilhelm die Schule. Er
+hat einen neuen Anzug, eine hübsche Mütze und einen bunten Schulsack erhalten.
+Wie leid tut es ihm, daß alles vom Regen soll naß werden. Da kommt die gute
+Schwester Emilie. Sie muß für die Mutter noch einen Gang auf den Markt machen.
+Nun will sie den Bruder unter den Schirm nehmen und ihn bis an das Schulgebäude
+begleiten. Wilhelm faßt die Schwester am Kleide, und sie treten in die Türe.
+Aber, siehe da, der Regen hört auf und als Emilie vorsichtig die Hand
+ausstreckt, kann sie kein Tröpfchen mehr spüren. Da darf auch der zottige Spitz
+mit ins Freie.
+</p>
+
+<div class="fig" style="width:100%;">
+<img src="images/7.png" width="500" height="387" alt="[bruder und schwester]" />
+</div>
+
+<h2><a name="chap07"></a>7. DER SPECHT.</h2>
+
+<p class="poem">
+Herr Specht! so früh schon klopfest du!<br/>
+Was störte dich denn aus der Ruh'?<br/>
+Es herrscht noch Stille im Erdenraum—<br/>
+Du hämmerst schon am Fichtenbaum.<br/>
+<br/>
+"Ist es auch früh, ist's nie zu früh,<br/>
+An Arbeit fehlt's dem Fleiß'gen nie,—<br/>
+Wer Tages etwas will gewinnen,<br/>
+Der muß recht frühe schon beginnen."
+</p>
+
+<h2><a name="chap08"></a>8. DIE UHR.</h2>
+
+<p>
+Eben hatte es sieben geschlagen. Die Mutter ging in die Kammer, um den kleinen
+Leo zu wecken. Der war aber schon wach und saß aufrecht im Bette. "Ei, Leo!"
+sagte die Mutter, "Wie kommt denn das? Sonst muß ich dich viele Male rufen und
+schütteln, und heute bist du ganz munter!" "Ach, denke nur, liebe Mama," sagte
+Leo, "ich War ja auch noch so müde und hätte gerne länger geschlafen. Aber da
+hatte auf einmal die große Uhr dort an der Wand ein Gesicht wie ein Mensch, und
+machte immerfort: Auf! raus! Auf! raus! Nun hatte ich Angst, liegen zu bleiben
+und wollte aufstehen. Jetzt hörte ich die Uhr ganz deutlich sagen: Recht so!
+Recht so! und sie sah wieder freundlich aus!"
+</p>
+
+<h2><a name="chap09"></a>9. SCHULEIFER.</h2>
+
+<p class="poem">
+Im Winter, wenn es frieret,<br/>
+Im Winter, wenn es schneit,<br/>
+Dann ist der Weg zur Schule<br/>
+Fürwahr noch mal so weit.<br/>
+<br/>
+Und wenn der Kuckuck rufet,<br/>
+Dann ist der Frühling da,<br/>
+Dann ist der Weg zur Schule<br/>
+Fürwahr noch mal so nah.<br/>
+<br/>
+Wer aber gerne lernet,<br/>
+Dem ist kein Weg zu fern;<br/>
+Im Frühling, wie im Winter,<br/>
+Geht er zur Schule gern.
+</p>
+
+<div class="fig" style="width:100%;">
+<img src="images/9.png" width="244" height="300" alt="[SCHULEIFER]" />
+</div>
+
+<h2><a name="chap10"></a>10. RÄTSEL.</h2>
+
+<p class="poem">
+Im Wasser schwimmt es, groß und klein.<br/>
+Nun rat' einmal, was das mag sein!<br/>
+<br/>
+Wer wäscht sich so rein<br/>
+Und hält sich so fein<br/>
+Und braucht doch kein Handtüchelein?<br/>
+<br/>
+Ich weiß ein kleines, weißes Haus,<br/>
+Hat nichts von Fenstern, Türen, Toren;<br/>
+Und will sein kleiner Wirt hinaus,<br/>
+So muß er erst die Wand durchbohren.
+</p>
+
+<h2><a name="chap11"></a>11. UNSER HOF.</h2>
+
+<p>
+Hinter dem Hause ist ein Hof. Da haben viele Tiere Platz. In einer Ecke steht
+die Hundehütte. Dort wohnt Nero. Er bewacht unser Haus. Auf der Kellertreppe
+sitzt Mieze. Das ist die graue Katze. Sie wäscht und putzt sich gern. Im Korbe
+liegen ihre vier Kätzchen. Die können noch nicht sehen. Mitten im Hofe geht der
+stolze Hahn. Er hat bunte Federn und einen roten Kamm. Bei ihm sind fünf
+hübsche Hennen. Auch Tauben fliegen herbei und picken Körner auf. Seht doch den
+großen Puter da drüben! Der ist zornig und jagt die anderen Vögel fort.
+</p>
+
+<h2><a name="chap12"></a>12. DIE HAUSTIERE.</h2>
+
+<p class="poem">
+Lieb Kindchen, sag mir an,<br/>
+Was ein Haustier nützen kann!<br/>
+Die Kuh gibt Milch uns, liebe Mutter,<br/>
+Draus macht man Käse, Rahm und Butter.<br/>
+Das Pferd zieht fleißig deinen Wagen<br/>
+Und kann dich in die Ferne tragen.<br/>
+Der Hund schützt treu dir Hof und Haus.<br/>
+Die Katze lauert auf die Maus.<br/>
+Das dicke, schmutz'ge, dumme Schwein<br/>
+Bringt Schinken uns und Würste ein.
+</p>
+
+<div class="fig" style="width:100%;">
+<img src="images/12.png" width="500" height="381" alt="[horse and pigs]" />
+</div>
+
+<h2><a name="chap13"></a>13. SPRÜCHE.</h2>
+
+<p class="poem">
+Lust und Liebe zum Dinge<br/>
+Macht Mühe und Arbeit geringe.<br/>
+<br/>
+Morgen, morgen, nur nicht heute,<br/>
+Sagen alle trägen Leute.<br/>
+<br/>
+Lerne Ordnung, liebe sie;<br/>
+Ordnung spart dir Zeit und Müh'.
+</p>
+
+<h2><a name="chap14"></a>14. DIE ÄPFEL.</h2>
+
+<p>
+Am Montag morgen wollte Otto seinen Freund Ludwig zur Schule abholen. Als er
+aber in die Stube trat, war niemand da. Vorne beim Fenster stand ein Korb voll
+Äpfel. Die waren schön gelb und rot. Gerne hätte Otto einen genommen. Aber er
+dachte: "Nein, das tue ich nicht, die Äpfel gehören nicht mir."
+</p>
+
+<p>
+Schnell wollte er wieder zur Türe hinaus. Da kam gerade Ludwigs Mutter herein.
+Die freute sich sehr, als sie Otto sah. Sie steckte ihm beide Taschen voll
+Äpfel. Dann rief sie Ludwig und gab den beiden Kindern noch einen Apfel mit auf
+den Weg. Mit frohem Herzen gingen die Knaben nun zur Schule.
+</p>
+
+<h2><a name="chap15"></a>15. PETER FAULPELZ.</h2>
+
+<p class="poem">
+Längst ist schon die Schule aus,<br/>
+Alle Kinder sind zu Haus:<br/>
+Peter nur, der faule Bube,<br/>
+Muß noch sitzen in der Stube,<br/>
+Hat gelernt nicht, noch geschrieben,<br/>
+Hat sich draußen 'rumgetrieben.<br/>
+Nun geht es ihm bitterschlecht—<br/>
+Faulpelz, das geschieht dir recht!
+</p>
+
+<h2><a name="chap16"></a>16. DER KNABE AM BACHE.</h2>
+
+<p>
+Siehst du den Knaben dort am Bache sitzen? Es ist Robert, der mit seiner armen
+Mutter in dem kleinen Häuschen wohnt. Sie hatten für den Abend nichts zu essen.
+Da sagte Robert: "Mutter, ich will zum Bache gehen und einige Fische fangen."
+</p>
+
+<p>
+Hier sitzt er nun ganz stille. Zwei Fische hat er schon gefangen, und den
+dritten macht er eben vom Haken los. Wie wird sich die Mutter freuen, wenn
+Robert mit den Fischen nach Hause kommt!
+</p>
+
+<div class="fig" style="width:100%;">
+<img src="images/16.png" width="500" height="418" alt="[fishing]" />
+</div>
+
+<h2><a name="chap17"></a>17. DAHEIM.</h2>
+
+<p>
+Hurra, die Schule ist aus! Schnell eile ich nach Hause, denn die Mutter wartet
+schon auf mich. Sie hat ja mancherlei Arbeit, die ich für sie besorgen kann.
+Erst bekomme ich aber ein großes Stück Butterbrot. Wenn ich das gegessen habe,
+hole ich Kleinholz aus dem Keller. Damit macht die Mutter das Feuer im
+Küchenofen an für das Abendessen. Dann gehe ich zum Metzger, um das Fleisch
+heimzubringen, das der Vater am Morgen bestellt hat. Auf dem Wege bringe ich
+aus dem Kramladen Seife mit und Streichhölzchen. Auch sonst muß ich der Mutter
+in der Küche noch zur Hand gehen. Ich tue es gerne, denn ich habe mein
+Mütterlein lieb. Wenn ich alles besorgt habe, darf ich eine Weile auf der
+Straße mit anderen Kindern spielen.
+</p>
+
+<p>
+Bald ist es Zeit zum Abendessen geworden. Richtig, da ruft mich schon die
+Mutter. Der Vater ist nun auch schon nach Hause gekommen, und meine älteren
+Geschwister sind ebenfalls da. Wir sitzen jetzt alle um den großen Tisch im
+Eßzimmer, und der Vater erzählt, was er während des Tages in der Stadt gehört
+und gesehen hat. Nach dem Essen nimmt der Vater die Zeitung, und meine kleine
+Schwester und ich machen unsere Schularbeiten. Da muß manchmal die liebe Mama
+ein wenig helfen. Später liest sie uns eine schöne Geschichte vor, oder spielt
+mit uns Domino und Lotto.
+</p>
+
+<p>
+Ich glaube, es ist nirgends schöner als abends daheim.
+</p>
+
+<h2><a name="chap18"></a>18. DER BAU DES HAUSES.</h2>
+
+<p>
+"Kommt, Knaben, wir wollen ein Haus bauen," sagte Emil zu Karl und Heinrich,
+"Ich will den Keller ausgraben," sprach Karl. "Und ich," sagte Emil, "ich bin
+der Maurer; ich nehme Kalk und Steine und baue die Mauern." Da meinte Karl: "Du
+darfst aber die Türen und die Fenster nicht vergessen. Ohne Türen kann man
+nicht in das Haus hinein, und durch die Fenster soll Luft und Licht in die
+Zimmer kommen." Heinrich sagte: "Ich bin der Zimmermann; ich setze die Türen
+und Fenster und lege den Fußboden. Von einem Stockwerke in das andere mache ich
+Treppen. Und oben auf das Haus setze ich das Dach; das schützt vor Regen und
+Schnee. Unser Haus soll ein Wohnhaus sein mit Küche und Zimmern und einem Boden
+unter dem Dach."
+</p>
+
+<h2><a name="chap19"></a>19. DIE WOHNUNG DER MAUS.</h2>
+
+
+<p class="poem">
+Ich frag' die Maus:<br/>
+        Wo ist dein Haus?<br/>
+Die Maus darauf erwidert mir:<br/>
+        Sag's nicht der Katz',<br/>
+        So sag' ich's dir.<br/>
+        Treppauf, treppab,<br/>
+Erst rechts, dann links,<br/>
+Dann wieder rechts<br/>
+Und dann grad' aus—<br/>
+Das ist mein Haus;<br/>
+Du wirst es schon erblicken!<br/>
+        Die Tür ist klein,<br/>
+        Und trittst du ein,<br/>
+Vergiß nicht, dich zu bücken!
+</p>
+
+<div class="fig" style="width:100%;">
+<img src="images/19.png" width="300" height="124" alt="[wohnung]" />
+</div>
+
+<h2><a name="chap20"></a>20. KARLS HASE</h2>
+
+<p>
+"Papa, darf ich ein wenig deinen Stock nehmen?"
+</p>
+
+<p>
+"Ja, Karl, aber was willst du damit machen?"
+</p>
+
+<p>
+"Einen Hasen will ich schießen, Papa."
+</p>
+
+<p>
+"Dann mußt du ja auf das Feld gehen."
+</p>
+
+<p>
+"O nein, dein Stock ist meine Flinte und unsere alte Katze ist der Hase."
+</p>
+
+<p>
+Der Vater gab seinem Sohne den Stock. Karl legte ihn an die rechte Wange,
+zielte und rief: "Piff, paff! piff, paff!" Ei, wie die Katze von dem Stuhle
+unter den Tisch sprang!
+</p>
+
+<p>
+Karl aber lachte und rief: "Hast du nun meinen Hasen laufen sehen, Papa?"
+</p>
+
+<h2><a name="chap21"></a>21. DAS LIED VOM MONDE.</h2>
+
+<p class="poem">
+Wer hat die schönsten Schäfchen?<br/>
+Die hat der gold'ne Mond,<br/>
+Der hinter unsern Bäumen<br/>
+Am Himmel drüben wohnt.<br/>
+<br/>
+Er kommt am späten Abend,<br/>
+Wenn alles schlafen will,<br/>
+Hervor aus seinem Hause<br/>
+Zum Himmel leis' und still.<br/>
+<br/>
+Dann weidet er die Schäfchen<br/>
+Auf seiner blauen Flur;<br/>
+Denn all' die weißen Sterne<br/>
+Sind feine Schäfchen nur.<br/>
+<br/>
+Sie tun sich nichts zuleide,<br/>
+Hat eins das andre gern,<br/>
+Und Schwestern sind und Brüder<br/>
+Da droben Stern an Stern.<br/>
+<br/>
+Und soll ich dir eins bringen,<br/>
+So darfst du niemals schrei'n,<br/>
+Mußt freundlich wie die Schäfchen<br/>
+Und wie ihr Schäfer sein!
+</p>
+
+<h2><a name="chap22"></a>22. DAS MÜCKCHEN UND DAS MÄDCHEN.</h2>
+
+<p>
+Ein Mückchen flog um ein Licht, das am Abend auf dem Tische brannte. Da sagte
+ein Mädchen, welches nebenbei saß und strickte: "Mückchen, bleib' von dem
+Lichte, sonst verbrennst du dich!" Das Mückchen aber folgte nicht und flog so
+lange auf und nieder und um das Licht, bis es daran seine Flügelchen sengte und
+in die Flamme fiel. "Habe ich es dir nicht gesagt?" sprach das Mädchen.
+"Hättest du auf mich gehört, müßtest du jetzt nicht sterben!"
+</p>
+
+<div class="fig" style="width:100%;">
+<img src="images/22.png" width="500" height="421" alt="[DAS MÜCKCHEN UND DAS MÄDCHEN]" />
+</div>
+
+<h2><a name="chap23"></a>23. NASCH-ERNST.</h2>
+
+<p>
+Ernst konnte das Naschen nicht lassen. Er ging oft an den Schrank, um Zucker zu
+naschen. Die Mutter schalt, aber es half nicht.
+</p>
+
+<p>
+Eines Tages ging Ernst in die Scheune. An der Wand hing etwas Rotes. Ernst
+sagte: "Oh, hier hat die Mutter Zuckerzeug versteckt. Ich sollte es nicht
+finden!" Schnell kletterte er auf einen Stuhl, um es zu holen. Er biß gierig
+hinein. Aber, o weh, es verbrannte seinen Mund. Er ließ das Zuckerzeug fallen
+und schrie laut. Nun kam die Mutter und gab ihm einen Trunk Wasser. Was Ernst
+naschte, war nicht Zucker gewesen. Es war roter Pfeffer.
+</p>
+
+<p>
+Ernst naschte nie wieder.
+</p>
+
+<h2><a name="chap24"></a>24. DER BLINDE GEIGER.</h2>
+
+<p>
+Ein armer, blinder Geiger ging auf der Straße. Er suchte den Weg mit seinem
+Stocke. Seine Geige trug er unter dem Arme. Bald kam er an einen Steg. Als er
+das merkte, getraute er sich nicht hinüberzugehen. Hans und Eugen kamen daher,
+und der arme Mann bat, sie möchten ihn doch über den Steg führen. Aber die
+mutwilligen Buben lachten den Geiger aus und liefen weg.
+</p>
+
+<p>
+Da kam die kleine Lina aus der Schule. Die wartete nicht, bis sie gebeten
+wurde. Sie faßte den Blinden bei der Hand, brachte ihn über den Steg und
+schenkte ihm einen Cent, den sie von ihrer Mutter bekommen hatte.
+</p>
+
+<div class="fig" style="width:100%;">
+<img src="images/24.png" width="500" height="393" alt="[DER BLINDE GEIGER]" />
+</div>
+
+<h2><a name="chap25"></a>25. DAS BROT IM WEG.</h2>
+
+<p class="poem">
+Im Weg das Krümchen Brot<br/>
+Tritt nicht mit deinem Fuß,<br/>
+Weil's in des Hungers Not<br/>
+Ein Tierlein finden muß.<br/>
+Leg's auf den Stein vor'm Haus,<br/>
+Und kannst du, brösel's klein:<br/>
+Still dankt es dir die Maus<br/>
+Und still das Vögelein.
+</p>
+
+<h2><a name="chap26"></a>26. DIE SCHÖNEN DREI.</h2>
+
+<p class="poem">
+Vöglein im hohen Baum,<br/>
+Klein ist's, ihr seht es kaum,<br/>
+Singt doch so schön,<br/>
+Daß wohl von nah und fern<br/>
+Alle die Leute gern<br/>
+Horchen und stehn.<br/>
+<br/>
+Blümlein im Wiesengrund<br/>
+Blühen so lieb und bunt,<br/>
+Tausend zugleich;<br/>
+Wenn ihr vorübergeht,<br/>
+Wenn ihr die Farben seht,<br/>
+Freuet ihr euch.<br/>
+<br/>
+Wässerlein fließt so fort<br/>
+Immer von Ort zu Ort<br/>
+Nieder ins Tal;<br/>
+Dürstet nun Mensch und Vieh,<br/>
+Kommen zum Bächlein sie,<br/>
+Trinken zumal.<br/>
+<br/>
+Habt ihr es auch bedacht,<br/>
+Wer hat so schön gemacht<br/>
+Alle die drei?<br/>
+Gott, der Herr, machte sie,<br/>
+Daß sich nun spät und früh<br/>
+Jedes dran freu'.
+</p>
+
+<h2><a name="chap27"></a>27. DAS VOGELNEST.</h2>
+
+<p>
+In einem Garten lebte ein Vögelein, das sehr schön singen konnte. Es baute sich
+in einem Busch ein hübsches Nestchen. In dieses legte es Eier hinein und
+brütete Junge aus. Einmal suchte das alte Vögelein Futter für seine Kinder. Da
+sahen zwei Buben das Nest und nahmen es samt den Jungen weg. Darüber wurde die
+Mutter der jungen Vögelein sehr traurig.
+</p>
+
+<p>
+Sie flog hin und her und schrie, so laut sie konnte. Die Knaben machten sich
+aber nichts daraus. Endlich hörte die Schwester der bösen Knaben das Vögelein
+schreien. Gleich ging sie hin und nahm ihren Brüdern das Nestchen Weg und trug
+es wieder in die Hecke. Seit dieser Zeit hatten die Vögelein das Mädchen recht
+lieb, und wenn es im Garten war, sangen sie noch einmal so schön wie sonst.
+</p>
+
+<h2><a name="chap28"></a>28. DER DRACHE.</h2>
+
+<p>
+Mein Bruder Karl hatte einen großen Drachen gemacht. Er war aus holz und
+Papier. Um untern Ende befand sich ein langer Schwanz und am obern eine lange,
+dünne Schnur.
+</p>
+
+<p>
+Nachmittags gingen wir hinaus auf das Feld hinter unserm Hause. Es war ein
+schöner Tag; die Sonne schien prächtig, und es wehte ein guter Wind. Wir ließen
+den Drachen steigen. Er stieg so hoch, wie die Schnur reichte. Wir konnten ihn
+kaum noch sehen.
+</p>
+
+<p>
+So standen wir lange im Schatten neben dem Zaune. Auch unser Hund Karo kam
+unter dem Karren hervor. Wir waren sehr vergnügt, bis der Abend dem Spiele ein
+Ende machte.
+</p>
+
+<div class="fig" style="width:100%;">
+<img src="images/28.png" width="500" height="380" alt="[DER DRACHE]" />
+</div>
+
+<h2><a name="chap29"></a>29. DIE VÖGLEIN.</h2>
+
+<p class="poem">
+Warum wohl die Vöglein fliegen können?<br/>
+Ei, das magst du ihnen schon gönnen.<br/>
+Auf der Erde sind Tiere viel<br/>
+Und haben hier und dort ihr Spiel.<br/>
+Da war kein Platz für die Vögel mehr;<br/>
+Das dauerte den lieben Gott so sehr,<br/>
+Darum hat er ihnen Flügel gegeben,<br/>
+Daß sie dort oben in Lüften schweben;<br/>
+Da können sie spielen den ganzen Tag<br/>
+Und haben Platz, wie viel jedes mag.
+</p>
+
+<h2><a name="chap30"></a>30. VOM HÄNSCHEN.</h2>
+
+<p>
+Hänschen und Gretchen spielten im Garten. Da kam ein schöner Schmetterling
+geflogen. Gleich wollte Hans ihn fangen. Gretchen rief: "Ach, laß doch das
+hübsche Tierlein gehen!" Aber Hans hörte nicht darauf. Mit dem Hute in der Hand
+lief er dem Schmetterlinge nach. Er schaute immer nur in die Höhe. Patsch,—fiel
+er in einen tiefen Graben voller Wasser. Der Schmetterling flog munter davon.
+Hänschen ging weinend heim und wurde noch ausgelacht.
+</p>
+
+<h2><a name="chap31"></a>31. SPRÜCHE.</h2>
+
+<p class="poem">
+Ein gutes Kind gehorcht geschwind<br/>
+Und folgt sofort aufs erste Wort.<br/>
+<br/>
+Was du nicht willst, das man dir tu',<br/>
+Das füg' auch keinem andern zu.<br/>
+<br/>
+Vorgetan und nachbedacht<br/>
+Hat manchem großes Leid gebracht.<br/>
+<br/>
+Quäle nie ein Tier zum Scherz,<br/>
+Denn es fühlt, wie du, den Schmerz.
+</p>
+
+<h2><a name="chap32"></a>32. DIE SCHNECKE:</h2>
+
+<p class="poem">
+Die Schnecke ist gar übel dran.<br/>
+Wie muß sie sich doch plagen!<br/>
+Sie muß ihr Haus<br/>
+Tagein, tagaus<br/>
+Auf ihrem Rücken tragen.<br/>
+<br/>
+Die Schnecke ist nicht übel dran.<br/>
+Sie weiß sich wohl zu schützen:<br/>
+Nimmt sie Gefahr<br/>
+Vom Feinde wahr,—<br/>
+Bleibt sie im Häuschen sitzen.
+</p>
+
+<div class="fig" style="width:100%;">
+<img src="images/32.png" width="300" height="178" alt="[DIE SCHNECKE]" />
+</div>
+
+<h2><a name="chap33"></a>33. DIE HENNE UND DIE ENTLEIN.</h2>
+
+<p>
+Die kleine Anna hatte eine Henne zum Geschenk bekommen. Diese legte jeden
+Morgen ein Ei. Als nun Annas Mutter eines Tages das Nest mit zwölf Eiern sah,
+nahm sie dieselben voller Freude in die Küche. Aber siehe da! Die Henne
+jammerte und suchte ihr Nest. Nun fand sie in der Nähe ein Entennest, in dem
+auch Eier waren. Sie setzte sich darauf, bis die Jungen herauskamen. Das waren
+aber Entchen statt Küchlein. Doch die Henne hatte sie so lieb, als ob es
+Küchlein wären. Sie suchte Futter mit ihnen und nahm sie unter ihre Flügel,
+damit ihnen kein Leid geschehe. Doch eines schönen Tages liefen die Kleinen
+davon. Wohin? In großer Angst eilte die Henne hinterher. Die Entchen waren zum
+Teiche gelaufen. Umsonst warnte die Henne: "Das ist Wasser! Ihr müßt
+ertrinken!" Lustig schwammen die kleinen Enten schon umher, und alles Glucken
+der alten Henne brachte sie nicht ans Ufer zurück.
+</p>
+
+<div class="fig" style="width:100%;">
+<img src="images/33.png" width="500" height="392" alt="[DIE HENNE UND DIE ENTLEIN]" />
+</div>
+
+<h2><a name="chap34"></a>34. DIE TAGESZEITEN.</h2>
+
+<p>
+Hoch am Himmel steht die Sonne. Sie leuchtet so hell, daß man sie nicht lange
+ansehen kann. Wenn die Sonne morgens aufgeht, wird es auf der Erde hell. Dann
+sagen die Leute zu einander: "Guten Morgen!" Die Sonne steigt nun immer höher
+und höher, bis sie zuletzt fast über unserem Kopfe steht. Es ist jetzt Mittag.
+Wenn sich Bekannte treffen, wünschen sie einander: "Guten Tag!" Bald darauf
+neigt sich die Sonne wieder abwärts. Sie sinkt bis an den Rand des Himmels.
+Alsdann sieht sie wie eine große, feurige Kugel aus und färbt die Wolken schön
+rot. Auf einmal ist sie verschwunden. Es wird dunkler und die Nacht bricht an.
+Man bietet sich "Guten Abend!" und wünscht allen vor dem Schlafengehen eine
+"Gute Nacht!" Nun kommt die Zeit der Ruhe.
+</p>
+
+<h2><a name="chap35"></a>35. KIND UND SONNE.</h2>
+
+<p>
+<i>Kind</i>: Sag einmal, liebe Sonne, wohin gehst du, wenn es Abend wird? Es
+heißt dich doch niemand fortgehen. Ich meine, du könntest immer bei uns
+bleiben. Das wäre so schön!
+</p>
+
+<p>
+<i>Sonne</i>: Nein, mein Kind, das kann nicht sein! Wenn es Nacht wird,
+schlafen die Leute, und du schläfst auch. Beim Schlafen braucht man mich aber
+nicht. Ich reise dann weit, weit fort in ein fernes Land. Dort wohnen auch
+Menschen: Väter, Mütter und viele brave Kinder. Wenn ich zu diesen komme, haben
+sie ausgeschlafen. Vater und Mutter stehen dann auf und arbeiten, und die
+größeren Kinder gehen in die Schule, um zu lernen.
+</p>
+
+<p>
+<i>Kind</i>: Ei, ei! Und wenn du bei diesen Menschen gewesen bist, wohin gehst
+du hernach?
+</p>
+
+<p>
+<i>Sonne</i>: Wenn ich dort gewesen bin, komme ich wieder zu dir, wie an jedem
+Morgen. So reise ich zu allen Menschen auf der ganzen Erde.
+</p>
+
+<h2><a name="chap36"></a>36. SONNE UND REGEN.</h2>
+
+<p class="poem">
+Die Sonne sprach: "Ich will scheinen<br/>
+So fort und immerfort!"<br/>
+Der Regen sprach: "Ich will fallen<br/>
+Ohn' Ende an jedem Ort!"<br/>
+Die Sonne: "Du machst ja alles<br/>
+Auf der Erde gang naß!"<br/>
+Der Regen: "Du machst zu trocken,<br/>
+Wenn du scheinst ohn' Unterlaß!"<br/>
+Die Sonne: "Ich mache fruchtbar,<br/>
+Und alles freut sich mein!"<br/>
+Der Regen: "Du machst zu trocken,<br/>
+Dich mag man nicht allein!"<br/>
+So haben sie lang gestritten,<br/>
+Doch wurden sie einig zuletzt:<br/>
+Sie wollten miteinander wechseln,<br/>
+Und so ist es denn auch jetzt.
+</p>
+
+<h2><a name="chap37"></a>37. ASTERN.</h2>
+
+<p>
+Ein kleiner Knabe lag einmal im Grase und schlief. Da sah er im Traum einen
+Engel, der eine wunderschöne Blume in der Hand trug. Der Engel sagte, daß es im
+Himmel viele solche Blumen gebe. Der Knabe hätte sie gerne gehabt. Als er
+aufwachte, lagen da ein paar glänzende Samenkörner. Die pflanzte der Knabe in
+seinem Garten. Als der Herbst kam, waren aus den Samen die Blumen entstanden.
+Sie sahen gerade wie Sterne aus. Der Knabe rief seine Eltern. Vater und Mutter
+sagten: "Das sind Sternblumen oder Astern. Die sollen uns an den, Himmel droben
+erinnern."
+</p>
+
+<div class="fig" style="width:100%;">
+<img src="images/37.png" width="500" height="418" alt="[ASTERN]" />
+</div>
+
+<h2><a name="chap38"></a>38. RÄTSEL.</h2>
+
+<p class="poem">
+Loch bei Loch,<br/>
+Und hält doch.<br/>
+Was ist's?<br/>
+<br/>
+Rat! Das Haus hat lauter Treppen,<br/>
+Keine Fenster, keine Zimmer;<br/>
+Wer drin wohnt, muß es immer<br/>
+Auf seinem Rücken schleppen.<br/>
+<br/>
+Es ist ein Ding, hat Stamm und Zweig' und Blätter,<br/>
+Schützt dich vor Sonne und im Regenwetter.
+</p>
+
+<h2><a name="chap39"></a>39. VÖGEL UND BLUMEN.</h2>
+
+<p class="poem">
+Die Vögel, sie fliegen wie Blätter im Wind;<br/>
+Da winken die Blümlein zum Abschied geschwind.<br/>
+Es singt in den Bäumen der Herbst schon sein Lied,<br/>
+Fort ziehen die Vögel, die Blumen sind müd'.<br/>
+<br/>
+Im Süden die Vögel, die Blumen im Schnee,<br/>
+Sie warten, daß wieder der Frühling ersteh'.<br/>
+Dann lachen die Blüten, das Vögelein singt;<br/>
+Dann duftet's und jubelt's, bis rings alles klingt.
+</p>
+
+<h2><a name="chap40"></a>40. DANKSAGUNGSTAG.</h2>
+
+<p>
+Was tut ihr, wenn euch jemand etwas geschenkt hat oder recht gut gegen euch
+gewesen ist? Nicht wahr, ihr sagt: "Danke schön!" Vergesset das ja nicht! Wir
+Menschen, groß und klein, haben für gar vieles dankbar zu sein. Die Kinder
+können sich freuen, wenn sie noch Eltern haben, die sie lieben und für sie
+sorgen. Erwachsene Leute sollen froh sein, wenn sie gesund sind und keine Not
+zu leiden brauchen. Doch das wird oft nicht bedacht. Deshalb ist ein Tag da, an
+dem ein jeder von feiner Arbeit ausruhen und fröhlich Gott danken soll für
+allen Segen. Im Herbste, wenn die Ernte vorüber ist, kommt der Danksagungstag.
+Da gibt es meistens gut und reichlich zu essen und zu trinken. In den Kirchen
+ist Gottesdienst. Auch für die Armen und Unglücklichen wird gesorgt, damit ein
+jeder im Herzen dankbar sein möge für das Gute und Schöne, was das Jahr
+gebracht hat.
+</p>
+
+<h2><a name="chap41"></a>41. VOM PUTER.</h2>
+
+<p class="poem">
+Puter, Puter, Polterhahn,
+<br/>Hast 'ne rote Weste an,
+<br/>Hast 'ne rote Nasenspitze
+<br/>Und 'ne rote Zipfelmütze;
+<br/>Aber das gibst du wohl zu:
+<br/>Ich bin schöner doch als du!
+</p>
+
+<div class="fig" style="width:100%;">
+<img src="images/41.png" width="250" height="216" alt="[VOM PUTER]" />
+</div>
+
+<h2><a name="chap42"></a>42. DIE VIER BRÜDER.</h2>
+
+<p class="poem">
+Vier schöne Brüder kenn' ich wohl,<br/>
+Geschmückt so wunderbar;<br/>
+Sie kommen schon seit alter Zeit<br/>
+Zu uns in jedem Jahr.<br/>
+Der erste Bringt uns einen Strauß,<br/>
+Streut Blumen um sich her.<br/>
+Den zweiten schmückt ein goldner Kranz<br/>
+Von Ähren voll und schwer.<br/>
+Der dritte reicht uns Äpfel dar<br/>
+Und neuen goldnen Wein.<br/>
+Der vierte ist in Pelz gehüllt<br/>
+Wie Schnee so weiß und rein.<br/>
+Wer nennt die schönen Brüder mir,<br/>
+Geschmückt so wunderbar?<br/>
+Sie kommen schon seit alter Zeit<br/>
+Zu uns in jedem Jahr.
+</p>
+
+<h2><a name="chap43"></a>43. DIE ZWÖLF MONATE.</h2>
+
+<p class="poem">
+Gleich anfangs mit dem neuen Jahr<br/>
+Erscheint der kalte Januar,<br/>
+Dann kommt alsbald der zweite Mann,<br/>
+Der Februar, in Eile an.<br/>
+Der März ist nun auch nicht mehr weit,<br/>
+Und der April ist bald bereit.<br/>
+Ihm folgt der wunderschöne Mai,<br/>
+Der Juni kommt drauf schnell herbei,<br/>
+Und ist der Juli nun erst da,<br/>
+So ist auch der August schon nah;<br/>
+Ihm schließt sich der September an,<br/>
+Und der Oktober folgt alsdann.<br/>
+November ziehet schleunig ein,<br/>
+Dezember wird her letzte sein.
+</p>
+
+<h2><a name="chap44"></a>44. DIE BLÄTTER TANZEN.</h2>
+
+<p class="poem">
+Die Bäume stehen ruhig da,<br/>
+Die Blätter flüstern leise.<br/>
+Hört ihr den Wind, hei, hussassa,<br/>
+Bald bläst er seine Weise.<br/>
+<br/>
+Da braust der Wind gar wild einher<br/>
+Und rüttelt an den Bäumen,<br/>
+Er beugt sie hin, er beugt sie her,<br/>
+Läßt keine Zeit zum Träumen.<br/>
+<br/>
+"Halt ein, du stürmischer Gesell',<br/>
+Wir stehen fest wie Lanzen!"<br/>
+Die Blätter aber lachen hell:<br/>
+"Herr Wind, wir möchten tanzen!"<br/>
+<br/>
+"Ei," ruft der Wind, "ein luftig Wort,<br/>
+Da kann ich stark mich zeigen!"<br/>
+Er Bläst die bunten Blätter fort;<br/>
+Die tanzen froh den Reigen.<br/>
+<br/>
+Der Wind ist fort, der Tanz ist aus,<br/>
+Die Blätter sinken nieder;<br/>
+Der Schnee streckt sein Decke aus,<br/>
+Der Frühling hebt sie wieder.
+</p>
+
+<div class="fig" style="width:100%;">
+<img src="images/44.png" width="500" height="355" alt="[DIE BLÄTTER TANZEN]" />
+</div>
+
+<h2><a name="chap45"></a>45. DIE VIER JAHRESZEITEN.</h2>
+
+<p>
+Es gibt vier Jahreszeiten: Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Im Frühling
+wird die Luft warm. Der Schnee schmilzt, und die Flüsse werden wieder frei vom
+Eise. Auf den Wiesen und in den Gärten keimen Gräser und Kräuter, auf den
+Feldern grünt die Saat, und die Bäume bekommen frisches Laub. Sie treiben
+Knospen und Blüten. Die Vögel, welche im Herbste in wärmere Länder gezogen
+waren, kehren zurück. Andere Tiere, die den Winter in ihren Höhlen verschlafen
+hatten, wachen auf und kommen hervor. Mit dem Sommer werden die Tage länger,
+und die Wärme nimmt zu. Das Getreide wird reif und vom Landmanne geschnitten.
+Auf den Sommer folgt der Herbst. Im Herbst gibt es Obst, Trauben und
+Kartoffeln, auch wird die Saat für das nächste Jahr bestellt. Das Laub der
+Bäume vertrocknet und fällt zur Erde nieder. Die Tage werden immer kürzer. Oft
+ist es neblig und rauh. Bald wird es recht kalt; die Flüsse frieren zu, und es
+gibt Schnee. Die Vögel können draußen kein Futter finden. Sie kommen in die
+Straßen und vor die Türen, um einige Körner und Bröckchen zu suchen. Zu Hause
+wird eingeheizt; aber im Freien tummeln sich die Kinder, gleiten auf dem Eise,
+oder fahren Schlitten. Sie freuen sich darauf, einen Schneemann machen zu
+können. Bald naht auch das liebe Weihnachtsfest.
+</p>
+
+<h2><a name="chap46"></a>46. WINTERS ANKUNFT.</h2>
+
+<p class="poem">
+Im weißen Pelz der Winter<br/>
+Steht lang' schon hinter der Tür,<br/>
+Ei, guten Tag, Herr Winter,<br/>
+Das ist nicht hübsch von dir!<br/>
+<br/>
+Wir meinten, du wärest, wer weiß wie weit,<br/>
+Da kommst du mit einmal hereingeschneit.<br/>
+Nun, da du hier bist, so mag's schon sein;<br/>
+Aber, was bringst du Gutes uns Kindelein?<br/>
+<br/>
+Was ich euch bringe, das sollt ihr wissen:<br/>
+Fröhliche Weihnacht mit Äpfeln und Nüssen<br/>
+    Und Schneeballen,<br/>
+    Wie sie fallen,<br/>
+    Und im Jänner<br/>
+    Auch Schneemänner!
+</p>
+
+<div class="fig" style="width:100%;">
+<img src="images/45.png" width="500" height="538" alt="[WINTERS ANKUNFT]" />
+</div>
+
+<h2><a name="chap47"></a>47. DER TANNENBAUM.</h2>
+
+<p class="poem">
+So manches Bäumchen in dem Wald<br/>
+Verliert im Herbst die Blätter,<br/>
+Jedoch der liebe Tannenbaum<br/>
+Der trotzet Wind und Wetter.<br/>
+<br/>
+Ist alles draußen öd' und leer,<br/>
+Steht er im grünen Kleide<br/>
+Und setzt sich stolz ein Käpplein auf,<br/>
+Ein Käpplein weiß wie Kreide.<br/>
+<br/>
+Das nimmt er aber artig ab<br/>
+Am frohen Weihnachtsfeste,<br/>
+Und grüßet liebevoll und gut<br/>
+Die Kinder all' aufs Beste.<br/>
+<br/>
+O Tannenbaum, o Tannenbaum,<br/>
+Du kannst mir sehr gefallen,<br/>
+Du bist der allerliebste mir<br/>
+Doch von den Bäumen allen.
+</p>
+
+<h2><a name="chap48"></a>48. VOGEL AM FENSTER.</h2>
+
+<p class="poem">
+An das Fenster klopft es: pick, pick!<br/>
+"Macht mir doch auf einen Augenblick!<br/>
+Dicht fällt der Schnee, der Wind weht kalt,<br/>
+Habe kein Futter, erfriere bald.<br/>
+Liebe Leute, o laßt mich ein,<br/>
+Will auch immer recht artig sein!"<br/>
+<br/>
+Sie ließen ihn ein in seiner Not;<br/>
+Er suchte sich manches Krümchen Brot;<br/>
+Blieb fröhlich manche Woche da.<br/>
+Doch als die Sonne durchs Fenster sah,<br/>
+Da saß er immer so traurig dort:<br/>
+Sie machten ihm auf, husch, war er fort.
+</p>
+
+<div class="fig" style="width:100%;">
+<img src="images/48.png" width="500" height="426" alt="[VOGEL AM FENSTER]" />
+</div>
+
+<h2><a name="chap49"></a>49. DAS BÜBLEIN AUF DEM EISE</h2>
+
+<p>
+Es war Winter. Da kam ein Knabe an einem Teiche vorbei. Der Teich war
+zugefroren. Der Knabe hatte große Lust, auf das Eis zu gehen. Der Vater aber
+hatte es ihm verboten. Das Eis war noch nicht stark genug. Der ungehorsame
+Knabe wagte sich dennoch auf das Eis. Er hackte darauf mit seinen Stiefeln. Auf
+einmal krachte das Eis. Der Knabe fiel in das Wasser hinein und schrie laut um
+Hilfe. Ein Mann eilte herbei und zog ihn heraus. Ganz durchnäßt mußte der Knabe
+nach Hause laufen. Die Mutter brachte ihn in das Bett, und dazu wurde er noch
+von seinem Vater bestraft.
+</p>
+
+<h2><a name="chap50"></a>50. RÄTSEL.</h2>
+
+<p class="poem">
+Weiß wie Kreide,<br/>
+Leicht wie Flaum,<br/>
+Weich wie Seide,<br/>
+Feucht wie Schaum.<br/>
+<br/>
+Wer baut wohl die billigste Brücke?<br/>
+Wer reißt sie nieder und schlägt sie in Stücke?<br/>
+<br/>
+Was mögen das für Blumen sein,<br/>
+Die unsre Fenster zieren,<br/>
+Wenn drauß' vor Kälte Stein und Bein<br/>
+Im rauhen Winter frieren?<br/>
+Sie sind nicht rot und blau gemalt,<br/>
+Wie Blumen auf den Wiesen,<br/>
+Und wenn die liebe Sonne scheint,<br/>
+In Wasser sie zerfließen.
+</p>
+
+<h2><a name="chap51"></a>51. WEIHNACHTSFREUDE.</h2>
+
+<p>
+Am Abend vor Weihnachten kam Else zur Mutter gelaufen und rief: "Denke nur,
+Anna Maurer hat mir heute ins Ohr gesagt, sie hätten seit gestern kein Holz,
+kein Brot und keine Milch. Und sie haben doch ein kleines Kind, und die
+Großmutter ist krank. Darf ich der Anna heute Abend mein Brot geben?"
+</p>
+
+<p>
+"O, gewiß," sagte die Mutter, "geh nur gleich hin. Bringe ihnen auch diese
+Kanne voll Milch. Robert soll seinen kleinen Schlitten voll Holz laden und es
+hinfahren." Wie freuten sich die Kinder, daß sie den armen Leuten helfen
+durften.
+</p>
+
+<p>
+Aber Robert wollte noch mehr tun. Er bat den Vater um ein ganz kleines
+Tannenbäumchen. Das schmückte er mit farbigen Sternen und Lichtlein. Dann
+suchte er seine warme Kappe für Maurers Karl und nahm ein Säcklein voll Nüsse.
+Else holte eine ihrer Puppen. Alles das packten sie in einen Korb.
+</p>
+
+<p>
+Als es dunkel war, nahm Robert das Bäumchen und Else den Korb. Sie gingen hin
+und stellten die Sachen leise vor Maurers Tür. Dann klopften sie und eilten
+davon.
+</p>
+
+<p>
+Wie sich da die armen Leute freuten! Aber auch Robert und Else meinten, noch
+nie so schöne Weihnachten gehabt zu haben, wie diesmal.
+</p>
+
+<h2><a name="chap52"></a>52. SCHNEESTERNE.</h2>
+
+<p>
+<i>Olga</i>: Komm, liebe Mama, komm geschwind! Ich hab' dir etwas mitgebracht.
+Rate, was es ist!
+</p>
+
+<p>
+<i>Mutter</i>: Nun, was mag das wohl sein! Blumen, Obst oder gar Kuchen?
+</p>
+
+<p>
+<i>Olga</i>: O, nein, nein; ganz etwas anderes. Schöne, weiße Sterne sind es.
+Sieh her, hier hab' ich sie in meiner Schürze!
+</p>
+
+<p>
+<i>Mutter</i>: Wo sind sie denn? Ich kann nichts sehen.
+</p>
+
+<p>
+<i>Olga</i>: Ach, Mama! Sie sind nun fort, und ich habe mich doch so gefreut,
+sie dir zu bringen. Es sind nur noch kleine Tropfen auf meiner Schürze. Ich
+möchte weinen!
+</p>
+
+<p>
+<i>Mutter</i>: Weine nicht, liebe Olga: Solche Sterne können nicht bleiben. Die
+Waren einmal Wasser, und die Kälte machte sie zu Schnee. Da sehen sie gerade
+wie kleine, blitzende Sterne aus. Nachher werden sie wieder zu Wasser.
+Menschen, Tiere und Pflanzen trinken das Wasser. Nach und nach holt die Sonne
+auch viele Tropfen hinauf zu den Wolken. Ohne Wasser könnten wir gar nicht
+leben.
+</p>
+
+<div class="fig" style="width:100%;">
+<img src="images/52.png" width="500" height="356" alt="[SCHNEESTERNE]" />
+</div>
+
+<h2><a name="chap53"></a>53. BRIEF VOM WEIHNACHTSMANN.</h2>
+
+<p class="right">
+Daheim, am 1. Januar 1913.
+</p>
+
+<p>
+Liebe Kinder!
+</p>
+
+<p>
+Mein Vetter, der Neujahrsbote, bringt Euch meine Grüße und Wünsche. Eure Bitten
+habe ich, wie Ihr wisset, erfüllt. Erfreuet Euch nur recht an den Geschenken.
+</p>
+
+<p>
+Wenn nun heute mein Baum noch einmal strahlt und glitzert, dann nehmt Euch vor,
+auch in diesem Jahre immer lieb und brav zu sein. Ihr könnt Euren Eltern und
+mir keine größere Freude machen. Schreibt mir zur rechten Zeit wieder, ob Ihr
+Wort gehalten habt. Dann schenke ich Euch das nächste Mal, was Ihr als gute
+Kinder verdient.
+</p>
+
+<p class="right">
+Euer Freund<br/>
+Der Weihnachtsmann.
+</p>
+
+<h2><a name="chap54"></a>54. ZU NEUJAHR.</h2>
+
+<p class="poem">
+Noch nicht erwachsen bin ich,<br/>
+Drum wünsch' ich kurz, doch innig:<br/>
+    Ein glückliches Neujahr!<br/>
+<br/>
+Und was euch freut, das weiß ich:<br/>
+Wenn brav ich bin und fleißig,<br/>
+    Mehr als ich sonst es war.<br/>
+<br/>
+Gesundheit, Freude, Frieden<br/>
+Sei allen euch beschieden,<br/>
+    Wie heut, so immerdar.
+</p>
+
+<h2><a name="chap55"></a>55. VERSTEHST DU DAS?</h2>
+
+<p class="poem">
+Er ritt auf einem Rappen aus,<br/>
+Da kam etwas vom Himmel,<br/>
+Und als er wieder kam nach Haus,<br/>
+Da war der Rapp' ein Schimmel.<br/>
+    Verstehst du das?
+</p>
+
+<h2><a name="chap56"></a>56. DER SCHNEEMANN.</h2>
+
+<p>
+Es hatte geschneit. Dick lag der Schnee auf Straßen und Plätzen. Die Knaben
+wollten sehen, wie tief er wohl sei. Sie wateten hindurch, daß der Schnee in
+die Stiefel fiel. "Heute wollen wir einen Schneemann bauen!" So riefen Fritz,
+Karl und Otto. Schnell machten sie einen großen Schneeball und wälzten ihn im
+tiefen Schnee herum. Bald wurde der Ball so groß, daß ihn die Knaben nicht mehr
+fortbringen konnten. Nun wälzten sie einen neuen Ball heran, den setzten sie
+auf den ersten. Oben darauf kam ein kleiner Ball, das war der Kopf des
+Schneemannes. In den Kopf steckte Fritz zwei Kohlen, das waren die Augen. Auch
+Nase und Mund, ja sogar die Rockknöpfe des Mannes wurden aus Kohlen gemacht.
+Nun bekam der Schneemann noch zwei Arme. In den einen Arm legten ihm die Knaben
+einen großen Stock.
+</p>
+
+<p>
+Da stand er nun und drohte. Aber der arme Mann konnte nicht schlagen.
+Fortlaufen konnte er auch nicht, als ihn die jungen mit Schneebällen warfen.
+Doch das war noch das Schlimmste nicht! Auf einmal guckte die liebe Sonne über
+das Dach. Da fing der Schneemann an zu weinen. Tränen liefen ihm über das
+Gesicht und den weißen Pelzrock. Es war gut, daß die Sonne heute nicht noch
+länger schien, sonst wäre er ganz zu Wasser geworden. Morgen aber oder
+übermorgen wird's wohl so kommen.
+</p>
+
+<div class="fig" style="width:100%;">
+<img src="images/56.png" width="500" height="392" alt="[DER SCHNEEMANN]" />
+</div>
+
+<h2><a name="chap57"></a>57. MÄRZ.</h2>
+
+<p>
+Nach vielen trüben Tagen sehen wir den blauen Himmel wieder. Manchmal scheint
+auch schon die Sonne freundlich auf die Erde herab. Da muß der Winter weichen.
+Der Schnee fängt an, zu schmelzen, und nur noch des Nachts gibt es ein wenig
+Eis. An schönen Tagen läßt sich vielleicht ein Vogel hören, und ein fleißiges
+Bienchen fliegt umher. Auf dem Felde und im Wald sieht es aber noch recht öde
+aus. Nur die Weiden und Birken haben graue Kätzchen, und an den Zweigen der
+Ulme sind kleine Blüten. Die Kinder gehen ins Freie; sie spielen Ball oder
+lassen den Drachen steigen.
+</p>
+
+<h2><a name="chap58"></a>58. OSTERGRUSS.</h2>
+
+<p class="poem">
+Das Häschen im Walde eilt hin und her,<br/>
+Nach Eiern ist heute ein großes Begehr.<br/>
+Es borgt bei der Henne, es borgt bei dem Spatz<br/>
+Und sucht für die Nester den passenden Platz.<br/>
+Ein artiges Kindlein erhält heut' sein Ei.<br/>
+Es schleppen die Häschen die Eier herbei;<br/>
+Und bist du am Ostermorgen erwacht,<br/>
+Hat Häschen die Nester gefüllt über Nacht.
+</p>
+
+<h2><a name="chap59"></a>59. DER OSTERHASE.</h2>
+
+<p>
+Bald ist es Ostern. O, wie freue ich mich, denn es kommt der Osterhase! Der
+bringt schöne, bunte Eier. Wir wollen ihm deshalb ein Nest zurecht machen. Oft
+versteckt der Osterhase die Eier. Dann müssen wir sie suchen. Zuweilen legt er
+sie in Hüte, Schuhe oder Körbe. Auch unter den Schrank hat er sie schon gelegt.
+Ja, er steckt sie uns wohl gar in die Taschen. Welche Freude, wenn wir sie
+finden! Erst zählen wir sie und spielen damit. Später essen wir sie; sie
+schmecken gut. In Washington werden am Ostermontage viele Kinder zum
+Präsidenten eingeladen. Sie können lange auf dem Rasen bei dem großen Hause
+spielen. Da gibt es dann viele und sehr schöne Ostereier. Die werden hin und
+her gerollt und schließlich verzehrt. Ihr möchtet auch dabei sein, nicht wahr?
+</p>
+
+<div class="fig" style="width:100%;">
+<img src="images/59.png" width="500" height="466" alt="[DER OSTERHASE]" />
+</div>
+
+<h2><a name="chap60"></a>60. DER OBSTGARTEN.</h2>
+
+<p>
+Neben dem Gemüse und den Blumen ist oft ein Platz, auf dem nur Gras und
+Obstbäume wachsen, es ist der Obstgarten. Welche Pracht, wenn die Bäume im
+Frühlinge blühen! Der Kirschbaum kommt zuerst mit seinen weißen Blüten. Dann
+ziehen der Birnbaum und der Pflaumenbaum ihr weißes Kleid an. Am schönsten aber
+Blühen der Apfelbaum und der Pfirsichbaum, die blühen schön rot. Das Obst ist
+zuerst grün; dann, wenn die Sonne recht heiß scheint, wird es gelb, rot oder
+blau. Ah, Wie schmecken Kirschen und Pflaumen so gut! Wenn sie nur schon reif
+wären!
+</p>
+
+<h2><a name="chap61"></a>61. SPRÜCHE.</h2>
+
+<p class="poem">
+Was Hänschen nicht lernt,<br/>
+Lernt Hans nimmermehr.<br/>
+<br/>
+Gute Sprüche, weise Lehren<br/>
+Muß man üben, nicht bloß hören.<br/>
+<br/>
+Frage nicht, was and're machen,<br/>
+Sieh auf deine eig'nen Sachen.
+</p>
+
+<h2><a name="chap62"></a>62. DIE VÖGEL IM FRÜHLINGE.</h2>
+
+<p>
+Im Winter sind nur wenige Vögel Bei uns. Wo sind die andern? Sie sind
+fortgezogen nach wärmeren Ländern. Jetzt wird es aber auch hier bei uns warm,
+und die Vögel kehren zurück. Bald werdet ihr sie singen hören. Fleißig fliegen
+sie zum Baume. Sie arbeiten. Im Schnabel tragen sie Stroh, Heu, Pferdehaare
+oder auch kleine Zweige herbei; damit bauen sie ihre Nester.
+</p>
+
+<div class="fig" style="width:100%;">
+<img src="images/62.png" width="500" height="414" alt="[DIE VÖGEL IM FRÜHLINGE]" />
+</div>
+
+<h2><a name="chap63"></a>63. DAS ROTE HÜHNCHEN.</h2>
+
+<p>
+<i>Hühnchen</i>: Hier ist ein Weizenkorn. Wer wird mir helfen, es zu pflanzen?
+Bitte, hilf du mir, Frau Gans.
+</p>
+
+<p>
+<i>Gans</i>: Es tut mir leid, aber ich kann dir nicht helfen.
+</p>
+
+<p>
+<i>Hühnchen</i>: Bitte, hilf du mir, Frau Ente.
+</p>
+
+<p>
+<i>Ente</i>: O, ich kann dir heute nicht helfen. Ich habe so viel mit meinen
+Kindern zu tun.
+</p>
+
+<p>
+<i>Hühnchen</i>: Nun, dann hilf du mir, alte Katze.
+</p>
+
+<p>
+<i>Katze</i>: Ich kann dir auch nicht helfen. Ich muß meine Kätzchen waschen.
+</p>
+
+<p>
+<i>Hühnchen</i>: Willst du mir denn nicht helfen, kleines Schwein?
+</p>
+
+<p>
+<i>Schwein</i>: Ich kann keinen Weizen pflanzen. Ich bin zu müde. Pflanz du ihn
+selber.
+</p>
+
+<p>
+<i>Hühnchen</i>: Das will ich auch tun! Ich lege dich in die Erde, Körnchen,
+und die Sonne, der Regen und der Wind werden dich wachsen lassen.
+</p>
+
+<hr />
+
+<p>
+<i>Hühnchen</i>: Jetzt ist der Weizen reif. Wer wird ihn nach der Mühle fahren?
+Willst du es tun, Frau Gans?
+</p>
+
+<p>
+<i>Gans</i>: Es tut mir recht leid, Hühnchen, aber heute kann ich nicht nach
+der Mühle fahren. Ich habe Rückenschmerzen.
+</p>
+
+<p>
+<i>Hühnchen</i>: Willst du es tun, Frau Ente?
+</p>
+
+<p>
+<i>Ente</i>: Nein, ich kann auch nicht fort. Ich muß jetzt schwimmen.
+</p>
+
+<p>
+<i>Hühnchen</i>: So tu du es, alte Katze!
+</p>
+
+<p>
+<i>Katze</i>: Sch! Sch! Ruhig! Ich laure auf eine Maus. Ich kann diesmal nicht
+gehen.
+</p>
+
+<p>
+<i>Hühnchen</i>: Bitte, tu du es doch, kleines Schwein.
+</p>
+
+<p>
+<i>Schwein</i>: Ach was! Es ist gerade Zeit für mein Mittagsschläfchen. Du
+kannst den Weizen selber zur Mühle fahren.
+</p>
+
+<p>
+<i>Hühnchen</i>: Das werde ich auch tun.
+</p>
+
+<hr />
+
+<p>
+<i>Hühnchen</i>: Hier ist Mehl. Wer wird Brot daraus backen? Willst du das Brot
+backen, Frau Gans?
+</p>
+
+<p>
+<i>Gans</i>: Ei, nein! Ich habe in meinem Leben noch kein Brot gebacken.
+</p>
+
+<p>
+<i>Hühnchen</i>: Willst du das Brot backen, Frau Ente?
+</p>
+
+<p>
+<i>Ente</i>: Ich! Brot backen? Nein, das kann ich wirklich nicht tun.
+</p>
+
+<p>
+<i>Hühnchen</i>: Backe du das Brot, alte Katze!
+</p>
+
+<p>
+<i>Katze</i>: Ich tue alles andere auf der Welt lieber als backen.
+</p>
+
+<p>
+<i>Hühnchen</i>: Wach auf, kleines Schwein, und back du das Brot.
+</p>
+
+<p>
+<i>Schwein</i>: Ach! laß mich in Ruhe. Ich will dir beim Essen helfen, wenn es
+gebacken ist.
+</p>
+
+<p>
+<i>Hühnchen</i>: Gut; da backe ich es selbst.
+</p>
+
+<hr />
+
+<p>
+<i>Hühnchen</i>: So, jetzt ist das Brot gebacken. Sechs schöne, braune Laibe.
+Wer will helfen essen?
+</p>
+
+<p>
+<i>Gans, Ente, Katze, Schwein</i>: Wir wollen dir helfen!
+</p>
+
+<p>
+<i>Hühnchen</i>: O, nein! Nun brauch' ich euch auch nicht. Ich werde es essen,
+und meine Küchlein sollen mir helfen. Gluck, gluck, gluck!
+</p>
+
+<h2><a name="chap64"></a>64. RÄTSEL.</h2>
+
+<p class="poem">
+Rate flink:<br/>
+Ein kleines Ding,<br/>
+Dünn und spitz;<br/>
+Sticht wie der Blitz.<br/>
+<br/>
+Zwei sind's, die nebeneinander steh'n<br/>
+Und alles ganz gut und deutlich seh'n,<br/>
+Nur immer eines das andre nicht,<br/>
+Und wär' es beim hellsten Tageslicht.
+</p>
+
+<h2><a name="chap65"></a>65. DER NASEWEISE BELLO.</h2>
+
+<p>
+In einem Stalle wohnten fünf kleine Hunde mit ihrer Mutter. Alle waren schön
+weiß mit braunen Flecken. Sie spielten lustig umher und lernten auch von der
+Mutter Ratten und Mäuse fangen.
+</p>
+
+<p>
+Nur einer der Kleinen wollte nicht folgen. Er wollte auch nicht mit seinen
+Geschwistern spielen, sondern trieb sich lieber draußen herum. Einmal war
+Bello—so hieß der kleine—wieder hinausgeschlichen. Bei der Türe stand ein Topf
+voll schwarzer Farbe. Bello wollte gerne wissen, was darin wäre, und so steckte
+er seine Nase hinein. Aber, o weh! er kam mit dem Kopfe zu Weit hinein und warf
+den Topf um. Jetzt war er über und über mit schwarzer Farbe bedeckt. Langsam
+ging er zurück und blieb mit hängendem Kopf auf der Türschwelle sitzen. Seine
+Mutter und seine Geschwister schämten sich des schmutzigen, naseweisen Bello.
+</p>
+
+<h2><a name="chap66"></a>66. HEIL, AMERIKA!</h2>
+
+<p class="poem">
+  Hoch die Fahnen,<br/>
+  Sie gemahnen<br/>
+ An das teure Vaterland.<br/>
+Rot und weiß die Streifen winken,<br/>
+Licht im Blau die Sterne blinken,<br/>
+ Sind der Freiheit Unterpfand.<br/>
+<br/>
+   Freudig singen<br/>
+   Wir und bringen<br/>
+ Grüße viel von fern und nah.<br/>
+Wo die Flaggen munter wehen,<br/>
+Stolz wir, sie beschützend, stehen,<br/>
+ Deiner wert, Amerika!
+</p>
+
+<div class="fig" style="width:100%;">
+<img src="images/66.png" width="500" height="446" alt="[HEIL, AMERIKA!]" />
+</div>
+
+<h2><a name="chap67"></a>67. PETERSILIE.</h2>
+
+<p>
+Es waren einmal zwei Kinder, ein Knabe und ein Mädchen. Das Mädchen hieß Silie,
+der Knabe Peter. Die Kinder konnten sich gar nicht miteinander vertragen.
+Sobald sie zusammenkamen, stritten sie und schlugen einander. Dies machte den
+Eltern viel Kummer. Das ärgerte den Paten der Kinder, der ein Zauberer war. Er
+sprach zu den beiden: "Höre ich euch wieder zanken, so lasse ich euch zur
+Strafe zusammenwachsen."
+</p>
+
+<p>
+Es dauerte gar nicht lange, so war wieder Streit; Silie schlug den Peter, und
+Peter schlug Silie. Da kam der Zauberer durch die Luft gefahren und rührte
+beide mit seinem Stabe an. Nun waren sie verwandelt. Peter wuchs in die Erde
+hinein als Wurzel, und oben auf ihm Silie als grünes Kraut. Der Zauberer nannte
+sie nun zusammen: Petersilie.
+</p>
+
+<h2><a name="chap68"></a>68. DAS KIND UND SEIN BLÜMCHEN.</h2>
+
+<p class="poem">
+Ward ein Blümchen mir geschenket,<br/>
+Hab's gepflanzt und hab's getränket.<br/>
+Vögel, kommt und gebet acht!<br/>
+Gelt, ich hab' es recht gemacht?<br/>
+<br/>
+Sonne, laß mein Blümchen sprießen!<br/>
+Wolke, komm es zu begießen!<br/>
+Richt' empor dein Angesicht,<br/>
+Liebes Blümchen, fürcht' dich nicht!<br/>
+<br/>
+Und ich kann es kaum erwarten,<br/>
+Täglich geh' ich in den Garten,<br/>
+Täglich frag' ich: Blümchen, sprich,<br/>
+Blümchen, bist du bös auf mich?<br/>
+<br/>
+Sonne ließ mein Blümchen sprießen,<br/>
+Wolke kam, es zu begießen;<br/>
+Jedes hat sich brav bemüht,<br/>
+Und mein liebes Blümchen blüht.<br/>
+<br/>
+Wie's vor lauter Freuden weinet,<br/>
+Freut sich, daß die Sonne scheinet;<br/>
+Schmetterlinge, fliegt herbei,<br/>
+Sagt ihm doch, wie schön es sei!
+</p>
+
+<div class="fig" style="width:100%;">
+<img src="images/68.png" width="500" height="485" alt="[AS KIND UND SEIN BLÜMCHEN]" />
+</div>
+
+<h2><a name="chap69"></a>69. NACHLÄSSIGKEIT.</h2>
+
+<p>
+Eine fleißige Mutter baute in ihrem Garten Gemüse aller Art.
+Eines Tages sagte sie zu ihrer kleinen Tochter: "Lieschen, sieh da an der
+untern Seite des Kohlblattes die kleinen, netten, gelben Tüpfelchen! Das sind
+die Eier, aus denen die schönfarbigen, aber verderblichen Raupen kommen. Suche
+diesen Nachmittag alle Blätter ab und zerdrücke die Eier, so wird unser Kohl
+grün und unversehrt bleiben."
+</p>
+
+<p>
+Lieschen meinte, zu dieser Arbeit sei es immer noch Zeit, und dachte am Ende
+gar nicht mehr daran. Die Mutter war einige Wochen krank und kam nicht in den
+Garten. Als sie aber wieder gesund war, nahm sie das saumselige Mädchen bei der
+Hand und führte es zu den Kohlbeeten, und siehe! aller Kohl war von den Raupen
+abgefressen. Man sah nichts mehr als die Stengel und Gerippe der Blätter. Das
+erschrockene und beschämte Mädchen weinte über seine Nachlässigkeit. Die Mutter
+aber sprach: "Tu' künftig das, was heute geschehen kann, sogleich heute und
+verschiebe es niemals auf morgen!"
+</p>
+
+<h2><a name="chap70"></a>70. EIN RÄTSEL.</h2>
+
+<p class="poem">
+Ratet, ratet, was ist das:<br/>
+Es ist kein Fuchs und ist kein Has'.<br/>
+Es hat zwei Augen und kann nicht sehen.<br/>
+Es hat zwei Füße und kann nicht gehen.<br/>
+Es hat zwei Ohren und kann nicht hören.<br/>
+Es hat zwei Hände und kann sich nicht wehren.<br/>
+<br/>
+Es ist ein Mädchen hübsch und fein,<br/>
+Tut niemals zanken und niemals schrei'n.<br/>
+Was für ein Mädchen mag das sein?
+</p>
+
+<div class="fig" style="width:100%;">
+<img src="images/70.png" width="300" height="264" alt="[EIN RÄTSEL]" />
+</div>
+
+<h2><a name="chap71"></a>71. WAS WÜRDEST DU TUN?</h2>
+
+<p>
+"Wenn ich ein König wäre," sagte ein Kind, "ließe ich mir ein Schloß bauen bis
+an die Wolken!"
+</p>
+
+<p>
+"Und ich," sagte ein anderes, "trüge nur Kleider von Silber und Gold!"
+</p>
+
+<p>
+"Und ich," rief ein dicker Bube, "ich äße nur Kuchen und Wurst!"
+</p>
+
+<p>
+"Ich," sagte ein kleines Mädchen und wurde ein wenig rot, "ich gäbe allen armen
+Kindern Geld, daß sie sich Brot und Kleider kaufen könnten!"
+</p>
+
+<h2><a name="chap72"></a>72. WAS WOLLEN WIR SPIELEN?</h2>
+
+<p>
+<i>Ella</i>: In fünf Minuten ist Essenszeit,<br/>
+    Noch schnell was zu spielen, das wäre gescheit!
+</p>
+
+<p>
+<i>Toni</i>: Ei! Jede holt ihre Puppe heraus,<br/>
+    Wir tragen sie etwas spazieren ums Haus.
+</p>
+
+<p>
+<i>Ella</i>: Das Puppenholen hält aber doch auf!<br/>
+    Komm, spielen wir haschen; ich fange dich, lauf!
+</p>
+
+<p>
+<i>Toni</i>: Beim Haschen kommt man ja gar nicht zur Ruh'.<br/>
+    Ach! spielen wir lieber Blindekuh!
+</p>
+
+<p>
+<i>Ella</i>: Bei Blindekuh komme ich immer zu Fall.<br/>
+    Topp! Weißt du was, spielen wir Fangeball!
+</p>
+
+<p>
+<i>Toni</i>: Ach was, das Ballspiel machte mir niemals Spaß;<br/>
+    Reifentreiben, das wäre noch was!
+</p>
+
+<p>
+<i>Ella</i>: Die Reifen, die sind auch drinnen im Haus.<br/>
+    Was meinst du, wir suchen Mama einen Strauß!
+</p>
+
+<p>
+<i>Toni</i>: Wir dürfen ja nicht auf dem Rasen springen.<br/>
+    So laß uns lieber ein Liedchen singen!
+</p>
+
+<p>
+<i>Ella</i>: Ich habe den Husten, fällt eben mir ein!
+</p>
+
+<p>
+<i>Toni</i>: Na, gut! So spiele ich für mich allein!
+</p>
+
+<p>
+<i>Ella</i>: Ganz alleine? O, das wäre nicht schlecht:<br/>
+    Dir ist ja auch nimmer ein Vorschlag recht!
+</p>
+
+<p>
+<i>Toni</i>: Was spiele ich nun?—Die Zeit geht vorbei—<br/>
+    Zum Wettelaufen gehören doch zwei!
+</p>
+
+<p>
+<i>Ella</i>: Mir ist nicht sehr zum Spielen zu Mut—<br/>
+    Alleine tanzen geht auch nicht gut!
+</p>
+
+<p>
+<i>Toni</i>: Mama ruft zum Essen! Wir müssen ins Haus!<br/>
+    Ach, Ella, nun ist mit dem Spielen es aus!
+</p>
+
+<p>
+<i>Ella</i>: Wie ist die Zeit nur so hingegangen!<br/>
+    Wir haben ja nicht einmal angefangen!
+</p>
+
+<p>
+<i>Toni</i>: Ja! weißt du, das Überlegen und Streiten!<br/>
+    Es war doch wirklich recht dumm von uns beiden!
+</p>
+
+<p>
+<i>Ella</i>: Wir haben recht kindisch uns angestellt!
+</p>
+
+<p>
+<i>Toni</i>: Nach Tische spielen wir—
+</p>
+
+<p>
+<i>Ella</i>: Was dir gefällt!
+</p>
+
+<h2><a name="chap73"></a>73. DIE SCHLAUE KATZE.</h2>
+
+<p>
+Die Nachbarin hatte einen zahmen Zeisig, den sie oft aus dem Käfig ließ. Dann
+hüpfte das Tierchen in der Stube umher und suchte Krumen am Boden. Die alte
+Katze war immer sehr freundlich mit dem Vögelchen. Vor einigen Tagen aber
+erfaßte sie plötzlich den Zeisig, nahm ihn ins Maul und sprang mit ihm auf den
+Tisch.
+</p>
+
+<p>
+Die Nachbarin erschrak und glaubte, die Katze wolle ihr liebes Vögelein
+auffressen. Da sah sie jedoch, daß die Stubentüre offen war und eine fremde
+Katze sich ins Zimmer geschlichen hatte. Schnell jagte sie diese hinaus, und
+sieh, die alte Hauskatze sprang sogleich vom Tische herab und ließ den Zeisig
+auf den Boden fallen, ohne ihm etwas zuleide getan zu haben. Hat die alte Katze
+nicht klug gehandelt?
+</p>
+
+<h2><a name="chap74"></a>74. KANNST DU ES SAGEN?</h2>
+
+<p class="poem">
+Es saßen zehn Sperlinge auf dem Dach;<br/>
+Da kam der Jäger und schoß danach;<br/>
+Er traf davon nur vier.<br/>
+Wie viel bleiben sitzen?<br/>
+Das sage mir.
+</p>
+
+<h2><a name="chap75"></a>75. DER SPERLING</h2>
+
+<p class="poem">
+Ich bin wohl ein gemeiner Wicht,<br/>
+Das Singen, das versteh' ich nicht,<br/>
+In schönen Kleidern geh' ich nicht;<br/>
+Es sieht mich auch der Mann kaum an;<br/>
+Nur böse Buben dann und wann,<br/>
+Die werfen mich mit Steinen;<br/>
+Und dennoch will mir's scheinen,<br/>
+Als sei so schön die ganze Welt,<br/>
+So blau die Luft, so grün das Feld—<br/>
+Zip, zip, zip! Ich hab' die Welt so lieb!
+</p>
+
+<h2><a name="chap76"></a>76. DAS PFERD UND DER ESEL.</h2>
+
+<p>
+Einst schleppte ein Esel eine schwere Last. Neben ihm ging ein lediges Pferd.
+Der Esel bat das Pferd, es möge ihm doch helfen; allein es hörte nicht auf
+seine Bitte. Zuletzt konnte der Esel nicht mehr weiter; er fiel zu Boden und
+starb.
+</p>
+
+<p>
+Nun lud der Treiber die ganze Last dem Pferde auf. Er zog dem toten Tiere die
+Haut ab, und das Pferd mußte dieselbe noch obendrein tragen. Hilf deinem
+Nächsten in der Not.
+</p>
+
+<h2><a name="chap77"></a>77. DER KLUGE STAR.</h2>
+
+<p>
+Ein durstiger Star wollte aus einer Wasserflasche trinken. Er konnte aber das
+Wasser mit seinem kurzen Schnabel nicht erreichen. Da hackte er damit aufs
+dicke Glas; doch er vermochte nicht, es zu zerbrechen. Dann stemmte er sich
+gegen die Flasche und wollte sie umwerfen. Aber dazu war er nicht stark genug.
+</p>
+
+<p>
+Was tat der kluge Star zuletzt? Er las kleine Steinchen mit seinem Schnabel
+zusammen und warf eines nach dem andern in die Flasche. Dadurch stieg das
+Wasser endlich so hoch, daß er es erreichen konnte. Jetzt löschte er seinen
+Durst.
+</p>
+
+<div class="fig" style="width:100%;">
+<img src="images/77.png" width="292" height="500" alt="[DER KLUGE STAR]" />
+</div>
+
+<h2><a name="chap78"></a>78. DER APFELBAUM.</h2>
+
+<p class="poem">
+Der Apfelbaum, das ist ein Mann!<br/>
+Kein andrer gibt so gern wie der.<br/>
+Im Winter, wenn man schüttelt dran,<br/>
+Da gibt er Schnee die Fülle her.<br/>
+Im Frühling wirft er Blüten nieder.<br/>
+Im Sommer herbergt er die Finken.<br/>
+Jetzt streckt er seine Zweige nieder,<br/>
+Die voller Frucht zur Erde sinken.<br/>
+Drum kommt und schüttelt, was ihr könnt!<br/>
+Ich weiß gewiß, daß er's euch gönnt.
+</p>
+
+<div class="fig" style="width:100%;">
+<img src="images/78.png" width="355" height="500" alt="[DER APFELBAUM]" />
+</div>
+
+<h2><a name="chap79"></a>79. DER HASE UND DER FUCHS.</h2>
+
+<p>
+Ein Hase und ein Fuchs machten im Winter eine Reise. Alles war mit Schnee
+bedeckt. Der Hunger plagte sie sehr. Da sahen sie ein Mädchen mit einem Korbe
+kommen, darin war Brot. Das merkte der Fuchs und sagte zu dem Hasen: "Lege dich
+wie tot auf den Boden, dann wird das Mädchen den Korb niederstellen, um dich
+aufzuheben. Ich nehme den Korb weg und mache mich schnell davon. Du eilst mir
+nach, und dann lassen wir es uns wohl sein." Das war dem Hasen recht.
+</p>
+
+<p>
+Der Fuchs verbarg sich hinter einem Haufen Schnee, und der Hase legte sich
+nieder. Das Mädchen stellte den Korb richtig hin und griff nach dem Hasen. Da
+schlich der Fuchs hervor und machte sich mit dem Korb so schnell davon, daß das
+Mädchen ihm nicht nachkam. Unser Hase aber eilte ihm in großen Sätzen nach. An
+einem Wasser hielten sie still. Weil aber der Fuchs nicht teilen wollte, so
+sagte der Hase: "Brot haben wir, jetzt sollten wir auch noch Fische haben. Dann
+hätten wir ein Essen wie die großen Herren. Stecke deinen Schwanz ins Wasser,
+so werden sich die Fische daran hängen, denn die haben jetzt auch nicht viel zu
+beißen."
+</p>
+
+<p>
+Der Fuchs ging an den Weiher hin und hing seinen Schwanz in das Wasser. Es
+dauerte aber nicht lange, so war er im Eise festgefroren. Der Fuchs konnte
+ziehen und zappeln, wie er wollte—das Eis ließ ihn nicht los. Er mußte nun
+zusehen, wie der Hase ein Brot nach dem andern verzehrte. Dann rief der listige
+Hase dem Fuchs zu: "Im Frühjahr sehen wir uns wieder. Laß dir die Zeit nicht zu
+lang werden, bis das Eis auftaut."
+</p>
+
+<h2><a name="chap80"></a>80. SPRÜCHE.</h2>
+
+<p class="poem">
+Wer andern eine Grube gräbt,<br/>
+Fällt selbst hinein.<br/>
+<br/>
+Wer redet, was er nicht sollte,<br/>
+Muß hören, was er nicht wollte.<br/>
+<br/>
+Kein besseres Kissen in Freude und Schmerz,<br/>
+Als gutes Gewissen und fröhliches Herz.
+</p>
+
+<h2><a name="chap81"></a>81. DER HASE UND DIE SCHILDKRÖTE.</h2>
+
+<p>
+Ein flinker Hase forderte einst die langsame Schildkröte zum Wettlauf auf. Sie
+willigte ein, und eine große Eiche im Walde sollte das Ziel sein.
+</p>
+
+<p>
+Mit den ersten Sonnenstrahlen machte sich die Schildkröte auf den Weg, der Hase
+aber hatte keine große Eile. Er spielte lange im Grase umher, ehe er ans Laufen
+dachte. Endlich sprang er fort und holte die Schildkröte wirklich ein. Da er
+jedoch sah, wie mühsam sie vorwärts kroch, legte er sich im Schatten eines
+Baumes nieder und schlief fest ein.
+</p>
+
+<p>
+Als er erwachte, war es schon lange nach Mittag. Da rannte er, so rasch er
+konnte, den Weg entlang. Aber, siehe da, als er die Eiche erblickte, saß die
+Schildkröte schon darunter und lachte den Hasen, der seine Zeit verspielt und
+verschlafen hatte, tüchtig aus.
+</p>
+
+<div class="fig" style="width:100%;">
+<img src="images/81.png" width="500" height="332" alt="[DER HASE UND DIE SCHILDKRÖTE]" />
+</div>
+
+<h2><a name="chap82"></a>82. HASENBRATEN.</h2>
+
+<p class="poem">
+Auf dem Dach viel blanke Zapfen,<br/>
+Zu dem Schnee viel kleine Tapfen,<br/>
+Alle laufen nach dem Kohl!<br/>
+Häschen, das gefällt dir wohl?<br/>
+<br/>
+Nächtlich, bei des Mondes Schimmer,<br/>
+Sitzt es dort zu schmausen immer;<br/>
+Knusperknäuschen, gar nicht faul:<br/>
+Ei, du kleines Leckermaul!<br/>
+<br/>
+Häschen ist es schlecht bekommen;<br/>
+Vater hat's Gewehr genommen;<br/>
+Eines Abends ging es: bumm!<br/>
+Bautz! da fiel das Häschen um.<br/>
+<br/>
+Kannst du wohl das Ende raten?<br/>
+Heute gibt es Hasenbraten,<br/>
+Apfelmus mit Zimt dazu.<br/>
+Ach, du armes Häschen du!
+</p>
+
+<div class="fig" style="width:100%;">
+<img src="images/82.png" width="500" height="318" alt="[HASENBRATEN]" />
+</div>
+
+<h2><a name="chap83"></a>83. DER SCHEIN TRÜGT.</h2>
+
+<p>
+Bei einem Teiche wohnten viele Gänse. In der Nähe hatte auch ein Fuchs seinen
+Bau. Gar oft versuchte er, sich eine Gans oder ein Gänseküchlein zu fangen.
+Daher fürchteten sich diese sehr vor dem braunen Gesellen. Einst war der Fuchs
+sehr hungrig. "Heute muß ich mir einen fetten Braten holen!" sagte er zu sich
+selber.
+</p>
+
+<p>
+Er streckte sich, so lang er war, im Grase aus und rührte kein Glied. Als die
+Gänse den Räuber so liegen sahen, kamen sie näher und erhoben ein freudiges
+Geschnatter.
+</p>
+
+<p>
+"Jetzt werden wir Ruhe haben!" sprachen sie. "Unser Feind ist nicht mehr am
+Leben!"
+</p>
+
+<p>
+Schnell sprang der Fuchs auf, erwischte den Gänserich beim Flügel und trug ihn
+in seine Höhle.
+</p>
+
+<h2><a name="chap84"></a>84. DER FROSCH.</h2>
+
+<p>
+<i>Berta</i>: Geschwind, geschwind, Mama!
+</p>
+
+<p>
+<i>Mutter</i>: Was fehlt dir? Wer hat dir etwas zuleide getan?
+</p>
+
+<p>
+<i>Berta</i>: Sieh nur, was mir unser Spitz in den Schoß fallen ließ!
+</p>
+
+<p>
+<i>Mutter</i>: Einen kleinen Frosch! Und deshalb bist du so erschrocken? Rasch,
+nimm den kleinen Burschen und setze ihn in das Gemüsebeet!
+</p>
+
+<p>
+<i>Berta</i>: Tragen soll ich das häßliche Tier? Ich würde es um alles in der
+Welt nicht in die Hand nehmen!
+</p>
+
+<p>
+<i>Mutter</i>: Nun, dann muß ich es tun! Schau, wie ich jetzt das Tierchen
+anfasse und es ins Beet hüpfen lasse. Hopp, da sitzt es schon drinnen.
+</p>
+
+<p>
+<i>Berta</i>: O, Mama, was tust du? Warum hast du den Frosch nicht getötet?
+</p>
+
+<p>
+<i>Mutter</i>: Weil er ein sehr nützliches Tier ist. Freust du dich nicht, wenn
+es im Garten die zarten Rübchen und die süßen Erbsen gibt, die Papa jedes
+Frühjahr pflanzt?
+</p>
+
+<p>
+<i>Berta</i>: Gewiß, Mama! Ich esse beides sehr gerne; aber was hat das mit dem
+Frosch zu tun?
+</p>
+
+<p>
+<i>Mutter</i>: Höre nur, du wirst es gleich erfahren. Den Raupen und Käfern
+schmecken diese Gemüse auch gut, gerade wie dir. Im Frühlinge stellen sich
+diese Insekten ein und fressen die Blättchen ab, so daß die Pflänzchen sterben
+müßten, wenn der Frosch nicht zur Hand wäre. Der glatte Bursche hüpft dann
+durch den Garten, fängt die Raupen, Fliegen und Käfer, und die Pflänzchen
+wachsen wieder. Soll ich den Frosch zum Dank dafür töten, Berta?
+</p>
+
+<p>
+<i>Berta</i>: Nein, liebe Mama; und wenn ich wieder sehe, daß ein Knabe einen
+Frosch quält, will ich ihm sagen, was ich heute von dir gelernt habe.
+</p>
+
+<div class="fig" style="width:100%;">
+<img src="images/84.png" width="424" height="500" alt="[DER FROSCH]" />
+</div>
+
+<h2><a name="chap85"></a>85. VOM LISTIGEN GRASMÜCKLEIN EIN LUSTIGES STÜCKLEIN.</h2>
+
+<p class="poem">
+Klaus ist in den Wald gegangen,<br/>
+Weil er will die Vöglein fangen;<br/>
+Auf den Busch ist er gestiegen,<br/>
+Weil er will die Vöglein kriegen.<br/>
+Doch im Nestchen sitzt das alte<br/>
+Vögelein just vor der Spalte,<br/>
+Schaut und zwitschert: "Ei, der Taus!<br/>
+Kinderlein, es kommt der Klaus,<br/>
+Hu, mit einem großen Prügel,<br/>
+Kinderlein, wohl auf die Flügel!"<br/>
+Brr, da flattert's: husch, husch, husch!<br/>
+Leer das Nest, und leer der Busch.<br/>
+Und die Vöglein lachen Klaus<br/>
+Mit dem großen Prügel aus,<br/>
+Daß er wieder heimgegangen<br/>
+Zornig, weil er nichts gefangen;<br/>
+Daß er wieder heimgestiegen,<br/>
+Weil er konnt' kein Vöglein kriegen.
+</p>
+
+<div class="fig" style="width:100%;">
+<img src="images/85.png" width="370" height="500" alt="[Illustration]" />
+</div>
+
+<h2><a name="chap86"></a>86. EIN TÖRICHTER STREIT.</h2>
+
+<p>
+Zwei Knaben, Albert und Paul, suchten im Walde Nüsse. Da bemerkte Paul eine
+große Walnuß unter einem Baume und rief seinem Kameraden zu: "O, sieh dort vor
+dir die Walnuß!" Albert hob sie schnell auf und steckte sie in seine Tasche.
+Damit war aber Paul nicht zufrieden; er sagte: "Die Nuß gehört mir, ich habe
+sie zuerst gesehen!" "Und ich habe sie aufgehoben," erwiderte Albert trotzig;
+"ich gebe sie nicht her!" So stritten sie heftig, und schon wollten die
+törichten Knaben einander schlagen, als Georg, ein älterer Junge, herbeikam,
+der im Walde Eichhörnchen schoß. Albert und Paul baten den großen Knaben, er
+solle entscheiden, wem die Nuß gehöre. Was tat Georg? Er zerbrach die Nuß mit
+einem Steine und gab jedem der beiden Streitenden ein Stück von der Schale.
+"Den Kern," sprach er, "behalte ich als Lohn dafür, daß ich euer Richter war!"
+Dann ging er lachend fort.
+</p>
+
+<div class="fig" style="width:100%;">
+<img src="images/86.png" width="500" height="364" alt="[EIN TÖRICHTER STREIT]" />
+</div>
+
+<h2><a name="chap87"></a>87. HERR WIND! HERR WIND!</h2>
+
+<p class="poem">
+Ein Bauer hat ein Haus gehabt,<br/>
+Und auf dem Haus ein Dach.<br/>
+Zur Nachtzeit kam der Wind getrabt,<br/>
+Da ward der Bauer wach.<br/>
+Wie's heulte, krachte, klirrte, klang!<br/>
+Der arme Bauer flehte bang:<br/>
+  "Ich bitt' dich, lass' dein Toben,<br/>
+  Und lass' mein Dach dort oben,<br/>
+    Herr Wind! Herr Wind!"<br/>
+<br/>
+Des Daches Luken schlossen gut<br/>
+Der Bauer und sein Knecht.<br/>
+Da ward der Wind voll Trotz und Wut<br/>
+Und kreischte: "Nun erst recht!"<br/>
+Herr Wind! Herr Wind! du böser Wind,<br/>
+Du bist wie manche Kinder sind,<br/>
+  Die das just haben wollen,<br/>
+  Was sie nicht haben sollen.<br/>
+    Herr Wind! Herr Wind!<br/>
+<br/>
+Mit Dräuen drängt der Wind und drückt<br/>
+Mit Groll und grausem Krach;<br/>
+Er zieht und zerrt und rüttelt, rückt<br/>
+Und reißt vom Haus das Dach.<br/>
+Zerstört ist herzlos Heim und Haus;<br/>
+Der Bauer sieht so traurig aus,<br/>
+  Sein Weib und seine Kleinen,<br/>
+  Sie stehen da und weinen.<br/>
+   Herr Wind! Herr Wind!<br/>
+<br/>
+Hast du's gehört, mein liebes Kind?<br/>
+Sei freundlich, friedlich, froh!<br/>
+Denn würdest du ein solcher Wind,<br/>
+Dann spräch' man von dir so:<br/>
+Du bist nicht gut, du tust nicht gut,<br/>
+Du bist ein wild und trotzig Blut,<br/>
+  Das stets gern haben wollte,<br/>
+  Was es nicht haben sollte!——<br/>
+    Herr Wind! Herr Wind!
+</p>
+
+<h2><a name="chap88"></a>88. DAS FÜNKCHEN.</h2>
+
+<p>
+Das Kind hatte mit dem Fünkchen gespielt, obgleich seine Mutter es schon oft
+verboten hatte. Da war das Fünkchen fortgeflogen und hatte sich ins Stroh
+versteckt. Das Stroh fing an zu brennen, und es entstand eine Flamme, ehe das
+Kind daran dachte. Da wurde es dem Kinde bange, und es lief fort, ohne jemandem
+etwas von der Flamme zu sagen. Und da niemand Wasser darauf schüttete, ging die
+Flamme nicht aus, sondern breitete sich im ganzen Hause aus. Als sie an die
+Fenstervorhänge kam, wurde sie noch größer, und das Bett, worin die Leute
+nachts schliefen, brannte hell auf, und die Tische und die Stühle und die
+Schränke und alles, was der Vater und die Mutter hatten, das wurde vom Feuer
+erfaßt, und die Flamme wurde so hoch wie der Kirchturm. Da schrieen die Leute
+vor Schrecken, die Glocken läuteten; es war fürchterlich zu hören, und die
+Flamme war schrecklich zu sehen. Nun fing man an zu löschen, indem man Wasser
+in das Feuer schüttete und spritzte; aber es half nichts; das Haus brannte ganz
+ab, und nur noch ein wenig Kohlen und ein bißchen Asche blieben übrig. Da
+hatten nun die Eltern des Kindes kein Haus mehr und kein Plätzchen, wo sie
+wohnen und wo sie schlafen konnten, und auch kein Geld, um sich ein neues Haus
+und neue Betten und Tische und Stühle zu kaufen. Ach, wie weinten die armen
+Eltern! Und das Kind, das mit dem Fünkchen gespielt hatte, war schuld daran.
+</p>
+
+<div class="fig" style="width:100%;">
+<img src="images/88.png" width="500" height="385" alt="[DAS FÜNKCHEN]" />
+</div>
+
+<h2><a name="chap89"></a>89. RÄTSEL.</h2>
+
+<p class="poem">
+Kennt ihr die Blume, in guter Ruh'<br/>
+Dreht sie sich immer der Sonne zu;<br/>
+Sie hat viel Samenkörner schön,<br/>
+Wie Strahlen ihre Blättchen stehn.<br/>
+<br/>
+Erst weiß wie Schnee,<br/>
+Dann grün wie Klee,<br/>
+Drauf rot wie Blut,<br/>
+Dann schmeckt es gut.
+</p>
+
+<h2><a name="chap90"></a>90. DAS GÄNSEBLÜMCHEN.</h2>
+
+<div class="fig" style="width:100%;">
+<img src="images/90a.png" width="200" height="202" alt="[Die Rose]" />
+</div>
+
+<p>
+Die Rose feierte einmal ihren Geburtstag. Sie stand mitten im Garten, und alle
+Blumen kamen zu ihr, um ihr Glück zu wünschen. Zuerst kamen die stolze Lilie
+und die prächtige Tulpe, hernach kamen die kleinen Blumen. Alle neigten sich
+vor der Rose und sagten: "Wir wünschen dir Glück, liebe Rose."
+</p>
+
+<p>
+Aber ein kleines, weißes Blümchen getraute sich nicht, nahe an die Rose
+heranzutreten, weil es so schüchtern und bescheiden war. Es blieb von ferne
+stehen und flüsterte nur: "Ich wünsche dir auch Glück, liebe Rose!" Die Rose
+hatte das Blümchen aber gesehen und winkte ihm, näher heranzutreten. "Komm doch
+näher, liebe kleine Schwester," sagte die Rose gütig. Als nun das Blümchen
+näher herangetreten war, fragte die Rose: "Wie heißt du denn, liebe Kleine?" Da
+sprach es ganz leise: "Ich heiße Gänseblümchen."
+</p>
+
+<div class="fig" style="width:100%;">
+<img src="images/90b.png" width="200" height="176" alt="[Gänseblümchen]" />
+</div>
+
+<div class="fig" style="width:100%;">
+<img src="images/90c.png" width="77" height="200" alt="[Gänseblümchen]" />
+</div>
+
+<p>
+"Aber, liebes Gänseblümchen," sagte die Rose freundlich, "du bist ja tausendmal
+schöner als alle andern Blumen. Du sollst jetzt nicht mehr Gänseblümchen,
+sondern Tausendschön heißen, weil du tausendmal schöner bist als alle." Darüber
+freute sich das gute Gänseblümchen so sehr, daß es über und über rot ward, und
+seit der Zeit haben alle Gänseblümchen—rote Ohrläppchen.
+</p>
+
+<div class="fig" style="width:100%;">
+<img src="images/90d.png" width="72" height="200" alt="[Gänseblümchen]" />
+</div>
+
+<h2><a name="chap91"></a>91. DIE GRÜNE STADT.</h2>
+
+<p class="poem">
+Ich weiß euch eine schöne Stadt,<br/>
+Die lauter grüne Häuser hat.<br/>
+Die Häuser, die sind groß und klein,<br/>
+Und wer nur will, der darf hinein.<br/>
+<br/>
+Die Straßen, die sind freilich krumm,<br/>
+Sie führen hier und dort herum;<br/>
+Doch stets gerade fort zu gehn,<br/>
+Wer findet das wohl allzuschön!<br/>
+<br/>
+Die Wege, die sind weit und breit<br/>
+Mit bunten Blumen überstreut.<br/>
+Das Pflaster, das ist sanft und weich,<br/>
+Und seine Farb' den Häusern gleich.<br/>
+<br/>
+Es wohnen viele Leute dort,<br/>
+Und alle lieben ihren Ort.<br/>
+Ganz deutlich sieht man dies daraus,<br/>
+Daß jeder singt in seinem Haus.<br/>
+<br/>
+Die Leute, die sind alle klein,<br/>
+Denn es sind lauter Vögelein;<br/>
+Und meine ganze grüne Stadt<br/>
+Ist, was den Namen "Wald" sonst hat.
+</p>
+
+<h2><a name="chap92"></a>92. DEUTSCHLAND.</h2>
+
+<p>
+Weit weg von hier liegt Deutschland. Das ist ein schönes Stück Erde. Zu
+Deutschland gehören Preußen, Sachsen, Bayern, Baden und andere kleinere oder
+größere Staaten. Dort gibt es breite und tiefe Flüsse. Der Rhein, die Elbe und
+die Donau sind am bekanntesten. Daneben finden sich weite Ebenen, hohe Berge
+und dichte Wälder. Auch fehlt es nicht an Städten, in denen viele fleißige
+Leute leben. Berlin, München, Köln, Dresden, Frankfurt und manche andere sind
+bemerkenswert. Überall hat man prächtige Wohnhäuser, reiche Kirchen und
+herrliche öffentliche Gebäude. Alles wird sehr sauber und ordentlich gehalten.
+Von Hamburg und Bremen aus fahren mächtige Dampfschiffe und Segler nach allen
+Gegenden der Welt. Deutschland besitzt auch zahlreiche große Fabriken. Die
+Felder werden auf das Beste bestellt. Die deutsche Fahne ist schwarz, weiß und
+rot gestreift. An der Spitze des Reiches steht der deutsche Kaiser.
+</p>
+
+<div class="fig" style="width:100%;">
+<img src="images/92.png" width="437" height="500" alt="[DEUTSCHLAND]" />
+</div>
+
+<h2><a name="chap93"></a>93. SONNENSCHEIN.</h2>
+
+<p class="poem">
+Sonnenschein,<br/>
+Klar und rein,<br/>
+Leuchtest in die Welt hinein;<br/>
+Machst so hell, so warm und schön<br/>
+In den Tälern, auf den Höh'n,<br/>
+Die du alle überstrahlst<br/>
+Und so hold und lieblich malst.<br/>
+<br/>
+Sonnenschein,<br/>
+Klar und rein,<br/>
+Kehre auch ins Herz mir ein!<br/>
+Wenn ich habe heitern Sinn,<br/>
+Gut und froh und freundlich bin,<br/>
+Dann ist's in dem Herzen mein<br/>
+Wunderbarer Sonnenschein.
+</p>
+
+<h2><a name="chap94"></a>94. DIE KÖNIGIN LUISE.</h2>
+
+<p>
+Vor hundert Jahren lebte in Preußen eine Königin, namens Luise. Sie war jung
+und schön, aber auch ebenso gut. Ein jeder liebte sie. Schon als kleines Kind
+hatte sie ihre Mutter verloren und wurde von ihrer Großmutter einfach erzogen.
+So war sie zu einer echten, deutschen Jungfrau herangewachsen, als der
+Kronprinz und spätere König von Preußen, Friedrich Wilhelm, sie kennen lernte.
+Bald darauf wurde sie seine Frau. Eine große Freude hatte sie an ihren Kindern,
+zwei Knaben, mit denen sie gerne lernte und spielte. Aber da gab es einen
+schrecklichen Krieg mit dem Kaiser von Frankreich, Napoleon. Die Feinde waren
+stärker als die Preußen und besiegten sie. Das tat dem Könige und der guten
+Königin sehr weh. Es kam so weit, daß sie ihr Schloß in Berlin verlassen
+mußten. Als die königliche Familie endlich wieder zurückkehren konnte,
+herrschte großer Jubel. Die Freude sollte aber nicht lange dauern, denn bald
+darauf wurde die edle Königin schwer krank und erholte sich nicht mehr. Als sie
+starb, war die Trauer allgemein. Noch heute ist die Königin Luise unvergessen.
+</p>
+
+<div class="fig" style="width:100%;">
+<img src="images/94.png" width="358" height="500" alt="[DIE KÖNIGIN LUISE]" />
+</div>
+
+<h2><a name="chap95"></a>95. DAS GOLDENE SCHLOSS.</h2>
+
+<p>
+"Willst du eine Prinzessin sein?" So fragte ein Knabe seine kleine Schwester.
+Die lachte ihn aus. Er sagte aber: "Ja, ich kann ein König und du kannst eine
+Prinzessin werden. Du bekommst ein schönes, neues Kleid und einen silbernen
+Thron. Ich bekomme einen roten Mantel, eine goldene Krone und einen goldenen
+Thron." Die Schwester glaubte das nicht und sagte: "Unsere Eltern sind ja so
+arm." Der Knabe erzählte dann: "Letzte Nacht im Traume kam ein kleiner Mann zu
+mir. Er fragte mich: 'Willst du ein König sein und in einem goldenen Schlosse
+wohnen?' Ich sagte, ja. Da sprach der Kleine: 'Komm in den Wald mit deiner
+Schwester, wenn der Mond scheint. Bei der großen Tanne warte auf mich. Aber
+später im goldenen Schlosse darf keine Träne auf den Boden fallen. Wenn eine
+Träne auf den Boden fällt, müßt ihr wieder heim.'" Jetzt glaubte die Schwester,
+was der Bruder sagte. Sie wollte gerne mit ihm gehen.
+</p>
+
+<p>
+Am Abend schien der Mond sehr hell. Da gingen Bruder und Schwester hin zu der
+großen Tanne im Walde. Das Männlein war noch nicht da. Die Kinder setzten sich
+ins Moos, um zu warten. Sie waren müde und schliefen bald ein. Auf einmal
+wachten sie auf. Verwundert schauten sie um sich. Sie hatten schöne neue
+Kleider an. Der Bruder hatte einen roten Mantel und trug eine goldene Krone.
+Die Schwester hatte ein himmelblaues Kleid mit silbernen Sternen. Auf ihren
+Haaren war ein Kranz von Diamanten. Der kleine Mann kam und rief: "Willkommen,
+willkommen!" Dann kamen noch viele kleine Männlein mit einem goldenen und einem
+silbernen Wagen. Der Bruder mußte sich in den goldenen Wagen und die Schwester
+in den silbernen Wagen setzen. Die Männlein zogen die Wagen und fuhren durch
+den Wald an einen Berg. Im Berge war eine große, hohe Halle, und darin stand
+ein goldenes Schloß. Die kleinen Männer führten die Geschwister in dieses
+Schloß. Dann holten sie einen goldenen und einen silbernen Thron. Der goldene
+Thron war für den Bruder und der silberne für die Schwester. Die kleinen Männer
+stellten sich vor sie hin und riefen: "Hoch lebe unser König und auch die
+Prinzessin!" Dann gab es zu essen, lauter gute Sachen.
+</p>
+
+<p>
+Nach dem Essen wollten die Kinder schlafen, denn es war schon spät. Im
+Schlafzimmer standen zwei Betten, ein goldenes und ein silbernes. Der König
+legte sich in das goldene, die Prinzessin in das silberne Bett. Da fragte der
+Bruder: "Schwesterchen, wie gefällt dir das goldene Schloß?" Sie antwortete:
+"Schön ist es schon hier; wenn nur der Vater und die Mutter auch hier wären!"
+Der Bruder sagte: "Das möchte ich auch haben. Was werden die Eltern jetzt
+machen?" Die Schwester meinte: "Sie werden uns suchen und weinen, weil sie uns
+nicht finden können." "Ja," war des Bruders Antwort, "sie werden denken, der
+Wolf habe uns gefressen." Das konnte die Schwester nicht anhören. Sie fing an
+zu weinen. Da warnte der Bruder: "Nicht weinen, sonst fallen deine Tränen auf
+den Boden!" "Nein," sagte die Schwester, "ich hab' sie mit der Hand
+aufgefangen. Aber ich muß weinen." Nun wurde auch der Bruder ganz traurig. Auch
+er weinte einige Tränen. Doch die Tränen fielen in das Bett. Die Schwester
+fragte: "Wie lange willst du noch König bleiben? Ich will nicht mehr Prinzessin
+sein. Ich will heim!" Der Bruder sagte: "Ja, zu Hause bei Vater und Mutter ist
+es doch schöner!" Da ließen sie beide große Tränen auf den Boden fallen. Es
+donnerte, und die Kinder fielen aus den Betten.
+</p>
+
+<p>
+Nun kamen die kleinen Männer wieder. Sie waren sehr traurig und brachten die
+Geschwister zurück zu der großen Tanne im Wald. Da schliefen Bruder und
+Schwester bald ein. Als sie die Augen öffneten, war es heller Tag, aber der
+rote Mantel und das himmelblaue Kleid Waren verschwunden.
+</p>
+
+<p>
+Da kamen auch schon die Eltern. Die freuten sich sehr, ihre Kinder wieder zu
+haben. Die Geschwister waren ebenso froh und versprachen, nie mehr fortgehen zu
+wollen.
+</p>
+
+<h2><a name="chap96"></a>96. DIE KLEINEN MÜSSIGGÄNGER.</h2>
+
+<p>
+Drei Kinder sollten nach der Schule gehen, aber sie sprachen: "Was kann das
+Lernen helfen! Laßt uns in den Wald laufen; da spielen die Tierlein, und wir
+wollen mit ihnen spielen."
+</p>
+
+<p>
+Als die Kinder nun im Walde waren, luden sie zuerst die Käfer zu ihrem Spiele
+ein. Da summten die Käfer um die Köpfe der Kinder, und der eine sprach: "Ich
+habe keine Zeit, ich muß Holz sägen!" Der andere sprach: "Ich muß ein Loch
+graben!" Noch andere riefen: "Wir müssen uns ein Hüttlein aus Gras bauen!"
+</p>
+
+<p>
+Nun kamen die Kinder an einen Ameisenhaufen. Hier lief eine ganze Menge von
+Ameisen aus und ein. Jedes dieser winzigen Tierchen hatte etwas in seine
+Wohnung zu tragen; und wo es dem einen zu schwer ward, sprach es zum andern:
+"Komm', hilf mir!"
+</p>
+
+<p>
+Die Kinder schlichen vorbei und fanden Bienlein auf den Blumen. Die waren so
+eilig und mochten gar nicht zu den Kindern aufsehen. Sie sammelten Honig und
+Blütenstaub und flogen dann flink davon.
+</p>
+
+<p>
+Da hörten die Kinder einen Vogel singen. Es war ein Fink. "Du kannst so schön
+singen," riefen sie, "und hast auch gewiß Lust, mit uns zu spielen." Allein der
+Fink sagte: "Pink, pink! Flink, flink! Ich muß Mücken fangen für meine Jungen
+und dann die Kleinen in den Schlaf singen. Auch muß ich mich fleißig im Singen
+üben, damit ich dem Wanderer schöne Lieder vorsingen kann." Und fort war er.
+</p>
+
+<p>
+Auf einmal rasselte es im Busche. Die Kinder erschraken. Eins sagte: "Wenn nur
+ein Eichhörnchen käme und mit uns spielte!" Da lief auch schon eines aus dem
+Busche und kletterte auf einen Baum. Es kicherte und rief: "Ich suche Knospen
+und Nüsse!" Die Kinder baten: "Komm' und bring' uns auch schöne Nüsse!" Aber
+das Tierchen zischte und knurrte nur.
+</p>
+
+<p>
+Bald darauf hörten sie ein Bächlein plätschern, und nun riefen sie fröhlich:
+"O, mit dem Bächlein mögen wir spielen! Kommt!"
+</p>
+
+<p>
+Sie liefen geschwind hin. Aber das Bächlein sagte: "Seht doch die faulen
+Kinder! Ihr meint, ich hätte nichts zu tun. Ich muß Tag und Nacht arbeiten; ich
+netze Felder und Wiesen und tränke die durstigen Tiere. Wenn ich groß und stark
+bin, treibe ich Mühlen und trage Schiffe. Geht, geht, ihr faulen Kinder!"
+</p>
+
+<p>
+Da wurde den Kindern gar ängstlich zu Mute. Sie gingen beschämt weg und blieben
+nie mehr aus der Schule.
+</p>
+
+<h2><a name="chap97"></a>97. DER GUTE KAMERAD.</h2>
+
+<p class="poem">
+Ich hatt' einen Kameraden,<br/>
+Einen bessern find'st du nit.<br/>
+Die Trommel schlug zum Streite,<br/>
+Er ging an meiner Seite<br/>
+In gleichem Schritt und Tritt.<br/>
+<br/>
+Eine Kugel kam geflogen,<br/>
+Gilt's mir oder gilt es dir?<br/>
+Ihn hat es weggerissen,<br/>
+Er liegt mir vor den Füßen,<br/>
+Als wär's ein Stück von mir.<br/>
+<br/>
+Will mir die Hand noch reichen,<br/>
+Derweil ich eben lad'.<br/>
+"Kann dir die Hand nicht geben,<br/>
+Bleib' du im ew'gen Leben<br/>
+Mein guter Kamerad!"
+</p>
+
+<h2><a name="chap98"></a>98. DER GOLDBAUM.</h2>
+
+<p>
+Eduard scherzte gerne und spielte auch gerne anderen einen Streich. Dabei kam
+es nicht immer darauf an, ob, was er sagte, auch der Wahrheit gemäß sei. Seine
+kleine Schwester Emilie, die noch nicht in die Schule ging, fragte gerne ihren
+Bruder, den sie für sehr weise hielt, über alles aus. Um sie schnell wieder los
+zu werden, sagte ihr Eduard oft Dinge, welche das Kind ganz falsch belehrten.
+</p>
+
+<p>
+Eines Morgens, es war Eduards Geburtstag, sah Emilie auf dem Tische ihres
+Bruders ein Goldstück liegen, das er vom Vater zum Geschenk bekommen hatte. Sie
+fragte ihn: "Wo wächst das Gold?"—"Es wird gesät," antwortete Eduard, der sich
+wieder einmal auf Kosten seiner Schwester einen Spaß machen wollte, "dann wird
+ein Baum daraus, an dem wachsen die Goldstücke."
+</p>
+
+<p>
+Als Eduard beschäftigt war, nahm Emilie leise das Goldstück vom Tische, eilte
+damit hinunter in den Garten, grub mit den Händen ein Loch in die weiche Erde,
+legte das Goldstück hinein und bedeckte es wieder mit Erde.
+</p>
+
+<p>
+Eine Weile später sprang sie in Eduards Zimmer und rief: "Jetzt wirst du bald
+viele, viele Goldstücke haben! Ich habe deines im Garten gepflanzt."
+</p>
+
+<p>
+Umsonst bekannte Eduard, er habe nur gescherzt, und umsonst suchte und grub er
+im Garten nach seinem Golde. Emilie wußte die Stelle nicht anzugeben, wo sie es
+eingegraben hatte.
+</p>
+
+<p>
+Der Vater kam hinzu und sagte: "Es war unklug von Emilie, das Goldstück
+pflanzen zu wollen; du aber, Eduard, hast gefehlt, da du ihr, wenn auch im
+Scherze, eine Unwahrheit sagtest."
+</p>
+
+<h2><a name="chap99"></a>99. GERETTET.</h2>
+
+<p>
+"Rasch, Ernst, kleide dich an, und komme sogleich herunter!"
+</p>
+
+<p>
+"Was ist geschehen, Vater?"
+</p>
+
+<p>
+"Geschwind, mein Junge! Der Ohio ist über Nacht gestiegen, das Dorf ist unter
+Wasser, und wir müssen unser Haus verlassen."
+</p>
+
+<p>
+Mit einem Satz war Ernst aus dem Bette und fuhr wie der Blitz in seine Kleider.
+Dann lief er die Treppe hinunter in die Wohnstube. Hier stand das Wasser schon
+über zwei Fuß hoch. Auf einem Tische am Fenster war der Vater mit den Seinen.
+Die Mutter hielt die kleine Rosa an der Hand und trug das Jüngste, ein herziges
+Büblein, auf dem Arme. Sie hatte Tränen im Auge, der Vater aber sprach ihr Mut
+zu. Endlich kam ein Mann in einem Kahn, alle stiegen hinein, und durch
+dieselben Straßen, durch welche gestern noch Leute gegangen und Wagen gefahren
+waren, ruderten sie jetzt im Rachen dem Lande zu. Nachdem sie eine hochgelegene
+Stelle erreicht hatten, stiegen sie aus. Der Bootsmann ging mit dem Vater, der
+Mutter und den zwei Kleinen den Hügel hinauf nach einem Hause. Dort wollten sie
+ein Unterkommen suchen.
+</p>
+
+<p>
+"Du kannst dableiben und auf meinen Kahn achtgeben," sagte der Bootsmann zu
+Ernst. Das war dem Knaben gerade recht. Jetzt erst schaute er sich um. Welch
+ein Anblick! Nach dem Flusse zu sah man nur Wasser. So weit das Auge reichte,
+schien alles ein großer See zu sein. Drüben am anderen Ufer, ganz in der Ferne
+guckten die Wipfel der Bäume und die Schornsteine aus der Flut empor. Ganz in
+der Nähe stand das Bretterhaus der alten Frau Werner, welche sehr arm war und
+von guten Leuten unterstützt wurde. Schon hatte das Wasser den zweiten Stock
+erreicht und stieg immer höher und höher.
+</p>
+
+<p>
+Während Ernst das Häuschen der Frau Werner betrachtete, kam es ihm vor, als
+rufe jemand um Hilfe. Richtig, jetzt öffnete die alte Frau einen Laden und
+schaute heraus. Als sie ringsum nichts als Wasser erblickte, klagte und
+jammerte sie laut und rang die Hände.
+</p>
+
+<p>
+Ernst sah alles und dachte nach, was er wohl tun könne. Ja, so ging es! Er
+wollte rasch den Hügel hinauflaufen und den Vater und den Bootsmann rufen. Aber
+siehe da! Die Flut trieb einen mächtigen Baumstamm gerade auf das Häuschen zu.
+Wenn er gegen dasselbe stieß, löste es sich gewiß los, schwamm in der Strömung
+fort, und dann wäre die alte Frau verloren.
+</p>
+
+<p>
+Da sprang Ernst in den Kahn, stieß vom Ufer und steuerte nach dem Häuschen.
+Frau Werner stieg aus dem Fenster in den Rachen, und der Knabe ruderte, so
+rasch er konnte, an das Ufer zurück. Als er sich demselben näherte, kam sein
+Vater gerade wieder vom Hügel herab.
+</p>
+
+<p>
+"Hurra, wir sind gerettet!" rief Ernst, als der Kahn ans Land stieß. Mit Tränen
+des Dankes im Auge drückte die alte Frau dem Knaben die Hände. Der Vater aber
+schloß ihn an seine Brust und sprach: "Das war wie ein braver Mann gehandelt,
+mein Sohn!"
+</p>
+
+<div class="fig" style="width:100%;">
+<img src="images/99.png" width="500" height="394" alt="[GERETTET]" />
+</div>
+
+<h2><a name="chap100"></a>100. SPRÜCHE.</h2>
+
+<p class="poem">
+Erfüllte Pflicht<br/>
+macht froh Gesicht.<br/>
+<br/>
+Die träge Hand sei noch so glatt und weiß,<br/>
+Der fleißigen allein gebührt der Preis.<br/>
+<br/>
+Trägt einer gar so hoch den Kopf,<br/>
+So ist er wohl ein eitler Tropf.<br/>
+<br/>
+Allen Leuten recht getan,<br/>
+Ist eine Kunst, die niemand kann.
+</p>
+
+<div style='display:block; margin-top:4em'>*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK HIN UND HER ***</div>
+<div style='text-align:left'>
+
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+ </div>
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+</div>
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+1.F.
+</div>
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+Project Gutenberg&#8482; is synonymous with the free distribution of
+electronic works in formats readable by the widest variety of
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+exists because of the efforts of hundreds of volunteers and donations
+from people in all walks of life.
+</div>
+
+<div style='display:block; margin:1em 0'>
+Volunteers and financial support to provide volunteers with the
+assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg&#8482;&#8217;s
+goals and ensuring that the Project Gutenberg&#8482; collection will
+remain freely available for generations to come. In 2001, the Project
+Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
+and permanent future for Project Gutenberg&#8482; and future
+generations. To learn more about the Project Gutenberg Literary
+Archive Foundation and how your efforts and donations can help, see
+Sections 3 and 4 and the Foundation information page at www.gutenberg.org.
+</div>
+
+<div style='display:block; font-size:1.1em; margin:1em 0; font-weight:bold'>
+Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
+</div>
+
+<div style='display:block; margin:1em 0'>
+The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non-profit
+501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
+state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
+Revenue Service. The Foundation&#8217;s EIN or federal tax identification
+number is 64-6221541. Contributions to the Project Gutenberg Literary
+Archive Foundation are tax deductible to the full extent permitted by
+U.S. federal laws and your state&#8217;s laws.
+</div>
+
+<div style='display:block; margin:1em 0'>
+The Foundation&#8217;s business office is located at 809 North 1500 West,
+Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887. Email contact links and up
+to date contact information can be found at the Foundation&#8217;s website
+and official page at www.gutenberg.org/contact
+</div>
+
+<div style='display:block; font-size:1.1em; margin:1em 0; font-weight:bold'>
+Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
+</div>
+
+<div style='display:block; margin:1em 0'>
+Project Gutenberg&#8482; depends upon and cannot survive without widespread
+public support and donations to carry out its mission of
+increasing the number of public domain and licensed works that can be
+freely distributed in machine-readable form accessible by the widest
+array of equipment including outdated equipment. Many small donations
+($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
+status with the IRS.
+</div>
+
+<div style='display:block; margin:1em 0'>
+The Foundation is committed to complying with the laws regulating
+charities and charitable donations in all 50 states of the United
+States. Compliance requirements are not uniform and it takes a
+considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
+with these requirements. We do not solicit donations in locations
+where we have not received written confirmation of compliance. To SEND
+DONATIONS or determine the status of compliance for any particular state
+visit <a href="https://www.gutenberg.org/donate/">www.gutenberg.org/donate</a>.
+</div>
+
+<div style='display:block; margin:1em 0'>
+While we cannot and do not solicit contributions from states where we
+have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
+against accepting unsolicited donations from donors in such states who
+approach us with offers to donate.
+</div>
+
+<div style='display:block; margin:1em 0'>
+International donations are gratefully accepted, but we cannot make
+any statements concerning tax treatment of donations received from
+outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff.
+</div>
+
+<div style='display:block; margin:1em 0'>
+Please check the Project Gutenberg web pages for current donation
+methods and addresses. Donations are accepted in a number of other
+ways including checks, online payments and credit card donations. To
+donate, please visit: www.gutenberg.org/donate
+</div>
+
+<div style='display:block; font-size:1.1em; margin:1em 0; font-weight:bold'>
+Section 5. General Information About Project Gutenberg&#8482; electronic works
+</div>
+
+<div style='display:block; margin:1em 0'>
+Professor Michael S. Hart was the originator of the Project
+Gutenberg&#8482; concept of a library of electronic works that could be
+freely shared with anyone. For forty years, he produced and
+distributed Project Gutenberg&#8482; eBooks with only a loose network of
+volunteer support.
+</div>
+
+<div style='display:block; margin:1em 0'>
+Project Gutenberg&#8482; eBooks are often created from several printed
+editions, all of which are confirmed as not protected by copyright in
+the U.S. unless a copyright notice is included. Thus, we do not
+necessarily keep eBooks in compliance with any particular paper
+edition.
+</div>
+
+<div style='display:block; margin:1em 0'>
+Most people start at our website which has the main PG search
+facility: <a href="https://www.gutenberg.org">www.gutenberg.org</a>.
+</div>
+
+<div style='display:block; margin:1em 0'>
+This website includes information about Project Gutenberg&#8482;,
+including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
+Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
+subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks.
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+
+</div>
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+This eBook, including all associated images, markup, improvements,
+metadata, and any other content or labor, has been confirmed to be
+in the PUBLIC DOMAIN IN THE UNITED STATES.
+
+Procedures for determining public domain status are described in
+the "Copyright How-To" at https://www.gutenberg.org.
+
+No investigation has been made concerning possible copyrights in
+jurisdictions other than the United States. Anyone seeking to utilize
+this eBook outside of the United States should confirm copyright
+status under the laws that apply to them.
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@@ -0,0 +1,2 @@
+Project Gutenberg (https://www.gutenberg.org) public repository for
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+++ b/old/7hnhr10.txt
@@ -0,0 +1,2816 @@
+The Project Gutenberg EBook of Hin Und Her, by H. H. Fick
+
+Copyright laws are changing all over the world. Be sure to check the
+copyright laws for your country before downloading or redistributing
+this or any other Project Gutenberg eBook.
+
+This header should be the first thing seen when viewing this Project
+Gutenberg file. Please do not remove it. Do not change or edit the
+header without written permission.
+
+Please read the "legal small print," and other information about the
+eBook and Project Gutenberg at the bottom of this file. Included is
+important information about your specific rights and restrictions in
+how the file may be used. You can also find out about how to make a
+donation to Project Gutenberg, and how to get involved.
+
+
+**Welcome To The World of Free Plain Vanilla Electronic Texts**
+
+**eBooks Readable By Both Humans and By Computers, Since 1971**
+
+*****These eBooks Were Prepared By Thousands of Volunteers!*****
+
+
+Title: Hin Und Her
+
+Author: H. H. Fick
+
+Release Date: June, 2005 [EBook #8392]
+[This file was first posted on July 6, 2003]
+
+Edition: 10
+
+Language: German
+
+Character set encoding: US-ASCII
+
+*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK, HIN UND HER ***
+
+
+
+
+E-text prepared by David Starner, Delphine Lettau, Charles Franks, and the
+Online Distributed Proofreading Team
+
+
+
+HIN UND HER
+
+Ein Buch fuer die Kinder
+
+Zusammengestellt von H. H. FICK
+
+Supervisor of German, Cincinnati Public Schools
+
+
+
+
+
+
+
+INHALT
+
+
+ 1. Am Morgen
+ 2. Der Tag bricht an
+ 3. Der Hahnenruf
+ 4. Beim Fruehstueck
+ 5. Zur Schule
+ 6. Bruder und Schwester
+ 7. Der Specht
+ 8. Die Uhr
+ 9. Schuleifer
+ 10. Raetsel
+ 11. Unser Hof
+ 12. Die Haustiere
+ 13. Sprueche
+ 14. Die Aepfel
+ 15. Peter Faulpelz
+ 16. Der Knabe am Bache
+ 17. Daheim
+ 18. Der Bau des Hauses
+ 19. Die Wohnung der Maus
+ 20. Karls Hase
+ 21. Das Lied vom Monde
+ 22. Das Mueckchen und das Maedchen
+ 23. Nasch-Ernst
+ 24. Der blinde Geiger
+ 25. Das Brot im Weg
+ 26. Die schoenen Drei
+ 27. Das Vogelnest
+ 28. Der Drache
+ 29. Die Voeglein
+ 30. Vom Haenschen
+ 31. Sprueche
+ 32. Die Schnecke
+ 33. Die Henne und die Entlein
+ 34. Die Tageszeiten
+ 35. Kind und Sonne
+ 36. Sonne und Regen
+ 37. Astern
+ 38. Raetsel
+ 39. Voegel und Blumen
+ 40. Danksagungstag
+ 41. Vom Vater
+ 42. Die vier Brueder
+ 43. Die zwoelf Monate
+ 44. Die Blaetter tanzen
+ 45. Die vier Jahreszeiten
+ 46. Winters Ankunft
+ 47. Der Tannenbaum
+ 48. Vogel am Fenster
+ 49. Das Bueblein auf dem Eise
+ 50. Raetsel
+ 51. Weihnachtsfreude
+ 52. Schneesterne
+ 53. Brief vom Weihnachtsmann
+ 54. Zu Neujahr
+ 55. Verstehst du das?
+ 56. Der Schneemann
+ 57. Maerz
+ 58. Ostergruss
+ 59. Der Osterhase
+ 60. Der Obstgarten
+ 61. Sprueche
+ 62. Die Voegel im Fruehlinge
+ 63. Das rote Huehnchen
+ 64. Raetsel
+ 65. Der naseweise Bello
+ 66. Heil, Amerika!
+ 67. Petersilie
+ 68. Das Kind und sein Bluemchen
+ 69. Nachlaessigkeit
+ 70. Ein Raetsel
+ 71. Was wuerdest du tun?
+ 72. Was wollen wir spielen?
+ 73. Die schlaue Katze
+ 74. Kannst du es sagen?
+ 75. Der Sperling
+ 76. Das Pferd und der Esel
+ 77. Der kluge Star
+ 78. Der Apfelbaum
+ 79. Der Hase und der Fuchs
+ 80. Sprueche
+ 81. Der Hase und die Schildkroete
+ 82. Hasenbraten
+ 83. Der Schein truegt
+ 84. Der Frosch
+ 85. Vom listigen Grasmuecklein ein lustiges Stuecklein
+ 86. Ein toerichter Streit
+ 87. Herr Wind! Herr Wind!
+ 88. Das Fuenkchen
+ 89. Raetsel
+ 90. Das Gaensebluemchen
+ 91. Die gruene Stadt
+ 92. Deutschland
+ 93. Sonnenschein
+ 94. Die Koenigin Luise
+ 95. Das goldene Schloss
+ 96. Die kleinen Muessiggaenger
+ 97. Der gute Kamerad
+ 98. Der Goldbaum
+ 99. Gerettet
+100. Sprueche
+
+
+
+
+1. AM MORGEN.
+
+ Die Erd' erwacht, die Sonne lacht
+ Sie an mit hellem Schein
+ Und ruft ihr zu: komm aus der Ruh',
+ Der ganze Tag ist dein.
+ Guten Morgen.
+
+
+
+
+2. DER TAG BRICHT AN.
+
+Es ist dunkel. Am Himmel leuchten die Sterne. Zwischen ihnen steht
+der Mond. Nun wird es langsam heller. Im Osten zeigt sich ein lichter
+Schein. Das ist die Morgendaemmerung. Die meisten Leute schlafen noch
+fest, aber der Hahn ist wach und kraeht ganz laut. Bald steigt die
+Sonne empor. Dann ist es Tag. Die Voegel sind erwacht und zwitschern.
+Jetzt stehen auch die Menschen von ihrem Lager auf und gehen gestaerkt
+an die Arbeit. Die Tiere im Freien suchen ihre Nahrung und das Vieh
+im Hofe bekommt sein Futter. Im Garten und auf den Wiesen glaenzt der
+Tau. Alles ist neubelebt.
+
+
+
+
+[Illustration]
+
+
+3. DER HAHNENRUF.
+
+ Im ersten Hofe kraeht der Hahn,
+ Da faengt auch gleich der zweite an
+ Und denkt: "Haett' ich's zuerst getan!"
+ Doch, wie der zweite kaum beginnt,
+ Kraeht schon der dritte Hahn geschwind.
+ Der viert' und fuenfte faul nicht sind
+ Und fallen schnell ins Lied mit ein,
+ Denn jeder will der erste sein,
+ Und jeder will am schoensten schrei'n.--
+ Bald rufen alle in der Rund',
+ Als staenden sie zusamm' im Bund,
+ Und tun die Morgenstunde kund
+ Aus voller Kehle laut und schnell:
+ "Die Nacht entweicht, der Tag wird hell.
+ Kikeriki! Kikeriki! Wir sind zur Stell'!"
+ So soll'n auch wir in allen Sachen,
+ Wo's gilt, zum guten zu erwachen,
+ Es wie der Hahn am Morgen machen.
+
+
+
+
+4. BEIM FRUEHSTUECK
+
+_Mutter_: Papa, Karl, Emma und Klara, hurtig, kommt zu Tisch!
+Das Fruehstueck ist aufgetragen!
+
+_Papa_: Sieh! Da bin ich schon. Guten Morgen!
+
+_Emma_ und _Klara_: Liebe Mama und lieber Papa, Wir sind
+auch bereit und wuenschen euch einen recht guten Morgen!
+
+_Mutter_ und _Vater_: Vielen Dank, ihr Kinder! Wo steckt
+aber der Karl?
+
+_Emma_ und _Klara_: Da kommt er!
+
+_Karl_: Seid nicht boese, liebe Eltern, ich habe mich
+verschlafen. Es soll aber gewiss nicht wieder geschehen!
+
+_Mutter_: Schon gut! Setzt euch alle. Schaut, dass der Papa
+bedient wird! Emma, reiche doch das Brot herueber und gib mir die
+Butter. Nun, trinkt eure Milch! Klara und Emma, fuer euch habe ich ein
+Stueck Kuchen.
+
+_Karl_: Bekomme ich nicht auch eins?
+
+Mutter: Du bist zu spaet gekommen! Dafuer musst du Strafe leiden. Heute
+ist fuer dich nur Brot vorhanden.
+
+_Karl_: Ach, liebe Mama! Ich bin so hungrig!
+
+_Mutter_: Ei! Hungern sollst du nicht. Da ist eine Semmel und
+dann habe ich auch noch ein Ei fuer dich. Aber der Kuchen ist nur fuer
+die puenktlichen Leute da, merke dir das! So, seid ihr nun alle
+fertig?
+
+_Kinder_: Jawohl, Mama!
+
+_Mutter_: Stellt eure Stuehle an ihre Plaetze! Jetzt koennt ihr
+gehen! Du, Karl, holst dem Vater noch die Zeitung herein!
+
+_Karl_: Gerne, liebe Mutter!
+
+_Kinder_: Ade, Papa! Leb wohl, Mama! Heute mittag sehen wir uns
+wieder!
+
+
+
+
+5. ZUR SCHULE.
+
+ Nun hurtig vom Stuhle
+ Und schnell in die Schule;
+ Es ist an der Zeit.
+ Holt Huete und Kappen,
+ Bringt Tafeln und Mappen;
+ Nehmt auch fuer die Pause
+
+ Euch etwas zum Schmause;
+ So, Kinder, jetzt seid
+ Zur Arbeit bereit!
+
+
+
+
+6. BRUDER UND SCHWESTER.
+
+Es ist Morgen. Die Nacht hindurch hat es geregnet und immer noch
+fallen einzelne Tropfen. Seit einigen Tagen besucht der kleine
+Wilhelm die Schule. Er hat einen neuen Anzug, eine huebsche Muetze und
+einen bunten Schulsack erhalten. Wie leid tut es ihm, dass alles vom
+Regen soll nass werden. Da kommt die gute Schwester Emilie. Sie muss
+fuer die Mutter noch einen Gang auf den Markt machen. Nun will sie den
+Bruder unter den Schirm nehmen und ihn bis an das Schulgebaeude
+begleiten. Wilhelm fasst die Schwester am Kleide, und sie treten in
+die Tuere. Aber, siehe da, der Regen hoert auf und als Emilie
+vorsichtig die Hand ausstreckt, kann sie kein Troepfchen mehr spueren.
+Da darf auch der zottige Spitz mit ins Freie.
+
+[Illustration]
+
+
+
+
+
+7. DER SPECHT.
+
+ Herr Specht! so frueh schon klopfest du!
+ Was stoerte dich denn aus der Ruh'?
+ Es herrscht noch Stille im Erdenraum--
+ Du haemmerst schon am Fichtenbaum.
+
+ "Ist es auch frueh, ist's nie zu frueh,
+ An Arbeit fehlt's dem Fleiss'gen nie,--
+ Wer Tages etwas will gewinnen,
+ Der muss recht fruehe schon beginnen."
+
+
+
+
+8. DIE UHR.
+
+Eben hatte es sieben geschlagen. Die Mutter ging in die Kammer, um
+den kleinen Leo zu wecken. Der war aber schon wach und sass aufrecht
+im Bette. "Ei, Leo!" sagte die Mutter, "Wie kommt denn das? Sonst muss
+ich dich viele Male rufen und schuetteln, und heute bist du ganz
+munter!" "Ach, denke nur, liebe Mama," sagte Leo, "ich War ja auch
+noch so muede und haette gerne laenger geschlafen. Aber da hatte auf
+einmal die grosse Uhr dort an der Wand ein Gesicht wie ein Mensch, und
+machte immerfort: Auf! raus! Auf! raus! Nun hatte ich Angst, liegen
+zu bleiben und wollte aufstehen. Jetzt hoerte ich die Uhr ganz
+deutlich sagen: Recht so! Recht so! und sie sah wieder freundlich
+aus!"
+
+[Illustration]
+
+
+
+
+
+9. SCHULEIFER.
+
+ Im Winter, wenn es frieret,
+ Im Winter, wenn es schneit,
+ Dann ist der Weg zur Schule
+ Fuerwahr noch mal so weit.
+
+ Und wenn der Kuckuck rufet,
+ Dann ist der Fruehling da,
+ Dann ist der Weg zur Schule
+ Fuerwahr noch mal so nah.
+
+ Wer aber gerne lernet,
+ Dem ist kein Weg zu fern;
+ Im Fruehling, wie im Winter,
+ Geht er zur Schule gern.
+
+[Illustration]
+
+
+
+
+10. RAETSEL.
+
+ Im Wasser schwimmt es, gross und klein.
+ Nun rat' einmal, was das mag sein!
+
+ Wer waescht sich so rein
+ Und haelt sich so fein
+ Und braucht doch kein Handtuechelein?
+
+ Ich weiss ein kleines, weisses Haus,
+ Hat nichts von Fenstern, Tueren, Toren;
+ Und will sein kleiner Wirt hinaus,
+ So muss er erst die Wand durchbohren.
+
+
+
+
+11. UNSER HOF.
+
+Hinter dem Hause ist ein Hof. Da haben viele Tiere Platz. In einer
+Ecke steht die Hundehuette. Dort wohnt Nero. Er bewacht unser Haus.
+Auf der Kellertreppe sitzt Mieze. Das ist die graue Katze. Sie waescht
+und putzt sich gern. Im Korbe liegen ihre vier Kaetzchen. Die koennen
+noch nicht sehen. Mitten im Hofe geht der stolze Hahn. Er hat bunte
+Federn und einen roten Kamm. Bei ihm sind fuenf huebsche Hennen. Auch
+Tauben fliegen herbei und picken Koerner auf. Seht doch den grossen
+Puter da drueben! Der ist zornig und jagt die anderen Voegel fort.
+
+
+
+
+12. DIE HAUSTIERE.
+
+ Lieb Kindchen, sag mir an,
+ Was ein Haustier nuetzen kann!
+
+ Die Kuh gibt Milch uns, liebe Mutter,
+ Draus macht man Kaese, Rahm und Butter.
+ Das Pferd zieht fleissig deinen Wagen
+ Und kann dich in die Ferne tragen.
+ Der Hund schuetzt treu dir Hof und Haus.
+ Die Katze lauert auf die Maus.
+ Das dicke, schmutz'ge, dumme Schwein
+ Bringt Schinken uns und Wuerste ein.
+
+[Illustration]
+
+
+
+
+
+13. SPRUECHE.
+
+Lust und Liebe zum Dinge
+Macht Muehe und Arbeit geringe.
+
+Morgen, morgen, nur nicht heute,
+Sagen alle traegen Leute.
+
+Lerne Ordnung, liebe sie;
+Ordnung spart dir Zeit und Mueh'.
+
+
+
+
+14. DIE AEPFEL.
+
+Am Montag morgen wollte Otto seinen Freund Ludwig zur Schule abholen.
+Als er aber in die Stube trat, war niemand da. Vorne beim Fenster
+stand ein Korb voll Aepfel. Die waren schoen gelb und rot. Gerne haette
+Otto einen genommen. Aber er dachte: "Nein, das tue ich nicht, die
+AEpfel gehoeren nicht mir."
+
+Schnell wollte er wieder zur Tuere hinaus. Da kam gerade Ludwigs
+Mutter herein. Die freute sich sehr, als sie Otto sah. Sie steckte
+ihm beide Taschen voll Aepfel. Dann rief sie Ludwig und gab den beiden
+Kindern noch einen Apfel mit auf den Weg. Mit frohem Herzen gingen
+die Knaben nun zur Schule.
+
+
+
+
+15. PETER FAULPELZ.
+
+ Laengst ist schon die Schule aus,
+ Alle Kinder sind zu Haus:
+ Peter nur, der faule Bube,
+ Muss noch sitzen in der Stube,
+ Hat gelernt nicht, noch geschrieben,
+ Hat sich draussen 'rumgetrieben.
+ Nun geht es ihm bitterschlecht--
+ Faulpelz, das geschieht dir recht!
+
+
+
+
+16. DER KNABE AM BACHE.
+
+Siehst du den Knaben dort am Bache sitzen? Es ist Robert, der mit
+seiner armen Mutter in dem kleinen Haeuschen wohnt. Sie hatten fuer den
+Abend nichts zu essen. Da sagte Robert: "Mutter, ich will zum Bache
+gehen und einige Fische fangen."
+
+Hier sitzt er nun ganz stille. Zwei Fische hat er schon gefangen, und
+den dritten macht er eben vom Haken los. Wie wird sich die Mutter
+freuen, wenn Robert mit den Fischen nach Hause kommt!
+
+[Illustration]
+
+
+
+
+17. DAHEIM.
+
+Hurra, die Schule ist aus! Schnell eile ich nach Hause, denn die
+Mutter wartet schon auf mich. Sie hat ja mancherlei Arbeit, die ich
+fuer sie besorgen kann. Erst bekomme ich aber ein grosses Stueck
+Butterbrot. Wenn ich das gegessen habe, hole ich Kleinholz aus dem
+Keller. Damit macht die Mutter das Feuer im Kuechenofen an fuer das
+Abendessen. Dann gehe ich zum Metzger, um das Fleisch heimzubringen,
+das der Vater am Morgen bestellt hat. Auf dem Wege bringe ich aus dem
+Kramladen Seife mit und Streichhoelzchen. Auch sonst muss ich der
+Mutter in der Kueche noch zur Hand gehen. Ich tue es gerne, denn ich
+habe mein Muetterlein lieb. Wenn ich alles besorgt habe, darf ich eine
+Weile auf der Strasse mit anderen Kindern spielen.
+
+Bald ist es Zeit zum Abendessen geworden. Richtig, da ruft mich schon
+die Mutter. Der Vater ist nun auch schon nach Hause gekommen, und
+meine aelteren Geschwister sind ebenfalls da. Wir sitzen jetzt alle um
+den grossen Tisch im Esszimmer, und der Vater erzaehlt, was er waehrend
+des Tages in der Stadt gehoert und gesehen hat. Nach dem Essen nimmt
+der Vater die Zeitung, und meine kleine Schwester und ich machen
+unsere Schularbeiten. Da muss manchmal die liebe Mama ein wenig
+helfen. Spaeter liest sie uns eine schoene Geschichte vor, oder spielt
+mit uns Domino und Lotto.
+
+Ich glaube, es ist nirgends schoener als abends daheim.
+
+
+
+
+18. DER BAU DES HAUSES.
+
+"Kommt, Knaben, wir wollen ein Haus bauen," sagte Emil zu Karl und
+Heinrich, "Ich will den Keller ausgraben," sprach Karl. "Und ich,"
+sagte Emil, "ich bin der Maurer; ich nehme Kalk und Steine und baue
+die Mauern." Da meinte Karl: "Du darfst aber die Tueren und die
+Fenster nicht vergessen. Ohne Tueren kann man nicht in das Haus
+hinein, und durch die Fenster soll Luft und Licht in die Zimmer
+kommen." Heinrich sagte: "Ich bin der Zimmermann; ich setze die Tueren
+und Fenster und lege den Fussboden. Von einem Stockwerke in das andere
+mache ich Treppen. Und oben auf das Haus setze ich das Dach; das
+schuetzt vor Regen und Schnee. Unser Haus soll ein Wohnhaus sein mit
+Kueche und Zimmern und einem Boden unter dem Dach."
+
+
+
+
+19. DIE WOHNUNG DER MAUS.
+
+ Ich frag' die Maus:
+ Wo ist dein Haus?
+ Die Maus darauf erwidert mir:
+ Sag's nicht der Katz',
+ So sag' ich's dir.
+ Treppauf, treppab,
+ Erst rechts, dann links,
+ Dann wieder rechts
+ Und dann grad' aus--
+ Das ist mein Haus;
+ Du wirst es schon erblicken!
+ Die Tuer ist klein,
+ Und trittst du ein,
+ Vergiss nicht, dich zu buecken!
+
+[Illustration]
+
+
+
+
+20. KARLS HASE
+
+"Papa, darf ich ein wenig deinen Stock nehmen?"
+
+"Ja, Karl, aber was willst du damit machen?"
+
+"Einen Hasen will ich schiessen, Papa."
+
+"Dann musst du ja auf das Feld gehen."
+
+"O nein, dein Stock ist meine Flinte und unsere alte Katze ist der
+Hase."
+
+Der Vater gab seinem Sohne den Stock. Karl legte ihn an die rechte
+Wange, zielte und rief: "Piff, paff! piff, paff!" Ei, wie die Katze
+von dem Stuhle unter den Tisch sprang!
+
+Karl aber lachte und rief: "Hast du nun meinen Hasen laufen sehen,
+Papa?"
+
+
+
+
+21. DAS LIED VOM MONDE.
+
+ Wer hat die schoensten Schaefchen?
+ Die hat der gold'ne Mond,
+ Der hinter unsern Baeumen
+ Am Himmel drueben wohnt.
+
+ Er kommt am spaeten Abend,
+ Wenn alles schlafen will,
+ Hervor aus seinem Hause
+ Zum Himmel leis' und still.
+
+ Dann weidet er die Schaefchen
+ Auf seiner blauen Flur;
+ Denn all' die weissen Sterne
+ Sind feine Schaefchen nur.
+
+ Sie tun sich nichts zuleide,
+ Hat eins das andre gern,
+ Und Schwestern sind und Brueder
+ Da droben Stern an Stern.
+
+ Und soll ich dir eins bringen,
+ So darfst du niemals schrei'n,
+ Musst freundlich wie die Schaefchen
+ Und wie ihr Schaefer sein!
+
+
+
+
+22. DAS MUECKCHEN UND DAS MAEDCHEN.
+
+[Illustration]
+
+
+Ein Mueckchen flog um ein Licht, das am Abend auf dem Tische brannte.
+Da sagte ein Maedchen, welches nebenbei sass und strickte: "Mueckchen,
+bleib' von dem Lichte, sonst verbrennst du dich!" Das Mueckchen aber
+folgte nicht und flog so lange auf und nieder und um das Licht, bis
+es daran seine Fluegelchen sengte und in die Flamme fiel. "Habe ich es
+dir nicht gesagt?" sprach das Maedchen. "Haettest du auf mich gehoert,
+muesstest du jetzt nicht sterben!"
+
+
+
+
+23. NASCH-ERNST.
+
+Ernst konnte das Naschen nicht lassen. Er ging oft an den Schrank, um
+Zucker zu naschen. Die Mutter schalt, aber es half nicht.
+
+Eines Tages ging Ernst in die Scheune. An der Wand hing etwas Rotes.
+Ernst sagte: "Oh, hier hat die Mutter Zuckerzeug versteckt. Ich
+sollte es nicht finden!" Schnell kletterte er auf einen Stuhl, um es
+zu holen. Er biss gierig hinein. Aber, o weh, es verbrannte seinen
+Mund. Er liess das Zuckerzeug fallen und schrie laut. Nun kam die
+Mutter und gab ihm einen Trunk Wasser. Was Ernst naschte, war nicht
+Zucker gewesen. Es war roter Pfeffer.
+
+Ernst naschte nie wieder.
+
+
+
+
+24. DER BLINDE GEIGER.
+
+Ein armer, blinder Geiger ging auf der Strasse. Er suchte den Weg mit
+seinem Stocke. Seine Geige trug er unter dem Arme. Bald kam er an
+einen Steg. Als er das merkte, getraute er sich nicht hinueberzugehen.
+Hans und Eugen kamen daher, und der arme Mann bat, sie moechten ihn
+doch ueber den Steg fuehren. Aber die mutwilligen Buben lachten den
+Geiger aus und liefen weg.
+
+Da kam die kleine Lina aus der Schule. Die wartete nicht, bis sie
+gebeten wurde. Sie fasste den Blinden bei der Hand, brachte ihn ueber
+den Steg und schenkte ihm einen Cent, den sie von ihrer Mutter
+bekommen hatte.
+
+[Illustration]
+
+
+
+
+
+25. DAS BROT IM WEG.
+
+ Im Weg das Kruemchen Brot
+ Tritt nicht mit deinem Fuss,
+ Weil's in des Hungers Not
+ Ein Tierlein finden muss.
+ Leg's auf den Stein vor'm Haus,
+ Und kannst du, broesel's klein:
+ Still dankt es dir die Maus
+ Und still das Voegelein.
+
+
+
+
+26. DIE SCHOENEN DREI.
+
+ Voeglein im hohen Baum,
+ Klein ist's, ihr seht es kaum,
+ Singt doch so schoen,
+ Dass wohl von nah und fern
+ Alle die Leute gern
+ Horchen und stehn.
+
+ Bluemlein im Wiesengrund
+ Bluehen so lieb und bunt,
+ Tausend zugleich;
+ Wenn ihr voruebergeht,
+ Wenn ihr die Farben seht,
+ Freuet ihr euch.
+
+ Waesserlein fliesst so fort
+ Immer von Ort zu Ort
+ Nieder ins Tal;
+ Duerstet nun Mensch und Vieh,
+ Kommen zum Baechlein sie,
+ Trinken zumal.
+
+ Habt ihr es auch bedacht,
+ Wer hat so schoen gemacht
+ Alle die drei?
+ Gott, der Herr, machte sie,
+ Dass sich nun spaet und frueh
+ Jedes dran freu'.
+
+
+
+
+27. DAS VOGELNEST.
+
+In einem Garten lebte ein Voegelein, das sehr schoen singen konnte. Es
+baute sich in einem Busch ein huebsches Nestchen. In dieses legte es
+Eier hinein und bruetete Junge aus. Einmal suchte das alte Voegelein
+Futter fuer seine Kinder. Da sahen zwei Buben das Nest und nahmen es
+samt den Jungen weg. Darueber wurde die Mutter der jungen Voegelein
+sehr traurig.
+
+Sie flog hin und her und schrie, so laut sie konnte. Die Knaben
+machten sich aber nichts daraus. Endlich hoerte die Schwester der
+boesen Knaben das Voegelein schreien. Gleich ging sie hin und nahm
+ihren Bruedern das Nestchen Weg und trug es wieder in die Hecke. Seit
+dieser Zeit hatten die Voegelein das Maedchen recht lieb, und wenn es
+im Garten war, sangen sie noch einmal so schoen wie sonst.
+
+
+
+
+28. DER DRACHE.
+
+Mein Bruder Karl hatte einen grossen Drachen gemacht. Er war aus holz
+und Papier. Um untern Ende befand sich ein langer Schwanz und am
+obern eine lange, duenne Schnur.
+
+Nachmittags gingen wir hinaus auf das Feld hinter unserm Hause. Es
+war ein schoener Tag; die Sonne schien praechtig, und es wehte ein
+guter Wind. Wir liessen den Drachen steigen. Er stieg so hoch, wie die
+Schnur reichte. Wir konnten ihn kaum noch sehen.
+
+So standen wir lange im Schatten neben dem Zaune. Auch unser Hund
+Karo kam unter dem Karren hervor. Wir waren sehr vergnuegt, bis der
+Abend dem Spiele ein Ende machte.
+
+[Illustration]
+
+
+
+
+
+29. DIE VOEGLEIN.
+
+ Warum wohl die Voeglein fliegen koennen?
+ Ei, das magst du ihnen schon goennen.
+ Auf der Erde sind Tiere viel
+ Und haben hier und dort ihr Spiel.
+ Da war kein Platz fuer die Voegel mehr;
+ Das dauerte den lieben Gott so sehr,
+ Darum hat er ihnen Fluegel gegeben,
+ Dass sie dort oben in Lueften schweben;
+ Da koennen sie spielen den ganzen Tag
+ Und haben Platz, wie viel jedes mag.
+
+
+
+
+30. VOM HAENSCHEN.
+
+Haenschen und Gretchen spielten im Garten. Da kam ein schoener
+Schmetterling geflogen. Gleich wollte Hans ihn fangen. Gretchen rief:
+"Ach, lass doch das huebsche Tierlein gehen!" Aber Hans hoerte nicht
+darauf. Mit dem Hute in der Hand lief er dem Schmetterlinge nach. Er
+schaute immer nur in die Hoehe. Patsch,--fiel er in einen tiefen
+Graben voller Wasser. Der Schmetterling flog munter davon. Haenschen
+ging weinend heim und wurde noch ausgelacht.
+
+
+
+
+31. SPRUECHE.
+
+ Ein gutes Kind gehorcht geschwind
+ Und folgt sofort aufs erste Wort.
+
+ Was du nicht willst, das man dir tu',
+ Das fueg' auch keinem andern zu.
+
+ Vorgetan und nachbedacht
+ Hat manchem grosses Leid gebracht.
+
+ Quaele nie ein Tier zum Scherz,
+ Denn es fuehlt, wie du, den Schmerz.
+
+
+
+
+32. DIE SCHNECKE:
+
+ Die Schnecke ist gar uebel dran.
+ Wie muss sie sich doch plagen!
+ Sie muss ihr Haus
+ Tagein, tagaus
+ Auf ihrem Ruecken tragen.
+
+ Die Schnecke ist nicht uebel dran.
+ Sie weiss sich wohl zu schuetzen:
+ Nimmt sie Gefahr
+ Vom Feinde wahr,--
+ Bleibt sie im Haeuschen sitzen.
+
+[Illustration]
+
+
+
+
+33. DIE HENNE UND DIE ENTLEIN.
+
+Die kleine Anna hatte eine Henne zum Geschenk bekommen. Diese legte
+jeden Morgen ein Ei. Als nun Annas Mutter eines Tages das Nest mit
+zwoelf Eiern sah, nahm sie dieselben voller Freude in die Kueche. Aber
+siehe da! Die Henne jammerte und suchte ihr Nest. Nun fand sie in der
+Naehe ein Entennest, in dem auch Eier waren. Sie setzte sich darauf,
+bis die Jungen herauskamen. Das waren aber Entchen statt Kuechlein.
+Doch die Henne hatte sie so lieb, als ob es Kuechlein waeren. Sie
+suchte Futter mit ihnen und nahm sie unter ihre Fluegel, damit ihnen
+kein Leid geschehe. Doch eines schoenen Tages liefen die Kleinen
+davon. Wohin? In grosser Angst eilte die Henne hinterher. Die Entchen
+waren zum Teiche gelaufen. Umsonst warnte die Henne: "Das ist Wasser!
+Ihr muesst ertrinken!" Lustig schwammen die kleinen Enten schon umher,
+und alles Glucken der alten Henne brachte sie nicht ans Ufer zurueck.
+
+[Illustration]
+
+
+
+
+34. DIE TAGESZEITEN.
+
+Hoch am Himmel steht die Sonne. Sie leuchtet so hell, dass man sie
+nicht lange ansehen kann. Wenn die Sonne morgens aufgeht, wird es auf
+der Erde hell. Dann sagen die Leute zu einander: "Guten Morgen!" Die
+Sonne steigt nun immer hoeher und hoeher, bis sie zuletzt fast ueber
+unserem Kopfe steht. Es ist jetzt Mittag. Wenn sich Bekannte treffen,
+wuenschen sie einander: "Guten Tag!" Bald darauf neigt sich die Sonne
+wieder abwaerts. Sie sinkt bis an den Rand des Himmels. Alsdann sieht
+sie wie eine grosse, feurige Kugel aus und faerbt die Wolken schoen rot.
+Auf einmal ist sie verschwunden. Es wird dunkler und die Nacht bricht
+an. Man bietet sich "Guten Abend!" und wuenscht allen vor dem
+Schlafengehen eine "Gute Nacht!" Nun kommt die Zeit der Ruhe.
+
+
+
+
+35. KIND UND SONNE.
+
+_Kind_: Sag einmal, liebe Sonne, wohin gehst du, wenn es Abend
+wird? Es heisst dich doch niemand fortgehen. Ich meine, du koenntest
+immer bei uns bleiben. Das waere so schoen!
+
+_Sonne_: Nein, mein Kind, das kann nicht sein! Wenn es Nacht
+wird, schlafen die Leute, und du schlaefst auch. Beim Schlafen braucht
+man mich aber nicht. Ich reise dann weit, weit fort in ein fernes
+Land. Dort wohnen auch Menschen: Vaeter, Muetter und viele brave
+Kinder. Wenn ich zu diesen komme, haben sie ausgeschlafen. Vater und
+Mutter stehen dann auf und arbeiten, und die groesseren Kinder gehen in
+die Schule, um zu lernen.
+
+_Kind_: Ei, ei! Und wenn du bei diesen Menschen gewesen bist,
+wohin gehst du hernach?
+
+_Sonne_: Wenn ich dort gewesen bin, komme ich wieder zu dir, wie
+an jedem Morgen. So reise ich zu allen Menschen auf der ganzen Erde.
+
+
+
+
+36. SONNE UND REGEN.
+
+ Die Sonne sprach: "Ich will scheinen
+ So fort und immerfort!"
+ Der Regen sprach: "Ich will fallen
+ Ohn' Ende an jedem Ort!"
+ Die Sonne: "Du machst ja alles
+ Auf der Erde gang nass!"
+ Der Regen: "Du machst zu trocken,
+ Wenn du scheinst ohn' Unterlass!"
+ Die Sonne: "Ich mache fruchtbar,
+ Und alles freut sich mein!"
+ Der Regen: "Du machst zu trocken,
+ Dich mag man nicht allein!"
+ So haben sie lang gestritten,
+ Doch wurden sie einig zuletzt:
+ Sie wollten miteinander wechseln,
+ Und so ist es denn auch jetzt.
+
+
+
+
+37. ASTERN.
+
+Ein kleiner Knabe lag einmal im Grase und schlief. Da sah er im Traum
+einen Engel, der eine wunderschoene Blume in der Hand trug. Der Engel
+sagte, dass es im Himmel viele solche Blumen gebe. Der Knabe haette sie
+gerne gehabt. Als er aufwachte, lagen da ein paar glaenzende
+Samenkoerner. Die pflanzte der Knabe in seinem Garten. Als der Herbst
+kam, waren aus den Samen die Blumen entstanden. Sie sahen gerade wie
+Sterne aus. Der Knabe rief seine Eltern. Vater und Mutter sagten:
+"Das sind Sternblumen oder Astern. Die sollen uns an den, Himmel
+droben erinnern."
+
+[Illustration]
+
+
+
+
+
+38. RAETSEL.
+
+Loch bei Loch,
+Und haelt doch.
+Was ist's?
+
+Rat! Das Haus hat lauter Treppen,
+Keine Fenster, keine Zimmer;
+Wer drin wohnt, muss es immer
+Auf seinem Ruecken schleppen.
+
+Es ist ein Ding, hat Stamm und Zweig' und Blaetter,
+Schuetzt dich vor Sonne und im Regenwetter.
+
+
+
+
+39. VOEGEL UND BLUMEN.
+
+ Die Voegel, sie fliegen wie Blaetter im Wind;
+ Da winken die Bluemlein zum Abschied geschwind.
+ Es singt in den Baeumen der Herbst schon sein Lied,
+ Fort ziehen die Voegel, die Blumen sind mued'.
+
+ Im Sueden die Voegel, die Blumen im Schnee,
+ Sie warten, dass wieder der Fruehling ersteh'.
+ Dann lachen die Blueten, das Voegelein singt;
+ Dann duftet's und jubelt's, bis rings alles klingt.
+
+
+
+
+40. DANKSAGUNGSTAG.
+
+Was tut ihr, wenn euch jemand etwas geschenkt hat oder recht gut
+gegen euch gewesen ist? Nicht wahr, ihr sagt: "Danke schoen!"
+Vergesset das ja nicht! Wir Menschen, gross und klein, haben fuer gar
+vieles dankbar zu sein. Die Kinder koennen sich freuen, wenn sie noch
+Eltern haben, die sie lieben und fuer sie sorgen. Erwachsene Leute
+sollen froh sein, wenn sie gesund sind und keine Not zu leiden
+brauchen. Doch das wird oft nicht bedacht. Deshalb ist ein Tag da, an
+dem ein jeder von feiner Arbeit ausruhen und froehlich Gott danken
+soll fuer allen Segen. Im Herbste, wenn die Ernte vorueber ist, kommt
+der Danksagungstag. Da gibt es meistens gut und reichlich zu essen
+und zu trinken. In den Kirchen ist Gottesdienst. Auch fuer die Armen
+und Ungluecklichen wird gesorgt, damit ein jeder im Herzen dankbar
+sein moege fuer das Gute und Schoene, was das Jahr gebracht hat.
+
+
+
+41. VOM PUTER.
+
+ Puter, Puter, Polterhahn,
+ Hast 'ne rote Weste an,
+ Hast 'ne rote Nasenspitze
+ Und 'ne rote Zipfelmuetze;
+ Aber das gibst du wohl zu:
+ Ich bin schoener doch als du!
+
+[Illustration]
+
+
+
+
+
+42. DIE VIER BRUEDER.
+
+ Vier schoene Brueder kenn' ich wohl,
+ Geschmueckt so wunderbar;
+ Sie kommen schon seit alter Zeit
+ Zu uns in jedem Jahr.
+ Der erste Bringt uns einen Strauss,
+ Streut Blumen um sich her.
+ Den zweiten schmueckt ein goldner Kranz
+ Von Aehren voll und schwer.
+ Der dritte reicht uns Aepfel dar
+ Und neuen goldnen Wein.
+ Der vierte ist in Pelz gehuellt
+ Wie Schnee so weiss und rein.
+ Wer nennt die schoenen Brueder mir,
+ Geschmueckt so wunderbar?
+ Sie kommen schon seit alter Zeit
+ Zu uns in jedem Jahr.
+
+
+
+
+43. DIE ZWOELF MONATE.
+
+ Gleich anfangs mit dem neuen Jahr
+ Erscheint der kalte Januar,
+ Dann kommt alsbald der zweite Mann,
+ Der Februar, in Eile an.
+ Der Maerz ist nun auch nicht mehr weit,
+ Und der April ist bald bereit.
+ Ihm folgt der wunderschoene Mai,
+ Der Juni kommt drauf schnell herbei,
+ Und ist der Juli nun erst da,
+ So ist auch der August schon nah;
+ Ihm schliesst sich der September an,
+ Und der Oktober folgt alsdann.
+ November ziehet schleunig ein,
+ Dezember wird her letzte sein.
+
+
+
+
+44. DIE BLAETTER TANZEN.
+
+ Die Baeume stehen ruhig da,
+ Die Blaetter fluestern leise.
+ Hoert ihr den Wind, hei, hussassa,
+ Bald blaest er seine Weise.
+
+ Da braust der Wind gar wild einher
+ Und ruettelt an den Baeumen,
+ Er beugt sie hin, er beugt sie her,
+ Laesst keine Zeit zum Traeumen.
+
+ "Halt ein, du stuermischer Gesell',
+ Wir stehen fest wie Lanzen!"
+ Die Blaetter aber lachen hell:
+ "Herr Wind, wir moechten tanzen!"
+
+ "Ei," ruft der Wind, "ein luftig Wort,
+ Da kann ich stark mich zeigen!"
+ Er Blaest die bunten Blaetter fort;
+ Die tanzen froh den Reigen.
+
+ Der Wind ist fort, der Tanz ist aus,
+ Die Blaetter sinken nieder;
+ Der Schnee streckt sein Decke aus,
+ Der Fruehling hebt sie wieder.
+
+[Illustration]
+
+
+
+
+45. DIE VIER JAHRESZEITEN.
+
+Es gibt vier Jahreszeiten: Fruehling, Sommer, Herbst und Winter. Im
+Fruehling wird die Luft warm. Der Schnee schmilzt, und die Fluesse
+werden wieder frei vom Eise. Auf den Wiesen und in den Gaerten keimen
+Graeser und Kraeuter, auf den Feldern gruent die Saat, und die Baeume
+bekommen frisches Laub. Sie treiben Knospen und Blueten. Die Voegel,
+welche im Herbste in waermere Laender gezogen waren, kehren zurueck.
+Andere Tiere, die den Winter in ihren Hoehlen verschlafen hatten,
+wachen auf und kommen hervor. Mit dem Sommer werden die Tage laenger,
+und die Waerme nimmt zu. Das Getreide wird reif und vom Landmanne
+geschnitten. Auf den Sommer folgt der Herbst. Im Herbst gibt es Obst,
+Trauben und Kartoffeln, auch wird die Saat fuer das naechste Jahr
+bestellt. Das Laub der Baeume vertrocknet und faellt zur Erde nieder.
+Die Tage werden immer kuerzer. Oft ist es neblig und rauh. Bald wird
+es recht kalt; die Fluesse frieren zu, und es gibt Schnee. Die Voegel
+koennen draussen kein Futter finden. Sie kommen in die Strassen und vor
+die Tueren, um einige Koerner und Broeckchen zu suchen. Zu Hause wird
+eingeheizt; aber im Freien tummeln sich die Kinder, gleiten auf dem
+Eise, oder fahren Schlitten. Sie freuen sich darauf, einen Schneemann
+machen zu koennen. Bald naht auch das liebe Weihnachtsfest.
+
+
+
+
+46. WINTERS ANKUNFT.
+
+ Im weissen Pelz der Winter
+ Steht lang' schon hinter der Tuer,
+ Ei, guten Tag, Herr Winter,
+ Das ist nicht huebsch von dir!
+
+ Wir meinten, du waerest, wer weiss wie weit,
+ Da kommst du mit einmal hereingeschneit.
+ Nun, da du hier bist, so mag's schon sein;
+ Aber, was bringst du Gutes uns Kindelein?
+
+ Was ich euch bringe, das sollt ihr wissen:
+ Froehliche Weihnacht mit Aepfeln und Nuessen
+ Und Schneeballen,
+ Wie sie fallen,
+ Und im Jaenner
+ Auch Schneemaenner!
+
+[Illustration]
+
+
+
+
+47. DER TANNENBAUM.
+
+ So manches Baeumchen in dem Wald
+ Verliert im Herbst die Blaetter,
+ Jedoch der liebe Tannenbaum
+ Der trotzet Wind und Wetter.
+
+ Ist alles draussen oed' und leer,
+ Steht er im gruenen Kleide
+ Und setzt sich stolz ein Kaepplein auf,
+ Ein Kaepplein weiss wie Kreide.
+
+ Das nimmt er aber artig ab
+ Am frohen Weihnachtsfeste,
+ Und gruesset liebevoll und gut
+ Die Kinder all' aufs Beste.
+
+ O Tannenbaum, o Tannenbaum,
+ Du kannst mir sehr gefallen,
+ Du bist der allerliebste mir
+ Doch von den Baeumen allen.
+
+
+
+
+48. VOGEL AM FENSTER.
+
+ An das Fenster klopft es: pick, pick!
+ "Macht mir doch auf einen Augenblick!
+ Dicht faellt der Schnee, der Wind weht kalt,
+ Habe kein Futter, erfriere bald.
+ Liebe Leute, o lasst mich ein,
+ Will auch immer recht artig sein!"
+
+ Sie liessen ihn ein in seiner Not;
+ Er suchte sich manches Kruemchen Brot;
+ Blieb froehlich manche Woche da.
+ Doch als die Sonne durchs Fenster sah,
+ Da sass er immer so traurig dort:
+ Sie machten ihm auf, husch, war er fort.
+
+[Illustration]
+
+
+
+
+49. DAS BUEBLEIN AUF DEM EISE
+
+Es war Winter. Da kam ein Knabe an einem Teiche vorbei. Der Teich war
+zugefroren. Der Knabe hatte grosse Lust, auf das Eis zu gehen. Der
+Vater aber hatte es ihm verboten. Das Eis war noch nicht stark genug.
+Der ungehorsame Knabe wagte sich dennoch auf das Eis. Er hackte
+darauf mit seinen Stiefeln. Auf einmal krachte das Eis. Der Knabe
+fiel in das Wasser hinein und schrie laut um Hilfe. Ein Mann eilte
+herbei und zog ihn heraus. Ganz durchnaesst musste der Knabe nach Hause
+laufen. Die Mutter brachte ihn in das Bett, und dazu wurde er noch
+von seinem Vater bestraft.
+
+
+
+
+50. RAETSEL.
+
+Weiss wie Kreide,
+Leicht wie Flaum,
+Weich wie Seide,
+Feucht wie Schaum.
+
+Wer baut wohl die billigste Bruecke?
+Wer reisst sie nieder und schlaegt sie in Stuecke?
+
+Was moegen das fuer Blumen sein,
+Die unsre Fenster zieren,
+Wenn drauss' vor Kaelte Stein und Bein
+Im rauhen Winter frieren?
+Sie sind nicht rot und blau gemalt,
+Wie Blumen auf den Wiesen,
+Und wenn die liebe Sonne scheint,
+In Wasser sie zerfliessen.
+
+
+
+
+51. WEIHNACHTSFREUDE.
+
+Am Abend vor Weihnachten kam Else zur Mutter gelaufen und rief:
+"Denke nur, Anna Maurer hat mir heute ins Ohr gesagt, sie haetten seit
+gestern kein Holz, kein Brot und keine Milch. Und sie haben doch ein
+kleines Kind, und die Grossmutter ist krank. Darf ich der Anna heute
+Abend mein Brot geben?"
+
+"O, gewiss," sagte die Mutter, "geh nur gleich hin. Bringe ihnen auch
+diese Kanne voll Milch. Robert soll seinen kleinen Schlitten voll
+Holz laden und es hinfahren." Wie freuten sich die Kinder, dass sie
+den armen Leuten helfen durften.
+
+Aber Robert wollte noch mehr tun. Er bat den Vater um ein ganz
+kleines Tannenbaeumchen. Das schmueckte er mit farbigen Sternen und
+Lichtlein. Dann suchte er seine warme Kappe fuer Maurers Karl und nahm
+ein Saecklein voll Nuesse. Else holte eine ihrer Puppen. Alles das
+packten sie in einen Korb.
+
+Als es dunkel war, nahm Robert das Baeumchen und Else den Korb. Sie
+gingen hin und stellten die Sachen leise vor Maurers Tuer. Dann
+klopften sie und eilten davon.
+
+Wie sich da die armen Leute freuten! Aber auch Robert und Else
+meinten, noch nie so schoene Weihnachten gehabt zu haben, wie diesmal.
+
+
+
+
+52. SCHNEESTERNE.
+
+_Olga_: Komm, liebe Mama, komm geschwind! Ich hab' dir etwas
+mitgebracht. Rate, was es ist!
+
+_Mutter_: Nun, was mag das wohl sein! Blumen, Obst oder gar
+Kuchen?
+
+_Olga_: O, nein, nein; ganz etwas anderes. Schoene, weisse Sterne
+sind es. Sieh her, hier hab' ich sie in meiner Schuerze!
+
+_Mutter_: Wo sind sie denn? Ich kann nichts sehen.
+
+_Olga_: Ach, Mama! Sie sind nun fort, und ich habe mich doch so
+gefreut, sie dir zu bringen. Es sind nur noch kleine Tropfen auf
+meiner Schuerze. Ich moechte weinen!
+
+_Mutter_: Weine nicht, liebe Olga: Solche Sterne koennen nicht
+bleiben. Die Waren einmal Wasser, und die Kaelte machte sie zu Schnee.
+Da sehen sie gerade wie kleine, blitzende Sterne aus. Nachher werden
+sie wieder zu Wasser. Menschen, Tiere und Pflanzen trinken das
+Wasser. Nach und nach holt die Sonne auch viele Tropfen hinauf zu den
+Wolken. Ohne Wasser koennten wir gar nicht leben.
+
+[Illustration]
+
+
+
+
+53. BRIEF VOM WEIHNACHTSMANN.
+
+Daheim, am 1. Januar 1913.
+
+Liebe Kinder!
+
+Mein Vetter, der Neujahrsbote, bringt Euch meine Gruesse und Wuensche.
+Eure Bitten habe ich, wie Ihr wisset, erfuellt. Erfreuet Euch nur
+recht an den Geschenken.
+
+Wenn nun heute mein Baum noch einmal strahlt und glitzert, dann nehmt
+Euch vor, auch in diesem Jahre immer lieb und brav zu sein. Ihr koennt
+Euren Eltern und mir keine groessere Freude machen. Schreibt mir zur
+rechten Zeit wieder, ob Ihr Wort gehalten habt. Dann schenke ich Euch
+das naechste Mal, was Ihr als gute Kinder verdient.
+
+Euer Freund
+
+Der Weihnachtsmann.
+
+
+
+
+54. ZU NEUJAHR.
+
+ Noch nicht erwachsen bin ich,
+ Drum wuensch' ich kurz, doch innig:
+ Ein glueckliches Neujahr!
+
+ Und was euch freut, das weiss ich:
+ Wenn brav ich bin und fleissig,
+ Mehr als ich sonst es war.
+
+ Gesundheit, Freude, Frieden
+ Sei allen euch beschieden,
+ Wie heut, so immerdar.
+
+
+
+
+55. VERSTEHST DU DAS?
+
+ Er ritt auf einem Rappen aus,
+ Da kam etwas vom Himmel,
+ Und als er wieder kam nach Haus,
+ Da war der Rapp' ein Schimmel.
+ Verstehst du das?
+
+
+
+
+56. DER SCHNEEMANN.
+
+Es hatte geschneit. Dick lag der Schnee auf Strassen und Plaetzen. Die
+Knaben wollten sehen, wie tief er wohl sei. Sie wateten hindurch, dass
+der Schnee in die Stiefel fiel. "Heute wollen wir einen Schneemann
+bauen!" So riefen Fritz, Karl und Otto. Schnell machten sie einen
+grossen Schneeball und waelzten ihn im tiefen Schnee herum. Bald wurde
+der Ball so gross, dass ihn die Knaben nicht mehr fortbringen konnten.
+Nun waelzten sie einen neuen Ball heran, den setzten sie auf den
+ersten. Oben darauf kam ein kleiner Ball, das war der Kopf des
+Schneemannes. In den Kopf steckte Fritz zwei Kohlen, das waren die
+Augen. Auch Nase und Mund, ja sogar die Rockknoepfe des Mannes wurden
+aus Kohlen gemacht. Nun bekam der Schneemann noch zwei Arme. In den
+einen Arm legten ihm die Knaben einen grossen Stock.
+
+Da stand er nun und drohte. Aber der arme Mann konnte nicht schlagen.
+Fortlaufen konnte er auch nicht, als ihn die jungen mit Schneebaellen
+warfen. Doch das war noch das Schlimmste nicht! Auf einmal guckte die
+liebe Sonne ueber das Dach. Da fing der Schneemann an zu weinen.
+Traenen liefen ihm ueber das Gesicht und den weissen Pelzrock. Es war
+gut, dass die Sonne heute nicht noch laenger schien, sonst waere er ganz
+zu Wasser geworden. Morgen aber oder uebermorgen wird's wohl so
+kommen.
+
+[Illustration]
+
+
+
+
+57. MAERZ.
+
+Nach vielen trueben Tagen sehen wir den blauen Himmel wieder. Manchmal
+scheint auch schon die Sonne freundlich auf die Erde herab. Da muss
+der Winter weichen. Der Schnee faengt an, zu schmelzen, und nur noch
+des Nachts gibt es ein wenig Eis. An schoenen Tagen laesst sich
+vielleicht ein Vogel hoeren, und ein fleissiges Bienchen fliegt umher.
+Auf dem Felde und im Wald sieht es aber noch recht oede aus. Nur die
+Weiden und Birken haben graue Kaetzchen, und an den Zweigen der Ulme
+sind kleine Blueten. Die Kinder gehen ins Freie; sie spielen Ball oder
+lassen den Drachen steigen.
+
+
+
+
+58. OSTERGRUSS.
+
+ Das Haeschen im Walde eilt hin und her,
+ Nach Eiern ist heute ein grosses Begehr.
+ Es borgt bei der Henne, es borgt bei dem Spatz
+ Und sucht fuer die Nester den passenden Platz.
+ Ein artiges Kindlein erhaelt heut' sein Ei.
+ Es schleppen die Haeschen die Eier herbei;
+ Und bist du am Ostermorgen erwacht,
+ Hat Haeschen die Nester gefuellt ueber Nacht.
+
+
+
+
+59. DER OSTERHASE.
+
+Bald ist es Ostern. O, wie freue ich mich, denn es kommt der
+Osterhase! Der bringt schoene, bunte Eier. Wir wollen ihm deshalb ein
+Nest zurecht machen. Oft versteckt der Osterhase die Eier. Dann
+muessen wir sie suchen. Zuweilen legt er sie in Huete, Schuhe oder
+Koerbe. Auch unter den Schrank hat er sie schon gelegt. Ja, er steckt
+sie uns wohl gar in die Taschen. Welche Freude, wenn wir sie finden!
+Erst zaehlen wir sie und spielen damit. Spaeter essen wir sie; sie
+schmecken gut. In Washington werden am Ostermontage viele Kinder zum
+Praesidenten eingeladen. Sie koennen lange auf dem Rasen bei dem grossen
+Hause spielen. Da gibt es dann viele und sehr schoene Ostereier. Die
+werden hin und her gerollt und schliesslich verzehrt. Ihr moechtet auch
+dabei sein, nicht wahr?
+
+[Illustration]
+
+
+
+
+60. DER OBSTGARTEN.
+
+Neben dem Gemuese und den Blumen ist oft ein Platz, auf dem nur Gras
+und Obstbaeume wachsen, es ist der Obstgarten. Welche Pracht, wenn die
+Baeume im Fruehlinge bluehen! Der Kirschbaum kommt zuerst mit seinen
+weissen Blueten. Dann ziehen der Birnbaum und der Pflaumenbaum ihr
+weisses Kleid an. Am schoensten aber Bluehen der Apfelbaum und der
+Pfirsichbaum, die bluehen schoen rot. Das Obst ist zuerst gruen; dann,
+wenn die Sonne recht heiss scheint, wird es gelb, rot oder blau. Ah,
+Wie schmecken Kirschen und Pflaumen so gut! Wenn sie nur schon reif
+waeren!
+
+
+
+
+61. SPRUECHE.
+
+Was Haenschen nicht lernt,
+Lernt Hans nimmermehr.
+
+Gute Sprueche, weise Lehren
+Muss man ueben, nicht bloss hoeren.
+
+Frage nicht, was and're machen,
+Sieh auf deine eig'nen Sachen.
+
+
+
+
+62. DIE VOEGEL IM FRUEHLINGE.
+
+Im Winter sind nur wenige Voegel Bei uns. Wo sind die andern? Sie sind
+fortgezogen nach waermeren Laendern. Jetzt wird es aber auch hier bei
+uns warm, und die Voegel kehren zurueck. Bald werdet ihr sie singen
+hoeren. Fleissig fliegen sie zum Baume. Sie arbeiten. Im Schnabel
+tragen sie Stroh, Heu, Pferdehaare oder auch kleine Zweige herbei;
+damit bauen sie ihre Nester.
+
+[Illustration]
+
+
+
+
+63. DAS ROTE HUEHNCHEN.
+
+_Huehnchen_: Hier ist ein Weizenkorn. Wer wird mir helfen, es zu
+pflanzen? Bitte, hilf du mir, Frau Gans.
+
+_Gans_: Es tut mir leid, aber ich kann dir nicht helfen.
+
+_Huehnchen_: Bitte, hilf du mir, Frau Ente.
+
+_Ente_: O, ich kann dir heute nicht helfen. Ich habe so viel mit
+meinen Kindern zu tun.
+
+_Huehnchen_: Nun, dann hilf du mir, alte Katze.
+
+_Katze_: Ich kann dir auch nicht helfen. Ich muss meine Kaetzchen
+waschen.
+
+_Huehnchen_: Willst du mir denn nicht helfen, kleines Schwein?
+
+_Schwein_: Ich kann keinen Weizen pflanzen. Ich bin zu muede.
+Pflanz du ihn selber.
+
+_Huehnchen_: Das will ich auch tun! Ich lege dich in die Erde,
+Koernchen, und die Sonne, der Regen und der Wind werden dich wachsen
+lassen.
+
+
+ * * * * *
+
+
+_Huehnchen_: Jetzt ist der Weizen reif. Wer wird ihn nach der
+Muehle fahren? Willst du es tun, Frau Gans?
+
+_Gans_: Es tut mir recht leid, Huehnchen, aber heute kann ich
+nicht nach der Muehle fahren. Ich habe Rueckenschmerzen.
+
+_Huehnchen_: Willst du es tun, Frau Ente?
+
+_Ente_: Nein, ich kann auch nicht fort. Ich muss jetzt schwimmen.
+
+_Huehnchen_: So tu du es, alte Katze!
+
+_Katze_: Sch! Sch! Ruhig! Ich laure auf eine Maus. Ich kann
+diesmal nicht gehen.
+
+_Huehnchen_: Bitte, tu du es doch, kleines Schwein.
+
+_Schwein_: Ach was! Es ist gerade Zeit fuer mein
+Mittagsschlaefchen. Du kannst den Weizen selber zur Muehle fahren.
+
+_Huehnchen_: Das werde ich auch tun.
+
+
+ * * * * *
+
+
+_Huehnchen_: Hier ist Mehl. Wer wird Brot daraus backen? Willst
+du das Brot backen, Frau Gans?
+
+_Gans_: Ei, nein! Ich habe in meinem Leben noch kein Brot
+gebacken.
+
+_Huehnchen_: Willst du das Brot backen, Frau Ente?
+
+_Ente_: Ich! Brot backen? Nein, das kann ich wirklich nicht tun.
+
+_Huehnchen_: Backe du das Brot, alte Katze!
+
+_Katze_: Ich tue alles andere auf der Welt lieber als backen.
+
+_Huehnchen_: Wach auf, kleines Schwein, und back du das Brot.
+
+_Schwein_: Ach! lass mich in Ruhe. Ich will dir beim Essen
+helfen, wenn es gebacken ist.
+
+_Huehnchen_: Gut; da backe ich es selbst.
+
+
+ * * * * *
+
+
+_Huehnchen_: So, jetzt ist das Brot gebacken. Sechs schoene,
+braune Laibe. Wer will helfen essen?
+
+_Gans, Ente, Katze, Schwein_: Wir wollen dir helfen!
+
+_Huehnchen_: O, nein! Nun brauch' ich euch auch nicht. Ich werde
+es essen, und meine Kuechlein sollen mir helfen. Gluck, gluck, gluck!
+
+
+
+
+64. RAETSEL.
+
+Rate flink:
+Ein kleines Ding,
+Duenn und spitz;
+Sticht wie der Blitz.
+
+Zwei sind's, die nebeneinander steh'n
+Und alles ganz gut und deutlich seh'n,
+Nur immer eines das andre nicht,
+Und waer' es beim hellsten Tageslicht.
+
+
+
+
+65. DER NASEWEISE BELLO.
+
+In einem Stalle wohnten fuenf kleine Hunde mit ihrer Mutter. Alle
+waren schoen weiss mit braunen Flecken. Sie spielten lustig umher und
+lernten auch von der Mutter Ratten und Maeuse fangen.
+
+Nur einer der Kleinen wollte nicht folgen. Er wollte auch nicht mit
+seinen Geschwistern spielen, sondern trieb sich lieber draussen herum.
+Einmal war Bello--so hiess der kleine--wieder hinausgeschlichen. Bei
+der Tuere stand ein Topf voll schwarzer Farbe. Bello wollte gerne
+wissen, was darin waere, und so steckte er seine Nase hinein. Aber, o
+weh! er kam mit dem Kopfe zu Weit hinein und warf den Topf um. Jetzt
+war er ueber und ueber mit schwarzer Farbe bedeckt. Langsam ging er
+zurueck und blieb mit haengendem Kopf auf der Tuerschwelle sitzen. Seine
+Mutter und seine Geschwister schaemten sich des schmutzigen,
+naseweisen Bello.
+
+
+
+66. HEIL, AMERIKA!
+
+ Hoch die Fahnen,
+ Sie gemahnen
+ An das teure Vaterland.
+ Rot und weiss die Streifen winken,
+ Licht im Blau die Sterne blinken,
+ Sind der Freiheit Unterpfand.
+
+ Freudig singen
+ Wir und bringen
+ Gruesse viel von fern und nah.
+ Wo die Flaggen munter wehen,
+ Stolz wir, sie beschuetzend, stehen,
+ Deiner wert, Amerika!
+
+[Illustration]
+
+
+
+
+67. PETERSILIE.
+
+Es waren einmal zwei Kinder, ein Knabe und ein Maedchen. Das Maedchen
+hiess Silie, der Knabe Peter. Die Kinder konnten sich gar nicht
+miteinander vertragen. Sobald sie zusammenkamen, stritten sie und
+schlugen einander. Dies machte den Eltern viel Kummer. Das aergerte
+den Paten der Kinder, der ein Zauberer war. Er sprach zu den beiden:
+"Hoere ich euch wieder zanken, so lasse ich euch zur Strafe
+zusammenwachsen."
+
+Es dauerte gar nicht lange, so war wieder Streit; Silie schlug den
+Peter, und Peter schlug Silie. Da kam der Zauberer durch die Luft
+gefahren und ruehrte beide mit seinem Stabe an. Nun waren sie
+verwandelt. Peter wuchs in die Erde hinein als Wurzel, und oben auf
+ihm Silie als gruenes Kraut. Der Zauberer nannte sie nun zusammen:
+Petersilie.
+
+
+
+68. DAS KIND UND SEIN BLUEMCHEN.
+
+ Ward ein Bluemchen mir geschenket,
+ Hab's gepflanzt und hab's getraenket.
+ Voegel, kommt und gebet acht!
+ Gelt, ich hab' es recht gemacht?
+
+ Sonne, lass mein Bluemchen spriessen!
+ Wolke, komm es zu begiessen!
+ Richt' empor dein Angesicht,
+ Liebes Bluemchen, fuercht' dich nicht!
+
+ Und ich kann es kaum erwarten,
+ Taeglich geh' ich in den Garten,
+ Taeglich frag' ich: Bluemchen, sprich,
+ Bluemchen, bist du boes auf mich?
+
+ Sonne liess mein Bluemchen spriessen,
+ Wolke kam, es zu begiessen;
+ Jedes hat sich brav bemueht,
+ Und mein liebes Bluemchen blueht.
+
+ Wie's vor lauter Freuden weinet,
+ Freut sich, dass die Sonne scheinet;
+ Schmetterlinge, fliegt herbei,
+ Sagt ihm doch, wie schoen es sei!
+
+[Illustration]
+
+
+
+
+
+69. NACHLAESSIGKEIT.
+
+Eine fleissige Mutter baute in ihrem Garten Gemuese aller Art. Eines
+Tages sagte sie zu ihrer kleinen Tochter: "Lieschen, sieh da an der
+untern Seite des Kohlblattes die kleinen, netten, gelben Tuepfelchen!
+Das sind die Eier, aus denen die schoenfarbigen, aber verderblichen
+Raupen kommen. Suche diesen Nachmittag alle Blaetter ab und zerdruecke
+die Eier, so wird unser Kohl gruen und unversehrt bleiben."
+
+Lieschen meinte, zu dieser Arbeit sei es immer noch Zeit, und dachte
+am Ende gar nicht mehr daran. Die Mutter war einige Wochen krank und
+kam nicht in den Garten. Als sie aber wieder gesund war, nahm sie das
+saumselige Maedchen bei der Hand und fuehrte es zu den Kohlbeeten, und
+siehe! aller Kohl war von den Raupen abgefressen. Man sah nichts mehr
+als die Stengel und Gerippe der Blaetter. Das erschrockene und
+beschaemte Maedchen weinte ueber seine Nachlaessigkeit. Die Mutter aber
+sprach: "Tu' kuenftig das, was heute geschehen kann, sogleich heute
+und verschiebe es niemals auf morgen!"
+
+
+
+
+70. EIN RAETSEL.
+
+Ratet, ratet, was ist das:
+Es ist kein Fuchs und ist kein Has'.
+Es hat zwei Augen und kann nicht sehen.
+Es hat zwei Fuesse und kann nicht gehen.
+Es hat zwei Ohren und kann nicht hoeren.
+Es hat zwei Haende und kann sich nicht wehren.
+
+Es ist ein Maedchen huebsch und fein,
+Tut niemals zanken und niemals schrei'n.
+
+Was fuer ein Maedchen mag das sein?
+
+[Illustration]
+
+
+
+
+71. WAS WUERDEST DU TUN?
+
+"Wenn ich ein Koenig waere," sagte ein Kind, "liesse ich mir ein Schloss
+bauen bis an die Wolken!"
+
+"Und ich," sagte ein anderes, "truege nur Kleider von Silber und
+Gold!"
+
+"Und ich," rief ein dicker Bube, "ich aesse nur Kuchen und Wurst!"
+
+"Ich," sagte ein kleines Maedchen und wurde ein wenig rot, "ich gaebe
+allen armen Kindern Geld, dass sie sich Brot und Kleider kaufen
+koennten!"
+
+
+
+
+72. WAS WOLLEN WIR SPIELEN?
+
+_Ella_: In fuenf Minuten ist Essenszeit,
+ Noch schnell was zu spielen, das waere gescheit!
+
+_Toni_: Ei! Jede holt ihre Puppe heraus,
+ Wir tragen sie etwas spazieren ums Haus.
+
+_Ella_: Das Puppenholen haelt aber doch auf!
+ Komm, spielen wir haschen; ich fange dich, lauf!
+
+_Toni_: Beim Haschen kommt man ja gar nicht zur Ruh'.
+ Ach! spielen wir lieber Blindekuh!
+
+_Ella_: Bei Blindekuh komme ich immer zu Fall.
+ Topp! Weisst du was, spielen wir Fangeball!
+
+_Toni_: Ach was, das Ballspiel machte mir niemals Spass;
+ Reifentreiben, das waere noch was!
+
+_Ella_: Die Reifen, die sind auch drinnen im Haus.
+ Was meinst du, wir suchen Mama einen Strauss!
+
+_Toni_: Wir duerfen ja nicht auf dem Rasen springen.
+ So lass uns lieber ein Liedchen singen!
+
+_Ella_: Ich habe den Husten, faellt eben mir ein!
+
+_Toni_: Na, gut! So spiele ich fuer mich allein!
+
+_Ella_: Ganz alleine? O, das waere nicht schlecht:
+ Dir ist ja auch nimmer ein Vorschlag recht!
+
+_Toni_: Was spiele ich nun?--Die Zeit geht vorbei--
+ Zum Wettelaufen gehoeren doch zwei!
+
+_Ella_: Mir ist nicht sehr zum Spielen zu Mut--
+ Alleine tanzen geht auch nicht gut!
+
+_Toni_: Mama ruft zum Essen! Wir muessen ins Haus!
+ Ach, Ella, nun ist mit dem Spielen es aus!
+
+_Ella_: Wie ist die Zeit nur so hingegangen!
+ Wir haben ja nicht einmal angefangen!
+
+_Toni_: Ja! weisst du, das Ueberlegen und Streiten!
+ Es war doch wirklich recht dumm von uns beiden!
+
+_Ella_: Wir haben recht kindisch uns angestellt!
+
+_Toni_: Nach Tische spielen wir--
+
+_Ella_: Was dir gefaellt!
+
+
+
+
+
+73. DIE SCHLAUE KATZE.
+
+Die Nachbarin hatte einen zahmen Zeisig, den sie oft aus dem Kaefig
+liess. Dann huepfte das Tierchen in der Stube umher und suchte Krumen
+am Boden. Die alte Katze war immer sehr freundlich mit dem Voegelchen.
+Vor einigen Tagen aber erfasste sie ploetzlich den Zeisig, nahm ihn ins
+Maul und sprang mit ihm auf den Tisch.
+
+Die Nachbarin erschrak und glaubte, die Katze wolle ihr liebes
+Voegelein auffressen. Da sah sie jedoch, dass die Stubentuere offen war
+und eine fremde Katze sich ins Zimmer geschlichen hatte. Schnell
+jagte sie diese hinaus, und sieh, die alte Hauskatze sprang sogleich
+vom Tische herab und liess den Zeisig auf den Boden fallen, ohne ihm
+etwas zuleide getan zu haben. Hat die alte Katze nicht klug
+gehandelt?
+
+
+
+
+74. KANNST DU ES SAGEN?
+
+ Es sassen zehn Sperlinge auf dem Dach;
+ Da kam der Jaeger und schoss danach;
+ Er traf davon nur vier.
+ Wie viel bleiben sitzen?
+ Das sage mir.
+
+
+
+
+75. DER SPERLING
+
+ Ich bin wohl ein gemeiner Wicht,
+ Das Singen, das versteh' ich nicht,
+ In schoenen Kleidern geh' ich nicht;
+ Es sieht mich auch der Mann kaum an;
+ Nur boese Buben dann und wann,
+ Die werfen mich mit Steinen;
+ Und dennoch will mir's scheinen,
+ Als sei so schoen die ganze Welt,
+ So blau die Luft, so gruen das Feld--
+ Zip, zip, zip! Ich hab' die Welt so lieb!
+
+
+
+
+76. DAS PFERD UND DER ESEL.
+
+Einst schleppte ein Esel eine schwere Last. Neben ihm ging ein
+lediges Pferd. Der Esel bat das Pferd, es moege ihm doch helfen;
+allein es hoerte nicht auf seine Bitte. Zuletzt konnte der Esel nicht
+mehr weiter; er fiel zu Boden und starb.
+
+Nun lud der Treiber die ganze Last dem Pferde auf. Er zog dem toten
+Tiere die Haut ab, und das Pferd musste dieselbe noch obendrein
+tragen. Hilf deinem Naechsten in der Not.
+
+
+
+
+77. DER KLUGE STAR.
+
+Ein durstiger Star wollte aus einer Wasserflasche trinken. Er konnte
+aber das Wasser mit seinem kurzen Schnabel nicht erreichen. Da hackte
+er damit aufs dicke Glas; doch er vermochte nicht, es zu zerbrechen.
+Dann stemmte er sich gegen die Flasche und wollte sie umwerfen. Aber
+dazu war er nicht stark genug.
+
+Was tat der kluge Star zuletzt? Er las kleine Steinchen mit seinem
+Schnabel zusammen und warf eines nach dem andern in die Flasche.
+Dadurch stieg das Wasser endlich so hoch, dass er es erreichen konnte.
+Jetzt loeschte er seinen Durst.
+
+[Illustration]
+
+
+
+
+78. DER APFELBAUM.
+
+ Der Apfelbaum, das ist ein Mann!
+ Kein andrer gibt so gern wie der.
+ Im Winter, wenn man schuettelt dran,
+ Da gibt er Schnee die Fuelle her.
+ Im Fruehling wirft er Blueten nieder.
+ Im Sommer herbergt er die Finken.
+ Jetzt streckt er seine Zweige nieder,
+ Die voller Frucht zur Erde sinken.
+ Drum kommt und schuettelt, was ihr koennt!
+ Ich weiss gewiss, dass er's euch goennt.
+
+[Illustration]
+
+
+
+
+79. DER HASE UND DER FUCHS.
+
+Ein Hase und ein Fuchs machten im Winter eine Reise. Alles war mit
+Schnee bedeckt. Der Hunger plagte sie sehr. Da sahen sie ein Maedchen
+mit einem Korbe kommen, darin war Brot. Das merkte der Fuchs und
+sagte zu dem Hasen: "Lege dich wie tot auf den Boden, dann wird das
+Maedchen den Korb niederstellen, um dich aufzuheben. Ich nehme den
+Korb weg und mache mich schnell davon. Du eilst mir nach, und dann
+lassen wir es uns wohl sein." Das war dem Hasen recht.
+
+Der Fuchs verbarg sich hinter einem Haufen Schnee, und der Hase legte
+sich nieder. Das Maedchen stellte den Korb richtig hin und griff nach
+dem Hasen. Da schlich der Fuchs hervor und machte sich mit dem Korb
+so schnell davon, dass das Maedchen ihm nicht nachkam. Unser Hase aber
+eilte ihm in grossen Saetzen nach. An einem Wasser hielten sie still.
+Weil aber der Fuchs nicht teilen wollte, so sagte der Hase: "Brot
+haben wir, jetzt sollten wir auch noch Fische haben. Dann haetten wir
+ein Essen wie die grossen Herren. Stecke deinen Schwanz ins Wasser, so
+werden sich die Fische daran haengen, denn die haben jetzt auch nicht
+viel zu beissen."
+
+Der Fuchs ging an den Weiher hin und hing seinen Schwanz in das
+Wasser. Es dauerte aber nicht lange, so war er im Eise festgefroren.
+Der Fuchs konnte ziehen und zappeln, wie er wollte--das Eis liess ihn
+nicht los. Er musste nun zusehen, wie der Hase ein Brot nach dem
+andern verzehrte. Dann rief der listige Hase dem Fuchs zu: "Im
+Fruehjahr sehen wir uns wieder. Lass dir die Zeit nicht zu lang werden,
+bis das Eis auftaut."
+
+
+
+
+80. SPRUECHE.
+
+Wer andern eine Grube graebt,
+Faellt selbst hinein.
+
+Wer redet, was er nicht sollte,
+Muss hoeren, was er nicht wollte.
+
+Kein besseres Kissen in Freude und Schmerz,
+Als gutes Gewissen und froehliches Herz.
+
+
+
+
+81. DER HASE UND DIE SCHILDKROETE.
+
+Ein flinker Hase forderte einst die langsame Schildkroete zum Wettlauf
+auf. Sie willigte ein, und eine grosse Eiche im Walde sollte das Ziel
+sein.
+
+Mit den ersten Sonnenstrahlen machte sich die Schildkroete auf den
+Weg, der Hase aber hatte keine grosse Eile. Er spielte lange im Grase
+umher, ehe er ans Laufen dachte. Endlich sprang er fort und holte die
+Schildkroete wirklich ein. Da er jedoch sah, wie muehsam sie vorwaerts
+kroch, legte er sich im Schatten eines Baumes nieder und schlief fest
+ein.
+
+Als er erwachte, war es schon lange nach Mittag. Da rannte er, so
+rasch er konnte, den Weg entlang. Aber, siehe da, als er die Eiche
+erblickte, sass die Schildkroete schon darunter und lachte den Hasen,
+der seine Zeit verspielt und verschlafen hatte, tuechtig aus.
+
+[Illustration]
+
+
+
+
+82. HASENBRATEN.
+
+ Auf dem Dach viel blanke Zapfen,
+ Zu dem Schnee viel kleine Tapfen,
+ Alle laufen nach dem Kohl!
+ Haeschen, das gefaellt dir wohl?
+
+ Naechtlich, bei des Mondes Schimmer,
+ Sitzt es dort zu schmausen immer;
+ Knusperknaeuschen, gar nicht faul:
+ Ei, du kleines Leckermaul!
+
+ Haeschen ist es schlecht bekommen;
+ Vater hat's Gewehr genommen;
+ Eines Abends ging es: bumm!
+ Bautz! da fiel das Haeschen um.
+
+ Kannst du wohl das Ende raten?
+ Heute gibt es Hasenbraten,
+ Apfelmus mit Zimt dazu.
+ Ach, du armes Haeschen du!
+
+[Illustration]
+
+
+
+
+83. DER SCHEIN TRUEGT.
+
+Bei einem Teiche wohnten viele Gaense. In der Naehe hatte auch ein
+Fuchs seinen Bau. Gar oft versuchte er, sich eine Gans oder ein
+Gaensekuechlein zu fangen. Daher fuerchteten sich diese sehr vor dem
+braunen Gesellen. Einst war der Fuchs sehr hungrig. "Heute muss ich
+mir einen fetten Braten holen!" sagte er zu sich selber.
+
+Er streckte sich, so lang er war, im Grase aus und ruehrte kein Glied.
+Als die Gaense den Raeuber so liegen sahen, kamen sie naeher und erhoben
+ein freudiges Geschnatter. "Jetzt werden wir Ruhe haben!" sprachen
+sie. "Unser Feind ist nicht mehr am Leben!"
+
+Schnell sprang der Fuchs auf, erwischte den Gaenserich beim Fluegel und
+trug ihn in seine Hoehle.
+
+[Illustration]
+
+
+
+
+84. DER FROSCH.
+
+_Berta_: Geschwind, geschwind, Mama!
+
+_Mutter_: Was fehlt dir? Wer hat dir etwas zuleide getan?
+
+_Berta_: Sieh nur, was mir unser Spitz in den Schoss fallen liess!
+
+_Mutter_: Einen kleinen Frosch! Und deshalb bist du so
+erschrocken? Rasch, nimm den kleinen Burschen und setze ihn in das
+Gemuesebeet!
+
+_Berta_: Tragen soll ich das haessliche Tier? Ich wuerde es um
+alles in der Welt nicht in die Hand nehmen!
+
+_Mutter_: Nun, dann muss ich es tun! Schau, wie ich jetzt das
+Tierchen anfasse und es ins Beet huepfen lasse. Hopp, da sitzt es
+schon drinnen.
+
+_Berta_: O, Mama, was tust du? Warum hast du den Frosch nicht
+getoetet?
+
+_Mutter_: Weil er ein sehr nuetzliches Tier ist. Freust du dich
+nicht, wenn es im Garten die zarten Ruebchen und die suessen Erbsen
+gibt, die Papa jedes Fruehjahr pflanzt?
+
+_Berta_: Gewiss, Mama! Ich esse beides sehr gerne; aber was hat
+das mit dem Frosch zu tun?
+
+_Mutter_: Hoere nur, du wirst es gleich erfahren. Den Raupen und
+Kaefern schmecken diese Gemuese auch gut, gerade wie dir. Im Fruehlinge
+stellen sich diese Insekten ein und fressen die Blaettchen ab, so dass
+die Pflaenzchen sterben muessten, wenn der Frosch nicht zur Hand waere.
+Der glatte Bursche huepft dann durch den Garten, faengt die Raupen,
+Fliegen und Kaefer, und die Pflaenzchen wachsen wieder. Soll ich den
+Frosch zum Dank dafuer toeten, Berta?
+
+_Berta_: Nein, liebe Mama; und wenn ich wieder sehe, dass ein
+Knabe einen Frosch quaelt, will ich ihm sagen, was ich heute von dir
+gelernt habe.
+
+[Illustration]
+
+
+
+
+85. VOM LISTIGEN GRASMUECKLEIN EIN LUSTIGES STUECKLEIN.
+
+ Klaus ist in den Wald gegangen,
+ Weil er will die Voeglein fangen;
+ Auf den Busch ist er gestiegen,
+ Weil er will die Voeglein kriegen.
+ Doch im Nestchen sitzt das alte
+ Voegelein just vor der Spalte,
+ Schaut und zwitschert: "Ei, der Taus!
+ Kinderlein, es kommt der Klaus,
+ Hu, mit einem grossen Pruegel,
+ Kinderlein, wohl auf die Fluegel!"
+ Brr, da flattert's: husch, husch, husch!
+ Leer das Nest, und leer der Busch.
+ Und die Voeglein lachen Klaus
+ Mit dem grossen Pruegel aus,
+ Dass er wieder heimgegangen
+ Zornig, weil er nichts gefangen;
+ Dass er wieder heimgestiegen,
+ Weil er konnt' kein Voeglein kriegen.
+
+
+
+
+86. EIN TOERICHTER STREIT.
+
+Zwei Knaben, Albert und Paul, suchten im Walde Nuesse. Da bemerkte
+Paul eine grosse Walnuss unter einem Baume und rief seinem Kameraden
+zu: "O, sieh dort vor dir die Walnuss!" Albert hob sie schnell auf und
+steckte sie in seine Tasche. Damit war aber Paul nicht zufrieden; er
+sagte: "Die Nuss gehoert mir, ich habe sie zuerst gesehen!" "Und ich
+habe sie aufgehoben," erwiderte Albert trotzig; "ich gebe sie nicht
+her!" So stritten sie heftig, und schon wollten die toerichten Knaben
+einander schlagen, als Georg, ein aelterer Junge, herbeikam, der im
+Walde Eichhoernchen schoss. Albert und Paul baten den grossen Knaben, er
+solle entscheiden, wem die Nuss gehoere. Was tat Georg? Er zerbrach die
+Nuss mit einem Steine und gab jedem der beiden Streitenden ein Stueck
+von der Schale. "Den Kern," sprach er, "behalte ich als Lohn dafuer,
+dass ich euer Richter war!" Dann ging er lachend fort.
+
+[Illustration]
+
+
+
+
+87. HERR WIND! HERR WIND!
+
+ Ein Bauer hat ein Haus gehabt,
+ Und auf dem Haus ein Dach.
+ Zur Nachtzeit kam der Wind getrabt,
+ Da ward der Bauer wach.
+ Wie's heulte, krachte, klirrte, klang!
+ Der arme Bauer flehte bang:
+ "Ich bitt' dich, lass' dein Toben,
+ Und lass' mein Dach dort oben,
+ Herr Wind! Herr Wind!"
+
+ Des Daches Luken schlossen gut
+ Der Bauer und sein Knecht.
+ Da ward der Wind voll Trotz und Wut
+ Und kreischte: "Nun erst recht!"
+ Herr Wind! Herr Wind! du boeser Wind,
+ Du bist wie manche Kinder sind,
+ Die das just haben wollen,
+ Was sie nicht haben sollen.
+ Herr Wind! Herr Wind!
+
+ Mit Draeuen draengt der Wind und drueckt
+ Mit Groll und grausem Krach;
+ Er zieht und zerrt und ruettelt, rueckt
+ Und reisst vom Haus das Dach.
+ Zerstoert ist herzlos Heim und Haus;
+ Der Bauer sieht so traurig aus,
+ Sein Weib und seine Kleinen,
+ Sie stehen da und weinen.
+ Herr Wind! Herr Wind!
+
+ Hast du's gehoert, mein liebes Kind?
+ Sei freundlich, friedlich, froh!
+ Denn wuerdest du ein solcher Wind,
+ Dann spraech' man von dir so:
+ Du bist nicht gut, du tust nicht gut,
+ Du bist ein wild und trotzig Blut,
+ Das stets gern haben wollte,
+ Was es nicht haben sollte!----
+ Herr Wind! Herr Wind!
+
+[Illustration]
+
+
+
+
+88. DAS FUENKCHEN.
+
+Das Kind hatte mit dem Fuenkchen gespielt, obgleich seine Mutter es
+schon oft verboten hatte. Da war das Fuenkchen fortgeflogen und hatte
+sich ins Stroh versteckt. Das Stroh fing an zu brennen, und es
+entstand eine Flamme, ehe das Kind daran dachte. Da wurde es dem
+Kinde bange, und es lief fort, ohne jemandem etwas von der Flamme zu
+sagen. Und da niemand Wasser darauf schuettete, ging die Flamme nicht
+aus, sondern breitete sich im ganzen Hause aus. Als sie an die
+Fenstervorhaenge kam, wurde sie noch groesser, und das Bett, worin die
+Leute nachts schliefen, brannte hell auf, und die Tische und die
+Stuehle und die Schraenke und alles, was der Vater und die Mutter
+hatten, das wurde vom Feuer erfasst, und die Flamme wurde so hoch wie
+der Kirchturm. Da schrieen die Leute vor Schrecken, die Glocken
+laeuteten; es war fuerchterlich zu hoeren, und die Flamme war
+schrecklich zu sehen. Nun fing man an zu loeschen, indem man Wasser in
+das Feuer schuettete und spritzte; aber es half nichts; das Haus
+brannte ganz ab, und nur noch ein wenig Kohlen und ein bisschen Asche
+blieben uebrig. Da hatten nun die Eltern des Kindes kein Haus mehr und
+kein Plaetzchen, wo sie wohnen und wo sie schlafen konnten, und auch
+kein Geld, um sich ein neues Haus und neue Betten und Tische und
+Stuehle zu kaufen. Ach, wie weinten die armen Eltern! Und das Kind,
+das mit dem Fuenkchen gespielt hatte, war schuld daran.
+
+
+
+
+89. RAETSEL.
+
+Kennt ihr die Blume, in guter Ruh'
+Dreht sie sich immer der Sonne zu;
+Sie hat viel Samenkoerner schoen,
+Wie Strahlen ihre Blaettchen stehn.
+
+Erst weiss wie Schnee,
+Dann gruen wie Klee,
+Drauf rot wie Blut,
+Dann schmeckt es gut.
+
+
+
+
+90. DAS GAENSEBLUEMCHEN.
+
+[Illustration]
+
+Die Rose feierte einmal ihren Geburtstag. Sie stand mitten im Garten,
+und alle Blumen kamen zu ihr, um ihr Glueck zu wuenschen. Zuerst kamen
+die stolze Lilie und die praechtige Tulpe, hernach kamen die kleinen
+Blumen. Alle neigten sich vor der Rose und sagten: "Wir wuenschen dir
+Glueck, liebe Rose."
+
+[Illustration]
+
+Aber ein kleines, weisses Bluemchen getraute sich nicht, nahe an die
+Rose heranzutreten, weil es so schuechtern und bescheiden war. Es
+blieb von ferne stehen und fluesterte nur: "Ich wuensche dir auch
+Glueck, liebe Rose!" Die Rose hatte das Bluemchen aber gesehen und
+winkte ihm, naeher heranzutreten. "Komm doch naeher, liebe kleine
+Schwester," sagte die Rose guetig. Als nun das Bluemchen naeher
+herangetreten war, fragte die Rose: "Wie heisst du denn, liebe
+Kleine?" Da sprach es ganz leise: "Ich heisse Gaensebluemchen."
+
+[Illustration]
+
+"Aber, liebes Gaensebluemchen," sagte die Rose freundlich, "du bist ja
+tausendmal schoener als alle andern Blumen. Du sollst jetzt nicht mehr
+Gaensebluemchen, sondern Tausendschoen heissen, weil du tausendmal
+schoener bist als alle." Darueber freute sich das gute Gaensebluemchen
+so sehr, dass es ueber und ueber rot ward, und seit der Zeit haben alle
+Gaensebluemchen--rote Ohrlaeppchen.
+
+[Illustration]
+
+
+
+
+91. DIE GRUENE STADT.
+
+ Ich weiss euch eine schoene Stadt,
+ Die lauter gruene Haeuser hat.
+ Die Haeuser, die sind gross und klein,
+ Und wer nur will, der darf hinein.
+
+ Die Strassen, die sind freilich krumm,
+ Sie fuehren hier und dort herum;
+ Doch stets gerade fort zu gehn,
+ Wer findet das wohl allzuschoen!
+
+ Die Wege, die sind weit und breit
+ Mit bunten Blumen ueberstreut.
+ Das Pflaster, das ist sanft und weich,
+ Und seine Farb' den Haeusern gleich.
+
+ Es wohnen viele Leute dort,
+ Und alle lieben ihren Ort.
+ Ganz deutlich sieht man dies daraus,
+ Dass jeder singt in seinem Haus.
+
+ Die Leute, die sind alle klein,
+ Denn es sind lauter Voegelein;
+ Und meine ganze gruene Stadt
+ Ist, was den Namen "Wald" sonst hat.
+
+
+
+
+92. DEUTSCHLAND.
+
+[Illustration]
+
+Weit weg von hier liegt Deutschland. Das ist ein schoenes Stueck Erde.
+Zu Deutschland gehoeren Preussen, Sachsen, Bayern, Baden und andere
+kleinere oder groessere Staaten. Dort gibt es breite und tiefe Fluesse.
+Der Rhein, die Elbe und die Donau sind am bekanntesten. Daneben
+finden sich weite Ebenen, hohe Berge und dichte Waelder. Auch fehlt es
+nicht an Staedten, in denen viele fleissige Leute leben. Berlin,
+Muenchen, Koeln, Dresden, Frankfurt und manche andere sind
+bemerkenswert. Ueberall hat man praechtige Wohnhaeuser, reiche Kirchen
+und herrliche oeffentliche Gebaeude. Alles wird sehr sauber und
+ordentlich gehalten. Von Hamburg und Bremen aus fahren maechtige
+Dampfschiffe und Segler nach allen Gegenden der Welt. Deutschland
+besitzt auch zahlreiche grosse Fabriken. Die Felder werden auf das
+Beste bestellt. Die deutsche Fahne ist schwarz, weiss und rot
+gestreift. An der Spitze des Reiches steht der deutsche Kaiser.
+
+
+
+
+93. SONNENSCHEIN.
+
+ Sonnenschein,
+ Klar und rein,
+ Leuchtest in die Welt hinein;
+ Machst so hell, so warm und schoen
+ In den Taelern, auf den Hoeh'n,
+ Die du alle ueberstrahlst
+ Und so hold und lieblich malst.
+
+ Sonnenschein,
+ Klar und rein,
+ Kehre auch ins Herz mir ein!
+ Wenn ich habe heitern Sinn,
+ Gut und froh und freundlich bin,
+ Dann ist's in dem Herzen mein
+ Wunderbarer Sonnenschein.
+
+
+
+
+94. DIE KOENIGIN LUISE.
+
+Vor hundert Jahren lebte in Preussen eine Koenigin, namens Luise. Sie
+war jung und schoen, aber auch ebenso gut. Ein jeder liebte sie. Schon
+als kleines Kind hatte sie ihre Mutter verloren und wurde von ihrer
+Grossmutter einfach erzogen. So war sie zu einer echten, deutschen
+Jungfrau herangewachsen, als der Kronprinz und spaetere Koenig von
+Preussen, Friedrich Wilhelm, sie kennen lernte. Bald darauf wurde sie
+seine Frau. Eine grosse Freude hatte sie an ihren Kindern, zwei
+Knaben, mit denen sie gerne lernte und spielte. Aber da gab es einen
+schrecklichen Krieg mit dem Kaiser von Frankreich, Napoleon. Die
+Feinde waren staerker als die Preussen und besiegten sie. Das tat dem
+Koenige und der guten Koenigin sehr weh. Es kam so weit, dass sie ihr
+Schloss in Berlin verlassen mussten. Als die koenigliche Familie endlich
+wieder zurueckkehren konnte, herrschte grosser Jubel. Die Freude sollte
+aber nicht lange dauern, denn bald darauf wurde die edle Koenigin
+schwer krank und erholte sich nicht mehr. Als sie starb, war die
+Trauer allgemein. Noch heute ist die Koenigin Luise unvergessen.
+
+[Illustration]
+
+
+
+
+95. DAS GOLDENE SCHLOSS.
+
+"Willst du eine Prinzessin sein?" So fragte ein Knabe seine kleine
+Schwester. Die lachte ihn aus. Er sagte aber: "Ja, ich kann ein Koenig
+und du kannst eine Prinzessin werden. Du bekommst ein schoenes, neues
+Kleid und einen silbernen Thron. Ich bekomme einen roten Mantel, eine
+goldene Krone und einen goldenen Thron." Die Schwester glaubte das
+nicht und sagte: "Unsere Eltern sind ja so arm." Der Knabe erzaehlte
+dann: "Letzte Nacht im Traume kam ein kleiner Mann zu mir. Er fragte
+mich: 'Willst du ein Koenig sein und in einem goldenen Schlosse
+wohnen?' Ich sagte, ja. Da sprach der Kleine: 'Komm in den Wald mit
+deiner Schwester, wenn der Mond scheint. Bei der grossen Tanne warte
+auf mich. Aber spaeter im goldenen Schlosse darf keine Traene auf den
+Boden fallen. Wenn eine Traene auf den Boden faellt, muesst ihr wieder
+heim.'" Jetzt glaubte die Schwester, was der Bruder sagte. Sie wollte
+gerne mit ihm gehen.
+
+Am Abend schien der Mond sehr hell. Da gingen Bruder und Schwester
+hin zu der grossen Tanne im Walde. Das Maennlein war noch nicht da. Die
+Kinder setzten sich ins Moos, um zu warten. Sie waren muede und
+schliefen bald ein. Auf einmal wachten sie auf. Verwundert schauten
+sie um sich. Sie hatten schoene neue Kleider an. Der Bruder hatte
+einen roten Mantel und trug eine goldene Krone. Die Schwester hatte
+ein himmelblaues Kleid mit silbernen Sternen. Auf ihren Haaren war
+ein Kranz von Diamanten. Der kleine Mann kam und rief: "Willkommen,
+willkommen!" Dann kamen noch viele kleine Maennlein mit einem goldenen
+und einem silbernen Wagen. Der Bruder musste sich in den goldenen
+Wagen und die Schwester in den silbernen Wagen setzen. Die Maennlein
+zogen die Wagen und fuhren durch den Wald an einen Berg. Im Berge war
+eine grosse, hohe Halle, und darin stand ein goldenes Schloss. Die
+kleinen Maenner fuehrten die Geschwister in dieses Schloss. Dann holten
+sie einen goldenen und einen silbernen Thron. Der goldene Thron war
+fuer den Bruder und der silberne fuer die Schwester. Die kleinen Maenner
+stellten sich vor sie hin und riefen: "Hoch lebe unser Koenig und auch
+die Prinzessin!" Dann gab es zu essen, lauter gute Sachen.
+
+Nach dem Essen wollten die Kinder schlafen, denn es war schon spaet.
+Im Schlafzimmer standen zwei Betten, ein goldenes und ein silbernes.
+Der Koenig legte sich in das goldene, die Prinzessin in das silberne
+Bett. Da fragte der Bruder: "Schwesterchen, wie gefaellt dir das
+goldene Schloss?" Sie antwortete: "Schoen ist es schon hier; wenn nur
+der Vater und die Mutter auch hier waeren!" Der Bruder sagte: "Das
+moechte ich auch haben. Was werden die Eltern jetzt machen?" Die
+Schwester meinte: "Sie werden uns suchen und weinen, weil sie uns
+nicht finden koennen." "Ja," war des Bruders Antwort, "sie werden
+denken, der Wolf habe uns gefressen." Das konnte die Schwester nicht
+anhoeren. Sie fing an zu weinen. Da warnte der Bruder: "Nicht weinen,
+sonst fallen deine Traenen auf den Boden!" "Nein," sagte die
+Schwester, "ich hab' sie mit der Hand aufgefangen. Aber ich muss
+weinen." Nun wurde auch der Bruder ganz traurig. Auch er weinte
+einige Traenen. Doch die Traenen fielen in das Bett. Die Schwester
+fragte: "Wie lange willst du noch Koenig bleiben? Ich will nicht mehr
+Prinzessin sein. Ich will heim!" Der Bruder sagte: "Ja, zu Hause bei
+Vater und Mutter ist es doch schoener!" Da liessen sie beide grosse
+Traenen auf den Boden fallen. Es donnerte, und die Kinder fielen aus
+den Betten.
+
+Nun kamen die kleinen Maenner wieder. Sie waren sehr traurig und
+brachten die Geschwister zurueck zu der grossen Tanne im Wald. Da
+schliefen Bruder und Schwester bald ein. Als sie die Augen oeffneten,
+war es heller Tag, aber der rote Mantel und das himmelblaue Kleid
+Waren verschwunden.
+
+Da kamen auch schon die Eltern. Die freuten sich sehr, ihre Kinder
+wieder zu haben. Die Geschwister waren ebenso froh und versprachen,
+nie mehr fortgehen zu wollen.
+
+
+
+
+96. DIE KLEINEN MUESSIGGAENGER.
+
+Drei Kinder sollten nach der Schule gehen, aber sie sprachen: "Was
+kann das Lernen helfen! Lasst uns in den Wald laufen; da spielen die
+Tierlein, und wir wollen mit ihnen spielen."
+
+Als die Kinder nun im Walde waren, luden sie zuerst die Kaefer zu
+ihrem Spiele ein. Da summten die Kaefer um die Koepfe der Kinder, und
+der eine sprach: "Ich habe keine Zeit, ich muss Holz saegen!" Der
+andere sprach: "Ich muss ein Loch graben!" Noch andere riefen: "Wir
+muessen uns ein Huettlein aus Gras bauen!"
+
+Nun kamen die Kinder an einen Ameisenhaufen. Hier lief eine ganze
+Menge von Ameisen aus und ein. Jedes dieser winzigen Tierchen hatte
+etwas in seine Wohnung zu tragen; und wo es dem einen zu schwer ward,
+sprach es zum andern: "Komm', hilf mir!"
+
+Die Kinder schlichen vorbei und fanden Bienlein auf den Blumen. Die
+waren so eilig und mochten gar nicht zu den Kindern aufsehen. Sie
+sammelten Honig und Bluetenstaub und flogen dann flink davon.
+
+Da hoerten die Kinder einen Vogel singen. Es war ein Fink. "Du kannst
+so schoen singen," riefen sie, "und hast auch gewiss Lust, mit uns zu
+spielen." Allein der Fink sagte: "Pink, pink! Flink, flink! Ich muss
+Muecken fangen fuer meine Jungen und dann die Kleinen in den Schlaf
+singen. Auch muss ich mich fleissig im Singen ueben, damit ich dem
+Wanderer schoene Lieder vorsingen kann." Und fort war er.
+
+Auf einmal rasselte es im Busche. Die Kinder erschraken. Eins sagte:
+"Wenn nur ein Eichhoernchen kaeme und mit uns spielte!" Da lief auch
+schon eines aus dem Busche und kletterte auf einen Baum. Es kicherte
+und rief: "Ich suche Knospen und Nuesse!" Die Kinder baten: "Komm' und
+bring' uns auch schoene Nuesse!" Aber das Tierchen zischte und knurrte
+nur.
+
+Bald darauf hoerten sie ein Baechlein plaetschern, und nun riefen sie
+froehlich: "O, mit dem Baechlein moegen wir spielen! Kommt!"
+
+Sie liefen geschwind hin. Aber das Baechlein sagte: "Seht doch die
+faulen Kinder! Ihr meint, ich haette nichts zu tun. Ich muss Tag und
+Nacht arbeiten; ich netze Felder und Wiesen und traenke die durstigen
+Tiere. Wenn ich gross und stark bin, treibe ich Muehlen und trage
+Schiffe. Geht, geht, ihr faulen Kinder!"
+
+Da wurde den Kindern gar aengstlich zu Mute. Sie gingen beschaemt weg
+und blieben nie mehr aus der Schule.
+
+
+
+
+97. DER GUTE KAMERAD.
+
+ Ich hatt' einen Kameraden,
+ Einen bessern find'st du nit.
+ Die Trommel schlug zum Streite,
+ Er ging an meiner Seite
+ In gleichem Schritt und Tritt.
+
+ Eine Kugel kam geflogen,
+ Gilt's mir oder gilt es dir?
+ Ihn hat es weggerissen,
+ Er liegt mir vor den Fuessen,
+ Als waer's ein Stueck von mir.
+
+ Will mir die Hand noch reichen,
+ Derweil ich eben lad'.
+ "Kann dir die Hand nicht geben,
+ Bleib' du im ew'gen Leben
+ Mein guter Kamerad!"
+
+
+
+
+98. DER GOLDBAUM.
+
+Eduard scherzte gerne und spielte auch gerne anderen einen Streich.
+Dabei kam es nicht immer darauf an, ob, was er sagte, auch der
+Wahrheit gemaess sei. Seine kleine Schwester Emilie, die noch nicht in
+die Schule ging, fragte gerne ihren Bruder, den sie fuer sehr weise
+hielt, ueber alles aus. Um sie schnell wieder los zu werden, sagte ihr
+Eduard oft Dinge, welche das Kind ganz falsch belehrten.
+
+Eines Morgens, es war Eduards Geburtstag, sah Emilie auf dem Tische
+ihres Bruders ein Goldstueck liegen, das er vom Vater zum Geschenk
+bekommen hatte. Sie fragte ihn: "Wo waechst das Gold?"--"Es wird
+gesaet," antwortete Eduard, der sich wieder einmal auf Kosten seiner
+Schwester einen Spass machen wollte, "dann wird ein Baum daraus, an
+dem wachsen die Goldstuecke."
+
+Als Eduard beschaeftigt war, nahm Emilie leise das Goldstueck vom
+Tische, eilte damit hinunter in den Garten, grub mit den Haenden ein
+Loch in die weiche Erde, legte das Goldstueck hinein und bedeckte es
+wieder mit Erde.
+
+Eine Weile spaeter sprang sie in Eduards Zimmer und rief: "Jetzt wirst
+du bald viele, viele Goldstuecke haben! Ich habe deines im Garten
+gepflanzt."
+
+Umsonst bekannte Eduard, er habe nur gescherzt, und umsonst suchte
+und grub er im Garten nach seinem Golde. Emilie wusste die Stelle
+nicht anzugeben, wo sie es eingegraben hatte.
+
+Der Vater kam hinzu und sagte: "Es war unklug von Emilie, das
+Goldstueck pflanzen zu wollen; du aber, Eduard, hast gefehlt, da du
+ihr, wenn auch im Scherze, eine Unwahrheit sagtest."
+
+
+
+
+99. GERETTET.
+
+"Rasch, Ernst, kleide dich an, und komme sogleich herunter!"
+
+"Was ist geschehen, Vater?"
+
+"Geschwind, mein Junge! Der Ohio ist ueber Nacht gestiegen, das Dorf
+ist unter Wasser, und wir muessen unser Haus verlassen."
+
+Mit einem Satz war Ernst aus dem Bette und fuhr wie der Blitz in
+seine Kleider. Dann lief er die Treppe hinunter in die Wohnstube.
+Hier stand das Wasser schon ueber zwei Fuss hoch. Auf einem Tische am
+Fenster war der Vater mit den Seinen. Die Mutter hielt die kleine
+Rosa an der Hand und trug das Juengste, ein herziges Bueblein, auf dem
+Arme. Sie hatte Traenen im Auge, der Vater aber sprach ihr Mut zu.
+Endlich kam ein Mann in einem Kahn, alle stiegen hinein, und durch
+dieselben Strassen, durch welche gestern noch Leute gegangen und Wagen
+gefahren waren, ruderten sie jetzt im Rachen dem Lande zu. Nachdem
+sie eine hochgelegene Stelle erreicht hatten, stiegen sie aus. Der
+Bootsmann ging mit dem Vater, der Mutter und den zwei Kleinen den
+Huegel hinauf nach einem Hause. Dort wollten sie ein Unterkommen
+suchen.
+
+"Du kannst dableiben und auf meinen Kahn achtgeben," sagte der
+Bootsmann zu Ernst. Das war dem Knaben gerade recht. Jetzt erst
+schaute er sich um. Welch ein Anblick! Nach dem Flusse zu sah man nur
+Wasser. So weit das Auge reichte, schien alles ein grosser See zu
+sein. Drueben am anderen Ufer, ganz in der Ferne guckten die Wipfel
+der Baeume und die Schornsteine aus der Flut empor. Ganz in der Naehe
+stand das Bretterhaus der alten Frau Werner, welche sehr arm war und
+von guten Leuten unterstuetzt wurde. Schon hatte das Wasser den
+zweiten Stock erreicht und stieg immer hoeher und hoeher.
+
+[Illustration]
+
+Waehrend Ernst das Haeuschen der Frau Werner betrachtete, kam es ihm
+vor, als rufe jemand um Hilfe. Richtig, jetzt oeffnete die alte Frau
+einen Laden und schaute heraus. Als sie ringsum nichts als Wasser
+erblickte, klagte und jammerte sie laut und rang die Haende.
+
+Ernst sah alles und dachte nach, was er wohl tun koenne. Ja, so ging
+es! Er wollte rasch den Huegel hinauflaufen und den Vater und den
+Bootsmann rufen. Aber siehe da! Die Flut trieb einen maechtigen
+Baumstamm gerade auf das Haeuschen zu. Wenn er gegen dasselbe stiess,
+loeste es sich gewiss los, schwamm in der Stroemung fort, und dann waere
+die alte Frau verloren.
+
+Da sprang Ernst in den Kahn, stiess vom Ufer und steuerte nach dem
+Haeuschen. Frau Werner stieg aus dem Fenster in den Rachen, und der
+Knabe ruderte, so rasch er konnte, an das Ufer zurueck. Als er sich
+demselben naeherte, kam sein Vater gerade wieder vom Huegel herab.
+
+"Hurra, wir sind gerettet!" rief Ernst, als der Kahn ans Land stiess.
+Mit Traenen des Dankes im Auge drueckte die alte Frau dem Knaben die
+Haende. Der Vater aber schloss ihn an seine Brust und sprach: "Das war
+wie ein braver Mann gehandelt, mein Sohn!"
+
+
+
+
+100. SPRUECHE.
+
+Erfuellte Pflicht
+macht froh Gesicht.
+
+Die traege Hand sei noch so glatt und weiss,
+Der fleissigen allein gebuehrt der Preis.
+
+Traegt einer gar so hoch den Kopf,
+So ist er wohl ein eitler Tropf.
+
+Allen Leuten recht getan,
+Ist eine Kunst, die niemand kann.
+
+
+
+
+*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK, HIN UND HER ***
+
+This file should be named 7hnhr10.txt or 7hnhr10.zip
+Corrected EDITIONS of our eBooks get a new NUMBER, 7hnhr11.txt
+VERSIONS based on separate sources get new LETTER, 7hnhr10a.txt
+
+Project Gutenberg eBooks are often created from several printed
+editions, all of which are confirmed as Public Domain in the US
+unless a copyright notice is included. Thus, we usually do not
+keep eBooks in compliance with any particular paper edition.
+
+We are now trying to release all our eBooks one year in advance
+of the official release dates, leaving time for better editing.
+Please be encouraged to tell us about any error or corrections,
+even years after the official publication date.
+
+Please note neither this listing nor its contents are final til
+midnight of the last day of the month of any such announcement.
+The official release date of all Project Gutenberg eBooks is at
+Midnight, Central Time, of the last day of the stated month. A
+preliminary version may often be posted for suggestion, comment
+and editing by those who wish to do so.
+
+Most people start at our Web sites at:
+http://gutenberg.net or
+http://promo.net/pg
+
+These Web sites include award-winning information about Project
+Gutenberg, including how to donate, how to help produce our new
+eBooks, and how to subscribe to our email newsletter (free!).
+
+
+Those of you who want to download any eBook before announcement
+can get to them as follows, and just download by date. This is
+also a good way to get them instantly upon announcement, as the
+indexes our cataloguers produce obviously take a while after an
+announcement goes out in the Project Gutenberg Newsletter.
+
+http://www.ibiblio.org/gutenberg/etext05 or
+ftp://ftp.ibiblio.org/pub/docs/books/gutenberg/etext05
+
+Or /etext04, 03, 02, 01, 00, 99, 98, 97, 96, 95, 94, 93, 92, 92,
+91 or 90
+
+Just search by the first five letters of the filename you want,
+as it appears in our Newsletters.
+
+
+Information about Project Gutenberg (one page)
+
+We produce about two million dollars for each hour we work. The
+time it takes us, a rather conservative estimate, is fifty hours
+to get any eBook selected, entered, proofread, edited, copyright
+searched and analyzed, the copyright letters written, etc. Our
+projected audience is one hundred million readers. If the value
+per text is nominally estimated at one dollar then we produce $2
+million dollars per hour in 2002 as we release over 100 new text
+files per month: 1240 more eBooks in 2001 for a total of 4000+
+We are already on our way to trying for 2000 more eBooks in 2002
+If they reach just 1-2% of the world's population then the total
+will reach over half a trillion eBooks given away by year's end.
+
+The Goal of Project Gutenberg is to Give Away 1 Trillion eBooks!
+This is ten thousand titles each to one hundred million readers,
+which is only about 4% of the present number of computer users.
+
+Here is the briefest record of our progress (* means estimated):
+
+eBooks Year Month
+
+ 1 1971 July
+ 10 1991 January
+ 100 1994 January
+ 1000 1997 August
+ 1500 1998 October
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+to secure a future for Project Gutenberg into the next millennium.
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+Oklahoma, Oregon, Pennsylvania, Rhode Island, South Carolina, South
+Dakota, Tennessee, Texas, Utah, Vermont, Virginia, Washington, West
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+
+We have filed in all 50 states now, but these are the only ones
+that have responded.
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+We are constantly working on finishing the paperwork to legally
+request donations in all 50 states. If your state is not listed and
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+just ask.
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+not yet registered, we know of no prohibition against accepting
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+made and fund-raising will begin in the additional states.
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+**The Legal Small Print**
+
+
+(Three Pages)
+
+***START**THE SMALL PRINT!**FOR PUBLIC DOMAIN EBOOKS**START***
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+[Portions of this eBook's header and trailer may be reprinted only
+when distributed free of all fees. Copyright (C) 2001, 2002 by
+Michael S. Hart. Project Gutenberg is a TradeMark and may not be
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+they hardware or software or any other related product without
+express permission.]
+
+*END THE SMALL PRINT! FOR PUBLIC DOMAIN EBOOKS*Ver.02/11/02*END*
+
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index 0000000..1281356
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index 0000000..ebdef5e
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+++ b/old/8392-8.txt
@@ -0,0 +1,2857 @@
+The Project Gutenberg EBook of Hin Und Her, by H. H. Fick
+
+This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and most
+other parts of the world at no cost and with almost no restrictions
+whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it under the terms of
+the Project Gutenberg License included with this eBook or online at
+www.gutenberg.org. If you are not located in the United States, you'll have
+to check the laws of the country where you are located before using this ebook.
+
+Title: Hin Und Her
+
+Author: H. H. Fick
+
+Posting Date: September 2, 2014 [EBook #8392]
+Release Date: June, 2005
+First Posted: July 6, 2003
+
+Language: German
+
+Character set encoding: ISO-8859-1
+
+*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK HIN UND HER ***
+
+
+
+
+Produced by David Starner, Delphine Lettau, Charles Franks,
+and the Online Distributed Proofreading Team
+
+
+
+
+
+
+
+
+
+
+HIN UND HER
+
+Ein Buch fr die Kinder
+
+Zusammengestellt von H. H. FICK
+
+Supervisor of German, Cincinnati Public Schools
+
+
+
+
+
+
+
+INHALT
+
+
+ 1. Am Morgen
+ 2. Der Tag bricht an
+ 3. Der Hahnenruf
+ 4. Beim Frhstck
+ 5. Zur Schule
+ 6. Bruder und Schwester
+ 7. Der Specht
+ 8. Die Uhr
+ 9. Schuleifer
+ 10. Rtsel
+ 11. Unser Hof
+ 12. Die Haustiere
+ 13. Sprche
+ 14. Die pfel
+ 15. Peter Faulpelz
+ 16. Der Knabe am Bache
+ 17. Daheim
+ 18. Der Bau des Hauses
+ 19. Die Wohnung der Maus
+ 20. Karls Hase
+ 21. Das Lied vom Monde
+ 22. Das Mckchen und das Mdchen
+ 23. Nasch-Ernst
+ 24. Der blinde Geiger
+ 25. Das Brot im Weg
+ 26. Die schnen Drei
+ 27. Das Vogelnest
+ 28. Der Drache
+ 29. Die Vglein
+ 30. Vom Hnschen
+ 31. Sprche
+ 32. Die Schnecke
+ 33. Die Henne und die Entlein
+ 34. Die Tageszeiten
+ 35. Kind und Sonne
+ 36. Sonne und Regen
+ 37. Astern
+ 38. Rtsel
+ 39. Vgel und Blumen
+ 40. Danksagungstag
+ 41. Vom Vater
+ 42. Die vier Brder
+ 43. Die zwlf Monate
+ 44. Die Bltter tanzen
+ 45. Die vier Jahreszeiten
+ 46. Winters Ankunft
+ 47. Der Tannenbaum
+ 48. Vogel am Fenster
+ 49. Das Bblein auf dem Eise
+ 50. Rtsel
+ 51. Weihnachtsfreude
+ 52. Schneesterne
+ 53. Brief vom Weihnachtsmann
+ 54. Zu Neujahr
+ 55. Verstehst du das?
+ 56. Der Schneemann
+ 57. Mrz
+ 58. Ostergru
+ 59. Der Osterhase
+ 60. Der Obstgarten
+ 61. Sprche
+ 62. Die Vgel im Frhlinge
+ 63. Das rote Hhnchen
+ 64. Rtsel
+ 65. Der naseweise Bello
+ 66. Heil, Amerika!
+ 67. Petersilie
+ 68. Das Kind und sein Blmchen
+ 69. Nachlssigkeit
+ 70. Ein Rtsel
+ 71. Was wrdest du tun?
+ 72. Was wollen wir spielen?
+ 73. Die schlaue Katze
+ 74. Kannst du es sagen?
+ 75. Der Sperling
+ 76. Das Pferd und der Esel
+ 77. Der kluge Star
+ 78. Der Apfelbaum
+ 79. Der Hase und der Fuchs
+ 80. Sprche
+ 81. Der Hase und die Schildkrte
+ 82. Hasenbraten
+ 83. Der Schein trgt
+ 84. Der Frosch
+ 85. Vom listigen Grasmcklein ein lustiges Stcklein
+ 86. Ein trichter Streit
+ 87. Herr Wind! Herr Wind!
+ 88. Das Fnkchen
+ 89. Rtsel
+ 90. Das Gnseblmchen
+ 91. Die grne Stadt
+ 92. Deutschland
+ 93. Sonnenschein
+ 94. Die Knigin Luise
+ 95. Das goldene Schlo
+ 96. Die kleinen Miggnger
+ 97. Der gute Kamerad
+ 98. Der Goldbaum
+ 99. Gerettet
+100. Sprche
+
+
+
+
+1. AM MORGEN.
+
+ Die Erd' erwacht, die Sonne lacht
+ Sie an mit hellem Schein
+ Und ruft ihr zu: komm aus der Ruh',
+ Der ganze Tag ist dein.
+ Guten Morgen.
+
+
+
+
+2. DER TAG BRICHT AN.
+
+Es ist dunkel. Am Himmel leuchten die Sterne. Zwischen ihnen steht
+der Mond. Nun wird es langsam heller. Im Osten zeigt sich ein lichter
+Schein. Das ist die Morgendmmerung. Die meisten Leute schlafen noch
+fest, aber der Hahn ist wach und krht ganz laut. Bald steigt die
+Sonne empor. Dann ist es Tag. Die Vgel sind erwacht und zwitschern.
+Jetzt stehen auch die Menschen von ihrem Lager auf und gehen gestrkt
+an die Arbeit. Die Tiere im Freien suchen ihre Nahrung und das Vieh
+im Hofe bekommt sein Futter. Im Garten und auf den Wiesen glnzt der
+Tau. Alles ist neubelebt.
+
+
+
+
+[Illustration]
+
+
+3. DER HAHNENRUF.
+
+ Im ersten Hofe krht der Hahn,
+ Da fngt auch gleich der zweite an
+ Und denkt: "Htt' ich's zuerst getan!"
+ Doch, wie der zweite kaum beginnt,
+ Krht schon der dritte Hahn geschwind.
+ Der viert' und fnfte faul nicht sind
+ Und fallen schnell ins Lied mit ein,
+ Denn jeder will der erste sein,
+ Und jeder will am schnsten schrei'n.--
+ Bald rufen alle in der Rund',
+ Als stnden sie zusamm' im Bund,
+ Und tun die Morgenstunde kund
+ Aus voller Kehle laut und schnell:
+ "Die Nacht entweicht, der Tag wird hell.
+ Kikeriki! Kikeriki! Wir sind zur Stell'!"
+ So soll'n auch wir in allen Sachen,
+ Wo's gilt, zum guten zu erwachen,
+ Es wie der Hahn am Morgen machen.
+
+
+
+
+4. BEIM FRHSTCK
+
+_Mutter_: Papa, Karl, Emma und Klara, hurtig, kommt zu Tisch!
+Das Frhstck ist aufgetragen!
+
+_Papa_: Sieh! Da bin ich schon. Guten Morgen!
+
+_Emma_ und _Klara_: Liebe Mama und lieber Papa, Wir sind
+auch bereit und wnschen euch einen recht guten Morgen!
+
+_Mutter_ und _Vater_: Vielen Dank, ihr Kinder! Wo steckt
+aber der Karl?
+
+_Emma_ und _Klara_: Da kommt er!
+
+_Karl_: Seid nicht bse, liebe Eltern, ich habe mich
+verschlafen. Es soll aber gewi nicht wieder geschehen!
+
+_Mutter_: Schon gut! Setzt euch alle. Schaut, da der Papa
+bedient wird! Emma, reiche doch das Brot herber und gib mir die
+Butter. Nun, trinkt eure Milch! Klara und Emma, fr euch habe ich ein
+Stck Kuchen.
+
+_Karl_: Bekomme ich nicht auch eins?
+
+Mutter: Du bist zu spt gekommen! Dafr mut du Strafe leiden. Heute
+ist fr dich nur Brot vorhanden.
+
+_Karl_: Ach, liebe Mama! Ich bin so hungrig!
+
+_Mutter_: Ei! Hungern sollst du nicht. Da ist eine Semmel und
+dann habe ich auch noch ein Ei fr dich. Aber der Kuchen ist nur fr
+die pnktlichen Leute da, merke dir das! So, seid ihr nun alle
+fertig?
+
+_Kinder_: Jawohl, Mama!
+
+_Mutter_: Stellt eure Sthle an ihre Pltze! Jetzt knnt ihr
+gehen! Du, Karl, holst dem Vater noch die Zeitung herein!
+
+_Karl_: Gerne, liebe Mutter!
+
+_Kinder_: Ade, Papa! Leb wohl, Mama! Heute mittag sehen wir uns
+wieder!
+
+
+
+
+5. ZUR SCHULE.
+
+ Nun hurtig vom Stuhle
+ Und schnell in die Schule;
+ Es ist an der Zeit.
+ Holt Hte und Kappen,
+ Bringt Tafeln und Mappen;
+ Nehmt auch fr die Pause
+ Euch etwas zum Schmause;
+ So, Kinder, jetzt seid
+ Zur Arbeit bereit!
+
+
+
+
+
+6. BRUDER UND SCHWESTER.
+
+Es ist Morgen. Die Nacht hindurch hat es geregnet und immer noch
+fallen einzelne Tropfen. Seit einigen Tagen besucht der kleine
+Wilhelm die Schule. Er hat einen neuen Anzug, eine hbsche Mtze und
+einen bunten Schulsack erhalten. Wie leid tut es ihm, da alles vom
+Regen soll na werden. Da kommt die gute Schwester Emilie. Sie mu
+fr die Mutter noch einen Gang auf den Markt machen. Nun will sie den
+Bruder unter den Schirm nehmen und ihn bis an das Schulgebude
+begleiten. Wilhelm fat die Schwester am Kleide, und sie treten in
+die Tre. Aber, siehe da, der Regen hrt auf und als Emilie
+vorsichtig die Hand ausstreckt, kann sie kein Trpfchen mehr spren.
+Da darf auch der zottige Spitz mit ins Freie.
+
+[Illustration]
+
+
+
+
+
+7. DER SPECHT.
+
+ Herr Specht! so frh schon klopfest du!
+ Was strte dich denn aus der Ruh'?
+ Es herrscht noch Stille im Erdenraum--
+ Du hmmerst schon am Fichtenbaum.
+
+ "Ist es auch frh, ist's nie zu frh,
+ An Arbeit fehlt's dem Flei'gen nie,--
+ Wer Tages etwas will gewinnen,
+ Der mu recht frhe schon beginnen."
+
+
+
+
+8. DIE UHR.
+
+Eben hatte es sieben geschlagen. Die Mutter ging in die Kammer, um
+den kleinen Leo zu wecken. Der war aber schon wach und sa aufrecht
+im Bette. "Ei, Leo!" sagte die Mutter, "Wie kommt denn das? Sonst mu
+ich dich viele Male rufen und schtteln, und heute bist du ganz
+munter!" "Ach, denke nur, liebe Mama," sagte Leo, "ich War ja auch
+noch so mde und htte gerne lnger geschlafen. Aber da hatte auf
+einmal die groe Uhr dort an der Wand ein Gesicht wie ein Mensch, und
+machte immerfort: Auf! raus! Auf! raus! Nun hatte ich Angst, liegen
+zu bleiben und wollte aufstehen. Jetzt hrte ich die Uhr ganz
+deutlich sagen: Recht so! Recht so! und sie sah wieder freundlich
+aus!"
+
+[Illustration]
+
+
+
+
+
+9. SCHULEIFER.
+
+ Im Winter, wenn es frieret,
+ Im Winter, wenn es schneit,
+ Dann ist der Weg zur Schule
+ Frwahr noch mal so weit.
+
+ Und wenn der Kuckuck rufet,
+ Dann ist der Frhling da,
+ Dann ist der Weg zur Schule
+ Frwahr noch mal so nah.
+
+ Wer aber gerne lernet,
+ Dem ist kein Weg zu fern;
+ Im Frhling, wie im Winter,
+ Geht er zur Schule gern.
+
+[Illustration]
+
+
+
+
+10. RTSEL.
+
+ Im Wasser schwimmt es, gro und klein.
+ Nun rat' einmal, was das mag sein!
+
+ Wer wscht sich so rein
+ Und hlt sich so fein
+ Und braucht doch kein Handtchelein?
+
+ Ich wei ein kleines, weies Haus,
+ Hat nichts von Fenstern, Tren, Toren;
+ Und will sein kleiner Wirt hinaus,
+ So mu er erst die Wand durchbohren.
+
+
+
+
+11. UNSER HOF.
+
+Hinter dem Hause ist ein Hof. Da haben viele Tiere Platz. In einer
+Ecke steht die Hundehtte. Dort wohnt Nero. Er bewacht unser Haus.
+Auf der Kellertreppe sitzt Mieze. Das ist die graue Katze. Sie wscht
+und putzt sich gern. Im Korbe liegen ihre vier Ktzchen. Die knnen
+noch nicht sehen. Mitten im Hofe geht der stolze Hahn. Er hat bunte
+Federn und einen roten Kamm. Bei ihm sind fnf hbsche Hennen. Auch
+Tauben fliegen herbei und picken Krner auf. Seht doch den groen
+Puter da drben! Der ist zornig und jagt die anderen Vgel fort.
+
+
+
+
+12. DIE HAUSTIERE.
+
+ Lieb Kindchen, sag mir an,
+ Was ein Haustier ntzen kann!
+
+ Die Kuh gibt Milch uns, liebe Mutter,
+ Draus macht man Kse, Rahm und Butter.
+ Das Pferd zieht fleiig deinen Wagen
+ Und kann dich in die Ferne tragen.
+ Der Hund schtzt treu dir Hof und Haus.
+ Die Katze lauert auf die Maus.
+ Das dicke, schmutz'ge, dumme Schwein
+ Bringt Schinken uns und Wrste ein.
+
+[Illustration]
+
+
+
+
+
+13. SPRCHE.
+
+Lust und Liebe zum Dinge
+Macht Mhe und Arbeit geringe.
+
+Morgen, morgen, nur nicht heute,
+Sagen alle trgen Leute.
+
+Lerne Ordnung, liebe sie;
+Ordnung spart dir Zeit und Mh'.
+
+
+
+
+14. DIE PFEL.
+
+Am Montag morgen wollte Otto seinen Freund Ludwig zur Schule abholen.
+Als er aber in die Stube trat, war niemand da. Vorne beim Fenster
+stand ein Korb voll pfel. Die waren schn gelb und rot. Gerne htte
+Otto einen genommen. Aber er dachte: "Nein, das tue ich nicht, die
+pfel gehren nicht mir."
+
+Schnell wollte er wieder zur Tre hinaus. Da kam gerade Ludwigs
+Mutter herein. Die freute sich sehr, als sie Otto sah. Sie steckte
+ihm beide Taschen voll pfel. Dann rief sie Ludwig und gab den beiden
+Kindern noch einen Apfel mit auf den Weg. Mit frohem Herzen gingen
+die Knaben nun zur Schule.
+
+
+
+
+15. PETER FAULPELZ.
+
+ Lngst ist schon die Schule aus,
+ Alle Kinder sind zu Haus:
+ Peter nur, der faule Bube,
+ Mu noch sitzen in der Stube,
+ Hat gelernt nicht, noch geschrieben,
+ Hat sich drauen 'rumgetrieben.
+ Nun geht es ihm bitterschlecht--
+ Faulpelz, das geschieht dir recht!
+
+
+
+
+16. DER KNABE AM BACHE.
+
+Siehst du den Knaben dort am Bache sitzen? Es ist Robert, der mit
+seiner armen Mutter in dem kleinen Huschen wohnt. Sie hatten fr den
+Abend nichts zu essen. Da sagte Robert: "Mutter, ich will zum Bache
+gehen und einige Fische fangen."
+
+Hier sitzt er nun ganz stille. Zwei Fische hat er schon gefangen, und
+den dritten macht er eben vom Haken los. Wie wird sich die Mutter
+freuen, wenn Robert mit den Fischen nach Hause kommt!
+
+[Illustration]
+
+
+
+
+17. DAHEIM.
+
+Hurra, die Schule ist aus! Schnell eile ich nach Hause, denn die
+Mutter wartet schon auf mich. Sie hat ja mancherlei Arbeit, die ich
+fr sie besorgen kann. Erst bekomme ich aber ein groes Stck
+Butterbrot. Wenn ich das gegessen habe, hole ich Kleinholz aus dem
+Keller. Damit macht die Mutter das Feuer im Kchenofen an fr das
+Abendessen. Dann gehe ich zum Metzger, um das Fleisch heimzubringen,
+das der Vater am Morgen bestellt hat. Auf dem Wege bringe ich aus dem
+Kramladen Seife mit und Streichhlzchen. Auch sonst mu ich der
+Mutter in der Kche noch zur Hand gehen. Ich tue es gerne, denn ich
+habe mein Mtterlein lieb. Wenn ich alles besorgt habe, darf ich eine
+Weile auf der Strae mit anderen Kindern spielen.
+
+Bald ist es Zeit zum Abendessen geworden. Richtig, da ruft mich schon
+die Mutter. Der Vater ist nun auch schon nach Hause gekommen, und
+meine lteren Geschwister sind ebenfalls da. Wir sitzen jetzt alle um
+den groen Tisch im Ezimmer, und der Vater erzhlt, was er whrend
+des Tages in der Stadt gehrt und gesehen hat. Nach dem Essen nimmt
+der Vater die Zeitung, und meine kleine Schwester und ich machen
+unsere Schularbeiten. Da mu manchmal die liebe Mama ein wenig
+helfen. Spter liest sie uns eine schne Geschichte vor, oder spielt
+mit uns Domino und Lotto.
+
+Ich glaube, es ist nirgends schner als abends daheim.
+
+
+
+
+18. DER BAU DES HAUSES.
+
+"Kommt, Knaben, wir wollen ein Haus bauen," sagte Emil zu Karl und
+Heinrich, "Ich will den Keller ausgraben," sprach Karl. "Und ich,"
+sagte Emil, "ich bin der Maurer; ich nehme Kalk und Steine und baue
+die Mauern." Da meinte Karl: "Du darfst aber die Tren und die
+Fenster nicht vergessen. Ohne Tren kann man nicht in das Haus
+hinein, und durch die Fenster soll Luft und Licht in die Zimmer
+kommen." Heinrich sagte: "Ich bin der Zimmermann; ich setze die Tren
+und Fenster und lege den Fuboden. Von einem Stockwerke in das andere
+mache ich Treppen. Und oben auf das Haus setze ich das Dach; das
+schtzt vor Regen und Schnee. Unser Haus soll ein Wohnhaus sein mit
+Kche und Zimmern und einem Boden unter dem Dach."
+
+
+
+
+19. DIE WOHNUNG DER MAUS.
+
+ Ich frag' die Maus:
+ Wo ist dein Haus?
+ Die Maus darauf erwidert mir:
+ Sag's nicht der Katz',
+ So sag' ich's dir.
+ Treppauf, treppab,
+ Erst rechts, dann links,
+ Dann wieder rechts
+ Und dann grad' aus--
+ Das ist mein Haus;
+ Du wirst es schon erblicken!
+ Die Tr ist klein,
+ Und trittst du ein,
+ Vergi nicht, dich zu bcken!
+
+[Illustration]
+
+
+
+
+20. KARLS HASE
+
+"Papa, darf ich ein wenig deinen Stock nehmen?"
+
+"Ja, Karl, aber was willst du damit machen?"
+
+"Einen Hasen will ich schieen, Papa."
+
+"Dann mut du ja auf das Feld gehen."
+
+"O nein, dein Stock ist meine Flinte und unsere alte Katze ist der
+Hase."
+
+Der Vater gab seinem Sohne den Stock. Karl legte ihn an die rechte
+Wange, zielte und rief: "Piff, paff! piff, paff!" Ei, wie die Katze
+von dem Stuhle unter den Tisch sprang!
+
+Karl aber lachte und rief: "Hast du nun meinen Hasen laufen sehen,
+Papa?"
+
+
+
+
+21. DAS LIED VOM MONDE.
+
+ Wer hat die schnsten Schfchen?
+ Die hat der gold'ne Mond,
+ Der hinter unsern Bumen
+ Am Himmel drben wohnt.
+
+ Er kommt am spten Abend,
+ Wenn alles schlafen will,
+ Hervor aus seinem Hause
+ Zum Himmel leis' und still.
+
+ Dann weidet er die Schfchen
+ Auf seiner blauen Flur;
+ Denn all' die weien Sterne
+ Sind feine Schfchen nur.
+
+ Sie tun sich nichts zuleide,
+ Hat eins das andre gern,
+ Und Schwestern sind und Brder
+ Da droben Stern an Stern.
+
+ Und soll ich dir eins bringen,
+ So darfst du niemals schrei'n,
+ Mut freundlich wie die Schfchen
+ Und wie ihr Schfer sein!
+
+
+
+
+22. DAS MCKCHEN UND DAS MDCHEN.
+
+[Illustration]
+
+
+Ein Mckchen flog um ein Licht, das am Abend auf dem Tische brannte.
+Da sagte ein Mdchen, welches nebenbei sa und strickte: "Mckchen,
+bleib' von dem Lichte, sonst verbrennst du dich!" Das Mckchen aber
+folgte nicht und flog so lange auf und nieder und um das Licht, bis
+es daran seine Flgelchen sengte und in die Flamme fiel. "Habe ich es
+dir nicht gesagt?" sprach das Mdchen. "Httest du auf mich gehrt,
+mtest du jetzt nicht sterben!"
+
+
+
+
+23. NASCH-ERNST.
+
+Ernst konnte das Naschen nicht lassen. Er ging oft an den Schrank, um
+Zucker zu naschen. Die Mutter schalt, aber es half nicht.
+
+Eines Tages ging Ernst in die Scheune. An der Wand hing etwas Rotes.
+Ernst sagte: "Oh, hier hat die Mutter Zuckerzeug versteckt. Ich
+sollte es nicht finden!" Schnell kletterte er auf einen Stuhl, um es
+zu holen. Er bi gierig hinein. Aber, o weh, es verbrannte seinen
+Mund. Er lie das Zuckerzeug fallen und schrie laut. Nun kam die
+Mutter und gab ihm einen Trunk Wasser. Was Ernst naschte, war nicht
+Zucker gewesen. Es war roter Pfeffer.
+
+Ernst naschte nie wieder.
+
+
+
+
+24. DER BLINDE GEIGER.
+
+Ein armer, blinder Geiger ging auf der Strae. Er suchte den Weg mit
+seinem Stocke. Seine Geige trug er unter dem Arme. Bald kam er an
+einen Steg. Als er das merkte, getraute er sich nicht hinberzugehen.
+Hans und Eugen kamen daher, und der arme Mann bat, sie mchten ihn
+doch ber den Steg fhren. Aber die mutwilligen Buben lachten den
+Geiger aus und liefen weg.
+
+Da kam die kleine Lina aus der Schule. Die wartete nicht, bis sie
+gebeten wurde. Sie fate den Blinden bei der Hand, brachte ihn ber
+den Steg und schenkte ihm einen Cent, den sie von ihrer Mutter
+bekommen hatte.
+
+[Illustration]
+
+
+
+
+
+25. DAS BROT IM WEG.
+
+ Im Weg das Krmchen Brot
+ Tritt nicht mit deinem Fu,
+ Weil's in des Hungers Not
+ Ein Tierlein finden mu.
+ Leg's auf den Stein vor'm Haus,
+ Und kannst du, brsel's klein:
+ Still dankt es dir die Maus
+ Und still das Vgelein.
+
+
+
+
+26. DIE SCHNEN DREI.
+
+ Vglein im hohen Baum,
+ Klein ist's, ihr seht es kaum,
+ Singt doch so schn,
+ Da wohl von nah und fern
+ Alle die Leute gern
+ Horchen und stehn.
+
+ Blmlein im Wiesengrund
+ Blhen so lieb und bunt,
+ Tausend zugleich;
+ Wenn ihr vorbergeht,
+ Wenn ihr die Farben seht,
+ Freuet ihr euch.
+
+ Wsserlein fliet so fort
+ Immer von Ort zu Ort
+ Nieder ins Tal;
+ Drstet nun Mensch und Vieh,
+ Kommen zum Bchlein sie,
+ Trinken zumal.
+
+ Habt ihr es auch bedacht,
+ Wer hat so schn gemacht
+ Alle die drei?
+ Gott, der Herr, machte sie,
+ Da sich nun spt und frh
+ Jedes dran freu'.
+
+
+
+
+27. DAS VOGELNEST.
+
+In einem Garten lebte ein Vgelein, das sehr schn singen konnte. Es
+baute sich in einem Busch ein hbsches Nestchen. In dieses legte es
+Eier hinein und brtete Junge aus. Einmal suchte das alte Vgelein
+Futter fr seine Kinder. Da sahen zwei Buben das Nest und nahmen es
+samt den Jungen weg. Darber wurde die Mutter der jungen Vgelein
+sehr traurig.
+
+Sie flog hin und her und schrie, so laut sie konnte. Die Knaben
+machten sich aber nichts daraus. Endlich hrte die Schwester der
+bsen Knaben das Vgelein schreien. Gleich ging sie hin und nahm
+ihren Brdern das Nestchen Weg und trug es wieder in die Hecke. Seit
+dieser Zeit hatten die Vgelein das Mdchen recht lieb, und wenn es
+im Garten war, sangen sie noch einmal so schn wie sonst.
+
+
+
+
+28. DER DRACHE.
+
+Mein Bruder Karl hatte einen groen Drachen gemacht. Er war aus holz
+und Papier. Um untern Ende befand sich ein langer Schwanz und am
+obern eine lange, dnne Schnur.
+
+Nachmittags gingen wir hinaus auf das Feld hinter unserm Hause. Es
+war ein schner Tag; die Sonne schien prchtig, und es wehte ein
+guter Wind. Wir lieen den Drachen steigen. Er stieg so hoch, wie die
+Schnur reichte. Wir konnten ihn kaum noch sehen.
+
+So standen wir lange im Schatten neben dem Zaune. Auch unser Hund
+Karo kam unter dem Karren hervor. Wir waren sehr vergngt, bis der
+Abend dem Spiele ein Ende machte.
+
+[Illustration]
+
+
+
+
+
+29. DIE VGLEIN.
+
+ Warum wohl die Vglein fliegen knnen?
+ Ei, das magst du ihnen schon gnnen.
+ Auf der Erde sind Tiere viel
+ Und haben hier und dort ihr Spiel.
+ Da war kein Platz fr die Vgel mehr;
+ Das dauerte den lieben Gott so sehr,
+ Darum hat er ihnen Flgel gegeben,
+ Da sie dort oben in Lften schweben;
+ Da knnen sie spielen den ganzen Tag
+ Und haben Platz, wie viel jedes mag.
+
+
+
+
+30. VOM HNSCHEN.
+
+Hnschen und Gretchen spielten im Garten. Da kam ein schner
+Schmetterling geflogen. Gleich wollte Hans ihn fangen. Gretchen rief:
+"Ach, la doch das hbsche Tierlein gehen!" Aber Hans hrte nicht
+darauf. Mit dem Hute in der Hand lief er dem Schmetterlinge nach. Er
+schaute immer nur in die Hhe. Patsch,--fiel er in einen tiefen
+Graben voller Wasser. Der Schmetterling flog munter davon. Hnschen
+ging weinend heim und wurde noch ausgelacht.
+
+
+
+
+31. SPRCHE.
+
+ Ein gutes Kind gehorcht geschwind
+ Und folgt sofort aufs erste Wort.
+
+ Was du nicht willst, das man dir tu',
+ Das fg' auch keinem andern zu.
+
+ Vorgetan und nachbedacht
+ Hat manchem groes Leid gebracht.
+
+ Qule nie ein Tier zum Scherz,
+ Denn es fhlt, wie du, den Schmerz.
+
+
+
+
+32. DIE SCHNECKE:
+
+ Die Schnecke ist gar bel dran.
+ Wie mu sie sich doch plagen!
+ Sie mu ihr Haus
+ Tagein, tagaus
+ Auf ihrem Rcken tragen.
+
+ Die Schnecke ist nicht bel dran.
+ Sie wei sich wohl zu schtzen:
+ Nimmt sie Gefahr
+ Vom Feinde wahr,--
+ Bleibt sie im Huschen sitzen.
+
+[Illustration]
+
+
+
+
+33. DIE HENNE UND DIE ENTLEIN.
+
+Die kleine Anna hatte eine Henne zum Geschenk bekommen. Diese legte
+jeden Morgen ein Ei. Als nun Annas Mutter eines Tages das Nest mit
+zwlf Eiern sah, nahm sie dieselben voller Freude in die Kche. Aber
+siehe da! Die Henne jammerte und suchte ihr Nest. Nun fand sie in der
+Nhe ein Entennest, in dem auch Eier waren. Sie setzte sich darauf,
+bis die Jungen herauskamen. Das waren aber Entchen statt Kchlein.
+Doch die Henne hatte sie so lieb, als ob es Kchlein wren. Sie
+suchte Futter mit ihnen und nahm sie unter ihre Flgel, damit ihnen
+kein Leid geschehe. Doch eines schnen Tages liefen die Kleinen
+davon. Wohin? In groer Angst eilte die Henne hinterher. Die Entchen
+waren zum Teiche gelaufen. Umsonst warnte die Henne: "Das ist Wasser!
+Ihr mt ertrinken!" Lustig schwammen die kleinen Enten schon umher,
+und alles Glucken der alten Henne brachte sie nicht ans Ufer zurck.
+
+[Illustration]
+
+
+
+
+34. DIE TAGESZEITEN.
+
+Hoch am Himmel steht die Sonne. Sie leuchtet so hell, da man sie
+nicht lange ansehen kann. Wenn die Sonne morgens aufgeht, wird es auf
+der Erde hell. Dann sagen die Leute zu einander: "Guten Morgen!" Die
+Sonne steigt nun immer hher und hher, bis sie zuletzt fast ber
+unserem Kopfe steht. Es ist jetzt Mittag. Wenn sich Bekannte treffen,
+wnschen sie einander: "Guten Tag!" Bald darauf neigt sich die Sonne
+wieder abwrts. Sie sinkt bis an den Rand des Himmels. Alsdann sieht
+sie wie eine groe, feurige Kugel aus und frbt die Wolken schn rot.
+Auf einmal ist sie verschwunden. Es wird dunkler und die Nacht bricht
+an. Man bietet sich "Guten Abend!" und wnscht allen vor dem
+Schlafengehen eine "Gute Nacht!" Nun kommt die Zeit der Ruhe.
+
+
+
+
+35. KIND UND SONNE.
+
+_Kind_: Sag einmal, liebe Sonne, wohin gehst du, wenn es Abend
+wird? Es heit dich doch niemand fortgehen. Ich meine, du knntest
+immer bei uns bleiben. Das wre so schn!
+
+_Sonne_: Nein, mein Kind, das kann nicht sein! Wenn es Nacht
+wird, schlafen die Leute, und du schlfst auch. Beim Schlafen braucht
+man mich aber nicht. Ich reise dann weit, weit fort in ein fernes
+Land. Dort wohnen auch Menschen: Vter, Mtter und viele brave
+Kinder. Wenn ich zu diesen komme, haben sie ausgeschlafen. Vater und
+Mutter stehen dann auf und arbeiten, und die greren Kinder gehen in
+die Schule, um zu lernen.
+
+_Kind_: Ei, ei! Und wenn du bei diesen Menschen gewesen bist,
+wohin gehst du hernach?
+
+_Sonne_: Wenn ich dort gewesen bin, komme ich wieder zu dir, wie
+an jedem Morgen. So reise ich zu allen Menschen auf der ganzen Erde.
+
+
+
+
+36. SONNE UND REGEN.
+
+ Die Sonne sprach: "Ich will scheinen
+ So fort und immerfort!"
+ Der Regen sprach: "Ich will fallen
+ Ohn' Ende an jedem Ort!"
+ Die Sonne: "Du machst ja alles
+ Auf der Erde gang na!"
+ Der Regen: "Du machst zu trocken,
+ Wenn du scheinst ohn' Unterla!"
+ Die Sonne: "Ich mache fruchtbar,
+ Und alles freut sich mein!"
+ Der Regen: "Du machst zu trocken,
+ Dich mag man nicht allein!"
+ So haben sie lang gestritten,
+ Doch wurden sie einig zuletzt:
+ Sie wollten miteinander wechseln,
+ Und so ist es denn auch jetzt.
+
+
+
+
+37. ASTERN.
+
+Ein kleiner Knabe lag einmal im Grase und schlief. Da sah er im Traum
+einen Engel, der eine wunderschne Blume in der Hand trug. Der Engel
+sagte, da es im Himmel viele solche Blumen gebe. Der Knabe htte sie
+gerne gehabt. Als er aufwachte, lagen da ein paar glnzende
+Samenkrner. Die pflanzte der Knabe in seinem Garten. Als der Herbst
+kam, waren aus den Samen die Blumen entstanden. Sie sahen gerade wie
+Sterne aus. Der Knabe rief seine Eltern. Vater und Mutter sagten:
+"Das sind Sternblumen oder Astern. Die sollen uns an den, Himmel
+droben erinnern."
+
+[Illustration]
+
+
+
+
+
+38. RTSEL.
+
+Loch bei Loch,
+Und hlt doch.
+Was ist's?
+
+Rat! Das Haus hat lauter Treppen,
+Keine Fenster, keine Zimmer;
+Wer drin wohnt, mu es immer
+Auf seinem Rcken schleppen.
+
+Es ist ein Ding, hat Stamm und Zweig' und Bltter,
+Schtzt dich vor Sonne und im Regenwetter.
+
+
+
+
+39. VGEL UND BLUMEN.
+
+ Die Vgel, sie fliegen wie Bltter im Wind;
+ Da winken die Blmlein zum Abschied geschwind.
+ Es singt in den Bumen der Herbst schon sein Lied,
+ Fort ziehen die Vgel, die Blumen sind md'.
+
+ Im Sden die Vgel, die Blumen im Schnee,
+ Sie warten, da wieder der Frhling ersteh'.
+ Dann lachen die Blten, das Vgelein singt;
+ Dann duftet's und jubelt's, bis rings alles klingt.
+
+
+
+
+40. DANKSAGUNGSTAG.
+
+Was tut ihr, wenn euch jemand etwas geschenkt hat oder recht gut
+gegen euch gewesen ist? Nicht wahr, ihr sagt: "Danke schn!"
+Vergesset das ja nicht! Wir Menschen, gro und klein, haben fr gar
+vieles dankbar zu sein. Die Kinder knnen sich freuen, wenn sie noch
+Eltern haben, die sie lieben und fr sie sorgen. Erwachsene Leute
+sollen froh sein, wenn sie gesund sind und keine Not zu leiden
+brauchen. Doch das wird oft nicht bedacht. Deshalb ist ein Tag da, an
+dem ein jeder von feiner Arbeit ausruhen und frhlich Gott danken
+soll fr allen Segen. Im Herbste, wenn die Ernte vorber ist, kommt
+der Danksagungstag. Da gibt es meistens gut und reichlich zu essen
+und zu trinken. In den Kirchen ist Gottesdienst. Auch fr die Armen
+und Unglcklichen wird gesorgt, damit ein jeder im Herzen dankbar
+sein mge fr das Gute und Schne, was das Jahr gebracht hat.
+
+
+
+41. VOM PUTER.
+
+ Puter, Puter, Polterhahn,
+ Hast 'ne rote Weste an,
+ Hast 'ne rote Nasenspitze
+ Und 'ne rote Zipfelmtze;
+ Aber das gibst du wohl zu:
+ Ich bin schner doch als du!
+
+[Illustration]
+
+
+
+
+
+42. DIE VIER BRDER.
+
+ Vier schne Brder kenn' ich wohl,
+ Geschmckt so wunderbar;
+ Sie kommen schon seit alter Zeit
+ Zu uns in jedem Jahr.
+ Der erste Bringt uns einen Strau,
+ Streut Blumen um sich her.
+ Den zweiten schmckt ein goldner Kranz
+ Von hren voll und schwer.
+ Der dritte reicht uns pfel dar
+ Und neuen goldnen Wein.
+ Der vierte ist in Pelz gehllt
+ Wie Schnee so wei und rein.
+ Wer nennt die schnen Brder mir,
+ Geschmckt so wunderbar?
+ Sie kommen schon seit alter Zeit
+ Zu uns in jedem Jahr.
+
+
+
+
+43. DIE ZWLF MONATE.
+
+ Gleich anfangs mit dem neuen Jahr
+ Erscheint der kalte Januar,
+ Dann kommt alsbald der zweite Mann,
+ Der Februar, in Eile an.
+ Der Mrz ist nun auch nicht mehr weit,
+ Und der April ist bald bereit.
+ Ihm folgt der wunderschne Mai,
+ Der Juni kommt drauf schnell herbei,
+ Und ist der Juli nun erst da,
+ So ist auch der August schon nah;
+ Ihm schliet sich der September an,
+ Und der Oktober folgt alsdann.
+ November ziehet schleunig ein,
+ Dezember wird her letzte sein.
+
+
+
+
+44. DIE BLTTER TANZEN.
+
+ Die Bume stehen ruhig da,
+ Die Bltter flstern leise.
+ Hrt ihr den Wind, hei, hussassa,
+ Bald blst er seine Weise.
+
+ Da braust der Wind gar wild einher
+ Und rttelt an den Bumen,
+ Er beugt sie hin, er beugt sie her,
+ Lt keine Zeit zum Trumen.
+
+ "Halt ein, du strmischer Gesell',
+ Wir stehen fest wie Lanzen!"
+ Die Bltter aber lachen hell:
+ "Herr Wind, wir mchten tanzen!"
+
+ "Ei," ruft der Wind, "ein luftig Wort,
+ Da kann ich stark mich zeigen!"
+ Er Blst die bunten Bltter fort;
+ Die tanzen froh den Reigen.
+
+ Der Wind ist fort, der Tanz ist aus,
+ Die Bltter sinken nieder;
+ Der Schnee streckt sein Decke aus,
+ Der Frhling hebt sie wieder.
+
+[Illustration]
+
+
+
+
+45. DIE VIER JAHRESZEITEN.
+
+Es gibt vier Jahreszeiten: Frhling, Sommer, Herbst und Winter. Im
+Frhling wird die Luft warm. Der Schnee schmilzt, und die Flsse
+werden wieder frei vom Eise. Auf den Wiesen und in den Grten keimen
+Grser und Kruter, auf den Feldern grnt die Saat, und die Bume
+bekommen frisches Laub. Sie treiben Knospen und Blten. Die Vgel,
+welche im Herbste in wrmere Lnder gezogen waren, kehren zurck.
+Andere Tiere, die den Winter in ihren Hhlen verschlafen hatten,
+wachen auf und kommen hervor. Mit dem Sommer werden die Tage lnger,
+und die Wrme nimmt zu. Das Getreide wird reif und vom Landmanne
+geschnitten. Auf den Sommer folgt der Herbst. Im Herbst gibt es Obst,
+Trauben und Kartoffeln, auch wird die Saat fr das nchste Jahr
+bestellt. Das Laub der Bume vertrocknet und fllt zur Erde nieder.
+Die Tage werden immer krzer. Oft ist es neblig und rauh. Bald wird
+es recht kalt; die Flsse frieren zu, und es gibt Schnee. Die Vgel
+knnen drauen kein Futter finden. Sie kommen in die Straen und vor
+die Tren, um einige Krner und Brckchen zu suchen. Zu Hause wird
+eingeheizt; aber im Freien tummeln sich die Kinder, gleiten auf dem
+Eise, oder fahren Schlitten. Sie freuen sich darauf, einen Schneemann
+machen zu knnen. Bald naht auch das liebe Weihnachtsfest.
+
+
+
+
+46. WINTERS ANKUNFT.
+
+ Im weien Pelz der Winter
+ Steht lang' schon hinter der Tr,
+ Ei, guten Tag, Herr Winter,
+ Das ist nicht hbsch von dir!
+
+ Wir meinten, du wrest, wer wei wie weit,
+ Da kommst du mit einmal hereingeschneit.
+ Nun, da du hier bist, so mag's schon sein;
+ Aber, was bringst du Gutes uns Kindelein?
+
+ Was ich euch bringe, das sollt ihr wissen:
+ Frhliche Weihnacht mit pfeln und Nssen
+ Und Schneeballen,
+ Wie sie fallen,
+ Und im Jnner
+ Auch Schneemnner!
+
+[Illustration]
+
+
+
+
+47. DER TANNENBAUM.
+
+ So manches Bumchen in dem Wald
+ Verliert im Herbst die Bltter,
+ Jedoch der liebe Tannenbaum
+ Der trotzet Wind und Wetter.
+
+ Ist alles drauen d' und leer,
+ Steht er im grnen Kleide
+ Und setzt sich stolz ein Kpplein auf,
+ Ein Kpplein wei wie Kreide.
+
+ Das nimmt er aber artig ab
+ Am frohen Weihnachtsfeste,
+ Und gret liebevoll und gut
+ Die Kinder all' aufs Beste.
+
+ O Tannenbaum, o Tannenbaum,
+ Du kannst mir sehr gefallen,
+ Du bist der allerliebste mir
+ Doch von den Bumen allen.
+
+
+
+
+48. VOGEL AM FENSTER.
+
+ An das Fenster klopft es: pick, pick!
+ "Macht mir doch auf einen Augenblick!
+ Dicht fllt der Schnee, der Wind weht kalt,
+ Habe kein Futter, erfriere bald.
+ Liebe Leute, o lat mich ein,
+ Will auch immer recht artig sein!"
+
+ Sie lieen ihn ein in seiner Not;
+ Er suchte sich manches Krmchen Brot;
+ Blieb frhlich manche Woche da.
+ Doch als die Sonne durchs Fenster sah,
+ Da sa er immer so traurig dort:
+ Sie machten ihm auf, husch, war er fort.
+
+[Illustration]
+
+
+
+
+49. DAS BBLEIN AUF DEM EISE
+
+Es war Winter. Da kam ein Knabe an einem Teiche vorbei. Der Teich war
+zugefroren. Der Knabe hatte groe Lust, auf das Eis zu gehen. Der
+Vater aber hatte es ihm verboten. Das Eis war noch nicht stark genug.
+Der ungehorsame Knabe wagte sich dennoch auf das Eis. Er hackte
+darauf mit seinen Stiefeln. Auf einmal krachte das Eis. Der Knabe
+fiel in das Wasser hinein und schrie laut um Hilfe. Ein Mann eilte
+herbei und zog ihn heraus. Ganz durchnt mute der Knabe nach Hause
+laufen. Die Mutter brachte ihn in das Bett, und dazu wurde er noch
+von seinem Vater bestraft.
+
+
+
+
+50. RTSEL.
+
+Wei wie Kreide,
+Leicht wie Flaum,
+Weich wie Seide,
+Feucht wie Schaum.
+
+Wer baut wohl die billigste Brcke?
+Wer reit sie nieder und schlgt sie in Stcke?
+
+Was mgen das fr Blumen sein,
+Die unsre Fenster zieren,
+Wenn drau' vor Klte Stein und Bein
+Im rauhen Winter frieren?
+Sie sind nicht rot und blau gemalt,
+Wie Blumen auf den Wiesen,
+Und wenn die liebe Sonne scheint,
+In Wasser sie zerflieen.
+
+
+
+
+51. WEIHNACHTSFREUDE.
+
+Am Abend vor Weihnachten kam Else zur Mutter gelaufen und rief:
+"Denke nur, Anna Maurer hat mir heute ins Ohr gesagt, sie htten seit
+gestern kein Holz, kein Brot und keine Milch. Und sie haben doch ein
+kleines Kind, und die Gromutter ist krank. Darf ich der Anna heute
+Abend mein Brot geben?"
+
+"O, gewi," sagte die Mutter, "geh nur gleich hin. Bringe ihnen auch
+diese Kanne voll Milch. Robert soll seinen kleinen Schlitten voll
+Holz laden und es hinfahren." Wie freuten sich die Kinder, da sie
+den armen Leuten helfen durften.
+
+Aber Robert wollte noch mehr tun. Er bat den Vater um ein ganz
+kleines Tannenbumchen. Das schmckte er mit farbigen Sternen und
+Lichtlein. Dann suchte er seine warme Kappe fr Maurers Karl und nahm
+ein Scklein voll Nsse. Else holte eine ihrer Puppen. Alles das
+packten sie in einen Korb.
+
+Als es dunkel war, nahm Robert das Bumchen und Else den Korb. Sie
+gingen hin und stellten die Sachen leise vor Maurers Tr. Dann
+klopften sie und eilten davon.
+
+Wie sich da die armen Leute freuten! Aber auch Robert und Else
+meinten, noch nie so schne Weihnachten gehabt zu haben, wie diesmal.
+
+
+
+
+52. SCHNEESTERNE.
+
+_Olga_: Komm, liebe Mama, komm geschwind! Ich hab' dir etwas
+mitgebracht. Rate, was es ist!
+
+_Mutter_: Nun, was mag das wohl sein! Blumen, Obst oder gar
+Kuchen?
+
+_Olga_: O, nein, nein; ganz etwas anderes. Schne, weie Sterne
+sind es. Sieh her, hier hab' ich sie in meiner Schrze!
+
+_Mutter_: Wo sind sie denn? Ich kann nichts sehen.
+
+_Olga_: Ach, Mama! Sie sind nun fort, und ich habe mich doch so
+gefreut, sie dir zu bringen. Es sind nur noch kleine Tropfen auf
+meiner Schrze. Ich mchte weinen!
+
+_Mutter_: Weine nicht, liebe Olga: Solche Sterne knnen nicht
+bleiben. Die Waren einmal Wasser, und die Klte machte sie zu Schnee.
+Da sehen sie gerade wie kleine, blitzende Sterne aus. Nachher werden
+sie wieder zu Wasser. Menschen, Tiere und Pflanzen trinken das
+Wasser. Nach und nach holt die Sonne auch viele Tropfen hinauf zu den
+Wolken. Ohne Wasser knnten wir gar nicht leben.
+
+[Illustration]
+
+
+
+
+53. BRIEF VOM WEIHNACHTSMANN.
+
+Daheim, am 1. Januar 1913.
+
+Liebe Kinder!
+
+Mein Vetter, der Neujahrsbote, bringt Euch meine Gre und Wnsche.
+Eure Bitten habe ich, wie Ihr wisset, erfllt. Erfreuet Euch nur
+recht an den Geschenken.
+
+Wenn nun heute mein Baum noch einmal strahlt und glitzert, dann nehmt
+Euch vor, auch in diesem Jahre immer lieb und brav zu sein. Ihr knnt
+Euren Eltern und mir keine grere Freude machen. Schreibt mir zur
+rechten Zeit wieder, ob Ihr Wort gehalten habt. Dann schenke ich Euch
+das nchste Mal, was Ihr als gute Kinder verdient.
+
+Euer Freund
+
+Der Weihnachtsmann.
+
+
+
+
+54. ZU NEUJAHR.
+
+ Noch nicht erwachsen bin ich,
+ Drum wnsch' ich kurz, doch innig:
+ Ein glckliches Neujahr!
+
+ Und was euch freut, das wei ich:
+ Wenn brav ich bin und fleiig,
+ Mehr als ich sonst es war.
+
+ Gesundheit, Freude, Frieden
+ Sei allen euch beschieden,
+ Wie heut, so immerdar.
+
+
+
+
+55. VERSTEHST DU DAS?
+
+ Er ritt auf einem Rappen aus,
+ Da kam etwas vom Himmel,
+ Und als er wieder kam nach Haus,
+ Da war der Rapp' ein Schimmel.
+ Verstehst du das?
+
+
+
+
+56. DER SCHNEEMANN.
+
+Es hatte geschneit. Dick lag der Schnee auf Straen und Pltzen. Die
+Knaben wollten sehen, wie tief er wohl sei. Sie wateten hindurch, da
+der Schnee in die Stiefel fiel. "Heute wollen wir einen Schneemann
+bauen!" So riefen Fritz, Karl und Otto. Schnell machten sie einen
+groen Schneeball und wlzten ihn im tiefen Schnee herum. Bald wurde
+der Ball so gro, da ihn die Knaben nicht mehr fortbringen konnten.
+Nun wlzten sie einen neuen Ball heran, den setzten sie auf den
+ersten. Oben darauf kam ein kleiner Ball, das war der Kopf des
+Schneemannes. In den Kopf steckte Fritz zwei Kohlen, das waren die
+Augen. Auch Nase und Mund, ja sogar die Rockknpfe des Mannes wurden
+aus Kohlen gemacht. Nun bekam der Schneemann noch zwei Arme. In den
+einen Arm legten ihm die Knaben einen groen Stock.
+
+Da stand er nun und drohte. Aber der arme Mann konnte nicht schlagen.
+Fortlaufen konnte er auch nicht, als ihn die jungen mit Schneebllen
+warfen. Doch das war noch das Schlimmste nicht! Auf einmal guckte die
+liebe Sonne ber das Dach. Da fing der Schneemann an zu weinen.
+Trnen liefen ihm ber das Gesicht und den weien Pelzrock. Es war
+gut, da die Sonne heute nicht noch lnger schien, sonst wre er ganz
+zu Wasser geworden. Morgen aber oder bermorgen wird's wohl so
+kommen.
+
+[Illustration]
+
+
+
+
+57. MRZ.
+
+Nach vielen trben Tagen sehen wir den blauen Himmel wieder. Manchmal
+scheint auch schon die Sonne freundlich auf die Erde herab. Da mu
+der Winter weichen. Der Schnee fngt an, zu schmelzen, und nur noch
+des Nachts gibt es ein wenig Eis. An schnen Tagen lt sich
+vielleicht ein Vogel hren, und ein fleiiges Bienchen fliegt umher.
+Auf dem Felde und im Wald sieht es aber noch recht de aus. Nur die
+Weiden und Birken haben graue Ktzchen, und an den Zweigen der Ulme
+sind kleine Blten. Die Kinder gehen ins Freie; sie spielen Ball oder
+lassen den Drachen steigen.
+
+
+
+
+58. OSTERGRUSS.
+
+ Das Hschen im Walde eilt hin und her,
+ Nach Eiern ist heute ein groes Begehr.
+ Es borgt bei der Henne, es borgt bei dem Spatz
+ Und sucht fr die Nester den passenden Platz.
+ Ein artiges Kindlein erhlt heut' sein Ei.
+ Es schleppen die Hschen die Eier herbei;
+ Und bist du am Ostermorgen erwacht,
+ Hat Hschen die Nester gefllt ber Nacht.
+
+
+
+
+59. DER OSTERHASE.
+
+Bald ist es Ostern. O, wie freue ich mich, denn es kommt der
+Osterhase! Der bringt schne, bunte Eier. Wir wollen ihm deshalb ein
+Nest zurecht machen. Oft versteckt der Osterhase die Eier. Dann
+mssen wir sie suchen. Zuweilen legt er sie in Hte, Schuhe oder
+Krbe. Auch unter den Schrank hat er sie schon gelegt. Ja, er steckt
+sie uns wohl gar in die Taschen. Welche Freude, wenn wir sie finden!
+Erst zhlen wir sie und spielen damit. Spter essen wir sie; sie
+schmecken gut. In Washington werden am Ostermontage viele Kinder zum
+Prsidenten eingeladen. Sie knnen lange auf dem Rasen bei dem groen
+Hause spielen. Da gibt es dann viele und sehr schne Ostereier. Die
+werden hin und her gerollt und schlielich verzehrt. Ihr mchtet auch
+dabei sein, nicht wahr?
+
+[Illustration]
+
+
+
+
+60. DER OBSTGARTEN.
+
+Neben dem Gemse und den Blumen ist oft ein Platz, auf dem nur Gras
+und Obstbume wachsen, es ist der Obstgarten. Welche Pracht, wenn die
+Bume im Frhlinge blhen! Der Kirschbaum kommt zuerst mit seinen
+weien Blten. Dann ziehen der Birnbaum und der Pflaumenbaum ihr
+weies Kleid an. Am schnsten aber Blhen der Apfelbaum und der
+Pfirsichbaum, die blhen schn rot. Das Obst ist zuerst grn; dann,
+wenn die Sonne recht hei scheint, wird es gelb, rot oder blau. Ah,
+Wie schmecken Kirschen und Pflaumen so gut! Wenn sie nur schon reif
+wren!
+
+
+
+
+61. SPRCHE.
+
+Was Hnschen nicht lernt,
+Lernt Hans nimmermehr.
+
+Gute Sprche, weise Lehren
+Mu man ben, nicht blo hren.
+
+Frage nicht, was and're machen,
+Sieh auf deine eig'nen Sachen.
+
+
+
+
+62. DIE VGEL IM FRHLINGE.
+
+Im Winter sind nur wenige Vgel Bei uns. Wo sind die andern? Sie sind
+fortgezogen nach wrmeren Lndern. Jetzt wird es aber auch hier bei
+uns warm, und die Vgel kehren zurck. Bald werdet ihr sie singen
+hren. Fleiig fliegen sie zum Baume. Sie arbeiten. Im Schnabel
+tragen sie Stroh, Heu, Pferdehaare oder auch kleine Zweige herbei;
+damit bauen sie ihre Nester.
+
+[Illustration]
+
+
+
+
+63. DAS ROTE HHNCHEN.
+
+_Hhnchen_: Hier ist ein Weizenkorn. Wer wird mir helfen, es zu
+pflanzen? Bitte, hilf du mir, Frau Gans.
+
+_Gans_: Es tut mir leid, aber ich kann dir nicht helfen.
+
+_Hhnchen_: Bitte, hilf du mir, Frau Ente.
+
+_Ente_: O, ich kann dir heute nicht helfen. Ich habe so viel mit
+meinen Kindern zu tun.
+
+_Hhnchen_: Nun, dann hilf du mir, alte Katze.
+
+_Katze_: Ich kann dir auch nicht helfen. Ich mu meine Ktzchen
+waschen.
+
+_Hhnchen_: Willst du mir denn nicht helfen, kleines Schwein?
+
+_Schwein_: Ich kann keinen Weizen pflanzen. Ich bin zu mde.
+Pflanz du ihn selber.
+
+_Hhnchen_: Das will ich auch tun! Ich lege dich in die Erde,
+Krnchen, und die Sonne, der Regen und der Wind werden dich wachsen
+lassen.
+
+
+ * * * * *
+
+
+_Hhnchen_: Jetzt ist der Weizen reif. Wer wird ihn nach der
+Mhle fahren? Willst du es tun, Frau Gans?
+
+_Gans_: Es tut mir recht leid, Hhnchen, aber heute kann ich
+nicht nach der Mhle fahren. Ich habe Rckenschmerzen.
+
+_Hhnchen_: Willst du es tun, Frau Ente?
+
+_Ente_: Nein, ich kann auch nicht fort. Ich mu jetzt schwimmen.
+
+_Hhnchen_: So tu du es, alte Katze!
+
+_Katze_: Sch! Sch! Ruhig! Ich laure auf eine Maus. Ich kann
+diesmal nicht gehen.
+
+_Hhnchen_: Bitte, tu du es doch, kleines Schwein.
+
+_Schwein_: Ach was! Es ist gerade Zeit fr mein
+Mittagsschlfchen. Du kannst den Weizen selber zur Mhle fahren.
+
+_Hhnchen_: Das werde ich auch tun.
+
+
+ * * * * *
+
+
+_Hhnchen_: Hier ist Mehl. Wer wird Brot daraus backen? Willst
+du das Brot backen, Frau Gans?
+
+_Gans_: Ei, nein! Ich habe in meinem Leben noch kein Brot
+gebacken.
+
+_Hhnchen_: Willst du das Brot backen, Frau Ente?
+
+_Ente_: Ich! Brot backen? Nein, das kann ich wirklich nicht tun.
+
+_Hhnchen_: Backe du das Brot, alte Katze!
+
+_Katze_: Ich tue alles andere auf der Welt lieber als backen.
+
+_Hhnchen_: Wach auf, kleines Schwein, und back du das Brot.
+
+_Schwein_: Ach! la mich in Ruhe. Ich will dir beim Essen
+helfen, wenn es gebacken ist.
+
+_Hhnchen_: Gut; da backe ich es selbst.
+
+
+ * * * * *
+
+
+_Hhnchen_: So, jetzt ist das Brot gebacken. Sechs schne,
+braune Laibe. Wer will helfen essen?
+
+_Gans, Ente, Katze, Schwein_: Wir wollen dir helfen!
+
+_Hhnchen_: O, nein! Nun brauch' ich euch auch nicht. Ich werde
+es essen, und meine Kchlein sollen mir helfen. Gluck, gluck, gluck!
+
+
+
+
+64. RTSEL.
+
+Rate flink:
+Ein kleines Ding,
+Dnn und spitz;
+Sticht wie der Blitz.
+
+Zwei sind's, die nebeneinander steh'n
+Und alles ganz gut und deutlich seh'n,
+Nur immer eines das andre nicht,
+Und wr' es beim hellsten Tageslicht.
+
+
+
+
+65. DER NASEWEISE BELLO.
+
+In einem Stalle wohnten fnf kleine Hunde mit ihrer Mutter. Alle
+waren schn wei mit braunen Flecken. Sie spielten lustig umher und
+lernten auch von der Mutter Ratten und Muse fangen.
+
+Nur einer der Kleinen wollte nicht folgen. Er wollte auch nicht mit
+seinen Geschwistern spielen, sondern trieb sich lieber drauen herum.
+Einmal war Bello--so hie der kleine--wieder hinausgeschlichen. Bei
+der Tre stand ein Topf voll schwarzer Farbe. Bello wollte gerne
+wissen, was darin wre, und so steckte er seine Nase hinein. Aber, o
+weh! er kam mit dem Kopfe zu Weit hinein und warf den Topf um. Jetzt
+war er ber und ber mit schwarzer Farbe bedeckt. Langsam ging er
+zurck und blieb mit hngendem Kopf auf der Trschwelle sitzen. Seine
+Mutter und seine Geschwister schmten sich des schmutzigen,
+naseweisen Bello.
+
+
+
+66. HEIL, AMERIKA!
+
+ Hoch die Fahnen,
+ Sie gemahnen
+ An das teure Vaterland.
+ Rot und wei die Streifen winken,
+ Licht im Blau die Sterne blinken,
+ Sind der Freiheit Unterpfand.
+
+ Freudig singen
+ Wir und bringen
+ Gre viel von fern und nah.
+ Wo die Flaggen munter wehen,
+ Stolz wir, sie beschtzend, stehen,
+ Deiner wert, Amerika!
+
+[Illustration]
+
+
+
+
+67. PETERSILIE.
+
+Es waren einmal zwei Kinder, ein Knabe und ein Mdchen. Das Mdchen
+hie Silie, der Knabe Peter. Die Kinder konnten sich gar nicht
+miteinander vertragen. Sobald sie zusammenkamen, stritten sie und
+schlugen einander. Dies machte den Eltern viel Kummer. Das rgerte
+den Paten der Kinder, der ein Zauberer war. Er sprach zu den beiden:
+"Hre ich euch wieder zanken, so lasse ich euch zur Strafe
+zusammenwachsen."
+
+Es dauerte gar nicht lange, so war wieder Streit; Silie schlug den
+Peter, und Peter schlug Silie. Da kam der Zauberer durch die Luft
+gefahren und rhrte beide mit seinem Stabe an. Nun waren sie
+verwandelt. Peter wuchs in die Erde hinein als Wurzel, und oben auf
+ihm Silie als grnes Kraut. Der Zauberer nannte sie nun zusammen:
+Petersilie.
+
+
+
+68. DAS KIND UND SEIN BLMCHEN.
+
+ Ward ein Blmchen mir geschenket,
+ Hab's gepflanzt und hab's getrnket.
+ Vgel, kommt und gebet acht!
+ Gelt, ich hab' es recht gemacht?
+
+ Sonne, la mein Blmchen sprieen!
+ Wolke, komm es zu begieen!
+ Richt' empor dein Angesicht,
+ Liebes Blmchen, frcht' dich nicht!
+
+ Und ich kann es kaum erwarten,
+ Tglich geh' ich in den Garten,
+ Tglich frag' ich: Blmchen, sprich,
+ Blmchen, bist du bs auf mich?
+
+ Sonne lie mein Blmchen sprieen,
+ Wolke kam, es zu begieen;
+ Jedes hat sich brav bemht,
+ Und mein liebes Blmchen blht.
+
+
+ Wie's vor lauter Freuden weinet,
+ Freut sich, da die Sonne scheinet;
+ Schmetterlinge, fliegt herbei,
+ Sagt ihm doch, wie schn es sei!
+
+[Illustration]
+
+
+
+
+69. NACHLSSIGKEIT.
+
+Eine fleiige Mutter baute in ihrem Garten Gemse aller Art. Eines
+Tages sagte sie zu ihrer kleinen Tochter: "Lieschen, sieh da an der
+untern Seite des Kohlblattes die kleinen, netten, gelben Tpfelchen!
+Das sind die Eier, aus denen die schnfarbigen, aber verderblichen
+Raupen kommen. Suche diesen Nachmittag alle Bltter ab und zerdrcke
+die Eier, so wird unser Kohl grn und unversehrt bleiben."
+
+Lieschen meinte, zu dieser Arbeit sei es immer noch Zeit, und dachte
+am Ende gar nicht mehr daran. Die Mutter war einige Wochen krank und
+kam nicht in den Garten. Als sie aber wieder gesund war, nahm sie das
+saumselige Mdchen bei der Hand und fhrte es zu den Kohlbeeten, und
+siehe! aller Kohl war von den Raupen abgefressen. Man sah nichts mehr
+als die Stengel und Gerippe der Bltter. Das erschrockene und
+beschmte Mdchen weinte ber seine Nachlssigkeit. Die Mutter aber
+sprach: "Tu' knftig das, was heute geschehen kann, sogleich heute
+und verschiebe es niemals auf morgen!"
+
+
+
+
+70. EIN RTSEL.
+
+Ratet, ratet, was ist das:
+Es ist kein Fuchs und ist kein Has'.
+Es hat zwei Augen und kann nicht sehen.
+Es hat zwei Fe und kann nicht gehen.
+Es hat zwei Ohren und kann nicht hren.
+Es hat zwei Hnde und kann sich nicht wehren.
+
+Es ist ein Mdchen hbsch und fein,
+Tut niemals zanken und niemals schrei'n.
+
+Was fr ein Mdchen mag das sein?
+
+[Illustration]
+
+
+
+
+71. WAS WRDEST DU TUN?
+
+"Wenn ich ein Knig wre," sagte ein Kind, "liee ich mir ein Schlo
+bauen bis an die Wolken!"
+
+"Und ich," sagte ein anderes, "trge nur Kleider von Silber und
+Gold!"
+
+"Und ich," rief ein dicker Bube, "ich e nur Kuchen und Wurst!"
+
+"Ich," sagte ein kleines Mdchen und wurde ein wenig rot, "ich gbe
+allen armen Kindern Geld, da sie sich Brot und Kleider kaufen
+knnten!"
+
+
+
+
+72. WAS WOLLEN WIR SPIELEN?
+
+_Ella_: In fnf Minuten ist Essenszeit,
+ Noch schnell was zu spielen, das wre gescheit!
+
+_Toni_: Ei! Jede holt ihre Puppe heraus,
+ Wir tragen sie etwas spazieren ums Haus.
+
+_Ella_: Das Puppenholen hlt aber doch auf!
+ Komm, spielen wir haschen; ich fange dich, lauf!
+
+_Toni_: Beim Haschen kommt man ja gar nicht zur Ruh'.
+ Ach! spielen wir lieber Blindekuh!
+
+_Ella_: Bei Blindekuh komme ich immer zu Fall.
+ Topp! Weit du was, spielen wir Fangeball!
+
+_Toni_: Ach was, das Ballspiel machte mir niemals Spa;
+ Reifentreiben, das wre noch was!
+
+_Ella_: Die Reifen, die sind auch drinnen im Haus.
+ Was meinst du, wir suchen Mama einen Strau!
+
+_Toni_: Wir drfen ja nicht auf dem Rasen springen.
+ So la uns lieber ein Liedchen singen!
+
+_Ella_: Ich habe den Husten, fllt eben mir ein!
+
+_Toni_: Na, gut! So spiele ich fr mich allein!
+
+_Ella_: Ganz alleine? O, das wre nicht schlecht:
+ Dir ist ja auch nimmer ein Vorschlag recht!
+
+
+_Toni_: Was spiele ich nun?--Die Zeit geht vorbei--
+ Zum Wettelaufen gehren doch zwei!
+
+_Ella_: Mir ist nicht sehr zum Spielen zu Mut--
+ Alleine tanzen geht auch nicht gut!
+
+_Toni_: Mama ruft zum Essen! Wir mssen ins Haus!
+ Ach, Ella, nun ist mit dem Spielen es aus!
+
+_Ella_: Wie ist die Zeit nur so hingegangen!
+ Wir haben ja nicht einmal angefangen!
+
+_Toni_: Ja! weit du, das berlegen und Streiten!
+ Es war doch wirklich recht dumm von uns beiden!
+
+_Ella_: Wir haben recht kindisch uns angestellt!
+
+_Toni_: Nach Tische spielen wir--
+
+_Ella_: Was dir gefllt!
+
+
+
+
+73. DIE SCHLAUE KATZE.
+
+Die Nachbarin hatte einen zahmen Zeisig, den sie oft aus dem Kfig
+lie. Dann hpfte das Tierchen in der Stube umher und suchte Krumen
+am Boden. Die alte Katze war immer sehr freundlich mit dem Vgelchen.
+Vor einigen Tagen aber erfate sie pltzlich den Zeisig, nahm ihn ins
+Maul und sprang mit ihm auf den Tisch.
+
+Die Nachbarin erschrak und glaubte, die Katze wolle ihr liebes
+Vgelein auffressen. Da sah sie jedoch, da die Stubentre offen war
+und eine fremde Katze sich ins Zimmer geschlichen hatte. Schnell
+jagte sie diese hinaus, und sieh, die alte Hauskatze sprang sogleich
+vom Tische herab und lie den Zeisig auf den Boden fallen, ohne ihm
+etwas zuleide getan zu haben. Hat die alte Katze nicht klug
+gehandelt?
+
+
+
+
+74. KANNST DU ES SAGEN?
+
+ Es saen zehn Sperlinge auf dem Dach;
+ Da kam der Jger und scho danach;
+ Er traf davon nur vier.
+ Wie viel bleiben sitzen?
+ Das sage mir.
+
+
+
+
+75. DER SPERLING
+
+ Ich bin wohl ein gemeiner Wicht,
+ Das Singen, das versteh' ich nicht,
+ In schnen Kleidern geh' ich nicht;
+ Es sieht mich auch der Mann kaum an;
+ Nur bse Buben dann und wann,
+ Die werfen mich mit Steinen;
+ Und dennoch will mir's scheinen,
+ Als sei so schn die ganze Welt,
+ So blau die Luft, so grn das Feld--
+ Zip, zip, zip! Ich hab' die Welt so lieb!
+
+
+
+
+76. DAS PFERD UND DER ESEL.
+
+Einst schleppte ein Esel eine schwere Last. Neben ihm ging ein
+lediges Pferd. Der Esel bat das Pferd, es mge ihm doch helfen;
+allein es hrte nicht auf seine Bitte. Zuletzt konnte der Esel nicht
+mehr weiter; er fiel zu Boden und starb.
+
+Nun lud der Treiber die ganze Last dem Pferde auf. Er zog dem toten
+Tiere die Haut ab, und das Pferd mute dieselbe noch obendrein
+tragen. Hilf deinem Nchsten in der Not.
+
+
+
+
+77. DER KLUGE STAR.
+
+Ein durstiger Star wollte aus einer Wasserflasche trinken. Er konnte
+aber das Wasser mit seinem kurzen Schnabel nicht erreichen. Da hackte
+er damit aufs dicke Glas; doch er vermochte nicht, es zu zerbrechen.
+Dann stemmte er sich gegen die Flasche und wollte sie umwerfen. Aber
+dazu war er nicht stark genug.
+
+Was tat der kluge Star zuletzt? Er las kleine Steinchen mit seinem
+Schnabel zusammen und warf eines nach dem andern in die Flasche.
+Dadurch stieg das Wasser endlich so hoch, da er es erreichen konnte.
+Jetzt lschte er seinen Durst.
+
+[Illustration]
+
+
+
+
+78. DER APFELBAUM.
+
+ Der Apfelbaum, das ist ein Mann!
+ Kein andrer gibt so gern wie der.
+ Im Winter, wenn man schttelt dran,
+ Da gibt er Schnee die Flle her.
+ Im Frhling wirft er Blten nieder.
+ Im Sommer herbergt er die Finken.
+ Jetzt streckt er seine Zweige nieder,
+ Die voller Frucht zur Erde sinken.
+ Drum kommt und schttelt, was ihr knnt!
+ Ich wei gewi, da er's euch gnnt.
+
+[Illustration]
+
+
+
+
+79. DER HASE UND DER FUCHS.
+
+Ein Hase und ein Fuchs machten im Winter eine Reise. Alles war mit
+Schnee bedeckt. Der Hunger plagte sie sehr. Da sahen sie ein Mdchen
+mit einem Korbe kommen, darin war Brot. Das merkte der Fuchs und
+sagte zu dem Hasen: "Lege dich wie tot auf den Boden, dann wird das
+Mdchen den Korb niederstellen, um dich aufzuheben. Ich nehme den
+Korb weg und mache mich schnell davon. Du eilst mir nach, und dann
+lassen wir es uns wohl sein." Das war dem Hasen recht.
+
+Der Fuchs verbarg sich hinter einem Haufen Schnee, und der Hase legte
+sich nieder. Das Mdchen stellte den Korb richtig hin und griff nach
+dem Hasen. Da schlich der Fuchs hervor und machte sich mit dem Korb
+so schnell davon, da das Mdchen ihm nicht nachkam. Unser Hase aber
+eilte ihm in groen Stzen nach. An einem Wasser hielten sie still.
+Weil aber der Fuchs nicht teilen wollte, so sagte der Hase: "Brot
+haben wir, jetzt sollten wir auch noch Fische haben. Dann htten wir
+ein Essen wie die groen Herren. Stecke deinen Schwanz ins Wasser, so
+werden sich die Fische daran hngen, denn die haben jetzt auch nicht
+viel zu beien."
+
+Der Fuchs ging an den Weiher hin und hing seinen Schwanz in das
+Wasser. Es dauerte aber nicht lange, so war er im Eise festgefroren.
+Der Fuchs konnte ziehen und zappeln, wie er wollte--das Eis lie ihn
+nicht los. Er mute nun zusehen, wie der Hase ein Brot nach dem
+andern verzehrte. Dann rief der listige Hase dem Fuchs zu: "Im
+Frhjahr sehen wir uns wieder. La dir die Zeit nicht zu lang werden,
+bis das Eis auftaut."
+
+
+
+
+80. SPRCHE.
+
+Wer andern eine Grube grbt,
+Fllt selbst hinein.
+
+Wer redet, was er nicht sollte,
+Mu hren, was er nicht wollte.
+
+Kein besseres Kissen in Freude und Schmerz,
+Als gutes Gewissen und frhliches Herz.
+
+
+
+
+81. DER HASE UND DIE SCHILDKRTE.
+
+Ein flinker Hase forderte einst die langsame Schildkrte zum Wettlauf
+auf. Sie willigte ein, und eine groe Eiche im Walde sollte das Ziel
+sein.
+
+Mit den ersten Sonnenstrahlen machte sich die Schildkrte auf den
+Weg, der Hase aber hatte keine groe Eile. Er spielte lange im Grase
+umher, ehe er ans Laufen dachte. Endlich sprang er fort und holte die
+Schildkrte wirklich ein. Da er jedoch sah, wie mhsam sie vorwrts
+kroch, legte er sich im Schatten eines Baumes nieder und schlief fest
+ein.
+
+Als er erwachte, war es schon lange nach Mittag. Da rannte er, so
+rasch er konnte, den Weg entlang. Aber, siehe da, als er die Eiche
+erblickte, sa die Schildkrte schon darunter und lachte den Hasen,
+der seine Zeit verspielt und verschlafen hatte, tchtig aus.
+
+[Illustration]
+
+
+
+
+82. HASENBRATEN.
+
+ Auf dem Dach viel blanke Zapfen,
+ Zu dem Schnee viel kleine Tapfen,
+ Alle laufen nach dem Kohl!
+ Hschen, das gefllt dir wohl?
+
+ Nchtlich, bei des Mondes Schimmer,
+ Sitzt es dort zu schmausen immer;
+ Knusperknuschen, gar nicht faul:
+ Ei, du kleines Leckermaul!
+
+ Hschen ist es schlecht bekommen;
+ Vater hat's Gewehr genommen;
+ Eines Abends ging es: bumm!
+ Bautz! da fiel das Hschen um.
+
+ Kannst du wohl das Ende raten?
+ Heute gibt es Hasenbraten,
+ Apfelmus mit Zimt dazu.
+ Ach, du armes Hschen du!
+
+[Illustration]
+
+
+
+
+83. DER SCHEIN TRGT.
+
+Bei einem Teiche wohnten viele Gnse. In der Nhe hatte auch ein
+Fuchs seinen Bau. Gar oft versuchte er, sich eine Gans oder ein
+Gnsekchlein zu fangen. Daher frchteten sich diese sehr vor dem
+braunen Gesellen. Einst war der Fuchs sehr hungrig. "Heute mu ich
+mir einen fetten Braten holen!" sagte er zu sich selber.
+
+Er streckte sich, so lang er war, im Grase aus und rhrte kein Glied.
+Als die Gnse den Ruber so liegen sahen, kamen sie nher und erhoben
+ein freudiges Geschnatter. "Jetzt werden wir Ruhe haben!" sprachen
+sie. "Unser Feind ist nicht mehr am Leben!"
+
+Schnell sprang der Fuchs auf, erwischte den Gnserich beim Flgel und
+trug ihn in seine Hhle.
+
+[Illustration]
+
+
+
+
+84. DER FROSCH.
+
+_Berta_: Geschwind, geschwind, Mama!
+
+_Mutter_: Was fehlt dir? Wer hat dir etwas zuleide getan?
+
+_Berta_: Sieh nur, was mir unser Spitz in den Scho fallen lie!
+
+_Mutter_: Einen kleinen Frosch! Und deshalb bist du so
+erschrocken? Rasch, nimm den kleinen Burschen und setze ihn in das
+Gemsebeet!
+
+_Berta_: Tragen soll ich das hliche Tier? Ich wrde es um
+alles in der Welt nicht in die Hand nehmen!
+
+_Mutter_: Nun, dann mu ich es tun! Schau, wie ich jetzt das
+Tierchen anfasse und es ins Beet hpfen lasse. Hopp, da sitzt es
+schon drinnen.
+
+_Berta_: O, Mama, was tust du? Warum hast du den Frosch nicht
+gettet?
+
+_Mutter_: Weil er ein sehr ntzliches Tier ist. Freust du dich
+nicht, wenn es im Garten die zarten Rbchen und die sen Erbsen
+gibt, die Papa jedes Frhjahr pflanzt?
+
+_Berta_: Gewi, Mama! Ich esse beides sehr gerne; aber was hat
+das mit dem Frosch zu tun?
+
+_Mutter_: Hre nur, du wirst es gleich erfahren. Den Raupen und
+Kfern schmecken diese Gemse auch gut, gerade wie dir. Im Frhlinge
+stellen sich diese Insekten ein und fressen die Blttchen ab, so da
+die Pflnzchen sterben mten, wenn der Frosch nicht zur Hand wre.
+Der glatte Bursche hpft dann durch den Garten, fngt die Raupen,
+Fliegen und Kfer, und die Pflnzchen wachsen wieder. Soll ich den
+Frosch zum Dank dafr tten, Berta?
+
+_Berta_: Nein, liebe Mama; und wenn ich wieder sehe, da ein
+Knabe einen Frosch qult, will ich ihm sagen, was ich heute von dir
+gelernt habe.
+
+[Illustration]
+
+
+
+
+85. VOM LISTIGEN GRASMCKLEIN EIN LUSTIGES STCKLEIN.
+
+ Klaus ist in den Wald gegangen,
+ Weil er will die Vglein fangen;
+ Auf den Busch ist er gestiegen,
+ Weil er will die Vglein kriegen.
+ Doch im Nestchen sitzt das alte
+ Vgelein just vor der Spalte,
+ Schaut und zwitschert: "Ei, der Taus!
+ Kinderlein, es kommt der Klaus,
+ Hu, mit einem groen Prgel,
+ Kinderlein, wohl auf die Flgel!"
+ Brr, da flattert's: husch, husch, husch!
+ Leer das Nest, und leer der Busch.
+ Und die Vglein lachen Klaus
+ Mit dem groen Prgel aus,
+ Da er wieder heimgegangen
+ Zornig, weil er nichts gefangen;
+ Da er wieder heimgestiegen,
+ Weil er konnt' kein Vglein kriegen.
+
+
+
+
+86. EIN TRICHTER STREIT.
+
+Zwei Knaben, Albert und Paul, suchten im Walde Nsse. Da bemerkte
+Paul eine groe Walnu unter einem Baume und rief seinem Kameraden
+zu: "O, sieh dort vor dir die Walnu!" Albert hob sie schnell auf und
+steckte sie in seine Tasche. Damit war aber Paul nicht zufrieden; er
+sagte: "Die Nu gehrt mir, ich habe sie zuerst gesehen!" "Und ich
+habe sie aufgehoben," erwiderte Albert trotzig; "ich gebe sie nicht
+her!" So stritten sie heftig, und schon wollten die trichten Knaben
+einander schlagen, als Georg, ein lterer Junge, herbeikam, der im
+Walde Eichhrnchen scho. Albert und Paul baten den groen Knaben, er
+solle entscheiden, wem die Nu gehre. Was tat Georg? Er zerbrach die
+Nu mit einem Steine und gab jedem der beiden Streitenden ein Stck
+von der Schale. "Den Kern," sprach er, "behalte ich als Lohn dafr,
+da ich euer Richter war!" Dann ging er lachend fort.
+
+[Illustration]
+
+
+
+
+87. HERR WIND! HERR WIND!
+
+ Ein Bauer hat ein Haus gehabt,
+ Und auf dem Haus ein Dach.
+ Zur Nachtzeit kam der Wind getrabt,
+ Da ward der Bauer wach.
+ Wie's heulte, krachte, klirrte, klang!
+ Der arme Bauer flehte bang:
+ "Ich bitt' dich, lass' dein Toben,
+ Und lass' mein Dach dort oben,
+ Herr Wind! Herr Wind!"
+
+ Des Daches Luken schlossen gut
+ Der Bauer und sein Knecht.
+ Da ward der Wind voll Trotz und Wut
+ Und kreischte: "Nun erst recht!"
+ Herr Wind! Herr Wind! du bser Wind,
+ Du bist wie manche Kinder sind,
+ Die das just haben wollen,
+ Was sie nicht haben sollen.
+ Herr Wind! Herr Wind!
+
+ Mit Druen drngt der Wind und drckt
+ Mit Groll und grausem Krach;
+ Er zieht und zerrt und rttelt, rckt
+ Und reit vom Haus das Dach.
+ Zerstrt ist herzlos Heim und Haus;
+ Der Bauer sieht so traurig aus,
+ Sein Weib und seine Kleinen,
+ Sie stehen da und weinen.
+ Herr Wind! Herr Wind!
+
+ Hast du's gehrt, mein liebes Kind?
+ Sei freundlich, friedlich, froh!
+ Denn wrdest du ein solcher Wind,
+ Dann sprch' man von dir so:
+ Du bist nicht gut, du tust nicht gut,
+ Du bist ein wild und trotzig Blut,
+ Das stets gern haben wollte,
+ Was es nicht haben sollte!----
+ Herr Wind! Herr Wind!
+
+[Illustration]
+
+
+
+
+88. DAS FNKCHEN.
+
+Das Kind hatte mit dem Fnkchen gespielt, obgleich seine Mutter es
+schon oft verboten hatte. Da war das Fnkchen fortgeflogen und hatte
+sich ins Stroh versteckt. Das Stroh fing an zu brennen, und es
+entstand eine Flamme, ehe das Kind daran dachte. Da wurde es dem
+Kinde bange, und es lief fort, ohne jemandem etwas von der Flamme zu
+sagen. Und da niemand Wasser darauf schttete, ging die Flamme nicht
+aus, sondern breitete sich im ganzen Hause aus. Als sie an die
+Fenstervorhnge kam, wurde sie noch grer, und das Bett, worin die
+Leute nachts schliefen, brannte hell auf, und die Tische und die
+Sthle und die Schrnke und alles, was der Vater und die Mutter
+hatten, das wurde vom Feuer erfat, und die Flamme wurde so hoch wie
+der Kirchturm. Da schrieen die Leute vor Schrecken, die Glocken
+luteten; es war frchterlich zu hren, und die Flamme war
+schrecklich zu sehen. Nun fing man an zu lschen, indem man Wasser in
+das Feuer schttete und spritzte; aber es half nichts; das Haus
+brannte ganz ab, und nur noch ein wenig Kohlen und ein bichen Asche
+blieben brig. Da hatten nun die Eltern des Kindes kein Haus mehr und
+kein Pltzchen, wo sie wohnen und wo sie schlafen konnten, und auch
+kein Geld, um sich ein neues Haus und neue Betten und Tische und
+Sthle zu kaufen. Ach, wie weinten die armen Eltern! Und das Kind,
+das mit dem Fnkchen gespielt hatte, war schuld daran.
+
+
+
+
+89. RTSEL.
+
+Kennt ihr die Blume, in guter Ruh'
+Dreht sie sich immer der Sonne zu;
+Sie hat viel Samenkrner schn,
+Wie Strahlen ihre Blttchen stehn.
+
+Erst wei wie Schnee,
+Dann grn wie Klee,
+Drauf rot wie Blut,
+Dann schmeckt es gut.
+
+
+
+
+90. DAS GNSEBLMCHEN.
+
+[Illustration]
+
+Die Rose feierte einmal ihren Geburtstag. Sie stand mitten im Garten,
+und alle Blumen kamen zu ihr, um ihr Glck zu wnschen. Zuerst kamen
+die stolze Lilie und die prchtige Tulpe, hernach kamen die kleinen
+Blumen. Alle neigten sich vor der Rose und sagten: "Wir wnschen dir
+Glck, liebe Rose."
+
+[Illustration]
+
+Aber ein kleines, weies Blmchen getraute sich nicht, nahe an die
+Rose heranzutreten, weil es so schchtern und bescheiden war. Es
+blieb von ferne stehen und flsterte nur: "Ich wnsche dir auch
+Glck, liebe Rose!" Die Rose hatte das Blmchen aber gesehen und
+winkte ihm, nher heranzutreten. "Komm doch nher, liebe kleine
+Schwester," sagte die Rose gtig. Als nun das Blmchen nher
+herangetreten war, fragte die Rose: "Wie heit du denn, liebe
+Kleine?" Da sprach es ganz leise: "Ich heie Gnseblmchen."
+
+[Illustration]
+
+"Aber, liebes Gnseblmchen," sagte die Rose freundlich, "du bist ja
+tausendmal schner als alle andern Blumen. Du sollst jetzt nicht mehr
+Gnseblmchen, sondern Tausendschn heien, weil du tausendmal
+schner bist als alle." Darber freute sich das gute Gnseblmchen so
+sehr, da es ber und ber rot ward, und seit der Zeit haben alle
+Gnseblmchen--rote Ohrlppchen.
+
+[Illustration]
+
+
+
+
+91. DIE GRNE STADT.
+
+ Ich wei euch eine schne Stadt,
+ Die lauter grne Huser hat.
+ Die Huser, die sind gro und klein,
+ Und wer nur will, der darf hinein.
+
+ Die Straen, die sind freilich krumm,
+ Sie fhren hier und dort herum;
+ Doch stets gerade fort zu gehn,
+ Wer findet das wohl allzuschn!
+
+ Die Wege, die sind weit und breit
+ Mit bunten Blumen berstreut.
+ Das Pflaster, das ist sanft und weich,
+ Und seine Farb' den Husern gleich.
+
+ Es wohnen viele Leute dort,
+ Und alle lieben ihren Ort.
+ Ganz deutlich sieht man dies daraus,
+ Da jeder singt in seinem Haus.
+
+ Die Leute, die sind alle klein,
+ Denn es sind lauter Vgelein;
+ Und meine ganze grne Stadt
+ Ist, was den Namen "Wald" sonst hat.
+
+
+
+
+92. DEUTSCHLAND.
+
+[Illustration]
+
+Weit weg von hier liegt Deutschland. Das ist ein schnes Stck Erde.
+Zu Deutschland gehren Preuen, Sachsen, Bayern, Baden und andere
+kleinere oder grere Staaten. Dort gibt es breite und tiefe Flsse.
+Der Rhein, die Elbe und die Donau sind am bekanntesten. Daneben
+finden sich weite Ebenen, hohe Berge und dichte Wlder. Auch fehlt es
+nicht an Stdten, in denen viele fleiige Leute leben. Berlin,
+Mnchen, Kln, Dresden, Frankfurt und manche andere sind
+bemerkenswert. berall hat man prchtige Wohnhuser, reiche Kirchen
+und herrliche ffentliche Gebude. Alles wird sehr sauber und
+ordentlich gehalten. Von Hamburg und Bremen aus fahren mchtige
+Dampfschiffe und Segler nach allen Gegenden der Welt. Deutschland
+besitzt auch zahlreiche groe Fabriken. Die Felder werden auf das
+Beste bestellt. Die deutsche Fahne ist schwarz, wei und rot
+gestreift. An der Spitze des Reiches steht der deutsche Kaiser.
+
+
+
+
+93. SONNENSCHEIN.
+
+ Sonnenschein,
+ Klar und rein,
+ Leuchtest in die Welt hinein;
+ Machst so hell, so warm und schn
+ In den Tlern, auf den Hh'n,
+ Die du alle berstrahlst
+ Und so hold und lieblich malst.
+
+ Sonnenschein,
+ Klar und rein,
+ Kehre auch ins Herz mir ein!
+ Wenn ich habe heitern Sinn,
+ Gut und froh und freundlich bin,
+ Dann ist's in dem Herzen mein
+ Wunderbarer Sonnenschein.
+
+
+
+
+94. DIE KNIGIN LUISE.
+
+Vor hundert Jahren lebte in Preuen eine Knigin, namens Luise. Sie
+war jung und schn, aber auch ebenso gut. Ein jeder liebte sie. Schon
+als kleines Kind hatte sie ihre Mutter verloren und wurde von ihrer
+Gromutter einfach erzogen. So war sie zu einer echten, deutschen
+Jungfrau herangewachsen, als der Kronprinz und sptere Knig von
+Preuen, Friedrich Wilhelm, sie kennen lernte. Bald darauf wurde sie
+seine Frau. Eine groe Freude hatte sie an ihren Kindern, zwei
+Knaben, mit denen sie gerne lernte und spielte. Aber da gab es einen
+schrecklichen Krieg mit dem Kaiser von Frankreich, Napoleon. Die
+Feinde waren strker als die Preuen und besiegten sie. Das tat dem
+Knige und der guten Knigin sehr weh. Es kam so weit, da sie ihr
+Schlo in Berlin verlassen muten. Als die knigliche Familie endlich
+wieder zurckkehren konnte, herrschte groer Jubel. Die Freude sollte
+aber nicht lange dauern, denn bald darauf wurde die edle Knigin
+schwer krank und erholte sich nicht mehr. Als sie starb, war die
+Trauer allgemein. Noch heute ist die Knigin Luise unvergessen.
+
+[Illustration]
+
+
+
+
+95. DAS GOLDENE SCHLOSS.
+
+"Willst du eine Prinzessin sein?" So fragte ein Knabe seine kleine
+Schwester. Die lachte ihn aus. Er sagte aber: "Ja, ich kann ein Knig
+und du kannst eine Prinzessin werden. Du bekommst ein schnes, neues
+Kleid und einen silbernen Thron. Ich bekomme einen roten Mantel, eine
+goldene Krone und einen goldenen Thron." Die Schwester glaubte das
+nicht und sagte: "Unsere Eltern sind ja so arm." Der Knabe erzhlte
+dann: "Letzte Nacht im Traume kam ein kleiner Mann zu mir. Er fragte
+mich: 'Willst du ein Knig sein und in einem goldenen Schlosse
+wohnen?' Ich sagte, ja. Da sprach der Kleine: 'Komm in den Wald mit
+deiner Schwester, wenn der Mond scheint. Bei der groen Tanne warte
+auf mich. Aber spter im goldenen Schlosse darf keine Trne auf den
+Boden fallen. Wenn eine Trne auf den Boden fllt, mt ihr wieder
+heim.'" Jetzt glaubte die Schwester, was der Bruder sagte. Sie wollte
+gerne mit ihm gehen.
+
+Am Abend schien der Mond sehr hell. Da gingen Bruder und Schwester
+hin zu der groen Tanne im Walde. Das Mnnlein war noch nicht da. Die
+Kinder setzten sich ins Moos, um zu warten. Sie waren mde und
+schliefen bald ein. Auf einmal wachten sie auf. Verwundert schauten
+sie um sich. Sie hatten schne neue Kleider an. Der Bruder hatte
+einen roten Mantel und trug eine goldene Krone. Die Schwester hatte
+ein himmelblaues Kleid mit silbernen Sternen. Auf ihren Haaren war
+ein Kranz von Diamanten. Der kleine Mann kam und rief: "Willkommen,
+willkommen!" Dann kamen noch viele kleine Mnnlein mit einem goldenen
+und einem silbernen Wagen. Der Bruder mute sich in den goldenen
+Wagen und die Schwester in den silbernen Wagen setzen. Die Mnnlein
+zogen die Wagen und fuhren durch den Wald an einen Berg. Im Berge war
+eine groe, hohe Halle, und darin stand ein goldenes Schlo. Die
+kleinen Mnner fhrten die Geschwister in dieses Schlo. Dann holten
+sie einen goldenen und einen silbernen Thron. Der goldene Thron war
+fr den Bruder und der silberne fr die Schwester. Die kleinen Mnner
+stellten sich vor sie hin und riefen: "Hoch lebe unser Knig und auch
+die Prinzessin!" Dann gab es zu essen, lauter gute Sachen.
+
+Nach dem Essen wollten die Kinder schlafen, denn es war schon spt.
+Im Schlafzimmer standen zwei Betten, ein goldenes und ein silbernes.
+Der Knig legte sich in das goldene, die Prinzessin in das silberne
+Bett. Da fragte der Bruder: "Schwesterchen, wie gefllt dir das
+goldene Schlo?" Sie antwortete: "Schn ist es schon hier; wenn nur
+der Vater und die Mutter auch hier wren!" Der Bruder sagte: "Das
+mchte ich auch haben. Was werden die Eltern jetzt machen?" Die
+Schwester meinte: "Sie werden uns suchen und weinen, weil sie uns
+nicht finden knnen." "Ja," war des Bruders Antwort, "sie werden
+denken, der Wolf habe uns gefressen." Das konnte die Schwester nicht
+anhren. Sie fing an zu weinen. Da warnte der Bruder: "Nicht weinen,
+sonst fallen deine Trnen auf den Boden!" "Nein," sagte die
+Schwester, "ich hab' sie mit der Hand aufgefangen. Aber ich mu
+weinen." Nun wurde auch der Bruder ganz traurig. Auch er weinte
+einige Trnen. Doch die Trnen fielen in das Bett. Die Schwester
+fragte: "Wie lange willst du noch Knig bleiben? Ich will nicht mehr
+Prinzessin sein. Ich will heim!" Der Bruder sagte: "Ja, zu Hause bei
+Vater und Mutter ist es doch schner!" Da lieen sie beide groe
+Trnen auf den Boden fallen. Es donnerte, und die Kinder fielen aus
+den Betten.
+
+Nun kamen die kleinen Mnner wieder. Sie waren sehr traurig und
+brachten die Geschwister zurck zu der groen Tanne im Wald. Da
+schliefen Bruder und Schwester bald ein. Als sie die Augen ffneten,
+war es heller Tag, aber der rote Mantel und das himmelblaue Kleid
+Waren verschwunden.
+
+Da kamen auch schon die Eltern. Die freuten sich sehr, ihre Kinder
+wieder zu haben. Die Geschwister waren ebenso froh und versprachen,
+nie mehr fortgehen zu wollen.
+
+
+
+
+96. DIE KLEINEN MSSIGGNGER.
+
+Drei Kinder sollten nach der Schule gehen, aber sie sprachen: "Was
+kann das Lernen helfen! Lat uns in den Wald laufen; da spielen die
+Tierlein, und wir wollen mit ihnen spielen."
+
+Als die Kinder nun im Walde waren, luden sie zuerst die Kfer zu
+ihrem Spiele ein. Da summten die Kfer um die Kpfe der Kinder, und
+der eine sprach: "Ich habe keine Zeit, ich mu Holz sgen!" Der
+andere sprach: "Ich mu ein Loch graben!" Noch andere riefen: "Wir
+mssen uns ein Httlein aus Gras bauen!"
+
+Nun kamen die Kinder an einen Ameisenhaufen. Hier lief eine ganze
+Menge von Ameisen aus und ein. Jedes dieser winzigen Tierchen hatte
+etwas in seine Wohnung zu tragen; und wo es dem einen zu schwer ward,
+sprach es zum andern: "Komm', hilf mir!"
+
+Die Kinder schlichen vorbei und fanden Bienlein auf den Blumen. Die
+waren so eilig und mochten gar nicht zu den Kindern aufsehen. Sie
+sammelten Honig und Bltenstaub und flogen dann flink davon.
+
+Da hrten die Kinder einen Vogel singen. Es war ein Fink. "Du kannst
+so schn singen," riefen sie, "und hast auch gewi Lust, mit uns zu
+spielen." Allein der Fink sagte: "Pink, pink! Flink, flink! Ich mu
+Mcken fangen fr meine Jungen und dann die Kleinen in den Schlaf
+singen. Auch mu ich mich fleiig im Singen ben, damit ich dem
+Wanderer schne Lieder vorsingen kann." Und fort war er.
+
+Auf einmal rasselte es im Busche. Die Kinder erschraken. Eins sagte:
+"Wenn nur ein Eichhrnchen kme und mit uns spielte!" Da lief auch
+schon eines aus dem Busche und kletterte auf einen Baum. Es kicherte
+und rief: "Ich suche Knospen und Nsse!" Die Kinder baten: "Komm' und
+bring' uns auch schne Nsse!" Aber das Tierchen zischte und knurrte
+nur.
+
+Bald darauf hrten sie ein Bchlein pltschern, und nun riefen sie
+frhlich: "O, mit dem Bchlein mgen wir spielen! Kommt!"
+
+Sie liefen geschwind hin. Aber das Bchlein sagte: "Seht doch die
+faulen Kinder! Ihr meint, ich htte nichts zu tun. Ich mu Tag und
+Nacht arbeiten; ich netze Felder und Wiesen und trnke die durstigen
+Tiere. Wenn ich gro und stark bin, treibe ich Mhlen und trage
+Schiffe. Geht, geht, ihr faulen Kinder!"
+
+Da wurde den Kindern gar ngstlich zu Mute. Sie gingen beschmt weg
+und blieben nie mehr aus der Schule.
+
+
+
+
+97. DER GUTE KAMERAD.
+
+ Ich hatt' einen Kameraden,
+ Einen bessern find'st du nit.
+ Die Trommel schlug zum Streite,
+ Er ging an meiner Seite
+ In gleichem Schritt und Tritt.
+
+ Eine Kugel kam geflogen,
+ Gilt's mir oder gilt es dir?
+ Ihn hat es weggerissen,
+ Er liegt mir vor den Fen,
+ Als wr's ein Stck von mir.
+
+ Will mir die Hand noch reichen,
+ Derweil ich eben lad'.
+ "Kann dir die Hand nicht geben,
+ Bleib' du im ew'gen Leben
+ Mein guter Kamerad!"
+
+
+
+
+98. DER GOLDBAUM.
+
+Eduard scherzte gerne und spielte auch gerne anderen einen Streich.
+Dabei kam es nicht immer darauf an, ob, was er sagte, auch der
+Wahrheit gem sei. Seine kleine Schwester Emilie, die noch nicht in
+die Schule ging, fragte gerne ihren Bruder, den sie fr sehr weise
+hielt, ber alles aus. Um sie schnell wieder los zu werden, sagte ihr
+Eduard oft Dinge, welche das Kind ganz falsch belehrten.
+
+Eines Morgens, es war Eduards Geburtstag, sah Emilie auf dem Tische
+ihres Bruders ein Goldstck liegen, das er vom Vater zum Geschenk
+bekommen hatte. Sie fragte ihn: "Wo wchst das Gold?"--"Es wird
+gest," antwortete Eduard, der sich wieder einmal auf Kosten seiner
+Schwester einen Spa machen wollte, "dann wird ein Baum daraus, an
+dem wachsen die Goldstcke."
+
+Als Eduard beschftigt war, nahm Emilie leise das Goldstck vom
+Tische, eilte damit hinunter in den Garten, grub mit den Hnden ein
+Loch in die weiche Erde, legte das Goldstck hinein und bedeckte es
+wieder mit Erde.
+
+Eine Weile spter sprang sie in Eduards Zimmer und rief: "Jetzt wirst
+du bald viele, viele Goldstcke haben! Ich habe deines im Garten
+gepflanzt."
+
+Umsonst bekannte Eduard, er habe nur gescherzt, und umsonst suchte
+und grub er im Garten nach seinem Golde. Emilie wute die Stelle
+nicht anzugeben, wo sie es eingegraben hatte.
+
+Der Vater kam hinzu und sagte: "Es war unklug von Emilie, das
+Goldstck pflanzen zu wollen; du aber, Eduard, hast gefehlt, da du
+ihr, wenn auch im Scherze, eine Unwahrheit sagtest."
+
+
+
+
+99. GERETTET.
+
+"Rasch, Ernst, kleide dich an, und komme sogleich herunter!"
+
+"Was ist geschehen, Vater?"
+
+"Geschwind, mein Junge! Der Ohio ist ber Nacht gestiegen, das Dorf
+ist unter Wasser, und wir mssen unser Haus verlassen."
+
+Mit einem Satz war Ernst aus dem Bette und fuhr wie der Blitz in
+seine Kleider. Dann lief er die Treppe hinunter in die Wohnstube.
+Hier stand das Wasser schon ber zwei Fu hoch. Auf einem Tische am
+Fenster war der Vater mit den Seinen. Die Mutter hielt die kleine
+Rosa an der Hand und trug das Jngste, ein herziges Bblein, auf dem
+Arme. Sie hatte Trnen im Auge, der Vater aber sprach ihr Mut zu.
+Endlich kam ein Mann in einem Kahn, alle stiegen hinein, und durch
+dieselben Straen, durch welche gestern noch Leute gegangen und Wagen
+gefahren waren, ruderten sie jetzt im Rachen dem Lande zu. Nachdem
+sie eine hochgelegene Stelle erreicht hatten, stiegen sie aus. Der
+Bootsmann ging mit dem Vater, der Mutter und den zwei Kleinen den
+Hgel hinauf nach einem Hause. Dort wollten sie ein Unterkommen
+suchen.
+
+"Du kannst dableiben und auf meinen Kahn achtgeben," sagte der
+Bootsmann zu Ernst. Das war dem Knaben gerade recht. Jetzt erst
+schaute er sich um. Welch ein Anblick! Nach dem Flusse zu sah man nur
+Wasser. So weit das Auge reichte, schien alles ein groer See zu
+sein. Drben am anderen Ufer, ganz in der Ferne guckten die Wipfel
+der Bume und die Schornsteine aus der Flut empor. Ganz in der Nhe
+stand das Bretterhaus der alten Frau Werner, welche sehr arm war und
+von guten Leuten untersttzt wurde. Schon hatte das Wasser den
+zweiten Stock erreicht und stieg immer hher und hher.
+
+[Illustration]
+
+Whrend Ernst das Huschen der Frau Werner betrachtete, kam es ihm
+vor, als rufe jemand um Hilfe. Richtig, jetzt ffnete die alte Frau
+einen Laden und schaute heraus. Als sie ringsum nichts als Wasser
+erblickte, klagte und jammerte sie laut und rang die Hnde.
+
+Ernst sah alles und dachte nach, was er wohl tun knne. Ja, so ging
+es! Er wollte rasch den Hgel hinauflaufen und den Vater und den
+Bootsmann rufen. Aber siehe da! Die Flut trieb einen mchtigen
+Baumstamm gerade auf das Huschen zu. Wenn er gegen dasselbe stie,
+lste es sich gewi los, schwamm in der Strmung fort, und dann wre
+die alte Frau verloren.
+
+Da sprang Ernst in den Kahn, stie vom Ufer und steuerte nach dem
+Huschen. Frau Werner stieg aus dem Fenster in den Rachen, und der
+Knabe ruderte, so rasch er konnte, an das Ufer zurck. Als er sich
+demselben nherte, kam sein Vater gerade wieder vom Hgel herab.
+
+"Hurra, wir sind gerettet!" rief Ernst, als der Kahn ans Land stie.
+Mit Trnen des Dankes im Auge drckte die alte Frau dem Knaben die
+Hnde. Der Vater aber schlo ihn an seine Brust und sprach: "Das war
+wie ein braver Mann gehandelt, mein Sohn!"
+
+
+
+
+100. SPRCHE.
+
+Erfllte Pflicht
+macht froh Gesicht.
+
+Die trge Hand sei noch so glatt und wei,
+Der fleiigen allein gebhrt der Preis.
+
+Trgt einer gar so hoch den Kopf,
+So ist er wohl ein eitler Tropf.
+
+Allen Leuten recht getan,
+Ist eine Kunst, die niemand kann.
+
+
+
+
+
+
+
+
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+
+End of the Project Gutenberg EBook of Hin Und Her, by H. H. Fick
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+*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK HIN UND HER ***
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+***** This file should be named 8392-8.txt or 8392-8.zip *****
+This and all associated files of various formats will be found in:
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+Produced by David Starner, Delphine Lettau, Charles Franks,
+and the Online Distributed Proofreading Team
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+Updated editions will replace the previous one--the old editions will
+be renamed.
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+Creating the works from print editions not protected by U.S. copyright
+law means that no one owns a United States copyright in these works,
+so the Foundation (and you!) can copy and distribute it in the United
+States without permission and without paying copyright
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+of this license, apply to copying and distributing Project
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+1.E.8.
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+
+1.C. The Project Gutenberg Literary Archive Foundation ("the
+Foundation" or PGLAF), owns a compilation copyright in the collection
+of Project Gutenberg-tm electronic works. Nearly all the individual
+works in the collection are in the public domain in the United
+States. If an individual work is unprotected by copyright law in the
+United States and you are located in the United States, we do not
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+displaying or creating derivative works based on the work as long as
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+that you will support the Project Gutenberg-tm mission of promoting
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+what you can do with this work. Copyright laws in most countries are
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+ works.
+
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+ any money paid for a work or a replacement copy, if a defect in the
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+
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+1.F.
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+in paragraph 1.F.3, this work is provided to you 'AS-IS', WITH NO
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+warranties or the exclusion or limitation of certain types of
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+agreement shall be interpreted to make the maximum disclaimer or
+limitation permitted by the applicable state law. The invalidity or
+unenforceability of any provision of this agreement shall not void the
+remaining provisions.
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+1.F.6. INDEMNITY - You agree to indemnify and hold the Foundation, the
+trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone
+providing copies of Project Gutenberg-tm electronic works in
+accordance with this agreement, and any volunteers associated with the
+production, promotion and distribution of Project Gutenberg-tm
+electronic works, harmless from all liability, costs and expenses,
+including legal fees, that arise directly or indirectly from any of
+the following which you do or cause to occur: (a) distribution of this
+or any Project Gutenberg-tm work, (b) alteration, modification, or
+additions or deletions to any Project Gutenberg-tm work, and (c) any
+Defect you cause.
+
+Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg-tm
+
+Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
+electronic works in formats readable by the widest variety of
+computers including obsolete, old, middle-aged and new computers. It
+exists because of the efforts of hundreds of volunteers and donations
+from people in all walks of life.
+
+Volunteers and financial support to provide volunteers with the
+assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
+goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
+remain freely available for generations to come. In 2001, the Project
+Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
+and permanent future for Project Gutenberg-tm and future
+generations. To learn more about the Project Gutenberg Literary
+Archive Foundation and how your efforts and donations can help, see
+Sections 3 and 4 and the Foundation information page at
+www.gutenberg.org Section 3. Information about the Project Gutenberg
+Literary Archive Foundation
+
+The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
+501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
+state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
+Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification
+number is 64-6221541. Contributions to the Project Gutenberg Literary
+Archive Foundation are tax deductible to the full extent permitted by
+U.S. federal laws and your state's laws.
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+The Foundation's principal office is in Fairbanks, Alaska, with the
+mailing address: PO Box 750175, Fairbanks, AK 99775, but its
+volunteers and employees are scattered throughout numerous
+locations. Its business office is located at 809 North 1500 West, Salt
+Lake City, UT 84116, (801) 596-1887. Email contact links and up to
+date contact information can be found at the Foundation's web site and
+official page at www.gutenberg.org/contact
+
+For additional contact information:
+
+ Dr. Gregory B. Newby
+ Chief Executive and Director
+ gbnewby@pglaf.org
+
+Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg
+Literary Archive Foundation
+
+Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
+spread public support and donations to carry out its mission of
+increasing the number of public domain and licensed works that can be
+freely distributed in machine readable form accessible by the widest
+array of equipment including outdated equipment. Many small donations
+($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
+status with the IRS.
+
+The Foundation is committed to complying with the laws regulating
+charities and charitable donations in all 50 states of the United
+States. Compliance requirements are not uniform and it takes a
+considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
+with these requirements. We do not solicit donations in locations
+where we have not received written confirmation of compliance. To SEND
+DONATIONS or determine the status of compliance for any particular
+state visit www.gutenberg.org/donate
+
+While we cannot and do not solicit contributions from states where we
+have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
+against accepting unsolicited donations from donors in such states who
+approach us with offers to donate.
+
+International donations are gratefully accepted, but we cannot make
+any statements concerning tax treatment of donations received from
+outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff.
+
+Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
+methods and addresses. Donations are accepted in a number of other
+ways including checks, online payments and credit card donations. To
+donate, please visit: www.gutenberg.org/donate
+
+Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic works.
+
+Professor Michael S. Hart was the originator of the Project
+Gutenberg-tm concept of a library of electronic works that could be
+freely shared with anyone. For forty years, he produced and
+distributed Project Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of
+volunteer support.
+
+Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
+editions, all of which are confirmed as not protected by copyright in
+the U.S. unless a copyright notice is included. Thus, we do not
+necessarily keep eBooks in compliance with any particular paper
+edition.
+
+Most people start at our Web site which has the main PG search
+facility: www.gutenberg.org
+
+This Web site includes information about Project Gutenberg-tm,
+including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
+Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
+subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks.
+
diff --git a/old/8392-8.zip b/old/8392-8.zip
new file mode 100644
index 0000000..17a49c1
--- /dev/null
+++ b/old/8392-8.zip
Binary files differ
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new file mode 100644
index 0000000..05fb5a6
--- /dev/null
+++ b/old/8hnhr10.txt
@@ -0,0 +1,2816 @@
+The Project Gutenberg EBook of Hin Und Her, by H. H. Fick
+
+Copyright laws are changing all over the world. Be sure to check the
+copyright laws for your country before downloading or redistributing
+this or any other Project Gutenberg eBook.
+
+This header should be the first thing seen when viewing this Project
+Gutenberg file. Please do not remove it. Do not change or edit the
+header without written permission.
+
+Please read the "legal small print," and other information about the
+eBook and Project Gutenberg at the bottom of this file. Included is
+important information about your specific rights and restrictions in
+how the file may be used. You can also find out about how to make a
+donation to Project Gutenberg, and how to get involved.
+
+
+**Welcome To The World of Free Plain Vanilla Electronic Texts**
+
+**eBooks Readable By Both Humans and By Computers, Since 1971**
+
+*****These eBooks Were Prepared By Thousands of Volunteers!*****
+
+
+Title: Hin Und Her
+
+Author: H. H. Fick
+
+Release Date: June, 2005 [EBook #8392]
+[This file was first posted on July 6, 2003]
+
+Edition: 10
+
+Language: German
+
+Character set encoding: ISO-8859-1
+
+*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK, HIN UND HER ***
+
+
+
+
+E-text prepared by David Starner, Delphine Lettau, Charles Franks, and the
+Online Distributed Proofreading Team
+
+
+
+HIN UND HER
+
+Ein Buch fr die Kinder
+
+Zusammengestellt von H. H. FICK
+
+Supervisor of German, Cincinnati Public Schools
+
+
+
+
+
+
+
+INHALT
+
+
+ 1. Am Morgen
+ 2. Der Tag bricht an
+ 3. Der Hahnenruf
+ 4. Beim Frhstck
+ 5. Zur Schule
+ 6. Bruder und Schwester
+ 7. Der Specht
+ 8. Die Uhr
+ 9. Schuleifer
+ 10. Rtsel
+ 11. Unser Hof
+ 12. Die Haustiere
+ 13. Sprche
+ 14. Die pfel
+ 15. Peter Faulpelz
+ 16. Der Knabe am Bache
+ 17. Daheim
+ 18. Der Bau des Hauses
+ 19. Die Wohnung der Maus
+ 20. Karls Hase
+ 21. Das Lied vom Monde
+ 22. Das Mckchen und das Mdchen
+ 23. Nasch-Ernst
+ 24. Der blinde Geiger
+ 25. Das Brot im Weg
+ 26. Die schnen Drei
+ 27. Das Vogelnest
+ 28. Der Drache
+ 29. Die Vglein
+ 30. Vom Hnschen
+ 31. Sprche
+ 32. Die Schnecke
+ 33. Die Henne und die Entlein
+ 34. Die Tageszeiten
+ 35. Kind und Sonne
+ 36. Sonne und Regen
+ 37. Astern
+ 38. Rtsel
+ 39. Vgel und Blumen
+ 40. Danksagungstag
+ 41. Vom Vater
+ 42. Die vier Brder
+ 43. Die zwlf Monate
+ 44. Die Bltter tanzen
+ 45. Die vier Jahreszeiten
+ 46. Winters Ankunft
+ 47. Der Tannenbaum
+ 48. Vogel am Fenster
+ 49. Das Bblein auf dem Eise
+ 50. Rtsel
+ 51. Weihnachtsfreude
+ 52. Schneesterne
+ 53. Brief vom Weihnachtsmann
+ 54. Zu Neujahr
+ 55. Verstehst du das?
+ 56. Der Schneemann
+ 57. Mrz
+ 58. Ostergru
+ 59. Der Osterhase
+ 60. Der Obstgarten
+ 61. Sprche
+ 62. Die Vgel im Frhlinge
+ 63. Das rote Hhnchen
+ 64. Rtsel
+ 65. Der naseweise Bello
+ 66. Heil, Amerika!
+ 67. Petersilie
+ 68. Das Kind und sein Blmchen
+ 69. Nachlssigkeit
+ 70. Ein Rtsel
+ 71. Was wrdest du tun?
+ 72. Was wollen wir spielen?
+ 73. Die schlaue Katze
+ 74. Kannst du es sagen?
+ 75. Der Sperling
+ 76. Das Pferd und der Esel
+ 77. Der kluge Star
+ 78. Der Apfelbaum
+ 79. Der Hase und der Fuchs
+ 80. Sprche
+ 81. Der Hase und die Schildkrte
+ 82. Hasenbraten
+ 83. Der Schein trgt
+ 84. Der Frosch
+ 85. Vom listigen Grasmcklein ein lustiges Stcklein
+ 86. Ein trichter Streit
+ 87. Herr Wind! Herr Wind!
+ 88. Das Fnkchen
+ 89. Rtsel
+ 90. Das Gnseblmchen
+ 91. Die grne Stadt
+ 92. Deutschland
+ 93. Sonnenschein
+ 94. Die Knigin Luise
+ 95. Das goldene Schlo
+ 96. Die kleinen Miggnger
+ 97. Der gute Kamerad
+ 98. Der Goldbaum
+ 99. Gerettet
+100. Sprche
+
+
+
+
+1. AM MORGEN.
+
+ Die Erd' erwacht, die Sonne lacht
+ Sie an mit hellem Schein
+ Und ruft ihr zu: komm aus der Ruh',
+ Der ganze Tag ist dein.
+ Guten Morgen.
+
+
+
+
+2. DER TAG BRICHT AN.
+
+Es ist dunkel. Am Himmel leuchten die Sterne. Zwischen ihnen steht
+der Mond. Nun wird es langsam heller. Im Osten zeigt sich ein lichter
+Schein. Das ist die Morgendmmerung. Die meisten Leute schlafen noch
+fest, aber der Hahn ist wach und krht ganz laut. Bald steigt die
+Sonne empor. Dann ist es Tag. Die Vgel sind erwacht und zwitschern.
+Jetzt stehen auch die Menschen von ihrem Lager auf und gehen gestrkt
+an die Arbeit. Die Tiere im Freien suchen ihre Nahrung und das Vieh
+im Hofe bekommt sein Futter. Im Garten und auf den Wiesen glnzt der
+Tau. Alles ist neubelebt.
+
+
+
+
+[Illustration]
+
+
+3. DER HAHNENRUF.
+
+ Im ersten Hofe krht der Hahn,
+ Da fngt auch gleich der zweite an
+ Und denkt: "Htt' ich's zuerst getan!"
+ Doch, wie der zweite kaum beginnt,
+ Krht schon der dritte Hahn geschwind.
+ Der viert' und fnfte faul nicht sind
+ Und fallen schnell ins Lied mit ein,
+ Denn jeder will der erste sein,
+ Und jeder will am schnsten schrei'n.--
+ Bald rufen alle in der Rund',
+ Als stnden sie zusamm' im Bund,
+ Und tun die Morgenstunde kund
+ Aus voller Kehle laut und schnell:
+ "Die Nacht entweicht, der Tag wird hell.
+ Kikeriki! Kikeriki! Wir sind zur Stell'!"
+ So soll'n auch wir in allen Sachen,
+ Wo's gilt, zum guten zu erwachen,
+ Es wie der Hahn am Morgen machen.
+
+
+
+
+4. BEIM FRHSTCK
+
+_Mutter_: Papa, Karl, Emma und Klara, hurtig, kommt zu Tisch!
+Das Frhstck ist aufgetragen!
+
+_Papa_: Sieh! Da bin ich schon. Guten Morgen!
+
+_Emma_ und _Klara_: Liebe Mama und lieber Papa, Wir sind
+auch bereit und wnschen euch einen recht guten Morgen!
+
+_Mutter_ und _Vater_: Vielen Dank, ihr Kinder! Wo steckt
+aber der Karl?
+
+_Emma_ und _Klara_: Da kommt er!
+
+_Karl_: Seid nicht bse, liebe Eltern, ich habe mich
+verschlafen. Es soll aber gewi nicht wieder geschehen!
+
+_Mutter_: Schon gut! Setzt euch alle. Schaut, da der Papa
+bedient wird! Emma, reiche doch das Brot herber und gib mir die
+Butter. Nun, trinkt eure Milch! Klara und Emma, fr euch habe ich ein
+Stck Kuchen.
+
+_Karl_: Bekomme ich nicht auch eins?
+
+Mutter: Du bist zu spt gekommen! Dafr mut du Strafe leiden. Heute
+ist fr dich nur Brot vorhanden.
+
+_Karl_: Ach, liebe Mama! Ich bin so hungrig!
+
+_Mutter_: Ei! Hungern sollst du nicht. Da ist eine Semmel und
+dann habe ich auch noch ein Ei fr dich. Aber der Kuchen ist nur fr
+die pnktlichen Leute da, merke dir das! So, seid ihr nun alle
+fertig?
+
+_Kinder_: Jawohl, Mama!
+
+_Mutter_: Stellt eure Sthle an ihre Pltze! Jetzt knnt ihr
+gehen! Du, Karl, holst dem Vater noch die Zeitung herein!
+
+_Karl_: Gerne, liebe Mutter!
+
+_Kinder_: Ade, Papa! Leb wohl, Mama! Heute mittag sehen wir uns
+wieder!
+
+
+
+
+5. ZUR SCHULE.
+
+ Nun hurtig vom Stuhle
+ Und schnell in die Schule;
+ Es ist an der Zeit.
+ Holt Hte und Kappen,
+ Bringt Tafeln und Mappen;
+ Nehmt auch fr die Pause
+ Euch etwas zum Schmause;
+ So, Kinder, jetzt seid
+ Zur Arbeit bereit!
+
+
+
+
+
+6. BRUDER UND SCHWESTER.
+
+Es ist Morgen. Die Nacht hindurch hat es geregnet und immer noch
+fallen einzelne Tropfen. Seit einigen Tagen besucht der kleine
+Wilhelm die Schule. Er hat einen neuen Anzug, eine hbsche Mtze und
+einen bunten Schulsack erhalten. Wie leid tut es ihm, da alles vom
+Regen soll na werden. Da kommt die gute Schwester Emilie. Sie mu
+fr die Mutter noch einen Gang auf den Markt machen. Nun will sie den
+Bruder unter den Schirm nehmen und ihn bis an das Schulgebude
+begleiten. Wilhelm fat die Schwester am Kleide, und sie treten in
+die Tre. Aber, siehe da, der Regen hrt auf und als Emilie
+vorsichtig die Hand ausstreckt, kann sie kein Trpfchen mehr spren.
+Da darf auch der zottige Spitz mit ins Freie.
+
+[Illustration]
+
+
+
+
+
+7. DER SPECHT.
+
+ Herr Specht! so frh schon klopfest du!
+ Was strte dich denn aus der Ruh'?
+ Es herrscht noch Stille im Erdenraum--
+ Du hmmerst schon am Fichtenbaum.
+
+ "Ist es auch frh, ist's nie zu frh,
+ An Arbeit fehlt's dem Flei'gen nie,--
+ Wer Tages etwas will gewinnen,
+ Der mu recht frhe schon beginnen."
+
+
+
+
+8. DIE UHR.
+
+Eben hatte es sieben geschlagen. Die Mutter ging in die Kammer, um
+den kleinen Leo zu wecken. Der war aber schon wach und sa aufrecht
+im Bette. "Ei, Leo!" sagte die Mutter, "Wie kommt denn das? Sonst mu
+ich dich viele Male rufen und schtteln, und heute bist du ganz
+munter!" "Ach, denke nur, liebe Mama," sagte Leo, "ich War ja auch
+noch so mde und htte gerne lnger geschlafen. Aber da hatte auf
+einmal die groe Uhr dort an der Wand ein Gesicht wie ein Mensch, und
+machte immerfort: Auf! raus! Auf! raus! Nun hatte ich Angst, liegen
+zu bleiben und wollte aufstehen. Jetzt hrte ich die Uhr ganz
+deutlich sagen: Recht so! Recht so! und sie sah wieder freundlich
+aus!"
+
+[Illustration]
+
+
+
+
+
+9. SCHULEIFER.
+
+ Im Winter, wenn es frieret,
+ Im Winter, wenn es schneit,
+ Dann ist der Weg zur Schule
+ Frwahr noch mal so weit.
+
+ Und wenn der Kuckuck rufet,
+ Dann ist der Frhling da,
+ Dann ist der Weg zur Schule
+ Frwahr noch mal so nah.
+
+ Wer aber gerne lernet,
+ Dem ist kein Weg zu fern;
+ Im Frhling, wie im Winter,
+ Geht er zur Schule gern.
+
+[Illustration]
+
+
+
+
+10. RTSEL.
+
+ Im Wasser schwimmt es, gro und klein.
+ Nun rat' einmal, was das mag sein!
+
+ Wer wscht sich so rein
+ Und hlt sich so fein
+ Und braucht doch kein Handtchelein?
+
+ Ich wei ein kleines, weies Haus,
+ Hat nichts von Fenstern, Tren, Toren;
+ Und will sein kleiner Wirt hinaus,
+ So mu er erst die Wand durchbohren.
+
+
+
+
+11. UNSER HOF.
+
+Hinter dem Hause ist ein Hof. Da haben viele Tiere Platz. In einer
+Ecke steht die Hundehtte. Dort wohnt Nero. Er bewacht unser Haus.
+Auf der Kellertreppe sitzt Mieze. Das ist die graue Katze. Sie wscht
+und putzt sich gern. Im Korbe liegen ihre vier Ktzchen. Die knnen
+noch nicht sehen. Mitten im Hofe geht der stolze Hahn. Er hat bunte
+Federn und einen roten Kamm. Bei ihm sind fnf hbsche Hennen. Auch
+Tauben fliegen herbei und picken Krner auf. Seht doch den groen
+Puter da drben! Der ist zornig und jagt die anderen Vgel fort.
+
+
+
+
+12. DIE HAUSTIERE.
+
+ Lieb Kindchen, sag mir an,
+ Was ein Haustier ntzen kann!
+
+ Die Kuh gibt Milch uns, liebe Mutter,
+ Draus macht man Kse, Rahm und Butter.
+ Das Pferd zieht fleiig deinen Wagen
+ Und kann dich in die Ferne tragen.
+ Der Hund schtzt treu dir Hof und Haus.
+ Die Katze lauert auf die Maus.
+ Das dicke, schmutz'ge, dumme Schwein
+ Bringt Schinken uns und Wrste ein.
+
+[Illustration]
+
+
+
+
+
+13. SPRCHE.
+
+Lust und Liebe zum Dinge
+Macht Mhe und Arbeit geringe.
+
+Morgen, morgen, nur nicht heute,
+Sagen alle trgen Leute.
+
+Lerne Ordnung, liebe sie;
+Ordnung spart dir Zeit und Mh'.
+
+
+
+
+14. DIE PFEL.
+
+Am Montag morgen wollte Otto seinen Freund Ludwig zur Schule abholen.
+Als er aber in die Stube trat, war niemand da. Vorne beim Fenster
+stand ein Korb voll pfel. Die waren schn gelb und rot. Gerne htte
+Otto einen genommen. Aber er dachte: "Nein, das tue ich nicht, die
+pfel gehren nicht mir."
+
+Schnell wollte er wieder zur Tre hinaus. Da kam gerade Ludwigs
+Mutter herein. Die freute sich sehr, als sie Otto sah. Sie steckte
+ihm beide Taschen voll pfel. Dann rief sie Ludwig und gab den beiden
+Kindern noch einen Apfel mit auf den Weg. Mit frohem Herzen gingen
+die Knaben nun zur Schule.
+
+
+
+
+15. PETER FAULPELZ.
+
+ Lngst ist schon die Schule aus,
+ Alle Kinder sind zu Haus:
+ Peter nur, der faule Bube,
+ Mu noch sitzen in der Stube,
+ Hat gelernt nicht, noch geschrieben,
+ Hat sich drauen 'rumgetrieben.
+ Nun geht es ihm bitterschlecht--
+ Faulpelz, das geschieht dir recht!
+
+
+
+
+16. DER KNABE AM BACHE.
+
+Siehst du den Knaben dort am Bache sitzen? Es ist Robert, der mit
+seiner armen Mutter in dem kleinen Huschen wohnt. Sie hatten fr den
+Abend nichts zu essen. Da sagte Robert: "Mutter, ich will zum Bache
+gehen und einige Fische fangen."
+
+Hier sitzt er nun ganz stille. Zwei Fische hat er schon gefangen, und
+den dritten macht er eben vom Haken los. Wie wird sich die Mutter
+freuen, wenn Robert mit den Fischen nach Hause kommt!
+
+[Illustration]
+
+
+
+
+17. DAHEIM.
+
+Hurra, die Schule ist aus! Schnell eile ich nach Hause, denn die
+Mutter wartet schon auf mich. Sie hat ja mancherlei Arbeit, die ich
+fr sie besorgen kann. Erst bekomme ich aber ein groes Stck
+Butterbrot. Wenn ich das gegessen habe, hole ich Kleinholz aus dem
+Keller. Damit macht die Mutter das Feuer im Kchenofen an fr das
+Abendessen. Dann gehe ich zum Metzger, um das Fleisch heimzubringen,
+das der Vater am Morgen bestellt hat. Auf dem Wege bringe ich aus dem
+Kramladen Seife mit und Streichhlzchen. Auch sonst mu ich der
+Mutter in der Kche noch zur Hand gehen. Ich tue es gerne, denn ich
+habe mein Mtterlein lieb. Wenn ich alles besorgt habe, darf ich eine
+Weile auf der Strae mit anderen Kindern spielen.
+
+Bald ist es Zeit zum Abendessen geworden. Richtig, da ruft mich schon
+die Mutter. Der Vater ist nun auch schon nach Hause gekommen, und
+meine lteren Geschwister sind ebenfalls da. Wir sitzen jetzt alle um
+den groen Tisch im Ezimmer, und der Vater erzhlt, was er whrend
+des Tages in der Stadt gehrt und gesehen hat. Nach dem Essen nimmt
+der Vater die Zeitung, und meine kleine Schwester und ich machen
+unsere Schularbeiten. Da mu manchmal die liebe Mama ein wenig
+helfen. Spter liest sie uns eine schne Geschichte vor, oder spielt
+mit uns Domino und Lotto.
+
+Ich glaube, es ist nirgends schner als abends daheim.
+
+
+
+
+18. DER BAU DES HAUSES.
+
+"Kommt, Knaben, wir wollen ein Haus bauen," sagte Emil zu Karl und
+Heinrich, "Ich will den Keller ausgraben," sprach Karl. "Und ich,"
+sagte Emil, "ich bin der Maurer; ich nehme Kalk und Steine und baue
+die Mauern." Da meinte Karl: "Du darfst aber die Tren und die
+Fenster nicht vergessen. Ohne Tren kann man nicht in das Haus
+hinein, und durch die Fenster soll Luft und Licht in die Zimmer
+kommen." Heinrich sagte: "Ich bin der Zimmermann; ich setze die Tren
+und Fenster und lege den Fuboden. Von einem Stockwerke in das andere
+mache ich Treppen. Und oben auf das Haus setze ich das Dach; das
+schtzt vor Regen und Schnee. Unser Haus soll ein Wohnhaus sein mit
+Kche und Zimmern und einem Boden unter dem Dach."
+
+
+
+
+19. DIE WOHNUNG DER MAUS.
+
+ Ich frag' die Maus:
+ Wo ist dein Haus?
+ Die Maus darauf erwidert mir:
+ Sag's nicht der Katz',
+ So sag' ich's dir.
+ Treppauf, treppab,
+ Erst rechts, dann links,
+ Dann wieder rechts
+ Und dann grad' aus--
+ Das ist mein Haus;
+ Du wirst es schon erblicken!
+ Die Tr ist klein,
+ Und trittst du ein,
+ Vergi nicht, dich zu bcken!
+
+[Illustration]
+
+
+
+
+20. KARLS HASE
+
+"Papa, darf ich ein wenig deinen Stock nehmen?"
+
+"Ja, Karl, aber was willst du damit machen?"
+
+"Einen Hasen will ich schieen, Papa."
+
+"Dann mut du ja auf das Feld gehen."
+
+"O nein, dein Stock ist meine Flinte und unsere alte Katze ist der
+Hase."
+
+Der Vater gab seinem Sohne den Stock. Karl legte ihn an die rechte
+Wange, zielte und rief: "Piff, paff! piff, paff!" Ei, wie die Katze
+von dem Stuhle unter den Tisch sprang!
+
+Karl aber lachte und rief: "Hast du nun meinen Hasen laufen sehen,
+Papa?"
+
+
+
+
+21. DAS LIED VOM MONDE.
+
+ Wer hat die schnsten Schfchen?
+ Die hat der gold'ne Mond,
+ Der hinter unsern Bumen
+ Am Himmel drben wohnt.
+
+ Er kommt am spten Abend,
+ Wenn alles schlafen will,
+ Hervor aus seinem Hause
+ Zum Himmel leis' und still.
+
+ Dann weidet er die Schfchen
+ Auf seiner blauen Flur;
+ Denn all' die weien Sterne
+ Sind feine Schfchen nur.
+
+ Sie tun sich nichts zuleide,
+ Hat eins das andre gern,
+ Und Schwestern sind und Brder
+ Da droben Stern an Stern.
+
+ Und soll ich dir eins bringen,
+ So darfst du niemals schrei'n,
+ Mut freundlich wie die Schfchen
+ Und wie ihr Schfer sein!
+
+
+
+
+22. DAS MCKCHEN UND DAS MDCHEN.
+
+[Illustration]
+
+
+Ein Mckchen flog um ein Licht, das am Abend auf dem Tische brannte.
+Da sagte ein Mdchen, welches nebenbei sa und strickte: "Mckchen,
+bleib' von dem Lichte, sonst verbrennst du dich!" Das Mckchen aber
+folgte nicht und flog so lange auf und nieder und um das Licht, bis
+es daran seine Flgelchen sengte und in die Flamme fiel. "Habe ich es
+dir nicht gesagt?" sprach das Mdchen. "Httest du auf mich gehrt,
+mtest du jetzt nicht sterben!"
+
+
+
+
+23. NASCH-ERNST.
+
+Ernst konnte das Naschen nicht lassen. Er ging oft an den Schrank, um
+Zucker zu naschen. Die Mutter schalt, aber es half nicht.
+
+Eines Tages ging Ernst in die Scheune. An der Wand hing etwas Rotes.
+Ernst sagte: "Oh, hier hat die Mutter Zuckerzeug versteckt. Ich
+sollte es nicht finden!" Schnell kletterte er auf einen Stuhl, um es
+zu holen. Er bi gierig hinein. Aber, o weh, es verbrannte seinen
+Mund. Er lie das Zuckerzeug fallen und schrie laut. Nun kam die
+Mutter und gab ihm einen Trunk Wasser. Was Ernst naschte, war nicht
+Zucker gewesen. Es war roter Pfeffer.
+
+Ernst naschte nie wieder.
+
+
+
+
+24. DER BLINDE GEIGER.
+
+Ein armer, blinder Geiger ging auf der Strae. Er suchte den Weg mit
+seinem Stocke. Seine Geige trug er unter dem Arme. Bald kam er an
+einen Steg. Als er das merkte, getraute er sich nicht hinberzugehen.
+Hans und Eugen kamen daher, und der arme Mann bat, sie mchten ihn
+doch ber den Steg fhren. Aber die mutwilligen Buben lachten den
+Geiger aus und liefen weg.
+
+Da kam die kleine Lina aus der Schule. Die wartete nicht, bis sie
+gebeten wurde. Sie fate den Blinden bei der Hand, brachte ihn ber
+den Steg und schenkte ihm einen Cent, den sie von ihrer Mutter
+bekommen hatte.
+
+[Illustration]
+
+
+
+
+
+25. DAS BROT IM WEG.
+
+ Im Weg das Krmchen Brot
+ Tritt nicht mit deinem Fu,
+ Weil's in des Hungers Not
+ Ein Tierlein finden mu.
+ Leg's auf den Stein vor'm Haus,
+ Und kannst du, brsel's klein:
+ Still dankt es dir die Maus
+ Und still das Vgelein.
+
+
+
+
+26. DIE SCHNEN DREI.
+
+ Vglein im hohen Baum,
+ Klein ist's, ihr seht es kaum,
+ Singt doch so schn,
+ Da wohl von nah und fern
+ Alle die Leute gern
+ Horchen und stehn.
+
+ Blmlein im Wiesengrund
+ Blhen so lieb und bunt,
+ Tausend zugleich;
+ Wenn ihr vorbergeht,
+ Wenn ihr die Farben seht,
+ Freuet ihr euch.
+
+ Wsserlein fliet so fort
+ Immer von Ort zu Ort
+ Nieder ins Tal;
+ Drstet nun Mensch und Vieh,
+ Kommen zum Bchlein sie,
+ Trinken zumal.
+
+ Habt ihr es auch bedacht,
+ Wer hat so schn gemacht
+ Alle die drei?
+ Gott, der Herr, machte sie,
+ Da sich nun spt und frh
+ Jedes dran freu'.
+
+
+
+
+27. DAS VOGELNEST.
+
+In einem Garten lebte ein Vgelein, das sehr schn singen konnte. Es
+baute sich in einem Busch ein hbsches Nestchen. In dieses legte es
+Eier hinein und brtete Junge aus. Einmal suchte das alte Vgelein
+Futter fr seine Kinder. Da sahen zwei Buben das Nest und nahmen es
+samt den Jungen weg. Darber wurde die Mutter der jungen Vgelein
+sehr traurig.
+
+Sie flog hin und her und schrie, so laut sie konnte. Die Knaben
+machten sich aber nichts daraus. Endlich hrte die Schwester der
+bsen Knaben das Vgelein schreien. Gleich ging sie hin und nahm
+ihren Brdern das Nestchen Weg und trug es wieder in die Hecke. Seit
+dieser Zeit hatten die Vgelein das Mdchen recht lieb, und wenn es
+im Garten war, sangen sie noch einmal so schn wie sonst.
+
+
+
+
+28. DER DRACHE.
+
+Mein Bruder Karl hatte einen groen Drachen gemacht. Er war aus holz
+und Papier. Um untern Ende befand sich ein langer Schwanz und am
+obern eine lange, dnne Schnur.
+
+Nachmittags gingen wir hinaus auf das Feld hinter unserm Hause. Es
+war ein schner Tag; die Sonne schien prchtig, und es wehte ein
+guter Wind. Wir lieen den Drachen steigen. Er stieg so hoch, wie die
+Schnur reichte. Wir konnten ihn kaum noch sehen.
+
+So standen wir lange im Schatten neben dem Zaune. Auch unser Hund
+Karo kam unter dem Karren hervor. Wir waren sehr vergngt, bis der
+Abend dem Spiele ein Ende machte.
+
+[Illustration]
+
+
+
+
+
+29. DIE VGLEIN.
+
+ Warum wohl die Vglein fliegen knnen?
+ Ei, das magst du ihnen schon gnnen.
+ Auf der Erde sind Tiere viel
+ Und haben hier und dort ihr Spiel.
+ Da war kein Platz fr die Vgel mehr;
+ Das dauerte den lieben Gott so sehr,
+ Darum hat er ihnen Flgel gegeben,
+ Da sie dort oben in Lften schweben;
+ Da knnen sie spielen den ganzen Tag
+ Und haben Platz, wie viel jedes mag.
+
+
+
+
+30. VOM HNSCHEN.
+
+Hnschen und Gretchen spielten im Garten. Da kam ein schner
+Schmetterling geflogen. Gleich wollte Hans ihn fangen. Gretchen rief:
+"Ach, la doch das hbsche Tierlein gehen!" Aber Hans hrte nicht
+darauf. Mit dem Hute in der Hand lief er dem Schmetterlinge nach. Er
+schaute immer nur in die Hhe. Patsch,--fiel er in einen tiefen
+Graben voller Wasser. Der Schmetterling flog munter davon. Hnschen
+ging weinend heim und wurde noch ausgelacht.
+
+
+
+
+31. SPRCHE.
+
+ Ein gutes Kind gehorcht geschwind
+ Und folgt sofort aufs erste Wort.
+
+ Was du nicht willst, das man dir tu',
+ Das fg' auch keinem andern zu.
+
+ Vorgetan und nachbedacht
+ Hat manchem groes Leid gebracht.
+
+ Qule nie ein Tier zum Scherz,
+ Denn es fhlt, wie du, den Schmerz.
+
+
+
+
+32. DIE SCHNECKE:
+
+ Die Schnecke ist gar bel dran.
+ Wie mu sie sich doch plagen!
+ Sie mu ihr Haus
+ Tagein, tagaus
+ Auf ihrem Rcken tragen.
+
+ Die Schnecke ist nicht bel dran.
+ Sie wei sich wohl zu schtzen:
+ Nimmt sie Gefahr
+ Vom Feinde wahr,--
+ Bleibt sie im Huschen sitzen.
+
+[Illustration]
+
+
+
+
+33. DIE HENNE UND DIE ENTLEIN.
+
+Die kleine Anna hatte eine Henne zum Geschenk bekommen. Diese legte
+jeden Morgen ein Ei. Als nun Annas Mutter eines Tages das Nest mit
+zwlf Eiern sah, nahm sie dieselben voller Freude in die Kche. Aber
+siehe da! Die Henne jammerte und suchte ihr Nest. Nun fand sie in der
+Nhe ein Entennest, in dem auch Eier waren. Sie setzte sich darauf,
+bis die Jungen herauskamen. Das waren aber Entchen statt Kchlein.
+Doch die Henne hatte sie so lieb, als ob es Kchlein wren. Sie
+suchte Futter mit ihnen und nahm sie unter ihre Flgel, damit ihnen
+kein Leid geschehe. Doch eines schnen Tages liefen die Kleinen
+davon. Wohin? In groer Angst eilte die Henne hinterher. Die Entchen
+waren zum Teiche gelaufen. Umsonst warnte die Henne: "Das ist Wasser!
+Ihr mt ertrinken!" Lustig schwammen die kleinen Enten schon umher,
+und alles Glucken der alten Henne brachte sie nicht ans Ufer zurck.
+
+[Illustration]
+
+
+
+
+34. DIE TAGESZEITEN.
+
+Hoch am Himmel steht die Sonne. Sie leuchtet so hell, da man sie
+nicht lange ansehen kann. Wenn die Sonne morgens aufgeht, wird es auf
+der Erde hell. Dann sagen die Leute zu einander: "Guten Morgen!" Die
+Sonne steigt nun immer hher und hher, bis sie zuletzt fast ber
+unserem Kopfe steht. Es ist jetzt Mittag. Wenn sich Bekannte treffen,
+wnschen sie einander: "Guten Tag!" Bald darauf neigt sich die Sonne
+wieder abwrts. Sie sinkt bis an den Rand des Himmels. Alsdann sieht
+sie wie eine groe, feurige Kugel aus und frbt die Wolken schn rot.
+Auf einmal ist sie verschwunden. Es wird dunkler und die Nacht bricht
+an. Man bietet sich "Guten Abend!" und wnscht allen vor dem
+Schlafengehen eine "Gute Nacht!" Nun kommt die Zeit der Ruhe.
+
+
+
+
+35. KIND UND SONNE.
+
+_Kind_: Sag einmal, liebe Sonne, wohin gehst du, wenn es Abend
+wird? Es heit dich doch niemand fortgehen. Ich meine, du knntest
+immer bei uns bleiben. Das wre so schn!
+
+_Sonne_: Nein, mein Kind, das kann nicht sein! Wenn es Nacht
+wird, schlafen die Leute, und du schlfst auch. Beim Schlafen braucht
+man mich aber nicht. Ich reise dann weit, weit fort in ein fernes
+Land. Dort wohnen auch Menschen: Vter, Mtter und viele brave
+Kinder. Wenn ich zu diesen komme, haben sie ausgeschlafen. Vater und
+Mutter stehen dann auf und arbeiten, und die greren Kinder gehen in
+die Schule, um zu lernen.
+
+_Kind_: Ei, ei! Und wenn du bei diesen Menschen gewesen bist,
+wohin gehst du hernach?
+
+_Sonne_: Wenn ich dort gewesen bin, komme ich wieder zu dir, wie
+an jedem Morgen. So reise ich zu allen Menschen auf der ganzen Erde.
+
+
+
+
+36. SONNE UND REGEN.
+
+ Die Sonne sprach: "Ich will scheinen
+ So fort und immerfort!"
+ Der Regen sprach: "Ich will fallen
+ Ohn' Ende an jedem Ort!"
+ Die Sonne: "Du machst ja alles
+ Auf der Erde gang na!"
+ Der Regen: "Du machst zu trocken,
+ Wenn du scheinst ohn' Unterla!"
+ Die Sonne: "Ich mache fruchtbar,
+ Und alles freut sich mein!"
+ Der Regen: "Du machst zu trocken,
+ Dich mag man nicht allein!"
+ So haben sie lang gestritten,
+ Doch wurden sie einig zuletzt:
+ Sie wollten miteinander wechseln,
+ Und so ist es denn auch jetzt.
+
+
+
+
+37. ASTERN.
+
+Ein kleiner Knabe lag einmal im Grase und schlief. Da sah er im Traum
+einen Engel, der eine wunderschne Blume in der Hand trug. Der Engel
+sagte, da es im Himmel viele solche Blumen gebe. Der Knabe htte sie
+gerne gehabt. Als er aufwachte, lagen da ein paar glnzende
+Samenkrner. Die pflanzte der Knabe in seinem Garten. Als der Herbst
+kam, waren aus den Samen die Blumen entstanden. Sie sahen gerade wie
+Sterne aus. Der Knabe rief seine Eltern. Vater und Mutter sagten:
+"Das sind Sternblumen oder Astern. Die sollen uns an den, Himmel
+droben erinnern."
+
+[Illustration]
+
+
+
+
+
+38. RTSEL.
+
+Loch bei Loch,
+Und hlt doch.
+Was ist's?
+
+Rat! Das Haus hat lauter Treppen,
+Keine Fenster, keine Zimmer;
+Wer drin wohnt, mu es immer
+Auf seinem Rcken schleppen.
+
+Es ist ein Ding, hat Stamm und Zweig' und Bltter,
+Schtzt dich vor Sonne und im Regenwetter.
+
+
+
+
+39. VGEL UND BLUMEN.
+
+ Die Vgel, sie fliegen wie Bltter im Wind;
+ Da winken die Blmlein zum Abschied geschwind.
+ Es singt in den Bumen der Herbst schon sein Lied,
+ Fort ziehen die Vgel, die Blumen sind md'.
+
+ Im Sden die Vgel, die Blumen im Schnee,
+ Sie warten, da wieder der Frhling ersteh'.
+ Dann lachen die Blten, das Vgelein singt;
+ Dann duftet's und jubelt's, bis rings alles klingt.
+
+
+
+
+40. DANKSAGUNGSTAG.
+
+Was tut ihr, wenn euch jemand etwas geschenkt hat oder recht gut
+gegen euch gewesen ist? Nicht wahr, ihr sagt: "Danke schn!"
+Vergesset das ja nicht! Wir Menschen, gro und klein, haben fr gar
+vieles dankbar zu sein. Die Kinder knnen sich freuen, wenn sie noch
+Eltern haben, die sie lieben und fr sie sorgen. Erwachsene Leute
+sollen froh sein, wenn sie gesund sind und keine Not zu leiden
+brauchen. Doch das wird oft nicht bedacht. Deshalb ist ein Tag da, an
+dem ein jeder von feiner Arbeit ausruhen und frhlich Gott danken
+soll fr allen Segen. Im Herbste, wenn die Ernte vorber ist, kommt
+der Danksagungstag. Da gibt es meistens gut und reichlich zu essen
+und zu trinken. In den Kirchen ist Gottesdienst. Auch fr die Armen
+und Unglcklichen wird gesorgt, damit ein jeder im Herzen dankbar
+sein mge fr das Gute und Schne, was das Jahr gebracht hat.
+
+
+
+41. VOM PUTER.
+
+ Puter, Puter, Polterhahn,
+ Hast 'ne rote Weste an,
+ Hast 'ne rote Nasenspitze
+ Und 'ne rote Zipfelmtze;
+ Aber das gibst du wohl zu:
+ Ich bin schner doch als du!
+
+[Illustration]
+
+
+
+
+
+42. DIE VIER BRDER.
+
+ Vier schne Brder kenn' ich wohl,
+ Geschmckt so wunderbar;
+ Sie kommen schon seit alter Zeit
+ Zu uns in jedem Jahr.
+ Der erste Bringt uns einen Strau,
+ Streut Blumen um sich her.
+ Den zweiten schmckt ein goldner Kranz
+ Von hren voll und schwer.
+ Der dritte reicht uns pfel dar
+ Und neuen goldnen Wein.
+ Der vierte ist in Pelz gehllt
+ Wie Schnee so wei und rein.
+ Wer nennt die schnen Brder mir,
+ Geschmckt so wunderbar?
+ Sie kommen schon seit alter Zeit
+ Zu uns in jedem Jahr.
+
+
+
+
+43. DIE ZWLF MONATE.
+
+ Gleich anfangs mit dem neuen Jahr
+ Erscheint der kalte Januar,
+ Dann kommt alsbald der zweite Mann,
+ Der Februar, in Eile an.
+ Der Mrz ist nun auch nicht mehr weit,
+ Und der April ist bald bereit.
+ Ihm folgt der wunderschne Mai,
+ Der Juni kommt drauf schnell herbei,
+ Und ist der Juli nun erst da,
+ So ist auch der August schon nah;
+ Ihm schliet sich der September an,
+ Und der Oktober folgt alsdann.
+ November ziehet schleunig ein,
+ Dezember wird her letzte sein.
+
+
+
+
+44. DIE BLTTER TANZEN.
+
+ Die Bume stehen ruhig da,
+ Die Bltter flstern leise.
+ Hrt ihr den Wind, hei, hussassa,
+ Bald blst er seine Weise.
+
+ Da braust der Wind gar wild einher
+ Und rttelt an den Bumen,
+ Er beugt sie hin, er beugt sie her,
+ Lt keine Zeit zum Trumen.
+
+ "Halt ein, du strmischer Gesell',
+ Wir stehen fest wie Lanzen!"
+ Die Bltter aber lachen hell:
+ "Herr Wind, wir mchten tanzen!"
+
+ "Ei," ruft der Wind, "ein luftig Wort,
+ Da kann ich stark mich zeigen!"
+ Er Blst die bunten Bltter fort;
+ Die tanzen froh den Reigen.
+
+ Der Wind ist fort, der Tanz ist aus,
+ Die Bltter sinken nieder;
+ Der Schnee streckt sein Decke aus,
+ Der Frhling hebt sie wieder.
+
+[Illustration]
+
+
+
+
+45. DIE VIER JAHRESZEITEN.
+
+Es gibt vier Jahreszeiten: Frhling, Sommer, Herbst und Winter. Im
+Frhling wird die Luft warm. Der Schnee schmilzt, und die Flsse
+werden wieder frei vom Eise. Auf den Wiesen und in den Grten keimen
+Grser und Kruter, auf den Feldern grnt die Saat, und die Bume
+bekommen frisches Laub. Sie treiben Knospen und Blten. Die Vgel,
+welche im Herbste in wrmere Lnder gezogen waren, kehren zurck.
+Andere Tiere, die den Winter in ihren Hhlen verschlafen hatten,
+wachen auf und kommen hervor. Mit dem Sommer werden die Tage lnger,
+und die Wrme nimmt zu. Das Getreide wird reif und vom Landmanne
+geschnitten. Auf den Sommer folgt der Herbst. Im Herbst gibt es Obst,
+Trauben und Kartoffeln, auch wird die Saat fr das nchste Jahr
+bestellt. Das Laub der Bume vertrocknet und fllt zur Erde nieder.
+Die Tage werden immer krzer. Oft ist es neblig und rauh. Bald wird
+es recht kalt; die Flsse frieren zu, und es gibt Schnee. Die Vgel
+knnen drauen kein Futter finden. Sie kommen in die Straen und vor
+die Tren, um einige Krner und Brckchen zu suchen. Zu Hause wird
+eingeheizt; aber im Freien tummeln sich die Kinder, gleiten auf dem
+Eise, oder fahren Schlitten. Sie freuen sich darauf, einen Schneemann
+machen zu knnen. Bald naht auch das liebe Weihnachtsfest.
+
+
+
+
+46. WINTERS ANKUNFT.
+
+ Im weien Pelz der Winter
+ Steht lang' schon hinter der Tr,
+ Ei, guten Tag, Herr Winter,
+ Das ist nicht hbsch von dir!
+
+ Wir meinten, du wrest, wer wei wie weit,
+ Da kommst du mit einmal hereingeschneit.
+ Nun, da du hier bist, so mag's schon sein;
+ Aber, was bringst du Gutes uns Kindelein?
+
+ Was ich euch bringe, das sollt ihr wissen:
+ Frhliche Weihnacht mit pfeln und Nssen
+ Und Schneeballen,
+ Wie sie fallen,
+ Und im Jnner
+ Auch Schneemnner!
+
+[Illustration]
+
+
+
+
+47. DER TANNENBAUM.
+
+ So manches Bumchen in dem Wald
+ Verliert im Herbst die Bltter,
+ Jedoch der liebe Tannenbaum
+ Der trotzet Wind und Wetter.
+
+ Ist alles drauen d' und leer,
+ Steht er im grnen Kleide
+ Und setzt sich stolz ein Kpplein auf,
+ Ein Kpplein wei wie Kreide.
+
+ Das nimmt er aber artig ab
+ Am frohen Weihnachtsfeste,
+ Und gret liebevoll und gut
+ Die Kinder all' aufs Beste.
+
+ O Tannenbaum, o Tannenbaum,
+ Du kannst mir sehr gefallen,
+ Du bist der allerliebste mir
+ Doch von den Bumen allen.
+
+
+
+
+48. VOGEL AM FENSTER.
+
+ An das Fenster klopft es: pick, pick!
+ "Macht mir doch auf einen Augenblick!
+ Dicht fllt der Schnee, der Wind weht kalt,
+ Habe kein Futter, erfriere bald.
+ Liebe Leute, o lat mich ein,
+ Will auch immer recht artig sein!"
+
+ Sie lieen ihn ein in seiner Not;
+ Er suchte sich manches Krmchen Brot;
+ Blieb frhlich manche Woche da.
+ Doch als die Sonne durchs Fenster sah,
+ Da sa er immer so traurig dort:
+ Sie machten ihm auf, husch, war er fort.
+
+[Illustration]
+
+
+
+
+49. DAS BBLEIN AUF DEM EISE
+
+Es war Winter. Da kam ein Knabe an einem Teiche vorbei. Der Teich war
+zugefroren. Der Knabe hatte groe Lust, auf das Eis zu gehen. Der
+Vater aber hatte es ihm verboten. Das Eis war noch nicht stark genug.
+Der ungehorsame Knabe wagte sich dennoch auf das Eis. Er hackte
+darauf mit seinen Stiefeln. Auf einmal krachte das Eis. Der Knabe
+fiel in das Wasser hinein und schrie laut um Hilfe. Ein Mann eilte
+herbei und zog ihn heraus. Ganz durchnt mute der Knabe nach Hause
+laufen. Die Mutter brachte ihn in das Bett, und dazu wurde er noch
+von seinem Vater bestraft.
+
+
+
+
+50. RTSEL.
+
+Wei wie Kreide,
+Leicht wie Flaum,
+Weich wie Seide,
+Feucht wie Schaum.
+
+Wer baut wohl die billigste Brcke?
+Wer reit sie nieder und schlgt sie in Stcke?
+
+Was mgen das fr Blumen sein,
+Die unsre Fenster zieren,
+Wenn drau' vor Klte Stein und Bein
+Im rauhen Winter frieren?
+Sie sind nicht rot und blau gemalt,
+Wie Blumen auf den Wiesen,
+Und wenn die liebe Sonne scheint,
+In Wasser sie zerflieen.
+
+
+
+
+51. WEIHNACHTSFREUDE.
+
+Am Abend vor Weihnachten kam Else zur Mutter gelaufen und rief:
+"Denke nur, Anna Maurer hat mir heute ins Ohr gesagt, sie htten seit
+gestern kein Holz, kein Brot und keine Milch. Und sie haben doch ein
+kleines Kind, und die Gromutter ist krank. Darf ich der Anna heute
+Abend mein Brot geben?"
+
+"O, gewi," sagte die Mutter, "geh nur gleich hin. Bringe ihnen auch
+diese Kanne voll Milch. Robert soll seinen kleinen Schlitten voll
+Holz laden und es hinfahren." Wie freuten sich die Kinder, da sie
+den armen Leuten helfen durften.
+
+Aber Robert wollte noch mehr tun. Er bat den Vater um ein ganz
+kleines Tannenbumchen. Das schmckte er mit farbigen Sternen und
+Lichtlein. Dann suchte er seine warme Kappe fr Maurers Karl und nahm
+ein Scklein voll Nsse. Else holte eine ihrer Puppen. Alles das
+packten sie in einen Korb.
+
+Als es dunkel war, nahm Robert das Bumchen und Else den Korb. Sie
+gingen hin und stellten die Sachen leise vor Maurers Tr. Dann
+klopften sie und eilten davon.
+
+Wie sich da die armen Leute freuten! Aber auch Robert und Else
+meinten, noch nie so schne Weihnachten gehabt zu haben, wie diesmal.
+
+
+
+
+52. SCHNEESTERNE.
+
+_Olga_: Komm, liebe Mama, komm geschwind! Ich hab' dir etwas
+mitgebracht. Rate, was es ist!
+
+_Mutter_: Nun, was mag das wohl sein! Blumen, Obst oder gar
+Kuchen?
+
+_Olga_: O, nein, nein; ganz etwas anderes. Schne, weie Sterne
+sind es. Sieh her, hier hab' ich sie in meiner Schrze!
+
+_Mutter_: Wo sind sie denn? Ich kann nichts sehen.
+
+_Olga_: Ach, Mama! Sie sind nun fort, und ich habe mich doch so
+gefreut, sie dir zu bringen. Es sind nur noch kleine Tropfen auf
+meiner Schrze. Ich mchte weinen!
+
+_Mutter_: Weine nicht, liebe Olga: Solche Sterne knnen nicht
+bleiben. Die Waren einmal Wasser, und die Klte machte sie zu Schnee.
+Da sehen sie gerade wie kleine, blitzende Sterne aus. Nachher werden
+sie wieder zu Wasser. Menschen, Tiere und Pflanzen trinken das
+Wasser. Nach und nach holt die Sonne auch viele Tropfen hinauf zu den
+Wolken. Ohne Wasser knnten wir gar nicht leben.
+
+[Illustration]
+
+
+
+
+53. BRIEF VOM WEIHNACHTSMANN.
+
+Daheim, am 1. Januar 1913.
+
+Liebe Kinder!
+
+Mein Vetter, der Neujahrsbote, bringt Euch meine Gre und Wnsche.
+Eure Bitten habe ich, wie Ihr wisset, erfllt. Erfreuet Euch nur
+recht an den Geschenken.
+
+Wenn nun heute mein Baum noch einmal strahlt und glitzert, dann nehmt
+Euch vor, auch in diesem Jahre immer lieb und brav zu sein. Ihr knnt
+Euren Eltern und mir keine grere Freude machen. Schreibt mir zur
+rechten Zeit wieder, ob Ihr Wort gehalten habt. Dann schenke ich Euch
+das nchste Mal, was Ihr als gute Kinder verdient.
+
+Euer Freund
+
+Der Weihnachtsmann.
+
+
+
+
+54. ZU NEUJAHR.
+
+ Noch nicht erwachsen bin ich,
+ Drum wnsch' ich kurz, doch innig:
+ Ein glckliches Neujahr!
+
+ Und was euch freut, das wei ich:
+ Wenn brav ich bin und fleiig,
+ Mehr als ich sonst es war.
+
+ Gesundheit, Freude, Frieden
+ Sei allen euch beschieden,
+ Wie heut, so immerdar.
+
+
+
+
+55. VERSTEHST DU DAS?
+
+ Er ritt auf einem Rappen aus,
+ Da kam etwas vom Himmel,
+ Und als er wieder kam nach Haus,
+ Da war der Rapp' ein Schimmel.
+ Verstehst du das?
+
+
+
+
+56. DER SCHNEEMANN.
+
+Es hatte geschneit. Dick lag der Schnee auf Straen und Pltzen. Die
+Knaben wollten sehen, wie tief er wohl sei. Sie wateten hindurch, da
+der Schnee in die Stiefel fiel. "Heute wollen wir einen Schneemann
+bauen!" So riefen Fritz, Karl und Otto. Schnell machten sie einen
+groen Schneeball und wlzten ihn im tiefen Schnee herum. Bald wurde
+der Ball so gro, da ihn die Knaben nicht mehr fortbringen konnten.
+Nun wlzten sie einen neuen Ball heran, den setzten sie auf den
+ersten. Oben darauf kam ein kleiner Ball, das war der Kopf des
+Schneemannes. In den Kopf steckte Fritz zwei Kohlen, das waren die
+Augen. Auch Nase und Mund, ja sogar die Rockknpfe des Mannes wurden
+aus Kohlen gemacht. Nun bekam der Schneemann noch zwei Arme. In den
+einen Arm legten ihm die Knaben einen groen Stock.
+
+Da stand er nun und drohte. Aber der arme Mann konnte nicht schlagen.
+Fortlaufen konnte er auch nicht, als ihn die jungen mit Schneebllen
+warfen. Doch das war noch das Schlimmste nicht! Auf einmal guckte die
+liebe Sonne ber das Dach. Da fing der Schneemann an zu weinen.
+Trnen liefen ihm ber das Gesicht und den weien Pelzrock. Es war
+gut, da die Sonne heute nicht noch lnger schien, sonst wre er ganz
+zu Wasser geworden. Morgen aber oder bermorgen wird's wohl so
+kommen.
+
+[Illustration]
+
+
+
+
+57. MRZ.
+
+Nach vielen trben Tagen sehen wir den blauen Himmel wieder. Manchmal
+scheint auch schon die Sonne freundlich auf die Erde herab. Da mu
+der Winter weichen. Der Schnee fngt an, zu schmelzen, und nur noch
+des Nachts gibt es ein wenig Eis. An schnen Tagen lt sich
+vielleicht ein Vogel hren, und ein fleiiges Bienchen fliegt umher.
+Auf dem Felde und im Wald sieht es aber noch recht de aus. Nur die
+Weiden und Birken haben graue Ktzchen, und an den Zweigen der Ulme
+sind kleine Blten. Die Kinder gehen ins Freie; sie spielen Ball oder
+lassen den Drachen steigen.
+
+
+
+
+58. OSTERGRUSS.
+
+ Das Hschen im Walde eilt hin und her,
+ Nach Eiern ist heute ein groes Begehr.
+ Es borgt bei der Henne, es borgt bei dem Spatz
+ Und sucht fr die Nester den passenden Platz.
+ Ein artiges Kindlein erhlt heut' sein Ei.
+ Es schleppen die Hschen die Eier herbei;
+ Und bist du am Ostermorgen erwacht,
+ Hat Hschen die Nester gefllt ber Nacht.
+
+
+
+
+59. DER OSTERHASE.
+
+Bald ist es Ostern. O, wie freue ich mich, denn es kommt der
+Osterhase! Der bringt schne, bunte Eier. Wir wollen ihm deshalb ein
+Nest zurecht machen. Oft versteckt der Osterhase die Eier. Dann
+mssen wir sie suchen. Zuweilen legt er sie in Hte, Schuhe oder
+Krbe. Auch unter den Schrank hat er sie schon gelegt. Ja, er steckt
+sie uns wohl gar in die Taschen. Welche Freude, wenn wir sie finden!
+Erst zhlen wir sie und spielen damit. Spter essen wir sie; sie
+schmecken gut. In Washington werden am Ostermontage viele Kinder zum
+Prsidenten eingeladen. Sie knnen lange auf dem Rasen bei dem groen
+Hause spielen. Da gibt es dann viele und sehr schne Ostereier. Die
+werden hin und her gerollt und schlielich verzehrt. Ihr mchtet auch
+dabei sein, nicht wahr?
+
+[Illustration]
+
+
+
+
+60. DER OBSTGARTEN.
+
+Neben dem Gemse und den Blumen ist oft ein Platz, auf dem nur Gras
+und Obstbume wachsen, es ist der Obstgarten. Welche Pracht, wenn die
+Bume im Frhlinge blhen! Der Kirschbaum kommt zuerst mit seinen
+weien Blten. Dann ziehen der Birnbaum und der Pflaumenbaum ihr
+weies Kleid an. Am schnsten aber Blhen der Apfelbaum und der
+Pfirsichbaum, die blhen schn rot. Das Obst ist zuerst grn; dann,
+wenn die Sonne recht hei scheint, wird es gelb, rot oder blau. Ah,
+Wie schmecken Kirschen und Pflaumen so gut! Wenn sie nur schon reif
+wren!
+
+
+
+
+61. SPRCHE.
+
+Was Hnschen nicht lernt,
+Lernt Hans nimmermehr.
+
+Gute Sprche, weise Lehren
+Mu man ben, nicht blo hren.
+
+Frage nicht, was and're machen,
+Sieh auf deine eig'nen Sachen.
+
+
+
+
+62. DIE VGEL IM FRHLINGE.
+
+Im Winter sind nur wenige Vgel Bei uns. Wo sind die andern? Sie sind
+fortgezogen nach wrmeren Lndern. Jetzt wird es aber auch hier bei
+uns warm, und die Vgel kehren zurck. Bald werdet ihr sie singen
+hren. Fleiig fliegen sie zum Baume. Sie arbeiten. Im Schnabel
+tragen sie Stroh, Heu, Pferdehaare oder auch kleine Zweige herbei;
+damit bauen sie ihre Nester.
+
+[Illustration]
+
+
+
+
+63. DAS ROTE HHNCHEN.
+
+_Hhnchen_: Hier ist ein Weizenkorn. Wer wird mir helfen, es zu
+pflanzen? Bitte, hilf du mir, Frau Gans.
+
+_Gans_: Es tut mir leid, aber ich kann dir nicht helfen.
+
+_Hhnchen_: Bitte, hilf du mir, Frau Ente.
+
+_Ente_: O, ich kann dir heute nicht helfen. Ich habe so viel mit
+meinen Kindern zu tun.
+
+_Hhnchen_: Nun, dann hilf du mir, alte Katze.
+
+_Katze_: Ich kann dir auch nicht helfen. Ich mu meine Ktzchen
+waschen.
+
+_Hhnchen_: Willst du mir denn nicht helfen, kleines Schwein?
+
+_Schwein_: Ich kann keinen Weizen pflanzen. Ich bin zu mde.
+Pflanz du ihn selber.
+
+_Hhnchen_: Das will ich auch tun! Ich lege dich in die Erde,
+Krnchen, und die Sonne, der Regen und der Wind werden dich wachsen
+lassen.
+
+
+ * * * * *
+
+
+_Hhnchen_: Jetzt ist der Weizen reif. Wer wird ihn nach der
+Mhle fahren? Willst du es tun, Frau Gans?
+
+_Gans_: Es tut mir recht leid, Hhnchen, aber heute kann ich
+nicht nach der Mhle fahren. Ich habe Rckenschmerzen.
+
+_Hhnchen_: Willst du es tun, Frau Ente?
+
+_Ente_: Nein, ich kann auch nicht fort. Ich mu jetzt schwimmen.
+
+_Hhnchen_: So tu du es, alte Katze!
+
+_Katze_: Sch! Sch! Ruhig! Ich laure auf eine Maus. Ich kann
+diesmal nicht gehen.
+
+_Hhnchen_: Bitte, tu du es doch, kleines Schwein.
+
+_Schwein_: Ach was! Es ist gerade Zeit fr mein
+Mittagsschlfchen. Du kannst den Weizen selber zur Mhle fahren.
+
+_Hhnchen_: Das werde ich auch tun.
+
+
+ * * * * *
+
+
+_Hhnchen_: Hier ist Mehl. Wer wird Brot daraus backen? Willst
+du das Brot backen, Frau Gans?
+
+_Gans_: Ei, nein! Ich habe in meinem Leben noch kein Brot
+gebacken.
+
+_Hhnchen_: Willst du das Brot backen, Frau Ente?
+
+_Ente_: Ich! Brot backen? Nein, das kann ich wirklich nicht tun.
+
+_Hhnchen_: Backe du das Brot, alte Katze!
+
+_Katze_: Ich tue alles andere auf der Welt lieber als backen.
+
+_Hhnchen_: Wach auf, kleines Schwein, und back du das Brot.
+
+_Schwein_: Ach! la mich in Ruhe. Ich will dir beim Essen
+helfen, wenn es gebacken ist.
+
+_Hhnchen_: Gut; da backe ich es selbst.
+
+
+ * * * * *
+
+
+_Hhnchen_: So, jetzt ist das Brot gebacken. Sechs schne,
+braune Laibe. Wer will helfen essen?
+
+_Gans, Ente, Katze, Schwein_: Wir wollen dir helfen!
+
+_Hhnchen_: O, nein! Nun brauch' ich euch auch nicht. Ich werde
+es essen, und meine Kchlein sollen mir helfen. Gluck, gluck, gluck!
+
+
+
+
+64. RTSEL.
+
+Rate flink:
+Ein kleines Ding,
+Dnn und spitz;
+Sticht wie der Blitz.
+
+Zwei sind's, die nebeneinander steh'n
+Und alles ganz gut und deutlich seh'n,
+Nur immer eines das andre nicht,
+Und wr' es beim hellsten Tageslicht.
+
+
+
+
+65. DER NASEWEISE BELLO.
+
+In einem Stalle wohnten fnf kleine Hunde mit ihrer Mutter. Alle
+waren schn wei mit braunen Flecken. Sie spielten lustig umher und
+lernten auch von der Mutter Ratten und Muse fangen.
+
+Nur einer der Kleinen wollte nicht folgen. Er wollte auch nicht mit
+seinen Geschwistern spielen, sondern trieb sich lieber drauen herum.
+Einmal war Bello--so hie der kleine--wieder hinausgeschlichen. Bei
+der Tre stand ein Topf voll schwarzer Farbe. Bello wollte gerne
+wissen, was darin wre, und so steckte er seine Nase hinein. Aber, o
+weh! er kam mit dem Kopfe zu Weit hinein und warf den Topf um. Jetzt
+war er ber und ber mit schwarzer Farbe bedeckt. Langsam ging er
+zurck und blieb mit hngendem Kopf auf der Trschwelle sitzen. Seine
+Mutter und seine Geschwister schmten sich des schmutzigen,
+naseweisen Bello.
+
+
+
+66. HEIL, AMERIKA!
+
+ Hoch die Fahnen,
+ Sie gemahnen
+ An das teure Vaterland.
+ Rot und wei die Streifen winken,
+ Licht im Blau die Sterne blinken,
+ Sind der Freiheit Unterpfand.
+
+ Freudig singen
+ Wir und bringen
+ Gre viel von fern und nah.
+ Wo die Flaggen munter wehen,
+ Stolz wir, sie beschtzend, stehen,
+ Deiner wert, Amerika!
+
+[Illustration]
+
+
+
+
+67. PETERSILIE.
+
+Es waren einmal zwei Kinder, ein Knabe und ein Mdchen. Das Mdchen
+hie Silie, der Knabe Peter. Die Kinder konnten sich gar nicht
+miteinander vertragen. Sobald sie zusammenkamen, stritten sie und
+schlugen einander. Dies machte den Eltern viel Kummer. Das rgerte
+den Paten der Kinder, der ein Zauberer war. Er sprach zu den beiden:
+"Hre ich euch wieder zanken, so lasse ich euch zur Strafe
+zusammenwachsen."
+
+Es dauerte gar nicht lange, so war wieder Streit; Silie schlug den
+Peter, und Peter schlug Silie. Da kam der Zauberer durch die Luft
+gefahren und rhrte beide mit seinem Stabe an. Nun waren sie
+verwandelt. Peter wuchs in die Erde hinein als Wurzel, und oben auf
+ihm Silie als grnes Kraut. Der Zauberer nannte sie nun zusammen:
+Petersilie.
+
+
+
+68. DAS KIND UND SEIN BLMCHEN.
+
+ Ward ein Blmchen mir geschenket,
+ Hab's gepflanzt und hab's getrnket.
+ Vgel, kommt und gebet acht!
+ Gelt, ich hab' es recht gemacht?
+
+ Sonne, la mein Blmchen sprieen!
+ Wolke, komm es zu begieen!
+ Richt' empor dein Angesicht,
+ Liebes Blmchen, frcht' dich nicht!
+
+ Und ich kann es kaum erwarten,
+ Tglich geh' ich in den Garten,
+ Tglich frag' ich: Blmchen, sprich,
+ Blmchen, bist du bs auf mich?
+
+ Sonne lie mein Blmchen sprieen,
+ Wolke kam, es zu begieen;
+ Jedes hat sich brav bemht,
+ Und mein liebes Blmchen blht.
+
+
+ Wie's vor lauter Freuden weinet,
+ Freut sich, da die Sonne scheinet;
+ Schmetterlinge, fliegt herbei,
+ Sagt ihm doch, wie schn es sei!
+
+[Illustration]
+
+
+
+
+69. NACHLSSIGKEIT.
+
+Eine fleiige Mutter baute in ihrem Garten Gemse aller Art. Eines
+Tages sagte sie zu ihrer kleinen Tochter: "Lieschen, sieh da an der
+untern Seite des Kohlblattes die kleinen, netten, gelben Tpfelchen!
+Das sind die Eier, aus denen die schnfarbigen, aber verderblichen
+Raupen kommen. Suche diesen Nachmittag alle Bltter ab und zerdrcke
+die Eier, so wird unser Kohl grn und unversehrt bleiben."
+
+Lieschen meinte, zu dieser Arbeit sei es immer noch Zeit, und dachte
+am Ende gar nicht mehr daran. Die Mutter war einige Wochen krank und
+kam nicht in den Garten. Als sie aber wieder gesund war, nahm sie das
+saumselige Mdchen bei der Hand und fhrte es zu den Kohlbeeten, und
+siehe! aller Kohl war von den Raupen abgefressen. Man sah nichts mehr
+als die Stengel und Gerippe der Bltter. Das erschrockene und
+beschmte Mdchen weinte ber seine Nachlssigkeit. Die Mutter aber
+sprach: "Tu' knftig das, was heute geschehen kann, sogleich heute
+und verschiebe es niemals auf morgen!"
+
+
+
+
+70. EIN RTSEL.
+
+Ratet, ratet, was ist das:
+Es ist kein Fuchs und ist kein Has'.
+Es hat zwei Augen und kann nicht sehen.
+Es hat zwei Fe und kann nicht gehen.
+Es hat zwei Ohren und kann nicht hren.
+Es hat zwei Hnde und kann sich nicht wehren.
+
+Es ist ein Mdchen hbsch und fein,
+Tut niemals zanken und niemals schrei'n.
+
+Was fr ein Mdchen mag das sein?
+
+[Illustration]
+
+
+
+
+71. WAS WRDEST DU TUN?
+
+"Wenn ich ein Knig wre," sagte ein Kind, "liee ich mir ein Schlo
+bauen bis an die Wolken!"
+
+"Und ich," sagte ein anderes, "trge nur Kleider von Silber und
+Gold!"
+
+"Und ich," rief ein dicker Bube, "ich e nur Kuchen und Wurst!"
+
+"Ich," sagte ein kleines Mdchen und wurde ein wenig rot, "ich gbe
+allen armen Kindern Geld, da sie sich Brot und Kleider kaufen
+knnten!"
+
+
+
+
+72. WAS WOLLEN WIR SPIELEN?
+
+_Ella_: In fnf Minuten ist Essenszeit,
+ Noch schnell was zu spielen, das wre gescheit!
+
+_Toni_: Ei! Jede holt ihre Puppe heraus,
+ Wir tragen sie etwas spazieren ums Haus.
+
+_Ella_: Das Puppenholen hlt aber doch auf!
+ Komm, spielen wir haschen; ich fange dich, lauf!
+
+_Toni_: Beim Haschen kommt man ja gar nicht zur Ruh'.
+ Ach! spielen wir lieber Blindekuh!
+
+_Ella_: Bei Blindekuh komme ich immer zu Fall.
+ Topp! Weit du was, spielen wir Fangeball!
+
+_Toni_: Ach was, das Ballspiel machte mir niemals Spa;
+ Reifentreiben, das wre noch was!
+
+_Ella_: Die Reifen, die sind auch drinnen im Haus.
+ Was meinst du, wir suchen Mama einen Strau!
+
+_Toni_: Wir drfen ja nicht auf dem Rasen springen.
+ So la uns lieber ein Liedchen singen!
+
+_Ella_: Ich habe den Husten, fllt eben mir ein!
+
+_Toni_: Na, gut! So spiele ich fr mich allein!
+
+_Ella_: Ganz alleine? O, das wre nicht schlecht:
+ Dir ist ja auch nimmer ein Vorschlag recht!
+
+
+_Toni_: Was spiele ich nun?--Die Zeit geht vorbei--
+ Zum Wettelaufen gehren doch zwei!
+
+_Ella_: Mir ist nicht sehr zum Spielen zu Mut--
+ Alleine tanzen geht auch nicht gut!
+
+_Toni_: Mama ruft zum Essen! Wir mssen ins Haus!
+ Ach, Ella, nun ist mit dem Spielen es aus!
+
+_Ella_: Wie ist die Zeit nur so hingegangen!
+ Wir haben ja nicht einmal angefangen!
+
+_Toni_: Ja! weit du, das berlegen und Streiten!
+ Es war doch wirklich recht dumm von uns beiden!
+
+_Ella_: Wir haben recht kindisch uns angestellt!
+
+_Toni_: Nach Tische spielen wir--
+
+_Ella_: Was dir gefllt!
+
+
+
+
+73. DIE SCHLAUE KATZE.
+
+Die Nachbarin hatte einen zahmen Zeisig, den sie oft aus dem Kfig
+lie. Dann hpfte das Tierchen in der Stube umher und suchte Krumen
+am Boden. Die alte Katze war immer sehr freundlich mit dem Vgelchen.
+Vor einigen Tagen aber erfate sie pltzlich den Zeisig, nahm ihn ins
+Maul und sprang mit ihm auf den Tisch.
+
+Die Nachbarin erschrak und glaubte, die Katze wolle ihr liebes
+Vgelein auffressen. Da sah sie jedoch, da die Stubentre offen war
+und eine fremde Katze sich ins Zimmer geschlichen hatte. Schnell
+jagte sie diese hinaus, und sieh, die alte Hauskatze sprang sogleich
+vom Tische herab und lie den Zeisig auf den Boden fallen, ohne ihm
+etwas zuleide getan zu haben. Hat die alte Katze nicht klug
+gehandelt?
+
+
+
+
+74. KANNST DU ES SAGEN?
+
+ Es saen zehn Sperlinge auf dem Dach;
+ Da kam der Jger und scho danach;
+ Er traf davon nur vier.
+ Wie viel bleiben sitzen?
+ Das sage mir.
+
+
+
+
+75. DER SPERLING
+
+ Ich bin wohl ein gemeiner Wicht,
+ Das Singen, das versteh' ich nicht,
+ In schnen Kleidern geh' ich nicht;
+ Es sieht mich auch der Mann kaum an;
+ Nur bse Buben dann und wann,
+ Die werfen mich mit Steinen;
+ Und dennoch will mir's scheinen,
+ Als sei so schn die ganze Welt,
+ So blau die Luft, so grn das Feld--
+ Zip, zip, zip! Ich hab' die Welt so lieb!
+
+
+
+
+76. DAS PFERD UND DER ESEL.
+
+Einst schleppte ein Esel eine schwere Last. Neben ihm ging ein
+lediges Pferd. Der Esel bat das Pferd, es mge ihm doch helfen;
+allein es hrte nicht auf seine Bitte. Zuletzt konnte der Esel nicht
+mehr weiter; er fiel zu Boden und starb.
+
+Nun lud der Treiber die ganze Last dem Pferde auf. Er zog dem toten
+Tiere die Haut ab, und das Pferd mute dieselbe noch obendrein
+tragen. Hilf deinem Nchsten in der Not.
+
+
+
+
+77. DER KLUGE STAR.
+
+Ein durstiger Star wollte aus einer Wasserflasche trinken. Er konnte
+aber das Wasser mit seinem kurzen Schnabel nicht erreichen. Da hackte
+er damit aufs dicke Glas; doch er vermochte nicht, es zu zerbrechen.
+Dann stemmte er sich gegen die Flasche und wollte sie umwerfen. Aber
+dazu war er nicht stark genug.
+
+Was tat der kluge Star zuletzt? Er las kleine Steinchen mit seinem
+Schnabel zusammen und warf eines nach dem andern in die Flasche.
+Dadurch stieg das Wasser endlich so hoch, da er es erreichen konnte.
+Jetzt lschte er seinen Durst.
+
+[Illustration]
+
+
+
+
+78. DER APFELBAUM.
+
+ Der Apfelbaum, das ist ein Mann!
+ Kein andrer gibt so gern wie der.
+ Im Winter, wenn man schttelt dran,
+ Da gibt er Schnee die Flle her.
+ Im Frhling wirft er Blten nieder.
+ Im Sommer herbergt er die Finken.
+ Jetzt streckt er seine Zweige nieder,
+ Die voller Frucht zur Erde sinken.
+ Drum kommt und schttelt, was ihr knnt!
+ Ich wei gewi, da er's euch gnnt.
+
+[Illustration]
+
+
+
+
+79. DER HASE UND DER FUCHS.
+
+Ein Hase und ein Fuchs machten im Winter eine Reise. Alles war mit
+Schnee bedeckt. Der Hunger plagte sie sehr. Da sahen sie ein Mdchen
+mit einem Korbe kommen, darin war Brot. Das merkte der Fuchs und
+sagte zu dem Hasen: "Lege dich wie tot auf den Boden, dann wird das
+Mdchen den Korb niederstellen, um dich aufzuheben. Ich nehme den
+Korb weg und mache mich schnell davon. Du eilst mir nach, und dann
+lassen wir es uns wohl sein." Das war dem Hasen recht.
+
+Der Fuchs verbarg sich hinter einem Haufen Schnee, und der Hase legte
+sich nieder. Das Mdchen stellte den Korb richtig hin und griff nach
+dem Hasen. Da schlich der Fuchs hervor und machte sich mit dem Korb
+so schnell davon, da das Mdchen ihm nicht nachkam. Unser Hase aber
+eilte ihm in groen Stzen nach. An einem Wasser hielten sie still.
+Weil aber der Fuchs nicht teilen wollte, so sagte der Hase: "Brot
+haben wir, jetzt sollten wir auch noch Fische haben. Dann htten wir
+ein Essen wie die groen Herren. Stecke deinen Schwanz ins Wasser, so
+werden sich die Fische daran hngen, denn die haben jetzt auch nicht
+viel zu beien."
+
+Der Fuchs ging an den Weiher hin und hing seinen Schwanz in das
+Wasser. Es dauerte aber nicht lange, so war er im Eise festgefroren.
+Der Fuchs konnte ziehen und zappeln, wie er wollte--das Eis lie ihn
+nicht los. Er mute nun zusehen, wie der Hase ein Brot nach dem
+andern verzehrte. Dann rief der listige Hase dem Fuchs zu: "Im
+Frhjahr sehen wir uns wieder. La dir die Zeit nicht zu lang werden,
+bis das Eis auftaut."
+
+
+
+
+80. SPRCHE.
+
+Wer andern eine Grube grbt,
+Fllt selbst hinein.
+
+Wer redet, was er nicht sollte,
+Mu hren, was er nicht wollte.
+
+Kein besseres Kissen in Freude und Schmerz,
+Als gutes Gewissen und frhliches Herz.
+
+
+
+
+81. DER HASE UND DIE SCHILDKRTE.
+
+Ein flinker Hase forderte einst die langsame Schildkrte zum Wettlauf
+auf. Sie willigte ein, und eine groe Eiche im Walde sollte das Ziel
+sein.
+
+Mit den ersten Sonnenstrahlen machte sich die Schildkrte auf den
+Weg, der Hase aber hatte keine groe Eile. Er spielte lange im Grase
+umher, ehe er ans Laufen dachte. Endlich sprang er fort und holte die
+Schildkrte wirklich ein. Da er jedoch sah, wie mhsam sie vorwrts
+kroch, legte er sich im Schatten eines Baumes nieder und schlief fest
+ein.
+
+Als er erwachte, war es schon lange nach Mittag. Da rannte er, so
+rasch er konnte, den Weg entlang. Aber, siehe da, als er die Eiche
+erblickte, sa die Schildkrte schon darunter und lachte den Hasen,
+der seine Zeit verspielt und verschlafen hatte, tchtig aus.
+
+[Illustration]
+
+
+
+
+82. HASENBRATEN.
+
+ Auf dem Dach viel blanke Zapfen,
+ Zu dem Schnee viel kleine Tapfen,
+ Alle laufen nach dem Kohl!
+ Hschen, das gefllt dir wohl?
+
+ Nchtlich, bei des Mondes Schimmer,
+ Sitzt es dort zu schmausen immer;
+ Knusperknuschen, gar nicht faul:
+ Ei, du kleines Leckermaul!
+
+ Hschen ist es schlecht bekommen;
+ Vater hat's Gewehr genommen;
+ Eines Abends ging es: bumm!
+ Bautz! da fiel das Hschen um.
+
+ Kannst du wohl das Ende raten?
+ Heute gibt es Hasenbraten,
+ Apfelmus mit Zimt dazu.
+ Ach, du armes Hschen du!
+
+[Illustration]
+
+
+
+
+83. DER SCHEIN TRGT.
+
+Bei einem Teiche wohnten viele Gnse. In der Nhe hatte auch ein
+Fuchs seinen Bau. Gar oft versuchte er, sich eine Gans oder ein
+Gnsekchlein zu fangen. Daher frchteten sich diese sehr vor dem
+braunen Gesellen. Einst war der Fuchs sehr hungrig. "Heute mu ich
+mir einen fetten Braten holen!" sagte er zu sich selber.
+
+Er streckte sich, so lang er war, im Grase aus und rhrte kein Glied.
+Als die Gnse den Ruber so liegen sahen, kamen sie nher und erhoben
+ein freudiges Geschnatter. "Jetzt werden wir Ruhe haben!" sprachen
+sie. "Unser Feind ist nicht mehr am Leben!"
+
+Schnell sprang der Fuchs auf, erwischte den Gnserich beim Flgel und
+trug ihn in seine Hhle.
+
+[Illustration]
+
+
+
+
+84. DER FROSCH.
+
+_Berta_: Geschwind, geschwind, Mama!
+
+_Mutter_: Was fehlt dir? Wer hat dir etwas zuleide getan?
+
+_Berta_: Sieh nur, was mir unser Spitz in den Scho fallen lie!
+
+_Mutter_: Einen kleinen Frosch! Und deshalb bist du so
+erschrocken? Rasch, nimm den kleinen Burschen und setze ihn in das
+Gemsebeet!
+
+_Berta_: Tragen soll ich das hliche Tier? Ich wrde es um
+alles in der Welt nicht in die Hand nehmen!
+
+_Mutter_: Nun, dann mu ich es tun! Schau, wie ich jetzt das
+Tierchen anfasse und es ins Beet hpfen lasse. Hopp, da sitzt es
+schon drinnen.
+
+_Berta_: O, Mama, was tust du? Warum hast du den Frosch nicht
+gettet?
+
+_Mutter_: Weil er ein sehr ntzliches Tier ist. Freust du dich
+nicht, wenn es im Garten die zarten Rbchen und die sen Erbsen
+gibt, die Papa jedes Frhjahr pflanzt?
+
+_Berta_: Gewi, Mama! Ich esse beides sehr gerne; aber was hat
+das mit dem Frosch zu tun?
+
+_Mutter_: Hre nur, du wirst es gleich erfahren. Den Raupen und
+Kfern schmecken diese Gemse auch gut, gerade wie dir. Im Frhlinge
+stellen sich diese Insekten ein und fressen die Blttchen ab, so da
+die Pflnzchen sterben mten, wenn der Frosch nicht zur Hand wre.
+Der glatte Bursche hpft dann durch den Garten, fngt die Raupen,
+Fliegen und Kfer, und die Pflnzchen wachsen wieder. Soll ich den
+Frosch zum Dank dafr tten, Berta?
+
+_Berta_: Nein, liebe Mama; und wenn ich wieder sehe, da ein
+Knabe einen Frosch qult, will ich ihm sagen, was ich heute von dir
+gelernt habe.
+
+[Illustration]
+
+
+
+
+85. VOM LISTIGEN GRASMCKLEIN EIN LUSTIGES STCKLEIN.
+
+ Klaus ist in den Wald gegangen,
+ Weil er will die Vglein fangen;
+ Auf den Busch ist er gestiegen,
+ Weil er will die Vglein kriegen.
+ Doch im Nestchen sitzt das alte
+ Vgelein just vor der Spalte,
+ Schaut und zwitschert: "Ei, der Taus!
+ Kinderlein, es kommt der Klaus,
+ Hu, mit einem groen Prgel,
+ Kinderlein, wohl auf die Flgel!"
+ Brr, da flattert's: husch, husch, husch!
+ Leer das Nest, und leer der Busch.
+ Und die Vglein lachen Klaus
+ Mit dem groen Prgel aus,
+ Da er wieder heimgegangen
+ Zornig, weil er nichts gefangen;
+ Da er wieder heimgestiegen,
+ Weil er konnt' kein Vglein kriegen.
+
+
+
+
+86. EIN TRICHTER STREIT.
+
+Zwei Knaben, Albert und Paul, suchten im Walde Nsse. Da bemerkte
+Paul eine groe Walnu unter einem Baume und rief seinem Kameraden
+zu: "O, sieh dort vor dir die Walnu!" Albert hob sie schnell auf und
+steckte sie in seine Tasche. Damit war aber Paul nicht zufrieden; er
+sagte: "Die Nu gehrt mir, ich habe sie zuerst gesehen!" "Und ich
+habe sie aufgehoben," erwiderte Albert trotzig; "ich gebe sie nicht
+her!" So stritten sie heftig, und schon wollten die trichten Knaben
+einander schlagen, als Georg, ein lterer Junge, herbeikam, der im
+Walde Eichhrnchen scho. Albert und Paul baten den groen Knaben, er
+solle entscheiden, wem die Nu gehre. Was tat Georg? Er zerbrach die
+Nu mit einem Steine und gab jedem der beiden Streitenden ein Stck
+von der Schale. "Den Kern," sprach er, "behalte ich als Lohn dafr,
+da ich euer Richter war!" Dann ging er lachend fort.
+
+[Illustration]
+
+
+
+
+87. HERR WIND! HERR WIND!
+
+ Ein Bauer hat ein Haus gehabt,
+ Und auf dem Haus ein Dach.
+ Zur Nachtzeit kam der Wind getrabt,
+ Da ward der Bauer wach.
+ Wie's heulte, krachte, klirrte, klang!
+ Der arme Bauer flehte bang:
+ "Ich bitt' dich, lass' dein Toben,
+ Und lass' mein Dach dort oben,
+ Herr Wind! Herr Wind!"
+
+ Des Daches Luken schlossen gut
+ Der Bauer und sein Knecht.
+ Da ward der Wind voll Trotz und Wut
+ Und kreischte: "Nun erst recht!"
+ Herr Wind! Herr Wind! du bser Wind,
+ Du bist wie manche Kinder sind,
+ Die das just haben wollen,
+ Was sie nicht haben sollen.
+ Herr Wind! Herr Wind!
+
+ Mit Druen drngt der Wind und drckt
+ Mit Groll und grausem Krach;
+ Er zieht und zerrt und rttelt, rckt
+ Und reit vom Haus das Dach.
+ Zerstrt ist herzlos Heim und Haus;
+ Der Bauer sieht so traurig aus,
+ Sein Weib und seine Kleinen,
+ Sie stehen da und weinen.
+ Herr Wind! Herr Wind!
+
+ Hast du's gehrt, mein liebes Kind?
+ Sei freundlich, friedlich, froh!
+ Denn wrdest du ein solcher Wind,
+ Dann sprch' man von dir so:
+ Du bist nicht gut, du tust nicht gut,
+ Du bist ein wild und trotzig Blut,
+ Das stets gern haben wollte,
+ Was es nicht haben sollte!----
+ Herr Wind! Herr Wind!
+
+[Illustration]
+
+
+
+
+88. DAS FNKCHEN.
+
+Das Kind hatte mit dem Fnkchen gespielt, obgleich seine Mutter es
+schon oft verboten hatte. Da war das Fnkchen fortgeflogen und hatte
+sich ins Stroh versteckt. Das Stroh fing an zu brennen, und es
+entstand eine Flamme, ehe das Kind daran dachte. Da wurde es dem
+Kinde bange, und es lief fort, ohne jemandem etwas von der Flamme zu
+sagen. Und da niemand Wasser darauf schttete, ging die Flamme nicht
+aus, sondern breitete sich im ganzen Hause aus. Als sie an die
+Fenstervorhnge kam, wurde sie noch grer, und das Bett, worin die
+Leute nachts schliefen, brannte hell auf, und die Tische und die
+Sthle und die Schrnke und alles, was der Vater und die Mutter
+hatten, das wurde vom Feuer erfat, und die Flamme wurde so hoch wie
+der Kirchturm. Da schrieen die Leute vor Schrecken, die Glocken
+luteten; es war frchterlich zu hren, und die Flamme war
+schrecklich zu sehen. Nun fing man an zu lschen, indem man Wasser in
+das Feuer schttete und spritzte; aber es half nichts; das Haus
+brannte ganz ab, und nur noch ein wenig Kohlen und ein bichen Asche
+blieben brig. Da hatten nun die Eltern des Kindes kein Haus mehr und
+kein Pltzchen, wo sie wohnen und wo sie schlafen konnten, und auch
+kein Geld, um sich ein neues Haus und neue Betten und Tische und
+Sthle zu kaufen. Ach, wie weinten die armen Eltern! Und das Kind,
+das mit dem Fnkchen gespielt hatte, war schuld daran.
+
+
+
+
+89. RTSEL.
+
+Kennt ihr die Blume, in guter Ruh'
+Dreht sie sich immer der Sonne zu;
+Sie hat viel Samenkrner schn,
+Wie Strahlen ihre Blttchen stehn.
+
+Erst wei wie Schnee,
+Dann grn wie Klee,
+Drauf rot wie Blut,
+Dann schmeckt es gut.
+
+
+
+
+90. DAS GNSEBLMCHEN.
+
+[Illustration]
+
+Die Rose feierte einmal ihren Geburtstag. Sie stand mitten im Garten,
+und alle Blumen kamen zu ihr, um ihr Glck zu wnschen. Zuerst kamen
+die stolze Lilie und die prchtige Tulpe, hernach kamen die kleinen
+Blumen. Alle neigten sich vor der Rose und sagten: "Wir wnschen dir
+Glck, liebe Rose."
+
+[Illustration]
+
+Aber ein kleines, weies Blmchen getraute sich nicht, nahe an die
+Rose heranzutreten, weil es so schchtern und bescheiden war. Es
+blieb von ferne stehen und flsterte nur: "Ich wnsche dir auch
+Glck, liebe Rose!" Die Rose hatte das Blmchen aber gesehen und
+winkte ihm, nher heranzutreten. "Komm doch nher, liebe kleine
+Schwester," sagte die Rose gtig. Als nun das Blmchen nher
+herangetreten war, fragte die Rose: "Wie heit du denn, liebe
+Kleine?" Da sprach es ganz leise: "Ich heie Gnseblmchen."
+
+[Illustration]
+
+"Aber, liebes Gnseblmchen," sagte die Rose freundlich, "du bist ja
+tausendmal schner als alle andern Blumen. Du sollst jetzt nicht mehr
+Gnseblmchen, sondern Tausendschn heien, weil du tausendmal
+schner bist als alle." Darber freute sich das gute Gnseblmchen so
+sehr, da es ber und ber rot ward, und seit der Zeit haben alle
+Gnseblmchen--rote Ohrlppchen.
+
+[Illustration]
+
+
+
+
+91. DIE GRNE STADT.
+
+ Ich wei euch eine schne Stadt,
+ Die lauter grne Huser hat.
+ Die Huser, die sind gro und klein,
+ Und wer nur will, der darf hinein.
+
+ Die Straen, die sind freilich krumm,
+ Sie fhren hier und dort herum;
+ Doch stets gerade fort zu gehn,
+ Wer findet das wohl allzuschn!
+
+ Die Wege, die sind weit und breit
+ Mit bunten Blumen berstreut.
+ Das Pflaster, das ist sanft und weich,
+ Und seine Farb' den Husern gleich.
+
+ Es wohnen viele Leute dort,
+ Und alle lieben ihren Ort.
+ Ganz deutlich sieht man dies daraus,
+ Da jeder singt in seinem Haus.
+
+ Die Leute, die sind alle klein,
+ Denn es sind lauter Vgelein;
+ Und meine ganze grne Stadt
+ Ist, was den Namen "Wald" sonst hat.
+
+
+
+
+92. DEUTSCHLAND.
+
+[Illustration]
+
+Weit weg von hier liegt Deutschland. Das ist ein schnes Stck Erde.
+Zu Deutschland gehren Preuen, Sachsen, Bayern, Baden und andere
+kleinere oder grere Staaten. Dort gibt es breite und tiefe Flsse.
+Der Rhein, die Elbe und die Donau sind am bekanntesten. Daneben
+finden sich weite Ebenen, hohe Berge und dichte Wlder. Auch fehlt es
+nicht an Stdten, in denen viele fleiige Leute leben. Berlin,
+Mnchen, Kln, Dresden, Frankfurt und manche andere sind
+bemerkenswert. berall hat man prchtige Wohnhuser, reiche Kirchen
+und herrliche ffentliche Gebude. Alles wird sehr sauber und
+ordentlich gehalten. Von Hamburg und Bremen aus fahren mchtige
+Dampfschiffe und Segler nach allen Gegenden der Welt. Deutschland
+besitzt auch zahlreiche groe Fabriken. Die Felder werden auf das
+Beste bestellt. Die deutsche Fahne ist schwarz, wei und rot
+gestreift. An der Spitze des Reiches steht der deutsche Kaiser.
+
+
+
+
+93. SONNENSCHEIN.
+
+ Sonnenschein,
+ Klar und rein,
+ Leuchtest in die Welt hinein;
+ Machst so hell, so warm und schn
+ In den Tlern, auf den Hh'n,
+ Die du alle berstrahlst
+ Und so hold und lieblich malst.
+
+ Sonnenschein,
+ Klar und rein,
+ Kehre auch ins Herz mir ein!
+ Wenn ich habe heitern Sinn,
+ Gut und froh und freundlich bin,
+ Dann ist's in dem Herzen mein
+ Wunderbarer Sonnenschein.
+
+
+
+
+94. DIE KNIGIN LUISE.
+
+Vor hundert Jahren lebte in Preuen eine Knigin, namens Luise. Sie
+war jung und schn, aber auch ebenso gut. Ein jeder liebte sie. Schon
+als kleines Kind hatte sie ihre Mutter verloren und wurde von ihrer
+Gromutter einfach erzogen. So war sie zu einer echten, deutschen
+Jungfrau herangewachsen, als der Kronprinz und sptere Knig von
+Preuen, Friedrich Wilhelm, sie kennen lernte. Bald darauf wurde sie
+seine Frau. Eine groe Freude hatte sie an ihren Kindern, zwei
+Knaben, mit denen sie gerne lernte und spielte. Aber da gab es einen
+schrecklichen Krieg mit dem Kaiser von Frankreich, Napoleon. Die
+Feinde waren strker als die Preuen und besiegten sie. Das tat dem
+Knige und der guten Knigin sehr weh. Es kam so weit, da sie ihr
+Schlo in Berlin verlassen muten. Als die knigliche Familie endlich
+wieder zurckkehren konnte, herrschte groer Jubel. Die Freude sollte
+aber nicht lange dauern, denn bald darauf wurde die edle Knigin
+schwer krank und erholte sich nicht mehr. Als sie starb, war die
+Trauer allgemein. Noch heute ist die Knigin Luise unvergessen.
+
+[Illustration]
+
+
+
+
+95. DAS GOLDENE SCHLOSS.
+
+"Willst du eine Prinzessin sein?" So fragte ein Knabe seine kleine
+Schwester. Die lachte ihn aus. Er sagte aber: "Ja, ich kann ein Knig
+und du kannst eine Prinzessin werden. Du bekommst ein schnes, neues
+Kleid und einen silbernen Thron. Ich bekomme einen roten Mantel, eine
+goldene Krone und einen goldenen Thron." Die Schwester glaubte das
+nicht und sagte: "Unsere Eltern sind ja so arm." Der Knabe erzhlte
+dann: "Letzte Nacht im Traume kam ein kleiner Mann zu mir. Er fragte
+mich: 'Willst du ein Knig sein und in einem goldenen Schlosse
+wohnen?' Ich sagte, ja. Da sprach der Kleine: 'Komm in den Wald mit
+deiner Schwester, wenn der Mond scheint. Bei der groen Tanne warte
+auf mich. Aber spter im goldenen Schlosse darf keine Trne auf den
+Boden fallen. Wenn eine Trne auf den Boden fllt, mt ihr wieder
+heim.'" Jetzt glaubte die Schwester, was der Bruder sagte. Sie wollte
+gerne mit ihm gehen.
+
+Am Abend schien der Mond sehr hell. Da gingen Bruder und Schwester
+hin zu der groen Tanne im Walde. Das Mnnlein war noch nicht da. Die
+Kinder setzten sich ins Moos, um zu warten. Sie waren mde und
+schliefen bald ein. Auf einmal wachten sie auf. Verwundert schauten
+sie um sich. Sie hatten schne neue Kleider an. Der Bruder hatte
+einen roten Mantel und trug eine goldene Krone. Die Schwester hatte
+ein himmelblaues Kleid mit silbernen Sternen. Auf ihren Haaren war
+ein Kranz von Diamanten. Der kleine Mann kam und rief: "Willkommen,
+willkommen!" Dann kamen noch viele kleine Mnnlein mit einem goldenen
+und einem silbernen Wagen. Der Bruder mute sich in den goldenen
+Wagen und die Schwester in den silbernen Wagen setzen. Die Mnnlein
+zogen die Wagen und fuhren durch den Wald an einen Berg. Im Berge war
+eine groe, hohe Halle, und darin stand ein goldenes Schlo. Die
+kleinen Mnner fhrten die Geschwister in dieses Schlo. Dann holten
+sie einen goldenen und einen silbernen Thron. Der goldene Thron war
+fr den Bruder und der silberne fr die Schwester. Die kleinen Mnner
+stellten sich vor sie hin und riefen: "Hoch lebe unser Knig und auch
+die Prinzessin!" Dann gab es zu essen, lauter gute Sachen.
+
+Nach dem Essen wollten die Kinder schlafen, denn es war schon spt.
+Im Schlafzimmer standen zwei Betten, ein goldenes und ein silbernes.
+Der Knig legte sich in das goldene, die Prinzessin in das silberne
+Bett. Da fragte der Bruder: "Schwesterchen, wie gefllt dir das
+goldene Schlo?" Sie antwortete: "Schn ist es schon hier; wenn nur
+der Vater und die Mutter auch hier wren!" Der Bruder sagte: "Das
+mchte ich auch haben. Was werden die Eltern jetzt machen?" Die
+Schwester meinte: "Sie werden uns suchen und weinen, weil sie uns
+nicht finden knnen." "Ja," war des Bruders Antwort, "sie werden
+denken, der Wolf habe uns gefressen." Das konnte die Schwester nicht
+anhren. Sie fing an zu weinen. Da warnte der Bruder: "Nicht weinen,
+sonst fallen deine Trnen auf den Boden!" "Nein," sagte die
+Schwester, "ich hab' sie mit der Hand aufgefangen. Aber ich mu
+weinen." Nun wurde auch der Bruder ganz traurig. Auch er weinte
+einige Trnen. Doch die Trnen fielen in das Bett. Die Schwester
+fragte: "Wie lange willst du noch Knig bleiben? Ich will nicht mehr
+Prinzessin sein. Ich will heim!" Der Bruder sagte: "Ja, zu Hause bei
+Vater und Mutter ist es doch schner!" Da lieen sie beide groe
+Trnen auf den Boden fallen. Es donnerte, und die Kinder fielen aus
+den Betten.
+
+Nun kamen die kleinen Mnner wieder. Sie waren sehr traurig und
+brachten die Geschwister zurck zu der groen Tanne im Wald. Da
+schliefen Bruder und Schwester bald ein. Als sie die Augen ffneten,
+war es heller Tag, aber der rote Mantel und das himmelblaue Kleid
+Waren verschwunden.
+
+Da kamen auch schon die Eltern. Die freuten sich sehr, ihre Kinder
+wieder zu haben. Die Geschwister waren ebenso froh und versprachen,
+nie mehr fortgehen zu wollen.
+
+
+
+
+96. DIE KLEINEN MSSIGGNGER.
+
+Drei Kinder sollten nach der Schule gehen, aber sie sprachen: "Was
+kann das Lernen helfen! Lat uns in den Wald laufen; da spielen die
+Tierlein, und wir wollen mit ihnen spielen."
+
+Als die Kinder nun im Walde waren, luden sie zuerst die Kfer zu
+ihrem Spiele ein. Da summten die Kfer um die Kpfe der Kinder, und
+der eine sprach: "Ich habe keine Zeit, ich mu Holz sgen!" Der
+andere sprach: "Ich mu ein Loch graben!" Noch andere riefen: "Wir
+mssen uns ein Httlein aus Gras bauen!"
+
+Nun kamen die Kinder an einen Ameisenhaufen. Hier lief eine ganze
+Menge von Ameisen aus und ein. Jedes dieser winzigen Tierchen hatte
+etwas in seine Wohnung zu tragen; und wo es dem einen zu schwer ward,
+sprach es zum andern: "Komm', hilf mir!"
+
+Die Kinder schlichen vorbei und fanden Bienlein auf den Blumen. Die
+waren so eilig und mochten gar nicht zu den Kindern aufsehen. Sie
+sammelten Honig und Bltenstaub und flogen dann flink davon.
+
+Da hrten die Kinder einen Vogel singen. Es war ein Fink. "Du kannst
+so schn singen," riefen sie, "und hast auch gewi Lust, mit uns zu
+spielen." Allein der Fink sagte: "Pink, pink! Flink, flink! Ich mu
+Mcken fangen fr meine Jungen und dann die Kleinen in den Schlaf
+singen. Auch mu ich mich fleiig im Singen ben, damit ich dem
+Wanderer schne Lieder vorsingen kann." Und fort war er.
+
+Auf einmal rasselte es im Busche. Die Kinder erschraken. Eins sagte:
+"Wenn nur ein Eichhrnchen kme und mit uns spielte!" Da lief auch
+schon eines aus dem Busche und kletterte auf einen Baum. Es kicherte
+und rief: "Ich suche Knospen und Nsse!" Die Kinder baten: "Komm' und
+bring' uns auch schne Nsse!" Aber das Tierchen zischte und knurrte
+nur.
+
+Bald darauf hrten sie ein Bchlein pltschern, und nun riefen sie
+frhlich: "O, mit dem Bchlein mgen wir spielen! Kommt!"
+
+Sie liefen geschwind hin. Aber das Bchlein sagte: "Seht doch die
+faulen Kinder! Ihr meint, ich htte nichts zu tun. Ich mu Tag und
+Nacht arbeiten; ich netze Felder und Wiesen und trnke die durstigen
+Tiere. Wenn ich gro und stark bin, treibe ich Mhlen und trage
+Schiffe. Geht, geht, ihr faulen Kinder!"
+
+Da wurde den Kindern gar ngstlich zu Mute. Sie gingen beschmt weg
+und blieben nie mehr aus der Schule.
+
+
+
+
+97. DER GUTE KAMERAD.
+
+ Ich hatt' einen Kameraden,
+ Einen bessern find'st du nit.
+ Die Trommel schlug zum Streite,
+ Er ging an meiner Seite
+ In gleichem Schritt und Tritt.
+
+ Eine Kugel kam geflogen,
+ Gilt's mir oder gilt es dir?
+ Ihn hat es weggerissen,
+ Er liegt mir vor den Fen,
+ Als wr's ein Stck von mir.
+
+ Will mir die Hand noch reichen,
+ Derweil ich eben lad'.
+ "Kann dir die Hand nicht geben,
+ Bleib' du im ew'gen Leben
+ Mein guter Kamerad!"
+
+
+
+
+98. DER GOLDBAUM.
+
+Eduard scherzte gerne und spielte auch gerne anderen einen Streich.
+Dabei kam es nicht immer darauf an, ob, was er sagte, auch der
+Wahrheit gem sei. Seine kleine Schwester Emilie, die noch nicht in
+die Schule ging, fragte gerne ihren Bruder, den sie fr sehr weise
+hielt, ber alles aus. Um sie schnell wieder los zu werden, sagte ihr
+Eduard oft Dinge, welche das Kind ganz falsch belehrten.
+
+Eines Morgens, es war Eduards Geburtstag, sah Emilie auf dem Tische
+ihres Bruders ein Goldstck liegen, das er vom Vater zum Geschenk
+bekommen hatte. Sie fragte ihn: "Wo wchst das Gold?"--"Es wird
+gest," antwortete Eduard, der sich wieder einmal auf Kosten seiner
+Schwester einen Spa machen wollte, "dann wird ein Baum daraus, an
+dem wachsen die Goldstcke."
+
+Als Eduard beschftigt war, nahm Emilie leise das Goldstck vom
+Tische, eilte damit hinunter in den Garten, grub mit den Hnden ein
+Loch in die weiche Erde, legte das Goldstck hinein und bedeckte es
+wieder mit Erde.
+
+Eine Weile spter sprang sie in Eduards Zimmer und rief: "Jetzt wirst
+du bald viele, viele Goldstcke haben! Ich habe deines im Garten
+gepflanzt."
+
+Umsonst bekannte Eduard, er habe nur gescherzt, und umsonst suchte
+und grub er im Garten nach seinem Golde. Emilie wute die Stelle
+nicht anzugeben, wo sie es eingegraben hatte.
+
+Der Vater kam hinzu und sagte: "Es war unklug von Emilie, das
+Goldstck pflanzen zu wollen; du aber, Eduard, hast gefehlt, da du
+ihr, wenn auch im Scherze, eine Unwahrheit sagtest."
+
+
+
+
+99. GERETTET.
+
+"Rasch, Ernst, kleide dich an, und komme sogleich herunter!"
+
+"Was ist geschehen, Vater?"
+
+"Geschwind, mein Junge! Der Ohio ist ber Nacht gestiegen, das Dorf
+ist unter Wasser, und wir mssen unser Haus verlassen."
+
+Mit einem Satz war Ernst aus dem Bette und fuhr wie der Blitz in
+seine Kleider. Dann lief er die Treppe hinunter in die Wohnstube.
+Hier stand das Wasser schon ber zwei Fu hoch. Auf einem Tische am
+Fenster war der Vater mit den Seinen. Die Mutter hielt die kleine
+Rosa an der Hand und trug das Jngste, ein herziges Bblein, auf dem
+Arme. Sie hatte Trnen im Auge, der Vater aber sprach ihr Mut zu.
+Endlich kam ein Mann in einem Kahn, alle stiegen hinein, und durch
+dieselben Straen, durch welche gestern noch Leute gegangen und Wagen
+gefahren waren, ruderten sie jetzt im Rachen dem Lande zu. Nachdem
+sie eine hochgelegene Stelle erreicht hatten, stiegen sie aus. Der
+Bootsmann ging mit dem Vater, der Mutter und den zwei Kleinen den
+Hgel hinauf nach einem Hause. Dort wollten sie ein Unterkommen
+suchen.
+
+"Du kannst dableiben und auf meinen Kahn achtgeben," sagte der
+Bootsmann zu Ernst. Das war dem Knaben gerade recht. Jetzt erst
+schaute er sich um. Welch ein Anblick! Nach dem Flusse zu sah man nur
+Wasser. So weit das Auge reichte, schien alles ein groer See zu
+sein. Drben am anderen Ufer, ganz in der Ferne guckten die Wipfel
+der Bume und die Schornsteine aus der Flut empor. Ganz in der Nhe
+stand das Bretterhaus der alten Frau Werner, welche sehr arm war und
+von guten Leuten untersttzt wurde. Schon hatte das Wasser den
+zweiten Stock erreicht und stieg immer hher und hher.
+
+[Illustration]
+
+Whrend Ernst das Huschen der Frau Werner betrachtete, kam es ihm
+vor, als rufe jemand um Hilfe. Richtig, jetzt ffnete die alte Frau
+einen Laden und schaute heraus. Als sie ringsum nichts als Wasser
+erblickte, klagte und jammerte sie laut und rang die Hnde.
+
+Ernst sah alles und dachte nach, was er wohl tun knne. Ja, so ging
+es! Er wollte rasch den Hgel hinauflaufen und den Vater und den
+Bootsmann rufen. Aber siehe da! Die Flut trieb einen mchtigen
+Baumstamm gerade auf das Huschen zu. Wenn er gegen dasselbe stie,
+lste es sich gewi los, schwamm in der Strmung fort, und dann wre
+die alte Frau verloren.
+
+Da sprang Ernst in den Kahn, stie vom Ufer und steuerte nach dem
+Huschen. Frau Werner stieg aus dem Fenster in den Rachen, und der
+Knabe ruderte, so rasch er konnte, an das Ufer zurck. Als er sich
+demselben nherte, kam sein Vater gerade wieder vom Hgel herab.
+
+"Hurra, wir sind gerettet!" rief Ernst, als der Kahn ans Land stie.
+Mit Trnen des Dankes im Auge drckte die alte Frau dem Knaben die
+Hnde. Der Vater aber schlo ihn an seine Brust und sprach: "Das war
+wie ein braver Mann gehandelt, mein Sohn!"
+
+
+
+
+100. SPRCHE.
+
+Erfllte Pflicht
+macht froh Gesicht.
+
+Die trge Hand sei noch so glatt und wei,
+Der fleiigen allein gebhrt der Preis.
+
+Trgt einer gar so hoch den Kopf,
+So ist er wohl ein eitler Tropf.
+
+Allen Leuten recht getan,
+Ist eine Kunst, die niemand kann.
+
+
+
+
+*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK, HIN UND HER ***
+
+This file should be named 8hnhr10.txt or 8hnhr10.zip
+Corrected EDITIONS of our eBooks get a new NUMBER, 8hnhr11.txt
+VERSIONS based on separate sources get new LETTER, 8hnhr10a.txt
+
+Project Gutenberg eBooks are often created from several printed
+editions, all of which are confirmed as Public Domain in the US
+unless a copyright notice is included. Thus, we usually do not
+keep eBooks in compliance with any particular paper edition.
+
+We are now trying to release all our eBooks one year in advance
+of the official release dates, leaving time for better editing.
+Please be encouraged to tell us about any error or corrections,
+even years after the official publication date.
+
+Please note neither this listing nor its contents are final til
+midnight of the last day of the month of any such announcement.
+The official release date of all Project Gutenberg eBooks is at
+Midnight, Central Time, of the last day of the stated month. A
+preliminary version may often be posted for suggestion, comment
+and editing by those who wish to do so.
+
+Most people start at our Web sites at:
+http://gutenberg.net or
+http://promo.net/pg
+
+These Web sites include award-winning information about Project
+Gutenberg, including how to donate, how to help produce our new
+eBooks, and how to subscribe to our email newsletter (free!).
+
+
+Those of you who want to download any eBook before announcement
+can get to them as follows, and just download by date. This is
+also a good way to get them instantly upon announcement, as the
+indexes our cataloguers produce obviously take a while after an
+announcement goes out in the Project Gutenberg Newsletter.
+
+http://www.ibiblio.org/gutenberg/etext05 or
+ftp://ftp.ibiblio.org/pub/docs/books/gutenberg/etext05
+
+Or /etext04, 03, 02, 01, 00, 99, 98, 97, 96, 95, 94, 93, 92, 92,
+91 or 90
+
+Just search by the first five letters of the filename you want,
+as it appears in our Newsletters.
+
+
+Information about Project Gutenberg (one page)
+
+We produce about two million dollars for each hour we work. The
+time it takes us, a rather conservative estimate, is fifty hours
+to get any eBook selected, entered, proofread, edited, copyright
+searched and analyzed, the copyright letters written, etc. Our
+projected audience is one hundred million readers. If the value
+per text is nominally estimated at one dollar then we produce $2
+million dollars per hour in 2002 as we release over 100 new text
+files per month: 1240 more eBooks in 2001 for a total of 4000+
+We are already on our way to trying for 2000 more eBooks in 2002
+If they reach just 1-2% of the world's population then the total
+will reach over half a trillion eBooks given away by year's end.
+
+The Goal of Project Gutenberg is to Give Away 1 Trillion eBooks!
+This is ten thousand titles each to one hundred million readers,
+which is only about 4% of the present number of computer users.
+
+Here is the briefest record of our progress (* means estimated):
+
+eBooks Year Month
+
+ 1 1971 July
+ 10 1991 January
+ 100 1994 January
+ 1000 1997 August
+ 1500 1998 October
+ 2000 1999 December
+ 2500 2000 December
+ 3000 2001 November
+ 4000 2001 October/November
+ 6000 2002 December*
+ 9000 2003 November*
+10000 2004 January*
+
+
+The Project Gutenberg Literary Archive Foundation has been created
+to secure a future for Project Gutenberg into the next millennium.
+
+We need your donations more than ever!
+
+As of February, 2002, contributions are being solicited from people
+and organizations in: Alabama, Alaska, Arkansas, Connecticut,
+Delaware, District of Columbia, Florida, Georgia, Hawaii, Illinois,
+Indiana, Iowa, Kansas, Kentucky, Louisiana, Maine, Massachusetts,
+Michigan, Mississippi, Missouri, Montana, Nebraska, Nevada, New
+Hampshire, New Jersey, New Mexico, New York, North Carolina, Ohio,
+Oklahoma, Oregon, Pennsylvania, Rhode Island, South Carolina, South
+Dakota, Tennessee, Texas, Utah, Vermont, Virginia, Washington, West
+Virginia, Wisconsin, and Wyoming.
+
+We have filed in all 50 states now, but these are the only ones
+that have responded.
+
+As the requirements for other states are met, additions to this list
+will be made and fund raising will begin in the additional states.
+Please feel free to ask to check the status of your state.
+
+In answer to various questions we have received on this:
+
+We are constantly working on finishing the paperwork to legally
+request donations in all 50 states. If your state is not listed and
+you would like to know if we have added it since the list you have,
+just ask.
+
+While we cannot solicit donations from people in states where we are
+not yet registered, we know of no prohibition against accepting
+donations from donors in these states who approach us with an offer to
+donate.
+
+International donations are accepted, but we don't know ANYTHING about
+how to make them tax-deductible, or even if they CAN be made
+deductible, and don't have the staff to handle it even if there are
+ways.
+
+Donations by check or money order may be sent to:
+
+ PROJECT GUTENBERG LITERARY ARCHIVE FOUNDATION
+ 809 North 1500 West
+ Salt Lake City, UT 84116
+
+Contact us if you want to arrange for a wire transfer or payment
+method other than by check or money order.
+
+The Project Gutenberg Literary Archive Foundation has been approved by
+the US Internal Revenue Service as a 501(c)(3) organization with EIN
+[Employee Identification Number] 64-622154. Donations are
+tax-deductible to the maximum extent permitted by law. As fund-raising
+requirements for other states are met, additions to this list will be
+made and fund-raising will begin in the additional states.
+
+We need your donations more than ever!
+
+You can get up to date donation information online at:
+
+http://www.gutenberg.net/donation.html
+
+
+***
+
+If you can't reach Project Gutenberg,
+you can always email directly to:
+
+Michael S. Hart <hart@pobox.com>
+
+Prof. Hart will answer or forward your message.
+
+We would prefer to send you information by email.
+
+
+**The Legal Small Print**
+
+
+(Three Pages)
+
+***START**THE SMALL PRINT!**FOR PUBLIC DOMAIN EBOOKS**START***
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+They tell us you might sue us if there is something wrong with
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+fault. So, among other things, this "Small Print!" statement
+disclaims most of our liability to you. It also tells you how
+you may distribute copies of this eBook if you want to.
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+By using or reading any part of this PROJECT GUTENBERG-tm
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+ABOUT PROJECT GUTENBERG-TM EBOOKS
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+is a "public domain" work distributed by Professor Michael S. Hart
+through the Project Gutenberg Association (the "Project").
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+in machine readable form.
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+hart@pobox.com
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+[Portions of this eBook's header and trailer may be reprinted only
+when distributed free of all fees. Copyright (C) 2001, 2002 by
+Michael S. Hart. Project Gutenberg is a TradeMark and may not be
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+they hardware or software or any other related product without
+express permission.]
+
+*END THE SMALL PRINT! FOR PUBLIC DOMAIN EBOOKS*Ver.02/11/02*END*
+
diff --git a/old/8hnhr10.zip b/old/8hnhr10.zip
new file mode 100644
index 0000000..d5333a7
--- /dev/null
+++ b/old/8hnhr10.zip
Binary files differ
diff --git a/old/8hnhr10h.html b/old/8hnhr10h.html
new file mode 100644
index 0000000..1e06500
--- /dev/null
+++ b/old/8hnhr10h.html
@@ -0,0 +1,2413 @@
+<!DOCTYPE HTML PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01 Transitional//EN">
+<html>
+<head>
+ <meta http-equiv="Content-Type" content="text/html; charset=iso-8859-1">
+ <meta name="GENERATOR" content="Mozilla/4.7 [en] (WinNT; I) [Netscape]">
+ <title> The Project Gutenberg eBook of TITLE, by AUTHOR.
+ </title>
+<style type="text/css">
+ <!--
+ * { font-family: Times;}
+ P { margin-top: .75em;
+ font-size: 14pt;
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+ H1,H2,H3,H4,H5,H6 { text-align: center; }
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+ </style>
+</head>
+<body>
+
+<h2>
+The Project Gutenberg EBook of Hin Und Her, by H. H. Fick</h2>
+Copyright laws are changing all over the world. Be sure to check the copyright
+laws for your country before downloading or redistributing this or any
+other Project Gutenberg eBook.
+<p>This header should be the first thing seen when viewing this Project
+Gutenberg file. Please do not remove it. Do not change or edit the header
+without written permission.
+<p>Please read the "legal small print," and other information about the
+eBook and Project Gutenberg at the bottom of this file. Included is important
+information about your specific rights and restrictions in how the file
+may be used. You can also find out about how to make a donation to Project
+Gutenberg, and how to get involved.
+<p>**Welcome To The World of Free Plain Vanilla Electronic Texts**
+<p>**eBooks Readable By Both Humans and By Computers, Since 1971**
+<p>*****These eBooks Were Prepared By Thousands of Volunteers!*****
+<p>Title: Hin Und Her
+<p>Author: H. H. Fick
+<p>Release Date: June, 2005 [EBook #8392] [This file was first posted on
+July 6, 2003]
+<p>Edition: 10
+<p>Language: German
+<p>Character set encoding: ISO-8859-1
+<p>*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK, HIN UND HER ***
+<br>
+<hr style="width: 35%;">
+<br>E-text prepared by David Starner, Delphine Lettau, Charles Franks,
+and the Online Distributed Proofreading Team
+<hr style="width: 95%;">
+<h1>
+HIN UND HER</h1>
+
+<h2>
+Ein Buch f&uuml;r die Kinder</h2>
+
+<h1>
+Zusammengestellt von H. H. FICK</h1>
+
+<h2>
+Supervisor of German, Cincinnati Public Schools</h2>
+
+<h2>
+<a NAME="INHALT"></a>INHALT</h2>
+
+<table WIDTH="100%" >
+<tr>
+<td VALIGN=TOP><a href="#1. AM MORGEN.">1. Am Morgen</a>
+<br><a href="#2. DER TAG BRICHT AN.">2. Der Tag bricht an</a>
+<br><a href="#3. DER HAHNENRUF.">3. Der Hahnenruf</a>
+<br><a href="#4. BEIM FRHSTCK">4. Beim Fr&uuml;hst&uuml;ck</a>
+<br><a href="#5. ZUR SCHULE.">5. Zur Schule</a>
+<br><a href="#6. BRUDER UND SCHWESTER.">6. Bruder und Schwester</a>
+<br><a href="#7. DER SPECHT.">7. Der Specht</a>
+<br><a href="#8. DIE UHR.">8. Die Uhr</a>
+<br><a href="#9. SCHULEIFER.">9. Schuleifer</a>
+<br><a href="#10. RTSEL.">10. R&auml;tsel</a>
+<br><a href="#11. UNSER HOF.">11. Unser Hof</a>
+<br><a href="#12. DIE HAUSTIERE.">12. Die Haustiere</a>
+<br><a href="#13. SPRCHE.">13. Spr&uuml;che</a>
+<br><a href="#14. DIE PFEL.">14. Die &Auml;pfel</a>
+<br><a href="#15. PETER FAULPELZ.">15. Peter Faulpelz</a>
+<br><a href="#16. DER KNABE AM BACHE.">16. Der Knabe am Bache</a>
+<br><a href="#17. DAHEIM.">17. Daheim</a>
+<br><a href="#18. DER BAU DES HAUSES.">18. Der Bau des Hauses</a>
+<br><a href="#19. DIE WOHNUNG DER MAUS.">19. Die Wohnung der Maus</a>
+<br><a href="#20. KARLS HASE">20. Karls Hase</a>
+<br><a href="#21. DAS LIED VOM MONDE.">21. Das Lied vom Monde</a>
+<br><a href="#22. DAS MCKCHEN UND DAS MDCHEN.">22. Das M&uuml;ckchen
+und das M&auml;dchen</a>
+<br><a href="#23. NASCH-ERNST.">23. Nasch-Ernst</a>
+<br><a href="#24. DER BLINDE">24. Der blinde Geiger</a>
+<br><a href="#25. DAS BROT IM WEG.">25. Das Brot im Weg</a>
+<br><a href="#26. DIE SCHNEN DREI.">26. Die sch&ouml;nen Drei</a>
+<br><a href="#27. DAS VOGELNEST.">27. Das Vogelnest</a>
+<br><a href="#28. DER DRACHE.">28. Der Drache</a>
+<br><a href="#29. DIE VGLEIN.">29. Die V&ouml;glein</a>
+<br><a href="#30. VOM HNSCHEN.">30. Vom H&auml;nschen</a>
+<br><a href="#31. SPRCHE.">31. Spr&uuml;che</a>
+<br><a href="#32. DIE SCHNECKE:">32. Die Schnecke</a>
+<br><a href="#33. DIE HENNE UND DIE ENTLEIN.">33. Die Henne und die Entlein</a>
+<br><a href="#34. DIE TAGESZEITEN.">34. Die Tageszeiten</a></td>
+
+<td VALIGN=TOP><a href="#35. KIND UND SONNE.">35. Kind und Sonne</a>
+<br><a href="#36. SONNE UND REGEN.">36. Sonne und Regen</a>
+<br><a href="#37. ASTERN.">37. Astern</a>
+<br><a href="#38. RTSEL.">38. R&auml;tsel</a>
+<br><a href="#39. VGEL UND BLUMEN.">39. V&ouml;gel und Blumen</a>
+<br><a href="#40. DANKSAGUNGSTAG.">40. Danksagungstag</a>
+<br><a href="#41. VOM PUTER.">41. Vom Vater</a>
+<br><a href="#42. DIE VIER BRDER.">42. Die vier Br&uuml;der</a>
+<br><a href="#43. DIE ZWLF MONATE.">43. Die zw&ouml;lf Monate</a>
+<br><a href="#44. DIE BLTTER TANZEN.">44. Die Bl&auml;tter tanzen</a>
+<br><a href="#45. DIE VIER JAHRESZEITEN.">45. Die vier Jahreszeiten</a>
+<br><a href="#46. WINTERS ANKUNFT.">46. Winters Ankunft</a>
+<br><a href="#47. DER TANNENBAUM.">47. Der Tannenbaum</a>
+<br><a href="#48. VOGEL AM FENSTER.">48. Vogel am Fenster</a>
+<br><a href="#49. DAS BBLEIN AUF DEM EISE">49. Das B&uuml;blein auf dem
+Eise</a>
+<br><a href="#50. RTSEL.">50. R&auml;tsel</a>
+<br><a href="#51. WEIHNACHTSFREUDE.">51. Weihnachtsfreude</a>
+<br><a href="#52. SCHNEESTERNE.">52. Schneesterne</a>
+<br><a href="#53. BRIEF VOM WEIHNACHTSMANN.">53. Brief vom Weihnachtsmann</a>
+<br><a href="#54. ZU">54. Zu Neujahr</a>
+<br><a href="#55. VERSTEHST DU DAS?">55. Verstehst du das?</a>
+<br><a href="#56. DER SCHNEEMANN.">56. Der Schneemann</a>
+<br><a href="#57. MRZ.">57. M&auml;rz</a>
+<br><a href="#58. OSTERGRUSS.">58. Ostergru&szlig;</a>
+<br><a href="#59. DER OSTERHASE.">59. Der Osterhase</a>
+<br><a href="#60. DER OBSTGARTEN.">60. Der Obstgarten</a>
+<br><a href="#61. SPRCHE.">61. Spr&uuml;che</a>
+<br><a href="#62. DIE VGEL IM FRHLINGE.">62. Die V&ouml;gel im Fr&uuml;hlinge</a>
+<br><a href="#63. DAS ROTE HHNCHEN.">63. Das rote H&uuml;hnchen</a>
+<br><a href="#64.">64. R&auml;tsel</a>
+<br><a href="#65. DER NASEWEISE">65. Der naseweise Bello</a>
+<br><a href="#66. HEIL, AMERIKA!">66. Heil, Amerika!</a>
+<br><a href="#67. PETERSILIE.">67. Petersilie</a>
+<br><a href="#68. DAS KIND UND SEIN BLMCHEN.">68. Das Kind und sein Bl&uuml;mchen</a></td>
+
+<td VALIGN=TOP><a href="#69. NACHLSSIGKEIT.">69. Nachl&auml;ssigkeit</a>
+<br><a href="#70. EIN RTSEL.">70. Ein R&auml;tsel</a>
+<br><a href="#71. WAS WRDEST DU TUN?">71. Was w&uuml;rdest du tun?</a>
+<br><a href="#72. WAS WOLLEN WIR SPIELEN?">72. Was wollen wir spielen?</a>
+<br><a href="#73. DIE SCHLAUE KATZE.">73. Die schlaue Katze</a>
+<br><a href="#74. KANNST DU ES SAGEN?">74. Kannst du es sagen?</a>
+<br><a href="#75. DER SPERLING">75. Der Sperling</a>
+<br><a href="#76. DAS PFERD UND DER ESEL.">76. Das Pferd und der Esel</a>
+<br><a href="#77. DER KLUGE STAR.">77. Der kluge Star</a>
+<br><a href="#78. DER APFELBAUM.">78. Der Apfelbaum</a>
+<br><a href="#79. DER HASE UND DER FUCHS.">79. Der Hase und der Fuchs</a>
+<br><a href="#80. SPRCHE.">80. Spr&uuml;che</a>
+<br><a href="#81. DER HASE UND DIE SCHILDKRTE.">81. Der Hase und die Schildkr&ouml;te</a>
+<br><a href="#82. HASENBRATEN.">82. Hasenbraten</a>
+<br><a href="#83. DER SCHEIN TRGT.">83. Der Schein tr&uuml;gt</a>
+<br><a href="#84. DER FROSCH.">84. Der Frosch</a>
+<br><a href="#85. VOM LISTIGEN GRASMCKLEIN EIN LUSTIGES">85. Vom listigen
+Grasm&uuml;cklein ein lustiges St&uuml;cklein</a>
+<br><a href="#86. EIN TRICHTER STREIT.">86. Ein t&ouml;richter Streit</a>
+<br><a href="#87. HERR WIND! HERR WIND!">87. Herr Wind! Herr Wind!</a>
+<br><a href="#88. DAS FNKCHEN.">88. Das F&uuml;nkchen</a>
+<br><a href="#89. RTSEL.">89. R&auml;tsel</a>
+<br><a href="#90. DAS GNSEBLMCHEN.">90. Das G&auml;nsebl&uuml;mchen</a>
+<br><a href="#91. DIE GRNE STADT.">91. Die gr&uuml;ne Stadt</a>
+<br><a href="#92. DEUTSCHLAND.">92. Deutschland</a>
+<br><a href="#93. SONNENSCHEIN.">93. Sonnenschein</a>
+<br><a href="#94. DIE KNIGIN LUISE.">94. Die K&ouml;nigin Luise</a>
+<br><a href="#95. DAS GOLDENE SCHLOSS.">95. Das goldene Schlo&szlig;</a>
+<br><a href="#96. DIE KLEINEN MSSIGGNGER.">96. Die kleinen M&uuml;&szlig;igg&auml;nger</a>
+<br><a href="#97. DER GUTE KAMERAD.">97. Der gute Kamerad</a>
+<br><a href="#98. DER GOLDBAUM.">98. Der Goldbaum</a>
+<br><a href="#99. GERETTET.">99. Gerettet</a>
+<br><a href="#100. SPRCHE.">100. Spr&uuml;che</a></td>
+</tr>
+</table>
+
+<br>&nbsp;
+<h2>
+<a NAME="1. AM MORGEN."></a><a href="#INHALT">1. AM MORGEN.</a></h2>
+
+<table>
+<tr>
+<td VALIGN=TOP>Die Erd' erwacht, die Sonne lacht
+<br>Sie an mit hellem Schein
+<br>Und ruft ihr zu: komm aus der Ruh',
+<br>Der ganze Tag ist dein.
+<br>Guten Morgen.</td>
+
+<td><img SRC="3.png" ALT="cockeral" height=250 width=230 align=RIGHT></td>
+</tr>
+</table>
+
+<h2>
+<a NAME="2. DER TAG BRICHT AN."></a><a href="#INHALT">2. DER TAG BRICHT
+AN.</a></h2>
+Es ist dunkel. Am Himmel leuchten die Sterne. Zwischen ihnen steht der
+Mond. Nun wird es langsam heller. Im Osten zeigt sich ein lichter Schein.
+Das ist die Morgend&auml;mmerung. Die meisten Leute schlafen noch fest,
+aber der Hahn ist wach und kr&auml;ht ganz laut. Bald steigt die Sonne
+empor. Dann ist es Tag. Die V&ouml;gel sind erwacht und zwitschern. Jetzt
+stehen auch die Menschen von ihrem Lager auf und gehen gest&auml;rkt an
+die Arbeit. Die Tiere im Freien suchen ihre Nahrung und das Vieh im Hofe
+bekommt sein Futter. Im Garten und auf den Wiesen gl&auml;nzt der Tau.
+Alles ist neubelebt.
+<h2>
+<a NAME="3. DER HAHNENRUF."></a><a href="#INHALT">3. DER HAHNENRUF.</a></h2>
+
+<blockquote>Im ersten Hofe kr&auml;ht der Hahn,
+<br>Da f&auml;ngt auch gleich der zweite an
+<br>Und denkt: "H&auml;tt' ich's zuerst getan!"
+<br>Doch, wie der zweite kaum beginnt,
+<br>Kr&auml;ht schon der dritte Hahn geschwind.
+<br>Der viert' und f&uuml;nfte faul nicht sind
+<br>Und fallen schnell ins Lied mit ein,
+<br>Denn jeder will der erste sein,
+<br>Und jeder will am sch&ouml;nsten schrei'n.--
+<br>Bald rufen alle in der Rund',
+<br>Als st&auml;nden sie zusamm' im Bund,
+<br>Und tun die Morgenstunde kund
+<br>Aus voller Kehle laut und schnell:
+<br>"Die Nacht entweicht, der Tag wird hell.
+<br>Kikeriki! Kikeriki! Wir sind zur Stell'!"
+<br>So soll'n auch wir in allen Sachen,
+<br>Wo's gilt, zum guten zu erwachen,
+<br>Es wie der Hahn am Morgen machen.</blockquote>
+
+<h2>
+<a NAME="4. BEIM FRHSTCK"></a><a href="#INHALT">4. BEIM FR&Uuml;HST&Uuml;CK</a></h2>
+<i>Mutter</i>: Papa, Karl, Emma und Klara, hurtig, kommt zu Tisch! Das
+Fr&uuml;hst&uuml;ck ist aufgetragen!
+<p><i>Papa</i>:: Sieh! Da bin ich schon. Guten Morgen!
+<p><i>Emma</i>: und <i>:Klara</i>:: Liebe Mama und lieber Papa, Wir sind
+auch bereit und w&uuml;nschen euch einen recht guten Morgen!
+<p><i>Mutter</i>: und <i>:Vater</i>: Vielen Dank, ihr Kinder! Wo steckt
+aber der Karl?
+<p><i>Emma</i>:und <i>:Klara</i>: Da kommt er!
+<p><i>Karl</i>: Seid nicht b&ouml;se, liebe Eltern, ich habe mich verschlafen.
+Es soll aber gewi&szlig; nicht wieder geschehen!
+<p><i>Mutter</i>: Schon gut! Setzt euch alle. Schaut, da&szlig; der Papa
+bedient wird! Emma, reiche doch das Brot her&uuml;ber und gib mir die Butter.
+Nun, trinkt eure Milch! Klara und Emma, f&uuml;r euch habe ich ein St&uuml;ck
+Kuchen.
+<p><i>Karl</i>: Bekomme ich nicht auch eins?
+<p>Mutter: Du bist zu sp&auml;t gekommen! Daf&uuml;r mu&szlig;t du Strafe
+leiden. Heute ist f&uuml;r dich nur Brot vorhanden.
+<p><i>Karl</i>: Ach, liebe Mama! Ich bin so hungrig!
+<p><i>Mutter</i>: Ei! Hungern sollst du nicht. Da ist eine Semmel und dann
+habe ich auch noch ein Ei f&uuml;r dich. Aber der Kuchen ist nur f&uuml;r
+die p&uuml;nktlichen Leute da, merke dir das! So, seid ihr nun alle fertig?
+<p><i>Kinder</i>: Jawohl, Mama!
+<p><i>Mutter</i>: Stellt eure St&uuml;hle an ihre Pl&auml;tze! Jetzt k&ouml;nnt
+ihr gehen! Du, Karl, holst dem Vater noch die Zeitung herein!
+<p><i>Karl</i>: Gerne, liebe Mutter!
+<p><i>Kinder</i>: Ade, Papa! Leb wohl, Mama! Heute mittag sehen wir uns
+wieder!
+<h2>
+<a NAME="5. ZUR SCHULE."></a><a href="#INHALT">5. ZUR SCHULE.</a></h2>
+
+<blockquote>Nun hurtig vom Stuhle
+<br>Und schnell in die Schule;
+<br>Es ist an der Zeit.
+<br>Holt H&uuml;te und Kappen,
+<br>Bringt Tafeln und Mappen;
+<br>Nehmt auch f&uuml;r die Pause
+<br>Euch etwas zum Schmause;
+<br>So, Kinder, jetzt seid
+<br>Zur Arbeit bereit!</blockquote>
+
+<h2>
+<a NAME="6. BRUDER UND SCHWESTER."></a><a href="#INHALT">6. BRUDER UND
+SCHWESTER.</a></h2>
+
+<table>
+<tr>
+<td><img SRC="7.png" ALT="bruder und schwester" height=387 width=500 align=RIGHT></td>
+
+<td VALIGN=TOP>Es ist Morgen. Die Nacht hindurch hat es geregnet und immer
+noch fallen einzelne Tropfen. Seit einigen Tagen besucht der kleine Wilhelm
+die Schule. Er hat einen neuen Anzug, eine h&uuml;bsche M&uuml;tze und
+einen bunten Schulsack erhalten. Wie leid tut es ihm, da&szlig; alles vom
+Regen soll na&szlig; werden. Da kommt die gute Schwester Emilie. Sie mu&szlig;
+f&uuml;r die Mutter noch einen Gang auf den Markt machen. Nun will sie
+den Bruder unter den Schirm nehmen und ihn bis an das Schulgeb&auml;ude
+begleiten. Wilhelm fa&szlig;t die Schwester am Kleide, und sie treten in
+die T&uuml;re. Aber, siehe da, der Regen h&ouml;rt auf und als Emilie vorsichtig
+die Hand ausstreckt, kann sie kein Tr&ouml;pfchen mehr sp&uuml;ren. Da
+darf auch der zottige Spitz mit ins Freie.</td>
+</tr>
+</table>
+
+<h2>
+<a NAME="7. DER SPECHT."></a><a href="#INHALT">7. DER SPECHT.</a></h2>
+
+<blockquote>Herr Specht! so fr&uuml;h schon klopfest du!
+<br>Was st&ouml;rte dich denn aus der Ruh'?
+<br>Es herrscht noch Stille im Erdenraum--
+<br>Du h&auml;mmerst schon am Fichtenbaum.
+<p>"Ist es auch fr&uuml;h, ist's nie zu fr&uuml;h,
+<br>An Arbeit fehlt's dem Flei&szlig;'gen nie,--
+<br>Wer Tages etwas will gewinnen,
+<br>Der mu&szlig; recht fr&uuml;he schon beginnen."</blockquote>
+
+<h2>
+<a NAME="8. DIE UHR."></a><a href="#INHALT">8. DIE UHR.</a></h2>
+Eben hatte es sieben geschlagen. Die Mutter ging in die Kammer, um den
+kleinen Leo zu wecken. Der war aber schon wach und sa&szlig; aufrecht im
+Bette. "Ei, Leo!" sagte die Mutter, "Wie kommt denn das? Sonst mu&szlig;
+ich dich viele Male rufen und sch&uuml;tteln, und heute bist du ganz munter!"
+"Ach, denke nur, liebe Mama," sagte Leo, "ich War ja auch noch so m&uuml;de
+und h&auml;tte gerne l&auml;nger geschlafen. Aber da hatte auf einmal die
+gro&szlig;e Uhr dort an der Wand ein Gesicht wie ein Mensch, und machte
+immerfort: Auf! raus! Auf! raus! Nun hatte ich Angst, liegen zu bleiben
+und wollte aufstehen. Jetzt h&ouml;rte ich die Uhr ganz deutlich sagen:
+Recht so! Recht so! und sie sah wieder freundlich aus!"
+<h2>
+<a NAME="9. SCHULEIFER."></a><a href="#INHALT">9. SCHULEIFER.</a></h2>
+
+<table>
+<tr>
+<td><img SRC="9.png" ALT="SCHULEIFER." height=300 width=244 align=LEFT></td>
+
+<td VALIGN=TOP>Im Winter, wenn es frieret,
+<br>Im Winter, wenn es schneit,
+<br>Dann ist der Weg zur Schule
+<br>F&uuml;rwahr noch mal so weit.
+<p>Und wenn der Kuckuck rufet,
+<br>Dann ist der Fr&uuml;hling da,
+<br>Dann ist der Weg zur Schule
+<br>F&uuml;rwahr noch mal so nah.
+<p>Wer aber gerne lernet,
+<br>Dem ist kein Weg zu fern;
+<br>Im Fr&uuml;hling, wie im Winter,
+<br>Geht er zur Schule gern.</td>
+</tr>
+</table>
+
+<h2>
+<a NAME="10. RTSEL."></a><a href="#INHALT">10. R&Auml;TSEL.</a></h2>
+
+<blockquote>Im Wasser schwimmt es, gro&szlig; und klein.
+<br>Nun rat' einmal, was das mag sein!
+<p>Wer w&auml;scht sich so rein
+<br>Und h&auml;lt sich so fein
+<br>Und braucht doch kein Handt&uuml;chelein?
+<p>Ich wei&szlig; ein kleines, wei&szlig;es Haus,
+<br>Hat nichts von Fenstern, T&uuml;ren, Toren;
+<br>Und will sein kleiner Wirt hinaus,
+<br>So mu&szlig; er erst die Wand durchbohren.</blockquote>
+
+<h2>
+<a NAME="11. UNSER HOF."></a><a href="#INHALT">11. UNSER HOF.</a></h2>
+Hinter dem Hause ist ein Hof. Da haben viele Tiere Platz. In einer Ecke
+steht die Hundeh&uuml;tte. Dort wohnt Nero. Er bewacht unser Haus. Auf
+der Kellertreppe sitzt Mieze. Das ist die graue Katze. Sie w&auml;scht
+und putzt sich gern. Im Korbe liegen ihre vier K&auml;tzchen. Die k&ouml;nnen
+noch nicht sehen. Mitten im Hofe geht der stolze Hahn. Er hat bunte Federn
+und einen roten Kamm. Bei ihm sind f&uuml;nf h&uuml;bsche Hennen. Auch
+Tauben fliegen herbei und picken K&ouml;rner auf. Seht doch den gro&szlig;en
+Puter da dr&uuml;ben! Der ist zornig und jagt die anderen V&ouml;gel fort.
+<h2>
+<a NAME="12. DIE HAUSTIERE."></a><a href="#INHALT">12. DIE HAUSTIERE.</a></h2>
+
+<table>
+<tr>
+<td VALIGN=TOP>Lieb Kindchen, sag mir an,
+<br>Was ein Haustier n&uuml;tzen kann!
+<p>Die Kuh gibt Milch uns, liebe Mutter,
+<br>Draus macht man K&auml;se, Rahm und Butter.
+<br>Das Pferd zieht flei&szlig;ig deinen Wagen
+<br>Und kann dich in die Ferne tragen.
+<br>Der Hund sch&uuml;tzt treu dir Hof und Haus.
+<br>Die Katze lauert auf die Maus.
+<br>Das dicke, schmutz'ge, dumme Schwein
+<br>Bringt Schinken uns und W&uuml;rste ein.</td>
+
+<td><img SRC="12.png" ALT="horse & pigs" height=381 width=500 align=RIGHT></td>
+</tr>
+</table>
+
+<h2>
+<a NAME="13. SPRCHE."></a><a href="#INHALT">13. SPR&Uuml;CHE.</a></h2>
+
+<blockquote>Lust und Liebe zum Dinge
+<br>Macht M&uuml;he und Arbeit geringe.
+<p>Morgen, morgen, nur nicht heute,
+<br>Sagen alle tr&auml;gen Leute.
+<p>Lerne Ordnung, liebe sie;
+<br>Ordnung spart dir Zeit und M&uuml;h'.</blockquote>
+
+<h2>
+<a NAME="14. DIE PFEL."></a><a href="#INHALT">14. DIE &Auml;PFEL.</a></h2>
+Am Montag morgen wollte Otto seinen Freund Ludwig zur Schule abholen. Als
+er aber in die Stube trat, war niemand da. Vorne beim Fenster stand ein
+Korb voll &Auml;pfel. Die waren sch&ouml;n gelb und rot. Gerne h&auml;tte
+Otto einen genommen. Aber er dachte: "Nein, das tue ich nicht, die &Auml;pfel
+geh&ouml;ren nicht mir."
+<p>Schnell wollte er wieder zur T&uuml;re hinaus. Da kam gerade Ludwigs
+Mutter herein. Die freute sich sehr, als sie Otto sah. Sie steckte ihm
+beide Taschen voll &Auml;pfel. Dann rief sie Ludwig und gab den beiden
+Kindern noch einen Apfel mit auf den Weg. Mit frohem Herzen gingen die
+Knaben nun zur Schule.
+<h2>
+<a NAME="15. PETER FAULPELZ."></a><a href="#INHALT">15. PETER FAULPELZ.</a></h2>
+
+<blockquote>L&auml;ngst ist schon die Schule aus,
+<br>Alle Kinder sind zu Haus:
+<br>Peter nur, der faule Bube,
+<br>Mu&szlig; noch sitzen in der Stube,
+<br>Hat gelernt nicht, noch geschrieben,
+<br>Hat sich drau&szlig;en 'rumgetrieben.
+<br>Nun geht es ihm bitterschlecht--
+<br>Faulpelz, das geschieht dir recht!</blockquote>
+
+<h2>
+<a NAME="16. DER KNABE AM BACHE."></a><a href="#INHALT">16. DER KNABE AM
+BACHE.</a></h2>
+
+<table>
+<tr>
+<td><img SRC="16.png" ALT="fishing" height=418 width=500 align=LEFT></td>
+
+<td VALIGN=TOP>Siehst du den Knaben dort am Bache sitzen? Es ist Robert,
+der mit seiner armen Mutter in dem kleinen H&auml;uschen wohnt. Sie hatten
+f&uuml;r den Abend nichts zu essen. Da sagte Robert: "Mutter, ich will
+zum Bache gehen und einige Fische fangen."
+<p>Hier sitzt er nun ganz stille. Zwei Fische hat er schon gefangen, und
+den dritten macht er eben vom Haken los. Wie wird sich die Mutter freuen,
+wenn Robert mit den Fischen nach Hause kommt!</td>
+</tr>
+</table>
+
+<h2>
+<a NAME="17. DAHEIM."></a><a href="#INHALT">17. DAHEIM.</a></h2>
+Hurra, die Schule ist aus! Schnell eile ich nach Hause, denn die Mutter
+wartet schon auf mich. Sie hat ja mancherlei Arbeit, die ich f&uuml;r sie
+besorgen kann. Erst bekomme ich aber ein gro&szlig;es St&uuml;ck Butterbrot.
+Wenn ich das gegessen habe, hole ich Kleinholz aus dem Keller. Damit macht
+die Mutter das Feuer im K&uuml;chenofen an f&uuml;r das Abendessen. Dann
+gehe ich zum Metzger, um das Fleisch heimzubringen, das der Vater am Morgen
+bestellt hat. Auf dem Wege bringe ich aus dem Kramladen Seife mit und Streichh&ouml;lzchen.
+Auch sonst mu&szlig; ich der Mutter in der K&uuml;che noch zur Hand gehen.
+Ich tue es gerne, denn ich habe mein M&uuml;tterlein lieb. Wenn ich alles
+besorgt habe, darf ich eine Weile auf der Stra&szlig;e mit anderen Kindern
+spielen.
+<p>Bald ist es Zeit zum Abendessen geworden. Richtig, da ruft mich schon
+die Mutter. Der Vater ist nun auch schon nach Hause gekommen, und meine
+&auml;lteren Geschwister sind ebenfalls da. Wir sitzen jetzt alle um den
+gro&szlig;en Tisch im E&szlig;zimmer, und der Vater erz&auml;hlt, was er
+w&auml;hrend des Tages in der Stadt geh&ouml;rt und gesehen hat. Nach dem
+Essen nimmt der Vater die Zeitung, und meine kleine Schwester und ich machen
+unsere Schularbeiten. Da mu&szlig; manchmal die liebe Mama ein wenig helfen.
+Sp&auml;ter liest sie uns eine sch&ouml;ne Geschichte vor, oder spielt
+mit uns Domino und Lotto.
+<p>Ich glaube, es ist nirgends sch&ouml;ner als abends daheim.
+<h2>
+<a NAME="18. DER BAU DES HAUSES."></a><a href="#INHALT">18. DER BAU DES
+HAUSES.</a></h2>
+"Kommt, Knaben, wir wollen ein Haus bauen," sagte Emil zu Karl und Heinrich,
+"Ich will den Keller ausgraben," sprach Karl. "Und ich," sagte Emil, "ich
+bin der Maurer; ich nehme Kalk und Steine und baue die Mauern." Da meinte
+Karl: "Du darfst aber die T&uuml;ren und die Fenster nicht vergessen. Ohne
+T&uuml;ren kann man nicht in das Haus hinein, und durch die Fenster soll
+Luft und Licht in die Zimmer kommen." Heinrich sagte: "Ich bin der Zimmermann;
+ich setze die T&uuml;ren und Fenster und lege den Fu&szlig;boden. Von einem
+Stockwerke in das andere mache ich Treppen. Und oben auf das Haus setze
+ich das Dach; das sch&uuml;tzt vor Regen und Schnee. Unser Haus soll ein
+Wohnhaus sein mit K&uuml;che und Zimmern und einem Boden unter dem Dach."
+<h2>
+<a NAME="19. DIE WOHNUNG DER MAUS."></a><a href="#INHALT">19. DIE WOHNUNG
+DER MAUS.</a></h2>
+
+<table>
+<tr>
+<td VALIGN=TOP>
+<blockquote>Ich frag' die Maus:
+<br>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Wo ist dein Haus?
+<br>Die Maus darauf erwidert mir:
+<br>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Sag's nicht der Katz',
+<br>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; So sag' ich's dir.
+<br>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Treppauf, treppab,
+<br>Erst rechts, dann links,
+<br>Dann wieder rechts
+<br>Und dann grad' aus--
+<br>Das ist mein Haus;
+<br>Du wirst es schon erblicken!
+<br>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Die T&uuml;r ist klein,
+<br>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Und trittst du ein,
+<br>Vergi&szlig; nicht, dich zu b&uuml;cken!</blockquote>
+</td>
+
+<td><img SRC="19.png" ALT="wohnung" height=124 width=300 align=RIGHT></td>
+</tr>
+</table>
+
+<h2>
+<a NAME="20. KARLS HASE"></a><a href="#INHALT">20. KARLS HASE</a></h2>
+"Papa, darf ich ein wenig deinen Stock nehmen?"
+<p>"Ja, Karl, aber was willst du damit machen?"
+<p>"Einen Hasen will ich schie&szlig;en, Papa."
+<p>"Dann mu&szlig;t du ja auf das Feld gehen."
+<p>"O nein, dein Stock ist meine Flinte und unsere alte Katze ist der Hase."
+<p>Der Vater gab seinem Sohne den Stock. Karl legte ihn an die rechte Wange,
+zielte und rief: "Piff, paff! piff, paff!" Ei, wie die Katze von dem Stuhle
+unter den Tisch sprang!
+<p>Karl aber lachte und rief: "Hast du nun meinen Hasen laufen sehen, Papa?"
+<h2>
+<a NAME="21. DAS LIED VOM MONDE."></a><a href="#INHALT">21. DAS LIED VOM
+MONDE.</a></h2>
+
+<blockquote>Wer hat die sch&ouml;nsten Sch&auml;fchen?
+<br>Die hat der gold'ne Mond,
+<br>Der hinter unsern B&auml;umen
+<br>Am Himmel dr&uuml;ben wohnt.
+<p>Er kommt am sp&auml;ten Abend,
+<br>Wenn alles schlafen will,
+<br>Hervor aus seinem Hause
+<br>Zum Himmel leis' und still.
+<p>Dann weidet er die Sch&auml;fchen
+<br>Auf seiner blauen Flur;
+<br>Denn all' die wei&szlig;en Sterne
+<br>Sind feine Sch&auml;fchen nur.
+<p>Sie tun sich nichts zuleide,
+<br>Hat eins das andre gern,
+<br>Und Schwestern sind und Br&uuml;der
+<br>Da droben Stern an Stern.
+<p>Und soll ich dir eins bringen,
+<br>So darfst du niemals schrei'n,
+<br>Mu&szlig;t freundlich wie die Sch&auml;fchen
+<br>Und wie ihr Sch&auml;fer sein!</blockquote>
+
+<h2>
+<a NAME="22. DAS MCKCHEN UND DAS MDCHEN."></a><a href="#INHALT">22. DAS
+M&Uuml;CKCHEN UND DAS M&Auml;DCHEN.</a></h2>
+
+<table>
+<tr>
+<td><img SRC="22.png" ALT="DAS MCKCHEN UND DAS MDCHEN." height=421 width=500></td>
+
+<td VALIGN=TOP>Ein M&uuml;ckchen flog um ein Licht, das am Abend auf dem
+Tische brannte. Da sagte ein M&auml;dchen, welches nebenbei sa&szlig; und
+strickte: "M&uuml;ckchen, bleib' von dem Lichte, sonst verbrennst du dich!"
+Das M&uuml;ckchen aber folgte nicht und flog so lange auf und nieder und
+um das Licht, bis es daran seine Fl&uuml;gelchen sengte und in die Flamme
+fiel. "Habe ich es dir nicht gesagt?" sprach das M&auml;dchen. "H&auml;ttest
+du auf mich geh&ouml;rt, m&uuml;&szlig;test du jetzt nicht sterben!"</td>
+</tr>
+</table>
+
+<h2>
+<a NAME="23. NASCH-ERNST."></a><a href="#INHALT">23. NASCH-ERNST.</a></h2>
+Ernst konnte das Naschen nicht lassen. Er ging oft an den Schrank, um Zucker
+zu naschen. Die Mutter schalt, aber es half nicht.
+<p>Eines Tages ging Ernst in die Scheune. An der Wand hing etwas Rotes.
+Ernst sagte: "Oh, hier hat die Mutter Zuckerzeug versteckt. Ich sollte
+es nicht finden!" Schnell kletterte er auf einen Stuhl, um es zu holen.
+Er bi&szlig; gierig hinein. Aber, o weh, es verbrannte seinen Mund. Er
+lie&szlig; das Zuckerzeug fallen und schrie laut. Nun kam die Mutter und
+gab ihm einen Trunk Wasser. Was Ernst naschte, war nicht Zucker gewesen.
+Es war roter Pfeffer.
+<p>Ernst naschte nie wieder.
+<h2>
+<a NAME="24. DER BLINDE"></a><a href="#INHALT">24. DER BLINDE GEIGER.</a></h2>
+
+<table>
+<tr>
+<td VALIGN=TOP>Ein armer, blinder Geiger ging auf der Stra&szlig;e. Er
+suchte den Weg mit seinem Stocke. Seine Geige trug er unter dem Arme. Bald
+kam er an einen Steg. Als er das merkte, getraute er sich nicht hin&uuml;berzugehen.
+Hans und Eugen kamen daher, und der arme Mann bat, sie m&ouml;chten ihn
+doch &uuml;ber den Steg f&uuml;hren. Aber die mutwilligen Buben lachten
+den Geiger aus und liefen weg.
+<p>Da kam die kleine Lina aus der Schule. Die wartete nicht, bis sie gebeten
+wurde. Sie fa&szlig;te den Blinden bei der Hand, brachte ihn &uuml;ber
+den Steg und schenkte ihm einen Cent, den sie von ihrer Mutter bekommen
+hatte.</td>
+
+<td><img SRC="24.png" ALT="DER BLINDE GEIGER." height=393 width=500></td>
+</tr>
+</table>
+
+<h2>
+<a NAME="25. DAS BROT IM WEG."></a><a href="#INHALT">25. DAS BROT IM WEG.</a></h2>
+
+<blockquote>Im Weg das Kr&uuml;mchen Brot
+<br>Tritt nicht mit deinem Fu&szlig;,
+<br>Weil's in des Hungers Not
+<br>Ein Tierlein finden mu&szlig;.
+<br>Leg's auf den Stein vor'm Haus,
+<br>Und kannst du, br&ouml;sel's klein:
+<br>Still dankt es dir die Maus
+<br>Und still das V&ouml;gelein.</blockquote>
+
+<h2>
+<a NAME="26. DIE SCHNEN DREI."></a><a href="#INHALT">26. DIE SCH&Ouml;NEN
+DREI.</a></h2>
+
+<blockquote>V&ouml;glein im hohen Baum,
+<br>Klein ist's, ihr seht es kaum,
+<br>Singt doch so sch&ouml;n,
+<br>Da&szlig; wohl von nah und fern
+<br>Alle die Leute gern
+<br>Horchen und stehn.
+<p>;Bl&uuml;mlein im Wiesengrund
+<br>Bl&uuml;hen so lieb und bunt,
+<br>Tausend zugleich;
+<br>Wenn ihr vor&uuml;bergeht,
+<br>Wenn ihr die Farben seht,
+<br>Freuet ihr euch.
+<p>W&auml;sserlein flie&szlig;t so fort
+<br>Immer von Ort zu Ort
+<br>Nieder ins Tal;
+<br>D&uuml;rstet nun Mensch und Vieh,
+<br>Kommen zum B&auml;chlein sie,
+<br>Trinken zumal.
+<p>Habt ihr es auch bedacht,
+<br>Wer hat so sch&ouml;n gemacht
+<br>Alle die drei?
+<br>Gott, der Herr, machte sie,
+<br>Da&szlig; sich nun sp&auml;t und fr&uuml;h
+<br>Jedes dran freu'.</blockquote>
+
+<h2>
+<a NAME="27. DAS VOGELNEST."></a><a href="#INHALT">27. DAS VOGELNEST.</a></h2>
+In einem Garten lebte ein V&ouml;gelein, das sehr sch&ouml;n singen konnte.
+Es baute sich in einem Busch ein h&uuml;bsches Nestchen. In dieses legte
+es Eier hinein und br&uuml;tete Junge aus. Einmal suchte das alte V&ouml;gelein
+Futter f&uuml;r seine Kinder. Da sahen zwei Buben das Nest und nahmen es
+samt den Jungen weg. Dar&uuml;ber wurde die Mutter der jungen V&ouml;gelein
+sehr traurig.
+<p>Sie flog hin und her und schrie, so laut sie konnte. Die Knaben machten
+sich aber nichts daraus. Endlich h&ouml;rte die Schwester der b&ouml;sen
+Knaben das V&ouml;gelein schreien. Gleich ging sie hin und nahm ihren Br&uuml;dern
+das Nestchen Weg und trug es wieder in die Hecke. Seit dieser Zeit hatten
+die V&ouml;gelein das M&auml;dchen recht lieb, und wenn es im Garten war,
+sangen sie noch einmal so sch&ouml;n wie sonst.
+<h2>
+<a NAME="28. DER DRACHE."></a><a href="#INHALT">28. DER DRACHE.</a></h2>
+
+<table>
+<tr>
+<td><img SRC="28.png" ALT="DER DRACHE." height=380 width=500></td>
+
+<td VALIGN=TOP>Mein Bruder Karl hatte einen gro&szlig;en Drachen gemacht.
+Er war aus holz und Papier. Um untern Ende befand sich ein langer Schwanz
+und am obern eine lange, d&uuml;nne Schnur.
+<p>Nachmittags gingen wir hinaus auf das Feld hinter unserm Hause. Es war
+ein sch&ouml;ner Tag; die Sonne schien pr&auml;chtig, und es wehte ein
+guter Wind. Wir lie&szlig;en den Drachen steigen. Er stieg so hoch, wie
+die Schnur reichte. Wir konnten ihn kaum noch sehen.
+<p>So standen wir lange im Schatten neben dem Zaune. Auch unser Hund Karo
+kam unter dem Karren hervor. Wir waren sehr vergn&uuml;gt, bis der Abend
+dem Spiele ein Ende machte.</td>
+</tr>
+</table>
+
+<h2>
+<a NAME="29. DIE VGLEIN."></a><a href="#INHALT">29. DIE V&Ouml;GLEIN.</a></h2>
+
+<blockquote>Warum wohl die V&ouml;glein fliegen k&ouml;nnen?
+<br>Ei, das magst du ihnen schon g&ouml;nnen.
+<br>Auf der Erde sind Tiere viel
+<br>Und haben hier und dort ihr Spiel.
+<br>Da war kein Platz f&uuml;r die V&ouml;gel mehr;
+<br>Das dauerte den lieben Gott so sehr,
+<br>Darum hat er ihnen Fl&uuml;gel gegeben,
+<br>Da&szlig; sie dort oben in L&uuml;ften schweben;
+<br>Da k&ouml;nnen sie spielen den ganzen Tag
+<br>Und haben Platz, wie viel jedes mag.</blockquote>
+
+<h2>
+<a NAME="30. VOM HNSCHEN."></a><a href="#INHALT">30. VOM H&Auml;NSCHEN.</a></h2>
+H&auml;nschen und Gretchen spielten im Garten. Da kam ein sch&ouml;ner
+Schmetterling geflogen. Gleich wollte Hans ihn fangen. Gretchen rief: "Ach,
+la&szlig; doch das h&uuml;bsche Tierlein gehen!" Aber Hans h&ouml;rte nicht
+darauf. Mit dem Hute in der Hand lief er dem Schmetterlinge nach. Er schaute
+immer nur in die H&ouml;he. Patsch,--fiel er in einen tiefen Graben voller
+Wasser. Der Schmetterling flog munter davon. H&auml;nschen ging weinend
+heim und wurde noch ausgelacht.
+<h2>
+<a NAME="31. SPRCHE."></a><a href="#INHALT">31. SPR&Uuml;CHE.</a></h2>
+
+<blockquote>Ein gutes Kind gehorcht geschwind
+<br>Und folgt sofort aufs erste Wort.
+<p>Was du nicht willst, das man dir tu',
+<br>Das f&uuml;g' auch keinem andern zu.
+<p>Vorgetan und nachbedacht
+<br>Hat manchem gro&szlig;es Leid gebracht.
+<p>Qu&auml;le nie ein Tier zum Scherz,
+<br>Denn es f&uuml;hlt, wie du, den Schmerz.</blockquote>
+
+<h2>
+<a NAME="32. DIE SCHNECKE:"></a><a href="#INHALT">32. DIE SCHNECKE:</a></h2>
+
+<blockquote>&nbsp;
+<table>
+<tr>
+<td VALIGN=TOP>Die Schnecke ist gar &uuml;bel dran.
+<br>Wie mu&szlig; sie sich doch plagen!
+<br>Sie mu&szlig; ihr Haus
+<br>Tagein, tagaus
+<br>Auf ihrem R&uuml;cken tragen.
+<p>Die Schnecke ist nicht &uuml;bel dran.
+<br>Sie wei&szlig; sich wohl zu sch&uuml;tzen:
+<br>Nimmt sie Gefahr
+<br>Vom Feinde wahr,--
+<br>Bleibt sie im H&auml;uschen sitzen.</td>
+
+<td><img SRC="32.png" ALT="DIE SCHNECKE:" height=178 width=300></td>
+</tr>
+</table>
+</blockquote>
+
+<h2>
+<a NAME="33. DIE HENNE UND DIE ENTLEIN."></a><a href="#INHALT">33. DIE
+HENNE UND DIE ENTLEIN.</a></h2>
+
+<table>
+<tr>
+<td><img SRC="33.png" ALT="DIE HENNE UND DIE ENTLEIN." height=392 width=500></td>
+
+<td VALIGN=TOP>Die kleine Anna hatte eine Henne zum Geschenk bekommen.
+<p>Diese legte jeden Morgen ein Ei. Als nun Annas Mutter eines Tages das
+Nest mit zw&ouml;lf Eiern sah, nahm sie dieselben voller Freude in die
+K&uuml;che. Aber siehe da! Die Henne jammerte und suchte ihr Nest. Nun
+fand sie in der N&auml;he ein Entennest, in dem auch Eier waren. Sie setzte
+sich darauf, bis die Jungen herauskamen. Das waren aber Entchen statt K&uuml;chlein.
+Doch die Henne hatte sie so lieb, als ob es K&uuml;chlein w&auml;ren. Sie
+suchte Futter mit ihnen und nahm sie unter ihre Fl&uuml;gel, damit ihnen
+kein Leid geschehe. Doch eines sch&ouml;nen Tages liefen die Kleinen davon.
+Wohin? In gro&szlig;er Angst eilte die Henne hinterher. Die Entchen waren
+zum Teiche gelaufen. Umsonst warnte die Henne: "Das ist Wasser! Ihr m&uuml;&szlig;t
+ertrinken!" Lustig schwammen die kleinen Enten schon umher, und alles Glucken
+der alten Henne brachte sie nicht ans Ufer zur&uuml;ck.</td>
+</tr>
+</table>
+
+<h2>
+<a NAME="34. DIE TAGESZEITEN."></a><a href="#INHALT">34. DIE TAGESZEITEN.</a></h2>
+Hoch am Himmel steht die Sonne. Sie leuchtet so hell, da&szlig; man sie
+nicht lange ansehen kann. Wenn die Sonne morgens aufgeht, wird es auf der
+Erde hell. Dann sagen die Leute zu einander: "Guten Morgen!" Die Sonne
+steigt nun immer h&ouml;her und h&ouml;her, bis sie zuletzt fast &uuml;ber
+unserem Kopfe steht. Es ist jetzt Mittag. Wenn sich Bekannte treffen, w&uuml;nschen
+sie einander: "Guten Tag!" Bald darauf neigt sich die Sonne wieder abw&auml;rts.
+Sie sinkt bis an den Rand des Himmels. Alsdann sieht sie wie eine gro&szlig;e,
+feurige Kugel aus und f&auml;rbt die Wolken sch&ouml;n rot. Auf einmal
+ist sie verschwunden. Es wird dunkler und die Nacht bricht an. Man bietet
+sich "Guten Abend!" und w&uuml;nscht allen vor dem Schlafengehen eine "Gute
+Nacht!" Nun kommt die Zeit der Ruhe.
+<h2>
+<a NAME="35. KIND UND SONNE."></a><a href="#INHALT">35. KIND UND SONNE.</a></h2>
+<i>Kind</i>: Sag einmal, liebe Sonne, wohin gehst du, wenn es Abend wird?
+Es hei&szlig;t dich doch niemand fortgehen. Ich meine, du k&ouml;nntest
+immer bei uns bleiben. Das w&auml;re so sch&ouml;n!
+<p><i>Sonne</i>: Nein, mein Kind, das kann nicht sein! Wenn es Nacht wird,
+schlafen die Leute, und du schl&auml;fst auch. Beim Schlafen braucht man
+mich aber nicht. Ich reise dann weit, weit fort in ein fernes Land. Dort
+wohnen auch Menschen: V&auml;ter, M&uuml;tter und viele brave Kinder. Wenn
+ich zu diesen komme, haben sie ausgeschlafen. Vater und Mutter stehen dann
+auf und arbeiten, und die gr&ouml;&szlig;eren Kinder gehen in die Schule,
+um zu lernen.
+<p><i>Kind</i>: Ei, ei! Und wenn du bei diesen Menschen gewesen bist, wohin
+gehst du hernach?
+<p><i>Sonne</i>: Wenn ich dort gewesen bin, komme ich wieder zu dir, wie
+an jedem Morgen. So reise ich zu allen Menschen auf der ganzen Erde.
+<h2>
+<a NAME="36. SONNE UND REGEN."></a><a href="#INHALT">36. SONNE UND REGEN.</a></h2>
+
+<blockquote>Die Sonne sprach: "Ich will scheinen
+<br>So fort und immerfort!"
+<br>Der Regen sprach: "Ich will fallen
+<br>Ohn' Ende an jedem Ort!"
+<br>Die Sonne: "Du machst ja alles
+<br>Auf der Erde gang na&szlig;!"
+<br>Der Regen: "Du machst zu trocken,
+<br>Wenn du scheinst ohn' Unterla&szlig;!"
+<br>Die Sonne: "Ich mache fruchtbar,
+<br>Und alles freut sich mein!"
+<br>Der Regen: "Du machst zu trocken,
+<br>Dich mag man nicht allein!"
+<br>So haben sie lang gestritten,
+<br>Doch wurden sie einig zuletzt:
+<br>Sie wollten miteinander wechseln,
+<br>Und so ist es denn auch jetzt.</blockquote>
+
+<h2>
+<a NAME="37. ASTERN."></a><a href="#INHALT">37. ASTERN.</a></h2>
+
+<table>
+<tr>
+<td VALIGN=TOP>Ein kleiner Knabe lag einmal im Grase und schlief. Da sah
+er im Traum einen Engel, der eine wundersch&ouml;ne Blume in der Hand trug.
+Der Engel sagte, da&szlig; es im Himmel viele solche Blumen gebe. Der Knabe
+h&auml;tte sie gerne gehabt. Als er aufwachte, lagen da ein paar gl&auml;nzende
+Samenk&ouml;rner. Die pflanzte der Knabe in seinem Garten. Als der Herbst
+kam, waren aus den Samen die Blumen entstanden. Sie sahen gerade wie Sterne
+aus. Der Knabe rief seine Eltern. Vater und Mutter sagten: "Das sind Sternblumen
+oder Astern. Die sollen uns an den, Himmel droben erinnern."</td>
+
+<td><img SRC="37.png" ALT="ASTERN." height=418 width=500></td>
+</tr>
+</table>
+
+<h2>
+<a NAME="38. RTSEL."></a><a href="#INHALT">38. R&Auml;TSEL.</a></h2>
+
+<blockquote>Loch bei Loch,
+<br>Und h&auml;lt doch.
+<br>Was ist's?
+<p>Rat! Das Haus hat lauter Treppen,
+<br>Keine Fenster, keine Zimmer;
+<br>Wer drin wohnt, mu&szlig; es immer
+<br>Auf seinem R&uuml;cken schleppen.
+<p>Es ist ein Ding, hat Stamm und Zweig' und Bl&auml;tter,
+<br>Sch&uuml;tzt dich vor Sonne und im Regenwetter.</blockquote>
+
+<h2>
+<a NAME="39. VGEL UND BLUMEN."></a><a href="#INHALT">39. V&Ouml;GEL UND
+BLUMEN.</a></h2>
+
+<blockquote>Die V&ouml;gel, sie fliegen wie Bl&auml;tter im Wind;
+<br>Da winken die Bl&uuml;mlein zum Abschied geschwind.
+<br>Es singt in den B&auml;umen der Herbst schon sein Lied,
+<br>Fort ziehen die V&ouml;gel, die Blumen sind m&uuml;d'.
+<p>Im S&uuml;den die V&ouml;gel, die Blumen im Schnee,
+<br>Sie warten, da&szlig; wieder der Fr&uuml;hling ersteh'.
+<br>Dann lachen die Bl&uuml;ten, das V&ouml;gelein singt;
+<br>Dann duftet's und jubelt's, bis rings alles klingt.</blockquote>
+
+<h2>
+<a NAME="40. DANKSAGUNGSTAG."></a><a href="#INHALT">40. DANKSAGUNGSTAG.</a></h2>
+Was tut ihr, wenn euch jemand etwas geschenkt hat oder recht gut gegen
+euch gewesen ist? Nicht wahr, ihr sagt: "Danke sch&ouml;n!" Vergesset das
+ja nicht! Wir Menschen, gro&szlig; und klein, haben f&uuml;r gar vieles
+dankbar zu sein. Die Kinder k&ouml;nnen sich freuen, wenn sie noch Eltern
+haben, die sie lieben und f&uuml;r sie sorgen. Erwachsene Leute sollen
+froh sein, wenn sie gesund sind und keine Not zu leiden brauchen. Doch
+das wird oft nicht bedacht. Deshalb ist ein Tag da, an dem ein jeder von
+feiner Arbeit ausruhen und fr&ouml;hlich Gott danken soll f&uuml;r allen
+Segen. Im Herbste, wenn die Ernte vor&uuml;ber ist, kommt der Danksagungstag.
+Da gibt es meistens gut und reichlich zu essen und zu trinken. In den Kirchen
+ist Gottesdienst. Auch f&uuml;r die Armen und Ungl&uuml;cklichen wird gesorgt,
+damit ein jeder im Herzen dankbar sein m&ouml;ge f&uuml;r das Gute und
+Sch&ouml;ne, was das Jahr gebracht hat.
+<h2>
+<a NAME="41. VOM PUTER."></a><a href="#INHALT">41. VOM PUTER.</a></h2>
+
+<table>
+<tr>
+<td VALIGN=TOP><img SRC="41.png" ALT="VOM PUTER." BORDER=0 height=216 width=250></td>
+
+<td VALIGN=TOP>
+<blockquote>Puter, Puter, Polterhahn,
+<br>Hast 'ne rote Weste an,
+<br>Hast 'ne rote Nasenspitze
+<br>Und 'ne rote Zipfelm&uuml;tze;
+<br>Aber das gibst du wohl zu:
+<br>Ich bin sch&ouml;ner doch als du!</blockquote>
+</td>
+</tr>
+</table>
+
+<h2>
+<a NAME="42. DIE VIER BRDER."></a><a href="#INHALT">42. DIE VIER BR&Uuml;DER.</a></h2>
+
+<blockquote>Vier sch&ouml;ne Br&uuml;der kenn' ich wohl,
+<br>Geschm&uuml;ckt so wunderbar;
+<br>Sie kommen schon seit alter Zeit
+<br>Zu uns in jedem Jahr.
+<br>Der erste Bringt uns einen Strau&szlig;,
+<br>Streut Blumen um sich her.
+<br>Den zweiten schm&uuml;ckt ein goldner Kranz
+<br>Von &Auml;hren voll und schwer.
+<br>Der dritte reicht uns &Auml;pfel dar
+<br>Und neuen goldnen Wein.
+<br>Der vierte ist in Pelz geh&uuml;llt
+<br>Wie Schnee so wei&szlig; und rein.
+<br>Wer nennt die sch&ouml;nen Br&uuml;der mir,
+<br>Geschm&uuml;ckt so wunderbar?
+<br>Sie kommen schon seit alter Zeit
+<br>Zu uns in jedem Jahr.</blockquote>
+
+<h2>
+<a NAME="43. DIE ZWLF MONATE."></a><a href="#INHALT">43. DIE ZW&Ouml;LF
+MONATE.</a></h2>
+
+<blockquote>Gleich anfangs mit dem neuen Jahr
+<br>Erscheint der kalte Januar,
+<br>Dann kommt alsbald der zweite Mann,
+<br>Der Februar, in Eile an.
+<br>Der M&auml;rz ist nun auch nicht mehr weit,
+<br>Und der April ist bald bereit.
+<br>Ihm folgt der wundersch&ouml;ne Mai,
+<br>Der Juni kommt drauf schnell herbei,
+<br>Und ist der Juli nun erst da,
+<br>So ist auch der August schon nah;
+<br>Ihm schlie&szlig;t sich der September an,
+<br>Und der Oktober folgt alsdann.
+<br>November ziehet schleunig ein,
+<br>Dezember wird her letzte sein.</blockquote>
+
+<h2>
+<a NAME="44. DIE BLTTER TANZEN."></a><a href="#INHALT">44. DIE BL&Auml;TTER
+TANZEN.</a></h2>
+
+<blockquote>&nbsp;
+<table>
+<tr>
+<td>Die B&auml;ume stehen ruhig da,
+<br>Die Bl&auml;tter fl&uuml;stern leise.
+<br>H&ouml;rt ihr den Wind, hei, hussassa,
+<br>Bald bl&auml;st er seine Weise.
+<p>Da braust der Wind gar wild einher
+<br>Und r&uuml;ttelt an den B&auml;umen,
+<br>Er beugt sie hin, er beugt sie her,
+<br>L&auml;&szlig;t keine Zeit zum Tr&auml;umen.
+<p>"Halt ein, du st&uuml;rmischer Gesell',
+<br>Wir stehen fest wie Lanzen!"
+<br>Die Bl&auml;tter aber lachen hell:
+<br>"Herr Wind, wir m&ouml;chten tanzen!"
+<p>"Ei," ruft der Wind, "ein luftig Wort,
+<br>Da kann ich stark mich zeigen!"
+<br>Er Bl&auml;st die bunten Bl&auml;tter fort;
+<br>Die tanzen froh den Reigen.
+<p>Der Wind ist fort, der Tanz ist aus,
+<br>Die Bl&auml;tter sinken nieder;
+<br>Der Schnee streckt sein Decke aus,
+<br>Der Fr&uuml;hling hebt sie wieder.</td>
+
+<td><img SRC="44.png" ALT="DIE BLTTER TANZEN." height=355 width=500></td>
+</tr>
+</table>
+</blockquote>
+
+<h2>
+<a NAME="45. DIE VIER JAHRESZEITEN."></a><a href="#INHALT">45. DIE VIER
+JAHRESZEITEN.</a></h2>
+Es gibt vier Jahreszeiten: Fr&uuml;hling, Sommer, Herbst und Winter. Im
+Fr&uuml;hling wird die Luft warm. Der Schnee schmilzt, und die Fl&uuml;sse
+werden wieder frei vom Eise. Auf den Wiesen und in den G&auml;rten keimen
+Gr&auml;ser und Kr&auml;uter, auf den Feldern gr&uuml;nt die Saat, und
+die B&auml;ume bekommen frisches Laub. Sie treiben Knospen und Bl&uuml;ten.
+Die V&ouml;gel, welche im Herbste in w&auml;rmere L&auml;nder gezogen waren,
+kehren zur&uuml;ck. Andere Tiere, die den Winter in ihren H&ouml;hlen verschlafen
+hatten, wachen auf und kommen hervor. Mit dem Sommer werden die Tage l&auml;nger,
+und die W&auml;rme nimmt zu. Das Getreide wird reif und vom Landmanne geschnitten.
+Auf den Sommer folgt der Herbst. Im Herbst gibt es Obst, Trauben und Kartoffeln,
+auch wird die Saat f&uuml;r das n&auml;chste Jahr bestellt. Das Laub der
+B&auml;ume vertrocknet und f&auml;llt zur Erde nieder. Die Tage werden
+immer k&uuml;rzer. Oft ist es neblig und rauh. Bald wird es recht kalt;
+die Fl&uuml;sse frieren zu, und es gibt Schnee. Die V&ouml;gel k&ouml;nnen
+drau&szlig;en kein Futter finden. Sie kommen in die Stra&szlig;en und vor
+die T&uuml;ren, um einige K&ouml;rner und Br&ouml;ckchen zu suchen. Zu
+Hause wird eingeheizt; aber im Freien tummeln sich die Kinder, gleiten
+auf dem Eise, oder fahren Schlitten. Sie freuen sich darauf, einen Schneemann
+machen zu k&ouml;nnen. Bald naht auch das liebe Weihnachtsfest.
+<h2>
+<a NAME="46. WINTERS ANKUNFT."></a><a href="#INHALT">46. WINTERS ANKUNFT.</a></h2>
+
+<blockquote>&nbsp;
+<table>
+<tr>
+<td><img SRC="45.png" ALT="WINTERS ANKUNFT." height=538 width=500></td>
+
+<td VALIGN=TOP>Im wei&szlig;en Pelz der Winter
+<br>Steht lang' schon hinter der T&uuml;r,
+<br>Ei, guten Tag, Herr Winter,
+<br>Das ist nicht h&uuml;bsch von dir!
+<p>Wir meinten, du w&auml;rest, wer wei&szlig; wie weit,
+<br>Da kommst du mit einmal hereingeschneit.
+<br>Nun, da du hier bist, so mag's schon sein;
+<br>Aber, was bringst du Gutes uns Kindelein?
+<p>Was ich euch bringe, das sollt ihr wissen:
+<br>Fr&ouml;hliche Weihnacht mit &Auml;pfeln und N&uuml;ssen
+<br>&nbsp;&nbsp; Und Schneeballen,
+<br>&nbsp;&nbsp; Wie sie fallen,
+<br>&nbsp;&nbsp; Und im J&auml;nner
+<br>&nbsp;&nbsp; Auch Schneem&auml;nner!</td>
+</tr>
+</table>
+</blockquote>
+
+<h2>
+<a NAME="47. DER TANNENBAUM."></a><a href="#INHALT">47. DER TANNENBAUM.</a></h2>
+
+<blockquote>So manches B&auml;umchen in dem Wald
+<br>Verliert im Herbst die Bl&auml;tter,
+<br>Jedoch der liebe Tannenbaum
+<br>Der trotzet Wind und Wetter.
+<p>Ist alles drau&szlig;en &ouml;d' und leer,
+<br>Steht er im gr&uuml;nen Kleide
+<br>Und setzt sich stolz ein K&auml;pplein auf,
+<br>Ein K&auml;pplein wei&szlig; wie Kreide.
+<p>Das nimmt er aber artig ab
+<br>Am frohen Weihnachtsfeste,
+<br>Und gr&uuml;&szlig;et liebevoll und gut
+<br>Die Kinder all' aufs Beste.
+<p>O Tannenbaum, o Tannenbaum,
+<br>Du kannst mir sehr gefallen,
+<br>Du bist der allerliebste mir
+<br>Doch von den B&auml;umen allen.</blockquote>
+
+<h2>
+<a NAME="48. VOGEL AM FENSTER."></a><a href="#INHALT">48. VOGEL AM FENSTER.</a></h2>
+
+<blockquote>&nbsp;
+<table>
+<tr>
+<td VALIGN=TOP>An das Fenster klopft es: pick, pick!
+<br>"Macht mir doch auf einen Augenblick!
+<br>Dicht f&auml;llt der Schnee, der Wind weht kalt,
+<br>Habe kein Futter, erfriere bald.
+<br>Liebe Leute, o la&szlig;t mich ein,
+<br>Will auch immer recht artig sein!"
+<p>Sie lie&szlig;en ihn ein in seiner Not;
+<br>Er suchte sich manches Kr&uuml;mchen Brot;
+<br>Blieb fr&ouml;hlich manche Woche da.
+<br>Doch als die Sonne durchs Fenster sah,
+<br>Da sa&szlig; er immer so traurig dort:
+<br>Sie machten ihm auf, husch, war er fort.</td>
+
+<td><img SRC="48.png" ALT="VOGEL AM FENSTER." height=426 width=500></td>
+</tr>
+</table>
+</blockquote>
+
+<h2>
+<a NAME="49. DAS BBLEIN AUF DEM EISE"></a><a href="#INHALT">49. DAS B&Uuml;BLEIN
+AUF DEM EISE</a></h2>
+Es war Winter. Da kam ein Knabe an einem Teiche vorbei. Der Teich war zugefroren.
+Der Knabe hatte gro&szlig;e Lust, auf das Eis zu gehen. Der Vater aber
+hatte es ihm verboten. Das Eis war noch nicht stark genug. Der ungehorsame
+Knabe wagte sich dennoch auf das Eis. Er hackte darauf mit seinen Stiefeln.
+Auf einmal krachte das Eis. Der Knabe fiel in das Wasser hinein und schrie
+laut um Hilfe. Ein Mann eilte herbei und zog ihn heraus. Ganz durchn&auml;&szlig;t
+mu&szlig;te der Knabe nach Hause laufen. Die Mutter brachte ihn in das
+Bett, und dazu wurde er noch von seinem Vater bestraft.
+<h2>
+<a NAME="50. RTSEL."></a><a href="#INHALT">50. R&Auml;TSEL.</a></h2>
+
+<blockquote>Wei&szlig; wie Kreide,
+<br>Leicht wie Flaum,
+<br>Weich wie Seide,
+<br>Feucht wie Schaum.
+<p>Wer baut wohl die billigste Br&uuml;cke?
+<br>Wer rei&szlig;t sie nieder und schl&auml;gt sie in St&uuml;cke?
+<p>Was m&ouml;gen das f&uuml;r Blumen sein,
+<br>Die unsre Fenster zieren,
+<br>Wenn drau&szlig;' vor K&auml;lte Stein und Bein
+<br>Im rauhen Winter frieren?
+<br>Sie sind nicht rot und blau gemalt,
+<br>Wie Blumen auf den Wiesen,
+<br>Und wenn die liebe Sonne scheint,
+<br>In Wasser sie zerflie&szlig;en.</blockquote>
+
+<h2>
+<a NAME="51. WEIHNACHTSFREUDE."></a><a href="#INHALT">51. WEIHNACHTSFREUDE.</a></h2>
+Am Abend vor Weihnachten kam Else zur Mutter gelaufen und rief: "Denke
+nur, Anna Maurer hat mir heute ins Ohr gesagt, sie h&auml;tten seit gestern
+kein Holz, kein Brot und keine Milch. Und sie haben doch ein kleines Kind,
+und die Gro&szlig;mutter ist krank. Darf ich der Anna heute Abend mein
+Brot geben?"
+<p>"O, gewi&szlig;," sagte die Mutter, "geh nur gleich hin. Bringe ihnen
+auch diese Kanne voll Milch. Robert soll seinen kleinen Schlitten voll
+Holz laden und es hinfahren." Wie freuten sich die Kinder, da&szlig; sie
+den armen Leuten helfen durften.
+<p>Aber Robert wollte noch mehr tun. Er bat den Vater um ein ganz kleines
+Tannenb&auml;umchen. Das schm&uuml;ckte er mit farbigen Sternen und Lichtlein.
+Dann suchte er seine warme Kappe f&uuml;r Maurers Karl und nahm ein S&auml;cklein
+voll N&uuml;sse. Else holte eine ihrer Puppen. Alles das packten sie in
+einen Korb.
+<p>Als es dunkel war, nahm Robert das B&auml;umchen und Else den Korb.
+Sie gingen hin und stellten die Sachen leise vor Maurers T&uuml;r. Dann
+klopften sie und eilten davon.
+<p>Wie sich da die armen Leute freuten! Aber auch Robert und Else meinten,
+noch nie so sch&ouml;ne Weihnachten gehabt zu haben, wie diesmal.
+<h2>
+<a NAME="52. SCHNEESTERNE."></a><a href="#INHALT">52. SCHNEESTERNE.</a></h2>
+
+<table>
+<tr>
+<td><img SRC="52.png" ALT="SCHNEESTERNE." height=356 width=500></td>
+
+<td VALIGN=TOP><i>Olga</i>: Komm, liebe Mama, komm geschwind! Ich hab'
+dir etwas mitgebracht. Rate, was es ist!
+<p><i>Mutter</i>: Nun, was mag das wohl sein! Blumen, Obst oder gar Kuchen?
+<p><i>Olga</i>: O, nein, nein; ganz etwas anderes. Sch&ouml;ne, wei&szlig;e
+Sterne sind es. Sieh her, hier hab' ich sie in meiner Sch&uuml;rze!
+<p><i>Mutter</i>: Wo sind sie denn? Ich kann nichts sehen.
+<p><i>Olga</i>: Ach, Mama! Sie sind nun fort, und ich habe mich doch so
+gefreut, sie dir zu bringen. Es sind nur noch kleine Tropfen auf meiner
+Sch&uuml;rze. Ich m&ouml;chte weinen!
+<p><i>Mutter</i>: Weine nicht, liebe Olga: Solche Sterne k&ouml;nnen nicht
+bleiben. Die Waren einmal Wasser, und die K&auml;lte machte sie zu Schnee.
+Da sehen sie gerade wie kleine, blitzende Sterne aus. Nachher werden sie
+wieder zu Wasser. Menschen, Tiere und Pflanzen trinken das Wasser. Nach
+und nach holt die Sonne auch viele Tropfen hinauf zu den Wolken. Ohne Wasser
+k&ouml;nnten wir gar nicht leben.</td>
+</tr>
+</table>
+
+<h2>
+<a NAME="53. BRIEF VOM WEIHNACHTSMANN."></a><a href="#INHALT">53. BRIEF
+VOM WEIHNACHTSMANN.</a></h2>
+
+<div align=right>Daheim, am 1. Januar 1913.</div>
+Liebe Kinder!
+<p>Mein Vetter, der Neujahrsbote, bringt Euch meine Gr&uuml;&szlig;e und
+W&uuml;nsche. Eure Bitten habe ich, wie Ihr wisset, erf&uuml;llt. Erfreuet
+Euch nur recht an den Geschenken.
+<p>Wenn nun heute mein Baum noch einmal strahlt und glitzert, dann nehmt
+Euch vor, auch in diesem Jahre immer lieb und brav zu sein. Ihr k&ouml;nnt
+Euren Eltern und mir keine gr&ouml;&szlig;ere Freude machen. Schreibt mir
+zur rechten Zeit wieder, ob Ihr Wort gehalten habt. Dann schenke ich Euch
+das n&auml;chste Mal, was Ihr als gute Kinder verdient.
+<p>Euer Freund
+<p>Der Weihnachtsmann.
+<h2>
+<a NAME="54. ZU"></a><a href="#INHALT">54. ZU NEUJAHR.</a></h2>
+
+<blockquote>Noch nicht erwachsen bin ich,
+<p>Drum w&uuml;nsch' ich kurz, doch innig:
+<br>&nbsp;&nbsp; Ein gl&uuml;ckliches Neujahr!
+<p>Und was euch freut, das wei&szlig; ich:
+<br>Wenn brav ich bin und flei&szlig;ig,
+<br>&nbsp;&nbsp; Mehr als ich sonst es war.
+<p>Gesundheit, Freude, Frieden
+<br>Sei allen euch beschieden,
+<br>&nbsp;&nbsp; Wie heut, so immerdar.</blockquote>
+
+<h2>
+<a NAME="55. VERSTEHST DU DAS?"></a><a href="#INHALT">55. VERSTEHST DU
+DAS?</a></h2>
+
+<blockquote>Er ritt auf einem Rappen aus,
+<br>Da kam etwas vom Himmel,
+<br>Und als er wieder kam nach Haus,
+<br>Da war der Rapp' ein Schimmel.
+<br>&nbsp;&nbsp; Verstehst du das?</blockquote>
+
+<h2>
+<a NAME="56. DER SCHNEEMANN."></a><a href="#INHALT">56. DER SCHNEEMANN.</a></h2>
+
+<table>
+<tr>
+<td VALIGN=TOP>Es hatte geschneit. Dick lag der Schnee auf Stra&szlig;en
+und Pl&auml;tzen. Die Knaben wollten sehen, wie tief er wohl sei. Sie wateten
+hindurch, da&szlig; der Schnee in die Stiefel fiel. "Heute wollen wir einen
+Schneemann bauen!" So riefen Fritz, Karl und Otto. Schnell machten sie
+einen gro&szlig;en Schneeball und w&auml;lzten ihn im tiefen Schnee herum.
+Bald wurde der Ball so gro&szlig;, da&szlig; ihn die Knaben nicht mehr
+fortbringen konnten. Nun w&auml;lzten sie einen neuen Ball heran, den setzten
+sie auf den ersten. Oben darauf kam ein kleiner Ball, das war der Kopf
+des Schneemannes. In den Kopf steckte Fritz zwei Kohlen, das waren die
+Augen. Auch Nase und Mund, ja sogar die Rockkn&ouml;pfe des Mannes wurden
+aus Kohlen gemacht. Nun bekam der Schneemann noch zwei Arme. In den einen
+Arm legten ihm die Knaben einen gro&szlig;en Stock.
+<p>Da stand er nun und drohte. Aber der arme Mann konnte nicht schlagen.
+Fortlaufen konnte er auch nicht, als ihn die jungen mit Schneeb&auml;llen
+warfen. Doch das war noch das Schlimmste nicht! Auf einmal guckte die liebe
+Sonne &uuml;ber das Dach. Da fing der Schneemann an zu weinen. Tr&auml;nen
+liefen ihm &uuml;ber das Gesicht und den wei&szlig;en Pelzrock. Es war
+gut, da&szlig; die Sonne heute nicht noch l&auml;nger schien, sonst w&auml;re
+er ganz zu Wasser geworden. Morgen aber oder &uuml;bermorgen wird's wohl
+so kommen.</td>
+
+<td><img SRC="56.png" ALT="DER SCHNEEMANN." height=392 width=500></td>
+</tr>
+</table>
+
+<h2>
+<a NAME="57. MRZ."></a><a href="#INHALT">57. M&Auml;RZ.</a></h2>
+Nach vielen tr&uuml;ben Tagen sehen wir den blauen Himmel wieder. Manchmal
+scheint auch schon die Sonne freundlich auf die Erde herab. Da mu&szlig;
+der Winter weichen. Der Schnee f&auml;ngt an, zu schmelzen, und nur noch
+des Nachts gibt es ein wenig Eis. An sch&ouml;nen Tagen l&auml;&szlig;t
+sich vielleicht ein Vogel h&ouml;ren, und ein flei&szlig;iges Bienchen
+fliegt umher. Auf dem Felde und im Wald sieht es aber noch recht &ouml;de
+aus. Nur die Weiden und Birken haben graue K&auml;tzchen, und an den Zweigen
+der Ulme sind kleine Bl&uuml;ten. Die Kinder gehen ins Freie; sie spielen
+Ball oder lassen den Drachen steigen.
+<h2>
+<a NAME="58. OSTERGRUSS."></a><a href="#INHALT">58. OSTERGRUSS.</a></h2>
+
+<blockquote>Das H&auml;schen im Walde eilt hin und her,
+<br>Nach Eiern ist heute ein gro&szlig;es Begehr.
+<br>Es borgt bei der Henne, es borgt bei dem Spatz
+<br>Und sucht f&uuml;r die Nester den passenden Platz.
+<br>Ein artiges Kindlein erh&auml;lt heut' sein Ei.
+<br>Es schleppen die H&auml;schen die Eier herbei;
+<br>Und bist du am Ostermorgen erwacht,
+<br>Hat H&auml;schen die Nester gef&uuml;llt &uuml;ber Nacht.</blockquote>
+
+<h2>
+<a NAME="59. DER OSTERHASE."></a><a href="#INHALT">59. DER OSTERHASE.</a></h2>
+
+<table>
+<tr>
+<td><img SRC="59.png" ALT="DER OSTERHASE." height=466 width=500></td>
+
+<td VALIGN=TOP>Bald ist es Ostern. O, wie freue ich mich, denn es kommt
+der Osterhase! Der bringt sch&ouml;ne, bunte Eier. Wir wollen ihm deshalb
+ein Nest zurecht machen. Oft versteckt der Osterhase die Eier. Dann m&uuml;ssen
+wir sie suchen. Zuweilen legt er sie in H&uuml;te, Schuhe oder K&ouml;rbe.
+Auch unter den Schrank hat er sie schon gelegt. Ja, er steckt sie uns wohl
+gar in die Taschen. Welche Freude, wenn wir sie finden! Erst z&auml;hlen
+wir sie und spielen damit. Sp&auml;ter essen wir sie; sie schmecken gut.
+In Washington werden am Ostermontage viele Kinder zum Pr&auml;sidenten
+eingeladen. Sie k&ouml;nnen lange auf dem Rasen bei dem gro&szlig;en Hause
+spielen. Da gibt es dann viele und sehr sch&ouml;ne Ostereier. Die werden
+hin und her gerollt und schlie&szlig;lich verzehrt. Ihr m&ouml;chtet auch
+dabei sein, nicht wahr?</td>
+</tr>
+</table>
+
+<h2>
+<a NAME="60. DER OBSTGARTEN."></a><a href="#INHALT">60. DER OBSTGARTEN.</a></h2>
+Neben dem Gem&uuml;se und den Blumen ist oft ein Platz, auf dem nur Gras
+und Obstb&auml;ume wachsen, es ist der Obstgarten. Welche Pracht, wenn
+die B&auml;ume im Fr&uuml;hlinge bl&uuml;hen! Der Kirschbaum kommt zuerst
+mit seinen wei&szlig;en Bl&uuml;ten. Dann ziehen der Birnbaum und der Pflaumenbaum
+ihr wei&szlig;es Kleid an. Am sch&ouml;nsten aber Bl&uuml;hen der Apfelbaum
+und der Pfirsichbaum, die bl&uuml;hen sch&ouml;n rot. Das Obst ist zuerst
+gr&uuml;n; dann, wenn die Sonne recht hei&szlig; scheint, wird es gelb,
+rot oder blau. Ah, Wie schmecken Kirschen und Pflaumen so gut! Wenn sie
+nur schon reif w&auml;ren!
+<h2>
+<a NAME="61. SPRCHE."></a><a href="#INHALT">61. SPR&Uuml;CHE.</a></h2>
+
+<blockquote>Was H&auml;nschen nicht lernt,
+<br>Lernt Hans nimmermehr.
+<p>Gute Spr&uuml;che, weise Lehren
+<br>Mu&szlig; man &uuml;ben, nicht blo&szlig; h&ouml;ren.
+<p>Frage nicht, was and're machen,
+<br>Sieh auf deine eig'nen Sachen.</blockquote>
+
+<h2>
+<a NAME="62. DIE VGEL IM FRHLINGE."></a><a href="#INHALT">62. DIE V&Ouml;GEL
+IM FR&Uuml;HLINGE.</a></h2>
+
+<table>
+<tr>
+<td VALIGN=TOP>Im Winter sind nur wenige V&ouml;gel Bei uns. Wo sind die
+andern? Sie sind fortgezogen nach w&auml;rmeren L&auml;ndern. Jetzt wird
+es aber auch hier bei uns warm, und die V&ouml;gel kehren zur&uuml;ck.
+Bald werdet ihr sie singen h&ouml;ren. Flei&szlig;ig fliegen sie zum Baume.
+Sie arbeiten. Im Schnabel tragen sie Stroh, Heu, Pferdehaare oder auch
+kleine Zweige herbei; damit bauen sie ihre Nester.</td>
+
+<td><img SRC="62.png" ALT="DIE VGEL IM FRHLINGE." height=414 width=500></td>
+</tr>
+</table>
+
+<h2>
+<a NAME="63. DAS ROTE HHNCHEN."></a><a href="#INHALT">63. DAS ROTE H&Uuml;HNCHEN.</a></h2>
+<i>H&uuml;hnchen</i>: Hier ist ein Weizenkorn. Wer wird mir helfen, es
+zu pflanzen? Bitte, hilf du mir, Frau Gans.
+<p><i>Gans</i>: Es tut mir leid, aber ich kann dir nicht helfen.
+<p><i>H&uuml;hnchen</i>: Bitte, hilf du mir, Frau Ente.
+<p><i>Ente</i>: O, ich kann dir heute nicht helfen. Ich habe so viel mit
+meinen Kindern zu tun.
+<p><i>H&uuml;hnchen</i>: Nun, dann hilf du mir, alte Katze.
+<p><i>Katze</i>: Ich kann dir auch nicht helfen. Ich mu&szlig; meine K&auml;tzchen
+waschen.
+<p><i>H&uuml;hnchen</i>: Willst du mir denn nicht helfen, kleines Schwein?
+<p><i>Schwein</i>: Ich kann keinen Weizen pflanzen. Ich bin zu m&uuml;de.
+Pflanz du ihn selber.
+<p><i>H&uuml;hnchen</i>: Das will ich auch tun! Ich lege dich in die Erde,
+K&ouml;rnchen, und die Sonne, der Regen und der Wind werden dich wachsen
+lassen.
+<br>
+<hr WIDTH="35%">
+<p><i>H&uuml;hnchen</i>: Jetzt ist der Weizen reif. Wer wird ihn nach der
+M&uuml;hle fahren? Willst du es tun, Frau Gans?
+<p><i>Gans</i>: Es tut mir recht leid, H&uuml;hnchen, aber heute kann ich
+nicht nach der M&uuml;hle fahren. Ich habe R&uuml;ckenschmerzen.
+<p><i>H&uuml;hnchen</i>: Willst du es tun, Frau Ente?
+<p><i>Ente</i>: Nein, ich kann auch nicht fort. Ich mu&szlig; jetzt schwimmen.
+<p><i>H&uuml;hnchen</i>: So tu du es, alte Katze!
+<p><i>Katze</i>: Sch! Sch! Ruhig! Ich laure auf eine Maus. Ich kann diesmal
+nicht gehen.
+<p><i>H&uuml;hnchen</i>: Bitte, tu du es doch, kleines Schwein.
+<p><i>Schwein</i>: Ach was! Es ist gerade Zeit f&uuml;r mein Mittagsschl&auml;fchen.
+Du kannst den Weizen selber zur M&uuml;hle fahren.
+<p><i>H&uuml;hnchen</i>: Das werde ich auch tun.
+<br>
+<hr WIDTH="35%">
+<p><i>H&uuml;hnchen</i>: Hier ist Mehl. Wer wird Brot daraus backen? Willst
+du das Brot backen, Frau Gans?
+<p><i>Gans</i>: Ei, nein! Ich habe in meinem Leben noch kein Brot gebacken.
+<p><i>H&uuml;hnchen</i>: Willst du das Brot backen, Frau Ente?
+<p><i>Ente</i>: Ich! Brot backen? Nein, das kann ich wirklich nicht tun.
+<p><i>H&uuml;hnchen</i>: Backe du das Brot, alte Katze!
+<p><i>Katze</i>: Ich tue alles andere auf der Welt lieber als backen.
+<p><i>H&uuml;hnchen</i>: Wach auf, kleines Schwein, und back du das Brot.
+<p><i>Schwein</i>: Ach! la&szlig; mich in Ruhe. Ich will dir beim Essen
+helfen, wenn es gebacken ist.
+<p><i>H&uuml;hnchen</i>: Gut; da backe ich es selbst.
+<br>
+<hr WIDTH="35%">
+<p><i>H&uuml;hnchen</i>: So, jetzt ist das Brot gebacken. Sechs sch&ouml;ne,
+braune Laibe. Wer will helfen essen?
+<p><i>Gans, Ente, Katze, Schwein</i>: Wir wollen dir helfen!
+<p><i>H&uuml;hnchen</i>: O, nein! Nun brauch' ich euch auch nicht. Ich
+werde es essen, und meine K&uuml;chlein sollen mir helfen. Gluck, gluck,
+gluck!
+<h2>
+<a NAME="64."></a><a href="#INHALT">64. R&Auml;TSEL.</a></h2>
+
+<blockquote>Rate flink:
+<br>Ein kleines Ding,
+<br>D&uuml;nn und spitz;
+<br>Sticht wie der Blitz.
+<p>Zwei sind's, die nebeneinander steh'n
+<br>Und alles ganz gut und deutlich seh'n,
+<br>Nur immer eines das andre nicht,
+<br>Und w&auml;r' es beim hellsten Tageslicht.</blockquote>
+
+<h2>
+<a NAME="65. DER NASEWEISE"></a><a href="#INHALT">65. DER NASEWEISE BELLO.</a></h2>
+In einem Stalle wohnten f&uuml;nf kleine Hunde mit ihrer Mutter. Alle waren
+sch&ouml;n wei&szlig; mit braunen Flecken. Sie spielten lustig umher und
+lernten auch von der Mutter Ratten und M&auml;use fangen.
+<p>Nur einer der Kleinen wollte nicht folgen. Er wollte auch nicht mit
+seinen Geschwistern spielen, sondern trieb sich lieber drau&szlig;en herum.
+Einmal war Bello--so hie&szlig; der kleine--wieder hinausgeschlichen. Bei
+der T&uuml;re stand ein Topf voll schwarzer Farbe. Bello wollte gerne wissen,
+was darin w&auml;re, und so steckte er seine Nase hinein. Aber, o weh!
+er kam mit dem Kopfe zu Weit hinein und warf den Topf um. Jetzt war er
+&uuml;ber und &uuml;ber mit schwarzer Farbe bedeckt. Langsam ging er zur&uuml;ck
+und blieb mit h&auml;ngendem Kopf auf der T&uuml;rschwelle sitzen. Seine
+Mutter und seine Geschwister sch&auml;mten sich des schmutzigen, naseweisen
+Bello.
+<h2>
+<a NAME="66. HEIL, AMERIKA!"></a><a href="#INHALT">66. HEIL, AMERIKA!</a></h2>
+
+<blockquote>&nbsp;
+<table>
+<tr>
+<td VALIGN=TOP>&nbsp;&nbsp; Hoch die Fahnen,
+<br>&nbsp;&nbsp; Sie gemahnen
+<br>&nbsp; An das teure Vaterland.
+<br>Rot und wei&szlig; die Streifen winken,
+<br>Licht im Blau die Sterne blinken,
+<br>&nbsp; Sind der Freiheit Unterpfand.
+<p>&nbsp;&nbsp;&nbsp; Freudig singen
+<br>&nbsp;&nbsp;&nbsp; Wir und bringen
+<br>&nbsp; Gr&uuml;&szlig;e viel von fern und nah.
+<br>Wo die Flaggen munter wehen,
+<br>Stolz wir, sie besch&uuml;tzend, stehen,
+<br>&nbsp; Deiner wert, Amerika!</td>
+
+<td><img SRC="66.png" ALT="HEIL, AMERIKA!" height=446 width=500></td>
+</tr>
+</table>
+</blockquote>
+
+<h2>
+<a NAME="67. PETERSILIE."></a><a href="#INHALT">67. PETERSILIE.</a></h2>
+Es waren einmal zwei Kinder, ein Knabe und ein M&auml;dchen. Das M&auml;dchen
+hie&szlig; Silie, der Knabe Peter. Die Kinder konnten sich gar nicht miteinander
+vertragen. Sobald sie zusammenkamen, stritten sie und schlugen einander.
+Dies machte den Eltern viel Kummer. Das &auml;rgerte den Paten der Kinder,
+der ein Zauberer war. Er sprach zu den beiden: "H&ouml;re ich euch wieder
+zanken, so lasse ich euch zur Strafe zusammenwachsen."
+<p>Es dauerte gar nicht lange, so war wieder Streit; Silie schlug den Peter,
+und Peter schlug Silie. Da kam der Zauberer durch die Luft gefahren und
+r&uuml;hrte beide mit seinem Stabe an. Nun waren sie verwandelt. Peter
+wuchs in die Erde hinein als Wurzel, und oben auf ihm Silie als gr&uuml;nes
+Kraut. Der Zauberer nannte sie nun zusammen: Petersilie.
+<h2>
+<a NAME="68. DAS KIND UND SEIN BLMCHEN."></a><a href="#INHALT">68. DAS
+KIND UND SEIN BL&Uuml;MCHEN.</a></h2>
+
+<blockquote>&nbsp;
+<table>
+<tr>
+<td><img SRC="68.png" ALT="DAS KIND UND SEIN BLMCHEN." height=485 width=500></td>
+
+<td VALIGN=TOP>Ward ein Bl&uuml;mchen mir geschenket,
+<br>Hab's gepflanzt und hab's getr&auml;nket.
+<br>V&ouml;gel, kommt und gebet acht!
+<br>Gelt, ich hab' es recht gemacht?
+<p>Sonne, la&szlig; mein Bl&uuml;mchen sprie&szlig;en!
+<br>Wolke, komm es zu begie&szlig;en!
+<br>Richt' empor dein Angesicht,
+<br>Liebes Bl&uuml;mchen, f&uuml;rcht' dich nicht!
+<p>Und ich kann es kaum erwarten,
+<br>T&auml;glich geh' ich in den Garten,
+<br>T&auml;glich frag' ich: Bl&uuml;mchen, sprich,
+<br>Bl&uuml;mchen, bist du b&ouml;s auf mich?
+<p>Sonne lie&szlig; mein Bl&uuml;mchen sprie&szlig;en,
+<br>Wolke kam, es zu begie&szlig;en;
+<br>Jedes hat sich brav bem&uuml;ht,
+<br>Und mein liebes Bl&uuml;mchen bl&uuml;ht.
+<p>Wie's vor lauter Freuden weinet,
+<br>Freut sich, da&szlig; die Sonne scheinet;
+<br>Schmetterlinge, fliegt herbei,
+<br>Sagt ihm doch, wie sch&ouml;n es sei!</td>
+</tr>
+</table>
+</blockquote>
+
+<h2>
+<a NAME="69. NACHLSSIGKEIT."></a><a href="#INHALT">69. NACHL&Auml;SSIGKEIT.</a></h2>
+Eine flei&szlig;ige Mutter baute in ihrem Garten Gem&uuml;se aller Art.
+Eines Tages sagte sie zu ihrer kleinen Tochter: "Lieschen, sieh da an der
+untern Seite des Kohlblattes die kleinen, netten, gelben T&uuml;pfelchen!
+Das sind die Eier, aus denen die sch&ouml;nfarbigen, aber verderblichen
+Raupen kommen. Suche diesen Nachmittag alle Bl&auml;tter ab und zerdr&uuml;cke
+die Eier, so wird unser Kohl gr&uuml;n und unversehrt bleiben."
+<p>Lieschen meinte, zu dieser Arbeit sei es immer noch Zeit, und dachte
+am Ende gar nicht mehr daran. Die Mutter war einige Wochen krank und kam
+nicht in den Garten. Als sie aber wieder gesund war, nahm sie das saumselige
+M&auml;dchen bei der Hand und f&uuml;hrte es zu den Kohlbeeten, und siehe!
+aller Kohl war von den Raupen abgefressen. Man sah nichts mehr als die
+Stengel und Gerippe der Bl&auml;tter. Das erschrockene und besch&auml;mte
+M&auml;dchen weinte &uuml;ber seine Nachl&auml;ssigkeit. Die Mutter aber
+sprach: "Tu' k&uuml;nftig das, was heute geschehen kann, sogleich heute
+und verschiebe es niemals auf morgen!"
+<h2>
+<a NAME="70. EIN RTSEL."></a><a href="#INHALT">70. EIN R&Auml;TSEL.</a></h2>
+
+<blockquote>&nbsp;
+<table>
+<tr>
+<td VALIGN=TOP>Ratet, ratet, was ist das:
+<br>Es ist kein Fuchs und ist kein Has'.
+<br>Es hat zwei Augen und kann nicht sehen.
+<br>Es hat zwei F&uuml;&szlig;e und kann nicht gehen.
+<br>Es hat zwei Ohren und kann nicht h&ouml;ren.
+<br>Es hat zwei H&auml;nde und kann sich nicht wehren.
+<p>Es ist ein M&auml;dchen h&uuml;bsch und fein,
+<br>Tut niemals zanken und niemals schrei'n.
+<p>Was f&uuml;r ein M&auml;dchen mag das sein?</td>
+
+<td><img SRC="70.png" ALT="EIN RTSEL." height=264 width=300></td>
+</tr>
+</table>
+</blockquote>
+
+<h2>
+<a NAME="71. WAS WRDEST DU TUN?"></a><a href="#INHALT">71. WAS W&Uuml;RDEST
+DU TUN?</a></h2>
+"Wenn ich ein K&ouml;nig w&auml;re," sagte ein Kind, "lie&szlig;e ich mir
+ein Schlo&szlig; bauen bis an die Wolken!"
+<p>"Und ich," sagte ein anderes, "tr&uuml;ge nur Kleider von Silber und
+Gold!"
+<p>"Und ich," rief ein dicker Bube, "ich &auml;&szlig;e nur Kuchen und
+Wurst!"
+<p>"Ich," sagte ein kleines M&auml;dchen und wurde ein wenig rot, "ich
+g&auml;be allen armen Kindern Geld, da&szlig; sie sich Brot und Kleider
+kaufen k&ouml;nnten!"
+<h2>
+<a NAME="72. WAS WOLLEN WIR SPIELEN?"></a><a href="#INHALT">72. WAS WOLLEN
+WIR SPIELEN?</a></h2>
+
+<blockquote><i>Ella</i>: In f&uuml;nf Minuten ist Essenszeit,
+<br>&nbsp;&nbsp; Noch schnell was zu spielen, das w&auml;re gescheit!
+<p><i>Toni</i>: Ei! Jede holt ihre Puppe heraus,
+<br>&nbsp;&nbsp; Wir tragen sie etwas spazieren ums Haus.
+<p><i>Ella</i>: Das Puppenholen h&auml;lt aber doch auf!
+<br>&nbsp;&nbsp; Komm, spielen wir haschen; ich fange dich, lauf!
+<p><i>Toni</i>: Beim Haschen kommt man ja gar nicht zur Ruh'.
+<br>&nbsp;&nbsp; Ach! spielen wir lieber Blindekuh!
+<p><i>Ella</i>: Bei Blindekuh komme ich immer zu Fall.
+<br>&nbsp;&nbsp; Topp! Wei&szlig;t du was, spielen wir Fangeball!
+<p><i>Toni</i>: Ach was, das Ballspiel machte mir niemals Spa&szlig;;
+<br>&nbsp;&nbsp; Reifentreiben, das w&auml;re noch was!
+<p><i>Ella</i>: Die Reifen, die sind auch drinnen im Haus.
+<br>&nbsp;&nbsp; Was meinst du, wir suchen Mama einen Strau&szlig;!
+<p><i>Toni</i>: Wir d&uuml;rfen ja nicht auf dem Rasen springen.
+<br>&nbsp;&nbsp; So la&szlig; uns lieber ein Liedchen singen!
+<p><i>Ella</i>: Ich habe den Husten, f&auml;llt eben mir ein!
+<p><i>Toni</i>: Na, gut! So spiele ich f&uuml;r mich allein!
+<p><i>Ella</i>: Ganz alleine? O, das w&auml;re nicht schlecht:
+<br>&nbsp;&nbsp; Dir ist ja auch nimmer ein Vorschlag recht!
+<p><i>Toni</i>: Was spiele ich nun?--Die Zeit geht vorbei--
+<br>&nbsp;&nbsp; Zum Wettelaufen geh&ouml;ren doch zwei!
+<p><i>Ella</i>: Mir ist nicht sehr zum Spielen zu Mut--
+<br>&nbsp;&nbsp; Alleine tanzen geht auch nicht gut!
+<p><i>Toni</i>: Mama ruft zum Essen! Wir m&uuml;ssen ins Haus!
+<br>&nbsp;&nbsp; Ach, Ella, nun ist mit dem Spielen es aus!
+<p><i>Ella</i>: Wie ist die Zeit nur so hingegangen!
+<br>&nbsp;&nbsp; Wir haben ja nicht einmal angefangen!
+<p><i>Toni</i>: Ja! wei&szlig;t du, das &Uuml;berlegen und Streiten!
+<br>&nbsp;&nbsp; Es war doch wirklich recht dumm von uns beiden!
+<p><i>Ella</i>: Wir haben recht kindisch uns angestellt!
+<p><i>Toni</i>: Nach Tische spielen wir--
+<p><i>Ella</i>:&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Was dir gef&auml;llt!</blockquote>
+
+<h2>
+<a NAME="73. DIE SCHLAUE KATZE."></a><a href="#INHALT">73. DIE SCHLAUE
+KATZE.</a></h2>
+Die Nachbarin hatte einen zahmen Zeisig, den sie oft aus dem K&auml;fig
+lie&szlig;. Dann h&uuml;pfte das Tierchen in der Stube umher und suchte
+Krumen am Boden. Die alte Katze war immer sehr freundlich mit dem V&ouml;gelchen.
+Vor einigen Tagen aber erfa&szlig;te sie pl&ouml;tzlich den Zeisig, nahm
+ihn ins Maul und sprang mit ihm auf den Tisch.
+<p>Die Nachbarin erschrak und glaubte, die Katze wolle ihr liebes V&ouml;gelein
+auffressen. Da sah sie jedoch, da&szlig; die Stubent&uuml;re offen war
+und eine fremde Katze sich ins Zimmer geschlichen hatte. Schnell jagte
+sie diese hinaus, und sieh, die alte Hauskatze sprang sogleich vom Tische
+herab und lie&szlig; den Zeisig auf den Boden fallen, ohne ihm etwas zuleide
+getan zu haben. Hat die alte Katze nicht klug gehandelt?
+<h2>
+<a NAME="74. KANNST DU ES SAGEN?"></a><a href="#INHALT">74. KANNST DU ES
+SAGEN?</a></h2>
+
+<blockquote>Es sa&szlig;en zehn Sperlinge auf dem Dach;
+<br>&nbsp; Da kam der J&auml;ger und scho&szlig; danach;
+<br>&nbsp; Er traf davon nur vier.
+<br>&nbsp; Wie viel bleiben sitzen?
+<br>&nbsp; Das sage mir.</blockquote>
+
+<h2>
+<a NAME="75. DER SPERLING"></a><a href="#INHALT">75. DER SPERLING</a></h2>
+
+<blockquote>Ich bin wohl ein gemeiner Wicht,
+<br>Das Singen, das versteh' ich nicht,
+<br>In sch&ouml;nen Kleidern geh' ich nicht;
+<br>Es sieht mich auch der Mann kaum an;
+<br>Nur b&ouml;se Buben dann und wann,
+<br>Die werfen mich mit Steinen;
+<br>Und dennoch will mir's scheinen,
+<br>Als sei so sch&ouml;n die ganze Welt,
+<br>So blau die Luft, so gr&uuml;n das Feld--
+<br>Zip, zip, zip! Ich hab' die Welt so lieb!</blockquote>
+
+<h2>
+<a NAME="76. DAS PFERD UND DER ESEL."></a><a href="#INHALT">76. DAS PFERD
+UND DER ESEL.</a></h2>
+Einst schleppte ein Esel eine schwere Last. Neben ihm ging ein lediges
+Pferd. Der Esel bat das Pferd, es m&ouml;ge ihm doch helfen; allein es
+h&ouml;rte nicht auf seine Bitte. Zuletzt konnte der Esel nicht mehr weiter;
+er fiel zu Boden und starb.
+<p>Nun lud der Treiber die ganze Last dem Pferde auf. Er zog dem toten
+Tiere die Haut ab, und das Pferd mu&szlig;te dieselbe noch obendrein tragen.
+Hilf deinem N&auml;chsten in der Not.
+<h2>
+<a NAME="77. DER KLUGE STAR."></a><a href="#INHALT">77. DER KLUGE STAR.</a></h2>
+
+<table>
+<tr>
+<td><img SRC="77.png" ALT="DER KLUGE STAR." height=500 width=292></td>
+
+<td VALIGN=TOP>Ein durstiger Star wollte aus einer Wasserflasche trinken.
+Er konnte aber das Wasser mit seinem kurzen Schnabel nicht erreichen. Da
+hackte er damit aufs dicke Glas; doch er vermochte nicht, es zu zerbrechen.
+Dann stemmte er sich gegen die Flasche und wollte sie umwerfen. Aber dazu
+war er nicht stark genug.
+<p>Was tat der kluge Star zuletzt? Er las kleine Steinchen mit seinem Schnabel
+zusammen und warf eines nach dem andern in die Flasche. Dadurch stieg das
+Wasser endlich so hoch, da&szlig; er es erreichen konnte. Jetzt l&ouml;schte
+er seinen Durst.</td>
+</tr>
+</table>
+
+<h2>
+<a NAME="78. DER APFELBAUM."></a><a href="#INHALT">78. DER APFELBAUM.</a></h2>
+
+<blockquote>&nbsp;
+<table>
+<tr>
+<td><img SRC="78.png" ALT="DER APFELBAUM." height=500 width=355></td>
+
+<td VALIGN=TOP>Der Apfelbaum, das ist ein Mann!
+<br>Kein andrer gibt so gern wie der.
+<br>Im Winter, wenn man sch&uuml;ttelt dran,
+<br>Da gibt er Schnee die F&uuml;lle her.
+<br>Im Fr&uuml;hling wirft er Bl&uuml;ten nieder.
+<br>Im Sommer herbergt er die Finken.
+<br>Jetzt streckt er seine Zweige nieder,
+<br>Die voller Frucht zur Erde sinken.
+<br>Drum kommt und sch&uuml;ttelt, was ihr k&ouml;nnt!
+<br>Ich wei&szlig; gewi&szlig;, da&szlig; er's euch g&ouml;nnt.</td>
+</tr>
+</table>
+</blockquote>
+
+<h2>
+<a NAME="79. DER HASE UND DER FUCHS."></a><a href="#INHALT">79. DER HASE
+UND DER FUCHS.</a></h2>
+Ein Hase und ein Fuchs machten im Winter eine Reise. Alles war mit Schnee
+bedeckt. Der Hunger plagte sie sehr. Da sahen sie ein M&auml;dchen mit
+einem Korbe kommen, darin war Brot. Das merkte der Fuchs und sagte zu dem
+Hasen: "Lege dich wie tot auf den Boden, dann wird das M&auml;dchen den
+Korb niederstellen, um dich aufzuheben. Ich nehme den Korb weg und mache
+mich schnell davon. Du eilst mir nach, und dann lassen wir es uns wohl
+sein." Das war dem Hasen recht.
+<p>Der Fuchs verbarg sich hinter einem Haufen Schnee, und der Hase legte
+sich nieder. Das M&auml;dchen stellte den Korb richtig hin und griff nach
+dem Hasen. Da schlich der Fuchs hervor und machte sich mit dem Korb so
+schnell davon, da&szlig; das M&auml;dchen ihm nicht nachkam. Unser Hase
+aber eilte ihm in gro&szlig;en S&auml;tzen nach. An einem Wasser hielten
+sie still. Weil aber der Fuchs nicht teilen wollte, so sagte der Hase:
+"Brot haben wir, jetzt sollten wir auch noch Fische haben. Dann h&auml;tten
+wir ein Essen wie die gro&szlig;en Herren. Stecke deinen Schwanz ins Wasser,
+so werden sich die Fische daran h&auml;ngen, denn die haben jetzt auch
+nicht viel zu bei&szlig;en."
+<p>Der Fuchs ging an den Weiher hin und hing seinen Schwanz in das Wasser.
+Es dauerte aber nicht lange, so war er im Eise festgefroren. Der Fuchs
+konnte ziehen und zappeln, wie er wollte--das Eis lie&szlig; ihn nicht
+los. Er mu&szlig;te nun zusehen, wie der Hase ein Brot nach dem andern
+verzehrte. Dann rief der listige Hase dem Fuchs zu: "Im Fr&uuml;hjahr sehen
+wir uns wieder. La&szlig; dir die Zeit nicht zu lang werden, bis das Eis
+auftaut."
+<h2>
+<a NAME="80. SPRCHE."></a><a href="#INHALT">80. SPR&Uuml;CHE.</a></h2>
+
+<blockquote>Wer andern eine Grube gr&auml;bt,
+<br>F&auml;llt selbst hinein.
+<p>Wer redet, was er nicht sollte,
+<br>Mu&szlig; h&ouml;ren, was er nicht wollte.
+<p>Kein besseres Kissen in Freude und Schmerz,
+<br>Als gutes Gewissen und fr&ouml;hliches Herz.</blockquote>
+
+<h2>
+<a NAME="81. DER HASE UND DIE SCHILDKRTE."></a><a href="#INHALT">81. DER
+HASE UND DIE SCHILDKR&Ouml;TE.</a></h2>
+
+<table>
+<tr>
+<td VALIGN=TOP>Ein flinker Hase forderte einst die langsame Schildkr&ouml;te
+zum Wettlauf auf. Sie willigte ein, und eine gro&szlig;e Eiche im Walde
+sollte das Ziel sein.
+<p>Mit den ersten Sonnenstrahlen machte sich die Schildkr&ouml;te auf den
+Weg, der Hase aber hatte keine gro&szlig;e Eile. Er spielte lange im Grase
+umher, ehe er ans Laufen dachte. Endlich sprang er fort und holte die Schildkr&ouml;te
+wirklich ein. Da er jedoch sah, wie m&uuml;hsam sie vorw&auml;rts kroch,
+legte er sich im Schatten eines Baumes nieder und schlief fest ein.
+<p>Als er erwachte, war es schon lange nach Mittag. Da rannte er, so rasch
+er konnte, den Weg entlang. Aber, siehe da, als er die Eiche erblickte,
+sa&szlig; die Schildkr&ouml;te schon darunter und lachte den Hasen, der
+seine Zeit verspielt und verschlafen hatte, t&uuml;chtig aus.</td>
+
+<td><img SRC="81.png" ALT="DER HASE UND DIE SCHILDKRTE." height=332 width=500></td>
+</tr>
+</table>
+
+<h2>
+<a NAME="82. HASENBRATEN."></a><a href="#INHALT">82. HASENBRATEN.</a></h2>
+
+<blockquote>&nbsp;
+<table>
+<tr>
+<td><img SRC="82.png" ALT="HASENBRATEN." height=318 width=500></td>
+
+<td VALIGN=TOP>Auf dem Dach viel blanke Zapfen,
+<br>Zu dem Schnee viel kleine Tapfen,
+<br>Alle laufen nach dem Kohl!
+<br>H&auml;schen, das gef&auml;llt dir wohl?
+<p>N&auml;chtlich, bei des Mondes Schimmer,
+<br>Sitzt es dort zu schmausen immer;
+<br>Knusperkn&auml;uschen, gar nicht faul:
+<br>Ei, du kleines Leckermaul!
+<p>H&auml;schen ist es schlecht bekommen;
+<br>Vater hat's Gewehr genommen;
+<br>Eines Abends ging es: bumm!
+<br>Bautz! da fiel das H&auml;schen um.
+<p>Kannst du wohl das Ende raten?
+<br>Heute gibt es Hasenbraten,
+<br>Apfelmus mit Zimt dazu.
+<br>Ach, du armes H&auml;schen du!</td>
+</tr>
+</table>
+</blockquote>
+
+<h2>
+<a NAME="83. DER SCHEIN TRGT."></a><a href="#INHALT">83. DER SCHEIN TR&Uuml;GT.</a></h2>
+Bei einem Teiche wohnten viele G&auml;nse. In der N&auml;he hatte auch
+ein Fuchs seinen Bau. Gar oft versuchte er, sich eine Gans oder ein G&auml;nsek&uuml;chlein
+zu fangen. Daher f&uuml;rchteten sich diese sehr vor dem braunen Gesellen.
+Einst war der Fuchs sehr hungrig. "Heute mu&szlig; ich mir einen fetten
+Braten holen!" sagte er zu sich selber.
+<p>Er streckte sich, so lang er war, im Grase aus und r&uuml;hrte kein
+Glied. Als die G&auml;nse den R&auml;uber so liegen sahen, kamen sie n&auml;her
+und erhoben ein freudiges Geschnatter. "Jetzt werden wir Ruhe haben!" sprachen
+sie. "Unser Feind ist nicht mehr am Leben!"
+<p>Schnell sprang der Fuchs auf, erwischte den G&auml;nserich beim Fl&uuml;gel
+und trug ihn in seine H&ouml;hle.
+<h2>
+<a NAME="84. DER FROSCH."></a><a href="#INHALT">84. DER FROSCH.</a></h2>
+
+<table>
+<tr>
+<td><img SRC="84.png" ALT="DER FROSCH." height=500 width=424></td>
+
+<td VALIGN=TOP><i>Berta</i>: Geschwind, geschwind, Mama!
+<p><i>Mutter</i>: Was fehlt dir? Wer hat dir etwas zuleide getan?
+<p><i>Berta</i>: Sieh nur, was mir unser Spitz in den Scho&szlig; fallen
+lie&szlig;!
+<p><i>Mutter</i>: Einen kleinen Frosch! Und deshalb bist du so erschrocken?
+Rasch, nimm den kleinen Burschen und setze ihn in das Gem&uuml;sebeet!
+<p><i>Berta</i>: Tragen soll ich das h&auml;&szlig;liche Tier? Ich w&uuml;rde
+es um alles in der Welt nicht in die Hand nehmen!
+<p><i>Mutter</i>: Nun, dann mu&szlig; ich es tun! Schau, wie ich jetzt
+das Tierchen anfasse und es ins Beet h&uuml;pfen lasse. Hopp, da sitzt
+es schon drinnen.
+<p><i>Berta</i>: O, Mama, was tust du? Warum hast du den Frosch nicht get&ouml;tet?
+<p><i>Mutter</i>: Weil er ein sehr n&uuml;tzliches Tier ist. Freust du
+dich nicht, wenn es im Garten die zarten R&uuml;bchen und die s&uuml;&szlig;en
+Erbsen gibt, die Papa jedes Fr&uuml;hjahr pflanzt?
+<p><i>Berta</i>: Gewi&szlig;, Mama! Ich esse beides sehr gerne; aber was
+hat das mit dem Frosch zu tun?
+<p><i>Mutter</i>: H&ouml;re nur, du wirst es gleich erfahren. Den Raupen
+und K&auml;fern schmecken diese Gem&uuml;se auch gut, gerade wie dir. Im
+Fr&uuml;hlinge stellen sich diese Insekten ein und fressen die Bl&auml;ttchen
+ab, so da&szlig; die Pfl&auml;nzchen sterben m&uuml;&szlig;ten, wenn der
+Frosch nicht zur Hand w&auml;re. Der glatte Bursche h&uuml;pft dann durch
+den Garten, f&auml;ngt die Raupen, Fliegen und K&auml;fer, und die Pfl&auml;nzchen
+wachsen wieder. Soll ich den Frosch zum Dank daf&uuml;r t&ouml;ten, Berta?
+<p><i>Berta</i>: Nein, liebe Mama; und wenn ich wieder sehe, da&szlig;
+ein Knabe einen Frosch qu&auml;lt, will ich ihm sagen, was ich heute von
+dir gelernt habe.</td>
+</tr>
+</table>
+
+<h2>
+<a NAME="85. VOM LISTIGEN GRASMCKLEIN EIN LUSTIGES"></a><a href="#INHALT">85.
+VOM LISTIGEN GRASM&Uuml;CKLEIN EIN LUSTIGES ST&Uuml;CKLEIN.</a></h2>
+
+<blockquote>Klaus ist in den Wald gegangen,
+<br>Weil er will die V&ouml;glein fangen;
+<br>Auf den Busch ist er gestiegen,
+<br>Weil er will die V&ouml;glein kriegen.
+<br>Doch im Nestchen sitzt das alte
+<br>V&ouml;gelein just vor der Spalte,
+<br>Schaut und zwitschert: "Ei, der Taus!
+<br>Kinderlein, es kommt der Klaus,
+<br>Hu, mit einem gro&szlig;en Pr&uuml;gel,
+<br>Kinderlein, wohl auf die Fl&uuml;gel!"
+<br>Brr, da flattert's: husch, husch, husch!
+<br>Leer das Nest, und leer der Busch.
+<br>Und die V&ouml;glein lachen Klaus
+<br>Mit dem gro&szlig;en Pr&uuml;gel aus,
+<br>Da&szlig; er wieder heimgegangen
+<br>Zornig, weil er nichts gefangen;
+<br>Da&szlig; er wieder heimgestiegen,
+<br>Weil er konnt' kein V&ouml;glein kriegen.</blockquote>
+
+<h2>
+<a NAME="86. EIN TRICHTER STREIT."></a><a href="#INHALT">86. EIN T&Ouml;RICHTER
+STREIT.</a></h2>
+
+<table>
+<tr>
+<td><img SRC="86.png" ALT="EIN TRICHTER STREIT." height=364 width=500></td>
+
+<td VALIGN=TOP>Zwei Knaben, Albert und Paul, suchten im Walde N&uuml;sse.
+Da bemerkte Paul eine gro&szlig;e Walnu&szlig; unter einem Baume und rief
+seinem Kameraden zu: "O, sieh dort vor dir die Walnu&szlig;!" Albert hob
+sie schnell auf und steckte sie in seine Tasche. Damit war aber Paul nicht
+zufrieden; er sagte: "Die Nu&szlig; geh&ouml;rt mir, ich habe sie zuerst
+gesehen!" "Und ich habe sie aufgehoben," erwiderte Albert trotzig; "ich
+gebe sie nicht her!" So stritten sie heftig, und schon wollten die t&ouml;richten
+Knaben einander schlagen, als Georg, ein &auml;lterer Junge, herbeikam,
+der im Walde Eichh&ouml;rnchen scho&szlig;. Albert und Paul baten den gro&szlig;en
+Knaben, er solle entscheiden, wem die Nu&szlig; geh&ouml;re. Was tat Georg?
+Er zerbrach die Nu&szlig; mit einem Steine und gab jedem der beiden Streitenden
+ein St&uuml;ck von der Schale. "Den Kern," sprach er, "behalte ich als
+Lohn daf&uuml;r, da&szlig; ich euer Richter war!" Dann ging er lachend
+fort.</td>
+</tr>
+</table>
+
+<h2>
+<a NAME="87. HERR WIND! HERR WIND!"></a><a href="#INHALT">87. HERR WIND!
+HERR WIND!</a></h2>
+
+<blockquote>Ein Bauer hat ein Haus gehabt,
+<br>Und auf dem Haus ein Dach.
+<br>Zur Nachtzeit kam der Wind getrabt,
+<br>Da ward der Bauer wach.
+<br>Wie's heulte, krachte, klirrte, klang!
+<br>Der arme Bauer flehte bang:
+<br>&nbsp;&nbsp; "Ich bitt' dich, lass' dein Toben,
+<br>&nbsp;&nbsp; Und lass' mein Dach dort oben,
+<br>&nbsp;&nbsp;&nbsp; Herr Wind! Herr Wind!"
+<p>Des Daches Luken schlossen gut
+<br>Der Bauer und sein Knecht.
+<br>Da ward der Wind voll Trotz und Wut
+<br>Und kreischte: "Nun erst recht!"
+<br>Herr Wind! Herr Wind! du b&ouml;ser Wind,
+<br>Du bist wie manche Kinder sind,
+<br>&nbsp; Die das just haben wollen,
+<br>&nbsp; Was sie nicht haben sollen.
+<br>&nbsp;&nbsp; Herr Wind! Herr Wind!
+<p>Mit Dr&auml;uen dr&auml;ngt der Wind und dr&uuml;ckt
+<br>Mit Groll und grausem Krach;
+<br>Er zieht und zerrt und r&uuml;ttelt, r&uuml;ckt
+<br>Und rei&szlig;t vom Haus das Dach.
+<br>Zerst&ouml;rt ist herzlos Heim und Haus;
+<br>Der Bauer sieht so traurig aus,
+<br>&nbsp;&nbsp; Sein Weib und seine Kleinen,
+<br>&nbsp;&nbsp; Sie stehen da und weinen.
+<br>&nbsp;&nbsp;&nbsp; Herr Wind! Herr Wind!
+<p>Hast du's geh&ouml;rt, mein liebes Kind?
+<br>Sei freundlich, friedlich, froh!
+<br>Denn w&uuml;rdest du ein solcher Wind,
+<br>Dann spr&auml;ch' man von dir so:
+<br>Du bist nicht gut, du tust nicht gut,
+<br>Du bist ein wild und trotzig Blut,
+<br>&nbsp; Das stets gern haben wollte,
+<br>&nbsp; Was es nicht haben sollte!----
+<br>&nbsp;&nbsp; Herr Wind! Herr Wind!</blockquote>
+
+<h2>
+<a NAME="88. DAS FNKCHEN."></a><a href="#INHALT">88. DAS F&Uuml;NKCHEN.</a></h2>
+
+<table>
+<tr>
+<td VALIGN=TOP>Das Kind hatte mit dem F&uuml;nkchen gespielt, obgleich
+seine Mutter es schon oft verboten hatte. Da war das F&uuml;nkchen fortgeflogen
+und hatte sich ins Stroh versteckt. Das Stroh fing an zu brennen, und es
+entstand eine Flamme, ehe das Kind daran dachte. Da wurde es dem Kinde
+bange, und es lief fort, ohne jemandem etwas von der Flamme zu sagen. Und
+da niemand Wasser darauf sch&uuml;ttete, ging die Flamme nicht aus, sondern
+breitete sich im ganzen Hause aus. Als sie an die Fenstervorh&auml;nge
+kam, wurde sie noch gr&ouml;&szlig;er, und das Bett, worin die Leute nachts
+schliefen, brannte hell auf, und die Tische und die St&uuml;hle und die
+Schr&auml;nke und alles, was der Vater und die Mutter hatten, das wurde
+vom Feuer erfa&szlig;t, und die Flamme wurde so hoch wie der Kirchturm.
+Da schrieen die Leute vor Schrecken, die Glocken l&auml;uteten; es war
+f&uuml;rchterlich zu h&ouml;ren, und die Flamme war schrecklich zu sehen.
+Nun fing man an zu l&ouml;schen, indem man Wasser in das Feuer sch&uuml;ttete
+und spritzte; aber es half nichts; das Haus brannte ganz ab, und nur noch
+ein wenig Kohlen und ein bi&szlig;chen Asche blieben &uuml;brig. Da hatten
+nun die Eltern des Kindes kein Haus mehr und kein Pl&auml;tzchen, wo sie
+wohnen und wo sie schlafen konnten, und auch kein Geld, um sich ein neues
+Haus und neue Betten und Tische und St&uuml;hle zu kaufen. Ach, wie weinten
+die armen Eltern! Und das Kind, das mit dem F&uuml;nkchen gespielt hatte,
+war schuld daran.</td>
+
+<td><img SRC="88.png" ALT="DAS FNKCHEN." height=385 width=500></td>
+</tr>
+</table>
+
+<h2>
+<a NAME="89. RTSEL."></a><a href="#INHALT">89. R&Auml;TSEL.</a></h2>
+
+<blockquote>Kennt ihr die Blume, in guter Ruh'
+<br>Dreht sie sich immer der Sonne zu;
+<br>Sie hat viel Samenk&ouml;rner sch&ouml;n,
+<br>Wie Strahlen ihre Bl&auml;ttchen stehn.
+<p>Erst wei&szlig; wie Schnee,
+<br>Dann gr&uuml;n wie Klee,
+<br>Drauf rot wie Blut,
+<br>Dann schmeckt es gut.</blockquote>
+
+<h2>
+<a NAME="90. DAS GNSEBLMCHEN."></a><a href="#INHALT">90. DAS G&Auml;NSEBL&Uuml;MCHEN.</a></h2>
+
+<table>
+<tr>
+<td><img SRC="90a.png" ALT="Die Rose" height=202 width=200 align=LEFT></td>
+
+<td COLSPAN="2">Die Rose feierte einmal ihren Geburtstag. Sie stand mitten
+im Garten, und alle Blumen kamen zu ihr, um ihr Gl&uuml;ck zu w&uuml;nschen.
+Zuerst kamen die stolze Lilie und die pr&auml;chtige Tulpe, hernach kamen
+die kleinen Blumen. Alle neigten sich vor der Rose und sagten: "Wir w&uuml;nschen
+dir Gl&uuml;ck, liebe Rose."</td>
+</tr>
+
+<tr>
+<td COLSPAN="2">Aber ein kleines, wei&szlig;es Bl&uuml;mchen getraute sich
+nicht, nahe an die Rose heranzutreten, weil es so sch&uuml;chtern und bescheiden
+war. Es blieb von ferne stehen und fl&uuml;sterte nur: "Ich w&uuml;nsche
+dir auch Gl&uuml;ck, liebe Rose!" Die Rose hatte das Bl&uuml;mchen aber
+gesehen und winkte ihm, n&auml;her heranzutreten. "Komm doch n&auml;her,
+liebe kleine Schwester," sagte die Rose g&uuml;tig. Als nun das Bl&uuml;mchen
+n&auml;her herangetreten war, fragte die Rose: "Wie hei&szlig;t du denn,
+liebe Kleine?" Da sprach es ganz leise: "Ich hei&szlig;e G&auml;nsebl&uuml;mchen."</td>
+
+<td><img SRC="90b.png" ALT="Gnseblmchen" height=176 width=200 align=RIGHT></td>
+</tr>
+
+<tr>
+<td>
+<center><img SRC="90c.png" ALT="Gnseblmchen" height=200 width=77 align=LEFT></center>
+</td>
+
+<td>"Aber, liebes G&auml;nsebl&uuml;mchen," sagte die Rose freundlich,
+"du bist ja tausendmal sch&ouml;ner als alle andern Blumen. Du sollst jetzt
+nicht mehr G&auml;nsebl&uuml;mchen, sondern Tausendsch&ouml;n hei&szlig;en,
+weil du tausendmal sch&ouml;ner bist als alle." Dar&uuml;ber freute sich
+das gute G&auml;nsebl&uuml;mchen so sehr, da&szlig; es &uuml;ber und &uuml;ber
+rot ward, und seit der Zeit haben alle G&auml;nsebl&uuml;mchen--rote Ohrl&auml;ppchen.</td>
+
+<td>
+<center><img SRC="90d.png" ALT="Gnseblmchen" height=200 width=72 align=RIGHT></center>
+</td>
+</tr>
+</table>
+
+<h2>
+<a NAME="91. DIE GRNE STADT."></a><a href="#INHALT">91. DIE GR&Uuml;NE
+STADT.</a></h2>
+
+<blockquote>Ich wei&szlig; euch eine sch&ouml;ne Stadt,
+<br>Die lauter gr&uuml;ne H&auml;user hat.
+<br>Die H&auml;user, die sind gro&szlig; und klein,
+<br>Und wer nur will, der darf hinein.
+<p>Die Stra&szlig;en, die sind freilich krumm,
+<br>Sie f&uuml;hren hier und dort herum;
+<br>Doch stets gerade fort zu gehn,
+<br>Wer findet das wohl allzusch&ouml;n!
+<p>Die Wege, die sind weit und breit
+<br>Mit bunten Blumen &uuml;berstreut.
+<br>Das Pflaster, das ist sanft und weich,
+<br>Und seine Farb' den H&auml;usern gleich.
+<p>Es wohnen viele Leute dort,
+<br>Und alle lieben ihren Ort.
+<br>Ganz deutlich sieht man dies daraus,
+<br>Da&szlig; jeder singt in seinem Haus.
+<p>Die Leute, die sind alle klein,
+<br>Denn es sind lauter V&ouml;gelein;
+<br>Und meine ganze gr&uuml;ne Stadt
+<br>Ist, was den Namen "Wald" sonst hat.</blockquote>
+
+<h2>
+<a NAME="92. DEUTSCHLAND."></a><a href="#INHALT">92. DEUTSCHLAND.</a></h2>
+
+<table>
+<tr>
+<td><img SRC="92.png" ALT="DEUTSCHLAND." height=500 width=437></td>
+
+<td VALIGN=TOP>Weit weg von hier liegt Deutschland. Das ist ein sch&ouml;nes
+St&uuml;ck Erde. Zu Deutschland geh&ouml;ren Preu&szlig;en, Sachsen, Bayern,
+Baden und andere kleinere oder gr&ouml;&szlig;ere Staaten. Dort gibt es
+breite und tiefe Fl&uuml;sse. Der Rhein, die Elbe und die Donau sind am
+bekanntesten. Daneben finden sich weite Ebenen, hohe Berge und dichte W&auml;lder.
+Auch fehlt es nicht an St&auml;dten, in denen viele flei&szlig;ige Leute
+leben. Berlin, M&uuml;nchen, K&ouml;ln, Dresden, Frankfurt und manche andere
+sind bemerkenswert. &Uuml;berall hat man pr&auml;chtige Wohnh&auml;user,
+reiche Kirchen und herrliche &ouml;ffentliche Geb&auml;ude. Alles wird
+sehr sauber und ordentlich gehalten. Von Hamburg und Bremen aus fahren
+m&auml;chtige Dampfschiffe und Segler nach allen Gegenden der Welt. Deutschland
+besitzt auch zahlreiche gro&szlig;e Fabriken. Die Felder werden auf das
+Beste bestellt. Die deutsche Fahne ist schwarz, wei&szlig; und rot gestreift.
+An der Spitze des Reiches steht der deutsche Kaiser.</td>
+</tr>
+</table>
+
+<h2>
+<a NAME="93. SONNENSCHEIN."></a><a href="#INHALT">93. SONNENSCHEIN.</a></h2>
+
+<blockquote>Sonnenschein,
+<br>Klar und rein,
+<br>Leuchtest in die Welt hinein;
+<br>Machst so hell, so warm und sch&ouml;n
+<br>In den T&auml;lern, auf den H&ouml;h'n,
+<br>Die du alle &uuml;berstrahlst
+<br>Und so hold und lieblich malst.
+<p>Sonnenschein,
+<br>Klar und rein,
+<br>Kehre auch ins Herz mir ein!
+<br>Wenn ich habe heitern Sinn,
+<br>Gut und froh und freundlich bin,
+<br>Dann ist's in dem Herzen mein
+<br>Wunderbarer Sonnenschein.</blockquote>
+
+<h2>
+<a NAME="94. DIE KNIGIN LUISE."></a><a href="#INHALT">94. DIE K&Ouml;NIGIN
+LUISE.</a></h2>
+
+<table>
+<tr>
+<td VALIGN=TOP>Vor hundert Jahren lebte in Preu&szlig;en eine K&ouml;nigin,
+namens Luise. Sie war jung und sch&ouml;n, aber auch ebenso gut. Ein jeder
+liebte sie. Schon als kleines Kind hatte sie ihre Mutter verloren und wurde
+von ihrer Gro&szlig;mutter einfach erzogen. So war sie zu einer echten,
+deutschen Jungfrau herangewachsen, als der Kronprinz und sp&auml;tere K&ouml;nig
+von Preu&szlig;en, Friedrich Wilhelm, sie kennen lernte. Bald darauf wurde
+sie seine Frau. Eine gro&szlig;e Freude hatte sie an ihren Kindern, zwei
+Knaben, mit denen sie gerne lernte und spielte. Aber da gab es einen schrecklichen
+Krieg mit dem Kaiser von Frankreich, Napoleon. Die Feinde waren st&auml;rker
+als die Preu&szlig;en und besiegten sie. Das tat dem K&ouml;nige und der
+guten K&ouml;nigin sehr weh. Es kam so weit, da&szlig; sie ihr Schlo&szlig;
+in Berlin verlassen mu&szlig;ten. Als die k&ouml;nigliche Familie endlich
+wieder zur&uuml;ckkehren konnte, herrschte gro&szlig;er Jubel. Die Freude
+sollte aber nicht lange dauern, denn bald darauf wurde die edle K&ouml;nigin
+schwer krank und erholte sich nicht mehr. Als sie starb, war die Trauer
+allgemein. Noch heute ist die K&ouml;nigin Luise unvergessen.</td>
+
+<td><img SRC="94.png" ALT="DIE KNIGIN LUISE." height=500 width=358></td>
+</tr>
+</table>
+
+<h2>
+<a NAME="95. DAS GOLDENE SCHLOSS."></a><a href="#INHALT">95. DAS GOLDENE
+SCHLOSS.</a></h2>
+"Willst du eine Prinzessin sein?" So fragte ein Knabe seine kleine Schwester.
+Die lachte ihn aus. Er sagte aber: "Ja, ich kann ein K&ouml;nig und du
+kannst eine Prinzessin werden. Du bekommst ein sch&ouml;nes, neues Kleid
+und einen silbernen Thron. Ich bekomme einen roten Mantel, eine goldene
+Krone und einen goldenen Thron." Die Schwester glaubte das nicht und sagte:
+"Unsere Eltern sind ja so arm." Der Knabe erz&auml;hlte dann: "Letzte Nacht
+im Traume kam ein kleiner Mann zu mir. Er fragte mich: 'Willst du ein K&ouml;nig
+sein und in einem goldenen Schlosse wohnen?' Ich sagte, ja. Da sprach der
+Kleine: 'Komm in den Wald mit deiner Schwester, wenn der Mond scheint.
+Bei der gro&szlig;en Tanne warte auf mich. Aber sp&auml;ter im goldenen
+Schlosse darf keine Tr&auml;ne auf den Boden fallen. Wenn eine Tr&auml;ne
+auf den Boden f&auml;llt, m&uuml;&szlig;t ihr wieder heim.'" Jetzt glaubte
+die Schwester, was der Bruder sagte. Sie wollte gerne mit ihm gehen.
+<p>Am Abend schien der Mond sehr hell. Da gingen Bruder und Schwester hin
+zu der gro&szlig;en Tanne im Walde. Das M&auml;nnlein war noch nicht da.
+Die Kinder setzten sich ins Moos, um zu warten. Sie waren m&uuml;de und
+schliefen bald ein. Auf einmal wachten sie auf. Verwundert schauten sie
+um sich. Sie hatten sch&ouml;ne neue Kleider an. Der Bruder hatte einen
+roten Mantel und trug eine goldene Krone. Die Schwester hatte ein himmelblaues
+Kleid mit silbernen Sternen. Auf ihren Haaren war ein Kranz von Diamanten.
+Der kleine Mann kam und rief: "Willkommen, willkommen!" Dann kamen noch
+viele kleine M&auml;nnlein mit einem goldenen und einem silbernen Wagen.
+Der Bruder mu&szlig;te sich in den goldenen Wagen und die Schwester in
+den silbernen Wagen setzen. Die M&auml;nnlein zogen die Wagen und fuhren
+durch den Wald an einen Berg. Im Berge war eine gro&szlig;e, hohe Halle,
+und darin stand ein goldenes Schlo&szlig;. Die kleinen M&auml;nner f&uuml;hrten
+die Geschwister in dieses Schlo&szlig;. Dann holten sie einen goldenen
+und einen silbernen Thron. Der goldene Thron war f&uuml;r den Bruder und
+der silberne f&uuml;r die Schwester. Die kleinen M&auml;nner stellten sich
+vor sie hin und riefen: "Hoch lebe unser K&ouml;nig und auch die Prinzessin!"
+Dann gab es zu essen, lauter gute Sachen.
+<p>Nach dem Essen wollten die Kinder schlafen, denn es war schon sp&auml;t.
+Im Schlafzimmer standen zwei Betten, ein goldenes und ein silbernes. Der
+K&ouml;nig legte sich in das goldene, die Prinzessin in das silberne Bett.
+Da fragte der Bruder: "Schwesterchen, wie gef&auml;llt dir das goldene
+Schlo&szlig;?" Sie antwortete: "Sch&ouml;n ist es schon hier; wenn nur
+der Vater und die Mutter auch hier w&auml;ren!" Der Bruder sagte: "Das
+m&ouml;chte ich auch haben. Was werden die Eltern jetzt machen?" Die Schwester
+meinte: "Sie werden uns suchen und weinen, weil sie uns nicht finden k&ouml;nnen."
+"Ja," war des Bruders Antwort, "sie werden denken, der Wolf habe uns gefressen."
+Das konnte die Schwester nicht anh&ouml;ren. Sie fing an zu weinen. Da
+warnte der Bruder: "Nicht weinen, sonst fallen deine Tr&auml;nen auf den
+Boden!" "Nein," sagte die Schwester, "ich hab' sie mit der Hand aufgefangen.
+Aber ich mu&szlig; weinen." Nun wurde auch der Bruder ganz traurig. Auch
+er weinte einige Tr&auml;nen. Doch die Tr&auml;nen fielen in das Bett.
+Die Schwester fragte: "Wie lange willst du noch K&ouml;nig bleiben? Ich
+will nicht mehr Prinzessin sein. Ich will heim!" Der Bruder sagte: "Ja,
+zu Hause bei Vater und Mutter ist es doch sch&ouml;ner!" Da lie&szlig;en
+sie beide gro&szlig;e Tr&auml;nen auf den Boden fallen. Es donnerte, und
+die Kinder fielen aus den Betten.
+<p>Nun kamen die kleinen M&auml;nner wieder. Sie waren sehr traurig und
+brachten die Geschwister zur&uuml;ck zu der gro&szlig;en Tanne im Wald.
+Da schliefen Bruder und Schwester bald ein. Als sie die Augen &ouml;ffneten,
+war es heller Tag, aber der rote Mantel und das himmelblaue Kleid Waren
+verschwunden.
+<p>Da kamen auch schon die Eltern. Die freuten sich sehr, ihre Kinder wieder
+zu haben. Die Geschwister waren ebenso froh und versprachen, nie mehr fortgehen
+zu wollen.
+<h2>
+<a NAME="96. DIE KLEINEN MSSIGGNGER."></a><a href="#INHALT">96. DIE KLEINEN
+M&Uuml;SSIGG&Auml;NGER.</a></h2>
+Drei Kinder sollten nach der Schule gehen, aber sie sprachen: "Was kann
+das Lernen helfen! La&szlig;t uns in den Wald laufen; da spielen die Tierlein,
+und wir wollen mit ihnen spielen."
+<p>Als die Kinder nun im Walde waren, luden sie zuerst die K&auml;fer zu
+ihrem Spiele ein. Da summten die K&auml;fer um die K&ouml;pfe der Kinder,
+und der eine sprach: "Ich habe keine Zeit, ich mu&szlig; Holz s&auml;gen!"
+Der andere sprach: "Ich mu&szlig; ein Loch graben!" Noch andere riefen:
+"Wir m&uuml;ssen uns ein H&uuml;ttlein aus Gras bauen!"
+<p>Nun kamen die Kinder an einen Ameisenhaufen. Hier lief eine ganze Menge
+von Ameisen aus und ein. Jedes dieser winzigen Tierchen hatte etwas in
+seine Wohnung zu tragen; und wo es dem einen zu schwer ward, sprach es
+zum andern: "Komm', hilf mir!"
+<p>Die Kinder schlichen vorbei und fanden Bienlein auf den Blumen. Die
+waren so eilig und mochten gar nicht zu den Kindern aufsehen. Sie sammelten
+Honig und Bl&uuml;tenstaub und flogen dann flink davon.
+<p>Da h&ouml;rten die Kinder einen Vogel singen. Es war ein Fink. "Du kannst
+so sch&ouml;n singen," riefen sie, "und hast auch gewi&szlig; Lust, mit
+uns zu spielen." Allein der Fink sagte: "Pink, pink! Flink, flink! Ich
+mu&szlig; M&uuml;cken fangen f&uuml;r meine Jungen und dann die Kleinen
+in den Schlaf singen. Auch mu&szlig; ich mich flei&szlig;ig im Singen &uuml;ben,
+damit ich dem Wanderer sch&ouml;ne Lieder vorsingen kann." Und fort war
+er.
+<p>Auf einmal rasselte es im Busche. Die Kinder erschraken. Eins sagte:
+"Wenn nur ein Eichh&ouml;rnchen k&auml;me und mit uns spielte!" Da lief
+auch schon eines aus dem Busche und kletterte auf einen Baum. Es kicherte
+und rief: "Ich suche Knospen und N&uuml;sse!" Die Kinder baten: "Komm'
+und bring' uns auch sch&ouml;ne N&uuml;sse!" Aber das Tierchen zischte
+und knurrte nur.
+<p>Bald darauf h&ouml;rten sie ein B&auml;chlein pl&auml;tschern, und nun
+riefen sie fr&ouml;hlich: "O, mit dem B&auml;chlein m&ouml;gen wir spielen!
+Kommt!"
+<p>Sie liefen geschwind hin. Aber das B&auml;chlein sagte: "Seht doch die
+faulen Kinder! Ihr meint, ich h&auml;tte nichts zu tun. Ich mu&szlig; Tag
+und Nacht arbeiten; ich netze Felder und Wiesen und tr&auml;nke die durstigen
+Tiere. Wenn ich gro&szlig; und stark bin, treibe ich M&uuml;hlen und trage
+Schiffe. Geht, geht, ihr faulen Kinder!"
+<p>Da wurde den Kindern gar &auml;ngstlich zu Mute. Sie gingen besch&auml;mt
+weg und blieben nie mehr aus der Schule.
+<h2>
+<a NAME="97. DER GUTE KAMERAD."></a><a href="#INHALT">97. DER GUTE KAMERAD.</a></h2>
+
+<blockquote>Ich hatt' einen Kameraden,
+<br>Einen bessern find'st du nit.
+<br>Die Trommel schlug zum Streite,
+<br>Er ging an meiner Seite
+<br>In gleichem Schritt und Tritt.
+<p>Eine Kugel kam geflogen,
+<br>Gilt's mir oder gilt es dir?
+<br>Ihn hat es weggerissen,
+<br>Er liegt mir vor den F&uuml;&szlig;en,
+<br>Als w&auml;r's ein St&uuml;ck von mir.
+<p>Will mir die Hand noch reichen,
+<br>Derweil ich eben lad'.
+<br>"Kann dir die Hand nicht geben,
+<br>Bleib' du im ew'gen Leben
+<br>Mein guter Kamerad!"</blockquote>
+
+<h2>
+<a NAME="98. DER GOLDBAUM."></a><a href="#INHALT">98. DER GOLDBAUM.</a></h2>
+Eduard scherzte gerne und spielte auch gerne anderen einen Streich. Dabei
+kam es nicht immer darauf an, ob, was er sagte, auch der Wahrheit gem&auml;&szlig;
+sei. Seine kleine Schwester Emilie, die noch nicht in die Schule ging,
+fragte gerne ihren Bruder, den sie f&uuml;r sehr weise hielt, &uuml;ber
+alles aus. Um sie schnell wieder los zu werden, sagte ihr Eduard oft Dinge,
+welche das Kind ganz falsch belehrten.
+<p>Eines Morgens, es war Eduards Geburtstag, sah Emilie auf dem Tische
+ihres Bruders ein Goldst&uuml;ck liegen, das er vom Vater zum Geschenk
+bekommen hatte. Sie fragte ihn: "Wo w&auml;chst das Gold?"--"Es wird ges&auml;t,"
+antwortete Eduard, der sich wieder einmal auf Kosten seiner Schwester einen
+Spa&szlig; machen wollte, "dann wird ein Baum daraus, an dem wachsen die
+Goldst&uuml;cke."
+<p>Als Eduard besch&auml;ftigt war, nahm Emilie leise das Goldst&uuml;ck
+vom Tische, eilte damit hinunter in den Garten, grub mit den H&auml;nden
+ein Loch in die weiche Erde, legte das Goldst&uuml;ck hinein und bedeckte
+es wieder mit Erde.
+<p>Eine Weile sp&auml;ter sprang sie in Eduards Zimmer und rief: "Jetzt
+wirst du bald viele, viele Goldst&uuml;cke haben! Ich habe deines im Garten
+gepflanzt."
+<p>Umsonst bekannte Eduard, er habe nur gescherzt, und umsonst suchte und
+grub er im Garten nach seinem Golde. Emilie wu&szlig;te die Stelle nicht
+anzugeben, wo sie es eingegraben hatte.
+<p>Der Vater kam hinzu und sagte: "Es war unklug von Emilie, das Goldst&uuml;ck
+pflanzen zu wollen; du aber, Eduard, hast gefehlt, da du ihr, wenn auch
+im Scherze, eine Unwahrheit sagtest."
+<h2>
+<a NAME="99. GERETTET."></a><a href="#INHALT">99. GERETTET.</a></h2>
+"Rasch, Ernst, kleide dich an, und komme sogleich herunter!"
+<p>"Was ist geschehen, Vater?"
+<p>"Geschwind, mein Junge! Der Ohio ist &uuml;ber Nacht gestiegen, das
+Dorf ist unter Wasser, und wir m&uuml;ssen unser Haus verlassen."
+<p>Mit einem Satz war Ernst aus dem Bette und fuhr wie der Blitz in seine
+Kleider. Dann lief er die Treppe hinunter in die Wohnstube. Hier stand
+das Wasser schon &uuml;ber zwei Fu&szlig; hoch. Auf einem Tische am Fenster
+war der Vater mit den Seinen. Die Mutter hielt die kleine Rosa an der Hand
+und trug das J&uuml;ngste, ein herziges B&uuml;blein, auf dem Arme. Sie
+hatte Tr&auml;nen im Auge, der Vater aber sprach ihr Mut zu. Endlich kam
+ein Mann in einem Kahn, alle stiegen hinein, und durch dieselben Stra&szlig;en,
+durch welche gestern noch Leute gegangen und Wagen gefahren waren, ruderten
+sie jetzt im Rachen dem Lande zu. Nachdem sie eine hochgelegene Stelle
+erreicht hatten, stiegen sie aus. Der Bootsmann ging mit dem Vater, der
+Mutter und den zwei Kleinen den H&uuml;gel hinauf nach einem Hause. Dort
+wollten sie ein Unterkommen suchen.
+<p>"Du kannst dableiben und auf meinen Kahn achtgeben," sagte der Bootsmann
+zu Ernst. Das war dem Knaben gerade recht. Jetzt erst schaute er sich um.
+Welch ein Anblick! Nach dem Flusse zu sah man nur Wasser. So weit das Auge
+reichte, schien alles ein gro&szlig;er See zu sein. Dr&uuml;ben am anderen
+Ufer, ganz in der Ferne guckten die Wipfel der B&auml;ume und die Schornsteine
+aus der Flut empor. Ganz in der N&auml;he stand das Bretterhaus der alten
+Frau Werner, welche sehr arm war und von guten Leuten unterst&uuml;tzt
+wurde. Schon hatte das Wasser den zweiten Stock erreicht und stieg immer
+h&ouml;her und h&ouml;her.<img SRC="99.png" ALT="GERETTET." height=394 width=500 align=LEFT>
+<p>W&auml;hrend Ernst das H&auml;uschen der Frau Werner betrachtete, kam
+es ihm vor, als rufe jemand um Hilfe. Richtig, jetzt &ouml;ffnete die alte
+Frau einen Laden und schaute heraus. Als sie ringsum nichts als Wasser
+erblickte, klagte und jammerte sie laut und rang die H&auml;nde.
+<p>Ernst sah alles und dachte nach, was er wohl tun k&ouml;nne. Ja, so
+ging es! Er wollte rasch den H&uuml;gel hinauflaufen und den Vater und
+den Bootsmann rufen. Aber siehe da! Die Flut trieb einen m&auml;chtigen
+Baumstamm gerade auf das H&auml;uschen zu. Wenn er gegen dasselbe stie&szlig;,
+l&ouml;ste es sich gewi&szlig; los, schwamm in der Str&ouml;mung fort,
+und dann w&auml;re die alte Frau verloren.
+<p>Da sprang Ernst in den Kahn, stie&szlig; vom Ufer und steuerte nach
+dem H&auml;uschen. Frau Werner stieg aus dem Fenster in den Rachen, und
+der Knabe ruderte, so rasch er konnte, an das Ufer zur&uuml;ck. Als er
+sich demselben n&auml;herte, kam sein Vater gerade wieder vom H&uuml;gel
+herab.
+<p>"Hurra, wir sind gerettet!" rief Ernst, als der Kahn ans Land stie&szlig;.
+Mit Tr&auml;nen des Dankes im Auge dr&uuml;ckte die alte Frau dem Knaben
+die H&auml;nde. Der Vater aber schlo&szlig; ihn an seine Brust und sprach:
+"Das war wie ein braver Mann gehandelt, mein Sohn!"
+<h2>
+<a NAME="100. SPRCHE."></a><a href="#INHALT">100. SPR&Uuml;CHE.</a></h2>
+
+<blockquote>Erf&uuml;llte Pflicht
+<br>macht froh Gesicht.
+<p>Die tr&auml;ge Hand sei noch so glatt und wei&szlig;,
+<br>Der flei&szlig;igen allein geb&uuml;hrt der Preis.
+<p>Tr&auml;gt einer gar so hoch den Kopf,
+<br>So ist er wohl ein eitler Tropf.
+<p>Allen Leuten recht getan,
+<br>Ist eine Kunst, die niemand kann.</blockquote>
+
+<hr style="width: 95%;">
+<h2>
+*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK, HIN UND HER ***</h2>
+This file should be named 8hnhr10h.txt or 8hnhr10h.zip Corrected EDITIONS
+of our eBooks get a new NUMBER, 8hnhr11h.txt VERSIONS based on separate
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+<p>Project Gutenberg eBooks are often created from several printed editions,
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+notice is included. Thus, we usually do not keep eBooks in compliance with
+any particular paper edition.
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+official release dates, leaving time for better editing. Please be encouraged
+to tell us about any error or corrections, even years after the official
+publication date.
+<p>Please note neither this listing nor its contents are final til midnight
+of the last day of the month of any such announcement. The official release
+date of all Project Gutenberg eBooks is at Midnight, Central Time, of the
+last day of the stated month. A preliminary version may often be posted
+for suggestion, comment and editing by those who wish to do so.
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+including how to donate, how to help produce our new eBooks, and how to
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+way to get them instantly upon announcement, as the indexes our cataloguers
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+Gutenberg Newsletter.
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+or 90
+<p>Just search by the first five letters of the filename you want, as it
+appears in our Newsletters.
+<p>Information about Project Gutenberg (one page)
+<p>We produce about two million dollars for each hour we work. The time
+it takes us, a rather conservative estimate, is fifty hours to get any
+eBook selected, entered, proofread, edited, copyright searched and analyzed,
+the copyright letters written, etc. Our projected audience is one hundred
+million readers. If the value per text is nominally estimated at one dollar
+then we produce $2 million dollars per hour in 2002 as we release over
+100 new text files per month: 1240 more eBooks in 2001 for a total of 4000+
+We are already on our way to trying for 2000 more eBooks in 2002 If they
+reach just 1-2% of the world's population then the total will reach over
+half a trillion eBooks given away by year's end.
+<p>The Goal of Project Gutenberg is to Give Away 1 Trillion eBooks! This
+is ten thousand titles each to one hundred million readers, which is only
+about 4% of the present number of computer users.
+<p>Here is the briefest record of our progress (* means estimated):
+<p>eBooks Year Month
+<p>&nbsp; 11971 July
+<br>&nbsp;101991 January
+<br>1001994 January
+<br>&nbsp;10001997 August
+<br>&nbsp;15001998 October
+<br>&nbsp;20001999 December
+<br>&nbsp;25002000 December
+<br>&nbsp;30002001 November
+<br>&nbsp;40002001 October/November
+<br>&nbsp;60002002 December*
+<br>&nbsp;90002003 November*
+<br>100002004 January*
+<p>The Project Gutenberg Literary Archive Foundation has been created to
+secure a future for Project Gutenberg into the next millennium.
+<p>We need your donations more than ever!
+<p>As of February, 2002, contributions are being solicited from people
+and organizations in: Alabama, Alaska, Arkansas, Connecticut, Delaware,
+District of Columbia, Florida, Georgia, Hawaii, Illinois, Indiana, Iowa,
+Kansas, Kentucky, Louisiana, Maine, Massachusetts, Michigan, Mississippi,
+Missouri, Montana, Nebraska, Nevada, New Hampshire, New Jersey, New Mexico,
+New York, North Carolina, Ohio, Oklahoma, Oregon, Pennsylvania, Rhode Island,
+South Carolina, South Dakota, Tennessee, Texas, Utah, Vermont, Virginia,
+Washington, West Virginia, Wisconsin, and Wyoming.
+<p>We have filed in all 50 states now, but these are the only ones that
+have responded.
+<p>As the requirements for other states are met, additions to this list
+will be made and fund raising will begin in the additional states. Please
+feel free to ask to check the status of your state.
+<p>In answer to various questions we have received on this:
+<p>We are constantly working on finishing the paperwork to legally request
+donations in all 50 states. If your state is not listed and you would like
+to know if we have added it since the list you have, just ask.
+<p>While we cannot solicit donations from people in states where we are
+not yet registered, we know of no prohibition against accepting donations
+from donors in these states who approach us with an offer to donate.
+<p>International donations are accepted, but we don't know ANYTHING about
+how to make them tax-deductible, or even if they CAN be made deductible,
+and don't have the staff to handle it even if there are ways.
+<p>Donations by check or money order may be sent to:
+<br>&nbsp;PROJECT GUTENBERG LITERARY ARCHIVE FOUNDATION
+<br>&nbsp;809 North 1500 West
+<br>&nbsp;Salt Lake City, UT 84116
+<p>Contact us if you want to arrange for a wire transfer or payment method
+other than by check or money order.
+<p>The Project Gutenberg Literary Archive Foundation has been approved
+by the US Internal Revenue Service as a 501(c)(3) organization with EIN
+[Employee Identification Number] 64-622154. Donations are tax-deductible
+to the maximum extent permitted by law. As fund-raising requirements for
+other states are met, additions to this list will be made and fund-raising
+will begin in the additional states.
+<p>We need your donations more than ever!
+<p>You can get up to date donation information online at:
+<p>http://www.gutenberg.net/donation.html
+<p>***
+<p>If you can't reach Project Gutenberg, you can always email directly
+to:
+<br>Michael S. Hart:&nbsp <a href="mailto:hart@pobox.com">hart@pobox.com</a>
+<p>Prof. Hart will answer or forward your message.
+<p>We would prefer to send you information by email.
+<p>**The Legal Small Print**
+<p>(Three Pages)
+<p>***START**THE SMALL PRINT!**FOR PUBLIC DOMAIN EBOOKS**START*** Why is
+this "Small Print!" statement here? You know: lawyers. They tell us you
+might sue us if there is something wrong with your copy of this eBook,
+even if you got it for free from someone other than us, and even if what's
+wrong is not our fault. So, among other things, this "Small Print!" statement
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+that you do not remove, alter or modify the eBook or this "small print!"
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+readable binary, compressed, mark-up, or proprietary form, including any
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+but only so long as EITHER*:
+<p>[*]The eBook, when displayed, is clearly readable, and does *not* contain
+characters other than those
+<br>intended by the author of the work, although tilde (~), asterisk (*)
+and underline (_) characters may be used to convey punctuation intended
+by the author, and additional characters may be used to indicate hypertext
+links; OR
+<p>[*] The eBook may be readily converted by the reader at no expense into
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+eBook (as is the case, for instance, with most word processors); OR
+<p>You provide, or agree to also provide on request at no additional cost,
+fee or expense, a copy of the eBook in its original plain ASCII form (or
+in EBCDIC or other equivalent proprietary form).
+<p>[2] Honor the eBook refund and replacement provisions of this "Small
+Print!" statement.
+<p>[3] Pay a trademark license fee to the Foundation of 20% of the gross
+profits you derive calculated using the method you already use to calculate
+your applicable taxes. If you don't derive profits, no royalty is due.
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+works that can be freely distributed in machine readable form.
+<p>The Project gratefully accepts contributions of money, time, public
+domain materials, or royalty free copyright licenses. Money should be paid
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+or other items, please contact Michael Hart at: <a href="mailto:hart@pobox.com">hart@pobox.com</a>
+<p>[Portions of this eBook's header and trailer may be reprinted only when
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+other related product without express permission.]
+<p>*END THE SMALL PRINT! FOR PUBLIC DOMAIN EBOOKS*Ver.02/11/02*END*
+<br>
+<hr style="width: 35%;">
+</body>
+</html>
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