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+The Project Gutenberg EBook of Wallensteins Lager, by Friedrich von Schiller
+
+This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
+almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or
+re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
+with this eBook or online at www.gutenberg.org
+
+
+Title: Wallensteins Lager
+
+Author: Friedrich von Schiller
+
+Contributor: Karl Goedeke
+
+Posting Date: March 20, 2011 [EBook #6518]
+Release Date: September, 2004
+First Posted: December 25, 2002
+
+Language: German
+
+Character set encoding: UTF-8
+
+*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK WALLENSTEINS LAGER ***
+
+
+
+
+Produced by Jana Srna, Norbert H. Langkau and the Online
+Distributed Proofreading Team at https://www.pgdp.net
+
+
+
+
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+
+ [ Anmerkungen zur Transkription:
+
+ Der auf der Titelseite angeführte zweite Teil, »Die Piccolomini«,
+ ist in diesem e-book nicht enthalten.
+
+ Schreibweise und Interpunktion des Originaltextes wurden übernommen;
+ lediglich offensichtliche Druckfehler wurden korrigiert. Eine Liste
+ der vorgenommenen Änderungen findet sich am Ende des Textes.
+
+ Im Original fett gedruckter Text wurde mit = markiert.
+ Im Original gesperrt gedruckter Text wurde mit _ markiert.
+ Im Original in Antiqua gedruckter Text wurde mit ~ markiert.
+ ]
+
+
+
+
+ Cotta'sche Handbibliothek
+
+
+
+
+ Wallenstein
+
+
+ Ein dramatisches Gedicht
+ von
+ Friedrich von Schiller
+
+
+ Mit einer Einleitung von _Karl Goedeke_
+
+
+ Erster Teil
+
+ Wallensteins Lager -- Die Piccolomini
+
+
+ Stuttgart und Berlin
+ J. G. Cotta'sche Buchhandlung Nachfolger
+
+ A. g. XIII.
+
+
+
+
+Einleitung.
+
+
+Länger noch als am Don Carlos arbeitete Schiller am Wallenstein. Mitten
+in der Ausarbeitung seiner Geschichte des Dreißigjährigen Krieges für
+den Damenkalender, schon im Mai 1792, regte sich die Lust, diesen Stoff
+dramatisch zu behandeln. Doch erst im März des Jahres 1794 begann er,
+damals mit seiner Familie in Stuttgart lebend, einen Plan auszuarbeiten,
+der jedoch nach seiner Rückkehr nach Jena liegen blieb und nach Verlauf
+von vollen zwei Jahren noch nicht zur Ausführung gediehen war. Am 22.
+Oktober 1796 begann er die Arbeit mit Eifer und widmete ihr bis zum 17.
+März 1799, die Unterbrechungen abgerechnet, volle zwanzig Monate.
+
+Der Stoff war überaus spröde und hatte beinahe alles, was ihn von
+dramatischer und tragischer Behandlung ausschließen sollte, da es im
+Grunde eine Staatsaktion war, die in Rücksicht auf den poetischen
+Gebrauch alle jene Unarten besaß, die eine politische Handlung nur haben
+konnte: ein unsichtbares abstraktes Objekt, kleine und viele Mittel,
+zerstreute Handlungen, einen furchtsamen Schritt, eine für den Vorteil
+des Poeten viel zu kalte trockene Zweckmäßigkeit, ohne doch diese zur
+Vollendung und dadurch zu einer poetischen Größe zu treiben; denn am
+Ende mißlang der Entwurf Wallensteins nur durch Ungeschicklichkeit. Die
+Basis, auf die Wallenstein seine Unternehmungen gründete, war die Armee,
+mithin für den Dichter eine unendliche Fläche, die er nicht vor das Auge
+und nur mit Aufwand großer Kraft vor die Phantasie bringen konnte; er
+konnte also das Objekt, auf dem Wallenstein ruhte, nicht zeigen und
+ebensowenig das, wodurch er fiel: die Stimmung der Armee, den Hof, den
+Kaiser. Auch die Leidenschaften selbst, durch die er bewegt wurde,
+Rachsucht und Ehrbegierde, waren von der kältesten Gattung. Sein
+Charakter endlich war niemals edel und durfte es nie sein, und durchaus
+konnte er nur furchtbar, nie eigentlich groß erscheinen; um ihn nicht zu
+erdrücken, durfte ihm nichts Großes gegenüber gestellt werden; dadurch
+wurde der Dichter notwendig niedergehalten, dem somit fast alles
+abgeschnitten erschien, wodurch er dem Stoffe nach seiner gewohnten Art
+hätte beikommen können; von dem Inhalte hatte er fast nichts zu
+erwarten. Alles mußte durch eine glückliche Form bewerkstelligt werden,
+und nur durch eine kunstreiche Führung der Handlung war der Stoff zu
+einer schönen Tragödie zu erheben. Aber gerade ein solcher Stoff mußte
+es, wie Schiller selbst am lebhaftesten erkannte, sein, an dem er sein
+neues dramatisches Leben eröffnen und neue Haltung gewinnen konnte. Auch
+behandelte er sein Geschäft nun ganz anders, als er ehemals gepflegt
+hatte; es gelang ihm ganz gut, seinen Stoff außer sich zu halten und nur
+den Gegenstand zu geben; er hatte nie eine solche Kälte für diesen mit
+einer solchen Wärme für die Arbeit in sich vereinigt. Den Hauptcharakter
+sowohl als die meisten Nebencharaktere behandelte er mit der reinen
+Liebe des Künstlers, und nur an Max und Thekla, die nächsten nach
+Wallenstein, fühlte er sich durch eigene Zuneigung gefesselt. Aber die
+Ausarbeitung der ihnen gewidmeten Szenen sparte er sich auf, bis er der
+übrigen Staatsaktion, von der sie sich ihrer frei menschlichen Natur
+nach völlig trennten, ja dem geschäftigen Wesen derselben dem Geiste
+nach entgegengesetzt erschienen, die ihm mögliche feste Gestalt gegeben.
+Was er dann am meisten zu fürchten hatte, war, daß das überwiegende
+menschliche Interesse dieser großen Episode an der schon feststehenden
+ausgeführten Handlung leicht etwas verrücken möchte, da, wie er meinte,
+ihrer Natur nach ihr die Herrschaft gebühre, und je mehr ihm die
+Ausführung derselben gelingen sollte, die übrige Handlung dabei desto
+mehr ins Gedränge zu kommen Gefahr lief. Denn es war ihm weit schwerer,
+ein Interesse für das Gefühl als für den Verstand aufzugeben. Er suchte
+nun sich aller Motive, die im ganzen Umkreise seines Stücks für diese
+Episode und in ihr selbst lagen, zu bemächtigen und so, wenn auch
+langsam, die rechte Stimmung in sich reifen zu lassen. Aus dieser Art
+der Arbeit, zwei grundverschiedene Richtungen, die Politik und die
+Liebe, in getrennten Charakteren zu verschiedenen Zeitpunkten zu
+behandeln und diese sich fast feindlichen Bestandteile zu einem einzigen
+Ganzen zu vereinigen, erklärt es sich, wie weder die eine noch die
+andere zur entschiedenen Herrschaft gelangen konnte und beide sich
+gegenseitig mehr zu verdrängen und auszuschließen, als mit vereinter
+Kraft eine reine Gesamtwirkung in der Seele des Beschauers
+hervorzubringen fähig erscheinen. Denen, die von der strengen Realistik
+der Staatsaktion, wie sie der Dichter nennt, verstandesmäßig befriedigt
+sind, wird die Gefühlswelt der großen Episode allzu idealistisch-körperlos
+erscheinen, denen, deren Herz, von der lyrischen Gewalt
+der Darstellung bezwungen, für Max und Thekla schlägt, wird das
+lebenswahre Abbild der Geschichte allenfalls trocken und nüchtern
+vorkommen, und nur wenigen Lesern und Hörern mochte der Einklang beider
+Welten, wie er in der Seele des Dichters sich gestaltet hatte,
+wahrnehmbar werden, der Prozeß seiner Entwickelung, wo die bisherige
+lyrische Subjektivität von der objektiven Welt gleichsam aufgesogen
+wurde. Von hier an war Schiller entschieden, nur historische Stoffe zu
+wählen; frei erfundene, die ihn veranlassen mußten, das Ideale zu
+realisieren, also seine Ideen zur Hauptsache zu machen, um die reale
+Welt darnach zu gestalten, erkannte er als eine Klippe seiner Kunst,
+während die Behandlung historisch gegebener Stoffe, bei der das
+Realistische zu idealisieren war, ihm gebot, eine gegebene bestimmte und
+beschränkte Materie zu beleben, zu erwärmen und gleichsam aufquellen zu
+machen, wobei die objektive Bestimmtheit eines solchen Stoffes zugleich
+seine Phantasie zügelte und seiner Willkür Widerstand leistete. Schiller
+hatte jedoch während der Schöpfung des Wallenstein noch eine andre zwar
+formelle, aber für den Dichter ungemein bedeutungsvolle Erkenntnis
+gewonnen. In kaum begreiflicher Weise hatte W. von Humboldt den Rat
+gegeben, den Wallenstein in Prosa zu schreiben, und Schiller, dem es
+hinsichtlich der Arbeit wenig Unterschied machte, ob er in Jamben oder
+Prosa schrieb, wählte, obwohl er einsah, daß der Vers mehr poetische
+Würde verleihen müsse, anfänglich der größern Ungezwungenheit wegen und
+um das Stück für die theatralische Vorstellung bequemer zu machen, die
+letztere. Alles, was bis in die Mitte des Jahres 1797 ausgearbeitet war,
+hatte er in Prosa geschrieben, und als er sich im November 1797 dennoch
+für den Vers entschied und alles bis dahin Geschaffene umarbeiten mußte,
+begriff er kaum, wie er es je habe anders wollen können, da es unmöglich
+sei, ein _Gedicht_ in _Prosa_ zu schreiben. Von nun an, seitdem er seine
+prosaische Sprache in eine poetische-rhythmische verwandelte, befand er
+sich unter einer ganz andern Gerichtsbarkeit als vorher; selbst viele
+Motive, die in der prosaischen Ausführung recht gut am Platz zu stehen
+schienen, konnte er jetzt nicht mehr gebrauchen; sie waren bloß für den
+gewöhnlichen Hausverstand, dessen Organ die Prosa ist; aber der Vers
+forderte schlechterdings Beziehungen auf die Einbildungskraft, und so
+mußte der Dichter auch in mehreren seiner Motive poetischer werden, da
+das Platte nirgends so ins Licht kommt, als wenn es in gebundener
+Schreibart ausgesprochen wird. Der Rhythmus leistete, wie er erkannte,
+bei einer dramatischen Produktion auch noch das Große und Bedeutende,
+daß er, indem er alle Charaktere und alle Situationen nach _einem_
+Gesetz behandelte und sie, trotz ihres inneren Unterschiedes, nach
+_einer_ Form ausführte, dadurch den Dichter und seinen Leser nötigte,
+von allem noch so Charakteristisch-Verschiedenen etwas Allgemeines,
+Rein-Menschliches zu verlangen. Bei der Bearbeitung in Versen stellte
+sich indessen wiederum eine neue Gefahr heraus, die des übermäßigen
+Anschwellens, da die Jamben, obgleich sie den Ausdruck verkürzten, eine
+poetische Gemütlichkeit unterhielten, die ins Breite trieb. So kam es,
+daß die Arbeit, die beim Beginn im strengen Sinne für die theatralische
+Vorstellung bestimmt war, beim Abschluß über die Grenzen hinausgewachsen
+erschien und zum Zwecke der Aufführung in Teile zerlegt werden mußte,
+wobei sich wiederum mannigfache nachträgliche, wenn auch nicht
+tiefgreifende Umänderungen als nötig ergaben. Goethe, der sich bis dahin
+durch Wohlwollen und Teilnahme förderlich erwiesen, aber durchaus, was
+früher wohl behauptet ist, einen mitarbeitenden oder sich auf einzelnes
+erstreckenden Anteil am Wallenstein nicht genommen hatte, wünschte für
+die Eröffnung des neuen Theatersaales den ersten Akt, den damals das
+›Lager‹ bildete, als eine selbständige Arbeit aufgeführt zu sehen und
+gab, als Schiller bereitwillig darauf einging, nun ein Soldatenlied, dem
+Schiller noch ein paar Strophen einfügte, dazu her, so wie er auch durch
+Mitteilung eines Buches von Abraham a Santa Clara Veranlassung bot, daß
+Schiller die Kapuzinerpredigt hinzudichtete. Mit einem rasch entworfenen
+Prolog, der jetzt die dramatische Dichtung eröffnet, wurden die
+›Wallensteiner‹, wie das ›Lager‹ damals hieß, am 12. Oktober 1798 zuerst
+gegeben. Über die Bedeutung des Vorspiels für das Ganze der Dichtung und
+über diese selbst sind in den vorstehenden Mitteilungen und in dem
+›Prologe‹ ausreichende Fingerzeige enthalten, die deshalb hier keiner
+weiteren Ausdeutung und Erklärung bedürfen. Nach Abscheidung des
+Vorspiels, reifer Überlegung und vielen Konferenzen mit Goethe wurde die
+übrige Dichtung nun in zwei Stücke getrennt, von denen das erste, die
+Piccolomini, deren Verhältnis für und gegen Wallenstein es behandelt,
+die Exposition der Handlung in ihrer ganzen Breite enthält und gerade da
+endigt, wo der Knoten geknüpft ist. Dieser Teil wurde zuerst am 30.
+Januar 1799, zum Geburtstage der Herzogin Luise, in Weimar vorgestellt.
+Das andre Stück, Wallensteins Tod, die eigentliche Tragödie, erschien,
+nachdem die Piccolomini am 17. April wiederholt waren, am 20. April 1799
+zuerst auf der weimarischen Bühne und am 17. Mai auf der Berliner. Im
+Juni des folgenden Jahres erschien Wallenstein bei Cotta im Druck, und
+die 3500 Exemplare der Auflage waren im September bereits vergriffen.
+
+=K. Goedeke.=
+
+
+
+
+Wallensteins Lager.
+
+
+
+
+Personen.
+
+
+ _Wachtmeister_, }
+ _Trompeter_, } von einem Terzkyschen Karabinier-Regiment.
+ _Konstabler_.
+ _Scharfschützen._
+ _Zwei Holkische reitende Jäger._
+ _Buttlerische Dragoner._
+ _Arkebusiere_ vom Regiment Tiefenbach.
+ _Kürassier_ von einem wallonischen }
+ _Kürassier_ von einem lombardischen } Regiment.
+ _Kroaten._
+ _Ulanen._
+ _Rekrut._
+ _Bürger._
+ _Bauer._
+ _Bauerknabe._
+ _Kapuziner._
+ _Soldatenschulmeister._
+ _Marketenderin._
+ _Eine Aufwärterin._
+ _Soldatenjungen._
+ _Hoboisten._
+
+Vor der Stadt Pilsen in Böhmen.
+
+
+
+
+Prolog.
+
+Gesprochen bei Wiedereröffnung der Schaubühne in Weimar im Oktober 1798.
+
+
+ Der scherzenden, der ernsten Maske Spiel,
+ Dem ihr so oft ein willig Ohr und Auge
+ Geliehn, die weiche Seele hingegeben,
+ Vereinigt uns aufs neu in diesem Saal --
+ Und sieh! er hat sich neu verjüngt, ihn hat
+ Die Kunst zum heitern Tempel ausgeschmückt,
+ Und ein harmonisch hoher Geist spricht uns
+ Aus dieser edeln Säulenordnung an
+ Und regt den Sinn zu festlichen Gefühlen.
+
+ Und doch ist dies der alte Schauplatz noch,
+ Die Wiege mancher jugendlichen Kräfte,
+ Die Laufbahn manches wachsenden Talents.
+ Wir sind die Alten noch, die sich vor euch
+ Mit warmem Trieb und Eifer ausgebildet.
+ Ein edler Meister stand auf diesem Platz,
+ Euch in die heitern Höhen seiner Kunst
+ Durch seinen Schöpfergenius entzückend.
+ O! möge dieses Raumes neue Würde
+ Die Würdigsten in unsre Mitte ziehn
+ Und eine Hoffnung, die wir lang gehegt,
+ Sich uns in glänzender Erfüllung zeigen.
+ Ein großes Muster weckt Nacheiferung
+ Und gibt dem Urteil höhere Gesetze.
+ So stehe dieser Kreis, die neue Bühne
+ Als Zeugen des vollendeten Talents.
+ Wo möcht' es auch die Kräfte lieber prüfen,
+ Den alten Ruhm erfrischen und verjüngen,
+ Als hier vor einem auserlesnen Kreis,
+ Der, rührbar jedem Zauberschlag der Kunst,
+ Mit leis beweglichem Gefühl den Geist
+ In seiner flüchtigsten Erscheinung hascht?
+
+ Denn schnell und spurlos geht des Mimen Kunst,
+ Die wunderbare, an dem Sinn vorüber,
+ Wenn das Gebild des Meißels, der Gesang
+ Des Dichters nach Jahrtausenden noch leben.
+ Hier stirbt der Zauber mit dem Künstler ab,
+ Und wie der Klang verhallet in dem Ohr,
+ Verrauscht des Augenblicks geschwinde Schöpfung,
+ Und ihren Ruhm bewahrt kein dauernd Werk.
+ Schwer ist _die_ Kunst, vergänglich ist ihr Preis,
+ Dem Mimen flicht die Nachwelt keine Kränze;
+ Drum muß er geizen mit der Gegenwart,
+ Den Augenblick, der sein ist, ganz erfüllen,
+ Muß seiner Mitwelt mächtig sich versichern
+ Und im Gefühl der Würdigsten und Besten
+ Ein lebend Denkmal sich erbaun -- So nimmt er
+ Sich seines Namens Ewigkeit voraus.
+ Denn wer den Besten seiner Zeit genug
+ Getan, der hat gelebt für alle Zeiten.
+
+ Die neue Ära, die der Kunst Thaliens
+ Auf dieser Bühne heut beginnt, macht auch
+ Den Dichter kühn, die alte Bahn verlassend,
+ Euch aus des Bürgerlebens engem Kreis
+ Auf einen höhern Schauplatz zu versetzen,
+ Nicht unwert des erhabenen Moments
+ Der Zeit, in dem wir strebend uns bewegen.
+ Denn nur der große Gegenstand vermag
+ Den tiefen Grund der Menschheit aufzuregen;
+ Im engen Kreis verengert sich der Sinn,
+ Es wächst der Mensch mit seinen größern Zwecken.
+
+ Und jetzt an des Jahrhunderts ernstem Ende,
+ Wo selbst die Wirklichkeit zur Dichtung wird,
+ Wo wir den Kampf gewaltiger Naturen
+ Um ein bedeutend Ziel vor Augen sehn
+ Und um der Menschheit große Gegenstände,
+ Um Herrschaft und um Freiheit wird gerungen,
+ Jetzt darf die Kunst auf ihrer Schattenbühne
+ Auch höhern Flug versuchen, ja sie muß,
+ Soll nicht des Lebens Bühne sie beschämen.
+
+ Zerfallen sehen wir in diesen Tagen
+ Die alte feste Form, die einst vor hundert
+ Und fünfzig Jahren ein willkommner Friede
+ Europens Reichen gab, die teure Frucht
+ Von dreißig jammervollen Kriegesjahren.
+ Noch einmal laßt des Dichters Phantasie
+ Die düstre Zeit an euch vorüberführen,
+ Und blicket froher in die Gegenwart
+ Und in der Zukunft hoffnungsreiche Ferne.
+
+ In jenes Krieges Mitte stellt euch jetzt
+ Der Dichter. Sechzehn Jahre der Verwüstung,
+ Des Raubs, des Elends sind dahingeflohn,
+ In trüben Massen gäret noch die Welt,
+ Und keine Friedenshoffnung strahlt von fern.
+ Ein Tummelplatz von Waffen ist das Reich,
+ Verödet sind die Städte, Magdeburg
+ Ist Schutt, Gewerb und Kunstfleiß liegen nieder,
+ Der Bürger gilt nichts mehr, der Krieger alles,
+ Straflose Frechheit spricht den Sitten Hohn,
+ Und rohe Horden lagern sich, verwildert
+ Im langen Krieg, auf dem verheerten Boden.
+
+ Auf diesem finstern Zeitgrund malet sich
+ Ein Unternehmen kühnen Übermuts
+ Und ein verwegener Charakter ab.
+ Ihr kennet ihn -- den Schöpfer kühner Heere,
+ Des Lagers Abgott und der Länder Geißel,
+ Die Stütze und den Schrecken seines Kaisers,
+ Des Glückes abenteuerlichen Sohn,
+ Der, von der Zeiten Gunst emporgetragen,
+ Der Ehre höchste Staffeln rasch erstieg
+ Und, ungesättigt immer weiter strebend,
+ Der unbezähmten Ehrsucht Opfer fiel.
+ Von der Parteien Gunst und Haß verwirrt
+ Schwankt sein Charakterbild in der Geschichte;
+ Doch euren Augen soll ihn jetzt die Kunst,
+ Auch eurem Herzen menschlich näher bringen.
+ Denn jedes Äußerste führt _sie_, die alles
+ Begrenzt und bindet, zur Natur zurück,
+ Sie sieht den Menschen in des Lebens Drang
+ Und wälzt die größre Hälfte seiner Schuld
+ Den unglückseligen Gestirnen zu.
+
+ Nicht _er_ ist's, der auf dieser Bühne heut
+ Erscheinen wird. Doch in den kühnen Scharen,
+ Die sein Befehl gewaltig lenkt, sein Geist
+ Beseelt, wird euch sein Schattenbild begegnen,
+ Bis ihn die scheue Muse selbst vor euch
+ Zu stellen wagt in lebender Gestalt,
+ Denn seine Macht ist's, die sein Herz verführt,
+ Sein Lager nur erkläret sein Verbrechen.
+
+ Darum verzeiht dem Dichter, wenn er euch
+ Nicht raschen Schritts mit _einem_ Mal ans Ziel
+ Der Handlung reißt, den großen Gegenstand
+ In einer Reihe von Gemälden nur
+ Vor euren Augen abzurollen wagt.
+ Das heut'ge Spiel gewinne euer Ohr
+ Und euer Herz den ungewohnten Tönen;
+ In jenen Zeitraum führ' es euch zurück,
+ Auf jene fremde kriegerische Bühne,
+ Die unser Held mit seinen Taten bald
+ Erfüllen wird.
+ Und wenn die Muse heut,
+ Des Tanzes freie Göttin und Gesangs,
+ Ihr altes deutsches Recht, des Reimes Spiel,
+ Bescheiden wieder fordert -- tadelt's nicht!
+ Ja danket ihr's, daß sie das düstre Bild
+ Der Wahrheit in das heitre Reich der Kunst
+ Hinüberspielt, die Täuschung, die sie schafft,
+ Aufrichtig selbst zerstört und ihren Schein
+ Der Wahrheit nicht betrüglich unterschiebt;
+ Ernst ist das Leben, heiter ist die Kunst.
+
+
+
+
+1. Auftritt.
+
+
+Marketenderzelt, davor eine Kram- und Trödelbude. Soldaten von allen
+Farben und Feldzeichen drängen sich durcheinander, alle Tische sind
+besetzt. Kroaten und Ulanen an einem Kohlfeuer kochen, Marketenderin
+schenkt Wein, Soldatenjungen würfeln auf einer Trommel, im Zelt wird
+gesungen.
+
+_Ein Bauer_ und sein _Sohn_.
+
+ =Bauerknabe.=
+
+ Vater, es wird nicht gut ablaufen,
+ Bleiben wir von dem Soldatenhaufen.
+ Sind Euch gar trotzige Kameraden;
+ Wenn sie uns nur nichts am Leibe schaden.
+
+ =Bauer.=
+
+ Ei was! Sie werden uns ja nicht fressen,
+ Treiben sie's auch ein wenig vermessen.
+ Siehst du? sind neue Völker herein,
+ Kommen frisch von der Saal' und dem Main,
+ Bringen Beut' mit, die rarsten Sachen!
+ Unser ist's, wenn wir's nur listig machen.
+ Ein Hauptmann, den ein andrer erstach,
+ Ließ mir ein paar glückliche Würfel nach.
+ Die will ich heut einmal probieren,
+ Ob sie die alte Kraft noch führen.
+ Mußt dich nur recht erbärmlich stellen,
+ Sind dir gar lockere, leichte Gesellen.
+ Lassen sich gerne schön tun und loben,
+ So wie gewonnen, so ist's zerstoben.
+ Nehmen sie uns das Unsre in Scheffeln,
+ Müssen wir's wieder bekommen in Löffeln;
+ Schlagen sie grob mit dem Schwerte drein,
+ So sind wir pfiffig und treiben's fein.
+
+(Im Zelt wird gesungen und gejubelt.)
+
+ Wie sie juchzen -- daß Gott erbarm!
+ Alles das geht von des Bauern Felle.
+ Schon acht Monate legt sich der Schwarm
+ Uns in die Betten und in die Ställe,
+ Weit herum ist in der ganzen Aue
+ Keine Feder mehr, keine Klaue,
+ Daß wir für Hunger und Elend schier
+ Nagen müssen die eignen Knochen.
+ War's doch nicht ärger und krauser hier,
+ Als der Sachs noch im Lande tät pochen.
+ Und die nennen sich Kaiserliche!
+
+ =Bauerknabe.=
+
+ Vater, da kommen ein paar aus der Küche,
+ Sehen nicht aus, als wär' viel zu nehmen.
+
+ =Bauer.=
+
+ Sind einheimische, geborne Böhmen,
+ Von des Terschkas Karabinieren,
+ Liegen schon lang in diesen Quartieren.
+ Unter allen die schlimmsten just,
+ Spreizen sich, werfen sich in die Brust,
+ Tun, als wenn sie zu fürnehm wären,
+ Mit dem Bauer ein Glas zu leeren.
+ Aber dort seh' ich die drei scharfe Schützen
+ Linker Hand um ein Feuer sitzen,
+ Sehen mir aus wie Tiroler schier.
+ Emmerich, komm! an die wollen wir,
+ Lustige Vögel, die gerne schwatzen,
+ Tragen sich sauber und führen Batzen.
+
+(Gehen nach den Zelten.)
+
+
+
+
+2. Auftritt.
+
+
+_Vorige. Wachtmeister. Trompeter. Ulan._
+
+ =Trompeter.=
+
+ Was will der Bauer da? Fort, Halunk!
+
+ =Bauer.=
+
+ Gnädige Herren, einen Bissen und Trunk!
+ Haben heut noch nichts Warmes gegessen.
+
+ =Trompeter.=
+
+ Ei, das muß immer saufen und fressen.
+
+ =Ulan= (mit einem Glase).
+
+ Nichts gefrühstückt? Da trink, du Hund!
+
+(Führt den Bauer nach dem Zelte; jene kommen vorwärts.)
+
+ =Wachtmeister= (zum Trompeter).
+
+ Meinst du, man hab' uns ohne Grund
+ Heute die doppelte Löhnung gegeben,
+ Nur daß wir flott und lustig leben?
+
+ =Trompeter.=
+
+ Die Herzogin kommt ja heute herein
+ Mit dem fürstlichen Fräulein --
+
+ =Wachtmeister.=
+
+ Das ist nur der Schein.
+ Die Truppen, die aus fremden Landen
+ Sich hier vor Pilsen zusammen fanden,
+ Die sollen wir gleich an uns locken
+ Mit gutem Schluck und guten Brocken,
+ Damit sie sich gleich zufrieden finden
+ Und fester sich mit uns verbinden.
+
+ =Trompeter.=
+
+ Ja, es ist wieder was im Werke!
+
+ =Wachtmeister.=
+
+ Die Herrn Generäle und Kommendanten --
+
+ =Trompeter.=
+
+ Es ist gar nicht geheuer, wie ich merke.
+
+ =Wachtmeister.=
+
+ Die sich so dick hier zusammen fanden --
+
+ =Trompeter.=
+
+ Sind nicht für die Langweil herbemüht.
+
+ =Wachtmeister.=
+
+ Und das Gemunkel und das Geschicke --
+
+ =Trompeter.=
+
+ Ja, ja!
+
+ =Wachtmeister.=
+
+ Und von Wien die alte Perücke,
+ Die man seit gestern herumgehn sieht,
+ Mit der guldenen Gnadenkette,
+ Das hat was zu bedeuten, ich wette.
+
+ =Trompeter.=
+
+ Wieder so ein Spürhund, gebt nur acht,
+ Der die Jagd auf den Herzog macht.
+
+ =Wachtmeister.=
+
+ Merkst du wohl? Sie trauen uns nicht,
+ Fürchten des Friedländers heimlich Gesicht.
+ Er ist ihnen zu hoch gestiegen,
+ Möchten ihn gern herunterkriegen.
+
+ =Trompeter.=
+
+ Aber wir halten ihn aufrecht, wir,
+ Dächten doch alle, wie ich und Ihr!
+
+ =Wachtmeister.=
+
+ Unser Regiment und die andern vier,
+ Die der Terschka anführt, des Herzogs Schwager,
+ Das resoluteste Korps im Lager,
+ Sind ihm ergeben und gewogen,
+ Hat er uns selbst doch herangezogen.
+ Alle Hauptleute setzt' er ein,
+ Sind alle mit Leib und Leben sein.
+
+
+
+
+3. Auftritt.
+
+
+_Kroat_ mit einem Halsschmuck. _Scharfschütze_ folgt. _Vorige._
+
+ =Scharfschütz.=
+
+ Kroat, wo hast du das Halsband gestohlen?
+ Handle dir's ab! dir ist's doch nichts nütz.
+ Geb' dir dafür das Paar Terzerolen.
+
+ =Kroat.=
+
+ Nix, nix! Du willst mich betrügen, Schütz.
+
+ =Scharfschütz.=
+
+ Nun! geb' dir auch noch die blaue Mütz,
+ Hab' sie soeben im Glücksrad gewonnen.
+ Siehst du? Sie ist zum höchsten Staat.
+
+ =Kroat= (läßt das Halsband in der Sonne spielen).
+
+ 's ist aber von Perlen und edelm Granat.
+ Schau, wie das flinkert in der Sonnen!
+
+ =Scharfschütz= (nimmt das Halsband).
+
+ Die Feldflasche noch geb' ich drein, (besieht es)
+ Es ist mir nur um den schönen Schein.
+
+ =Trompeter.=
+
+ Seht nur, wie der den Kroaten prellt!
+ Halbpart, Schütze, so will ich schweigen.
+
+ =Kroat= (hat die Mütze aufgesetzt).
+
+ Deine Mütze mir wohlgefällt.
+
+ =Scharfschütz= (winkt dem Trompeter).
+
+ Wir tauschen hier! Die Herrn sind Zeugen!
+
+
+
+
+4. Auftritt.
+
+
+_Vorige. Konstabler._
+
+ =Konstabler= (tritt zum Wachtmeister).
+
+ Wie ist's, Bruder Karabinier?
+ Werden wir uns lang noch die Hände wärmen,
+ Da die Feinde schon frisch im Feld herum schwärmen?
+
+ =Wachtmeister.=
+
+ Tut's Ihm so eilig, Herr Konstabel?
+ Die Wege sind noch nicht praktikabel.
+
+ =Konstabler.=
+
+ Mir nicht. Ich sitze gemächlich hier;
+ Aber ein Eilbot' ist angekommen,
+ Meldet, Regensburg sei genommen.
+
+ =Trompeter.=
+
+ Ei, da werden wir bald aufsitzen.
+
+ =Wachtmeister.=
+
+ Wohl gar! Um dem Bayer sein Land zu schützen,
+ Der dem Fürsten so unfreund ist?
+ Werden uns eben nicht sehr erhitzen.
+
+ =Konstabler.=
+
+ Meint Ihr? -- Was Ihr nicht alles wißt!
+
+
+
+
+5. Auftritt.
+
+
+_Vorige. Zwei Jäger._ Dann _Marketenderin_. _Soldatenjungen.
+Schulmeister. Aufwärterin._
+
+ =Erster Jäger.=
+
+ Sieh, sieh!
+ Da treffen wir lustige Kompanie.
+
+ =Trompeter.=
+
+ Was für Grünröck' mögen das sein?
+ Treten ganz schmuck und stattlich ein.
+
+ =Wachtmeister.=
+
+ Sind Holkische Jäger; die silbernen Tressen
+ Holten sie sich nicht auf der Leipziger Messen.
+
+ =Marketenderin= (kommt und bringt Wein).
+
+ Glück zur Ankunft, ihr Herrn!
+
+ =Erster Jäger.=
+
+ Was? der Blitz!
+ Das ist ja die Gustel aus Blasewitz.
+
+ =Marketenderin.=
+
+ I freilich! Und Er ist wohl gar, Mußjö,
+ Der lange Peter aus Itzehö?
+ Der seines Vaters goldene Füchse
+ Mit unserm Regiment hat durchgebracht
+ Zu Glückstadt in einer lustigen Nacht --
+
+ =Erster Jäger.=
+
+ Und die Feder vertauscht mit der Kugelbüchse.
+
+ =Marketenderin.=
+
+ Ei da sind wir alte Bekannte!
+
+ =Erster Jäger.=
+
+ Und treffen uns hier im böhmischen Lande.
+
+ =Marketenderin.=
+
+ Heute da, Herr Vetter, und morgen dort --
+ Wie einen der rauhe Kriegesbesen
+ Fegt und schüttelt von Ort zu Ort;
+ Bin indes weit herum gewesen.
+
+ =Erster Jäger.=
+
+ Will's Ihr glauben! Das stellt sich dar.
+
+ =Marketenderin.=
+
+ Bin hinauf bis nach Temeswar
+ Gekommen mit den Bagagewagen,
+ Als wir den Mansfelder täten jagen.
+ Lag mit dem Friedländer vor Stralsund,
+ Ging mir dorten die Wirtschaft zu Grund.
+ Zog mit dem Sukkurs vor Mantua,
+ Kam wieder heraus mit dem Feria,
+ Und mit einem spanischen Regiment
+ Hab' ich einen Abstecher gemacht nach Gent.
+ Jetzt will ich's im böhmischen Land probieren,
+ Alte Schulden einkassieren --
+ Ob mir der Fürst hilft zu meinem Geld.
+ Und das dort ist mein Marketenderzelt.
+
+ =Erster Jäger.=
+
+ Nun, da trifft Sie alles beisammen an!
+ Doch wo hat Sie den Schottländer hingetan,
+ Mit dem Sie damals herumgezogen?
+
+ =Marketenderin.=
+
+ Der Spitzbub! der hat mich schön betrogen.
+ Fort ist er! Mit allem davon gefahren,
+ Was ich mir tät am Leibe ersparen.
+ Ließ mir nichts als den Schlingel da!
+
+ =Soldatenjunge= (kommt gesprungen).
+
+ Mutter! sprichst du von meinem Papa?
+
+ =Erster Jäger.=
+
+ Nun, nun! das muß der Kaiser ernähren,
+ Die Armee sich immer muß neu gebären.
+
+ =Soldatenschulmeister= (kommt).
+
+ Fort in die Feldschule! Marsch, ihr Buben!
+
+ =Erster Jäger.=
+
+ Das fürcht sich auch vor der engen Stuben!
+
+ =Aufwärterin= (kommt).
+
+ Base, sie wollen fort.
+
+ =Marketenderin.=
+
+ Gleich, gleich!
+
+ =Erster Jäger.=
+
+ Ei, wer ist denn das kleine Schelmengesichte?
+
+ =Marketenderin.=
+
+ 's ist meiner Schwester Kind -- aus dem Reich.
+
+ =Erster Jäger.=
+
+ Ei, also eine liebe Nichte?
+
+(Marketenderin geht.)
+
+ =Zweiter Jäger= (das Mädchen haltend).
+
+ Bleib Sie bei uns doch, artiges Kind.
+
+ =Aufwärterin.=
+
+ Gäste dort zu bedienen sind.
+
+(Macht sich los und geht.)
+
+ =Erster Jäger.=
+
+ Das Mädchen ist kein übler Bissen! --
+ Und die Muhme -- beim Element!
+ Was haben die Herrn vom Regiment
+ Sich um das niedliche Lärvchen gerissen! --
+ Was man nicht alles für Leute kennt,
+ Und wie die Zeit von dannen rennt. --
+ Was werd' ich noch alles erleben müssen!
+
+(Zum Wachtmeister und Trompeter.)
+
+ Euch zur Gesundheit, meine Herrn! --
+ Laßt uns hier auch ein Plätzchen nehmen.
+
+
+
+
+6. Auftritt.
+
+
+_Jäger. Wachtmeister. Trompeter._
+
+ =Wachtmeister.=
+
+ Wir danken schön. Von Herzen gern.
+ Wir rücken zu. Willkommen in Böhmen!
+
+ =Erster Jäger.=
+
+ Ihr sitzt hier warm. Wir, in Feindes Land,
+ Mußten derweil uns schlecht bequemen.
+
+ =Trompeter.=
+
+ Man sollt's euch nicht ansehn, ihr seid galant.
+
+ =Wachtmeister.=
+
+ Ja, ja, im Saalkreis und auch in Meißen
+ Hört man euch Herrn nicht besonders preisen.
+
+ =Zweiter Jäger.=
+
+ Seid mir doch still! Was will das heißen?
+ Der Kroat es ganz anders trieb,
+ Uns nur die Nachles' übrig blieb.
+
+ =Trompeter.=
+
+ Ihr habt da einen saubern Spitzen
+ Am Kragen, und wie euch die Hosen sitzen!
+ Die feine Wäsche, der Federhut!
+ Was das alles für Wirkung tut!
+ Daß doch den Burschen das Glück soll scheinen,
+ Und so was kommt nie an unser einen!
+
+ =Wachtmeister.=
+
+ Dafür sind wir des Friedländers Regiment,
+ Man muß uns ehren und respektieren.
+
+ =Erster Jäger.=
+
+ Das ist für uns andre kein Kompliment,
+ Wir ebenso gut seinen Namen führen.
+
+ =Wachtmeister.=
+
+ Ja, ihr gehört auch so zur ganzen Masse.
+
+ =Erster Jäger.=
+
+ Ihr seid wohl von einer besondern Rasse?
+ Der ganze Unterschied ist in den Röcken,
+ Und ich ganz gern mag in meinem stecken.
+
+ =Wachtmeister.=
+
+ Herr Jäger, ich muß Euch nur bedauern,
+ Ihr lebt so draußen bei den Bauern;
+ Der feine Griff und der rechte Ton,
+ Das lernt sich nur um des Feldherrn Person.
+
+ =Erster Jäger.=
+
+ Sie bekam Euch übel, die Lektion.
+ Wie er räuspert, und wie er spuckt,
+ Das habt Ihr ihm glücklich abgeguckt;
+ Aber sein Schenie, ich meine sein Geist
+ Sich nicht auf der Wachparade weist.
+
+ =Zweiter Jäger.=
+
+ Wetter auch! wo Ihr nach uns fragt,
+ Wir heißen des Friedländers wilde Jagd
+ Und machen dem Namen keine Schande --
+ Ziehen frech durch Feindes und Freundes Lande,
+ Querfeldein durch die Saat, durch das gelbe Korn --
+ Sie kennen das Holkische Jägerhorn! --
+ In einem Augenblick fern und nah,
+ Schnell wie die Sündflut, so sind wir da --
+ Wie die Feuerflamme bei dunkler Nacht
+ In die Häuser fähret, wenn niemand wacht --
+ Da hilft keine Gegenwehr, keine Flucht,
+ Keine Ordnung gilt mehr und keine Zucht. --
+ Es sträubt sich -- der Krieg hat kein Erbarmen --
+ Das Mägdlein in unsern sehnigten Armen --
+ Fragt nach, ich sag's nicht, um zu prahlen;
+ In Baireuth, im Voigtland, in Westfalen,
+ Wo wir nur durchgekommen sind --
+ Erzählen Kinder und Kindeskind
+ Nach hundert und aber hundert Jahren
+ Von dem Holk noch und seinen Scharen.
+
+ =Wachtmeister.=
+
+ Nun, da sieht man's! Der Saus und Braus,
+ Macht denn der den Soldaten aus?
+ Das Tempo macht ihn, der Sinn und Schick,
+ Der Begriff, die Bedeutung, der feine Blick.
+
+ =Erster Jäger.=
+
+ Die Freiheit macht ihn! Mit Euren Fratzen!
+ Daß ich mit Euch soll darüber schwatzen. --
+ Lief ich darum aus der Schul' und der Lehre,
+ Daß ich die Fron' und die Galeere,
+ Die Schreibstub' und ihre engen Wände
+ In dem Feldlager wiederfände? --
+ Flott will ich leben und müßig gehn,
+ Alle Tage was Neues sehn,
+ Mich dem Augenblick frisch vertrauen,
+ Nicht zurück, auch nicht vorwärts schauen --
+ Drum hab' ich meine Haut dem Kaiser verhandelt,
+ Daß keine Sorg' mich mehr anwandelt.
+ Führt mich ins Feuer frisch hinein,
+ Über den reißenden, tiefen Rhein --
+ Der dritte Mann soll verloren sein;
+ Werde mich nicht lang sperren und zieren. --
+ Sonst muß man mich aber, ich bitte sehr,
+ Mit nichts weiter inkommodieren.
+
+ =Wachtmeister.=
+
+ Nu, nu, verlangt Ihr sonst nichts mehr?
+ Das ließ sich unter dem Wams da finden.
+
+ =Erster Jäger.=
+
+ Was war das nicht für ein Placken und Schinden
+ Bei Gustav, dem Schweden, dem Leuteplager!
+ Der machte eine Kirch' aus seinem Lager,
+ Ließ Betstunde halten, des Morgens, gleich
+ Bei der Reveille und beim Zapfenstreich.
+ Und wurden wir manchmal ein wenig munter,
+ Er kanzelt' uns selbst wohl vom Gaul herunter.
+
+ =Wachtmeister.=
+
+ Ja, es war ein gottesfürchtiger Herr.
+
+ =Erster Jäger.=
+
+ Dirnen, die ließ er gar nicht passieren,
+ Mußten sie gleich zur Kirche führen.
+ Da lief ich, konnt's nicht ertragen mehr.
+
+ =Wachtmeister.=
+
+ Jetzt geht's dort auch wohl anders her.
+
+ =Erster Jäger.=
+
+ So ritt ich hinüber zu den Ligisten,
+ Sie täten sich just gegen Magdeburg rüsten.
+ Ja, das war schon ein ander Ding!
+ Alles da lustiger, loser ging,
+ Soff und Spiel und Mädels die Menge!
+ Wahrhaftig, der Spaß war nicht gering,
+ Denn der Tilly verstand sich aufs Kommandieren.
+ Dem eigenen Körper war er strenge,
+ Dem Soldaten ließ er vieles passieren,
+ Und ging's nur nicht aus seiner Kassen,
+ Sein Spruch war: leben und leben lassen.
+ Aber das Glück blieb ihm nicht stet --
+ Seit der Leipziger Fatalität
+ Wollt' es eben nirgends mehr flecken,
+ Alles bei uns geriet ins Stecken;
+ Wo wir erschienen und pochten an,
+ Ward nicht gegrüßt noch aufgetan.
+ Wir mußten uns drücken von Ort zu Ort,
+ Der alte Respekt war eben fort. --
+ Da nahm ich Handgeld von den Sachsen,
+ Meinte, da müßte mein Glück recht wachsen.
+
+ =Wachtmeister.=
+
+ Nun, da kamt Ihr ja eben recht
+ Zur böhmischen Beute.
+
+ =Erster Jäger.=
+
+ Es ging mir schlecht.
+ Sollten da strenge Mannszucht halten,
+ Durften nicht recht als Feinde walten,
+ Mußten des Kaisers Schlösser bewachen,
+ Viel Umständ' und Komplimente machen,
+ Führten den Krieg, als wär's nur Scherz,
+ Hatten für die Sach' nur ein halbes Herz,
+ Wollten's mit niemand ganz verderben,
+ Kurz, da war wenig Ehr zu erwerben,
+ Und ich wär' bald für Ungeduld
+ Wieder heimgelaufen zum Schreibepult,
+ Wenn nicht eben auf allen Straßen
+ Der Friedländer hätte werben lassen.
+
+ =Wachtmeister.=
+
+ Und wie lang denkt Ihr's hier auszuhalten?
+
+ =Erster Jäger.=
+
+ Spaßt nur! Solange _der_ tut walten,
+ Denk' ich Euch, mein Seel! an kein Entlaufen.
+ Kann's der Soldat wo besser kaufen? --
+ Da geht alles nach Kriegessitt',
+ Hat alles 'nen großen Schnitt,
+ Und der Geist, der im ganzen Korps tut leben,
+ Reißet gewaltig, wie Windesweben,
+ Auch den untersten Reiter mit.
+ Da tret' ich auf mit beherztem Schritt,
+ Darf über den Bürger kühn wegschreiten,
+ Wie der Feldherr über der Fürsten Haupt.
+ Es ist hier wie in den alten Zeiten,
+ Wo die Klinge noch alles tät bedeuten;
+ Da gibt's nur _ein_ Vergehn und Verbrechen:
+ Der Ordre fürwitzig widersprechen.
+ Was nicht verboten ist, ist erlaubt;
+ Da fragt niemand, was einer glaubt.
+ Es gibt nur zwei Ding' überhaupt:
+ Was zur Armee gehört und nicht;
+ Und nur der Fahne bin ich verpflicht.
+
+ =Wachtmeister.=
+
+ Jetzt gefallt Ihr mir, Jäger! Ihr sprecht
+ Wie ein Friedländischer Reitersknecht.
+
+ =Erster Jäger.=
+
+ Der führt's Kommando nicht wie ein Amt,
+ Wie eine Gewalt, die vom Kaiser stammt!
+ Es ist ihm nicht um des Kaisers Dienst,
+ Was bracht' er dem Kaiser für Gewinst?
+ Was hat er mit seiner großen Macht
+ Zu des Landes Schirm und Schutz vollbracht?
+ Ein Reich von Soldaten wollt' er gründen,
+ Die Welt anstecken und entzünden,
+ Sich alles vermessen und unterwinden --
+
+ =Trompeter.=
+
+ Still! Wer wird solche Worte wagen!
+
+ =Erster Jäger.=
+
+ Was ich denke, das darf ich sagen.
+ Das Wort ist frei, sagt der General.
+
+ =Wachtmeister.=
+
+ So sagt er, ich hört's wohl einigemal,
+ Ich stand dabei. »Das Wort ist frei,
+ Die Tat ist stumm, der Gehorsam blind,«
+ Dies urkundlich seine Worte sind.
+
+ =Erster Jäger.=
+
+ Ob's just seine Wort' sind, weiß ich nicht;
+ Aber die Sach ist so, wie er spricht.
+
+ =Zweiter Jäger.=
+
+ Ihm schlägt das Kriegsglück nimmer um,
+ Wie's wohl bei andern pflegt zu geschehen.
+ Der Tilly überlebte seinen Ruhm.
+ Doch unter des Friedländers Kriegspanieren,
+ Da bin ich gewiß zu viktorisieren.
+ Er bannet das Glück, es muß ihm stehen.
+ Wer unter seinem Zeichen tut fechten,
+ Der steht unter besondern Mächten.
+ Denn das weiß ja die ganze Welt,
+ Daß der Friedländer einen Teufel
+ Aus der Hölle im Solde hält.
+
+ =Wachtmeister.=
+
+ Ja, daß er fest ist, das ist kein Zweifel.
+ Denn in der blut'gen Affär bei Lützen
+ Ritt er euch unter des Feuers Blitzen
+ Auf und nieder mit kühlem Blut.
+ Durchlöchert von Kugeln war sein Hut,
+ Durch den Stiefel und Koller fuhren
+ Die Ballen, man sah die deutlichen Spuren;
+ Konnt' ihm keine die Haut nur ritzen,
+ Weil ihn die höllische Salbe tät schützen.
+
+ =Erster Jäger.=
+
+ Was wollt Ihr da für Wunder bringen!
+ Er trägt ein Koller von Elendshaut,
+ Das keine Kugel kann durchdringen.
+
+ =Wachtmeister.=
+
+ Nein, es ist die Salbe von Hexenkraut,
+ Unter Zaubersprüchen gekocht und gebraut.
+
+ =Trompeter.=
+
+ Es geht nicht zu mit rechten Dingen!
+
+ =Wachtmeister.=
+
+ Sie sagen, er les' auch in den Sternen
+ Die künftigen Dinge, die nahen und fernen;
+ Ich weiß aber besser, wie's damit ist.
+ Ein graues Männlein pflegt bei nächtlicher Frist
+ Durch verschlossene Türen zu ihm einzugehen;
+ Die Schildwachen haben's oft angeschrien,
+ Und immer was Großes ist drauf geschehen,
+ Wenn je das graue Röcklein kam und erschien.
+
+ =Zweiter Jäger.=
+
+ Ja, er hat sich dem Teufel übergeben,
+ Drum führen wir auch das lustige Leben.
+
+
+
+
+7. Auftritt.
+
+
+_Vorige. Ein Rekrut. Ein Bürger. Dragoner._
+
+ =Rekrut= (tritt aus dem Zelt, eine Blechhaube auf dem Kopfe, eine
+ Weinflasche in der Hand).
+
+ Grüß den Vater und Vaters Brüder!
+ Bin Soldat, komme nimmer wieder.
+
+ =Erster Jäger.=
+
+ Sieh, da bringen sie einen Neuen!
+
+ =Bürger.=
+
+ O, gib acht, Franz! es wird dich reuen.
+
+ =Rekrut= (singt).
+
+ Trommeln und Pfeifen,
+ Kriegrischer Klang!
+ Wandern und streifen
+ Die Welt entlang,
+ Rosse gelenkt,
+ Mutig geschwenkt,
+ Schwert an der Seite,
+ Frisch in die Weite,
+ Flüchtig und flink,
+ Frei, wie der Fink
+ Auf Sträuchern und Bäumen,
+ In Himmels Räumen!
+ Heisa! ich folge des Friedländers Fahn!
+
+ =Zweiter Jäger.=
+
+ Seht mir, das ist ein wackrer Kumpan!
+
+(Sie begrüßen ihn.)
+
+ =Bürger.=
+
+ O, laßt ihn. Er ist guter Leute Kind.
+
+ =Erster Jäger.=
+
+ Wir auch nicht auf der Straße gefunden sind.
+
+ =Bürger.=
+
+ Ich sag' euch, er hat Vermögen und Mittel.
+ Fühlt her, das feine Tüchlein am Kittel.
+
+ =Trompeter.=
+
+ Des Kaisers Rock ist der höchste Titel.
+
+ =Bürger.=
+
+ Er erbt eine kleine Mützenfabrik.
+
+ =Zweiter Jäger.=
+
+ Des Menschen Wille, das ist sein Glück.
+
+ =Bürger.=
+
+ Von der Großmutter einen Kram und Laden.
+
+ =Erster Jäger.=
+
+ Pfui, wer handelt mit Schwefelfaden!
+
+ =Bürger.=
+
+ Einen Weinschank dazu von seiner Paten,
+ Ein Gewölbe mit zwanzig Stückfaß Wein.
+
+ =Trompeter.=
+
+ Den teilt er mit seinen Kameraden.
+
+ =Zweiter Jäger.=
+
+ Hör du! wir müssen Zeltbrüder sein.
+
+ =Bürger.=
+
+ Eine Braut läßt er sitzen in Tränen und Schmerz.
+
+ =Erster Jäger.=
+
+ Recht so, da zeigt er ein eisernes Herz.
+
+ =Bürger.=
+
+ Die Großmutter wird für Kummer sterben.
+
+ =Zweiter Jäger.=
+
+ Desto besser, so kann er sie gleich beerben.
+
+ =Wachtmeister= (tritt gravitätisch herzu, dem Rekruten die Hand auf
+ die Blechhaube legend).
+
+ Sieht Er! das hat Er wohl erwogen.
+ Einen neuen Menschen hat Er angezogen;
+ Mit dem Helm da und Wehrgehäng
+ Schließt Er sich an eine würdige Meng.
+ Muß ein fürnehmer Geist jetzt in Ihn fahren --
+
+ =Erster Jäger.=
+
+ Muß besonders das Geld nicht sparen.
+
+ =Wachtmeister.=
+
+ Auf der Fortuna ihrem Schiff
+ Ist Er zu segeln im Begriff;
+ Die Weltkugel liegt vor Ihm offen,
+ Wer nichts waget, der darf nichts hoffen.
+ Es treibt sich der Bürgersmann, träg und dumm,
+ Wie des Färbers Gaul, nur im Ring herum.
+ Aus dem Soldaten kann alles werden,
+ Denn Krieg ist jetzt die Losung auf Erden.
+ Seh' Er mal _mich_ an! In diesem Rock
+ Führ' ich, sieht Er, des Kaisers Stock.
+ Alles Weltregiment, muß Er wissen,
+ Von dem Stock hat ausgehen müssen;
+ Und das Zepter in Königs Hand
+ Ist ein Stock nur, das ist bekannt.
+ Und wer's zum Korporal erst hat gebracht,
+ Der steht auf der Leiter zur höchsten Macht,
+ Und so weit kann Er's auch noch treiben.
+
+ =Erster Jäger.=
+
+ Wenn Er nur lesen kann und schreiben.
+
+ =Wachtmeister.=
+
+ Da will ich Ihm gleich ein Exempel geben;
+ Ich tät's vor kurzem selbst erleben.
+ Da ist der Schef vom Dragonerkorps,
+ Heißt Buttler, wir standen als Gemeine
+ Noch vor dreißig Jahren bei Köln am Rheine,
+ Jetzt nennt man ihn Generalmajor.
+ Das macht, er tät sich baß hervor,
+ Tät die Welt mit seinem Kriegsruhm füllen;
+ Doch meine Verdienste, die blieben im stillen.
+ Ja, und der Friedländer selbst, sieht Er,
+ Unser Hauptmann und hochgebietender Herr,
+ Der jetzt alles vermag und kann,
+ War erst nur ein schlichter Edelmann,
+ Und weil er der Kriegsgöttin sich vertraut,
+ Hat er sich diese Größ' erbaut,
+ Ist nach dem Kaiser der nächste Mann,
+ Und wer weiß, was er noch erreicht und ermißt,
+ (pfiffig) Denn noch nicht aller Tage Abend ist.
+
+ =Erster Jäger.=
+
+ Ja, er fing's klein an und ist jetzt so groß.
+ Denn zu Altorf im Studentenkragen
+ Trieb er's, mit Permiß zu sagen,
+ Ein wenig locker und burschikos,
+ Hätte seinen Famulus bald erschlagen.
+ Wollten ihn drauf die Nürnberger Herren
+ Mir nichts, dir nichts ins Karzer sperren;
+ 's war just ein neugebautes Nest,
+ Der erste Bewohner sollt' es taufen.
+ Aber wie fängt er's an? Er läßt
+ Weislich den Pudel voran erst laufen.
+ Nach dem Hunde nennt sich's bis diesen Tag;
+ Ein rechter Kerl sich dran spiegeln mag.
+ Unter des Herrn großen Taten allen
+ Hat mir das Stückchen besonders gefallen.
+
+(Das Mädchen hat unterdessen aufgewartet; der zweite Jäger schäkert mit
+ihr.)
+
+ =Dragoner= (tritt dazwischen).
+
+ Kamerad, laß Er das unterwegen!
+
+ =Zweiter Jäger.=
+
+ Wer, Henker! hat sich da drein zu legen!
+
+ =Dragoner.=
+
+ Ich will's Ihm nur sagen, die Dirn ist mein.
+
+ =Erster Jäger.=
+
+ Der will ein Schätzchen für sich allein!
+ Dragoner, ist Er bei Troste? sag' Er!
+
+ =Zweiter Jäger.=
+
+ Will was Apartes haben im Lager.
+ Einer Dirne schön Gesicht
+ Muß allgemein sein, wie's Sonnenlicht! (Küßt sie.)
+
+ =Dragoner= (reißt sie weg).
+
+ Ich sag's noch einmal, das leid' ich nicht.
+
+ =Erster Jäger.=
+
+ Lustig, lustig! da kommen die Prager!
+
+ =Zweiter Jäger.=
+
+ Sucht Er Händel? Ich bin dabei.
+
+ =Wachtmeister.=
+
+ Fried', ihr Herren! Ein Kuß ist frei!
+
+
+
+
+8. Auftritt.
+
+
+_Bergknappen_ treten auf und spielen einen Walzer, erst langsam und dann
+immer geschwinder. Der _erste Jäger_ tanzt mit der _Aufwärterin_, die
+_Marketenderin_ mit dem _Rekruten_; das Mädchen entspringt, der Jäger
+hinter ihr her und bekommt den _Kapuziner_ zu fassen, der eben
+hereintritt.
+
+ =Kapuziner.=
+
+ Heisa, juchheia! Dudeldumdei!
+ Das geht ja hoch her. Bin auch dabei!
+ Ist das eine Armee von Christen?
+ Sind wir Türken? sind wir Antibaptisten?
+ Treibt man so mit dem Sonntag Spott,
+ Als hätte der allmächtige Gott
+ Das Chiragra, könnte nicht drein schlagen?
+ Ist's jetzt Zeit zu Saufgelagen?
+ Zu Banketten und Feiertagen?
+ ~Quid hic statis otiosi?~
+ Was steht ihr und legt die Hände in Schoß?
+ Die Kriegsfuri ist an der Donau los,
+ Das Bollwerk des Bayerlands ist gefallen,
+ Regensburg ist in des Feindes Krallen,
+ Und die Armee liegt hier in Böhmen,
+ Pflegt den Bauch, läßt sich's wenig grämen,
+ Kümmert sich mehr um den Krug als den Krieg,
+ Wetzt lieber den Schnabel als den Sabel,
+ Hetzt sich lieber herum mit der Dirn,
+ Frißt den Ochsen lieber als den Oxenstirn.
+ Die Christenheit trauert in Sack und Asche,
+ Der Soldat füllt sich nur die Tasche.
+ Es ist eine Zeit der Tränen und Not,
+ Am Himmel geschehen Zeichen und Wunder,
+ Und aus den Wolken, blutigrot,
+ Hängt der Herrgott den Kriegsmantel 'runter.
+ Den Kometen steckt er, wie eine Rute,
+ Drohend am Himmelsfenster aus,
+ Die ganze Welt ist ein Klagehaus,
+ Die Arche der Kirche schwimmt in Blute,
+ Und das römische _Reich_ -- daß Gott erbarm!
+ Sollte jetzt heißen römisch _Arm_;
+ Der _Rheinstrom_ ist worden zu einem _Peinstrom_,
+ Die _Klöster_ sind ausgenommene _Nester_,
+ Die _Bistümer_ sind verwandelt in _Wüsttümer_,
+ Die _Abteien_ und die _Stifter_
+ Sind nun _Raubteien_ und _Diebesklüfter_,
+ Und alle die gesegneten deutschen _Länder_
+ Sind verkehrt worden in _Elender_ --
+ Woher kommt das? Das will ich euch verkünden:
+ Das schreibt sich her von euern Lastern und Sünden,
+ Von dem Greuel und Heidenleben,
+ Dem sich Offizier und Soldaten ergeben.
+ Denn die Sünd' ist der Magnetenstein,
+ Der das Eisen ziehet ins Land herein.
+ Auf das Unrecht, da folgt das Übel,
+ Wie die Trän' auf den herben Zwiebel,
+ Hinter dem =U= kömmt gleich das =W=eh,
+ Das ist die Ordnung im ABC.
+ ~Ubi erit victoriae spes,~
+ ~Si offenditur Deus?~ Wie soll man siegen,
+ Wenn man die Predigt schwänzt und die Meß,
+ Nichts tut, als in den Weinhäusern liegen?
+ Die Frau in dem Evangelium
+ Fand den verlornen Groschen wieder,
+ Der Gaul seines Vaters Esel wieder,
+ Der Joseph seine saubern Brüder;
+ Aber wer bei den Soldaten sucht
+ Die Furcht Gottes und die gute Zucht
+ Und die Scham, der wird nicht viel finden,
+ Tät' er auch hundert Laternen anzünden.
+ Zu dem Prediger in der Wüsten,
+ Wie wir lesen im Evangelisten,
+ Kamen auch die Soldaten gelaufen,
+ Taten Buß und ließen sich taufen,
+ Fragten ihn: ~Quid faciemus nos?~
+ Wie machen wir's, daß wir kommen in Abrahams Schoß?
+ ~Et ait illis~, und er sagt:
+ ~Neminem concutiatis~,
+ Wenn ihr niemanden schindet und plackt;
+ ~Neque calumniam faciatis~,
+ Niemand verlästert, auf niemand lügt.
+ ~Contenti estote~, euch begnügt,
+ ~Stipendiis vestris~, mit eurer Löhnung
+ Und verflucht jede böse Angewöhnung.
+ Es ist ein Gebot: Du sollst den Namen
+ Deines Herrgotts nicht eitel auskramen!
+ Und wo hört man mehr blasphemieren,
+ Als hier in den Friedländischen Kriegsquartieren?
+ Wenn man für jeden Donner und Blitz,
+ Den ihr losbrennt mit eurer Zungenspitz,
+ Die Glocken müßt' läuten im Land umher,
+ Es wär' bald kein Mesner zu finden mehr.
+ Und wenn euch für jedes böse Gebet,
+ Das aus eurem ungewaschnen Munde geht,
+ Ein Härlein ausging aus eurem Schopf,
+ Über Nacht wär' er geschoren glatt,
+ Und wär' er so dick wie Absalons Zopf.
+ Der Josua war doch auch ein Soldat,
+ König David erschlug den Goliath,
+ Und wo steht denn geschrieben zu lesen,
+ Daß sie solche Fluchmäuler sind gewesen?
+ Muß man den Mund doch, ich sollte meinen,
+ Nicht weiter aufmachen zu einem Helf Gott!
+ Als zu einem Kreuz Sackerlot!
+ Aber wessen das Gefäß ist gefüllt,
+ Davon es sprudelt und überquillt.
+ Wieder ein Gebot ist: Du sollst nicht stehlen.
+ Ja, das befolgt ihr nach dem Wort,
+ Denn ihr tragt alles offen fort.
+ Vor euren Klauen und Geiersgriffen,
+ Vor euren Praktiken und bösen Kniffen
+ Ist das Geld nicht geborgen in der Truh,
+ Das Kalb nicht sicher in der Kuh,
+ Ihr nehmt das Ei und das Huhn dazu.
+ Was sagt der Prediger? ~contenti estote~,
+ Begnügt euch mit eurem Kommißbrote.
+ Aber wie soll man die Knechte loben,
+ Kömmt doch das Ärgernis von oben!
+ Wie die Glieder, so auch das Haupt!
+ Weiß doch niemand, an wen _der_ glaubt!
+
+ =Erster Jäger.=
+
+ Herr Pfaff! uns Soldaten mag Er schimpfen,
+ Den Feldherrn soll Er uns nicht verunglimpfen.
+
+ =Kapuziner.=
+
+ ~Ne custodias gregem meam!~
+ Das ist so ein Ahab und Jerobeam,
+ Der die Völker von der wahren Lehren
+ Zu falschen Götzen tut verkehren.
+
+ =Trompeter= und =Rekrut=.
+
+ Laß Er uns das nicht zweimal hören!
+
+ =Kapuziner.=
+
+ So ein Bramarbas und Eisenfresser,
+ Will einnehmen alle festen Schlösser.
+ Rühmte sich mit seinem gottlosen Mund,
+ Er müsse haben die Stadt Stralsund,
+ Und wär' sie mit Ketten an den Himmel geschlossen.
+ Hat aber sein Pulver umsonst verschossen!
+
+ =Trompeter.=
+
+ Stopft ihm keiner sein Lästermaul?
+
+ =Kapuziner.=
+
+ So ein Teufelsbeschwörer und König Saul,
+ So ein Jehu und Holofern,
+ Verleugnet, wie Petrus, seinen Meister und Herrn,
+ Drum kann er den Hahn nicht hören krähn --
+
+ =Beide Jäger.=
+
+ Pfaffe! Jetzt ist's um dich geschehn!
+
+ =Kapuziner.=
+
+ So ein listiger Fuchs Herodes --
+
+ =Trompeter= und =beide Jäger= (auf ihn eindringend).
+
+ Schweig stille! Du bist des Todes!
+
+ =Kroaten= (legen sich drein).
+
+ Bleib da, Pfäfflein, fürcht' dich nit,
+ Sag dein Sprüchel und teil's uns mit.
+
+ =Kapuziner= (schreit lauter).
+
+ So ein hochmütiger Nebukadnezer,
+ So ein Sündenvater und muffiger Ketzer,
+ Läßt sich nennen den _Wallenstein_;
+ Ja freilich ist er uns _allen_ ein _Stein_
+ Des Anstoßes und Ärgernisses,
+ Und solang der Kaiser diesen Friedeland
+ Läßt walten, so wird nicht Fried' im Land.
+
+(Er hat nach und nach bei den letzten Worten, die er mit erhobener
+Stimme spricht, seinen Rückzug genommen, indem die Kroaten die übrigen
+Soldaten von ihm abwehren.)
+
+
+
+
+9. Auftritt.
+
+
+_Vorige_, ohne den _Kapuziner_.
+
+ =Erster Jäger= (zum Wachtmeister).
+
+ Sagt mir, was meint' er mit dem Göckelhahn,
+ Den der Feldherr nicht krähen hören kann?
+ Es war wohl nur so gesagt ihm zum Schimpf und Hohne?
+
+ =Wachtmeister.=
+
+ Da will ich Euch dienen. Es ist nicht ganz ohne!
+ Der Feldherr ist wundersam geboren,
+ Besonders hat er gar kitzlichte Ohren.
+ Kann die Katze nicht hören mauen,
+ Und wenn der Hahn kräht, so macht's ihm Grauen.
+
+ =Erster Jäger.=
+
+ Das hat er mit dem Löwen gemein.
+
+ =Wachtmeister.=
+
+ Muß alles mausstill um ihn sein.
+ Den Befehl haben alle Wachen,
+ Denn er denkt gar zu tiefe Sachen.
+
+ =Stimmen= (im Zelt; Auflauf).
+
+ Greift ihn, den Schelm! Schlagt zu! Schlagt zu!
+
+ =Des Bauern Stimme.=
+
+ Hilfe! Barmherzigkeit!
+
+ =Andre Stimmen.=
+
+ Friede! Ruh!
+
+ =Erster Jäger.=
+
+ Hol mich der Teufel! Da setzt's Hiebe.
+
+ =Zweiter Jäger.=
+
+ Da muß ich dabei sein!
+
+(Laufen ins Zelt.)
+
+ =Marketenderin= (kommt heraus).
+
+ Schelmen und Diebe!
+
+ =Trompeter.=
+
+ Frau Wirtin, was setzt Euch so in Eifer?
+
+ =Marketenderin.=
+
+ Der Lump! der Spitzbub! der Straßenläufer!
+ Das muß mir in meinem Zelt passieren!
+ Es beschimpft mich bei allen Herrn Offizieren.
+
+ =Wachtmeister.=
+
+ Bäschen, was gibt's denn?
+
+ =Marketenderin.=
+
+ Was wird's geben?
+ Da erwischten sie einen Bauer eben,
+ Der falsche Würfel tät bei sich haben.
+
+ =Trompeter.=
+
+ Sie bringen ihn hier mit seinem Knaben.
+
+
+
+
+10. Auftritt.
+
+
+_Soldaten_ bringen den Bauer geschleppt.
+
+ =Erster Jäger.=
+
+ Der muß baumeln!
+
+ =Scharfschützen= und =Dragoner=.
+
+ Zum Profoß! Zum Profoß!
+
+ =Wachtmeister.=
+
+ Das Mandat ist noch kürzlich ausgegangen.
+
+ =Marketenderin.=
+
+ In einer Stunde seh' ich ihn hangen!
+
+ =Wachtmeister.=
+
+ Böses Gewerbe bringt bösen Lohn.
+
+ =Erster Arkebusier= (zum andern).
+
+ Das kommt von der Desperation.
+ Denn seht, erst tut man sie ruinieren,
+ Das heißt sie zum Stehlen selbst verführen.
+
+ =Trompeter.=
+
+ Was? Was? Ihr red't ihm das Wort noch gar?
+ Dem Hunde! Tut Euch der Teufel plagen?
+
+ =Erster Arkebusier.=
+
+ Der Bauer ist auch ein Mensch -- so zu sagen.
+
+ =Erster Jäger= (zum Trompeter).
+
+ Laß sie gehen! sind Tiefenbacher,
+ Gevatter Schneider und Handschuhmacher!
+ Lagen in Garnison zu Brieg,
+ Wissen viel, was der Brauch ist im Krieg.
+
+
+
+
+11. Auftritt.
+
+
+_Vorige. Kürassiere._
+
+ =Erster Kürassier.=
+
+ Friede! Was gibt's mit dem Bauer da?
+
+ =Erster Scharfschütz.=
+
+ 's ist ein Schelm, hat im Spiel betrogen!
+
+ =Erster Kürassier.=
+
+ Hat er dich betrogen etwa?
+
+ =Erster Scharfschütz.=
+
+ Ja, und hat mich rein ausgezogen.
+
+ =Erster Kürassier.=
+
+ Wie? Du bist ein Friedländischer Mann,
+ Kannst dich so wegwerfen und blamieren,
+ Mit einem Bauer dein Glück probieren?
+ Der laufe, was er laufen kann.
+
+(Bauer entwischt, die andern treten zusammen.)
+
+ =Erster Arkebusier.=
+
+ Der macht kurze Arbeit, ist resolut,
+ Das ist mit solchem Volke gut.
+ Was ist's für einer? Es ist kein Böhm.
+
+ =Marketenderin.=
+
+ 's ist ein Wallon! Respekt vor dem!
+ Von des Pappenheims Kürassieren.
+
+ =Erster Dragoner= (tritt dazu).
+
+ Der Piccolomini, der junge, tut sie jetzt führen.
+ Den haben sie sich aus eigner Macht
+ Zum Oberst gesetzt in der Lützner Schlacht,
+ Als der Pappenheim umgekommen.
+
+ =Erster Arkebusier.=
+
+ Haben sie sich so was 'rausgenommen?
+
+ =Erster Dragoner.=
+
+ Dies Regiment hat was voraus,
+ Es war immer voran bei jedem Strauß.
+ Darf auch seine eigene Justiz ausüben,
+ Und der Friedländer tut's besonders lieben.
+
+ =Erster Kürassier= (zum andern).
+
+ Ist's auch gewiß? Wer bracht' es aus?
+
+ =Zweiter Kürassier.=
+
+ Ich hab's aus des Obersts eigenem Munde.
+
+ =Erster Kürassier.=
+
+ Was Teufel! Wir sind nicht ihre Hunde.
+
+ =Erster Jäger.=
+
+ Was haben die da? Sind voller Gift.
+
+ =Zweiter Jäger.=
+
+ Ist's was, ihr Herrn, das uns mitbetrifft?
+
+ =Erster Kürassier.=
+
+ Es hat sich keiner drüber zu freuen.
+
+(Soldaten treten herzu.)
+
+ Sie wollen uns in die Niederland' leihen;
+ Kürassiere, Jäger, reitende Schützen,
+ Sollen achttausend Mann aufsitzen.
+
+ =Marketenderin.=
+
+ Was? Was? Da sollen wir wieder wandern?
+ Bin erst seit gestern zurück aus Flandern.
+
+ =Zweiter Kürassier= (zu den Dragonern).
+
+ Ihr Buttlerischen sollt auch mitreiten.
+
+ =Erster Kürassier.=
+
+ Und absonderlich wir Wallonen.
+
+ =Marketenderin.=
+
+ Ei, das sind ja die allerbesten Schwadronen!
+
+ =Erster Kürassier.=
+
+ Den aus Mailand sollen wir hinbegleiten.
+
+ =Erster Jäger.=
+
+ Den Infanten! Das ist ja kurios!
+
+ =Zweiter Jäger.=
+
+ Den Pfaffen! Da geht der Teufel los.
+
+ =Erster Kürassier.=
+
+ Wir sollen von dem Friedländer lassen,
+ Der den Soldaten so nobel hält,
+ Mit dem Spanier ziehen zu Feld,
+ Dem Knauser, den wir von Herzen hassen?
+ Nein, das geht nicht! Wir laufen fort.
+
+ =Trompeter.=
+
+ Was, zum Henker! sollen wir dort?
+ Dem Kaiser verkauften wir unser Blut
+ Und nicht dem hispanischen roten Hut.
+
+ =Zweiter Jäger.=
+
+ Auf des Friedländers Wort und Kredit allein
+ Haben wir Reitersdienst genommen;
+ Wär's nicht aus Lieb' für den Wallenstein,
+ Der Ferdinand hätt' uns nimmer bekommen.
+
+ =Erster Dragoner.=
+
+ Tät uns der Friedländer nicht formieren?
+ Seine Fortuna soll uns führen.
+
+ =Wachtmeister.=
+
+ Laßt euch bedeuten, hört mich an.
+ Mit dem Gered' da ist's nicht getan.
+ Ich sehe weiter als ihr alle,
+ Dahinter steckt eine böse Falle.
+
+ =Erster Jäger.=
+
+ Hört das Befehlbuch! Stille doch!
+
+ =Wachtmeister.=
+
+ Bäschen Gustel, füllt mir erst noch
+ Ein Gläschen Melnecker für den Magen,
+ Alsdann will ich euch meine Gedanken sagen.
+
+ =Marketenderin= (ihm einschenkend).
+
+ Hier, Herr Wachtmeister! Er macht mir Schrecken.
+ Es wird doch nichts Böses dahinter stecken!
+
+ =Wachtmeister.=
+
+ Seht, ihr Herrn, das ist all recht gut,
+ Daß jeder das Nächste bedenken tut;
+ Aber, pflegt der Feldherr zu sagen,
+ Man muß immer das Ganze überschlagen.
+ Wir nennen uns alle des Friedländers Truppen.
+ Der Bürger, er nimmt uns ins Quartier
+ Und pflegt uns und kocht uns warme Suppen.
+ Der Bauer muß den Gaul und den Stier
+ Vorspannen an unsre Bagagewagen,
+ Vergebens wird er sich drüber beklagen.
+ Läßt sich ein Gefreiter mit sieben Mann
+ In einem Dorfe von weitem spüren,
+ Er ist die Obrigkeit drin und kann
+ Nach Lust drin walten und kommandieren.
+ Zum Henker! sie mögen uns alle nicht
+ Und sähen des Teufels sein Angesicht
+ Weit lieber, als unsre gelben Kolletter.
+ Warum schmeißen sie uns nicht aus dem Land? Potz Wetter!
+ Sind uns an Anzahl doch überlegen,
+ Führen den Knüttel, wie wir den Degen.
+ Warum dürfen wir ihrer lachen?
+ Weil wir einen furchtbaren Haufen ausmachen!
+
+ =Erster Jäger.=
+
+ Ja, ja, im Ganzen, da sitzt die Macht!
+ Der Friedländer hat das wohl erfahren,
+ Wie er dem Kaiser vor acht -- neun Jahren
+ Die große Armee zusammenbracht.
+ Sie wollten erst nur von zwölftausend hören:
+ Die, sagt' er, die kann ich nicht ernähren;
+ Aber ich will sechzigtausend werben,
+ Die, weiß ich, werden nicht Hungers sterben.
+ Und so wurden wir Wallensteiner.
+
+ =Wachtmeister.=
+
+ Zum Exempel, da hack mir einer
+ Von den fünf Fingern, die ich hab',
+ Hier an der Rechten den kleinen ab.
+ Habt ihr mir den Finger bloß genommen?
+ Nein, beim Kuckuck, ich bin um die Hand gekommen!
+ 's ist nur ein Stumpf und nichts mehr wert.
+ Ja, und diese achttausend Pferd,
+ Die man nach Flandern jetzt begehrt,
+ Sind von der Armee nur der kleine Finger.
+ Läßt man sie ziehn, ihr tröstet euch,
+ Wir seien um ein Fünftel nur geringer?
+ Pros't Mahlzeit! da fällt das Ganze gleich.
+ Die Furcht ist weg, der Respekt, die Scheu,
+ Da schwillt dem Bauer der Kamm aufs neu,
+ Da schreiben sie uns in der Wiener Kanzlei
+ Den Quartier- und den Küchenzettel,
+ Und es ist wieder der alte Bettel.
+ Ja, und wie lang wird's stehen an,
+ So nehmen sie uns auch noch den Feldhauptmann --
+ Sie sind ihm am Hofe so nicht grün,
+ Nun, da fällt eben alles hin!
+ Wer hilft uns dann wohl zu unserm Geld?
+ Sorgt, daß man uns die Kontrakte hält?
+ Wer hat den Nachdruck und hat den Verstand,
+ Den schnellen Witz und die feste Hand,
+ Diese gestückelten Heeresmassen
+ Zusammen zu fügen und zu passen?
+ Zum Exempel -- Dragoner -- sprich:
+ Aus welchem Vaterland schreibst du dich?
+
+ =Erster Dragoner.=
+
+ Weit aus Hibernien her komm' ich.
+
+ =Wachtmeister= (zu den beiden Kürassieren).
+
+ Ihr, das weiß ich, seid ein Wallon;
+ Ihr ein Welscher. Man hört's am Ton.
+
+ =Erster Kürassier.=
+
+ Wer ich bin? ich hab's nie können erfahren:
+ Sie stahlen mich schon in jungen Jahren.
+
+ =Wachtmeister.=
+
+ Und du bist auch nicht aus der Näh?
+
+ =Erster Arkebusier.=
+
+ Ich bin von Buchau am Federsee.
+
+ =Wachtmeister.=
+
+ Und Ihr, Nachbar?
+
+ =Zweiter Arkebusier.=
+
+ Aus der Schwitz.
+
+ =Wachtmeister= (zum zweiten Jäger).
+
+ Was für ein Landsmann bist du, Jäger?
+
+ =Zweiter Jäger.=
+
+ Hinter Wismar ist meiner Eltern Sitz.
+
+ =Wachtmeister= (auf den Trompeter zeigend).
+
+ Und der da und ich, wir sind aus Eger.
+ Nun! und wer merkt uns das nun an,
+ Daß wir aus Süden und aus Norden
+ Zusammen geschneit und geblasen worden?
+ Sehn wir nicht aus, wie aus _einem_ Span?
+ Stehn wir nicht gegen den Feind geschlossen,
+ Recht wie zusammen geleimt und gegossen?
+ Greifen wir nicht, wie ein Mühlwerk, flink
+ Ineinander auf Wort und Wink?
+ Wer hat uns so zusammen geschmiedet,
+ Daß ihr uns nimmer unterschiedet?
+ Kein andrer sonst als der Wallenstein!
+
+ =Erster Jäger.=
+
+ Das fiel mir mein Lebtag nimmer ein,
+ Daß wir so gut zusammen passen;
+ Hab' mich immer nur gehen lassen.
+
+ =Erster Kürassier.=
+
+ Dem Wachtmeister muß ich Beifall geben.
+ Dem Kriegsstand kämen sie gern ans Leben;
+ Den Soldaten wollen sie niederhalten,
+ Daß sie alleine können walten.
+ 's ist eine Verschwörung, ein Komplott.
+
+ =Marketenderin.=
+
+ Eine Verschwörung? Du lieber Gott!
+ Da können die Herren ja nicht mehr zahlen.
+
+ =Wachtmeister.=
+
+ Freilich! Es wird alles bankerott.
+ Viele von den Hauptleuten und Generalen
+ Stellten aus ihren eignen Kassen
+ Die Regimenter, wollten sich sehen lassen,
+ Täten sich angreifen über Vermögen,
+ Dachten, es bring' ihnen großen Segen.
+ Und die alle sind um ihr Geld,
+ Wenn das Haupt, wenn der Herzog fällt.
+
+ =Marketenderin.=
+
+ Ach, du mein Heiland! Das bringt mir Fluch!
+ Die halbe Armee steht in meinem Buch.
+ Der Graf Isolani, der böse Zahler,
+ Restiert mir allein noch zweihundert Taler.
+
+ =Erster Kürassier.=
+
+ Was ist da zu machen, Kameraden?
+ Es ist nur _eins_, was uns retten kann:
+ Verbunden können sie uns nichts schaden;
+ Wir stehen alle für _einen_ Mann.
+ Laßt sie schicken und ordenanzen,
+ Wir wollen uns fest in Böhmen pflanzen,
+ Wir geben nicht nach und marschieren nicht,
+ Der Soldat jetzt um seine Ehre ficht.
+
+ =Zweiter Jäger.=
+
+ Wir lassen uns nicht so im Land 'rum führen!
+ Sie sollen kommen und sollen's probieren!
+
+ =Erster Arkebusier.=
+
+ Liebe Herren, bedenkt's mit Fleiß,
+ 's ist des Kaisers Will' und Geheiß.
+
+ =Trompeter.=
+
+ Werden uns viel um den Kaiser scheren.
+
+ =Erster Arkebusier.=
+
+ Laß Er mich das nicht zweimal hören.
+
+ =Trompeter.=
+
+ 's ist aber doch so, wie ich gesagt.
+
+ =Erster Jäger.=
+
+ Ja, ja, ich hört's immer so erzählen,
+ Der Friedländer hab' hier allein zu befehlen.
+
+ =Wachtmeister.=
+
+ So ist's auch, das ist sein Beding und Pakt.
+ Absolute Gewalt hat er, müßt ihr wissen,
+ Krieg zu führen und Frieden zu schließen,
+ Geld und Gut kann er konfiszieren,
+ Kann henken lassen und pardonieren,
+ Offiziere kann er und Obersten machen,
+ Kurz, er hat alle die Ehrensachen.
+ Das hat er vom Kaiser eigenhändig.
+
+ =Erster Arkebusier.=
+
+ Der Herzog ist gewaltig und hochverständig;
+ Aber er bleibt doch, schlecht und recht,
+ Wie wir alle, des Kaisers Knecht.
+
+ =Wachtmeister.=
+
+ Nicht wie wir alle! Das wißt Ihr schlecht.
+ Er ist ein unmittelbarer und freier
+ Des Reiches Fürst, so gut wie der Bayer.
+ Sah ich's etwa nicht selbst mit an,
+ Als ich zu Brandeis die Wach' getan,
+ Wie ihm der Kaiser selbsten erlaubt,
+ Zu bedecken sein fürstlich Haupt?
+
+ =Erster Arkebusier.=
+
+ Das war für das Mecklenburger Land,
+ Das ihm der Kaiser versetzt als Pfand.
+
+ =Erster Jäger= (zum Wachtmeister).
+
+ Wie? In des Kaisers Gegenwart?
+ Das ist doch seltsam und sehr apart!
+
+ =Wachtmeister= (fährt in die Tasche).
+
+ Wollt ihr mein Wort nicht gelten lassen,
+ Sollt ihr's mit Händen greifen und fassen. (Eine Münze zeigend.)
+ Wes ist das Bild und Gepräg?
+
+ =Marketenderin.=
+
+ Weist her!
+ Ei, das ist ja ein Wallensteiner!
+
+ =Wachtmeister.=
+
+ Na, da habt ihr's, was wollt ihr mehr?
+ Ist er nicht Fürst so gut als einer?
+ Schlägt er nicht Geld, wie der Ferdinand?
+ Hat er nicht eigenes Volk und Land?
+ Eine Durchlauchtigkeit läßt er sich nennen!
+ Drum muß er Soldaten halten können.
+
+ =Erster Arkebusier.=
+
+ Das disputiert ihm niemand nicht.
+ Wir aber stehn in des Kaisers Pflicht,
+ Und wer uns bezahlt, das ist der Kaiser.
+
+ =Trompeter.=
+
+ Das leugn' ich Ihm, sieht Er, ins Angesicht.
+ Wer uns _nicht_ zahlt, _das_ ist der Kaiser!
+ Hat man uns nicht seit vierzig Wochen
+ Die Löhnung immer umsonst versprochen?
+
+ =Erster Arkebusier.=
+
+ Ei was! Das steht ja in guten Händen.
+
+ =Erster Kürassier.=
+
+ Fried', ihr Herrn! Wollt ihr mit Schlägen enden?
+ Ist denn darüber Zank und Zwist,
+ Ob der Kaiser unser Gebieter ist?
+ Eben drum, weil wir gern in Ehren
+ Seine tüchtigen Reiter wären,
+ Wollen wir nicht seine Herde sein,
+ Wollen uns nicht von den Pfaffen und Schranzen
+ Herum lassen führen und verpflanzen.
+ Sagt selber! Kommt's nicht dem Herrn zu gut,
+ Wenn sein Kriegsvolk was auf sich halten tut?
+ Wer anders macht ihn, als seine Soldaten,
+ Zu dem großmächtigen Potentaten?
+ Verschafft und bewahrt ihm weit und breit
+ Das große Wort in der Christenheit?
+ Mögen sich die sein Joch aufladen,
+ Die mitessen von seinen Gnaden,
+ Die mit ihm tafeln im goldnen Zimmer.
+ Wir, wir haben von seinem Glanz und Schimmer
+ Nichts als die Müh' und als die Schmerzen,
+ Und wofür wir uns halten in unserm Herzen.
+
+ =Zweiter Jäger.=
+
+ Alle großen Tyrannen und Kaiser
+ Hielten's so und waren viel weiser.
+ Alles andre täten sie hudeln und schänden,
+ Den Soldaten trugen sie auf den Händen.
+
+ =Erster Kürassier.=
+
+ Der Soldat muß sich können fühlen.
+ Wer's nicht edel und nobel treibt,
+ Lieber weit von dem Handwerk bleibt.
+ Soll ich frisch um mein Leben spielen,
+ Muß mir noch etwas gelten mehr.
+ Oder ich lasse mich eben schlachten
+ Wie der Kroat -- und muß mich verachten.
+
+ =Beide Jäger.=
+
+ Ja, übers Leben noch geht die Ehr!
+
+ =Erster Kürassier.=
+
+ Das Schwert ist kein Spaten, kein Pflug,
+ Wer damit ackern wollte, wäre nicht klug.
+ Es grünt uns kein Halm, es wächst keine Saat,
+ Ohne Heimat muß der Soldat
+ Auf dem Erdboden flüchtig schwärmen,
+ Darf sich an eignem Herd nicht wärmen,
+ Er muß vorbei an der Städte Glanz,
+ An des Dörfleins lustigen, grünen Auen,
+ Die Traubenlese, den Erntekranz
+ Muß er wandernd von ferne schauen.
+ Sagt mir, was hat er an Gut und Wert,
+ Wenn der Soldat sich nicht selber ehrt?
+ Etwas muß er sein eigen nennen,
+ Oder der Mensch wird morden und brennen.
+
+ =Erster Arkebusier.=
+
+ Das weiß Gott, 's ist ein elend Leben!
+
+ =Erster Kürassier.=
+
+ Möcht's doch nicht für ein andres geben.
+ Seht, ich bin weit in der Welt 'rum kommen,
+ Hab' alles in Erfahrung genommen.
+ Hab' der hispanischen Monarchie
+ Gedient und der Republik Venedig
+ Und dem Königreich Napoli;
+ Aber das Glück war mir nirgends gnädig.
+ Hab' den Kaufmann gesehn und den Ritter
+ Und den Handwerksmann und den Jesuiter,
+ Und kein Rock hat mir unter allen
+ Wie mein eisernes Wams gefallen.
+
+ =Erster Arkebusier.=
+
+ Ne! das kann ich eben nicht sagen.
+
+ =Erster Kürassier.=
+
+ Will einer in der Welt was erjagen,
+ Mag er sich rühren und mag sich plagen;
+ Will er zu hohen Ehren und Würden,
+ Bück' er sich unter die goldnen Bürden;
+ Will er genießen den Vatersegen,
+ Kinder und Enkelein um sich pflegen,
+ Treib' er ein ehrlich Gewerb' in Ruh.
+ Ich -- ich hab' kein Gemüt dazu.
+ Frei will ich leben und also sterben,
+ Niemand berauben und niemand beerben
+ Und auf das Gehudel unter mir
+ Leicht wegschauen von meinem Tier.
+
+ =Erster Jäger.=
+
+ Bravo! Just so ergeht es mir.
+
+ =Erster Arkebusier.=
+
+ Lustiger freilich mag sich's haben,
+ Über anderer Köpf' wegtraben.
+
+ =Erster Kürassier.=
+
+ Kamerad, die Zeiten sind schwer,
+ Das Schwert ist nicht bei der Wage mehr;
+ Aber so mag mir's keiner verdenken,
+ Daß ich mich lieber zum Schwert will lenken.
+ Kann ich im Krieg mich doch menschlich fassen,
+ Aber nicht auf mir trommeln lassen.
+
+ =Erster Arkebusier.=
+
+ Wer ist dran schuld, als wir Soldaten,
+ Daß der Nährstand in Schimpf geraten?
+ Der leidige Krieg und die Not und Plag'
+ In die sechzehn Jahr' schon währen mag.
+
+ =Erster Kürassier.=
+
+ Bruder, den lieben Gott da droben,
+ Es können ihn alle zugleich nicht loben.
+ Einer will die Sonn', die den andern beschwert;
+ Dieser will's trocken, was jener feucht begehrt.
+ Wo _du_ nur die Not siehst und die Plag',
+ Da scheint mir des Lebens heller Tag.
+ Geht's auf Kosten des Bürgers und Bauern,
+ Nun, wahrhaftig, sie werden mich dauern;
+ Aber ich kann's nicht ändern -- seht,
+ 's ist hier just, wie's beim Einhau'n geht:
+ Die Pferde schnauben und setzen an,
+ Liege, wer will, mitten in der Bahn,
+ Sei's mein Bruder, mein leiblicher Sohn,
+ Zerriss' mir die Seele sein Jammerton,
+ Über seinen Leib weg muß ich jagen,
+ Kann ihn nicht sachte beiseite tragen.
+
+ =Erster Jäger.=
+
+ Ei, wer wird nach dem andern fragen!
+
+ =Erster Kürassier.=
+
+ Und weil sich's nun einmal so gemacht,
+ Daß das Glück dem Soldaten lacht,
+ Laßt's uns mit beiden Händen fassen,
+ Lang werden sie's uns nicht so treiben lassen.
+ Der Friede wird kommen über Nacht,
+ Der dem Wesen ein Ende macht;
+ Der Soldat zäumt ab, der Bauer spannt ein,
+ Eh man's denkt, wird's wieder das alte sein.
+ Jetzt sind wir noch beisammen im Land,
+ Wir haben's Heft noch in der Hand.
+ Lassen wir uns auseinander sprengen,
+ Werden sie uns den Brotkorb höher hängen.
+
+ =Erster Jäger.=
+
+ Nein, das darf nimmermehr geschehn!
+ Kommt, laßt uns alle für _einen_ stehn!
+
+ =Zweiter Jäger.=
+
+ Ja, laßt uns Abrede nehmen, hört!
+
+ =Erster Arkebusier= (ein ledernes Beutelchen ziehend, zur
+ Marketenderin).
+
+ Gevatterin, was hab' ich verzehrt?
+
+ =Marketenderin.=
+
+ Ach, es ist nicht der Rede wert! (Sie rechnen.)
+
+ =Trompeter.=
+
+ Ihr tut wohl, daß ihr weiter geht,
+ Verderbt uns doch nur die Sozietät.
+
+(Arkebusiere gehen ab.)
+
+ =Erster Kürassier.=
+
+ Schad' um die Leut! Sind sonst wackre Brüder.
+
+ =Erster Jäger.=
+
+ Aber das denkt wie ein Seifensieder.
+
+ =Zweiter Jäger.=
+
+ Jetzt sind wir unter uns, laßt hören,
+ Wie wir den neuen Anschlag stören.
+
+ =Trompeter.=
+
+ Was? wir gehen eben nicht hin.
+
+ =Erster Kürassier.=
+
+ Nichts, ihr Herrn, gegen die Disziplin!
+ Jeder geht jetzt zu seinem Korps,
+ Trägt's den Kameraden vernünftig vor,
+ Daß sie's begreifen und einsehn lernen:
+ Wir dürfen uns nicht so weit entfernen.
+ Für meine Wallonen sag' ich gut.
+ So, wie ich, jeder denken tut.
+
+ =Wachtmeister.=
+
+ Terzkas Regimenter zu Roß und Fuß
+ Stimmen alle in diesen Schluß.
+
+ =Zweiter Kürassier= (stellt sich zum ersten).
+
+ Der Lombard sich nicht vom Wallonen trennt.
+
+ =Erster Jäger.=
+
+ Freiheit ist Jägers Element.
+
+ =Zweiter Jäger.=
+
+ Freiheit ist bei der Macht allein:
+ Ich leb' und sterb' bei dem Wallenstein.
+
+ =Erster Scharfschütz.=
+
+ Der Lothringer geht mit der großen Flut,
+ Wo der leichte Sinn ist und lustiger Mut.
+
+ =Dragoner.=
+
+ Der Irländer folgt des Glückes Stern.
+
+ =Zweiter Scharfschütz.=
+
+ Der Tiroler dient nur dem Landesherrn.
+
+ =Erster Kürassier.=
+
+ Also laßt jedes Regiment
+ Ein Promemoria reinlich schreiben:
+ Daß wir zusammen wollen bleiben,
+ Daß uns keine Gewalt noch List
+ Von dem Friedländer weg soll treiben,
+ Der ein Soldatenvater ist.
+ Das reicht man in tiefer Devotion
+ Dem Piccolomini -- ich meine den Sohn --
+ Der versteht sich auf solche Sachen,
+ Kann bei dem Friedländer alles machen,
+ Hat auch einen großen Stein im Bret
+ Bei des Kaisers und Königs Majestät.
+
+ =Zweiter Jäger.=
+
+ Kommt! Dabei bleibt's! Schlagt alle ein!
+ Piccolomini soll unser Sprecher sein.
+
+ =Trompeter.= =Dragoner.= =Erster Jäger.= =Zweiter Kürassier.=
+ =Scharfschützen= (zugleich).
+
+ Piccolomini soll unser Sprecher sein. (Wollen fort.)
+
+ =Wachtmeister.=
+
+ Erst noch ein Gläschen, Kameraden! (Trinkt.)
+ Des Piccolomini hohe Gnaden!
+
+ =Marketenderin= (bringt eine Flasche).
+
+ Das kommt nicht aufs Kerbholz. Ich geb' es gern.
+ Gute Verrichtung, meine Herrn!
+
+ =Kürassiere.=
+
+ Der Wehrstand soll leben!
+
+ =Beide Jäger.=
+
+ Der Nährstand soll geben!
+
+ =Dragoner= und =Scharfschützen=.
+
+ Die Armee soll florieren!
+
+ =Trompeter= und =Wachtmeister=.
+
+ Und der Friedländer soll sie regieren!
+
+ =Zweiter Kürassier= (singt).
+
+ Wohl auf, Kameraden, aufs Pferd, aufs Pferd!
+ Ins Feld, in die Freiheit gezogen.
+ Im Felde, da ist der Mann noch was wert,
+ Da wird das Herz noch gewogen.
+ Da tritt kein anderer für ihn ein,
+ Auf sich selber steht er da ganz allein.
+
+(Die Soldaten aus dem Hintergrunde haben sich während des Gesangs
+herbeigezogen und machen den Chor.)
+
+ =Chor.=
+
+ Da tritt kein anderer für ihn ein,
+ Auf sich selber steht er da ganz allein.
+
+ =Dragoner.=
+
+ Aus der Welt die Freiheit verschwunden ist,
+ Man sieht nur Herren und Knechte;
+ Die Falschheit herrschet, die Hinterlist
+ Bei dem feigen Menschengeschlechte.
+ Der dem Tod ins Angesicht schauen kann,
+ Der Soldat allein ist der freie Mann.
+
+ =Chor.=
+
+ Der dem Tod ins Angesicht schauen kann,
+ Der Soldat allein ist der freie Mann.
+
+ =Erster Jäger.=
+
+ Des Lebens Ängsten, er wirft sie weg,
+ Hat nicht mehr zu fürchten, zu sorgen;
+ Er reitet dem Schicksal entgegen keck;
+ Trifft's heute nicht, trifft es doch morgen.
+ Und trifft es morgen, so lasset uns heut
+ Noch schlürfen die Neige der köstlichen Zeit.
+
+ =Chor.=
+
+ Und trifft es morgen, so lasset uns heut
+ Noch schlürfen die Neige der köstlichen Zeit.
+
+(Die Gläser sind aufs neue gefüllt worden, sie stoßen an und trinken.)
+
+ =Wachtmeister.=
+
+ Von dem Himmel fällt ihm sein lustig Los,
+ Braucht's nicht mit Müh' zu erstreben;
+ Der Fröner, der sucht in der Erde Schoß,
+ Da meint er den Schatz zu erheben.
+ Er gräbt und schaufelt, so lang er lebt,
+ Und gräbt, bis er endlich sein Grab sich gräbt.
+
+ =Chor.=
+
+ Er gräbt und schaufelt, so lang er lebt,
+ Und gräbt, bis er endlich sein Grab sich gräbt.
+
+ =Erster Jäger.=
+
+ Der Reiter und sein geschwindes Roß,
+ Sie sind gefürchtete Gäste;
+ Es flimmern die Lampen im Hochzeitschloß,
+ Ungeladen kommt er zum Feste.
+ Er wirbt nicht lange, er zeiget nicht Gold,
+ Im Sturm erringt er den Minnesold.
+
+ =Chor.=
+
+ Er wirbt nicht lange, er zeiget nicht Gold,
+ Im Sturm erringt er den Minnesold.
+
+ =Zweiter Kürassier.=
+
+ Warum weint die Dirn und zergrämet sich schier?
+ Laß fahren dahin, laß fahren!
+ Er hat auf Erden kein bleibend Quartier,
+ Kann treue Lieb nicht bewahren.
+ Das rasche Schicksal, es treibt ihn fort,
+ Seine Ruhe läßt er an keinem Ort.
+
+ =Chor.=
+
+ Das rasche Schicksal, es treibt ihn fort,
+ Seine Ruhe läßt er an keinem Ort.
+
+ =Erster Jäger= (faßt die zwei Nächsten an der Hand; die übrigen ahmen
+ es nach, alle, welche gesprochen, bilden einen großen Halbkreis).
+
+ Drum frisch, Kameraden, den Rappen gezäumt,
+ Die Brust im Gefechte gelüftet!
+ Die Jugend brauset, das Leben schäumt,
+ Frisch auf! eh der Geist noch verdüftet.
+ Und setzet ihr nicht das Leben ein,
+ Nie wird euch das Leben gewonnen sein.
+
+ =Chor.=
+
+ Und setzet ihr nicht das Leben ein,
+ Nie wird euch das Leben gewonnen sein(1).
+
+(Der Vorhang fällt, ehe der Chor ganz ausgesungen.)
+
+ (1) In einer Separatausgabe des Reiterlieds aus dem Jahre 1807
+ und im Taschenbuch für Damen findet sich noch folgende weitere,
+ unzweifelhaft von Schiller herrührende Strophe:
+
+ Auf des Degens Spitze die Welt jetzt liegt,
+ Drum froh, wer den Degen jetzt führet,
+ Und bleibt nur wacker zusammengefügt,
+ Ihr zwingt das Glück und regieret.
+ Es sitzt keine Krone so fest, so hoch,
+ Der mutige Springer erreicht sie doch.
+
+ =_Chor._=
+
+ Es sitzt keine Krone so fest, so hoch,
+ Der mutige Springer erreicht sie doch.
+
+
+
+
+ [ Im folgenden werden alle geänderten Textzeilen angeführt, wobei
+ jeweils zuerst die Zeile wie im Original, danach die geänderte Zeile
+ steht.
+
+ _Vorige. Zwei Jäger._ Dann _Marketenderin_. _Soldatenjungen_
+ _Vorige. Zwei Jäger._ Dann _Marketenderin_. _Soldatenjungen._
+
+ Wir ebenso gut seinen Namen führen
+ Wir ebenso gut seinen Namen führen.
+
+ Wieder ein Gebot ist: Du sollt nicht stehlen.
+ Wieder ein Gebot ist: Du sollst nicht stehlen.
+
+ ]
+
+
+
+
+
+
+End of Project Gutenberg's Wallensteins Lager, by Friedrich von Schiller
+
+*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK WALLENSTEINS LAGER ***
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@@ -0,0 +1,2973 @@
+The Project Gutenberg EBook of Wallensteins Lager, by Friedrich von Schiller
+
+This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
+almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or
+re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
+with this eBook or online at www.gutenberg.org
+
+
+Title: Wallensteins Lager
+
+Author: Friedrich von Schiller
+
+Contributor: Karl Goedeke
+
+Posting Date: March 20, 2011 [EBook #6518]
+Release Date: September, 2004
+First Posted: December 25, 2002
+
+Language: German
+
+Character set encoding: ISO-8859-1
+
+*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK WALLENSTEINS LAGER ***
+
+
+
+
+Produced by Jana Srna, Norbert H. Langkau and the Online
+Distributed Proofreading Team at https://www.pgdp.net
+
+
+
+
+
+
+ [ Anmerkungen zur Transkription:
+
+ Der auf der Titelseite angeführte zweite Teil, »Die Piccolomini«,
+ ist in diesem e-book nicht enthalten.
+
+ Schreibweise und Interpunktion des Originaltextes wurden übernommen;
+ lediglich offensichtliche Druckfehler wurden korrigiert. Eine Liste
+ der vorgenommenen Änderungen findet sich am Ende des Textes.
+
+ Im Original fett gedruckter Text wurde mit = markiert.
+ Im Original gesperrt gedruckter Text wurde mit _ markiert.
+ Im Original in Antiqua gedruckter Text wurde mit ~ markiert.
+ ]
+
+
+
+
+ Cotta'sche Handbibliothek
+
+
+
+
+ Wallenstein
+
+
+ Ein dramatisches Gedicht
+ von
+ Friedrich von Schiller
+
+
+ Mit einer Einleitung von _Karl Goedeke_
+
+
+ Erster Teil
+
+ Wallensteins Lager -- Die Piccolomini
+
+
+ Stuttgart und Berlin
+ J. G. Cotta'sche Buchhandlung Nachfolger
+
+ A. g. XIII.
+
+
+
+
+Einleitung.
+
+
+Länger noch als am Don Carlos arbeitete Schiller am Wallenstein. Mitten
+in der Ausarbeitung seiner Geschichte des Dreißigjährigen Krieges für
+den Damenkalender, schon im Mai 1792, regte sich die Lust, diesen Stoff
+dramatisch zu behandeln. Doch erst im März des Jahres 1794 begann er,
+damals mit seiner Familie in Stuttgart lebend, einen Plan auszuarbeiten,
+der jedoch nach seiner Rückkehr nach Jena liegen blieb und nach Verlauf
+von vollen zwei Jahren noch nicht zur Ausführung gediehen war. Am 22.
+Oktober 1796 begann er die Arbeit mit Eifer und widmete ihr bis zum 17.
+März 1799, die Unterbrechungen abgerechnet, volle zwanzig Monate.
+
+Der Stoff war überaus spröde und hatte beinahe alles, was ihn von
+dramatischer und tragischer Behandlung ausschließen sollte, da es im
+Grunde eine Staatsaktion war, die in Rücksicht auf den poetischen
+Gebrauch alle jene Unarten besaß, die eine politische Handlung nur haben
+konnte: ein unsichtbares abstraktes Objekt, kleine und viele Mittel,
+zerstreute Handlungen, einen furchtsamen Schritt, eine für den Vorteil
+des Poeten viel zu kalte trockene Zweckmäßigkeit, ohne doch diese zur
+Vollendung und dadurch zu einer poetischen Größe zu treiben; denn am
+Ende mißlang der Entwurf Wallensteins nur durch Ungeschicklichkeit. Die
+Basis, auf die Wallenstein seine Unternehmungen gründete, war die Armee,
+mithin für den Dichter eine unendliche Fläche, die er nicht vor das Auge
+und nur mit Aufwand großer Kraft vor die Phantasie bringen konnte; er
+konnte also das Objekt, auf dem Wallenstein ruhte, nicht zeigen und
+ebensowenig das, wodurch er fiel: die Stimmung der Armee, den Hof, den
+Kaiser. Auch die Leidenschaften selbst, durch die er bewegt wurde,
+Rachsucht und Ehrbegierde, waren von der kältesten Gattung. Sein
+Charakter endlich war niemals edel und durfte es nie sein, und durchaus
+konnte er nur furchtbar, nie eigentlich groß erscheinen; um ihn nicht zu
+erdrücken, durfte ihm nichts Großes gegenüber gestellt werden; dadurch
+wurde der Dichter notwendig niedergehalten, dem somit fast alles
+abgeschnitten erschien, wodurch er dem Stoffe nach seiner gewohnten Art
+hätte beikommen können; von dem Inhalte hatte er fast nichts zu
+erwarten. Alles mußte durch eine glückliche Form bewerkstelligt werden,
+und nur durch eine kunstreiche Führung der Handlung war der Stoff zu
+einer schönen Tragödie zu erheben. Aber gerade ein solcher Stoff mußte
+es, wie Schiller selbst am lebhaftesten erkannte, sein, an dem er sein
+neues dramatisches Leben eröffnen und neue Haltung gewinnen konnte. Auch
+behandelte er sein Geschäft nun ganz anders, als er ehemals gepflegt
+hatte; es gelang ihm ganz gut, seinen Stoff außer sich zu halten und nur
+den Gegenstand zu geben; er hatte nie eine solche Kälte für diesen mit
+einer solchen Wärme für die Arbeit in sich vereinigt. Den Hauptcharakter
+sowohl als die meisten Nebencharaktere behandelte er mit der reinen
+Liebe des Künstlers, und nur an Max und Thekla, die nächsten nach
+Wallenstein, fühlte er sich durch eigene Zuneigung gefesselt. Aber die
+Ausarbeitung der ihnen gewidmeten Szenen sparte er sich auf, bis er der
+übrigen Staatsaktion, von der sie sich ihrer frei menschlichen Natur
+nach völlig trennten, ja dem geschäftigen Wesen derselben dem Geiste
+nach entgegengesetzt erschienen, die ihm mögliche feste Gestalt gegeben.
+Was er dann am meisten zu fürchten hatte, war, daß das überwiegende
+menschliche Interesse dieser großen Episode an der schon feststehenden
+ausgeführten Handlung leicht etwas verrücken möchte, da, wie er meinte,
+ihrer Natur nach ihr die Herrschaft gebühre, und je mehr ihm die
+Ausführung derselben gelingen sollte, die übrige Handlung dabei desto
+mehr ins Gedränge zu kommen Gefahr lief. Denn es war ihm weit schwerer,
+ein Interesse für das Gefühl als für den Verstand aufzugeben. Er suchte
+nun sich aller Motive, die im ganzen Umkreise seines Stücks für diese
+Episode und in ihr selbst lagen, zu bemächtigen und so, wenn auch
+langsam, die rechte Stimmung in sich reifen zu lassen. Aus dieser Art
+der Arbeit, zwei grundverschiedene Richtungen, die Politik und die
+Liebe, in getrennten Charakteren zu verschiedenen Zeitpunkten zu
+behandeln und diese sich fast feindlichen Bestandteile zu einem einzigen
+Ganzen zu vereinigen, erklärt es sich, wie weder die eine noch die
+andere zur entschiedenen Herrschaft gelangen konnte und beide sich
+gegenseitig mehr zu verdrängen und auszuschließen, als mit vereinter
+Kraft eine reine Gesamtwirkung in der Seele des Beschauers
+hervorzubringen fähig erscheinen. Denen, die von der strengen Realistik
+der Staatsaktion, wie sie der Dichter nennt, verstandesmäßig befriedigt
+sind, wird die Gefühlswelt der großen Episode allzu idealistisch-körperlos
+erscheinen, denen, deren Herz, von der lyrischen Gewalt
+der Darstellung bezwungen, für Max und Thekla schlägt, wird das
+lebenswahre Abbild der Geschichte allenfalls trocken und nüchtern
+vorkommen, und nur wenigen Lesern und Hörern mochte der Einklang beider
+Welten, wie er in der Seele des Dichters sich gestaltet hatte,
+wahrnehmbar werden, der Prozeß seiner Entwickelung, wo die bisherige
+lyrische Subjektivität von der objektiven Welt gleichsam aufgesogen
+wurde. Von hier an war Schiller entschieden, nur historische Stoffe zu
+wählen; frei erfundene, die ihn veranlassen mußten, das Ideale zu
+realisieren, also seine Ideen zur Hauptsache zu machen, um die reale
+Welt darnach zu gestalten, erkannte er als eine Klippe seiner Kunst,
+während die Behandlung historisch gegebener Stoffe, bei der das
+Realistische zu idealisieren war, ihm gebot, eine gegebene bestimmte und
+beschränkte Materie zu beleben, zu erwärmen und gleichsam aufquellen zu
+machen, wobei die objektive Bestimmtheit eines solchen Stoffes zugleich
+seine Phantasie zügelte und seiner Willkür Widerstand leistete. Schiller
+hatte jedoch während der Schöpfung des Wallenstein noch eine andre zwar
+formelle, aber für den Dichter ungemein bedeutungsvolle Erkenntnis
+gewonnen. In kaum begreiflicher Weise hatte W. von Humboldt den Rat
+gegeben, den Wallenstein in Prosa zu schreiben, und Schiller, dem es
+hinsichtlich der Arbeit wenig Unterschied machte, ob er in Jamben oder
+Prosa schrieb, wählte, obwohl er einsah, daß der Vers mehr poetische
+Würde verleihen müsse, anfänglich der größern Ungezwungenheit wegen und
+um das Stück für die theatralische Vorstellung bequemer zu machen, die
+letztere. Alles, was bis in die Mitte des Jahres 1797 ausgearbeitet war,
+hatte er in Prosa geschrieben, und als er sich im November 1797 dennoch
+für den Vers entschied und alles bis dahin Geschaffene umarbeiten mußte,
+begriff er kaum, wie er es je habe anders wollen können, da es unmöglich
+sei, ein _Gedicht_ in _Prosa_ zu schreiben. Von nun an, seitdem er seine
+prosaische Sprache in eine poetische-rhythmische verwandelte, befand er
+sich unter einer ganz andern Gerichtsbarkeit als vorher; selbst viele
+Motive, die in der prosaischen Ausführung recht gut am Platz zu stehen
+schienen, konnte er jetzt nicht mehr gebrauchen; sie waren bloß für den
+gewöhnlichen Hausverstand, dessen Organ die Prosa ist; aber der Vers
+forderte schlechterdings Beziehungen auf die Einbildungskraft, und so
+mußte der Dichter auch in mehreren seiner Motive poetischer werden, da
+das Platte nirgends so ins Licht kommt, als wenn es in gebundener
+Schreibart ausgesprochen wird. Der Rhythmus leistete, wie er erkannte,
+bei einer dramatischen Produktion auch noch das Große und Bedeutende,
+daß er, indem er alle Charaktere und alle Situationen nach _einem_
+Gesetz behandelte und sie, trotz ihres inneren Unterschiedes, nach
+_einer_ Form ausführte, dadurch den Dichter und seinen Leser nötigte,
+von allem noch so Charakteristisch-Verschiedenen etwas Allgemeines,
+Rein-Menschliches zu verlangen. Bei der Bearbeitung in Versen stellte
+sich indessen wiederum eine neue Gefahr heraus, die des übermäßigen
+Anschwellens, da die Jamben, obgleich sie den Ausdruck verkürzten, eine
+poetische Gemütlichkeit unterhielten, die ins Breite trieb. So kam es,
+daß die Arbeit, die beim Beginn im strengen Sinne für die theatralische
+Vorstellung bestimmt war, beim Abschluß über die Grenzen hinausgewachsen
+erschien und zum Zwecke der Aufführung in Teile zerlegt werden mußte,
+wobei sich wiederum mannigfache nachträgliche, wenn auch nicht
+tiefgreifende Umänderungen als nötig ergaben. Goethe, der sich bis dahin
+durch Wohlwollen und Teilnahme förderlich erwiesen, aber durchaus, was
+früher wohl behauptet ist, einen mitarbeitenden oder sich auf einzelnes
+erstreckenden Anteil am Wallenstein nicht genommen hatte, wünschte für
+die Eröffnung des neuen Theatersaales den ersten Akt, den damals das
+»Lager« bildete, als eine selbständige Arbeit aufgeführt zu sehen und
+gab, als Schiller bereitwillig darauf einging, nun ein Soldatenlied, dem
+Schiller noch ein paar Strophen einfügte, dazu her, so wie er auch durch
+Mitteilung eines Buches von Abraham a Santa Clara Veranlassung bot, daß
+Schiller die Kapuzinerpredigt hinzudichtete. Mit einem rasch entworfenen
+Prolog, der jetzt die dramatische Dichtung eröffnet, wurden die
+»Wallensteiner«, wie das »Lager« damals hieß, am 12. Oktober 1798 zuerst
+gegeben. Über die Bedeutung des Vorspiels für das Ganze der Dichtung und
+über diese selbst sind in den vorstehenden Mitteilungen und in dem
+»Prologe« ausreichende Fingerzeige enthalten, die deshalb hier keiner
+weiteren Ausdeutung und Erklärung bedürfen. Nach Abscheidung des
+Vorspiels, reifer Überlegung und vielen Konferenzen mit Goethe wurde die
+übrige Dichtung nun in zwei Stücke getrennt, von denen das erste, die
+Piccolomini, deren Verhältnis für und gegen Wallenstein es behandelt,
+die Exposition der Handlung in ihrer ganzen Breite enthält und gerade da
+endigt, wo der Knoten geknüpft ist. Dieser Teil wurde zuerst am 30.
+Januar 1799, zum Geburtstage der Herzogin Luise, in Weimar vorgestellt.
+Das andre Stück, Wallensteins Tod, die eigentliche Tragödie, erschien,
+nachdem die Piccolomini am 17. April wiederholt waren, am 20. April 1799
+zuerst auf der weimarischen Bühne und am 17. Mai auf der Berliner. Im
+Juni des folgenden Jahres erschien Wallenstein bei Cotta im Druck, und
+die 3500 Exemplare der Auflage waren im September bereits vergriffen.
+
+=K. Goedeke.=
+
+
+
+
+Wallensteins Lager.
+
+
+
+
+Personen.
+
+
+ _Wachtmeister_, }
+ _Trompeter_, } von einem Terzkyschen Karabinier-Regiment.
+ _Konstabler_.
+ _Scharfschützen._
+ _Zwei Holkische reitende Jäger._
+ _Buttlerische Dragoner._
+ _Arkebusiere_ vom Regiment Tiefenbach.
+ _Kürassier_ von einem wallonischen }
+ _Kürassier_ von einem lombardischen } Regiment.
+ _Kroaten._
+ _Ulanen._
+ _Rekrut._
+ _Bürger._
+ _Bauer._
+ _Bauerknabe._
+ _Kapuziner._
+ _Soldatenschulmeister._
+ _Marketenderin._
+ _Eine Aufwärterin._
+ _Soldatenjungen._
+ _Hoboisten._
+
+Vor der Stadt Pilsen in Böhmen.
+
+
+
+
+Prolog.
+
+Gesprochen bei Wiedereröffnung der Schaubühne in Weimar im Oktober 1798.
+
+
+ Der scherzenden, der ernsten Maske Spiel,
+ Dem ihr so oft ein willig Ohr und Auge
+ Geliehn, die weiche Seele hingegeben,
+ Vereinigt uns aufs neu in diesem Saal --
+ Und sieh! er hat sich neu verjüngt, ihn hat
+ Die Kunst zum heitern Tempel ausgeschmückt,
+ Und ein harmonisch hoher Geist spricht uns
+ Aus dieser edeln Säulenordnung an
+ Und regt den Sinn zu festlichen Gefühlen.
+
+ Und doch ist dies der alte Schauplatz noch,
+ Die Wiege mancher jugendlichen Kräfte,
+ Die Laufbahn manches wachsenden Talents.
+ Wir sind die Alten noch, die sich vor euch
+ Mit warmem Trieb und Eifer ausgebildet.
+ Ein edler Meister stand auf diesem Platz,
+ Euch in die heitern Höhen seiner Kunst
+ Durch seinen Schöpfergenius entzückend.
+ O! möge dieses Raumes neue Würde
+ Die Würdigsten in unsre Mitte ziehn
+ Und eine Hoffnung, die wir lang gehegt,
+ Sich uns in glänzender Erfüllung zeigen.
+ Ein großes Muster weckt Nacheiferung
+ Und gibt dem Urteil höhere Gesetze.
+ So stehe dieser Kreis, die neue Bühne
+ Als Zeugen des vollendeten Talents.
+ Wo möcht' es auch die Kräfte lieber prüfen,
+ Den alten Ruhm erfrischen und verjüngen,
+ Als hier vor einem auserlesnen Kreis,
+ Der, rührbar jedem Zauberschlag der Kunst,
+ Mit leis beweglichem Gefühl den Geist
+ In seiner flüchtigsten Erscheinung hascht?
+
+ Denn schnell und spurlos geht des Mimen Kunst,
+ Die wunderbare, an dem Sinn vorüber,
+ Wenn das Gebild des Meißels, der Gesang
+ Des Dichters nach Jahrtausenden noch leben.
+ Hier stirbt der Zauber mit dem Künstler ab,
+ Und wie der Klang verhallet in dem Ohr,
+ Verrauscht des Augenblicks geschwinde Schöpfung,
+ Und ihren Ruhm bewahrt kein dauernd Werk.
+ Schwer ist _die_ Kunst, vergänglich ist ihr Preis,
+ Dem Mimen flicht die Nachwelt keine Kränze;
+ Drum muß er geizen mit der Gegenwart,
+ Den Augenblick, der sein ist, ganz erfüllen,
+ Muß seiner Mitwelt mächtig sich versichern
+ Und im Gefühl der Würdigsten und Besten
+ Ein lebend Denkmal sich erbaun -- So nimmt er
+ Sich seines Namens Ewigkeit voraus.
+ Denn wer den Besten seiner Zeit genug
+ Getan, der hat gelebt für alle Zeiten.
+
+ Die neue Ära, die der Kunst Thaliens
+ Auf dieser Bühne heut beginnt, macht auch
+ Den Dichter kühn, die alte Bahn verlassend,
+ Euch aus des Bürgerlebens engem Kreis
+ Auf einen höhern Schauplatz zu versetzen,
+ Nicht unwert des erhabenen Moments
+ Der Zeit, in dem wir strebend uns bewegen.
+ Denn nur der große Gegenstand vermag
+ Den tiefen Grund der Menschheit aufzuregen;
+ Im engen Kreis verengert sich der Sinn,
+ Es wächst der Mensch mit seinen größern Zwecken.
+
+ Und jetzt an des Jahrhunderts ernstem Ende,
+ Wo selbst die Wirklichkeit zur Dichtung wird,
+ Wo wir den Kampf gewaltiger Naturen
+ Um ein bedeutend Ziel vor Augen sehn
+ Und um der Menschheit große Gegenstände,
+ Um Herrschaft und um Freiheit wird gerungen,
+ Jetzt darf die Kunst auf ihrer Schattenbühne
+ Auch höhern Flug versuchen, ja sie muß,
+ Soll nicht des Lebens Bühne sie beschämen.
+
+ Zerfallen sehen wir in diesen Tagen
+ Die alte feste Form, die einst vor hundert
+ Und fünfzig Jahren ein willkommner Friede
+ Europens Reichen gab, die teure Frucht
+ Von dreißig jammervollen Kriegesjahren.
+ Noch einmal laßt des Dichters Phantasie
+ Die düstre Zeit an euch vorüberführen,
+ Und blicket froher in die Gegenwart
+ Und in der Zukunft hoffnungsreiche Ferne.
+
+ In jenes Krieges Mitte stellt euch jetzt
+ Der Dichter. Sechzehn Jahre der Verwüstung,
+ Des Raubs, des Elends sind dahingeflohn,
+ In trüben Massen gäret noch die Welt,
+ Und keine Friedenshoffnung strahlt von fern.
+ Ein Tummelplatz von Waffen ist das Reich,
+ Verödet sind die Städte, Magdeburg
+ Ist Schutt, Gewerb und Kunstfleiß liegen nieder,
+ Der Bürger gilt nichts mehr, der Krieger alles,
+ Straflose Frechheit spricht den Sitten Hohn,
+ Und rohe Horden lagern sich, verwildert
+ Im langen Krieg, auf dem verheerten Boden.
+
+ Auf diesem finstern Zeitgrund malet sich
+ Ein Unternehmen kühnen Übermuts
+ Und ein verwegener Charakter ab.
+ Ihr kennet ihn -- den Schöpfer kühner Heere,
+ Des Lagers Abgott und der Länder Geißel,
+ Die Stütze und den Schrecken seines Kaisers,
+ Des Glückes abenteuerlichen Sohn,
+ Der, von der Zeiten Gunst emporgetragen,
+ Der Ehre höchste Staffeln rasch erstieg
+ Und, ungesättigt immer weiter strebend,
+ Der unbezähmten Ehrsucht Opfer fiel.
+ Von der Parteien Gunst und Haß verwirrt
+ Schwankt sein Charakterbild in der Geschichte;
+ Doch euren Augen soll ihn jetzt die Kunst,
+ Auch eurem Herzen menschlich näher bringen.
+ Denn jedes Äußerste führt _sie_, die alles
+ Begrenzt und bindet, zur Natur zurück,
+ Sie sieht den Menschen in des Lebens Drang
+ Und wälzt die größre Hälfte seiner Schuld
+ Den unglückseligen Gestirnen zu.
+
+ Nicht _er_ ist's, der auf dieser Bühne heut
+ Erscheinen wird. Doch in den kühnen Scharen,
+ Die sein Befehl gewaltig lenkt, sein Geist
+ Beseelt, wird euch sein Schattenbild begegnen,
+ Bis ihn die scheue Muse selbst vor euch
+ Zu stellen wagt in lebender Gestalt,
+ Denn seine Macht ist's, die sein Herz verführt,
+ Sein Lager nur erkläret sein Verbrechen.
+
+ Darum verzeiht dem Dichter, wenn er euch
+ Nicht raschen Schritts mit _einem_ Mal ans Ziel
+ Der Handlung reißt, den großen Gegenstand
+ In einer Reihe von Gemälden nur
+ Vor euren Augen abzurollen wagt.
+ Das heut'ge Spiel gewinne euer Ohr
+ Und euer Herz den ungewohnten Tönen;
+ In jenen Zeitraum führ' es euch zurück,
+ Auf jene fremde kriegerische Bühne,
+ Die unser Held mit seinen Taten bald
+ Erfüllen wird.
+ Und wenn die Muse heut,
+ Des Tanzes freie Göttin und Gesangs,
+ Ihr altes deutsches Recht, des Reimes Spiel,
+ Bescheiden wieder fordert -- tadelt's nicht!
+ Ja danket ihr's, daß sie das düstre Bild
+ Der Wahrheit in das heitre Reich der Kunst
+ Hinüberspielt, die Täuschung, die sie schafft,
+ Aufrichtig selbst zerstört und ihren Schein
+ Der Wahrheit nicht betrüglich unterschiebt;
+ Ernst ist das Leben, heiter ist die Kunst.
+
+
+
+
+1. Auftritt.
+
+
+Marketenderzelt, davor eine Kram- und Trödelbude. Soldaten von allen
+Farben und Feldzeichen drängen sich durcheinander, alle Tische sind
+besetzt. Kroaten und Ulanen an einem Kohlfeuer kochen, Marketenderin
+schenkt Wein, Soldatenjungen würfeln auf einer Trommel, im Zelt wird
+gesungen.
+
+_Ein Bauer_ und sein _Sohn_.
+
+ =Bauerknabe.=
+
+ Vater, es wird nicht gut ablaufen,
+ Bleiben wir von dem Soldatenhaufen.
+ Sind Euch gar trotzige Kameraden;
+ Wenn sie uns nur nichts am Leibe schaden.
+
+ =Bauer.=
+
+ Ei was! Sie werden uns ja nicht fressen,
+ Treiben sie's auch ein wenig vermessen.
+ Siehst du? sind neue Völker herein,
+ Kommen frisch von der Saal' und dem Main,
+ Bringen Beut' mit, die rarsten Sachen!
+ Unser ist's, wenn wir's nur listig machen.
+ Ein Hauptmann, den ein andrer erstach,
+ Ließ mir ein paar glückliche Würfel nach.
+ Die will ich heut einmal probieren,
+ Ob sie die alte Kraft noch führen.
+ Mußt dich nur recht erbärmlich stellen,
+ Sind dir gar lockere, leichte Gesellen.
+ Lassen sich gerne schön tun und loben,
+ So wie gewonnen, so ist's zerstoben.
+ Nehmen sie uns das Unsre in Scheffeln,
+ Müssen wir's wieder bekommen in Löffeln;
+ Schlagen sie grob mit dem Schwerte drein,
+ So sind wir pfiffig und treiben's fein.
+
+(Im Zelt wird gesungen und gejubelt.)
+
+ Wie sie juchzen -- daß Gott erbarm!
+ Alles das geht von des Bauern Felle.
+ Schon acht Monate legt sich der Schwarm
+ Uns in die Betten und in die Ställe,
+ Weit herum ist in der ganzen Aue
+ Keine Feder mehr, keine Klaue,
+ Daß wir für Hunger und Elend schier
+ Nagen müssen die eignen Knochen.
+ War's doch nicht ärger und krauser hier,
+ Als der Sachs noch im Lande tät pochen.
+ Und die nennen sich Kaiserliche!
+
+ =Bauerknabe.=
+
+ Vater, da kommen ein paar aus der Küche,
+ Sehen nicht aus, als wär' viel zu nehmen.
+
+ =Bauer.=
+
+ Sind einheimische, geborne Böhmen,
+ Von des Terschkas Karabinieren,
+ Liegen schon lang in diesen Quartieren.
+ Unter allen die schlimmsten just,
+ Spreizen sich, werfen sich in die Brust,
+ Tun, als wenn sie zu fürnehm wären,
+ Mit dem Bauer ein Glas zu leeren.
+ Aber dort seh' ich die drei scharfe Schützen
+ Linker Hand um ein Feuer sitzen,
+ Sehen mir aus wie Tiroler schier.
+ Emmerich, komm! an die wollen wir,
+ Lustige Vögel, die gerne schwatzen,
+ Tragen sich sauber und führen Batzen.
+
+(Gehen nach den Zelten.)
+
+
+
+
+2. Auftritt.
+
+
+_Vorige. Wachtmeister. Trompeter. Ulan._
+
+ =Trompeter.=
+
+ Was will der Bauer da? Fort, Halunk!
+
+ =Bauer.=
+
+ Gnädige Herren, einen Bissen und Trunk!
+ Haben heut noch nichts Warmes gegessen.
+
+ =Trompeter.=
+
+ Ei, das muß immer saufen und fressen.
+
+ =Ulan= (mit einem Glase).
+
+ Nichts gefrühstückt? Da trink, du Hund!
+
+(Führt den Bauer nach dem Zelte; jene kommen vorwärts.)
+
+ =Wachtmeister= (zum Trompeter).
+
+ Meinst du, man hab' uns ohne Grund
+ Heute die doppelte Löhnung gegeben,
+ Nur daß wir flott und lustig leben?
+
+ =Trompeter.=
+
+ Die Herzogin kommt ja heute herein
+ Mit dem fürstlichen Fräulein --
+
+ =Wachtmeister.=
+
+ Das ist nur der Schein.
+ Die Truppen, die aus fremden Landen
+ Sich hier vor Pilsen zusammen fanden,
+ Die sollen wir gleich an uns locken
+ Mit gutem Schluck und guten Brocken,
+ Damit sie sich gleich zufrieden finden
+ Und fester sich mit uns verbinden.
+
+ =Trompeter.=
+
+ Ja, es ist wieder was im Werke!
+
+ =Wachtmeister.=
+
+ Die Herrn Generäle und Kommendanten --
+
+ =Trompeter.=
+
+ Es ist gar nicht geheuer, wie ich merke.
+
+ =Wachtmeister.=
+
+ Die sich so dick hier zusammen fanden --
+
+ =Trompeter.=
+
+ Sind nicht für die Langweil herbemüht.
+
+ =Wachtmeister.=
+
+ Und das Gemunkel und das Geschicke --
+
+ =Trompeter.=
+
+ Ja, ja!
+
+ =Wachtmeister.=
+
+ Und von Wien die alte Perücke,
+ Die man seit gestern herumgehn sieht,
+ Mit der guldenen Gnadenkette,
+ Das hat was zu bedeuten, ich wette.
+
+ =Trompeter.=
+
+ Wieder so ein Spürhund, gebt nur acht,
+ Der die Jagd auf den Herzog macht.
+
+ =Wachtmeister.=
+
+ Merkst du wohl? Sie trauen uns nicht,
+ Fürchten des Friedländers heimlich Gesicht.
+ Er ist ihnen zu hoch gestiegen,
+ Möchten ihn gern herunterkriegen.
+
+ =Trompeter.=
+
+ Aber wir halten ihn aufrecht, wir,
+ Dächten doch alle, wie ich und Ihr!
+
+ =Wachtmeister.=
+
+ Unser Regiment und die andern vier,
+ Die der Terschka anführt, des Herzogs Schwager,
+ Das resoluteste Korps im Lager,
+ Sind ihm ergeben und gewogen,
+ Hat er uns selbst doch herangezogen.
+ Alle Hauptleute setzt' er ein,
+ Sind alle mit Leib und Leben sein.
+
+
+
+
+3. Auftritt.
+
+
+_Kroat_ mit einem Halsschmuck. _Scharfschütze_ folgt. _Vorige._
+
+ =Scharfschütz.=
+
+ Kroat, wo hast du das Halsband gestohlen?
+ Handle dir's ab! dir ist's doch nichts nütz.
+ Geb' dir dafür das Paar Terzerolen.
+
+ =Kroat.=
+
+ Nix, nix! Du willst mich betrügen, Schütz.
+
+ =Scharfschütz.=
+
+ Nun! geb' dir auch noch die blaue Mütz,
+ Hab' sie soeben im Glücksrad gewonnen.
+ Siehst du? Sie ist zum höchsten Staat.
+
+ =Kroat= (läßt das Halsband in der Sonne spielen).
+
+ 's ist aber von Perlen und edelm Granat.
+ Schau, wie das flinkert in der Sonnen!
+
+ =Scharfschütz= (nimmt das Halsband).
+
+ Die Feldflasche noch geb' ich drein, (besieht es)
+ Es ist mir nur um den schönen Schein.
+
+ =Trompeter.=
+
+ Seht nur, wie der den Kroaten prellt!
+ Halbpart, Schütze, so will ich schweigen.
+
+ =Kroat= (hat die Mütze aufgesetzt).
+
+ Deine Mütze mir wohlgefällt.
+
+ =Scharfschütz= (winkt dem Trompeter).
+
+ Wir tauschen hier! Die Herrn sind Zeugen!
+
+
+
+
+4. Auftritt.
+
+
+_Vorige. Konstabler._
+
+ =Konstabler= (tritt zum Wachtmeister).
+
+ Wie ist's, Bruder Karabinier?
+ Werden wir uns lang noch die Hände wärmen,
+ Da die Feinde schon frisch im Feld herum schwärmen?
+
+ =Wachtmeister.=
+
+ Tut's Ihm so eilig, Herr Konstabel?
+ Die Wege sind noch nicht praktikabel.
+
+ =Konstabler.=
+
+ Mir nicht. Ich sitze gemächlich hier;
+ Aber ein Eilbot' ist angekommen,
+ Meldet, Regensburg sei genommen.
+
+ =Trompeter.=
+
+ Ei, da werden wir bald aufsitzen.
+
+ =Wachtmeister.=
+
+ Wohl gar! Um dem Bayer sein Land zu schützen,
+ Der dem Fürsten so unfreund ist?
+ Werden uns eben nicht sehr erhitzen.
+
+ =Konstabler.=
+
+ Meint Ihr? -- Was Ihr nicht alles wißt!
+
+
+
+
+5. Auftritt.
+
+
+_Vorige. Zwei Jäger._ Dann _Marketenderin_. _Soldatenjungen.
+Schulmeister. Aufwärterin._
+
+ =Erster Jäger.=
+
+ Sieh, sieh!
+ Da treffen wir lustige Kompanie.
+
+ =Trompeter.=
+
+ Was für Grünröck' mögen das sein?
+ Treten ganz schmuck und stattlich ein.
+
+ =Wachtmeister.=
+
+ Sind Holkische Jäger; die silbernen Tressen
+ Holten sie sich nicht auf der Leipziger Messen.
+
+ =Marketenderin= (kommt und bringt Wein).
+
+ Glück zur Ankunft, ihr Herrn!
+
+ =Erster Jäger.=
+
+ Was? der Blitz!
+ Das ist ja die Gustel aus Blasewitz.
+
+ =Marketenderin.=
+
+ I freilich! Und Er ist wohl gar, Mußjö,
+ Der lange Peter aus Itzehö?
+ Der seines Vaters goldene Füchse
+ Mit unserm Regiment hat durchgebracht
+ Zu Glückstadt in einer lustigen Nacht --
+
+ =Erster Jäger.=
+
+ Und die Feder vertauscht mit der Kugelbüchse.
+
+ =Marketenderin.=
+
+ Ei da sind wir alte Bekannte!
+
+ =Erster Jäger.=
+
+ Und treffen uns hier im böhmischen Lande.
+
+ =Marketenderin.=
+
+ Heute da, Herr Vetter, und morgen dort --
+ Wie einen der rauhe Kriegesbesen
+ Fegt und schüttelt von Ort zu Ort;
+ Bin indes weit herum gewesen.
+
+ =Erster Jäger.=
+
+ Will's Ihr glauben! Das stellt sich dar.
+
+ =Marketenderin.=
+
+ Bin hinauf bis nach Temeswar
+ Gekommen mit den Bagagewagen,
+ Als wir den Mansfelder täten jagen.
+ Lag mit dem Friedländer vor Stralsund,
+ Ging mir dorten die Wirtschaft zu Grund.
+ Zog mit dem Sukkurs vor Mantua,
+ Kam wieder heraus mit dem Feria,
+ Und mit einem spanischen Regiment
+ Hab' ich einen Abstecher gemacht nach Gent.
+ Jetzt will ich's im böhmischen Land probieren,
+ Alte Schulden einkassieren --
+ Ob mir der Fürst hilft zu meinem Geld.
+ Und das dort ist mein Marketenderzelt.
+
+ =Erster Jäger.=
+
+ Nun, da trifft Sie alles beisammen an!
+ Doch wo hat Sie den Schottländer hingetan,
+ Mit dem Sie damals herumgezogen?
+
+ =Marketenderin.=
+
+ Der Spitzbub! der hat mich schön betrogen.
+ Fort ist er! Mit allem davon gefahren,
+ Was ich mir tät am Leibe ersparen.
+ Ließ mir nichts als den Schlingel da!
+
+ =Soldatenjunge= (kommt gesprungen).
+
+ Mutter! sprichst du von meinem Papa?
+
+ =Erster Jäger.=
+
+ Nun, nun! das muß der Kaiser ernähren,
+ Die Armee sich immer muß neu gebären.
+
+ =Soldatenschulmeister= (kommt).
+
+ Fort in die Feldschule! Marsch, ihr Buben!
+
+ =Erster Jäger.=
+
+ Das fürcht sich auch vor der engen Stuben!
+
+ =Aufwärterin= (kommt).
+
+ Base, sie wollen fort.
+
+ =Marketenderin.=
+
+ Gleich, gleich!
+
+ =Erster Jäger.=
+
+ Ei, wer ist denn das kleine Schelmengesichte?
+
+ =Marketenderin.=
+
+ 's ist meiner Schwester Kind -- aus dem Reich.
+
+ =Erster Jäger.=
+
+ Ei, also eine liebe Nichte?
+
+(Marketenderin geht.)
+
+ =Zweiter Jäger= (das Mädchen haltend).
+
+ Bleib Sie bei uns doch, artiges Kind.
+
+ =Aufwärterin.=
+
+ Gäste dort zu bedienen sind.
+
+(Macht sich los und geht.)
+
+ =Erster Jäger.=
+
+ Das Mädchen ist kein übler Bissen! --
+ Und die Muhme -- beim Element!
+ Was haben die Herrn vom Regiment
+ Sich um das niedliche Lärvchen gerissen! --
+ Was man nicht alles für Leute kennt,
+ Und wie die Zeit von dannen rennt. --
+ Was werd' ich noch alles erleben müssen!
+
+(Zum Wachtmeister und Trompeter.)
+
+ Euch zur Gesundheit, meine Herrn! --
+ Laßt uns hier auch ein Plätzchen nehmen.
+
+
+
+
+6. Auftritt.
+
+
+_Jäger. Wachtmeister. Trompeter._
+
+ =Wachtmeister.=
+
+ Wir danken schön. Von Herzen gern.
+ Wir rücken zu. Willkommen in Böhmen!
+
+ =Erster Jäger.=
+
+ Ihr sitzt hier warm. Wir, in Feindes Land,
+ Mußten derweil uns schlecht bequemen.
+
+ =Trompeter.=
+
+ Man sollt's euch nicht ansehn, ihr seid galant.
+
+ =Wachtmeister.=
+
+ Ja, ja, im Saalkreis und auch in Meißen
+ Hört man euch Herrn nicht besonders preisen.
+
+ =Zweiter Jäger.=
+
+ Seid mir doch still! Was will das heißen?
+ Der Kroat es ganz anders trieb,
+ Uns nur die Nachles' übrig blieb.
+
+ =Trompeter.=
+
+ Ihr habt da einen saubern Spitzen
+ Am Kragen, und wie euch die Hosen sitzen!
+ Die feine Wäsche, der Federhut!
+ Was das alles für Wirkung tut!
+ Daß doch den Burschen das Glück soll scheinen,
+ Und so was kommt nie an unser einen!
+
+ =Wachtmeister.=
+
+ Dafür sind wir des Friedländers Regiment,
+ Man muß uns ehren und respektieren.
+
+ =Erster Jäger.=
+
+ Das ist für uns andre kein Kompliment,
+ Wir ebenso gut seinen Namen führen.
+
+ =Wachtmeister.=
+
+ Ja, ihr gehört auch so zur ganzen Masse.
+
+ =Erster Jäger.=
+
+ Ihr seid wohl von einer besondern Rasse?
+ Der ganze Unterschied ist in den Röcken,
+ Und ich ganz gern mag in meinem stecken.
+
+ =Wachtmeister.=
+
+ Herr Jäger, ich muß Euch nur bedauern,
+ Ihr lebt so draußen bei den Bauern;
+ Der feine Griff und der rechte Ton,
+ Das lernt sich nur um des Feldherrn Person.
+
+ =Erster Jäger.=
+
+ Sie bekam Euch übel, die Lektion.
+ Wie er räuspert, und wie er spuckt,
+ Das habt Ihr ihm glücklich abgeguckt;
+ Aber sein Schenie, ich meine sein Geist
+ Sich nicht auf der Wachparade weist.
+
+ =Zweiter Jäger.=
+
+ Wetter auch! wo Ihr nach uns fragt,
+ Wir heißen des Friedländers wilde Jagd
+ Und machen dem Namen keine Schande --
+ Ziehen frech durch Feindes und Freundes Lande,
+ Querfeldein durch die Saat, durch das gelbe Korn --
+ Sie kennen das Holkische Jägerhorn! --
+ In einem Augenblick fern und nah,
+ Schnell wie die Sündflut, so sind wir da --
+ Wie die Feuerflamme bei dunkler Nacht
+ In die Häuser fähret, wenn niemand wacht --
+ Da hilft keine Gegenwehr, keine Flucht,
+ Keine Ordnung gilt mehr und keine Zucht. --
+ Es sträubt sich -- der Krieg hat kein Erbarmen --
+ Das Mägdlein in unsern sehnigten Armen --
+ Fragt nach, ich sag's nicht, um zu prahlen;
+ In Baireuth, im Voigtland, in Westfalen,
+ Wo wir nur durchgekommen sind --
+ Erzählen Kinder und Kindeskind
+ Nach hundert und aber hundert Jahren
+ Von dem Holk noch und seinen Scharen.
+
+ =Wachtmeister.=
+
+ Nun, da sieht man's! Der Saus und Braus,
+ Macht denn der den Soldaten aus?
+ Das Tempo macht ihn, der Sinn und Schick,
+ Der Begriff, die Bedeutung, der feine Blick.
+
+ =Erster Jäger.=
+
+ Die Freiheit macht ihn! Mit Euren Fratzen!
+ Daß ich mit Euch soll darüber schwatzen. --
+ Lief ich darum aus der Schul' und der Lehre,
+ Daß ich die Fron' und die Galeere,
+ Die Schreibstub' und ihre engen Wände
+ In dem Feldlager wiederfände? --
+ Flott will ich leben und müßig gehn,
+ Alle Tage was Neues sehn,
+ Mich dem Augenblick frisch vertrauen,
+ Nicht zurück, auch nicht vorwärts schauen --
+ Drum hab' ich meine Haut dem Kaiser verhandelt,
+ Daß keine Sorg' mich mehr anwandelt.
+ Führt mich ins Feuer frisch hinein,
+ Über den reißenden, tiefen Rhein --
+ Der dritte Mann soll verloren sein;
+ Werde mich nicht lang sperren und zieren. --
+ Sonst muß man mich aber, ich bitte sehr,
+ Mit nichts weiter inkommodieren.
+
+ =Wachtmeister.=
+
+ Nu, nu, verlangt Ihr sonst nichts mehr?
+ Das ließ sich unter dem Wams da finden.
+
+ =Erster Jäger.=
+
+ Was war das nicht für ein Placken und Schinden
+ Bei Gustav, dem Schweden, dem Leuteplager!
+ Der machte eine Kirch' aus seinem Lager,
+ Ließ Betstunde halten, des Morgens, gleich
+ Bei der Reveille und beim Zapfenstreich.
+ Und wurden wir manchmal ein wenig munter,
+ Er kanzelt' uns selbst wohl vom Gaul herunter.
+
+ =Wachtmeister.=
+
+ Ja, es war ein gottesfürchtiger Herr.
+
+ =Erster Jäger.=
+
+ Dirnen, die ließ er gar nicht passieren,
+ Mußten sie gleich zur Kirche führen.
+ Da lief ich, konnt's nicht ertragen mehr.
+
+ =Wachtmeister.=
+
+ Jetzt geht's dort auch wohl anders her.
+
+ =Erster Jäger.=
+
+ So ritt ich hinüber zu den Ligisten,
+ Sie täten sich just gegen Magdeburg rüsten.
+ Ja, das war schon ein ander Ding!
+ Alles da lustiger, loser ging,
+ Soff und Spiel und Mädels die Menge!
+ Wahrhaftig, der Spaß war nicht gering,
+ Denn der Tilly verstand sich aufs Kommandieren.
+ Dem eigenen Körper war er strenge,
+ Dem Soldaten ließ er vieles passieren,
+ Und ging's nur nicht aus seiner Kassen,
+ Sein Spruch war: leben und leben lassen.
+ Aber das Glück blieb ihm nicht stet --
+ Seit der Leipziger Fatalität
+ Wollt' es eben nirgends mehr flecken,
+ Alles bei uns geriet ins Stecken;
+ Wo wir erschienen und pochten an,
+ Ward nicht gegrüßt noch aufgetan.
+ Wir mußten uns drücken von Ort zu Ort,
+ Der alte Respekt war eben fort. --
+ Da nahm ich Handgeld von den Sachsen,
+ Meinte, da müßte mein Glück recht wachsen.
+
+ =Wachtmeister.=
+
+ Nun, da kamt Ihr ja eben recht
+ Zur böhmischen Beute.
+
+ =Erster Jäger.=
+
+ Es ging mir schlecht.
+ Sollten da strenge Mannszucht halten,
+ Durften nicht recht als Feinde walten,
+ Mußten des Kaisers Schlösser bewachen,
+ Viel Umständ' und Komplimente machen,
+ Führten den Krieg, als wär's nur Scherz,
+ Hatten für die Sach' nur ein halbes Herz,
+ Wollten's mit niemand ganz verderben,
+ Kurz, da war wenig Ehr zu erwerben,
+ Und ich wär' bald für Ungeduld
+ Wieder heimgelaufen zum Schreibepult,
+ Wenn nicht eben auf allen Straßen
+ Der Friedländer hätte werben lassen.
+
+ =Wachtmeister.=
+
+ Und wie lang denkt Ihr's hier auszuhalten?
+
+ =Erster Jäger.=
+
+ Spaßt nur! Solange _der_ tut walten,
+ Denk' ich Euch, mein Seel! an kein Entlaufen.
+ Kann's der Soldat wo besser kaufen? --
+ Da geht alles nach Kriegessitt',
+ Hat alles 'nen großen Schnitt,
+ Und der Geist, der im ganzen Korps tut leben,
+ Reißet gewaltig, wie Windesweben,
+ Auch den untersten Reiter mit.
+ Da tret' ich auf mit beherztem Schritt,
+ Darf über den Bürger kühn wegschreiten,
+ Wie der Feldherr über der Fürsten Haupt.
+ Es ist hier wie in den alten Zeiten,
+ Wo die Klinge noch alles tät bedeuten;
+ Da gibt's nur _ein_ Vergehn und Verbrechen:
+ Der Ordre fürwitzig widersprechen.
+ Was nicht verboten ist, ist erlaubt;
+ Da fragt niemand, was einer glaubt.
+ Es gibt nur zwei Ding' überhaupt:
+ Was zur Armee gehört und nicht;
+ Und nur der Fahne bin ich verpflicht.
+
+ =Wachtmeister.=
+
+ Jetzt gefallt Ihr mir, Jäger! Ihr sprecht
+ Wie ein Friedländischer Reitersknecht.
+
+ =Erster Jäger.=
+
+ Der führt's Kommando nicht wie ein Amt,
+ Wie eine Gewalt, die vom Kaiser stammt!
+ Es ist ihm nicht um des Kaisers Dienst,
+ Was bracht' er dem Kaiser für Gewinst?
+ Was hat er mit seiner großen Macht
+ Zu des Landes Schirm und Schutz vollbracht?
+ Ein Reich von Soldaten wollt' er gründen,
+ Die Welt anstecken und entzünden,
+ Sich alles vermessen und unterwinden --
+
+ =Trompeter.=
+
+ Still! Wer wird solche Worte wagen!
+
+ =Erster Jäger.=
+
+ Was ich denke, das darf ich sagen.
+ Das Wort ist frei, sagt der General.
+
+ =Wachtmeister.=
+
+ So sagt er, ich hört's wohl einigemal,
+ Ich stand dabei. »Das Wort ist frei,
+ Die Tat ist stumm, der Gehorsam blind,«
+ Dies urkundlich seine Worte sind.
+
+ =Erster Jäger.=
+
+ Ob's just seine Wort' sind, weiß ich nicht;
+ Aber die Sach ist so, wie er spricht.
+
+ =Zweiter Jäger.=
+
+ Ihm schlägt das Kriegsglück nimmer um,
+ Wie's wohl bei andern pflegt zu geschehen.
+ Der Tilly überlebte seinen Ruhm.
+ Doch unter des Friedländers Kriegspanieren,
+ Da bin ich gewiß zu viktorisieren.
+ Er bannet das Glück, es muß ihm stehen.
+ Wer unter seinem Zeichen tut fechten,
+ Der steht unter besondern Mächten.
+ Denn das weiß ja die ganze Welt,
+ Daß der Friedländer einen Teufel
+ Aus der Hölle im Solde hält.
+
+ =Wachtmeister.=
+
+ Ja, daß er fest ist, das ist kein Zweifel.
+ Denn in der blut'gen Affär bei Lützen
+ Ritt er euch unter des Feuers Blitzen
+ Auf und nieder mit kühlem Blut.
+ Durchlöchert von Kugeln war sein Hut,
+ Durch den Stiefel und Koller fuhren
+ Die Ballen, man sah die deutlichen Spuren;
+ Konnt' ihm keine die Haut nur ritzen,
+ Weil ihn die höllische Salbe tät schützen.
+
+ =Erster Jäger.=
+
+ Was wollt Ihr da für Wunder bringen!
+ Er trägt ein Koller von Elendshaut,
+ Das keine Kugel kann durchdringen.
+
+ =Wachtmeister.=
+
+ Nein, es ist die Salbe von Hexenkraut,
+ Unter Zaubersprüchen gekocht und gebraut.
+
+ =Trompeter.=
+
+ Es geht nicht zu mit rechten Dingen!
+
+ =Wachtmeister.=
+
+ Sie sagen, er les' auch in den Sternen
+ Die künftigen Dinge, die nahen und fernen;
+ Ich weiß aber besser, wie's damit ist.
+ Ein graues Männlein pflegt bei nächtlicher Frist
+ Durch verschlossene Türen zu ihm einzugehen;
+ Die Schildwachen haben's oft angeschrien,
+ Und immer was Großes ist drauf geschehen,
+ Wenn je das graue Röcklein kam und erschien.
+
+ =Zweiter Jäger.=
+
+ Ja, er hat sich dem Teufel übergeben,
+ Drum führen wir auch das lustige Leben.
+
+
+
+
+7. Auftritt.
+
+
+_Vorige. Ein Rekrut. Ein Bürger. Dragoner._
+
+ =Rekrut= (tritt aus dem Zelt, eine Blechhaube auf dem Kopfe, eine
+ Weinflasche in der Hand).
+
+ Grüß den Vater und Vaters Brüder!
+ Bin Soldat, komme nimmer wieder.
+
+ =Erster Jäger.=
+
+ Sieh, da bringen sie einen Neuen!
+
+ =Bürger.=
+
+ O, gib acht, Franz! es wird dich reuen.
+
+ =Rekrut= (singt).
+
+ Trommeln und Pfeifen,
+ Kriegrischer Klang!
+ Wandern und streifen
+ Die Welt entlang,
+ Rosse gelenkt,
+ Mutig geschwenkt,
+ Schwert an der Seite,
+ Frisch in die Weite,
+ Flüchtig und flink,
+ Frei, wie der Fink
+ Auf Sträuchern und Bäumen,
+ In Himmels Räumen!
+ Heisa! ich folge des Friedländers Fahn!
+
+ =Zweiter Jäger.=
+
+ Seht mir, das ist ein wackrer Kumpan!
+
+(Sie begrüßen ihn.)
+
+ =Bürger.=
+
+ O, laßt ihn. Er ist guter Leute Kind.
+
+ =Erster Jäger.=
+
+ Wir auch nicht auf der Straße gefunden sind.
+
+ =Bürger.=
+
+ Ich sag' euch, er hat Vermögen und Mittel.
+ Fühlt her, das feine Tüchlein am Kittel.
+
+ =Trompeter.=
+
+ Des Kaisers Rock ist der höchste Titel.
+
+ =Bürger.=
+
+ Er erbt eine kleine Mützenfabrik.
+
+ =Zweiter Jäger.=
+
+ Des Menschen Wille, das ist sein Glück.
+
+ =Bürger.=
+
+ Von der Großmutter einen Kram und Laden.
+
+ =Erster Jäger.=
+
+ Pfui, wer handelt mit Schwefelfaden!
+
+ =Bürger.=
+
+ Einen Weinschank dazu von seiner Paten,
+ Ein Gewölbe mit zwanzig Stückfaß Wein.
+
+ =Trompeter.=
+
+ Den teilt er mit seinen Kameraden.
+
+ =Zweiter Jäger.=
+
+ Hör du! wir müssen Zeltbrüder sein.
+
+ =Bürger.=
+
+ Eine Braut läßt er sitzen in Tränen und Schmerz.
+
+ =Erster Jäger.=
+
+ Recht so, da zeigt er ein eisernes Herz.
+
+ =Bürger.=
+
+ Die Großmutter wird für Kummer sterben.
+
+ =Zweiter Jäger.=
+
+ Desto besser, so kann er sie gleich beerben.
+
+ =Wachtmeister= (tritt gravitätisch herzu, dem Rekruten die Hand auf
+ die Blechhaube legend).
+
+ Sieht Er! das hat Er wohl erwogen.
+ Einen neuen Menschen hat Er angezogen;
+ Mit dem Helm da und Wehrgehäng
+ Schließt Er sich an eine würdige Meng.
+ Muß ein fürnehmer Geist jetzt in Ihn fahren --
+
+ =Erster Jäger.=
+
+ Muß besonders das Geld nicht sparen.
+
+ =Wachtmeister.=
+
+ Auf der Fortuna ihrem Schiff
+ Ist Er zu segeln im Begriff;
+ Die Weltkugel liegt vor Ihm offen,
+ Wer nichts waget, der darf nichts hoffen.
+ Es treibt sich der Bürgersmann, träg und dumm,
+ Wie des Färbers Gaul, nur im Ring herum.
+ Aus dem Soldaten kann alles werden,
+ Denn Krieg ist jetzt die Losung auf Erden.
+ Seh' Er mal _mich_ an! In diesem Rock
+ Führ' ich, sieht Er, des Kaisers Stock.
+ Alles Weltregiment, muß Er wissen,
+ Von dem Stock hat ausgehen müssen;
+ Und das Zepter in Königs Hand
+ Ist ein Stock nur, das ist bekannt.
+ Und wer's zum Korporal erst hat gebracht,
+ Der steht auf der Leiter zur höchsten Macht,
+ Und so weit kann Er's auch noch treiben.
+
+ =Erster Jäger.=
+
+ Wenn Er nur lesen kann und schreiben.
+
+ =Wachtmeister.=
+
+ Da will ich Ihm gleich ein Exempel geben;
+ Ich tät's vor kurzem selbst erleben.
+ Da ist der Schef vom Dragonerkorps,
+ Heißt Buttler, wir standen als Gemeine
+ Noch vor dreißig Jahren bei Köln am Rheine,
+ Jetzt nennt man ihn Generalmajor.
+ Das macht, er tät sich baß hervor,
+ Tät die Welt mit seinem Kriegsruhm füllen;
+ Doch meine Verdienste, die blieben im stillen.
+ Ja, und der Friedländer selbst, sieht Er,
+ Unser Hauptmann und hochgebietender Herr,
+ Der jetzt alles vermag und kann,
+ War erst nur ein schlichter Edelmann,
+ Und weil er der Kriegsgöttin sich vertraut,
+ Hat er sich diese Größ' erbaut,
+ Ist nach dem Kaiser der nächste Mann,
+ Und wer weiß, was er noch erreicht und ermißt,
+ (pfiffig) Denn noch nicht aller Tage Abend ist.
+
+ =Erster Jäger.=
+
+ Ja, er fing's klein an und ist jetzt so groß.
+ Denn zu Altorf im Studentenkragen
+ Trieb er's, mit Permiß zu sagen,
+ Ein wenig locker und burschikos,
+ Hätte seinen Famulus bald erschlagen.
+ Wollten ihn drauf die Nürnberger Herren
+ Mir nichts, dir nichts ins Karzer sperren;
+ 's war just ein neugebautes Nest,
+ Der erste Bewohner sollt' es taufen.
+ Aber wie fängt er's an? Er läßt
+ Weislich den Pudel voran erst laufen.
+ Nach dem Hunde nennt sich's bis diesen Tag;
+ Ein rechter Kerl sich dran spiegeln mag.
+ Unter des Herrn großen Taten allen
+ Hat mir das Stückchen besonders gefallen.
+
+(Das Mädchen hat unterdessen aufgewartet; der zweite Jäger schäkert mit
+ihr.)
+
+ =Dragoner= (tritt dazwischen).
+
+ Kamerad, laß Er das unterwegen!
+
+ =Zweiter Jäger.=
+
+ Wer, Henker! hat sich da drein zu legen!
+
+ =Dragoner.=
+
+ Ich will's Ihm nur sagen, die Dirn ist mein.
+
+ =Erster Jäger.=
+
+ Der will ein Schätzchen für sich allein!
+ Dragoner, ist Er bei Troste? sag' Er!
+
+ =Zweiter Jäger.=
+
+ Will was Apartes haben im Lager.
+ Einer Dirne schön Gesicht
+ Muß allgemein sein, wie's Sonnenlicht! (Küßt sie.)
+
+ =Dragoner= (reißt sie weg).
+
+ Ich sag's noch einmal, das leid' ich nicht.
+
+ =Erster Jäger.=
+
+ Lustig, lustig! da kommen die Prager!
+
+ =Zweiter Jäger.=
+
+ Sucht Er Händel? Ich bin dabei.
+
+ =Wachtmeister.=
+
+ Fried', ihr Herren! Ein Kuß ist frei!
+
+
+
+
+8. Auftritt.
+
+
+_Bergknappen_ treten auf und spielen einen Walzer, erst langsam und dann
+immer geschwinder. Der _erste Jäger_ tanzt mit der _Aufwärterin_, die
+_Marketenderin_ mit dem _Rekruten_; das Mädchen entspringt, der Jäger
+hinter ihr her und bekommt den _Kapuziner_ zu fassen, der eben
+hereintritt.
+
+ =Kapuziner.=
+
+ Heisa, juchheia! Dudeldumdei!
+ Das geht ja hoch her. Bin auch dabei!
+ Ist das eine Armee von Christen?
+ Sind wir Türken? sind wir Antibaptisten?
+ Treibt man so mit dem Sonntag Spott,
+ Als hätte der allmächtige Gott
+ Das Chiragra, könnte nicht drein schlagen?
+ Ist's jetzt Zeit zu Saufgelagen?
+ Zu Banketten und Feiertagen?
+ ~Quid hic statis otiosi?~
+ Was steht ihr und legt die Hände in Schoß?
+ Die Kriegsfuri ist an der Donau los,
+ Das Bollwerk des Bayerlands ist gefallen,
+ Regensburg ist in des Feindes Krallen,
+ Und die Armee liegt hier in Böhmen,
+ Pflegt den Bauch, läßt sich's wenig grämen,
+ Kümmert sich mehr um den Krug als den Krieg,
+ Wetzt lieber den Schnabel als den Sabel,
+ Hetzt sich lieber herum mit der Dirn,
+ Frißt den Ochsen lieber als den Oxenstirn.
+ Die Christenheit trauert in Sack und Asche,
+ Der Soldat füllt sich nur die Tasche.
+ Es ist eine Zeit der Tränen und Not,
+ Am Himmel geschehen Zeichen und Wunder,
+ Und aus den Wolken, blutigrot,
+ Hängt der Herrgott den Kriegsmantel 'runter.
+ Den Kometen steckt er, wie eine Rute,
+ Drohend am Himmelsfenster aus,
+ Die ganze Welt ist ein Klagehaus,
+ Die Arche der Kirche schwimmt in Blute,
+ Und das römische _Reich_ -- daß Gott erbarm!
+ Sollte jetzt heißen römisch _Arm_;
+ Der _Rheinstrom_ ist worden zu einem _Peinstrom_,
+ Die _Klöster_ sind ausgenommene _Nester_,
+ Die _Bistümer_ sind verwandelt in _Wüsttümer_,
+ Die _Abteien_ und die _Stifter_
+ Sind nun _Raubteien_ und _Diebesklüfter_,
+ Und alle die gesegneten deutschen _Länder_
+ Sind verkehrt worden in _Elender_ --
+ Woher kommt das? Das will ich euch verkünden:
+ Das schreibt sich her von euern Lastern und Sünden,
+ Von dem Greuel und Heidenleben,
+ Dem sich Offizier und Soldaten ergeben.
+ Denn die Sünd' ist der Magnetenstein,
+ Der das Eisen ziehet ins Land herein.
+ Auf das Unrecht, da folgt das Übel,
+ Wie die Trän' auf den herben Zwiebel,
+ Hinter dem =U= kömmt gleich das =W=eh,
+ Das ist die Ordnung im ABC.
+ ~Ubi erit victoriae spes,~
+ ~Si offenditur Deus?~ Wie soll man siegen,
+ Wenn man die Predigt schwänzt und die Meß,
+ Nichts tut, als in den Weinhäusern liegen?
+ Die Frau in dem Evangelium
+ Fand den verlornen Groschen wieder,
+ Der Gaul seines Vaters Esel wieder,
+ Der Joseph seine saubern Brüder;
+ Aber wer bei den Soldaten sucht
+ Die Furcht Gottes und die gute Zucht
+ Und die Scham, der wird nicht viel finden,
+ Tät' er auch hundert Laternen anzünden.
+ Zu dem Prediger in der Wüsten,
+ Wie wir lesen im Evangelisten,
+ Kamen auch die Soldaten gelaufen,
+ Taten Buß und ließen sich taufen,
+ Fragten ihn: ~Quid faciemus nos?~
+ Wie machen wir's, daß wir kommen in Abrahams Schoß?
+ ~Et ait illis~, und er sagt:
+ ~Neminem concutiatis~,
+ Wenn ihr niemanden schindet und plackt;
+ ~Neque calumniam faciatis~,
+ Niemand verlästert, auf niemand lügt.
+ ~Contenti estote~, euch begnügt,
+ ~Stipendiis vestris~, mit eurer Löhnung
+ Und verflucht jede böse Angewöhnung.
+ Es ist ein Gebot: Du sollst den Namen
+ Deines Herrgotts nicht eitel auskramen!
+ Und wo hört man mehr blasphemieren,
+ Als hier in den Friedländischen Kriegsquartieren?
+ Wenn man für jeden Donner und Blitz,
+ Den ihr losbrennt mit eurer Zungenspitz,
+ Die Glocken müßt' läuten im Land umher,
+ Es wär' bald kein Mesner zu finden mehr.
+ Und wenn euch für jedes böse Gebet,
+ Das aus eurem ungewaschnen Munde geht,
+ Ein Härlein ausging aus eurem Schopf,
+ Über Nacht wär' er geschoren glatt,
+ Und wär' er so dick wie Absalons Zopf.
+ Der Josua war doch auch ein Soldat,
+ König David erschlug den Goliath,
+ Und wo steht denn geschrieben zu lesen,
+ Daß sie solche Fluchmäuler sind gewesen?
+ Muß man den Mund doch, ich sollte meinen,
+ Nicht weiter aufmachen zu einem Helf Gott!
+ Als zu einem Kreuz Sackerlot!
+ Aber wessen das Gefäß ist gefüllt,
+ Davon es sprudelt und überquillt.
+ Wieder ein Gebot ist: Du sollst nicht stehlen.
+ Ja, das befolgt ihr nach dem Wort,
+ Denn ihr tragt alles offen fort.
+ Vor euren Klauen und Geiersgriffen,
+ Vor euren Praktiken und bösen Kniffen
+ Ist das Geld nicht geborgen in der Truh,
+ Das Kalb nicht sicher in der Kuh,
+ Ihr nehmt das Ei und das Huhn dazu.
+ Was sagt der Prediger? ~contenti estote~,
+ Begnügt euch mit eurem Kommißbrote.
+ Aber wie soll man die Knechte loben,
+ Kömmt doch das Ärgernis von oben!
+ Wie die Glieder, so auch das Haupt!
+ Weiß doch niemand, an wen _der_ glaubt!
+
+ =Erster Jäger.=
+
+ Herr Pfaff! uns Soldaten mag Er schimpfen,
+ Den Feldherrn soll Er uns nicht verunglimpfen.
+
+ =Kapuziner.=
+
+ ~Ne custodias gregem meam!~
+ Das ist so ein Ahab und Jerobeam,
+ Der die Völker von der wahren Lehren
+ Zu falschen Götzen tut verkehren.
+
+ =Trompeter= und =Rekrut=.
+
+ Laß Er uns das nicht zweimal hören!
+
+ =Kapuziner.=
+
+ So ein Bramarbas und Eisenfresser,
+ Will einnehmen alle festen Schlösser.
+ Rühmte sich mit seinem gottlosen Mund,
+ Er müsse haben die Stadt Stralsund,
+ Und wär' sie mit Ketten an den Himmel geschlossen.
+ Hat aber sein Pulver umsonst verschossen!
+
+ =Trompeter.=
+
+ Stopft ihm keiner sein Lästermaul?
+
+ =Kapuziner.=
+
+ So ein Teufelsbeschwörer und König Saul,
+ So ein Jehu und Holofern,
+ Verleugnet, wie Petrus, seinen Meister und Herrn,
+ Drum kann er den Hahn nicht hören krähn --
+
+ =Beide Jäger.=
+
+ Pfaffe! Jetzt ist's um dich geschehn!
+
+ =Kapuziner.=
+
+ So ein listiger Fuchs Herodes --
+
+ =Trompeter= und =beide Jäger= (auf ihn eindringend).
+
+ Schweig stille! Du bist des Todes!
+
+ =Kroaten= (legen sich drein).
+
+ Bleib da, Pfäfflein, fürcht' dich nit,
+ Sag dein Sprüchel und teil's uns mit.
+
+ =Kapuziner= (schreit lauter).
+
+ So ein hochmütiger Nebukadnezer,
+ So ein Sündenvater und muffiger Ketzer,
+ Läßt sich nennen den _Wallenstein_;
+ Ja freilich ist er uns _allen_ ein _Stein_
+ Des Anstoßes und Ärgernisses,
+ Und solang der Kaiser diesen Friedeland
+ Läßt walten, so wird nicht Fried' im Land.
+
+(Er hat nach und nach bei den letzten Worten, die er mit erhobener
+Stimme spricht, seinen Rückzug genommen, indem die Kroaten die übrigen
+Soldaten von ihm abwehren.)
+
+
+
+
+9. Auftritt.
+
+
+_Vorige_, ohne den _Kapuziner_.
+
+ =Erster Jäger= (zum Wachtmeister).
+
+ Sagt mir, was meint' er mit dem Göckelhahn,
+ Den der Feldherr nicht krähen hören kann?
+ Es war wohl nur so gesagt ihm zum Schimpf und Hohne?
+
+ =Wachtmeister.=
+
+ Da will ich Euch dienen. Es ist nicht ganz ohne!
+ Der Feldherr ist wundersam geboren,
+ Besonders hat er gar kitzlichte Ohren.
+ Kann die Katze nicht hören mauen,
+ Und wenn der Hahn kräht, so macht's ihm Grauen.
+
+ =Erster Jäger.=
+
+ Das hat er mit dem Löwen gemein.
+
+ =Wachtmeister.=
+
+ Muß alles mausstill um ihn sein.
+ Den Befehl haben alle Wachen,
+ Denn er denkt gar zu tiefe Sachen.
+
+ =Stimmen= (im Zelt; Auflauf).
+
+ Greift ihn, den Schelm! Schlagt zu! Schlagt zu!
+
+ =Des Bauern Stimme.=
+
+ Hilfe! Barmherzigkeit!
+
+ =Andre Stimmen.=
+
+ Friede! Ruh!
+
+ =Erster Jäger.=
+
+ Hol mich der Teufel! Da setzt's Hiebe.
+
+ =Zweiter Jäger.=
+
+ Da muß ich dabei sein!
+
+(Laufen ins Zelt.)
+
+ =Marketenderin= (kommt heraus).
+
+ Schelmen und Diebe!
+
+ =Trompeter.=
+
+ Frau Wirtin, was setzt Euch so in Eifer?
+
+ =Marketenderin.=
+
+ Der Lump! der Spitzbub! der Straßenläufer!
+ Das muß mir in meinem Zelt passieren!
+ Es beschimpft mich bei allen Herrn Offizieren.
+
+ =Wachtmeister.=
+
+ Bäschen, was gibt's denn?
+
+ =Marketenderin.=
+
+ Was wird's geben?
+ Da erwischten sie einen Bauer eben,
+ Der falsche Würfel tät bei sich haben.
+
+ =Trompeter.=
+
+ Sie bringen ihn hier mit seinem Knaben.
+
+
+
+
+10. Auftritt.
+
+
+_Soldaten_ bringen den Bauer geschleppt.
+
+ =Erster Jäger.=
+
+ Der muß baumeln!
+
+ =Scharfschützen= und =Dragoner=.
+
+ Zum Profoß! Zum Profoß!
+
+ =Wachtmeister.=
+
+ Das Mandat ist noch kürzlich ausgegangen.
+
+ =Marketenderin.=
+
+ In einer Stunde seh' ich ihn hangen!
+
+ =Wachtmeister.=
+
+ Böses Gewerbe bringt bösen Lohn.
+
+ =Erster Arkebusier= (zum andern).
+
+ Das kommt von der Desperation.
+ Denn seht, erst tut man sie ruinieren,
+ Das heißt sie zum Stehlen selbst verführen.
+
+ =Trompeter.=
+
+ Was? Was? Ihr red't ihm das Wort noch gar?
+ Dem Hunde! Tut Euch der Teufel plagen?
+
+ =Erster Arkebusier.=
+
+ Der Bauer ist auch ein Mensch -- so zu sagen.
+
+ =Erster Jäger= (zum Trompeter).
+
+ Laß sie gehen! sind Tiefenbacher,
+ Gevatter Schneider und Handschuhmacher!
+ Lagen in Garnison zu Brieg,
+ Wissen viel, was der Brauch ist im Krieg.
+
+
+
+
+11. Auftritt.
+
+
+_Vorige. Kürassiere._
+
+ =Erster Kürassier.=
+
+ Friede! Was gibt's mit dem Bauer da?
+
+ =Erster Scharfschütz.=
+
+ 's ist ein Schelm, hat im Spiel betrogen!
+
+ =Erster Kürassier.=
+
+ Hat er dich betrogen etwa?
+
+ =Erster Scharfschütz.=
+
+ Ja, und hat mich rein ausgezogen.
+
+ =Erster Kürassier.=
+
+ Wie? Du bist ein Friedländischer Mann,
+ Kannst dich so wegwerfen und blamieren,
+ Mit einem Bauer dein Glück probieren?
+ Der laufe, was er laufen kann.
+
+(Bauer entwischt, die andern treten zusammen.)
+
+ =Erster Arkebusier.=
+
+ Der macht kurze Arbeit, ist resolut,
+ Das ist mit solchem Volke gut.
+ Was ist's für einer? Es ist kein Böhm.
+
+ =Marketenderin.=
+
+ 's ist ein Wallon! Respekt vor dem!
+ Von des Pappenheims Kürassieren.
+
+ =Erster Dragoner= (tritt dazu).
+
+ Der Piccolomini, der junge, tut sie jetzt führen.
+ Den haben sie sich aus eigner Macht
+ Zum Oberst gesetzt in der Lützner Schlacht,
+ Als der Pappenheim umgekommen.
+
+ =Erster Arkebusier.=
+
+ Haben sie sich so was 'rausgenommen?
+
+ =Erster Dragoner.=
+
+ Dies Regiment hat was voraus,
+ Es war immer voran bei jedem Strauß.
+ Darf auch seine eigene Justiz ausüben,
+ Und der Friedländer tut's besonders lieben.
+
+ =Erster Kürassier= (zum andern).
+
+ Ist's auch gewiß? Wer bracht' es aus?
+
+ =Zweiter Kürassier.=
+
+ Ich hab's aus des Obersts eigenem Munde.
+
+ =Erster Kürassier.=
+
+ Was Teufel! Wir sind nicht ihre Hunde.
+
+ =Erster Jäger.=
+
+ Was haben die da? Sind voller Gift.
+
+ =Zweiter Jäger.=
+
+ Ist's was, ihr Herrn, das uns mitbetrifft?
+
+ =Erster Kürassier.=
+
+ Es hat sich keiner drüber zu freuen.
+
+(Soldaten treten herzu.)
+
+ Sie wollen uns in die Niederland' leihen;
+ Kürassiere, Jäger, reitende Schützen,
+ Sollen achttausend Mann aufsitzen.
+
+ =Marketenderin.=
+
+ Was? Was? Da sollen wir wieder wandern?
+ Bin erst seit gestern zurück aus Flandern.
+
+ =Zweiter Kürassier= (zu den Dragonern).
+
+ Ihr Buttlerischen sollt auch mitreiten.
+
+ =Erster Kürassier.=
+
+ Und absonderlich wir Wallonen.
+
+ =Marketenderin.=
+
+ Ei, das sind ja die allerbesten Schwadronen!
+
+ =Erster Kürassier.=
+
+ Den aus Mailand sollen wir hinbegleiten.
+
+ =Erster Jäger.=
+
+ Den Infanten! Das ist ja kurios!
+
+ =Zweiter Jäger.=
+
+ Den Pfaffen! Da geht der Teufel los.
+
+ =Erster Kürassier.=
+
+ Wir sollen von dem Friedländer lassen,
+ Der den Soldaten so nobel hält,
+ Mit dem Spanier ziehen zu Feld,
+ Dem Knauser, den wir von Herzen hassen?
+ Nein, das geht nicht! Wir laufen fort.
+
+ =Trompeter.=
+
+ Was, zum Henker! sollen wir dort?
+ Dem Kaiser verkauften wir unser Blut
+ Und nicht dem hispanischen roten Hut.
+
+ =Zweiter Jäger.=
+
+ Auf des Friedländers Wort und Kredit allein
+ Haben wir Reitersdienst genommen;
+ Wär's nicht aus Lieb' für den Wallenstein,
+ Der Ferdinand hätt' uns nimmer bekommen.
+
+ =Erster Dragoner.=
+
+ Tät uns der Friedländer nicht formieren?
+ Seine Fortuna soll uns führen.
+
+ =Wachtmeister.=
+
+ Laßt euch bedeuten, hört mich an.
+ Mit dem Gered' da ist's nicht getan.
+ Ich sehe weiter als ihr alle,
+ Dahinter steckt eine böse Falle.
+
+ =Erster Jäger.=
+
+ Hört das Befehlbuch! Stille doch!
+
+ =Wachtmeister.=
+
+ Bäschen Gustel, füllt mir erst noch
+ Ein Gläschen Melnecker für den Magen,
+ Alsdann will ich euch meine Gedanken sagen.
+
+ =Marketenderin= (ihm einschenkend).
+
+ Hier, Herr Wachtmeister! Er macht mir Schrecken.
+ Es wird doch nichts Böses dahinter stecken!
+
+ =Wachtmeister.=
+
+ Seht, ihr Herrn, das ist all recht gut,
+ Daß jeder das Nächste bedenken tut;
+ Aber, pflegt der Feldherr zu sagen,
+ Man muß immer das Ganze überschlagen.
+ Wir nennen uns alle des Friedländers Truppen.
+ Der Bürger, er nimmt uns ins Quartier
+ Und pflegt uns und kocht uns warme Suppen.
+ Der Bauer muß den Gaul und den Stier
+ Vorspannen an unsre Bagagewagen,
+ Vergebens wird er sich drüber beklagen.
+ Läßt sich ein Gefreiter mit sieben Mann
+ In einem Dorfe von weitem spüren,
+ Er ist die Obrigkeit drin und kann
+ Nach Lust drin walten und kommandieren.
+ Zum Henker! sie mögen uns alle nicht
+ Und sähen des Teufels sein Angesicht
+ Weit lieber, als unsre gelben Kolletter.
+ Warum schmeißen sie uns nicht aus dem Land? Potz Wetter!
+ Sind uns an Anzahl doch überlegen,
+ Führen den Knüttel, wie wir den Degen.
+ Warum dürfen wir ihrer lachen?
+ Weil wir einen furchtbaren Haufen ausmachen!
+
+ =Erster Jäger.=
+
+ Ja, ja, im Ganzen, da sitzt die Macht!
+ Der Friedländer hat das wohl erfahren,
+ Wie er dem Kaiser vor acht -- neun Jahren
+ Die große Armee zusammenbracht.
+ Sie wollten erst nur von zwölftausend hören:
+ Die, sagt' er, die kann ich nicht ernähren;
+ Aber ich will sechzigtausend werben,
+ Die, weiß ich, werden nicht Hungers sterben.
+ Und so wurden wir Wallensteiner.
+
+ =Wachtmeister.=
+
+ Zum Exempel, da hack mir einer
+ Von den fünf Fingern, die ich hab',
+ Hier an der Rechten den kleinen ab.
+ Habt ihr mir den Finger bloß genommen?
+ Nein, beim Kuckuck, ich bin um die Hand gekommen!
+ 's ist nur ein Stumpf und nichts mehr wert.
+ Ja, und diese achttausend Pferd,
+ Die man nach Flandern jetzt begehrt,
+ Sind von der Armee nur der kleine Finger.
+ Läßt man sie ziehn, ihr tröstet euch,
+ Wir seien um ein Fünftel nur geringer?
+ Pros't Mahlzeit! da fällt das Ganze gleich.
+ Die Furcht ist weg, der Respekt, die Scheu,
+ Da schwillt dem Bauer der Kamm aufs neu,
+ Da schreiben sie uns in der Wiener Kanzlei
+ Den Quartier- und den Küchenzettel,
+ Und es ist wieder der alte Bettel.
+ Ja, und wie lang wird's stehen an,
+ So nehmen sie uns auch noch den Feldhauptmann --
+ Sie sind ihm am Hofe so nicht grün,
+ Nun, da fällt eben alles hin!
+ Wer hilft uns dann wohl zu unserm Geld?
+ Sorgt, daß man uns die Kontrakte hält?
+ Wer hat den Nachdruck und hat den Verstand,
+ Den schnellen Witz und die feste Hand,
+ Diese gestückelten Heeresmassen
+ Zusammen zu fügen und zu passen?
+ Zum Exempel -- Dragoner -- sprich:
+ Aus welchem Vaterland schreibst du dich?
+
+ =Erster Dragoner.=
+
+ Weit aus Hibernien her komm' ich.
+
+ =Wachtmeister= (zu den beiden Kürassieren).
+
+ Ihr, das weiß ich, seid ein Wallon;
+ Ihr ein Welscher. Man hört's am Ton.
+
+ =Erster Kürassier.=
+
+ Wer ich bin? ich hab's nie können erfahren:
+ Sie stahlen mich schon in jungen Jahren.
+
+ =Wachtmeister.=
+
+ Und du bist auch nicht aus der Näh?
+
+ =Erster Arkebusier.=
+
+ Ich bin von Buchau am Federsee.
+
+ =Wachtmeister.=
+
+ Und Ihr, Nachbar?
+
+ =Zweiter Arkebusier.=
+
+ Aus der Schwitz.
+
+ =Wachtmeister= (zum zweiten Jäger).
+
+ Was für ein Landsmann bist du, Jäger?
+
+ =Zweiter Jäger.=
+
+ Hinter Wismar ist meiner Eltern Sitz.
+
+ =Wachtmeister= (auf den Trompeter zeigend).
+
+ Und der da und ich, wir sind aus Eger.
+ Nun! und wer merkt uns das nun an,
+ Daß wir aus Süden und aus Norden
+ Zusammen geschneit und geblasen worden?
+ Sehn wir nicht aus, wie aus _einem_ Span?
+ Stehn wir nicht gegen den Feind geschlossen,
+ Recht wie zusammen geleimt und gegossen?
+ Greifen wir nicht, wie ein Mühlwerk, flink
+ Ineinander auf Wort und Wink?
+ Wer hat uns so zusammen geschmiedet,
+ Daß ihr uns nimmer unterschiedet?
+ Kein andrer sonst als der Wallenstein!
+
+ =Erster Jäger.=
+
+ Das fiel mir mein Lebtag nimmer ein,
+ Daß wir so gut zusammen passen;
+ Hab' mich immer nur gehen lassen.
+
+ =Erster Kürassier.=
+
+ Dem Wachtmeister muß ich Beifall geben.
+ Dem Kriegsstand kämen sie gern ans Leben;
+ Den Soldaten wollen sie niederhalten,
+ Daß sie alleine können walten.
+ 's ist eine Verschwörung, ein Komplott.
+
+ =Marketenderin.=
+
+ Eine Verschwörung? Du lieber Gott!
+ Da können die Herren ja nicht mehr zahlen.
+
+ =Wachtmeister.=
+
+ Freilich! Es wird alles bankerott.
+ Viele von den Hauptleuten und Generalen
+ Stellten aus ihren eignen Kassen
+ Die Regimenter, wollten sich sehen lassen,
+ Täten sich angreifen über Vermögen,
+ Dachten, es bring' ihnen großen Segen.
+ Und die alle sind um ihr Geld,
+ Wenn das Haupt, wenn der Herzog fällt.
+
+ =Marketenderin.=
+
+ Ach, du mein Heiland! Das bringt mir Fluch!
+ Die halbe Armee steht in meinem Buch.
+ Der Graf Isolani, der böse Zahler,
+ Restiert mir allein noch zweihundert Taler.
+
+ =Erster Kürassier.=
+
+ Was ist da zu machen, Kameraden?
+ Es ist nur _eins_, was uns retten kann:
+ Verbunden können sie uns nichts schaden;
+ Wir stehen alle für _einen_ Mann.
+ Laßt sie schicken und ordenanzen,
+ Wir wollen uns fest in Böhmen pflanzen,
+ Wir geben nicht nach und marschieren nicht,
+ Der Soldat jetzt um seine Ehre ficht.
+
+ =Zweiter Jäger.=
+
+ Wir lassen uns nicht so im Land 'rum führen!
+ Sie sollen kommen und sollen's probieren!
+
+ =Erster Arkebusier.=
+
+ Liebe Herren, bedenkt's mit Fleiß,
+ 's ist des Kaisers Will' und Geheiß.
+
+ =Trompeter.=
+
+ Werden uns viel um den Kaiser scheren.
+
+ =Erster Arkebusier.=
+
+ Laß Er mich das nicht zweimal hören.
+
+ =Trompeter.=
+
+ 's ist aber doch so, wie ich gesagt.
+
+ =Erster Jäger.=
+
+ Ja, ja, ich hört's immer so erzählen,
+ Der Friedländer hab' hier allein zu befehlen.
+
+ =Wachtmeister.=
+
+ So ist's auch, das ist sein Beding und Pakt.
+ Absolute Gewalt hat er, müßt ihr wissen,
+ Krieg zu führen und Frieden zu schließen,
+ Geld und Gut kann er konfiszieren,
+ Kann henken lassen und pardonieren,
+ Offiziere kann er und Obersten machen,
+ Kurz, er hat alle die Ehrensachen.
+ Das hat er vom Kaiser eigenhändig.
+
+ =Erster Arkebusier.=
+
+ Der Herzog ist gewaltig und hochverständig;
+ Aber er bleibt doch, schlecht und recht,
+ Wie wir alle, des Kaisers Knecht.
+
+ =Wachtmeister.=
+
+ Nicht wie wir alle! Das wißt Ihr schlecht.
+ Er ist ein unmittelbarer und freier
+ Des Reiches Fürst, so gut wie der Bayer.
+ Sah ich's etwa nicht selbst mit an,
+ Als ich zu Brandeis die Wach' getan,
+ Wie ihm der Kaiser selbsten erlaubt,
+ Zu bedecken sein fürstlich Haupt?
+
+ =Erster Arkebusier.=
+
+ Das war für das Mecklenburger Land,
+ Das ihm der Kaiser versetzt als Pfand.
+
+ =Erster Jäger= (zum Wachtmeister).
+
+ Wie? In des Kaisers Gegenwart?
+ Das ist doch seltsam und sehr apart!
+
+ =Wachtmeister= (fährt in die Tasche).
+
+ Wollt ihr mein Wort nicht gelten lassen,
+ Sollt ihr's mit Händen greifen und fassen. (Eine Münze zeigend.)
+ Wes ist das Bild und Gepräg?
+
+ =Marketenderin.=
+
+ Weist her!
+ Ei, das ist ja ein Wallensteiner!
+
+ =Wachtmeister.=
+
+ Na, da habt ihr's, was wollt ihr mehr?
+ Ist er nicht Fürst so gut als einer?
+ Schlägt er nicht Geld, wie der Ferdinand?
+ Hat er nicht eigenes Volk und Land?
+ Eine Durchlauchtigkeit läßt er sich nennen!
+ Drum muß er Soldaten halten können.
+
+ =Erster Arkebusier.=
+
+ Das disputiert ihm niemand nicht.
+ Wir aber stehn in des Kaisers Pflicht,
+ Und wer uns bezahlt, das ist der Kaiser.
+
+ =Trompeter.=
+
+ Das leugn' ich Ihm, sieht Er, ins Angesicht.
+ Wer uns _nicht_ zahlt, _das_ ist der Kaiser!
+ Hat man uns nicht seit vierzig Wochen
+ Die Löhnung immer umsonst versprochen?
+
+ =Erster Arkebusier.=
+
+ Ei was! Das steht ja in guten Händen.
+
+ =Erster Kürassier.=
+
+ Fried', ihr Herrn! Wollt ihr mit Schlägen enden?
+ Ist denn darüber Zank und Zwist,
+ Ob der Kaiser unser Gebieter ist?
+ Eben drum, weil wir gern in Ehren
+ Seine tüchtigen Reiter wären,
+ Wollen wir nicht seine Herde sein,
+ Wollen uns nicht von den Pfaffen und Schranzen
+ Herum lassen führen und verpflanzen.
+ Sagt selber! Kommt's nicht dem Herrn zu gut,
+ Wenn sein Kriegsvolk was auf sich halten tut?
+ Wer anders macht ihn, als seine Soldaten,
+ Zu dem großmächtigen Potentaten?
+ Verschafft und bewahrt ihm weit und breit
+ Das große Wort in der Christenheit?
+ Mögen sich die sein Joch aufladen,
+ Die mitessen von seinen Gnaden,
+ Die mit ihm tafeln im goldnen Zimmer.
+ Wir, wir haben von seinem Glanz und Schimmer
+ Nichts als die Müh' und als die Schmerzen,
+ Und wofür wir uns halten in unserm Herzen.
+
+ =Zweiter Jäger.=
+
+ Alle großen Tyrannen und Kaiser
+ Hielten's so und waren viel weiser.
+ Alles andre täten sie hudeln und schänden,
+ Den Soldaten trugen sie auf den Händen.
+
+ =Erster Kürassier.=
+
+ Der Soldat muß sich können fühlen.
+ Wer's nicht edel und nobel treibt,
+ Lieber weit von dem Handwerk bleibt.
+ Soll ich frisch um mein Leben spielen,
+ Muß mir noch etwas gelten mehr.
+ Oder ich lasse mich eben schlachten
+ Wie der Kroat -- und muß mich verachten.
+
+ =Beide Jäger.=
+
+ Ja, übers Leben noch geht die Ehr!
+
+ =Erster Kürassier.=
+
+ Das Schwert ist kein Spaten, kein Pflug,
+ Wer damit ackern wollte, wäre nicht klug.
+ Es grünt uns kein Halm, es wächst keine Saat,
+ Ohne Heimat muß der Soldat
+ Auf dem Erdboden flüchtig schwärmen,
+ Darf sich an eignem Herd nicht wärmen,
+ Er muß vorbei an der Städte Glanz,
+ An des Dörfleins lustigen, grünen Auen,
+ Die Traubenlese, den Erntekranz
+ Muß er wandernd von ferne schauen.
+ Sagt mir, was hat er an Gut und Wert,
+ Wenn der Soldat sich nicht selber ehrt?
+ Etwas muß er sein eigen nennen,
+ Oder der Mensch wird morden und brennen.
+
+ =Erster Arkebusier.=
+
+ Das weiß Gott, 's ist ein elend Leben!
+
+ =Erster Kürassier.=
+
+ Möcht's doch nicht für ein andres geben.
+ Seht, ich bin weit in der Welt 'rum kommen,
+ Hab' alles in Erfahrung genommen.
+ Hab' der hispanischen Monarchie
+ Gedient und der Republik Venedig
+ Und dem Königreich Napoli;
+ Aber das Glück war mir nirgends gnädig.
+ Hab' den Kaufmann gesehn und den Ritter
+ Und den Handwerksmann und den Jesuiter,
+ Und kein Rock hat mir unter allen
+ Wie mein eisernes Wams gefallen.
+
+ =Erster Arkebusier.=
+
+ Ne! das kann ich eben nicht sagen.
+
+ =Erster Kürassier.=
+
+ Will einer in der Welt was erjagen,
+ Mag er sich rühren und mag sich plagen;
+ Will er zu hohen Ehren und Würden,
+ Bück' er sich unter die goldnen Bürden;
+ Will er genießen den Vatersegen,
+ Kinder und Enkelein um sich pflegen,
+ Treib' er ein ehrlich Gewerb' in Ruh.
+ Ich -- ich hab' kein Gemüt dazu.
+ Frei will ich leben und also sterben,
+ Niemand berauben und niemand beerben
+ Und auf das Gehudel unter mir
+ Leicht wegschauen von meinem Tier.
+
+ =Erster Jäger.=
+
+ Bravo! Just so ergeht es mir.
+
+ =Erster Arkebusier.=
+
+ Lustiger freilich mag sich's haben,
+ Über anderer Köpf' wegtraben.
+
+ =Erster Kürassier.=
+
+ Kamerad, die Zeiten sind schwer,
+ Das Schwert ist nicht bei der Wage mehr;
+ Aber so mag mir's keiner verdenken,
+ Daß ich mich lieber zum Schwert will lenken.
+ Kann ich im Krieg mich doch menschlich fassen,
+ Aber nicht auf mir trommeln lassen.
+
+ =Erster Arkebusier.=
+
+ Wer ist dran schuld, als wir Soldaten,
+ Daß der Nährstand in Schimpf geraten?
+ Der leidige Krieg und die Not und Plag'
+ In die sechzehn Jahr' schon währen mag.
+
+ =Erster Kürassier.=
+
+ Bruder, den lieben Gott da droben,
+ Es können ihn alle zugleich nicht loben.
+ Einer will die Sonn', die den andern beschwert;
+ Dieser will's trocken, was jener feucht begehrt.
+ Wo _du_ nur die Not siehst und die Plag',
+ Da scheint mir des Lebens heller Tag.
+ Geht's auf Kosten des Bürgers und Bauern,
+ Nun, wahrhaftig, sie werden mich dauern;
+ Aber ich kann's nicht ändern -- seht,
+ 's ist hier just, wie's beim Einhau'n geht:
+ Die Pferde schnauben und setzen an,
+ Liege, wer will, mitten in der Bahn,
+ Sei's mein Bruder, mein leiblicher Sohn,
+ Zerriss' mir die Seele sein Jammerton,
+ Über seinen Leib weg muß ich jagen,
+ Kann ihn nicht sachte beiseite tragen.
+
+ =Erster Jäger.=
+
+ Ei, wer wird nach dem andern fragen!
+
+ =Erster Kürassier.=
+
+ Und weil sich's nun einmal so gemacht,
+ Daß das Glück dem Soldaten lacht,
+ Laßt's uns mit beiden Händen fassen,
+ Lang werden sie's uns nicht so treiben lassen.
+ Der Friede wird kommen über Nacht,
+ Der dem Wesen ein Ende macht;
+ Der Soldat zäumt ab, der Bauer spannt ein,
+ Eh man's denkt, wird's wieder das alte sein.
+ Jetzt sind wir noch beisammen im Land,
+ Wir haben's Heft noch in der Hand.
+ Lassen wir uns auseinander sprengen,
+ Werden sie uns den Brotkorb höher hängen.
+
+ =Erster Jäger.=
+
+ Nein, das darf nimmermehr geschehn!
+ Kommt, laßt uns alle für _einen_ stehn!
+
+ =Zweiter Jäger.=
+
+ Ja, laßt uns Abrede nehmen, hört!
+
+ =Erster Arkebusier= (ein ledernes Beutelchen ziehend, zur
+ Marketenderin).
+
+ Gevatterin, was hab' ich verzehrt?
+
+ =Marketenderin.=
+
+ Ach, es ist nicht der Rede wert! (Sie rechnen.)
+
+ =Trompeter.=
+
+ Ihr tut wohl, daß ihr weiter geht,
+ Verderbt uns doch nur die Sozietät.
+
+(Arkebusiere gehen ab.)
+
+ =Erster Kürassier.=
+
+ Schad' um die Leut! Sind sonst wackre Brüder.
+
+ =Erster Jäger.=
+
+ Aber das denkt wie ein Seifensieder.
+
+ =Zweiter Jäger.=
+
+ Jetzt sind wir unter uns, laßt hören,
+ Wie wir den neuen Anschlag stören.
+
+ =Trompeter.=
+
+ Was? wir gehen eben nicht hin.
+
+ =Erster Kürassier.=
+
+ Nichts, ihr Herrn, gegen die Disziplin!
+ Jeder geht jetzt zu seinem Korps,
+ Trägt's den Kameraden vernünftig vor,
+ Daß sie's begreifen und einsehn lernen:
+ Wir dürfen uns nicht so weit entfernen.
+ Für meine Wallonen sag' ich gut.
+ So, wie ich, jeder denken tut.
+
+ =Wachtmeister.=
+
+ Terzkas Regimenter zu Roß und Fuß
+ Stimmen alle in diesen Schluß.
+
+ =Zweiter Kürassier= (stellt sich zum ersten).
+
+ Der Lombard sich nicht vom Wallonen trennt.
+
+ =Erster Jäger.=
+
+ Freiheit ist Jägers Element.
+
+ =Zweiter Jäger.=
+
+ Freiheit ist bei der Macht allein:
+ Ich leb' und sterb' bei dem Wallenstein.
+
+ =Erster Scharfschütz.=
+
+ Der Lothringer geht mit der großen Flut,
+ Wo der leichte Sinn ist und lustiger Mut.
+
+ =Dragoner.=
+
+ Der Irländer folgt des Glückes Stern.
+
+ =Zweiter Scharfschütz.=
+
+ Der Tiroler dient nur dem Landesherrn.
+
+ =Erster Kürassier.=
+
+ Also laßt jedes Regiment
+ Ein Promemoria reinlich schreiben:
+ Daß wir zusammen wollen bleiben,
+ Daß uns keine Gewalt noch List
+ Von dem Friedländer weg soll treiben,
+ Der ein Soldatenvater ist.
+ Das reicht man in tiefer Devotion
+ Dem Piccolomini -- ich meine den Sohn --
+ Der versteht sich auf solche Sachen,
+ Kann bei dem Friedländer alles machen,
+ Hat auch einen großen Stein im Bret
+ Bei des Kaisers und Königs Majestät.
+
+ =Zweiter Jäger.=
+
+ Kommt! Dabei bleibt's! Schlagt alle ein!
+ Piccolomini soll unser Sprecher sein.
+
+ =Trompeter.= =Dragoner.= =Erster Jäger.= =Zweiter Kürassier.=
+ =Scharfschützen= (zugleich).
+
+ Piccolomini soll unser Sprecher sein. (Wollen fort.)
+
+ =Wachtmeister.=
+
+ Erst noch ein Gläschen, Kameraden! (Trinkt.)
+ Des Piccolomini hohe Gnaden!
+
+ =Marketenderin= (bringt eine Flasche).
+
+ Das kommt nicht aufs Kerbholz. Ich geb' es gern.
+ Gute Verrichtung, meine Herrn!
+
+ =Kürassiere.=
+
+ Der Wehrstand soll leben!
+
+ =Beide Jäger.=
+
+ Der Nährstand soll geben!
+
+ =Dragoner= und =Scharfschützen=.
+
+ Die Armee soll florieren!
+
+ =Trompeter= und =Wachtmeister=.
+
+ Und der Friedländer soll sie regieren!
+
+ =Zweiter Kürassier= (singt).
+
+ Wohl auf, Kameraden, aufs Pferd, aufs Pferd!
+ Ins Feld, in die Freiheit gezogen.
+ Im Felde, da ist der Mann noch was wert,
+ Da wird das Herz noch gewogen.
+ Da tritt kein anderer für ihn ein,
+ Auf sich selber steht er da ganz allein.
+
+(Die Soldaten aus dem Hintergrunde haben sich während des Gesangs
+herbeigezogen und machen den Chor.)
+
+ =Chor.=
+
+ Da tritt kein anderer für ihn ein,
+ Auf sich selber steht er da ganz allein.
+
+ =Dragoner.=
+
+ Aus der Welt die Freiheit verschwunden ist,
+ Man sieht nur Herren und Knechte;
+ Die Falschheit herrschet, die Hinterlist
+ Bei dem feigen Menschengeschlechte.
+ Der dem Tod ins Angesicht schauen kann,
+ Der Soldat allein ist der freie Mann.
+
+ =Chor.=
+
+ Der dem Tod ins Angesicht schauen kann,
+ Der Soldat allein ist der freie Mann.
+
+ =Erster Jäger.=
+
+ Des Lebens Ängsten, er wirft sie weg,
+ Hat nicht mehr zu fürchten, zu sorgen;
+ Er reitet dem Schicksal entgegen keck;
+ Trifft's heute nicht, trifft es doch morgen.
+ Und trifft es morgen, so lasset uns heut
+ Noch schlürfen die Neige der köstlichen Zeit.
+
+ =Chor.=
+
+ Und trifft es morgen, so lasset uns heut
+ Noch schlürfen die Neige der köstlichen Zeit.
+
+(Die Gläser sind aufs neue gefüllt worden, sie stoßen an und trinken.)
+
+ =Wachtmeister.=
+
+ Von dem Himmel fällt ihm sein lustig Los,
+ Braucht's nicht mit Müh' zu erstreben;
+ Der Fröner, der sucht in der Erde Schoß,
+ Da meint er den Schatz zu erheben.
+ Er gräbt und schaufelt, so lang er lebt,
+ Und gräbt, bis er endlich sein Grab sich gräbt.
+
+ =Chor.=
+
+ Er gräbt und schaufelt, so lang er lebt,
+ Und gräbt, bis er endlich sein Grab sich gräbt.
+
+ =Erster Jäger.=
+
+ Der Reiter und sein geschwindes Roß,
+ Sie sind gefürchtete Gäste;
+ Es flimmern die Lampen im Hochzeitschloß,
+ Ungeladen kommt er zum Feste.
+ Er wirbt nicht lange, er zeiget nicht Gold,
+ Im Sturm erringt er den Minnesold.
+
+ =Chor.=
+
+ Er wirbt nicht lange, er zeiget nicht Gold,
+ Im Sturm erringt er den Minnesold.
+
+ =Zweiter Kürassier.=
+
+ Warum weint die Dirn und zergrämet sich schier?
+ Laß fahren dahin, laß fahren!
+ Er hat auf Erden kein bleibend Quartier,
+ Kann treue Lieb nicht bewahren.
+ Das rasche Schicksal, es treibt ihn fort,
+ Seine Ruhe läßt er an keinem Ort.
+
+ =Chor.=
+
+ Das rasche Schicksal, es treibt ihn fort,
+ Seine Ruhe läßt er an keinem Ort.
+
+ =Erster Jäger= (faßt die zwei Nächsten an der Hand; die übrigen ahmen
+ es nach, alle, welche gesprochen, bilden einen großen Halbkreis).
+
+ Drum frisch, Kameraden, den Rappen gezäumt,
+ Die Brust im Gefechte gelüftet!
+ Die Jugend brauset, das Leben schäumt,
+ Frisch auf! eh der Geist noch verdüftet.
+ Und setzet ihr nicht das Leben ein,
+ Nie wird euch das Leben gewonnen sein.
+
+ =Chor.=
+
+ Und setzet ihr nicht das Leben ein,
+ Nie wird euch das Leben gewonnen sein(1).
+
+(Der Vorhang fällt, ehe der Chor ganz ausgesungen.)
+
+ (1) In einer Separatausgabe des Reiterlieds aus dem Jahre 1807
+ und im Taschenbuch für Damen findet sich noch folgende weitere,
+ unzweifelhaft von Schiller herrührende Strophe:
+
+ Auf des Degens Spitze die Welt jetzt liegt,
+ Drum froh, wer den Degen jetzt führet,
+ Und bleibt nur wacker zusammengefügt,
+ Ihr zwingt das Glück und regieret.
+ Es sitzt keine Krone so fest, so hoch,
+ Der mutige Springer erreicht sie doch.
+
+ =_Chor._=
+
+ Es sitzt keine Krone so fest, so hoch,
+ Der mutige Springer erreicht sie doch.
+
+
+
+
+ [ Im folgenden werden alle geänderten Textzeilen angeführt, wobei
+ jeweils zuerst die Zeile wie im Original, danach die geänderte Zeile
+ steht.
+
+ _Vorige. Zwei Jäger._ Dann _Marketenderin_. _Soldatenjungen_
+ _Vorige. Zwei Jäger._ Dann _Marketenderin_. _Soldatenjungen._
+
+ Wir ebenso gut seinen Namen führen
+ Wir ebenso gut seinen Namen führen.
+
+ Wieder ein Gebot ist: Du sollt nicht stehlen.
+ Wieder ein Gebot ist: Du sollst nicht stehlen.
+
+ ]
+
+
+
+
+
+
+End of Project Gutenberg's Wallensteins Lager, by Friedrich von Schiller
+
+*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK WALLENSTEINS LAGER ***
+
+***** This file should be named 6518-8.txt or 6518-8.zip *****
+This and all associated files of various formats will be found in:
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+Produced by Jana Srna, Norbert H. Langkau and the Online
+Distributed Proofreading Team at https://www.pgdp.net
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+Updated editions will replace the previous one--the old editions
+will be renamed.
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+Creating the works from public domain print editions means that no
+one owns a United States copyright in these works, so the Foundation
+(and you!) can copy and distribute it in the United States without
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+set forth in the General Terms of Use part of this license, apply to
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+Gutenberg is a registered trademark, and may not be used if you
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+such as creation of derivative works, reports, performances and
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+redistribution.
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+ must be paid within 60 days following each date on which you
+ prepare (or are legally required to prepare) your periodic tax
+ returns. Royalty payments should be clearly marked as such and
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+the applicable state law. The invalidity or unenforceability of any
+provision of this agreement shall not void the remaining provisions.
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+trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone
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+that arise directly or indirectly from any of the following which you do
+or cause to occur: (a) distribution of this or any Project Gutenberg-tm
+work, (b) alteration, modification, or additions or deletions to any
+Project Gutenberg-tm work, and (c) any Defect you cause.
+
+
+Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg-tm
+
+Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
+electronic works in formats readable by the widest variety of computers
+including obsolete, old, middle-aged and new computers. It exists
+because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
+people in all walks of life.
+
+Volunteers and financial support to provide volunteers with the
+assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
+goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
+remain freely available for generations to come. In 2001, the Project
+Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
+and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations.
+To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
+and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
+and the Foundation web page at https://www.pglaf.org.
+
+
+Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive
+Foundation
+
+The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
+501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
+state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
+Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification
+number is 64-6221541. Its 501(c)(3) letter is posted at
+https://pglaf.org/fundraising. Contributions to the Project Gutenberg
+Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
+permitted by U.S. federal laws and your state's laws.
+
+The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
+Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
+throughout numerous locations. Its business office is located at
+809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email
+business@pglaf.org. Email contact links and up to date contact
+information can be found at the Foundation's web site and official
+page at https://pglaf.org
+
+For additional contact information:
+ Dr. Gregory B. Newby
+ Chief Executive and Director
+ gbnewby@pglaf.org
+
+
+Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg
+Literary Archive Foundation
+
+Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
+spread public support and donations to carry out its mission of
+increasing the number of public domain and licensed works that can be
+freely distributed in machine readable form accessible by the widest
+array of equipment including outdated equipment. Many small donations
+($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
+status with the IRS.
+
+The Foundation is committed to complying with the laws regulating
+charities and charitable donations in all 50 states of the United
+States. Compliance requirements are not uniform and it takes a
+considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
+with these requirements. We do not solicit donations in locations
+where we have not received written confirmation of compliance. To
+SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any
+particular state visit https://pglaf.org
+
+While we cannot and do not solicit contributions from states where we
+have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
+against accepting unsolicited donations from donors in such states who
+approach us with offers to donate.
+
+International donations are gratefully accepted, but we cannot make
+any statements concerning tax treatment of donations received from
+outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff.
+
+Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
+methods and addresses. Donations are accepted in a number of other
+ways including including checks, online payments and credit card
+donations. To donate, please visit: https://pglaf.org/donate
+
+
+Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic
+works.
+
+Professor Michael S. Hart was the originator of the Project Gutenberg-tm
+concept of a library of electronic works that could be freely shared
+with anyone. For thirty years, he produced and distributed Project
+Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.
+
+
+Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
+editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S.
+unless a copyright notice is included. Thus, we do not necessarily
+keep eBooks in compliance with any particular paper edition.
+
+
+Most people start at our Web site which has the main PG search facility:
+
+ https://www.gutenberg.org
+
+This Web site includes information about Project Gutenberg-tm,
+including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
+Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
+subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks.
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+<body>
+
+
+<pre>
+
+The Project Gutenberg EBook of Wallensteins Lager, by Friedrich von Schiller
+
+This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
+almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or
+re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
+with this eBook or online at www.gutenberg.org
+
+
+Title: Wallensteins Lager
+
+Author: Friedrich von Schiller
+
+Contributor: Karl Goedeke
+
+Posting Date: March 20, 2011 [EBook #6518]
+Release Date: September, 2004
+First Posted: December 25, 2002
+
+Language: German
+
+Character set encoding: UTF-8
+
+*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK WALLENSTEINS LAGER ***
+
+
+
+
+Produced by Jana Srna, Norbert H. Langkau and the Online
+Distributed Proofreading Team at https://www.pgdp.net
+
+
+
+
+
+
+</pre>
+
+
+
+<div id="tnote">
+<p class="center"><b>Anmerkungen zur Transkription:</b></p>
+<p>Der auf der Titelseite angeführte zweite Teil, »Die Piccolomini«,
+ist in diesem e-book nicht enthalten.</p>
+<p>Schreibweise und Interpunktion des Originaltextes wurden
+übernommen; lediglich offensichtliche Druckfehler wurden
+korrigiert. <span class="screen">Änderungen sind im Text <ins title="so wie hier">gekennzeichnet</ins>,
+der Originaltext erscheint beim Überfahren mit der Maus.</span> Eine
+<a href="#tn-bottom">Liste der vorgenommenen Änderungen</a> findet sich
+am Ende des Textes.</p>
+</div>
+
+<p class="center page-break" style="font-size: large;">Cotta'sche Handbibliothek</p>
+<h1>Wallenstein</h1>
+
+<p class="center" style="font-size: large; line-height: 1.8em;">Ein dramatisches Gedicht<br/>
+<small>von</small><br/>
+<big>Friedrich von Schiller</big></p>
+
+<p class="center" style="margin: 2em auto;">Mit einer Einleitung von <span class="gesperrt">Karl Goedeke</span></p>
+
+<p class="center">Erster Teil</p>
+
+<p class="center"><b>Wallensteins Lager &ndash; Die Piccolomini</b></p>
+
+<div class="figcenter" style="width: 80px; margin: 4em auto 1em auto;">
+<img src="images/logo.png" width="80" height="84" alt=""/>
+</div>
+
+<p class="center" style="line-height: 1.6em;">Stuttgart und Berlin<br/>
+J.&nbsp;G. Cotta'sche Buchhandlung Nachfolger<br/>
+<small style="border: 1px solid black; padding: 0.2em;">A. g. XIII.</small></p>
+
+<h2><a class="pagenum" name="Page_3" title="3"> </a>Einleitung.</h2>
+
+<p>Länger noch als am Don Carlos arbeitete Schiller am Wallenstein.
+Mitten in der Ausarbeitung seiner Geschichte des Dreißigjährigen
+Krieges für den Damenkalender, schon im Mai 1792, regte
+sich die Lust, diesen Stoff dramatisch zu behandeln. Doch erst im
+März des Jahres 1794 begann er, damals mit seiner Familie in
+Stuttgart lebend, einen Plan auszuarbeiten, der jedoch nach seiner
+Rückkehr nach Jena liegen blieb und nach Verlauf von vollen zwei
+Jahren noch nicht zur Ausführung gediehen war. Am 22. Oktober 1796
+begann er die Arbeit mit Eifer und widmete ihr bis zum 17. März
+1799, die Unterbrechungen abgerechnet, volle zwanzig Monate.</p>
+
+<p>Der Stoff war überaus spröde und hatte beinahe alles, was
+ihn von dramatischer und tragischer Behandlung ausschließen sollte,
+da es im Grunde eine Staatsaktion war, die in Rücksicht auf den
+poetischen Gebrauch alle jene Unarten besaß, die eine politische Handlung
+nur haben konnte: ein unsichtbares abstraktes Objekt, kleine
+und viele Mittel, zerstreute Handlungen, einen furchtsamen Schritt,
+eine für den Vorteil des Poeten viel zu kalte trockene Zweckmäßigkeit,
+ohne doch diese zur Vollendung und dadurch zu einer poetischen
+Größe zu treiben; denn am Ende mißlang der Entwurf Wallensteins
+nur durch Ungeschicklichkeit. Die Basis, auf die Wallenstein seine
+Unternehmungen gründete, war die Armee, mithin für den Dichter
+eine unendliche Fläche, die er nicht vor das Auge und nur mit Aufwand
+großer Kraft vor die Phantasie bringen konnte; er konnte also
+das Objekt, auf dem Wallenstein ruhte, nicht zeigen und ebensowenig
+das, wodurch er fiel: die Stimmung der Armee, den Hof, den Kaiser.
+Auch die Leidenschaften selbst, durch die er bewegt wurde, Rachsucht
+und Ehrbegierde, waren von der kältesten Gattung. Sein Charakter
+endlich war niemals edel und durfte es nie sein, und durchaus
+konnte er nur furchtbar, nie eigentlich groß erscheinen; um ihn nicht
+zu erdrücken, durfte ihm nichts Großes gegenüber gestellt werden;
+dadurch wurde der Dichter notwendig niedergehalten, dem somit fast
+alles abgeschnitten erschien, wodurch er dem Stoffe nach seiner gewohnten
+<a class="pagenum" name="Page_4" title="4"> </a>
+Art hätte beikommen können; von dem Inhalte hatte er
+fast nichts zu erwarten. Alles mußte durch eine glückliche Form
+bewerkstelligt werden, und nur durch eine kunstreiche Führung der
+Handlung war der Stoff zu einer schönen Tragödie zu erheben.
+Aber gerade ein solcher Stoff mußte es, wie Schiller selbst am lebhaftesten
+erkannte, sein, an dem er sein neues dramatisches Leben
+eröffnen und neue Haltung gewinnen konnte. Auch behandelte er
+sein Geschäft nun ganz anders, als er ehemals gepflegt hatte; es
+gelang ihm ganz gut, seinen Stoff außer sich zu halten und nur den
+Gegenstand zu geben; er hatte nie eine solche Kälte für diesen mit
+einer solchen Wärme für die Arbeit in sich vereinigt. Den Hauptcharakter
+sowohl als die meisten Nebencharaktere behandelte er mit
+der reinen Liebe des Künstlers, und nur an Max und Thekla, die
+nächsten nach Wallenstein, fühlte er sich durch eigene Zuneigung gefesselt.
+Aber die Ausarbeitung der ihnen gewidmeten Szenen sparte
+er sich auf, bis er der übrigen Staatsaktion, von der sie sich ihrer
+frei menschlichen Natur nach völlig trennten, ja dem geschäftigen
+Wesen derselben dem Geiste nach entgegengesetzt erschienen, die ihm
+mögliche feste Gestalt gegeben. Was er dann am meisten zu fürchten
+hatte, war, daß das überwiegende menschliche Interesse dieser großen
+Episode an der schon feststehenden ausgeführten Handlung leicht
+etwas verrücken möchte, da, wie er meinte, ihrer Natur nach ihr die
+Herrschaft gebühre, und je mehr ihm die Ausführung derselben gelingen
+sollte, die übrige Handlung dabei desto mehr ins Gedränge
+zu kommen Gefahr lief. Denn es war ihm weit schwerer, ein
+Interesse für das Gefühl als für den Verstand aufzugeben. Er
+suchte nun sich aller Motive, die im ganzen Umkreise seines Stücks
+für diese Episode und in ihr selbst lagen, zu bemächtigen und so,
+wenn auch langsam, die rechte Stimmung in sich reifen zu lassen.
+Aus dieser Art der Arbeit, zwei grundverschiedene Richtungen, die
+Politik und die Liebe, in getrennten Charakteren zu verschiedenen
+Zeitpunkten zu behandeln und diese sich fast feindlichen Bestandteile
+zu einem einzigen Ganzen zu vereinigen, erklärt es sich, wie weder
+die eine noch die andere zur entschiedenen Herrschaft gelangen konnte
+und beide sich gegenseitig mehr zu verdrängen und auszuschließen,
+als mit vereinter Kraft eine reine Gesamtwirkung in der Seele
+des Beschauers hervorzubringen fähig erscheinen. Denen, die von der
+strengen Realistik der Staatsaktion, wie sie der Dichter nennt, verstandesmäßig
+befriedigt sind, wird die Gefühlswelt der großen Episode
+allzu idealistisch-körperlos erscheinen, denen, deren Herz, von der
+lyrischen Gewalt der Darstellung bezwungen, für Max und Thekla
+schlägt, wird das lebenswahre Abbild der Geschichte allenfalls trocken
+<a class="pagenum" name="Page_5" title="5"> </a>
+und nüchtern vorkommen, und nur wenigen Lesern und Hörern
+mochte der Einklang beider Welten, wie er in der Seele des Dichters
+sich gestaltet hatte, wahrnehmbar werden, der Prozeß seiner Entwickelung,
+wo die bisherige lyrische Subjektivität von der objektiven
+Welt gleichsam aufgesogen wurde. Von hier an war Schiller entschieden,
+nur historische Stoffe zu wählen; frei erfundene, die ihn
+veranlassen mußten, das Ideale zu realisieren, also seine Ideen zur
+Hauptsache zu machen, um die reale Welt darnach zu gestalten,
+erkannte er als eine Klippe seiner Kunst, während die Behandlung
+historisch gegebener Stoffe, bei der das Realistische zu idealisieren
+war, ihm gebot, eine gegebene bestimmte und beschränkte Materie zu
+beleben, zu erwärmen und gleichsam aufquellen zu machen, wobei die
+objektive Bestimmtheit eines solchen Stoffes zugleich seine Phantasie
+zügelte und seiner Willkür Widerstand leistete. Schiller hatte jedoch
+während der Schöpfung des Wallenstein noch eine andre zwar formelle,
+aber für den Dichter ungemein bedeutungsvolle Erkenntnis
+gewonnen. In kaum begreiflicher Weise hatte W. von Humboldt
+den Rat gegeben, den Wallenstein in Prosa zu schreiben, und Schiller,
+dem es hinsichtlich der Arbeit wenig Unterschied machte, ob er in
+Jamben oder Prosa schrieb, wählte, obwohl er einsah, daß der Vers
+mehr poetische Würde verleihen müsse, anfänglich der größern Ungezwungenheit
+wegen und um das Stück für die theatralische Vorstellung
+bequemer zu machen, die letztere. Alles, was bis in die
+Mitte des Jahres 1797 ausgearbeitet war, hatte er in Prosa geschrieben,
+und als er sich im November 1797 dennoch für den Vers entschied
+und alles bis dahin Geschaffene umarbeiten mußte, begriff er
+kaum, wie er es je habe anders wollen können, da es unmöglich sei,
+ein <em class="gesperrt">Gedicht</em> in <em class="gesperrt">Prosa</em> zu schreiben. Von nun an, seitdem er seine
+prosaische Sprache in eine poetische-rhythmische verwandelte, befand
+er sich unter einer ganz andern Gerichtsbarkeit als vorher; selbst
+viele Motive, die in der prosaischen Ausführung recht gut am Platz
+zu stehen schienen, konnte er jetzt nicht mehr gebrauchen; sie waren
+bloß für den gewöhnlichen Hausverstand, dessen Organ die Prosa
+ist; aber der Vers forderte schlechterdings Beziehungen auf die Einbildungskraft,
+und so mußte der Dichter auch in mehreren seiner
+Motive poetischer werden, da das Platte nirgends so ins Licht kommt,
+als wenn es in gebundener Schreibart ausgesprochen wird. Der
+Rhythmus leistete, wie er erkannte, bei einer dramatischen Produktion
+auch noch das Große und Bedeutende, daß er, indem er alle Charaktere
+und alle Situationen nach <em class="gesperrt">einem</em> Gesetz behandelte und sie,
+trotz ihres inneren Unterschiedes, nach <em class="gesperrt">einer</em> Form ausführte, dadurch
+den Dichter und seinen Leser nötigte, von allem noch so Charakteristisch-Verschiedenen
+<a class="pagenum" name="Page_6" title="6"> </a>
+etwas Allgemeines, Rein-Menschliches zu verlangen. Bei
+der Bearbeitung in Versen stellte sich indessen wiederum eine neue
+Gefahr heraus, die des übermäßigen Anschwellens, da die Jamben,
+obgleich sie den Ausdruck verkürzten, eine poetische Gemütlichkeit
+unterhielten, die ins Breite trieb. So kam es, daß die Arbeit, die
+beim Beginn im strengen Sinne für die theatralische Vorstellung
+bestimmt war, beim Abschluß über die Grenzen hinausgewachsen
+erschien und zum Zwecke der Aufführung in Teile zerlegt werden
+mußte, wobei sich wiederum mannigfache nachträgliche, wenn auch
+nicht tiefgreifende Umänderungen als nötig ergaben. Goethe, der
+sich bis dahin durch Wohlwollen und Teilnahme förderlich erwiesen,
+aber durchaus, was früher wohl behauptet ist, einen mitarbeitenden
+oder sich auf einzelnes erstreckenden Anteil am Wallenstein nicht genommen
+hatte, wünschte für die Eröffnung des neuen Theatersaales
+den ersten Akt, den damals das ›Lager‹ bildete, als eine selbständige
+Arbeit aufgeführt zu sehen und gab, als Schiller bereitwillig darauf
+einging, nun ein Soldatenlied, dem Schiller noch ein paar Strophen
+einfügte, dazu her, so wie er auch durch Mitteilung eines Buches
+von Abraham a Santa Clara Veranlassung bot, daß Schiller die
+Kapuzinerpredigt hinzudichtete. Mit einem rasch entworfenen Prolog,
+der jetzt die dramatische Dichtung eröffnet, wurden die ›Wallensteiner‹,
+wie das ›Lager‹ damals hieß, am 12. Oktober 1798 zuerst
+gegeben. Über die Bedeutung des Vorspiels für das Ganze der
+Dichtung und über diese selbst sind in den vorstehenden Mitteilungen
+und in dem ›Prologe‹ ausreichende Fingerzeige enthalten, die deshalb
+hier keiner weiteren Ausdeutung und Erklärung bedürfen. Nach
+Abscheidung des Vorspiels, reifer Überlegung und vielen Konferenzen
+mit Goethe wurde die übrige Dichtung nun in zwei Stücke getrennt,
+von denen das erste, die Piccolomini, deren Verhältnis für und
+gegen Wallenstein es behandelt, die Exposition der Handlung in
+ihrer ganzen Breite enthält und gerade da endigt, wo der Knoten
+geknüpft ist. Dieser Teil wurde zuerst am 30. Januar 1799, zum
+Geburtstage der Herzogin Luise, in Weimar vorgestellt. Das andre
+Stück, Wallensteins Tod, die eigentliche Tragödie, erschien, nachdem
+die Piccolomini am 17. April wiederholt waren, am 20. April 1799
+zuerst auf der weimarischen Bühne und am 17. Mai auf der Berliner.
+Im Juni des folgenden Jahres erschien Wallenstein bei Cotta im
+Druck, und die 3500 Exemplare der Auflage waren im September
+bereits vergriffen.</p>
+
+<div class="right">
+<p><b>K. Goedeke.</b></p>
+</div>
+
+<p class="center page-break page-break-after" style="font-size: x-large;"><a class="pagenum" name="Page_7" title="7"> </a>Wallensteins Lager.</p>
+
+<h2><a class="pagenum" name="Page_9" title="9"> </a>Personen.</h2>
+
+<table id="dramatis-personae" summary="Personen">
+<tr>
+ <td style="width: 1em;"><span class="gesperrt">Wachtmeister</span>,</td>
+ <td class="top right">&nbsp;</td>
+ <td class="bottom">&nbsp;</td>
+ <td colspan="4" rowspan="2">von einem Terzkyschen Karabinier-Regiment.</td>
+</tr>
+<tr>
+ <td style="width: 1em;"><span class="gesperrt">Trompeter</span>,</td>
+ <td class="bottom right">&nbsp;</td>
+ <td class="top">&nbsp;</td>
+</tr>
+<tr>
+ <td colspan="7"><span class="gesperrt">Konstabler</span>.</td>
+</tr>
+<tr>
+ <td colspan="7"><span class="gesperrt">Scharfschützen</span>.</td>
+</tr>
+<tr>
+ <td colspan="7"><span class="gesperrt">Zwei Holkische reitende Jäger</span>.</td>
+</tr>
+<tr>
+ <td colspan="7"><span class="gesperrt">Buttlerische Dragoner</span>.</td>
+</tr>
+<tr>
+ <td colspan="7"><span class="gesperrt">Arkebusiere</span> vom Regiment Tiefenbach.</td>
+</tr>
+<tr>
+ <td colspan="4"><span class="gesperrt">Kürassier</span> von einem wallonischen</td>
+ <td class="top right">&nbsp;</td>
+ <td class="bottom">&nbsp;</td>
+ <td rowspan="2" style="width: 1em;">Regiment.</td>
+</tr>
+<tr>
+ <td colspan="4"><span class="gesperrt">Kürassier</span> von einem lombardischen</td>
+ <td class="bottom right">&nbsp;</td>
+ <td class="top">&nbsp;</td>
+</tr>
+<tr>
+ <td colspan="7"><span class="gesperrt">Kroaten</span>.</td>
+</tr>
+<tr>
+ <td colspan="7"><span class="gesperrt">Ulanen</span>.</td>
+</tr>
+<tr>
+ <td colspan="7"><span class="gesperrt">Rekrut</span>.</td>
+</tr>
+<tr>
+ <td colspan="7"><span class="gesperrt">Bürger</span>.</td>
+</tr>
+<tr>
+ <td colspan="7"><span class="gesperrt">Bauer</span>.</td>
+</tr>
+<tr>
+ <td colspan="7"><span class="gesperrt">Bauerknabe</span>.</td>
+</tr>
+<tr>
+ <td colspan="7"><span class="gesperrt">Kapuziner</span>.</td>
+</tr>
+<tr>
+ <td colspan="7"><span class="gesperrt">Soldatenschulmeister</span>.</td>
+</tr>
+<tr>
+ <td colspan="7"><span class="gesperrt">Marketenderin</span>.</td>
+</tr>
+<tr>
+ <td colspan="7"><span class="gesperrt">Eine Aufwärterin</span>.</td>
+</tr>
+<tr>
+ <td colspan="7"><span class="gesperrt">Soldatenjungen</span>.</td>
+</tr>
+<tr>
+ <td colspan="7"><span class="gesperrt">Hoboisten</span>.</td>
+</tr>
+</table>
+
+<div class="center">
+<p>Vor der Stadt Pilsen in Böhmen.</p>
+</div>
+
+<h2><a class="pagenum" name="Page_11" title="11"> </a>Prolog.<br/>
+<small>Gesprochen bei Wiedereröffnung der Schaubühne in Weimar im Oktober 1798.</small></h2>
+
+<div class="poetry">
+<div class="stanza">
+<div class="line indent2">Der scherzenden, der ernsten Maske Spiel,<br/></div>
+<div class="line">Dem ihr so oft ein willig Ohr und Auge<br/></div>
+<div class="line">Geliehn, die weiche Seele hingegeben,<br/></div>
+<div class="line">Vereinigt uns aufs neu in diesem Saal &ndash;<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_P_5" title="5"> </a>Und sieh! er hat sich neu verjüngt, ihn hat<br/></div>
+<div class="line">Die Kunst zum heitern Tempel ausgeschmückt,<br/></div>
+<div class="line">Und ein harmonisch hoher Geist spricht uns<br/></div>
+<div class="line">Aus dieser edeln Säulenordnung an<br/></div>
+<div class="line">Und regt den Sinn zu festlichen Gefühlen.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line indent2"><a class="linenum" name="Line_P_10" title="10"> </a>Und doch ist dies der alte Schauplatz noch,<br/></div>
+<div class="line">Die Wiege mancher jugendlichen Kräfte,<br/></div>
+<div class="line">Die Laufbahn manches wachsenden Talents.<br/></div>
+<div class="line">Wir sind die Alten noch, die sich vor euch<br/></div>
+<div class="line">Mit warmem Trieb und Eifer ausgebildet.<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_P_15" title="15"> </a>Ein edler Meister stand auf diesem Platz,<br/></div>
+<div class="line">Euch in die heitern Höhen seiner Kunst<br/></div>
+<div class="line">Durch seinen Schöpfergenius entzückend.<br/></div>
+<div class="line">O! möge dieses Raumes neue Würde<br/></div>
+<div class="line">Die Würdigsten in unsre Mitte ziehn<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_P_20" title="20"> </a>Und eine Hoffnung, die wir lang gehegt,<br/></div>
+<div class="line">Sich uns in glänzender Erfüllung zeigen.<br/></div>
+<div class="line">Ein großes Muster weckt Nacheiferung<br/></div>
+<div class="line">Und gibt dem Urteil höhere Gesetze.<br/></div>
+<div class="line">So stehe dieser Kreis, die neue Bühne<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_P_25" title="25"> </a>Als Zeugen des vollendeten Talents.<br/></div>
+<div class="line">Wo möcht' es auch die Kräfte lieber prüfen,<br/></div>
+<div class="line">Den alten Ruhm erfrischen und verjüngen,<br/></div>
+<div class="line">Als hier vor einem auserlesnen Kreis,<br/></div>
+<div class="line">Der, rührbar jedem Zauberschlag der Kunst,<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_P_30" title="30"> </a>Mit leis beweglichem Gefühl den Geist<br/></div>
+<div class="line">In seiner flüchtigsten Erscheinung hascht?<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<a class="pagenum" name="Page_12" title="12"> </a><div class="line indent2">Denn schnell und spurlos geht des Mimen Kunst,<br/></div>
+<div class="line">Die wunderbare, an dem Sinn vorüber,<br/></div>
+<div class="line">Wenn das Gebild des Meißels, der Gesang<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_P_35" title="35"> </a>Des Dichters nach Jahrtausenden noch leben.<br/></div>
+<div class="line">Hier stirbt der Zauber mit dem Künstler ab,<br/></div>
+<div class="line">Und wie der Klang verhallet in dem Ohr,<br/></div>
+<div class="line">Verrauscht des Augenblicks geschwinde Schöpfung,<br/></div>
+<div class="line">Und ihren Ruhm bewahrt kein dauernd Werk.<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_P_40" title="40"> </a>Schwer ist <em class="gesperrt">die</em> Kunst, vergänglich ist ihr Preis,<br/></div>
+<div class="line">Dem Mimen flicht die Nachwelt keine Kränze;<br/></div>
+<div class="line">Drum muß er geizen mit der Gegenwart,<br/></div>
+<div class="line">Den Augenblick, der sein ist, ganz erfüllen,<br/></div>
+<div class="line">Muß seiner Mitwelt mächtig sich versichern<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_P_45" title="45"> </a>Und im Gefühl der Würdigsten und Besten<br/></div>
+<div class="line">Ein lebend Denkmal sich erbaun &ndash; So nimmt er<br/></div>
+<div class="line">Sich seines Namens Ewigkeit voraus.<br/></div>
+<div class="line">Denn wer den Besten seiner Zeit genug<br/></div>
+<div class="line">Getan, der hat gelebt für alle Zeiten.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line indent2"><a class="linenum" name="Line_P_50" title="50"> </a>Die neue Ära, die der Kunst Thaliens<br/></div>
+<div class="line">Auf dieser Bühne heut beginnt, macht auch<br/></div>
+<div class="line">Den Dichter kühn, die alte Bahn verlassend,<br/></div>
+<div class="line">Euch aus des Bürgerlebens engem Kreis<br/></div>
+<div class="line">Auf einen höhern Schauplatz zu versetzen,<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_P_55" title="55"> </a>Nicht unwert des erhabenen Moments<br/></div>
+<div class="line">Der Zeit, in dem wir strebend uns bewegen.<br/></div>
+<div class="line">Denn nur der große Gegenstand vermag<br/></div>
+<div class="line">Den tiefen Grund der Menschheit aufzuregen;<br/></div>
+<div class="line">Im engen Kreis verengert sich der Sinn,<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_P_60" title="60"> </a>Es wächst der Mensch mit seinen größern Zwecken.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line indent2">Und jetzt an des Jahrhunderts ernstem Ende,<br/></div>
+<div class="line">Wo selbst die Wirklichkeit zur Dichtung wird,<br/></div>
+<div class="line">Wo wir den Kampf gewaltiger Naturen<br/></div>
+<div class="line">Um ein bedeutend Ziel vor Augen sehn<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_P_65" title="65"> </a>Und um der Menschheit große Gegenstände,<br/></div>
+<div class="line">Um Herrschaft und um Freiheit wird gerungen,<br/></div>
+<div class="line">Jetzt darf die Kunst auf ihrer Schattenbühne<br/></div>
+<div class="line">Auch höhern Flug versuchen, ja sie muß,<br/></div>
+<div class="line">Soll nicht des Lebens Bühne sie beschämen.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line indent2"><a class="linenum" name="Line_P_70" title="70"> </a>Zerfallen sehen wir in diesen Tagen<br/></div>
+<div class="line">Die alte feste Form, die einst vor hundert<br/></div>
+<a class="pagenum" name="Page_13" title="13"> </a><div class="line">Und fünfzig Jahren ein willkommner Friede<br/></div>
+<div class="line">Europens Reichen gab, die teure Frucht<br/></div>
+<div class="line">Von dreißig jammervollen Kriegesjahren.<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_P_75" title="75"> </a>Noch einmal laßt des Dichters Phantasie<br/></div>
+<div class="line">Die düstre Zeit an euch vorüberführen,<br/></div>
+<div class="line">Und blicket froher in die Gegenwart<br/></div>
+<div class="line">Und in der Zukunft hoffnungsreiche Ferne.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line indent2">In jenes Krieges Mitte stellt euch jetzt<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_P_80" title="80"> </a>Der Dichter. Sechzehn Jahre der Verwüstung,<br/></div>
+<div class="line">Des Raubs, des Elends sind dahingeflohn,<br/></div>
+<div class="line">In trüben Massen gäret noch die Welt,<br/></div>
+<div class="line">Und keine Friedenshoffnung strahlt von fern.<br/></div>
+<div class="line">Ein Tummelplatz von Waffen ist das Reich,<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_P_85" title="85"> </a>Verödet sind die Städte, Magdeburg<br/></div>
+<div class="line">Ist Schutt, Gewerb und Kunstfleiß liegen nieder,<br/></div>
+<div class="line">Der Bürger gilt nichts mehr, der Krieger alles,<br/></div>
+<div class="line">Straflose Frechheit spricht den Sitten Hohn,<br/></div>
+<div class="line">Und rohe Horden lagern sich, verwildert<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_P_90" title="90"> </a>Im langen Krieg, auf dem verheerten Boden.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line indent2">Auf diesem finstern Zeitgrund malet sich<br/></div>
+<div class="line">Ein Unternehmen kühnen Übermuts<br/></div>
+<div class="line">Und ein verwegener Charakter ab.<br/></div>
+<div class="line">Ihr kennet ihn &ndash; den Schöpfer kühner Heere,<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_P_95" title="95"> </a>Des Lagers Abgott und der Länder Geißel,<br/></div>
+<div class="line">Die Stütze und den Schrecken seines Kaisers,<br/></div>
+<div class="line">Des Glückes abenteuerlichen Sohn,<br/></div>
+<div class="line">Der, von der Zeiten Gunst emporgetragen,<br/></div>
+<div class="line">Der Ehre höchste Staffeln rasch erstieg<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_P_100" title="100"> </a>Und, ungesättigt immer weiter strebend,<br/></div>
+<div class="line">Der unbezähmten Ehrsucht Opfer fiel.<br/></div>
+<div class="line">Von der Parteien Gunst und Haß verwirrt<br/></div>
+<div class="line">Schwankt sein Charakterbild in der Geschichte;<br/></div>
+<div class="line">Doch euren Augen soll ihn jetzt die Kunst,<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_P_105" title="105"> </a>Auch eurem Herzen menschlich näher bringen.<br/></div>
+<div class="line">Denn jedes Äußerste führt <em class="gesperrt">sie</em>, die alles<br/></div>
+<div class="line">Begrenzt und bindet, zur Natur zurück,<br/></div>
+<div class="line">Sie sieht den Menschen in des Lebens Drang<br/></div>
+<div class="line">Und wälzt die größre Hälfte seiner Schuld<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_P_110" title="110"> </a>Den unglückseligen Gestirnen zu.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<a class="pagenum" name="Page_14" title="14"> </a><div class="line">Nicht <em class="gesperrt">er</em> ist's, der auf dieser Bühne heut<br/></div>
+<div class="line">Erscheinen wird. Doch in den kühnen Scharen,<br/></div>
+<div class="line">Die sein Befehl gewaltig lenkt, sein Geist<br/></div>
+<div class="line">Beseelt, wird euch sein Schattenbild begegnen,<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_P_115" title="115"> </a>Bis ihn die scheue Muse selbst vor euch<br/></div>
+<div class="line">Zu stellen wagt in lebender Gestalt,<br/></div>
+<div class="line">Denn seine Macht ist's, die sein Herz verführt,<br/></div>
+<div class="line">Sein Lager nur erkläret sein Verbrechen.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line indent2">Darum verzeiht dem Dichter, wenn er euch<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_P_120" title="120"> </a>Nicht raschen Schritts mit <em class="gesperrt">einem</em> Mal ans Ziel<br/></div>
+<div class="line">Der Handlung reißt, den großen Gegenstand<br/></div>
+<div class="line">In einer Reihe von Gemälden nur<br/></div>
+<div class="line">Vor euren Augen abzurollen wagt.<br/></div>
+<div class="line">Das heut'ge Spiel gewinne euer Ohr<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_P_125" title="125"> </a>Und euer Herz den ungewohnten Tönen;<br/></div>
+<div class="line">In jenen Zeitraum führ' es euch zurück,<br/></div>
+<div class="line">Auf jene fremde kriegerische Bühne,<br/></div>
+<div class="line">Die unser Held mit seinen Taten bald<br/></div>
+<div class="line">Erfüllen wird.<br/></div>
+<div class="line indent15">Und wenn die Muse heut,<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_P_130" title="130"> </a>Des Tanzes freie Göttin und Gesangs,<br/></div>
+<div class="line">Ihr altes deutsches Recht, des Reimes Spiel,<br/></div>
+<div class="line">Bescheiden wieder fordert &ndash; tadelt's nicht!<br/></div>
+<div class="line">Ja danket ihr's, daß sie das düstre Bild<br/></div>
+<div class="line">Der Wahrheit in das heitre Reich der Kunst<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_P_135" title="135"> </a>Hinüberspielt, die Täuschung, die sie schafft,<br/></div>
+<div class="line">Aufrichtig selbst zerstört und ihren Schein<br/></div>
+<div class="line">Der Wahrheit nicht betrüglich unterschiebt;<br/></div>
+<div class="line">Ernst ist das Leben, heiter ist die Kunst.<br/></div>
+</div>
+</div>
+
+<h2><a class="pagenum" name="Page_15" title="15"> </a>1. Auftritt.</h2>
+
+<div class="scene-description">
+<p>Marketenderzelt, davor eine Kram- und Trödelbude. Soldaten von
+allen Farben und Feldzeichen drängen sich durcheinander, alle Tische
+sind besetzt. Kroaten und Ulanen an einem Kohlfeuer kochen, Marketenderin
+schenkt Wein, Soldatenjungen würfeln auf einer Trommel,
+im Zelt wird gesungen.</p>
+</div>
+
+<div class="stage-direction">
+<p><em class="gesperrt">Ein Bauer</em> und sein <em class="gesperrt">Sohn</em>.</p>
+</div>
+
+<div class="poetry">
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Bauerknabe.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Vater, es wird nicht gut ablaufen,<br/></div>
+<div class="line">Bleiben wir von dem Soldatenhaufen.<br/></div>
+<div class="line">Sind Euch gar trotzige Kameraden;<br/></div>
+<div class="line">Wenn sie uns nur nichts am Leibe schaden.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Bauer.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_5" title="5"> </a>Ei was! Sie werden uns ja nicht fressen,<br/></div>
+<div class="line">Treiben sie's auch ein wenig vermessen.<br/></div>
+<div class="line">Siehst du? sind neue Völker herein,<br/></div>
+<div class="line">Kommen frisch von der Saal' und dem Main,<br/></div>
+<div class="line">Bringen Beut' mit, die rarsten Sachen!<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_10" title="10"> </a>Unser ist's, wenn wir's nur listig machen.<br/></div>
+<div class="line">Ein Hauptmann, den ein andrer erstach,<br/></div>
+<div class="line">Ließ mir ein paar glückliche Würfel nach.<br/></div>
+<div class="line">Die will ich heut einmal probieren,<br/></div>
+<div class="line">Ob sie die alte Kraft noch führen.<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_15" title="15"> </a>Mußt dich nur recht erbärmlich stellen,<br/></div>
+<div class="line">Sind dir gar lockere, leichte Gesellen.<br/></div>
+<div class="line">Lassen sich gerne schön tun und loben,<br/></div>
+<div class="line">So wie gewonnen, so ist's zerstoben.<br/></div>
+<div class="line">Nehmen sie uns das Unsre in Scheffeln,<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_20" title="20"> </a>Müssen wir's wieder bekommen in Löffeln;<br/></div>
+<div class="line">Schlagen sie grob mit dem Schwerte drein,<br/></div>
+<div class="line">So sind wir pfiffig und treiben's fein.<br/></div>
+</div>
+</div>
+
+<div class="stage-direction">
+<p>(Im Zelt wird gesungen und gejubelt.)</p>
+</div>
+
+<div class="poetry">
+<div class="stanza">
+<div class="line">Wie sie juchzen &ndash; daß Gott erbarm!<br/></div>
+<div class="line">Alles das geht von des Bauern Felle.<br/></div>
+<a class="pagenum" name="Page_16" title="16"> </a><div class="line"><a class="linenum" name="Line_25" title="25"> </a>Schon acht Monate legt sich der Schwarm<br/></div>
+<div class="line">Uns in die Betten und in die Ställe,<br/></div>
+<div class="line">Weit herum ist in der ganzen Aue<br/></div>
+<div class="line">Keine Feder mehr, keine Klaue,<br/></div>
+<div class="line">Daß wir für Hunger und Elend schier<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_30" title="30"> </a>Nagen müssen die eignen Knochen.<br/></div>
+<div class="line">War's doch nicht ärger und krauser hier,<br/></div>
+<div class="line">Als der Sachs noch im Lande tät pochen.<br/></div>
+<div class="line">Und die nennen sich Kaiserliche!<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Bauerknabe.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Vater, da kommen ein paar aus der Küche,<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_35" title="35"> </a>Sehen nicht aus, als wär' viel zu nehmen.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Bauer.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Sind einheimische, geborne Böhmen,<br/></div>
+<div class="line">Von des Terschkas Karabinieren,<br/></div>
+<div class="line">Liegen schon lang in diesen Quartieren.<br/></div>
+<div class="line">Unter allen die schlimmsten just,<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_40" title="40"> </a>Spreizen sich, werfen sich in die Brust,<br/></div>
+<div class="line">Tun, als wenn sie zu fürnehm wären,<br/></div>
+<div class="line">Mit dem Bauer ein Glas zu leeren.<br/></div>
+<div class="line">Aber dort seh' ich die drei scharfe Schützen<br/></div>
+<div class="line">Linker Hand um ein Feuer sitzen,<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_45" title="45"> </a>Sehen mir aus wie Tiroler schier.<br/></div>
+<div class="line">Emmerich, komm! an die wollen wir,<br/></div>
+<div class="line">Lustige Vögel, die gerne schwatzen,<br/></div>
+<div class="line">Tragen sich sauber und führen Batzen.<br/></div>
+</div>
+</div>
+
+<div class="stage-direction">
+<p>(Gehen nach den Zelten.)</p>
+</div>
+
+<h2>2. Auftritt.</h2>
+
+<div class="scene-description">
+<p><em class="gesperrt">Vorige.</em> <em class="gesperrt">Wachtmeister.</em> <em class="gesperrt">Trompeter.</em> <em class="gesperrt">Ulan.</em></p>
+</div>
+
+<div class="poetry">
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Trompeter.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Was will der Bauer da? Fort, Halunk!<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Bauer.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_50" title="50"> </a>Gnädige Herren, einen Bissen und Trunk!<br/></div>
+<div class="line">Haben heut noch nichts Warmes gegessen.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Trompeter.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Ei, das muß immer saufen und fressen.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<a class="pagenum" name="Page_17" title="17"> </a><div class="line center"><b>Ulan</b> <span class="stage-direction">(mit einem Glase)</span>.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Nichts gefrühstückt? Da trink, du Hund!<br/></div>
+</div>
+</div>
+
+<div class="stage-direction">
+<p>(Führt den Bauer nach dem Zelte; jene kommen vorwärts.)</p>
+</div>
+
+<div class="poetry">
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Wachtmeister</b> <span class="stage-direction">(zum Trompeter)</span>.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Meinst du, man hab' uns ohne Grund<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_55" title="55"> </a>Heute die doppelte Löhnung gegeben,<br/></div>
+<div class="line">Nur daß wir flott und lustig leben?<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Trompeter.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Die Herzogin kommt ja heute herein<br/></div>
+<div class="line">Mit dem fürstlichen Fräulein &ndash;<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Wachtmeister.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line indent32">Das ist nur der Schein.<br/></div>
+<div class="line">Die Truppen, die aus fremden Landen<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_60" title="60"> </a>Sich hier vor Pilsen zusammen fanden,<br/></div>
+<div class="line">Die sollen wir gleich an uns locken<br/></div>
+<div class="line">Mit gutem Schluck und guten Brocken,<br/></div>
+<div class="line">Damit sie sich gleich zufrieden finden<br/></div>
+<div class="line">Und fester sich mit uns verbinden.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Trompeter.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_65" title="65"> </a>Ja, es ist wieder was im Werke!<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Wachtmeister.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Die Herrn Generäle und Kommendanten &ndash;<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Trompeter.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Es ist gar nicht geheuer, wie ich merke.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Wachtmeister.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Die sich so dick hier zusammen fanden &ndash;<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Trompeter.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Sind nicht für die Langweil herbemüht.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Wachtmeister.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_70" title="70"> </a>Und das Gemunkel und das Geschicke &ndash;<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Trompeter.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Ja, ja!<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Wachtmeister.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line indent8">Und von Wien die alte Perücke,<br/></div>
+<div class="line">Die man seit gestern herumgehn sieht,<br/></div>
+<a class="pagenum" name="Page_18" title="18"> </a><div class="line">Mit der guldenen Gnadenkette,<br/></div>
+<div class="line">Das hat was zu bedeuten, ich wette.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Trompeter.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_75" title="75"> </a>Wieder so ein Spürhund, gebt nur acht,<br/></div>
+<div class="line">Der die Jagd auf den Herzog macht.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Wachtmeister.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Merkst du wohl? Sie trauen uns nicht,<br/></div>
+<div class="line">Fürchten des Friedländers heimlich Gesicht.<br/></div>
+<div class="line">Er ist ihnen zu hoch gestiegen,<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_80" title="80"> </a>Möchten ihn gern herunterkriegen.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Trompeter.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Aber wir halten ihn aufrecht, wir,<br/></div>
+<div class="line">Dächten doch alle, wie ich und Ihr!<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Wachtmeister.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Unser Regiment und die andern vier,<br/></div>
+<div class="line">Die der Terschka anführt, des Herzogs Schwager,<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_85" title="85"> </a>Das resoluteste Korps im Lager,<br/></div>
+<div class="line">Sind ihm ergeben und gewogen,<br/></div>
+<div class="line">Hat er uns selbst doch herangezogen.<br/></div>
+<div class="line">Alle Hauptleute setzt' er ein,<br/></div>
+<div class="line">Sind alle mit Leib und Leben sein.<br/></div>
+</div>
+</div>
+
+<h2>3. Auftritt.</h2>
+
+<div class="scene-description">
+<p><em class="gesperrt">Kroat</em> mit einem Halsschmuck. <em class="gesperrt">Scharfschütze</em> folgt. <em class="gesperrt">Vorige.</em></p>
+</div>
+
+<div class="poetry">
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Scharfschütz.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_90" title="90"> </a>Kroat, wo hast du das Halsband gestohlen?<br/></div>
+<div class="line">Handle dir's ab! dir ist's doch nichts nütz.<br/></div>
+<div class="line">Geb' dir dafür das Paar Terzerolen.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Kroat.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Nix, nix! Du willst mich betrügen, Schütz.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Scharfschütz.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Nun! geb' dir auch noch die blaue Mütz,<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_95" title="95"> </a>Hab' sie soeben im Glücksrad gewonnen.<br/></div>
+<div class="line">Siehst du? Sie ist zum höchsten Staat.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Kroat</b> <span class="stage-direction">(läßt das Halsband in der Sonne spielen)</span>.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">'s ist aber von Perlen und edelm Granat.<br/></div>
+<div class="line">Schau, wie das flinkert in der Sonnen!<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<a class="pagenum" name="Page_19" title="19"> </a><div class="line center"><b>Scharfschütz</b> <span class="stage-direction">(nimmt das Halsband)</span>.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Die Feldflasche noch geb' ich drein, <span class="stage-direction">(besieht es)</span><br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_100" title="100"> </a>Es ist mir nur um den schönen Schein.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Trompeter.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Seht nur, wie der den Kroaten prellt!<br/></div>
+<div class="line">Halbpart, Schütze, so will ich schweigen.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Kroat</b> <span class="stage-direction">(hat die Mütze aufgesetzt)</span>.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Deine Mütze mir wohlgefällt.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Scharfschütz</b> <span class="stage-direction">(winkt dem Trompeter)</span>.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Wir tauschen hier! Die Herrn sind Zeugen!<br/></div>
+</div>
+</div>
+
+<h2>4. Auftritt.</h2>
+
+<div class="scene-description">
+<p><em class="gesperrt">Vorige.</em> <em class="gesperrt">Konstabler.</em></p>
+</div>
+
+<div class="poetry">
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Konstabler</b> <span class="stage-direction">(tritt zum Wachtmeister)</span>.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_105" title="105"> </a>Wie ist's, Bruder Karabinier?<br/></div>
+<div class="line">Werden wir uns lang noch die Hände wärmen,<br/></div>
+<div class="line">Da die Feinde schon frisch im Feld herum schwärmen?<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Wachtmeister.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Tut's Ihm so eilig, Herr Konstabel?<br/></div>
+<div class="line">Die Wege sind noch nicht praktikabel.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Konstabler.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_110" title="110"> </a>Mir nicht. Ich sitze gemächlich hier;<br/></div>
+<div class="line">Aber ein Eilbot' ist angekommen,<br/></div>
+<div class="line">Meldet, Regensburg sei genommen.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Trompeter.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Ei, da werden wir bald aufsitzen.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Wachtmeister.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Wohl gar! Um dem Bayer sein Land zu schützen,<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_115" title="115"> </a>Der dem Fürsten so unfreund ist?<br/></div>
+<div class="line">Werden uns eben nicht sehr erhitzen.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Konstabler.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Meint Ihr? &ndash; Was Ihr nicht alles wißt!<br/></div>
+</div>
+</div>
+
+<h2><a class="pagenum" name="Page_20" title="20"> </a>5. Auftritt.</h2>
+
+<div class="scene-description">
+<p><em class="gesperrt">Vorige.</em> <em class="gesperrt">Zwei Jäger.</em> Dann <em class="gesperrt">Marketenderin</em>. <em class="gesperrt"><ins title="Soldatenjungen">Soldatenjungen.</ins></em>
+<em class="gesperrt">Schulmeister.</em> <em class="gesperrt">Aufwärterin.</em></p>
+</div>
+
+<div class="poetry">
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Erster Jäger.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Sieh, sieh!<br/></div>
+<div class="line">Da treffen wir lustige Kompanie.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Trompeter.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Was für Grünröck' mögen das sein?<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_120" title="120"> </a>Treten ganz schmuck und stattlich ein.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Wachtmeister.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Sind Holkische Jäger; die silbernen Tressen<br/></div>
+<div class="line">Holten sie sich nicht auf der Leipziger Messen.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Marketenderin</b> <span class="stage-direction">(kommt und bringt Wein)</span>.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Glück zur Ankunft, ihr Herrn!<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Erster Jäger.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line indent30">Was? der Blitz!<br/></div>
+<div class="line">Das ist ja die Gustel aus Blasewitz.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Marketenderin.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_125" title="125"> </a>I freilich! Und Er ist wohl gar, Mußjö,<br/></div>
+<div class="line">Der lange Peter aus Itzehö?<br/></div>
+<div class="line">Der seines Vaters goldene Füchse<br/></div>
+<div class="line">Mit unserm Regiment hat durchgebracht<br/></div>
+<div class="line">Zu Glückstadt in einer lustigen Nacht &ndash;<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Erster Jäger.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_130" title="130"> </a>Und die Feder vertauscht mit der Kugelbüchse.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Marketenderin.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Ei da sind wir alte Bekannte!<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Erster Jäger.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Und treffen uns hier im böhmischen Lande.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Marketenderin.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Heute da, Herr Vetter, und morgen dort &ndash;<br/></div>
+<div class="line">Wie einen der rauhe Kriegesbesen<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_135" title="135"> </a>Fegt und schüttelt von Ort zu Ort;<br/></div>
+<div class="line">Bin indes weit herum gewesen.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Erster Jäger.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Will's Ihr glauben! Das stellt sich dar.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<a class="pagenum" name="Page_21" title="21"> </a><div class="line center"><b>Marketenderin.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Bin hinauf bis nach Temeswar<br/></div>
+<div class="line">Gekommen mit den Bagagewagen,<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_140" title="140"> </a>Als wir den Mansfelder täten jagen.<br/></div>
+<div class="line">Lag mit dem Friedländer vor Stralsund,<br/></div>
+<div class="line">Ging mir dorten die Wirtschaft zu Grund.<br/></div>
+<div class="line">Zog mit dem Sukkurs vor Mantua,<br/></div>
+<div class="line">Kam wieder heraus mit dem Feria,<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_145" title="145"> </a>Und mit einem spanischen Regiment<br/></div>
+<div class="line">Hab' ich einen Abstecher gemacht nach Gent.<br/></div>
+<div class="line">Jetzt will ich's im böhmischen Land probieren,<br/></div>
+<div class="line">Alte Schulden einkassieren &ndash;<br/></div>
+<div class="line">Ob mir der Fürst hilft zu meinem Geld.<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_150" title="150"> </a>Und das dort ist mein Marketenderzelt.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Erster Jäger.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Nun, da trifft Sie alles beisammen an!<br/></div>
+<div class="line">Doch wo hat Sie den Schottländer hingetan,<br/></div>
+<div class="line">Mit dem Sie damals herumgezogen?<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Marketenderin.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Der Spitzbub! der hat mich schön betrogen.<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_155" title="155"> </a>Fort ist er! Mit allem davon gefahren,<br/></div>
+<div class="line">Was ich mir tät am Leibe ersparen.<br/></div>
+<div class="line">Ließ mir nichts als den Schlingel da!<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Soldatenjunge</b> <span class="stage-direction">(kommt gesprungen)</span>.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Mutter! sprichst du von meinem Papa?<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Erster Jäger.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Nun, nun! das muß der Kaiser ernähren,<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_160" title="160"> </a>Die Armee sich immer muß neu gebären.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Soldatenschulmeister</b> <span class="stage-direction">(kommt)</span>.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Fort in die Feldschule! Marsch, ihr Buben!<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Erster Jäger.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Das fürcht sich auch vor der engen Stuben!<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Aufwärterin</b> <span class="stage-direction">(kommt)</span>.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Base, sie wollen fort.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Marketenderin.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line indent23">Gleich, gleich!<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Erster Jäger.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Ei, wer ist denn das kleine Schelmengesichte?<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<a class="pagenum" name="Page_22" title="22"> </a><div class="line center"><b>Marketenderin.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_165" title="165"> </a>'s ist meiner Schwester Kind &ndash; aus dem Reich.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Erster Jäger.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Ei, also eine liebe Nichte?<br/></div>
+</div>
+</div>
+
+<div class="stage-direction">
+<p>(Marketenderin geht.)</p>
+</div>
+
+<div class="poetry">
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Zweiter Jäger</b> <span class="stage-direction">(das Mädchen haltend)</span>.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Bleib Sie bei uns doch, artiges Kind.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Aufwärterin.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Gäste dort zu bedienen sind.<br/></div>
+</div>
+</div>
+
+<div class="stage-direction">
+<p>(Macht sich los und geht.)</p>
+</div>
+
+<div class="poetry">
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Erster Jäger.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Das Mädchen ist kein übler Bissen! &ndash;<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_170" title="170"> </a>Und die Muhme &ndash; beim Element!<br/></div>
+<div class="line">Was haben die Herrn vom Regiment<br/></div>
+<div class="line">Sich um das niedliche Lärvchen gerissen! &ndash;<br/></div>
+<div class="line">Was man nicht alles für Leute kennt,<br/></div>
+<div class="line">Und wie die Zeit von dannen rennt. &ndash;<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_175" title="175"> </a>Was werd' ich noch alles erleben müssen!<br/></div>
+</div>
+</div>
+
+<div class="stage-direction">
+<p>(Zum Wachtmeister und Trompeter.)</p>
+</div>
+
+<div class="poetry">
+<div class="stanza">
+<div class="line">Euch zur Gesundheit, meine Herrn! &ndash;<br/></div>
+<div class="line">Laßt uns hier auch ein Plätzchen nehmen.<br/></div>
+</div>
+</div>
+
+<h2>6. Auftritt.</h2>
+
+<div class="scene-description">
+<p><em class="gesperrt">Jäger.</em> <em class="gesperrt">Wachtmeister.</em> <em class="gesperrt">Trompeter.</em></p>
+</div>
+
+<div class="poetry">
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Wachtmeister.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Wir danken schön. Von Herzen gern.<br/></div>
+<div class="line">Wir rücken zu. Willkommen in Böhmen!<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Erster Jäger.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_180" title="180"> </a>Ihr sitzt hier warm. Wir, in Feindes Land,<br/></div>
+<div class="line">Mußten derweil uns schlecht bequemen.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Trompeter.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Man sollt's euch nicht ansehn, ihr seid galant.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Wachtmeister.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Ja, ja, im Saalkreis und auch in Meißen<br/></div>
+<div class="line">Hört man euch Herrn nicht besonders preisen.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Zweiter Jäger.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_185" title="185"> </a>Seid mir doch still! Was will das heißen?<br/></div>
+<a class="pagenum" name="Page_23" title="23"> </a><div class="line">Der Kroat es ganz anders trieb,<br/></div>
+<div class="line">Uns nur die Nachles' übrig blieb.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Trompeter.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Ihr habt da einen saubern Spitzen<br/></div>
+<div class="line">Am Kragen, und wie euch die Hosen sitzen!<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_190" title="190"> </a>Die feine Wäsche, der Federhut!<br/></div>
+<div class="line">Was das alles für Wirkung tut!<br/></div>
+<div class="line">Daß doch den Burschen das Glück soll scheinen,<br/></div>
+<div class="line">Und so was kommt nie an unser einen!<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Wachtmeister.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Dafür sind wir des Friedländers Regiment,<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_195" title="195"> </a>Man muß uns ehren und respektieren.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Erster Jäger.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Das ist für uns andre kein Kompliment,<br/></div>
+<div class="line">Wir ebenso gut seinen Namen <ins title="führen">führen.</ins><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Wachtmeister.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Ja, ihr gehört auch so zur ganzen Masse.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Erster Jäger.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Ihr seid wohl von einer besondern Rasse?<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_200" title="200"> </a>Der ganze Unterschied ist in den Röcken,<br/></div>
+<div class="line">Und ich ganz gern mag in meinem stecken.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Wachtmeister.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Herr Jäger, ich muß Euch nur bedauern,<br/></div>
+<div class="line">Ihr lebt so draußen bei den Bauern;<br/></div>
+<div class="line">Der feine Griff und der rechte Ton,<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_205" title="205"> </a>Das lernt sich nur um des Feldherrn Person.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Erster Jäger.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Sie bekam Euch übel, die Lektion.<br/></div>
+<div class="line">Wie er räuspert, und wie er spuckt,<br/></div>
+<div class="line">Das habt Ihr ihm glücklich abgeguckt;<br/></div>
+<div class="line">Aber sein Schenie, ich meine sein Geist<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_210" title="210"> </a>Sich nicht auf der Wachparade weist.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Zweiter Jäger.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Wetter auch! wo Ihr nach uns fragt,<br/></div>
+<div class="line">Wir heißen des Friedländers wilde Jagd<br/></div>
+<div class="line">Und machen dem Namen keine Schande &ndash;<br/></div>
+<div class="line">Ziehen frech durch Feindes und Freundes Lande,<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_215" title="215"> </a>Querfeldein durch die Saat, durch das gelbe Korn &ndash;<br/></div>
+<div class="line">Sie kennen das Holkische Jägerhorn! &ndash;<br/></div>
+<a class="pagenum" name="Page_24" title="24"> </a><div class="line">In einem Augenblick fern und nah,<br/></div>
+<div class="line">Schnell wie die Sündflut, so sind wir da &ndash;<br/></div>
+<div class="line">Wie die Feuerflamme bei dunkler Nacht<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_220" title="220"> </a>In die Häuser fähret, wenn niemand wacht &ndash;<br/></div>
+<div class="line">Da hilft keine Gegenwehr, keine Flucht,<br/></div>
+<div class="line">Keine Ordnung gilt mehr und keine Zucht. &ndash;<br/></div>
+<div class="line">Es sträubt sich &ndash; der Krieg hat kein Erbarmen &ndash;<br/></div>
+<div class="line">Das Mägdlein in unsern sehnigten Armen &ndash;<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_225" title="225"> </a>Fragt nach, ich sag's nicht, um zu prahlen;<br/></div>
+<div class="line">In Baireuth, im Voigtland, in Westfalen,<br/></div>
+<div class="line">Wo wir nur durchgekommen sind &ndash;<br/></div>
+<div class="line">Erzählen Kinder und Kindeskind<br/></div>
+<div class="line">Nach hundert und aber hundert Jahren<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_230" title="230"> </a>Von dem Holk noch und seinen Scharen.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Wachtmeister.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Nun, da sieht man's! Der Saus und Braus,<br/></div>
+<div class="line">Macht denn der den Soldaten aus?<br/></div>
+<div class="line">Das Tempo macht ihn, der Sinn und Schick,<br/></div>
+<div class="line">Der Begriff, die Bedeutung, der feine Blick.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Erster Jäger.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_235" title="235"> </a>Die Freiheit macht ihn! Mit Euren Fratzen!<br/></div>
+<div class="line">Daß ich mit Euch soll darüber schwatzen. &ndash;<br/></div>
+<div class="line">Lief ich darum aus der Schul' und der Lehre,<br/></div>
+<div class="line">Daß ich die Fron' und die Galeere,<br/></div>
+<div class="line">Die Schreibstub' und ihre engen Wände<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_240" title="240"> </a>In dem Feldlager wiederfände? &ndash;<br/></div>
+<div class="line">Flott will ich leben und müßig gehn,<br/></div>
+<div class="line">Alle Tage was Neues sehn,<br/></div>
+<div class="line">Mich dem Augenblick frisch vertrauen,<br/></div>
+<div class="line">Nicht zurück, auch nicht vorwärts schauen &ndash;<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_245" title="245"> </a>Drum hab' ich meine Haut dem Kaiser verhandelt,<br/></div>
+<div class="line">Daß keine Sorg' mich mehr anwandelt.<br/></div>
+<div class="line">Führt mich ins Feuer frisch hinein,<br/></div>
+<div class="line">Über den reißenden, tiefen Rhein &ndash;<br/></div>
+<div class="line">Der dritte Mann soll verloren sein;<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_250" title="250"> </a>Werde mich nicht lang sperren und zieren. &ndash;<br/></div>
+<div class="line">Sonst muß man mich aber, ich bitte sehr,<br/></div>
+<div class="line">Mit nichts weiter inkommodieren.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Wachtmeister.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Nu, nu, verlangt Ihr sonst nichts mehr?<br/></div>
+<div class="line">Das ließ sich unter dem Wams da finden.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<a class="pagenum" name="Page_25" title="25"> </a><div class="line center"><b>Erster Jäger.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_255" title="255"> </a>Was war das nicht für ein Placken und Schinden<br/></div>
+<div class="line">Bei Gustav, dem Schweden, dem Leuteplager!<br/></div>
+<div class="line">Der machte eine Kirch' aus seinem Lager,<br/></div>
+<div class="line">Ließ Betstunde halten, des Morgens, gleich<br/></div>
+<div class="line">Bei der Reveille und beim Zapfenstreich.<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_260" title="260"> </a>Und wurden wir manchmal ein wenig munter,<br/></div>
+<div class="line">Er kanzelt' uns selbst wohl vom Gaul herunter.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Wachtmeister.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Ja, es war ein gottesfürchtiger Herr.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Erster Jäger.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Dirnen, die ließ er gar nicht passieren,<br/></div>
+<div class="line">Mußten sie gleich zur Kirche führen.<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_265" title="265"> </a>Da lief ich, konnt's nicht ertragen mehr.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Wachtmeister.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Jetzt geht's dort auch wohl anders her.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Erster Jäger.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">So ritt ich hinüber zu den Ligisten,<br/></div>
+<div class="line">Sie täten sich just gegen Magdeburg rüsten.<br/></div>
+<div class="line">Ja, das war schon ein ander Ding!<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_270" title="270"> </a>Alles da lustiger, loser ging,<br/></div>
+<div class="line">Soff und Spiel und Mädels die Menge!<br/></div>
+<div class="line">Wahrhaftig, der Spaß war nicht gering,<br/></div>
+<div class="line">Denn der Tilly verstand sich aufs Kommandieren.<br/></div>
+<div class="line">Dem eigenen Körper war er strenge,<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_275" title="275"> </a>Dem Soldaten ließ er vieles passieren,<br/></div>
+<div class="line">Und ging's nur nicht aus seiner Kassen,<br/></div>
+<div class="line">Sein Spruch war: leben und leben lassen.<br/></div>
+<div class="line">Aber das Glück blieb ihm nicht stet &ndash;<br/></div>
+<div class="line">Seit der Leipziger Fatalität<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_280" title="280"> </a>Wollt' es eben nirgends mehr flecken,<br/></div>
+<div class="line">Alles bei uns geriet ins Stecken;<br/></div>
+<div class="line">Wo wir erschienen und pochten an,<br/></div>
+<div class="line">Ward nicht gegrüßt noch aufgetan.<br/></div>
+<div class="line">Wir mußten uns drücken von Ort zu Ort,<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_285" title="285"> </a>Der alte Respekt war eben fort. &ndash;<br/></div>
+<div class="line">Da nahm ich Handgeld von den Sachsen,<br/></div>
+<div class="line">Meinte, da müßte mein Glück recht wachsen.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Wachtmeister.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Nun, da kamt Ihr ja eben recht<br/></div>
+<div class="line">Zur böhmischen Beute.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<a class="pagenum" name="Page_26" title="26"> </a><div class="line center"><b>Erster Jäger.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line indent22">Es ging mir schlecht.<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_290" title="290"> </a>Sollten da strenge Mannszucht halten,<br/></div>
+<div class="line">Durften nicht recht als Feinde walten,<br/></div>
+<div class="line">Mußten des Kaisers Schlösser bewachen,<br/></div>
+<div class="line">Viel Umständ' und Komplimente machen,<br/></div>
+<div class="line">Führten den Krieg, als wär's nur Scherz,<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_295" title="295"> </a>Hatten für die Sach' nur ein halbes Herz,<br/></div>
+<div class="line">Wollten's mit niemand ganz verderben,<br/></div>
+<div class="line">Kurz, da war wenig Ehr zu erwerben,<br/></div>
+<div class="line">Und ich wär' bald für Ungeduld<br/></div>
+<div class="line">Wieder heimgelaufen zum Schreibepult,<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_300" title="300"> </a>Wenn nicht eben auf allen Straßen<br/></div>
+<div class="line">Der Friedländer hätte werben lassen.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Wachtmeister.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Und wie lang denkt Ihr's hier auszuhalten?<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Erster Jäger.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Spaßt nur! Solange <em class="gesperrt">der</em> tut walten,<br/></div>
+<div class="line">Denk' ich Euch, mein Seel! an kein Entlaufen.<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_305" title="305"> </a>Kann's der Soldat wo besser kaufen? &ndash;<br/></div>
+<div class="line">Da geht alles nach Kriegessitt',<br/></div>
+<div class="line">Hat alles 'nen großen Schnitt,<br/></div>
+<div class="line">Und der Geist, der im ganzen Korps tut leben,<br/></div>
+<div class="line">Reißet gewaltig, wie Windesweben,<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_310" title="310"> </a>Auch den untersten Reiter mit.<br/></div>
+<div class="line">Da tret' ich auf mit beherztem Schritt,<br/></div>
+<div class="line">Darf über den Bürger kühn wegschreiten,<br/></div>
+<div class="line">Wie der Feldherr über der Fürsten Haupt.<br/></div>
+<div class="line">Es ist hier wie in den alten Zeiten,<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_315" title="315"> </a>Wo die Klinge noch alles tät bedeuten;<br/></div>
+<div class="line">Da gibt's nur <em class="gesperrt">ein</em> Vergehn und Verbrechen:<br/></div>
+<div class="line">Der Ordre fürwitzig widersprechen.<br/></div>
+<div class="line">Was nicht verboten ist, ist erlaubt;<br/></div>
+<div class="line">Da fragt niemand, was einer glaubt.<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_320" title="320"> </a>Es gibt nur zwei Ding' überhaupt:<br/></div>
+<div class="line">Was zur Armee gehört und nicht;<br/></div>
+<div class="line">Und nur der Fahne bin ich verpflicht.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Wachtmeister.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Jetzt gefallt Ihr mir, Jäger! Ihr sprecht<br/></div>
+<div class="line">Wie ein Friedländischer Reitersknecht.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<a class="pagenum" name="Page_27" title="27"> </a><div class="line center"><b>Erster Jäger.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_325" title="325"> </a>Der führt's Kommando nicht wie ein Amt,<br/></div>
+<div class="line">Wie eine Gewalt, die vom Kaiser stammt!<br/></div>
+<div class="line">Es ist ihm nicht um des Kaisers Dienst,<br/></div>
+<div class="line">Was bracht' er dem Kaiser für Gewinst?<br/></div>
+<div class="line">Was hat er mit seiner großen Macht<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_330" title="330"> </a>Zu des Landes Schirm und Schutz vollbracht?<br/></div>
+<div class="line">Ein Reich von Soldaten wollt' er gründen,<br/></div>
+<div class="line">Die Welt anstecken und entzünden,<br/></div>
+<div class="line">Sich alles vermessen und unterwinden &ndash;<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Trompeter.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Still! Wer wird solche Worte wagen!<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Erster Jäger.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_335" title="335"> </a>Was ich denke, das darf ich sagen.<br/></div>
+<div class="line">Das Wort ist frei, sagt der General.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Wachtmeister.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">So sagt er, ich hört's wohl einigemal,<br/></div>
+<div class="line">Ich stand dabei. »Das Wort ist frei,<br/></div>
+<div class="line">Die Tat ist stumm, der Gehorsam blind,«<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_340" title="340"> </a>Dies urkundlich seine Worte sind.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Erster Jäger.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Ob's just seine Wort' sind, weiß ich nicht;<br/></div>
+<div class="line">Aber die Sach ist so, wie er spricht.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Zweiter Jäger.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Ihm schlägt das Kriegsglück nimmer um,<br/></div>
+<div class="line">Wie's wohl bei andern pflegt zu geschehen.<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_345" title="345"> </a>Der Tilly überlebte seinen Ruhm.<br/></div>
+<div class="line">Doch unter des Friedländers Kriegspanieren,<br/></div>
+<div class="line">Da bin ich gewiß zu viktorisieren.<br/></div>
+<div class="line">Er bannet das Glück, es muß ihm stehen.<br/></div>
+<div class="line">Wer unter seinem Zeichen tut fechten,<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_350" title="350"> </a>Der steht unter besondern Mächten.<br/></div>
+<div class="line">Denn das weiß ja die ganze Welt,<br/></div>
+<div class="line">Daß der Friedländer einen Teufel<br/></div>
+<div class="line">Aus der Hölle im Solde hält.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Wachtmeister.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Ja, daß er fest ist, das ist kein Zweifel.<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_355" title="355"> </a>Denn in der blut'gen Affär bei Lützen<br/></div>
+<div class="line">Ritt er euch unter des Feuers Blitzen<br/></div>
+<a class="pagenum" name="Page_28" title="28"> </a><div class="line">Auf und nieder mit kühlem Blut.<br/></div>
+<div class="line">Durchlöchert von Kugeln war sein Hut,<br/></div>
+<div class="line">Durch den Stiefel und Koller fuhren<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_360" title="360"> </a>Die Ballen, man sah die deutlichen Spuren;<br/></div>
+<div class="line">Konnt' ihm keine die Haut nur ritzen,<br/></div>
+<div class="line">Weil ihn die höllische Salbe tät schützen.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Erster Jäger.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Was wollt Ihr da für Wunder bringen!<br/></div>
+<div class="line">Er trägt ein Koller von Elendshaut,<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_365" title="365"> </a>Das keine Kugel kann durchdringen.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Wachtmeister.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Nein, es ist die Salbe von Hexenkraut,<br/></div>
+<div class="line">Unter Zaubersprüchen gekocht und gebraut.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Trompeter.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Es geht nicht zu mit rechten Dingen!<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Wachtmeister.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Sie sagen, er les' auch in den Sternen<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_370" title="370"> </a>Die künftigen Dinge, die nahen und fernen;<br/></div>
+<div class="line">Ich weiß aber besser, wie's damit ist.<br/></div>
+<div class="line">Ein graues Männlein pflegt bei nächtlicher Frist<br/></div>
+<div class="line">Durch verschlossene Türen zu ihm einzugehen;<br/></div>
+<div class="line">Die Schildwachen haben's oft angeschrien,<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_375" title="375"> </a>Und immer was Großes ist drauf geschehen,<br/></div>
+<div class="line">Wenn je das graue Röcklein kam und erschien.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Zweiter Jäger.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Ja, er hat sich dem Teufel übergeben,<br/></div>
+<div class="line">Drum führen wir auch das lustige Leben.<br/></div>
+</div>
+</div>
+
+<h2>7. Auftritt.</h2>
+
+<div class="scene-description">
+<p><em class="gesperrt">Vorige.</em> <em class="gesperrt">Ein Rekrut.</em> <em class="gesperrt">Ein Bürger.</em> <em class="gesperrt">Dragoner.</em></p>
+</div>
+
+<div class="poetry">
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Rekrut</b> <span class="stage-direction">(tritt aus dem Zelt, eine Blechhaube auf dem Kopfe, eine Weinflasche in der Hand)</span>.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Grüß den Vater und Vaters Brüder!<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_380" title="380"> </a>Bin Soldat, komme nimmer wieder.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Erster Jäger.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Sieh, da bringen sie einen Neuen!<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<a class="pagenum" name="Page_29" title="29"> </a><div class="line center"><b>Bürger.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">O, gib acht, Franz! es wird dich reuen.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Rekrut</b> <span class="stage-direction">(singt)</span>.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Trommeln und Pfeifen,<br/></div>
+<div class="line">Kriegrischer Klang!<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_385" title="385"> </a>Wandern und streifen<br/></div>
+<div class="line">Die Welt entlang,<br/></div>
+<div class="line">Rosse gelenkt,<br/></div>
+<div class="line">Mutig geschwenkt,<br/></div>
+<div class="line">Schwert an der Seite,<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_390" title="390"> </a>Frisch in die Weite,<br/></div>
+<div class="line">Flüchtig und flink,<br/></div>
+<div class="line">Frei, wie der Fink<br/></div>
+<div class="line">Auf Sträuchern und Bäumen,<br/></div>
+<div class="line">In Himmels Räumen!<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_395" title="395"> </a>Heisa! ich folge des Friedländers Fahn!<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Zweiter Jäger.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Seht mir, das ist ein wackrer Kumpan!<br/></div>
+</div>
+</div>
+
+<div class="stage-direction">
+<p>(Sie begrüßen ihn.)</p>
+</div>
+
+<div class="poetry">
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Bürger.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">O, laßt ihn. Er ist guter Leute Kind.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Erster Jäger.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Wir auch nicht auf der Straße gefunden sind.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Bürger.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Ich sag' euch, er hat Vermögen und Mittel.<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_400" title="400"> </a>Fühlt her, das feine Tüchlein am Kittel.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Trompeter.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Des Kaisers Rock ist der höchste Titel.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Bürger.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Er erbt eine kleine Mützenfabrik.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Zweiter Jäger.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Des Menschen Wille, das ist sein Glück.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Bürger.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Von der Großmutter einen Kram und Laden.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Erster Jäger.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_405" title="405"> </a>Pfui, wer handelt mit Schwefelfaden!<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<a class="pagenum" name="Page_30" title="30"> </a><div class="line center"><b>Bürger.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Einen Weinschank dazu von seiner Paten,<br/></div>
+<div class="line">Ein Gewölbe mit zwanzig Stückfaß Wein.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Trompeter.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Den teilt er mit seinen Kameraden.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Zweiter Jäger.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Hör du! wir müssen Zeltbrüder sein.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Bürger.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_410" title="410"> </a>Eine Braut läßt er sitzen in Tränen und Schmerz.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Erster Jäger.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Recht so, da zeigt er ein eisernes Herz.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Bürger.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Die Großmutter wird für Kummer sterben.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Zweiter Jäger.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Desto besser, so kann er sie gleich beerben.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Wachtmeister</b> <span class="stage-direction">(tritt gravitätisch herzu, dem Rekruten die Hand auf die Blechhaube legend)</span>.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Sieht Er! das hat Er wohl erwogen.<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_415" title="415"> </a>Einen neuen Menschen hat Er angezogen;<br/></div>
+<div class="line">Mit dem Helm da und Wehrgehäng<br/></div>
+<div class="line">Schließt Er sich an eine würdige Meng.<br/></div>
+<div class="line">Muß ein fürnehmer Geist jetzt in Ihn fahren &ndash;<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Erster Jäger.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Muß besonders das Geld nicht sparen.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Wachtmeister.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_420" title="420"> </a>Auf der Fortuna ihrem Schiff<br/></div>
+<div class="line">Ist Er zu segeln im Begriff;<br/></div>
+<div class="line">Die Weltkugel liegt vor Ihm offen,<br/></div>
+<div class="line">Wer nichts waget, der darf nichts hoffen.<br/></div>
+<div class="line">Es treibt sich der Bürgersmann, träg und dumm,<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_425" title="425"> </a>Wie des Färbers Gaul, nur im Ring herum.<br/></div>
+<div class="line">Aus dem Soldaten kann alles werden,<br/></div>
+<div class="line">Denn Krieg ist jetzt die Losung auf Erden.<br/></div>
+<div class="line">Seh' Er mal <em class="gesperrt">mich</em> an! In diesem Rock<br/></div>
+<div class="line">Führ' ich, sieht Er, des Kaisers Stock.<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_430" title="430"> </a>Alles Weltregiment, muß Er wissen,<br/></div>
+<div class="line">Von dem Stock hat ausgehen müssen;<br/></div>
+<a class="pagenum" name="Page_31" title="31"> </a><div class="line">Und das Zepter in Königs Hand<br/></div>
+<div class="line">Ist ein Stock nur, das ist bekannt.<br/></div>
+<div class="line">Und wer's zum Korporal erst hat gebracht,<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_435" title="435"> </a>Der steht auf der Leiter zur höchsten Macht,<br/></div>
+<div class="line">Und so weit kann Er's auch noch treiben.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Erster Jäger.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Wenn Er nur lesen kann und schreiben.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Wachtmeister.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Da will ich Ihm gleich ein Exempel geben;<br/></div>
+<div class="line">Ich tät's vor kurzem selbst erleben.<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_440" title="440"> </a>Da ist der Schef vom Dragonerkorps,<br/></div>
+<div class="line">Heißt Buttler, wir standen als Gemeine<br/></div>
+<div class="line">Noch vor dreißig Jahren bei Köln am Rheine,<br/></div>
+<div class="line">Jetzt nennt man ihn Generalmajor.<br/></div>
+<div class="line">Das macht, er tät sich baß hervor,<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_445" title="445"> </a>Tät die Welt mit seinem Kriegsruhm füllen;<br/></div>
+<div class="line">Doch meine Verdienste, die blieben im stillen.<br/></div>
+<div class="line">Ja, und der Friedländer selbst, sieht Er,<br/></div>
+<div class="line">Unser Hauptmann und hochgebietender Herr,<br/></div>
+<div class="line">Der jetzt alles vermag und kann,<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_450" title="450"> </a>War erst nur ein schlichter Edelmann,<br/></div>
+<div class="line">Und weil er der Kriegsgöttin sich vertraut,<br/></div>
+<div class="line">Hat er sich diese Größ' erbaut,<br/></div>
+<div class="line">Ist nach dem Kaiser der nächste Mann,<br/></div>
+<div class="line">Und wer weiß, was er noch erreicht und ermißt,<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_455" title="455"> </a><span class="stage-direction">(pfiffig)</span> Denn noch nicht aller Tage Abend ist.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Erster Jäger.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Ja, er fing's klein an und ist jetzt so groß.<br/></div>
+<div class="line">Denn zu Altorf im Studentenkragen<br/></div>
+<div class="line">Trieb er's, mit Permiß zu sagen,<br/></div>
+<div class="line">Ein wenig locker und burschikos,<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_460" title="460"> </a>Hätte seinen Famulus bald erschlagen.<br/></div>
+<div class="line">Wollten ihn drauf die Nürnberger Herren<br/></div>
+<div class="line">Mir nichts, dir nichts ins Karzer sperren;<br/></div>
+<div class="line">'s war just ein neugebautes Nest,<br/></div>
+<div class="line">Der erste Bewohner sollt' es taufen.<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_465" title="465"> </a>Aber wie fängt er's an? Er läßt<br/></div>
+<div class="line">Weislich den Pudel voran erst laufen.<br/></div>
+<div class="line">Nach dem Hunde nennt sich's bis diesen Tag;<br/></div>
+<div class="line">Ein rechter Kerl sich dran spiegeln mag.<br/></div>
+<a class="pagenum" name="Page_32" title="32"> </a><div class="line">Unter des Herrn großen Taten allen<br/></div>
+<div class="line">Hat mir das Stückchen besonders gefallen.<br/></div>
+</div>
+</div>
+
+<div class="stage-direction">
+<p>(Das Mädchen hat unterdessen aufgewartet; der zweite Jäger schäkert mit ihr.)</p>
+</div>
+
+<div class="poetry">
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Dragoner</b> <span class="stage-direction">(tritt dazwischen)</span>.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_470" title="470"> </a>Kamerad, laß Er das unterwegen!<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Zweiter Jäger.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Wer, Henker! hat sich da drein zu legen!<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Dragoner.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Ich will's Ihm nur sagen, die Dirn ist mein.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Erster Jäger.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Der will ein Schätzchen für sich allein!<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_475" title="475"> </a>Dragoner, ist Er bei Troste? sag' Er!<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Zweiter Jäger.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Will was Apartes haben im Lager.<br/></div>
+<div class="line">Einer Dirne schön Gesicht<br/></div>
+<div class="line">Muß allgemein sein, wie's Sonnenlicht! <span class="stage-direction">(Küßt sie.)</span><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Dragoner</b> <span class="stage-direction">(reißt sie weg)</span>.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Ich sag's noch einmal, das leid' ich nicht.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Erster Jäger.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_480" title="480"> </a>Lustig, lustig! da kommen die Prager!<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Zweiter Jäger.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Sucht Er Händel? Ich bin dabei.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Wachtmeister.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Fried', ihr Herren! Ein Kuß ist frei!<br/></div>
+</div>
+</div>
+
+<h2>8. Auftritt.</h2>
+
+<div class="scene-description">
+<p><em class="gesperrt">Bergknappen</em> treten auf und spielen einen Walzer, erst langsam und dann immer
+geschwinder. Der <em class="gesperrt">erste Jäger</em> tanzt mit der <em class="gesperrt">Aufwärterin</em>, die <em class="gesperrt">Marketenderin</em>
+mit dem <em class="gesperrt">Rekruten</em>; das Mädchen entspringt, der Jäger hinter ihr her und
+bekommt den <em class="gesperrt">Kapuziner</em> zu fassen, der eben hereintritt.</p>
+</div>
+
+<div class="poetry">
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Kapuziner.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Heisa, juchheia! Dudeldumdei!<br/></div>
+<div class="line">Das geht ja hoch her. Bin auch dabei!<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_485" title="485"> </a>Ist das eine Armee von Christen?<br/></div>
+<div class="line">Sind wir Türken? sind wir Antibaptisten?<br/></div>
+<a class="pagenum" name="Page_33" title="33"> </a><div class="line">Treibt man so mit dem Sonntag Spott,<br/></div>
+<div class="line">Als hätte der allmächtige Gott<br/></div>
+<div class="line">Das Chiragra, könnte nicht drein schlagen?<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_490" title="490"> </a>Ist's jetzt Zeit zu Saufgelagen?<br/></div>
+<div class="line">Zu Banketten und Feiertagen?<br/></div>
+<div class="line"><span class="antiqua" lang="la" xml:lang="la">Quid hic statis otiosi?</span><br/></div>
+<div class="line">Was steht ihr und legt die Hände in Schoß?<br/></div>
+<div class="line">Die Kriegsfuri ist an der Donau los,<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_495" title="495"> </a>Das Bollwerk des Bayerlands ist gefallen,<br/></div>
+<div class="line">Regensburg ist in des Feindes Krallen,<br/></div>
+<div class="line">Und die Armee liegt hier in Böhmen,<br/></div>
+<div class="line">Pflegt den Bauch, läßt sich's wenig grämen,<br/></div>
+<div class="line">Kümmert sich mehr um den Krug als den Krieg,<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_500" title="500"> </a>Wetzt lieber den Schnabel als den Sabel,<br/></div>
+<div class="line">Hetzt sich lieber herum mit der Dirn,<br/></div>
+<div class="line">Frißt den Ochsen lieber als den Oxenstirn.<br/></div>
+<div class="line">Die Christenheit trauert in Sack und Asche,<br/></div>
+<div class="line">Der Soldat füllt sich nur die Tasche.<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_505" title="505"> </a>Es ist eine Zeit der Tränen und Not,<br/></div>
+<div class="line">Am Himmel geschehen Zeichen und Wunder,<br/></div>
+<div class="line">Und aus den Wolken, blutigrot,<br/></div>
+<div class="line">Hängt der Herrgott den Kriegsmantel 'runter.<br/></div>
+<div class="line">Den Kometen steckt er, wie eine Rute,<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_510" title="510"> </a>Drohend am Himmelsfenster aus,<br/></div>
+<div class="line">Die ganze Welt ist ein Klagehaus,<br/></div>
+<div class="line">Die Arche der Kirche schwimmt in Blute,<br/></div>
+<div class="line">Und das römische <em class="gesperrt">Reich</em> &ndash; daß Gott erbarm!<br/></div>
+<div class="line">Sollte jetzt heißen römisch <em class="gesperrt">Arm</em>;<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_515" title="515"> </a>Der <em class="gesperrt">Rheinstrom</em> ist worden zu einem <em class="gesperrt">Peinstrom</em>,<br/></div>
+<div class="line">Die <em class="gesperrt">Klöster</em> sind ausgenommene <em class="gesperrt">Nester</em>,<br/></div>
+<div class="line">Die <em class="gesperrt">Bistümer</em> sind verwandelt in <em class="gesperrt">Wüsttümer</em>,<br/></div>
+<div class="line">Die <em class="gesperrt">Abteien</em> und die <em class="gesperrt">Stifter</em><br/></div>
+<div class="line">Sind nun <em class="gesperrt">Raubteien</em> und <em class="gesperrt">Diebesklüfter</em>,<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_520" title="520"> </a>Und alle die gesegneten deutschen <em class="gesperrt">Länder</em><br/></div>
+<div class="line">Sind verkehrt worden in <em class="gesperrt">Elender</em> &ndash;<br/></div>
+<div class="line">Woher kommt das? Das will ich euch verkünden:<br/></div>
+<div class="line">Das schreibt sich her von euern Lastern und Sünden,<br/></div>
+<div class="line">Von dem Greuel und Heidenleben,<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_525" title="525"> </a>Dem sich Offizier und Soldaten ergeben.<br/></div>
+<div class="line">Denn die Sünd' ist der Magnetenstein,<br/></div>
+<div class="line">Der das Eisen ziehet ins Land herein.<br/></div>
+<div class="line">Auf das Unrecht, da folgt das Übel,<br/></div>
+<a class="pagenum" name="Page_34" title="34"> </a><div class="line">Wie die Trän' auf den herben Zwiebel,<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_530" title="530"> </a>Hinter dem <b>U</b> kömmt gleich das <b>W</b>eh,<br/></div>
+<div class="line">Das ist die Ordnung im ABC.<br/></div>
+<div class="line indent2"><span class="antiqua" lang="la" xml:lang="la">Ubi erit victoriae spes,</span><br/></div>
+<div class="line"><span class="antiqua" lang="la" xml:lang="la">Si offenditur Deus?</span> Wie soll man siegen,<br/></div>
+<div class="line">Wenn man die Predigt schwänzt und die Meß,<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_535" title="535"> </a>Nichts tut, als in den Weinhäusern liegen?<br/></div>
+<div class="line">Die Frau in dem Evangelium<br/></div>
+<div class="line">Fand den verlornen Groschen wieder,<br/></div>
+<div class="line">Der Gaul seines Vaters Esel wieder,<br/></div>
+<div class="line">Der Joseph seine saubern Brüder;<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_540" title="540"> </a>Aber wer bei den Soldaten sucht<br/></div>
+<div class="line">Die Furcht Gottes und die gute Zucht<br/></div>
+<div class="line">Und die Scham, der wird nicht viel finden,<br/></div>
+<div class="line">Tät' er auch hundert Laternen anzünden.<br/></div>
+<div class="line">Zu dem Prediger in der Wüsten,<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_545" title="545"> </a>Wie wir lesen im Evangelisten,<br/></div>
+<div class="line">Kamen auch die Soldaten gelaufen,<br/></div>
+<div class="line">Taten Buß und ließen sich taufen,<br/></div>
+<div class="line">Fragten ihn: <span class="antiqua" lang="la" xml:lang="la">Quid faciemus nos?</span><br/></div>
+<div class="line">Wie machen wir's, daß wir kommen in Abrahams Schoß?<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_550" title="550"> </a><span class="antiqua" lang="la" xml:lang="la">Et ait illis</span>, und er sagt:<br/></div>
+<div class="line"><span class="antiqua" lang="la" xml:lang="la">Neminem concutiatis</span>,<br/></div>
+<div class="line">Wenn ihr niemanden schindet und plackt;<br/></div>
+<div class="line"><span class="antiqua" lang="la" xml:lang="la">Neque calumniam faciatis</span>,<br/></div>
+<div class="line">Niemand verlästert, auf niemand lügt.<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_555" title="555"> </a><span class="antiqua" lang="la" xml:lang="la">Contenti estote</span>, euch begnügt,<br/></div>
+<div class="line"><span class="antiqua" lang="la" xml:lang="la">Stipendiis vestris</span>, mit eurer Löhnung<br/></div>
+<div class="line">Und verflucht jede böse Angewöhnung.<br/></div>
+<div class="line">Es ist ein Gebot: Du sollst den Namen<br/></div>
+<div class="line">Deines Herrgotts nicht eitel auskramen!<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_560" title="560"> </a>Und wo hört man mehr blasphemieren,<br/></div>
+<div class="line">Als hier in den Friedländischen Kriegsquartieren?<br/></div>
+<div class="line">Wenn man für jeden Donner und Blitz,<br/></div>
+<div class="line">Den ihr losbrennt mit eurer Zungenspitz,<br/></div>
+<div class="line">Die Glocken müßt' läuten im Land umher,<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_565" title="565"> </a>Es wär' bald kein Mesner zu finden mehr.<br/></div>
+<div class="line">Und wenn euch für jedes böse Gebet,<br/></div>
+<div class="line">Das aus eurem ungewaschnen Munde geht,<br/></div>
+<div class="line">Ein Härlein ausging aus eurem Schopf,<br/></div>
+<div class="line">Über Nacht wär' er geschoren glatt,<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_570" title="570"> </a>Und wär' er so dick wie Absalons Zopf.<br/></div>
+<a class="pagenum" name="Page_35" title="35"> </a><div class="line">Der Josua war doch auch ein Soldat,<br/></div>
+<div class="line">König David erschlug den Goliath,<br/></div>
+<div class="line">Und wo steht denn geschrieben zu lesen,<br/></div>
+<div class="line">Daß sie solche Fluchmäuler sind gewesen?<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_575" title="575"> </a>Muß man den Mund doch, ich sollte meinen,<br/></div>
+<div class="line">Nicht weiter aufmachen zu einem Helf Gott!<br/></div>
+<div class="line">Als zu einem Kreuz Sackerlot!<br/></div>
+<div class="line">Aber wessen das Gefäß ist gefüllt,<br/></div>
+<div class="line">Davon es sprudelt und überquillt.<br/></div>
+<div class="line indent2"><a class="linenum" name="Line_580" title="580"> </a>Wieder ein Gebot ist: Du <ins title="sollt">sollst</ins> nicht stehlen.<br/></div>
+<div class="line">Ja, das befolgt ihr nach dem Wort,<br/></div>
+<div class="line">Denn ihr tragt alles offen fort.<br/></div>
+<div class="line">Vor euren Klauen und Geiersgriffen,<br/></div>
+<div class="line">Vor euren Praktiken und bösen Kniffen<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_585" title="585"> </a>Ist das Geld nicht geborgen in der Truh,<br/></div>
+<div class="line">Das Kalb nicht sicher in der Kuh,<br/></div>
+<div class="line">Ihr nehmt das Ei und das Huhn dazu.<br/></div>
+<div class="line">Was sagt der Prediger? <span class="antiqua" lang="la" xml:lang="la">contenti estote</span>,<br/></div>
+<div class="line">Begnügt euch mit eurem Kommißbrote.<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_590" title="590"> </a>Aber wie soll man die Knechte loben,<br/></div>
+<div class="line">Kömmt doch das Ärgernis von oben!<br/></div>
+<div class="line">Wie die Glieder, so auch das Haupt!<br/></div>
+<div class="line">Weiß doch niemand, an wen <em class="gesperrt">der</em> glaubt!<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Erster Jäger.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Herr Pfaff! uns Soldaten mag Er schimpfen,<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_595" title="595"> </a>Den Feldherrn soll Er uns nicht verunglimpfen.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Kapuziner.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line"><span class="antiqua" lang="la" xml:lang="la">Ne custodias gregem meam!</span><br/></div>
+<div class="line">Das ist so ein Ahab und Jerobeam,<br/></div>
+<div class="line">Der die Völker von der wahren Lehren<br/></div>
+<div class="line">Zu falschen Götzen tut verkehren.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Trompeter</b> und <b>Rekrut</b>.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_600" title="600"> </a>Laß Er uns das nicht zweimal hören!<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Kapuziner.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">So ein Bramarbas und Eisenfresser,<br/></div>
+<div class="line">Will einnehmen alle festen Schlösser.<br/></div>
+<div class="line">Rühmte sich mit seinem gottlosen Mund,<br/></div>
+<div class="line">Er müsse haben die Stadt Stralsund,<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_605" title="605"> </a>Und wär' sie mit Ketten an den Himmel geschlossen.<br/></div>
+<div class="line">Hat aber sein Pulver umsonst verschossen!<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<a class="pagenum" name="Page_36" title="36"> </a><div class="line center"><b>Trompeter.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Stopft ihm keiner sein Lästermaul?<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Kapuziner.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">So ein Teufelsbeschwörer und König Saul,<br/></div>
+<div class="line">So ein Jehu und Holofern,<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_610" title="610"> </a>Verleugnet, wie Petrus, seinen Meister und Herrn,<br/></div>
+<div class="line">Drum kann er den Hahn nicht hören krähn &ndash;<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Beide Jäger.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Pfaffe! Jetzt ist's um dich geschehn!<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Kapuziner.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">So ein listiger Fuchs Herodes &ndash;<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Trompeter</b> und <b>beide Jäger</b> <span class="stage-direction">(auf ihn eindringend)</span>.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Schweig stille! Du bist des Todes!<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Kroaten</b> <span class="stage-direction">(legen sich drein)</span>.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_615" title="615"> </a>Bleib da, Pfäfflein, fürcht' dich nit,<br/></div>
+<div class="line">Sag dein Sprüchel und teil's uns mit.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Kapuziner</b> <span class="stage-direction">(schreit lauter)</span>.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">So ein hochmütiger Nebukadnezer,<br/></div>
+<div class="line">So ein Sündenvater und muffiger Ketzer,<br/></div>
+<div class="line">Läßt sich nennen den <em class="gesperrt">Wallenstein</em>;<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_620" title="620"> </a>Ja freilich ist er uns <em class="gesperrt">allen</em> ein <em class="gesperrt">Stein</em><br/></div>
+<div class="line">Des Anstoßes und Ärgernisses,<br/></div>
+<div class="line">Und solang der Kaiser diesen Friedeland<br/></div>
+<div class="line">Läßt walten, so wird nicht Fried' im Land.<br/></div>
+</div>
+</div>
+
+<div class="stage-direction">
+<p>(Er hat nach und nach bei den letzten Worten, die er mit erhobener Stimme spricht,
+seinen Rückzug genommen, indem die Kroaten die übrigen Soldaten von ihm abwehren.)</p>
+</div>
+
+<h2>9. Auftritt.</h2>
+
+<div class="scene-description">
+<p><em class="gesperrt">Vorige</em>, ohne den <em class="gesperrt">Kapuziner</em>.</p>
+</div>
+
+<div class="poetry">
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Erster Jäger</b> <span class="stage-direction">(zum Wachtmeister)</span>.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Sagt mir, was meint' er mit dem Göckelhahn,<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_625" title="625"> </a>Den der Feldherr nicht krähen hören kann?<br/></div>
+<div class="line">Es war wohl nur so gesagt ihm zum Schimpf und Hohne?<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Wachtmeister.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Da will ich Euch dienen. Es ist nicht ganz ohne!<br/></div>
+<div class="line">Der Feldherr ist wundersam geboren,<br/></div>
+<div class="line">Besonders hat er gar kitzlichte Ohren.<br/></div>
+<a class="pagenum" name="Page_37" title="37"> </a><div class="line"><a class="linenum" name="Line_630" title="630"> </a>Kann die Katze nicht hören mauen,<br/></div>
+<div class="line">Und wenn der Hahn kräht, so macht's ihm Grauen.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Erster Jäger.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Das hat er mit dem Löwen gemein.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Wachtmeister.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Muß alles mausstill um ihn sein.<br/></div>
+<div class="line">Den Befehl haben alle Wachen,<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_635" title="635"> </a>Denn er denkt gar zu tiefe Sachen.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Stimmen</b> <span class="stage-direction">(im Zelt; Auflauf)</span>.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Greift ihn, den Schelm! Schlagt zu! Schlagt zu!<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Des Bauern Stimme.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Hilfe! Barmherzigkeit!<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Andre Stimmen.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line indent23">Friede! Ruh!<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Erster Jäger.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Hol mich der Teufel! Da setzt's Hiebe.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Zweiter Jäger.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Da muß ich dabei sein!<br/></div>
+</div>
+</div>
+
+<div class="stage-direction">
+<p>(Laufen ins Zelt.)</p>
+</div>
+
+<div class="poetry">
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Marketenderin</b> <span class="stage-direction">(kommt heraus)</span>.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line indent23">Schelmen und Diebe!<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Trompeter.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_640" title="640"> </a>Frau Wirtin, was setzt Euch so in Eifer?<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Marketenderin.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Der Lump! der Spitzbub! der Straßenläufer!<br/></div>
+<div class="line">Das muß mir in meinem Zelt passieren!<br/></div>
+<div class="line">Es beschimpft mich bei allen Herrn Offizieren.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Wachtmeister.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Bäschen, was gibt's denn?<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Marketenderin.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line indent26">Was wird's geben?<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_645" title="645"> </a>Da erwischten sie einen Bauer eben,<br/></div>
+<div class="line">Der falsche Würfel tät bei sich haben.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Trompeter.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Sie bringen ihn hier mit seinem Knaben.<br/></div>
+</div>
+</div>
+
+<h2><a class="pagenum" name="Page_38" title="38"> </a>10. Auftritt.</h2>
+
+<div class="scene-description">
+<p><em class="gesperrt">Soldaten</em> bringen den Bauer geschleppt.</p>
+</div>
+
+<div class="poetry">
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Erster Jäger.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Der muß baumeln!<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Scharfschützen</b> und <b>Dragoner</b>.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line indent17">Zum Profoß! Zum Profoß!<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Wachtmeister.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Das Mandat ist noch kürzlich ausgegangen.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Marketenderin.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_650" title="650"> </a>In einer Stunde seh' ich ihn hangen!<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Wachtmeister.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Böses Gewerbe bringt bösen Lohn.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Erster Arkebusier</b> <span class="stage-direction">(zum andern)</span>.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Das kommt von der Desperation.<br/></div>
+<div class="line">Denn seht, erst tut man sie ruinieren,<br/></div>
+<div class="line">Das heißt sie zum Stehlen selbst verführen.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Trompeter.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_655" title="655"> </a>Was? Was? Ihr red't ihm das Wort noch gar?<br/></div>
+<div class="line">Dem Hunde! Tut Euch der Teufel plagen?<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Erster Arkebusier.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Der Bauer ist auch ein Mensch &ndash; so zu sagen.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Erster Jäger</b> <span class="stage-direction">(zum Trompeter)</span>.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Laß sie gehen! sind Tiefenbacher,<br/></div>
+<div class="line">Gevatter Schneider und Handschuhmacher!<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_660" title="660"> </a>Lagen in Garnison zu Brieg,<br/></div>
+<div class="line">Wissen viel, was der Brauch ist im Krieg.<br/></div>
+</div>
+</div>
+
+<h2>11. Auftritt.</h2>
+
+<div class="scene-description">
+<p><em class="gesperrt">Vorige.</em> <em class="gesperrt">Kürassiere.</em></p>
+</div>
+
+<div class="poetry">
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Erster Kürassier.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Friede! Was gibt's mit dem Bauer da?<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Erster Scharfschütz.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">'s ist ein Schelm, hat im Spiel betrogen!<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<a class="pagenum" name="Page_39" title="39"> </a><div class="line center"><b>Erster Kürassier.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Hat er dich betrogen etwa?<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Erster Scharfschütz.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_665" title="665"> </a>Ja, und hat mich rein ausgezogen.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Erster Kürassier.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Wie? Du bist ein Friedländischer Mann,<br/></div>
+<div class="line">Kannst dich so wegwerfen und blamieren,<br/></div>
+<div class="line">Mit einem Bauer dein Glück probieren?<br/></div>
+<div class="line">Der laufe, was er laufen kann.<br/></div>
+</div>
+</div>
+
+<div class="stage-direction">
+<p>(Bauer entwischt, die andern treten zusammen.)</p>
+</div>
+
+<div class="poetry">
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Erster Arkebusier.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_670" title="670"> </a>Der macht kurze Arbeit, ist resolut,<br/></div>
+<div class="line">Das ist mit solchem Volke gut.<br/></div>
+<div class="line">Was ist's für einer? Es ist kein Böhm.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Marketenderin.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">'s ist ein Wallon! Respekt vor dem!<br/></div>
+<div class="line">Von des Pappenheims Kürassieren.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Erster Dragoner</b> <span class="stage-direction">(tritt dazu)</span>.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_675" title="675"> </a>Der Piccolomini, der junge, tut sie jetzt führen.<br/></div>
+<div class="line">Den haben sie sich aus eigner Macht<br/></div>
+<div class="line">Zum Oberst gesetzt in der Lützner Schlacht,<br/></div>
+<div class="line">Als der Pappenheim umgekommen.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Erster Arkebusier.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Haben sie sich so was 'rausgenommen?<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Erster Dragoner.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_680" title="680"> </a>Dies Regiment hat was voraus,<br/></div>
+<div class="line">Es war immer voran bei jedem Strauß.<br/></div>
+<div class="line">Darf auch seine eigene Justiz ausüben,<br/></div>
+<div class="line">Und der Friedländer tut's besonders lieben.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Erster Kürassier</b> <span class="stage-direction">(zum andern)</span>.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Ist's auch gewiß? Wer bracht' es aus?<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Zweiter Kürassier.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_685" title="685"> </a>Ich hab's aus des Obersts eigenem Munde.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Erster Kürassier.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Was Teufel! Wir sind nicht ihre Hunde.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<a class="pagenum" name="Page_40" title="40"> </a><div class="line center"><b>Erster Jäger.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Was haben die da? Sind voller Gift.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Zweiter Jäger.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Ist's was, ihr Herrn, das uns mitbetrifft?<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Erster Kürassier.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Es hat sich keiner drüber zu freuen.<br/></div>
+</div>
+</div>
+
+<div class="stage-direction">
+<p>(Soldaten treten herzu.)</p>
+</div>
+
+<div class="poetry">
+<div class="stanza">
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_690" title="690"> </a>Sie wollen uns in die Niederland' leihen;<br/></div>
+<div class="line">Kürassiere, Jäger, reitende Schützen,<br/></div>
+<div class="line">Sollen achttausend Mann aufsitzen.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Marketenderin.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Was? Was? Da sollen wir wieder wandern?<br/></div>
+<div class="line">Bin erst seit gestern zurück aus Flandern.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Zweiter Kürassier</b> <span class="stage-direction">(zu den Dragonern)</span>.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_695" title="695"> </a>Ihr Buttlerischen sollt auch mitreiten.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Erster Kürassier.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Und absonderlich wir Wallonen.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Marketenderin.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Ei, das sind ja die allerbesten Schwadronen!<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Erster Kürassier.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Den aus Mailand sollen wir hinbegleiten.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Erster Jäger.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Den Infanten! Das ist ja kurios!<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Zweiter Jäger.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_700" title="700"> </a>Den Pfaffen! Da geht der Teufel los.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Erster Kürassier.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Wir sollen von dem Friedländer lassen,<br/></div>
+<div class="line">Der den Soldaten so nobel hält,<br/></div>
+<div class="line">Mit dem Spanier ziehen zu Feld,<br/></div>
+<div class="line">Dem Knauser, den wir von Herzen hassen?<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_705" title="705"> </a>Nein, das geht nicht! Wir laufen fort.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Trompeter.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Was, zum Henker! sollen wir dort?<br/></div>
+<div class="line">Dem Kaiser verkauften wir unser Blut<br/></div>
+<div class="line">Und nicht dem hispanischen roten Hut.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<a class="pagenum" name="Page_41" title="41"> </a><div class="line center"><b>Zweiter Jäger.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Auf des Friedländers Wort und Kredit allein<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_710" title="710"> </a>Haben wir Reitersdienst genommen;<br/></div>
+<div class="line">Wär's nicht aus Lieb' für den Wallenstein,<br/></div>
+<div class="line">Der Ferdinand hätt' uns nimmer bekommen.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Erster Dragoner.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Tät uns der Friedländer nicht formieren?<br/></div>
+<div class="line">Seine Fortuna soll uns führen.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Wachtmeister.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_715" title="715"> </a>Laßt euch bedeuten, hört mich an.<br/></div>
+<div class="line">Mit dem Gered' da ist's nicht getan.<br/></div>
+<div class="line">Ich sehe weiter als ihr alle,<br/></div>
+<div class="line">Dahinter steckt eine böse Falle.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Erster Jäger.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Hört das Befehlbuch! Stille doch!<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Wachtmeister.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_720" title="720"> </a>Bäschen Gustel, füllt mir erst noch<br/></div>
+<div class="line">Ein Gläschen Melnecker für den Magen,<br/></div>
+<div class="line">Alsdann will ich euch meine Gedanken sagen.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Marketenderin</b> <span class="stage-direction">(ihm einschenkend)</span>.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Hier, Herr Wachtmeister! Er macht mir Schrecken.<br/></div>
+<div class="line">Es wird doch nichts Böses dahinter stecken!<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Wachtmeister.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_725" title="725"> </a>Seht, ihr Herrn, das ist all recht gut,<br/></div>
+<div class="line">Daß jeder das Nächste bedenken tut;<br/></div>
+<div class="line">Aber, pflegt der Feldherr zu sagen,<br/></div>
+<div class="line">Man muß immer das Ganze überschlagen.<br/></div>
+<div class="line">Wir nennen uns alle des Friedländers Truppen.<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_730" title="730"> </a>Der Bürger, er nimmt uns ins Quartier<br/></div>
+<div class="line">Und pflegt uns und kocht uns warme Suppen.<br/></div>
+<div class="line">Der Bauer muß den Gaul und den Stier<br/></div>
+<div class="line">Vorspannen an unsre Bagagewagen,<br/></div>
+<div class="line">Vergebens wird er sich drüber beklagen.<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_735" title="735"> </a>Läßt sich ein Gefreiter mit sieben Mann<br/></div>
+<div class="line">In einem Dorfe von weitem spüren,<br/></div>
+<div class="line">Er ist die Obrigkeit drin und kann<br/></div>
+<div class="line">Nach Lust drin walten und kommandieren.<br/></div>
+<div class="line">Zum Henker! sie mögen uns alle nicht<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_740" title="740"> </a>Und sähen des Teufels sein Angesicht<br/></div>
+<a class="pagenum" name="Page_42" title="42"> </a><div class="line">Weit lieber, als unsre gelben Kolletter.<br/></div>
+<div class="line">Warum schmeißen sie uns nicht aus dem Land? Potz Wetter!<br/></div>
+<div class="line">Sind uns an Anzahl doch überlegen,<br/></div>
+<div class="line">Führen den Knüttel, wie wir den Degen.<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_745" title="745"> </a>Warum dürfen wir ihrer lachen?<br/></div>
+<div class="line">Weil wir einen furchtbaren Haufen ausmachen!<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Erster Jäger.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Ja, ja, im Ganzen, da sitzt die Macht!<br/></div>
+<div class="line">Der Friedländer hat das wohl erfahren,<br/></div>
+<div class="line">Wie er dem Kaiser vor acht &ndash; neun Jahren<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_750" title="750"> </a>Die große Armee zusammenbracht.<br/></div>
+<div class="line">Sie wollten erst nur von zwölftausend hören:<br/></div>
+<div class="line">Die, sagt' er, die kann ich nicht ernähren;<br/></div>
+<div class="line">Aber ich will sechzigtausend werben,<br/></div>
+<div class="line">Die, weiß ich, werden nicht Hungers sterben.<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_755" title="755"> </a>Und so wurden wir Wallensteiner.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Wachtmeister.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Zum Exempel, da hack mir einer<br/></div>
+<div class="line">Von den fünf Fingern, die ich hab',<br/></div>
+<div class="line">Hier an der Rechten den kleinen ab.<br/></div>
+<div class="line">Habt ihr mir den Finger bloß genommen?<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_760" title="760"> </a>Nein, beim Kuckuck, ich bin um die Hand gekommen!<br/></div>
+<div class="line">'s ist nur ein Stumpf und nichts mehr wert.<br/></div>
+<div class="line">Ja, und diese achttausend Pferd,<br/></div>
+<div class="line">Die man nach Flandern jetzt begehrt,<br/></div>
+<div class="line">Sind von der Armee nur der kleine Finger.<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_765" title="765"> </a>Läßt man sie ziehn, ihr tröstet euch,<br/></div>
+<div class="line">Wir seien um ein Fünftel nur geringer?<br/></div>
+<div class="line">Pros't Mahlzeit! da fällt das Ganze gleich.<br/></div>
+<div class="line">Die Furcht ist weg, der Respekt, die Scheu,<br/></div>
+<div class="line">Da schwillt dem Bauer der Kamm aufs neu,<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_770" title="770"> </a>Da schreiben sie uns in der Wiener Kanzlei<br/></div>
+<div class="line">Den Quartier- und den Küchenzettel,<br/></div>
+<div class="line">Und es ist wieder der alte Bettel.<br/></div>
+<div class="line">Ja, und wie lang wird's stehen an,<br/></div>
+<div class="line">So nehmen sie uns auch noch den Feldhauptmann &ndash;<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_775" title="775"> </a>Sie sind ihm am Hofe so nicht grün,<br/></div>
+<div class="line">Nun, da fällt eben alles hin!<br/></div>
+<div class="line">Wer hilft uns dann wohl zu unserm Geld?<br/></div>
+<div class="line">Sorgt, daß man uns die Kontrakte hält?<br/></div>
+<a class="pagenum" name="Page_43" title="43"> </a><div class="line">Wer hat den Nachdruck und hat den Verstand,<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_780" title="780"> </a>Den schnellen Witz und die feste Hand,<br/></div>
+<div class="line">Diese gestückelten Heeresmassen<br/></div>
+<div class="line">Zusammen zu fügen und zu passen?<br/></div>
+<div class="line">Zum Exempel &ndash; Dragoner &ndash; sprich:<br/></div>
+<div class="line">Aus welchem Vaterland schreibst du dich?<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Erster Dragoner.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_785" title="785"> </a>Weit aus Hibernien her komm' ich.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Wachtmeister</b> <span class="stage-direction">(zu den beiden Kürassieren)</span>.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Ihr, das weiß ich, seid ein Wallon;<br/></div>
+<div class="line">Ihr ein Welscher. Man hört's am Ton.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Erster Kürassier.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Wer ich bin? ich hab's nie können erfahren:<br/></div>
+<div class="line">Sie stahlen mich schon in jungen Jahren.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Wachtmeister.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_790" title="790"> </a>Und du bist auch nicht aus der Näh?<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Erster Arkebusier.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Ich bin von Buchau am Federsee.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Wachtmeister.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Und Ihr, Nachbar?<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Zweiter Arkebusier.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line indent18">Aus der Schwitz.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Wachtmeister</b> <span class="stage-direction">(zum zweiten Jäger)</span>.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Was für ein Landsmann bist du, Jäger?<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Zweiter Jäger.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Hinter Wismar ist meiner Eltern Sitz.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Wachtmeister</b> <span class="stage-direction">(auf den Trompeter zeigend)</span>.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_795" title="795"> </a>Und der da und ich, wir sind aus Eger.<br/></div>
+<div class="line">Nun! und wer merkt uns das nun an,<br/></div>
+<div class="line">Daß wir aus Süden und aus Norden<br/></div>
+<div class="line">Zusammen geschneit und geblasen worden?<br/></div>
+<div class="line">Sehn wir nicht aus, wie aus <em class="gesperrt">einem</em> Span?<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_800" title="800"> </a>Stehn wir nicht gegen den Feind geschlossen,<br/></div>
+<div class="line">Recht wie zusammen geleimt und gegossen?<br/></div>
+<div class="line">Greifen wir nicht, wie ein Mühlwerk, flink<br/></div>
+<div class="line">Ineinander auf Wort und Wink?<br/></div>
+<div class="line">Wer hat uns so zusammen geschmiedet,<br/></div>
+<a class="pagenum" name="Page_44" title="44"> </a><div class="line"><a class="linenum" name="Line_805" title="805"> </a>Daß ihr uns nimmer unterschiedet?<br/></div>
+<div class="line">Kein andrer sonst als der Wallenstein!<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Erster Jäger.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Das fiel mir mein Lebtag nimmer ein,<br/></div>
+<div class="line">Daß wir so gut zusammen passen;<br/></div>
+<div class="line">Hab' mich immer nur gehen lassen.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Erster Kürassier.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_810" title="810"> </a>Dem Wachtmeister muß ich Beifall geben.<br/></div>
+<div class="line">Dem Kriegsstand kämen sie gern ans Leben;<br/></div>
+<div class="line">Den Soldaten wollen sie niederhalten,<br/></div>
+<div class="line">Daß sie alleine können walten.<br/></div>
+<div class="line">'s ist eine Verschwörung, ein Komplott.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Marketenderin.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_815" title="815"> </a>Eine Verschwörung? Du lieber Gott!<br/></div>
+<div class="line">Da können die Herren ja nicht mehr zahlen.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Wachtmeister.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Freilich! Es wird alles bankerott.<br/></div>
+<div class="line">Viele von den Hauptleuten und Generalen<br/></div>
+<div class="line">Stellten aus ihren eignen Kassen<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_820" title="820"> </a>Die Regimenter, wollten sich sehen lassen,<br/></div>
+<div class="line">Täten sich angreifen über Vermögen,<br/></div>
+<div class="line">Dachten, es bring' ihnen großen Segen.<br/></div>
+<div class="line">Und die alle sind um ihr Geld,<br/></div>
+<div class="line">Wenn das Haupt, wenn der Herzog fällt.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Marketenderin.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_825" title="825"> </a>Ach, du mein Heiland! Das bringt mir Fluch!<br/></div>
+<div class="line">Die halbe Armee steht in meinem Buch.<br/></div>
+<div class="line">Der Graf Isolani, der böse Zahler,<br/></div>
+<div class="line">Restiert mir allein noch zweihundert Taler.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Erster Kürassier.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Was ist da zu machen, Kameraden?<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_830" title="830"> </a>Es ist nur <em class="gesperrt">eins</em>, was uns retten kann:<br/></div>
+<div class="line">Verbunden können sie uns nichts schaden;<br/></div>
+<div class="line">Wir stehen alle für <em class="gesperrt">einen</em> Mann.<br/></div>
+<div class="line">Laßt sie schicken und ordenanzen,<br/></div>
+<div class="line">Wir wollen uns fest in Böhmen pflanzen,<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_835" title="835"> </a>Wir geben nicht nach und marschieren nicht,<br/></div>
+<div class="line">Der Soldat jetzt um seine Ehre ficht.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<a class="pagenum" name="Page_45" title="45"> </a><div class="line center"><b>Zweiter Jäger.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Wir lassen uns nicht so im Land 'rum führen!<br/></div>
+<div class="line">Sie sollen kommen und sollen's probieren!<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Erster Arkebusier.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Liebe Herren, bedenkt's mit Fleiß,<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_840" title="840"> </a>'s ist des Kaisers Will' und Geheiß.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Trompeter.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Werden uns viel um den Kaiser scheren.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Erster Arkebusier.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Laß Er mich das nicht zweimal hören.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Trompeter.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">'s ist aber doch so, wie ich gesagt.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Erster Jäger.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Ja, ja, ich hört's immer so erzählen,<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_845" title="845"> </a>Der Friedländer hab' hier allein zu befehlen.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Wachtmeister.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">So ist's auch, das ist sein Beding und Pakt.<br/></div>
+<div class="line">Absolute Gewalt hat er, müßt ihr wissen,<br/></div>
+<div class="line">Krieg zu führen und Frieden zu schließen,<br/></div>
+<div class="line">Geld und Gut kann er konfiszieren,<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_850" title="850"> </a>Kann henken lassen und pardonieren,<br/></div>
+<div class="line">Offiziere kann er und Obersten machen,<br/></div>
+<div class="line">Kurz, er hat alle die Ehrensachen.<br/></div>
+<div class="line">Das hat er vom Kaiser eigenhändig.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Erster Arkebusier.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Der Herzog ist gewaltig und hochverständig;<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_855" title="855"> </a>Aber er bleibt doch, schlecht und recht,<br/></div>
+<div class="line">Wie wir alle, des Kaisers Knecht.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Wachtmeister.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Nicht wie wir alle! Das wißt Ihr schlecht.<br/></div>
+<div class="line">Er ist ein unmittelbarer und freier<br/></div>
+<div class="line">Des Reiches Fürst, so gut wie der Bayer.<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_860" title="860"> </a>Sah ich's etwa nicht selbst mit an,<br/></div>
+<div class="line">Als ich zu Brandeis die Wach' getan,<br/></div>
+<div class="line">Wie ihm der Kaiser selbsten erlaubt,<br/></div>
+<div class="line">Zu bedecken sein fürstlich Haupt?<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Erster Arkebusier.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Das war für das Mecklenburger Land,<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_865" title="865"> </a>Das ihm der Kaiser versetzt als Pfand.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<a class="pagenum" name="Page_46" title="46"> </a><div class="line center"><b>Erster Jäger</b> <span class="stage-direction">(zum Wachtmeister)</span>.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Wie? In des Kaisers Gegenwart?<br/></div>
+<div class="line">Das ist doch seltsam und sehr apart!<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Wachtmeister</b> <span class="stage-direction">(fährt in die Tasche)</span>.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Wollt ihr mein Wort nicht gelten lassen,<br/></div>
+<div class="line">Sollt ihr's mit Händen greifen und fassen. <span class="stage-direction">(Eine Münze zeigend.)</span><br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_870" title="870"> </a>Wes ist das Bild und Gepräg?<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Marketenderin.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line indent29">Weist her!<br/></div>
+<div class="line">Ei, das ist ja ein Wallensteiner!<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Wachtmeister.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Na, da habt ihr's, was wollt ihr mehr?<br/></div>
+<div class="line">Ist er nicht Fürst so gut als einer?<br/></div>
+<div class="line">Schlägt er nicht Geld, wie der Ferdinand?<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_875" title="875"> </a>Hat er nicht eigenes Volk und Land?<br/></div>
+<div class="line">Eine Durchlauchtigkeit läßt er sich nennen!<br/></div>
+<div class="line">Drum muß er Soldaten halten können.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Erster Arkebusier.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Das disputiert ihm niemand nicht.<br/></div>
+<div class="line">Wir aber stehn in des Kaisers Pflicht,<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_880" title="880"> </a>Und wer uns bezahlt, das ist der Kaiser.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Trompeter.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Das leugn' ich Ihm, sieht Er, ins Angesicht.<br/></div>
+<div class="line">Wer uns <em class="gesperrt">nicht</em> zahlt, <em class="gesperrt">das</em> ist der Kaiser!<br/></div>
+<div class="line">Hat man uns nicht seit vierzig Wochen<br/></div>
+<div class="line">Die Löhnung immer umsonst versprochen?<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Erster Arkebusier.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_885" title="885"> </a>Ei was! Das steht ja in guten Händen.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Erster Kürassier.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Fried', ihr Herrn! Wollt ihr mit Schlägen enden?<br/></div>
+<div class="line">Ist denn darüber Zank und Zwist,<br/></div>
+<div class="line">Ob der Kaiser unser Gebieter ist?<br/></div>
+<div class="line">Eben drum, weil wir gern in Ehren<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_890" title="890"> </a>Seine tüchtigen Reiter wären,<br/></div>
+<div class="line">Wollen wir nicht seine Herde sein,<br/></div>
+<div class="line">Wollen uns nicht von den Pfaffen und Schranzen<br/></div>
+<div class="line">Herum lassen führen und verpflanzen.<br/></div>
+<div class="line">Sagt selber! Kommt's nicht dem Herrn zu gut,<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_895" title="895"> </a>Wenn sein Kriegsvolk was auf sich halten tut?<br/></div>
+<a class="pagenum" name="Page_47" title="47"> </a><div class="line">Wer anders macht ihn, als seine Soldaten,<br/></div>
+<div class="line">Zu dem großmächtigen Potentaten?<br/></div>
+<div class="line">Verschafft und bewahrt ihm weit und breit<br/></div>
+<div class="line">Das große Wort in der Christenheit?<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_900" title="900"> </a>Mögen sich die sein Joch aufladen,<br/></div>
+<div class="line">Die mitessen von seinen Gnaden,<br/></div>
+<div class="line">Die mit ihm tafeln im goldnen Zimmer.<br/></div>
+<div class="line">Wir, wir haben von seinem Glanz und Schimmer<br/></div>
+<div class="line">Nichts als die Müh' und als die Schmerzen,<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_905" title="905"> </a>Und wofür wir uns halten in unserm Herzen.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Zweiter Jäger.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Alle großen Tyrannen und Kaiser<br/></div>
+<div class="line">Hielten's so und waren viel weiser.<br/></div>
+<div class="line">Alles andre täten sie hudeln und schänden,<br/></div>
+<div class="line">Den Soldaten trugen sie auf den Händen.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Erster Kürassier.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_910" title="910"> </a>Der Soldat muß sich können fühlen.<br/></div>
+<div class="line">Wer's nicht edel und nobel treibt,<br/></div>
+<div class="line">Lieber weit von dem Handwerk bleibt.<br/></div>
+<div class="line">Soll ich frisch um mein Leben spielen,<br/></div>
+<div class="line">Muß mir noch etwas gelten mehr.<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_915" title="915"> </a>Oder ich lasse mich eben schlachten<br/></div>
+<div class="line">Wie der Kroat &ndash; und muß mich verachten.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Beide Jäger.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Ja, übers Leben noch geht die Ehr!<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Erster Kürassier.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Das Schwert ist kein Spaten, kein Pflug,<br/></div>
+<div class="line">Wer damit ackern wollte, wäre nicht klug.<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_920" title="920"> </a>Es grünt uns kein Halm, es wächst keine Saat,<br/></div>
+<div class="line">Ohne Heimat muß der Soldat<br/></div>
+<div class="line">Auf dem Erdboden flüchtig schwärmen,<br/></div>
+<div class="line">Darf sich an eignem Herd nicht wärmen,<br/></div>
+<div class="line">Er muß vorbei an der Städte Glanz,<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_925" title="925"> </a>An des Dörfleins lustigen, grünen Auen,<br/></div>
+<div class="line">Die Traubenlese, den Erntekranz<br/></div>
+<div class="line">Muß er wandernd von ferne schauen.<br/></div>
+<div class="line">Sagt mir, was hat er an Gut und Wert,<br/></div>
+<div class="line">Wenn der Soldat sich nicht selber ehrt?<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_930" title="930"> </a>Etwas muß er sein eigen nennen,<br/></div>
+<div class="line">Oder der Mensch wird morden und brennen.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<a class="pagenum" name="Page_48" title="48"> </a><div class="line center"><b>Erster Arkebusier.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Das weiß Gott, 's ist ein elend Leben!<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Erster Kürassier.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Möcht's doch nicht für ein andres geben.<br/></div>
+<div class="line">Seht, ich bin weit in der Welt 'rum kommen,<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_935" title="935"> </a>Hab' alles in Erfahrung genommen.<br/></div>
+<div class="line">Hab' der hispanischen Monarchie<br/></div>
+<div class="line">Gedient und der Republik Venedig<br/></div>
+<div class="line">Und dem Königreich Napoli;<br/></div>
+<div class="line">Aber das Glück war mir nirgends gnädig.<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_940" title="940"> </a>Hab' den Kaufmann gesehn und den Ritter<br/></div>
+<div class="line">Und den Handwerksmann und den Jesuiter,<br/></div>
+<div class="line">Und kein Rock hat mir unter allen<br/></div>
+<div class="line">Wie mein eisernes Wams gefallen.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Erster Arkebusier.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Ne! das kann ich eben nicht sagen.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Erster Kürassier.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_945" title="945"> </a>Will einer in der Welt was erjagen,<br/></div>
+<div class="line">Mag er sich rühren und mag sich plagen;<br/></div>
+<div class="line">Will er zu hohen Ehren und Würden,<br/></div>
+<div class="line">Bück' er sich unter die goldnen Bürden;<br/></div>
+<div class="line">Will er genießen den Vatersegen,<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_950" title="950"> </a>Kinder und Enkelein um sich pflegen,<br/></div>
+<div class="line">Treib' er ein ehrlich Gewerb' in Ruh.<br/></div>
+<div class="line">Ich &ndash; ich hab' kein Gemüt dazu.<br/></div>
+<div class="line">Frei will ich leben und also sterben,<br/></div>
+<div class="line">Niemand berauben und niemand beerben<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_955" title="955"> </a>Und auf das Gehudel unter mir<br/></div>
+<div class="line">Leicht wegschauen von meinem Tier.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Erster Jäger.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Bravo! Just so ergeht es mir.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Erster Arkebusier.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Lustiger freilich mag sich's haben,<br/></div>
+<div class="line">Über anderer Köpf' wegtraben.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Erster Kürassier.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_960" title="960"> </a>Kamerad, die Zeiten sind schwer,<br/></div>
+<div class="line">Das Schwert ist nicht bei der Wage mehr;<br/></div>
+<div class="line">Aber so mag mir's keiner verdenken,<br/></div>
+<div class="line">Daß ich mich lieber zum Schwert will lenken.<br/></div>
+<a class="pagenum" name="Page_49" title="49"> </a><div class="line">Kann ich im Krieg mich doch menschlich fassen,<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_965" title="965"> </a>Aber nicht auf mir trommeln lassen.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Erster Arkebusier.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Wer ist dran schuld, als wir Soldaten,<br/></div>
+<div class="line">Daß der Nährstand in Schimpf geraten?<br/></div>
+<div class="line">Der leidige Krieg und die Not und Plag'<br/></div>
+<div class="line">In die sechzehn Jahr' schon währen mag.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Erster Kürassier.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_970" title="970"> </a>Bruder, den lieben Gott da droben,<br/></div>
+<div class="line">Es können ihn alle zugleich nicht loben.<br/></div>
+<div class="line">Einer will die Sonn', die den andern beschwert;<br/></div>
+<div class="line">Dieser will's trocken, was jener feucht begehrt.<br/></div>
+<div class="line">Wo <em class="gesperrt">du</em> nur die Not siehst und die Plag',<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_975" title="975"> </a>Da scheint mir des Lebens heller Tag.<br/></div>
+<div class="line">Geht's auf Kosten des Bürgers und Bauern,<br/></div>
+<div class="line">Nun, wahrhaftig, sie werden mich dauern;<br/></div>
+<div class="line">Aber ich kann's nicht ändern &ndash; seht,<br/></div>
+<div class="line">'s ist hier just, wie's beim Einhau'n geht:<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_980" title="980"> </a>Die Pferde schnauben und setzen an,<br/></div>
+<div class="line">Liege, wer will, mitten in der Bahn,<br/></div>
+<div class="line">Sei's mein Bruder, mein leiblicher Sohn,<br/></div>
+<div class="line">Zerriss' mir die Seele sein Jammerton,<br/></div>
+<div class="line">Über seinen Leib weg muß ich jagen,<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_985" title="985"> </a>Kann ihn nicht sachte beiseite tragen.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Erster Jäger.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Ei, wer wird nach dem andern fragen!<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Erster Kürassier.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Und weil sich's nun einmal so gemacht,<br/></div>
+<div class="line">Daß das Glück dem Soldaten lacht,<br/></div>
+<div class="line">Laßt's uns mit beiden Händen fassen,<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_990" title="990"> </a>Lang werden sie's uns nicht so treiben lassen.<br/></div>
+<div class="line">Der Friede wird kommen über Nacht,<br/></div>
+<div class="line">Der dem Wesen ein Ende macht;<br/></div>
+<div class="line">Der Soldat zäumt ab, der Bauer spannt ein,<br/></div>
+<div class="line">Eh man's denkt, wird's wieder das alte sein.<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_995" title="995"> </a>Jetzt sind wir noch beisammen im Land,<br/></div>
+<div class="line">Wir haben's Heft noch in der Hand.<br/></div>
+<div class="line">Lassen wir uns auseinander sprengen,<br/></div>
+<div class="line">Werden sie uns den Brotkorb höher hängen.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<a class="pagenum" name="Page_50" title="50"> </a><div class="line center"><b>Erster Jäger.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Nein, das darf nimmermehr geschehn!<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_1000" title="1000"> </a>Kommt, laßt uns alle für <em class="gesperrt">einen</em> stehn!<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Zweiter Jäger.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Ja, laßt uns Abrede nehmen, hört!<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Erster Arkebusier</b> <span class="stage-direction">(ein ledernes Beutelchen ziehend, zur Marketenderin)</span>.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Gevatterin, was hab' ich verzehrt?<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Marketenderin.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Ach, es ist nicht der Rede wert! <span class="stage-direction">(Sie rechnen.)</span><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Trompeter.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Ihr tut wohl, daß ihr weiter geht,<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_1005" title="1005"> </a>Verderbt uns doch nur die Sozietät.<br/></div>
+</div>
+</div>
+
+<div class="stage-direction">
+<p>(Arkebusiere gehen ab.)</p>
+</div>
+
+<div class="poetry">
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Erster Kürassier.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Schad' um die Leut! Sind sonst wackre Brüder.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Erster Jäger.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Aber das denkt wie ein Seifensieder.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Zweiter Jäger.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Jetzt sind wir unter uns, laßt hören,<br/></div>
+<div class="line">Wie wir den neuen Anschlag stören.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Trompeter.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_1010" title="1010"> </a>Was? wir gehen eben nicht hin.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Erster Kürassier.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Nichts, ihr Herrn, gegen die Disziplin!<br/></div>
+<div class="line">Jeder geht jetzt zu seinem Korps,<br/></div>
+<div class="line">Trägt's den Kameraden vernünftig vor,<br/></div>
+<div class="line">Daß sie's begreifen und einsehn lernen:<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_1015" title="1015"> </a>Wir dürfen uns nicht so weit entfernen.<br/></div>
+<div class="line">Für meine Wallonen sag' ich gut.<br/></div>
+<div class="line">So, wie ich, jeder denken tut.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Wachtmeister.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Terzkas Regimenter zu Roß und Fuß<br/></div>
+<div class="line">Stimmen alle in diesen Schluß.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Zweiter Kürassier</b> <span class="stage-direction">(stellt sich zum ersten)</span>.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_1020" title="1020"> </a>Der Lombard sich nicht vom Wallonen trennt.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<a class="pagenum" name="Page_51" title="51"> </a><div class="line center"><b>Erster Jäger.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Freiheit ist Jägers Element.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Zweiter Jäger.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Freiheit ist bei der Macht allein:<br/></div>
+<div class="line">Ich leb' und sterb' bei dem Wallenstein.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Erster Scharfschütz.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Der Lothringer geht mit der großen Flut,<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_1025" title="1025"> </a>Wo der leichte Sinn ist und lustiger Mut.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Dragoner.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Der Irländer folgt des Glückes Stern.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Zweiter Scharfschütz.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Der Tiroler dient nur dem Landesherrn.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Erster Kürassier.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Also laßt jedes Regiment<br/></div>
+<div class="line">Ein Promemoria reinlich schreiben:<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_1030" title="1030"> </a>Daß wir zusammen wollen bleiben,<br/></div>
+<div class="line">Daß uns keine Gewalt noch List<br/></div>
+<div class="line">Von dem Friedländer weg soll treiben,<br/></div>
+<div class="line">Der ein Soldatenvater ist.<br/></div>
+<div class="line">Das reicht man in tiefer Devotion<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_1035" title="1035"> </a>Dem Piccolomini &ndash; ich meine den Sohn &ndash;<br/></div>
+<div class="line">Der versteht sich auf solche Sachen,<br/></div>
+<div class="line">Kann bei dem Friedländer alles machen,<br/></div>
+<div class="line">Hat auch einen großen Stein im Bret<br/></div>
+<div class="line">Bei des Kaisers und Königs Majestät.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Zweiter Jäger.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_1040" title="1040"> </a>Kommt! Dabei bleibt's! Schlagt alle ein!<br/></div>
+<div class="line">Piccolomini soll unser Sprecher sein.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Trompeter.</b> <b>Dragoner.</b> <b>Erster Jäger.</b> <b>Zweiter Kürassier.</b> <b>Scharfschützen</b> <span class="stage-direction">(zugleich)</span>.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Piccolomini soll unser Sprecher sein. <span class="stage-direction">(Wollen fort.)</span><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Wachtmeister.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Erst noch ein Gläschen, Kameraden! <span class="stage-direction">(Trinkt.)</span><br/></div>
+<div class="line">Des Piccolomini hohe Gnaden!<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Marketenderin</b> <span class="stage-direction">(bringt eine Flasche)</span>.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_1045" title="1045"> </a>Das kommt nicht aufs Kerbholz. Ich geb' es gern.<br/></div>
+<div class="line">Gute Verrichtung, meine Herrn!<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<a class="pagenum" name="Page_52" title="52"> </a><div class="line center"><b>Kürassiere.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Der Wehrstand soll leben!<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Beide Jäger.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Der Nährstand soll geben!<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Dragoner</b> und <b>Scharfschützen</b>.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Die Armee soll florieren!<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Trompeter</b> und <b>Wachtmeister</b>.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_1050" title="1050"> </a>Und der Friedländer soll sie regieren!<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Zweiter Kürassier</b> <span class="stage-direction">(singt)</span>.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Wohl auf, Kameraden, aufs Pferd, aufs Pferd!<br/></div>
+<div class="line">Ins Feld, in die Freiheit gezogen.<br/></div>
+<div class="line">Im Felde, da ist der Mann noch was wert,<br/></div>
+<div class="line">Da wird das Herz noch gewogen.<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_1055" title="1055"> </a>Da tritt kein anderer für ihn ein,<br/></div>
+<div class="line">Auf sich selber steht er da ganz allein.<br/></div>
+</div>
+</div>
+
+<div class="stage-direction">
+<p>(Die Soldaten aus dem Hintergrunde haben sich während des Gesangs herbeigezogen
+und machen den Chor.)</p>
+</div>
+
+<div class="poetry">
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Chor.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Da tritt kein anderer für ihn ein,<br/></div>
+<div class="line">Auf sich selber steht er da ganz allein.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Dragoner.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Aus der Welt die Freiheit verschwunden ist,<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_1060" title="1060"> </a>Man sieht nur Herren und Knechte;<br/></div>
+<div class="line">Die Falschheit herrschet, die Hinterlist<br/></div>
+<div class="line">Bei dem feigen Menschengeschlechte.<br/></div>
+<div class="line">Der dem Tod ins Angesicht schauen kann,<br/></div>
+<div class="line">Der Soldat allein ist der freie Mann.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Chor.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_1065" title="1065"> </a>Der dem Tod ins Angesicht schauen kann,<br/></div>
+<div class="line">Der Soldat allein ist der freie Mann.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Erster Jäger.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Des Lebens Ängsten, er wirft sie weg,<br/></div>
+<div class="line">Hat nicht mehr zu fürchten, zu sorgen;<br/></div>
+<div class="line">Er reitet dem Schicksal entgegen keck;<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_1070" title="1070"> </a>Trifft's heute nicht, trifft es doch morgen.<br/></div>
+<div class="line">Und trifft es morgen, so lasset uns heut<br/></div>
+<div class="line">Noch schlürfen die Neige der köstlichen Zeit.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<a class="pagenum" name="Page_53" title="53"> </a><div class="line center"><b>Chor.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Und trifft es morgen, so lasset uns heut<br/></div>
+<div class="line">Noch schlürfen die Neige der köstlichen Zeit.<br/></div>
+</div>
+</div>
+
+<div class="stage-direction">
+<p>(Die Gläser sind aufs neue gefüllt worden, sie stoßen an und trinken.)</p>
+</div>
+
+<div class="poetry">
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Wachtmeister.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_1075" title="1075"> </a>Von dem Himmel fällt ihm sein lustig Los,<br/></div>
+<div class="line">Braucht's nicht mit Müh' zu erstreben;<br/></div>
+<div class="line">Der Fröner, der sucht in der Erde Schoß,<br/></div>
+<div class="line">Da meint er den Schatz zu erheben.<br/></div>
+<div class="line">Er gräbt und schaufelt, so lang er lebt,<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_1080" title="1080"> </a>Und gräbt, bis er endlich sein Grab sich gräbt.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Chor.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Er gräbt und schaufelt, so lang er lebt,<br/></div>
+<div class="line">Und gräbt, bis er endlich sein Grab sich gräbt.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Erster Jäger.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Der Reiter und sein geschwindes Roß,<br/></div>
+<div class="line">Sie sind gefürchtete Gäste;<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_1085" title="1085"> </a>Es flimmern die Lampen im Hochzeitschloß,<br/></div>
+<div class="line">Ungeladen kommt er zum Feste.<br/></div>
+<div class="line">Er wirbt nicht lange, er zeiget nicht Gold,<br/></div>
+<div class="line">Im Sturm erringt er den Minnesold.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Chor.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Er wirbt nicht lange, er zeiget nicht Gold,<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_1090" title="1090"> </a>Im Sturm erringt er den Minnesold.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Zweiter Kürassier.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Warum weint die Dirn und zergrämet sich schier?<br/></div>
+<div class="line">Laß fahren dahin, laß fahren!<br/></div>
+<div class="line">Er hat auf Erden kein bleibend Quartier,<br/></div>
+<div class="line">Kann treue Lieb nicht bewahren.<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_1095" title="1095"> </a>Das rasche Schicksal, es treibt ihn fort,<br/></div>
+<div class="line">Seine Ruhe läßt er an keinem Ort.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Chor.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Das rasche Schicksal, es treibt ihn fort,<br/></div>
+<div class="line">Seine Ruhe läßt er an keinem Ort.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Erster Jäger</b> <span class="stage-direction">(faßt die zwei Nächsten an der Hand; die übrigen ahmen es nach, alle, welche gesprochen, bilden einen großen Halbkreis)</span>.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Drum frisch, Kameraden, den Rappen gezäumt,<br/></div>
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_1100" title="1100"> </a>Die Brust im Gefechte gelüftet!<br/></div>
+<a class="pagenum" name="Page_54" title="54"> </a><div class="line">Die Jugend brauset, das Leben schäumt,<br/></div>
+<div class="line">Frisch auf! eh der Geist noch verdüftet.<br/></div>
+<div class="line">Und setzet ihr nicht das Leben ein,<br/></div>
+<div class="line">Nie wird euch das Leben gewonnen sein.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b>Chor.</b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line"><a class="linenum" name="Line_1105" title="1105"> </a>Und setzet ihr nicht das Leben ein,<br/></div>
+<div class="line">Nie wird euch das Leben gewonnen sein<a name="FNanchor_1" href="#Footnote_1" class="fnanchor">(1)</a>.<br/></div>
+</div>
+</div>
+
+<div class="stage-direction">
+<p>(Der Vorhang fällt, ehe der Chor ganz ausgesungen.)</p>
+</div>
+
+<div class="footnotes">
+
+<div class="footnote">
+<p><a name="Footnote_1" href="#FNanchor_1" class="label">(1)</a>
+In einer Separatausgabe des Reiterlieds aus dem Jahre 1807 und im Taschenbuch
+für Damen findet sich noch folgende weitere, unzweifelhaft von Schiller herrührende
+Strophe:
+</p>
+
+<div class="poetry">
+<div class="stanza">
+<div class="line">Auf des Degens Spitze die Welt jetzt liegt,<br/></div>
+<div class="line">Drum froh, wer den Degen jetzt führet,<br/></div>
+<div class="line">Und bleibt nur wacker zusammengefügt,<br/></div>
+<div class="line">Ihr zwingt das Glück und regieret.<br/></div>
+<div class="line">Es sitzt keine Krone so fest, so hoch,<br/></div>
+<div class="line">Der mutige Springer erreicht sie doch.<br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line center"><b><span class="gesperrt">Chor.</span></b><br/></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="line">Es sitzt keine Krone so fest, so hoch,<br/></div>
+<div class="line">Der mutige Springer erreicht sie doch.<br/></div>
+</div>
+</div>
+
+</div>
+</div>
+
+<div id="tnote-bottom">
+<p class="center"><a name="tn-bottom"><b>Anmerkungen zur Transkription:</b></a></p>
+
+<p class="no-indent">Im folgenden werden alle geänderten Textstellen angeführt,
+wobei jeweils zuerst die Stelle wie im Original, danach die geänderte Stelle
+steht.</p>
+
+<ul id="corrections">
+<li><a href="#Page_20">Seite 20</a>:<br/><em class="gesperrt">Vorige.</em> <em class="gesperrt">Zwei Jäger.</em> Dann <em class="gesperrt">Marketenderin</em>. <em class="gesperrt"><span class="correction">Soldatenjungen</span></em><br/><em class="gesperrt">Vorige.</em> <em class="gesperrt">Zwei Jäger.</em> Dann <em class="gesperrt">Marketenderin</em>. <em class="gesperrt"><span class="correction">Soldatenjungen.</span></em></li>
+<li><a href="#Page_23">Seite 23</a>:<br/>Wir ebenso gut seinen Namen <span class="correction">führen</span><br/>Wir ebenso gut seinen Namen <span class="correction">führen.</span></li>
+<li><a href="#Page_35">Seite 35</a>:<br/>Wieder ein Gebot ist: Du <span class="correction">sollt</span> nicht stehlen.<br/>Wieder ein Gebot ist: Du <span class="correction">sollst</span> nicht stehlen.</li>
+</ul>
+</div>
+
+
+
+
+
+
+
+
+<pre>
+
+
+
+
+
+End of Project Gutenberg's Wallensteins Lager, by Friedrich von Schiller
+
+*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK WALLENSTEINS LAGER ***
+
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+Title: Wallensteins Lager
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+Author: Friedrich Schiller
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+Release Date: September, 2004 [EBook #6518]
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+[This file was first posted on December 25, 2002]
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+Edition: 10
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+Language: German
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+*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK, WALLENSTEINS LAGER ***
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+Wallensteins Lager
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+Friedrich Schiller
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+Personen
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+Wachtmeister
+Trompeter von einem Terzkyschen Karabinier-Regiment
+Konstabler
+Scharfschuetzen
+Zwei Holkische reitende Jaeger
+Buttlerische Dragoner
+Arkebusiere vom Regiment Tiefenbach
+Kuerassier von einem wallonischen Regiment
+Kuerassier von einem lombardischen Regiment
+Kroaten
+Ulanen
+Rekrut
+Buerger
+Bauer
+Bauerknabe
+Kapuziner
+Soldatenschulmeister
+Marketenderin
+Eine Aufwaerterin
+Soldatenjungen
+Hoboisten
+
+
+
+
+Erster Aufzug
+
+Vor der Stadt Pilsen in Boehmen
+
+
+
+Erster Auftritt
+
+Marketenderzelte, davor eine Kram- und Troedelbude. Soldaten von
+allen Farben und Feldzeichen draengen sich durcheinander, alle
+Tische sind besetzt. Kroaten und Ulanen an einem Kohlfeuer kochen,
+Marketenderin schenkt Wein, Soldatenjungen wuerfeln auf einer
+Trommel, im Zelt wird gesungen.
+
+Ein Bauer und sein Sohn.
+
+
+Bauerknabe.
+ Vater, es wird nicht gut ablaufen,
+ Bleiben wir von dem Soldatenhaufen.
+ Sind Euch gar trotzige Kameraden;
+ Wenn sie uns nur nichts am Leibe schaden.
+
+Bauer.
+ Ei was! Sie werden uns ja nicht fressen,
+ Treiben sie's auch ein wenig vermessen.
+ Siehst du? sind neue Voelker herein,
+ Kommen frisch von der Saal' und dem Main,
+ Bringen Beut' mit, die rarsten Sachen!
+ Unser ist's, wenn wir's nur listig machen.
+ Ein Hauptmann, den ein andrer erstach,
+ Liess mir ein paar glueckliche Wuerfel nach.
+ Die will ich heut einmal probieren,
+ Ob sie die alte Kraft noch fuehren.
+ Musst dich nur recht erbaermlich stellen,
+ Sind dir gar lockere, leichte Gesellen.
+ Lassen sich gerne schoentun und loben,
+ So wie gewonnen, so ist’s zerstoben.
+ Nehmen sie uns das Unsre in Scheffeln,
+ Muessen wir's wiederbekommen in Loeffeln;
+ Schlagen sie grob mit dem Schwerte drein,
+ So sind wir pfiffig und treiben’s fein.
+ (Im Zelt wird gesungen und gejubelt.)
+ Wie sie juchzen--dass Gott erbarm!
+ Alles das geht von des Bauern Felle.
+ Schon acht Monate legt sich der Schwarm
+ Uns in die Betten und in die Staelle,
+ Weit herum ist in der ganzen Aue
+ Keine Feder mehr, keine Klaue,
+ Dass wir fuer Hunger und Elend schier
+ Nagen muessen, die eignen Knochen.
+ War’s doch nicht aerger und krauser hier,
+ Als der Sachs noch im Lande taet pochen.
+ Und die nennen sich Kaiserliche!
+
+Bauerknabe.
+ Vater, da kommen ein paar aus der Kueche,
+ Sehen nicht aus, als waer’ viel zu nehmen.
+
+Bauer.
+ Sind Einheimische, geborne Boehmen,
+ Von des Terschkas Karabinieren,
+ Liegen schon lang in diesen Quartieren.
+ Unter allen die Schlimmsten just,
+ Spreizen sich, werfen sich in die Brust,
+ Tun, als wenn sie zu fuernehm waeren,
+ Mit dem Bauer ein Glas zu leeren.
+ Aber dort seh ich die drei scharfe Schuetzen
+ Linker Hand um ein Feuer sitzen,
+ Sehen mir aus wie Tiroler schier.
+ Emmerich, komm! An die wollen wir,
+ Lustige Voegel, die gerne schwatzen,
+ Tragen sich sauber und fuehren Batzen.
+(Gehen nach den Zelten.)
+
+
+
+Zweiter Auftritt
+
+Vorige. Wachtmeister. Trompeter. Ulan.
+
+
+Trompeter.
+ Was will der Bauer da? Fort, Halunke!
+
+Bauer.
+ Gnaedige Herren, einen Bissen und Trunk!
+ Haben heut noch nichts Warmes gegessen.
+
+Trompeter.
+ Ei, das muss immer saufen und fressen.
+
+Ulan (mit einem Glase).
+ Nichts gefruehstueckt? Da trink, du Hund!
+(Fuehrt den Bauer nach dem Zelte; jene kommen vorwaerts.)
+
+Wachtmeister (zum Trompeter).
+ Meinst du, man hab’ uns ohne Grund
+ Heute die doppelte Loehnung gegeben,
+ Nur dass wir flott und lustig leben?
+
+Trompeter.
+ Die Herzogin kommt ja heute herein
+ Mit dem fuerstlichen Fraeulein--
+
+Wachtmeister.
+ Das ist nur der Schein.
+ Die Truppen, die aus fremden Landen
+ Sich hier vor Pilsen zusammenfanden,
+ Die sollen wir gleich an uns locken
+ Mit gutem Schluck und guten Brocken,
+ Damit sie sich gleich zufrieden finden
+ Und fester sich mit uns verbinden.
+
+Trompeter.
+ Ja, es ist wieder was im Werke!
+
+Wachtmeister
+ Die Herren Generaele und Kommendanten--
+
+Trompeter.
+ Es ist gar nicht geheuer, wie ich merke.
+
+Wachtmeister.
+ Die sich so dick hier zusammenfanden--
+
+Trompeter.
+ Sind nicht fuer die Langweil herbemueht.
+
+Wachtmeister.
+ Und das Gemunkel und das Geschicke--
+
+Trompeter.
+ Ja! Ja!
+
+Wachtmeister.
+ Und von Wien die alte Peruecke,
+ Die man seit gestern herumgehn sieht,
+ Mit der guldenen Gnadenkette,
+ Das hat was zu bedeuten, ich wette.
+
+Trompeter.
+ Wieder so ein Spuerhund, gebt nur acht,
+ Der die Jagd auf den Herzog macht.
+
+Wachtmeister.
+ Merkst du wohl? sie trauen uns nicht,
+ Fuerchten des Friedlaenders heimlich Gesicht.
+ Er ist ihnen zu hoch gestiegen,
+ Moechten ihn gern herunter kriegen.
+
+Trompeter.
+ Aber wir halten ihn aufrecht, wir.
+ Daechten doch alle wie ich und Ihr!
+
+Wachtmeister.
+ Unser Regiment und die andern vier,
+ Die der Terschka anfuehrt, der Herzogs Schwager,
+ Das resoluteste Korps im Lager,
+ Sind ihm ergeben und gewogen,
+ Hat er uns selbst doch herangezogen.
+ Alle Hauptleute setzt’ er ein,
+ Sind alle mit Leib und Leben sein.
+
+
+
+Dritter Auftritt
+
+Kroat mit einem Halsschmuck. Scharfschuetze folgt. Vorige.
+
+
+Scharfschuetz.
+ Kroat, wo hast du das Halsband gestohlen?
+ Handle dir’s ab! dir ist’s doch nichts nuetz.
+ Geb dir dafuer das Paar Terzerolen.
+
+Kroat.
+ Nix, nix! du willst mich betruegen, Schuetz.
+
+Scharfschuetz.
+ Nun! geb dir auch noch die blaue Muetz,
+ Hab sie soeben im Gluecksrad gewonnen.
+ Siehst du? Sie ist zum hoechsten Staat.
+
+Kroat (laesst das Halsband in der Sonne spielen).
+ ’s ist aber von Perlen und edelm Granat.
+ Schau, wie das flinkert in der Sonnen!
+
+Scharfschuetz. (nimmt das Halsband)
+ Die Feldflasche noch geb ich drein,
+(besieht es)
+ Es ist mir nur um den schoenen Schein.
+
+Trompeter.
+ Seht nur, wie der den Kroaten prellt!
+ Halbpart, Schuetze, so will ich schweigen.
+
+Kroat (hat die Muetze aufgesetzt).
+ Deine Muetze mir wohlgefaellt.
+
+Scharfschuetz (winkt dem Trompeter).
+ Wir tauschen hier! Die Herrn sind Zeugen!
+
+
+
+Vierter Auftritt
+
+Vorige. Konstabler.
+
+
+Konstabler (tritt zum Wachtmeister).
+ Wie ist’s, Bruder Karabinier?
+ Werden wir uns lang noch die Haende waermen,
+ Da die Feinde schon frisch im Feld herum schwaermen?
+
+Wachtmeister.
+ Tut’s Ihm so eilig, Herr Konstabel?
+ Die Wege sind noch nicht praktikabel.
+
+Konstabler.
+ Mir nicht. Ich sitze gemaechlich hier;
+ Aber ein Eilbot’ ist angekommen,
+ Meldet, Regenspurg sei genommen.
+
+Trompeter.
+ Ei, da werden wir bald aufsitzen.
+
+Wachtmeister.
+ Wohl gar! Um dem Bayer sein Land zu schuetzen?
+ Der dem Fuersten so unfreund ist?
+ Werden uns eben nicht sehr erhitzen.
+
+Konstabler.
+ Meint Ihr?--Was Ihr nicht alles wisst!
+
+
+
+Fuenfter Auftritt
+
+Vorige. Zwei Jaeger. Dann Marketenderin, Soldatenjungen,
+Schulmeister, Aufwaerterin.
+
+
+Erster Jaeger.
+ Sieh! sieh!
+ Da treffen wir lustige Kompanie.
+
+Trompeter.
+ Was fuer Gruenroeck’ moegen das sein?
+ Treten ganz schmuck und stattlich ein.
+
+Wachtmeister.
+ Sind Holkische Jaeger; die silbernen Tressen
+ Holten sie sich nicht auf der Leipziger Messen.
+
+Marketenderin (kommt und bringt Wein).
+ Glueck zu Ankunft, ihr Herrn!
+
+Erster Jaeger.
+ Was? der Blitz!
+ Das ist ja die Gustel aus Blasewitz.
+
+Marketenderin.
+ I freilich! Und er ist wohl gar, Mussjoe,
+ Der lange Peter aus Itzehoe?
+ Der seines Vaters goldene Fuechse
+ Mit unserm Regiment hat durchgebracht
+ Zu Gluecksstadt in einer lustigen Nacht--
+
+Erster Jaeger.
+ Und die Feder vertauscht mit der Kugelbuechse.
+
+Marketenderin.
+ Ei! da sind wir alte Bekannte!
+
+Erster Jaeger.
+ Und treffen uns hier im boehmischen Lande.
+
+Marketenderin.
+ Heute da, Herr Vetter, und morgen dort--
+ Wie einen der rauhe Kriegesbesen
+ Fegt und schuettelt von Ort zu Ort;
+ Bin indes weit herumgewesen.
+
+Erster Jaeger.
+ Will’s Ihr glauben! Das stellt sich dar.
+
+Marketenderin.
+ Bin hinauf bis nach Temeswar
+ Gekommen mit den Bagagewagen,
+ Als wir den Mansfelder taeten jagen.
+ Lag mit dem Friedlaender vor Stralsund,
+ Ging mir dorten die Wirtschaft zugrund.
+ Zog mit dem Sukkurs von Mantua,
+ Kam wieder heraus mit dem Feria,
+ Und mit einem spanischen Regiment
+ Hab ich einen Abstecher gemacht nach Gent.
+ Jetzt will ich’s im boehmischen Land probieren,
+ Alte Schulden einkassieren--
+ Ob mir der Fuerst hilft zu meinem Geld.
+ Und das dort ist mein Marketenderzelt.
+
+Erster Jaeger.
+ Nun, da trifft Sie alles beisammen an!
+ Doch wo hat sie den Schottlaender hingetan,
+ Mit dem sie damals herumgezogen?
+
+Marketenderin.
+ Der Spitzbub! der hat mich schoen betrogen.
+ Fort ist er! Mit allem davongefahren,
+ Was ich mir taet am Leibe ersparen.
+ Liess er mir nichts als den Schlingel da!
+
+Soldatenjunge (kommt gesprungen).
+ Mutter! sprichtst du von meinem Papa?
+
+Erster Jaeger.
+ Nun, nun! das muss der Kaiser ernaehren,
+ Die Armee sich immer muss neu gabaeren.
+
+Soldatenschulmeister (kommt).
+ Fort in die Feldschule! Marsch, ihr Buben!
+
+Erster Jaeger.
+ Das fuercht’ sich auch vor der engen Stuben!
+
+Aufwaerterin (kommt).
+ Base, sie wollen fort.
+
+Marketenderin.
+ Gleich! gleich!
+
+Erster Jaeger.
+ Ei, wer ist denn das kleine Schelmengesichte?
+
+Marketenderin.
+ ’s ist meiner Schwester Kind--aus dem Reich.
+
+Erster Jaeger.
+ Ei, also eine liebe Nichte?
+(Marketenderin geht.)
+
+Zweiter Jaeger (Das kleine Maedchen haltend).
+ Bleib Sie bei uns doch, artiges Kind.
+
+Aufwaerterin.
+ Gaeste dort zu bedienen sind.
+(Macht sich los und geht.)
+
+Erster Jaeger.
+ Das Maedchen ist kein uebler Bissen!--
+ Und die Muhme! beim Element!
+ Was haben die Herrn vom Regiment
+ Sich um das niedliche Laervchen gerissen!--
+ Was man nicht alles fuer Leute kennt,
+ Und wie die Zeit von dannen rennnt.--
+ Was werd ich noch alles erleben muessen!
+(Zum Wachtmeister und Trompeter.)
+ Euch zu Gesundheit, meine Herrn!--
+ Lasst uns hier auch ein Plaetzen nehmen.
+
+
+
+Sechster Auftritt
+
+Jaeger. Wachtmeister. Trompeter
+
+
+Wachtmeister.
+ Wir danken schoen. Von Herzen gern.
+ Wir ruecken zu. Willkommen in Boehmen!
+
+Erster Jaeger.
+ Ihr sitzt hier warm. Wir, in Feindes Land,
+ Mussten derweil uns schlecht bequemen.
+
+Trompeter.
+ Man sollt’s euch nicht ansehn, ihr seid galant.
+
+Wachtmeister.
+ Ja, ja, im Saalkreis und auch in Meissen
+ Hoert man euch Herrn nicht besonders preisen.
+
+Zweiter Jaeger.
+ Seid mir doch still! Was will das heissen?
+ Der Kroat es ganz anders trieb,
+ Uns nur die Nachles’ uebrigblieb.
+
+Trompeter.
+ Ihr habt da einen saubern Spitzen
+ Am Kragen, und wie euch die Hosen sitzen!
+ Die feine Waesche, der Federhut!
+ Was das alles fuer Wirkung tut!
+ Dass doch den Burschen das Glueck soll scheinen,
+ Und so was kommt nie an unser einen!
+
+Wachtmeister.
+ Dafuer sind wir den Friedlaenders Regiment,
+ Man muss uns ehren und respektieren.
+
+Erster Jaeger.
+ Das ist fuer uns andre kein Kompliment,
+ Wir ebensogut seinen Namen fuehren.
+
+Wachtmeister.
+ Ja, ihr gehoert auch so zur ganzen Masse.
+
+Erster Jaeger.
+ Ihr seid wohl von einer besondern Rasse?
+ Der ganze Unterschied ist in den Roecken,
+ Und ich ganz gern mag in meinem stecken.
+
+Wachtmeister.
+ Herr Jaeger, ich muss Euch nur bedauern,
+ Ihr lebt so draussen bei den Bauern;
+ Der feine Griff und der rechte Ton,
+ Das lernt sich nur um des Feldherrn Person.
+
+Erster Jaeger.
+ Sie bekam Euch uebel, die Lektion.
+ Wie er raeuspert und wie er spukt,
+ Das habt Ihr ihm gluecklich abgeguckt;
+ Aber sein Genie, ich meine sein Geist,
+ Sich nicht auf der Wachparade weist.
+
+Zweiter Jaeger.
+ Wetter auch! wo Ihr nach uns fragt,
+ Wir heissen des Friedlaenders wilde Jagd
+ Und machen dem Namen keine Schande--
+ Ziehen frech durch Feindes und Freundes Lande,
+ Querfeldein durch die Saat, durch das gelbe Korn--
+ Sie kennen das Holkische Jaegerhorn!--
+ In einem Augenblick fern und nah,
+ Schnell wie die Suendflut, so sind wir da--
+ Wie die Feuerflamme bei dunkler Nacht
+ In die Haeuser faehret, wenn niemand wacht--
+ Da hilft keine Gegenwehr, keine Flucht,
+ Keine Ordnung gilt mehr und keine Zucht.--
+ Es straeubt sich--der Krieg hat kein Erbarmen--
+ Das Maegdlein in unsern sennigten Armen--
+ Fragt nach, ich sag’s nicht, um zu prahlen;
+ In Bayreuth, im Voigtland, in Westfalen,
+ Wo wir nur durchgekommen sind--
+ Erzaehlen Kinder und Kindeskind
+ Nach hundert und aber hundert Jahren
+ Von dem Holk noch und seinen Scharen.
+
+Wachtmeister.
+ Nun da sieht man’s! Der Saus und Braus,
+ Macht denn der den Soldaten aus?
+ Das Tempo macht ihn, der Sinn und Schick,
+ Der Begriff, die Bedeutung, der feine Blick.
+
+Erster Jaeger.
+ Die Freiheit macht ihn! Mit Euren Fratzen!
+ Dass ich mit Euch soll darueber schwatzen.--
+ Lief ich darum aus der Schul’ und der Lehre,
+ Dass ich die Fron und die Galeere,
+ Die Schreibstub’ und ihre engen Waende
+ In dem Feldlager wiederfaende?--
+ Flott will ich leben und muessiggehn,
+ Alle Tage was Neues sehn,
+ Mich dem Augenblick frisch vertraun,
+ Nicht zurueck, auch nicht vorwaerts schauen--
+ Drum hab ich meine Haut dem Kaiser verhandelt,
+ Dass keine Sorg’ mich mehr anwandelt.
+ Fuehrt mich ins Feuer frisch hinein,
+ Ueber den reissenden, tiefen Rhein,
+ Der dritte Mann soll verloren sein;
+ Werde mich nicht lang sperren und zieren.--
+ Sonst muss man mich aber, ich bitte sehr,
+ Mit nichts weiter inkommodieren.
+
+Wachtmeister.
+ Nu, nu verlangt Ihr sonst nichts mehr?
+ Das liess’ sich unter dem Wams da finden.
+
+Erster Jaeger.
+ Was war das nicht fuer ein Placken und Schinden
+ Bei Gustav dem Schweden, dem Leuteplager!
+ Der machte eine Kirch’ aus seinem Lager,
+ Liess Betstunde halten, des Morgens, gleich
+ Bei der Reveille, und beim Zapfenstreich.
+ Und wurden wir manchmal ein wenig munter,
+ Er kanzelt’ uns selbst wohl vom Gaul herunter.
+
+Wachtmeister.
+ Ja, es war ein gottesfuerchtiger Herr.
+
+Erster Jaeger.
+ Dirnen, die liess er gar nicht passieren,
+ Mussten sie gleich zur Kirche fuehren.
+ Da lief ich, konnt’s nicht ertragen mehr.
+
+Wachtmeister.
+ Jetzt geht’s dort auch wohl anders her.
+
+Erster Jaeger.
+ So ritt ich hinueber zu den Ligisten,
+ Sie taeten sich just gegen Magdeburg ruesten.
+ Ja, das war schon ein ander Ding!
+ Alles da lustiger, lose ging,
+ Soff und Spiel und Maedels die Menge!
+ Wahrhaftig, der Spass war nicht gering,
+ Denn der Tilly verstand sich aufs Kommandieren.
+ Dem eigenen Koerper war er strenge,
+ Dem Soldaten liess er vieles passieren,
+ Und ging’s nur nicht aus seiner Kassen,
+ Sein Spruch war : leben und leben lassen.
+ Aber das Glueck blieb ihm nicht stet--
+ Seit der Leipziger Fatalitaet
+ Wollt’ es eben nirgends mehr flecken,
+ Alles bei uns geriet ins Stecken;
+ Wo wir erschienen und pochten an,
+ Ward nicht gegruesst noch aufgetan.
+ Wir mussten uns druecken von Ort zu Ort,
+ Der alte Respekt war eben fort.--
+ Da nahm ich Handgeld von den Sachsen,
+ Meinte, da muesste mein Glueck recht wachsen.
+
+Wachtmeister.
+ Nun, da kamt Ihr ja eben recht
+ Zur boehmischen Beute.
+
+Erster Jaeger.
+ Es ging mir schlecht.
+ Sollten da strenge Mannszucht halten,
+ Durften nicht recht als Feinde walten,
+ Mussten des Kaisers Schloesser bewachen,
+ Viel Umstaend’ und Komplimente machen,
+ Fuehrten den Krieg, als waer’s nur Scherz,
+ Hatten fuer die Sach’ nur ein halbes Herz,
+ Wollten’s mit niemand ganz verderben,
+ Kurz, da war wenig Ehr zu erwerben,
+ Und ich waer bald fuer Ungeduld
+ Wieder heimgelaufen zum Schreibepult,
+ Wenn nicht eben auf allen Strassen
+ Der Friedlaender haette werben lassen.
+
+Wachtmeister.
+ Und wie lang denkt Ihr’s hier auszuhalten?
+
+Erster Jaeger.
+ Spasst nur! solang der tut walten,
+ Denk ich Euch, mein Seel! an kein Entlaufen.
+ Kann’s der Soldat wo besser kaufen?--
+ Da geht alles nach Kriegessitt’,
+ Hat alles ’nen grossen Schnitt.
+ Und der Geist, der im ganzen Korps tut leben,
+ Reisstet gewaltig, wie Windesweben,
+ Auch den untersten Reiter mit.
+ Da tret ich auf mit beherztem Schritt,
+ Darf ueber den Buerger kuehn wegschreiten
+ Wie der Feldherr ueber der Fuersten Haupt.
+ Es ist hier wie in den alten Zeiten,
+ Wo die Klinge noch alles taet bedeuten;
+ Da gibt’s nur ein Vergehn und Verbrechen:
+ Der Ordre fuerwitzig widersprechen!
+ Was nicht verboten ist, ist erlaubt;
+ Da fragt niemand, was einer glaubt.
+ Es gibt nur zwei Ding’ ueberhaupt:
+ War zur Armee gehoert und nicht;
+ Und nur der Fahne bin ich verpflicht’.
+
+Wachtmeister.
+ Jetzt gefallt Ihr mir, Jaeger! Ihr sprecht
+ Wie ein Friedlaendischer Reitersknecht.
+
+Erster Jaeger.
+ Der fuehrt’s Kommando nicht wie ein Amt,
+ Wie eine Gewalt, die vom Kaiser stammt!
+ Es ist ihm nicht um des Kaisers Dienst--
+ Was bracht’ er dem Kaiser fuer Gewinst?
+ Was hat er mit seiner grossen Macht
+ Zu des Landes Schirm und Schutz vollbracht?
+ Ein Reich von Soldaten wollt’ er gruenden,
+ Die Welt anstecken und entzuenden,
+ Sich alles vermessen und unterwinden--
+
+Trompeter.
+ Still! Wer wird solche Worte wagen!
+
+Erster Jaeger.
+ Was ich denke, das darf ich sagen.
+ Das Wort ist frei, sagt der General.
+
+Wachtmeister.
+ So sagt er, ich hoert’s wohl einigemal,
+ Ich stand dabei. "Das Wort ist frei,
+ Die Tat ist stumm, der Gehorsam blind",
+ Dies urkundlich seine Worte sind.
+
+Erster Jaeger.
+ Ob’s just seine Wort’ sind, weiss ich nicht;
+ Aber die Sach’ ist so, wie er spricht.
+
+Zweiter Jaeger.
+ Ihm schlaegt das Kriegsglueck nimmer um,
+ Wie’s wohl bei andern pflegt zu geschehen.
+ Der Tilly ueberlebte seinen Ruhm.
+ Doch unter des Friedlaenders Kriegspanieren
+ Da bin ich gewiss zu viktorisieren.
+ Er bannet das Glueck, es muss ihm stehen.
+ Wer unter seinem Zeichen tut fechten,
+ Der steht unter besondern Maechten.
+ Denn das weiss ja die ganze Welt,
+ Dass der Friedlaender einen Teufel
+ Aus der Hoelle im Solde haelt.
+
+Wachtmeister.
+ Ja, dass er fest ist, das ist kein Zweifel.
+ Denn in der blut’gen Affaer’ bei Luetzen
+ Ritt er euch unter des Feuers Blitzen
+ Auf und nieder mit kuehlem Blut.
+ Durchloechert von Kugeln war sein Hut,
+ Durch den Stiefel und Koller fuhren
+ Die Ballen, man sah die deutlichen Spuren;
+ Konnt’ ihm keine die Haut nur ritzen,
+ Weil ihn die hoellische Salbe taet schuetzen.
+
+Erster Jaeger.
+ Was wollt Ihr da fuer Wunder bringen!
+ Er traegt ein Koller von Elendshaut,
+ Das keine Kugel kann durchdringen.
+
+Wachtmeister.
+ Nein, es ist die Salbe von Hexenkraut,
+ Unter Zauberspruechen gekocht und gebraut.
+
+Trompeter.
+ Es geht nicht zu mit rechten Dingen!
+
+Wachtmeister.
+ Sie sagen, er les’ auch in den Sternen
+ Die kuenftigen Dinge, die nahen und fernen;
+ Ich weiss aber besser, wie’s damit ist.
+ Ein graues Maennlein pflegt bei naechtlicher Frist
+ Durch verschlossene Tueren zu ihm einzugehen;
+ Die Schildwachen haben’s oft angeschrien,
+ Und immer was Grosses ist drauf geschehen,
+ Wenn je das graue Roecklein kam und erschien.
+
+Zweiter Jaeger.
+ Ja, er hat sich dem Teufel uebergeben,
+ Drum fuehren wir auch das lustige Leben.
+
+
+
+Siebenter Auftritt
+
+Vorige. Ein Rekrut. Ein Buerger. Dragoner.
+
+
+Rekrut (tritt aus dem Zelt, eine Blechhaube auf dem Kopfe, eine
+Weinflasche in der Hand).
+ Gruess den Vater und des Vaters Brueder!
+ Bin Soldat, kommer nimmer wieder.
+
+Erster Jaeger.
+ Sieh, da bringen sie einen Neuen!
+
+Buerger.
+ Oh! gib acht, Franz! Es wird dich reuen.
+
+Rekrut (singt).
+ Trommeln und Pfeifen,
+ Kriegrischer Klang!
+ Wandern und streifen
+ Die Welt entlang,
+ Rosse gelenkt,
+ Mutig geschwenkt,
+ Schwert an der Seite,
+ Frisch in die Weite,
+ Fluechtig und flink,
+ Frei, wie der Fink
+ Auf Straeuchern und Baeumen,
+ In Himmels Raeumen!
+ Heisa! ich folge des Friedlaenders Fahn!
+
+Zweiter Jaeger.
+ Seht mir! das ist ein wackrer Kumpan!
+(Sie begruessen ihn.)
+
+Buerger.
+ Oh! lasst ihn! Er ist guter Leute Kind.
+
+Erster Jaeger.
+ Wir auch nicht auf der Strasse gefunden sind.
+
+Buerger.
+ Ich sag euch, er hat Vermoegen und Mittel.
+ Fuehlt her, das feine Tuechlein am Kittel!
+
+Trompeter.
+ Des Kaisers Rock ist der hoechste Titel.
+
+Buerger.
+ Er erbt eine kleine Muetzenfabrik.
+
+Zweiter Jaeger.
+ Des Menschen Wille, das ist sein Glueck.
+
+Buerger.
+ Von der Grossmutter einen Kram und Laden.
+
+Erster Jaeger.
+ Pfui! wer handelt mit Schwefelfaden!
+
+Buerger.
+ Einen Weinschank dazu von seiner Paten,
+ Ein Gewoelbe mit zwanzig Stueckfass Wein.
+
+Trompeter.
+ Den teilt er mit seinen Kameraden.
+
+Zweiter Jaeger.
+ Hoer du! Wir muessen Zeltbrueder sein.
+
+Buerger.
+ Eine Braut laesst er sitzen in Traenen und Schmerz.
+
+Erster Jaeger.
+ Recht so, da zeigt er ein eisernes Herz.
+
+Buerger.
+ Die Grossmutter wird fuer Kummer sterben.
+
+Zweiter Jaeger.
+ Desto besser, so kann er sie gleich beerben.
+
+Wachtmeister (tritt gravitaetisch herzu, dem Rekruten die Hand auf die
+Blechhaube legend).
+ Sieht Er! das hat Er wohl erwogen.
+ Einen neuen Menschen hat Er angezogen,
+ Mit dem Helm da und Wehrgehaeng'
+ Schliesst Er sich an eine wuerdige Meng'.
+ Muss ein fuernehmer Geist jetzt in Ihn fahren--
+
+Erster Jaeger.
+ Muss besonders das Geld nicht sparen.
+
+Wachtmeister.
+ Auf der Fortuna ihrem Schiff
+ Ist Er zu segeln im Begriff;
+ Die Weltkugel liegt vor Ihm offen,
+ Wer nichts waget, der darf nichts hoffen.
+ Es treibt sich der Buergersmann, traeg und dumm,
+ Wie des Faerbers Gaul, nur im Ring herum.
+ Aus dem Soldaten kann alles werden,
+ Denn Krieg ist jetzt die Losung auf Erden.
+ Seh' Er mal mich an ! In diesem Rock
+ Fuehr ich , sieht Er, des Kaisers Stock.
+ Alles Weltregiment, muss er wissen,
+ Von dem Stock hat ausgehen muessen;
+ Und das Zepter in Koenigs Hand
+ Ist ein Stock nur, das ist bekannt.
+ Und wer's zum Korporal erst hat gebracht,
+ Der steht auf der Leiter zur hoechsten Macht,
+ Und so weit kann Er's auch noch treiben.
+
+Erster Jaeger.
+ Wenn Er nur lesen kann und schreiben.
+
+Wachtmeister.
+ Da will ich Ihm gleich ein Exempel geben,
+ Ich taet's vor kurzem selbst erleben.
+ Da ist der Chef vom Dragonerkorps,
+ Heisst Buttler, wir standen als Gemeine
+ Noch vor dreissig Jahren bei Koeln am Rheine,
+ Jetzt nennt man ihn Generalmajor.
+ Das macht, er taet sich bass hervor,
+ Taet die Welt mit seinem Kriegsruhm fuellen,
+ Doch meine Verdienste, die blieben im stillen.
+ Ja, und der Friedlaender selbst, sieht Er,
+ Unser Hauptmann und hochgebietender Herr,
+ Der jetzt alles vermag und kann,
+ War erst nur ein schlichter Edelmann,
+ Und weil er der Kriegsgoettin sich vertraut,
+ Hat es sich diese Groess' erbaut,
+ Ist nach dem Kaiser der naechste Mann,
+ Und wer weiss, was er noch erreicht und ermisst,
+(pfiffig)
+ Denn noch nicht aller Tage Abend ist.
+
+Erster Jaeger.
+ Ja, er fing's klein an und ist jetzt so gross,
+ Den zu Altdorf, im Studentenkragen,
+ Trieb er's, mit Permiss zu sagen,
+ Ein wenig locker und purschikos,
+ Haette seinen Famulus bald erschlagen.
+ Wollten ihn drauf die Nuernberger Herren
+ Mir nichts, dir nichts ins Karzer sperren;
+ 's war just ein neugebautes Nest,
+ Der erste Bewohner sollt' es taufen.
+ Aber wie faengt er's an ? Er laesst
+ Weislich den Pudel voran erst laufen.
+ Nach dem Hunde nennt sich's bis diesen Tag;
+ Ein rechter Kerl sich dran spiegeln mag.
+ Unter des Herrn grossen Taten allen
+ Hat mir das Stueckchen besonders gefallen.
+(Das Maedchen hat unterdessen aufgewartet; der zweite Jaeger schaekert
+mir ihr.)
+
+Dragoner (tritt dazwischen).
+ Kamerad, lass' Er das unterwegen.
+
+Zweiter Jaeger.
+ Wer, Henker! hat sich da dreinzulegen!
+
+Dragoner.
+ Ich will's Ihm nur sagen, die Dirn' ist mein.
+
+Erster Jaeger.
+ Der will ein Schaetzchen fuer sich allein!
+ Dragoner, ist Er bei Troste! Sag' Er!
+
+Zweiter Jaeger.
+ Will was Apartes haben im Lager.
+ Einer Dirne schoen Gesicht
+ Muss allgemein sein, wie's Sonnenlicht!
+(Kuesst sie.)
+
+Dragoner (reisst sie weg).
+ Ich sag's noch einmal, das leid ich nicht.
+
+Erster Jaeger.
+ Lustig! lustig! da kommen die Prager!
+
+Zweiter Jaeger.
+ Sucht Er Haendel? Ich bin dabei.
+
+Wachtmeister.
+ Fried', ihr Herren! Ein Kuss ist frei!
+
+
+
+Achter Auftritt
+
+Bergknappen treten auf und spielen einen Walzer, erst langsam
+und dann immer geschwinder. Der erste Jaeger tanzt mit der
+Aufwaerterin, die Marketenderin mit dem Rekruten; das Maedchen
+entspringt, der Jaeger hinter ihr her und bekommt den Kapuziner
+zu fassen, der eben hereintritt.
+
+
+Kapuziner.
+ Heisa, juchheia! Dudeldumdei!
+ Das geht ja hoch her. Bin auch dabei!
+ Ist das eine Armee von Christen?
+ Sind wir Tuerken? sind wir Antibaptisten?
+ Treibt man so mit dem Sonntag Spott,
+ Als haette der allmaechtige Gott
+ Das Chiragra, koennte nicht dreinschlagen?
+ Ist's jetzt Zeit zu Saufgelagen?
+ Zu Banketten und Feiertagen?
+ Quid hic statis otiosi?
+ Was steht ihr und legt die Haende in Schoss?
+ Die Kriegsfuri ist an der Donau los,
+ Das Bollwerk des Bayerlands ist gefallen,
+ Regenspurg ist in des Feindes Krallen,
+ Und die Armee liegt hier in Boehmen,
+ Pflegt den Bauch, laesst sich's wenig graemen,
+ Kuemmert sich mehr um den Krug als den Krieg,
+ Wetzt lieber den Schnabel als den Sabel,
+ Hetzt sich lieber herum mit der Dirn',
+ Frisst den Ochsen lieber als den Oxenstirn.
+ Die Christenheit trauert in Sack und Asche,
+ Der Soldat fuellt sich nur die Tasche.
+ Es ist eine Zeit der Traenen und Not,
+ Am Himmel geschehen Zeichen und Wunder,
+ Und aus den Wolken, blutigrot,
+ Haengt der Herrgott den Kriegsmantel runter.
+ Den Kometen steckt er wie eine Rute
+ Drohend am Himmelsfenster aus,
+ Die ganze Welt ist ein Klagehaus,
+ Die Arche der Kirche schwimmt in Blute,
+ Und das roemische Reich--dass Gott erbarm!
+ Sollte jetzt heissen roemisch Arm,
+ Der Rheinstrom ist worden zu einem Peinstrom,
+ Die Kloester sind ausgenommene Nester,
+ Die Bistuemer sind verwandelt in Wuesttuemer,
+ Die Abteien und die Stifter
+ Sind nun Raubteien und Diebeskluefter,
+ Und alle die gesegneten deutschen Laender
+ Sind verkehrt worden in Elender--
+ Woher kommt das? das will ich euch verkuenden:
+ Das schreibt sich her von euern Lastern und Suenden,
+ Von dem Greuel und Heidenleben,
+ Dem sich Offizier und Soldaten ergeben.
+ Denn die Suend' ist der Magnetenstein,
+ Der das Eisen ziehet ins Land herein.
+ Auf das Unrecht, da folgt das Uebel,
+ Wie die Traen' auf den herben Zwiebel,
+ Hinter dem U koemmt gleich das Weh,
+ Das ist die Ordnung im ABC.
+ Ubi erit victoriae spes,
+ Si offenditur Deus? Wie soll man siegen,
+ Wenn man die Predigt schwaenzt und die Mess',
+ Nichts tut, als in den Weinhaeusern liegen?
+ Die Frau in dem Evangelium
+ Fand den verlornen Groschen wieder,
+ Der Saul seines Vaters Esel wieder,
+ Der Joseph seine saubern Brueder;
+ Aber wer bei den Soldaten sucht
+ Die Furcht Gottes und die gute Zucht
+ Und die Scham, der wird nicht viel finden,
+ Taet' er auch hundert Laternen anzuenden.
+ Zu dem Prediger in der Wuesten,
+ Wie wir lesen in Evangelisten,
+ Kamen auch die Soldaten gelaufen,
+ Taten Buss' und liessen sich taufen,
+ Fragten ihn: Quid faciemus nos?
+ Wie machen wir's, dass kommen in Abrahams Schoss?
+ Et ait illis, und er sagt:
+ Neminem concutiatis,
+ Wenn ihr niemanden schindet und plackt;
+ Neque calumniam faciatis,
+ Niemand verlaestert, auf niemand luegt.
+ Contenti estote, euch begnuegt,
+ Stipendiis verstris, mit eurer Loehnung
+ Und verflucht jede boese Angewoehnung.
+ Es ist ein Gebot: Du sollst den Namen
+ Deines Herrgotts nicht eitel auskramen.
+ Und wo hoert man mehr blasphemieren
+ Als hier in den Freidlaendischen Kriegsquartieren?
+ Wenn man fuer jeden Donner und Blitz,
+ Den ihr losbrenntk mit eurer Zungenspitz',
+ Die Glocken muesst' laeuten im Land umher,
+ Es waer' bald kein Mesner zu finder mehr.
+ Und wenn euch fuer jedes boese Gebet,
+ Das aus eurem ungewaschnen Munde geht,
+ Ein Haerlein ausging' aus eurem Schopf,
+ Ueber Nacht waer' er geschoren glatt,
+ Und waer' er so dick wie Absalons Zopf.
+ Der Josua war doch auch ein Soldat,
+ Koenig David erschlug den Goliath,
+ Und wo steht denn geschrieben zu lesen,
+ Dass sie solche Fluchmaeuler sind gewesen?
+ Muss man den Mund doch, ich sollte meinen,
+ Nicht weiter aufmachen zu einem Helf Gott!
+ Als zu einem Kreuz Sackerlot!
+ Aber wessen das Gefaess ist gefuellt,
+ Davon es sprudelt und ueberquillt.
+ Wieder ein Gebot ist: Du sollst nicht stehlen.
+ Ja, das befolgt ihr nach dem Wort,
+ Denn ihr tragt alles offen fort;
+ Vor euren Klauen und Geiersgriffen,
+ Vor euren Praktiken und boesen Kniffen
+ Ist das Geld nicht geborgen in der Truh',
+ Das Kalb nicht sicher in der Kuh,
+ Ihr nehmt das Ei und das Huhn dazu.
+ Was sagt der Prediger? Contenti estote,
+ Begnuegt euch mit eurem Kommissbrote.
+ Aber wie soll man die Knechte loben,
+ Koemmt doch das Aergerniss von oben!
+ Wie die Glieder, so auch das Haupt!
+ Weiss doch niemand, an wen der glaubt!
+
+Erster Jaeger.
+ Herr Pfaff! Uns Soldaten mag Er schimpfen,
+ Den Feldherrn soll Er uns nicht verunglimpfen.
+
+Kapuziner.
+ Ne custodias gregem meam!
+ Das ist so ein Ahab und Jerobeam,
+ Der die Voelker von der wahren Lehren
+ Zu falschen Goetzen tut verkehren.
+
+Trompeter und Rekrut.
+ Lass' Er uns das nicht zweimal hoeren!
+
+Kapuziner.
+ So ein Bramarbas und Eisenfresser,
+ Will einnehmen alle festen Schloesser.
+ Ruehmte sich mit seinem gottlosen Mund,
+ Er muesse haben die Stadt Stralsund,
+ Und waer' sie mit Ketten an den Himmel geschlossen.
+ Hat aber sein Pulver umsonst verschossen.
+
+Trompeter.
+ Stopft ihm keiner sein Laestermaul?
+
+Kapuziner.
+ So ein Teufelsbeschwoerer und Koenig Saul,
+ So ein Jehu und Holofern,
+ Verleugnet wie Petrus seinen Meister und Herrn,
+ Drum kann er den Hahn nicht hoeren kraehn--
+
+Beide Jaeger.
+ Pfaffe, jetzt ist's um dich geschehn!
+
+Kapuziner.
+ So ein listiger Fuchs Herodes--
+
+Trompeter und beide Jaeger (auf ihn eindringend).
+ Schweig stille! Du bist des Todes.
+
+Kroaten (legen sich drein).
+ Bleib da, Pfaefflein, fuercht dich nit,
+ Sag dein Spruechel und teil's uns mit.
+
+Kapuziner (schreit lauter).
+ So ein hochmuetiger Nebukadnezer,
+ So ein Suendenvater und muffiger Ketzer,
+ Laesst sich nennen den Wallenstein,
+ Ja freilich ist er uns allen ein Stein
+ Des Anstosses und Aergernisses,
+ Und solang der Kaiser diesen Friedeland
+ Laesst walten, so wird nicht Fried' im Land.
+(Er hat nach und nach bei den letzten Worten, die er mit erhobener
+Stimme spricht, seinen Rueckzug genommen, indem die Kroaten die uebrigen
+Soldaten von ihm abwehren.)
+
+
+
+Neunter Auftritt
+
+Vorige ohne Kapuziner.
+
+
+Erster Jaeger (zum Wachtmeister).
+ Sagt mir! Was meint' er mit dem Goeckelhahn,
+ Den der Feldherr nicht hoeren kann?
+ Es war wohl nur so gesagt ihm zum Schimpf und Hohne?
+
+Wachtmeister.
+ Da will ich Euch dienen! Es ist nicht ganz ohne!
+ Der Feldherr ist wundersam geboren,
+ Besonders hat er gar kitzligte Ohren.
+ Kann die Katze nicht hoeren mauen,
+ Und wenn der Hahn kraeht, so macht's ihm Grauen.
+
+Erster Jaeger.
+ Das hat er mit dem Loewen gemein.
+
+Wachtmeister.
+ Muss alles mausstill um ihn sein.
+ Den Befehl haben alle Wachen,
+ Denn er denkt gar zu tiefe Sachen.
+
+Stimmen (im Zelt. Auflauf).
+ Greift ihn, den Schelm! Schlagt zu! Schlagt zu.
+ Des Bauern Stimme.
+ Hilfe! Barmherzigkeit!
+
+Andre Stimmen.
+ Friede! Ruh!
+
+Erster Jaeger.
+ Hol' mich der Teufel! Da setzt's Hiebe.
+
+Zweiter Jaeger.
+ Da muss ich dabei sein!
+(Laufen ins Zelt.)
+
+Marketenderin (kommt heraus).
+ Schelmen und Diebe!
+
+Trompeter.
+ Frau Wirtin, was setzt Euch so in Eifer?
+
+Marketenderin.
+ Der Lump! der Spitzbub! der Strassenlaeufer!
+ Das muss mir in meinem Zelt passieren!
+ Es beschimpt mich bei allen Herrn Offizieren.
+
+Wachtmeister.
+ Baeschen, was gibt's denn?
+
+Marketenderin.
+ Was wird's geben?
+ Da erwischten sie einen Bauern eben,
+ Der falsche Wuerfel taet bei sich haben.
+
+Trompeter.
+ Sie bringen ihn hier mit seinem Knaben.
+
+
+
+Zehnter Auftritt
+
+Soldaten bringen den Bauer geschleppt.
+
+
+Erster Jaeger.
+ Der muss baumeln!
+ Scharfschuetzen und Dragoner.
+ Zum Profoss! zum Profoss!
+
+Wachtmeister.
+ Das Mandat ist noch kuerzlich ausgegangen.
+
+Marketenderin.
+ In einer Stunde seh ich ihn hangen!
+
+Wachtmeister.
+ Boeses Gewerbe bringt boesen Lohn.
+
+Erster Arkebusier (zum andern).
+ Das kommt von der Desperation.
+ Denn seht! erst tut man sie ruinieren,
+ Das heisst sie zum Stehlen selbst verfuehren.
+
+Trompeter.
+ Was? was? Ihr red't ihm das Wort noch gar?
+ Dem Hunde! tut Euch der Teufel plagen?
+
+Erster Arkebusier.
+ Der Bauer ist auch ein Mensch--sozusagen.
+
+Erster Jaeger (zum Trompeter).
+ Lass sie gehen! sind Tiefenbacher,
+ Gevatter Schneider und Handschuhmacher!
+ Lagen in Garnison zu Brieg,
+ Wissen viel, was der Brauch ist im Krieg.
+
+
+
+Eilfter Auftritt
+
+Vorige. Kuerassiere.
+
+
+Erster Kuerassier.
+ Friede! Was gibt's mit dem Bauer da?
+
+Erster Scharfschuetz.
+ 's ist ein Schelm, hat im Spiel betrogen!
+
+Erster Kuerassier.
+ Hat er dich betrogen etwa?
+
+Erster Scharfschuetz.
+ Ja, und hat mich rein ausgezogen.
+
+Erster Kuerassier.
+ Wie? du bist ein Friedlaendischer Mann,
+ Kannst dich so wegwerfen und blamieren,
+ Mit einem Bauer dein Glueck probieren?
+ Der laufe, was er laufen kann.
+(Bauer entwischt, die andern treten zusammen.)
+
+Erster Arkebusier.
+ Der macht kurze Arbeit, ist resolut,
+ Das ist mit solchem Volke gut.
+ Was ist's fuer einer? Es ist kein Boehm'.
+
+Marketenderin.
+ 's ist ein Wallon'! Respekt vor dem!
+ Von des Pappenheims Kuerassieren.
+
+Erster Dragoner (tritt dazu).
+ Der Piccolomini, der junge, tut sie jetzt fuehren.
+ Den haben sie sich aus eigner Macht
+ Zum Oberst gesetzt in der Luetzner Schlacht,
+ Als der Pappenheim umgekommen.
+
+Erster Arkebusier.
+ Haben sie sich so was 'rausgenommen?
+
+Erster Dragoner.
+ Dies Regiment hat was voraus,
+ Es war immer voran bei jedem Strauss.
+ Darf auch seine eigene Justiz ausueben,
+ Und der Friedlaender tut's besonders lieben.
+
+Erster Kuerassier (zum andern).
+ Ist's auch gewiss? Wer bracht' es aus?
+
+Zweiter Kuerassier.
+ Ich hab's aus des Obersts eigenem Munde.
+
+Erster Kuerassier.
+ Was Teufel! Wir sind nicht ihre Hunde.
+
+Erster Jaeger.
+ Was haben die da? sind voller Gift.
+
+Zweiter Jaeger.
+ Ist's was, ihr Herrn, das uns mitbetrifft?
+
+Erster Kuerassier.
+ Es hat sich keiner drueber zu freuen.
+(Soldaten treten herzu.)
+ Sie wollen uns in die Niederland' leihen;
+ Kuerassiere, Jaeger, reitende Schuetzen,
+ Sollen achttausend Mann aufsitzen.
+
+Marketenderin.
+ Was? was? da sollen wir wieder wandern?
+ Bin erst seit gestern zurueck aus Flandern.
+
+Zweiter Kuerassier (zu den Dragonern).
+ Ihr Buttlerischen sollt auch mitreiten.
+
+Erster Kuerassier.
+ Und absonderlich wir Wallonen.
+
+Marketenderin.
+ Ei, das sind ja die allerbesten Schwadronen!
+
+Erster Kuerassier.
+ Den aus Mailand sollen wir hinbegleiten.
+
+Erster Jaeger.
+ Den Infanten! Das ist ja kurios!
+
+Zweiter Jaeger.
+ Den Pfaffen! Da geht der Teufel los.
+
+Erster Kuerassier.
+ Wir sollen von dem Friedlaender lassen,
+ Der den Soldaten so nobel haelt,
+ Mit dem Spanier ziehen zu Feld,
+ Dem Knauser, den wir von Herzen hassen?
+ Nein, das geht nicht! Wir laufen fort.
+
+Trompeter.
+ Was, zum Henker! sollen wir dort?
+ Dem Kaiser verkauften wir unser Blut
+ Und nicht dem hispanischen roten Hut.
+
+Zweiter Jaeger.
+ Auf des Friedlaenders Wort und Kredit allein
+ Haben wir Reitersdienst genommen;
+ Waer's nicht aus Lieb' fuer den Wallenstein,
+ Der Ferdinand haett' uns nimmer bekommen.
+
+Erster Dragoner
+ Taet uns der Friedlaender nicht formieren?
+ Seine Fortuna soll uns fuehren.
+
+Wachtmeister.
+ Lasst euch bedeuten, hoert mich an.
+ Mit dem Gered' da ist's nicht getan.
+ Ich sehe weiter als ihr alle,
+ Dahinter steckt eine boese Falle.
+
+Erster Jaeger.
+ Hoert das Befehlbuch! Stille doch!
+
+Wachtmeister.
+ Baeschen Gustel, fuellt mir erst noch
+ ein Glaeschen Melnecker fuer den Magen,
+ Alsdann will ich euch meine Gedanken sagen.
+
+Marketenderin (ihm einschenkend).
+ Hier, Herr Wachtmeister! Er macht mir Schrecken.
+ Es wird doch nichts boeses dahinter stecken!
+
+Wachtmeister.
+ Seht, ihr Herrn, das ist all recht gut,
+ Dass jeder das Naechste bedenken tut;
+ Aber, pflegt der Feldherr zu sagen,
+ Man muss immer das Ganze ueberschlagen.
+ Wir nennen uns alle des Friedlaenders Truppen.
+ Der Buerger, er nimmt uns ins Quartier
+ Und pflegt uns und kocht uns warme Suppen.
+ Der Bauer muss den Gaul und den Stier
+ Vorspannen an unsre Bagagewagen,
+ Vergebens wird er sich drueber beklagen.
+ Laesst sich ein Gefreiter mit sieben Mann
+ In einem Dorfe von weitem spueren,
+ Er ist die Obrigkeit drin und kann
+ Nach Lust drin walten und kommandieren.
+ Zum Henker! Sie moegen uns alle nicht
+ Und saehen des Teufels sein Angesicht
+ Weit lieber als unsre gelben Kolletter.
+ Warum schmeissen sie uns nicht aus dem Land? Potz
+ Wetter!
+ Sind uns an Anzahl doch ueberlegen,
+ Fuehren den Knittel, wie wir den Degen.
+ Warum duerfen wir ihrer lachen?
+ Weil wir einen furchtbaren Haufen ausmachen!
+
+Erster Jaeger.
+ Ja, ja, im Ganzen, da sitzt die Macht!
+ Der Friedlaender hat das wohl erfahren,
+ Wie er dem Kaiser vor acht--neun Jahren
+ Die grosse Armee zusammenbracht.
+ Sie wollten er nur von zwoelftausend hoeren:
+ Die, sagt' er, die kann ich nicht ernaehren;
+ Aber ich will sechzigtausend werben,
+ Die, weiss ich, werden nicht Hungers sterben.
+ Und so wurden wir Wallensteiner.
+
+Wachtmeister.
+ Zum Exempel, da hack' mir einer
+ Von den fuenf Fingern, die ich hab,
+ Hier an der Rechten den kleinen ab.
+ Habt ihr mir den Finger bloss genommen?
+ Nein, beim Kuckuck! ich bin um die Hand gekommen!
+ 's ist nur ein Stumpf und nichts mehr wert.
+ Ja, und diese achtausend Pferd',
+ Die man nach Flandern jetzt begehrt,
+ Sind von der Armee nur der kleine Finger.
+ Laesst man sie ziehn, ihr troestet euch,
+ Wir seien um ein Fuenftel nur geringer?
+ Prost Mahlzeit! da faellt das Ganze gleich.
+ Die Furcht ist weg, der Respekt, die Scheu,
+ Da schwillt dem Bauer der Kamm aufs neu,
+ Da schreiben sie uns in der Wiener Kanzlei
+ Den Quartier--und den Kuechenzettel,
+ Und es ist wieder der alte Bettel.
+ Ja, und wie lang wird's stehen an,
+ So nehmen sie uns auch noch den Feldhauptmann--
+ Sie sind ihm am Hofe so nicht gruen,
+ Nun, da faellt eben alles hin!
+ Wer hilft uns dann wohl zu unserm Geld?
+ Sorgt, dass man uns die Kontrakte haelt?
+ Wer hat den Nachdruck und hat den Verstand,
+ Den schnellen Witz und die feste Hand,
+ Diese gestueckelten Heeresmassen
+ Zusammenzufuegen und zu passen?
+ Zum Exempel--Dragoner--sprich:
+ Aus welchem Vaterland schreibst du dich?
+
+Erster Dragoner.
+ Weit aus Hibernien her komm ich.
+
+Wachtmeister (zu den beiden Kuerassieren).
+ Ihr, das weiss ich, seid ein Wallon',
+ Ihr ein Welscher. Man hoert's am Ton.
+
+Erster Kuerassier.
+ Wer ich bin? ich hab's nie koennen erfahren,
+ Sie stahlen mich schon in jungen Jahren.
+
+Wachtmeister.
+ Und du bist auch nicht aus der Naeh'?
+
+Erster Arkebusier
+ Ich bin von Buchau am Federsee.
+
+Wachtmeister.
+ Und ihr, Nachbar?
+
+Zweiter Arkebusier.
+ Aus der Schwitz.
+
+Wachtmeister (zum zweiten Jaeger).
+ Was fuer ein Landsmann bist du, Jaeger?
+
+Zweiter Jaeger.
+ Hinter Wismar ist meiner Eltern Sitz.
+
+Wachtmeister (auf den Trompeter zeigend).
+ Und der da und ich, wir sind aus Eger.
+ Nun! und wer merkt uns das nun an,
+ Dass wir aus Sueden und aus Norden
+ Zusammengeschneit und--geblasen worden?
+ Sehn wir nicht aus wie aus einem Span?
+ Stehn wir nicht gegen den Feind geschlossen,
+ Recht wie zusammengeleimt und--gegossen?
+ Greifen wir nicht wie ein Muehlwerk flink
+ Ineinander, auf Wort und Wink?
+ Wer hat uns so zusammengschmiedet,
+ Dass ihr uns nimmer unterschiedet?
+ Kein andrer sonst als der Wallenstein!
+
+Erster Jaeger.
+ Das fiel mir mein Lebtag nimmer ein,
+ Dass wir so gut zusammen passen;
+ Hab mich immer nur gehenlassen.
+
+Erster Kuerassier.
+ Dem Wachtmeister muss ich Beifall geben.
+ Dem Kriegsstand kaemen sie gern ans Leben;
+ Den Soldaten wollen sie nieder halten,
+ Dass sie alleine koennen walten.
+ 's ist eine Verschwoerung, ein Komplott.
+
+Marketenderin.
+ Eine Verschwoerung? du lieber Gott!
+ Da koennen die Herren ja nicht mehr zahlen.
+
+Wachtmeister.
+ Freilich! Es wird alles bankerott.
+ Viele von den Hauptleuten und Generalen
+ Stellten aus ihren eignen Kassen
+ Die Regimenter, wollten sich sehen lassen,
+ Taeten sich angreifen ueber Vermoegen,
+ Dachten, es bring' ihnen grossen Segen.
+ Und die alle sind um ihr Geld,
+ Wenn das Haupt, wenn der Herzog faellt.
+
+Marketenderin.
+ Ach! du mein Heiland! das bringt mir Fluch!
+ Die halbe Armee steht in meinem Buch.
+ Der Graf Isolani, der boese Zahler,
+ Restiert mir allein noch zweihundert Taler.
+
+Erster Kuerassier.
+ Was ist da zu machen, Kameraden?
+ Es ist nur eins, was uns retten kann:
+ Verbunden koennen sie uns nichts schaden,
+ Wir stehen alle fuer einen Mann.
+ Lasst sie schicken und ordenanzen,
+ Wir wollen uns fest in Boehmen pflanzen,
+ Wir geben nicht nach und marschieren nicht,
+ Der Soldat jetzt um seine Ehre ficht.
+
+Zweiter Jaeger.
+ Wir lassen uns nicht so im Land rumfuehren!
+ Sie sollen kommen und sollen's probieren!
+
+Erster Arkebusier.
+ Liebe Herren, bedenkt's mit Fleiss,
+ 's ist des Kaisers Will' und Geheiss.
+
+Trompeter.
+ Werden uns viel um den Kaiser scheren.
+
+Erster Arkebusier.
+ Lass' Er mich das nicht zweimal hoeren.
+
+Trompeter.
+ 's ist aber doch so, wie ich gesagt.
+
+Erster Jaeger.
+ Ja, ja, ich hoert's immer so erzaehlen,
+ Der Friedlaender hab' hier allein zu befehlen.
+
+Wachtmeister.
+ So ist's auch, das ist sein Beding und Pakt.
+ Absolute Gewalt hat er, muesst ihr wissen,
+ Krieg zu fuehren und Frieden zu schliessen,
+ Geld und Gut kann er konfiszieren,
+ Kann henken lassen und pardonieren,
+ Offiziere kann er und Obersten machen,
+ Kurz, er hat alle die Ehrensachen.
+ Das hat er vom Kaiser eigenhaendig.
+
+Erster Arkebusier.
+ Der Herzog ist gewaltig und hochverstaendig;
+ Aber er bleibt doch, schlecht und recht,
+ Wie wir alle, des Kaisers Knecht.
+
+Wachtmeister.
+ Nicht wie wir alle! das wisst Ihr schlecht.
+ Er ist ein unmittelbarer und freier
+ Des Reiches Fuerst, so gut wie der Bayer.
+ Sah ich's etwa nicht selbst mit an,
+ Als ich zu Brandeis die Wach' getan,
+ Wie ihm der Kaiser selbsten erlaubt,
+ Zu bedecken sein fuerstlich Haupt?
+
+Erster Arkebusier.
+ Das war fuer das Mecklenburger Land,
+ Das ihm der Kaiser versetzt als Pfand.
+
+Erster Jaeger (zum Wachtmeister).
+ Wie? In des Kaisers Gegenwart?
+ Das ist doch seltsam und sehr apart!
+
+Wachtmeister (faehrt in die Tasche).
+ Wollt ihr mein Wort nicht gelten lassen,
+ Sollt ihr's mit Haenden greifen und fassen.
+(Eine Muenze zeigend.)
+ Wes ist das Bild und Gepraeg'?
+
+Marketenderin.
+ Weist her!
+ Ei, das ist ja ein Wallensteiner!
+
+Wachtmeister.
+ Na! da habt ihr's, was wollt ihr mehr?
+ Ist er nicht Fuerst so gut als einer?
+ Schlaegt er nicht Geld, wie der Ferdinand?
+ Hat er nicht eigenes Volk und Land?
+ Eine Durchlauchtigkeit laesst er sich nennen!
+ Drum muss er Soldaten halten koennen.
+
+Erster Arkebusier.
+ Das disputiert ihm niemand nicht.
+ Wir aber stehn in des Kaisers Pflicht,
+ Und wer uns bezahlt, das ist der Kaiser.
+
+Trompeter.
+ Das leugn' ich Ihm, sieht Er, ins Angesicht.
+ Wer uns nicht zahlt, das ist der Kaiser!
+ Hat man uns nicht seit vierzig Wochen
+ Die Loehnung immer umsonst versprochen?
+
+Erster Arkebusier.
+ Ei was! das steht ja in guten Haenden.
+
+Erster Kuerassier.
+ Fried', ihr Herrn! Wollt ihr mit Schlaegen enden?
+ Ist denn darueber Zank und Zwist,
+ Ob der Kaiser unser Gebieter ist?
+ Eben drum, weil wir gern in Ehren
+ Seine tuechtigen Reiter waeren,
+ Wollen wir nicht seine Herde sein,
+ Wollen uns nicht von den Pfaffen und Schranzen
+ Herum lassen fuehren und verpflanzen.
+ Sagt selbst! Kommt's nicht dem Herrn zugut,
+ Wenn sein Kriegsvolk was auf sich halten tut?
+ Wer anders macht ihn als seine Soldaten
+ Zu dem grossmaechtigen Potentaten?
+ Verschafft und bewahrt ihm weit und breit
+ Das grosse Wort in der Christenheit?
+ Moegen sich die sein Joch aufladen,
+ Die mitessen von seinen Gnaden,
+ Die mit ihm tafeln im goldnen Zimmer.
+ Wir, wir haben von seinem Glanz und Schimmer
+ Nichts als die Mueh' und als die Schmerzen
+ Und wofuer wir uns halten in unserm Herzen.
+
+Zweiter Jaeger.
+ Alle grossen Tyrannen und Kaiser
+ Hielten's so und waren viel weiser.
+ Alles andre taeten sie hudeln und schaenden,
+ Den Soldaten trugen sie auf den Haenden.
+
+Erster Kuerassier.
+ Der Soldat muss sich koennen fuehlen.
+ Wer's nicht edel und nobel treibt,
+ Lieber weit von dem Handwerk bleibt.
+ Soll ich frisch um mein Leben spielen,
+ Muss mir noch etwas gelten mehr.
+ Oder ich lasse mich eben schlachten.
+ Wie der Kroat--und muss mich verachten.
+
+Beide Jaeger.
+ Ja, uebers Leben noch geht die Ehr'!
+
+Erster Kuerassier.
+ Das Schwert ist kein Spaten, kein Pflug,
+ Wer damit ackern wollte, waere nicht klug.
+ Es gruent uns kein Halm, er waechst keine Saat,
+ Ohne Heimat muss der Soldat
+ Auf dem Erdboden fluechtig schwaermen,
+ Darf sich an eignem Herd nicht waermen ,
+ Er muss vorbei an der Staedte Glanz,
+ An des Doerfleins lustigen, gruenen Auen,
+ Die Traubenlese, den Erntekranz
+ Muss er wandernd von ferne schauen.
+ Sagt mir, was hat er an Gut und Wert,
+ Wenn der Soldat sich nicht selber ehrt?
+ Etwas muss er sein eigen nennen,
+ Oder der Mensch wird morden und brennen.
+
+Erster Arkebusier.
+ Das weiss Gott, 's ist ein elend Leben!
+
+Erster Kuerassier.
+ Moecht's doch nicht fuer ein andres geben.
+ Seht, ich bin weit in der Welt rumkommen,
+ Hab alles in Erfahrung genommen.
+ Hab der hispanischen Monarchie
+ Gedient und der Republik Venedig
+ Und dem Koenigreich Napoli,
+ Aber das Glueck war mir nirgends gnaedig.
+ Hab den Kaufmann gesehn und den Ritter
+ Und den Handwerksmann und den Jesuiter,
+ Und kein Rock hat mir unter allen
+ Wie mein eisernes Wams gefallen.
+
+Erster Arkebusier.
+ Ne! das kann ich eben nicht sagen.
+
+Erster Kuerassier.
+ Will einer in der Welt was erjagen,
+ Mag er sich ruehren und mag sich plagen;
+ Will er zu hohen Ehren und Wuerden,
+ Bueck' er sich unter die goldnen Buerden.
+ Will er geniessen den Vatersegen,
+ Kinder und Enkelein um sich pflegen,
+ Treib' er ein ehrlich Gewerb' in Ruh'.
+ Ich--ich hab kein Gemuet dazu.
+ Frei will ich leben und also sterben,
+ Niemand berauben und niemand beerben
+ Und auf das Gehudel unter mir
+ Leicht wegschauen von meinem Tier.
+
+Erster Jaeger.
+ Bravo! Just so ergeht es mir.
+
+Erster Arkebusier.
+ Lustiger freilich mag sich's haben,
+ Ueber anderer Koepf' wegtraben.
+
+Erster Kuerassier.
+ Kamerad, die Zeiten sind schwer,
+ Das Schwert ist nicht bei der Waage mehr;
+ Aber so mag mir's keiner verdenken,
+ Dass ich mich lieber zum Schwert will lenken.
+ Kann ich im Krieg mich doch menschlich fassen,
+ Aber nicht auf mir trommeln lassen.
+
+Erster Arkebusier.
+ Wer ist dran schuld als wir Soldaten,
+ Dass der Naehrstand in Schimpf geraten?
+ Der leidige Krieg und die Not und Plag'
+ In die sechzehn Jahr' schon waehren mag.
+
+Erster Kuerassier.
+ Bruder, den lieben Gott da droben,
+ Es koennen ihn alle zugleich nicht loben.
+ Einer will die Sonn', die den andern beschwert;
+ Dieser will's trocken, was jener feucht begehrt.
+ Wo du nur die Not siehst und die Plag',
+ Da scheint mir des Lebens heller Tag.
+ Geht's auf Kosten des Buergers und Bauern,
+ Nun wahrhaftig, sie werden mich dauern;
+ Aber ich kann's nicht aendern--seht,
+ 's ist hier just, wie's beim Einhaun geht:
+ Die Pferde schnauben und setzen an,
+ Liege wer will mitten in der Bahn,
+ Sei's mein Bruder, mein leiblicher Sohn,
+ Zerriss mir die Seele sein Jammerton,
+ Ueber seinen Leib weg muss ich jagen,
+ Kann ihn nicht sachte beiseite tragen.
+
+Erster Jaeger.
+ Ei, wer wird nach dem andern fragen!
+
+Erster Kuerassier.
+ Und weil sich's nun einmal so gemacht,
+ Dass das Glueck dem Soldaten lacht,
+ Lasst's uns mit beiden Haenden fassen,
+ Lang werden sie's uns nicht so treiben lassen.
+ Der Friede wird kommen ueber Nacht,
+ Der dem Wesen ein Ende macht;
+ Der Soldat zaeumt ab, der Bauer spannt ein,
+ Eh' man's denkt, wird's wieder das alte sein.
+ Jetzt sind wir noch beisammen im Land,
+ Wir haben's Heft noch in der Hand;
+ Lassen wir uns auseinandersprengen,
+ Werden sie uns den Brotkorb hoeher haengen.
+
+Erster Jaeger.
+ Nein, das darf nimmermehr geschehn!
+ Kommt, lasst uns alle fuer einen stehn.
+
+Zweiter Jaeger.
+ Ja, lasst uns Abrede nehmen, hoert!
+
+Erster Arkebusier (ein ledernes Beutelchen ziehend, zur Marketenderin).
+ Gevatterin, was hab ich verzehrt?
+
+Marketenderin.
+ Ach! es ist nicht der Rede wert!
+(Sie rechnen.)
+
+Trompeter.
+ Ihr tut wohl, dass ihr weitergeht,
+ Verderbt uns doch nur die Sozietaet.
+(Arkebusier gehen ab.)
+
+Erster Kuerassier.
+ Schad um die Leut'! Sind sonst wackre Brueder.
+
+Erster Jaeger.
+ Aber das denkt wie ein Seifensieder.
+
+Zweiter Jaeger.
+ Jetzt sind wir unter uns, lasst hoeren,
+ Wie wir den neuen Anschlag stoeren.
+
+Trompeter.
+ Was? wir gehen eben nicht hin.
+
+Erster Kuerassier.
+ Nichts, ihr Herrn, gegen die Disziplin!
+ Jeder geht jetzt zu seinem Korps,
+ Traegt's den Kameraden vernuenftig vor,
+ Dass sie's begreifen und einsehn lernen .
+ Wir duerfen uns nicht so weit entfernen .
+ Fuer meine Wallonen sag ich gut.
+ So, wie ich, jeder denken tut.
+
+Wachtmeister.
+ Terschkas Regimenter zu Ross und Fuss
+ Stimmen alle in diesen Schluss.
+
+Zweiter Kuerassier (stellt sich zum ersten).
+ Der Lombard' sich nicht vom Wallonen trennt.
+
+Erster Jaeger.
+ Freiheit ist Jaegers Element.
+
+Zweiter Jaeger.
+ Freiheit ist bei der Macht allein:
+ Ich leb und sterb bei dem Wallenstein.
+
+Erster Scharfschuetz.
+ Der Lothringer geht mit der grossen Flut,
+ Wo der leichte Sinn ist und lustiger Mut.
+
+Dragoner.
+ Der Irlaender folgt des Glueckes Stern.
+
+Zweiter Scharfschuetz.
+ Der Tiroler dient nur dem Landesherrn.
+
+Erster Kuerassier.
+ Also lasst jedes Regiment
+ Ein Pro memoria reinlich schreiben:
+ Dass wir zusammen wollen bleiben,
+ Dass uns keine Gewalt noch List
+ Von dem Friedlaender weg soll treiben,
+ Der ein Soldatenvater ist.
+ Das reicht man in tiefer Devotion
+ Dem Piccolomini--ich meine den Sohn--
+ Der versteht sich auf solche Sachen,
+ Kann bei dem Friedlaender alles machen,
+ Hat auch einen grossen Stein im Brett
+ Bei des Kaisers und Koenigs Majestaet.
+
+Zweiter Jaeger.
+ Kommt! Dabei bleibt's! Schlagt alle ein!
+ Piccolomini soll unser Sprecher sein.
+ Trompeter, Dragoner, Erster Jaeger, Zweiter Kuerassier, Scharfschuetzen
+(zugleich)
+ Piccolomini soll unser Sprecher sein.
+(Wollen fort.)
+
+Wachtmeister.
+ Erst noch ein Glaeschen, Kameraden!
+(Trinkt.)
+
+Des Piccolomini hohe Gnaden!
+
+Marketenderin (bringt eine Flasche).
+ Das kommt nicht aufs Kerbholz. Ich geb es gern.
+ Gute Verrichtung, meine Herrn!
+
+Kuerassiere.
+ Der Wehrstand soll leben!
+
+Beide Jaeger.
+ Der Naehrstand soll geben!
+ Dragoner und Scharfschuetzen.
+ Die Armee soll florieren!
+ Trompeter und Wachtmeister.
+ Und der Friedlaender soll sie regieren.
+
+Zweiter Kuerassier (singt).
+ Wohl auf, Kameraden, aufs Pferd, aufs Pferd!
+ Ins Feld, in die Freiheit gezogen!
+ Im Felde, da ist der Mann noch was wert,
+ Da wird das Herz noch gewogen.
+ Da tritt kein anderer fuer ihn ein,
+ Auf sich selber steht er da ganz allein.
+(Die Soldaten aus dem Hintergrund haben sich waehrend des Gesangs
+herbeigezogen und machen den Chor.)
+
+Chor.
+ Da tritt kein anderer fuer ihn ein,
+ Auf sich selber steht er da ganz allein.
+
+Dragoner.
+ Aus der Welt die Freiheit verschwunden ist,
+ Man sieht nur Herren und Knechte,
+ Die Falschheit herrschet, die Hinterlist
+ Bei dem feigen Menschengeschlechte.
+ Der dem Tod ins Angesicht schauen kann,
+ Der Soldat allein ist der freie Mann.
+
+Chor.
+ Der dem Tod ins Angesicht schauen kann,
+ Der Soldat allein ist der freie Mann.
+
+Erster Jaeger.
+ Des Lebens Aengsten, er wirft sie weg,
+ Hat nicht mehr zu fuerchten, zu sorgen,
+ Er reitet dem Schicksal entgegen keck,
+ Trifft's heute nicht, trifft es doch morgen.
+ Und trifft es morgen, so lasset uns heut
+ Noch schluerfen die Neige der koestlichen Zeit.
+
+Chor.
+ Und trifft es morgen, so lasset uns heut
+ Noch schluerfen die Neige der koestlichen Zeit.
+(Die Glaeser sind aufs neue gefuellt worden, sie stossen an und trinken.)
+
+Wachtmeister.
+ Von dem Himmel faellt ihm sein lustig Los,
+ Braucht's nicht mit Mueh' zu erstreben,
+ Der Froener, der sucht in der Erde Schoss,
+ Da meint er den Schatz zu erheben.
+ Er graebt und schaufelt, solang er lebt,
+ Und graebt, bis er endlich sein Grab sich graebt.
+
+Chor.
+ Er graebt und schaufelt, solang er lebt,
+ Und graebt, bis er endlich sein Grab sich graebt.
+
+Erster Jaeger.
+ Der Reiter und sein geschwindes Ross,
+ Sie sind gefuerchtete Gaeste,
+ Es flimmern die Lampen im Hochzeitschloss,
+ Ungeladen kommt er zum Feste.
+ Er wirbt nicht lange, er zeiget nicht Gold,
+ Im Sturm erringt er den Minnesold.
+
+Chor.
+ Er wirbt nicht lange, er zeiget nicht Gold,
+ Im Sturm erringt er den Minnesold.
+
+Zweiter Kuerassier.
+ Warum weint die Dirn' und zergraemet sich schier?
+ Lass fahren dahin, lass fahren!
+ Er hat auf Erden kein bleibend Quartier,
+ Kann treue Lieb' nicht bewahren.
+ Das rasche Schicksal, es treibt ihn fort,
+ Seine Ruhe laesst er an keinem Ort.
+
+Chor.
+ Das rasche Schicksal, es treibt ihn fort,
+ Seine Ruhe laesst er an keinem Ort.
+
+Erster Jaeger (fasst die zwei Naechsten an der Hand, die uebrigen ahmen es
+nach; alle, welche gesprochen, bilden einen grossen Halbkreis)
+ Drum frisch, Kameraden, den Rappen gezaeumt,
+ Die Brust im Gefechte gelueftet!
+ Die Jugend brauset, das Leben schaeumt,
+ Frisch auf! eh' der Geist noch verdueftet.
+ Und setzet ihr nicht das Leben ein,
+ Nie wird euch das Leben gewonnen sein.
+
+Chor.
+ Und setzet ihr nicht das Leben ein,
+ Nie wird euch das Leben gewonnen sein.
+
+(Der Vorhang faellt, ehe der Chor ganz ausgesungen.)
+
+
+
+
+
+
+
+*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK, WALLENSTEINS LAGER ***
+
+This file should be named 7wlll10.txt or 7wlll10.zip
+Corrected EDITIONS of our eBooks get a new NUMBER, 7wlll11.txt
+VERSIONS based on separate sources get new LETTER, 7wlll10a.txt
+
+Project Gutenberg eBooks are often created from several printed
+editions, all of which are confirmed as Public Domain in the US
+unless a copyright notice is included. Thus, we usually do not
+keep eBooks in compliance with any particular paper edition.
+
+We are now trying to release all our eBooks one year in advance
+of the official release dates, leaving time for better editing.
+Please be encouraged to tell us about any error or corrections,
+even years after the official publication date.
+
+Please note neither this listing nor its contents are final til
+midnight of the last day of the month of any such announcement.
+The official release date of all Project Gutenberg eBooks is at
+Midnight, Central Time, of the last day of the stated month. A
+preliminary version may often be posted for suggestion, comment
+and editing by those who wish to do so.
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+Most people start at our Web sites at:
+http://gutenberg.net or
+http://promo.net/pg
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+These Web sites include award-winning information about Project
+Gutenberg, including how to donate, how to help produce our new
+eBooks, and how to subscribe to our email newsletter (free!).
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+
+Those of you who want to download any eBook before announcement
+can get to them as follows, and just download by date. This is
+also a good way to get them instantly upon announcement, as the
+indexes our cataloguers produce obviously take a while after an
+announcement goes out in the Project Gutenberg Newsletter.
+
+http://www.ibiblio.org/gutenberg/etext04 or
+ftp://ftp.ibiblio.org/pub/docs/books/gutenberg/etext04
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+Or /etext03, 02, 01, 00, 99, 98, 97, 96, 95, 94, 93, 92, 92, 91 or 90
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+Just search by the first five letters of the filename you want,
+as it appears in our Newsletters.
+
+
+Information about Project Gutenberg (one page)
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+We produce about two million dollars for each hour we work. The
+time it takes us, a rather conservative estimate, is fifty hours
+to get any eBook selected, entered, proofread, edited, copyright
+searched and analyzed, the copyright letters written, etc. Our
+projected audience is one hundred million readers. If the value
+per text is nominally estimated at one dollar then we produce $2
+million dollars per hour in 2002 as we release over 100 new text
+files per month: 1240 more eBooks in 2001 for a total of 4000+
+We are already on our way to trying for 2000 more eBooks in 2002
+If they reach just 1-2% of the world's population then the total
+will reach over half a trillion eBooks given away by year's end.
+
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+This is ten thousand titles each to one hundred million readers,
+which is only about 4% of the present number of computer users.
+
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+
+eBooks Year Month
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+ 10 1991 January
+ 100 1994 January
+ 1000 1997 August
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+(Three Pages)
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+*END THE SMALL PRINT! FOR PUBLIC DOMAIN EBOOKS*Ver.02/11/02*END*
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index 0000000..afb075e
--- /dev/null
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index 0000000..37366ce
--- /dev/null
+++ b/old/8wlll10.txt
@@ -0,0 +1,2238 @@
+The Project Gutenberg EBook of Wallensteins Lager, by Friedrich Schiller
+
+Copyright laws are changing all over the world. Be sure to check the
+copyright laws for your country before downloading or redistributing
+this or any other Project Gutenberg eBook.
+
+This header should be the first thing seen when viewing this Project
+Gutenberg file. Please do not remove it. Do not change or edit the
+header without written permission.
+
+Please read the "legal small print," and other information about the
+eBook and Project Gutenberg at the bottom of this file. Included is
+important information about your specific rights and restrictions in
+how the file may be used. You can also find out about how to make a
+donation to Project Gutenberg, and how to get involved.
+
+
+**Welcome To The World of Free Plain Vanilla Electronic Texts**
+
+**eBooks Readable By Both Humans and By Computers, Since 1971**
+
+*****These eBooks Were Prepared By Thousands of Volunteers!*****
+
+
+Title: Wallensteins Lager
+
+Author: Friedrich Schiller
+
+Release Date: September, 2004 [EBook #6518]
+[Yes, we are more than one year ahead of schedule]
+[This file was first posted on December 25, 2002]
+
+Edition: 10
+
+Language: German
+
+Character set encoding: ISO-8859-1
+
+*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK, WALLENSTEINS LAGER ***
+
+
+
+
+
+This book content was graciously contributed by the Gutenberg
+Projekt-DE. That project is reachable at the web site
+http://gutenberg2000.de.
+
+Dieses Buch wurde uns freundlicherweise vom "Gutenberg Projekt-DE" zur
+Verfügung gestellt. Das Projekt ist unter der Internet-Adresse
+http://gutenberg2000.de erreichbar.
+
+
+
+
+Wallensteins Lager
+
+Friedrich Schiller
+
+Personen
+
+Wachtmeister
+Trompeter von einem Terzkyschen Karabinier-Regiment
+Konstabler
+Scharfschützen
+Zwei Holkische reitende Jäger
+Buttlerische Dragoner
+Arkebusiere vom Regiment Tiefenbach
+Kürassier von einem wallonischen Regiment
+Kürassier von einem lombardischen Regiment
+Kroaten
+Ulanen
+Rekrut
+Bürger
+Bauer
+Bauerknabe
+Kapuziner
+Soldatenschulmeister
+Marketenderin
+Eine Aufwärterin
+Soldatenjungen
+Hoboisten
+
+
+
+
+Erster Aufzug
+
+Vor der Stadt Pilsen in Böhmen
+
+
+
+Erster Auftritt
+
+Marketenderzelte, davor eine Kram- und Trödelbude. Soldaten von
+allen Farben und Feldzeichen drängen sich durcheinander, alle
+Tische sind besetzt. Kroaten und Ulanen an einem Kohlfeuer kochen,
+Marketenderin schenkt Wein, Soldatenjungen würfeln auf einer
+Trommel, im Zelt wird gesungen.
+
+Ein Bauer und sein Sohn.
+
+
+Bauerknabe.
+ Vater, es wird nicht gut ablaufen,
+ Bleiben wir von dem Soldatenhaufen.
+ Sind Euch gar trotzige Kameraden;
+ Wenn sie uns nur nichts am Leibe schaden.
+
+Bauer.
+ Ei was! Sie werden uns ja nicht fressen,
+ Treiben sie's auch ein wenig vermessen.
+ Siehst du? sind neue Völker herein,
+ Kommen frisch von der Saal' und dem Main,
+ Bringen Beut' mit, die rarsten Sachen!
+ Unser ist's, wenn wir's nur listig machen.
+ Ein Hauptmann, den ein andrer erstach,
+ Ließ mir ein paar glückliche Würfel nach.
+ Die will ich heut einmal probieren,
+ Ob sie die alte Kraft noch führen.
+ Mußt dich nur recht erbärmlich stellen,
+ Sind dir gar lockere, leichte Gesellen.
+ Lassen sich gerne schöntun und loben,
+ So wie gewonnen, so ist’s zerstoben.
+ Nehmen sie uns das Unsre in Scheffeln,
+ Müssen wir's wiederbekommen in Löffeln;
+ Schlagen sie grob mit dem Schwerte drein,
+ So sind wir pfiffig und treiben’s fein.
+ (Im Zelt wird gesungen und gejubelt.)
+ Wie sie juchzen--daß Gott erbarm!
+ Alles das geht von des Bauern Felle.
+ Schon acht Monate legt sich der Schwarm
+ Uns in die Betten und in die Ställe,
+ Weit herum ist in der ganzen Aue
+ Keine Feder mehr, keine Klaue,
+ Daß wir für Hunger und Elend schier
+ Nagen müssen, die eignen Knochen.
+ War’s doch nicht ärger und krauser hier,
+ Als der Sachs noch im Lande tät pochen.
+ Und die nennen sich Kaiserliche!
+
+Bauerknabe.
+ Vater, da kommen ein paar aus der Küche,
+ Sehen nicht aus, als wär’ viel zu nehmen.
+
+Bauer.
+ Sind Einheimische, geborne Böhmen,
+ Von des Terschkas Karabinieren,
+ Liegen schon lang in diesen Quartieren.
+ Unter allen die Schlimmsten just,
+ Spreizen sich, werfen sich in die Brust,
+ Tun, als wenn sie zu fürnehm wären,
+ Mit dem Bauer ein Glas zu leeren.
+ Aber dort seh ich die drei scharfe Schützen
+ Linker Hand um ein Feuer sitzen,
+ Sehen mir aus wie Tiroler schier.
+ Emmerich, komm! An die wollen wir,
+ Lustige Vögel, die gerne schwatzen,
+ Tragen sich sauber und führen Batzen.
+(Gehen nach den Zelten.)
+
+
+
+Zweiter Auftritt
+
+Vorige. Wachtmeister. Trompeter. Ulan.
+
+
+Trompeter.
+ Was will der Bauer da? Fort, Halunke!
+
+Bauer.
+ Gnädige Herren, einen Bissen und Trunk!
+ Haben heut noch nichts Warmes gegessen.
+
+Trompeter.
+ Ei, das muß immer saufen und fressen.
+
+Ulan (mit einem Glase).
+ Nichts gefrühstückt? Da trink, du Hund!
+(Führt den Bauer nach dem Zelte; jene kommen vorwärts.)
+
+Wachtmeister (zum Trompeter).
+ Meinst du, man hab’ uns ohne Grund
+ Heute die doppelte Löhnung gegeben,
+ Nur daß wir flott und lustig leben?
+
+Trompeter.
+ Die Herzogin kommt ja heute herein
+ Mit dem fürstlichen Fräulein--
+
+Wachtmeister.
+ Das ist nur der Schein.
+ Die Truppen, die aus fremden Landen
+ Sich hier vor Pilsen zusammenfanden,
+ Die sollen wir gleich an uns locken
+ Mit gutem Schluck und guten Brocken,
+ Damit sie sich gleich zufrieden finden
+ Und fester sich mit uns verbinden.
+
+Trompeter.
+ Ja, es ist wieder was im Werke!
+
+Wachtmeister
+ Die Herren Generäle und Kommendanten--
+
+Trompeter.
+ Es ist gar nicht geheuer, wie ich merke.
+
+Wachtmeister.
+ Die sich so dick hier zusammenfanden--
+
+Trompeter.
+ Sind nicht für die Langweil herbemüht.
+
+Wachtmeister.
+ Und das Gemunkel und das Geschicke--
+
+Trompeter.
+ Ja! Ja!
+
+Wachtmeister.
+ Und von Wien die alte Perücke,
+ Die man seit gestern herumgehn sieht,
+ Mit der guldenen Gnadenkette,
+ Das hat was zu bedeuten, ich wette.
+
+Trompeter.
+ Wieder so ein Spürhund, gebt nur acht,
+ Der die Jagd auf den Herzog macht.
+
+Wachtmeister.
+ Merkst du wohl? sie trauen uns nicht,
+ Fürchten des Friedländers heimlich Gesicht.
+ Er ist ihnen zu hoch gestiegen,
+ Möchten ihn gern herunter kriegen.
+
+Trompeter.
+ Aber wir halten ihn aufrecht, wir.
+ Dächten doch alle wie ich und Ihr!
+
+Wachtmeister.
+ Unser Regiment und die andern vier,
+ Die der Terschka anführt, der Herzogs Schwager,
+ Das resoluteste Korps im Lager,
+ Sind ihm ergeben und gewogen,
+ Hat er uns selbst doch herangezogen.
+ Alle Hauptleute setzt’ er ein,
+ Sind alle mit Leib und Leben sein.
+
+
+
+Dritter Auftritt
+
+Kroat mit einem Halsschmuck. Scharfschütze folgt. Vorige.
+
+
+Scharfschütz.
+ Kroat, wo hast du das Halsband gestohlen?
+ Handle dir’s ab! dir ist’s doch nichts nütz.
+ Geb dir dafür das Paar Terzerolen.
+
+Kroat.
+ Nix, nix! du willst mich betrügen, Schütz.
+
+Scharfschütz.
+ Nun! geb dir auch noch die blaue Mütz,
+ Hab sie soeben im Glücksrad gewonnen.
+ Siehst du? Sie ist zum höchsten Staat.
+
+Kroat (läßt das Halsband in der Sonne spielen).
+ ’s ist aber von Perlen und edelm Granat.
+ Schau, wie das flinkert in der Sonnen!
+
+Scharfschütz. (nimmt das Halsband)
+ Die Feldflasche noch geb ich drein,
+(besieht es)
+ Es ist mir nur um den schönen Schein.
+
+Trompeter.
+ Seht nur, wie der den Kroaten prellt!
+ Halbpart, Schütze, so will ich schweigen.
+
+Kroat (hat die Mütze aufgesetzt).
+ Deine Mütze mir wohlgefällt.
+
+Scharfschütz (winkt dem Trompeter).
+ Wir tauschen hier! Die Herrn sind Zeugen!
+
+
+
+Vierter Auftritt
+
+Vorige. Konstabler.
+
+
+Konstabler (tritt zum Wachtmeister).
+ Wie ist’s, Bruder Karabinier?
+ Werden wir uns lang noch die Hände wärmen,
+ Da die Feinde schon frisch im Feld herum schwärmen?
+
+Wachtmeister.
+ Tut’s Ihm so eilig, Herr Konstabel?
+ Die Wege sind noch nicht praktikabel.
+
+Konstabler.
+ Mir nicht. Ich sitze gemächlich hier;
+ Aber ein Eilbot’ ist angekommen,
+ Meldet, Regenspurg sei genommen.
+
+Trompeter.
+ Ei, da werden wir bald aufsitzen.
+
+Wachtmeister.
+ Wohl gar! Um dem Bayer sein Land zu schützen?
+ Der dem Fürsten so unfreund ist?
+ Werden uns eben nicht sehr erhitzen.
+
+Konstabler.
+ Meint Ihr?--Was Ihr nicht alles wißt!
+
+
+
+Fünfter Auftritt
+
+Vorige. Zwei Jäger. Dann Marketenderin, Soldatenjungen,
+Schulmeister, Aufwärterin.
+
+
+Erster Jäger.
+ Sieh! sieh!
+ Da treffen wir lustige Kompanie.
+
+Trompeter.
+ Was für Grünröck’ mögen das sein?
+ Treten ganz schmuck und stattlich ein.
+
+Wachtmeister.
+ Sind Holkische Jäger; die silbernen Tressen
+ Holten sie sich nicht auf der Leipziger Messen.
+
+Marketenderin (kommt und bringt Wein).
+ Glück zu Ankunft, ihr Herrn!
+
+Erster Jäger.
+ Was? der Blitz!
+ Das ist ja die Gustel aus Blasewitz.
+
+Marketenderin.
+ I freilich! Und er ist wohl gar, Mußjö,
+ Der lange Peter aus Itzehö?
+ Der seines Vaters goldene Füchse
+ Mit unserm Regiment hat durchgebracht
+ Zu Glücksstadt in einer lustigen Nacht--
+
+Erster Jäger.
+ Und die Feder vertauscht mit der Kugelbüchse.
+
+Marketenderin.
+ Ei! da sind wir alte Bekannte!
+
+Erster Jäger.
+ Und treffen uns hier im böhmischen Lande.
+
+Marketenderin.
+ Heute da, Herr Vetter, und morgen dort--
+ Wie einen der rauhe Kriegesbesen
+ Fegt und schüttelt von Ort zu Ort;
+ Bin indes weit herumgewesen.
+
+Erster Jäger.
+ Will’s Ihr glauben! Das stellt sich dar.
+
+Marketenderin.
+ Bin hinauf bis nach Temeswar
+ Gekommen mit den Bagagewagen,
+ Als wir den Mansfelder täten jagen.
+ Lag mit dem Friedländer vor Stralsund,
+ Ging mir dorten die Wirtschaft zugrund.
+ Zog mit dem Sukkurs von Mantua,
+ Kam wieder heraus mit dem Feria,
+ Und mit einem spanischen Regiment
+ Hab ich einen Abstecher gemacht nach Gent.
+ Jetzt will ich’s im böhmischen Land probieren,
+ Alte Schulden einkassieren--
+ Ob mir der Fürst hilft zu meinem Geld.
+ Und das dort ist mein Marketenderzelt.
+
+Erster Jäger.
+ Nun, da trifft Sie alles beisammen an!
+ Doch wo hat sie den Schottländer hingetan,
+ Mit dem sie damals herumgezogen?
+
+Marketenderin.
+ Der Spitzbub! der hat mich schön betrogen.
+ Fort ist er! Mit allem davongefahren,
+ Was ich mir tät am Leibe ersparen.
+ Ließ er mir nichts als den Schlingel da!
+
+Soldatenjunge (kommt gesprungen).
+ Mutter! sprichtst du von meinem Papa?
+
+Erster Jäger.
+ Nun, nun! das muß der Kaiser ernähren,
+ Die Armee sich immer muß neu gabären.
+
+Soldatenschulmeister (kommt).
+ Fort in die Feldschule! Marsch, ihr Buben!
+
+Erster Jäger.
+ Das fürcht’ sich auch vor der engen Stuben!
+
+Aufwärterin (kommt).
+ Base, sie wollen fort.
+
+Marketenderin.
+ Gleich! gleich!
+
+Erster Jäger.
+ Ei, wer ist denn das kleine Schelmengesichte?
+
+Marketenderin.
+ ’s ist meiner Schwester Kind--aus dem Reich.
+
+Erster Jäger.
+ Ei, also eine liebe Nichte?
+(Marketenderin geht.)
+
+Zweiter Jäger (Das kleine Mädchen haltend).
+ Bleib Sie bei uns doch, artiges Kind.
+
+Aufwärterin.
+ Gäste dort zu bedienen sind.
+(Macht sich los und geht.)
+
+Erster Jäger.
+ Das Mädchen ist kein übler Bissen!--
+ Und die Muhme! beim Element!
+ Was haben die Herrn vom Regiment
+ Sich um das niedliche Lärvchen gerissen!--
+ Was man nicht alles für Leute kennt,
+ Und wie die Zeit von dannen rennnt.--
+ Was werd ich noch alles erleben müssen!
+(Zum Wachtmeister und Trompeter.)
+ Euch zu Gesundheit, meine Herrn!--
+ Laßt uns hier auch ein Plätzen nehmen.
+
+
+
+Sechster Auftritt
+
+Jäger. Wachtmeister. Trompeter
+
+
+Wachtmeister.
+ Wir danken schön. Von Herzen gern.
+ Wir rücken zu. Willkommen in Böhmen!
+
+Erster Jäger.
+ Ihr sitzt hier warm. Wir, in Feindes Land,
+ Mußten derweil uns schlecht bequemen.
+
+Trompeter.
+ Man sollt’s euch nicht ansehn, ihr seid galant.
+
+Wachtmeister.
+ Ja, ja, im Saalkreis und auch in Meißen
+ Hört man euch Herrn nicht besonders preisen.
+
+Zweiter Jäger.
+ Seid mir doch still! Was will das heißen?
+ Der Kroat es ganz anders trieb,
+ Uns nur die Nachles’ übrigblieb.
+
+Trompeter.
+ Ihr habt da einen saubern Spitzen
+ Am Kragen, und wie euch die Hosen sitzen!
+ Die feine Wäsche, der Federhut!
+ Was das alles für Wirkung tut!
+ Daß doch den Burschen das Glück soll scheinen,
+ Und so was kommt nie an unser einen!
+
+Wachtmeister.
+ Dafür sind wir den Friedländers Regiment,
+ Man muß uns ehren und respektieren.
+
+Erster Jäger.
+ Das ist für uns andre kein Kompliment,
+ Wir ebensogut seinen Namen führen.
+
+Wachtmeister.
+ Ja, ihr gehört auch so zur ganzen Masse.
+
+Erster Jäger.
+ Ihr seid wohl von einer besondern Rasse?
+ Der ganze Unterschied ist in den Röcken,
+ Und ich ganz gern mag in meinem stecken.
+
+Wachtmeister.
+ Herr Jäger, ich muß Euch nur bedauern,
+ Ihr lebt so draußen bei den Bauern;
+ Der feine Griff und der rechte Ton,
+ Das lernt sich nur um des Feldherrn Person.
+
+Erster Jäger.
+ Sie bekam Euch übel, die Lektion.
+ Wie er räuspert und wie er spukt,
+ Das habt Ihr ihm glücklich abgeguckt;
+ Aber sein Genie, ich meine sein Geist,
+ Sich nicht auf der Wachparade weist.
+
+Zweiter Jäger.
+ Wetter auch! wo Ihr nach uns fragt,
+ Wir heißen des Friedländers wilde Jagd
+ Und machen dem Namen keine Schande--
+ Ziehen frech durch Feindes und Freundes Lande,
+ Querfeldein durch die Saat, durch das gelbe Korn--
+ Sie kennen das Holkische Jägerhorn!--
+ In einem Augenblick fern und nah,
+ Schnell wie die Sündflut, so sind wir da--
+ Wie die Feuerflamme bei dunkler Nacht
+ In die Häuser fähret, wenn niemand wacht--
+ Da hilft keine Gegenwehr, keine Flucht,
+ Keine Ordnung gilt mehr und keine Zucht.--
+ Es sträubt sich--der Krieg hat kein Erbarmen--
+ Das Mägdlein in unsern sennigten Armen--
+ Fragt nach, ich sag’s nicht, um zu prahlen;
+ In Bayreuth, im Voigtland, in Westfalen,
+ Wo wir nur durchgekommen sind--
+ Erzählen Kinder und Kindeskind
+ Nach hundert und aber hundert Jahren
+ Von dem Holk noch und seinen Scharen.
+
+Wachtmeister.
+ Nun da sieht man’s! Der Saus und Braus,
+ Macht denn der den Soldaten aus?
+ Das Tempo macht ihn, der Sinn und Schick,
+ Der Begriff, die Bedeutung, der feine Blick.
+
+Erster Jäger.
+ Die Freiheit macht ihn! Mit Euren Fratzen!
+ Daß ich mit Euch soll darüber schwatzen.--
+ Lief ich darum aus der Schul’ und der Lehre,
+ Daß ich die Fron und die Galeere,
+ Die Schreibstub’ und ihre engen Wände
+ In dem Feldlager wiederfände?--
+ Flott will ich leben und müßiggehn,
+ Alle Tage was Neues sehn,
+ Mich dem Augenblick frisch vertraun,
+ Nicht zurück, auch nicht vorwärts schauen--
+ Drum hab ich meine Haut dem Kaiser verhandelt,
+ Daß keine Sorg’ mich mehr anwandelt.
+ Führt mich ins Feuer frisch hinein,
+ Über den reißenden, tiefen Rhein,
+ Der dritte Mann soll verloren sein;
+ Werde mich nicht lang sperren und zieren.--
+ Sonst muß man mich aber, ich bitte sehr,
+ Mit nichts weiter inkommodieren.
+
+Wachtmeister.
+ Nu, nu verlangt Ihr sonst nichts mehr?
+ Das ließ’ sich unter dem Wams da finden.
+
+Erster Jäger.
+ Was war das nicht für ein Placken und Schinden
+ Bei Gustav dem Schweden, dem Leuteplager!
+ Der machte eine Kirch’ aus seinem Lager,
+ Ließ Betstunde halten, des Morgens, gleich
+ Bei der Reveille, und beim Zapfenstreich.
+ Und wurden wir manchmal ein wenig munter,
+ Er kanzelt’ uns selbst wohl vom Gaul herunter.
+
+Wachtmeister.
+ Ja, es war ein gottesfürchtiger Herr.
+
+Erster Jäger.
+ Dirnen, die ließ er gar nicht passieren,
+ Mußten sie gleich zur Kirche führen.
+ Da lief ich, konnt’s nicht ertragen mehr.
+
+Wachtmeister.
+ Jetzt geht’s dort auch wohl anders her.
+
+Erster Jäger.
+ So ritt ich hinüber zu den Ligisten,
+ Sie täten sich just gegen Magdeburg rüsten.
+ Ja, das war schon ein ander Ding!
+ Alles da lustiger, lose ging,
+ Soff und Spiel und Mädels die Menge!
+ Wahrhaftig, der Spaß war nicht gering,
+ Denn der Tilly verstand sich aufs Kommandieren.
+ Dem eigenen Körper war er strenge,
+ Dem Soldaten ließ er vieles passieren,
+ Und ging’s nur nicht aus seiner Kassen,
+ Sein Spruch war : leben und leben lassen.
+ Aber das Glück blieb ihm nicht stet--
+ Seit der Leipziger Fatalität
+ Wollt’ es eben nirgends mehr flecken,
+ Alles bei uns geriet ins Stecken;
+ Wo wir erschienen und pochten an,
+ Ward nicht gegrüßt noch aufgetan.
+ Wir mußten uns drücken von Ort zu Ort,
+ Der alte Respekt war eben fort.--
+ Da nahm ich Handgeld von den Sachsen,
+ Meinte, da müßte mein Glück recht wachsen.
+
+Wachtmeister.
+ Nun, da kamt Ihr ja eben recht
+ Zur böhmischen Beute.
+
+Erster Jäger.
+ Es ging mir schlecht.
+ Sollten da strenge Mannszucht halten,
+ Durften nicht recht als Feinde walten,
+ Mußten des Kaisers Schlösser bewachen,
+ Viel Umständ’ und Komplimente machen,
+ Führten den Krieg, als wär’s nur Scherz,
+ Hatten für die Sach’ nur ein halbes Herz,
+ Wollten’s mit niemand ganz verderben,
+ Kurz, da war wenig Ehr zu erwerben,
+ Und ich wär bald für Ungeduld
+ Wieder heimgelaufen zum Schreibepult,
+ Wenn nicht eben auf allen Straßen
+ Der Friedländer hätte werben lassen.
+
+Wachtmeister.
+ Und wie lang denkt Ihr’s hier auszuhalten?
+
+Erster Jäger.
+ Spaßt nur! solang der tut walten,
+ Denk ich Euch, mein Seel! an kein Entlaufen.
+ Kann’s der Soldat wo besser kaufen?--
+ Da geht alles nach Kriegessitt’,
+ Hat alles ’nen großen Schnitt.
+ Und der Geist, der im ganzen Korps tut leben,
+ Reißtet gewaltig, wie Windesweben,
+ Auch den untersten Reiter mit.
+ Da tret ich auf mit beherztem Schritt,
+ Darf über den Bürger kühn wegschreiten
+ Wie der Feldherr über der Fürsten Haupt.
+ Es ist hier wie in den alten Zeiten,
+ Wo die Klinge noch alles tät bedeuten;
+ Da gibt’s nur ein Vergehn und Verbrechen:
+ Der Ordre fürwitzig widersprechen!
+ Was nicht verboten ist, ist erlaubt;
+ Da fragt niemand, was einer glaubt.
+ Es gibt nur zwei Ding’ überhaupt:
+ War zur Armee gehört und nicht;
+ Und nur der Fahne bin ich verpflicht’.
+
+Wachtmeister.
+ Jetzt gefallt Ihr mir, Jäger! Ihr sprecht
+ Wie ein Friedländischer Reitersknecht.
+
+Erster Jäger.
+ Der führt’s Kommando nicht wie ein Amt,
+ Wie eine Gewalt, die vom Kaiser stammt!
+ Es ist ihm nicht um des Kaisers Dienst--
+ Was bracht’ er dem Kaiser für Gewinst?
+ Was hat er mit seiner großen Macht
+ Zu des Landes Schirm und Schutz vollbracht?
+ Ein Reich von Soldaten wollt’ er gründen,
+ Die Welt anstecken und entzünden,
+ Sich alles vermessen und unterwinden--
+
+Trompeter.
+ Still! Wer wird solche Worte wagen!
+
+Erster Jäger.
+ Was ich denke, das darf ich sagen.
+ Das Wort ist frei, sagt der General.
+
+Wachtmeister.
+ So sagt er, ich hört’s wohl einigemal,
+ Ich stand dabei. "Das Wort ist frei,
+ Die Tat ist stumm, der Gehorsam blind",
+ Dies urkundlich seine Worte sind.
+
+Erster Jäger.
+ Ob’s just seine Wort’ sind, weiß ich nicht;
+ Aber die Sach’ ist so, wie er spricht.
+
+Zweiter Jäger.
+ Ihm schlägt das Kriegsglück nimmer um,
+ Wie’s wohl bei andern pflegt zu geschehen.
+ Der Tilly überlebte seinen Ruhm.
+ Doch unter des Friedländers Kriegspanieren
+ Da bin ich gewiß zu viktorisieren.
+ Er bannet das Glück, es muß ihm stehen.
+ Wer unter seinem Zeichen tut fechten,
+ Der steht unter besondern Mächten.
+ Denn das weiß ja die ganze Welt,
+ Daß der Friedländer einen Teufel
+ Aus der Hölle im Solde hält.
+
+Wachtmeister.
+ Ja, daß er fest ist, das ist kein Zweifel.
+ Denn in der blut’gen Affär’ bei Lützen
+ Ritt er euch unter des Feuers Blitzen
+ Auf und nieder mit kühlem Blut.
+ Durchlöchert von Kugeln war sein Hut,
+ Durch den Stiefel und Koller fuhren
+ Die Ballen, man sah die deutlichen Spuren;
+ Konnt’ ihm keine die Haut nur ritzen,
+ Weil ihn die höllische Salbe tät schützen.
+
+Erster Jäger.
+ Was wollt Ihr da für Wunder bringen!
+ Er trägt ein Koller von Elendshaut,
+ Das keine Kugel kann durchdringen.
+
+Wachtmeister.
+ Nein, es ist die Salbe von Hexenkraut,
+ Unter Zaubersprüchen gekocht und gebraut.
+
+Trompeter.
+ Es geht nicht zu mit rechten Dingen!
+
+Wachtmeister.
+ Sie sagen, er les’ auch in den Sternen
+ Die künftigen Dinge, die nahen und fernen;
+ Ich weiß aber besser, wie’s damit ist.
+ Ein graues Männlein pflegt bei nächtlicher Frist
+ Durch verschlossene Türen zu ihm einzugehen;
+ Die Schildwachen haben’s oft angeschrien,
+ Und immer was Großes ist drauf geschehen,
+ Wenn je das graue Röcklein kam und erschien.
+
+Zweiter Jäger.
+ Ja, er hat sich dem Teufel übergeben,
+ Drum führen wir auch das lustige Leben.
+
+
+
+Siebenter Auftritt
+
+Vorige. Ein Rekrut. Ein Bürger. Dragoner.
+
+
+Rekrut (tritt aus dem Zelt, eine Blechhaube auf dem Kopfe, eine
+Weinflasche in der Hand).
+ Grüß den Vater und des Vaters Brüder!
+ Bin Soldat, kommer nimmer wieder.
+
+Erster Jäger.
+ Sieh, da bringen sie einen Neuen!
+
+Bürger.
+ Oh! gib acht, Franz! Es wird dich reuen.
+
+Rekrut (singt).
+ Trommeln und Pfeifen,
+ Kriegrischer Klang!
+ Wandern und streifen
+ Die Welt entlang,
+ Rosse gelenkt,
+ Mutig geschwenkt,
+ Schwert an der Seite,
+ Frisch in die Weite,
+ Flüchtig und flink,
+ Frei, wie der Fink
+ Auf Sträuchern und Bäumen,
+ In Himmels Räumen!
+ Heisa! ich folge des Friedländers Fahn!
+
+Zweiter Jäger.
+ Seht mir! das ist ein wackrer Kumpan!
+(Sie begrüßen ihn.)
+
+Bürger.
+ Oh! laßt ihn! Er ist guter Leute Kind.
+
+Erster Jäger.
+ Wir auch nicht auf der Straße gefunden sind.
+
+Bürger.
+ Ich sag euch, er hat Vermögen und Mittel.
+ Fühlt her, das feine Tüchlein am Kittel!
+
+Trompeter.
+ Des Kaisers Rock ist der höchste Titel.
+
+Bürger.
+ Er erbt eine kleine Mützenfabrik.
+
+Zweiter Jäger.
+ Des Menschen Wille, das ist sein Glück.
+
+Bürger.
+ Von der Großmutter einen Kram und Laden.
+
+Erster Jäger.
+ Pfui! wer handelt mit Schwefelfaden!
+
+Bürger.
+ Einen Weinschank dazu von seiner Paten,
+ Ein Gewölbe mit zwanzig Stückfaß Wein.
+
+Trompeter.
+ Den teilt er mit seinen Kameraden.
+
+Zweiter Jäger.
+ Hör du! Wir müssen Zeltbrüder sein.
+
+Bürger.
+ Eine Braut läßt er sitzen in Tränen und Schmerz.
+
+Erster Jäger.
+ Recht so, da zeigt er ein eisernes Herz.
+
+Bürger.
+ Die Großmutter wird für Kummer sterben.
+
+Zweiter Jäger.
+ Desto besser, so kann er sie gleich beerben.
+
+Wachtmeister (tritt gravitätisch herzu, dem Rekruten die Hand auf die
+Blechhaube legend).
+ Sieht Er! das hat Er wohl erwogen.
+ Einen neuen Menschen hat Er angezogen,
+ Mit dem Helm da und Wehrgehäng'
+ Schließt Er sich an eine würdige Meng'.
+ Muß ein fürnehmer Geist jetzt in Ihn fahren--
+
+Erster Jäger.
+ Muß besonders das Geld nicht sparen.
+
+Wachtmeister.
+ Auf der Fortuna ihrem Schiff
+ Ist Er zu segeln im Begriff;
+ Die Weltkugel liegt vor Ihm offen,
+ Wer nichts waget, der darf nichts hoffen.
+ Es treibt sich der Bürgersmann, träg und dumm,
+ Wie des Färbers Gaul, nur im Ring herum.
+ Aus dem Soldaten kann alles werden,
+ Denn Krieg ist jetzt die Losung auf Erden.
+ Seh' Er mal mich an ! In diesem Rock
+ Führ ich , sieht Er, des Kaisers Stock.
+ Alles Weltregiment, muß er wissen,
+ Von dem Stock hat ausgehen müssen;
+ Und das Zepter in Königs Hand
+ Ist ein Stock nur, das ist bekannt.
+ Und wer's zum Korporal erst hat gebracht,
+ Der steht auf der Leiter zur höchsten Macht,
+ Und so weit kann Er's auch noch treiben.
+
+Erster Jäger.
+ Wenn Er nur lesen kann und schreiben.
+
+Wachtmeister.
+ Da will ich Ihm gleich ein Exempel geben,
+ Ich tät's vor kurzem selbst erleben.
+ Da ist der Chef vom Dragonerkorps,
+ Heißt Buttler, wir standen als Gemeine
+ Noch vor dreißig Jahren bei Köln am Rheine,
+ Jetzt nennt man ihn Generalmajor.
+ Das macht, er tät sich baß hervor,
+ Tät die Welt mit seinem Kriegsruhm füllen,
+ Doch meine Verdienste, die blieben im stillen.
+ Ja, und der Friedländer selbst, sieht Er,
+ Unser Hauptmann und hochgebietender Herr,
+ Der jetzt alles vermag und kann,
+ War erst nur ein schlichter Edelmann,
+ Und weil er der Kriegsgöttin sich vertraut,
+ Hat es sich diese Größ' erbaut,
+ Ist nach dem Kaiser der nächste Mann,
+ Und wer weiß, was er noch erreicht und ermißt,
+(pfiffig)
+ Denn noch nicht aller Tage Abend ist.
+
+Erster Jäger.
+ Ja, er fing's klein an und ist jetzt so groß,
+ Den zu Altdorf, im Studentenkragen,
+ Trieb er's, mit Permiß zu sagen,
+ Ein wenig locker und purschikos,
+ Hätte seinen Famulus bald erschlagen.
+ Wollten ihn drauf die Nürnberger Herren
+ Mir nichts, dir nichts ins Karzer sperren;
+ 's war just ein neugebautes Nest,
+ Der erste Bewohner sollt' es taufen.
+ Aber wie fängt er's an ? Er läßt
+ Weislich den Pudel voran erst laufen.
+ Nach dem Hunde nennt sich's bis diesen Tag;
+ Ein rechter Kerl sich dran spiegeln mag.
+ Unter des Herrn großen Taten allen
+ Hat mir das Stückchen besonders gefallen.
+(Das Mädchen hat unterdessen aufgewartet; der zweite Jäger schäkert
+mir ihr.)
+
+Dragoner (tritt dazwischen).
+ Kamerad, laß' Er das unterwegen.
+
+Zweiter Jäger.
+ Wer, Henker! hat sich da dreinzulegen!
+
+Dragoner.
+ Ich will's Ihm nur sagen, die Dirn' ist mein.
+
+Erster Jäger.
+ Der will ein Schätzchen für sich allein!
+ Dragoner, ist Er bei Troste! Sag' Er!
+
+Zweiter Jäger.
+ Will was Apartes haben im Lager.
+ Einer Dirne schön Gesicht
+ Muß allgemein sein, wie's Sonnenlicht!
+(Küßt sie.)
+
+Dragoner (reißt sie weg).
+ Ich sag's noch einmal, das leid ich nicht.
+
+Erster Jäger.
+ Lustig! lustig! da kommen die Prager!
+
+Zweiter Jäger.
+ Sucht Er Händel? Ich bin dabei.
+
+Wachtmeister.
+ Fried', ihr Herren! Ein Kuß ist frei!
+
+
+
+Achter Auftritt
+
+Bergknappen treten auf und spielen einen Walzer, erst langsam
+und dann immer geschwinder. Der erste Jäger tanzt mit der
+Aufwärterin, die Marketenderin mit dem Rekruten; das Mädchen
+entspringt, der Jäger hinter ihr her und bekommt den Kapuziner
+zu fassen, der eben hereintritt.
+
+
+Kapuziner.
+ Heisa, juchheia! Dudeldumdei!
+ Das geht ja hoch her. Bin auch dabei!
+ Ist das eine Armee von Christen?
+ Sind wir Türken? sind wir Antibaptisten?
+ Treibt man so mit dem Sonntag Spott,
+ Als hätte der allmächtige Gott
+ Das Chiragra, könnte nicht dreinschlagen?
+ Ist's jetzt Zeit zu Saufgelagen?
+ Zu Banketten und Feiertagen?
+ Quid hic statis otiosi?
+ Was steht ihr und legt die Hände in Schoß?
+ Die Kriegsfuri ist an der Donau los,
+ Das Bollwerk des Bayerlands ist gefallen,
+ Regenspurg ist in des Feindes Krallen,
+ Und die Armee liegt hier in Böhmen,
+ Pflegt den Bauch, läßt sich's wenig grämen,
+ Kümmert sich mehr um den Krug als den Krieg,
+ Wetzt lieber den Schnabel als den Sabel,
+ Hetzt sich lieber herum mit der Dirn',
+ Frißt den Ochsen lieber als den Oxenstirn.
+ Die Christenheit trauert in Sack und Asche,
+ Der Soldat füllt sich nur die Tasche.
+ Es ist eine Zeit der Tränen und Not,
+ Am Himmel geschehen Zeichen und Wunder,
+ Und aus den Wolken, blutigrot,
+ Hängt der Herrgott den Kriegsmantel runter.
+ Den Kometen steckt er wie eine Rute
+ Drohend am Himmelsfenster aus,
+ Die ganze Welt ist ein Klagehaus,
+ Die Arche der Kirche schwimmt in Blute,
+ Und das römische Reich--daß Gott erbarm!
+ Sollte jetzt heißen römisch Arm,
+ Der Rheinstrom ist worden zu einem Peinstrom,
+ Die Klöster sind ausgenommene Nester,
+ Die Bistümer sind verwandelt in Wüsttümer,
+ Die Abteien und die Stifter
+ Sind nun Raubteien und Diebesklüfter,
+ Und alle die gesegneten deutschen Länder
+ Sind verkehrt worden in Elender--
+ Woher kommt das? das will ich euch verkünden:
+ Das schreibt sich her von euern Lastern und Sünden,
+ Von dem Greuel und Heidenleben,
+ Dem sich Offizier und Soldaten ergeben.
+ Denn die Sünd' ist der Magnetenstein,
+ Der das Eisen ziehet ins Land herein.
+ Auf das Unrecht, da folgt das Übel,
+ Wie die Trän' auf den herben Zwiebel,
+ Hinter dem U kömmt gleich das Weh,
+ Das ist die Ordnung im ABC.
+ Ubi erit victoriae spes,
+ Si offenditur Deus? Wie soll man siegen,
+ Wenn man die Predigt schwänzt und die Meß',
+ Nichts tut, als in den Weinhäusern liegen?
+ Die Frau in dem Evangelium
+ Fand den verlornen Groschen wieder,
+ Der Saul seines Vaters Esel wieder,
+ Der Joseph seine saubern Brüder;
+ Aber wer bei den Soldaten sucht
+ Die Furcht Gottes und die gute Zucht
+ Und die Scham, der wird nicht viel finden,
+ Tät' er auch hundert Laternen anzünden.
+ Zu dem Prediger in der Wüsten,
+ Wie wir lesen in Evangelisten,
+ Kamen auch die Soldaten gelaufen,
+ Taten Buß' und ließen sich taufen,
+ Fragten ihn: Quid faciemus nos?
+ Wie machen wir's, daß kommen in Abrahams Schoß?
+ Et ait illis, und er sagt:
+ Neminem concutiatis,
+ Wenn ihr niemanden schindet und plackt;
+ Neque calumniam faciatis,
+ Niemand verlästert, auf niemand lügt.
+ Contenti estote, euch begnügt,
+ Stipendiis verstris, mit eurer Löhnung
+ Und verflucht jede böse Angewöhnung.
+ Es ist ein Gebot: Du sollst den Namen
+ Deines Herrgotts nicht eitel auskramen.
+ Und wo hört man mehr blasphemieren
+ Als hier in den Freidländischen Kriegsquartieren?
+ Wenn man für jeden Donner und Blitz,
+ Den ihr losbrenntk mit eurer Zungenspitz',
+ Die Glocken müßt' läuten im Land umher,
+ Es wär' bald kein Mesner zu finder mehr.
+ Und wenn euch für jedes böse Gebet,
+ Das aus eurem ungewaschnen Munde geht,
+ Ein Härlein ausging' aus eurem Schopf,
+ Über Nacht wär' er geschoren glatt,
+ Und wär' er so dick wie Absalons Zopf.
+ Der Josua war doch auch ein Soldat,
+ König David erschlug den Goliath,
+ Und wo steht denn geschrieben zu lesen,
+ Daß sie solche Fluchmäuler sind gewesen?
+ Muß man den Mund doch, ich sollte meinen,
+ Nicht weiter aufmachen zu einem Helf Gott!
+ Als zu einem Kreuz Sackerlot!
+ Aber wessen das Gefäß ist gefüllt,
+ Davon es sprudelt und überquillt.
+ Wieder ein Gebot ist: Du sollst nicht stehlen.
+ Ja, das befolgt ihr nach dem Wort,
+ Denn ihr tragt alles offen fort;
+ Vor euren Klauen und Geiersgriffen,
+ Vor euren Praktiken und bösen Kniffen
+ Ist das Geld nicht geborgen in der Truh',
+ Das Kalb nicht sicher in der Kuh,
+ Ihr nehmt das Ei und das Huhn dazu.
+ Was sagt der Prediger? Contenti estote,
+ Begnügt euch mit eurem Kommißbrote.
+ Aber wie soll man die Knechte loben,
+ Kömmt doch das Ärgerniss von oben!
+ Wie die Glieder, so auch das Haupt!
+ Weiß doch niemand, an wen der glaubt!
+
+Erster Jäger.
+ Herr Pfaff! Uns Soldaten mag Er schimpfen,
+ Den Feldherrn soll Er uns nicht verunglimpfen.
+
+Kapuziner.
+ Ne custodias gregem meam!
+ Das ist so ein Ahab und Jerobeam,
+ Der die Völker von der wahren Lehren
+ Zu falschen Götzen tut verkehren.
+
+Trompeter und Rekrut.
+ Laß' Er uns das nicht zweimal hören!
+
+Kapuziner.
+ So ein Bramarbas und Eisenfresser,
+ Will einnehmen alle festen Schlösser.
+ Rühmte sich mit seinem gottlosen Mund,
+ Er müsse haben die Stadt Stralsund,
+ Und wär' sie mit Ketten an den Himmel geschlossen.
+ Hat aber sein Pulver umsonst verschossen.
+
+Trompeter.
+ Stopft ihm keiner sein Lästermaul?
+
+Kapuziner.
+ So ein Teufelsbeschwörer und König Saul,
+ So ein Jehu und Holofern,
+ Verleugnet wie Petrus seinen Meister und Herrn,
+ Drum kann er den Hahn nicht hören krähn--
+
+Beide Jäger.
+ Pfaffe, jetzt ist's um dich geschehn!
+
+Kapuziner.
+ So ein listiger Fuchs Herodes--
+
+Trompeter und beide Jäger (auf ihn eindringend).
+ Schweig stille! Du bist des Todes.
+
+Kroaten (legen sich drein).
+ Bleib da, Pfäfflein, fürcht dich nit,
+ Sag dein Sprüchel und teil's uns mit.
+
+Kapuziner (schreit lauter).
+ So ein hochmütiger Nebukadnezer,
+ So ein Sündenvater und muffiger Ketzer,
+ Läßt sich nennen den Wallenstein,
+ Ja freilich ist er uns allen ein Stein
+ Des Anstoßes und Ärgernisses,
+ Und solang der Kaiser diesen Friedeland
+ Läßt walten, so wird nicht Fried' im Land.
+(Er hat nach und nach bei den letzten Worten, die er mit erhobener
+Stimme spricht, seinen Rückzug genommen, indem die Kroaten die übrigen
+Soldaten von ihm abwehren.)
+
+
+
+Neunter Auftritt
+
+Vorige ohne Kapuziner.
+
+
+Erster Jäger (zum Wachtmeister).
+ Sagt mir! Was meint' er mit dem Göckelhahn,
+ Den der Feldherr nicht hören kann?
+ Es war wohl nur so gesagt ihm zum Schimpf und Hohne?
+
+Wachtmeister.
+ Da will ich Euch dienen! Es ist nicht ganz ohne!
+ Der Feldherr ist wundersam geboren,
+ Besonders hat er gar kitzligte Ohren.
+ Kann die Katze nicht hören mauen,
+ Und wenn der Hahn kräht, so macht's ihm Grauen.
+
+Erster Jäger.
+ Das hat er mit dem Löwen gemein.
+
+Wachtmeister.
+ Muß alles mausstill um ihn sein.
+ Den Befehl haben alle Wachen,
+ Denn er denkt gar zu tiefe Sachen.
+
+Stimmen (im Zelt. Auflauf).
+ Greift ihn, den Schelm! Schlagt zu! Schlagt zu.
+ Des Bauern Stimme.
+ Hilfe! Barmherzigkeit!
+
+Andre Stimmen.
+ Friede! Ruh!
+
+Erster Jäger.
+ Hol' mich der Teufel! Da setzt's Hiebe.
+
+Zweiter Jäger.
+ Da muß ich dabei sein!
+(Laufen ins Zelt.)
+
+Marketenderin (kommt heraus).
+ Schelmen und Diebe!
+
+Trompeter.
+ Frau Wirtin, was setzt Euch so in Eifer?
+
+Marketenderin.
+ Der Lump! der Spitzbub! der Straßenläufer!
+ Das muß mir in meinem Zelt passieren!
+ Es beschimpt mich bei allen Herrn Offizieren.
+
+Wachtmeister.
+ Bäschen, was gibt's denn?
+
+Marketenderin.
+ Was wird's geben?
+ Da erwischten sie einen Bauern eben,
+ Der falsche Würfel tät bei sich haben.
+
+Trompeter.
+ Sie bringen ihn hier mit seinem Knaben.
+
+
+
+Zehnter Auftritt
+
+Soldaten bringen den Bauer geschleppt.
+
+
+Erster Jäger.
+ Der muß baumeln!
+ Scharfschützen und Dragoner.
+ Zum Profoß! zum Profoß!
+
+Wachtmeister.
+ Das Mandat ist noch kürzlich ausgegangen.
+
+Marketenderin.
+ In einer Stunde seh ich ihn hangen!
+
+Wachtmeister.
+ Böses Gewerbe bringt bösen Lohn.
+
+Erster Arkebusier (zum andern).
+ Das kommt von der Desperation.
+ Denn seht! erst tut man sie ruinieren,
+ Das heißt sie zum Stehlen selbst verführen.
+
+Trompeter.
+ Was? was? Ihr red't ihm das Wort noch gar?
+ Dem Hunde! tut Euch der Teufel plagen?
+
+Erster Arkebusier.
+ Der Bauer ist auch ein Mensch--sozusagen.
+
+Erster Jäger (zum Trompeter).
+ Laß sie gehen! sind Tiefenbacher,
+ Gevatter Schneider und Handschuhmacher!
+ Lagen in Garnison zu Brieg,
+ Wissen viel, was der Brauch ist im Krieg.
+
+
+
+Eilfter Auftritt
+
+Vorige. Kürassiere.
+
+
+Erster Kürassier.
+ Friede! Was gibt's mit dem Bauer da?
+
+Erster Scharfschütz.
+ 's ist ein Schelm, hat im Spiel betrogen!
+
+Erster Kürassier.
+ Hat er dich betrogen etwa?
+
+Erster Scharfschütz.
+ Ja, und hat mich rein ausgezogen.
+
+Erster Kürassier.
+ Wie? du bist ein Friedländischer Mann,
+ Kannst dich so wegwerfen und blamieren,
+ Mit einem Bauer dein Glück probieren?
+ Der laufe, was er laufen kann.
+(Bauer entwischt, die andern treten zusammen.)
+
+Erster Arkebusier.
+ Der macht kurze Arbeit, ist resolut,
+ Das ist mit solchem Volke gut.
+ Was ist's für einer? Es ist kein Böhm'.
+
+Marketenderin.
+ 's ist ein Wallon'! Respekt vor dem!
+ Von des Pappenheims Kürassieren.
+
+Erster Dragoner (tritt dazu).
+ Der Piccolomini, der junge, tut sie jetzt führen.
+ Den haben sie sich aus eigner Macht
+ Zum Oberst gesetzt in der Lützner Schlacht,
+ Als der Pappenheim umgekommen.
+
+Erster Arkebusier.
+ Haben sie sich so was 'rausgenommen?
+
+Erster Dragoner.
+ Dies Regiment hat was voraus,
+ Es war immer voran bei jedem Strauß.
+ Darf auch seine eigene Justiz ausüben,
+ Und der Friedländer tut's besonders lieben.
+
+Erster Kürassier (zum andern).
+ Ist's auch gewiß? Wer bracht' es aus?
+
+Zweiter Kürassier.
+ Ich hab's aus des Obersts eigenem Munde.
+
+Erster Kürassier.
+ Was Teufel! Wir sind nicht ihre Hunde.
+
+Erster Jäger.
+ Was haben die da? sind voller Gift.
+
+Zweiter Jäger.
+ Ist's was, ihr Herrn, das uns mitbetrifft?
+
+Erster Kürassier.
+ Es hat sich keiner drüber zu freuen.
+(Soldaten treten herzu.)
+ Sie wollen uns in die Niederland' leihen;
+ Kürassiere, Jäger, reitende Schützen,
+ Sollen achttausend Mann aufsitzen.
+
+Marketenderin.
+ Was? was? da sollen wir wieder wandern?
+ Bin erst seit gestern zurück aus Flandern.
+
+Zweiter Kürassier (zu den Dragonern).
+ Ihr Buttlerischen sollt auch mitreiten.
+
+Erster Kürassier.
+ Und absonderlich wir Wallonen.
+
+Marketenderin.
+ Ei, das sind ja die allerbesten Schwadronen!
+
+Erster Kürassier.
+ Den aus Mailand sollen wir hinbegleiten.
+
+Erster Jäger.
+ Den Infanten! Das ist ja kurios!
+
+Zweiter Jäger.
+ Den Pfaffen! Da geht der Teufel los.
+
+Erster Kürassier.
+ Wir sollen von dem Friedländer lassen,
+ Der den Soldaten so nobel hält,
+ Mit dem Spanier ziehen zu Feld,
+ Dem Knauser, den wir von Herzen hassen?
+ Nein, das geht nicht! Wir laufen fort.
+
+Trompeter.
+ Was, zum Henker! sollen wir dort?
+ Dem Kaiser verkauften wir unser Blut
+ Und nicht dem hispanischen roten Hut.
+
+Zweiter Jäger.
+ Auf des Friedländers Wort und Kredit allein
+ Haben wir Reitersdienst genommen;
+ Wär's nicht aus Lieb' für den Wallenstein,
+ Der Ferdinand hätt' uns nimmer bekommen.
+
+Erster Dragoner
+ Tät uns der Friedländer nicht formieren?
+ Seine Fortuna soll uns führen.
+
+Wachtmeister.
+ Laßt euch bedeuten, hört mich an.
+ Mit dem Gered' da ist's nicht getan.
+ Ich sehe weiter als ihr alle,
+ Dahinter steckt eine böse Falle.
+
+Erster Jäger.
+ Hört das Befehlbuch! Stille doch!
+
+Wachtmeister.
+ Bäschen Gustel, füllt mir erst noch
+ ein Gläschen Melnecker für den Magen,
+ Alsdann will ich euch meine Gedanken sagen.
+
+Marketenderin (ihm einschenkend).
+ Hier, Herr Wachtmeister! Er macht mir Schrecken.
+ Es wird doch nichts böses dahinter stecken!
+
+Wachtmeister.
+ Seht, ihr Herrn, das ist all recht gut,
+ Daß jeder das Nächste bedenken tut;
+ Aber, pflegt der Feldherr zu sagen,
+ Man muß immer das Ganze überschlagen.
+ Wir nennen uns alle des Friedländers Truppen.
+ Der Bürger, er nimmt uns ins Quartier
+ Und pflegt uns und kocht uns warme Suppen.
+ Der Bauer muß den Gaul und den Stier
+ Vorspannen an unsre Bagagewagen,
+ Vergebens wird er sich drüber beklagen.
+ Läßt sich ein Gefreiter mit sieben Mann
+ In einem Dorfe von weitem spüren,
+ Er ist die Obrigkeit drin und kann
+ Nach Lust drin walten und kommandieren.
+ Zum Henker! Sie mögen uns alle nicht
+ Und sähen des Teufels sein Angesicht
+ Weit lieber als unsre gelben Kolletter.
+ Warum schmeißen sie uns nicht aus dem Land? Potz
+ Wetter!
+ Sind uns an Anzahl doch überlegen,
+ Führen den Knittel, wie wir den Degen.
+ Warum dürfen wir ihrer lachen?
+ Weil wir einen furchtbaren Haufen ausmachen!
+
+Erster Jäger.
+ Ja, ja, im Ganzen, da sitzt die Macht!
+ Der Friedländer hat das wohl erfahren,
+ Wie er dem Kaiser vor acht--neun Jahren
+ Die große Armee zusammenbracht.
+ Sie wollten er nur von zwölftausend hören:
+ Die, sagt' er, die kann ich nicht ernähren;
+ Aber ich will sechzigtausend werben,
+ Die, weiß ich, werden nicht Hungers sterben.
+ Und so wurden wir Wallensteiner.
+
+Wachtmeister.
+ Zum Exempel, da hack' mir einer
+ Von den fünf Fingern, die ich hab,
+ Hier an der Rechten den kleinen ab.
+ Habt ihr mir den Finger bloß genommen?
+ Nein, beim Kuckuck! ich bin um die Hand gekommen!
+ 's ist nur ein Stumpf und nichts mehr wert.
+ Ja, und diese achtausend Pferd',
+ Die man nach Flandern jetzt begehrt,
+ Sind von der Armee nur der kleine Finger.
+ Läßt man sie ziehn, ihr tröstet euch,
+ Wir seien um ein Fünftel nur geringer?
+ Prost Mahlzeit! da fällt das Ganze gleich.
+ Die Furcht ist weg, der Respekt, die Scheu,
+ Da schwillt dem Bauer der Kamm aufs neu,
+ Da schreiben sie uns in der Wiener Kanzlei
+ Den Quartier--und den Küchenzettel,
+ Und es ist wieder der alte Bettel.
+ Ja, und wie lang wird's stehen an,
+ So nehmen sie uns auch noch den Feldhauptmann--
+ Sie sind ihm am Hofe so nicht grün,
+ Nun, da fällt eben alles hin!
+ Wer hilft uns dann wohl zu unserm Geld?
+ Sorgt, daß man uns die Kontrakte hält?
+ Wer hat den Nachdruck und hat den Verstand,
+ Den schnellen Witz und die feste Hand,
+ Diese gestückelten Heeresmassen
+ Zusammenzufügen und zu passen?
+ Zum Exempel--Dragoner--sprich:
+ Aus welchem Vaterland schreibst du dich?
+
+Erster Dragoner.
+ Weit aus Hibernien her komm ich.
+
+Wachtmeister (zu den beiden Kürassieren).
+ Ihr, das weiß ich, seid ein Wallon',
+ Ihr ein Welscher. Man hört's am Ton.
+
+Erster Kürassier.
+ Wer ich bin? ich hab's nie können erfahren,
+ Sie stahlen mich schon in jungen Jahren.
+
+Wachtmeister.
+ Und du bist auch nicht aus der Näh'?
+
+Erster Arkebusier
+ Ich bin von Buchau am Federsee.
+
+Wachtmeister.
+ Und ihr, Nachbar?
+
+Zweiter Arkebusier.
+ Aus der Schwitz.
+
+Wachtmeister (zum zweiten Jäger).
+ Was für ein Landsmann bist du, Jäger?
+
+Zweiter Jäger.
+ Hinter Wismar ist meiner Eltern Sitz.
+
+Wachtmeister (auf den Trompeter zeigend).
+ Und der da und ich, wir sind aus Eger.
+ Nun! und wer merkt uns das nun an,
+ Daß wir aus Süden und aus Norden
+ Zusammengeschneit und--geblasen worden?
+ Sehn wir nicht aus wie aus einem Span?
+ Stehn wir nicht gegen den Feind geschlossen,
+ Recht wie zusammengeleimt und--gegossen?
+ Greifen wir nicht wie ein Mühlwerk flink
+ Ineinander, auf Wort und Wink?
+ Wer hat uns so zusammengschmiedet,
+ Daß ihr uns nimmer unterschiedet?
+ Kein andrer sonst als der Wallenstein!
+
+Erster Jäger.
+ Das fiel mir mein Lebtag nimmer ein,
+ Daß wir so gut zusammen passen;
+ Hab mich immer nur gehenlassen.
+
+Erster Kürassier.
+ Dem Wachtmeister muß ich Beifall geben.
+ Dem Kriegsstand kämen sie gern ans Leben;
+ Den Soldaten wollen sie nieder halten,
+ Daß sie alleine können walten.
+ 's ist eine Verschwörung, ein Komplott.
+
+Marketenderin.
+ Eine Verschwörung? du lieber Gott!
+ Da können die Herren ja nicht mehr zahlen.
+
+Wachtmeister.
+ Freilich! Es wird alles bankerott.
+ Viele von den Hauptleuten und Generalen
+ Stellten aus ihren eignen Kassen
+ Die Regimenter, wollten sich sehen lassen,
+ Täten sich angreifen über Vermögen,
+ Dachten, es bring' ihnen großen Segen.
+ Und die alle sind um ihr Geld,
+ Wenn das Haupt, wenn der Herzog fällt.
+
+Marketenderin.
+ Ach! du mein Heiland! das bringt mir Fluch!
+ Die halbe Armee steht in meinem Buch.
+ Der Graf Isolani, der böse Zahler,
+ Restiert mir allein noch zweihundert Taler.
+
+Erster Kürassier.
+ Was ist da zu machen, Kameraden?
+ Es ist nur eins, was uns retten kann:
+ Verbunden können sie uns nichts schaden,
+ Wir stehen alle für einen Mann.
+ Laßt sie schicken und ordenanzen,
+ Wir wollen uns fest in Böhmen pflanzen,
+ Wir geben nicht nach und marschieren nicht,
+ Der Soldat jetzt um seine Ehre ficht.
+
+Zweiter Jäger.
+ Wir lassen uns nicht so im Land rumführen!
+ Sie sollen kommen und sollen's probieren!
+
+Erster Arkebusier.
+ Liebe Herren, bedenkt's mit Fleiß,
+ 's ist des Kaisers Will' und Geheiß.
+
+Trompeter.
+ Werden uns viel um den Kaiser scheren.
+
+Erster Arkebusier.
+ Laß' Er mich das nicht zweimal hören.
+
+Trompeter.
+ 's ist aber doch so, wie ich gesagt.
+
+Erster Jäger.
+ Ja, ja, ich hört's immer so erzählen,
+ Der Friedländer hab' hier allein zu befehlen.
+
+Wachtmeister.
+ So ist's auch, das ist sein Beding und Pakt.
+ Absolute Gewalt hat er, müßt ihr wissen,
+ Krieg zu führen und Frieden zu schließen,
+ Geld und Gut kann er konfiszieren,
+ Kann henken lassen und pardonieren,
+ Offiziere kann er und Obersten machen,
+ Kurz, er hat alle die Ehrensachen.
+ Das hat er vom Kaiser eigenhändig.
+
+Erster Arkebusier.
+ Der Herzog ist gewaltig und hochverständig;
+ Aber er bleibt doch, schlecht und recht,
+ Wie wir alle, des Kaisers Knecht.
+
+Wachtmeister.
+ Nicht wie wir alle! das wißt Ihr schlecht.
+ Er ist ein unmittelbarer und freier
+ Des Reiches Fürst, so gut wie der Bayer.
+ Sah ich's etwa nicht selbst mit an,
+ Als ich zu Brandeis die Wach' getan,
+ Wie ihm der Kaiser selbsten erlaubt,
+ Zu bedecken sein fürstlich Haupt?
+
+Erster Arkebusier.
+ Das war für das Mecklenburger Land,
+ Das ihm der Kaiser versetzt als Pfand.
+
+Erster Jäger (zum Wachtmeister).
+ Wie? In des Kaisers Gegenwart?
+ Das ist doch seltsam und sehr apart!
+
+Wachtmeister (fährt in die Tasche).
+ Wollt ihr mein Wort nicht gelten lassen,
+ Sollt ihr's mit Händen greifen und fassen.
+(Eine Münze zeigend.)
+ Wes ist das Bild und Gepräg'?
+
+Marketenderin.
+ Weist her!
+ Ei, das ist ja ein Wallensteiner!
+
+Wachtmeister.
+ Na! da habt ihr's, was wollt ihr mehr?
+ Ist er nicht Fürst so gut als einer?
+ Schlägt er nicht Geld, wie der Ferdinand?
+ Hat er nicht eigenes Volk und Land?
+ Eine Durchlauchtigkeit läßt er sich nennen!
+ Drum muß er Soldaten halten können.
+
+Erster Arkebusier.
+ Das disputiert ihm niemand nicht.
+ Wir aber stehn in des Kaisers Pflicht,
+ Und wer uns bezahlt, das ist der Kaiser.
+
+Trompeter.
+ Das leugn' ich Ihm, sieht Er, ins Angesicht.
+ Wer uns nicht zahlt, das ist der Kaiser!
+ Hat man uns nicht seit vierzig Wochen
+ Die Löhnung immer umsonst versprochen?
+
+Erster Arkebusier.
+ Ei was! das steht ja in guten Händen.
+
+Erster Kürassier.
+ Fried', ihr Herrn! Wollt ihr mit Schlägen enden?
+ Ist denn darüber Zank und Zwist,
+ Ob der Kaiser unser Gebieter ist?
+ Eben drum, weil wir gern in Ehren
+ Seine tüchtigen Reiter wären,
+ Wollen wir nicht seine Herde sein,
+ Wollen uns nicht von den Pfaffen und Schranzen
+ Herum lassen führen und verpflanzen.
+ Sagt selbst! Kommt's nicht dem Herrn zugut,
+ Wenn sein Kriegsvolk was auf sich halten tut?
+ Wer anders macht ihn als seine Soldaten
+ Zu dem großmächtigen Potentaten?
+ Verschafft und bewahrt ihm weit und breit
+ Das große Wort in der Christenheit?
+ Mögen sich die sein Joch aufladen,
+ Die mitessen von seinen Gnaden,
+ Die mit ihm tafeln im goldnen Zimmer.
+ Wir, wir haben von seinem Glanz und Schimmer
+ Nichts als die Müh' und als die Schmerzen
+ Und wofür wir uns halten in unserm Herzen.
+
+Zweiter Jäger.
+ Alle großen Tyrannen und Kaiser
+ Hielten's so und waren viel weiser.
+ Alles andre täten sie hudeln und schänden,
+ Den Soldaten trugen sie auf den Händen.
+
+Erster Kürassier.
+ Der Soldat muß sich können fühlen.
+ Wer's nicht edel und nobel treibt,
+ Lieber weit von dem Handwerk bleibt.
+ Soll ich frisch um mein Leben spielen,
+ Muß mir noch etwas gelten mehr.
+ Oder ich lasse mich eben schlachten.
+ Wie der Kroat--und muß mich verachten.
+
+Beide Jäger.
+ Ja, übers Leben noch geht die Ehr'!
+
+Erster Kürassier.
+ Das Schwert ist kein Spaten, kein Pflug,
+ Wer damit ackern wollte, wäre nicht klug.
+ Es grünt uns kein Halm, er wächst keine Saat,
+ Ohne Heimat muß der Soldat
+ Auf dem Erdboden flüchtig schwärmen,
+ Darf sich an eignem Herd nicht wärmen ,
+ Er muß vorbei an der Städte Glanz,
+ An des Dörfleins lustigen, grünen Auen,
+ Die Traubenlese, den Erntekranz
+ Muß er wandernd von ferne schauen.
+ Sagt mir, was hat er an Gut und Wert,
+ Wenn der Soldat sich nicht selber ehrt?
+ Etwas muß er sein eigen nennen,
+ Oder der Mensch wird morden und brennen.
+
+Erster Arkebusier.
+ Das weiß Gott, 's ist ein elend Leben!
+
+Erster Kürassier.
+ Möcht's doch nicht für ein andres geben.
+ Seht, ich bin weit in der Welt rumkommen,
+ Hab alles in Erfahrung genommen.
+ Hab der hispanischen Monarchie
+ Gedient und der Republik Venedig
+ Und dem Königreich Napoli,
+ Aber das Glück war mir nirgends gnädig.
+ Hab den Kaufmann gesehn und den Ritter
+ Und den Handwerksmann und den Jesuiter,
+ Und kein Rock hat mir unter allen
+ Wie mein eisernes Wams gefallen.
+
+Erster Arkebusier.
+ Ne! das kann ich eben nicht sagen.
+
+Erster Kürassier.
+ Will einer in der Welt was erjagen,
+ Mag er sich rühren und mag sich plagen;
+ Will er zu hohen Ehren und Würden,
+ Bück' er sich unter die goldnen Bürden.
+ Will er genießen den Vatersegen,
+ Kinder und Enkelein um sich pflegen,
+ Treib' er ein ehrlich Gewerb' in Ruh'.
+ Ich--ich hab kein Gemüt dazu.
+ Frei will ich leben und also sterben,
+ Niemand berauben und niemand beerben
+ Und auf das Gehudel unter mir
+ Leicht wegschauen von meinem Tier.
+
+Erster Jäger.
+ Bravo! Just so ergeht es mir.
+
+Erster Arkebusier.
+ Lustiger freilich mag sich's haben,
+ Über anderer Köpf' wegtraben.
+
+Erster Kürassier.
+ Kamerad, die Zeiten sind schwer,
+ Das Schwert ist nicht bei der Waage mehr;
+ Aber so mag mir's keiner verdenken,
+ Daß ich mich lieber zum Schwert will lenken.
+ Kann ich im Krieg mich doch menschlich fassen,
+ Aber nicht auf mir trommeln lassen.
+
+Erster Arkebusier.
+ Wer ist dran schuld als wir Soldaten,
+ Daß der Nährstand in Schimpf geraten?
+ Der leidige Krieg und die Not und Plag'
+ In die sechzehn Jahr' schon währen mag.
+
+Erster Kürassier.
+ Bruder, den lieben Gott da droben,
+ Es können ihn alle zugleich nicht loben.
+ Einer will die Sonn', die den andern beschwert;
+ Dieser will's trocken, was jener feucht begehrt.
+ Wo du nur die Not siehst und die Plag',
+ Da scheint mir des Lebens heller Tag.
+ Geht's auf Kosten des Bürgers und Bauern,
+ Nun wahrhaftig, sie werden mich dauern;
+ Aber ich kann's nicht ändern--seht,
+ 's ist hier just, wie's beim Einhaun geht:
+ Die Pferde schnauben und setzen an,
+ Liege wer will mitten in der Bahn,
+ Sei's mein Bruder, mein leiblicher Sohn,
+ Zerriß mir die Seele sein Jammerton,
+ Über seinen Leib weg muß ich jagen,
+ Kann ihn nicht sachte beiseite tragen.
+
+Erster Jäger.
+ Ei, wer wird nach dem andern fragen!
+
+Erster Kürassier.
+ Und weil sich's nun einmal so gemacht,
+ Daß das Glück dem Soldaten lacht,
+ Laßt's uns mit beiden Händen fassen,
+ Lang werden sie's uns nicht so treiben lassen.
+ Der Friede wird kommen über Nacht,
+ Der dem Wesen ein Ende macht;
+ Der Soldat zäumt ab, der Bauer spannt ein,
+ Eh' man's denkt, wird's wieder das alte sein.
+ Jetzt sind wir noch beisammen im Land,
+ Wir haben's Heft noch in der Hand;
+ Lassen wir uns auseinandersprengen,
+ Werden sie uns den Brotkorb höher hängen.
+
+Erster Jäger.
+ Nein, das darf nimmermehr geschehn!
+ Kommt, laßt uns alle für einen stehn.
+
+Zweiter Jäger.
+ Ja, laßt uns Abrede nehmen, hört!
+
+Erster Arkebusier (ein ledernes Beutelchen ziehend, zur Marketenderin).
+ Gevatterin, was hab ich verzehrt?
+
+Marketenderin.
+ Ach! es ist nicht der Rede wert!
+(Sie rechnen.)
+
+Trompeter.
+ Ihr tut wohl, daß ihr weitergeht,
+ Verderbt uns doch nur die Sozietät.
+(Arkebusier gehen ab.)
+
+Erster Kürassier.
+ Schad um die Leut'! Sind sonst wackre Brüder.
+
+Erster Jäger.
+ Aber das denkt wie ein Seifensieder.
+
+Zweiter Jäger.
+ Jetzt sind wir unter uns, laßt hören,
+ Wie wir den neuen Anschlag stören.
+
+Trompeter.
+ Was? wir gehen eben nicht hin.
+
+Erster Kürassier.
+ Nichts, ihr Herrn, gegen die Disziplin!
+ Jeder geht jetzt zu seinem Korps,
+ Trägt's den Kameraden vernünftig vor,
+ Daß sie's begreifen und einsehn lernen .
+ Wir dürfen uns nicht so weit entfernen .
+ Für meine Wallonen sag ich gut.
+ So, wie ich, jeder denken tut.
+
+Wachtmeister.
+ Terschkas Regimenter zu Roß und Fuß
+ Stimmen alle in diesen Schluß.
+
+Zweiter Kürassier (stellt sich zum ersten).
+ Der Lombard' sich nicht vom Wallonen trennt.
+
+Erster Jäger.
+ Freiheit ist Jägers Element.
+
+Zweiter Jäger.
+ Freiheit ist bei der Macht allein:
+ Ich leb und sterb bei dem Wallenstein.
+
+Erster Scharfschütz.
+ Der Lothringer geht mit der großen Flut,
+ Wo der leichte Sinn ist und lustiger Mut.
+
+Dragoner.
+ Der Irländer folgt des Glückes Stern.
+
+Zweiter Scharfschütz.
+ Der Tiroler dient nur dem Landesherrn.
+
+Erster Kürassier.
+ Also laßt jedes Regiment
+ Ein Pro memoria reinlich schreiben:
+ Daß wir zusammen wollen bleiben,
+ Daß uns keine Gewalt noch List
+ Von dem Friedländer weg soll treiben,
+ Der ein Soldatenvater ist.
+ Das reicht man in tiefer Devotion
+ Dem Piccolomini--ich meine den Sohn--
+ Der versteht sich auf solche Sachen,
+ Kann bei dem Friedländer alles machen,
+ Hat auch einen großen Stein im Brett
+ Bei des Kaisers und Königs Majestät.
+
+Zweiter Jäger.
+ Kommt! Dabei bleibt's! Schlagt alle ein!
+ Piccolomini soll unser Sprecher sein.
+ Trompeter, Dragoner, Erster Jäger, Zweiter Kürassier, Scharfschützen
+(zugleich)
+ Piccolomini soll unser Sprecher sein.
+(Wollen fort.)
+
+Wachtmeister.
+ Erst noch ein Gläschen, Kameraden!
+(Trinkt.)
+
+Des Piccolomini hohe Gnaden!
+
+Marketenderin (bringt eine Flasche).
+ Das kommt nicht aufs Kerbholz. Ich geb es gern.
+ Gute Verrichtung, meine Herrn!
+
+Kürassiere.
+ Der Wehrstand soll leben!
+
+Beide Jäger.
+ Der Nährstand soll geben!
+ Dragoner und Scharfschützen.
+ Die Armee soll florieren!
+ Trompeter und Wachtmeister.
+ Und der Friedländer soll sie regieren.
+
+Zweiter Kürassier (singt).
+ Wohl auf, Kameraden, aufs Pferd, aufs Pferd!
+ Ins Feld, in die Freiheit gezogen!
+ Im Felde, da ist der Mann noch was wert,
+ Da wird das Herz noch gewogen.
+ Da tritt kein anderer für ihn ein,
+ Auf sich selber steht er da ganz allein.
+(Die Soldaten aus dem Hintergrund haben sich während des Gesangs
+herbeigezogen und machen den Chor.)
+
+Chor.
+ Da tritt kein anderer für ihn ein,
+ Auf sich selber steht er da ganz allein.
+
+Dragoner.
+ Aus der Welt die Freiheit verschwunden ist,
+ Man sieht nur Herren und Knechte,
+ Die Falschheit herrschet, die Hinterlist
+ Bei dem feigen Menschengeschlechte.
+ Der dem Tod ins Angesicht schauen kann,
+ Der Soldat allein ist der freie Mann.
+
+Chor.
+ Der dem Tod ins Angesicht schauen kann,
+ Der Soldat allein ist der freie Mann.
+
+Erster Jäger.
+ Des Lebens Ängsten, er wirft sie weg,
+ Hat nicht mehr zu fürchten, zu sorgen,
+ Er reitet dem Schicksal entgegen keck,
+ Trifft's heute nicht, trifft es doch morgen.
+ Und trifft es morgen, so lasset uns heut
+ Noch schlürfen die Neige der köstlichen Zeit.
+
+Chor.
+ Und trifft es morgen, so lasset uns heut
+ Noch schlürfen die Neige der köstlichen Zeit.
+(Die Gläser sind aufs neue gefüllt worden, sie stoßen an und trinken.)
+
+Wachtmeister.
+ Von dem Himmel fällt ihm sein lustig Los,
+ Braucht's nicht mit Müh' zu erstreben,
+ Der Fröner, der sucht in der Erde Schoß,
+ Da meint er den Schatz zu erheben.
+ Er gräbt und schaufelt, solang er lebt,
+ Und gräbt, bis er endlich sein Grab sich gräbt.
+
+Chor.
+ Er gräbt und schaufelt, solang er lebt,
+ Und gräbt, bis er endlich sein Grab sich gräbt.
+
+Erster Jäger.
+ Der Reiter und sein geschwindes Roß,
+ Sie sind gefürchtete Gäste,
+ Es flimmern die Lampen im Hochzeitschloß,
+ Ungeladen kommt er zum Feste.
+ Er wirbt nicht lange, er zeiget nicht Gold,
+ Im Sturm erringt er den Minnesold.
+
+Chor.
+ Er wirbt nicht lange, er zeiget nicht Gold,
+ Im Sturm erringt er den Minnesold.
+
+Zweiter Kürassier.
+ Warum weint die Dirn' und zergrämet sich schier?
+ Laß fahren dahin, laß fahren!
+ Er hat auf Erden kein bleibend Quartier,
+ Kann treue Lieb' nicht bewahren.
+ Das rasche Schicksal, es treibt ihn fort,
+ Seine Ruhe läßt er an keinem Ort.
+
+Chor.
+ Das rasche Schicksal, es treibt ihn fort,
+ Seine Ruhe läßt er an keinem Ort.
+
+Erster Jäger (faßt die zwei Nächsten an der Hand, die übrigen ahmen es
+nach; alle, welche gesprochen, bilden einen großen Halbkreis)
+ Drum frisch, Kameraden, den Rappen gezäumt,
+ Die Brust im Gefechte gelüftet!
+ Die Jugend brauset, das Leben schäumt,
+ Frisch auf! eh' der Geist noch verdüftet.
+ Und setzet ihr nicht das Leben ein,
+ Nie wird euch das Leben gewonnen sein.
+
+Chor.
+ Und setzet ihr nicht das Leben ein,
+ Nie wird euch das Leben gewonnen sein.
+
+(Der Vorhang fällt, ehe der Chor ganz ausgesungen.)
+
+
+
+
+
+
+
+*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK, WALLENSTEINS LAGER ***
+
+This file should be named 8wlll10.txt or 8wlll10.zip
+Corrected EDITIONS of our eBooks get a new NUMBER, 8wlll11.txt
+VERSIONS based on separate sources get new LETTER, 8wlll10a.txt
+
+Project Gutenberg eBooks are often created from several printed
+editions, all of which are confirmed as Public Domain in the US
+unless a copyright notice is included. Thus, we usually do not
+keep eBooks in compliance with any particular paper edition.
+
+We are now trying to release all our eBooks one year in advance
+of the official release dates, leaving time for better editing.
+Please be encouraged to tell us about any error or corrections,
+even years after the official publication date.
+
+Please note neither this listing nor its contents are final til
+midnight of the last day of the month of any such announcement.
+The official release date of all Project Gutenberg eBooks is at
+Midnight, Central Time, of the last day of the stated month. A
+preliminary version may often be posted for suggestion, comment
+and editing by those who wish to do so.
+
+Most people start at our Web sites at:
+http://gutenberg.net or
+http://promo.net/pg
+
+These Web sites include award-winning information about Project
+Gutenberg, including how to donate, how to help produce our new
+eBooks, and how to subscribe to our email newsletter (free!).
+
+
+Those of you who want to download any eBook before announcement
+can get to them as follows, and just download by date. This is
+also a good way to get them instantly upon announcement, as the
+indexes our cataloguers produce obviously take a while after an
+announcement goes out in the Project Gutenberg Newsletter.
+
+http://www.ibiblio.org/gutenberg/etext04 or
+ftp://ftp.ibiblio.org/pub/docs/books/gutenberg/etext04
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+Or /etext03, 02, 01, 00, 99, 98, 97, 96, 95, 94, 93, 92, 92, 91 or 90
+
+Just search by the first five letters of the filename you want,
+as it appears in our Newsletters.
+
+
+Information about Project Gutenberg (one page)
+
+We produce about two million dollars for each hour we work. The
+time it takes us, a rather conservative estimate, is fifty hours
+to get any eBook selected, entered, proofread, edited, copyright
+searched and analyzed, the copyright letters written, etc. Our
+projected audience is one hundred million readers. If the value
+per text is nominally estimated at one dollar then we produce $2
+million dollars per hour in 2002 as we release over 100 new text
+files per month: 1240 more eBooks in 2001 for a total of 4000+
+We are already on our way to trying for 2000 more eBooks in 2002
+If they reach just 1-2% of the world's population then the total
+will reach over half a trillion eBooks given away by year's end.
+
+The Goal of Project Gutenberg is to Give Away 1 Trillion eBooks!
+This is ten thousand titles each to one hundred million readers,
+which is only about 4% of the present number of computer users.
+
+Here is the briefest record of our progress (* means estimated):
+
+eBooks Year Month
+
+ 1 1971 July
+ 10 1991 January
+ 100 1994 January
+ 1000 1997 August
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+ 2500 2000 December
+ 3000 2001 November
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