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@@ -0,0 +1,2973 @@
+The Project Gutenberg EBook of Wallensteins Lager, by Friedrich von Schiller
+
+This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
+almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or
+re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
+with this eBook or online at www.gutenberg.org
+
+
+Title: Wallensteins Lager
+
+Author: Friedrich von Schiller
+
+Contributor: Karl Goedeke
+
+Posting Date: March 20, 2011 [EBook #6518]
+Release Date: September, 2004
+First Posted: December 25, 2002
+
+Language: German
+
+Character set encoding: ISO-8859-1
+
+*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK WALLENSTEINS LAGER ***
+
+
+
+
+Produced by Jana Srna, Norbert H. Langkau and the Online
+Distributed Proofreading Team at https://www.pgdp.net
+
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+
+
+
+ [ Anmerkungen zur Transkription:
+
+ Der auf der Titelseite angeführte zweite Teil, »Die Piccolomini«,
+ ist in diesem e-book nicht enthalten.
+
+ Schreibweise und Interpunktion des Originaltextes wurden übernommen;
+ lediglich offensichtliche Druckfehler wurden korrigiert. Eine Liste
+ der vorgenommenen Änderungen findet sich am Ende des Textes.
+
+ Im Original fett gedruckter Text wurde mit = markiert.
+ Im Original gesperrt gedruckter Text wurde mit _ markiert.
+ Im Original in Antiqua gedruckter Text wurde mit ~ markiert.
+ ]
+
+
+
+
+ Cotta'sche Handbibliothek
+
+
+
+
+ Wallenstein
+
+
+ Ein dramatisches Gedicht
+ von
+ Friedrich von Schiller
+
+
+ Mit einer Einleitung von _Karl Goedeke_
+
+
+ Erster Teil
+
+ Wallensteins Lager -- Die Piccolomini
+
+
+ Stuttgart und Berlin
+ J. G. Cotta'sche Buchhandlung Nachfolger
+
+ A. g. XIII.
+
+
+
+
+Einleitung.
+
+
+Länger noch als am Don Carlos arbeitete Schiller am Wallenstein. Mitten
+in der Ausarbeitung seiner Geschichte des Dreißigjährigen Krieges für
+den Damenkalender, schon im Mai 1792, regte sich die Lust, diesen Stoff
+dramatisch zu behandeln. Doch erst im März des Jahres 1794 begann er,
+damals mit seiner Familie in Stuttgart lebend, einen Plan auszuarbeiten,
+der jedoch nach seiner Rückkehr nach Jena liegen blieb und nach Verlauf
+von vollen zwei Jahren noch nicht zur Ausführung gediehen war. Am 22.
+Oktober 1796 begann er die Arbeit mit Eifer und widmete ihr bis zum 17.
+März 1799, die Unterbrechungen abgerechnet, volle zwanzig Monate.
+
+Der Stoff war überaus spröde und hatte beinahe alles, was ihn von
+dramatischer und tragischer Behandlung ausschließen sollte, da es im
+Grunde eine Staatsaktion war, die in Rücksicht auf den poetischen
+Gebrauch alle jene Unarten besaß, die eine politische Handlung nur haben
+konnte: ein unsichtbares abstraktes Objekt, kleine und viele Mittel,
+zerstreute Handlungen, einen furchtsamen Schritt, eine für den Vorteil
+des Poeten viel zu kalte trockene Zweckmäßigkeit, ohne doch diese zur
+Vollendung und dadurch zu einer poetischen Größe zu treiben; denn am
+Ende mißlang der Entwurf Wallensteins nur durch Ungeschicklichkeit. Die
+Basis, auf die Wallenstein seine Unternehmungen gründete, war die Armee,
+mithin für den Dichter eine unendliche Fläche, die er nicht vor das Auge
+und nur mit Aufwand großer Kraft vor die Phantasie bringen konnte; er
+konnte also das Objekt, auf dem Wallenstein ruhte, nicht zeigen und
+ebensowenig das, wodurch er fiel: die Stimmung der Armee, den Hof, den
+Kaiser. Auch die Leidenschaften selbst, durch die er bewegt wurde,
+Rachsucht und Ehrbegierde, waren von der kältesten Gattung. Sein
+Charakter endlich war niemals edel und durfte es nie sein, und durchaus
+konnte er nur furchtbar, nie eigentlich groß erscheinen; um ihn nicht zu
+erdrücken, durfte ihm nichts Großes gegenüber gestellt werden; dadurch
+wurde der Dichter notwendig niedergehalten, dem somit fast alles
+abgeschnitten erschien, wodurch er dem Stoffe nach seiner gewohnten Art
+hätte beikommen können; von dem Inhalte hatte er fast nichts zu
+erwarten. Alles mußte durch eine glückliche Form bewerkstelligt werden,
+und nur durch eine kunstreiche Führung der Handlung war der Stoff zu
+einer schönen Tragödie zu erheben. Aber gerade ein solcher Stoff mußte
+es, wie Schiller selbst am lebhaftesten erkannte, sein, an dem er sein
+neues dramatisches Leben eröffnen und neue Haltung gewinnen konnte. Auch
+behandelte er sein Geschäft nun ganz anders, als er ehemals gepflegt
+hatte; es gelang ihm ganz gut, seinen Stoff außer sich zu halten und nur
+den Gegenstand zu geben; er hatte nie eine solche Kälte für diesen mit
+einer solchen Wärme für die Arbeit in sich vereinigt. Den Hauptcharakter
+sowohl als die meisten Nebencharaktere behandelte er mit der reinen
+Liebe des Künstlers, und nur an Max und Thekla, die nächsten nach
+Wallenstein, fühlte er sich durch eigene Zuneigung gefesselt. Aber die
+Ausarbeitung der ihnen gewidmeten Szenen sparte er sich auf, bis er der
+übrigen Staatsaktion, von der sie sich ihrer frei menschlichen Natur
+nach völlig trennten, ja dem geschäftigen Wesen derselben dem Geiste
+nach entgegengesetzt erschienen, die ihm mögliche feste Gestalt gegeben.
+Was er dann am meisten zu fürchten hatte, war, daß das überwiegende
+menschliche Interesse dieser großen Episode an der schon feststehenden
+ausgeführten Handlung leicht etwas verrücken möchte, da, wie er meinte,
+ihrer Natur nach ihr die Herrschaft gebühre, und je mehr ihm die
+Ausführung derselben gelingen sollte, die übrige Handlung dabei desto
+mehr ins Gedränge zu kommen Gefahr lief. Denn es war ihm weit schwerer,
+ein Interesse für das Gefühl als für den Verstand aufzugeben. Er suchte
+nun sich aller Motive, die im ganzen Umkreise seines Stücks für diese
+Episode und in ihr selbst lagen, zu bemächtigen und so, wenn auch
+langsam, die rechte Stimmung in sich reifen zu lassen. Aus dieser Art
+der Arbeit, zwei grundverschiedene Richtungen, die Politik und die
+Liebe, in getrennten Charakteren zu verschiedenen Zeitpunkten zu
+behandeln und diese sich fast feindlichen Bestandteile zu einem einzigen
+Ganzen zu vereinigen, erklärt es sich, wie weder die eine noch die
+andere zur entschiedenen Herrschaft gelangen konnte und beide sich
+gegenseitig mehr zu verdrängen und auszuschließen, als mit vereinter
+Kraft eine reine Gesamtwirkung in der Seele des Beschauers
+hervorzubringen fähig erscheinen. Denen, die von der strengen Realistik
+der Staatsaktion, wie sie der Dichter nennt, verstandesmäßig befriedigt
+sind, wird die Gefühlswelt der großen Episode allzu idealistisch-körperlos
+erscheinen, denen, deren Herz, von der lyrischen Gewalt
+der Darstellung bezwungen, für Max und Thekla schlägt, wird das
+lebenswahre Abbild der Geschichte allenfalls trocken und nüchtern
+vorkommen, und nur wenigen Lesern und Hörern mochte der Einklang beider
+Welten, wie er in der Seele des Dichters sich gestaltet hatte,
+wahrnehmbar werden, der Prozeß seiner Entwickelung, wo die bisherige
+lyrische Subjektivität von der objektiven Welt gleichsam aufgesogen
+wurde. Von hier an war Schiller entschieden, nur historische Stoffe zu
+wählen; frei erfundene, die ihn veranlassen mußten, das Ideale zu
+realisieren, also seine Ideen zur Hauptsache zu machen, um die reale
+Welt darnach zu gestalten, erkannte er als eine Klippe seiner Kunst,
+während die Behandlung historisch gegebener Stoffe, bei der das
+Realistische zu idealisieren war, ihm gebot, eine gegebene bestimmte und
+beschränkte Materie zu beleben, zu erwärmen und gleichsam aufquellen zu
+machen, wobei die objektive Bestimmtheit eines solchen Stoffes zugleich
+seine Phantasie zügelte und seiner Willkür Widerstand leistete. Schiller
+hatte jedoch während der Schöpfung des Wallenstein noch eine andre zwar
+formelle, aber für den Dichter ungemein bedeutungsvolle Erkenntnis
+gewonnen. In kaum begreiflicher Weise hatte W. von Humboldt den Rat
+gegeben, den Wallenstein in Prosa zu schreiben, und Schiller, dem es
+hinsichtlich der Arbeit wenig Unterschied machte, ob er in Jamben oder
+Prosa schrieb, wählte, obwohl er einsah, daß der Vers mehr poetische
+Würde verleihen müsse, anfänglich der größern Ungezwungenheit wegen und
+um das Stück für die theatralische Vorstellung bequemer zu machen, die
+letztere. Alles, was bis in die Mitte des Jahres 1797 ausgearbeitet war,
+hatte er in Prosa geschrieben, und als er sich im November 1797 dennoch
+für den Vers entschied und alles bis dahin Geschaffene umarbeiten mußte,
+begriff er kaum, wie er es je habe anders wollen können, da es unmöglich
+sei, ein _Gedicht_ in _Prosa_ zu schreiben. Von nun an, seitdem er seine
+prosaische Sprache in eine poetische-rhythmische verwandelte, befand er
+sich unter einer ganz andern Gerichtsbarkeit als vorher; selbst viele
+Motive, die in der prosaischen Ausführung recht gut am Platz zu stehen
+schienen, konnte er jetzt nicht mehr gebrauchen; sie waren bloß für den
+gewöhnlichen Hausverstand, dessen Organ die Prosa ist; aber der Vers
+forderte schlechterdings Beziehungen auf die Einbildungskraft, und so
+mußte der Dichter auch in mehreren seiner Motive poetischer werden, da
+das Platte nirgends so ins Licht kommt, als wenn es in gebundener
+Schreibart ausgesprochen wird. Der Rhythmus leistete, wie er erkannte,
+bei einer dramatischen Produktion auch noch das Große und Bedeutende,
+daß er, indem er alle Charaktere und alle Situationen nach _einem_
+Gesetz behandelte und sie, trotz ihres inneren Unterschiedes, nach
+_einer_ Form ausführte, dadurch den Dichter und seinen Leser nötigte,
+von allem noch so Charakteristisch-Verschiedenen etwas Allgemeines,
+Rein-Menschliches zu verlangen. Bei der Bearbeitung in Versen stellte
+sich indessen wiederum eine neue Gefahr heraus, die des übermäßigen
+Anschwellens, da die Jamben, obgleich sie den Ausdruck verkürzten, eine
+poetische Gemütlichkeit unterhielten, die ins Breite trieb. So kam es,
+daß die Arbeit, die beim Beginn im strengen Sinne für die theatralische
+Vorstellung bestimmt war, beim Abschluß über die Grenzen hinausgewachsen
+erschien und zum Zwecke der Aufführung in Teile zerlegt werden mußte,
+wobei sich wiederum mannigfache nachträgliche, wenn auch nicht
+tiefgreifende Umänderungen als nötig ergaben. Goethe, der sich bis dahin
+durch Wohlwollen und Teilnahme förderlich erwiesen, aber durchaus, was
+früher wohl behauptet ist, einen mitarbeitenden oder sich auf einzelnes
+erstreckenden Anteil am Wallenstein nicht genommen hatte, wünschte für
+die Eröffnung des neuen Theatersaales den ersten Akt, den damals das
+»Lager« bildete, als eine selbständige Arbeit aufgeführt zu sehen und
+gab, als Schiller bereitwillig darauf einging, nun ein Soldatenlied, dem
+Schiller noch ein paar Strophen einfügte, dazu her, so wie er auch durch
+Mitteilung eines Buches von Abraham a Santa Clara Veranlassung bot, daß
+Schiller die Kapuzinerpredigt hinzudichtete. Mit einem rasch entworfenen
+Prolog, der jetzt die dramatische Dichtung eröffnet, wurden die
+»Wallensteiner«, wie das »Lager« damals hieß, am 12. Oktober 1798 zuerst
+gegeben. Über die Bedeutung des Vorspiels für das Ganze der Dichtung und
+über diese selbst sind in den vorstehenden Mitteilungen und in dem
+»Prologe« ausreichende Fingerzeige enthalten, die deshalb hier keiner
+weiteren Ausdeutung und Erklärung bedürfen. Nach Abscheidung des
+Vorspiels, reifer Überlegung und vielen Konferenzen mit Goethe wurde die
+übrige Dichtung nun in zwei Stücke getrennt, von denen das erste, die
+Piccolomini, deren Verhältnis für und gegen Wallenstein es behandelt,
+die Exposition der Handlung in ihrer ganzen Breite enthält und gerade da
+endigt, wo der Knoten geknüpft ist. Dieser Teil wurde zuerst am 30.
+Januar 1799, zum Geburtstage der Herzogin Luise, in Weimar vorgestellt.
+Das andre Stück, Wallensteins Tod, die eigentliche Tragödie, erschien,
+nachdem die Piccolomini am 17. April wiederholt waren, am 20. April 1799
+zuerst auf der weimarischen Bühne und am 17. Mai auf der Berliner. Im
+Juni des folgenden Jahres erschien Wallenstein bei Cotta im Druck, und
+die 3500 Exemplare der Auflage waren im September bereits vergriffen.
+
+=K. Goedeke.=
+
+
+
+
+Wallensteins Lager.
+
+
+
+
+Personen.
+
+
+ _Wachtmeister_, }
+ _Trompeter_, } von einem Terzkyschen Karabinier-Regiment.
+ _Konstabler_.
+ _Scharfschützen._
+ _Zwei Holkische reitende Jäger._
+ _Buttlerische Dragoner._
+ _Arkebusiere_ vom Regiment Tiefenbach.
+ _Kürassier_ von einem wallonischen }
+ _Kürassier_ von einem lombardischen } Regiment.
+ _Kroaten._
+ _Ulanen._
+ _Rekrut._
+ _Bürger._
+ _Bauer._
+ _Bauerknabe._
+ _Kapuziner._
+ _Soldatenschulmeister._
+ _Marketenderin._
+ _Eine Aufwärterin._
+ _Soldatenjungen._
+ _Hoboisten._
+
+Vor der Stadt Pilsen in Böhmen.
+
+
+
+
+Prolog.
+
+Gesprochen bei Wiedereröffnung der Schaubühne in Weimar im Oktober 1798.
+
+
+ Der scherzenden, der ernsten Maske Spiel,
+ Dem ihr so oft ein willig Ohr und Auge
+ Geliehn, die weiche Seele hingegeben,
+ Vereinigt uns aufs neu in diesem Saal --
+ Und sieh! er hat sich neu verjüngt, ihn hat
+ Die Kunst zum heitern Tempel ausgeschmückt,
+ Und ein harmonisch hoher Geist spricht uns
+ Aus dieser edeln Säulenordnung an
+ Und regt den Sinn zu festlichen Gefühlen.
+
+ Und doch ist dies der alte Schauplatz noch,
+ Die Wiege mancher jugendlichen Kräfte,
+ Die Laufbahn manches wachsenden Talents.
+ Wir sind die Alten noch, die sich vor euch
+ Mit warmem Trieb und Eifer ausgebildet.
+ Ein edler Meister stand auf diesem Platz,
+ Euch in die heitern Höhen seiner Kunst
+ Durch seinen Schöpfergenius entzückend.
+ O! möge dieses Raumes neue Würde
+ Die Würdigsten in unsre Mitte ziehn
+ Und eine Hoffnung, die wir lang gehegt,
+ Sich uns in glänzender Erfüllung zeigen.
+ Ein großes Muster weckt Nacheiferung
+ Und gibt dem Urteil höhere Gesetze.
+ So stehe dieser Kreis, die neue Bühne
+ Als Zeugen des vollendeten Talents.
+ Wo möcht' es auch die Kräfte lieber prüfen,
+ Den alten Ruhm erfrischen und verjüngen,
+ Als hier vor einem auserlesnen Kreis,
+ Der, rührbar jedem Zauberschlag der Kunst,
+ Mit leis beweglichem Gefühl den Geist
+ In seiner flüchtigsten Erscheinung hascht?
+
+ Denn schnell und spurlos geht des Mimen Kunst,
+ Die wunderbare, an dem Sinn vorüber,
+ Wenn das Gebild des Meißels, der Gesang
+ Des Dichters nach Jahrtausenden noch leben.
+ Hier stirbt der Zauber mit dem Künstler ab,
+ Und wie der Klang verhallet in dem Ohr,
+ Verrauscht des Augenblicks geschwinde Schöpfung,
+ Und ihren Ruhm bewahrt kein dauernd Werk.
+ Schwer ist _die_ Kunst, vergänglich ist ihr Preis,
+ Dem Mimen flicht die Nachwelt keine Kränze;
+ Drum muß er geizen mit der Gegenwart,
+ Den Augenblick, der sein ist, ganz erfüllen,
+ Muß seiner Mitwelt mächtig sich versichern
+ Und im Gefühl der Würdigsten und Besten
+ Ein lebend Denkmal sich erbaun -- So nimmt er
+ Sich seines Namens Ewigkeit voraus.
+ Denn wer den Besten seiner Zeit genug
+ Getan, der hat gelebt für alle Zeiten.
+
+ Die neue Ära, die der Kunst Thaliens
+ Auf dieser Bühne heut beginnt, macht auch
+ Den Dichter kühn, die alte Bahn verlassend,
+ Euch aus des Bürgerlebens engem Kreis
+ Auf einen höhern Schauplatz zu versetzen,
+ Nicht unwert des erhabenen Moments
+ Der Zeit, in dem wir strebend uns bewegen.
+ Denn nur der große Gegenstand vermag
+ Den tiefen Grund der Menschheit aufzuregen;
+ Im engen Kreis verengert sich der Sinn,
+ Es wächst der Mensch mit seinen größern Zwecken.
+
+ Und jetzt an des Jahrhunderts ernstem Ende,
+ Wo selbst die Wirklichkeit zur Dichtung wird,
+ Wo wir den Kampf gewaltiger Naturen
+ Um ein bedeutend Ziel vor Augen sehn
+ Und um der Menschheit große Gegenstände,
+ Um Herrschaft und um Freiheit wird gerungen,
+ Jetzt darf die Kunst auf ihrer Schattenbühne
+ Auch höhern Flug versuchen, ja sie muß,
+ Soll nicht des Lebens Bühne sie beschämen.
+
+ Zerfallen sehen wir in diesen Tagen
+ Die alte feste Form, die einst vor hundert
+ Und fünfzig Jahren ein willkommner Friede
+ Europens Reichen gab, die teure Frucht
+ Von dreißig jammervollen Kriegesjahren.
+ Noch einmal laßt des Dichters Phantasie
+ Die düstre Zeit an euch vorüberführen,
+ Und blicket froher in die Gegenwart
+ Und in der Zukunft hoffnungsreiche Ferne.
+
+ In jenes Krieges Mitte stellt euch jetzt
+ Der Dichter. Sechzehn Jahre der Verwüstung,
+ Des Raubs, des Elends sind dahingeflohn,
+ In trüben Massen gäret noch die Welt,
+ Und keine Friedenshoffnung strahlt von fern.
+ Ein Tummelplatz von Waffen ist das Reich,
+ Verödet sind die Städte, Magdeburg
+ Ist Schutt, Gewerb und Kunstfleiß liegen nieder,
+ Der Bürger gilt nichts mehr, der Krieger alles,
+ Straflose Frechheit spricht den Sitten Hohn,
+ Und rohe Horden lagern sich, verwildert
+ Im langen Krieg, auf dem verheerten Boden.
+
+ Auf diesem finstern Zeitgrund malet sich
+ Ein Unternehmen kühnen Übermuts
+ Und ein verwegener Charakter ab.
+ Ihr kennet ihn -- den Schöpfer kühner Heere,
+ Des Lagers Abgott und der Länder Geißel,
+ Die Stütze und den Schrecken seines Kaisers,
+ Des Glückes abenteuerlichen Sohn,
+ Der, von der Zeiten Gunst emporgetragen,
+ Der Ehre höchste Staffeln rasch erstieg
+ Und, ungesättigt immer weiter strebend,
+ Der unbezähmten Ehrsucht Opfer fiel.
+ Von der Parteien Gunst und Haß verwirrt
+ Schwankt sein Charakterbild in der Geschichte;
+ Doch euren Augen soll ihn jetzt die Kunst,
+ Auch eurem Herzen menschlich näher bringen.
+ Denn jedes Äußerste führt _sie_, die alles
+ Begrenzt und bindet, zur Natur zurück,
+ Sie sieht den Menschen in des Lebens Drang
+ Und wälzt die größre Hälfte seiner Schuld
+ Den unglückseligen Gestirnen zu.
+
+ Nicht _er_ ist's, der auf dieser Bühne heut
+ Erscheinen wird. Doch in den kühnen Scharen,
+ Die sein Befehl gewaltig lenkt, sein Geist
+ Beseelt, wird euch sein Schattenbild begegnen,
+ Bis ihn die scheue Muse selbst vor euch
+ Zu stellen wagt in lebender Gestalt,
+ Denn seine Macht ist's, die sein Herz verführt,
+ Sein Lager nur erkläret sein Verbrechen.
+
+ Darum verzeiht dem Dichter, wenn er euch
+ Nicht raschen Schritts mit _einem_ Mal ans Ziel
+ Der Handlung reißt, den großen Gegenstand
+ In einer Reihe von Gemälden nur
+ Vor euren Augen abzurollen wagt.
+ Das heut'ge Spiel gewinne euer Ohr
+ Und euer Herz den ungewohnten Tönen;
+ In jenen Zeitraum führ' es euch zurück,
+ Auf jene fremde kriegerische Bühne,
+ Die unser Held mit seinen Taten bald
+ Erfüllen wird.
+ Und wenn die Muse heut,
+ Des Tanzes freie Göttin und Gesangs,
+ Ihr altes deutsches Recht, des Reimes Spiel,
+ Bescheiden wieder fordert -- tadelt's nicht!
+ Ja danket ihr's, daß sie das düstre Bild
+ Der Wahrheit in das heitre Reich der Kunst
+ Hinüberspielt, die Täuschung, die sie schafft,
+ Aufrichtig selbst zerstört und ihren Schein
+ Der Wahrheit nicht betrüglich unterschiebt;
+ Ernst ist das Leben, heiter ist die Kunst.
+
+
+
+
+1. Auftritt.
+
+
+Marketenderzelt, davor eine Kram- und Trödelbude. Soldaten von allen
+Farben und Feldzeichen drängen sich durcheinander, alle Tische sind
+besetzt. Kroaten und Ulanen an einem Kohlfeuer kochen, Marketenderin
+schenkt Wein, Soldatenjungen würfeln auf einer Trommel, im Zelt wird
+gesungen.
+
+_Ein Bauer_ und sein _Sohn_.
+
+ =Bauerknabe.=
+
+ Vater, es wird nicht gut ablaufen,
+ Bleiben wir von dem Soldatenhaufen.
+ Sind Euch gar trotzige Kameraden;
+ Wenn sie uns nur nichts am Leibe schaden.
+
+ =Bauer.=
+
+ Ei was! Sie werden uns ja nicht fressen,
+ Treiben sie's auch ein wenig vermessen.
+ Siehst du? sind neue Völker herein,
+ Kommen frisch von der Saal' und dem Main,
+ Bringen Beut' mit, die rarsten Sachen!
+ Unser ist's, wenn wir's nur listig machen.
+ Ein Hauptmann, den ein andrer erstach,
+ Ließ mir ein paar glückliche Würfel nach.
+ Die will ich heut einmal probieren,
+ Ob sie die alte Kraft noch führen.
+ Mußt dich nur recht erbärmlich stellen,
+ Sind dir gar lockere, leichte Gesellen.
+ Lassen sich gerne schön tun und loben,
+ So wie gewonnen, so ist's zerstoben.
+ Nehmen sie uns das Unsre in Scheffeln,
+ Müssen wir's wieder bekommen in Löffeln;
+ Schlagen sie grob mit dem Schwerte drein,
+ So sind wir pfiffig und treiben's fein.
+
+(Im Zelt wird gesungen und gejubelt.)
+
+ Wie sie juchzen -- daß Gott erbarm!
+ Alles das geht von des Bauern Felle.
+ Schon acht Monate legt sich der Schwarm
+ Uns in die Betten und in die Ställe,
+ Weit herum ist in der ganzen Aue
+ Keine Feder mehr, keine Klaue,
+ Daß wir für Hunger und Elend schier
+ Nagen müssen die eignen Knochen.
+ War's doch nicht ärger und krauser hier,
+ Als der Sachs noch im Lande tät pochen.
+ Und die nennen sich Kaiserliche!
+
+ =Bauerknabe.=
+
+ Vater, da kommen ein paar aus der Küche,
+ Sehen nicht aus, als wär' viel zu nehmen.
+
+ =Bauer.=
+
+ Sind einheimische, geborne Böhmen,
+ Von des Terschkas Karabinieren,
+ Liegen schon lang in diesen Quartieren.
+ Unter allen die schlimmsten just,
+ Spreizen sich, werfen sich in die Brust,
+ Tun, als wenn sie zu fürnehm wären,
+ Mit dem Bauer ein Glas zu leeren.
+ Aber dort seh' ich die drei scharfe Schützen
+ Linker Hand um ein Feuer sitzen,
+ Sehen mir aus wie Tiroler schier.
+ Emmerich, komm! an die wollen wir,
+ Lustige Vögel, die gerne schwatzen,
+ Tragen sich sauber und führen Batzen.
+
+(Gehen nach den Zelten.)
+
+
+
+
+2. Auftritt.
+
+
+_Vorige. Wachtmeister. Trompeter. Ulan._
+
+ =Trompeter.=
+
+ Was will der Bauer da? Fort, Halunk!
+
+ =Bauer.=
+
+ Gnädige Herren, einen Bissen und Trunk!
+ Haben heut noch nichts Warmes gegessen.
+
+ =Trompeter.=
+
+ Ei, das muß immer saufen und fressen.
+
+ =Ulan= (mit einem Glase).
+
+ Nichts gefrühstückt? Da trink, du Hund!
+
+(Führt den Bauer nach dem Zelte; jene kommen vorwärts.)
+
+ =Wachtmeister= (zum Trompeter).
+
+ Meinst du, man hab' uns ohne Grund
+ Heute die doppelte Löhnung gegeben,
+ Nur daß wir flott und lustig leben?
+
+ =Trompeter.=
+
+ Die Herzogin kommt ja heute herein
+ Mit dem fürstlichen Fräulein --
+
+ =Wachtmeister.=
+
+ Das ist nur der Schein.
+ Die Truppen, die aus fremden Landen
+ Sich hier vor Pilsen zusammen fanden,
+ Die sollen wir gleich an uns locken
+ Mit gutem Schluck und guten Brocken,
+ Damit sie sich gleich zufrieden finden
+ Und fester sich mit uns verbinden.
+
+ =Trompeter.=
+
+ Ja, es ist wieder was im Werke!
+
+ =Wachtmeister.=
+
+ Die Herrn Generäle und Kommendanten --
+
+ =Trompeter.=
+
+ Es ist gar nicht geheuer, wie ich merke.
+
+ =Wachtmeister.=
+
+ Die sich so dick hier zusammen fanden --
+
+ =Trompeter.=
+
+ Sind nicht für die Langweil herbemüht.
+
+ =Wachtmeister.=
+
+ Und das Gemunkel und das Geschicke --
+
+ =Trompeter.=
+
+ Ja, ja!
+
+ =Wachtmeister.=
+
+ Und von Wien die alte Perücke,
+ Die man seit gestern herumgehn sieht,
+ Mit der guldenen Gnadenkette,
+ Das hat was zu bedeuten, ich wette.
+
+ =Trompeter.=
+
+ Wieder so ein Spürhund, gebt nur acht,
+ Der die Jagd auf den Herzog macht.
+
+ =Wachtmeister.=
+
+ Merkst du wohl? Sie trauen uns nicht,
+ Fürchten des Friedländers heimlich Gesicht.
+ Er ist ihnen zu hoch gestiegen,
+ Möchten ihn gern herunterkriegen.
+
+ =Trompeter.=
+
+ Aber wir halten ihn aufrecht, wir,
+ Dächten doch alle, wie ich und Ihr!
+
+ =Wachtmeister.=
+
+ Unser Regiment und die andern vier,
+ Die der Terschka anführt, des Herzogs Schwager,
+ Das resoluteste Korps im Lager,
+ Sind ihm ergeben und gewogen,
+ Hat er uns selbst doch herangezogen.
+ Alle Hauptleute setzt' er ein,
+ Sind alle mit Leib und Leben sein.
+
+
+
+
+3. Auftritt.
+
+
+_Kroat_ mit einem Halsschmuck. _Scharfschütze_ folgt. _Vorige._
+
+ =Scharfschütz.=
+
+ Kroat, wo hast du das Halsband gestohlen?
+ Handle dir's ab! dir ist's doch nichts nütz.
+ Geb' dir dafür das Paar Terzerolen.
+
+ =Kroat.=
+
+ Nix, nix! Du willst mich betrügen, Schütz.
+
+ =Scharfschütz.=
+
+ Nun! geb' dir auch noch die blaue Mütz,
+ Hab' sie soeben im Glücksrad gewonnen.
+ Siehst du? Sie ist zum höchsten Staat.
+
+ =Kroat= (läßt das Halsband in der Sonne spielen).
+
+ 's ist aber von Perlen und edelm Granat.
+ Schau, wie das flinkert in der Sonnen!
+
+ =Scharfschütz= (nimmt das Halsband).
+
+ Die Feldflasche noch geb' ich drein, (besieht es)
+ Es ist mir nur um den schönen Schein.
+
+ =Trompeter.=
+
+ Seht nur, wie der den Kroaten prellt!
+ Halbpart, Schütze, so will ich schweigen.
+
+ =Kroat= (hat die Mütze aufgesetzt).
+
+ Deine Mütze mir wohlgefällt.
+
+ =Scharfschütz= (winkt dem Trompeter).
+
+ Wir tauschen hier! Die Herrn sind Zeugen!
+
+
+
+
+4. Auftritt.
+
+
+_Vorige. Konstabler._
+
+ =Konstabler= (tritt zum Wachtmeister).
+
+ Wie ist's, Bruder Karabinier?
+ Werden wir uns lang noch die Hände wärmen,
+ Da die Feinde schon frisch im Feld herum schwärmen?
+
+ =Wachtmeister.=
+
+ Tut's Ihm so eilig, Herr Konstabel?
+ Die Wege sind noch nicht praktikabel.
+
+ =Konstabler.=
+
+ Mir nicht. Ich sitze gemächlich hier;
+ Aber ein Eilbot' ist angekommen,
+ Meldet, Regensburg sei genommen.
+
+ =Trompeter.=
+
+ Ei, da werden wir bald aufsitzen.
+
+ =Wachtmeister.=
+
+ Wohl gar! Um dem Bayer sein Land zu schützen,
+ Der dem Fürsten so unfreund ist?
+ Werden uns eben nicht sehr erhitzen.
+
+ =Konstabler.=
+
+ Meint Ihr? -- Was Ihr nicht alles wißt!
+
+
+
+
+5. Auftritt.
+
+
+_Vorige. Zwei Jäger._ Dann _Marketenderin_. _Soldatenjungen.
+Schulmeister. Aufwärterin._
+
+ =Erster Jäger.=
+
+ Sieh, sieh!
+ Da treffen wir lustige Kompanie.
+
+ =Trompeter.=
+
+ Was für Grünröck' mögen das sein?
+ Treten ganz schmuck und stattlich ein.
+
+ =Wachtmeister.=
+
+ Sind Holkische Jäger; die silbernen Tressen
+ Holten sie sich nicht auf der Leipziger Messen.
+
+ =Marketenderin= (kommt und bringt Wein).
+
+ Glück zur Ankunft, ihr Herrn!
+
+ =Erster Jäger.=
+
+ Was? der Blitz!
+ Das ist ja die Gustel aus Blasewitz.
+
+ =Marketenderin.=
+
+ I freilich! Und Er ist wohl gar, Mußjö,
+ Der lange Peter aus Itzehö?
+ Der seines Vaters goldene Füchse
+ Mit unserm Regiment hat durchgebracht
+ Zu Glückstadt in einer lustigen Nacht --
+
+ =Erster Jäger.=
+
+ Und die Feder vertauscht mit der Kugelbüchse.
+
+ =Marketenderin.=
+
+ Ei da sind wir alte Bekannte!
+
+ =Erster Jäger.=
+
+ Und treffen uns hier im böhmischen Lande.
+
+ =Marketenderin.=
+
+ Heute da, Herr Vetter, und morgen dort --
+ Wie einen der rauhe Kriegesbesen
+ Fegt und schüttelt von Ort zu Ort;
+ Bin indes weit herum gewesen.
+
+ =Erster Jäger.=
+
+ Will's Ihr glauben! Das stellt sich dar.
+
+ =Marketenderin.=
+
+ Bin hinauf bis nach Temeswar
+ Gekommen mit den Bagagewagen,
+ Als wir den Mansfelder täten jagen.
+ Lag mit dem Friedländer vor Stralsund,
+ Ging mir dorten die Wirtschaft zu Grund.
+ Zog mit dem Sukkurs vor Mantua,
+ Kam wieder heraus mit dem Feria,
+ Und mit einem spanischen Regiment
+ Hab' ich einen Abstecher gemacht nach Gent.
+ Jetzt will ich's im böhmischen Land probieren,
+ Alte Schulden einkassieren --
+ Ob mir der Fürst hilft zu meinem Geld.
+ Und das dort ist mein Marketenderzelt.
+
+ =Erster Jäger.=
+
+ Nun, da trifft Sie alles beisammen an!
+ Doch wo hat Sie den Schottländer hingetan,
+ Mit dem Sie damals herumgezogen?
+
+ =Marketenderin.=
+
+ Der Spitzbub! der hat mich schön betrogen.
+ Fort ist er! Mit allem davon gefahren,
+ Was ich mir tät am Leibe ersparen.
+ Ließ mir nichts als den Schlingel da!
+
+ =Soldatenjunge= (kommt gesprungen).
+
+ Mutter! sprichst du von meinem Papa?
+
+ =Erster Jäger.=
+
+ Nun, nun! das muß der Kaiser ernähren,
+ Die Armee sich immer muß neu gebären.
+
+ =Soldatenschulmeister= (kommt).
+
+ Fort in die Feldschule! Marsch, ihr Buben!
+
+ =Erster Jäger.=
+
+ Das fürcht sich auch vor der engen Stuben!
+
+ =Aufwärterin= (kommt).
+
+ Base, sie wollen fort.
+
+ =Marketenderin.=
+
+ Gleich, gleich!
+
+ =Erster Jäger.=
+
+ Ei, wer ist denn das kleine Schelmengesichte?
+
+ =Marketenderin.=
+
+ 's ist meiner Schwester Kind -- aus dem Reich.
+
+ =Erster Jäger.=
+
+ Ei, also eine liebe Nichte?
+
+(Marketenderin geht.)
+
+ =Zweiter Jäger= (das Mädchen haltend).
+
+ Bleib Sie bei uns doch, artiges Kind.
+
+ =Aufwärterin.=
+
+ Gäste dort zu bedienen sind.
+
+(Macht sich los und geht.)
+
+ =Erster Jäger.=
+
+ Das Mädchen ist kein übler Bissen! --
+ Und die Muhme -- beim Element!
+ Was haben die Herrn vom Regiment
+ Sich um das niedliche Lärvchen gerissen! --
+ Was man nicht alles für Leute kennt,
+ Und wie die Zeit von dannen rennt. --
+ Was werd' ich noch alles erleben müssen!
+
+(Zum Wachtmeister und Trompeter.)
+
+ Euch zur Gesundheit, meine Herrn! --
+ Laßt uns hier auch ein Plätzchen nehmen.
+
+
+
+
+6. Auftritt.
+
+
+_Jäger. Wachtmeister. Trompeter._
+
+ =Wachtmeister.=
+
+ Wir danken schön. Von Herzen gern.
+ Wir rücken zu. Willkommen in Böhmen!
+
+ =Erster Jäger.=
+
+ Ihr sitzt hier warm. Wir, in Feindes Land,
+ Mußten derweil uns schlecht bequemen.
+
+ =Trompeter.=
+
+ Man sollt's euch nicht ansehn, ihr seid galant.
+
+ =Wachtmeister.=
+
+ Ja, ja, im Saalkreis und auch in Meißen
+ Hört man euch Herrn nicht besonders preisen.
+
+ =Zweiter Jäger.=
+
+ Seid mir doch still! Was will das heißen?
+ Der Kroat es ganz anders trieb,
+ Uns nur die Nachles' übrig blieb.
+
+ =Trompeter.=
+
+ Ihr habt da einen saubern Spitzen
+ Am Kragen, und wie euch die Hosen sitzen!
+ Die feine Wäsche, der Federhut!
+ Was das alles für Wirkung tut!
+ Daß doch den Burschen das Glück soll scheinen,
+ Und so was kommt nie an unser einen!
+
+ =Wachtmeister.=
+
+ Dafür sind wir des Friedländers Regiment,
+ Man muß uns ehren und respektieren.
+
+ =Erster Jäger.=
+
+ Das ist für uns andre kein Kompliment,
+ Wir ebenso gut seinen Namen führen.
+
+ =Wachtmeister.=
+
+ Ja, ihr gehört auch so zur ganzen Masse.
+
+ =Erster Jäger.=
+
+ Ihr seid wohl von einer besondern Rasse?
+ Der ganze Unterschied ist in den Röcken,
+ Und ich ganz gern mag in meinem stecken.
+
+ =Wachtmeister.=
+
+ Herr Jäger, ich muß Euch nur bedauern,
+ Ihr lebt so draußen bei den Bauern;
+ Der feine Griff und der rechte Ton,
+ Das lernt sich nur um des Feldherrn Person.
+
+ =Erster Jäger.=
+
+ Sie bekam Euch übel, die Lektion.
+ Wie er räuspert, und wie er spuckt,
+ Das habt Ihr ihm glücklich abgeguckt;
+ Aber sein Schenie, ich meine sein Geist
+ Sich nicht auf der Wachparade weist.
+
+ =Zweiter Jäger.=
+
+ Wetter auch! wo Ihr nach uns fragt,
+ Wir heißen des Friedländers wilde Jagd
+ Und machen dem Namen keine Schande --
+ Ziehen frech durch Feindes und Freundes Lande,
+ Querfeldein durch die Saat, durch das gelbe Korn --
+ Sie kennen das Holkische Jägerhorn! --
+ In einem Augenblick fern und nah,
+ Schnell wie die Sündflut, so sind wir da --
+ Wie die Feuerflamme bei dunkler Nacht
+ In die Häuser fähret, wenn niemand wacht --
+ Da hilft keine Gegenwehr, keine Flucht,
+ Keine Ordnung gilt mehr und keine Zucht. --
+ Es sträubt sich -- der Krieg hat kein Erbarmen --
+ Das Mägdlein in unsern sehnigten Armen --
+ Fragt nach, ich sag's nicht, um zu prahlen;
+ In Baireuth, im Voigtland, in Westfalen,
+ Wo wir nur durchgekommen sind --
+ Erzählen Kinder und Kindeskind
+ Nach hundert und aber hundert Jahren
+ Von dem Holk noch und seinen Scharen.
+
+ =Wachtmeister.=
+
+ Nun, da sieht man's! Der Saus und Braus,
+ Macht denn der den Soldaten aus?
+ Das Tempo macht ihn, der Sinn und Schick,
+ Der Begriff, die Bedeutung, der feine Blick.
+
+ =Erster Jäger.=
+
+ Die Freiheit macht ihn! Mit Euren Fratzen!
+ Daß ich mit Euch soll darüber schwatzen. --
+ Lief ich darum aus der Schul' und der Lehre,
+ Daß ich die Fron' und die Galeere,
+ Die Schreibstub' und ihre engen Wände
+ In dem Feldlager wiederfände? --
+ Flott will ich leben und müßig gehn,
+ Alle Tage was Neues sehn,
+ Mich dem Augenblick frisch vertrauen,
+ Nicht zurück, auch nicht vorwärts schauen --
+ Drum hab' ich meine Haut dem Kaiser verhandelt,
+ Daß keine Sorg' mich mehr anwandelt.
+ Führt mich ins Feuer frisch hinein,
+ Über den reißenden, tiefen Rhein --
+ Der dritte Mann soll verloren sein;
+ Werde mich nicht lang sperren und zieren. --
+ Sonst muß man mich aber, ich bitte sehr,
+ Mit nichts weiter inkommodieren.
+
+ =Wachtmeister.=
+
+ Nu, nu, verlangt Ihr sonst nichts mehr?
+ Das ließ sich unter dem Wams da finden.
+
+ =Erster Jäger.=
+
+ Was war das nicht für ein Placken und Schinden
+ Bei Gustav, dem Schweden, dem Leuteplager!
+ Der machte eine Kirch' aus seinem Lager,
+ Ließ Betstunde halten, des Morgens, gleich
+ Bei der Reveille und beim Zapfenstreich.
+ Und wurden wir manchmal ein wenig munter,
+ Er kanzelt' uns selbst wohl vom Gaul herunter.
+
+ =Wachtmeister.=
+
+ Ja, es war ein gottesfürchtiger Herr.
+
+ =Erster Jäger.=
+
+ Dirnen, die ließ er gar nicht passieren,
+ Mußten sie gleich zur Kirche führen.
+ Da lief ich, konnt's nicht ertragen mehr.
+
+ =Wachtmeister.=
+
+ Jetzt geht's dort auch wohl anders her.
+
+ =Erster Jäger.=
+
+ So ritt ich hinüber zu den Ligisten,
+ Sie täten sich just gegen Magdeburg rüsten.
+ Ja, das war schon ein ander Ding!
+ Alles da lustiger, loser ging,
+ Soff und Spiel und Mädels die Menge!
+ Wahrhaftig, der Spaß war nicht gering,
+ Denn der Tilly verstand sich aufs Kommandieren.
+ Dem eigenen Körper war er strenge,
+ Dem Soldaten ließ er vieles passieren,
+ Und ging's nur nicht aus seiner Kassen,
+ Sein Spruch war: leben und leben lassen.
+ Aber das Glück blieb ihm nicht stet --
+ Seit der Leipziger Fatalität
+ Wollt' es eben nirgends mehr flecken,
+ Alles bei uns geriet ins Stecken;
+ Wo wir erschienen und pochten an,
+ Ward nicht gegrüßt noch aufgetan.
+ Wir mußten uns drücken von Ort zu Ort,
+ Der alte Respekt war eben fort. --
+ Da nahm ich Handgeld von den Sachsen,
+ Meinte, da müßte mein Glück recht wachsen.
+
+ =Wachtmeister.=
+
+ Nun, da kamt Ihr ja eben recht
+ Zur böhmischen Beute.
+
+ =Erster Jäger.=
+
+ Es ging mir schlecht.
+ Sollten da strenge Mannszucht halten,
+ Durften nicht recht als Feinde walten,
+ Mußten des Kaisers Schlösser bewachen,
+ Viel Umständ' und Komplimente machen,
+ Führten den Krieg, als wär's nur Scherz,
+ Hatten für die Sach' nur ein halbes Herz,
+ Wollten's mit niemand ganz verderben,
+ Kurz, da war wenig Ehr zu erwerben,
+ Und ich wär' bald für Ungeduld
+ Wieder heimgelaufen zum Schreibepult,
+ Wenn nicht eben auf allen Straßen
+ Der Friedländer hätte werben lassen.
+
+ =Wachtmeister.=
+
+ Und wie lang denkt Ihr's hier auszuhalten?
+
+ =Erster Jäger.=
+
+ Spaßt nur! Solange _der_ tut walten,
+ Denk' ich Euch, mein Seel! an kein Entlaufen.
+ Kann's der Soldat wo besser kaufen? --
+ Da geht alles nach Kriegessitt',
+ Hat alles 'nen großen Schnitt,
+ Und der Geist, der im ganzen Korps tut leben,
+ Reißet gewaltig, wie Windesweben,
+ Auch den untersten Reiter mit.
+ Da tret' ich auf mit beherztem Schritt,
+ Darf über den Bürger kühn wegschreiten,
+ Wie der Feldherr über der Fürsten Haupt.
+ Es ist hier wie in den alten Zeiten,
+ Wo die Klinge noch alles tät bedeuten;
+ Da gibt's nur _ein_ Vergehn und Verbrechen:
+ Der Ordre fürwitzig widersprechen.
+ Was nicht verboten ist, ist erlaubt;
+ Da fragt niemand, was einer glaubt.
+ Es gibt nur zwei Ding' überhaupt:
+ Was zur Armee gehört und nicht;
+ Und nur der Fahne bin ich verpflicht.
+
+ =Wachtmeister.=
+
+ Jetzt gefallt Ihr mir, Jäger! Ihr sprecht
+ Wie ein Friedländischer Reitersknecht.
+
+ =Erster Jäger.=
+
+ Der führt's Kommando nicht wie ein Amt,
+ Wie eine Gewalt, die vom Kaiser stammt!
+ Es ist ihm nicht um des Kaisers Dienst,
+ Was bracht' er dem Kaiser für Gewinst?
+ Was hat er mit seiner großen Macht
+ Zu des Landes Schirm und Schutz vollbracht?
+ Ein Reich von Soldaten wollt' er gründen,
+ Die Welt anstecken und entzünden,
+ Sich alles vermessen und unterwinden --
+
+ =Trompeter.=
+
+ Still! Wer wird solche Worte wagen!
+
+ =Erster Jäger.=
+
+ Was ich denke, das darf ich sagen.
+ Das Wort ist frei, sagt der General.
+
+ =Wachtmeister.=
+
+ So sagt er, ich hört's wohl einigemal,
+ Ich stand dabei. »Das Wort ist frei,
+ Die Tat ist stumm, der Gehorsam blind,«
+ Dies urkundlich seine Worte sind.
+
+ =Erster Jäger.=
+
+ Ob's just seine Wort' sind, weiß ich nicht;
+ Aber die Sach ist so, wie er spricht.
+
+ =Zweiter Jäger.=
+
+ Ihm schlägt das Kriegsglück nimmer um,
+ Wie's wohl bei andern pflegt zu geschehen.
+ Der Tilly überlebte seinen Ruhm.
+ Doch unter des Friedländers Kriegspanieren,
+ Da bin ich gewiß zu viktorisieren.
+ Er bannet das Glück, es muß ihm stehen.
+ Wer unter seinem Zeichen tut fechten,
+ Der steht unter besondern Mächten.
+ Denn das weiß ja die ganze Welt,
+ Daß der Friedländer einen Teufel
+ Aus der Hölle im Solde hält.
+
+ =Wachtmeister.=
+
+ Ja, daß er fest ist, das ist kein Zweifel.
+ Denn in der blut'gen Affär bei Lützen
+ Ritt er euch unter des Feuers Blitzen
+ Auf und nieder mit kühlem Blut.
+ Durchlöchert von Kugeln war sein Hut,
+ Durch den Stiefel und Koller fuhren
+ Die Ballen, man sah die deutlichen Spuren;
+ Konnt' ihm keine die Haut nur ritzen,
+ Weil ihn die höllische Salbe tät schützen.
+
+ =Erster Jäger.=
+
+ Was wollt Ihr da für Wunder bringen!
+ Er trägt ein Koller von Elendshaut,
+ Das keine Kugel kann durchdringen.
+
+ =Wachtmeister.=
+
+ Nein, es ist die Salbe von Hexenkraut,
+ Unter Zaubersprüchen gekocht und gebraut.
+
+ =Trompeter.=
+
+ Es geht nicht zu mit rechten Dingen!
+
+ =Wachtmeister.=
+
+ Sie sagen, er les' auch in den Sternen
+ Die künftigen Dinge, die nahen und fernen;
+ Ich weiß aber besser, wie's damit ist.
+ Ein graues Männlein pflegt bei nächtlicher Frist
+ Durch verschlossene Türen zu ihm einzugehen;
+ Die Schildwachen haben's oft angeschrien,
+ Und immer was Großes ist drauf geschehen,
+ Wenn je das graue Röcklein kam und erschien.
+
+ =Zweiter Jäger.=
+
+ Ja, er hat sich dem Teufel übergeben,
+ Drum führen wir auch das lustige Leben.
+
+
+
+
+7. Auftritt.
+
+
+_Vorige. Ein Rekrut. Ein Bürger. Dragoner._
+
+ =Rekrut= (tritt aus dem Zelt, eine Blechhaube auf dem Kopfe, eine
+ Weinflasche in der Hand).
+
+ Grüß den Vater und Vaters Brüder!
+ Bin Soldat, komme nimmer wieder.
+
+ =Erster Jäger.=
+
+ Sieh, da bringen sie einen Neuen!
+
+ =Bürger.=
+
+ O, gib acht, Franz! es wird dich reuen.
+
+ =Rekrut= (singt).
+
+ Trommeln und Pfeifen,
+ Kriegrischer Klang!
+ Wandern und streifen
+ Die Welt entlang,
+ Rosse gelenkt,
+ Mutig geschwenkt,
+ Schwert an der Seite,
+ Frisch in die Weite,
+ Flüchtig und flink,
+ Frei, wie der Fink
+ Auf Sträuchern und Bäumen,
+ In Himmels Räumen!
+ Heisa! ich folge des Friedländers Fahn!
+
+ =Zweiter Jäger.=
+
+ Seht mir, das ist ein wackrer Kumpan!
+
+(Sie begrüßen ihn.)
+
+ =Bürger.=
+
+ O, laßt ihn. Er ist guter Leute Kind.
+
+ =Erster Jäger.=
+
+ Wir auch nicht auf der Straße gefunden sind.
+
+ =Bürger.=
+
+ Ich sag' euch, er hat Vermögen und Mittel.
+ Fühlt her, das feine Tüchlein am Kittel.
+
+ =Trompeter.=
+
+ Des Kaisers Rock ist der höchste Titel.
+
+ =Bürger.=
+
+ Er erbt eine kleine Mützenfabrik.
+
+ =Zweiter Jäger.=
+
+ Des Menschen Wille, das ist sein Glück.
+
+ =Bürger.=
+
+ Von der Großmutter einen Kram und Laden.
+
+ =Erster Jäger.=
+
+ Pfui, wer handelt mit Schwefelfaden!
+
+ =Bürger.=
+
+ Einen Weinschank dazu von seiner Paten,
+ Ein Gewölbe mit zwanzig Stückfaß Wein.
+
+ =Trompeter.=
+
+ Den teilt er mit seinen Kameraden.
+
+ =Zweiter Jäger.=
+
+ Hör du! wir müssen Zeltbrüder sein.
+
+ =Bürger.=
+
+ Eine Braut läßt er sitzen in Tränen und Schmerz.
+
+ =Erster Jäger.=
+
+ Recht so, da zeigt er ein eisernes Herz.
+
+ =Bürger.=
+
+ Die Großmutter wird für Kummer sterben.
+
+ =Zweiter Jäger.=
+
+ Desto besser, so kann er sie gleich beerben.
+
+ =Wachtmeister= (tritt gravitätisch herzu, dem Rekruten die Hand auf
+ die Blechhaube legend).
+
+ Sieht Er! das hat Er wohl erwogen.
+ Einen neuen Menschen hat Er angezogen;
+ Mit dem Helm da und Wehrgehäng
+ Schließt Er sich an eine würdige Meng.
+ Muß ein fürnehmer Geist jetzt in Ihn fahren --
+
+ =Erster Jäger.=
+
+ Muß besonders das Geld nicht sparen.
+
+ =Wachtmeister.=
+
+ Auf der Fortuna ihrem Schiff
+ Ist Er zu segeln im Begriff;
+ Die Weltkugel liegt vor Ihm offen,
+ Wer nichts waget, der darf nichts hoffen.
+ Es treibt sich der Bürgersmann, träg und dumm,
+ Wie des Färbers Gaul, nur im Ring herum.
+ Aus dem Soldaten kann alles werden,
+ Denn Krieg ist jetzt die Losung auf Erden.
+ Seh' Er mal _mich_ an! In diesem Rock
+ Führ' ich, sieht Er, des Kaisers Stock.
+ Alles Weltregiment, muß Er wissen,
+ Von dem Stock hat ausgehen müssen;
+ Und das Zepter in Königs Hand
+ Ist ein Stock nur, das ist bekannt.
+ Und wer's zum Korporal erst hat gebracht,
+ Der steht auf der Leiter zur höchsten Macht,
+ Und so weit kann Er's auch noch treiben.
+
+ =Erster Jäger.=
+
+ Wenn Er nur lesen kann und schreiben.
+
+ =Wachtmeister.=
+
+ Da will ich Ihm gleich ein Exempel geben;
+ Ich tät's vor kurzem selbst erleben.
+ Da ist der Schef vom Dragonerkorps,
+ Heißt Buttler, wir standen als Gemeine
+ Noch vor dreißig Jahren bei Köln am Rheine,
+ Jetzt nennt man ihn Generalmajor.
+ Das macht, er tät sich baß hervor,
+ Tät die Welt mit seinem Kriegsruhm füllen;
+ Doch meine Verdienste, die blieben im stillen.
+ Ja, und der Friedländer selbst, sieht Er,
+ Unser Hauptmann und hochgebietender Herr,
+ Der jetzt alles vermag und kann,
+ War erst nur ein schlichter Edelmann,
+ Und weil er der Kriegsgöttin sich vertraut,
+ Hat er sich diese Größ' erbaut,
+ Ist nach dem Kaiser der nächste Mann,
+ Und wer weiß, was er noch erreicht und ermißt,
+ (pfiffig) Denn noch nicht aller Tage Abend ist.
+
+ =Erster Jäger.=
+
+ Ja, er fing's klein an und ist jetzt so groß.
+ Denn zu Altorf im Studentenkragen
+ Trieb er's, mit Permiß zu sagen,
+ Ein wenig locker und burschikos,
+ Hätte seinen Famulus bald erschlagen.
+ Wollten ihn drauf die Nürnberger Herren
+ Mir nichts, dir nichts ins Karzer sperren;
+ 's war just ein neugebautes Nest,
+ Der erste Bewohner sollt' es taufen.
+ Aber wie fängt er's an? Er läßt
+ Weislich den Pudel voran erst laufen.
+ Nach dem Hunde nennt sich's bis diesen Tag;
+ Ein rechter Kerl sich dran spiegeln mag.
+ Unter des Herrn großen Taten allen
+ Hat mir das Stückchen besonders gefallen.
+
+(Das Mädchen hat unterdessen aufgewartet; der zweite Jäger schäkert mit
+ihr.)
+
+ =Dragoner= (tritt dazwischen).
+
+ Kamerad, laß Er das unterwegen!
+
+ =Zweiter Jäger.=
+
+ Wer, Henker! hat sich da drein zu legen!
+
+ =Dragoner.=
+
+ Ich will's Ihm nur sagen, die Dirn ist mein.
+
+ =Erster Jäger.=
+
+ Der will ein Schätzchen für sich allein!
+ Dragoner, ist Er bei Troste? sag' Er!
+
+ =Zweiter Jäger.=
+
+ Will was Apartes haben im Lager.
+ Einer Dirne schön Gesicht
+ Muß allgemein sein, wie's Sonnenlicht! (Küßt sie.)
+
+ =Dragoner= (reißt sie weg).
+
+ Ich sag's noch einmal, das leid' ich nicht.
+
+ =Erster Jäger.=
+
+ Lustig, lustig! da kommen die Prager!
+
+ =Zweiter Jäger.=
+
+ Sucht Er Händel? Ich bin dabei.
+
+ =Wachtmeister.=
+
+ Fried', ihr Herren! Ein Kuß ist frei!
+
+
+
+
+8. Auftritt.
+
+
+_Bergknappen_ treten auf und spielen einen Walzer, erst langsam und dann
+immer geschwinder. Der _erste Jäger_ tanzt mit der _Aufwärterin_, die
+_Marketenderin_ mit dem _Rekruten_; das Mädchen entspringt, der Jäger
+hinter ihr her und bekommt den _Kapuziner_ zu fassen, der eben
+hereintritt.
+
+ =Kapuziner.=
+
+ Heisa, juchheia! Dudeldumdei!
+ Das geht ja hoch her. Bin auch dabei!
+ Ist das eine Armee von Christen?
+ Sind wir Türken? sind wir Antibaptisten?
+ Treibt man so mit dem Sonntag Spott,
+ Als hätte der allmächtige Gott
+ Das Chiragra, könnte nicht drein schlagen?
+ Ist's jetzt Zeit zu Saufgelagen?
+ Zu Banketten und Feiertagen?
+ ~Quid hic statis otiosi?~
+ Was steht ihr und legt die Hände in Schoß?
+ Die Kriegsfuri ist an der Donau los,
+ Das Bollwerk des Bayerlands ist gefallen,
+ Regensburg ist in des Feindes Krallen,
+ Und die Armee liegt hier in Böhmen,
+ Pflegt den Bauch, läßt sich's wenig grämen,
+ Kümmert sich mehr um den Krug als den Krieg,
+ Wetzt lieber den Schnabel als den Sabel,
+ Hetzt sich lieber herum mit der Dirn,
+ Frißt den Ochsen lieber als den Oxenstirn.
+ Die Christenheit trauert in Sack und Asche,
+ Der Soldat füllt sich nur die Tasche.
+ Es ist eine Zeit der Tränen und Not,
+ Am Himmel geschehen Zeichen und Wunder,
+ Und aus den Wolken, blutigrot,
+ Hängt der Herrgott den Kriegsmantel 'runter.
+ Den Kometen steckt er, wie eine Rute,
+ Drohend am Himmelsfenster aus,
+ Die ganze Welt ist ein Klagehaus,
+ Die Arche der Kirche schwimmt in Blute,
+ Und das römische _Reich_ -- daß Gott erbarm!
+ Sollte jetzt heißen römisch _Arm_;
+ Der _Rheinstrom_ ist worden zu einem _Peinstrom_,
+ Die _Klöster_ sind ausgenommene _Nester_,
+ Die _Bistümer_ sind verwandelt in _Wüsttümer_,
+ Die _Abteien_ und die _Stifter_
+ Sind nun _Raubteien_ und _Diebesklüfter_,
+ Und alle die gesegneten deutschen _Länder_
+ Sind verkehrt worden in _Elender_ --
+ Woher kommt das? Das will ich euch verkünden:
+ Das schreibt sich her von euern Lastern und Sünden,
+ Von dem Greuel und Heidenleben,
+ Dem sich Offizier und Soldaten ergeben.
+ Denn die Sünd' ist der Magnetenstein,
+ Der das Eisen ziehet ins Land herein.
+ Auf das Unrecht, da folgt das Übel,
+ Wie die Trän' auf den herben Zwiebel,
+ Hinter dem =U= kömmt gleich das =W=eh,
+ Das ist die Ordnung im ABC.
+ ~Ubi erit victoriae spes,~
+ ~Si offenditur Deus?~ Wie soll man siegen,
+ Wenn man die Predigt schwänzt und die Meß,
+ Nichts tut, als in den Weinhäusern liegen?
+ Die Frau in dem Evangelium
+ Fand den verlornen Groschen wieder,
+ Der Gaul seines Vaters Esel wieder,
+ Der Joseph seine saubern Brüder;
+ Aber wer bei den Soldaten sucht
+ Die Furcht Gottes und die gute Zucht
+ Und die Scham, der wird nicht viel finden,
+ Tät' er auch hundert Laternen anzünden.
+ Zu dem Prediger in der Wüsten,
+ Wie wir lesen im Evangelisten,
+ Kamen auch die Soldaten gelaufen,
+ Taten Buß und ließen sich taufen,
+ Fragten ihn: ~Quid faciemus nos?~
+ Wie machen wir's, daß wir kommen in Abrahams Schoß?
+ ~Et ait illis~, und er sagt:
+ ~Neminem concutiatis~,
+ Wenn ihr niemanden schindet und plackt;
+ ~Neque calumniam faciatis~,
+ Niemand verlästert, auf niemand lügt.
+ ~Contenti estote~, euch begnügt,
+ ~Stipendiis vestris~, mit eurer Löhnung
+ Und verflucht jede böse Angewöhnung.
+ Es ist ein Gebot: Du sollst den Namen
+ Deines Herrgotts nicht eitel auskramen!
+ Und wo hört man mehr blasphemieren,
+ Als hier in den Friedländischen Kriegsquartieren?
+ Wenn man für jeden Donner und Blitz,
+ Den ihr losbrennt mit eurer Zungenspitz,
+ Die Glocken müßt' läuten im Land umher,
+ Es wär' bald kein Mesner zu finden mehr.
+ Und wenn euch für jedes böse Gebet,
+ Das aus eurem ungewaschnen Munde geht,
+ Ein Härlein ausging aus eurem Schopf,
+ Über Nacht wär' er geschoren glatt,
+ Und wär' er so dick wie Absalons Zopf.
+ Der Josua war doch auch ein Soldat,
+ König David erschlug den Goliath,
+ Und wo steht denn geschrieben zu lesen,
+ Daß sie solche Fluchmäuler sind gewesen?
+ Muß man den Mund doch, ich sollte meinen,
+ Nicht weiter aufmachen zu einem Helf Gott!
+ Als zu einem Kreuz Sackerlot!
+ Aber wessen das Gefäß ist gefüllt,
+ Davon es sprudelt und überquillt.
+ Wieder ein Gebot ist: Du sollst nicht stehlen.
+ Ja, das befolgt ihr nach dem Wort,
+ Denn ihr tragt alles offen fort.
+ Vor euren Klauen und Geiersgriffen,
+ Vor euren Praktiken und bösen Kniffen
+ Ist das Geld nicht geborgen in der Truh,
+ Das Kalb nicht sicher in der Kuh,
+ Ihr nehmt das Ei und das Huhn dazu.
+ Was sagt der Prediger? ~contenti estote~,
+ Begnügt euch mit eurem Kommißbrote.
+ Aber wie soll man die Knechte loben,
+ Kömmt doch das Ärgernis von oben!
+ Wie die Glieder, so auch das Haupt!
+ Weiß doch niemand, an wen _der_ glaubt!
+
+ =Erster Jäger.=
+
+ Herr Pfaff! uns Soldaten mag Er schimpfen,
+ Den Feldherrn soll Er uns nicht verunglimpfen.
+
+ =Kapuziner.=
+
+ ~Ne custodias gregem meam!~
+ Das ist so ein Ahab und Jerobeam,
+ Der die Völker von der wahren Lehren
+ Zu falschen Götzen tut verkehren.
+
+ =Trompeter= und =Rekrut=.
+
+ Laß Er uns das nicht zweimal hören!
+
+ =Kapuziner.=
+
+ So ein Bramarbas und Eisenfresser,
+ Will einnehmen alle festen Schlösser.
+ Rühmte sich mit seinem gottlosen Mund,
+ Er müsse haben die Stadt Stralsund,
+ Und wär' sie mit Ketten an den Himmel geschlossen.
+ Hat aber sein Pulver umsonst verschossen!
+
+ =Trompeter.=
+
+ Stopft ihm keiner sein Lästermaul?
+
+ =Kapuziner.=
+
+ So ein Teufelsbeschwörer und König Saul,
+ So ein Jehu und Holofern,
+ Verleugnet, wie Petrus, seinen Meister und Herrn,
+ Drum kann er den Hahn nicht hören krähn --
+
+ =Beide Jäger.=
+
+ Pfaffe! Jetzt ist's um dich geschehn!
+
+ =Kapuziner.=
+
+ So ein listiger Fuchs Herodes --
+
+ =Trompeter= und =beide Jäger= (auf ihn eindringend).
+
+ Schweig stille! Du bist des Todes!
+
+ =Kroaten= (legen sich drein).
+
+ Bleib da, Pfäfflein, fürcht' dich nit,
+ Sag dein Sprüchel und teil's uns mit.
+
+ =Kapuziner= (schreit lauter).
+
+ So ein hochmütiger Nebukadnezer,
+ So ein Sündenvater und muffiger Ketzer,
+ Läßt sich nennen den _Wallenstein_;
+ Ja freilich ist er uns _allen_ ein _Stein_
+ Des Anstoßes und Ärgernisses,
+ Und solang der Kaiser diesen Friedeland
+ Läßt walten, so wird nicht Fried' im Land.
+
+(Er hat nach und nach bei den letzten Worten, die er mit erhobener
+Stimme spricht, seinen Rückzug genommen, indem die Kroaten die übrigen
+Soldaten von ihm abwehren.)
+
+
+
+
+9. Auftritt.
+
+
+_Vorige_, ohne den _Kapuziner_.
+
+ =Erster Jäger= (zum Wachtmeister).
+
+ Sagt mir, was meint' er mit dem Göckelhahn,
+ Den der Feldherr nicht krähen hören kann?
+ Es war wohl nur so gesagt ihm zum Schimpf und Hohne?
+
+ =Wachtmeister.=
+
+ Da will ich Euch dienen. Es ist nicht ganz ohne!
+ Der Feldherr ist wundersam geboren,
+ Besonders hat er gar kitzlichte Ohren.
+ Kann die Katze nicht hören mauen,
+ Und wenn der Hahn kräht, so macht's ihm Grauen.
+
+ =Erster Jäger.=
+
+ Das hat er mit dem Löwen gemein.
+
+ =Wachtmeister.=
+
+ Muß alles mausstill um ihn sein.
+ Den Befehl haben alle Wachen,
+ Denn er denkt gar zu tiefe Sachen.
+
+ =Stimmen= (im Zelt; Auflauf).
+
+ Greift ihn, den Schelm! Schlagt zu! Schlagt zu!
+
+ =Des Bauern Stimme.=
+
+ Hilfe! Barmherzigkeit!
+
+ =Andre Stimmen.=
+
+ Friede! Ruh!
+
+ =Erster Jäger.=
+
+ Hol mich der Teufel! Da setzt's Hiebe.
+
+ =Zweiter Jäger.=
+
+ Da muß ich dabei sein!
+
+(Laufen ins Zelt.)
+
+ =Marketenderin= (kommt heraus).
+
+ Schelmen und Diebe!
+
+ =Trompeter.=
+
+ Frau Wirtin, was setzt Euch so in Eifer?
+
+ =Marketenderin.=
+
+ Der Lump! der Spitzbub! der Straßenläufer!
+ Das muß mir in meinem Zelt passieren!
+ Es beschimpft mich bei allen Herrn Offizieren.
+
+ =Wachtmeister.=
+
+ Bäschen, was gibt's denn?
+
+ =Marketenderin.=
+
+ Was wird's geben?
+ Da erwischten sie einen Bauer eben,
+ Der falsche Würfel tät bei sich haben.
+
+ =Trompeter.=
+
+ Sie bringen ihn hier mit seinem Knaben.
+
+
+
+
+10. Auftritt.
+
+
+_Soldaten_ bringen den Bauer geschleppt.
+
+ =Erster Jäger.=
+
+ Der muß baumeln!
+
+ =Scharfschützen= und =Dragoner=.
+
+ Zum Profoß! Zum Profoß!
+
+ =Wachtmeister.=
+
+ Das Mandat ist noch kürzlich ausgegangen.
+
+ =Marketenderin.=
+
+ In einer Stunde seh' ich ihn hangen!
+
+ =Wachtmeister.=
+
+ Böses Gewerbe bringt bösen Lohn.
+
+ =Erster Arkebusier= (zum andern).
+
+ Das kommt von der Desperation.
+ Denn seht, erst tut man sie ruinieren,
+ Das heißt sie zum Stehlen selbst verführen.
+
+ =Trompeter.=
+
+ Was? Was? Ihr red't ihm das Wort noch gar?
+ Dem Hunde! Tut Euch der Teufel plagen?
+
+ =Erster Arkebusier.=
+
+ Der Bauer ist auch ein Mensch -- so zu sagen.
+
+ =Erster Jäger= (zum Trompeter).
+
+ Laß sie gehen! sind Tiefenbacher,
+ Gevatter Schneider und Handschuhmacher!
+ Lagen in Garnison zu Brieg,
+ Wissen viel, was der Brauch ist im Krieg.
+
+
+
+
+11. Auftritt.
+
+
+_Vorige. Kürassiere._
+
+ =Erster Kürassier.=
+
+ Friede! Was gibt's mit dem Bauer da?
+
+ =Erster Scharfschütz.=
+
+ 's ist ein Schelm, hat im Spiel betrogen!
+
+ =Erster Kürassier.=
+
+ Hat er dich betrogen etwa?
+
+ =Erster Scharfschütz.=
+
+ Ja, und hat mich rein ausgezogen.
+
+ =Erster Kürassier.=
+
+ Wie? Du bist ein Friedländischer Mann,
+ Kannst dich so wegwerfen und blamieren,
+ Mit einem Bauer dein Glück probieren?
+ Der laufe, was er laufen kann.
+
+(Bauer entwischt, die andern treten zusammen.)
+
+ =Erster Arkebusier.=
+
+ Der macht kurze Arbeit, ist resolut,
+ Das ist mit solchem Volke gut.
+ Was ist's für einer? Es ist kein Böhm.
+
+ =Marketenderin.=
+
+ 's ist ein Wallon! Respekt vor dem!
+ Von des Pappenheims Kürassieren.
+
+ =Erster Dragoner= (tritt dazu).
+
+ Der Piccolomini, der junge, tut sie jetzt führen.
+ Den haben sie sich aus eigner Macht
+ Zum Oberst gesetzt in der Lützner Schlacht,
+ Als der Pappenheim umgekommen.
+
+ =Erster Arkebusier.=
+
+ Haben sie sich so was 'rausgenommen?
+
+ =Erster Dragoner.=
+
+ Dies Regiment hat was voraus,
+ Es war immer voran bei jedem Strauß.
+ Darf auch seine eigene Justiz ausüben,
+ Und der Friedländer tut's besonders lieben.
+
+ =Erster Kürassier= (zum andern).
+
+ Ist's auch gewiß? Wer bracht' es aus?
+
+ =Zweiter Kürassier.=
+
+ Ich hab's aus des Obersts eigenem Munde.
+
+ =Erster Kürassier.=
+
+ Was Teufel! Wir sind nicht ihre Hunde.
+
+ =Erster Jäger.=
+
+ Was haben die da? Sind voller Gift.
+
+ =Zweiter Jäger.=
+
+ Ist's was, ihr Herrn, das uns mitbetrifft?
+
+ =Erster Kürassier.=
+
+ Es hat sich keiner drüber zu freuen.
+
+(Soldaten treten herzu.)
+
+ Sie wollen uns in die Niederland' leihen;
+ Kürassiere, Jäger, reitende Schützen,
+ Sollen achttausend Mann aufsitzen.
+
+ =Marketenderin.=
+
+ Was? Was? Da sollen wir wieder wandern?
+ Bin erst seit gestern zurück aus Flandern.
+
+ =Zweiter Kürassier= (zu den Dragonern).
+
+ Ihr Buttlerischen sollt auch mitreiten.
+
+ =Erster Kürassier.=
+
+ Und absonderlich wir Wallonen.
+
+ =Marketenderin.=
+
+ Ei, das sind ja die allerbesten Schwadronen!
+
+ =Erster Kürassier.=
+
+ Den aus Mailand sollen wir hinbegleiten.
+
+ =Erster Jäger.=
+
+ Den Infanten! Das ist ja kurios!
+
+ =Zweiter Jäger.=
+
+ Den Pfaffen! Da geht der Teufel los.
+
+ =Erster Kürassier.=
+
+ Wir sollen von dem Friedländer lassen,
+ Der den Soldaten so nobel hält,
+ Mit dem Spanier ziehen zu Feld,
+ Dem Knauser, den wir von Herzen hassen?
+ Nein, das geht nicht! Wir laufen fort.
+
+ =Trompeter.=
+
+ Was, zum Henker! sollen wir dort?
+ Dem Kaiser verkauften wir unser Blut
+ Und nicht dem hispanischen roten Hut.
+
+ =Zweiter Jäger.=
+
+ Auf des Friedländers Wort und Kredit allein
+ Haben wir Reitersdienst genommen;
+ Wär's nicht aus Lieb' für den Wallenstein,
+ Der Ferdinand hätt' uns nimmer bekommen.
+
+ =Erster Dragoner.=
+
+ Tät uns der Friedländer nicht formieren?
+ Seine Fortuna soll uns führen.
+
+ =Wachtmeister.=
+
+ Laßt euch bedeuten, hört mich an.
+ Mit dem Gered' da ist's nicht getan.
+ Ich sehe weiter als ihr alle,
+ Dahinter steckt eine böse Falle.
+
+ =Erster Jäger.=
+
+ Hört das Befehlbuch! Stille doch!
+
+ =Wachtmeister.=
+
+ Bäschen Gustel, füllt mir erst noch
+ Ein Gläschen Melnecker für den Magen,
+ Alsdann will ich euch meine Gedanken sagen.
+
+ =Marketenderin= (ihm einschenkend).
+
+ Hier, Herr Wachtmeister! Er macht mir Schrecken.
+ Es wird doch nichts Böses dahinter stecken!
+
+ =Wachtmeister.=
+
+ Seht, ihr Herrn, das ist all recht gut,
+ Daß jeder das Nächste bedenken tut;
+ Aber, pflegt der Feldherr zu sagen,
+ Man muß immer das Ganze überschlagen.
+ Wir nennen uns alle des Friedländers Truppen.
+ Der Bürger, er nimmt uns ins Quartier
+ Und pflegt uns und kocht uns warme Suppen.
+ Der Bauer muß den Gaul und den Stier
+ Vorspannen an unsre Bagagewagen,
+ Vergebens wird er sich drüber beklagen.
+ Läßt sich ein Gefreiter mit sieben Mann
+ In einem Dorfe von weitem spüren,
+ Er ist die Obrigkeit drin und kann
+ Nach Lust drin walten und kommandieren.
+ Zum Henker! sie mögen uns alle nicht
+ Und sähen des Teufels sein Angesicht
+ Weit lieber, als unsre gelben Kolletter.
+ Warum schmeißen sie uns nicht aus dem Land? Potz Wetter!
+ Sind uns an Anzahl doch überlegen,
+ Führen den Knüttel, wie wir den Degen.
+ Warum dürfen wir ihrer lachen?
+ Weil wir einen furchtbaren Haufen ausmachen!
+
+ =Erster Jäger.=
+
+ Ja, ja, im Ganzen, da sitzt die Macht!
+ Der Friedländer hat das wohl erfahren,
+ Wie er dem Kaiser vor acht -- neun Jahren
+ Die große Armee zusammenbracht.
+ Sie wollten erst nur von zwölftausend hören:
+ Die, sagt' er, die kann ich nicht ernähren;
+ Aber ich will sechzigtausend werben,
+ Die, weiß ich, werden nicht Hungers sterben.
+ Und so wurden wir Wallensteiner.
+
+ =Wachtmeister.=
+
+ Zum Exempel, da hack mir einer
+ Von den fünf Fingern, die ich hab',
+ Hier an der Rechten den kleinen ab.
+ Habt ihr mir den Finger bloß genommen?
+ Nein, beim Kuckuck, ich bin um die Hand gekommen!
+ 's ist nur ein Stumpf und nichts mehr wert.
+ Ja, und diese achttausend Pferd,
+ Die man nach Flandern jetzt begehrt,
+ Sind von der Armee nur der kleine Finger.
+ Läßt man sie ziehn, ihr tröstet euch,
+ Wir seien um ein Fünftel nur geringer?
+ Pros't Mahlzeit! da fällt das Ganze gleich.
+ Die Furcht ist weg, der Respekt, die Scheu,
+ Da schwillt dem Bauer der Kamm aufs neu,
+ Da schreiben sie uns in der Wiener Kanzlei
+ Den Quartier- und den Küchenzettel,
+ Und es ist wieder der alte Bettel.
+ Ja, und wie lang wird's stehen an,
+ So nehmen sie uns auch noch den Feldhauptmann --
+ Sie sind ihm am Hofe so nicht grün,
+ Nun, da fällt eben alles hin!
+ Wer hilft uns dann wohl zu unserm Geld?
+ Sorgt, daß man uns die Kontrakte hält?
+ Wer hat den Nachdruck und hat den Verstand,
+ Den schnellen Witz und die feste Hand,
+ Diese gestückelten Heeresmassen
+ Zusammen zu fügen und zu passen?
+ Zum Exempel -- Dragoner -- sprich:
+ Aus welchem Vaterland schreibst du dich?
+
+ =Erster Dragoner.=
+
+ Weit aus Hibernien her komm' ich.
+
+ =Wachtmeister= (zu den beiden Kürassieren).
+
+ Ihr, das weiß ich, seid ein Wallon;
+ Ihr ein Welscher. Man hört's am Ton.
+
+ =Erster Kürassier.=
+
+ Wer ich bin? ich hab's nie können erfahren:
+ Sie stahlen mich schon in jungen Jahren.
+
+ =Wachtmeister.=
+
+ Und du bist auch nicht aus der Näh?
+
+ =Erster Arkebusier.=
+
+ Ich bin von Buchau am Federsee.
+
+ =Wachtmeister.=
+
+ Und Ihr, Nachbar?
+
+ =Zweiter Arkebusier.=
+
+ Aus der Schwitz.
+
+ =Wachtmeister= (zum zweiten Jäger).
+
+ Was für ein Landsmann bist du, Jäger?
+
+ =Zweiter Jäger.=
+
+ Hinter Wismar ist meiner Eltern Sitz.
+
+ =Wachtmeister= (auf den Trompeter zeigend).
+
+ Und der da und ich, wir sind aus Eger.
+ Nun! und wer merkt uns das nun an,
+ Daß wir aus Süden und aus Norden
+ Zusammen geschneit und geblasen worden?
+ Sehn wir nicht aus, wie aus _einem_ Span?
+ Stehn wir nicht gegen den Feind geschlossen,
+ Recht wie zusammen geleimt und gegossen?
+ Greifen wir nicht, wie ein Mühlwerk, flink
+ Ineinander auf Wort und Wink?
+ Wer hat uns so zusammen geschmiedet,
+ Daß ihr uns nimmer unterschiedet?
+ Kein andrer sonst als der Wallenstein!
+
+ =Erster Jäger.=
+
+ Das fiel mir mein Lebtag nimmer ein,
+ Daß wir so gut zusammen passen;
+ Hab' mich immer nur gehen lassen.
+
+ =Erster Kürassier.=
+
+ Dem Wachtmeister muß ich Beifall geben.
+ Dem Kriegsstand kämen sie gern ans Leben;
+ Den Soldaten wollen sie niederhalten,
+ Daß sie alleine können walten.
+ 's ist eine Verschwörung, ein Komplott.
+
+ =Marketenderin.=
+
+ Eine Verschwörung? Du lieber Gott!
+ Da können die Herren ja nicht mehr zahlen.
+
+ =Wachtmeister.=
+
+ Freilich! Es wird alles bankerott.
+ Viele von den Hauptleuten und Generalen
+ Stellten aus ihren eignen Kassen
+ Die Regimenter, wollten sich sehen lassen,
+ Täten sich angreifen über Vermögen,
+ Dachten, es bring' ihnen großen Segen.
+ Und die alle sind um ihr Geld,
+ Wenn das Haupt, wenn der Herzog fällt.
+
+ =Marketenderin.=
+
+ Ach, du mein Heiland! Das bringt mir Fluch!
+ Die halbe Armee steht in meinem Buch.
+ Der Graf Isolani, der böse Zahler,
+ Restiert mir allein noch zweihundert Taler.
+
+ =Erster Kürassier.=
+
+ Was ist da zu machen, Kameraden?
+ Es ist nur _eins_, was uns retten kann:
+ Verbunden können sie uns nichts schaden;
+ Wir stehen alle für _einen_ Mann.
+ Laßt sie schicken und ordenanzen,
+ Wir wollen uns fest in Böhmen pflanzen,
+ Wir geben nicht nach und marschieren nicht,
+ Der Soldat jetzt um seine Ehre ficht.
+
+ =Zweiter Jäger.=
+
+ Wir lassen uns nicht so im Land 'rum führen!
+ Sie sollen kommen und sollen's probieren!
+
+ =Erster Arkebusier.=
+
+ Liebe Herren, bedenkt's mit Fleiß,
+ 's ist des Kaisers Will' und Geheiß.
+
+ =Trompeter.=
+
+ Werden uns viel um den Kaiser scheren.
+
+ =Erster Arkebusier.=
+
+ Laß Er mich das nicht zweimal hören.
+
+ =Trompeter.=
+
+ 's ist aber doch so, wie ich gesagt.
+
+ =Erster Jäger.=
+
+ Ja, ja, ich hört's immer so erzählen,
+ Der Friedländer hab' hier allein zu befehlen.
+
+ =Wachtmeister.=
+
+ So ist's auch, das ist sein Beding und Pakt.
+ Absolute Gewalt hat er, müßt ihr wissen,
+ Krieg zu führen und Frieden zu schließen,
+ Geld und Gut kann er konfiszieren,
+ Kann henken lassen und pardonieren,
+ Offiziere kann er und Obersten machen,
+ Kurz, er hat alle die Ehrensachen.
+ Das hat er vom Kaiser eigenhändig.
+
+ =Erster Arkebusier.=
+
+ Der Herzog ist gewaltig und hochverständig;
+ Aber er bleibt doch, schlecht und recht,
+ Wie wir alle, des Kaisers Knecht.
+
+ =Wachtmeister.=
+
+ Nicht wie wir alle! Das wißt Ihr schlecht.
+ Er ist ein unmittelbarer und freier
+ Des Reiches Fürst, so gut wie der Bayer.
+ Sah ich's etwa nicht selbst mit an,
+ Als ich zu Brandeis die Wach' getan,
+ Wie ihm der Kaiser selbsten erlaubt,
+ Zu bedecken sein fürstlich Haupt?
+
+ =Erster Arkebusier.=
+
+ Das war für das Mecklenburger Land,
+ Das ihm der Kaiser versetzt als Pfand.
+
+ =Erster Jäger= (zum Wachtmeister).
+
+ Wie? In des Kaisers Gegenwart?
+ Das ist doch seltsam und sehr apart!
+
+ =Wachtmeister= (fährt in die Tasche).
+
+ Wollt ihr mein Wort nicht gelten lassen,
+ Sollt ihr's mit Händen greifen und fassen. (Eine Münze zeigend.)
+ Wes ist das Bild und Gepräg?
+
+ =Marketenderin.=
+
+ Weist her!
+ Ei, das ist ja ein Wallensteiner!
+
+ =Wachtmeister.=
+
+ Na, da habt ihr's, was wollt ihr mehr?
+ Ist er nicht Fürst so gut als einer?
+ Schlägt er nicht Geld, wie der Ferdinand?
+ Hat er nicht eigenes Volk und Land?
+ Eine Durchlauchtigkeit läßt er sich nennen!
+ Drum muß er Soldaten halten können.
+
+ =Erster Arkebusier.=
+
+ Das disputiert ihm niemand nicht.
+ Wir aber stehn in des Kaisers Pflicht,
+ Und wer uns bezahlt, das ist der Kaiser.
+
+ =Trompeter.=
+
+ Das leugn' ich Ihm, sieht Er, ins Angesicht.
+ Wer uns _nicht_ zahlt, _das_ ist der Kaiser!
+ Hat man uns nicht seit vierzig Wochen
+ Die Löhnung immer umsonst versprochen?
+
+ =Erster Arkebusier.=
+
+ Ei was! Das steht ja in guten Händen.
+
+ =Erster Kürassier.=
+
+ Fried', ihr Herrn! Wollt ihr mit Schlägen enden?
+ Ist denn darüber Zank und Zwist,
+ Ob der Kaiser unser Gebieter ist?
+ Eben drum, weil wir gern in Ehren
+ Seine tüchtigen Reiter wären,
+ Wollen wir nicht seine Herde sein,
+ Wollen uns nicht von den Pfaffen und Schranzen
+ Herum lassen führen und verpflanzen.
+ Sagt selber! Kommt's nicht dem Herrn zu gut,
+ Wenn sein Kriegsvolk was auf sich halten tut?
+ Wer anders macht ihn, als seine Soldaten,
+ Zu dem großmächtigen Potentaten?
+ Verschafft und bewahrt ihm weit und breit
+ Das große Wort in der Christenheit?
+ Mögen sich die sein Joch aufladen,
+ Die mitessen von seinen Gnaden,
+ Die mit ihm tafeln im goldnen Zimmer.
+ Wir, wir haben von seinem Glanz und Schimmer
+ Nichts als die Müh' und als die Schmerzen,
+ Und wofür wir uns halten in unserm Herzen.
+
+ =Zweiter Jäger.=
+
+ Alle großen Tyrannen und Kaiser
+ Hielten's so und waren viel weiser.
+ Alles andre täten sie hudeln und schänden,
+ Den Soldaten trugen sie auf den Händen.
+
+ =Erster Kürassier.=
+
+ Der Soldat muß sich können fühlen.
+ Wer's nicht edel und nobel treibt,
+ Lieber weit von dem Handwerk bleibt.
+ Soll ich frisch um mein Leben spielen,
+ Muß mir noch etwas gelten mehr.
+ Oder ich lasse mich eben schlachten
+ Wie der Kroat -- und muß mich verachten.
+
+ =Beide Jäger.=
+
+ Ja, übers Leben noch geht die Ehr!
+
+ =Erster Kürassier.=
+
+ Das Schwert ist kein Spaten, kein Pflug,
+ Wer damit ackern wollte, wäre nicht klug.
+ Es grünt uns kein Halm, es wächst keine Saat,
+ Ohne Heimat muß der Soldat
+ Auf dem Erdboden flüchtig schwärmen,
+ Darf sich an eignem Herd nicht wärmen,
+ Er muß vorbei an der Städte Glanz,
+ An des Dörfleins lustigen, grünen Auen,
+ Die Traubenlese, den Erntekranz
+ Muß er wandernd von ferne schauen.
+ Sagt mir, was hat er an Gut und Wert,
+ Wenn der Soldat sich nicht selber ehrt?
+ Etwas muß er sein eigen nennen,
+ Oder der Mensch wird morden und brennen.
+
+ =Erster Arkebusier.=
+
+ Das weiß Gott, 's ist ein elend Leben!
+
+ =Erster Kürassier.=
+
+ Möcht's doch nicht für ein andres geben.
+ Seht, ich bin weit in der Welt 'rum kommen,
+ Hab' alles in Erfahrung genommen.
+ Hab' der hispanischen Monarchie
+ Gedient und der Republik Venedig
+ Und dem Königreich Napoli;
+ Aber das Glück war mir nirgends gnädig.
+ Hab' den Kaufmann gesehn und den Ritter
+ Und den Handwerksmann und den Jesuiter,
+ Und kein Rock hat mir unter allen
+ Wie mein eisernes Wams gefallen.
+
+ =Erster Arkebusier.=
+
+ Ne! das kann ich eben nicht sagen.
+
+ =Erster Kürassier.=
+
+ Will einer in der Welt was erjagen,
+ Mag er sich rühren und mag sich plagen;
+ Will er zu hohen Ehren und Würden,
+ Bück' er sich unter die goldnen Bürden;
+ Will er genießen den Vatersegen,
+ Kinder und Enkelein um sich pflegen,
+ Treib' er ein ehrlich Gewerb' in Ruh.
+ Ich -- ich hab' kein Gemüt dazu.
+ Frei will ich leben und also sterben,
+ Niemand berauben und niemand beerben
+ Und auf das Gehudel unter mir
+ Leicht wegschauen von meinem Tier.
+
+ =Erster Jäger.=
+
+ Bravo! Just so ergeht es mir.
+
+ =Erster Arkebusier.=
+
+ Lustiger freilich mag sich's haben,
+ Über anderer Köpf' wegtraben.
+
+ =Erster Kürassier.=
+
+ Kamerad, die Zeiten sind schwer,
+ Das Schwert ist nicht bei der Wage mehr;
+ Aber so mag mir's keiner verdenken,
+ Daß ich mich lieber zum Schwert will lenken.
+ Kann ich im Krieg mich doch menschlich fassen,
+ Aber nicht auf mir trommeln lassen.
+
+ =Erster Arkebusier.=
+
+ Wer ist dran schuld, als wir Soldaten,
+ Daß der Nährstand in Schimpf geraten?
+ Der leidige Krieg und die Not und Plag'
+ In die sechzehn Jahr' schon währen mag.
+
+ =Erster Kürassier.=
+
+ Bruder, den lieben Gott da droben,
+ Es können ihn alle zugleich nicht loben.
+ Einer will die Sonn', die den andern beschwert;
+ Dieser will's trocken, was jener feucht begehrt.
+ Wo _du_ nur die Not siehst und die Plag',
+ Da scheint mir des Lebens heller Tag.
+ Geht's auf Kosten des Bürgers und Bauern,
+ Nun, wahrhaftig, sie werden mich dauern;
+ Aber ich kann's nicht ändern -- seht,
+ 's ist hier just, wie's beim Einhau'n geht:
+ Die Pferde schnauben und setzen an,
+ Liege, wer will, mitten in der Bahn,
+ Sei's mein Bruder, mein leiblicher Sohn,
+ Zerriss' mir die Seele sein Jammerton,
+ Über seinen Leib weg muß ich jagen,
+ Kann ihn nicht sachte beiseite tragen.
+
+ =Erster Jäger.=
+
+ Ei, wer wird nach dem andern fragen!
+
+ =Erster Kürassier.=
+
+ Und weil sich's nun einmal so gemacht,
+ Daß das Glück dem Soldaten lacht,
+ Laßt's uns mit beiden Händen fassen,
+ Lang werden sie's uns nicht so treiben lassen.
+ Der Friede wird kommen über Nacht,
+ Der dem Wesen ein Ende macht;
+ Der Soldat zäumt ab, der Bauer spannt ein,
+ Eh man's denkt, wird's wieder das alte sein.
+ Jetzt sind wir noch beisammen im Land,
+ Wir haben's Heft noch in der Hand.
+ Lassen wir uns auseinander sprengen,
+ Werden sie uns den Brotkorb höher hängen.
+
+ =Erster Jäger.=
+
+ Nein, das darf nimmermehr geschehn!
+ Kommt, laßt uns alle für _einen_ stehn!
+
+ =Zweiter Jäger.=
+
+ Ja, laßt uns Abrede nehmen, hört!
+
+ =Erster Arkebusier= (ein ledernes Beutelchen ziehend, zur
+ Marketenderin).
+
+ Gevatterin, was hab' ich verzehrt?
+
+ =Marketenderin.=
+
+ Ach, es ist nicht der Rede wert! (Sie rechnen.)
+
+ =Trompeter.=
+
+ Ihr tut wohl, daß ihr weiter geht,
+ Verderbt uns doch nur die Sozietät.
+
+(Arkebusiere gehen ab.)
+
+ =Erster Kürassier.=
+
+ Schad' um die Leut! Sind sonst wackre Brüder.
+
+ =Erster Jäger.=
+
+ Aber das denkt wie ein Seifensieder.
+
+ =Zweiter Jäger.=
+
+ Jetzt sind wir unter uns, laßt hören,
+ Wie wir den neuen Anschlag stören.
+
+ =Trompeter.=
+
+ Was? wir gehen eben nicht hin.
+
+ =Erster Kürassier.=
+
+ Nichts, ihr Herrn, gegen die Disziplin!
+ Jeder geht jetzt zu seinem Korps,
+ Trägt's den Kameraden vernünftig vor,
+ Daß sie's begreifen und einsehn lernen:
+ Wir dürfen uns nicht so weit entfernen.
+ Für meine Wallonen sag' ich gut.
+ So, wie ich, jeder denken tut.
+
+ =Wachtmeister.=
+
+ Terzkas Regimenter zu Roß und Fuß
+ Stimmen alle in diesen Schluß.
+
+ =Zweiter Kürassier= (stellt sich zum ersten).
+
+ Der Lombard sich nicht vom Wallonen trennt.
+
+ =Erster Jäger.=
+
+ Freiheit ist Jägers Element.
+
+ =Zweiter Jäger.=
+
+ Freiheit ist bei der Macht allein:
+ Ich leb' und sterb' bei dem Wallenstein.
+
+ =Erster Scharfschütz.=
+
+ Der Lothringer geht mit der großen Flut,
+ Wo der leichte Sinn ist und lustiger Mut.
+
+ =Dragoner.=
+
+ Der Irländer folgt des Glückes Stern.
+
+ =Zweiter Scharfschütz.=
+
+ Der Tiroler dient nur dem Landesherrn.
+
+ =Erster Kürassier.=
+
+ Also laßt jedes Regiment
+ Ein Promemoria reinlich schreiben:
+ Daß wir zusammen wollen bleiben,
+ Daß uns keine Gewalt noch List
+ Von dem Friedländer weg soll treiben,
+ Der ein Soldatenvater ist.
+ Das reicht man in tiefer Devotion
+ Dem Piccolomini -- ich meine den Sohn --
+ Der versteht sich auf solche Sachen,
+ Kann bei dem Friedländer alles machen,
+ Hat auch einen großen Stein im Bret
+ Bei des Kaisers und Königs Majestät.
+
+ =Zweiter Jäger.=
+
+ Kommt! Dabei bleibt's! Schlagt alle ein!
+ Piccolomini soll unser Sprecher sein.
+
+ =Trompeter.= =Dragoner.= =Erster Jäger.= =Zweiter Kürassier.=
+ =Scharfschützen= (zugleich).
+
+ Piccolomini soll unser Sprecher sein. (Wollen fort.)
+
+ =Wachtmeister.=
+
+ Erst noch ein Gläschen, Kameraden! (Trinkt.)
+ Des Piccolomini hohe Gnaden!
+
+ =Marketenderin= (bringt eine Flasche).
+
+ Das kommt nicht aufs Kerbholz. Ich geb' es gern.
+ Gute Verrichtung, meine Herrn!
+
+ =Kürassiere.=
+
+ Der Wehrstand soll leben!
+
+ =Beide Jäger.=
+
+ Der Nährstand soll geben!
+
+ =Dragoner= und =Scharfschützen=.
+
+ Die Armee soll florieren!
+
+ =Trompeter= und =Wachtmeister=.
+
+ Und der Friedländer soll sie regieren!
+
+ =Zweiter Kürassier= (singt).
+
+ Wohl auf, Kameraden, aufs Pferd, aufs Pferd!
+ Ins Feld, in die Freiheit gezogen.
+ Im Felde, da ist der Mann noch was wert,
+ Da wird das Herz noch gewogen.
+ Da tritt kein anderer für ihn ein,
+ Auf sich selber steht er da ganz allein.
+
+(Die Soldaten aus dem Hintergrunde haben sich während des Gesangs
+herbeigezogen und machen den Chor.)
+
+ =Chor.=
+
+ Da tritt kein anderer für ihn ein,
+ Auf sich selber steht er da ganz allein.
+
+ =Dragoner.=
+
+ Aus der Welt die Freiheit verschwunden ist,
+ Man sieht nur Herren und Knechte;
+ Die Falschheit herrschet, die Hinterlist
+ Bei dem feigen Menschengeschlechte.
+ Der dem Tod ins Angesicht schauen kann,
+ Der Soldat allein ist der freie Mann.
+
+ =Chor.=
+
+ Der dem Tod ins Angesicht schauen kann,
+ Der Soldat allein ist der freie Mann.
+
+ =Erster Jäger.=
+
+ Des Lebens Ängsten, er wirft sie weg,
+ Hat nicht mehr zu fürchten, zu sorgen;
+ Er reitet dem Schicksal entgegen keck;
+ Trifft's heute nicht, trifft es doch morgen.
+ Und trifft es morgen, so lasset uns heut
+ Noch schlürfen die Neige der köstlichen Zeit.
+
+ =Chor.=
+
+ Und trifft es morgen, so lasset uns heut
+ Noch schlürfen die Neige der köstlichen Zeit.
+
+(Die Gläser sind aufs neue gefüllt worden, sie stoßen an und trinken.)
+
+ =Wachtmeister.=
+
+ Von dem Himmel fällt ihm sein lustig Los,
+ Braucht's nicht mit Müh' zu erstreben;
+ Der Fröner, der sucht in der Erde Schoß,
+ Da meint er den Schatz zu erheben.
+ Er gräbt und schaufelt, so lang er lebt,
+ Und gräbt, bis er endlich sein Grab sich gräbt.
+
+ =Chor.=
+
+ Er gräbt und schaufelt, so lang er lebt,
+ Und gräbt, bis er endlich sein Grab sich gräbt.
+
+ =Erster Jäger.=
+
+ Der Reiter und sein geschwindes Roß,
+ Sie sind gefürchtete Gäste;
+ Es flimmern die Lampen im Hochzeitschloß,
+ Ungeladen kommt er zum Feste.
+ Er wirbt nicht lange, er zeiget nicht Gold,
+ Im Sturm erringt er den Minnesold.
+
+ =Chor.=
+
+ Er wirbt nicht lange, er zeiget nicht Gold,
+ Im Sturm erringt er den Minnesold.
+
+ =Zweiter Kürassier.=
+
+ Warum weint die Dirn und zergrämet sich schier?
+ Laß fahren dahin, laß fahren!
+ Er hat auf Erden kein bleibend Quartier,
+ Kann treue Lieb nicht bewahren.
+ Das rasche Schicksal, es treibt ihn fort,
+ Seine Ruhe läßt er an keinem Ort.
+
+ =Chor.=
+
+ Das rasche Schicksal, es treibt ihn fort,
+ Seine Ruhe läßt er an keinem Ort.
+
+ =Erster Jäger= (faßt die zwei Nächsten an der Hand; die übrigen ahmen
+ es nach, alle, welche gesprochen, bilden einen großen Halbkreis).
+
+ Drum frisch, Kameraden, den Rappen gezäumt,
+ Die Brust im Gefechte gelüftet!
+ Die Jugend brauset, das Leben schäumt,
+ Frisch auf! eh der Geist noch verdüftet.
+ Und setzet ihr nicht das Leben ein,
+ Nie wird euch das Leben gewonnen sein.
+
+ =Chor.=
+
+ Und setzet ihr nicht das Leben ein,
+ Nie wird euch das Leben gewonnen sein(1).
+
+(Der Vorhang fällt, ehe der Chor ganz ausgesungen.)
+
+ (1) In einer Separatausgabe des Reiterlieds aus dem Jahre 1807
+ und im Taschenbuch für Damen findet sich noch folgende weitere,
+ unzweifelhaft von Schiller herrührende Strophe:
+
+ Auf des Degens Spitze die Welt jetzt liegt,
+ Drum froh, wer den Degen jetzt führet,
+ Und bleibt nur wacker zusammengefügt,
+ Ihr zwingt das Glück und regieret.
+ Es sitzt keine Krone so fest, so hoch,
+ Der mutige Springer erreicht sie doch.
+
+ =_Chor._=
+
+ Es sitzt keine Krone so fest, so hoch,
+ Der mutige Springer erreicht sie doch.
+
+
+
+
+ [ Im folgenden werden alle geänderten Textzeilen angeführt, wobei
+ jeweils zuerst die Zeile wie im Original, danach die geänderte Zeile
+ steht.
+
+ _Vorige. Zwei Jäger._ Dann _Marketenderin_. _Soldatenjungen_
+ _Vorige. Zwei Jäger._ Dann _Marketenderin_. _Soldatenjungen._
+
+ Wir ebenso gut seinen Namen führen
+ Wir ebenso gut seinen Namen führen.
+
+ Wieder ein Gebot ist: Du sollt nicht stehlen.
+ Wieder ein Gebot ist: Du sollst nicht stehlen.
+
+ ]
+
+
+
+
+
+
+End of Project Gutenberg's Wallensteins Lager, by Friedrich von Schiller
+
+*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK WALLENSTEINS LAGER ***
+
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+Produced by Jana Srna, Norbert H. Langkau and the Online
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+
+Updated editions will replace the previous one--the old editions
+will be renamed.
+
+Creating the works from public domain print editions means that no
+one owns a United States copyright in these works, so the Foundation
+(and you!) can copy and distribute it in the United States without
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+set forth in the General Terms of Use part of this license, apply to
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+Gutenberg is a registered trademark, and may not be used if you
+charge for the eBooks, unless you receive specific permission. If you
+do not charge anything for copies of this eBook, complying with the
+rules is very easy. You may use this eBook for nearly any purpose
+such as creation of derivative works, reports, performances and
+research. They may be modified and printed and given away--you may do
+practically ANYTHING with public domain eBooks. Redistribution is
+subject to the trademark license, especially commercial
+redistribution.
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+Gutenberg-tm electronic works if you follow the terms of this agreement
+and help preserve free future access to Project Gutenberg-tm electronic
+works. See paragraph 1.E below.
+
+1.C. The Project Gutenberg Literary Archive Foundation ("the Foundation"
+or PGLAF), owns a compilation copyright in the collection of Project
+Gutenberg-tm electronic works. Nearly all the individual works in the
+collection are in the public domain in the United States. If an
+individual work is in the public domain in the United States and you are
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+or cause to occur: (a) distribution of this or any Project Gutenberg-tm
+work, (b) alteration, modification, or additions or deletions to any
+Project Gutenberg-tm work, and (c) any Defect you cause.
+
+
+Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg-tm
+
+Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
+electronic works in formats readable by the widest variety of computers
+including obsolete, old, middle-aged and new computers. It exists
+because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
+people in all walks of life.
+
+Volunteers and financial support to provide volunteers with the
+assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
+goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
+remain freely available for generations to come. In 2001, the Project
+Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
+and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations.
+To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
+and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
+and the Foundation web page at https://www.pglaf.org.
+
+
+Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive
+Foundation
+
+The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
+501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
+state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
+Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification
+number is 64-6221541. Its 501(c)(3) letter is posted at
+https://pglaf.org/fundraising. Contributions to the Project Gutenberg
+Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
+permitted by U.S. federal laws and your state's laws.
+
+The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
+Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
+throughout numerous locations. Its business office is located at
+809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email
+business@pglaf.org. Email contact links and up to date contact
+information can be found at the Foundation's web site and official
+page at https://pglaf.org
+
+For additional contact information:
+ Dr. Gregory B. Newby
+ Chief Executive and Director
+ gbnewby@pglaf.org
+
+
+Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg
+Literary Archive Foundation
+
+Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
+spread public support and donations to carry out its mission of
+increasing the number of public domain and licensed works that can be
+freely distributed in machine readable form accessible by the widest
+array of equipment including outdated equipment. Many small donations
+($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
+status with the IRS.
+
+The Foundation is committed to complying with the laws regulating
+charities and charitable donations in all 50 states of the United
+States. Compliance requirements are not uniform and it takes a
+considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
+with these requirements. We do not solicit donations in locations
+where we have not received written confirmation of compliance. To
+SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any
+particular state visit https://pglaf.org
+
+While we cannot and do not solicit contributions from states where we
+have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
+against accepting unsolicited donations from donors in such states who
+approach us with offers to donate.
+
+International donations are gratefully accepted, but we cannot make
+any statements concerning tax treatment of donations received from
+outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff.
+
+Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
+methods and addresses. Donations are accepted in a number of other
+ways including including checks, online payments and credit card
+donations. To donate, please visit: https://pglaf.org/donate
+
+
+Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic
+works.
+
+Professor Michael S. Hart was the originator of the Project Gutenberg-tm
+concept of a library of electronic works that could be freely shared
+with anyone. For thirty years, he produced and distributed Project
+Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.
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+Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
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+unless a copyright notice is included. Thus, we do not necessarily
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