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-The Project Gutenberg eBook of Unsere Hochzeitsreise in die Urwälder von
-Kamerun, by Jenny Claren
-
-This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and
-most other parts of the world at no cost and with almost no restrictions
-whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it under the terms
-of the Project Gutenberg License included with this eBook or online at
-www.gutenberg.org. If you are not located in the United States, you
-will have to check the laws of the country where you are located before
-using this eBook.
-
-Title: Unsere Hochzeitsreise in die Urwälder von Kamerun
-
-Author: Jenny Claren
- Jenny Neralc [pseud.]
-
-Release Date: March 09, 2021 [eBook #64769]
-
-Language: German
-
-Character set encoding: UTF-8
-
-Produced by: the Online Distributed Proofreading Team at
- https://www.pgdp.net
-
-*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK UNSERE HOCHZEITSREISE IN DIE
-URWÄLDER VON KAMERUN ***
-
-
-
-
- Unsere
- Hochzeitsreise
- in die Urwälder
- von Kamerun
-
- Von
- Jenny Neralc
-
- Mit 4 Abbildungen im Text
- und
- einer Illustrations-Beilage
-
- Winden in Westfalen
- Druck und Verlag von Wilhelm Köhler
- 1924
-
-
-
-
-Nun sollte es also doch Wahrheit werden!
-
-Ich sollte Kamerun sehen!
-
-Das lang und heiß Ersehnte, aber nie Erhoffte sollte greifbare Gestalt
-annehmen.
-
-Kamerun! Allein das Wort hatte stets einen faszinierenden Reiz auf mich
-ausgeübt. Von allen fremden Ländern war es stets der schwarze Erdteil,
-der mich am meisten anzog und von diesem wiederum Kamerun. Schon als Kind
-verschlang ich alle sich darauf beziehenden Reisebeschreibungen und sah ich
--- als Hamburgerin -- Dampfer der Woermannlinie nach Kamerun ausreisen, was
-ich mir nicht oft entgehen ließ, konnte ich mich oft eines Tränenstromes
-nicht enthalten, sodaß manch' lächelnder Blick der am Kai versammelten
-Menschen das kleine, dicke Mädel traf, dessen Kummer allen unverständlich
-war.
-
-Nie hätte ich geglaubt, daß sich mein glühender Wunsch noch dermaleinst
-verwirklichen würde; doch das Schicksal meinte es gut mit mir, indem es
-mir in meinem Lebensgefährten einen Mann zuführte, der bereits 5 Jahre
-Kamerun bereist, eine tiefe Liebe für dieses schöne Land empfand. Er
-verstand und würdigte meine Sehnsucht und überglücklich war ich, als er
-mir als Hochzeitsgabe eine Reise nach Kamerun versprach.
-
-Welch' herrlicher Gedanke! An der Seite des geliebten Mannes das Land
-meiner Sehnsucht aufzusuchen und kennen zu lernen. Wie dankbar war ich ihm
-für seine Güte, die mir diese herrlichste aller Hochzeitsgaben bescherte.
-
-Drei Tage nach unserer Trauung in Dresden fuhren wir am 7. September nach
-Hamburg. Ein gemütlicher Abend hielt uns bei lieben Freunden fest, wo
-unsere Abreise weidlich begossen wurde. Spät trennten wir uns, begleitet
-von guten Wünschen der Freunde, doch lange konnte ich keinen Schlaf
-finden, denn in unregelmäßigen Zwischenräumen drang das Heulen der
-Sirenen in unser Hotelzimmer und erneuerte immer wieder das wunderselige,
-wonnige Gefühl: »Morgen, morgen gehts hinaus in die weite, herrliche
-Welt!«
-
-Am andern Abend um 10 Uhr begaben wir uns an Bord. Am Morgen des nächsten
-Tages um 7 Uhr wurden die Taue vom Kai gelöst und langsam fuhren wir,
-von einem Schlepper gezogen, unter den heiter-wehmütigen Klängen des
-hübschen, uralten Liedes: »Muß i denn, muß i denn zum Städtelein
-hinaus« und dem Hurrarufen und Tücherschwenken der am Kai Stehenden, aus
-dem Hafen hinaus, die Elbe hinunter.
-
-Das eben erwachende Blankenese, mit seinen schmucken, in Grün gebetteten,
-Wohlstand verratenden Villen und dem stolzen Süllberg sandte uns in
-lachender Morgensonne seine Abschiedsgrüße zu und weiter gings, an den
-blühenden Elbhügeln entlang, dem offenen Meere zu.
-
-Ein buntes Leben und Treiben entwickelte sich vor unseren Augen in
-der Elbmündung, denn unzählige kleine Küstendampfer und Fischkutter
-steuerten, geschickt manöverierend, unter Volldampf ihrem Ziele zu.
-
-Nachdem wir die Feuerschiffe passiert hatten, fuhren wir mit halber Kraft
-in die Nordsee ein. Unser Schiff begann jetzt unter den leichten Wellen der
-Nordsee etwas zu stampfen, doch, als geborene Hamburgerin des Seereisens
-von einigen Überfahrten nach Helgoland und Dänemark nicht ganz
-ungewöhnt, machte mir die stampfende Bewegung des Schiffes viel
-Vergnügen.
-
-Fern am Horizonte tauchten die Umrisse unseres befestigten
-Felsen-Eilandes, Helgoland, auf, um welches herum, malerisch, und doch in
-Schlachtenformation gruppiert, ein Teil unseres Hochseegeschwaders unter
-Volldampf lag, scheinbar in Erwartung eines markierten Feindes.
-
-Nachdem auch dieser kleine Rest heimatlicher Erde unseren Blicken
-entschwunden war und der Tag sich zu neigen begann, zogen wir uns, für
-heute des Schauens müde, in unsere Kabine zurück, und die leise an die
-Schiffswand schlagenden Wellen und das stete Surren der Schiffsschraube
-sangen uns ein monotones, einschläferndes Schlummerlied.
-
-Als ersten Hafen liefen wir Boulogne sur mer an, nahmen Post und einige
-Passagiere an Bord und dampften selbigen Tags, die um die Insel Wight
-gruppierten, schwimmenden, englischen Forts passierend, nach Southampton,
-wo wir ebenfalls auf Reede liegen blieben und von einem Küstendampfer Post
-und Passagiere übernahmen.
-
-Weiter ging es mit Volldampf in den offenen Ozean hinein.
-
-Das leichte Gekräusel der Nordsee, was wir bereits als Wellen empfanden,
-verstärkte sich dermaßen, daß man auf dem Schiff, außer den heftiger
-gewordenen Stampfbewegungen, auch ein recht bemerkenswertes Rollen
-verspürte, ja selbst einige Spritzer der kleinen Sturzseen benetzten
-die Promenadendecks, und empfindliche Gemüter zogen sich bereits aus der
-frischen Seebrise in die verschiedenen Salons zurück.
-
-Die »alten Afrikaner« hatten sich bereits zu kleinen Gesellschaften
-gruppiert und begannen, unbekümmert um das Treiben des Ozeans, ein
-Spielchen. Eifrig wurde dem Bier und sonstigen geistigen Getränken
-zugesprochen und dicker Zigarren- und Zigarettenqualm erfüllte den Raum,
-so daß ich vorzog, mich schleunigst an Deck zu begeben, in die herrliche,
-frische Seeluft, wenngleich mich auch einige dieser »alten Afrikaner«
-stark interessierten. Beim Spiel konnte man beobachten, wie sehr ihre
-Nerven im schwarzen Erdteil gelitten hatten. Diese typische, leichte
-Erregbarkeit, die so schnell erhitzten Gemüter, kennzeichneten die lange
-unter der sengenden Sonne Afrikas hartgearbeiteten Männer. Und auch
-wie manche sehnige, schöne Gestalt war unter ihnen: groß, schlank,
-braungebrannt, mit kühnem Gesicht und energisch blickenden Augen.
-Stets weilte ich gern unter ihnen und lauschte ihren hochinteressanten
-Erzählungen über ihre Erlebnisse im schwarzen Erdteil. Sollte ich doch
-jene Gefilde, die noch einen kleinen Überrest des längst entschwundenen
-Urdaseins darstellen, aus eigner Anschauung kennen lernen.
-
-Nachdem uns die, selbst von den ältesten Kapitänen unserer Weltlinien
-gefürchtete Biskaya auf ihren haushohen Wellen einige Tage lang
-geschaukelt und auch von einigen, nicht ganz magenfesten Passagieren ihren
-Tribut gefordert hatte, wurde am neunten Tage unserer Seereise wieder Land
-gesichtet, und zwar waren es die kanarischen Inseln, und von diesen wieder
-Teneriffa als erste, deren Hafen, Santa Cruz, wir kennen lernen sollten.
-
-Am nächsten Tage sahen wir beim Erwachen bereits die Umrisse der
-unzähligen, ehemals vulkanischen Bergkegel, in deren Mitte ihr Oberhaupt,
-der Pique Teneriffe thronte, aus dem Meere emporsteigen. Die Spitze des
-alten Götterberges war in leichte Nebel gehüllt, doch bereits nach
-zweistündiger, weiterer Fahrt zogen sich auch die letzten Nebelschleier
-vom Haupte des Pique Teneriffe hinweg. Noch näher kommend, erkannten wir
-mit Hilfe der Ferngläser die rotbraunen Heidekräuter, durchmischt mit
-eßbaren Kakteen und üppig wuchernden Farren, einem herrlich gewirkten
-Teppich gleichend, welcher die Kegel bedeckt. Auf den Außenkegeln sind die
-portugiesischen Signalstationen errichtet, die hier, wie in Las Palmas
-und Madeira als Forts ausgebaut und armiert sind. Zwischen den Bergkegeln
-ziehen sich, mit üppigster Vegetation bestandene Täler hin, in denen
-die kleinen Dörfchen mit ihren roten Bedachungen malerisch zwischen den
-herrlichen Bananenhainen wie in einem Schmuckkästchen leuchten.
-
-Bereits vor der Hafeneinfahrt bemerkten wir auf hoher See die kleinen
-Fischkutter und Boote der Eingeborenen von Santa Cruz, deren Nebenerwerbs-
-und Nahrungsquelle der Fischfang zu sein scheint.
-
-Kaum war der Klang unserer Schiffssirene verhallt, als sich auch schon ein
-reges Leben im Hafen bemerkbar machte. Hunderte von kleinen Ruderbooten,
-besetzt mit Männern und vor allen Dingen Jungen, hatten unser noch langsam
-fahrendes Schiff als Ziel gewählt. Unzählige von kleinen, schwimmenden
-Krämerläden, in denen man Bananen, Orangen, Nüsse, Äpfel, Papageien,
-Ferngläser, Briefmarken, Kanarienvögel, Seidenwaren, entzückende
-Madeirastickereien, Postkarten, Goldwaren, Zigarren, Zigarretten und
-tausend andere Sachen mehr kaufen konnte, umgaben bald unser Schiff.
-
-Mit buchstäblich affenartiger Geschwindigkeit erklommen die 6-10jährigen
-Jungen, mit Handkörbchen beladen, die von einigen voreiligen
-Passagieren hinabgeworfenen Taue und es entspann sich sehr bald ein reges
-Handelsgeschäft.
-
-Der Neuling kauft von allem, was ihm geboten wird und zahlt anstandslos die
-Preise, die gefordert werden. Erst durch das routinierte Handeln einiger
-»alter Afrikalöwen« aufmerksam geworden, erkennt er seine Voreiligkeit,
-denn die »alten Afrikaner« kaufen nicht 50, sondern 200-300 Prozent
-billiger als der Neuling.
-
-Singend und schreiend kletterten die halbwüchsigen Burschen in ihren
-Booten herum und forderten kreischend und flehend die Passagiere auf,
-Geldstücke ins Meer zu werfen, nach denen sie tauchen und keines entgeht
-ihren Blicken.
-
-Mit Genehmigung des Kapitäns durften wir an Land gehen. Die kleine
-Barkasse brachte uns bald an den Kai, wo uns die zweirädrigen, mit
-Mauleseln bespannten Karren aufnahmen und uns auf einer Rundfahrt durch
-Santa Cruz mit den Schönheiten der Hafenstadt, in Gestalt von prächtigen
-Bananenhainen, Zuckerrohrplantagen und Palmen bekannt machten. Zum ersten
-Male konnte ich die Schönheiten der in Freiheit gediehenen, mächtigen
-Palmen bewundern.
-
-Nachdem wir von unserer ca. vierstündigen Fahrt in das Hinterland der
-Insel, die uns abwechselnd durch herrliche Farmen und kleine Dörfchen
-führte, zurückgekehrt waren, labten wir uns an einer Flasche echten
-(hoffentlich) Madeiraweins und ließen uns durch die Barkasse wieder an
-Bord bringen. Auch der Markthalle, die uns einen Einblick in die üppigen
-Vegetationsverhältnisse der Insel tun ließ, sowie dem Rathause statteten
-wir einen Besuch ab.
-
-Unser vorläufiges Reiseziel war Madeira, dem wir einige Tage widmen
-wollten. Wir mußten uns daher von der uns liebgewordenen Reisegesellschaft
-und von unserem Dampfer in Las Palmas trennen, um nach Besichtigung der
-Hafenstadt von Grand Canaria mit einem Küstendampfer nach Madeira zu
-fahren.
-
-Las Palmas unterscheidet sich von Teneriffa durch seine, in die Berge
-eingebauten, mit flachen Dächern abgedeckten, hell angestrichenen Häuser.
-An der Hauptstraße, auf der sich mit tosendem Gerassel eine Eisenbahn in
-unergründlichem Schmutze durcharbeitet, liegen die öffentlichen Gebäude
-und am Ende der Straße, umgeben von Palmen und anderen tropischen
-Gewächsen, die Kathedrale von Las Palmas. Nach einer kurzen Besichtigung
-der letzteren sahen wir uns noch die hinter den Häusern angelegten, wenig
-gepflegten Bananen- und Zuckerrohrplantagen an und fuhren mit unserem,
-am Kai gemieteten Karren, dem singend und schreiend, Purzelbaum- und
-Radschlagend die Jugend bettelnd folgte, wieder nach dem Hafen.
-
-Unser Gepäck war bereits auf dem kleinen Küstendampfer, der uns nach
-Madeira bringen sollte, verstaut worden, und am Abend des nächsten Tages
-fuhren wir in den Hafen von Funchal ein.
-
-Tausend und abertausend Lichter spiegelten sich in der ruhigen
-Wasserfläche wieder und boten dem Auge des Beschauers ein entzückendes
-Bild. Ab und zu trug der Abendwind leichtverwehte Klänge einer
-einschmeichelnden Musik zu uns herüber und traumverloren an der Reeling
-lehnend, ließen wir die wunderbare Schönheit des südlichen Hafenbildes
-und des tiefen Frieden ausatmenden Funchals auf uns einwirken.
-
-Plötzlich durchdröhnte die Stille der sternenklaren Nacht das Rasseln der
-Ankerketten und der Donner der Postkanone und eine Stunde später betrat
-ich das eigenartige, vielbesungene Märchenland.
-
-Studienhalber besuchten wir am Abend, nachdem wir uns im Hotel etwas
-restauriert hatten, einige Bierlokale, wo uns in den sauberen Räumen
-überall die lockenden, südlichen Klänge der fast durchweg sehr
-musikalischen und musikliebenden Bevölkerung empfingen.
-
-Am anderen Morgen nahmen wir einen jener charakteristischen, mit Ochsen
-bespannten Schlitten und fuhren -- nicht wie hierzulande im Schnee --
-sondern auf faustgroßen, runden, glatten Pflastersteinen durch die Stadt.
-Daß es ein angenehmes Fahren gewesen wäre, kann ich nicht behaupten, aber
-wir hatten die Mode mitgemacht.
-
-Auch eine kleine Hafenfahrt im Ruderboote unternahmen wir und entdeckten
-auf den kleinen Bergkegeln, die sämtlich vulkanischen Ursprungs sind, die
-Befestigungen und Signalstationen von Funchal.
-
-Die Schönheiten Funchals und seiner Umgebung zu beschreiben, ist man wohl
-kaum imstande. Ein Gemisch der herrlichsten und verschiedenartigsten Palmen
-und sonstiger subtropischer Gewächse, zwischen denen die kleinen, mit
-Stroh und Matten gedeckten Hütten der ärmeren Bevölkerung Funchals
-liegen, bietet sich dem Auge dar. Bäume, deren Höhe und Stärke nur noch
-einen kläglichen Überrest von den Riesenerzeugnissen der Urzeit bilden,
-recken, leicht vom Seewind bewegt, kühn ihre Häupter gen Himmel; leise
-von längst entschwundenen Zeiten flüsternd.
-
-Die Bevölkerung Funchals scheint, soweit man dies nach dem kurzen, uns
-vergönnten Aufenthalt beurteilen kann, nur aus Armen und Reichen zu
-bestehen. Der Arme trägt seine schweren Lasten aus der Farm nach den
-Märkten auf dem Kopfe, um sie dort für billiges Geld loszuschlagen oder
-gegen andere Nahrungsmittel einzutauschen. -- Der Wohlhabende läßt sich
-von zwei Dienern in seiner Hängematte, deren buntgestreiftes Segeltuch ihn
-vor den sengenden Sonnenstrahlen schützt, spazieren tragen, oder er fährt
-in dem landesüblichen Ochsenschlitten durch die Straßen der Stadt.
-
-Nach fünftägigem Aufenthalt booteten wir uns wieder auf einem
-Afrikadampfer der Woermannlinie ein.
-
-Noch einmal lassen wir das Auge sich sattsehen an dem gesegneten Fleckchen
-Erde, welches uns soviel Schönes und Neues bot.
-
-Lebe wohl, du einziges Madeira, wohin man sich das einstige Paradies
-verlegt denken kann.
-
-Auf spiegelglatter See, die nur durch das zeitweise Auftauchen von
-fliegenden Fischen, Schweins- und Haifischen unterbrochen wurde, fuhren wir
-dem ersten afrikanischen Hafen, Conacry, entgegen.
-
-Zum ersten Male in meinem Leben sah ich die hohen Wasserstrahlen, die ein
-Walfisch in die Luft spritzte und dessen Körper zeitweilig bis zur Hälfte
-seiner Stärke aus dem Wasser ragte.
-
-Die größte westliche Länge, die wir auf unserer Fahrt erreichten, war
-32° nach Greenwich, die größte Zeitdifferenz von Hamburg 2 Stunden
-11 Minuten.
-
-Durch den ersten Offizier wurde uns geraten, eine Nacht zu opfern, um dem
-nimmer rastenden Treiben der Delphine und Haifische, die von jetzt ab viele
-Tage als treue Begleiter in unserem Kielwasser folgten, zu beobachten.
-
-An einem herrlichen, lauen Abend zogen wir uns nach dem Abendbrot auf
-das Achterdeck zurück und machten es uns in unseren Langstühlen bequem.
-Unseren Augen bot sich ein seltsames Schauspiel. Tausend und abertausend
-kleine Fünkchen (Infusorien) spielten in den durch die Schiffsschraube
-leicht gekräuselten Wellen: Das sogenannte Meeresleuchten und zwischen
-diesem Gewimmel zogen die Haifische, die ebenfalls stark phosphoreszieren,
-gespensterhaft ihre blaugrünen Furchen, bald back- bald steuerbords das
-Schiff beobachtend, ob nicht ein kleiner Überrest aus der Küche sich
-ihnen als Fang zeigt.
-
-Die unvergleichliche Pracht des Sternenhimmels wurde durch den Mond,
-der bald als feurige Kugel aus dem Meere emporstieg, gebrochen, und die
-angenehme Kühle der Nacht ließ uns die Stunden des Schauens wie im Fluge
-vergehen.
-
-Wir bummelten über die Promenadendecks nach dem Bug und beobachteten dort
-das launische Treiben der Delphine. Ihre phosphoreszierenden Körper
-zogen sich direkt vor dem äußeren Steven des Schiffes durch die rötlich
-schimmernden Manuaren, sogenannte »spanische Schiffe«, die Korallenriffen
-gleichend, das Meer beleben, hin.
-
-In der Ferne tauchte ein Licht auf und bald ertönte die Sirene unseres
-Schiffes, dem diejenige des uns entgegenkommenden Dampfers antwortete.
-Leise glitt der dunkle Koloß des Afrikadampfers -- denn ein solcher war
-es -- an uns vorüber. Alles Leben war dort, wie auf unserem Dampfer,
-erstorben. Lockende Träume mochten die Schläfer drüben umgaukeln, waren
-doch viele davon glückliche Menschen, die nach jahrelangem Wirken und
-Schaffen unter der heißen Tropensonne Afrikas der Heimat zu fuhren.
-
-Wiederum tauchte in der Ferne, in rhythmischen Zeitabständen leuchtend,
-ein Signallicht auf. Es war das Blinkfeuer, welches von der Insel Tambo
-ausgehend, die Einfahrt in den Hafen von Conacry in Französisch-Guinea
-kennzeichnet.
-
-Wir blieben bis zum Morgengrauen auf der Reede von Conacry liegen und gaben
-später Post und Passagiere an Land.
-
-Zum ersten Male in meinem Leben sah ich eine größere Anzahl Neger. Mit
-großem Interesse hatte ich die Abstufungen der Völkerrassen vom hohen
-Norden Deutschlands bis zur heißen Zone Nordafrikas beobachtet und sah nun
-diese sehnigen, schokoladenbraunen Gestalten in ihrer Heimat. -- Trotz des
-Lächelns, das beim Anblick der Europäer um ihre wulstigen Lippen spielte,
-konnte man doch den so oft beschriebenen, hinterlistigen Zug in ihren
-scharfen Augen entdecken und ich hätte mir fürs Erste nicht gewünscht,
-mit diesen braunen Gesellen unter einem Dach wohnen zu müssen. Doch mein
-Mann belehrte mich bald eines Besseren, denn er hatte während seiner
-fünfjährigen Afrikatätigkeit genug Gelegenheit gehabt, das Seelenleben
-der Neger zu studieren. Einige uniformierte, schwarze Beamte der
-französischen Kolonialpost, die die Postsäcke und Pakete an Bord
-brachten, machten einen sehr netten Eindruck und sprachen ein sehr gutes
-Französisch.
-
-Gegen 10 Uhr lichteten wir die Anker und stachen wieder in See, um in
-geringer Entfernung vom Land, jedoch außerhalb des Gefahrenbereiches der
-Riffe, dem nächsten Hafen Monrovia im Negerfreistaat Liberia zuzusteuern.
-
-Während bis hierher die Möven unsere steten Begleiter waren und sich
-gierig auf jeden über Bord geworfenen Abfall stürzten, entdeckten wir
-zu unserem nicht geringen Erstaunen in den Tauwerken der Masten einige
-Schwalben, die von dort aus kurze Flüge unternahmen und die Nächte an
-Bord unseres Schiffes verbrachten.
-
-Ein sehr nettes Schauspiel war das Bootsmanöver. Die Schiffsglocke
-ertönte und in kurzer Zeit waren die Boote ausgeschwenkt, bemannt und
-zu Wasser gelassen. Zwei Rettungsringe mit selbstentzündbaren Lichtbojen
-wurden über Bord geworfen, die im Ernstfalle den nachts über Bord
-Springenden Rettung bringen sollten. Interessant zu beobachten waren
-die Haifische, die im selben Moment, als die Bojen klatschend ins Wasser
-fielen, auf diese zuschwammen und hastig zuschnappten, dann ihre verkannte
-Beute rasch wieder losließen und ihr Glück bei einem der zu Wasser
-gelassenen Boote versuchten. Der Dampfer drehte sofort bei und nahm die
-Rettungsboote wieder an Bord, die Lichtbojen, die inzwischen erloschen
-waren, wurden wieder aufgefischt und ruhig setzte der Dampfer seine Fahrt
-fort, bis wir der Reede von Monrovia ansichtig wurden.
-
-Im Hafen von Monrovia entwickelte sich ein etwas lebhafteres Treiben als
-vor Conacry, denn zwei Küstendampfer brachten ca. 80-90 Neger an Bord, die
-während der Fahrt unter der heißen Sonne Afrikas die groben Arbeiten an
-Bord verrichteten.
-
-Nachdem sie alle übernommen waren, bildeten sich schon verschiedene
-Gruppen und man merkte sehr bald, daß es nicht das erste Mal war, daß sie
-im Dienste der Woermannlinie arbeiteten.
-
-Mit großer Geschicklichkeit wurden die Ladebäume, die bisher in der
-Längsrichtung des Schiffes niedergelegt waren, aufgerichtet, die Seile
-über die Rollen geführt und schon rasselten die Dampfwinden den ersten
-Ballen Ladung aus den schier unergründlichen Bunkern des Schiffes
-nach oben. Der Ladebaum wurde ausgeschwenkt und die Ladung in die
-bereitstehenden Küstendampfer herabgelassen. Ein anderer Teil der Neger
-holte sich beim Verwalter Schrubber und Bürsten, die Schiffshydranten
-wurden in Bewegung gesetzt und in wenigen Augenblicken schwammen alle
-Decks, die unter der kräftigen Behandlung unserer »lieben, schwarzen
-Brüder« sehr bald ihre Farbe wechselten.
-
-Ein Glockensignal verkündete eine Essenspause.
-
-Zwei große, ca. 100 Liter fassende Kessel mit gekochtem Reis wurden,
-der eine in die Mitte der Ladekolonne, der andere in die Mitte der
-Reinigungsmannschaften, gestellt. Um beide Kessel gruppierten sich, die
-strahlenden Augen auf den dampfenden Reis gerichtet, die Neger. Ein Vormann
-(Headmann) teilte den Inhalt des gefüllten Kessels in ca. 10 Portionen,
-deren jede einzelne wieder in einen kleineren Kessel gepackt wurde. Auf
-jeder Portion thronte als »Garnierung« ein Stück gekochten Stockfisches.
-Die Verteilung vollzog sich mit einer gewissen Ordnung, die Unterhaltung
-jedoch wäre wohl kaum von dem Geschnatter eines Waggons böhmischer Gänse
-übertönt worden.
-
-Zu jedem dieser kleinen Kessel gehörten ca. 8-10 Mann, die sich in einer
-Ecke des Schiffes niederhockten und den Reis mit der Hand, mit der sie eben
-noch die schmutzigen Scheuertücher ausgewrungen hatten, zu Ballen formend,
-in den Mund stopften. An den Stückchen Stockfisch wurde nur ab und zu
-geleckt, erst mit dem letzten Klumpen Reis nahm auch dieses seinen Weg ins
-Innere des Negermagens.
-
-Wie auf ein Kommando verstummte jegliche Unterhaltung und machte einem
-breiten, wohligen Schmatzen Platz. In kaum 10 Minuten waren sämtliche
-Kessel nicht nur geleert, sondern auch sorgfältigst für die nächste
-Verpflegungsaufnahme ausgeleckt und mit den Fingern gereinigt. Einige
-zu Boden gefallene Reiskörnchen wurden noch gierig aufgesucht und
-verschwanden in den nimmersatten Magen der Schwarzen. Damit der Magen auch
-wirklich bis oben gefüllt war, stürzten sie noch ca. ein halbes Liter
-Wasser nach und der letzte Schluck wurde, nachdem er kurze Zeit im Munde
-hin und hergespült war, in hohem Bogen über die Reeling gespuckt und --
-die Zähne waren geputzt.
-
-Ein greller Pfiff des Offiziers rief die Horde wieder an ihre Arbeit.
-
-Nachdem die Ladegeschäfte beendet waren, verließen wir Monrovia.
-
-Die Wärme hatte sich bereits zu einer fast unerträglichen Hitze (46°C.
-im Schatten) gesteigert und noch unangenehmer machte sich die Hitze des
-Nachts bemerkbar. Trotz der in die Bullenaugen eingesetzten Windfänger und
-trotzdem man völlig entkleidet, nur mit dem Laken bedeckt, schlief, war an
-einen festen Schlummer nicht zu denken. Hochinteressant zu beobachten
-waren am Abend die Promenadendecks, wo in jedem Winkel 2-3 Neger
-kaffeelöffelartig zusammengehockt, mit einem leichten Leinwandlappen
-bedeckt, durch ein intensives Schnarchen ihren gesunden Schlaf verrieten.
-
-Als wir am Morgen gegen 7 Uhr an Deck gingen, war bereits alles wieder
-blitzsauber gescheuert und die nicht beschäftigten Neger saßen plaudernd
-in Gruppen beisammen und plapperten wie die Waschweiber.
-
-Nachdem wir noch die Häfen Grand Bassam und Cap Coast Castle angelaufen
-hatten, gingen wir unweit der Landungsbrücke von Lome in Deutsch Togo
-vor Anker. Mit einer der ersten Fahrgelegenheiten ließen wir uns an Land
-bringen und besichtigten, soweit es die kurze Zeit erlaubte, wieder einmal
-ein Stück deutschen Bodens.
-
-Schon vom Schiff aus sah man die Früchte deutscher Kultur in Gestalt
-eines, auch architektonisch schönen Gouvernementsgebäudes und unzähligen
-am Strande liegender Faktoreien, die sämtlich von einer in gotischem Stil
-gehaltenen Kirche überragt werden.
-
-Die Straßen Lomes sind zum Teil befestigt und auf ihnen werden im flotten
-Tempo die zweirädrigen, mit schwerer Ladung bepackten Karren gezogen.
-Während wir bisher nur Neger sahen, die, mit Ausnahme des Lendenschurzes
-völlig unbekleidet waren, trug der größere Teil der Togo-Neger Kleider,
-und wenn sie auch nur aus einigen, malerisch um den Leib geschlungenen,
-bunt bemalten Tüchern bestanden. Einen recht netten Eindruck machten
-die sauber in Weiß oder Khaki gekleideten schwarzen Angestellten der
-Faktoreien, desgleichen die sauber uniformierten Soldaten der Polizeitruppe
-und die schwarzen Gouvernementsbeamten.
-
-Auch hatten wir Gelegenheit, das bunte, fesselnde Markttreiben in Lome zu
-beobachten:
-
-Hier hing unter einem Mattendach die Keule eines Schafes oder Ochsen,
-dort standen, in kleine Körbchen gefüllt, Erdnüsse, Makavo
-(kartoffelähnliche Knollenfrucht), Mais, Bananen, Ananas und ähnliche
-tropische Früchte. An anderer Stelle wieder kauerte ein schmutziges Weib
-am Boden, die ihre aus Makavo gefertigten, in Palmöl gekochten Klöße
-zum Verkaufe ausbot. In einem kleinen Schnittwarenladen, der die »neuesten
-Muster« der afrikanischen Mode auf den Markt brachte, wurden die auf dem
-Markt durch den Verkauf von Produkten erzielten Einnahmen umgesetzt, doch
-nicht, ohne stundenlanges Feilschen und Handeln und nachdem sämtliche
-ausgelegten Herrlichkeiten mit schmutzigen Fingern durchwühlt waren.
-
-Nachdem wir uns mit einer Flasche Eisbier und einigen Sandwichs im Hotel
-gestärkt hatten, unternahmen wir noch einen kleinen Spaziergang durch die
-endlose Reihe der deutschen und englischen Faktoreien.
-
-Da die Zeit zur Abfahrt mahnte, ließen wir uns wieder auf unseren Dampfer
-einbooten und fuhren, nachdem wir noch Lagos, eine Hafenstadt in Nigeria,
-angelaufen hatten, dem vorläufigen Endziel unserer Reise, Kamerun, zu.
-
-Mit vor Freude klopfendem Herzen stand ich an Deck. Kamerun! In kurzer
-Zeit sollte es erreicht sein, sollte mein jahrelanger, heißer Wunsch sich
-erfüllen. Meinen Fuß würde ich auf Kameruner Erde setzen und eindringen
-in die vielen Schönheiten des wunderbaren Landes.
-
-Mit Hilfe des Fernglases bemerkten wir bereits vor uns einen
-langgestreckten Höhenrücken, dessen einzelne Bergkegel in einen
-undurchdringlichen Nebel gehüllt zu sein schienen. Näherkommend,
-zerteilten sich die Nebelschwaden und majestätisch stieg aus dem Gebirge
-der alles überragende 4000 Meter hohe Kamerunberg heraus. Zu seinen
-Füßen liegt der ehemalig ebenfalls vulkanische, kleine Kamerunberg. Am
-Fuß des letzteren gruppiert sich malerisch, wie ein Schmuckkästchen, das
-reizende Viktoria, das aber leider durch die hinter ihm lagernden, nur
-zum Teil sanierten Sümpfe, nicht gerade das günstigste Klima in unserem
-fieberreichen Kamerun hat.
-
-Auf einer kleinen Anhöhe liegt die Wohnung des Bezirksamtmannes direkt am
-Strande, ferner das Laboratorium der Versuchsanstalt für Landeskultur, das
-Polizeimeistergebäude, das Bezirksamt und -Gericht, die Wohnhäuser
-der Gouvernementsbeamten und die Faktoreien. Eine strikte Trennung der
-Wohnungen von Schwarzen und Weißen ist hier geschickt durchgeführt.
-
-Ein Rundgang durch den botanischen Garten führt uns wohlgepflegte Kakao-
-und Gummikulturen vor Augen und gewährt uns schon einen kleinen Einblick
-in die üppige Vegetation der Tropen. Gern hätten wir uns den Sitz des
-Gouvernements, das in ca. 1000 Meter Höhe am großen Kamerunberg gelegene
-Buea, angesehen, doch unsere Reise sollte weitergehen und uns in
-die Gefilde führen, wo mein Mann als deutscher Kulturpionier die
-Linienführung der Kamerun-Nord- und Mittellandbahn erkunden half.
-
-Nachdem wir uns noch einen Teil der herrlichen Kakao-Plantagen der W.A.P.V.
-angesehen hatten, fuhren wir noch an demselben Tage nach Duala.
-
-Unzählige Buchten, sogenannte Creeks, die dicht mit Mongroven, zwischen
-denen einige Urwaldriesen ihre Häupter gen Himmel reckten, bestanden
-waren, wurden von den Fischfang treibenden, in kleinen Kanoes sitzenden
-Negern belebt. Rechts von uns sahen wir auf schmaler Landzunge direkt an
-der See das Sanatorium Suelleba und näherkommend, entdeckte man bereits
-die sauber weiß gestrichenen Häuser von Duala.
-
-Auf der Joßplatte liegen Offizierskasino und die Beamtenwohnhäuser
-unserer Schutztruppenangehörigen und weiter, nach der Landungsbrücke zu,
-die Gouvernementsgebäude.
-
-Im Hafen von Duala, der die Mündung des Kamerunflusses (Wuri) ist,
-kreuzten die kleinen Dampfbarkassen und Pinassen und nahmen, nachdem vom
-Hafenarzt die Quarantäne abgenommen war, die ankommenden Passagiere und
-deren Gepäck auf.
-
-An der kleinen Landungsbrücke standen Hunderte von Negern und schwarzen
-Frauen, die teils grinsend, teils bewundernd die Neuangekommenen musterten,
-wohl auch dem wiedererkannten »alten Afrikaner« einen Willkommensgruß im
-schwarzen Erdteil zuriefen.
-
-Eines mutete mich recht sonderbar an. Während wir in franz. Guinea
-französisch, in den engl. Kolonien englisch sprechen hörten, vermißte
-ich in Duala den Wohlklang unserer Muttersprache. Einige besser gekleidete
-boys, die ihre aus der Heimat zurückkehrenden Master abholten, hörte ich
-nur das Pigeon-Englisch, ein furchtbar verstümmeltes, mit andern Sprachen
-durchsetztes Englisch, sprechen. Mein Mann hatte auf der 23tägigen
-Seereise eifrig mit mir gearbeitet, damit ich dieses Kunterbunt ein wenig
-beherrschte.
-
-Duala zu schildern, will ich unterlassen, da ich annehme, daß wohl Jeder
-von dem rasch emporgeblühten, fast europäischen Duala genügend Kenntnis
-aus Reiseberichten besitzt. Ich kann nur sagen, daß ich überrascht war
-von den wohlgepflegten Straßen und Gouvernementsgärten, in welchem die
-Gouvernementsgebäude eingebaut sind. Imponierend wirkten die Anlagen
-der Kamerun-Mittellandbahn, deren Bahnhof in einem Seitentale des
-Kamerunflusses, der sogenannten Bomonoschlucht liegt, deren Hänge mit den
-Beamtenwohnhäusern der Bahn malerisch bebaut sind.
-
-Durch die 23tägige Seefahrt war unser Gang an Land direkt schwankend und
-schaukelnd geworden, doch heute -- und das war für mich die Hauptsache --
-konnte ich zum ersten Male mein Haupt im schwarzen Erdteil, auf dem für
-mich noch tausend Geheimnisse bergenden Kameruner Boden zur Ruhe legen.
-
-Im Hotel traf mein Mann viele alte Bekannte von seiner früheren kolonialen
-Tätigkeit her, alle freuten sich sehr, ihn wiederzusehen und auch mich
-kennen zu lernen. Ein fröhlicher Kreis bildete sich bald, Erinnerungen,
-ernste und heitere, wurden lebhaft ausgetauscht und viele Fragen nach der
-lieben, deutschen Heimat an uns gerichtet, so daß die Stunden wie im Fluge
-entschwanden. Dem Bier und Sekt wurde sehr reichlich zugesprochen, das
-Wiedersehen wurde recht gründlich gefeiert und beim endlichen Aufbruch
-hatte ich das Empfinden, mich noch an Bord zu befinden, wenigstens in bezug
-auf den »schaukelnden, schwankenden Gang« meiner lieben, neuen Bekannten;
-mein Mann jedoch durchaus nicht ausgeschlossen.
-
-Eine frische Nachtbrise machte den Aufenthalt in den kleinen und niedrigen
-Hotelzimmern recht angenehm und zum ersten Male wieder, seit langer Zeit,
-fand ich meinen von Europa her gewöhnten, gesunden Schlaf.
-
-Ein fast unglaublicher Zufall führte uns mit dem Koch zusammen, der
-mehrere Jahre in den Diensten meines Mannes gestanden hatte und ihm
-während der Dauer von zweieinhalb Jahren kreuz und quer durch die
-Urwälder Kameruns ins Innere gefolgt war und sich nicht nur als treuer
-Begleiter, sondern auch als tüchtiger, mit dem verwöhnten, europäischen
-Gaumen wohlbekannter Koch erwies. Joseph, so hieß diese schwarze Perle,
-freute sich unglaublich, seinen alten Master wieder zu sehen und erklärte
-sich bereit, uns auf unserer bevorstehenden Reise ins Innere zu folgen.
-Kurzerhand löste er, wahrscheinlich zum nicht geringen Staunen und Ärger
-seines bisherigen Herrn, sein Dienstverhältnis und stand am andern Morgen
-grinsend mit seinem Päckchen am Hotel.
-
-Er war uns beim Einkauf unserer Verpflegung, die wir auf ca. 3 Wochen zu
-berechnen hatten, behilflich und nichts wurde vergessen, denn Joseph kannte
-die hohen Ansprüche, die sein alter Master an seine Kochkunst stellte. Die
-Verpflegung: Fleisch, Gemüsekonserven, Früchte, Cakes, Butter, Schmalz,
-Mehl, Reis, Kaffee, Tee, Milch, Zucker, Essig, Öl, Gewürz, einige
-Flaschen Wein und Bier und sonstige, für die Küche des Europäers
-nötigen Kleinigkeiten, sowie etwas Reis und Stockfisch, die als Notbehelf
-dienen sollten, für den Fall, daß man mitten im Urwald Lager beziehen
-muß und keine Verpflegung für die Träger (Planten, Makavo und Palmöl)
-bekommt, wurde in Traglasten zu ca. 30 Kilogramm verpackt und nach dem
-Hotel gesandt. Als Tauschartikel nahmen wir noch Perlen, Tabak, und
-bedruckte Leinwandstoffe mit. Für irgend einen ganz besonderen Zweck
-hatten wir uns auch eines jener in Afrika typischen Hängekleider
-mitgenommen, desgleichen mieteten wir uns für die Reise nach dem
-Manenguba-Gebirge zwei Pferde.
-
-Die Deutsche Kolonial-Gesellschaft, in deren Diensten mein Mann
-früher stand, stellte uns bereitwilligst ein Zelt mit den nötigsten
-Ausrüstungsgegenständen zur Verfügung, und am zweiten Tage nach unserer
-Landung wurden unsere Lasten nebst ihren Trägern, die teilweise recht
-schmutzige Lendentücher, welche bei Gott nicht mehr als fünf Prozent
-ihres Leibes bedeckten und einen intensiven Geruch nach Schweiß und
-Palmöl ausströmten, um den Leib geschürzt hatten, sowie unsere Pferde
-und schließlich wir selbst in einem Leichter verstaut und von einer
-Barkasse nach dem am rechten Ufer des Wuri gelegenen Bonaberi gebracht und
-sofort in den bereitstehenden Zug verladen.
-
-Da mir mein Mann nicht in eiliger Bergfahrt die Schönheiten des Urwaldes
-flüchtig zeigen wollte, fuhren wir nur bis Mujuka, zirka 60 Kilometer der
-Nordbahn und schlugen auf einem freien Platz unser Zelt auf.
-
-Mit unglaublicher Geschwindigkeit wurden die Zeltlasten aufgeschnürt
-und in einer halben Stunde stand unser Zelt bezugsfertig da. Die
-Verpflegungslasten, aus denen Joseph sich einige Konservenbüchsen
-hervorkramte, wurden unter das Sonnensegel gestellt und bildeten, gegen die
-in der Übergangszeit noch vorkommenden Tornados geschützt, gleichzeitig
-eine kleine Barrikade um unser Zelt, nur den Eingang freilassend.
-
-Nach dem Aufschlagen des Zeltes begab sich jeder der Träger in den Urwald,
-um Holz für das nachts als Schutz gegen Ameisen und Raubtiere stets
-brennende Feuer zu holen und es dauerte gar nicht lange, so kehrten sie,
-jeder mit ein bis zwei beindicken, zwei bis drei Meter langen Ästen
-zurück, welche zu zwei großen Scheiterhaufen vereinigt, ihres Zweckes
-harrten.
-
-Aus einigen, schnell aus den Fiedern der Palme geflochtenen Matten und vier
-im Busche geschlagenen Pfählen wurde ein kleines Badehäuschen (ohne Dach)
-aufgebaut und nachdem wir gebadet und uns umgekleidet hatten, begann Joseph
-und sein Helfershelfer, der boy Taka, zu servieren.
-
-Trotzdem Joseph mit größter Fach- und Sachkenntnis den Lagerbau leitete,
-hatte er nebenbei, geschickt seine Töpfe auf drei Steine stellend, mittels
-kleingespaltenem Holz das Essen gekocht und Badewasser warm gemacht. Mitten
-unter freiem Himmel loderten bald vier solcher kleinen Feuer, auf denen die
-einzelnen Gerichte dampften.
-
-Wir hatten uns, gestützt auf die langjährigen Erfahrungen meines Mannes,
-alles Geschirr in Emaille mitgebracht, denn von Porzellan wäre wohl am
-Abend des ersten Tages wenig übrig geblieben.
-
-Zierlich, mit einer weißen, sauberen Jacke bekleidet, und stolzem Grinsen,
-die Suppe vor sich herbalanzierend, erschien Taka, dem auf dem Fuße,
-nicht minder weiß gekleidet, mit einem Gesicht, das den Stempel des
-Verantwortlichkeitsgefühls trug, Joseph mit dem zweiten Gange, Huhn mit
-Kartoffelpüree, folgte.
-
-Taka, voll Eifer, bemerkte nicht, daß sein schwarzer Daumen ein warmes
-Bad in der delikat aussehenden Schildkrötensuppe nahm und von meinem
-Mann »zart« darauf aufmerksam gemacht, traf ihn ein entrüsteter,
-vernichtender Blick Josephs, der sich ein derartiges Benehmen anscheinend
-einfach nicht erklären konnte und seinerseits, in diese schwarze Tat
-Takas voll Kummer vertieft, vergaß, die Finger von den frisch hingesetzten
-Tellern zu nehmen, so daß uns seine Fingerabdrücke entgegenleuchteten,
-die sicher der Stolz jedes Kriminalbeamten gewesen wären. Zum ersten
-Male stiegen mir an jenem Abend leichte Zweifel ob des »Abfärbens« der
-schwarzen Rasse auf.
-
-Nun, das Essen war vorzüglich zubereitet, und mit etwas gutem Willen war
-es mir auch möglich, alle »schwarzen« Gedanken zu bannen und es mir
-schmecken zu lassen.
-
-Joseph hatte, da er die Verhältnisse gerade Mujukas, aus seiner früheren
-Tätigkeit her kannte, bei einem dort wohnenden Freund ein Huhn und eine,
-irgendwo mit Bindfaden in der Hütte festgebundene Schildkröte erworben.
-
-Nach dem Essen setzten wir uns unter das Vordach unseres Zeltes und
-plauderten, gemütlich in unsern Liegestuhl zurückgelehnt, über das
-zurückgelegte Stück unserer Hochzeitsreise.
-
-Bald auch hörte unser Plaudern auf und träumend genossen wir den
-unbeschreiblich schönen Tropenabend. Leider war es noch einige Tage bis
-zum Vollmond, aber ich konnte mir schon einen kleinen Begriff machen von
-der großen Schönheit einer tropischen Mondnacht. Nichts regte sich,
-nur aus der Ferne drang der Schlag der Palavertrommel, sowie der monotone
-Gesang unserer Träger, die wir in einem benachbarten Dorfe untergebracht
-hatten, zu uns herüber und ließ die Nähe menschlicher Wohnungen
-vermuten. Eine unendlich weiche Luft umfächelte uns, und ich dachte
-unwillkürlich an unser, jetzt sicher so naßkaltes Hamburg, wo man sich
-schon mit den Pelzen schmückt.
-
-Auch der Feuermann hatte bereits seine Arbeit begonnen und eilte von einem
-lodernden Holzstoß zum andern, um immer wieder zu schüren und ihm neue
-Nahrung zuzuführen. Welch ein herrliches Schauspiel war es, in der ruhigen
-Nacht zu beobachten, wie jedesmal, wenn der Feuermann neues Holz auflegte,
-ein Funkenregen gen Himmel stiebte, der, gleich einer Rakete, dann wieder
-langsam in sich zusammensank.
-
-Joseph war eifrig in seiner Küche beschäftigt, das Geschirr zu säubern
-und alles für den nächsten Morgen, wo wir unsere Reise zu Fuß fortsetzen
-wollten, vorzubereiten. Taka packte die abgelegten Kleider in den
-Wäschesack, legte geschickt die am nächsten Morgen benötigten Kleider
-auf das Moskitonetz unserer Betten, und als sie beide ihr erstes Tagewerk
-bei ihrem alten »Master« beendet hatten, baten sie um die Erlaubnis,
-uns erzählen zu dürfen, wie es ihnen in der Zeit der Abwesenheit meines
-Mannes ergangen sei. Ich konnte mich schon recht gut mit den beiden
-Hausgeistern verständigen, dank der Bemühungen meines Mannes, mich recht
-eingehend in das fast undurchdringliche Pigeon-Englisch einzuweihen. Jeder
-hatte natürlich wenig lichte Tage erlebt, denn intensives Arbeiten ist
-nicht immer Sache der Neger. Am meisten schien sich Joseph zu freuen, daß
-sich sein alter Meister nun sein Weib mitgebracht hatte und gab dieser
-Freude dadurch Ausdruck, daß er uns am Abend mit einer Tasse Tee und ich
-muß sagen, einem wirklich wohlgelungenen Pudding überraschte.
-
-Noch einmal ermahnte mein Mann den Feuermann, der mit einem Knüppel
-bewaffnet, jetzt vor den Feuern hockte und träumend in die rote Glut
-starrte, ja nicht zu schlafen und wir zogen uns in unser Zelt zurück.
-
-Einzelne Moskitos schwärmten im dunklen Zelte herum, doch wir hatten ja
-Chinin geschluckt -- was ich übrigens nicht sonderlich schätzte -- und
-konnten beruhigt sein.
-
-Lange lag ich noch wach, alle bisher erlebten Tage an meinem geistigen
-Auge vorüberziehen lassend und dankte dem Himmel für die Schönheiten
-und Reize die er mir auf meiner Hochzeitsreise bisher geboten, bis auch
-ich schließlich, eingeschläfert durch das Knistern der brennenden
-Holzscheite, Gott Morpheus in die Arme sank.
-
-Doch unsere Nachtruhe sollte nicht lange ungestört sein, scheinbar sollte
-ich die »Schönheiten« der Tropenlande mit allen Finessen kennen lernen.
-
-Ein furchtbares Schreien und energisches Rütteln am Zelte schreckte mich
-auf und entsetzt sprang ich hoch, glaubte ich doch nicht anders, als daß
-wir überfallen worden seien. Ein schwarzes, ängstliches, durch die Glut
-der Lagerfeuer geisterhaft beleuchtetes Gesicht steckte sich durch den
-Spalt des Zeltes, so daß ich entsetzt aufschrie, glaubte ich doch, noch
-schlafbefangen, daß es der leibhaftige Teufel sei. Doch es war nur der
-harmlose Feuermann, der ununterbrochen ein ängstliches »Anch, Massa, Anch
-life« rief. So sehr ich auch mit Blitzeseile mein Gedächtnis nach dem
-mysteriösen Wort »Anch« durchforschte, ich konnte beim besten Willen
-nichts finden, was einem solchen auch nur ähnlich gewesen wäre. Mein
-Mann, der nun endlich auch aus seinem gesegneten Schlaf aufgewacht war,
-drehte sich, nachdem er den Feuermann etwas energisch angehaucht hatte und
-dieser blitzschnell verschwand, ganz ruhig im Bette herum und erklärte
-mir, daß Ameisen unser Lager überfallen hätten. Ich zog mich schleunigst
-wieder ins Bett zurück, wurde ich doch schon von einigen kleinen
-Quälgeistern energisch gezwickt. Das ganze Zelt, sowie das Moskitonetz
-waren mit Ameisen besät. Nur der Vorsicht meines Mannes, beim Zubettgehen
-das Moskitonetz sorgfältig unter die Matratze zu stopfen, war es zu
-danken, daß mein Mann, obwohl mitten in einem Ameisenhaufen, von diesen
-kleinen Räubern verschont blieb. Durch meine Unvorsichtigkeit, sofort auf
-das Geschrei des Feuermannes hin, aus dem Bett zu springen, hatten es sich
-die Ameisen natürlich bereits in meinem Bett heimisch gemacht und ich
-hatte das Vergnügen, jede einzeln, nachdem sie mich an irgend einem Teile
-des Körpers gehörig gezwickt hatte, zu fassen und hinauszubefördern.
-
-Ich hatte wirklich von der ersten Nacht im Zelte genug und wäre am
-liebsten nach der Küste zurückgekehrt, wo man doch wenigstens vor diesem
-kleinen Viehzeug sicher war und nicht noch obendrein vom Manne ausgelacht
-wurde, wie es mir armen Unglückswurm erging.
-
-Joseph hatte inzwischen unsere Trägerkolonne alarmiert, die der kleinen
-Räuberbande energisch zu Leibe ging.
-
-Drei bis vier Neger öffneten die Rück- und Vorderwand unseres Zeltes und
-begannen mit aus Palmenwedeln gefertigten, brennenden Besen die Ameisen zu
-verbrennen, während die übrigen Leute glimmende Scheite vom Lagerfeuer
-holten und durch Abklopfen der glühenden Kohle die Ameisen zum Rückzug
-nötigten. Meinem Manne bereitete der kleine Überfall scheinbar viel
-Vergnügen, während ich heillose Angst hatte, daß durch das unvorsichtige
-Umgehen der Neger mit den brennenden Fackeln unser Zelt und vor allem das
-Bett Feuer fangen könnte. Doch keines von beiden trat ein. Vereinzelt
-liefen noch einige dieser »lieben Tierchen« (sogenannte Dickköpfe) im
-Zelte herum.
-
-Mein Mann machte mich auf den völlig geordneten Abzug der kleinen
-Räuberbande aufmerksam. Zu Tausenden und Abertausenden zogen sie, die
-großen Ameisen (Dickköpfe) an den Seiten Spalier bildend, die kleineren,
-gemischt mit einigen führenden Großen, in einem zirka zwei bis drei
-Zentimeter breiten Streifen ab. Als der Zug zu Ende war, schlossen sich
-auch die Dickköpfe, die Spalier gebildet hatten, an.
-
-An Schlaf war meinerseits nicht mehr zu denken, denn das gellende Geheul
-des Feuermanns und der Anblick seines feurigen Gesichtes war denn doch
-zu stark in die Glieder gefahren. Aber mein Mann, der an derartige
-Überraschungen gewöhnt zu sein schien, verriet bald durch ein intensives
-Schnarchen die Fortsetzung seiner Nachtruhe.
-
-Da, endlich ertönte die kleine mitgenommene, von Joseph geschlagene
-Palavertrommel, deren Schall für die Träger das Wecken bedeutete. Wir
-kleideten uns rasch an und wer beschreibt mein Erstaunen, als ich, ins
-Freie tretend, unseren Tisch mit richtiggehenden Weißbrötchen, Kaffee und
-einem Teller Hafergrütze gedeckt fand. Ohne daß mein Mann nur ein Wort
-gesagt hätte, hatte sich Joseph all der kleinen Liebhabereien meines
-Mannes wieder erinnert und es schien ihm große Freude zu machen, recht zu
-unserer Zufriedenheit zu arbeiten.
-
-Joseph meldete, daß die Ameisen sich an der versehentlich offen gelassenen
-Zuckerdose und dem restlichen Pudding weidlich gelabt hätten und bat sich
-die Erlaubnis aus, dem Feuermann, der durch sein Schlafen den Ameisen den
-Einzug in unser Lager ermöglicht hatte, eine Ohrfeige geben zu dürfen.
-Die Erlaubnis erhielt er und setzte sie auch sofort, und zwar sehr
-energisch, in die Tat um. Ja, Joseph hielt auf Disziplin in der Kolonne.
-
-Na, wenn der räuberische Überfall nicht mehr Materialschaden brachte, war
-er wohl zu ertragen.
-
-Während wir den Morgenkaffee einnahmen, wurde mit staunenswerter
-Geschwindigkeit das Zelt abgebrochen, jeder schnürte sich seine Last zum
-Tragen fertig, und nachdem das Geschirr verpackt war, setzten wir uns auf
-unsere Pferde und ritten in den halbdunklen Urwald hinein.
-
-Es war ein ganz wonniger Morgen. Wie tausend Diamanten funkelten die
-Tautropfen an allen Gräsern und Zweigen in den mühsam durch das Dickicht
-brechenden Sonnenstrahlen. In vollen Zügen atmeten wir die frische,
-würzige Morgenluft ein; jubelnde Freude erfüllte meine Brust und
-vergessen waren die kleinen Unannehmlichkeiten der vergangenen Nacht. Der
-erste Tag im Urwald vom einzigschönen Kamerun nahm mich derartig gefangen,
-daß ich am liebsten ein Lied angestimmt hätte, ein frisches, fröhliches
-Wanderlied mit all den lieben, kleinen, gefiederten Sängern, die alle
-schon ihr Sangespensum erledigten, um die Wette. Doch auch unsere Kolonne
-war nicht stumm, ein rhythmisches monotones Singen begann, dessen Eigenart
-mich fesselte. Einer der Reserveträger sang, vor der Kolonne hertanzend,
-das Lied vor und die anderen stimmten später kräftig ein, gerade als wenn
-es der Refrain wäre, den sie mitsangen.
-
-Joseph bildete den Schluß, damit nicht einer der Träger mit seiner Last
-hinter der Reihe zurückblieb, denn nichts ist unangenehmer, als wenn man
-im nächsten Tageslager angekommen, sein Zelt aufschlagen will und eine
-Last fehlt.
-
-Man kann sich, wenn man es nicht selbst erlebte, keinen Begriff von der
-imponierenden Schönheit des tropischen Urwaldes machen.
-
-Mächtige Baumriesen von dreißig bis fünfzig Meter Höhe und fast
-unglaublichem Durchmesser sind von kleineren Bäumen und tausend
-verschiedenartigen Schlinggewächsen, rankenden Farren und sonstigen
-Schmarotzern umgeben und überwuchert. Staunend bewunderte ich die
-üppige Vegetation, die seltenen, niegesehenen Blumen, das in allen Farben
-schattierende Grün der einzelnen Schlinggewächse. Man sah es, hier war
-der Kultur noch keine Macht gegeben, einzudringen, stolz und frei sproß
-und wucherte alles in üppigster Selbstverständlichkeit durcheinander,
-sich im Kampf um einen Lichtstrahl eng umschlingend, so daß man keinen
-Meter breit das geheimnisvolle Dunkel des ewiggrünen Urwaldes mit den
-Blicken durchforschen konnte.
-
-Nichts verriet ein Welken oder Sterben!
-
-Hoch in den Wipfeln der Bäume tummelten sich die bisher nie gesehenen,
-unzähligen, farbenprächtigen Vögel, ein Singen, Klingen, Geschrei und
-Gekrächze erfüllte die Luft, das mein Herz immer höher schlagen ließ.
-Einer unserer Träger machte uns auf einige Äffchen, welche in den
-Kronen der Bäume fressend saßen, aufmerksam. Doch leider ergriffen die
-possierlichen Tierchen bei unserem Anblick ängstlich die Flucht.
-
-Wir marschierten nicht auf der ausgebauten Regierungsstraße, sondern auf
-Umwegen unserem Tagsesziele zu, denn ich wollte den Urwald richtig kennen
-lernen.
-
-Wurzeln und bloßgewaschene Steine bedeckten den zirka dreißig
-Zentimeter breiten Negerpfad, und erst jetzt konnte ich mir die großen
-Schwierigkeiten vorstellen, die mit einer Erkundung von Eisenbahnen im
-afrikanischen Urwald verbunden sein mußten. Einige quer über den
-Weg liegende armdicke Bäumchen waren von den vor uns marschierenden
-Reserveträgern fortgeräumt, dicke, anderthalb bis zwei Meter im
-Durchmesser fassende Baumriesen mußten umgangen werden. Die kleinen
-Flüßchen, die ohne Brücke waren, wurden durchwatet.
-
-Plötzlich stutzte das Pferd meines Mannes, der voranritt, und blieb mit
-zitternden Flanken stehen. Selbst unter Zuhilfenahme der Sporen war es
-nicht möglich, das nervös trampelnde Tier vorwärts zu bringen. Die
-Träger, die dadurch ins Stocken kamen, wunderten sich einen Augenblick,
-um im nächsten Moment, den Blick nach oben richtend, auf eine vom Baum
-herabhängende, vier bis fünf Zentimeter dicke, zirka vier Meter lange
-Schlange zu zeigen. Ein wohlgezielter Schuß aus der Büchse meines Mannes
-bringt den Feind zur Strecke, und beruhigt wiehernd setzte das Pferd seine
-Wanderung fort. Die Unvorsichtigkeit meines Mannes, gleich vom Pferde aus
-zu schießen, brachte ihm, durch eine schnelle Rückbewegung des Pferdes,
-eine kräftige Ohrfeige vom Gewehre ein.
-
-[Illustration]
-
-Nach zweistündigem Marsch kamen wir in einen mit zirka fünfzig Zentimeter
-langem Gras bedeckten freien Platz, wo mein Mann vor zirka fünf Jahren
-bei der Vermessung der Kamerun-Nordbahn sein Lager errichtet hatte. Einige
-eingerammte Pfähle und darüberliegende Knüppel, sowie einige von Wind
-und Wetter zerfetzte Palmenmatten waren die Überreste des ehemaligen
-Lagers. Wir rasteten kurze Zeit und setzten dann unsere Wanderung fort.
-
-Mittlerweile war auch die Sonne recht hoch gestiegen und entlockte mir,
-trotzdem ich noch immer ritt und ganz leicht gekleidet war, so manchen
-Seufzer und manches Tröpflein Schweiß, so daß ich froh war, als wir
-gegen vier Uhr nachmittags unser nächstes Tageslager _Lum_ erreichten.
-
-Wir hatten, selbst nach Ansicht meines Mannes, eine für die Tropen ganz
-vorzügliche Tagesleistung hinter uns.
-
-Hier wurde wieder Lager aufgeschlagen und der Abend von gestern wiederholte
-sich naturgetreu, mit Ausnahme des kleinen Überfalles. Joseph begann
-sofort der Schlange »das Fell über die Ohren zu ziehen« und schnitt
-deren Leib, ohne Rücksicht auf die Eingeweide, in gleich große Stücke,
-die er unter die Träger verteilte. Eiligst liefen diese nach ihren
-Unterkunftshütten, wo -- wie wir uns am Abend überzeugten -- dieser
-»Leckerbissen« mit einer unglaublichen Menge Bananen resp. Planten in die
-unergründlichen Negermagen verschwand. I gitt! I gitt! Den gleichen Weg
-nahm ein Hundsaffe, den mein Mann noch geschossen hatte. Die Schlangenhaut
-wurde mit kleinen, selbstgefertigten Holzstiftchen auf zwei Palmenrippen
-aufgezweckt, mit Alaun eingerieben und zum Trocknen ans Lagerfeuer
-gestellt. Auf gleiche Weise wurde das Affenfell präpariert.
-
-Auch heute hatte Joseph wieder mit einer kleinen Überraschung aufzuwarten.
-Er hatte unterwegs einige Mangopflaumen gekauft und davon, unter
-Vermischung von Bananen und Ananas ein sehr schmackhaftes Kompott
-zubereitet. Ananas stand überhaupt täglich auf der Speisekarte. Ferner
-servierte er ein junges Gemüse, was er aus zarten, in kleine Stücke
-geschnittenen Graskolben, nach Art unserer jungen Erbsen, vorzüglich
-zubereitet hatte.
-
-Todmüde sank ich nach einem kurzen Plauderstündchen auf mein Lager und
-schlief fest und traumlos nach dem anstrengenden Tagesritt bis zum Wecken,
-wo ich mich erfrischt und neugestärkt erhob.
-
-Heute marschierten wir bis nach Nlohe, was bereits 600 Meter über
-dem Meere und bei 115 Kilometer der Nordbahn an den Ausläufern des
-Menengubagebirges liegt.
-
-Die üppige Urwaldvegetation wurde hier bereits durch einige
-kilometerlange, mit vier bis fünf Meter hohem, fingerdicken Elefantengras
-bestandenen Flächen unterbrochen, die die Ausläufer des Graslandes,
-in welches wir nun allmählich einmarschierten, bildeten. Von hier aus
-benutzten wir wieder die Bahn, um sie in Manengoteng wieder zu verlassen.
-Auch hier machten wir nicht von dem dargebotenen Gastrecht Gebrauch,
-sondern marschierten einige Kilometer zurück und schlugen direkt an der
-alten Karawanenstraße an den zirka 10 Meter hohen Fällen des Dibombe
-unser Lager auf.
-
-Entzückt stand ich still und konnte den Blick nicht losreißen von
-den ungeheuren, schaum- und gischtgekrönten Wassermassen, die sich mit
-donnerndem Getöse in die Tiefe stürzten, unaufhörlich, rastlos! Fast
-unmöglich war es, sich bei dem ungeheuren Lärm zu verständigen, doch wir
-gewöhnten uns sehr bald an das ununterbrochene Rauschen des Dibombe und
-waren hochbefriedigt von unserem idyllisch gelegenen Lagerplätzchen.
-Interessiert betrachtete ich die aus Baumstämmen und Knüppeln, verbunden
-durch Rotang (Lianengewächs) hergestellte Brücke; gewiß ein Kunstwerk
-der Technik im afrikanischen Urwald!
-
-Den Häuptling von Manengoteng hatte mein Mann angewiesen, daß er
-Verpflegung für die Träger, sowie ein Schaf, einige Eier und Ananas für
-unsere Küche bringen sollte und nach einigen faulen Ausreden erklärte er
-sich dann auch bereit, den gewünschten shop zu bringen.
-
-In Begleitung von fünfzehn bis zwanzig seiner Dorfgetreuen und Frauen,
-die mich mit unverhohlenem Erstaunen und großem Interesse recht eingehend
-begafften, brachte er dann auch wirklich die Verpflegung für unsere
-Leute; ein sehr schönes Mutterschaf für uns, und mit verschämtem
-Grinsen überreichte er mir persönlich ein Huhn und ein kleines, mit Eiern
-gefülltes Körbchen. Als Bezahlung erhielt er den ortsüblichen Satz von
-sieben Mark für das Schaf, außerdem fünf Het, das sind fünfundzwanzig
-Blatt Tabak, und aus der unergründlichen Rumflasche er zwei und seine
-Begleiter je ein Gläschen. Es wunderte mich, daß er das Glas auf einen
-Zug leerte und den scharfen Traderum in dieser Menge seinem Magen anbot.
-Doch der alte Genießer ging noch weiter, er behielt den »Schluck« im
-Munde und spülte, den Kopf schüttelnd, sich auch noch den Mund damit
-aus, bevor er das edle Naß hinunterschluckte. Die gleiche raffinierte
-Genußsucht zeigten seine Begleiter.
-
-Befriedigt über das Ergebnis seines Handels zog er sich in sein Dorf, wo
-auch unsere Träger untergebracht waren, zurück.
-
-Inzwischen hatte Joseph bereits unserem Schäflein das Lebenslicht
-ausgeblasen und am Abend servierte er Hammelkeule mit grünen Bohnen
-(Konserven). Joseph wollte sich vor mir als durchaus perfekter Koch zeigen
-und hatte zum Nachtisch Krapfen gebacken, sowie eine gute Tasse Kakao
-gekocht.
-
-Meine lächelnde Frage, ob die Krapfen in »Affenfett« gebacken seien,
-wies er beleidigt zurück, sah dann aber an meinem Appetit, daß ich nur
-gescherzt hatte.
-
-Mein Mann hatte mir oft in der Heimat von den Kochkünsten seines für
-ihn unentbehrlich gewordenen Joseph erzählt, und ich kann heute die
-Schilderungen schon zum größten Teil bestätigen.
-
-Lustig loderten und knisterten die um unsere »Behausung« angelegten
-vier Lagerfeuer und wir fielen bald, nachdem wir die wichtigsten
-Tagsesereignisse notiert hatten, durch das Rauschen des Dibombe und die
-vom tosenden Wasserfall gespendete Kühle sanft eingelullt, in einen tiefen
-Schlaf.
-
-Durch den alles übertönenden Lärm der abstürzenden Wassermassen und
-durch den uns umgebenden Urwald am Fernblick behindert, hatten wir nicht
-wahrgenommen, daß im Westen eine dicke, schwarze Gewitterwand sich
-auftürmte und dank der ausnahmsweisen Wachsamkeit des Feuermannes wurden
-wir vor unfreiwilligen Flugversuchen bewahrt.
-
-Ein furchtbarer Sturm brach los. Dürre Äste fielen laut krachend um
-unser Zelt herum zu Boden und der Feuermann begann bereits die glimmenden
-Holzscheite der Lagerfeuer, die einen mächtigen Funkenregen verursachten,
-auseinanderzuziehen, denn er sah das Zwecklose seiner Bemühungen,
-weiterhin ein Lagerfeuer unterhalten zu können, ein. In wenigen
-Augenblicken prasselte der Regen in Strömen hernieder, der jedoch dank der
-um das Zelt angelegten vielen Wassergräben unsere Behausung, wenigstens
-von unten her, trocken ließ. Blitz folgte auf Blitz und Donnerschlag auf
-Donnerschlag. Fast ununterbrochen war unser Zelt taghell erleuchtet, und
-ich mußte die Augen schließen vor der blendenden weißglühenden Helle
-der tropischen Blitze. Unheimlich wurde mir in unserem engen Zelt
-zumute, doch es gab keine andere Möglichkeit, als ruhig im Bett liegend,
-auszuharren, bis der Tornado vorüber war.
-
-Noch nie hatte ich ein derartiges Gewitter erlebt. Was waren selbst
-die strengsten Gewitter in der Heimat gegen dies Toben der entfesselten
-Elemente, diesen Aufruhr der Natur in den Tropen, das blitzte, krachte,
-sauste, rüttelte an unserem Zelt, daß ich glaubte, der Untergang der Welt
-sei gekommen.
-
-Joseph, der die Unerbittlichkeit meines Mannes, während der ganzen Nacht
-ein Lagerfeuer zu unterhalten, kannte, hatte vor Beginn des Regens so viel
-Holz als möglich durch die Träger in die Hütten schaffen lassen. Er
-selbst harrte mit uns im Zelte aus.
-
-Da plötzlich schien die elementare Gewalt noch ein letztes Mal mit dem
-Rest ihrer gewaltigen Kräfte einzusetzen, dem selbst einige Stricke
-unseres Zeltes nicht standhielten, so daß die eine Hälfte einfach
-zusammenklappte.
-
-Wieder war es Joseph, der in Gemeinschaft mit dem Feuermann, welcher unter
-dem Sonnensegel Schutz gesucht hatte und durch das Zusammenklappen des
-Zeltes ein unfreiwilliges, zu seinem größten Leidwesen recht ergiebiges
-Bad genommen hatte, bei strömendem Regen unter Blitz und Donner die
-Zeltstricke an in der Nähe befindlichen Bäumen festband. Eine kleine,
-kalte Douche hatten wir jedoch auch mit abbekommen.
-
-Die Gewalt des Tornado war jetzt gebrochen, und man hörte nur noch das
-monotone Rauschen des Wasserfalls und den langsam schwächer werdenden
-Donner des abziehenden Gewitters, begleitet von starkem Wetterleuchten.
-
-Die beunruhigte Natur brachte uns auch endlich für den Rest der Nacht in
-der angenehmen Kühle und erfrischenden, gereinigten Luft den ersehnten,
-erquickenden Schlaf.
-
-Wir öffneten unser Zelt an den beiden Stirnseiten und ließen uns von der
-frischen Nachtbrise in den Schlaf fächeln.
-
-Am andern Morgen brachen wir in aller Frühe unsere Zelte ab, riefen
-dem Wasserfall ein letztes Lebewohl zu und marschierten bis zur Station
-Manengoteng, wo Joseph mit den Trägern das Verladen unserer Lasten
-vornahm, während wir zu Pferde, begleitet von acht Trägern mit etwas
-Verpflegung und einer aus zwei Reisesäcken und zwei armdicken Knüppeln
-gefertigten Hängematte bis zur nächsten Station, Ndunge, durch den
-herrlichen Urwald, der uns heute, nach dem erfrischenden Tornado viel
-schöner erschien als bisher, ritten.
-
-Schwierig gestaltete sich die Überquerung eines mittleren Nebenflusses
-des Dibombe, dessen Brücke, welche aus mehreren über den Fluß gelegten
-Baumstämmen und darüber geschnürten Knüppeln bestanden hatte, vom
-gestrigen Tornado fortgerissen war. An einer seichten Stelle (Furt) wurde
-die Durchquerung vorgenommen. Unsere wenigen Lasten, die bisher auf dem
-Rücken getragen worden waren, mußten auf den Kopf genommen werden.
-Rasch entledigten die Neger sich ihres einzigsten Kleidungsstückes, des
-schmutzigen Lendenschurzes, dem eine innige Berührung mit dem Wasser
-absolut nichts geschadet hätte, und bis unter die Arme im Wasser stehend,
-das Gesicht der nicht schwachen Strömung zugewandt, waren bald sämtliche
-Träger am andern Ufer des Flusses angelangt. Mein Mann, dem ein derartiges
-Durchqueren nichts Neues war, schwamm direkt mit dem Pferde durch. Für
-mich ließ er die »Hängematte« bringen und darin liegend, wurde ich auf
-den Köpfen unserer lieben, schwarzen Brüder durch den Fluß getragen.
-Sehr behaglich fühlte ich mich in diesem provisorischen Traggerüst
-allerdings nicht, am meisten nervös machte mich das andauernde Geschrei
-und Zurufen der sich vorsichtig vorwärts tastenden Träger.
-
-[Illustration]
-
-Nachdem wir auch dieses Hindernis genommen hatten, ritten wir durch die, an
-den Ufern des Dibombe, der sich hier zwischen Felsblöcken hindurchwindet,
-gelegenen Bananenhaine, in deren Hintergrund der Urwald, streckenweise von
-Grasflächen unterbrochen, in seiner alten Pracht grünte. Das Gekrächze
-der Papageien und der Ruf des Turakos, sowie das Murmeln des eilig zu Tale
-fließenden Dibombe unterbrachen die lautlose Stille des Urwaldes.
-
-Auf einem vom Sturm entwurzelten Urwaldriesen ließen wir uns nieder und
-von Taka den mitgenommenen Mundvorrat auftischen, welcher bis auf eine
-kleine eiserne Portion, die für alle Fälle unberührt blieb, verzehrt
-wurde.
-
-Von Ferne vernahm man das Stöhnen und Krächzen der Eisenbahn, die gerade
-an dieser Stelle die sehr steilen Hänge des Manenguba-Gebirges in kurz
-gewundenen Serpentinen, mehrere Male den Fluß kreuzend, hinaufkeucht. Wir
-ließen den Zug an uns vorüberfahren und Joseph, der mit den restlichen
-Trägern auf dem mit unseren Lasten beladenen Wagen thronte, schwenkte, zum
-Zeichen, daß in der Kolonne alles in Ordnung sei, fast kameradschaftlich
-die Mütze.
-
-Nach weiterem, dreistündigen Marsch durch die endlosen Grasflächen, die
-wir auf engen, ausgetretenen, zirka 30 Zentimeter breiten Negerpfaden, zu
-deren beiden Seiten das bis fünf Meter hohe Elefantengras wogte und keinem
-Lüftchen Zutritt zum Wege gestattete, durchquerten, zogen wir endlich in
-Ndunge ein. (Das vorläufige Ende der Kamerun-Nordbahn ist Nkongsamba.)
-Hier sahen wir zum ersten Male größere Herden Kleinvieh und eine,
-scheinbar mit Verständnis aufgenommene Hühnerzucht.
-
-Nachdem wir etwas außerhalb des Dorfes einen Platz von Gras und kleinem
-Buschwerk befreit und darauf unser Lager aufgeschlagen hatten, erschien
-auch schon der Häuptling mit Verpflegung für die Leute und einigen Ananas
-und Popeias für uns.
-
-Das Häuptlingsgehöft Ndunge bestand aus zweiundzwanzig, in einer Linie
-längs der Straße aufgebauten Mattenhäusern und kennzeichnete eine
-gewisse Wohlhabenheit seines Besitzers.
-
-Für jedes Weib, welches sich der Häuptling neu erwirbt, läßt er von
-den Getreuen seines Dorfes ein neues Mattenhaus errichten. Der Häuptling
-selbst stand in den besten Jahren, und wir wunderten uns über die vielen
-alten Frauen, die in seinen Gehöften untergebracht waren. Er erzählte uns
-auf Befragen, daß sein Vater vor zirka fünf Jahren gestorben sei und
-ihm seinen ganzen Reichtum, in Gestalt von fünfzehn Frauen, als Erbe
-hinterlassen hätte.
-
-Der Platz zwischen Gehöft und Straße war sauber mit kleinen Büscheln
-von Zitronengras (Fiebergras) eingefaßt und in der Mitte dieses Platzes
-standen einige herrliche Orangen- und Mangopflaumenbäume. Eine stattliche
-Herde Schafe und Ziegen waren hinter dem Gehöft in einer Hürde
-eingesperrt.
-
-Wir hatten allmählich unsere Decken hervorsuchen müssen, denn es war
-in den Abendstunden schon recht frisch, so daß man sich, im Langstuhl
-sitzend, eine Decke über die Knie legen mußte.
-
-Nachdem mein Mann den Häuptling für die gebrachte Verpflegung scheinbar
-recht gut bezahlt hatte, brachte er uns am Morgen vor unserem Aufbruch
-noch einige Hühner, die mit zusammengebundenen Füßen und über dem Arm
-getragen, mitgenommen wurden.
-
-Hier sollte, da wir uns doch bald am Endziel unserer Reise nach Norden
-befanden, das in Duala eingekaufte Hängekleid ein würdiger Sold für
-das Entgegenkommen des Häuptlings sein. Mit vor Freude glänzenden Augen
-überreichte er seinem Lieblingsweibe das Kleid, welches laut klatschend
-alle ihre Mitfrauen herbeirief, um uns nach dem Klang der Palaver- und
-Playtrommeln, die von den Männern geschlagen wurden, unter rhythmischem
-Händeklatschen einen Abschiedstanz aufzuführen. Als wir unsere Pferde
-bestiegen hatten, drückte der Häuptling uns kameradschaftlich die Hand
-und unter lautem Zurufen und Gejohle der Bewohner galoppierten wir zum
-Gehöft hinaus.
-
-Weiter ging es durch endloses Weideland, welches durch das letzte Abbrennen
-nur mit ganz jungen Grasspitzen bestanden war, auf der schön ausgebauten
-Regierungsstraße zunächst nach dem Posten Bare, wo wir auch unsere
-Trägerkolonne einholten.
-
-Hier sahen wir zum ersten Male an Stelle der Mattenhäuser aus den Halmen
-des Elefantengrases hergestellte Hütten.
-
-Nach kurzer Rast zogen wir, nach weiterem, dreistündigen Marsch in das
-deutsche Gehöft der Gebrüder H. ein.
-
-Freundlich von den Besitzern empfangen, ließen wir die Pferde in den Stall
-bringen und in kurzer Zeit saßen wir, fröhlich von der Heimat plaudernd,
-mit den beiden, von der Tropensonne gebräunten Farmern beim Essen. Dann
-zeigten sie uns ihre stattlichen Rindvieh-, Schaf- und Ziegenherden,
-sowie die Schweine und am Schlusse eine, in bescheidenen Grenzen
-gehaltene Pferdezucht. Fern von jeder menschlichen Niederlassung auf einem
-erloschenen Krater, die in jener Gegend nichts Seltenes sind, hatten sie
-ein recht stabil gebautes, mit Matten eingedecktes Wohnhaus errichtet, dem
-sich, ein Geviert bildend, die Ställe und Scheunen anschlossen. Vor dem
-Gehöft war ein großer Komplex urbar gemacht und mit Kartoffeln bepflanzt,
-während zu beiden Seiten herrliche Bananen- und Plantenhaine, leicht
-von der wohltuenden Brise bewegt, standen. Auch Mais und Makavos, die
-hauptsächlich als Futter dienten, erbauten sie. Die innere Ausstattung des
-Wohnhauses war den afrikanischen Verhältnissen angepaßt und wir freuten
-uns, nach den vielen Tagen der Reise wieder einmal ein festes Dach über
-unserem Haupte zu haben. Allerdings reichten für die bis heute erklommene
-Höhe (1100 Mtr.) unsere mitgebrachten Decken nicht aus, denn die
-Temperatur sank bereits in den Abendstunden recht tief.
-
-Der nächste Tag war der von den Trägern, und ich muß sagen, auch für
-uns innig herbeigesehnte Rasttag, denn in Afrika marschiert man für
-gewöhnlich höchstens fünf Tage, um am sechsten einen Ruhetag zu machen.
-
-Während ich nach einem langen, bis tief in den Morgen hineinwährenden
-Schlaf gemütlich durch die Farm bummelte und alles nochmals interessiert
-betrachtete, ging mein Mann mit den beiden Besitzern auf Jagd und brachte
-aus der sogenannten Kornkammer, einer verlassenen Kassadafarm, neun Stück
-Buschhühner und fünf Tauben mit nach Hause, die wir uns am Mittag, durch
-die Hand des schwarzen Kochs schmackhaft zubereitet, munden ließen.
-
-Am Nachmittag ritten wir noch nach dem in der Nähe gelegenen Dorfe
-Mboénda, wo mein Mann früher einmal sein Lager für längere Zeit
-aufgeschlagen hatte. Leider war der Häuptling an den Folgen einer
-Dysenterie gestorben, doch die anderen Bewohner, die meinen Mann
-wiedererkannten, freuten sich über unser Kommen und beschenkten uns mit
-Hühnern und Eiern. Da wir nur einige Het Tabak bei uns hatten, zahlten wir
-mit diesen.
-
-Um den Nachmittag gut auszufüllen, zeigte mir mein Mann noch die über den
-Nkam führende, kunstgerecht aus fingerdicken Rotang-Lianen hergestellte,
-den ganzen zirka sechzig Meter breiten Fluß überspannende Hängebrücke
-bei Nkongsam. Unterhalb dieser Brücke stürzt sich der Nkam 40 Meter
-über vorspringende Felsen in die Tiefe und jeder, der beim Überschreiten
-der Hängebrücke einen Fehltritt tut, wäre dem sichern Tode geweiht.
-
-Nachdem wir dieses herrliche Naturschauspiel bewundert hatten, ging's im
-flotten Trabe heim. An das Durchreiten der zu durchquerenden Flüsse
-hatte auch ich mich schon gewöhnt, so daß wir bald wieder in der Farm
-anlangten, noch ehe die Nacht ihre Schatten auf die Erde senkte.
-
-Am nächsten Morgen ließ Josef, wie an Marschtagen üblich, bereits im
-Dämmern des kommenden Tages, das sich in Afrika innerhalb einer halben
-Stunde von der Nacht bis zum völligen Sonnenaufgang vollzieht, unsere
-Lasten in Reih und Glied vor dem Hause auflegen.
-
-Als wir nach kurzem Frühstück aus dem Hause heraustraten, bot sich uns
-wieder ein eigenartiges gewaltig-schönes Schauspiel.
-
-Wer beschreibt die Schönheit des in scheinbarer Eile hinter den Bergen
-emporsteigenden Glutballes!
-
-Erst ein ganz leichter goldiger Schein, der sich bald in ein purpurnes Rot,
-durchzogen von gelben bis milchweißen Fäden, verwandelt, beleuchtet
-die Sonne die ausgedehnten, saftig grünen Grasflächen mit ihren ersten,
-wärmenden Strahlen und während wir uns von unseren liebenswürdigen
-Gastgebern mit herzlichem Dank verabschiedet hatten, stand sie in voller
-Pracht am Himmel.
-
-Nun traten wir den Marsch zur Küste an und marschierten vorläufig wieder
-zu unserem Freunde von vorgestern, wo wir nach Übernachtung am nächsten
-Tage die Bahn benutzen wollten, um sie in Mujuka wieder zu verlassen.
-
-Eine zauberhaft schöne Mondnacht senkte sich auf die leicht ausgekühlte
-Tropenlandschaft nieder. Prächtig, in nie gesehenem Glanze, eine kolossale
-Lichtfülle ausstrahlend, stand silberglänzend der Vollmond am Himmel. Die
-Helligkeit war so groß, daß man nicht zu klein gedruckte Schrift bequem
-im Mondlicht lesen konnte.
-
-Nicht sattsehen konnte ich mich an der Schönheit der im magischen, weißen
-Lichte daliegenden Landschaft. Ich muß sagen, daß mir die Eigenart der
-tropischen Lande noch unendlich anziehender erschien als im Sonnenglanz.
-
-Noch ganz versunken in die märchenhafte Schönheit des Abends, beachteten
-wir kaum den erst schüchternen, dann immer stärker werdenden rhythmischen
-Schlag der Palaver- und Play-Trommeln. Als auch noch Gesang, sowie
-ein, diesen begleitendes Händeklatschen aus dem Dorfe zu unserem Lager
-herüberdrang, machten wir uns auf, um dem Tanze -- denn ein solcher fand
-nach den Angaben meines Mannes statt -- zuzuschauen.
-
-Männlein und Weiblein hatten sich auf dem Dorfplatze im Kreise
-aufgestellt, hinter diesen, wohlgeordnet, die »Musikanten« und in der
-Mitte des Kreises tanzten, ihre Schultern und Hände schwingend und den
-Bauch schlangenartig im Kreise windend, zwei anmutige Negermädchen. Es ist
-unbeschreiblich, mit welchem Feuer, jede Muskel einzeln bewegend, der Neger
-sich dem Genusse des Tanzens hingibt. Schweißüberströmt drehten sich die
-fast ganz nackten Körper im Mondlicht und ein wohlgelungener, graziöser
-Sprung, der gleichzeitig das Ende der Partie bedeutete, brachte den
-Tanzenden ein lebhaftes Gejohle und Händeklatschen als Lohn ein.
-
-Etwas abseits von dieser tanzenden Gruppe hatten die erwachsenen jüngeren
-Männer einen Kreis gebildet. Ihre Musikinstrumente bestanden aus leeren
-Kisten, Tonnen und zwei, anderthalb Meter im Durchmesser fassende, fünf
-Meter lange, aus einem Baumstamm herausgeschnitzte Kriegstrommeln, die
-kräftig mit Stöcken und Knüppeln bearbeitet wurden. Wenn die Frauen ihre
-Tänze graziös ausführten, so kann man hier von einem wilden, jeglichen
-Rhythmusses entbehrenden Springen der mit Tanzmasken geschmückten
-Männer reden. Ganz ausnahmsweise große Sprünge wurden mit einem lauten,
-zischenden »scht, scht« begleitet, welche Laute durch Ruten, aus den
-Rippen der Raphiapalme hergestellt und durch die Luft geschlagen, erzeugt
-wurden.
-
-Mein Mann verteilte einige Het Tabak und eine Flasche Rum, welche lauten
-Jubel auslösten und die schwarze Gesellschaft zu noch groteskeren
-Sprüngen veranlaßte.
-
-Müde des Schauens, zogen wir uns in unser Lager zurück, doch noch lange
-floh uns der Schlaf, da das Gedröhne der Trommeln, die monotonen Gesänge,
-unterbrochen von den schrillen Trillern und dem Aufjauchzen der Weiber,
-unausgesetzt zu uns herübertönte.
-
-Es schien, als sollte ich, soviel als die Kürze der Zeit es erlaubte,
-alles kennen lernen, was das Leben in den Tropen an Schönheiten und
-Widerwärtigkeiten mit sich bringt.
-
-Wir ritten am nächsten Tage von Mujuka aus, wohin uns inzwischen die Bahn
-gebracht hatte, nach den Kakaoplantagen in Mudame, wo uns der Leiter in
-liebenswürdigster Weise die Kakaokulturen, sowie die Bearbeitung der
-Früchte bis zur Verschiffung zeigte. In fröhlicher Gesellschaft einiger
-älterer Angestellten verbrachten wir den Abend.
-
-Am nächsten Morgen mieteten wir uns drei große, zirka fünfzehn Meter
-lange Kanoes, in die wir unsere Lasten verstauten. Das erste Kanoe, auf
-welchem wir unsere Longchairs zwischen den Lasten eingebaut hatten, nahmen
-wir in Beschlag. Zum Schutze gegen die Sonnenstrahlen ließen wir uns über
-den Langstühlen ein leichtes Dach aus Palmenblättern aufbauen, so daß
-wir im Genusse der durch die Fahrt erzeugten Brise blieben. Die zwei
-anderen Kanoes wurden von den Trägern besetzt.
-
-In fröhlicher Fahrt ging es, durch die kräftigen Ruderschläge unserer
-Pulljungs vorwärts getrieben, den Mungo hinunter.
-
-Leise stimmte einer der Neger ein Liedchen an, in das bald die andern
-einfielen und nun wiederholte sich das auf dem Marsch bereits
-Beobachtete, daß einer vorsang und die andern einfielen; im Takte mit den
-Ruderschlägen.
-
-Zu beiden Ufern den Mungo, grüßte uns wieder der nie genug geschaute
-imposante Urwald mit seinem, im herrlichen Tropenmorgen erwachenden
-Leben. Papageien flogen kreischend von Baum zu Baum, Turakos ließen ihre
-durchdringenden Schreie vernehmen und wir hatten das Glück, diesmal nicht
-allzufern, einige niedliche Äffchen zu beobachten, welche, sich scheinbar
-sehr sicher fühlend, uns neugierig betrachteten. Auf den aus dem Bett
-herausgetretenen Sandbänken stelzten Reiher und andere Strandvögel,
-munter pickend, einher.
-
-Unbeschreiblich schön und reizvoll ist so eine Fahrt auf dem Mungo!
-
-Doch, nichts ist vollkommen, und den Genuß dieser herrlichen Morgenfahrt
-wußten uns hunderte von Moskiten, die uns an den freigelassenen
-Körperstellen ganz zerstachen, zu schmälern. Doch als die Sonne höher
-stieg und der leichte Nebel sich zerteilt hatte, ließen auch diese
-Quälgeister nach und ein freier, klarer Ausblick bot sich uns nach vorn.
-
-Fast wie auf ein Kommando hielten unsere Pulljungs jetzt inne und zeigten
-uns, auf einer Sandbank ruhend, ein Krokodil. Freudig überrascht,
-verhielten wir uns ganz still und ließen das Kanoe durch die Strömung
-treiben, steuerten dicht an die Sandbank heran und auf den Knien im Kanoe
-liegend, schreckte mein Mann durch einen wohlgezielten Schuß aus seiner
-Birschbüchse den Schläfer aus seiner Ruhe. Leider war für seine Größe
-der Schuß zu wenig und ehe noch mein Mann das Gewehr repetieren konnte,
-verschwand das Krokodil in den Fluten des Mungo, natürlich zum lebhaften
-Bedauern unserer Träger, denen das Fleisch eine willkommene Beute gewesen
-wäre.
-
-Nach einigen Stunden flotter Fahrt legten wir in Kotto, einem mächtigen
-Negerdorf am Mungo, an. Unsere Träger hatten unsere Ankunft durch lautes
-Hallern und Schlagen der Palavertrommeln, die wir stets mit uns führten,
-bekannt gegeben und auf halbem Wege nach dem Dorfe kamen uns bereits der
-Häuptling mit dem üblichen Anhang entgegen. Er machte zur Begrüßung
-einen, allerdings unfreiwilligen, Knicks bis zur Erde (er war versehentlich
-auf eine hervorstehende Wurzel getreten und ausgeglitten), was eine
-allgemeine Heiterkeit der Anwesenden zur Folge hatte und ihnen einen
-wütenden, strafenden Blick ihres Herrn und Gebieters eintrug; jedoch auch
-wir konnten nur mühsam ein Lachen unterdrücken.
-
-Wir gingen mit ihm nach seinem Dorf und er bewirtete uns mit Palmwein,
-einem unserem Most ähnlichen, leicht gegorenen, säuerlichen Getränk,
-welches der Ölpalme abgezapft wird. Auch ließ er sofort im Dorfe Eier
-zusammenholen und schenkte uns beim Fortgang das landesübliche Huhn.
-
-Wir hatten jeden Tag mindestens ein Huhn gegessen, teilweise, um keine
-Fleischkonserven essen zu müssen, sogar zwei.
-
-Weiter ging's auf der meist spiegelglatten, nur hie und da durch quer im
-Fluß liegende Baumstämme unterbrochenen Fläche des Mungo. An den uns
-entgegenkommenden Kanoes, die mit Früchten und Tauschwaren beladen waren,
-schoß das unsrige pfeilschnell vorüber und nur kurze Anrufe »woher! --
-wohin!« unterbrachen den monotonen Gesang.
-
-Die Sonne hatte ihren höchsten Stand lange überschritten, als wir am
-linken Ufer des Mungo auf einem kleinen Plateau ein niedliches Dörfchen
-erblickten, wo wir dann auch landeten und Lager aufschlugen.
-
-Am Flusse sah ich einige schwarze Mütter stehen, welche ihre, scheinbar
-kaum einige Wochen alten, Bambinos durch das Wasser schwenkten, was ich
-als Grausamkeit empfand, den Kleinen aber ganz gut zu bekommen schien.
-Näherkommend, reichten sie mir zutraulich ihre Kleinen und lachten
-glücklich, als ich durch Schäkern ein Lächeln auf dem niedlichen,
-schwarzen Gesichtchen hervorrief.
-
-Ins Lager zurückkommend, nahm ich meine tägliche Waschung vor, doch
-schon während derselben fühlte ich im Gesicht und an den Händen leichte
-Stiche, konnte aber immer nur die Folgen derselben, einen roten Fleck
-in der Größe einer Erbse finden. Durch meinen Mann aufmerksam gemacht,
-näher hinsehend, bemerkte ich die stecknadelspitzen-großen Sandfliegen,
-die dutzendweise an den entblößten Stellen des Körpers saßen und
-Blut saugten. Gott sei Dank, waren es nur harmlose Tierchen, die keine
-Krankheiten übertragen. Weit unangenehmer empfand ich das in den höchsten
-Tönen hervorgebrachte Summen der Moskitos, die uns während des ganzen
-Abends umschwirrten und vor allen Dingen mich (mein Mann behauptete, des
-süßen Blutes wegen!) grausam quälten. Trotz der Vorsicht Josephs, das
-Moskitonetz recht fest unter die Matratze gestopft zu haben, hatten sich
-doch einige dieser »lieben Tierchen« Einlaß in unser Allerheiligstes zu
-verschaffen gewußt, und es entspann sich beim Schlafengehen ein lebhafter
-Kampf, bei dem die Moskitos, als die Unterliegenden, ihr sträfliches Tun
-mit dem Tode büßen mußten. Aber selbst die Genugtuung, alles getötet zu
-haben, was sich unberechtigterweise unter mein Moskitonetz eingeschlichen
-hatte, ließ mich keinen Schlaf finden, denn das Summen der außerhalb des
-Netzes fliegenden Moskitos machte mich dermaßen nervös, daß ich froh
-war, als der Schlag der Trommel, der als Weckruf für den Träger dient,
-den anbrechenden Morgen verkündete.
-
-Auf mein Bitten hin und mit Rücksicht auf mein zerstochenes Gesicht
-sowie Arme wurde die Kanoefahrt, so herrlich sie an und für sich war,
-abgebrochen, und wir marschierten quer durch den Urwald, stracks nach Osten
-der Bahn zu, die wir in Kake bestiegen, und noch am selben Tage zogen wir
-wieder in Bonaberi und Duala ein.
-
-Unsere Reise in die nördlichen Gebiete hatte uns länger in Anspruch
-genommen, als wir beabsichtigten, so daß wir unser aufgesetztes
-Reiseprogramm, in dem noch eine Reise nach Jaunde mit aufgenommen war,
-nicht durchführen konnten.
-
-Wir hatten bis zur Abfahrt des Dampfers noch sechs Tage und da ich, trotz
-unserer vieltägigen Reise durch den Urwald und einen Teil des Graslandes
-noch nicht einmal einen Elefanten in Freiheit gesehen hatte, so beschlossen
-wir, nach einer eintägigen Ruhepause noch eine Kanoefahrt auf dem Wuri
-oder Kamerunfluß zu unternehmen.
-
-Obwohl ich eigentlich noch ziemlich genug hatte von den »Genüssen«, die
-uns die eintägige Kanoefahrt auf dem Mungo beschert hatte, willigte ich in
-die Änderung des Reiseprogramms ein.
-
-Unsere Träger wollten nun auch für die uns geleisteten Dienste ihre
-Besoldung haben, die wir ihnen in deutscher Münze auszahlten. Als Geschenk
-für die Ausdauer, die sie bewiesen hatten, erhielt jeder fünf Het
-Tabak, zwei Flaschen Gin und eine Mark, sowie den von der Buschtour
-zurückgebrachten Reis. Vor Freude führten sie unter Singen und Schreien
-einen Tanz auf und hatten es dann sehr eilig, die erworbenen Pfennige in
-den Faktoreien Dualas in Waren umzusetzen.
-
-Am nächsten Tage mieteten wir uns ein zirka zwanzig Meter langes Kanoe,
-in welches wir einige, mit Verpflegung und Reservekleider bepackte Koffer
-verstauten, ein Palmblätterdach wieder im vorderen Teil des Kanoes
-aufbauten und die Longchairs zwischen die Lasten setzten. Wir fuhren mit
-einer Besetzung von zwölf Pulljungs auf dem Kamerunbecken hin, an den
-großen, mitten im Strom lagernden Inseln vorüber, den Wuri hinauf.
-
-Da wir Flut hatten, wurde den Pulljungs die Arbeit erleichtert und
-pfeilschnell schoß, unter den kräftigen Ruderschlägen unserer Dualas,
-das Kanoe auf der spiegelglatten Fläche, die nur durch einige, aus dem
-Wasser herausragende Felsblöcke und Baumstämme, sowie von einigen,
-aus dem oberen Teil des Wuri kommende Kanoes, deren Besatzung gleich der
-unseren ihre monotonen Weisen erklingen ließen, unterbrochen wurde, dahin.
-
-Immer höher stieg die Sonne und durch das angestrengte andauernde Paddeln
-ermüdet, verstummte bald der Gesang unserer Besatzung. Da die Flut
-uns nicht gefolgt war, mußte die ziemlich starke Strömung des Wuri
-überwunden werden und es ging immer langsamer vorwärts. Stellenweise
-mußten die Jungens sogar das Kanoe verlassen und dasselbe über den
-Schlick und die Sandbänke hinwegziehen.
-
-In einem idyllisch an den flachen Ufern des Wuri gelegenen Dörfchen
-schlugen wir unser Zelt auf und legten uns nach der üblichen Begrüßung
-durch den Häuptling und dem Genuß einer von Joseph selbst erlegten
-Antilope schlafen.
-
-Mein Mann hatte sich mit den Dorfbewohnern eingehend über die
-Jagdverhältnisse unterhalten und Befehl gegeben, daß wir am nächsten
-Morgen sehr früh aufbrechen und eine Jagdfahrt auf dem Abo unternehmen
-wollten.
-
-Noch ehe die Sonne die leicht gekräuselte Fläche des hier sehr schmalen,
-aber tiefen Wuri beschien, befanden wir uns auf dem seeartigen Abo, dessen
-beide Ufer mit einem undurchdringlichen Mangrovendickicht, Lianen und
-tausend anderen Schlinggewächsen bestanden sind. Vor uns sahen wir
-eine kleine Lichtung, die bis an das Ufer des Abo heranreichte und beim
-Näherkommen machten uns unsere Begleiter auf zwei, im Grase ruhende
-Flußpferde aufmerksam, auf deren Rücken, wie wir mit dem Glase
-feststellten, die Madenhacker (kleine Vögel) eifrig pickten. Kaum hörbar,
-die Ruder flach durch das Wasser ziehend, steuerten wir auf diese
-Stelle zu. Mein Mann hatte sich lang ins Kanoe gelegt und außer seiner
-Birschbüchse, die er bereits an der Backe liegen hatte, hielt ich, hinter
-ihm sitzend, den mit fünf Patronen geladenen Karabiner zum Schusse bereit.
-Als der erste Schuß krachte, sah ich in der Aufregung oder Jagdfieber,
-welches sich meiner bemächtigt hatte, nur einen unförmigen Körper laut
-klatschend ins Wasser fallen, während sich eine scheinbar formlose Masse
-schnaufend und stöhnend im Grase wälzte.
-
-Dem ersten folgten zwei weitere Schüsse und unter lautem Schreien ruderten
-die Schwarzen das Kanoe an Land, um das erlegte Tier zu besehen.
-
-Wir hatten nicht bemerkt, daß uns zwei weitere Kanoes aus dem Dorfe, in
-welchem wir das Lager aufgeschlagen hatten, gefolgt waren, die nun unter
-Aufbietung aller Kräfte singend und schreiend auf uns zuruderten und
-sich in Gemeinschaft mit unseren Leuten an die Zerlegung des von mir
-sehr bestaunten Tieres machten. Bald sah man an der Stelle, wo die beiden
-Dickhäuter der Ruhe gepflegt hatten, nur noch schwammige Stückchen
-Fleisch und eine große Blutlache. Ich übertreibe nicht, wenn ich sage,
-daß in einer Viertelstunde von dem Koloß, den mein Mann auf 20 Zentner
-schätzte, nur noch tragbare Stückchen Fleisch zu sehen waren. Unsere
-Pulljungs suchten sich die schönsten Stücke heraus, mein Mann ließ
-sich ein zirka ein Quadratmeter großes Stück Haut abschneiden und die
-Stoßzähne herausschlagen, während das andere in den Besitz der übrigen
-Dorfbewohner überging.
-
-[Illustration]
-
-Eigentlich hatten wir erreicht, was wir wollten, doch die kurze Zeit des
-Aufenthalts in Kamerun wollten wir ausnützen, soweit es möglich war. Auf
-Befragen erfuhren wir von einem der Dorfbewohner, daß zirka eine halbe
-Stunde von uns entfernt, mehrere Elefanten durch den Abo wechselten, und
-zwar meist in den Nachmittagsstunden zwischen vier und sechs Uhr. Da
-wir keinen großen Rückweg zu unserem Lager hatten, ruderten wir nach
-längerer Rast weiter den Abo hinauf, bis zu der von den Dorfbewohnern
-bezeichneten Stelle.
-
-Unser Kanoe wurde an einem Baumstamm festgebunden, während wir die
-Umgebung nach den Spuren der Dickhäuter absuchten. Bald fanden wir auch
-einige größere und eine kleinere Spur und Losung, die scheinbar vom
-Morgen herrührte. In geringer Entfernung von der Furt lagerten wir uns im
-Walde und harrten der Ankunft dieser lebenden Urwaldriesen.
-
-Wir sollten nicht lange auf die Folter gespannt werden, denn in der Ferne
-hörten wir bald das Trompeten eines Elefanten, dessen schauriger Klang
-meine Nerven erzittern ließ. Wir gingen etwas tiefer in den Urwald hinein
-und ich bemerkte bald, daß wir, mein Mann, Joseph und ich, allein waren;
-unsere anderen Begleiter hatten sich ängstlich ins Kanoe zurückgezogen,
-um bei einem evtl. Angriff der Dickhäuter schnell das Weite suchen zu
-können. Was aus uns dann würde, war diesen tapferen Seelen gleichgültig.
-
-Sonderlich wohl war mir selber nicht zumute, doch mich auf die
-Treffsicherheit meines Mannes verlassend, harrte ich hinter einem dicken
-Baumstamm geborgen, herzklopfend, aber mutig aus.
-
-Abermals erscholl, und zwar diesmal in unmittelbarer Nähe, der
-Trompetenklang des Elefanten, und die Erde dröhnte und zitterte unter dem
-Stampfen seiner Füße. Auf mein Bitten hin gab mein Mann sein Vorhaben,
-zu schießen, auf, und wir haben es nicht bereut. Der Bequemlichkeit halber
-schien der Elefant seine alte Fährte zu benutzen, denn das von meinem Mann
-beschriebene Knacken und Krachen der Bäume und Äste, die er sich aus dem
-Wege räumt oder zerstampft, war nicht vernehmbar. Da, endlich sahen
-wir den Koloß gemütlich angetrottelt kommen und zu unserer aller
-Überraschung in seinem Gefolge ein täppisches, possierliches Junges in
-der Größe eines Pferdes.
-
-Plötzlich blieb die Elefantenmutter stehen, und mir stockte das Blut in
-den Adern, denn ich glaubte, daß sie Witterung von unserer Anwesenheit
-bekommen habe. Aber ihr Warten galt nur dem Kleinen, das scheinbar nicht
-so große Schritte wie die Mutter nehmen konnte. Am Flusse angekommen,
-trampelte sie erst einige Zeit, in dem aufgeweichten Boden bis zum Bauch
-versinkend, umher, zog den Rüssel voll Wasser und spritzte das hinter ihr
-stehende Junge an.
-
-Zu gern hätte ich gesehen, wie so ein Elefant schwimmend den Strom
-durchquert, doch die Mutter schien um das Leben ihres Jüngsten besorgt zu
-sein und nachdem sich das Schauspiel mehrere Male wiederholt hatte, trabten
-Mutter und Kind, laut trompetend, wieder in den Urwald zurück. Als sie
-etwa 50 Meter von uns entfernt waren, gab mein Mann einen Schreckschuß ab
-und aus ihrer Sorglosigkeit aufgeschreckt, jagten die beiden, die uns so
-kostbare Minuten bereitet hatten, in den undurchdringlichen Urwald hinein.
-
-[Illustration]
-
-Mein Wissensdurst war wieder einmal glänzend gestillt und hochbefriedigt
-kehrten wir in unser Lager zurück.
-
-Wir hatten noch zwei Tage Zeit, die wir einer eingehenden Besichtigung der
-Hafenstadt und ihrer großzügigen Anlagen widmeten. Auch den »Palast«
-des Oberhäuptlings Mango Bell, der uns mit einer Flasche Bier und Bisquits
-bewirtete, besuchten wir.
-
-Der letzte Tag, den wir in Kamerun verbringen konnten, wurde zu einem
-Besuch der in Beseke befindlichen Negerrestauration »Zum strammen Hund«
-verwendet, wo wir uns bei einem Glase Eisbier mit einigen dort anwesenden
-Gouvernementsbeamten über ihre Erlebnisse während des Tropenaufenthalts
-unterhielten. Ja, ich konnte schon ihre Unterhaltung mit einigem
-Selbsterlebten unterbrechen, worüber sie sehr erfreut waren.
-
-Am Mittag des nächsten Tages begaben wir uns an Bord, von einigen in
-Afrika neu gewonnenen Freunden begleitet, die uns Grüße an die Heimat
-mitgaben und sich mit einem kräftigen deutschen Händeschütteln
-verabschiedeten.
-
-Ade, Kamerun! Du herrliches, einzigschönes Land mit deinen reichen,
-geheimnisvollen Schätzen, die du willig dem überläßt, der sich nicht
-der Mühe scheut, sie aufzusuchen und mit offenen Augen um sich schaut, auf
-all die Pracht, all den Reichtum! Mein Leben lang werde ich zehren an den
-herrlichen Erinnerungen, und, sitze ich im Norden Deutschlands, in
-Schnee und Eis vergraben, träumen von deinen ewig grünen, ewig schönen
-Urwäldern, deinen klaren, stillen Flüssen, den schäumenden, donnernden
-Wasserfällen und dem wunderbaren Zauber deiner mondscheindurchleuchteten
-Märchennächte! Was ich mir von dir versprach, das hast du getreulich
-gehalten und so, voller Freude, wie ich kam, scheide ich jetzt voller
-Wehmut. Nur ein letztes Lebewohl noch kann ich dir mit dem Tüchlein
-winken, und der stolze Kamerunberg erwidert den Gruß in schweigendem
-Ernst. Doch bald wirst auch du unsern Blicken entschwunden sein, weiter
-geht's in die offene See der fernen Heimat zu.
-
-Vorbei die wundervolle, herrliche Zeit!
-
-Zur Heimreise benutzten wir einen Zwischendampfer und lernten auf diese
-Weise die vor der Bucht von Biafra lagernde spanische Insel Fernando Poo
-kennen. Leider war der Aufenthalt im Hafen von St. Isabell sehr kurz
-bemessen, so daß sich ein An-Landgehen nicht lohnte. Wir hatten ja nun
-genug Eindrücke gesammelt, die wir auf unserer Heimreise an unserem
-geistigen Auge vorüberziehen lassen konnten und die Abendstunden waren
-immer viel zu kurz, um über alles Erlebte zu plaudern.
-
-Nachdem wir bei ausnahmslos schönstem Wetter und spiegelglatter See die
-Häfen der Westküste passiert hatten, sahen wir uns eines Morgens wieder
-im Hafen von Santa Cruz. Für den Rest der Heimreise bestand in bezug auf
-Seekrankheit keine Gefahr, denn wir hatten für unsere ganze Reise
-die denkbar günstigste Jahreszeit gewählt und landeten wohlbehalten,
-sonnengebräunt und von den Angehörigen jubelnd begrüßt, am Petersen-Kai
-in Hamburg.
-
-
-
-
-[Illustration: Freudentanz der Negerweiber um einen getöteten Gorilla in
-einem Dorfe Kameruns.]
-
-[Illustration: Rieseneidechse Vogeleier fressend.]
-
-[Illustration: Rast auf dem Marsche.]
-
-[Illustration: Schwarze Schönheiten in Kamerun.]
-
-[Illustration: Kamerun-Neger.]
-
-[Illustration: Negerinnen beim Tanz.]
-
-
-
-
-Wilhelm Köhler, Minden in Westfalen
-
-Verlagsbuchhandlung, Großbuchdruckerei
-
- Postscheck-Konto: Hannover 4112 -- Giro-Konto: Reichsbank
- Telegramm-Adresse: Verlag Köhler. -- Telefon-Nummer 249
- Gründungsjahr 1865.
-
-
-Soeben in _neuer_ Auflage erschienen:
-
- Köhlers Taschenliederbuch
- für das deutsche Volk,
-
-enthaltend #400# der _beliebtesten_ Lieder.
-
-288 Seiten Text im farbigen Kartonumschlag.
-
-#Preis 35 Pfennig#,
-
-elegant und dauerhaft in Ganzleinen gebunden,
-
-#Preis 60 Pfennig#
-
-
- Die Laufbahnen
- in der Handels- und Kriegsmarine.
-
-Nach den #neuesten# Bestimmungen bearbeitet von #Kapitän Preuß#,
-Studienrat an der Seefahrtsschule in Bremen. Wie manche Eltern, ganz
-besonders im Binnenlande, stehen dem Wunsche ihres Sohnes »Seemann zu
-werden«, ratlos gegenüber, da sie nie im Leben ein Seeschiff in seinem
-Element sahen und keine Ahnung von der Ausbildung und den Aussichten in
-diesem Beruf haben. Möge dieses Büchlein, geschrieben von einem Fachmann,
-der selbst 10 Jahre auf Seglern und Dampfern Reisen nach allen Weltteilen
-ausführte und der noch heute in seiner Stellung in engster Fühlung mit
-der seemännischen Praxis steht, für unsere deutschen Jungen, die den
-Seemannsberuf ergreifen wollen, eine vollkommene Aufklärung bringen.
-
-#Preis Mk. 1,--#
-
- Durch _jede_ Buchhandlung zu beziehen, auch direkt von der
- #Verlagsfirma Wilhelm Köhler, _Minden_ in Westfalen#.
-
-Für Porto und Verpackung sind pro Buch Mark 0,15 beizufügen.
-
-
-
-
-[ Hinweise zur Transkription
-
-
-Die Abbildungen auf Frontispiz und Beilage (im Original hinter Seite 32)
-sind dem Buchtext nicht konkret zuzuordnen; sie wurden an das Textende
-verschoben.
-
-Das Originalbuch ist in Fraktur gesetzt.
-
-Darstellung abweichender Schriftarten: _gesperrt_, #fett#.
-
-Der Text des Originalbuches wurde grundsätzlich beibehalten, mit folgenden
-Ausnahmen,
-
- Seite 6:
- "kenen" geändert in "kennen"
- (aus eigner Anschauung kennen lernen)
-
- Seite 7:
- "Tereriffe" geändert in "Teneriffe"
- (in deren Mitte ihr Oberhaupt, der Pique Teneriffe thronte)
-
- Seite 18:
- "," entfernt hinter "Makavo", ", " eingefügt vor "Mais"
- (Makavo (kartoffelähnliche Knollenfrucht), Mais)
-
- Seite 19:
- "." eingefügt
- (die vielen Schönheiten des wunderbaren Landes.)
-
- Seite 22:
- "Gouvernementsgarten" geändert in "Gouvernementsgärten"
- (wohlgepflegten Straßen und Gouvernementsgärten)
-
- Seite 38:
- "." eingefügt
- (die Schilderungen schon zum größten Teil bestätigen.)
-
- Seite 43:
- "wird" geändert in "wir"
- (zogen wir endlich in Ndunge ein)
-
- Seite 47:
- "Nkan" geändert in "Nkam"
- (die über den Nkam führende)
-
- Seite 53:
- "unberbrachen" geändert in "unterbrachen"
- (unterbrachen den monotonen Gesang)
-
- Seite 64:
- "." eingefügt
- (eine vollkommene Aufklärung bringen.)
-
- Seite 64:
- "0.15,--" geändert in "0,15"
- (Für Porto und Verpackung sind pro Buch Mark 0,15 beizufügen.) ]
-
-
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-*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK UNSERE HOCHZEITSREISE IN DIE
-URWÄLDER VON KAMERUN ***
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-<title>The Project Gutenberg eBook of
-Unsere Hochzeitsreise in die Urwälder von Kamerun
-by
-Jenny Neralc</title>
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-<div style='text-align:center; font-size:1.2em; font-weight:bold'>The Project Gutenberg eBook of Unsere Hochzeitsreise in die Urwälder von Kamerun, by Jenny Claren</div>
-
-<div style='display:block; margin:1em 0'>
-This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and
-most other parts of the world at no cost and with almost no restrictions
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-</div>
-
-<div style='display:block; margin-top:1em; margin-bottom:1em; margin-left:2em; text-indent:-2em'>Title: Unsere Hochzeitsreise in die Urwälder von Kamerun</div>
-
-<div style='display:block; margin-top:1em; margin-bottom:1em; margin-left:2em; text-indent:-2em'>Author: Jenny Claren and Jenny Neralc [pseud.]</div>
-
-<div style='display:block; margin:1em 0'>Release Date: March 09, 2021 [eBook #64769]</div>
-
-<div style='display:block; margin:1em 0'>Language: German</div>
-
-<div style='display:block; margin:1em 0'>Character set encoding: UTF-8</div>
-
-<div style='display:block; margin-left:2em; text-indent:-2em'>Produced by: the Online Distributed Proofreading Team at https://www.pgdp.net</div>
-
-<div style='margin-top:2em; margin-bottom:4em'>*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK UNSERE HOCHZEITSREISE IN DIE URWÄLDER VON KAMERUN ***</div>
-
-
-<h1><span class="fsl">Unsere<br />
-Hochzeitsreise</span><br />
-in die Urwälder<br />
-von Kamerun</h1>
-
-<p class="ce mt2 lh1">Von<br />
-<span class="fsl">Jenny Neralc</span></p>
-
-<p class="ce mt2">Mit 4 Abbildungen im Text<br />
-und<br />
-einer Illustrations-Beilage</p>
-
-<p class="ce mt4 lh1">Winden in Westfalen<br />
-Druck und Verlag von Wilhelm Köhler<br />
-1924</p>
-
-
-
-
-<h2>&nbsp;<a class="pagenum" id="page_003" title="3"> </a></h2>
-
-
-<p><b>N</b>un sollte es also doch Wahrheit werden!</p>
-
-<p>Ich sollte Kamerun sehen!</p>
-
-<p>Das lang und heiß Ersehnte, aber nie Erhoffte sollte greifbare
-Gestalt annehmen.</p>
-
-<p>Kamerun! Allein das Wort hatte stets einen faszinierenden
-Reiz auf mich ausgeübt. Von allen fremden Ländern war
-es stets der schwarze Erdteil, der mich am meisten anzog und
-von diesem wiederum Kamerun. Schon als Kind verschlang
-ich alle sich darauf beziehenden Reisebeschreibungen und sah
-ich &ndash; als Hamburgerin &ndash; Dampfer der Woermannlinie nach
-Kamerun ausreisen, was ich mir nicht oft entgehen ließ,
-konnte ich mich oft eines Tränenstromes nicht enthalten, sodaß
-manch' lächelnder Blick der am Kai versammelten Menschen
-das kleine, dicke Mädel traf, dessen Kummer allen unverständlich
-war.</p>
-
-<p>Nie hätte ich geglaubt, daß sich mein glühender Wunsch
-noch dermaleinst verwirklichen würde; doch das Schicksal
-meinte es gut mit mir, indem es mir in meinem Lebensgefährten
-einen Mann zuführte, der bereits 5 Jahre Kamerun
-bereist, eine tiefe Liebe für dieses schöne Land empfand. Er
-verstand und würdigte meine Sehnsucht und überglücklich war
-ich, als er mir als Hochzeitsgabe eine Reise nach Kamerun
-versprach.</p>
-
-<p><a class="pagenum" id="page_004" title="4"> </a>
-Welch' herrlicher Gedanke! An der Seite des geliebten
-Mannes das Land meiner Sehnsucht aufzusuchen und kennen
-zu lernen. Wie dankbar war ich ihm für seine Güte, die mir
-diese herrlichste aller Hochzeitsgaben bescherte.</p>
-
-<p>Drei Tage nach unserer Trauung in Dresden fuhren wir
-am 7.&nbsp;September nach Hamburg. Ein gemütlicher Abend hielt
-uns bei lieben Freunden fest, wo unsere Abreise weidlich begossen
-wurde. Spät trennten wir uns, begleitet von guten
-Wünschen der Freunde, doch lange konnte ich keinen Schlaf
-finden, denn in unregelmäßigen Zwischenräumen drang das
-Heulen der Sirenen in unser Hotelzimmer und erneuerte
-immer wieder das wunderselige, wonnige Gefühl: »Morgen,
-morgen gehts hinaus in die weite, herrliche Welt!«</p>
-
-<p>Am andern Abend um 10&nbsp;Uhr begaben wir uns an Bord.
-Am Morgen des nächsten Tages um 7&nbsp;Uhr wurden die Taue
-vom Kai gelöst und langsam fuhren wir, von einem Schlepper
-gezogen, unter den heiter-wehmütigen Klängen des hübschen,
-uralten Liedes: »Muß i denn, muß i denn zum Städtelein
-hinaus« und dem Hurrarufen und Tücherschwenken der am
-Kai Stehenden, aus dem Hafen hinaus, die Elbe hinunter.</p>
-
-<p>Das eben erwachende Blankenese, mit seinen schmucken,
-in Grün gebetteten, Wohlstand verratenden Villen und dem
-stolzen Süllberg sandte uns in lachender Morgensonne seine
-Abschiedsgrüße zu und weiter gings, an den blühenden Elbhügeln
-entlang, dem offenen Meere zu.</p>
-
-<p>Ein buntes Leben und Treiben entwickelte sich vor unseren
-Augen in der Elbmündung, denn unzählige kleine Küstendampfer
-<a class="pagenum" id="page_005" title="5"> </a>
-und Fischkutter steuerten, geschickt manöverierend,
-unter Volldampf ihrem Ziele zu.</p>
-
-<p>Nachdem wir die Feuerschiffe passiert hatten, fuhren wir
-mit halber Kraft in die Nordsee ein. Unser Schiff begann
-jetzt unter den leichten Wellen der Nordsee etwas zu stampfen,
-doch, als geborene Hamburgerin des Seereisens von einigen
-Überfahrten nach Helgoland und Dänemark nicht ganz ungewöhnt,
-machte mir die stampfende Bewegung des Schiffes viel
-Vergnügen.</p>
-
-<p>Fern am Horizonte tauchten die Umrisse unseres befestigten
-Felsen-Eilandes, Helgoland, auf, um welches herum, malerisch,
-und doch in Schlachtenformation gruppiert, ein Teil
-unseres Hochseegeschwaders unter Volldampf lag, scheinbar in
-Erwartung eines markierten Feindes.</p>
-
-<p>Nachdem auch dieser kleine Rest heimatlicher Erde unseren
-Blicken entschwunden war und der Tag sich zu neigen begann,
-zogen wir uns, für heute des Schauens müde, in unsere Kabine
-zurück, und die leise an die Schiffswand schlagenden Wellen
-und das stete Surren der Schiffsschraube sangen uns ein
-monotones, einschläferndes Schlummerlied.</p>
-
-<p>Als ersten Hafen liefen wir Boulogne sur mer an, nahmen
-Post und einige Passagiere an Bord und dampften selbigen
-Tags, die um die Insel Wight gruppierten, schwimmenden,
-englischen Forts passierend, nach Southampton, wo wir
-ebenfalls auf Reede liegen blieben und von einem Küstendampfer
-Post und Passagiere übernahmen.</p>
-
-<p>Weiter ging es mit Volldampf in den offenen Ozean
-hinein.</p>
-
-<p><a class="pagenum" id="page_006" title="6"> </a>
-Das leichte Gekräusel der Nordsee, was wir bereits als
-Wellen empfanden, verstärkte sich dermaßen, daß man auf
-dem Schiff, außer den heftiger gewordenen Stampfbewegungen,
-auch ein recht bemerkenswertes Rollen verspürte, ja selbst
-einige Spritzer der kleinen Sturzseen benetzten die Promenadendecks,
-und empfindliche Gemüter zogen sich bereits aus
-der frischen Seebrise in die verschiedenen Salons zurück.</p>
-
-<p>Die »alten Afrikaner« hatten sich bereits zu kleinen Gesellschaften
-gruppiert und begannen, unbekümmert um das Treiben
-des Ozeans, ein Spielchen. Eifrig wurde dem Bier und
-sonstigen geistigen Getränken zugesprochen und dicker Zigarren-
-und Zigarettenqualm erfüllte den Raum, so daß ich
-vorzog, mich schleunigst an Deck zu begeben, in die herrliche,
-frische Seeluft, wenngleich mich auch einige dieser »alten
-Afrikaner« stark interessierten. Beim Spiel konnte man beobachten,
-wie sehr ihre Nerven im schwarzen Erdteil gelitten
-hatten. Diese typische, leichte Erregbarkeit, die so schnell erhitzten
-Gemüter, kennzeichneten die lange unter der sengenden
-Sonne Afrikas hartgearbeiteten Männer. Und auch wie
-manche sehnige, schöne Gestalt war unter ihnen: groß, schlank,
-braungebrannt, mit kühnem Gesicht und energisch blickenden
-Augen. Stets weilte ich gern unter ihnen und lauschte ihren
-hochinteressanten Erzählungen über ihre Erlebnisse im schwarzen
-Erdteil. Sollte ich doch jene Gefilde, die noch einen kleinen
-Überrest des längst entschwundenen Urdaseins darstellen, aus
-eigner Anschauung kennen lernen.</p>
-
-<p>Nachdem uns die, selbst von den ältesten Kapitänen unserer
-Weltlinien gefürchtete Biskaya auf ihren haushohen
-<a class="pagenum" id="page_007" title="7"> </a>
-Wellen einige Tage lang geschaukelt und auch von einigen,
-nicht ganz magenfesten Passagieren ihren Tribut gefordert
-hatte, wurde am neunten Tage unserer Seereise wieder Land
-gesichtet, und zwar waren es die kanarischen Inseln, und von
-diesen wieder Teneriffa als erste, deren Hafen, Santa Cruz,
-wir kennen lernen sollten.</p>
-
-<p>Am nächsten Tage sahen wir beim Erwachen bereits die
-Umrisse der unzähligen, ehemals vulkanischen Bergkegel, in
-deren Mitte ihr Oberhaupt, der Pique Teneriffe thronte, aus
-dem Meere emporsteigen. Die Spitze des alten Götterberges
-war in leichte Nebel gehüllt, doch bereits nach zweistündiger,
-weiterer Fahrt zogen sich auch die letzten Nebelschleier vom
-Haupte des Pique Teneriffe hinweg. Noch näher kommend,
-erkannten wir mit Hilfe der Ferngläser die rotbraunen Heidekräuter,
-durchmischt mit eßbaren Kakteen und üppig wuchernden
-Farren, einem herrlich gewirkten Teppich gleichend, welcher
-die Kegel bedeckt. Auf den Außenkegeln sind die portugiesischen
-Signalstationen errichtet, die hier, wie in Las Palmas
-und Madeira als Forts ausgebaut und armiert sind.
-Zwischen den Bergkegeln ziehen sich, mit üppigster Vegetation
-bestandene Täler hin, in denen die kleinen Dörfchen mit ihren
-roten Bedachungen malerisch zwischen den herrlichen Bananenhainen
-wie in einem Schmuckkästchen leuchten.</p>
-
-<p>Bereits vor der Hafeneinfahrt bemerkten wir auf hoher
-See die kleinen Fischkutter und Boote der Eingeborenen von
-Santa Cruz, deren Nebenerwerbs- und Nahrungsquelle der
-Fischfang zu sein scheint.</p>
-
-<p><a class="pagenum" id="page_008" title="8"> </a>
-Kaum war der Klang unserer Schiffssirene verhallt, als
-sich auch schon ein reges Leben im Hafen bemerkbar machte.
-Hunderte von kleinen Ruderbooten, besetzt mit Männern und
-vor allen Dingen Jungen, hatten unser noch langsam fahrendes
-Schiff als Ziel gewählt. Unzählige von kleinen, schwimmenden
-Krämerläden, in denen man Bananen, Orangen,
-Nüsse, Äpfel, Papageien, Ferngläser, Briefmarken, Kanarienvögel,
-Seidenwaren, entzückende Madeirastickereien, Postkarten,
-Goldwaren, Zigarren, Zigarretten und tausend andere
-Sachen mehr kaufen konnte, umgaben bald unser Schiff.</p>
-
-<p>Mit buchstäblich affenartiger Geschwindigkeit erklommen
-die 6-10jährigen Jungen, mit Handkörbchen beladen, die von
-einigen voreiligen Passagieren hinabgeworfenen Taue und es
-entspann sich sehr bald ein reges Handelsgeschäft.</p>
-
-<p>Der Neuling kauft von allem, was ihm geboten wird und
-zahlt anstandslos die Preise, die gefordert werden. Erst durch
-das routinierte Handeln einiger »alter Afrikalöwen« aufmerksam
-geworden, erkennt er seine Voreiligkeit, denn die
-»alten Afrikaner« kaufen nicht 50, sondern 200-300 Prozent
-billiger als der Neuling.</p>
-
-<p>Singend und schreiend kletterten die halbwüchsigen Burschen
-in ihren Booten herum und forderten kreischend und
-flehend die Passagiere auf, Geldstücke ins Meer zu werfen,
-nach denen sie tauchen und keines entgeht ihren Blicken.</p>
-
-<p>Mit Genehmigung des Kapitäns durften wir an Land
-gehen. Die kleine Barkasse brachte uns bald an den Kai, wo
-uns die zweirädrigen, mit Mauleseln bespannten Karren aufnahmen
-und uns auf einer Rundfahrt durch Santa Cruz mit
-<a class="pagenum" id="page_009" title="9"> </a>
-den Schönheiten der Hafenstadt, in Gestalt von prächtigen
-Bananenhainen, Zuckerrohrplantagen und Palmen bekannt
-machten. Zum ersten Male konnte ich die Schönheiten der in
-Freiheit gediehenen, mächtigen Palmen bewundern.</p>
-
-<p>Nachdem wir von unserer ca. vierstündigen Fahrt in das
-Hinterland der Insel, die uns abwechselnd durch herrliche
-Farmen und kleine Dörfchen führte, zurückgekehrt waren,
-labten wir uns an einer Flasche echten (hoffentlich) Madeiraweins
-und ließen uns durch die Barkasse wieder an
-Bord bringen. Auch der Markthalle, die uns einen Einblick
-in die üppigen Vegetationsverhältnisse der Insel tun ließ,
-sowie dem Rathause statteten wir einen Besuch ab.</p>
-
-<p>Unser vorläufiges Reiseziel war Madeira, dem wir einige
-Tage widmen wollten. Wir mußten uns daher von der uns
-liebgewordenen Reisegesellschaft und von unserem Dampfer
-in Las Palmas trennen, um nach Besichtigung der Hafenstadt
-von Grand Canaria mit einem Küstendampfer nach Madeira
-zu fahren.</p>
-
-<p>Las Palmas unterscheidet sich von Teneriffa durch seine,
-in die Berge eingebauten, mit flachen Dächern abgedeckten,
-hell angestrichenen Häuser. An der Hauptstraße, auf der sich
-mit tosendem Gerassel eine Eisenbahn in unergründlichem
-Schmutze durcharbeitet, liegen die öffentlichen Gebäude und
-am Ende der Straße, umgeben von Palmen und anderen
-tropischen Gewächsen, die Kathedrale von Las Palmas. Nach
-einer kurzen Besichtigung der letzteren sahen wir uns noch
-die hinter den Häusern angelegten, wenig gepflegten Bananen-
-und Zuckerrohrplantagen an und fuhren mit unserem,
-<a class="pagenum" id="page_010" title="10"> </a>
-am Kai gemieteten Karren, dem singend und schreiend,
-Purzelbaum- und Radschlagend die Jugend bettelnd folgte,
-wieder nach dem Hafen.</p>
-
-<p>Unser Gepäck war bereits auf dem kleinen Küstendampfer,
-der uns nach Madeira bringen sollte, verstaut worden, und
-am Abend des nächsten Tages fuhren wir in den Hafen von
-Funchal ein.</p>
-
-<p>Tausend und abertausend Lichter spiegelten sich in der
-ruhigen Wasserfläche wieder und boten dem Auge des Beschauers
-ein entzückendes Bild. Ab und zu trug der Abendwind
-leichtverwehte Klänge einer einschmeichelnden Musik zu
-uns herüber und traumverloren an der Reeling lehnend,
-ließen wir die wunderbare Schönheit des südlichen Hafenbildes
-und des tiefen Frieden ausatmenden Funchals auf
-uns einwirken.</p>
-
-<p>Plötzlich durchdröhnte die Stille der sternenklaren Nacht
-das Rasseln der Ankerketten und der Donner der Postkanone
-und eine Stunde später betrat ich das eigenartige, vielbesungene
-Märchenland.</p>
-
-<p>Studienhalber besuchten wir am Abend, nachdem wir uns
-im Hotel etwas restauriert hatten, einige Bierlokale, wo uns
-in den sauberen Räumen überall die lockenden, südlichen
-Klänge der fast durchweg sehr musikalischen und musikliebenden
-Bevölkerung empfingen.</p>
-
-<p>Am anderen Morgen nahmen wir einen jener charakteristischen,
-mit Ochsen bespannten Schlitten und fuhren &ndash; nicht
-wie hierzulande im Schnee &ndash; sondern auf faustgroßen, runden,
-glatten Pflastersteinen durch die Stadt. Daß es ein angenehmes
-<a class="pagenum" id="page_011" title="11"> </a>
-Fahren gewesen wäre, kann ich nicht behaupten,
-aber wir hatten die Mode mitgemacht.</p>
-
-<p>Auch eine kleine Hafenfahrt im Ruderboote unternahmen
-wir und entdeckten auf den kleinen Bergkegeln, die sämtlich
-vulkanischen Ursprungs sind, die Befestigungen und Signalstationen
-von Funchal.</p>
-
-<p>Die Schönheiten Funchals und seiner Umgebung zu beschreiben,
-ist man wohl kaum imstande. Ein Gemisch der
-herrlichsten und verschiedenartigsten Palmen und sonstiger subtropischer
-Gewächse, zwischen denen die kleinen, mit Stroh
-und Matten gedeckten Hütten der ärmeren Bevölkerung
-Funchals liegen, bietet sich dem Auge dar. Bäume, deren
-Höhe und Stärke nur noch einen kläglichen Überrest von den
-Riesenerzeugnissen der Urzeit bilden, recken, leicht vom Seewind
-bewegt, kühn ihre Häupter gen Himmel; leise von
-längst entschwundenen Zeiten flüsternd.</p>
-
-<p>Die Bevölkerung Funchals scheint, soweit man dies nach
-dem kurzen, uns vergönnten Aufenthalt beurteilen kann, nur
-aus Armen und Reichen zu bestehen. Der Arme trägt seine
-schweren Lasten aus der Farm nach den Märkten auf dem
-Kopfe, um sie dort für billiges Geld loszuschlagen oder gegen
-andere Nahrungsmittel einzutauschen. &ndash; Der Wohlhabende
-läßt sich von zwei Dienern in seiner Hängematte, deren buntgestreiftes
-Segeltuch ihn vor den sengenden Sonnenstrahlen
-schützt, spazieren tragen, oder er fährt in dem landesüblichen
-Ochsenschlitten durch die Straßen der Stadt.</p>
-
-<p>Nach fünftägigem Aufenthalt booteten wir uns wieder
-auf einem Afrikadampfer der Woermannlinie ein.</p>
-
-<p><a class="pagenum" id="page_012" title="12"> </a>
-Noch einmal lassen wir das Auge sich sattsehen an dem gesegneten
-Fleckchen Erde, welches uns soviel Schönes und
-Neues bot.</p>
-
-<p>Lebe wohl, du einziges Madeira, wohin man sich das
-einstige Paradies verlegt denken kann.</p>
-
-<p>Auf spiegelglatter See, die nur durch das zeitweise Auftauchen
-von fliegenden Fischen, Schweins- und Haifischen
-unterbrochen wurde, fuhren wir dem ersten afrikanischen
-Hafen, Conacry, entgegen.</p>
-
-<p>Zum ersten Male in meinem Leben sah ich die hohen
-Wasserstrahlen, die ein Walfisch in die Luft spritzte und dessen
-Körper zeitweilig bis zur Hälfte seiner Stärke aus dem
-Wasser ragte.</p>
-
-<p>Die größte westliche Länge, die wir auf unserer Fahrt
-erreichten, war 32° nach Greenwich, die größte Zeitdifferenz
-von Hamburg 2&nbsp;Stunden 11&nbsp;Minuten.</p>
-
-<p>Durch den ersten Offizier wurde uns geraten, eine Nacht
-zu opfern, um dem nimmer rastenden Treiben der Delphine
-und Haifische, die von jetzt ab viele Tage als treue Begleiter in
-unserem Kielwasser folgten, zu beobachten.</p>
-
-<p>An einem herrlichen, lauen Abend zogen wir uns nach
-dem Abendbrot auf das Achterdeck zurück und machten es uns
-in unseren Langstühlen bequem. Unseren Augen bot sich ein
-seltsames Schauspiel. Tausend und abertausend kleine Fünkchen
-(Infusorien) spielten in den durch die Schiffsschraube
-leicht gekräuselten Wellen: Das sogenannte Meeresleuchten und
-zwischen diesem Gewimmel zogen die Haifische, die ebenfalls
-stark phosphoreszieren, gespensterhaft ihre blaugrünen Furchen,
-<a class="pagenum" id="page_013" title="13"> </a>
-bald back- bald steuerbords das Schiff beobachtend, ob nicht
-ein kleiner Überrest aus der Küche sich ihnen als Fang zeigt.</p>
-
-<p>Die unvergleichliche Pracht des Sternenhimmels wurde
-durch den Mond, der bald als feurige Kugel aus dem Meere
-emporstieg, gebrochen, und die angenehme Kühle der Nacht ließ
-uns die Stunden des Schauens wie im Fluge vergehen.</p>
-
-<p>Wir bummelten über die Promenadendecks nach dem Bug
-und beobachteten dort das launische Treiben der Delphine.
-Ihre phosphoreszierenden Körper zogen sich direkt vor dem
-äußeren Steven des Schiffes durch die rötlich schimmernden
-Manuaren, sogenannte »spanische Schiffe«, die Korallenriffen
-gleichend, das Meer beleben, hin.</p>
-
-<p>In der Ferne tauchte ein Licht auf und bald ertönte die
-Sirene unseres Schiffes, dem diejenige des uns entgegenkommenden
-Dampfers antwortete. Leise glitt der dunkle Koloß
-des Afrikadampfers &ndash; denn ein solcher war es &ndash; an uns vorüber.
-Alles Leben war dort, wie auf unserem Dampfer, erstorben.
-Lockende Träume mochten die Schläfer drüben umgaukeln,
-waren doch viele davon glückliche Menschen, die nach
-jahrelangem Wirken und Schaffen unter der heißen Tropensonne
-Afrikas der Heimat zu fuhren.</p>
-
-<p>Wiederum tauchte in der Ferne, in rhythmischen Zeitabständen
-leuchtend, ein Signallicht auf. Es war das Blinkfeuer,
-welches von der Insel Tambo ausgehend, die Einfahrt
-in den Hafen von Conacry in Französisch-Guinea kennzeichnet.</p>
-
-<p>Wir blieben bis zum Morgengrauen auf der Reede von
-Conacry liegen und gaben später Post und Passagiere an Land.</p>
-
-<p><a class="pagenum" id="page_014" title="14"> </a>
-Zum ersten Male in meinem Leben sah ich eine größere
-Anzahl Neger. Mit großem Interesse hatte ich die Abstufungen
-der Völkerrassen vom hohen Norden Deutschlands bis zur
-heißen Zone Nordafrikas beobachtet und sah nun diese sehnigen,
-schokoladenbraunen Gestalten in ihrer Heimat. &ndash; Trotz
-des Lächelns, das beim Anblick der Europäer um ihre wulstigen
-Lippen spielte, konnte man doch den so oft beschriebenen,
-hinterlistigen Zug in ihren scharfen Augen entdecken und ich
-hätte mir fürs Erste nicht gewünscht, mit diesen braunen Gesellen
-unter einem Dach wohnen zu müssen. Doch mein Mann
-belehrte mich bald eines Besseren, denn er hatte während
-seiner fünfjährigen Afrikatätigkeit genug Gelegenheit gehabt,
-das Seelenleben der Neger zu studieren. Einige uniformierte,
-schwarze Beamte der französischen Kolonialpost, die die Postsäcke
-und Pakete an Bord brachten, machten einen sehr netten
-Eindruck und sprachen ein sehr gutes Französisch.</p>
-
-<p>Gegen 10&nbsp;Uhr lichteten wir die Anker und stachen wieder
-in See, um in geringer Entfernung vom Land, jedoch außerhalb
-des Gefahrenbereiches der Riffe, dem nächsten Hafen
-Monrovia im Negerfreistaat Liberia zuzusteuern.</p>
-
-<p>Während bis hierher die Möven unsere steten Begleiter
-waren und sich gierig auf jeden über Bord geworfenen Abfall
-stürzten, entdeckten wir zu unserem nicht geringen Erstaunen
-in den Tauwerken der Masten einige Schwalben, die von dort
-aus kurze Flüge unternahmen und die Nächte an Bord unseres
-Schiffes verbrachten.</p>
-
-<p>Ein sehr nettes Schauspiel war das Bootsmanöver. Die
-Schiffsglocke ertönte und in kurzer Zeit waren die Boote ausgeschwenkt,
-<a class="pagenum" id="page_015" title="15"> </a>
-bemannt und zu Wasser gelassen. Zwei Rettungsringe
-mit selbstentzündbaren Lichtbojen wurden über Bord geworfen,
-die im Ernstfalle den nachts über Bord Springenden
-Rettung bringen sollten. Interessant zu beobachten waren die
-Haifische, die im selben Moment, als die Bojen klatschend ins
-Wasser fielen, auf diese zuschwammen und hastig zuschnappten,
-dann ihre verkannte Beute rasch wieder losließen und ihr
-Glück bei einem der zu Wasser gelassenen Boote versuchten.
-Der Dampfer drehte sofort bei und nahm die Rettungsboote
-wieder an Bord, die Lichtbojen, die inzwischen erloschen waren,
-wurden wieder aufgefischt und ruhig setzte der Dampfer seine
-Fahrt fort, bis wir der Reede von Monrovia ansichtig wurden.</p>
-
-<p>Im Hafen von Monrovia entwickelte sich ein etwas lebhafteres
-Treiben als vor Conacry, denn zwei Küstendampfer
-brachten ca. 80-90 Neger an Bord, die während der Fahrt
-unter der heißen Sonne Afrikas die groben Arbeiten an Bord
-verrichteten.</p>
-
-<p>Nachdem sie alle übernommen waren, bildeten sich schon
-verschiedene Gruppen und man merkte sehr bald, daß es nicht
-das erste Mal war, daß sie im Dienste der Woermannlinie
-arbeiteten.</p>
-
-<p>Mit großer Geschicklichkeit wurden die Ladebäume, die bisher
-in der Längsrichtung des Schiffes niedergelegt waren, aufgerichtet,
-die Seile über die Rollen geführt und schon rasselten
-die Dampfwinden den ersten Ballen Ladung aus den schier
-unergründlichen Bunkern des Schiffes nach oben. Der Ladebaum
-wurde ausgeschwenkt und die Ladung in die bereitstehenden
-Küstendampfer herabgelassen. Ein anderer Teil der
-<a class="pagenum" id="page_016" title="16"> </a>
-Neger holte sich beim Verwalter Schrubber und Bürsten, die
-Schiffshydranten wurden in Bewegung gesetzt und in wenigen
-Augenblicken schwammen alle Decks, die unter der kräftigen
-Behandlung unserer »lieben, schwarzen Brüder« sehr bald ihre
-Farbe wechselten.</p>
-
-<p>Ein Glockensignal verkündete eine Essenspause.</p>
-
-<p>Zwei große, ca. 100 Liter fassende Kessel mit gekochtem
-Reis wurden, der eine in die Mitte der Ladekolonne, der andere
-in die Mitte der Reinigungsmannschaften, gestellt. Um
-beide Kessel gruppierten sich, die strahlenden Augen auf den
-dampfenden Reis gerichtet, die Neger. Ein Vormann (Headmann)
-teilte den Inhalt des gefüllten Kessels in ca. 10 Portionen,
-deren jede einzelne wieder in einen kleineren Kessel
-gepackt wurde. Auf jeder Portion thronte als »Garnierung«
-ein Stück gekochten Stockfisches. Die Verteilung vollzog sich
-mit einer gewissen Ordnung, die Unterhaltung jedoch wäre
-wohl kaum von dem Geschnatter eines Waggons böhmischer
-Gänse übertönt worden.</p>
-
-<p>Zu jedem dieser kleinen Kessel gehörten ca. 8-10 Mann,
-die sich in einer Ecke des Schiffes niederhockten und den Reis
-mit der Hand, mit der sie eben noch die schmutzigen Scheuertücher
-ausgewrungen hatten, zu Ballen formend, in den Mund
-stopften. An den Stückchen Stockfisch wurde nur ab und zu
-geleckt, erst mit dem letzten Klumpen Reis nahm auch dieses
-seinen Weg ins Innere des Negermagens.</p>
-
-<p>Wie auf ein Kommando verstummte jegliche Unterhaltung
-und machte einem breiten, wohligen Schmatzen Platz. In
-kaum 10 Minuten waren sämtliche Kessel nicht nur geleert,
-<a class="pagenum" id="page_017" title="17"> </a>
-sondern auch sorgfältigst für die nächste Verpflegungsaufnahme
-ausgeleckt und mit den Fingern gereinigt. Einige zu Boden
-gefallene Reiskörnchen wurden noch gierig aufgesucht und verschwanden
-in den nimmersatten Magen der Schwarzen. Damit
-der Magen auch wirklich bis oben gefüllt war, stürzten sie
-noch ca. ein halbes Liter Wasser nach und der letzte Schluck
-wurde, nachdem er kurze Zeit im Munde hin und hergespült
-war, in hohem Bogen über die Reeling gespuckt und &ndash; die
-Zähne waren geputzt.</p>
-
-<p>Ein greller Pfiff des Offiziers rief die Horde wieder an
-ihre Arbeit.</p>
-
-<p>Nachdem die Ladegeschäfte beendet waren, verließen wir
-Monrovia.</p>
-
-<p>Die Wärme hatte sich bereits zu einer fast unerträglichen
-Hitze (46°C. im Schatten) gesteigert und noch unangenehmer
-machte sich die Hitze des Nachts bemerkbar. Trotz der in die
-Bullenaugen eingesetzten Windfänger und trotzdem man völlig
-entkleidet, nur mit dem Laken bedeckt, schlief, war an einen
-festen Schlummer nicht zu denken. Hochinteressant zu beobachten
-waren am Abend die Promenadendecks, wo in jedem
-Winkel 2-3 Neger kaffeelöffelartig zusammengehockt, mit
-einem leichten Leinwandlappen bedeckt, durch ein intensives
-Schnarchen ihren gesunden Schlaf verrieten.</p>
-
-<p>Als wir am Morgen gegen 7&nbsp;Uhr an Deck gingen, war
-bereits alles wieder blitzsauber gescheuert und die nicht beschäftigten
-Neger saßen plaudernd in Gruppen beisammen und
-plapperten wie die Waschweiber.</p>
-
-<p><a class="pagenum" id="page_018" title="18"> </a>
-Nachdem wir noch die Häfen Grand Bassam und Cap Coast
-Castle angelaufen hatten, gingen wir unweit der Landungsbrücke
-von Lome in Deutsch Togo vor Anker. Mit einer der
-ersten Fahrgelegenheiten ließen wir uns an Land bringen
-und besichtigten, soweit es die kurze Zeit erlaubte, wieder einmal
-ein Stück deutschen Bodens.</p>
-
-<p>Schon vom Schiff aus sah man die Früchte deutscher Kultur
-in Gestalt eines, auch architektonisch schönen Gouvernementsgebäudes
-und unzähligen am Strande liegender Faktoreien,
-die sämtlich von einer in gotischem Stil gehaltenen
-Kirche überragt werden.</p>
-
-<p>Die Straßen Lomes sind zum Teil befestigt und auf ihnen
-werden im flotten Tempo die zweirädrigen, mit schwerer Ladung
-bepackten Karren gezogen. Während wir bisher nur
-Neger sahen, die, mit Ausnahme des Lendenschurzes völlig
-unbekleidet waren, trug der größere Teil der Togo-Neger
-Kleider, und wenn sie auch nur aus einigen, malerisch um
-den Leib geschlungenen, bunt bemalten Tüchern bestanden.
-Einen recht netten Eindruck machten die sauber in Weiß oder
-Khaki gekleideten schwarzen Angestellten der Faktoreien, desgleichen
-die sauber uniformierten Soldaten der Polizeitruppe
-und die schwarzen Gouvernementsbeamten.</p>
-
-<p>Auch hatten wir Gelegenheit, das bunte, fesselnde Markttreiben
-in Lome zu beobachten:</p>
-
-<p>Hier hing unter einem Mattendach die Keule eines Schafes
-oder Ochsen, dort standen, in kleine Körbchen gefüllt, Erdnüsse,
-Makavo (kartoffelähnliche Knollenfrucht), Mais, Bananen,
-Ananas und ähnliche tropische Früchte. An anderer
-<a class="pagenum" id="page_019" title="19"> </a>
-Stelle wieder kauerte ein schmutziges Weib am Boden, die ihre
-aus Makavo gefertigten, in Palmöl gekochten Klöße zum Verkaufe
-ausbot. In einem kleinen Schnittwarenladen, der die
-»neuesten Muster« der afrikanischen Mode auf den Markt
-brachte, wurden die auf dem Markt durch den Verkauf von
-Produkten erzielten Einnahmen umgesetzt, doch nicht, ohne
-stundenlanges Feilschen und Handeln und nachdem sämtliche
-ausgelegten Herrlichkeiten mit schmutzigen Fingern durchwühlt
-waren.</p>
-
-<p>Nachdem wir uns mit einer Flasche Eisbier und einigen
-Sandwichs im Hotel gestärkt hatten, unternahmen wir noch
-einen kleinen Spaziergang durch die endlose Reihe der deutschen
-und englischen Faktoreien.</p>
-
-<p>Da die Zeit zur Abfahrt mahnte, ließen wir uns wieder
-auf unseren Dampfer einbooten und fuhren, nachdem wir
-noch Lagos, eine Hafenstadt in Nigeria, angelaufen hatten,
-dem vorläufigen Endziel unserer Reise, Kamerun, zu.</p>
-
-<p>Mit vor Freude klopfendem Herzen stand ich an Deck.
-Kamerun! In kurzer Zeit sollte es erreicht sein, sollte mein
-jahrelanger, heißer Wunsch sich erfüllen. Meinen Fuß würde
-ich auf Kameruner Erde setzen und eindringen in die vielen
-Schönheiten des wunderbaren Landes.</p>
-
-<p>Mit Hilfe des Fernglases bemerkten wir bereits vor uns
-einen langgestreckten Höhenrücken, dessen einzelne Bergkegel
-in einen undurchdringlichen Nebel gehüllt zu sein schienen.
-Näherkommend, zerteilten sich die Nebelschwaden und majestätisch
-stieg aus dem Gebirge der alles überragende 4000
-Meter hohe Kamerunberg heraus. Zu seinen Füßen liegt der
-<a class="pagenum" id="page_020" title="20"> </a>
-ehemalig ebenfalls vulkanische, kleine Kamerunberg. Am Fuß
-des letzteren gruppiert sich malerisch, wie ein Schmuckkästchen,
-das reizende Viktoria, das aber leider durch die hinter ihm
-lagernden, nur zum Teil sanierten Sümpfe, nicht gerade das
-günstigste Klima in unserem fieberreichen Kamerun hat.</p>
-
-<p>Auf einer kleinen Anhöhe liegt die Wohnung des Bezirksamtmannes
-direkt am Strande, ferner das Laboratorium
-der Versuchsanstalt für Landeskultur, das Polizeimeistergebäude,
-das Bezirksamt und -Gericht, die Wohnhäuser der
-Gouvernementsbeamten und die Faktoreien. Eine strikte
-Trennung der Wohnungen von Schwarzen und Weißen ist
-hier geschickt durchgeführt.</p>
-
-<p>Ein Rundgang durch den botanischen Garten führt uns
-wohlgepflegte Kakao- und Gummikulturen vor Augen und
-gewährt uns schon einen kleinen Einblick in die üppige Vegetation
-der Tropen. Gern hätten wir uns den Sitz des Gouvernements,
-das in ca. 1000 Meter Höhe am großen Kamerunberg
-gelegene Buea, angesehen, doch unsere Reise sollte weitergehen
-und uns in die Gefilde führen, wo mein Mann als
-deutscher Kulturpionier die Linienführung der Kamerun-Nord-
-und Mittellandbahn erkunden half.</p>
-
-<p>Nachdem wir uns noch einen Teil der herrlichen Kakao-Plantagen
-der W.A.P.V. angesehen hatten, fuhren wir noch
-an demselben Tage nach Duala.</p>
-
-<p>Unzählige Buchten, sogenannte Creeks, die dicht mit Mongroven,
-zwischen denen einige Urwaldriesen ihre Häupter gen
-Himmel reckten, bestanden waren, wurden von den Fischfang
-treibenden, in kleinen Kanoes sitzenden Negern belebt. Rechts
-<a class="pagenum" id="page_021" title="21"> </a>
-von uns sahen wir auf schmaler Landzunge direkt an der See
-das Sanatorium Suelleba und näherkommend, entdeckte man
-bereits die sauber weiß gestrichenen Häuser von Duala.</p>
-
-<p>Auf der Joßplatte liegen Offizierskasino und die Beamtenwohnhäuser
-unserer Schutztruppenangehörigen und weiter,
-nach der Landungsbrücke zu, die Gouvernementsgebäude.</p>
-
-<p>Im Hafen von Duala, der die Mündung des Kamerunflusses
-(Wuri) ist, kreuzten die kleinen Dampfbarkassen und
-Pinassen und nahmen, nachdem vom Hafenarzt die Quarantäne
-abgenommen war, die ankommenden Passagiere und
-deren Gepäck auf.</p>
-
-<p>An der kleinen Landungsbrücke standen Hunderte von Negern
-und schwarzen Frauen, die teils grinsend, teils bewundernd
-die Neuangekommenen musterten, wohl auch dem wiedererkannten
-»alten Afrikaner« einen Willkommensgruß im
-schwarzen Erdteil zuriefen.</p>
-
-<p>Eines mutete mich recht sonderbar an. Während wir in
-franz. Guinea französisch, in den engl. Kolonien englisch sprechen
-hörten, vermißte ich in Duala den Wohlklang unserer
-Muttersprache. Einige besser gekleidete boys, die ihre aus der
-Heimat zurückkehrenden Master abholten, hörte ich nur das
-Pigeon-Englisch, ein furchtbar verstümmeltes, mit andern
-Sprachen durchsetztes Englisch, sprechen. Mein Mann hatte
-auf der 23tägigen Seereise eifrig mit mir gearbeitet, damit ich
-dieses Kunterbunt ein wenig beherrschte.</p>
-
-<p>Duala zu schildern, will ich unterlassen, da ich annehme,
-daß wohl Jeder von dem rasch emporgeblühten, fast europäischen
-Duala genügend Kenntnis aus Reiseberichten besitzt.
-<a class="pagenum" id="page_022" title="22"> </a>
-Ich kann nur sagen, daß ich überrascht war von den wohlgepflegten
-Straßen und Gouvernementsgärten, in welchem die
-Gouvernementsgebäude eingebaut sind. Imponierend wirkten
-die Anlagen der Kamerun-Mittellandbahn, deren Bahnhof
-in einem Seitentale des Kamerunflusses, der sogenannten Bomonoschlucht
-liegt, deren Hänge mit den Beamtenwohnhäusern
-der Bahn malerisch bebaut sind.</p>
-
-<p>Durch die 23tägige Seefahrt war unser Gang an Land
-direkt schwankend und schaukelnd geworden, doch heute &ndash; und
-das war für mich die Hauptsache &ndash; konnte ich zum ersten Male
-mein Haupt im schwarzen Erdteil, auf dem für mich noch tausend
-Geheimnisse bergenden Kameruner Boden zur Ruhe
-legen.</p>
-
-<p>Im Hotel traf mein Mann viele alte Bekannte von seiner
-früheren kolonialen Tätigkeit her, alle freuten sich sehr, ihn
-wiederzusehen und auch mich kennen zu lernen. Ein fröhlicher
-Kreis bildete sich bald, Erinnerungen, ernste und heitere, wurden
-lebhaft ausgetauscht und viele Fragen nach der lieben,
-deutschen Heimat an uns gerichtet, so daß die Stunden wie im
-Fluge entschwanden. Dem Bier und Sekt wurde sehr reichlich
-zugesprochen, das Wiedersehen wurde recht gründlich gefeiert
-und beim endlichen Aufbruch hatte ich das Empfinden, mich
-noch an Bord zu befinden, wenigstens in bezug auf den »schaukelnden,
-schwankenden Gang« meiner lieben, neuen Bekannten;
-mein Mann jedoch durchaus nicht ausgeschlossen.</p>
-
-<p>Eine frische Nachtbrise machte den Aufenthalt in den kleinen
-und niedrigen Hotelzimmern recht angenehm und zum
-<a class="pagenum" id="page_023" title="23"> </a>
-ersten Male wieder, seit langer Zeit, fand ich meinen von Europa
-her gewöhnten, gesunden Schlaf.</p>
-
-<p>Ein fast unglaublicher Zufall führte uns mit dem Koch
-zusammen, der mehrere Jahre in den Diensten meines Mannes
-gestanden hatte und ihm während der Dauer von zweieinhalb
-Jahren kreuz und quer durch die Urwälder Kameruns
-ins Innere gefolgt war und sich nicht nur als treuer Begleiter,
-sondern auch als tüchtiger, mit dem verwöhnten, europäischen
-Gaumen wohlbekannter Koch erwies. Joseph, so hieß
-diese schwarze Perle, freute sich unglaublich, seinen alten
-Master wieder zu sehen und erklärte sich bereit, uns auf unserer
-bevorstehenden Reise ins Innere zu folgen. Kurzerhand
-löste er, wahrscheinlich zum nicht geringen Staunen und
-Ärger seines bisherigen Herrn, sein Dienstverhältnis und stand
-am andern Morgen grinsend mit seinem Päckchen am Hotel.</p>
-
-<p>Er war uns beim Einkauf unserer Verpflegung, die wir
-auf ca. 3 Wochen zu berechnen hatten, behilflich und nichts
-wurde vergessen, denn Joseph kannte die hohen Ansprüche, die
-sein alter Master an seine Kochkunst stellte. Die Verpflegung:
-Fleisch, Gemüsekonserven, Früchte, Cakes, Butter, Schmalz,
-Mehl, Reis, Kaffee, Tee, Milch, Zucker, Essig, Öl, Gewürz,
-einige Flaschen Wein und Bier und sonstige, für die Küche
-des Europäers nötigen Kleinigkeiten, sowie etwas Reis und
-Stockfisch, die als Notbehelf dienen sollten, für den Fall, daß
-man mitten im Urwald Lager beziehen muß und keine Verpflegung
-für die Träger (Planten, Makavo und Palmöl) bekommt,
-wurde in Traglasten zu ca. 30 Kilogramm verpackt
-und nach dem Hotel gesandt. Als Tauschartikel nahmen wir
-<a class="pagenum" id="page_024" title="24"> </a>
-noch Perlen, Tabak, und bedruckte Leinwandstoffe mit. Für
-irgend einen ganz besonderen Zweck hatten wir uns auch eines
-jener in Afrika typischen Hängekleider mitgenommen, desgleichen
-mieteten wir uns für die Reise nach dem Manenguba-Gebirge
-zwei Pferde.</p>
-
-<p>Die Deutsche Kolonial-Gesellschaft, in deren Diensten mein
-Mann früher stand, stellte uns bereitwilligst ein Zelt mit den
-nötigsten Ausrüstungsgegenständen zur Verfügung, und am
-zweiten Tage nach unserer Landung wurden unsere Lasten
-nebst ihren Trägern, die teilweise recht schmutzige Lendentücher,
-welche bei Gott nicht mehr als fünf Prozent ihres
-Leibes bedeckten und einen intensiven Geruch nach Schweiß
-und Palmöl ausströmten, um den Leib geschürzt hatten, sowie
-unsere Pferde und schließlich wir selbst in einem Leichter verstaut
-und von einer Barkasse nach dem am rechten Ufer des
-Wuri gelegenen Bonaberi gebracht und sofort in den bereitstehenden
-Zug verladen.</p>
-
-<p>Da mir mein Mann nicht in eiliger Bergfahrt die Schönheiten
-des Urwaldes flüchtig zeigen wollte, fuhren wir nur bis
-Mujuka, zirka 60 Kilometer der Nordbahn und schlugen auf
-einem freien Platz unser Zelt auf.</p>
-
-<p>Mit unglaublicher Geschwindigkeit wurden die Zeltlasten
-aufgeschnürt und in einer halben Stunde stand unser Zelt
-bezugsfertig da. Die Verpflegungslasten, aus denen Joseph
-sich einige Konservenbüchsen hervorkramte, wurden unter das
-Sonnensegel gestellt und bildeten, gegen die in der Übergangszeit
-noch vorkommenden Tornados geschützt, gleichzeitig eine
-kleine Barrikade um unser Zelt, nur den Eingang freilassend.</p>
-
-<p><a class="pagenum" id="page_025" title="25"> </a>
-Nach dem Aufschlagen des Zeltes begab sich jeder der
-Träger in den Urwald, um Holz für das nachts als Schutz
-gegen Ameisen und Raubtiere stets brennende Feuer zu holen
-und es dauerte gar nicht lange, so kehrten sie, jeder mit ein bis
-zwei beindicken, zwei bis drei Meter langen Ästen zurück,
-welche zu zwei großen Scheiterhaufen vereinigt, ihres Zweckes
-harrten.</p>
-
-<p>Aus einigen, schnell aus den Fiedern der Palme geflochtenen
-Matten und vier im Busche geschlagenen Pfählen wurde
-ein kleines Badehäuschen (ohne Dach) aufgebaut und nachdem
-wir gebadet und uns umgekleidet hatten, begann Joseph und
-sein Helfershelfer, der boy Taka, zu servieren.</p>
-
-<p>Trotzdem Joseph mit größter Fach- und Sachkenntnis den
-Lagerbau leitete, hatte er nebenbei, geschickt seine Töpfe auf
-drei Steine stellend, mittels kleingespaltenem Holz das Essen
-gekocht und Badewasser warm gemacht. Mitten unter freiem
-Himmel loderten bald vier solcher kleinen Feuer, auf denen
-die einzelnen Gerichte dampften.</p>
-
-<p>Wir hatten uns, gestützt auf die langjährigen Erfahrungen
-meines Mannes, alles Geschirr in Emaille mitgebracht, denn
-von Porzellan wäre wohl am Abend des ersten Tages wenig
-übrig geblieben.</p>
-
-<p>Zierlich, mit einer weißen, sauberen Jacke bekleidet, und
-stolzem Grinsen, die Suppe vor sich herbalanzierend, erschien
-Taka, dem auf dem Fuße, nicht minder weiß gekleidet, mit
-einem Gesicht, das den Stempel des Verantwortlichkeitsgefühls
-trug, Joseph mit dem zweiten Gange, Huhn mit Kartoffelpüree,
-folgte.</p>
-
-<p><a class="pagenum" id="page_026" title="26"> </a>
-Taka, voll Eifer, bemerkte nicht, daß sein schwarzer Daumen
-ein warmes Bad in der delikat aussehenden Schildkrötensuppe
-nahm und von meinem Mann »zart« darauf aufmerksam gemacht,
-traf ihn ein entrüsteter, vernichtender Blick Josephs, der
-sich ein derartiges Benehmen anscheinend einfach nicht erklären
-konnte und seinerseits, in diese schwarze Tat Takas
-voll Kummer vertieft, vergaß, die Finger von den frisch hingesetzten
-Tellern zu nehmen, so daß uns seine Fingerabdrücke
-entgegenleuchteten, die sicher der Stolz jedes Kriminalbeamten
-gewesen wären. Zum ersten Male stiegen mir an jenem Abend
-leichte Zweifel ob des »Abfärbens« der schwarzen Rasse auf.</p>
-
-<p>Nun, das Essen war vorzüglich zubereitet, und mit etwas
-gutem Willen war es mir auch möglich, alle »schwarzen« Gedanken
-zu bannen und es mir schmecken zu lassen.</p>
-
-<p>Joseph hatte, da er die Verhältnisse gerade Mujukas, aus
-seiner früheren Tätigkeit her kannte, bei einem dort wohnenden
-Freund ein Huhn und eine, irgendwo mit Bindfaden in der
-Hütte festgebundene Schildkröte erworben.</p>
-
-<p>Nach dem Essen setzten wir uns unter das Vordach unseres
-Zeltes und plauderten, gemütlich in unsern Liegestuhl zurückgelehnt,
-über das zurückgelegte Stück unserer Hochzeitsreise.</p>
-
-<p>Bald auch hörte unser Plaudern auf und träumend genossen
-wir den unbeschreiblich schönen Tropenabend. Leider
-war es noch einige Tage bis zum Vollmond, aber ich konnte
-mir schon einen kleinen Begriff machen von der großen Schönheit
-einer tropischen Mondnacht. Nichts regte sich, nur aus
-der Ferne drang der Schlag der Palavertrommel, sowie der
-monotone Gesang unserer Träger, die wir in einem benachbarten
-<a class="pagenum" id="page_027" title="27"> </a>
-Dorfe untergebracht hatten, zu uns herüber und ließ
-die Nähe menschlicher Wohnungen vermuten. Eine unendlich
-weiche Luft umfächelte uns, und ich dachte unwillkürlich an
-unser, jetzt sicher so naßkaltes Hamburg, wo man sich schon
-mit den Pelzen schmückt.</p>
-
-<p>Auch der Feuermann hatte bereits seine Arbeit begonnen
-und eilte von einem lodernden Holzstoß zum andern, um
-immer wieder zu schüren und ihm neue Nahrung zuzuführen.
-Welch ein herrliches Schauspiel war es, in der ruhigen Nacht
-zu beobachten, wie jedesmal, wenn der Feuermann neues
-Holz auflegte, ein Funkenregen gen Himmel stiebte, der, gleich
-einer Rakete, dann wieder langsam in sich zusammensank.</p>
-
-<p>Joseph war eifrig in seiner Küche beschäftigt, das Geschirr
-zu säubern und alles für den nächsten Morgen, wo wir unsere
-Reise zu Fuß fortsetzen wollten, vorzubereiten. Taka packte die
-abgelegten Kleider in den Wäschesack, legte geschickt die am
-nächsten Morgen benötigten Kleider auf das Moskitonetz
-unserer Betten, und als sie beide ihr erstes Tagewerk bei ihrem
-alten »Master« beendet hatten, baten sie um die Erlaubnis,
-uns erzählen zu dürfen, wie es ihnen in der Zeit der Abwesenheit
-meines Mannes ergangen sei. Ich konnte mich schon recht
-gut mit den beiden Hausgeistern verständigen, dank der Bemühungen
-meines Mannes, mich recht eingehend in das fast
-undurchdringliche Pigeon-Englisch einzuweihen. Jeder hatte
-natürlich wenig lichte Tage erlebt, denn intensives Arbeiten
-ist nicht immer Sache der Neger. Am meisten schien sich Joseph
-zu freuen, daß sich sein alter Meister nun sein Weib mitgebracht
-hatte und gab dieser Freude dadurch Ausdruck, daß
-<a class="pagenum" id="page_028" title="28"> </a>
-er uns am Abend mit einer Tasse Tee und ich muß sagen,
-einem wirklich wohlgelungenen Pudding überraschte.</p>
-
-<p>Noch einmal ermahnte mein Mann den Feuermann, der
-mit einem Knüppel bewaffnet, jetzt vor den Feuern hockte und
-träumend in die rote Glut starrte, ja nicht zu schlafen und
-wir zogen uns in unser Zelt zurück.</p>
-
-<p>Einzelne Moskitos schwärmten im dunklen Zelte herum,
-doch wir hatten ja Chinin geschluckt &ndash; was ich übrigens nicht
-sonderlich schätzte &ndash; und konnten beruhigt sein.</p>
-
-<p>Lange lag ich noch wach, alle bisher erlebten Tage an
-meinem geistigen Auge vorüberziehen lassend und dankte dem
-Himmel für die Schönheiten und Reize die er mir auf meiner
-Hochzeitsreise bisher geboten, bis auch ich schließlich, eingeschläfert
-durch das Knistern der brennenden Holzscheite, Gott
-Morpheus in die Arme sank.</p>
-
-<p>Doch unsere Nachtruhe sollte nicht lange ungestört sein,
-scheinbar sollte ich die »Schönheiten« der Tropenlande mit
-allen Finessen kennen lernen.</p>
-
-<p>Ein furchtbares Schreien und energisches Rütteln am Zelte
-schreckte mich auf und entsetzt sprang ich hoch, glaubte ich doch
-nicht anders, als daß wir überfallen worden seien. Ein
-schwarzes, ängstliches, durch die Glut der Lagerfeuer geisterhaft
-beleuchtetes Gesicht steckte sich durch den Spalt des Zeltes,
-so daß ich entsetzt aufschrie, glaubte ich doch, noch schlafbefangen,
-daß es der leibhaftige Teufel sei. Doch es war nur der harmlose
-Feuermann, der ununterbrochen ein ängstliches »Anch,
-Massa, Anch life« rief. So sehr ich auch mit Blitzeseile mein
-Gedächtnis nach dem mysteriösen Wort »Anch« durchforschte,
-<a class="pagenum" id="page_029" title="29"> </a>
-ich konnte beim besten Willen nichts finden, was einem solchen
-auch nur ähnlich gewesen wäre. Mein Mann, der nun endlich
-auch aus seinem gesegneten Schlaf aufgewacht war, drehte sich,
-nachdem er den Feuermann etwas energisch angehaucht hatte
-und dieser blitzschnell verschwand, ganz ruhig im Bette herum
-und erklärte mir, daß Ameisen unser Lager überfallen hätten.
-Ich zog mich schleunigst wieder ins Bett zurück, wurde ich
-doch schon von einigen kleinen Quälgeistern energisch gezwickt.
-Das ganze Zelt, sowie das Moskitonetz waren mit Ameisen
-besät. Nur der Vorsicht meines Mannes, beim Zubettgehen
-das Moskitonetz sorgfältig unter die Matratze zu stopfen, war
-es zu danken, daß mein Mann, obwohl mitten in einem
-Ameisenhaufen, von diesen kleinen Räubern verschont blieb.
-Durch meine Unvorsichtigkeit, sofort auf das Geschrei des
-Feuermannes hin, aus dem Bett zu springen, hatten es sich
-die Ameisen natürlich bereits in meinem Bett heimisch gemacht
-und ich hatte das Vergnügen, jede einzeln, nachdem sie
-mich an irgend einem Teile des Körpers gehörig gezwickt hatte,
-zu fassen und hinauszubefördern.</p>
-
-<p>Ich hatte wirklich von der ersten Nacht im Zelte genug
-und wäre am liebsten nach der Küste zurückgekehrt, wo man
-doch wenigstens vor diesem kleinen Viehzeug sicher war und
-nicht noch obendrein vom Manne ausgelacht wurde, wie es
-mir armen Unglückswurm erging.</p>
-
-<p>Joseph hatte inzwischen unsere Trägerkolonne alarmiert,
-die der kleinen Räuberbande energisch zu Leibe ging.</p>
-
-<p>Drei bis vier Neger öffneten die Rück- und Vorderwand
-unseres Zeltes und begannen mit aus Palmenwedeln gefertigten,
-<a class="pagenum" id="page_030" title="30"> </a>
-brennenden Besen die Ameisen zu verbrennen, während
-die übrigen Leute glimmende Scheite vom Lagerfeuer holten
-und durch Abklopfen der glühenden Kohle die Ameisen zum
-Rückzug nötigten. Meinem Manne bereitete der kleine Überfall
-scheinbar viel Vergnügen, während ich heillose Angst hatte,
-daß durch das unvorsichtige Umgehen der Neger mit den brennenden
-Fackeln unser Zelt und vor allem das Bett Feuer
-fangen könnte. Doch keines von beiden trat ein. Vereinzelt
-liefen noch einige dieser »lieben Tierchen« (sogenannte Dickköpfe)
-im Zelte herum.</p>
-
-<p>Mein Mann machte mich auf den völlig geordneten Abzug
-der kleinen Räuberbande aufmerksam. Zu Tausenden und
-Abertausenden zogen sie, die großen Ameisen (Dickköpfe) an
-den Seiten Spalier bildend, die kleineren, gemischt mit einigen
-führenden Großen, in einem zirka zwei bis drei Zentimeter
-breiten Streifen ab. Als der Zug zu Ende war, schlossen sich
-auch die Dickköpfe, die Spalier gebildet hatten, an.</p>
-
-<p>An Schlaf war meinerseits nicht mehr zu denken, denn das
-gellende Geheul des Feuermanns und der Anblick seines feurigen
-Gesichtes war denn doch zu stark in die Glieder gefahren.
-Aber mein Mann, der an derartige Überraschungen gewöhnt
-zu sein schien, verriet bald durch ein intensives Schnarchen die
-Fortsetzung seiner Nachtruhe.</p>
-
-<p>Da, endlich ertönte die kleine mitgenommene, von Joseph
-geschlagene Palavertrommel, deren Schall für die Träger das
-Wecken bedeutete. Wir kleideten uns rasch an und wer beschreibt
-mein Erstaunen, als ich, ins Freie tretend, unseren
-Tisch mit richtiggehenden Weißbrötchen, Kaffee und einem
-<a class="pagenum" id="page_031" title="31"> </a>
-Teller Hafergrütze gedeckt fand. Ohne daß mein Mann nur
-ein Wort gesagt hätte, hatte sich Joseph all der kleinen Liebhabereien
-meines Mannes wieder erinnert und es schien ihm
-große Freude zu machen, recht zu unserer Zufriedenheit zu
-arbeiten.</p>
-
-<p>Joseph meldete, daß die Ameisen sich an der versehentlich
-offen gelassenen Zuckerdose und dem restlichen Pudding weidlich
-gelabt hätten und bat sich die Erlaubnis aus, dem Feuermann,
-der durch sein Schlafen den Ameisen den Einzug in
-unser Lager ermöglicht hatte, eine Ohrfeige geben zu dürfen.
-Die Erlaubnis erhielt er und setzte sie auch sofort, und zwar
-sehr energisch, in die Tat um. Ja, Joseph hielt auf Disziplin
-in der Kolonne.</p>
-
-<p>Na, wenn der räuberische Überfall nicht mehr Materialschaden
-brachte, war er wohl zu ertragen.</p>
-
-<p>Während wir den Morgenkaffee einnahmen, wurde mit
-staunenswerter Geschwindigkeit das Zelt abgebrochen, jeder
-schnürte sich seine Last zum Tragen fertig, und nachdem das
-Geschirr verpackt war, setzten wir uns auf unsere Pferde und
-ritten in den halbdunklen Urwald hinein.</p>
-
-<p>Es war ein ganz wonniger Morgen. Wie tausend Diamanten
-funkelten die Tautropfen an allen Gräsern und Zweigen
-in den mühsam durch das Dickicht brechenden Sonnenstrahlen.
-In vollen Zügen atmeten wir die frische, würzige Morgenluft
-ein; jubelnde Freude erfüllte meine Brust und vergessen waren
-die kleinen Unannehmlichkeiten der vergangenen Nacht. Der
-erste Tag im Urwald vom einzigschönen Kamerun nahm mich
-derartig gefangen, daß ich am liebsten ein Lied angestimmt
-<a class="pagenum" id="page_032" title="32"> </a>
-hätte, ein frisches, fröhliches Wanderlied mit all den lieben,
-kleinen, gefiederten Sängern, die alle schon ihr Sangespensum
-erledigten, um die Wette. Doch auch unsere Kolonne war
-nicht stumm, ein rhythmisches monotones Singen begann,
-dessen Eigenart mich fesselte. Einer der Reserveträger sang,
-vor der Kolonne hertanzend, das Lied vor und die anderen
-stimmten später kräftig ein, gerade als wenn es der Refrain
-wäre, den sie mitsangen.</p>
-
-<p>Joseph bildete den Schluß, damit nicht einer der Träger mit
-seiner Last hinter der Reihe zurückblieb, denn nichts ist unangenehmer,
-als wenn man im nächsten Tageslager angekommen,
-sein Zelt aufschlagen will und eine Last fehlt.</p>
-
-<p>Man kann sich, wenn man es nicht selbst erlebte, keinen
-Begriff von der imponierenden Schönheit des tropischen Urwaldes
-machen.</p>
-
-<p>Mächtige Baumriesen von dreißig bis fünfzig Meter Höhe
-und fast unglaublichem Durchmesser sind von kleineren Bäumen
-und tausend verschiedenartigen Schlinggewächsen, rankenden
-Farren und sonstigen Schmarotzern umgeben und überwuchert.
-Staunend bewunderte ich die üppige Vegetation, die
-seltenen, niegesehenen Blumen, das in allen Farben schattierende
-Grün der einzelnen Schlinggewächse. Man sah es,
-hier war der Kultur noch keine Macht gegeben, einzudringen,
-stolz und frei sproß und wucherte alles in üppigster Selbstverständlichkeit
-durcheinander, sich im Kampf um einen Lichtstrahl
-eng umschlingend, so daß man keinen Meter breit das
-geheimnisvolle Dunkel des ewiggrünen Urwaldes mit den
-Blicken durchforschen konnte.</p>
-
-<p><a class="pagenum" id="page_033" title="33"> </a>
-Nichts verriet ein Welken oder Sterben!</p>
-
-<p>Hoch in den Wipfeln der Bäume tummelten sich die bisher
-nie gesehenen, unzähligen, farbenprächtigen Vögel, ein Singen,
-Klingen, Geschrei und Gekrächze erfüllte die Luft, das
-mein Herz immer höher schlagen ließ. Einer unserer Träger
-machte uns auf einige Äffchen, welche in den Kronen der
-Bäume fressend saßen, aufmerksam. Doch leider ergriffen die
-possierlichen Tierchen bei unserem Anblick ängstlich die Flucht.</p>
-
-<p>Wir marschierten nicht auf der ausgebauten Regierungsstraße,
-sondern auf Umwegen unserem Tagsesziele zu, denn ich
-wollte den Urwald richtig kennen lernen.</p>
-
-<p>Wurzeln und bloßgewaschene Steine bedeckten den zirka
-dreißig Zentimeter breiten Negerpfad, und erst jetzt konnte ich
-mir die großen Schwierigkeiten vorstellen, die mit einer Erkundung
-von Eisenbahnen im afrikanischen Urwald verbunden
-sein mußten. Einige quer über den Weg liegende armdicke
-Bäumchen waren von den vor uns marschierenden Reserveträgern
-fortgeräumt, dicke, anderthalb bis zwei Meter im
-Durchmesser fassende Baumriesen mußten umgangen werden.
-Die kleinen Flüßchen, die ohne Brücke waren, wurden durchwatet.</p>
-
-<p>Plötzlich stutzte das Pferd meines Mannes, der voranritt,
-und blieb mit zitternden Flanken stehen. Selbst unter Zuhilfenahme
-der Sporen war es nicht möglich, das nervös trampelnde
-Tier vorwärts zu bringen. Die Träger, die dadurch
-ins Stocken kamen, wunderten sich einen Augenblick, um im
-nächsten Moment, den Blick nach oben richtend, auf eine vom
-Baum herabhängende, vier bis fünf Zentimeter dicke, zirka
-<a class="pagenum" id="page_034" title="34"> </a>
-vier Meter lange Schlange zu zeigen. Ein wohlgezielter Schuß
-aus der Büchse meines Mannes bringt den Feind zur Strecke,
-und beruhigt wiehernd setzte das Pferd seine Wanderung fort.
-<a class="pagenum" id="page_035" title="35"> </a>
-Die Unvorsichtigkeit meines Mannes, gleich vom Pferde aus
-zu schießen, brachte ihm, durch eine schnelle Rückbewegung des
-Pferdes, eine kräftige Ohrfeige vom Gewehre ein.</p>
-
-<p class="ce"><img src="images/p034i.jpg" alt="" /></p>
-
-<p>Nach zweistündigem Marsch kamen wir in einen mit zirka
-fünfzig Zentimeter langem Gras bedeckten freien Platz, wo
-mein Mann vor zirka fünf Jahren bei der Vermessung der
-Kamerun-Nordbahn sein Lager errichtet hatte. Einige eingerammte
-Pfähle und darüberliegende Knüppel, sowie einige
-von Wind und Wetter zerfetzte Palmenmatten waren die Überreste
-des ehemaligen Lagers. Wir rasteten kurze Zeit und
-setzten dann unsere Wanderung fort.</p>
-
-<p>Mittlerweile war auch die Sonne recht hoch gestiegen und
-entlockte mir, trotzdem ich noch immer ritt und ganz leicht
-gekleidet war, so manchen Seufzer und manches Tröpflein
-Schweiß, so daß ich froh war, als wir gegen vier Uhr nachmittags
-unser nächstes Tageslager <em class="ge">Lum</em> erreichten.</p>
-
-<p>Wir hatten, selbst nach Ansicht meines Mannes, eine für
-die Tropen ganz vorzügliche Tagesleistung hinter uns.</p>
-
-<p>Hier wurde wieder Lager aufgeschlagen und der Abend von
-gestern wiederholte sich naturgetreu, mit Ausnahme des kleinen
-Überfalles. Joseph begann sofort der Schlange »das Fell über
-die Ohren zu ziehen« und schnitt deren Leib, ohne Rücksicht
-auf die Eingeweide, in gleich große Stücke, die er unter die
-Träger verteilte. Eiligst liefen diese nach ihren Unterkunftshütten,
-wo &ndash; wie wir uns am Abend überzeugten &ndash; dieser
-»Leckerbissen« mit einer unglaublichen Menge Bananen resp.
-Planten in die unergründlichen Negermagen verschwand.
-<a class="pagenum" id="page_036" title="36"> </a>
-I gitt! I gitt! Den gleichen Weg nahm ein Hundsaffe, den
-mein Mann noch geschossen hatte. Die Schlangenhaut wurde
-mit kleinen, selbstgefertigten Holzstiftchen auf zwei Palmenrippen
-aufgezweckt, mit Alaun eingerieben und zum Trocknen
-ans Lagerfeuer gestellt. Auf gleiche Weise wurde das Affenfell
-präpariert.</p>
-
-<p>Auch heute hatte Joseph wieder mit einer kleinen Überraschung
-aufzuwarten. Er hatte unterwegs einige Mangopflaumen
-gekauft und davon, unter Vermischung von Bananen
-und Ananas ein sehr schmackhaftes Kompott zubereitet. Ananas
-stand überhaupt täglich auf der Speisekarte. Ferner servierte
-er ein junges Gemüse, was er aus zarten, in kleine Stücke
-geschnittenen Graskolben, nach Art unserer jungen Erbsen,
-vorzüglich zubereitet hatte.</p>
-
-<p>Todmüde sank ich nach einem kurzen Plauderstündchen
-auf mein Lager und schlief fest und traumlos nach dem anstrengenden
-Tagesritt bis zum Wecken, wo ich mich erfrischt
-und neugestärkt erhob.</p>
-
-<p>Heute marschierten wir bis nach Nlohe, was bereits
-600 Meter über dem Meere und bei 115 Kilometer der Nordbahn
-an den Ausläufern des Menengubagebirges liegt.</p>
-
-<p>Die üppige Urwaldvegetation wurde hier bereits durch
-einige kilometerlange, mit vier bis fünf Meter hohem, fingerdicken
-Elefantengras bestandenen Flächen unterbrochen, die die
-Ausläufer des Graslandes, in welches wir nun allmählich einmarschierten,
-bildeten. Von hier aus benutzten wir wieder die
-Bahn, um sie in Manengoteng wieder zu verlassen. Auch hier
-machten wir nicht von dem dargebotenen Gastrecht Gebrauch,
-<a class="pagenum" id="page_037" title="37"> </a>
-sondern marschierten einige Kilometer zurück und schlugen
-direkt an der alten Karawanenstraße an den zirka 10 Meter
-hohen Fällen des Dibombe unser Lager auf.</p>
-
-<p>Entzückt stand ich still und konnte den Blick nicht losreißen
-von den ungeheuren, schaum- und gischtgekrönten Wassermassen,
-die sich mit donnerndem Getöse in die Tiefe stürzten,
-unaufhörlich, rastlos! Fast unmöglich war es, sich bei dem
-ungeheuren Lärm zu verständigen, doch wir gewöhnten uns
-sehr bald an das ununterbrochene Rauschen des Dibombe und
-waren hochbefriedigt von unserem idyllisch gelegenen Lagerplätzchen.
-Interessiert betrachtete ich die aus Baumstämmen
-und Knüppeln, verbunden durch Rotang (Lianengewächs) hergestellte
-Brücke; gewiß ein Kunstwerk der Technik im afrikanischen
-Urwald!</p>
-
-<p>Den Häuptling von Manengoteng hatte mein Mann angewiesen,
-daß er Verpflegung für die Träger, sowie ein Schaf,
-einige Eier und Ananas für unsere Küche bringen sollte und
-nach einigen faulen Ausreden erklärte er sich dann auch bereit,
-den gewünschten shop zu bringen.</p>
-
-<p>In Begleitung von fünfzehn bis zwanzig seiner Dorfgetreuen
-und Frauen, die mich mit unverhohlenem Erstaunen
-und großem Interesse recht eingehend begafften, brachte er
-dann auch wirklich die Verpflegung für unsere Leute; ein sehr
-schönes Mutterschaf für uns, und mit verschämtem Grinsen
-überreichte er mir persönlich ein Huhn und ein kleines, mit
-Eiern gefülltes Körbchen. Als Bezahlung erhielt er den ortsüblichen
-Satz von sieben Mark für das Schaf, außerdem fünf
-Het, das sind fünfundzwanzig Blatt Tabak, und aus der unergründlichen
-<a class="pagenum" id="page_038" title="38"> </a>
-Rumflasche er zwei und seine Begleiter je ein
-Gläschen. Es wunderte mich, daß er das Glas auf einen Zug
-leerte und den scharfen Traderum in dieser Menge seinem
-Magen anbot. Doch der alte Genießer ging noch weiter, er
-behielt den »Schluck« im Munde und spülte, den Kopf schüttelnd,
-sich auch noch den Mund damit aus, bevor er das edle
-Naß hinunterschluckte. Die gleiche raffinierte Genußsucht
-zeigten seine Begleiter.</p>
-
-<p>Befriedigt über das Ergebnis seines Handels zog er sich in
-sein Dorf, wo auch unsere Träger untergebracht waren, zurück.</p>
-
-<p>Inzwischen hatte Joseph bereits unserem Schäflein das
-Lebenslicht ausgeblasen und am Abend servierte er Hammelkeule
-mit grünen Bohnen (Konserven). Joseph wollte sich vor
-mir als durchaus perfekter Koch zeigen und hatte zum Nachtisch
-Krapfen gebacken, sowie eine gute Tasse Kakao gekocht.</p>
-
-<p>Meine lächelnde Frage, ob die Krapfen in »Affenfett« gebacken
-seien, wies er beleidigt zurück, sah dann aber an meinem
-Appetit, daß ich nur gescherzt hatte.</p>
-
-<p>Mein Mann hatte mir oft in der Heimat von den Kochkünsten
-seines für ihn unentbehrlich gewordenen Joseph erzählt,
-und ich kann heute die Schilderungen schon zum größten
-Teil bestätigen.</p>
-
-<p>Lustig loderten und knisterten die um unsere »Behausung«
-angelegten vier Lagerfeuer und wir fielen bald, nachdem wir
-die wichtigsten Tagsesereignisse notiert hatten, durch das Rauschen
-des Dibombe und die vom tosenden Wasserfall gespendete
-Kühle sanft eingelullt, in einen tiefen Schlaf.</p>
-
-<p><a class="pagenum" id="page_039" title="39"> </a>
-Durch den alles übertönenden Lärm der abstürzenden
-Wassermassen und durch den uns umgebenden Urwald am
-Fernblick behindert, hatten wir nicht wahrgenommen, daß im
-Westen eine dicke, schwarze Gewitterwand sich auftürmte und
-dank der ausnahmsweisen Wachsamkeit des Feuermannes wurden
-wir vor unfreiwilligen Flugversuchen bewahrt.</p>
-
-<p>Ein furchtbarer Sturm brach los. Dürre Äste fielen laut
-krachend um unser Zelt herum zu Boden und der Feuermann
-begann bereits die glimmenden Holzscheite der Lagerfeuer, die
-einen mächtigen Funkenregen verursachten, auseinanderzuziehen,
-denn er sah das Zwecklose seiner Bemühungen, weiterhin
-ein Lagerfeuer unterhalten zu können, ein. In wenigen
-Augenblicken prasselte der Regen in Strömen hernieder, der
-jedoch dank der um das Zelt angelegten vielen Wassergräben
-unsere Behausung, wenigstens von unten her, trocken ließ.
-Blitz folgte auf Blitz und Donnerschlag auf Donnerschlag.
-Fast ununterbrochen war unser Zelt taghell erleuchtet, und ich
-mußte die Augen schließen vor der blendenden weißglühenden
-Helle der tropischen Blitze. Unheimlich wurde mir in unserem
-engen Zelt zumute, doch es gab keine andere Möglichkeit, als
-ruhig im Bett liegend, auszuharren, bis der Tornado vorüber
-war.</p>
-
-<p>Noch nie hatte ich ein derartiges Gewitter erlebt. Was
-waren selbst die strengsten Gewitter in der Heimat gegen dies
-Toben der entfesselten Elemente, diesen Aufruhr der Natur
-in den Tropen, das blitzte, krachte, sauste, rüttelte an unserem
-Zelt, daß ich glaubte, der Untergang der Welt sei gekommen.</p>
-
-<p><a class="pagenum" id="page_040" title="40"> </a>
-Joseph, der die Unerbittlichkeit meines Mannes, während
-der ganzen Nacht ein Lagerfeuer zu unterhalten, kannte, hatte
-vor Beginn des Regens so viel Holz als möglich durch die
-Träger in die Hütten schaffen lassen. Er selbst harrte mit uns
-im Zelte aus.</p>
-
-<p>Da plötzlich schien die elementare Gewalt noch ein letztes
-Mal mit dem Rest ihrer gewaltigen Kräfte einzusetzen, dem
-selbst einige Stricke unseres Zeltes nicht standhielten, so daß
-die eine Hälfte einfach zusammenklappte.</p>
-
-<p>Wieder war es Joseph, der in Gemeinschaft mit dem Feuermann,
-welcher unter dem Sonnensegel Schutz gesucht hatte
-und durch das Zusammenklappen des Zeltes ein unfreiwilliges,
-zu seinem größten Leidwesen recht ergiebiges Bad genommen
-hatte, bei strömendem Regen unter Blitz und Donner die Zeltstricke
-an in der Nähe befindlichen Bäumen festband. Eine
-kleine, kalte Douche hatten wir jedoch auch mit abbekommen.</p>
-
-<p>Die Gewalt des Tornado war jetzt gebrochen, und man
-hörte nur noch das monotone Rauschen des Wasserfalls und
-den langsam schwächer werdenden Donner des abziehenden
-Gewitters, begleitet von starkem Wetterleuchten.</p>
-
-<p>Die beunruhigte Natur brachte uns auch endlich für den
-Rest der Nacht in der angenehmen Kühle und erfrischenden,
-gereinigten Luft den ersehnten, erquickenden Schlaf.</p>
-
-<p>Wir öffneten unser Zelt an den beiden Stirnseiten und
-ließen uns von der frischen Nachtbrise in den Schlaf fächeln.</p>
-
-<p>Am andern Morgen brachen wir in aller Frühe unsere
-Zelte ab, riefen dem Wasserfall ein letztes Lebewohl zu und
-marschierten bis zur Station Manengoteng, wo Joseph mit den
-<a class="pagenum" id="page_041" title="41"> </a>
-Trägern das Verladen unserer Lasten vornahm, während wir
-zu Pferde, begleitet von acht Trägern mit etwas Verpflegung
-und einer aus zwei Reisesäcken und zwei armdicken Knüppeln
-gefertigten Hängematte bis zur nächsten Station, Ndunge,
-durch den herrlichen Urwald, der uns heute, nach dem erfrischenden
-Tornado viel schöner erschien als bisher, ritten.</p>
-
-<p>Schwierig gestaltete sich die Überquerung eines mittleren
-Nebenflusses des Dibombe, dessen Brücke, welche aus mehreren
-über den Fluß gelegten Baumstämmen und darüber geschnürten
-Knüppeln bestanden hatte, vom gestrigen Tornado fortgerissen
-war. An einer seichten Stelle (Furt) wurde die Durchquerung
-vorgenommen. Unsere wenigen Lasten, die bisher
-auf dem Rücken getragen worden waren, mußten auf den
-Kopf genommen werden. Rasch entledigten die Neger sich
-ihres einzigsten Kleidungsstückes, des schmutzigen Lendenschurzes,
-dem eine innige Berührung mit dem Wasser absolut
-nichts geschadet hätte, und bis unter die Arme im Wasser
-stehend, das Gesicht der nicht schwachen Strömung zugewandt,
-waren bald sämtliche Träger am andern Ufer des Flusses
-angelangt. Mein Mann, dem ein derartiges Durchqueren
-nichts Neues war, schwamm direkt mit dem Pferde durch.
-Für mich ließ er die »Hängematte« bringen und darin liegend,
-wurde ich auf den Köpfen unserer lieben, schwarzen Brüder
-durch den Fluß getragen. Sehr behaglich fühlte ich mich in
-diesem provisorischen Traggerüst allerdings nicht, am meisten
-nervös machte mich das andauernde Geschrei und Zurufen der
-sich vorsichtig vorwärts tastenden Träger.</p>
-
-<p class="ce"><a class="pagenum" id="page_042" title="42"> </a>
-<img src="images/p042i.jpg" alt="" /></p>
-
-<p>Nachdem wir auch dieses Hindernis genommen hatten,
-ritten wir durch die, an den Ufern des Dibombe, der sich hier
-zwischen Felsblöcken hindurchwindet, gelegenen Bananenhaine,
-<a class="pagenum" id="page_043" title="43"> </a>
-in deren Hintergrund der Urwald, streckenweise von Grasflächen
-unterbrochen, in seiner alten Pracht grünte. Das Gekrächze
-der Papageien und der Ruf des Turakos, sowie das
-Murmeln des eilig zu Tale fließenden Dibombe unterbrachen
-die lautlose Stille des Urwaldes.</p>
-
-<p>Auf einem vom Sturm entwurzelten Urwaldriesen ließen
-wir uns nieder und von Taka den mitgenommenen Mundvorrat
-auftischen, welcher bis auf eine kleine eiserne Portion,
-die für alle Fälle unberührt blieb, verzehrt wurde.</p>
-
-<p>Von Ferne vernahm man das Stöhnen und Krächzen der
-Eisenbahn, die gerade an dieser Stelle die sehr steilen Hänge
-des Manenguba-Gebirges in kurz gewundenen Serpentinen,
-mehrere Male den Fluß kreuzend, hinaufkeucht. Wir ließen
-den Zug an uns vorüberfahren und Joseph, der mit den restlichen
-Trägern auf dem mit unseren Lasten beladenen Wagen
-thronte, schwenkte, zum Zeichen, daß in der Kolonne alles in
-Ordnung sei, fast kameradschaftlich die Mütze.</p>
-
-<p>Nach weiterem, dreistündigen Marsch durch die endlosen
-Grasflächen, die wir auf engen, ausgetretenen, zirka 30 Zentimeter
-breiten Negerpfaden, zu deren beiden Seiten das bis
-fünf Meter hohe Elefantengras wogte und keinem Lüftchen
-Zutritt zum Wege gestattete, durchquerten, zogen wir endlich
-in Ndunge ein. (Das vorläufige Ende der Kamerun-Nordbahn
-ist Nkongsamba.) Hier sahen wir zum ersten Male größere
-Herden Kleinvieh und eine, scheinbar mit Verständnis aufgenommene
-Hühnerzucht.</p>
-
-<p>Nachdem wir etwas außerhalb des Dorfes einen Platz von
-Gras und kleinem Buschwerk befreit und darauf unser Lager
-<a class="pagenum" id="page_044" title="44"> </a>
-aufgeschlagen hatten, erschien auch schon der Häuptling mit
-Verpflegung für die Leute und einigen Ananas und Popeias
-für uns.</p>
-
-<p>Das Häuptlingsgehöft Ndunge bestand aus zweiundzwanzig,
-in einer Linie längs der Straße aufgebauten Mattenhäusern
-und kennzeichnete eine gewisse Wohlhabenheit seines
-Besitzers.</p>
-
-<p>Für jedes Weib, welches sich der Häuptling neu erwirbt,
-läßt er von den Getreuen seines Dorfes ein neues Mattenhaus
-errichten. Der Häuptling selbst stand in den besten Jahren,
-und wir wunderten uns über die vielen alten Frauen, die in
-seinen Gehöften untergebracht waren. Er erzählte uns auf
-Befragen, daß sein Vater vor zirka fünf Jahren gestorben sei
-und ihm seinen ganzen Reichtum, in Gestalt von fünfzehn
-Frauen, als Erbe hinterlassen hätte.</p>
-
-<p>Der Platz zwischen Gehöft und Straße war sauber mit
-kleinen Büscheln von Zitronengras (Fiebergras) eingefaßt und
-in der Mitte dieses Platzes standen einige herrliche Orangen- und
-Mangopflaumenbäume. Eine stattliche Herde Schafe und
-Ziegen waren hinter dem Gehöft in einer Hürde eingesperrt.</p>
-
-<p>Wir hatten allmählich unsere Decken hervorsuchen müssen,
-denn es war in den Abendstunden schon recht frisch, so daß man
-sich, im Langstuhl sitzend, eine Decke über die Knie legen mußte.</p>
-
-<p>Nachdem mein Mann den Häuptling für die gebrachte Verpflegung
-scheinbar recht gut bezahlt hatte, brachte er uns am
-Morgen vor unserem Aufbruch noch einige Hühner, die mit
-zusammengebundenen Füßen und über dem Arm getragen,
-mitgenommen wurden.</p>
-
-<p><a class="pagenum" id="page_045" title="45"> </a>
-Hier sollte, da wir uns doch bald am Endziel unserer Reise
-nach Norden befanden, das in Duala eingekaufte Hängekleid
-ein würdiger Sold für das Entgegenkommen des Häuptlings
-sein. Mit vor Freude glänzenden Augen überreichte er seinem
-Lieblingsweibe das Kleid, welches laut klatschend alle ihre
-Mitfrauen herbeirief, um uns nach dem Klang der Palaver-
-und Playtrommeln, die von den Männern geschlagen wurden,
-unter rhythmischem Händeklatschen einen Abschiedstanz aufzuführen.
-Als wir unsere Pferde bestiegen hatten, drückte der
-Häuptling uns kameradschaftlich die Hand und unter lautem
-Zurufen und Gejohle der Bewohner galoppierten wir zum
-Gehöft hinaus.</p>
-
-<p>Weiter ging es durch endloses Weideland, welches durch
-das letzte Abbrennen nur mit ganz jungen Grasspitzen bestanden
-war, auf der schön ausgebauten Regierungsstraße zunächst
-nach dem Posten Bare, wo wir auch unsere Trägerkolonne
-einholten.</p>
-
-<p>Hier sahen wir zum ersten Male an Stelle der Mattenhäuser
-aus den Halmen des Elefantengrases hergestellte Hütten.</p>
-
-<p>Nach kurzer Rast zogen wir, nach weiterem, dreistündigen
-Marsch in das deutsche Gehöft der Gebrüder H. ein.</p>
-
-<p>Freundlich von den Besitzern empfangen, ließen wir die
-Pferde in den Stall bringen und in kurzer Zeit saßen wir,
-fröhlich von der Heimat plaudernd, mit den beiden, von der
-Tropensonne gebräunten Farmern beim Essen. Dann zeigten
-sie uns ihre stattlichen Rindvieh-, Schaf- und Ziegenherden,
-sowie die Schweine und am Schlusse eine, in bescheidenen
-Grenzen gehaltene Pferdezucht. Fern von jeder menschlichen
-<a class="pagenum" id="page_046" title="46"> </a>
-Niederlassung auf einem erloschenen Krater, die in jener Gegend
-nichts Seltenes sind, hatten sie ein recht stabil gebautes,
-mit Matten eingedecktes Wohnhaus errichtet, dem sich, ein
-Geviert bildend, die Ställe und Scheunen anschlossen. Vor
-dem Gehöft war ein großer Komplex urbar gemacht und mit
-Kartoffeln bepflanzt, während zu beiden Seiten herrliche Bananen-
-und Plantenhaine, leicht von der wohltuenden Brise
-bewegt, standen. Auch Mais und Makavos, die hauptsächlich
-als Futter dienten, erbauten sie. Die innere Ausstattung des
-Wohnhauses war den afrikanischen Verhältnissen angepaßt und
-wir freuten uns, nach den vielen Tagen der Reise wieder
-einmal ein festes Dach über unserem Haupte zu haben. Allerdings
-reichten für die bis heute erklommene Höhe (1100&nbsp;Mtr.)
-unsere mitgebrachten Decken nicht aus, denn die Temperatur
-sank bereits in den Abendstunden recht tief.</p>
-
-<p>Der nächste Tag war der von den Trägern, und ich muß
-sagen, auch für uns innig herbeigesehnte Rasttag, denn in
-Afrika marschiert man für gewöhnlich höchstens fünf Tage,
-um am sechsten einen Ruhetag zu machen.</p>
-
-<p>Während ich nach einem langen, bis tief in den Morgen
-hineinwährenden Schlaf gemütlich durch die Farm bummelte
-und alles nochmals interessiert betrachtete, ging mein Mann
-mit den beiden Besitzern auf Jagd und brachte aus der sogenannten
-Kornkammer, einer verlassenen Kassadafarm, neun
-Stück Buschhühner und fünf Tauben mit nach Hause, die wir
-uns am Mittag, durch die Hand des schwarzen Kochs schmackhaft
-zubereitet, munden ließen.</p>
-
-<p><a class="pagenum" id="page_047" title="47"> </a>
-Am Nachmittag ritten wir noch nach dem in der Nähe
-gelegenen Dorfe Mboénda, wo mein Mann früher einmal sein
-Lager für längere Zeit aufgeschlagen hatte. Leider war der
-Häuptling an den Folgen einer Dysenterie gestorben, doch die
-anderen Bewohner, die meinen Mann wiedererkannten, freuten
-sich über unser Kommen und beschenkten uns mit Hühnern
-und Eiern. Da wir nur einige Het Tabak bei uns hatten,
-zahlten wir mit diesen.</p>
-
-<p>Um den Nachmittag gut auszufüllen, zeigte mir mein
-Mann noch die über den Nkam führende, kunstgerecht aus
-fingerdicken Rotang-Lianen hergestellte, den ganzen zirka sechzig
-Meter breiten Fluß überspannende Hängebrücke bei Nkongsam.
-Unterhalb dieser Brücke stürzt sich der Nkam 40&nbsp;Meter über
-vorspringende Felsen in die Tiefe und jeder, der beim Überschreiten
-der Hängebrücke einen Fehltritt tut, wäre dem sichern
-Tode geweiht.</p>
-
-<p>Nachdem wir dieses herrliche Naturschauspiel bewundert
-hatten, ging's im flotten Trabe heim. An das Durchreiten der
-zu durchquerenden Flüsse hatte auch ich mich schon gewöhnt,
-so daß wir bald wieder in der Farm anlangten, noch ehe die
-Nacht ihre Schatten auf die Erde senkte.</p>
-
-<p>Am nächsten Morgen ließ Josef, wie an Marschtagen
-üblich, bereits im Dämmern des kommenden Tages, das sich
-in Afrika innerhalb einer halben Stunde von der Nacht bis
-zum völligen Sonnenaufgang vollzieht, unsere Lasten in Reih
-und Glied vor dem Hause auflegen.</p>
-
-<p><a class="pagenum" id="page_048" title="48"> </a>
-Als wir nach kurzem Frühstück aus dem Hause heraustraten,
-bot sich uns wieder ein eigenartiges gewaltig-schönes
-Schauspiel.</p>
-
-<p>Wer beschreibt die Schönheit des in scheinbarer Eile hinter
-den Bergen emporsteigenden Glutballes!</p>
-
-<p>Erst ein ganz leichter goldiger Schein, der sich bald in ein
-purpurnes Rot, durchzogen von gelben bis milchweißen Fäden,
-verwandelt, beleuchtet die Sonne die ausgedehnten, saftig grünen
-Grasflächen mit ihren ersten, wärmenden Strahlen und
-während wir uns von unseren liebenswürdigen Gastgebern
-mit herzlichem Dank verabschiedet hatten, stand sie in voller
-Pracht am Himmel.</p>
-
-<p>Nun traten wir den Marsch zur Küste an und marschierten
-vorläufig wieder zu unserem Freunde von vorgestern, wo wir
-nach Übernachtung am nächsten Tage die Bahn benutzen wollten,
-um sie in Mujuka wieder zu verlassen.</p>
-
-<p>Eine zauberhaft schöne Mondnacht senkte sich auf die leicht
-ausgekühlte Tropenlandschaft nieder. Prächtig, in nie gesehenem
-Glanze, eine kolossale Lichtfülle ausstrahlend, stand silberglänzend
-der Vollmond am Himmel. Die Helligkeit war so
-groß, daß man nicht zu klein gedruckte Schrift bequem im
-Mondlicht lesen konnte.</p>
-
-<p>Nicht sattsehen konnte ich mich an der Schönheit der im
-magischen, weißen Lichte daliegenden Landschaft. Ich muß
-sagen, daß mir die Eigenart der tropischen Lande noch unendlich
-anziehender erschien als im Sonnenglanz.</p>
-
-<p>Noch ganz versunken in die märchenhafte Schönheit des
-Abends, beachteten wir kaum den erst schüchternen, dann immer
-<a class="pagenum" id="page_049" title="49"> </a>
-stärker werdenden rhythmischen Schlag der Palaver- und Play-Trommeln.
-Als auch noch Gesang, sowie ein, diesen begleitendes
-Händeklatschen aus dem Dorfe zu unserem Lager herüberdrang,
-machten wir uns auf, um dem Tanze &ndash; denn ein
-solcher fand nach den Angaben meines Mannes statt &ndash; zuzuschauen.</p>
-
-<p>Männlein und Weiblein hatten sich auf dem Dorfplatze im
-Kreise aufgestellt, hinter diesen, wohlgeordnet, die »Musikanten«
-und in der Mitte des Kreises tanzten, ihre Schultern und
-Hände schwingend und den Bauch schlangenartig im Kreise
-windend, zwei anmutige Negermädchen. Es ist unbeschreiblich,
-mit welchem Feuer, jede Muskel einzeln bewegend, der Neger
-sich dem Genusse des Tanzens hingibt. Schweißüberströmt
-drehten sich die fast ganz nackten Körper im Mondlicht und
-ein wohlgelungener, graziöser Sprung, der gleichzeitig das
-Ende der Partie bedeutete, brachte den Tanzenden ein lebhaftes
-Gejohle und Händeklatschen als Lohn ein.</p>
-
-<p>Etwas abseits von dieser tanzenden Gruppe hatten die erwachsenen
-jüngeren Männer einen Kreis gebildet. Ihre Musikinstrumente
-bestanden aus leeren Kisten, Tonnen und zwei,
-anderthalb Meter im Durchmesser fassende, fünf Meter lange,
-aus einem Baumstamm herausgeschnitzte Kriegstrommeln, die
-kräftig mit Stöcken und Knüppeln bearbeitet wurden. Wenn
-die Frauen ihre Tänze graziös ausführten, so kann man hier
-von einem wilden, jeglichen Rhythmusses entbehrenden Springen
-der mit Tanzmasken geschmückten Männer reden. Ganz
-ausnahmsweise große Sprünge wurden mit einem lauten,
-zischenden »scht, scht« begleitet, welche Laute durch Ruten, aus
-<a class="pagenum" id="page_050" title="50"> </a>
-den Rippen der Raphiapalme hergestellt und durch die Luft
-geschlagen, erzeugt wurden.</p>
-
-<p>Mein Mann verteilte einige Het Tabak und eine Flasche
-Rum, welche lauten Jubel auslösten und die schwarze Gesellschaft
-zu noch groteskeren Sprüngen veranlaßte.</p>
-
-<p>Müde des Schauens, zogen wir uns in unser Lager zurück,
-doch noch lange floh uns der Schlaf, da das Gedröhne der
-Trommeln, die monotonen Gesänge, unterbrochen von den
-schrillen Trillern und dem Aufjauchzen der Weiber, unausgesetzt
-zu uns herübertönte.</p>
-
-<p>Es schien, als sollte ich, soviel als die Kürze der Zeit es
-erlaubte, alles kennen lernen, was das Leben in den Tropen
-an Schönheiten und Widerwärtigkeiten mit sich bringt.</p>
-
-<p>Wir ritten am nächsten Tage von Mujuka aus, wohin uns
-inzwischen die Bahn gebracht hatte, nach den Kakaoplantagen
-in Mudame, wo uns der Leiter in liebenswürdigster Weise
-die Kakaokulturen, sowie die Bearbeitung der Früchte bis zur
-Verschiffung zeigte. In fröhlicher Gesellschaft einiger älterer
-Angestellten verbrachten wir den Abend.</p>
-
-<p>Am nächsten Morgen mieteten wir uns drei große, zirka
-fünfzehn Meter lange Kanoes, in die wir unsere Lasten verstauten.
-Das erste Kanoe, auf welchem wir unsere Longchairs
-zwischen den Lasten eingebaut hatten, nahmen wir in Beschlag.
-Zum Schutze gegen die Sonnenstrahlen ließen wir uns über
-den Langstühlen ein leichtes Dach aus Palmenblättern aufbauen,
-so daß wir im Genusse der durch die Fahrt erzeugten
-Brise blieben. Die zwei anderen Kanoes wurden von den
-Trägern besetzt.</p>
-
-<p><a class="pagenum" id="page_051" title="51"> </a>
-In fröhlicher Fahrt ging es, durch die kräftigen Ruderschläge
-unserer Pulljungs vorwärts getrieben, den Mungo
-hinunter.</p>
-
-<p>Leise stimmte einer der Neger ein Liedchen an, in das bald
-die andern einfielen und nun wiederholte sich das auf dem
-Marsch bereits Beobachtete, daß einer vorsang und die andern
-einfielen; im Takte mit den Ruderschlägen.</p>
-
-<p>Zu beiden Ufern den Mungo, grüßte uns wieder der nie
-genug geschaute imposante Urwald mit seinem, im herrlichen
-Tropenmorgen erwachenden Leben. Papageien flogen kreischend
-von Baum zu Baum, Turakos ließen ihre durchdringenden
-Schreie vernehmen und wir hatten das Glück, diesmal
-nicht allzufern, einige niedliche Äffchen zu beobachten, welche,
-sich scheinbar sehr sicher fühlend, uns neugierig betrachteten.
-Auf den aus dem Bett herausgetretenen Sandbänken stelzten
-Reiher und andere Strandvögel, munter pickend, einher.</p>
-
-<p>Unbeschreiblich schön und reizvoll ist so eine Fahrt auf
-dem Mungo!</p>
-
-<p>Doch, nichts ist vollkommen, und den Genuß dieser herrlichen
-Morgenfahrt wußten uns hunderte von Moskiten, die
-uns an den freigelassenen Körperstellen ganz zerstachen, zu
-schmälern. Doch als die Sonne höher stieg und der leichte
-Nebel sich zerteilt hatte, ließen auch diese Quälgeister nach und
-ein freier, klarer Ausblick bot sich uns nach vorn.</p>
-
-<p>Fast wie auf ein Kommando hielten unsere Pulljungs jetzt
-inne und zeigten uns, auf einer Sandbank ruhend, ein Krokodil.
-Freudig überrascht, verhielten wir uns ganz still und ließen
-das Kanoe durch die Strömung treiben, steuerten dicht an die
-<a class="pagenum" id="page_052" title="52"> </a>
-Sandbank heran und auf den Knien im Kanoe liegend, schreckte
-mein Mann durch einen wohlgezielten Schuß aus seiner Birschbüchse
-den Schläfer aus seiner Ruhe. Leider war für seine
-Größe der Schuß zu wenig und ehe noch mein Mann das
-Gewehr repetieren konnte, verschwand das Krokodil in den
-Fluten des Mungo, natürlich zum lebhaften Bedauern unserer
-Träger, denen das Fleisch eine willkommene Beute gewesen
-wäre.</p>
-
-<p>Nach einigen Stunden flotter Fahrt legten wir in Kotto,
-einem mächtigen Negerdorf am Mungo, an. Unsere Träger
-hatten unsere Ankunft durch lautes Hallern und Schlagen der
-Palavertrommeln, die wir stets mit uns führten, bekannt gegeben
-und auf halbem Wege nach dem Dorfe kamen uns bereits
-der Häuptling mit dem üblichen Anhang entgegen. Er
-machte zur Begrüßung einen, allerdings unfreiwilligen, Knicks
-bis zur Erde (er war versehentlich auf eine hervorstehende
-Wurzel getreten und ausgeglitten), was eine allgemeine Heiterkeit
-der Anwesenden zur Folge hatte und ihnen einen wütenden,
-strafenden Blick ihres Herrn und Gebieters eintrug; jedoch
-auch wir konnten nur mühsam ein Lachen unterdrücken.</p>
-
-<p>Wir gingen mit ihm nach seinem Dorf und er bewirtete
-uns mit Palmwein, einem unserem Most ähnlichen, leicht gegorenen,
-säuerlichen Getränk, welches der Ölpalme abgezapft
-wird. Auch ließ er sofort im Dorfe Eier zusammenholen und
-schenkte uns beim Fortgang das landesübliche Huhn.</p>
-
-<p>Wir hatten jeden Tag mindestens ein Huhn gegessen, teilweise,
-um keine Fleischkonserven essen zu müssen, sogar zwei.</p>
-
-<p><a class="pagenum" id="page_053" title="53"> </a>
-Weiter ging's auf der meist spiegelglatten, nur hie und da
-durch quer im Fluß liegende Baumstämme unterbrochenen
-Fläche des Mungo. An den uns entgegenkommenden Kanoes,
-die mit Früchten und Tauschwaren beladen waren, schoß das
-unsrige pfeilschnell vorüber und nur kurze Anrufe »woher! &ndash;
-wohin!« unterbrachen den monotonen Gesang.</p>
-
-<p>Die Sonne hatte ihren höchsten Stand lange überschritten,
-als wir am linken Ufer des Mungo auf einem kleinen Plateau
-ein niedliches Dörfchen erblickten, wo wir dann auch landeten
-und Lager aufschlugen.</p>
-
-<p>Am Flusse sah ich einige schwarze Mütter stehen, welche
-ihre, scheinbar kaum einige Wochen alten, Bambinos durch
-das Wasser schwenkten, was ich als Grausamkeit empfand, den
-Kleinen aber ganz gut zu bekommen schien. Näherkommend,
-reichten sie mir zutraulich ihre Kleinen und lachten glücklich,
-als ich durch Schäkern ein Lächeln auf dem niedlichen, schwarzen
-Gesichtchen hervorrief.</p>
-
-<p>Ins Lager zurückkommend, nahm ich meine tägliche
-Waschung vor, doch schon während derselben fühlte ich im
-Gesicht und an den Händen leichte Stiche, konnte aber immer
-nur die Folgen derselben, einen roten Fleck in der Größe einer
-Erbse finden. Durch meinen Mann aufmerksam gemacht,
-näher hinsehend, bemerkte ich die stecknadelspitzen-großen Sandfliegen,
-die dutzendweise an den entblößten Stellen des Körpers
-saßen und Blut saugten. Gott sei Dank, waren es nur harmlose
-Tierchen, die keine Krankheiten übertragen. Weit unangenehmer
-empfand ich das in den höchsten Tönen hervorgebrachte
-Summen der Moskitos, die uns während des ganzen Abends
-<a class="pagenum" id="page_054" title="54"> </a>
-umschwirrten und vor allen Dingen mich (mein Mann behauptete,
-des süßen Blutes wegen!) grausam quälten. Trotz
-der Vorsicht Josephs, das Moskitonetz recht fest unter die
-Matratze gestopft zu haben, hatten sich doch einige dieser
-»lieben Tierchen« Einlaß in unser Allerheiligstes zu verschaffen
-gewußt, und es entspann sich beim Schlafengehen ein lebhafter
-Kampf, bei dem die Moskitos, als die Unterliegenden, ihr
-sträfliches Tun mit dem Tode büßen mußten. Aber selbst die
-Genugtuung, alles getötet zu haben, was sich unberechtigterweise
-unter mein Moskitonetz eingeschlichen hatte, ließ mich
-keinen Schlaf finden, denn das Summen der außerhalb des
-Netzes fliegenden Moskitos machte mich dermaßen nervös, daß
-ich froh war, als der Schlag der Trommel, der als Weckruf
-für den Träger dient, den anbrechenden Morgen verkündete.</p>
-
-<p>Auf mein Bitten hin und mit Rücksicht auf mein zerstochenes
-Gesicht sowie Arme wurde die Kanoefahrt, so herrlich
-sie an und für sich war, abgebrochen, und wir marschierten
-quer durch den Urwald, stracks nach Osten der Bahn zu, die
-wir in Kake bestiegen, und noch am selben Tage zogen wir
-wieder in Bonaberi und Duala ein.</p>
-
-<p>Unsere Reise in die nördlichen Gebiete hatte uns länger
-in Anspruch genommen, als wir beabsichtigten, so daß wir unser
-aufgesetztes Reiseprogramm, in dem noch eine Reise nach
-Jaunde mit aufgenommen war, nicht durchführen konnten.</p>
-
-<p>Wir hatten bis zur Abfahrt des Dampfers noch sechs Tage
-und da ich, trotz unserer vieltägigen Reise durch den Urwald
-und einen Teil des Graslandes noch nicht einmal einen Elefanten
-in Freiheit gesehen hatte, so beschlossen wir, nach einer
-<a class="pagenum" id="page_055" title="55"> </a>
-eintägigen Ruhepause noch eine Kanoefahrt auf dem Wuri
-oder Kamerunfluß zu unternehmen.</p>
-
-<p>Obwohl ich eigentlich noch ziemlich genug hatte von den
-»Genüssen«, die uns die eintägige Kanoefahrt auf dem Mungo
-beschert hatte, willigte ich in die Änderung des Reiseprogramms
-ein.</p>
-
-<p>Unsere Träger wollten nun auch für die uns geleisteten
-Dienste ihre Besoldung haben, die wir ihnen in deutscher
-Münze auszahlten. Als Geschenk für die Ausdauer, die sie
-bewiesen hatten, erhielt jeder fünf Het Tabak, zwei Flaschen
-Gin und eine Mark, sowie den von der Buschtour zurückgebrachten
-Reis. Vor Freude führten sie unter Singen und
-Schreien einen Tanz auf und hatten es dann sehr eilig, die
-erworbenen Pfennige in den Faktoreien Dualas in Waren
-umzusetzen.</p>
-
-<p>Am nächsten Tage mieteten wir uns ein zirka zwanzig
-Meter langes Kanoe, in welches wir einige, mit Verpflegung
-und Reservekleider bepackte Koffer verstauten, ein Palmblätterdach
-wieder im vorderen Teil des Kanoes aufbauten und die
-Longchairs zwischen die Lasten setzten. Wir fuhren mit einer
-Besetzung von zwölf Pulljungs auf dem Kamerunbecken hin,
-an den großen, mitten im Strom lagernden Inseln vorüber,
-den Wuri hinauf.</p>
-
-<p>Da wir Flut hatten, wurde den Pulljungs die Arbeit erleichtert
-und pfeilschnell schoß, unter den kräftigen Ruderschlägen
-unserer Dualas, das Kanoe auf der spiegelglatten Fläche,
-die nur durch einige, aus dem Wasser herausragende Felsblöcke
-und Baumstämme, sowie von einigen, aus dem oberen
-<a class="pagenum" id="page_056" title="56"> </a>
-Teil des Wuri kommende Kanoes, deren Besatzung gleich der
-unseren ihre monotonen Weisen erklingen ließen, unterbrochen
-wurde, dahin.</p>
-
-<p>Immer höher stieg die Sonne und durch das angestrengte
-andauernde Paddeln ermüdet, verstummte bald der Gesang
-unserer Besatzung. Da die Flut uns nicht gefolgt war, mußte
-die ziemlich starke Strömung des Wuri überwunden werden
-und es ging immer langsamer vorwärts. Stellenweise mußten
-die Jungens sogar das Kanoe verlassen und dasselbe über den
-Schlick und die Sandbänke hinwegziehen.</p>
-
-<p>In einem idyllisch an den flachen Ufern des Wuri gelegenen
-Dörfchen schlugen wir unser Zelt auf und legten uns
-nach der üblichen Begrüßung durch den Häuptling und dem
-Genuß einer von Joseph selbst erlegten Antilope schlafen.</p>
-
-<p>Mein Mann hatte sich mit den Dorfbewohnern eingehend
-über die Jagdverhältnisse unterhalten und Befehl gegeben,
-daß wir am nächsten Morgen sehr früh aufbrechen und eine
-Jagdfahrt auf dem Abo unternehmen wollten.</p>
-
-<p>Noch ehe die Sonne die leicht gekräuselte Fläche des hier
-sehr schmalen, aber tiefen Wuri beschien, befanden wir uns
-auf dem seeartigen Abo, dessen beide Ufer mit einem undurchdringlichen
-Mangrovendickicht, Lianen und tausend anderen
-Schlinggewächsen bestanden sind. Vor uns sahen wir eine
-kleine Lichtung, die bis an das Ufer des Abo heranreichte und
-beim Näherkommen machten uns unsere Begleiter auf zwei,
-im Grase ruhende Flußpferde aufmerksam, auf deren Rücken,
-wie wir mit dem Glase feststellten, die Madenhacker (kleine
-Vögel) eifrig pickten. Kaum hörbar, die Ruder flach durch
-<a class="pagenum" id="page_057" title="57"> </a>
-das Wasser ziehend, steuerten wir auf diese Stelle zu. Mein
-Mann hatte sich lang ins Kanoe gelegt und außer seiner Birschbüchse,
-die er bereits an der Backe liegen hatte, hielt ich, hinter
-ihm sitzend, den mit fünf Patronen geladenen Karabiner zum
-Schusse bereit. Als der erste Schuß krachte, sah ich in der Aufregung
-oder Jagdfieber, welches sich meiner bemächtigt hatte,
-nur einen unförmigen Körper laut klatschend ins Wasser fallen,
-während sich eine scheinbar formlose Masse schnaufend und
-stöhnend im Grase wälzte.</p>
-
-<p>Dem ersten folgten zwei weitere Schüsse und unter lautem
-Schreien ruderten die Schwarzen das Kanoe an Land, um
-das erlegte Tier zu besehen.</p>
-
-<p>Wir hatten nicht bemerkt, daß uns zwei weitere Kanoes
-aus dem Dorfe, in welchem wir das Lager aufgeschlagen hatten,
-gefolgt waren, die nun unter Aufbietung aller Kräfte singend
-und schreiend auf uns zuruderten und sich in Gemeinschaft mit
-unseren Leuten an die Zerlegung des von mir sehr bestaunten
-Tieres machten. Bald sah man an der Stelle, wo die beiden
-Dickhäuter der Ruhe gepflegt hatten, nur noch schwammige
-Stückchen Fleisch und eine große Blutlache. Ich übertreibe
-nicht, wenn ich sage, daß in einer Viertelstunde von dem
-Koloß, den mein Mann auf 20 Zentner schätzte, nur noch
-tragbare Stückchen Fleisch zu sehen waren. Unsere Pulljungs
-suchten sich die schönsten Stücke heraus, mein Mann ließ sich
-ein zirka ein Quadratmeter großes Stück Haut abschneiden
-und die Stoßzähne herausschlagen, während das andere in
-den Besitz der übrigen Dorfbewohner überging.</p>
-
-<p class="ce"><a class="pagenum" id="page_058" title="58"> </a>
-<img src="images/p058i.jpg" alt="" /></p>
-
-<p>Eigentlich hatten wir erreicht, was wir wollten, doch die
-kurze Zeit des Aufenthalts in Kamerun wollten wir ausnützen,
-soweit es möglich war. Auf Befragen erfuhren wir
-<a class="pagenum" id="page_059" title="59"> </a>
-von einem der Dorfbewohner, daß zirka eine halbe Stunde
-von uns entfernt, mehrere Elefanten durch den Abo wechselten,
-und zwar meist in den Nachmittagsstunden zwischen vier und
-sechs Uhr. Da wir keinen großen Rückweg zu unserem Lager
-hatten, ruderten wir nach längerer Rast weiter den Abo hinauf,
-bis zu der von den Dorfbewohnern bezeichneten Stelle.</p>
-
-<p>Unser Kanoe wurde an einem Baumstamm festgebunden,
-während wir die Umgebung nach den Spuren der Dickhäuter
-absuchten. Bald fanden wir auch einige größere und eine
-kleinere Spur und Losung, die scheinbar vom Morgen herrührte.
-In geringer Entfernung von der Furt lagerten wir
-uns im Walde und harrten der Ankunft dieser lebenden Urwaldriesen.</p>
-
-<p>Wir sollten nicht lange auf die Folter gespannt werden,
-denn in der Ferne hörten wir bald das Trompeten eines Elefanten,
-dessen schauriger Klang meine Nerven erzittern ließ.
-Wir gingen etwas tiefer in den Urwald hinein und ich bemerkte
-bald, daß wir, mein Mann, Joseph und ich, allein
-waren; unsere anderen Begleiter hatten sich ängstlich ins Kanoe
-zurückgezogen, um bei einem evtl. Angriff der Dickhäuter
-schnell das Weite suchen zu können. Was aus uns dann würde,
-war diesen tapferen Seelen gleichgültig.</p>
-
-<p>Sonderlich wohl war mir selber nicht zumute, doch mich
-auf die Treffsicherheit meines Mannes verlassend, harrte ich
-hinter einem dicken Baumstamm geborgen, herzklopfend, aber
-mutig aus.</p>
-
-<p>Abermals erscholl, und zwar diesmal in unmittelbarer
-Nähe, der Trompetenklang des Elefanten, und die Erde dröhnte
-<a class="pagenum" id="page_060" title="60"> </a>
-und zitterte unter dem Stampfen seiner Füße. Auf mein
-Bitten hin gab mein Mann sein Vorhaben, zu schießen, auf,
-und wir haben es nicht bereut. Der Bequemlichkeit halber
-schien der Elefant seine alte Fährte zu benutzen, denn das von
-meinem Mann beschriebene Knacken und Krachen der Bäume
-und Äste, die er sich aus dem Wege räumt oder zerstampft,
-war nicht vernehmbar. Da, endlich sahen wir den Koloß
-gemütlich angetrottelt kommen und zu unserer aller Überraschung
-in seinem Gefolge ein täppisches, possierliches Junges
-in der Größe eines Pferdes.</p>
-
-<p>Plötzlich blieb die Elefantenmutter stehen, und mir stockte
-das Blut in den Adern, denn ich glaubte, daß sie Witterung
-von unserer Anwesenheit bekommen habe. Aber ihr Warten
-galt nur dem Kleinen, das scheinbar nicht so große Schritte
-wie die Mutter nehmen konnte. Am Flusse angekommen,
-trampelte sie erst einige Zeit, in dem aufgeweichten Boden
-bis zum Bauch versinkend, umher, zog den Rüssel voll Wasser
-und spritzte das hinter ihr stehende Junge an.</p>
-
-<p>Zu gern hätte ich gesehen, wie so ein Elefant schwimmend
-den Strom durchquert, doch die Mutter schien um das Leben
-ihres Jüngsten besorgt zu sein und nachdem sich das Schauspiel
-mehrere Male wiederholt hatte, trabten Mutter und
-Kind, laut trompetend, wieder in den Urwald zurück. Als sie
-etwa 50 Meter von uns entfernt waren, gab mein Mann
-einen Schreckschuß ab und aus ihrer Sorglosigkeit aufgeschreckt,
-jagten die beiden, die uns so kostbare Minuten bereitet hatten,
-in den undurchdringlichen Urwald hinein.</p>
-
-<p class="ce"><a class="pagenum" id="page_061" title="61"> </a>
-<img src="images/p061i.jpg" alt="" /></p>
-
-<p>Mein Wissensdurst war wieder einmal glänzend gestillt
-und hochbefriedigt kehrten wir in unser Lager zurück.</p>
-
-<p><a class="pagenum" id="page_062" title="62"> </a>
-Wir hatten noch zwei Tage Zeit, die wir einer eingehenden
-Besichtigung der Hafenstadt und ihrer großzügigen Anlagen
-widmeten. Auch den »Palast« des Oberhäuptlings Mango
-Bell, der uns mit einer Flasche Bier und Bisquits bewirtete,
-besuchten wir.</p>
-
-<p>Der letzte Tag, den wir in Kamerun verbringen konnten,
-wurde zu einem Besuch der in Beseke befindlichen Negerrestauration
-»Zum strammen Hund« verwendet, wo wir uns bei
-einem Glase Eisbier mit einigen dort anwesenden Gouvernementsbeamten
-über ihre Erlebnisse während des Tropenaufenthalts
-unterhielten. Ja, ich konnte schon ihre Unterhaltung
-mit einigem Selbsterlebten unterbrechen, worüber sie sehr erfreut
-waren.</p>
-
-<p>Am Mittag des nächsten Tages begaben wir uns an Bord,
-von einigen in Afrika neu gewonnenen Freunden begleitet, die
-uns Grüße an die Heimat mitgaben und sich mit einem kräftigen
-deutschen Händeschütteln verabschiedeten.</p>
-
-<p>Ade, Kamerun! Du herrliches, einzigschönes Land mit
-deinen reichen, geheimnisvollen Schätzen, die du willig dem
-überläßt, der sich nicht der Mühe scheut, sie aufzusuchen und
-mit offenen Augen um sich schaut, auf all die Pracht, all den
-Reichtum! Mein Leben lang werde ich zehren an den herrlichen
-Erinnerungen, und, sitze ich im Norden Deutschlands,
-in Schnee und Eis vergraben, träumen von deinen ewig
-grünen, ewig schönen Urwäldern, deinen klaren, stillen Flüssen,
-den schäumenden, donnernden Wasserfällen und dem wunderbaren
-Zauber deiner mondscheindurchleuchteten Märchennächte!
-Was ich mir von dir versprach, das hast du getreulich gehalten
-<a class="pagenum" id="page_063" title="63"> </a>
-und so, voller Freude, wie ich kam, scheide ich jetzt voller
-Wehmut. Nur ein letztes Lebewohl noch kann ich dir mit dem
-Tüchlein winken, und der stolze Kamerunberg erwidert den
-Gruß in schweigendem Ernst. Doch bald wirst auch du unsern
-Blicken entschwunden sein, weiter geht's in die offene See der
-fernen Heimat zu.</p>
-
-<p>Vorbei die wundervolle, herrliche Zeit!</p>
-
-<p>Zur Heimreise benutzten wir einen Zwischendampfer und
-lernten auf diese Weise die vor der Bucht von Biafra lagernde
-spanische Insel Fernando Poo kennen. Leider war der Aufenthalt
-im Hafen von St.&nbsp;Isabell sehr kurz bemessen, so daß
-sich ein An-Landgehen nicht lohnte. Wir hatten ja nun genug
-Eindrücke gesammelt, die wir auf unserer Heimreise an unserem
-geistigen Auge vorüberziehen lassen konnten und die Abendstunden
-waren immer viel zu kurz, um über alles Erlebte zu
-plaudern.</p>
-
-<p>Nachdem wir bei ausnahmslos schönstem Wetter und
-spiegelglatter See die Häfen der Westküste passiert hatten, sahen
-wir uns eines Morgens wieder im Hafen von Santa Cruz.
-Für den Rest der Heimreise bestand in bezug auf Seekrankheit
-keine Gefahr, denn wir hatten für unsere ganze Reise die
-denkbar günstigste Jahreszeit gewählt und landeten wohlbehalten,
-sonnengebräunt und von den Angehörigen jubelnd
-begrüßt, am Petersen-Kai in Hamburg.</p>
-
-<hr class="mb4" />
-
-
-
-
-<p class="pb ce mb4"><img src="images/p000i.jpg" alt="" /><br />
-Freudentanz der Negerweiber um einen getöteten Gorilla in einem Dorfe Kameruns.</p>
-
-<p class="pb ce"><img src="images/p032aia.jpg" alt="" /><br />
-Rieseneidechse Vogeleier fressend.</p>
-
-<p class="ce mb4 nopb"><img src="images/p032aib.jpg" alt="" /><br />
-Rast auf dem Marsche.</p>
-
-<p class="pb ce mb4"><img src="images/p032bi.jpg" alt="" /><br />
-Schwarze Schönheiten in Kamerun.</p>
-
-<p class="pb ce mb4"><img src="images/p032ci.jpg" alt="" /><br />
-Kamerun-Neger.</p>
-
-<p class="pb ce mb4"><img src="images/p032di.jpg" alt="" /><br />
-Negerinnen beim Tanz.</p>
-
-
-
-
-<hr class="pb" />
-
-<p class="ce fsl lh2"><a class="pagenum" id="page_064" title="64"> </a>
-<span class="fsl">Wilhelm Köhler, Minden in Westfalen</span><br />
-Verlagsbuchhandlung, Großbuchdruckerei</p>
-
-<p class="ce fss">Postscheck-Konto: Hannover 4112 &ndash; Giro-Konto: Reichsbank<br />
-Telegramm-Adresse: Verlag Köhler. &ndash; Telefon-Nummer 249<br />
-Gründungsjahr 1865.</p>
-
-
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-<span class="fsxl"><b>Köhlers Taschenliederbuch<br />
-für das deutsche Volk,</b></span><br />
-enthaltend <b>400</b> der <em class="ge">beliebtesten</em> Lieder.<br />
-288 Seiten Text im farbigen Kartonumschlag.<br />
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-elegant und dauerhaft in Ganzleinen gebunden,<br />
-<b>Preis 60 Pfennig</b></p>
-
-
-<p class="ce fsxl mb0"><b>Die Laufbahnen<br />
-in der Handels- und Kriegsmarine.</b></p>
-
-<p>Nach den <b>neuesten</b> Bestimmungen bearbeitet von <b>Kapitän Preuß</b>,
-Studienrat an der Seefahrtsschule in Bremen. Wie manche Eltern, ganz
-besonders im Binnenlande, stehen dem Wunsche ihres Sohnes »Seemann
-zu werden«, ratlos gegenüber, da sie nie im Leben ein Seeschiff in seinem
-Element sahen und keine Ahnung von der Ausbildung und den Aussichten in
-diesem Beruf haben. Möge dieses Büchlein, geschrieben von einem Fachmann,
-der selbst 10 Jahre auf Seglern und Dampfern Reisen nach allen Weltteilen
-ausführte und der noch heute in seiner Stellung in engster Fühlung
-mit der seemännischen Praxis steht, für unsere deutschen Jungen, die den
-Seemannsberuf ergreifen wollen, eine vollkommene Aufklärung bringen.</p>
-
-<p class="ce"><b>Preis Mk. 1,&ndash;</b></p>
-
-<p class="ce mt2">Durch <em class="ge">jede</em> Buchhandlung zu beziehen, auch direkt von der<br />
-<b>Verlagsfirma Wilhelm Köhler, <em class="ge">Minden</em> in Westfalen</b>.</p>
-
-<p class="ce">Für Porto und Verpackung sind pro Buch Mark 0,15 beizufügen.</p>
-
-
-
-
-<h2>Hinweise zur Transkription</h2>
-
-
-<p class="in0">Die Abbildungen auf Frontispiz und Beilage (im Original hinter Seite&nbsp;32)
-sind dem Buchtext nicht konkret zuzuordnen; sie wurden an das Textende verschoben. </p>
-
-<p class="in0">Das Originalbuch ist in Fraktur gesetzt.</p>
-
-<p class="in0">Darstellung abweichender Schriftarten: <em class="ge">gesperrt</em>, <b>fett</b>.</p>
-
-<p class="in0">Der Text des Originalbuches wurde grundsätzlich beibehalten, mit folgenden
-Ausnahmen,</p>
-
-<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_006">6</a>:<br />
-"kenen" geändert in "kennen"<br />
-(aus eigner Anschauung kennen lernen)</p>
-
-<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_007">7</a>:<br />
-"Tereriffe" geändert in "Teneriffe"<br />
-(in deren Mitte ihr Oberhaupt, der Pique Teneriffe thronte)</p>
-
-<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_018">18</a>:<br />
-"," entfernt hinter "Makavo", ", " eingefügt vor "Mais"<br />
-(Makavo (kartoffelähnliche Knollenfrucht), Mais)</p>
-
-<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_019">19</a>:<br />
-"." eingefügt<br />
-(die vielen Schönheiten des wunderbaren Landes.)</p>
-
-<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_022">22</a>:<br />
-"Gouvernementsgarten" geändert in "Gouvernementsgärten"<br />
-(wohlgepflegten Straßen und Gouvernementsgärten)</p>
-
-<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_038">38</a>:<br />
-"." eingefügt<br />
-(die Schilderungen schon zum größten Teil bestätigen.)</p>
-
-<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_043">43</a>:<br />
-"wird" geändert in "wir"<br />
-(zogen wir endlich in Ndunge ein)</p>
-
-<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_047">47</a>:<br />
-"Nkan" geändert in "Nkam"<br />
-(die über den Nkam führende)</p>
-
-<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_053">53</a>:<br />
-"unberbrachen" geändert in "unterbrachen"<br />
-(unterbrachen den monotonen Gesang)</p>
-
-<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_064">64</a>:<br />
-"." eingefügt<br />
-(eine vollkommene Aufklärung bringen.)</p>
-
-<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_064">64</a>:<br />
-"0.15,&ndash;" geändert in "0,15"<br />
-(Für Porto und Verpackung sind pro Buch Mark 0,15 beizufügen.)</p>
-
-<hr />
-
-<div style='display:block; margin-top:4em'>*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK UNSERE HOCHZEITSREISE IN DIE URWÄLDER VON KAMERUN ***</div>
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-Defect you cause.
-</div>
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-<div style='display:block; font-size:1.1em; margin:1em 0; font-weight:bold'>
-Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg&#8482;
-</div>
-
-<div style='display:block; margin:1em 0'>
-Project Gutenberg&#8482; is synonymous with the free distribution of
-electronic works in formats readable by the widest variety of
-computers including obsolete, old, middle-aged and new computers. It
-exists because of the efforts of hundreds of volunteers and donations
-from people in all walks of life.
-</div>
-
-<div style='display:block; margin:1em 0'>
-Volunteers and financial support to provide volunteers with the
-assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg&#8482;&#8217;s
-goals and ensuring that the Project Gutenberg&#8482; collection will
-remain freely available for generations to come. In 2001, the Project
-Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
-and permanent future for Project Gutenberg&#8482; and future
-generations. To learn more about the Project Gutenberg Literary
-Archive Foundation and how your efforts and donations can help, see
-Sections 3 and 4 and the Foundation information page at www.gutenberg.org.
-</div>
-
-<div style='display:block; font-size:1.1em; margin:1em 0; font-weight:bold'>
-Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
-</div>
-
-<div style='display:block; margin:1em 0'>
-The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non-profit
-501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
-state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
-Revenue Service. The Foundation&#8217;s EIN or federal tax identification
-number is 64-6221541. Contributions to the Project Gutenberg Literary
-Archive Foundation are tax deductible to the full extent permitted by
-U.S. federal laws and your state&#8217;s laws.
-</div>
-
-<div style='display:block; margin:1em 0'>
-The Foundation&#8217;s business office is located at 809 North 1500 West,
-Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887. Email contact links and up
-to date contact information can be found at the Foundation&#8217;s website
-and official page at www.gutenberg.org/contact
-</div>
-
-<div style='display:block; font-size:1.1em; margin:1em 0; font-weight:bold'>
-Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
-</div>
-
-<div style='display:block; margin:1em 0'>
-Project Gutenberg&#8482; depends upon and cannot survive without widespread
-public support and donations to carry out its mission of
-increasing the number of public domain and licensed works that can be
-freely distributed in machine-readable form accessible by the widest
-array of equipment including outdated equipment. Many small donations
-($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
-status with the IRS.
-</div>
-
-<div style='display:block; margin:1em 0'>
-The Foundation is committed to complying with the laws regulating
-charities and charitable donations in all 50 states of the United
-States. Compliance requirements are not uniform and it takes a
-considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
-with these requirements. We do not solicit donations in locations
-where we have not received written confirmation of compliance. To SEND
-DONATIONS or determine the status of compliance for any particular state
-visit <a href="https://www.gutenberg.org/donate/">www.gutenberg.org/donate</a>.
-</div>
-
-<div style='display:block; margin:1em 0'>
-While we cannot and do not solicit contributions from states where we
-have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
-against accepting unsolicited donations from donors in such states who
-approach us with offers to donate.
-</div>
-
-<div style='display:block; margin:1em 0'>
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-any statements concerning tax treatment of donations received from
-outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff.
-</div>
-
-<div style='display:block; margin:1em 0'>
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-methods and addresses. Donations are accepted in a number of other
-ways including checks, online payments and credit card donations. To
-donate, please visit: www.gutenberg.org/donate
-</div>
-
-<div style='display:block; font-size:1.1em; margin:1em 0; font-weight:bold'>
-Section 5. General Information About Project Gutenberg&#8482; electronic works
-</div>
-
-<div style='display:block; margin:1em 0'>
-Professor Michael S. Hart was the originator of the Project
-Gutenberg&#8482; concept of a library of electronic works that could be
-freely shared with anyone. For forty years, he produced and
-distributed Project Gutenberg&#8482; eBooks with only a loose network of
-volunteer support.
-</div>
-
-<div style='display:block; margin:1em 0'>
-Project Gutenberg&#8482; eBooks are often created from several printed
-editions, all of which are confirmed as not protected by copyright in
-the U.S. unless a copyright notice is included. Thus, we do not
-necessarily keep eBooks in compliance with any particular paper
-edition.
-</div>
-
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-facility: <a href="https://www.gutenberg.org">www.gutenberg.org</a>.
-</div>
-
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-This website includes information about Project Gutenberg&#8482;,
-including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
-Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
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-</div>
-
-</div>
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-</html>
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