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| author | nfenwick <nfenwick@pglaf.org> | 2025-01-23 07:14:31 -0800 |
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If you are not located in the United States, you -will have to check the laws of the country where you are located before -using this eBook. - -Title: Unsere Hochzeitsreise in die Urwälder von Kamerun - -Author: Jenny Claren - Jenny Neralc [pseud.] - -Release Date: March 09, 2021 [eBook #64769] - -Language: German - -Character set encoding: UTF-8 - -Produced by: the Online Distributed Proofreading Team at - https://www.pgdp.net - -*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK UNSERE HOCHZEITSREISE IN DIE -URWÄLDER VON KAMERUN *** - - - - - Unsere - Hochzeitsreise - in die Urwälder - von Kamerun - - Von - Jenny Neralc - - Mit 4 Abbildungen im Text - und - einer Illustrations-Beilage - - Winden in Westfalen - Druck und Verlag von Wilhelm Köhler - 1924 - - - - -Nun sollte es also doch Wahrheit werden! - -Ich sollte Kamerun sehen! - -Das lang und heiß Ersehnte, aber nie Erhoffte sollte greifbare Gestalt -annehmen. - -Kamerun! Allein das Wort hatte stets einen faszinierenden Reiz auf mich -ausgeübt. Von allen fremden Ländern war es stets der schwarze Erdteil, -der mich am meisten anzog und von diesem wiederum Kamerun. Schon als Kind -verschlang ich alle sich darauf beziehenden Reisebeschreibungen und sah ich --- als Hamburgerin -- Dampfer der Woermannlinie nach Kamerun ausreisen, was -ich mir nicht oft entgehen ließ, konnte ich mich oft eines Tränenstromes -nicht enthalten, sodaß manch' lächelnder Blick der am Kai versammelten -Menschen das kleine, dicke Mädel traf, dessen Kummer allen unverständlich -war. - -Nie hätte ich geglaubt, daß sich mein glühender Wunsch noch dermaleinst -verwirklichen würde; doch das Schicksal meinte es gut mit mir, indem es -mir in meinem Lebensgefährten einen Mann zuführte, der bereits 5 Jahre -Kamerun bereist, eine tiefe Liebe für dieses schöne Land empfand. Er -verstand und würdigte meine Sehnsucht und überglücklich war ich, als er -mir als Hochzeitsgabe eine Reise nach Kamerun versprach. - -Welch' herrlicher Gedanke! An der Seite des geliebten Mannes das Land -meiner Sehnsucht aufzusuchen und kennen zu lernen. Wie dankbar war ich ihm -für seine Güte, die mir diese herrlichste aller Hochzeitsgaben bescherte. - -Drei Tage nach unserer Trauung in Dresden fuhren wir am 7. September nach -Hamburg. Ein gemütlicher Abend hielt uns bei lieben Freunden fest, wo -unsere Abreise weidlich begossen wurde. Spät trennten wir uns, begleitet -von guten Wünschen der Freunde, doch lange konnte ich keinen Schlaf -finden, denn in unregelmäßigen Zwischenräumen drang das Heulen der -Sirenen in unser Hotelzimmer und erneuerte immer wieder das wunderselige, -wonnige Gefühl: »Morgen, morgen gehts hinaus in die weite, herrliche -Welt!« - -Am andern Abend um 10 Uhr begaben wir uns an Bord. Am Morgen des nächsten -Tages um 7 Uhr wurden die Taue vom Kai gelöst und langsam fuhren wir, -von einem Schlepper gezogen, unter den heiter-wehmütigen Klängen des -hübschen, uralten Liedes: »Muß i denn, muß i denn zum Städtelein -hinaus« und dem Hurrarufen und Tücherschwenken der am Kai Stehenden, aus -dem Hafen hinaus, die Elbe hinunter. - -Das eben erwachende Blankenese, mit seinen schmucken, in Grün gebetteten, -Wohlstand verratenden Villen und dem stolzen Süllberg sandte uns in -lachender Morgensonne seine Abschiedsgrüße zu und weiter gings, an den -blühenden Elbhügeln entlang, dem offenen Meere zu. - -Ein buntes Leben und Treiben entwickelte sich vor unseren Augen in -der Elbmündung, denn unzählige kleine Küstendampfer und Fischkutter -steuerten, geschickt manöverierend, unter Volldampf ihrem Ziele zu. - -Nachdem wir die Feuerschiffe passiert hatten, fuhren wir mit halber Kraft -in die Nordsee ein. Unser Schiff begann jetzt unter den leichten Wellen der -Nordsee etwas zu stampfen, doch, als geborene Hamburgerin des Seereisens -von einigen Überfahrten nach Helgoland und Dänemark nicht ganz -ungewöhnt, machte mir die stampfende Bewegung des Schiffes viel -Vergnügen. - -Fern am Horizonte tauchten die Umrisse unseres befestigten -Felsen-Eilandes, Helgoland, auf, um welches herum, malerisch, und doch in -Schlachtenformation gruppiert, ein Teil unseres Hochseegeschwaders unter -Volldampf lag, scheinbar in Erwartung eines markierten Feindes. - -Nachdem auch dieser kleine Rest heimatlicher Erde unseren Blicken -entschwunden war und der Tag sich zu neigen begann, zogen wir uns, für -heute des Schauens müde, in unsere Kabine zurück, und die leise an die -Schiffswand schlagenden Wellen und das stete Surren der Schiffsschraube -sangen uns ein monotones, einschläferndes Schlummerlied. - -Als ersten Hafen liefen wir Boulogne sur mer an, nahmen Post und einige -Passagiere an Bord und dampften selbigen Tags, die um die Insel Wight -gruppierten, schwimmenden, englischen Forts passierend, nach Southampton, -wo wir ebenfalls auf Reede liegen blieben und von einem Küstendampfer Post -und Passagiere übernahmen. - -Weiter ging es mit Volldampf in den offenen Ozean hinein. - -Das leichte Gekräusel der Nordsee, was wir bereits als Wellen empfanden, -verstärkte sich dermaßen, daß man auf dem Schiff, außer den heftiger -gewordenen Stampfbewegungen, auch ein recht bemerkenswertes Rollen -verspürte, ja selbst einige Spritzer der kleinen Sturzseen benetzten -die Promenadendecks, und empfindliche Gemüter zogen sich bereits aus der -frischen Seebrise in die verschiedenen Salons zurück. - -Die »alten Afrikaner« hatten sich bereits zu kleinen Gesellschaften -gruppiert und begannen, unbekümmert um das Treiben des Ozeans, ein -Spielchen. Eifrig wurde dem Bier und sonstigen geistigen Getränken -zugesprochen und dicker Zigarren- und Zigarettenqualm erfüllte den Raum, -so daß ich vorzog, mich schleunigst an Deck zu begeben, in die herrliche, -frische Seeluft, wenngleich mich auch einige dieser »alten Afrikaner« -stark interessierten. Beim Spiel konnte man beobachten, wie sehr ihre -Nerven im schwarzen Erdteil gelitten hatten. Diese typische, leichte -Erregbarkeit, die so schnell erhitzten Gemüter, kennzeichneten die lange -unter der sengenden Sonne Afrikas hartgearbeiteten Männer. Und auch -wie manche sehnige, schöne Gestalt war unter ihnen: groß, schlank, -braungebrannt, mit kühnem Gesicht und energisch blickenden Augen. -Stets weilte ich gern unter ihnen und lauschte ihren hochinteressanten -Erzählungen über ihre Erlebnisse im schwarzen Erdteil. Sollte ich doch -jene Gefilde, die noch einen kleinen Überrest des längst entschwundenen -Urdaseins darstellen, aus eigner Anschauung kennen lernen. - -Nachdem uns die, selbst von den ältesten Kapitänen unserer Weltlinien -gefürchtete Biskaya auf ihren haushohen Wellen einige Tage lang -geschaukelt und auch von einigen, nicht ganz magenfesten Passagieren ihren -Tribut gefordert hatte, wurde am neunten Tage unserer Seereise wieder Land -gesichtet, und zwar waren es die kanarischen Inseln, und von diesen wieder -Teneriffa als erste, deren Hafen, Santa Cruz, wir kennen lernen sollten. - -Am nächsten Tage sahen wir beim Erwachen bereits die Umrisse der -unzähligen, ehemals vulkanischen Bergkegel, in deren Mitte ihr Oberhaupt, -der Pique Teneriffe thronte, aus dem Meere emporsteigen. Die Spitze des -alten Götterberges war in leichte Nebel gehüllt, doch bereits nach -zweistündiger, weiterer Fahrt zogen sich auch die letzten Nebelschleier -vom Haupte des Pique Teneriffe hinweg. Noch näher kommend, erkannten wir -mit Hilfe der Ferngläser die rotbraunen Heidekräuter, durchmischt mit -eßbaren Kakteen und üppig wuchernden Farren, einem herrlich gewirkten -Teppich gleichend, welcher die Kegel bedeckt. Auf den Außenkegeln sind die -portugiesischen Signalstationen errichtet, die hier, wie in Las Palmas -und Madeira als Forts ausgebaut und armiert sind. Zwischen den Bergkegeln -ziehen sich, mit üppigster Vegetation bestandene Täler hin, in denen -die kleinen Dörfchen mit ihren roten Bedachungen malerisch zwischen den -herrlichen Bananenhainen wie in einem Schmuckkästchen leuchten. - -Bereits vor der Hafeneinfahrt bemerkten wir auf hoher See die kleinen -Fischkutter und Boote der Eingeborenen von Santa Cruz, deren Nebenerwerbs- -und Nahrungsquelle der Fischfang zu sein scheint. - -Kaum war der Klang unserer Schiffssirene verhallt, als sich auch schon ein -reges Leben im Hafen bemerkbar machte. Hunderte von kleinen Ruderbooten, -besetzt mit Männern und vor allen Dingen Jungen, hatten unser noch langsam -fahrendes Schiff als Ziel gewählt. Unzählige von kleinen, schwimmenden -Krämerläden, in denen man Bananen, Orangen, Nüsse, Äpfel, Papageien, -Ferngläser, Briefmarken, Kanarienvögel, Seidenwaren, entzückende -Madeirastickereien, Postkarten, Goldwaren, Zigarren, Zigarretten und -tausend andere Sachen mehr kaufen konnte, umgaben bald unser Schiff. - -Mit buchstäblich affenartiger Geschwindigkeit erklommen die 6-10jährigen -Jungen, mit Handkörbchen beladen, die von einigen voreiligen -Passagieren hinabgeworfenen Taue und es entspann sich sehr bald ein reges -Handelsgeschäft. - -Der Neuling kauft von allem, was ihm geboten wird und zahlt anstandslos die -Preise, die gefordert werden. Erst durch das routinierte Handeln einiger -»alter Afrikalöwen« aufmerksam geworden, erkennt er seine Voreiligkeit, -denn die »alten Afrikaner« kaufen nicht 50, sondern 200-300 Prozent -billiger als der Neuling. - -Singend und schreiend kletterten die halbwüchsigen Burschen in ihren -Booten herum und forderten kreischend und flehend die Passagiere auf, -Geldstücke ins Meer zu werfen, nach denen sie tauchen und keines entgeht -ihren Blicken. - -Mit Genehmigung des Kapitäns durften wir an Land gehen. Die kleine -Barkasse brachte uns bald an den Kai, wo uns die zweirädrigen, mit -Mauleseln bespannten Karren aufnahmen und uns auf einer Rundfahrt durch -Santa Cruz mit den Schönheiten der Hafenstadt, in Gestalt von prächtigen -Bananenhainen, Zuckerrohrplantagen und Palmen bekannt machten. Zum ersten -Male konnte ich die Schönheiten der in Freiheit gediehenen, mächtigen -Palmen bewundern. - -Nachdem wir von unserer ca. vierstündigen Fahrt in das Hinterland der -Insel, die uns abwechselnd durch herrliche Farmen und kleine Dörfchen -führte, zurückgekehrt waren, labten wir uns an einer Flasche echten -(hoffentlich) Madeiraweins und ließen uns durch die Barkasse wieder an -Bord bringen. Auch der Markthalle, die uns einen Einblick in die üppigen -Vegetationsverhältnisse der Insel tun ließ, sowie dem Rathause statteten -wir einen Besuch ab. - -Unser vorläufiges Reiseziel war Madeira, dem wir einige Tage widmen -wollten. Wir mußten uns daher von der uns liebgewordenen Reisegesellschaft -und von unserem Dampfer in Las Palmas trennen, um nach Besichtigung der -Hafenstadt von Grand Canaria mit einem Küstendampfer nach Madeira zu -fahren. - -Las Palmas unterscheidet sich von Teneriffa durch seine, in die Berge -eingebauten, mit flachen Dächern abgedeckten, hell angestrichenen Häuser. -An der Hauptstraße, auf der sich mit tosendem Gerassel eine Eisenbahn in -unergründlichem Schmutze durcharbeitet, liegen die öffentlichen Gebäude -und am Ende der Straße, umgeben von Palmen und anderen tropischen -Gewächsen, die Kathedrale von Las Palmas. Nach einer kurzen Besichtigung -der letzteren sahen wir uns noch die hinter den Häusern angelegten, wenig -gepflegten Bananen- und Zuckerrohrplantagen an und fuhren mit unserem, -am Kai gemieteten Karren, dem singend und schreiend, Purzelbaum- und -Radschlagend die Jugend bettelnd folgte, wieder nach dem Hafen. - -Unser Gepäck war bereits auf dem kleinen Küstendampfer, der uns nach -Madeira bringen sollte, verstaut worden, und am Abend des nächsten Tages -fuhren wir in den Hafen von Funchal ein. - -Tausend und abertausend Lichter spiegelten sich in der ruhigen -Wasserfläche wieder und boten dem Auge des Beschauers ein entzückendes -Bild. Ab und zu trug der Abendwind leichtverwehte Klänge einer -einschmeichelnden Musik zu uns herüber und traumverloren an der Reeling -lehnend, ließen wir die wunderbare Schönheit des südlichen Hafenbildes -und des tiefen Frieden ausatmenden Funchals auf uns einwirken. - -Plötzlich durchdröhnte die Stille der sternenklaren Nacht das Rasseln der -Ankerketten und der Donner der Postkanone und eine Stunde später betrat -ich das eigenartige, vielbesungene Märchenland. - -Studienhalber besuchten wir am Abend, nachdem wir uns im Hotel etwas -restauriert hatten, einige Bierlokale, wo uns in den sauberen Räumen -überall die lockenden, südlichen Klänge der fast durchweg sehr -musikalischen und musikliebenden Bevölkerung empfingen. - -Am anderen Morgen nahmen wir einen jener charakteristischen, mit Ochsen -bespannten Schlitten und fuhren -- nicht wie hierzulande im Schnee -- -sondern auf faustgroßen, runden, glatten Pflastersteinen durch die Stadt. -Daß es ein angenehmes Fahren gewesen wäre, kann ich nicht behaupten, aber -wir hatten die Mode mitgemacht. - -Auch eine kleine Hafenfahrt im Ruderboote unternahmen wir und entdeckten -auf den kleinen Bergkegeln, die sämtlich vulkanischen Ursprungs sind, die -Befestigungen und Signalstationen von Funchal. - -Die Schönheiten Funchals und seiner Umgebung zu beschreiben, ist man wohl -kaum imstande. Ein Gemisch der herrlichsten und verschiedenartigsten Palmen -und sonstiger subtropischer Gewächse, zwischen denen die kleinen, mit -Stroh und Matten gedeckten Hütten der ärmeren Bevölkerung Funchals -liegen, bietet sich dem Auge dar. Bäume, deren Höhe und Stärke nur noch -einen kläglichen Überrest von den Riesenerzeugnissen der Urzeit bilden, -recken, leicht vom Seewind bewegt, kühn ihre Häupter gen Himmel; leise -von längst entschwundenen Zeiten flüsternd. - -Die Bevölkerung Funchals scheint, soweit man dies nach dem kurzen, uns -vergönnten Aufenthalt beurteilen kann, nur aus Armen und Reichen zu -bestehen. Der Arme trägt seine schweren Lasten aus der Farm nach den -Märkten auf dem Kopfe, um sie dort für billiges Geld loszuschlagen oder -gegen andere Nahrungsmittel einzutauschen. -- Der Wohlhabende läßt sich -von zwei Dienern in seiner Hängematte, deren buntgestreiftes Segeltuch ihn -vor den sengenden Sonnenstrahlen schützt, spazieren tragen, oder er fährt -in dem landesüblichen Ochsenschlitten durch die Straßen der Stadt. - -Nach fünftägigem Aufenthalt booteten wir uns wieder auf einem -Afrikadampfer der Woermannlinie ein. - -Noch einmal lassen wir das Auge sich sattsehen an dem gesegneten Fleckchen -Erde, welches uns soviel Schönes und Neues bot. - -Lebe wohl, du einziges Madeira, wohin man sich das einstige Paradies -verlegt denken kann. - -Auf spiegelglatter See, die nur durch das zeitweise Auftauchen von -fliegenden Fischen, Schweins- und Haifischen unterbrochen wurde, fuhren wir -dem ersten afrikanischen Hafen, Conacry, entgegen. - -Zum ersten Male in meinem Leben sah ich die hohen Wasserstrahlen, die ein -Walfisch in die Luft spritzte und dessen Körper zeitweilig bis zur Hälfte -seiner Stärke aus dem Wasser ragte. - -Die größte westliche Länge, die wir auf unserer Fahrt erreichten, war -32° nach Greenwich, die größte Zeitdifferenz von Hamburg 2 Stunden -11 Minuten. - -Durch den ersten Offizier wurde uns geraten, eine Nacht zu opfern, um dem -nimmer rastenden Treiben der Delphine und Haifische, die von jetzt ab viele -Tage als treue Begleiter in unserem Kielwasser folgten, zu beobachten. - -An einem herrlichen, lauen Abend zogen wir uns nach dem Abendbrot auf -das Achterdeck zurück und machten es uns in unseren Langstühlen bequem. -Unseren Augen bot sich ein seltsames Schauspiel. Tausend und abertausend -kleine Fünkchen (Infusorien) spielten in den durch die Schiffsschraube -leicht gekräuselten Wellen: Das sogenannte Meeresleuchten und zwischen -diesem Gewimmel zogen die Haifische, die ebenfalls stark phosphoreszieren, -gespensterhaft ihre blaugrünen Furchen, bald back- bald steuerbords das -Schiff beobachtend, ob nicht ein kleiner Überrest aus der Küche sich -ihnen als Fang zeigt. - -Die unvergleichliche Pracht des Sternenhimmels wurde durch den Mond, -der bald als feurige Kugel aus dem Meere emporstieg, gebrochen, und die -angenehme Kühle der Nacht ließ uns die Stunden des Schauens wie im Fluge -vergehen. - -Wir bummelten über die Promenadendecks nach dem Bug und beobachteten dort -das launische Treiben der Delphine. Ihre phosphoreszierenden Körper -zogen sich direkt vor dem äußeren Steven des Schiffes durch die rötlich -schimmernden Manuaren, sogenannte »spanische Schiffe«, die Korallenriffen -gleichend, das Meer beleben, hin. - -In der Ferne tauchte ein Licht auf und bald ertönte die Sirene unseres -Schiffes, dem diejenige des uns entgegenkommenden Dampfers antwortete. -Leise glitt der dunkle Koloß des Afrikadampfers -- denn ein solcher war -es -- an uns vorüber. Alles Leben war dort, wie auf unserem Dampfer, -erstorben. Lockende Träume mochten die Schläfer drüben umgaukeln, waren -doch viele davon glückliche Menschen, die nach jahrelangem Wirken und -Schaffen unter der heißen Tropensonne Afrikas der Heimat zu fuhren. - -Wiederum tauchte in der Ferne, in rhythmischen Zeitabständen leuchtend, -ein Signallicht auf. Es war das Blinkfeuer, welches von der Insel Tambo -ausgehend, die Einfahrt in den Hafen von Conacry in Französisch-Guinea -kennzeichnet. - -Wir blieben bis zum Morgengrauen auf der Reede von Conacry liegen und gaben -später Post und Passagiere an Land. - -Zum ersten Male in meinem Leben sah ich eine größere Anzahl Neger. Mit -großem Interesse hatte ich die Abstufungen der Völkerrassen vom hohen -Norden Deutschlands bis zur heißen Zone Nordafrikas beobachtet und sah nun -diese sehnigen, schokoladenbraunen Gestalten in ihrer Heimat. -- Trotz des -Lächelns, das beim Anblick der Europäer um ihre wulstigen Lippen spielte, -konnte man doch den so oft beschriebenen, hinterlistigen Zug in ihren -scharfen Augen entdecken und ich hätte mir fürs Erste nicht gewünscht, -mit diesen braunen Gesellen unter einem Dach wohnen zu müssen. Doch mein -Mann belehrte mich bald eines Besseren, denn er hatte während seiner -fünfjährigen Afrikatätigkeit genug Gelegenheit gehabt, das Seelenleben -der Neger zu studieren. Einige uniformierte, schwarze Beamte der -französischen Kolonialpost, die die Postsäcke und Pakete an Bord -brachten, machten einen sehr netten Eindruck und sprachen ein sehr gutes -Französisch. - -Gegen 10 Uhr lichteten wir die Anker und stachen wieder in See, um in -geringer Entfernung vom Land, jedoch außerhalb des Gefahrenbereiches der -Riffe, dem nächsten Hafen Monrovia im Negerfreistaat Liberia zuzusteuern. - -Während bis hierher die Möven unsere steten Begleiter waren und sich -gierig auf jeden über Bord geworfenen Abfall stürzten, entdeckten wir -zu unserem nicht geringen Erstaunen in den Tauwerken der Masten einige -Schwalben, die von dort aus kurze Flüge unternahmen und die Nächte an -Bord unseres Schiffes verbrachten. - -Ein sehr nettes Schauspiel war das Bootsmanöver. Die Schiffsglocke -ertönte und in kurzer Zeit waren die Boote ausgeschwenkt, bemannt und -zu Wasser gelassen. Zwei Rettungsringe mit selbstentzündbaren Lichtbojen -wurden über Bord geworfen, die im Ernstfalle den nachts über Bord -Springenden Rettung bringen sollten. Interessant zu beobachten waren -die Haifische, die im selben Moment, als die Bojen klatschend ins Wasser -fielen, auf diese zuschwammen und hastig zuschnappten, dann ihre verkannte -Beute rasch wieder losließen und ihr Glück bei einem der zu Wasser -gelassenen Boote versuchten. Der Dampfer drehte sofort bei und nahm die -Rettungsboote wieder an Bord, die Lichtbojen, die inzwischen erloschen -waren, wurden wieder aufgefischt und ruhig setzte der Dampfer seine Fahrt -fort, bis wir der Reede von Monrovia ansichtig wurden. - -Im Hafen von Monrovia entwickelte sich ein etwas lebhafteres Treiben als -vor Conacry, denn zwei Küstendampfer brachten ca. 80-90 Neger an Bord, die -während der Fahrt unter der heißen Sonne Afrikas die groben Arbeiten an -Bord verrichteten. - -Nachdem sie alle übernommen waren, bildeten sich schon verschiedene -Gruppen und man merkte sehr bald, daß es nicht das erste Mal war, daß sie -im Dienste der Woermannlinie arbeiteten. - -Mit großer Geschicklichkeit wurden die Ladebäume, die bisher in der -Längsrichtung des Schiffes niedergelegt waren, aufgerichtet, die Seile -über die Rollen geführt und schon rasselten die Dampfwinden den ersten -Ballen Ladung aus den schier unergründlichen Bunkern des Schiffes -nach oben. Der Ladebaum wurde ausgeschwenkt und die Ladung in die -bereitstehenden Küstendampfer herabgelassen. Ein anderer Teil der Neger -holte sich beim Verwalter Schrubber und Bürsten, die Schiffshydranten -wurden in Bewegung gesetzt und in wenigen Augenblicken schwammen alle -Decks, die unter der kräftigen Behandlung unserer »lieben, schwarzen -Brüder« sehr bald ihre Farbe wechselten. - -Ein Glockensignal verkündete eine Essenspause. - -Zwei große, ca. 100 Liter fassende Kessel mit gekochtem Reis wurden, -der eine in die Mitte der Ladekolonne, der andere in die Mitte der -Reinigungsmannschaften, gestellt. Um beide Kessel gruppierten sich, die -strahlenden Augen auf den dampfenden Reis gerichtet, die Neger. Ein Vormann -(Headmann) teilte den Inhalt des gefüllten Kessels in ca. 10 Portionen, -deren jede einzelne wieder in einen kleineren Kessel gepackt wurde. Auf -jeder Portion thronte als »Garnierung« ein Stück gekochten Stockfisches. -Die Verteilung vollzog sich mit einer gewissen Ordnung, die Unterhaltung -jedoch wäre wohl kaum von dem Geschnatter eines Waggons böhmischer Gänse -übertönt worden. - -Zu jedem dieser kleinen Kessel gehörten ca. 8-10 Mann, die sich in einer -Ecke des Schiffes niederhockten und den Reis mit der Hand, mit der sie eben -noch die schmutzigen Scheuertücher ausgewrungen hatten, zu Ballen formend, -in den Mund stopften. An den Stückchen Stockfisch wurde nur ab und zu -geleckt, erst mit dem letzten Klumpen Reis nahm auch dieses seinen Weg ins -Innere des Negermagens. - -Wie auf ein Kommando verstummte jegliche Unterhaltung und machte einem -breiten, wohligen Schmatzen Platz. In kaum 10 Minuten waren sämtliche -Kessel nicht nur geleert, sondern auch sorgfältigst für die nächste -Verpflegungsaufnahme ausgeleckt und mit den Fingern gereinigt. Einige -zu Boden gefallene Reiskörnchen wurden noch gierig aufgesucht und -verschwanden in den nimmersatten Magen der Schwarzen. Damit der Magen auch -wirklich bis oben gefüllt war, stürzten sie noch ca. ein halbes Liter -Wasser nach und der letzte Schluck wurde, nachdem er kurze Zeit im Munde -hin und hergespült war, in hohem Bogen über die Reeling gespuckt und -- -die Zähne waren geputzt. - -Ein greller Pfiff des Offiziers rief die Horde wieder an ihre Arbeit. - -Nachdem die Ladegeschäfte beendet waren, verließen wir Monrovia. - -Die Wärme hatte sich bereits zu einer fast unerträglichen Hitze (46°C. -im Schatten) gesteigert und noch unangenehmer machte sich die Hitze des -Nachts bemerkbar. Trotz der in die Bullenaugen eingesetzten Windfänger und -trotzdem man völlig entkleidet, nur mit dem Laken bedeckt, schlief, war an -einen festen Schlummer nicht zu denken. Hochinteressant zu beobachten -waren am Abend die Promenadendecks, wo in jedem Winkel 2-3 Neger -kaffeelöffelartig zusammengehockt, mit einem leichten Leinwandlappen -bedeckt, durch ein intensives Schnarchen ihren gesunden Schlaf verrieten. - -Als wir am Morgen gegen 7 Uhr an Deck gingen, war bereits alles wieder -blitzsauber gescheuert und die nicht beschäftigten Neger saßen plaudernd -in Gruppen beisammen und plapperten wie die Waschweiber. - -Nachdem wir noch die Häfen Grand Bassam und Cap Coast Castle angelaufen -hatten, gingen wir unweit der Landungsbrücke von Lome in Deutsch Togo -vor Anker. Mit einer der ersten Fahrgelegenheiten ließen wir uns an Land -bringen und besichtigten, soweit es die kurze Zeit erlaubte, wieder einmal -ein Stück deutschen Bodens. - -Schon vom Schiff aus sah man die Früchte deutscher Kultur in Gestalt -eines, auch architektonisch schönen Gouvernementsgebäudes und unzähligen -am Strande liegender Faktoreien, die sämtlich von einer in gotischem Stil -gehaltenen Kirche überragt werden. - -Die Straßen Lomes sind zum Teil befestigt und auf ihnen werden im flotten -Tempo die zweirädrigen, mit schwerer Ladung bepackten Karren gezogen. -Während wir bisher nur Neger sahen, die, mit Ausnahme des Lendenschurzes -völlig unbekleidet waren, trug der größere Teil der Togo-Neger Kleider, -und wenn sie auch nur aus einigen, malerisch um den Leib geschlungenen, -bunt bemalten Tüchern bestanden. Einen recht netten Eindruck machten -die sauber in Weiß oder Khaki gekleideten schwarzen Angestellten der -Faktoreien, desgleichen die sauber uniformierten Soldaten der Polizeitruppe -und die schwarzen Gouvernementsbeamten. - -Auch hatten wir Gelegenheit, das bunte, fesselnde Markttreiben in Lome zu -beobachten: - -Hier hing unter einem Mattendach die Keule eines Schafes oder Ochsen, -dort standen, in kleine Körbchen gefüllt, Erdnüsse, Makavo -(kartoffelähnliche Knollenfrucht), Mais, Bananen, Ananas und ähnliche -tropische Früchte. An anderer Stelle wieder kauerte ein schmutziges Weib -am Boden, die ihre aus Makavo gefertigten, in Palmöl gekochten Klöße -zum Verkaufe ausbot. In einem kleinen Schnittwarenladen, der die »neuesten -Muster« der afrikanischen Mode auf den Markt brachte, wurden die auf dem -Markt durch den Verkauf von Produkten erzielten Einnahmen umgesetzt, doch -nicht, ohne stundenlanges Feilschen und Handeln und nachdem sämtliche -ausgelegten Herrlichkeiten mit schmutzigen Fingern durchwühlt waren. - -Nachdem wir uns mit einer Flasche Eisbier und einigen Sandwichs im Hotel -gestärkt hatten, unternahmen wir noch einen kleinen Spaziergang durch die -endlose Reihe der deutschen und englischen Faktoreien. - -Da die Zeit zur Abfahrt mahnte, ließen wir uns wieder auf unseren Dampfer -einbooten und fuhren, nachdem wir noch Lagos, eine Hafenstadt in Nigeria, -angelaufen hatten, dem vorläufigen Endziel unserer Reise, Kamerun, zu. - -Mit vor Freude klopfendem Herzen stand ich an Deck. Kamerun! In kurzer -Zeit sollte es erreicht sein, sollte mein jahrelanger, heißer Wunsch sich -erfüllen. Meinen Fuß würde ich auf Kameruner Erde setzen und eindringen -in die vielen Schönheiten des wunderbaren Landes. - -Mit Hilfe des Fernglases bemerkten wir bereits vor uns einen -langgestreckten Höhenrücken, dessen einzelne Bergkegel in einen -undurchdringlichen Nebel gehüllt zu sein schienen. Näherkommend, -zerteilten sich die Nebelschwaden und majestätisch stieg aus dem Gebirge -der alles überragende 4000 Meter hohe Kamerunberg heraus. Zu seinen -Füßen liegt der ehemalig ebenfalls vulkanische, kleine Kamerunberg. Am -Fuß des letzteren gruppiert sich malerisch, wie ein Schmuckkästchen, das -reizende Viktoria, das aber leider durch die hinter ihm lagernden, nur -zum Teil sanierten Sümpfe, nicht gerade das günstigste Klima in unserem -fieberreichen Kamerun hat. - -Auf einer kleinen Anhöhe liegt die Wohnung des Bezirksamtmannes direkt am -Strande, ferner das Laboratorium der Versuchsanstalt für Landeskultur, das -Polizeimeistergebäude, das Bezirksamt und -Gericht, die Wohnhäuser -der Gouvernementsbeamten und die Faktoreien. Eine strikte Trennung der -Wohnungen von Schwarzen und Weißen ist hier geschickt durchgeführt. - -Ein Rundgang durch den botanischen Garten führt uns wohlgepflegte Kakao- -und Gummikulturen vor Augen und gewährt uns schon einen kleinen Einblick -in die üppige Vegetation der Tropen. Gern hätten wir uns den Sitz des -Gouvernements, das in ca. 1000 Meter Höhe am großen Kamerunberg gelegene -Buea, angesehen, doch unsere Reise sollte weitergehen und uns in -die Gefilde führen, wo mein Mann als deutscher Kulturpionier die -Linienführung der Kamerun-Nord- und Mittellandbahn erkunden half. - -Nachdem wir uns noch einen Teil der herrlichen Kakao-Plantagen der W.A.P.V. -angesehen hatten, fuhren wir noch an demselben Tage nach Duala. - -Unzählige Buchten, sogenannte Creeks, die dicht mit Mongroven, zwischen -denen einige Urwaldriesen ihre Häupter gen Himmel reckten, bestanden -waren, wurden von den Fischfang treibenden, in kleinen Kanoes sitzenden -Negern belebt. Rechts von uns sahen wir auf schmaler Landzunge direkt an -der See das Sanatorium Suelleba und näherkommend, entdeckte man bereits -die sauber weiß gestrichenen Häuser von Duala. - -Auf der Joßplatte liegen Offizierskasino und die Beamtenwohnhäuser -unserer Schutztruppenangehörigen und weiter, nach der Landungsbrücke zu, -die Gouvernementsgebäude. - -Im Hafen von Duala, der die Mündung des Kamerunflusses (Wuri) ist, -kreuzten die kleinen Dampfbarkassen und Pinassen und nahmen, nachdem vom -Hafenarzt die Quarantäne abgenommen war, die ankommenden Passagiere und -deren Gepäck auf. - -An der kleinen Landungsbrücke standen Hunderte von Negern und schwarzen -Frauen, die teils grinsend, teils bewundernd die Neuangekommenen musterten, -wohl auch dem wiedererkannten »alten Afrikaner« einen Willkommensgruß im -schwarzen Erdteil zuriefen. - -Eines mutete mich recht sonderbar an. Während wir in franz. Guinea -französisch, in den engl. Kolonien englisch sprechen hörten, vermißte -ich in Duala den Wohlklang unserer Muttersprache. Einige besser gekleidete -boys, die ihre aus der Heimat zurückkehrenden Master abholten, hörte ich -nur das Pigeon-Englisch, ein furchtbar verstümmeltes, mit andern Sprachen -durchsetztes Englisch, sprechen. Mein Mann hatte auf der 23tägigen -Seereise eifrig mit mir gearbeitet, damit ich dieses Kunterbunt ein wenig -beherrschte. - -Duala zu schildern, will ich unterlassen, da ich annehme, daß wohl Jeder -von dem rasch emporgeblühten, fast europäischen Duala genügend Kenntnis -aus Reiseberichten besitzt. Ich kann nur sagen, daß ich überrascht war -von den wohlgepflegten Straßen und Gouvernementsgärten, in welchem die -Gouvernementsgebäude eingebaut sind. Imponierend wirkten die Anlagen -der Kamerun-Mittellandbahn, deren Bahnhof in einem Seitentale des -Kamerunflusses, der sogenannten Bomonoschlucht liegt, deren Hänge mit den -Beamtenwohnhäusern der Bahn malerisch bebaut sind. - -Durch die 23tägige Seefahrt war unser Gang an Land direkt schwankend und -schaukelnd geworden, doch heute -- und das war für mich die Hauptsache -- -konnte ich zum ersten Male mein Haupt im schwarzen Erdteil, auf dem für -mich noch tausend Geheimnisse bergenden Kameruner Boden zur Ruhe legen. - -Im Hotel traf mein Mann viele alte Bekannte von seiner früheren kolonialen -Tätigkeit her, alle freuten sich sehr, ihn wiederzusehen und auch mich -kennen zu lernen. Ein fröhlicher Kreis bildete sich bald, Erinnerungen, -ernste und heitere, wurden lebhaft ausgetauscht und viele Fragen nach der -lieben, deutschen Heimat an uns gerichtet, so daß die Stunden wie im Fluge -entschwanden. Dem Bier und Sekt wurde sehr reichlich zugesprochen, das -Wiedersehen wurde recht gründlich gefeiert und beim endlichen Aufbruch -hatte ich das Empfinden, mich noch an Bord zu befinden, wenigstens in bezug -auf den »schaukelnden, schwankenden Gang« meiner lieben, neuen Bekannten; -mein Mann jedoch durchaus nicht ausgeschlossen. - -Eine frische Nachtbrise machte den Aufenthalt in den kleinen und niedrigen -Hotelzimmern recht angenehm und zum ersten Male wieder, seit langer Zeit, -fand ich meinen von Europa her gewöhnten, gesunden Schlaf. - -Ein fast unglaublicher Zufall führte uns mit dem Koch zusammen, der -mehrere Jahre in den Diensten meines Mannes gestanden hatte und ihm -während der Dauer von zweieinhalb Jahren kreuz und quer durch die -Urwälder Kameruns ins Innere gefolgt war und sich nicht nur als treuer -Begleiter, sondern auch als tüchtiger, mit dem verwöhnten, europäischen -Gaumen wohlbekannter Koch erwies. Joseph, so hieß diese schwarze Perle, -freute sich unglaublich, seinen alten Master wieder zu sehen und erklärte -sich bereit, uns auf unserer bevorstehenden Reise ins Innere zu folgen. -Kurzerhand löste er, wahrscheinlich zum nicht geringen Staunen und Ärger -seines bisherigen Herrn, sein Dienstverhältnis und stand am andern Morgen -grinsend mit seinem Päckchen am Hotel. - -Er war uns beim Einkauf unserer Verpflegung, die wir auf ca. 3 Wochen zu -berechnen hatten, behilflich und nichts wurde vergessen, denn Joseph kannte -die hohen Ansprüche, die sein alter Master an seine Kochkunst stellte. Die -Verpflegung: Fleisch, Gemüsekonserven, Früchte, Cakes, Butter, Schmalz, -Mehl, Reis, Kaffee, Tee, Milch, Zucker, Essig, Öl, Gewürz, einige -Flaschen Wein und Bier und sonstige, für die Küche des Europäers -nötigen Kleinigkeiten, sowie etwas Reis und Stockfisch, die als Notbehelf -dienen sollten, für den Fall, daß man mitten im Urwald Lager beziehen -muß und keine Verpflegung für die Träger (Planten, Makavo und Palmöl) -bekommt, wurde in Traglasten zu ca. 30 Kilogramm verpackt und nach dem -Hotel gesandt. Als Tauschartikel nahmen wir noch Perlen, Tabak, und -bedruckte Leinwandstoffe mit. Für irgend einen ganz besonderen Zweck -hatten wir uns auch eines jener in Afrika typischen Hängekleider -mitgenommen, desgleichen mieteten wir uns für die Reise nach dem -Manenguba-Gebirge zwei Pferde. - -Die Deutsche Kolonial-Gesellschaft, in deren Diensten mein Mann -früher stand, stellte uns bereitwilligst ein Zelt mit den nötigsten -Ausrüstungsgegenständen zur Verfügung, und am zweiten Tage nach unserer -Landung wurden unsere Lasten nebst ihren Trägern, die teilweise recht -schmutzige Lendentücher, welche bei Gott nicht mehr als fünf Prozent -ihres Leibes bedeckten und einen intensiven Geruch nach Schweiß und -Palmöl ausströmten, um den Leib geschürzt hatten, sowie unsere Pferde -und schließlich wir selbst in einem Leichter verstaut und von einer -Barkasse nach dem am rechten Ufer des Wuri gelegenen Bonaberi gebracht und -sofort in den bereitstehenden Zug verladen. - -Da mir mein Mann nicht in eiliger Bergfahrt die Schönheiten des Urwaldes -flüchtig zeigen wollte, fuhren wir nur bis Mujuka, zirka 60 Kilometer der -Nordbahn und schlugen auf einem freien Platz unser Zelt auf. - -Mit unglaublicher Geschwindigkeit wurden die Zeltlasten aufgeschnürt -und in einer halben Stunde stand unser Zelt bezugsfertig da. Die -Verpflegungslasten, aus denen Joseph sich einige Konservenbüchsen -hervorkramte, wurden unter das Sonnensegel gestellt und bildeten, gegen die -in der Übergangszeit noch vorkommenden Tornados geschützt, gleichzeitig -eine kleine Barrikade um unser Zelt, nur den Eingang freilassend. - -Nach dem Aufschlagen des Zeltes begab sich jeder der Träger in den Urwald, -um Holz für das nachts als Schutz gegen Ameisen und Raubtiere stets -brennende Feuer zu holen und es dauerte gar nicht lange, so kehrten sie, -jeder mit ein bis zwei beindicken, zwei bis drei Meter langen Ästen -zurück, welche zu zwei großen Scheiterhaufen vereinigt, ihres Zweckes -harrten. - -Aus einigen, schnell aus den Fiedern der Palme geflochtenen Matten und vier -im Busche geschlagenen Pfählen wurde ein kleines Badehäuschen (ohne Dach) -aufgebaut und nachdem wir gebadet und uns umgekleidet hatten, begann Joseph -und sein Helfershelfer, der boy Taka, zu servieren. - -Trotzdem Joseph mit größter Fach- und Sachkenntnis den Lagerbau leitete, -hatte er nebenbei, geschickt seine Töpfe auf drei Steine stellend, mittels -kleingespaltenem Holz das Essen gekocht und Badewasser warm gemacht. Mitten -unter freiem Himmel loderten bald vier solcher kleinen Feuer, auf denen die -einzelnen Gerichte dampften. - -Wir hatten uns, gestützt auf die langjährigen Erfahrungen meines Mannes, -alles Geschirr in Emaille mitgebracht, denn von Porzellan wäre wohl am -Abend des ersten Tages wenig übrig geblieben. - -Zierlich, mit einer weißen, sauberen Jacke bekleidet, und stolzem Grinsen, -die Suppe vor sich herbalanzierend, erschien Taka, dem auf dem Fuße, -nicht minder weiß gekleidet, mit einem Gesicht, das den Stempel des -Verantwortlichkeitsgefühls trug, Joseph mit dem zweiten Gange, Huhn mit -Kartoffelpüree, folgte. - -Taka, voll Eifer, bemerkte nicht, daß sein schwarzer Daumen ein warmes -Bad in der delikat aussehenden Schildkrötensuppe nahm und von meinem -Mann »zart« darauf aufmerksam gemacht, traf ihn ein entrüsteter, -vernichtender Blick Josephs, der sich ein derartiges Benehmen anscheinend -einfach nicht erklären konnte und seinerseits, in diese schwarze Tat -Takas voll Kummer vertieft, vergaß, die Finger von den frisch hingesetzten -Tellern zu nehmen, so daß uns seine Fingerabdrücke entgegenleuchteten, -die sicher der Stolz jedes Kriminalbeamten gewesen wären. Zum ersten -Male stiegen mir an jenem Abend leichte Zweifel ob des »Abfärbens« der -schwarzen Rasse auf. - -Nun, das Essen war vorzüglich zubereitet, und mit etwas gutem Willen war -es mir auch möglich, alle »schwarzen« Gedanken zu bannen und es mir -schmecken zu lassen. - -Joseph hatte, da er die Verhältnisse gerade Mujukas, aus seiner früheren -Tätigkeit her kannte, bei einem dort wohnenden Freund ein Huhn und eine, -irgendwo mit Bindfaden in der Hütte festgebundene Schildkröte erworben. - -Nach dem Essen setzten wir uns unter das Vordach unseres Zeltes und -plauderten, gemütlich in unsern Liegestuhl zurückgelehnt, über das -zurückgelegte Stück unserer Hochzeitsreise. - -Bald auch hörte unser Plaudern auf und träumend genossen wir den -unbeschreiblich schönen Tropenabend. Leider war es noch einige Tage bis -zum Vollmond, aber ich konnte mir schon einen kleinen Begriff machen von -der großen Schönheit einer tropischen Mondnacht. Nichts regte sich, -nur aus der Ferne drang der Schlag der Palavertrommel, sowie der monotone -Gesang unserer Träger, die wir in einem benachbarten Dorfe untergebracht -hatten, zu uns herüber und ließ die Nähe menschlicher Wohnungen -vermuten. Eine unendlich weiche Luft umfächelte uns, und ich dachte -unwillkürlich an unser, jetzt sicher so naßkaltes Hamburg, wo man sich -schon mit den Pelzen schmückt. - -Auch der Feuermann hatte bereits seine Arbeit begonnen und eilte von einem -lodernden Holzstoß zum andern, um immer wieder zu schüren und ihm neue -Nahrung zuzuführen. Welch ein herrliches Schauspiel war es, in der ruhigen -Nacht zu beobachten, wie jedesmal, wenn der Feuermann neues Holz auflegte, -ein Funkenregen gen Himmel stiebte, der, gleich einer Rakete, dann wieder -langsam in sich zusammensank. - -Joseph war eifrig in seiner Küche beschäftigt, das Geschirr zu säubern -und alles für den nächsten Morgen, wo wir unsere Reise zu Fuß fortsetzen -wollten, vorzubereiten. Taka packte die abgelegten Kleider in den -Wäschesack, legte geschickt die am nächsten Morgen benötigten Kleider -auf das Moskitonetz unserer Betten, und als sie beide ihr erstes Tagewerk -bei ihrem alten »Master« beendet hatten, baten sie um die Erlaubnis, -uns erzählen zu dürfen, wie es ihnen in der Zeit der Abwesenheit meines -Mannes ergangen sei. Ich konnte mich schon recht gut mit den beiden -Hausgeistern verständigen, dank der Bemühungen meines Mannes, mich recht -eingehend in das fast undurchdringliche Pigeon-Englisch einzuweihen. Jeder -hatte natürlich wenig lichte Tage erlebt, denn intensives Arbeiten ist -nicht immer Sache der Neger. Am meisten schien sich Joseph zu freuen, daß -sich sein alter Meister nun sein Weib mitgebracht hatte und gab dieser -Freude dadurch Ausdruck, daß er uns am Abend mit einer Tasse Tee und ich -muß sagen, einem wirklich wohlgelungenen Pudding überraschte. - -Noch einmal ermahnte mein Mann den Feuermann, der mit einem Knüppel -bewaffnet, jetzt vor den Feuern hockte und träumend in die rote Glut -starrte, ja nicht zu schlafen und wir zogen uns in unser Zelt zurück. - -Einzelne Moskitos schwärmten im dunklen Zelte herum, doch wir hatten ja -Chinin geschluckt -- was ich übrigens nicht sonderlich schätzte -- und -konnten beruhigt sein. - -Lange lag ich noch wach, alle bisher erlebten Tage an meinem geistigen -Auge vorüberziehen lassend und dankte dem Himmel für die Schönheiten -und Reize die er mir auf meiner Hochzeitsreise bisher geboten, bis auch -ich schließlich, eingeschläfert durch das Knistern der brennenden -Holzscheite, Gott Morpheus in die Arme sank. - -Doch unsere Nachtruhe sollte nicht lange ungestört sein, scheinbar sollte -ich die »Schönheiten« der Tropenlande mit allen Finessen kennen lernen. - -Ein furchtbares Schreien und energisches Rütteln am Zelte schreckte mich -auf und entsetzt sprang ich hoch, glaubte ich doch nicht anders, als daß -wir überfallen worden seien. Ein schwarzes, ängstliches, durch die Glut -der Lagerfeuer geisterhaft beleuchtetes Gesicht steckte sich durch den -Spalt des Zeltes, so daß ich entsetzt aufschrie, glaubte ich doch, noch -schlafbefangen, daß es der leibhaftige Teufel sei. Doch es war nur der -harmlose Feuermann, der ununterbrochen ein ängstliches »Anch, Massa, Anch -life« rief. So sehr ich auch mit Blitzeseile mein Gedächtnis nach dem -mysteriösen Wort »Anch« durchforschte, ich konnte beim besten Willen -nichts finden, was einem solchen auch nur ähnlich gewesen wäre. Mein -Mann, der nun endlich auch aus seinem gesegneten Schlaf aufgewacht war, -drehte sich, nachdem er den Feuermann etwas energisch angehaucht hatte und -dieser blitzschnell verschwand, ganz ruhig im Bette herum und erklärte -mir, daß Ameisen unser Lager überfallen hätten. Ich zog mich schleunigst -wieder ins Bett zurück, wurde ich doch schon von einigen kleinen -Quälgeistern energisch gezwickt. Das ganze Zelt, sowie das Moskitonetz -waren mit Ameisen besät. Nur der Vorsicht meines Mannes, beim Zubettgehen -das Moskitonetz sorgfältig unter die Matratze zu stopfen, war es zu -danken, daß mein Mann, obwohl mitten in einem Ameisenhaufen, von diesen -kleinen Räubern verschont blieb. Durch meine Unvorsichtigkeit, sofort auf -das Geschrei des Feuermannes hin, aus dem Bett zu springen, hatten es sich -die Ameisen natürlich bereits in meinem Bett heimisch gemacht und ich -hatte das Vergnügen, jede einzeln, nachdem sie mich an irgend einem Teile -des Körpers gehörig gezwickt hatte, zu fassen und hinauszubefördern. - -Ich hatte wirklich von der ersten Nacht im Zelte genug und wäre am -liebsten nach der Küste zurückgekehrt, wo man doch wenigstens vor diesem -kleinen Viehzeug sicher war und nicht noch obendrein vom Manne ausgelacht -wurde, wie es mir armen Unglückswurm erging. - -Joseph hatte inzwischen unsere Trägerkolonne alarmiert, die der kleinen -Räuberbande energisch zu Leibe ging. - -Drei bis vier Neger öffneten die Rück- und Vorderwand unseres Zeltes und -begannen mit aus Palmenwedeln gefertigten, brennenden Besen die Ameisen zu -verbrennen, während die übrigen Leute glimmende Scheite vom Lagerfeuer -holten und durch Abklopfen der glühenden Kohle die Ameisen zum Rückzug -nötigten. Meinem Manne bereitete der kleine Überfall scheinbar viel -Vergnügen, während ich heillose Angst hatte, daß durch das unvorsichtige -Umgehen der Neger mit den brennenden Fackeln unser Zelt und vor allem das -Bett Feuer fangen könnte. Doch keines von beiden trat ein. Vereinzelt -liefen noch einige dieser »lieben Tierchen« (sogenannte Dickköpfe) im -Zelte herum. - -Mein Mann machte mich auf den völlig geordneten Abzug der kleinen -Räuberbande aufmerksam. Zu Tausenden und Abertausenden zogen sie, die -großen Ameisen (Dickköpfe) an den Seiten Spalier bildend, die kleineren, -gemischt mit einigen führenden Großen, in einem zirka zwei bis drei -Zentimeter breiten Streifen ab. Als der Zug zu Ende war, schlossen sich -auch die Dickköpfe, die Spalier gebildet hatten, an. - -An Schlaf war meinerseits nicht mehr zu denken, denn das gellende Geheul -des Feuermanns und der Anblick seines feurigen Gesichtes war denn doch -zu stark in die Glieder gefahren. Aber mein Mann, der an derartige -Überraschungen gewöhnt zu sein schien, verriet bald durch ein intensives -Schnarchen die Fortsetzung seiner Nachtruhe. - -Da, endlich ertönte die kleine mitgenommene, von Joseph geschlagene -Palavertrommel, deren Schall für die Träger das Wecken bedeutete. Wir -kleideten uns rasch an und wer beschreibt mein Erstaunen, als ich, ins -Freie tretend, unseren Tisch mit richtiggehenden Weißbrötchen, Kaffee und -einem Teller Hafergrütze gedeckt fand. Ohne daß mein Mann nur ein Wort -gesagt hätte, hatte sich Joseph all der kleinen Liebhabereien meines -Mannes wieder erinnert und es schien ihm große Freude zu machen, recht zu -unserer Zufriedenheit zu arbeiten. - -Joseph meldete, daß die Ameisen sich an der versehentlich offen gelassenen -Zuckerdose und dem restlichen Pudding weidlich gelabt hätten und bat sich -die Erlaubnis aus, dem Feuermann, der durch sein Schlafen den Ameisen den -Einzug in unser Lager ermöglicht hatte, eine Ohrfeige geben zu dürfen. -Die Erlaubnis erhielt er und setzte sie auch sofort, und zwar sehr -energisch, in die Tat um. Ja, Joseph hielt auf Disziplin in der Kolonne. - -Na, wenn der räuberische Überfall nicht mehr Materialschaden brachte, war -er wohl zu ertragen. - -Während wir den Morgenkaffee einnahmen, wurde mit staunenswerter -Geschwindigkeit das Zelt abgebrochen, jeder schnürte sich seine Last zum -Tragen fertig, und nachdem das Geschirr verpackt war, setzten wir uns auf -unsere Pferde und ritten in den halbdunklen Urwald hinein. - -Es war ein ganz wonniger Morgen. Wie tausend Diamanten funkelten die -Tautropfen an allen Gräsern und Zweigen in den mühsam durch das Dickicht -brechenden Sonnenstrahlen. In vollen Zügen atmeten wir die frische, -würzige Morgenluft ein; jubelnde Freude erfüllte meine Brust und -vergessen waren die kleinen Unannehmlichkeiten der vergangenen Nacht. Der -erste Tag im Urwald vom einzigschönen Kamerun nahm mich derartig gefangen, -daß ich am liebsten ein Lied angestimmt hätte, ein frisches, fröhliches -Wanderlied mit all den lieben, kleinen, gefiederten Sängern, die alle -schon ihr Sangespensum erledigten, um die Wette. Doch auch unsere Kolonne -war nicht stumm, ein rhythmisches monotones Singen begann, dessen Eigenart -mich fesselte. Einer der Reserveträger sang, vor der Kolonne hertanzend, -das Lied vor und die anderen stimmten später kräftig ein, gerade als wenn -es der Refrain wäre, den sie mitsangen. - -Joseph bildete den Schluß, damit nicht einer der Träger mit seiner Last -hinter der Reihe zurückblieb, denn nichts ist unangenehmer, als wenn man -im nächsten Tageslager angekommen, sein Zelt aufschlagen will und eine -Last fehlt. - -Man kann sich, wenn man es nicht selbst erlebte, keinen Begriff von der -imponierenden Schönheit des tropischen Urwaldes machen. - -Mächtige Baumriesen von dreißig bis fünfzig Meter Höhe und fast -unglaublichem Durchmesser sind von kleineren Bäumen und tausend -verschiedenartigen Schlinggewächsen, rankenden Farren und sonstigen -Schmarotzern umgeben und überwuchert. Staunend bewunderte ich die -üppige Vegetation, die seltenen, niegesehenen Blumen, das in allen Farben -schattierende Grün der einzelnen Schlinggewächse. Man sah es, hier war -der Kultur noch keine Macht gegeben, einzudringen, stolz und frei sproß -und wucherte alles in üppigster Selbstverständlichkeit durcheinander, -sich im Kampf um einen Lichtstrahl eng umschlingend, so daß man keinen -Meter breit das geheimnisvolle Dunkel des ewiggrünen Urwaldes mit den -Blicken durchforschen konnte. - -Nichts verriet ein Welken oder Sterben! - -Hoch in den Wipfeln der Bäume tummelten sich die bisher nie gesehenen, -unzähligen, farbenprächtigen Vögel, ein Singen, Klingen, Geschrei und -Gekrächze erfüllte die Luft, das mein Herz immer höher schlagen ließ. -Einer unserer Träger machte uns auf einige Äffchen, welche in den -Kronen der Bäume fressend saßen, aufmerksam. Doch leider ergriffen die -possierlichen Tierchen bei unserem Anblick ängstlich die Flucht. - -Wir marschierten nicht auf der ausgebauten Regierungsstraße, sondern auf -Umwegen unserem Tagsesziele zu, denn ich wollte den Urwald richtig kennen -lernen. - -Wurzeln und bloßgewaschene Steine bedeckten den zirka dreißig -Zentimeter breiten Negerpfad, und erst jetzt konnte ich mir die großen -Schwierigkeiten vorstellen, die mit einer Erkundung von Eisenbahnen im -afrikanischen Urwald verbunden sein mußten. Einige quer über den -Weg liegende armdicke Bäumchen waren von den vor uns marschierenden -Reserveträgern fortgeräumt, dicke, anderthalb bis zwei Meter im -Durchmesser fassende Baumriesen mußten umgangen werden. Die kleinen -Flüßchen, die ohne Brücke waren, wurden durchwatet. - -Plötzlich stutzte das Pferd meines Mannes, der voranritt, und blieb mit -zitternden Flanken stehen. Selbst unter Zuhilfenahme der Sporen war es -nicht möglich, das nervös trampelnde Tier vorwärts zu bringen. Die -Träger, die dadurch ins Stocken kamen, wunderten sich einen Augenblick, -um im nächsten Moment, den Blick nach oben richtend, auf eine vom Baum -herabhängende, vier bis fünf Zentimeter dicke, zirka vier Meter lange -Schlange zu zeigen. Ein wohlgezielter Schuß aus der Büchse meines Mannes -bringt den Feind zur Strecke, und beruhigt wiehernd setzte das Pferd seine -Wanderung fort. Die Unvorsichtigkeit meines Mannes, gleich vom Pferde aus -zu schießen, brachte ihm, durch eine schnelle Rückbewegung des Pferdes, -eine kräftige Ohrfeige vom Gewehre ein. - -[Illustration] - -Nach zweistündigem Marsch kamen wir in einen mit zirka fünfzig Zentimeter -langem Gras bedeckten freien Platz, wo mein Mann vor zirka fünf Jahren -bei der Vermessung der Kamerun-Nordbahn sein Lager errichtet hatte. Einige -eingerammte Pfähle und darüberliegende Knüppel, sowie einige von Wind -und Wetter zerfetzte Palmenmatten waren die Überreste des ehemaligen -Lagers. Wir rasteten kurze Zeit und setzten dann unsere Wanderung fort. - -Mittlerweile war auch die Sonne recht hoch gestiegen und entlockte mir, -trotzdem ich noch immer ritt und ganz leicht gekleidet war, so manchen -Seufzer und manches Tröpflein Schweiß, so daß ich froh war, als wir -gegen vier Uhr nachmittags unser nächstes Tageslager _Lum_ erreichten. - -Wir hatten, selbst nach Ansicht meines Mannes, eine für die Tropen ganz -vorzügliche Tagesleistung hinter uns. - -Hier wurde wieder Lager aufgeschlagen und der Abend von gestern wiederholte -sich naturgetreu, mit Ausnahme des kleinen Überfalles. Joseph begann -sofort der Schlange »das Fell über die Ohren zu ziehen« und schnitt -deren Leib, ohne Rücksicht auf die Eingeweide, in gleich große Stücke, -die er unter die Träger verteilte. Eiligst liefen diese nach ihren -Unterkunftshütten, wo -- wie wir uns am Abend überzeugten -- dieser -»Leckerbissen« mit einer unglaublichen Menge Bananen resp. Planten in die -unergründlichen Negermagen verschwand. I gitt! I gitt! Den gleichen Weg -nahm ein Hundsaffe, den mein Mann noch geschossen hatte. Die Schlangenhaut -wurde mit kleinen, selbstgefertigten Holzstiftchen auf zwei Palmenrippen -aufgezweckt, mit Alaun eingerieben und zum Trocknen ans Lagerfeuer -gestellt. Auf gleiche Weise wurde das Affenfell präpariert. - -Auch heute hatte Joseph wieder mit einer kleinen Überraschung aufzuwarten. -Er hatte unterwegs einige Mangopflaumen gekauft und davon, unter -Vermischung von Bananen und Ananas ein sehr schmackhaftes Kompott -zubereitet. Ananas stand überhaupt täglich auf der Speisekarte. Ferner -servierte er ein junges Gemüse, was er aus zarten, in kleine Stücke -geschnittenen Graskolben, nach Art unserer jungen Erbsen, vorzüglich -zubereitet hatte. - -Todmüde sank ich nach einem kurzen Plauderstündchen auf mein Lager und -schlief fest und traumlos nach dem anstrengenden Tagesritt bis zum Wecken, -wo ich mich erfrischt und neugestärkt erhob. - -Heute marschierten wir bis nach Nlohe, was bereits 600 Meter über -dem Meere und bei 115 Kilometer der Nordbahn an den Ausläufern des -Menengubagebirges liegt. - -Die üppige Urwaldvegetation wurde hier bereits durch einige -kilometerlange, mit vier bis fünf Meter hohem, fingerdicken Elefantengras -bestandenen Flächen unterbrochen, die die Ausläufer des Graslandes, -in welches wir nun allmählich einmarschierten, bildeten. Von hier aus -benutzten wir wieder die Bahn, um sie in Manengoteng wieder zu verlassen. -Auch hier machten wir nicht von dem dargebotenen Gastrecht Gebrauch, -sondern marschierten einige Kilometer zurück und schlugen direkt an der -alten Karawanenstraße an den zirka 10 Meter hohen Fällen des Dibombe -unser Lager auf. - -Entzückt stand ich still und konnte den Blick nicht losreißen von -den ungeheuren, schaum- und gischtgekrönten Wassermassen, die sich mit -donnerndem Getöse in die Tiefe stürzten, unaufhörlich, rastlos! Fast -unmöglich war es, sich bei dem ungeheuren Lärm zu verständigen, doch wir -gewöhnten uns sehr bald an das ununterbrochene Rauschen des Dibombe und -waren hochbefriedigt von unserem idyllisch gelegenen Lagerplätzchen. -Interessiert betrachtete ich die aus Baumstämmen und Knüppeln, verbunden -durch Rotang (Lianengewächs) hergestellte Brücke; gewiß ein Kunstwerk -der Technik im afrikanischen Urwald! - -Den Häuptling von Manengoteng hatte mein Mann angewiesen, daß er -Verpflegung für die Träger, sowie ein Schaf, einige Eier und Ananas für -unsere Küche bringen sollte und nach einigen faulen Ausreden erklärte er -sich dann auch bereit, den gewünschten shop zu bringen. - -In Begleitung von fünfzehn bis zwanzig seiner Dorfgetreuen und Frauen, -die mich mit unverhohlenem Erstaunen und großem Interesse recht eingehend -begafften, brachte er dann auch wirklich die Verpflegung für unsere -Leute; ein sehr schönes Mutterschaf für uns, und mit verschämtem -Grinsen überreichte er mir persönlich ein Huhn und ein kleines, mit Eiern -gefülltes Körbchen. Als Bezahlung erhielt er den ortsüblichen Satz von -sieben Mark für das Schaf, außerdem fünf Het, das sind fünfundzwanzig -Blatt Tabak, und aus der unergründlichen Rumflasche er zwei und seine -Begleiter je ein Gläschen. Es wunderte mich, daß er das Glas auf einen -Zug leerte und den scharfen Traderum in dieser Menge seinem Magen anbot. -Doch der alte Genießer ging noch weiter, er behielt den »Schluck« im -Munde und spülte, den Kopf schüttelnd, sich auch noch den Mund damit -aus, bevor er das edle Naß hinunterschluckte. Die gleiche raffinierte -Genußsucht zeigten seine Begleiter. - -Befriedigt über das Ergebnis seines Handels zog er sich in sein Dorf, wo -auch unsere Träger untergebracht waren, zurück. - -Inzwischen hatte Joseph bereits unserem Schäflein das Lebenslicht -ausgeblasen und am Abend servierte er Hammelkeule mit grünen Bohnen -(Konserven). Joseph wollte sich vor mir als durchaus perfekter Koch zeigen -und hatte zum Nachtisch Krapfen gebacken, sowie eine gute Tasse Kakao -gekocht. - -Meine lächelnde Frage, ob die Krapfen in »Affenfett« gebacken seien, -wies er beleidigt zurück, sah dann aber an meinem Appetit, daß ich nur -gescherzt hatte. - -Mein Mann hatte mir oft in der Heimat von den Kochkünsten seines für -ihn unentbehrlich gewordenen Joseph erzählt, und ich kann heute die -Schilderungen schon zum größten Teil bestätigen. - -Lustig loderten und knisterten die um unsere »Behausung« angelegten -vier Lagerfeuer und wir fielen bald, nachdem wir die wichtigsten -Tagsesereignisse notiert hatten, durch das Rauschen des Dibombe und die -vom tosenden Wasserfall gespendete Kühle sanft eingelullt, in einen tiefen -Schlaf. - -Durch den alles übertönenden Lärm der abstürzenden Wassermassen und -durch den uns umgebenden Urwald am Fernblick behindert, hatten wir nicht -wahrgenommen, daß im Westen eine dicke, schwarze Gewitterwand sich -auftürmte und dank der ausnahmsweisen Wachsamkeit des Feuermannes wurden -wir vor unfreiwilligen Flugversuchen bewahrt. - -Ein furchtbarer Sturm brach los. Dürre Äste fielen laut krachend um -unser Zelt herum zu Boden und der Feuermann begann bereits die glimmenden -Holzscheite der Lagerfeuer, die einen mächtigen Funkenregen verursachten, -auseinanderzuziehen, denn er sah das Zwecklose seiner Bemühungen, -weiterhin ein Lagerfeuer unterhalten zu können, ein. In wenigen -Augenblicken prasselte der Regen in Strömen hernieder, der jedoch dank der -um das Zelt angelegten vielen Wassergräben unsere Behausung, wenigstens -von unten her, trocken ließ. Blitz folgte auf Blitz und Donnerschlag auf -Donnerschlag. Fast ununterbrochen war unser Zelt taghell erleuchtet, und -ich mußte die Augen schließen vor der blendenden weißglühenden Helle -der tropischen Blitze. Unheimlich wurde mir in unserem engen Zelt -zumute, doch es gab keine andere Möglichkeit, als ruhig im Bett liegend, -auszuharren, bis der Tornado vorüber war. - -Noch nie hatte ich ein derartiges Gewitter erlebt. Was waren selbst -die strengsten Gewitter in der Heimat gegen dies Toben der entfesselten -Elemente, diesen Aufruhr der Natur in den Tropen, das blitzte, krachte, -sauste, rüttelte an unserem Zelt, daß ich glaubte, der Untergang der Welt -sei gekommen. - -Joseph, der die Unerbittlichkeit meines Mannes, während der ganzen Nacht -ein Lagerfeuer zu unterhalten, kannte, hatte vor Beginn des Regens so viel -Holz als möglich durch die Träger in die Hütten schaffen lassen. Er -selbst harrte mit uns im Zelte aus. - -Da plötzlich schien die elementare Gewalt noch ein letztes Mal mit dem -Rest ihrer gewaltigen Kräfte einzusetzen, dem selbst einige Stricke -unseres Zeltes nicht standhielten, so daß die eine Hälfte einfach -zusammenklappte. - -Wieder war es Joseph, der in Gemeinschaft mit dem Feuermann, welcher unter -dem Sonnensegel Schutz gesucht hatte und durch das Zusammenklappen des -Zeltes ein unfreiwilliges, zu seinem größten Leidwesen recht ergiebiges -Bad genommen hatte, bei strömendem Regen unter Blitz und Donner die -Zeltstricke an in der Nähe befindlichen Bäumen festband. Eine kleine, -kalte Douche hatten wir jedoch auch mit abbekommen. - -Die Gewalt des Tornado war jetzt gebrochen, und man hörte nur noch das -monotone Rauschen des Wasserfalls und den langsam schwächer werdenden -Donner des abziehenden Gewitters, begleitet von starkem Wetterleuchten. - -Die beunruhigte Natur brachte uns auch endlich für den Rest der Nacht in -der angenehmen Kühle und erfrischenden, gereinigten Luft den ersehnten, -erquickenden Schlaf. - -Wir öffneten unser Zelt an den beiden Stirnseiten und ließen uns von der -frischen Nachtbrise in den Schlaf fächeln. - -Am andern Morgen brachen wir in aller Frühe unsere Zelte ab, riefen -dem Wasserfall ein letztes Lebewohl zu und marschierten bis zur Station -Manengoteng, wo Joseph mit den Trägern das Verladen unserer Lasten -vornahm, während wir zu Pferde, begleitet von acht Trägern mit etwas -Verpflegung und einer aus zwei Reisesäcken und zwei armdicken Knüppeln -gefertigten Hängematte bis zur nächsten Station, Ndunge, durch den -herrlichen Urwald, der uns heute, nach dem erfrischenden Tornado viel -schöner erschien als bisher, ritten. - -Schwierig gestaltete sich die Überquerung eines mittleren Nebenflusses -des Dibombe, dessen Brücke, welche aus mehreren über den Fluß gelegten -Baumstämmen und darüber geschnürten Knüppeln bestanden hatte, vom -gestrigen Tornado fortgerissen war. An einer seichten Stelle (Furt) wurde -die Durchquerung vorgenommen. Unsere wenigen Lasten, die bisher auf dem -Rücken getragen worden waren, mußten auf den Kopf genommen werden. -Rasch entledigten die Neger sich ihres einzigsten Kleidungsstückes, des -schmutzigen Lendenschurzes, dem eine innige Berührung mit dem Wasser -absolut nichts geschadet hätte, und bis unter die Arme im Wasser stehend, -das Gesicht der nicht schwachen Strömung zugewandt, waren bald sämtliche -Träger am andern Ufer des Flusses angelangt. Mein Mann, dem ein derartiges -Durchqueren nichts Neues war, schwamm direkt mit dem Pferde durch. Für -mich ließ er die »Hängematte« bringen und darin liegend, wurde ich auf -den Köpfen unserer lieben, schwarzen Brüder durch den Fluß getragen. -Sehr behaglich fühlte ich mich in diesem provisorischen Traggerüst -allerdings nicht, am meisten nervös machte mich das andauernde Geschrei -und Zurufen der sich vorsichtig vorwärts tastenden Träger. - -[Illustration] - -Nachdem wir auch dieses Hindernis genommen hatten, ritten wir durch die, an -den Ufern des Dibombe, der sich hier zwischen Felsblöcken hindurchwindet, -gelegenen Bananenhaine, in deren Hintergrund der Urwald, streckenweise von -Grasflächen unterbrochen, in seiner alten Pracht grünte. Das Gekrächze -der Papageien und der Ruf des Turakos, sowie das Murmeln des eilig zu Tale -fließenden Dibombe unterbrachen die lautlose Stille des Urwaldes. - -Auf einem vom Sturm entwurzelten Urwaldriesen ließen wir uns nieder und -von Taka den mitgenommenen Mundvorrat auftischen, welcher bis auf eine -kleine eiserne Portion, die für alle Fälle unberührt blieb, verzehrt -wurde. - -Von Ferne vernahm man das Stöhnen und Krächzen der Eisenbahn, die gerade -an dieser Stelle die sehr steilen Hänge des Manenguba-Gebirges in kurz -gewundenen Serpentinen, mehrere Male den Fluß kreuzend, hinaufkeucht. Wir -ließen den Zug an uns vorüberfahren und Joseph, der mit den restlichen -Trägern auf dem mit unseren Lasten beladenen Wagen thronte, schwenkte, zum -Zeichen, daß in der Kolonne alles in Ordnung sei, fast kameradschaftlich -die Mütze. - -Nach weiterem, dreistündigen Marsch durch die endlosen Grasflächen, die -wir auf engen, ausgetretenen, zirka 30 Zentimeter breiten Negerpfaden, zu -deren beiden Seiten das bis fünf Meter hohe Elefantengras wogte und keinem -Lüftchen Zutritt zum Wege gestattete, durchquerten, zogen wir endlich in -Ndunge ein. (Das vorläufige Ende der Kamerun-Nordbahn ist Nkongsamba.) -Hier sahen wir zum ersten Male größere Herden Kleinvieh und eine, -scheinbar mit Verständnis aufgenommene Hühnerzucht. - -Nachdem wir etwas außerhalb des Dorfes einen Platz von Gras und kleinem -Buschwerk befreit und darauf unser Lager aufgeschlagen hatten, erschien -auch schon der Häuptling mit Verpflegung für die Leute und einigen Ananas -und Popeias für uns. - -Das Häuptlingsgehöft Ndunge bestand aus zweiundzwanzig, in einer Linie -längs der Straße aufgebauten Mattenhäusern und kennzeichnete eine -gewisse Wohlhabenheit seines Besitzers. - -Für jedes Weib, welches sich der Häuptling neu erwirbt, läßt er von -den Getreuen seines Dorfes ein neues Mattenhaus errichten. Der Häuptling -selbst stand in den besten Jahren, und wir wunderten uns über die vielen -alten Frauen, die in seinen Gehöften untergebracht waren. Er erzählte uns -auf Befragen, daß sein Vater vor zirka fünf Jahren gestorben sei und -ihm seinen ganzen Reichtum, in Gestalt von fünfzehn Frauen, als Erbe -hinterlassen hätte. - -Der Platz zwischen Gehöft und Straße war sauber mit kleinen Büscheln -von Zitronengras (Fiebergras) eingefaßt und in der Mitte dieses Platzes -standen einige herrliche Orangen- und Mangopflaumenbäume. Eine stattliche -Herde Schafe und Ziegen waren hinter dem Gehöft in einer Hürde -eingesperrt. - -Wir hatten allmählich unsere Decken hervorsuchen müssen, denn es war -in den Abendstunden schon recht frisch, so daß man sich, im Langstuhl -sitzend, eine Decke über die Knie legen mußte. - -Nachdem mein Mann den Häuptling für die gebrachte Verpflegung scheinbar -recht gut bezahlt hatte, brachte er uns am Morgen vor unserem Aufbruch -noch einige Hühner, die mit zusammengebundenen Füßen und über dem Arm -getragen, mitgenommen wurden. - -Hier sollte, da wir uns doch bald am Endziel unserer Reise nach Norden -befanden, das in Duala eingekaufte Hängekleid ein würdiger Sold für -das Entgegenkommen des Häuptlings sein. Mit vor Freude glänzenden Augen -überreichte er seinem Lieblingsweibe das Kleid, welches laut klatschend -alle ihre Mitfrauen herbeirief, um uns nach dem Klang der Palaver- und -Playtrommeln, die von den Männern geschlagen wurden, unter rhythmischem -Händeklatschen einen Abschiedstanz aufzuführen. Als wir unsere Pferde -bestiegen hatten, drückte der Häuptling uns kameradschaftlich die Hand -und unter lautem Zurufen und Gejohle der Bewohner galoppierten wir zum -Gehöft hinaus. - -Weiter ging es durch endloses Weideland, welches durch das letzte Abbrennen -nur mit ganz jungen Grasspitzen bestanden war, auf der schön ausgebauten -Regierungsstraße zunächst nach dem Posten Bare, wo wir auch unsere -Trägerkolonne einholten. - -Hier sahen wir zum ersten Male an Stelle der Mattenhäuser aus den Halmen -des Elefantengrases hergestellte Hütten. - -Nach kurzer Rast zogen wir, nach weiterem, dreistündigen Marsch in das -deutsche Gehöft der Gebrüder H. ein. - -Freundlich von den Besitzern empfangen, ließen wir die Pferde in den Stall -bringen und in kurzer Zeit saßen wir, fröhlich von der Heimat plaudernd, -mit den beiden, von der Tropensonne gebräunten Farmern beim Essen. Dann -zeigten sie uns ihre stattlichen Rindvieh-, Schaf- und Ziegenherden, -sowie die Schweine und am Schlusse eine, in bescheidenen Grenzen -gehaltene Pferdezucht. Fern von jeder menschlichen Niederlassung auf einem -erloschenen Krater, die in jener Gegend nichts Seltenes sind, hatten sie -ein recht stabil gebautes, mit Matten eingedecktes Wohnhaus errichtet, dem -sich, ein Geviert bildend, die Ställe und Scheunen anschlossen. Vor dem -Gehöft war ein großer Komplex urbar gemacht und mit Kartoffeln bepflanzt, -während zu beiden Seiten herrliche Bananen- und Plantenhaine, leicht -von der wohltuenden Brise bewegt, standen. Auch Mais und Makavos, die -hauptsächlich als Futter dienten, erbauten sie. Die innere Ausstattung des -Wohnhauses war den afrikanischen Verhältnissen angepaßt und wir freuten -uns, nach den vielen Tagen der Reise wieder einmal ein festes Dach über -unserem Haupte zu haben. Allerdings reichten für die bis heute erklommene -Höhe (1100 Mtr.) unsere mitgebrachten Decken nicht aus, denn die -Temperatur sank bereits in den Abendstunden recht tief. - -Der nächste Tag war der von den Trägern, und ich muß sagen, auch für -uns innig herbeigesehnte Rasttag, denn in Afrika marschiert man für -gewöhnlich höchstens fünf Tage, um am sechsten einen Ruhetag zu machen. - -Während ich nach einem langen, bis tief in den Morgen hineinwährenden -Schlaf gemütlich durch die Farm bummelte und alles nochmals interessiert -betrachtete, ging mein Mann mit den beiden Besitzern auf Jagd und brachte -aus der sogenannten Kornkammer, einer verlassenen Kassadafarm, neun Stück -Buschhühner und fünf Tauben mit nach Hause, die wir uns am Mittag, durch -die Hand des schwarzen Kochs schmackhaft zubereitet, munden ließen. - -Am Nachmittag ritten wir noch nach dem in der Nähe gelegenen Dorfe -Mboénda, wo mein Mann früher einmal sein Lager für längere Zeit -aufgeschlagen hatte. Leider war der Häuptling an den Folgen einer -Dysenterie gestorben, doch die anderen Bewohner, die meinen Mann -wiedererkannten, freuten sich über unser Kommen und beschenkten uns mit -Hühnern und Eiern. Da wir nur einige Het Tabak bei uns hatten, zahlten wir -mit diesen. - -Um den Nachmittag gut auszufüllen, zeigte mir mein Mann noch die über den -Nkam führende, kunstgerecht aus fingerdicken Rotang-Lianen hergestellte, -den ganzen zirka sechzig Meter breiten Fluß überspannende Hängebrücke -bei Nkongsam. Unterhalb dieser Brücke stürzt sich der Nkam 40 Meter -über vorspringende Felsen in die Tiefe und jeder, der beim Überschreiten -der Hängebrücke einen Fehltritt tut, wäre dem sichern Tode geweiht. - -Nachdem wir dieses herrliche Naturschauspiel bewundert hatten, ging's im -flotten Trabe heim. An das Durchreiten der zu durchquerenden Flüsse -hatte auch ich mich schon gewöhnt, so daß wir bald wieder in der Farm -anlangten, noch ehe die Nacht ihre Schatten auf die Erde senkte. - -Am nächsten Morgen ließ Josef, wie an Marschtagen üblich, bereits im -Dämmern des kommenden Tages, das sich in Afrika innerhalb einer halben -Stunde von der Nacht bis zum völligen Sonnenaufgang vollzieht, unsere -Lasten in Reih und Glied vor dem Hause auflegen. - -Als wir nach kurzem Frühstück aus dem Hause heraustraten, bot sich uns -wieder ein eigenartiges gewaltig-schönes Schauspiel. - -Wer beschreibt die Schönheit des in scheinbarer Eile hinter den Bergen -emporsteigenden Glutballes! - -Erst ein ganz leichter goldiger Schein, der sich bald in ein purpurnes Rot, -durchzogen von gelben bis milchweißen Fäden, verwandelt, beleuchtet -die Sonne die ausgedehnten, saftig grünen Grasflächen mit ihren ersten, -wärmenden Strahlen und während wir uns von unseren liebenswürdigen -Gastgebern mit herzlichem Dank verabschiedet hatten, stand sie in voller -Pracht am Himmel. - -Nun traten wir den Marsch zur Küste an und marschierten vorläufig wieder -zu unserem Freunde von vorgestern, wo wir nach Übernachtung am nächsten -Tage die Bahn benutzen wollten, um sie in Mujuka wieder zu verlassen. - -Eine zauberhaft schöne Mondnacht senkte sich auf die leicht ausgekühlte -Tropenlandschaft nieder. Prächtig, in nie gesehenem Glanze, eine kolossale -Lichtfülle ausstrahlend, stand silberglänzend der Vollmond am Himmel. Die -Helligkeit war so groß, daß man nicht zu klein gedruckte Schrift bequem -im Mondlicht lesen konnte. - -Nicht sattsehen konnte ich mich an der Schönheit der im magischen, weißen -Lichte daliegenden Landschaft. Ich muß sagen, daß mir die Eigenart der -tropischen Lande noch unendlich anziehender erschien als im Sonnenglanz. - -Noch ganz versunken in die märchenhafte Schönheit des Abends, beachteten -wir kaum den erst schüchternen, dann immer stärker werdenden rhythmischen -Schlag der Palaver- und Play-Trommeln. Als auch noch Gesang, sowie -ein, diesen begleitendes Händeklatschen aus dem Dorfe zu unserem Lager -herüberdrang, machten wir uns auf, um dem Tanze -- denn ein solcher fand -nach den Angaben meines Mannes statt -- zuzuschauen. - -Männlein und Weiblein hatten sich auf dem Dorfplatze im Kreise -aufgestellt, hinter diesen, wohlgeordnet, die »Musikanten« und in der -Mitte des Kreises tanzten, ihre Schultern und Hände schwingend und den -Bauch schlangenartig im Kreise windend, zwei anmutige Negermädchen. Es ist -unbeschreiblich, mit welchem Feuer, jede Muskel einzeln bewegend, der Neger -sich dem Genusse des Tanzens hingibt. Schweißüberströmt drehten sich die -fast ganz nackten Körper im Mondlicht und ein wohlgelungener, graziöser -Sprung, der gleichzeitig das Ende der Partie bedeutete, brachte den -Tanzenden ein lebhaftes Gejohle und Händeklatschen als Lohn ein. - -Etwas abseits von dieser tanzenden Gruppe hatten die erwachsenen jüngeren -Männer einen Kreis gebildet. Ihre Musikinstrumente bestanden aus leeren -Kisten, Tonnen und zwei, anderthalb Meter im Durchmesser fassende, fünf -Meter lange, aus einem Baumstamm herausgeschnitzte Kriegstrommeln, die -kräftig mit Stöcken und Knüppeln bearbeitet wurden. Wenn die Frauen ihre -Tänze graziös ausführten, so kann man hier von einem wilden, jeglichen -Rhythmusses entbehrenden Springen der mit Tanzmasken geschmückten -Männer reden. Ganz ausnahmsweise große Sprünge wurden mit einem lauten, -zischenden »scht, scht« begleitet, welche Laute durch Ruten, aus den -Rippen der Raphiapalme hergestellt und durch die Luft geschlagen, erzeugt -wurden. - -Mein Mann verteilte einige Het Tabak und eine Flasche Rum, welche lauten -Jubel auslösten und die schwarze Gesellschaft zu noch groteskeren -Sprüngen veranlaßte. - -Müde des Schauens, zogen wir uns in unser Lager zurück, doch noch lange -floh uns der Schlaf, da das Gedröhne der Trommeln, die monotonen Gesänge, -unterbrochen von den schrillen Trillern und dem Aufjauchzen der Weiber, -unausgesetzt zu uns herübertönte. - -Es schien, als sollte ich, soviel als die Kürze der Zeit es erlaubte, -alles kennen lernen, was das Leben in den Tropen an Schönheiten und -Widerwärtigkeiten mit sich bringt. - -Wir ritten am nächsten Tage von Mujuka aus, wohin uns inzwischen die Bahn -gebracht hatte, nach den Kakaoplantagen in Mudame, wo uns der Leiter in -liebenswürdigster Weise die Kakaokulturen, sowie die Bearbeitung der -Früchte bis zur Verschiffung zeigte. In fröhlicher Gesellschaft einiger -älterer Angestellten verbrachten wir den Abend. - -Am nächsten Morgen mieteten wir uns drei große, zirka fünfzehn Meter -lange Kanoes, in die wir unsere Lasten verstauten. Das erste Kanoe, auf -welchem wir unsere Longchairs zwischen den Lasten eingebaut hatten, nahmen -wir in Beschlag. Zum Schutze gegen die Sonnenstrahlen ließen wir uns über -den Langstühlen ein leichtes Dach aus Palmenblättern aufbauen, so daß -wir im Genusse der durch die Fahrt erzeugten Brise blieben. Die zwei -anderen Kanoes wurden von den Trägern besetzt. - -In fröhlicher Fahrt ging es, durch die kräftigen Ruderschläge unserer -Pulljungs vorwärts getrieben, den Mungo hinunter. - -Leise stimmte einer der Neger ein Liedchen an, in das bald die andern -einfielen und nun wiederholte sich das auf dem Marsch bereits -Beobachtete, daß einer vorsang und die andern einfielen; im Takte mit den -Ruderschlägen. - -Zu beiden Ufern den Mungo, grüßte uns wieder der nie genug geschaute -imposante Urwald mit seinem, im herrlichen Tropenmorgen erwachenden -Leben. Papageien flogen kreischend von Baum zu Baum, Turakos ließen ihre -durchdringenden Schreie vernehmen und wir hatten das Glück, diesmal nicht -allzufern, einige niedliche Äffchen zu beobachten, welche, sich scheinbar -sehr sicher fühlend, uns neugierig betrachteten. Auf den aus dem Bett -herausgetretenen Sandbänken stelzten Reiher und andere Strandvögel, -munter pickend, einher. - -Unbeschreiblich schön und reizvoll ist so eine Fahrt auf dem Mungo! - -Doch, nichts ist vollkommen, und den Genuß dieser herrlichen Morgenfahrt -wußten uns hunderte von Moskiten, die uns an den freigelassenen -Körperstellen ganz zerstachen, zu schmälern. Doch als die Sonne höher -stieg und der leichte Nebel sich zerteilt hatte, ließen auch diese -Quälgeister nach und ein freier, klarer Ausblick bot sich uns nach vorn. - -Fast wie auf ein Kommando hielten unsere Pulljungs jetzt inne und zeigten -uns, auf einer Sandbank ruhend, ein Krokodil. Freudig überrascht, -verhielten wir uns ganz still und ließen das Kanoe durch die Strömung -treiben, steuerten dicht an die Sandbank heran und auf den Knien im Kanoe -liegend, schreckte mein Mann durch einen wohlgezielten Schuß aus seiner -Birschbüchse den Schläfer aus seiner Ruhe. Leider war für seine Größe -der Schuß zu wenig und ehe noch mein Mann das Gewehr repetieren konnte, -verschwand das Krokodil in den Fluten des Mungo, natürlich zum lebhaften -Bedauern unserer Träger, denen das Fleisch eine willkommene Beute gewesen -wäre. - -Nach einigen Stunden flotter Fahrt legten wir in Kotto, einem mächtigen -Negerdorf am Mungo, an. Unsere Träger hatten unsere Ankunft durch lautes -Hallern und Schlagen der Palavertrommeln, die wir stets mit uns führten, -bekannt gegeben und auf halbem Wege nach dem Dorfe kamen uns bereits der -Häuptling mit dem üblichen Anhang entgegen. Er machte zur Begrüßung -einen, allerdings unfreiwilligen, Knicks bis zur Erde (er war versehentlich -auf eine hervorstehende Wurzel getreten und ausgeglitten), was eine -allgemeine Heiterkeit der Anwesenden zur Folge hatte und ihnen einen -wütenden, strafenden Blick ihres Herrn und Gebieters eintrug; jedoch auch -wir konnten nur mühsam ein Lachen unterdrücken. - -Wir gingen mit ihm nach seinem Dorf und er bewirtete uns mit Palmwein, -einem unserem Most ähnlichen, leicht gegorenen, säuerlichen Getränk, -welches der Ölpalme abgezapft wird. Auch ließ er sofort im Dorfe Eier -zusammenholen und schenkte uns beim Fortgang das landesübliche Huhn. - -Wir hatten jeden Tag mindestens ein Huhn gegessen, teilweise, um keine -Fleischkonserven essen zu müssen, sogar zwei. - -Weiter ging's auf der meist spiegelglatten, nur hie und da durch quer im -Fluß liegende Baumstämme unterbrochenen Fläche des Mungo. An den uns -entgegenkommenden Kanoes, die mit Früchten und Tauschwaren beladen waren, -schoß das unsrige pfeilschnell vorüber und nur kurze Anrufe »woher! -- -wohin!« unterbrachen den monotonen Gesang. - -Die Sonne hatte ihren höchsten Stand lange überschritten, als wir am -linken Ufer des Mungo auf einem kleinen Plateau ein niedliches Dörfchen -erblickten, wo wir dann auch landeten und Lager aufschlugen. - -Am Flusse sah ich einige schwarze Mütter stehen, welche ihre, scheinbar -kaum einige Wochen alten, Bambinos durch das Wasser schwenkten, was ich -als Grausamkeit empfand, den Kleinen aber ganz gut zu bekommen schien. -Näherkommend, reichten sie mir zutraulich ihre Kleinen und lachten -glücklich, als ich durch Schäkern ein Lächeln auf dem niedlichen, -schwarzen Gesichtchen hervorrief. - -Ins Lager zurückkommend, nahm ich meine tägliche Waschung vor, doch -schon während derselben fühlte ich im Gesicht und an den Händen leichte -Stiche, konnte aber immer nur die Folgen derselben, einen roten Fleck -in der Größe einer Erbse finden. Durch meinen Mann aufmerksam gemacht, -näher hinsehend, bemerkte ich die stecknadelspitzen-großen Sandfliegen, -die dutzendweise an den entblößten Stellen des Körpers saßen und -Blut saugten. Gott sei Dank, waren es nur harmlose Tierchen, die keine -Krankheiten übertragen. Weit unangenehmer empfand ich das in den höchsten -Tönen hervorgebrachte Summen der Moskitos, die uns während des ganzen -Abends umschwirrten und vor allen Dingen mich (mein Mann behauptete, des -süßen Blutes wegen!) grausam quälten. Trotz der Vorsicht Josephs, das -Moskitonetz recht fest unter die Matratze gestopft zu haben, hatten sich -doch einige dieser »lieben Tierchen« Einlaß in unser Allerheiligstes zu -verschaffen gewußt, und es entspann sich beim Schlafengehen ein lebhafter -Kampf, bei dem die Moskitos, als die Unterliegenden, ihr sträfliches Tun -mit dem Tode büßen mußten. Aber selbst die Genugtuung, alles getötet zu -haben, was sich unberechtigterweise unter mein Moskitonetz eingeschlichen -hatte, ließ mich keinen Schlaf finden, denn das Summen der außerhalb des -Netzes fliegenden Moskitos machte mich dermaßen nervös, daß ich froh -war, als der Schlag der Trommel, der als Weckruf für den Träger dient, -den anbrechenden Morgen verkündete. - -Auf mein Bitten hin und mit Rücksicht auf mein zerstochenes Gesicht -sowie Arme wurde die Kanoefahrt, so herrlich sie an und für sich war, -abgebrochen, und wir marschierten quer durch den Urwald, stracks nach Osten -der Bahn zu, die wir in Kake bestiegen, und noch am selben Tage zogen wir -wieder in Bonaberi und Duala ein. - -Unsere Reise in die nördlichen Gebiete hatte uns länger in Anspruch -genommen, als wir beabsichtigten, so daß wir unser aufgesetztes -Reiseprogramm, in dem noch eine Reise nach Jaunde mit aufgenommen war, -nicht durchführen konnten. - -Wir hatten bis zur Abfahrt des Dampfers noch sechs Tage und da ich, trotz -unserer vieltägigen Reise durch den Urwald und einen Teil des Graslandes -noch nicht einmal einen Elefanten in Freiheit gesehen hatte, so beschlossen -wir, nach einer eintägigen Ruhepause noch eine Kanoefahrt auf dem Wuri -oder Kamerunfluß zu unternehmen. - -Obwohl ich eigentlich noch ziemlich genug hatte von den »Genüssen«, die -uns die eintägige Kanoefahrt auf dem Mungo beschert hatte, willigte ich in -die Änderung des Reiseprogramms ein. - -Unsere Träger wollten nun auch für die uns geleisteten Dienste ihre -Besoldung haben, die wir ihnen in deutscher Münze auszahlten. Als Geschenk -für die Ausdauer, die sie bewiesen hatten, erhielt jeder fünf Het -Tabak, zwei Flaschen Gin und eine Mark, sowie den von der Buschtour -zurückgebrachten Reis. Vor Freude führten sie unter Singen und Schreien -einen Tanz auf und hatten es dann sehr eilig, die erworbenen Pfennige in -den Faktoreien Dualas in Waren umzusetzen. - -Am nächsten Tage mieteten wir uns ein zirka zwanzig Meter langes Kanoe, -in welches wir einige, mit Verpflegung und Reservekleider bepackte Koffer -verstauten, ein Palmblätterdach wieder im vorderen Teil des Kanoes -aufbauten und die Longchairs zwischen die Lasten setzten. Wir fuhren mit -einer Besetzung von zwölf Pulljungs auf dem Kamerunbecken hin, an den -großen, mitten im Strom lagernden Inseln vorüber, den Wuri hinauf. - -Da wir Flut hatten, wurde den Pulljungs die Arbeit erleichtert und -pfeilschnell schoß, unter den kräftigen Ruderschlägen unserer Dualas, -das Kanoe auf der spiegelglatten Fläche, die nur durch einige, aus dem -Wasser herausragende Felsblöcke und Baumstämme, sowie von einigen, -aus dem oberen Teil des Wuri kommende Kanoes, deren Besatzung gleich der -unseren ihre monotonen Weisen erklingen ließen, unterbrochen wurde, dahin. - -Immer höher stieg die Sonne und durch das angestrengte andauernde Paddeln -ermüdet, verstummte bald der Gesang unserer Besatzung. Da die Flut -uns nicht gefolgt war, mußte die ziemlich starke Strömung des Wuri -überwunden werden und es ging immer langsamer vorwärts. Stellenweise -mußten die Jungens sogar das Kanoe verlassen und dasselbe über den -Schlick und die Sandbänke hinwegziehen. - -In einem idyllisch an den flachen Ufern des Wuri gelegenen Dörfchen -schlugen wir unser Zelt auf und legten uns nach der üblichen Begrüßung -durch den Häuptling und dem Genuß einer von Joseph selbst erlegten -Antilope schlafen. - -Mein Mann hatte sich mit den Dorfbewohnern eingehend über die -Jagdverhältnisse unterhalten und Befehl gegeben, daß wir am nächsten -Morgen sehr früh aufbrechen und eine Jagdfahrt auf dem Abo unternehmen -wollten. - -Noch ehe die Sonne die leicht gekräuselte Fläche des hier sehr schmalen, -aber tiefen Wuri beschien, befanden wir uns auf dem seeartigen Abo, dessen -beide Ufer mit einem undurchdringlichen Mangrovendickicht, Lianen und -tausend anderen Schlinggewächsen bestanden sind. Vor uns sahen wir -eine kleine Lichtung, die bis an das Ufer des Abo heranreichte und beim -Näherkommen machten uns unsere Begleiter auf zwei, im Grase ruhende -Flußpferde aufmerksam, auf deren Rücken, wie wir mit dem Glase -feststellten, die Madenhacker (kleine Vögel) eifrig pickten. Kaum hörbar, -die Ruder flach durch das Wasser ziehend, steuerten wir auf diese -Stelle zu. Mein Mann hatte sich lang ins Kanoe gelegt und außer seiner -Birschbüchse, die er bereits an der Backe liegen hatte, hielt ich, hinter -ihm sitzend, den mit fünf Patronen geladenen Karabiner zum Schusse bereit. -Als der erste Schuß krachte, sah ich in der Aufregung oder Jagdfieber, -welches sich meiner bemächtigt hatte, nur einen unförmigen Körper laut -klatschend ins Wasser fallen, während sich eine scheinbar formlose Masse -schnaufend und stöhnend im Grase wälzte. - -Dem ersten folgten zwei weitere Schüsse und unter lautem Schreien ruderten -die Schwarzen das Kanoe an Land, um das erlegte Tier zu besehen. - -Wir hatten nicht bemerkt, daß uns zwei weitere Kanoes aus dem Dorfe, in -welchem wir das Lager aufgeschlagen hatten, gefolgt waren, die nun unter -Aufbietung aller Kräfte singend und schreiend auf uns zuruderten und -sich in Gemeinschaft mit unseren Leuten an die Zerlegung des von mir -sehr bestaunten Tieres machten. Bald sah man an der Stelle, wo die beiden -Dickhäuter der Ruhe gepflegt hatten, nur noch schwammige Stückchen -Fleisch und eine große Blutlache. Ich übertreibe nicht, wenn ich sage, -daß in einer Viertelstunde von dem Koloß, den mein Mann auf 20 Zentner -schätzte, nur noch tragbare Stückchen Fleisch zu sehen waren. Unsere -Pulljungs suchten sich die schönsten Stücke heraus, mein Mann ließ -sich ein zirka ein Quadratmeter großes Stück Haut abschneiden und die -Stoßzähne herausschlagen, während das andere in den Besitz der übrigen -Dorfbewohner überging. - -[Illustration] - -Eigentlich hatten wir erreicht, was wir wollten, doch die kurze Zeit des -Aufenthalts in Kamerun wollten wir ausnützen, soweit es möglich war. Auf -Befragen erfuhren wir von einem der Dorfbewohner, daß zirka eine halbe -Stunde von uns entfernt, mehrere Elefanten durch den Abo wechselten, und -zwar meist in den Nachmittagsstunden zwischen vier und sechs Uhr. Da -wir keinen großen Rückweg zu unserem Lager hatten, ruderten wir nach -längerer Rast weiter den Abo hinauf, bis zu der von den Dorfbewohnern -bezeichneten Stelle. - -Unser Kanoe wurde an einem Baumstamm festgebunden, während wir die -Umgebung nach den Spuren der Dickhäuter absuchten. Bald fanden wir auch -einige größere und eine kleinere Spur und Losung, die scheinbar vom -Morgen herrührte. In geringer Entfernung von der Furt lagerten wir uns im -Walde und harrten der Ankunft dieser lebenden Urwaldriesen. - -Wir sollten nicht lange auf die Folter gespannt werden, denn in der Ferne -hörten wir bald das Trompeten eines Elefanten, dessen schauriger Klang -meine Nerven erzittern ließ. Wir gingen etwas tiefer in den Urwald hinein -und ich bemerkte bald, daß wir, mein Mann, Joseph und ich, allein waren; -unsere anderen Begleiter hatten sich ängstlich ins Kanoe zurückgezogen, -um bei einem evtl. Angriff der Dickhäuter schnell das Weite suchen zu -können. Was aus uns dann würde, war diesen tapferen Seelen gleichgültig. - -Sonderlich wohl war mir selber nicht zumute, doch mich auf die -Treffsicherheit meines Mannes verlassend, harrte ich hinter einem dicken -Baumstamm geborgen, herzklopfend, aber mutig aus. - -Abermals erscholl, und zwar diesmal in unmittelbarer Nähe, der -Trompetenklang des Elefanten, und die Erde dröhnte und zitterte unter dem -Stampfen seiner Füße. Auf mein Bitten hin gab mein Mann sein Vorhaben, -zu schießen, auf, und wir haben es nicht bereut. Der Bequemlichkeit halber -schien der Elefant seine alte Fährte zu benutzen, denn das von meinem Mann -beschriebene Knacken und Krachen der Bäume und Äste, die er sich aus dem -Wege räumt oder zerstampft, war nicht vernehmbar. Da, endlich sahen -wir den Koloß gemütlich angetrottelt kommen und zu unserer aller -Überraschung in seinem Gefolge ein täppisches, possierliches Junges in -der Größe eines Pferdes. - -Plötzlich blieb die Elefantenmutter stehen, und mir stockte das Blut in -den Adern, denn ich glaubte, daß sie Witterung von unserer Anwesenheit -bekommen habe. Aber ihr Warten galt nur dem Kleinen, das scheinbar nicht -so große Schritte wie die Mutter nehmen konnte. Am Flusse angekommen, -trampelte sie erst einige Zeit, in dem aufgeweichten Boden bis zum Bauch -versinkend, umher, zog den Rüssel voll Wasser und spritzte das hinter ihr -stehende Junge an. - -Zu gern hätte ich gesehen, wie so ein Elefant schwimmend den Strom -durchquert, doch die Mutter schien um das Leben ihres Jüngsten besorgt zu -sein und nachdem sich das Schauspiel mehrere Male wiederholt hatte, trabten -Mutter und Kind, laut trompetend, wieder in den Urwald zurück. Als sie -etwa 50 Meter von uns entfernt waren, gab mein Mann einen Schreckschuß ab -und aus ihrer Sorglosigkeit aufgeschreckt, jagten die beiden, die uns so -kostbare Minuten bereitet hatten, in den undurchdringlichen Urwald hinein. - -[Illustration] - -Mein Wissensdurst war wieder einmal glänzend gestillt und hochbefriedigt -kehrten wir in unser Lager zurück. - -Wir hatten noch zwei Tage Zeit, die wir einer eingehenden Besichtigung der -Hafenstadt und ihrer großzügigen Anlagen widmeten. Auch den »Palast« -des Oberhäuptlings Mango Bell, der uns mit einer Flasche Bier und Bisquits -bewirtete, besuchten wir. - -Der letzte Tag, den wir in Kamerun verbringen konnten, wurde zu einem -Besuch der in Beseke befindlichen Negerrestauration »Zum strammen Hund« -verwendet, wo wir uns bei einem Glase Eisbier mit einigen dort anwesenden -Gouvernementsbeamten über ihre Erlebnisse während des Tropenaufenthalts -unterhielten. Ja, ich konnte schon ihre Unterhaltung mit einigem -Selbsterlebten unterbrechen, worüber sie sehr erfreut waren. - -Am Mittag des nächsten Tages begaben wir uns an Bord, von einigen in -Afrika neu gewonnenen Freunden begleitet, die uns Grüße an die Heimat -mitgaben und sich mit einem kräftigen deutschen Händeschütteln -verabschiedeten. - -Ade, Kamerun! Du herrliches, einzigschönes Land mit deinen reichen, -geheimnisvollen Schätzen, die du willig dem überläßt, der sich nicht -der Mühe scheut, sie aufzusuchen und mit offenen Augen um sich schaut, auf -all die Pracht, all den Reichtum! Mein Leben lang werde ich zehren an den -herrlichen Erinnerungen, und, sitze ich im Norden Deutschlands, in -Schnee und Eis vergraben, träumen von deinen ewig grünen, ewig schönen -Urwäldern, deinen klaren, stillen Flüssen, den schäumenden, donnernden -Wasserfällen und dem wunderbaren Zauber deiner mondscheindurchleuchteten -Märchennächte! Was ich mir von dir versprach, das hast du getreulich -gehalten und so, voller Freude, wie ich kam, scheide ich jetzt voller -Wehmut. Nur ein letztes Lebewohl noch kann ich dir mit dem Tüchlein -winken, und der stolze Kamerunberg erwidert den Gruß in schweigendem -Ernst. Doch bald wirst auch du unsern Blicken entschwunden sein, weiter -geht's in die offene See der fernen Heimat zu. - -Vorbei die wundervolle, herrliche Zeit! - -Zur Heimreise benutzten wir einen Zwischendampfer und lernten auf diese -Weise die vor der Bucht von Biafra lagernde spanische Insel Fernando Poo -kennen. Leider war der Aufenthalt im Hafen von St. Isabell sehr kurz -bemessen, so daß sich ein An-Landgehen nicht lohnte. Wir hatten ja nun -genug Eindrücke gesammelt, die wir auf unserer Heimreise an unserem -geistigen Auge vorüberziehen lassen konnten und die Abendstunden waren -immer viel zu kurz, um über alles Erlebte zu plaudern. - -Nachdem wir bei ausnahmslos schönstem Wetter und spiegelglatter See die -Häfen der Westküste passiert hatten, sahen wir uns eines Morgens wieder -im Hafen von Santa Cruz. Für den Rest der Heimreise bestand in bezug auf -Seekrankheit keine Gefahr, denn wir hatten für unsere ganze Reise -die denkbar günstigste Jahreszeit gewählt und landeten wohlbehalten, -sonnengebräunt und von den Angehörigen jubelnd begrüßt, am Petersen-Kai -in Hamburg. - - - - -[Illustration: Freudentanz der Negerweiber um einen getöteten Gorilla in -einem Dorfe Kameruns.] - -[Illustration: Rieseneidechse Vogeleier fressend.] - -[Illustration: Rast auf dem Marsche.] - -[Illustration: Schwarze Schönheiten in Kamerun.] - -[Illustration: Kamerun-Neger.] - -[Illustration: Negerinnen beim Tanz.] - - - - -Wilhelm Köhler, Minden in Westfalen - -Verlagsbuchhandlung, Großbuchdruckerei - - Postscheck-Konto: Hannover 4112 -- Giro-Konto: Reichsbank - Telegramm-Adresse: Verlag Köhler. -- Telefon-Nummer 249 - Gründungsjahr 1865. - - -Soeben in _neuer_ Auflage erschienen: - - Köhlers Taschenliederbuch - für das deutsche Volk, - -enthaltend #400# der _beliebtesten_ Lieder. - -288 Seiten Text im farbigen Kartonumschlag. - -#Preis 35 Pfennig#, - -elegant und dauerhaft in Ganzleinen gebunden, - -#Preis 60 Pfennig# - - - Die Laufbahnen - in der Handels- und Kriegsmarine. - -Nach den #neuesten# Bestimmungen bearbeitet von #Kapitän Preuß#, -Studienrat an der Seefahrtsschule in Bremen. Wie manche Eltern, ganz -besonders im Binnenlande, stehen dem Wunsche ihres Sohnes »Seemann zu -werden«, ratlos gegenüber, da sie nie im Leben ein Seeschiff in seinem -Element sahen und keine Ahnung von der Ausbildung und den Aussichten in -diesem Beruf haben. Möge dieses Büchlein, geschrieben von einem Fachmann, -der selbst 10 Jahre auf Seglern und Dampfern Reisen nach allen Weltteilen -ausführte und der noch heute in seiner Stellung in engster Fühlung mit -der seemännischen Praxis steht, für unsere deutschen Jungen, die den -Seemannsberuf ergreifen wollen, eine vollkommene Aufklärung bringen. - -#Preis Mk. 1,--# - - Durch _jede_ Buchhandlung zu beziehen, auch direkt von der - #Verlagsfirma Wilhelm Köhler, _Minden_ in Westfalen#. - -Für Porto und Verpackung sind pro Buch Mark 0,15 beizufügen. - - - - -[ Hinweise zur Transkription - - -Die Abbildungen auf Frontispiz und Beilage (im Original hinter Seite 32) -sind dem Buchtext nicht konkret zuzuordnen; sie wurden an das Textende -verschoben. - -Das Originalbuch ist in Fraktur gesetzt. - -Darstellung abweichender Schriftarten: _gesperrt_, #fett#. - -Der Text des Originalbuches wurde grundsätzlich beibehalten, mit folgenden -Ausnahmen, - - Seite 6: - "kenen" geändert in "kennen" - (aus eigner Anschauung kennen lernen) - - Seite 7: - "Tereriffe" geändert in "Teneriffe" - (in deren Mitte ihr Oberhaupt, der Pique Teneriffe thronte) - - Seite 18: - "," entfernt hinter "Makavo", ", " eingefügt vor "Mais" - (Makavo (kartoffelähnliche Knollenfrucht), Mais) - - Seite 19: - "." eingefügt - (die vielen Schönheiten des wunderbaren Landes.) - - Seite 22: - "Gouvernementsgarten" geändert in "Gouvernementsgärten" - (wohlgepflegten Straßen und Gouvernementsgärten) - - Seite 38: - "." eingefügt - (die Schilderungen schon zum größten Teil bestätigen.) - - Seite 43: - "wird" geändert in "wir" - (zogen wir endlich in Ndunge ein) - - Seite 47: - "Nkan" geändert in "Nkam" - (die über den Nkam führende) - - Seite 53: - "unberbrachen" geändert in "unterbrachen" - (unterbrachen den monotonen Gesang) - - Seite 64: - "." eingefügt - (eine vollkommene Aufklärung bringen.) - - Seite 64: - "0.15,--" geändert in "0,15" - (Für Porto und Verpackung sind pro Buch Mark 0,15 beizufügen.) ] - - - -*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK UNSERE HOCHZEITSREISE IN DIE -URWÄLDER VON KAMERUN *** - -Updated editions will replace the previous one--the old editions will -be renamed. - -Creating the works from print editions not protected by U.S. copyright -law means that no one owns a United States copyright in these works, -so the Foundation (and you!) can copy and distribute it in the -United States without permission and without paying copyright -royalties. 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Hart was the originator of the Project -Gutenberg-tm concept of a library of electronic works that could be -freely shared with anyone. For forty years, he produced and -distributed Project Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of -volunteer support. - -Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed -editions, all of which are confirmed as not protected by copyright in -the U.S. unless a copyright notice is included. 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You may copy it, give it away or re-use it under the terms -of the Project Gutenberg License included with this eBook or online -at <a href="https://www.gutenberg.org">www.gutenberg.org</a>. If you -are not located in the United States, you will have to check the laws of the -country where you are located before using this eBook. -</div> - -<div style='display:block; margin-top:1em; margin-bottom:1em; margin-left:2em; text-indent:-2em'>Title: Unsere Hochzeitsreise in die Urwälder von Kamerun</div> - -<div style='display:block; margin-top:1em; margin-bottom:1em; margin-left:2em; text-indent:-2em'>Author: Jenny Claren and Jenny Neralc [pseud.]</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'>Release Date: March 09, 2021 [eBook #64769]</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'>Language: German</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'>Character set encoding: UTF-8</div> - -<div style='display:block; margin-left:2em; text-indent:-2em'>Produced by: the Online Distributed Proofreading Team at https://www.pgdp.net</div> - -<div style='margin-top:2em; margin-bottom:4em'>*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK UNSERE HOCHZEITSREISE IN DIE URWÄLDER VON KAMERUN ***</div> - - -<h1><span class="fsl">Unsere<br /> -Hochzeitsreise</span><br /> -in die Urwälder<br /> -von Kamerun</h1> - -<p class="ce mt2 lh1">Von<br /> -<span class="fsl">Jenny Neralc</span></p> - -<p class="ce mt2">Mit 4 Abbildungen im Text<br /> -und<br /> -einer Illustrations-Beilage</p> - -<p class="ce mt4 lh1">Winden in Westfalen<br /> -Druck und Verlag von Wilhelm Köhler<br /> -1924</p> - - - - -<h2> <a class="pagenum" id="page_003" title="3"> </a></h2> - - -<p><b>N</b>un sollte es also doch Wahrheit werden!</p> - -<p>Ich sollte Kamerun sehen!</p> - -<p>Das lang und heiß Ersehnte, aber nie Erhoffte sollte greifbare -Gestalt annehmen.</p> - -<p>Kamerun! Allein das Wort hatte stets einen faszinierenden -Reiz auf mich ausgeübt. Von allen fremden Ländern war -es stets der schwarze Erdteil, der mich am meisten anzog und -von diesem wiederum Kamerun. Schon als Kind verschlang -ich alle sich darauf beziehenden Reisebeschreibungen und sah -ich – als Hamburgerin – Dampfer der Woermannlinie nach -Kamerun ausreisen, was ich mir nicht oft entgehen ließ, -konnte ich mich oft eines Tränenstromes nicht enthalten, sodaß -manch' lächelnder Blick der am Kai versammelten Menschen -das kleine, dicke Mädel traf, dessen Kummer allen unverständlich -war.</p> - -<p>Nie hätte ich geglaubt, daß sich mein glühender Wunsch -noch dermaleinst verwirklichen würde; doch das Schicksal -meinte es gut mit mir, indem es mir in meinem Lebensgefährten -einen Mann zuführte, der bereits 5 Jahre Kamerun -bereist, eine tiefe Liebe für dieses schöne Land empfand. Er -verstand und würdigte meine Sehnsucht und überglücklich war -ich, als er mir als Hochzeitsgabe eine Reise nach Kamerun -versprach.</p> - -<p><a class="pagenum" id="page_004" title="4"> </a> -Welch' herrlicher Gedanke! An der Seite des geliebten -Mannes das Land meiner Sehnsucht aufzusuchen und kennen -zu lernen. Wie dankbar war ich ihm für seine Güte, die mir -diese herrlichste aller Hochzeitsgaben bescherte.</p> - -<p>Drei Tage nach unserer Trauung in Dresden fuhren wir -am 7. September nach Hamburg. Ein gemütlicher Abend hielt -uns bei lieben Freunden fest, wo unsere Abreise weidlich begossen -wurde. Spät trennten wir uns, begleitet von guten -Wünschen der Freunde, doch lange konnte ich keinen Schlaf -finden, denn in unregelmäßigen Zwischenräumen drang das -Heulen der Sirenen in unser Hotelzimmer und erneuerte -immer wieder das wunderselige, wonnige Gefühl: »Morgen, -morgen gehts hinaus in die weite, herrliche Welt!«</p> - -<p>Am andern Abend um 10 Uhr begaben wir uns an Bord. -Am Morgen des nächsten Tages um 7 Uhr wurden die Taue -vom Kai gelöst und langsam fuhren wir, von einem Schlepper -gezogen, unter den heiter-wehmütigen Klängen des hübschen, -uralten Liedes: »Muß i denn, muß i denn zum Städtelein -hinaus« und dem Hurrarufen und Tücherschwenken der am -Kai Stehenden, aus dem Hafen hinaus, die Elbe hinunter.</p> - -<p>Das eben erwachende Blankenese, mit seinen schmucken, -in Grün gebetteten, Wohlstand verratenden Villen und dem -stolzen Süllberg sandte uns in lachender Morgensonne seine -Abschiedsgrüße zu und weiter gings, an den blühenden Elbhügeln -entlang, dem offenen Meere zu.</p> - -<p>Ein buntes Leben und Treiben entwickelte sich vor unseren -Augen in der Elbmündung, denn unzählige kleine Küstendampfer -<a class="pagenum" id="page_005" title="5"> </a> -und Fischkutter steuerten, geschickt manöverierend, -unter Volldampf ihrem Ziele zu.</p> - -<p>Nachdem wir die Feuerschiffe passiert hatten, fuhren wir -mit halber Kraft in die Nordsee ein. Unser Schiff begann -jetzt unter den leichten Wellen der Nordsee etwas zu stampfen, -doch, als geborene Hamburgerin des Seereisens von einigen -Überfahrten nach Helgoland und Dänemark nicht ganz ungewöhnt, -machte mir die stampfende Bewegung des Schiffes viel -Vergnügen.</p> - -<p>Fern am Horizonte tauchten die Umrisse unseres befestigten -Felsen-Eilandes, Helgoland, auf, um welches herum, malerisch, -und doch in Schlachtenformation gruppiert, ein Teil -unseres Hochseegeschwaders unter Volldampf lag, scheinbar in -Erwartung eines markierten Feindes.</p> - -<p>Nachdem auch dieser kleine Rest heimatlicher Erde unseren -Blicken entschwunden war und der Tag sich zu neigen begann, -zogen wir uns, für heute des Schauens müde, in unsere Kabine -zurück, und die leise an die Schiffswand schlagenden Wellen -und das stete Surren der Schiffsschraube sangen uns ein -monotones, einschläferndes Schlummerlied.</p> - -<p>Als ersten Hafen liefen wir Boulogne sur mer an, nahmen -Post und einige Passagiere an Bord und dampften selbigen -Tags, die um die Insel Wight gruppierten, schwimmenden, -englischen Forts passierend, nach Southampton, wo wir -ebenfalls auf Reede liegen blieben und von einem Küstendampfer -Post und Passagiere übernahmen.</p> - -<p>Weiter ging es mit Volldampf in den offenen Ozean -hinein.</p> - -<p><a class="pagenum" id="page_006" title="6"> </a> -Das leichte Gekräusel der Nordsee, was wir bereits als -Wellen empfanden, verstärkte sich dermaßen, daß man auf -dem Schiff, außer den heftiger gewordenen Stampfbewegungen, -auch ein recht bemerkenswertes Rollen verspürte, ja selbst -einige Spritzer der kleinen Sturzseen benetzten die Promenadendecks, -und empfindliche Gemüter zogen sich bereits aus -der frischen Seebrise in die verschiedenen Salons zurück.</p> - -<p>Die »alten Afrikaner« hatten sich bereits zu kleinen Gesellschaften -gruppiert und begannen, unbekümmert um das Treiben -des Ozeans, ein Spielchen. Eifrig wurde dem Bier und -sonstigen geistigen Getränken zugesprochen und dicker Zigarren- -und Zigarettenqualm erfüllte den Raum, so daß ich -vorzog, mich schleunigst an Deck zu begeben, in die herrliche, -frische Seeluft, wenngleich mich auch einige dieser »alten -Afrikaner« stark interessierten. Beim Spiel konnte man beobachten, -wie sehr ihre Nerven im schwarzen Erdteil gelitten -hatten. Diese typische, leichte Erregbarkeit, die so schnell erhitzten -Gemüter, kennzeichneten die lange unter der sengenden -Sonne Afrikas hartgearbeiteten Männer. Und auch wie -manche sehnige, schöne Gestalt war unter ihnen: groß, schlank, -braungebrannt, mit kühnem Gesicht und energisch blickenden -Augen. Stets weilte ich gern unter ihnen und lauschte ihren -hochinteressanten Erzählungen über ihre Erlebnisse im schwarzen -Erdteil. Sollte ich doch jene Gefilde, die noch einen kleinen -Überrest des längst entschwundenen Urdaseins darstellen, aus -eigner Anschauung kennen lernen.</p> - -<p>Nachdem uns die, selbst von den ältesten Kapitänen unserer -Weltlinien gefürchtete Biskaya auf ihren haushohen -<a class="pagenum" id="page_007" title="7"> </a> -Wellen einige Tage lang geschaukelt und auch von einigen, -nicht ganz magenfesten Passagieren ihren Tribut gefordert -hatte, wurde am neunten Tage unserer Seereise wieder Land -gesichtet, und zwar waren es die kanarischen Inseln, und von -diesen wieder Teneriffa als erste, deren Hafen, Santa Cruz, -wir kennen lernen sollten.</p> - -<p>Am nächsten Tage sahen wir beim Erwachen bereits die -Umrisse der unzähligen, ehemals vulkanischen Bergkegel, in -deren Mitte ihr Oberhaupt, der Pique Teneriffe thronte, aus -dem Meere emporsteigen. Die Spitze des alten Götterberges -war in leichte Nebel gehüllt, doch bereits nach zweistündiger, -weiterer Fahrt zogen sich auch die letzten Nebelschleier vom -Haupte des Pique Teneriffe hinweg. Noch näher kommend, -erkannten wir mit Hilfe der Ferngläser die rotbraunen Heidekräuter, -durchmischt mit eßbaren Kakteen und üppig wuchernden -Farren, einem herrlich gewirkten Teppich gleichend, welcher -die Kegel bedeckt. Auf den Außenkegeln sind die portugiesischen -Signalstationen errichtet, die hier, wie in Las Palmas -und Madeira als Forts ausgebaut und armiert sind. -Zwischen den Bergkegeln ziehen sich, mit üppigster Vegetation -bestandene Täler hin, in denen die kleinen Dörfchen mit ihren -roten Bedachungen malerisch zwischen den herrlichen Bananenhainen -wie in einem Schmuckkästchen leuchten.</p> - -<p>Bereits vor der Hafeneinfahrt bemerkten wir auf hoher -See die kleinen Fischkutter und Boote der Eingeborenen von -Santa Cruz, deren Nebenerwerbs- und Nahrungsquelle der -Fischfang zu sein scheint.</p> - -<p><a class="pagenum" id="page_008" title="8"> </a> -Kaum war der Klang unserer Schiffssirene verhallt, als -sich auch schon ein reges Leben im Hafen bemerkbar machte. -Hunderte von kleinen Ruderbooten, besetzt mit Männern und -vor allen Dingen Jungen, hatten unser noch langsam fahrendes -Schiff als Ziel gewählt. Unzählige von kleinen, schwimmenden -Krämerläden, in denen man Bananen, Orangen, -Nüsse, Äpfel, Papageien, Ferngläser, Briefmarken, Kanarienvögel, -Seidenwaren, entzückende Madeirastickereien, Postkarten, -Goldwaren, Zigarren, Zigarretten und tausend andere -Sachen mehr kaufen konnte, umgaben bald unser Schiff.</p> - -<p>Mit buchstäblich affenartiger Geschwindigkeit erklommen -die 6-10jährigen Jungen, mit Handkörbchen beladen, die von -einigen voreiligen Passagieren hinabgeworfenen Taue und es -entspann sich sehr bald ein reges Handelsgeschäft.</p> - -<p>Der Neuling kauft von allem, was ihm geboten wird und -zahlt anstandslos die Preise, die gefordert werden. Erst durch -das routinierte Handeln einiger »alter Afrikalöwen« aufmerksam -geworden, erkennt er seine Voreiligkeit, denn die -»alten Afrikaner« kaufen nicht 50, sondern 200-300 Prozent -billiger als der Neuling.</p> - -<p>Singend und schreiend kletterten die halbwüchsigen Burschen -in ihren Booten herum und forderten kreischend und -flehend die Passagiere auf, Geldstücke ins Meer zu werfen, -nach denen sie tauchen und keines entgeht ihren Blicken.</p> - -<p>Mit Genehmigung des Kapitäns durften wir an Land -gehen. Die kleine Barkasse brachte uns bald an den Kai, wo -uns die zweirädrigen, mit Mauleseln bespannten Karren aufnahmen -und uns auf einer Rundfahrt durch Santa Cruz mit -<a class="pagenum" id="page_009" title="9"> </a> -den Schönheiten der Hafenstadt, in Gestalt von prächtigen -Bananenhainen, Zuckerrohrplantagen und Palmen bekannt -machten. Zum ersten Male konnte ich die Schönheiten der in -Freiheit gediehenen, mächtigen Palmen bewundern.</p> - -<p>Nachdem wir von unserer ca. vierstündigen Fahrt in das -Hinterland der Insel, die uns abwechselnd durch herrliche -Farmen und kleine Dörfchen führte, zurückgekehrt waren, -labten wir uns an einer Flasche echten (hoffentlich) Madeiraweins -und ließen uns durch die Barkasse wieder an -Bord bringen. Auch der Markthalle, die uns einen Einblick -in die üppigen Vegetationsverhältnisse der Insel tun ließ, -sowie dem Rathause statteten wir einen Besuch ab.</p> - -<p>Unser vorläufiges Reiseziel war Madeira, dem wir einige -Tage widmen wollten. Wir mußten uns daher von der uns -liebgewordenen Reisegesellschaft und von unserem Dampfer -in Las Palmas trennen, um nach Besichtigung der Hafenstadt -von Grand Canaria mit einem Küstendampfer nach Madeira -zu fahren.</p> - -<p>Las Palmas unterscheidet sich von Teneriffa durch seine, -in die Berge eingebauten, mit flachen Dächern abgedeckten, -hell angestrichenen Häuser. An der Hauptstraße, auf der sich -mit tosendem Gerassel eine Eisenbahn in unergründlichem -Schmutze durcharbeitet, liegen die öffentlichen Gebäude und -am Ende der Straße, umgeben von Palmen und anderen -tropischen Gewächsen, die Kathedrale von Las Palmas. Nach -einer kurzen Besichtigung der letzteren sahen wir uns noch -die hinter den Häusern angelegten, wenig gepflegten Bananen- -und Zuckerrohrplantagen an und fuhren mit unserem, -<a class="pagenum" id="page_010" title="10"> </a> -am Kai gemieteten Karren, dem singend und schreiend, -Purzelbaum- und Radschlagend die Jugend bettelnd folgte, -wieder nach dem Hafen.</p> - -<p>Unser Gepäck war bereits auf dem kleinen Küstendampfer, -der uns nach Madeira bringen sollte, verstaut worden, und -am Abend des nächsten Tages fuhren wir in den Hafen von -Funchal ein.</p> - -<p>Tausend und abertausend Lichter spiegelten sich in der -ruhigen Wasserfläche wieder und boten dem Auge des Beschauers -ein entzückendes Bild. Ab und zu trug der Abendwind -leichtverwehte Klänge einer einschmeichelnden Musik zu -uns herüber und traumverloren an der Reeling lehnend, -ließen wir die wunderbare Schönheit des südlichen Hafenbildes -und des tiefen Frieden ausatmenden Funchals auf -uns einwirken.</p> - -<p>Plötzlich durchdröhnte die Stille der sternenklaren Nacht -das Rasseln der Ankerketten und der Donner der Postkanone -und eine Stunde später betrat ich das eigenartige, vielbesungene -Märchenland.</p> - -<p>Studienhalber besuchten wir am Abend, nachdem wir uns -im Hotel etwas restauriert hatten, einige Bierlokale, wo uns -in den sauberen Räumen überall die lockenden, südlichen -Klänge der fast durchweg sehr musikalischen und musikliebenden -Bevölkerung empfingen.</p> - -<p>Am anderen Morgen nahmen wir einen jener charakteristischen, -mit Ochsen bespannten Schlitten und fuhren – nicht -wie hierzulande im Schnee – sondern auf faustgroßen, runden, -glatten Pflastersteinen durch die Stadt. Daß es ein angenehmes -<a class="pagenum" id="page_011" title="11"> </a> -Fahren gewesen wäre, kann ich nicht behaupten, -aber wir hatten die Mode mitgemacht.</p> - -<p>Auch eine kleine Hafenfahrt im Ruderboote unternahmen -wir und entdeckten auf den kleinen Bergkegeln, die sämtlich -vulkanischen Ursprungs sind, die Befestigungen und Signalstationen -von Funchal.</p> - -<p>Die Schönheiten Funchals und seiner Umgebung zu beschreiben, -ist man wohl kaum imstande. Ein Gemisch der -herrlichsten und verschiedenartigsten Palmen und sonstiger subtropischer -Gewächse, zwischen denen die kleinen, mit Stroh -und Matten gedeckten Hütten der ärmeren Bevölkerung -Funchals liegen, bietet sich dem Auge dar. Bäume, deren -Höhe und Stärke nur noch einen kläglichen Überrest von den -Riesenerzeugnissen der Urzeit bilden, recken, leicht vom Seewind -bewegt, kühn ihre Häupter gen Himmel; leise von -längst entschwundenen Zeiten flüsternd.</p> - -<p>Die Bevölkerung Funchals scheint, soweit man dies nach -dem kurzen, uns vergönnten Aufenthalt beurteilen kann, nur -aus Armen und Reichen zu bestehen. Der Arme trägt seine -schweren Lasten aus der Farm nach den Märkten auf dem -Kopfe, um sie dort für billiges Geld loszuschlagen oder gegen -andere Nahrungsmittel einzutauschen. – Der Wohlhabende -läßt sich von zwei Dienern in seiner Hängematte, deren buntgestreiftes -Segeltuch ihn vor den sengenden Sonnenstrahlen -schützt, spazieren tragen, oder er fährt in dem landesüblichen -Ochsenschlitten durch die Straßen der Stadt.</p> - -<p>Nach fünftägigem Aufenthalt booteten wir uns wieder -auf einem Afrikadampfer der Woermannlinie ein.</p> - -<p><a class="pagenum" id="page_012" title="12"> </a> -Noch einmal lassen wir das Auge sich sattsehen an dem gesegneten -Fleckchen Erde, welches uns soviel Schönes und -Neues bot.</p> - -<p>Lebe wohl, du einziges Madeira, wohin man sich das -einstige Paradies verlegt denken kann.</p> - -<p>Auf spiegelglatter See, die nur durch das zeitweise Auftauchen -von fliegenden Fischen, Schweins- und Haifischen -unterbrochen wurde, fuhren wir dem ersten afrikanischen -Hafen, Conacry, entgegen.</p> - -<p>Zum ersten Male in meinem Leben sah ich die hohen -Wasserstrahlen, die ein Walfisch in die Luft spritzte und dessen -Körper zeitweilig bis zur Hälfte seiner Stärke aus dem -Wasser ragte.</p> - -<p>Die größte westliche Länge, die wir auf unserer Fahrt -erreichten, war 32° nach Greenwich, die größte Zeitdifferenz -von Hamburg 2 Stunden 11 Minuten.</p> - -<p>Durch den ersten Offizier wurde uns geraten, eine Nacht -zu opfern, um dem nimmer rastenden Treiben der Delphine -und Haifische, die von jetzt ab viele Tage als treue Begleiter in -unserem Kielwasser folgten, zu beobachten.</p> - -<p>An einem herrlichen, lauen Abend zogen wir uns nach -dem Abendbrot auf das Achterdeck zurück und machten es uns -in unseren Langstühlen bequem. Unseren Augen bot sich ein -seltsames Schauspiel. Tausend und abertausend kleine Fünkchen -(Infusorien) spielten in den durch die Schiffsschraube -leicht gekräuselten Wellen: Das sogenannte Meeresleuchten und -zwischen diesem Gewimmel zogen die Haifische, die ebenfalls -stark phosphoreszieren, gespensterhaft ihre blaugrünen Furchen, -<a class="pagenum" id="page_013" title="13"> </a> -bald back- bald steuerbords das Schiff beobachtend, ob nicht -ein kleiner Überrest aus der Küche sich ihnen als Fang zeigt.</p> - -<p>Die unvergleichliche Pracht des Sternenhimmels wurde -durch den Mond, der bald als feurige Kugel aus dem Meere -emporstieg, gebrochen, und die angenehme Kühle der Nacht ließ -uns die Stunden des Schauens wie im Fluge vergehen.</p> - -<p>Wir bummelten über die Promenadendecks nach dem Bug -und beobachteten dort das launische Treiben der Delphine. -Ihre phosphoreszierenden Körper zogen sich direkt vor dem -äußeren Steven des Schiffes durch die rötlich schimmernden -Manuaren, sogenannte »spanische Schiffe«, die Korallenriffen -gleichend, das Meer beleben, hin.</p> - -<p>In der Ferne tauchte ein Licht auf und bald ertönte die -Sirene unseres Schiffes, dem diejenige des uns entgegenkommenden -Dampfers antwortete. Leise glitt der dunkle Koloß -des Afrikadampfers – denn ein solcher war es – an uns vorüber. -Alles Leben war dort, wie auf unserem Dampfer, erstorben. -Lockende Träume mochten die Schläfer drüben umgaukeln, -waren doch viele davon glückliche Menschen, die nach -jahrelangem Wirken und Schaffen unter der heißen Tropensonne -Afrikas der Heimat zu fuhren.</p> - -<p>Wiederum tauchte in der Ferne, in rhythmischen Zeitabständen -leuchtend, ein Signallicht auf. Es war das Blinkfeuer, -welches von der Insel Tambo ausgehend, die Einfahrt -in den Hafen von Conacry in Französisch-Guinea kennzeichnet.</p> - -<p>Wir blieben bis zum Morgengrauen auf der Reede von -Conacry liegen und gaben später Post und Passagiere an Land.</p> - -<p><a class="pagenum" id="page_014" title="14"> </a> -Zum ersten Male in meinem Leben sah ich eine größere -Anzahl Neger. Mit großem Interesse hatte ich die Abstufungen -der Völkerrassen vom hohen Norden Deutschlands bis zur -heißen Zone Nordafrikas beobachtet und sah nun diese sehnigen, -schokoladenbraunen Gestalten in ihrer Heimat. – Trotz -des Lächelns, das beim Anblick der Europäer um ihre wulstigen -Lippen spielte, konnte man doch den so oft beschriebenen, -hinterlistigen Zug in ihren scharfen Augen entdecken und ich -hätte mir fürs Erste nicht gewünscht, mit diesen braunen Gesellen -unter einem Dach wohnen zu müssen. Doch mein Mann -belehrte mich bald eines Besseren, denn er hatte während -seiner fünfjährigen Afrikatätigkeit genug Gelegenheit gehabt, -das Seelenleben der Neger zu studieren. Einige uniformierte, -schwarze Beamte der französischen Kolonialpost, die die Postsäcke -und Pakete an Bord brachten, machten einen sehr netten -Eindruck und sprachen ein sehr gutes Französisch.</p> - -<p>Gegen 10 Uhr lichteten wir die Anker und stachen wieder -in See, um in geringer Entfernung vom Land, jedoch außerhalb -des Gefahrenbereiches der Riffe, dem nächsten Hafen -Monrovia im Negerfreistaat Liberia zuzusteuern.</p> - -<p>Während bis hierher die Möven unsere steten Begleiter -waren und sich gierig auf jeden über Bord geworfenen Abfall -stürzten, entdeckten wir zu unserem nicht geringen Erstaunen -in den Tauwerken der Masten einige Schwalben, die von dort -aus kurze Flüge unternahmen und die Nächte an Bord unseres -Schiffes verbrachten.</p> - -<p>Ein sehr nettes Schauspiel war das Bootsmanöver. Die -Schiffsglocke ertönte und in kurzer Zeit waren die Boote ausgeschwenkt, -<a class="pagenum" id="page_015" title="15"> </a> -bemannt und zu Wasser gelassen. Zwei Rettungsringe -mit selbstentzündbaren Lichtbojen wurden über Bord geworfen, -die im Ernstfalle den nachts über Bord Springenden -Rettung bringen sollten. Interessant zu beobachten waren die -Haifische, die im selben Moment, als die Bojen klatschend ins -Wasser fielen, auf diese zuschwammen und hastig zuschnappten, -dann ihre verkannte Beute rasch wieder losließen und ihr -Glück bei einem der zu Wasser gelassenen Boote versuchten. -Der Dampfer drehte sofort bei und nahm die Rettungsboote -wieder an Bord, die Lichtbojen, die inzwischen erloschen waren, -wurden wieder aufgefischt und ruhig setzte der Dampfer seine -Fahrt fort, bis wir der Reede von Monrovia ansichtig wurden.</p> - -<p>Im Hafen von Monrovia entwickelte sich ein etwas lebhafteres -Treiben als vor Conacry, denn zwei Küstendampfer -brachten ca. 80-90 Neger an Bord, die während der Fahrt -unter der heißen Sonne Afrikas die groben Arbeiten an Bord -verrichteten.</p> - -<p>Nachdem sie alle übernommen waren, bildeten sich schon -verschiedene Gruppen und man merkte sehr bald, daß es nicht -das erste Mal war, daß sie im Dienste der Woermannlinie -arbeiteten.</p> - -<p>Mit großer Geschicklichkeit wurden die Ladebäume, die bisher -in der Längsrichtung des Schiffes niedergelegt waren, aufgerichtet, -die Seile über die Rollen geführt und schon rasselten -die Dampfwinden den ersten Ballen Ladung aus den schier -unergründlichen Bunkern des Schiffes nach oben. Der Ladebaum -wurde ausgeschwenkt und die Ladung in die bereitstehenden -Küstendampfer herabgelassen. Ein anderer Teil der -<a class="pagenum" id="page_016" title="16"> </a> -Neger holte sich beim Verwalter Schrubber und Bürsten, die -Schiffshydranten wurden in Bewegung gesetzt und in wenigen -Augenblicken schwammen alle Decks, die unter der kräftigen -Behandlung unserer »lieben, schwarzen Brüder« sehr bald ihre -Farbe wechselten.</p> - -<p>Ein Glockensignal verkündete eine Essenspause.</p> - -<p>Zwei große, ca. 100 Liter fassende Kessel mit gekochtem -Reis wurden, der eine in die Mitte der Ladekolonne, der andere -in die Mitte der Reinigungsmannschaften, gestellt. Um -beide Kessel gruppierten sich, die strahlenden Augen auf den -dampfenden Reis gerichtet, die Neger. Ein Vormann (Headmann) -teilte den Inhalt des gefüllten Kessels in ca. 10 Portionen, -deren jede einzelne wieder in einen kleineren Kessel -gepackt wurde. Auf jeder Portion thronte als »Garnierung« -ein Stück gekochten Stockfisches. Die Verteilung vollzog sich -mit einer gewissen Ordnung, die Unterhaltung jedoch wäre -wohl kaum von dem Geschnatter eines Waggons böhmischer -Gänse übertönt worden.</p> - -<p>Zu jedem dieser kleinen Kessel gehörten ca. 8-10 Mann, -die sich in einer Ecke des Schiffes niederhockten und den Reis -mit der Hand, mit der sie eben noch die schmutzigen Scheuertücher -ausgewrungen hatten, zu Ballen formend, in den Mund -stopften. An den Stückchen Stockfisch wurde nur ab und zu -geleckt, erst mit dem letzten Klumpen Reis nahm auch dieses -seinen Weg ins Innere des Negermagens.</p> - -<p>Wie auf ein Kommando verstummte jegliche Unterhaltung -und machte einem breiten, wohligen Schmatzen Platz. In -kaum 10 Minuten waren sämtliche Kessel nicht nur geleert, -<a class="pagenum" id="page_017" title="17"> </a> -sondern auch sorgfältigst für die nächste Verpflegungsaufnahme -ausgeleckt und mit den Fingern gereinigt. Einige zu Boden -gefallene Reiskörnchen wurden noch gierig aufgesucht und verschwanden -in den nimmersatten Magen der Schwarzen. Damit -der Magen auch wirklich bis oben gefüllt war, stürzten sie -noch ca. ein halbes Liter Wasser nach und der letzte Schluck -wurde, nachdem er kurze Zeit im Munde hin und hergespült -war, in hohem Bogen über die Reeling gespuckt und – die -Zähne waren geputzt.</p> - -<p>Ein greller Pfiff des Offiziers rief die Horde wieder an -ihre Arbeit.</p> - -<p>Nachdem die Ladegeschäfte beendet waren, verließen wir -Monrovia.</p> - -<p>Die Wärme hatte sich bereits zu einer fast unerträglichen -Hitze (46°C. im Schatten) gesteigert und noch unangenehmer -machte sich die Hitze des Nachts bemerkbar. Trotz der in die -Bullenaugen eingesetzten Windfänger und trotzdem man völlig -entkleidet, nur mit dem Laken bedeckt, schlief, war an einen -festen Schlummer nicht zu denken. Hochinteressant zu beobachten -waren am Abend die Promenadendecks, wo in jedem -Winkel 2-3 Neger kaffeelöffelartig zusammengehockt, mit -einem leichten Leinwandlappen bedeckt, durch ein intensives -Schnarchen ihren gesunden Schlaf verrieten.</p> - -<p>Als wir am Morgen gegen 7 Uhr an Deck gingen, war -bereits alles wieder blitzsauber gescheuert und die nicht beschäftigten -Neger saßen plaudernd in Gruppen beisammen und -plapperten wie die Waschweiber.</p> - -<p><a class="pagenum" id="page_018" title="18"> </a> -Nachdem wir noch die Häfen Grand Bassam und Cap Coast -Castle angelaufen hatten, gingen wir unweit der Landungsbrücke -von Lome in Deutsch Togo vor Anker. Mit einer der -ersten Fahrgelegenheiten ließen wir uns an Land bringen -und besichtigten, soweit es die kurze Zeit erlaubte, wieder einmal -ein Stück deutschen Bodens.</p> - -<p>Schon vom Schiff aus sah man die Früchte deutscher Kultur -in Gestalt eines, auch architektonisch schönen Gouvernementsgebäudes -und unzähligen am Strande liegender Faktoreien, -die sämtlich von einer in gotischem Stil gehaltenen -Kirche überragt werden.</p> - -<p>Die Straßen Lomes sind zum Teil befestigt und auf ihnen -werden im flotten Tempo die zweirädrigen, mit schwerer Ladung -bepackten Karren gezogen. Während wir bisher nur -Neger sahen, die, mit Ausnahme des Lendenschurzes völlig -unbekleidet waren, trug der größere Teil der Togo-Neger -Kleider, und wenn sie auch nur aus einigen, malerisch um -den Leib geschlungenen, bunt bemalten Tüchern bestanden. -Einen recht netten Eindruck machten die sauber in Weiß oder -Khaki gekleideten schwarzen Angestellten der Faktoreien, desgleichen -die sauber uniformierten Soldaten der Polizeitruppe -und die schwarzen Gouvernementsbeamten.</p> - -<p>Auch hatten wir Gelegenheit, das bunte, fesselnde Markttreiben -in Lome zu beobachten:</p> - -<p>Hier hing unter einem Mattendach die Keule eines Schafes -oder Ochsen, dort standen, in kleine Körbchen gefüllt, Erdnüsse, -Makavo (kartoffelähnliche Knollenfrucht), Mais, Bananen, -Ananas und ähnliche tropische Früchte. An anderer -<a class="pagenum" id="page_019" title="19"> </a> -Stelle wieder kauerte ein schmutziges Weib am Boden, die ihre -aus Makavo gefertigten, in Palmöl gekochten Klöße zum Verkaufe -ausbot. In einem kleinen Schnittwarenladen, der die -»neuesten Muster« der afrikanischen Mode auf den Markt -brachte, wurden die auf dem Markt durch den Verkauf von -Produkten erzielten Einnahmen umgesetzt, doch nicht, ohne -stundenlanges Feilschen und Handeln und nachdem sämtliche -ausgelegten Herrlichkeiten mit schmutzigen Fingern durchwühlt -waren.</p> - -<p>Nachdem wir uns mit einer Flasche Eisbier und einigen -Sandwichs im Hotel gestärkt hatten, unternahmen wir noch -einen kleinen Spaziergang durch die endlose Reihe der deutschen -und englischen Faktoreien.</p> - -<p>Da die Zeit zur Abfahrt mahnte, ließen wir uns wieder -auf unseren Dampfer einbooten und fuhren, nachdem wir -noch Lagos, eine Hafenstadt in Nigeria, angelaufen hatten, -dem vorläufigen Endziel unserer Reise, Kamerun, zu.</p> - -<p>Mit vor Freude klopfendem Herzen stand ich an Deck. -Kamerun! In kurzer Zeit sollte es erreicht sein, sollte mein -jahrelanger, heißer Wunsch sich erfüllen. Meinen Fuß würde -ich auf Kameruner Erde setzen und eindringen in die vielen -Schönheiten des wunderbaren Landes.</p> - -<p>Mit Hilfe des Fernglases bemerkten wir bereits vor uns -einen langgestreckten Höhenrücken, dessen einzelne Bergkegel -in einen undurchdringlichen Nebel gehüllt zu sein schienen. -Näherkommend, zerteilten sich die Nebelschwaden und majestätisch -stieg aus dem Gebirge der alles überragende 4000 -Meter hohe Kamerunberg heraus. Zu seinen Füßen liegt der -<a class="pagenum" id="page_020" title="20"> </a> -ehemalig ebenfalls vulkanische, kleine Kamerunberg. Am Fuß -des letzteren gruppiert sich malerisch, wie ein Schmuckkästchen, -das reizende Viktoria, das aber leider durch die hinter ihm -lagernden, nur zum Teil sanierten Sümpfe, nicht gerade das -günstigste Klima in unserem fieberreichen Kamerun hat.</p> - -<p>Auf einer kleinen Anhöhe liegt die Wohnung des Bezirksamtmannes -direkt am Strande, ferner das Laboratorium -der Versuchsanstalt für Landeskultur, das Polizeimeistergebäude, -das Bezirksamt und -Gericht, die Wohnhäuser der -Gouvernementsbeamten und die Faktoreien. Eine strikte -Trennung der Wohnungen von Schwarzen und Weißen ist -hier geschickt durchgeführt.</p> - -<p>Ein Rundgang durch den botanischen Garten führt uns -wohlgepflegte Kakao- und Gummikulturen vor Augen und -gewährt uns schon einen kleinen Einblick in die üppige Vegetation -der Tropen. Gern hätten wir uns den Sitz des Gouvernements, -das in ca. 1000 Meter Höhe am großen Kamerunberg -gelegene Buea, angesehen, doch unsere Reise sollte weitergehen -und uns in die Gefilde führen, wo mein Mann als -deutscher Kulturpionier die Linienführung der Kamerun-Nord- -und Mittellandbahn erkunden half.</p> - -<p>Nachdem wir uns noch einen Teil der herrlichen Kakao-Plantagen -der W.A.P.V. angesehen hatten, fuhren wir noch -an demselben Tage nach Duala.</p> - -<p>Unzählige Buchten, sogenannte Creeks, die dicht mit Mongroven, -zwischen denen einige Urwaldriesen ihre Häupter gen -Himmel reckten, bestanden waren, wurden von den Fischfang -treibenden, in kleinen Kanoes sitzenden Negern belebt. Rechts -<a class="pagenum" id="page_021" title="21"> </a> -von uns sahen wir auf schmaler Landzunge direkt an der See -das Sanatorium Suelleba und näherkommend, entdeckte man -bereits die sauber weiß gestrichenen Häuser von Duala.</p> - -<p>Auf der Joßplatte liegen Offizierskasino und die Beamtenwohnhäuser -unserer Schutztruppenangehörigen und weiter, -nach der Landungsbrücke zu, die Gouvernementsgebäude.</p> - -<p>Im Hafen von Duala, der die Mündung des Kamerunflusses -(Wuri) ist, kreuzten die kleinen Dampfbarkassen und -Pinassen und nahmen, nachdem vom Hafenarzt die Quarantäne -abgenommen war, die ankommenden Passagiere und -deren Gepäck auf.</p> - -<p>An der kleinen Landungsbrücke standen Hunderte von Negern -und schwarzen Frauen, die teils grinsend, teils bewundernd -die Neuangekommenen musterten, wohl auch dem wiedererkannten -»alten Afrikaner« einen Willkommensgruß im -schwarzen Erdteil zuriefen.</p> - -<p>Eines mutete mich recht sonderbar an. Während wir in -franz. Guinea französisch, in den engl. Kolonien englisch sprechen -hörten, vermißte ich in Duala den Wohlklang unserer -Muttersprache. Einige besser gekleidete boys, die ihre aus der -Heimat zurückkehrenden Master abholten, hörte ich nur das -Pigeon-Englisch, ein furchtbar verstümmeltes, mit andern -Sprachen durchsetztes Englisch, sprechen. Mein Mann hatte -auf der 23tägigen Seereise eifrig mit mir gearbeitet, damit ich -dieses Kunterbunt ein wenig beherrschte.</p> - -<p>Duala zu schildern, will ich unterlassen, da ich annehme, -daß wohl Jeder von dem rasch emporgeblühten, fast europäischen -Duala genügend Kenntnis aus Reiseberichten besitzt. -<a class="pagenum" id="page_022" title="22"> </a> -Ich kann nur sagen, daß ich überrascht war von den wohlgepflegten -Straßen und Gouvernementsgärten, in welchem die -Gouvernementsgebäude eingebaut sind. Imponierend wirkten -die Anlagen der Kamerun-Mittellandbahn, deren Bahnhof -in einem Seitentale des Kamerunflusses, der sogenannten Bomonoschlucht -liegt, deren Hänge mit den Beamtenwohnhäusern -der Bahn malerisch bebaut sind.</p> - -<p>Durch die 23tägige Seefahrt war unser Gang an Land -direkt schwankend und schaukelnd geworden, doch heute – und -das war für mich die Hauptsache – konnte ich zum ersten Male -mein Haupt im schwarzen Erdteil, auf dem für mich noch tausend -Geheimnisse bergenden Kameruner Boden zur Ruhe -legen.</p> - -<p>Im Hotel traf mein Mann viele alte Bekannte von seiner -früheren kolonialen Tätigkeit her, alle freuten sich sehr, ihn -wiederzusehen und auch mich kennen zu lernen. Ein fröhlicher -Kreis bildete sich bald, Erinnerungen, ernste und heitere, wurden -lebhaft ausgetauscht und viele Fragen nach der lieben, -deutschen Heimat an uns gerichtet, so daß die Stunden wie im -Fluge entschwanden. Dem Bier und Sekt wurde sehr reichlich -zugesprochen, das Wiedersehen wurde recht gründlich gefeiert -und beim endlichen Aufbruch hatte ich das Empfinden, mich -noch an Bord zu befinden, wenigstens in bezug auf den »schaukelnden, -schwankenden Gang« meiner lieben, neuen Bekannten; -mein Mann jedoch durchaus nicht ausgeschlossen.</p> - -<p>Eine frische Nachtbrise machte den Aufenthalt in den kleinen -und niedrigen Hotelzimmern recht angenehm und zum -<a class="pagenum" id="page_023" title="23"> </a> -ersten Male wieder, seit langer Zeit, fand ich meinen von Europa -her gewöhnten, gesunden Schlaf.</p> - -<p>Ein fast unglaublicher Zufall führte uns mit dem Koch -zusammen, der mehrere Jahre in den Diensten meines Mannes -gestanden hatte und ihm während der Dauer von zweieinhalb -Jahren kreuz und quer durch die Urwälder Kameruns -ins Innere gefolgt war und sich nicht nur als treuer Begleiter, -sondern auch als tüchtiger, mit dem verwöhnten, europäischen -Gaumen wohlbekannter Koch erwies. Joseph, so hieß -diese schwarze Perle, freute sich unglaublich, seinen alten -Master wieder zu sehen und erklärte sich bereit, uns auf unserer -bevorstehenden Reise ins Innere zu folgen. Kurzerhand -löste er, wahrscheinlich zum nicht geringen Staunen und -Ärger seines bisherigen Herrn, sein Dienstverhältnis und stand -am andern Morgen grinsend mit seinem Päckchen am Hotel.</p> - -<p>Er war uns beim Einkauf unserer Verpflegung, die wir -auf ca. 3 Wochen zu berechnen hatten, behilflich und nichts -wurde vergessen, denn Joseph kannte die hohen Ansprüche, die -sein alter Master an seine Kochkunst stellte. Die Verpflegung: -Fleisch, Gemüsekonserven, Früchte, Cakes, Butter, Schmalz, -Mehl, Reis, Kaffee, Tee, Milch, Zucker, Essig, Öl, Gewürz, -einige Flaschen Wein und Bier und sonstige, für die Küche -des Europäers nötigen Kleinigkeiten, sowie etwas Reis und -Stockfisch, die als Notbehelf dienen sollten, für den Fall, daß -man mitten im Urwald Lager beziehen muß und keine Verpflegung -für die Träger (Planten, Makavo und Palmöl) bekommt, -wurde in Traglasten zu ca. 30 Kilogramm verpackt -und nach dem Hotel gesandt. Als Tauschartikel nahmen wir -<a class="pagenum" id="page_024" title="24"> </a> -noch Perlen, Tabak, und bedruckte Leinwandstoffe mit. Für -irgend einen ganz besonderen Zweck hatten wir uns auch eines -jener in Afrika typischen Hängekleider mitgenommen, desgleichen -mieteten wir uns für die Reise nach dem Manenguba-Gebirge -zwei Pferde.</p> - -<p>Die Deutsche Kolonial-Gesellschaft, in deren Diensten mein -Mann früher stand, stellte uns bereitwilligst ein Zelt mit den -nötigsten Ausrüstungsgegenständen zur Verfügung, und am -zweiten Tage nach unserer Landung wurden unsere Lasten -nebst ihren Trägern, die teilweise recht schmutzige Lendentücher, -welche bei Gott nicht mehr als fünf Prozent ihres -Leibes bedeckten und einen intensiven Geruch nach Schweiß -und Palmöl ausströmten, um den Leib geschürzt hatten, sowie -unsere Pferde und schließlich wir selbst in einem Leichter verstaut -und von einer Barkasse nach dem am rechten Ufer des -Wuri gelegenen Bonaberi gebracht und sofort in den bereitstehenden -Zug verladen.</p> - -<p>Da mir mein Mann nicht in eiliger Bergfahrt die Schönheiten -des Urwaldes flüchtig zeigen wollte, fuhren wir nur bis -Mujuka, zirka 60 Kilometer der Nordbahn und schlugen auf -einem freien Platz unser Zelt auf.</p> - -<p>Mit unglaublicher Geschwindigkeit wurden die Zeltlasten -aufgeschnürt und in einer halben Stunde stand unser Zelt -bezugsfertig da. Die Verpflegungslasten, aus denen Joseph -sich einige Konservenbüchsen hervorkramte, wurden unter das -Sonnensegel gestellt und bildeten, gegen die in der Übergangszeit -noch vorkommenden Tornados geschützt, gleichzeitig eine -kleine Barrikade um unser Zelt, nur den Eingang freilassend.</p> - -<p><a class="pagenum" id="page_025" title="25"> </a> -Nach dem Aufschlagen des Zeltes begab sich jeder der -Träger in den Urwald, um Holz für das nachts als Schutz -gegen Ameisen und Raubtiere stets brennende Feuer zu holen -und es dauerte gar nicht lange, so kehrten sie, jeder mit ein bis -zwei beindicken, zwei bis drei Meter langen Ästen zurück, -welche zu zwei großen Scheiterhaufen vereinigt, ihres Zweckes -harrten.</p> - -<p>Aus einigen, schnell aus den Fiedern der Palme geflochtenen -Matten und vier im Busche geschlagenen Pfählen wurde -ein kleines Badehäuschen (ohne Dach) aufgebaut und nachdem -wir gebadet und uns umgekleidet hatten, begann Joseph und -sein Helfershelfer, der boy Taka, zu servieren.</p> - -<p>Trotzdem Joseph mit größter Fach- und Sachkenntnis den -Lagerbau leitete, hatte er nebenbei, geschickt seine Töpfe auf -drei Steine stellend, mittels kleingespaltenem Holz das Essen -gekocht und Badewasser warm gemacht. Mitten unter freiem -Himmel loderten bald vier solcher kleinen Feuer, auf denen -die einzelnen Gerichte dampften.</p> - -<p>Wir hatten uns, gestützt auf die langjährigen Erfahrungen -meines Mannes, alles Geschirr in Emaille mitgebracht, denn -von Porzellan wäre wohl am Abend des ersten Tages wenig -übrig geblieben.</p> - -<p>Zierlich, mit einer weißen, sauberen Jacke bekleidet, und -stolzem Grinsen, die Suppe vor sich herbalanzierend, erschien -Taka, dem auf dem Fuße, nicht minder weiß gekleidet, mit -einem Gesicht, das den Stempel des Verantwortlichkeitsgefühls -trug, Joseph mit dem zweiten Gange, Huhn mit Kartoffelpüree, -folgte.</p> - -<p><a class="pagenum" id="page_026" title="26"> </a> -Taka, voll Eifer, bemerkte nicht, daß sein schwarzer Daumen -ein warmes Bad in der delikat aussehenden Schildkrötensuppe -nahm und von meinem Mann »zart« darauf aufmerksam gemacht, -traf ihn ein entrüsteter, vernichtender Blick Josephs, der -sich ein derartiges Benehmen anscheinend einfach nicht erklären -konnte und seinerseits, in diese schwarze Tat Takas -voll Kummer vertieft, vergaß, die Finger von den frisch hingesetzten -Tellern zu nehmen, so daß uns seine Fingerabdrücke -entgegenleuchteten, die sicher der Stolz jedes Kriminalbeamten -gewesen wären. Zum ersten Male stiegen mir an jenem Abend -leichte Zweifel ob des »Abfärbens« der schwarzen Rasse auf.</p> - -<p>Nun, das Essen war vorzüglich zubereitet, und mit etwas -gutem Willen war es mir auch möglich, alle »schwarzen« Gedanken -zu bannen und es mir schmecken zu lassen.</p> - -<p>Joseph hatte, da er die Verhältnisse gerade Mujukas, aus -seiner früheren Tätigkeit her kannte, bei einem dort wohnenden -Freund ein Huhn und eine, irgendwo mit Bindfaden in der -Hütte festgebundene Schildkröte erworben.</p> - -<p>Nach dem Essen setzten wir uns unter das Vordach unseres -Zeltes und plauderten, gemütlich in unsern Liegestuhl zurückgelehnt, -über das zurückgelegte Stück unserer Hochzeitsreise.</p> - -<p>Bald auch hörte unser Plaudern auf und träumend genossen -wir den unbeschreiblich schönen Tropenabend. Leider -war es noch einige Tage bis zum Vollmond, aber ich konnte -mir schon einen kleinen Begriff machen von der großen Schönheit -einer tropischen Mondnacht. Nichts regte sich, nur aus -der Ferne drang der Schlag der Palavertrommel, sowie der -monotone Gesang unserer Träger, die wir in einem benachbarten -<a class="pagenum" id="page_027" title="27"> </a> -Dorfe untergebracht hatten, zu uns herüber und ließ -die Nähe menschlicher Wohnungen vermuten. Eine unendlich -weiche Luft umfächelte uns, und ich dachte unwillkürlich an -unser, jetzt sicher so naßkaltes Hamburg, wo man sich schon -mit den Pelzen schmückt.</p> - -<p>Auch der Feuermann hatte bereits seine Arbeit begonnen -und eilte von einem lodernden Holzstoß zum andern, um -immer wieder zu schüren und ihm neue Nahrung zuzuführen. -Welch ein herrliches Schauspiel war es, in der ruhigen Nacht -zu beobachten, wie jedesmal, wenn der Feuermann neues -Holz auflegte, ein Funkenregen gen Himmel stiebte, der, gleich -einer Rakete, dann wieder langsam in sich zusammensank.</p> - -<p>Joseph war eifrig in seiner Küche beschäftigt, das Geschirr -zu säubern und alles für den nächsten Morgen, wo wir unsere -Reise zu Fuß fortsetzen wollten, vorzubereiten. Taka packte die -abgelegten Kleider in den Wäschesack, legte geschickt die am -nächsten Morgen benötigten Kleider auf das Moskitonetz -unserer Betten, und als sie beide ihr erstes Tagewerk bei ihrem -alten »Master« beendet hatten, baten sie um die Erlaubnis, -uns erzählen zu dürfen, wie es ihnen in der Zeit der Abwesenheit -meines Mannes ergangen sei. Ich konnte mich schon recht -gut mit den beiden Hausgeistern verständigen, dank der Bemühungen -meines Mannes, mich recht eingehend in das fast -undurchdringliche Pigeon-Englisch einzuweihen. Jeder hatte -natürlich wenig lichte Tage erlebt, denn intensives Arbeiten -ist nicht immer Sache der Neger. Am meisten schien sich Joseph -zu freuen, daß sich sein alter Meister nun sein Weib mitgebracht -hatte und gab dieser Freude dadurch Ausdruck, daß -<a class="pagenum" id="page_028" title="28"> </a> -er uns am Abend mit einer Tasse Tee und ich muß sagen, -einem wirklich wohlgelungenen Pudding überraschte.</p> - -<p>Noch einmal ermahnte mein Mann den Feuermann, der -mit einem Knüppel bewaffnet, jetzt vor den Feuern hockte und -träumend in die rote Glut starrte, ja nicht zu schlafen und -wir zogen uns in unser Zelt zurück.</p> - -<p>Einzelne Moskitos schwärmten im dunklen Zelte herum, -doch wir hatten ja Chinin geschluckt – was ich übrigens nicht -sonderlich schätzte – und konnten beruhigt sein.</p> - -<p>Lange lag ich noch wach, alle bisher erlebten Tage an -meinem geistigen Auge vorüberziehen lassend und dankte dem -Himmel für die Schönheiten und Reize die er mir auf meiner -Hochzeitsreise bisher geboten, bis auch ich schließlich, eingeschläfert -durch das Knistern der brennenden Holzscheite, Gott -Morpheus in die Arme sank.</p> - -<p>Doch unsere Nachtruhe sollte nicht lange ungestört sein, -scheinbar sollte ich die »Schönheiten« der Tropenlande mit -allen Finessen kennen lernen.</p> - -<p>Ein furchtbares Schreien und energisches Rütteln am Zelte -schreckte mich auf und entsetzt sprang ich hoch, glaubte ich doch -nicht anders, als daß wir überfallen worden seien. Ein -schwarzes, ängstliches, durch die Glut der Lagerfeuer geisterhaft -beleuchtetes Gesicht steckte sich durch den Spalt des Zeltes, -so daß ich entsetzt aufschrie, glaubte ich doch, noch schlafbefangen, -daß es der leibhaftige Teufel sei. Doch es war nur der harmlose -Feuermann, der ununterbrochen ein ängstliches »Anch, -Massa, Anch life« rief. So sehr ich auch mit Blitzeseile mein -Gedächtnis nach dem mysteriösen Wort »Anch« durchforschte, -<a class="pagenum" id="page_029" title="29"> </a> -ich konnte beim besten Willen nichts finden, was einem solchen -auch nur ähnlich gewesen wäre. Mein Mann, der nun endlich -auch aus seinem gesegneten Schlaf aufgewacht war, drehte sich, -nachdem er den Feuermann etwas energisch angehaucht hatte -und dieser blitzschnell verschwand, ganz ruhig im Bette herum -und erklärte mir, daß Ameisen unser Lager überfallen hätten. -Ich zog mich schleunigst wieder ins Bett zurück, wurde ich -doch schon von einigen kleinen Quälgeistern energisch gezwickt. -Das ganze Zelt, sowie das Moskitonetz waren mit Ameisen -besät. Nur der Vorsicht meines Mannes, beim Zubettgehen -das Moskitonetz sorgfältig unter die Matratze zu stopfen, war -es zu danken, daß mein Mann, obwohl mitten in einem -Ameisenhaufen, von diesen kleinen Räubern verschont blieb. -Durch meine Unvorsichtigkeit, sofort auf das Geschrei des -Feuermannes hin, aus dem Bett zu springen, hatten es sich -die Ameisen natürlich bereits in meinem Bett heimisch gemacht -und ich hatte das Vergnügen, jede einzeln, nachdem sie -mich an irgend einem Teile des Körpers gehörig gezwickt hatte, -zu fassen und hinauszubefördern.</p> - -<p>Ich hatte wirklich von der ersten Nacht im Zelte genug -und wäre am liebsten nach der Küste zurückgekehrt, wo man -doch wenigstens vor diesem kleinen Viehzeug sicher war und -nicht noch obendrein vom Manne ausgelacht wurde, wie es -mir armen Unglückswurm erging.</p> - -<p>Joseph hatte inzwischen unsere Trägerkolonne alarmiert, -die der kleinen Räuberbande energisch zu Leibe ging.</p> - -<p>Drei bis vier Neger öffneten die Rück- und Vorderwand -unseres Zeltes und begannen mit aus Palmenwedeln gefertigten, -<a class="pagenum" id="page_030" title="30"> </a> -brennenden Besen die Ameisen zu verbrennen, während -die übrigen Leute glimmende Scheite vom Lagerfeuer holten -und durch Abklopfen der glühenden Kohle die Ameisen zum -Rückzug nötigten. Meinem Manne bereitete der kleine Überfall -scheinbar viel Vergnügen, während ich heillose Angst hatte, -daß durch das unvorsichtige Umgehen der Neger mit den brennenden -Fackeln unser Zelt und vor allem das Bett Feuer -fangen könnte. Doch keines von beiden trat ein. Vereinzelt -liefen noch einige dieser »lieben Tierchen« (sogenannte Dickköpfe) -im Zelte herum.</p> - -<p>Mein Mann machte mich auf den völlig geordneten Abzug -der kleinen Räuberbande aufmerksam. Zu Tausenden und -Abertausenden zogen sie, die großen Ameisen (Dickköpfe) an -den Seiten Spalier bildend, die kleineren, gemischt mit einigen -führenden Großen, in einem zirka zwei bis drei Zentimeter -breiten Streifen ab. Als der Zug zu Ende war, schlossen sich -auch die Dickköpfe, die Spalier gebildet hatten, an.</p> - -<p>An Schlaf war meinerseits nicht mehr zu denken, denn das -gellende Geheul des Feuermanns und der Anblick seines feurigen -Gesichtes war denn doch zu stark in die Glieder gefahren. -Aber mein Mann, der an derartige Überraschungen gewöhnt -zu sein schien, verriet bald durch ein intensives Schnarchen die -Fortsetzung seiner Nachtruhe.</p> - -<p>Da, endlich ertönte die kleine mitgenommene, von Joseph -geschlagene Palavertrommel, deren Schall für die Träger das -Wecken bedeutete. Wir kleideten uns rasch an und wer beschreibt -mein Erstaunen, als ich, ins Freie tretend, unseren -Tisch mit richtiggehenden Weißbrötchen, Kaffee und einem -<a class="pagenum" id="page_031" title="31"> </a> -Teller Hafergrütze gedeckt fand. Ohne daß mein Mann nur -ein Wort gesagt hätte, hatte sich Joseph all der kleinen Liebhabereien -meines Mannes wieder erinnert und es schien ihm -große Freude zu machen, recht zu unserer Zufriedenheit zu -arbeiten.</p> - -<p>Joseph meldete, daß die Ameisen sich an der versehentlich -offen gelassenen Zuckerdose und dem restlichen Pudding weidlich -gelabt hätten und bat sich die Erlaubnis aus, dem Feuermann, -der durch sein Schlafen den Ameisen den Einzug in -unser Lager ermöglicht hatte, eine Ohrfeige geben zu dürfen. -Die Erlaubnis erhielt er und setzte sie auch sofort, und zwar -sehr energisch, in die Tat um. Ja, Joseph hielt auf Disziplin -in der Kolonne.</p> - -<p>Na, wenn der räuberische Überfall nicht mehr Materialschaden -brachte, war er wohl zu ertragen.</p> - -<p>Während wir den Morgenkaffee einnahmen, wurde mit -staunenswerter Geschwindigkeit das Zelt abgebrochen, jeder -schnürte sich seine Last zum Tragen fertig, und nachdem das -Geschirr verpackt war, setzten wir uns auf unsere Pferde und -ritten in den halbdunklen Urwald hinein.</p> - -<p>Es war ein ganz wonniger Morgen. Wie tausend Diamanten -funkelten die Tautropfen an allen Gräsern und Zweigen -in den mühsam durch das Dickicht brechenden Sonnenstrahlen. -In vollen Zügen atmeten wir die frische, würzige Morgenluft -ein; jubelnde Freude erfüllte meine Brust und vergessen waren -die kleinen Unannehmlichkeiten der vergangenen Nacht. Der -erste Tag im Urwald vom einzigschönen Kamerun nahm mich -derartig gefangen, daß ich am liebsten ein Lied angestimmt -<a class="pagenum" id="page_032" title="32"> </a> -hätte, ein frisches, fröhliches Wanderlied mit all den lieben, -kleinen, gefiederten Sängern, die alle schon ihr Sangespensum -erledigten, um die Wette. Doch auch unsere Kolonne war -nicht stumm, ein rhythmisches monotones Singen begann, -dessen Eigenart mich fesselte. Einer der Reserveträger sang, -vor der Kolonne hertanzend, das Lied vor und die anderen -stimmten später kräftig ein, gerade als wenn es der Refrain -wäre, den sie mitsangen.</p> - -<p>Joseph bildete den Schluß, damit nicht einer der Träger mit -seiner Last hinter der Reihe zurückblieb, denn nichts ist unangenehmer, -als wenn man im nächsten Tageslager angekommen, -sein Zelt aufschlagen will und eine Last fehlt.</p> - -<p>Man kann sich, wenn man es nicht selbst erlebte, keinen -Begriff von der imponierenden Schönheit des tropischen Urwaldes -machen.</p> - -<p>Mächtige Baumriesen von dreißig bis fünfzig Meter Höhe -und fast unglaublichem Durchmesser sind von kleineren Bäumen -und tausend verschiedenartigen Schlinggewächsen, rankenden -Farren und sonstigen Schmarotzern umgeben und überwuchert. -Staunend bewunderte ich die üppige Vegetation, die -seltenen, niegesehenen Blumen, das in allen Farben schattierende -Grün der einzelnen Schlinggewächse. Man sah es, -hier war der Kultur noch keine Macht gegeben, einzudringen, -stolz und frei sproß und wucherte alles in üppigster Selbstverständlichkeit -durcheinander, sich im Kampf um einen Lichtstrahl -eng umschlingend, so daß man keinen Meter breit das -geheimnisvolle Dunkel des ewiggrünen Urwaldes mit den -Blicken durchforschen konnte.</p> - -<p><a class="pagenum" id="page_033" title="33"> </a> -Nichts verriet ein Welken oder Sterben!</p> - -<p>Hoch in den Wipfeln der Bäume tummelten sich die bisher -nie gesehenen, unzähligen, farbenprächtigen Vögel, ein Singen, -Klingen, Geschrei und Gekrächze erfüllte die Luft, das -mein Herz immer höher schlagen ließ. Einer unserer Träger -machte uns auf einige Äffchen, welche in den Kronen der -Bäume fressend saßen, aufmerksam. Doch leider ergriffen die -possierlichen Tierchen bei unserem Anblick ängstlich die Flucht.</p> - -<p>Wir marschierten nicht auf der ausgebauten Regierungsstraße, -sondern auf Umwegen unserem Tagsesziele zu, denn ich -wollte den Urwald richtig kennen lernen.</p> - -<p>Wurzeln und bloßgewaschene Steine bedeckten den zirka -dreißig Zentimeter breiten Negerpfad, und erst jetzt konnte ich -mir die großen Schwierigkeiten vorstellen, die mit einer Erkundung -von Eisenbahnen im afrikanischen Urwald verbunden -sein mußten. Einige quer über den Weg liegende armdicke -Bäumchen waren von den vor uns marschierenden Reserveträgern -fortgeräumt, dicke, anderthalb bis zwei Meter im -Durchmesser fassende Baumriesen mußten umgangen werden. -Die kleinen Flüßchen, die ohne Brücke waren, wurden durchwatet.</p> - -<p>Plötzlich stutzte das Pferd meines Mannes, der voranritt, -und blieb mit zitternden Flanken stehen. Selbst unter Zuhilfenahme -der Sporen war es nicht möglich, das nervös trampelnde -Tier vorwärts zu bringen. Die Träger, die dadurch -ins Stocken kamen, wunderten sich einen Augenblick, um im -nächsten Moment, den Blick nach oben richtend, auf eine vom -Baum herabhängende, vier bis fünf Zentimeter dicke, zirka -<a class="pagenum" id="page_034" title="34"> </a> -vier Meter lange Schlange zu zeigen. Ein wohlgezielter Schuß -aus der Büchse meines Mannes bringt den Feind zur Strecke, -und beruhigt wiehernd setzte das Pferd seine Wanderung fort. -<a class="pagenum" id="page_035" title="35"> </a> -Die Unvorsichtigkeit meines Mannes, gleich vom Pferde aus -zu schießen, brachte ihm, durch eine schnelle Rückbewegung des -Pferdes, eine kräftige Ohrfeige vom Gewehre ein.</p> - -<p class="ce"><img src="images/p034i.jpg" alt="" /></p> - -<p>Nach zweistündigem Marsch kamen wir in einen mit zirka -fünfzig Zentimeter langem Gras bedeckten freien Platz, wo -mein Mann vor zirka fünf Jahren bei der Vermessung der -Kamerun-Nordbahn sein Lager errichtet hatte. Einige eingerammte -Pfähle und darüberliegende Knüppel, sowie einige -von Wind und Wetter zerfetzte Palmenmatten waren die Überreste -des ehemaligen Lagers. Wir rasteten kurze Zeit und -setzten dann unsere Wanderung fort.</p> - -<p>Mittlerweile war auch die Sonne recht hoch gestiegen und -entlockte mir, trotzdem ich noch immer ritt und ganz leicht -gekleidet war, so manchen Seufzer und manches Tröpflein -Schweiß, so daß ich froh war, als wir gegen vier Uhr nachmittags -unser nächstes Tageslager <em class="ge">Lum</em> erreichten.</p> - -<p>Wir hatten, selbst nach Ansicht meines Mannes, eine für -die Tropen ganz vorzügliche Tagesleistung hinter uns.</p> - -<p>Hier wurde wieder Lager aufgeschlagen und der Abend von -gestern wiederholte sich naturgetreu, mit Ausnahme des kleinen -Überfalles. Joseph begann sofort der Schlange »das Fell über -die Ohren zu ziehen« und schnitt deren Leib, ohne Rücksicht -auf die Eingeweide, in gleich große Stücke, die er unter die -Träger verteilte. Eiligst liefen diese nach ihren Unterkunftshütten, -wo – wie wir uns am Abend überzeugten – dieser -»Leckerbissen« mit einer unglaublichen Menge Bananen resp. -Planten in die unergründlichen Negermagen verschwand. -<a class="pagenum" id="page_036" title="36"> </a> -I gitt! I gitt! Den gleichen Weg nahm ein Hundsaffe, den -mein Mann noch geschossen hatte. Die Schlangenhaut wurde -mit kleinen, selbstgefertigten Holzstiftchen auf zwei Palmenrippen -aufgezweckt, mit Alaun eingerieben und zum Trocknen -ans Lagerfeuer gestellt. Auf gleiche Weise wurde das Affenfell -präpariert.</p> - -<p>Auch heute hatte Joseph wieder mit einer kleinen Überraschung -aufzuwarten. Er hatte unterwegs einige Mangopflaumen -gekauft und davon, unter Vermischung von Bananen -und Ananas ein sehr schmackhaftes Kompott zubereitet. Ananas -stand überhaupt täglich auf der Speisekarte. Ferner servierte -er ein junges Gemüse, was er aus zarten, in kleine Stücke -geschnittenen Graskolben, nach Art unserer jungen Erbsen, -vorzüglich zubereitet hatte.</p> - -<p>Todmüde sank ich nach einem kurzen Plauderstündchen -auf mein Lager und schlief fest und traumlos nach dem anstrengenden -Tagesritt bis zum Wecken, wo ich mich erfrischt -und neugestärkt erhob.</p> - -<p>Heute marschierten wir bis nach Nlohe, was bereits -600 Meter über dem Meere und bei 115 Kilometer der Nordbahn -an den Ausläufern des Menengubagebirges liegt.</p> - -<p>Die üppige Urwaldvegetation wurde hier bereits durch -einige kilometerlange, mit vier bis fünf Meter hohem, fingerdicken -Elefantengras bestandenen Flächen unterbrochen, die die -Ausläufer des Graslandes, in welches wir nun allmählich einmarschierten, -bildeten. Von hier aus benutzten wir wieder die -Bahn, um sie in Manengoteng wieder zu verlassen. Auch hier -machten wir nicht von dem dargebotenen Gastrecht Gebrauch, -<a class="pagenum" id="page_037" title="37"> </a> -sondern marschierten einige Kilometer zurück und schlugen -direkt an der alten Karawanenstraße an den zirka 10 Meter -hohen Fällen des Dibombe unser Lager auf.</p> - -<p>Entzückt stand ich still und konnte den Blick nicht losreißen -von den ungeheuren, schaum- und gischtgekrönten Wassermassen, -die sich mit donnerndem Getöse in die Tiefe stürzten, -unaufhörlich, rastlos! Fast unmöglich war es, sich bei dem -ungeheuren Lärm zu verständigen, doch wir gewöhnten uns -sehr bald an das ununterbrochene Rauschen des Dibombe und -waren hochbefriedigt von unserem idyllisch gelegenen Lagerplätzchen. -Interessiert betrachtete ich die aus Baumstämmen -und Knüppeln, verbunden durch Rotang (Lianengewächs) hergestellte -Brücke; gewiß ein Kunstwerk der Technik im afrikanischen -Urwald!</p> - -<p>Den Häuptling von Manengoteng hatte mein Mann angewiesen, -daß er Verpflegung für die Träger, sowie ein Schaf, -einige Eier und Ananas für unsere Küche bringen sollte und -nach einigen faulen Ausreden erklärte er sich dann auch bereit, -den gewünschten shop zu bringen.</p> - -<p>In Begleitung von fünfzehn bis zwanzig seiner Dorfgetreuen -und Frauen, die mich mit unverhohlenem Erstaunen -und großem Interesse recht eingehend begafften, brachte er -dann auch wirklich die Verpflegung für unsere Leute; ein sehr -schönes Mutterschaf für uns, und mit verschämtem Grinsen -überreichte er mir persönlich ein Huhn und ein kleines, mit -Eiern gefülltes Körbchen. Als Bezahlung erhielt er den ortsüblichen -Satz von sieben Mark für das Schaf, außerdem fünf -Het, das sind fünfundzwanzig Blatt Tabak, und aus der unergründlichen -<a class="pagenum" id="page_038" title="38"> </a> -Rumflasche er zwei und seine Begleiter je ein -Gläschen. Es wunderte mich, daß er das Glas auf einen Zug -leerte und den scharfen Traderum in dieser Menge seinem -Magen anbot. Doch der alte Genießer ging noch weiter, er -behielt den »Schluck« im Munde und spülte, den Kopf schüttelnd, -sich auch noch den Mund damit aus, bevor er das edle -Naß hinunterschluckte. Die gleiche raffinierte Genußsucht -zeigten seine Begleiter.</p> - -<p>Befriedigt über das Ergebnis seines Handels zog er sich in -sein Dorf, wo auch unsere Träger untergebracht waren, zurück.</p> - -<p>Inzwischen hatte Joseph bereits unserem Schäflein das -Lebenslicht ausgeblasen und am Abend servierte er Hammelkeule -mit grünen Bohnen (Konserven). Joseph wollte sich vor -mir als durchaus perfekter Koch zeigen und hatte zum Nachtisch -Krapfen gebacken, sowie eine gute Tasse Kakao gekocht.</p> - -<p>Meine lächelnde Frage, ob die Krapfen in »Affenfett« gebacken -seien, wies er beleidigt zurück, sah dann aber an meinem -Appetit, daß ich nur gescherzt hatte.</p> - -<p>Mein Mann hatte mir oft in der Heimat von den Kochkünsten -seines für ihn unentbehrlich gewordenen Joseph erzählt, -und ich kann heute die Schilderungen schon zum größten -Teil bestätigen.</p> - -<p>Lustig loderten und knisterten die um unsere »Behausung« -angelegten vier Lagerfeuer und wir fielen bald, nachdem wir -die wichtigsten Tagsesereignisse notiert hatten, durch das Rauschen -des Dibombe und die vom tosenden Wasserfall gespendete -Kühle sanft eingelullt, in einen tiefen Schlaf.</p> - -<p><a class="pagenum" id="page_039" title="39"> </a> -Durch den alles übertönenden Lärm der abstürzenden -Wassermassen und durch den uns umgebenden Urwald am -Fernblick behindert, hatten wir nicht wahrgenommen, daß im -Westen eine dicke, schwarze Gewitterwand sich auftürmte und -dank der ausnahmsweisen Wachsamkeit des Feuermannes wurden -wir vor unfreiwilligen Flugversuchen bewahrt.</p> - -<p>Ein furchtbarer Sturm brach los. Dürre Äste fielen laut -krachend um unser Zelt herum zu Boden und der Feuermann -begann bereits die glimmenden Holzscheite der Lagerfeuer, die -einen mächtigen Funkenregen verursachten, auseinanderzuziehen, -denn er sah das Zwecklose seiner Bemühungen, weiterhin -ein Lagerfeuer unterhalten zu können, ein. In wenigen -Augenblicken prasselte der Regen in Strömen hernieder, der -jedoch dank der um das Zelt angelegten vielen Wassergräben -unsere Behausung, wenigstens von unten her, trocken ließ. -Blitz folgte auf Blitz und Donnerschlag auf Donnerschlag. -Fast ununterbrochen war unser Zelt taghell erleuchtet, und ich -mußte die Augen schließen vor der blendenden weißglühenden -Helle der tropischen Blitze. Unheimlich wurde mir in unserem -engen Zelt zumute, doch es gab keine andere Möglichkeit, als -ruhig im Bett liegend, auszuharren, bis der Tornado vorüber -war.</p> - -<p>Noch nie hatte ich ein derartiges Gewitter erlebt. Was -waren selbst die strengsten Gewitter in der Heimat gegen dies -Toben der entfesselten Elemente, diesen Aufruhr der Natur -in den Tropen, das blitzte, krachte, sauste, rüttelte an unserem -Zelt, daß ich glaubte, der Untergang der Welt sei gekommen.</p> - -<p><a class="pagenum" id="page_040" title="40"> </a> -Joseph, der die Unerbittlichkeit meines Mannes, während -der ganzen Nacht ein Lagerfeuer zu unterhalten, kannte, hatte -vor Beginn des Regens so viel Holz als möglich durch die -Träger in die Hütten schaffen lassen. Er selbst harrte mit uns -im Zelte aus.</p> - -<p>Da plötzlich schien die elementare Gewalt noch ein letztes -Mal mit dem Rest ihrer gewaltigen Kräfte einzusetzen, dem -selbst einige Stricke unseres Zeltes nicht standhielten, so daß -die eine Hälfte einfach zusammenklappte.</p> - -<p>Wieder war es Joseph, der in Gemeinschaft mit dem Feuermann, -welcher unter dem Sonnensegel Schutz gesucht hatte -und durch das Zusammenklappen des Zeltes ein unfreiwilliges, -zu seinem größten Leidwesen recht ergiebiges Bad genommen -hatte, bei strömendem Regen unter Blitz und Donner die Zeltstricke -an in der Nähe befindlichen Bäumen festband. Eine -kleine, kalte Douche hatten wir jedoch auch mit abbekommen.</p> - -<p>Die Gewalt des Tornado war jetzt gebrochen, und man -hörte nur noch das monotone Rauschen des Wasserfalls und -den langsam schwächer werdenden Donner des abziehenden -Gewitters, begleitet von starkem Wetterleuchten.</p> - -<p>Die beunruhigte Natur brachte uns auch endlich für den -Rest der Nacht in der angenehmen Kühle und erfrischenden, -gereinigten Luft den ersehnten, erquickenden Schlaf.</p> - -<p>Wir öffneten unser Zelt an den beiden Stirnseiten und -ließen uns von der frischen Nachtbrise in den Schlaf fächeln.</p> - -<p>Am andern Morgen brachen wir in aller Frühe unsere -Zelte ab, riefen dem Wasserfall ein letztes Lebewohl zu und -marschierten bis zur Station Manengoteng, wo Joseph mit den -<a class="pagenum" id="page_041" title="41"> </a> -Trägern das Verladen unserer Lasten vornahm, während wir -zu Pferde, begleitet von acht Trägern mit etwas Verpflegung -und einer aus zwei Reisesäcken und zwei armdicken Knüppeln -gefertigten Hängematte bis zur nächsten Station, Ndunge, -durch den herrlichen Urwald, der uns heute, nach dem erfrischenden -Tornado viel schöner erschien als bisher, ritten.</p> - -<p>Schwierig gestaltete sich die Überquerung eines mittleren -Nebenflusses des Dibombe, dessen Brücke, welche aus mehreren -über den Fluß gelegten Baumstämmen und darüber geschnürten -Knüppeln bestanden hatte, vom gestrigen Tornado fortgerissen -war. An einer seichten Stelle (Furt) wurde die Durchquerung -vorgenommen. Unsere wenigen Lasten, die bisher -auf dem Rücken getragen worden waren, mußten auf den -Kopf genommen werden. Rasch entledigten die Neger sich -ihres einzigsten Kleidungsstückes, des schmutzigen Lendenschurzes, -dem eine innige Berührung mit dem Wasser absolut -nichts geschadet hätte, und bis unter die Arme im Wasser -stehend, das Gesicht der nicht schwachen Strömung zugewandt, -waren bald sämtliche Träger am andern Ufer des Flusses -angelangt. Mein Mann, dem ein derartiges Durchqueren -nichts Neues war, schwamm direkt mit dem Pferde durch. -Für mich ließ er die »Hängematte« bringen und darin liegend, -wurde ich auf den Köpfen unserer lieben, schwarzen Brüder -durch den Fluß getragen. Sehr behaglich fühlte ich mich in -diesem provisorischen Traggerüst allerdings nicht, am meisten -nervös machte mich das andauernde Geschrei und Zurufen der -sich vorsichtig vorwärts tastenden Träger.</p> - -<p class="ce"><a class="pagenum" id="page_042" title="42"> </a> -<img src="images/p042i.jpg" alt="" /></p> - -<p>Nachdem wir auch dieses Hindernis genommen hatten, -ritten wir durch die, an den Ufern des Dibombe, der sich hier -zwischen Felsblöcken hindurchwindet, gelegenen Bananenhaine, -<a class="pagenum" id="page_043" title="43"> </a> -in deren Hintergrund der Urwald, streckenweise von Grasflächen -unterbrochen, in seiner alten Pracht grünte. Das Gekrächze -der Papageien und der Ruf des Turakos, sowie das -Murmeln des eilig zu Tale fließenden Dibombe unterbrachen -die lautlose Stille des Urwaldes.</p> - -<p>Auf einem vom Sturm entwurzelten Urwaldriesen ließen -wir uns nieder und von Taka den mitgenommenen Mundvorrat -auftischen, welcher bis auf eine kleine eiserne Portion, -die für alle Fälle unberührt blieb, verzehrt wurde.</p> - -<p>Von Ferne vernahm man das Stöhnen und Krächzen der -Eisenbahn, die gerade an dieser Stelle die sehr steilen Hänge -des Manenguba-Gebirges in kurz gewundenen Serpentinen, -mehrere Male den Fluß kreuzend, hinaufkeucht. Wir ließen -den Zug an uns vorüberfahren und Joseph, der mit den restlichen -Trägern auf dem mit unseren Lasten beladenen Wagen -thronte, schwenkte, zum Zeichen, daß in der Kolonne alles in -Ordnung sei, fast kameradschaftlich die Mütze.</p> - -<p>Nach weiterem, dreistündigen Marsch durch die endlosen -Grasflächen, die wir auf engen, ausgetretenen, zirka 30 Zentimeter -breiten Negerpfaden, zu deren beiden Seiten das bis -fünf Meter hohe Elefantengras wogte und keinem Lüftchen -Zutritt zum Wege gestattete, durchquerten, zogen wir endlich -in Ndunge ein. (Das vorläufige Ende der Kamerun-Nordbahn -ist Nkongsamba.) Hier sahen wir zum ersten Male größere -Herden Kleinvieh und eine, scheinbar mit Verständnis aufgenommene -Hühnerzucht.</p> - -<p>Nachdem wir etwas außerhalb des Dorfes einen Platz von -Gras und kleinem Buschwerk befreit und darauf unser Lager -<a class="pagenum" id="page_044" title="44"> </a> -aufgeschlagen hatten, erschien auch schon der Häuptling mit -Verpflegung für die Leute und einigen Ananas und Popeias -für uns.</p> - -<p>Das Häuptlingsgehöft Ndunge bestand aus zweiundzwanzig, -in einer Linie längs der Straße aufgebauten Mattenhäusern -und kennzeichnete eine gewisse Wohlhabenheit seines -Besitzers.</p> - -<p>Für jedes Weib, welches sich der Häuptling neu erwirbt, -läßt er von den Getreuen seines Dorfes ein neues Mattenhaus -errichten. Der Häuptling selbst stand in den besten Jahren, -und wir wunderten uns über die vielen alten Frauen, die in -seinen Gehöften untergebracht waren. Er erzählte uns auf -Befragen, daß sein Vater vor zirka fünf Jahren gestorben sei -und ihm seinen ganzen Reichtum, in Gestalt von fünfzehn -Frauen, als Erbe hinterlassen hätte.</p> - -<p>Der Platz zwischen Gehöft und Straße war sauber mit -kleinen Büscheln von Zitronengras (Fiebergras) eingefaßt und -in der Mitte dieses Platzes standen einige herrliche Orangen- und -Mangopflaumenbäume. Eine stattliche Herde Schafe und -Ziegen waren hinter dem Gehöft in einer Hürde eingesperrt.</p> - -<p>Wir hatten allmählich unsere Decken hervorsuchen müssen, -denn es war in den Abendstunden schon recht frisch, so daß man -sich, im Langstuhl sitzend, eine Decke über die Knie legen mußte.</p> - -<p>Nachdem mein Mann den Häuptling für die gebrachte Verpflegung -scheinbar recht gut bezahlt hatte, brachte er uns am -Morgen vor unserem Aufbruch noch einige Hühner, die mit -zusammengebundenen Füßen und über dem Arm getragen, -mitgenommen wurden.</p> - -<p><a class="pagenum" id="page_045" title="45"> </a> -Hier sollte, da wir uns doch bald am Endziel unserer Reise -nach Norden befanden, das in Duala eingekaufte Hängekleid -ein würdiger Sold für das Entgegenkommen des Häuptlings -sein. Mit vor Freude glänzenden Augen überreichte er seinem -Lieblingsweibe das Kleid, welches laut klatschend alle ihre -Mitfrauen herbeirief, um uns nach dem Klang der Palaver- -und Playtrommeln, die von den Männern geschlagen wurden, -unter rhythmischem Händeklatschen einen Abschiedstanz aufzuführen. -Als wir unsere Pferde bestiegen hatten, drückte der -Häuptling uns kameradschaftlich die Hand und unter lautem -Zurufen und Gejohle der Bewohner galoppierten wir zum -Gehöft hinaus.</p> - -<p>Weiter ging es durch endloses Weideland, welches durch -das letzte Abbrennen nur mit ganz jungen Grasspitzen bestanden -war, auf der schön ausgebauten Regierungsstraße zunächst -nach dem Posten Bare, wo wir auch unsere Trägerkolonne -einholten.</p> - -<p>Hier sahen wir zum ersten Male an Stelle der Mattenhäuser -aus den Halmen des Elefantengrases hergestellte Hütten.</p> - -<p>Nach kurzer Rast zogen wir, nach weiterem, dreistündigen -Marsch in das deutsche Gehöft der Gebrüder H. ein.</p> - -<p>Freundlich von den Besitzern empfangen, ließen wir die -Pferde in den Stall bringen und in kurzer Zeit saßen wir, -fröhlich von der Heimat plaudernd, mit den beiden, von der -Tropensonne gebräunten Farmern beim Essen. Dann zeigten -sie uns ihre stattlichen Rindvieh-, Schaf- und Ziegenherden, -sowie die Schweine und am Schlusse eine, in bescheidenen -Grenzen gehaltene Pferdezucht. Fern von jeder menschlichen -<a class="pagenum" id="page_046" title="46"> </a> -Niederlassung auf einem erloschenen Krater, die in jener Gegend -nichts Seltenes sind, hatten sie ein recht stabil gebautes, -mit Matten eingedecktes Wohnhaus errichtet, dem sich, ein -Geviert bildend, die Ställe und Scheunen anschlossen. Vor -dem Gehöft war ein großer Komplex urbar gemacht und mit -Kartoffeln bepflanzt, während zu beiden Seiten herrliche Bananen- -und Plantenhaine, leicht von der wohltuenden Brise -bewegt, standen. Auch Mais und Makavos, die hauptsächlich -als Futter dienten, erbauten sie. Die innere Ausstattung des -Wohnhauses war den afrikanischen Verhältnissen angepaßt und -wir freuten uns, nach den vielen Tagen der Reise wieder -einmal ein festes Dach über unserem Haupte zu haben. Allerdings -reichten für die bis heute erklommene Höhe (1100 Mtr.) -unsere mitgebrachten Decken nicht aus, denn die Temperatur -sank bereits in den Abendstunden recht tief.</p> - -<p>Der nächste Tag war der von den Trägern, und ich muß -sagen, auch für uns innig herbeigesehnte Rasttag, denn in -Afrika marschiert man für gewöhnlich höchstens fünf Tage, -um am sechsten einen Ruhetag zu machen.</p> - -<p>Während ich nach einem langen, bis tief in den Morgen -hineinwährenden Schlaf gemütlich durch die Farm bummelte -und alles nochmals interessiert betrachtete, ging mein Mann -mit den beiden Besitzern auf Jagd und brachte aus der sogenannten -Kornkammer, einer verlassenen Kassadafarm, neun -Stück Buschhühner und fünf Tauben mit nach Hause, die wir -uns am Mittag, durch die Hand des schwarzen Kochs schmackhaft -zubereitet, munden ließen.</p> - -<p><a class="pagenum" id="page_047" title="47"> </a> -Am Nachmittag ritten wir noch nach dem in der Nähe -gelegenen Dorfe Mboénda, wo mein Mann früher einmal sein -Lager für längere Zeit aufgeschlagen hatte. Leider war der -Häuptling an den Folgen einer Dysenterie gestorben, doch die -anderen Bewohner, die meinen Mann wiedererkannten, freuten -sich über unser Kommen und beschenkten uns mit Hühnern -und Eiern. Da wir nur einige Het Tabak bei uns hatten, -zahlten wir mit diesen.</p> - -<p>Um den Nachmittag gut auszufüllen, zeigte mir mein -Mann noch die über den Nkam führende, kunstgerecht aus -fingerdicken Rotang-Lianen hergestellte, den ganzen zirka sechzig -Meter breiten Fluß überspannende Hängebrücke bei Nkongsam. -Unterhalb dieser Brücke stürzt sich der Nkam 40 Meter über -vorspringende Felsen in die Tiefe und jeder, der beim Überschreiten -der Hängebrücke einen Fehltritt tut, wäre dem sichern -Tode geweiht.</p> - -<p>Nachdem wir dieses herrliche Naturschauspiel bewundert -hatten, ging's im flotten Trabe heim. An das Durchreiten der -zu durchquerenden Flüsse hatte auch ich mich schon gewöhnt, -so daß wir bald wieder in der Farm anlangten, noch ehe die -Nacht ihre Schatten auf die Erde senkte.</p> - -<p>Am nächsten Morgen ließ Josef, wie an Marschtagen -üblich, bereits im Dämmern des kommenden Tages, das sich -in Afrika innerhalb einer halben Stunde von der Nacht bis -zum völligen Sonnenaufgang vollzieht, unsere Lasten in Reih -und Glied vor dem Hause auflegen.</p> - -<p><a class="pagenum" id="page_048" title="48"> </a> -Als wir nach kurzem Frühstück aus dem Hause heraustraten, -bot sich uns wieder ein eigenartiges gewaltig-schönes -Schauspiel.</p> - -<p>Wer beschreibt die Schönheit des in scheinbarer Eile hinter -den Bergen emporsteigenden Glutballes!</p> - -<p>Erst ein ganz leichter goldiger Schein, der sich bald in ein -purpurnes Rot, durchzogen von gelben bis milchweißen Fäden, -verwandelt, beleuchtet die Sonne die ausgedehnten, saftig grünen -Grasflächen mit ihren ersten, wärmenden Strahlen und -während wir uns von unseren liebenswürdigen Gastgebern -mit herzlichem Dank verabschiedet hatten, stand sie in voller -Pracht am Himmel.</p> - -<p>Nun traten wir den Marsch zur Küste an und marschierten -vorläufig wieder zu unserem Freunde von vorgestern, wo wir -nach Übernachtung am nächsten Tage die Bahn benutzen wollten, -um sie in Mujuka wieder zu verlassen.</p> - -<p>Eine zauberhaft schöne Mondnacht senkte sich auf die leicht -ausgekühlte Tropenlandschaft nieder. Prächtig, in nie gesehenem -Glanze, eine kolossale Lichtfülle ausstrahlend, stand silberglänzend -der Vollmond am Himmel. Die Helligkeit war so -groß, daß man nicht zu klein gedruckte Schrift bequem im -Mondlicht lesen konnte.</p> - -<p>Nicht sattsehen konnte ich mich an der Schönheit der im -magischen, weißen Lichte daliegenden Landschaft. Ich muß -sagen, daß mir die Eigenart der tropischen Lande noch unendlich -anziehender erschien als im Sonnenglanz.</p> - -<p>Noch ganz versunken in die märchenhafte Schönheit des -Abends, beachteten wir kaum den erst schüchternen, dann immer -<a class="pagenum" id="page_049" title="49"> </a> -stärker werdenden rhythmischen Schlag der Palaver- und Play-Trommeln. -Als auch noch Gesang, sowie ein, diesen begleitendes -Händeklatschen aus dem Dorfe zu unserem Lager herüberdrang, -machten wir uns auf, um dem Tanze – denn ein -solcher fand nach den Angaben meines Mannes statt – zuzuschauen.</p> - -<p>Männlein und Weiblein hatten sich auf dem Dorfplatze im -Kreise aufgestellt, hinter diesen, wohlgeordnet, die »Musikanten« -und in der Mitte des Kreises tanzten, ihre Schultern und -Hände schwingend und den Bauch schlangenartig im Kreise -windend, zwei anmutige Negermädchen. Es ist unbeschreiblich, -mit welchem Feuer, jede Muskel einzeln bewegend, der Neger -sich dem Genusse des Tanzens hingibt. Schweißüberströmt -drehten sich die fast ganz nackten Körper im Mondlicht und -ein wohlgelungener, graziöser Sprung, der gleichzeitig das -Ende der Partie bedeutete, brachte den Tanzenden ein lebhaftes -Gejohle und Händeklatschen als Lohn ein.</p> - -<p>Etwas abseits von dieser tanzenden Gruppe hatten die erwachsenen -jüngeren Männer einen Kreis gebildet. Ihre Musikinstrumente -bestanden aus leeren Kisten, Tonnen und zwei, -anderthalb Meter im Durchmesser fassende, fünf Meter lange, -aus einem Baumstamm herausgeschnitzte Kriegstrommeln, die -kräftig mit Stöcken und Knüppeln bearbeitet wurden. Wenn -die Frauen ihre Tänze graziös ausführten, so kann man hier -von einem wilden, jeglichen Rhythmusses entbehrenden Springen -der mit Tanzmasken geschmückten Männer reden. Ganz -ausnahmsweise große Sprünge wurden mit einem lauten, -zischenden »scht, scht« begleitet, welche Laute durch Ruten, aus -<a class="pagenum" id="page_050" title="50"> </a> -den Rippen der Raphiapalme hergestellt und durch die Luft -geschlagen, erzeugt wurden.</p> - -<p>Mein Mann verteilte einige Het Tabak und eine Flasche -Rum, welche lauten Jubel auslösten und die schwarze Gesellschaft -zu noch groteskeren Sprüngen veranlaßte.</p> - -<p>Müde des Schauens, zogen wir uns in unser Lager zurück, -doch noch lange floh uns der Schlaf, da das Gedröhne der -Trommeln, die monotonen Gesänge, unterbrochen von den -schrillen Trillern und dem Aufjauchzen der Weiber, unausgesetzt -zu uns herübertönte.</p> - -<p>Es schien, als sollte ich, soviel als die Kürze der Zeit es -erlaubte, alles kennen lernen, was das Leben in den Tropen -an Schönheiten und Widerwärtigkeiten mit sich bringt.</p> - -<p>Wir ritten am nächsten Tage von Mujuka aus, wohin uns -inzwischen die Bahn gebracht hatte, nach den Kakaoplantagen -in Mudame, wo uns der Leiter in liebenswürdigster Weise -die Kakaokulturen, sowie die Bearbeitung der Früchte bis zur -Verschiffung zeigte. In fröhlicher Gesellschaft einiger älterer -Angestellten verbrachten wir den Abend.</p> - -<p>Am nächsten Morgen mieteten wir uns drei große, zirka -fünfzehn Meter lange Kanoes, in die wir unsere Lasten verstauten. -Das erste Kanoe, auf welchem wir unsere Longchairs -zwischen den Lasten eingebaut hatten, nahmen wir in Beschlag. -Zum Schutze gegen die Sonnenstrahlen ließen wir uns über -den Langstühlen ein leichtes Dach aus Palmenblättern aufbauen, -so daß wir im Genusse der durch die Fahrt erzeugten -Brise blieben. Die zwei anderen Kanoes wurden von den -Trägern besetzt.</p> - -<p><a class="pagenum" id="page_051" title="51"> </a> -In fröhlicher Fahrt ging es, durch die kräftigen Ruderschläge -unserer Pulljungs vorwärts getrieben, den Mungo -hinunter.</p> - -<p>Leise stimmte einer der Neger ein Liedchen an, in das bald -die andern einfielen und nun wiederholte sich das auf dem -Marsch bereits Beobachtete, daß einer vorsang und die andern -einfielen; im Takte mit den Ruderschlägen.</p> - -<p>Zu beiden Ufern den Mungo, grüßte uns wieder der nie -genug geschaute imposante Urwald mit seinem, im herrlichen -Tropenmorgen erwachenden Leben. Papageien flogen kreischend -von Baum zu Baum, Turakos ließen ihre durchdringenden -Schreie vernehmen und wir hatten das Glück, diesmal -nicht allzufern, einige niedliche Äffchen zu beobachten, welche, -sich scheinbar sehr sicher fühlend, uns neugierig betrachteten. -Auf den aus dem Bett herausgetretenen Sandbänken stelzten -Reiher und andere Strandvögel, munter pickend, einher.</p> - -<p>Unbeschreiblich schön und reizvoll ist so eine Fahrt auf -dem Mungo!</p> - -<p>Doch, nichts ist vollkommen, und den Genuß dieser herrlichen -Morgenfahrt wußten uns hunderte von Moskiten, die -uns an den freigelassenen Körperstellen ganz zerstachen, zu -schmälern. Doch als die Sonne höher stieg und der leichte -Nebel sich zerteilt hatte, ließen auch diese Quälgeister nach und -ein freier, klarer Ausblick bot sich uns nach vorn.</p> - -<p>Fast wie auf ein Kommando hielten unsere Pulljungs jetzt -inne und zeigten uns, auf einer Sandbank ruhend, ein Krokodil. -Freudig überrascht, verhielten wir uns ganz still und ließen -das Kanoe durch die Strömung treiben, steuerten dicht an die -<a class="pagenum" id="page_052" title="52"> </a> -Sandbank heran und auf den Knien im Kanoe liegend, schreckte -mein Mann durch einen wohlgezielten Schuß aus seiner Birschbüchse -den Schläfer aus seiner Ruhe. Leider war für seine -Größe der Schuß zu wenig und ehe noch mein Mann das -Gewehr repetieren konnte, verschwand das Krokodil in den -Fluten des Mungo, natürlich zum lebhaften Bedauern unserer -Träger, denen das Fleisch eine willkommene Beute gewesen -wäre.</p> - -<p>Nach einigen Stunden flotter Fahrt legten wir in Kotto, -einem mächtigen Negerdorf am Mungo, an. Unsere Träger -hatten unsere Ankunft durch lautes Hallern und Schlagen der -Palavertrommeln, die wir stets mit uns führten, bekannt gegeben -und auf halbem Wege nach dem Dorfe kamen uns bereits -der Häuptling mit dem üblichen Anhang entgegen. Er -machte zur Begrüßung einen, allerdings unfreiwilligen, Knicks -bis zur Erde (er war versehentlich auf eine hervorstehende -Wurzel getreten und ausgeglitten), was eine allgemeine Heiterkeit -der Anwesenden zur Folge hatte und ihnen einen wütenden, -strafenden Blick ihres Herrn und Gebieters eintrug; jedoch -auch wir konnten nur mühsam ein Lachen unterdrücken.</p> - -<p>Wir gingen mit ihm nach seinem Dorf und er bewirtete -uns mit Palmwein, einem unserem Most ähnlichen, leicht gegorenen, -säuerlichen Getränk, welches der Ölpalme abgezapft -wird. Auch ließ er sofort im Dorfe Eier zusammenholen und -schenkte uns beim Fortgang das landesübliche Huhn.</p> - -<p>Wir hatten jeden Tag mindestens ein Huhn gegessen, teilweise, -um keine Fleischkonserven essen zu müssen, sogar zwei.</p> - -<p><a class="pagenum" id="page_053" title="53"> </a> -Weiter ging's auf der meist spiegelglatten, nur hie und da -durch quer im Fluß liegende Baumstämme unterbrochenen -Fläche des Mungo. An den uns entgegenkommenden Kanoes, -die mit Früchten und Tauschwaren beladen waren, schoß das -unsrige pfeilschnell vorüber und nur kurze Anrufe »woher! – -wohin!« unterbrachen den monotonen Gesang.</p> - -<p>Die Sonne hatte ihren höchsten Stand lange überschritten, -als wir am linken Ufer des Mungo auf einem kleinen Plateau -ein niedliches Dörfchen erblickten, wo wir dann auch landeten -und Lager aufschlugen.</p> - -<p>Am Flusse sah ich einige schwarze Mütter stehen, welche -ihre, scheinbar kaum einige Wochen alten, Bambinos durch -das Wasser schwenkten, was ich als Grausamkeit empfand, den -Kleinen aber ganz gut zu bekommen schien. Näherkommend, -reichten sie mir zutraulich ihre Kleinen und lachten glücklich, -als ich durch Schäkern ein Lächeln auf dem niedlichen, schwarzen -Gesichtchen hervorrief.</p> - -<p>Ins Lager zurückkommend, nahm ich meine tägliche -Waschung vor, doch schon während derselben fühlte ich im -Gesicht und an den Händen leichte Stiche, konnte aber immer -nur die Folgen derselben, einen roten Fleck in der Größe einer -Erbse finden. Durch meinen Mann aufmerksam gemacht, -näher hinsehend, bemerkte ich die stecknadelspitzen-großen Sandfliegen, -die dutzendweise an den entblößten Stellen des Körpers -saßen und Blut saugten. Gott sei Dank, waren es nur harmlose -Tierchen, die keine Krankheiten übertragen. Weit unangenehmer -empfand ich das in den höchsten Tönen hervorgebrachte -Summen der Moskitos, die uns während des ganzen Abends -<a class="pagenum" id="page_054" title="54"> </a> -umschwirrten und vor allen Dingen mich (mein Mann behauptete, -des süßen Blutes wegen!) grausam quälten. Trotz -der Vorsicht Josephs, das Moskitonetz recht fest unter die -Matratze gestopft zu haben, hatten sich doch einige dieser -»lieben Tierchen« Einlaß in unser Allerheiligstes zu verschaffen -gewußt, und es entspann sich beim Schlafengehen ein lebhafter -Kampf, bei dem die Moskitos, als die Unterliegenden, ihr -sträfliches Tun mit dem Tode büßen mußten. Aber selbst die -Genugtuung, alles getötet zu haben, was sich unberechtigterweise -unter mein Moskitonetz eingeschlichen hatte, ließ mich -keinen Schlaf finden, denn das Summen der außerhalb des -Netzes fliegenden Moskitos machte mich dermaßen nervös, daß -ich froh war, als der Schlag der Trommel, der als Weckruf -für den Träger dient, den anbrechenden Morgen verkündete.</p> - -<p>Auf mein Bitten hin und mit Rücksicht auf mein zerstochenes -Gesicht sowie Arme wurde die Kanoefahrt, so herrlich -sie an und für sich war, abgebrochen, und wir marschierten -quer durch den Urwald, stracks nach Osten der Bahn zu, die -wir in Kake bestiegen, und noch am selben Tage zogen wir -wieder in Bonaberi und Duala ein.</p> - -<p>Unsere Reise in die nördlichen Gebiete hatte uns länger -in Anspruch genommen, als wir beabsichtigten, so daß wir unser -aufgesetztes Reiseprogramm, in dem noch eine Reise nach -Jaunde mit aufgenommen war, nicht durchführen konnten.</p> - -<p>Wir hatten bis zur Abfahrt des Dampfers noch sechs Tage -und da ich, trotz unserer vieltägigen Reise durch den Urwald -und einen Teil des Graslandes noch nicht einmal einen Elefanten -in Freiheit gesehen hatte, so beschlossen wir, nach einer -<a class="pagenum" id="page_055" title="55"> </a> -eintägigen Ruhepause noch eine Kanoefahrt auf dem Wuri -oder Kamerunfluß zu unternehmen.</p> - -<p>Obwohl ich eigentlich noch ziemlich genug hatte von den -»Genüssen«, die uns die eintägige Kanoefahrt auf dem Mungo -beschert hatte, willigte ich in die Änderung des Reiseprogramms -ein.</p> - -<p>Unsere Träger wollten nun auch für die uns geleisteten -Dienste ihre Besoldung haben, die wir ihnen in deutscher -Münze auszahlten. Als Geschenk für die Ausdauer, die sie -bewiesen hatten, erhielt jeder fünf Het Tabak, zwei Flaschen -Gin und eine Mark, sowie den von der Buschtour zurückgebrachten -Reis. Vor Freude führten sie unter Singen und -Schreien einen Tanz auf und hatten es dann sehr eilig, die -erworbenen Pfennige in den Faktoreien Dualas in Waren -umzusetzen.</p> - -<p>Am nächsten Tage mieteten wir uns ein zirka zwanzig -Meter langes Kanoe, in welches wir einige, mit Verpflegung -und Reservekleider bepackte Koffer verstauten, ein Palmblätterdach -wieder im vorderen Teil des Kanoes aufbauten und die -Longchairs zwischen die Lasten setzten. Wir fuhren mit einer -Besetzung von zwölf Pulljungs auf dem Kamerunbecken hin, -an den großen, mitten im Strom lagernden Inseln vorüber, -den Wuri hinauf.</p> - -<p>Da wir Flut hatten, wurde den Pulljungs die Arbeit erleichtert -und pfeilschnell schoß, unter den kräftigen Ruderschlägen -unserer Dualas, das Kanoe auf der spiegelglatten Fläche, -die nur durch einige, aus dem Wasser herausragende Felsblöcke -und Baumstämme, sowie von einigen, aus dem oberen -<a class="pagenum" id="page_056" title="56"> </a> -Teil des Wuri kommende Kanoes, deren Besatzung gleich der -unseren ihre monotonen Weisen erklingen ließen, unterbrochen -wurde, dahin.</p> - -<p>Immer höher stieg die Sonne und durch das angestrengte -andauernde Paddeln ermüdet, verstummte bald der Gesang -unserer Besatzung. Da die Flut uns nicht gefolgt war, mußte -die ziemlich starke Strömung des Wuri überwunden werden -und es ging immer langsamer vorwärts. Stellenweise mußten -die Jungens sogar das Kanoe verlassen und dasselbe über den -Schlick und die Sandbänke hinwegziehen.</p> - -<p>In einem idyllisch an den flachen Ufern des Wuri gelegenen -Dörfchen schlugen wir unser Zelt auf und legten uns -nach der üblichen Begrüßung durch den Häuptling und dem -Genuß einer von Joseph selbst erlegten Antilope schlafen.</p> - -<p>Mein Mann hatte sich mit den Dorfbewohnern eingehend -über die Jagdverhältnisse unterhalten und Befehl gegeben, -daß wir am nächsten Morgen sehr früh aufbrechen und eine -Jagdfahrt auf dem Abo unternehmen wollten.</p> - -<p>Noch ehe die Sonne die leicht gekräuselte Fläche des hier -sehr schmalen, aber tiefen Wuri beschien, befanden wir uns -auf dem seeartigen Abo, dessen beide Ufer mit einem undurchdringlichen -Mangrovendickicht, Lianen und tausend anderen -Schlinggewächsen bestanden sind. Vor uns sahen wir eine -kleine Lichtung, die bis an das Ufer des Abo heranreichte und -beim Näherkommen machten uns unsere Begleiter auf zwei, -im Grase ruhende Flußpferde aufmerksam, auf deren Rücken, -wie wir mit dem Glase feststellten, die Madenhacker (kleine -Vögel) eifrig pickten. Kaum hörbar, die Ruder flach durch -<a class="pagenum" id="page_057" title="57"> </a> -das Wasser ziehend, steuerten wir auf diese Stelle zu. Mein -Mann hatte sich lang ins Kanoe gelegt und außer seiner Birschbüchse, -die er bereits an der Backe liegen hatte, hielt ich, hinter -ihm sitzend, den mit fünf Patronen geladenen Karabiner zum -Schusse bereit. Als der erste Schuß krachte, sah ich in der Aufregung -oder Jagdfieber, welches sich meiner bemächtigt hatte, -nur einen unförmigen Körper laut klatschend ins Wasser fallen, -während sich eine scheinbar formlose Masse schnaufend und -stöhnend im Grase wälzte.</p> - -<p>Dem ersten folgten zwei weitere Schüsse und unter lautem -Schreien ruderten die Schwarzen das Kanoe an Land, um -das erlegte Tier zu besehen.</p> - -<p>Wir hatten nicht bemerkt, daß uns zwei weitere Kanoes -aus dem Dorfe, in welchem wir das Lager aufgeschlagen hatten, -gefolgt waren, die nun unter Aufbietung aller Kräfte singend -und schreiend auf uns zuruderten und sich in Gemeinschaft mit -unseren Leuten an die Zerlegung des von mir sehr bestaunten -Tieres machten. Bald sah man an der Stelle, wo die beiden -Dickhäuter der Ruhe gepflegt hatten, nur noch schwammige -Stückchen Fleisch und eine große Blutlache. Ich übertreibe -nicht, wenn ich sage, daß in einer Viertelstunde von dem -Koloß, den mein Mann auf 20 Zentner schätzte, nur noch -tragbare Stückchen Fleisch zu sehen waren. Unsere Pulljungs -suchten sich die schönsten Stücke heraus, mein Mann ließ sich -ein zirka ein Quadratmeter großes Stück Haut abschneiden -und die Stoßzähne herausschlagen, während das andere in -den Besitz der übrigen Dorfbewohner überging.</p> - -<p class="ce"><a class="pagenum" id="page_058" title="58"> </a> -<img src="images/p058i.jpg" alt="" /></p> - -<p>Eigentlich hatten wir erreicht, was wir wollten, doch die -kurze Zeit des Aufenthalts in Kamerun wollten wir ausnützen, -soweit es möglich war. Auf Befragen erfuhren wir -<a class="pagenum" id="page_059" title="59"> </a> -von einem der Dorfbewohner, daß zirka eine halbe Stunde -von uns entfernt, mehrere Elefanten durch den Abo wechselten, -und zwar meist in den Nachmittagsstunden zwischen vier und -sechs Uhr. Da wir keinen großen Rückweg zu unserem Lager -hatten, ruderten wir nach längerer Rast weiter den Abo hinauf, -bis zu der von den Dorfbewohnern bezeichneten Stelle.</p> - -<p>Unser Kanoe wurde an einem Baumstamm festgebunden, -während wir die Umgebung nach den Spuren der Dickhäuter -absuchten. Bald fanden wir auch einige größere und eine -kleinere Spur und Losung, die scheinbar vom Morgen herrührte. -In geringer Entfernung von der Furt lagerten wir -uns im Walde und harrten der Ankunft dieser lebenden Urwaldriesen.</p> - -<p>Wir sollten nicht lange auf die Folter gespannt werden, -denn in der Ferne hörten wir bald das Trompeten eines Elefanten, -dessen schauriger Klang meine Nerven erzittern ließ. -Wir gingen etwas tiefer in den Urwald hinein und ich bemerkte -bald, daß wir, mein Mann, Joseph und ich, allein -waren; unsere anderen Begleiter hatten sich ängstlich ins Kanoe -zurückgezogen, um bei einem evtl. Angriff der Dickhäuter -schnell das Weite suchen zu können. Was aus uns dann würde, -war diesen tapferen Seelen gleichgültig.</p> - -<p>Sonderlich wohl war mir selber nicht zumute, doch mich -auf die Treffsicherheit meines Mannes verlassend, harrte ich -hinter einem dicken Baumstamm geborgen, herzklopfend, aber -mutig aus.</p> - -<p>Abermals erscholl, und zwar diesmal in unmittelbarer -Nähe, der Trompetenklang des Elefanten, und die Erde dröhnte -<a class="pagenum" id="page_060" title="60"> </a> -und zitterte unter dem Stampfen seiner Füße. Auf mein -Bitten hin gab mein Mann sein Vorhaben, zu schießen, auf, -und wir haben es nicht bereut. Der Bequemlichkeit halber -schien der Elefant seine alte Fährte zu benutzen, denn das von -meinem Mann beschriebene Knacken und Krachen der Bäume -und Äste, die er sich aus dem Wege räumt oder zerstampft, -war nicht vernehmbar. Da, endlich sahen wir den Koloß -gemütlich angetrottelt kommen und zu unserer aller Überraschung -in seinem Gefolge ein täppisches, possierliches Junges -in der Größe eines Pferdes.</p> - -<p>Plötzlich blieb die Elefantenmutter stehen, und mir stockte -das Blut in den Adern, denn ich glaubte, daß sie Witterung -von unserer Anwesenheit bekommen habe. Aber ihr Warten -galt nur dem Kleinen, das scheinbar nicht so große Schritte -wie die Mutter nehmen konnte. Am Flusse angekommen, -trampelte sie erst einige Zeit, in dem aufgeweichten Boden -bis zum Bauch versinkend, umher, zog den Rüssel voll Wasser -und spritzte das hinter ihr stehende Junge an.</p> - -<p>Zu gern hätte ich gesehen, wie so ein Elefant schwimmend -den Strom durchquert, doch die Mutter schien um das Leben -ihres Jüngsten besorgt zu sein und nachdem sich das Schauspiel -mehrere Male wiederholt hatte, trabten Mutter und -Kind, laut trompetend, wieder in den Urwald zurück. Als sie -etwa 50 Meter von uns entfernt waren, gab mein Mann -einen Schreckschuß ab und aus ihrer Sorglosigkeit aufgeschreckt, -jagten die beiden, die uns so kostbare Minuten bereitet hatten, -in den undurchdringlichen Urwald hinein.</p> - -<p class="ce"><a class="pagenum" id="page_061" title="61"> </a> -<img src="images/p061i.jpg" alt="" /></p> - -<p>Mein Wissensdurst war wieder einmal glänzend gestillt -und hochbefriedigt kehrten wir in unser Lager zurück.</p> - -<p><a class="pagenum" id="page_062" title="62"> </a> -Wir hatten noch zwei Tage Zeit, die wir einer eingehenden -Besichtigung der Hafenstadt und ihrer großzügigen Anlagen -widmeten. Auch den »Palast« des Oberhäuptlings Mango -Bell, der uns mit einer Flasche Bier und Bisquits bewirtete, -besuchten wir.</p> - -<p>Der letzte Tag, den wir in Kamerun verbringen konnten, -wurde zu einem Besuch der in Beseke befindlichen Negerrestauration -»Zum strammen Hund« verwendet, wo wir uns bei -einem Glase Eisbier mit einigen dort anwesenden Gouvernementsbeamten -über ihre Erlebnisse während des Tropenaufenthalts -unterhielten. Ja, ich konnte schon ihre Unterhaltung -mit einigem Selbsterlebten unterbrechen, worüber sie sehr erfreut -waren.</p> - -<p>Am Mittag des nächsten Tages begaben wir uns an Bord, -von einigen in Afrika neu gewonnenen Freunden begleitet, die -uns Grüße an die Heimat mitgaben und sich mit einem kräftigen -deutschen Händeschütteln verabschiedeten.</p> - -<p>Ade, Kamerun! Du herrliches, einzigschönes Land mit -deinen reichen, geheimnisvollen Schätzen, die du willig dem -überläßt, der sich nicht der Mühe scheut, sie aufzusuchen und -mit offenen Augen um sich schaut, auf all die Pracht, all den -Reichtum! Mein Leben lang werde ich zehren an den herrlichen -Erinnerungen, und, sitze ich im Norden Deutschlands, -in Schnee und Eis vergraben, träumen von deinen ewig -grünen, ewig schönen Urwäldern, deinen klaren, stillen Flüssen, -den schäumenden, donnernden Wasserfällen und dem wunderbaren -Zauber deiner mondscheindurchleuchteten Märchennächte! -Was ich mir von dir versprach, das hast du getreulich gehalten -<a class="pagenum" id="page_063" title="63"> </a> -und so, voller Freude, wie ich kam, scheide ich jetzt voller -Wehmut. Nur ein letztes Lebewohl noch kann ich dir mit dem -Tüchlein winken, und der stolze Kamerunberg erwidert den -Gruß in schweigendem Ernst. Doch bald wirst auch du unsern -Blicken entschwunden sein, weiter geht's in die offene See der -fernen Heimat zu.</p> - -<p>Vorbei die wundervolle, herrliche Zeit!</p> - -<p>Zur Heimreise benutzten wir einen Zwischendampfer und -lernten auf diese Weise die vor der Bucht von Biafra lagernde -spanische Insel Fernando Poo kennen. Leider war der Aufenthalt -im Hafen von St. Isabell sehr kurz bemessen, so daß -sich ein An-Landgehen nicht lohnte. Wir hatten ja nun genug -Eindrücke gesammelt, die wir auf unserer Heimreise an unserem -geistigen Auge vorüberziehen lassen konnten und die Abendstunden -waren immer viel zu kurz, um über alles Erlebte zu -plaudern.</p> - -<p>Nachdem wir bei ausnahmslos schönstem Wetter und -spiegelglatter See die Häfen der Westküste passiert hatten, sahen -wir uns eines Morgens wieder im Hafen von Santa Cruz. -Für den Rest der Heimreise bestand in bezug auf Seekrankheit -keine Gefahr, denn wir hatten für unsere ganze Reise die -denkbar günstigste Jahreszeit gewählt und landeten wohlbehalten, -sonnengebräunt und von den Angehörigen jubelnd -begrüßt, am Petersen-Kai in Hamburg.</p> - -<hr class="mb4" /> - - - - -<p class="pb ce mb4"><img src="images/p000i.jpg" alt="" /><br /> -Freudentanz der Negerweiber um einen getöteten Gorilla in einem Dorfe Kameruns.</p> - -<p class="pb ce"><img src="images/p032aia.jpg" alt="" /><br /> -Rieseneidechse Vogeleier fressend.</p> - -<p class="ce mb4 nopb"><img src="images/p032aib.jpg" alt="" /><br /> -Rast auf dem Marsche.</p> - -<p class="pb ce mb4"><img src="images/p032bi.jpg" alt="" /><br /> -Schwarze Schönheiten in Kamerun.</p> - -<p class="pb ce mb4"><img src="images/p032ci.jpg" alt="" /><br /> -Kamerun-Neger.</p> - -<p class="pb ce mb4"><img src="images/p032di.jpg" alt="" /><br /> -Negerinnen beim Tanz.</p> - - - - -<hr class="pb" /> - -<p class="ce fsl lh2"><a class="pagenum" id="page_064" title="64"> </a> -<span class="fsl">Wilhelm Köhler, Minden in Westfalen</span><br /> -Verlagsbuchhandlung, Großbuchdruckerei</p> - -<p class="ce fss">Postscheck-Konto: Hannover 4112 – Giro-Konto: Reichsbank<br /> -Telegramm-Adresse: Verlag Köhler. – Telefon-Nummer 249<br /> -Gründungsjahr 1865.</p> - - -<p class="mt2 ce mb2">Soeben in <em class="ge">neuer</em> Auflage erschienen:<br /> -<span class="fsxl"><b>Köhlers Taschenliederbuch<br /> -für das deutsche Volk,</b></span><br /> -enthaltend <b>400</b> der <em class="ge">beliebtesten</em> Lieder.<br /> -288 Seiten Text im farbigen Kartonumschlag.<br /> -<b>Preis 35 Pfennig</b>,<br /> -elegant und dauerhaft in Ganzleinen gebunden,<br /> -<b>Preis 60 Pfennig</b></p> - - -<p class="ce fsxl mb0"><b>Die Laufbahnen<br /> -in der Handels- und Kriegsmarine.</b></p> - -<p>Nach den <b>neuesten</b> Bestimmungen bearbeitet von <b>Kapitän Preuß</b>, -Studienrat an der Seefahrtsschule in Bremen. Wie manche Eltern, ganz -besonders im Binnenlande, stehen dem Wunsche ihres Sohnes »Seemann -zu werden«, ratlos gegenüber, da sie nie im Leben ein Seeschiff in seinem -Element sahen und keine Ahnung von der Ausbildung und den Aussichten in -diesem Beruf haben. Möge dieses Büchlein, geschrieben von einem Fachmann, -der selbst 10 Jahre auf Seglern und Dampfern Reisen nach allen Weltteilen -ausführte und der noch heute in seiner Stellung in engster Fühlung -mit der seemännischen Praxis steht, für unsere deutschen Jungen, die den -Seemannsberuf ergreifen wollen, eine vollkommene Aufklärung bringen.</p> - -<p class="ce"><b>Preis Mk. 1,–</b></p> - -<p class="ce mt2">Durch <em class="ge">jede</em> Buchhandlung zu beziehen, auch direkt von der<br /> -<b>Verlagsfirma Wilhelm Köhler, <em class="ge">Minden</em> in Westfalen</b>.</p> - -<p class="ce">Für Porto und Verpackung sind pro Buch Mark 0,15 beizufügen.</p> - - - - -<h2>Hinweise zur Transkription</h2> - - -<p class="in0">Die Abbildungen auf Frontispiz und Beilage (im Original hinter Seite 32) -sind dem Buchtext nicht konkret zuzuordnen; sie wurden an das Textende verschoben. </p> - -<p class="in0">Das Originalbuch ist in Fraktur gesetzt.</p> - -<p class="in0">Darstellung abweichender Schriftarten: <em class="ge">gesperrt</em>, <b>fett</b>.</p> - -<p class="in0">Der Text des Originalbuches wurde grundsätzlich beibehalten, mit folgenden -Ausnahmen,</p> - -<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_006">6</a>:<br /> -"kenen" geändert in "kennen"<br /> -(aus eigner Anschauung kennen lernen)</p> - -<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_007">7</a>:<br /> -"Tereriffe" geändert in "Teneriffe"<br /> -(in deren Mitte ihr Oberhaupt, der Pique Teneriffe thronte)</p> - -<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_018">18</a>:<br /> -"," entfernt hinter "Makavo", ", " eingefügt vor "Mais"<br /> -(Makavo (kartoffelähnliche Knollenfrucht), Mais)</p> - -<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_019">19</a>:<br /> -"." eingefügt<br /> -(die vielen Schönheiten des wunderbaren Landes.)</p> - -<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_022">22</a>:<br /> -"Gouvernementsgarten" geändert in "Gouvernementsgärten"<br /> -(wohlgepflegten Straßen und Gouvernementsgärten)</p> - -<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_038">38</a>:<br /> -"." eingefügt<br /> -(die Schilderungen schon zum größten Teil bestätigen.)</p> - -<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_043">43</a>:<br /> -"wird" geändert in "wir"<br /> -(zogen wir endlich in Ndunge ein)</p> - -<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_047">47</a>:<br /> -"Nkan" geändert in "Nkam"<br /> -(die über den Nkam führende)</p> - -<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_053">53</a>:<br /> -"unberbrachen" geändert in "unterbrachen"<br /> -(unterbrachen den monotonen Gesang)</p> - -<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_064">64</a>:<br /> -"." eingefügt<br /> -(eine vollkommene Aufklärung bringen.)</p> - -<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_064">64</a>:<br /> -"0.15,–" geändert in "0,15"<br /> -(Für Porto und Verpackung sind pro Buch Mark 0,15 beizufügen.)</p> - -<hr /> - -<div style='display:block; margin-top:4em'>*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK UNSERE HOCHZEITSREISE IN DIE URWÄLDER VON KAMERUN ***</div> -<div style='text-align:left'> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -Updated editions will replace the previous one—the old editions will -be renamed. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -Creating the works from print editions not protected by U.S. copyright -law means that no one owns a United States copyright in these works, -so the Foundation (and you!) can copy and distribute it in the United -States without permission and without paying copyright -royalties. 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Redistribution is subject to the trademark -license, especially commercial redistribution. -</div> - -<div style='margin:0.83em 0; font-size:1.1em; text-align:center'>START: FULL LICENSE<br /> -<span style='font-size:smaller'>THE FULL PROJECT GUTENBERG LICENSE<br /> -PLEASE READ THIS BEFORE YOU DISTRIBUTE OR USE THIS WORK</span> -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -To protect the Project Gutenberg™ mission of promoting the free -distribution of electronic works, by using or distributing this work -(or any other work associated in any way with the phrase “Project -Gutenberg”), you agree to comply with all the terms of the Full -Project Gutenberg™ License available with this file or online at -www.gutenberg.org/license. -</div> - -<div style='display:block; font-size:1.1em; margin:1em 0; font-weight:bold'> -Section 1. General Terms of Use and Redistributing Project Gutenberg™ electronic works -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -1.A. 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If any disclaimer or limitation set forth in this agreement -violates the law of the state applicable to this agreement, the -agreement shall be interpreted to make the maximum disclaimer or -limitation permitted by the applicable state law. The invalidity or -unenforceability of any provision of this agreement shall not void the -remaining provisions. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -1.F.6. INDEMNITY - You agree to indemnify and hold the Foundation, the -trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone -providing copies of Project Gutenberg™ electronic works in -accordance with this agreement, and any volunteers associated with the -production, promotion and distribution of Project Gutenberg™ -electronic works, harmless from all liability, costs and expenses, -including legal fees, that arise directly or indirectly from any of -the following which you do or cause to occur: (a) distribution of this -or any Project Gutenberg™ work, (b) alteration, modification, or -additions or deletions to any Project Gutenberg™ work, and (c) any -Defect you cause. -</div> - -<div style='display:block; font-size:1.1em; margin:1em 0; font-weight:bold'> -Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg™ -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -Project Gutenberg™ is synonymous with the free distribution of -electronic works in formats readable by the widest variety of -computers including obsolete, old, middle-aged and new computers. It -exists because of the efforts of hundreds of volunteers and donations -from people in all walks of life. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -Volunteers and financial support to provide volunteers with the -assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg™’s -goals and ensuring that the Project Gutenberg™ collection will -remain freely available for generations to come. In 2001, the Project -Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure -and permanent future for Project Gutenberg™ and future -generations. To learn more about the Project Gutenberg Literary -Archive Foundation and how your efforts and donations can help, see -Sections 3 and 4 and the Foundation information page at www.gutenberg.org. -</div> - -<div style='display:block; font-size:1.1em; margin:1em 0; font-weight:bold'> -Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non-profit -501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the -state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal -Revenue Service. The Foundation’s EIN or federal tax identification -number is 64-6221541. Contributions to the Project Gutenberg Literary -Archive Foundation are tax deductible to the full extent permitted by -U.S. federal laws and your state’s laws. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -The Foundation’s business office is located at 809 North 1500 West, -Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887. Email contact links and up -to date contact information can be found at the Foundation’s website -and official page at www.gutenberg.org/contact -</div> - -<div style='display:block; font-size:1.1em; margin:1em 0; font-weight:bold'> -Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg Literary Archive Foundation -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -Project Gutenberg™ depends upon and cannot survive without widespread -public support and donations to carry out its mission of -increasing the number of public domain and licensed works that can be -freely distributed in machine-readable form accessible by the widest -array of equipment including outdated equipment. Many small donations -($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt -status with the IRS. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -The Foundation is committed to complying with the laws regulating -charities and charitable donations in all 50 states of the United -States. Compliance requirements are not uniform and it takes a -considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up -with these requirements. 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Thus, we do not -necessarily keep eBooks in compliance with any particular paper -edition. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -Most people start at our website which has the main PG search -facility: <a href="https://www.gutenberg.org">www.gutenberg.org</a>. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -This website includes information about Project Gutenberg™, -including how to make donations to the Project Gutenberg Literary -Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to -subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks. -</div> - -</div> - -</body> -</html> diff --git a/old/64769-h/images/cover.jpg b/old/64769-h/images/cover.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 9bbecd8..0000000 --- a/old/64769-h/images/cover.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/64769-h/images/p000i.jpg b/old/64769-h/images/p000i.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 085ee65..0000000 --- a/old/64769-h/images/p000i.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/64769-h/images/p032aia.jpg b/old/64769-h/images/p032aia.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 780434e..0000000 --- a/old/64769-h/images/p032aia.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/64769-h/images/p032aib.jpg b/old/64769-h/images/p032aib.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 6849acf..0000000 --- a/old/64769-h/images/p032aib.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/64769-h/images/p032bi.jpg b/old/64769-h/images/p032bi.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index ac396d9..0000000 --- a/old/64769-h/images/p032bi.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/64769-h/images/p032ci.jpg b/old/64769-h/images/p032ci.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 4070ddd..0000000 --- a/old/64769-h/images/p032ci.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/64769-h/images/p032di.jpg b/old/64769-h/images/p032di.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 4f70b25..0000000 --- a/old/64769-h/images/p032di.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/64769-h/images/p034i.jpg b/old/64769-h/images/p034i.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index c89504b..0000000 --- a/old/64769-h/images/p034i.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/64769-h/images/p042i.jpg b/old/64769-h/images/p042i.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 7d64864..0000000 --- a/old/64769-h/images/p042i.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/64769-h/images/p058i.jpg b/old/64769-h/images/p058i.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index f8c3acd..0000000 --- a/old/64769-h/images/p058i.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/64769-h/images/p061i.jpg b/old/64769-h/images/p061i.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 1109c7d..0000000 --- a/old/64769-h/images/p061i.jpg +++ /dev/null |
