summaryrefslogtreecommitdiff
path: root/old/64769-0.txt
diff options
context:
space:
mode:
Diffstat (limited to 'old/64769-0.txt')
-rw-r--r--old/64769-0.txt2075
1 files changed, 0 insertions, 2075 deletions
diff --git a/old/64769-0.txt b/old/64769-0.txt
deleted file mode 100644
index 55da6ec..0000000
--- a/old/64769-0.txt
+++ /dev/null
@@ -1,2075 +0,0 @@
-The Project Gutenberg eBook of Unsere Hochzeitsreise in die Urwälder von
-Kamerun, by Jenny Claren
-
-This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and
-most other parts of the world at no cost and with almost no restrictions
-whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it under the terms
-of the Project Gutenberg License included with this eBook or online at
-www.gutenberg.org. If you are not located in the United States, you
-will have to check the laws of the country where you are located before
-using this eBook.
-
-Title: Unsere Hochzeitsreise in die Urwälder von Kamerun
-
-Author: Jenny Claren
- Jenny Neralc [pseud.]
-
-Release Date: March 09, 2021 [eBook #64769]
-
-Language: German
-
-Character set encoding: UTF-8
-
-Produced by: the Online Distributed Proofreading Team at
- https://www.pgdp.net
-
-*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK UNSERE HOCHZEITSREISE IN DIE
-URWÄLDER VON KAMERUN ***
-
-
-
-
- Unsere
- Hochzeitsreise
- in die Urwälder
- von Kamerun
-
- Von
- Jenny Neralc
-
- Mit 4 Abbildungen im Text
- und
- einer Illustrations-Beilage
-
- Winden in Westfalen
- Druck und Verlag von Wilhelm Köhler
- 1924
-
-
-
-
-Nun sollte es also doch Wahrheit werden!
-
-Ich sollte Kamerun sehen!
-
-Das lang und heiß Ersehnte, aber nie Erhoffte sollte greifbare Gestalt
-annehmen.
-
-Kamerun! Allein das Wort hatte stets einen faszinierenden Reiz auf mich
-ausgeübt. Von allen fremden Ländern war es stets der schwarze Erdteil,
-der mich am meisten anzog und von diesem wiederum Kamerun. Schon als Kind
-verschlang ich alle sich darauf beziehenden Reisebeschreibungen und sah ich
--- als Hamburgerin -- Dampfer der Woermannlinie nach Kamerun ausreisen, was
-ich mir nicht oft entgehen ließ, konnte ich mich oft eines Tränenstromes
-nicht enthalten, sodaß manch' lächelnder Blick der am Kai versammelten
-Menschen das kleine, dicke Mädel traf, dessen Kummer allen unverständlich
-war.
-
-Nie hätte ich geglaubt, daß sich mein glühender Wunsch noch dermaleinst
-verwirklichen würde; doch das Schicksal meinte es gut mit mir, indem es
-mir in meinem Lebensgefährten einen Mann zuführte, der bereits 5 Jahre
-Kamerun bereist, eine tiefe Liebe für dieses schöne Land empfand. Er
-verstand und würdigte meine Sehnsucht und überglücklich war ich, als er
-mir als Hochzeitsgabe eine Reise nach Kamerun versprach.
-
-Welch' herrlicher Gedanke! An der Seite des geliebten Mannes das Land
-meiner Sehnsucht aufzusuchen und kennen zu lernen. Wie dankbar war ich ihm
-für seine Güte, die mir diese herrlichste aller Hochzeitsgaben bescherte.
-
-Drei Tage nach unserer Trauung in Dresden fuhren wir am 7. September nach
-Hamburg. Ein gemütlicher Abend hielt uns bei lieben Freunden fest, wo
-unsere Abreise weidlich begossen wurde. Spät trennten wir uns, begleitet
-von guten Wünschen der Freunde, doch lange konnte ich keinen Schlaf
-finden, denn in unregelmäßigen Zwischenräumen drang das Heulen der
-Sirenen in unser Hotelzimmer und erneuerte immer wieder das wunderselige,
-wonnige Gefühl: »Morgen, morgen gehts hinaus in die weite, herrliche
-Welt!«
-
-Am andern Abend um 10 Uhr begaben wir uns an Bord. Am Morgen des nächsten
-Tages um 7 Uhr wurden die Taue vom Kai gelöst und langsam fuhren wir,
-von einem Schlepper gezogen, unter den heiter-wehmütigen Klängen des
-hübschen, uralten Liedes: »Muß i denn, muß i denn zum Städtelein
-hinaus« und dem Hurrarufen und Tücherschwenken der am Kai Stehenden, aus
-dem Hafen hinaus, die Elbe hinunter.
-
-Das eben erwachende Blankenese, mit seinen schmucken, in Grün gebetteten,
-Wohlstand verratenden Villen und dem stolzen Süllberg sandte uns in
-lachender Morgensonne seine Abschiedsgrüße zu und weiter gings, an den
-blühenden Elbhügeln entlang, dem offenen Meere zu.
-
-Ein buntes Leben und Treiben entwickelte sich vor unseren Augen in
-der Elbmündung, denn unzählige kleine Küstendampfer und Fischkutter
-steuerten, geschickt manöverierend, unter Volldampf ihrem Ziele zu.
-
-Nachdem wir die Feuerschiffe passiert hatten, fuhren wir mit halber Kraft
-in die Nordsee ein. Unser Schiff begann jetzt unter den leichten Wellen der
-Nordsee etwas zu stampfen, doch, als geborene Hamburgerin des Seereisens
-von einigen Überfahrten nach Helgoland und Dänemark nicht ganz
-ungewöhnt, machte mir die stampfende Bewegung des Schiffes viel
-Vergnügen.
-
-Fern am Horizonte tauchten die Umrisse unseres befestigten
-Felsen-Eilandes, Helgoland, auf, um welches herum, malerisch, und doch in
-Schlachtenformation gruppiert, ein Teil unseres Hochseegeschwaders unter
-Volldampf lag, scheinbar in Erwartung eines markierten Feindes.
-
-Nachdem auch dieser kleine Rest heimatlicher Erde unseren Blicken
-entschwunden war und der Tag sich zu neigen begann, zogen wir uns, für
-heute des Schauens müde, in unsere Kabine zurück, und die leise an die
-Schiffswand schlagenden Wellen und das stete Surren der Schiffsschraube
-sangen uns ein monotones, einschläferndes Schlummerlied.
-
-Als ersten Hafen liefen wir Boulogne sur mer an, nahmen Post und einige
-Passagiere an Bord und dampften selbigen Tags, die um die Insel Wight
-gruppierten, schwimmenden, englischen Forts passierend, nach Southampton,
-wo wir ebenfalls auf Reede liegen blieben und von einem Küstendampfer Post
-und Passagiere übernahmen.
-
-Weiter ging es mit Volldampf in den offenen Ozean hinein.
-
-Das leichte Gekräusel der Nordsee, was wir bereits als Wellen empfanden,
-verstärkte sich dermaßen, daß man auf dem Schiff, außer den heftiger
-gewordenen Stampfbewegungen, auch ein recht bemerkenswertes Rollen
-verspürte, ja selbst einige Spritzer der kleinen Sturzseen benetzten
-die Promenadendecks, und empfindliche Gemüter zogen sich bereits aus der
-frischen Seebrise in die verschiedenen Salons zurück.
-
-Die »alten Afrikaner« hatten sich bereits zu kleinen Gesellschaften
-gruppiert und begannen, unbekümmert um das Treiben des Ozeans, ein
-Spielchen. Eifrig wurde dem Bier und sonstigen geistigen Getränken
-zugesprochen und dicker Zigarren- und Zigarettenqualm erfüllte den Raum,
-so daß ich vorzog, mich schleunigst an Deck zu begeben, in die herrliche,
-frische Seeluft, wenngleich mich auch einige dieser »alten Afrikaner«
-stark interessierten. Beim Spiel konnte man beobachten, wie sehr ihre
-Nerven im schwarzen Erdteil gelitten hatten. Diese typische, leichte
-Erregbarkeit, die so schnell erhitzten Gemüter, kennzeichneten die lange
-unter der sengenden Sonne Afrikas hartgearbeiteten Männer. Und auch
-wie manche sehnige, schöne Gestalt war unter ihnen: groß, schlank,
-braungebrannt, mit kühnem Gesicht und energisch blickenden Augen.
-Stets weilte ich gern unter ihnen und lauschte ihren hochinteressanten
-Erzählungen über ihre Erlebnisse im schwarzen Erdteil. Sollte ich doch
-jene Gefilde, die noch einen kleinen Überrest des längst entschwundenen
-Urdaseins darstellen, aus eigner Anschauung kennen lernen.
-
-Nachdem uns die, selbst von den ältesten Kapitänen unserer Weltlinien
-gefürchtete Biskaya auf ihren haushohen Wellen einige Tage lang
-geschaukelt und auch von einigen, nicht ganz magenfesten Passagieren ihren
-Tribut gefordert hatte, wurde am neunten Tage unserer Seereise wieder Land
-gesichtet, und zwar waren es die kanarischen Inseln, und von diesen wieder
-Teneriffa als erste, deren Hafen, Santa Cruz, wir kennen lernen sollten.
-
-Am nächsten Tage sahen wir beim Erwachen bereits die Umrisse der
-unzähligen, ehemals vulkanischen Bergkegel, in deren Mitte ihr Oberhaupt,
-der Pique Teneriffe thronte, aus dem Meere emporsteigen. Die Spitze des
-alten Götterberges war in leichte Nebel gehüllt, doch bereits nach
-zweistündiger, weiterer Fahrt zogen sich auch die letzten Nebelschleier
-vom Haupte des Pique Teneriffe hinweg. Noch näher kommend, erkannten wir
-mit Hilfe der Ferngläser die rotbraunen Heidekräuter, durchmischt mit
-eßbaren Kakteen und üppig wuchernden Farren, einem herrlich gewirkten
-Teppich gleichend, welcher die Kegel bedeckt. Auf den Außenkegeln sind die
-portugiesischen Signalstationen errichtet, die hier, wie in Las Palmas
-und Madeira als Forts ausgebaut und armiert sind. Zwischen den Bergkegeln
-ziehen sich, mit üppigster Vegetation bestandene Täler hin, in denen
-die kleinen Dörfchen mit ihren roten Bedachungen malerisch zwischen den
-herrlichen Bananenhainen wie in einem Schmuckkästchen leuchten.
-
-Bereits vor der Hafeneinfahrt bemerkten wir auf hoher See die kleinen
-Fischkutter und Boote der Eingeborenen von Santa Cruz, deren Nebenerwerbs-
-und Nahrungsquelle der Fischfang zu sein scheint.
-
-Kaum war der Klang unserer Schiffssirene verhallt, als sich auch schon ein
-reges Leben im Hafen bemerkbar machte. Hunderte von kleinen Ruderbooten,
-besetzt mit Männern und vor allen Dingen Jungen, hatten unser noch langsam
-fahrendes Schiff als Ziel gewählt. Unzählige von kleinen, schwimmenden
-Krämerläden, in denen man Bananen, Orangen, Nüsse, Äpfel, Papageien,
-Ferngläser, Briefmarken, Kanarienvögel, Seidenwaren, entzückende
-Madeirastickereien, Postkarten, Goldwaren, Zigarren, Zigarretten und
-tausend andere Sachen mehr kaufen konnte, umgaben bald unser Schiff.
-
-Mit buchstäblich affenartiger Geschwindigkeit erklommen die 6-10jährigen
-Jungen, mit Handkörbchen beladen, die von einigen voreiligen
-Passagieren hinabgeworfenen Taue und es entspann sich sehr bald ein reges
-Handelsgeschäft.
-
-Der Neuling kauft von allem, was ihm geboten wird und zahlt anstandslos die
-Preise, die gefordert werden. Erst durch das routinierte Handeln einiger
-»alter Afrikalöwen« aufmerksam geworden, erkennt er seine Voreiligkeit,
-denn die »alten Afrikaner« kaufen nicht 50, sondern 200-300 Prozent
-billiger als der Neuling.
-
-Singend und schreiend kletterten die halbwüchsigen Burschen in ihren
-Booten herum und forderten kreischend und flehend die Passagiere auf,
-Geldstücke ins Meer zu werfen, nach denen sie tauchen und keines entgeht
-ihren Blicken.
-
-Mit Genehmigung des Kapitäns durften wir an Land gehen. Die kleine
-Barkasse brachte uns bald an den Kai, wo uns die zweirädrigen, mit
-Mauleseln bespannten Karren aufnahmen und uns auf einer Rundfahrt durch
-Santa Cruz mit den Schönheiten der Hafenstadt, in Gestalt von prächtigen
-Bananenhainen, Zuckerrohrplantagen und Palmen bekannt machten. Zum ersten
-Male konnte ich die Schönheiten der in Freiheit gediehenen, mächtigen
-Palmen bewundern.
-
-Nachdem wir von unserer ca. vierstündigen Fahrt in das Hinterland der
-Insel, die uns abwechselnd durch herrliche Farmen und kleine Dörfchen
-führte, zurückgekehrt waren, labten wir uns an einer Flasche echten
-(hoffentlich) Madeiraweins und ließen uns durch die Barkasse wieder an
-Bord bringen. Auch der Markthalle, die uns einen Einblick in die üppigen
-Vegetationsverhältnisse der Insel tun ließ, sowie dem Rathause statteten
-wir einen Besuch ab.
-
-Unser vorläufiges Reiseziel war Madeira, dem wir einige Tage widmen
-wollten. Wir mußten uns daher von der uns liebgewordenen Reisegesellschaft
-und von unserem Dampfer in Las Palmas trennen, um nach Besichtigung der
-Hafenstadt von Grand Canaria mit einem Küstendampfer nach Madeira zu
-fahren.
-
-Las Palmas unterscheidet sich von Teneriffa durch seine, in die Berge
-eingebauten, mit flachen Dächern abgedeckten, hell angestrichenen Häuser.
-An der Hauptstraße, auf der sich mit tosendem Gerassel eine Eisenbahn in
-unergründlichem Schmutze durcharbeitet, liegen die öffentlichen Gebäude
-und am Ende der Straße, umgeben von Palmen und anderen tropischen
-Gewächsen, die Kathedrale von Las Palmas. Nach einer kurzen Besichtigung
-der letzteren sahen wir uns noch die hinter den Häusern angelegten, wenig
-gepflegten Bananen- und Zuckerrohrplantagen an und fuhren mit unserem,
-am Kai gemieteten Karren, dem singend und schreiend, Purzelbaum- und
-Radschlagend die Jugend bettelnd folgte, wieder nach dem Hafen.
-
-Unser Gepäck war bereits auf dem kleinen Küstendampfer, der uns nach
-Madeira bringen sollte, verstaut worden, und am Abend des nächsten Tages
-fuhren wir in den Hafen von Funchal ein.
-
-Tausend und abertausend Lichter spiegelten sich in der ruhigen
-Wasserfläche wieder und boten dem Auge des Beschauers ein entzückendes
-Bild. Ab und zu trug der Abendwind leichtverwehte Klänge einer
-einschmeichelnden Musik zu uns herüber und traumverloren an der Reeling
-lehnend, ließen wir die wunderbare Schönheit des südlichen Hafenbildes
-und des tiefen Frieden ausatmenden Funchals auf uns einwirken.
-
-Plötzlich durchdröhnte die Stille der sternenklaren Nacht das Rasseln der
-Ankerketten und der Donner der Postkanone und eine Stunde später betrat
-ich das eigenartige, vielbesungene Märchenland.
-
-Studienhalber besuchten wir am Abend, nachdem wir uns im Hotel etwas
-restauriert hatten, einige Bierlokale, wo uns in den sauberen Räumen
-überall die lockenden, südlichen Klänge der fast durchweg sehr
-musikalischen und musikliebenden Bevölkerung empfingen.
-
-Am anderen Morgen nahmen wir einen jener charakteristischen, mit Ochsen
-bespannten Schlitten und fuhren -- nicht wie hierzulande im Schnee --
-sondern auf faustgroßen, runden, glatten Pflastersteinen durch die Stadt.
-Daß es ein angenehmes Fahren gewesen wäre, kann ich nicht behaupten, aber
-wir hatten die Mode mitgemacht.
-
-Auch eine kleine Hafenfahrt im Ruderboote unternahmen wir und entdeckten
-auf den kleinen Bergkegeln, die sämtlich vulkanischen Ursprungs sind, die
-Befestigungen und Signalstationen von Funchal.
-
-Die Schönheiten Funchals und seiner Umgebung zu beschreiben, ist man wohl
-kaum imstande. Ein Gemisch der herrlichsten und verschiedenartigsten Palmen
-und sonstiger subtropischer Gewächse, zwischen denen die kleinen, mit
-Stroh und Matten gedeckten Hütten der ärmeren Bevölkerung Funchals
-liegen, bietet sich dem Auge dar. Bäume, deren Höhe und Stärke nur noch
-einen kläglichen Überrest von den Riesenerzeugnissen der Urzeit bilden,
-recken, leicht vom Seewind bewegt, kühn ihre Häupter gen Himmel; leise
-von längst entschwundenen Zeiten flüsternd.
-
-Die Bevölkerung Funchals scheint, soweit man dies nach dem kurzen, uns
-vergönnten Aufenthalt beurteilen kann, nur aus Armen und Reichen zu
-bestehen. Der Arme trägt seine schweren Lasten aus der Farm nach den
-Märkten auf dem Kopfe, um sie dort für billiges Geld loszuschlagen oder
-gegen andere Nahrungsmittel einzutauschen. -- Der Wohlhabende läßt sich
-von zwei Dienern in seiner Hängematte, deren buntgestreiftes Segeltuch ihn
-vor den sengenden Sonnenstrahlen schützt, spazieren tragen, oder er fährt
-in dem landesüblichen Ochsenschlitten durch die Straßen der Stadt.
-
-Nach fünftägigem Aufenthalt booteten wir uns wieder auf einem
-Afrikadampfer der Woermannlinie ein.
-
-Noch einmal lassen wir das Auge sich sattsehen an dem gesegneten Fleckchen
-Erde, welches uns soviel Schönes und Neues bot.
-
-Lebe wohl, du einziges Madeira, wohin man sich das einstige Paradies
-verlegt denken kann.
-
-Auf spiegelglatter See, die nur durch das zeitweise Auftauchen von
-fliegenden Fischen, Schweins- und Haifischen unterbrochen wurde, fuhren wir
-dem ersten afrikanischen Hafen, Conacry, entgegen.
-
-Zum ersten Male in meinem Leben sah ich die hohen Wasserstrahlen, die ein
-Walfisch in die Luft spritzte und dessen Körper zeitweilig bis zur Hälfte
-seiner Stärke aus dem Wasser ragte.
-
-Die größte westliche Länge, die wir auf unserer Fahrt erreichten, war
-32° nach Greenwich, die größte Zeitdifferenz von Hamburg 2 Stunden
-11 Minuten.
-
-Durch den ersten Offizier wurde uns geraten, eine Nacht zu opfern, um dem
-nimmer rastenden Treiben der Delphine und Haifische, die von jetzt ab viele
-Tage als treue Begleiter in unserem Kielwasser folgten, zu beobachten.
-
-An einem herrlichen, lauen Abend zogen wir uns nach dem Abendbrot auf
-das Achterdeck zurück und machten es uns in unseren Langstühlen bequem.
-Unseren Augen bot sich ein seltsames Schauspiel. Tausend und abertausend
-kleine Fünkchen (Infusorien) spielten in den durch die Schiffsschraube
-leicht gekräuselten Wellen: Das sogenannte Meeresleuchten und zwischen
-diesem Gewimmel zogen die Haifische, die ebenfalls stark phosphoreszieren,
-gespensterhaft ihre blaugrünen Furchen, bald back- bald steuerbords das
-Schiff beobachtend, ob nicht ein kleiner Überrest aus der Küche sich
-ihnen als Fang zeigt.
-
-Die unvergleichliche Pracht des Sternenhimmels wurde durch den Mond,
-der bald als feurige Kugel aus dem Meere emporstieg, gebrochen, und die
-angenehme Kühle der Nacht ließ uns die Stunden des Schauens wie im Fluge
-vergehen.
-
-Wir bummelten über die Promenadendecks nach dem Bug und beobachteten dort
-das launische Treiben der Delphine. Ihre phosphoreszierenden Körper
-zogen sich direkt vor dem äußeren Steven des Schiffes durch die rötlich
-schimmernden Manuaren, sogenannte »spanische Schiffe«, die Korallenriffen
-gleichend, das Meer beleben, hin.
-
-In der Ferne tauchte ein Licht auf und bald ertönte die Sirene unseres
-Schiffes, dem diejenige des uns entgegenkommenden Dampfers antwortete.
-Leise glitt der dunkle Koloß des Afrikadampfers -- denn ein solcher war
-es -- an uns vorüber. Alles Leben war dort, wie auf unserem Dampfer,
-erstorben. Lockende Träume mochten die Schläfer drüben umgaukeln, waren
-doch viele davon glückliche Menschen, die nach jahrelangem Wirken und
-Schaffen unter der heißen Tropensonne Afrikas der Heimat zu fuhren.
-
-Wiederum tauchte in der Ferne, in rhythmischen Zeitabständen leuchtend,
-ein Signallicht auf. Es war das Blinkfeuer, welches von der Insel Tambo
-ausgehend, die Einfahrt in den Hafen von Conacry in Französisch-Guinea
-kennzeichnet.
-
-Wir blieben bis zum Morgengrauen auf der Reede von Conacry liegen und gaben
-später Post und Passagiere an Land.
-
-Zum ersten Male in meinem Leben sah ich eine größere Anzahl Neger. Mit
-großem Interesse hatte ich die Abstufungen der Völkerrassen vom hohen
-Norden Deutschlands bis zur heißen Zone Nordafrikas beobachtet und sah nun
-diese sehnigen, schokoladenbraunen Gestalten in ihrer Heimat. -- Trotz des
-Lächelns, das beim Anblick der Europäer um ihre wulstigen Lippen spielte,
-konnte man doch den so oft beschriebenen, hinterlistigen Zug in ihren
-scharfen Augen entdecken und ich hätte mir fürs Erste nicht gewünscht,
-mit diesen braunen Gesellen unter einem Dach wohnen zu müssen. Doch mein
-Mann belehrte mich bald eines Besseren, denn er hatte während seiner
-fünfjährigen Afrikatätigkeit genug Gelegenheit gehabt, das Seelenleben
-der Neger zu studieren. Einige uniformierte, schwarze Beamte der
-französischen Kolonialpost, die die Postsäcke und Pakete an Bord
-brachten, machten einen sehr netten Eindruck und sprachen ein sehr gutes
-Französisch.
-
-Gegen 10 Uhr lichteten wir die Anker und stachen wieder in See, um in
-geringer Entfernung vom Land, jedoch außerhalb des Gefahrenbereiches der
-Riffe, dem nächsten Hafen Monrovia im Negerfreistaat Liberia zuzusteuern.
-
-Während bis hierher die Möven unsere steten Begleiter waren und sich
-gierig auf jeden über Bord geworfenen Abfall stürzten, entdeckten wir
-zu unserem nicht geringen Erstaunen in den Tauwerken der Masten einige
-Schwalben, die von dort aus kurze Flüge unternahmen und die Nächte an
-Bord unseres Schiffes verbrachten.
-
-Ein sehr nettes Schauspiel war das Bootsmanöver. Die Schiffsglocke
-ertönte und in kurzer Zeit waren die Boote ausgeschwenkt, bemannt und
-zu Wasser gelassen. Zwei Rettungsringe mit selbstentzündbaren Lichtbojen
-wurden über Bord geworfen, die im Ernstfalle den nachts über Bord
-Springenden Rettung bringen sollten. Interessant zu beobachten waren
-die Haifische, die im selben Moment, als die Bojen klatschend ins Wasser
-fielen, auf diese zuschwammen und hastig zuschnappten, dann ihre verkannte
-Beute rasch wieder losließen und ihr Glück bei einem der zu Wasser
-gelassenen Boote versuchten. Der Dampfer drehte sofort bei und nahm die
-Rettungsboote wieder an Bord, die Lichtbojen, die inzwischen erloschen
-waren, wurden wieder aufgefischt und ruhig setzte der Dampfer seine Fahrt
-fort, bis wir der Reede von Monrovia ansichtig wurden.
-
-Im Hafen von Monrovia entwickelte sich ein etwas lebhafteres Treiben als
-vor Conacry, denn zwei Küstendampfer brachten ca. 80-90 Neger an Bord, die
-während der Fahrt unter der heißen Sonne Afrikas die groben Arbeiten an
-Bord verrichteten.
-
-Nachdem sie alle übernommen waren, bildeten sich schon verschiedene
-Gruppen und man merkte sehr bald, daß es nicht das erste Mal war, daß sie
-im Dienste der Woermannlinie arbeiteten.
-
-Mit großer Geschicklichkeit wurden die Ladebäume, die bisher in der
-Längsrichtung des Schiffes niedergelegt waren, aufgerichtet, die Seile
-über die Rollen geführt und schon rasselten die Dampfwinden den ersten
-Ballen Ladung aus den schier unergründlichen Bunkern des Schiffes
-nach oben. Der Ladebaum wurde ausgeschwenkt und die Ladung in die
-bereitstehenden Küstendampfer herabgelassen. Ein anderer Teil der Neger
-holte sich beim Verwalter Schrubber und Bürsten, die Schiffshydranten
-wurden in Bewegung gesetzt und in wenigen Augenblicken schwammen alle
-Decks, die unter der kräftigen Behandlung unserer »lieben, schwarzen
-Brüder« sehr bald ihre Farbe wechselten.
-
-Ein Glockensignal verkündete eine Essenspause.
-
-Zwei große, ca. 100 Liter fassende Kessel mit gekochtem Reis wurden,
-der eine in die Mitte der Ladekolonne, der andere in die Mitte der
-Reinigungsmannschaften, gestellt. Um beide Kessel gruppierten sich, die
-strahlenden Augen auf den dampfenden Reis gerichtet, die Neger. Ein Vormann
-(Headmann) teilte den Inhalt des gefüllten Kessels in ca. 10 Portionen,
-deren jede einzelne wieder in einen kleineren Kessel gepackt wurde. Auf
-jeder Portion thronte als »Garnierung« ein Stück gekochten Stockfisches.
-Die Verteilung vollzog sich mit einer gewissen Ordnung, die Unterhaltung
-jedoch wäre wohl kaum von dem Geschnatter eines Waggons böhmischer Gänse
-übertönt worden.
-
-Zu jedem dieser kleinen Kessel gehörten ca. 8-10 Mann, die sich in einer
-Ecke des Schiffes niederhockten und den Reis mit der Hand, mit der sie eben
-noch die schmutzigen Scheuertücher ausgewrungen hatten, zu Ballen formend,
-in den Mund stopften. An den Stückchen Stockfisch wurde nur ab und zu
-geleckt, erst mit dem letzten Klumpen Reis nahm auch dieses seinen Weg ins
-Innere des Negermagens.
-
-Wie auf ein Kommando verstummte jegliche Unterhaltung und machte einem
-breiten, wohligen Schmatzen Platz. In kaum 10 Minuten waren sämtliche
-Kessel nicht nur geleert, sondern auch sorgfältigst für die nächste
-Verpflegungsaufnahme ausgeleckt und mit den Fingern gereinigt. Einige
-zu Boden gefallene Reiskörnchen wurden noch gierig aufgesucht und
-verschwanden in den nimmersatten Magen der Schwarzen. Damit der Magen auch
-wirklich bis oben gefüllt war, stürzten sie noch ca. ein halbes Liter
-Wasser nach und der letzte Schluck wurde, nachdem er kurze Zeit im Munde
-hin und hergespült war, in hohem Bogen über die Reeling gespuckt und --
-die Zähne waren geputzt.
-
-Ein greller Pfiff des Offiziers rief die Horde wieder an ihre Arbeit.
-
-Nachdem die Ladegeschäfte beendet waren, verließen wir Monrovia.
-
-Die Wärme hatte sich bereits zu einer fast unerträglichen Hitze (46°C.
-im Schatten) gesteigert und noch unangenehmer machte sich die Hitze des
-Nachts bemerkbar. Trotz der in die Bullenaugen eingesetzten Windfänger und
-trotzdem man völlig entkleidet, nur mit dem Laken bedeckt, schlief, war an
-einen festen Schlummer nicht zu denken. Hochinteressant zu beobachten
-waren am Abend die Promenadendecks, wo in jedem Winkel 2-3 Neger
-kaffeelöffelartig zusammengehockt, mit einem leichten Leinwandlappen
-bedeckt, durch ein intensives Schnarchen ihren gesunden Schlaf verrieten.
-
-Als wir am Morgen gegen 7 Uhr an Deck gingen, war bereits alles wieder
-blitzsauber gescheuert und die nicht beschäftigten Neger saßen plaudernd
-in Gruppen beisammen und plapperten wie die Waschweiber.
-
-Nachdem wir noch die Häfen Grand Bassam und Cap Coast Castle angelaufen
-hatten, gingen wir unweit der Landungsbrücke von Lome in Deutsch Togo
-vor Anker. Mit einer der ersten Fahrgelegenheiten ließen wir uns an Land
-bringen und besichtigten, soweit es die kurze Zeit erlaubte, wieder einmal
-ein Stück deutschen Bodens.
-
-Schon vom Schiff aus sah man die Früchte deutscher Kultur in Gestalt
-eines, auch architektonisch schönen Gouvernementsgebäudes und unzähligen
-am Strande liegender Faktoreien, die sämtlich von einer in gotischem Stil
-gehaltenen Kirche überragt werden.
-
-Die Straßen Lomes sind zum Teil befestigt und auf ihnen werden im flotten
-Tempo die zweirädrigen, mit schwerer Ladung bepackten Karren gezogen.
-Während wir bisher nur Neger sahen, die, mit Ausnahme des Lendenschurzes
-völlig unbekleidet waren, trug der größere Teil der Togo-Neger Kleider,
-und wenn sie auch nur aus einigen, malerisch um den Leib geschlungenen,
-bunt bemalten Tüchern bestanden. Einen recht netten Eindruck machten
-die sauber in Weiß oder Khaki gekleideten schwarzen Angestellten der
-Faktoreien, desgleichen die sauber uniformierten Soldaten der Polizeitruppe
-und die schwarzen Gouvernementsbeamten.
-
-Auch hatten wir Gelegenheit, das bunte, fesselnde Markttreiben in Lome zu
-beobachten:
-
-Hier hing unter einem Mattendach die Keule eines Schafes oder Ochsen,
-dort standen, in kleine Körbchen gefüllt, Erdnüsse, Makavo
-(kartoffelähnliche Knollenfrucht), Mais, Bananen, Ananas und ähnliche
-tropische Früchte. An anderer Stelle wieder kauerte ein schmutziges Weib
-am Boden, die ihre aus Makavo gefertigten, in Palmöl gekochten Klöße
-zum Verkaufe ausbot. In einem kleinen Schnittwarenladen, der die »neuesten
-Muster« der afrikanischen Mode auf den Markt brachte, wurden die auf dem
-Markt durch den Verkauf von Produkten erzielten Einnahmen umgesetzt, doch
-nicht, ohne stundenlanges Feilschen und Handeln und nachdem sämtliche
-ausgelegten Herrlichkeiten mit schmutzigen Fingern durchwühlt waren.
-
-Nachdem wir uns mit einer Flasche Eisbier und einigen Sandwichs im Hotel
-gestärkt hatten, unternahmen wir noch einen kleinen Spaziergang durch die
-endlose Reihe der deutschen und englischen Faktoreien.
-
-Da die Zeit zur Abfahrt mahnte, ließen wir uns wieder auf unseren Dampfer
-einbooten und fuhren, nachdem wir noch Lagos, eine Hafenstadt in Nigeria,
-angelaufen hatten, dem vorläufigen Endziel unserer Reise, Kamerun, zu.
-
-Mit vor Freude klopfendem Herzen stand ich an Deck. Kamerun! In kurzer
-Zeit sollte es erreicht sein, sollte mein jahrelanger, heißer Wunsch sich
-erfüllen. Meinen Fuß würde ich auf Kameruner Erde setzen und eindringen
-in die vielen Schönheiten des wunderbaren Landes.
-
-Mit Hilfe des Fernglases bemerkten wir bereits vor uns einen
-langgestreckten Höhenrücken, dessen einzelne Bergkegel in einen
-undurchdringlichen Nebel gehüllt zu sein schienen. Näherkommend,
-zerteilten sich die Nebelschwaden und majestätisch stieg aus dem Gebirge
-der alles überragende 4000 Meter hohe Kamerunberg heraus. Zu seinen
-Füßen liegt der ehemalig ebenfalls vulkanische, kleine Kamerunberg. Am
-Fuß des letzteren gruppiert sich malerisch, wie ein Schmuckkästchen, das
-reizende Viktoria, das aber leider durch die hinter ihm lagernden, nur
-zum Teil sanierten Sümpfe, nicht gerade das günstigste Klima in unserem
-fieberreichen Kamerun hat.
-
-Auf einer kleinen Anhöhe liegt die Wohnung des Bezirksamtmannes direkt am
-Strande, ferner das Laboratorium der Versuchsanstalt für Landeskultur, das
-Polizeimeistergebäude, das Bezirksamt und -Gericht, die Wohnhäuser
-der Gouvernementsbeamten und die Faktoreien. Eine strikte Trennung der
-Wohnungen von Schwarzen und Weißen ist hier geschickt durchgeführt.
-
-Ein Rundgang durch den botanischen Garten führt uns wohlgepflegte Kakao-
-und Gummikulturen vor Augen und gewährt uns schon einen kleinen Einblick
-in die üppige Vegetation der Tropen. Gern hätten wir uns den Sitz des
-Gouvernements, das in ca. 1000 Meter Höhe am großen Kamerunberg gelegene
-Buea, angesehen, doch unsere Reise sollte weitergehen und uns in
-die Gefilde führen, wo mein Mann als deutscher Kulturpionier die
-Linienführung der Kamerun-Nord- und Mittellandbahn erkunden half.
-
-Nachdem wir uns noch einen Teil der herrlichen Kakao-Plantagen der W.A.P.V.
-angesehen hatten, fuhren wir noch an demselben Tage nach Duala.
-
-Unzählige Buchten, sogenannte Creeks, die dicht mit Mongroven, zwischen
-denen einige Urwaldriesen ihre Häupter gen Himmel reckten, bestanden
-waren, wurden von den Fischfang treibenden, in kleinen Kanoes sitzenden
-Negern belebt. Rechts von uns sahen wir auf schmaler Landzunge direkt an
-der See das Sanatorium Suelleba und näherkommend, entdeckte man bereits
-die sauber weiß gestrichenen Häuser von Duala.
-
-Auf der Joßplatte liegen Offizierskasino und die Beamtenwohnhäuser
-unserer Schutztruppenangehörigen und weiter, nach der Landungsbrücke zu,
-die Gouvernementsgebäude.
-
-Im Hafen von Duala, der die Mündung des Kamerunflusses (Wuri) ist,
-kreuzten die kleinen Dampfbarkassen und Pinassen und nahmen, nachdem vom
-Hafenarzt die Quarantäne abgenommen war, die ankommenden Passagiere und
-deren Gepäck auf.
-
-An der kleinen Landungsbrücke standen Hunderte von Negern und schwarzen
-Frauen, die teils grinsend, teils bewundernd die Neuangekommenen musterten,
-wohl auch dem wiedererkannten »alten Afrikaner« einen Willkommensgruß im
-schwarzen Erdteil zuriefen.
-
-Eines mutete mich recht sonderbar an. Während wir in franz. Guinea
-französisch, in den engl. Kolonien englisch sprechen hörten, vermißte
-ich in Duala den Wohlklang unserer Muttersprache. Einige besser gekleidete
-boys, die ihre aus der Heimat zurückkehrenden Master abholten, hörte ich
-nur das Pigeon-Englisch, ein furchtbar verstümmeltes, mit andern Sprachen
-durchsetztes Englisch, sprechen. Mein Mann hatte auf der 23tägigen
-Seereise eifrig mit mir gearbeitet, damit ich dieses Kunterbunt ein wenig
-beherrschte.
-
-Duala zu schildern, will ich unterlassen, da ich annehme, daß wohl Jeder
-von dem rasch emporgeblühten, fast europäischen Duala genügend Kenntnis
-aus Reiseberichten besitzt. Ich kann nur sagen, daß ich überrascht war
-von den wohlgepflegten Straßen und Gouvernementsgärten, in welchem die
-Gouvernementsgebäude eingebaut sind. Imponierend wirkten die Anlagen
-der Kamerun-Mittellandbahn, deren Bahnhof in einem Seitentale des
-Kamerunflusses, der sogenannten Bomonoschlucht liegt, deren Hänge mit den
-Beamtenwohnhäusern der Bahn malerisch bebaut sind.
-
-Durch die 23tägige Seefahrt war unser Gang an Land direkt schwankend und
-schaukelnd geworden, doch heute -- und das war für mich die Hauptsache --
-konnte ich zum ersten Male mein Haupt im schwarzen Erdteil, auf dem für
-mich noch tausend Geheimnisse bergenden Kameruner Boden zur Ruhe legen.
-
-Im Hotel traf mein Mann viele alte Bekannte von seiner früheren kolonialen
-Tätigkeit her, alle freuten sich sehr, ihn wiederzusehen und auch mich
-kennen zu lernen. Ein fröhlicher Kreis bildete sich bald, Erinnerungen,
-ernste und heitere, wurden lebhaft ausgetauscht und viele Fragen nach der
-lieben, deutschen Heimat an uns gerichtet, so daß die Stunden wie im Fluge
-entschwanden. Dem Bier und Sekt wurde sehr reichlich zugesprochen, das
-Wiedersehen wurde recht gründlich gefeiert und beim endlichen Aufbruch
-hatte ich das Empfinden, mich noch an Bord zu befinden, wenigstens in bezug
-auf den »schaukelnden, schwankenden Gang« meiner lieben, neuen Bekannten;
-mein Mann jedoch durchaus nicht ausgeschlossen.
-
-Eine frische Nachtbrise machte den Aufenthalt in den kleinen und niedrigen
-Hotelzimmern recht angenehm und zum ersten Male wieder, seit langer Zeit,
-fand ich meinen von Europa her gewöhnten, gesunden Schlaf.
-
-Ein fast unglaublicher Zufall führte uns mit dem Koch zusammen, der
-mehrere Jahre in den Diensten meines Mannes gestanden hatte und ihm
-während der Dauer von zweieinhalb Jahren kreuz und quer durch die
-Urwälder Kameruns ins Innere gefolgt war und sich nicht nur als treuer
-Begleiter, sondern auch als tüchtiger, mit dem verwöhnten, europäischen
-Gaumen wohlbekannter Koch erwies. Joseph, so hieß diese schwarze Perle,
-freute sich unglaublich, seinen alten Master wieder zu sehen und erklärte
-sich bereit, uns auf unserer bevorstehenden Reise ins Innere zu folgen.
-Kurzerhand löste er, wahrscheinlich zum nicht geringen Staunen und Ärger
-seines bisherigen Herrn, sein Dienstverhältnis und stand am andern Morgen
-grinsend mit seinem Päckchen am Hotel.
-
-Er war uns beim Einkauf unserer Verpflegung, die wir auf ca. 3 Wochen zu
-berechnen hatten, behilflich und nichts wurde vergessen, denn Joseph kannte
-die hohen Ansprüche, die sein alter Master an seine Kochkunst stellte. Die
-Verpflegung: Fleisch, Gemüsekonserven, Früchte, Cakes, Butter, Schmalz,
-Mehl, Reis, Kaffee, Tee, Milch, Zucker, Essig, Öl, Gewürz, einige
-Flaschen Wein und Bier und sonstige, für die Küche des Europäers
-nötigen Kleinigkeiten, sowie etwas Reis und Stockfisch, die als Notbehelf
-dienen sollten, für den Fall, daß man mitten im Urwald Lager beziehen
-muß und keine Verpflegung für die Träger (Planten, Makavo und Palmöl)
-bekommt, wurde in Traglasten zu ca. 30 Kilogramm verpackt und nach dem
-Hotel gesandt. Als Tauschartikel nahmen wir noch Perlen, Tabak, und
-bedruckte Leinwandstoffe mit. Für irgend einen ganz besonderen Zweck
-hatten wir uns auch eines jener in Afrika typischen Hängekleider
-mitgenommen, desgleichen mieteten wir uns für die Reise nach dem
-Manenguba-Gebirge zwei Pferde.
-
-Die Deutsche Kolonial-Gesellschaft, in deren Diensten mein Mann
-früher stand, stellte uns bereitwilligst ein Zelt mit den nötigsten
-Ausrüstungsgegenständen zur Verfügung, und am zweiten Tage nach unserer
-Landung wurden unsere Lasten nebst ihren Trägern, die teilweise recht
-schmutzige Lendentücher, welche bei Gott nicht mehr als fünf Prozent
-ihres Leibes bedeckten und einen intensiven Geruch nach Schweiß und
-Palmöl ausströmten, um den Leib geschürzt hatten, sowie unsere Pferde
-und schließlich wir selbst in einem Leichter verstaut und von einer
-Barkasse nach dem am rechten Ufer des Wuri gelegenen Bonaberi gebracht und
-sofort in den bereitstehenden Zug verladen.
-
-Da mir mein Mann nicht in eiliger Bergfahrt die Schönheiten des Urwaldes
-flüchtig zeigen wollte, fuhren wir nur bis Mujuka, zirka 60 Kilometer der
-Nordbahn und schlugen auf einem freien Platz unser Zelt auf.
-
-Mit unglaublicher Geschwindigkeit wurden die Zeltlasten aufgeschnürt
-und in einer halben Stunde stand unser Zelt bezugsfertig da. Die
-Verpflegungslasten, aus denen Joseph sich einige Konservenbüchsen
-hervorkramte, wurden unter das Sonnensegel gestellt und bildeten, gegen die
-in der Übergangszeit noch vorkommenden Tornados geschützt, gleichzeitig
-eine kleine Barrikade um unser Zelt, nur den Eingang freilassend.
-
-Nach dem Aufschlagen des Zeltes begab sich jeder der Träger in den Urwald,
-um Holz für das nachts als Schutz gegen Ameisen und Raubtiere stets
-brennende Feuer zu holen und es dauerte gar nicht lange, so kehrten sie,
-jeder mit ein bis zwei beindicken, zwei bis drei Meter langen Ästen
-zurück, welche zu zwei großen Scheiterhaufen vereinigt, ihres Zweckes
-harrten.
-
-Aus einigen, schnell aus den Fiedern der Palme geflochtenen Matten und vier
-im Busche geschlagenen Pfählen wurde ein kleines Badehäuschen (ohne Dach)
-aufgebaut und nachdem wir gebadet und uns umgekleidet hatten, begann Joseph
-und sein Helfershelfer, der boy Taka, zu servieren.
-
-Trotzdem Joseph mit größter Fach- und Sachkenntnis den Lagerbau leitete,
-hatte er nebenbei, geschickt seine Töpfe auf drei Steine stellend, mittels
-kleingespaltenem Holz das Essen gekocht und Badewasser warm gemacht. Mitten
-unter freiem Himmel loderten bald vier solcher kleinen Feuer, auf denen die
-einzelnen Gerichte dampften.
-
-Wir hatten uns, gestützt auf die langjährigen Erfahrungen meines Mannes,
-alles Geschirr in Emaille mitgebracht, denn von Porzellan wäre wohl am
-Abend des ersten Tages wenig übrig geblieben.
-
-Zierlich, mit einer weißen, sauberen Jacke bekleidet, und stolzem Grinsen,
-die Suppe vor sich herbalanzierend, erschien Taka, dem auf dem Fuße,
-nicht minder weiß gekleidet, mit einem Gesicht, das den Stempel des
-Verantwortlichkeitsgefühls trug, Joseph mit dem zweiten Gange, Huhn mit
-Kartoffelpüree, folgte.
-
-Taka, voll Eifer, bemerkte nicht, daß sein schwarzer Daumen ein warmes
-Bad in der delikat aussehenden Schildkrötensuppe nahm und von meinem
-Mann »zart« darauf aufmerksam gemacht, traf ihn ein entrüsteter,
-vernichtender Blick Josephs, der sich ein derartiges Benehmen anscheinend
-einfach nicht erklären konnte und seinerseits, in diese schwarze Tat
-Takas voll Kummer vertieft, vergaß, die Finger von den frisch hingesetzten
-Tellern zu nehmen, so daß uns seine Fingerabdrücke entgegenleuchteten,
-die sicher der Stolz jedes Kriminalbeamten gewesen wären. Zum ersten
-Male stiegen mir an jenem Abend leichte Zweifel ob des »Abfärbens« der
-schwarzen Rasse auf.
-
-Nun, das Essen war vorzüglich zubereitet, und mit etwas gutem Willen war
-es mir auch möglich, alle »schwarzen« Gedanken zu bannen und es mir
-schmecken zu lassen.
-
-Joseph hatte, da er die Verhältnisse gerade Mujukas, aus seiner früheren
-Tätigkeit her kannte, bei einem dort wohnenden Freund ein Huhn und eine,
-irgendwo mit Bindfaden in der Hütte festgebundene Schildkröte erworben.
-
-Nach dem Essen setzten wir uns unter das Vordach unseres Zeltes und
-plauderten, gemütlich in unsern Liegestuhl zurückgelehnt, über das
-zurückgelegte Stück unserer Hochzeitsreise.
-
-Bald auch hörte unser Plaudern auf und träumend genossen wir den
-unbeschreiblich schönen Tropenabend. Leider war es noch einige Tage bis
-zum Vollmond, aber ich konnte mir schon einen kleinen Begriff machen von
-der großen Schönheit einer tropischen Mondnacht. Nichts regte sich,
-nur aus der Ferne drang der Schlag der Palavertrommel, sowie der monotone
-Gesang unserer Träger, die wir in einem benachbarten Dorfe untergebracht
-hatten, zu uns herüber und ließ die Nähe menschlicher Wohnungen
-vermuten. Eine unendlich weiche Luft umfächelte uns, und ich dachte
-unwillkürlich an unser, jetzt sicher so naßkaltes Hamburg, wo man sich
-schon mit den Pelzen schmückt.
-
-Auch der Feuermann hatte bereits seine Arbeit begonnen und eilte von einem
-lodernden Holzstoß zum andern, um immer wieder zu schüren und ihm neue
-Nahrung zuzuführen. Welch ein herrliches Schauspiel war es, in der ruhigen
-Nacht zu beobachten, wie jedesmal, wenn der Feuermann neues Holz auflegte,
-ein Funkenregen gen Himmel stiebte, der, gleich einer Rakete, dann wieder
-langsam in sich zusammensank.
-
-Joseph war eifrig in seiner Küche beschäftigt, das Geschirr zu säubern
-und alles für den nächsten Morgen, wo wir unsere Reise zu Fuß fortsetzen
-wollten, vorzubereiten. Taka packte die abgelegten Kleider in den
-Wäschesack, legte geschickt die am nächsten Morgen benötigten Kleider
-auf das Moskitonetz unserer Betten, und als sie beide ihr erstes Tagewerk
-bei ihrem alten »Master« beendet hatten, baten sie um die Erlaubnis,
-uns erzählen zu dürfen, wie es ihnen in der Zeit der Abwesenheit meines
-Mannes ergangen sei. Ich konnte mich schon recht gut mit den beiden
-Hausgeistern verständigen, dank der Bemühungen meines Mannes, mich recht
-eingehend in das fast undurchdringliche Pigeon-Englisch einzuweihen. Jeder
-hatte natürlich wenig lichte Tage erlebt, denn intensives Arbeiten ist
-nicht immer Sache der Neger. Am meisten schien sich Joseph zu freuen, daß
-sich sein alter Meister nun sein Weib mitgebracht hatte und gab dieser
-Freude dadurch Ausdruck, daß er uns am Abend mit einer Tasse Tee und ich
-muß sagen, einem wirklich wohlgelungenen Pudding überraschte.
-
-Noch einmal ermahnte mein Mann den Feuermann, der mit einem Knüppel
-bewaffnet, jetzt vor den Feuern hockte und träumend in die rote Glut
-starrte, ja nicht zu schlafen und wir zogen uns in unser Zelt zurück.
-
-Einzelne Moskitos schwärmten im dunklen Zelte herum, doch wir hatten ja
-Chinin geschluckt -- was ich übrigens nicht sonderlich schätzte -- und
-konnten beruhigt sein.
-
-Lange lag ich noch wach, alle bisher erlebten Tage an meinem geistigen
-Auge vorüberziehen lassend und dankte dem Himmel für die Schönheiten
-und Reize die er mir auf meiner Hochzeitsreise bisher geboten, bis auch
-ich schließlich, eingeschläfert durch das Knistern der brennenden
-Holzscheite, Gott Morpheus in die Arme sank.
-
-Doch unsere Nachtruhe sollte nicht lange ungestört sein, scheinbar sollte
-ich die »Schönheiten« der Tropenlande mit allen Finessen kennen lernen.
-
-Ein furchtbares Schreien und energisches Rütteln am Zelte schreckte mich
-auf und entsetzt sprang ich hoch, glaubte ich doch nicht anders, als daß
-wir überfallen worden seien. Ein schwarzes, ängstliches, durch die Glut
-der Lagerfeuer geisterhaft beleuchtetes Gesicht steckte sich durch den
-Spalt des Zeltes, so daß ich entsetzt aufschrie, glaubte ich doch, noch
-schlafbefangen, daß es der leibhaftige Teufel sei. Doch es war nur der
-harmlose Feuermann, der ununterbrochen ein ängstliches »Anch, Massa, Anch
-life« rief. So sehr ich auch mit Blitzeseile mein Gedächtnis nach dem
-mysteriösen Wort »Anch« durchforschte, ich konnte beim besten Willen
-nichts finden, was einem solchen auch nur ähnlich gewesen wäre. Mein
-Mann, der nun endlich auch aus seinem gesegneten Schlaf aufgewacht war,
-drehte sich, nachdem er den Feuermann etwas energisch angehaucht hatte und
-dieser blitzschnell verschwand, ganz ruhig im Bette herum und erklärte
-mir, daß Ameisen unser Lager überfallen hätten. Ich zog mich schleunigst
-wieder ins Bett zurück, wurde ich doch schon von einigen kleinen
-Quälgeistern energisch gezwickt. Das ganze Zelt, sowie das Moskitonetz
-waren mit Ameisen besät. Nur der Vorsicht meines Mannes, beim Zubettgehen
-das Moskitonetz sorgfältig unter die Matratze zu stopfen, war es zu
-danken, daß mein Mann, obwohl mitten in einem Ameisenhaufen, von diesen
-kleinen Räubern verschont blieb. Durch meine Unvorsichtigkeit, sofort auf
-das Geschrei des Feuermannes hin, aus dem Bett zu springen, hatten es sich
-die Ameisen natürlich bereits in meinem Bett heimisch gemacht und ich
-hatte das Vergnügen, jede einzeln, nachdem sie mich an irgend einem Teile
-des Körpers gehörig gezwickt hatte, zu fassen und hinauszubefördern.
-
-Ich hatte wirklich von der ersten Nacht im Zelte genug und wäre am
-liebsten nach der Küste zurückgekehrt, wo man doch wenigstens vor diesem
-kleinen Viehzeug sicher war und nicht noch obendrein vom Manne ausgelacht
-wurde, wie es mir armen Unglückswurm erging.
-
-Joseph hatte inzwischen unsere Trägerkolonne alarmiert, die der kleinen
-Räuberbande energisch zu Leibe ging.
-
-Drei bis vier Neger öffneten die Rück- und Vorderwand unseres Zeltes und
-begannen mit aus Palmenwedeln gefertigten, brennenden Besen die Ameisen zu
-verbrennen, während die übrigen Leute glimmende Scheite vom Lagerfeuer
-holten und durch Abklopfen der glühenden Kohle die Ameisen zum Rückzug
-nötigten. Meinem Manne bereitete der kleine Überfall scheinbar viel
-Vergnügen, während ich heillose Angst hatte, daß durch das unvorsichtige
-Umgehen der Neger mit den brennenden Fackeln unser Zelt und vor allem das
-Bett Feuer fangen könnte. Doch keines von beiden trat ein. Vereinzelt
-liefen noch einige dieser »lieben Tierchen« (sogenannte Dickköpfe) im
-Zelte herum.
-
-Mein Mann machte mich auf den völlig geordneten Abzug der kleinen
-Räuberbande aufmerksam. Zu Tausenden und Abertausenden zogen sie, die
-großen Ameisen (Dickköpfe) an den Seiten Spalier bildend, die kleineren,
-gemischt mit einigen führenden Großen, in einem zirka zwei bis drei
-Zentimeter breiten Streifen ab. Als der Zug zu Ende war, schlossen sich
-auch die Dickköpfe, die Spalier gebildet hatten, an.
-
-An Schlaf war meinerseits nicht mehr zu denken, denn das gellende Geheul
-des Feuermanns und der Anblick seines feurigen Gesichtes war denn doch
-zu stark in die Glieder gefahren. Aber mein Mann, der an derartige
-Überraschungen gewöhnt zu sein schien, verriet bald durch ein intensives
-Schnarchen die Fortsetzung seiner Nachtruhe.
-
-Da, endlich ertönte die kleine mitgenommene, von Joseph geschlagene
-Palavertrommel, deren Schall für die Träger das Wecken bedeutete. Wir
-kleideten uns rasch an und wer beschreibt mein Erstaunen, als ich, ins
-Freie tretend, unseren Tisch mit richtiggehenden Weißbrötchen, Kaffee und
-einem Teller Hafergrütze gedeckt fand. Ohne daß mein Mann nur ein Wort
-gesagt hätte, hatte sich Joseph all der kleinen Liebhabereien meines
-Mannes wieder erinnert und es schien ihm große Freude zu machen, recht zu
-unserer Zufriedenheit zu arbeiten.
-
-Joseph meldete, daß die Ameisen sich an der versehentlich offen gelassenen
-Zuckerdose und dem restlichen Pudding weidlich gelabt hätten und bat sich
-die Erlaubnis aus, dem Feuermann, der durch sein Schlafen den Ameisen den
-Einzug in unser Lager ermöglicht hatte, eine Ohrfeige geben zu dürfen.
-Die Erlaubnis erhielt er und setzte sie auch sofort, und zwar sehr
-energisch, in die Tat um. Ja, Joseph hielt auf Disziplin in der Kolonne.
-
-Na, wenn der räuberische Überfall nicht mehr Materialschaden brachte, war
-er wohl zu ertragen.
-
-Während wir den Morgenkaffee einnahmen, wurde mit staunenswerter
-Geschwindigkeit das Zelt abgebrochen, jeder schnürte sich seine Last zum
-Tragen fertig, und nachdem das Geschirr verpackt war, setzten wir uns auf
-unsere Pferde und ritten in den halbdunklen Urwald hinein.
-
-Es war ein ganz wonniger Morgen. Wie tausend Diamanten funkelten die
-Tautropfen an allen Gräsern und Zweigen in den mühsam durch das Dickicht
-brechenden Sonnenstrahlen. In vollen Zügen atmeten wir die frische,
-würzige Morgenluft ein; jubelnde Freude erfüllte meine Brust und
-vergessen waren die kleinen Unannehmlichkeiten der vergangenen Nacht. Der
-erste Tag im Urwald vom einzigschönen Kamerun nahm mich derartig gefangen,
-daß ich am liebsten ein Lied angestimmt hätte, ein frisches, fröhliches
-Wanderlied mit all den lieben, kleinen, gefiederten Sängern, die alle
-schon ihr Sangespensum erledigten, um die Wette. Doch auch unsere Kolonne
-war nicht stumm, ein rhythmisches monotones Singen begann, dessen Eigenart
-mich fesselte. Einer der Reserveträger sang, vor der Kolonne hertanzend,
-das Lied vor und die anderen stimmten später kräftig ein, gerade als wenn
-es der Refrain wäre, den sie mitsangen.
-
-Joseph bildete den Schluß, damit nicht einer der Träger mit seiner Last
-hinter der Reihe zurückblieb, denn nichts ist unangenehmer, als wenn man
-im nächsten Tageslager angekommen, sein Zelt aufschlagen will und eine
-Last fehlt.
-
-Man kann sich, wenn man es nicht selbst erlebte, keinen Begriff von der
-imponierenden Schönheit des tropischen Urwaldes machen.
-
-Mächtige Baumriesen von dreißig bis fünfzig Meter Höhe und fast
-unglaublichem Durchmesser sind von kleineren Bäumen und tausend
-verschiedenartigen Schlinggewächsen, rankenden Farren und sonstigen
-Schmarotzern umgeben und überwuchert. Staunend bewunderte ich die
-üppige Vegetation, die seltenen, niegesehenen Blumen, das in allen Farben
-schattierende Grün der einzelnen Schlinggewächse. Man sah es, hier war
-der Kultur noch keine Macht gegeben, einzudringen, stolz und frei sproß
-und wucherte alles in üppigster Selbstverständlichkeit durcheinander,
-sich im Kampf um einen Lichtstrahl eng umschlingend, so daß man keinen
-Meter breit das geheimnisvolle Dunkel des ewiggrünen Urwaldes mit den
-Blicken durchforschen konnte.
-
-Nichts verriet ein Welken oder Sterben!
-
-Hoch in den Wipfeln der Bäume tummelten sich die bisher nie gesehenen,
-unzähligen, farbenprächtigen Vögel, ein Singen, Klingen, Geschrei und
-Gekrächze erfüllte die Luft, das mein Herz immer höher schlagen ließ.
-Einer unserer Träger machte uns auf einige Äffchen, welche in den
-Kronen der Bäume fressend saßen, aufmerksam. Doch leider ergriffen die
-possierlichen Tierchen bei unserem Anblick ängstlich die Flucht.
-
-Wir marschierten nicht auf der ausgebauten Regierungsstraße, sondern auf
-Umwegen unserem Tagsesziele zu, denn ich wollte den Urwald richtig kennen
-lernen.
-
-Wurzeln und bloßgewaschene Steine bedeckten den zirka dreißig
-Zentimeter breiten Negerpfad, und erst jetzt konnte ich mir die großen
-Schwierigkeiten vorstellen, die mit einer Erkundung von Eisenbahnen im
-afrikanischen Urwald verbunden sein mußten. Einige quer über den
-Weg liegende armdicke Bäumchen waren von den vor uns marschierenden
-Reserveträgern fortgeräumt, dicke, anderthalb bis zwei Meter im
-Durchmesser fassende Baumriesen mußten umgangen werden. Die kleinen
-Flüßchen, die ohne Brücke waren, wurden durchwatet.
-
-Plötzlich stutzte das Pferd meines Mannes, der voranritt, und blieb mit
-zitternden Flanken stehen. Selbst unter Zuhilfenahme der Sporen war es
-nicht möglich, das nervös trampelnde Tier vorwärts zu bringen. Die
-Träger, die dadurch ins Stocken kamen, wunderten sich einen Augenblick,
-um im nächsten Moment, den Blick nach oben richtend, auf eine vom Baum
-herabhängende, vier bis fünf Zentimeter dicke, zirka vier Meter lange
-Schlange zu zeigen. Ein wohlgezielter Schuß aus der Büchse meines Mannes
-bringt den Feind zur Strecke, und beruhigt wiehernd setzte das Pferd seine
-Wanderung fort. Die Unvorsichtigkeit meines Mannes, gleich vom Pferde aus
-zu schießen, brachte ihm, durch eine schnelle Rückbewegung des Pferdes,
-eine kräftige Ohrfeige vom Gewehre ein.
-
-[Illustration]
-
-Nach zweistündigem Marsch kamen wir in einen mit zirka fünfzig Zentimeter
-langem Gras bedeckten freien Platz, wo mein Mann vor zirka fünf Jahren
-bei der Vermessung der Kamerun-Nordbahn sein Lager errichtet hatte. Einige
-eingerammte Pfähle und darüberliegende Knüppel, sowie einige von Wind
-und Wetter zerfetzte Palmenmatten waren die Überreste des ehemaligen
-Lagers. Wir rasteten kurze Zeit und setzten dann unsere Wanderung fort.
-
-Mittlerweile war auch die Sonne recht hoch gestiegen und entlockte mir,
-trotzdem ich noch immer ritt und ganz leicht gekleidet war, so manchen
-Seufzer und manches Tröpflein Schweiß, so daß ich froh war, als wir
-gegen vier Uhr nachmittags unser nächstes Tageslager _Lum_ erreichten.
-
-Wir hatten, selbst nach Ansicht meines Mannes, eine für die Tropen ganz
-vorzügliche Tagesleistung hinter uns.
-
-Hier wurde wieder Lager aufgeschlagen und der Abend von gestern wiederholte
-sich naturgetreu, mit Ausnahme des kleinen Überfalles. Joseph begann
-sofort der Schlange »das Fell über die Ohren zu ziehen« und schnitt
-deren Leib, ohne Rücksicht auf die Eingeweide, in gleich große Stücke,
-die er unter die Träger verteilte. Eiligst liefen diese nach ihren
-Unterkunftshütten, wo -- wie wir uns am Abend überzeugten -- dieser
-»Leckerbissen« mit einer unglaublichen Menge Bananen resp. Planten in die
-unergründlichen Negermagen verschwand. I gitt! I gitt! Den gleichen Weg
-nahm ein Hundsaffe, den mein Mann noch geschossen hatte. Die Schlangenhaut
-wurde mit kleinen, selbstgefertigten Holzstiftchen auf zwei Palmenrippen
-aufgezweckt, mit Alaun eingerieben und zum Trocknen ans Lagerfeuer
-gestellt. Auf gleiche Weise wurde das Affenfell präpariert.
-
-Auch heute hatte Joseph wieder mit einer kleinen Überraschung aufzuwarten.
-Er hatte unterwegs einige Mangopflaumen gekauft und davon, unter
-Vermischung von Bananen und Ananas ein sehr schmackhaftes Kompott
-zubereitet. Ananas stand überhaupt täglich auf der Speisekarte. Ferner
-servierte er ein junges Gemüse, was er aus zarten, in kleine Stücke
-geschnittenen Graskolben, nach Art unserer jungen Erbsen, vorzüglich
-zubereitet hatte.
-
-Todmüde sank ich nach einem kurzen Plauderstündchen auf mein Lager und
-schlief fest und traumlos nach dem anstrengenden Tagesritt bis zum Wecken,
-wo ich mich erfrischt und neugestärkt erhob.
-
-Heute marschierten wir bis nach Nlohe, was bereits 600 Meter über
-dem Meere und bei 115 Kilometer der Nordbahn an den Ausläufern des
-Menengubagebirges liegt.
-
-Die üppige Urwaldvegetation wurde hier bereits durch einige
-kilometerlange, mit vier bis fünf Meter hohem, fingerdicken Elefantengras
-bestandenen Flächen unterbrochen, die die Ausläufer des Graslandes,
-in welches wir nun allmählich einmarschierten, bildeten. Von hier aus
-benutzten wir wieder die Bahn, um sie in Manengoteng wieder zu verlassen.
-Auch hier machten wir nicht von dem dargebotenen Gastrecht Gebrauch,
-sondern marschierten einige Kilometer zurück und schlugen direkt an der
-alten Karawanenstraße an den zirka 10 Meter hohen Fällen des Dibombe
-unser Lager auf.
-
-Entzückt stand ich still und konnte den Blick nicht losreißen von
-den ungeheuren, schaum- und gischtgekrönten Wassermassen, die sich mit
-donnerndem Getöse in die Tiefe stürzten, unaufhörlich, rastlos! Fast
-unmöglich war es, sich bei dem ungeheuren Lärm zu verständigen, doch wir
-gewöhnten uns sehr bald an das ununterbrochene Rauschen des Dibombe und
-waren hochbefriedigt von unserem idyllisch gelegenen Lagerplätzchen.
-Interessiert betrachtete ich die aus Baumstämmen und Knüppeln, verbunden
-durch Rotang (Lianengewächs) hergestellte Brücke; gewiß ein Kunstwerk
-der Technik im afrikanischen Urwald!
-
-Den Häuptling von Manengoteng hatte mein Mann angewiesen, daß er
-Verpflegung für die Träger, sowie ein Schaf, einige Eier und Ananas für
-unsere Küche bringen sollte und nach einigen faulen Ausreden erklärte er
-sich dann auch bereit, den gewünschten shop zu bringen.
-
-In Begleitung von fünfzehn bis zwanzig seiner Dorfgetreuen und Frauen,
-die mich mit unverhohlenem Erstaunen und großem Interesse recht eingehend
-begafften, brachte er dann auch wirklich die Verpflegung für unsere
-Leute; ein sehr schönes Mutterschaf für uns, und mit verschämtem
-Grinsen überreichte er mir persönlich ein Huhn und ein kleines, mit Eiern
-gefülltes Körbchen. Als Bezahlung erhielt er den ortsüblichen Satz von
-sieben Mark für das Schaf, außerdem fünf Het, das sind fünfundzwanzig
-Blatt Tabak, und aus der unergründlichen Rumflasche er zwei und seine
-Begleiter je ein Gläschen. Es wunderte mich, daß er das Glas auf einen
-Zug leerte und den scharfen Traderum in dieser Menge seinem Magen anbot.
-Doch der alte Genießer ging noch weiter, er behielt den »Schluck« im
-Munde und spülte, den Kopf schüttelnd, sich auch noch den Mund damit
-aus, bevor er das edle Naß hinunterschluckte. Die gleiche raffinierte
-Genußsucht zeigten seine Begleiter.
-
-Befriedigt über das Ergebnis seines Handels zog er sich in sein Dorf, wo
-auch unsere Träger untergebracht waren, zurück.
-
-Inzwischen hatte Joseph bereits unserem Schäflein das Lebenslicht
-ausgeblasen und am Abend servierte er Hammelkeule mit grünen Bohnen
-(Konserven). Joseph wollte sich vor mir als durchaus perfekter Koch zeigen
-und hatte zum Nachtisch Krapfen gebacken, sowie eine gute Tasse Kakao
-gekocht.
-
-Meine lächelnde Frage, ob die Krapfen in »Affenfett« gebacken seien,
-wies er beleidigt zurück, sah dann aber an meinem Appetit, daß ich nur
-gescherzt hatte.
-
-Mein Mann hatte mir oft in der Heimat von den Kochkünsten seines für
-ihn unentbehrlich gewordenen Joseph erzählt, und ich kann heute die
-Schilderungen schon zum größten Teil bestätigen.
-
-Lustig loderten und knisterten die um unsere »Behausung« angelegten
-vier Lagerfeuer und wir fielen bald, nachdem wir die wichtigsten
-Tagsesereignisse notiert hatten, durch das Rauschen des Dibombe und die
-vom tosenden Wasserfall gespendete Kühle sanft eingelullt, in einen tiefen
-Schlaf.
-
-Durch den alles übertönenden Lärm der abstürzenden Wassermassen und
-durch den uns umgebenden Urwald am Fernblick behindert, hatten wir nicht
-wahrgenommen, daß im Westen eine dicke, schwarze Gewitterwand sich
-auftürmte und dank der ausnahmsweisen Wachsamkeit des Feuermannes wurden
-wir vor unfreiwilligen Flugversuchen bewahrt.
-
-Ein furchtbarer Sturm brach los. Dürre Äste fielen laut krachend um
-unser Zelt herum zu Boden und der Feuermann begann bereits die glimmenden
-Holzscheite der Lagerfeuer, die einen mächtigen Funkenregen verursachten,
-auseinanderzuziehen, denn er sah das Zwecklose seiner Bemühungen,
-weiterhin ein Lagerfeuer unterhalten zu können, ein. In wenigen
-Augenblicken prasselte der Regen in Strömen hernieder, der jedoch dank der
-um das Zelt angelegten vielen Wassergräben unsere Behausung, wenigstens
-von unten her, trocken ließ. Blitz folgte auf Blitz und Donnerschlag auf
-Donnerschlag. Fast ununterbrochen war unser Zelt taghell erleuchtet, und
-ich mußte die Augen schließen vor der blendenden weißglühenden Helle
-der tropischen Blitze. Unheimlich wurde mir in unserem engen Zelt
-zumute, doch es gab keine andere Möglichkeit, als ruhig im Bett liegend,
-auszuharren, bis der Tornado vorüber war.
-
-Noch nie hatte ich ein derartiges Gewitter erlebt. Was waren selbst
-die strengsten Gewitter in der Heimat gegen dies Toben der entfesselten
-Elemente, diesen Aufruhr der Natur in den Tropen, das blitzte, krachte,
-sauste, rüttelte an unserem Zelt, daß ich glaubte, der Untergang der Welt
-sei gekommen.
-
-Joseph, der die Unerbittlichkeit meines Mannes, während der ganzen Nacht
-ein Lagerfeuer zu unterhalten, kannte, hatte vor Beginn des Regens so viel
-Holz als möglich durch die Träger in die Hütten schaffen lassen. Er
-selbst harrte mit uns im Zelte aus.
-
-Da plötzlich schien die elementare Gewalt noch ein letztes Mal mit dem
-Rest ihrer gewaltigen Kräfte einzusetzen, dem selbst einige Stricke
-unseres Zeltes nicht standhielten, so daß die eine Hälfte einfach
-zusammenklappte.
-
-Wieder war es Joseph, der in Gemeinschaft mit dem Feuermann, welcher unter
-dem Sonnensegel Schutz gesucht hatte und durch das Zusammenklappen des
-Zeltes ein unfreiwilliges, zu seinem größten Leidwesen recht ergiebiges
-Bad genommen hatte, bei strömendem Regen unter Blitz und Donner die
-Zeltstricke an in der Nähe befindlichen Bäumen festband. Eine kleine,
-kalte Douche hatten wir jedoch auch mit abbekommen.
-
-Die Gewalt des Tornado war jetzt gebrochen, und man hörte nur noch das
-monotone Rauschen des Wasserfalls und den langsam schwächer werdenden
-Donner des abziehenden Gewitters, begleitet von starkem Wetterleuchten.
-
-Die beunruhigte Natur brachte uns auch endlich für den Rest der Nacht in
-der angenehmen Kühle und erfrischenden, gereinigten Luft den ersehnten,
-erquickenden Schlaf.
-
-Wir öffneten unser Zelt an den beiden Stirnseiten und ließen uns von der
-frischen Nachtbrise in den Schlaf fächeln.
-
-Am andern Morgen brachen wir in aller Frühe unsere Zelte ab, riefen
-dem Wasserfall ein letztes Lebewohl zu und marschierten bis zur Station
-Manengoteng, wo Joseph mit den Trägern das Verladen unserer Lasten
-vornahm, während wir zu Pferde, begleitet von acht Trägern mit etwas
-Verpflegung und einer aus zwei Reisesäcken und zwei armdicken Knüppeln
-gefertigten Hängematte bis zur nächsten Station, Ndunge, durch den
-herrlichen Urwald, der uns heute, nach dem erfrischenden Tornado viel
-schöner erschien als bisher, ritten.
-
-Schwierig gestaltete sich die Überquerung eines mittleren Nebenflusses
-des Dibombe, dessen Brücke, welche aus mehreren über den Fluß gelegten
-Baumstämmen und darüber geschnürten Knüppeln bestanden hatte, vom
-gestrigen Tornado fortgerissen war. An einer seichten Stelle (Furt) wurde
-die Durchquerung vorgenommen. Unsere wenigen Lasten, die bisher auf dem
-Rücken getragen worden waren, mußten auf den Kopf genommen werden.
-Rasch entledigten die Neger sich ihres einzigsten Kleidungsstückes, des
-schmutzigen Lendenschurzes, dem eine innige Berührung mit dem Wasser
-absolut nichts geschadet hätte, und bis unter die Arme im Wasser stehend,
-das Gesicht der nicht schwachen Strömung zugewandt, waren bald sämtliche
-Träger am andern Ufer des Flusses angelangt. Mein Mann, dem ein derartiges
-Durchqueren nichts Neues war, schwamm direkt mit dem Pferde durch. Für
-mich ließ er die »Hängematte« bringen und darin liegend, wurde ich auf
-den Köpfen unserer lieben, schwarzen Brüder durch den Fluß getragen.
-Sehr behaglich fühlte ich mich in diesem provisorischen Traggerüst
-allerdings nicht, am meisten nervös machte mich das andauernde Geschrei
-und Zurufen der sich vorsichtig vorwärts tastenden Träger.
-
-[Illustration]
-
-Nachdem wir auch dieses Hindernis genommen hatten, ritten wir durch die, an
-den Ufern des Dibombe, der sich hier zwischen Felsblöcken hindurchwindet,
-gelegenen Bananenhaine, in deren Hintergrund der Urwald, streckenweise von
-Grasflächen unterbrochen, in seiner alten Pracht grünte. Das Gekrächze
-der Papageien und der Ruf des Turakos, sowie das Murmeln des eilig zu Tale
-fließenden Dibombe unterbrachen die lautlose Stille des Urwaldes.
-
-Auf einem vom Sturm entwurzelten Urwaldriesen ließen wir uns nieder und
-von Taka den mitgenommenen Mundvorrat auftischen, welcher bis auf eine
-kleine eiserne Portion, die für alle Fälle unberührt blieb, verzehrt
-wurde.
-
-Von Ferne vernahm man das Stöhnen und Krächzen der Eisenbahn, die gerade
-an dieser Stelle die sehr steilen Hänge des Manenguba-Gebirges in kurz
-gewundenen Serpentinen, mehrere Male den Fluß kreuzend, hinaufkeucht. Wir
-ließen den Zug an uns vorüberfahren und Joseph, der mit den restlichen
-Trägern auf dem mit unseren Lasten beladenen Wagen thronte, schwenkte, zum
-Zeichen, daß in der Kolonne alles in Ordnung sei, fast kameradschaftlich
-die Mütze.
-
-Nach weiterem, dreistündigen Marsch durch die endlosen Grasflächen, die
-wir auf engen, ausgetretenen, zirka 30 Zentimeter breiten Negerpfaden, zu
-deren beiden Seiten das bis fünf Meter hohe Elefantengras wogte und keinem
-Lüftchen Zutritt zum Wege gestattete, durchquerten, zogen wir endlich in
-Ndunge ein. (Das vorläufige Ende der Kamerun-Nordbahn ist Nkongsamba.)
-Hier sahen wir zum ersten Male größere Herden Kleinvieh und eine,
-scheinbar mit Verständnis aufgenommene Hühnerzucht.
-
-Nachdem wir etwas außerhalb des Dorfes einen Platz von Gras und kleinem
-Buschwerk befreit und darauf unser Lager aufgeschlagen hatten, erschien
-auch schon der Häuptling mit Verpflegung für die Leute und einigen Ananas
-und Popeias für uns.
-
-Das Häuptlingsgehöft Ndunge bestand aus zweiundzwanzig, in einer Linie
-längs der Straße aufgebauten Mattenhäusern und kennzeichnete eine
-gewisse Wohlhabenheit seines Besitzers.
-
-Für jedes Weib, welches sich der Häuptling neu erwirbt, läßt er von
-den Getreuen seines Dorfes ein neues Mattenhaus errichten. Der Häuptling
-selbst stand in den besten Jahren, und wir wunderten uns über die vielen
-alten Frauen, die in seinen Gehöften untergebracht waren. Er erzählte uns
-auf Befragen, daß sein Vater vor zirka fünf Jahren gestorben sei und
-ihm seinen ganzen Reichtum, in Gestalt von fünfzehn Frauen, als Erbe
-hinterlassen hätte.
-
-Der Platz zwischen Gehöft und Straße war sauber mit kleinen Büscheln
-von Zitronengras (Fiebergras) eingefaßt und in der Mitte dieses Platzes
-standen einige herrliche Orangen- und Mangopflaumenbäume. Eine stattliche
-Herde Schafe und Ziegen waren hinter dem Gehöft in einer Hürde
-eingesperrt.
-
-Wir hatten allmählich unsere Decken hervorsuchen müssen, denn es war
-in den Abendstunden schon recht frisch, so daß man sich, im Langstuhl
-sitzend, eine Decke über die Knie legen mußte.
-
-Nachdem mein Mann den Häuptling für die gebrachte Verpflegung scheinbar
-recht gut bezahlt hatte, brachte er uns am Morgen vor unserem Aufbruch
-noch einige Hühner, die mit zusammengebundenen Füßen und über dem Arm
-getragen, mitgenommen wurden.
-
-Hier sollte, da wir uns doch bald am Endziel unserer Reise nach Norden
-befanden, das in Duala eingekaufte Hängekleid ein würdiger Sold für
-das Entgegenkommen des Häuptlings sein. Mit vor Freude glänzenden Augen
-überreichte er seinem Lieblingsweibe das Kleid, welches laut klatschend
-alle ihre Mitfrauen herbeirief, um uns nach dem Klang der Palaver- und
-Playtrommeln, die von den Männern geschlagen wurden, unter rhythmischem
-Händeklatschen einen Abschiedstanz aufzuführen. Als wir unsere Pferde
-bestiegen hatten, drückte der Häuptling uns kameradschaftlich die Hand
-und unter lautem Zurufen und Gejohle der Bewohner galoppierten wir zum
-Gehöft hinaus.
-
-Weiter ging es durch endloses Weideland, welches durch das letzte Abbrennen
-nur mit ganz jungen Grasspitzen bestanden war, auf der schön ausgebauten
-Regierungsstraße zunächst nach dem Posten Bare, wo wir auch unsere
-Trägerkolonne einholten.
-
-Hier sahen wir zum ersten Male an Stelle der Mattenhäuser aus den Halmen
-des Elefantengrases hergestellte Hütten.
-
-Nach kurzer Rast zogen wir, nach weiterem, dreistündigen Marsch in das
-deutsche Gehöft der Gebrüder H. ein.
-
-Freundlich von den Besitzern empfangen, ließen wir die Pferde in den Stall
-bringen und in kurzer Zeit saßen wir, fröhlich von der Heimat plaudernd,
-mit den beiden, von der Tropensonne gebräunten Farmern beim Essen. Dann
-zeigten sie uns ihre stattlichen Rindvieh-, Schaf- und Ziegenherden,
-sowie die Schweine und am Schlusse eine, in bescheidenen Grenzen
-gehaltene Pferdezucht. Fern von jeder menschlichen Niederlassung auf einem
-erloschenen Krater, die in jener Gegend nichts Seltenes sind, hatten sie
-ein recht stabil gebautes, mit Matten eingedecktes Wohnhaus errichtet, dem
-sich, ein Geviert bildend, die Ställe und Scheunen anschlossen. Vor dem
-Gehöft war ein großer Komplex urbar gemacht und mit Kartoffeln bepflanzt,
-während zu beiden Seiten herrliche Bananen- und Plantenhaine, leicht
-von der wohltuenden Brise bewegt, standen. Auch Mais und Makavos, die
-hauptsächlich als Futter dienten, erbauten sie. Die innere Ausstattung des
-Wohnhauses war den afrikanischen Verhältnissen angepaßt und wir freuten
-uns, nach den vielen Tagen der Reise wieder einmal ein festes Dach über
-unserem Haupte zu haben. Allerdings reichten für die bis heute erklommene
-Höhe (1100 Mtr.) unsere mitgebrachten Decken nicht aus, denn die
-Temperatur sank bereits in den Abendstunden recht tief.
-
-Der nächste Tag war der von den Trägern, und ich muß sagen, auch für
-uns innig herbeigesehnte Rasttag, denn in Afrika marschiert man für
-gewöhnlich höchstens fünf Tage, um am sechsten einen Ruhetag zu machen.
-
-Während ich nach einem langen, bis tief in den Morgen hineinwährenden
-Schlaf gemütlich durch die Farm bummelte und alles nochmals interessiert
-betrachtete, ging mein Mann mit den beiden Besitzern auf Jagd und brachte
-aus der sogenannten Kornkammer, einer verlassenen Kassadafarm, neun Stück
-Buschhühner und fünf Tauben mit nach Hause, die wir uns am Mittag, durch
-die Hand des schwarzen Kochs schmackhaft zubereitet, munden ließen.
-
-Am Nachmittag ritten wir noch nach dem in der Nähe gelegenen Dorfe
-Mboénda, wo mein Mann früher einmal sein Lager für längere Zeit
-aufgeschlagen hatte. Leider war der Häuptling an den Folgen einer
-Dysenterie gestorben, doch die anderen Bewohner, die meinen Mann
-wiedererkannten, freuten sich über unser Kommen und beschenkten uns mit
-Hühnern und Eiern. Da wir nur einige Het Tabak bei uns hatten, zahlten wir
-mit diesen.
-
-Um den Nachmittag gut auszufüllen, zeigte mir mein Mann noch die über den
-Nkam führende, kunstgerecht aus fingerdicken Rotang-Lianen hergestellte,
-den ganzen zirka sechzig Meter breiten Fluß überspannende Hängebrücke
-bei Nkongsam. Unterhalb dieser Brücke stürzt sich der Nkam 40 Meter
-über vorspringende Felsen in die Tiefe und jeder, der beim Überschreiten
-der Hängebrücke einen Fehltritt tut, wäre dem sichern Tode geweiht.
-
-Nachdem wir dieses herrliche Naturschauspiel bewundert hatten, ging's im
-flotten Trabe heim. An das Durchreiten der zu durchquerenden Flüsse
-hatte auch ich mich schon gewöhnt, so daß wir bald wieder in der Farm
-anlangten, noch ehe die Nacht ihre Schatten auf die Erde senkte.
-
-Am nächsten Morgen ließ Josef, wie an Marschtagen üblich, bereits im
-Dämmern des kommenden Tages, das sich in Afrika innerhalb einer halben
-Stunde von der Nacht bis zum völligen Sonnenaufgang vollzieht, unsere
-Lasten in Reih und Glied vor dem Hause auflegen.
-
-Als wir nach kurzem Frühstück aus dem Hause heraustraten, bot sich uns
-wieder ein eigenartiges gewaltig-schönes Schauspiel.
-
-Wer beschreibt die Schönheit des in scheinbarer Eile hinter den Bergen
-emporsteigenden Glutballes!
-
-Erst ein ganz leichter goldiger Schein, der sich bald in ein purpurnes Rot,
-durchzogen von gelben bis milchweißen Fäden, verwandelt, beleuchtet
-die Sonne die ausgedehnten, saftig grünen Grasflächen mit ihren ersten,
-wärmenden Strahlen und während wir uns von unseren liebenswürdigen
-Gastgebern mit herzlichem Dank verabschiedet hatten, stand sie in voller
-Pracht am Himmel.
-
-Nun traten wir den Marsch zur Küste an und marschierten vorläufig wieder
-zu unserem Freunde von vorgestern, wo wir nach Übernachtung am nächsten
-Tage die Bahn benutzen wollten, um sie in Mujuka wieder zu verlassen.
-
-Eine zauberhaft schöne Mondnacht senkte sich auf die leicht ausgekühlte
-Tropenlandschaft nieder. Prächtig, in nie gesehenem Glanze, eine kolossale
-Lichtfülle ausstrahlend, stand silberglänzend der Vollmond am Himmel. Die
-Helligkeit war so groß, daß man nicht zu klein gedruckte Schrift bequem
-im Mondlicht lesen konnte.
-
-Nicht sattsehen konnte ich mich an der Schönheit der im magischen, weißen
-Lichte daliegenden Landschaft. Ich muß sagen, daß mir die Eigenart der
-tropischen Lande noch unendlich anziehender erschien als im Sonnenglanz.
-
-Noch ganz versunken in die märchenhafte Schönheit des Abends, beachteten
-wir kaum den erst schüchternen, dann immer stärker werdenden rhythmischen
-Schlag der Palaver- und Play-Trommeln. Als auch noch Gesang, sowie
-ein, diesen begleitendes Händeklatschen aus dem Dorfe zu unserem Lager
-herüberdrang, machten wir uns auf, um dem Tanze -- denn ein solcher fand
-nach den Angaben meines Mannes statt -- zuzuschauen.
-
-Männlein und Weiblein hatten sich auf dem Dorfplatze im Kreise
-aufgestellt, hinter diesen, wohlgeordnet, die »Musikanten« und in der
-Mitte des Kreises tanzten, ihre Schultern und Hände schwingend und den
-Bauch schlangenartig im Kreise windend, zwei anmutige Negermädchen. Es ist
-unbeschreiblich, mit welchem Feuer, jede Muskel einzeln bewegend, der Neger
-sich dem Genusse des Tanzens hingibt. Schweißüberströmt drehten sich die
-fast ganz nackten Körper im Mondlicht und ein wohlgelungener, graziöser
-Sprung, der gleichzeitig das Ende der Partie bedeutete, brachte den
-Tanzenden ein lebhaftes Gejohle und Händeklatschen als Lohn ein.
-
-Etwas abseits von dieser tanzenden Gruppe hatten die erwachsenen jüngeren
-Männer einen Kreis gebildet. Ihre Musikinstrumente bestanden aus leeren
-Kisten, Tonnen und zwei, anderthalb Meter im Durchmesser fassende, fünf
-Meter lange, aus einem Baumstamm herausgeschnitzte Kriegstrommeln, die
-kräftig mit Stöcken und Knüppeln bearbeitet wurden. Wenn die Frauen ihre
-Tänze graziös ausführten, so kann man hier von einem wilden, jeglichen
-Rhythmusses entbehrenden Springen der mit Tanzmasken geschmückten
-Männer reden. Ganz ausnahmsweise große Sprünge wurden mit einem lauten,
-zischenden »scht, scht« begleitet, welche Laute durch Ruten, aus den
-Rippen der Raphiapalme hergestellt und durch die Luft geschlagen, erzeugt
-wurden.
-
-Mein Mann verteilte einige Het Tabak und eine Flasche Rum, welche lauten
-Jubel auslösten und die schwarze Gesellschaft zu noch groteskeren
-Sprüngen veranlaßte.
-
-Müde des Schauens, zogen wir uns in unser Lager zurück, doch noch lange
-floh uns der Schlaf, da das Gedröhne der Trommeln, die monotonen Gesänge,
-unterbrochen von den schrillen Trillern und dem Aufjauchzen der Weiber,
-unausgesetzt zu uns herübertönte.
-
-Es schien, als sollte ich, soviel als die Kürze der Zeit es erlaubte,
-alles kennen lernen, was das Leben in den Tropen an Schönheiten und
-Widerwärtigkeiten mit sich bringt.
-
-Wir ritten am nächsten Tage von Mujuka aus, wohin uns inzwischen die Bahn
-gebracht hatte, nach den Kakaoplantagen in Mudame, wo uns der Leiter in
-liebenswürdigster Weise die Kakaokulturen, sowie die Bearbeitung der
-Früchte bis zur Verschiffung zeigte. In fröhlicher Gesellschaft einiger
-älterer Angestellten verbrachten wir den Abend.
-
-Am nächsten Morgen mieteten wir uns drei große, zirka fünfzehn Meter
-lange Kanoes, in die wir unsere Lasten verstauten. Das erste Kanoe, auf
-welchem wir unsere Longchairs zwischen den Lasten eingebaut hatten, nahmen
-wir in Beschlag. Zum Schutze gegen die Sonnenstrahlen ließen wir uns über
-den Langstühlen ein leichtes Dach aus Palmenblättern aufbauen, so daß
-wir im Genusse der durch die Fahrt erzeugten Brise blieben. Die zwei
-anderen Kanoes wurden von den Trägern besetzt.
-
-In fröhlicher Fahrt ging es, durch die kräftigen Ruderschläge unserer
-Pulljungs vorwärts getrieben, den Mungo hinunter.
-
-Leise stimmte einer der Neger ein Liedchen an, in das bald die andern
-einfielen und nun wiederholte sich das auf dem Marsch bereits
-Beobachtete, daß einer vorsang und die andern einfielen; im Takte mit den
-Ruderschlägen.
-
-Zu beiden Ufern den Mungo, grüßte uns wieder der nie genug geschaute
-imposante Urwald mit seinem, im herrlichen Tropenmorgen erwachenden
-Leben. Papageien flogen kreischend von Baum zu Baum, Turakos ließen ihre
-durchdringenden Schreie vernehmen und wir hatten das Glück, diesmal nicht
-allzufern, einige niedliche Äffchen zu beobachten, welche, sich scheinbar
-sehr sicher fühlend, uns neugierig betrachteten. Auf den aus dem Bett
-herausgetretenen Sandbänken stelzten Reiher und andere Strandvögel,
-munter pickend, einher.
-
-Unbeschreiblich schön und reizvoll ist so eine Fahrt auf dem Mungo!
-
-Doch, nichts ist vollkommen, und den Genuß dieser herrlichen Morgenfahrt
-wußten uns hunderte von Moskiten, die uns an den freigelassenen
-Körperstellen ganz zerstachen, zu schmälern. Doch als die Sonne höher
-stieg und der leichte Nebel sich zerteilt hatte, ließen auch diese
-Quälgeister nach und ein freier, klarer Ausblick bot sich uns nach vorn.
-
-Fast wie auf ein Kommando hielten unsere Pulljungs jetzt inne und zeigten
-uns, auf einer Sandbank ruhend, ein Krokodil. Freudig überrascht,
-verhielten wir uns ganz still und ließen das Kanoe durch die Strömung
-treiben, steuerten dicht an die Sandbank heran und auf den Knien im Kanoe
-liegend, schreckte mein Mann durch einen wohlgezielten Schuß aus seiner
-Birschbüchse den Schläfer aus seiner Ruhe. Leider war für seine Größe
-der Schuß zu wenig und ehe noch mein Mann das Gewehr repetieren konnte,
-verschwand das Krokodil in den Fluten des Mungo, natürlich zum lebhaften
-Bedauern unserer Träger, denen das Fleisch eine willkommene Beute gewesen
-wäre.
-
-Nach einigen Stunden flotter Fahrt legten wir in Kotto, einem mächtigen
-Negerdorf am Mungo, an. Unsere Träger hatten unsere Ankunft durch lautes
-Hallern und Schlagen der Palavertrommeln, die wir stets mit uns führten,
-bekannt gegeben und auf halbem Wege nach dem Dorfe kamen uns bereits der
-Häuptling mit dem üblichen Anhang entgegen. Er machte zur Begrüßung
-einen, allerdings unfreiwilligen, Knicks bis zur Erde (er war versehentlich
-auf eine hervorstehende Wurzel getreten und ausgeglitten), was eine
-allgemeine Heiterkeit der Anwesenden zur Folge hatte und ihnen einen
-wütenden, strafenden Blick ihres Herrn und Gebieters eintrug; jedoch auch
-wir konnten nur mühsam ein Lachen unterdrücken.
-
-Wir gingen mit ihm nach seinem Dorf und er bewirtete uns mit Palmwein,
-einem unserem Most ähnlichen, leicht gegorenen, säuerlichen Getränk,
-welches der Ölpalme abgezapft wird. Auch ließ er sofort im Dorfe Eier
-zusammenholen und schenkte uns beim Fortgang das landesübliche Huhn.
-
-Wir hatten jeden Tag mindestens ein Huhn gegessen, teilweise, um keine
-Fleischkonserven essen zu müssen, sogar zwei.
-
-Weiter ging's auf der meist spiegelglatten, nur hie und da durch quer im
-Fluß liegende Baumstämme unterbrochenen Fläche des Mungo. An den uns
-entgegenkommenden Kanoes, die mit Früchten und Tauschwaren beladen waren,
-schoß das unsrige pfeilschnell vorüber und nur kurze Anrufe »woher! --
-wohin!« unterbrachen den monotonen Gesang.
-
-Die Sonne hatte ihren höchsten Stand lange überschritten, als wir am
-linken Ufer des Mungo auf einem kleinen Plateau ein niedliches Dörfchen
-erblickten, wo wir dann auch landeten und Lager aufschlugen.
-
-Am Flusse sah ich einige schwarze Mütter stehen, welche ihre, scheinbar
-kaum einige Wochen alten, Bambinos durch das Wasser schwenkten, was ich
-als Grausamkeit empfand, den Kleinen aber ganz gut zu bekommen schien.
-Näherkommend, reichten sie mir zutraulich ihre Kleinen und lachten
-glücklich, als ich durch Schäkern ein Lächeln auf dem niedlichen,
-schwarzen Gesichtchen hervorrief.
-
-Ins Lager zurückkommend, nahm ich meine tägliche Waschung vor, doch
-schon während derselben fühlte ich im Gesicht und an den Händen leichte
-Stiche, konnte aber immer nur die Folgen derselben, einen roten Fleck
-in der Größe einer Erbse finden. Durch meinen Mann aufmerksam gemacht,
-näher hinsehend, bemerkte ich die stecknadelspitzen-großen Sandfliegen,
-die dutzendweise an den entblößten Stellen des Körpers saßen und
-Blut saugten. Gott sei Dank, waren es nur harmlose Tierchen, die keine
-Krankheiten übertragen. Weit unangenehmer empfand ich das in den höchsten
-Tönen hervorgebrachte Summen der Moskitos, die uns während des ganzen
-Abends umschwirrten und vor allen Dingen mich (mein Mann behauptete, des
-süßen Blutes wegen!) grausam quälten. Trotz der Vorsicht Josephs, das
-Moskitonetz recht fest unter die Matratze gestopft zu haben, hatten sich
-doch einige dieser »lieben Tierchen« Einlaß in unser Allerheiligstes zu
-verschaffen gewußt, und es entspann sich beim Schlafengehen ein lebhafter
-Kampf, bei dem die Moskitos, als die Unterliegenden, ihr sträfliches Tun
-mit dem Tode büßen mußten. Aber selbst die Genugtuung, alles getötet zu
-haben, was sich unberechtigterweise unter mein Moskitonetz eingeschlichen
-hatte, ließ mich keinen Schlaf finden, denn das Summen der außerhalb des
-Netzes fliegenden Moskitos machte mich dermaßen nervös, daß ich froh
-war, als der Schlag der Trommel, der als Weckruf für den Träger dient,
-den anbrechenden Morgen verkündete.
-
-Auf mein Bitten hin und mit Rücksicht auf mein zerstochenes Gesicht
-sowie Arme wurde die Kanoefahrt, so herrlich sie an und für sich war,
-abgebrochen, und wir marschierten quer durch den Urwald, stracks nach Osten
-der Bahn zu, die wir in Kake bestiegen, und noch am selben Tage zogen wir
-wieder in Bonaberi und Duala ein.
-
-Unsere Reise in die nördlichen Gebiete hatte uns länger in Anspruch
-genommen, als wir beabsichtigten, so daß wir unser aufgesetztes
-Reiseprogramm, in dem noch eine Reise nach Jaunde mit aufgenommen war,
-nicht durchführen konnten.
-
-Wir hatten bis zur Abfahrt des Dampfers noch sechs Tage und da ich, trotz
-unserer vieltägigen Reise durch den Urwald und einen Teil des Graslandes
-noch nicht einmal einen Elefanten in Freiheit gesehen hatte, so beschlossen
-wir, nach einer eintägigen Ruhepause noch eine Kanoefahrt auf dem Wuri
-oder Kamerunfluß zu unternehmen.
-
-Obwohl ich eigentlich noch ziemlich genug hatte von den »Genüssen«, die
-uns die eintägige Kanoefahrt auf dem Mungo beschert hatte, willigte ich in
-die Änderung des Reiseprogramms ein.
-
-Unsere Träger wollten nun auch für die uns geleisteten Dienste ihre
-Besoldung haben, die wir ihnen in deutscher Münze auszahlten. Als Geschenk
-für die Ausdauer, die sie bewiesen hatten, erhielt jeder fünf Het
-Tabak, zwei Flaschen Gin und eine Mark, sowie den von der Buschtour
-zurückgebrachten Reis. Vor Freude führten sie unter Singen und Schreien
-einen Tanz auf und hatten es dann sehr eilig, die erworbenen Pfennige in
-den Faktoreien Dualas in Waren umzusetzen.
-
-Am nächsten Tage mieteten wir uns ein zirka zwanzig Meter langes Kanoe,
-in welches wir einige, mit Verpflegung und Reservekleider bepackte Koffer
-verstauten, ein Palmblätterdach wieder im vorderen Teil des Kanoes
-aufbauten und die Longchairs zwischen die Lasten setzten. Wir fuhren mit
-einer Besetzung von zwölf Pulljungs auf dem Kamerunbecken hin, an den
-großen, mitten im Strom lagernden Inseln vorüber, den Wuri hinauf.
-
-Da wir Flut hatten, wurde den Pulljungs die Arbeit erleichtert und
-pfeilschnell schoß, unter den kräftigen Ruderschlägen unserer Dualas,
-das Kanoe auf der spiegelglatten Fläche, die nur durch einige, aus dem
-Wasser herausragende Felsblöcke und Baumstämme, sowie von einigen,
-aus dem oberen Teil des Wuri kommende Kanoes, deren Besatzung gleich der
-unseren ihre monotonen Weisen erklingen ließen, unterbrochen wurde, dahin.
-
-Immer höher stieg die Sonne und durch das angestrengte andauernde Paddeln
-ermüdet, verstummte bald der Gesang unserer Besatzung. Da die Flut
-uns nicht gefolgt war, mußte die ziemlich starke Strömung des Wuri
-überwunden werden und es ging immer langsamer vorwärts. Stellenweise
-mußten die Jungens sogar das Kanoe verlassen und dasselbe über den
-Schlick und die Sandbänke hinwegziehen.
-
-In einem idyllisch an den flachen Ufern des Wuri gelegenen Dörfchen
-schlugen wir unser Zelt auf und legten uns nach der üblichen Begrüßung
-durch den Häuptling und dem Genuß einer von Joseph selbst erlegten
-Antilope schlafen.
-
-Mein Mann hatte sich mit den Dorfbewohnern eingehend über die
-Jagdverhältnisse unterhalten und Befehl gegeben, daß wir am nächsten
-Morgen sehr früh aufbrechen und eine Jagdfahrt auf dem Abo unternehmen
-wollten.
-
-Noch ehe die Sonne die leicht gekräuselte Fläche des hier sehr schmalen,
-aber tiefen Wuri beschien, befanden wir uns auf dem seeartigen Abo, dessen
-beide Ufer mit einem undurchdringlichen Mangrovendickicht, Lianen und
-tausend anderen Schlinggewächsen bestanden sind. Vor uns sahen wir
-eine kleine Lichtung, die bis an das Ufer des Abo heranreichte und beim
-Näherkommen machten uns unsere Begleiter auf zwei, im Grase ruhende
-Flußpferde aufmerksam, auf deren Rücken, wie wir mit dem Glase
-feststellten, die Madenhacker (kleine Vögel) eifrig pickten. Kaum hörbar,
-die Ruder flach durch das Wasser ziehend, steuerten wir auf diese
-Stelle zu. Mein Mann hatte sich lang ins Kanoe gelegt und außer seiner
-Birschbüchse, die er bereits an der Backe liegen hatte, hielt ich, hinter
-ihm sitzend, den mit fünf Patronen geladenen Karabiner zum Schusse bereit.
-Als der erste Schuß krachte, sah ich in der Aufregung oder Jagdfieber,
-welches sich meiner bemächtigt hatte, nur einen unförmigen Körper laut
-klatschend ins Wasser fallen, während sich eine scheinbar formlose Masse
-schnaufend und stöhnend im Grase wälzte.
-
-Dem ersten folgten zwei weitere Schüsse und unter lautem Schreien ruderten
-die Schwarzen das Kanoe an Land, um das erlegte Tier zu besehen.
-
-Wir hatten nicht bemerkt, daß uns zwei weitere Kanoes aus dem Dorfe, in
-welchem wir das Lager aufgeschlagen hatten, gefolgt waren, die nun unter
-Aufbietung aller Kräfte singend und schreiend auf uns zuruderten und
-sich in Gemeinschaft mit unseren Leuten an die Zerlegung des von mir
-sehr bestaunten Tieres machten. Bald sah man an der Stelle, wo die beiden
-Dickhäuter der Ruhe gepflegt hatten, nur noch schwammige Stückchen
-Fleisch und eine große Blutlache. Ich übertreibe nicht, wenn ich sage,
-daß in einer Viertelstunde von dem Koloß, den mein Mann auf 20 Zentner
-schätzte, nur noch tragbare Stückchen Fleisch zu sehen waren. Unsere
-Pulljungs suchten sich die schönsten Stücke heraus, mein Mann ließ
-sich ein zirka ein Quadratmeter großes Stück Haut abschneiden und die
-Stoßzähne herausschlagen, während das andere in den Besitz der übrigen
-Dorfbewohner überging.
-
-[Illustration]
-
-Eigentlich hatten wir erreicht, was wir wollten, doch die kurze Zeit des
-Aufenthalts in Kamerun wollten wir ausnützen, soweit es möglich war. Auf
-Befragen erfuhren wir von einem der Dorfbewohner, daß zirka eine halbe
-Stunde von uns entfernt, mehrere Elefanten durch den Abo wechselten, und
-zwar meist in den Nachmittagsstunden zwischen vier und sechs Uhr. Da
-wir keinen großen Rückweg zu unserem Lager hatten, ruderten wir nach
-längerer Rast weiter den Abo hinauf, bis zu der von den Dorfbewohnern
-bezeichneten Stelle.
-
-Unser Kanoe wurde an einem Baumstamm festgebunden, während wir die
-Umgebung nach den Spuren der Dickhäuter absuchten. Bald fanden wir auch
-einige größere und eine kleinere Spur und Losung, die scheinbar vom
-Morgen herrührte. In geringer Entfernung von der Furt lagerten wir uns im
-Walde und harrten der Ankunft dieser lebenden Urwaldriesen.
-
-Wir sollten nicht lange auf die Folter gespannt werden, denn in der Ferne
-hörten wir bald das Trompeten eines Elefanten, dessen schauriger Klang
-meine Nerven erzittern ließ. Wir gingen etwas tiefer in den Urwald hinein
-und ich bemerkte bald, daß wir, mein Mann, Joseph und ich, allein waren;
-unsere anderen Begleiter hatten sich ängstlich ins Kanoe zurückgezogen,
-um bei einem evtl. Angriff der Dickhäuter schnell das Weite suchen zu
-können. Was aus uns dann würde, war diesen tapferen Seelen gleichgültig.
-
-Sonderlich wohl war mir selber nicht zumute, doch mich auf die
-Treffsicherheit meines Mannes verlassend, harrte ich hinter einem dicken
-Baumstamm geborgen, herzklopfend, aber mutig aus.
-
-Abermals erscholl, und zwar diesmal in unmittelbarer Nähe, der
-Trompetenklang des Elefanten, und die Erde dröhnte und zitterte unter dem
-Stampfen seiner Füße. Auf mein Bitten hin gab mein Mann sein Vorhaben,
-zu schießen, auf, und wir haben es nicht bereut. Der Bequemlichkeit halber
-schien der Elefant seine alte Fährte zu benutzen, denn das von meinem Mann
-beschriebene Knacken und Krachen der Bäume und Äste, die er sich aus dem
-Wege räumt oder zerstampft, war nicht vernehmbar. Da, endlich sahen
-wir den Koloß gemütlich angetrottelt kommen und zu unserer aller
-Überraschung in seinem Gefolge ein täppisches, possierliches Junges in
-der Größe eines Pferdes.
-
-Plötzlich blieb die Elefantenmutter stehen, und mir stockte das Blut in
-den Adern, denn ich glaubte, daß sie Witterung von unserer Anwesenheit
-bekommen habe. Aber ihr Warten galt nur dem Kleinen, das scheinbar nicht
-so große Schritte wie die Mutter nehmen konnte. Am Flusse angekommen,
-trampelte sie erst einige Zeit, in dem aufgeweichten Boden bis zum Bauch
-versinkend, umher, zog den Rüssel voll Wasser und spritzte das hinter ihr
-stehende Junge an.
-
-Zu gern hätte ich gesehen, wie so ein Elefant schwimmend den Strom
-durchquert, doch die Mutter schien um das Leben ihres Jüngsten besorgt zu
-sein und nachdem sich das Schauspiel mehrere Male wiederholt hatte, trabten
-Mutter und Kind, laut trompetend, wieder in den Urwald zurück. Als sie
-etwa 50 Meter von uns entfernt waren, gab mein Mann einen Schreckschuß ab
-und aus ihrer Sorglosigkeit aufgeschreckt, jagten die beiden, die uns so
-kostbare Minuten bereitet hatten, in den undurchdringlichen Urwald hinein.
-
-[Illustration]
-
-Mein Wissensdurst war wieder einmal glänzend gestillt und hochbefriedigt
-kehrten wir in unser Lager zurück.
-
-Wir hatten noch zwei Tage Zeit, die wir einer eingehenden Besichtigung der
-Hafenstadt und ihrer großzügigen Anlagen widmeten. Auch den »Palast«
-des Oberhäuptlings Mango Bell, der uns mit einer Flasche Bier und Bisquits
-bewirtete, besuchten wir.
-
-Der letzte Tag, den wir in Kamerun verbringen konnten, wurde zu einem
-Besuch der in Beseke befindlichen Negerrestauration »Zum strammen Hund«
-verwendet, wo wir uns bei einem Glase Eisbier mit einigen dort anwesenden
-Gouvernementsbeamten über ihre Erlebnisse während des Tropenaufenthalts
-unterhielten. Ja, ich konnte schon ihre Unterhaltung mit einigem
-Selbsterlebten unterbrechen, worüber sie sehr erfreut waren.
-
-Am Mittag des nächsten Tages begaben wir uns an Bord, von einigen in
-Afrika neu gewonnenen Freunden begleitet, die uns Grüße an die Heimat
-mitgaben und sich mit einem kräftigen deutschen Händeschütteln
-verabschiedeten.
-
-Ade, Kamerun! Du herrliches, einzigschönes Land mit deinen reichen,
-geheimnisvollen Schätzen, die du willig dem überläßt, der sich nicht
-der Mühe scheut, sie aufzusuchen und mit offenen Augen um sich schaut, auf
-all die Pracht, all den Reichtum! Mein Leben lang werde ich zehren an den
-herrlichen Erinnerungen, und, sitze ich im Norden Deutschlands, in
-Schnee und Eis vergraben, träumen von deinen ewig grünen, ewig schönen
-Urwäldern, deinen klaren, stillen Flüssen, den schäumenden, donnernden
-Wasserfällen und dem wunderbaren Zauber deiner mondscheindurchleuchteten
-Märchennächte! Was ich mir von dir versprach, das hast du getreulich
-gehalten und so, voller Freude, wie ich kam, scheide ich jetzt voller
-Wehmut. Nur ein letztes Lebewohl noch kann ich dir mit dem Tüchlein
-winken, und der stolze Kamerunberg erwidert den Gruß in schweigendem
-Ernst. Doch bald wirst auch du unsern Blicken entschwunden sein, weiter
-geht's in die offene See der fernen Heimat zu.
-
-Vorbei die wundervolle, herrliche Zeit!
-
-Zur Heimreise benutzten wir einen Zwischendampfer und lernten auf diese
-Weise die vor der Bucht von Biafra lagernde spanische Insel Fernando Poo
-kennen. Leider war der Aufenthalt im Hafen von St. Isabell sehr kurz
-bemessen, so daß sich ein An-Landgehen nicht lohnte. Wir hatten ja nun
-genug Eindrücke gesammelt, die wir auf unserer Heimreise an unserem
-geistigen Auge vorüberziehen lassen konnten und die Abendstunden waren
-immer viel zu kurz, um über alles Erlebte zu plaudern.
-
-Nachdem wir bei ausnahmslos schönstem Wetter und spiegelglatter See die
-Häfen der Westküste passiert hatten, sahen wir uns eines Morgens wieder
-im Hafen von Santa Cruz. Für den Rest der Heimreise bestand in bezug auf
-Seekrankheit keine Gefahr, denn wir hatten für unsere ganze Reise
-die denkbar günstigste Jahreszeit gewählt und landeten wohlbehalten,
-sonnengebräunt und von den Angehörigen jubelnd begrüßt, am Petersen-Kai
-in Hamburg.
-
-
-
-
-[Illustration: Freudentanz der Negerweiber um einen getöteten Gorilla in
-einem Dorfe Kameruns.]
-
-[Illustration: Rieseneidechse Vogeleier fressend.]
-
-[Illustration: Rast auf dem Marsche.]
-
-[Illustration: Schwarze Schönheiten in Kamerun.]
-
-[Illustration: Kamerun-Neger.]
-
-[Illustration: Negerinnen beim Tanz.]
-
-
-
-
-Wilhelm Köhler, Minden in Westfalen
-
-Verlagsbuchhandlung, Großbuchdruckerei
-
- Postscheck-Konto: Hannover 4112 -- Giro-Konto: Reichsbank
- Telegramm-Adresse: Verlag Köhler. -- Telefon-Nummer 249
- Gründungsjahr 1865.
-
-
-Soeben in _neuer_ Auflage erschienen:
-
- Köhlers Taschenliederbuch
- für das deutsche Volk,
-
-enthaltend #400# der _beliebtesten_ Lieder.
-
-288 Seiten Text im farbigen Kartonumschlag.
-
-#Preis 35 Pfennig#,
-
-elegant und dauerhaft in Ganzleinen gebunden,
-
-#Preis 60 Pfennig#
-
-
- Die Laufbahnen
- in der Handels- und Kriegsmarine.
-
-Nach den #neuesten# Bestimmungen bearbeitet von #Kapitän Preuß#,
-Studienrat an der Seefahrtsschule in Bremen. Wie manche Eltern, ganz
-besonders im Binnenlande, stehen dem Wunsche ihres Sohnes »Seemann zu
-werden«, ratlos gegenüber, da sie nie im Leben ein Seeschiff in seinem
-Element sahen und keine Ahnung von der Ausbildung und den Aussichten in
-diesem Beruf haben. Möge dieses Büchlein, geschrieben von einem Fachmann,
-der selbst 10 Jahre auf Seglern und Dampfern Reisen nach allen Weltteilen
-ausführte und der noch heute in seiner Stellung in engster Fühlung mit
-der seemännischen Praxis steht, für unsere deutschen Jungen, die den
-Seemannsberuf ergreifen wollen, eine vollkommene Aufklärung bringen.
-
-#Preis Mk. 1,--#
-
- Durch _jede_ Buchhandlung zu beziehen, auch direkt von der
- #Verlagsfirma Wilhelm Köhler, _Minden_ in Westfalen#.
-
-Für Porto und Verpackung sind pro Buch Mark 0,15 beizufügen.
-
-
-
-
-[ Hinweise zur Transkription
-
-
-Die Abbildungen auf Frontispiz und Beilage (im Original hinter Seite 32)
-sind dem Buchtext nicht konkret zuzuordnen; sie wurden an das Textende
-verschoben.
-
-Das Originalbuch ist in Fraktur gesetzt.
-
-Darstellung abweichender Schriftarten: _gesperrt_, #fett#.
-
-Der Text des Originalbuches wurde grundsätzlich beibehalten, mit folgenden
-Ausnahmen,
-
- Seite 6:
- "kenen" geändert in "kennen"
- (aus eigner Anschauung kennen lernen)
-
- Seite 7:
- "Tereriffe" geändert in "Teneriffe"
- (in deren Mitte ihr Oberhaupt, der Pique Teneriffe thronte)
-
- Seite 18:
- "," entfernt hinter "Makavo", ", " eingefügt vor "Mais"
- (Makavo (kartoffelähnliche Knollenfrucht), Mais)
-
- Seite 19:
- "." eingefügt
- (die vielen Schönheiten des wunderbaren Landes.)
-
- Seite 22:
- "Gouvernementsgarten" geändert in "Gouvernementsgärten"
- (wohlgepflegten Straßen und Gouvernementsgärten)
-
- Seite 38:
- "." eingefügt
- (die Schilderungen schon zum größten Teil bestätigen.)
-
- Seite 43:
- "wird" geändert in "wir"
- (zogen wir endlich in Ndunge ein)
-
- Seite 47:
- "Nkan" geändert in "Nkam"
- (die über den Nkam führende)
-
- Seite 53:
- "unberbrachen" geändert in "unterbrachen"
- (unterbrachen den monotonen Gesang)
-
- Seite 64:
- "." eingefügt
- (eine vollkommene Aufklärung bringen.)
-
- Seite 64:
- "0.15,--" geändert in "0,15"
- (Für Porto und Verpackung sind pro Buch Mark 0,15 beizufügen.) ]
-
-
-
-*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK UNSERE HOCHZEITSREISE IN DIE
-URWÄLDER VON KAMERUN ***
-
-Updated editions will replace the previous one--the old editions will
-be renamed.
-
-Creating the works from print editions not protected by U.S. copyright
-law means that no one owns a United States copyright in these works,
-so the Foundation (and you!) can copy and distribute it in the
-United States without permission and without paying copyright
-royalties. Special rules, set forth in the General Terms of Use part
-of this license, apply to copying and distributing Project
-Gutenberg-tm electronic works to protect the PROJECT GUTENBERG-tm
-concept and trademark. Project Gutenberg is a registered trademark,
-and may not be used if you charge for an eBook, except by following
-the terms of the trademark license, including paying royalties for use
-of the Project Gutenberg trademark. If you do not charge anything for
-copies of this eBook, complying with the trademark license is very
-easy. You may use this eBook for nearly any purpose such as creation
-of derivative works, reports, performances and research. Project
-Gutenberg eBooks may be modified and printed and given away--you may
-do practically ANYTHING in the United States with eBooks not protected
-by U.S. copyright law. Redistribution is subject to the trademark
-license, especially commercial redistribution.
-
-START: FULL LICENSE
-
-THE FULL PROJECT GUTENBERG LICENSE
-PLEASE READ THIS BEFORE YOU DISTRIBUTE OR USE THIS WORK
-
-To protect the Project Gutenberg-tm mission of promoting the free
-distribution of electronic works, by using or distributing this work
-(or any other work associated in any way with the phrase "Project
-Gutenberg"), you agree to comply with all the terms of the Full
-Project Gutenberg-tm License available with this file or online at
-www.gutenberg.org/license.
-
-Section 1. General Terms of Use and Redistributing Project
-Gutenberg-tm electronic works
-
-1.A. By reading or using any part of this Project Gutenberg-tm
-electronic work, you indicate that you have read, understand, agree to
-and accept all the terms of this license and intellectual property
-(trademark/copyright) agreement. If you do not agree to abide by all
-the terms of this agreement, you must cease using and return or
-destroy all copies of Project Gutenberg-tm electronic works in your
-possession. If you paid a fee for obtaining a copy of or access to a
-Project Gutenberg-tm electronic work and you do not agree to be bound
-by the terms of this agreement, you may obtain a refund from the
-person or entity to whom you paid the fee as set forth in paragraph
-1.E.8.
-
-1.B. "Project Gutenberg" is a registered trademark. It may only be
-used on or associated in any way with an electronic work by people who
-agree to be bound by the terms of this agreement. There are a few
-things that you can do with most Project Gutenberg-tm electronic works
-even without complying with the full terms of this agreement. See
-paragraph 1.C below. There are a lot of things you can do with Project
-Gutenberg-tm electronic works if you follow the terms of this
-agreement and help preserve free future access to Project Gutenberg-tm
-electronic works. See paragraph 1.E below.
-
-1.C. The Project Gutenberg Literary Archive Foundation ("the
-Foundation" or PGLAF), owns a compilation copyright in the collection
-of Project Gutenberg-tm electronic works. Nearly all the individual
-works in the collection are in the public domain in the United
-States. If an individual work is unprotected by copyright law in the
-United States and you are located in the United States, we do not
-claim a right to prevent you from copying, distributing, performing,
-displaying or creating derivative works based on the work as long as
-all references to Project Gutenberg are removed. Of course, we hope
-that you will support the Project Gutenberg-tm mission of promoting
-free access to electronic works by freely sharing Project Gutenberg-tm
-works in compliance with the terms of this agreement for keeping the
-Project Gutenberg-tm name associated with the work. You can easily
-comply with the terms of this agreement by keeping this work in the
-same format with its attached full Project Gutenberg-tm License when
-you share it without charge with others.
-
-1.D. The copyright laws of the place where you are located also govern
-what you can do with this work. Copyright laws in most countries are
-in a constant state of change. If you are outside the United States,
-check the laws of your country in addition to the terms of this
-agreement before downloading, copying, displaying, performing,
-distributing or creating derivative works based on this work or any
-other Project Gutenberg-tm work. The Foundation makes no
-representations concerning the copyright status of any work in any
-country other than the United States.
-
-1.E. Unless you have removed all references to Project Gutenberg:
-
-1.E.1. The following sentence, with active links to, or other
-immediate access to, the full Project Gutenberg-tm License must appear
-prominently whenever any copy of a Project Gutenberg-tm work (any work
-on which the phrase "Project Gutenberg" appears, or with which the
-phrase "Project Gutenberg" is associated) is accessed, displayed,
-performed, viewed, copied or distributed:
-
- This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and
- most other parts of the world at no cost and with almost no
- restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it
- under the terms of the Project Gutenberg License included with this
- eBook or online at www.gutenberg.org. If you are not located in the
- United States, you will have to check the laws of the country where
- you are located before using this eBook.
-
-1.E.2. If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is
-derived from texts not protected by U.S. copyright law (does not
-contain a notice indicating that it is posted with permission of the
-copyright holder), the work can be copied and distributed to anyone in
-the United States without paying any fees or charges. If you are
-redistributing or providing access to a work with the phrase "Project
-Gutenberg" associated with or appearing on the work, you must comply
-either with the requirements of paragraphs 1.E.1 through 1.E.7 or
-obtain permission for the use of the work and the Project Gutenberg-tm
-trademark as set forth in paragraphs 1.E.8 or 1.E.9.
-
-1.E.3. If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is posted
-with the permission of the copyright holder, your use and distribution
-must comply with both paragraphs 1.E.1 through 1.E.7 and any
-additional terms imposed by the copyright holder. Additional terms
-will be linked to the Project Gutenberg-tm License for all works
-posted with the permission of the copyright holder found at the
-beginning of this work.
-
-1.E.4. Do not unlink or detach or remove the full Project Gutenberg-tm
-License terms from this work, or any files containing a part of this
-work or any other work associated with Project Gutenberg-tm.
-
-1.E.5. Do not copy, display, perform, distribute or redistribute this
-electronic work, or any part of this electronic work, without
-prominently displaying the sentence set forth in paragraph 1.E.1 with
-active links or immediate access to the full terms of the Project
-Gutenberg-tm License.
-
-1.E.6. You may convert to and distribute this work in any binary,
-compressed, marked up, nonproprietary or proprietary form, including
-any word processing or hypertext form. However, if you provide access
-to or distribute copies of a Project Gutenberg-tm work in a format
-other than "Plain Vanilla ASCII" or other format used in the official
-version posted on the official Project Gutenberg-tm website
-(www.gutenberg.org), you must, at no additional cost, fee or expense
-to the user, provide a copy, a means of exporting a copy, or a means
-of obtaining a copy upon request, of the work in its original "Plain
-Vanilla ASCII" or other form. Any alternate format must include the
-full Project Gutenberg-tm License as specified in paragraph 1.E.1.
-
-1.E.7. Do not charge a fee for access to, viewing, displaying,
-performing, copying or distributing any Project Gutenberg-tm works
-unless you comply with paragraph 1.E.8 or 1.E.9.
-
-1.E.8. You may charge a reasonable fee for copies of or providing
-access to or distributing Project Gutenberg-tm electronic works
-provided that:
-
-* You pay a royalty fee of 20% of the gross profits you derive from
- the use of Project Gutenberg-tm works calculated using the method
- you already use to calculate your applicable taxes. The fee is owed
- to the owner of the Project Gutenberg-tm trademark, but he has
- agreed to donate royalties under this paragraph to the Project
- Gutenberg Literary Archive Foundation. Royalty payments must be paid
- within 60 days following each date on which you prepare (or are
- legally required to prepare) your periodic tax returns. Royalty
- payments should be clearly marked as such and sent to the Project
- Gutenberg Literary Archive Foundation at the address specified in
- Section 4, "Information about donations to the Project Gutenberg
- Literary Archive Foundation."
-
-* You provide a full refund of any money paid by a user who notifies
- you in writing (or by e-mail) within 30 days of receipt that s/he
- does not agree to the terms of the full Project Gutenberg-tm
- License. You must require such a user to return or destroy all
- copies of the works possessed in a physical medium and discontinue
- all use of and all access to other copies of Project Gutenberg-tm
- works.
-
-* You provide, in accordance with paragraph 1.F.3, a full refund of
- any money paid for a work or a replacement copy, if a defect in the
- electronic work is discovered and reported to you within 90 days of
- receipt of the work.
-
-* You comply with all other terms of this agreement for free
- distribution of Project Gutenberg-tm works.
-
-1.E.9. If you wish to charge a fee or distribute a Project
-Gutenberg-tm electronic work or group of works on different terms than
-are set forth in this agreement, you must obtain permission in writing
-from the Project Gutenberg Literary Archive Foundation, the manager of
-the Project Gutenberg-tm trademark. Contact the Foundation as set
-forth in Section 3 below.
-
-1.F.
-
-1.F.1. Project Gutenberg volunteers and employees expend considerable
-effort to identify, do copyright research on, transcribe and proofread
-works not protected by U.S. copyright law in creating the Project
-Gutenberg-tm collection. Despite these efforts, Project Gutenberg-tm
-electronic works, and the medium on which they may be stored, may
-contain "Defects," such as, but not limited to, incomplete, inaccurate
-or corrupt data, transcription errors, a copyright or other
-intellectual property infringement, a defective or damaged disk or
-other medium, a computer virus, or computer codes that damage or
-cannot be read by your equipment.
-
-1.F.2. LIMITED WARRANTY, DISCLAIMER OF DAMAGES - Except for the "Right
-of Replacement or Refund" described in paragraph 1.F.3, the Project
-Gutenberg Literary Archive Foundation, the owner of the Project
-Gutenberg-tm trademark, and any other party distributing a Project
-Gutenberg-tm electronic work under this agreement, disclaim all
-liability to you for damages, costs and expenses, including legal
-fees. YOU AGREE THAT YOU HAVE NO REMEDIES FOR NEGLIGENCE, STRICT
-LIABILITY, BREACH OF WARRANTY OR BREACH OF CONTRACT EXCEPT THOSE
-PROVIDED IN PARAGRAPH 1.F.3. YOU AGREE THAT THE FOUNDATION, THE
-TRADEMARK OWNER, AND ANY DISTRIBUTOR UNDER THIS AGREEMENT WILL NOT BE
-LIABLE TO YOU FOR ACTUAL, DIRECT, INDIRECT, CONSEQUENTIAL, PUNITIVE OR
-INCIDENTAL DAMAGES EVEN IF YOU GIVE NOTICE OF THE POSSIBILITY OF SUCH
-DAMAGE.
-
-1.F.3. LIMITED RIGHT OF REPLACEMENT OR REFUND - If you discover a
-defect in this electronic work within 90 days of receiving it, you can
-receive a refund of the money (if any) you paid for it by sending a
-written explanation to the person you received the work from. If you
-received the work on a physical medium, you must return the medium
-with your written explanation. The person or entity that provided you
-with the defective work may elect to provide a replacement copy in
-lieu of a refund. If you received the work electronically, the person
-or entity providing it to you may choose to give you a second
-opportunity to receive the work electronically in lieu of a refund. If
-the second copy is also defective, you may demand a refund in writing
-without further opportunities to fix the problem.
-
-1.F.4. Except for the limited right of replacement or refund set forth
-in paragraph 1.F.3, this work is provided to you 'AS-IS', WITH NO
-OTHER WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, INCLUDING BUT NOT
-LIMITED TO WARRANTIES OF MERCHANTABILITY OR FITNESS FOR ANY PURPOSE.
-
-1.F.5. Some states do not allow disclaimers of certain implied
-warranties or the exclusion or limitation of certain types of
-damages. If any disclaimer or limitation set forth in this agreement
-violates the law of the state applicable to this agreement, the
-agreement shall be interpreted to make the maximum disclaimer or
-limitation permitted by the applicable state law. The invalidity or
-unenforceability of any provision of this agreement shall not void the
-remaining provisions.
-
-1.F.6. INDEMNITY - You agree to indemnify and hold the Foundation, the
-trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone
-providing copies of Project Gutenberg-tm electronic works in
-accordance with this agreement, and any volunteers associated with the
-production, promotion and distribution of Project Gutenberg-tm
-electronic works, harmless from all liability, costs and expenses,
-including legal fees, that arise directly or indirectly from any of
-the following which you do or cause to occur: (a) distribution of this
-or any Project Gutenberg-tm work, (b) alteration, modification, or
-additions or deletions to any Project Gutenberg-tm work, and (c) any
-Defect you cause.
-
-Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg-tm
-
-Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
-electronic works in formats readable by the widest variety of
-computers including obsolete, old, middle-aged and new computers. It
-exists because of the efforts of hundreds of volunteers and donations
-from people in all walks of life.
-
-Volunteers and financial support to provide volunteers with the
-assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
-goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
-remain freely available for generations to come. In 2001, the Project
-Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
-and permanent future for Project Gutenberg-tm and future
-generations. To learn more about the Project Gutenberg Literary
-Archive Foundation and how your efforts and donations can help, see
-Sections 3 and 4 and the Foundation information page at
-www.gutenberg.org
-
-Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary
-Archive Foundation
-
-The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non-profit
-501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
-state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
-Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification
-number is 64-6221541. Contributions to the Project Gutenberg Literary
-Archive Foundation are tax deductible to the full extent permitted by
-U.S. federal laws and your state's laws.
-
-The Foundation's business office is located at 809 North 1500 West,
-Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887. Email contact links and up
-to date contact information can be found at the Foundation's website
-and official page at www.gutenberg.org/contact
-
-Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg
-Literary Archive Foundation
-
-Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without
-widespread public support and donations to carry out its mission of
-increasing the number of public domain and licensed works that can be
-freely distributed in machine-readable form accessible by the widest
-array of equipment including outdated equipment. Many small donations
-($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
-status with the IRS.
-
-The Foundation is committed to complying with the laws regulating
-charities and charitable donations in all 50 states of the United
-States. Compliance requirements are not uniform and it takes a
-considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
-with these requirements. We do not solicit donations in locations
-where we have not received written confirmation of compliance. To SEND
-DONATIONS or determine the status of compliance for any particular
-state visit www.gutenberg.org/donate
-
-While we cannot and do not solicit contributions from states where we
-have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
-against accepting unsolicited donations from donors in such states who
-approach us with offers to donate.
-
-International donations are gratefully accepted, but we cannot make
-any statements concerning tax treatment of donations received from
-outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff.
-
-Please check the Project Gutenberg web pages for current donation
-methods and addresses. Donations are accepted in a number of other
-ways including checks, online payments and credit card donations. To
-donate, please visit: www.gutenberg.org/donate
-
-Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic works
-
-Professor Michael S. Hart was the originator of the Project
-Gutenberg-tm concept of a library of electronic works that could be
-freely shared with anyone. For forty years, he produced and
-distributed Project Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of
-volunteer support.
-
-Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
-editions, all of which are confirmed as not protected by copyright in
-the U.S. unless a copyright notice is included. Thus, we do not
-necessarily keep eBooks in compliance with any particular paper
-edition.
-
-Most people start at our website which has the main PG search
-facility: www.gutenberg.org
-
-This website includes information about Project Gutenberg-tm,
-including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
-Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
-subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks.