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-The Project Gutenberg eBook of Die letzten zwanzig Jahre deutscher
-Litteraturgeschichte 1880–1900, by Emil Thomas
-
-This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and
-most other parts of the world at no cost and with almost no restrictions
-whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it under the terms
-of the Project Gutenberg License included with this eBook or online at
-www.gutenberg.org. If you are not located in the United States, you
-will have to check the laws of the country where you are located before
-using this eBook.
-
-Title: Die letzten zwanzig Jahre deutscher Litteraturgeschichte
- 1880–1900
-
-Author: Emil Thomas
-
-Release Date: January 09, 2021 [eBook #64245]
-
-Language: German
-
-Character set encoding: UTF-8
-
-Produced by: The Online Distributed Proofreading Team at
- https://www.pgdp.net
-
-*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE LETZTEN ZWANZIG JAHRE
-DEUTSCHER LITTERATURGESCHICHTE 1880–1900 ***
-
-
-
-
- Anmerkungen zur Transkription
-
-
- Das Original ist in Fraktur gesetzt. Im Original gesperrter Text
- ist _so ausgezeichnet_. Im Original in Antiqua gesetzter Text ist
- ~so markiert~. Im Original fetter Text ist =so dargestellt=.
-
- Weitere Anmerkungen zur Transkription befinden sich am Ende des
- Buches.
-
- Dieses E-Book wurde anläßlich des 20. Jubiläums von »Distributed
- Proofreaders« erstellt.
-
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-
- Die letzten zwanzig
- Jahre deutscher
- Litteraturgeschichte.
-
-
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-
- Die letzten zwanzig
- Jahre deutscher
- Litteraturgeschichte
- 1880--1900
-
- Im Abriß dargestellt
- von Emil Thomas.
-
- 2., durchgesehene Auflage.
-
- (4. bis 8. Tausend.)
-
- [Illustration]
-
- Leipzig 1900
- Verlag von _Walther Fiedler_.
-
-
-
-
-Vorwort.
-
-
-Es sind in neuester Zeit vielfach Versuche einer Darstellung der
-Litteratur der letzten Jahre unternommen worden[1] und es war dies
-umsomehr von nöten, als unsere besten Litteraturgeschichten im Stich
-lassen, sobald die Litteratur der letzten Jahrzehnte in Frage kommt.
-Selbst Vogt und Kochs Litteraturgeschichte, die im vorigen Jahre zur
-Ausgabe gelangte, ein sonst tüchtiges und zuverlässiges Werk, macht vor
-der modernen Litteratur Halt und behandelt die Zeit von dem Auftreten
-der »Jüngsten« an in einer wahrhaft stiefmütterlichen Weise, die zu
-dem Ganzen in keinem Verhältnis steht und deutlich erkennen läßt, wie
-wenig die Verfasser über die moderne Litteratur unterrichtet sind.
-Wenn man nun auch zugeben muß, daß es mit Schwierigkeiten verbunden
-ist, klar und übersichtlich eine Periode darzustellen, in der noch
-alles Leben und Bewegung ist, die noch nicht einmal äußerlich zu
-einem gewissen Abschluß gelangt ist, so erscheint es doch nicht
-angängig, aus einer zeitlich nicht begrenzten Litteraturgeschichte die
-moderne Litteratur auszuschließen oder sie in ungenügender Weise zur
-Darstellung zu bringen. Denn nichts liegt dem Interesse näher, als was
-uns zeitlich naheliegt, und es ist sehr wohl möglich, zeitgenössische
-Schriftsteller und ihre vorliegenden Werke zu beurteilen, auch auf
-die Gefahr hin, daß durch spätere Schöpfungen neue charakteristische
-Züge in das Bild Aufnahme finden müssen. Darstellen läßt sich also
-die Litteraturperiode der letzten Jahre -- fraglich ist nur, ob der
-Bericht über dieselbe, 10 oder 20 Jahre später, nicht derartige
-Korrekturen erfahren wird, daß Urteil und Anschauung der Gegenwart
-dadurch für die spätere Zeit vollständig entwertet werden. Strömungen
-und Unterströmungen auf litterarischem Gebiete sind für denjenigen,
-der mitten in der darzustellenden Periode steht, nur schwer erkennbar,
-und auch das Urteil des vorurteilslosen Beobachters wird von der
-Parteien Haß und Gunst verwirrt, besonders in einer Zeit, die an Stelle
-der litterarischen _Persönlichkeiten_ litterarische _Schulen_ setzt
-und durch Schlagworte zu ersetzen sucht, was ihr an litterarischem
-Verständnis abgeht.
-
- [1] Neben den Studien zur neueren Litteratur, die
- Professor Erich Schmidt, Adolf Stern und Franz Muncker
- veröffentlichten, sind vor allem das Buch B. Litzmann's
- über das deutsche Drama der Gegenwart, sowie Alfred Bieses
- Lyrische Dichtung und neuere deutsche Lyriker, Wolff's
- Geschichte der deutschen Litteratur in der Gegenwart,
- Adolf Bartels, Die deutsche Dichtung der Gegenwart, Edgar
- Steiger, Das Werden des neuen Dramas, und Richard M. Meyers
- Geschichte der deutschen Litteratur im 19. Jahrhundert, zu
- nennen.
-
-Wir sagten, daß in 10 oder 20 Jahren das jetzt abgegebene Urteil
-über unsere moderne Litteratur eine Wandlung erfahren wird, und
-je weiter wir uns von der Gegenwart entfernen, destomehr wird die
-zeitgenössische Kritik von der späterer Zeiten sich als unterschiedlich
-erweisen. Sie wird ruhiger, objektiver ausfallen, aber sie braucht
-darum nicht »richtiger« zu sein, denn der Wert eines Buches darf
-nicht nur danach bemessen werden, daß es noch kommenden Geschlechtern
-etwas zu sagen hat, er kann auch darin bestehen, daß es, allein
-für seine Zeit geschrieben, auch nur dieser nützt. Da wir aber
-die Litteraturgeschichte aus der Kulturgeschichte ausscheiden und
-ihr eine selbständige Stellung -- ob mit Recht oder Unrecht, sei
-dahingestellt -- angewiesen haben, so werden in ihr alle diejenigen
-Werke zu kurz kommen, die allein für ihre Zeit berechnet und nur diese
-fördernd, nicht künstlerischen Gehalt oder genügendes Interesse für
-die Zukunft mitbringen. Noch ein weiterer Grund kommt hinzu, um die
-Aufgabe der Litteraturgeschichte zu erschweren: der, daß niemand,
-und sei er noch so belesen, in der Lage sein wird, ohne Anleihen
-bei anderen zu machen, ein Urteil über die Litteratur, selbst eines
-so begrenzten Zeitraumes, wie es der von 1880--1900 ist, abgeben
-zu können. Denn um festzustellen, welcher Dichter und welches Werk
-in diese Litteraturgeschichte aufzunehmen wären, müßte, unter der
-Voraussetzung einer Befähigung, über alles urteilen zu können, ein
-eingehendes Studium aller in dem betreffenden Zeitraum erschienener
-Werke vorausgehen. Denn wie könnte jemand, der nicht das ganze Gebiet
-beherrscht, wissen, ob er nicht das Wichtigste übersehen, ob ihm nicht
-gerade das entgangen, auf das das meiste Gewicht zu legen wäre? Wäre
-er allein in der Lage, auch nur über eine beschränkte Anzahl Werke ein
-Urteil abzugeben, sie litterarisch zu werten, und könnte dies immer
-unter Ausschaltung alles Persönlichen geschehen? Könnte er sich ganz
-dem Einflusse entziehen, den auch ein minder gutes Buch ausüben kann,
-das ihm persönlich mehr als den anderen zu sagen hat oder das in einer
-Stimmung zur Hand genommen wurde, die es für ihn in einem besonderen
-Lichte erscheinen ließ? Und wird derselbe Autor, der, 30 Jahre alt,
-ein Werk kritisiert, mit 40 Jahren noch dasselbe Urteil über das Werk
-abgeben? Ein persönliches Gepräge kann eine Litteraturgeschichte nur
-in einzelnen Zügen tragen und auch diese müssen mit Vorsicht gegeben
-und durch die Urteile sachverständiger Kritiker wenigstens kontrolliert
-werden. Gerade weil selbst ein eng begrenztes Gebiet zu beherrschen
-unmöglich ist, kann der Autor einer Litteraturgeschichte kaum etwas
-anderes sein als ein Kompilator, der die abgegebenen Urteile in
-litteraturgeschichtlichen und verwandten Büchern und Zeitschriften
-abzuwägen, zu kontrollieren und aus ihnen das Facit zu ziehen hat. Er
-wird nie, und wenn er seinen Namen noch so fett auf das Titelblatt
-schreibt, ganz aus Persönlichem heraus eine Litteraturgeschichte
-schreiben und sagen können: so denke ich über alle jene Werke, zu denen
-ich in dem und dem Verhältnis stehe.
-
-Allerdings soll eine Litteraturgeschichte in ihrer Gesamtheit
-mehr sein, als ein Sammelsurium von Urteilen, die Hinz und Kunz
-über Bücher und Autoren abgeben und die Müller oder Schulze dann
-»kontrollieren« und »abwägen«: eine Litteraturgeschichte muß vor
-allem auf die geistigen Strömungen das Hauptgewicht legen, sie muß,
-wenn sie Wert besitzen soll, uns zeigen, wie sich diese in dem
-Kopfe des Verfassers darstellen, der bei einer Geschichte mehr auf
-den geistigen Zusammenhang, auf die typischen Erscheinungen, als
-auf ihre Repräsentanten zu achten hat. Die Geschichtsschreibung,
-die nur die »Haupt- und Staatsaktionen« kannte und darstellte,
-hat sich überlebt, die politische Geschichte von ehemals ist der
-Kulturgeschichte gewichen, die versuchen muß, uns aus der Zeit heraus
-die Erscheinungen zu erklären und verständlich zu machen. Von der
-Litteraturgeschichte muß aber noch mehr gefordert werden. Vor allem
-ist ihre Aufgabe, reinlich zu scheiden zwischen dem, was Mode, Reklame
-und Marktschreierei, gute Freunde und getreue Nachbarn aus einem Autor
-gemacht haben, und dem, was ihm an wirklichem Verdienste, nach seinem
-Können, zukommt. Sie hat sich mit den schlechten Autoren, die den
-litterarischen Geschmack einer Zeit _wesentlich_ beeinflussen, ebenso
-abzufinden wie mit den guten, hat auch der _besonderen_ Beeinflussung
-älterer Werke und Autoren, die für eine Zeit wieder lebendig geworden
-sind, zu gedenken, sie muß -- und das nicht zuletzt -- auch gutzumachen
-suchen, was an einem Autor gesündigt wurde, dessen Talent sich
-mit jedem der durch Verlegerreklame und Cliquenwirtschaft bekannt
-gewordenen »Jungen« und Modernen messen kann, der aber den Fehler
-beging, nur seine Bücher und nicht auch seine Freunde und Vettern für
-sich reden zu lassen.
-
- * * * * *
-
-Es bedarf wohl einer Erklärung, warum der vorliegende Abriß der
-deutschen Litteraturgeschichte der Gegenwart mit dem Jahre 1880 und
-nicht, wie dies sonst üblich, mit dem Tode Goethes (1832) oder dem
-Ausbruche des deutsch-französischen Krieges (1870) beginnt.
-
-Das eine wie das andere Jahr kommt für die Litteratur wenig in
-Betracht. Der Tod Goethes, wie der Ausbruch des Krieges waren rein
-äußere Umstände: der erstere beendete nicht das goldene Zeitalter
-unserer Litteratur, das mit dem Erscheinen des ersten Teils von Faust
-sein Ende erreichte, und der letztere leitete keine neue Epoche unserer
-Litteratur ein. Wenn es auch gefährlich ist, den Beginn einer neuen
-Litteraturperiode durch ein bestimmtes Jahr festzulegen, so haben
-doch, nach unserem Dafürhalten, die 80er Jahre mehr Berechtigung, als
-Ausgangspunkt bei der Darstellung der modernen Litteratur angenommen zu
-werden, als das Jahr 1870, das nicht einmal auf einem litterarischen
-Gebiete -- der Kriegslyrik -- neue Blüten trieb, sondern nur politisch
-von Bedeutung ist. Nimmt man ein bestimmtes Jahr zum Ausgangspunkt
-an, so entsteht die Frage, inwieweit sich ein Zurückgreifen auf die
-vorhergehenden Jahre zum besseren Verständnisse des angesetzten
-Jahres notwendig macht. Litterarische Erscheinungen wie Freytag und
-Spielhagen -- um Beispiele aus der modernen Litteratur anzuführen --
-hatten ihren Vorläufer in Gutzkow, wie Heyse's Schaffen schließlich auf
-Goethe zurückführt. Und noch eine andere Schwierigkeit erwächst dem
-Litterarhistoriker bei der Darstellung eines bestimmten, engbegrenzten
-Zeitraumes. Heyses, Spielhagens und Freytags litterarische Bedeutung
-und Erfolge -- um bei den einmal Genannten zu bleiben -- gehören
-einer vergangenen Periode an, sie waren es nicht, die der neueren
-Litteratur den Stempel aufdrückten und auch ihr eigenes litterarisches
-Charakterbild erhielt durch ihre späteren Schöpfungen keine neuen Züge.
-Das trifft selbst bei einem Autor wie Spielhagen zu, der sich wie kaum
-ein anderer unter den Alten bemüht hat, die neue Zeit zu verstehen und
-mit ihr zu paktieren, aber doch immer der alte Spielhagen der 70er
-Jahre blieb.
-
-Die älteren Dichter sind daher in dem vorliegenden Abriß nur
-stiefmütterlich behandelt worden, eine Taktik, die auch darauf
-zurückzuführen ist, daß es nicht schwer hält, sich über sie anderenorts
-zu informieren. Wir wollten vor allem den geringen Raum, der uns zur
-Verfügung steht -- das Werkchen ist ein etwas erweiterter Abdruck
-aus dem »Buchhändler-Kalender für 1900« -- benutzen, um auf die
-»neuesten und allerneuesten« Dichter aufmerksam zu machen. Daß wir
-auch hier nur Einzelbilder und Einzelerscheinungen herausgreifen
-konnten und auf eine Darstellung der _Entwickelung der neuesten
-Litteratur_ verzichten mußten, findet gleichfalls seine Erklärung in
-der uns auferlegten räumlichen Beschränkung. Sie verführte auch, im
-Gegensatze zu unserer Anschauung, daß eine Litteraturgeschichte nicht
-nur die schöngeistigen Schriften, sondern das gesamte Geistesleben zu
-umfassen hat, soweit es seinen Ausdruck in der Litteratur findet und
-nicht rein fachwissenschaftlicher Natur ist, zu einer ausschließlichen
-Berücksichtigung der Belletristik, so daß man Namen wie: Büchner,
-Eduard v. Hartmann, Friedrich Nietzsche, Schopenhauer, Stirner,
-Gregorovius, Treitschke, Sybel, Ranke, Mommsen, Schäffle, Ihering,
-Erich Schmidt, Paul de Lagarde, Karl Hillebrand, Victor Hehn, Herman
-Grimm, Otto Gildemeister, Bamberger, Fürst Bismarck, Richard Wagner u.
-a., in den »Charakteristiken« nicht begegnen wird, so sehr sie Anspruch
-auf Aufnahme in eine moderne Litteraturgeschichte haben. Dagegen wird
-man es in einer speciell für Buchhändler, Litteraten etc. bestimmten
-Litteraturgeschichte gerechtfertigt finden, daß wir nicht sowohl den
-Versuch einer Charakteristik der litterarischen und verwandten Blätter
-unternommen, als auch auf den Anteil hingewiesen haben, der dem
-Verlagsbuchhandel an der Entwicklung unserer Litteratur zukommt.
-
-Was die in den »Charakteristiken« angeführten Dichter betrifft, so
-wird gewiß schon im kommenden Jahrzehnt eine ganze Reihe in der
-Versenkung verschwinden und anderen Platz machen müssen, die jetzt
-bescheiden bei Seite stehen, unbeachtet von der Kritik und dem großen
-Publikum. Ihr Ruhm wird dauernder sein als der unserer litterarischen
-Tagesgrößen, wenn auch eine Litteraturgeschichte so geringen Umfangs
-und mit so bescheidenen Aufgaben wie die vorliegende, nur vorsichtig
-für einzelne von ihnen eintreten kann. Denn auf die Freude, gerade den
-_Könnern_ ohne Anhang in der Presse und im Publikum zu ihrem Rechte zu
-verhelfen, muß der Verfasser eines Werkchens verzichten, das seiner
-ganzen Anlage nach nur für die Gegenwart berechnet, keine Umwertung der
-jetzigen litterarischen Werte vornehmen kann, sondern allein den Zweck
-verfolgt, über die bekannteren Schriftsteller und ihre Werke ein paar
-orientierende Notizen zu geben, mit denen sich die Benutzer besser im
-litterarischen Leben zurechtfinden können.
-
- _Leipzig_, März 1900.
-
- =Emil Thomas.=
-
-
-
-
-Inhaltsverzeichnis.
-
-
- Seite
-
- _Vorwort_ 5
-
- _Überblick_ 18
-
- _Charakteristiken_:
-
- _Die Romanciers der alten Schule_ 29
-
- Gustav Freytag. -- Friedrich Spielhagen. -- Berthold
- Auerbach. -- Luise von François.
-
- _Die großen Novellisten der 70er und 80er Jahre_ 32
-
- Conrad Ferd. Meyer. -- Gottfried Keller. -- Theodor
- Storm. -- Paul Heyse.
-
- _Die Formtalente der alten Schule_ 35
-
- Emanuel Geibel. -- Friedr. v. Bodenstedt. -- Adolf
- Friedr. Graf v. Schack. -- Rob. Hamerling. -- Albert
- Moeser. -- Heinr. Vierordt.
-
- _Lyriker und Epiker der 70er und 80er Jahre_ 37
-
- Julius Grosse. -- Martin Greif. -- Joh. Georg Fischer.
- -- Friedr. Wilh. Weber. -- Friedrich Theod. Vischer. --
- Wilh. Jordan. -- Hermann Lingg. -- Stephan Milow. --
- Ludwig Eichrodt. -- Hermann Allmers. -- Robert Waldmüller.
- -- Rudolf Bunge. -- Adolf Brieger. -- Heinrich
- Bulthaupt. -- Julius Rodenberg. -- Karl Weitbrecht.
- -- Eduard Paulus. -- Isolde Kurz.
-
- _Die neuzeitlichen Romantiker_ 43
-
- Otto Roquette. -- Oskar von Redwitz. -- Heinrich Steinhausen.
- -- Wilhelm Hertz.
-
- _Die Dichter mit dem Erdgeruch_ 44
-
- Klaus Groth. -- Ludwig Anzengruber. -- Theod. Herrmann
- Pantenius. -- Peter Rosegger. -- Karl Stieler.
- -- Hermann von Schmid. -- Maximilian Schmidt. --
- Ludwig Ganghofer. -- Arthur Achleitner. -- Johann
- Meyer. -- Joh. Heinr. Fehrs. -- Timm Kröger. -- Heinr.
- Hansjakob. -- Hermine Villinger. -- Clara Viebig. --
- Adolf Bartels. -- Charlotte Niese. -- Ilse Frapan. --
- August Sperl. -- Heinrich Sohnrey.
-
- _Die Kulturnovellisten_ 49
-
- Wilhelm Heinrich Riehl. -- Karl Emil Franzos. -- Leopold
- Kompert. -- Leopold von Sacher-Masoch.
-
- _Die Dichter-Archäologen_ 50
-
- Georg Ebers. -- Felix Dahn. -- Ernst Eckstein. --
- George Taylor. -- Oskar Linke.
-
- _Die Dramatiker der alten Schule_ 52
-
- Rudolf v. Gottschall. -- Hans Herrig. -- Arthur Fitger.
- -- Heinrich Kruse. -- Albert Lindner.
-
- _Die sogenannten Lustspieldichter_ 53
-
- Oskar Blumenthal. -- Hugo Lubliner. -- Gustav von
- Moser. -- Adolf L'Arronge.
-
- _Die Übergangstalente_ 54
-
- Hans Hopfen. -- Wilhelmine von Hillern. -- Karl
- v. Heigel. -- Karl Frenzel. -- Adolf Stern. -- Ferdinand
- von Saar. -- Heinrich von Reder.
-
- _Vaganten und Spielmänner_ 56
-
- Josef Victor von Scheffel. -- Rudolf Baumbach. --
- Julius Wolff.
-
- _Die Goldschnittlyriker der 80er Jahre_ 57
-
- Karl Gerok. -- Julius Sturm. -- Albert Traeger. --
- Emil Rittershaus.
-
- _Die Beschaulichen_ 58
-
- Wilhelm Raabe. -- Wilhelm Busch. -- Hans Hoffmann.
- -- Heinrich Seidel. -- Victor Blüthgen.
-
- _Die Behaglichen_ 60
-
- Julius Stinde. -- Johannes Trojan. -- Julius Lohmeyer.
- -- Edwin Bormann. -- Georg Bötticher. -- Hans
- Arnold.
-
- _Die Dichter der Dekadenz_ 61
-
- Dranmor. -- Eduard Grisebach. -- Emil Prinz von
- Schönaich-Carolath. -- Hieronymus Lorm. -- Alberta
- von Puttkamer. -- Ada Christen.
-
- _Die Marlitt und ihre Schule_ 63
-
- E. Marlitt. -- W. Heimburg. -- E. Werner. -- Marie
- Bernhard. -- Nataly von Eschstruth.
-
- _Die »Jüngstdeutschen« und ihre Vorkämpfer_ 64
-
- Karl Bleibtreu. -- Michael Georg Conrad. -- Hermann
- Conradi. -- Konrad Alberti. -- Heinrich Hart. -- Julius
- Hart. -- Hermann Heiberg. -- Max Kretzer. -- Wilhelm
- Walloth. -- Wilhelm Arent. -- Wolfgang Kirchbach.
-
- _Socialistische Lyriker_ 67
-
- Arno Holz. -- Karl Henckell. -- Maurice Reinhold
- Stern. -- John Henry Mackay. -- Bruno Wille.
-
- _Die Nationalen_ 69
-
- Adolf Pichler. -- Karl Pröll. -- Fritz Lienhard. --
- Anton Ohorn. -- Anton Aug. Naaff. -- Ottomar
- Beta. -- Adolf Graf v. Westarp. -- E. Bauer. --
- Carl Kerstan.
-
- _Die großen neuzeitlichen Erzähler_ 71
-
- Theodor Fontane. -- Wilhelm Jensen. -- Marie von
- Ebner-Eschenbach. -- Adolf Wilbrandt. -- Richard Voß.
-
- _Realistische Erzähler_ 73
-
- Ernst von Wolzogen. -- Konrad Telmann. -- Alexander
- von Roberts. -- Georg v. Ompteda. -- Wilhelm v. Polenz.
- -- Ad. Schmitthenner. -- Karl v. Perfall. -- Anton
- v. Perfall. -- Oscar Mysing. -- Richard Nordhausen. --
- J. J. David. -- Felix Hollaender. -- Heinz Tovote.
-
- _Die Unterhaltungstalente_ 77
-
- Ernst Wichert. -- August Niemann. -- Gerhardt von
- Amyntor. -- Otto v. Leixner. -- Fritz Mauthner. --
- Theophil Zolling. -- Rudolf Stratz. -- Hans Land.
- -- Wilh. Wolters. -- Franz v. Königsbrun-Schaup.
- -- Fedor von Zobeltitz. -- Hanns von Zobeltitz. --
- Ida Boy-Ed. -- A. v. d. Elbe. -- Claire Glümer. --
- Sophie Junghans. -- Luise Westkirch.
-
- _Romanciers des ~High-life~_ 81
-
- Rudolf Lindau. -- Ossip Schubin. -- Baron Carl
- Torresani. -- Johannes Richard zur Megede. -- Bertha
- von Suttner.
-
- _Die Feuilletonisten_ 82
-
- Paul Lindau. -- Max Nordau. -- Julius Langbehn. --
- Emil Peschkau. -- Balduin Groller. -- Ferdinand
- Groß. -- Hermann Bahr. -- Maximilian Harden.
-
- _Die Industriellen_ 84
-
- Gregor Samarow. -- Alfr. Friedmann.
-
- _Die dramatischen Hauptmänner_ 85
-
- Ernst von Wildenbruch. -- Gerhart Hauptmann. --
- Hermann Sudermann.
-
- _Die kleineren Dramatiker der Neuzeit_ 88
-
- Max Halbe. -- Ludwig Fulda. -- Arthur Schnitzler. --
- Josef Lauff. -- Felix Philippi. -- Max Dreyer. --
- Josef Ruederer. -- Caesar Flaischlen. -- Otto Erich
- Hartleben. -- Philipp Langmann. -- Ernst Rosmer. --
- Georg Hirschfeld.
-
- _Tendenzfreie Lyriker der jüngsten Zeit_ 91
-
- Detlev von Liliencron. -- Gustav Falke. -- Carl
- Busse. -- Ludwig Jacobowski. -- Richard Zoozmann. --
- Reinhold Fuchs. -- Jeannot Emil Freiherr v. Grotthuß. --
- Ricarda Huch. -- Alfred Beetschen. -- Hans Bethge. --
- Anna Ritter. -- Johanna Ambrosius. -- Ludwig
- Palmer. -- Gustav Renner.
-
- _Philosophische und polemische Dichter_ 94
-
- Ferdinand Avenarius. -- Wilhelm Weigand. -- Otto
- Ernst. -- Carl Spitteler. -- Josef Viktor Widmann. --
- Christian Wagner. -- Wilhelm Bölsche. -- Walther
- Siegfried. -- Benno Rüttenauer.
-
- _Die Amazonen des Geistes_ 97
-
- Marie Eugenie delle Grazie. -- Helene Böhlau. -- Anna
- Croissant-Rust. -- Maria Janitschek. -- Emil Marriot. --
- Hermione von Preuschen. -- Lou Andreas-Salomé. --
- Gabriele Reuter. -- Anselm Heine. -- Hans von Kahlenberg.
- -- Elsa Asenijeff.
-
- _»Artisten«, Symbolisten und Unverstandene_ 99
-
- Johannes Schlaf. -- Otto Julius Bierbaum. -- Franz
- Evers. -- Stanislaw Przybyszewski. -- Richard Dehmel.
- -- Frank Wedekind. -- Wilhelm von Scholz. -- Felix
- Dörmann. -- Hugo v. Hofmannsthal. -- Hugo Salus.
- -- Peter Altenberg. -- Stephan George. -- Alfred
- Mombert. -- Paul Scheerbart.
-
- _Nationale Jungösterreicher_ 103
-
- Arthur von Wallpach. -- Franz Herold. -- Hermann
- Hango. -- Josef Kitir. -- Oskar Weilhart. -- Franz
- Adamus. -- Emil Ertl. -- Heinrich v. Schullern. --
- Hanns Weber-Lutkow. -- Hugo Greinz.
-
- _Zur Charakteristik litterarischer und verwandter
- Blätter_ 106
-
- _Der Verlagsbuchhandel und sein Anteil an der
- Litteratur der Gegenwart_ 118
-
- _Register der in den »Charakteristiken« angeführten
- Namen_ 133
-
-
-
-
-Überblick.
-
-
-Der deutsch-französische Krieg 1870/71 erfüllte das Sehnen der
-Nation nach Einheit und Macht unter einem neuen deutschen Kaisertum:
-eine neue Litteratur brachte er nicht. Selbst die Kriegslyrik trieb
-nur wenig neue Blüten; Schlag auf Schlag war draußen in Frankreich
-erfolgt, und ehe man Zeit fand, den jungen Ruhm dichterisch zu
-verherrlichen, war der Friede geschlossen. Was sehnsüchtig die Besten
-der Nation herbeigewünscht, war in Erfüllung gegangen, aber nach dem
-jahrzehntelangen Warten stand man zu plötzlich am Ziel, um die Wandlung
-begreifen zu können. In den Kabinetten war der Krieg beschlossen
-worden, die Volksseele hatte wenig Teil an ihm. Auch die Errichtung
-des deutschen Kaisertums war mehr ein Akt der Diplomatie, als der
-Ausfluß jenes Sehnens, das im Volke lebte und dessen Erfüllung man
-kaum noch erhoffte, als sie schon eingetreten war. Die wenigen großen
-Dichter, die wir um jene Zeit besaßen, waren in ihrer Entwicklung
-bereits abgeschlossen, als Bismarck Deutschland in den Sattel hob.
-Paul Heyse war zu sehr Künstler, Ästhetiker, als daß von ihm eine
-nationale Kunst ihren Ausgang nehmen konnte. Seine Sehnsucht ging mehr
-nach dem sonnigen Italien oder dem schönheitstrunkenen Hellas, als
-nach dem neuen Deutschen Reiche. Berthold Auerbach hatte sein Bestes
-schon geleistet und Gustav Freytags altfränkisch-philiströse Kunst
-fand sich ebensowenig im neuen Deutschland zurecht, wie Friedrich
-Spielhagens politisches Glaubensbekenntnis. Die beiden Schweizer
-Gottfried Keller und Conrad Ferd. Meyer standen zu weit ab vom
-Deutschen Reiche, um wirklichen Einfluß auf sein nationales Leben zu
-gewinnen. So verklang das Lied vom »Grünen Heinrich« in der Ferne und
-erst viel später wurde seine Melodie wieder gehört. Conrad Ferd. Meyers
-feinciselierte Kunst war nie Volkskunst, ihr Einfluß blieb auch später
-auf Litteraten- und Künstlerkreise beschränkt. Das Volk trug kein
-Verlangen nach Kunst; was es suchte, war Unterhaltung -- Genuß. Die
-Milliarden kamen ins Land und ein toller Taumel erfaßte alle Kreise:
-wer früher Wasser getrunken, berauschte sich jetzt in Champagner.
-Die Gründerperiode war angebrochen, das Gold übte seine Zauberkraft,
-alles in seinen Bann ziehend und alle anderen als vitale Interessen
-ertötend. Oskar Blumenthal und Paul Lindau, Namen, die heute schon vom
-litterarischen Schauplatz verschwunden sind, feierten ihre Triumphe,
-und das eroberte Paris war es, das seine litterarischen Schatzkammern
-öffnete und dem neuen Reich auch die »neue Kunst« gab. Sie war auch
-danach und ihrer Vertreter würdig. Die beiden Litteraturpäpste an der
-Spree waren aus dem Journalismus hervorgegangen. Beide suchten mit
-Pamphleten schlimmster Sorte ihr Ansehen zu begründen. Den »Allerlei
-Ungezogenheiten« des »blutigen Oscar« traten die »Litterarischen
-Rücksichtslosigkeiten« Lindaus ebenbürtig zur Seite. Alles, was in
-Deutschland einen Namen besaß, verfiel ihnen und wurde mit Spott
-und Hohn überschüttet. Paris war die Parole. Hatte das kriegerische
-Frankreich keine Lorbeeren gepflückt, so fielen sie jetzt dem
-künstlerischen Frankreich überreich in den Schoß. Selbst vor dem
-Kriege war die Abhängigkeit von unseren westlichen Nachbarn nicht so
-groß wie nach der Wiedergeburt Deutschlands, das sich erst auf seine
-Machtstellung besinnen mußte. Irregeleitet von falschen Propheten, die
-ihre Lehrjahre in Paris durchgemacht hatten, wußte das Volk nichts
-Besseres, als der leichtgeschürzten gallischen Muse zuzujubeln und ihre
-Kinder für den Inbegriff des Schönen und Wahren hinzustellen.
-
-Die Zeiten des Kulturkampfes waren der Entwickelung der deutschen
-Dichtung wenig günstig, die Handvoll wirklicher Poeten, die Deutschland
-besaß, ging unverstanden ihre Wege und viel später erst fand sie
-Anerkennung. Die Gründerperiode hatte bald abgewirtschaftet, der Krach
-kam, der Champagnerrausch verflog und nur der Katzenjammer blieb
-zurück. Damals wurde Schopenhauer Mode. Sein Schüler Grisebach sang
-seine Tannhäuserlieder, die die Stimmung des Volkes widerspiegeln,
-das von Genuß zu Genuß taumelt, bis ihm erwachend der Ekel kommt.
-Eine Zeit der Nüchternheit und Niedergeschlagenheit folgte den tollen
-Jahren, eine Zeit, in der die Litteratur auf die Zuneigung der höheren
-Töchter angewiesen war. Die Poesie flüchtete in die Gelehrtenstuben und
-drapierte sich malerisch mit griechischen und ägyptischen Gewändern,
-um sich ein besonderes Air zu geben. Es waren die Erntejahre der
-Dahn und Ebers. In ihrem Gefolge erschienen die Scheffel, Wolff und
-Baumbach und ließen ihre Spielmannsweisen ertönen. Die Romantik hat
-den Deutschen immer im Blute gesteckt und sie sollte auch im neuen
-Deutschen Reiche nicht zu kurz kommen. Was ihre Vertreter an gutem
-Geschmack noch übrig ließen, das richteten die Gartenlaube-Talente vom
-Schlage der Marlitt zu Grunde. Wohl hatte Storm bereits seine schönsten
-Lieder gesungen, Wilh. Raabe, Anzengruber und Rosegger waren bei der
-Arbeit und andere kleinere Talente ihnen gefolgt, aber was vermochten
-sie gegen die Protegés der höheren Töchter in einer Zeit, die die Kunst
-nur als angenehme Zugabe zum Leben betrachtete und keine Dichter haben
-wollte?
-
-In dieser Zeit des Niederganges erstand dem litterarischen Deutschland
-ein Retter in einer Gruppe junger Schriftsteller, die dem allmählichen
-Versanden der Litteratur nicht länger teilnahmslos zusehen wollte.
-Sie empfand tief die Mißachtung, die man dem einheimischen Schrifttum
-entgegegenbrachte, eine Mißachtung, an der nicht sowohl das Publikum
-als auch die Litteratur selbst schuld war. Die erste Streitschrift
-»Kritische Waffengänge«, die der »neuen Litteratur« die Wege bahnen
-sollte, ging von den Gebrüdern Hart aus.
-
-In einem einleitenden Aufsatze: »Wozu, wogegen, wofür?« entwickeln sie
-ihr Programm: Sie wollen aufräumen mit dem eklektischen Dilettantismus,
-der sich breit macht, mit dem um sich fressenden Kastratentum der
-Kritik. Sie wollen Platz machen für bessere und edlere Geister, weil
-sie nicht an einen Niedergang der Litteratur glauben können und wollen.
-
-»Hinweg also mit der schmarotzenden Mittelmäßigkeit, hinweg alle
-Greisenhaftigkeit und alle Blasiertheit, hinweg das verlogene
-Recensententum, hinweg mit der Gleichgiltigkeit und hinweg mit allem
-sonstigen Geröll und Gerümpel. Reißen wir die jungen Geister los aus
-dem Banne, der sie umfängt, machen wir ihnen Lust und Mut, sagen wir
-ihnen, daß das Heil nicht aus Ägypten und Hellas kommt, sondern daß sie
-schaffen müssen aus der germanischen Volksseele heraus, daß wir einer
-echt nationalen Dichtung bedürfen, nicht dem Stoffe nach, sondern dem
-Geiste, daß es wieder anzuknüpfen gilt an den jungen Goethe und seine
-Zeit, und daß wir keine weitere Formenglätte brauchen, sondern mehr
-Tiefe, mehr Glut, mehr Größe.«
-
-Und nun kommen die kritischen Abschlachtungen. Im ersten Heft muß
-der Dramatiker Heinrich Kruse herhalten, im zweiten wird Paul Lindau
-vorgenommen. Ihm folgen Hugo Bürger (Hugo Lubliner) und Albert
-Träger. Das vierte Heft enthält eine Beleuchtung des »Deutschen
-Theater« L'Arronges; im fünften wird Graf Schack gelobt und zum Schluß
-Spielhagen und dem deutschen Roman der Gegenwart näher oder besser zu
-nahe getreten. -- Den »Kritischen Waffengängen« folgte die Arent'sche
-Anthologie »Moderne Dichtercharaktere«, der sich Karl Bleibtreu mit
-seiner Broschüre: »Revolution der Litteratur« anschloß. Um den »Jungen«
-ein Organ zu schaffen, in dem sie ihre Meinungen ungeschminkt zum
-Ausdruck bringen konnten, gründete M. G. Conrad in Gemeinschaft mit
-Bleibtreu »Die Gesellschaft«. Sie wurde bald der Mittelpunkt einer
-Anzahl junger Schriftsteller, unter denen sich neben den Herausgebern
-Hermann Conradi, Wilhelm Walloth, Konrad Alberti bemerkbar machten.
-
-Wie bei jeder neuen Kunstrichtung schoß man auch hier über das Ziel
-hinaus, und in dem Bestreben, alles Bestehende über den Haufen zu
-werfen oder doch zu reformieren, wurde man ungerecht und was noch
-schlimmer war, roh. Dazu kam, daß man an Stelle der alten Kunst zwar
-ein neues _Programm_, aber keine neue _Kunst_ setzen konnte. Auch da
-mußte Frankreich aushelfen. Der den Deutschen verwandte Meister Zola
-zog die Jüngsten in seinen Bann, und wie helle Fanfarenstöße klang
-sein Name in das Lager der »Alten«. Wahrheit und Natur waren die
-Schlagworte, mit denen man der Romantik zu Leibe ging. Die Großstadt
-mit ihrer Pracht und ihrem Elend wurde entdeckt, die Kellnerinnen und
-Dirnen in die Litteratur eingeführt und die vielgliedrige sociale Frage
-der Belletristik einverleibt. Aber dem großen Wollen entsprach nur
-ein geringes Können. Bleibtreu suchte den Satz zu erweisen, das Genie
-sei der Fleiß, und schrieb unermüdlich Band auf Band, M. G. Conrad
-schuf seine Münchener Großstadt-Romane nach Zola'schem Recept, Konrad
-Alberti wählte sich Berlin zum Schauplatz seiner socialen Romane und
-Hermann Conradi stammelte brünstige Lieder und »Phrasen«. Daneben
-sangen Arno Holz und Karl Henckell ihre Proletarierlieder, bei denen
-Geibel und Herwegh Pate gestanden, Liliencron sattelte seinen Pegasus
-zu den »Adjutantenritten« und Hermann Heiberg schrieb seinen »Apotheker
-Heinrich«.
-
-So beachtenswert auch einzelne Leistungen waren, so wenig konnte das
-Gesamtbild befriedigen. Die neuen Stoffe besaß man wohl, aber die
-Künstler fehlten, sie zu gestalten. Auch sonst kam noch manches hinzu,
-was wenig geeignet war, der neuen Kunst Anhänger zuzuführen. Ästhetisch
-feiner empfindende Naturen fühlten sich abgestoßen von dem Gebahren
-der Jüngstdeutschen, die den weichen Künstlerschlapphut der Münchener
-Schule ostentativ mit der Ballonmütze des Proletariers vertauschten
-und in der Art sich zu geben vieles zu wünschen übrig ließen. Die
-Unzulänglichkeit in der Bewältigung der neuen Stoffe führte wieder zu
-einer Anlehnung an das Ausland. Dank den »Gründer«-Übeln übersah man
-Dichter wie _Otto Ludwig_ und vor allem _Friedrich Hebbel_, die zwar
-noch keine socialistische und Kellnerinnen-Litteratur geschaffen,
-aber den _natürlichen Übergang_ von der alten zur neuen nationalen
-Kunst darstellen. Ibsen und Tolstoi, denen sich Strindberg, Björnson,
-Dostojewskij u. a. zugesellten, wurden vielmehr neben Zola die großen
-Vorbilder, denen die Jüngstdeutschen nacheiferten. An Ibsen bewunderte
-man die Kühnheit, mit der er an alle ererbten Institutionen und
-Anschauungen herantrat und ihre Fäulnis und Verderbtheit aufdeckte.
-Und daneben lag in dem »Wunderbaren«, auf das der große Prophet des
-Nordens hinwies, ein eigener Zauber, der ebenso gefangen nahm, wie
-die Lehre von dem Erbarmen mit dem Elend der Gegenwart, die Tolstoi
-verkündete. Ibsen besonders hat das große Publikum mit dem Denken
-und Empfinden der Modernen vertraut gemacht: die Hunderttausende von
-Exemplaren, die Reclam von seinen Stücken in die Welt sandte, predigten
-das neue Evangelium der Kunst. Neben ihm aber war ein anderer Prophet
-aufgetreten, der über Stirner noch hinausgehend, die Philosophie des
-Egoismus predigte und das »robuste Gewissen« verherrlichte: Friedrich
-Nietzsche. Der Sklavenmoral des Christentums setzte er die Herrenmoral
-des »Uebermenschen« gegenüber und wenn er auch kein System auf- und
-ausgebaut hat, so hat seine Lehre doch den stärksten Einfluß auf die
-jüngste Dichtergeneration ausgeübt, die sich an seinen großen Worten
-berauschte und das von ihm verherrlichte Übermenschentum für sich zu
-pachten suchte.[2]
-
- [2] Die Gebrüder Hart hatten in ihren »Kritischen Waffengängen«
- die Forderung aufgestellt: die deutschen Dichter müßten
- »aus der germanischen Volksseele heraus schaffen«; ihre
- modernen Mitstürmer aber vermochten, wie oben ausgeführt,
- die Stoffe, die in der deutschen Volksseele lebten, weder
- zu erfassen, noch zu gestalten. Sie verfielen vielmehr der
- krassesten Ausländerei und befriedigten ihren germanischen
- Litteraturdrang dadurch, daß sie gehorsam zu den Füßen
- der Franzosen, Russen und Norweger saßen. Gegen diese
- Versumpfung der »litterarischen Revolution« und »Moderne«
- trat eine Bewegung auf, die das »Nationale« wieder in den
- Vordergrund zu schieben und eine »Heimatkunst« zu schaffen
- suchte. Politisch schloß sie sich an die Deutschbewegung in
- Österreich und den russischen Ostseeprovinzen an und fand
- ihren stärksten Ausdruck in dem von Erwin Bauer gegründeten
- »Zwanzigsten Jahrhundert«, zu dessen Mitarbeitern
- Karl Pröll, Adolf Graf Westarp, Fritz Lienhard, Oskar
- Linke, Jeannot Emil von Grotthuß u. a. gehörten. Diese
- »nationale« Litteratur-Bewegung verfiel jedoch sehr bald
- dem politischen Antisemitismus und verlor dadurch den
- Einfluß auf die deutsche Jugend ebenso rasch, wie sie ihn
- gewonnen hatte. Erst in den letzten Jahren sind diese
- Bestrebungen, wenn auch in etwas veränderter Form, von
- Ferdinand Avenarius, Adolf Bartels, Fritz Lienhard u.
- a. im »Kunstwart« und neuerdings in der »Heimat« wieder
- erfolgreich aufgenommen worden.
-
-War es um die Litteratur im allgemeinen schon schlecht bestellt,
-so hatte das deutsche Theater im besonderen unter dem Tiefstand
-des litterarischen Interesses und des herrschenden Geschmacks zu
-leiden. Erst Richard Wagners Schöpfung des musikalischen Dramas
-erinnerte daran, daß die Bühne anderen Zwecken zu dienen habe als
-der Darstellung französischer Possen und Zoten. Seine Dramen ließen
-die Vergangenheit wieder aufleben, in seinen stolzen Reckengestalten
-und heldenmütigen Frauen zeigte der Dichter-Komponist wieder Ideale,
-an die der Glaube längst abhanden gekommen. Aber Wagners Bedeutung
-liegt mehr auf musikalischem als dichterischem Gebiete und auf die
-große Menge hat seine Kunst kaum Einfluß gewonnen. Zudem waren die
-Wagnerianer, die heute eine Welt darstellen, damals wenig mehr als
-eine kleine Fanatikergemeinde. Von der jüngeren Generation war
-Wildenbruch der erste, der sich die Bühne mit seinen Stücken eroberte,
-in denen er dramatisch das Ergebnis der neuen Gestaltung Deutschlands
-zu ziehen suchte. Er schuf eigenartige Charakterbilder aus der
-brandenburg-preußischen Geschichte und das Schillersche Pathos, das er
-anschlug, gewann ihm die Gunst des Publikums im Fluge. Das eigentliche
-Drama der Gegenwart aber, das seinen Stoff dem modernen socialen Leben
-entnimmt, brachte der neuen Zeit zuerst Sudermann in seiner »Ehre«.
-Sie leitete eine neue Epoche unseres Litteraturlebens ein, nicht
-ihres künstlerischen Gehaltes wegen, sondern durch die Anteilnahme an
-dem dichterischen Schaffen unserer Tage, die sie in den Kreisen des
-Publikums weckte. Auf die unbestrittenen Erfolge Sudermanns folgten
-die lärmenden Kundgebungen, mit denen man die ersten Schöpfungen
-Hauptmanns empfing, die noch ganz unter dem Einflusse Ibsens standen.
-Andere jüngere Talente, wie Halbe, Fulda, Hartleben schlossen sich
-an. Durch sie und die späteren Triumphe Hauptmanns wurde die Bühne
-dem Naturalismus dauernd gewonnen: die Jüngsten hatten gesiegt, wenn
-auch auf einem anderen Plane als dem zuerst ins Auge gefaßten. Ihr
-Augenmerk war ursprünglich auf die Regeneration des Romans gerichtet,
-dem sie neue Stoffgebiete zu erschließen suchten. In Wirklichkeit war
-es nur die Technik, die eine Umgestaltung erfuhr, denn auch die Dichter
-der alten Schule, Spielhagen, Heyse, um nur zwei der noch lebenden
-zu nennen, hatten aus ihrer Zeit geschöpft und versucht, ein Bild
-derselben zu geben.
-
-Das unbestrittene Verdienst der neuen Schule ist die stärkere
-Anteilnahme der Litteratur am Leben der Gegenwart, dessen Erscheinungen
-sie festzuhalten und künstlerisch zu gestalten sucht. Schon beginnt
-das Interesse für den romanischen Süden dem Zug nach dem germanischen
-Norden zu weichen und an Stelle der »Internationalität« sucht man
-wieder die volkstümlichen Grundlagen unserer Kunst auf: die Heimat und
-ihre Vergangenheit. Diese Errungenschaften der letzten Jahre werden
-durch die blutlose Nervenpoesie der Symbolisten, Neurotiker, Esoteriker
-und wie die neuen Kunstjünger alle heißen, kaum gefährdet werden, das
-bloße Spielen mit Inhalt und Form, das »halbe heimliche Empfinden«
-wird Menschen mit ganzem gesunden Empfinden schwerlich in seinen Bann
-ziehen. Denn wenn man auch von dem echten Dichter verlangt, daß er
-die ganze Empfindungsklaviatur beherrscht, also auch die »schwarzen
-Tasten«, die »halben Töne« kennt, so darf doch nicht vergessen werden,
-daß diese immer nur _den_ Wert haben, _die Gefühls- und Gedankenwelt
-des Dichters_ zu besserem, stärkerem Ausdruck zu bringen. Denn auf
-_diese_, nicht auf die Technik kommt es an, so sehr auch die letztere
-die Absichten des Dichters zu unterstützen vermag. Verheißungsvoll
-für das Gedeihen unserer Litteratur ist die Rückkehr vom Ausland und
-seinen Vorbildern zur Heimat, zu Goethe und die Annäherung an die
-Kunstprinzipien der Vergangenheit: nur in dem Kompromiß des Alten mit
-dem Neuen kann für die nächste Zukunft das Heil der deutschen Dichtung
-erblickt werden.
-
-
-
-
-Die Romanciers der alten Schule.
-
-
-=Gustav Freytag=, geb. am 13. Juli 1816 zu Kreuzburg, gest. am 30.
-April 1895, wird als der Dichter des deutschen Bürgertums gefeiert.
-Selbst durch die besten Werke, die er geschaffen, geht ein leiser
-philiströser Zug, den er vielleicht seiner Stellung als Privatdocent
-in Breslau verdankt. Fast allen Büchern Freytags sieht man an, daß
-ihr Verfasser Kulturhistoriker ist, der sein Material gewissenhaft
-zusammenträgt, ehe er an die Ausarbeitung eines Werkes geht. Fr., ein
-ausgesprochenes Erzählertalent, begann seine litterarische Laufbahn
-als Lyriker und Dramatiker. Sein erstes Stück führte den Titel »Die
-Brautfahrt«, ihm folgten die Gedichte: »In Breslau«, die Schauspiele
-»Die Valentine« und »Graf Waldemar«. Im Jahre 1848 übernahm er in
-Gemeinschaft mit dem Litterarhistoriker Julian Schmidt die Redaktion
-der »Grenzboten«, die er durch fast 25 Jahre fortführte. Seiner
-Beschäftigung mit Politik und Presse verdankt das nicht gerade
-tiefgehende Lustspiel: »Die Journalisten« seine Entstehung, das einen
-großen und dauernden Erfolg errang, der seinem nächsten, der Gegenwart
-abgewandten Drama: »Die Fabier« nicht beschieden war. 1855 entstand das
-Hohelied des deutschen Kaufmannes: der Roman »Soll und Haben«, nach dem
-Recept geschrieben, das Julian Schmidt aufgestellt hatte: »Der Roman
-soll das Volk da suchen, wo es in seiner Tüchtigkeit zu finden ist:
-nämlich bei der Arbeit«. Das nächste Werk: »Die verlorene Handschrift«
-spielt in Professorenkreisen und gewann ihm die Herzen der akademischen
-Jugend. Seine kulturhistorischen Forschungen legte F. in den »Bildern
-aus der deutschen Vergangenheit« nieder. Acht Jahre hat er dann an den
-»Ahnen«, einer Art historischen Familienromans, geschrieben, von dem
-jedes Jahr einen neuen Band brachte. 1. »Ingo«, 2. »Ingraban«, 3. »Das
-Nest der Zaunkönige«, 4. »Die Brüder vom deutschen Hause«, 5. »Marcus
-König«, 6. »Der Rittmeister von Alt-Rosen«, 7. »Der Freierkorporal
-bei Markgraf Albrecht«, 8. »Aus einer kleinen Stadt«. Das ganze Werk,
-dessen Schauplatz nach Thüringen verlegt ist, sollte die Wandlungen
-des deutschen Volkes darstellen: mit jedem Bande geht es mehr der
-Gegenwart entgegen, bis die Sammlung, mit dem Jahre 350 beginnend,
-mit einer Erzählung aus dem 19. Jahrhundert ihren Abschluß erreicht.
-Eine »Technik des Dramas«, die ihn als feinen Kenner der dramatischen
-Praxis zeigt, verdient noch Erwähnung, sowie eine Lebensbeschreibung
-Karl Mathys' und die mit geteilten Empfindungen aufgenommene Schrift:
-»Der Kronprinz und die deutsche Kaiserkrone«. Sein Leben und Schaffen
-beschrieb der Dichter selbst in den »Erinnerungen aus meinem Leben.«
-
-=Friedrich Spielhagen=, geb. 24. Febr. 1829 in Magdeburg, ist der
-Dichter der Reaktion, jener Zeit, die dem tollen Jahre folgte; seine
-Romane suchen vor allem die Erscheinungen der Zeit, die socialen
-Kämpfe, den Sturm und Drang der letzten 50 Jahre festzuhalten und
-dem Leser verständlich zu machen. Sp. hatte bereits das 30. Jahr
-überschritten, als sein erster großer Roman »Problematische Naturen«
-erschien, der seinen litterarischen Ruf begründete. Sein zweiter
-großer Roman »Die von Hohenstein«, hat als Hintergrund das Jahr 1848,
-ihm schlossen sich »In Reih und Glied« und »Hammer und Amboß« an.
-Von weiteren Werken Spielhagens, die fast alle tendenziös gefärbt
-sind, nennen wir noch: »Hans und Grete«, »Unter Tannen«, »Die
-Dorfkokette«, »Deutsche Pioniere«, »Allzeit voran«, »Was die Schwalbe
-sang«, »Ultimo«, »Sturmflut«, »Das Skelett im Hause«, »Platt Land«,
-»Quisisana«, »Angela«, »Uhlenhaus«, »An der Heilquelle«, »Was will das
-werden?«, »~Noblesse oblige~«, »Ein neuer Pharao«, »Sonntagskind«,
-»Stumme des Himmels«, »Susi«, »Selbstgerecht«, »Zum Zeitvertreib«,
-»Faustulus«. Auch als dramatischer und lyrischer Dichter hat sich
-Spielhagen, wenngleich mit geringem äußeren Erfolge versucht.
-Von seinen Schriften, deren Gesamtausgabe in vorläufig 22 Bänden
-erscheint, verdienen noch Erwähnung: »Beiträge zur Theorie und Technik
-des Romans«, »Aus meiner Studienmappe«, sowie der 1899 erschienene
-Band: »Neue Beiträge zur Theorie und Technik der Epik und Dramatik«,
-besonders aber seine Autobiographie: »Finder und Erfinder. Erinnerungen
-aus meinem Leben.« -- Spielhagen ist in der Reaktion der 50er und 60er
-Jahre stecken geblieben: er verstand die neue Zeit nicht mehr und
-suchte in seine neuen Romane noch die alten Ideale hineinzutragen.
-Auch das antiquierte Motiv von der Liebe eines mit allen Vorzügen des
-Geistes und Herzens ausgestatteten Bürgerlichen zu einer Adeligen, das
-in fast allen Werken wiederkehrt und eine heimliche Vorliebe Sp.'s für
-den Adel erkennen läßt, vermochte auf die Dauer nicht mehr zu fesseln,
-und so sehr sich auch Spielhagen, mehr als jeder andere der »Alten«
-bemühte, in die »Moderne« hineinzuwachsen: er verstand sie nicht, so
-wenig wie er verstanden wurde.
-
-=Berthold Auerbach=, geb. am 28. Febr. 1812 zu Nordstetten, gest. am 8.
-Febr. 1882 zu Cannes in Frankreich, wurde durch seine »Schwarzwälder
-Dorfgeschichten« berühmt. Wenn A. auch nicht wie Rosegger, Anzengruber
-u. a. in das Wesen des Volkscharakters eingedrungen ist -- es als Jude
-auch gar nicht konnte, -- so hat er doch das Verdienst, einer der
-ersten gewesen zu sein, die die Dorfgeschichte wieder zu Ehren gebracht
-haben. Zu seinen besten Novellen, die allerdings auch von Schönfärberei
-nicht frei sind, zählen: »Barfüßle«, »Joseph im Schnee« und »Edelweiß«.
-Mit den großangelegten Werken »Auf der Höhe«, »Das Landhaus am Rhein«
-und »Waldfried« betrat A. das Gebiet des liberalen Tendenzromans.
-
-=Luise von François=, geb. am 27. Juni 1817 in Herzberg, gest. am 26.
-Sept. 1893, eine der talentiertesten Romanschriftstellerinnen, erwarb
-sich ihre litterarische Stellung durch den historischen Roman: »Die
-letzte Reckenburgerin«, dem sich »Frau Erdmuthens Zwillingssöhne«,
-»Stufenjahre eines Glücklichen« u. a. anschlossen.
-
-
-
-
-Die großen Novellisten der 70er und 80er Jahre.
-
-
-=Conrad Ferdinand Meyer=, geb. am 12. Oktober 1825 in Zürich,
-gest. am 28. November 1898, ist der Meister der historischen
-Novelle, ein Dichter, der zwar nicht Gemeingut des deutschen
-Volkes werden wird, der aber den Kenner mit seiner fein ciselierten
-Goldschmiedearbeit immer entzücken wird. M.'s Novellen haben meist das
-Reformationszeitalter oder die Renaissancezeit als Hintergrund. Seine
-dichterische Laufbahn begann er mit dem Epos »Huttens letzte Tage«, ihm
-schlossen sich »Jürg Jenatsch«, »Hochzeit des Mönchs«, »Der Heilige«,
-»Versuchung des Pescara«, »Angela Borgia« u. a. an.
-
-=Gottfried Keller=, geb. am 19. Juli 1819 in Glattfelden bei Zürich,
-gest. am 15. Juli 1890, neben Conr. Ferd. Meyer die bedeutendste
-schweizerische Dichtererscheinung der letzten Litteraturperiode, trat
-zuerst mit »Gedichten« und dem autobiographischen Meisterwerk »Der
-grüne Heinrich« vor die Öffentlichkeit, der erst 20 Jahre nach seinem
-Erscheinen die verdiente Würdigung fand und oft mit Goethes »Wilhelm
-Meister« verglichen wurde. Das Reifste und Schönste seiner Kunst bot
-K. in seinem nächsten Werk, der Novellensammlung: »Die Leute von
-Seldwyla«, der 1872 die »Sieben Legenden« folgten. Kulturbilder aus
-Zürichs Vergangenheit enthalten die »Züricher Novellen« und ebenso
-spielt der Roman »Martin Salander« auf schweizerischem Boden. Lebendige
-Phantasie, vermischt mit einem Zug ins Hausbackene, Kleinstädtische
-und ein liebenswürdiger, goldener Humor bilden die Grundzüge seines
-dichterischen Schaffens. K.'s Domäne ist die Novelle, und wie sehr er
-diese meisterte, hat kein Geringerer als Paul Heyse anerkannt, als er
-ihn den Shakespeare der Novelle nannte.
-
-=Theodor Storm=, geb. am 14. Sept. 1817 in Husum, gest. am 4. Juli
-1888, folgte den Spuren Goethescher Lyrik. Ihn zeichnet ein feiner
-Natursinn und echtes tiefes Empfinden aus, so daß seine Lyrik
-vorbildlich für die besten dichterischen Talente unter den Modernen
-geworden ist. Stifter und Eichendorff, vielleicht noch Mörike,
-mögen sein Schaffen am stärksten beeinflußt haben. Neben der Lyrik
-(»Gedichte«) ist es besonders die Novelle, der Storm seine Thätigkeit
-zuwandte und für deren Entwicklung und Ausbau er das Meiste beigetragen
-hat. Als die besten novellistischen Erzeugnisse gelten Storms
-»Immensee«, »Von jenseits des Meeres«, »Vor Zeiten«, »Ein stiller
-Musikant«, »Psyche«, »Am Nachbarhause links«, »Der Schimmelreiter«.
-
-=Paul Heyse=, geb. am 15. März 1830 in Berlin, wurde als Jüngling
-von Geibel dem König Maximilian mit den Worten vorgestellt: »Ein
-junger Goethe, Majestät!« Er ist ein moderner Dichter, wenn es auch
-eine Zeitlang zum guten Ton gehörte, ihn als abgethan zu betrachten.
-H. weiß immer etwas zu sagen und hat moderne Probleme lange vor der
-»neuen Schule« behandelt, von der ihn nur technische Fragen scheiden.
-Ein guter Schilderer menschlichen Innenlebens, wenns nicht zu tief
-nach »innen« geht, bekundet er in seinen Novellen und Romanen, von
-denen viele auf italienischem Boden spielen, eine Vorliebe für die
-Verirrungen des Weibes, namentlich der Frau von 40 Jahren. Eine
-vornehme, edle Sprache zeichnet alle seine Werke aus, er ist der
-Dichter der Schönheit und der Leidenschaft, wenn auch der Künstler mehr
-als der Mensch an ihnen Anteil hat. Von seinen Novellen und Romanen,
-die fast durchwegs moderne Menschen zu Helden haben, die sich über
-Gesetz und Sitte erheben, um der Stimme ihres Herzens zu folgen, seien
-hier nur angeführt: »Novellen« von 1855, 1858, 1859, 1862, »Meeraner
-Novellen«, »Troubadour-Novellen«, »Kinder der Welt«, »Im Paradiese«,
-»Roman der Stiftsdame«, »Merlin«, »Über allen Gipfeln«. Auch seine
-dramatische (»Ludwig der Bayer«, »Graf Königsmark«, »Elfriede«,
-»Alcibiades«, besonders aber »Hans Lange«) und lyrische Produktion
-(»Gedichte«, »Neue Gedichte und Jugendlieder«) verdient Erwähnung.
-
-
-
-
-Die Formtalente der alten Schule.
-
-
-=Emanuel Geibel=, geb. am 17. Oktober 1815 in Lübeck, gest. am 6.
-April 1884, war ein dichterisches Talent von großer Formgewandtheit,
-jedoch ohne besondere individuelle Prägung, wofür als Beweis gelten
-mag, daß seine »Gedichte« und »Neue Gedichte« mehr als hundert Auflagen
-erlebten. Den beiden ersten Gedichtbänden, deren Grundpfeiler deutsche
-Zucht und Art bilden, schlossen sich: »Gedichte und Gedenkblätter«,
-»Heroldsrufe«, »Klassisches Liederbuch«, »Romancero der Spanier
-und Portugiesen« (m. d. Grafen Schack) und »Spätherbstblätter« an,
-unterbrochen von der dramatischen Produktion G.'s (»Brunhild«,
-»Sophonisbe«). Die Kriegslyrik von 1870/71 hat ihm einige hübsche
-Gedichte zu verdanken. War G. auch keine eigenartige dichterische
-Persönlichkeit, so hat er doch eine Menge Nachahmer und Nachbeter
-gefunden.
-
-=Friedrich von Bodenstedt=, geb. am 22. April 1819 in Peine (Hannover),
-gest. am 2. April 1892, wurde durch den Erfolg der »Lieder des Mirza
-Schaffy«, die man lange für Übersetzungen aus dem Orientalischen hielt,
-während es in Wirklichkeit eigene Fabrikate der B.'schen Muse sind,
-berühmt. Erfolgreich waren auch die Lieder »Aus dem Nachlaß des Mirza
-Schaffy«, während die anderen Dichtungen B.'s nur wenig von sich reden
-machten. Außer einer Reihe wissenschaftlicher Werke von zweifelhaftem
-Werte und meist recht gewandter Übersetzungen veröffentlichte B., den
-seine Zeitgenossen stark überschätzten: »Erinnerungen aus meinem Leben«.
-
-=Adolf Friedrich Graf von Schack=, geb. am 2. Aug. 1815 zu Brüsewitz
-bei Schwerin als Sprosse eines alten Freiherrngeschlechtes, gest. am
-14. April 1894, studierte Rechtswissenschaft und wandte sich dann der
-diplomatischen Carrière zu. Schack hat sich nicht nur als Dichter -- er
-war ein hervorragend formalistisches Talent, ohne starke Individualität
--- sondern vor allem als Übersetzer und Litterarhistoriker einen Namen
-gemacht. Seine »Geschichte der dramatischen Litteratur und Kunst
-in Spanien« gilt noch heute als das bedeutendste Werk über diesen
-Gegenstand. Als Lyriker wurde er von Platen, als Epiker von Byron
-beeinflußt. Seine Romane in Versen: »Durch alle Wetter«, »Ebenbürtig«
-u. a. enthalten zahlreiche Schönheiten, ohne doch einen vollen
-künstlerischen Eindruck zu hinterlassen. Zu seinen interessantesten
-Werken zählt die Selbstbiographie: »Ein halbes Jahrhundert«. Auch auf
-dramatischem Gebiete hat sich der Dichter versucht, ohne jedoch auf der
-Bühne festen Fuß fassen zu können.
-
-=Robert Hamerling=, geb. am 24. März 1830 zu Kirchberg am Walde in
-Niederösterreich, gest. am 13. Juli 1889, hat eine verschiedenartige
-Beurteilung nicht nur als Mensch, was hier wenig interessiert,
-sondern auch als Dichter erfahren. Während die einen in ihm nur den
-in Farbenrausch schwelgenden Erotiker sehen, ziehen die anderen die
-genialsten Dichter der Weltlitteratur zum Vergleiche mit ihm heran.
-Sicher ist, daß die beiden großangelegten Epen: »Ahasver in Rom« und
-»Der König von Sion« farbenprächtige Schilderungen aufweisen, die ein
-ungewöhnliches Talent bekunden. Eine treffliche Leistung ist auch
-das satirische Epos »Homunculus«. Weniger Erfolg als seine Epen war
-seinen lyrischen Gedichtsammlungen: »Sinnen und Minnen« und »Blätter
-im Winde«, wie auch der fünfaktigen Tragödie »Danton und Robespierre«
-beschieden. Sein Leben beschrieb H. in den »Stationen meiner
-Lebenspilgerschaft«.
-
-=Albert Möser=, geb. am 7. Mai 1835 in Göttingen, gest. am 27. Febr.
-1900, ist als Dichter von Platen und Hamerling (vergl. M., Meine
-Beziehungen zu Robert Hamerling etc.) beeinflußt. (»Gedichte«, »Nacht
-und Sterne«, »Idyllen«, »Aus der Mansarde« etc.). Als Übersetzer der
-Dichtungen Pol de Monts war er ein Vermittler zwischen niederdeutschem
-und hochdeutschem Wesen.
-
-=Heinrich Vierordt=, geb. am 1. Okt. 1855 in Karlsruhe, machte als
-Balladendichter, der vielfach den Volkston glücklich getroffen hat,
-von sich reden. Er schrieb »Gedichte«, »Lieder und Balladen«, »Neue
-Balladen«, »Akanthusblätter« (Dichtungen aus Italien und Griechenland)
-und »Vaterlandsgesänge«, die sich durch farbenprächtige Schilderungen
-und poetischen Schwung auszeichnen.
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-Lyriker und Epiker der 70er und 80er Jahre.
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-=Julius Grosse=, geb. am 25. April 1828 in Erfurt, ist einer der
-fruchtbarsten deutschen Dichter, der sich auf dem Gebiete der Lyrik,
-des Romans und des Dramas gleich sicher zu bewegen verstand. Besondere
-Erwähnung von seinen Werken, die sich durch feine Entwicklung der
-Seelenzustände und Charaktere auszeichnen, verdienen die Dramen: »Der
-letzte Grieche«, »Gudrun«, »Judith«, »Tiberius«, von den epischen
-Dichtungen: »Das Mädchen von Capri« und »Gundel vom Königssee«.
-Originelle Schöpfungen sind auch sein Roman: »Der getreue Eckart« und
-seine Lebenserinnerungen »Ursachen und Wirkungen«.
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-=Martin Greif= (eigentlich Hermann Frey), geb. am 18. Juni 1839 in
-Speyer, ist der Meister des einfachen Volksliedes, dessen Ton er
-wie wenige trifft. Seinen Ruhm begründeten die bereits wiederholt
-aufgelegten »Gedichte«. Seine Dramen (»Heinrich der Löwe«, »Ludwig der
-Bayer«, »Francesca von Rimini«) werden das Schicksal der Uhlandschen
-Dramen teilen.
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-=Johann Georg Fischer=, geb. am 25. Okt. 1816 zu Großsüßen, gest. am 6.
-Mai 1897, gehört der schwäbischen Dichterschule an, deren Merkmale er
-trägt, und ist in seinem dichterischen Schaffen eine Goethe verwandte
-Natur. Mit 38 Jahren veröffentlichte er seine ersten »Gedichte«, denen
-noch drei weitere Sammlungen, zuletzt -- 1896 -- »Mit 80 Jahren«
-folgten. Wie alle Schwaben hat auch er an dem politischen Leben seiner
-Zeit teilgenommen, wenn auch nicht in dem Maße wie Uhland. Seine Dramen
-»Saul«, »Friedrich II.«, »Florian Geyer« und »Kaiser Maximilian von
-Mexiko« werden geschätzt, ohne jedoch bühnenfähig zu sein.
-
-=Friedrich Wilhelm Weber=, geb. am 26. Dez. 1813 in dem Orte Alhausen
-bei Driburg in Westfalen, gest. am 5. April 1894, studierte
-Medizin und trat im Herbst 1878 mit dem lyrisch-epischen Gedicht:
-»Dreizehnlinden« vor die Öffentlichkeit, das ihn mit einem Schlage
-zum gefeiertsten katholischen Dichter machte. Außer »Dreizehnlinden«,
-von dem mehr als 70 Auflagen erschienen, sind noch seine Dichtung
-»Goliath«, sowie die Sammlungen »Gedichte«, »Marienblumen« und
-»Herbstblätter« zu nennen.
-
-=Friedrich Theodor Vischer=, geb. am 30. Juni 1807 in Ludwigsburg,
-gest. am 14. Sept. 1887, bethätigte sich auf lyrischem Gebiet durch
-seine 1882 erschienene Sammlung »Lyrische Gänge« und auf epischem durch
-den eigenartigen humoristischen Roman »Auch Einer«. Viel Aufsehen
-erregte die Parodie auf den 2. Teil des Faust, die er unter dem
-Titel: »Faust. Der Tragödie dritter Teil. Von Deutobold Symbolizetti
-Allegoriowitsch Mystifizinsky« herausgab.
-
-=Wilhelm Jordan=, geb. am 8. Febr. 1819 zu Insterburg, wurde bekannt
-durch sein Doppelepos »Die Nibelunge«, für die er selbst als
-wandernder Rhapsode eine Propaganda machte, die ihm zu einem starken
-buchhändlerischen Erfolge verhalf. J. übersetzte ferner die Edda,
-Sophokles, Homer, Ilias und Odyssee und gab eine große Anzahl eigener
-Dichtungen, Romane (»Die Sebalds«, »Zwei Wiegen«) und Theaterstücke
-heraus, von denen die Lustspiele »Durchs Ohr«, »Tausch enttäuscht« und
-»Sein Zwillingsbruder« sich als die erfolgreichsten erwiesen. Seine
-Lebensauffassung spiegelt sich am besten in dem dramatischen Werk
-»Demiurgos« wider.
-
-=Hermann Lingg=, geb. am 22. Januar 1820 in Lindau, faßte durch Geibels
-Freundschaft festen Fuß in der Münchener Dichterschule. Sein Hauptwerk
-ist das großangelegte farbenprächtige Epos »Die Völkerwanderung«.
-Außerdem besitzen wir von ihm eine Reihe Dramen und Gedichte. Sein
-Leben und Schaffen beschrieb L. in dem 1. Bande der »Zeitgenössischen
-Selbstbiographien« (»Meine Lebensreise«).
-
-=Stephan Milow= (Pseudon. für Stephan von Millenkovics), geb. am 9.
-März 1836 in Orsova, verdankt seine litterarische Stellung besonders
-seinen lyrischen Gedichten (»Gesammelte Gedichte«). Bemerkenswert sind
-noch die Novellenbände »Wie Herzen lieben« und »Höhen und Tiefen«.
-
-=Ludwig Eichrodt=, geb. am 2. Febr. 1827 in Durlach in Baden, gest.
-1892, ein Jugendgenosse Scheffels, dichtete eine Anzahl humoristischer
-Lieder, die besonders in studentischen Kreisen Anklang fanden
-(»Gesammelte Dichtungen«).
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-=Hermann Allmers=, geb. am 11. Februar 1821 zu Rechtenfleth, gab das
-»Marschenbuch« heraus, das im Stile der Riehlschen kulturhistorischen
-Novellen Bilder aus dem Leben der friesischen Marschenbauern enthält.
-»Dichtungen« und »Römische Schlendertage« schlossen sich an.
-
-=Robert Waldmüller= (Pseudon. für Ed. Duboc), geb. am 17. Sept. 1822
-in Hamburg, versuchte sich auf fast allen dichterischen Gebieten und
-hat sich auch als Übersetzer bekannt gemacht. Von seinen Romanen sind
-»Somosierra« und »Don Adone«, von seinen Gedichtsammlungen »Klänge aus
-der Fremde« und »Liebesstürme« die bekanntesten.
-
-=Rudolf Bunge=, geb. am 27. März 1836 in Koethen, als Improvisator
-und liebenswürdiger Gesellschafter in allen litterarischen Kreisen
-geschätzt, errang seine größten Kassenerfolge mit dem Libretto zum
-»Trompeter von Säckingen«. Dichterisch höher steht die 5-aktige
-Tragödie »Der Herzog von Kurland«, das den Verlust von Straßburg
-und dem Elsaß behandelt. In seiner Gedichtsammlung »Heimat und
-Fremde« singt er von Lenz und Liebe, von deutschen Frauen, deutscher
-Treue, deutschem Wein und dem angestammten Herrscherhaus, das seine
-vielseitige litterarische Thätigkeit durch Verleihung von Titeln und
-Orden anerkannte.
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-=Adolf Brieger=, geb. am 12. Okt. 1832 in Greifswald, ein in den
-»weitesten Kreisen« unbekannter Dichter, veröffentlichte erst 1870
-in Hexametern das kleine antikisierende Epos »Krösus und Adrastus«,
-1885 aber, in die unmittelbare Vergangenheit greifend »König Humbert
-in Neapel«. Modern ist auch: »Stirb und werde«. Seine »Ausgewählten
-Gedichte« (1895) geben innerlich Erlebtes, meist an das Naturbild
-als Symbol (im Goethe'schen Sinne) anknüpfend. Zuletzt erschien:
-»Verirrt und heimgefunden«, zwei aus dem Leben der Gegenwart genommene
-Versnovellen.
-
-=Heinrich Bulthaupt=, geb. am 26. Okt. 1849 in Bremen, zeigt sich in
-der Lyrik dem Schweizer Conrad Ferd. Meyer verwandt (»Durch Frost und
-Gluten«), versuchte sich auch wiederholt im Drama (»Der verlorene
-Sohn«, »Viktoria« u. a.), ohne jedoch große Bühnenerfolge zu erzielen.
-Dagegen erlebte seine »Dramaturgie der Klassiker« wiederholt neue
-Auflagen und gilt für das beste neuzeitliche Werk auf diesem Gebiete.
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-=Julius Rodenberg= (Pseudon. für Levy aus Rodenberg) geb. am 26.
-Juni 1831 in Rodenberg (Kurhessen), der Begründer und Leiter der
-»Deutschen Rundschau«, schrieb Gedichte, Romane und Reisebeschreibungen
-(»Berliner Bilder«), die ihn als liebenswürdigen Poeten zeigen,
-der sich gern in die Erinnerung an die so ungleich bessere und
-vollkommenere Vergangenheit versenkt. (Vergl. auch R.'s »Erinnerungen
-aus der Jugendzeit«.)
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-=Karl Weitbrecht=, geb. am 8. Dez. 1847 in Neuhengstett, ist nach
-Form und Inhalt einer der bedeutendsten schwäbischen Epiker. Von
-seinen Büchern seien hier genannt: »Liederbuch«, »Sonnenwende«,
-die Novellensammlung »Verirrte Leute«, und der satirische Roman:
-»Phaläna. Die Leiden eines Buches«. Ein besonderes Verdienst hat
-sich W. in Gemeinschaft mit seinem Bruder Richard um die Pflege der
-Dialektdichtung erworben. (»Gschichta-n aus'm Schwôbaland« [1877] und:
-»Nohmôl Schwôbagschichta« [1882]).
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-=Eduard Paulus=, geb. am 18. Okt. 1837 in Stuttgart, besitzt unter den
-schwäbischen Dichtern der Gegenwart das stärkste lyrische Talent. Ein
-liebenswürdiger Humor, der auch oft satirisch gefärbt ist, zeichnet
-seine in der Form tadellosen Gedichte (»Gesammelte Dichtungen«) aus.
-1897 ließ er »Arabesken« und im Vorjahre ein Epos in 12 Gesängen
-»Tillmann Riemschneider. Ein Künstlerleben« folgen, das wiederum
-Zeugnis von der starken lyrischen Begabung P.'s ablegt. Neben einem
-kecken, übermütigen Humor macht sich, namentlich in seinen letzten
-Schöpfungen, eine wehmütige Grundstimmung bemerkbar.
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-=Isolde Kurz=, geb. am 21. Dez. 1853 in Stuttgart, ein C. F. Meyer
-verwandtes Talent, hat nur wenige Bände (»Gedichte«, »Phantasien«
-und »Märchen«, »Florentiner Novellen«, »Italienische Erzählungen«)
-publiziert, aber das Wenige trägt den Stempel durchgebildeter
-Meisterschaft und ungewöhnlicher Fabulierkunst.
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-Die neuzeitlichen Romantiker.
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-=Otto Roquette=, geb. am 19. April 1824 in Krotoschin, gest. am 18.
-März 1896, gab eine Reihe von Dramen, Märchen und Romanen heraus, unter
-denen »Waldmeisters Brautfahrt« den größten Erfolg davontrug. Seine
-»Gedichte« erlebten mehrere Auflagen; als sein bester Roman gilt:
-»Buchstabierbuch der Leidenschaft«. Die nach seinem Tode herausgegebene
-Erzählung: »Die Reise ins Blaue«, mit verwässerter Eichendorffscher
-Romantik, ist nur geeignet, dem Ansehen des Dichters, der jetzt schon
-zu den halb Vergessenen gehört, zu schaden.
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-=Oskar von Redwitz=, geb. am 28. Juni 1823 in Lichtenau bei Ansbach,
-gest. am 6. Juli 1891, erregte zuerst durch sein lyrisches Epos:
-»Amaranth«, Aufsehen. Von seinen Dramen fanden »Philippine Welser«,
-»Der Zunftmeister von Nürnberg« und »Doge von Venedig« eine ebenso
-unverdient freundliche Aufnahme, wie sein Roman »Hermann Stark« und das
-patriotische »Lied vom neuen Deutschen Reich«.
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-=Heinrich Steinhausen=, geb. am 27. Juli 1836 in Sorau, trug seinen
-größten Erfolg mit »Irmela«, einer stimmungsvollen Geschichte aus
-alter Zeit davon. Seinen Werken, von denen wir noch den »Korrektor«,
-»Herr Moffs kauft sein Buch« und »Heinrich Zwiesels Ängste« anführen,
-fehlt es, trotz des vorwiegend religiösen Grundtons, nicht an heiteren
-Episoden.
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-=Wilhelm Hertz=, geb. am 24. Sept. 1835 in Stuttgart, ein Schüler
-Uhlands, machte sich durch seine sprachwissenschaftlichen Werke und
-seine »Gedichte«, in denen er sich jedoch nur als reines Formtalent
-erwies, einen Namen. Seine bekanntesten Epen sind »Hugdietrichs
-Brautfahrt«, »Tristan und Isolde« und »Bruder Rausch«.
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-Die Dichter mit dem Erdgeruch.
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-=Klaus Groth=, geb. am 24. April 1819 in Heide in Holstein, gest. 1899,
-stand im Mittelpunkt der plattdeutschen Bewegung. Er brachte diese
-bisher nur von Improvisatoren zu Possenreißereien benutzte Sprache
-wieder durch die Herausgabe seines »Quickborn« zu Ehren. Und wenn auch
-Reuter, der Humorist, mit seinen realistischen Darstellungen des Lebens
-mehr Erfolg errang als der Lyriker Groth, so gebührt diesem doch ein
-nicht minder großes Verdienst um die Erhaltung des Plattdeutschen.
-Sein Hauptwerk, der »Quickborn«, dessen Hintergrund die Plätze und
-Gassen eines vor einem Jahrzehnt noch kleinen und abgelegenen Fleckchen
-der Norderdithmarschen-Heide bilden, enthält Familienbilder, Lieder,
-Balladencyklen, Humoristisches etc.
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-=Ludwig Anzengruber=, geb. am 29. Nov. 1839 in Wien, gest. 1899,
-war ursprünglich Schauspieler, später mangels anderer Beschäftigung
-Beamter. A.'s Dramen, die stellenweise tendenziös gefärbt sind,
-behandeln religiöse und sociale Themata und spielen fast ausschließlich
-in Bauernkreisen. Sein erstes Stück: »Der Pfarrer von Kirchfeld«
-errang einen vollen Erfolg, der auch seinen späteren Dramen: »Der
-Meineidbauer«, »Die Kreuzelschreiber«, »Der Gewissenswurm«, »Der ledige
-Hof«, »Das vierte Gebot« treu blieb. Von den genannten Stücken haben
-»Der Gewissenswurm« und »Das vierte Gebot« die meiste Anerkennung
-gefunden. Von den Erzählungen A.'s steht der großangelegte Roman »Der
-Schandfleck« an erster Stelle.
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-=Theodor Herrmann Pantenius=, geb. am 22. Okt. 1843 in Mitau, Redakteur
-des »Daheim«, gehört zu den weniger bekannten Romanciers. Von seinen
-Romanen, deren Stoff meist seiner kurländischen Heimat entnommen ist,
-gelten als beste »Wilhelm Wolfschildt« und »Allein und frei«; sein
-in Livland spielender Roman »Die von Kelles« zählt zu den besten
-Schöpfungen der deutschen Litteratur.
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-=Peter Rosegger=, geb. am 31. Juli 1843 in Krieglach in Steiermark,
-erlernte zuerst das Schneiderhandwerk und wurde von dem Herausgeber der
-»Grazer Tagespost«, Albert Swoboda, für die Litteratur entdeckt. R. ist
-ein Autor von großer Gestaltungskraft und Phantasie, der sich seine
-Heimat, die steirischen Alpen, zur Domäne erkoren hat. Obwohl er der
-Tendenz nach Idealist ist, sind seine Schilderungen des Bauernlebens
-doch durchaus realistisch. Aus der Zahl seiner Werke -- Rosegger
-ist einer der produktivsten Schriftsteller, der gewissenhaft jedes
-Jahr seine 2, 3 Bände liefert --, heben wir hervor: »Die Schriften
-des Waldschulmeisters«, »Heidepeters Gabriel«, »Dorfsünden«, »Der
-Gottsucher«, »Neue Waldgeschichten«, »Höhenfeuer«, »Jakob der Letzte«,
-»Martin der Mann«, »Der Waldvogel«, »Das ewige Licht«, »Erdsegen«.
-
-=Karl Stieler=, geb. am 15. Dez. 1842 in München, gest. 1885, der
-Dichter frischer, fröhlicher »Hochlandslieder«, machte den Krieg
-70/71 mit und schrieb »Durch Krieg zum Frieden 1870/1«. Von seinen
-oberbayrischen Gedichtsammlungen, die auch in Norddeutschland weite
-Verbreitung fanden, nennen wir: »Bergbleameln«, »Habts a Schneid!?«,
-»Hochlandslieder«, »Neue Hochlandslieder«, »Um Sunnawend«, »Weil's mi
-freut!«
-
-=Hermann von Schmid=, geb. am 13. März 1815 in Weizenkirchen
-(Österreich), gest. 1880, wurde durch seine bayrischen Dorfgeschichten
-bekannt. Von seinen historischen Werken hat der vierbändige Roman »Der
-Kanzler von Tirol« die meiste Beachtung gefunden.
-
-=Maximilian Schmidt=, geb. am 25. Febr. 1832 in Eschlkam, wählte
-als Hintergrund seiner Erzählungen den Bayrischen und Böhmer Wald.
-Seine Werke zeichnen sich durch volkstümliche Darstellung, hübsche
-Naturschilderungen und treffende Charakteristik aus. (»Gesammelte
-Werke« 1884 u. ff.)
-
-=Ludwig Ganghofer=, geb. am 7. Juli 1855 in Kaufbeuren, verlegt den
-Schauplatz seiner Romane und Schauspiele meist in das bayerische
-Hochgebirge. Von seinen konventionell-volkstümlichen dramatischen
-Arbeiten fanden besonders »Der Herrgottsschnitzer von Oberammergau«
-und »Der Prozeßhansl« Anerkennung, obwohl seine »Jagerleut« die
-Verwandtschaft mit dem »Salontiroler« nicht verleugnen können. Zu
-seinen besten Romanen und Novellen, in denen die Natur meist symbolisch
-verwertet wird, zählen »Hochlandsgeschichten«, »Der Klosterjäger«, »Die
-Martinsklause«, »Der laufende Berg«.
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-=Arthur Achleitner=, geb. am 16. Aug. 1858 in Straubing, machte
-sich durch seine Schilderungen aus dem Wild- und Waidmannsleben der
-Hochgebirge bekannt. (»Geschichten aus den Bergen«, »Grüne Brüche«,
-»Grenzerleut'«, »Der Stier von Salzburg«, »Der Hirsch von Eßlingen« u.
-a.)
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-=Johann Meyer=, geb. am 5. Jan. 1829 in Wilster in Holstein,
-veröffentliche plattdeutsche Erzählungen und Schwänke, »Dithmarscher
-Gedichte« und hochdeutsche »Lyrische Gedichte«, die ein eigenartiges
-poetisches Talent bekunden.
-
-=Joh. Heinrich Fehrs=, geb. am 10. April 1838 in Mühlenbarbeck,
-begann mit Epen (»Krieg und Hütte«, »Eigene Wege«) und schloß daran
-plattdeutsche Erzählungen und Gedichte. (»Lütt Hinerk«, »Allerhand Slag
-Lüd«.)
-
-=Timm Kröger=, geb. am 29. Nov. 1844 in Haale (Holstein),
-debütierte mit dem Novellenband: »Eine stille Welt«, der Bilder und
-Geschichten aus Moor und Heide enthält, die sich durch feinsinnige
-Naturbetrachtungen auszeichnen. Ein kleines Meisterwerk ist sein
-psychologischer Roman »Der Schulmeister von Handewitt«, der in 2.
-Auflage unter dem Titel: »Schuld?« erschien.
-
-=Heinrich Hansjakob=, geb. am 19. Aug. 1837 in Haslach in Baden,
-ist ein Meister der Dorfgeschichte, der zwar in seinen Schriften
-den katholischen Priester nicht verleugnet, dies aber durch einen
-urwüchsigen Humor und echtes Empfinden vergessen läßt. (»Aus
-meiner Jugendzeit«, »Aus meiner Studienzeit«, »Wilde Kirschen«,
-»Schneeballen«.)
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-=Hermine Villinger=, geb. am 6. Febr. 1849 in Karlsruhe, legte den
-Schwerpunkt ihres litterarischen Schaffens auf die Dorfgeschichte.
-»Aus dem Kleinleben«, »Unter Bauern«, »Kleine Lebensbilder«, »Aus dem
-Badener Land« u. a. enthalten reizende, humorvolle Genrebilder aus dem
-badischen »Ländle«.
-
-=Clara Viebig= (Mädchenname von Clara Cohn), geb. in Trier, entnimmt
-den Stoff ihrer oft graß naturalistischen Werke mit Vorliebe dem
-Gebiete der Eifel. Sie debütierte 1897 mit der Novellensammlung »Kinder
-der Eifel«, denen weitere Novellen (»Vor Tau und Tag«), die Romane
-»Dilettanten des Lebens«, »Es lebe die Kunst!« und »Das Weiberdorf«
-folgten, die jedoch künstlerisch nicht auf der Höhe ihrer ersten
-Publikation stehen. Eine ihrer Eifelgeschichten lieferte den Stoff
-zu ihrem Drama »Barbara Holzer«. Ihr neuestes Bühnenwerk »Pharisäer«
-spielt im Posenschen.
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-=Adolf Bartels=, geb. am 15. Nov. 1862 in Wesselburen, erwarb sich als
-Litterarhistoriker der Kunstwart-Schule einen Namen. Seine historischen
-Romane »Die Dithmarscher« und »Dietrich Sebrandt« sind vom streng
-geschichtlichen Standpunkt aus geschrieben.
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-=Charlotte Niese=, geb. am 7. Juni 1854 in Burg auf Fehmarn, gewann
-durch ihre schleswig-holsteinischen Geschichten (»Aus dänischer
-Zeit«, »Geschichten aus Holstein«, »Auf der Heide«) die Gunst des
-Lesepublikums, so daß man über ihre Schwäche, die Socialdemokratie in
-Romanen zu bekämpfen, hinwegsieht.
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-=Ilse Frapan= (Pseudon. für Ilse Levien), geb. am 3. Febr. 1852 in
-Hamburg, ist ein starkes dichterisches Talent, dem auch der Humor nicht
-fremd ist. Sie gab heraus: »Bescheidene Liebesgeschichten«, »Zwischen
-Elbe und Alster«, »Enge Welt«, »Zu Wasser und zu Lande«, »Querköpfe«,
-»Flügel auf«, »In der Stille«, sowie einen Band »Vischer-Erinnerungen«.
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-=August Sperl=, geb. am 5. Aug. 1862 in Fürth, machte sich durch »Die
-Fahrt nach der alten Urkunde«, sowie durch den historischen Roman:
-»Die Söhne des Herrn Budiwoj«, der König Ottokars Glück und Ende und
-das Erstehen des habsburgischen Königshauses behandelt, bekannt. In dem
-Epos »Fridtjof Nansen« schilderte er mit Glück die Nordlandsfahrt des
-modernen Fridtjof.
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-=Heinrich Sohnrey=, geb. am 19. Juni 1859 in Jühnde bei Göttingen,
-Herausgeber von »Das Land«, zeigt eine gewisse Verwandtschaft mit dem
-früh verstorbenen Heinrich Schaumberger, und gilt als einer der besten
-Vertreter der Dorfgeschichte. (»Die Leute aus der Lindenhütte«, »Der
-Bruderhof.«)
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-Die Kulturnovellisten.
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-=Wilhelm Heinrich Riehl=, geb. am 6. Mai 1823 zu Biebrich a. Rh., gest.
-1897, war Professor der Kulturgeschichte in München und einer der
-geistvollsten kulturhistorischen Schriftsteller, in dessen Werken der
-Belletrist ebenso zu Worte kommt wie der Wissenschaftler. Von seinen
-Schriften, die eine Fülle von Anregung und Belehrung bieten, verdienen
-die »Kulturhistorischen Novellen«, »Geschichten aus alter Zeit«,
-»Kulturstudien aus drei Jahrhunderten«, sowie der Roman »Ein ganzer
-Mann« besondere Erwähnung.
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-=Karl Emil Franzos=, geb. am 25. Okt. 1848 in Czortkow in Podolien,
-Herausgeber der »Deutschen Dichtung«, entdeckte »Halbasien« (den
-Südosten von Europa) für die Litteratur und verlegte dorthin den
-Schauplatz seiner ersten Kulturromane (»Aus Halbasien«, »Die Juden von
-Barnow«, »Junge Liebe«, »Stille Geschichten«, »Moschko von Parma«, »Ein
-Kampf ums Recht«, »Der Präsident«). Seine späteren Romane und Novellen
-begegneten nicht mehr dem gleichen Interesse.
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-=Leopold Kompert=, geb. am 15. Mai 1822 zu Münchengrätz, gest. 1886,
-gilt neben Karl Emil Franzos als der kenntnisreichste Schilderer des
-jüdischen Volkslebens. (»Aus dem Ghetto«, »Geschichten einer Gasse« u.
-a.)
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-=Leopold von Sacher-Masoch=, geb. am 27. Januar 1837 in Lemberg, gest.
-1895, als Litterat ein Pendant zum Marquis de Sade, besaß von Natur aus
-eine bedeutende Begabung, die jedoch in der Sucht nach der Darstellung
-erotisch-perverser Probleme in die Brüche ging. So besitzen seine
-Romane nicht viel mehr als pathologisches Interesse (Masochismus).
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-Die Dichter-Archäologen.
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-=Georg Ebers=, geb. am 1. März 1837 in Berlin, gest. am 7. August
-1898, berühmter Ägyptologe, war einer der beliebtesten Autoren der
-letzten Jahrzehnte. Seine Romane entrollen meist Kulturbilder aus
-dem Pharaonenlande oder aus dem deutschen Mittelalter. Ebers war der
-Hauptvertreter des geschichtlichen Romans, wenngleich ihm der Vorwurf
-nicht erspart geblieben ist, daß die meisten seiner Gestalten nichts
-als moderne Wesen in historischer Drapierung sind. Eröffnet wurde
-die dichterische Thätigkeit E.'s mit dem Roman: »Eine ägyptische
-Königstochter«. Fast jeder Epoche der ägyptischen Geschichte ist er in
-einem Romane gerecht geworden. (»Uarda«, »~Homo sum~«, »Der Kaiser«,
-»Die Nilbraut« u. a.) Unterbrochen wurde der Cyklus der ägyptischen
-Romane durch »Die Frau Bürgermeisterin« und »Ein Wort«. Seit 1889
-wandte sich E. fast ausschließlich der Schilderung deutschen Lebens
-der Vorzeit zu: »Die Gred«, »Im Schmiedefeuer«, »Im blauen Hecht«,
-»Barbara Blomberg«. E. war trotz aller Anfeindung eine Dichternatur,
-die oftmals durch das Professorentum erstickt wurde, aber in einzelnen
-Zügen in jedem seiner Werke zutage tritt.
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-=Felix Dahn=, geb. am 9. Febr. 1834 in Hamburg, Professor und
-Dichter zugleich, wenn auch das erstere mehr als das letztere,
-schrieb eine Reihe Romane aus der Zeit der Völkerwanderung und der
-altnordischen Heiden- und Heldenzeit, unter denen »Ein Kampf um Rom«
-der erfolgreichste, »Julian der Abtrünnige« der beste ist. Von seinen
-Dramen verdienen »König Roderich« und »Rüdeger von Bechlaren« genannt
-zu werden. Durch umfangreiche Produktion von Gelegenheitsgedichten
-(nicht solcher im Goethe'schen Sinne) hat D. viel dazu beigetragen
-seinen Ruf als Dichter zu schädigen.
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-=Ernst Eckstein=, geb. am 6. Febr. 1845 in Gießen, kommt hauptsächlich
-als Unterhaltungsschriftsteller in Betracht, obgleich er später auch
-den Versuch gemacht hat, sich den realistischen Schriftstellern
-zuzugesellen. (»Prusias«, »Die Claudier«, »Nero«, »Dombrowsky«,
-»Familie Hartwig« u. a.) Einen großen buchhändlerischen Erfolg erzielte
-seine kleine Gymnasialhumoreske: »Der Besuch im Carcer«.
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-=George Taylor= (Pseudon. für Adolf Hausrath), geb. am 13. Jan. 1837,
-Professor an der Universität Heidelberg, geht in den Fußtapfen Georg
-Ebers', wenn auch seine archäologischen Romane (»Antionus«, »Klitia«,
-»Jetta«, »Pater Maternus«, »Unter dem Katalpenbaum«) mehr dichterische
-Fähigkeiten aufweisen als die seines Vorbildes.
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-=Oskar Linke=, geb. am 15. Juli 1854 in Berlin, berührt sich mit den
-Dichter-Archäologen. Äußerst vielseitig und dabei ein Meister der Form,
-läßt er seine erzählenden Dichtungen oft im klassischen Altertum, das
-er ausgezeichnet kennt und durchdringt, spielen. Seine Weltanschauung
-ist eine freie. (»Blumen des Lebens«, »Jesus Christus«, »Mylesische
-Märchen«, »Chrysothemis erzählt« u. a.)
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-Die Dramatiker der alten Schule.
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-=Rudolf von Gottschall=, geb. am 30. Sept. 1823 in Breslau, ein
-Jungdeutscher und Freiheitsänger der vormärzlichen Zeit, ist einer
-der vielseitigsten und fruchtbarsten Dichter, der sich auf allen
-Gebieten der Dichtkunst und Schriftstellerei umgesehen hat und
-seit einem Menschenalter den Mittelpunkt des schöngeistigen Lebens
-in Leipzig bildet. Als Bühnenschriftsteller ist G. wiederholt
-hervorgetreten: »Mazeppa«, »Katharina Howard«, »Pitt und Fox«, »Der
-Spion von Rheinsberg«, »Rahab« u. a. Von seinen Romanen, in denen
-er die Bahnen Gutzkows wandelt, ist »Im Banne des schwarzen Adlers«
-der erfolgreichste gewesen. Vielfache Anerkennung fanden auch seine
-litterarhistorischen Arbeiten (»Deutsche Nationallitteratur in der
-ersten Hälfte des 19. Jahrh.«, »Poetik« etc.), in denen die »Moderne«
-allerdings nicht immer glimpflich wegkommt, obwohl G. immer bestrebt
-war, mit dem Zeitgeist rege Fühlung zu behalten. Sein Leben bis zur
-Verheiratung schildert die Autobiographie »Aus meiner Jugend«.
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-=Hans Herrig=, geb. am 10. Dez. 1845 in Braunschweig, gest. 1892,
-schrieb »Mären und Geschichten« und wurde besonders durch sein
-»Lutherfestspiel« bekannt, dem eine Reihe dramatischer Arbeiten(»Kaiser
-Friedrich der Rotbart«, »Konradin« u. a.) vorausgegangen war.
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-=Arthur Fitger=, geb. am 4. Okt. 1840 in Delmenhorst, erwählte die
-Malerei als Hauptberuf und errang seine dichterischen Lorbeeren mit dem
-Trauerspiel: »Die Hexe«, dem er andere dramatische Gaben folgen ließ.
-Als Lyriker machte sich F. durch die Sammlungen »Fahrendes Volk« und
-»Winternächte« bekannt.
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-=Heinrich Kruse=, geb. am 15. Dez. 1815 in Stralsund, schrieb im Stile
-der alten Kunstüberlieferung eine Reihe von Dramen, unter denen »Die
-Gräfin«, »König Erich«, »Brutus«, »Nero« zu nennen sind. K. ist ferner
-Verfasser von »Seegeschichten« und »Gedichten«.
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-=Albert Lindner=, geb. am 24. April 1831 in Sulza, gest. 1888, wurde
-mehr durch sein tragisches Geschick (er starb im Wahnsinn) als durch
-seine Dramen bekannt, von denen nach seinem Tode »Die Bluthochzeit«
-wiederholt aufgeführt wurde. Seine Prosaerzählungen, von denen mehrere
-das Frauenleben in ernsten und heiteren Episoden behandeln, blieben
-fast unbeachtet.
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-Die sogenannten Lustspieldichter.
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-=Oskar Blumenthal=, geb. am 13. März 1852 in Berlin, schrieb Schwänke
-ohne künstlerischen Wert, teils allein, teils in Kompagnie, die nur für
-das Publikum, nicht für die Litteraturgeschichte in Betracht kommen.
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-=Hugo Lubliner= (Pseudon. Hugo Bürger), geb. am 22. April
-1846 in Breslau, ist einer der Mitbegründer des deutschen
-Konversationslustspiels aus den siebziger Jahren, ein treuer
-Helfershelfer der Lindau, Blumenthal, Kadelburg, in dem Bestreben, dem
-deutschen Lustspiel mit französischem Esprit und französischer Technik
-aufzuhelfen.
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-=Gustav von Moser=, geb. am 11. Mai 1825 in Spandau, schrieb
-Lustspiele, teils selbständig, teils in Verbindung mit anderen. Zu
-seinen erfolgreichsten Stücken, die noch jetzt sich auf dem Theater
-erhalten haben, gehören: »Das Stiftungsfest«, »Der Veilchenfresser«,
-»Ultimo«, »Krieg im Frieden«, »Reif-Reiflingen«.
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-=Adolf L'Arronge=, geb. am 8. März 1838 in Hamburg, ist ein
-litterarischer Sprosse der Birchpfeiffer und Kotzebues und dadurch
-einer der erfolgreichsten Lustspielschreiber der Gegenwart. (»Mein
-Leopold«, »Hasemanns Töchter«, »Dr. Klaus«, »Lolos Vater« u. a.).
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-Die Übergangstalente.
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-=Hans Hopfen=, geb. am 3. Jan. 1835 in München, einer der besten
-Vertreter des humoristischen Romans, zeichnet sich durch eine gesunde
-Sinnlichkeit aus, die namentlich in seinen Gedichten und Balladen zum
-Ausdruck kommt. Echt volkstümliche, humorverklärte Figuren schuf er
-in seinen Romanen »Der alte Praktikant«, »Mein Onkel Don Juan«, »Die
-Heirat des Herrn von Waldenberg«, sowie in der Novellensammlung »Kleine
-Leute« und den »Geschichten« und »Neuen Geschichten des Herrn Majors«,
-während er sich in einigen Romanen (»Verdorben zu Paris«, »Glänzendes
-Elend« u. a.) als Dekadent giebt.
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-=Wilhelmine von Hillern=, geb. am 11. März 1836 in München als Tochter
-der bekannten Birch-Pfeiffer, entlehnte den Stoff ihrer realistisch
-gefärbten Romane dem bayrischen Volksleben. Ihr bekanntester Roman:
-»Die Geyer-Wally« erlebte mehrere Auflagen und fand auch als Drama
-freundliche Aufnahme.
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-=Karl von Heigel=, geb. am 25. März 1835 zu München, wandte sich der
-Unterhaltungslitteratur zu und schrieb Novellen, Romane und Dramen.
-Seine spätere Produktion (»Der Weg zum Himmel«, »Roman einer Stadt«,
-»Der Herr Stationschef« u. a.) steht unter dem Einfluß des Realismus.
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-=Karl Frenzel=, geb. am 6. Dez. 1827 in Berlin, weiteren Kreisen
-bekannt als Kritiker der Nationalzeitung, verdient seinen Platz in
-der Litteratur durch seine Romane, Novellen und wissenschaftlichen
-Schriften, die Gelehrsamkeit mit seiner Lebensbeobachtung verbinden,
-und deren Stoffe meist der Zeit des Rococos, dem 18. Jahrhundert,
-entnommen sind (»Melusine«, »Papst Ganganelli«, »Im goldenen
-Zeitalter«, »Renaissance und Rokoko«, »Des Lebens Ueberdruß«, »Dunst«,
-»Schönheit«, »Wahrheit«, »Frauenrecht«).
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-=Adolf Stern=, geb. am 14. Juni 1835 in Leipzig, lebt jetzt als
-Professor für Litteraturgeschichte am Polytechnikum in Dresden. St.
-ist Epiker und Novellist (»Jerusalem«, »Gutenberg«, »Aus dem 18.
-Jahrhundert«, »Die letzten Humanisten«) und wiederholt als feinsinniger
-Litterarhistoriker hervorgetreten.
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-=Ferdinand von Saar=, geb. am 30. Sept. 1833 in Wien, ist keine scharf
-ausgeprägte Dichternatur. Seine Erfolge verdankt er den »Gedichten«
-und den Novellensammlungen (»Novellen aus Österreich«, »Herbstreigen«
-u. a.), die ihm den Namen eines Walter Scott der Novelle eingetragen
-haben. Seine Dramen (»Heinrich IV.«, »Die beiden De Witt«, »Eine
-Wohlthat«) konnten sich nicht auf der Bühne behaupten.
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-=Heinrich von Reder=, geb. am 19. März 1824 in Mellrichstadt, begann
-seine litterarische Laufbahn mit »Soldatenliedern von zwei deutschen
-Offizieren«. Seine Hauptwerke, die »Federzeichnungen« und das »Lyrische
-Skizzenbuch«, tragen realistisches Gepräge.
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-Vaganten und Spielmänner.
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-=Josef Victor von Scheffel=, geb. am 26. Febr. 1826 in Karlsruhe, gest.
-am 9. April 1886, ist besonders der Lieblingsdichter der akademischen
-Jugend, der er eine große Zahl sangbarer Lieder schenkte, aus denen ein
-unverwüstlicher, feuchtfröhlicher Humor spricht. Sein lyrisch-episches
-Werk: »Der Trompeter von Säckingen«, das 1854 erschien, fand
-begeisterte Aufnahme. Weit bedeutender als dieses ist jedoch sein
-»Ekkehard«, ein trotz alles gelehrten Beiwerks und der fleißigen
-Quellenstudien von echter Poesie durchdrungenes Werk, das man als den
-besten kulturhistorischen Roman der letzten Jahrzehnte bezeichnen kann.
-Von Sch.'s weiteren Werken verdienen noch genannt zu werden: »Frau
-Aventiure«, »Gaudeamus« und »Bergpsalmen«.
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-=Rudolf Baumbach=, geb. am 28. Sept. 1840 in Kranichfeld in Thüringen,
-ist einer der »liebenswürdigen« Dichter, der Naturbursche unter den
-Poeten. Seine lyrischen Gedichte, die sich durch Natürlichkeit und
-Frische auszeichnen und vielfach zu Volksliedern geworden sind,
-erschienen in verschiedenen Sammlungen: »Lieder eines fahrenden
-Gesellen«, »Mein Frühjahr«, »Von der Landstraße«, »Krug und Tintenfaß«
-u. a. Außerdem besitzen wir von ihm Märchen und Epen, die ebenfalls in
-weitere Kreise gedrungen sind.
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-=Julius Wolff=, geb. am 16. Sept. 1834 in Quedlinburg, gehört zu den
-»Erfolgreichen« der 70er und 80er Jahre. Seine erste Veröffentlichung
-waren Gedichte »Aus dem Felde«. Einen durchschlagenden Erfolg errang
-er mit seinen Epen »Der Rattenfänger von Hameln«, »Der wilde Jäger«,
-»Der Tannhäuser«, »Lurlei« u. a., deren künstlerischer Gehalt zwar
-nicht hervorragend ist, die aber das große Publikum immer durch ihre
-Sentimentalität und Rührseligkeit entzücken werden. Der Beifall, den
-seine Epen fanden, übertrug sich auch auf seine Romane »Recht der
-Hagestolze«, »Der Sülfmeister«, »Das schwarze Weib«.
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-Die Goldschnittlyriker der 80er Jahre.
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-=Karl Gerok=, geb. am 30. Januar 1815 in Vaihingen in Württemberg,
-starb als Prälat in Stuttgart 1890. Seine Liedersammlungen
-»Palmblätter«, »Neue Palmblätter«, »Pfingstrosen«, »Eichenblätter«,
-»Deutsche Ostern«, die ein liebenswürdiger Humor durchzieht, sind
-vorzugsweise geistlicher Natur und fanden große Verbreitung.
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-=Julius Sturm=, geb. am 21. Juli 1816 zu Köstritz, gest. 1896, war
-einer der fruchtbarsten Liederdichter. Die Natur seiner Dichtungen,
-die eine innige, aber nicht kopfhängerische Frömmigkeit auszeichnet,
-wird durch die Titel seiner Sammlungen: »Gott grüße Dich«, »Immergrün«,
-»Fromme Lieder«, »In Freud und Leid« charakterisiert.
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-=Albert Traeger=, geb. am 12. Juni 1830 in Augsburg, ist als Dichter
-in den Kreisen der Liebhaber von Gartenlaube-Poesie bekannt geworden,
-hat sich jedoch außer einigen Lustspielen und Novellen nur einen
-Gedichtband zu schulden kommen lassen.
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-=Emil Rittershaus=, geb. am 3. April 1834 in Barmen, gest.
-daselbst 1897, gab sich in seinen meist zuerst in der Gartenlaube
-veröffentlichten Gedichten als Sänger frischer, fröhlicher Lieder, die
-Wein und Liebe, Vaterland und Gartenlaube verherrlichen.
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-Die Beschaulichen.
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-=Wilhelm Raabe=, geb. am 8. Sept. 1831 in Eschhausen, früher
-Buchhändler, nimmt unter den deutschen Humoristen den ersten Rang ein
-und gilt seit 30 Jahren als einer der eigenartigsten Charakterköpfe
-der deutschen Litteratur. Ein goldener Humor, der an Dickens erinnert,
-durchzieht seine Schriften, die er meist in ein altertümelndes Gewand
-kleidet oder im Chronikstil abfaßt. »Zwei oder drei Zeilen in einer
-Chronik, eine halbe Seite in der Geschichte für den Forscher« genügen
-ihm, um eine Erzählung darauf aufzubauen. R. beschäftigt Geist und
-Herz seiner Leser in gleicher Weise und seine Bücher, in einem etwas
-krausen Stile geschrieben, rühren die Seele bis zum Grunde auf. Bei
-alledem ist er einer der am wenigsten erfolgreichen Autoren geblieben,
-trotz des großen Gehalts und der Zahl seiner Schriften, von denen wir
-hier nur die nachstehenden registrieren: »Die Akten des Vogelsangs«,
-»Die Chronik der Sperlingsgasse«, »Gesammelte Erzählungen«, 3 Bde.,
-»Horacker«, »Der Hungerpastor«, »Der Schüdderump«, »Unseres Herrgotts
-Kanzlei«, »Alte Nester«, »Wunnigel«, »Horn von Wanza«.
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-=Wilhelm Busch=, geb. am 15. April 1832 in Wiedensahl bei Stadthagen,
-ist der bedeutendste zeitgenössische komische Humorist und Zeichner,
-wenngleich seine Wirksamkeit hauptsächlich in die 60er und 70er Jahre
-fällt. Seine Schriften (»Max und Moritz«, »Hans Huckebein«, »Der
-heilige Antonius«, »Die fromme Helene«, »Herr und Frau Knopp« u. a.)
-erlangten eine ungeheuere Verbreitung. Seine letzten Werkchen: »Eduards
-Traum« und »Der Schmetterling« sind symbolische Prosamärchen, die den
-Idealismus ironisieren.
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-=Hans Hoffmann=, geb. am 27. Juli 1848 in Stettin, zählt zu den besten
-Novellisten der Gegenwart. (»Von Frühling zu Frühling«, »Geschichten
-aus Hinterpommern«, »Ostseemärchen«, »Allerlei Gelehrte«, »Aus der
-Sommerfrische«.) Auch als Romanschriftsteller ist H. wiederholt
-hervorgetreten und hat sich auf diesem Gebiet als ein feinsinniger
-Dichter erwiesen, dem die seltene Gabe des Humors wie wenigen zu Gebote
-steht. (»Der eiserne Rittmeister«, »Landsturm«.) Ein echt nationales,
-von historischem Geiste getragenes Werk ist sein großer 3bändiger
-Roman: »Wider den Kurfürsten«.
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-=Heinrich Seidel=, geb. am 25. Juni 1842 in Perlin, wurde Ingenieur,
-dann Schriftsteller in Berlin. Er ist der Dichter der kleinen
-behaglichen Lebensverhältnisse; seine Poesie und seine Ideale haben
-einen philiströsen Zug und es sind fast immer dieselben Mittel
-(Pastorenhaus, Fliederbüsche, Tabakspfeife und schüchterne Liebhaber),
-mit denen er in seinen Lebrecht Hühnchen-Geschichten operiert.
-(»Aus der Heimat«, »Vorstadtgeschichten«, »Lebrecht Hühnchen u.
-a. Geschichten«, »Neues von Lebrecht Hühnchen u. a. Sonderlingen«,
-»Lebrecht Hühnchen als Großvater«, »Gesammelte Gedichte« u. a.) S's.
-Autobiographie führt den Titel »Von Perlin nach Berlin«.
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-=Victor Blüthgen=, geb. am 4. Januar 1844 in Zörbig, ein
-liebenswürdiger, feinsinniger Dichter, schrieb Gedichte (vor allem
-Kinderreime), Novellen und Humoresken (»Henzi u. a. Humoresken«,
-»Badekuren«, »Amoretten« etc.) Von seinen Romanen sind »Der
-Friedensstörer«, »Aus gährender Zeit«, und »Der Preuße« zu nennen.
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-Die Behaglichen.
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-=Julius Stinde=, geb. am 28. Aug. 1841 in Kirch-Nüchel in Holstein,
-führte die »Frau Buchholz«, den Typus des Berliner Spießbürgertums,
-in die Litteratur ein und wurde durch zahlreiche Auflagen seiner
-Werke dafür belohnt. Von seinen weiteren Schriften fanden noch die
-»Waldnovellen« und »Pienchens Brautfahrt« größere Verbreitung.
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-=Johannes Trojan=, geb. am 14. August 1837 in Danzig, Redakteur des
-Kladderadatsch, schrieb hübsche, humorvolle Kinderlieder und eine
-Anzahl ansprechender Gedichte: »Scherzgedichte«, »Für gewöhnliche
-Leute«, »Das Wustrower Königsschießen u. a. Humoresken«.
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-=Julius Lohmeyer=, geb. am 6. Okt. 1835 in Neisse, machte sich als
-Jugendschriftsteller einen Namen, ohne jedoch auf diesem Gebiete
-viel mehr als guten Willen und einen bescheidenen liebenswürdigen
-Humor mitzubringen. (»Gedichte eines Optimisten«, »Die Bescheidenen«,
-»Humoresken« u. a.)
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-=Edwin Bormann=, geb. am 14. April 1851 in Leipzig, machte sich als
-sächsischer Humorist in seinem engeren Vaterlande einen Namen (»Mei
-Leipzig low' ich mir«, »Herr Engemann«, »Schelmenlieder« u. a.) So gut
-einige ältere Dialektdichtungen B.'s sind, so flach und schal ist die
-Mehrzahl seiner jüngsten fabrikmäßig hergestellten Poesien. Seinen
-humoristischen Werken nicht beizuzählen, nach Ansicht B.'s vielmehr
-durchaus ernsthaft zu nehmen, sind »Das Shakespeare-Geheimnis« und
-die im Anschlusse daran erschienenen Schriften, in denen der Nachweis
-geführt werden soll, daß Shakespeare nicht Shakespeare, sondern Francis
-Bacon ist.
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-=Georg Bötticher=, geb. am 20. Mai 1849 in Jena, ein feinsinnigerer
-und vielseitigerer Humorist als Bormann, schrieb in Gemeinschaft
-mit Victor Blüthgen »Schüler-Novellen«, und selbständig zahlreiche
-humoristische Schriften, von denen viele durch die »Fliegenden Blätter«
-und die »Reclam-Bibliothek« weiteren Kreisen bekannt geworden sind.
-(»Schnurrige Kerle«, »Schilda, Verse eines Kleinstädters«, »Allotria,
-humoristische Geschichte«, »Neue Allotria«, »Bunte Reihe« u. a.)
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-=Hans Arnold= (Pseudon. für Frau Babette von Bülow), geb. am 20.
-Sept. 1850 in Warmbrunn, schildert in ihren Novellen und Erzählungen
-mit Vorliebe in humoristischer Weise die kleinen Verdrießlichkeiten
-und Unannehmlichkeiten des Lebens. Ihre Werke besonders anzuführen,
-erübrigt sich: sie amüsieren und werden vergessen.
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-Die Dichter der Dekadenz.
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-=Dranmor=, mit seinem eigentlichen Namen Ferdinand von Schmid, geb. am
-22. Juni 1823 in Muri bei Bern, gest. 1888, wanderte nach Brasilien
-aus und wurde weiteren Kreisen durch seine »Gesammelten Dichtungen«
-bekannt, die neben lyrischen Gedichten Balladen und Epen aus dem
-südamerikanischen Leben in düsterer, pessimistischer Färbung enthalten.
-
-=Eduard Grisebach=, geb. am 9. Okt. 1845, gab den »Neuen Tannhäuser«
-und »Tannhäuser in Rom« heraus, leichtgeschürzte Poesien, die viel
-Anerkennung fanden. G. hat sich ferner als Bibliophile und Herausgeber
-der Werke Schopenhauers u. a. verdient gemacht.
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-=Emil Prinz von Schönaich-Carolath=, geb. am 8. April 1852 zu Breslau,
-lieferte in seinen Dichtungen den Beweis, daß jemand Prinz und doch ein
-großer Dichter, Zigeuner und Weltmann zugleich sein kann. Wenn auch
-die Schöpfungen dieses modernen Byron (»Lieder an eine Verlorene«,
-»Tauwasser«, »Dichtungen«, »Geschichten aus Moll« u. a. m.) von
-Koketterie und Salon-Zigeunertum nicht frei sind, so kommen ihm doch an
-Größe und Leidenschaft nur wenige der Modernen gleich.
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-=Hieronymus Lorm= (Pseudon. für Heinrich Landesmann), geb. am 9. Aug.
-1821 in Nikolsburg, seit seinem Jünglingsalter taub und erblindet,
-schrieb Romane und Novellen und that sich besonders als pessimistischer
-Lyriker hervor (»Am Kamin«, »Gedichte«, »Nachsommer« u. a.). In seinen
-philosophischen Schriften unternahm er, wenn auch mit wenig Glück,
-wiederholt den Versuch, eine allgemein-verständliche Erörterung des
-Lebensproblems zu geben.
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-=Alberta von Puttkamer=, geb. am 5. Mai 1849 in Glogau, debütierte mit
-dem Schauspiel »Kaiser Otto III.«, dem sie »Dichtungen«, »Accorde und
-Gesänge«, »Offenbarungen« und »Aus Vergangenheiten« folgen ließ, in
-denen sich ein glühendes Verlangen nach erträumtem Glück, Trauer und
-Sehnsucht nach verlorenem ausspricht.
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-=Ada Christen= (Pseudon. für Christiane Breden, geb. am 6. März 1844
-in Wien, ist eine Dichterin stark realistischen Gepräges, in deren
-Gedichten (»Lieder einer Verlorenen«, »Aus der Tiefe«) sich das
-seelische Unbefriedigtsein des Weibes ausspricht.
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-Die Marlitt und ihre Schule.[3]
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- [3] Paul Lindau siehe unter »Feuilletonisten«.
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-=E. Marlitt= (Pseudon. für Eugenie John, geb. am 5. Dez. 1825 in
-Arnstadt in Thüringen, gest. 1887, wurde viel verlästert von den
-Modernen, aber viel geliebt von dem Publikum der Gartenlaube, das
-ihre Romane »Goldelse«, »Das Geheimnis der alten Mamsell«, »Das
-Heideprinzeßchen« u. a. nicht las, sondern verschlang.
-
-=W. Heimburg= (Pseudon. für Bertha Behrens), geb. am 7. Sept. 1850
-in Thale am Harz, ist ein Gartenlaube-Talent, das sich in wenig oder
-nichts von der Marlitt unterscheidet. Ihre Produktion wird schon
-durch die Titel ihrer Werke charakterisiert: »Aus dem Leben einer
-alten Freundin«, »Lumpenmüllers Lieschen«, »Ein armes Mädchen«,
-»Herzenskrisen«, »Trotzige Herzen« u. s. w.
-
-=E. Werner= (Pseudon. für Elisabeth Bürstenbinder), geb. am 25. Nov.
-1838 in Berlin, gehört zu denjenigen Schriftstellerinnen, die ein Motiv
-so lange variieren, bis es sich zu »Gesammelten Werken« ausgewachsen
-hat. (»Ein Held der Feder«, »Am Altar«, »Gesprengte Fesseln«, »St.
-Michael« u. a.)
-
-=Marie Bernhard=, geb. am 7. Nov. 1852 in Königsberg i. Pr., widmete
-sich der Schriftstellerei im Genre der Gartenlaube (»Forstmeister
-Reichardt«, »Im Strom der Zeit«, »In Treue fest«, »Schule des Lebens«,
-»Unweiblich« u. a.)
-
-=Nataly von Eschstruth= (Mädchenname der jetzigen Frau v.
-Knobelsdorff-Brenkenhoff), geb. am 17. Mai 1860 in Hofgeismar, wurde
-vom Deutschen Schriftsteller-Verband als die »beliebteste« Erzählerin
-proklamiert und ist bemüht, durch die Quantität zu ersetzen, was ihr
-an Qualität fehlt. Ihre »Werke« stehen noch unter denen der Marlitt,
-Heimburg etc.
-
-
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-Die »Jüngstdeutschen« und ihre Vorkämpfer.
-
-
-=Karl Bleibtreu=, geb. am 13. Januar 1859 in Berlin, schrieb mehr
-Bände als er Jahre zählt und ist einer der großen Woller und
-kleinen Könner. Vielseitig veranlagt und ein geistreicher, witziger
-Kopf, irrlichtelierte er von einem Gebiete zu dem andern, ohne
-über Ansätze hinauszukommen und ohne Fähigkeit zur Konzentration
-und -- Bescheidenheit. Ist Feuer in seinen Werken, so ist es
-sicher Brillantfeuer, das keine Wärme giebt und dessen Abbrennen
-teilnahmlos läßt. Von seinen zahlreichen Werken nennen wir nur »Dies
-irae, Erinnerungen eines französischen Offiziers«; die Aufzählung
-seiner dramatischen, lyrischen und epischen Produktion, wie seiner
-Glaubensbekenntnisse, müssen wir uns Raummangels wegen versagen. Die
-Broschüre: »Die Revolution der Litteratur«, die zum ersten Mal dem
-großen Publikum Kenntnis von den Absichten der »Jungen« gab, hat ein
-gewisses litterarhistorisches Interesse.
-
-=Michael Georg Conrad=, geb. am 5. April 1846 zu Gnodstadt in Franken,
-eine eigenartig und scharf ausgeprägte Dichternatur mit einer
-ausgesprochenen Neigung zu politischer Bethätigung, gab in Gemeinschaft
-mit Karl Bleibtreu die »Gesellschaft« heraus, die er ganz in den Dienst
-der modernen Ideen stellte. Seine von Zola und einem jahrelangen
-Aufenthalt in Paris beeinflußten Romane: »Was die Isar rauscht«, »Die
-klugen Jungfrauen«, »Die Beichte des Narren«, »In purpurner Finsternis«
-u. a. sind nicht frei von Kraftmeierei und Übertreibungen.
-
-=Hermann Conradi=, geb. am 12. Juni 1862 in Jeßnitz, gest. am
-8. März 1890, eins der Häupter der Stürmer und Dränger, schrieb
-»Brutalitäten«, »Lieder eines Sünders« und die Romane: »Phrasen« und
-»Adam Mensch«, Werke, die von Brutalitäten, Phrasen, Menschlichem und
-Allzumenschlichem strotzen, und nur als ~documents humains~ von einigem
-Interesse sind.
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-=Konrad Alberti= (~recte~ Konrad Sittenfeld), geb. am 9. Juli 1862 in
-Breslau, schrieb eine Reihe von Romanen, Novellen und Dramen im Stile
-der Jüngstdeutschen, unter denen die Romane »Wer ist der Stärkere?«
-und »Die Alten und die Jungen« die bedeutendsten sind. Seine spätere
-Produktion wandte sich dem Unterhaltungsroman zu und entbehrt jeder
-Eigenart. (»Die Rose von Hildesheim«, »Die schöne Theotaki« u. a.)
-
-=Heinrich Hart=, geb. am 30. Dez. 1855 in Wesel, Kritiker der
-»Täglichen Rundschau«, gab in Gemeinschaft mit seinem Bruder die
-»Kritischen Waffengänge« heraus, durch die sie den Modernen, mit denen
-sie in ihrem dichterischen Schaffen sonst wenig Gemeinsames haben,
-nahetraten. Das hervorragendste Werk H.'s ist das Epos »Das Lied der
-Menschheit«.
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-=Julius Hart=, geb. am 9. April 1859 in Münster, Bruder des vorigen,
-schrieb teils selbständig, teils in Gemeinschaft mit seinem Bruder
-eine Reihe kritischer und dichterischer Werke, von denen wir die
-Gedichtsammlung »Sansara«, das Schauspiel »Sumpf«, die Prosadichtung
-»Sehnsucht« und das zweibändige, populär geschriebene Werk: »Geschichte
-der Weltlitteratur« hervorheben.
-
-=Hermann Heiberg=, geb. am 17. Nov. 1840 in Schleswig, Herausgeber
-der Halbmonatsschrift »Niedersachsen«, stand ursprünglich mit den
-Modernen in engster Fühlung, glitt jedoch später ganz in das Fahrwasser
-der Unterhaltungslitteratur. Zu seinen bekanntesten Werken sind die
-»Plaudereien mit der Herzogin von Seeland«, »Apotheker Heinrich«
-und »Eine vornehme Frau« zu zählen, die sämtlich seiner ersten
-Schaffensperiode angehören.
-
-=Max Kretzer=, geb. am 7. Juni 1854 in Posen, arbeitete sich vom
-Fabrikarbeiter zum Schriftsteller empor. Seine Romane, die stark
-realistisch gefärbt sind und ihm den Namen: der deutsche Zola
-eintrugen, spielen meist in den Arbeiterkreisen der Reichshauptstadt,
-die er vorzüglich kennt und zu portraitieren versteht. (»Meister
-Timpe«, »Der Millionenbauer«, »Die gute Tochter« u. a.) Mit seinem
-letzten Roman: »Das Gesicht Christi« ging er vom Realismus zum
-Symbolismus über.
-
-=Wilhelm Walloth=, geb. am 6. Okt. 1856 zu Darmstadt, kämpfte in
-den Reihen der Modernen an erster Stelle. Seine Romane aus dem Rom
-des Niederganges »Oktavia«, »Paris der Mime«, »Ovid«, »Dämon des
-Neides«, denen jede Konzentration fehlt, hielten nicht, was er früher
-versprochen. Mit seinem neuesten Roman: »Im Banne der Hypnose« erregte
-er statt Sensation Langeweile. Seine Dramen: »Marino Falieri«, »Johann
-von Schwaben« sind reich an schönen Einzelheiten, aber als Ganzes
-betrachtet verfehlt.
-
-=Wilhelm Arent=, geb. am 7. März 1864 in Berlin, spielte früher auf
-der Bühne, später in der litterarischen Bewegung der 80er Jahre eine
-Rolle und war Mitherausgeber der »Modernen Dichtercharaktere«. Seine
-Poesie (mehr als 30 Bände!) ist überreich an Stimmung, aber form- und
-gedanken-, ja sinnlos.
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-=Wolfgang Kirchbach=, geb. am 18. Sept. 1857 zu London, schloß sich
-nur locker der »Moderne« an und ist immer mehr seinen eigenen oft
-sonderlichen Ideen nachgegangen. (»Ausgewählte Gedichte«, »Lebensbuch«,
-»Das Leben auf der Walze«.) Seine Dramen »Des Sonnenreiches Untergang«,
-»Gordon Pascha« fanden nur geteilte Aufnahme.
-
-
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-Socialistische Lyriker.
-
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-=Arno Holz=, geb. am 26. April 1863 in Rastenburg, ist allem Anschein
-nach ein Talent, das eine große Zukunft vor sich hat. Sein »Buch der
-Zeit« schlug neue, eigenartige Töne an und ließ H., der ursprünglich
-als Geibelianer auftrat, als den berufensten socialistischen Lyriker
-erscheinen. Aus seiner Verbindung mit Johannes Schlaf gingen die
-Novellen: »Papa Hamlet« und das naturalistische Drama: »Familie
-Selicke« hervor. Sein Drama »Socialaristokraten« fiel gänzlich ab und
-die neue Dichtkunst, die er im »Phantasus« predigt und für die er
-bereits eine »Revolution in der Lyrik« in Szene setzte, hat ihm nur
-mitleidiges Lächeln und Achselzucken eingebracht, obwohl sie sich schon
-durch ihre Einfachheit vorteilhaft vor anderen »Methoden« auszeichnet.
-
-=Karl Henckell=, geb. am 17. April 1864 in Hannover, gab mit Arent die
-»Modernen Dichtercharaktere« heraus und stand mit seinen »Strophen« und
-»Amselrufen«, die sich durch Glätte und Formgewandtheit auszeichnen, an
-der Spitze der socialistischen Lyriker.
-
-=Maurice Reinhold von Stern=, geb. am 3. April 1859 in Reval, hat
-eine außerordentlich bewegte Vergangenheit hinter sich, die ihn nach
-Deutschland, Amerika und der Schweiz führte. (Nach dem Zusammenbruch
-seiner Buchhandlung in Zürich postalisch und polizeilich nicht zu
-ermitteln.) In seinen »Proletarierliedern«, »Ausgewählten Gedichten«
-u. a. finden sich neben Naturbildern von Glanz und Stimmung, Plattes
-und Geschmackloses. Sein autobiographischer Roman »Walther Wendrich«
-zeigt seine Unfähigkeit, einen Stoff zu meistern und dichterisch zu
-gestalten. Großes auf kleines übertragen, gilt von ihm das Wort Goethes
-über Grabbe: »Er wußte sich selbst nicht zu zähmen, darum zerrann ihm
-sein Leben wie sein Dichten«.
-
-=John Henry Mackay=, geb. am 6. Febr. 1864 in Greenock in Schottland,
-ist ein Dichter mit revolutionären und salonanarchistischen Tendenzen,
-in dessen Werken Denker, Dichter und Politiker in gleicher Weise zu
-Worte kommen (»Kinder des Hochlands«, »~Arma parata fero~«, »Sturm«,
-»Wiedergeburt«, »Gesammelte Dichtungen«, das Kulturgemälde: »Die
-Anarchisten« u. a.).
-
-=Bruno Wille=, geb. am 6. Febr. 1860 in Magdeburg, zeigt sich in seinen
-Gedichten und philosophischen Schriften als freier unabhängiger Denker,
-der, vom Socialismus ausgehend, den Weg zum Individualismus findet.
-(»Einsiedelkunst aus der Kiefernhaide« u. a.)
-
-
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-Die Nationalen.
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-
-=Adolf Pichler=, geb. am 4. Sept. 1819, ist der älteste Tiroler
-Dichter: sein Leben und seine Werke reichen von der »Franzosenzeit« bis
-zur Gegenwart. Ein Gelehrter und von allseitiger Bildung, weiß er doch
-wahrhaft volkstümlich zu erzählen (»Allerlei Geschichten aus Tirol«,
-»Letzte Alpenrosen«, »Aus den Tiroler Bergen« u. a.). Er hat ferner als
-Lyriker »Hymnen« geschrieben, »Spätfrüchte« und »Marksteine«. Unter den
-Vorkämpfern einer liberalen Weltanschauung, aber milde und versöhnlich,
-steht er in vorderster Reihe.
-
-=Karl Pröll=, geb. in Graz 1840, bekannt als journalistischer
-Vorkämpfer des Deutschtums in Böhmen, lebt seit vielen Jahren als
-Schriftsteller in Berlin, von wo er neben zahllosen politischen
-Schriften seine Lieder »Sturmvögel«, »Vergessene deutsche Brüder«
-u. s. w. und seine prächtigen Sammlungen von Skizzen und Novellen
-»Moderner Todtentanz«, Bd. 1--5, »Vogelbeeren«, »Spreu im Winde« etc.
-veröffentlichte.
-
-=Fritz Lienhard=, geb. am 4. Okt. 1865 in Rothbach i/Els., war von
-1893--1895 Redakteur des
-
-»Zwanzigsten Jahrhunderts« und Anfang 1900 auf kurze Zeit Herausgeber
-der »Heimat«. Bedeutend sind seine »Lieder eines Elsässers«, sein
-Wanderbuch »Wasgaufahrten« und besonders seine Dramen »Naphtali«,
-»Weltrevolution«, »Till Eulenspiegel«. In seiner schriftstellerischen
-und journalistischen Thätigkeit sucht er der »Heimatkunst«, dem
-Nationalen in Dichtung und Leben, den Weg zu ebnen.
-
-=Anton Ohorn=, geb. am 22. Juli 1846 in Theresienstadt, schrieb
-zahlreiche Romane, Erzählungen und Novellen, von denen das meiste
-Aufsehen die nationale Erzählung »Das deutsche Lied« gemacht hat.
-
-=Anton August Naaff=, geb. am 28. Nov. 1850 in Weitentrebetitsch,
-Herausgeber der »Lyra« in Wien, veröffentlichte die Liedersammlungen im
-Volkstone: »Aus dem Dornbusch«, »Gartheil und Krauseminz«, »Der Sonn'
-entgegen«, »Gerda« u. a.
-
-=Ottomar Beta= (eigentlich Bettziech), geb. am 7. Febr. 1845 in
-Berlin, wurde in England erzogen. B. veröffentlichte außer zahlreichen
-nationalökonomischen, socialpolitischen und politischen Schriften
-mehrere Dramen und Romane, von denen das Trauerspiel »David Rizzio«,
-das Lustspiel »Altmodisch und Modern«, das Schauspiel »Nichts halb!«
-und besonders das Lustspiel »Feurige Kohlen« Anerkennung fanden. Seine
-Novellen und Romane »Schmollis, ein Hundeleben«, »Unter Unkraut«,
-»Peregrine«, »Die Rache ist mein« u. s. w. verraten ein bemerkenswertes
-Erzählertalent. Beachtung verdient auch das satirische Epos
-»Barbarossa's Botschaft«.
-
-=Adolf Graf von Westarp=, geb. am 21. April 1851 in Breslau, erregte
-Aufsehen durch sein Buch »Fürst Bismarck und das deutsche Volk«, sowie
-durch sein Lied »An den Kaiser« (nach Bismarcks Entlassung). W. ist
-ein ebenso eigenartiger wie talentvoller Lyriker. (»Deutsche Lieder«,
-»Idyllen und Elegieen aus den bayrischen Bergen«.)
-
-=Erwin Bauer=, geb. am 9. Jan. 1857 auf dem Gute Techelfer bei Dorpat
-in Livland, begründete in Reval die »Nordische Rundschau«, 1890 in
-Berlin »Das zwanzigste Jahrhundert«. Außer einigen Dramen gab B.,
-dessen Talent frühzeitig von der Politik beschlagnahmt wurde, die
-Novellensammlungen »Aus dem Zarenlande« und »Einfache Geschichten«,
-sowie die Erzählung »Der Selbstmord des Leutnants Mergenthin« heraus.
-Sein bestes Werk ist der in Rußland spielende Roman »~Aut Caesar, aut
-nihil~«.
-
-=Carl Kerstan=, geb. am 22. Okt. 1847 in Prag, machte sich als
-Historienmaler einen Namen. Sein philosophischer Roman in 3 Bänden
-»~Sapaere aude~« gehört zu den besten unserer Litteratur und verdiente
-mehr Beachtung, als er gefunden.
-
-
-
-
-Die großen neuzeitlichen Erzähler.
-
-
-=Theodor Fontane=, geb. am 30. Dez. 1819 in Neuruppin, gest. am 20.
-Sept. 1898, war wie Sudermann und Ibsen ursprünglich Apotheker. Eine
-Reise nach England weckte sein dichterisches Talent, so daß er sich
-bald ganz der Schriftstellerei widmete. F. ist besonders der Dichter
-des Preußentums oder im engeren Sinne der Mark, Berlins. Er schrieb
-die Romane »Irrungen, Wirrungen«, »Stine«, »Quitt«, »Frau Jenny
-Treibel«, »Effi Briest« u. a., die zu den besten der neuzeitlichen
-Erzählungslitteratur zu rechnen sind. Schon seit den vierziger Jahren
-zählte F. zu den bedeutendsten Balladendichtern und Schilderern der
-Mark Brandenburg. Seine »Wanderungen durch die Mark Brandenburg«
-sind Landschaftsbilder von entzückender Anmut, sinniger Feinheit und
-zugleich von frappierender Treue. Tüchtige litterarische Leistungen
-sind außerdem seine Darstellungen der drei Kriege 1864, 1866 und 1870,
-die wiederholt aufgelegt wurden. Mit zwei Bänden Erinnerungen aus
-seinem Leben: »Meine Kinderjahre« und »Von Zwanzig bis Dreißig«, schloß
-er seine dichterische Thätigkeit ab.
-
-=Wilhelm Jensen=, geb. am 15. Febr. 1837 in Heiligenhafen, ist einer
-der eigenartigsten und markantesten Erzähler. Er ist der Dichter des
-Meeres und der Heide und alle Stimmen, die er ihnen abgelauscht,
-klingen in seinen Werken wieder. So ungleich auch die einzelnen Werke
-J.'s untereinander sind, allen gemeinsam ist die melodische, wunderbare
-Sprache und eine weiche, stillverträumte Stimmung, die über ihnen liegt
-und den Leser gefangen nimmt. J. ist ein ungemein produktiver Dichter,
-der sich jedes Jahr mit zwei, drei Bänden einstellt. Von seinen Werken
-seien genannt: »Die braune Erica«, »Karin von Schweden«, »Tagebuch aus
-Grönland«, »Aus den Tagen der Hansa«, »Jenseits des Wassers«, »Luv und
-Lee«, »Sehnsucht«. Auch als Lyriker ist J. wiederholt hervorgetreten
-und darf wohl den Anspruch erheben, als solcher neben Keller, Meyer und
-Storm genannt zu werden. (Gesammelte Gedichte: »Vom Morgen zum Abend«.)
-
-=Marie von Ebner-Eschenbach=, geb. am 13. Sept. 1830 in
-Zdislavic in Mähren, ist gegenwärtig die bedeutendste lebende
-deutsch-österreichische Schriftstellerin. Sie ist eine Meisterin des
-künstlerischen Realismus, den sie so sicher wie die besten Meister der
-Erzählungskunst beherrscht. (»Bozena«, »Dorf- und Schloßgeschichten«,
-»Zwei Komtessen«, »Das Gemeindekind«, »Rittmeister Brand« u. a.)
-
-=Adolf Wilbrandt=, geb. am 24. Aug. 1837 in Rostock, gab zuerst ein
-Werk über Heinrich von Kleist heraus, dem er eine Reihe von Dramen:
-»Arria und Messalina«, »Gracchus«, »Kriemhild«, »Graf Hammerstein«,
-»Die Tochter des Herrn Fabricius«, »Der Meister von Palmyra« u. a.
-folgen ließ, unter denen das letztgenannte das bedeutendste ist. In den
-letzten Jahren hat sich W. fast ganz dem Zeitromane zugewandt (»Hermann
-Ifinger«, »Die Osterinsel«, »Vater Robinson« u. a.). W. ist eine der
-vornehmsten Erscheinungen unter den Schriftstellern der Gegenwart und
-sowohl der Schiller- als auch der Grillparzerpreis sind ihm zugefallen.
-
-=Richard Voß=, geb. am 2. Febr. 1851 in Neugrape in Pommern, ist
-eine reiche phantasievolle und starke Dichternatur, die sich leider
-nicht zur künstlerischen Vollendung durchringen konnte. Ein nervöser,
-dämonischer Zug geht durch alle seine Romane und Dramen, die bald
-in Deutschland, bald in Italien, im Mittelalter oder in der Neuzeit
-spielen. Eine zerrissene, unbefriedigte Natur, vermögen auch seine
-Schöpfungen nicht zu befriedigen, von denen die meisten den Leser
-narkotisieren oder peinigen. Seine erfolgreichsten Dramen sind
-»Schuldig«, »Alexandra«, und »Eva«; von seinen Novellen und Romanen
-sind »Römische Dorfgeschichten«, »Mönch von Berchtesgaden«, »Villa
-Falconieri«, »Unter den Borgia«, die bekanntesten.
-
-
-
-
-Realistische Erzähler.
-
-
-=Ernst von Wolzogen=, geb. am 23. April 1855 in Breslau, ist einer
-der ungleichmäßig schaffenden Dichter. Seine Tragikomödie: »Das
-Lumpengesindel« ist noch immer sein bestes Werk. Einst erhoffte
-man vieles von dem Talent dieses fabulierenden Freiherrn, der die
-schöne Gabe des Humors besitzt und es versteht, seine Personen
-treffend zu charakterisieren, doch produziert er seit langem nur
-Unterhaltungslitteratur, wenn auch im besseren Sinne. Seine besten
-Romane sind »Die Kinder der Excellenz« (auch als Lustspiel bearbeitet),
-»Die tolle Komteß«, »Die Entgleisten«, »Der Kraftmayr«.
-
-=Konrad Telmann= (~recte~ Zitelmann), geb. 1854, gest. 1897, wurde
-durch körperliches Leiden zur Aufgabe seines Berufes gezwungen und
-lebte seit Jahren in Rom. T. hat eine außerordentlich große Anzahl von
-Werken hinterlassen und eine rastlose Thätigkeit entfaltet, die seiner
-Kunst nicht immer zum Vorteil gereichte. Er ist ein Übergangskünstler,
-der sich Friedrich Spielhagen zum Vorbild nahm und über ihn hinaus den
-realistischen Roman auszubauen und mit neuen, meist »interessanten« und
-exotischen Zügen auszustaffieren suchte. Zu seinen besten Romanen, von
-denen viele in der zweiten Heimat des Dichters, in Italien, spielen,
-zählen: »~Vox populi~«, »Unterm Strohdach«, »Unter römischem Himmel«,
-»Unter den Dolomiten«, »Götter und Götzen«, »Vom Stamme der Skariden«.
-
-=Alexander Baron von Roberts=, geb. am 23. Aug. 1845 in Luxemburg,
-gest. 1896, zählte zu den besten Unterhaltungsschriftstellern,
-besonders in den Romanen, die das Militärleben zum Gegenstand haben.
-(»Es und Anderes«, »Götzendienst«, »Lou«, »Die schöne Helena«,
-»Schwiegertöchter« u. a.) Sein Drama »Satisfaktion« ging mehrfach mit
-Erfolg über die Bühne.
-
-=Georg von Ompteda=, geb. am 29. März 1863 in Hannover, veröffentlichte
-(teilweise unter dem Pseudonym Georg Egestorff) »Von der Lebensstraße
-u. a. Gedichte«, sowie die Romane »Drohnen«, »Unter uns Junggesellen«,
-»Sylvester von Geyer« u. a., deren Stoff er vorzugsweise der deutschen
-Armee entnahm. Als Übersetzer machte er sich durch die Übertragung der
-Werke Guy de Maupassants bekannt.
-
-=Wilhelm von Polenz=, geb. am 14. Januar 1861 in Ober-Cunewalde,
-debütierte mit dem Roman »Sühne« und ließ diesem dramatische
-und novellistische Arbeiten, sowie die Romane »Der Pfarrer von
-Breitendorf«, »Der Büttnerbauer«, »Der Grabenhäger« und »Wald« folgen,
-in denen er hauptsächlich brennende Zeitfragen des gutsherrlichen und
-bäuerischen Besitzstandes behandelt.
-
-=Adolf Schmitthenner=, geb. am 24. Mai 1854 in Neckarbischofsheim,
-schrieb den Roman »Psyche« und »Novellen«, die eigenartige, fast
-»gewagte« Probleme zu lösen suchen und sich durch feine Seelenmalerei
-auszeichnen.
-
-=Karl von Perfall=, geb. am 24. März 1851 in Landsberg a/Lech,
-behandelt in seinen Romanen gern moderne Probleme, ohne jedoch dem
-Naturalismus große Konzessionen zu machen. (»Vornehme Geister«, »Die
-Langsteiner«, »Die fromme Witwe«, »Sein Recht«.)
-
-=Anton von Perfall=, geb. am 11. Dez. 1853 in Landsberg a/Lech,
-hat sich besonders durch seine Jagdgeschichten bekannt gemacht.
-Seine Romane »Die Krone«, »Sein Dämon«, »Die Sonne« tragen zum Teil
-realistisches Gepräge.
-
-=Oscar Mysing=, geb. am 1. Nov. 1867 in Bremen, schrieb seine ersten
-Romane und Novellen, die zum größten Teile erotischer Natur sind
-(»Überreif«, »Moderne Liebe«), unter dem Pseudonym Otto Mora und
-ging später zur Familienblattlitteratur über. (»Die Bildungsmüden«,
-»Verfolgte Phantasie«, »Nach der Sündflut«, »Beresina«.)
-
-=Richard Nordhausen=, geb. am 31. Januar 1868 in Berlin, war zuerst
-politisch thätig und schrieb dann eine Reihe Epen (»Joß Fritz der
-Landstreicher«, »Vestigia Leonis«, »Sonnenwende«), die sich durch
-farbenprächtige Schilderungen, glühende Leidenschaft und große Plastik
-auszeichnen. Mit dem Roman: »Die rote Tinktur« betrat N. die Pfade der
-Unterhaltungslitteratur.
-
-=J. J. David=, geb. am 6. Febr. 1859 in Weißkirchen, schrieb
-Schauspiele, Gedichte, Erzählungen u. a., die ein eigenartiges, etwas
-widerborstiges Talent verraten. In seinen Werken »Höferecht«, »Blut«,
-»Hagars Sohn«, »Gedichte«, »Probleme«, »Ein Regentag« u. a. schildert
-er mit Vorliebe Menschen, die auf die Schattenseite des Lebens zu
-stehen kamen.
-
-=Felix Hollaender=, geb. am 1. November 1867 in Leobschütz, debütierte
-mit dem Roman »Jesus und Judas«, denen sich die Berliner Romane: »Ellin
-Röte« und »Sturmwind im Westen« anschlossen. Mit Hans Land schrieb er
-»Die heilige Ehe«.
-
-=Heinz Tovote=, geb. am 12. April 1861 in Hannover, suchte die Bahnen
-Maupassants zu wandeln, ohne jedoch auch nur annähernd sein Vorbild
-zu erreichen, mit dem er nur hinsichtlich der Pikanterie verglichen
-werden kann. Seine Romane und Novellen aus der Berliner Demimonde: »Im
-Liebesrausch«, »Fallobst«, »Frühlingssturm«, »Ich«, »Mutter«, »Das Ende
-vom Liede«, »Die rote Laterne« u. a. erlebten viele Auflagen.
-
-
-
-
-Die Unterhaltungstalente.
-
-
-=Ernst Wichert=, geb. am 11. März 1831 in Insterburg, verfaßte
-zahlreiche Lustspiele, von denen »Der Narr des Glücks«, »Als Verlobte
-empfehlen sich« und »Ein Schritt vom Wege« sich noch auf der Bühne
-erhalten haben. W. ist außerdem Verfasser vieler Romane und Novellen:
-»Litauische Geschichten«, »Heinrich von Plauen«, »Hohe Gönner«,
-»Anderer Leute Kinder«, »Vom alten Schlage«, »Der große Kurfürst in
-Preußen«, u. a., von denen der letztgenannte, ein historischer Roman
-größeren Stils, besonders hervorgehoben zu werden verdient. W., der bis
-1896 dem Richterstande angehörte, schrieb seine Selbstbiographie 1899
-unter dem Titel: »Richter und Dichter«.
-
-=August Niemann=, geb. am 27. Juni 1839 in Hannover, früher Hauptmann,
-führte sich mit einer Geschichte des französischen Feldzuges
-1870/71 in die Litteratur ein. Sein bedeutendster Roman »Bakchen
-und Thyrsosträger«, zieht gegen die materialistische Weltanschauung
-zu Felde. In Buchhändlerkreisen fand besonders der Roman »Eulen und
-Krebse«, das »Soll und Haben« des Buchhändlers, Beachtung.
-
-=Gerhardt von Amyntor= (Pseudon. für Dagobert von Gerhardt), geb.
-am 12. Juli 1831 in Liegnitz, war Offizier und wandte sich dann
-der Litteratur zu. Von seinen Werken, in denen sich oft ein Hang
-zum Übersinnlich-Mystischen und zur Behandlung philosophischer und
-religiöser Themata bemerkbar macht, ist der Roman »Gerke Suteminne«
-das bedeutendste. Die »Hypochondrischen Plaudereien«, sowie die
-Gegenschrift zur Tolstoi'schen Kreutzer-Sonate: »Die Cismoll-Sonate«
-sind etwas hausbacken, aber erfüllt von echt vaterländischem Geiste,
-der allezeit und unentwegt für deutsche Frauen, deutsche Treue, Gott
-und Religion eintritt. Interessante Lebenserinnerungen legte A. in dem
-Werke: »Das Skizzenbuch meines Lebens« nieder.
-
-=Otto von Leixner=, geb. am 24. April 1847 in Saar, bis vor kurzem
-Redakteur der »Deutschen Romanzeitung«, schrieb im Sinne derselben eine
-Reihe Romane, Aphorismen und Plaudereien, von denen die Ȁsthetischen
-Studien für die Frauenwelt«, »Laienpredigten für das deutsche Haus«,
-»Aus meinem Zettelkasten«, und der Roman: »Also sprach Zarathustras
-Sohn« am bemerkenswertesten sind. Seine »Geschichte der deutschen
-Litteratur«, der nur feuilletonistischer Wert beizumessen ist, erlebte
-vier Auflagen.
-
-=Fritz Mauthner=, geb. am 22. November 1849 in Horzitz, einer der
-einflußreichsten Kritiker der Reichshauptstadt, zeigte seine Begabung
-besonders in den in parodistischer Form auftretenden Kritiken: »Nach
-berühmten Mustern« u. a. Mit seinen modern aufgeputzten Romanen aus
-dem Altertum »Xantippe« und »Hypatia«, sowie »Der letzte Deutsche von
-Blatna«, »Die Geisterseher«, »Die bunte Reihe« u. a. machte sich M. als
-Romancier einen Namen.
-
-=Theophil Zolling=, geb. am 30. Dezember 1849 in Scafati, Herausgeber
-der »Gegenwart«, zählt zu den besten Sittenschilderern Berlins. Von
-seinen das hauptstädtische Leben behandelnden Romanen: »Der Klatsch«,
-»Frau Minne«, »Kulissengeister«, »Die Million«, »Bismarcks Nachfolger«
-erregte namentlich der letztere einiges Aufsehen.
-
-=Rudolf Stratz=, geb. am 6. Dez. 1864 in Heidelberg, wandte sich dem
-Zeitroman zu und schrieb: »Unter den Linden«, »Belladonna«, »Die
-kleine Elten«, »Der weiße Tod«, »Montblanc«, den Novellenband »Buch
-der Liebe«, sowie einige Schauspiele. Sein Roman aus dem Bauernkrieg
-von 1525, »Der arme Konrad« und das Drama: »Jörg Trugenhoffen«, eine
-Konkurrenz des »Florian Geyer« von Hauptmann, beruhen auf tüchtigen
-Quellenstudien und geben ein anschauliches Bild der damaligen Zeit.
-
-=Hans Land= (Pseudon. für Hugo Landsberger), geb. am 25. August 1861 in
-Berlin, Herausgeber der Wochenschrift »Das neue Jahrhundert« (Berlin),
-schrieb realistisch gefärbte Romane (»Der neue Gott«, »Um das Weib« u.
-a.), sowie in Gemeinschaft mit Felix Hollaender das sociale Drama »Die
-heilige Ehe«.
-
-=Wilhelm Wolters=, geb. am 8. November 1852 in Dresden, ist durch seine
-Romane: »Sterbliche Götter«, »Helene Pawlowna« und Erzählungen (»Indian
-Summer«, »Ach wenn du wärst mein eigen!«), besonders aber durch seine
-erfolgreiche dramatische Produktion (»Tragische Konflikte« etc.) dem
-größeren Publikum bekannt geworden.
-
-=Franz von Königsbrun-Schaup=, geb. am 22. Februar 1857 in Cilli,
-schuf und befestigte seine litterarische Stellung durch die beiden
-Romane: »Die Bogumilen« und »Hundstagszauber«, die ihn als feinsinnigen
-Erzähler erkennen lassen. Künstlerisch weniger hoch stehen seine
-»Gedichte« und »Märchen«, und der mit Wolters zusammen geschriebene
-Schwank: »Der Hochzeitstag«, wird auf litterarischen Wert wohl
-überhaupt keinen Anspruch erheben.
-
-=Fedor von Zobeltitz=, geb. am 5. Okt. 1857 in Spiegelberg, gehört
-zu unseren besten Unterhaltungsschriftstellern. Von seinen letzten
-Romanen erregte besonders »Der gemordete Wald« Interesse. Um die
-deutsche Bibliophilie hat sich Z. durch Herausgabe der »Zeitschrift für
-Bücherfreunde« verdient gemacht.
-
-=Hanns von Zobeltitz=, geb. am 9. Sept. 1853 in Spiegelberg, schrieb
-eine Reihe Unterhaltungsromane im Stile des »Daheim« und der »Velhagen
-und Klasing'schen Monatshefte«, deren Redakteur Z. ist.
-
-=Ida Boy-Ed=, geb. am 17. April 1852 in Bergedorf, eine der begabtesten
-Schriftstellerinnen der alten Schule, veröffentlichte eine große Zahl
-von Romanen, von denen »Die Schwestern«, »Abgründe des Lebens«, »Fanny
-Förster« und »Aus Tantalus' Geschlecht« den meisten Anklang fanden.
-
-=A. v. der Elbe= (Pseudon. für Auguste von der Decken), geb. am 30.
-Nov. 1828 in Bleckede, setzte die »Chronica eines fahrenden Schülers
-von Clemens Brentano« fort und wandte sich vorzugsweise historischen
-Stoffen zu (»Lüneburger Geschichten«, »Brausejahre«, »Apollonia von
-Celle«, »Die jüngeren Prinzen«, »Der Seekönig« u. a.).
-
-=Claire Glümer=, geb. am 18. Okt. 1825 in Blankenburg, führte sich mit
-Novellen und Skizzen in die Litteratur ein. (»Düstere Nächte«, »Aus der
-Bretagne«, »Junge Herzen«.)
-
-=Sophie Junghans=, geb. am 3. Dez. 1845 in Kassel, ist Verfasserin
-einer Reihe von Unterhaltungsromanen, von denen »Der Bergrat«,
-»Ein Kaufmann«, »Lore Fay«, »Schwertlilie« und »Um das Glück« die
-bekanntesten sind.
-
-=Luise Westkirch=, geb. am 8. Juli 1858 in Amsterdam, behandelte in
-ihren Romanen und Novellen mit männlicher Kraft und Rücksichtslosigkeit
-sociale Probleme der Gegenwart: »Aus dem Hexenkessel der Zeit«, »Die
-Streber«, »Los von der Scholle« u. a.
-
-
-
-
-Romanciers des ~High-life~.
-
-
-=Rudolf Lindau=, geb. am 10. Okt. 1830 in Gardelegen, hatte durch
-seinen diplomatischen Beruf Gelegenheit, die halbe Welt kennen zu
-lernen. Er ist Weltmann großen Stils und in Paris und London ebenso
-zu Hause wie in Peking und San Francisco. L. verfaßte mehrere größere
-Romane, die in den Kreisen der internationalen Gesellschaft spielen
-(»Robert Ashton«, »Gute Gesellschaft« u. a.) und gab Beschreibungen
-seiner umfassenden Reisen heraus (»China und Japan« u. a.).
-
-=Ossip Schubin=, mit ihrem eigentlichen Namen Lolo Kirschner, geb. am
-17. Juni 1854 in Prag, läßt ihre Romane zumeist in den Kreisen des
-internationalen ~high life~, besonders der österreichischen Adels- und
-Offizierskreise, spielen. Ihrem ersten Roman »Ehre« folgten »Schuldig«,
-»Unter uns«, »Gräfin Erikas Lehr- und Wanderjahre«, »Gebrochene
-Flügel«, »Es fiel ein Reif in der Frühlingsnacht« u. a. S. schreibt
-fesselnd und interessant, doch haben ihre Romane etwas skizzenhaftes
-und der Stil ist oft salopp oder gesucht.
-
-=Baron Carl Torresani=, geb. am 19. April 1846 in Mailand, war
-österreichischer Kavallerieoffizier, bewirtschaftete einige Zeit sein
-Gut als Ökonom und widmete sich dann der Bildhauerei. Seine Romane,
-in denen er sich ganz als Österreicher giebt, spielen teils in den
-Kreisen der österreichischen Armee, teils in denen der internationalen
-Gesellschaft, für deren charakteristische Merkmale er einen scharfen
-Blick besitzt. »Aus der schönen wilden Lieutenantszeit«, »Schwarzgelbe
-Reitergeschichten«, »Mit tausend Masten«, »Auf gerettetem Kahn«, »Die
-Juckerkomtesse«, »Der beschleunigte Fall«, »Aus drei Weltstädten« u.
-a. Seiner Selbstbiographie gab er den Titel: »Von der Wasser- bis zur
-Feuertaufe. Werde- und Lehrjahre e. österreichischen Offiziers«.
-
-=Johannes Richard zur Megede=, geb. am 8. Sept. 1864 in Sagan,
-trat erst als reifer Mann mit einer Reihe von Romanen vor die
-Öffentlichkeit. »Kismet«, »Unter Zigeunern«, »Quitt«, »Von zarter
-Hand«, die in den exklusiven Adelskreisen spielen und den Verfasser
-als einen scharfen Beobachter, der einen sicheren Blick für das
-Charakteristische besitzt, erkennen lassen.
-
-=Bertha von Suttner=, geb. am 9. Juni 1843 in Prag, errang ihren
-größten Erfolg mit dem Tendenzroman: »Die Waffen nieder«, der für die
-Weltfriedensidee Propaganda macht. Von ihren übrigen Werken, die sehr
-ungleich im Werte sind, verdienen noch »Inventarium einer Seele« und
-»Das Maschinenzeitalter« genannt zu werden.
-
-
-
-
-Die Feuilletonisten.
-
-
-=Paul Lindau=, geb. am 3. Juni 1839 in Magdeburg, machte sich als
-Kritiker einen Namen, den er als produktiver Dichter rasch wieder
-einbüßte. Auch in seinen Romanen, die meist in Berlin ~W~ spielen und
-starken ~haut-gout~ aufweisen, ist er der Feuilletonist von ehemals
-geblieben, der nichts anderes als Eisenbahnlektüre geschrieben.
-
-=Max Nordau= (Pseudon. für Südfeld), geb. am 29. Juli 1849 in Budapest,
-errang seinen größten Erfolg mit den von Alltagsweisheit triefenden
-»Konventionellen Lügen der Kulturmenschheit«. Als Verfasser von
-»Entartung« scheint er an Paradoxomanie zu leiden oder sie zu heucheln.
-
-=Julius Langbehn= hat mit seinem Buche »Rembrandt als Erzieher« einen
-beispiellosen Erfolg gehabt, weil es »die Menschen zu verwirren weiß«.
-Seine »40 Lieder eines Deutschen« zeigen die ganze dichterische
-Unfähigkeit L.'s, dessen phantastisches und konfuses Erstlingswerk eine
-geraume Zeit im Mittelpunkt aller litterarischen Diskussionen stand.
-
-=Emil Peschkau=, geb. am 19. Febr. 1856 in Wien, gab eine Reihe von
-Skizzen, Epigrammen, Novellen und Romanen heraus, die ein hübsches
-Talent auf humoristischem und satirischem Gebiete erkennen lassen.
-
-=Balduin Groller=, geb. am 5. Sept. 1848 in Arad, gilt als der
-geistreiche Plauderer, der aus nichts eine schnurrige Geschichte
-zusammendrechselt. (»Wenn man jung ist«, »Zehn Geschichten«, »In den
-Tag hinein« u. a.)
-
-=Ferdinand Groß=, geb. am 8. April 1849 in Wien, schrieb zahlreiche
-Skizzen, Novellen und Romane, die den liebenswürdigen Plauderer und
-Feuilletonisten der Wiener Schule erkennen lassen. (»Blätter im Winde«,
-»Litterarische Modelle«, »Zum Nachtisch«, »In Lachen und Lächeln«.)
-
-=Hermann Bahr=, geb. am 19. Juli 1863 zu Linz, kann als der Typus eines
-Journalisten gelten, der in allen Sätteln reitet, in Rom und Madrid
-zu Hause ist und überall sein Weanertum mitbringt. Ein geistreicher,
-talentierter Kopf, der sich gern die Bühne erobern möchte, aber
-auch als Schriftsteller immer Journalist bleibt. Er schrieb Romane,
-litteraturgeschichtliche Abhandlungen und Theaterstücke, von denen
-»Die neuen Menschen«, »Die Mutter«, »Tschaperl« und »Der Athlet« die
-bemerkenswertesten sind.
-
-=Maximilian Harden= (~recte~ Witkowski), geb. am 20. Okt. 1861
-in Berlin, Herausgeber der »Zukunft«, einer der gewandtesten und
-vielseitigsten Journalisten, veröffentlichte seine kritischen Aufsätze
-unter dem Titel: »Apostata« und »Theater und Litteratur«. (Vergl. Zur
-Charakteristik litterar. und verwandter Blätter.)
-
-
-
-
-Die Industriellen.[4]
-
-
- [4] Diese Rubrik, die ihrer Natur nach die umfangreichste des
- ganzen Werkchens darstellen müßte, wurde auf Veranlassung
- des Verlegers »als unerheblich« (?!) auf das »unbedingt
- Notwendige« beschränkt.
-
-=Gregor Samarow= (Pseudon. für Oskar Meding), geb. am 11. April 1829
-in Königsberg i. Pr., kultivierte besonders den sensationell gefärbten
-Zeitroman (»Scepter und Kronen«, »Europäische Minen und Gegenminen«,
-»Zwei Kaiserkronen« und Dutzend andere).
-
-=Dr. Alfred Friedmann=, geb. am 26. Okt. 1845 in Frankfurt a. M., »ist
-seit 27 Jahren auf allen Gebieten erfolgreich thätig, seine Romane
-standen in der »Köln. Ztg.«, in »Westermanns Monatsheften«, »Nord und
-Süd«, »Berliner Tageblatt« etc., seine Gedichte in 3 Bänden gesammelt,
-standen überall. Zahlreiche Feuilletons trugen ihm Briefe bis aus
-Ostindien ein, Heyse, Geibel, Bodenstedt, Lingg etc. schrieben über den
-Dichter und waren ihm befreundet. F. war Redakteur in Wien, ist es in
-Berlin, reiste zu Kongressen und wurde von Reclam in 7 Bänden von je 8
-Auflagen ~à~ 5000 Exemplare verlegt«.[5]
-
- [5] Unverkürzt nach den eigenen Angaben des Dichters.
-
-
-
-
-Die dramatischen Hauptmänner der Gegenwart.
-
-
-=Ernst von Wildenbruch=, geb. in Beirut am 3. Febr. 1845, ist einer
-der erfolgreichsten Dramatiker der Gegenwart, seiner Artung nach mehr
-den Älteren, denen Schiller noch keine abgethane Größe ist, als den
-Modernen zuzuzählen. Wird auch bei ihm die Charakteristik sehr oft
-durch die Rhetorik ersetzt, so ist er doch unerreicht in der Schaffung
-wirkungsvoller Scenen. Von seinen erfolgreichsten Stücken der ersten
-Zeit führen wir an »Die Karolinger«, »Harold«, »Der Mennonit«, »Väter
-und Söhne«. Später entnahm W. hauptsächlich den Stoff seiner Dramen,
-in denen sich der Hurrahpatriotismus auf Kosten des dichterischen
-Gehalts breit macht, der Geschichte der Hohenzollern (»Die Quitzows«,
-»Der Generalfeldoberst«, »Der neue Herr«, »Heinrich und Heinrichs
-Geschlecht«). Den Einfluß Sudermanns zeigt das realistische Stück »Die
-Haubenlerche«. Neben dem Dramatiker W. feierte der Erzähler Triumphe
-(»Humoresken«, »Der Astronom«, »Eifernde Liebe«, »Schwester-Seele« u.
-a.). W.'s dichterisches Können findet den stärksten Ausdruck in seinen
-Kindergeschichten: »Das edle Blut«, »Kinderthränen«.
-
-=Gerhart Hauptmann=, geb. am 15. Nov. 1862 in Salzbrunn, hat sich
-in verschiedenen Berufen versucht, bevor er den Dichter in sich
-entdeckte. Durch Arno Holz wurde er dem konsequenten Naturalismus
-gewonnen; sein erstes Stück: »Vor Sonnenaufgang« steht ganz unter dem
-Einflusse ausländischer Vorbilder, vor allem Ibsens. Nicht höher sind
-die nächsten Dramen: »Das Friedensfest« und »Einsame Menschen« zu
-werten. Erst das sociale Drama »Die Weber«, das ein Bild von der Lage
-des deutschen Arbeiters in der letzten Vergangenheit giebt, brachte ihm
-den ersehnten Erfolg, der durch die beiden nächsten Stücke »College
-Crampton« und »Der Biberpelz«, die hauptsächlich Charakterstudien sind,
-in denen sich eine humoristische, stark mit Satire vermischte Ader
-offenbart, noch mehr befestigt wurde. Die nun folgende Traumdichtung
-»Hannele« zeigt den Dichter im Lager der Symbolisten. Im »Florian
-Geyer« sucht er mit vergeblichem Bemühen das historische Drama zu
-meistern. Den Mißerfolg des letzteren Stücks, das alles andere, nur
-nicht historisch ist, glich H. mit der »Versunkenen Glocke« aus, die
-auf allen großen Theatern den Ruhm des Dichters kündete, der durch sein
-nächstes Stück »Fuhrmann Henschel« zu einem unbestrittenen wurde. Ein
-Mißerfolg war seiner letzten Schöpfung, »einer unbesorgten Laune Kind«:
-»Schluck und Jau, Spiel zu Scherz und Schimpf mit 5 Unterbrechungen«,
-die er noch bezeichnender Erlösungen hätte benamsen können, beschieden.
-Sie beweist aufs neue, welch' großer Dichter Shakespeare war, von
-dem sich H. zu dem Stücke »anregen« ließ. H. ist in erster Linie
-novellistisches Talent, (vgl. auch »Bahnwärter Thiel«), ein scharfer
-Beobachter und ein Meister der Kleinmalerei. Seine dichterische
-Entwicklung ist sprungweise vor sich gegangen, er hat sich auf
-allen Gebieten versucht, ehe er das Rechte fand, das ihn aus einem
-psychologischen Destillateur zum Dichter machte.
-
-=Hermann Sudermann=, geb. am 30. Sept. 1857 in Matziken in Ostpreußen,
-ergriff zuerst wie Ibsen -- mit dem er sonst keine Berührungspunkte
-hat -- den Apothekerberuf, studierte dann in Königsberg und Berlin
-Geschichte und Sprachen und wandte sich später ganz der Litteratur
-zu. Ursprünglich als Romanschriftsteller thätig, errang er seinen
-ersten glänzenden Erfolg mit dem Schauspiel »Ehre«, das über sämtliche
-deutsche und ausländische Bühnen ging. Ein starkes theatralisches
-Talent, hat er es immer verstanden, Konzessionen an die große Menge
-zu machen. Er kennt sein Publikum und weiß, was er ihm vorzusetzen
-hat, daher findet er selten den Mut einer Tendenz. Ein trostloser
-Pessimismus geht durch seine Stücke, in denen er das Faule und Morsche
-mit besonderer Vorliebe behandelt, ohne jedoch den Weg zu einer
-besseren Zukunft auch nur anzudeuten. Über den Mangel an dichterischem
-Gehalt täuscht er hinweg durch eine brillante Technik und eine
-feine Witterung für die modernsten Probleme. Seine Kunst ist keine
-innerliche, sie läßt eine selbständige Weltanschauung vermissen. Das
-tritt nicht nur in seinem ersten Stück, sondern auch in seinen späteren
-Schöpfungen: »Sodoms Ende«, »Heimat«, »Schmetterlingsschlacht«,
-»Morituri«, »Das Glück im Winkel«, »Johannes«, »Die drei Reiherfedern«
-zu Tage. Über dem Dramatiker wird häufig der Romancier Sudermann
-vergessen, der uns mit einer Reihe spannend geschriebener Romane
-und Novellen: »Im Zwielicht«, »Frau Sorge«, »Geschwister«, »Der
-Katzensteg«, »Jolandes Hochzeit«, »Es war« beschenkt hat, unter denen
-»Frau Sorge« obenan steht.
-
-
-
-
-Die kleineren Dramatiker der Neuzeit.
-
-
-=Max Halbe=, geb. am 4. Okt. 1865 in Guettland bei Danzig, errang
-einen durchschlagenden Erfolg mit dem Stücke: »Jugend«, der ihn für
-kurze Zeit in die Reihe der ersten Dramatiker stellte. Es gelang
-ihm jedoch nicht, mit seinen späteren Stücken »Der Amerikafahrer«,
-»Lebenswende«, »Mutter Erde«, »Das tausendjährige Reich«, von denen
-das letztgenannte ein bedeutsamer Ansatz zum modern-historischen
-Drama ist, diese Stellung zu behaupten, so sehr sie auch Zeugnis von
-seinem ernsten künstlerischen Streben ablegen. H.'s Kunst wurzelt in
-seiner heimatlichen westpreußischen Erde und hat ihre stärksten Seiten
-in lyrischen Feinheiten. Von starkem dichterischen Gehalt ist seine
-Dorfgeschichte »Frau Meseck«.
-
-=Ludwig Fulda=, geb. am 15. Juli 1862 in Frankfurt a/M., erweckte
-bei dem Erscheinen der Schauspiele »Das verlorene Paradies« und
-»Talisman« große Hoffnungen, die jedoch nicht verwirklicht wurden, da
-sich seine Muse immer mehr zu Roderich Benedix hingezogen fühlte. F.
-ist ein geistreicher, formgewandter Causeurpoet, seine Stücke hübsch
-gedrechselte Salonware, ohne großen Gehalt, aber amüsant und auf
-Massenerfolg hin geschrieben (»Die Kameraden«, »Robinsons Eiland«, »Der
-Sohn des Kalifen«, »Jugendfreunde«, »Schlaraffenland«). Bemerkenswertes
-leistete F., der über große Formgewandtheit und sprachliches Talent
-verfügt, auf dem Gebiete des Epigramms und der Spruchdichtung, sowie
-als Übersetzer (Molière, Rostand).
-
-=Arthur Schnitzler=, geb. am 15. Mai 1862 in Wien, hatte bedeutende
-Bühnenerfolge mit seinen Schauspielen »Anatol«, »Märchen«, »Liebelei«,
-»Freiwild«. Er ist der Liebespsychologe der Halbwelt, ein Dichter der
-tändelnden, leichten, freien Liebe, der »kleinen süßen Mädels«, wie sie
-Wien kennt. Seine Männer sind echte Lebemänner, die skrupellos ihrem
-Vergnügen nachgehen und es dort suchen, »wo man lächelnd den ersten Kuß
-empfängt und mit sehr sanfter Rührung scheidet«.
-
-=Josef Lauff=, geb. am 16. Nov. 1855 in Köln, begann seine
-litterarische Laufbahn mit epischen Gedichten (»Jan van Calker«, »Der
-Helfensteiner«, »Die Overstolzin«, »Klaus Störtebecker« u. a.) und
-wandte sich dann unter kaiserlicher Protektion dem Drama zu (»Der
-Burggraf«, »Der Eisenzahn«). In seinen Epen ist er ein verwässerter
-Julius Wolff, in seinen Dramen ein verwässerter Wildenbruch.
-
-=Felix Philippi=, geb. am 5. Aug. 1851 in Berlin, wandte sich fast
-ausschließlich der dramatischen Produktion zu (»Daniela«, »Wohlthäter
-der Menschheit«, »Wer war's?«, »Das Erbe«, »Der goldene Käfig« u. a.).
-Seine letzten Stücke, die meist sensationellen Hofgeschichten oder
-politischen Vorkommnissen ihre Entstehung verdanken, wurden beifälliger
-vom Publikum als von der Kritik aufgenommen.
-
-=Max Dreyer=, geb. am 25. Sept. 1862 in Rostock, führte sich vor ein
-paar Jahren mit dem Drama »Eine« verheißungsvoll in die Litteratur
-ein, schuf jedoch bald Stücke (»In Behandlung«, »Großmama«, »Hans«,
-»Der Probekandidat«), an denen der klug rechnende Verstand mehr Anteil
-hat, als das künstlerische Gewissen. Sie sind weniger Dichtungen als
-Rechenexempel, deren Richtigkeit allerdings durch den Erfolg bestätigt
-wird.
-
-=Josef Ruederer=, geb. am 15. Okt. 1861 in München, schuf in seinem
-Erstlingsromane: »Ein Verrückter. Kampf und Ende eines Lehrers«
-prächtige Gestalten und in der »Fahnenweihe« eine lebendige
-Sittenkomödie. Seine neuesten Veröffentlichungen: der Novellenband
-»Tragödien« und »Wallfahrer-, Maler- und Mördergeschichten« stehen
-nicht ganz auf gleicher Höhe.
-
-=Caesar Flaischlen=, geb. am 12. Mai 1864 in Stuttgart, Redakteur
-des »Pan«, ist ein sprödes und nicht sehr ergiebiges Dichtertalent,
-das stets die »Moderne« auf sich einwirken ließ. Seine Dramen: »Toni
-Stürmer« und »Martin Lehnhardt, ein Kampf um Gott« stehen ganz unter
-dem Einflusse Strindbergs.
-
-=Otto Erich Hartleben=, geb. am 3. Juni 1864 in Clausthal, ist der
-Ironiker unter den Modernen, der bei Maupassant in die Schule gegangen
-ist und mit liebenswürdigem Humor seine Geschichten und Schnurren,
-die er vorsorglich meist irgend einem Philister in den Mund legt, zu
-erzählen weiß (»Die Geschichte vom abgerissenen Knopf«, »Vom gastfreien
-Pastor«, »Der römische Maler«). Als Dramatiker ist er Thesendichter
-(»Ein Ehrenwort«, »Die Erziehung zur Ehe«, »Ein wahrhaft guter Mensch«
-u. a.).
-
-=Philipp Langmann=, geb. am 5. Febr. 1862 in Brünn, errang einen
-großen und verdienten Erfolg mit seinem socialen Arbeiterdrama »Bartel
-Turaser«, der seiner späteren dramatischen Produktion (»Die vier
-Gewinner«, »Gertrud Antleß«) ebenso verdienter Weise versagt blieb.
-Seine ganz in impressionistischem Stile geschriebenen »Realistischen
-Erzählungen« und »Ein junger Mann von 1895 und andere Novellen« sind
-bedeutungslos. Hübsche stimmungsvolle Bilder enthält dagegen sein
-neuester Novellenband »Verflogene Rufe«.
-
-=Ernst Rosmer= (~recte~ Frau Elsa Bernstein) schrieb »Wir Drei«,
-»Dämmerung«, »Königskinder«, sowie den Novellenband »Madonna«, in denen
-sie den Spuren Gerhart Hauptmanns folgt.
-
-=Georg Hirschfeld=, geb. am 17. Febr. 1873 in Berlin, schuf seine
-Schauspiele aus dem engen Kreise seiner (jüdischen) Familie heraus. »Zu
-Hause«, »Die Mutter« und »Agnes Jordan« errangen daher bei dem Berliner
-Premièrenpublikum freundliche Erfolge.
-
-
-
-
-Tendenzfreie Lyriker der jüngsten Zeit.
-
-
-=Detlev von Liliencron=, geb. am 3. Juni 1844 in Kiel, war Offizier
-und wandte sich erst im reifen Mannesalter der Litteratur zu. Seine
-litterarische Stellung verdankt er hauptsächlich seinen Gedichten,
-in denen er sich als durchwegs subjektiver Dichter zeigt, dessen
-Werke den Stempel der Ursprünglichkeit und des Selbsterlebten tragen.
-(»Adjutantenritte«, »Gedichte«, »Der Haidegänger«, »Neue Gedichte«,
-»Ausgewählte Gedichte«, »Kämpfe und Ziele«.) Die Form seiner Werke ist
-nicht immer einwandfrei, weil oft ein burschikoses Sichgehenlassen
-hervortritt, aber die Unmittelbarkeit seiner Empfindungsdarstellung
-und die Frische seiner Gedanken vermögen wohl für diese Fehler zu
-entschädigen. Sein bester Roman ist »Breide Hummelsbüttel«, der in den
-Kreisen des holsteinischen Landadels spielt. Viel Lob ernteten auch
-seine Novellensammlungen: »Eine Sommerschlacht«, »Kriegsnovellen«,
-»Unter flatternden Fahnen« und sein neuester Roman: »Mit dem linken
-Ellenbogen.«
-
-=Gustav Falke=, geb. am 11. Januar 1853 in Lübeck, steht hinsichtlich
-der Begabung Detlev v. Liliencron am nächsten. Obwohl seine Lyrik
-viel Formales enthält, hat er doch die Mittel, die höchsten und
-reinsten Wirkungen zu erzielen und den Leser in seine Stimmungen
-hineinzuzwingen. Gedichte: »Mynheer der Tod und andere Gedichte«,
-»Tanz und Andacht«, »Zwischen zwei Nächten«, »Neue Fahrt«, »Mit dem
-Leben«. Seinem stark realistisch gefärbten Hamburger Roman »Landen
-und Stranden« ließ er vor kurzem den psychologischen Roman eines
-~fin-de-siècle~-Menschen: »Der Mann im Nebel« folgen.
-
-=Carl Busse=, geb. am 12. Nov. 1872 zu Lindenstadt in Posen, lenkte
-schon als Schüler die Aufmerksamkeit litterarischer Kreise auf sein
-dichterisches Schaffen. In seinen »Gedichten« und »Neuen Gedichten«,
-die in der Form von größter Reinheit sind, ist alles Farbe, Glanz und
-Stimmung. Seine Romane und Novellen entbehren der Charakteristik,
-während seine litteraturgeschichtlichen Untersuchungen feine
-Bemerkungen und treffende Urteile aufweisen.
-
-=Ludwig Jacobowski=, geb. am 21. Januar 1868 in Strelno, Herausgeber
-der »Gesellschaft«, ist einer der fleißigsten und begabtesten der
-jüngeren Dichtergeneration. Seine Gedichte (»Aus bewegten Stunden«,
-»Funken«, »Aus Tag und Traum«, »Leuchtende Tage«), zeigen ein
-eigenartiges Gepräge, das auch in seinen Romanen »Werther der Jude«,
-»Loki« und der Novellensammlung »Und Satan lachte« zu Tage tritt.
-
-=Richard Zoozmann=, geb. am 13. März 1863 in Berlin, mehr Dilettant als
-Dichter, gab eine ganze Reihe von Gedichtsammlungen heraus, von denen
-hier »Minneborn«, »Lieder, Romanzen und Balladen«, »Neue Dichtungen«,
-»Aus Herz und Welt«, »Aus allen Zonen« genannt sein mögen.
-
-=Reinhold Fuchs=, geb. am 8. Juni 1858 in Leipzig, ist gleich
-ausgezeichnet als Lyriker wie als Epiker. Die Versnovellen »Strandgut«
-und »Herzenskämpfe«, drei Erzählungen in Versen, sind »goldene Früchte
-in silbernen Schalen« und brauchten den Vergleich mit Tennyson nicht zu
-scheuen.
-
-=Jeannot Emil Freiherr von Grotthuß=, geb. am 5. April 1865 in
-Riga, Chefredakteur des »Türmer«, zeigt sich in seinen auch formell
-einwandfreien Gedichten »Gottsuchers Wanderlieder«, sowie in der
-Erzählung: »Der Segen der Sünde« als ein überzeugungstreuer Christ.
-
-=Ricarda Huch= (~recte~ Frau Ricarda Ceconi), geb. am 16. Juli 1864
-zu Porte Alegre, bekundete in ihren im Denken und Fühlen modernen
-»Gedichten«, sowie in dem Roman »Erinnerungen von Ludolf Urslen dem
-Jüngeren« ein starkes poetisches Talent.
-
-=Alfred Beetschen=, geb. am 8. Okt. 1864 in Aarau, ist ein
-feinsinniger, liebenswürdiger Dichter, dem auch Witz und Satire nicht
-fremd sind. Seine »Gedichte«, die er 1898 herausgab, spiegeln fast
-durchweg Selbsterlebtes und -empfundenes wider. Ein hübsches wenn
-auch nicht gerade bedeutendes novellistisches Talent spricht aus den
-»Flegeljahren der Liebe«.
-
-=Hans Bethge=, geb. am 9. Januar 1876 in Dessau, der Jüngsten einer
-in der Litteratur, debütierte mit dem Skizzenbuche »Syrinx«, dem er
-Gedichte: »Die stillen Inseln« folgen ließ, in denen sich eine frische,
-fröhliche Jugend ausspricht, die aber dank des Storm'schen Vorbildes
-künstlerisch nicht auf Abwege gerät. Er ist ein Moderner und doch
-»unmodern«, weil er noch Ideale hat.
-
-=Anna Ritter=, geb. am 23. Febr. 1865 in Coburg, gab 1898 »Gedichte«
-heraus, die die leidenschaftliche hingebende Liebe des Weibes in
-formvollendeten Versen zum Ausdruck bringen.
-
-=Johanna Ambrosius= (~recte~ Johanna Voigt), geb. am 3. August 1854
-in Lengwethen, führte sich als »arme Bäuerin« in die Litteratur ein
-und verdankte dieser Darstellung einen großen buchhändlerischen Erfolg
-ihrer »Gedichte«.
-
-=Ludwig Palmer= brauchte kaum als »Arbeiter« gleichsam entschuldigend
-in die Litteratur eingeführt zu werden. Ein großer Teil seiner »Lieder
-eines Arbeiters« sind, bei tiefem Gefühlsgehalt, in der Form tadellos.
-
-=Gustav Renner=, geb. am 17. Oktober 1866 in Freiburg in Schl., war
-ursprünglich Buchbinder und ging dann zur Kunstmalerei über. Seine
-»Gedichte« erregten Aufsehen und wurden von der Kritik ebenso günstig
-aufgenommen, wie die »Neuen Gedichte«, die eher eine Steigerung als
-eine Abnahme seines dichterischen Könnens verraten.
-
-
-
-
-Philosophische und polemische Dichter.
-
-
-=Ferdinand Avenarius=, geb. am 20. Dez. 1856 in Berlin, zeigt sich
-in seinen Gedichtsammlungen als objektiver Lyriker, der oft statt
-Empfindungen Grundsätze zum Ausdruck bringt. (»Wandern und Werden«,
-»Lebe« und das lyrische Epos: »Die Kinder von Wohldorf«.) Als
-Herausgeber des »Kunstwart« hat er auf unser litterarisches und
-künstlerisches Leben vielfach Einfluß gewonnen.
-
-=Otto Ernst= (Pseudon. für Otto Ernst Schmidt), geb. am 7. Okt. 1862
-in Ottensen bei Hamburg, von Beruf Lehrer, ist eine kampfesfrohe,
-polemische Natur, die sich gern gegen das Althergebrachte wendet und
-auch in der Litteratur oft den Herrn Lehrer spielt. (Gesammelte Essays
-aus Litteratur, Pädagogik und öffentlichem Leben unter dem Titel:
-»Offenes Visier«, »Buch der Hoffnung«.) Seine besten Werke sind die
-Novellensammlung »Aus verborgenen Tiefen«, die »Karthäusergeschichten«
-und die humoristischen Skizzen: »Ein frohes Farbenspiel«. Das Ende 1899
-erschienene Schauspiel: »Die Jugend von heute« ist trotz stellenweise
-treffender Satire ein verfehlter Versuch zu einer »deutschen Komödie«.
-
-=Wilhelm Weigand=, geb. am 13. März 1862 in Gissigheim, gab sich als
-geistvoller Essayist in seinen litteraturgeschichtlichen Schriften.
-Außer dem Roman: »Die Frankenthaler« und einer Reihe dramatischer
-Schriften »Die Renaissance« (Dramencyklus) u. a. gab er »Dramatische
-Gedichte«, »Sommer« (Neue Gedichte) u. a. heraus.
-
-=Carl Spitteler= (Pseudon. Felix Tandem), geb. am 24. April 1845 in
-Luzern, der bedeutendste lebende Dichter der Schweiz, debütierte mit
-der Dichtung »Prometheus und Epimetheus«, der er die Gedichtsammlung
-»Schmetterlinge« und »Balladen« folgen ließ. Als geistreicher Causeur
-zeigt er sich in den »Lachenden Wahrheiten«.
-
-=Josef Viktor Widmann=, geb. am 20. Febr. 1842 in Nennowitz i. M.,
-bekannt als litterarischer Kritiker des »Berner Bund«, begann seine
-Laufbahn mit Dramen und Epen, die stark philosophisch angehaucht sind.
-Von seinen letzten Werken wurde das Epos »Maikäfer-Komödie«, das sich
-durch liebenswürdigen Humor auszeichnet und viele satirische Spitzen
-und Anspielungen enthält, beifällig aufgenommen.
-
-=Christian Wagner=, geb. am 5. August 1835 in Warmbrunn, lebt als Bauer
-in seinem Geburtsorte. Er ist ein tüchtiger Botaniker und weiß in
-seinen prosaisch-poetischen Naturbetrachtungen die charakteristischen
-Eigentümlichkeiten der Blumen zu kleinen Märchen auszugestalten.
-(»Märchenerzähler, Bramine und Seher« [in 2. Aufl. unter dem Titel:
-»Sonntagsgänge«], »Balladen und Blumenlieder«, »Weihegeschenke«, »Neue
-Dichtungen«.) Seine buddhistisch-brahmanistische Weltanschauung legte
-er in seinem letzten Werke »Mein Glaube« nieder.
-
-=Wilhelm Bölsche=, geb. am 2. Jan. 1861 in Köln, hat sich durch seine
-auf naturwissenschaftlicher Grundlage aufgebauten Schriften über
-die moderne Dichtung und Wissenschaft einen Namen gemacht. Als sein
-reifstes und bestes Werk gilt der Roman: »Die Mittagsgöttin«.
-
-=Walther Siegfried=, geb. am 20. März 1858 in Zofingen (Schweiz),
-errang mit seinem Künstlerroman »Tino Moralt«, der sich durch feine
-Seelenmalerei auszeichnet, einen vollen Erfolg. Auf nicht ganz gleicher
-Stufe stehen seine späteren Werke: »Fermont« und »Um der Heimat willen«.
-
-=Benno Rüttenauer=, geb. am 2. Febr. 1855 in Oberwittstadt, machte
-sich durch gediegene litterarische Essays bekannt. Die alte gute
-Kunstüberlieferung suchte er, im Gegensatz zur modernen Schule, in
-seinen Romanen und Novellen (»Unmoderne Geschichten«, »Zwei Rassen«)
-wieder zur Geltung zu bringen.
-
-
-
-
-Die Amazonen des Geistes.
-
-
-=Marie Eugenie delle Grazie=, geb. am 14. Aug. 1864 in
-Unter-Weißkirchen, veröffentlichte Gedichte und Epen, von denen das
-moderne großangelegte Epos »Robespierre« das bekannteste ist.
-
-=Helene Böhlau= (Mädchenname der Frau al Raschid Bey), geb. am 22.
-Nov. 1859 in Weimar als Tochter des dortigen Hofbuchhändlers Herm. B.,
-gelangte früh durch diese ›Verbindung‹ in die »Deutsche Rundschau« und
-zur Anerkennung. Als ihre besten Werke sind die »Ratsmädel-Geschichten«
-und »Der Rangierbahnhof« anzusehen. Ihr neuester Roman »Halbtier«,
-der viel Staub aufwirbelte, gehört der hysterischen weiblichen
-Anklagelitteratur an.
-
-=Anna Croissant-Rust=, geb. am 10. Dez. 1860 in Dürkheim a/H., ist die
-Naturalistin ~par excellence~ in der deutschen Litteratur. (»Feierabend
-und andere Münchner Geschichten«, »Lebensstücke«, »Der standhafte
-Zinnsoldat«, »Der Kakadu und die Prinzessin auf der Erbse«.)
-
-=Maria Janitschek=, geb. am 23. Juli 1860 in Mödling, ist ein starkes,
-dichterisches Talent, das eine besondere Vorliebe für absonderliche und
-krankhafte ~fin-de-siècle~-Menschen bekundet. Mit Laura Marholm steht
-sie an der Spitze der weiblichen Emanzipationsgegner und giebt ihren
-Gedanken über das moderne Weib rückhaltlosen Eindruck. (»Gesammelte
-Gedichte«, »Raoul und Irene«, »Aus der Schmiede des Lebens«, »Vom
-Weibe«, »Ins Leben verirrt«.)
-
-=Emil Marriot= (Pseudon. für Emilie Mataja), geb. am 20. Nov.
-1855 in Wien, gehört der realistischen Schule an. In ihren stark
-katholisch gefärbten Werken »Geistlicher Tod«, »Die Unzufriedenen«,
-»Caritas«, »Der Heiratsmarkt« u. a. kämpft sie mit Vorliebe für die
-Frauenemancipation.
-
-=Hermione von Preuschen=, geb. am 7. August 1857 in Darmstadt, die
-Gattin Konrad Telmanns, versuchte sich als Dichterin und Malerin,
-ohne jedoch trotz aller Sensationsbestrebungen und Effekthascherei zu
-reüssieren (»Regina Vitae«, »Tollkraut«, »Via Passionis« u. a.).
-
-=Lou Andreas-Salomé=, ist eine der gehaltvollsten und tiefsinnigsten
-Erzählerinnen, auf deren künstlerischen Werdegang die Nietzsche'sche
-Philosophie großen Einfluß gewann. Ihre Stärke liegt vor allem in
-der Zergliederung des Menschencharakters, der Analyse der geheimsten
-Seelenregungen. (»Ruth«, »Aus fremder Seele«, »Fenitschka«.)
-
-=Gabriele Reuter=, geb. am 8. Februar 1859 in Alexandrien, errang
-einen vollen Erfolg mit ihrem viel von dem eigenen Denken und Fühlen
-verratenden Roman: »Aus guter Familie«, der die Leidensgeschichte eines
-jungen Mädchens enthält, das an der Erziehungslüge zu Grunde geht. 1896
-folgte ein Novellenband: »Der Lebenskünstler«. Anfang 1900 ein neuer
-Roman: »Frau Bürgelin und ihre Söhne«.
-
-=Anselm Heine= (Pseudon. für Selma Heine), geb. am 18. Juni 1855
-in Bonn, gewann mit ihren Novellensammlungen: »Drei Novellen« und
-»Unterwegs« die Gunst des Publikums und der Kritik.
-
-=Hans von Kahlenberg= (Pseudon. für Helene von Monbart), geb. am 23.
-Febr. 1870 in Heiligenstadt, zeichnete sich in ihren Werken »Ein
-Narr«, »Die Jungen«, »Die Familie von Barchewitz« und dem Briefwechsel
-»Nixchen« durch eine Erotik aus, die die Wahl eines Pseudonyms zur
-unbedingten Notwendigkeit machte.
-
-=Elsa Asenijeff= (Pseudon. für Elsa Nestoroff), eine aus slavischer
-Abstammung geborene Wienerin, greift in ihren mit philosophischen
-Anschauungen durchtränkten Schriften, die an Offenheit nichts zu
-wünschen übrig lassen, vorzugsweise das »Ewig-Männliche« an. (»Ist das
-die Liebe?«, »Aufruhr der Weiber«, »Sehnsucht.«)
-
-
-
-
-»Artisten«, Symbolisten und Unverstandene.
-
-
-=Johannes Schlaf=, geb. am 21. Juni 1862 in Querfurt, ging vom
-Naturalismus aus (»Papa Hamlet«, »Familie Selicke« [in Gemeinschaft
-mit Arno Holz], »Meister Olze«) und wandte sich dann dem Symbolismus
-zu (»Frühling«, »Sommertod«, »Gertrud«). Von seiner Romantrilogie,
-die den Entwicklungsprozeß eines »Neumenschen« hamletschen Gepräges
-zeigen soll, ist bisher nur der 1. Band unter dem Titel: »Das dritte
-Reich«, ein Berliner Roman, erschienen. Sch.'s Produktion nach seiner
-Emancipation von Arno Holz zeigt, daß er dichterisch der bedeutendere
-der beiden war, wenn ihm auch das Kraftvoll-Männliche abgeht und ein
-weicher, verträumter Zug über seinen Werken liegt.
-
-=Otto Julius Bierbaum=, geb. am 28. Juni 1865 in Grünberg, redigierte
-eine Zeitlang die »Freie Bühne«, die er in die »Neue Deutsche
-Rundschau« umtaufte, gab den »Modernen Musenalmanach« heraus, gründete
-mit dem Halbpariser Julius Meier-Gräfe den »Pan« und ist gegenwärtig
-Mitherausgeber der »Insel«. B. warf sich zum Herold der Symbolisten
-auf, mit denen er eine Versicherungsgesellschaft auf gegenseitige
-Hochachtung und Anerkennung gründete, schrieb »Erlebte Gedichte«,
-»Studentenbeichten«, »Nemt Frouwe disen Kranz«, »Pankrazius Graunzer«,
-»Stilpe«, »Das schöne Mädchen von Pao« u. a., und giebt mit Vorliebe
-seinen Bierulk für Humor aus. Der Originalität wegen sieht er sich
-gern im Mittelalter, wenn nötig auch im Auslande, nach Gewändern
-um, seine Figuren damit zu behängen und ihnen auf diese Weise ein
-»charakteristisches Gepräge« zu geben, das ihnen sonst abgehen würde.
-
-=Franz Evers=, geb. am 10. Juli 1871 in Winsen, erweckte mit seinen
-ersten Gedichtsammlungen »Symphonie« und »Fundamente« Hoffnungen,
-verlor sich jedoch später ganz in die Irrgänge der Mystik (»Hohe
-Lieder«, »Maria«, »Paradiese«), aus denen er bisher noch keinen Ausweg
-gefunden hat.
-
-=Stanislaw Przybyszewski=, geb. am 7. Mai 1868 in Lojewo (Prov. Posen)
-sucht in seinen Schriften den Beweis von der Verwandtschaft des Genies
-mit dem Irrsinn zu erbringen, oder ist wenigstens bestrebt, beide so
-mit einander zu verquicken, daß es dem Leser schwer fällt, in dem
-einen das andere und in dem anderen das eine herauszufinden. Seine
-dämonisch-verrückt-genialen Dichtungen peinigen den Leser geradezu mit
-der Darstellung all' der wirklichen und eingebildeten Schmerzen einer
-zerfaserten ~fin-de-siècle~-Seele. Für Gleichgesinnte, die erfahren
-wollen, wie schwer sich der moderne Mensch das Leben machen kann und
-wie sehr er leidet, wie nicht minder für Irrenärzte, sind die P.'schen
-Werke (»~Homo sapiens~«, »~De profundis~«, »Satans Kinder«, »In diesem
-Erdenthal der Thränen«) eine pathologische Goldgrube.
-
-=Richard Dehmel=, geb. den 18. November 1863 zu Wendisch-Hermsdorf,
-ist einer der vielumstrittensten und einflußreichsten Litteraten der
-Gegenwart, der, selbst ein Grübler, es verstanden hat, unklare Köpfe
-durch seine lyrischen Stammeleien noch unklarer zu machen. Neben den
-barocksten und verworrensten Gedichten gelingt ihm hin und wieder ein
-sehr gutes. Wir besitzen von ihm die Gedichtsammlungen »Erlösungen«,
-»Aber die Liebe«, »Lebensblätter«, »Weib und Welt«, ein Drama: »Der
-Mitmensch« und das Tanzspiel: »Luzifer.«
-
-=Frank Wedekind=, geb. am 24. Juli 1864 in Hannover, hat sich mit
-Vorliebe auf dem Gebiete des Dramas oder richtiger des Schwankes
-bewegt. Er ist der Litteratur-Clown ~par excellence~, dessen tolle
-Sprünge und Capriolen leider nicht für den Mangel an jeder Handlung in
-seinen »Dramen«, die Groteskes und Tragisches in kunterbunter Mischung
-enthalten, entschädigen können. (»Die junge Welt«, »Der Erdgeist«,
-»Der Liebestrank« u. a.). Um seine litterarische Art und Stellung
-noch präziser zu kennzeichnen, sei daran erinnert, daß er einer der
-Hauptmitarbeiter des »Simplizissimus« war.
-
-=Wilhelm von Scholz=, geb. am 15. Juli 1874 in Berlin, ist Verfasser
-von Gedichten (»Frühlingsfahrt«, »Hohenklingen«), die eine Neigung zu
-altdeutsch-romantischer Mystik bekunden, wie auch zweier Dramen oder
-richtiger lyrischer Gedichte in dramatischer Form (»Der Gast«, »Der
-Besiegte«), denen dieselben Merkmale anhaften.
-
-=Felix Dörmann= (Pseudon. für Felix Biedermann), geb. am 29. Mai
-1870 in Wien, liebte frühzeitig »die hektischen schlanken Narzissen,
-alles was krank und faul und wund«. Dieser Geschmacksrichtung
-entsprechen seine Gedichtsammlungen »Neurotica«, »Sensationen« und
-die Sittenkomödie »Ledige Leute«, in denen er sich als krampfhafter
-Dekadent erweist.
-
-=Hugo von Hofmannsthal=, geb. am 1. Febr. 1874 in Wien, schrieb
-formschöne, feincisilierte, wenn auch dem Leben abgewandte Dichtungen.
-Seine Begabung ist hauptsächlich formalistischer und stilistischer
-Natur und seine Dramen (»Der Thor und der Tod«, »Der Abenteurer«, »Die
-Hochzeit der Sobeïde«), deren Stoffe zumeist der Märchenwelt entnommen
-sind, erinnern in vielem an D'Annunzio's letzte Werke. Als eine
-Bereicherung unserer Bühne sind sie nicht anzusehen.
-
-=Hugo Salus=, geb. am 3. Aug. 1866 in Böhm.-Leipa, machte sich zuerst
-durch Gedichte im »Simplizissimus« und der »Jugend« bekannt, in denen
-schwere Gedanken mit übermütiger Schelmerei, ~fin-de-siècle~-tum mit
-altdeutscher Romantik in buntem Reigen vorüberziehen. (»Gedichte«,
-»Neue Gedichte«, »Ehefrühling«.)
-
-=Peter Altenberg=, geb. am 9. März 1862 in Wien, machte mit einer
-Sammlung von Stimmungsbildern: »Wie ich es sehe« in Litteratenkreisen
-Aufsehen. Sie ist ebenso wie »Aschantee« ganz im impressionistischen
-Stile geschrieben, der sehr bequemerweise nur Andeutungen giebt und es
-dem Leser überläßt, sie weiter auszuführen.
-
-=Stephan George=, geb. 1868 in Bingen a. Rhein, schrieb »Hymnen,
-Pilgerfahrten, Algabal«, »Die Bücher der Hirten und Preisgedichte,
-der Sagen und Sänge und der hängenden Gärten«, denen sich 1898 »Das
-Jahr der Seele«, 1899 »Der Teppich des Lebens und die Lieder von Traum
-und Tod« anschlossen. Seine Dichtungen -- ihrem »Wert« entsprechend
-meist auf das feinste Büttenpapier gedruckt -- sind oft nicht weniger
-verworren als die Titel, unter denen er sie herausgab.
-
-=Alfred Mombert= kann denjenigen jüngstdeutschen Lyrikern zugezählt
-werden, deren überreizte, krankhafte Phantasie sich jeden Stoffes,
-jeder Empfindung bemächtigt, um ihnen dichterischen Ausdruck zu geben.
-Sein Gedichtband: »Die Schöpfung« läßt nicht klar erkennen, ob es sich
-um einen langatmigen Scherz oder um Phantasien eines geistig Gestörten
-handelt.
-
-=Paul Scheerbart=, geb. am 8. Jan. 1863 in Danzig, früher »Bureauchef
-im Verlag deutscher Phantasten«, ist einer der seltsamsten Käuze in der
-neuzeitlichen Litteratur, der neben phantastischen Einfällen eine gute
-Dosis Blödsinn in seinen Schriften ablagert (»Tarub, Bagdads berühmte
-Köchin«, »Der Tod der Barmekiden« u. a.).
-
-
-
-
-Nationale Jungösterreicher.
-
-
-=Arthur von Wallpach=, geb. am 6. März 1866 in Vintl (Tirol),
-Schriftleiter des »Scherer«, veröffentlichte »Im Sommersturm« und
-»Sonnenlieder«, ernste formvollendete Dichtungen, die von nationalem
-Bewußtsein beseelt sind.
-
-=Franz Herold=, geb. am 15. Febr. 1854 in Böhmisch-Leipa, gab heraus
-»Wachsen und Werden«, »Spuren«, »Fremde und Vaterland«, meistens
-Gedankendichtungen, denen er eine ansprechende Form zu geben versteht.
-
-=Hermann Hango=, geb. am 16. Mai 1861 in Wien, verfaßte: »Zum Licht«,
-»Neue Gedichte«, »Faust und Prometheus«, »Nausikaa« (Trauerspiel), die
-sich durch schöne Form und Gedanken auszeichnen.
-
-=Josef Kitir=, geb. am 11. Febr. 1867 in Aspang in Niederösterreich,
-Herausgeber der »Poetischen Flugblätter«, hat die Gabe, Ereignisse des
-alltäglichen Lebens mit großer dichterischer Stimmung zu schildern. K.
-veröffentlichte »Leben und Stimmung«, »Lyrische Radierungen«.
-
-=Oskar Weilhart= (Pseudon. für Oskar Gerzer), geb. am 26. September
-1868 in Mattighafen, schrieb mit seinem Bruder Josef Hafner eine Reihe
-von Dramen: (»Keine Sühne«, »Der Frauenkongreß«, »Brotlose Kunst«),
-die trotz mancher dramatischer Unbeholfenheiten das Ringen ehrlichen
-Könnens mit großen Stoffen beweisen.
-
-=Franz Adamus=, geb. am 15. Okt. 1867 in Auschwitz, wurde durch sein
-in den schlesischen Bergwerksdistrikten spielendes Drama: »Familie
-Wawroch« bekannt, in welchem er mit gutem Gelingen den gesunden
-Realismus aus den Anfängen der modernen Litteraturentwickelung wieder
-auf die Bühne bringt.
-
-=Emil Ertl=, geb. am 11. März 1860 in Wien, hat sich durch seine
-Novellen »Opfer der Zeit«, »Miß Grant«, »Die Perlenschnur« u. a. als
-feinsinniger Erzähler einen guten Namen errungen.
-
-=Heinrich von Schullern=, geb. am 17. April 1865 in Innsbruck, wurde
-durch seine Skizzen (»Helldunkel«) bekannt, in denen man Stil, Grazie
-und Esprit, oft auch nicht immer gut verteilte satirische Spitzen
-findet. In seinem stellenweise stark polemisierenden Roman »Im Vormärz
-der Liebe« schildert er die Geschichte einer zur Lebenserkenntnis
-gelangenden Jugend.
-
-=Hanns Weber-Lutkow= (Pseudon. für ~Dr.~ Hanns Pokorny), geb. am 27.
-September 1861 in Lemberg, veröffentlichte zahlreiche Skizzen und
-kritische Arbeiten und entrollte in seinen »Schlummernden Seelen«
-ergreifende Bilder aus dem Fühlen und Leben des niederen Volkes in
-Kleinrußland.
-
-=Hugo Greinz=, geb. am 3. Juni 1873 in Innsbruck, Herausgeber des
-»Kyffhäuser«, gilt als kritischer Vorkämpfer für die Idee einer von
-der Großstadt unabhängigen österreichischen Provinzlitteratur. Seine
-Novellen »Küsse« stehen unter Jacobsen'schem Einflusse. Mit Heinrich
-von Schullern gab er 1898 den modernen Musenalmanach »Jung-Tirol«
-heraus.
-
-
-
-
-Zur Charakteristik litterarischer und verwandter Blätter.
-
-
-An der Spitze unserer Revuen und litterarischen Zeitschriften
-marschiert noch immer die von Julius Rodenberg gegründete und geleitete
-»Deutsche Rundschau«, der in Inhalt und Ausstattung die »~Revue des
-deux Mondes~« als Vorbild gedient hat. Erreichte sie auch nicht die
-Verbreitung und den Einfluß ihrer französischen Schwester, so hat sie
-doch alle Eigenschaften, die sie als ein vornehmes Organ im besten
-Sinne charakterisieren, das die Lobsprüche, welche ihm anläßlich des
-25jährigen Bestehens, im November 1899, gewidmet wurden, durchaus
-verdient. In gewissem Abstande folgen »Nord und Süd«, herausgegeben
-von Paul Lindau, und die »Deutsche Revue«, von denen sich die letztere
-in neuester Zeit besonders durch ihre zahlreichen und umfangreichen
-Bismarckpublikationen hervorgethan hat.
-
-Mehr dem Gebiet und dem Geiste der »Gartenlaube«, des »Daheims« u.
-s. w. nähern sich »Westermann's Monatshefte«, eine sehr konservativ
-gehaltene Zeitschrift, und »Velhagen und Klasings Monatshefte«, die dem
-litterarischen Schaffen unserer Tage, besonders dem der Tagesgrößen,
-aufmerksame Beachtung schenken und das Publikum gern einen Blick in
-die litterarischen Werkstätten thun lassen. Nicht für das große
-Publikum berechnet ist die »Neue Deutsche Rundschau«, die aus der
-»Freien Bühne« hervorging, eine der »freiesten« Monatsschriften,
-in der sich oft die wagehalsigsten Geschichtchen im Stile der
-Allermodernsten finden. Sie hat den Erfolg Hauptmanns und seine
-litterarische Stellung mit begründen helfen und uns mit einer Reihe
-Ausländer, namentlich nordischer Schriftsteller, bekannt gemacht, die
-ohne dieses Organ schwerlich in Deutschland zu Gehör gekommen wäre. Die
-»Neue Deutsche Rundschau« hat in den 90er Jahren im Litteraturleben
-fast dieselbe Stellung eingenommen, wie im vorausgegangenen Jahrzehnt
-»Die Gesellschaft«. Als die Sturm- und Drangperiode der 80er Jahre
-inauguriert wurde, scharten sich die neuen Streiter, alles was in
-Litteratur machte und revoltierte, aber keinen Verleger finden konnte,
-um das Banner der »Gesellschaft«, an deren Spitze M. G. Conrad und Karl
-Bleibtreu standen. Wie die Mitarbeiter der »Neuen Deutschen Rundschau«
-in S. Fischer, Berlin, so fanden die Jüngsten der »Gesellschaft« in
-Wilhelm Friedrich, Leipzig, ihren Verleger. Als die Bewegung, deren
-Bedeutung man nicht unterschätzen darf, wenngleich ihre Haupthelden
-viel gethan haben, sich um allen Kredit zu bringen, in ein ruhigeres
-Fahrwasser glitt, als man das Geschrei von der Wolle sonderte, da sank
-auch die »Gesellschaft« von Stufe zu Stufe, trieb sich, ohne festen Fuß
-fassen zu können, bei allen Verlegern umher und ist jetzt endlich im
-Verlage von E. Pierson, Dresden, vor Anker gegangen. Sie büßt nun ihre
-litterarische Vergangenheit, und es wird der energischen, zielbewußten
-Leitung des jetzigen Redakteurs, Dr. Ludwig Jacobowskis, bedürfen, sie
-in litterarischen Kreisen wieder »gesellschafts«fähig zu machen.
-
-Mehr auf politischem als litterarischem Gebiete liegt die Bedeutung
-der »Grenzboten« und der »Preußischen Jahrbücher«. Ihre Glanzperioden
-gehören der Vergangenheit an, und namentlich die erstere, die früher
-auch in Österreich eine Rolle spielte, ist jetzt nur der Schatten von
-ehedem, als noch Gustav Freytag auf dem Redaktionssessel saß. Als
-gut geleitete, angesehene Zeitschriften sind noch die Zolling'sche
-»Gegenwart« und die »Nation«, das Organ des freisinnigen Abgeordneten
-Dr. Barth, zu nennen. Den gleichen Rang, nur mit stärkerer Betonung
-des politischen Teiles, nehmen in Österreich »Die Zeit« und die
-von Dr. Rudolf Lothar geleitete »Wage« ein. Zu ihnen hat sich
-seit April 1899 »Der Kyffhäuser«, eine von Hugo Greinz geleitete
-Monatsschrift, gesellt, die ihre Hilfe und Unterstützung den bedrohten
-nationalgesinnten Deutschen leiht. Von geringer Bedeutung und wohl
-nur in Litteratenkreisen begehrt, ist die »Wiener Rundschau«,
-eine von Constantin Christomanos und Felix Rappaport geleitete
-Halbmonatsschrift, die einen starken Zug nach Mystik und Symbolismus ~à
-la~ Strindberg und Maeterlinck bekundet.
-
-Eine Ausnahmestellung nimmt der »Simplizissimus« ein, der ebenso wie
-die Münchener »Jugend« nur bedingungsweise in diese Übersicht gehört.
-Die »Jugend« hat sich nicht so ungebärdig gezeigt, wie das Langensche
-Blatt, obwohl sie schon durch ihren Titel ein größeres Recht auf
-Ungebundenheit herleiten könnte. Manch hübsche Zeichnung und manch
-guter Beitrag ist in ihren Spalten erschienen, und der frische,
-fröhliche Zug, der durch das Ganze geht, haben ihr, trotz manches
-Minderguten, das man schon der »Jugend« zu gute halten mußte, viele
-Freunde und Anhänger geschaffen. Anders der »Simplizissimus«, der
-seiner Zeit mit dem Anspruche auftrat, ein deutsches Familienblatt
-zu sein, in seinen Spalten die politischen und socialen Verhältnisse
-in humoristischer und satirischer Form widerzuspiegeln und lachend
-die Wahrheit zu sagen. Selten ist zwischen einem Programm und seiner
-Ausführung ein so großes Mißverhältnis eingetreten, wie dies beim
-»Simplizissimus« der Fall ist, selten ist das Wort Humor so falsch
-verstanden und interpretiert worden, wie bei dieser Zeitschrift. Die
-Mitarbeiter, die sich um die Fahne des neuen Blattes sammelten, sind
-fast sämtlich bei den Franzosen in die Schule gegangen und haben dort
-alles, was deutsch an ihnen war, weit hinter sich gelassen. »Die
-deutsche Sprak ist eine zu arme Sprak, eine plumpe Sprak« und das
-deutsche Wesen ein zu schwerfälliges, zu gründliches, als daß man es
-für ein Blatt hätte brauchen können, das in erster Linie auf starke
-Effekte berechnet war. Eine »Gartenlaube« oder ein »Daheim« hätte die
-Zeitschrift nicht zu werden brauchen, aber noch weniger das, was sie
-geworden ist: ein in deutscher Sprache geschriebenes französisches
-Skandal-Boulevardblatt. Was dem Blatte vor allem fehlt, ist der
-sittliche Ernst, den man auch aus Witz und Humor herausfühlen muß und
-der uns sagt, daß die Absicht des Zeichners wie des Dichters, trotz
-der stark aufgetragenen Farben, eine gute war, daß sie nicht _nur_ auf
-Skandal und Effekthascherei ausgegangen ist. Daß dieses Gefühl in uns
-nicht aufkommt, dafür sorgen die fast in jeder Nummer enthaltenen
-echt französischen Cochonnerien, die, man mag mit noch so viel gutem
-Willen versuchen, in sie etwas hineinzulegen, nichts anderes bleiben
-als »Caviar« für Lebemänner im Sinne des Herrn Grimm in Budapest[6]. --
-Vom »Simplizissimus« zur »Zukunft« ist trotz der großen Verschiedenheit
-der inneren und äußeren Gestaltung beider Blätter kein allzuweiter
-Schritt: sie begegnen sich in der destruktiven Tendenz, die gegen
-alles Bestehende gerichtet ist und ihre Freude nur am Negieren und
-Verreißen hat. Wo der »Simplizissimus« grob und derb zugreift, da
-finden wir die »Zukunft« und ihren Herausgeber in stiller Minierarbeit
-thätig. Harden ist zweifellos ein begabter und tüchtiger Journalist
-mit einem Stich ins Exotische und einer feinen Witterung für das
-Aktuelle. Er geht selten gerade aufs Ziel los, aber er versteht es,
-in Gleichnissen, Bildern und Allegorien sein Ziel sicher zu treffen.
-Dabei besitzt er eine erstaunliche Bekanntschaft mit Büchern, die außer
-ihm kein Mensch kennt, oder vielleicht richtiger, die Gabe, seine
-gesamten Kenntnisse in jedem einzelnen Artikel in kursfähige, kleine
-Münze umzusetzen. Er ist ein Mann nach dem Herzen des Staatsanwalts,
-der schon wiederholt verlangend die Arme nach ihm ausgestreckt hat,
-ein Mann, dem der Erfolg und der Effekt über alles gehen, der sich in
-Gegensatz zur herrschenden Partei schon aus Freude an der Opposition
-überhaupt stellen würde. Maximilian Harden ist aber noch mehr. Er ist
-vor allem der Geschäftsmann ~par excellence~, der sein Publikum kennt
-und weiß, was er ihm vorzusetzen hat. Er vertritt das monarchische
-Prinzip, aber er mag den Kaiser nicht, er ist für Verfassung, aber
-sie paßt ihm nicht, er ist ein glühender Verehrer Bismarck's, aber er
-wäre es kaum, wenn Bismarck noch amtiert hätte, als seine Zeitschrift
-zu erscheinen begann. Auf diese Weise sammelte er die Partei jener
-um sich, die, wenngleich gute Monarchisten, mit den bestehenden
-Verhältnissen unzufrieden sind, jene vor allem, die es als nicht in
-den Kreis der Herrscherpflichten fallend erachten, wenn ein Kaiser
-nicht nur ein guter Regent, sondern auch ein guter Redner sein will. --
-Völlig bedeutungslos ist die von ~Dr.~ Wrede herausgegebene »Kritik«
-geblieben, die ursprünglich als Konkurrenz der »Zukunft« gegründet
-wurde. Trotz aller polemischen Versuche Wredes, die oft komisch genug
-ausfielen, hat sich die »Kritik« nie mit dieser ganz aus Persönlichem
-heraus geschaffenen Zeitschrift auch nur entfernt messen können. Harden
-ist auch als Journalist Schriftsteller und ein geistreicher Kopf,
-während sich Wrede von den Brosamen nährt, die von des Reichen Tische
-fallen.
-
- [6] In den gegen Ende 1899 gegründeten Zeitschriften
- »Münchhausen« (inzwischen wieder eingegangen) und »Satyr«,
- von denen die letztere auch schon wiederholt konfisziert
- wurde, hat der »Simplizissimus« bereits würdige Nachfolger
- gefunden.
-
-Zu unseren bestgeleiteten Zeitschriften gehört der von Jeannot Emil
-Freiherrn von Grotthuß herausgegebene »Türmer«, der den Untertitel:
-Monatsschrift für Gemüt und Geist führt. »Der Türmer« will die
-Sehenden zu Schauenden machen, »umsaust von Schlagworten, von Parteien
-und Schulen umhergezerrt, will er den stillen Winkel bieten, wo ein
-jeder nach dem harten Tagewerk in Feierabendstimmung die Flut der
-Erscheinungen des socialen und künstlerischen Lebens erörtern und
-verarbeiten kann«. Diesem Programm hat der »Türmer« mit Erfolg gerecht
-zu werden versucht. Er ist kein Organ für Freidenker, wie sich das
-bei dem Herausgeber und dem lyrisch-religiös angehauchten Verlage von
-Greiner & Pfeiffer, Stuttgart, von selbst versteht, und es ist nur zu
-wünschen, daß er nicht im Laufe der Zeit in eine kirchlich-reaktionäre
-Strömung gerät, die ihn aus dem jetzigen Interessentenkreis hinaus
-in die enge Stube des Pfarrhauses trägt. -- Einen vornehmen Anstrich
-hat sich auch die von Karl Emil Franzos herausgegebene »Deutsche
-Dichtung« bewahrt, ohne daß man ihr jedoch einen besonderen Einfluß
-auf unser Geistesleben zugestehen könnte. -- Zu erwähnen wären hier
-noch zwei politisch-litterarische Zeitschriften, die vor Jahresfrist
-gleichzeitig unter dem vielverheißenden Titel: »Das neue Jahrhundert«,
-die eine in Köln, die andere in Berlin, erschienen, sowie die von
-August Scherl herausgegebene »Woche«, auf die die Tendenzen des
-»Berliner Lokalanzeigers« -- eine gesinnungstüchtige Parteilosigkeit --
-litterarisch-künstlerisch gefärbt, übertragen wurden. Die Auflage der
-»Woche« ist infolgedessen binnen kurzem auf über 400000 gestiegen.
-
-Sieht man von einigen kleineren Blättern ab, von denen man nicht
-weiß, ob sie bei Ausgabe dieses Werkchens noch existieren werden,
-so bleiben von jenen Zeitschriften, die man in den Katalogen als
-»Revuen für Kunst, Wissenschaft und öffentliches Leben« aufgeführt
-findet, die große Kunstzeitschrift »Pan«, einsam in stolzer Höhe
-thronend, für das Kunstverständnis und den Geldbeutel aller jener zu
-hoch, für die sie ins Leben gerufen wurde, und die im Oktober 1899
-gegründete Zeitschrift »Die Insel« übrig. »Pan« hat die Erwartungen,
-die sich an sein Erscheinen knüpften, in keiner Weise erfüllt, er ist
--- ohne jede feste, zielbewußte Redaktion -- so unverständlich und
-geheimnisvoll geblieben, wie sein Ahn, der große »Pan«, und wohl nur
-der Opferwilligkeit einiger Bankiers und sonstiger wohlsituierter
-Leute, die ihr künstlerisches Interesse durch Hergabe einiger
-Goldfüchse zu bethätigen suchen, ist es zu danken, daß er -- wenn
-auch fast unter Ausschluß der Öffentlichkeit -- noch erscheint. --
-»Die Insel«, herausgegeben von Otto Julius Bierbaum, A. W. Heymel
-und R. A. Schröder, von der jetzt 4 Hefte vorliegen, scheint sich
-nach Ausstattung, Inhalt und Preis -- Jahresabonnement 36 Mk. -- mehr
-an die Liebhaber und Sammler, als an die wirklichen Litteratur- und
-Kunstfreunde zu wenden. Die litterarischen Beiträge sind ohne jede
-Bedeutung, einzelne direkt albern, der »Bilderschmuck« primitiv wie der
-einer Kinderfibel und die Druckschrift so verschnörkelt und entartet,
-daß nur Leute, die über viel Zeit verfügen, als Leser in Frage kommen
-können. Alles in allem: schade um das schöne Papier.
-
-Zwei Zeitschriften nicht rein litterarischer Art, aber für Kunstfreunde
-von besonderem Interesse sind die »Zeitschrift für Bücherfreunde« und
-»Bühne und Welt«. Die erstere hat sich die Aufgabe gestellt, alles in
-ihren Kreis zu ziehen, was für Bibliophilen besonderes Interesse hat.
-Ist auch diese Gemeinde in Deutschland gegenüber ihrer Verbreitung
-in anderen Ländern, besonders in Frankreich und England, noch eine
-bescheidene, so scheint es dieser Zeitschrift doch gelungen zu sein,
-festen Fuß zu fassen. Noch jüngeren Datums ist »Bühne der Welt«,
-die anfangs tastend und schwankend ihren Weg suchend, nach kaum
-Jahresfrist sich zu einer unserer vornehmsten Revuen aufgeschwungen
-hat, in deren Spalten sich das Kunstleben unserer Tage getreulich
-widerspiegelt. Sie kann sowohl denen zur Lektüre empfohlen werden,
-die unsere Bühnenkünstler »bei der Arbeit« und zu Hause sehen wollen,
-als auch dem Kreis derer, die sich für die dramatische Produktion der
-Gegenwart interessieren.
-
-Übergehend zu den rein litterarischen Zeitschriften wären
-vorerst noch der »Kunstwart«, der den Untertitel »Rundschau über
-Dichtung, Theater, Musik und bildende Künste« führt, die »Deutsche
-Zeitschrift« (Fortsetzung des »Kynast«), Monatschrift für Politik
-und Volkswirtschaft, Kultur und Kunst, und die »Heimat« (Neue Folge
-des »Boten für die deutsche Litteratur«) zu nennen. Der »Kunstwart«
-hat vor Jahresfrist eine vollständige Umgestaltung erfahren, die
-nicht nur eine Änderung des äußeren Gewandes, sondern vor allem eine
-bedeutende Vermehrung des Textes unter gleichzeitiger Beigabe von
-Kunst- und Musikbeilagen herbeiführte. Sein Herausgeber Ferdinand
-Avenarius besitzt in künstlerischen Dingen ein feinsinniges Urteil,
-das er auch bei der Wahl seiner Mitarbeiter, zu denen Adolf Bartels,
-Oscar Bie, Schultze-Naumburg u. a. zählen, bekundet. So ist der
-»Kunstwart« eine unserer gediegensten künstlerischen Zeitschriften,
-trotz aller Vielseitigkeit von Einseitigkeit im Urteil nicht
-freizusprechen, aber ehrlich und vornehm geleitet. -- Die von Ernst
-Wachler herausgegebene »Deutsche Zeitschrift« bezweckt vorzugsweise die
-Pflege und Förderung unserer National- und Kulturinteressen im Geiste
-der Politik des Fürsten Bismarck. Gleich der »Heimat«, deren Gründung
-Ende 1899 erfolgte, sucht sie Kunst und Dichtung von der Ausländerei
-freizumachen und nationalen Zielen zuzuführen.
-
-Von den rein litterarischen Blättern stand das »Magazin für die in-
-und ausländische Litteratur« jahrelang an der Spitze, und es verdiente
-diese Stellung noch anfangs der achtziger Jahre, als Wilhelm Friedrich,
-Leipzig, noch Verleger des Blattes war, das seinen Ursprung bis auf
-das Jahr von Goethes Tode zurückführt. Seinem alten Programm, eine
-Übersicht über die Litteratur aller Länder und Völker zu geben, ist
-es ganz untreu geworden, eine redaktionelle Leitung, trotzdem oder
-weil? drei Herausgeber (Rudolph Steiner, Otto Erich Hartleben und
-Moritz Zitter) vorhanden sind, ist kaum noch wahrzunehmen; das »Magazin
-für Litteratur«, wie es sich jetzt nennt, bringt Artikel aus allen
-möglichen Gebieten kunterbunt durcheinander ohne jede Bezugnahme zu
-seinem Titel. Seit Wilhelm Friedrich, Leipzig, den Verlag des Blattes
-nicht mehr führt, ist es fast immer »unterwegs« auf der Suche nach
-einem Verleger gewesen. Hin und wieder ist ein neues, wenn auch
-schwächliches Reis dem alten Stamme aufgepfropft worden, ohne daß die
-Lebenssäfte des Blattes durch diese Okulation gewonnen hätten; auch
-die Beigabe der »Dramaturgischen Blätter« konnte dem steten Sinken des
-»Magazins« keinen Einhalt thun. Ob jetzt das Blatt im Verlage von S.
-Cronbach, Berlin, eine Heimstätte gefunden oder ob auch dieser nur eine
-Durchgangsstation bedeutet, vermögen wir nicht zu entscheiden.
-
-An die Stelle des »Magazins«, was Einfluß und Bedeutung anlangt,
-sind die »Internationalen Litteraturberichte« (Herausgeber Emil
-Thomas) getreten, die auch der Abonnentenzahl nach die anderen
-Litteraturblätter weit hinter sich lassen. Sie haben sich die Aufgabe
-gestellt, alles in ihren Kreis zu ziehen, was an litterarischen
-Bestrebungen im In- und Auslande in Erscheinung tritt und es in
-Artikeln, Übersichten, Einzelbesprechungen etc. festzuhalten.
-Eine Konkurrenz ist ihnen durch das im Verlage von F. Fontane &
-Co., Berlin, erscheinende »Litterarische Echo« erstanden, das gut
-geleitet ist und eine Fülle von Notizen bringt, unter denen die
-Übersichtlichkeit etwas leidet. Ob und inwieweit sich für die
-Dauer die ständige Berücksichtigung kleinerer Litteratur- und
-Sprachgebiete, wie des Polnischen, Czechischen u. s. w., für die in
-Deutschland nur ein ganz bescheidener Interessentenkreis vorhanden
-ist, empfiehlt, wird der Herausgeber, z. Z. ~Dr.~ Ettlinger, bald
-herausfinden. -- Eine besondere Erwähnung, wenngleich infolge ihres
-unregelmäßigen Erscheinens kaum noch als Zeitschrift aufzufassen,
-verdienen die »Jahresberichte für deutsche Litteraturgeschichte«,
-die in übersichtlich geordneten und zusammenhängenden Abschnitten
-zeigen wollen, welche Bücher, Aufsätze, Artikel und Kritiken auf dem
-Gebiete der jüngsten Geisteswissenschaft erscheinen, und was sie
-Neues und Wertvolles enthalten. -- Fast ganz auf wissenschaftliche
-Kreise und Bibliotheken beschränkt war das 1850 von dem hervorragenden
-Leipziger Germanisten Prof. Friedr. Zarncke gegründete »Litterarische
-Centralblatt«, das lange darauf verzichtend, eine _Übersicht_ der
-deutschen Litteratur zu geben, fast ausschließlich Rezensionen
-einzelner Werke brachte und es dem Einzelnen überließ, aus diesen
-Bruchstücken sich das Gesamtbild der Litteratur zusammenzusetzen. Erst
-seit Januar 1900 erscheint eine Beilage zum »Centralblatt«, die vor
-allem größere zusammenfassende kritische Übersichten der verschiedenen
-Gattungen dichterischer Werke und orientierende Aufsätze allgemeinen
-Inhalts enthält.
-
-Dem »Litterarischen Centralblatt« verwandt sind »Euphorion«, die
-»Deutsche Litteraturzeitung«, das »Allgemeine Litteraturblatt« (das
-früher unter dem Titel »Österreichisches Litteraturblatt« erschien),
-die »Zeitschrift für vergleichende Litteraturgeschichte« und die
-vor kurzem von ~Dr.~ Erich Bischoff gegründete »Zeitschrift für
-wissenschaftliche Kritik und Antikritik«. Sie sind alle auf einen
-kleinen Kreis beschränkt und ein wirklicher Einfluß auf unser
-Litteraturleben ist ihnen kaum zuzusprechen. Die »Blätter für
-litterarische Unterhaltung«, eine sehr alte und angesehene Zeitschrift,
-ist seit Januar 1899 aus den Reihen der Litteraturzeitungen
-verschwunden; selbst der Klang der Weltfirma F. A. Brockhaus, Leipzig,
-war nicht stark genug, um sie am Einschlafen zu behindern. -- An
-der Spitze der katholischen Litteratur stehen der »Litterarische
-Handweiser« und die »Deutsche Rundschau für das katholische
-Deutschland«, beide -- sehr oft zum Schaden einer objektiven Kritik, --
-bemüht, litterarische Interessen mit religiösen Fragen zu verquicken.
-
-Von der Aufzählung der Winkel- und Cliquenblättchen, die ein kärgliches
-Dasein fristen, um -- nachdem Drucker und Verleger um einige
-Erfahrungen reicher und ein paar Hundertmarkscheine ärmer -- wieder
-in den Orkus zu versinken, wollen wir Abstand nehmen: der Litteratur
-nützen sie so wenig wie ihren Herausgebern, die da hofften, durch sie
-eine litterarische Position oder pekuniäre Vorteile zu erlangen.
-
-
-
-
-Der deutsche Verlagsbuchhandel und sein Anteil an der Litteratur der
-Gegenwart.
-
-
-Die Cotta, Goeschen, Brockhaus und wie die bedeutenden Buchhändler alle
-heißen, sind tot, und an Stelle der großen, von weitausschauenden,
-scharf ausgeprägten Persönlichkeiten getragenen Verlagsgeschäfte, die
-bestimmenden Einfluß auf die Litteratur ausübten, sind zwar nicht
-minder große, aber desto unpersönlichere Aktiengesellschaften getreten,
-die zum weitaus größten Teil den litterarischen Markt beherrschen. Für
-diese Geschäfte handelt es sich nicht so sehr um die Förderung des
-Schrifttums durch den Verlag guter Litteratur, sondern in erster Linie
-um die Erzielung hoher Dividenden, zu deren Erhalt weniger Wert auf
-die litterarische Bedeutung eines Buches, als auf seine Gangbarkeit
-zu legen ist. Gerade das Fehlen jedes persönlichen Moments und das
-ausschließliche Werten eines Werkes nach seiner Absatzfähigkeit,
-für die ein Anhalt in dem Namen des Autors, hin und wieder auch in
-dem behandelten Stoffe oder einer momentan herrschenden Strömung
-liegt, läßt fast alle großen Verlagsfirmen aus einem großen Aufsatz
-scheiden, der von der Anteilnahme des Verlagsbuchhandels an unserem
-modernen Schrifttum sprechen soll. Nichtsdestoweniger stehen diese
-Firmen in erster Reihe, nicht zuletzt durch die großen mit einem
-enormen Kapitalaufwand gegründeten Familienblätter, durch die sie
-auf die Geschmacksrichtung und das Urteil des großen Publikums den
-bedeutendsten Einfluß ausüben. »Über Land und Meer«, »Buch für Alle«,
-»Zur guten Stunde«, »Moderne Kunst«, »Daheim«, »Gartenlaube«, »Vom
-Fels zum Meer«, »Für alle Welt« u. s. w. sind Unternehmungen, die das
-Lesebedürfnis von Hunderttausenden befriedigen, neben den Tagesblättern
-den größten Teil der litterarischen Produktion an sich reißen und den
-Wünschen ihres Publikums entsprechend beeinflussen und zustutzen.
-
-Der Buchverlag ist für den Schriftsteller wie für den Verleger in
-den meisten Fällen nicht mehr lohnend genug und der vom Ertrage
-seiner Feder lebende Autor gezwungen, Konzessionen zu machen, sein
-künstlerisches Gewissen auszuschalten und das zu produzieren, was der
-Moloch, das große Publikum, am liebsten verschlingt: leicht verdauliche
-Unterhaltungsware. Gerade in der letzten Zeit sind aus den Kreisen der
-Schriftsteller Stimmen laut geworden, die auf den verderblichen Einfluß
-hinwiesen, dem ihre eigene Produktion unterworfen ist, seit man sie in
-die Zwangsjacke der Familienlitteratur gesteckt hat. Das Publikum hat
-an diesen Zuständen sicher mehr Schuld als die Verleger und Redaktionen
-der Zeitschriften, die nicht mit dem gebildeten Geschmack einer kleinen
-Gemeinde, sondern mit dem rechnen müssen, was Hunderttausenden gefällt.
-Um keine Abonnenten zu verlieren und sie der Konkurrenz in die Arme zu
-treiben, müssen sie, deren Unternehmungen auf Massenabsatz angewiesen
-sind, geben, was das große Publikum verlangt, müssen -- im Gegensatz
-zu der Aufgabe eines wahren Familienblattes -- verzichten, bildend
-und veredelnd auf den Geschmack des Volkes zu wirken. Was immer auf
-dem Gebiete der Litteratur bezw. der Ästhetik seit der politischen
-Wiedergeburt Deutschlands geleistet wurde: das große Publikum ist
-davon unberührt geblieben; ja es betrachtet noch heute die Litteratur
-nicht anders als eine angenehme Spielerei für müßige Stunden. Nur die
-eine Forderung: die nach mehr Wirklichkeitssinn, nach einer stärkeren
-Betonung des Lebens und seine Erscheinungen in der Litteratur hat --
-vielleicht mehr unbewußt, mehr vom Leben und seinen Forderungen selbst
-beeinflußt -- auch im Publikum Anerkennung gefunden. In Bezug auf
-künstlerisches Verständnis sind keinerlei Fortschritte zu verzeichnen
-und die Existenzbedingungen des Buchhandels, in dem sich immer mehr
-eine rein kaufmännische Auffassung des Berufes geltend macht, sind
-nicht derart, um sich den Luxus gestatten zu können, in künstlerischer
-Hinsicht erzieherisch auf das Publikum zu wirken.
-
-Der deutsche Buchhandel früherer Zeiten hat für Litteratur und
-Wissenschaft viel gethan und manches Werk, das weder die Unterstützung
-einer Regierung, noch einer Akademie oder eines Instituts gefunden
-hat, verdankt ihm allein sein Erscheinen. Nicht aus Liebe zum Geld,
-sondern aus Liebe zur Litteratur und Wissenschaft wurden Werke
-publiziert, für die kein Kaufmann, kein Geschäftsmann eine Hand gerührt
-hätte. So schrieb noch 1839 ein Gelehrter: »Der deutsche Buchhandel
-hat von jeher bewiesen, daß er seine eigentümliche Stellung in den
-nachbarlichen Grenzen der Intelligenz und Industrie zu würdigen
-wisse. Man prüfe die neuesten Kataloge und entscheide dann, ob jener
-ehrenhafte Grundsatz: einen Teil des Gewinnes, den die Muse dem
-häuslichen Altar beschieden, der Muse selber zu opfern, nicht bis
-auf unsere Zeit herab sich fortgesetzt habe.« Der Anteil, den der
-Verlagsbuchhandel an dem Wachstum unserer Litteratur, insonderheit an
-der deutschen Wissenschaft hat, ist sicher ein nicht geringer, aber
-er ist in den letzten Jahren, seitdem das Großkapital seinen Einzug
-im Buchhandel gehalten hat, bedeutend zurückgegangen. Die Aktionäre
-unserer großen Verlagsanstalten legen auf hohe Dividenden bei weitem
-mehr Gewicht als auf den Ruhmestitel Förderer der Litteratur und Kunst
-zu sein. Wirft man heute einen Blick in Kataloge, so wird man bei
-näherem Zusehen finden, daß das litterarische Interesse dem merkantilen
-gewichen ist, daß alljährlich Tausende von Schriften erscheinen,
-die nicht in der Absicht, eine Bereicherung unserer Litteratur,
-sondern eine solche des verlegerischen Geldbeutels herbeizuführen,
-publiziert wurden. War früher das jüdische Element hauptsächlich
-im Antiquariats- und Ramschbuchhandel thätig, so hat es sich in
-neuerer Zeit in hervorragender Weise des Verlagsbuchhhandels als
-Spekulationsobjekt bemächtigt, und neben angesehenen Firmen, die sich
-in jüdischen Händen befinden, ist eine ganze Reihe jüdischer Verleger
-aufgetaucht, die das Buch als Ware ausschließlich als Ware ansieht und
-demgemäß behandelt. Daß die Litteratur der Neuzeit so wenig Förderung
-seitens des Buchhandels findet, hat nicht sowohl seinen Grund in der
-materialistischen Anschauung, die in dem Buche nur ein Handelsobjekt
-sieht, aus dem so viel als möglich Kapital zu schlagen ist, sondern
-zum guten Teil auch in dem Mangel an Urteil, der viele Verleger von
-heutzutage nur nach dem greifen läßt, was sich durch einen klangvollen
-Namen oder eine hübsche Etikette auszeichnet. Andere wieder sind so
-im Banne der Moderne, daß sie sich für jedes Werk begeistern, das
-modern um jeden Preis, selbst um den des guten Geschmacks, erscheinen
-will, mag es künstlerisch auch noch so unbedeutend sein. An dieser
-Verständnislosigkeit in künstlerischen Fragen ist nicht zuletzt die
-Stellung schuld, auf die im Laufe der Zeit die Litteraturblätter und
-die Revuen mit litterarischem Anstrich herabgedrückt worden sind.
-
- * * * * *
-
-Union, Stuttgart, Deutsche Verlagsanstalt, Stuttgart, und Bong & Co.,
-Berlin, werden, was die Höhe des Umsatzes anbetrifft, an die Spitze
-des Verlagsbuchhandels gestellt werden müssen, obwohl der Schwerpunkt
-dieser Geschäfte weniger im Buch- als im Zeitschriften-Verlag zu
-suchen ist. Der Hauptaktionär der Union, in der der große Spemann'sche
-Verlag mit den Kürschner'schen Unternehmungen aufging, ist Geheimrat
-Kröner, der Inhaber, bezw. Mitinhaber von A. G. Liebeskind, der
-J. G. Cottaschen Buchhandlung, Ernst Keil's Nachf., Leipzig u.
-a. Fast ebenbürtig steht der Union das ehemalige Hallberger'sche
-Geschäft, jetzt Deutsche Verlagsanstalt, gegenüber, das im
-verflossenen Jahre sein 50jähriges Jubiläum feiern konnte. Der aus
-diesem Anlaß herausgegebene Katalog umfaßt ca. 250 Seiten und giebt
-ein anschauliches Bild von dem Wachstum und der Bedeutung dieses
-Geschäfts, das sich allerdings in den letzten Jahren -- namentlich
-seit Gründung der Zeitschrift »Aus fremden Zungen« -- vorzugsweise der
-Übersetzungslitteratur zugewandt hat, so daß es wenig Autoren von Klang
-und Namen, gleichviel ob Engländer, Franzosen, Italiener, Spanier,
-Russen oder Schweden, giebt, die nicht mit einem oder mehreren Werken
-in der Deutschen Verlagsanstalt vertreten sind. Als bedeutendster
-Konkurrent des Zeitschriftenverlags der Union und Deutschen
-Verlagsanstalt, bezw. der Zeitschriften: »Vom Fels zum Meer«, »Buch für
-Alle« und »Über Land und Meer« trat Ende der 80er Jahre Richard Bong
-auf, ein Mann, der sich aus kleinen Verhältnissen emporarbeitend, »der
-Leiter höchste Staffel rasch erstieg« und in den Zeitschriften »Moderne
-Kunst«, »Zur guten Stunde« und »Für Alle Welt« Unternehmungen schuf,
-in denen er besonderes Gewicht auf den Farbendruck legte, mit dem er
-erfolgreich gegen den Holzschnitt der Stuttgarter Blätter zu Felde zog.
-Ob und inwieweit geschäftliche Manipulationen, insbesondere die höhere
-Rabattierung seiner Zeitschriften zu diesem Erfolge beitrugen, dürfte
-an dieser Stelle wenig interessieren. Der Buchverlag der Firma -- meist
-Romane, die in ihren Zeitschriften zum Abdruck gelangten -- ist ohne
-besonderes charakteristisches Gepräge.
-
-Das alte Verlagsgeschäft von F. A. Brockhaus, Leipzig, hat sich in den
-letzten Jahren neben der Pflege des Konversationslexikons, das jetzt
-in 14. bezw. 15. Auflage vorliegt, fast ausschließlich auf das Gebiet
-der Reisebeschreibungen geworfen. Den Reisen Stanleys und Wißmanns in
-Afrika folgten Nansens »In Nacht und Eis«, Landors »Auf verbotenen
-Wegen in Tibet« und neuerdings die Reisen Sven Hedins in Asien, alles
-Werke, die eine ungeahnte Verbreitung erlangten. Vom Buchverlag fast
-ganz zurückgezogen hat sich die Firma Breitkopf & Härtel, Leipzig,
-die den Schwerpunkt ihres Geschäftes auf den Musikverlag legte.
-Dagegen entwickelt das Bibliographische Institut, Leipzig, eine fast
-unheimliche Rührigkeit. Seine Spezialität liegt in den Sammelwerken,
-an deren Spitze Meyers Konversationslexikon steht; ihm schließen
-sich umfangreiche Publikationen an, wie die Klassiker-Ausgaben,
-Meyers Volksbücher, Sprachführer, Reisebücher, Allgemeine Naturkunde,
-Allgemeine Länderkunde, Sammlung illustrierter Litteraturgeschichten,
-Bilder-Atlanten zur Geographie und Naturgeschichte u. s. w., meist
-Unternehmen, die der Initiative der Geschäftsinhaber entsprungen sind.
-Die erwähnten Meyer'schen Volksbücher, die erst neuerdings wieder von
-sich reden machen, haben nicht entfernt die Bedeutung der Reclam'schen
-Universalbibliothek erlangt, von der jetzt mehr als 4000 Bändchen
-vorliegen: sie bilden den Grundstock des Verlags von Philipp Reclam
-jr., Leipzig, der mit ihnen in die Reihe der ersten Verleger trat.
-Überraschend kam den Meisten der vor einigen Jahren erfolgte Ankauf
-der Familienzeitschrift »Universum«, durch Reclam, die er seither
-zu einer Blüte geführt hat, die sie im früheren Hauschild'schen
-Verlage nicht erreichen konnte. Den 20 Pfennig-Heften Reclams und
-den 10 Pfennig-Volksbüchern Meyers stellte Otto Hendel, Halle, seine
-Bibliothek der Weltlitteratur ~à~ Heft 25 Pfennig gegenüber, die,
-obwohl in größerem Format und besserer Ausstattung, dem Unternehmen
-Reclams doch kaum wesentlichen Abbruch machen konnte.
-
-Weder Otto Hendel, Halle, noch Hermann Hillgers Verlag, Berlin, den ich
-hier nur nenne, da auch er oder richtiger Professor Kürschner, nach
-dem Muster der Reclam-Bändchen einen »Bücherschatz« herausgegeben hat,
-der wenigstens numerisch schon zu großer Entwickelung gelangt ist,
-gehören an diese Stelle, die vielmehr den großen wissenschaftlichen
-oder belletristischen Verlagsanstalten zukommt. Von den letzteren sind
-hier zu nennen: J. G. Cotta'sche Buchhandlung, Nachf., Stuttgart, die
-Verlegerin der »Gedanken und Erinnerungen des Fürsten Bismarck«, die
-Sudermann, Fulda, Wilbrandt u. a. zu ihren Autoren zählt und auch
-wissenschaftliche, besonders historische Werke auf den Markt bringt.
-Der Hauch der Klassizität, der den alten Verlag noch aus der Goethe-
-und Schillerzeit umwehte, hat sich allerdings sehr verflüchtigt: er
-befaßt sich nur noch mit Werken, die »gehen«. Ein ähnliches Urteil
-läßt sich über den ehemaligen Stuttgarter G. J. Goeschen'schen Verlag
-fällen, mit dem die Dichterfürsten gleichfalls in Verbindung standen
-und der in den letzten Jahren, besonders seit seiner Übersiedelung nach
-Leipzig, sich mehr »praktischen« Verlagsbestrebungen (Sammlung Goeschen
-u. s. w.) zugewandt hat. -- Auf praktischem Gebiet bewegt sich jetzt
-auch, abgesehen von dem Verlage der »Illustrierten Zeitung« und der
-Pflege des Holzschnitts, J. J. Weber, Leipzig (Katechismen u. s. w.).
-
-Von großen wissenschaftlichen Verlagshäusern, die sich besonderen
-Spezialitäten zugewandt haben, verdienen genannt zu werden: B. G.
-Teubner, Leipzig (Pädagogik, altklassische Sprachwissenschaft),
-Weidmann'sche Buchhandlung, Berlin (Klassische Philologie,
-Pädagogik, Litteraturgeschichte, Rechtswissenschaft), Paul
-Parey, Berlin (Landwirtschaft, Gartenbau), Mittler & Sohn,
-Berlin (Militärwissenschaften), Wilhelm Engelmann, Leipzig
-(Naturwissenschaften), Friedrich Vieweg & Sohn, Braunschweig
-(Physik, Chemie, Mathematik), Hirschwald'sche Buchhandlung, Berlin
-(Medizin), J. C. B. Mohr, Tübingen (Protestantische Theologie,
-Rechtswissenschaft, Geschichte, Philosophie), Duncker & Humblot,
-Leipzig (Socialwissenschaft, Geschichte, Rechtswissenschaft,
-Naturwissenschaft), Gustav Fischer, Jena (Medizin, Socialwissenschaft,
-Rechtswissenschaft), Julius Springer, Berlin (Pharmazeutik, Forst-
-und Jagdwissenschaft, Rechtswissenschaft, Geschichte), F. C. W. Vogel,
-Leipzig (Medizin), Karl J. Trübner, Straßburg i. Els. und O. R.
-Reisland, Leipzig (Germanische und romanische Philologie), Emil Felber,
-Berlin und Eduard Avenarius, Leipzig (Litteraturgeschichte), Gothaische
-Verlagsanstalt vorm. F. A. Perthes, Gotha (Geschichte, Protestant.
-Theologie), R. Oldenbourg, München (Geschichte, Rechtswissenschaft,
-Pädagogik), sowie die großen rechtswissenschaftlichen Verlagsanstalten:
-Carl Heymann, J. Guttentag, G. m. b. H., Frz. Vahlen, Berlin, Ferd.
-Enke, Stuttgart und Veit & Co., Leipzig. Die Langenscheidt'sche
-Buchhandlung (Professor G. Langenscheidt), Berlin, die mit ihren
-für das Selbststudium des Englischen und Französischen berechneten
-Unterrichtsbriefen einen ungeheuren Erfolg hatte, darf, da sich diese,
-sowie die ausgezeichneten Lexika, auf wissenschaftlicher Grundlage
-aufbauen, Anspruch erheben, hier mitgenannt zu werden. Daß sie in den
-letzten Jahren Werke größeren Umfanges nicht mehr publizierte, mag
-seinen Grund in den Vorbereitungen haben, die sich zur Herausgabe der
-italienischen und spanischen Selbstunterrichtsbriefe notwendig machen.
-Halb wissenschaftlicher, halb belletristischer Natur, aber immer ernst
-und vornehm, ist der Verlag von S. Hirzel, Leipzig, dessen Belletristen
-Wissenschaftler und dessen Wissenschaftler Belletristen sind. Auf der
-Grenzscheide steht auch der Verlag von Alfred Schall, Berlin (vorm.
-Schall & Grund), der neben einer Reihe populärwissenschaftlicher
-Werke über Länder- und Völkerkunde, Heere und Flotten einen großen
-belletristischen Verlag pflegt. Bekannt ist besonders das Verlagshaus
-durch den »Verein der Bücherfreunde« geworden, der in seiner Blütezeit
-einen »Mitglieder«bestand von 12000 zählte.
-
-Von großen belletristischen Verlagshäusern ist in erster Linie Gebr.
-Paetel (Verlag der »Deutschen Rundschau«), Berlin, zu nennen, deren
-Verlagsfirma eine ausreichende Gewähr für die Güte der von ihr
-verlegten Bücher giebt. In dem 280 Seiten umfassenden Verlagskatalog,
-der über die Thätigkeit der Firma in den Jahren 1837--1895, die
-sich neben der Belletristik auch auf die Gebiete der Geschichte,
-Kulturgeschichte, Völkerkunde, Litteratur- und Militärwissenschaft
-erstreckt, berichtet, findet sich eine Fülle wertvoller Bücher,
-zumeist von Mitarbeitern der »Deutschen Rundschau«, die es von jeher
-verstanden hat, tüchtige Kräfte heranzuziehen. Eine ähnliche Stellung
-nimmt der Verlag von Bonz & Co., Stuttgart, und Fr. Wilhelm Grunow,
-Leipzig, ein, obwohl der letztere durch den Verlag der »Grenzboten«
-und der »Buschschen Tagebücher« sich die Sympathien vieler Kreise
-verscherzt hat. Nur Verleger zweier Autoren, die aber ein paar hundert
-aufwiegen, ist L. Staackmann, Leipzig, dem Rosegger und Spielhagen
-ihre Werke übergeben. -- Ein besonderes Gepräge trägt, sowohl die Art
-der Verlagsartikel, als auch ihre Ausstattung anlangend, der Verlag
-von A. G. Liebeskind, hinter dem eine markante und eigenartige,
-vielleicht auch eigenwillige Persönlichkeit stand, die dem Ganzen
-ihre Physiognomie lieh. Ob sie der Verlag nach dem Tode L.'s noch
-beibehalten wird -- er ist inzwischen nach Stuttgart übergesiedelt
-und in Händen des Geheimrat Kröner -- bleibt abzuwarten. Das große
-Verlagshaus Velhagen & Klasing, Bielefeld, das sich durch den Verlag
-des stark religiös angehauchten »Daheim« einen Weltruf erwarb,
-hat sich neuerdings dem Gebiet der Geschichte und Kunstgeschichte
-(Monographien zur Kunstgeschichte. -- Monographien zur Weltgeschichte)
-noch intensiver zugewandt. Es findet seinen Partner in dem katholischen
-Verlag der Firma J. P. Bachem, Köln a. Rh. (»Kölnische Volkszeitung«),
-deren Katalog eine große Anzahl Werke katholischer Tendenz aufweist.
-Ausschließlich Werke katholischer Richtung wissenschaftlicher und
-belletristischer Natur verlegen auch Ferd. Schöningh, Paderborn,
-der den Dichter der »Dreizehnlinden« zu seinen Autoren zählt, und
-die B. Herder'sche Verlagsbuchhandlung, Freiburg i. Br., eins der
-bedeutendsten Verlagsgeschäfte, das auch im Auslande sich große
-Absatzquellen erschlossen hat.
-
-Hauptsächlich belletristischen Verlag, aber ohne besondere Eigenart
-pflegen Otto Jancke, Berlin (Verlag der »Romanzeitung«), Schles.
-Buchdruckerei und Verlagsanstalt, Breslau (Verlag von »Nord und Süd«,
-»Unterwegs und daheim«), Carl Reißner, Dresden, Paul List, Leipzig,
-Heinrich Minden, Dresden, Hermann Costenoble, Jena, J. Bensheimer,
-Mannheim, Albert Ahn, Köln a. Rh., und E. Pierson, Dresden, von denen
-die beiden letztgenannten auch vielfach als bloße Kommissionsverleger
-auftreten. -- Mehr dem Gebiet der Buchfabrikation nähert sich der
-Verlag von Greiner & Pfeiffer, Stuttgart, durch seine für das große
-Publikum berechneten Anthologien, deren Ausstattung von der »Moderne«
-noch unberührt geblieben ist. Erst durch den Verlag des »Türmers« ist
-die Firma in die Reihe der für die Litteratur in Betracht kommenden
-Verleger getreten, obwohl die genannte Zeitschrift nichts weniger als
-»modern« im landläufigen Sinne des Wortes ist. -- Fast ausschließlich
-auf Übersetzungen beschränkt sich der Stuttgarter Verlag von J.
-Engelhorn, dessen Romanbibliothek ihrer Wohlfeilheit wegen einen
-ungeheuren Absatz zu verzeichnen hat. Die Zahl deutscher Autoren, die
-sich an diesem Unternehmen beteiligt, ist eine äußerst bescheidene, und
-wird wohl nur dann vermehrt, wenn der Romanbibliothek frisches Blut und
-erhöhtes Interesse zugeführt werden soll.
-
-Mehr litterarisches Gepräge tragen der Verlag der Besserschen
-Buchhandlung, Berlin, Verlegerin Paul Heyse's, und Fr. Bahn,
-Schwerin. Als ein äußerst rühriger Verleger, der sich namentlich um
-die Einführung amerikanischer Litteratur in Deutschland besondere
-Verdienste erworben hat (Sternbanner-Serie), aber auch auf den Verlag
-guter deutscher Romane nicht verzichtet, gilt Robert Lutz, Stuttgart.
-Zu den Verlegern modernen Schlages übergehend, ist neben Freund &
-Jeckel, Berlin, und Fontane & Co., Berlin, die ebensogut noch zur
-vorhergehenden Gruppe gerechnet werden können, an erster Stelle S.
-Fischer, Berlin, zu nennen. Auch er ist wie Pierson, Dresden, und
-Ahn, Köln, bis zu einem gewissen Grade Kommissionsverleger, selbst
-seinen ersten Autoren, wie Hauptmann, gegenüber. Der bierfidele Otto
-Erich Hartleben, der Halbpariser Hermann Bahr, der jugendliche Georg
-Hirschfeld, die Berliner Felix Hollaender und Hans Land haben ihre
-Werke bei S. Fischer verlegt, der die Hauptmann-Gemeinde und alles,
-was nach »Moderne« aussieht, durch seine »Neue Deutsche Rundschau«,
-die ehemalige »Freie Bühne«, um sich zu scharen wußte. Fast noch
-ungeberdiger als dieser Verlag geben sich Schuster & Löffler, Berlin.
-Manch gutes Buch findet sich in dem Verlagskatalog der erst seit 4
-Jahre bestehenden Firma, aber es fehlt auch der direkte Schund nicht,
-oder wenn das besser klingt, jene Litteratur, die nach dem Grundsatze
-~l'art pour l'art~ geschrieben, kein vernünftiger Mensch, vor allem
-nicht das sogenannte Publikum liest, die sich aber in Litteratenkreisen
-großer Beliebtheit erfreut. Schuster & Löffler haben vielfach neue
-Bahnen eingeschlagen, aber es waren nicht immer die rechten. Ein Buch
-kann modern, sehr modern sein und braucht doch nichts zu taugen! Dieser
-Unterschied ist ihnen leider nicht immer zum Bewußtsein gekommen.
-Ähnlichen Tendenzen wie Schuster & Löffler huldigt auch Vita, Deutsches
-Verlagshaus, Berlin, wenngleich dieses bei weitem mehr Konzessionen
-an das Publikum macht. Neue Wege, soweit namentlich die Ausstattung
-in Frage kommt, ist auch der Verlag von Fischer & Franke, Berlin,
-gegangen, der von allen seinen Mitbewerbern wohl das meiste Geschick
-gezeigt hat, Inhalt und Ausstattung seiner Verlagsartikel mit einander
-in Einklang zu bringen. In die Reihe der modernen Verleger hat sich
-auch G. Bondi, Berlin, gestellt, durch den Halbes Werke und das große
-Schlenther'sche Unternehmen zur Ausgabe gelangen.
-
-Albert Langen, München, der Verleger des »Simplizissimus«, hat ein
-paar Jahre in Paris zugebracht, und man kann ihm das Zeugnis nicht
-versagen, daß er dort manches gelernt hat und bestrebt ist, immer etwas
-Originelles zu bringen, seinem Verlage ein charakteristisches Gepräge
-zu geben. Auf den Umschlägen seiner Bücher hat die Moderne schon
-wahre Orgien gefeiert: da sind Zeichnungen, so mystisch und dunkel,
-in denen gar nichts liegt, so daß man sich gemüßigt fühlt, selbst
-alles hineinzulegen; Frauen und Männer werden dargestellt, denen
-das Laster oder die Schwindsucht auf dem Gesicht geschrieben stehen,
-und das alles in jenen fließenden Linien, hingeworfen ohne Saft und
-Kraft -- dazwischen einmal ein Mädchenkopf, so fein und künstlerisch,
-daß man sich verwundert fragt, wie der in diese Gesellschaft kommen
-konnte. Dann stelle man sich den »Simplizissimus« vor, ein »deutsches
-Blatt«, an dem nichts, aber auch gar nichts deutsch ist, ein Blatt,
-bestimmt, »die Kunst dem Volke zu vermitteln«. Man muß schon 10 Jahre
-in Paris oder bei den Wilden gelebt haben, um zu glauben, daß man ein
-solches Programm mit einer Zeitschrift vom Schlage des »Simplizissimus«
-durchführen kann. Nur wenig deutschen Namen begegnet man in seinem
-Verlagskataloge und auch diese haben einen fremden Klang; dagegen
-finden Ausländer: Franzosen, Russen, Skandinavier u. s. w. bei ihm
-bereitwilligst Unterkommen. -- Durch eine ultramoderne Ausstattung
-hat sich auch der kleine Verlag von Joh. Sassenbach, Berlin, in
-Litteratenkreisen einen Namen gemacht. Er ist Verleger von Arno Holz
-und seiner Schule, die die Preisfrage: Wie kann jedermann innerhalb 24
-Stunden lyrischer Dichter werden? mit einer verblüffenden Sicherheit
-und einer Naivetät, wie sie sonst nur den wirklichen Dichtern eigen
-ist, gelöst haben. Diese neueste Schule hat sich um Sassenbach
-gesammelt, der für die Allerjüngsten das zu werden verspricht, was
-für die Jungen der 80er Jahre Wilhelm Friedrich, Leipzig, war, der an
-das neue Evangelium und an die Mission der Bleibtreu, M. G. Conrad,
-Alberti, Walloth, Conradi, wie an seinen Herrgott glaubte. Und heute,
-nachdem kaum 10 Jahre ins Land gezogen sind? Wo ehemals die Mistbeete
-des Realismus standen, da blühen jetzt stille, bleiche »Lotosblüten«.
-Wilhelm Friedrich, der jetzt hauptsächlich Theosophie verlegt, ist
-immer mit der Zeit gegangen oder hat versucht, ihr vorauszugehen.
-
-Als ein »Verlag für moderne Bestrebungen in Litteratur,
-Socialwissenschaft und Naturwissenschaft« hat sich Eugen Diederichs,
-Leipzig, eingeführt, und wenn auch bei ihm der Moderne hin und wieder
-Rücksprache mit dem Geschäftsmann nimmt, so ist er doch immer bestrebt
-gewesen, namentlich hinsichtlich der Buchausstattung die alten Gleise
-zu verlassen und neue Bahnen zu wandeln. -- Berührungspunkte mit dem
-Verlage von Eugen Diederichs weist Georg Heinr. Meyers Verlag, Berlin,
-auf, der sich besonders als Pflegevater der deutsch-österreichischen
-Schriftsteller bewährt. Freilich sind die praktischen Erfahrungen, die
-er und mit ihm andere an dem österreichischen Verlage gemacht haben,
-wenig ermutigend: verdient hat er an keinem Buche aus Österreich, und
-selbst die Verlagskosten sind durch die wenigsten gedeckt worden.
-Durch die Gründung der »Heimat« ist sein Verlag der Mittelpunkt jener
-Bestrebungen geworden, die die »Heimatkunst« in den Vordergrund des
-litterarischen Interesses zu stellen suchen.
-
-
-
-
-Register
-
-der in den »Charakteristiken« angeführten Namen.
-
-
- Achleitner, Arthur 46.
-
- Adamus, Franz 104.
-
- Alberti, Konrad 65.
-
- Allmers, Hermann 40.
-
- Altenberg, Peter 102.
-
- Ambrosius, Johanna 94.
-
- Amyntor, Gerhardt von 77.
-
- Andreas-Salomé, Lou 98.
-
- Anzengruber, Ludwig 44.
-
- Arent, Wilhelm 67.
-
- Arnold, Hans 61.
-
- Asenijeff, Elsa 99.
-
- Auerbach, Berthold 32.
-
- Avenarius, Ferdinand 94.
-
-
- Bahr, Hermann 83.
-
- Bartels, Adolf 48.
-
- Bauer, Erwin 71.
-
- Baumbach, Rudolf 56.
-
- Beetschen, Alfred 93.
-
- Bernhard, Marie 64.
-
- Beta, Ottomar 70.
-
- Bethge, Hans 93.
-
- Bierbaum, Otto Julius 99.
-
- Bleibtreu, Karl 64.
-
- Blumenthal, Oskar 53.
-
- Blüthgen, Victor 60.
-
- Bodenstedt, Friedrich von 35.
-
- Böhlau, Helene 97.
-
- Bölsche, Wilhelm 96.
-
- Bormann, Edwin 61.
-
- Bötticher, Georg 61.
-
- Boy-Ed, Ida 80.
-
- Brieger, Adolf 41.
-
- Bulthaupt, Heinrich 41.
-
- Bunge, Rudolf 40.
-
- Busch, Wilhelm 59.
-
- Busse, Carl 92.
-
-
- Christen, Ada 63.
-
- Conrad, Michael Georg 65.
-
- Conradi, Hermann 65.
-
- Croissant-Rust, Anna 97.
-
-
- Dahn, Felix 51.
-
- David, J. J. 76.
-
- Dehmel, Richard 101.
-
- Dörmann, Felix 102.
-
- Dranmor 61.
-
- Dreyer, Max 89.
-
-
- Ebers, Georg 50.
-
- Ebner-Eschenbach, Marie von 72.
-
- Eckstein, Ernst 51.
-
- Eichrodt, Ludwig 40.
-
- Elbe, A. von der 80.
-
- Ernst, Otto 95.
-
- Ertl, Emil 104.
-
- Eschstruth, Nataly von 64.
-
- Evers, Franz 100.
-
-
- Falke, Gustav 92.
-
- Fehrs, Joh. Heinrich 47.
-
- Fischer, Johann Georg 38.
-
- Fitger, Arthur 53.
-
- Flaischlen, Caesar 90.
-
- Fontane, Theodor 71.
-
- François, Luise von 32.
-
- Franzos, Karl Emil 49.
-
- Frapan, Ilse 48.
-
- Frenzel, Karl 55.
-
- Freytag, Gustav 29.
-
- Friedmann, Alfred 84.
-
- Fuchs, Reinhold 93.
-
- Fulda, Ludwig 88.
-
-
- Ganghofer, Ludwig 46.
-
- Geibel, Emanuel 35.
-
- George, Stephan 103.
-
- Gerok, Karl 57.
-
- Glümer, Claire 80.
-
- Gottschall, Rudolf von 52.
-
- Grazie, Marie Eugenie delle 97.
-
- Greif, Martin 38.
-
- Greinz, Hugo 105.
-
- Grisebach, Eduard 62.
-
- Groller, Balduin 83.
-
- Groß, Ferdinand 83.
-
- Grosse, Julius 37.
-
- Groth, Klaus 44.
-
- Grotthuß, Jeannot Emil von 93.
-
-
- Halbe, Max 88.
-
- Hamerling, Robert 36.
-
- Hango, Hermann 104.
-
- Hansjakob, Heinrich 47.
-
- Harden, Maximilian 84.
-
- Hart, Heinrich 65.
-
- Hart, Julius 66.
-
- Hartleben, Otto Erich 90.
-
- Hauptmann, Gerhart 85.
-
- Heiberg, Hermann 66.
-
- Heigel, Karl von 55.
-
- Heimburg, W. 63.
-
- Heine, Anselm 98.
-
- Henckell, Karl 68.
-
- Herold, Franz 103.
-
- Herrig, Hans 53.
-
- Hertz, Wilhelm 43.
-
- Heyse, Paul 34.
-
- Hillern, Wilhelmine von 54.
-
- Hirschfeld, Georg 91.
-
- Hoffmann, Hans 59.
-
- Hofmannsthal, Hugo von 102.
-
- Hollaender, Felix 76.
-
- Holz, Arno 67.
-
- Hopfen, Hans 54.
-
- Huch, Ricarda 93.
-
-
- Jacobowski, Ludwig 92.
-
- Janitschek, Maria 97.
-
- Jensen, Wilhelm 72.
-
- Jordan, Wilhelm 39.
-
- Junghans, Sophie 80.
-
-
- Kahlenberg, Hans von 99.
-
- Keller, Gottfried 33.
-
- Kerstan, Karl 71.
-
- Kirchbach, Wolfgang 67.
-
- Kitir, Josef 104.
-
- Kompert, Leopold 50.
-
- Königsbrun-Schaup, Franz v. 79.
-
- Kretzer, Max 66.
-
- Kröger, Timm 47.
-
- Kruse, Heinrich 53.
-
- Kurz, Isolde 42.
-
-
- Land, Hans 79.
-
- Langbehn, Julius 83.
-
- Langmann, Philipp 90.
-
- L'Arronge, Adolf 54.
-
- Lauff, Josef 89.
-
- Leixner, Otto von 78.
-
- Lienhard, Fritz 69.
-
- Liliencron, Detlev von 91.
-
- Lindau, Paul 82.
-
- Lindau, Rudolf 81.
-
- Lindner, Albert 53.
-
- Lingg, Hermann 39.
-
- Linke, Oskar 52.
-
- Lohmeyer, Julius 60.
-
- Lorm, Hieronymus 62.
-
- Lubliner, Hugo 53.
-
-
- Mackay, John Henry 68.
-
- Marlitt, E. 63.
-
- Marriot, Emil 98.
-
- Mauthner, Fritz 78.
-
- Megede, Johannes Rich. zur 82.
-
- Meyer, Conrad Ferdinand 32.
-
- Meyer, Johann 47.
-
- Milow, Stephan 40.
-
- Mombert, Alfred 103.
-
- Möser, Albert 37.
-
- Moser, Gustav von 54.
-
- Mysing, Oscar 75.
-
-
- Naaff, Anton August 70.
-
- Niemann, August 77.
-
- Niese, Charlotte 48.
-
- Nordau, Max 83.
-
- Nordhausen, Richard 76.
-
-
- Ohorn, Anton 70.
-
- Ompteda, Georg von 75.
-
-
- Palmer, Ludwig 94.
-
- Pantenius, Theod. Herrmann 45.
-
- Paulus, Eduard 42.
-
- Perfall, Anton von 75.
-
- Perfall, Karl von 75.
-
- Peschkau, Emil 83.
-
- Philippi, Felix 89.
-
- Pichler, Adolf 69.
-
- Polenz, Wilhelm von 75.
-
- Preuschen, Hermione von 98.
-
- Pröll, Karl 69.
-
- Przybyszewski, Stanislaw 100.
-
- Puttkamer, Alberta von 62.
-
-
- Raabe, Wilhelm 58.
-
- Reder, Heinrich von 56.
-
- Redwitz, Oskar von 43.
-
- Renner, Gustav 94.
-
- Reuter, Gabriele 98.
-
- Riehl, Wilhelm Heinrich 49.
-
- Ritter, Anna 94.
-
- Rittershaus, Emil 58.
-
- Roberts, Alexander von 74.
-
- Rodenberg, Julius 41.
-
- Roquette, Otto 43.
-
- Rosegger, Peter 45.
-
- Rosmer, Ernst 91.
-
- Ruederer, Josef 90.
-
- Rüttenauer, Benno 96.
-
-
- Saar, Ferdinand von 55.
-
- Sacher-Masoch, Leopold von 50.
-
- Salus, Hugo 102.
-
- Samarow, Gregor 84.
-
- Schack, Adolf Friedr., Graf v. 36.
-
- Scheerbart, Paul 103.
-
- Scheffel, Josef Victor von 56.
-
- Schlaf, Johannes 99.
-
- Schmid, Hermann von 46.
-
- Schmidt, Maximilian 46.
-
- Schmitthenner, Adolf 75.
-
- Schnitzler, Arthur 89.
-
- Scholz, Wilhelm von 101.
-
- Schönaich-Carolath, Emil Prinz von 62.
-
- Schubin, Ossip 81.
-
- Schullern, Heinrich von 104.
-
- Seidel, Heinrich 59.
-
- Siegfried, Walter 96.
-
- Sohnrey, Heinrich 49.
-
- Sperl, August 48.
-
- Spielhagen, Friedrich 30.
-
- Spitteler, Carl 95.
-
- Steinhausen, Heinrich 43.
-
- Stern, Adolf 55.
-
- Stern, Maurice Reinhold von 68.
-
- Stieler, Karl 45.
-
- Stinde, Julius 60.
-
- Storm, Theodor 33.
-
- Stratz, Rudolf 79.
-
- Sturm, Julius 57.
-
- Sudermann, Hermann 87.
-
- Suttner, Bertha von 82.
-
-
- Taylor, George 51.
-
- Telmann, Konrad 74.
-
- Torresani, Baron Carl 81.
-
- Tovote, Heinz 76.
-
- Traeger, Albert 58.
-
- Trojan, Johannes 60.
-
-
- Viebig, Clara 48.
-
- Vierordt, Heinrich 37.
-
- Villinger, Hermine 47.
-
- Vischer, Friedrich Theodor 39.
-
- Voß, Richard 73.
-
-
- Wagner, Christian 96.
-
- Waldmüller, Robert 40.
-
- Walloth, Wilhelm 66.
-
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-
- Weber, Friedrich Wilhelm 38.
-
- Weber-Lutkow, Hanns 105.
-
- Wedekind, Frank 101.
-
- Weigand, Wilhelm 95.
-
- Weilhart, Oskar 104.
-
- Weitbrecht, Karl 42.
-
- Werner, E. 63.
-
- Westarp, Adolf Graf von 70.
-
- Westkirch, Luise 81.
-
- Wichert, Ernst 77.
-
- Widmann, Jos. Viktor 96.
-
- Wilbrandt, Adolf 73.
-
- Wildenbruch, Ernst von 85.
-
- Wille, Bruno 69.
-
- Wolff, Julius 57.
-
- Wolters, Wilhelm 79.
-
- Wolzogen, Ernst von 73.
-
-
- Zobeltitz, Fedor von 80.
-
- Zobeltitz, Hanns von 80.
-
- Zolling, Theophil 78.
-
- Zoozmann, Richard 93.
-
-
-Druck von Paul Dünnhaupt in Cöthen (Anhalt).
-
-
-
-
- Weitere Anmerkungen zur Transkription
-
-
- Offensichtliche Fehler wurden stillschweigend korrigiert. Ansonsten
- wurden unterschiedliche Schreibweisen des Originals beibehalten.
-
- Korrekturen:
-
- S. 25: herausschaffen → heraus schaffen
- aus der germanischen Volksseele {heraus schaffen}
-
- S. 34: 1890 → 1830
- Paul Heyse, geb. am 15. März {1830} in Berlin
-
- S. 67: hinter → vor
- eine große Zukunft {vor} sich hat
-
- S. 75. 24. 1854 → 24. Mai 1854
- Adolf Schmitthenner, geb. am {24. Mai 1854}
-
- S. 113: verschnöckelt → verschnörkelt
- Druckschrift so {verschnörkelt} und entartet
-
-
-
-*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE LETZTEN ZWANZIG JAHRE DEUTSCHER
-LITTERATURGESCHICHTE 1880–1900 ***
-
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-Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
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-generations. To learn more about the Project Gutenberg Literary
-Archive Foundation and how your efforts and donations can help, see
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-Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary
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-
-<div style='text-align:center; font-size:1.2em; font-weight:bold'>The Project Gutenberg eBook of Die letzten zwanzig Jahre deutscher Litteraturgeschichte 1880–1900, by Emil Thomas</div>
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-<div style='display:block; margin:1em 0'>
-This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and
-most other parts of the world at no cost and with almost no restrictions
-whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it under the terms
-of the Project Gutenberg License included with this eBook or online
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-<div style='display:block; margin-top:1em; margin-bottom:1em; margin-left:2em; text-indent:-2em'>Title: Die letzten zwanzig Jahre deutscher Litteraturgeschichte 1880–1900</div>
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-<div style='display:block; margin-top:1em; margin-bottom:1em; margin-left:2em; text-indent:-2em'>Author: Emil Thomas</div>
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-<div style='display:block; margin:1em 0'>Release Date: January 09, 2021 [eBook #64245]</div>
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-<div style='display:block; margin:1em 0'>Language: German</div>
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-<div style='display:block; margin:1em 0'>Character set encoding: UTF-8</div>
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-<div style='display:block; margin-left:2em; text-indent:-2em'>Produced by: The Online Distributed Proofreading Team at https://www.pgdp.net</div>
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-<div style='margin-top:2em; margin-bottom:4em'>*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE LETZTEN ZWANZIG JAHRE DEUTSCHER LITTERATURGESCHICHTE 1880–1900 ***</div>
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-<div class="transnote">
-<p class="h2">Anmerkungen zur Transkription</p>
-
-<p>Das Original ist in Fraktur gesetzt.
-Im Original gesperrter Text ist <em class="gesperrt">so ausgezeichnet</em>.
-Im Original in Antiqua gesetzter Text ist <em class="antiqua">so markiert</em>.</p>
-
-<p>Weitere Anmerkungen zur Transkription befinden sich
-am <a href="#tnextra">Ende des Buches</a>.</p>
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-<p>Dieses E-Book wurde anläßlich des 20. Jubiläums von »Distributed
-Proofreaders« erstellt.</p></div>
-
-<div class="chapter">
-<p class="center">
-Die letzten zwanzig<br />
-Jahre deutscher <img src="images/illu-001.jpg" class="w1" alt="Dekoration" /><br />
-Litteraturgeschichte.
-</p>
-<hr class="chap" />
-</div>
-
-<div class="chapter">
-<h1>Die letzten zwanzig<br />
-Jahre deutscher <img class="w2" src="images/illu-003.jpg" alt="Dekoration" /><br />
-Litteraturgeschichte<br />
-1880&ndash;1900</h1>
-
-<p class="mright">Im Abriß dargestellt<br />
-von <span class="larger">Emil Thomas</span>.</p>
-
-<p class="center p2">2., durchgesehene Auflage.</p>
-
-<p class="center smaller">(4. bis 8. Tausend.)</p>
-
-<div class="figcenter" id="signet">
- <img src="images/signet.jpg" alt="Signet" />
-</div>
-
-<p class="mleft p2">Leipzig 1900<br />
-Verlag von <em class="gesperrt">Walther Fiedler</em>.
-</p>
-<hr class="chap" />
-</div>
-
-<div class="chapter">
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_5"></a>[5]</span></p>
-
-<h2 class="nobreak" id="Vorwort">Vorwort.</h2>
-</div>
-
-<p>Es sind in neuester Zeit vielfach Versuche einer
-Darstellung der Litteratur der letzten Jahre unternommen
-worden<a id="FNAnker_1" href="#Fussnote_1" class="fnanchor">[1]</a> und es war dies umsomehr von nöten, als
-unsere besten Litteraturgeschichten im Stich lassen, sobald
-die Litteratur der letzten Jahrzehnte in Frage kommt.
-Selbst Vogt und Kochs Litteraturgeschichte, die im vorigen
-Jahre zur Ausgabe gelangte, ein sonst tüchtiges und zuverlässiges
-Werk, macht vor der modernen Litteratur Halt
-und behandelt die Zeit von dem Auftreten der »Jüngsten«
-an in einer wahrhaft stiefmütterlichen Weise, die zu dem
-Ganzen in keinem Verhältnis steht und deutlich erkennen
-läßt, wie wenig die Verfasser über die moderne Litteratur
-unterrichtet sind. Wenn man nun auch zugeben muß,
-daß es mit Schwierigkeiten verbunden ist, klar und übersichtlich
-eine Periode darzustellen, in der noch alles Leben<span class="pagenum"><a id="Seite_6"></a>[6]</span>
-und Bewegung ist, die noch nicht einmal äußerlich zu
-einem gewissen Abschluß gelangt ist, so erscheint es doch
-nicht angängig, aus einer zeitlich nicht begrenzten
-Litteraturgeschichte die moderne Litteratur auszuschließen
-oder sie in ungenügender Weise zur Darstellung zu bringen.
-Denn nichts liegt dem Interesse näher, als was uns
-zeitlich naheliegt, und es ist sehr wohl möglich, zeitgenössische
-Schriftsteller und ihre vorliegenden Werke zu
-beurteilen, auch auf die Gefahr hin, daß durch spätere
-Schöpfungen neue charakteristische Züge in das Bild Aufnahme
-finden müssen. Darstellen läßt sich also die
-Litteraturperiode der letzten Jahre &ndash; fraglich ist nur,
-ob der Bericht über dieselbe, 10 oder 20 Jahre später,
-nicht derartige Korrekturen erfahren wird, daß Urteil und
-Anschauung der Gegenwart dadurch für die spätere Zeit
-vollständig entwertet werden. Strömungen und Unterströmungen
-auf litterarischem Gebiete sind für denjenigen,
-der mitten in der darzustellenden Periode steht,
-nur schwer erkennbar, und auch das Urteil des vorurteilslosen
-Beobachters wird von der Parteien Haß und
-Gunst verwirrt, besonders in einer Zeit, die an Stelle
-der litterarischen <em class="gesperrt">Persönlichkeiten</em> litterarische <em class="gesperrt">Schulen</em>
-setzt und durch Schlagworte zu ersetzen sucht, was ihr an
-litterarischem Verständnis abgeht.</p>
-
-<div class="footnotes">
-<div class="footnote">
-
-<p><a id="Fussnote_1" href="#FNAnker_1" class="label">[1]</a> Neben den Studien zur neueren Litteratur, die Professor
-Erich Schmidt, Adolf Stern und Franz Muncker veröffentlichten,
-sind vor allem das Buch B. Litzmann's über das deutsche Drama
-der Gegenwart, sowie Alfred Bieses Lyrische Dichtung und
-neuere deutsche Lyriker, Wolff's Geschichte der deutschen Litteratur
-in der Gegenwart, Adolf Bartels, Die deutsche Dichtung der
-Gegenwart, Edgar Steiger, Das Werden des neuen Dramas,
-und Richard M. Meyers Geschichte der deutschen Litteratur im
-19. Jahrhundert, zu nennen.</p>
-</div>
-</div>
-
-<p>Wir sagten, daß in 10 oder 20 Jahren das jetzt
-abgegebene Urteil über unsere moderne Litteratur eine
-Wandlung erfahren wird, und je weiter wir uns von der
-Gegenwart entfernen, destomehr wird die zeitgenössische
-Kritik von der späterer Zeiten sich als unterschiedlich erweisen.
-Sie wird ruhiger, objektiver ausfallen, aber sie
-braucht darum nicht »richtiger« zu sein, denn der Wert<span class="pagenum"><a id="Seite_7"></a>[7]</span>
-eines Buches darf nicht nur danach bemessen werden,
-daß es noch kommenden Geschlechtern etwas zu sagen hat,
-er kann auch darin bestehen, daß es, allein für seine Zeit
-geschrieben, auch nur dieser nützt. Da wir aber die
-Litteraturgeschichte aus der Kulturgeschichte ausscheiden
-und ihr eine selbständige Stellung &ndash; ob mit Recht oder
-Unrecht, sei dahingestellt &ndash; angewiesen haben, so werden
-in ihr alle diejenigen Werke zu kurz kommen, die allein
-für ihre Zeit berechnet und nur diese fördernd, nicht
-künstlerischen Gehalt oder genügendes Interesse für die
-Zukunft mitbringen. Noch ein weiterer Grund kommt
-hinzu, um die Aufgabe der Litteraturgeschichte zu erschweren:
-der, daß niemand, und sei er noch so belesen,
-in der Lage sein wird, ohne Anleihen bei anderen zu
-machen, ein Urteil über die Litteratur, selbst eines so begrenzten
-Zeitraumes, wie es der von 1880&ndash;1900 ist,
-abgeben zu können. Denn um festzustellen, welcher Dichter
-und welches Werk in diese Litteraturgeschichte aufzunehmen
-wären, müßte, unter der Voraussetzung einer Befähigung,
-über alles urteilen zu können, ein eingehendes Studium
-aller in dem betreffenden Zeitraum erschienener Werke
-vorausgehen. Denn wie könnte jemand, der nicht das
-ganze Gebiet beherrscht, wissen, ob er nicht das Wichtigste
-übersehen, ob ihm nicht gerade das entgangen, auf das
-das meiste Gewicht zu legen wäre? Wäre er allein in
-der Lage, auch nur über eine beschränkte Anzahl Werke
-ein Urteil abzugeben, sie litterarisch zu werten, und könnte
-dies immer unter Ausschaltung alles Persönlichen geschehen?
-Könnte er sich ganz dem Einflusse entziehen, den auch
-ein minder gutes Buch ausüben kann, das ihm persönlich
-mehr als den anderen zu sagen hat oder das in<span class="pagenum"><a id="Seite_8"></a>[8]</span>
-einer Stimmung zur Hand genommen wurde, die es für
-ihn in einem besonderen Lichte erscheinen ließ? Und
-wird derselbe Autor, der, 30 Jahre alt, ein Werk kritisiert,
-mit 40 Jahren noch dasselbe Urteil über das Werk abgeben?
-Ein persönliches Gepräge kann eine Litteraturgeschichte
-nur in einzelnen Zügen tragen und auch diese
-müssen mit Vorsicht gegeben und durch die Urteile sachverständiger
-Kritiker wenigstens kontrolliert werden. Gerade
-weil selbst ein eng begrenztes Gebiet zu beherrschen unmöglich
-ist, kann der Autor einer Litteraturgeschichte kaum
-etwas anderes sein als ein Kompilator, der die abgegebenen
-Urteile in litteraturgeschichtlichen und verwandten Büchern
-und Zeitschriften abzuwägen, zu kontrollieren und aus ihnen
-das Facit zu ziehen hat. Er wird nie, und wenn er seinen
-Namen noch so fett auf das Titelblatt schreibt, ganz aus
-Persönlichem heraus eine Litteraturgeschichte schreiben und
-sagen können: so denke ich über alle jene Werke, zu denen
-ich in dem und dem Verhältnis stehe.</p>
-
-<p>Allerdings soll eine Litteraturgeschichte in ihrer Gesamtheit
-mehr sein, als ein Sammelsurium von Urteilen,
-die Hinz und Kunz über Bücher und Autoren abgeben
-und die Müller oder Schulze dann »kontrollieren« und
-»abwägen«: eine Litteraturgeschichte muß vor allem auf
-die geistigen Strömungen das Hauptgewicht legen, sie
-muß, wenn sie Wert besitzen soll, uns zeigen, wie sich
-diese in dem Kopfe des Verfassers darstellen, der bei
-einer Geschichte mehr auf den geistigen Zusammenhang,
-auf die typischen Erscheinungen, als auf ihre Repräsentanten
-zu achten hat. Die Geschichtsschreibung, die nur
-die »Haupt- und Staatsaktionen« kannte und darstellte,
-hat sich überlebt, die politische Geschichte von ehemals ist<span class="pagenum"><a id="Seite_9"></a>[9]</span>
-der Kulturgeschichte gewichen, die versuchen muß, uns aus
-der Zeit heraus die Erscheinungen zu erklären und verständlich
-zu machen. Von der Litteraturgeschichte muß aber
-noch mehr gefordert werden. Vor allem ist ihre Aufgabe, reinlich
-zu scheiden zwischen dem, was Mode, Reklame und Marktschreierei,
-gute Freunde und getreue Nachbarn aus einem
-Autor gemacht haben, und dem, was ihm an wirklichem
-Verdienste, nach seinem Können, zukommt. Sie hat sich
-mit den schlechten Autoren, die den litterarischen Geschmack
-einer Zeit <em class="gesperrt">wesentlich</em> beeinflussen, ebenso abzufinden
-wie mit den guten, hat auch der <em class="gesperrt">besonderen</em>
-Beeinflussung älterer Werke und Autoren, die für eine
-Zeit wieder lebendig geworden sind, zu gedenken, sie
-muß &ndash; und das nicht zuletzt &ndash; auch gutzumachen
-suchen, was an einem Autor gesündigt wurde, dessen
-Talent sich mit jedem der durch Verlegerreklame und
-Cliquenwirtschaft bekannt gewordenen »Jungen« und
-Modernen messen kann, der aber den Fehler beging, nur
-seine Bücher und nicht auch seine Freunde und Vettern für
-sich reden zu lassen.</p>
-
-<hr class="tb" />
-
-<p>Es bedarf wohl einer Erklärung, warum der vorliegende
-Abriß der deutschen Litteraturgeschichte der Gegenwart
-mit dem Jahre 1880 und nicht, wie dies sonst
-üblich, mit dem Tode Goethes (1832) oder dem Ausbruche
-des deutsch-französischen Krieges (1870) beginnt.</p>
-
-<p>Das eine wie das andere Jahr kommt für die
-Litteratur wenig in Betracht. Der Tod Goethes, wie
-der Ausbruch des Krieges waren rein äußere Umstände:
-der erstere beendete nicht das goldene Zeitalter unserer<span class="pagenum"><a id="Seite_10"></a>[10]</span>
-Litteratur, das mit dem Erscheinen des ersten Teils von
-Faust sein Ende erreichte, und der letztere leitete keine
-neue Epoche unserer Litteratur ein. Wenn es auch gefährlich
-ist, den Beginn einer neuen Litteraturperiode durch
-ein bestimmtes Jahr festzulegen, so haben doch, nach
-unserem Dafürhalten, die 80er Jahre mehr Berechtigung,
-als Ausgangspunkt bei der Darstellung der modernen
-Litteratur angenommen zu werden, als das Jahr 1870,
-das nicht einmal auf einem litterarischen Gebiete &ndash; der
-Kriegslyrik &ndash; neue Blüten trieb, sondern nur politisch
-von Bedeutung ist. Nimmt man ein bestimmtes Jahr
-zum Ausgangspunkt an, so entsteht die Frage, inwieweit
-sich ein Zurückgreifen auf die vorhergehenden Jahre zum
-besseren Verständnisse des angesetzten Jahres notwendig
-macht. Litterarische Erscheinungen wie Freytag und Spielhagen
-&ndash; um Beispiele aus der modernen Litteratur anzuführen
-&ndash; hatten ihren Vorläufer in Gutzkow, wie
-Heyse's Schaffen schließlich auf Goethe zurückführt. Und
-noch eine andere Schwierigkeit erwächst dem Litterarhistoriker
-bei der Darstellung eines bestimmten, engbegrenzten
-Zeitraumes. Heyses, Spielhagens und Freytags litterarische
-Bedeutung und Erfolge &ndash; um bei den einmal Genannten
-zu bleiben &ndash; gehören einer vergangenen Periode an, sie
-waren es nicht, die der neueren Litteratur den Stempel
-aufdrückten und auch ihr eigenes litterarisches Charakterbild
-erhielt durch ihre späteren Schöpfungen keine neuen
-Züge. Das trifft selbst bei einem Autor wie Spielhagen
-zu, der sich wie kaum ein anderer unter den Alten
-bemüht hat, die neue Zeit zu verstehen und mit ihr zu
-paktieren, aber doch immer der alte Spielhagen der 70er
-Jahre blieb.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_11"></a>[11]</span></p>
-
-<p>Die älteren Dichter sind daher in dem vorliegenden
-Abriß nur stiefmütterlich behandelt worden, eine Taktik,
-die auch darauf zurückzuführen ist, daß es nicht schwer hält,
-sich über sie anderenorts zu informieren. Wir wollten
-vor allem den geringen Raum, der uns zur Verfügung
-steht &ndash; das Werkchen ist ein etwas erweiterter Abdruck
-aus dem »Buchhändler-Kalender für 1900« &ndash;
-benutzen, um auf die »neuesten und allerneuesten« Dichter
-aufmerksam zu machen. Daß wir auch hier nur Einzelbilder
-und Einzelerscheinungen herausgreifen konnten und
-auf eine Darstellung der <em class="gesperrt">Entwickelung der neuesten
-Litteratur</em> verzichten mußten, findet gleichfalls seine
-Erklärung in der uns auferlegten räumlichen Beschränkung.
-Sie verführte auch, im Gegensatze zu
-unserer Anschauung, daß eine Litteraturgeschichte nicht
-nur die schöngeistigen Schriften, sondern das gesamte
-Geistesleben zu umfassen hat, soweit es seinen Ausdruck in
-der Litteratur findet und nicht rein fachwissenschaftlicher
-Natur ist, zu einer ausschließlichen Berücksichtigung der
-Belletristik, so daß man Namen wie: Büchner, Eduard
-v. Hartmann, Friedrich Nietzsche, Schopenhauer, Stirner,
-Gregorovius, Treitschke, Sybel, Ranke, Mommsen, Schäffle,
-Ihering, Erich Schmidt, Paul de Lagarde, Karl Hillebrand,
-Victor Hehn, Herman Grimm, Otto Gildemeister, Bamberger,
-Fürst Bismarck, Richard Wagner u. a., in den
-»Charakteristiken« nicht begegnen wird, so sehr sie Anspruch
-auf Aufnahme in eine moderne Litteraturgeschichte
-haben. Dagegen wird man es in einer speciell für Buchhändler,
-Litteraten etc. bestimmten Litteraturgeschichte gerechtfertigt
-finden, daß wir nicht sowohl den Versuch einer
-Charakteristik der litterarischen und verwandten Blätter<span class="pagenum"><a id="Seite_12"></a>[12]</span>
-unternommen, als auch auf den Anteil hingewiesen haben,
-der dem Verlagsbuchhandel an der Entwicklung unserer
-Litteratur zukommt.</p>
-
-<p>Was die in den »Charakteristiken« angeführten
-Dichter betrifft, so wird gewiß schon im kommenden
-Jahrzehnt eine ganze Reihe in der Versenkung verschwinden
-und anderen Platz machen müssen, die jetzt
-bescheiden bei Seite stehen, unbeachtet von der Kritik
-und dem großen Publikum. Ihr Ruhm wird dauernder
-sein als der unserer litterarischen Tagesgrößen, wenn
-auch eine Litteraturgeschichte so geringen Umfangs und
-mit so bescheidenen Aufgaben wie die vorliegende, nur
-vorsichtig für einzelne von ihnen eintreten kann. Denn
-auf die Freude, gerade den <em class="gesperrt">Könnern</em> ohne Anhang in
-der Presse und im Publikum zu ihrem Rechte zu verhelfen,
-muß der Verfasser eines Werkchens verzichten,
-das seiner ganzen Anlage nach nur für die Gegenwart
-berechnet, keine Umwertung der jetzigen litterarischen
-Werte vornehmen kann, sondern allein den Zweck verfolgt,
-über die bekannteren Schriftsteller und ihre Werke ein
-paar orientierende Notizen zu geben, mit denen sich
-die Benutzer besser im litterarischen Leben zurechtfinden
-können.</p>
-
-<p>
-<em class="gesperrt">Leipzig</em>, März 1900.
-</p>
-<p class="mright">
-<b>Emil Thomas.</b>
-</p>
-<hr class="chap" />
-
-<div class="chapter">
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_13"></a>[13]</span></p>
-
-<h2 class="nobreak" id="Inhaltsverzeichnis">Inhaltsverzeichnis.</h2>
-</div>
-
-<table summary="Inhalt">
-<tr>
-<td></td><td class="tdr tdb">Seite</td>
-</tr>
-<tr>
-<td><em class="gesperrt">Vorwort</em></td>
- <td class="tdr tdb"><a href="#Vorwort">5</a></td>
-</tr>
-<tr>
-<td><em class="gesperrt">Überblick</em></td>
- <td class="tdr tdb"><a href="#UEberblick">18</a></td>
-</tr>
-<tr>
-<td><em class="gesperrt">Charakteristiken</em>:
-
-<em class="gesperrt">Die Romanciers der alten Schule</em></td>
- <td class="tdr tdb"><a href="#Die_Romanciers_der_alten_Schule">29</a></td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdlm">Gustav Freytag. &ndash; Friedrich Spielhagen. &ndash; Berthold
-Auerbach. &ndash; Luise von François.</td><td></td>
-</tr>
-<tr>
-<td><em class="gesperrt">Die großen Novellisten der 70er und 80er Jahre</em></td>
- <td class="tdr tdb"><a href="#Die_grossen_Novellisten_der_70er_und">32</a></td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdlm">Conrad Ferd. Meyer. &ndash; Gottfried Keller. &ndash; Theodor
-Storm. &ndash; Paul Heyse.</td><td></td>
-</tr>
-<tr>
-<td><em class="gesperrt">Die Formtalente der alten Schule</em></td>
- <td class="tdr tdb"><a href="#Die_Formtalente_der_alten_Schule">35</a></td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdlm">Emanuel Geibel. &ndash; Friedr. v. Bodenstedt. &ndash; Adolf
-Friedr. Graf v. Schack. &ndash; Rob. Hamerling. &ndash; Albert
-Moeser. &ndash; Heinr. Vierordt.</td><td></td>
-</tr>
-<tr>
-<td><em class="gesperrt">Lyriker und Epiker der 70er und 80er Jahre</em></td>
- <td class="tdr tdb"><a href="#Lyriker_und_Epiker">37</a></td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdlm">Julius Grosse. &ndash; Martin Greif. &ndash; Joh. Georg Fischer.
-&ndash; Friedr. Wilh. Weber. &ndash; Friedrich Theod. Vischer. &ndash;
-Wilh. Jordan. &ndash; Hermann Lingg. &ndash; Stephan Milow. &ndash;
-Ludwig Eichrodt. &ndash; Hermann Allmers. &ndash; Robert Waldmüller.
-&ndash; Rudolf Bunge. &ndash; Adolf Brieger. &ndash; Heinrich
-Bulthaupt. &ndash; Julius Rodenberg. &ndash; Karl Weitbrecht.
-&ndash; Eduard Paulus. &ndash; Isolde Kurz.</td><td></td>
-</tr>
-<tr>
-<td><em class="gesperrt">Die neuzeitlichen Romantiker</em></td>
- <td class="tdr tdb"><a href="#Die_neuzeitlichen_Romantiker">43</a></td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdlm">Otto Roquette. &ndash; Oskar von Redwitz. &ndash; Heinrich Steinhausen.
-&ndash; Wilhelm Hertz.</td><td></td>
-</tr>
-<tr>
-<td><em class="gesperrt">Die Dichter mit dem Erdgeruch</em></td>
- <td class="tdr tdb"><a href="#Die_Dichter_mit_dem_Erdgeruch">44</a></td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdlm">Klaus Groth. &ndash; Ludwig Anzengruber. &ndash; Theod. Herrmann
-Pantenius. &ndash; Peter Rosegger. &ndash; Karl Stieler.<span class="pagenum"><a id="Seite_14"></a>[14]</span>
-&ndash; Hermann von Schmid. &ndash; Maximilian Schmidt. &ndash;
-Ludwig Ganghofer. &ndash; Arthur Achleitner. &ndash; Johann
-Meyer. &ndash; Joh. Heinr. Fehrs. &ndash; Timm Kröger. &ndash; Heinr.
-Hansjakob. &ndash; Hermine Villinger. &ndash; Clara Viebig. &ndash;
-Adolf Bartels. &ndash; Charlotte Niese. &ndash; Ilse Frapan. &ndash;
-August Sperl. &ndash; Heinrich Sohnrey.</td><td></td>
-</tr>
-<tr>
-<td><em class="gesperrt">Die Kulturnovellisten</em></td>
- <td class="tdr tdb"><a href="#Die_Kulturnovellisten">49</a></td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdlm">Wilhelm Heinrich Riehl. &ndash; Karl Emil Franzos. &ndash; Leopold
-Kompert. &ndash; Leopold von Sacher-Masoch.</td><td></td>
-</tr>
-<tr>
-<td><em class="gesperrt">Die Dichter-Archäologen</em></td>
- <td class="tdr tdb"><a href="#Die_Dichter-Archaeologen">50</a></td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdlm">Georg Ebers. &ndash; Felix Dahn. &ndash; Ernst Eckstein. &ndash;
-George Taylor. &ndash; Oskar Linke.</td><td></td>
-</tr>
-<tr>
-<td><em class="gesperrt">Die Dramatiker der alten Schule</em></td>
- <td class="tdr tdb"><a href="#Die_Dramatiker_der_alten_Schule">52</a></td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdlm">Rudolf v. Gottschall. &ndash; Hans Herrig. &ndash; Arthur Fitger.
-&ndash; Heinrich Kruse. &ndash; Albert Lindner.</td><td></td>
-</tr>
-<tr>
-<td><em class="gesperrt">Die sogenannten Lustspieldichter</em></td>
- <td class="tdr tdb"><a href="#Die_sogenannten_Lustspieldichter">53</a></td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdlm">Oskar Blumenthal. &ndash; Hugo Lubliner. &ndash; Gustav von
-Moser. &ndash; Adolf L'Arronge.</td><td></td>
-</tr>
-<tr>
-<td><em class="gesperrt">Die Übergangstalente</em></td>
- <td class="tdr tdb"><a href="#Die_UEbergangstalente">54</a></td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdlm">Hans Hopfen. &ndash; Wilhelmine von Hillern. &ndash; Karl
-v. Heigel. &ndash; Karl Frenzel. &ndash; Adolf Stern. &ndash; Ferdinand
-von Saar. &ndash; Heinrich von Reder.</td><td></td>
-</tr>
-<tr>
-<td><em class="gesperrt">Vaganten und Spielmänner</em></td>
- <td class="tdr tdb"><a href="#Vaganten_und_Spielmaenner">56</a></td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdlm">Josef Victor von Scheffel. &ndash; Rudolf Baumbach. &ndash;
-Julius Wolff.</td><td></td>
-</tr>
-<tr>
-<td><em class="gesperrt">Die Goldschnittlyriker der 80er Jahre</em></td>
- <td class="tdr tdb"><a href="#Die_Goldschnittlyriker_der_80er_Jahre">57</a></td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdlm">Karl Gerok. &ndash; Julius Sturm. &ndash; Albert Traeger. &ndash;
-Emil Rittershaus.</td><td></td>
-</tr>
-<tr>
-<td><em class="gesperrt">Die Beschaulichen</em></td>
- <td class="tdr tdb"><a href="#Die_Beschaulichen">58</a></td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdlm">Wilhelm Raabe. &ndash; Wilhelm Busch. &ndash; Hans Hoffmann.
-&ndash; Heinrich Seidel. &ndash; Victor Blüthgen.</td><td></td>
-</tr>
-<tr>
-<td><em class="gesperrt">Die Behaglichen</em></td>
- <td class="tdr tdb"><a href="#Die_Behaglichen">60</a></td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdlm">Julius Stinde. &ndash; Johannes Trojan. &ndash; Julius Lohmeyer.
-&ndash; Edwin Bormann. &ndash; Georg Bötticher. &ndash; Hans
-Arnold.</td><td></td>
-</tr>
-<tr>
-<td><em class="gesperrt">Die Dichter der Dekadenz</em><span class="pagenum"><a id="Seite_15"></a>[15]</span></td>
- <td class="tdr tdb"><a href="#Die_Dichter_der_Dekadenz">61</a></td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdlm">Dranmor. &ndash; Eduard Grisebach. &ndash; Emil Prinz von
-Schönaich-Carolath. &ndash; Hieronymus Lorm. &ndash; Alberta
-von Puttkamer. &ndash; Ada Christen.</td><td></td>
-</tr>
-<tr>
-<td><em class="gesperrt">Die Marlitt und ihre Schule</em></td>
- <td class="tdr tdb"><a href="#Die_Marlitt_und_ihre_Schule">63</a></td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdlm">E. Marlitt. &ndash; W. Heimburg. &ndash; E. Werner. &ndash; Marie
-Bernhard. &ndash; Nataly von Eschstruth.</td><td></td>
-</tr>
-<tr>
-<td><em class="gesperrt">Die »Jüngstdeutschen« und ihre Vorkämpfer</em></td>
- <td class="tdr tdb"><a href="#Die_Juengstdeutschen_und_ihre">64</a></td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdlm">Karl Bleibtreu. &ndash; Michael Georg Conrad. &ndash; Hermann
-Conradi. &ndash; Konrad Alberti. &ndash; Heinrich Hart. &ndash; Julius
-Hart. &ndash; Hermann Heiberg. &ndash; Max Kretzer. &ndash; Wilhelm
-Walloth. &ndash; Wilhelm Arent. &ndash; Wolfgang Kirchbach.</td><td></td>
-</tr>
-<tr>
-<td><em class="gesperrt">Socialistische Lyriker</em></td>
- <td class="tdr tdb"><a href="#Socialistische_Lyriker">67</a></td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdlm">Arno Holz. &ndash; Karl Henckell. &ndash; Maurice Reinhold
-Stern. &ndash; John Henry Mackay. &ndash; Bruno Wille.</td><td></td>
-</tr>
-<tr>
-<td><em class="gesperrt">Die Nationalen</em></td>
- <td class="tdr tdb"><a href="#Die_Nationalen">69</a></td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdlm">Adolf Pichler. &ndash; Karl Pröll. &ndash; Fritz Lienhard. &ndash;
-Anton Ohorn. &ndash; Anton Aug. Naaff. &ndash; Ottomar
-Beta. &ndash; Adolf Graf v. Westarp. &ndash; E. Bauer. &ndash;
-Carl Kerstan.</td><td></td>
-</tr>
-<tr>
-<td><em class="gesperrt">Die großen neuzeitlichen Erzähler</em></td>
- <td class="tdr tdb"><a href="#Die_grossen_neuzeitlichen_Erzaehler">71</a></td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdlm">Theodor Fontane. &ndash; Wilhelm Jensen. &ndash; Marie von
-Ebner-Eschenbach. &ndash; Adolf Wilbrandt. &ndash; Richard Voß.</td><td></td>
-</tr>
-<tr>
-<td><em class="gesperrt">Realistische Erzähler</em></td>
- <td class="tdr tdb"><a href="#Realistische_Erzaehler">73</a></td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdlm">Ernst von Wolzogen. &ndash; Konrad Telmann. &ndash; Alexander
-von Roberts. &ndash; Georg v. Ompteda. &ndash; Wilhelm v. Polenz.
-&ndash; Ad. Schmitthenner. &ndash; Karl v. Perfall. &ndash; Anton
-v. Perfall. &ndash; Oscar Mysing. &ndash; Richard Nordhausen. &ndash;
-J. J. David. &ndash; Felix Hollaender. &ndash; Heinz Tovote.</td><td></td>
-</tr>
-<tr>
-<td><em class="gesperrt">Die Unterhaltungstalente</em></td>
- <td class="tdr tdb"><a href="#Die_Unterhaltungstalente">77</a></td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdlm">Ernst Wichert. &ndash; August Niemann. &ndash; Gerhardt von
-Amyntor. &ndash; Otto v. Leixner. &ndash; Fritz Mauthner. &ndash;
-Theophil Zolling. &ndash; Rudolf Stratz. &ndash; Hans Land.
-&ndash; Wilh. Wolters. &ndash; Franz v. Königsbrun-Schaup.
-&ndash; Fedor von Zobeltitz. &ndash; Hanns von Zobeltitz. &ndash;<span class="pagenum"><a id="Seite_16"></a>[16]</span>
-Ida Boy-Ed. &ndash; A. v. d. Elbe. &ndash; Claire Glümer. &ndash;
-Sophie Junghans. &ndash; Luise Westkirch.</td><td></td>
-</tr>
-<tr>
-<td><em class="gesperrt">Romanciers des <em class="antiquagesperrt">High-life</em></em></td>
- <td class="tdr tdb"><a href="#Romanciers_des_High-life">81</a></td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdlm">Rudolf Lindau. &ndash; Ossip Schubin. &ndash; Baron Carl
-Torresani. &ndash; Johannes Richard zur Megede. &ndash; Bertha
-von Suttner.</td><td></td>
-</tr>
-<tr>
-<td><em class="gesperrt">Die Feuilletonisten</em></td>
- <td class="tdr tdb"><a href="#Die_Feuilletonisten">82</a></td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdlm">Paul Lindau. &ndash; Max Nordau. &ndash; Julius Langbehn. &ndash;
-Emil Peschkau. &ndash; Balduin Groller. &ndash; Ferdinand
-Groß. &ndash; Hermann Bahr. &ndash; Maximilian Harden.</td><td></td>
-</tr>
-<tr>
-<td><em class="gesperrt">Die Industriellen</em></td>
- <td class="tdr tdb"><a href="#Die_Industriellen">84</a></td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdlm">Gregor Samarow. &ndash; Alfr. Friedmann.</td><td></td>
-</tr>
-<tr>
-<td><em class="gesperrt">Die dramatischen Hauptmänner</em></td>
- <td class="tdr tdb"><a href="#Die_dramatischen_Hauptmaenner">85</a></td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdlm">Ernst von Wildenbruch. &ndash; Gerhart Hauptmann. &ndash;
-Hermann Sudermann.</td><td></td>
-</tr>
-<tr>
-<td><em class="gesperrt">Die kleineren Dramatiker der Neuzeit</em></td>
- <td class="tdr tdb"><a href="#Die_kleineren_Dramatiker_der_Neuzeit">88</a></td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdlm">Max Halbe. &ndash; Ludwig Fulda. &ndash; Arthur Schnitzler. &ndash;
-Josef Lauff. &ndash; Felix Philippi. &ndash; Max Dreyer. &ndash;
-Josef Ruederer. &ndash; Caesar Flaischlen. &ndash; Otto Erich
-Hartleben. &ndash; Philipp Langmann. &ndash; Ernst Rosmer. &ndash;
-Georg Hirschfeld.</td><td></td>
-</tr>
-<tr>
-<td><em class="gesperrt">Tendenzfreie Lyriker der jüngsten Zeit</em></td>
- <td class="tdr tdb"><a href="#Tendenzfreie_Lyriker_der_juengsten_Zeit">91</a></td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdlm">Detlev von Liliencron. &ndash; Gustav Falke. &ndash; Carl
-Busse. &ndash; Ludwig Jacobowski. &ndash; Richard Zoozmann. &ndash;
-Reinhold Fuchs. &ndash; Jeannot Emil Freiherr v. Grotthuß. &ndash;
-Ricarda Huch. &ndash; Alfred Beetschen. &ndash; Hans Bethge. &ndash;
-Anna Ritter. &ndash; Johanna Ambrosius. &ndash; Ludwig
-Palmer. &ndash; Gustav Renner.</td><td></td>
-</tr>
-<tr>
-<td><em class="gesperrt">Philosophische und polemische Dichter</em></td>
- <td class="tdr tdb"><a href="#Philosophische_und_polemische_Dichter">94</a></td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdlm">Ferdinand Avenarius. &ndash; Wilhelm Weigand. &ndash; Otto
-Ernst. &ndash; Carl Spitteler. &ndash; Josef Viktor Widmann. &ndash;
-Christian Wagner. &ndash; Wilhelm Bölsche. &ndash; Walther
-Siegfried. &ndash; Benno Rüttenauer.</td><td></td>
-</tr>
-<tr>
-<td><em class="gesperrt">Die Amazonen des Geistes</em></td>
- <td class="tdr tdb"><a href="#Die_Amazonen_des_Geistes">97</a></td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdlm">Marie Eugenie delle Grazie. &ndash; Helene Böhlau. &ndash; Anna<span class="pagenum"><a id="Seite_17"></a>[17]</span>
-Croissant-Rust. &ndash; Maria Janitschek. &ndash; Emil Marriot. &ndash;
-Hermione von Preuschen. &ndash; Lou Andreas-Salomé. &ndash;
-Gabriele Reuter. &ndash; Anselm Heine. &ndash; Hans von Kahlenberg.
-&ndash; Elsa Asenijeff.</td><td></td>
-</tr>
-<tr>
-<td><em class="gesperrt">»Artisten«, Symbolisten und Unverstandene</em></td>
- <td class="tdr tdb"><a href="#Artisten">99</a></td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdlm">Johannes Schlaf. &ndash; Otto Julius Bierbaum. &ndash; Franz
-Evers. &ndash; Stanislaw Przybyszewski. &ndash; Richard Dehmel.
-&ndash; Frank Wedekind. &ndash; Wilhelm von Scholz. &ndash; Felix
-Dörmann. &ndash; Hugo v. Hofmannsthal. &ndash; Hugo Salus.
-&ndash; Peter Altenberg. &ndash; Stephan George. &ndash; Alfred
-Mombert. &ndash; Paul Scheerbart.</td><td></td>
-</tr>
-<tr>
-<td><em class="gesperrt">Nationale Jungösterreicher</em></td>
- <td class="tdr tdb"><a href="#Nationale_Jungoesterreicher">103</a></td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdlm">Arthur von Wallpach. &ndash; Franz Herold. &ndash; Hermann
-Hango. &ndash; Josef Kitir. &ndash; Oskar Weilhart. &ndash; Franz
-Adamus. &ndash; Emil Ertl. &ndash; Heinrich v. Schullern. &ndash;
-Hanns Weber-Lutkow. &ndash; Hugo Greinz.</td><td></td>
-</tr>
-<tr>
-<td><em class="gesperrt">Zur Charakteristik litterarischer und verwandter
-Blätter</em></td>
- <td class="tdr tdb"><a href="#Zur_Charakteristik_litterarischer_und">106</a></td>
-</tr>
-<tr>
-<td><em class="gesperrt">Der Verlagsbuchhandel und sein Anteil an der
-Litteratur der Gegenwart</em></td>
- <td class="tdr tdb"><a href="#Der_deutsche_Verlagsbuchhandel">118</a></td>
-</tr>
-<tr>
-<td><em class="gesperrt">Register der in den »Charakteristiken« angeführten
-Namen</em></td>
- <td class="tdr tdb"><a href="#Register">133</a></td>
-</tr>
-</table>
-<hr class="chap" />
-
-<div class="chapter">
-<span class="pagenum"><a id="Seite_18"></a>[18]</span>
-
-<h2 class="nobreak" id="UEberblick">Überblick.</h2>
-</div>
-
-<p>Der deutsch-französische Krieg 1870/71 erfüllte das
-Sehnen der Nation nach Einheit und Macht unter einem
-neuen deutschen Kaisertum: eine neue Litteratur brachte
-er nicht. Selbst die Kriegslyrik trieb nur wenig neue
-Blüten; Schlag auf Schlag war draußen in Frankreich
-erfolgt, und ehe man Zeit fand, den jungen Ruhm
-dichterisch zu verherrlichen, war der Friede geschlossen.
-Was sehnsüchtig die Besten der Nation herbeigewünscht,
-war in Erfüllung gegangen, aber nach dem jahrzehntelangen
-Warten stand man zu plötzlich am Ziel, um die
-Wandlung begreifen zu können. In den Kabinetten war
-der Krieg beschlossen worden, die Volksseele hatte wenig
-Teil an ihm. Auch die Errichtung des deutschen Kaisertums
-war mehr ein Akt der Diplomatie, als der Ausfluß
-jenes Sehnens, das im Volke lebte und dessen Erfüllung
-man kaum noch erhoffte, als sie schon eingetreten war.
-Die wenigen großen Dichter, die wir um jene Zeit besaßen,
-waren in ihrer Entwicklung bereits abgeschlossen,
-als Bismarck Deutschland in den Sattel hob. Paul Heyse
-war zu sehr Künstler, Ästhetiker, als daß von ihm eine
-nationale Kunst ihren Ausgang nehmen konnte. Seine
-Sehnsucht ging mehr nach dem sonnigen Italien oder<span class="pagenum"><a id="Seite_19"></a>[19]</span>
-dem schönheitstrunkenen Hellas, als nach dem neuen
-Deutschen Reiche. Berthold Auerbach hatte sein Bestes schon
-geleistet und Gustav Freytags altfränkisch-philiströse Kunst fand
-sich ebensowenig im neuen Deutschland zurecht, wie Friedrich
-Spielhagens politisches Glaubensbekenntnis. Die beiden
-Schweizer Gottfried Keller und Conrad Ferd. Meyer
-standen zu weit ab vom Deutschen Reiche, um wirklichen
-Einfluß auf sein nationales Leben zu gewinnen. So
-verklang das Lied vom »Grünen Heinrich« in der Ferne
-und erst viel später wurde seine Melodie wieder gehört.
-Conrad Ferd. Meyers feinciselierte Kunst war nie Volkskunst,
-ihr Einfluß blieb auch später auf Litteraten- und
-Künstlerkreise beschränkt. Das Volk trug kein Verlangen
-nach Kunst; was es suchte, war Unterhaltung &ndash; Genuß.
-Die Milliarden kamen ins Land und ein toller Taumel
-erfaßte alle Kreise: wer früher Wasser getrunken, berauschte
-sich jetzt in Champagner. Die Gründerperiode
-war angebrochen, das Gold übte seine Zauberkraft, alles
-in seinen Bann ziehend und alle anderen als vitale
-Interessen ertötend. Oskar Blumenthal und Paul Lindau,
-Namen, die heute schon vom litterarischen Schauplatz
-verschwunden sind, feierten ihre Triumphe, und das
-eroberte Paris war es, das seine litterarischen Schatzkammern
-öffnete und dem neuen Reich auch die »neue
-Kunst« gab. Sie war auch danach und ihrer Vertreter
-würdig. Die beiden Litteraturpäpste an der Spree waren
-aus dem Journalismus hervorgegangen. Beide suchten
-mit Pamphleten schlimmster Sorte ihr Ansehen zu begründen.
-Den »Allerlei Ungezogenheiten« des »blutigen
-Oscar« traten die »Litterarischen Rücksichtslosigkeiten«
-Lindaus ebenbürtig zur Seite. Alles, was in Deutschland<span class="pagenum"><a id="Seite_20"></a>[20]</span>
-einen Namen besaß, verfiel ihnen und wurde mit
-Spott und Hohn überschüttet. Paris war die Parole.
-Hatte das kriegerische Frankreich keine Lorbeeren gepflückt,
-so fielen sie jetzt dem künstlerischen Frankreich überreich
-in den Schoß. Selbst vor dem Kriege war die Abhängigkeit
-von unseren westlichen Nachbarn nicht so groß
-wie nach der Wiedergeburt Deutschlands, das sich erst
-auf seine Machtstellung besinnen mußte. Irregeleitet von
-falschen Propheten, die ihre Lehrjahre in Paris durchgemacht
-hatten, wußte das Volk nichts Besseres, als der
-leichtgeschürzten gallischen Muse zuzujubeln und ihre
-Kinder für den Inbegriff des Schönen und Wahren
-hinzustellen.</p>
-
-<p>Die Zeiten des Kulturkampfes waren der Entwickelung
-der deutschen Dichtung wenig günstig, die Handvoll
-wirklicher Poeten, die Deutschland besaß, ging unverstanden
-ihre Wege und viel später erst fand sie Anerkennung.
-Die Gründerperiode hatte bald abgewirtschaftet,
-der Krach kam, der Champagnerrausch verflog
-und nur der Katzenjammer blieb zurück. Damals wurde
-Schopenhauer Mode. Sein Schüler Grisebach sang seine
-Tannhäuserlieder, die die Stimmung des Volkes widerspiegeln,
-das von Genuß zu Genuß taumelt, bis ihm
-erwachend der Ekel kommt. Eine Zeit der Nüchternheit
-und Niedergeschlagenheit folgte den tollen Jahren, eine
-Zeit, in der die Litteratur auf die Zuneigung der höheren
-Töchter angewiesen war. Die Poesie flüchtete in die
-Gelehrtenstuben und drapierte sich malerisch mit griechischen
-und ägyptischen Gewändern, um sich ein besonderes Air
-zu geben. Es waren die Erntejahre der Dahn und
-Ebers. In ihrem Gefolge erschienen die Scheffel, Wolff<span class="pagenum"><a id="Seite_21"></a>[21]</span>
-und Baumbach und ließen ihre Spielmannsweisen ertönen.
-Die Romantik hat den Deutschen immer im Blute gesteckt
-und sie sollte auch im neuen Deutschen Reiche nicht
-zu kurz kommen. Was ihre Vertreter an gutem Geschmack
-noch übrig ließen, das richteten die Gartenlaube-Talente
-vom Schlage der Marlitt zu Grunde. Wohl hatte Storm
-bereits seine schönsten Lieder gesungen, Wilh. Raabe,
-Anzengruber und Rosegger waren bei der Arbeit und
-andere kleinere Talente ihnen gefolgt, aber was vermochten
-sie gegen die Protegés der höheren Töchter in einer Zeit,
-die die Kunst nur als angenehme Zugabe zum Leben
-betrachtete und keine Dichter haben wollte?</p>
-
-<p>In dieser Zeit des Niederganges erstand dem litterarischen
-Deutschland ein Retter in einer Gruppe junger
-Schriftsteller, die dem allmählichen Versanden der Litteratur
-nicht länger teilnahmslos zusehen wollte. Sie
-empfand tief die Mißachtung, die man dem einheimischen
-Schrifttum entgegegenbrachte, eine Mißachtung, an der
-nicht sowohl das Publikum als auch die Litteratur selbst
-schuld war. Die erste Streitschrift »Kritische Waffengänge«,
-die der »neuen Litteratur« die Wege bahnen
-sollte, ging von den Gebrüdern Hart aus.</p>
-
-<p>In einem einleitenden Aufsatze: »Wozu, wogegen,
-wofür?« entwickeln sie ihr Programm: Sie wollen aufräumen
-mit dem eklektischen Dilettantismus, der sich breit
-macht, mit dem um sich fressenden Kastratentum der
-Kritik. Sie wollen Platz machen für bessere und edlere
-Geister, weil sie nicht an einen Niedergang der Litteratur
-glauben können und wollen.</p>
-
-<p>»Hinweg also mit der schmarotzenden Mittelmäßigkeit,
-hinweg alle Greisenhaftigkeit und alle Blasiertheit,<span class="pagenum"><a id="Seite_22"></a>[22]</span>
-hinweg das verlogene Recensententum, hinweg mit der
-Gleichgiltigkeit und hinweg mit allem sonstigen Geröll
-und Gerümpel. Reißen wir die jungen Geister los aus
-dem Banne, der sie umfängt, machen wir ihnen Lust und
-Mut, sagen wir ihnen, daß das Heil nicht aus Ägypten
-und Hellas kommt, sondern daß sie schaffen müssen aus der
-germanischen Volksseele heraus, daß wir einer echt nationalen
-Dichtung bedürfen, nicht dem Stoffe nach, sondern dem
-Geiste, daß es wieder anzuknüpfen gilt an den jungen Goethe
-und seine Zeit, und daß wir keine weitere Formenglätte
-brauchen, sondern mehr Tiefe, mehr Glut, mehr Größe.«</p>
-
-<p>Und nun kommen die kritischen Abschlachtungen. Im
-ersten Heft muß der Dramatiker Heinrich Kruse herhalten,
-im zweiten wird Paul Lindau vorgenommen. Ihm folgen
-Hugo Bürger (Hugo Lubliner) und Albert Träger. Das
-vierte Heft enthält eine Beleuchtung des »Deutschen
-Theater« L'Arronges; im fünften wird Graf Schack gelobt
-und zum Schluß Spielhagen und dem deutschen
-Roman der Gegenwart näher oder besser zu nahe getreten.
-&ndash; Den »Kritischen Waffengängen« folgte die Arent'sche
-Anthologie »Moderne Dichtercharaktere«, der sich Karl
-Bleibtreu mit seiner Broschüre: »Revolution der Litteratur«
-anschloß. Um den »Jungen« ein Organ zu schaffen, in
-dem sie ihre Meinungen ungeschminkt zum Ausdruck
-bringen konnten, gründete M. G. Conrad in Gemeinschaft
-mit Bleibtreu »Die Gesellschaft«. Sie wurde bald der
-Mittelpunkt einer Anzahl junger Schriftsteller, unter denen
-sich neben den Herausgebern Hermann Conradi, Wilhelm
-Walloth, Konrad Alberti bemerkbar machten.</p>
-
-<p>Wie bei jeder neuen Kunstrichtung schoß man auch
-hier über das Ziel hinaus, und in dem Bestreben, alles<span class="pagenum"><a id="Seite_23"></a>[23]</span>
-Bestehende über den Haufen zu werfen oder doch zu reformieren,
-wurde man ungerecht und was noch schlimmer war, roh.
-Dazu kam, daß man an Stelle der alten Kunst zwar
-ein neues <em class="gesperrt">Programm</em>, aber keine neue <em class="gesperrt">Kunst</em> setzen
-konnte. Auch da mußte Frankreich aushelfen. Der den
-Deutschen verwandte Meister Zola zog die Jüngsten in
-seinen Bann, und wie helle Fanfarenstöße klang sein Name
-in das Lager der »Alten«. Wahrheit und Natur waren
-die Schlagworte, mit denen man der Romantik zu Leibe
-ging. Die Großstadt mit ihrer Pracht und ihrem Elend
-wurde entdeckt, die Kellnerinnen und Dirnen in die Litteratur
-eingeführt und die vielgliedrige sociale Frage der
-Belletristik einverleibt. Aber dem großen Wollen entsprach
-nur ein geringes Können. Bleibtreu suchte den Satz zu
-erweisen, das Genie sei der Fleiß, und schrieb unermüdlich
-Band auf Band, M. G. Conrad schuf seine Münchener
-Großstadt-Romane nach Zola'schem Recept, Konrad Alberti
-wählte sich Berlin zum Schauplatz seiner socialen Romane
-und Hermann Conradi stammelte brünstige Lieder und
-»Phrasen«. Daneben sangen Arno Holz und Karl Henckell
-ihre Proletarierlieder, bei denen Geibel und Herwegh Pate
-gestanden, Liliencron sattelte seinen Pegasus zu den
-»Adjutantenritten« und Hermann Heiberg schrieb seinen
-»Apotheker Heinrich«.</p>
-
-<p>So beachtenswert auch einzelne Leistungen waren,
-so wenig konnte das Gesamtbild befriedigen. Die neuen
-Stoffe besaß man wohl, aber die Künstler fehlten, sie
-zu gestalten. Auch sonst kam noch manches hinzu, was
-wenig geeignet war, der neuen Kunst Anhänger zuzuführen.
-Ästhetisch feiner empfindende Naturen fühlten
-sich abgestoßen von dem Gebahren der Jüngstdeutschen,<span class="pagenum"><a id="Seite_24"></a>[24]</span>
-die den weichen Künstlerschlapphut der Münchener Schule
-ostentativ mit der Ballonmütze des Proletariers vertauschten
-und in der Art sich zu geben vieles zu
-wünschen übrig ließen. Die Unzulänglichkeit in der Bewältigung
-der neuen Stoffe führte wieder zu einer Anlehnung
-an das Ausland. Dank den »Gründer«-Übeln
-übersah man Dichter wie <em class="gesperrt">Otto Ludwig</em> und vor allem
-<em class="gesperrt">Friedrich Hebbel</em>, die zwar noch keine socialistische
-und Kellnerinnen-Litteratur geschaffen, aber den <em class="gesperrt">natürlichen
-Übergang</em> von der alten zur neuen nationalen
-Kunst darstellen. Ibsen und Tolstoi, denen sich Strindberg,
-Björnson, Dostojewskij u. a. zugesellten, wurden
-vielmehr neben Zola die großen Vorbilder, denen die
-Jüngstdeutschen nacheiferten. An Ibsen bewunderte man
-die Kühnheit, mit der er an alle ererbten Institutionen
-und Anschauungen herantrat und ihre Fäulnis und
-Verderbtheit aufdeckte. Und daneben lag in dem »Wunderbaren«,
-auf das der große Prophet des Nordens hinwies,
-ein eigener Zauber, der ebenso gefangen nahm, wie die
-Lehre von dem Erbarmen mit dem Elend der Gegenwart,
-die Tolstoi verkündete. Ibsen besonders hat das große
-Publikum mit dem Denken und Empfinden der Modernen
-vertraut gemacht: die Hunderttausende von Exemplaren,
-die Reclam von seinen Stücken in die Welt sandte,
-predigten das neue Evangelium der Kunst. Neben ihm
-aber war ein anderer Prophet aufgetreten, der über
-Stirner noch hinausgehend, die Philosophie des Egoismus
-predigte und das »robuste Gewissen« verherrlichte:
-Friedrich Nietzsche. Der Sklavenmoral des Christentums
-setzte er die Herrenmoral des »Uebermenschen« gegenüber
-und wenn er auch kein System auf- und ausgebaut hat,<span class="pagenum"><a id="Seite_25"></a>[25]</span>
-so hat seine Lehre doch den stärksten Einfluß auf die
-jüngste Dichtergeneration ausgeübt, die sich an seinen
-großen Worten berauschte und das von ihm verherrlichte
-Übermenschentum für sich zu pachten suchte.<a id="FNAnker_2" href="#Fussnote_2" class="fnanchor">[2]</a></p>
-
-<div class="footnotes">
-<div class="footnote">
-<p><a id="Fussnote_2" href="#FNAnker_2" class="label">[2]</a> Die Gebrüder Hart hatten in ihren »Kritischen Waffengängen«
-die Forderung aufgestellt: die deutschen Dichter müßten
-»aus der germanischen Volksseele <span id="corr025">heraus schaffen</span>«; ihre modernen
-Mitstürmer aber vermochten, wie oben ausgeführt, die Stoffe, die
-in der deutschen Volksseele lebten, weder zu erfassen, noch zu
-gestalten. Sie verfielen vielmehr der krassesten Ausländerei und
-befriedigten ihren germanischen Litteraturdrang dadurch, daß sie
-gehorsam zu den Füßen der Franzosen, Russen und Norweger
-saßen. Gegen diese Versumpfung der »litterarischen Revolution«
-und »Moderne« trat eine Bewegung auf, die das »Nationale«
-wieder in den Vordergrund zu schieben und eine »Heimatkunst«
-zu schaffen suchte. Politisch schloß sie sich an die Deutschbewegung
-in Österreich und den russischen Ostseeprovinzen an und fand
-ihren stärksten Ausdruck in dem von Erwin Bauer gegründeten
-»Zwanzigsten Jahrhundert«, zu dessen Mitarbeitern Karl Pröll,
-Adolf Graf Westarp, Fritz Lienhard, Oskar Linke, Jeannot Emil
-von Grotthuß u. a. gehörten. Diese »nationale« Litteratur-Bewegung
-verfiel jedoch sehr bald dem politischen Antisemitismus
-und verlor dadurch den Einfluß auf die deutsche Jugend ebenso
-rasch, wie sie ihn gewonnen hatte. Erst in den letzten Jahren
-sind diese Bestrebungen, wenn auch in etwas veränderter Form,
-von Ferdinand Avenarius, Adolf Bartels, Fritz Lienhard u. a. im
-»Kunstwart« und neuerdings in der »Heimat« wieder erfolgreich
-aufgenommen worden.</p>
-</div>
-</div>
-
-<p>War es um die Litteratur im allgemeinen schon
-schlecht bestellt, so hatte das deutsche Theater im besonderen
-unter dem Tiefstand des litterarischen Interesses und des
-herrschenden Geschmacks zu leiden. Erst Richard Wagners
-Schöpfung des musikalischen Dramas erinnerte daran,<span class="pagenum"><a id="Seite_26"></a>[26]</span>
-daß die Bühne anderen Zwecken zu dienen habe als der
-Darstellung französischer Possen und Zoten. Seine Dramen
-ließen die Vergangenheit wieder aufleben, in seinen stolzen
-Reckengestalten und heldenmütigen Frauen zeigte der Dichter-Komponist
-wieder Ideale, an die der Glaube längst abhanden
-gekommen. Aber Wagners Bedeutung liegt mehr
-auf musikalischem als dichterischem Gebiete und auf die
-große Menge hat seine Kunst kaum Einfluß gewonnen.
-Zudem waren die Wagnerianer, die heute eine Welt
-darstellen, damals wenig mehr als eine kleine Fanatikergemeinde.
-Von der jüngeren Generation war Wildenbruch
-der erste, der sich die Bühne mit seinen Stücken eroberte,
-in denen er dramatisch das Ergebnis der neuen Gestaltung
-Deutschlands zu ziehen suchte. Er schuf eigenartige
-Charakterbilder aus der brandenburg-preußischen Geschichte
-und das Schillersche Pathos, das er anschlug, gewann
-ihm die Gunst des Publikums im Fluge. Das eigentliche
-Drama der Gegenwart aber, das seinen Stoff dem
-modernen socialen Leben entnimmt, brachte der neuen
-Zeit zuerst Sudermann in seiner »Ehre«. Sie leitete
-eine neue Epoche unseres Litteraturlebens ein, nicht ihres
-künstlerischen Gehaltes wegen, sondern durch die Anteilnahme
-an dem dichterischen Schaffen unserer Tage, die
-sie in den Kreisen des Publikums weckte. Auf die unbestrittenen
-Erfolge Sudermanns folgten die lärmenden
-Kundgebungen, mit denen man die ersten Schöpfungen
-Hauptmanns empfing, die noch ganz unter dem Einflusse
-Ibsens standen. Andere jüngere Talente, wie Halbe,
-Fulda, Hartleben schlossen sich an. Durch sie und die
-späteren Triumphe Hauptmanns wurde die Bühne
-dem Naturalismus dauernd gewonnen: die Jüngsten<span class="pagenum"><a id="Seite_27"></a>[27]</span>
-hatten gesiegt, wenn auch auf einem anderen Plane als
-dem zuerst ins Auge gefaßten. Ihr Augenmerk war
-ursprünglich auf die Regeneration des Romans gerichtet,
-dem sie neue Stoffgebiete zu erschließen suchten. In
-Wirklichkeit war es nur die Technik, die eine Umgestaltung
-erfuhr, denn auch die Dichter der alten Schule, Spielhagen,
-Heyse, um nur zwei der noch lebenden zu nennen, hatten
-aus ihrer Zeit geschöpft und versucht, ein Bild derselben
-zu geben.</p>
-
-<p>Das unbestrittene Verdienst der neuen Schule ist die
-stärkere Anteilnahme der Litteratur am Leben der Gegenwart,
-dessen Erscheinungen sie festzuhalten und künstlerisch
-zu gestalten sucht. Schon beginnt das Interesse
-für den romanischen Süden dem Zug nach dem germanischen
-Norden zu weichen und an Stelle der »Internationalität«
-sucht man wieder die volkstümlichen Grundlagen unserer Kunst
-auf: die Heimat und ihre Vergangenheit. Diese Errungenschaften
-der letzten Jahre werden durch die blutlose Nervenpoesie
-der Symbolisten, Neurotiker, Esoteriker und wie die
-neuen Kunstjünger alle heißen, kaum gefährdet werden, das
-bloße Spielen mit Inhalt und Form, das »halbe heimliche
-Empfinden« wird Menschen mit ganzem gesunden Empfinden
-schwerlich in seinen Bann ziehen. Denn wenn man auch
-von dem echten Dichter verlangt, daß er die ganze Empfindungsklaviatur
-beherrscht, also auch die »schwarzen Tasten«,
-die »halben Töne« kennt, so darf doch nicht vergessen
-werden, daß diese immer nur <em class="gesperrt">den</em> Wert haben, <em class="gesperrt">die
-Gefühls- und Gedankenwelt des Dichters</em> zu besserem,
-stärkerem Ausdruck zu bringen. Denn auf <em class="gesperrt">diese</em>, nicht
-auf die Technik kommt es an, so sehr auch die letztere
-die Absichten des Dichters zu unterstützen vermag. Verheißungsvoll<span class="pagenum"><a id="Seite_28"></a>[28]</span>
-für das Gedeihen unserer Litteratur ist die
-Rückkehr vom Ausland und seinen Vorbildern zur Heimat,
-zu Goethe und die Annäherung an die Kunstprinzipien
-der Vergangenheit: nur in dem Kompromiß des Alten
-mit dem Neuen kann für die nächste Zukunft das Heil
-der deutschen Dichtung erblickt werden.</p>
-<hr class="chap" />
-
-<div class="chapter">
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_29"></a>[29]</span></p>
-
-<h2 class="nobreak" id="Die_Romanciers_der_alten_Schule">Die Romanciers der alten Schule.</h2>
-</div>
-
-<p><b>Gustav Freytag</b>, geb. am 13. Juli 1816 zu
-Kreuzburg, gest. am 30. April 1895, wird als der
-Dichter des deutschen Bürgertums gefeiert. Selbst durch
-die besten Werke, die er geschaffen, geht ein leiser philiströser
-Zug, den er vielleicht seiner Stellung als Privatdocent
-in Breslau verdankt. Fast allen Büchern Freytags
-sieht man an, daß ihr Verfasser Kulturhistoriker ist, der
-sein Material gewissenhaft zusammenträgt, ehe er an die
-Ausarbeitung eines Werkes geht. Fr., ein ausgesprochenes
-Erzählertalent, begann seine litterarische Laufbahn als
-Lyriker und Dramatiker. Sein erstes Stück führte den
-Titel »Die Brautfahrt«, ihm folgten die Gedichte: »In
-Breslau«, die Schauspiele »Die Valentine« und »Graf
-Waldemar«. Im Jahre 1848 übernahm er in Gemeinschaft
-mit dem Litterarhistoriker Julian Schmidt die Redaktion
-der »Grenzboten«, die er durch fast 25 Jahre fortführte.
-Seiner Beschäftigung mit Politik und Presse verdankt
-das nicht gerade tiefgehende Lustspiel: »Die Journalisten«
-seine Entstehung, das einen großen und dauernden Erfolg
-errang, der seinem nächsten, der Gegenwart abgewandten
-Drama: »Die Fabier« nicht beschieden war. 1855
-entstand das Hohelied des deutschen Kaufmannes: der
-Roman »Soll und Haben«, nach dem Recept geschrieben,
-das Julian Schmidt aufgestellt hatte: »Der Roman soll<span class="pagenum"><a id="Seite_30"></a>[30]</span>
-das Volk da suchen, wo es in seiner Tüchtigkeit zu
-finden ist: nämlich bei der Arbeit«. Das nächste Werk:
-»Die verlorene Handschrift« spielt in Professorenkreisen
-und gewann ihm die Herzen der akademischen Jugend.
-Seine kulturhistorischen Forschungen legte F. in den
-»Bildern aus der deutschen Vergangenheit« nieder. Acht
-Jahre hat er dann an den »Ahnen«, einer Art historischen
-Familienromans, geschrieben, von dem jedes Jahr einen
-neuen Band brachte. 1. »Ingo«, 2. »Ingraban«,
-3. »Das Nest der Zaunkönige«, 4. »Die Brüder vom
-deutschen Hause«, 5. »Marcus König«, 6. »Der Rittmeister
-von Alt-Rosen«, 7. »Der Freierkorporal bei
-Markgraf Albrecht«, 8. »Aus einer kleinen Stadt«. Das
-ganze Werk, dessen Schauplatz nach Thüringen verlegt
-ist, sollte die Wandlungen des deutschen Volkes darstellen:
-mit jedem Bande geht es mehr der Gegenwart entgegen,
-bis die Sammlung, mit dem Jahre 350 beginnend, mit
-einer Erzählung aus dem 19. Jahrhundert ihren Abschluß
-erreicht. Eine »Technik des Dramas«, die ihn als feinen
-Kenner der dramatischen Praxis zeigt, verdient noch
-Erwähnung, sowie eine Lebensbeschreibung Karl Mathys'
-und die mit geteilten Empfindungen aufgenommene
-Schrift: »Der Kronprinz und die deutsche Kaiserkrone«.
-Sein Leben und Schaffen beschrieb der Dichter selbst in
-den »Erinnerungen aus meinem Leben.«</p>
-
-<p><b>Friedrich Spielhagen</b>, geb. 24. Febr. 1829
-in Magdeburg, ist der Dichter der Reaktion, jener Zeit,
-die dem tollen Jahre folgte; seine Romane suchen vor
-allem die Erscheinungen der Zeit, die socialen Kämpfe,
-den Sturm und Drang der letzten 50 Jahre festzuhalten
-und dem Leser verständlich zu machen. Sp. hatte bereits<span class="pagenum"><a id="Seite_31"></a>[31]</span>
-das 30. Jahr überschritten, als sein erster großer Roman
-»Problematische Naturen« erschien, der seinen litterarischen
-Ruf begründete. Sein zweiter großer Roman »Die von
-Hohenstein«, hat als Hintergrund das Jahr 1848, ihm
-schlossen sich »In Reih und Glied« und »Hammer und
-Amboß« an. Von weiteren Werken Spielhagens, die
-fast alle tendenziös gefärbt sind, nennen wir noch: »Hans
-und Grete«, »Unter Tannen«, »Die Dorfkokette«, »Deutsche
-Pioniere«, »Allzeit voran«, »Was die Schwalbe sang«,
-»Ultimo«, »Sturmflut«, »Das Skelett im Hause«, »Platt
-Land«, »Quisisana«, »Angela«, »Uhlenhaus«, »An der
-Heilquelle«, »Was will das werden?«, »<em class="antiqua">Noblesse
-oblige</em>«, »Ein neuer Pharao«, »Sonntagskind«,
-»Stumme des Himmels«, »Susi«, »Selbstgerecht«, »Zum
-Zeitvertreib«, »Faustulus«. Auch als dramatischer und
-lyrischer Dichter hat sich Spielhagen, wenngleich mit
-geringem äußeren Erfolge versucht. Von seinen Schriften,
-deren Gesamtausgabe in vorläufig 22 Bänden erscheint,
-verdienen noch Erwähnung: »Beiträge zur Theorie und
-Technik des Romans«, »Aus meiner Studienmappe«,
-sowie der 1899 erschienene Band: »Neue Beiträge zur
-Theorie und Technik der Epik und Dramatik«, besonders
-aber seine Autobiographie: »Finder und Erfinder. Erinnerungen
-aus meinem Leben.« &ndash; Spielhagen ist
-in der Reaktion der 50er und 60er Jahre stecken geblieben:
-er verstand die neue Zeit nicht mehr und suchte
-in seine neuen Romane noch die alten Ideale hineinzutragen.
-Auch das antiquierte Motiv von der Liebe
-eines mit allen Vorzügen des Geistes und Herzens ausgestatteten
-Bürgerlichen zu einer Adeligen, das in fast
-allen Werken wiederkehrt und eine heimliche Vorliebe<span class="pagenum"><a id="Seite_32"></a>[32]</span>
-Sp.'s für den Adel erkennen läßt, vermochte auf die
-Dauer nicht mehr zu fesseln, und so sehr sich auch
-Spielhagen, mehr als jeder andere der »Alten« bemühte,
-in die »Moderne« hineinzuwachsen: er verstand sie nicht,
-so wenig wie er verstanden wurde.</p>
-
-<p><b>Berthold Auerbach</b>, geb. am 28. Febr. 1812 zu
-Nordstetten, gest. am 8. Febr. 1882 zu Cannes in
-Frankreich, wurde durch seine »Schwarzwälder Dorfgeschichten«
-berühmt. Wenn A. auch nicht wie Rosegger,
-Anzengruber u. a. in das Wesen des Volkscharakters
-eingedrungen ist &ndash; es als Jude auch gar nicht konnte, &ndash;
-so hat er doch das Verdienst, einer der ersten gewesen
-zu sein, die die Dorfgeschichte wieder zu Ehren gebracht
-haben. Zu seinen besten Novellen, die allerdings auch
-von Schönfärberei nicht frei sind, zählen: »Barfüßle«,
-»Joseph im Schnee« und »Edelweiß«. Mit den großangelegten
-Werken »Auf der Höhe«, »Das Landhaus
-am Rhein« und »Waldfried« betrat A. das Gebiet des
-liberalen Tendenzromans.</p>
-
-<p><b>Luise von François</b>, geb. am 27. Juni 1817 in
-Herzberg, gest. am 26. Sept. 1893, eine der talentiertesten
-Romanschriftstellerinnen, erwarb sich ihre litterarische
-Stellung durch den historischen Roman: »Die letzte
-Reckenburgerin«, dem sich »Frau Erdmuthens Zwillingssöhne«,
-»Stufenjahre eines Glücklichen« u. a. anschlossen.</p>
-
-<hr class="chap" />
-
-<div class="chapter">
-<h2 class="nobreak" id="Die_grossen_Novellisten_der_70er_und">Die großen Novellisten der 70er und
-80er Jahre.</h2>
-</div>
-
-<p><b>Conrad Ferdinand Meyer</b>, geb. am 12. Oktober 1825
-in Zürich, gest. am 28. November 1898, ist der Meister
-der historischen Novelle, ein Dichter, der zwar nicht Gemeingut<span class="pagenum"><a id="Seite_33"></a>[33]</span>
-des deutschen Volkes werden wird, der aber den
-Kenner mit seiner fein ciselierten Goldschmiedearbeit immer
-entzücken wird. M.'s Novellen haben meist das Reformationszeitalter
-oder die Renaissancezeit als Hintergrund.
-Seine dichterische Laufbahn begann er mit dem
-Epos »Huttens letzte Tage«, ihm schlossen sich »Jürg
-Jenatsch«, »Hochzeit des Mönchs«, »Der Heilige«, »Versuchung
-des Pescara«, »Angela Borgia« u. a. an.</p>
-
-<p><b>Gottfried Keller</b>, geb. am 19. Juli 1819 in Glattfelden
-bei Zürich, gest. am 15. Juli 1890, neben
-Conr. Ferd. Meyer die bedeutendste schweizerische Dichtererscheinung
-der letzten Litteraturperiode, trat zuerst mit
-»Gedichten« und dem autobiographischen Meisterwerk
-»Der grüne Heinrich« vor die Öffentlichkeit, der erst 20
-Jahre nach seinem Erscheinen die verdiente Würdigung fand
-und oft mit Goethes »Wilhelm Meister« verglichen wurde.
-Das Reifste und Schönste seiner Kunst bot K. in seinem
-nächsten Werk, der Novellensammlung: »Die Leute von
-Seldwyla«, der 1872 die »Sieben Legenden« folgten.
-Kulturbilder aus Zürichs Vergangenheit enthalten die
-»Züricher Novellen« und ebenso spielt der Roman »Martin
-Salander« auf schweizerischem Boden. Lebendige Phantasie,
-vermischt mit einem Zug ins Hausbackene, Kleinstädtische
-und ein liebenswürdiger, goldener Humor bilden die
-Grundzüge seines dichterischen Schaffens. K.'s Domäne
-ist die Novelle, und wie sehr er diese meisterte, hat
-kein Geringerer als Paul Heyse anerkannt, als er ihn
-den Shakespeare der Novelle nannte.</p>
-
-<p><b>Theodor Storm</b>, geb. am 14. Sept. 1817 in Husum,
-gest. am 4. Juli 1888, folgte den Spuren Goethescher
-Lyrik. Ihn zeichnet ein feiner Natursinn und echtes<span class="pagenum"><a id="Seite_34"></a>[34]</span>
-tiefes Empfinden aus, so daß seine Lyrik vorbildlich für
-die besten dichterischen Talente unter den Modernen geworden
-ist. Stifter und Eichendorff, vielleicht noch Mörike,
-mögen sein Schaffen am stärksten beeinflußt haben. Neben
-der Lyrik (»Gedichte«) ist es besonders die Novelle, der
-Storm seine Thätigkeit zuwandte und für deren Entwicklung
-und Ausbau er das Meiste beigetragen hat.
-Als die besten novellistischen Erzeugnisse gelten Storms
-»Immensee«, »Von jenseits des Meeres«, »Vor Zeiten«,
-»Ein stiller Musikant«, »Psyche«, »Am Nachbarhause
-links«, »Der Schimmelreiter«.</p>
-
-<p><b>Paul Heyse</b>, geb. am 15. März <span id="corr034">1830</span> in Berlin,
-wurde als Jüngling von Geibel dem König Maximilian
-mit den Worten vorgestellt: »Ein junger Goethe, Majestät!«
-Er ist ein moderner Dichter, wenn es auch eine
-Zeitlang zum guten Ton gehörte, ihn als abgethan zu
-betrachten. H. weiß immer etwas zu sagen und hat
-moderne Probleme lange vor der »neuen Schule« behandelt,
-von der ihn nur technische Fragen scheiden. Ein
-guter Schilderer menschlichen Innenlebens, wenns nicht
-zu tief nach »innen« geht, bekundet er in seinen Novellen
-und Romanen, von denen viele auf italienischem Boden
-spielen, eine Vorliebe für die Verirrungen des Weibes,
-namentlich der Frau von 40 Jahren. Eine vornehme,
-edle Sprache zeichnet alle seine Werke aus, er ist der
-Dichter der Schönheit und der Leidenschaft, wenn auch
-der Künstler mehr als der Mensch an ihnen Anteil hat.
-Von seinen Novellen und Romanen, die fast durchwegs
-moderne Menschen zu Helden haben, die sich über Gesetz
-und Sitte erheben, um der Stimme ihres Herzens zu
-folgen, seien hier nur angeführt: »Novellen« von 1855,<span class="pagenum"><a id="Seite_35"></a>[35]</span>
-1858, 1859, 1862, »Meeraner Novellen«, »Troubadour-Novellen«,
-»Kinder der Welt«, »Im Paradiese«, »Roman
-der Stiftsdame«, »Merlin«, »Über allen Gipfeln«. Auch
-seine dramatische (»Ludwig der Bayer«, »Graf Königsmark«,
-»Elfriede«, »Alcibiades«, besonders aber »Hans
-Lange«) und lyrische Produktion (»Gedichte«, »Neue
-Gedichte und Jugendlieder«) verdient Erwähnung.</p>
-
-<hr class="chap" />
-
-<div class="chapter">
-<h2 class="nobreak" id="Die_Formtalente_der_alten_Schule">Die Formtalente der alten Schule.</h2>
-</div>
-
-<p><b>Emanuel Geibel</b>, geb. am 17. Oktober 1815 in
-Lübeck, gest. am 6. April 1884, war ein dichterisches
-Talent von großer Formgewandtheit, jedoch ohne besondere
-individuelle Prägung, wofür als Beweis gelten mag,
-daß seine »Gedichte« und »Neue Gedichte« mehr als
-hundert Auflagen erlebten. Den beiden ersten Gedichtbänden,
-deren Grundpfeiler deutsche Zucht und Art bilden,
-schlossen sich: »Gedichte und Gedenkblätter«, »Heroldsrufe«,
-»Klassisches Liederbuch«, »Romancero der Spanier
-und Portugiesen« (m. d. Grafen Schack) und »Spätherbstblätter«
-an, unterbrochen von der dramatischen Produktion
-G.'s (»Brunhild«, »Sophonisbe«). Die Kriegslyrik von
-1870/71 hat ihm einige hübsche Gedichte zu verdanken.
-War G. auch keine eigenartige dichterische Persönlichkeit,
-so hat er doch eine Menge Nachahmer und Nachbeter
-gefunden.</p>
-
-<p><b>Friedrich von Bodenstedt</b>, geb. am 22. April 1819
-in Peine (Hannover), gest. am 2. April 1892, wurde
-durch den Erfolg der »Lieder des Mirza Schaffy«, die
-man lange für Übersetzungen aus dem Orientalischen hielt,
-während es in Wirklichkeit eigene Fabrikate der B.'schen
-Muse sind, berühmt. Erfolgreich waren auch die Lieder<span class="pagenum"><a id="Seite_36"></a>[36]</span>
-»Aus dem Nachlaß des Mirza Schaffy«, während die
-anderen Dichtungen B.'s nur wenig von sich reden
-machten. Außer einer Reihe wissenschaftlicher Werke von
-zweifelhaftem Werte und meist recht gewandter Übersetzungen
-veröffentlichte B., den seine Zeitgenossen stark
-überschätzten: »Erinnerungen aus meinem Leben«.</p>
-
-<p><b>Adolf Friedrich Graf von Schack</b>, geb. am 2. Aug.
-1815 zu Brüsewitz bei Schwerin als Sprosse eines alten
-Freiherrngeschlechtes, gest. am 14. April 1894, studierte
-Rechtswissenschaft und wandte sich dann der diplomatischen
-Carrière zu. Schack hat sich nicht nur als Dichter &ndash;
-er war ein hervorragend formalistisches Talent, ohne
-starke Individualität &ndash; sondern vor allem als Übersetzer
-und Litterarhistoriker einen Namen gemacht. Seine
-»Geschichte der dramatischen Litteratur und Kunst in
-Spanien« gilt noch heute als das bedeutendste Werk
-über diesen Gegenstand. Als Lyriker wurde er von
-Platen, als Epiker von Byron beeinflußt. Seine Romane
-in Versen: »Durch alle Wetter«, »Ebenbürtig« u. a.
-enthalten zahlreiche Schönheiten, ohne doch einen vollen
-künstlerischen Eindruck zu hinterlassen. Zu seinen interessantesten
-Werken zählt die Selbstbiographie: »Ein
-halbes Jahrhundert«. Auch auf dramatischem Gebiete
-hat sich der Dichter versucht, ohne jedoch auf der Bühne
-festen Fuß fassen zu können.</p>
-
-<p><b>Robert Hamerling</b>, geb. am 24. März 1830 zu
-Kirchberg am Walde in Niederösterreich, gest. am 13. Juli
-1889, hat eine verschiedenartige Beurteilung nicht nur als
-Mensch, was hier wenig interessiert, sondern auch als
-Dichter erfahren. Während die einen in ihm nur den
-in Farbenrausch schwelgenden Erotiker sehen, ziehen die<span class="pagenum"><a id="Seite_37"></a>[37]</span>
-anderen die genialsten Dichter der Weltlitteratur zum
-Vergleiche mit ihm heran. Sicher ist, daß die beiden
-großangelegten Epen: »Ahasver in Rom« und »Der König
-von Sion« farbenprächtige Schilderungen aufweisen, die
-ein ungewöhnliches Talent bekunden. Eine treffliche
-Leistung ist auch das satirische Epos »Homunculus«.
-Weniger Erfolg als seine Epen war seinen lyrischen Gedichtsammlungen:
-»Sinnen und Minnen« und »Blätter
-im Winde«, wie auch der fünfaktigen Tragödie »Danton
-und Robespierre« beschieden. Sein Leben beschrieb H.
-in den »Stationen meiner Lebenspilgerschaft«.</p>
-
-<p><b>Albert Möser</b>, geb. am 7. Mai 1835 in Göttingen,
-gest. am 27. Febr. 1900, ist als Dichter von Platen und Hamerling
-(vergl. M., Meine Beziehungen zu Robert Hamerling
-etc.) beeinflußt. (»Gedichte«, »Nacht und Sterne«,
-»Idyllen«, »Aus der Mansarde« etc.). Als Übersetzer
-der Dichtungen Pol de Monts war er ein Vermittler
-zwischen niederdeutschem und hochdeutschem Wesen.</p>
-
-<p><b>Heinrich Vierordt</b>, geb. am 1. Okt. 1855 in Karlsruhe,
-machte als Balladendichter, der vielfach den Volkston
-glücklich getroffen hat, von sich reden. Er schrieb
-»Gedichte«, »Lieder und Balladen«, »Neue Balladen«,
-»Akanthusblätter« (Dichtungen aus Italien und Griechenland)
-und »Vaterlandsgesänge«, die sich durch farbenprächtige
-Schilderungen und poetischen Schwung auszeichnen.</p>
-
-<hr class="chap" />
-
-<div class="chapter">
-<h2 class="nobreak" id="Lyriker_und_Epiker">Lyriker und Epiker
-der 70er und 80er Jahre.</h2>
-</div>
-
-<p><b>Julius Grosse</b>, geb. am 25. April 1828 in Erfurt,
-ist einer der fruchtbarsten deutschen Dichter, der sich<span class="pagenum"><a id="Seite_38"></a>[38]</span>
-auf dem Gebiete der Lyrik, des Romans und des
-Dramas gleich sicher zu bewegen verstand. Besondere
-Erwähnung von seinen Werken, die sich durch feine
-Entwicklung der Seelenzustände und Charaktere auszeichnen,
-verdienen die Dramen: »Der letzte
-Grieche«, »Gudrun«, »Judith«, »Tiberius«, von den
-epischen Dichtungen: »Das Mädchen von Capri« und
-»Gundel vom Königssee«. Originelle Schöpfungen sind
-auch sein Roman: »Der getreue Eckart« und seine
-Lebenserinnerungen »Ursachen und Wirkungen«.</p>
-
-<p><b>Martin Greif</b> (eigentlich Hermann Frey), geb. am
-18. Juni 1839 in Speyer, ist der Meister des einfachen
-Volksliedes, dessen Ton er wie wenige trifft. Seinen
-Ruhm begründeten die bereits wiederholt aufgelegten
-»Gedichte«. Seine Dramen (»Heinrich der Löwe«,
-»Ludwig der Bayer«, »Francesca von Rimini«) werden
-das Schicksal der Uhlandschen Dramen teilen.</p>
-
-<p><b>Johann Georg Fischer</b>, geb. am 25. Okt. 1816 zu
-Großsüßen, gest. am 6. Mai 1897, gehört der schwäbischen
-Dichterschule an, deren Merkmale er trägt, und ist in seinem
-dichterischen Schaffen eine Goethe verwandte Natur. Mit
-38 Jahren veröffentlichte er seine ersten »Gedichte«, denen
-noch drei weitere Sammlungen, zuletzt &ndash; 1896 &ndash; »Mit
-80 Jahren« folgten. Wie alle Schwaben hat auch er an
-dem politischen Leben seiner Zeit teilgenommen, wenn
-auch nicht in dem Maße wie Uhland. Seine Dramen
-»Saul«, »Friedrich II.«, »Florian Geyer« und »Kaiser
-Maximilian von Mexiko« werden geschätzt, ohne jedoch
-bühnenfähig zu sein.</p>
-
-<p><b>Friedrich Wilhelm Weber</b>, geb. am 26. Dez. 1813
-in dem Orte Alhausen bei Driburg in Westfalen, gest.<span class="pagenum"><a id="Seite_39"></a>[39]</span>
-am 5. April 1894, studierte Medizin und trat im Herbst
-1878 mit dem lyrisch-epischen Gedicht: »Dreizehnlinden«
-vor die Öffentlichkeit, das ihn mit einem Schlage zum
-gefeiertsten katholischen Dichter machte. Außer »Dreizehnlinden«,
-von dem mehr als 70 Auflagen erschienen, sind
-noch seine Dichtung »Goliath«, sowie die Sammlungen
-»Gedichte«, »Marienblumen« und »Herbstblätter« zu
-nennen.</p>
-
-<p><b>Friedrich Theodor Vischer</b>, geb. am 30. Juni 1807 in
-Ludwigsburg, gest. am 14. Sept. 1887, bethätigte sich auf
-lyrischem Gebiet durch seine 1882 erschienene Sammlung
-»Lyrische Gänge« und auf epischem durch den eigenartigen
-humoristischen Roman »Auch Einer«. Viel Aufsehen erregte
-die Parodie auf den 2. Teil des Faust, die er unter dem
-Titel: »Faust. Der Tragödie dritter Teil. Von Deutobold
-Symbolizetti Allegoriowitsch Mystifizinsky« herausgab.</p>
-
-<p><b>Wilhelm Jordan</b>, geb. am 8. Febr. 1819 zu
-Insterburg, wurde bekannt durch sein Doppelepos »Die
-Nibelunge«, für die er selbst als wandernder Rhapsode
-eine Propaganda machte, die ihm zu einem starken
-buchhändlerischen Erfolge verhalf. J. übersetzte ferner
-die Edda, Sophokles, Homer, Ilias und Odyssee und
-gab eine große Anzahl eigener Dichtungen, Romane (»Die
-Sebalds«, »Zwei Wiegen«) und Theaterstücke heraus,
-von denen die Lustspiele »Durchs Ohr«, »Tausch
-enttäuscht« und »Sein Zwillingsbruder« sich als die erfolgreichsten
-erwiesen. Seine Lebensauffassung spiegelt sich am
-besten in dem dramatischen Werk »Demiurgos« wider.</p>
-
-<p><b>Hermann Lingg</b>, geb. am 22. Januar 1820 in
-Lindau, faßte durch Geibels Freundschaft festen Fuß in
-der Münchener Dichterschule. Sein Hauptwerk ist das<span class="pagenum"><a id="Seite_40"></a>[40]</span>
-großangelegte farbenprächtige Epos »Die Völkerwanderung«.
-Außerdem besitzen wir von ihm eine Reihe Dramen und
-Gedichte. Sein Leben und Schaffen beschrieb L. in dem
-1. Bande der »Zeitgenössischen Selbstbiographien« (»Meine
-Lebensreise«).</p>
-
-<p><b>Stephan Milow</b> (Pseudon. für Stephan von Millenkovics),
-geb. am 9. März 1836 in Orsova, verdankt
-seine litterarische Stellung besonders seinen lyrischen
-Gedichten (»Gesammelte Gedichte«). Bemerkenswert sind
-noch die Novellenbände »Wie Herzen lieben« und
-»Höhen und Tiefen«.</p>
-
-<p><b>Ludwig Eichrodt</b>, geb. am 2. Febr. 1827 in Durlach
-in Baden, gest. 1892, ein Jugendgenosse Scheffels, dichtete
-eine Anzahl humoristischer Lieder, die besonders in
-studentischen Kreisen Anklang fanden (»Gesammelte
-Dichtungen«).</p>
-
-<p><b>Hermann Allmers</b>, geb. am 11. Februar 1821 zu
-Rechtenfleth, gab das »Marschenbuch« heraus, das im
-Stile der Riehlschen kulturhistorischen Novellen Bilder aus
-dem Leben der friesischen Marschenbauern enthält. »Dichtungen«
-und »Römische Schlendertage« schlossen sich an.</p>
-
-<p><b>Robert Waldmüller</b> (Pseudon. für Ed. Duboc), geb.
-am 17. Sept. 1822 in Hamburg, versuchte sich auf fast
-allen dichterischen Gebieten und hat sich auch als Übersetzer
-bekannt gemacht. Von seinen Romanen sind »Somosierra«
-und »Don Adone«, von seinen Gedichtsammlungen
-»Klänge aus der Fremde« und »Liebesstürme« die bekanntesten.</p>
-
-<p><b>Rudolf Bunge</b>, geb. am 27. März 1836 in Koethen,
-als Improvisator und liebenswürdiger Gesellschafter in
-allen litterarischen Kreisen geschätzt, errang seine größten<span class="pagenum"><a id="Seite_41"></a>[41]</span>
-Kassenerfolge mit dem Libretto zum »Trompeter von
-Säckingen«. Dichterisch höher steht die 5-aktige Tragödie
-»Der Herzog von Kurland«, das den Verlust von Straßburg
-und dem Elsaß behandelt. In seiner Gedichtsammlung
-»Heimat und Fremde« singt er von Lenz und Liebe, von
-deutschen Frauen, deutscher Treue, deutschem Wein und
-dem angestammten Herrscherhaus, das seine vielseitige
-litterarische Thätigkeit durch Verleihung von Titeln und
-Orden anerkannte.</p>
-
-<p><b>Adolf Brieger</b>, geb. am 12. Okt. 1832 in Greifswald,
-ein in den »weitesten Kreisen« unbekannter Dichter, veröffentlichte
-erst 1870 in Hexametern das kleine antikisierende
-Epos »Krösus und Adrastus«, 1885 aber, in die unmittelbare
-Vergangenheit greifend »König Humbert in Neapel«.
-Modern ist auch: »Stirb und werde«. Seine »Ausgewählten
-Gedichte« (1895) geben innerlich Erlebtes, meist an das
-Naturbild als Symbol (im Goethe'schen Sinne) anknüpfend.
-Zuletzt erschien: »Verirrt und heimgefunden«, zwei aus
-dem Leben der Gegenwart genommene Versnovellen.</p>
-
-<p><b>Heinrich Bulthaupt</b>, geb. am 26. Okt. 1849 in
-Bremen, zeigt sich in der Lyrik dem Schweizer Conrad
-Ferd. Meyer verwandt (»Durch Frost und Gluten«), versuchte
-sich auch wiederholt im Drama (»Der verlorene
-Sohn«, »Viktoria« u. a.), ohne jedoch große Bühnenerfolge
-zu erzielen. Dagegen erlebte seine »Dramaturgie
-der Klassiker« wiederholt neue Auflagen und gilt für das
-beste neuzeitliche Werk auf diesem Gebiete.</p>
-
-<p><b>Julius Rodenberg</b> (Pseudon. für Levy aus Rodenberg)
-geb. am 26. Juni 1831 in Rodenberg (Kurhessen),
-der Begründer und Leiter der »Deutschen Rundschau«,
-schrieb Gedichte, Romane und Reisebeschreibungen (»Berliner<span class="pagenum"><a id="Seite_42"></a>[42]</span>
-Bilder«), die ihn als liebenswürdigen Poeten zeigen, der
-sich gern in die Erinnerung an die so ungleich bessere
-und vollkommenere Vergangenheit versenkt. (Vergl. auch
-R.'s »Erinnerungen aus der Jugendzeit«.)</p>
-
-<p><b>Karl Weitbrecht</b>, geb. am 8. Dez. 1847 in Neuhengstett,
-ist nach Form und Inhalt einer der bedeutendsten
-schwäbischen Epiker. Von seinen Büchern seien hier genannt:
-»Liederbuch«, »Sonnenwende«, die Novellensammlung
-»Verirrte Leute«, und der satirische Roman:
-»Phaläna. Die Leiden eines Buches«. Ein besonderes
-Verdienst hat sich W. in Gemeinschaft mit seinem Bruder
-Richard um die Pflege der Dialektdichtung erworben.
-(»Gschichta-n aus'm Schwôbaland« [1877] und: »Nohmôl
-Schwôbagschichta« [1882]).</p>
-
-<p><b>Eduard Paulus</b>, geb. am 18. Okt. 1837 in Stuttgart,
-besitzt unter den schwäbischen Dichtern der Gegenwart
-das stärkste lyrische Talent. Ein liebenswürdiger
-Humor, der auch oft satirisch gefärbt ist, zeichnet seine
-in der Form tadellosen Gedichte (»Gesammelte Dichtungen«)
-aus. 1897 ließ er »Arabesken« und im Vorjahre ein
-Epos in 12 Gesängen »Tillmann Riemschneider. Ein
-Künstlerleben« folgen, das wiederum Zeugnis von der
-starken lyrischen Begabung P.'s ablegt. Neben einem
-kecken, übermütigen Humor macht sich, namentlich in seinen
-letzten Schöpfungen, eine wehmütige Grundstimmung bemerkbar.</p>
-
-<p><b>Isolde Kurz</b>, geb. am 21. Dez. 1853 in Stuttgart,
-ein C. F. Meyer verwandtes Talent, hat nur wenige
-Bände (»Gedichte«, »Phantasien« und »Märchen«, »Florentiner
-Novellen«, »Italienische Erzählungen«) publiziert, aber<span class="pagenum"><a id="Seite_43"></a>[43]</span>
-das Wenige trägt den Stempel durchgebildeter Meisterschaft
-und ungewöhnlicher Fabulierkunst.</p>
-
-<hr class="chap" />
-
-<div class="chapter">
-<h2 class="nobreak" id="Die_neuzeitlichen_Romantiker">Die neuzeitlichen Romantiker.</h2>
-</div>
-
-<p><b>Otto Roquette</b>, geb. am 19. April 1824 in Krotoschin,
-gest. am 18. März 1896, gab eine Reihe von Dramen,
-Märchen und Romanen heraus, unter denen »Waldmeisters
-Brautfahrt« den größten Erfolg davontrug. Seine
-»Gedichte« erlebten mehrere Auflagen; als sein bester
-Roman gilt: »Buchstabierbuch der Leidenschaft«. Die
-nach seinem Tode herausgegebene Erzählung: »Die
-Reise ins Blaue«, mit verwässerter Eichendorffscher
-Romantik, ist nur geeignet, dem Ansehen des Dichters, der
-jetzt schon zu den halb Vergessenen gehört, zu schaden.</p>
-
-<p><b>Oskar von Redwitz</b>, geb. am 28. Juni 1823 in
-Lichtenau bei Ansbach, gest. am 6. Juli 1891, erregte
-zuerst durch sein lyrisches Epos: »Amaranth«, Aufsehen.
-Von seinen Dramen fanden »Philippine Welser«, »Der
-Zunftmeister von Nürnberg« und »Doge von Venedig«
-eine ebenso unverdient freundliche Aufnahme, wie sein
-Roman »Hermann Stark« und das patriotische »Lied
-vom neuen Deutschen Reich«.</p>
-
-<p><b>Heinrich Steinhausen</b>, geb. am 27. Juli 1836 in Sorau,
-trug seinen größten Erfolg mit »Irmela«, einer stimmungsvollen
-Geschichte aus alter Zeit davon. Seinen Werken,
-von denen wir noch den »Korrektor«, »Herr Moffs kauft
-sein Buch« und »Heinrich Zwiesels Ängste« anführen,
-fehlt es, trotz des vorwiegend religiösen Grundtons, nicht
-an heiteren Episoden.</p>
-
-<p><b>Wilhelm Hertz</b>, geb. am 24. Sept. 1835 in Stuttgart,
-ein Schüler Uhlands, machte sich durch seine sprachwissenschaftlichen<span class="pagenum"><a id="Seite_44"></a>[44]</span>
-Werke und seine »Gedichte«, in denen
-er sich jedoch nur als reines Formtalent erwies, einen
-Namen. Seine bekanntesten Epen sind »Hugdietrichs
-Brautfahrt«, »Tristan und Isolde« und »Bruder Rausch«.</p>
-
-<hr class="chap" />
-
-<div class="chapter">
-<h2 class="nobreak" id="Die_Dichter_mit_dem_Erdgeruch">Die Dichter mit dem Erdgeruch.</h2>
-</div>
-
-<p><b>Klaus Groth</b>, geb. am 24. April 1819 in Heide in
-Holstein, gest. 1899, stand im Mittelpunkt der plattdeutschen
-Bewegung. Er brachte diese bisher nur von
-Improvisatoren zu Possenreißereien benutzte Sprache
-wieder durch die Herausgabe seines »Quickborn« zu Ehren.
-Und wenn auch Reuter, der Humorist, mit seinen realistischen
-Darstellungen des Lebens mehr Erfolg errang als der
-Lyriker Groth, so gebührt diesem doch ein nicht minder
-großes Verdienst um die Erhaltung des Plattdeutschen.
-Sein Hauptwerk, der »Quickborn«, dessen Hintergrund die
-Plätze und Gassen eines vor einem Jahrzehnt noch
-kleinen und abgelegenen Fleckchen der Norderdithmarschen-Heide
-bilden, enthält Familienbilder, Lieder, Balladencyklen,
-Humoristisches etc.</p>
-
-<p><b>Ludwig Anzengruber</b>, geb. am 29. Nov. 1839 in
-Wien, gest. 1899, war ursprünglich Schauspieler, später
-mangels anderer Beschäftigung Beamter. A.'s Dramen,
-die stellenweise tendenziös gefärbt sind, behandeln religiöse
-und sociale Themata und spielen fast ausschließlich in
-Bauernkreisen. Sein erstes Stück: »Der Pfarrer von Kirchfeld«
-errang einen vollen Erfolg, der auch seinen späteren
-Dramen: »Der Meineidbauer«, »Die Kreuzelschreiber«,
-»Der Gewissenswurm«, »Der ledige Hof«, »Das vierte
-Gebot« treu blieb. Von den genannten Stücken haben<span class="pagenum"><a id="Seite_45"></a>[45]</span>
-»Der Gewissenswurm« und »Das vierte Gebot« die meiste
-Anerkennung gefunden. Von den Erzählungen A.'s steht
-der großangelegte Roman »Der Schandfleck« an erster
-Stelle.</p>
-
-<p><b>Theodor Herrmann Pantenius</b>, geb. am 22. Okt. 1843
-in Mitau, Redakteur des »Daheim«, gehört zu den
-weniger bekannten Romanciers. Von seinen Romanen,
-deren Stoff meist seiner kurländischen Heimat entnommen
-ist, gelten als beste »Wilhelm Wolfschildt« und »Allein
-und frei«; sein in Livland spielender Roman »Die von
-Kelles« zählt zu den besten Schöpfungen der deutschen
-Litteratur.</p>
-
-<p><b>Peter Rosegger</b>, geb. am 31. Juli 1843 in Krieglach
-in Steiermark, erlernte zuerst das Schneiderhandwerk
-und wurde von dem Herausgeber der »Grazer Tagespost«,
-Albert Swoboda, für die Litteratur entdeckt. R. ist ein
-Autor von großer Gestaltungskraft und Phantasie, der
-sich seine Heimat, die steirischen Alpen, zur Domäne erkoren
-hat. Obwohl er der Tendenz nach Idealist ist,
-sind seine Schilderungen des Bauernlebens doch durchaus
-realistisch. Aus der Zahl seiner Werke &ndash; Rosegger ist
-einer der produktivsten Schriftsteller, der gewissenhaft jedes
-Jahr seine 2, 3 Bände liefert&nbsp;&ndash;, heben wir hervor:
-»Die Schriften des Waldschulmeisters«, »Heidepeters
-Gabriel«, »Dorfsünden«, »Der Gottsucher«, »Neue Waldgeschichten«,
-»Höhenfeuer«, »Jakob der Letzte«, »Martin
-der Mann«, »Der Waldvogel«, »Das ewige Licht«, »Erdsegen«.</p>
-
-<p><b>Karl Stieler</b>, geb. am 15. Dez. 1842 in München, gest.
-1885, der Dichter frischer, fröhlicher »Hochlandslieder«,
-machte den Krieg 70/71 mit und schrieb »Durch Krieg<span class="pagenum"><a id="Seite_46"></a>[46]</span>
-zum Frieden 1870/1«. Von seinen oberbayrischen
-Gedichtsammlungen, die auch in Norddeutschland weite
-Verbreitung fanden, nennen wir: »Bergbleameln«, »Habts
-a Schneid!?«, »Hochlandslieder«, »Neue Hochlandslieder«,
-»Um Sunnawend«, »Weil's mi freut!«</p>
-
-<p><b>Hermann von Schmid</b>, geb. am 13. März 1815
-in Weizenkirchen (Österreich), gest. 1880, wurde durch
-seine bayrischen Dorfgeschichten bekannt. Von seinen
-historischen Werken hat der vierbändige Roman »Der
-Kanzler von Tirol« die meiste Beachtung gefunden.</p>
-
-<p><b>Maximilian Schmidt</b>, geb. am 25. Febr. 1832 in
-Eschlkam, wählte als Hintergrund seiner Erzählungen
-den Bayrischen und Böhmer Wald. Seine Werke zeichnen
-sich durch volkstümliche Darstellung, hübsche Naturschilderungen
-und treffende Charakteristik aus. (»Gesammelte
-Werke« 1884 u. ff.)</p>
-
-<p><b>Ludwig Ganghofer</b>, geb. am 7. Juli 1855 in Kaufbeuren,
-verlegt den Schauplatz seiner Romane und Schauspiele
-meist in das bayerische Hochgebirge. Von seinen
-konventionell-volkstümlichen dramatischen Arbeiten fanden
-besonders »Der Herrgottsschnitzer von Oberammergau«
-und »Der Prozeßhansl« Anerkennung, obwohl seine
-»Jagerleut« die Verwandtschaft mit dem »Salontiroler«
-nicht verleugnen können. Zu seinen besten Romanen und
-Novellen, in denen die Natur meist symbolisch verwertet
-wird, zählen »Hochlandsgeschichten«, »Der Klosterjäger«,
-»Die Martinsklause«, »Der laufende Berg«.</p>
-
-<p><b>Arthur Achleitner</b>, geb. am 16. Aug. 1858 in
-Straubing, machte sich durch seine Schilderungen aus
-dem Wild- und Waidmannsleben der Hochgebirge bekannt.
-(»Geschichten aus den Bergen«, »Grüne Brüche«,<span class="pagenum"><a id="Seite_47"></a>[47]</span>
-»Grenzerleut'«, »Der Stier von Salzburg«, »Der Hirsch
-von Eßlingen« u. a.)</p>
-
-<p><b>Johann Meyer</b>, geb. am 5. Jan. 1829 in Wilster
-in Holstein, veröffentliche plattdeutsche Erzählungen und
-Schwänke, »Dithmarscher Gedichte« und hochdeutsche
-»Lyrische Gedichte«, die ein eigenartiges poetisches Talent
-bekunden.</p>
-
-<p><b>Joh. Heinrich Fehrs</b>, geb. am 10. April 1838 in
-Mühlenbarbeck, begann mit Epen (»Krieg und Hütte«,
-»Eigene Wege«) und schloß daran plattdeutsche Erzählungen
-und Gedichte. (»Lütt Hinerk«, »Allerhand Slag Lüd«.)</p>
-
-<p><b>Timm Kröger</b>, geb. am 29. Nov. 1844 in Haale
-(Holstein), debütierte mit dem Novellenband: »Eine stille
-Welt«, der Bilder und Geschichten aus Moor und Heide
-enthält, die sich durch feinsinnige Naturbetrachtungen auszeichnen.
-Ein kleines Meisterwerk ist sein psychologischer
-Roman »Der Schulmeister von Handewitt«, der in 2. Auflage
-unter dem Titel: »Schuld?« erschien.</p>
-
-<p><b>Heinrich Hansjakob</b>, geb. am 19. Aug. 1837 in
-Haslach in Baden, ist ein Meister der Dorfgeschichte, der
-zwar in seinen Schriften den katholischen Priester nicht
-verleugnet, dies aber durch einen urwüchsigen Humor und
-echtes Empfinden vergessen läßt. (»Aus meiner Jugendzeit«,
-»Aus meiner Studienzeit«, »Wilde Kirschen«,
-»Schneeballen«.)</p>
-
-<p><b>Hermine Villinger</b>, geb. am 6. Febr. 1849 in
-Karlsruhe, legte den Schwerpunkt ihres litterarischen
-Schaffens auf die Dorfgeschichte. »Aus dem Kleinleben«,
-»Unter Bauern«, »Kleine Lebensbilder«, »Aus dem
-Badener Land« u. a. enthalten reizende, humorvolle
-Genrebilder aus dem badischen »Ländle«.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_48"></a>[48]</span></p>
-
-<p><b>Clara Viebig</b> (Mädchenname von Clara Cohn), geb.
-in Trier, entnimmt den Stoff ihrer oft graß naturalistischen
-Werke mit Vorliebe dem Gebiete der Eifel. Sie debütierte
-1897 mit der Novellensammlung »Kinder der Eifel«,
-denen weitere Novellen (»Vor Tau und Tag«), die Romane
-»Dilettanten des Lebens«, »Es lebe die Kunst!« und
-»Das Weiberdorf« folgten, die jedoch künstlerisch nicht
-auf der Höhe ihrer ersten Publikation stehen. Eine ihrer
-Eifelgeschichten lieferte den Stoff zu ihrem Drama
-»Barbara Holzer«. Ihr neuestes Bühnenwerk »Pharisäer«
-spielt im Posenschen.</p>
-
-<p><b>Adolf Bartels</b>, geb. am 15. Nov. 1862 in Wesselburen,
-erwarb sich als Litterarhistoriker der Kunstwart-Schule
-einen Namen. Seine historischen Romane »Die
-Dithmarscher« und »Dietrich Sebrandt« sind vom streng
-geschichtlichen Standpunkt aus geschrieben.</p>
-
-<p><b>Charlotte Niese</b>, geb. am 7. Juni 1854 in Burg
-auf Fehmarn, gewann durch ihre schleswig-holsteinischen
-Geschichten (»Aus dänischer Zeit«, »Geschichten aus
-Holstein«, »Auf der Heide«) die Gunst des Lesepublikums,
-so daß man über ihre Schwäche, die Socialdemokratie
-in Romanen zu bekämpfen, hinwegsieht.</p>
-
-<p><b>Ilse Frapan</b> (Pseudon. für Ilse Levien), geb. am
-3. Febr. 1852 in Hamburg, ist ein starkes dichterisches
-Talent, dem auch der Humor nicht fremd ist. Sie gab
-heraus: »Bescheidene Liebesgeschichten«, »Zwischen Elbe
-und Alster«, »Enge Welt«, »Zu Wasser und zu Lande«,
-»Querköpfe«, »Flügel auf«, »In der Stille«, sowie
-einen Band »Vischer-Erinnerungen«.</p>
-
-<p><b>August Sperl</b>, geb. am 5. Aug. 1862 in Fürth,
-machte sich durch »Die Fahrt nach der alten Urkunde«,<span class="pagenum"><a id="Seite_49"></a>[49]</span>
-sowie durch den historischen Roman: »Die Söhne des Herrn
-Budiwoj«, der König Ottokars Glück und Ende und das
-Erstehen des habsburgischen Königshauses behandelt, bekannt.
-In dem Epos »Fridtjof Nansen« schilderte er
-mit Glück die Nordlandsfahrt des modernen Fridtjof.</p>
-
-<p><b>Heinrich Sohnrey</b>, geb. am 19. Juni 1859 in
-Jühnde bei Göttingen, Herausgeber von »Das Land«,
-zeigt eine gewisse Verwandtschaft mit dem früh verstorbenen
-Heinrich Schaumberger, und gilt als einer der
-besten Vertreter der Dorfgeschichte. (»Die Leute aus der
-Lindenhütte«, »Der Bruderhof.«)</p>
-
-<hr class="chap" />
-
-<div class="chapter">
-<h2 class="nobreak" id="Die_Kulturnovellisten">Die Kulturnovellisten.</h2>
-</div>
-
-<p><b>Wilhelm Heinrich Riehl</b>, geb. am 6. Mai 1823
-zu Biebrich a. Rh., gest. 1897, war Professor der
-Kulturgeschichte in München und einer der geistvollsten
-kulturhistorischen Schriftsteller, in dessen Werken der
-Belletrist ebenso zu Worte kommt wie der Wissenschaftler.
-Von seinen Schriften, die eine Fülle von Anregung und
-Belehrung bieten, verdienen die »Kulturhistorischen Novellen«,
-»Geschichten aus alter Zeit«, »Kulturstudien
-aus drei Jahrhunderten«, sowie der Roman »Ein ganzer
-Mann« besondere Erwähnung.</p>
-
-<p><b>Karl Emil Franzos</b>, geb. am 25. Okt. 1848 in
-Czortkow in Podolien, Herausgeber der »Deutschen
-Dichtung«, entdeckte »Halbasien« (den Südosten von
-Europa) für die Litteratur und verlegte dorthin den
-Schauplatz seiner ersten Kulturromane (»Aus Halbasien«,
-»Die Juden von Barnow«, »Junge Liebe«, »Stille
-Geschichten«, »Moschko von Parma«, »Ein Kampf ums<span class="pagenum"><a id="Seite_50"></a>[50]</span>
-Recht«, »Der Präsident«). Seine späteren Romane und
-Novellen begegneten nicht mehr dem gleichen Interesse.</p>
-
-<p><b>Leopold Kompert</b>, geb. am 15. Mai 1822 zu
-Münchengrätz, gest. 1886, gilt neben Karl Emil Franzos
-als der kenntnisreichste Schilderer des jüdischen Volkslebens.
-(»Aus dem Ghetto«, »Geschichten einer Gasse« u. a.)</p>
-
-<p><b>Leopold von Sacher-Masoch</b>, geb. am 27. Januar 1837
-in Lemberg, gest. 1895, als Litterat ein Pendant zum
-Marquis de Sade, besaß von Natur aus eine bedeutende
-Begabung, die jedoch in der Sucht nach der Darstellung
-erotisch-perverser Probleme in die Brüche ging. So besitzen
-seine Romane nicht viel mehr als pathologisches
-Interesse (Masochismus).</p>
-
-<hr class="chap" />
-
-<div class="chapter">
-<h2 class="nobreak" id="Die_Dichter-Archaeologen">Die Dichter-Archäologen.</h2>
-</div>
-
-<p><b>Georg Ebers</b>, geb. am 1. März 1837 in Berlin,
-gest. am 7. August 1898, berühmter Ägyptologe, war
-einer der beliebtesten Autoren der letzten Jahrzehnte.
-Seine Romane entrollen meist Kulturbilder aus dem
-Pharaonenlande oder aus dem deutschen Mittelalter. Ebers
-war der Hauptvertreter des geschichtlichen Romans,
-wenngleich ihm der Vorwurf nicht erspart geblieben ist,
-daß die meisten seiner Gestalten nichts als moderne
-Wesen in historischer Drapierung sind. Eröffnet wurde
-die dichterische Thätigkeit E.'s mit dem Roman: »Eine
-ägyptische Königstochter«. Fast jeder Epoche der ägyptischen
-Geschichte ist er in einem Romane gerecht geworden.
-(»Uarda«, »<em class="antiqua">Homo sum</em>«, »Der Kaiser«, »Die Nilbraut«
-u. a.) Unterbrochen wurde der Cyklus der ägyptischen
-Romane durch »Die Frau Bürgermeisterin« und »Ein
-Wort«. Seit 1889 wandte sich E. fast ausschließlich<span class="pagenum"><a id="Seite_51"></a>[51]</span>
-der Schilderung deutschen Lebens der Vorzeit zu: »Die
-Gred«, »Im Schmiedefeuer«, »Im blauen Hecht«, »Barbara
-Blomberg«. E. war trotz aller Anfeindung eine Dichternatur,
-die oftmals durch das Professorentum erstickt
-wurde, aber in einzelnen Zügen in jedem seiner Werke
-zutage tritt.</p>
-
-<p><b>Felix Dahn</b>, geb. am 9. Febr. 1834 in Hamburg,
-Professor und Dichter zugleich, wenn auch das erstere
-mehr als das letztere, schrieb eine Reihe Romane
-aus der Zeit der Völkerwanderung und der altnordischen
-Heiden- und Heldenzeit, unter denen »Ein Kampf um
-Rom« der erfolgreichste, »Julian der Abtrünnige«
-der beste ist. Von seinen Dramen verdienen »König
-Roderich« und »Rüdeger von Bechlaren« genannt zu
-werden. Durch umfangreiche Produktion von Gelegenheitsgedichten
-(nicht solcher im Goethe'schen Sinne) hat
-D. viel dazu beigetragen seinen Ruf als Dichter zu
-schädigen.</p>
-
-<p><b>Ernst Eckstein</b>, geb. am 6. Febr. 1845 in Gießen,
-kommt hauptsächlich als Unterhaltungsschriftsteller in Betracht,
-obgleich er später auch den Versuch gemacht hat,
-sich den realistischen Schriftstellern zuzugesellen. (»Prusias«,
-»Die Claudier«, »Nero«, »Dombrowsky«, »Familie Hartwig«
-u. a.) Einen großen buchhändlerischen Erfolg erzielte
-seine kleine Gymnasialhumoreske: »Der Besuch im
-Carcer«.</p>
-
-<p><b>George Taylor</b> (Pseudon. für Adolf Hausrath), geb.
-am 13. Jan. 1837, Professor an der Universität Heidelberg,
-geht in den Fußtapfen Georg Ebers', wenn auch
-seine archäologischen Romane (»Antionus«, »Klitia«,
-»Jetta«, »Pater Maternus«, »Unter dem Katalpenbaum«)<span class="pagenum"><a id="Seite_52"></a>[52]</span>
-mehr dichterische Fähigkeiten aufweisen als die seines
-Vorbildes.</p>
-
-<p><b>Oskar Linke</b>, geb. am 15. Juli 1854 in Berlin,
-berührt sich mit den Dichter-Archäologen. Äußerst
-vielseitig und dabei ein Meister der Form, läßt er seine
-erzählenden Dichtungen oft im klassischen Altertum, das
-er ausgezeichnet kennt und durchdringt, spielen. Seine
-Weltanschauung ist eine freie. (»Blumen des Lebens«,
-»Jesus Christus«, »Mylesische Märchen«, »Chrysothemis
-erzählt« u. a.)</p>
-
-<hr class="chap" />
-
-<div class="chapter">
-<h2 class="nobreak" id="Die_Dramatiker_der_alten_Schule">Die Dramatiker der alten Schule.</h2>
-</div>
-
-<p><b>Rudolf von Gottschall</b>, geb. am 30. Sept. 1823
-in Breslau, ein Jungdeutscher und Freiheitsänger der
-vormärzlichen Zeit, ist einer der vielseitigsten und fruchtbarsten
-Dichter, der sich auf allen Gebieten der Dichtkunst
-und Schriftstellerei umgesehen hat und seit einem Menschenalter
-den Mittelpunkt des schöngeistigen Lebens in Leipzig
-bildet. Als Bühnenschriftsteller ist G. wiederholt hervorgetreten:
-»Mazeppa«, »Katharina Howard«, »Pitt und
-Fox«, »Der Spion von Rheinsberg«, »Rahab« u. a. Von
-seinen Romanen, in denen er die Bahnen Gutzkows
-wandelt, ist »Im Banne des schwarzen Adlers« der
-erfolgreichste gewesen. Vielfache Anerkennung fanden
-auch seine litterarhistorischen Arbeiten (»Deutsche Nationallitteratur
-in der ersten Hälfte des 19. Jahrh.«, »Poetik« etc.),
-in denen die »Moderne« allerdings nicht immer glimpflich
-wegkommt, obwohl G. immer bestrebt war, mit dem Zeitgeist
-rege Fühlung zu behalten. Sein Leben bis zur
-Verheiratung schildert die Autobiographie »Aus meiner
-Jugend«.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_53"></a>[53]</span></p>
-
-<p><b>Hans Herrig</b>, geb. am 10. Dez. 1845 in Braunschweig,
-gest. 1892, schrieb »Mären und Geschichten« und wurde
-besonders durch sein »Lutherfestspiel« bekannt, dem eine
-Reihe dramatischer Arbeiten(»Kaiser Friedrich der Rotbart«,
-»Konradin« u. a.) vorausgegangen war.</p>
-
-<p><b>Arthur Fitger</b>, geb. am 4. Okt. 1840 in Delmenhorst,
-erwählte die Malerei als Hauptberuf und errang seine
-dichterischen Lorbeeren mit dem Trauerspiel: »Die Hexe«,
-dem er andere dramatische Gaben folgen ließ. Als
-Lyriker machte sich F. durch die Sammlungen »Fahrendes
-Volk« und »Winternächte« bekannt.</p>
-
-<p><b>Heinrich Kruse</b>, geb. am 15. Dez. 1815 in Stralsund,
-schrieb im Stile der alten Kunstüberlieferung eine Reihe
-von Dramen, unter denen »Die Gräfin«, »König Erich«,
-»Brutus«, »Nero« zu nennen sind. K. ist ferner Verfasser
-von »Seegeschichten« und »Gedichten«.</p>
-
-<p><b>Albert Lindner</b>, geb. am 24. April 1831 in Sulza,
-gest. 1888, wurde mehr durch sein tragisches Geschick
-(er starb im Wahnsinn) als durch seine Dramen bekannt,
-von denen nach seinem Tode »Die Bluthochzeit« wiederholt
-aufgeführt wurde. Seine Prosaerzählungen, von denen
-mehrere das Frauenleben in ernsten und heiteren Episoden
-behandeln, blieben fast unbeachtet.</p>
-
-<hr class="chap" />
-
-<div class="chapter">
-<h2 class="nobreak" id="Die_sogenannten_Lustspieldichter">Die sogenannten Lustspieldichter.</h2>
-</div>
-
-<p><b>Oskar Blumenthal</b>, geb. am 13. März 1852 in
-Berlin, schrieb Schwänke ohne künstlerischen Wert, teils
-allein, teils in Kompagnie, die nur für das Publikum,
-nicht für die Litteraturgeschichte in Betracht kommen.</p>
-
-<p><b>Hugo Lubliner</b> (Pseudon. Hugo Bürger), geb. am
-22. April 1846 in Breslau, ist einer der Mitbegründer<span class="pagenum"><a id="Seite_54"></a>[54]</span>
-des deutschen Konversationslustspiels aus den siebziger
-Jahren, ein treuer Helfershelfer der Lindau, Blumenthal,
-Kadelburg, in dem Bestreben, dem deutschen Lustspiel
-mit französischem Esprit und französischer Technik aufzuhelfen.</p>
-
-<p><b>Gustav von Moser</b>, geb. am 11. Mai 1825 in
-Spandau, schrieb Lustspiele, teils selbständig, teils in
-Verbindung mit anderen. Zu seinen erfolgreichsten Stücken,
-die noch jetzt sich auf dem Theater erhalten haben,
-gehören: »Das Stiftungsfest«, »Der Veilchenfresser«,
-»Ultimo«, »Krieg im Frieden«, »Reif-Reiflingen«.</p>
-
-<p><b>Adolf L'Arronge</b>, geb. am 8. März 1838 in
-Hamburg, ist ein litterarischer Sprosse der Birchpfeiffer
-und Kotzebues und dadurch einer der erfolgreichsten
-Lustspielschreiber der Gegenwart. (»Mein Leopold«,
-»Hasemanns Töchter«, »Dr. Klaus«, »Lolos Vater« u. a.).</p>
-
-<hr class="chap" />
-
-<div class="chapter">
-<h2 class="nobreak" id="Die_UEbergangstalente">Die Übergangstalente.</h2>
-</div>
-
-<p><b>Hans Hopfen</b>, geb. am 3. Jan. 1835 in München,
-einer der besten Vertreter des humoristischen Romans,
-zeichnet sich durch eine gesunde Sinnlichkeit aus, die
-namentlich in seinen Gedichten und Balladen zum Ausdruck
-kommt. Echt volkstümliche, humorverklärte Figuren schuf
-er in seinen Romanen »Der alte Praktikant«, »Mein Onkel
-Don Juan«, »Die Heirat des Herrn von Waldenberg«,
-sowie in der Novellensammlung »Kleine Leute« und den
-»Geschichten« und »Neuen Geschichten des Herrn Majors«,
-während er sich in einigen Romanen (»Verdorben zu
-Paris«, »Glänzendes Elend« u. a.) als Dekadent giebt.</p>
-
-<p><b>Wilhelmine von Hillern</b>, geb. am 11. März 1836
-in München als Tochter der bekannten Birch-Pfeiffer,<span class="pagenum"><a id="Seite_55"></a>[55]</span>
-entlehnte den Stoff ihrer realistisch gefärbten Romane dem
-bayrischen Volksleben. Ihr bekanntester Roman: »Die
-Geyer-Wally« erlebte mehrere Auflagen und fand auch
-als Drama freundliche Aufnahme.</p>
-
-<p><b>Karl von Heigel</b>, geb. am 25. März 1835 zu
-München, wandte sich der Unterhaltungslitteratur zu und
-schrieb Novellen, Romane und Dramen. Seine spätere
-Produktion (»Der Weg zum Himmel«, »Roman einer
-Stadt«, »Der Herr Stationschef« u. a.) steht unter dem
-Einfluß des Realismus.</p>
-
-<p><b>Karl Frenzel</b>, geb. am 6. Dez. 1827 in Berlin,
-weiteren Kreisen bekannt als Kritiker der Nationalzeitung,
-verdient seinen Platz in der Litteratur durch seine Romane,
-Novellen und wissenschaftlichen Schriften, die Gelehrsamkeit
-mit seiner Lebensbeobachtung verbinden, und deren Stoffe
-meist der Zeit des Rococos, dem 18. Jahrhundert, entnommen
-sind (»Melusine«, »Papst Ganganelli«, »Im
-goldenen Zeitalter«, »Renaissance und Rokoko«, »Des
-Lebens Ueberdruß«, »Dunst«, »Schönheit«, »Wahrheit«,
-»Frauenrecht«).</p>
-
-<p><b>Adolf Stern</b>, geb. am 14. Juni 1835 in Leipzig,
-lebt jetzt als Professor für Litteraturgeschichte am Polytechnikum
-in Dresden. St. ist Epiker und Novellist
-(»Jerusalem«, »Gutenberg«, »Aus dem 18. Jahrhundert«,
-»Die letzten Humanisten«) und wiederholt als feinsinniger
-Litterarhistoriker hervorgetreten.</p>
-
-<p><b>Ferdinand von Saar</b>, geb. am 30. Sept. 1833 in
-Wien, ist keine scharf ausgeprägte Dichternatur. Seine
-Erfolge verdankt er den »Gedichten« und den Novellensammlungen
-(»Novellen aus Österreich«, »Herbstreigen«
-u. a.), die ihm den Namen eines Walter Scott der<span class="pagenum"><a id="Seite_56"></a>[56]</span>
-Novelle eingetragen haben. Seine Dramen (»Heinrich IV.«,
-»Die beiden De Witt«, »Eine Wohlthat«) konnten sich
-nicht auf der Bühne behaupten.</p>
-
-<p><b>Heinrich von Reder</b>, geb. am 19. März 1824 in
-Mellrichstadt, begann seine litterarische Laufbahn mit
-»Soldatenliedern von zwei deutschen Offizieren«. Seine
-Hauptwerke, die »Federzeichnungen« und das »Lyrische
-Skizzenbuch«, tragen realistisches Gepräge.</p>
-
-<hr class="chap" />
-
-<div class="chapter">
-<h2 class="nobreak" id="Vaganten_und_Spielmaenner">Vaganten und Spielmänner.</h2>
-</div>
-
-<p><b>Josef Victor von Scheffel</b>, geb. am 26. Febr. 1826
-in Karlsruhe, gest. am 9. April 1886, ist besonders der
-Lieblingsdichter der akademischen Jugend, der er eine
-große Zahl sangbarer Lieder schenkte, aus denen ein
-unverwüstlicher, feuchtfröhlicher Humor spricht. Sein
-lyrisch-episches Werk: »Der Trompeter von Säckingen«,
-das 1854 erschien, fand begeisterte Aufnahme. Weit
-bedeutender als dieses ist jedoch sein »Ekkehard«, ein
-trotz alles gelehrten Beiwerks und der fleißigen Quellenstudien
-von echter Poesie durchdrungenes Werk, das man
-als den besten kulturhistorischen Roman der letzten Jahrzehnte
-bezeichnen kann. Von Sch.'s weiteren Werken verdienen
-noch genannt zu werden: »Frau Aventiure«,
-»Gaudeamus« und »Bergpsalmen«.</p>
-
-<p><b>Rudolf Baumbach</b>, geb. am 28. Sept. 1840 in
-Kranichfeld in Thüringen, ist einer der »liebenswürdigen«
-Dichter, der Naturbursche unter den Poeten. Seine
-lyrischen Gedichte, die sich durch Natürlichkeit und Frische
-auszeichnen und vielfach zu Volksliedern geworden sind,
-erschienen in verschiedenen Sammlungen: »Lieder eines
-fahrenden Gesellen«, »Mein Frühjahr«, »Von der Landstraße«,<span class="pagenum"><a id="Seite_57"></a>[57]</span>
-»Krug und Tintenfaß« u. a. Außerdem besitzen
-wir von ihm Märchen und Epen, die ebenfalls in
-weitere Kreise gedrungen sind.</p>
-
-<p><b>Julius Wolff</b>, geb. am 16. Sept. 1834 in Quedlinburg,
-gehört zu den »Erfolgreichen« der 70er und 80er
-Jahre. Seine erste Veröffentlichung waren Gedichte
-»Aus dem Felde«. Einen durchschlagenden Erfolg errang
-er mit seinen Epen »Der Rattenfänger von Hameln«,
-»Der wilde Jäger«, »Der Tannhäuser«, »Lurlei« u. a.,
-deren künstlerischer Gehalt zwar nicht hervorragend ist,
-die aber das große Publikum immer durch ihre Sentimentalität
-und Rührseligkeit entzücken werden. Der
-Beifall, den seine Epen fanden, übertrug sich auch auf
-seine Romane »Recht der Hagestolze«, »Der Sülfmeister«,
-»Das schwarze Weib«.</p>
-
-<hr class="chap" />
-
-<div class="chapter">
-<h2 class="nobreak" id="Die_Goldschnittlyriker_der_80er_Jahre">Die Goldschnittlyriker der 80er Jahre.</h2>
-</div>
-
-<p><b>Karl Gerok</b>, geb. am 30. Januar 1815 in Vaihingen
-in Württemberg, starb als Prälat in Stuttgart
-1890. Seine Liedersammlungen »Palmblätter«, »Neue
-Palmblätter«, »Pfingstrosen«, »Eichenblätter«, »Deutsche
-Ostern«, die ein liebenswürdiger Humor durchzieht,
-sind vorzugsweise geistlicher Natur und fanden große
-Verbreitung.</p>
-
-<p><b>Julius Sturm</b>, geb. am 21. Juli 1816 zu Köstritz,
-gest. 1896, war einer der fruchtbarsten Liederdichter.
-Die Natur seiner Dichtungen, die eine innige, aber nicht
-kopfhängerische Frömmigkeit auszeichnet, wird durch die
-Titel seiner Sammlungen: »Gott grüße Dich«, »Immergrün«,
-»Fromme Lieder«, »In Freud und Leid«
-charakterisiert.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_58"></a>[58]</span></p>
-
-<p><b>Albert Traeger</b>, geb. am 12. Juni 1830 in Augsburg,
-ist als Dichter in den Kreisen der Liebhaber von
-Gartenlaube-Poesie bekannt geworden, hat sich jedoch
-außer einigen Lustspielen und Novellen nur einen Gedichtband
-zu schulden kommen lassen.</p>
-
-<p><b>Emil Rittershaus</b>, geb. am 3. April 1834 in
-Barmen, gest. daselbst 1897, gab sich in seinen meist
-zuerst in der Gartenlaube veröffentlichten Gedichten als
-Sänger frischer, fröhlicher Lieder, die Wein und Liebe,
-Vaterland und Gartenlaube verherrlichen.</p>
-
-<hr class="chap" />
-
-<div class="chapter">
-<h2 class="nobreak" id="Die_Beschaulichen">Die Beschaulichen.</h2>
-</div>
-
-<p><b>Wilhelm Raabe</b>, geb. am 8. Sept. 1831 in Eschhausen,
-früher Buchhändler, nimmt unter den deutschen
-Humoristen den ersten Rang ein und gilt seit 30 Jahren
-als einer der eigenartigsten Charakterköpfe der deutschen
-Litteratur. Ein goldener Humor, der an Dickens erinnert,
-durchzieht seine Schriften, die er meist in ein
-altertümelndes Gewand kleidet oder im Chronikstil abfaßt.
-»Zwei oder drei Zeilen in einer Chronik, eine
-halbe Seite in der Geschichte für den Forscher« genügen
-ihm, um eine Erzählung darauf aufzubauen. R. beschäftigt
-Geist und Herz seiner Leser in gleicher Weise
-und seine Bücher, in einem etwas krausen Stile geschrieben,
-rühren die Seele bis zum Grunde auf. Bei
-alledem ist er einer der am wenigsten erfolgreichen
-Autoren geblieben, trotz des großen Gehalts und der
-Zahl seiner Schriften, von denen wir hier nur die
-nachstehenden registrieren: »Die Akten des Vogelsangs«,
-»Die Chronik der Sperlingsgasse«, »Gesammelte Erzählungen«,
-3 Bde., »Horacker«, »Der Hungerpastor«,<span class="pagenum"><a id="Seite_59"></a>[59]</span>
-»Der Schüdderump«, »Unseres Herrgotts Kanzlei«, »Alte
-Nester«, »Wunnigel«, »Horn von Wanza«.</p>
-
-<p><b>Wilhelm Busch</b>, geb. am 15. April 1832 in
-Wiedensahl bei Stadthagen, ist der bedeutendste zeitgenössische
-komische Humorist und Zeichner, wenngleich
-seine Wirksamkeit hauptsächlich in die 60er und 70er
-Jahre fällt. Seine Schriften (»Max und Moritz«,
-»Hans Huckebein«, »Der heilige Antonius«, »Die fromme
-Helene«, »Herr und Frau Knopp« u. a.) erlangten eine
-ungeheuere Verbreitung. Seine letzten Werkchen: »Eduards
-Traum« und »Der Schmetterling« sind symbolische Prosamärchen,
-die den Idealismus ironisieren.</p>
-
-<p><b>Hans Hoffmann</b>, geb. am 27. Juli 1848 in Stettin,
-zählt zu den besten Novellisten der Gegenwart. (»Von
-Frühling zu Frühling«, »Geschichten aus Hinterpommern«,
-»Ostseemärchen«, »Allerlei Gelehrte«, »Aus der Sommerfrische«.)
-Auch als Romanschriftsteller ist H. wiederholt
-hervorgetreten und hat sich auf diesem Gebiet als ein
-feinsinniger Dichter erwiesen, dem die seltene Gabe des
-Humors wie wenigen zu Gebote steht. (»Der eiserne
-Rittmeister«, »Landsturm«.) Ein echt nationales, von
-historischem Geiste getragenes Werk ist sein großer
-3bändiger Roman: »Wider den Kurfürsten«.</p>
-
-<p><b>Heinrich Seidel</b>, geb. am 25. Juni 1842 in Perlin,
-wurde Ingenieur, dann Schriftsteller in Berlin. Er ist
-der Dichter der kleinen behaglichen Lebensverhältnisse;
-seine Poesie und seine Ideale haben einen philiströsen
-Zug und es sind fast immer dieselben Mittel (Pastorenhaus,
-Fliederbüsche, Tabakspfeife und schüchterne Liebhaber),
-mit denen er in seinen Lebrecht Hühnchen-Geschichten
-operiert. (»Aus der Heimat«, »Vorstadtgeschichten«,<span class="pagenum"><a id="Seite_60"></a>[60]</span>
-»Lebrecht Hühnchen u. a. Geschichten«, »Neues von Lebrecht
-Hühnchen u. a. Sonderlingen«, »Lebrecht Hühnchen als
-Großvater«, »Gesammelte Gedichte« u. a.) S's. Autobiographie
-führt den Titel »Von Perlin nach Berlin«.</p>
-
-<p><b>Victor Blüthgen</b>, geb. am 4. Januar 1844 in
-Zörbig, ein liebenswürdiger, feinsinniger Dichter, schrieb
-Gedichte (vor allem Kinderreime), Novellen und Humoresken
-(»Henzi u. a. Humoresken«, »Badekuren«, »Amoretten« etc.)
-Von seinen Romanen sind »Der Friedensstörer«, »Aus
-gährender Zeit«, und »Der Preuße« zu nennen.</p>
-
-<hr class="chap" />
-
-<div class="chapter">
-<h2 class="nobreak" id="Die_Behaglichen">Die Behaglichen.</h2>
-</div>
-
-<p><b>Julius Stinde</b>, geb. am 28. Aug. 1841 in Kirch-Nüchel
-in Holstein, führte die »Frau Buchholz«, den
-Typus des Berliner Spießbürgertums, in die Litteratur
-ein und wurde durch zahlreiche Auflagen seiner Werke
-dafür belohnt. Von seinen weiteren Schriften fanden noch
-die »Waldnovellen« und »Pienchens Brautfahrt« größere
-Verbreitung.</p>
-
-<p><b>Johannes Trojan</b>, geb. am 14. August 1837 in
-Danzig, Redakteur des Kladderadatsch, schrieb hübsche,
-humorvolle Kinderlieder und eine Anzahl ansprechender
-Gedichte: »Scherzgedichte«, »Für gewöhnliche Leute«,
-»Das Wustrower Königsschießen u. a. Humoresken«.</p>
-
-<p><b>Julius Lohmeyer</b>, geb. am 6. Okt. 1835 in Neisse,
-machte sich als Jugendschriftsteller einen Namen, ohne
-jedoch auf diesem Gebiete viel mehr als guten Willen
-und einen bescheidenen liebenswürdigen Humor mitzubringen.
-(»Gedichte eines Optimisten«, »Die Bescheidenen«,
-»Humoresken« u. a.)</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_61"></a>[61]</span></p>
-
-<p><b>Edwin Bormann</b>, geb. am 14. April 1851 in
-Leipzig, machte sich als sächsischer Humorist in seinem
-engeren Vaterlande einen Namen (»Mei Leipzig low' ich
-mir«, »Herr Engemann«, »Schelmenlieder« u. a.) So
-gut einige ältere Dialektdichtungen B.'s sind, so flach
-und schal ist die Mehrzahl seiner jüngsten fabrikmäßig
-hergestellten Poesien. Seinen humoristischen Werken nicht
-beizuzählen, nach Ansicht B.'s vielmehr durchaus ernsthaft
-zu nehmen, sind »Das Shakespeare-Geheimnis« und die
-im Anschlusse daran erschienenen Schriften, in denen der
-Nachweis geführt werden soll, daß Shakespeare nicht
-Shakespeare, sondern Francis Bacon ist.</p>
-
-<p><b>Georg Bötticher</b>, geb. am 20. Mai 1849 in Jena,
-ein feinsinnigerer und vielseitigerer Humorist als Bormann,
-schrieb in Gemeinschaft mit Victor Blüthgen »Schüler-Novellen«,
-und selbständig zahlreiche humoristische Schriften,
-von denen viele durch die »Fliegenden Blätter« und die
-»Reclam-Bibliothek« weiteren Kreisen bekannt geworden
-sind. (»Schnurrige Kerle«, »Schilda, Verse eines Kleinstädters«,
-»Allotria, humoristische Geschichte«, »Neue
-Allotria«, »Bunte Reihe« u. a.)</p>
-
-<p><b>Hans Arnold</b> (Pseudon. für Frau Babette von Bülow),
-geb. am 20. Sept. 1850 in Warmbrunn, schildert in ihren
-Novellen und Erzählungen mit Vorliebe in humoristischer
-Weise die kleinen Verdrießlichkeiten und Unannehmlichkeiten
-des Lebens. Ihre Werke besonders anzuführen, erübrigt
-sich: sie amüsieren und werden vergessen.</p>
-
-<hr class="chap" />
-
-<div class="chapter">
-<h2 class="nobreak" id="Die_Dichter_der_Dekadenz">Die Dichter der Dekadenz.</h2>
-</div>
-
-<p><b>Dranmor</b>, mit seinem eigentlichen Namen Ferdinand
-von Schmid, geb. am 22. Juni 1823 in Muri bei<span class="pagenum"><a id="Seite_62"></a>[62]</span>
-Bern, gest. 1888, wanderte nach Brasilien aus und wurde
-weiteren Kreisen durch seine »Gesammelten Dichtungen«
-bekannt, die neben lyrischen Gedichten Balladen und
-Epen aus dem südamerikanischen Leben in düsterer,
-pessimistischer Färbung enthalten.</p>
-
-<p><b>Eduard Grisebach</b>, geb. am 9. Okt. 1845, gab den
-»Neuen Tannhäuser« und »Tannhäuser in Rom« heraus,
-leichtgeschürzte Poesien, die viel Anerkennung fanden.
-G. hat sich ferner als Bibliophile und Herausgeber der
-Werke Schopenhauers u. a. verdient gemacht.</p>
-
-<p><b>Emil Prinz von Schönaich-Carolath</b>, geb. am 8. April
-1852 zu Breslau, lieferte in seinen Dichtungen den Beweis,
-daß jemand Prinz und doch ein großer Dichter, Zigeuner
-und Weltmann zugleich sein kann. Wenn auch die
-Schöpfungen dieses modernen Byron (»Lieder an eine
-Verlorene«, »Tauwasser«, »Dichtungen«, »Geschichten
-aus Moll« u. a. m.) von Koketterie und Salon-Zigeunertum
-nicht frei sind, so kommen ihm doch an
-Größe und Leidenschaft nur wenige der Modernen gleich.</p>
-
-<p><b>Hieronymus Lorm</b> (Pseudon. für Heinrich Landesmann),
-geb. am 9. Aug. 1821 in Nikolsburg, seit seinem
-Jünglingsalter taub und erblindet, schrieb Romane und
-Novellen und that sich besonders als pessimistischer Lyriker
-hervor (»Am Kamin«, »Gedichte«, »Nachsommer« u. a.).
-In seinen philosophischen Schriften unternahm er, wenn
-auch mit wenig Glück, wiederholt den Versuch, eine
-allgemein-verständliche Erörterung des Lebensproblems zu
-geben.</p>
-
-<p><b>Alberta von Puttkamer</b>, geb. am 5. Mai 1849 in
-Glogau, debütierte mit dem Schauspiel »Kaiser Otto III.«,
-dem sie »Dichtungen«, »Accorde und Gesänge«, »Offenbarungen«<span class="pagenum"><a id="Seite_63"></a>[63]</span>
-und »Aus Vergangenheiten« folgen ließ, in
-denen sich ein glühendes Verlangen nach erträumtem
-Glück, Trauer und Sehnsucht nach verlorenem ausspricht.</p>
-
-<p><b>Ada Christen</b> (Pseudon. für Christiane Breden, geb.
-am 6. März 1844 in Wien, ist eine Dichterin stark
-realistischen Gepräges, in deren Gedichten (»Lieder einer
-Verlorenen«, »Aus der Tiefe«) sich das seelische Unbefriedigtsein
-des Weibes ausspricht.</p>
-
-<hr class="chap" />
-
-<div class="chapter">
-<h2 class="nobreak" id="Die_Marlitt_und_ihre_Schule">Die Marlitt und ihre Schule.<a id="FNAnker_3" href="#Fussnote_3" class="fnanchor">[3]</a></h2>
-</div>
-
-<div class="footnotes">
-<div class="footnote">
-<p><a id="Fussnote_3" href="#FNAnker_3" class="label">[3]</a> Paul Lindau siehe unter »Feuilletonisten«.</p>
-</div>
-</div>
-
-<p><b>E. Marlitt</b> (Pseudon. für Eugenie John, geb. am
-5. Dez. 1825 in Arnstadt in Thüringen, gest. 1887, wurde
-viel verlästert von den Modernen, aber viel geliebt von dem
-Publikum der Gartenlaube, das ihre Romane »Goldelse«,
-»Das Geheimnis der alten Mamsell«, »Das Heideprinzeßchen«
-u. a. nicht las, sondern verschlang.</p>
-
-<p><b>W. Heimburg</b> (Pseudon. für Bertha Behrens), geb.
-am 7. Sept. 1850 in Thale am Harz, ist ein Gartenlaube-Talent,
-das sich in wenig oder nichts von der Marlitt
-unterscheidet. Ihre Produktion wird schon durch die
-Titel ihrer Werke charakterisiert: »Aus dem Leben einer
-alten Freundin«, »Lumpenmüllers Lieschen«, »Ein armes
-Mädchen«, »Herzenskrisen«, »Trotzige Herzen« u. s. w.</p>
-
-<p><b>E. Werner</b> (Pseudon. für Elisabeth Bürstenbinder),
-geb. am 25. Nov. 1838 in Berlin, gehört zu denjenigen
-Schriftstellerinnen, die ein Motiv so lange variieren, bis
-es sich zu »Gesammelten Werken« ausgewachsen hat.
-(»Ein Held der Feder«, »Am Altar«, »Gesprengte
-Fesseln«, »St. Michael« u. a.)</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_64"></a>[64]</span></p>
-
-<p><b>Marie Bernhard</b>, geb. am 7. Nov. 1852 in Königsberg
-i. Pr., widmete sich der Schriftstellerei im Genre
-der Gartenlaube (»Forstmeister Reichardt«, »Im Strom
-der Zeit«, »In Treue fest«, »Schule des Lebens«,
-»Unweiblich« u. a.)</p>
-
-<p><b>Nataly von Eschstruth</b> (Mädchenname der jetzigen
-Frau v. Knobelsdorff-Brenkenhoff), geb. am 17. Mai 1860
-in Hofgeismar, wurde vom Deutschen Schriftsteller-Verband
-als die »beliebteste« Erzählerin proklamiert und ist bemüht,
-durch die Quantität zu ersetzen, was ihr an Qualität
-fehlt. Ihre »Werke« stehen noch unter denen der Marlitt,
-Heimburg etc.</p>
-
-<hr class="chap" />
-
-<div class="chapter">
-<h2 class="nobreak" id="Die_Juengstdeutschen_und_ihre">Die »Jüngstdeutschen« und ihre
-Vorkämpfer.</h2>
-</div>
-
-<p><b>Karl Bleibtreu</b>, geb. am 13. Januar 1859 in
-Berlin, schrieb mehr Bände als er Jahre zählt und ist
-einer der großen Woller und kleinen Könner. Vielseitig
-veranlagt und ein geistreicher, witziger Kopf, irrlichtelierte
-er von einem Gebiete zu dem andern, ohne über Ansätze
-hinauszukommen und ohne Fähigkeit zur Konzentration
-und &ndash; Bescheidenheit. Ist Feuer in seinen Werken,
-so ist es sicher Brillantfeuer, das keine Wärme giebt und
-dessen Abbrennen teilnahmlos läßt. Von seinen zahlreichen
-Werken nennen wir nur »Dies irae, Erinnerungen eines
-französischen Offiziers«; die Aufzählung seiner dramatischen,
-lyrischen und epischen Produktion, wie seiner Glaubensbekenntnisse,
-müssen wir uns Raummangels wegen versagen.
-Die Broschüre: »Die Revolution der Litteratur«,
-die zum ersten Mal dem großen Publikum Kenntnis von<span class="pagenum"><a id="Seite_65"></a>[65]</span>
-den Absichten der »Jungen« gab, hat ein gewisses litterarhistorisches
-Interesse.</p>
-
-<p><b>Michael Georg Conrad</b>, geb. am 5. April 1846
-zu Gnodstadt in Franken, eine eigenartig und scharf ausgeprägte
-Dichternatur mit einer ausgesprochenen Neigung
-zu politischer Bethätigung, gab in Gemeinschaft mit Karl
-Bleibtreu die »Gesellschaft« heraus, die er ganz in den
-Dienst der modernen Ideen stellte. Seine von Zola und
-einem jahrelangen Aufenthalt in Paris beeinflußten Romane:
-»Was die Isar rauscht«, »Die klugen Jungfrauen«, »Die
-Beichte des Narren«, »In purpurner Finsternis« u. a. sind
-nicht frei von Kraftmeierei und Übertreibungen.</p>
-
-<p><b>Hermann Conradi</b>, geb. am 12. Juni 1862 in
-Jeßnitz, gest. am 8. März 1890, eins der Häupter der
-Stürmer und Dränger, schrieb »Brutalitäten«, »Lieder
-eines Sünders« und die Romane: »Phrasen« und »Adam
-Mensch«, Werke, die von Brutalitäten, Phrasen, Menschlichem
-und Allzumenschlichem strotzen, und nur als <em class="antiqua">documents
-humains</em> von einigem Interesse sind.</p>
-
-<p><b>Konrad Alberti</b> (<em class="antiqua">recte</em> Konrad Sittenfeld), geb.
-am 9. Juli 1862 in Breslau, schrieb eine Reihe von
-Romanen, Novellen und Dramen im Stile der Jüngstdeutschen,
-unter denen die Romane »Wer ist der Stärkere?«
-und »Die Alten und die Jungen« die bedeutendsten sind.
-Seine spätere Produktion wandte sich dem Unterhaltungsroman
-zu und entbehrt jeder Eigenart. (»Die Rose von
-Hildesheim«, »Die schöne Theotaki« u. a.)</p>
-
-<p><b>Heinrich Hart</b>, geb. am 30. Dez. 1855 in Wesel,
-Kritiker der »Täglichen Rundschau«, gab in Gemeinschaft
-mit seinem Bruder die »Kritischen Waffengänge« heraus,
-durch die sie den Modernen, mit denen sie in ihrem<span class="pagenum"><a id="Seite_66"></a>[66]</span>
-dichterischen Schaffen sonst wenig Gemeinsames haben,
-nahetraten. Das hervorragendste Werk H.'s ist das Epos
-»Das Lied der Menschheit«.</p>
-
-<p><b>Julius Hart</b>, geb. am 9. April 1859 in Münster,
-Bruder des vorigen, schrieb teils selbständig, teils in
-Gemeinschaft mit seinem Bruder eine Reihe kritischer und
-dichterischer Werke, von denen wir die Gedichtsammlung
-»Sansara«, das Schauspiel »Sumpf«, die Prosadichtung
-»Sehnsucht« und das zweibändige, populär geschriebene
-Werk: »Geschichte der Weltlitteratur« hervorheben.</p>
-
-<p><b>Hermann Heiberg</b>, geb. am 17. Nov. 1840 in
-Schleswig, Herausgeber der Halbmonatsschrift »Niedersachsen«,
-stand ursprünglich mit den Modernen in engster
-Fühlung, glitt jedoch später ganz in das Fahrwasser der
-Unterhaltungslitteratur. Zu seinen bekanntesten Werken
-sind die »Plaudereien mit der Herzogin von Seeland«,
-»Apotheker Heinrich« und »Eine vornehme Frau« zu
-zählen, die sämtlich seiner ersten Schaffensperiode angehören.</p>
-
-<p><b>Max Kretzer</b>, geb. am 7. Juni 1854 in Posen,
-arbeitete sich vom Fabrikarbeiter zum Schriftsteller empor.
-Seine Romane, die stark realistisch gefärbt sind und ihm
-den Namen: der deutsche Zola eintrugen, spielen meist in
-den Arbeiterkreisen der Reichshauptstadt, die er vorzüglich
-kennt und zu portraitieren versteht. (»Meister Timpe«,
-»Der Millionenbauer«, »Die gute Tochter« u. a.) Mit
-seinem letzten Roman: »Das Gesicht Christi« ging er
-vom Realismus zum Symbolismus über.</p>
-
-<p><b>Wilhelm Walloth</b>, geb. am 6. Okt. 1856 zu Darmstadt,
-kämpfte in den Reihen der Modernen an erster
-Stelle. Seine Romane aus dem Rom des Niederganges<span class="pagenum"><a id="Seite_67"></a>[67]</span>
-»Oktavia«, »Paris der Mime«, »Ovid«, »Dämon des
-Neides«, denen jede Konzentration fehlt, hielten nicht,
-was er früher versprochen. Mit seinem neuesten Roman:
-»Im Banne der Hypnose« erregte er statt Sensation
-Langeweile. Seine Dramen: »Marino Falieri«, »Johann
-von Schwaben« sind reich an schönen Einzelheiten, aber
-als Ganzes betrachtet verfehlt.</p>
-
-<p><b>Wilhelm Arent</b>, geb. am 7. März 1864 in Berlin,
-spielte früher auf der Bühne, später in der litterarischen
-Bewegung der 80er Jahre eine Rolle und war Mitherausgeber
-der »Modernen Dichtercharaktere«. Seine
-Poesie (mehr als 30 Bände!) ist überreich an Stimmung,
-aber form- und gedanken-, ja sinnlos.</p>
-
-<p><b>Wolfgang Kirchbach</b>, geb. am 18. Sept. 1857 zu
-London, schloß sich nur locker der »Moderne« an und ist
-immer mehr seinen eigenen oft sonderlichen Ideen nachgegangen.
-(»Ausgewählte Gedichte«, »Lebensbuch«, »Das
-Leben auf der Walze«.) Seine Dramen »Des Sonnenreiches
-Untergang«, »Gordon Pascha« fanden nur geteilte
-Aufnahme.</p>
-
-<hr class="chap" />
-
-<div class="chapter">
-<h2 class="nobreak" id="Socialistische_Lyriker">Socialistische Lyriker.</h2>
-</div>
-
-<p><b>Arno Holz</b>, geb. am 26. April 1863 in Rastenburg,
-ist allem Anschein nach ein Talent, das eine große
-Zukunft <span id="corr067">vor</span> sich hat. Sein »Buch der Zeit« schlug
-neue, eigenartige Töne an und ließ H., der ursprünglich
-als Geibelianer auftrat, als den berufensten socialistischen
-Lyriker erscheinen. Aus seiner Verbindung mit Johannes
-Schlaf gingen die Novellen: »Papa Hamlet« und das
-naturalistische Drama: »Familie Selicke« hervor. Sein
-Drama »Socialaristokraten« fiel gänzlich ab und die neue<span class="pagenum"><a id="Seite_68"></a>[68]</span>
-Dichtkunst, die er im »Phantasus« predigt und für die
-er bereits eine »Revolution in der Lyrik« in Szene setzte,
-hat ihm nur mitleidiges Lächeln und Achselzucken eingebracht,
-obwohl sie sich schon durch ihre Einfachheit vorteilhaft
-vor anderen »Methoden« auszeichnet.</p>
-
-<p><b>Karl Henckell</b>, geb. am 17. April 1864 in Hannover,
-gab mit Arent die »Modernen Dichtercharaktere« heraus
-und stand mit seinen »Strophen« und »Amselrufen«, die
-sich durch Glätte und Formgewandtheit auszeichnen, an
-der Spitze der socialistischen Lyriker.</p>
-
-<p><b>Maurice Reinhold von Stern</b>, geb. am 3. April 1859
-in Reval, hat eine außerordentlich bewegte Vergangenheit
-hinter sich, die ihn nach Deutschland, Amerika und der
-Schweiz führte. (Nach dem Zusammenbruch seiner Buchhandlung
-in Zürich postalisch und polizeilich nicht zu ermitteln.)
-In seinen »Proletarierliedern«, »Ausgewählten
-Gedichten« u. a. finden sich neben Naturbildern von
-Glanz und Stimmung, Plattes und Geschmackloses. Sein
-autobiographischer Roman »Walther Wendrich« zeigt seine
-Unfähigkeit, einen Stoff zu meistern und dichterisch zu
-gestalten. Großes auf kleines übertragen, gilt von ihm
-das Wort Goethes über Grabbe: »Er wußte sich selbst
-nicht zu zähmen, darum zerrann ihm sein Leben wie sein
-Dichten«.</p>
-
-<p><b>John Henry Mackay</b>, geb. am 6. Febr. 1864 in
-Greenock in Schottland, ist ein Dichter mit revolutionären
-und salonanarchistischen Tendenzen, in dessen Werken Denker,
-Dichter und Politiker in gleicher Weise zu Worte kommen
-(»Kinder des Hochlands«, »<em class="antiqua">Arma parata fero</em>«, »Sturm«,
-»Wiedergeburt«, »Gesammelte Dichtungen«, das Kulturgemälde:
-»Die Anarchisten« u. a.).</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_69"></a>[69]</span></p>
-
-<p><b>Bruno Wille</b>, geb. am 6. Febr. 1860 in Magdeburg,
-zeigt sich in seinen Gedichten und philosophischen
-Schriften als freier unabhängiger Denker, der, vom
-Socialismus ausgehend, den Weg zum Individualismus
-findet. (»Einsiedelkunst aus der Kiefernhaide« u. a.)</p>
-
-<hr class="chap" />
-
-<div class="chapter">
-<h2 class="nobreak" id="Die_Nationalen">Die Nationalen.</h2>
-</div>
-
-<p><b>Adolf Pichler</b>, geb. am 4. Sept. 1819, ist der
-älteste Tiroler Dichter: sein Leben und seine Werke reichen
-von der »Franzosenzeit« bis zur Gegenwart. Ein Gelehrter
-und von allseitiger Bildung, weiß er doch wahrhaft volkstümlich
-zu erzählen (»Allerlei Geschichten aus Tirol«,
-»Letzte Alpenrosen«, »Aus den Tiroler Bergen« u. a.).
-Er hat ferner als Lyriker »Hymnen« geschrieben, »Spätfrüchte«
-und »Marksteine«. Unter den Vorkämpfern einer
-liberalen Weltanschauung, aber milde und versöhnlich,
-steht er in vorderster Reihe.</p>
-
-<p><b>Karl Pröll</b>, geb. in Graz 1840, bekannt als
-journalistischer Vorkämpfer des Deutschtums in Böhmen,
-lebt seit vielen Jahren als Schriftsteller in Berlin, von
-wo er neben zahllosen politischen Schriften seine Lieder
-»Sturmvögel«, »Vergessene deutsche Brüder« u. s. w.
-und seine prächtigen Sammlungen von Skizzen und
-Novellen »Moderner Todtentanz«, Bd. 1&ndash;5, »Vogelbeeren«,
-»Spreu im Winde« etc. veröffentlichte.</p>
-
-<p><b>Fritz Lienhard</b>, geb. am 4. Okt. 1865 in Rothbach
-i/Els., war von 1893–1895 Redakteur des
-»Zwanzigsten Jahrhunderts« und Anfang 1900 auf kurze
-Zeit Herausgeber der »Heimat«. Bedeutend sind seine
-»Lieder eines Elsässers«, sein Wanderbuch »Wasgaufahrten«
-und besonders seine Dramen »Naphtali«, »Weltrevolution«,<span class="pagenum"><a id="Seite_70"></a>[70]</span>
-»Till Eulenspiegel«. In seiner schriftstellerischen
-und journalistischen Thätigkeit sucht er der »Heimatkunst«,
-dem Nationalen in Dichtung und Leben, den Weg zu ebnen.</p>
-
-<p><b>Anton Ohorn</b>, geb. am 22. Juli 1846 in Theresienstadt,
-schrieb zahlreiche Romane, Erzählungen und Novellen,
-von denen das meiste Aufsehen die nationale Erzählung
-»Das deutsche Lied« gemacht hat.</p>
-
-<p><b>Anton August Naaff</b>, geb. am 28. Nov. 1850 in
-Weitentrebetitsch, Herausgeber der »Lyra« in Wien,
-veröffentlichte die Liedersammlungen im Volkstone: »Aus
-dem Dornbusch«, »Gartheil und Krauseminz«, »Der
-Sonn' entgegen«, »Gerda« u. a.</p>
-
-<p><b>Ottomar Beta</b> (eigentlich Bettziech), geb. am 7. Febr.
-1845 in Berlin, wurde in England erzogen. B. veröffentlichte
-außer zahlreichen nationalökonomischen, socialpolitischen und
-politischen Schriften mehrere Dramen und Romane, von
-denen das Trauerspiel »David Rizzio«, das Lustspiel
-»Altmodisch und Modern«, das Schauspiel »Nichts halb!«
-und besonders das Lustspiel »Feurige Kohlen« Anerkennung
-fanden. Seine Novellen und Romane »Schmollis,
-ein Hundeleben«, »Unter Unkraut«, »Peregrine«, »Die
-Rache ist mein« u. s. w. verraten ein bemerkenswertes
-Erzählertalent. Beachtung verdient auch das satirische
-Epos »Barbarossa's Botschaft«.</p>
-
-<p><b>Adolf Graf von Westarp</b>, geb. am 21. April 1851
-in Breslau, erregte Aufsehen durch sein Buch »Fürst
-Bismarck und das deutsche Volk«, sowie durch sein Lied
-»An den Kaiser« (nach Bismarcks Entlassung). W. ist
-ein ebenso eigenartiger wie talentvoller Lyriker. (»Deutsche
-Lieder«, »Idyllen und Elegieen aus den bayrischen
-Bergen«.)</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_71"></a>[71]</span></p>
-
-<p><b>Erwin Bauer</b>, geb. am 9. Jan. 1857 auf dem
-Gute Techelfer bei Dorpat in Livland, begründete in
-Reval die »Nordische Rundschau«, 1890 in Berlin »Das
-zwanzigste Jahrhundert«. Außer einigen Dramen gab
-B., dessen Talent frühzeitig von der Politik beschlagnahmt
-wurde, die Novellensammlungen »Aus dem Zarenlande«
-und »Einfache Geschichten«, sowie die Erzählung »Der
-Selbstmord des Leutnants Mergenthin« heraus. Sein
-bestes Werk ist der in Rußland spielende Roman »<em class="antiqua">Aut
-Caesar, aut nihil</em>«.</p>
-
-<p><b>Carl Kerstan</b>, geb. am 22. Okt. 1847 in Prag,
-machte sich als Historienmaler einen Namen. Sein
-philosophischer Roman in 3 Bänden »<em class="antiqua">Sapaere aude</em>«
-gehört zu den besten unserer Litteratur und verdiente
-mehr Beachtung, als er gefunden.</p>
-
-<hr class="chap" />
-
-<div class="chapter">
-<h2 class="nobreak" id="Die_grossen_neuzeitlichen_Erzaehler">Die großen neuzeitlichen Erzähler.</h2>
-</div>
-
-<p><b>Theodor Fontane</b>, geb. am 30. Dez. 1819 in Neuruppin,
-gest. am 20. Sept. 1898, war wie Sudermann
-und Ibsen ursprünglich Apotheker. Eine Reise nach
-England weckte sein dichterisches Talent, so daß er sich
-bald ganz der Schriftstellerei widmete. F. ist besonders
-der Dichter des Preußentums oder im engeren Sinne der
-Mark, Berlins. Er schrieb die Romane »Irrungen,
-Wirrungen«, »Stine«, »Quitt«, »Frau Jenny Treibel«,
-»Effi Briest« u. a., die zu den besten der neuzeitlichen
-Erzählungslitteratur zu rechnen sind. Schon seit den vierziger
-Jahren zählte F. zu den bedeutendsten Balladendichtern
-und Schilderern der Mark Brandenburg. Seine »Wanderungen
-durch die Mark Brandenburg« sind Landschaftsbilder
-von entzückender Anmut, sinniger Feinheit und zugleich<span class="pagenum"><a id="Seite_72"></a>[72]</span>
-von frappierender Treue. Tüchtige litterarische
-Leistungen sind außerdem seine Darstellungen der drei
-Kriege 1864, 1866 und 1870, die wiederholt aufgelegt
-wurden. Mit zwei Bänden Erinnerungen aus
-seinem Leben: »Meine Kinderjahre« und »Von Zwanzig
-bis Dreißig«, schloß er seine dichterische Thätigkeit ab.</p>
-
-<p><b>Wilhelm Jensen</b>, geb. am 15. Febr. 1837 in Heiligenhafen,
-ist einer der eigenartigsten und markantesten Erzähler.
-Er ist der Dichter des Meeres und der Heide
-und alle Stimmen, die er ihnen abgelauscht, klingen in
-seinen Werken wieder. So ungleich auch die einzelnen
-Werke J.'s untereinander sind, allen gemeinsam ist die
-melodische, wunderbare Sprache und eine weiche, stillverträumte
-Stimmung, die über ihnen liegt und den Leser
-gefangen nimmt. J. ist ein ungemein produktiver Dichter,
-der sich jedes Jahr mit zwei, drei Bänden einstellt. Von
-seinen Werken seien genannt: »Die braune Erica«, »Karin
-von Schweden«, »Tagebuch aus Grönland«, »Aus den
-Tagen der Hansa«, »Jenseits des Wassers«, »Luv und
-Lee«, »Sehnsucht«. Auch als Lyriker ist J. wiederholt
-hervorgetreten und darf wohl den Anspruch erheben, als
-solcher neben Keller, Meyer und Storm genannt zu werden.
-(Gesammelte Gedichte: »Vom Morgen zum Abend«.)</p>
-
-<p><b>Marie von Ebner-Eschenbach</b>, geb. am 13. Sept.
-1830 in Zdislavic in Mähren, ist gegenwärtig die bedeutendste
-lebende deutsch-österreichische Schriftstellerin. Sie
-ist eine Meisterin des künstlerischen Realismus, den sie
-so sicher wie die besten Meister der Erzählungskunst beherrscht.
-(»Bozena«, »Dorf- und Schloßgeschichten«,
-»Zwei Komtessen«, »Das Gemeindekind«, »Rittmeister
-Brand« u. a.)</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_73"></a>[73]</span></p>
-
-<p><b>Adolf Wilbrandt</b>, geb. am 24. Aug. 1837 in Rostock,
-gab zuerst ein Werk über Heinrich von Kleist heraus,
-dem er eine Reihe von Dramen: »Arria und Messalina«,
-»Gracchus«, »Kriemhild«, »Graf Hammerstein«, »Die
-Tochter des Herrn Fabricius«, »Der Meister von Palmyra«
-u. a. folgen ließ, unter denen das letztgenannte das bedeutendste
-ist. In den letzten Jahren hat sich W. fast
-ganz dem Zeitromane zugewandt (»Hermann Ifinger«,
-»Die Osterinsel«, »Vater Robinson« u. a.). W. ist eine
-der vornehmsten Erscheinungen unter den Schriftstellern
-der Gegenwart und sowohl der Schiller- als auch der
-Grillparzerpreis sind ihm zugefallen.</p>
-
-<p><b>Richard Voß</b>, geb. am 2. Febr. 1851 in Neugrape
-in Pommern, ist eine reiche phantasievolle und starke
-Dichternatur, die sich leider nicht zur künstlerischen Vollendung
-durchringen konnte. Ein nervöser, dämonischer
-Zug geht durch alle seine Romane und Dramen, die
-bald in Deutschland, bald in Italien, im Mittelalter
-oder in der Neuzeit spielen. Eine zerrissene, unbefriedigte
-Natur, vermögen auch seine Schöpfungen nicht zu befriedigen,
-von denen die meisten den Leser narkotisieren oder
-peinigen. Seine erfolgreichsten Dramen sind »Schuldig«,
-»Alexandra«, und »Eva«; von seinen Novellen und
-Romanen sind »Römische Dorfgeschichten«, »Mönch von
-Berchtesgaden«, »Villa Falconieri«, »Unter den Borgia«,
-die bekanntesten.</p>
-
-<hr class="chap" />
-
-<div class="chapter">
-<h2 class="nobreak" id="Realistische_Erzaehler">Realistische Erzähler.</h2>
-</div>
-
-<p><b>Ernst von Wolzogen</b>, geb. am 23. April 1855 in
-Breslau, ist einer der ungleichmäßig schaffenden Dichter.
-Seine Tragikomödie: »Das Lumpengesindel« ist noch<span class="pagenum"><a id="Seite_74"></a>[74]</span>
-immer sein bestes Werk. Einst erhoffte man vieles von
-dem Talent dieses fabulierenden Freiherrn, der die schöne
-Gabe des Humors besitzt und es versteht, seine Personen
-treffend zu charakterisieren, doch produziert er seit langem
-nur Unterhaltungslitteratur, wenn auch im besseren Sinne.
-Seine besten Romane sind »Die Kinder der Excellenz«
-(auch als Lustspiel bearbeitet), »Die tolle Komteß«, »Die
-Entgleisten«, »Der Kraftmayr«.</p>
-
-<p><b>Konrad Telmann</b> (<em class="antiqua">recte</em> Zitelmann), geb. 1854,
-gest. 1897, wurde durch körperliches Leiden zur Aufgabe
-seines Berufes gezwungen und lebte seit Jahren in Rom.
-T. hat eine außerordentlich große Anzahl von Werken
-hinterlassen und eine rastlose Thätigkeit entfaltet, die seiner
-Kunst nicht immer zum Vorteil gereichte. Er ist ein
-Übergangskünstler, der sich Friedrich Spielhagen zum
-Vorbild nahm und über ihn hinaus den realistischen
-Roman auszubauen und mit neuen, meist »interessanten«
-und exotischen Zügen auszustaffieren suchte. Zu seinen
-besten Romanen, von denen viele in der zweiten Heimat
-des Dichters, in Italien, spielen, zählen: »<em class="antiqua">Vox populi</em>«,
-»Unterm Strohdach«, »Unter römischem Himmel«, »Unter
-den Dolomiten«, »Götter und Götzen«, »Vom Stamme
-der Skariden«.</p>
-
-<p><b>Alexander Baron von Roberts</b>, geb. am 23. Aug. 1845
-in Luxemburg, gest. 1896, zählte zu den besten Unterhaltungsschriftstellern,
-besonders in den Romanen, die das
-Militärleben zum Gegenstand haben. (»Es und Anderes«,
-»Götzendienst«, »Lou«, »Die schöne Helena«, »Schwiegertöchter«
-u. a.) Sein Drama »Satisfaktion« ging mehrfach
-mit Erfolg über die Bühne.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_75"></a>[75]</span></p>
-
-<p><b>Georg von Ompteda</b>, geb. am 29. März 1863 in
-Hannover, veröffentlichte (teilweise unter dem Pseudonym
-Georg Egestorff) »Von der Lebensstraße u. a. Gedichte«,
-sowie die Romane »Drohnen«, »Unter uns Junggesellen«,
-»Sylvester von Geyer« u. a., deren Stoff er vorzugsweise
-der deutschen Armee entnahm. Als Übersetzer
-machte er sich durch die Übertragung der Werke Guy
-de Maupassants bekannt.</p>
-
-<p><b>Wilhelm von Polenz</b>, geb. am 14. Januar 1861
-in Ober-Cunewalde, debütierte mit dem Roman »Sühne«
-und ließ diesem dramatische und novellistische Arbeiten,
-sowie die Romane »Der Pfarrer von Breitendorf«, »Der
-Büttnerbauer«, »Der Grabenhäger« und »Wald« folgen,
-in denen er hauptsächlich brennende Zeitfragen des gutsherrlichen
-und bäuerischen Besitzstandes behandelt.</p>
-
-<p><b>Adolf Schmitthenner</b>, geb. am <span id="corr075">24. Mai 1854</span> in Neckarbischofsheim,
-schrieb den Roman »Psyche« und »Novellen«,
-die eigenartige, fast »gewagte« Probleme zu lösen suchen
-und sich durch feine Seelenmalerei auszeichnen.</p>
-
-<p><b>Karl von Perfall</b>, geb. am 24. März 1851 in Landsberg
-a/Lech, behandelt in seinen Romanen gern moderne
-Probleme, ohne jedoch dem Naturalismus große Konzessionen
-zu machen. (»Vornehme Geister«, »Die Langsteiner«,
-»Die fromme Witwe«, »Sein Recht«.)</p>
-
-<p><b>Anton von Perfall</b>, geb. am 11. Dez. 1853 in
-Landsberg a/Lech, hat sich besonders durch seine Jagdgeschichten
-bekannt gemacht. Seine Romane »Die Krone«,
-»Sein Dämon«, »Die Sonne« tragen zum Teil realistisches
-Gepräge.</p>
-
-<p><b>Oscar Mysing</b>, geb. am 1. Nov. 1867 in Bremen,
-schrieb seine ersten Romane und Novellen, die zum größten<span class="pagenum"><a id="Seite_76"></a>[76]</span>
-Teile erotischer Natur sind (»Überreif«, »Moderne Liebe«),
-unter dem Pseudonym Otto Mora und ging später zur
-Familienblattlitteratur über. (»Die Bildungsmüden«, »Verfolgte
-Phantasie«, »Nach der Sündflut«, »Beresina«.)</p>
-
-<p><b>Richard Nordhausen</b>, geb. am 31. Januar 1868
-in Berlin, war zuerst politisch thätig und schrieb dann
-eine Reihe Epen (»Joß Fritz der Landstreicher«, »Vestigia
-Leonis«, »Sonnenwende«), die sich durch farbenprächtige
-Schilderungen, glühende Leidenschaft und große Plastik
-auszeichnen. Mit dem Roman: »Die rote Tinktur«
-betrat N. die Pfade der Unterhaltungslitteratur.</p>
-
-<p><b>J. J. David</b>, geb. am 6. Febr. 1859 in Weißkirchen,
-schrieb Schauspiele, Gedichte, Erzählungen u. a., die ein
-eigenartiges, etwas widerborstiges Talent verraten. In
-seinen Werken »Höferecht«, »Blut«, »Hagars Sohn«,
-»Gedichte«, »Probleme«, »Ein Regentag« u. a. schildert
-er mit Vorliebe Menschen, die auf die Schattenseite des
-Lebens zu stehen kamen.</p>
-
-<p><b>Felix Hollaender</b>, geb. am 1. November 1867 in
-Leobschütz, debütierte mit dem Roman »Jesus und Judas«,
-denen sich die Berliner Romane: »Ellin Röte« und
-»Sturmwind im Westen« anschlossen. Mit Hans Land
-schrieb er »Die heilige Ehe«.</p>
-
-<p><b>Heinz Tovote</b>, geb. am 12. April 1861 in Hannover,
-suchte die Bahnen Maupassants zu wandeln, ohne jedoch
-auch nur annähernd sein Vorbild zu erreichen, mit dem
-er nur hinsichtlich der Pikanterie verglichen werden kann.
-Seine Romane und Novellen aus der Berliner Demimonde:
-»Im Liebesrausch«, »Fallobst«, »Frühlingssturm«, »Ich«,
-»Mutter«, »Das Ende vom Liede«, »Die rote Laterne«
-u. a. erlebten viele Auflagen.</p>
-
-<hr class="chap" />
-
-<div class="chapter">
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_77"></a>[77]</span></p>
-
-<h2 class="nobreak" id="Die_Unterhaltungstalente">Die Unterhaltungstalente.</h2>
-</div>
-
-<p><b>Ernst Wichert</b>, geb. am 11. März 1831 in Insterburg,
-verfaßte zahlreiche Lustspiele, von denen »Der Narr des
-Glücks«, »Als Verlobte empfehlen sich« und »Ein Schritt
-vom Wege« sich noch auf der Bühne erhalten haben.
-W. ist außerdem Verfasser vieler Romane und Novellen:
-»Litauische Geschichten«, »Heinrich von Plauen«, »Hohe
-Gönner«, »Anderer Leute Kinder«, »Vom alten Schlage«,
-»Der große Kurfürst in Preußen«, u. a., von denen der
-letztgenannte, ein historischer Roman größeren Stils,
-besonders hervorgehoben zu werden verdient. W., der
-bis 1896 dem Richterstande angehörte, schrieb seine Selbstbiographie
-1899 unter dem Titel: »Richter und Dichter«.</p>
-
-<p><b>August Niemann</b>, geb. am 27. Juni 1839 in
-Hannover, früher Hauptmann, führte sich mit einer
-Geschichte des französischen Feldzuges 1870/71 in die
-Litteratur ein. Sein bedeutendster Roman »Bakchen
-und Thyrsosträger«, zieht gegen die materialistische Weltanschauung
-zu Felde. In Buchhändlerkreisen fand besonders
-der Roman »Eulen und Krebse«, das »Soll
-und Haben« des Buchhändlers, Beachtung.</p>
-
-<p><b>Gerhardt von Amyntor</b> (Pseudon. für Dagobert
-von Gerhardt), geb. am 12. Juli 1831 in Liegnitz,
-war Offizier und wandte sich dann der Litteratur zu.
-Von seinen Werken, in denen sich oft ein Hang zum
-Übersinnlich-Mystischen und zur Behandlung philosophischer
-und religiöser Themata bemerkbar macht, ist der Roman
-»Gerke Suteminne« das bedeutendste. Die »Hypochondrischen
-Plaudereien«, sowie die Gegenschrift zur Tolstoi'schen
-Kreutzer-Sonate: »Die Cismoll-Sonate« sind etwas hausbacken,<span class="pagenum"><a id="Seite_78"></a>[78]</span>
-aber erfüllt von echt vaterländischem Geiste, der
-allezeit und unentwegt für deutsche Frauen, deutsche
-Treue, Gott und Religion eintritt. Interessante Lebenserinnerungen
-legte A. in dem Werke: »Das Skizzenbuch
-meines Lebens« nieder.</p>
-
-<p><b>Otto von Leixner</b>, geb. am 24. April 1847 in
-Saar, bis vor kurzem Redakteur der »Deutschen Romanzeitung«,
-schrieb im Sinne derselben eine Reihe Romane,
-Aphorismen und Plaudereien, von denen die Ȁsthetischen
-Studien für die Frauenwelt«, »Laienpredigten für das
-deutsche Haus«, »Aus meinem Zettelkasten«, und der
-Roman: »Also sprach Zarathustras Sohn« am bemerkenswertesten
-sind. Seine »Geschichte der deutschen Litteratur«,
-der nur feuilletonistischer Wert beizumessen ist, erlebte
-vier Auflagen.</p>
-
-<p><b>Fritz Mauthner</b>, geb. am 22. November 1849 in
-Horzitz, einer der einflußreichsten Kritiker der Reichshauptstadt,
-zeigte seine Begabung besonders in den in
-parodistischer Form auftretenden Kritiken: »Nach berühmten
-Mustern« u. a. Mit seinen modern aufgeputzten
-Romanen aus dem Altertum »Xantippe« und »Hypatia«,
-sowie »Der letzte Deutsche von Blatna«, »Die Geisterseher«,
-»Die bunte Reihe« u. a. machte sich M. als
-Romancier einen Namen.</p>
-
-<p><b>Theophil Zolling</b>, geb. am 30. Dezember 1849 in
-Scafati, Herausgeber der »Gegenwart«, zählt zu den
-besten Sittenschilderern Berlins. Von seinen das hauptstädtische
-Leben behandelnden Romanen: »Der Klatsch«,
-»Frau Minne«, »Kulissengeister«, »Die Million«,
-»Bismarcks Nachfolger« erregte namentlich der letztere
-einiges Aufsehen.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_79"></a>[79]</span></p>
-
-<p><b>Rudolf Stratz</b>, geb. am 6. Dez. 1864 in Heidelberg,
-wandte sich dem Zeitroman zu und schrieb: »Unter den
-Linden«, »Belladonna«, »Die kleine Elten«, »Der
-weiße Tod«, »Montblanc«, den Novellenband »Buch der
-Liebe«, sowie einige Schauspiele. Sein Roman aus
-dem Bauernkrieg von 1525, »Der arme Konrad« und
-das Drama: »Jörg Trugenhoffen«, eine Konkurrenz des
-»Florian Geyer« von Hauptmann, beruhen auf tüchtigen
-Quellenstudien und geben ein anschauliches Bild der
-damaligen Zeit.</p>
-
-<p><b>Hans Land</b> (Pseudon. für Hugo Landsberger), geb. am
-25. August 1861 in Berlin, Herausgeber der Wochenschrift
-»Das neue Jahrhundert« (Berlin), schrieb realistisch gefärbte
-Romane (»Der neue Gott«, »Um das Weib« u. a.),
-sowie in Gemeinschaft mit Felix Hollaender das sociale
-Drama »Die heilige Ehe«.</p>
-
-<p><b>Wilhelm Wolters</b>, geb. am 8. November 1852 in
-Dresden, ist durch seine Romane: »Sterbliche Götter«,
-»Helene Pawlowna« und Erzählungen (»Indian Summer«,
-»Ach wenn du wärst mein eigen!«), besonders aber durch
-seine erfolgreiche dramatische Produktion (»Tragische
-Konflikte« etc.) dem größeren Publikum bekannt geworden.</p>
-
-<p><b>Franz von Königsbrun-Schaup</b>, geb. am 22. Februar
-1857 in Cilli, schuf und befestigte seine litterarische Stellung
-durch die beiden Romane: »Die Bogumilen« und »Hundstagszauber«,
-die ihn als feinsinnigen Erzähler erkennen
-lassen. Künstlerisch weniger hoch stehen seine »Gedichte«
-und »Märchen«, und der mit Wolters zusammen geschriebene
-Schwank: »Der Hochzeitstag«, wird auf litterarischen Wert
-wohl überhaupt keinen Anspruch erheben.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_80"></a>[80]</span></p>
-
-<p><b>Fedor von Zobeltitz</b>, geb. am 5. Okt. 1857 in
-Spiegelberg, gehört zu unseren besten Unterhaltungsschriftstellern.
-Von seinen letzten Romanen erregte besonders
-»Der gemordete Wald« Interesse. Um die
-deutsche Bibliophilie hat sich Z. durch Herausgabe der
-»Zeitschrift für Bücherfreunde« verdient gemacht.</p>
-
-<p><b>Hanns von Zobeltitz</b>, geb. am 9. Sept. 1853 in
-Spiegelberg, schrieb eine Reihe Unterhaltungsromane im
-Stile des »Daheim« und der »Velhagen und Klasing'schen
-Monatshefte«, deren Redakteur Z. ist.</p>
-
-<p><b>Ida Boy-Ed</b>, geb. am 17. April 1852 in Bergedorf,
-eine der begabtesten Schriftstellerinnen der alten
-Schule, veröffentlichte eine große Zahl von Romanen,
-von denen »Die Schwestern«, »Abgründe des Lebens«,
-»Fanny Förster« und »Aus Tantalus' Geschlecht« den
-meisten Anklang fanden.</p>
-
-<p><b>A. v. der Elbe</b> (Pseudon. für Auguste von der Decken),
-geb. am 30. Nov. 1828 in Bleckede, setzte die »Chronica
-eines fahrenden Schülers von Clemens Brentano« fort und
-wandte sich vorzugsweise historischen Stoffen zu (»Lüneburger
-Geschichten«, »Brausejahre«, »Apollonia von
-Celle«, »Die jüngeren Prinzen«, »Der Seekönig« u. a.).</p>
-
-<p><b>Claire Glümer</b>, geb. am 18. Okt. 1825 in Blankenburg,
-führte sich mit Novellen und Skizzen in die
-Litteratur ein. (»Düstere Nächte«, »Aus der Bretagne«,
-»Junge Herzen«.)</p>
-
-<p><b>Sophie Junghans</b>, geb. am 3. Dez. 1845 in Kassel,
-ist Verfasserin einer Reihe von Unterhaltungsromanen,
-von denen »Der Bergrat«, »Ein Kaufmann«, »Lore
-Fay«, »Schwertlilie« und »Um das Glück« die bekanntesten
-sind.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_81"></a>[81]</span></p>
-
-<p><b>Luise Westkirch</b>, geb. am 8. Juli 1858 in Amsterdam,
-behandelte in ihren Romanen und Novellen mit
-männlicher Kraft und Rücksichtslosigkeit sociale Probleme
-der Gegenwart: »Aus dem Hexenkessel der Zeit«, »Die
-Streber«, »Los von der Scholle« u. a.</p>
-
-<hr class="chap" />
-
-<div class="chapter">
-<h2 class="nobreak" id="Romanciers_des_High-life">Romanciers des <em class="antiqua">High-life</em>.</h2>
-</div>
-
-<p><b>Rudolf Lindau</b>, geb. am 10. Okt. 1830 in Gardelegen,
-hatte durch seinen diplomatischen Beruf Gelegenheit,
-die halbe Welt kennen zu lernen. Er ist Weltmann
-großen Stils und in Paris und London ebenso zu Hause
-wie in Peking und San Francisco. L. verfaßte mehrere
-größere Romane, die in den Kreisen der internationalen
-Gesellschaft spielen (»Robert Ashton«, »Gute Gesellschaft«
-u. a.) und gab Beschreibungen seiner umfassenden
-Reisen heraus (»China und Japan« u. a.).</p>
-
-<p><b>Ossip Schubin</b>, mit ihrem eigentlichen Namen Lolo
-Kirschner, geb. am 17. Juni 1854 in Prag, läßt ihre
-Romane zumeist in den Kreisen des internationalen
-<em class="antiqua">high life</em>, besonders der österreichischen Adels- und
-Offizierskreise, spielen. Ihrem ersten Roman »Ehre«
-folgten »Schuldig«, »Unter uns«, »Gräfin Erikas Lehr-
-und Wanderjahre«, »Gebrochene Flügel«, »Es fiel ein
-Reif in der Frühlingsnacht« u. a. S. schreibt fesselnd
-und interessant, doch haben ihre Romane etwas skizzenhaftes
-und der Stil ist oft salopp oder gesucht.</p>
-
-<p><b>Baron Carl Torresani</b>, geb. am 19. April 1846
-in Mailand, war österreichischer Kavallerieoffizier, bewirtschaftete
-einige Zeit sein Gut als Ökonom und widmete
-sich dann der Bildhauerei. Seine Romane, in denen er
-sich ganz als Österreicher giebt, spielen teils in den Kreisen<span class="pagenum"><a id="Seite_82"></a>[82]</span>
-der österreichischen Armee, teils in denen der internationalen
-Gesellschaft, für deren charakteristische Merkmale er einen
-scharfen Blick besitzt. »Aus der schönen wilden Lieutenantszeit«,
-»Schwarzgelbe Reitergeschichten«, »Mit tausend
-Masten«, »Auf gerettetem Kahn«, »Die Juckerkomtesse«,
-»Der beschleunigte Fall«, »Aus drei Weltstädten« u. a.
-Seiner Selbstbiographie gab er den Titel: »Von der
-Wasser- bis zur Feuertaufe. Werde- und Lehrjahre e.
-österreichischen Offiziers«.</p>
-
-<p><b>Johannes Richard zur Megede</b>, geb. am 8. Sept. 1864
-in Sagan, trat erst als reifer Mann mit einer Reihe
-von Romanen vor die Öffentlichkeit. »Kismet«, »Unter
-Zigeunern«, »Quitt«, »Von zarter Hand«, die in den
-exklusiven Adelskreisen spielen und den Verfasser als
-einen scharfen Beobachter, der einen sicheren Blick für
-das Charakteristische besitzt, erkennen lassen.</p>
-
-<p><b>Bertha von Suttner</b>, geb. am 9. Juni 1843 in
-Prag, errang ihren größten Erfolg mit dem Tendenzroman:
-»Die Waffen nieder«, der für die Weltfriedensidee
-Propaganda macht. Von ihren übrigen Werken, die sehr
-ungleich im Werte sind, verdienen noch »Inventarium einer
-Seele« und »Das Maschinenzeitalter« genannt zu werden.</p>
-
-<hr class="chap" />
-
-<div class="chapter">
-<h2 class="nobreak" id="Die_Feuilletonisten">Die Feuilletonisten.</h2>
-</div>
-
-<p><b>Paul Lindau</b>, geb. am 3. Juni 1839 in Magdeburg,
-machte sich als Kritiker einen Namen, den er als produktiver
-Dichter rasch wieder einbüßte. Auch in seinen
-Romanen, die meist in Berlin <em class="antiqua">W</em> spielen und starken
-<em class="antiqua">haut-gout</em> aufweisen, ist er der Feuilletonist von ehemals
-geblieben, der nichts anderes als Eisenbahnlektüre geschrieben.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_83"></a>[83]</span></p>
-
-<p><b>Max Nordau</b> (Pseudon. für Südfeld), geb. am
-29. Juli 1849 in Budapest, errang seinen größten Erfolg
-mit den von Alltagsweisheit triefenden »Konventionellen
-Lügen der Kulturmenschheit«. Als Verfasser von »Entartung«
-scheint er an Paradoxomanie zu leiden oder sie
-zu heucheln.</p>
-
-<p><b>Julius Langbehn</b> hat mit seinem Buche »Rembrandt
-als Erzieher« einen beispiellosen Erfolg gehabt, weil es »die
-Menschen zu verwirren weiß«. Seine »40 Lieder eines
-Deutschen« zeigen die ganze dichterische Unfähigkeit L.'s,
-dessen phantastisches und konfuses Erstlingswerk eine
-geraume Zeit im Mittelpunkt aller litterarischen Diskussionen
-stand.</p>
-
-<p><b>Emil Peschkau</b>, geb. am 19. Febr. 1856 in Wien,
-gab eine Reihe von Skizzen, Epigrammen, Novellen und
-Romanen heraus, die ein hübsches Talent auf humoristischem
-und satirischem Gebiete erkennen lassen.</p>
-
-<p><b>Balduin Groller</b>, geb. am 5. Sept. 1848 in Arad,
-gilt als der geistreiche Plauderer, der aus nichts eine
-schnurrige Geschichte zusammendrechselt. (»Wenn man jung
-ist«, »Zehn Geschichten«, »In den Tag hinein« u. a.)</p>
-
-<p><b>Ferdinand Groß</b>, geb. am 8. April 1849 in Wien,
-schrieb zahlreiche Skizzen, Novellen und Romane, die den
-liebenswürdigen Plauderer und Feuilletonisten der Wiener
-Schule erkennen lassen. (»Blätter im Winde«, »Litterarische
-Modelle«, »Zum Nachtisch«, »In Lachen und Lächeln«.)</p>
-
-<p><b>Hermann Bahr</b>, geb. am 19. Juli 1863 zu Linz,
-kann als der Typus eines Journalisten gelten, der in allen
-Sätteln reitet, in Rom und Madrid zu Hause ist und
-überall sein Weanertum mitbringt. Ein geistreicher, talentierter
-Kopf, der sich gern die Bühne erobern möchte,<span class="pagenum"><a id="Seite_84"></a>[84]</span>
-aber auch als Schriftsteller immer Journalist bleibt. Er
-schrieb Romane, litteraturgeschichtliche Abhandlungen und
-Theaterstücke, von denen »Die neuen Menschen«, »Die
-Mutter«, »Tschaperl« und »Der Athlet« die bemerkenswertesten
-sind.</p>
-
-<p><b>Maximilian Harden</b> (<em class="antiqua">recte</em> Witkowski), geb. am
-20. Okt. 1861 in Berlin, Herausgeber der »Zukunft«,
-einer der gewandtesten und vielseitigsten Journalisten, veröffentlichte
-seine kritischen Aufsätze unter dem Titel:
-»Apostata« und »Theater und Litteratur«. (Vergl. Zur
-Charakteristik litterar. und verwandter Blätter.)</p>
-
-<hr class="chap" />
-
-<div class="chapter">
-<h2 class="nobreak" id="Die_Industriellen">Die Industriellen.<a id="FNAnker_4" href="#Fussnote_4" class="fnanchor">[4]</a></h2>
-</div>
-
-<div class="footnotes">
-<div class="footnote">
-<p><a id="Fussnote_4" href="#FNAnker_4" class="label">[4]</a> Diese Rubrik, die ihrer Natur nach die umfangreichste
-des ganzen Werkchens darstellen müßte, wurde auf Veranlassung
-des Verlegers »als unerheblich« (?!) auf das »unbedingt Notwendige«
-beschränkt.</p>
-</div>
-</div>
-
-<p><b>Gregor Samarow</b> (Pseudon. für Oskar Meding), geb.
-am 11. April 1829 in Königsberg i. Pr., kultivierte
-besonders den sensationell gefärbten Zeitroman (»Scepter
-und Kronen«, »Europäische Minen und Gegenminen«,
-»Zwei Kaiserkronen« und Dutzend andere).</p>
-
-<p><b>Dr. Alfred Friedmann</b>, geb. am 26. Okt. 1845 in
-Frankfurt a. M., »ist seit 27 Jahren auf allen Gebieten
-erfolgreich thätig, seine Romane standen in der
-»Köln. Ztg.«, in »Westermanns Monatsheften«, »Nord
-und Süd«, »Berliner Tageblatt« etc., seine Gedichte in
-3 Bänden gesammelt, standen überall. Zahlreiche Feuilletons
-trugen ihm Briefe bis aus Ostindien ein, Heyse,
-Geibel, Bodenstedt, Lingg etc. schrieben über den Dichter
-und waren ihm befreundet. F. war Redakteur in Wien,<span class="pagenum"><a id="Seite_85"></a>[85]</span>
-ist es in Berlin, reiste zu Kongressen und wurde von
-Reclam in 7 Bänden von je 8 Auflagen <em class="antiqua">à</em> 5000 Exemplare
-verlegt«.<a id="FNAnker_5" href="#Fussnote_5" class="fnanchor">[5]</a></p>
-
-<div class="footnotes">
-<div class="footnote">
-<p><a id="Fussnote_5" href="#FNAnker_5" class="label">[5]</a> Unverkürzt nach den eigenen Angaben des Dichters.</p>
-</div>
-</div>
-
-<hr class="chap" />
-
-<div class="chapter">
-<h2 class="nobreak" id="Die_dramatischen_Hauptmaenner">Die dramatischen Hauptmänner der
-Gegenwart.</h2>
-</div>
-
-<p><b>Ernst von Wildenbruch</b>, geb. in Beirut am 3. Febr.
-1845, ist einer der erfolgreichsten Dramatiker der Gegenwart,
-seiner Artung nach mehr den Älteren, denen Schiller noch
-keine abgethane Größe ist, als den Modernen zuzuzählen.
-Wird auch bei ihm die Charakteristik sehr oft durch
-die Rhetorik ersetzt, so ist er doch unerreicht in der
-Schaffung wirkungsvoller Scenen. Von seinen erfolgreichsten
-Stücken der ersten Zeit führen wir an »Die
-Karolinger«, »Harold«, »Der Mennonit«, »Väter und
-Söhne«. Später entnahm W. hauptsächlich den Stoff
-seiner Dramen, in denen sich der Hurrahpatriotismus
-auf Kosten des dichterischen Gehalts breit macht, der
-Geschichte der Hohenzollern (»Die Quitzows«, »Der
-Generalfeldoberst«, »Der neue Herr«, »Heinrich und
-Heinrichs Geschlecht«). Den Einfluß Sudermanns zeigt
-das realistische Stück »Die Haubenlerche«. Neben dem
-Dramatiker W. feierte der Erzähler Triumphe (»Humoresken«,
-»Der Astronom«, »Eifernde Liebe«, »Schwester-Seele«
-u. a.). W.'s dichterisches Können findet den
-stärksten Ausdruck in seinen Kindergeschichten: »Das edle
-Blut«, »Kinderthränen«.</p>
-
-<p><b>Gerhart Hauptmann</b>, geb. am 15. Nov. 1862 in
-Salzbrunn, hat sich in verschiedenen Berufen versucht,<span class="pagenum"><a id="Seite_86"></a>[86]</span>
-bevor er den Dichter in sich entdeckte. Durch Arno Holz
-wurde er dem konsequenten Naturalismus gewonnen; sein
-erstes Stück: »Vor Sonnenaufgang« steht ganz unter
-dem Einflusse ausländischer Vorbilder, vor allem Ibsens.
-Nicht höher sind die nächsten Dramen: »Das Friedensfest«
-und »Einsame Menschen« zu werten. Erst das sociale
-Drama »Die Weber«, das ein Bild von der Lage des
-deutschen Arbeiters in der letzten Vergangenheit giebt,
-brachte ihm den ersehnten Erfolg, der durch die beiden
-nächsten Stücke »College Crampton« und »Der Biberpelz«,
-die hauptsächlich Charakterstudien sind, in denen sich eine
-humoristische, stark mit Satire vermischte Ader offenbart,
-noch mehr befestigt wurde. Die nun folgende Traumdichtung
-»Hannele« zeigt den Dichter im Lager der
-Symbolisten. Im »Florian Geyer« sucht er mit vergeblichem
-Bemühen das historische Drama zu meistern.
-Den Mißerfolg des letzteren Stücks, das alles andere,
-nur nicht historisch ist, glich H. mit der »Versunkenen
-Glocke« aus, die auf allen großen Theatern den Ruhm
-des Dichters kündete, der durch sein nächstes Stück
-»Fuhrmann Henschel« zu einem unbestrittenen wurde.
-Ein Mißerfolg war seiner letzten Schöpfung, »einer
-unbesorgten Laune Kind«: »Schluck und Jau, Spiel zu
-Scherz und Schimpf mit 5 Unterbrechungen«, die er
-noch bezeichnender Erlösungen hätte benamsen können,
-beschieden. Sie beweist aufs neue, welch' großer Dichter
-Shakespeare war, von dem sich H. zu dem Stücke
-»anregen« ließ. H. ist in erster Linie novellistisches
-Talent, (vgl. auch »Bahnwärter Thiel«), ein scharfer
-Beobachter und ein Meister der Kleinmalerei. Seine
-dichterische Entwicklung ist sprungweise vor sich gegangen,<span class="pagenum"><a id="Seite_87"></a>[87]</span>
-er hat sich auf allen Gebieten versucht, ehe er das Rechte
-fand, das ihn aus einem psychologischen Destillateur zum
-Dichter machte.</p>
-
-<p><b>Hermann Sudermann</b>, geb. am 30. Sept. 1857 in
-Matziken in Ostpreußen, ergriff zuerst wie Ibsen &ndash;
-mit dem er sonst keine Berührungspunkte hat &ndash; den
-Apothekerberuf, studierte dann in Königsberg und Berlin
-Geschichte und Sprachen und wandte sich später ganz
-der Litteratur zu. Ursprünglich als Romanschriftsteller
-thätig, errang er seinen ersten glänzenden Erfolg mit
-dem Schauspiel »Ehre«, das über sämtliche deutsche und
-ausländische Bühnen ging. Ein starkes theatralisches
-Talent, hat er es immer verstanden, Konzessionen an die
-große Menge zu machen. Er kennt sein Publikum und
-weiß, was er ihm vorzusetzen hat, daher findet er selten
-den Mut einer Tendenz. Ein trostloser Pessimismus
-geht durch seine Stücke, in denen er das Faule und
-Morsche mit besonderer Vorliebe behandelt, ohne jedoch
-den Weg zu einer besseren Zukunft auch nur anzudeuten.
-Über den Mangel an dichterischem Gehalt täuscht er
-hinweg durch eine brillante Technik und eine feine
-Witterung für die modernsten Probleme. Seine Kunst
-ist keine innerliche, sie läßt eine selbständige Weltanschauung
-vermissen. Das tritt nicht nur in seinem ersten Stück,
-sondern auch in seinen späteren Schöpfungen: »Sodoms
-Ende«, »Heimat«, »Schmetterlingsschlacht«, »Morituri«,
-»Das Glück im Winkel«, »Johannes«, »Die drei Reiherfedern«
-zu Tage. Über dem Dramatiker wird häufig der
-Romancier Sudermann vergessen, der uns mit einer Reihe
-spannend geschriebener Romane und Novellen: »Im Zwielicht«,
-»Frau Sorge«, »Geschwister«, »Der Katzensteg«,<span class="pagenum"><a id="Seite_88"></a>[88]</span>
-»Jolandes Hochzeit«, »Es war« beschenkt hat, unter
-denen »Frau Sorge« obenan steht.</p>
-
-<hr class="chap" />
-
-<div class="chapter">
-<h2 class="nobreak" id="Die_kleineren_Dramatiker_der_Neuzeit">Die kleineren Dramatiker der Neuzeit.</h2>
-</div>
-
-<p><b>Max Halbe</b>, geb. am 4. Okt. 1865 in Guettland
-bei Danzig, errang einen durchschlagenden Erfolg mit
-dem Stücke: »Jugend«, der ihn für kurze Zeit in die
-Reihe der ersten Dramatiker stellte. Es gelang ihm
-jedoch nicht, mit seinen späteren Stücken »Der Amerikafahrer«,
-»Lebenswende«, »Mutter Erde«, »Das tausendjährige
-Reich«, von denen das letztgenannte ein bedeutsamer
-Ansatz zum modern-historischen Drama ist, diese
-Stellung zu behaupten, so sehr sie auch Zeugnis von
-seinem ernsten künstlerischen Streben ablegen. H.'s Kunst
-wurzelt in seiner heimatlichen westpreußischen Erde und hat
-ihre stärksten Seiten in lyrischen Feinheiten. Von starkem
-dichterischen Gehalt ist seine Dorfgeschichte »Frau Meseck«.</p>
-
-<p><b>Ludwig Fulda</b>, geb. am 15. Juli 1862 in Frankfurt
-a/M., erweckte bei dem Erscheinen der Schauspiele »Das
-verlorene Paradies« und »Talisman« große Hoffnungen, die
-jedoch nicht verwirklicht wurden, da sich seine Muse immer
-mehr zu Roderich Benedix hingezogen fühlte. F. ist ein
-geistreicher, formgewandter Causeurpoet, seine Stücke hübsch
-gedrechselte Salonware, ohne großen Gehalt, aber amüsant
-und auf Massenerfolg hin geschrieben (»Die
-Kameraden«, »Robinsons Eiland«, »Der Sohn des
-Kalifen«, »Jugendfreunde«, »Schlaraffenland«). Bemerkenswertes
-leistete F., der über große Formgewandtheit
-und sprachliches Talent verfügt, auf dem Gebiete des
-Epigramms und der Spruchdichtung, sowie als Übersetzer
-(Molière, Rostand).</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_89"></a>[89]</span></p>
-
-<p><b>Arthur Schnitzler</b>, geb. am 15. Mai 1862 in
-Wien, hatte bedeutende Bühnenerfolge mit seinen Schauspielen
-»Anatol«, »Märchen«, »Liebelei«, »Freiwild«.
-Er ist der Liebespsychologe der Halbwelt, ein Dichter der
-tändelnden, leichten, freien Liebe, der »kleinen süßen
-Mädels«, wie sie Wien kennt. Seine Männer sind echte
-Lebemänner, die skrupellos ihrem Vergnügen nachgehen
-und es dort suchen, »wo man lächelnd den ersten Kuß
-empfängt und mit sehr sanfter Rührung scheidet«.</p>
-
-<p><b>Josef Lauff</b>, geb. am 16. Nov. 1855 in Köln,
-begann seine litterarische Laufbahn mit epischen Gedichten
-(»Jan van Calker«, »Der Helfensteiner«, »Die Overstolzin«,
-»Klaus Störtebecker« u. a.) und wandte sich
-dann unter kaiserlicher Protektion dem Drama zu (»Der
-Burggraf«, »Der Eisenzahn«). In seinen Epen ist er
-ein verwässerter Julius Wolff, in seinen Dramen ein verwässerter
-Wildenbruch.</p>
-
-<p><b>Felix Philippi</b>, geb. am 5. Aug. 1851 in Berlin,
-wandte sich fast ausschließlich der dramatischen Produktion
-zu (»Daniela«, »Wohlthäter der Menschheit«,
-»Wer war's?«, »Das Erbe«, »Der goldene Käfig« u. a.).
-Seine letzten Stücke, die meist sensationellen Hofgeschichten
-oder politischen Vorkommnissen ihre Entstehung verdanken,
-wurden beifälliger vom Publikum als von der Kritik
-aufgenommen.</p>
-
-<p><b>Max Dreyer</b>, geb. am 25. Sept. 1862 in Rostock,
-führte sich vor ein paar Jahren mit dem Drama »Eine«
-verheißungsvoll in die Litteratur ein, schuf jedoch bald
-Stücke (»In Behandlung«, »Großmama«, »Hans«,
-»Der Probekandidat«), an denen der klug rechnende Verstand
-mehr Anteil hat, als das künstlerische Gewissen.<span class="pagenum"><a id="Seite_90"></a>[90]</span>
-Sie sind weniger Dichtungen als Rechenexempel, deren
-Richtigkeit allerdings durch den Erfolg bestätigt wird.</p>
-
-<p><b>Josef Ruederer</b>, geb. am 15. Okt. 1861 in München,
-schuf in seinem Erstlingsromane: »Ein Verrückter. Kampf
-und Ende eines Lehrers« prächtige Gestalten und in der
-»Fahnenweihe« eine lebendige Sittenkomödie. Seine
-neuesten Veröffentlichungen: der Novellenband »Tragödien«
-und »Wallfahrer-, Maler- und Mördergeschichten« stehen
-nicht ganz auf gleicher Höhe.</p>
-
-<p><b>Caesar Flaischlen</b>, geb. am 12. Mai 1864 in
-Stuttgart, Redakteur des »Pan«, ist ein sprödes und nicht
-sehr ergiebiges Dichtertalent, das stets die »Moderne«
-auf sich einwirken ließ. Seine Dramen: »Toni Stürmer«
-und »Martin Lehnhardt, ein Kampf um Gott« stehen
-ganz unter dem Einflusse Strindbergs.</p>
-
-<p><b>Otto Erich Hartleben</b>, geb. am 3. Juni 1864 in
-Clausthal, ist der Ironiker unter den Modernen, der bei
-Maupassant in die Schule gegangen ist und mit liebenswürdigem
-Humor seine Geschichten und Schnurren, die
-er vorsorglich meist irgend einem Philister in den Mund
-legt, zu erzählen weiß (»Die Geschichte vom abgerissenen
-Knopf«, »Vom gastfreien Pastor«, »Der römische Maler«).
-Als Dramatiker ist er Thesendichter (»Ein Ehrenwort«,
-»Die Erziehung zur Ehe«, »Ein wahrhaft guter Mensch«
-u. a.).</p>
-
-<p><b>Philipp Langmann</b>, geb. am 5. Febr. 1862 in
-Brünn, errang einen großen und verdienten Erfolg mit
-seinem socialen Arbeiterdrama »Bartel Turaser«, der seiner
-späteren dramatischen Produktion (»Die vier Gewinner«,
-»Gertrud Antleß«) ebenso verdienter Weise versagt blieb.
-Seine ganz in impressionistischem Stile geschriebenen<span class="pagenum"><a id="Seite_91"></a>[91]</span>
-»Realistischen Erzählungen« und »Ein junger Mann
-von 1895 und andere Novellen« sind bedeutungslos.
-Hübsche stimmungsvolle Bilder enthält dagegen sein
-neuester Novellenband »Verflogene Rufe«.</p>
-
-<p><b>Ernst Rosmer</b> (<em class="antiqua">recte</em> Frau Elsa Bernstein) schrieb »Wir
-Drei«, »Dämmerung«, »Königskinder«, sowie den Novellenband
-»Madonna«, in denen sie den Spuren Gerhart
-Hauptmanns folgt.</p>
-
-<p><b>Georg Hirschfeld</b>, geb. am 17. Febr. 1873 in
-Berlin, schuf seine Schauspiele aus dem engen Kreise seiner
-(jüdischen) Familie heraus. »Zu Hause«, »Die Mutter«
-und »Agnes Jordan« errangen daher bei dem Berliner
-Premièrenpublikum freundliche Erfolge.</p>
-
-<hr class="chap" />
-
-<div class="chapter">
-<h2 class="nobreak" id="Tendenzfreie_Lyriker_der_juengsten_Zeit">Tendenzfreie Lyriker der jüngsten Zeit.</h2>
-</div>
-
-<p><b>Detlev von Liliencron</b>, geb. am 3. Juni 1844 in
-Kiel, war Offizier und wandte sich erst im reifen Mannesalter
-der Litteratur zu. Seine litterarische Stellung verdankt
-er hauptsächlich seinen Gedichten, in denen er sich als
-durchwegs subjektiver Dichter zeigt, dessen Werke den Stempel
-der Ursprünglichkeit und des Selbsterlebten tragen. (»Adjutantenritte«,
-»Gedichte«, »Der Haidegänger«, »Neue Gedichte«,
-»Ausgewählte Gedichte«, »Kämpfe und Ziele«.)
-Die Form seiner Werke ist nicht immer einwandfrei, weil oft
-ein burschikoses Sichgehenlassen hervortritt, aber die Unmittelbarkeit
-seiner Empfindungsdarstellung und die Frische
-seiner Gedanken vermögen wohl für diese Fehler zu entschädigen.
-Sein bester Roman ist »Breide Hummelsbüttel«,
-der in den Kreisen des holsteinischen Landadels spielt. Viel Lob
-ernteten auch seine Novellensammlungen: »Eine Sommerschlacht«,<span class="pagenum"><a id="Seite_92"></a>[92]</span>
-»Kriegsnovellen«, »Unter flatternden Fahnen«
-und sein neuester Roman: »Mit dem linken Ellenbogen.«</p>
-
-<p><b>Gustav Falke</b>, geb. am 11. Januar 1853 in Lübeck,
-steht hinsichtlich der Begabung Detlev v. Liliencron am
-nächsten. Obwohl seine Lyrik viel Formales enthält,
-hat er doch die Mittel, die höchsten und reinsten Wirkungen
-zu erzielen und den Leser in seine Stimmungen hineinzuzwingen.
-Gedichte: »Mynheer der Tod und andere
-Gedichte«, »Tanz und Andacht«, »Zwischen zwei Nächten«,
-»Neue Fahrt«, »Mit dem Leben«. Seinem stark realistisch
-gefärbten Hamburger Roman »Landen und Stranden«
-ließ er vor kurzem den psychologischen Roman eines
-<em class="antiqua">fin-de-siècle</em>-Menschen: »Der Mann im Nebel« folgen.</p>
-
-<p><b>Carl Busse</b>, geb. am 12. Nov. 1872 zu Lindenstadt
-in Posen, lenkte schon als Schüler die Aufmerksamkeit
-litterarischer Kreise auf sein dichterisches Schaffen. In
-seinen »Gedichten« und »Neuen Gedichten«, die in der
-Form von größter Reinheit sind, ist alles Farbe, Glanz
-und Stimmung. Seine Romane und Novellen entbehren
-der Charakteristik, während seine litteraturgeschichtlichen
-Untersuchungen feine Bemerkungen und treffende Urteile
-aufweisen.</p>
-
-<p><b>Ludwig Jacobowski</b>, geb. am 21. Januar 1868 in
-Strelno, Herausgeber der »Gesellschaft«, ist einer der
-fleißigsten und begabtesten der jüngeren Dichtergeneration.
-Seine Gedichte (»Aus bewegten Stunden«, »Funken«,
-»Aus Tag und Traum«, »Leuchtende Tage«), zeigen ein
-eigenartiges Gepräge, das auch in seinen Romanen
-»Werther der Jude«, »Loki« und der Novellensammlung
-»Und Satan lachte« zu Tage tritt.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_93"></a>[93]</span></p>
-
-<p><b>Richard Zoozmann</b>, geb. am 13. März 1863 in
-Berlin, mehr Dilettant als Dichter, gab eine ganze Reihe
-von Gedichtsammlungen heraus, von denen hier »Minneborn«,
-»Lieder, Romanzen und Balladen«, »Neue Dichtungen«,
-»Aus Herz und Welt«, »Aus allen Zonen«
-genannt sein mögen.</p>
-
-<p><b>Reinhold Fuchs</b>, geb. am 8. Juni 1858 in Leipzig,
-ist gleich ausgezeichnet als Lyriker wie als Epiker. Die
-Versnovellen »Strandgut« und »Herzenskämpfe«, drei
-Erzählungen in Versen, sind »goldene Früchte in silbernen
-Schalen« und brauchten den Vergleich mit Tennyson nicht
-zu scheuen.</p>
-
-<p><b>Jeannot Emil Freiherr von Grotthuß</b>, geb. am
-5. April 1865 in Riga, Chefredakteur des »Türmer«,
-zeigt sich in seinen auch formell einwandfreien Gedichten
-»Gottsuchers Wanderlieder«, sowie in der Erzählung: »Der
-Segen der Sünde« als ein überzeugungstreuer Christ.</p>
-
-<p><b>Ricarda Huch</b> (<em class="antiqua">recte</em> Frau Ricarda Ceconi), geb.
-am 16. Juli 1864 zu Porte Alegre, bekundete in ihren
-im Denken und Fühlen modernen »Gedichten«, sowie in
-dem Roman »Erinnerungen von Ludolf Urslen dem
-Jüngeren« ein starkes poetisches Talent.</p>
-
-<p><b>Alfred Beetschen</b>, geb. am 8. Okt. 1864 in Aarau,
-ist ein feinsinniger, liebenswürdiger Dichter, dem auch
-Witz und Satire nicht fremd sind. Seine »Gedichte«, die
-er 1898 herausgab, spiegeln fast durchweg Selbsterlebtes
-und -empfundenes wider. Ein hübsches wenn auch nicht
-gerade bedeutendes novellistisches Talent spricht aus den
-»Flegeljahren der Liebe«.</p>
-
-<p><b>Hans Bethge</b>, geb. am 9. Januar 1876 in Dessau,
-der Jüngsten einer in der Litteratur, debütierte mit dem<span class="pagenum"><a id="Seite_94"></a>[94]</span>
-Skizzenbuche »Syrinx«, dem er Gedichte: »Die stillen
-Inseln« folgen ließ, in denen sich eine frische, fröhliche
-Jugend ausspricht, die aber dank des Storm'schen Vorbildes
-künstlerisch nicht auf Abwege gerät. Er ist ein
-Moderner und doch »unmodern«, weil er noch Ideale hat.</p>
-
-<p><b>Anna Ritter</b>, geb. am 23. Febr. 1865 in Coburg,
-gab 1898 »Gedichte« heraus, die die leidenschaftliche
-hingebende Liebe des Weibes in formvollendeten Versen
-zum Ausdruck bringen.</p>
-
-<p><b>Johanna Ambrosius</b> (<em class="antiqua">recte</em> Johanna Voigt), geb.
-am 3. August 1854 in Lengwethen, führte sich als
-»arme Bäuerin« in die Litteratur ein und verdankte
-dieser Darstellung einen großen buchhändlerischen Erfolg
-ihrer »Gedichte«.</p>
-
-<p><b>Ludwig Palmer</b> brauchte kaum als »Arbeiter«
-gleichsam entschuldigend in die Litteratur eingeführt zu
-werden. Ein großer Teil seiner »Lieder eines Arbeiters«
-sind, bei tiefem Gefühlsgehalt, in der Form tadellos.</p>
-
-<p><b>Gustav Renner</b>, geb. am 17. Oktober 1866 in
-Freiburg in Schl., war ursprünglich Buchbinder und ging
-dann zur Kunstmalerei über. Seine »Gedichte« erregten
-Aufsehen und wurden von der Kritik ebenso günstig aufgenommen,
-wie die »Neuen Gedichte«, die eher eine
-Steigerung als eine Abnahme seines dichterischen Könnens
-verraten.</p>
-
-<hr class="chap" />
-
-<div class="chapter">
-<h2 class="nobreak" id="Philosophische_und_polemische_Dichter">Philosophische und polemische Dichter.</h2>
-</div>
-
-<p><b>Ferdinand Avenarius</b>, geb. am 20. Dez. 1856 in
-Berlin, zeigt sich in seinen Gedichtsammlungen als
-objektiver Lyriker, der oft statt Empfindungen Grundsätze
-zum Ausdruck bringt. (»Wandern und Werden«, »Lebe«<span class="pagenum"><a id="Seite_95"></a>[95]</span>
-und das lyrische Epos: »Die Kinder von Wohldorf«.)
-Als Herausgeber des »Kunstwart« hat er auf unser
-litterarisches und künstlerisches Leben vielfach Einfluß
-gewonnen.</p>
-
-<p><b>Otto Ernst</b> (Pseudon. für Otto Ernst Schmidt), geb.
-am 7. Okt. 1862 in Ottensen bei Hamburg, von Beruf
-Lehrer, ist eine kampfesfrohe, polemische Natur, die sich
-gern gegen das Althergebrachte wendet und auch in der
-Litteratur oft den Herrn Lehrer spielt. (Gesammelte Essays
-aus Litteratur, Pädagogik und öffentlichem Leben unter dem
-Titel: »Offenes Visier«, »Buch der Hoffnung«.) Seine
-besten Werke sind die Novellensammlung »Aus verborgenen
-Tiefen«, die »Karthäusergeschichten« und die
-humoristischen Skizzen: »Ein frohes Farbenspiel«. Das
-Ende 1899 erschienene Schauspiel: »Die Jugend von
-heute« ist trotz stellenweise treffender Satire ein verfehlter
-Versuch zu einer »deutschen Komödie«.</p>
-
-<p><b>Wilhelm Weigand</b>, geb. am 13. März 1862 in
-Gissigheim, gab sich als geistvoller Essayist in seinen
-litteraturgeschichtlichen Schriften. Außer dem Roman:
-»Die Frankenthaler« und einer Reihe dramatischer
-Schriften »Die Renaissance« (Dramencyklus) u. a. gab
-er »Dramatische Gedichte«, »Sommer« (Neue Gedichte)
-u. a. heraus.</p>
-
-<p><b>Carl Spitteler</b> (Pseudon. Felix Tandem), geb. am
-24. April 1845 in Luzern, der bedeutendste lebende
-Dichter der Schweiz, debütierte mit der Dichtung
-»Prometheus und Epimetheus«, der er die Gedichtsammlung
-»Schmetterlinge« und »Balladen« folgen ließ.
-Als geistreicher Causeur zeigt er sich in den »Lachenden
-Wahrheiten«.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_96"></a>[96]</span></p>
-
-<p><b>Josef Viktor Widmann</b>, geb. am 20. Febr. 1842
-in Nennowitz i. M., bekannt als litterarischer Kritiker
-des »Berner Bund«, begann seine Laufbahn mit Dramen
-und Epen, die stark philosophisch angehaucht sind. Von
-seinen letzten Werken wurde das Epos »Maikäfer-Komödie«,
-das sich durch liebenswürdigen Humor auszeichnet und
-viele satirische Spitzen und Anspielungen enthält, beifällig
-aufgenommen.</p>
-
-<p><b>Christian Wagner</b>, geb. am 5. August 1835 in
-Warmbrunn, lebt als Bauer in seinem Geburtsorte. Er
-ist ein tüchtiger Botaniker und weiß in seinen prosaisch-poetischen
-Naturbetrachtungen die charakteristischen Eigentümlichkeiten
-der Blumen zu kleinen Märchen auszugestalten.
-(»Märchenerzähler, Bramine und Seher« [in 2. Aufl.
-unter dem Titel: »Sonntagsgänge«], »Balladen und
-Blumenlieder«, »Weihegeschenke«, »Neue Dichtungen«.)
-Seine buddhistisch-brahmanistische Weltanschauung legte
-er in seinem letzten Werke »Mein Glaube« nieder.</p>
-
-<p><b>Wilhelm Bölsche</b>, geb. am 2. Jan. 1861 in Köln,
-hat sich durch seine auf naturwissenschaftlicher Grundlage
-aufgebauten Schriften über die moderne Dichtung und
-Wissenschaft einen Namen gemacht. Als sein reifstes
-und bestes Werk gilt der Roman: »Die Mittagsgöttin«.</p>
-
-<p><b>Walther Siegfried</b>, geb. am 20. März 1858 in Zofingen
-(Schweiz), errang mit seinem Künstlerroman »Tino Moralt«,
-der sich durch feine Seelenmalerei auszeichnet, einen vollen
-Erfolg. Auf nicht ganz gleicher Stufe stehen seine späteren
-Werke: »Fermont« und »Um der Heimat willen«.</p>
-
-<p><b>Benno Rüttenauer</b>, geb. am 2. Febr. 1855 in
-Oberwittstadt, machte sich durch gediegene litterarische
-Essays bekannt. Die alte gute Kunstüberlieferung suchte<span class="pagenum"><a id="Seite_97"></a>[97]</span>
-er, im Gegensatz zur modernen Schule, in seinen Romanen
-und Novellen (»Unmoderne Geschichten«, »Zwei Rassen«)
-wieder zur Geltung zu bringen.</p>
-
-<hr class="chap" />
-
-<div class="chapter">
-<h2 class="nobreak" id="Die_Amazonen_des_Geistes">Die Amazonen des Geistes.</h2>
-</div>
-
-<p><b>Marie Eugenie delle Grazie</b>, geb. am 14. Aug.
-1864 in Unter-Weißkirchen, veröffentlichte Gedichte und
-Epen, von denen das moderne großangelegte Epos
-»Robespierre« das bekannteste ist.</p>
-
-<p><b>Helene Böhlau</b> (Mädchenname der Frau al Raschid
-Bey), geb. am 22. Nov. 1859 in Weimar als Tochter des
-dortigen Hofbuchhändlers Herm. B., gelangte früh durch
-diese ›Verbindung‹ in die »Deutsche Rundschau« und zur
-Anerkennung. Als ihre besten Werke sind die »Ratsmädel-Geschichten«
-und »Der Rangierbahnhof« anzusehen. Ihr
-neuester Roman »Halbtier«, der viel Staub aufwirbelte,
-gehört der hysterischen weiblichen Anklagelitteratur an.</p>
-
-<p><b>Anna Croissant-Rust</b>, geb. am 10. Dez. 1860 in
-Dürkheim a/H., ist die Naturalistin <em class="antiqua">par excellence</em> in der
-deutschen Litteratur. (»Feierabend und andere Münchner
-Geschichten«, »Lebensstücke«, »Der standhafte Zinnsoldat«,
-»Der Kakadu und die Prinzessin auf der Erbse«.)</p>
-
-<p><b>Maria Janitschek</b>, geb. am 23. Juli 1860 in
-Mödling, ist ein starkes, dichterisches Talent, das eine
-besondere Vorliebe für absonderliche und krankhafte <em class="antiqua">fin-de-siècle</em>-Menschen
-bekundet. Mit Laura Marholm
-steht sie an der Spitze der weiblichen Emanzipationsgegner
-und giebt ihren Gedanken über das moderne
-Weib rückhaltlosen Eindruck. (»Gesammelte Gedichte«,
-»Raoul und Irene«, »Aus der Schmiede des Lebens«,
-»Vom Weibe«, »Ins Leben verirrt«.)</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_98"></a>[98]</span></p>
-
-<p><b>Emil Marriot</b> (Pseudon. für Emilie Mataja), geb.
-am 20. Nov. 1855 in Wien, gehört der realistischen
-Schule an. In ihren stark katholisch gefärbten Werken
-»Geistlicher Tod«, »Die Unzufriedenen«, »Caritas«, »Der
-Heiratsmarkt« u. a. kämpft sie mit Vorliebe für die Frauenemancipation.</p>
-
-<p><b>Hermione von Preuschen</b>, geb. am 7. August 1857
-in Darmstadt, die Gattin Konrad Telmanns, versuchte
-sich als Dichterin und Malerin, ohne jedoch trotz aller
-Sensationsbestrebungen und Effekthascherei zu reüssieren
-(»Regina Vitae«, »Tollkraut«, »Via Passionis« u. a.).</p>
-
-<p><b>Lou Andreas-Salomé</b>, ist eine der gehaltvollsten
-und tiefsinnigsten Erzählerinnen, auf deren künstlerischen
-Werdegang die Nietzsche'sche Philosophie großen Einfluß
-gewann. Ihre Stärke liegt vor allem in der Zergliederung
-des Menschencharakters, der Analyse der geheimsten
-Seelenregungen. (»Ruth«, »Aus fremder Seele«,
-»Fenitschka«.)</p>
-
-<p><b>Gabriele Reuter</b>, geb. am 8. Februar 1859 in
-Alexandrien, errang einen vollen Erfolg mit ihrem viel
-von dem eigenen Denken und Fühlen verratenden Roman:
-»Aus guter Familie«, der die Leidensgeschichte eines
-jungen Mädchens enthält, das an der Erziehungslüge zu
-Grunde geht. 1896 folgte ein Novellenband: »Der
-Lebenskünstler«. Anfang 1900 ein neuer Roman: »Frau
-Bürgelin und ihre Söhne«.</p>
-
-<p><b>Anselm Heine</b> (Pseudon. für Selma Heine), geb. am
-18. Juni 1855 in Bonn, gewann mit ihren Novellensammlungen:
-»Drei Novellen« und »Unterwegs« die Gunst
-des Publikums und der Kritik.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_99"></a>[99]</span></p>
-
-<p><b>Hans von Kahlenberg</b> (Pseudon. für Helene von
-Monbart), geb. am 23. Febr. 1870 in Heiligenstadt,
-zeichnete sich in ihren Werken »Ein Narr«, »Die
-Jungen«, »Die Familie von Barchewitz« und dem Briefwechsel
-»Nixchen« durch eine Erotik aus, die die Wahl
-eines Pseudonyms zur unbedingten Notwendigkeit machte.</p>
-
-<p><b>Elsa Asenijeff</b> (Pseudon. für Elsa Nestoroff), eine
-aus slavischer Abstammung geborene Wienerin, greift in
-ihren mit philosophischen Anschauungen durchtränkten
-Schriften, die an Offenheit nichts zu wünschen übrig
-lassen, vorzugsweise das »Ewig-Männliche« an. (»Ist
-das die Liebe?«, »Aufruhr der Weiber«, »Sehnsucht.«)</p>
-
-<hr class="chap" />
-
-<div class="chapter">
-<h2 class="nobreak" id="Artisten">»Artisten«,
-Symbolisten und Unverstandene.</h2>
-</div>
-
-<p><b>Johannes Schlaf</b>, geb. am 21. Juni 1862 in
-Querfurt, ging vom Naturalismus aus (»Papa Hamlet«,
-»Familie Selicke« [in Gemeinschaft mit Arno Holz],
-»Meister Olze«) und wandte sich dann dem Symbolismus
-zu (»Frühling«, »Sommertod«, »Gertrud«). Von seiner
-Romantrilogie, die den Entwicklungsprozeß eines »Neumenschen«
-hamletschen Gepräges zeigen soll, ist bisher nur
-der 1. Band unter dem Titel: »Das dritte Reich«, ein
-Berliner Roman, erschienen. Sch.'s Produktion nach
-seiner Emancipation von Arno Holz zeigt, daß er
-dichterisch der bedeutendere der beiden war, wenn ihm
-auch das Kraftvoll-Männliche abgeht und ein weicher,
-verträumter Zug über seinen Werken liegt.</p>
-
-<p><b>Otto Julius Bierbaum</b>, geb. am 28. Juni 1865
-in Grünberg, redigierte eine Zeitlang die »Freie Bühne«,
-die er in die »Neue Deutsche Rundschau« umtaufte, gab<span class="pagenum"><a id="Seite_100"></a>[100]</span>
-den »Modernen Musenalmanach« heraus, gründete mit
-dem Halbpariser Julius Meier-Gräfe den »Pan« und
-ist gegenwärtig Mitherausgeber der »Insel«. B. warf
-sich zum Herold der Symbolisten auf, mit denen er eine
-Versicherungsgesellschaft auf gegenseitige Hochachtung
-und Anerkennung gründete, schrieb »Erlebte Gedichte«,
-»Studentenbeichten«, »Nemt Frouwe disen Kranz«,
-»Pankrazius Graunzer«, »Stilpe«, »Das schöne Mädchen
-von Pao« u. a., und giebt mit Vorliebe seinen Bierulk
-für Humor aus. Der Originalität wegen sieht er sich
-gern im Mittelalter, wenn nötig auch im Auslande, nach
-Gewändern um, seine Figuren damit zu behängen und
-ihnen auf diese Weise ein »charakteristisches Gepräge« zu
-geben, das ihnen sonst abgehen würde.</p>
-
-<p><b>Franz Evers</b>, geb. am 10. Juli 1871 in Winsen,
-erweckte mit seinen ersten Gedichtsammlungen »Symphonie«
-und »Fundamente« Hoffnungen, verlor sich jedoch später
-ganz in die Irrgänge der Mystik (»Hohe Lieder«,
-»Maria«, »Paradiese«), aus denen er bisher noch keinen
-Ausweg gefunden hat.</p>
-
-<p><b>Stanislaw Przybyszewski</b>, geb. am 7. Mai 1868
-in Lojewo (Prov. Posen) sucht in seinen Schriften den
-Beweis von der Verwandtschaft des Genies mit dem
-Irrsinn zu erbringen, oder ist wenigstens bestrebt, beide
-so mit einander zu verquicken, daß es dem Leser schwer
-fällt, in dem einen das andere und in dem anderen das
-eine herauszufinden. Seine dämonisch-verrückt-genialen
-Dichtungen peinigen den Leser geradezu mit der Darstellung
-all' der wirklichen und eingebildeten Schmerzen
-einer zerfaserten <em class="antiqua">fin-de-siècle</em>-Seele. Für Gleichgesinnte,
-die erfahren wollen, wie schwer sich der<span class="pagenum"><a id="Seite_101"></a>[101]</span>
-moderne Mensch das Leben machen kann und wie sehr
-er leidet, wie nicht minder für Irrenärzte, sind die
-P.'schen Werke (»<em class="antiqua">Homo sapiens</em>«, »<em class="antiqua">De profundis</em>«,
-»Satans Kinder«, »In diesem Erdenthal der Thränen«)
-eine pathologische Goldgrube.</p>
-
-<p><b>Richard Dehmel</b>, geb. den 18. November 1863 zu
-Wendisch-Hermsdorf, ist einer der vielumstrittensten und
-einflußreichsten Litteraten der Gegenwart, der, selbst ein
-Grübler, es verstanden hat, unklare Köpfe durch seine lyrischen
-Stammeleien noch unklarer zu machen. Neben den
-barocksten und verworrensten Gedichten gelingt ihm hin
-und wieder ein sehr gutes. Wir besitzen von ihm die
-Gedichtsammlungen »Erlösungen«, »Aber die Liebe«,
-»Lebensblätter«, »Weib und Welt«, ein Drama: »Der
-Mitmensch« und das Tanzspiel: »Luzifer.«</p>
-
-<p><b>Frank Wedekind</b>, geb. am 24. Juli 1864 in Hannover,
-hat sich mit Vorliebe auf dem Gebiete des Dramas
-oder richtiger des Schwankes bewegt. Er ist der Litteratur-Clown
-<em class="antiqua">par excellence</em>, dessen tolle Sprünge und
-Capriolen leider nicht für den Mangel an jeder Handlung
-in seinen »Dramen«, die Groteskes und Tragisches in
-kunterbunter Mischung enthalten, entschädigen können.
-(»Die junge Welt«, »Der Erdgeist«, »Der Liebestrank«
-u. a.). Um seine litterarische Art und Stellung noch
-präziser zu kennzeichnen, sei daran erinnert, daß er einer
-der Hauptmitarbeiter des »Simplizissimus« war.</p>
-
-<p><b>Wilhelm von Scholz</b>, geb. am 15. Juli 1874 in
-Berlin, ist Verfasser von Gedichten (»Frühlingsfahrt«,
-»Hohenklingen«), die eine Neigung zu altdeutsch-romantischer
-Mystik bekunden, wie auch zweier Dramen
-oder richtiger lyrischer Gedichte in dramatischer Form (»Der<span class="pagenum"><a id="Seite_102"></a>[102]</span>
-Gast«, »Der Besiegte«), denen dieselben Merkmale anhaften.</p>
-
-<p><b>Felix Dörmann</b> (Pseudon. für Felix Biedermann),
-geb. am 29. Mai 1870 in Wien, liebte frühzeitig »die
-hektischen schlanken Narzissen, alles was krank und faul
-und wund«. Dieser Geschmacksrichtung entsprechen seine
-Gedichtsammlungen »Neurotica«, »Sensationen« und die
-Sittenkomödie »Ledige Leute«, in denen er sich als krampfhafter
-Dekadent erweist.</p>
-
-<p><b>Hugo von Hofmannsthal</b>, geb. am 1. Febr. 1874
-in Wien, schrieb formschöne, feincisilierte, wenn auch dem
-Leben abgewandte Dichtungen. Seine Begabung ist
-hauptsächlich formalistischer und stilistischer Natur und
-seine Dramen (»Der Thor und der Tod«, »Der Abenteurer«,
-»Die Hochzeit der Sobeïde«), deren Stoffe zumeist
-der Märchenwelt entnommen sind, erinnern in vielem
-an D'Annunzio's letzte Werke. Als eine Bereicherung
-unserer Bühne sind sie nicht anzusehen.</p>
-
-<p><b>Hugo Salus</b>, geb. am 3. Aug. 1866 in Böhm.-Leipa,
-machte sich zuerst durch Gedichte im »Simplizissimus«
-und der »Jugend« bekannt, in denen schwere
-Gedanken mit übermütiger Schelmerei, <em class="antiqua">fin-de-siècle</em>-tum
-mit altdeutscher Romantik in buntem Reigen vorüberziehen.
-(»Gedichte«, »Neue Gedichte«, »Ehefrühling«.)</p>
-
-<p><b>Peter Altenberg</b>, geb. am 9. März 1862 in Wien,
-machte mit einer Sammlung von Stimmungsbildern: »Wie
-ich es sehe« in Litteratenkreisen Aufsehen. Sie ist ebenso
-wie »Aschantee« ganz im impressionistischen Stile geschrieben,
-der sehr bequemerweise nur Andeutungen giebt
-und es dem Leser überläßt, sie weiter auszuführen.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_103"></a>[103]</span></p>
-
-<p><b>Stephan George</b>, geb. 1868 in Bingen a. Rhein,
-schrieb »Hymnen, Pilgerfahrten, Algabal«, »Die Bücher
-der Hirten und Preisgedichte, der Sagen und Sänge
-und der hängenden Gärten«, denen sich 1898 »Das Jahr
-der Seele«, 1899 »Der Teppich des Lebens und die
-Lieder von Traum und Tod« anschlossen. Seine Dichtungen
-&ndash; ihrem »Wert« entsprechend meist auf das
-feinste Büttenpapier gedruckt &ndash; sind oft nicht weniger
-verworren als die Titel, unter denen er sie herausgab.</p>
-
-<p><b>Alfred Mombert</b> kann denjenigen jüngstdeutschen
-Lyrikern zugezählt werden, deren überreizte, krankhafte
-Phantasie sich jeden Stoffes, jeder Empfindung bemächtigt,
-um ihnen dichterischen Ausdruck zu geben. Sein Gedichtband:
-»Die Schöpfung« läßt nicht klar erkennen, ob es
-sich um einen langatmigen Scherz oder um Phantasien
-eines geistig Gestörten handelt.</p>
-
-<p><b>Paul Scheerbart</b>, geb. am 8. Jan. 1863 in Danzig,
-früher »Bureauchef im Verlag deutscher Phantasten«, ist
-einer der seltsamsten Käuze in der neuzeitlichen Litteratur,
-der neben phantastischen Einfällen eine gute Dosis Blödsinn
-in seinen Schriften ablagert (»Tarub, Bagdads berühmte
-Köchin«, »Der Tod der Barmekiden« u. a.).</p>
-
-<hr class="chap" />
-
-<div class="chapter">
-<h2 class="nobreak" id="Nationale_Jungoesterreicher">Nationale Jungösterreicher.</h2>
-</div>
-
-<p><b>Arthur von Wallpach</b>, geb. am 6. März 1866 in Vintl
-(Tirol), Schriftleiter des »Scherer«, veröffentlichte »Im
-Sommersturm« und »Sonnenlieder«, ernste formvollendete
-Dichtungen, die von nationalem Bewußtsein beseelt sind.</p>
-
-<p><b>Franz Herold</b>, geb. am 15. Febr. 1854 in Böhmisch-Leipa,
-gab heraus »Wachsen und Werden«, »Spuren«,<span class="pagenum"><a id="Seite_104"></a>[104]</span>
-»Fremde und Vaterland«, meistens Gedankendichtungen,
-denen er eine ansprechende Form zu geben versteht.</p>
-
-<p><b>Hermann Hango</b>, geb. am 16. Mai 1861 in Wien,
-verfaßte: »Zum Licht«, »Neue Gedichte«, »Faust und
-Prometheus«, »Nausikaa« (Trauerspiel), die sich durch
-schöne Form und Gedanken auszeichnen.</p>
-
-<p><b>Josef Kitir</b>, geb. am 11. Febr. 1867 in Aspang in
-Niederösterreich, Herausgeber der »Poetischen Flugblätter«,
-hat die Gabe, Ereignisse des alltäglichen Lebens mit großer
-dichterischer Stimmung zu schildern. K. veröffentlichte
-»Leben und Stimmung«, »Lyrische Radierungen«.</p>
-
-<p><b>Oskar Weilhart</b> (Pseudon. für Oskar Gerzer), geb.
-am 26. September 1868 in Mattighafen, schrieb mit
-seinem Bruder Josef Hafner eine Reihe von Dramen:
-(»Keine Sühne«, »Der Frauenkongreß«, »Brotlose Kunst«),
-die trotz mancher dramatischer Unbeholfenheiten das Ringen
-ehrlichen Könnens mit großen Stoffen beweisen.</p>
-
-<p><b>Franz Adamus</b>, geb. am 15. Okt. 1867 in Auschwitz,
-wurde durch sein in den schlesischen Bergwerksdistrikten
-spielendes Drama: »Familie Wawroch« bekannt,
-in welchem er mit gutem Gelingen den gesunden Realismus
-aus den Anfängen der modernen Litteraturentwickelung
-wieder auf die Bühne bringt.</p>
-
-<p><b>Emil Ertl</b>, geb. am 11. März 1860 in Wien, hat
-sich durch seine Novellen »Opfer der Zeit«, »Miß Grant«,
-»Die Perlenschnur« u. a. als feinsinniger Erzähler einen
-guten Namen errungen.</p>
-
-<p><b>Heinrich von Schullern</b>, geb. am 17. April 1865
-in Innsbruck, wurde durch seine Skizzen (»Helldunkel«)
-bekannt, in denen man Stil, Grazie und Esprit, oft auch
-nicht immer gut verteilte satirische Spitzen findet. In<span class="pagenum"><a id="Seite_105"></a>[105]</span>
-seinem stellenweise stark polemisierenden Roman »Im
-Vormärz der Liebe« schildert er die Geschichte einer zur
-Lebenserkenntnis gelangenden Jugend.</p>
-
-<p><b>Hanns Weber-Lutkow</b> (Pseudon. für <em class="antiqua">Dr.</em> Hanns
-Pokorny), geb. am 27. September 1861 in Lemberg,
-veröffentlichte zahlreiche Skizzen und kritische Arbeiten und
-entrollte in seinen »Schlummernden Seelen« ergreifende
-Bilder aus dem Fühlen und Leben des niederen Volkes
-in Kleinrußland.</p>
-
-<p><b>Hugo Greinz</b>, geb. am 3. Juni 1873 in Innsbruck,
-Herausgeber des »Kyffhäuser«, gilt als kritischer Vorkämpfer
-für die Idee einer von der Großstadt unabhängigen
-österreichischen Provinzlitteratur. Seine Novellen
-»Küsse« stehen unter Jacobsen'schem Einflusse. Mit Heinrich
-von Schullern gab er 1898 den modernen Musenalmanach
-»Jung-Tirol« heraus.</p>
-
-<hr class="chap" />
-
-<div class="chapter">
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_106"></a>[106]</span></p>
-
-<h2 class="nobreak" id="Zur_Charakteristik_litterarischer_und">Zur Charakteristik litterarischer und
-verwandter Blätter.</h2>
-</div>
-
-<p>An der Spitze unserer Revuen und litterarischen
-Zeitschriften marschiert noch immer die von Julius Rodenberg
-gegründete und geleitete »Deutsche Rundschau«, der
-in Inhalt und Ausstattung die »<em class="antiqua">Revue des deux
-Mondes</em>« als Vorbild gedient hat. Erreichte sie auch
-nicht die Verbreitung und den Einfluß ihrer französischen
-Schwester, so hat sie doch alle Eigenschaften, die sie als
-ein vornehmes Organ im besten Sinne charakterisieren,
-das die Lobsprüche, welche ihm anläßlich des 25jährigen
-Bestehens, im November 1899, gewidmet wurden, durchaus
-verdient. In gewissem Abstande folgen »Nord und
-Süd«, herausgegeben von Paul Lindau, und die »Deutsche
-Revue«, von denen sich die letztere in neuester Zeit besonders
-durch ihre zahlreichen und umfangreichen Bismarckpublikationen
-hervorgethan hat.</p>
-
-<p>Mehr dem Gebiet und dem Geiste der »Gartenlaube«,
-des »Daheims« u. s. w. nähern sich »Westermann's
-Monatshefte«, eine sehr konservativ gehaltene
-Zeitschrift, und »Velhagen und Klasings Monatshefte«,
-die dem litterarischen Schaffen unserer Tage, besonders
-dem der Tagesgrößen, aufmerksame Beachtung schenken
-und das Publikum gern einen Blick in die litterarischen<span class="pagenum"><a id="Seite_107"></a>[107]</span>
-Werkstätten thun lassen. Nicht für das große Publikum
-berechnet ist die »Neue Deutsche Rundschau«, die
-aus der »Freien Bühne« hervorging, eine der
-»freiesten« Monatsschriften, in der sich oft die wagehalsigsten
-Geschichtchen im Stile der Allermodernsten
-finden. Sie hat den Erfolg Hauptmanns und seine
-litterarische Stellung mit begründen helfen und uns mit
-einer Reihe Ausländer, namentlich nordischer Schriftsteller,
-bekannt gemacht, die ohne dieses Organ schwerlich in
-Deutschland zu Gehör gekommen wäre. Die »Neue
-Deutsche Rundschau« hat in den 90er Jahren im Litteraturleben
-fast dieselbe Stellung eingenommen, wie im vorausgegangenen
-Jahrzehnt »Die Gesellschaft«. Als die Sturm-
-und Drangperiode der 80er Jahre inauguriert wurde,
-scharten sich die neuen Streiter, alles was in Litteratur
-machte und revoltierte, aber keinen Verleger finden konnte,
-um das Banner der »Gesellschaft«, an deren Spitze
-M. G. Conrad und Karl Bleibtreu standen. Wie die
-Mitarbeiter der »Neuen Deutschen Rundschau« in S.
-Fischer, Berlin, so fanden die Jüngsten der »Gesellschaft«
-in Wilhelm Friedrich, Leipzig, ihren Verleger.
-Als die Bewegung, deren Bedeutung man nicht unterschätzen
-darf, wenngleich ihre Haupthelden viel gethan
-haben, sich um allen Kredit zu bringen, in ein ruhigeres
-Fahrwasser glitt, als man das Geschrei von der Wolle
-sonderte, da sank auch die »Gesellschaft« von Stufe zu
-Stufe, trieb sich, ohne festen Fuß fassen zu können, bei
-allen Verlegern umher und ist jetzt endlich im Verlage von
-E. Pierson, Dresden, vor Anker gegangen. Sie büßt
-nun ihre litterarische Vergangenheit, und es wird der
-energischen, zielbewußten Leitung des jetzigen Redakteurs,<span class="pagenum"><a id="Seite_108"></a>[108]</span>
-Dr. Ludwig Jacobowskis, bedürfen, sie in litterarischen
-Kreisen wieder »gesellschafts«fähig zu machen.</p>
-
-<p>Mehr auf politischem als litterarischem Gebiete liegt
-die Bedeutung der »Grenzboten« und der »Preußischen
-Jahrbücher«. Ihre Glanzperioden gehören der Vergangenheit
-an, und namentlich die erstere, die früher auch
-in Österreich eine Rolle spielte, ist jetzt nur der Schatten
-von ehedem, als noch Gustav Freytag auf dem Redaktionssessel
-saß. Als gut geleitete, angesehene Zeitschriften sind
-noch die Zolling'sche »Gegenwart« und die »Nation«,
-das Organ des freisinnigen Abgeordneten Dr. Barth,
-zu nennen. Den gleichen Rang, nur mit stärkerer Betonung
-des politischen Teiles, nehmen in Österreich »Die
-Zeit« und die von Dr. Rudolf Lothar geleitete »Wage«
-ein. Zu ihnen hat sich seit April 1899 »Der Kyffhäuser«,
-eine von Hugo Greinz geleitete Monatsschrift, gesellt,
-die ihre Hilfe und Unterstützung den bedrohten nationalgesinnten
-Deutschen leiht. Von geringer Bedeutung und
-wohl nur in Litteratenkreisen begehrt, ist die »Wiener
-Rundschau«, eine von Constantin Christomanos und
-Felix Rappaport geleitete Halbmonatsschrift, die einen
-starken Zug nach Mystik und Symbolismus <em class="antiqua">à la</em> Strindberg
-und Maeterlinck bekundet.</p>
-
-<p>Eine Ausnahmestellung nimmt der »Simplizissimus«
-ein, der ebenso wie die Münchener »Jugend« nur
-bedingungsweise in diese Übersicht gehört. Die
-»Jugend« hat sich nicht so ungebärdig gezeigt, wie
-das Langensche Blatt, obwohl sie schon durch ihren
-Titel ein größeres Recht auf Ungebundenheit herleiten
-könnte. Manch hübsche Zeichnung und manch guter
-Beitrag ist in ihren Spalten erschienen, und der frische,<span class="pagenum"><a id="Seite_109"></a>[109]</span>
-fröhliche Zug, der durch das Ganze geht, haben ihr,
-trotz manches Minderguten, das man schon der »Jugend«
-zu gute halten mußte, viele Freunde und Anhänger
-geschaffen. Anders der »Simplizissimus«, der seiner
-Zeit mit dem Anspruche auftrat, ein deutsches Familienblatt
-zu sein, in seinen Spalten die politischen und
-socialen Verhältnisse in humoristischer und satirischer
-Form widerzuspiegeln und lachend die Wahrheit zu
-sagen. Selten ist zwischen einem Programm und seiner
-Ausführung ein so großes Mißverhältnis eingetreten, wie
-dies beim »Simplizissimus« der Fall ist, selten ist das
-Wort Humor so falsch verstanden und interpretiert
-worden, wie bei dieser Zeitschrift. Die Mitarbeiter, die
-sich um die Fahne des neuen Blattes sammelten, sind
-fast sämtlich bei den Franzosen in die Schule gegangen
-und haben dort alles, was deutsch an ihnen war, weit
-hinter sich gelassen. »Die deutsche Sprak ist eine zu
-arme Sprak, eine plumpe Sprak« und das deutsche
-Wesen ein zu schwerfälliges, zu gründliches, als daß
-man es für ein Blatt hätte brauchen können, das in
-erster Linie auf starke Effekte berechnet war. Eine
-»Gartenlaube« oder ein »Daheim« hätte die Zeitschrift
-nicht zu werden brauchen, aber noch weniger das, was
-sie geworden ist: ein in deutscher Sprache geschriebenes
-französisches Skandal-Boulevardblatt. Was dem Blatte
-vor allem fehlt, ist der sittliche Ernst, den man auch
-aus Witz und Humor herausfühlen muß und der uns
-sagt, daß die Absicht des Zeichners wie des Dichters,
-trotz der stark aufgetragenen Farben, eine gute war, daß
-sie nicht <em class="gesperrt">nur</em> auf Skandal und Effekthascherei ausgegangen
-ist. Daß dieses Gefühl in uns nicht aufkommt, dafür<span class="pagenum"><a id="Seite_110"></a>[110]</span>
-sorgen die fast in jeder Nummer enthaltenen echt französischen
-Cochonnerien, die, man mag mit noch so viel
-gutem Willen versuchen, in sie etwas hineinzulegen, nichts
-anderes bleiben als »Caviar« für Lebemänner im Sinne
-des Herrn Grimm in Budapest<a id="FNAnker_6" href="#Fussnote_6" class="fnanchor">[6]</a>. &ndash; Vom »Simplizissimus«
-zur »Zukunft« ist trotz der großen Verschiedenheit
-der inneren und äußeren Gestaltung beider
-Blätter kein allzuweiter Schritt: sie begegnen sich in der
-destruktiven Tendenz, die gegen alles Bestehende gerichtet
-ist und ihre Freude nur am Negieren und Verreißen
-hat. Wo der »Simplizissimus« grob und derb zugreift,
-da finden wir die »Zukunft« und ihren Herausgeber in
-stiller Minierarbeit thätig. Harden ist zweifellos ein
-begabter und tüchtiger Journalist mit einem Stich ins
-Exotische und einer feinen Witterung für das Aktuelle.
-Er geht selten gerade aufs Ziel los, aber er versteht es,
-in Gleichnissen, Bildern und Allegorien sein Ziel sicher
-zu treffen. Dabei besitzt er eine erstaunliche Bekanntschaft
-mit Büchern, die außer ihm kein Mensch kennt,
-oder vielleicht richtiger, die Gabe, seine gesamten Kenntnisse
-in jedem einzelnen Artikel in kursfähige, kleine
-Münze umzusetzen. Er ist ein Mann nach dem Herzen
-des Staatsanwalts, der schon wiederholt verlangend
-die Arme nach ihm ausgestreckt hat, ein Mann, dem
-der Erfolg und der Effekt über alles gehen, der
-sich in Gegensatz zur herrschenden Partei schon aus
-Freude an der Opposition überhaupt stellen würde.<span class="pagenum"><a id="Seite_111"></a>[111]</span>
-Maximilian Harden ist aber noch mehr. Er ist vor
-allem der Geschäftsmann <em class="antiqua">par excellence</em>, der sein Publikum
-kennt und weiß, was er ihm vorzusetzen hat. Er
-vertritt das monarchische Prinzip, aber er mag den
-Kaiser nicht, er ist für Verfassung, aber sie paßt ihm
-nicht, er ist ein glühender Verehrer Bismarck's, aber er
-wäre es kaum, wenn Bismarck noch amtiert hätte, als
-seine Zeitschrift zu erscheinen begann. Auf diese Weise
-sammelte er die Partei jener um sich, die, wenngleich
-gute Monarchisten, mit den bestehenden Verhältnissen
-unzufrieden sind, jene vor allem, die es als nicht in den
-Kreis der Herrscherpflichten fallend erachten, wenn ein
-Kaiser nicht nur ein guter Regent, sondern auch ein
-guter Redner sein will. &ndash; Völlig bedeutungslos ist die
-von <em class="antiqua">Dr.</em> Wrede herausgegebene »Kritik« geblieben, die
-ursprünglich als Konkurrenz der »Zukunft« gegründet
-wurde. Trotz aller polemischen Versuche Wredes, die
-oft komisch genug ausfielen, hat sich die »Kritik« nie
-mit dieser ganz aus Persönlichem heraus geschaffenen
-Zeitschrift auch nur entfernt messen können. Harden ist
-auch als Journalist Schriftsteller und ein geistreicher
-Kopf, während sich Wrede von den Brosamen nährt,
-die von des Reichen Tische fallen.</p>
-
-<div class="footnotes">
-<div class="footnote">
-<p><a id="Fussnote_6" href="#FNAnker_6" class="label">[6]</a> In den gegen Ende 1899 gegründeten Zeitschriften
-»Münchhausen« (inzwischen wieder eingegangen) und »Satyr«, von
-denen die letztere auch schon wiederholt konfisziert wurde, hat der
-»Simplizissimus« bereits würdige Nachfolger gefunden.</p>
-</div>
-</div>
-
-<p>Zu unseren bestgeleiteten Zeitschriften gehört der
-von Jeannot Emil Freiherrn von Grotthuß herausgegebene
-»Türmer«, der den Untertitel: Monatsschrift für Gemüt
-und Geist führt. »Der Türmer« will die Sehenden zu
-Schauenden machen, »umsaust von Schlagworten, von
-Parteien und Schulen umhergezerrt, will er den stillen
-Winkel bieten, wo ein jeder nach dem harten Tagewerk
-in Feierabendstimmung die Flut der Erscheinungen des<span class="pagenum"><a id="Seite_112"></a>[112]</span>
-socialen und künstlerischen Lebens erörtern und verarbeiten
-kann«. Diesem Programm hat der »Türmer« mit Erfolg
-gerecht zu werden versucht. Er ist kein Organ für Freidenker,
-wie sich das bei dem Herausgeber und dem
-lyrisch-religiös angehauchten Verlage von Greiner &amp; Pfeiffer,
-Stuttgart, von selbst versteht, und es ist nur zu wünschen,
-daß er nicht im Laufe der Zeit in eine kirchlich-reaktionäre
-Strömung gerät, die ihn aus dem jetzigen Interessentenkreis
-hinaus in die enge Stube des Pfarrhauses trägt.
-&ndash; Einen vornehmen Anstrich hat sich auch die von Karl
-Emil Franzos herausgegebene »Deutsche Dichtung« bewahrt,
-ohne daß man ihr jedoch einen besonderen Einfluß
-auf unser Geistesleben zugestehen könnte. &ndash; Zu erwähnen
-wären hier noch zwei politisch-litterarische Zeitschriften, die
-vor Jahresfrist gleichzeitig unter dem vielverheißenden Titel:
-»Das neue Jahrhundert«, die eine in Köln, die andere
-in Berlin, erschienen, sowie die von August Scherl herausgegebene
-»Woche«, auf die die Tendenzen des »Berliner
-Lokalanzeigers« &ndash; eine gesinnungstüchtige Parteilosigkeit
-&ndash; litterarisch-künstlerisch gefärbt, übertragen wurden.
-Die Auflage der »Woche« ist infolgedessen binnen kurzem
-auf über 400&nbsp;000 gestiegen.</p>
-
-<p>Sieht man von einigen kleineren Blättern ab, von denen
-man nicht weiß, ob sie bei Ausgabe dieses Werkchens noch
-existieren werden, so bleiben von jenen Zeitschriften, die man
-in den Katalogen als »Revuen für Kunst, Wissenschaft und
-öffentliches Leben« aufgeführt findet, die große Kunstzeitschrift
-»Pan«, einsam in stolzer Höhe thronend, für das Kunstverständnis
-und den Geldbeutel aller jener zu hoch, für
-die sie ins Leben gerufen wurde, und die im Oktober 1899
-gegründete Zeitschrift »Die Insel« übrig. »Pan« hat<span class="pagenum"><a id="Seite_113"></a>[113]</span>
-die Erwartungen, die sich an sein Erscheinen knüpften,
-in keiner Weise erfüllt, er ist &ndash; ohne jede feste, zielbewußte
-Redaktion &ndash; so unverständlich und geheimnisvoll
-geblieben, wie sein Ahn, der große »Pan«, und
-wohl nur der Opferwilligkeit einiger Bankiers und sonstiger
-wohlsituierter Leute, die ihr künstlerisches Interesse durch
-Hergabe einiger Goldfüchse zu bethätigen suchen, ist es
-zu danken, daß er &ndash; wenn auch fast unter Ausschluß
-der Öffentlichkeit &ndash; noch erscheint. &ndash; »Die Insel«,
-herausgegeben von Otto Julius Bierbaum, A. W. Heymel
-und R. A. Schröder, von der jetzt 4 Hefte vorliegen,
-scheint sich nach Ausstattung, Inhalt und Preis &ndash; Jahresabonnement
-36 Mk. &ndash; mehr an die Liebhaber und
-Sammler, als an die wirklichen Litteratur- und Kunstfreunde
-zu wenden. Die litterarischen Beiträge sind
-ohne jede Bedeutung, einzelne direkt albern, der »Bilderschmuck«
-primitiv wie der einer Kinderfibel und die Druckschrift
-so <span id="corr113">verschnörkelt</span> und entartet, daß nur Leute, die
-über viel Zeit verfügen, als Leser in Frage kommen können.
-Alles in allem: schade um das schöne Papier.</p>
-
-<p>Zwei Zeitschriften nicht rein litterarischer Art, aber
-für Kunstfreunde von besonderem Interesse sind die »Zeitschrift
-für Bücherfreunde« und »Bühne und Welt«. Die
-erstere hat sich die Aufgabe gestellt, alles in ihren Kreis
-zu ziehen, was für Bibliophilen besonderes Interesse hat.
-Ist auch diese Gemeinde in Deutschland gegenüber ihrer
-Verbreitung in anderen Ländern, besonders in Frankreich
-und England, noch eine bescheidene, so scheint es dieser
-Zeitschrift doch gelungen zu sein, festen Fuß zu fassen.
-Noch jüngeren Datums ist »Bühne der Welt«, die anfangs
-tastend und schwankend ihren Weg suchend, nach kaum<span class="pagenum"><a id="Seite_114"></a>[114]</span>
-Jahresfrist sich zu einer unserer vornehmsten Revuen aufgeschwungen
-hat, in deren Spalten sich das Kunstleben
-unserer Tage getreulich widerspiegelt. Sie kann sowohl
-denen zur Lektüre empfohlen werden, die unsere Bühnenkünstler
-»bei der Arbeit« und zu Hause sehen wollen, als
-auch dem Kreis derer, die sich für die dramatische Produktion
-der Gegenwart interessieren.</p>
-
-<p>Übergehend zu den rein litterarischen Zeitschriften
-wären vorerst noch der »Kunstwart«, der den Untertitel
-»Rundschau über Dichtung, Theater, Musik und bildende
-Künste« führt, die »Deutsche Zeitschrift« (Fortsetzung des
-»Kynast«), Monatschrift für Politik und Volkswirtschaft,
-Kultur und Kunst, und die »Heimat« (Neue Folge des
-»Boten für die deutsche Litteratur«) zu nennen. Der
-»Kunstwart« hat vor Jahresfrist eine vollständige Umgestaltung
-erfahren, die nicht nur eine Änderung des äußeren
-Gewandes, sondern vor allem eine bedeutende Vermehrung
-des Textes unter gleichzeitiger Beigabe von Kunst- und
-Musikbeilagen herbeiführte. Sein Herausgeber Ferdinand
-Avenarius besitzt in künstlerischen Dingen ein feinsinniges
-Urteil, das er auch bei der Wahl seiner Mitarbeiter, zu
-denen Adolf Bartels, Oscar Bie, Schultze-Naumburg u. a.
-zählen, bekundet. So ist der »Kunstwart« eine unserer
-gediegensten künstlerischen Zeitschriften, trotz aller Vielseitigkeit
-von Einseitigkeit im Urteil nicht freizusprechen,
-aber ehrlich und vornehm geleitet. &ndash; Die von Ernst
-Wachler herausgegebene »Deutsche Zeitschrift« bezweckt
-vorzugsweise die Pflege und Förderung unserer
-National- und Kulturinteressen im Geiste der Politik des
-Fürsten Bismarck. Gleich der »Heimat«, deren Gründung
-Ende 1899 erfolgte, sucht sie Kunst und Dichtung von<span class="pagenum"><a id="Seite_115"></a>[115]</span>
-der Ausländerei freizumachen und nationalen Zielen zuzuführen.</p>
-
-<p>Von den rein litterarischen Blättern stand das
-»Magazin für die in- und ausländische Litteratur« jahrelang
-an der Spitze, und es verdiente diese Stellung noch
-anfangs der achtziger Jahre, als Wilhelm Friedrich, Leipzig,
-noch Verleger des Blattes war, das seinen Ursprung bis
-auf das Jahr von Goethes Tode zurückführt. Seinem alten
-Programm, eine Übersicht über die Litteratur aller Länder
-und Völker zu geben, ist es ganz untreu geworden, eine
-redaktionelle Leitung, trotzdem oder weil? drei Herausgeber
-(Rudolph Steiner, Otto Erich Hartleben und Moritz
-Zitter) vorhanden sind, ist kaum noch wahrzunehmen; das
-»Magazin für Litteratur«, wie es sich jetzt nennt, bringt
-Artikel aus allen möglichen Gebieten kunterbunt durcheinander
-ohne jede Bezugnahme zu seinem Titel. Seit
-Wilhelm Friedrich, Leipzig, den Verlag des Blattes nicht
-mehr führt, ist es fast immer »unterwegs« auf der Suche
-nach einem Verleger gewesen. Hin und wieder ist ein
-neues, wenn auch schwächliches Reis dem alten Stamme
-aufgepfropft worden, ohne daß die Lebenssäfte des Blattes
-durch diese Okulation gewonnen hätten; auch die Beigabe
-der »Dramaturgischen Blätter« konnte dem steten Sinken
-des »Magazins« keinen Einhalt thun. Ob jetzt das Blatt
-im Verlage von S. Cronbach, Berlin, eine Heimstätte
-gefunden oder ob auch dieser nur eine Durchgangsstation
-bedeutet, vermögen wir nicht zu entscheiden.</p>
-
-<p>An die Stelle des »Magazins«, was Einfluß und Bedeutung
-anlangt, sind die »Internationalen Litteraturberichte«
-(Herausgeber Emil Thomas) getreten, die auch der Abonnentenzahl
-nach die anderen Litteraturblätter weit hinter sich<span class="pagenum"><a id="Seite_116"></a>[116]</span>
-lassen. Sie haben sich die Aufgabe gestellt, alles in ihren Kreis
-zu ziehen, was an litterarischen Bestrebungen im In- und
-Auslande in Erscheinung tritt und es in Artikeln, Übersichten,
-Einzelbesprechungen etc. festzuhalten. Eine Konkurrenz
-ist ihnen durch das im Verlage von F. Fontane &amp; Co.,
-Berlin, erscheinende »Litterarische Echo« erstanden, das
-gut geleitet ist und eine Fülle von Notizen bringt, unter
-denen die Übersichtlichkeit etwas leidet. Ob und inwieweit
-sich für die Dauer die ständige Berücksichtigung kleinerer
-Litteratur- und Sprachgebiete, wie des Polnischen, Czechischen
-u. s. w., für die in Deutschland nur ein ganz bescheidener
-Interessentenkreis vorhanden ist, empfiehlt, wird der Herausgeber,
-z. Z. <em class="antiqua">Dr.</em> Ettlinger, bald herausfinden. &ndash; Eine
-besondere Erwähnung, wenngleich infolge ihres unregelmäßigen
-Erscheinens kaum noch als Zeitschrift aufzufassen, verdienen
-die »Jahresberichte für deutsche Litteraturgeschichte«,
-die in übersichtlich geordneten und zusammenhängenden
-Abschnitten zeigen wollen, welche Bücher, Aufsätze, Artikel
-und Kritiken auf dem Gebiete der jüngsten Geisteswissenschaft
-erscheinen, und was sie Neues und Wertvolles
-enthalten. &ndash; Fast ganz auf wissenschaftliche Kreise und
-Bibliotheken beschränkt war das 1850 von dem hervorragenden
-Leipziger Germanisten Prof. Friedr. Zarncke gegründete
-»Litterarische Centralblatt«, das lange darauf
-verzichtend, eine <em class="gesperrt">Übersicht</em> der deutschen Litteratur zu
-geben, fast ausschließlich Rezensionen einzelner Werke brachte
-und es dem Einzelnen überließ, aus diesen Bruchstücken sich
-das Gesamtbild der Litteratur zusammenzusetzen. Erst
-seit Januar 1900 erscheint eine Beilage zum »Centralblatt«,
-die vor allem größere zusammenfassende kritische
-Übersichten der verschiedenen Gattungen dichterischer<span class="pagenum"><a id="Seite_117"></a>[117]</span>
-Werke und orientierende Aufsätze allgemeinen Inhalts
-enthält.</p>
-
-<p>Dem »Litterarischen Centralblatt« verwandt sind
-»Euphorion«, die »Deutsche Litteraturzeitung«, das
-»Allgemeine Litteraturblatt« (das früher unter dem Titel
-»Österreichisches Litteraturblatt« erschien), die »Zeitschrift
-für vergleichende Litteraturgeschichte« und die vor kurzem
-von <em class="antiqua">Dr.</em> Erich Bischoff gegründete »Zeitschrift für wissenschaftliche
-Kritik und Antikritik«. Sie sind alle auf
-einen kleinen Kreis beschränkt und ein wirklicher Einfluß
-auf unser Litteraturleben ist ihnen kaum zuzusprechen.
-Die »Blätter für litterarische Unterhaltung«, eine sehr
-alte und angesehene Zeitschrift, ist seit Januar 1899 aus
-den Reihen der Litteraturzeitungen verschwunden; selbst
-der Klang der Weltfirma F. A. Brockhaus, Leipzig, war
-nicht stark genug, um sie am Einschlafen zu behindern. &ndash;
-An der Spitze der katholischen Litteratur stehen der
-»Litterarische Handweiser« und die »Deutsche Rundschau
-für das katholische Deutschland«, beide &ndash; sehr oft zum
-Schaden einer objektiven Kritik, &ndash; bemüht, litterarische
-Interessen mit religiösen Fragen zu verquicken.</p>
-
-<p>Von der Aufzählung der Winkel- und Cliquenblättchen,
-die ein kärgliches Dasein fristen, um &ndash; nachdem Drucker
-und Verleger um einige Erfahrungen reicher und ein paar
-Hundertmarkscheine ärmer &ndash; wieder in den Orkus zu
-versinken, wollen wir Abstand nehmen: der Litteratur
-nützen sie so wenig wie ihren Herausgebern, die da hofften,
-durch sie eine litterarische Position oder pekuniäre Vorteile
-zu erlangen.</p>
-
-<hr class="chap" />
-
-<div class="chapter">
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_118"></a>[118]</span></p>
-
-<h2 class="nobreak" id="Der_deutsche_Verlagsbuchhandel">Der deutsche Verlagsbuchhandel
-und sein Anteil an der Litteratur der
-Gegenwart.</h2>
-</div>
-
-<p>Die Cotta, Goeschen, Brockhaus und wie die bedeutenden
-Buchhändler alle heißen, sind tot, und an Stelle der großen,
-von weitausschauenden, scharf ausgeprägten Persönlichkeiten
-getragenen Verlagsgeschäfte, die bestimmenden Einfluß auf
-die Litteratur ausübten, sind zwar nicht minder große,
-aber desto unpersönlichere Aktiengesellschaften getreten, die
-zum weitaus größten Teil den litterarischen Markt beherrschen.
-Für diese Geschäfte handelt es sich nicht so sehr um die
-Förderung des Schrifttums durch den Verlag guter Litteratur,
-sondern in erster Linie um die Erzielung hoher
-Dividenden, zu deren Erhalt weniger Wert auf die litterarische
-Bedeutung eines Buches, als auf seine Gangbarkeit zu
-legen ist. Gerade das Fehlen jedes persönlichen Moments
-und das ausschließliche Werten eines Werkes nach seiner
-Absatzfähigkeit, für die ein Anhalt in dem Namen des
-Autors, hin und wieder auch in dem behandelten Stoffe
-oder einer momentan herrschenden Strömung liegt, läßt
-fast alle großen Verlagsfirmen aus einem großen Aufsatz
-scheiden, der von der Anteilnahme des Verlagsbuchhandels
-an unserem modernen Schrifttum sprechen soll. Nichtsdestoweniger
-stehen diese Firmen in erster Reihe, nicht
-zuletzt durch die großen mit einem enormen Kapitalaufwand<span class="pagenum"><a id="Seite_119"></a>[119]</span>
-gegründeten Familienblätter, durch die sie auf die
-Geschmacksrichtung und das Urteil des großen Publikums
-den bedeutendsten Einfluß ausüben. »Über Land und
-Meer«, »Buch für Alle«, »Zur guten Stunde«, »Moderne
-Kunst«, »Daheim«, »Gartenlaube«, »Vom Fels zum
-Meer«, »Für alle Welt« u. s. w. sind Unternehmungen,
-die das Lesebedürfnis von Hunderttausenden befriedigen,
-neben den Tagesblättern den größten Teil der litterarischen
-Produktion an sich reißen und den Wünschen ihres Publikums
-entsprechend beeinflussen und zustutzen.</p>
-
-<p>Der Buchverlag ist für den Schriftsteller wie für
-den Verleger in den meisten Fällen nicht mehr lohnend
-genug und der vom Ertrage seiner Feder lebende Autor
-gezwungen, Konzessionen zu machen, sein künstlerisches
-Gewissen auszuschalten und das zu produzieren, was der
-Moloch, das große Publikum, am liebsten verschlingt: leicht
-verdauliche Unterhaltungsware. Gerade in der letzten Zeit
-sind aus den Kreisen der Schriftsteller Stimmen laut geworden,
-die auf den verderblichen Einfluß hinwiesen, dem
-ihre eigene Produktion unterworfen ist, seit man sie in
-die Zwangsjacke der Familienlitteratur gesteckt hat. Das
-Publikum hat an diesen Zuständen sicher mehr Schuld
-als die Verleger und Redaktionen der Zeitschriften, die
-nicht mit dem gebildeten Geschmack einer kleinen Gemeinde,
-sondern mit dem rechnen müssen, was Hunderttausenden
-gefällt. Um keine Abonnenten zu verlieren und sie der
-Konkurrenz in die Arme zu treiben, müssen sie, deren Unternehmungen
-auf Massenabsatz angewiesen sind, geben, was
-das große Publikum verlangt, müssen &ndash; im Gegensatz zu
-der Aufgabe eines wahren Familienblattes &ndash; verzichten,
-bildend und veredelnd auf den Geschmack des Volkes zu<span class="pagenum"><a id="Seite_120"></a>[120]</span>
-wirken. Was immer auf dem Gebiete der Litteratur bezw.
-der Ästhetik seit der politischen Wiedergeburt Deutschlands
-geleistet wurde: das große Publikum ist davon unberührt
-geblieben; ja es betrachtet noch heute die Litteratur nicht
-anders als eine angenehme Spielerei für müßige Stunden.
-Nur die eine Forderung: die nach mehr Wirklichkeitssinn,
-nach einer stärkeren Betonung des Lebens und seine Erscheinungen
-in der Litteratur hat &ndash; vielleicht mehr unbewußt,
-mehr vom Leben und seinen Forderungen selbst
-beeinflußt &ndash; auch im Publikum Anerkennung gefunden. In
-Bezug auf künstlerisches Verständnis sind keinerlei Fortschritte
-zu verzeichnen und die Existenzbedingungen des
-Buchhandels, in dem sich immer mehr eine rein kaufmännische
-Auffassung des Berufes geltend macht, sind nicht
-derart, um sich den Luxus gestatten zu können, in künstlerischer
-Hinsicht erzieherisch auf das Publikum zu wirken.</p>
-
-<p>Der deutsche Buchhandel früherer Zeiten hat für
-Litteratur und Wissenschaft viel gethan und manches Werk,
-das weder die Unterstützung einer Regierung, noch einer
-Akademie oder eines Instituts gefunden hat, verdankt ihm
-allein sein Erscheinen. Nicht aus Liebe zum Geld, sondern
-aus Liebe zur Litteratur und Wissenschaft wurden Werke
-publiziert, für die kein Kaufmann, kein Geschäftsmann eine
-Hand gerührt hätte. So schrieb noch 1839 ein Gelehrter:
-»Der deutsche Buchhandel hat von jeher bewiesen, daß
-er seine eigentümliche Stellung in den nachbarlichen Grenzen
-der Intelligenz und Industrie zu würdigen wisse. Man
-prüfe die neuesten Kataloge und entscheide dann, ob jener
-ehrenhafte Grundsatz: einen Teil des Gewinnes, den die
-Muse dem häuslichen Altar beschieden, der Muse selber
-zu opfern, nicht bis auf unsere Zeit herab sich fortgesetzt<span class="pagenum"><a id="Seite_121"></a>[121]</span>
-habe.« Der Anteil, den der Verlagsbuchhandel an dem
-Wachstum unserer Litteratur, insonderheit an der deutschen
-Wissenschaft hat, ist sicher ein nicht geringer, aber er ist
-in den letzten Jahren, seitdem das Großkapital seinen
-Einzug im Buchhandel gehalten hat, bedeutend zurückgegangen.
-Die Aktionäre unserer großen Verlagsanstalten
-legen auf hohe Dividenden bei weitem mehr Gewicht als
-auf den Ruhmestitel Förderer der Litteratur und Kunst
-zu sein. Wirft man heute einen Blick in Kataloge, so
-wird man bei näherem Zusehen finden, daß das litterarische
-Interesse dem merkantilen gewichen ist, daß alljährlich
-Tausende von Schriften erscheinen, die nicht in der Absicht,
-eine Bereicherung unserer Litteratur, sondern eine
-solche des verlegerischen Geldbeutels herbeizuführen, publiziert
-wurden. War früher das jüdische Element hauptsächlich
-im Antiquariats- und Ramschbuchhandel thätig, so hat
-es sich in neuerer Zeit in hervorragender Weise des Verlagsbuchhhandels
-als Spekulationsobjekt bemächtigt, und
-neben angesehenen Firmen, die sich in jüdischen Händen
-befinden, ist eine ganze Reihe jüdischer Verleger aufgetaucht,
-die das Buch als Ware ausschließlich als Ware
-ansieht und demgemäß behandelt. Daß die Litteratur der
-Neuzeit so wenig Förderung seitens des Buchhandels findet,
-hat nicht sowohl seinen Grund in der materialistischen
-Anschauung, die in dem Buche nur ein Handelsobjekt
-sieht, aus dem so viel als möglich Kapital zu schlagen ist,
-sondern zum guten Teil auch in dem Mangel an Urteil,
-der viele Verleger von heutzutage nur nach dem greifen
-läßt, was sich durch einen klangvollen Namen oder eine
-hübsche Etikette auszeichnet. Andere wieder sind so im
-Banne der Moderne, daß sie sich für jedes Werk begeistern,<span class="pagenum"><a id="Seite_122"></a>[122]</span>
-das modern um jeden Preis, selbst um den des guten
-Geschmacks, erscheinen will, mag es künstlerisch auch noch
-so unbedeutend sein. An dieser Verständnislosigkeit in
-künstlerischen Fragen ist nicht zuletzt die Stellung schuld,
-auf die im Laufe der Zeit die Litteraturblätter und die
-Revuen mit litterarischem Anstrich herabgedrückt worden sind.</p>
-
-<hr class="tb" />
-
-<p>Union, Stuttgart, Deutsche Verlagsanstalt, Stuttgart,
-und Bong &amp; Co., Berlin, werden, was die Höhe des Umsatzes
-anbetrifft, an die Spitze des Verlagsbuchhandels gestellt
-werden müssen, obwohl der Schwerpunkt dieser Geschäfte
-weniger im Buch- als im Zeitschriften-Verlag zu suchen
-ist. Der Hauptaktionär der Union, in der der große
-Spemann'sche Verlag mit den Kürschner'schen Unternehmungen
-aufging, ist Geheimrat Kröner, der Inhaber,
-bezw. Mitinhaber von A. G. Liebeskind, der J. G. Cottaschen
-Buchhandlung, Ernst Keil's Nachf., Leipzig u. a.
-Fast ebenbürtig steht der Union das ehemalige Hallberger'sche
-Geschäft, jetzt Deutsche Verlagsanstalt, gegenüber,
-das im verflossenen Jahre sein 50jähriges Jubiläum
-feiern konnte. Der aus diesem Anlaß herausgegebene
-Katalog umfaßt ca. 250 Seiten und giebt ein anschauliches
-Bild von dem Wachstum und der Bedeutung dieses
-Geschäfts, das sich allerdings in den letzten Jahren &ndash;
-namentlich seit Gründung der Zeitschrift »Aus fremden
-Zungen« &ndash; vorzugsweise der Übersetzungslitteratur zugewandt
-hat, so daß es wenig Autoren von Klang und
-Namen, gleichviel ob Engländer, Franzosen, Italiener,
-Spanier, Russen oder Schweden, giebt, die nicht mit
-einem oder mehreren Werken in der Deutschen Verlagsanstalt
-vertreten sind. Als bedeutendster Konkurrent<span class="pagenum"><a id="Seite_123"></a>[123]</span>
-des Zeitschriftenverlags der Union und Deutschen Verlagsanstalt,
-bezw. der Zeitschriften: »Vom Fels zum Meer«,
-»Buch für Alle« und »Über Land und Meer« trat Ende
-der 80er Jahre Richard Bong auf, ein Mann, der sich
-aus kleinen Verhältnissen emporarbeitend, »der Leiter
-höchste Staffel rasch erstieg« und in den Zeitschriften
-»Moderne Kunst«, »Zur guten Stunde« und »Für Alle
-Welt« Unternehmungen schuf, in denen er besonderes Gewicht
-auf den Farbendruck legte, mit dem er erfolgreich gegen
-den Holzschnitt der Stuttgarter Blätter zu Felde zog. Ob
-und inwieweit geschäftliche Manipulationen, insbesondere
-die höhere Rabattierung seiner Zeitschriften zu diesem Erfolge
-beitrugen, dürfte an dieser Stelle wenig interessieren.
-Der Buchverlag der Firma &ndash; meist Romane, die in
-ihren Zeitschriften zum Abdruck gelangten &ndash; ist ohne
-besonderes charakteristisches Gepräge.</p>
-
-<p>Das alte Verlagsgeschäft von F. A. Brockhaus,
-Leipzig, hat sich in den letzten Jahren neben der Pflege
-des Konversationslexikons, das jetzt in 14. bezw. 15. Auflage
-vorliegt, fast ausschließlich auf das Gebiet der Reisebeschreibungen
-geworfen. Den Reisen Stanleys und
-Wißmanns in Afrika folgten Nansens »In Nacht und
-Eis«, Landors »Auf verbotenen Wegen in Tibet« und
-neuerdings die Reisen Sven Hedins in Asien, alles Werke,
-die eine ungeahnte Verbreitung erlangten. Vom Buchverlag
-fast ganz zurückgezogen hat sich die Firma Breitkopf
-&amp; Härtel, Leipzig, die den Schwerpunkt ihres Geschäftes
-auf den Musikverlag legte. Dagegen entwickelt das Bibliographische
-Institut, Leipzig, eine fast unheimliche Rührigkeit.
-Seine Spezialität liegt in den Sammelwerken, an
-deren Spitze Meyers Konversationslexikon steht; ihm<span class="pagenum"><a id="Seite_124"></a>[124]</span>
-schließen sich umfangreiche Publikationen an, wie die
-Klassiker-Ausgaben, Meyers Volksbücher, Sprachführer,
-Reisebücher, Allgemeine Naturkunde, Allgemeine Länderkunde,
-Sammlung illustrierter Litteraturgeschichten, Bilder-Atlanten
-zur Geographie und Naturgeschichte u. s. w.,
-meist Unternehmen, die der Initiative der Geschäftsinhaber
-entsprungen sind. Die erwähnten Meyer'schen Volksbücher,
-die erst neuerdings wieder von sich reden machen, haben
-nicht entfernt die Bedeutung der Reclam'schen Universalbibliothek
-erlangt, von der jetzt mehr als 4000 Bändchen
-vorliegen: sie bilden den Grundstock des Verlags von
-Philipp Reclam jr., Leipzig, der mit ihnen in die Reihe
-der ersten Verleger trat. Überraschend kam den Meisten
-der vor einigen Jahren erfolgte Ankauf der Familienzeitschrift
-»Universum«, durch Reclam, die er seither zu einer
-Blüte geführt hat, die sie im früheren Hauschild'schen
-Verlage nicht erreichen konnte. Den 20 Pfennig-Heften
-Reclams und den 10 Pfennig-Volksbüchern Meyers stellte
-Otto Hendel, Halle, seine Bibliothek der Weltlitteratur
-<em class="antiqua">à</em> Heft 25 Pfennig gegenüber, die, obwohl in größerem
-Format und besserer Ausstattung, dem Unternehmen Reclams
-doch kaum wesentlichen Abbruch machen konnte.</p>
-
-<p>Weder Otto Hendel, Halle, noch Hermann Hillgers
-Verlag, Berlin, den ich hier nur nenne, da auch er oder
-richtiger Professor Kürschner, nach dem Muster der Reclam-Bändchen
-einen »Bücherschatz« herausgegeben hat, der
-wenigstens numerisch schon zu großer Entwickelung gelangt
-ist, gehören an diese Stelle, die vielmehr den großen
-wissenschaftlichen oder belletristischen Verlagsanstalten zukommt.
-Von den letzteren sind hier zu nennen: J. G.
-Cotta'sche Buchhandlung, Nachf., Stuttgart, die Verlegerin<span class="pagenum"><a id="Seite_125"></a>[125]</span>
-der »Gedanken und Erinnerungen des Fürsten Bismarck«,
-die Sudermann, Fulda, Wilbrandt u. a. zu ihren Autoren
-zählt und auch wissenschaftliche, besonders historische Werke
-auf den Markt bringt. Der Hauch der Klassizität, der
-den alten Verlag noch aus der Goethe- und Schillerzeit
-umwehte, hat sich allerdings sehr verflüchtigt: er befaßt
-sich nur noch mit Werken, die »gehen«. Ein ähnliches
-Urteil läßt sich über den ehemaligen Stuttgarter G. J.
-Goeschen'schen Verlag fällen, mit dem die Dichterfürsten
-gleichfalls in Verbindung standen und der in den letzten
-Jahren, besonders seit seiner Übersiedelung nach Leipzig,
-sich mehr »praktischen« Verlagsbestrebungen (Sammlung
-Goeschen u. s. w.) zugewandt hat. &ndash; Auf praktischem
-Gebiet bewegt sich jetzt auch, abgesehen von dem Verlage
-der »Illustrierten Zeitung« und der Pflege des Holzschnitts,
-J. J. Weber, Leipzig (Katechismen u. s. w.).</p>
-
-<p>Von großen wissenschaftlichen Verlagshäusern, die sich
-besonderen Spezialitäten zugewandt haben, verdienen genannt
-zu werden: B. G. Teubner, Leipzig (Pädagogik,
-altklassische Sprachwissenschaft), Weidmann'sche Buchhandlung,
-Berlin (Klassische Philologie, Pädagogik, Litteraturgeschichte,
-Rechtswissenschaft), Paul Parey, Berlin (Landwirtschaft,
-Gartenbau), Mittler &amp; Sohn, Berlin (Militärwissenschaften),
-Wilhelm Engelmann, Leipzig (Naturwissenschaften),
-Friedrich Vieweg &amp; Sohn, Braunschweig (Physik,
-Chemie, Mathematik), Hirschwald'sche Buchhandlung, Berlin
-(Medizin), J. C. B. Mohr, Tübingen (Protestantische Theologie,
-Rechtswissenschaft, Geschichte, Philosophie), Duncker &amp;
-Humblot, Leipzig (Socialwissenschaft, Geschichte, Rechtswissenschaft,
-Naturwissenschaft), Gustav Fischer, Jena
-(Medizin, Socialwissenschaft, Rechtswissenschaft), Julius<span class="pagenum"><a id="Seite_126"></a>[126]</span>
-Springer, Berlin (Pharmazeutik, Forst- und Jagdwissenschaft,
-Rechtswissenschaft, Geschichte), F. C. W. Vogel,
-Leipzig (Medizin), Karl J. Trübner, Straßburg i. Els.
-und O. R. Reisland, Leipzig (Germanische und romanische
-Philologie), Emil Felber, Berlin und Eduard Avenarius,
-Leipzig (Litteraturgeschichte), Gothaische Verlagsanstalt vorm.
-F. A. Perthes, Gotha (Geschichte, Protestant. Theologie),
-R. Oldenbourg, München (Geschichte, Rechtswissenschaft,
-Pädagogik), sowie die großen rechtswissenschaftlichen Verlagsanstalten:
-Carl Heymann, J. Guttentag, G. m. b. H.,
-Frz. Vahlen, Berlin, Ferd. Enke, Stuttgart und Veit &amp; Co.,
-Leipzig. Die Langenscheidt'sche Buchhandlung (Professor
-G. Langenscheidt), Berlin, die mit ihren für das Selbststudium
-des Englischen und Französischen berechneten Unterrichtsbriefen
-einen ungeheuren Erfolg hatte, darf, da sich
-diese, sowie die ausgezeichneten Lexika, auf wissenschaftlicher
-Grundlage aufbauen, Anspruch erheben, hier mitgenannt
-zu werden. Daß sie in den letzten Jahren Werke
-größeren Umfanges nicht mehr publizierte, mag seinen
-Grund in den Vorbereitungen haben, die sich zur Herausgabe
-der italienischen und spanischen Selbstunterrichtsbriefe
-notwendig machen. Halb wissenschaftlicher, halb belletristischer
-Natur, aber immer ernst und vornehm, ist der
-Verlag von S. Hirzel, Leipzig, dessen Belletristen Wissenschaftler
-und dessen Wissenschaftler Belletristen sind. Auf
-der Grenzscheide steht auch der Verlag von Alfred Schall,
-Berlin (vorm. Schall &amp; Grund), der neben einer Reihe
-populärwissenschaftlicher Werke über Länder- und Völkerkunde,
-Heere und Flotten einen großen belletristischen
-Verlag pflegt. Bekannt ist besonders das Verlagshaus
-durch den »Verein der Bücherfreunde« geworden, der<span class="pagenum"><a id="Seite_127"></a>[127]</span>
-in seiner Blütezeit einen »Mitglieder«bestand von 12&nbsp;000
-zählte.</p>
-
-<p>Von großen belletristischen Verlagshäusern ist in
-erster Linie Gebr. Paetel (Verlag der »Deutschen Rundschau«),
-Berlin, zu nennen, deren Verlagsfirma eine
-ausreichende Gewähr für die Güte der von ihr verlegten
-Bücher giebt. In dem 280 Seiten umfassenden Verlagskatalog,
-der über die Thätigkeit der Firma in den
-Jahren 1837&ndash;1895, die sich neben der Belletristik auch
-auf die Gebiete der Geschichte, Kulturgeschichte, Völkerkunde,
-Litteratur- und Militärwissenschaft erstreckt, berichtet,
-findet sich eine Fülle wertvoller Bücher, zumeist von Mitarbeitern
-der »Deutschen Rundschau«, die es von jeher
-verstanden hat, tüchtige Kräfte heranzuziehen. Eine
-ähnliche Stellung nimmt der Verlag von Bonz &amp; Co.,
-Stuttgart, und Fr. Wilhelm Grunow, Leipzig, ein, obwohl
-der letztere durch den Verlag der »Grenzboten« und der
-»Buschschen Tagebücher« sich die Sympathien vieler Kreise
-verscherzt hat. Nur Verleger zweier Autoren, die aber
-ein paar hundert aufwiegen, ist L. Staackmann, Leipzig,
-dem Rosegger und Spielhagen ihre Werke übergeben. &ndash;
-Ein besonderes Gepräge trägt, sowohl die Art der Verlagsartikel,
-als auch ihre Ausstattung anlangend, der
-Verlag von A. G. Liebeskind, hinter dem eine markante
-und eigenartige, vielleicht auch eigenwillige Persönlichkeit
-stand, die dem Ganzen ihre Physiognomie lieh. Ob sie
-der Verlag nach dem Tode L.'s noch beibehalten wird
-&ndash; er ist inzwischen nach Stuttgart übergesiedelt und in
-Händen des Geheimrat Kröner &ndash; bleibt abzuwarten.
-Das große Verlagshaus Velhagen &amp; Klasing, Bielefeld,
-das sich durch den Verlag des stark religiös angehauchten<span class="pagenum"><a id="Seite_128"></a>[128]</span>
-»Daheim« einen Weltruf erwarb, hat sich neuerdings
-dem Gebiet der Geschichte und Kunstgeschichte (Monographien
-zur Kunstgeschichte. &ndash; Monographien zur Weltgeschichte)
-noch intensiver zugewandt. Es findet seinen Partner in
-dem katholischen Verlag der Firma J. P. Bachem,
-Köln a. Rh. (»Kölnische Volkszeitung«), deren Katalog
-eine große Anzahl Werke katholischer Tendenz aufweist.
-Ausschließlich Werke katholischer Richtung wissenschaftlicher
-und belletristischer Natur verlegen auch Ferd. Schöningh,
-Paderborn, der den Dichter der »Dreizehnlinden« zu
-seinen Autoren zählt, und die B. Herder'sche Verlagsbuchhandlung,
-Freiburg i. Br., eins der bedeutendsten
-Verlagsgeschäfte, das auch im Auslande sich große Absatzquellen
-erschlossen hat.</p>
-
-<p>Hauptsächlich belletristischen Verlag, aber ohne besondere
-Eigenart pflegen Otto Jancke, Berlin (Verlag der
-»Romanzeitung«), Schles. Buchdruckerei und Verlagsanstalt,
-Breslau (Verlag von »Nord und Süd«, »Unterwegs und
-daheim«), Carl Reißner, Dresden, Paul List, Leipzig,
-Heinrich Minden, Dresden, Hermann Costenoble, Jena,
-J. Bensheimer, Mannheim, Albert Ahn, Köln a. Rh.,
-und E. Pierson, Dresden, von denen die beiden letztgenannten
-auch vielfach als bloße Kommissionsverleger
-auftreten. &ndash; Mehr dem Gebiet der Buchfabrikation nähert
-sich der Verlag von Greiner &amp; Pfeiffer, Stuttgart, durch
-seine für das große Publikum berechneten Anthologien,
-deren Ausstattung von der »Moderne« noch unberührt
-geblieben ist. Erst durch den Verlag des »Türmers« ist
-die Firma in die Reihe der für die Litteratur in Betracht
-kommenden Verleger getreten, obwohl die genannte Zeitschrift
-nichts weniger als »modern« im landläufigen<span class="pagenum"><a id="Seite_129"></a>[129]</span>
-Sinne des Wortes ist. &ndash; Fast ausschließlich auf Übersetzungen
-beschränkt sich der Stuttgarter Verlag von
-J. Engelhorn, dessen Romanbibliothek ihrer Wohlfeilheit
-wegen einen ungeheuren Absatz zu verzeichnen hat. Die
-Zahl deutscher Autoren, die sich an diesem Unternehmen
-beteiligt, ist eine äußerst bescheidene, und wird wohl
-nur dann vermehrt, wenn der Romanbibliothek frisches
-Blut und erhöhtes Interesse zugeführt werden soll.</p>
-
-<p>Mehr litterarisches Gepräge tragen der Verlag der
-Besserschen Buchhandlung, Berlin, Verlegerin Paul
-Heyse's, und Fr. Bahn, Schwerin. Als ein äußerst
-rühriger Verleger, der sich namentlich um die Einführung
-amerikanischer Litteratur in Deutschland besondere Verdienste
-erworben hat (Sternbanner-Serie), aber auch auf
-den Verlag guter deutscher Romane nicht verzichtet, gilt
-Robert Lutz, Stuttgart. Zu den Verlegern modernen
-Schlages übergehend, ist neben Freund &amp; Jeckel, Berlin,
-und Fontane &amp; Co., Berlin, die ebensogut noch zur
-vorhergehenden Gruppe gerechnet werden können, an erster
-Stelle S. Fischer, Berlin, zu nennen. Auch er ist wie
-Pierson, Dresden, und Ahn, Köln, bis zu einem gewissen
-Grade Kommissionsverleger, selbst seinen ersten Autoren,
-wie Hauptmann, gegenüber. Der bierfidele Otto Erich
-Hartleben, der Halbpariser Hermann Bahr, der jugendliche
-Georg Hirschfeld, die Berliner Felix Hollaender und
-Hans Land haben ihre Werke bei S. Fischer verlegt, der
-die Hauptmann-Gemeinde und alles, was nach »Moderne«
-aussieht, durch seine »Neue Deutsche Rundschau«, die
-ehemalige »Freie Bühne«, um sich zu scharen wußte.
-Fast noch ungeberdiger als dieser Verlag geben sich
-Schuster &amp; Löffler, Berlin. Manch gutes Buch findet<span class="pagenum"><a id="Seite_130"></a>[130]</span>
-sich in dem Verlagskatalog der erst seit 4 Jahre bestehenden
-Firma, aber es fehlt auch der direkte Schund nicht, oder
-wenn das besser klingt, jene Litteratur, die nach dem
-Grundsatze <em class="antiqua">l'art pour l'art</em> geschrieben, kein vernünftiger
-Mensch, vor allem nicht das sogenannte Publikum liest,
-die sich aber in Litteratenkreisen großer Beliebtheit erfreut.
-Schuster &amp; Löffler haben vielfach neue Bahnen eingeschlagen,
-aber es waren nicht immer die rechten. Ein Buch kann
-modern, sehr modern sein und braucht doch nichts zu
-taugen! Dieser Unterschied ist ihnen leider nicht immer
-zum Bewußtsein gekommen. Ähnlichen Tendenzen wie
-Schuster &amp; Löffler huldigt auch Vita, Deutsches Verlagshaus,
-Berlin, wenngleich dieses bei weitem mehr Konzessionen
-an das Publikum macht. Neue Wege, soweit namentlich
-die Ausstattung in Frage kommt, ist auch der Verlag
-von Fischer &amp; Franke, Berlin, gegangen, der von allen seinen
-Mitbewerbern wohl das meiste Geschick gezeigt hat, Inhalt
-und Ausstattung seiner Verlagsartikel mit einander in
-Einklang zu bringen. In die Reihe der modernen Verleger
-hat sich auch G. Bondi, Berlin, gestellt, durch den
-Halbes Werke und das große Schlenther'sche Unternehmen
-zur Ausgabe gelangen.</p>
-
-<p>Albert Langen, München, der Verleger des »Simplizissimus«,
-hat ein paar Jahre in Paris zugebracht, und
-man kann ihm das Zeugnis nicht versagen, daß er dort
-manches gelernt hat und bestrebt ist, immer etwas
-Originelles zu bringen, seinem Verlage ein charakteristisches
-Gepräge zu geben. Auf den Umschlägen seiner Bücher
-hat die Moderne schon wahre Orgien gefeiert: da sind
-Zeichnungen, so mystisch und dunkel, in denen gar nichts
-liegt, so daß man sich gemüßigt fühlt, selbst alles hineinzulegen;<span class="pagenum"><a id="Seite_131"></a>[131]</span>
-Frauen und Männer werden dargestellt, denen
-das Laster oder die Schwindsucht auf dem Gesicht geschrieben
-stehen, und das alles in jenen fließenden Linien,
-hingeworfen ohne Saft und Kraft &ndash; dazwischen einmal
-ein Mädchenkopf, so fein und künstlerisch, daß man sich
-verwundert fragt, wie der in diese Gesellschaft kommen
-konnte. Dann stelle man sich den »Simplizissimus« vor,
-ein »deutsches Blatt«, an dem nichts, aber auch gar
-nichts deutsch ist, ein Blatt, bestimmt, »die Kunst dem
-Volke zu vermitteln«. Man muß schon 10 Jahre in
-Paris oder bei den Wilden gelebt haben, um zu glauben,
-daß man ein solches Programm mit einer Zeitschrift vom
-Schlage des »Simplizissimus« durchführen kann. Nur
-wenig deutschen Namen begegnet man in seinem Verlagskataloge
-und auch diese haben einen fremden Klang;
-dagegen finden Ausländer: Franzosen, Russen, Skandinavier
-u. s. w. bei ihm bereitwilligst Unterkommen. &ndash;
-Durch eine ultramoderne Ausstattung hat sich auch der
-kleine Verlag von Joh. Sassenbach, Berlin, in Litteratenkreisen
-einen Namen gemacht. Er ist Verleger von Arno
-Holz und seiner Schule, die die Preisfrage: Wie kann
-jedermann innerhalb 24 Stunden lyrischer Dichter werden?
-mit einer verblüffenden Sicherheit und einer Naivetät,
-wie sie sonst nur den wirklichen Dichtern eigen ist, gelöst
-haben. Diese neueste Schule hat sich um Sassenbach
-gesammelt, der für die Allerjüngsten das zu werden verspricht,
-was für die Jungen der 80er Jahre Wilhelm
-Friedrich, Leipzig, war, der an das neue Evangelium
-und an die Mission der Bleibtreu, M. G. Conrad, Alberti,
-Walloth, Conradi, wie an seinen Herrgott glaubte. Und
-heute, nachdem kaum 10 Jahre ins Land gezogen sind?<span class="pagenum"><a id="Seite_132"></a>[132]</span>
-Wo ehemals die Mistbeete des Realismus standen, da
-blühen jetzt stille, bleiche »Lotosblüten«. Wilhelm Friedrich,
-der jetzt hauptsächlich Theosophie verlegt, ist immer mit
-der Zeit gegangen oder hat versucht, ihr vorauszugehen.</p>
-
-<p>Als ein »Verlag für moderne Bestrebungen in Litteratur,
-Socialwissenschaft und Naturwissenschaft« hat sich
-Eugen Diederichs, Leipzig, eingeführt, und wenn auch bei
-ihm der Moderne hin und wieder Rücksprache mit dem
-Geschäftsmann nimmt, so ist er doch immer bestrebt gewesen,
-namentlich hinsichtlich der Buchausstattung die alten
-Gleise zu verlassen und neue Bahnen zu wandeln. &ndash;
-Berührungspunkte mit dem Verlage von Eugen Diederichs
-weist Georg Heinr. Meyers Verlag, Berlin, auf, der sich
-besonders als Pflegevater der deutsch-österreichischen Schriftsteller
-bewährt. Freilich sind die praktischen Erfahrungen,
-die er und mit ihm andere an dem österreichischen Verlage
-gemacht haben, wenig ermutigend: verdient hat er
-an keinem Buche aus Österreich, und selbst die Verlagskosten
-sind durch die wenigsten gedeckt worden. Durch die
-Gründung der »Heimat« ist sein Verlag der Mittelpunkt
-jener Bestrebungen geworden, die die »Heimatkunst« in
-den Vordergrund des litterarischen Interesses zu stellen suchen.</p>
-
-<hr class="chap" />
-
-<div class="chapter">
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_133"></a>[133]</span></p>
-
-<h2 class="nobreak" id="Register">Register</h2>
-
-<p class="center">der in den »Charakteristiken« angeführten Namen.</p>
-</div>
-
-<ul class="index">
-<li class="ifrst">Achleitner, Arthur <a href="#Seite_46">46</a>.</li>
-
-<li class="indx">Adamus, Franz <a href="#Seite_104">104</a>.</li>
-
-<li class="indx">Alberti, Konrad <a href="#Seite_65">65</a>.</li>
-
-<li class="indx">Allmers, Hermann <a href="#Seite_40">40</a>.</li>
-
-<li class="indx">Altenberg, Peter <a href="#Seite_102">102</a>.</li>
-
-<li class="indx">Ambrosius, Johanna <a href="#Seite_94">94</a>.</li>
-
-<li class="indx">Amyntor, Gerhardt von <a href="#Seite_77">77</a>.</li>
-
-<li class="indx">Andreas-Salomé, Lou <a href="#Seite_98">98</a>.</li>
-
-<li class="indx">Anzengruber, Ludwig <a href="#Seite_44">44</a>.</li>
-
-<li class="indx">Arent, Wilhelm <a href="#Seite_67">67</a>.</li>
-
-<li class="indx">Arnold, Hans <a href="#Seite_61">61</a>.</li>
-
-<li class="indx">Asenijeff, Elsa <a href="#Seite_99">99</a>.</li>
-
-<li class="indx">Auerbach, Berthold <a href="#Seite_32">32</a>.</li>
-
-<li class="indx">Avenarius, Ferdinand <a href="#Seite_94">94</a>.</li>
-
-<li class="ifrst">Bahr, Hermann <a href="#Seite_83">83</a>.</li>
-
-<li class="indx">Bartels, Adolf <a href="#Seite_48">48</a>.</li>
-
-<li class="indx">Bauer, Erwin <a href="#Seite_71">71</a>.</li>
-
-<li class="indx">Baumbach, Rudolf <a href="#Seite_56">56</a>.</li>
-
-<li class="indx">Beetschen, Alfred <a href="#Seite_93">93</a>.</li>
-
-<li class="indx">Bernhard, Marie <a href="#Seite_64">64</a>.</li>
-
-<li class="indx">Beta, Ottomar <a href="#Seite_70">70</a>.</li>
-
-<li class="indx">Bethge, Hans <a href="#Seite_93">93</a>.</li>
-
-<li class="indx">Bierbaum, Otto Julius <a href="#Seite_99">99</a>.</li>
-
-<li class="indx">Bleibtreu, Karl <a href="#Seite_64">64</a>.</li>
-
-<li class="indx">Blumenthal, Oskar <a href="#Seite_53">53</a>.</li>
-
-<li class="indx">Blüthgen, Victor <a href="#Seite_60">60</a>.</li>
-
-<li class="indx">Bodenstedt, Friedrich von <a href="#Seite_35">35</a>.</li>
-
-<li class="indx">Böhlau, Helene <a href="#Seite_97">97</a>.</li>
-
-<li class="indx">Bölsche, Wilhelm <a href="#Seite_96">96</a>.</li>
-
-<li class="indx">Bormann, Edwin <a href="#Seite_61">61</a>.</li>
-
-<li class="indx">Bötticher, Georg <a href="#Seite_61">61</a>.</li>
-
-<li class="indx">Boy-Ed, Ida <a href="#Seite_80">80</a>.</li>
-
-<li class="indx">Brieger, Adolf <a href="#Seite_41">41</a>.</li>
-
-<li class="indx">Bulthaupt, Heinrich <a href="#Seite_41">41</a>.</li>
-
-<li class="indx">Bunge, Rudolf <a href="#Seite_40">40</a>.</li>
-
-<li class="indx">Busch, Wilhelm <a href="#Seite_59">59</a>.</li>
-
-<li class="indx">Busse, Carl <a href="#Seite_92">92</a>.</li>
-
-<li class="ifrst">Christen, Ada <a href="#Seite_63">63</a>.</li>
-
-<li class="indx">Conrad, Michael Georg <a href="#Seite_65">65</a>.</li>
-
-<li class="indx">Conradi, Hermann <a href="#Seite_65">65</a>.</li>
-
-<li class="indx">Croissant-Rust, Anna <a href="#Seite_97">97</a>.</li>
-
-<li class="ifrst">Dahn, Felix <a href="#Seite_51">51</a>.</li>
-
-<li class="indx">David, J. J. <a href="#Seite_76">76</a>.</li>
-
-<li class="indx">Dehmel, Richard <a href="#Seite_101">101</a>.</li>
-
-<li class="indx">Dörmann, Felix <a href="#Seite_102">102</a>.</li>
-
-<li class="indx">Dranmor <a href="#Seite_61">61</a>.</li>
-
-<li class="indx">Dreyer, Max <a href="#Seite_89">89</a>.</li>
-
-<li class="ifrst">Ebers, Georg <a href="#Seite_50">50</a>.</li>
-
-<li class="indx">Ebner-Eschenbach, Marie von <a href="#Seite_72">72</a>.</li>
-
-<li class="indx"><span class="pagenum"><a id="Seite_134"></a>[134]</span>
-Eckstein, Ernst <a href="#Seite_51">51</a>.</li>
-
-<li class="indx">Eichrodt, Ludwig <a href="#Seite_40">40</a>.</li>
-
-<li class="indx">Elbe, A. von der <a href="#Seite_80">80</a>.</li>
-
-<li class="indx">Ernst, Otto <a href="#Seite_95">95</a>.</li>
-
-<li class="indx">Ertl, Emil <a href="#Seite_104">104</a>.</li>
-
-<li class="indx">Eschstruth, Nataly von <a href="#Seite_64">64</a>.</li>
-
-<li class="indx">Evers, Franz <a href="#Seite_100">100</a>.</li>
-
-<li class="ifrst">Falke, Gustav <a href="#Seite_92">92</a>.</li>
-
-<li class="indx">Fehrs, Joh. Heinrich <a href="#Seite_47">47</a>.</li>
-
-<li class="indx">Fischer, Johann Georg <a href="#Seite_38">38</a>.</li>
-
-<li class="indx">Fitger, Arthur <a href="#Seite_53">53</a>.</li>
-
-<li class="indx">Flaischlen, Caesar <a href="#Seite_90">90</a>.</li>
-
-<li class="indx">Fontane, Theodor <a href="#Seite_71">71</a>.</li>
-
-<li class="indx">François, Luise von <a href="#Seite_32">32</a>.</li>
-
-<li class="indx">Franzos, Karl Emil <a href="#Seite_49">49</a>.</li>
-
-<li class="indx">Frapan, Ilse <a href="#Seite_48">48</a>.</li>
-
-<li class="indx">Frenzel, Karl <a href="#Seite_55">55</a>.</li>
-
-<li class="indx">Freytag, Gustav <a href="#Seite_29">29</a>.</li>
-
-<li class="indx">Friedmann, Alfred <a href="#Seite_84">84</a>.</li>
-
-<li class="indx">Fuchs, Reinhold <a href="#Seite_93">93</a>.</li>
-
-<li class="indx">Fulda, Ludwig <a href="#Seite_88">88</a>.</li>
-
-<li class="ifrst">Ganghofer, Ludwig <a href="#Seite_46">46</a>.</li>
-
-<li class="indx">Geibel, Emanuel <a href="#Seite_35">35</a>.</li>
-
-<li class="indx">George, Stephan <a href="#Seite_103">103</a>.</li>
-
-<li class="indx">Gerok, Karl <a href="#Seite_57">57</a>.</li>
-
-<li class="indx">Glümer, Claire <a href="#Seite_80">80</a>.</li>
-
-<li class="indx">Gottschall, Rudolf von <a href="#Seite_52">52</a>.</li>
-
-<li class="indx">Grazie, Marie Eugenie delle <a href="#Seite_97">97</a>.</li>
-
-<li class="indx">Greif, Martin <a href="#Seite_38">38</a>.</li>
-
-<li class="indx">Greinz, Hugo <a href="#Seite_105">105</a>.</li>
-
-<li class="indx">Grisebach, Eduard <a href="#Seite_62">62</a>.</li>
-
-<li class="indx">Groller, Balduin <a href="#Seite_83">83</a>.</li>
-
-<li class="indx">Groß, Ferdinand <a href="#Seite_83">83</a>.</li>
-
-<li class="indx">Grosse, Julius <a href="#Seite_37">37</a>.</li>
-
-<li class="indx">Groth, Klaus <a href="#Seite_44">44</a>.</li>
-
-<li class="indx">Grotthuß, Jeannot Emil von <a href="#Seite_93">93</a>.</li>
-
-<li class="ifrst">Halbe, Max <a href="#Seite_88">88</a>.</li>
-
-<li class="indx">Hamerling, Robert <a href="#Seite_36">36</a>.</li>
-
-<li class="indx">Hango, Hermann <a href="#Seite_104">104</a>.</li>
-
-<li class="indx">Hansjakob, Heinrich <a href="#Seite_47">47</a>.</li>
-
-<li class="indx">Harden, Maximilian <a href="#Seite_84">84</a>.</li>
-
-<li class="indx">Hart, Heinrich <a href="#Seite_65">65</a>.</li>
-
-<li class="indx">Hart, Julius <a href="#Seite_66">66</a>.</li>
-
-<li class="indx">Hartleben, Otto Erich <a href="#Seite_90">90</a>.</li>
-
-<li class="indx">Hauptmann, Gerhart <a href="#Seite_85">85</a>.</li>
-
-<li class="indx">Heiberg, Hermann <a href="#Seite_66">66</a>.</li>
-
-<li class="indx">Heigel, Karl von <a href="#Seite_55">55</a>.</li>
-
-<li class="indx">Heimburg, W. <a href="#Seite_63">63</a>.</li>
-
-<li class="indx">Heine, Anselm <a href="#Seite_98">98</a>.</li>
-
-<li class="indx">Henckell, Karl <a href="#Seite_68">68</a>.</li>
-
-<li class="indx">Herold, Franz <a href="#Seite_103">103</a>.</li>
-
-<li class="indx">Herrig, Hans <a href="#Seite_53">53</a>.</li>
-
-<li class="indx">Hertz, Wilhelm <a href="#Seite_43">43</a>.</li>
-
-<li class="indx">Heyse, Paul <a href="#Seite_34">34</a>.</li>
-
-<li class="indx">Hillern, Wilhelmine von <a href="#Seite_54">54</a>.</li>
-
-<li class="indx">Hirschfeld, Georg <a href="#Seite_91">91</a>.</li>
-
-<li class="indx">Hoffmann, Hans <a href="#Seite_59">59</a>.</li>
-
-<li class="indx">Hofmannsthal, Hugo von <a href="#Seite_102">102</a>.</li>
-
-<li class="indx">Hollaender, Felix <a href="#Seite_76">76</a>.</li>
-
-<li class="indx">Holz, Arno <a href="#Seite_67">67</a>.</li>
-
-<li class="indx">Hopfen, Hans <a href="#Seite_54">54</a>.</li>
-
-<li class="indx">Huch, Ricarda <a href="#Seite_93">93</a>.</li>
-
-<li class="ifrst">Jacobowski, Ludwig <a href="#Seite_92">92</a>.</li>
-
-<li class="indx">Janitschek, Maria <a href="#Seite_97">97</a>.</li>
-
-<li class="indx">Jensen, Wilhelm <a href="#Seite_72">72</a>.</li>
-
-<li class="indx">Jordan, Wilhelm <a href="#Seite_39">39</a>.</li>
-
-<li class="indx">Junghans, Sophie <a href="#Seite_80">80</a>.</li>
-
-<li class="ifrst">Kahlenberg, Hans von <a href="#Seite_99">99</a>.</li>
-
-<li class="indx">Keller, Gottfried <a href="#Seite_33">33</a>.</li>
-
-<li class="indx">Kerstan, Karl <a href="#Seite_71">71</a>.</li>
-
-<li class="indx">Kirchbach, Wolfgang <a href="#Seite_67">67</a>.</li>
-
-<li class="indx">Kitir, Josef <a href="#Seite_104">104</a>.</li>
-
-<li class="indx"><span class="pagenum"><a id="Seite_135"></a>[135]</span>
-Kompert, Leopold <a href="#Seite_50">50</a>.</li>
-
-<li class="indx">Königsbrun-Schaup, Franz v. <a href="#Seite_79">79</a>.</li>
-
-<li class="indx">Kretzer, Max <a href="#Seite_66">66</a>.</li>
-
-<li class="indx">Kröger, Timm <a href="#Seite_47">47</a>.</li>
-
-<li class="indx">Kruse, Heinrich <a href="#Seite_53">53</a>.</li>
-
-<li class="indx">Kurz, Isolde <a href="#Seite_42">42</a>.</li>
-
-<li class="ifrst">Land, Hans <a href="#Seite_79">79</a>.</li>
-
-<li class="indx">Langbehn, Julius <a href="#Seite_83">83</a>.</li>
-
-<li class="indx">Langmann, Philipp <a href="#Seite_90">90</a>.</li>
-
-<li class="indx">L'Arronge, Adolf <a href="#Seite_54">54</a>.</li>
-
-<li class="indx">Lauff, Josef <a href="#Seite_89">89</a>.</li>
-
-<li class="indx">Leixner, Otto von <a href="#Seite_78">78</a>.</li>
-
-<li class="indx">Lienhard, Fritz <a href="#Seite_69">69</a>.</li>
-
-<li class="indx">Liliencron, Detlev von <a href="#Seite_91">91</a>.</li>
-
-<li class="indx">Lindau, Paul <a href="#Seite_82">82</a>.</li>
-
-<li class="indx">Lindau, Rudolf <a href="#Seite_81">81</a>.</li>
-
-<li class="indx">Lindner, Albert <a href="#Seite_53">53</a>.</li>
-
-<li class="indx">Lingg, Hermann <a href="#Seite_39">39</a>.</li>
-
-<li class="indx">Linke, Oskar <a href="#Seite_52">52</a>.</li>
-
-<li class="indx">Lohmeyer, Julius <a href="#Seite_60">60</a>.</li>
-
-<li class="indx">Lorm, Hieronymus <a href="#Seite_62">62</a>.</li>
-
-<li class="indx">Lubliner, Hugo <a href="#Seite_53">53</a>.</li>
-
-<li class="ifrst">Mackay, John Henry <a href="#Seite_68">68</a>.</li>
-
-<li class="indx">Marlitt, E. <a href="#Seite_63">63</a>.</li>
-
-<li class="indx">Marriot, Emil <a href="#Seite_98">98</a>.</li>
-
-<li class="indx">Mauthner, Fritz <a href="#Seite_78">78</a>.</li>
-
-<li class="indx">Megede, Johannes Rich. zur <a href="#Seite_82">82</a>.</li>
-
-<li class="indx">Meyer, Conrad Ferdinand <a href="#Seite_32">32</a>.</li>
-
-<li class="indx">Meyer, Johann <a href="#Seite_47">47</a>.</li>
-
-<li class="indx">Milow, Stephan <a href="#Seite_40">40</a>.</li>
-
-<li class="indx">Mombert, Alfred <a href="#Seite_103">103</a>.</li>
-
-<li class="indx">Möser, Albert <a href="#Seite_37">37</a>.</li>
-
-<li class="indx">Moser, Gustav von <a href="#Seite_54">54</a>.</li>
-
-<li class="indx">Mysing, Oscar <a href="#Seite_75">75</a>.</li>
-
-<li class="ifrst">Naaff, Anton August <a href="#Seite_70">70</a>.</li>
-
-<li class="indx">Niemann, August <a href="#Seite_77">77</a>.</li>
-
-<li class="indx">Niese, Charlotte <a href="#Seite_48">48</a>.</li>
-
-<li class="indx">Nordau, Max <a href="#Seite_83">83</a>.</li>
-
-<li class="indx">Nordhausen, Richard <a href="#Seite_76">76</a>.</li>
-
-<li class="ifrst">Ohorn, Anton <a href="#Seite_70">70</a>.</li>
-
-<li class="indx">Ompteda, Georg von <a href="#Seite_75">75</a>.</li>
-
-<li class="ifrst">Palmer, Ludwig <a href="#Seite_94">94</a>.</li>
-
-<li class="indx">Pantenius, Theod. Herrmann <a href="#Seite_45">45</a>.</li>
-
-<li class="indx">Paulus, Eduard <a href="#Seite_42">42</a>.</li>
-
-<li class="indx">Perfall, Anton von <a href="#Seite_75">75</a>.</li>
-
-<li class="indx">Perfall, Karl von <a href="#Seite_75">75</a>.</li>
-
-<li class="indx">Peschkau, Emil <a href="#Seite_83">83</a>.</li>
-
-<li class="indx">Philippi, Felix <a href="#Seite_89">89</a>.</li>
-
-<li class="indx">Pichler, Adolf <a href="#Seite_69">69</a>.</li>
-
-<li class="indx">Polenz, Wilhelm von <a href="#Seite_75">75</a>.</li>
-
-<li class="indx">Preuschen, Hermione von <a href="#Seite_98">98</a>.</li>
-
-<li class="indx">Pröll, Karl <a href="#Seite_69">69</a>.</li>
-
-<li class="indx">Przybyszewski, Stanislaw <a href="#Seite_100">100</a>.</li>
-
-<li class="indx">Puttkamer, Alberta von <a href="#Seite_62">62</a>.</li>
-
-<li class="ifrst">Raabe, Wilhelm <a href="#Seite_58">58</a>.</li>
-
-<li class="indx">Reder, Heinrich von <a href="#Seite_56">56</a>.</li>
-
-<li class="indx">Redwitz, Oskar von <a href="#Seite_43">43</a>.</li>
-
-<li class="indx">Renner, Gustav <a href="#Seite_94">94</a>.</li>
-
-<li class="indx">Reuter, Gabriele <a href="#Seite_98">98</a>.</li>
-
-<li class="indx">Riehl, Wilhelm Heinrich <a href="#Seite_49">49</a>.</li>
-
-<li class="indx">Ritter, Anna <a href="#Seite_94">94</a>.</li>
-
-<li class="indx">Rittershaus, Emil <a href="#Seite_58">58</a>.</li>
-
-<li class="indx">Roberts, Alexander von <a href="#Seite_74">74</a>.</li>
-
-<li class="indx">Rodenberg, Julius <a href="#Seite_41">41</a>.</li>
-
-<li class="indx">Roquette, Otto <a href="#Seite_43">43</a>.</li>
-
-<li class="indx">Rosegger, Peter <a href="#Seite_45">45</a>.</li>
-
-<li class="indx">Rosmer, Ernst <a href="#Seite_91">91</a>.</li>
-
-<li class="indx">Ruederer, Josef <a href="#Seite_90">90</a>.</li>
-
-<li class="indx">Rüttenauer, Benno <a href="#Seite_96">96</a>.</li>
-
-<li class="ifrst">Saar, Ferdinand von <a href="#Seite_55">55</a>.</li>
-
-<li class="indx">Sacher-Masoch, Leopold von <a href="#Seite_50">50</a>.</li>
-
-<li class="indx">
-Salus, Hugo <a href="#Seite_102">102</a>.
-<span class="pagenum"><a id="Seite_136"></a>[136]</span></li>
-
-<li class="indx">Samarow, Gregor <a href="#Seite_84">84</a>.</li>
-
-<li class="indx">Schack, Adolf Friedr., Graf v. <a href="#Seite_36">36</a>.</li>
-
-<li class="indx">Scheerbart, Paul <a href="#Seite_103">103</a>.</li>
-
-<li class="indx">Scheffel, Josef Victor von <a href="#Seite_56">56</a>.</li>
-
-<li class="indx">Schlaf, Johannes <a href="#Seite_99">99</a>.</li>
-
-<li class="indx">Schmid, Hermann von <a href="#Seite_46">46</a>.</li>
-
-<li class="indx">Schmidt, Maximilian <a href="#Seite_46">46</a>.</li>
-
-<li class="indx">Schmitthenner, Adolf <a href="#Seite_75">75</a>.</li>
-
-<li class="indx">Schnitzler, Arthur <a href="#Seite_89">89</a>.</li>
-
-<li class="indx">Scholz, Wilhelm von <a href="#Seite_101">101</a>.</li>
-
-<li class="indx">Schönaich-Carolath, Emil Prinz von <a href="#Seite_62">62</a>.</li>
-
-<li class="indx">Schubin, Ossip <a href="#Seite_81">81</a>.</li>
-
-<li class="indx">Schullern, Heinrich von <a href="#Seite_104">104</a>.</li>
-
-<li class="indx">Seidel, Heinrich <a href="#Seite_59">59</a>.</li>
-
-<li class="indx">Siegfried, Walter <a href="#Seite_96">96</a>.</li>
-
-<li class="indx">Sohnrey, Heinrich <a href="#Seite_49">49</a>.</li>
-
-<li class="indx">Sperl, August <a href="#Seite_48">48</a>.</li>
-
-<li class="indx">Spielhagen, Friedrich <a href="#Seite_30">30</a>.</li>
-
-<li class="indx">Spitteler, Carl <a href="#Seite_95">95</a>.</li>
-
-<li class="indx">Steinhausen, Heinrich <a href="#Seite_43">43</a>.</li>
-
-<li class="indx">Stern, Adolf <a href="#Seite_55">55</a>.</li>
-
-<li class="indx">Stern, Maurice Reinhold von <a href="#Seite_68">68</a>.</li>
-
-<li class="indx">Stieler, Karl <a href="#Seite_45">45</a>.</li>
-
-<li class="indx">Stinde, Julius <a href="#Seite_60">60</a>.</li>
-
-<li class="indx">Storm, Theodor <a href="#Seite_33">33</a>.</li>
-
-<li class="indx">Stratz, Rudolf <a href="#Seite_79">79</a>.</li>
-
-<li class="indx">Sturm, Julius <a href="#Seite_57">57</a>.</li>
-
-<li class="indx">Sudermann, Hermann <a href="#Seite_87">87</a>.</li>
-
-<li class="indx">Suttner, Bertha von <a href="#Seite_82">82</a>.</li>
-
-<li class="ifrst">Taylor, George <a href="#Seite_51">51</a>.</li>
-
-<li class="indx">Telmann, Konrad <a href="#Seite_74">74</a>.</li>
-
-<li class="indx">Torresani, Baron Carl <a href="#Seite_81">81</a>.</li>
-
-<li class="indx">Tovote, Heinz <a href="#Seite_76">76</a>.</li>
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-
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-
-<li class="ifrst">Viebig, Clara <a href="#Seite_48">48</a>.</li>
-
-<li class="indx">Vierordt, Heinrich <a href="#Seite_37">37</a>.</li>
-
-<li class="indx">Villinger, Hermine <a href="#Seite_47">47</a>.</li>
-
-<li class="indx">Vischer, Friedrich Theodor <a href="#Seite_39">39</a>.</li>
-
-<li class="indx">Voß, Richard <a href="#Seite_73">73</a>.</li>
-
-<li class="ifrst">Wagner, Christian <a href="#Seite_96">96</a>.</li>
-
-<li class="indx">Waldmüller, Robert <a href="#Seite_40">40</a>.</li>
-
-<li class="indx">Walloth, Wilhelm <a href="#Seite_66">66</a>.</li>
-
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-<li class="indx">Weitbrecht, Karl <a href="#Seite_42">42</a>.</li>
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-
-<li class="indx">Westkirch, Luise <a href="#Seite_81">81</a>.</li>
-
-<li class="indx">Wichert, Ernst <a href="#Seite_77">77</a>.</li>
-
-<li class="indx">Widmann, Jos. Viktor <a href="#Seite_96">96</a>.</li>
-
-<li class="indx">Wilbrandt, Adolf <a href="#Seite_73">73</a>.</li>
-
-<li class="indx">Wildenbruch, Ernst von <a href="#Seite_85">85</a>.</li>
-
-<li class="indx">Wille, Bruno <a href="#Seite_69">69</a>.</li>
-
-<li class="indx">Wolff, Julius <a href="#Seite_57">57</a>.</li>
-
-<li class="indx">Wolters, Wilhelm <a href="#Seite_79">79</a>.</li>
-
-<li class="indx">Wolzogen, Ernst von <a href="#Seite_73">73</a>.</li>
-
-<li class="ifrst">Zobeltitz, Fedor von <a href="#Seite_80">80</a>.</li>
-
-<li class="indx">Zobeltitz, Hanns von <a href="#Seite_80">80</a>.</li>
-
-<li class="indx">Zolling, Theophil <a href="#Seite_78">78</a>.</li>
-
-<li class="indx">Zoozmann, Richard <a href="#Seite_93">93</a>.</li>
-</ul>
-
-<hr class="tb" />
-
-<p class="center">Druck von Paul Dünnhaupt in Cöthen (Anhalt).</p>
-
-<hr class="chap" />
-
-<div class="transnote chapter" id="tnextra">
-
-<p class="h2">Weitere Anmerkungen zur Transkription</p>
-
-<p>Offensichtliche Fehler wurden stillschweigend korrigiert. Ansonsten wurden
-unterschiedliche Schreibweisen des Originals beibehalten.</p>
-
-<p>Korrekturen:</p>
-<div class="corr">
-<p>
-S. 25: herausschaffen → heraus schaffen<br />
-aus der germanischen Volksseele <a href="#corr025">heraus schaffen</a></p>
-<p>
-S. 34: 1890 → 1830<br />
-Paul Heyse, geb. am 15. März <a href="#corr034">1830</a> in Berlin</p>
-<p>
-S. 67: hinter → vor<br />
-eine große Zukunft <a href="#corr067">vor</a> sich hat</p>
-<p>
-S. 75. 24. 1854 → 24. Mai 1854<br />
-Adolf Schmitthenner, geb. am <a href="#corr075">24. Mai 1854</a></p>
-<p>
-S. 113: verschnöckelt → verschnörkelt<br />
-Druckschrift so <a href="#corr113">verschnörkelt</a> und entartet</p>
-</div>
-</div>
-<div style='display:block; margin-top:4em'>*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE LETZTEN ZWANZIG JAHRE DEUTSCHER LITTERATURGESCHICHTE 1880–1900 ***</div>
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-</div>
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-Sections 3 and 4 and the Foundation information page at www.gutenberg.org.
-</div>
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-<div style='display:block; font-size:1.1em; margin:1em 0; font-weight:bold'>
-Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
-</div>
-
-<div style='display:block; margin:1em 0'>
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-</div>
-
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-</div>
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