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If you are not located in the United States, you -will have to check the laws of the country where you are located before -using this eBook. - -Title: Die letzten zwanzig Jahre deutscher Litteraturgeschichte - 1880–1900 - -Author: Emil Thomas - -Release Date: January 09, 2021 [eBook #64245] - -Language: German - -Character set encoding: UTF-8 - -Produced by: The Online Distributed Proofreading Team at - https://www.pgdp.net - -*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE LETZTEN ZWANZIG JAHRE -DEUTSCHER LITTERATURGESCHICHTE 1880–1900 *** - - - - - Anmerkungen zur Transkription - - - Das Original ist in Fraktur gesetzt. Im Original gesperrter Text - ist _so ausgezeichnet_. Im Original in Antiqua gesetzter Text ist - ~so markiert~. Im Original fetter Text ist =so dargestellt=. - - Weitere Anmerkungen zur Transkription befinden sich am Ende des - Buches. - - Dieses E-Book wurde anläßlich des 20. Jubiläums von »Distributed - Proofreaders« erstellt. - - - - - Die letzten zwanzig - Jahre deutscher - Litteraturgeschichte. - - - - - Die letzten zwanzig - Jahre deutscher - Litteraturgeschichte - 1880--1900 - - Im Abriß dargestellt - von Emil Thomas. - - 2., durchgesehene Auflage. - - (4. bis 8. Tausend.) - - [Illustration] - - Leipzig 1900 - Verlag von _Walther Fiedler_. - - - - -Vorwort. - - -Es sind in neuester Zeit vielfach Versuche einer Darstellung der -Litteratur der letzten Jahre unternommen worden[1] und es war dies -umsomehr von nöten, als unsere besten Litteraturgeschichten im Stich -lassen, sobald die Litteratur der letzten Jahrzehnte in Frage kommt. -Selbst Vogt und Kochs Litteraturgeschichte, die im vorigen Jahre zur -Ausgabe gelangte, ein sonst tüchtiges und zuverlässiges Werk, macht vor -der modernen Litteratur Halt und behandelt die Zeit von dem Auftreten -der »Jüngsten« an in einer wahrhaft stiefmütterlichen Weise, die zu -dem Ganzen in keinem Verhältnis steht und deutlich erkennen läßt, wie -wenig die Verfasser über die moderne Litteratur unterrichtet sind. -Wenn man nun auch zugeben muß, daß es mit Schwierigkeiten verbunden -ist, klar und übersichtlich eine Periode darzustellen, in der noch -alles Leben und Bewegung ist, die noch nicht einmal äußerlich zu -einem gewissen Abschluß gelangt ist, so erscheint es doch nicht -angängig, aus einer zeitlich nicht begrenzten Litteraturgeschichte die -moderne Litteratur auszuschließen oder sie in ungenügender Weise zur -Darstellung zu bringen. Denn nichts liegt dem Interesse näher, als was -uns zeitlich naheliegt, und es ist sehr wohl möglich, zeitgenössische -Schriftsteller und ihre vorliegenden Werke zu beurteilen, auch auf -die Gefahr hin, daß durch spätere Schöpfungen neue charakteristische -Züge in das Bild Aufnahme finden müssen. Darstellen läßt sich also -die Litteraturperiode der letzten Jahre -- fraglich ist nur, ob der -Bericht über dieselbe, 10 oder 20 Jahre später, nicht derartige -Korrekturen erfahren wird, daß Urteil und Anschauung der Gegenwart -dadurch für die spätere Zeit vollständig entwertet werden. Strömungen -und Unterströmungen auf litterarischem Gebiete sind für denjenigen, -der mitten in der darzustellenden Periode steht, nur schwer erkennbar, -und auch das Urteil des vorurteilslosen Beobachters wird von der -Parteien Haß und Gunst verwirrt, besonders in einer Zeit, die an Stelle -der litterarischen _Persönlichkeiten_ litterarische _Schulen_ setzt -und durch Schlagworte zu ersetzen sucht, was ihr an litterarischem -Verständnis abgeht. - - [1] Neben den Studien zur neueren Litteratur, die - Professor Erich Schmidt, Adolf Stern und Franz Muncker - veröffentlichten, sind vor allem das Buch B. Litzmann's - über das deutsche Drama der Gegenwart, sowie Alfred Bieses - Lyrische Dichtung und neuere deutsche Lyriker, Wolff's - Geschichte der deutschen Litteratur in der Gegenwart, - Adolf Bartels, Die deutsche Dichtung der Gegenwart, Edgar - Steiger, Das Werden des neuen Dramas, und Richard M. Meyers - Geschichte der deutschen Litteratur im 19. Jahrhundert, zu - nennen. - -Wir sagten, daß in 10 oder 20 Jahren das jetzt abgegebene Urteil -über unsere moderne Litteratur eine Wandlung erfahren wird, und -je weiter wir uns von der Gegenwart entfernen, destomehr wird die -zeitgenössische Kritik von der späterer Zeiten sich als unterschiedlich -erweisen. Sie wird ruhiger, objektiver ausfallen, aber sie braucht -darum nicht »richtiger« zu sein, denn der Wert eines Buches darf -nicht nur danach bemessen werden, daß es noch kommenden Geschlechtern -etwas zu sagen hat, er kann auch darin bestehen, daß es, allein -für seine Zeit geschrieben, auch nur dieser nützt. Da wir aber -die Litteraturgeschichte aus der Kulturgeschichte ausscheiden und -ihr eine selbständige Stellung -- ob mit Recht oder Unrecht, sei -dahingestellt -- angewiesen haben, so werden in ihr alle diejenigen -Werke zu kurz kommen, die allein für ihre Zeit berechnet und nur diese -fördernd, nicht künstlerischen Gehalt oder genügendes Interesse für -die Zukunft mitbringen. Noch ein weiterer Grund kommt hinzu, um die -Aufgabe der Litteraturgeschichte zu erschweren: der, daß niemand, -und sei er noch so belesen, in der Lage sein wird, ohne Anleihen -bei anderen zu machen, ein Urteil über die Litteratur, selbst eines -so begrenzten Zeitraumes, wie es der von 1880--1900 ist, abgeben -zu können. Denn um festzustellen, welcher Dichter und welches Werk -in diese Litteraturgeschichte aufzunehmen wären, müßte, unter der -Voraussetzung einer Befähigung, über alles urteilen zu können, ein -eingehendes Studium aller in dem betreffenden Zeitraum erschienener -Werke vorausgehen. Denn wie könnte jemand, der nicht das ganze Gebiet -beherrscht, wissen, ob er nicht das Wichtigste übersehen, ob ihm nicht -gerade das entgangen, auf das das meiste Gewicht zu legen wäre? Wäre -er allein in der Lage, auch nur über eine beschränkte Anzahl Werke ein -Urteil abzugeben, sie litterarisch zu werten, und könnte dies immer -unter Ausschaltung alles Persönlichen geschehen? Könnte er sich ganz -dem Einflusse entziehen, den auch ein minder gutes Buch ausüben kann, -das ihm persönlich mehr als den anderen zu sagen hat oder das in einer -Stimmung zur Hand genommen wurde, die es für ihn in einem besonderen -Lichte erscheinen ließ? Und wird derselbe Autor, der, 30 Jahre alt, -ein Werk kritisiert, mit 40 Jahren noch dasselbe Urteil über das Werk -abgeben? Ein persönliches Gepräge kann eine Litteraturgeschichte nur -in einzelnen Zügen tragen und auch diese müssen mit Vorsicht gegeben -und durch die Urteile sachverständiger Kritiker wenigstens kontrolliert -werden. Gerade weil selbst ein eng begrenztes Gebiet zu beherrschen -unmöglich ist, kann der Autor einer Litteraturgeschichte kaum etwas -anderes sein als ein Kompilator, der die abgegebenen Urteile in -litteraturgeschichtlichen und verwandten Büchern und Zeitschriften -abzuwägen, zu kontrollieren und aus ihnen das Facit zu ziehen hat. Er -wird nie, und wenn er seinen Namen noch so fett auf das Titelblatt -schreibt, ganz aus Persönlichem heraus eine Litteraturgeschichte -schreiben und sagen können: so denke ich über alle jene Werke, zu denen -ich in dem und dem Verhältnis stehe. - -Allerdings soll eine Litteraturgeschichte in ihrer Gesamtheit -mehr sein, als ein Sammelsurium von Urteilen, die Hinz und Kunz -über Bücher und Autoren abgeben und die Müller oder Schulze dann -»kontrollieren« und »abwägen«: eine Litteraturgeschichte muß vor -allem auf die geistigen Strömungen das Hauptgewicht legen, sie muß, -wenn sie Wert besitzen soll, uns zeigen, wie sich diese in dem -Kopfe des Verfassers darstellen, der bei einer Geschichte mehr auf -den geistigen Zusammenhang, auf die typischen Erscheinungen, als -auf ihre Repräsentanten zu achten hat. Die Geschichtsschreibung, -die nur die »Haupt- und Staatsaktionen« kannte und darstellte, -hat sich überlebt, die politische Geschichte von ehemals ist der -Kulturgeschichte gewichen, die versuchen muß, uns aus der Zeit heraus -die Erscheinungen zu erklären und verständlich zu machen. Von der -Litteraturgeschichte muß aber noch mehr gefordert werden. Vor allem -ist ihre Aufgabe, reinlich zu scheiden zwischen dem, was Mode, Reklame -und Marktschreierei, gute Freunde und getreue Nachbarn aus einem Autor -gemacht haben, und dem, was ihm an wirklichem Verdienste, nach seinem -Können, zukommt. Sie hat sich mit den schlechten Autoren, die den -litterarischen Geschmack einer Zeit _wesentlich_ beeinflussen, ebenso -abzufinden wie mit den guten, hat auch der _besonderen_ Beeinflussung -älterer Werke und Autoren, die für eine Zeit wieder lebendig geworden -sind, zu gedenken, sie muß -- und das nicht zuletzt -- auch gutzumachen -suchen, was an einem Autor gesündigt wurde, dessen Talent sich -mit jedem der durch Verlegerreklame und Cliquenwirtschaft bekannt -gewordenen »Jungen« und Modernen messen kann, der aber den Fehler -beging, nur seine Bücher und nicht auch seine Freunde und Vettern für -sich reden zu lassen. - - * * * * * - -Es bedarf wohl einer Erklärung, warum der vorliegende Abriß der -deutschen Litteraturgeschichte der Gegenwart mit dem Jahre 1880 und -nicht, wie dies sonst üblich, mit dem Tode Goethes (1832) oder dem -Ausbruche des deutsch-französischen Krieges (1870) beginnt. - -Das eine wie das andere Jahr kommt für die Litteratur wenig in -Betracht. Der Tod Goethes, wie der Ausbruch des Krieges waren rein -äußere Umstände: der erstere beendete nicht das goldene Zeitalter -unserer Litteratur, das mit dem Erscheinen des ersten Teils von Faust -sein Ende erreichte, und der letztere leitete keine neue Epoche unserer -Litteratur ein. Wenn es auch gefährlich ist, den Beginn einer neuen -Litteraturperiode durch ein bestimmtes Jahr festzulegen, so haben -doch, nach unserem Dafürhalten, die 80er Jahre mehr Berechtigung, als -Ausgangspunkt bei der Darstellung der modernen Litteratur angenommen zu -werden, als das Jahr 1870, das nicht einmal auf einem litterarischen -Gebiete -- der Kriegslyrik -- neue Blüten trieb, sondern nur politisch -von Bedeutung ist. Nimmt man ein bestimmtes Jahr zum Ausgangspunkt -an, so entsteht die Frage, inwieweit sich ein Zurückgreifen auf die -vorhergehenden Jahre zum besseren Verständnisse des angesetzten -Jahres notwendig macht. Litterarische Erscheinungen wie Freytag und -Spielhagen -- um Beispiele aus der modernen Litteratur anzuführen -- -hatten ihren Vorläufer in Gutzkow, wie Heyse's Schaffen schließlich auf -Goethe zurückführt. Und noch eine andere Schwierigkeit erwächst dem -Litterarhistoriker bei der Darstellung eines bestimmten, engbegrenzten -Zeitraumes. Heyses, Spielhagens und Freytags litterarische Bedeutung -und Erfolge -- um bei den einmal Genannten zu bleiben -- gehören -einer vergangenen Periode an, sie waren es nicht, die der neueren -Litteratur den Stempel aufdrückten und auch ihr eigenes litterarisches -Charakterbild erhielt durch ihre späteren Schöpfungen keine neuen Züge. -Das trifft selbst bei einem Autor wie Spielhagen zu, der sich wie kaum -ein anderer unter den Alten bemüht hat, die neue Zeit zu verstehen und -mit ihr zu paktieren, aber doch immer der alte Spielhagen der 70er -Jahre blieb. - -Die älteren Dichter sind daher in dem vorliegenden Abriß nur -stiefmütterlich behandelt worden, eine Taktik, die auch darauf -zurückzuführen ist, daß es nicht schwer hält, sich über sie anderenorts -zu informieren. Wir wollten vor allem den geringen Raum, der uns zur -Verfügung steht -- das Werkchen ist ein etwas erweiterter Abdruck -aus dem »Buchhändler-Kalender für 1900« -- benutzen, um auf die -»neuesten und allerneuesten« Dichter aufmerksam zu machen. Daß wir -auch hier nur Einzelbilder und Einzelerscheinungen herausgreifen -konnten und auf eine Darstellung der _Entwickelung der neuesten -Litteratur_ verzichten mußten, findet gleichfalls seine Erklärung in -der uns auferlegten räumlichen Beschränkung. Sie verführte auch, im -Gegensatze zu unserer Anschauung, daß eine Litteraturgeschichte nicht -nur die schöngeistigen Schriften, sondern das gesamte Geistesleben zu -umfassen hat, soweit es seinen Ausdruck in der Litteratur findet und -nicht rein fachwissenschaftlicher Natur ist, zu einer ausschließlichen -Berücksichtigung der Belletristik, so daß man Namen wie: Büchner, -Eduard v. Hartmann, Friedrich Nietzsche, Schopenhauer, Stirner, -Gregorovius, Treitschke, Sybel, Ranke, Mommsen, Schäffle, Ihering, -Erich Schmidt, Paul de Lagarde, Karl Hillebrand, Victor Hehn, Herman -Grimm, Otto Gildemeister, Bamberger, Fürst Bismarck, Richard Wagner u. -a., in den »Charakteristiken« nicht begegnen wird, so sehr sie Anspruch -auf Aufnahme in eine moderne Litteraturgeschichte haben. Dagegen wird -man es in einer speciell für Buchhändler, Litteraten etc. bestimmten -Litteraturgeschichte gerechtfertigt finden, daß wir nicht sowohl den -Versuch einer Charakteristik der litterarischen und verwandten Blätter -unternommen, als auch auf den Anteil hingewiesen haben, der dem -Verlagsbuchhandel an der Entwicklung unserer Litteratur zukommt. - -Was die in den »Charakteristiken« angeführten Dichter betrifft, so -wird gewiß schon im kommenden Jahrzehnt eine ganze Reihe in der -Versenkung verschwinden und anderen Platz machen müssen, die jetzt -bescheiden bei Seite stehen, unbeachtet von der Kritik und dem großen -Publikum. Ihr Ruhm wird dauernder sein als der unserer litterarischen -Tagesgrößen, wenn auch eine Litteraturgeschichte so geringen Umfangs -und mit so bescheidenen Aufgaben wie die vorliegende, nur vorsichtig -für einzelne von ihnen eintreten kann. Denn auf die Freude, gerade den -_Könnern_ ohne Anhang in der Presse und im Publikum zu ihrem Rechte zu -verhelfen, muß der Verfasser eines Werkchens verzichten, das seiner -ganzen Anlage nach nur für die Gegenwart berechnet, keine Umwertung der -jetzigen litterarischen Werte vornehmen kann, sondern allein den Zweck -verfolgt, über die bekannteren Schriftsteller und ihre Werke ein paar -orientierende Notizen zu geben, mit denen sich die Benutzer besser im -litterarischen Leben zurechtfinden können. - - _Leipzig_, März 1900. - - =Emil Thomas.= - - - - -Inhaltsverzeichnis. - - - Seite - - _Vorwort_ 5 - - _Überblick_ 18 - - _Charakteristiken_: - - _Die Romanciers der alten Schule_ 29 - - Gustav Freytag. -- Friedrich Spielhagen. -- Berthold - Auerbach. -- Luise von François. - - _Die großen Novellisten der 70er und 80er Jahre_ 32 - - Conrad Ferd. Meyer. -- Gottfried Keller. -- Theodor - Storm. -- Paul Heyse. - - _Die Formtalente der alten Schule_ 35 - - Emanuel Geibel. -- Friedr. v. Bodenstedt. -- Adolf - Friedr. Graf v. Schack. -- Rob. Hamerling. -- Albert - Moeser. -- Heinr. Vierordt. - - _Lyriker und Epiker der 70er und 80er Jahre_ 37 - - Julius Grosse. -- Martin Greif. -- Joh. Georg Fischer. - -- Friedr. Wilh. Weber. -- Friedrich Theod. Vischer. -- - Wilh. Jordan. -- Hermann Lingg. -- Stephan Milow. -- - Ludwig Eichrodt. -- Hermann Allmers. -- Robert Waldmüller. - -- Rudolf Bunge. -- Adolf Brieger. -- Heinrich - Bulthaupt. -- Julius Rodenberg. -- Karl Weitbrecht. - -- Eduard Paulus. -- Isolde Kurz. - - _Die neuzeitlichen Romantiker_ 43 - - Otto Roquette. -- Oskar von Redwitz. -- Heinrich Steinhausen. - -- Wilhelm Hertz. - - _Die Dichter mit dem Erdgeruch_ 44 - - Klaus Groth. -- Ludwig Anzengruber. -- Theod. Herrmann - Pantenius. -- Peter Rosegger. -- Karl Stieler. - -- Hermann von Schmid. -- Maximilian Schmidt. -- - Ludwig Ganghofer. -- Arthur Achleitner. -- Johann - Meyer. -- Joh. Heinr. Fehrs. -- Timm Kröger. -- Heinr. - Hansjakob. -- Hermine Villinger. -- Clara Viebig. -- - Adolf Bartels. -- Charlotte Niese. -- Ilse Frapan. -- - August Sperl. -- Heinrich Sohnrey. - - _Die Kulturnovellisten_ 49 - - Wilhelm Heinrich Riehl. -- Karl Emil Franzos. -- Leopold - Kompert. -- Leopold von Sacher-Masoch. - - _Die Dichter-Archäologen_ 50 - - Georg Ebers. -- Felix Dahn. -- Ernst Eckstein. -- - George Taylor. -- Oskar Linke. - - _Die Dramatiker der alten Schule_ 52 - - Rudolf v. Gottschall. -- Hans Herrig. -- Arthur Fitger. - -- Heinrich Kruse. -- Albert Lindner. - - _Die sogenannten Lustspieldichter_ 53 - - Oskar Blumenthal. -- Hugo Lubliner. -- Gustav von - Moser. -- Adolf L'Arronge. - - _Die Übergangstalente_ 54 - - Hans Hopfen. -- Wilhelmine von Hillern. -- Karl - v. Heigel. -- Karl Frenzel. -- Adolf Stern. -- Ferdinand - von Saar. -- Heinrich von Reder. - - _Vaganten und Spielmänner_ 56 - - Josef Victor von Scheffel. -- Rudolf Baumbach. -- - Julius Wolff. - - _Die Goldschnittlyriker der 80er Jahre_ 57 - - Karl Gerok. -- Julius Sturm. -- Albert Traeger. -- - Emil Rittershaus. - - _Die Beschaulichen_ 58 - - Wilhelm Raabe. -- Wilhelm Busch. -- Hans Hoffmann. - -- Heinrich Seidel. -- Victor Blüthgen. - - _Die Behaglichen_ 60 - - Julius Stinde. -- Johannes Trojan. -- Julius Lohmeyer. - -- Edwin Bormann. -- Georg Bötticher. -- Hans - Arnold. - - _Die Dichter der Dekadenz_ 61 - - Dranmor. -- Eduard Grisebach. -- Emil Prinz von - Schönaich-Carolath. -- Hieronymus Lorm. -- Alberta - von Puttkamer. -- Ada Christen. - - _Die Marlitt und ihre Schule_ 63 - - E. Marlitt. -- W. Heimburg. -- E. Werner. -- Marie - Bernhard. -- Nataly von Eschstruth. - - _Die »Jüngstdeutschen« und ihre Vorkämpfer_ 64 - - Karl Bleibtreu. -- Michael Georg Conrad. -- Hermann - Conradi. -- Konrad Alberti. -- Heinrich Hart. -- Julius - Hart. -- Hermann Heiberg. -- Max Kretzer. -- Wilhelm - Walloth. -- Wilhelm Arent. -- Wolfgang Kirchbach. - - _Socialistische Lyriker_ 67 - - Arno Holz. -- Karl Henckell. -- Maurice Reinhold - Stern. -- John Henry Mackay. -- Bruno Wille. - - _Die Nationalen_ 69 - - Adolf Pichler. -- Karl Pröll. -- Fritz Lienhard. -- - Anton Ohorn. -- Anton Aug. Naaff. -- Ottomar - Beta. -- Adolf Graf v. Westarp. -- E. Bauer. -- - Carl Kerstan. - - _Die großen neuzeitlichen Erzähler_ 71 - - Theodor Fontane. -- Wilhelm Jensen. -- Marie von - Ebner-Eschenbach. -- Adolf Wilbrandt. -- Richard Voß. - - _Realistische Erzähler_ 73 - - Ernst von Wolzogen. -- Konrad Telmann. -- Alexander - von Roberts. -- Georg v. Ompteda. -- Wilhelm v. Polenz. - -- Ad. Schmitthenner. -- Karl v. Perfall. -- Anton - v. Perfall. -- Oscar Mysing. -- Richard Nordhausen. -- - J. J. David. -- Felix Hollaender. -- Heinz Tovote. - - _Die Unterhaltungstalente_ 77 - - Ernst Wichert. -- August Niemann. -- Gerhardt von - Amyntor. -- Otto v. Leixner. -- Fritz Mauthner. -- - Theophil Zolling. -- Rudolf Stratz. -- Hans Land. - -- Wilh. Wolters. -- Franz v. Königsbrun-Schaup. - -- Fedor von Zobeltitz. -- Hanns von Zobeltitz. -- - Ida Boy-Ed. -- A. v. d. Elbe. -- Claire Glümer. -- - Sophie Junghans. -- Luise Westkirch. - - _Romanciers des ~High-life~_ 81 - - Rudolf Lindau. -- Ossip Schubin. -- Baron Carl - Torresani. -- Johannes Richard zur Megede. -- Bertha - von Suttner. - - _Die Feuilletonisten_ 82 - - Paul Lindau. -- Max Nordau. -- Julius Langbehn. -- - Emil Peschkau. -- Balduin Groller. -- Ferdinand - Groß. -- Hermann Bahr. -- Maximilian Harden. - - _Die Industriellen_ 84 - - Gregor Samarow. -- Alfr. Friedmann. - - _Die dramatischen Hauptmänner_ 85 - - Ernst von Wildenbruch. -- Gerhart Hauptmann. -- - Hermann Sudermann. - - _Die kleineren Dramatiker der Neuzeit_ 88 - - Max Halbe. -- Ludwig Fulda. -- Arthur Schnitzler. -- - Josef Lauff. -- Felix Philippi. -- Max Dreyer. -- - Josef Ruederer. -- Caesar Flaischlen. -- Otto Erich - Hartleben. -- Philipp Langmann. -- Ernst Rosmer. -- - Georg Hirschfeld. - - _Tendenzfreie Lyriker der jüngsten Zeit_ 91 - - Detlev von Liliencron. -- Gustav Falke. -- Carl - Busse. -- Ludwig Jacobowski. -- Richard Zoozmann. -- - Reinhold Fuchs. -- Jeannot Emil Freiherr v. Grotthuß. -- - Ricarda Huch. -- Alfred Beetschen. -- Hans Bethge. -- - Anna Ritter. -- Johanna Ambrosius. -- Ludwig - Palmer. -- Gustav Renner. - - _Philosophische und polemische Dichter_ 94 - - Ferdinand Avenarius. -- Wilhelm Weigand. -- Otto - Ernst. -- Carl Spitteler. -- Josef Viktor Widmann. -- - Christian Wagner. -- Wilhelm Bölsche. -- Walther - Siegfried. -- Benno Rüttenauer. - - _Die Amazonen des Geistes_ 97 - - Marie Eugenie delle Grazie. -- Helene Böhlau. -- Anna - Croissant-Rust. -- Maria Janitschek. -- Emil Marriot. -- - Hermione von Preuschen. -- Lou Andreas-Salomé. -- - Gabriele Reuter. -- Anselm Heine. -- Hans von Kahlenberg. - -- Elsa Asenijeff. - - _»Artisten«, Symbolisten und Unverstandene_ 99 - - Johannes Schlaf. -- Otto Julius Bierbaum. -- Franz - Evers. -- Stanislaw Przybyszewski. -- Richard Dehmel. - -- Frank Wedekind. -- Wilhelm von Scholz. -- Felix - Dörmann. -- Hugo v. Hofmannsthal. -- Hugo Salus. - -- Peter Altenberg. -- Stephan George. -- Alfred - Mombert. -- Paul Scheerbart. - - _Nationale Jungösterreicher_ 103 - - Arthur von Wallpach. -- Franz Herold. -- Hermann - Hango. -- Josef Kitir. -- Oskar Weilhart. -- Franz - Adamus. -- Emil Ertl. -- Heinrich v. Schullern. -- - Hanns Weber-Lutkow. -- Hugo Greinz. - - _Zur Charakteristik litterarischer und verwandter - Blätter_ 106 - - _Der Verlagsbuchhandel und sein Anteil an der - Litteratur der Gegenwart_ 118 - - _Register der in den »Charakteristiken« angeführten - Namen_ 133 - - - - -Überblick. - - -Der deutsch-französische Krieg 1870/71 erfüllte das Sehnen der -Nation nach Einheit und Macht unter einem neuen deutschen Kaisertum: -eine neue Litteratur brachte er nicht. Selbst die Kriegslyrik trieb -nur wenig neue Blüten; Schlag auf Schlag war draußen in Frankreich -erfolgt, und ehe man Zeit fand, den jungen Ruhm dichterisch zu -verherrlichen, war der Friede geschlossen. Was sehnsüchtig die Besten -der Nation herbeigewünscht, war in Erfüllung gegangen, aber nach dem -jahrzehntelangen Warten stand man zu plötzlich am Ziel, um die Wandlung -begreifen zu können. In den Kabinetten war der Krieg beschlossen -worden, die Volksseele hatte wenig Teil an ihm. Auch die Errichtung -des deutschen Kaisertums war mehr ein Akt der Diplomatie, als der -Ausfluß jenes Sehnens, das im Volke lebte und dessen Erfüllung man -kaum noch erhoffte, als sie schon eingetreten war. Die wenigen großen -Dichter, die wir um jene Zeit besaßen, waren in ihrer Entwicklung -bereits abgeschlossen, als Bismarck Deutschland in den Sattel hob. -Paul Heyse war zu sehr Künstler, Ästhetiker, als daß von ihm eine -nationale Kunst ihren Ausgang nehmen konnte. Seine Sehnsucht ging mehr -nach dem sonnigen Italien oder dem schönheitstrunkenen Hellas, als -nach dem neuen Deutschen Reiche. Berthold Auerbach hatte sein Bestes -schon geleistet und Gustav Freytags altfränkisch-philiströse Kunst -fand sich ebensowenig im neuen Deutschland zurecht, wie Friedrich -Spielhagens politisches Glaubensbekenntnis. Die beiden Schweizer -Gottfried Keller und Conrad Ferd. Meyer standen zu weit ab vom -Deutschen Reiche, um wirklichen Einfluß auf sein nationales Leben zu -gewinnen. So verklang das Lied vom »Grünen Heinrich« in der Ferne und -erst viel später wurde seine Melodie wieder gehört. Conrad Ferd. Meyers -feinciselierte Kunst war nie Volkskunst, ihr Einfluß blieb auch später -auf Litteraten- und Künstlerkreise beschränkt. Das Volk trug kein -Verlangen nach Kunst; was es suchte, war Unterhaltung -- Genuß. Die -Milliarden kamen ins Land und ein toller Taumel erfaßte alle Kreise: -wer früher Wasser getrunken, berauschte sich jetzt in Champagner. -Die Gründerperiode war angebrochen, das Gold übte seine Zauberkraft, -alles in seinen Bann ziehend und alle anderen als vitale Interessen -ertötend. Oskar Blumenthal und Paul Lindau, Namen, die heute schon vom -litterarischen Schauplatz verschwunden sind, feierten ihre Triumphe, -und das eroberte Paris war es, das seine litterarischen Schatzkammern -öffnete und dem neuen Reich auch die »neue Kunst« gab. Sie war auch -danach und ihrer Vertreter würdig. Die beiden Litteraturpäpste an der -Spree waren aus dem Journalismus hervorgegangen. Beide suchten mit -Pamphleten schlimmster Sorte ihr Ansehen zu begründen. Den »Allerlei -Ungezogenheiten« des »blutigen Oscar« traten die »Litterarischen -Rücksichtslosigkeiten« Lindaus ebenbürtig zur Seite. Alles, was in -Deutschland einen Namen besaß, verfiel ihnen und wurde mit Spott -und Hohn überschüttet. Paris war die Parole. Hatte das kriegerische -Frankreich keine Lorbeeren gepflückt, so fielen sie jetzt dem -künstlerischen Frankreich überreich in den Schoß. Selbst vor dem -Kriege war die Abhängigkeit von unseren westlichen Nachbarn nicht so -groß wie nach der Wiedergeburt Deutschlands, das sich erst auf seine -Machtstellung besinnen mußte. Irregeleitet von falschen Propheten, die -ihre Lehrjahre in Paris durchgemacht hatten, wußte das Volk nichts -Besseres, als der leichtgeschürzten gallischen Muse zuzujubeln und ihre -Kinder für den Inbegriff des Schönen und Wahren hinzustellen. - -Die Zeiten des Kulturkampfes waren der Entwickelung der deutschen -Dichtung wenig günstig, die Handvoll wirklicher Poeten, die Deutschland -besaß, ging unverstanden ihre Wege und viel später erst fand sie -Anerkennung. Die Gründerperiode hatte bald abgewirtschaftet, der Krach -kam, der Champagnerrausch verflog und nur der Katzenjammer blieb -zurück. Damals wurde Schopenhauer Mode. Sein Schüler Grisebach sang -seine Tannhäuserlieder, die die Stimmung des Volkes widerspiegeln, -das von Genuß zu Genuß taumelt, bis ihm erwachend der Ekel kommt. -Eine Zeit der Nüchternheit und Niedergeschlagenheit folgte den tollen -Jahren, eine Zeit, in der die Litteratur auf die Zuneigung der höheren -Töchter angewiesen war. Die Poesie flüchtete in die Gelehrtenstuben und -drapierte sich malerisch mit griechischen und ägyptischen Gewändern, -um sich ein besonderes Air zu geben. Es waren die Erntejahre der -Dahn und Ebers. In ihrem Gefolge erschienen die Scheffel, Wolff und -Baumbach und ließen ihre Spielmannsweisen ertönen. Die Romantik hat -den Deutschen immer im Blute gesteckt und sie sollte auch im neuen -Deutschen Reiche nicht zu kurz kommen. Was ihre Vertreter an gutem -Geschmack noch übrig ließen, das richteten die Gartenlaube-Talente vom -Schlage der Marlitt zu Grunde. Wohl hatte Storm bereits seine schönsten -Lieder gesungen, Wilh. Raabe, Anzengruber und Rosegger waren bei der -Arbeit und andere kleinere Talente ihnen gefolgt, aber was vermochten -sie gegen die Protegés der höheren Töchter in einer Zeit, die die Kunst -nur als angenehme Zugabe zum Leben betrachtete und keine Dichter haben -wollte? - -In dieser Zeit des Niederganges erstand dem litterarischen Deutschland -ein Retter in einer Gruppe junger Schriftsteller, die dem allmählichen -Versanden der Litteratur nicht länger teilnahmslos zusehen wollte. -Sie empfand tief die Mißachtung, die man dem einheimischen Schrifttum -entgegegenbrachte, eine Mißachtung, an der nicht sowohl das Publikum -als auch die Litteratur selbst schuld war. Die erste Streitschrift -»Kritische Waffengänge«, die der »neuen Litteratur« die Wege bahnen -sollte, ging von den Gebrüdern Hart aus. - -In einem einleitenden Aufsatze: »Wozu, wogegen, wofür?« entwickeln sie -ihr Programm: Sie wollen aufräumen mit dem eklektischen Dilettantismus, -der sich breit macht, mit dem um sich fressenden Kastratentum der -Kritik. Sie wollen Platz machen für bessere und edlere Geister, weil -sie nicht an einen Niedergang der Litteratur glauben können und wollen. - -»Hinweg also mit der schmarotzenden Mittelmäßigkeit, hinweg alle -Greisenhaftigkeit und alle Blasiertheit, hinweg das verlogene -Recensententum, hinweg mit der Gleichgiltigkeit und hinweg mit allem -sonstigen Geröll und Gerümpel. Reißen wir die jungen Geister los aus -dem Banne, der sie umfängt, machen wir ihnen Lust und Mut, sagen wir -ihnen, daß das Heil nicht aus Ägypten und Hellas kommt, sondern daß sie -schaffen müssen aus der germanischen Volksseele heraus, daß wir einer -echt nationalen Dichtung bedürfen, nicht dem Stoffe nach, sondern dem -Geiste, daß es wieder anzuknüpfen gilt an den jungen Goethe und seine -Zeit, und daß wir keine weitere Formenglätte brauchen, sondern mehr -Tiefe, mehr Glut, mehr Größe.« - -Und nun kommen die kritischen Abschlachtungen. Im ersten Heft muß -der Dramatiker Heinrich Kruse herhalten, im zweiten wird Paul Lindau -vorgenommen. Ihm folgen Hugo Bürger (Hugo Lubliner) und Albert -Träger. Das vierte Heft enthält eine Beleuchtung des »Deutschen -Theater« L'Arronges; im fünften wird Graf Schack gelobt und zum Schluß -Spielhagen und dem deutschen Roman der Gegenwart näher oder besser zu -nahe getreten. -- Den »Kritischen Waffengängen« folgte die Arent'sche -Anthologie »Moderne Dichtercharaktere«, der sich Karl Bleibtreu mit -seiner Broschüre: »Revolution der Litteratur« anschloß. Um den »Jungen« -ein Organ zu schaffen, in dem sie ihre Meinungen ungeschminkt zum -Ausdruck bringen konnten, gründete M. G. Conrad in Gemeinschaft mit -Bleibtreu »Die Gesellschaft«. Sie wurde bald der Mittelpunkt einer -Anzahl junger Schriftsteller, unter denen sich neben den Herausgebern -Hermann Conradi, Wilhelm Walloth, Konrad Alberti bemerkbar machten. - -Wie bei jeder neuen Kunstrichtung schoß man auch hier über das Ziel -hinaus, und in dem Bestreben, alles Bestehende über den Haufen zu -werfen oder doch zu reformieren, wurde man ungerecht und was noch -schlimmer war, roh. Dazu kam, daß man an Stelle der alten Kunst zwar -ein neues _Programm_, aber keine neue _Kunst_ setzen konnte. Auch da -mußte Frankreich aushelfen. Der den Deutschen verwandte Meister Zola -zog die Jüngsten in seinen Bann, und wie helle Fanfarenstöße klang -sein Name in das Lager der »Alten«. Wahrheit und Natur waren die -Schlagworte, mit denen man der Romantik zu Leibe ging. Die Großstadt -mit ihrer Pracht und ihrem Elend wurde entdeckt, die Kellnerinnen und -Dirnen in die Litteratur eingeführt und die vielgliedrige sociale Frage -der Belletristik einverleibt. Aber dem großen Wollen entsprach nur -ein geringes Können. Bleibtreu suchte den Satz zu erweisen, das Genie -sei der Fleiß, und schrieb unermüdlich Band auf Band, M. G. Conrad -schuf seine Münchener Großstadt-Romane nach Zola'schem Recept, Konrad -Alberti wählte sich Berlin zum Schauplatz seiner socialen Romane und -Hermann Conradi stammelte brünstige Lieder und »Phrasen«. Daneben -sangen Arno Holz und Karl Henckell ihre Proletarierlieder, bei denen -Geibel und Herwegh Pate gestanden, Liliencron sattelte seinen Pegasus -zu den »Adjutantenritten« und Hermann Heiberg schrieb seinen »Apotheker -Heinrich«. - -So beachtenswert auch einzelne Leistungen waren, so wenig konnte das -Gesamtbild befriedigen. Die neuen Stoffe besaß man wohl, aber die -Künstler fehlten, sie zu gestalten. Auch sonst kam noch manches hinzu, -was wenig geeignet war, der neuen Kunst Anhänger zuzuführen. Ästhetisch -feiner empfindende Naturen fühlten sich abgestoßen von dem Gebahren -der Jüngstdeutschen, die den weichen Künstlerschlapphut der Münchener -Schule ostentativ mit der Ballonmütze des Proletariers vertauschten -und in der Art sich zu geben vieles zu wünschen übrig ließen. Die -Unzulänglichkeit in der Bewältigung der neuen Stoffe führte wieder zu -einer Anlehnung an das Ausland. Dank den »Gründer«-Übeln übersah man -Dichter wie _Otto Ludwig_ und vor allem _Friedrich Hebbel_, die zwar -noch keine socialistische und Kellnerinnen-Litteratur geschaffen, -aber den _natürlichen Übergang_ von der alten zur neuen nationalen -Kunst darstellen. Ibsen und Tolstoi, denen sich Strindberg, Björnson, -Dostojewskij u. a. zugesellten, wurden vielmehr neben Zola die großen -Vorbilder, denen die Jüngstdeutschen nacheiferten. An Ibsen bewunderte -man die Kühnheit, mit der er an alle ererbten Institutionen und -Anschauungen herantrat und ihre Fäulnis und Verderbtheit aufdeckte. -Und daneben lag in dem »Wunderbaren«, auf das der große Prophet des -Nordens hinwies, ein eigener Zauber, der ebenso gefangen nahm, wie -die Lehre von dem Erbarmen mit dem Elend der Gegenwart, die Tolstoi -verkündete. Ibsen besonders hat das große Publikum mit dem Denken -und Empfinden der Modernen vertraut gemacht: die Hunderttausende von -Exemplaren, die Reclam von seinen Stücken in die Welt sandte, predigten -das neue Evangelium der Kunst. Neben ihm aber war ein anderer Prophet -aufgetreten, der über Stirner noch hinausgehend, die Philosophie des -Egoismus predigte und das »robuste Gewissen« verherrlichte: Friedrich -Nietzsche. Der Sklavenmoral des Christentums setzte er die Herrenmoral -des »Uebermenschen« gegenüber und wenn er auch kein System auf- und -ausgebaut hat, so hat seine Lehre doch den stärksten Einfluß auf die -jüngste Dichtergeneration ausgeübt, die sich an seinen großen Worten -berauschte und das von ihm verherrlichte Übermenschentum für sich zu -pachten suchte.[2] - - [2] Die Gebrüder Hart hatten in ihren »Kritischen Waffengängen« - die Forderung aufgestellt: die deutschen Dichter müßten - »aus der germanischen Volksseele heraus schaffen«; ihre - modernen Mitstürmer aber vermochten, wie oben ausgeführt, - die Stoffe, die in der deutschen Volksseele lebten, weder - zu erfassen, noch zu gestalten. Sie verfielen vielmehr der - krassesten Ausländerei und befriedigten ihren germanischen - Litteraturdrang dadurch, daß sie gehorsam zu den Füßen - der Franzosen, Russen und Norweger saßen. Gegen diese - Versumpfung der »litterarischen Revolution« und »Moderne« - trat eine Bewegung auf, die das »Nationale« wieder in den - Vordergrund zu schieben und eine »Heimatkunst« zu schaffen - suchte. Politisch schloß sie sich an die Deutschbewegung in - Österreich und den russischen Ostseeprovinzen an und fand - ihren stärksten Ausdruck in dem von Erwin Bauer gegründeten - »Zwanzigsten Jahrhundert«, zu dessen Mitarbeitern - Karl Pröll, Adolf Graf Westarp, Fritz Lienhard, Oskar - Linke, Jeannot Emil von Grotthuß u. a. gehörten. Diese - »nationale« Litteratur-Bewegung verfiel jedoch sehr bald - dem politischen Antisemitismus und verlor dadurch den - Einfluß auf die deutsche Jugend ebenso rasch, wie sie ihn - gewonnen hatte. Erst in den letzten Jahren sind diese - Bestrebungen, wenn auch in etwas veränderter Form, von - Ferdinand Avenarius, Adolf Bartels, Fritz Lienhard u. - a. im »Kunstwart« und neuerdings in der »Heimat« wieder - erfolgreich aufgenommen worden. - -War es um die Litteratur im allgemeinen schon schlecht bestellt, -so hatte das deutsche Theater im besonderen unter dem Tiefstand -des litterarischen Interesses und des herrschenden Geschmacks zu -leiden. Erst Richard Wagners Schöpfung des musikalischen Dramas -erinnerte daran, daß die Bühne anderen Zwecken zu dienen habe als -der Darstellung französischer Possen und Zoten. Seine Dramen ließen -die Vergangenheit wieder aufleben, in seinen stolzen Reckengestalten -und heldenmütigen Frauen zeigte der Dichter-Komponist wieder Ideale, -an die der Glaube längst abhanden gekommen. Aber Wagners Bedeutung -liegt mehr auf musikalischem als dichterischem Gebiete und auf die -große Menge hat seine Kunst kaum Einfluß gewonnen. Zudem waren die -Wagnerianer, die heute eine Welt darstellen, damals wenig mehr als -eine kleine Fanatikergemeinde. Von der jüngeren Generation war -Wildenbruch der erste, der sich die Bühne mit seinen Stücken eroberte, -in denen er dramatisch das Ergebnis der neuen Gestaltung Deutschlands -zu ziehen suchte. Er schuf eigenartige Charakterbilder aus der -brandenburg-preußischen Geschichte und das Schillersche Pathos, das er -anschlug, gewann ihm die Gunst des Publikums im Fluge. Das eigentliche -Drama der Gegenwart aber, das seinen Stoff dem modernen socialen Leben -entnimmt, brachte der neuen Zeit zuerst Sudermann in seiner »Ehre«. -Sie leitete eine neue Epoche unseres Litteraturlebens ein, nicht -ihres künstlerischen Gehaltes wegen, sondern durch die Anteilnahme an -dem dichterischen Schaffen unserer Tage, die sie in den Kreisen des -Publikums weckte. Auf die unbestrittenen Erfolge Sudermanns folgten -die lärmenden Kundgebungen, mit denen man die ersten Schöpfungen -Hauptmanns empfing, die noch ganz unter dem Einflusse Ibsens standen. -Andere jüngere Talente, wie Halbe, Fulda, Hartleben schlossen sich -an. Durch sie und die späteren Triumphe Hauptmanns wurde die Bühne -dem Naturalismus dauernd gewonnen: die Jüngsten hatten gesiegt, wenn -auch auf einem anderen Plane als dem zuerst ins Auge gefaßten. Ihr -Augenmerk war ursprünglich auf die Regeneration des Romans gerichtet, -dem sie neue Stoffgebiete zu erschließen suchten. In Wirklichkeit war -es nur die Technik, die eine Umgestaltung erfuhr, denn auch die Dichter -der alten Schule, Spielhagen, Heyse, um nur zwei der noch lebenden -zu nennen, hatten aus ihrer Zeit geschöpft und versucht, ein Bild -derselben zu geben. - -Das unbestrittene Verdienst der neuen Schule ist die stärkere -Anteilnahme der Litteratur am Leben der Gegenwart, dessen Erscheinungen -sie festzuhalten und künstlerisch zu gestalten sucht. Schon beginnt -das Interesse für den romanischen Süden dem Zug nach dem germanischen -Norden zu weichen und an Stelle der »Internationalität« sucht man -wieder die volkstümlichen Grundlagen unserer Kunst auf: die Heimat und -ihre Vergangenheit. Diese Errungenschaften der letzten Jahre werden -durch die blutlose Nervenpoesie der Symbolisten, Neurotiker, Esoteriker -und wie die neuen Kunstjünger alle heißen, kaum gefährdet werden, das -bloße Spielen mit Inhalt und Form, das »halbe heimliche Empfinden« -wird Menschen mit ganzem gesunden Empfinden schwerlich in seinen Bann -ziehen. Denn wenn man auch von dem echten Dichter verlangt, daß er -die ganze Empfindungsklaviatur beherrscht, also auch die »schwarzen -Tasten«, die »halben Töne« kennt, so darf doch nicht vergessen werden, -daß diese immer nur _den_ Wert haben, _die Gefühls- und Gedankenwelt -des Dichters_ zu besserem, stärkerem Ausdruck zu bringen. Denn auf -_diese_, nicht auf die Technik kommt es an, so sehr auch die letztere -die Absichten des Dichters zu unterstützen vermag. Verheißungsvoll -für das Gedeihen unserer Litteratur ist die Rückkehr vom Ausland und -seinen Vorbildern zur Heimat, zu Goethe und die Annäherung an die -Kunstprinzipien der Vergangenheit: nur in dem Kompromiß des Alten mit -dem Neuen kann für die nächste Zukunft das Heil der deutschen Dichtung -erblickt werden. - - - - -Die Romanciers der alten Schule. - - -=Gustav Freytag=, geb. am 13. Juli 1816 zu Kreuzburg, gest. am 30. -April 1895, wird als der Dichter des deutschen Bürgertums gefeiert. -Selbst durch die besten Werke, die er geschaffen, geht ein leiser -philiströser Zug, den er vielleicht seiner Stellung als Privatdocent -in Breslau verdankt. Fast allen Büchern Freytags sieht man an, daß -ihr Verfasser Kulturhistoriker ist, der sein Material gewissenhaft -zusammenträgt, ehe er an die Ausarbeitung eines Werkes geht. Fr., ein -ausgesprochenes Erzählertalent, begann seine litterarische Laufbahn -als Lyriker und Dramatiker. Sein erstes Stück führte den Titel »Die -Brautfahrt«, ihm folgten die Gedichte: »In Breslau«, die Schauspiele -»Die Valentine« und »Graf Waldemar«. Im Jahre 1848 übernahm er in -Gemeinschaft mit dem Litterarhistoriker Julian Schmidt die Redaktion -der »Grenzboten«, die er durch fast 25 Jahre fortführte. Seiner -Beschäftigung mit Politik und Presse verdankt das nicht gerade -tiefgehende Lustspiel: »Die Journalisten« seine Entstehung, das einen -großen und dauernden Erfolg errang, der seinem nächsten, der Gegenwart -abgewandten Drama: »Die Fabier« nicht beschieden war. 1855 entstand das -Hohelied des deutschen Kaufmannes: der Roman »Soll und Haben«, nach dem -Recept geschrieben, das Julian Schmidt aufgestellt hatte: »Der Roman -soll das Volk da suchen, wo es in seiner Tüchtigkeit zu finden ist: -nämlich bei der Arbeit«. Das nächste Werk: »Die verlorene Handschrift« -spielt in Professorenkreisen und gewann ihm die Herzen der akademischen -Jugend. Seine kulturhistorischen Forschungen legte F. in den »Bildern -aus der deutschen Vergangenheit« nieder. Acht Jahre hat er dann an den -»Ahnen«, einer Art historischen Familienromans, geschrieben, von dem -jedes Jahr einen neuen Band brachte. 1. »Ingo«, 2. »Ingraban«, 3. »Das -Nest der Zaunkönige«, 4. »Die Brüder vom deutschen Hause«, 5. »Marcus -König«, 6. »Der Rittmeister von Alt-Rosen«, 7. »Der Freierkorporal -bei Markgraf Albrecht«, 8. »Aus einer kleinen Stadt«. Das ganze Werk, -dessen Schauplatz nach Thüringen verlegt ist, sollte die Wandlungen -des deutschen Volkes darstellen: mit jedem Bande geht es mehr der -Gegenwart entgegen, bis die Sammlung, mit dem Jahre 350 beginnend, -mit einer Erzählung aus dem 19. Jahrhundert ihren Abschluß erreicht. -Eine »Technik des Dramas«, die ihn als feinen Kenner der dramatischen -Praxis zeigt, verdient noch Erwähnung, sowie eine Lebensbeschreibung -Karl Mathys' und die mit geteilten Empfindungen aufgenommene Schrift: -»Der Kronprinz und die deutsche Kaiserkrone«. Sein Leben und Schaffen -beschrieb der Dichter selbst in den »Erinnerungen aus meinem Leben.« - -=Friedrich Spielhagen=, geb. 24. Febr. 1829 in Magdeburg, ist der -Dichter der Reaktion, jener Zeit, die dem tollen Jahre folgte; seine -Romane suchen vor allem die Erscheinungen der Zeit, die socialen -Kämpfe, den Sturm und Drang der letzten 50 Jahre festzuhalten und -dem Leser verständlich zu machen. Sp. hatte bereits das 30. Jahr -überschritten, als sein erster großer Roman »Problematische Naturen« -erschien, der seinen litterarischen Ruf begründete. Sein zweiter -großer Roman »Die von Hohenstein«, hat als Hintergrund das Jahr 1848, -ihm schlossen sich »In Reih und Glied« und »Hammer und Amboß« an. -Von weiteren Werken Spielhagens, die fast alle tendenziös gefärbt -sind, nennen wir noch: »Hans und Grete«, »Unter Tannen«, »Die -Dorfkokette«, »Deutsche Pioniere«, »Allzeit voran«, »Was die Schwalbe -sang«, »Ultimo«, »Sturmflut«, »Das Skelett im Hause«, »Platt Land«, -»Quisisana«, »Angela«, »Uhlenhaus«, »An der Heilquelle«, »Was will das -werden?«, »~Noblesse oblige~«, »Ein neuer Pharao«, »Sonntagskind«, -»Stumme des Himmels«, »Susi«, »Selbstgerecht«, »Zum Zeitvertreib«, -»Faustulus«. Auch als dramatischer und lyrischer Dichter hat sich -Spielhagen, wenngleich mit geringem äußeren Erfolge versucht. -Von seinen Schriften, deren Gesamtausgabe in vorläufig 22 Bänden -erscheint, verdienen noch Erwähnung: »Beiträge zur Theorie und Technik -des Romans«, »Aus meiner Studienmappe«, sowie der 1899 erschienene -Band: »Neue Beiträge zur Theorie und Technik der Epik und Dramatik«, -besonders aber seine Autobiographie: »Finder und Erfinder. Erinnerungen -aus meinem Leben.« -- Spielhagen ist in der Reaktion der 50er und 60er -Jahre stecken geblieben: er verstand die neue Zeit nicht mehr und -suchte in seine neuen Romane noch die alten Ideale hineinzutragen. -Auch das antiquierte Motiv von der Liebe eines mit allen Vorzügen des -Geistes und Herzens ausgestatteten Bürgerlichen zu einer Adeligen, das -in fast allen Werken wiederkehrt und eine heimliche Vorliebe Sp.'s für -den Adel erkennen läßt, vermochte auf die Dauer nicht mehr zu fesseln, -und so sehr sich auch Spielhagen, mehr als jeder andere der »Alten« -bemühte, in die »Moderne« hineinzuwachsen: er verstand sie nicht, so -wenig wie er verstanden wurde. - -=Berthold Auerbach=, geb. am 28. Febr. 1812 zu Nordstetten, gest. am 8. -Febr. 1882 zu Cannes in Frankreich, wurde durch seine »Schwarzwälder -Dorfgeschichten« berühmt. Wenn A. auch nicht wie Rosegger, Anzengruber -u. a. in das Wesen des Volkscharakters eingedrungen ist -- es als Jude -auch gar nicht konnte, -- so hat er doch das Verdienst, einer der -ersten gewesen zu sein, die die Dorfgeschichte wieder zu Ehren gebracht -haben. Zu seinen besten Novellen, die allerdings auch von Schönfärberei -nicht frei sind, zählen: »Barfüßle«, »Joseph im Schnee« und »Edelweiß«. -Mit den großangelegten Werken »Auf der Höhe«, »Das Landhaus am Rhein« -und »Waldfried« betrat A. das Gebiet des liberalen Tendenzromans. - -=Luise von François=, geb. am 27. Juni 1817 in Herzberg, gest. am 26. -Sept. 1893, eine der talentiertesten Romanschriftstellerinnen, erwarb -sich ihre litterarische Stellung durch den historischen Roman: »Die -letzte Reckenburgerin«, dem sich »Frau Erdmuthens Zwillingssöhne«, -»Stufenjahre eines Glücklichen« u. a. anschlossen. - - - - -Die großen Novellisten der 70er und 80er Jahre. - - -=Conrad Ferdinand Meyer=, geb. am 12. Oktober 1825 in Zürich, -gest. am 28. November 1898, ist der Meister der historischen -Novelle, ein Dichter, der zwar nicht Gemeingut des deutschen -Volkes werden wird, der aber den Kenner mit seiner fein ciselierten -Goldschmiedearbeit immer entzücken wird. M.'s Novellen haben meist das -Reformationszeitalter oder die Renaissancezeit als Hintergrund. Seine -dichterische Laufbahn begann er mit dem Epos »Huttens letzte Tage«, ihm -schlossen sich »Jürg Jenatsch«, »Hochzeit des Mönchs«, »Der Heilige«, -»Versuchung des Pescara«, »Angela Borgia« u. a. an. - -=Gottfried Keller=, geb. am 19. Juli 1819 in Glattfelden bei Zürich, -gest. am 15. Juli 1890, neben Conr. Ferd. Meyer die bedeutendste -schweizerische Dichtererscheinung der letzten Litteraturperiode, trat -zuerst mit »Gedichten« und dem autobiographischen Meisterwerk »Der -grüne Heinrich« vor die Öffentlichkeit, der erst 20 Jahre nach seinem -Erscheinen die verdiente Würdigung fand und oft mit Goethes »Wilhelm -Meister« verglichen wurde. Das Reifste und Schönste seiner Kunst bot -K. in seinem nächsten Werk, der Novellensammlung: »Die Leute von -Seldwyla«, der 1872 die »Sieben Legenden« folgten. Kulturbilder aus -Zürichs Vergangenheit enthalten die »Züricher Novellen« und ebenso -spielt der Roman »Martin Salander« auf schweizerischem Boden. Lebendige -Phantasie, vermischt mit einem Zug ins Hausbackene, Kleinstädtische -und ein liebenswürdiger, goldener Humor bilden die Grundzüge seines -dichterischen Schaffens. K.'s Domäne ist die Novelle, und wie sehr er -diese meisterte, hat kein Geringerer als Paul Heyse anerkannt, als er -ihn den Shakespeare der Novelle nannte. - -=Theodor Storm=, geb. am 14. Sept. 1817 in Husum, gest. am 4. Juli -1888, folgte den Spuren Goethescher Lyrik. Ihn zeichnet ein feiner -Natursinn und echtes tiefes Empfinden aus, so daß seine Lyrik -vorbildlich für die besten dichterischen Talente unter den Modernen -geworden ist. Stifter und Eichendorff, vielleicht noch Mörike, -mögen sein Schaffen am stärksten beeinflußt haben. Neben der Lyrik -(»Gedichte«) ist es besonders die Novelle, der Storm seine Thätigkeit -zuwandte und für deren Entwicklung und Ausbau er das Meiste beigetragen -hat. Als die besten novellistischen Erzeugnisse gelten Storms -»Immensee«, »Von jenseits des Meeres«, »Vor Zeiten«, »Ein stiller -Musikant«, »Psyche«, »Am Nachbarhause links«, »Der Schimmelreiter«. - -=Paul Heyse=, geb. am 15. März 1830 in Berlin, wurde als Jüngling -von Geibel dem König Maximilian mit den Worten vorgestellt: »Ein -junger Goethe, Majestät!« Er ist ein moderner Dichter, wenn es auch -eine Zeitlang zum guten Ton gehörte, ihn als abgethan zu betrachten. -H. weiß immer etwas zu sagen und hat moderne Probleme lange vor der -»neuen Schule« behandelt, von der ihn nur technische Fragen scheiden. -Ein guter Schilderer menschlichen Innenlebens, wenns nicht zu tief -nach »innen« geht, bekundet er in seinen Novellen und Romanen, von -denen viele auf italienischem Boden spielen, eine Vorliebe für die -Verirrungen des Weibes, namentlich der Frau von 40 Jahren. Eine -vornehme, edle Sprache zeichnet alle seine Werke aus, er ist der -Dichter der Schönheit und der Leidenschaft, wenn auch der Künstler mehr -als der Mensch an ihnen Anteil hat. Von seinen Novellen und Romanen, -die fast durchwegs moderne Menschen zu Helden haben, die sich über -Gesetz und Sitte erheben, um der Stimme ihres Herzens zu folgen, seien -hier nur angeführt: »Novellen« von 1855, 1858, 1859, 1862, »Meeraner -Novellen«, »Troubadour-Novellen«, »Kinder der Welt«, »Im Paradiese«, -»Roman der Stiftsdame«, »Merlin«, »Über allen Gipfeln«. Auch seine -dramatische (»Ludwig der Bayer«, »Graf Königsmark«, »Elfriede«, -»Alcibiades«, besonders aber »Hans Lange«) und lyrische Produktion -(»Gedichte«, »Neue Gedichte und Jugendlieder«) verdient Erwähnung. - - - - -Die Formtalente der alten Schule. - - -=Emanuel Geibel=, geb. am 17. Oktober 1815 in Lübeck, gest. am 6. -April 1884, war ein dichterisches Talent von großer Formgewandtheit, -jedoch ohne besondere individuelle Prägung, wofür als Beweis gelten -mag, daß seine »Gedichte« und »Neue Gedichte« mehr als hundert Auflagen -erlebten. Den beiden ersten Gedichtbänden, deren Grundpfeiler deutsche -Zucht und Art bilden, schlossen sich: »Gedichte und Gedenkblätter«, -»Heroldsrufe«, »Klassisches Liederbuch«, »Romancero der Spanier -und Portugiesen« (m. d. Grafen Schack) und »Spätherbstblätter« an, -unterbrochen von der dramatischen Produktion G.'s (»Brunhild«, -»Sophonisbe«). Die Kriegslyrik von 1870/71 hat ihm einige hübsche -Gedichte zu verdanken. War G. auch keine eigenartige dichterische -Persönlichkeit, so hat er doch eine Menge Nachahmer und Nachbeter -gefunden. - -=Friedrich von Bodenstedt=, geb. am 22. April 1819 in Peine (Hannover), -gest. am 2. April 1892, wurde durch den Erfolg der »Lieder des Mirza -Schaffy«, die man lange für Übersetzungen aus dem Orientalischen hielt, -während es in Wirklichkeit eigene Fabrikate der B.'schen Muse sind, -berühmt. Erfolgreich waren auch die Lieder »Aus dem Nachlaß des Mirza -Schaffy«, während die anderen Dichtungen B.'s nur wenig von sich reden -machten. Außer einer Reihe wissenschaftlicher Werke von zweifelhaftem -Werte und meist recht gewandter Übersetzungen veröffentlichte B., den -seine Zeitgenossen stark überschätzten: »Erinnerungen aus meinem Leben«. - -=Adolf Friedrich Graf von Schack=, geb. am 2. Aug. 1815 zu Brüsewitz -bei Schwerin als Sprosse eines alten Freiherrngeschlechtes, gest. am -14. April 1894, studierte Rechtswissenschaft und wandte sich dann der -diplomatischen Carrière zu. Schack hat sich nicht nur als Dichter -- er -war ein hervorragend formalistisches Talent, ohne starke Individualität --- sondern vor allem als Übersetzer und Litterarhistoriker einen Namen -gemacht. Seine »Geschichte der dramatischen Litteratur und Kunst -in Spanien« gilt noch heute als das bedeutendste Werk über diesen -Gegenstand. Als Lyriker wurde er von Platen, als Epiker von Byron -beeinflußt. Seine Romane in Versen: »Durch alle Wetter«, »Ebenbürtig« -u. a. enthalten zahlreiche Schönheiten, ohne doch einen vollen -künstlerischen Eindruck zu hinterlassen. Zu seinen interessantesten -Werken zählt die Selbstbiographie: »Ein halbes Jahrhundert«. Auch auf -dramatischem Gebiete hat sich der Dichter versucht, ohne jedoch auf der -Bühne festen Fuß fassen zu können. - -=Robert Hamerling=, geb. am 24. März 1830 zu Kirchberg am Walde in -Niederösterreich, gest. am 13. Juli 1889, hat eine verschiedenartige -Beurteilung nicht nur als Mensch, was hier wenig interessiert, -sondern auch als Dichter erfahren. Während die einen in ihm nur den -in Farbenrausch schwelgenden Erotiker sehen, ziehen die anderen die -genialsten Dichter der Weltlitteratur zum Vergleiche mit ihm heran. -Sicher ist, daß die beiden großangelegten Epen: »Ahasver in Rom« und -»Der König von Sion« farbenprächtige Schilderungen aufweisen, die ein -ungewöhnliches Talent bekunden. Eine treffliche Leistung ist auch -das satirische Epos »Homunculus«. Weniger Erfolg als seine Epen war -seinen lyrischen Gedichtsammlungen: »Sinnen und Minnen« und »Blätter -im Winde«, wie auch der fünfaktigen Tragödie »Danton und Robespierre« -beschieden. Sein Leben beschrieb H. in den »Stationen meiner -Lebenspilgerschaft«. - -=Albert Möser=, geb. am 7. Mai 1835 in Göttingen, gest. am 27. Febr. -1900, ist als Dichter von Platen und Hamerling (vergl. M., Meine -Beziehungen zu Robert Hamerling etc.) beeinflußt. (»Gedichte«, »Nacht -und Sterne«, »Idyllen«, »Aus der Mansarde« etc.). Als Übersetzer der -Dichtungen Pol de Monts war er ein Vermittler zwischen niederdeutschem -und hochdeutschem Wesen. - -=Heinrich Vierordt=, geb. am 1. Okt. 1855 in Karlsruhe, machte als -Balladendichter, der vielfach den Volkston glücklich getroffen hat, -von sich reden. Er schrieb »Gedichte«, »Lieder und Balladen«, »Neue -Balladen«, »Akanthusblätter« (Dichtungen aus Italien und Griechenland) -und »Vaterlandsgesänge«, die sich durch farbenprächtige Schilderungen -und poetischen Schwung auszeichnen. - - - - -Lyriker und Epiker der 70er und 80er Jahre. - - -=Julius Grosse=, geb. am 25. April 1828 in Erfurt, ist einer der -fruchtbarsten deutschen Dichter, der sich auf dem Gebiete der Lyrik, -des Romans und des Dramas gleich sicher zu bewegen verstand. Besondere -Erwähnung von seinen Werken, die sich durch feine Entwicklung der -Seelenzustände und Charaktere auszeichnen, verdienen die Dramen: »Der -letzte Grieche«, »Gudrun«, »Judith«, »Tiberius«, von den epischen -Dichtungen: »Das Mädchen von Capri« und »Gundel vom Königssee«. -Originelle Schöpfungen sind auch sein Roman: »Der getreue Eckart« und -seine Lebenserinnerungen »Ursachen und Wirkungen«. - -=Martin Greif= (eigentlich Hermann Frey), geb. am 18. Juni 1839 in -Speyer, ist der Meister des einfachen Volksliedes, dessen Ton er -wie wenige trifft. Seinen Ruhm begründeten die bereits wiederholt -aufgelegten »Gedichte«. Seine Dramen (»Heinrich der Löwe«, »Ludwig der -Bayer«, »Francesca von Rimini«) werden das Schicksal der Uhlandschen -Dramen teilen. - -=Johann Georg Fischer=, geb. am 25. Okt. 1816 zu Großsüßen, gest. am 6. -Mai 1897, gehört der schwäbischen Dichterschule an, deren Merkmale er -trägt, und ist in seinem dichterischen Schaffen eine Goethe verwandte -Natur. Mit 38 Jahren veröffentlichte er seine ersten »Gedichte«, denen -noch drei weitere Sammlungen, zuletzt -- 1896 -- »Mit 80 Jahren« -folgten. Wie alle Schwaben hat auch er an dem politischen Leben seiner -Zeit teilgenommen, wenn auch nicht in dem Maße wie Uhland. Seine Dramen -»Saul«, »Friedrich II.«, »Florian Geyer« und »Kaiser Maximilian von -Mexiko« werden geschätzt, ohne jedoch bühnenfähig zu sein. - -=Friedrich Wilhelm Weber=, geb. am 26. Dez. 1813 in dem Orte Alhausen -bei Driburg in Westfalen, gest. am 5. April 1894, studierte -Medizin und trat im Herbst 1878 mit dem lyrisch-epischen Gedicht: -»Dreizehnlinden« vor die Öffentlichkeit, das ihn mit einem Schlage -zum gefeiertsten katholischen Dichter machte. Außer »Dreizehnlinden«, -von dem mehr als 70 Auflagen erschienen, sind noch seine Dichtung -»Goliath«, sowie die Sammlungen »Gedichte«, »Marienblumen« und -»Herbstblätter« zu nennen. - -=Friedrich Theodor Vischer=, geb. am 30. Juni 1807 in Ludwigsburg, -gest. am 14. Sept. 1887, bethätigte sich auf lyrischem Gebiet durch -seine 1882 erschienene Sammlung »Lyrische Gänge« und auf epischem durch -den eigenartigen humoristischen Roman »Auch Einer«. Viel Aufsehen -erregte die Parodie auf den 2. Teil des Faust, die er unter dem -Titel: »Faust. Der Tragödie dritter Teil. Von Deutobold Symbolizetti -Allegoriowitsch Mystifizinsky« herausgab. - -=Wilhelm Jordan=, geb. am 8. Febr. 1819 zu Insterburg, wurde bekannt -durch sein Doppelepos »Die Nibelunge«, für die er selbst als -wandernder Rhapsode eine Propaganda machte, die ihm zu einem starken -buchhändlerischen Erfolge verhalf. J. übersetzte ferner die Edda, -Sophokles, Homer, Ilias und Odyssee und gab eine große Anzahl eigener -Dichtungen, Romane (»Die Sebalds«, »Zwei Wiegen«) und Theaterstücke -heraus, von denen die Lustspiele »Durchs Ohr«, »Tausch enttäuscht« und -»Sein Zwillingsbruder« sich als die erfolgreichsten erwiesen. Seine -Lebensauffassung spiegelt sich am besten in dem dramatischen Werk -»Demiurgos« wider. - -=Hermann Lingg=, geb. am 22. Januar 1820 in Lindau, faßte durch Geibels -Freundschaft festen Fuß in der Münchener Dichterschule. Sein Hauptwerk -ist das großangelegte farbenprächtige Epos »Die Völkerwanderung«. -Außerdem besitzen wir von ihm eine Reihe Dramen und Gedichte. Sein -Leben und Schaffen beschrieb L. in dem 1. Bande der »Zeitgenössischen -Selbstbiographien« (»Meine Lebensreise«). - -=Stephan Milow= (Pseudon. für Stephan von Millenkovics), geb. am 9. -März 1836 in Orsova, verdankt seine litterarische Stellung besonders -seinen lyrischen Gedichten (»Gesammelte Gedichte«). Bemerkenswert sind -noch die Novellenbände »Wie Herzen lieben« und »Höhen und Tiefen«. - -=Ludwig Eichrodt=, geb. am 2. Febr. 1827 in Durlach in Baden, gest. -1892, ein Jugendgenosse Scheffels, dichtete eine Anzahl humoristischer -Lieder, die besonders in studentischen Kreisen Anklang fanden -(»Gesammelte Dichtungen«). - -=Hermann Allmers=, geb. am 11. Februar 1821 zu Rechtenfleth, gab das -»Marschenbuch« heraus, das im Stile der Riehlschen kulturhistorischen -Novellen Bilder aus dem Leben der friesischen Marschenbauern enthält. -»Dichtungen« und »Römische Schlendertage« schlossen sich an. - -=Robert Waldmüller= (Pseudon. für Ed. Duboc), geb. am 17. Sept. 1822 -in Hamburg, versuchte sich auf fast allen dichterischen Gebieten und -hat sich auch als Übersetzer bekannt gemacht. Von seinen Romanen sind -»Somosierra« und »Don Adone«, von seinen Gedichtsammlungen »Klänge aus -der Fremde« und »Liebesstürme« die bekanntesten. - -=Rudolf Bunge=, geb. am 27. März 1836 in Koethen, als Improvisator -und liebenswürdiger Gesellschafter in allen litterarischen Kreisen -geschätzt, errang seine größten Kassenerfolge mit dem Libretto zum -»Trompeter von Säckingen«. Dichterisch höher steht die 5-aktige -Tragödie »Der Herzog von Kurland«, das den Verlust von Straßburg -und dem Elsaß behandelt. In seiner Gedichtsammlung »Heimat und -Fremde« singt er von Lenz und Liebe, von deutschen Frauen, deutscher -Treue, deutschem Wein und dem angestammten Herrscherhaus, das seine -vielseitige litterarische Thätigkeit durch Verleihung von Titeln und -Orden anerkannte. - -=Adolf Brieger=, geb. am 12. Okt. 1832 in Greifswald, ein in den -»weitesten Kreisen« unbekannter Dichter, veröffentlichte erst 1870 -in Hexametern das kleine antikisierende Epos »Krösus und Adrastus«, -1885 aber, in die unmittelbare Vergangenheit greifend »König Humbert -in Neapel«. Modern ist auch: »Stirb und werde«. Seine »Ausgewählten -Gedichte« (1895) geben innerlich Erlebtes, meist an das Naturbild -als Symbol (im Goethe'schen Sinne) anknüpfend. Zuletzt erschien: -»Verirrt und heimgefunden«, zwei aus dem Leben der Gegenwart genommene -Versnovellen. - -=Heinrich Bulthaupt=, geb. am 26. Okt. 1849 in Bremen, zeigt sich in -der Lyrik dem Schweizer Conrad Ferd. Meyer verwandt (»Durch Frost und -Gluten«), versuchte sich auch wiederholt im Drama (»Der verlorene -Sohn«, »Viktoria« u. a.), ohne jedoch große Bühnenerfolge zu erzielen. -Dagegen erlebte seine »Dramaturgie der Klassiker« wiederholt neue -Auflagen und gilt für das beste neuzeitliche Werk auf diesem Gebiete. - -=Julius Rodenberg= (Pseudon. für Levy aus Rodenberg) geb. am 26. -Juni 1831 in Rodenberg (Kurhessen), der Begründer und Leiter der -»Deutschen Rundschau«, schrieb Gedichte, Romane und Reisebeschreibungen -(»Berliner Bilder«), die ihn als liebenswürdigen Poeten zeigen, -der sich gern in die Erinnerung an die so ungleich bessere und -vollkommenere Vergangenheit versenkt. (Vergl. auch R.'s »Erinnerungen -aus der Jugendzeit«.) - -=Karl Weitbrecht=, geb. am 8. Dez. 1847 in Neuhengstett, ist nach -Form und Inhalt einer der bedeutendsten schwäbischen Epiker. Von -seinen Büchern seien hier genannt: »Liederbuch«, »Sonnenwende«, -die Novellensammlung »Verirrte Leute«, und der satirische Roman: -»Phaläna. Die Leiden eines Buches«. Ein besonderes Verdienst hat -sich W. in Gemeinschaft mit seinem Bruder Richard um die Pflege der -Dialektdichtung erworben. (»Gschichta-n aus'm Schwôbaland« [1877] und: -»Nohmôl Schwôbagschichta« [1882]). - -=Eduard Paulus=, geb. am 18. Okt. 1837 in Stuttgart, besitzt unter den -schwäbischen Dichtern der Gegenwart das stärkste lyrische Talent. Ein -liebenswürdiger Humor, der auch oft satirisch gefärbt ist, zeichnet -seine in der Form tadellosen Gedichte (»Gesammelte Dichtungen«) aus. -1897 ließ er »Arabesken« und im Vorjahre ein Epos in 12 Gesängen -»Tillmann Riemschneider. Ein Künstlerleben« folgen, das wiederum -Zeugnis von der starken lyrischen Begabung P.'s ablegt. Neben einem -kecken, übermütigen Humor macht sich, namentlich in seinen letzten -Schöpfungen, eine wehmütige Grundstimmung bemerkbar. - -=Isolde Kurz=, geb. am 21. Dez. 1853 in Stuttgart, ein C. F. Meyer -verwandtes Talent, hat nur wenige Bände (»Gedichte«, »Phantasien« -und »Märchen«, »Florentiner Novellen«, »Italienische Erzählungen«) -publiziert, aber das Wenige trägt den Stempel durchgebildeter -Meisterschaft und ungewöhnlicher Fabulierkunst. - - - - -Die neuzeitlichen Romantiker. - - -=Otto Roquette=, geb. am 19. April 1824 in Krotoschin, gest. am 18. -März 1896, gab eine Reihe von Dramen, Märchen und Romanen heraus, unter -denen »Waldmeisters Brautfahrt« den größten Erfolg davontrug. Seine -»Gedichte« erlebten mehrere Auflagen; als sein bester Roman gilt: -»Buchstabierbuch der Leidenschaft«. Die nach seinem Tode herausgegebene -Erzählung: »Die Reise ins Blaue«, mit verwässerter Eichendorffscher -Romantik, ist nur geeignet, dem Ansehen des Dichters, der jetzt schon -zu den halb Vergessenen gehört, zu schaden. - -=Oskar von Redwitz=, geb. am 28. Juni 1823 in Lichtenau bei Ansbach, -gest. am 6. Juli 1891, erregte zuerst durch sein lyrisches Epos: -»Amaranth«, Aufsehen. Von seinen Dramen fanden »Philippine Welser«, -»Der Zunftmeister von Nürnberg« und »Doge von Venedig« eine ebenso -unverdient freundliche Aufnahme, wie sein Roman »Hermann Stark« und das -patriotische »Lied vom neuen Deutschen Reich«. - -=Heinrich Steinhausen=, geb. am 27. Juli 1836 in Sorau, trug seinen -größten Erfolg mit »Irmela«, einer stimmungsvollen Geschichte aus -alter Zeit davon. Seinen Werken, von denen wir noch den »Korrektor«, -»Herr Moffs kauft sein Buch« und »Heinrich Zwiesels Ängste« anführen, -fehlt es, trotz des vorwiegend religiösen Grundtons, nicht an heiteren -Episoden. - -=Wilhelm Hertz=, geb. am 24. Sept. 1835 in Stuttgart, ein Schüler -Uhlands, machte sich durch seine sprachwissenschaftlichen Werke und -seine »Gedichte«, in denen er sich jedoch nur als reines Formtalent -erwies, einen Namen. Seine bekanntesten Epen sind »Hugdietrichs -Brautfahrt«, »Tristan und Isolde« und »Bruder Rausch«. - - - - -Die Dichter mit dem Erdgeruch. - - -=Klaus Groth=, geb. am 24. April 1819 in Heide in Holstein, gest. 1899, -stand im Mittelpunkt der plattdeutschen Bewegung. Er brachte diese -bisher nur von Improvisatoren zu Possenreißereien benutzte Sprache -wieder durch die Herausgabe seines »Quickborn« zu Ehren. Und wenn auch -Reuter, der Humorist, mit seinen realistischen Darstellungen des Lebens -mehr Erfolg errang als der Lyriker Groth, so gebührt diesem doch ein -nicht minder großes Verdienst um die Erhaltung des Plattdeutschen. -Sein Hauptwerk, der »Quickborn«, dessen Hintergrund die Plätze und -Gassen eines vor einem Jahrzehnt noch kleinen und abgelegenen Fleckchen -der Norderdithmarschen-Heide bilden, enthält Familienbilder, Lieder, -Balladencyklen, Humoristisches etc. - -=Ludwig Anzengruber=, geb. am 29. Nov. 1839 in Wien, gest. 1899, -war ursprünglich Schauspieler, später mangels anderer Beschäftigung -Beamter. A.'s Dramen, die stellenweise tendenziös gefärbt sind, -behandeln religiöse und sociale Themata und spielen fast ausschließlich -in Bauernkreisen. Sein erstes Stück: »Der Pfarrer von Kirchfeld« -errang einen vollen Erfolg, der auch seinen späteren Dramen: »Der -Meineidbauer«, »Die Kreuzelschreiber«, »Der Gewissenswurm«, »Der ledige -Hof«, »Das vierte Gebot« treu blieb. Von den genannten Stücken haben -»Der Gewissenswurm« und »Das vierte Gebot« die meiste Anerkennung -gefunden. Von den Erzählungen A.'s steht der großangelegte Roman »Der -Schandfleck« an erster Stelle. - -=Theodor Herrmann Pantenius=, geb. am 22. Okt. 1843 in Mitau, Redakteur -des »Daheim«, gehört zu den weniger bekannten Romanciers. Von seinen -Romanen, deren Stoff meist seiner kurländischen Heimat entnommen ist, -gelten als beste »Wilhelm Wolfschildt« und »Allein und frei«; sein -in Livland spielender Roman »Die von Kelles« zählt zu den besten -Schöpfungen der deutschen Litteratur. - -=Peter Rosegger=, geb. am 31. Juli 1843 in Krieglach in Steiermark, -erlernte zuerst das Schneiderhandwerk und wurde von dem Herausgeber der -»Grazer Tagespost«, Albert Swoboda, für die Litteratur entdeckt. R. ist -ein Autor von großer Gestaltungskraft und Phantasie, der sich seine -Heimat, die steirischen Alpen, zur Domäne erkoren hat. Obwohl er der -Tendenz nach Idealist ist, sind seine Schilderungen des Bauernlebens -doch durchaus realistisch. Aus der Zahl seiner Werke -- Rosegger -ist einer der produktivsten Schriftsteller, der gewissenhaft jedes -Jahr seine 2, 3 Bände liefert --, heben wir hervor: »Die Schriften -des Waldschulmeisters«, »Heidepeters Gabriel«, »Dorfsünden«, »Der -Gottsucher«, »Neue Waldgeschichten«, »Höhenfeuer«, »Jakob der Letzte«, -»Martin der Mann«, »Der Waldvogel«, »Das ewige Licht«, »Erdsegen«. - -=Karl Stieler=, geb. am 15. Dez. 1842 in München, gest. 1885, der -Dichter frischer, fröhlicher »Hochlandslieder«, machte den Krieg -70/71 mit und schrieb »Durch Krieg zum Frieden 1870/1«. Von seinen -oberbayrischen Gedichtsammlungen, die auch in Norddeutschland weite -Verbreitung fanden, nennen wir: »Bergbleameln«, »Habts a Schneid!?«, -»Hochlandslieder«, »Neue Hochlandslieder«, »Um Sunnawend«, »Weil's mi -freut!« - -=Hermann von Schmid=, geb. am 13. März 1815 in Weizenkirchen -(Österreich), gest. 1880, wurde durch seine bayrischen Dorfgeschichten -bekannt. Von seinen historischen Werken hat der vierbändige Roman »Der -Kanzler von Tirol« die meiste Beachtung gefunden. - -=Maximilian Schmidt=, geb. am 25. Febr. 1832 in Eschlkam, wählte -als Hintergrund seiner Erzählungen den Bayrischen und Böhmer Wald. -Seine Werke zeichnen sich durch volkstümliche Darstellung, hübsche -Naturschilderungen und treffende Charakteristik aus. (»Gesammelte -Werke« 1884 u. ff.) - -=Ludwig Ganghofer=, geb. am 7. Juli 1855 in Kaufbeuren, verlegt den -Schauplatz seiner Romane und Schauspiele meist in das bayerische -Hochgebirge. Von seinen konventionell-volkstümlichen dramatischen -Arbeiten fanden besonders »Der Herrgottsschnitzer von Oberammergau« -und »Der Prozeßhansl« Anerkennung, obwohl seine »Jagerleut« die -Verwandtschaft mit dem »Salontiroler« nicht verleugnen können. Zu -seinen besten Romanen und Novellen, in denen die Natur meist symbolisch -verwertet wird, zählen »Hochlandsgeschichten«, »Der Klosterjäger«, »Die -Martinsklause«, »Der laufende Berg«. - -=Arthur Achleitner=, geb. am 16. Aug. 1858 in Straubing, machte -sich durch seine Schilderungen aus dem Wild- und Waidmannsleben der -Hochgebirge bekannt. (»Geschichten aus den Bergen«, »Grüne Brüche«, -»Grenzerleut'«, »Der Stier von Salzburg«, »Der Hirsch von Eßlingen« u. -a.) - -=Johann Meyer=, geb. am 5. Jan. 1829 in Wilster in Holstein, -veröffentliche plattdeutsche Erzählungen und Schwänke, »Dithmarscher -Gedichte« und hochdeutsche »Lyrische Gedichte«, die ein eigenartiges -poetisches Talent bekunden. - -=Joh. Heinrich Fehrs=, geb. am 10. April 1838 in Mühlenbarbeck, -begann mit Epen (»Krieg und Hütte«, »Eigene Wege«) und schloß daran -plattdeutsche Erzählungen und Gedichte. (»Lütt Hinerk«, »Allerhand Slag -Lüd«.) - -=Timm Kröger=, geb. am 29. Nov. 1844 in Haale (Holstein), -debütierte mit dem Novellenband: »Eine stille Welt«, der Bilder und -Geschichten aus Moor und Heide enthält, die sich durch feinsinnige -Naturbetrachtungen auszeichnen. Ein kleines Meisterwerk ist sein -psychologischer Roman »Der Schulmeister von Handewitt«, der in 2. -Auflage unter dem Titel: »Schuld?« erschien. - -=Heinrich Hansjakob=, geb. am 19. Aug. 1837 in Haslach in Baden, -ist ein Meister der Dorfgeschichte, der zwar in seinen Schriften -den katholischen Priester nicht verleugnet, dies aber durch einen -urwüchsigen Humor und echtes Empfinden vergessen läßt. (»Aus -meiner Jugendzeit«, »Aus meiner Studienzeit«, »Wilde Kirschen«, -»Schneeballen«.) - -=Hermine Villinger=, geb. am 6. Febr. 1849 in Karlsruhe, legte den -Schwerpunkt ihres litterarischen Schaffens auf die Dorfgeschichte. -»Aus dem Kleinleben«, »Unter Bauern«, »Kleine Lebensbilder«, »Aus dem -Badener Land« u. a. enthalten reizende, humorvolle Genrebilder aus dem -badischen »Ländle«. - -=Clara Viebig= (Mädchenname von Clara Cohn), geb. in Trier, entnimmt -den Stoff ihrer oft graß naturalistischen Werke mit Vorliebe dem -Gebiete der Eifel. Sie debütierte 1897 mit der Novellensammlung »Kinder -der Eifel«, denen weitere Novellen (»Vor Tau und Tag«), die Romane -»Dilettanten des Lebens«, »Es lebe die Kunst!« und »Das Weiberdorf« -folgten, die jedoch künstlerisch nicht auf der Höhe ihrer ersten -Publikation stehen. Eine ihrer Eifelgeschichten lieferte den Stoff -zu ihrem Drama »Barbara Holzer«. Ihr neuestes Bühnenwerk »Pharisäer« -spielt im Posenschen. - -=Adolf Bartels=, geb. am 15. Nov. 1862 in Wesselburen, erwarb sich als -Litterarhistoriker der Kunstwart-Schule einen Namen. Seine historischen -Romane »Die Dithmarscher« und »Dietrich Sebrandt« sind vom streng -geschichtlichen Standpunkt aus geschrieben. - -=Charlotte Niese=, geb. am 7. Juni 1854 in Burg auf Fehmarn, gewann -durch ihre schleswig-holsteinischen Geschichten (»Aus dänischer -Zeit«, »Geschichten aus Holstein«, »Auf der Heide«) die Gunst des -Lesepublikums, so daß man über ihre Schwäche, die Socialdemokratie in -Romanen zu bekämpfen, hinwegsieht. - -=Ilse Frapan= (Pseudon. für Ilse Levien), geb. am 3. Febr. 1852 in -Hamburg, ist ein starkes dichterisches Talent, dem auch der Humor nicht -fremd ist. Sie gab heraus: »Bescheidene Liebesgeschichten«, »Zwischen -Elbe und Alster«, »Enge Welt«, »Zu Wasser und zu Lande«, »Querköpfe«, -»Flügel auf«, »In der Stille«, sowie einen Band »Vischer-Erinnerungen«. - -=August Sperl=, geb. am 5. Aug. 1862 in Fürth, machte sich durch »Die -Fahrt nach der alten Urkunde«, sowie durch den historischen Roman: -»Die Söhne des Herrn Budiwoj«, der König Ottokars Glück und Ende und -das Erstehen des habsburgischen Königshauses behandelt, bekannt. In dem -Epos »Fridtjof Nansen« schilderte er mit Glück die Nordlandsfahrt des -modernen Fridtjof. - -=Heinrich Sohnrey=, geb. am 19. Juni 1859 in Jühnde bei Göttingen, -Herausgeber von »Das Land«, zeigt eine gewisse Verwandtschaft mit dem -früh verstorbenen Heinrich Schaumberger, und gilt als einer der besten -Vertreter der Dorfgeschichte. (»Die Leute aus der Lindenhütte«, »Der -Bruderhof.«) - - - - -Die Kulturnovellisten. - - -=Wilhelm Heinrich Riehl=, geb. am 6. Mai 1823 zu Biebrich a. Rh., gest. -1897, war Professor der Kulturgeschichte in München und einer der -geistvollsten kulturhistorischen Schriftsteller, in dessen Werken der -Belletrist ebenso zu Worte kommt wie der Wissenschaftler. Von seinen -Schriften, die eine Fülle von Anregung und Belehrung bieten, verdienen -die »Kulturhistorischen Novellen«, »Geschichten aus alter Zeit«, -»Kulturstudien aus drei Jahrhunderten«, sowie der Roman »Ein ganzer -Mann« besondere Erwähnung. - -=Karl Emil Franzos=, geb. am 25. Okt. 1848 in Czortkow in Podolien, -Herausgeber der »Deutschen Dichtung«, entdeckte »Halbasien« (den -Südosten von Europa) für die Litteratur und verlegte dorthin den -Schauplatz seiner ersten Kulturromane (»Aus Halbasien«, »Die Juden von -Barnow«, »Junge Liebe«, »Stille Geschichten«, »Moschko von Parma«, »Ein -Kampf ums Recht«, »Der Präsident«). Seine späteren Romane und Novellen -begegneten nicht mehr dem gleichen Interesse. - -=Leopold Kompert=, geb. am 15. Mai 1822 zu Münchengrätz, gest. 1886, -gilt neben Karl Emil Franzos als der kenntnisreichste Schilderer des -jüdischen Volkslebens. (»Aus dem Ghetto«, »Geschichten einer Gasse« u. -a.) - -=Leopold von Sacher-Masoch=, geb. am 27. Januar 1837 in Lemberg, gest. -1895, als Litterat ein Pendant zum Marquis de Sade, besaß von Natur aus -eine bedeutende Begabung, die jedoch in der Sucht nach der Darstellung -erotisch-perverser Probleme in die Brüche ging. So besitzen seine -Romane nicht viel mehr als pathologisches Interesse (Masochismus). - - - - -Die Dichter-Archäologen. - - -=Georg Ebers=, geb. am 1. März 1837 in Berlin, gest. am 7. August -1898, berühmter Ägyptologe, war einer der beliebtesten Autoren der -letzten Jahrzehnte. Seine Romane entrollen meist Kulturbilder aus -dem Pharaonenlande oder aus dem deutschen Mittelalter. Ebers war der -Hauptvertreter des geschichtlichen Romans, wenngleich ihm der Vorwurf -nicht erspart geblieben ist, daß die meisten seiner Gestalten nichts -als moderne Wesen in historischer Drapierung sind. Eröffnet wurde -die dichterische Thätigkeit E.'s mit dem Roman: »Eine ägyptische -Königstochter«. Fast jeder Epoche der ägyptischen Geschichte ist er in -einem Romane gerecht geworden. (»Uarda«, »~Homo sum~«, »Der Kaiser«, -»Die Nilbraut« u. a.) Unterbrochen wurde der Cyklus der ägyptischen -Romane durch »Die Frau Bürgermeisterin« und »Ein Wort«. Seit 1889 -wandte sich E. fast ausschließlich der Schilderung deutschen Lebens -der Vorzeit zu: »Die Gred«, »Im Schmiedefeuer«, »Im blauen Hecht«, -»Barbara Blomberg«. E. war trotz aller Anfeindung eine Dichternatur, -die oftmals durch das Professorentum erstickt wurde, aber in einzelnen -Zügen in jedem seiner Werke zutage tritt. - -=Felix Dahn=, geb. am 9. Febr. 1834 in Hamburg, Professor und -Dichter zugleich, wenn auch das erstere mehr als das letztere, -schrieb eine Reihe Romane aus der Zeit der Völkerwanderung und der -altnordischen Heiden- und Heldenzeit, unter denen »Ein Kampf um Rom« -der erfolgreichste, »Julian der Abtrünnige« der beste ist. Von seinen -Dramen verdienen »König Roderich« und »Rüdeger von Bechlaren« genannt -zu werden. Durch umfangreiche Produktion von Gelegenheitsgedichten -(nicht solcher im Goethe'schen Sinne) hat D. viel dazu beigetragen -seinen Ruf als Dichter zu schädigen. - -=Ernst Eckstein=, geb. am 6. Febr. 1845 in Gießen, kommt hauptsächlich -als Unterhaltungsschriftsteller in Betracht, obgleich er später auch -den Versuch gemacht hat, sich den realistischen Schriftstellern -zuzugesellen. (»Prusias«, »Die Claudier«, »Nero«, »Dombrowsky«, -»Familie Hartwig« u. a.) Einen großen buchhändlerischen Erfolg erzielte -seine kleine Gymnasialhumoreske: »Der Besuch im Carcer«. - -=George Taylor= (Pseudon. für Adolf Hausrath), geb. am 13. Jan. 1837, -Professor an der Universität Heidelberg, geht in den Fußtapfen Georg -Ebers', wenn auch seine archäologischen Romane (»Antionus«, »Klitia«, -»Jetta«, »Pater Maternus«, »Unter dem Katalpenbaum«) mehr dichterische -Fähigkeiten aufweisen als die seines Vorbildes. - -=Oskar Linke=, geb. am 15. Juli 1854 in Berlin, berührt sich mit den -Dichter-Archäologen. Äußerst vielseitig und dabei ein Meister der Form, -läßt er seine erzählenden Dichtungen oft im klassischen Altertum, das -er ausgezeichnet kennt und durchdringt, spielen. Seine Weltanschauung -ist eine freie. (»Blumen des Lebens«, »Jesus Christus«, »Mylesische -Märchen«, »Chrysothemis erzählt« u. a.) - - - - -Die Dramatiker der alten Schule. - - -=Rudolf von Gottschall=, geb. am 30. Sept. 1823 in Breslau, ein -Jungdeutscher und Freiheitsänger der vormärzlichen Zeit, ist einer -der vielseitigsten und fruchtbarsten Dichter, der sich auf allen -Gebieten der Dichtkunst und Schriftstellerei umgesehen hat und -seit einem Menschenalter den Mittelpunkt des schöngeistigen Lebens -in Leipzig bildet. Als Bühnenschriftsteller ist G. wiederholt -hervorgetreten: »Mazeppa«, »Katharina Howard«, »Pitt und Fox«, »Der -Spion von Rheinsberg«, »Rahab« u. a. Von seinen Romanen, in denen -er die Bahnen Gutzkows wandelt, ist »Im Banne des schwarzen Adlers« -der erfolgreichste gewesen. Vielfache Anerkennung fanden auch seine -litterarhistorischen Arbeiten (»Deutsche Nationallitteratur in der -ersten Hälfte des 19. Jahrh.«, »Poetik« etc.), in denen die »Moderne« -allerdings nicht immer glimpflich wegkommt, obwohl G. immer bestrebt -war, mit dem Zeitgeist rege Fühlung zu behalten. Sein Leben bis zur -Verheiratung schildert die Autobiographie »Aus meiner Jugend«. - -=Hans Herrig=, geb. am 10. Dez. 1845 in Braunschweig, gest. 1892, -schrieb »Mären und Geschichten« und wurde besonders durch sein -»Lutherfestspiel« bekannt, dem eine Reihe dramatischer Arbeiten(»Kaiser -Friedrich der Rotbart«, »Konradin« u. a.) vorausgegangen war. - -=Arthur Fitger=, geb. am 4. Okt. 1840 in Delmenhorst, erwählte die -Malerei als Hauptberuf und errang seine dichterischen Lorbeeren mit dem -Trauerspiel: »Die Hexe«, dem er andere dramatische Gaben folgen ließ. -Als Lyriker machte sich F. durch die Sammlungen »Fahrendes Volk« und -»Winternächte« bekannt. - -=Heinrich Kruse=, geb. am 15. Dez. 1815 in Stralsund, schrieb im Stile -der alten Kunstüberlieferung eine Reihe von Dramen, unter denen »Die -Gräfin«, »König Erich«, »Brutus«, »Nero« zu nennen sind. K. ist ferner -Verfasser von »Seegeschichten« und »Gedichten«. - -=Albert Lindner=, geb. am 24. April 1831 in Sulza, gest. 1888, wurde -mehr durch sein tragisches Geschick (er starb im Wahnsinn) als durch -seine Dramen bekannt, von denen nach seinem Tode »Die Bluthochzeit« -wiederholt aufgeführt wurde. Seine Prosaerzählungen, von denen mehrere -das Frauenleben in ernsten und heiteren Episoden behandeln, blieben -fast unbeachtet. - - - - -Die sogenannten Lustspieldichter. - - -=Oskar Blumenthal=, geb. am 13. März 1852 in Berlin, schrieb Schwänke -ohne künstlerischen Wert, teils allein, teils in Kompagnie, die nur für -das Publikum, nicht für die Litteraturgeschichte in Betracht kommen. - -=Hugo Lubliner= (Pseudon. Hugo Bürger), geb. am 22. April -1846 in Breslau, ist einer der Mitbegründer des deutschen -Konversationslustspiels aus den siebziger Jahren, ein treuer -Helfershelfer der Lindau, Blumenthal, Kadelburg, in dem Bestreben, dem -deutschen Lustspiel mit französischem Esprit und französischer Technik -aufzuhelfen. - -=Gustav von Moser=, geb. am 11. Mai 1825 in Spandau, schrieb -Lustspiele, teils selbständig, teils in Verbindung mit anderen. Zu -seinen erfolgreichsten Stücken, die noch jetzt sich auf dem Theater -erhalten haben, gehören: »Das Stiftungsfest«, »Der Veilchenfresser«, -»Ultimo«, »Krieg im Frieden«, »Reif-Reiflingen«. - -=Adolf L'Arronge=, geb. am 8. März 1838 in Hamburg, ist ein -litterarischer Sprosse der Birchpfeiffer und Kotzebues und dadurch -einer der erfolgreichsten Lustspielschreiber der Gegenwart. (»Mein -Leopold«, »Hasemanns Töchter«, »Dr. Klaus«, »Lolos Vater« u. a.). - - - - -Die Übergangstalente. - - -=Hans Hopfen=, geb. am 3. Jan. 1835 in München, einer der besten -Vertreter des humoristischen Romans, zeichnet sich durch eine gesunde -Sinnlichkeit aus, die namentlich in seinen Gedichten und Balladen zum -Ausdruck kommt. Echt volkstümliche, humorverklärte Figuren schuf er -in seinen Romanen »Der alte Praktikant«, »Mein Onkel Don Juan«, »Die -Heirat des Herrn von Waldenberg«, sowie in der Novellensammlung »Kleine -Leute« und den »Geschichten« und »Neuen Geschichten des Herrn Majors«, -während er sich in einigen Romanen (»Verdorben zu Paris«, »Glänzendes -Elend« u. a.) als Dekadent giebt. - -=Wilhelmine von Hillern=, geb. am 11. März 1836 in München als Tochter -der bekannten Birch-Pfeiffer, entlehnte den Stoff ihrer realistisch -gefärbten Romane dem bayrischen Volksleben. Ihr bekanntester Roman: -»Die Geyer-Wally« erlebte mehrere Auflagen und fand auch als Drama -freundliche Aufnahme. - -=Karl von Heigel=, geb. am 25. März 1835 zu München, wandte sich der -Unterhaltungslitteratur zu und schrieb Novellen, Romane und Dramen. -Seine spätere Produktion (»Der Weg zum Himmel«, »Roman einer Stadt«, -»Der Herr Stationschef« u. a.) steht unter dem Einfluß des Realismus. - -=Karl Frenzel=, geb. am 6. Dez. 1827 in Berlin, weiteren Kreisen -bekannt als Kritiker der Nationalzeitung, verdient seinen Platz in -der Litteratur durch seine Romane, Novellen und wissenschaftlichen -Schriften, die Gelehrsamkeit mit seiner Lebensbeobachtung verbinden, -und deren Stoffe meist der Zeit des Rococos, dem 18. Jahrhundert, -entnommen sind (»Melusine«, »Papst Ganganelli«, »Im goldenen -Zeitalter«, »Renaissance und Rokoko«, »Des Lebens Ueberdruß«, »Dunst«, -»Schönheit«, »Wahrheit«, »Frauenrecht«). - -=Adolf Stern=, geb. am 14. Juni 1835 in Leipzig, lebt jetzt als -Professor für Litteraturgeschichte am Polytechnikum in Dresden. St. -ist Epiker und Novellist (»Jerusalem«, »Gutenberg«, »Aus dem 18. -Jahrhundert«, »Die letzten Humanisten«) und wiederholt als feinsinniger -Litterarhistoriker hervorgetreten. - -=Ferdinand von Saar=, geb. am 30. Sept. 1833 in Wien, ist keine scharf -ausgeprägte Dichternatur. Seine Erfolge verdankt er den »Gedichten« -und den Novellensammlungen (»Novellen aus Österreich«, »Herbstreigen« -u. a.), die ihm den Namen eines Walter Scott der Novelle eingetragen -haben. Seine Dramen (»Heinrich IV.«, »Die beiden De Witt«, »Eine -Wohlthat«) konnten sich nicht auf der Bühne behaupten. - -=Heinrich von Reder=, geb. am 19. März 1824 in Mellrichstadt, begann -seine litterarische Laufbahn mit »Soldatenliedern von zwei deutschen -Offizieren«. Seine Hauptwerke, die »Federzeichnungen« und das »Lyrische -Skizzenbuch«, tragen realistisches Gepräge. - - - - -Vaganten und Spielmänner. - - -=Josef Victor von Scheffel=, geb. am 26. Febr. 1826 in Karlsruhe, gest. -am 9. April 1886, ist besonders der Lieblingsdichter der akademischen -Jugend, der er eine große Zahl sangbarer Lieder schenkte, aus denen ein -unverwüstlicher, feuchtfröhlicher Humor spricht. Sein lyrisch-episches -Werk: »Der Trompeter von Säckingen«, das 1854 erschien, fand -begeisterte Aufnahme. Weit bedeutender als dieses ist jedoch sein -»Ekkehard«, ein trotz alles gelehrten Beiwerks und der fleißigen -Quellenstudien von echter Poesie durchdrungenes Werk, das man als den -besten kulturhistorischen Roman der letzten Jahrzehnte bezeichnen kann. -Von Sch.'s weiteren Werken verdienen noch genannt zu werden: »Frau -Aventiure«, »Gaudeamus« und »Bergpsalmen«. - -=Rudolf Baumbach=, geb. am 28. Sept. 1840 in Kranichfeld in Thüringen, -ist einer der »liebenswürdigen« Dichter, der Naturbursche unter den -Poeten. Seine lyrischen Gedichte, die sich durch Natürlichkeit und -Frische auszeichnen und vielfach zu Volksliedern geworden sind, -erschienen in verschiedenen Sammlungen: »Lieder eines fahrenden -Gesellen«, »Mein Frühjahr«, »Von der Landstraße«, »Krug und Tintenfaß« -u. a. Außerdem besitzen wir von ihm Märchen und Epen, die ebenfalls in -weitere Kreise gedrungen sind. - -=Julius Wolff=, geb. am 16. Sept. 1834 in Quedlinburg, gehört zu den -»Erfolgreichen« der 70er und 80er Jahre. Seine erste Veröffentlichung -waren Gedichte »Aus dem Felde«. Einen durchschlagenden Erfolg errang -er mit seinen Epen »Der Rattenfänger von Hameln«, »Der wilde Jäger«, -»Der Tannhäuser«, »Lurlei« u. a., deren künstlerischer Gehalt zwar -nicht hervorragend ist, die aber das große Publikum immer durch ihre -Sentimentalität und Rührseligkeit entzücken werden. Der Beifall, den -seine Epen fanden, übertrug sich auch auf seine Romane »Recht der -Hagestolze«, »Der Sülfmeister«, »Das schwarze Weib«. - - - - -Die Goldschnittlyriker der 80er Jahre. - - -=Karl Gerok=, geb. am 30. Januar 1815 in Vaihingen in Württemberg, -starb als Prälat in Stuttgart 1890. Seine Liedersammlungen -»Palmblätter«, »Neue Palmblätter«, »Pfingstrosen«, »Eichenblätter«, -»Deutsche Ostern«, die ein liebenswürdiger Humor durchzieht, sind -vorzugsweise geistlicher Natur und fanden große Verbreitung. - -=Julius Sturm=, geb. am 21. Juli 1816 zu Köstritz, gest. 1896, war -einer der fruchtbarsten Liederdichter. Die Natur seiner Dichtungen, -die eine innige, aber nicht kopfhängerische Frömmigkeit auszeichnet, -wird durch die Titel seiner Sammlungen: »Gott grüße Dich«, »Immergrün«, -»Fromme Lieder«, »In Freud und Leid« charakterisiert. - -=Albert Traeger=, geb. am 12. Juni 1830 in Augsburg, ist als Dichter -in den Kreisen der Liebhaber von Gartenlaube-Poesie bekannt geworden, -hat sich jedoch außer einigen Lustspielen und Novellen nur einen -Gedichtband zu schulden kommen lassen. - -=Emil Rittershaus=, geb. am 3. April 1834 in Barmen, gest. -daselbst 1897, gab sich in seinen meist zuerst in der Gartenlaube -veröffentlichten Gedichten als Sänger frischer, fröhlicher Lieder, die -Wein und Liebe, Vaterland und Gartenlaube verherrlichen. - - - - -Die Beschaulichen. - - -=Wilhelm Raabe=, geb. am 8. Sept. 1831 in Eschhausen, früher -Buchhändler, nimmt unter den deutschen Humoristen den ersten Rang ein -und gilt seit 30 Jahren als einer der eigenartigsten Charakterköpfe -der deutschen Litteratur. Ein goldener Humor, der an Dickens erinnert, -durchzieht seine Schriften, die er meist in ein altertümelndes Gewand -kleidet oder im Chronikstil abfaßt. »Zwei oder drei Zeilen in einer -Chronik, eine halbe Seite in der Geschichte für den Forscher« genügen -ihm, um eine Erzählung darauf aufzubauen. R. beschäftigt Geist und -Herz seiner Leser in gleicher Weise und seine Bücher, in einem etwas -krausen Stile geschrieben, rühren die Seele bis zum Grunde auf. Bei -alledem ist er einer der am wenigsten erfolgreichen Autoren geblieben, -trotz des großen Gehalts und der Zahl seiner Schriften, von denen wir -hier nur die nachstehenden registrieren: »Die Akten des Vogelsangs«, -»Die Chronik der Sperlingsgasse«, »Gesammelte Erzählungen«, 3 Bde., -»Horacker«, »Der Hungerpastor«, »Der Schüdderump«, »Unseres Herrgotts -Kanzlei«, »Alte Nester«, »Wunnigel«, »Horn von Wanza«. - -=Wilhelm Busch=, geb. am 15. April 1832 in Wiedensahl bei Stadthagen, -ist der bedeutendste zeitgenössische komische Humorist und Zeichner, -wenngleich seine Wirksamkeit hauptsächlich in die 60er und 70er Jahre -fällt. Seine Schriften (»Max und Moritz«, »Hans Huckebein«, »Der -heilige Antonius«, »Die fromme Helene«, »Herr und Frau Knopp« u. a.) -erlangten eine ungeheuere Verbreitung. Seine letzten Werkchen: »Eduards -Traum« und »Der Schmetterling« sind symbolische Prosamärchen, die den -Idealismus ironisieren. - -=Hans Hoffmann=, geb. am 27. Juli 1848 in Stettin, zählt zu den besten -Novellisten der Gegenwart. (»Von Frühling zu Frühling«, »Geschichten -aus Hinterpommern«, »Ostseemärchen«, »Allerlei Gelehrte«, »Aus der -Sommerfrische«.) Auch als Romanschriftsteller ist H. wiederholt -hervorgetreten und hat sich auf diesem Gebiet als ein feinsinniger -Dichter erwiesen, dem die seltene Gabe des Humors wie wenigen zu Gebote -steht. (»Der eiserne Rittmeister«, »Landsturm«.) Ein echt nationales, -von historischem Geiste getragenes Werk ist sein großer 3bändiger -Roman: »Wider den Kurfürsten«. - -=Heinrich Seidel=, geb. am 25. Juni 1842 in Perlin, wurde Ingenieur, -dann Schriftsteller in Berlin. Er ist der Dichter der kleinen -behaglichen Lebensverhältnisse; seine Poesie und seine Ideale haben -einen philiströsen Zug und es sind fast immer dieselben Mittel -(Pastorenhaus, Fliederbüsche, Tabakspfeife und schüchterne Liebhaber), -mit denen er in seinen Lebrecht Hühnchen-Geschichten operiert. -(»Aus der Heimat«, »Vorstadtgeschichten«, »Lebrecht Hühnchen u. -a. Geschichten«, »Neues von Lebrecht Hühnchen u. a. Sonderlingen«, -»Lebrecht Hühnchen als Großvater«, »Gesammelte Gedichte« u. a.) S's. -Autobiographie führt den Titel »Von Perlin nach Berlin«. - -=Victor Blüthgen=, geb. am 4. Januar 1844 in Zörbig, ein -liebenswürdiger, feinsinniger Dichter, schrieb Gedichte (vor allem -Kinderreime), Novellen und Humoresken (»Henzi u. a. Humoresken«, -»Badekuren«, »Amoretten« etc.) Von seinen Romanen sind »Der -Friedensstörer«, »Aus gährender Zeit«, und »Der Preuße« zu nennen. - - - - -Die Behaglichen. - - -=Julius Stinde=, geb. am 28. Aug. 1841 in Kirch-Nüchel in Holstein, -führte die »Frau Buchholz«, den Typus des Berliner Spießbürgertums, -in die Litteratur ein und wurde durch zahlreiche Auflagen seiner -Werke dafür belohnt. Von seinen weiteren Schriften fanden noch die -»Waldnovellen« und »Pienchens Brautfahrt« größere Verbreitung. - -=Johannes Trojan=, geb. am 14. August 1837 in Danzig, Redakteur des -Kladderadatsch, schrieb hübsche, humorvolle Kinderlieder und eine -Anzahl ansprechender Gedichte: »Scherzgedichte«, »Für gewöhnliche -Leute«, »Das Wustrower Königsschießen u. a. Humoresken«. - -=Julius Lohmeyer=, geb. am 6. Okt. 1835 in Neisse, machte sich als -Jugendschriftsteller einen Namen, ohne jedoch auf diesem Gebiete -viel mehr als guten Willen und einen bescheidenen liebenswürdigen -Humor mitzubringen. (»Gedichte eines Optimisten«, »Die Bescheidenen«, -»Humoresken« u. a.) - -=Edwin Bormann=, geb. am 14. April 1851 in Leipzig, machte sich als -sächsischer Humorist in seinem engeren Vaterlande einen Namen (»Mei -Leipzig low' ich mir«, »Herr Engemann«, »Schelmenlieder« u. a.) So gut -einige ältere Dialektdichtungen B.'s sind, so flach und schal ist die -Mehrzahl seiner jüngsten fabrikmäßig hergestellten Poesien. Seinen -humoristischen Werken nicht beizuzählen, nach Ansicht B.'s vielmehr -durchaus ernsthaft zu nehmen, sind »Das Shakespeare-Geheimnis« und -die im Anschlusse daran erschienenen Schriften, in denen der Nachweis -geführt werden soll, daß Shakespeare nicht Shakespeare, sondern Francis -Bacon ist. - -=Georg Bötticher=, geb. am 20. Mai 1849 in Jena, ein feinsinnigerer -und vielseitigerer Humorist als Bormann, schrieb in Gemeinschaft -mit Victor Blüthgen »Schüler-Novellen«, und selbständig zahlreiche -humoristische Schriften, von denen viele durch die »Fliegenden Blätter« -und die »Reclam-Bibliothek« weiteren Kreisen bekannt geworden sind. -(»Schnurrige Kerle«, »Schilda, Verse eines Kleinstädters«, »Allotria, -humoristische Geschichte«, »Neue Allotria«, »Bunte Reihe« u. a.) - -=Hans Arnold= (Pseudon. für Frau Babette von Bülow), geb. am 20. -Sept. 1850 in Warmbrunn, schildert in ihren Novellen und Erzählungen -mit Vorliebe in humoristischer Weise die kleinen Verdrießlichkeiten -und Unannehmlichkeiten des Lebens. Ihre Werke besonders anzuführen, -erübrigt sich: sie amüsieren und werden vergessen. - - - - -Die Dichter der Dekadenz. - - -=Dranmor=, mit seinem eigentlichen Namen Ferdinand von Schmid, geb. am -22. Juni 1823 in Muri bei Bern, gest. 1888, wanderte nach Brasilien -aus und wurde weiteren Kreisen durch seine »Gesammelten Dichtungen« -bekannt, die neben lyrischen Gedichten Balladen und Epen aus dem -südamerikanischen Leben in düsterer, pessimistischer Färbung enthalten. - -=Eduard Grisebach=, geb. am 9. Okt. 1845, gab den »Neuen Tannhäuser« -und »Tannhäuser in Rom« heraus, leichtgeschürzte Poesien, die viel -Anerkennung fanden. G. hat sich ferner als Bibliophile und Herausgeber -der Werke Schopenhauers u. a. verdient gemacht. - -=Emil Prinz von Schönaich-Carolath=, geb. am 8. April 1852 zu Breslau, -lieferte in seinen Dichtungen den Beweis, daß jemand Prinz und doch ein -großer Dichter, Zigeuner und Weltmann zugleich sein kann. Wenn auch -die Schöpfungen dieses modernen Byron (»Lieder an eine Verlorene«, -»Tauwasser«, »Dichtungen«, »Geschichten aus Moll« u. a. m.) von -Koketterie und Salon-Zigeunertum nicht frei sind, so kommen ihm doch an -Größe und Leidenschaft nur wenige der Modernen gleich. - -=Hieronymus Lorm= (Pseudon. für Heinrich Landesmann), geb. am 9. Aug. -1821 in Nikolsburg, seit seinem Jünglingsalter taub und erblindet, -schrieb Romane und Novellen und that sich besonders als pessimistischer -Lyriker hervor (»Am Kamin«, »Gedichte«, »Nachsommer« u. a.). In seinen -philosophischen Schriften unternahm er, wenn auch mit wenig Glück, -wiederholt den Versuch, eine allgemein-verständliche Erörterung des -Lebensproblems zu geben. - -=Alberta von Puttkamer=, geb. am 5. Mai 1849 in Glogau, debütierte mit -dem Schauspiel »Kaiser Otto III.«, dem sie »Dichtungen«, »Accorde und -Gesänge«, »Offenbarungen« und »Aus Vergangenheiten« folgen ließ, in -denen sich ein glühendes Verlangen nach erträumtem Glück, Trauer und -Sehnsucht nach verlorenem ausspricht. - -=Ada Christen= (Pseudon. für Christiane Breden, geb. am 6. März 1844 -in Wien, ist eine Dichterin stark realistischen Gepräges, in deren -Gedichten (»Lieder einer Verlorenen«, »Aus der Tiefe«) sich das -seelische Unbefriedigtsein des Weibes ausspricht. - - - - -Die Marlitt und ihre Schule.[3] - - - [3] Paul Lindau siehe unter »Feuilletonisten«. - -=E. Marlitt= (Pseudon. für Eugenie John, geb. am 5. Dez. 1825 in -Arnstadt in Thüringen, gest. 1887, wurde viel verlästert von den -Modernen, aber viel geliebt von dem Publikum der Gartenlaube, das -ihre Romane »Goldelse«, »Das Geheimnis der alten Mamsell«, »Das -Heideprinzeßchen« u. a. nicht las, sondern verschlang. - -=W. Heimburg= (Pseudon. für Bertha Behrens), geb. am 7. Sept. 1850 -in Thale am Harz, ist ein Gartenlaube-Talent, das sich in wenig oder -nichts von der Marlitt unterscheidet. Ihre Produktion wird schon -durch die Titel ihrer Werke charakterisiert: »Aus dem Leben einer -alten Freundin«, »Lumpenmüllers Lieschen«, »Ein armes Mädchen«, -»Herzenskrisen«, »Trotzige Herzen« u. s. w. - -=E. Werner= (Pseudon. für Elisabeth Bürstenbinder), geb. am 25. Nov. -1838 in Berlin, gehört zu denjenigen Schriftstellerinnen, die ein Motiv -so lange variieren, bis es sich zu »Gesammelten Werken« ausgewachsen -hat. (»Ein Held der Feder«, »Am Altar«, »Gesprengte Fesseln«, »St. -Michael« u. a.) - -=Marie Bernhard=, geb. am 7. Nov. 1852 in Königsberg i. Pr., widmete -sich der Schriftstellerei im Genre der Gartenlaube (»Forstmeister -Reichardt«, »Im Strom der Zeit«, »In Treue fest«, »Schule des Lebens«, -»Unweiblich« u. a.) - -=Nataly von Eschstruth= (Mädchenname der jetzigen Frau v. -Knobelsdorff-Brenkenhoff), geb. am 17. Mai 1860 in Hofgeismar, wurde -vom Deutschen Schriftsteller-Verband als die »beliebteste« Erzählerin -proklamiert und ist bemüht, durch die Quantität zu ersetzen, was ihr -an Qualität fehlt. Ihre »Werke« stehen noch unter denen der Marlitt, -Heimburg etc. - - - - -Die »Jüngstdeutschen« und ihre Vorkämpfer. - - -=Karl Bleibtreu=, geb. am 13. Januar 1859 in Berlin, schrieb mehr -Bände als er Jahre zählt und ist einer der großen Woller und -kleinen Könner. Vielseitig veranlagt und ein geistreicher, witziger -Kopf, irrlichtelierte er von einem Gebiete zu dem andern, ohne -über Ansätze hinauszukommen und ohne Fähigkeit zur Konzentration -und -- Bescheidenheit. Ist Feuer in seinen Werken, so ist es -sicher Brillantfeuer, das keine Wärme giebt und dessen Abbrennen -teilnahmlos läßt. Von seinen zahlreichen Werken nennen wir nur »Dies -irae, Erinnerungen eines französischen Offiziers«; die Aufzählung -seiner dramatischen, lyrischen und epischen Produktion, wie seiner -Glaubensbekenntnisse, müssen wir uns Raummangels wegen versagen. Die -Broschüre: »Die Revolution der Litteratur«, die zum ersten Mal dem -großen Publikum Kenntnis von den Absichten der »Jungen« gab, hat ein -gewisses litterarhistorisches Interesse. - -=Michael Georg Conrad=, geb. am 5. April 1846 zu Gnodstadt in Franken, -eine eigenartig und scharf ausgeprägte Dichternatur mit einer -ausgesprochenen Neigung zu politischer Bethätigung, gab in Gemeinschaft -mit Karl Bleibtreu die »Gesellschaft« heraus, die er ganz in den Dienst -der modernen Ideen stellte. Seine von Zola und einem jahrelangen -Aufenthalt in Paris beeinflußten Romane: »Was die Isar rauscht«, »Die -klugen Jungfrauen«, »Die Beichte des Narren«, »In purpurner Finsternis« -u. a. sind nicht frei von Kraftmeierei und Übertreibungen. - -=Hermann Conradi=, geb. am 12. Juni 1862 in Jeßnitz, gest. am -8. März 1890, eins der Häupter der Stürmer und Dränger, schrieb -»Brutalitäten«, »Lieder eines Sünders« und die Romane: »Phrasen« und -»Adam Mensch«, Werke, die von Brutalitäten, Phrasen, Menschlichem und -Allzumenschlichem strotzen, und nur als ~documents humains~ von einigem -Interesse sind. - -=Konrad Alberti= (~recte~ Konrad Sittenfeld), geb. am 9. Juli 1862 in -Breslau, schrieb eine Reihe von Romanen, Novellen und Dramen im Stile -der Jüngstdeutschen, unter denen die Romane »Wer ist der Stärkere?« -und »Die Alten und die Jungen« die bedeutendsten sind. Seine spätere -Produktion wandte sich dem Unterhaltungsroman zu und entbehrt jeder -Eigenart. (»Die Rose von Hildesheim«, »Die schöne Theotaki« u. a.) - -=Heinrich Hart=, geb. am 30. Dez. 1855 in Wesel, Kritiker der -»Täglichen Rundschau«, gab in Gemeinschaft mit seinem Bruder die -»Kritischen Waffengänge« heraus, durch die sie den Modernen, mit denen -sie in ihrem dichterischen Schaffen sonst wenig Gemeinsames haben, -nahetraten. Das hervorragendste Werk H.'s ist das Epos »Das Lied der -Menschheit«. - -=Julius Hart=, geb. am 9. April 1859 in Münster, Bruder des vorigen, -schrieb teils selbständig, teils in Gemeinschaft mit seinem Bruder -eine Reihe kritischer und dichterischer Werke, von denen wir die -Gedichtsammlung »Sansara«, das Schauspiel »Sumpf«, die Prosadichtung -»Sehnsucht« und das zweibändige, populär geschriebene Werk: »Geschichte -der Weltlitteratur« hervorheben. - -=Hermann Heiberg=, geb. am 17. Nov. 1840 in Schleswig, Herausgeber -der Halbmonatsschrift »Niedersachsen«, stand ursprünglich mit den -Modernen in engster Fühlung, glitt jedoch später ganz in das Fahrwasser -der Unterhaltungslitteratur. Zu seinen bekanntesten Werken sind die -»Plaudereien mit der Herzogin von Seeland«, »Apotheker Heinrich« -und »Eine vornehme Frau« zu zählen, die sämtlich seiner ersten -Schaffensperiode angehören. - -=Max Kretzer=, geb. am 7. Juni 1854 in Posen, arbeitete sich vom -Fabrikarbeiter zum Schriftsteller empor. Seine Romane, die stark -realistisch gefärbt sind und ihm den Namen: der deutsche Zola -eintrugen, spielen meist in den Arbeiterkreisen der Reichshauptstadt, -die er vorzüglich kennt und zu portraitieren versteht. (»Meister -Timpe«, »Der Millionenbauer«, »Die gute Tochter« u. a.) Mit seinem -letzten Roman: »Das Gesicht Christi« ging er vom Realismus zum -Symbolismus über. - -=Wilhelm Walloth=, geb. am 6. Okt. 1856 zu Darmstadt, kämpfte in -den Reihen der Modernen an erster Stelle. Seine Romane aus dem Rom -des Niederganges »Oktavia«, »Paris der Mime«, »Ovid«, »Dämon des -Neides«, denen jede Konzentration fehlt, hielten nicht, was er früher -versprochen. Mit seinem neuesten Roman: »Im Banne der Hypnose« erregte -er statt Sensation Langeweile. Seine Dramen: »Marino Falieri«, »Johann -von Schwaben« sind reich an schönen Einzelheiten, aber als Ganzes -betrachtet verfehlt. - -=Wilhelm Arent=, geb. am 7. März 1864 in Berlin, spielte früher auf -der Bühne, später in der litterarischen Bewegung der 80er Jahre eine -Rolle und war Mitherausgeber der »Modernen Dichtercharaktere«. Seine -Poesie (mehr als 30 Bände!) ist überreich an Stimmung, aber form- und -gedanken-, ja sinnlos. - -=Wolfgang Kirchbach=, geb. am 18. Sept. 1857 zu London, schloß sich -nur locker der »Moderne« an und ist immer mehr seinen eigenen oft -sonderlichen Ideen nachgegangen. (»Ausgewählte Gedichte«, »Lebensbuch«, -»Das Leben auf der Walze«.) Seine Dramen »Des Sonnenreiches Untergang«, -»Gordon Pascha« fanden nur geteilte Aufnahme. - - - - -Socialistische Lyriker. - - -=Arno Holz=, geb. am 26. April 1863 in Rastenburg, ist allem Anschein -nach ein Talent, das eine große Zukunft vor sich hat. Sein »Buch der -Zeit« schlug neue, eigenartige Töne an und ließ H., der ursprünglich -als Geibelianer auftrat, als den berufensten socialistischen Lyriker -erscheinen. Aus seiner Verbindung mit Johannes Schlaf gingen die -Novellen: »Papa Hamlet« und das naturalistische Drama: »Familie -Selicke« hervor. Sein Drama »Socialaristokraten« fiel gänzlich ab und -die neue Dichtkunst, die er im »Phantasus« predigt und für die er -bereits eine »Revolution in der Lyrik« in Szene setzte, hat ihm nur -mitleidiges Lächeln und Achselzucken eingebracht, obwohl sie sich schon -durch ihre Einfachheit vorteilhaft vor anderen »Methoden« auszeichnet. - -=Karl Henckell=, geb. am 17. April 1864 in Hannover, gab mit Arent die -»Modernen Dichtercharaktere« heraus und stand mit seinen »Strophen« und -»Amselrufen«, die sich durch Glätte und Formgewandtheit auszeichnen, an -der Spitze der socialistischen Lyriker. - -=Maurice Reinhold von Stern=, geb. am 3. April 1859 in Reval, hat -eine außerordentlich bewegte Vergangenheit hinter sich, die ihn nach -Deutschland, Amerika und der Schweiz führte. (Nach dem Zusammenbruch -seiner Buchhandlung in Zürich postalisch und polizeilich nicht zu -ermitteln.) In seinen »Proletarierliedern«, »Ausgewählten Gedichten« -u. a. finden sich neben Naturbildern von Glanz und Stimmung, Plattes -und Geschmackloses. Sein autobiographischer Roman »Walther Wendrich« -zeigt seine Unfähigkeit, einen Stoff zu meistern und dichterisch zu -gestalten. Großes auf kleines übertragen, gilt von ihm das Wort Goethes -über Grabbe: »Er wußte sich selbst nicht zu zähmen, darum zerrann ihm -sein Leben wie sein Dichten«. - -=John Henry Mackay=, geb. am 6. Febr. 1864 in Greenock in Schottland, -ist ein Dichter mit revolutionären und salonanarchistischen Tendenzen, -in dessen Werken Denker, Dichter und Politiker in gleicher Weise zu -Worte kommen (»Kinder des Hochlands«, »~Arma parata fero~«, »Sturm«, -»Wiedergeburt«, »Gesammelte Dichtungen«, das Kulturgemälde: »Die -Anarchisten« u. a.). - -=Bruno Wille=, geb. am 6. Febr. 1860 in Magdeburg, zeigt sich in seinen -Gedichten und philosophischen Schriften als freier unabhängiger Denker, -der, vom Socialismus ausgehend, den Weg zum Individualismus findet. -(»Einsiedelkunst aus der Kiefernhaide« u. a.) - - - - -Die Nationalen. - - -=Adolf Pichler=, geb. am 4. Sept. 1819, ist der älteste Tiroler -Dichter: sein Leben und seine Werke reichen von der »Franzosenzeit« bis -zur Gegenwart. Ein Gelehrter und von allseitiger Bildung, weiß er doch -wahrhaft volkstümlich zu erzählen (»Allerlei Geschichten aus Tirol«, -»Letzte Alpenrosen«, »Aus den Tiroler Bergen« u. a.). Er hat ferner als -Lyriker »Hymnen« geschrieben, »Spätfrüchte« und »Marksteine«. Unter den -Vorkämpfern einer liberalen Weltanschauung, aber milde und versöhnlich, -steht er in vorderster Reihe. - -=Karl Pröll=, geb. in Graz 1840, bekannt als journalistischer -Vorkämpfer des Deutschtums in Böhmen, lebt seit vielen Jahren als -Schriftsteller in Berlin, von wo er neben zahllosen politischen -Schriften seine Lieder »Sturmvögel«, »Vergessene deutsche Brüder« -u. s. w. und seine prächtigen Sammlungen von Skizzen und Novellen -»Moderner Todtentanz«, Bd. 1--5, »Vogelbeeren«, »Spreu im Winde« etc. -veröffentlichte. - -=Fritz Lienhard=, geb. am 4. Okt. 1865 in Rothbach i/Els., war von -1893--1895 Redakteur des - -»Zwanzigsten Jahrhunderts« und Anfang 1900 auf kurze Zeit Herausgeber -der »Heimat«. Bedeutend sind seine »Lieder eines Elsässers«, sein -Wanderbuch »Wasgaufahrten« und besonders seine Dramen »Naphtali«, -»Weltrevolution«, »Till Eulenspiegel«. In seiner schriftstellerischen -und journalistischen Thätigkeit sucht er der »Heimatkunst«, dem -Nationalen in Dichtung und Leben, den Weg zu ebnen. - -=Anton Ohorn=, geb. am 22. Juli 1846 in Theresienstadt, schrieb -zahlreiche Romane, Erzählungen und Novellen, von denen das meiste -Aufsehen die nationale Erzählung »Das deutsche Lied« gemacht hat. - -=Anton August Naaff=, geb. am 28. Nov. 1850 in Weitentrebetitsch, -Herausgeber der »Lyra« in Wien, veröffentlichte die Liedersammlungen im -Volkstone: »Aus dem Dornbusch«, »Gartheil und Krauseminz«, »Der Sonn' -entgegen«, »Gerda« u. a. - -=Ottomar Beta= (eigentlich Bettziech), geb. am 7. Febr. 1845 in -Berlin, wurde in England erzogen. B. veröffentlichte außer zahlreichen -nationalökonomischen, socialpolitischen und politischen Schriften -mehrere Dramen und Romane, von denen das Trauerspiel »David Rizzio«, -das Lustspiel »Altmodisch und Modern«, das Schauspiel »Nichts halb!« -und besonders das Lustspiel »Feurige Kohlen« Anerkennung fanden. Seine -Novellen und Romane »Schmollis, ein Hundeleben«, »Unter Unkraut«, -»Peregrine«, »Die Rache ist mein« u. s. w. verraten ein bemerkenswertes -Erzählertalent. Beachtung verdient auch das satirische Epos -»Barbarossa's Botschaft«. - -=Adolf Graf von Westarp=, geb. am 21. April 1851 in Breslau, erregte -Aufsehen durch sein Buch »Fürst Bismarck und das deutsche Volk«, sowie -durch sein Lied »An den Kaiser« (nach Bismarcks Entlassung). W. ist -ein ebenso eigenartiger wie talentvoller Lyriker. (»Deutsche Lieder«, -»Idyllen und Elegieen aus den bayrischen Bergen«.) - -=Erwin Bauer=, geb. am 9. Jan. 1857 auf dem Gute Techelfer bei Dorpat -in Livland, begründete in Reval die »Nordische Rundschau«, 1890 in -Berlin »Das zwanzigste Jahrhundert«. Außer einigen Dramen gab B., -dessen Talent frühzeitig von der Politik beschlagnahmt wurde, die -Novellensammlungen »Aus dem Zarenlande« und »Einfache Geschichten«, -sowie die Erzählung »Der Selbstmord des Leutnants Mergenthin« heraus. -Sein bestes Werk ist der in Rußland spielende Roman »~Aut Caesar, aut -nihil~«. - -=Carl Kerstan=, geb. am 22. Okt. 1847 in Prag, machte sich als -Historienmaler einen Namen. Sein philosophischer Roman in 3 Bänden -»~Sapaere aude~« gehört zu den besten unserer Litteratur und verdiente -mehr Beachtung, als er gefunden. - - - - -Die großen neuzeitlichen Erzähler. - - -=Theodor Fontane=, geb. am 30. Dez. 1819 in Neuruppin, gest. am 20. -Sept. 1898, war wie Sudermann und Ibsen ursprünglich Apotheker. Eine -Reise nach England weckte sein dichterisches Talent, so daß er sich -bald ganz der Schriftstellerei widmete. F. ist besonders der Dichter -des Preußentums oder im engeren Sinne der Mark, Berlins. Er schrieb -die Romane »Irrungen, Wirrungen«, »Stine«, »Quitt«, »Frau Jenny -Treibel«, »Effi Briest« u. a., die zu den besten der neuzeitlichen -Erzählungslitteratur zu rechnen sind. Schon seit den vierziger Jahren -zählte F. zu den bedeutendsten Balladendichtern und Schilderern der -Mark Brandenburg. Seine »Wanderungen durch die Mark Brandenburg« -sind Landschaftsbilder von entzückender Anmut, sinniger Feinheit und -zugleich von frappierender Treue. Tüchtige litterarische Leistungen -sind außerdem seine Darstellungen der drei Kriege 1864, 1866 und 1870, -die wiederholt aufgelegt wurden. Mit zwei Bänden Erinnerungen aus -seinem Leben: »Meine Kinderjahre« und »Von Zwanzig bis Dreißig«, schloß -er seine dichterische Thätigkeit ab. - -=Wilhelm Jensen=, geb. am 15. Febr. 1837 in Heiligenhafen, ist einer -der eigenartigsten und markantesten Erzähler. Er ist der Dichter des -Meeres und der Heide und alle Stimmen, die er ihnen abgelauscht, -klingen in seinen Werken wieder. So ungleich auch die einzelnen Werke -J.'s untereinander sind, allen gemeinsam ist die melodische, wunderbare -Sprache und eine weiche, stillverträumte Stimmung, die über ihnen liegt -und den Leser gefangen nimmt. J. ist ein ungemein produktiver Dichter, -der sich jedes Jahr mit zwei, drei Bänden einstellt. Von seinen Werken -seien genannt: »Die braune Erica«, »Karin von Schweden«, »Tagebuch aus -Grönland«, »Aus den Tagen der Hansa«, »Jenseits des Wassers«, »Luv und -Lee«, »Sehnsucht«. Auch als Lyriker ist J. wiederholt hervorgetreten -und darf wohl den Anspruch erheben, als solcher neben Keller, Meyer und -Storm genannt zu werden. (Gesammelte Gedichte: »Vom Morgen zum Abend«.) - -=Marie von Ebner-Eschenbach=, geb. am 13. Sept. 1830 in -Zdislavic in Mähren, ist gegenwärtig die bedeutendste lebende -deutsch-österreichische Schriftstellerin. Sie ist eine Meisterin des -künstlerischen Realismus, den sie so sicher wie die besten Meister der -Erzählungskunst beherrscht. (»Bozena«, »Dorf- und Schloßgeschichten«, -»Zwei Komtessen«, »Das Gemeindekind«, »Rittmeister Brand« u. a.) - -=Adolf Wilbrandt=, geb. am 24. Aug. 1837 in Rostock, gab zuerst ein -Werk über Heinrich von Kleist heraus, dem er eine Reihe von Dramen: -»Arria und Messalina«, »Gracchus«, »Kriemhild«, »Graf Hammerstein«, -»Die Tochter des Herrn Fabricius«, »Der Meister von Palmyra« u. a. -folgen ließ, unter denen das letztgenannte das bedeutendste ist. In den -letzten Jahren hat sich W. fast ganz dem Zeitromane zugewandt (»Hermann -Ifinger«, »Die Osterinsel«, »Vater Robinson« u. a.). W. ist eine der -vornehmsten Erscheinungen unter den Schriftstellern der Gegenwart und -sowohl der Schiller- als auch der Grillparzerpreis sind ihm zugefallen. - -=Richard Voß=, geb. am 2. Febr. 1851 in Neugrape in Pommern, ist -eine reiche phantasievolle und starke Dichternatur, die sich leider -nicht zur künstlerischen Vollendung durchringen konnte. Ein nervöser, -dämonischer Zug geht durch alle seine Romane und Dramen, die bald -in Deutschland, bald in Italien, im Mittelalter oder in der Neuzeit -spielen. Eine zerrissene, unbefriedigte Natur, vermögen auch seine -Schöpfungen nicht zu befriedigen, von denen die meisten den Leser -narkotisieren oder peinigen. Seine erfolgreichsten Dramen sind -»Schuldig«, »Alexandra«, und »Eva«; von seinen Novellen und Romanen -sind »Römische Dorfgeschichten«, »Mönch von Berchtesgaden«, »Villa -Falconieri«, »Unter den Borgia«, die bekanntesten. - - - - -Realistische Erzähler. - - -=Ernst von Wolzogen=, geb. am 23. April 1855 in Breslau, ist einer -der ungleichmäßig schaffenden Dichter. Seine Tragikomödie: »Das -Lumpengesindel« ist noch immer sein bestes Werk. Einst erhoffte -man vieles von dem Talent dieses fabulierenden Freiherrn, der die -schöne Gabe des Humors besitzt und es versteht, seine Personen -treffend zu charakterisieren, doch produziert er seit langem nur -Unterhaltungslitteratur, wenn auch im besseren Sinne. Seine besten -Romane sind »Die Kinder der Excellenz« (auch als Lustspiel bearbeitet), -»Die tolle Komteß«, »Die Entgleisten«, »Der Kraftmayr«. - -=Konrad Telmann= (~recte~ Zitelmann), geb. 1854, gest. 1897, wurde -durch körperliches Leiden zur Aufgabe seines Berufes gezwungen und -lebte seit Jahren in Rom. T. hat eine außerordentlich große Anzahl von -Werken hinterlassen und eine rastlose Thätigkeit entfaltet, die seiner -Kunst nicht immer zum Vorteil gereichte. Er ist ein Übergangskünstler, -der sich Friedrich Spielhagen zum Vorbild nahm und über ihn hinaus den -realistischen Roman auszubauen und mit neuen, meist »interessanten« und -exotischen Zügen auszustaffieren suchte. Zu seinen besten Romanen, von -denen viele in der zweiten Heimat des Dichters, in Italien, spielen, -zählen: »~Vox populi~«, »Unterm Strohdach«, »Unter römischem Himmel«, -»Unter den Dolomiten«, »Götter und Götzen«, »Vom Stamme der Skariden«. - -=Alexander Baron von Roberts=, geb. am 23. Aug. 1845 in Luxemburg, -gest. 1896, zählte zu den besten Unterhaltungsschriftstellern, -besonders in den Romanen, die das Militärleben zum Gegenstand haben. -(»Es und Anderes«, »Götzendienst«, »Lou«, »Die schöne Helena«, -»Schwiegertöchter« u. a.) Sein Drama »Satisfaktion« ging mehrfach mit -Erfolg über die Bühne. - -=Georg von Ompteda=, geb. am 29. März 1863 in Hannover, veröffentlichte -(teilweise unter dem Pseudonym Georg Egestorff) »Von der Lebensstraße -u. a. Gedichte«, sowie die Romane »Drohnen«, »Unter uns Junggesellen«, -»Sylvester von Geyer« u. a., deren Stoff er vorzugsweise der deutschen -Armee entnahm. Als Übersetzer machte er sich durch die Übertragung der -Werke Guy de Maupassants bekannt. - -=Wilhelm von Polenz=, geb. am 14. Januar 1861 in Ober-Cunewalde, -debütierte mit dem Roman »Sühne« und ließ diesem dramatische -und novellistische Arbeiten, sowie die Romane »Der Pfarrer von -Breitendorf«, »Der Büttnerbauer«, »Der Grabenhäger« und »Wald« folgen, -in denen er hauptsächlich brennende Zeitfragen des gutsherrlichen und -bäuerischen Besitzstandes behandelt. - -=Adolf Schmitthenner=, geb. am 24. Mai 1854 in Neckarbischofsheim, -schrieb den Roman »Psyche« und »Novellen«, die eigenartige, fast -»gewagte« Probleme zu lösen suchen und sich durch feine Seelenmalerei -auszeichnen. - -=Karl von Perfall=, geb. am 24. März 1851 in Landsberg a/Lech, -behandelt in seinen Romanen gern moderne Probleme, ohne jedoch dem -Naturalismus große Konzessionen zu machen. (»Vornehme Geister«, »Die -Langsteiner«, »Die fromme Witwe«, »Sein Recht«.) - -=Anton von Perfall=, geb. am 11. Dez. 1853 in Landsberg a/Lech, -hat sich besonders durch seine Jagdgeschichten bekannt gemacht. -Seine Romane »Die Krone«, »Sein Dämon«, »Die Sonne« tragen zum Teil -realistisches Gepräge. - -=Oscar Mysing=, geb. am 1. Nov. 1867 in Bremen, schrieb seine ersten -Romane und Novellen, die zum größten Teile erotischer Natur sind -(»Überreif«, »Moderne Liebe«), unter dem Pseudonym Otto Mora und -ging später zur Familienblattlitteratur über. (»Die Bildungsmüden«, -»Verfolgte Phantasie«, »Nach der Sündflut«, »Beresina«.) - -=Richard Nordhausen=, geb. am 31. Januar 1868 in Berlin, war zuerst -politisch thätig und schrieb dann eine Reihe Epen (»Joß Fritz der -Landstreicher«, »Vestigia Leonis«, »Sonnenwende«), die sich durch -farbenprächtige Schilderungen, glühende Leidenschaft und große Plastik -auszeichnen. Mit dem Roman: »Die rote Tinktur« betrat N. die Pfade der -Unterhaltungslitteratur. - -=J. J. David=, geb. am 6. Febr. 1859 in Weißkirchen, schrieb -Schauspiele, Gedichte, Erzählungen u. a., die ein eigenartiges, etwas -widerborstiges Talent verraten. In seinen Werken »Höferecht«, »Blut«, -»Hagars Sohn«, »Gedichte«, »Probleme«, »Ein Regentag« u. a. schildert -er mit Vorliebe Menschen, die auf die Schattenseite des Lebens zu -stehen kamen. - -=Felix Hollaender=, geb. am 1. November 1867 in Leobschütz, debütierte -mit dem Roman »Jesus und Judas«, denen sich die Berliner Romane: »Ellin -Röte« und »Sturmwind im Westen« anschlossen. Mit Hans Land schrieb er -»Die heilige Ehe«. - -=Heinz Tovote=, geb. am 12. April 1861 in Hannover, suchte die Bahnen -Maupassants zu wandeln, ohne jedoch auch nur annähernd sein Vorbild -zu erreichen, mit dem er nur hinsichtlich der Pikanterie verglichen -werden kann. Seine Romane und Novellen aus der Berliner Demimonde: »Im -Liebesrausch«, »Fallobst«, »Frühlingssturm«, »Ich«, »Mutter«, »Das Ende -vom Liede«, »Die rote Laterne« u. a. erlebten viele Auflagen. - - - - -Die Unterhaltungstalente. - - -=Ernst Wichert=, geb. am 11. März 1831 in Insterburg, verfaßte -zahlreiche Lustspiele, von denen »Der Narr des Glücks«, »Als Verlobte -empfehlen sich« und »Ein Schritt vom Wege« sich noch auf der Bühne -erhalten haben. W. ist außerdem Verfasser vieler Romane und Novellen: -»Litauische Geschichten«, »Heinrich von Plauen«, »Hohe Gönner«, -»Anderer Leute Kinder«, »Vom alten Schlage«, »Der große Kurfürst in -Preußen«, u. a., von denen der letztgenannte, ein historischer Roman -größeren Stils, besonders hervorgehoben zu werden verdient. W., der bis -1896 dem Richterstande angehörte, schrieb seine Selbstbiographie 1899 -unter dem Titel: »Richter und Dichter«. - -=August Niemann=, geb. am 27. Juni 1839 in Hannover, früher Hauptmann, -führte sich mit einer Geschichte des französischen Feldzuges -1870/71 in die Litteratur ein. Sein bedeutendster Roman »Bakchen -und Thyrsosträger«, zieht gegen die materialistische Weltanschauung -zu Felde. In Buchhändlerkreisen fand besonders der Roman »Eulen und -Krebse«, das »Soll und Haben« des Buchhändlers, Beachtung. - -=Gerhardt von Amyntor= (Pseudon. für Dagobert von Gerhardt), geb. -am 12. Juli 1831 in Liegnitz, war Offizier und wandte sich dann -der Litteratur zu. Von seinen Werken, in denen sich oft ein Hang -zum Übersinnlich-Mystischen und zur Behandlung philosophischer und -religiöser Themata bemerkbar macht, ist der Roman »Gerke Suteminne« -das bedeutendste. Die »Hypochondrischen Plaudereien«, sowie die -Gegenschrift zur Tolstoi'schen Kreutzer-Sonate: »Die Cismoll-Sonate« -sind etwas hausbacken, aber erfüllt von echt vaterländischem Geiste, -der allezeit und unentwegt für deutsche Frauen, deutsche Treue, Gott -und Religion eintritt. Interessante Lebenserinnerungen legte A. in dem -Werke: »Das Skizzenbuch meines Lebens« nieder. - -=Otto von Leixner=, geb. am 24. April 1847 in Saar, bis vor kurzem -Redakteur der »Deutschen Romanzeitung«, schrieb im Sinne derselben eine -Reihe Romane, Aphorismen und Plaudereien, von denen die »Ästhetischen -Studien für die Frauenwelt«, »Laienpredigten für das deutsche Haus«, -»Aus meinem Zettelkasten«, und der Roman: »Also sprach Zarathustras -Sohn« am bemerkenswertesten sind. Seine »Geschichte der deutschen -Litteratur«, der nur feuilletonistischer Wert beizumessen ist, erlebte -vier Auflagen. - -=Fritz Mauthner=, geb. am 22. November 1849 in Horzitz, einer der -einflußreichsten Kritiker der Reichshauptstadt, zeigte seine Begabung -besonders in den in parodistischer Form auftretenden Kritiken: »Nach -berühmten Mustern« u. a. Mit seinen modern aufgeputzten Romanen aus -dem Altertum »Xantippe« und »Hypatia«, sowie »Der letzte Deutsche von -Blatna«, »Die Geisterseher«, »Die bunte Reihe« u. a. machte sich M. als -Romancier einen Namen. - -=Theophil Zolling=, geb. am 30. Dezember 1849 in Scafati, Herausgeber -der »Gegenwart«, zählt zu den besten Sittenschilderern Berlins. Von -seinen das hauptstädtische Leben behandelnden Romanen: »Der Klatsch«, -»Frau Minne«, »Kulissengeister«, »Die Million«, »Bismarcks Nachfolger« -erregte namentlich der letztere einiges Aufsehen. - -=Rudolf Stratz=, geb. am 6. Dez. 1864 in Heidelberg, wandte sich dem -Zeitroman zu und schrieb: »Unter den Linden«, »Belladonna«, »Die -kleine Elten«, »Der weiße Tod«, »Montblanc«, den Novellenband »Buch -der Liebe«, sowie einige Schauspiele. Sein Roman aus dem Bauernkrieg -von 1525, »Der arme Konrad« und das Drama: »Jörg Trugenhoffen«, eine -Konkurrenz des »Florian Geyer« von Hauptmann, beruhen auf tüchtigen -Quellenstudien und geben ein anschauliches Bild der damaligen Zeit. - -=Hans Land= (Pseudon. für Hugo Landsberger), geb. am 25. August 1861 in -Berlin, Herausgeber der Wochenschrift »Das neue Jahrhundert« (Berlin), -schrieb realistisch gefärbte Romane (»Der neue Gott«, »Um das Weib« u. -a.), sowie in Gemeinschaft mit Felix Hollaender das sociale Drama »Die -heilige Ehe«. - -=Wilhelm Wolters=, geb. am 8. November 1852 in Dresden, ist durch seine -Romane: »Sterbliche Götter«, »Helene Pawlowna« und Erzählungen (»Indian -Summer«, »Ach wenn du wärst mein eigen!«), besonders aber durch seine -erfolgreiche dramatische Produktion (»Tragische Konflikte« etc.) dem -größeren Publikum bekannt geworden. - -=Franz von Königsbrun-Schaup=, geb. am 22. Februar 1857 in Cilli, -schuf und befestigte seine litterarische Stellung durch die beiden -Romane: »Die Bogumilen« und »Hundstagszauber«, die ihn als feinsinnigen -Erzähler erkennen lassen. Künstlerisch weniger hoch stehen seine -»Gedichte« und »Märchen«, und der mit Wolters zusammen geschriebene -Schwank: »Der Hochzeitstag«, wird auf litterarischen Wert wohl -überhaupt keinen Anspruch erheben. - -=Fedor von Zobeltitz=, geb. am 5. Okt. 1857 in Spiegelberg, gehört -zu unseren besten Unterhaltungsschriftstellern. Von seinen letzten -Romanen erregte besonders »Der gemordete Wald« Interesse. Um die -deutsche Bibliophilie hat sich Z. durch Herausgabe der »Zeitschrift für -Bücherfreunde« verdient gemacht. - -=Hanns von Zobeltitz=, geb. am 9. Sept. 1853 in Spiegelberg, schrieb -eine Reihe Unterhaltungsromane im Stile des »Daheim« und der »Velhagen -und Klasing'schen Monatshefte«, deren Redakteur Z. ist. - -=Ida Boy-Ed=, geb. am 17. April 1852 in Bergedorf, eine der begabtesten -Schriftstellerinnen der alten Schule, veröffentlichte eine große Zahl -von Romanen, von denen »Die Schwestern«, »Abgründe des Lebens«, »Fanny -Förster« und »Aus Tantalus' Geschlecht« den meisten Anklang fanden. - -=A. v. der Elbe= (Pseudon. für Auguste von der Decken), geb. am 30. -Nov. 1828 in Bleckede, setzte die »Chronica eines fahrenden Schülers -von Clemens Brentano« fort und wandte sich vorzugsweise historischen -Stoffen zu (»Lüneburger Geschichten«, »Brausejahre«, »Apollonia von -Celle«, »Die jüngeren Prinzen«, »Der Seekönig« u. a.). - -=Claire Glümer=, geb. am 18. Okt. 1825 in Blankenburg, führte sich mit -Novellen und Skizzen in die Litteratur ein. (»Düstere Nächte«, »Aus der -Bretagne«, »Junge Herzen«.) - -=Sophie Junghans=, geb. am 3. Dez. 1845 in Kassel, ist Verfasserin -einer Reihe von Unterhaltungsromanen, von denen »Der Bergrat«, -»Ein Kaufmann«, »Lore Fay«, »Schwertlilie« und »Um das Glück« die -bekanntesten sind. - -=Luise Westkirch=, geb. am 8. Juli 1858 in Amsterdam, behandelte in -ihren Romanen und Novellen mit männlicher Kraft und Rücksichtslosigkeit -sociale Probleme der Gegenwart: »Aus dem Hexenkessel der Zeit«, »Die -Streber«, »Los von der Scholle« u. a. - - - - -Romanciers des ~High-life~. - - -=Rudolf Lindau=, geb. am 10. Okt. 1830 in Gardelegen, hatte durch -seinen diplomatischen Beruf Gelegenheit, die halbe Welt kennen zu -lernen. Er ist Weltmann großen Stils und in Paris und London ebenso -zu Hause wie in Peking und San Francisco. L. verfaßte mehrere größere -Romane, die in den Kreisen der internationalen Gesellschaft spielen -(»Robert Ashton«, »Gute Gesellschaft« u. a.) und gab Beschreibungen -seiner umfassenden Reisen heraus (»China und Japan« u. a.). - -=Ossip Schubin=, mit ihrem eigentlichen Namen Lolo Kirschner, geb. am -17. Juni 1854 in Prag, läßt ihre Romane zumeist in den Kreisen des -internationalen ~high life~, besonders der österreichischen Adels- und -Offizierskreise, spielen. Ihrem ersten Roman »Ehre« folgten »Schuldig«, -»Unter uns«, »Gräfin Erikas Lehr- und Wanderjahre«, »Gebrochene -Flügel«, »Es fiel ein Reif in der Frühlingsnacht« u. a. S. schreibt -fesselnd und interessant, doch haben ihre Romane etwas skizzenhaftes -und der Stil ist oft salopp oder gesucht. - -=Baron Carl Torresani=, geb. am 19. April 1846 in Mailand, war -österreichischer Kavallerieoffizier, bewirtschaftete einige Zeit sein -Gut als Ökonom und widmete sich dann der Bildhauerei. Seine Romane, -in denen er sich ganz als Österreicher giebt, spielen teils in den -Kreisen der österreichischen Armee, teils in denen der internationalen -Gesellschaft, für deren charakteristische Merkmale er einen scharfen -Blick besitzt. »Aus der schönen wilden Lieutenantszeit«, »Schwarzgelbe -Reitergeschichten«, »Mit tausend Masten«, »Auf gerettetem Kahn«, »Die -Juckerkomtesse«, »Der beschleunigte Fall«, »Aus drei Weltstädten« u. -a. Seiner Selbstbiographie gab er den Titel: »Von der Wasser- bis zur -Feuertaufe. Werde- und Lehrjahre e. österreichischen Offiziers«. - -=Johannes Richard zur Megede=, geb. am 8. Sept. 1864 in Sagan, -trat erst als reifer Mann mit einer Reihe von Romanen vor die -Öffentlichkeit. »Kismet«, »Unter Zigeunern«, »Quitt«, »Von zarter -Hand«, die in den exklusiven Adelskreisen spielen und den Verfasser -als einen scharfen Beobachter, der einen sicheren Blick für das -Charakteristische besitzt, erkennen lassen. - -=Bertha von Suttner=, geb. am 9. Juni 1843 in Prag, errang ihren -größten Erfolg mit dem Tendenzroman: »Die Waffen nieder«, der für die -Weltfriedensidee Propaganda macht. Von ihren übrigen Werken, die sehr -ungleich im Werte sind, verdienen noch »Inventarium einer Seele« und -»Das Maschinenzeitalter« genannt zu werden. - - - - -Die Feuilletonisten. - - -=Paul Lindau=, geb. am 3. Juni 1839 in Magdeburg, machte sich als -Kritiker einen Namen, den er als produktiver Dichter rasch wieder -einbüßte. Auch in seinen Romanen, die meist in Berlin ~W~ spielen und -starken ~haut-gout~ aufweisen, ist er der Feuilletonist von ehemals -geblieben, der nichts anderes als Eisenbahnlektüre geschrieben. - -=Max Nordau= (Pseudon. für Südfeld), geb. am 29. Juli 1849 in Budapest, -errang seinen größten Erfolg mit den von Alltagsweisheit triefenden -»Konventionellen Lügen der Kulturmenschheit«. Als Verfasser von -»Entartung« scheint er an Paradoxomanie zu leiden oder sie zu heucheln. - -=Julius Langbehn= hat mit seinem Buche »Rembrandt als Erzieher« einen -beispiellosen Erfolg gehabt, weil es »die Menschen zu verwirren weiß«. -Seine »40 Lieder eines Deutschen« zeigen die ganze dichterische -Unfähigkeit L.'s, dessen phantastisches und konfuses Erstlingswerk eine -geraume Zeit im Mittelpunkt aller litterarischen Diskussionen stand. - -=Emil Peschkau=, geb. am 19. Febr. 1856 in Wien, gab eine Reihe von -Skizzen, Epigrammen, Novellen und Romanen heraus, die ein hübsches -Talent auf humoristischem und satirischem Gebiete erkennen lassen. - -=Balduin Groller=, geb. am 5. Sept. 1848 in Arad, gilt als der -geistreiche Plauderer, der aus nichts eine schnurrige Geschichte -zusammendrechselt. (»Wenn man jung ist«, »Zehn Geschichten«, »In den -Tag hinein« u. a.) - -=Ferdinand Groß=, geb. am 8. April 1849 in Wien, schrieb zahlreiche -Skizzen, Novellen und Romane, die den liebenswürdigen Plauderer und -Feuilletonisten der Wiener Schule erkennen lassen. (»Blätter im Winde«, -»Litterarische Modelle«, »Zum Nachtisch«, »In Lachen und Lächeln«.) - -=Hermann Bahr=, geb. am 19. Juli 1863 zu Linz, kann als der Typus eines -Journalisten gelten, der in allen Sätteln reitet, in Rom und Madrid -zu Hause ist und überall sein Weanertum mitbringt. Ein geistreicher, -talentierter Kopf, der sich gern die Bühne erobern möchte, aber -auch als Schriftsteller immer Journalist bleibt. Er schrieb Romane, -litteraturgeschichtliche Abhandlungen und Theaterstücke, von denen -»Die neuen Menschen«, »Die Mutter«, »Tschaperl« und »Der Athlet« die -bemerkenswertesten sind. - -=Maximilian Harden= (~recte~ Witkowski), geb. am 20. Okt. 1861 -in Berlin, Herausgeber der »Zukunft«, einer der gewandtesten und -vielseitigsten Journalisten, veröffentlichte seine kritischen Aufsätze -unter dem Titel: »Apostata« und »Theater und Litteratur«. (Vergl. Zur -Charakteristik litterar. und verwandter Blätter.) - - - - -Die Industriellen.[4] - - - [4] Diese Rubrik, die ihrer Natur nach die umfangreichste des - ganzen Werkchens darstellen müßte, wurde auf Veranlassung - des Verlegers »als unerheblich« (?!) auf das »unbedingt - Notwendige« beschränkt. - -=Gregor Samarow= (Pseudon. für Oskar Meding), geb. am 11. April 1829 -in Königsberg i. Pr., kultivierte besonders den sensationell gefärbten -Zeitroman (»Scepter und Kronen«, »Europäische Minen und Gegenminen«, -»Zwei Kaiserkronen« und Dutzend andere). - -=Dr. Alfred Friedmann=, geb. am 26. Okt. 1845 in Frankfurt a. M., »ist -seit 27 Jahren auf allen Gebieten erfolgreich thätig, seine Romane -standen in der »Köln. Ztg.«, in »Westermanns Monatsheften«, »Nord und -Süd«, »Berliner Tageblatt« etc., seine Gedichte in 3 Bänden gesammelt, -standen überall. Zahlreiche Feuilletons trugen ihm Briefe bis aus -Ostindien ein, Heyse, Geibel, Bodenstedt, Lingg etc. schrieben über den -Dichter und waren ihm befreundet. F. war Redakteur in Wien, ist es in -Berlin, reiste zu Kongressen und wurde von Reclam in 7 Bänden von je 8 -Auflagen ~à~ 5000 Exemplare verlegt«.[5] - - [5] Unverkürzt nach den eigenen Angaben des Dichters. - - - - -Die dramatischen Hauptmänner der Gegenwart. - - -=Ernst von Wildenbruch=, geb. in Beirut am 3. Febr. 1845, ist einer -der erfolgreichsten Dramatiker der Gegenwart, seiner Artung nach mehr -den Älteren, denen Schiller noch keine abgethane Größe ist, als den -Modernen zuzuzählen. Wird auch bei ihm die Charakteristik sehr oft -durch die Rhetorik ersetzt, so ist er doch unerreicht in der Schaffung -wirkungsvoller Scenen. Von seinen erfolgreichsten Stücken der ersten -Zeit führen wir an »Die Karolinger«, »Harold«, »Der Mennonit«, »Väter -und Söhne«. Später entnahm W. hauptsächlich den Stoff seiner Dramen, -in denen sich der Hurrahpatriotismus auf Kosten des dichterischen -Gehalts breit macht, der Geschichte der Hohenzollern (»Die Quitzows«, -»Der Generalfeldoberst«, »Der neue Herr«, »Heinrich und Heinrichs -Geschlecht«). Den Einfluß Sudermanns zeigt das realistische Stück »Die -Haubenlerche«. Neben dem Dramatiker W. feierte der Erzähler Triumphe -(»Humoresken«, »Der Astronom«, »Eifernde Liebe«, »Schwester-Seele« u. -a.). W.'s dichterisches Können findet den stärksten Ausdruck in seinen -Kindergeschichten: »Das edle Blut«, »Kinderthränen«. - -=Gerhart Hauptmann=, geb. am 15. Nov. 1862 in Salzbrunn, hat sich -in verschiedenen Berufen versucht, bevor er den Dichter in sich -entdeckte. Durch Arno Holz wurde er dem konsequenten Naturalismus -gewonnen; sein erstes Stück: »Vor Sonnenaufgang« steht ganz unter dem -Einflusse ausländischer Vorbilder, vor allem Ibsens. Nicht höher sind -die nächsten Dramen: »Das Friedensfest« und »Einsame Menschen« zu -werten. Erst das sociale Drama »Die Weber«, das ein Bild von der Lage -des deutschen Arbeiters in der letzten Vergangenheit giebt, brachte ihm -den ersehnten Erfolg, der durch die beiden nächsten Stücke »College -Crampton« und »Der Biberpelz«, die hauptsächlich Charakterstudien sind, -in denen sich eine humoristische, stark mit Satire vermischte Ader -offenbart, noch mehr befestigt wurde. Die nun folgende Traumdichtung -»Hannele« zeigt den Dichter im Lager der Symbolisten. Im »Florian -Geyer« sucht er mit vergeblichem Bemühen das historische Drama zu -meistern. Den Mißerfolg des letzteren Stücks, das alles andere, nur -nicht historisch ist, glich H. mit der »Versunkenen Glocke« aus, die -auf allen großen Theatern den Ruhm des Dichters kündete, der durch sein -nächstes Stück »Fuhrmann Henschel« zu einem unbestrittenen wurde. Ein -Mißerfolg war seiner letzten Schöpfung, »einer unbesorgten Laune Kind«: -»Schluck und Jau, Spiel zu Scherz und Schimpf mit 5 Unterbrechungen«, -die er noch bezeichnender Erlösungen hätte benamsen können, beschieden. -Sie beweist aufs neue, welch' großer Dichter Shakespeare war, von -dem sich H. zu dem Stücke »anregen« ließ. H. ist in erster Linie -novellistisches Talent, (vgl. auch »Bahnwärter Thiel«), ein scharfer -Beobachter und ein Meister der Kleinmalerei. Seine dichterische -Entwicklung ist sprungweise vor sich gegangen, er hat sich auf -allen Gebieten versucht, ehe er das Rechte fand, das ihn aus einem -psychologischen Destillateur zum Dichter machte. - -=Hermann Sudermann=, geb. am 30. Sept. 1857 in Matziken in Ostpreußen, -ergriff zuerst wie Ibsen -- mit dem er sonst keine Berührungspunkte -hat -- den Apothekerberuf, studierte dann in Königsberg und Berlin -Geschichte und Sprachen und wandte sich später ganz der Litteratur -zu. Ursprünglich als Romanschriftsteller thätig, errang er seinen -ersten glänzenden Erfolg mit dem Schauspiel »Ehre«, das über sämtliche -deutsche und ausländische Bühnen ging. Ein starkes theatralisches -Talent, hat er es immer verstanden, Konzessionen an die große Menge -zu machen. Er kennt sein Publikum und weiß, was er ihm vorzusetzen -hat, daher findet er selten den Mut einer Tendenz. Ein trostloser -Pessimismus geht durch seine Stücke, in denen er das Faule und Morsche -mit besonderer Vorliebe behandelt, ohne jedoch den Weg zu einer -besseren Zukunft auch nur anzudeuten. Über den Mangel an dichterischem -Gehalt täuscht er hinweg durch eine brillante Technik und eine -feine Witterung für die modernsten Probleme. Seine Kunst ist keine -innerliche, sie läßt eine selbständige Weltanschauung vermissen. Das -tritt nicht nur in seinem ersten Stück, sondern auch in seinen späteren -Schöpfungen: »Sodoms Ende«, »Heimat«, »Schmetterlingsschlacht«, -»Morituri«, »Das Glück im Winkel«, »Johannes«, »Die drei Reiherfedern« -zu Tage. Über dem Dramatiker wird häufig der Romancier Sudermann -vergessen, der uns mit einer Reihe spannend geschriebener Romane -und Novellen: »Im Zwielicht«, »Frau Sorge«, »Geschwister«, »Der -Katzensteg«, »Jolandes Hochzeit«, »Es war« beschenkt hat, unter denen -»Frau Sorge« obenan steht. - - - - -Die kleineren Dramatiker der Neuzeit. - - -=Max Halbe=, geb. am 4. Okt. 1865 in Guettland bei Danzig, errang -einen durchschlagenden Erfolg mit dem Stücke: »Jugend«, der ihn für -kurze Zeit in die Reihe der ersten Dramatiker stellte. Es gelang -ihm jedoch nicht, mit seinen späteren Stücken »Der Amerikafahrer«, -»Lebenswende«, »Mutter Erde«, »Das tausendjährige Reich«, von denen -das letztgenannte ein bedeutsamer Ansatz zum modern-historischen -Drama ist, diese Stellung zu behaupten, so sehr sie auch Zeugnis von -seinem ernsten künstlerischen Streben ablegen. H.'s Kunst wurzelt in -seiner heimatlichen westpreußischen Erde und hat ihre stärksten Seiten -in lyrischen Feinheiten. Von starkem dichterischen Gehalt ist seine -Dorfgeschichte »Frau Meseck«. - -=Ludwig Fulda=, geb. am 15. Juli 1862 in Frankfurt a/M., erweckte -bei dem Erscheinen der Schauspiele »Das verlorene Paradies« und -»Talisman« große Hoffnungen, die jedoch nicht verwirklicht wurden, da -sich seine Muse immer mehr zu Roderich Benedix hingezogen fühlte. F. -ist ein geistreicher, formgewandter Causeurpoet, seine Stücke hübsch -gedrechselte Salonware, ohne großen Gehalt, aber amüsant und auf -Massenerfolg hin geschrieben (»Die Kameraden«, »Robinsons Eiland«, »Der -Sohn des Kalifen«, »Jugendfreunde«, »Schlaraffenland«). Bemerkenswertes -leistete F., der über große Formgewandtheit und sprachliches Talent -verfügt, auf dem Gebiete des Epigramms und der Spruchdichtung, sowie -als Übersetzer (Molière, Rostand). - -=Arthur Schnitzler=, geb. am 15. Mai 1862 in Wien, hatte bedeutende -Bühnenerfolge mit seinen Schauspielen »Anatol«, »Märchen«, »Liebelei«, -»Freiwild«. Er ist der Liebespsychologe der Halbwelt, ein Dichter der -tändelnden, leichten, freien Liebe, der »kleinen süßen Mädels«, wie sie -Wien kennt. Seine Männer sind echte Lebemänner, die skrupellos ihrem -Vergnügen nachgehen und es dort suchen, »wo man lächelnd den ersten Kuß -empfängt und mit sehr sanfter Rührung scheidet«. - -=Josef Lauff=, geb. am 16. Nov. 1855 in Köln, begann seine -litterarische Laufbahn mit epischen Gedichten (»Jan van Calker«, »Der -Helfensteiner«, »Die Overstolzin«, »Klaus Störtebecker« u. a.) und -wandte sich dann unter kaiserlicher Protektion dem Drama zu (»Der -Burggraf«, »Der Eisenzahn«). In seinen Epen ist er ein verwässerter -Julius Wolff, in seinen Dramen ein verwässerter Wildenbruch. - -=Felix Philippi=, geb. am 5. Aug. 1851 in Berlin, wandte sich fast -ausschließlich der dramatischen Produktion zu (»Daniela«, »Wohlthäter -der Menschheit«, »Wer war's?«, »Das Erbe«, »Der goldene Käfig« u. a.). -Seine letzten Stücke, die meist sensationellen Hofgeschichten oder -politischen Vorkommnissen ihre Entstehung verdanken, wurden beifälliger -vom Publikum als von der Kritik aufgenommen. - -=Max Dreyer=, geb. am 25. Sept. 1862 in Rostock, führte sich vor ein -paar Jahren mit dem Drama »Eine« verheißungsvoll in die Litteratur -ein, schuf jedoch bald Stücke (»In Behandlung«, »Großmama«, »Hans«, -»Der Probekandidat«), an denen der klug rechnende Verstand mehr Anteil -hat, als das künstlerische Gewissen. Sie sind weniger Dichtungen als -Rechenexempel, deren Richtigkeit allerdings durch den Erfolg bestätigt -wird. - -=Josef Ruederer=, geb. am 15. Okt. 1861 in München, schuf in seinem -Erstlingsromane: »Ein Verrückter. Kampf und Ende eines Lehrers« -prächtige Gestalten und in der »Fahnenweihe« eine lebendige -Sittenkomödie. Seine neuesten Veröffentlichungen: der Novellenband -»Tragödien« und »Wallfahrer-, Maler- und Mördergeschichten« stehen -nicht ganz auf gleicher Höhe. - -=Caesar Flaischlen=, geb. am 12. Mai 1864 in Stuttgart, Redakteur -des »Pan«, ist ein sprödes und nicht sehr ergiebiges Dichtertalent, -das stets die »Moderne« auf sich einwirken ließ. Seine Dramen: »Toni -Stürmer« und »Martin Lehnhardt, ein Kampf um Gott« stehen ganz unter -dem Einflusse Strindbergs. - -=Otto Erich Hartleben=, geb. am 3. Juni 1864 in Clausthal, ist der -Ironiker unter den Modernen, der bei Maupassant in die Schule gegangen -ist und mit liebenswürdigem Humor seine Geschichten und Schnurren, -die er vorsorglich meist irgend einem Philister in den Mund legt, zu -erzählen weiß (»Die Geschichte vom abgerissenen Knopf«, »Vom gastfreien -Pastor«, »Der römische Maler«). Als Dramatiker ist er Thesendichter -(»Ein Ehrenwort«, »Die Erziehung zur Ehe«, »Ein wahrhaft guter Mensch« -u. a.). - -=Philipp Langmann=, geb. am 5. Febr. 1862 in Brünn, errang einen -großen und verdienten Erfolg mit seinem socialen Arbeiterdrama »Bartel -Turaser«, der seiner späteren dramatischen Produktion (»Die vier -Gewinner«, »Gertrud Antleß«) ebenso verdienter Weise versagt blieb. -Seine ganz in impressionistischem Stile geschriebenen »Realistischen -Erzählungen« und »Ein junger Mann von 1895 und andere Novellen« sind -bedeutungslos. Hübsche stimmungsvolle Bilder enthält dagegen sein -neuester Novellenband »Verflogene Rufe«. - -=Ernst Rosmer= (~recte~ Frau Elsa Bernstein) schrieb »Wir Drei«, -»Dämmerung«, »Königskinder«, sowie den Novellenband »Madonna«, in denen -sie den Spuren Gerhart Hauptmanns folgt. - -=Georg Hirschfeld=, geb. am 17. Febr. 1873 in Berlin, schuf seine -Schauspiele aus dem engen Kreise seiner (jüdischen) Familie heraus. »Zu -Hause«, »Die Mutter« und »Agnes Jordan« errangen daher bei dem Berliner -Premièrenpublikum freundliche Erfolge. - - - - -Tendenzfreie Lyriker der jüngsten Zeit. - - -=Detlev von Liliencron=, geb. am 3. Juni 1844 in Kiel, war Offizier -und wandte sich erst im reifen Mannesalter der Litteratur zu. Seine -litterarische Stellung verdankt er hauptsächlich seinen Gedichten, -in denen er sich als durchwegs subjektiver Dichter zeigt, dessen -Werke den Stempel der Ursprünglichkeit und des Selbsterlebten tragen. -(»Adjutantenritte«, »Gedichte«, »Der Haidegänger«, »Neue Gedichte«, -»Ausgewählte Gedichte«, »Kämpfe und Ziele«.) Die Form seiner Werke ist -nicht immer einwandfrei, weil oft ein burschikoses Sichgehenlassen -hervortritt, aber die Unmittelbarkeit seiner Empfindungsdarstellung -und die Frische seiner Gedanken vermögen wohl für diese Fehler zu -entschädigen. Sein bester Roman ist »Breide Hummelsbüttel«, der in den -Kreisen des holsteinischen Landadels spielt. Viel Lob ernteten auch -seine Novellensammlungen: »Eine Sommerschlacht«, »Kriegsnovellen«, -»Unter flatternden Fahnen« und sein neuester Roman: »Mit dem linken -Ellenbogen.« - -=Gustav Falke=, geb. am 11. Januar 1853 in Lübeck, steht hinsichtlich -der Begabung Detlev v. Liliencron am nächsten. Obwohl seine Lyrik -viel Formales enthält, hat er doch die Mittel, die höchsten und -reinsten Wirkungen zu erzielen und den Leser in seine Stimmungen -hineinzuzwingen. Gedichte: »Mynheer der Tod und andere Gedichte«, -»Tanz und Andacht«, »Zwischen zwei Nächten«, »Neue Fahrt«, »Mit dem -Leben«. Seinem stark realistisch gefärbten Hamburger Roman »Landen -und Stranden« ließ er vor kurzem den psychologischen Roman eines -~fin-de-siècle~-Menschen: »Der Mann im Nebel« folgen. - -=Carl Busse=, geb. am 12. Nov. 1872 zu Lindenstadt in Posen, lenkte -schon als Schüler die Aufmerksamkeit litterarischer Kreise auf sein -dichterisches Schaffen. In seinen »Gedichten« und »Neuen Gedichten«, -die in der Form von größter Reinheit sind, ist alles Farbe, Glanz und -Stimmung. Seine Romane und Novellen entbehren der Charakteristik, -während seine litteraturgeschichtlichen Untersuchungen feine -Bemerkungen und treffende Urteile aufweisen. - -=Ludwig Jacobowski=, geb. am 21. Januar 1868 in Strelno, Herausgeber -der »Gesellschaft«, ist einer der fleißigsten und begabtesten der -jüngeren Dichtergeneration. Seine Gedichte (»Aus bewegten Stunden«, -»Funken«, »Aus Tag und Traum«, »Leuchtende Tage«), zeigen ein -eigenartiges Gepräge, das auch in seinen Romanen »Werther der Jude«, -»Loki« und der Novellensammlung »Und Satan lachte« zu Tage tritt. - -=Richard Zoozmann=, geb. am 13. März 1863 in Berlin, mehr Dilettant als -Dichter, gab eine ganze Reihe von Gedichtsammlungen heraus, von denen -hier »Minneborn«, »Lieder, Romanzen und Balladen«, »Neue Dichtungen«, -»Aus Herz und Welt«, »Aus allen Zonen« genannt sein mögen. - -=Reinhold Fuchs=, geb. am 8. Juni 1858 in Leipzig, ist gleich -ausgezeichnet als Lyriker wie als Epiker. Die Versnovellen »Strandgut« -und »Herzenskämpfe«, drei Erzählungen in Versen, sind »goldene Früchte -in silbernen Schalen« und brauchten den Vergleich mit Tennyson nicht zu -scheuen. - -=Jeannot Emil Freiherr von Grotthuß=, geb. am 5. April 1865 in -Riga, Chefredakteur des »Türmer«, zeigt sich in seinen auch formell -einwandfreien Gedichten »Gottsuchers Wanderlieder«, sowie in der -Erzählung: »Der Segen der Sünde« als ein überzeugungstreuer Christ. - -=Ricarda Huch= (~recte~ Frau Ricarda Ceconi), geb. am 16. Juli 1864 -zu Porte Alegre, bekundete in ihren im Denken und Fühlen modernen -»Gedichten«, sowie in dem Roman »Erinnerungen von Ludolf Urslen dem -Jüngeren« ein starkes poetisches Talent. - -=Alfred Beetschen=, geb. am 8. Okt. 1864 in Aarau, ist ein -feinsinniger, liebenswürdiger Dichter, dem auch Witz und Satire nicht -fremd sind. Seine »Gedichte«, die er 1898 herausgab, spiegeln fast -durchweg Selbsterlebtes und -empfundenes wider. Ein hübsches wenn -auch nicht gerade bedeutendes novellistisches Talent spricht aus den -»Flegeljahren der Liebe«. - -=Hans Bethge=, geb. am 9. Januar 1876 in Dessau, der Jüngsten einer -in der Litteratur, debütierte mit dem Skizzenbuche »Syrinx«, dem er -Gedichte: »Die stillen Inseln« folgen ließ, in denen sich eine frische, -fröhliche Jugend ausspricht, die aber dank des Storm'schen Vorbildes -künstlerisch nicht auf Abwege gerät. Er ist ein Moderner und doch -»unmodern«, weil er noch Ideale hat. - -=Anna Ritter=, geb. am 23. Febr. 1865 in Coburg, gab 1898 »Gedichte« -heraus, die die leidenschaftliche hingebende Liebe des Weibes in -formvollendeten Versen zum Ausdruck bringen. - -=Johanna Ambrosius= (~recte~ Johanna Voigt), geb. am 3. August 1854 -in Lengwethen, führte sich als »arme Bäuerin« in die Litteratur ein -und verdankte dieser Darstellung einen großen buchhändlerischen Erfolg -ihrer »Gedichte«. - -=Ludwig Palmer= brauchte kaum als »Arbeiter« gleichsam entschuldigend -in die Litteratur eingeführt zu werden. Ein großer Teil seiner »Lieder -eines Arbeiters« sind, bei tiefem Gefühlsgehalt, in der Form tadellos. - -=Gustav Renner=, geb. am 17. Oktober 1866 in Freiburg in Schl., war -ursprünglich Buchbinder und ging dann zur Kunstmalerei über. Seine -»Gedichte« erregten Aufsehen und wurden von der Kritik ebenso günstig -aufgenommen, wie die »Neuen Gedichte«, die eher eine Steigerung als -eine Abnahme seines dichterischen Könnens verraten. - - - - -Philosophische und polemische Dichter. - - -=Ferdinand Avenarius=, geb. am 20. Dez. 1856 in Berlin, zeigt sich -in seinen Gedichtsammlungen als objektiver Lyriker, der oft statt -Empfindungen Grundsätze zum Ausdruck bringt. (»Wandern und Werden«, -»Lebe« und das lyrische Epos: »Die Kinder von Wohldorf«.) Als -Herausgeber des »Kunstwart« hat er auf unser litterarisches und -künstlerisches Leben vielfach Einfluß gewonnen. - -=Otto Ernst= (Pseudon. für Otto Ernst Schmidt), geb. am 7. Okt. 1862 -in Ottensen bei Hamburg, von Beruf Lehrer, ist eine kampfesfrohe, -polemische Natur, die sich gern gegen das Althergebrachte wendet und -auch in der Litteratur oft den Herrn Lehrer spielt. (Gesammelte Essays -aus Litteratur, Pädagogik und öffentlichem Leben unter dem Titel: -»Offenes Visier«, »Buch der Hoffnung«.) Seine besten Werke sind die -Novellensammlung »Aus verborgenen Tiefen«, die »Karthäusergeschichten« -und die humoristischen Skizzen: »Ein frohes Farbenspiel«. Das Ende 1899 -erschienene Schauspiel: »Die Jugend von heute« ist trotz stellenweise -treffender Satire ein verfehlter Versuch zu einer »deutschen Komödie«. - -=Wilhelm Weigand=, geb. am 13. März 1862 in Gissigheim, gab sich als -geistvoller Essayist in seinen litteraturgeschichtlichen Schriften. -Außer dem Roman: »Die Frankenthaler« und einer Reihe dramatischer -Schriften »Die Renaissance« (Dramencyklus) u. a. gab er »Dramatische -Gedichte«, »Sommer« (Neue Gedichte) u. a. heraus. - -=Carl Spitteler= (Pseudon. Felix Tandem), geb. am 24. April 1845 in -Luzern, der bedeutendste lebende Dichter der Schweiz, debütierte mit -der Dichtung »Prometheus und Epimetheus«, der er die Gedichtsammlung -»Schmetterlinge« und »Balladen« folgen ließ. Als geistreicher Causeur -zeigt er sich in den »Lachenden Wahrheiten«. - -=Josef Viktor Widmann=, geb. am 20. Febr. 1842 in Nennowitz i. M., -bekannt als litterarischer Kritiker des »Berner Bund«, begann seine -Laufbahn mit Dramen und Epen, die stark philosophisch angehaucht sind. -Von seinen letzten Werken wurde das Epos »Maikäfer-Komödie«, das sich -durch liebenswürdigen Humor auszeichnet und viele satirische Spitzen -und Anspielungen enthält, beifällig aufgenommen. - -=Christian Wagner=, geb. am 5. August 1835 in Warmbrunn, lebt als Bauer -in seinem Geburtsorte. Er ist ein tüchtiger Botaniker und weiß in -seinen prosaisch-poetischen Naturbetrachtungen die charakteristischen -Eigentümlichkeiten der Blumen zu kleinen Märchen auszugestalten. -(»Märchenerzähler, Bramine und Seher« [in 2. Aufl. unter dem Titel: -»Sonntagsgänge«], »Balladen und Blumenlieder«, »Weihegeschenke«, »Neue -Dichtungen«.) Seine buddhistisch-brahmanistische Weltanschauung legte -er in seinem letzten Werke »Mein Glaube« nieder. - -=Wilhelm Bölsche=, geb. am 2. Jan. 1861 in Köln, hat sich durch seine -auf naturwissenschaftlicher Grundlage aufgebauten Schriften über -die moderne Dichtung und Wissenschaft einen Namen gemacht. Als sein -reifstes und bestes Werk gilt der Roman: »Die Mittagsgöttin«. - -=Walther Siegfried=, geb. am 20. März 1858 in Zofingen (Schweiz), -errang mit seinem Künstlerroman »Tino Moralt«, der sich durch feine -Seelenmalerei auszeichnet, einen vollen Erfolg. Auf nicht ganz gleicher -Stufe stehen seine späteren Werke: »Fermont« und »Um der Heimat willen«. - -=Benno Rüttenauer=, geb. am 2. Febr. 1855 in Oberwittstadt, machte -sich durch gediegene litterarische Essays bekannt. Die alte gute -Kunstüberlieferung suchte er, im Gegensatz zur modernen Schule, in -seinen Romanen und Novellen (»Unmoderne Geschichten«, »Zwei Rassen«) -wieder zur Geltung zu bringen. - - - - -Die Amazonen des Geistes. - - -=Marie Eugenie delle Grazie=, geb. am 14. Aug. 1864 in -Unter-Weißkirchen, veröffentlichte Gedichte und Epen, von denen das -moderne großangelegte Epos »Robespierre« das bekannteste ist. - -=Helene Böhlau= (Mädchenname der Frau al Raschid Bey), geb. am 22. -Nov. 1859 in Weimar als Tochter des dortigen Hofbuchhändlers Herm. B., -gelangte früh durch diese ›Verbindung‹ in die »Deutsche Rundschau« und -zur Anerkennung. Als ihre besten Werke sind die »Ratsmädel-Geschichten« -und »Der Rangierbahnhof« anzusehen. Ihr neuester Roman »Halbtier«, -der viel Staub aufwirbelte, gehört der hysterischen weiblichen -Anklagelitteratur an. - -=Anna Croissant-Rust=, geb. am 10. Dez. 1860 in Dürkheim a/H., ist die -Naturalistin ~par excellence~ in der deutschen Litteratur. (»Feierabend -und andere Münchner Geschichten«, »Lebensstücke«, »Der standhafte -Zinnsoldat«, »Der Kakadu und die Prinzessin auf der Erbse«.) - -=Maria Janitschek=, geb. am 23. Juli 1860 in Mödling, ist ein starkes, -dichterisches Talent, das eine besondere Vorliebe für absonderliche und -krankhafte ~fin-de-siècle~-Menschen bekundet. Mit Laura Marholm steht -sie an der Spitze der weiblichen Emanzipationsgegner und giebt ihren -Gedanken über das moderne Weib rückhaltlosen Eindruck. (»Gesammelte -Gedichte«, »Raoul und Irene«, »Aus der Schmiede des Lebens«, »Vom -Weibe«, »Ins Leben verirrt«.) - -=Emil Marriot= (Pseudon. für Emilie Mataja), geb. am 20. Nov. -1855 in Wien, gehört der realistischen Schule an. In ihren stark -katholisch gefärbten Werken »Geistlicher Tod«, »Die Unzufriedenen«, -»Caritas«, »Der Heiratsmarkt« u. a. kämpft sie mit Vorliebe für die -Frauenemancipation. - -=Hermione von Preuschen=, geb. am 7. August 1857 in Darmstadt, die -Gattin Konrad Telmanns, versuchte sich als Dichterin und Malerin, -ohne jedoch trotz aller Sensationsbestrebungen und Effekthascherei zu -reüssieren (»Regina Vitae«, »Tollkraut«, »Via Passionis« u. a.). - -=Lou Andreas-Salomé=, ist eine der gehaltvollsten und tiefsinnigsten -Erzählerinnen, auf deren künstlerischen Werdegang die Nietzsche'sche -Philosophie großen Einfluß gewann. Ihre Stärke liegt vor allem in -der Zergliederung des Menschencharakters, der Analyse der geheimsten -Seelenregungen. (»Ruth«, »Aus fremder Seele«, »Fenitschka«.) - -=Gabriele Reuter=, geb. am 8. Februar 1859 in Alexandrien, errang -einen vollen Erfolg mit ihrem viel von dem eigenen Denken und Fühlen -verratenden Roman: »Aus guter Familie«, der die Leidensgeschichte eines -jungen Mädchens enthält, das an der Erziehungslüge zu Grunde geht. 1896 -folgte ein Novellenband: »Der Lebenskünstler«. Anfang 1900 ein neuer -Roman: »Frau Bürgelin und ihre Söhne«. - -=Anselm Heine= (Pseudon. für Selma Heine), geb. am 18. Juni 1855 -in Bonn, gewann mit ihren Novellensammlungen: »Drei Novellen« und -»Unterwegs« die Gunst des Publikums und der Kritik. - -=Hans von Kahlenberg= (Pseudon. für Helene von Monbart), geb. am 23. -Febr. 1870 in Heiligenstadt, zeichnete sich in ihren Werken »Ein -Narr«, »Die Jungen«, »Die Familie von Barchewitz« und dem Briefwechsel -»Nixchen« durch eine Erotik aus, die die Wahl eines Pseudonyms zur -unbedingten Notwendigkeit machte. - -=Elsa Asenijeff= (Pseudon. für Elsa Nestoroff), eine aus slavischer -Abstammung geborene Wienerin, greift in ihren mit philosophischen -Anschauungen durchtränkten Schriften, die an Offenheit nichts zu -wünschen übrig lassen, vorzugsweise das »Ewig-Männliche« an. (»Ist das -die Liebe?«, »Aufruhr der Weiber«, »Sehnsucht.«) - - - - -»Artisten«, Symbolisten und Unverstandene. - - -=Johannes Schlaf=, geb. am 21. Juni 1862 in Querfurt, ging vom -Naturalismus aus (»Papa Hamlet«, »Familie Selicke« [in Gemeinschaft -mit Arno Holz], »Meister Olze«) und wandte sich dann dem Symbolismus -zu (»Frühling«, »Sommertod«, »Gertrud«). Von seiner Romantrilogie, -die den Entwicklungsprozeß eines »Neumenschen« hamletschen Gepräges -zeigen soll, ist bisher nur der 1. Band unter dem Titel: »Das dritte -Reich«, ein Berliner Roman, erschienen. Sch.'s Produktion nach seiner -Emancipation von Arno Holz zeigt, daß er dichterisch der bedeutendere -der beiden war, wenn ihm auch das Kraftvoll-Männliche abgeht und ein -weicher, verträumter Zug über seinen Werken liegt. - -=Otto Julius Bierbaum=, geb. am 28. Juni 1865 in Grünberg, redigierte -eine Zeitlang die »Freie Bühne«, die er in die »Neue Deutsche -Rundschau« umtaufte, gab den »Modernen Musenalmanach« heraus, gründete -mit dem Halbpariser Julius Meier-Gräfe den »Pan« und ist gegenwärtig -Mitherausgeber der »Insel«. B. warf sich zum Herold der Symbolisten -auf, mit denen er eine Versicherungsgesellschaft auf gegenseitige -Hochachtung und Anerkennung gründete, schrieb »Erlebte Gedichte«, -»Studentenbeichten«, »Nemt Frouwe disen Kranz«, »Pankrazius Graunzer«, -»Stilpe«, »Das schöne Mädchen von Pao« u. a., und giebt mit Vorliebe -seinen Bierulk für Humor aus. Der Originalität wegen sieht er sich -gern im Mittelalter, wenn nötig auch im Auslande, nach Gewändern -um, seine Figuren damit zu behängen und ihnen auf diese Weise ein -»charakteristisches Gepräge« zu geben, das ihnen sonst abgehen würde. - -=Franz Evers=, geb. am 10. Juli 1871 in Winsen, erweckte mit seinen -ersten Gedichtsammlungen »Symphonie« und »Fundamente« Hoffnungen, -verlor sich jedoch später ganz in die Irrgänge der Mystik (»Hohe -Lieder«, »Maria«, »Paradiese«), aus denen er bisher noch keinen Ausweg -gefunden hat. - -=Stanislaw Przybyszewski=, geb. am 7. Mai 1868 in Lojewo (Prov. Posen) -sucht in seinen Schriften den Beweis von der Verwandtschaft des Genies -mit dem Irrsinn zu erbringen, oder ist wenigstens bestrebt, beide so -mit einander zu verquicken, daß es dem Leser schwer fällt, in dem -einen das andere und in dem anderen das eine herauszufinden. Seine -dämonisch-verrückt-genialen Dichtungen peinigen den Leser geradezu mit -der Darstellung all' der wirklichen und eingebildeten Schmerzen einer -zerfaserten ~fin-de-siècle~-Seele. Für Gleichgesinnte, die erfahren -wollen, wie schwer sich der moderne Mensch das Leben machen kann und -wie sehr er leidet, wie nicht minder für Irrenärzte, sind die P.'schen -Werke (»~Homo sapiens~«, »~De profundis~«, »Satans Kinder«, »In diesem -Erdenthal der Thränen«) eine pathologische Goldgrube. - -=Richard Dehmel=, geb. den 18. November 1863 zu Wendisch-Hermsdorf, -ist einer der vielumstrittensten und einflußreichsten Litteraten der -Gegenwart, der, selbst ein Grübler, es verstanden hat, unklare Köpfe -durch seine lyrischen Stammeleien noch unklarer zu machen. Neben den -barocksten und verworrensten Gedichten gelingt ihm hin und wieder ein -sehr gutes. Wir besitzen von ihm die Gedichtsammlungen »Erlösungen«, -»Aber die Liebe«, »Lebensblätter«, »Weib und Welt«, ein Drama: »Der -Mitmensch« und das Tanzspiel: »Luzifer.« - -=Frank Wedekind=, geb. am 24. Juli 1864 in Hannover, hat sich mit -Vorliebe auf dem Gebiete des Dramas oder richtiger des Schwankes -bewegt. Er ist der Litteratur-Clown ~par excellence~, dessen tolle -Sprünge und Capriolen leider nicht für den Mangel an jeder Handlung in -seinen »Dramen«, die Groteskes und Tragisches in kunterbunter Mischung -enthalten, entschädigen können. (»Die junge Welt«, »Der Erdgeist«, -»Der Liebestrank« u. a.). Um seine litterarische Art und Stellung -noch präziser zu kennzeichnen, sei daran erinnert, daß er einer der -Hauptmitarbeiter des »Simplizissimus« war. - -=Wilhelm von Scholz=, geb. am 15. Juli 1874 in Berlin, ist Verfasser -von Gedichten (»Frühlingsfahrt«, »Hohenklingen«), die eine Neigung zu -altdeutsch-romantischer Mystik bekunden, wie auch zweier Dramen oder -richtiger lyrischer Gedichte in dramatischer Form (»Der Gast«, »Der -Besiegte«), denen dieselben Merkmale anhaften. - -=Felix Dörmann= (Pseudon. für Felix Biedermann), geb. am 29. Mai -1870 in Wien, liebte frühzeitig »die hektischen schlanken Narzissen, -alles was krank und faul und wund«. Dieser Geschmacksrichtung -entsprechen seine Gedichtsammlungen »Neurotica«, »Sensationen« und -die Sittenkomödie »Ledige Leute«, in denen er sich als krampfhafter -Dekadent erweist. - -=Hugo von Hofmannsthal=, geb. am 1. Febr. 1874 in Wien, schrieb -formschöne, feincisilierte, wenn auch dem Leben abgewandte Dichtungen. -Seine Begabung ist hauptsächlich formalistischer und stilistischer -Natur und seine Dramen (»Der Thor und der Tod«, »Der Abenteurer«, »Die -Hochzeit der Sobeïde«), deren Stoffe zumeist der Märchenwelt entnommen -sind, erinnern in vielem an D'Annunzio's letzte Werke. Als eine -Bereicherung unserer Bühne sind sie nicht anzusehen. - -=Hugo Salus=, geb. am 3. Aug. 1866 in Böhm.-Leipa, machte sich zuerst -durch Gedichte im »Simplizissimus« und der »Jugend« bekannt, in denen -schwere Gedanken mit übermütiger Schelmerei, ~fin-de-siècle~-tum mit -altdeutscher Romantik in buntem Reigen vorüberziehen. (»Gedichte«, -»Neue Gedichte«, »Ehefrühling«.) - -=Peter Altenberg=, geb. am 9. März 1862 in Wien, machte mit einer -Sammlung von Stimmungsbildern: »Wie ich es sehe« in Litteratenkreisen -Aufsehen. Sie ist ebenso wie »Aschantee« ganz im impressionistischen -Stile geschrieben, der sehr bequemerweise nur Andeutungen giebt und es -dem Leser überläßt, sie weiter auszuführen. - -=Stephan George=, geb. 1868 in Bingen a. Rhein, schrieb »Hymnen, -Pilgerfahrten, Algabal«, »Die Bücher der Hirten und Preisgedichte, -der Sagen und Sänge und der hängenden Gärten«, denen sich 1898 »Das -Jahr der Seele«, 1899 »Der Teppich des Lebens und die Lieder von Traum -und Tod« anschlossen. Seine Dichtungen -- ihrem »Wert« entsprechend -meist auf das feinste Büttenpapier gedruckt -- sind oft nicht weniger -verworren als die Titel, unter denen er sie herausgab. - -=Alfred Mombert= kann denjenigen jüngstdeutschen Lyrikern zugezählt -werden, deren überreizte, krankhafte Phantasie sich jeden Stoffes, -jeder Empfindung bemächtigt, um ihnen dichterischen Ausdruck zu geben. -Sein Gedichtband: »Die Schöpfung« läßt nicht klar erkennen, ob es sich -um einen langatmigen Scherz oder um Phantasien eines geistig Gestörten -handelt. - -=Paul Scheerbart=, geb. am 8. Jan. 1863 in Danzig, früher »Bureauchef -im Verlag deutscher Phantasten«, ist einer der seltsamsten Käuze in der -neuzeitlichen Litteratur, der neben phantastischen Einfällen eine gute -Dosis Blödsinn in seinen Schriften ablagert (»Tarub, Bagdads berühmte -Köchin«, »Der Tod der Barmekiden« u. a.). - - - - -Nationale Jungösterreicher. - - -=Arthur von Wallpach=, geb. am 6. März 1866 in Vintl (Tirol), -Schriftleiter des »Scherer«, veröffentlichte »Im Sommersturm« und -»Sonnenlieder«, ernste formvollendete Dichtungen, die von nationalem -Bewußtsein beseelt sind. - -=Franz Herold=, geb. am 15. Febr. 1854 in Böhmisch-Leipa, gab heraus -»Wachsen und Werden«, »Spuren«, »Fremde und Vaterland«, meistens -Gedankendichtungen, denen er eine ansprechende Form zu geben versteht. - -=Hermann Hango=, geb. am 16. Mai 1861 in Wien, verfaßte: »Zum Licht«, -»Neue Gedichte«, »Faust und Prometheus«, »Nausikaa« (Trauerspiel), die -sich durch schöne Form und Gedanken auszeichnen. - -=Josef Kitir=, geb. am 11. Febr. 1867 in Aspang in Niederösterreich, -Herausgeber der »Poetischen Flugblätter«, hat die Gabe, Ereignisse des -alltäglichen Lebens mit großer dichterischer Stimmung zu schildern. K. -veröffentlichte »Leben und Stimmung«, »Lyrische Radierungen«. - -=Oskar Weilhart= (Pseudon. für Oskar Gerzer), geb. am 26. September -1868 in Mattighafen, schrieb mit seinem Bruder Josef Hafner eine Reihe -von Dramen: (»Keine Sühne«, »Der Frauenkongreß«, »Brotlose Kunst«), -die trotz mancher dramatischer Unbeholfenheiten das Ringen ehrlichen -Könnens mit großen Stoffen beweisen. - -=Franz Adamus=, geb. am 15. Okt. 1867 in Auschwitz, wurde durch sein -in den schlesischen Bergwerksdistrikten spielendes Drama: »Familie -Wawroch« bekannt, in welchem er mit gutem Gelingen den gesunden -Realismus aus den Anfängen der modernen Litteraturentwickelung wieder -auf die Bühne bringt. - -=Emil Ertl=, geb. am 11. März 1860 in Wien, hat sich durch seine -Novellen »Opfer der Zeit«, »Miß Grant«, »Die Perlenschnur« u. a. als -feinsinniger Erzähler einen guten Namen errungen. - -=Heinrich von Schullern=, geb. am 17. April 1865 in Innsbruck, wurde -durch seine Skizzen (»Helldunkel«) bekannt, in denen man Stil, Grazie -und Esprit, oft auch nicht immer gut verteilte satirische Spitzen -findet. In seinem stellenweise stark polemisierenden Roman »Im Vormärz -der Liebe« schildert er die Geschichte einer zur Lebenserkenntnis -gelangenden Jugend. - -=Hanns Weber-Lutkow= (Pseudon. für ~Dr.~ Hanns Pokorny), geb. am 27. -September 1861 in Lemberg, veröffentlichte zahlreiche Skizzen und -kritische Arbeiten und entrollte in seinen »Schlummernden Seelen« -ergreifende Bilder aus dem Fühlen und Leben des niederen Volkes in -Kleinrußland. - -=Hugo Greinz=, geb. am 3. Juni 1873 in Innsbruck, Herausgeber des -»Kyffhäuser«, gilt als kritischer Vorkämpfer für die Idee einer von -der Großstadt unabhängigen österreichischen Provinzlitteratur. Seine -Novellen »Küsse« stehen unter Jacobsen'schem Einflusse. Mit Heinrich -von Schullern gab er 1898 den modernen Musenalmanach »Jung-Tirol« -heraus. - - - - -Zur Charakteristik litterarischer und verwandter Blätter. - - -An der Spitze unserer Revuen und litterarischen Zeitschriften -marschiert noch immer die von Julius Rodenberg gegründete und geleitete -»Deutsche Rundschau«, der in Inhalt und Ausstattung die »~Revue des -deux Mondes~« als Vorbild gedient hat. Erreichte sie auch nicht die -Verbreitung und den Einfluß ihrer französischen Schwester, so hat sie -doch alle Eigenschaften, die sie als ein vornehmes Organ im besten -Sinne charakterisieren, das die Lobsprüche, welche ihm anläßlich des -25jährigen Bestehens, im November 1899, gewidmet wurden, durchaus -verdient. In gewissem Abstande folgen »Nord und Süd«, herausgegeben -von Paul Lindau, und die »Deutsche Revue«, von denen sich die letztere -in neuester Zeit besonders durch ihre zahlreichen und umfangreichen -Bismarckpublikationen hervorgethan hat. - -Mehr dem Gebiet und dem Geiste der »Gartenlaube«, des »Daheims« u. -s. w. nähern sich »Westermann's Monatshefte«, eine sehr konservativ -gehaltene Zeitschrift, und »Velhagen und Klasings Monatshefte«, die dem -litterarischen Schaffen unserer Tage, besonders dem der Tagesgrößen, -aufmerksame Beachtung schenken und das Publikum gern einen Blick in -die litterarischen Werkstätten thun lassen. Nicht für das große -Publikum berechnet ist die »Neue Deutsche Rundschau«, die aus der -»Freien Bühne« hervorging, eine der »freiesten« Monatsschriften, -in der sich oft die wagehalsigsten Geschichtchen im Stile der -Allermodernsten finden. Sie hat den Erfolg Hauptmanns und seine -litterarische Stellung mit begründen helfen und uns mit einer Reihe -Ausländer, namentlich nordischer Schriftsteller, bekannt gemacht, die -ohne dieses Organ schwerlich in Deutschland zu Gehör gekommen wäre. Die -»Neue Deutsche Rundschau« hat in den 90er Jahren im Litteraturleben -fast dieselbe Stellung eingenommen, wie im vorausgegangenen Jahrzehnt -»Die Gesellschaft«. Als die Sturm- und Drangperiode der 80er Jahre -inauguriert wurde, scharten sich die neuen Streiter, alles was in -Litteratur machte und revoltierte, aber keinen Verleger finden konnte, -um das Banner der »Gesellschaft«, an deren Spitze M. G. Conrad und Karl -Bleibtreu standen. Wie die Mitarbeiter der »Neuen Deutschen Rundschau« -in S. Fischer, Berlin, so fanden die Jüngsten der »Gesellschaft« in -Wilhelm Friedrich, Leipzig, ihren Verleger. Als die Bewegung, deren -Bedeutung man nicht unterschätzen darf, wenngleich ihre Haupthelden -viel gethan haben, sich um allen Kredit zu bringen, in ein ruhigeres -Fahrwasser glitt, als man das Geschrei von der Wolle sonderte, da sank -auch die »Gesellschaft« von Stufe zu Stufe, trieb sich, ohne festen Fuß -fassen zu können, bei allen Verlegern umher und ist jetzt endlich im -Verlage von E. Pierson, Dresden, vor Anker gegangen. Sie büßt nun ihre -litterarische Vergangenheit, und es wird der energischen, zielbewußten -Leitung des jetzigen Redakteurs, Dr. Ludwig Jacobowskis, bedürfen, sie -in litterarischen Kreisen wieder »gesellschafts«fähig zu machen. - -Mehr auf politischem als litterarischem Gebiete liegt die Bedeutung -der »Grenzboten« und der »Preußischen Jahrbücher«. Ihre Glanzperioden -gehören der Vergangenheit an, und namentlich die erstere, die früher -auch in Österreich eine Rolle spielte, ist jetzt nur der Schatten von -ehedem, als noch Gustav Freytag auf dem Redaktionssessel saß. Als -gut geleitete, angesehene Zeitschriften sind noch die Zolling'sche -»Gegenwart« und die »Nation«, das Organ des freisinnigen Abgeordneten -Dr. Barth, zu nennen. Den gleichen Rang, nur mit stärkerer Betonung -des politischen Teiles, nehmen in Österreich »Die Zeit« und die -von Dr. Rudolf Lothar geleitete »Wage« ein. Zu ihnen hat sich -seit April 1899 »Der Kyffhäuser«, eine von Hugo Greinz geleitete -Monatsschrift, gesellt, die ihre Hilfe und Unterstützung den bedrohten -nationalgesinnten Deutschen leiht. Von geringer Bedeutung und wohl -nur in Litteratenkreisen begehrt, ist die »Wiener Rundschau«, -eine von Constantin Christomanos und Felix Rappaport geleitete -Halbmonatsschrift, die einen starken Zug nach Mystik und Symbolismus ~à -la~ Strindberg und Maeterlinck bekundet. - -Eine Ausnahmestellung nimmt der »Simplizissimus« ein, der ebenso wie -die Münchener »Jugend« nur bedingungsweise in diese Übersicht gehört. -Die »Jugend« hat sich nicht so ungebärdig gezeigt, wie das Langensche -Blatt, obwohl sie schon durch ihren Titel ein größeres Recht auf -Ungebundenheit herleiten könnte. Manch hübsche Zeichnung und manch -guter Beitrag ist in ihren Spalten erschienen, und der frische, -fröhliche Zug, der durch das Ganze geht, haben ihr, trotz manches -Minderguten, das man schon der »Jugend« zu gute halten mußte, viele -Freunde und Anhänger geschaffen. Anders der »Simplizissimus«, der -seiner Zeit mit dem Anspruche auftrat, ein deutsches Familienblatt -zu sein, in seinen Spalten die politischen und socialen Verhältnisse -in humoristischer und satirischer Form widerzuspiegeln und lachend -die Wahrheit zu sagen. Selten ist zwischen einem Programm und seiner -Ausführung ein so großes Mißverhältnis eingetreten, wie dies beim -»Simplizissimus« der Fall ist, selten ist das Wort Humor so falsch -verstanden und interpretiert worden, wie bei dieser Zeitschrift. Die -Mitarbeiter, die sich um die Fahne des neuen Blattes sammelten, sind -fast sämtlich bei den Franzosen in die Schule gegangen und haben dort -alles, was deutsch an ihnen war, weit hinter sich gelassen. »Die -deutsche Sprak ist eine zu arme Sprak, eine plumpe Sprak« und das -deutsche Wesen ein zu schwerfälliges, zu gründliches, als daß man es -für ein Blatt hätte brauchen können, das in erster Linie auf starke -Effekte berechnet war. Eine »Gartenlaube« oder ein »Daheim« hätte die -Zeitschrift nicht zu werden brauchen, aber noch weniger das, was sie -geworden ist: ein in deutscher Sprache geschriebenes französisches -Skandal-Boulevardblatt. Was dem Blatte vor allem fehlt, ist der -sittliche Ernst, den man auch aus Witz und Humor herausfühlen muß und -der uns sagt, daß die Absicht des Zeichners wie des Dichters, trotz -der stark aufgetragenen Farben, eine gute war, daß sie nicht _nur_ auf -Skandal und Effekthascherei ausgegangen ist. Daß dieses Gefühl in uns -nicht aufkommt, dafür sorgen die fast in jeder Nummer enthaltenen -echt französischen Cochonnerien, die, man mag mit noch so viel gutem -Willen versuchen, in sie etwas hineinzulegen, nichts anderes bleiben -als »Caviar« für Lebemänner im Sinne des Herrn Grimm in Budapest[6]. -- -Vom »Simplizissimus« zur »Zukunft« ist trotz der großen Verschiedenheit -der inneren und äußeren Gestaltung beider Blätter kein allzuweiter -Schritt: sie begegnen sich in der destruktiven Tendenz, die gegen -alles Bestehende gerichtet ist und ihre Freude nur am Negieren und -Verreißen hat. Wo der »Simplizissimus« grob und derb zugreift, da -finden wir die »Zukunft« und ihren Herausgeber in stiller Minierarbeit -thätig. Harden ist zweifellos ein begabter und tüchtiger Journalist -mit einem Stich ins Exotische und einer feinen Witterung für das -Aktuelle. Er geht selten gerade aufs Ziel los, aber er versteht es, -in Gleichnissen, Bildern und Allegorien sein Ziel sicher zu treffen. -Dabei besitzt er eine erstaunliche Bekanntschaft mit Büchern, die außer -ihm kein Mensch kennt, oder vielleicht richtiger, die Gabe, seine -gesamten Kenntnisse in jedem einzelnen Artikel in kursfähige, kleine -Münze umzusetzen. Er ist ein Mann nach dem Herzen des Staatsanwalts, -der schon wiederholt verlangend die Arme nach ihm ausgestreckt hat, -ein Mann, dem der Erfolg und der Effekt über alles gehen, der sich in -Gegensatz zur herrschenden Partei schon aus Freude an der Opposition -überhaupt stellen würde. Maximilian Harden ist aber noch mehr. Er ist -vor allem der Geschäftsmann ~par excellence~, der sein Publikum kennt -und weiß, was er ihm vorzusetzen hat. Er vertritt das monarchische -Prinzip, aber er mag den Kaiser nicht, er ist für Verfassung, aber -sie paßt ihm nicht, er ist ein glühender Verehrer Bismarck's, aber er -wäre es kaum, wenn Bismarck noch amtiert hätte, als seine Zeitschrift -zu erscheinen begann. Auf diese Weise sammelte er die Partei jener -um sich, die, wenngleich gute Monarchisten, mit den bestehenden -Verhältnissen unzufrieden sind, jene vor allem, die es als nicht in -den Kreis der Herrscherpflichten fallend erachten, wenn ein Kaiser -nicht nur ein guter Regent, sondern auch ein guter Redner sein will. -- -Völlig bedeutungslos ist die von ~Dr.~ Wrede herausgegebene »Kritik« -geblieben, die ursprünglich als Konkurrenz der »Zukunft« gegründet -wurde. Trotz aller polemischen Versuche Wredes, die oft komisch genug -ausfielen, hat sich die »Kritik« nie mit dieser ganz aus Persönlichem -heraus geschaffenen Zeitschrift auch nur entfernt messen können. Harden -ist auch als Journalist Schriftsteller und ein geistreicher Kopf, -während sich Wrede von den Brosamen nährt, die von des Reichen Tische -fallen. - - [6] In den gegen Ende 1899 gegründeten Zeitschriften - »Münchhausen« (inzwischen wieder eingegangen) und »Satyr«, - von denen die letztere auch schon wiederholt konfisziert - wurde, hat der »Simplizissimus« bereits würdige Nachfolger - gefunden. - -Zu unseren bestgeleiteten Zeitschriften gehört der von Jeannot Emil -Freiherrn von Grotthuß herausgegebene »Türmer«, der den Untertitel: -Monatsschrift für Gemüt und Geist führt. »Der Türmer« will die -Sehenden zu Schauenden machen, »umsaust von Schlagworten, von Parteien -und Schulen umhergezerrt, will er den stillen Winkel bieten, wo ein -jeder nach dem harten Tagewerk in Feierabendstimmung die Flut der -Erscheinungen des socialen und künstlerischen Lebens erörtern und -verarbeiten kann«. Diesem Programm hat der »Türmer« mit Erfolg gerecht -zu werden versucht. Er ist kein Organ für Freidenker, wie sich das -bei dem Herausgeber und dem lyrisch-religiös angehauchten Verlage von -Greiner & Pfeiffer, Stuttgart, von selbst versteht, und es ist nur zu -wünschen, daß er nicht im Laufe der Zeit in eine kirchlich-reaktionäre -Strömung gerät, die ihn aus dem jetzigen Interessentenkreis hinaus -in die enge Stube des Pfarrhauses trägt. -- Einen vornehmen Anstrich -hat sich auch die von Karl Emil Franzos herausgegebene »Deutsche -Dichtung« bewahrt, ohne daß man ihr jedoch einen besonderen Einfluß -auf unser Geistesleben zugestehen könnte. -- Zu erwähnen wären hier -noch zwei politisch-litterarische Zeitschriften, die vor Jahresfrist -gleichzeitig unter dem vielverheißenden Titel: »Das neue Jahrhundert«, -die eine in Köln, die andere in Berlin, erschienen, sowie die von -August Scherl herausgegebene »Woche«, auf die die Tendenzen des -»Berliner Lokalanzeigers« -- eine gesinnungstüchtige Parteilosigkeit -- -litterarisch-künstlerisch gefärbt, übertragen wurden. Die Auflage der -»Woche« ist infolgedessen binnen kurzem auf über 400000 gestiegen. - -Sieht man von einigen kleineren Blättern ab, von denen man nicht -weiß, ob sie bei Ausgabe dieses Werkchens noch existieren werden, -so bleiben von jenen Zeitschriften, die man in den Katalogen als -»Revuen für Kunst, Wissenschaft und öffentliches Leben« aufgeführt -findet, die große Kunstzeitschrift »Pan«, einsam in stolzer Höhe -thronend, für das Kunstverständnis und den Geldbeutel aller jener zu -hoch, für die sie ins Leben gerufen wurde, und die im Oktober 1899 -gegründete Zeitschrift »Die Insel« übrig. »Pan« hat die Erwartungen, -die sich an sein Erscheinen knüpften, in keiner Weise erfüllt, er ist --- ohne jede feste, zielbewußte Redaktion -- so unverständlich und -geheimnisvoll geblieben, wie sein Ahn, der große »Pan«, und wohl nur -der Opferwilligkeit einiger Bankiers und sonstiger wohlsituierter -Leute, die ihr künstlerisches Interesse durch Hergabe einiger -Goldfüchse zu bethätigen suchen, ist es zu danken, daß er -- wenn -auch fast unter Ausschluß der Öffentlichkeit -- noch erscheint. -- -»Die Insel«, herausgegeben von Otto Julius Bierbaum, A. W. Heymel -und R. A. Schröder, von der jetzt 4 Hefte vorliegen, scheint sich -nach Ausstattung, Inhalt und Preis -- Jahresabonnement 36 Mk. -- mehr -an die Liebhaber und Sammler, als an die wirklichen Litteratur- und -Kunstfreunde zu wenden. Die litterarischen Beiträge sind ohne jede -Bedeutung, einzelne direkt albern, der »Bilderschmuck« primitiv wie der -einer Kinderfibel und die Druckschrift so verschnörkelt und entartet, -daß nur Leute, die über viel Zeit verfügen, als Leser in Frage kommen -können. Alles in allem: schade um das schöne Papier. - -Zwei Zeitschriften nicht rein litterarischer Art, aber für Kunstfreunde -von besonderem Interesse sind die »Zeitschrift für Bücherfreunde« und -»Bühne und Welt«. Die erstere hat sich die Aufgabe gestellt, alles in -ihren Kreis zu ziehen, was für Bibliophilen besonderes Interesse hat. -Ist auch diese Gemeinde in Deutschland gegenüber ihrer Verbreitung -in anderen Ländern, besonders in Frankreich und England, noch eine -bescheidene, so scheint es dieser Zeitschrift doch gelungen zu sein, -festen Fuß zu fassen. Noch jüngeren Datums ist »Bühne der Welt«, -die anfangs tastend und schwankend ihren Weg suchend, nach kaum -Jahresfrist sich zu einer unserer vornehmsten Revuen aufgeschwungen -hat, in deren Spalten sich das Kunstleben unserer Tage getreulich -widerspiegelt. Sie kann sowohl denen zur Lektüre empfohlen werden, -die unsere Bühnenkünstler »bei der Arbeit« und zu Hause sehen wollen, -als auch dem Kreis derer, die sich für die dramatische Produktion der -Gegenwart interessieren. - -Übergehend zu den rein litterarischen Zeitschriften wären -vorerst noch der »Kunstwart«, der den Untertitel »Rundschau über -Dichtung, Theater, Musik und bildende Künste« führt, die »Deutsche -Zeitschrift« (Fortsetzung des »Kynast«), Monatschrift für Politik -und Volkswirtschaft, Kultur und Kunst, und die »Heimat« (Neue Folge -des »Boten für die deutsche Litteratur«) zu nennen. Der »Kunstwart« -hat vor Jahresfrist eine vollständige Umgestaltung erfahren, die -nicht nur eine Änderung des äußeren Gewandes, sondern vor allem eine -bedeutende Vermehrung des Textes unter gleichzeitiger Beigabe von -Kunst- und Musikbeilagen herbeiführte. Sein Herausgeber Ferdinand -Avenarius besitzt in künstlerischen Dingen ein feinsinniges Urteil, -das er auch bei der Wahl seiner Mitarbeiter, zu denen Adolf Bartels, -Oscar Bie, Schultze-Naumburg u. a. zählen, bekundet. So ist der -»Kunstwart« eine unserer gediegensten künstlerischen Zeitschriften, -trotz aller Vielseitigkeit von Einseitigkeit im Urteil nicht -freizusprechen, aber ehrlich und vornehm geleitet. -- Die von Ernst -Wachler herausgegebene »Deutsche Zeitschrift« bezweckt vorzugsweise die -Pflege und Förderung unserer National- und Kulturinteressen im Geiste -der Politik des Fürsten Bismarck. Gleich der »Heimat«, deren Gründung -Ende 1899 erfolgte, sucht sie Kunst und Dichtung von der Ausländerei -freizumachen und nationalen Zielen zuzuführen. - -Von den rein litterarischen Blättern stand das »Magazin für die in- -und ausländische Litteratur« jahrelang an der Spitze, und es verdiente -diese Stellung noch anfangs der achtziger Jahre, als Wilhelm Friedrich, -Leipzig, noch Verleger des Blattes war, das seinen Ursprung bis auf -das Jahr von Goethes Tode zurückführt. Seinem alten Programm, eine -Übersicht über die Litteratur aller Länder und Völker zu geben, ist -es ganz untreu geworden, eine redaktionelle Leitung, trotzdem oder -weil? drei Herausgeber (Rudolph Steiner, Otto Erich Hartleben und -Moritz Zitter) vorhanden sind, ist kaum noch wahrzunehmen; das »Magazin -für Litteratur«, wie es sich jetzt nennt, bringt Artikel aus allen -möglichen Gebieten kunterbunt durcheinander ohne jede Bezugnahme zu -seinem Titel. Seit Wilhelm Friedrich, Leipzig, den Verlag des Blattes -nicht mehr führt, ist es fast immer »unterwegs« auf der Suche nach -einem Verleger gewesen. Hin und wieder ist ein neues, wenn auch -schwächliches Reis dem alten Stamme aufgepfropft worden, ohne daß die -Lebenssäfte des Blattes durch diese Okulation gewonnen hätten; auch -die Beigabe der »Dramaturgischen Blätter« konnte dem steten Sinken des -»Magazins« keinen Einhalt thun. Ob jetzt das Blatt im Verlage von S. -Cronbach, Berlin, eine Heimstätte gefunden oder ob auch dieser nur eine -Durchgangsstation bedeutet, vermögen wir nicht zu entscheiden. - -An die Stelle des »Magazins«, was Einfluß und Bedeutung anlangt, -sind die »Internationalen Litteraturberichte« (Herausgeber Emil -Thomas) getreten, die auch der Abonnentenzahl nach die anderen -Litteraturblätter weit hinter sich lassen. Sie haben sich die Aufgabe -gestellt, alles in ihren Kreis zu ziehen, was an litterarischen -Bestrebungen im In- und Auslande in Erscheinung tritt und es in -Artikeln, Übersichten, Einzelbesprechungen etc. festzuhalten. -Eine Konkurrenz ist ihnen durch das im Verlage von F. Fontane & -Co., Berlin, erscheinende »Litterarische Echo« erstanden, das gut -geleitet ist und eine Fülle von Notizen bringt, unter denen die -Übersichtlichkeit etwas leidet. Ob und inwieweit sich für die -Dauer die ständige Berücksichtigung kleinerer Litteratur- und -Sprachgebiete, wie des Polnischen, Czechischen u. s. w., für die in -Deutschland nur ein ganz bescheidener Interessentenkreis vorhanden -ist, empfiehlt, wird der Herausgeber, z. Z. ~Dr.~ Ettlinger, bald -herausfinden. -- Eine besondere Erwähnung, wenngleich infolge ihres -unregelmäßigen Erscheinens kaum noch als Zeitschrift aufzufassen, -verdienen die »Jahresberichte für deutsche Litteraturgeschichte«, -die in übersichtlich geordneten und zusammenhängenden Abschnitten -zeigen wollen, welche Bücher, Aufsätze, Artikel und Kritiken auf dem -Gebiete der jüngsten Geisteswissenschaft erscheinen, und was sie -Neues und Wertvolles enthalten. -- Fast ganz auf wissenschaftliche -Kreise und Bibliotheken beschränkt war das 1850 von dem hervorragenden -Leipziger Germanisten Prof. Friedr. Zarncke gegründete »Litterarische -Centralblatt«, das lange darauf verzichtend, eine _Übersicht_ der -deutschen Litteratur zu geben, fast ausschließlich Rezensionen -einzelner Werke brachte und es dem Einzelnen überließ, aus diesen -Bruchstücken sich das Gesamtbild der Litteratur zusammenzusetzen. Erst -seit Januar 1900 erscheint eine Beilage zum »Centralblatt«, die vor -allem größere zusammenfassende kritische Übersichten der verschiedenen -Gattungen dichterischer Werke und orientierende Aufsätze allgemeinen -Inhalts enthält. - -Dem »Litterarischen Centralblatt« verwandt sind »Euphorion«, die -»Deutsche Litteraturzeitung«, das »Allgemeine Litteraturblatt« (das -früher unter dem Titel »Österreichisches Litteraturblatt« erschien), -die »Zeitschrift für vergleichende Litteraturgeschichte« und die -vor kurzem von ~Dr.~ Erich Bischoff gegründete »Zeitschrift für -wissenschaftliche Kritik und Antikritik«. Sie sind alle auf einen -kleinen Kreis beschränkt und ein wirklicher Einfluß auf unser -Litteraturleben ist ihnen kaum zuzusprechen. Die »Blätter für -litterarische Unterhaltung«, eine sehr alte und angesehene Zeitschrift, -ist seit Januar 1899 aus den Reihen der Litteraturzeitungen -verschwunden; selbst der Klang der Weltfirma F. A. Brockhaus, Leipzig, -war nicht stark genug, um sie am Einschlafen zu behindern. -- An -der Spitze der katholischen Litteratur stehen der »Litterarische -Handweiser« und die »Deutsche Rundschau für das katholische -Deutschland«, beide -- sehr oft zum Schaden einer objektiven Kritik, -- -bemüht, litterarische Interessen mit religiösen Fragen zu verquicken. - -Von der Aufzählung der Winkel- und Cliquenblättchen, die ein kärgliches -Dasein fristen, um -- nachdem Drucker und Verleger um einige -Erfahrungen reicher und ein paar Hundertmarkscheine ärmer -- wieder -in den Orkus zu versinken, wollen wir Abstand nehmen: der Litteratur -nützen sie so wenig wie ihren Herausgebern, die da hofften, durch sie -eine litterarische Position oder pekuniäre Vorteile zu erlangen. - - - - -Der deutsche Verlagsbuchhandel und sein Anteil an der Litteratur der -Gegenwart. - - -Die Cotta, Goeschen, Brockhaus und wie die bedeutenden Buchhändler alle -heißen, sind tot, und an Stelle der großen, von weitausschauenden, -scharf ausgeprägten Persönlichkeiten getragenen Verlagsgeschäfte, die -bestimmenden Einfluß auf die Litteratur ausübten, sind zwar nicht -minder große, aber desto unpersönlichere Aktiengesellschaften getreten, -die zum weitaus größten Teil den litterarischen Markt beherrschen. Für -diese Geschäfte handelt es sich nicht so sehr um die Förderung des -Schrifttums durch den Verlag guter Litteratur, sondern in erster Linie -um die Erzielung hoher Dividenden, zu deren Erhalt weniger Wert auf -die litterarische Bedeutung eines Buches, als auf seine Gangbarkeit -zu legen ist. Gerade das Fehlen jedes persönlichen Moments und das -ausschließliche Werten eines Werkes nach seiner Absatzfähigkeit, -für die ein Anhalt in dem Namen des Autors, hin und wieder auch in -dem behandelten Stoffe oder einer momentan herrschenden Strömung -liegt, läßt fast alle großen Verlagsfirmen aus einem großen Aufsatz -scheiden, der von der Anteilnahme des Verlagsbuchhandels an unserem -modernen Schrifttum sprechen soll. Nichtsdestoweniger stehen diese -Firmen in erster Reihe, nicht zuletzt durch die großen mit einem -enormen Kapitalaufwand gegründeten Familienblätter, durch die sie -auf die Geschmacksrichtung und das Urteil des großen Publikums den -bedeutendsten Einfluß ausüben. »Über Land und Meer«, »Buch für Alle«, -»Zur guten Stunde«, »Moderne Kunst«, »Daheim«, »Gartenlaube«, »Vom -Fels zum Meer«, »Für alle Welt« u. s. w. sind Unternehmungen, die das -Lesebedürfnis von Hunderttausenden befriedigen, neben den Tagesblättern -den größten Teil der litterarischen Produktion an sich reißen und den -Wünschen ihres Publikums entsprechend beeinflussen und zustutzen. - -Der Buchverlag ist für den Schriftsteller wie für den Verleger in -den meisten Fällen nicht mehr lohnend genug und der vom Ertrage -seiner Feder lebende Autor gezwungen, Konzessionen zu machen, sein -künstlerisches Gewissen auszuschalten und das zu produzieren, was der -Moloch, das große Publikum, am liebsten verschlingt: leicht verdauliche -Unterhaltungsware. Gerade in der letzten Zeit sind aus den Kreisen der -Schriftsteller Stimmen laut geworden, die auf den verderblichen Einfluß -hinwiesen, dem ihre eigene Produktion unterworfen ist, seit man sie in -die Zwangsjacke der Familienlitteratur gesteckt hat. Das Publikum hat -an diesen Zuständen sicher mehr Schuld als die Verleger und Redaktionen -der Zeitschriften, die nicht mit dem gebildeten Geschmack einer kleinen -Gemeinde, sondern mit dem rechnen müssen, was Hunderttausenden gefällt. -Um keine Abonnenten zu verlieren und sie der Konkurrenz in die Arme zu -treiben, müssen sie, deren Unternehmungen auf Massenabsatz angewiesen -sind, geben, was das große Publikum verlangt, müssen -- im Gegensatz -zu der Aufgabe eines wahren Familienblattes -- verzichten, bildend -und veredelnd auf den Geschmack des Volkes zu wirken. Was immer auf -dem Gebiete der Litteratur bezw. der Ästhetik seit der politischen -Wiedergeburt Deutschlands geleistet wurde: das große Publikum ist -davon unberührt geblieben; ja es betrachtet noch heute die Litteratur -nicht anders als eine angenehme Spielerei für müßige Stunden. Nur die -eine Forderung: die nach mehr Wirklichkeitssinn, nach einer stärkeren -Betonung des Lebens und seine Erscheinungen in der Litteratur hat -- -vielleicht mehr unbewußt, mehr vom Leben und seinen Forderungen selbst -beeinflußt -- auch im Publikum Anerkennung gefunden. In Bezug auf -künstlerisches Verständnis sind keinerlei Fortschritte zu verzeichnen -und die Existenzbedingungen des Buchhandels, in dem sich immer mehr -eine rein kaufmännische Auffassung des Berufes geltend macht, sind -nicht derart, um sich den Luxus gestatten zu können, in künstlerischer -Hinsicht erzieherisch auf das Publikum zu wirken. - -Der deutsche Buchhandel früherer Zeiten hat für Litteratur und -Wissenschaft viel gethan und manches Werk, das weder die Unterstützung -einer Regierung, noch einer Akademie oder eines Instituts gefunden -hat, verdankt ihm allein sein Erscheinen. Nicht aus Liebe zum Geld, -sondern aus Liebe zur Litteratur und Wissenschaft wurden Werke -publiziert, für die kein Kaufmann, kein Geschäftsmann eine Hand gerührt -hätte. So schrieb noch 1839 ein Gelehrter: »Der deutsche Buchhandel -hat von jeher bewiesen, daß er seine eigentümliche Stellung in den -nachbarlichen Grenzen der Intelligenz und Industrie zu würdigen -wisse. Man prüfe die neuesten Kataloge und entscheide dann, ob jener -ehrenhafte Grundsatz: einen Teil des Gewinnes, den die Muse dem -häuslichen Altar beschieden, der Muse selber zu opfern, nicht bis -auf unsere Zeit herab sich fortgesetzt habe.« Der Anteil, den der -Verlagsbuchhandel an dem Wachstum unserer Litteratur, insonderheit an -der deutschen Wissenschaft hat, ist sicher ein nicht geringer, aber -er ist in den letzten Jahren, seitdem das Großkapital seinen Einzug -im Buchhandel gehalten hat, bedeutend zurückgegangen. Die Aktionäre -unserer großen Verlagsanstalten legen auf hohe Dividenden bei weitem -mehr Gewicht als auf den Ruhmestitel Förderer der Litteratur und Kunst -zu sein. Wirft man heute einen Blick in Kataloge, so wird man bei -näherem Zusehen finden, daß das litterarische Interesse dem merkantilen -gewichen ist, daß alljährlich Tausende von Schriften erscheinen, -die nicht in der Absicht, eine Bereicherung unserer Litteratur, -sondern eine solche des verlegerischen Geldbeutels herbeizuführen, -publiziert wurden. War früher das jüdische Element hauptsächlich -im Antiquariats- und Ramschbuchhandel thätig, so hat es sich in -neuerer Zeit in hervorragender Weise des Verlagsbuchhhandels als -Spekulationsobjekt bemächtigt, und neben angesehenen Firmen, die sich -in jüdischen Händen befinden, ist eine ganze Reihe jüdischer Verleger -aufgetaucht, die das Buch als Ware ausschließlich als Ware ansieht und -demgemäß behandelt. Daß die Litteratur der Neuzeit so wenig Förderung -seitens des Buchhandels findet, hat nicht sowohl seinen Grund in der -materialistischen Anschauung, die in dem Buche nur ein Handelsobjekt -sieht, aus dem so viel als möglich Kapital zu schlagen ist, sondern -zum guten Teil auch in dem Mangel an Urteil, der viele Verleger von -heutzutage nur nach dem greifen läßt, was sich durch einen klangvollen -Namen oder eine hübsche Etikette auszeichnet. Andere wieder sind so -im Banne der Moderne, daß sie sich für jedes Werk begeistern, das -modern um jeden Preis, selbst um den des guten Geschmacks, erscheinen -will, mag es künstlerisch auch noch so unbedeutend sein. An dieser -Verständnislosigkeit in künstlerischen Fragen ist nicht zuletzt die -Stellung schuld, auf die im Laufe der Zeit die Litteraturblätter und -die Revuen mit litterarischem Anstrich herabgedrückt worden sind. - - * * * * * - -Union, Stuttgart, Deutsche Verlagsanstalt, Stuttgart, und Bong & Co., -Berlin, werden, was die Höhe des Umsatzes anbetrifft, an die Spitze -des Verlagsbuchhandels gestellt werden müssen, obwohl der Schwerpunkt -dieser Geschäfte weniger im Buch- als im Zeitschriften-Verlag zu -suchen ist. Der Hauptaktionär der Union, in der der große Spemann'sche -Verlag mit den Kürschner'schen Unternehmungen aufging, ist Geheimrat -Kröner, der Inhaber, bezw. Mitinhaber von A. G. Liebeskind, der -J. G. Cottaschen Buchhandlung, Ernst Keil's Nachf., Leipzig u. -a. Fast ebenbürtig steht der Union das ehemalige Hallberger'sche -Geschäft, jetzt Deutsche Verlagsanstalt, gegenüber, das im -verflossenen Jahre sein 50jähriges Jubiläum feiern konnte. Der aus -diesem Anlaß herausgegebene Katalog umfaßt ca. 250 Seiten und giebt -ein anschauliches Bild von dem Wachstum und der Bedeutung dieses -Geschäfts, das sich allerdings in den letzten Jahren -- namentlich -seit Gründung der Zeitschrift »Aus fremden Zungen« -- vorzugsweise der -Übersetzungslitteratur zugewandt hat, so daß es wenig Autoren von Klang -und Namen, gleichviel ob Engländer, Franzosen, Italiener, Spanier, -Russen oder Schweden, giebt, die nicht mit einem oder mehreren Werken -in der Deutschen Verlagsanstalt vertreten sind. Als bedeutendster -Konkurrent des Zeitschriftenverlags der Union und Deutschen -Verlagsanstalt, bezw. der Zeitschriften: »Vom Fels zum Meer«, »Buch für -Alle« und »Über Land und Meer« trat Ende der 80er Jahre Richard Bong -auf, ein Mann, der sich aus kleinen Verhältnissen emporarbeitend, »der -Leiter höchste Staffel rasch erstieg« und in den Zeitschriften »Moderne -Kunst«, »Zur guten Stunde« und »Für Alle Welt« Unternehmungen schuf, -in denen er besonderes Gewicht auf den Farbendruck legte, mit dem er -erfolgreich gegen den Holzschnitt der Stuttgarter Blätter zu Felde zog. -Ob und inwieweit geschäftliche Manipulationen, insbesondere die höhere -Rabattierung seiner Zeitschriften zu diesem Erfolge beitrugen, dürfte -an dieser Stelle wenig interessieren. Der Buchverlag der Firma -- meist -Romane, die in ihren Zeitschriften zum Abdruck gelangten -- ist ohne -besonderes charakteristisches Gepräge. - -Das alte Verlagsgeschäft von F. A. Brockhaus, Leipzig, hat sich in den -letzten Jahren neben der Pflege des Konversationslexikons, das jetzt -in 14. bezw. 15. Auflage vorliegt, fast ausschließlich auf das Gebiet -der Reisebeschreibungen geworfen. Den Reisen Stanleys und Wißmanns in -Afrika folgten Nansens »In Nacht und Eis«, Landors »Auf verbotenen -Wegen in Tibet« und neuerdings die Reisen Sven Hedins in Asien, alles -Werke, die eine ungeahnte Verbreitung erlangten. Vom Buchverlag fast -ganz zurückgezogen hat sich die Firma Breitkopf & Härtel, Leipzig, -die den Schwerpunkt ihres Geschäftes auf den Musikverlag legte. -Dagegen entwickelt das Bibliographische Institut, Leipzig, eine fast -unheimliche Rührigkeit. Seine Spezialität liegt in den Sammelwerken, -an deren Spitze Meyers Konversationslexikon steht; ihm schließen -sich umfangreiche Publikationen an, wie die Klassiker-Ausgaben, -Meyers Volksbücher, Sprachführer, Reisebücher, Allgemeine Naturkunde, -Allgemeine Länderkunde, Sammlung illustrierter Litteraturgeschichten, -Bilder-Atlanten zur Geographie und Naturgeschichte u. s. w., meist -Unternehmen, die der Initiative der Geschäftsinhaber entsprungen sind. -Die erwähnten Meyer'schen Volksbücher, die erst neuerdings wieder von -sich reden machen, haben nicht entfernt die Bedeutung der Reclam'schen -Universalbibliothek erlangt, von der jetzt mehr als 4000 Bändchen -vorliegen: sie bilden den Grundstock des Verlags von Philipp Reclam -jr., Leipzig, der mit ihnen in die Reihe der ersten Verleger trat. -Überraschend kam den Meisten der vor einigen Jahren erfolgte Ankauf -der Familienzeitschrift »Universum«, durch Reclam, die er seither -zu einer Blüte geführt hat, die sie im früheren Hauschild'schen -Verlage nicht erreichen konnte. Den 20 Pfennig-Heften Reclams und -den 10 Pfennig-Volksbüchern Meyers stellte Otto Hendel, Halle, seine -Bibliothek der Weltlitteratur ~à~ Heft 25 Pfennig gegenüber, die, -obwohl in größerem Format und besserer Ausstattung, dem Unternehmen -Reclams doch kaum wesentlichen Abbruch machen konnte. - -Weder Otto Hendel, Halle, noch Hermann Hillgers Verlag, Berlin, den ich -hier nur nenne, da auch er oder richtiger Professor Kürschner, nach -dem Muster der Reclam-Bändchen einen »Bücherschatz« herausgegeben hat, -der wenigstens numerisch schon zu großer Entwickelung gelangt ist, -gehören an diese Stelle, die vielmehr den großen wissenschaftlichen -oder belletristischen Verlagsanstalten zukommt. Von den letzteren sind -hier zu nennen: J. G. Cotta'sche Buchhandlung, Nachf., Stuttgart, die -Verlegerin der »Gedanken und Erinnerungen des Fürsten Bismarck«, die -Sudermann, Fulda, Wilbrandt u. a. zu ihren Autoren zählt und auch -wissenschaftliche, besonders historische Werke auf den Markt bringt. -Der Hauch der Klassizität, der den alten Verlag noch aus der Goethe- -und Schillerzeit umwehte, hat sich allerdings sehr verflüchtigt: er -befaßt sich nur noch mit Werken, die »gehen«. Ein ähnliches Urteil -läßt sich über den ehemaligen Stuttgarter G. J. Goeschen'schen Verlag -fällen, mit dem die Dichterfürsten gleichfalls in Verbindung standen -und der in den letzten Jahren, besonders seit seiner Übersiedelung nach -Leipzig, sich mehr »praktischen« Verlagsbestrebungen (Sammlung Goeschen -u. s. w.) zugewandt hat. -- Auf praktischem Gebiet bewegt sich jetzt -auch, abgesehen von dem Verlage der »Illustrierten Zeitung« und der -Pflege des Holzschnitts, J. J. Weber, Leipzig (Katechismen u. s. w.). - -Von großen wissenschaftlichen Verlagshäusern, die sich besonderen -Spezialitäten zugewandt haben, verdienen genannt zu werden: B. G. -Teubner, Leipzig (Pädagogik, altklassische Sprachwissenschaft), -Weidmann'sche Buchhandlung, Berlin (Klassische Philologie, -Pädagogik, Litteraturgeschichte, Rechtswissenschaft), Paul -Parey, Berlin (Landwirtschaft, Gartenbau), Mittler & Sohn, -Berlin (Militärwissenschaften), Wilhelm Engelmann, Leipzig -(Naturwissenschaften), Friedrich Vieweg & Sohn, Braunschweig -(Physik, Chemie, Mathematik), Hirschwald'sche Buchhandlung, Berlin -(Medizin), J. C. B. Mohr, Tübingen (Protestantische Theologie, -Rechtswissenschaft, Geschichte, Philosophie), Duncker & Humblot, -Leipzig (Socialwissenschaft, Geschichte, Rechtswissenschaft, -Naturwissenschaft), Gustav Fischer, Jena (Medizin, Socialwissenschaft, -Rechtswissenschaft), Julius Springer, Berlin (Pharmazeutik, Forst- -und Jagdwissenschaft, Rechtswissenschaft, Geschichte), F. C. W. Vogel, -Leipzig (Medizin), Karl J. Trübner, Straßburg i. Els. und O. R. -Reisland, Leipzig (Germanische und romanische Philologie), Emil Felber, -Berlin und Eduard Avenarius, Leipzig (Litteraturgeschichte), Gothaische -Verlagsanstalt vorm. F. A. Perthes, Gotha (Geschichte, Protestant. -Theologie), R. Oldenbourg, München (Geschichte, Rechtswissenschaft, -Pädagogik), sowie die großen rechtswissenschaftlichen Verlagsanstalten: -Carl Heymann, J. Guttentag, G. m. b. H., Frz. Vahlen, Berlin, Ferd. -Enke, Stuttgart und Veit & Co., Leipzig. Die Langenscheidt'sche -Buchhandlung (Professor G. Langenscheidt), Berlin, die mit ihren -für das Selbststudium des Englischen und Französischen berechneten -Unterrichtsbriefen einen ungeheuren Erfolg hatte, darf, da sich diese, -sowie die ausgezeichneten Lexika, auf wissenschaftlicher Grundlage -aufbauen, Anspruch erheben, hier mitgenannt zu werden. Daß sie in den -letzten Jahren Werke größeren Umfanges nicht mehr publizierte, mag -seinen Grund in den Vorbereitungen haben, die sich zur Herausgabe der -italienischen und spanischen Selbstunterrichtsbriefe notwendig machen. -Halb wissenschaftlicher, halb belletristischer Natur, aber immer ernst -und vornehm, ist der Verlag von S. Hirzel, Leipzig, dessen Belletristen -Wissenschaftler und dessen Wissenschaftler Belletristen sind. Auf der -Grenzscheide steht auch der Verlag von Alfred Schall, Berlin (vorm. -Schall & Grund), der neben einer Reihe populärwissenschaftlicher -Werke über Länder- und Völkerkunde, Heere und Flotten einen großen -belletristischen Verlag pflegt. Bekannt ist besonders das Verlagshaus -durch den »Verein der Bücherfreunde« geworden, der in seiner Blütezeit -einen »Mitglieder«bestand von 12000 zählte. - -Von großen belletristischen Verlagshäusern ist in erster Linie Gebr. -Paetel (Verlag der »Deutschen Rundschau«), Berlin, zu nennen, deren -Verlagsfirma eine ausreichende Gewähr für die Güte der von ihr -verlegten Bücher giebt. In dem 280 Seiten umfassenden Verlagskatalog, -der über die Thätigkeit der Firma in den Jahren 1837--1895, die -sich neben der Belletristik auch auf die Gebiete der Geschichte, -Kulturgeschichte, Völkerkunde, Litteratur- und Militärwissenschaft -erstreckt, berichtet, findet sich eine Fülle wertvoller Bücher, -zumeist von Mitarbeitern der »Deutschen Rundschau«, die es von jeher -verstanden hat, tüchtige Kräfte heranzuziehen. Eine ähnliche Stellung -nimmt der Verlag von Bonz & Co., Stuttgart, und Fr. Wilhelm Grunow, -Leipzig, ein, obwohl der letztere durch den Verlag der »Grenzboten« -und der »Buschschen Tagebücher« sich die Sympathien vieler Kreise -verscherzt hat. Nur Verleger zweier Autoren, die aber ein paar hundert -aufwiegen, ist L. Staackmann, Leipzig, dem Rosegger und Spielhagen -ihre Werke übergeben. -- Ein besonderes Gepräge trägt, sowohl die Art -der Verlagsartikel, als auch ihre Ausstattung anlangend, der Verlag -von A. G. Liebeskind, hinter dem eine markante und eigenartige, -vielleicht auch eigenwillige Persönlichkeit stand, die dem Ganzen -ihre Physiognomie lieh. Ob sie der Verlag nach dem Tode L.'s noch -beibehalten wird -- er ist inzwischen nach Stuttgart übergesiedelt -und in Händen des Geheimrat Kröner -- bleibt abzuwarten. Das große -Verlagshaus Velhagen & Klasing, Bielefeld, das sich durch den Verlag -des stark religiös angehauchten »Daheim« einen Weltruf erwarb, -hat sich neuerdings dem Gebiet der Geschichte und Kunstgeschichte -(Monographien zur Kunstgeschichte. -- Monographien zur Weltgeschichte) -noch intensiver zugewandt. Es findet seinen Partner in dem katholischen -Verlag der Firma J. P. Bachem, Köln a. Rh. (»Kölnische Volkszeitung«), -deren Katalog eine große Anzahl Werke katholischer Tendenz aufweist. -Ausschließlich Werke katholischer Richtung wissenschaftlicher und -belletristischer Natur verlegen auch Ferd. Schöningh, Paderborn, -der den Dichter der »Dreizehnlinden« zu seinen Autoren zählt, und -die B. Herder'sche Verlagsbuchhandlung, Freiburg i. Br., eins der -bedeutendsten Verlagsgeschäfte, das auch im Auslande sich große -Absatzquellen erschlossen hat. - -Hauptsächlich belletristischen Verlag, aber ohne besondere Eigenart -pflegen Otto Jancke, Berlin (Verlag der »Romanzeitung«), Schles. -Buchdruckerei und Verlagsanstalt, Breslau (Verlag von »Nord und Süd«, -»Unterwegs und daheim«), Carl Reißner, Dresden, Paul List, Leipzig, -Heinrich Minden, Dresden, Hermann Costenoble, Jena, J. Bensheimer, -Mannheim, Albert Ahn, Köln a. Rh., und E. Pierson, Dresden, von denen -die beiden letztgenannten auch vielfach als bloße Kommissionsverleger -auftreten. -- Mehr dem Gebiet der Buchfabrikation nähert sich der -Verlag von Greiner & Pfeiffer, Stuttgart, durch seine für das große -Publikum berechneten Anthologien, deren Ausstattung von der »Moderne« -noch unberührt geblieben ist. Erst durch den Verlag des »Türmers« ist -die Firma in die Reihe der für die Litteratur in Betracht kommenden -Verleger getreten, obwohl die genannte Zeitschrift nichts weniger als -»modern« im landläufigen Sinne des Wortes ist. -- Fast ausschließlich -auf Übersetzungen beschränkt sich der Stuttgarter Verlag von J. -Engelhorn, dessen Romanbibliothek ihrer Wohlfeilheit wegen einen -ungeheuren Absatz zu verzeichnen hat. Die Zahl deutscher Autoren, die -sich an diesem Unternehmen beteiligt, ist eine äußerst bescheidene, und -wird wohl nur dann vermehrt, wenn der Romanbibliothek frisches Blut und -erhöhtes Interesse zugeführt werden soll. - -Mehr litterarisches Gepräge tragen der Verlag der Besserschen -Buchhandlung, Berlin, Verlegerin Paul Heyse's, und Fr. Bahn, -Schwerin. Als ein äußerst rühriger Verleger, der sich namentlich um -die Einführung amerikanischer Litteratur in Deutschland besondere -Verdienste erworben hat (Sternbanner-Serie), aber auch auf den Verlag -guter deutscher Romane nicht verzichtet, gilt Robert Lutz, Stuttgart. -Zu den Verlegern modernen Schlages übergehend, ist neben Freund & -Jeckel, Berlin, und Fontane & Co., Berlin, die ebensogut noch zur -vorhergehenden Gruppe gerechnet werden können, an erster Stelle S. -Fischer, Berlin, zu nennen. Auch er ist wie Pierson, Dresden, und -Ahn, Köln, bis zu einem gewissen Grade Kommissionsverleger, selbst -seinen ersten Autoren, wie Hauptmann, gegenüber. Der bierfidele Otto -Erich Hartleben, der Halbpariser Hermann Bahr, der jugendliche Georg -Hirschfeld, die Berliner Felix Hollaender und Hans Land haben ihre -Werke bei S. Fischer verlegt, der die Hauptmann-Gemeinde und alles, -was nach »Moderne« aussieht, durch seine »Neue Deutsche Rundschau«, -die ehemalige »Freie Bühne«, um sich zu scharen wußte. Fast noch -ungeberdiger als dieser Verlag geben sich Schuster & Löffler, Berlin. -Manch gutes Buch findet sich in dem Verlagskatalog der erst seit 4 -Jahre bestehenden Firma, aber es fehlt auch der direkte Schund nicht, -oder wenn das besser klingt, jene Litteratur, die nach dem Grundsatze -~l'art pour l'art~ geschrieben, kein vernünftiger Mensch, vor allem -nicht das sogenannte Publikum liest, die sich aber in Litteratenkreisen -großer Beliebtheit erfreut. Schuster & Löffler haben vielfach neue -Bahnen eingeschlagen, aber es waren nicht immer die rechten. Ein Buch -kann modern, sehr modern sein und braucht doch nichts zu taugen! Dieser -Unterschied ist ihnen leider nicht immer zum Bewußtsein gekommen. -Ähnlichen Tendenzen wie Schuster & Löffler huldigt auch Vita, Deutsches -Verlagshaus, Berlin, wenngleich dieses bei weitem mehr Konzessionen -an das Publikum macht. Neue Wege, soweit namentlich die Ausstattung -in Frage kommt, ist auch der Verlag von Fischer & Franke, Berlin, -gegangen, der von allen seinen Mitbewerbern wohl das meiste Geschick -gezeigt hat, Inhalt und Ausstattung seiner Verlagsartikel mit einander -in Einklang zu bringen. In die Reihe der modernen Verleger hat sich -auch G. Bondi, Berlin, gestellt, durch den Halbes Werke und das große -Schlenther'sche Unternehmen zur Ausgabe gelangen. - -Albert Langen, München, der Verleger des »Simplizissimus«, hat ein -paar Jahre in Paris zugebracht, und man kann ihm das Zeugnis nicht -versagen, daß er dort manches gelernt hat und bestrebt ist, immer etwas -Originelles zu bringen, seinem Verlage ein charakteristisches Gepräge -zu geben. Auf den Umschlägen seiner Bücher hat die Moderne schon -wahre Orgien gefeiert: da sind Zeichnungen, so mystisch und dunkel, -in denen gar nichts liegt, so daß man sich gemüßigt fühlt, selbst -alles hineinzulegen; Frauen und Männer werden dargestellt, denen -das Laster oder die Schwindsucht auf dem Gesicht geschrieben stehen, -und das alles in jenen fließenden Linien, hingeworfen ohne Saft und -Kraft -- dazwischen einmal ein Mädchenkopf, so fein und künstlerisch, -daß man sich verwundert fragt, wie der in diese Gesellschaft kommen -konnte. Dann stelle man sich den »Simplizissimus« vor, ein »deutsches -Blatt«, an dem nichts, aber auch gar nichts deutsch ist, ein Blatt, -bestimmt, »die Kunst dem Volke zu vermitteln«. Man muß schon 10 Jahre -in Paris oder bei den Wilden gelebt haben, um zu glauben, daß man ein -solches Programm mit einer Zeitschrift vom Schlage des »Simplizissimus« -durchführen kann. Nur wenig deutschen Namen begegnet man in seinem -Verlagskataloge und auch diese haben einen fremden Klang; dagegen -finden Ausländer: Franzosen, Russen, Skandinavier u. s. w. bei ihm -bereitwilligst Unterkommen. -- Durch eine ultramoderne Ausstattung -hat sich auch der kleine Verlag von Joh. Sassenbach, Berlin, in -Litteratenkreisen einen Namen gemacht. Er ist Verleger von Arno Holz -und seiner Schule, die die Preisfrage: Wie kann jedermann innerhalb 24 -Stunden lyrischer Dichter werden? mit einer verblüffenden Sicherheit -und einer Naivetät, wie sie sonst nur den wirklichen Dichtern eigen -ist, gelöst haben. Diese neueste Schule hat sich um Sassenbach -gesammelt, der für die Allerjüngsten das zu werden verspricht, was -für die Jungen der 80er Jahre Wilhelm Friedrich, Leipzig, war, der an -das neue Evangelium und an die Mission der Bleibtreu, M. G. Conrad, -Alberti, Walloth, Conradi, wie an seinen Herrgott glaubte. Und heute, -nachdem kaum 10 Jahre ins Land gezogen sind? Wo ehemals die Mistbeete -des Realismus standen, da blühen jetzt stille, bleiche »Lotosblüten«. -Wilhelm Friedrich, der jetzt hauptsächlich Theosophie verlegt, ist -immer mit der Zeit gegangen oder hat versucht, ihr vorauszugehen. - -Als ein »Verlag für moderne Bestrebungen in Litteratur, -Socialwissenschaft und Naturwissenschaft« hat sich Eugen Diederichs, -Leipzig, eingeführt, und wenn auch bei ihm der Moderne hin und wieder -Rücksprache mit dem Geschäftsmann nimmt, so ist er doch immer bestrebt -gewesen, namentlich hinsichtlich der Buchausstattung die alten Gleise -zu verlassen und neue Bahnen zu wandeln. -- Berührungspunkte mit dem -Verlage von Eugen Diederichs weist Georg Heinr. Meyers Verlag, Berlin, -auf, der sich besonders als Pflegevater der deutsch-österreichischen -Schriftsteller bewährt. Freilich sind die praktischen Erfahrungen, die -er und mit ihm andere an dem österreichischen Verlage gemacht haben, -wenig ermutigend: verdient hat er an keinem Buche aus Österreich, und -selbst die Verlagskosten sind durch die wenigsten gedeckt worden. -Durch die Gründung der »Heimat« ist sein Verlag der Mittelpunkt jener -Bestrebungen geworden, die die »Heimatkunst« in den Vordergrund des -litterarischen Interesses zu stellen suchen. - - - - -Register - -der in den »Charakteristiken« angeführten Namen. - - - Achleitner, Arthur 46. - - Adamus, Franz 104. - - Alberti, Konrad 65. - - Allmers, Hermann 40. - - Altenberg, Peter 102. - - Ambrosius, Johanna 94. - - Amyntor, Gerhardt von 77. - - Andreas-Salomé, Lou 98. - - Anzengruber, Ludwig 44. - - Arent, Wilhelm 67. - - Arnold, Hans 61. - - Asenijeff, Elsa 99. - - Auerbach, Berthold 32. - - Avenarius, Ferdinand 94. - - - Bahr, Hermann 83. - - Bartels, Adolf 48. - - Bauer, Erwin 71. - - Baumbach, Rudolf 56. - - Beetschen, Alfred 93. - - Bernhard, Marie 64. - - Beta, Ottomar 70. - - Bethge, Hans 93. - - Bierbaum, Otto Julius 99. - - Bleibtreu, Karl 64. - - Blumenthal, Oskar 53. - - Blüthgen, Victor 60. - - Bodenstedt, Friedrich von 35. - - Böhlau, Helene 97. - - Bölsche, Wilhelm 96. - - Bormann, Edwin 61. - - Bötticher, Georg 61. - - Boy-Ed, Ida 80. - - Brieger, Adolf 41. - - Bulthaupt, Heinrich 41. - - Bunge, Rudolf 40. - - Busch, Wilhelm 59. - - Busse, Carl 92. - - - Christen, Ada 63. - - Conrad, Michael Georg 65. - - Conradi, Hermann 65. - - Croissant-Rust, Anna 97. - - - Dahn, Felix 51. - - David, J. J. 76. - - Dehmel, Richard 101. - - Dörmann, Felix 102. - - Dranmor 61. - - Dreyer, Max 89. - - - Ebers, Georg 50. - - Ebner-Eschenbach, Marie von 72. - - Eckstein, Ernst 51. - - Eichrodt, Ludwig 40. - - Elbe, A. von der 80. - - Ernst, Otto 95. - - Ertl, Emil 104. - - Eschstruth, Nataly von 64. - - Evers, Franz 100. - - - Falke, Gustav 92. - - Fehrs, Joh. Heinrich 47. - - Fischer, Johann Georg 38. - - Fitger, Arthur 53. - - Flaischlen, Caesar 90. - - Fontane, Theodor 71. - - François, Luise von 32. - - Franzos, Karl Emil 49. - - Frapan, Ilse 48. - - Frenzel, Karl 55. - - Freytag, Gustav 29. - - Friedmann, Alfred 84. - - Fuchs, Reinhold 93. - - Fulda, Ludwig 88. - - - Ganghofer, Ludwig 46. - - Geibel, Emanuel 35. - - George, Stephan 103. - - Gerok, Karl 57. - - Glümer, Claire 80. - - Gottschall, Rudolf von 52. - - Grazie, Marie Eugenie delle 97. - - Greif, Martin 38. - - Greinz, Hugo 105. - - Grisebach, Eduard 62. - - Groller, Balduin 83. - - Groß, Ferdinand 83. - - Grosse, Julius 37. - - Groth, Klaus 44. - - Grotthuß, Jeannot Emil von 93. - - - Halbe, Max 88. - - Hamerling, Robert 36. - - Hango, Hermann 104. - - Hansjakob, Heinrich 47. - - Harden, Maximilian 84. - - Hart, Heinrich 65. - - Hart, Julius 66. - - Hartleben, Otto Erich 90. - - Hauptmann, Gerhart 85. - - Heiberg, Hermann 66. - - Heigel, Karl von 55. - - Heimburg, W. 63. - - Heine, Anselm 98. - - Henckell, Karl 68. - - Herold, Franz 103. - - Herrig, Hans 53. - - Hertz, Wilhelm 43. - - Heyse, Paul 34. - - Hillern, Wilhelmine von 54. - - Hirschfeld, Georg 91. - - Hoffmann, Hans 59. - - Hofmannsthal, Hugo von 102. - - Hollaender, Felix 76. - - Holz, Arno 67. - - Hopfen, Hans 54. - - Huch, Ricarda 93. - - - Jacobowski, Ludwig 92. - - Janitschek, Maria 97. - - Jensen, Wilhelm 72. - - Jordan, Wilhelm 39. - - Junghans, Sophie 80. - - - Kahlenberg, Hans von 99. - - Keller, Gottfried 33. - - Kerstan, Karl 71. - - Kirchbach, Wolfgang 67. - - Kitir, Josef 104. - - Kompert, Leopold 50. - - Königsbrun-Schaup, Franz v. 79. - - Kretzer, Max 66. - - Kröger, Timm 47. - - Kruse, Heinrich 53. - - Kurz, Isolde 42. - - - Land, Hans 79. - - Langbehn, Julius 83. - - Langmann, Philipp 90. - - L'Arronge, Adolf 54. - - Lauff, Josef 89. - - Leixner, Otto von 78. - - Lienhard, Fritz 69. - - Liliencron, Detlev von 91. - - Lindau, Paul 82. - - Lindau, Rudolf 81. - - Lindner, Albert 53. - - Lingg, Hermann 39. - - Linke, Oskar 52. - - Lohmeyer, Julius 60. - - Lorm, Hieronymus 62. - - Lubliner, Hugo 53. - - - Mackay, John Henry 68. - - Marlitt, E. 63. - - Marriot, Emil 98. - - Mauthner, Fritz 78. - - Megede, Johannes Rich. zur 82. - - Meyer, Conrad Ferdinand 32. - - Meyer, Johann 47. - - Milow, Stephan 40. - - Mombert, Alfred 103. - - Möser, Albert 37. - - Moser, Gustav von 54. - - Mysing, Oscar 75. - - - Naaff, Anton August 70. - - Niemann, August 77. - - Niese, Charlotte 48. - - Nordau, Max 83. - - Nordhausen, Richard 76. - - - Ohorn, Anton 70. - - Ompteda, Georg von 75. - - - Palmer, Ludwig 94. - - Pantenius, Theod. Herrmann 45. - - Paulus, Eduard 42. - - Perfall, Anton von 75. - - Perfall, Karl von 75. - - Peschkau, Emil 83. - - Philippi, Felix 89. - - Pichler, Adolf 69. - - Polenz, Wilhelm von 75. - - Preuschen, Hermione von 98. - - Pröll, Karl 69. - - Przybyszewski, Stanislaw 100. - - Puttkamer, Alberta von 62. - - - Raabe, Wilhelm 58. - - Reder, Heinrich von 56. - - Redwitz, Oskar von 43. - - Renner, Gustav 94. - - Reuter, Gabriele 98. - - Riehl, Wilhelm Heinrich 49. - - Ritter, Anna 94. - - Rittershaus, Emil 58. - - Roberts, Alexander von 74. - - Rodenberg, Julius 41. - - Roquette, Otto 43. - - Rosegger, Peter 45. - - Rosmer, Ernst 91. - - Ruederer, Josef 90. - - Rüttenauer, Benno 96. - - - Saar, Ferdinand von 55. - - Sacher-Masoch, Leopold von 50. - - Salus, Hugo 102. - - Samarow, Gregor 84. - - Schack, Adolf Friedr., Graf v. 36. - - Scheerbart, Paul 103. - - Scheffel, Josef Victor von 56. - - Schlaf, Johannes 99. - - Schmid, Hermann von 46. - - Schmidt, Maximilian 46. - - Schmitthenner, Adolf 75. - - Schnitzler, Arthur 89. - - Scholz, Wilhelm von 101. - - Schönaich-Carolath, Emil Prinz von 62. - - Schubin, Ossip 81. - - Schullern, Heinrich von 104. - - Seidel, Heinrich 59. - - Siegfried, Walter 96. - - Sohnrey, Heinrich 49. - - Sperl, August 48. - - Spielhagen, Friedrich 30. - - Spitteler, Carl 95. - - Steinhausen, Heinrich 43. - - Stern, Adolf 55. - - Stern, Maurice Reinhold von 68. - - Stieler, Karl 45. - - Stinde, Julius 60. - - Storm, Theodor 33. - - Stratz, Rudolf 79. - - Sturm, Julius 57. - - Sudermann, Hermann 87. - - Suttner, Bertha von 82. - - - Taylor, George 51. - - Telmann, Konrad 74. - - Torresani, Baron Carl 81. - - Tovote, Heinz 76. - - Traeger, Albert 58. - - Trojan, Johannes 60. - - - Viebig, Clara 48. - - Vierordt, Heinrich 37. - - Villinger, Hermine 47. - - Vischer, Friedrich Theodor 39. - - Voß, Richard 73. - - - Wagner, Christian 96. - - Waldmüller, Robert 40. - - Walloth, Wilhelm 66. - - Wallpach, Arthur von 103. - - Weber, Friedrich Wilhelm 38. - - Weber-Lutkow, Hanns 105. - - Wedekind, Frank 101. - - Weigand, Wilhelm 95. - - Weilhart, Oskar 104. - - Weitbrecht, Karl 42. - - Werner, E. 63. - - Westarp, Adolf Graf von 70. - - Westkirch, Luise 81. - - Wichert, Ernst 77. - - Widmann, Jos. Viktor 96. - - Wilbrandt, Adolf 73. - - Wildenbruch, Ernst von 85. - - Wille, Bruno 69. - - Wolff, Julius 57. - - Wolters, Wilhelm 79. - - Wolzogen, Ernst von 73. - - - Zobeltitz, Fedor von 80. - - Zobeltitz, Hanns von 80. - - Zolling, Theophil 78. - - Zoozmann, Richard 93. - - -Druck von Paul Dünnhaupt in Cöthen (Anhalt). - - - - - Weitere Anmerkungen zur Transkription - - - Offensichtliche Fehler wurden stillschweigend korrigiert. Ansonsten - wurden unterschiedliche Schreibweisen des Originals beibehalten. - - Korrekturen: - - S. 25: herausschaffen → heraus schaffen - aus der germanischen Volksseele {heraus schaffen} - - S. 34: 1890 → 1830 - Paul Heyse, geb. am 15. März {1830} in Berlin - - S. 67: hinter → vor - eine große Zukunft {vor} sich hat - - S. 75. 24. 1854 → 24. Mai 1854 - Adolf Schmitthenner, geb. am {24. Mai 1854} - - S. 113: verschnöckelt → verschnörkelt - Druckschrift so {verschnörkelt} und entartet - - - -*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE LETZTEN ZWANZIG JAHRE DEUTSCHER -LITTERATURGESCHICHTE 1880–1900 *** - -Updated editions will replace the previous one--the old editions will -be renamed. - -Creating the works from print editions not protected by U.S. copyright -law means that no one owns a United States copyright in these works, -so the Foundation (and you!) can copy and distribute it in the -United States without permission and without paying copyright -royalties. Special rules, set forth in the General Terms of Use part -of this license, apply to copying and distributing Project -Gutenberg-tm electronic works to protect the PROJECT GUTENBERG-tm -concept and trademark. 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Hart was the originator of the Project -Gutenberg-tm concept of a library of electronic works that could be -freely shared with anyone. For forty years, he produced and -distributed Project Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of -volunteer support. - -Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed -editions, all of which are confirmed as not protected by copyright in -the U.S. unless a copyright notice is included. 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You may copy it, give it away or re-use it under the terms -of the Project Gutenberg License included with this eBook or online -at <a href="https://www.gutenberg.org">www.gutenberg.org</a>. 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Jubiläums von »Distributed -Proofreaders« erstellt.</p></div> - -<div class="chapter"> -<p class="center"> -Die letzten zwanzig<br /> -Jahre deutscher <img src="images/illu-001.jpg" class="w1" alt="Dekoration" /><br /> -Litteraturgeschichte. -</p> -<hr class="chap" /> -</div> - -<div class="chapter"> -<h1>Die letzten zwanzig<br /> -Jahre deutscher <img class="w2" src="images/illu-003.jpg" alt="Dekoration" /><br /> -Litteraturgeschichte<br /> -1880–1900</h1> - -<p class="mright">Im Abriß dargestellt<br /> -von <span class="larger">Emil Thomas</span>.</p> - -<p class="center p2">2., durchgesehene Auflage.</p> - -<p class="center smaller">(4. bis 8. Tausend.)</p> - -<div class="figcenter" id="signet"> - <img src="images/signet.jpg" alt="Signet" /> -</div> - -<p class="mleft p2">Leipzig 1900<br /> -Verlag von <em class="gesperrt">Walther Fiedler</em>. -</p> -<hr class="chap" /> -</div> - -<div class="chapter"> -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_5"></a>[5]</span></p> - -<h2 class="nobreak" id="Vorwort">Vorwort.</h2> -</div> - -<p>Es sind in neuester Zeit vielfach Versuche einer -Darstellung der Litteratur der letzten Jahre unternommen -worden<a id="FNAnker_1" href="#Fussnote_1" class="fnanchor">[1]</a> und es war dies umsomehr von nöten, als -unsere besten Litteraturgeschichten im Stich lassen, sobald -die Litteratur der letzten Jahrzehnte in Frage kommt. -Selbst Vogt und Kochs Litteraturgeschichte, die im vorigen -Jahre zur Ausgabe gelangte, ein sonst tüchtiges und zuverlässiges -Werk, macht vor der modernen Litteratur Halt -und behandelt die Zeit von dem Auftreten der »Jüngsten« -an in einer wahrhaft stiefmütterlichen Weise, die zu dem -Ganzen in keinem Verhältnis steht und deutlich erkennen -läßt, wie wenig die Verfasser über die moderne Litteratur -unterrichtet sind. Wenn man nun auch zugeben muß, -daß es mit Schwierigkeiten verbunden ist, klar und übersichtlich -eine Periode darzustellen, in der noch alles Leben<span class="pagenum"><a id="Seite_6"></a>[6]</span> -und Bewegung ist, die noch nicht einmal äußerlich zu -einem gewissen Abschluß gelangt ist, so erscheint es doch -nicht angängig, aus einer zeitlich nicht begrenzten -Litteraturgeschichte die moderne Litteratur auszuschließen -oder sie in ungenügender Weise zur Darstellung zu bringen. -Denn nichts liegt dem Interesse näher, als was uns -zeitlich naheliegt, und es ist sehr wohl möglich, zeitgenössische -Schriftsteller und ihre vorliegenden Werke zu -beurteilen, auch auf die Gefahr hin, daß durch spätere -Schöpfungen neue charakteristische Züge in das Bild Aufnahme -finden müssen. Darstellen läßt sich also die -Litteraturperiode der letzten Jahre – fraglich ist nur, -ob der Bericht über dieselbe, 10 oder 20 Jahre später, -nicht derartige Korrekturen erfahren wird, daß Urteil und -Anschauung der Gegenwart dadurch für die spätere Zeit -vollständig entwertet werden. Strömungen und Unterströmungen -auf litterarischem Gebiete sind für denjenigen, -der mitten in der darzustellenden Periode steht, -nur schwer erkennbar, und auch das Urteil des vorurteilslosen -Beobachters wird von der Parteien Haß und -Gunst verwirrt, besonders in einer Zeit, die an Stelle -der litterarischen <em class="gesperrt">Persönlichkeiten</em> litterarische <em class="gesperrt">Schulen</em> -setzt und durch Schlagworte zu ersetzen sucht, was ihr an -litterarischem Verständnis abgeht.</p> - -<div class="footnotes"> -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_1" href="#FNAnker_1" class="label">[1]</a> Neben den Studien zur neueren Litteratur, die Professor -Erich Schmidt, Adolf Stern und Franz Muncker veröffentlichten, -sind vor allem das Buch B. Litzmann's über das deutsche Drama -der Gegenwart, sowie Alfred Bieses Lyrische Dichtung und -neuere deutsche Lyriker, Wolff's Geschichte der deutschen Litteratur -in der Gegenwart, Adolf Bartels, Die deutsche Dichtung der -Gegenwart, Edgar Steiger, Das Werden des neuen Dramas, -und Richard M. Meyers Geschichte der deutschen Litteratur im -19. Jahrhundert, zu nennen.</p> -</div> -</div> - -<p>Wir sagten, daß in 10 oder 20 Jahren das jetzt -abgegebene Urteil über unsere moderne Litteratur eine -Wandlung erfahren wird, und je weiter wir uns von der -Gegenwart entfernen, destomehr wird die zeitgenössische -Kritik von der späterer Zeiten sich als unterschiedlich erweisen. -Sie wird ruhiger, objektiver ausfallen, aber sie -braucht darum nicht »richtiger« zu sein, denn der Wert<span class="pagenum"><a id="Seite_7"></a>[7]</span> -eines Buches darf nicht nur danach bemessen werden, -daß es noch kommenden Geschlechtern etwas zu sagen hat, -er kann auch darin bestehen, daß es, allein für seine Zeit -geschrieben, auch nur dieser nützt. Da wir aber die -Litteraturgeschichte aus der Kulturgeschichte ausscheiden -und ihr eine selbständige Stellung – ob mit Recht oder -Unrecht, sei dahingestellt – angewiesen haben, so werden -in ihr alle diejenigen Werke zu kurz kommen, die allein -für ihre Zeit berechnet und nur diese fördernd, nicht -künstlerischen Gehalt oder genügendes Interesse für die -Zukunft mitbringen. Noch ein weiterer Grund kommt -hinzu, um die Aufgabe der Litteraturgeschichte zu erschweren: -der, daß niemand, und sei er noch so belesen, -in der Lage sein wird, ohne Anleihen bei anderen zu -machen, ein Urteil über die Litteratur, selbst eines so begrenzten -Zeitraumes, wie es der von 1880–1900 ist, -abgeben zu können. Denn um festzustellen, welcher Dichter -und welches Werk in diese Litteraturgeschichte aufzunehmen -wären, müßte, unter der Voraussetzung einer Befähigung, -über alles urteilen zu können, ein eingehendes Studium -aller in dem betreffenden Zeitraum erschienener Werke -vorausgehen. Denn wie könnte jemand, der nicht das -ganze Gebiet beherrscht, wissen, ob er nicht das Wichtigste -übersehen, ob ihm nicht gerade das entgangen, auf das -das meiste Gewicht zu legen wäre? Wäre er allein in -der Lage, auch nur über eine beschränkte Anzahl Werke -ein Urteil abzugeben, sie litterarisch zu werten, und könnte -dies immer unter Ausschaltung alles Persönlichen geschehen? -Könnte er sich ganz dem Einflusse entziehen, den auch -ein minder gutes Buch ausüben kann, das ihm persönlich -mehr als den anderen zu sagen hat oder das in<span class="pagenum"><a id="Seite_8"></a>[8]</span> -einer Stimmung zur Hand genommen wurde, die es für -ihn in einem besonderen Lichte erscheinen ließ? Und -wird derselbe Autor, der, 30 Jahre alt, ein Werk kritisiert, -mit 40 Jahren noch dasselbe Urteil über das Werk abgeben? -Ein persönliches Gepräge kann eine Litteraturgeschichte -nur in einzelnen Zügen tragen und auch diese -müssen mit Vorsicht gegeben und durch die Urteile sachverständiger -Kritiker wenigstens kontrolliert werden. Gerade -weil selbst ein eng begrenztes Gebiet zu beherrschen unmöglich -ist, kann der Autor einer Litteraturgeschichte kaum -etwas anderes sein als ein Kompilator, der die abgegebenen -Urteile in litteraturgeschichtlichen und verwandten Büchern -und Zeitschriften abzuwägen, zu kontrollieren und aus ihnen -das Facit zu ziehen hat. Er wird nie, und wenn er seinen -Namen noch so fett auf das Titelblatt schreibt, ganz aus -Persönlichem heraus eine Litteraturgeschichte schreiben und -sagen können: so denke ich über alle jene Werke, zu denen -ich in dem und dem Verhältnis stehe.</p> - -<p>Allerdings soll eine Litteraturgeschichte in ihrer Gesamtheit -mehr sein, als ein Sammelsurium von Urteilen, -die Hinz und Kunz über Bücher und Autoren abgeben -und die Müller oder Schulze dann »kontrollieren« und -»abwägen«: eine Litteraturgeschichte muß vor allem auf -die geistigen Strömungen das Hauptgewicht legen, sie -muß, wenn sie Wert besitzen soll, uns zeigen, wie sich -diese in dem Kopfe des Verfassers darstellen, der bei -einer Geschichte mehr auf den geistigen Zusammenhang, -auf die typischen Erscheinungen, als auf ihre Repräsentanten -zu achten hat. Die Geschichtsschreibung, die nur -die »Haupt- und Staatsaktionen« kannte und darstellte, -hat sich überlebt, die politische Geschichte von ehemals ist<span class="pagenum"><a id="Seite_9"></a>[9]</span> -der Kulturgeschichte gewichen, die versuchen muß, uns aus -der Zeit heraus die Erscheinungen zu erklären und verständlich -zu machen. Von der Litteraturgeschichte muß aber -noch mehr gefordert werden. Vor allem ist ihre Aufgabe, reinlich -zu scheiden zwischen dem, was Mode, Reklame und Marktschreierei, -gute Freunde und getreue Nachbarn aus einem -Autor gemacht haben, und dem, was ihm an wirklichem -Verdienste, nach seinem Können, zukommt. Sie hat sich -mit den schlechten Autoren, die den litterarischen Geschmack -einer Zeit <em class="gesperrt">wesentlich</em> beeinflussen, ebenso abzufinden -wie mit den guten, hat auch der <em class="gesperrt">besonderen</em> -Beeinflussung älterer Werke und Autoren, die für eine -Zeit wieder lebendig geworden sind, zu gedenken, sie -muß – und das nicht zuletzt – auch gutzumachen -suchen, was an einem Autor gesündigt wurde, dessen -Talent sich mit jedem der durch Verlegerreklame und -Cliquenwirtschaft bekannt gewordenen »Jungen« und -Modernen messen kann, der aber den Fehler beging, nur -seine Bücher und nicht auch seine Freunde und Vettern für -sich reden zu lassen.</p> - -<hr class="tb" /> - -<p>Es bedarf wohl einer Erklärung, warum der vorliegende -Abriß der deutschen Litteraturgeschichte der Gegenwart -mit dem Jahre 1880 und nicht, wie dies sonst -üblich, mit dem Tode Goethes (1832) oder dem Ausbruche -des deutsch-französischen Krieges (1870) beginnt.</p> - -<p>Das eine wie das andere Jahr kommt für die -Litteratur wenig in Betracht. Der Tod Goethes, wie -der Ausbruch des Krieges waren rein äußere Umstände: -der erstere beendete nicht das goldene Zeitalter unserer<span class="pagenum"><a id="Seite_10"></a>[10]</span> -Litteratur, das mit dem Erscheinen des ersten Teils von -Faust sein Ende erreichte, und der letztere leitete keine -neue Epoche unserer Litteratur ein. Wenn es auch gefährlich -ist, den Beginn einer neuen Litteraturperiode durch -ein bestimmtes Jahr festzulegen, so haben doch, nach -unserem Dafürhalten, die 80er Jahre mehr Berechtigung, -als Ausgangspunkt bei der Darstellung der modernen -Litteratur angenommen zu werden, als das Jahr 1870, -das nicht einmal auf einem litterarischen Gebiete – der -Kriegslyrik – neue Blüten trieb, sondern nur politisch -von Bedeutung ist. Nimmt man ein bestimmtes Jahr -zum Ausgangspunkt an, so entsteht die Frage, inwieweit -sich ein Zurückgreifen auf die vorhergehenden Jahre zum -besseren Verständnisse des angesetzten Jahres notwendig -macht. Litterarische Erscheinungen wie Freytag und Spielhagen -– um Beispiele aus der modernen Litteratur anzuführen -– hatten ihren Vorläufer in Gutzkow, wie -Heyse's Schaffen schließlich auf Goethe zurückführt. Und -noch eine andere Schwierigkeit erwächst dem Litterarhistoriker -bei der Darstellung eines bestimmten, engbegrenzten -Zeitraumes. Heyses, Spielhagens und Freytags litterarische -Bedeutung und Erfolge – um bei den einmal Genannten -zu bleiben – gehören einer vergangenen Periode an, sie -waren es nicht, die der neueren Litteratur den Stempel -aufdrückten und auch ihr eigenes litterarisches Charakterbild -erhielt durch ihre späteren Schöpfungen keine neuen -Züge. Das trifft selbst bei einem Autor wie Spielhagen -zu, der sich wie kaum ein anderer unter den Alten -bemüht hat, die neue Zeit zu verstehen und mit ihr zu -paktieren, aber doch immer der alte Spielhagen der 70er -Jahre blieb.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_11"></a>[11]</span></p> - -<p>Die älteren Dichter sind daher in dem vorliegenden -Abriß nur stiefmütterlich behandelt worden, eine Taktik, -die auch darauf zurückzuführen ist, daß es nicht schwer hält, -sich über sie anderenorts zu informieren. Wir wollten -vor allem den geringen Raum, der uns zur Verfügung -steht – das Werkchen ist ein etwas erweiterter Abdruck -aus dem »Buchhändler-Kalender für 1900« – -benutzen, um auf die »neuesten und allerneuesten« Dichter -aufmerksam zu machen. Daß wir auch hier nur Einzelbilder -und Einzelerscheinungen herausgreifen konnten und -auf eine Darstellung der <em class="gesperrt">Entwickelung der neuesten -Litteratur</em> verzichten mußten, findet gleichfalls seine -Erklärung in der uns auferlegten räumlichen Beschränkung. -Sie verführte auch, im Gegensatze zu -unserer Anschauung, daß eine Litteraturgeschichte nicht -nur die schöngeistigen Schriften, sondern das gesamte -Geistesleben zu umfassen hat, soweit es seinen Ausdruck in -der Litteratur findet und nicht rein fachwissenschaftlicher -Natur ist, zu einer ausschließlichen Berücksichtigung der -Belletristik, so daß man Namen wie: Büchner, Eduard -v. Hartmann, Friedrich Nietzsche, Schopenhauer, Stirner, -Gregorovius, Treitschke, Sybel, Ranke, Mommsen, Schäffle, -Ihering, Erich Schmidt, Paul de Lagarde, Karl Hillebrand, -Victor Hehn, Herman Grimm, Otto Gildemeister, Bamberger, -Fürst Bismarck, Richard Wagner u. a., in den -»Charakteristiken« nicht begegnen wird, so sehr sie Anspruch -auf Aufnahme in eine moderne Litteraturgeschichte -haben. Dagegen wird man es in einer speciell für Buchhändler, -Litteraten etc. bestimmten Litteraturgeschichte gerechtfertigt -finden, daß wir nicht sowohl den Versuch einer -Charakteristik der litterarischen und verwandten Blätter<span class="pagenum"><a id="Seite_12"></a>[12]</span> -unternommen, als auch auf den Anteil hingewiesen haben, -der dem Verlagsbuchhandel an der Entwicklung unserer -Litteratur zukommt.</p> - -<p>Was die in den »Charakteristiken« angeführten -Dichter betrifft, so wird gewiß schon im kommenden -Jahrzehnt eine ganze Reihe in der Versenkung verschwinden -und anderen Platz machen müssen, die jetzt -bescheiden bei Seite stehen, unbeachtet von der Kritik -und dem großen Publikum. Ihr Ruhm wird dauernder -sein als der unserer litterarischen Tagesgrößen, wenn -auch eine Litteraturgeschichte so geringen Umfangs und -mit so bescheidenen Aufgaben wie die vorliegende, nur -vorsichtig für einzelne von ihnen eintreten kann. Denn -auf die Freude, gerade den <em class="gesperrt">Könnern</em> ohne Anhang in -der Presse und im Publikum zu ihrem Rechte zu verhelfen, -muß der Verfasser eines Werkchens verzichten, -das seiner ganzen Anlage nach nur für die Gegenwart -berechnet, keine Umwertung der jetzigen litterarischen -Werte vornehmen kann, sondern allein den Zweck verfolgt, -über die bekannteren Schriftsteller und ihre Werke ein -paar orientierende Notizen zu geben, mit denen sich -die Benutzer besser im litterarischen Leben zurechtfinden -können.</p> - -<p> -<em class="gesperrt">Leipzig</em>, März 1900. -</p> -<p class="mright"> -<b>Emil Thomas.</b> -</p> -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_13"></a>[13]</span></p> - -<h2 class="nobreak" id="Inhaltsverzeichnis">Inhaltsverzeichnis.</h2> -</div> - -<table summary="Inhalt"> -<tr> -<td></td><td class="tdr tdb">Seite</td> -</tr> -<tr> -<td><em class="gesperrt">Vorwort</em></td> - <td class="tdr tdb"><a href="#Vorwort">5</a></td> -</tr> -<tr> -<td><em class="gesperrt">Überblick</em></td> - <td class="tdr tdb"><a href="#UEberblick">18</a></td> -</tr> -<tr> -<td><em class="gesperrt">Charakteristiken</em>: - -<em class="gesperrt">Die Romanciers der alten Schule</em></td> - <td class="tdr tdb"><a href="#Die_Romanciers_der_alten_Schule">29</a></td> -</tr> -<tr> -<td class="tdlm">Gustav Freytag. – Friedrich Spielhagen. – Berthold -Auerbach. – Luise von François.</td><td></td> -</tr> -<tr> -<td><em class="gesperrt">Die großen Novellisten der 70er und 80er Jahre</em></td> - <td class="tdr tdb"><a href="#Die_grossen_Novellisten_der_70er_und">32</a></td> -</tr> -<tr> -<td class="tdlm">Conrad Ferd. Meyer. – Gottfried Keller. – Theodor -Storm. – Paul Heyse.</td><td></td> -</tr> -<tr> -<td><em class="gesperrt">Die Formtalente der alten Schule</em></td> - <td class="tdr tdb"><a href="#Die_Formtalente_der_alten_Schule">35</a></td> -</tr> -<tr> -<td class="tdlm">Emanuel Geibel. – Friedr. v. Bodenstedt. – Adolf -Friedr. Graf v. Schack. – Rob. Hamerling. – Albert -Moeser. – Heinr. Vierordt.</td><td></td> -</tr> -<tr> -<td><em class="gesperrt">Lyriker und Epiker der 70er und 80er Jahre</em></td> - <td class="tdr tdb"><a href="#Lyriker_und_Epiker">37</a></td> -</tr> -<tr> -<td class="tdlm">Julius Grosse. – Martin Greif. – Joh. Georg Fischer. -– Friedr. Wilh. Weber. – Friedrich Theod. Vischer. – -Wilh. Jordan. – Hermann Lingg. – Stephan Milow. – -Ludwig Eichrodt. – Hermann Allmers. – Robert Waldmüller. -– Rudolf Bunge. – Adolf Brieger. – Heinrich -Bulthaupt. – Julius Rodenberg. – Karl Weitbrecht. -– Eduard Paulus. – Isolde Kurz.</td><td></td> -</tr> -<tr> -<td><em class="gesperrt">Die neuzeitlichen Romantiker</em></td> - <td class="tdr tdb"><a href="#Die_neuzeitlichen_Romantiker">43</a></td> -</tr> -<tr> -<td class="tdlm">Otto Roquette. – Oskar von Redwitz. – Heinrich Steinhausen. -– Wilhelm Hertz.</td><td></td> -</tr> -<tr> -<td><em class="gesperrt">Die Dichter mit dem Erdgeruch</em></td> - <td class="tdr tdb"><a href="#Die_Dichter_mit_dem_Erdgeruch">44</a></td> -</tr> -<tr> -<td class="tdlm">Klaus Groth. – Ludwig Anzengruber. – Theod. Herrmann -Pantenius. – Peter Rosegger. – Karl Stieler.<span class="pagenum"><a id="Seite_14"></a>[14]</span> -– Hermann von Schmid. – Maximilian Schmidt. – -Ludwig Ganghofer. – Arthur Achleitner. – Johann -Meyer. – Joh. Heinr. Fehrs. – Timm Kröger. – Heinr. -Hansjakob. – Hermine Villinger. – Clara Viebig. – -Adolf Bartels. – Charlotte Niese. – Ilse Frapan. – -August Sperl. – Heinrich Sohnrey.</td><td></td> -</tr> -<tr> -<td><em class="gesperrt">Die Kulturnovellisten</em></td> - <td class="tdr tdb"><a href="#Die_Kulturnovellisten">49</a></td> -</tr> -<tr> -<td class="tdlm">Wilhelm Heinrich Riehl. – Karl Emil Franzos. – Leopold -Kompert. – Leopold von Sacher-Masoch.</td><td></td> -</tr> -<tr> -<td><em class="gesperrt">Die Dichter-Archäologen</em></td> - <td class="tdr tdb"><a href="#Die_Dichter-Archaeologen">50</a></td> -</tr> -<tr> -<td class="tdlm">Georg Ebers. – Felix Dahn. – Ernst Eckstein. – -George Taylor. – Oskar Linke.</td><td></td> -</tr> -<tr> -<td><em class="gesperrt">Die Dramatiker der alten Schule</em></td> - <td class="tdr tdb"><a href="#Die_Dramatiker_der_alten_Schule">52</a></td> -</tr> -<tr> -<td class="tdlm">Rudolf v. Gottschall. – Hans Herrig. – Arthur Fitger. -– Heinrich Kruse. – Albert Lindner.</td><td></td> -</tr> -<tr> -<td><em class="gesperrt">Die sogenannten Lustspieldichter</em></td> - <td class="tdr tdb"><a href="#Die_sogenannten_Lustspieldichter">53</a></td> -</tr> -<tr> -<td class="tdlm">Oskar Blumenthal. – Hugo Lubliner. – Gustav von -Moser. – Adolf L'Arronge.</td><td></td> -</tr> -<tr> -<td><em class="gesperrt">Die Übergangstalente</em></td> - <td class="tdr tdb"><a href="#Die_UEbergangstalente">54</a></td> -</tr> -<tr> -<td class="tdlm">Hans Hopfen. – Wilhelmine von Hillern. – Karl -v. Heigel. – Karl Frenzel. – Adolf Stern. – Ferdinand -von Saar. – Heinrich von Reder.</td><td></td> -</tr> -<tr> -<td><em class="gesperrt">Vaganten und Spielmänner</em></td> - <td class="tdr tdb"><a href="#Vaganten_und_Spielmaenner">56</a></td> -</tr> -<tr> -<td class="tdlm">Josef Victor von Scheffel. – Rudolf Baumbach. – -Julius Wolff.</td><td></td> -</tr> -<tr> -<td><em class="gesperrt">Die Goldschnittlyriker der 80er Jahre</em></td> - <td class="tdr tdb"><a href="#Die_Goldschnittlyriker_der_80er_Jahre">57</a></td> -</tr> -<tr> -<td class="tdlm">Karl Gerok. – Julius Sturm. – Albert Traeger. – -Emil Rittershaus.</td><td></td> -</tr> -<tr> -<td><em class="gesperrt">Die Beschaulichen</em></td> - <td class="tdr tdb"><a href="#Die_Beschaulichen">58</a></td> -</tr> -<tr> -<td class="tdlm">Wilhelm Raabe. – Wilhelm Busch. – Hans Hoffmann. -– Heinrich Seidel. – Victor Blüthgen.</td><td></td> -</tr> -<tr> -<td><em class="gesperrt">Die Behaglichen</em></td> - <td class="tdr tdb"><a href="#Die_Behaglichen">60</a></td> -</tr> -<tr> -<td class="tdlm">Julius Stinde. – Johannes Trojan. – Julius Lohmeyer. -– Edwin Bormann. – Georg Bötticher. – Hans -Arnold.</td><td></td> -</tr> -<tr> -<td><em class="gesperrt">Die Dichter der Dekadenz</em><span class="pagenum"><a id="Seite_15"></a>[15]</span></td> - <td class="tdr tdb"><a href="#Die_Dichter_der_Dekadenz">61</a></td> -</tr> -<tr> -<td class="tdlm">Dranmor. – Eduard Grisebach. – Emil Prinz von -Schönaich-Carolath. – Hieronymus Lorm. – Alberta -von Puttkamer. – Ada Christen.</td><td></td> -</tr> -<tr> -<td><em class="gesperrt">Die Marlitt und ihre Schule</em></td> - <td class="tdr tdb"><a href="#Die_Marlitt_und_ihre_Schule">63</a></td> -</tr> -<tr> -<td class="tdlm">E. Marlitt. – W. Heimburg. – E. Werner. – Marie -Bernhard. – Nataly von Eschstruth.</td><td></td> -</tr> -<tr> -<td><em class="gesperrt">Die »Jüngstdeutschen« und ihre Vorkämpfer</em></td> - <td class="tdr tdb"><a href="#Die_Juengstdeutschen_und_ihre">64</a></td> -</tr> -<tr> -<td class="tdlm">Karl Bleibtreu. – Michael Georg Conrad. – Hermann -Conradi. – Konrad Alberti. – Heinrich Hart. – Julius -Hart. – Hermann Heiberg. – Max Kretzer. – Wilhelm -Walloth. – Wilhelm Arent. – Wolfgang Kirchbach.</td><td></td> -</tr> -<tr> -<td><em class="gesperrt">Socialistische Lyriker</em></td> - <td class="tdr tdb"><a href="#Socialistische_Lyriker">67</a></td> -</tr> -<tr> -<td class="tdlm">Arno Holz. – Karl Henckell. – Maurice Reinhold -Stern. – John Henry Mackay. – Bruno Wille.</td><td></td> -</tr> -<tr> -<td><em class="gesperrt">Die Nationalen</em></td> - <td class="tdr tdb"><a href="#Die_Nationalen">69</a></td> -</tr> -<tr> -<td class="tdlm">Adolf Pichler. – Karl Pröll. – Fritz Lienhard. – -Anton Ohorn. – Anton Aug. Naaff. – Ottomar -Beta. – Adolf Graf v. Westarp. – E. Bauer. – -Carl Kerstan.</td><td></td> -</tr> -<tr> -<td><em class="gesperrt">Die großen neuzeitlichen Erzähler</em></td> - <td class="tdr tdb"><a href="#Die_grossen_neuzeitlichen_Erzaehler">71</a></td> -</tr> -<tr> -<td class="tdlm">Theodor Fontane. – Wilhelm Jensen. – Marie von -Ebner-Eschenbach. – Adolf Wilbrandt. – Richard Voß.</td><td></td> -</tr> -<tr> -<td><em class="gesperrt">Realistische Erzähler</em></td> - <td class="tdr tdb"><a href="#Realistische_Erzaehler">73</a></td> -</tr> -<tr> -<td class="tdlm">Ernst von Wolzogen. – Konrad Telmann. – Alexander -von Roberts. – Georg v. Ompteda. – Wilhelm v. Polenz. -– Ad. Schmitthenner. – Karl v. Perfall. – Anton -v. Perfall. – Oscar Mysing. – Richard Nordhausen. – -J. J. David. – Felix Hollaender. – Heinz Tovote.</td><td></td> -</tr> -<tr> -<td><em class="gesperrt">Die Unterhaltungstalente</em></td> - <td class="tdr tdb"><a href="#Die_Unterhaltungstalente">77</a></td> -</tr> -<tr> -<td class="tdlm">Ernst Wichert. – August Niemann. – Gerhardt von -Amyntor. – Otto v. Leixner. – Fritz Mauthner. – -Theophil Zolling. – Rudolf Stratz. – Hans Land. -– Wilh. Wolters. – Franz v. Königsbrun-Schaup. -– Fedor von Zobeltitz. – Hanns von Zobeltitz. –<span class="pagenum"><a id="Seite_16"></a>[16]</span> -Ida Boy-Ed. – A. v. d. Elbe. – Claire Glümer. – -Sophie Junghans. – Luise Westkirch.</td><td></td> -</tr> -<tr> -<td><em class="gesperrt">Romanciers des <em class="antiquagesperrt">High-life</em></em></td> - <td class="tdr tdb"><a href="#Romanciers_des_High-life">81</a></td> -</tr> -<tr> -<td class="tdlm">Rudolf Lindau. – Ossip Schubin. – Baron Carl -Torresani. – Johannes Richard zur Megede. – Bertha -von Suttner.</td><td></td> -</tr> -<tr> -<td><em class="gesperrt">Die Feuilletonisten</em></td> - <td class="tdr tdb"><a href="#Die_Feuilletonisten">82</a></td> -</tr> -<tr> -<td class="tdlm">Paul Lindau. – Max Nordau. – Julius Langbehn. – -Emil Peschkau. – Balduin Groller. – Ferdinand -Groß. – Hermann Bahr. – Maximilian Harden.</td><td></td> -</tr> -<tr> -<td><em class="gesperrt">Die Industriellen</em></td> - <td class="tdr tdb"><a href="#Die_Industriellen">84</a></td> -</tr> -<tr> -<td class="tdlm">Gregor Samarow. – Alfr. Friedmann.</td><td></td> -</tr> -<tr> -<td><em class="gesperrt">Die dramatischen Hauptmänner</em></td> - <td class="tdr tdb"><a href="#Die_dramatischen_Hauptmaenner">85</a></td> -</tr> -<tr> -<td class="tdlm">Ernst von Wildenbruch. – Gerhart Hauptmann. – -Hermann Sudermann.</td><td></td> -</tr> -<tr> -<td><em class="gesperrt">Die kleineren Dramatiker der Neuzeit</em></td> - <td class="tdr tdb"><a href="#Die_kleineren_Dramatiker_der_Neuzeit">88</a></td> -</tr> -<tr> -<td class="tdlm">Max Halbe. – Ludwig Fulda. – Arthur Schnitzler. – -Josef Lauff. – Felix Philippi. – Max Dreyer. – -Josef Ruederer. – Caesar Flaischlen. – Otto Erich -Hartleben. – Philipp Langmann. – Ernst Rosmer. – -Georg Hirschfeld.</td><td></td> -</tr> -<tr> -<td><em class="gesperrt">Tendenzfreie Lyriker der jüngsten Zeit</em></td> - <td class="tdr tdb"><a href="#Tendenzfreie_Lyriker_der_juengsten_Zeit">91</a></td> -</tr> -<tr> -<td class="tdlm">Detlev von Liliencron. – Gustav Falke. – Carl -Busse. – Ludwig Jacobowski. – Richard Zoozmann. – -Reinhold Fuchs. – Jeannot Emil Freiherr v. Grotthuß. – -Ricarda Huch. – Alfred Beetschen. – Hans Bethge. – -Anna Ritter. – Johanna Ambrosius. – Ludwig -Palmer. – Gustav Renner.</td><td></td> -</tr> -<tr> -<td><em class="gesperrt">Philosophische und polemische Dichter</em></td> - <td class="tdr tdb"><a href="#Philosophische_und_polemische_Dichter">94</a></td> -</tr> -<tr> -<td class="tdlm">Ferdinand Avenarius. – Wilhelm Weigand. – Otto -Ernst. – Carl Spitteler. – Josef Viktor Widmann. – -Christian Wagner. – Wilhelm Bölsche. – Walther -Siegfried. – Benno Rüttenauer.</td><td></td> -</tr> -<tr> -<td><em class="gesperrt">Die Amazonen des Geistes</em></td> - <td class="tdr tdb"><a href="#Die_Amazonen_des_Geistes">97</a></td> -</tr> -<tr> -<td class="tdlm">Marie Eugenie delle Grazie. – Helene Böhlau. – Anna<span class="pagenum"><a id="Seite_17"></a>[17]</span> -Croissant-Rust. – Maria Janitschek. – Emil Marriot. – -Hermione von Preuschen. – Lou Andreas-Salomé. – -Gabriele Reuter. – Anselm Heine. – Hans von Kahlenberg. -– Elsa Asenijeff.</td><td></td> -</tr> -<tr> -<td><em class="gesperrt">»Artisten«, Symbolisten und Unverstandene</em></td> - <td class="tdr tdb"><a href="#Artisten">99</a></td> -</tr> -<tr> -<td class="tdlm">Johannes Schlaf. – Otto Julius Bierbaum. – Franz -Evers. – Stanislaw Przybyszewski. – Richard Dehmel. -– Frank Wedekind. – Wilhelm von Scholz. – Felix -Dörmann. – Hugo v. Hofmannsthal. – Hugo Salus. -– Peter Altenberg. – Stephan George. – Alfred -Mombert. – Paul Scheerbart.</td><td></td> -</tr> -<tr> -<td><em class="gesperrt">Nationale Jungösterreicher</em></td> - <td class="tdr tdb"><a href="#Nationale_Jungoesterreicher">103</a></td> -</tr> -<tr> -<td class="tdlm">Arthur von Wallpach. – Franz Herold. – Hermann -Hango. – Josef Kitir. – Oskar Weilhart. – Franz -Adamus. – Emil Ertl. – Heinrich v. Schullern. – -Hanns Weber-Lutkow. – Hugo Greinz.</td><td></td> -</tr> -<tr> -<td><em class="gesperrt">Zur Charakteristik litterarischer und verwandter -Blätter</em></td> - <td class="tdr tdb"><a href="#Zur_Charakteristik_litterarischer_und">106</a></td> -</tr> -<tr> -<td><em class="gesperrt">Der Verlagsbuchhandel und sein Anteil an der -Litteratur der Gegenwart</em></td> - <td class="tdr tdb"><a href="#Der_deutsche_Verlagsbuchhandel">118</a></td> -</tr> -<tr> -<td><em class="gesperrt">Register der in den »Charakteristiken« angeführten -Namen</em></td> - <td class="tdr tdb"><a href="#Register">133</a></td> -</tr> -</table> -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> -<span class="pagenum"><a id="Seite_18"></a>[18]</span> - -<h2 class="nobreak" id="UEberblick">Überblick.</h2> -</div> - -<p>Der deutsch-französische Krieg 1870/71 erfüllte das -Sehnen der Nation nach Einheit und Macht unter einem -neuen deutschen Kaisertum: eine neue Litteratur brachte -er nicht. Selbst die Kriegslyrik trieb nur wenig neue -Blüten; Schlag auf Schlag war draußen in Frankreich -erfolgt, und ehe man Zeit fand, den jungen Ruhm -dichterisch zu verherrlichen, war der Friede geschlossen. -Was sehnsüchtig die Besten der Nation herbeigewünscht, -war in Erfüllung gegangen, aber nach dem jahrzehntelangen -Warten stand man zu plötzlich am Ziel, um die -Wandlung begreifen zu können. In den Kabinetten war -der Krieg beschlossen worden, die Volksseele hatte wenig -Teil an ihm. Auch die Errichtung des deutschen Kaisertums -war mehr ein Akt der Diplomatie, als der Ausfluß -jenes Sehnens, das im Volke lebte und dessen Erfüllung -man kaum noch erhoffte, als sie schon eingetreten war. -Die wenigen großen Dichter, die wir um jene Zeit besaßen, -waren in ihrer Entwicklung bereits abgeschlossen, -als Bismarck Deutschland in den Sattel hob. Paul Heyse -war zu sehr Künstler, Ästhetiker, als daß von ihm eine -nationale Kunst ihren Ausgang nehmen konnte. Seine -Sehnsucht ging mehr nach dem sonnigen Italien oder<span class="pagenum"><a id="Seite_19"></a>[19]</span> -dem schönheitstrunkenen Hellas, als nach dem neuen -Deutschen Reiche. Berthold Auerbach hatte sein Bestes schon -geleistet und Gustav Freytags altfränkisch-philiströse Kunst fand -sich ebensowenig im neuen Deutschland zurecht, wie Friedrich -Spielhagens politisches Glaubensbekenntnis. Die beiden -Schweizer Gottfried Keller und Conrad Ferd. Meyer -standen zu weit ab vom Deutschen Reiche, um wirklichen -Einfluß auf sein nationales Leben zu gewinnen. So -verklang das Lied vom »Grünen Heinrich« in der Ferne -und erst viel später wurde seine Melodie wieder gehört. -Conrad Ferd. Meyers feinciselierte Kunst war nie Volkskunst, -ihr Einfluß blieb auch später auf Litteraten- und -Künstlerkreise beschränkt. Das Volk trug kein Verlangen -nach Kunst; was es suchte, war Unterhaltung – Genuß. -Die Milliarden kamen ins Land und ein toller Taumel -erfaßte alle Kreise: wer früher Wasser getrunken, berauschte -sich jetzt in Champagner. Die Gründerperiode -war angebrochen, das Gold übte seine Zauberkraft, alles -in seinen Bann ziehend und alle anderen als vitale -Interessen ertötend. Oskar Blumenthal und Paul Lindau, -Namen, die heute schon vom litterarischen Schauplatz -verschwunden sind, feierten ihre Triumphe, und das -eroberte Paris war es, das seine litterarischen Schatzkammern -öffnete und dem neuen Reich auch die »neue -Kunst« gab. Sie war auch danach und ihrer Vertreter -würdig. Die beiden Litteraturpäpste an der Spree waren -aus dem Journalismus hervorgegangen. Beide suchten -mit Pamphleten schlimmster Sorte ihr Ansehen zu begründen. -Den »Allerlei Ungezogenheiten« des »blutigen -Oscar« traten die »Litterarischen Rücksichtslosigkeiten« -Lindaus ebenbürtig zur Seite. Alles, was in Deutschland<span class="pagenum"><a id="Seite_20"></a>[20]</span> -einen Namen besaß, verfiel ihnen und wurde mit -Spott und Hohn überschüttet. Paris war die Parole. -Hatte das kriegerische Frankreich keine Lorbeeren gepflückt, -so fielen sie jetzt dem künstlerischen Frankreich überreich -in den Schoß. Selbst vor dem Kriege war die Abhängigkeit -von unseren westlichen Nachbarn nicht so groß -wie nach der Wiedergeburt Deutschlands, das sich erst -auf seine Machtstellung besinnen mußte. Irregeleitet von -falschen Propheten, die ihre Lehrjahre in Paris durchgemacht -hatten, wußte das Volk nichts Besseres, als der -leichtgeschürzten gallischen Muse zuzujubeln und ihre -Kinder für den Inbegriff des Schönen und Wahren -hinzustellen.</p> - -<p>Die Zeiten des Kulturkampfes waren der Entwickelung -der deutschen Dichtung wenig günstig, die Handvoll -wirklicher Poeten, die Deutschland besaß, ging unverstanden -ihre Wege und viel später erst fand sie Anerkennung. -Die Gründerperiode hatte bald abgewirtschaftet, -der Krach kam, der Champagnerrausch verflog -und nur der Katzenjammer blieb zurück. Damals wurde -Schopenhauer Mode. Sein Schüler Grisebach sang seine -Tannhäuserlieder, die die Stimmung des Volkes widerspiegeln, -das von Genuß zu Genuß taumelt, bis ihm -erwachend der Ekel kommt. Eine Zeit der Nüchternheit -und Niedergeschlagenheit folgte den tollen Jahren, eine -Zeit, in der die Litteratur auf die Zuneigung der höheren -Töchter angewiesen war. Die Poesie flüchtete in die -Gelehrtenstuben und drapierte sich malerisch mit griechischen -und ägyptischen Gewändern, um sich ein besonderes Air -zu geben. Es waren die Erntejahre der Dahn und -Ebers. In ihrem Gefolge erschienen die Scheffel, Wolff<span class="pagenum"><a id="Seite_21"></a>[21]</span> -und Baumbach und ließen ihre Spielmannsweisen ertönen. -Die Romantik hat den Deutschen immer im Blute gesteckt -und sie sollte auch im neuen Deutschen Reiche nicht -zu kurz kommen. Was ihre Vertreter an gutem Geschmack -noch übrig ließen, das richteten die Gartenlaube-Talente -vom Schlage der Marlitt zu Grunde. Wohl hatte Storm -bereits seine schönsten Lieder gesungen, Wilh. Raabe, -Anzengruber und Rosegger waren bei der Arbeit und -andere kleinere Talente ihnen gefolgt, aber was vermochten -sie gegen die Protegés der höheren Töchter in einer Zeit, -die die Kunst nur als angenehme Zugabe zum Leben -betrachtete und keine Dichter haben wollte?</p> - -<p>In dieser Zeit des Niederganges erstand dem litterarischen -Deutschland ein Retter in einer Gruppe junger -Schriftsteller, die dem allmählichen Versanden der Litteratur -nicht länger teilnahmslos zusehen wollte. Sie -empfand tief die Mißachtung, die man dem einheimischen -Schrifttum entgegegenbrachte, eine Mißachtung, an der -nicht sowohl das Publikum als auch die Litteratur selbst -schuld war. Die erste Streitschrift »Kritische Waffengänge«, -die der »neuen Litteratur« die Wege bahnen -sollte, ging von den Gebrüdern Hart aus.</p> - -<p>In einem einleitenden Aufsatze: »Wozu, wogegen, -wofür?« entwickeln sie ihr Programm: Sie wollen aufräumen -mit dem eklektischen Dilettantismus, der sich breit -macht, mit dem um sich fressenden Kastratentum der -Kritik. Sie wollen Platz machen für bessere und edlere -Geister, weil sie nicht an einen Niedergang der Litteratur -glauben können und wollen.</p> - -<p>»Hinweg also mit der schmarotzenden Mittelmäßigkeit, -hinweg alle Greisenhaftigkeit und alle Blasiertheit,<span class="pagenum"><a id="Seite_22"></a>[22]</span> -hinweg das verlogene Recensententum, hinweg mit der -Gleichgiltigkeit und hinweg mit allem sonstigen Geröll -und Gerümpel. Reißen wir die jungen Geister los aus -dem Banne, der sie umfängt, machen wir ihnen Lust und -Mut, sagen wir ihnen, daß das Heil nicht aus Ägypten -und Hellas kommt, sondern daß sie schaffen müssen aus der -germanischen Volksseele heraus, daß wir einer echt nationalen -Dichtung bedürfen, nicht dem Stoffe nach, sondern dem -Geiste, daß es wieder anzuknüpfen gilt an den jungen Goethe -und seine Zeit, und daß wir keine weitere Formenglätte -brauchen, sondern mehr Tiefe, mehr Glut, mehr Größe.«</p> - -<p>Und nun kommen die kritischen Abschlachtungen. Im -ersten Heft muß der Dramatiker Heinrich Kruse herhalten, -im zweiten wird Paul Lindau vorgenommen. Ihm folgen -Hugo Bürger (Hugo Lubliner) und Albert Träger. Das -vierte Heft enthält eine Beleuchtung des »Deutschen -Theater« L'Arronges; im fünften wird Graf Schack gelobt -und zum Schluß Spielhagen und dem deutschen -Roman der Gegenwart näher oder besser zu nahe getreten. -– Den »Kritischen Waffengängen« folgte die Arent'sche -Anthologie »Moderne Dichtercharaktere«, der sich Karl -Bleibtreu mit seiner Broschüre: »Revolution der Litteratur« -anschloß. Um den »Jungen« ein Organ zu schaffen, in -dem sie ihre Meinungen ungeschminkt zum Ausdruck -bringen konnten, gründete M. G. Conrad in Gemeinschaft -mit Bleibtreu »Die Gesellschaft«. Sie wurde bald der -Mittelpunkt einer Anzahl junger Schriftsteller, unter denen -sich neben den Herausgebern Hermann Conradi, Wilhelm -Walloth, Konrad Alberti bemerkbar machten.</p> - -<p>Wie bei jeder neuen Kunstrichtung schoß man auch -hier über das Ziel hinaus, und in dem Bestreben, alles<span class="pagenum"><a id="Seite_23"></a>[23]</span> -Bestehende über den Haufen zu werfen oder doch zu reformieren, -wurde man ungerecht und was noch schlimmer war, roh. -Dazu kam, daß man an Stelle der alten Kunst zwar -ein neues <em class="gesperrt">Programm</em>, aber keine neue <em class="gesperrt">Kunst</em> setzen -konnte. Auch da mußte Frankreich aushelfen. Der den -Deutschen verwandte Meister Zola zog die Jüngsten in -seinen Bann, und wie helle Fanfarenstöße klang sein Name -in das Lager der »Alten«. Wahrheit und Natur waren -die Schlagworte, mit denen man der Romantik zu Leibe -ging. Die Großstadt mit ihrer Pracht und ihrem Elend -wurde entdeckt, die Kellnerinnen und Dirnen in die Litteratur -eingeführt und die vielgliedrige sociale Frage der -Belletristik einverleibt. Aber dem großen Wollen entsprach -nur ein geringes Können. Bleibtreu suchte den Satz zu -erweisen, das Genie sei der Fleiß, und schrieb unermüdlich -Band auf Band, M. G. Conrad schuf seine Münchener -Großstadt-Romane nach Zola'schem Recept, Konrad Alberti -wählte sich Berlin zum Schauplatz seiner socialen Romane -und Hermann Conradi stammelte brünstige Lieder und -»Phrasen«. Daneben sangen Arno Holz und Karl Henckell -ihre Proletarierlieder, bei denen Geibel und Herwegh Pate -gestanden, Liliencron sattelte seinen Pegasus zu den -»Adjutantenritten« und Hermann Heiberg schrieb seinen -»Apotheker Heinrich«.</p> - -<p>So beachtenswert auch einzelne Leistungen waren, -so wenig konnte das Gesamtbild befriedigen. Die neuen -Stoffe besaß man wohl, aber die Künstler fehlten, sie -zu gestalten. Auch sonst kam noch manches hinzu, was -wenig geeignet war, der neuen Kunst Anhänger zuzuführen. -Ästhetisch feiner empfindende Naturen fühlten -sich abgestoßen von dem Gebahren der Jüngstdeutschen,<span class="pagenum"><a id="Seite_24"></a>[24]</span> -die den weichen Künstlerschlapphut der Münchener Schule -ostentativ mit der Ballonmütze des Proletariers vertauschten -und in der Art sich zu geben vieles zu -wünschen übrig ließen. Die Unzulänglichkeit in der Bewältigung -der neuen Stoffe führte wieder zu einer Anlehnung -an das Ausland. Dank den »Gründer«-Übeln -übersah man Dichter wie <em class="gesperrt">Otto Ludwig</em> und vor allem -<em class="gesperrt">Friedrich Hebbel</em>, die zwar noch keine socialistische -und Kellnerinnen-Litteratur geschaffen, aber den <em class="gesperrt">natürlichen -Übergang</em> von der alten zur neuen nationalen -Kunst darstellen. Ibsen und Tolstoi, denen sich Strindberg, -Björnson, Dostojewskij u. a. zugesellten, wurden -vielmehr neben Zola die großen Vorbilder, denen die -Jüngstdeutschen nacheiferten. An Ibsen bewunderte man -die Kühnheit, mit der er an alle ererbten Institutionen -und Anschauungen herantrat und ihre Fäulnis und -Verderbtheit aufdeckte. Und daneben lag in dem »Wunderbaren«, -auf das der große Prophet des Nordens hinwies, -ein eigener Zauber, der ebenso gefangen nahm, wie die -Lehre von dem Erbarmen mit dem Elend der Gegenwart, -die Tolstoi verkündete. Ibsen besonders hat das große -Publikum mit dem Denken und Empfinden der Modernen -vertraut gemacht: die Hunderttausende von Exemplaren, -die Reclam von seinen Stücken in die Welt sandte, -predigten das neue Evangelium der Kunst. Neben ihm -aber war ein anderer Prophet aufgetreten, der über -Stirner noch hinausgehend, die Philosophie des Egoismus -predigte und das »robuste Gewissen« verherrlichte: -Friedrich Nietzsche. Der Sklavenmoral des Christentums -setzte er die Herrenmoral des »Uebermenschen« gegenüber -und wenn er auch kein System auf- und ausgebaut hat,<span class="pagenum"><a id="Seite_25"></a>[25]</span> -so hat seine Lehre doch den stärksten Einfluß auf die -jüngste Dichtergeneration ausgeübt, die sich an seinen -großen Worten berauschte und das von ihm verherrlichte -Übermenschentum für sich zu pachten suchte.<a id="FNAnker_2" href="#Fussnote_2" class="fnanchor">[2]</a></p> - -<div class="footnotes"> -<div class="footnote"> -<p><a id="Fussnote_2" href="#FNAnker_2" class="label">[2]</a> Die Gebrüder Hart hatten in ihren »Kritischen Waffengängen« -die Forderung aufgestellt: die deutschen Dichter müßten -»aus der germanischen Volksseele <span id="corr025">heraus schaffen</span>«; ihre modernen -Mitstürmer aber vermochten, wie oben ausgeführt, die Stoffe, die -in der deutschen Volksseele lebten, weder zu erfassen, noch zu -gestalten. Sie verfielen vielmehr der krassesten Ausländerei und -befriedigten ihren germanischen Litteraturdrang dadurch, daß sie -gehorsam zu den Füßen der Franzosen, Russen und Norweger -saßen. Gegen diese Versumpfung der »litterarischen Revolution« -und »Moderne« trat eine Bewegung auf, die das »Nationale« -wieder in den Vordergrund zu schieben und eine »Heimatkunst« -zu schaffen suchte. Politisch schloß sie sich an die Deutschbewegung -in Österreich und den russischen Ostseeprovinzen an und fand -ihren stärksten Ausdruck in dem von Erwin Bauer gegründeten -»Zwanzigsten Jahrhundert«, zu dessen Mitarbeitern Karl Pröll, -Adolf Graf Westarp, Fritz Lienhard, Oskar Linke, Jeannot Emil -von Grotthuß u. a. gehörten. Diese »nationale« Litteratur-Bewegung -verfiel jedoch sehr bald dem politischen Antisemitismus -und verlor dadurch den Einfluß auf die deutsche Jugend ebenso -rasch, wie sie ihn gewonnen hatte. Erst in den letzten Jahren -sind diese Bestrebungen, wenn auch in etwas veränderter Form, -von Ferdinand Avenarius, Adolf Bartels, Fritz Lienhard u. a. im -»Kunstwart« und neuerdings in der »Heimat« wieder erfolgreich -aufgenommen worden.</p> -</div> -</div> - -<p>War es um die Litteratur im allgemeinen schon -schlecht bestellt, so hatte das deutsche Theater im besonderen -unter dem Tiefstand des litterarischen Interesses und des -herrschenden Geschmacks zu leiden. Erst Richard Wagners -Schöpfung des musikalischen Dramas erinnerte daran,<span class="pagenum"><a id="Seite_26"></a>[26]</span> -daß die Bühne anderen Zwecken zu dienen habe als der -Darstellung französischer Possen und Zoten. Seine Dramen -ließen die Vergangenheit wieder aufleben, in seinen stolzen -Reckengestalten und heldenmütigen Frauen zeigte der Dichter-Komponist -wieder Ideale, an die der Glaube längst abhanden -gekommen. Aber Wagners Bedeutung liegt mehr -auf musikalischem als dichterischem Gebiete und auf die -große Menge hat seine Kunst kaum Einfluß gewonnen. -Zudem waren die Wagnerianer, die heute eine Welt -darstellen, damals wenig mehr als eine kleine Fanatikergemeinde. -Von der jüngeren Generation war Wildenbruch -der erste, der sich die Bühne mit seinen Stücken eroberte, -in denen er dramatisch das Ergebnis der neuen Gestaltung -Deutschlands zu ziehen suchte. Er schuf eigenartige -Charakterbilder aus der brandenburg-preußischen Geschichte -und das Schillersche Pathos, das er anschlug, gewann -ihm die Gunst des Publikums im Fluge. Das eigentliche -Drama der Gegenwart aber, das seinen Stoff dem -modernen socialen Leben entnimmt, brachte der neuen -Zeit zuerst Sudermann in seiner »Ehre«. Sie leitete -eine neue Epoche unseres Litteraturlebens ein, nicht ihres -künstlerischen Gehaltes wegen, sondern durch die Anteilnahme -an dem dichterischen Schaffen unserer Tage, die -sie in den Kreisen des Publikums weckte. Auf die unbestrittenen -Erfolge Sudermanns folgten die lärmenden -Kundgebungen, mit denen man die ersten Schöpfungen -Hauptmanns empfing, die noch ganz unter dem Einflusse -Ibsens standen. Andere jüngere Talente, wie Halbe, -Fulda, Hartleben schlossen sich an. Durch sie und die -späteren Triumphe Hauptmanns wurde die Bühne -dem Naturalismus dauernd gewonnen: die Jüngsten<span class="pagenum"><a id="Seite_27"></a>[27]</span> -hatten gesiegt, wenn auch auf einem anderen Plane als -dem zuerst ins Auge gefaßten. Ihr Augenmerk war -ursprünglich auf die Regeneration des Romans gerichtet, -dem sie neue Stoffgebiete zu erschließen suchten. In -Wirklichkeit war es nur die Technik, die eine Umgestaltung -erfuhr, denn auch die Dichter der alten Schule, Spielhagen, -Heyse, um nur zwei der noch lebenden zu nennen, hatten -aus ihrer Zeit geschöpft und versucht, ein Bild derselben -zu geben.</p> - -<p>Das unbestrittene Verdienst der neuen Schule ist die -stärkere Anteilnahme der Litteratur am Leben der Gegenwart, -dessen Erscheinungen sie festzuhalten und künstlerisch -zu gestalten sucht. Schon beginnt das Interesse -für den romanischen Süden dem Zug nach dem germanischen -Norden zu weichen und an Stelle der »Internationalität« -sucht man wieder die volkstümlichen Grundlagen unserer Kunst -auf: die Heimat und ihre Vergangenheit. Diese Errungenschaften -der letzten Jahre werden durch die blutlose Nervenpoesie -der Symbolisten, Neurotiker, Esoteriker und wie die -neuen Kunstjünger alle heißen, kaum gefährdet werden, das -bloße Spielen mit Inhalt und Form, das »halbe heimliche -Empfinden« wird Menschen mit ganzem gesunden Empfinden -schwerlich in seinen Bann ziehen. Denn wenn man auch -von dem echten Dichter verlangt, daß er die ganze Empfindungsklaviatur -beherrscht, also auch die »schwarzen Tasten«, -die »halben Töne« kennt, so darf doch nicht vergessen -werden, daß diese immer nur <em class="gesperrt">den</em> Wert haben, <em class="gesperrt">die -Gefühls- und Gedankenwelt des Dichters</em> zu besserem, -stärkerem Ausdruck zu bringen. Denn auf <em class="gesperrt">diese</em>, nicht -auf die Technik kommt es an, so sehr auch die letztere -die Absichten des Dichters zu unterstützen vermag. Verheißungsvoll<span class="pagenum"><a id="Seite_28"></a>[28]</span> -für das Gedeihen unserer Litteratur ist die -Rückkehr vom Ausland und seinen Vorbildern zur Heimat, -zu Goethe und die Annäherung an die Kunstprinzipien -der Vergangenheit: nur in dem Kompromiß des Alten -mit dem Neuen kann für die nächste Zukunft das Heil -der deutschen Dichtung erblickt werden.</p> -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_29"></a>[29]</span></p> - -<h2 class="nobreak" id="Die_Romanciers_der_alten_Schule">Die Romanciers der alten Schule.</h2> -</div> - -<p><b>Gustav Freytag</b>, geb. am 13. Juli 1816 zu -Kreuzburg, gest. am 30. April 1895, wird als der -Dichter des deutschen Bürgertums gefeiert. Selbst durch -die besten Werke, die er geschaffen, geht ein leiser philiströser -Zug, den er vielleicht seiner Stellung als Privatdocent -in Breslau verdankt. Fast allen Büchern Freytags -sieht man an, daß ihr Verfasser Kulturhistoriker ist, der -sein Material gewissenhaft zusammenträgt, ehe er an die -Ausarbeitung eines Werkes geht. Fr., ein ausgesprochenes -Erzählertalent, begann seine litterarische Laufbahn als -Lyriker und Dramatiker. Sein erstes Stück führte den -Titel »Die Brautfahrt«, ihm folgten die Gedichte: »In -Breslau«, die Schauspiele »Die Valentine« und »Graf -Waldemar«. Im Jahre 1848 übernahm er in Gemeinschaft -mit dem Litterarhistoriker Julian Schmidt die Redaktion -der »Grenzboten«, die er durch fast 25 Jahre fortführte. -Seiner Beschäftigung mit Politik und Presse verdankt -das nicht gerade tiefgehende Lustspiel: »Die Journalisten« -seine Entstehung, das einen großen und dauernden Erfolg -errang, der seinem nächsten, der Gegenwart abgewandten -Drama: »Die Fabier« nicht beschieden war. 1855 -entstand das Hohelied des deutschen Kaufmannes: der -Roman »Soll und Haben«, nach dem Recept geschrieben, -das Julian Schmidt aufgestellt hatte: »Der Roman soll<span class="pagenum"><a id="Seite_30"></a>[30]</span> -das Volk da suchen, wo es in seiner Tüchtigkeit zu -finden ist: nämlich bei der Arbeit«. Das nächste Werk: -»Die verlorene Handschrift« spielt in Professorenkreisen -und gewann ihm die Herzen der akademischen Jugend. -Seine kulturhistorischen Forschungen legte F. in den -»Bildern aus der deutschen Vergangenheit« nieder. Acht -Jahre hat er dann an den »Ahnen«, einer Art historischen -Familienromans, geschrieben, von dem jedes Jahr einen -neuen Band brachte. 1. »Ingo«, 2. »Ingraban«, -3. »Das Nest der Zaunkönige«, 4. »Die Brüder vom -deutschen Hause«, 5. »Marcus König«, 6. »Der Rittmeister -von Alt-Rosen«, 7. »Der Freierkorporal bei -Markgraf Albrecht«, 8. »Aus einer kleinen Stadt«. Das -ganze Werk, dessen Schauplatz nach Thüringen verlegt -ist, sollte die Wandlungen des deutschen Volkes darstellen: -mit jedem Bande geht es mehr der Gegenwart entgegen, -bis die Sammlung, mit dem Jahre 350 beginnend, mit -einer Erzählung aus dem 19. Jahrhundert ihren Abschluß -erreicht. Eine »Technik des Dramas«, die ihn als feinen -Kenner der dramatischen Praxis zeigt, verdient noch -Erwähnung, sowie eine Lebensbeschreibung Karl Mathys' -und die mit geteilten Empfindungen aufgenommene -Schrift: »Der Kronprinz und die deutsche Kaiserkrone«. -Sein Leben und Schaffen beschrieb der Dichter selbst in -den »Erinnerungen aus meinem Leben.«</p> - -<p><b>Friedrich Spielhagen</b>, geb. 24. Febr. 1829 -in Magdeburg, ist der Dichter der Reaktion, jener Zeit, -die dem tollen Jahre folgte; seine Romane suchen vor -allem die Erscheinungen der Zeit, die socialen Kämpfe, -den Sturm und Drang der letzten 50 Jahre festzuhalten -und dem Leser verständlich zu machen. Sp. hatte bereits<span class="pagenum"><a id="Seite_31"></a>[31]</span> -das 30. Jahr überschritten, als sein erster großer Roman -»Problematische Naturen« erschien, der seinen litterarischen -Ruf begründete. Sein zweiter großer Roman »Die von -Hohenstein«, hat als Hintergrund das Jahr 1848, ihm -schlossen sich »In Reih und Glied« und »Hammer und -Amboß« an. Von weiteren Werken Spielhagens, die -fast alle tendenziös gefärbt sind, nennen wir noch: »Hans -und Grete«, »Unter Tannen«, »Die Dorfkokette«, »Deutsche -Pioniere«, »Allzeit voran«, »Was die Schwalbe sang«, -»Ultimo«, »Sturmflut«, »Das Skelett im Hause«, »Platt -Land«, »Quisisana«, »Angela«, »Uhlenhaus«, »An der -Heilquelle«, »Was will das werden?«, »<em class="antiqua">Noblesse -oblige</em>«, »Ein neuer Pharao«, »Sonntagskind«, -»Stumme des Himmels«, »Susi«, »Selbstgerecht«, »Zum -Zeitvertreib«, »Faustulus«. Auch als dramatischer und -lyrischer Dichter hat sich Spielhagen, wenngleich mit -geringem äußeren Erfolge versucht. Von seinen Schriften, -deren Gesamtausgabe in vorläufig 22 Bänden erscheint, -verdienen noch Erwähnung: »Beiträge zur Theorie und -Technik des Romans«, »Aus meiner Studienmappe«, -sowie der 1899 erschienene Band: »Neue Beiträge zur -Theorie und Technik der Epik und Dramatik«, besonders -aber seine Autobiographie: »Finder und Erfinder. Erinnerungen -aus meinem Leben.« – Spielhagen ist -in der Reaktion der 50er und 60er Jahre stecken geblieben: -er verstand die neue Zeit nicht mehr und suchte -in seine neuen Romane noch die alten Ideale hineinzutragen. -Auch das antiquierte Motiv von der Liebe -eines mit allen Vorzügen des Geistes und Herzens ausgestatteten -Bürgerlichen zu einer Adeligen, das in fast -allen Werken wiederkehrt und eine heimliche Vorliebe<span class="pagenum"><a id="Seite_32"></a>[32]</span> -Sp.'s für den Adel erkennen läßt, vermochte auf die -Dauer nicht mehr zu fesseln, und so sehr sich auch -Spielhagen, mehr als jeder andere der »Alten« bemühte, -in die »Moderne« hineinzuwachsen: er verstand sie nicht, -so wenig wie er verstanden wurde.</p> - -<p><b>Berthold Auerbach</b>, geb. am 28. Febr. 1812 zu -Nordstetten, gest. am 8. Febr. 1882 zu Cannes in -Frankreich, wurde durch seine »Schwarzwälder Dorfgeschichten« -berühmt. Wenn A. auch nicht wie Rosegger, -Anzengruber u. a. in das Wesen des Volkscharakters -eingedrungen ist – es als Jude auch gar nicht konnte, – -so hat er doch das Verdienst, einer der ersten gewesen -zu sein, die die Dorfgeschichte wieder zu Ehren gebracht -haben. Zu seinen besten Novellen, die allerdings auch -von Schönfärberei nicht frei sind, zählen: »Barfüßle«, -»Joseph im Schnee« und »Edelweiß«. Mit den großangelegten -Werken »Auf der Höhe«, »Das Landhaus -am Rhein« und »Waldfried« betrat A. das Gebiet des -liberalen Tendenzromans.</p> - -<p><b>Luise von François</b>, geb. am 27. Juni 1817 in -Herzberg, gest. am 26. Sept. 1893, eine der talentiertesten -Romanschriftstellerinnen, erwarb sich ihre litterarische -Stellung durch den historischen Roman: »Die letzte -Reckenburgerin«, dem sich »Frau Erdmuthens Zwillingssöhne«, -»Stufenjahre eines Glücklichen« u. a. anschlossen.</p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> -<h2 class="nobreak" id="Die_grossen_Novellisten_der_70er_und">Die großen Novellisten der 70er und -80er Jahre.</h2> -</div> - -<p><b>Conrad Ferdinand Meyer</b>, geb. am 12. Oktober 1825 -in Zürich, gest. am 28. November 1898, ist der Meister -der historischen Novelle, ein Dichter, der zwar nicht Gemeingut<span class="pagenum"><a id="Seite_33"></a>[33]</span> -des deutschen Volkes werden wird, der aber den -Kenner mit seiner fein ciselierten Goldschmiedearbeit immer -entzücken wird. M.'s Novellen haben meist das Reformationszeitalter -oder die Renaissancezeit als Hintergrund. -Seine dichterische Laufbahn begann er mit dem -Epos »Huttens letzte Tage«, ihm schlossen sich »Jürg -Jenatsch«, »Hochzeit des Mönchs«, »Der Heilige«, »Versuchung -des Pescara«, »Angela Borgia« u. a. an.</p> - -<p><b>Gottfried Keller</b>, geb. am 19. Juli 1819 in Glattfelden -bei Zürich, gest. am 15. Juli 1890, neben -Conr. Ferd. Meyer die bedeutendste schweizerische Dichtererscheinung -der letzten Litteraturperiode, trat zuerst mit -»Gedichten« und dem autobiographischen Meisterwerk -»Der grüne Heinrich« vor die Öffentlichkeit, der erst 20 -Jahre nach seinem Erscheinen die verdiente Würdigung fand -und oft mit Goethes »Wilhelm Meister« verglichen wurde. -Das Reifste und Schönste seiner Kunst bot K. in seinem -nächsten Werk, der Novellensammlung: »Die Leute von -Seldwyla«, der 1872 die »Sieben Legenden« folgten. -Kulturbilder aus Zürichs Vergangenheit enthalten die -»Züricher Novellen« und ebenso spielt der Roman »Martin -Salander« auf schweizerischem Boden. Lebendige Phantasie, -vermischt mit einem Zug ins Hausbackene, Kleinstädtische -und ein liebenswürdiger, goldener Humor bilden die -Grundzüge seines dichterischen Schaffens. K.'s Domäne -ist die Novelle, und wie sehr er diese meisterte, hat -kein Geringerer als Paul Heyse anerkannt, als er ihn -den Shakespeare der Novelle nannte.</p> - -<p><b>Theodor Storm</b>, geb. am 14. Sept. 1817 in Husum, -gest. am 4. Juli 1888, folgte den Spuren Goethescher -Lyrik. Ihn zeichnet ein feiner Natursinn und echtes<span class="pagenum"><a id="Seite_34"></a>[34]</span> -tiefes Empfinden aus, so daß seine Lyrik vorbildlich für -die besten dichterischen Talente unter den Modernen geworden -ist. Stifter und Eichendorff, vielleicht noch Mörike, -mögen sein Schaffen am stärksten beeinflußt haben. Neben -der Lyrik (»Gedichte«) ist es besonders die Novelle, der -Storm seine Thätigkeit zuwandte und für deren Entwicklung -und Ausbau er das Meiste beigetragen hat. -Als die besten novellistischen Erzeugnisse gelten Storms -»Immensee«, »Von jenseits des Meeres«, »Vor Zeiten«, -»Ein stiller Musikant«, »Psyche«, »Am Nachbarhause -links«, »Der Schimmelreiter«.</p> - -<p><b>Paul Heyse</b>, geb. am 15. März <span id="corr034">1830</span> in Berlin, -wurde als Jüngling von Geibel dem König Maximilian -mit den Worten vorgestellt: »Ein junger Goethe, Majestät!« -Er ist ein moderner Dichter, wenn es auch eine -Zeitlang zum guten Ton gehörte, ihn als abgethan zu -betrachten. H. weiß immer etwas zu sagen und hat -moderne Probleme lange vor der »neuen Schule« behandelt, -von der ihn nur technische Fragen scheiden. Ein -guter Schilderer menschlichen Innenlebens, wenns nicht -zu tief nach »innen« geht, bekundet er in seinen Novellen -und Romanen, von denen viele auf italienischem Boden -spielen, eine Vorliebe für die Verirrungen des Weibes, -namentlich der Frau von 40 Jahren. Eine vornehme, -edle Sprache zeichnet alle seine Werke aus, er ist der -Dichter der Schönheit und der Leidenschaft, wenn auch -der Künstler mehr als der Mensch an ihnen Anteil hat. -Von seinen Novellen und Romanen, die fast durchwegs -moderne Menschen zu Helden haben, die sich über Gesetz -und Sitte erheben, um der Stimme ihres Herzens zu -folgen, seien hier nur angeführt: »Novellen« von 1855,<span class="pagenum"><a id="Seite_35"></a>[35]</span> -1858, 1859, 1862, »Meeraner Novellen«, »Troubadour-Novellen«, -»Kinder der Welt«, »Im Paradiese«, »Roman -der Stiftsdame«, »Merlin«, »Über allen Gipfeln«. Auch -seine dramatische (»Ludwig der Bayer«, »Graf Königsmark«, -»Elfriede«, »Alcibiades«, besonders aber »Hans -Lange«) und lyrische Produktion (»Gedichte«, »Neue -Gedichte und Jugendlieder«) verdient Erwähnung.</p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> -<h2 class="nobreak" id="Die_Formtalente_der_alten_Schule">Die Formtalente der alten Schule.</h2> -</div> - -<p><b>Emanuel Geibel</b>, geb. am 17. Oktober 1815 in -Lübeck, gest. am 6. April 1884, war ein dichterisches -Talent von großer Formgewandtheit, jedoch ohne besondere -individuelle Prägung, wofür als Beweis gelten mag, -daß seine »Gedichte« und »Neue Gedichte« mehr als -hundert Auflagen erlebten. Den beiden ersten Gedichtbänden, -deren Grundpfeiler deutsche Zucht und Art bilden, -schlossen sich: »Gedichte und Gedenkblätter«, »Heroldsrufe«, -»Klassisches Liederbuch«, »Romancero der Spanier -und Portugiesen« (m. d. Grafen Schack) und »Spätherbstblätter« -an, unterbrochen von der dramatischen Produktion -G.'s (»Brunhild«, »Sophonisbe«). Die Kriegslyrik von -1870/71 hat ihm einige hübsche Gedichte zu verdanken. -War G. auch keine eigenartige dichterische Persönlichkeit, -so hat er doch eine Menge Nachahmer und Nachbeter -gefunden.</p> - -<p><b>Friedrich von Bodenstedt</b>, geb. am 22. April 1819 -in Peine (Hannover), gest. am 2. April 1892, wurde -durch den Erfolg der »Lieder des Mirza Schaffy«, die -man lange für Übersetzungen aus dem Orientalischen hielt, -während es in Wirklichkeit eigene Fabrikate der B.'schen -Muse sind, berühmt. Erfolgreich waren auch die Lieder<span class="pagenum"><a id="Seite_36"></a>[36]</span> -»Aus dem Nachlaß des Mirza Schaffy«, während die -anderen Dichtungen B.'s nur wenig von sich reden -machten. Außer einer Reihe wissenschaftlicher Werke von -zweifelhaftem Werte und meist recht gewandter Übersetzungen -veröffentlichte B., den seine Zeitgenossen stark -überschätzten: »Erinnerungen aus meinem Leben«.</p> - -<p><b>Adolf Friedrich Graf von Schack</b>, geb. am 2. Aug. -1815 zu Brüsewitz bei Schwerin als Sprosse eines alten -Freiherrngeschlechtes, gest. am 14. April 1894, studierte -Rechtswissenschaft und wandte sich dann der diplomatischen -Carrière zu. Schack hat sich nicht nur als Dichter – -er war ein hervorragend formalistisches Talent, ohne -starke Individualität – sondern vor allem als Übersetzer -und Litterarhistoriker einen Namen gemacht. Seine -»Geschichte der dramatischen Litteratur und Kunst in -Spanien« gilt noch heute als das bedeutendste Werk -über diesen Gegenstand. Als Lyriker wurde er von -Platen, als Epiker von Byron beeinflußt. Seine Romane -in Versen: »Durch alle Wetter«, »Ebenbürtig« u. a. -enthalten zahlreiche Schönheiten, ohne doch einen vollen -künstlerischen Eindruck zu hinterlassen. Zu seinen interessantesten -Werken zählt die Selbstbiographie: »Ein -halbes Jahrhundert«. Auch auf dramatischem Gebiete -hat sich der Dichter versucht, ohne jedoch auf der Bühne -festen Fuß fassen zu können.</p> - -<p><b>Robert Hamerling</b>, geb. am 24. März 1830 zu -Kirchberg am Walde in Niederösterreich, gest. am 13. Juli -1889, hat eine verschiedenartige Beurteilung nicht nur als -Mensch, was hier wenig interessiert, sondern auch als -Dichter erfahren. Während die einen in ihm nur den -in Farbenrausch schwelgenden Erotiker sehen, ziehen die<span class="pagenum"><a id="Seite_37"></a>[37]</span> -anderen die genialsten Dichter der Weltlitteratur zum -Vergleiche mit ihm heran. Sicher ist, daß die beiden -großangelegten Epen: »Ahasver in Rom« und »Der König -von Sion« farbenprächtige Schilderungen aufweisen, die -ein ungewöhnliches Talent bekunden. Eine treffliche -Leistung ist auch das satirische Epos »Homunculus«. -Weniger Erfolg als seine Epen war seinen lyrischen Gedichtsammlungen: -»Sinnen und Minnen« und »Blätter -im Winde«, wie auch der fünfaktigen Tragödie »Danton -und Robespierre« beschieden. Sein Leben beschrieb H. -in den »Stationen meiner Lebenspilgerschaft«.</p> - -<p><b>Albert Möser</b>, geb. am 7. Mai 1835 in Göttingen, -gest. am 27. Febr. 1900, ist als Dichter von Platen und Hamerling -(vergl. M., Meine Beziehungen zu Robert Hamerling -etc.) beeinflußt. (»Gedichte«, »Nacht und Sterne«, -»Idyllen«, »Aus der Mansarde« etc.). Als Übersetzer -der Dichtungen Pol de Monts war er ein Vermittler -zwischen niederdeutschem und hochdeutschem Wesen.</p> - -<p><b>Heinrich Vierordt</b>, geb. am 1. Okt. 1855 in Karlsruhe, -machte als Balladendichter, der vielfach den Volkston -glücklich getroffen hat, von sich reden. Er schrieb -»Gedichte«, »Lieder und Balladen«, »Neue Balladen«, -»Akanthusblätter« (Dichtungen aus Italien und Griechenland) -und »Vaterlandsgesänge«, die sich durch farbenprächtige -Schilderungen und poetischen Schwung auszeichnen.</p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> -<h2 class="nobreak" id="Lyriker_und_Epiker">Lyriker und Epiker -der 70er und 80er Jahre.</h2> -</div> - -<p><b>Julius Grosse</b>, geb. am 25. April 1828 in Erfurt, -ist einer der fruchtbarsten deutschen Dichter, der sich<span class="pagenum"><a id="Seite_38"></a>[38]</span> -auf dem Gebiete der Lyrik, des Romans und des -Dramas gleich sicher zu bewegen verstand. Besondere -Erwähnung von seinen Werken, die sich durch feine -Entwicklung der Seelenzustände und Charaktere auszeichnen, -verdienen die Dramen: »Der letzte -Grieche«, »Gudrun«, »Judith«, »Tiberius«, von den -epischen Dichtungen: »Das Mädchen von Capri« und -»Gundel vom Königssee«. Originelle Schöpfungen sind -auch sein Roman: »Der getreue Eckart« und seine -Lebenserinnerungen »Ursachen und Wirkungen«.</p> - -<p><b>Martin Greif</b> (eigentlich Hermann Frey), geb. am -18. Juni 1839 in Speyer, ist der Meister des einfachen -Volksliedes, dessen Ton er wie wenige trifft. Seinen -Ruhm begründeten die bereits wiederholt aufgelegten -»Gedichte«. Seine Dramen (»Heinrich der Löwe«, -»Ludwig der Bayer«, »Francesca von Rimini«) werden -das Schicksal der Uhlandschen Dramen teilen.</p> - -<p><b>Johann Georg Fischer</b>, geb. am 25. Okt. 1816 zu -Großsüßen, gest. am 6. Mai 1897, gehört der schwäbischen -Dichterschule an, deren Merkmale er trägt, und ist in seinem -dichterischen Schaffen eine Goethe verwandte Natur. Mit -38 Jahren veröffentlichte er seine ersten »Gedichte«, denen -noch drei weitere Sammlungen, zuletzt – 1896 – »Mit -80 Jahren« folgten. Wie alle Schwaben hat auch er an -dem politischen Leben seiner Zeit teilgenommen, wenn -auch nicht in dem Maße wie Uhland. Seine Dramen -»Saul«, »Friedrich II.«, »Florian Geyer« und »Kaiser -Maximilian von Mexiko« werden geschätzt, ohne jedoch -bühnenfähig zu sein.</p> - -<p><b>Friedrich Wilhelm Weber</b>, geb. am 26. Dez. 1813 -in dem Orte Alhausen bei Driburg in Westfalen, gest.<span class="pagenum"><a id="Seite_39"></a>[39]</span> -am 5. April 1894, studierte Medizin und trat im Herbst -1878 mit dem lyrisch-epischen Gedicht: »Dreizehnlinden« -vor die Öffentlichkeit, das ihn mit einem Schlage zum -gefeiertsten katholischen Dichter machte. Außer »Dreizehnlinden«, -von dem mehr als 70 Auflagen erschienen, sind -noch seine Dichtung »Goliath«, sowie die Sammlungen -»Gedichte«, »Marienblumen« und »Herbstblätter« zu -nennen.</p> - -<p><b>Friedrich Theodor Vischer</b>, geb. am 30. Juni 1807 in -Ludwigsburg, gest. am 14. Sept. 1887, bethätigte sich auf -lyrischem Gebiet durch seine 1882 erschienene Sammlung -»Lyrische Gänge« und auf epischem durch den eigenartigen -humoristischen Roman »Auch Einer«. Viel Aufsehen erregte -die Parodie auf den 2. Teil des Faust, die er unter dem -Titel: »Faust. Der Tragödie dritter Teil. Von Deutobold -Symbolizetti Allegoriowitsch Mystifizinsky« herausgab.</p> - -<p><b>Wilhelm Jordan</b>, geb. am 8. Febr. 1819 zu -Insterburg, wurde bekannt durch sein Doppelepos »Die -Nibelunge«, für die er selbst als wandernder Rhapsode -eine Propaganda machte, die ihm zu einem starken -buchhändlerischen Erfolge verhalf. J. übersetzte ferner -die Edda, Sophokles, Homer, Ilias und Odyssee und -gab eine große Anzahl eigener Dichtungen, Romane (»Die -Sebalds«, »Zwei Wiegen«) und Theaterstücke heraus, -von denen die Lustspiele »Durchs Ohr«, »Tausch -enttäuscht« und »Sein Zwillingsbruder« sich als die erfolgreichsten -erwiesen. Seine Lebensauffassung spiegelt sich am -besten in dem dramatischen Werk »Demiurgos« wider.</p> - -<p><b>Hermann Lingg</b>, geb. am 22. Januar 1820 in -Lindau, faßte durch Geibels Freundschaft festen Fuß in -der Münchener Dichterschule. Sein Hauptwerk ist das<span class="pagenum"><a id="Seite_40"></a>[40]</span> -großangelegte farbenprächtige Epos »Die Völkerwanderung«. -Außerdem besitzen wir von ihm eine Reihe Dramen und -Gedichte. Sein Leben und Schaffen beschrieb L. in dem -1. Bande der »Zeitgenössischen Selbstbiographien« (»Meine -Lebensreise«).</p> - -<p><b>Stephan Milow</b> (Pseudon. für Stephan von Millenkovics), -geb. am 9. März 1836 in Orsova, verdankt -seine litterarische Stellung besonders seinen lyrischen -Gedichten (»Gesammelte Gedichte«). Bemerkenswert sind -noch die Novellenbände »Wie Herzen lieben« und -»Höhen und Tiefen«.</p> - -<p><b>Ludwig Eichrodt</b>, geb. am 2. Febr. 1827 in Durlach -in Baden, gest. 1892, ein Jugendgenosse Scheffels, dichtete -eine Anzahl humoristischer Lieder, die besonders in -studentischen Kreisen Anklang fanden (»Gesammelte -Dichtungen«).</p> - -<p><b>Hermann Allmers</b>, geb. am 11. Februar 1821 zu -Rechtenfleth, gab das »Marschenbuch« heraus, das im -Stile der Riehlschen kulturhistorischen Novellen Bilder aus -dem Leben der friesischen Marschenbauern enthält. »Dichtungen« -und »Römische Schlendertage« schlossen sich an.</p> - -<p><b>Robert Waldmüller</b> (Pseudon. für Ed. Duboc), geb. -am 17. Sept. 1822 in Hamburg, versuchte sich auf fast -allen dichterischen Gebieten und hat sich auch als Übersetzer -bekannt gemacht. Von seinen Romanen sind »Somosierra« -und »Don Adone«, von seinen Gedichtsammlungen -»Klänge aus der Fremde« und »Liebesstürme« die bekanntesten.</p> - -<p><b>Rudolf Bunge</b>, geb. am 27. März 1836 in Koethen, -als Improvisator und liebenswürdiger Gesellschafter in -allen litterarischen Kreisen geschätzt, errang seine größten<span class="pagenum"><a id="Seite_41"></a>[41]</span> -Kassenerfolge mit dem Libretto zum »Trompeter von -Säckingen«. Dichterisch höher steht die 5-aktige Tragödie -»Der Herzog von Kurland«, das den Verlust von Straßburg -und dem Elsaß behandelt. In seiner Gedichtsammlung -»Heimat und Fremde« singt er von Lenz und Liebe, von -deutschen Frauen, deutscher Treue, deutschem Wein und -dem angestammten Herrscherhaus, das seine vielseitige -litterarische Thätigkeit durch Verleihung von Titeln und -Orden anerkannte.</p> - -<p><b>Adolf Brieger</b>, geb. am 12. Okt. 1832 in Greifswald, -ein in den »weitesten Kreisen« unbekannter Dichter, veröffentlichte -erst 1870 in Hexametern das kleine antikisierende -Epos »Krösus und Adrastus«, 1885 aber, in die unmittelbare -Vergangenheit greifend »König Humbert in Neapel«. -Modern ist auch: »Stirb und werde«. Seine »Ausgewählten -Gedichte« (1895) geben innerlich Erlebtes, meist an das -Naturbild als Symbol (im Goethe'schen Sinne) anknüpfend. -Zuletzt erschien: »Verirrt und heimgefunden«, zwei aus -dem Leben der Gegenwart genommene Versnovellen.</p> - -<p><b>Heinrich Bulthaupt</b>, geb. am 26. Okt. 1849 in -Bremen, zeigt sich in der Lyrik dem Schweizer Conrad -Ferd. Meyer verwandt (»Durch Frost und Gluten«), versuchte -sich auch wiederholt im Drama (»Der verlorene -Sohn«, »Viktoria« u. a.), ohne jedoch große Bühnenerfolge -zu erzielen. Dagegen erlebte seine »Dramaturgie -der Klassiker« wiederholt neue Auflagen und gilt für das -beste neuzeitliche Werk auf diesem Gebiete.</p> - -<p><b>Julius Rodenberg</b> (Pseudon. für Levy aus Rodenberg) -geb. am 26. Juni 1831 in Rodenberg (Kurhessen), -der Begründer und Leiter der »Deutschen Rundschau«, -schrieb Gedichte, Romane und Reisebeschreibungen (»Berliner<span class="pagenum"><a id="Seite_42"></a>[42]</span> -Bilder«), die ihn als liebenswürdigen Poeten zeigen, der -sich gern in die Erinnerung an die so ungleich bessere -und vollkommenere Vergangenheit versenkt. (Vergl. auch -R.'s »Erinnerungen aus der Jugendzeit«.)</p> - -<p><b>Karl Weitbrecht</b>, geb. am 8. Dez. 1847 in Neuhengstett, -ist nach Form und Inhalt einer der bedeutendsten -schwäbischen Epiker. Von seinen Büchern seien hier genannt: -»Liederbuch«, »Sonnenwende«, die Novellensammlung -»Verirrte Leute«, und der satirische Roman: -»Phaläna. Die Leiden eines Buches«. Ein besonderes -Verdienst hat sich W. in Gemeinschaft mit seinem Bruder -Richard um die Pflege der Dialektdichtung erworben. -(»Gschichta-n aus'm Schwôbaland« [1877] und: »Nohmôl -Schwôbagschichta« [1882]).</p> - -<p><b>Eduard Paulus</b>, geb. am 18. Okt. 1837 in Stuttgart, -besitzt unter den schwäbischen Dichtern der Gegenwart -das stärkste lyrische Talent. Ein liebenswürdiger -Humor, der auch oft satirisch gefärbt ist, zeichnet seine -in der Form tadellosen Gedichte (»Gesammelte Dichtungen«) -aus. 1897 ließ er »Arabesken« und im Vorjahre ein -Epos in 12 Gesängen »Tillmann Riemschneider. Ein -Künstlerleben« folgen, das wiederum Zeugnis von der -starken lyrischen Begabung P.'s ablegt. Neben einem -kecken, übermütigen Humor macht sich, namentlich in seinen -letzten Schöpfungen, eine wehmütige Grundstimmung bemerkbar.</p> - -<p><b>Isolde Kurz</b>, geb. am 21. Dez. 1853 in Stuttgart, -ein C. F. Meyer verwandtes Talent, hat nur wenige -Bände (»Gedichte«, »Phantasien« und »Märchen«, »Florentiner -Novellen«, »Italienische Erzählungen«) publiziert, aber<span class="pagenum"><a id="Seite_43"></a>[43]</span> -das Wenige trägt den Stempel durchgebildeter Meisterschaft -und ungewöhnlicher Fabulierkunst.</p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> -<h2 class="nobreak" id="Die_neuzeitlichen_Romantiker">Die neuzeitlichen Romantiker.</h2> -</div> - -<p><b>Otto Roquette</b>, geb. am 19. April 1824 in Krotoschin, -gest. am 18. März 1896, gab eine Reihe von Dramen, -Märchen und Romanen heraus, unter denen »Waldmeisters -Brautfahrt« den größten Erfolg davontrug. Seine -»Gedichte« erlebten mehrere Auflagen; als sein bester -Roman gilt: »Buchstabierbuch der Leidenschaft«. Die -nach seinem Tode herausgegebene Erzählung: »Die -Reise ins Blaue«, mit verwässerter Eichendorffscher -Romantik, ist nur geeignet, dem Ansehen des Dichters, der -jetzt schon zu den halb Vergessenen gehört, zu schaden.</p> - -<p><b>Oskar von Redwitz</b>, geb. am 28. Juni 1823 in -Lichtenau bei Ansbach, gest. am 6. Juli 1891, erregte -zuerst durch sein lyrisches Epos: »Amaranth«, Aufsehen. -Von seinen Dramen fanden »Philippine Welser«, »Der -Zunftmeister von Nürnberg« und »Doge von Venedig« -eine ebenso unverdient freundliche Aufnahme, wie sein -Roman »Hermann Stark« und das patriotische »Lied -vom neuen Deutschen Reich«.</p> - -<p><b>Heinrich Steinhausen</b>, geb. am 27. Juli 1836 in Sorau, -trug seinen größten Erfolg mit »Irmela«, einer stimmungsvollen -Geschichte aus alter Zeit davon. Seinen Werken, -von denen wir noch den »Korrektor«, »Herr Moffs kauft -sein Buch« und »Heinrich Zwiesels Ängste« anführen, -fehlt es, trotz des vorwiegend religiösen Grundtons, nicht -an heiteren Episoden.</p> - -<p><b>Wilhelm Hertz</b>, geb. am 24. Sept. 1835 in Stuttgart, -ein Schüler Uhlands, machte sich durch seine sprachwissenschaftlichen<span class="pagenum"><a id="Seite_44"></a>[44]</span> -Werke und seine »Gedichte«, in denen -er sich jedoch nur als reines Formtalent erwies, einen -Namen. Seine bekanntesten Epen sind »Hugdietrichs -Brautfahrt«, »Tristan und Isolde« und »Bruder Rausch«.</p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> -<h2 class="nobreak" id="Die_Dichter_mit_dem_Erdgeruch">Die Dichter mit dem Erdgeruch.</h2> -</div> - -<p><b>Klaus Groth</b>, geb. am 24. April 1819 in Heide in -Holstein, gest. 1899, stand im Mittelpunkt der plattdeutschen -Bewegung. Er brachte diese bisher nur von -Improvisatoren zu Possenreißereien benutzte Sprache -wieder durch die Herausgabe seines »Quickborn« zu Ehren. -Und wenn auch Reuter, der Humorist, mit seinen realistischen -Darstellungen des Lebens mehr Erfolg errang als der -Lyriker Groth, so gebührt diesem doch ein nicht minder -großes Verdienst um die Erhaltung des Plattdeutschen. -Sein Hauptwerk, der »Quickborn«, dessen Hintergrund die -Plätze und Gassen eines vor einem Jahrzehnt noch -kleinen und abgelegenen Fleckchen der Norderdithmarschen-Heide -bilden, enthält Familienbilder, Lieder, Balladencyklen, -Humoristisches etc.</p> - -<p><b>Ludwig Anzengruber</b>, geb. am 29. Nov. 1839 in -Wien, gest. 1899, war ursprünglich Schauspieler, später -mangels anderer Beschäftigung Beamter. A.'s Dramen, -die stellenweise tendenziös gefärbt sind, behandeln religiöse -und sociale Themata und spielen fast ausschließlich in -Bauernkreisen. Sein erstes Stück: »Der Pfarrer von Kirchfeld« -errang einen vollen Erfolg, der auch seinen späteren -Dramen: »Der Meineidbauer«, »Die Kreuzelschreiber«, -»Der Gewissenswurm«, »Der ledige Hof«, »Das vierte -Gebot« treu blieb. Von den genannten Stücken haben<span class="pagenum"><a id="Seite_45"></a>[45]</span> -»Der Gewissenswurm« und »Das vierte Gebot« die meiste -Anerkennung gefunden. Von den Erzählungen A.'s steht -der großangelegte Roman »Der Schandfleck« an erster -Stelle.</p> - -<p><b>Theodor Herrmann Pantenius</b>, geb. am 22. Okt. 1843 -in Mitau, Redakteur des »Daheim«, gehört zu den -weniger bekannten Romanciers. Von seinen Romanen, -deren Stoff meist seiner kurländischen Heimat entnommen -ist, gelten als beste »Wilhelm Wolfschildt« und »Allein -und frei«; sein in Livland spielender Roman »Die von -Kelles« zählt zu den besten Schöpfungen der deutschen -Litteratur.</p> - -<p><b>Peter Rosegger</b>, geb. am 31. Juli 1843 in Krieglach -in Steiermark, erlernte zuerst das Schneiderhandwerk -und wurde von dem Herausgeber der »Grazer Tagespost«, -Albert Swoboda, für die Litteratur entdeckt. R. ist ein -Autor von großer Gestaltungskraft und Phantasie, der -sich seine Heimat, die steirischen Alpen, zur Domäne erkoren -hat. Obwohl er der Tendenz nach Idealist ist, -sind seine Schilderungen des Bauernlebens doch durchaus -realistisch. Aus der Zahl seiner Werke – Rosegger ist -einer der produktivsten Schriftsteller, der gewissenhaft jedes -Jahr seine 2, 3 Bände liefert –, heben wir hervor: -»Die Schriften des Waldschulmeisters«, »Heidepeters -Gabriel«, »Dorfsünden«, »Der Gottsucher«, »Neue Waldgeschichten«, -»Höhenfeuer«, »Jakob der Letzte«, »Martin -der Mann«, »Der Waldvogel«, »Das ewige Licht«, »Erdsegen«.</p> - -<p><b>Karl Stieler</b>, geb. am 15. Dez. 1842 in München, gest. -1885, der Dichter frischer, fröhlicher »Hochlandslieder«, -machte den Krieg 70/71 mit und schrieb »Durch Krieg<span class="pagenum"><a id="Seite_46"></a>[46]</span> -zum Frieden 1870/1«. Von seinen oberbayrischen -Gedichtsammlungen, die auch in Norddeutschland weite -Verbreitung fanden, nennen wir: »Bergbleameln«, »Habts -a Schneid!?«, »Hochlandslieder«, »Neue Hochlandslieder«, -»Um Sunnawend«, »Weil's mi freut!«</p> - -<p><b>Hermann von Schmid</b>, geb. am 13. März 1815 -in Weizenkirchen (Österreich), gest. 1880, wurde durch -seine bayrischen Dorfgeschichten bekannt. Von seinen -historischen Werken hat der vierbändige Roman »Der -Kanzler von Tirol« die meiste Beachtung gefunden.</p> - -<p><b>Maximilian Schmidt</b>, geb. am 25. Febr. 1832 in -Eschlkam, wählte als Hintergrund seiner Erzählungen -den Bayrischen und Böhmer Wald. Seine Werke zeichnen -sich durch volkstümliche Darstellung, hübsche Naturschilderungen -und treffende Charakteristik aus. (»Gesammelte -Werke« 1884 u. ff.)</p> - -<p><b>Ludwig Ganghofer</b>, geb. am 7. Juli 1855 in Kaufbeuren, -verlegt den Schauplatz seiner Romane und Schauspiele -meist in das bayerische Hochgebirge. Von seinen -konventionell-volkstümlichen dramatischen Arbeiten fanden -besonders »Der Herrgottsschnitzer von Oberammergau« -und »Der Prozeßhansl« Anerkennung, obwohl seine -»Jagerleut« die Verwandtschaft mit dem »Salontiroler« -nicht verleugnen können. Zu seinen besten Romanen und -Novellen, in denen die Natur meist symbolisch verwertet -wird, zählen »Hochlandsgeschichten«, »Der Klosterjäger«, -»Die Martinsklause«, »Der laufende Berg«.</p> - -<p><b>Arthur Achleitner</b>, geb. am 16. Aug. 1858 in -Straubing, machte sich durch seine Schilderungen aus -dem Wild- und Waidmannsleben der Hochgebirge bekannt. -(»Geschichten aus den Bergen«, »Grüne Brüche«,<span class="pagenum"><a id="Seite_47"></a>[47]</span> -»Grenzerleut'«, »Der Stier von Salzburg«, »Der Hirsch -von Eßlingen« u. a.)</p> - -<p><b>Johann Meyer</b>, geb. am 5. Jan. 1829 in Wilster -in Holstein, veröffentliche plattdeutsche Erzählungen und -Schwänke, »Dithmarscher Gedichte« und hochdeutsche -»Lyrische Gedichte«, die ein eigenartiges poetisches Talent -bekunden.</p> - -<p><b>Joh. Heinrich Fehrs</b>, geb. am 10. April 1838 in -Mühlenbarbeck, begann mit Epen (»Krieg und Hütte«, -»Eigene Wege«) und schloß daran plattdeutsche Erzählungen -und Gedichte. (»Lütt Hinerk«, »Allerhand Slag Lüd«.)</p> - -<p><b>Timm Kröger</b>, geb. am 29. Nov. 1844 in Haale -(Holstein), debütierte mit dem Novellenband: »Eine stille -Welt«, der Bilder und Geschichten aus Moor und Heide -enthält, die sich durch feinsinnige Naturbetrachtungen auszeichnen. -Ein kleines Meisterwerk ist sein psychologischer -Roman »Der Schulmeister von Handewitt«, der in 2. Auflage -unter dem Titel: »Schuld?« erschien.</p> - -<p><b>Heinrich Hansjakob</b>, geb. am 19. Aug. 1837 in -Haslach in Baden, ist ein Meister der Dorfgeschichte, der -zwar in seinen Schriften den katholischen Priester nicht -verleugnet, dies aber durch einen urwüchsigen Humor und -echtes Empfinden vergessen läßt. (»Aus meiner Jugendzeit«, -»Aus meiner Studienzeit«, »Wilde Kirschen«, -»Schneeballen«.)</p> - -<p><b>Hermine Villinger</b>, geb. am 6. Febr. 1849 in -Karlsruhe, legte den Schwerpunkt ihres litterarischen -Schaffens auf die Dorfgeschichte. »Aus dem Kleinleben«, -»Unter Bauern«, »Kleine Lebensbilder«, »Aus dem -Badener Land« u. a. enthalten reizende, humorvolle -Genrebilder aus dem badischen »Ländle«.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_48"></a>[48]</span></p> - -<p><b>Clara Viebig</b> (Mädchenname von Clara Cohn), geb. -in Trier, entnimmt den Stoff ihrer oft graß naturalistischen -Werke mit Vorliebe dem Gebiete der Eifel. Sie debütierte -1897 mit der Novellensammlung »Kinder der Eifel«, -denen weitere Novellen (»Vor Tau und Tag«), die Romane -»Dilettanten des Lebens«, »Es lebe die Kunst!« und -»Das Weiberdorf« folgten, die jedoch künstlerisch nicht -auf der Höhe ihrer ersten Publikation stehen. Eine ihrer -Eifelgeschichten lieferte den Stoff zu ihrem Drama -»Barbara Holzer«. Ihr neuestes Bühnenwerk »Pharisäer« -spielt im Posenschen.</p> - -<p><b>Adolf Bartels</b>, geb. am 15. Nov. 1862 in Wesselburen, -erwarb sich als Litterarhistoriker der Kunstwart-Schule -einen Namen. Seine historischen Romane »Die -Dithmarscher« und »Dietrich Sebrandt« sind vom streng -geschichtlichen Standpunkt aus geschrieben.</p> - -<p><b>Charlotte Niese</b>, geb. am 7. Juni 1854 in Burg -auf Fehmarn, gewann durch ihre schleswig-holsteinischen -Geschichten (»Aus dänischer Zeit«, »Geschichten aus -Holstein«, »Auf der Heide«) die Gunst des Lesepublikums, -so daß man über ihre Schwäche, die Socialdemokratie -in Romanen zu bekämpfen, hinwegsieht.</p> - -<p><b>Ilse Frapan</b> (Pseudon. für Ilse Levien), geb. am -3. Febr. 1852 in Hamburg, ist ein starkes dichterisches -Talent, dem auch der Humor nicht fremd ist. Sie gab -heraus: »Bescheidene Liebesgeschichten«, »Zwischen Elbe -und Alster«, »Enge Welt«, »Zu Wasser und zu Lande«, -»Querköpfe«, »Flügel auf«, »In der Stille«, sowie -einen Band »Vischer-Erinnerungen«.</p> - -<p><b>August Sperl</b>, geb. am 5. Aug. 1862 in Fürth, -machte sich durch »Die Fahrt nach der alten Urkunde«,<span class="pagenum"><a id="Seite_49"></a>[49]</span> -sowie durch den historischen Roman: »Die Söhne des Herrn -Budiwoj«, der König Ottokars Glück und Ende und das -Erstehen des habsburgischen Königshauses behandelt, bekannt. -In dem Epos »Fridtjof Nansen« schilderte er -mit Glück die Nordlandsfahrt des modernen Fridtjof.</p> - -<p><b>Heinrich Sohnrey</b>, geb. am 19. Juni 1859 in -Jühnde bei Göttingen, Herausgeber von »Das Land«, -zeigt eine gewisse Verwandtschaft mit dem früh verstorbenen -Heinrich Schaumberger, und gilt als einer der -besten Vertreter der Dorfgeschichte. (»Die Leute aus der -Lindenhütte«, »Der Bruderhof.«)</p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> -<h2 class="nobreak" id="Die_Kulturnovellisten">Die Kulturnovellisten.</h2> -</div> - -<p><b>Wilhelm Heinrich Riehl</b>, geb. am 6. Mai 1823 -zu Biebrich a. Rh., gest. 1897, war Professor der -Kulturgeschichte in München und einer der geistvollsten -kulturhistorischen Schriftsteller, in dessen Werken der -Belletrist ebenso zu Worte kommt wie der Wissenschaftler. -Von seinen Schriften, die eine Fülle von Anregung und -Belehrung bieten, verdienen die »Kulturhistorischen Novellen«, -»Geschichten aus alter Zeit«, »Kulturstudien -aus drei Jahrhunderten«, sowie der Roman »Ein ganzer -Mann« besondere Erwähnung.</p> - -<p><b>Karl Emil Franzos</b>, geb. am 25. Okt. 1848 in -Czortkow in Podolien, Herausgeber der »Deutschen -Dichtung«, entdeckte »Halbasien« (den Südosten von -Europa) für die Litteratur und verlegte dorthin den -Schauplatz seiner ersten Kulturromane (»Aus Halbasien«, -»Die Juden von Barnow«, »Junge Liebe«, »Stille -Geschichten«, »Moschko von Parma«, »Ein Kampf ums<span class="pagenum"><a id="Seite_50"></a>[50]</span> -Recht«, »Der Präsident«). Seine späteren Romane und -Novellen begegneten nicht mehr dem gleichen Interesse.</p> - -<p><b>Leopold Kompert</b>, geb. am 15. Mai 1822 zu -Münchengrätz, gest. 1886, gilt neben Karl Emil Franzos -als der kenntnisreichste Schilderer des jüdischen Volkslebens. -(»Aus dem Ghetto«, »Geschichten einer Gasse« u. a.)</p> - -<p><b>Leopold von Sacher-Masoch</b>, geb. am 27. Januar 1837 -in Lemberg, gest. 1895, als Litterat ein Pendant zum -Marquis de Sade, besaß von Natur aus eine bedeutende -Begabung, die jedoch in der Sucht nach der Darstellung -erotisch-perverser Probleme in die Brüche ging. So besitzen -seine Romane nicht viel mehr als pathologisches -Interesse (Masochismus).</p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> -<h2 class="nobreak" id="Die_Dichter-Archaeologen">Die Dichter-Archäologen.</h2> -</div> - -<p><b>Georg Ebers</b>, geb. am 1. März 1837 in Berlin, -gest. am 7. August 1898, berühmter Ägyptologe, war -einer der beliebtesten Autoren der letzten Jahrzehnte. -Seine Romane entrollen meist Kulturbilder aus dem -Pharaonenlande oder aus dem deutschen Mittelalter. Ebers -war der Hauptvertreter des geschichtlichen Romans, -wenngleich ihm der Vorwurf nicht erspart geblieben ist, -daß die meisten seiner Gestalten nichts als moderne -Wesen in historischer Drapierung sind. Eröffnet wurde -die dichterische Thätigkeit E.'s mit dem Roman: »Eine -ägyptische Königstochter«. Fast jeder Epoche der ägyptischen -Geschichte ist er in einem Romane gerecht geworden. -(»Uarda«, »<em class="antiqua">Homo sum</em>«, »Der Kaiser«, »Die Nilbraut« -u. a.) Unterbrochen wurde der Cyklus der ägyptischen -Romane durch »Die Frau Bürgermeisterin« und »Ein -Wort«. Seit 1889 wandte sich E. fast ausschließlich<span class="pagenum"><a id="Seite_51"></a>[51]</span> -der Schilderung deutschen Lebens der Vorzeit zu: »Die -Gred«, »Im Schmiedefeuer«, »Im blauen Hecht«, »Barbara -Blomberg«. E. war trotz aller Anfeindung eine Dichternatur, -die oftmals durch das Professorentum erstickt -wurde, aber in einzelnen Zügen in jedem seiner Werke -zutage tritt.</p> - -<p><b>Felix Dahn</b>, geb. am 9. Febr. 1834 in Hamburg, -Professor und Dichter zugleich, wenn auch das erstere -mehr als das letztere, schrieb eine Reihe Romane -aus der Zeit der Völkerwanderung und der altnordischen -Heiden- und Heldenzeit, unter denen »Ein Kampf um -Rom« der erfolgreichste, »Julian der Abtrünnige« -der beste ist. Von seinen Dramen verdienen »König -Roderich« und »Rüdeger von Bechlaren« genannt zu -werden. Durch umfangreiche Produktion von Gelegenheitsgedichten -(nicht solcher im Goethe'schen Sinne) hat -D. viel dazu beigetragen seinen Ruf als Dichter zu -schädigen.</p> - -<p><b>Ernst Eckstein</b>, geb. am 6. Febr. 1845 in Gießen, -kommt hauptsächlich als Unterhaltungsschriftsteller in Betracht, -obgleich er später auch den Versuch gemacht hat, -sich den realistischen Schriftstellern zuzugesellen. (»Prusias«, -»Die Claudier«, »Nero«, »Dombrowsky«, »Familie Hartwig« -u. a.) Einen großen buchhändlerischen Erfolg erzielte -seine kleine Gymnasialhumoreske: »Der Besuch im -Carcer«.</p> - -<p><b>George Taylor</b> (Pseudon. für Adolf Hausrath), geb. -am 13. Jan. 1837, Professor an der Universität Heidelberg, -geht in den Fußtapfen Georg Ebers', wenn auch -seine archäologischen Romane (»Antionus«, »Klitia«, -»Jetta«, »Pater Maternus«, »Unter dem Katalpenbaum«)<span class="pagenum"><a id="Seite_52"></a>[52]</span> -mehr dichterische Fähigkeiten aufweisen als die seines -Vorbildes.</p> - -<p><b>Oskar Linke</b>, geb. am 15. Juli 1854 in Berlin, -berührt sich mit den Dichter-Archäologen. Äußerst -vielseitig und dabei ein Meister der Form, läßt er seine -erzählenden Dichtungen oft im klassischen Altertum, das -er ausgezeichnet kennt und durchdringt, spielen. Seine -Weltanschauung ist eine freie. (»Blumen des Lebens«, -»Jesus Christus«, »Mylesische Märchen«, »Chrysothemis -erzählt« u. a.)</p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> -<h2 class="nobreak" id="Die_Dramatiker_der_alten_Schule">Die Dramatiker der alten Schule.</h2> -</div> - -<p><b>Rudolf von Gottschall</b>, geb. am 30. Sept. 1823 -in Breslau, ein Jungdeutscher und Freiheitsänger der -vormärzlichen Zeit, ist einer der vielseitigsten und fruchtbarsten -Dichter, der sich auf allen Gebieten der Dichtkunst -und Schriftstellerei umgesehen hat und seit einem Menschenalter -den Mittelpunkt des schöngeistigen Lebens in Leipzig -bildet. Als Bühnenschriftsteller ist G. wiederholt hervorgetreten: -»Mazeppa«, »Katharina Howard«, »Pitt und -Fox«, »Der Spion von Rheinsberg«, »Rahab« u. a. Von -seinen Romanen, in denen er die Bahnen Gutzkows -wandelt, ist »Im Banne des schwarzen Adlers« der -erfolgreichste gewesen. Vielfache Anerkennung fanden -auch seine litterarhistorischen Arbeiten (»Deutsche Nationallitteratur -in der ersten Hälfte des 19. Jahrh.«, »Poetik« etc.), -in denen die »Moderne« allerdings nicht immer glimpflich -wegkommt, obwohl G. immer bestrebt war, mit dem Zeitgeist -rege Fühlung zu behalten. Sein Leben bis zur -Verheiratung schildert die Autobiographie »Aus meiner -Jugend«.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_53"></a>[53]</span></p> - -<p><b>Hans Herrig</b>, geb. am 10. Dez. 1845 in Braunschweig, -gest. 1892, schrieb »Mären und Geschichten« und wurde -besonders durch sein »Lutherfestspiel« bekannt, dem eine -Reihe dramatischer Arbeiten(»Kaiser Friedrich der Rotbart«, -»Konradin« u. a.) vorausgegangen war.</p> - -<p><b>Arthur Fitger</b>, geb. am 4. Okt. 1840 in Delmenhorst, -erwählte die Malerei als Hauptberuf und errang seine -dichterischen Lorbeeren mit dem Trauerspiel: »Die Hexe«, -dem er andere dramatische Gaben folgen ließ. Als -Lyriker machte sich F. durch die Sammlungen »Fahrendes -Volk« und »Winternächte« bekannt.</p> - -<p><b>Heinrich Kruse</b>, geb. am 15. Dez. 1815 in Stralsund, -schrieb im Stile der alten Kunstüberlieferung eine Reihe -von Dramen, unter denen »Die Gräfin«, »König Erich«, -»Brutus«, »Nero« zu nennen sind. K. ist ferner Verfasser -von »Seegeschichten« und »Gedichten«.</p> - -<p><b>Albert Lindner</b>, geb. am 24. April 1831 in Sulza, -gest. 1888, wurde mehr durch sein tragisches Geschick -(er starb im Wahnsinn) als durch seine Dramen bekannt, -von denen nach seinem Tode »Die Bluthochzeit« wiederholt -aufgeführt wurde. Seine Prosaerzählungen, von denen -mehrere das Frauenleben in ernsten und heiteren Episoden -behandeln, blieben fast unbeachtet.</p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> -<h2 class="nobreak" id="Die_sogenannten_Lustspieldichter">Die sogenannten Lustspieldichter.</h2> -</div> - -<p><b>Oskar Blumenthal</b>, geb. am 13. März 1852 in -Berlin, schrieb Schwänke ohne künstlerischen Wert, teils -allein, teils in Kompagnie, die nur für das Publikum, -nicht für die Litteraturgeschichte in Betracht kommen.</p> - -<p><b>Hugo Lubliner</b> (Pseudon. Hugo Bürger), geb. am -22. April 1846 in Breslau, ist einer der Mitbegründer<span class="pagenum"><a id="Seite_54"></a>[54]</span> -des deutschen Konversationslustspiels aus den siebziger -Jahren, ein treuer Helfershelfer der Lindau, Blumenthal, -Kadelburg, in dem Bestreben, dem deutschen Lustspiel -mit französischem Esprit und französischer Technik aufzuhelfen.</p> - -<p><b>Gustav von Moser</b>, geb. am 11. Mai 1825 in -Spandau, schrieb Lustspiele, teils selbständig, teils in -Verbindung mit anderen. Zu seinen erfolgreichsten Stücken, -die noch jetzt sich auf dem Theater erhalten haben, -gehören: »Das Stiftungsfest«, »Der Veilchenfresser«, -»Ultimo«, »Krieg im Frieden«, »Reif-Reiflingen«.</p> - -<p><b>Adolf L'Arronge</b>, geb. am 8. März 1838 in -Hamburg, ist ein litterarischer Sprosse der Birchpfeiffer -und Kotzebues und dadurch einer der erfolgreichsten -Lustspielschreiber der Gegenwart. (»Mein Leopold«, -»Hasemanns Töchter«, »Dr. Klaus«, »Lolos Vater« u. a.).</p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> -<h2 class="nobreak" id="Die_UEbergangstalente">Die Übergangstalente.</h2> -</div> - -<p><b>Hans Hopfen</b>, geb. am 3. Jan. 1835 in München, -einer der besten Vertreter des humoristischen Romans, -zeichnet sich durch eine gesunde Sinnlichkeit aus, die -namentlich in seinen Gedichten und Balladen zum Ausdruck -kommt. Echt volkstümliche, humorverklärte Figuren schuf -er in seinen Romanen »Der alte Praktikant«, »Mein Onkel -Don Juan«, »Die Heirat des Herrn von Waldenberg«, -sowie in der Novellensammlung »Kleine Leute« und den -»Geschichten« und »Neuen Geschichten des Herrn Majors«, -während er sich in einigen Romanen (»Verdorben zu -Paris«, »Glänzendes Elend« u. a.) als Dekadent giebt.</p> - -<p><b>Wilhelmine von Hillern</b>, geb. am 11. März 1836 -in München als Tochter der bekannten Birch-Pfeiffer,<span class="pagenum"><a id="Seite_55"></a>[55]</span> -entlehnte den Stoff ihrer realistisch gefärbten Romane dem -bayrischen Volksleben. Ihr bekanntester Roman: »Die -Geyer-Wally« erlebte mehrere Auflagen und fand auch -als Drama freundliche Aufnahme.</p> - -<p><b>Karl von Heigel</b>, geb. am 25. März 1835 zu -München, wandte sich der Unterhaltungslitteratur zu und -schrieb Novellen, Romane und Dramen. Seine spätere -Produktion (»Der Weg zum Himmel«, »Roman einer -Stadt«, »Der Herr Stationschef« u. a.) steht unter dem -Einfluß des Realismus.</p> - -<p><b>Karl Frenzel</b>, geb. am 6. Dez. 1827 in Berlin, -weiteren Kreisen bekannt als Kritiker der Nationalzeitung, -verdient seinen Platz in der Litteratur durch seine Romane, -Novellen und wissenschaftlichen Schriften, die Gelehrsamkeit -mit seiner Lebensbeobachtung verbinden, und deren Stoffe -meist der Zeit des Rococos, dem 18. Jahrhundert, entnommen -sind (»Melusine«, »Papst Ganganelli«, »Im -goldenen Zeitalter«, »Renaissance und Rokoko«, »Des -Lebens Ueberdruß«, »Dunst«, »Schönheit«, »Wahrheit«, -»Frauenrecht«).</p> - -<p><b>Adolf Stern</b>, geb. am 14. Juni 1835 in Leipzig, -lebt jetzt als Professor für Litteraturgeschichte am Polytechnikum -in Dresden. St. ist Epiker und Novellist -(»Jerusalem«, »Gutenberg«, »Aus dem 18. Jahrhundert«, -»Die letzten Humanisten«) und wiederholt als feinsinniger -Litterarhistoriker hervorgetreten.</p> - -<p><b>Ferdinand von Saar</b>, geb. am 30. Sept. 1833 in -Wien, ist keine scharf ausgeprägte Dichternatur. Seine -Erfolge verdankt er den »Gedichten« und den Novellensammlungen -(»Novellen aus Österreich«, »Herbstreigen« -u. a.), die ihm den Namen eines Walter Scott der<span class="pagenum"><a id="Seite_56"></a>[56]</span> -Novelle eingetragen haben. Seine Dramen (»Heinrich IV.«, -»Die beiden De Witt«, »Eine Wohlthat«) konnten sich -nicht auf der Bühne behaupten.</p> - -<p><b>Heinrich von Reder</b>, geb. am 19. März 1824 in -Mellrichstadt, begann seine litterarische Laufbahn mit -»Soldatenliedern von zwei deutschen Offizieren«. Seine -Hauptwerke, die »Federzeichnungen« und das »Lyrische -Skizzenbuch«, tragen realistisches Gepräge.</p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> -<h2 class="nobreak" id="Vaganten_und_Spielmaenner">Vaganten und Spielmänner.</h2> -</div> - -<p><b>Josef Victor von Scheffel</b>, geb. am 26. Febr. 1826 -in Karlsruhe, gest. am 9. April 1886, ist besonders der -Lieblingsdichter der akademischen Jugend, der er eine -große Zahl sangbarer Lieder schenkte, aus denen ein -unverwüstlicher, feuchtfröhlicher Humor spricht. Sein -lyrisch-episches Werk: »Der Trompeter von Säckingen«, -das 1854 erschien, fand begeisterte Aufnahme. Weit -bedeutender als dieses ist jedoch sein »Ekkehard«, ein -trotz alles gelehrten Beiwerks und der fleißigen Quellenstudien -von echter Poesie durchdrungenes Werk, das man -als den besten kulturhistorischen Roman der letzten Jahrzehnte -bezeichnen kann. Von Sch.'s weiteren Werken verdienen -noch genannt zu werden: »Frau Aventiure«, -»Gaudeamus« und »Bergpsalmen«.</p> - -<p><b>Rudolf Baumbach</b>, geb. am 28. Sept. 1840 in -Kranichfeld in Thüringen, ist einer der »liebenswürdigen« -Dichter, der Naturbursche unter den Poeten. Seine -lyrischen Gedichte, die sich durch Natürlichkeit und Frische -auszeichnen und vielfach zu Volksliedern geworden sind, -erschienen in verschiedenen Sammlungen: »Lieder eines -fahrenden Gesellen«, »Mein Frühjahr«, »Von der Landstraße«,<span class="pagenum"><a id="Seite_57"></a>[57]</span> -»Krug und Tintenfaß« u. a. Außerdem besitzen -wir von ihm Märchen und Epen, die ebenfalls in -weitere Kreise gedrungen sind.</p> - -<p><b>Julius Wolff</b>, geb. am 16. Sept. 1834 in Quedlinburg, -gehört zu den »Erfolgreichen« der 70er und 80er -Jahre. Seine erste Veröffentlichung waren Gedichte -»Aus dem Felde«. Einen durchschlagenden Erfolg errang -er mit seinen Epen »Der Rattenfänger von Hameln«, -»Der wilde Jäger«, »Der Tannhäuser«, »Lurlei« u. a., -deren künstlerischer Gehalt zwar nicht hervorragend ist, -die aber das große Publikum immer durch ihre Sentimentalität -und Rührseligkeit entzücken werden. Der -Beifall, den seine Epen fanden, übertrug sich auch auf -seine Romane »Recht der Hagestolze«, »Der Sülfmeister«, -»Das schwarze Weib«.</p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> -<h2 class="nobreak" id="Die_Goldschnittlyriker_der_80er_Jahre">Die Goldschnittlyriker der 80er Jahre.</h2> -</div> - -<p><b>Karl Gerok</b>, geb. am 30. Januar 1815 in Vaihingen -in Württemberg, starb als Prälat in Stuttgart -1890. Seine Liedersammlungen »Palmblätter«, »Neue -Palmblätter«, »Pfingstrosen«, »Eichenblätter«, »Deutsche -Ostern«, die ein liebenswürdiger Humor durchzieht, -sind vorzugsweise geistlicher Natur und fanden große -Verbreitung.</p> - -<p><b>Julius Sturm</b>, geb. am 21. Juli 1816 zu Köstritz, -gest. 1896, war einer der fruchtbarsten Liederdichter. -Die Natur seiner Dichtungen, die eine innige, aber nicht -kopfhängerische Frömmigkeit auszeichnet, wird durch die -Titel seiner Sammlungen: »Gott grüße Dich«, »Immergrün«, -»Fromme Lieder«, »In Freud und Leid« -charakterisiert.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_58"></a>[58]</span></p> - -<p><b>Albert Traeger</b>, geb. am 12. Juni 1830 in Augsburg, -ist als Dichter in den Kreisen der Liebhaber von -Gartenlaube-Poesie bekannt geworden, hat sich jedoch -außer einigen Lustspielen und Novellen nur einen Gedichtband -zu schulden kommen lassen.</p> - -<p><b>Emil Rittershaus</b>, geb. am 3. April 1834 in -Barmen, gest. daselbst 1897, gab sich in seinen meist -zuerst in der Gartenlaube veröffentlichten Gedichten als -Sänger frischer, fröhlicher Lieder, die Wein und Liebe, -Vaterland und Gartenlaube verherrlichen.</p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> -<h2 class="nobreak" id="Die_Beschaulichen">Die Beschaulichen.</h2> -</div> - -<p><b>Wilhelm Raabe</b>, geb. am 8. Sept. 1831 in Eschhausen, -früher Buchhändler, nimmt unter den deutschen -Humoristen den ersten Rang ein und gilt seit 30 Jahren -als einer der eigenartigsten Charakterköpfe der deutschen -Litteratur. Ein goldener Humor, der an Dickens erinnert, -durchzieht seine Schriften, die er meist in ein -altertümelndes Gewand kleidet oder im Chronikstil abfaßt. -»Zwei oder drei Zeilen in einer Chronik, eine -halbe Seite in der Geschichte für den Forscher« genügen -ihm, um eine Erzählung darauf aufzubauen. R. beschäftigt -Geist und Herz seiner Leser in gleicher Weise -und seine Bücher, in einem etwas krausen Stile geschrieben, -rühren die Seele bis zum Grunde auf. Bei -alledem ist er einer der am wenigsten erfolgreichen -Autoren geblieben, trotz des großen Gehalts und der -Zahl seiner Schriften, von denen wir hier nur die -nachstehenden registrieren: »Die Akten des Vogelsangs«, -»Die Chronik der Sperlingsgasse«, »Gesammelte Erzählungen«, -3 Bde., »Horacker«, »Der Hungerpastor«,<span class="pagenum"><a id="Seite_59"></a>[59]</span> -»Der Schüdderump«, »Unseres Herrgotts Kanzlei«, »Alte -Nester«, »Wunnigel«, »Horn von Wanza«.</p> - -<p><b>Wilhelm Busch</b>, geb. am 15. April 1832 in -Wiedensahl bei Stadthagen, ist der bedeutendste zeitgenössische -komische Humorist und Zeichner, wenngleich -seine Wirksamkeit hauptsächlich in die 60er und 70er -Jahre fällt. Seine Schriften (»Max und Moritz«, -»Hans Huckebein«, »Der heilige Antonius«, »Die fromme -Helene«, »Herr und Frau Knopp« u. a.) erlangten eine -ungeheuere Verbreitung. Seine letzten Werkchen: »Eduards -Traum« und »Der Schmetterling« sind symbolische Prosamärchen, -die den Idealismus ironisieren.</p> - -<p><b>Hans Hoffmann</b>, geb. am 27. Juli 1848 in Stettin, -zählt zu den besten Novellisten der Gegenwart. (»Von -Frühling zu Frühling«, »Geschichten aus Hinterpommern«, -»Ostseemärchen«, »Allerlei Gelehrte«, »Aus der Sommerfrische«.) -Auch als Romanschriftsteller ist H. wiederholt -hervorgetreten und hat sich auf diesem Gebiet als ein -feinsinniger Dichter erwiesen, dem die seltene Gabe des -Humors wie wenigen zu Gebote steht. (»Der eiserne -Rittmeister«, »Landsturm«.) Ein echt nationales, von -historischem Geiste getragenes Werk ist sein großer -3bändiger Roman: »Wider den Kurfürsten«.</p> - -<p><b>Heinrich Seidel</b>, geb. am 25. Juni 1842 in Perlin, -wurde Ingenieur, dann Schriftsteller in Berlin. Er ist -der Dichter der kleinen behaglichen Lebensverhältnisse; -seine Poesie und seine Ideale haben einen philiströsen -Zug und es sind fast immer dieselben Mittel (Pastorenhaus, -Fliederbüsche, Tabakspfeife und schüchterne Liebhaber), -mit denen er in seinen Lebrecht Hühnchen-Geschichten -operiert. (»Aus der Heimat«, »Vorstadtgeschichten«,<span class="pagenum"><a id="Seite_60"></a>[60]</span> -»Lebrecht Hühnchen u. a. Geschichten«, »Neues von Lebrecht -Hühnchen u. a. Sonderlingen«, »Lebrecht Hühnchen als -Großvater«, »Gesammelte Gedichte« u. a.) S's. Autobiographie -führt den Titel »Von Perlin nach Berlin«.</p> - -<p><b>Victor Blüthgen</b>, geb. am 4. Januar 1844 in -Zörbig, ein liebenswürdiger, feinsinniger Dichter, schrieb -Gedichte (vor allem Kinderreime), Novellen und Humoresken -(»Henzi u. a. Humoresken«, »Badekuren«, »Amoretten« etc.) -Von seinen Romanen sind »Der Friedensstörer«, »Aus -gährender Zeit«, und »Der Preuße« zu nennen.</p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> -<h2 class="nobreak" id="Die_Behaglichen">Die Behaglichen.</h2> -</div> - -<p><b>Julius Stinde</b>, geb. am 28. Aug. 1841 in Kirch-Nüchel -in Holstein, führte die »Frau Buchholz«, den -Typus des Berliner Spießbürgertums, in die Litteratur -ein und wurde durch zahlreiche Auflagen seiner Werke -dafür belohnt. Von seinen weiteren Schriften fanden noch -die »Waldnovellen« und »Pienchens Brautfahrt« größere -Verbreitung.</p> - -<p><b>Johannes Trojan</b>, geb. am 14. August 1837 in -Danzig, Redakteur des Kladderadatsch, schrieb hübsche, -humorvolle Kinderlieder und eine Anzahl ansprechender -Gedichte: »Scherzgedichte«, »Für gewöhnliche Leute«, -»Das Wustrower Königsschießen u. a. Humoresken«.</p> - -<p><b>Julius Lohmeyer</b>, geb. am 6. Okt. 1835 in Neisse, -machte sich als Jugendschriftsteller einen Namen, ohne -jedoch auf diesem Gebiete viel mehr als guten Willen -und einen bescheidenen liebenswürdigen Humor mitzubringen. -(»Gedichte eines Optimisten«, »Die Bescheidenen«, -»Humoresken« u. a.)</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_61"></a>[61]</span></p> - -<p><b>Edwin Bormann</b>, geb. am 14. April 1851 in -Leipzig, machte sich als sächsischer Humorist in seinem -engeren Vaterlande einen Namen (»Mei Leipzig low' ich -mir«, »Herr Engemann«, »Schelmenlieder« u. a.) So -gut einige ältere Dialektdichtungen B.'s sind, so flach -und schal ist die Mehrzahl seiner jüngsten fabrikmäßig -hergestellten Poesien. Seinen humoristischen Werken nicht -beizuzählen, nach Ansicht B.'s vielmehr durchaus ernsthaft -zu nehmen, sind »Das Shakespeare-Geheimnis« und die -im Anschlusse daran erschienenen Schriften, in denen der -Nachweis geführt werden soll, daß Shakespeare nicht -Shakespeare, sondern Francis Bacon ist.</p> - -<p><b>Georg Bötticher</b>, geb. am 20. Mai 1849 in Jena, -ein feinsinnigerer und vielseitigerer Humorist als Bormann, -schrieb in Gemeinschaft mit Victor Blüthgen »Schüler-Novellen«, -und selbständig zahlreiche humoristische Schriften, -von denen viele durch die »Fliegenden Blätter« und die -»Reclam-Bibliothek« weiteren Kreisen bekannt geworden -sind. (»Schnurrige Kerle«, »Schilda, Verse eines Kleinstädters«, -»Allotria, humoristische Geschichte«, »Neue -Allotria«, »Bunte Reihe« u. a.)</p> - -<p><b>Hans Arnold</b> (Pseudon. für Frau Babette von Bülow), -geb. am 20. Sept. 1850 in Warmbrunn, schildert in ihren -Novellen und Erzählungen mit Vorliebe in humoristischer -Weise die kleinen Verdrießlichkeiten und Unannehmlichkeiten -des Lebens. Ihre Werke besonders anzuführen, erübrigt -sich: sie amüsieren und werden vergessen.</p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> -<h2 class="nobreak" id="Die_Dichter_der_Dekadenz">Die Dichter der Dekadenz.</h2> -</div> - -<p><b>Dranmor</b>, mit seinem eigentlichen Namen Ferdinand -von Schmid, geb. am 22. Juni 1823 in Muri bei<span class="pagenum"><a id="Seite_62"></a>[62]</span> -Bern, gest. 1888, wanderte nach Brasilien aus und wurde -weiteren Kreisen durch seine »Gesammelten Dichtungen« -bekannt, die neben lyrischen Gedichten Balladen und -Epen aus dem südamerikanischen Leben in düsterer, -pessimistischer Färbung enthalten.</p> - -<p><b>Eduard Grisebach</b>, geb. am 9. Okt. 1845, gab den -»Neuen Tannhäuser« und »Tannhäuser in Rom« heraus, -leichtgeschürzte Poesien, die viel Anerkennung fanden. -G. hat sich ferner als Bibliophile und Herausgeber der -Werke Schopenhauers u. a. verdient gemacht.</p> - -<p><b>Emil Prinz von Schönaich-Carolath</b>, geb. am 8. April -1852 zu Breslau, lieferte in seinen Dichtungen den Beweis, -daß jemand Prinz und doch ein großer Dichter, Zigeuner -und Weltmann zugleich sein kann. Wenn auch die -Schöpfungen dieses modernen Byron (»Lieder an eine -Verlorene«, »Tauwasser«, »Dichtungen«, »Geschichten -aus Moll« u. a. m.) von Koketterie und Salon-Zigeunertum -nicht frei sind, so kommen ihm doch an -Größe und Leidenschaft nur wenige der Modernen gleich.</p> - -<p><b>Hieronymus Lorm</b> (Pseudon. für Heinrich Landesmann), -geb. am 9. Aug. 1821 in Nikolsburg, seit seinem -Jünglingsalter taub und erblindet, schrieb Romane und -Novellen und that sich besonders als pessimistischer Lyriker -hervor (»Am Kamin«, »Gedichte«, »Nachsommer« u. a.). -In seinen philosophischen Schriften unternahm er, wenn -auch mit wenig Glück, wiederholt den Versuch, eine -allgemein-verständliche Erörterung des Lebensproblems zu -geben.</p> - -<p><b>Alberta von Puttkamer</b>, geb. am 5. Mai 1849 in -Glogau, debütierte mit dem Schauspiel »Kaiser Otto III.«, -dem sie »Dichtungen«, »Accorde und Gesänge«, »Offenbarungen«<span class="pagenum"><a id="Seite_63"></a>[63]</span> -und »Aus Vergangenheiten« folgen ließ, in -denen sich ein glühendes Verlangen nach erträumtem -Glück, Trauer und Sehnsucht nach verlorenem ausspricht.</p> - -<p><b>Ada Christen</b> (Pseudon. für Christiane Breden, geb. -am 6. März 1844 in Wien, ist eine Dichterin stark -realistischen Gepräges, in deren Gedichten (»Lieder einer -Verlorenen«, »Aus der Tiefe«) sich das seelische Unbefriedigtsein -des Weibes ausspricht.</p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> -<h2 class="nobreak" id="Die_Marlitt_und_ihre_Schule">Die Marlitt und ihre Schule.<a id="FNAnker_3" href="#Fussnote_3" class="fnanchor">[3]</a></h2> -</div> - -<div class="footnotes"> -<div class="footnote"> -<p><a id="Fussnote_3" href="#FNAnker_3" class="label">[3]</a> Paul Lindau siehe unter »Feuilletonisten«.</p> -</div> -</div> - -<p><b>E. Marlitt</b> (Pseudon. für Eugenie John, geb. am -5. Dez. 1825 in Arnstadt in Thüringen, gest. 1887, wurde -viel verlästert von den Modernen, aber viel geliebt von dem -Publikum der Gartenlaube, das ihre Romane »Goldelse«, -»Das Geheimnis der alten Mamsell«, »Das Heideprinzeßchen« -u. a. nicht las, sondern verschlang.</p> - -<p><b>W. Heimburg</b> (Pseudon. für Bertha Behrens), geb. -am 7. Sept. 1850 in Thale am Harz, ist ein Gartenlaube-Talent, -das sich in wenig oder nichts von der Marlitt -unterscheidet. Ihre Produktion wird schon durch die -Titel ihrer Werke charakterisiert: »Aus dem Leben einer -alten Freundin«, »Lumpenmüllers Lieschen«, »Ein armes -Mädchen«, »Herzenskrisen«, »Trotzige Herzen« u. s. w.</p> - -<p><b>E. Werner</b> (Pseudon. für Elisabeth Bürstenbinder), -geb. am 25. Nov. 1838 in Berlin, gehört zu denjenigen -Schriftstellerinnen, die ein Motiv so lange variieren, bis -es sich zu »Gesammelten Werken« ausgewachsen hat. -(»Ein Held der Feder«, »Am Altar«, »Gesprengte -Fesseln«, »St. Michael« u. a.)</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_64"></a>[64]</span></p> - -<p><b>Marie Bernhard</b>, geb. am 7. Nov. 1852 in Königsberg -i. Pr., widmete sich der Schriftstellerei im Genre -der Gartenlaube (»Forstmeister Reichardt«, »Im Strom -der Zeit«, »In Treue fest«, »Schule des Lebens«, -»Unweiblich« u. a.)</p> - -<p><b>Nataly von Eschstruth</b> (Mädchenname der jetzigen -Frau v. Knobelsdorff-Brenkenhoff), geb. am 17. Mai 1860 -in Hofgeismar, wurde vom Deutschen Schriftsteller-Verband -als die »beliebteste« Erzählerin proklamiert und ist bemüht, -durch die Quantität zu ersetzen, was ihr an Qualität -fehlt. Ihre »Werke« stehen noch unter denen der Marlitt, -Heimburg etc.</p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> -<h2 class="nobreak" id="Die_Juengstdeutschen_und_ihre">Die »Jüngstdeutschen« und ihre -Vorkämpfer.</h2> -</div> - -<p><b>Karl Bleibtreu</b>, geb. am 13. Januar 1859 in -Berlin, schrieb mehr Bände als er Jahre zählt und ist -einer der großen Woller und kleinen Könner. Vielseitig -veranlagt und ein geistreicher, witziger Kopf, irrlichtelierte -er von einem Gebiete zu dem andern, ohne über Ansätze -hinauszukommen und ohne Fähigkeit zur Konzentration -und – Bescheidenheit. Ist Feuer in seinen Werken, -so ist es sicher Brillantfeuer, das keine Wärme giebt und -dessen Abbrennen teilnahmlos läßt. Von seinen zahlreichen -Werken nennen wir nur »Dies irae, Erinnerungen eines -französischen Offiziers«; die Aufzählung seiner dramatischen, -lyrischen und epischen Produktion, wie seiner Glaubensbekenntnisse, -müssen wir uns Raummangels wegen versagen. -Die Broschüre: »Die Revolution der Litteratur«, -die zum ersten Mal dem großen Publikum Kenntnis von<span class="pagenum"><a id="Seite_65"></a>[65]</span> -den Absichten der »Jungen« gab, hat ein gewisses litterarhistorisches -Interesse.</p> - -<p><b>Michael Georg Conrad</b>, geb. am 5. April 1846 -zu Gnodstadt in Franken, eine eigenartig und scharf ausgeprägte -Dichternatur mit einer ausgesprochenen Neigung -zu politischer Bethätigung, gab in Gemeinschaft mit Karl -Bleibtreu die »Gesellschaft« heraus, die er ganz in den -Dienst der modernen Ideen stellte. Seine von Zola und -einem jahrelangen Aufenthalt in Paris beeinflußten Romane: -»Was die Isar rauscht«, »Die klugen Jungfrauen«, »Die -Beichte des Narren«, »In purpurner Finsternis« u. a. sind -nicht frei von Kraftmeierei und Übertreibungen.</p> - -<p><b>Hermann Conradi</b>, geb. am 12. Juni 1862 in -Jeßnitz, gest. am 8. März 1890, eins der Häupter der -Stürmer und Dränger, schrieb »Brutalitäten«, »Lieder -eines Sünders« und die Romane: »Phrasen« und »Adam -Mensch«, Werke, die von Brutalitäten, Phrasen, Menschlichem -und Allzumenschlichem strotzen, und nur als <em class="antiqua">documents -humains</em> von einigem Interesse sind.</p> - -<p><b>Konrad Alberti</b> (<em class="antiqua">recte</em> Konrad Sittenfeld), geb. -am 9. Juli 1862 in Breslau, schrieb eine Reihe von -Romanen, Novellen und Dramen im Stile der Jüngstdeutschen, -unter denen die Romane »Wer ist der Stärkere?« -und »Die Alten und die Jungen« die bedeutendsten sind. -Seine spätere Produktion wandte sich dem Unterhaltungsroman -zu und entbehrt jeder Eigenart. (»Die Rose von -Hildesheim«, »Die schöne Theotaki« u. a.)</p> - -<p><b>Heinrich Hart</b>, geb. am 30. Dez. 1855 in Wesel, -Kritiker der »Täglichen Rundschau«, gab in Gemeinschaft -mit seinem Bruder die »Kritischen Waffengänge« heraus, -durch die sie den Modernen, mit denen sie in ihrem<span class="pagenum"><a id="Seite_66"></a>[66]</span> -dichterischen Schaffen sonst wenig Gemeinsames haben, -nahetraten. Das hervorragendste Werk H.'s ist das Epos -»Das Lied der Menschheit«.</p> - -<p><b>Julius Hart</b>, geb. am 9. April 1859 in Münster, -Bruder des vorigen, schrieb teils selbständig, teils in -Gemeinschaft mit seinem Bruder eine Reihe kritischer und -dichterischer Werke, von denen wir die Gedichtsammlung -»Sansara«, das Schauspiel »Sumpf«, die Prosadichtung -»Sehnsucht« und das zweibändige, populär geschriebene -Werk: »Geschichte der Weltlitteratur« hervorheben.</p> - -<p><b>Hermann Heiberg</b>, geb. am 17. Nov. 1840 in -Schleswig, Herausgeber der Halbmonatsschrift »Niedersachsen«, -stand ursprünglich mit den Modernen in engster -Fühlung, glitt jedoch später ganz in das Fahrwasser der -Unterhaltungslitteratur. Zu seinen bekanntesten Werken -sind die »Plaudereien mit der Herzogin von Seeland«, -»Apotheker Heinrich« und »Eine vornehme Frau« zu -zählen, die sämtlich seiner ersten Schaffensperiode angehören.</p> - -<p><b>Max Kretzer</b>, geb. am 7. Juni 1854 in Posen, -arbeitete sich vom Fabrikarbeiter zum Schriftsteller empor. -Seine Romane, die stark realistisch gefärbt sind und ihm -den Namen: der deutsche Zola eintrugen, spielen meist in -den Arbeiterkreisen der Reichshauptstadt, die er vorzüglich -kennt und zu portraitieren versteht. (»Meister Timpe«, -»Der Millionenbauer«, »Die gute Tochter« u. a.) Mit -seinem letzten Roman: »Das Gesicht Christi« ging er -vom Realismus zum Symbolismus über.</p> - -<p><b>Wilhelm Walloth</b>, geb. am 6. Okt. 1856 zu Darmstadt, -kämpfte in den Reihen der Modernen an erster -Stelle. Seine Romane aus dem Rom des Niederganges<span class="pagenum"><a id="Seite_67"></a>[67]</span> -»Oktavia«, »Paris der Mime«, »Ovid«, »Dämon des -Neides«, denen jede Konzentration fehlt, hielten nicht, -was er früher versprochen. Mit seinem neuesten Roman: -»Im Banne der Hypnose« erregte er statt Sensation -Langeweile. Seine Dramen: »Marino Falieri«, »Johann -von Schwaben« sind reich an schönen Einzelheiten, aber -als Ganzes betrachtet verfehlt.</p> - -<p><b>Wilhelm Arent</b>, geb. am 7. März 1864 in Berlin, -spielte früher auf der Bühne, später in der litterarischen -Bewegung der 80er Jahre eine Rolle und war Mitherausgeber -der »Modernen Dichtercharaktere«. Seine -Poesie (mehr als 30 Bände!) ist überreich an Stimmung, -aber form- und gedanken-, ja sinnlos.</p> - -<p><b>Wolfgang Kirchbach</b>, geb. am 18. Sept. 1857 zu -London, schloß sich nur locker der »Moderne« an und ist -immer mehr seinen eigenen oft sonderlichen Ideen nachgegangen. -(»Ausgewählte Gedichte«, »Lebensbuch«, »Das -Leben auf der Walze«.) Seine Dramen »Des Sonnenreiches -Untergang«, »Gordon Pascha« fanden nur geteilte -Aufnahme.</p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> -<h2 class="nobreak" id="Socialistische_Lyriker">Socialistische Lyriker.</h2> -</div> - -<p><b>Arno Holz</b>, geb. am 26. April 1863 in Rastenburg, -ist allem Anschein nach ein Talent, das eine große -Zukunft <span id="corr067">vor</span> sich hat. Sein »Buch der Zeit« schlug -neue, eigenartige Töne an und ließ H., der ursprünglich -als Geibelianer auftrat, als den berufensten socialistischen -Lyriker erscheinen. Aus seiner Verbindung mit Johannes -Schlaf gingen die Novellen: »Papa Hamlet« und das -naturalistische Drama: »Familie Selicke« hervor. Sein -Drama »Socialaristokraten« fiel gänzlich ab und die neue<span class="pagenum"><a id="Seite_68"></a>[68]</span> -Dichtkunst, die er im »Phantasus« predigt und für die -er bereits eine »Revolution in der Lyrik« in Szene setzte, -hat ihm nur mitleidiges Lächeln und Achselzucken eingebracht, -obwohl sie sich schon durch ihre Einfachheit vorteilhaft -vor anderen »Methoden« auszeichnet.</p> - -<p><b>Karl Henckell</b>, geb. am 17. April 1864 in Hannover, -gab mit Arent die »Modernen Dichtercharaktere« heraus -und stand mit seinen »Strophen« und »Amselrufen«, die -sich durch Glätte und Formgewandtheit auszeichnen, an -der Spitze der socialistischen Lyriker.</p> - -<p><b>Maurice Reinhold von Stern</b>, geb. am 3. April 1859 -in Reval, hat eine außerordentlich bewegte Vergangenheit -hinter sich, die ihn nach Deutschland, Amerika und der -Schweiz führte. (Nach dem Zusammenbruch seiner Buchhandlung -in Zürich postalisch und polizeilich nicht zu ermitteln.) -In seinen »Proletarierliedern«, »Ausgewählten -Gedichten« u. a. finden sich neben Naturbildern von -Glanz und Stimmung, Plattes und Geschmackloses. Sein -autobiographischer Roman »Walther Wendrich« zeigt seine -Unfähigkeit, einen Stoff zu meistern und dichterisch zu -gestalten. Großes auf kleines übertragen, gilt von ihm -das Wort Goethes über Grabbe: »Er wußte sich selbst -nicht zu zähmen, darum zerrann ihm sein Leben wie sein -Dichten«.</p> - -<p><b>John Henry Mackay</b>, geb. am 6. Febr. 1864 in -Greenock in Schottland, ist ein Dichter mit revolutionären -und salonanarchistischen Tendenzen, in dessen Werken Denker, -Dichter und Politiker in gleicher Weise zu Worte kommen -(»Kinder des Hochlands«, »<em class="antiqua">Arma parata fero</em>«, »Sturm«, -»Wiedergeburt«, »Gesammelte Dichtungen«, das Kulturgemälde: -»Die Anarchisten« u. a.).</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_69"></a>[69]</span></p> - -<p><b>Bruno Wille</b>, geb. am 6. Febr. 1860 in Magdeburg, -zeigt sich in seinen Gedichten und philosophischen -Schriften als freier unabhängiger Denker, der, vom -Socialismus ausgehend, den Weg zum Individualismus -findet. (»Einsiedelkunst aus der Kiefernhaide« u. a.)</p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> -<h2 class="nobreak" id="Die_Nationalen">Die Nationalen.</h2> -</div> - -<p><b>Adolf Pichler</b>, geb. am 4. Sept. 1819, ist der -älteste Tiroler Dichter: sein Leben und seine Werke reichen -von der »Franzosenzeit« bis zur Gegenwart. Ein Gelehrter -und von allseitiger Bildung, weiß er doch wahrhaft volkstümlich -zu erzählen (»Allerlei Geschichten aus Tirol«, -»Letzte Alpenrosen«, »Aus den Tiroler Bergen« u. a.). -Er hat ferner als Lyriker »Hymnen« geschrieben, »Spätfrüchte« -und »Marksteine«. Unter den Vorkämpfern einer -liberalen Weltanschauung, aber milde und versöhnlich, -steht er in vorderster Reihe.</p> - -<p><b>Karl Pröll</b>, geb. in Graz 1840, bekannt als -journalistischer Vorkämpfer des Deutschtums in Böhmen, -lebt seit vielen Jahren als Schriftsteller in Berlin, von -wo er neben zahllosen politischen Schriften seine Lieder -»Sturmvögel«, »Vergessene deutsche Brüder« u. s. w. -und seine prächtigen Sammlungen von Skizzen und -Novellen »Moderner Todtentanz«, Bd. 1–5, »Vogelbeeren«, -»Spreu im Winde« etc. veröffentlichte.</p> - -<p><b>Fritz Lienhard</b>, geb. am 4. Okt. 1865 in Rothbach -i/Els., war von 1893–1895 Redakteur des -»Zwanzigsten Jahrhunderts« und Anfang 1900 auf kurze -Zeit Herausgeber der »Heimat«. Bedeutend sind seine -»Lieder eines Elsässers«, sein Wanderbuch »Wasgaufahrten« -und besonders seine Dramen »Naphtali«, »Weltrevolution«,<span class="pagenum"><a id="Seite_70"></a>[70]</span> -»Till Eulenspiegel«. In seiner schriftstellerischen -und journalistischen Thätigkeit sucht er der »Heimatkunst«, -dem Nationalen in Dichtung und Leben, den Weg zu ebnen.</p> - -<p><b>Anton Ohorn</b>, geb. am 22. Juli 1846 in Theresienstadt, -schrieb zahlreiche Romane, Erzählungen und Novellen, -von denen das meiste Aufsehen die nationale Erzählung -»Das deutsche Lied« gemacht hat.</p> - -<p><b>Anton August Naaff</b>, geb. am 28. Nov. 1850 in -Weitentrebetitsch, Herausgeber der »Lyra« in Wien, -veröffentlichte die Liedersammlungen im Volkstone: »Aus -dem Dornbusch«, »Gartheil und Krauseminz«, »Der -Sonn' entgegen«, »Gerda« u. a.</p> - -<p><b>Ottomar Beta</b> (eigentlich Bettziech), geb. am 7. Febr. -1845 in Berlin, wurde in England erzogen. B. veröffentlichte -außer zahlreichen nationalökonomischen, socialpolitischen und -politischen Schriften mehrere Dramen und Romane, von -denen das Trauerspiel »David Rizzio«, das Lustspiel -»Altmodisch und Modern«, das Schauspiel »Nichts halb!« -und besonders das Lustspiel »Feurige Kohlen« Anerkennung -fanden. Seine Novellen und Romane »Schmollis, -ein Hundeleben«, »Unter Unkraut«, »Peregrine«, »Die -Rache ist mein« u. s. w. verraten ein bemerkenswertes -Erzählertalent. Beachtung verdient auch das satirische -Epos »Barbarossa's Botschaft«.</p> - -<p><b>Adolf Graf von Westarp</b>, geb. am 21. April 1851 -in Breslau, erregte Aufsehen durch sein Buch »Fürst -Bismarck und das deutsche Volk«, sowie durch sein Lied -»An den Kaiser« (nach Bismarcks Entlassung). W. ist -ein ebenso eigenartiger wie talentvoller Lyriker. (»Deutsche -Lieder«, »Idyllen und Elegieen aus den bayrischen -Bergen«.)</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_71"></a>[71]</span></p> - -<p><b>Erwin Bauer</b>, geb. am 9. Jan. 1857 auf dem -Gute Techelfer bei Dorpat in Livland, begründete in -Reval die »Nordische Rundschau«, 1890 in Berlin »Das -zwanzigste Jahrhundert«. Außer einigen Dramen gab -B., dessen Talent frühzeitig von der Politik beschlagnahmt -wurde, die Novellensammlungen »Aus dem Zarenlande« -und »Einfache Geschichten«, sowie die Erzählung »Der -Selbstmord des Leutnants Mergenthin« heraus. Sein -bestes Werk ist der in Rußland spielende Roman »<em class="antiqua">Aut -Caesar, aut nihil</em>«.</p> - -<p><b>Carl Kerstan</b>, geb. am 22. Okt. 1847 in Prag, -machte sich als Historienmaler einen Namen. Sein -philosophischer Roman in 3 Bänden »<em class="antiqua">Sapaere aude</em>« -gehört zu den besten unserer Litteratur und verdiente -mehr Beachtung, als er gefunden.</p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> -<h2 class="nobreak" id="Die_grossen_neuzeitlichen_Erzaehler">Die großen neuzeitlichen Erzähler.</h2> -</div> - -<p><b>Theodor Fontane</b>, geb. am 30. Dez. 1819 in Neuruppin, -gest. am 20. Sept. 1898, war wie Sudermann -und Ibsen ursprünglich Apotheker. Eine Reise nach -England weckte sein dichterisches Talent, so daß er sich -bald ganz der Schriftstellerei widmete. F. ist besonders -der Dichter des Preußentums oder im engeren Sinne der -Mark, Berlins. Er schrieb die Romane »Irrungen, -Wirrungen«, »Stine«, »Quitt«, »Frau Jenny Treibel«, -»Effi Briest« u. a., die zu den besten der neuzeitlichen -Erzählungslitteratur zu rechnen sind. Schon seit den vierziger -Jahren zählte F. zu den bedeutendsten Balladendichtern -und Schilderern der Mark Brandenburg. Seine »Wanderungen -durch die Mark Brandenburg« sind Landschaftsbilder -von entzückender Anmut, sinniger Feinheit und zugleich<span class="pagenum"><a id="Seite_72"></a>[72]</span> -von frappierender Treue. Tüchtige litterarische -Leistungen sind außerdem seine Darstellungen der drei -Kriege 1864, 1866 und 1870, die wiederholt aufgelegt -wurden. Mit zwei Bänden Erinnerungen aus -seinem Leben: »Meine Kinderjahre« und »Von Zwanzig -bis Dreißig«, schloß er seine dichterische Thätigkeit ab.</p> - -<p><b>Wilhelm Jensen</b>, geb. am 15. Febr. 1837 in Heiligenhafen, -ist einer der eigenartigsten und markantesten Erzähler. -Er ist der Dichter des Meeres und der Heide -und alle Stimmen, die er ihnen abgelauscht, klingen in -seinen Werken wieder. So ungleich auch die einzelnen -Werke J.'s untereinander sind, allen gemeinsam ist die -melodische, wunderbare Sprache und eine weiche, stillverträumte -Stimmung, die über ihnen liegt und den Leser -gefangen nimmt. J. ist ein ungemein produktiver Dichter, -der sich jedes Jahr mit zwei, drei Bänden einstellt. Von -seinen Werken seien genannt: »Die braune Erica«, »Karin -von Schweden«, »Tagebuch aus Grönland«, »Aus den -Tagen der Hansa«, »Jenseits des Wassers«, »Luv und -Lee«, »Sehnsucht«. Auch als Lyriker ist J. wiederholt -hervorgetreten und darf wohl den Anspruch erheben, als -solcher neben Keller, Meyer und Storm genannt zu werden. -(Gesammelte Gedichte: »Vom Morgen zum Abend«.)</p> - -<p><b>Marie von Ebner-Eschenbach</b>, geb. am 13. Sept. -1830 in Zdislavic in Mähren, ist gegenwärtig die bedeutendste -lebende deutsch-österreichische Schriftstellerin. Sie -ist eine Meisterin des künstlerischen Realismus, den sie -so sicher wie die besten Meister der Erzählungskunst beherrscht. -(»Bozena«, »Dorf- und Schloßgeschichten«, -»Zwei Komtessen«, »Das Gemeindekind«, »Rittmeister -Brand« u. a.)</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_73"></a>[73]</span></p> - -<p><b>Adolf Wilbrandt</b>, geb. am 24. Aug. 1837 in Rostock, -gab zuerst ein Werk über Heinrich von Kleist heraus, -dem er eine Reihe von Dramen: »Arria und Messalina«, -»Gracchus«, »Kriemhild«, »Graf Hammerstein«, »Die -Tochter des Herrn Fabricius«, »Der Meister von Palmyra« -u. a. folgen ließ, unter denen das letztgenannte das bedeutendste -ist. In den letzten Jahren hat sich W. fast -ganz dem Zeitromane zugewandt (»Hermann Ifinger«, -»Die Osterinsel«, »Vater Robinson« u. a.). W. ist eine -der vornehmsten Erscheinungen unter den Schriftstellern -der Gegenwart und sowohl der Schiller- als auch der -Grillparzerpreis sind ihm zugefallen.</p> - -<p><b>Richard Voß</b>, geb. am 2. Febr. 1851 in Neugrape -in Pommern, ist eine reiche phantasievolle und starke -Dichternatur, die sich leider nicht zur künstlerischen Vollendung -durchringen konnte. Ein nervöser, dämonischer -Zug geht durch alle seine Romane und Dramen, die -bald in Deutschland, bald in Italien, im Mittelalter -oder in der Neuzeit spielen. Eine zerrissene, unbefriedigte -Natur, vermögen auch seine Schöpfungen nicht zu befriedigen, -von denen die meisten den Leser narkotisieren oder -peinigen. Seine erfolgreichsten Dramen sind »Schuldig«, -»Alexandra«, und »Eva«; von seinen Novellen und -Romanen sind »Römische Dorfgeschichten«, »Mönch von -Berchtesgaden«, »Villa Falconieri«, »Unter den Borgia«, -die bekanntesten.</p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> -<h2 class="nobreak" id="Realistische_Erzaehler">Realistische Erzähler.</h2> -</div> - -<p><b>Ernst von Wolzogen</b>, geb. am 23. April 1855 in -Breslau, ist einer der ungleichmäßig schaffenden Dichter. -Seine Tragikomödie: »Das Lumpengesindel« ist noch<span class="pagenum"><a id="Seite_74"></a>[74]</span> -immer sein bestes Werk. Einst erhoffte man vieles von -dem Talent dieses fabulierenden Freiherrn, der die schöne -Gabe des Humors besitzt und es versteht, seine Personen -treffend zu charakterisieren, doch produziert er seit langem -nur Unterhaltungslitteratur, wenn auch im besseren Sinne. -Seine besten Romane sind »Die Kinder der Excellenz« -(auch als Lustspiel bearbeitet), »Die tolle Komteß«, »Die -Entgleisten«, »Der Kraftmayr«.</p> - -<p><b>Konrad Telmann</b> (<em class="antiqua">recte</em> Zitelmann), geb. 1854, -gest. 1897, wurde durch körperliches Leiden zur Aufgabe -seines Berufes gezwungen und lebte seit Jahren in Rom. -T. hat eine außerordentlich große Anzahl von Werken -hinterlassen und eine rastlose Thätigkeit entfaltet, die seiner -Kunst nicht immer zum Vorteil gereichte. Er ist ein -Übergangskünstler, der sich Friedrich Spielhagen zum -Vorbild nahm und über ihn hinaus den realistischen -Roman auszubauen und mit neuen, meist »interessanten« -und exotischen Zügen auszustaffieren suchte. Zu seinen -besten Romanen, von denen viele in der zweiten Heimat -des Dichters, in Italien, spielen, zählen: »<em class="antiqua">Vox populi</em>«, -»Unterm Strohdach«, »Unter römischem Himmel«, »Unter -den Dolomiten«, »Götter und Götzen«, »Vom Stamme -der Skariden«.</p> - -<p><b>Alexander Baron von Roberts</b>, geb. am 23. Aug. 1845 -in Luxemburg, gest. 1896, zählte zu den besten Unterhaltungsschriftstellern, -besonders in den Romanen, die das -Militärleben zum Gegenstand haben. (»Es und Anderes«, -»Götzendienst«, »Lou«, »Die schöne Helena«, »Schwiegertöchter« -u. a.) Sein Drama »Satisfaktion« ging mehrfach -mit Erfolg über die Bühne.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_75"></a>[75]</span></p> - -<p><b>Georg von Ompteda</b>, geb. am 29. März 1863 in -Hannover, veröffentlichte (teilweise unter dem Pseudonym -Georg Egestorff) »Von der Lebensstraße u. a. Gedichte«, -sowie die Romane »Drohnen«, »Unter uns Junggesellen«, -»Sylvester von Geyer« u. a., deren Stoff er vorzugsweise -der deutschen Armee entnahm. Als Übersetzer -machte er sich durch die Übertragung der Werke Guy -de Maupassants bekannt.</p> - -<p><b>Wilhelm von Polenz</b>, geb. am 14. Januar 1861 -in Ober-Cunewalde, debütierte mit dem Roman »Sühne« -und ließ diesem dramatische und novellistische Arbeiten, -sowie die Romane »Der Pfarrer von Breitendorf«, »Der -Büttnerbauer«, »Der Grabenhäger« und »Wald« folgen, -in denen er hauptsächlich brennende Zeitfragen des gutsherrlichen -und bäuerischen Besitzstandes behandelt.</p> - -<p><b>Adolf Schmitthenner</b>, geb. am <span id="corr075">24. Mai 1854</span> in Neckarbischofsheim, -schrieb den Roman »Psyche« und »Novellen«, -die eigenartige, fast »gewagte« Probleme zu lösen suchen -und sich durch feine Seelenmalerei auszeichnen.</p> - -<p><b>Karl von Perfall</b>, geb. am 24. März 1851 in Landsberg -a/Lech, behandelt in seinen Romanen gern moderne -Probleme, ohne jedoch dem Naturalismus große Konzessionen -zu machen. (»Vornehme Geister«, »Die Langsteiner«, -»Die fromme Witwe«, »Sein Recht«.)</p> - -<p><b>Anton von Perfall</b>, geb. am 11. Dez. 1853 in -Landsberg a/Lech, hat sich besonders durch seine Jagdgeschichten -bekannt gemacht. Seine Romane »Die Krone«, -»Sein Dämon«, »Die Sonne« tragen zum Teil realistisches -Gepräge.</p> - -<p><b>Oscar Mysing</b>, geb. am 1. Nov. 1867 in Bremen, -schrieb seine ersten Romane und Novellen, die zum größten<span class="pagenum"><a id="Seite_76"></a>[76]</span> -Teile erotischer Natur sind (»Überreif«, »Moderne Liebe«), -unter dem Pseudonym Otto Mora und ging später zur -Familienblattlitteratur über. (»Die Bildungsmüden«, »Verfolgte -Phantasie«, »Nach der Sündflut«, »Beresina«.)</p> - -<p><b>Richard Nordhausen</b>, geb. am 31. Januar 1868 -in Berlin, war zuerst politisch thätig und schrieb dann -eine Reihe Epen (»Joß Fritz der Landstreicher«, »Vestigia -Leonis«, »Sonnenwende«), die sich durch farbenprächtige -Schilderungen, glühende Leidenschaft und große Plastik -auszeichnen. Mit dem Roman: »Die rote Tinktur« -betrat N. die Pfade der Unterhaltungslitteratur.</p> - -<p><b>J. J. David</b>, geb. am 6. Febr. 1859 in Weißkirchen, -schrieb Schauspiele, Gedichte, Erzählungen u. a., die ein -eigenartiges, etwas widerborstiges Talent verraten. In -seinen Werken »Höferecht«, »Blut«, »Hagars Sohn«, -»Gedichte«, »Probleme«, »Ein Regentag« u. a. schildert -er mit Vorliebe Menschen, die auf die Schattenseite des -Lebens zu stehen kamen.</p> - -<p><b>Felix Hollaender</b>, geb. am 1. November 1867 in -Leobschütz, debütierte mit dem Roman »Jesus und Judas«, -denen sich die Berliner Romane: »Ellin Röte« und -»Sturmwind im Westen« anschlossen. Mit Hans Land -schrieb er »Die heilige Ehe«.</p> - -<p><b>Heinz Tovote</b>, geb. am 12. April 1861 in Hannover, -suchte die Bahnen Maupassants zu wandeln, ohne jedoch -auch nur annähernd sein Vorbild zu erreichen, mit dem -er nur hinsichtlich der Pikanterie verglichen werden kann. -Seine Romane und Novellen aus der Berliner Demimonde: -»Im Liebesrausch«, »Fallobst«, »Frühlingssturm«, »Ich«, -»Mutter«, »Das Ende vom Liede«, »Die rote Laterne« -u. a. erlebten viele Auflagen.</p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_77"></a>[77]</span></p> - -<h2 class="nobreak" id="Die_Unterhaltungstalente">Die Unterhaltungstalente.</h2> -</div> - -<p><b>Ernst Wichert</b>, geb. am 11. März 1831 in Insterburg, -verfaßte zahlreiche Lustspiele, von denen »Der Narr des -Glücks«, »Als Verlobte empfehlen sich« und »Ein Schritt -vom Wege« sich noch auf der Bühne erhalten haben. -W. ist außerdem Verfasser vieler Romane und Novellen: -»Litauische Geschichten«, »Heinrich von Plauen«, »Hohe -Gönner«, »Anderer Leute Kinder«, »Vom alten Schlage«, -»Der große Kurfürst in Preußen«, u. a., von denen der -letztgenannte, ein historischer Roman größeren Stils, -besonders hervorgehoben zu werden verdient. W., der -bis 1896 dem Richterstande angehörte, schrieb seine Selbstbiographie -1899 unter dem Titel: »Richter und Dichter«.</p> - -<p><b>August Niemann</b>, geb. am 27. Juni 1839 in -Hannover, früher Hauptmann, führte sich mit einer -Geschichte des französischen Feldzuges 1870/71 in die -Litteratur ein. Sein bedeutendster Roman »Bakchen -und Thyrsosträger«, zieht gegen die materialistische Weltanschauung -zu Felde. In Buchhändlerkreisen fand besonders -der Roman »Eulen und Krebse«, das »Soll -und Haben« des Buchhändlers, Beachtung.</p> - -<p><b>Gerhardt von Amyntor</b> (Pseudon. für Dagobert -von Gerhardt), geb. am 12. Juli 1831 in Liegnitz, -war Offizier und wandte sich dann der Litteratur zu. -Von seinen Werken, in denen sich oft ein Hang zum -Übersinnlich-Mystischen und zur Behandlung philosophischer -und religiöser Themata bemerkbar macht, ist der Roman -»Gerke Suteminne« das bedeutendste. Die »Hypochondrischen -Plaudereien«, sowie die Gegenschrift zur Tolstoi'schen -Kreutzer-Sonate: »Die Cismoll-Sonate« sind etwas hausbacken,<span class="pagenum"><a id="Seite_78"></a>[78]</span> -aber erfüllt von echt vaterländischem Geiste, der -allezeit und unentwegt für deutsche Frauen, deutsche -Treue, Gott und Religion eintritt. Interessante Lebenserinnerungen -legte A. in dem Werke: »Das Skizzenbuch -meines Lebens« nieder.</p> - -<p><b>Otto von Leixner</b>, geb. am 24. April 1847 in -Saar, bis vor kurzem Redakteur der »Deutschen Romanzeitung«, -schrieb im Sinne derselben eine Reihe Romane, -Aphorismen und Plaudereien, von denen die »Ästhetischen -Studien für die Frauenwelt«, »Laienpredigten für das -deutsche Haus«, »Aus meinem Zettelkasten«, und der -Roman: »Also sprach Zarathustras Sohn« am bemerkenswertesten -sind. Seine »Geschichte der deutschen Litteratur«, -der nur feuilletonistischer Wert beizumessen ist, erlebte -vier Auflagen.</p> - -<p><b>Fritz Mauthner</b>, geb. am 22. November 1849 in -Horzitz, einer der einflußreichsten Kritiker der Reichshauptstadt, -zeigte seine Begabung besonders in den in -parodistischer Form auftretenden Kritiken: »Nach berühmten -Mustern« u. a. Mit seinen modern aufgeputzten -Romanen aus dem Altertum »Xantippe« und »Hypatia«, -sowie »Der letzte Deutsche von Blatna«, »Die Geisterseher«, -»Die bunte Reihe« u. a. machte sich M. als -Romancier einen Namen.</p> - -<p><b>Theophil Zolling</b>, geb. am 30. Dezember 1849 in -Scafati, Herausgeber der »Gegenwart«, zählt zu den -besten Sittenschilderern Berlins. Von seinen das hauptstädtische -Leben behandelnden Romanen: »Der Klatsch«, -»Frau Minne«, »Kulissengeister«, »Die Million«, -»Bismarcks Nachfolger« erregte namentlich der letztere -einiges Aufsehen.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_79"></a>[79]</span></p> - -<p><b>Rudolf Stratz</b>, geb. am 6. Dez. 1864 in Heidelberg, -wandte sich dem Zeitroman zu und schrieb: »Unter den -Linden«, »Belladonna«, »Die kleine Elten«, »Der -weiße Tod«, »Montblanc«, den Novellenband »Buch der -Liebe«, sowie einige Schauspiele. Sein Roman aus -dem Bauernkrieg von 1525, »Der arme Konrad« und -das Drama: »Jörg Trugenhoffen«, eine Konkurrenz des -»Florian Geyer« von Hauptmann, beruhen auf tüchtigen -Quellenstudien und geben ein anschauliches Bild der -damaligen Zeit.</p> - -<p><b>Hans Land</b> (Pseudon. für Hugo Landsberger), geb. am -25. August 1861 in Berlin, Herausgeber der Wochenschrift -»Das neue Jahrhundert« (Berlin), schrieb realistisch gefärbte -Romane (»Der neue Gott«, »Um das Weib« u. a.), -sowie in Gemeinschaft mit Felix Hollaender das sociale -Drama »Die heilige Ehe«.</p> - -<p><b>Wilhelm Wolters</b>, geb. am 8. November 1852 in -Dresden, ist durch seine Romane: »Sterbliche Götter«, -»Helene Pawlowna« und Erzählungen (»Indian Summer«, -»Ach wenn du wärst mein eigen!«), besonders aber durch -seine erfolgreiche dramatische Produktion (»Tragische -Konflikte« etc.) dem größeren Publikum bekannt geworden.</p> - -<p><b>Franz von Königsbrun-Schaup</b>, geb. am 22. Februar -1857 in Cilli, schuf und befestigte seine litterarische Stellung -durch die beiden Romane: »Die Bogumilen« und »Hundstagszauber«, -die ihn als feinsinnigen Erzähler erkennen -lassen. Künstlerisch weniger hoch stehen seine »Gedichte« -und »Märchen«, und der mit Wolters zusammen geschriebene -Schwank: »Der Hochzeitstag«, wird auf litterarischen Wert -wohl überhaupt keinen Anspruch erheben.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_80"></a>[80]</span></p> - -<p><b>Fedor von Zobeltitz</b>, geb. am 5. Okt. 1857 in -Spiegelberg, gehört zu unseren besten Unterhaltungsschriftstellern. -Von seinen letzten Romanen erregte besonders -»Der gemordete Wald« Interesse. Um die -deutsche Bibliophilie hat sich Z. durch Herausgabe der -»Zeitschrift für Bücherfreunde« verdient gemacht.</p> - -<p><b>Hanns von Zobeltitz</b>, geb. am 9. Sept. 1853 in -Spiegelberg, schrieb eine Reihe Unterhaltungsromane im -Stile des »Daheim« und der »Velhagen und Klasing'schen -Monatshefte«, deren Redakteur Z. ist.</p> - -<p><b>Ida Boy-Ed</b>, geb. am 17. April 1852 in Bergedorf, -eine der begabtesten Schriftstellerinnen der alten -Schule, veröffentlichte eine große Zahl von Romanen, -von denen »Die Schwestern«, »Abgründe des Lebens«, -»Fanny Förster« und »Aus Tantalus' Geschlecht« den -meisten Anklang fanden.</p> - -<p><b>A. v. der Elbe</b> (Pseudon. für Auguste von der Decken), -geb. am 30. Nov. 1828 in Bleckede, setzte die »Chronica -eines fahrenden Schülers von Clemens Brentano« fort und -wandte sich vorzugsweise historischen Stoffen zu (»Lüneburger -Geschichten«, »Brausejahre«, »Apollonia von -Celle«, »Die jüngeren Prinzen«, »Der Seekönig« u. a.).</p> - -<p><b>Claire Glümer</b>, geb. am 18. Okt. 1825 in Blankenburg, -führte sich mit Novellen und Skizzen in die -Litteratur ein. (»Düstere Nächte«, »Aus der Bretagne«, -»Junge Herzen«.)</p> - -<p><b>Sophie Junghans</b>, geb. am 3. Dez. 1845 in Kassel, -ist Verfasserin einer Reihe von Unterhaltungsromanen, -von denen »Der Bergrat«, »Ein Kaufmann«, »Lore -Fay«, »Schwertlilie« und »Um das Glück« die bekanntesten -sind.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_81"></a>[81]</span></p> - -<p><b>Luise Westkirch</b>, geb. am 8. Juli 1858 in Amsterdam, -behandelte in ihren Romanen und Novellen mit -männlicher Kraft und Rücksichtslosigkeit sociale Probleme -der Gegenwart: »Aus dem Hexenkessel der Zeit«, »Die -Streber«, »Los von der Scholle« u. a.</p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> -<h2 class="nobreak" id="Romanciers_des_High-life">Romanciers des <em class="antiqua">High-life</em>.</h2> -</div> - -<p><b>Rudolf Lindau</b>, geb. am 10. Okt. 1830 in Gardelegen, -hatte durch seinen diplomatischen Beruf Gelegenheit, -die halbe Welt kennen zu lernen. Er ist Weltmann -großen Stils und in Paris und London ebenso zu Hause -wie in Peking und San Francisco. L. verfaßte mehrere -größere Romane, die in den Kreisen der internationalen -Gesellschaft spielen (»Robert Ashton«, »Gute Gesellschaft« -u. a.) und gab Beschreibungen seiner umfassenden -Reisen heraus (»China und Japan« u. a.).</p> - -<p><b>Ossip Schubin</b>, mit ihrem eigentlichen Namen Lolo -Kirschner, geb. am 17. Juni 1854 in Prag, läßt ihre -Romane zumeist in den Kreisen des internationalen -<em class="antiqua">high life</em>, besonders der österreichischen Adels- und -Offizierskreise, spielen. Ihrem ersten Roman »Ehre« -folgten »Schuldig«, »Unter uns«, »Gräfin Erikas Lehr- -und Wanderjahre«, »Gebrochene Flügel«, »Es fiel ein -Reif in der Frühlingsnacht« u. a. S. schreibt fesselnd -und interessant, doch haben ihre Romane etwas skizzenhaftes -und der Stil ist oft salopp oder gesucht.</p> - -<p><b>Baron Carl Torresani</b>, geb. am 19. April 1846 -in Mailand, war österreichischer Kavallerieoffizier, bewirtschaftete -einige Zeit sein Gut als Ökonom und widmete -sich dann der Bildhauerei. Seine Romane, in denen er -sich ganz als Österreicher giebt, spielen teils in den Kreisen<span class="pagenum"><a id="Seite_82"></a>[82]</span> -der österreichischen Armee, teils in denen der internationalen -Gesellschaft, für deren charakteristische Merkmale er einen -scharfen Blick besitzt. »Aus der schönen wilden Lieutenantszeit«, -»Schwarzgelbe Reitergeschichten«, »Mit tausend -Masten«, »Auf gerettetem Kahn«, »Die Juckerkomtesse«, -»Der beschleunigte Fall«, »Aus drei Weltstädten« u. a. -Seiner Selbstbiographie gab er den Titel: »Von der -Wasser- bis zur Feuertaufe. Werde- und Lehrjahre e. -österreichischen Offiziers«.</p> - -<p><b>Johannes Richard zur Megede</b>, geb. am 8. Sept. 1864 -in Sagan, trat erst als reifer Mann mit einer Reihe -von Romanen vor die Öffentlichkeit. »Kismet«, »Unter -Zigeunern«, »Quitt«, »Von zarter Hand«, die in den -exklusiven Adelskreisen spielen und den Verfasser als -einen scharfen Beobachter, der einen sicheren Blick für -das Charakteristische besitzt, erkennen lassen.</p> - -<p><b>Bertha von Suttner</b>, geb. am 9. Juni 1843 in -Prag, errang ihren größten Erfolg mit dem Tendenzroman: -»Die Waffen nieder«, der für die Weltfriedensidee -Propaganda macht. Von ihren übrigen Werken, die sehr -ungleich im Werte sind, verdienen noch »Inventarium einer -Seele« und »Das Maschinenzeitalter« genannt zu werden.</p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> -<h2 class="nobreak" id="Die_Feuilletonisten">Die Feuilletonisten.</h2> -</div> - -<p><b>Paul Lindau</b>, geb. am 3. Juni 1839 in Magdeburg, -machte sich als Kritiker einen Namen, den er als produktiver -Dichter rasch wieder einbüßte. Auch in seinen -Romanen, die meist in Berlin <em class="antiqua">W</em> spielen und starken -<em class="antiqua">haut-gout</em> aufweisen, ist er der Feuilletonist von ehemals -geblieben, der nichts anderes als Eisenbahnlektüre geschrieben.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_83"></a>[83]</span></p> - -<p><b>Max Nordau</b> (Pseudon. für Südfeld), geb. am -29. Juli 1849 in Budapest, errang seinen größten Erfolg -mit den von Alltagsweisheit triefenden »Konventionellen -Lügen der Kulturmenschheit«. Als Verfasser von »Entartung« -scheint er an Paradoxomanie zu leiden oder sie -zu heucheln.</p> - -<p><b>Julius Langbehn</b> hat mit seinem Buche »Rembrandt -als Erzieher« einen beispiellosen Erfolg gehabt, weil es »die -Menschen zu verwirren weiß«. Seine »40 Lieder eines -Deutschen« zeigen die ganze dichterische Unfähigkeit L.'s, -dessen phantastisches und konfuses Erstlingswerk eine -geraume Zeit im Mittelpunkt aller litterarischen Diskussionen -stand.</p> - -<p><b>Emil Peschkau</b>, geb. am 19. Febr. 1856 in Wien, -gab eine Reihe von Skizzen, Epigrammen, Novellen und -Romanen heraus, die ein hübsches Talent auf humoristischem -und satirischem Gebiete erkennen lassen.</p> - -<p><b>Balduin Groller</b>, geb. am 5. Sept. 1848 in Arad, -gilt als der geistreiche Plauderer, der aus nichts eine -schnurrige Geschichte zusammendrechselt. (»Wenn man jung -ist«, »Zehn Geschichten«, »In den Tag hinein« u. a.)</p> - -<p><b>Ferdinand Groß</b>, geb. am 8. April 1849 in Wien, -schrieb zahlreiche Skizzen, Novellen und Romane, die den -liebenswürdigen Plauderer und Feuilletonisten der Wiener -Schule erkennen lassen. (»Blätter im Winde«, »Litterarische -Modelle«, »Zum Nachtisch«, »In Lachen und Lächeln«.)</p> - -<p><b>Hermann Bahr</b>, geb. am 19. Juli 1863 zu Linz, -kann als der Typus eines Journalisten gelten, der in allen -Sätteln reitet, in Rom und Madrid zu Hause ist und -überall sein Weanertum mitbringt. Ein geistreicher, talentierter -Kopf, der sich gern die Bühne erobern möchte,<span class="pagenum"><a id="Seite_84"></a>[84]</span> -aber auch als Schriftsteller immer Journalist bleibt. Er -schrieb Romane, litteraturgeschichtliche Abhandlungen und -Theaterstücke, von denen »Die neuen Menschen«, »Die -Mutter«, »Tschaperl« und »Der Athlet« die bemerkenswertesten -sind.</p> - -<p><b>Maximilian Harden</b> (<em class="antiqua">recte</em> Witkowski), geb. am -20. Okt. 1861 in Berlin, Herausgeber der »Zukunft«, -einer der gewandtesten und vielseitigsten Journalisten, veröffentlichte -seine kritischen Aufsätze unter dem Titel: -»Apostata« und »Theater und Litteratur«. (Vergl. Zur -Charakteristik litterar. und verwandter Blätter.)</p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> -<h2 class="nobreak" id="Die_Industriellen">Die Industriellen.<a id="FNAnker_4" href="#Fussnote_4" class="fnanchor">[4]</a></h2> -</div> - -<div class="footnotes"> -<div class="footnote"> -<p><a id="Fussnote_4" href="#FNAnker_4" class="label">[4]</a> Diese Rubrik, die ihrer Natur nach die umfangreichste -des ganzen Werkchens darstellen müßte, wurde auf Veranlassung -des Verlegers »als unerheblich« (?!) auf das »unbedingt Notwendige« -beschränkt.</p> -</div> -</div> - -<p><b>Gregor Samarow</b> (Pseudon. für Oskar Meding), geb. -am 11. April 1829 in Königsberg i. Pr., kultivierte -besonders den sensationell gefärbten Zeitroman (»Scepter -und Kronen«, »Europäische Minen und Gegenminen«, -»Zwei Kaiserkronen« und Dutzend andere).</p> - -<p><b>Dr. Alfred Friedmann</b>, geb. am 26. Okt. 1845 in -Frankfurt a. M., »ist seit 27 Jahren auf allen Gebieten -erfolgreich thätig, seine Romane standen in der -»Köln. Ztg.«, in »Westermanns Monatsheften«, »Nord -und Süd«, »Berliner Tageblatt« etc., seine Gedichte in -3 Bänden gesammelt, standen überall. Zahlreiche Feuilletons -trugen ihm Briefe bis aus Ostindien ein, Heyse, -Geibel, Bodenstedt, Lingg etc. schrieben über den Dichter -und waren ihm befreundet. F. war Redakteur in Wien,<span class="pagenum"><a id="Seite_85"></a>[85]</span> -ist es in Berlin, reiste zu Kongressen und wurde von -Reclam in 7 Bänden von je 8 Auflagen <em class="antiqua">à</em> 5000 Exemplare -verlegt«.<a id="FNAnker_5" href="#Fussnote_5" class="fnanchor">[5]</a></p> - -<div class="footnotes"> -<div class="footnote"> -<p><a id="Fussnote_5" href="#FNAnker_5" class="label">[5]</a> Unverkürzt nach den eigenen Angaben des Dichters.</p> -</div> -</div> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> -<h2 class="nobreak" id="Die_dramatischen_Hauptmaenner">Die dramatischen Hauptmänner der -Gegenwart.</h2> -</div> - -<p><b>Ernst von Wildenbruch</b>, geb. in Beirut am 3. Febr. -1845, ist einer der erfolgreichsten Dramatiker der Gegenwart, -seiner Artung nach mehr den Älteren, denen Schiller noch -keine abgethane Größe ist, als den Modernen zuzuzählen. -Wird auch bei ihm die Charakteristik sehr oft durch -die Rhetorik ersetzt, so ist er doch unerreicht in der -Schaffung wirkungsvoller Scenen. Von seinen erfolgreichsten -Stücken der ersten Zeit führen wir an »Die -Karolinger«, »Harold«, »Der Mennonit«, »Väter und -Söhne«. Später entnahm W. hauptsächlich den Stoff -seiner Dramen, in denen sich der Hurrahpatriotismus -auf Kosten des dichterischen Gehalts breit macht, der -Geschichte der Hohenzollern (»Die Quitzows«, »Der -Generalfeldoberst«, »Der neue Herr«, »Heinrich und -Heinrichs Geschlecht«). Den Einfluß Sudermanns zeigt -das realistische Stück »Die Haubenlerche«. Neben dem -Dramatiker W. feierte der Erzähler Triumphe (»Humoresken«, -»Der Astronom«, »Eifernde Liebe«, »Schwester-Seele« -u. a.). W.'s dichterisches Können findet den -stärksten Ausdruck in seinen Kindergeschichten: »Das edle -Blut«, »Kinderthränen«.</p> - -<p><b>Gerhart Hauptmann</b>, geb. am 15. Nov. 1862 in -Salzbrunn, hat sich in verschiedenen Berufen versucht,<span class="pagenum"><a id="Seite_86"></a>[86]</span> -bevor er den Dichter in sich entdeckte. Durch Arno Holz -wurde er dem konsequenten Naturalismus gewonnen; sein -erstes Stück: »Vor Sonnenaufgang« steht ganz unter -dem Einflusse ausländischer Vorbilder, vor allem Ibsens. -Nicht höher sind die nächsten Dramen: »Das Friedensfest« -und »Einsame Menschen« zu werten. Erst das sociale -Drama »Die Weber«, das ein Bild von der Lage des -deutschen Arbeiters in der letzten Vergangenheit giebt, -brachte ihm den ersehnten Erfolg, der durch die beiden -nächsten Stücke »College Crampton« und »Der Biberpelz«, -die hauptsächlich Charakterstudien sind, in denen sich eine -humoristische, stark mit Satire vermischte Ader offenbart, -noch mehr befestigt wurde. Die nun folgende Traumdichtung -»Hannele« zeigt den Dichter im Lager der -Symbolisten. Im »Florian Geyer« sucht er mit vergeblichem -Bemühen das historische Drama zu meistern. -Den Mißerfolg des letzteren Stücks, das alles andere, -nur nicht historisch ist, glich H. mit der »Versunkenen -Glocke« aus, die auf allen großen Theatern den Ruhm -des Dichters kündete, der durch sein nächstes Stück -»Fuhrmann Henschel« zu einem unbestrittenen wurde. -Ein Mißerfolg war seiner letzten Schöpfung, »einer -unbesorgten Laune Kind«: »Schluck und Jau, Spiel zu -Scherz und Schimpf mit 5 Unterbrechungen«, die er -noch bezeichnender Erlösungen hätte benamsen können, -beschieden. Sie beweist aufs neue, welch' großer Dichter -Shakespeare war, von dem sich H. zu dem Stücke -»anregen« ließ. H. ist in erster Linie novellistisches -Talent, (vgl. auch »Bahnwärter Thiel«), ein scharfer -Beobachter und ein Meister der Kleinmalerei. Seine -dichterische Entwicklung ist sprungweise vor sich gegangen,<span class="pagenum"><a id="Seite_87"></a>[87]</span> -er hat sich auf allen Gebieten versucht, ehe er das Rechte -fand, das ihn aus einem psychologischen Destillateur zum -Dichter machte.</p> - -<p><b>Hermann Sudermann</b>, geb. am 30. Sept. 1857 in -Matziken in Ostpreußen, ergriff zuerst wie Ibsen – -mit dem er sonst keine Berührungspunkte hat – den -Apothekerberuf, studierte dann in Königsberg und Berlin -Geschichte und Sprachen und wandte sich später ganz -der Litteratur zu. Ursprünglich als Romanschriftsteller -thätig, errang er seinen ersten glänzenden Erfolg mit -dem Schauspiel »Ehre«, das über sämtliche deutsche und -ausländische Bühnen ging. Ein starkes theatralisches -Talent, hat er es immer verstanden, Konzessionen an die -große Menge zu machen. Er kennt sein Publikum und -weiß, was er ihm vorzusetzen hat, daher findet er selten -den Mut einer Tendenz. Ein trostloser Pessimismus -geht durch seine Stücke, in denen er das Faule und -Morsche mit besonderer Vorliebe behandelt, ohne jedoch -den Weg zu einer besseren Zukunft auch nur anzudeuten. -Über den Mangel an dichterischem Gehalt täuscht er -hinweg durch eine brillante Technik und eine feine -Witterung für die modernsten Probleme. Seine Kunst -ist keine innerliche, sie läßt eine selbständige Weltanschauung -vermissen. Das tritt nicht nur in seinem ersten Stück, -sondern auch in seinen späteren Schöpfungen: »Sodoms -Ende«, »Heimat«, »Schmetterlingsschlacht«, »Morituri«, -»Das Glück im Winkel«, »Johannes«, »Die drei Reiherfedern« -zu Tage. Über dem Dramatiker wird häufig der -Romancier Sudermann vergessen, der uns mit einer Reihe -spannend geschriebener Romane und Novellen: »Im Zwielicht«, -»Frau Sorge«, »Geschwister«, »Der Katzensteg«,<span class="pagenum"><a id="Seite_88"></a>[88]</span> -»Jolandes Hochzeit«, »Es war« beschenkt hat, unter -denen »Frau Sorge« obenan steht.</p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> -<h2 class="nobreak" id="Die_kleineren_Dramatiker_der_Neuzeit">Die kleineren Dramatiker der Neuzeit.</h2> -</div> - -<p><b>Max Halbe</b>, geb. am 4. Okt. 1865 in Guettland -bei Danzig, errang einen durchschlagenden Erfolg mit -dem Stücke: »Jugend«, der ihn für kurze Zeit in die -Reihe der ersten Dramatiker stellte. Es gelang ihm -jedoch nicht, mit seinen späteren Stücken »Der Amerikafahrer«, -»Lebenswende«, »Mutter Erde«, »Das tausendjährige -Reich«, von denen das letztgenannte ein bedeutsamer -Ansatz zum modern-historischen Drama ist, diese -Stellung zu behaupten, so sehr sie auch Zeugnis von -seinem ernsten künstlerischen Streben ablegen. H.'s Kunst -wurzelt in seiner heimatlichen westpreußischen Erde und hat -ihre stärksten Seiten in lyrischen Feinheiten. Von starkem -dichterischen Gehalt ist seine Dorfgeschichte »Frau Meseck«.</p> - -<p><b>Ludwig Fulda</b>, geb. am 15. Juli 1862 in Frankfurt -a/M., erweckte bei dem Erscheinen der Schauspiele »Das -verlorene Paradies« und »Talisman« große Hoffnungen, die -jedoch nicht verwirklicht wurden, da sich seine Muse immer -mehr zu Roderich Benedix hingezogen fühlte. F. ist ein -geistreicher, formgewandter Causeurpoet, seine Stücke hübsch -gedrechselte Salonware, ohne großen Gehalt, aber amüsant -und auf Massenerfolg hin geschrieben (»Die -Kameraden«, »Robinsons Eiland«, »Der Sohn des -Kalifen«, »Jugendfreunde«, »Schlaraffenland«). Bemerkenswertes -leistete F., der über große Formgewandtheit -und sprachliches Talent verfügt, auf dem Gebiete des -Epigramms und der Spruchdichtung, sowie als Übersetzer -(Molière, Rostand).</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_89"></a>[89]</span></p> - -<p><b>Arthur Schnitzler</b>, geb. am 15. Mai 1862 in -Wien, hatte bedeutende Bühnenerfolge mit seinen Schauspielen -»Anatol«, »Märchen«, »Liebelei«, »Freiwild«. -Er ist der Liebespsychologe der Halbwelt, ein Dichter der -tändelnden, leichten, freien Liebe, der »kleinen süßen -Mädels«, wie sie Wien kennt. Seine Männer sind echte -Lebemänner, die skrupellos ihrem Vergnügen nachgehen -und es dort suchen, »wo man lächelnd den ersten Kuß -empfängt und mit sehr sanfter Rührung scheidet«.</p> - -<p><b>Josef Lauff</b>, geb. am 16. Nov. 1855 in Köln, -begann seine litterarische Laufbahn mit epischen Gedichten -(»Jan van Calker«, »Der Helfensteiner«, »Die Overstolzin«, -»Klaus Störtebecker« u. a.) und wandte sich -dann unter kaiserlicher Protektion dem Drama zu (»Der -Burggraf«, »Der Eisenzahn«). In seinen Epen ist er -ein verwässerter Julius Wolff, in seinen Dramen ein verwässerter -Wildenbruch.</p> - -<p><b>Felix Philippi</b>, geb. am 5. Aug. 1851 in Berlin, -wandte sich fast ausschließlich der dramatischen Produktion -zu (»Daniela«, »Wohlthäter der Menschheit«, -»Wer war's?«, »Das Erbe«, »Der goldene Käfig« u. a.). -Seine letzten Stücke, die meist sensationellen Hofgeschichten -oder politischen Vorkommnissen ihre Entstehung verdanken, -wurden beifälliger vom Publikum als von der Kritik -aufgenommen.</p> - -<p><b>Max Dreyer</b>, geb. am 25. Sept. 1862 in Rostock, -führte sich vor ein paar Jahren mit dem Drama »Eine« -verheißungsvoll in die Litteratur ein, schuf jedoch bald -Stücke (»In Behandlung«, »Großmama«, »Hans«, -»Der Probekandidat«), an denen der klug rechnende Verstand -mehr Anteil hat, als das künstlerische Gewissen.<span class="pagenum"><a id="Seite_90"></a>[90]</span> -Sie sind weniger Dichtungen als Rechenexempel, deren -Richtigkeit allerdings durch den Erfolg bestätigt wird.</p> - -<p><b>Josef Ruederer</b>, geb. am 15. Okt. 1861 in München, -schuf in seinem Erstlingsromane: »Ein Verrückter. Kampf -und Ende eines Lehrers« prächtige Gestalten und in der -»Fahnenweihe« eine lebendige Sittenkomödie. Seine -neuesten Veröffentlichungen: der Novellenband »Tragödien« -und »Wallfahrer-, Maler- und Mördergeschichten« stehen -nicht ganz auf gleicher Höhe.</p> - -<p><b>Caesar Flaischlen</b>, geb. am 12. Mai 1864 in -Stuttgart, Redakteur des »Pan«, ist ein sprödes und nicht -sehr ergiebiges Dichtertalent, das stets die »Moderne« -auf sich einwirken ließ. Seine Dramen: »Toni Stürmer« -und »Martin Lehnhardt, ein Kampf um Gott« stehen -ganz unter dem Einflusse Strindbergs.</p> - -<p><b>Otto Erich Hartleben</b>, geb. am 3. Juni 1864 in -Clausthal, ist der Ironiker unter den Modernen, der bei -Maupassant in die Schule gegangen ist und mit liebenswürdigem -Humor seine Geschichten und Schnurren, die -er vorsorglich meist irgend einem Philister in den Mund -legt, zu erzählen weiß (»Die Geschichte vom abgerissenen -Knopf«, »Vom gastfreien Pastor«, »Der römische Maler«). -Als Dramatiker ist er Thesendichter (»Ein Ehrenwort«, -»Die Erziehung zur Ehe«, »Ein wahrhaft guter Mensch« -u. a.).</p> - -<p><b>Philipp Langmann</b>, geb. am 5. Febr. 1862 in -Brünn, errang einen großen und verdienten Erfolg mit -seinem socialen Arbeiterdrama »Bartel Turaser«, der seiner -späteren dramatischen Produktion (»Die vier Gewinner«, -»Gertrud Antleß«) ebenso verdienter Weise versagt blieb. -Seine ganz in impressionistischem Stile geschriebenen<span class="pagenum"><a id="Seite_91"></a>[91]</span> -»Realistischen Erzählungen« und »Ein junger Mann -von 1895 und andere Novellen« sind bedeutungslos. -Hübsche stimmungsvolle Bilder enthält dagegen sein -neuester Novellenband »Verflogene Rufe«.</p> - -<p><b>Ernst Rosmer</b> (<em class="antiqua">recte</em> Frau Elsa Bernstein) schrieb »Wir -Drei«, »Dämmerung«, »Königskinder«, sowie den Novellenband -»Madonna«, in denen sie den Spuren Gerhart -Hauptmanns folgt.</p> - -<p><b>Georg Hirschfeld</b>, geb. am 17. Febr. 1873 in -Berlin, schuf seine Schauspiele aus dem engen Kreise seiner -(jüdischen) Familie heraus. »Zu Hause«, »Die Mutter« -und »Agnes Jordan« errangen daher bei dem Berliner -Premièrenpublikum freundliche Erfolge.</p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> -<h2 class="nobreak" id="Tendenzfreie_Lyriker_der_juengsten_Zeit">Tendenzfreie Lyriker der jüngsten Zeit.</h2> -</div> - -<p><b>Detlev von Liliencron</b>, geb. am 3. Juni 1844 in -Kiel, war Offizier und wandte sich erst im reifen Mannesalter -der Litteratur zu. Seine litterarische Stellung verdankt -er hauptsächlich seinen Gedichten, in denen er sich als -durchwegs subjektiver Dichter zeigt, dessen Werke den Stempel -der Ursprünglichkeit und des Selbsterlebten tragen. (»Adjutantenritte«, -»Gedichte«, »Der Haidegänger«, »Neue Gedichte«, -»Ausgewählte Gedichte«, »Kämpfe und Ziele«.) -Die Form seiner Werke ist nicht immer einwandfrei, weil oft -ein burschikoses Sichgehenlassen hervortritt, aber die Unmittelbarkeit -seiner Empfindungsdarstellung und die Frische -seiner Gedanken vermögen wohl für diese Fehler zu entschädigen. -Sein bester Roman ist »Breide Hummelsbüttel«, -der in den Kreisen des holsteinischen Landadels spielt. Viel Lob -ernteten auch seine Novellensammlungen: »Eine Sommerschlacht«,<span class="pagenum"><a id="Seite_92"></a>[92]</span> -»Kriegsnovellen«, »Unter flatternden Fahnen« -und sein neuester Roman: »Mit dem linken Ellenbogen.«</p> - -<p><b>Gustav Falke</b>, geb. am 11. Januar 1853 in Lübeck, -steht hinsichtlich der Begabung Detlev v. Liliencron am -nächsten. Obwohl seine Lyrik viel Formales enthält, -hat er doch die Mittel, die höchsten und reinsten Wirkungen -zu erzielen und den Leser in seine Stimmungen hineinzuzwingen. -Gedichte: »Mynheer der Tod und andere -Gedichte«, »Tanz und Andacht«, »Zwischen zwei Nächten«, -»Neue Fahrt«, »Mit dem Leben«. Seinem stark realistisch -gefärbten Hamburger Roman »Landen und Stranden« -ließ er vor kurzem den psychologischen Roman eines -<em class="antiqua">fin-de-siècle</em>-Menschen: »Der Mann im Nebel« folgen.</p> - -<p><b>Carl Busse</b>, geb. am 12. Nov. 1872 zu Lindenstadt -in Posen, lenkte schon als Schüler die Aufmerksamkeit -litterarischer Kreise auf sein dichterisches Schaffen. In -seinen »Gedichten« und »Neuen Gedichten«, die in der -Form von größter Reinheit sind, ist alles Farbe, Glanz -und Stimmung. Seine Romane und Novellen entbehren -der Charakteristik, während seine litteraturgeschichtlichen -Untersuchungen feine Bemerkungen und treffende Urteile -aufweisen.</p> - -<p><b>Ludwig Jacobowski</b>, geb. am 21. Januar 1868 in -Strelno, Herausgeber der »Gesellschaft«, ist einer der -fleißigsten und begabtesten der jüngeren Dichtergeneration. -Seine Gedichte (»Aus bewegten Stunden«, »Funken«, -»Aus Tag und Traum«, »Leuchtende Tage«), zeigen ein -eigenartiges Gepräge, das auch in seinen Romanen -»Werther der Jude«, »Loki« und der Novellensammlung -»Und Satan lachte« zu Tage tritt.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_93"></a>[93]</span></p> - -<p><b>Richard Zoozmann</b>, geb. am 13. März 1863 in -Berlin, mehr Dilettant als Dichter, gab eine ganze Reihe -von Gedichtsammlungen heraus, von denen hier »Minneborn«, -»Lieder, Romanzen und Balladen«, »Neue Dichtungen«, -»Aus Herz und Welt«, »Aus allen Zonen« -genannt sein mögen.</p> - -<p><b>Reinhold Fuchs</b>, geb. am 8. Juni 1858 in Leipzig, -ist gleich ausgezeichnet als Lyriker wie als Epiker. Die -Versnovellen »Strandgut« und »Herzenskämpfe«, drei -Erzählungen in Versen, sind »goldene Früchte in silbernen -Schalen« und brauchten den Vergleich mit Tennyson nicht -zu scheuen.</p> - -<p><b>Jeannot Emil Freiherr von Grotthuß</b>, geb. am -5. April 1865 in Riga, Chefredakteur des »Türmer«, -zeigt sich in seinen auch formell einwandfreien Gedichten -»Gottsuchers Wanderlieder«, sowie in der Erzählung: »Der -Segen der Sünde« als ein überzeugungstreuer Christ.</p> - -<p><b>Ricarda Huch</b> (<em class="antiqua">recte</em> Frau Ricarda Ceconi), geb. -am 16. Juli 1864 zu Porte Alegre, bekundete in ihren -im Denken und Fühlen modernen »Gedichten«, sowie in -dem Roman »Erinnerungen von Ludolf Urslen dem -Jüngeren« ein starkes poetisches Talent.</p> - -<p><b>Alfred Beetschen</b>, geb. am 8. Okt. 1864 in Aarau, -ist ein feinsinniger, liebenswürdiger Dichter, dem auch -Witz und Satire nicht fremd sind. Seine »Gedichte«, die -er 1898 herausgab, spiegeln fast durchweg Selbsterlebtes -und -empfundenes wider. Ein hübsches wenn auch nicht -gerade bedeutendes novellistisches Talent spricht aus den -»Flegeljahren der Liebe«.</p> - -<p><b>Hans Bethge</b>, geb. am 9. Januar 1876 in Dessau, -der Jüngsten einer in der Litteratur, debütierte mit dem<span class="pagenum"><a id="Seite_94"></a>[94]</span> -Skizzenbuche »Syrinx«, dem er Gedichte: »Die stillen -Inseln« folgen ließ, in denen sich eine frische, fröhliche -Jugend ausspricht, die aber dank des Storm'schen Vorbildes -künstlerisch nicht auf Abwege gerät. Er ist ein -Moderner und doch »unmodern«, weil er noch Ideale hat.</p> - -<p><b>Anna Ritter</b>, geb. am 23. Febr. 1865 in Coburg, -gab 1898 »Gedichte« heraus, die die leidenschaftliche -hingebende Liebe des Weibes in formvollendeten Versen -zum Ausdruck bringen.</p> - -<p><b>Johanna Ambrosius</b> (<em class="antiqua">recte</em> Johanna Voigt), geb. -am 3. August 1854 in Lengwethen, führte sich als -»arme Bäuerin« in die Litteratur ein und verdankte -dieser Darstellung einen großen buchhändlerischen Erfolg -ihrer »Gedichte«.</p> - -<p><b>Ludwig Palmer</b> brauchte kaum als »Arbeiter« -gleichsam entschuldigend in die Litteratur eingeführt zu -werden. Ein großer Teil seiner »Lieder eines Arbeiters« -sind, bei tiefem Gefühlsgehalt, in der Form tadellos.</p> - -<p><b>Gustav Renner</b>, geb. am 17. Oktober 1866 in -Freiburg in Schl., war ursprünglich Buchbinder und ging -dann zur Kunstmalerei über. Seine »Gedichte« erregten -Aufsehen und wurden von der Kritik ebenso günstig aufgenommen, -wie die »Neuen Gedichte«, die eher eine -Steigerung als eine Abnahme seines dichterischen Könnens -verraten.</p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> -<h2 class="nobreak" id="Philosophische_und_polemische_Dichter">Philosophische und polemische Dichter.</h2> -</div> - -<p><b>Ferdinand Avenarius</b>, geb. am 20. Dez. 1856 in -Berlin, zeigt sich in seinen Gedichtsammlungen als -objektiver Lyriker, der oft statt Empfindungen Grundsätze -zum Ausdruck bringt. (»Wandern und Werden«, »Lebe«<span class="pagenum"><a id="Seite_95"></a>[95]</span> -und das lyrische Epos: »Die Kinder von Wohldorf«.) -Als Herausgeber des »Kunstwart« hat er auf unser -litterarisches und künstlerisches Leben vielfach Einfluß -gewonnen.</p> - -<p><b>Otto Ernst</b> (Pseudon. für Otto Ernst Schmidt), geb. -am 7. Okt. 1862 in Ottensen bei Hamburg, von Beruf -Lehrer, ist eine kampfesfrohe, polemische Natur, die sich -gern gegen das Althergebrachte wendet und auch in der -Litteratur oft den Herrn Lehrer spielt. (Gesammelte Essays -aus Litteratur, Pädagogik und öffentlichem Leben unter dem -Titel: »Offenes Visier«, »Buch der Hoffnung«.) Seine -besten Werke sind die Novellensammlung »Aus verborgenen -Tiefen«, die »Karthäusergeschichten« und die -humoristischen Skizzen: »Ein frohes Farbenspiel«. Das -Ende 1899 erschienene Schauspiel: »Die Jugend von -heute« ist trotz stellenweise treffender Satire ein verfehlter -Versuch zu einer »deutschen Komödie«.</p> - -<p><b>Wilhelm Weigand</b>, geb. am 13. März 1862 in -Gissigheim, gab sich als geistvoller Essayist in seinen -litteraturgeschichtlichen Schriften. Außer dem Roman: -»Die Frankenthaler« und einer Reihe dramatischer -Schriften »Die Renaissance« (Dramencyklus) u. a. gab -er »Dramatische Gedichte«, »Sommer« (Neue Gedichte) -u. a. heraus.</p> - -<p><b>Carl Spitteler</b> (Pseudon. Felix Tandem), geb. am -24. April 1845 in Luzern, der bedeutendste lebende -Dichter der Schweiz, debütierte mit der Dichtung -»Prometheus und Epimetheus«, der er die Gedichtsammlung -»Schmetterlinge« und »Balladen« folgen ließ. -Als geistreicher Causeur zeigt er sich in den »Lachenden -Wahrheiten«.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_96"></a>[96]</span></p> - -<p><b>Josef Viktor Widmann</b>, geb. am 20. Febr. 1842 -in Nennowitz i. M., bekannt als litterarischer Kritiker -des »Berner Bund«, begann seine Laufbahn mit Dramen -und Epen, die stark philosophisch angehaucht sind. Von -seinen letzten Werken wurde das Epos »Maikäfer-Komödie«, -das sich durch liebenswürdigen Humor auszeichnet und -viele satirische Spitzen und Anspielungen enthält, beifällig -aufgenommen.</p> - -<p><b>Christian Wagner</b>, geb. am 5. August 1835 in -Warmbrunn, lebt als Bauer in seinem Geburtsorte. Er -ist ein tüchtiger Botaniker und weiß in seinen prosaisch-poetischen -Naturbetrachtungen die charakteristischen Eigentümlichkeiten -der Blumen zu kleinen Märchen auszugestalten. -(»Märchenerzähler, Bramine und Seher« [in 2. Aufl. -unter dem Titel: »Sonntagsgänge«], »Balladen und -Blumenlieder«, »Weihegeschenke«, »Neue Dichtungen«.) -Seine buddhistisch-brahmanistische Weltanschauung legte -er in seinem letzten Werke »Mein Glaube« nieder.</p> - -<p><b>Wilhelm Bölsche</b>, geb. am 2. Jan. 1861 in Köln, -hat sich durch seine auf naturwissenschaftlicher Grundlage -aufgebauten Schriften über die moderne Dichtung und -Wissenschaft einen Namen gemacht. Als sein reifstes -und bestes Werk gilt der Roman: »Die Mittagsgöttin«.</p> - -<p><b>Walther Siegfried</b>, geb. am 20. März 1858 in Zofingen -(Schweiz), errang mit seinem Künstlerroman »Tino Moralt«, -der sich durch feine Seelenmalerei auszeichnet, einen vollen -Erfolg. Auf nicht ganz gleicher Stufe stehen seine späteren -Werke: »Fermont« und »Um der Heimat willen«.</p> - -<p><b>Benno Rüttenauer</b>, geb. am 2. Febr. 1855 in -Oberwittstadt, machte sich durch gediegene litterarische -Essays bekannt. Die alte gute Kunstüberlieferung suchte<span class="pagenum"><a id="Seite_97"></a>[97]</span> -er, im Gegensatz zur modernen Schule, in seinen Romanen -und Novellen (»Unmoderne Geschichten«, »Zwei Rassen«) -wieder zur Geltung zu bringen.</p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> -<h2 class="nobreak" id="Die_Amazonen_des_Geistes">Die Amazonen des Geistes.</h2> -</div> - -<p><b>Marie Eugenie delle Grazie</b>, geb. am 14. Aug. -1864 in Unter-Weißkirchen, veröffentlichte Gedichte und -Epen, von denen das moderne großangelegte Epos -»Robespierre« das bekannteste ist.</p> - -<p><b>Helene Böhlau</b> (Mädchenname der Frau al Raschid -Bey), geb. am 22. Nov. 1859 in Weimar als Tochter des -dortigen Hofbuchhändlers Herm. B., gelangte früh durch -diese ›Verbindung‹ in die »Deutsche Rundschau« und zur -Anerkennung. Als ihre besten Werke sind die »Ratsmädel-Geschichten« -und »Der Rangierbahnhof« anzusehen. Ihr -neuester Roman »Halbtier«, der viel Staub aufwirbelte, -gehört der hysterischen weiblichen Anklagelitteratur an.</p> - -<p><b>Anna Croissant-Rust</b>, geb. am 10. Dez. 1860 in -Dürkheim a/H., ist die Naturalistin <em class="antiqua">par excellence</em> in der -deutschen Litteratur. (»Feierabend und andere Münchner -Geschichten«, »Lebensstücke«, »Der standhafte Zinnsoldat«, -»Der Kakadu und die Prinzessin auf der Erbse«.)</p> - -<p><b>Maria Janitschek</b>, geb. am 23. Juli 1860 in -Mödling, ist ein starkes, dichterisches Talent, das eine -besondere Vorliebe für absonderliche und krankhafte <em class="antiqua">fin-de-siècle</em>-Menschen -bekundet. Mit Laura Marholm -steht sie an der Spitze der weiblichen Emanzipationsgegner -und giebt ihren Gedanken über das moderne -Weib rückhaltlosen Eindruck. (»Gesammelte Gedichte«, -»Raoul und Irene«, »Aus der Schmiede des Lebens«, -»Vom Weibe«, »Ins Leben verirrt«.)</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_98"></a>[98]</span></p> - -<p><b>Emil Marriot</b> (Pseudon. für Emilie Mataja), geb. -am 20. Nov. 1855 in Wien, gehört der realistischen -Schule an. In ihren stark katholisch gefärbten Werken -»Geistlicher Tod«, »Die Unzufriedenen«, »Caritas«, »Der -Heiratsmarkt« u. a. kämpft sie mit Vorliebe für die Frauenemancipation.</p> - -<p><b>Hermione von Preuschen</b>, geb. am 7. August 1857 -in Darmstadt, die Gattin Konrad Telmanns, versuchte -sich als Dichterin und Malerin, ohne jedoch trotz aller -Sensationsbestrebungen und Effekthascherei zu reüssieren -(»Regina Vitae«, »Tollkraut«, »Via Passionis« u. a.).</p> - -<p><b>Lou Andreas-Salomé</b>, ist eine der gehaltvollsten -und tiefsinnigsten Erzählerinnen, auf deren künstlerischen -Werdegang die Nietzsche'sche Philosophie großen Einfluß -gewann. Ihre Stärke liegt vor allem in der Zergliederung -des Menschencharakters, der Analyse der geheimsten -Seelenregungen. (»Ruth«, »Aus fremder Seele«, -»Fenitschka«.)</p> - -<p><b>Gabriele Reuter</b>, geb. am 8. Februar 1859 in -Alexandrien, errang einen vollen Erfolg mit ihrem viel -von dem eigenen Denken und Fühlen verratenden Roman: -»Aus guter Familie«, der die Leidensgeschichte eines -jungen Mädchens enthält, das an der Erziehungslüge zu -Grunde geht. 1896 folgte ein Novellenband: »Der -Lebenskünstler«. Anfang 1900 ein neuer Roman: »Frau -Bürgelin und ihre Söhne«.</p> - -<p><b>Anselm Heine</b> (Pseudon. für Selma Heine), geb. am -18. Juni 1855 in Bonn, gewann mit ihren Novellensammlungen: -»Drei Novellen« und »Unterwegs« die Gunst -des Publikums und der Kritik.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_99"></a>[99]</span></p> - -<p><b>Hans von Kahlenberg</b> (Pseudon. für Helene von -Monbart), geb. am 23. Febr. 1870 in Heiligenstadt, -zeichnete sich in ihren Werken »Ein Narr«, »Die -Jungen«, »Die Familie von Barchewitz« und dem Briefwechsel -»Nixchen« durch eine Erotik aus, die die Wahl -eines Pseudonyms zur unbedingten Notwendigkeit machte.</p> - -<p><b>Elsa Asenijeff</b> (Pseudon. für Elsa Nestoroff), eine -aus slavischer Abstammung geborene Wienerin, greift in -ihren mit philosophischen Anschauungen durchtränkten -Schriften, die an Offenheit nichts zu wünschen übrig -lassen, vorzugsweise das »Ewig-Männliche« an. (»Ist -das die Liebe?«, »Aufruhr der Weiber«, »Sehnsucht.«)</p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> -<h2 class="nobreak" id="Artisten">»Artisten«, -Symbolisten und Unverstandene.</h2> -</div> - -<p><b>Johannes Schlaf</b>, geb. am 21. Juni 1862 in -Querfurt, ging vom Naturalismus aus (»Papa Hamlet«, -»Familie Selicke« [in Gemeinschaft mit Arno Holz], -»Meister Olze«) und wandte sich dann dem Symbolismus -zu (»Frühling«, »Sommertod«, »Gertrud«). Von seiner -Romantrilogie, die den Entwicklungsprozeß eines »Neumenschen« -hamletschen Gepräges zeigen soll, ist bisher nur -der 1. Band unter dem Titel: »Das dritte Reich«, ein -Berliner Roman, erschienen. Sch.'s Produktion nach -seiner Emancipation von Arno Holz zeigt, daß er -dichterisch der bedeutendere der beiden war, wenn ihm -auch das Kraftvoll-Männliche abgeht und ein weicher, -verträumter Zug über seinen Werken liegt.</p> - -<p><b>Otto Julius Bierbaum</b>, geb. am 28. Juni 1865 -in Grünberg, redigierte eine Zeitlang die »Freie Bühne«, -die er in die »Neue Deutsche Rundschau« umtaufte, gab<span class="pagenum"><a id="Seite_100"></a>[100]</span> -den »Modernen Musenalmanach« heraus, gründete mit -dem Halbpariser Julius Meier-Gräfe den »Pan« und -ist gegenwärtig Mitherausgeber der »Insel«. B. warf -sich zum Herold der Symbolisten auf, mit denen er eine -Versicherungsgesellschaft auf gegenseitige Hochachtung -und Anerkennung gründete, schrieb »Erlebte Gedichte«, -»Studentenbeichten«, »Nemt Frouwe disen Kranz«, -»Pankrazius Graunzer«, »Stilpe«, »Das schöne Mädchen -von Pao« u. a., und giebt mit Vorliebe seinen Bierulk -für Humor aus. Der Originalität wegen sieht er sich -gern im Mittelalter, wenn nötig auch im Auslande, nach -Gewändern um, seine Figuren damit zu behängen und -ihnen auf diese Weise ein »charakteristisches Gepräge« zu -geben, das ihnen sonst abgehen würde.</p> - -<p><b>Franz Evers</b>, geb. am 10. Juli 1871 in Winsen, -erweckte mit seinen ersten Gedichtsammlungen »Symphonie« -und »Fundamente« Hoffnungen, verlor sich jedoch später -ganz in die Irrgänge der Mystik (»Hohe Lieder«, -»Maria«, »Paradiese«), aus denen er bisher noch keinen -Ausweg gefunden hat.</p> - -<p><b>Stanislaw Przybyszewski</b>, geb. am 7. Mai 1868 -in Lojewo (Prov. Posen) sucht in seinen Schriften den -Beweis von der Verwandtschaft des Genies mit dem -Irrsinn zu erbringen, oder ist wenigstens bestrebt, beide -so mit einander zu verquicken, daß es dem Leser schwer -fällt, in dem einen das andere und in dem anderen das -eine herauszufinden. Seine dämonisch-verrückt-genialen -Dichtungen peinigen den Leser geradezu mit der Darstellung -all' der wirklichen und eingebildeten Schmerzen -einer zerfaserten <em class="antiqua">fin-de-siècle</em>-Seele. Für Gleichgesinnte, -die erfahren wollen, wie schwer sich der<span class="pagenum"><a id="Seite_101"></a>[101]</span> -moderne Mensch das Leben machen kann und wie sehr -er leidet, wie nicht minder für Irrenärzte, sind die -P.'schen Werke (»<em class="antiqua">Homo sapiens</em>«, »<em class="antiqua">De profundis</em>«, -»Satans Kinder«, »In diesem Erdenthal der Thränen«) -eine pathologische Goldgrube.</p> - -<p><b>Richard Dehmel</b>, geb. den 18. November 1863 zu -Wendisch-Hermsdorf, ist einer der vielumstrittensten und -einflußreichsten Litteraten der Gegenwart, der, selbst ein -Grübler, es verstanden hat, unklare Köpfe durch seine lyrischen -Stammeleien noch unklarer zu machen. Neben den -barocksten und verworrensten Gedichten gelingt ihm hin -und wieder ein sehr gutes. Wir besitzen von ihm die -Gedichtsammlungen »Erlösungen«, »Aber die Liebe«, -»Lebensblätter«, »Weib und Welt«, ein Drama: »Der -Mitmensch« und das Tanzspiel: »Luzifer.«</p> - -<p><b>Frank Wedekind</b>, geb. am 24. Juli 1864 in Hannover, -hat sich mit Vorliebe auf dem Gebiete des Dramas -oder richtiger des Schwankes bewegt. Er ist der Litteratur-Clown -<em class="antiqua">par excellence</em>, dessen tolle Sprünge und -Capriolen leider nicht für den Mangel an jeder Handlung -in seinen »Dramen«, die Groteskes und Tragisches in -kunterbunter Mischung enthalten, entschädigen können. -(»Die junge Welt«, »Der Erdgeist«, »Der Liebestrank« -u. a.). Um seine litterarische Art und Stellung noch -präziser zu kennzeichnen, sei daran erinnert, daß er einer -der Hauptmitarbeiter des »Simplizissimus« war.</p> - -<p><b>Wilhelm von Scholz</b>, geb. am 15. Juli 1874 in -Berlin, ist Verfasser von Gedichten (»Frühlingsfahrt«, -»Hohenklingen«), die eine Neigung zu altdeutsch-romantischer -Mystik bekunden, wie auch zweier Dramen -oder richtiger lyrischer Gedichte in dramatischer Form (»Der<span class="pagenum"><a id="Seite_102"></a>[102]</span> -Gast«, »Der Besiegte«), denen dieselben Merkmale anhaften.</p> - -<p><b>Felix Dörmann</b> (Pseudon. für Felix Biedermann), -geb. am 29. Mai 1870 in Wien, liebte frühzeitig »die -hektischen schlanken Narzissen, alles was krank und faul -und wund«. Dieser Geschmacksrichtung entsprechen seine -Gedichtsammlungen »Neurotica«, »Sensationen« und die -Sittenkomödie »Ledige Leute«, in denen er sich als krampfhafter -Dekadent erweist.</p> - -<p><b>Hugo von Hofmannsthal</b>, geb. am 1. Febr. 1874 -in Wien, schrieb formschöne, feincisilierte, wenn auch dem -Leben abgewandte Dichtungen. Seine Begabung ist -hauptsächlich formalistischer und stilistischer Natur und -seine Dramen (»Der Thor und der Tod«, »Der Abenteurer«, -»Die Hochzeit der Sobeïde«), deren Stoffe zumeist -der Märchenwelt entnommen sind, erinnern in vielem -an D'Annunzio's letzte Werke. Als eine Bereicherung -unserer Bühne sind sie nicht anzusehen.</p> - -<p><b>Hugo Salus</b>, geb. am 3. Aug. 1866 in Böhm.-Leipa, -machte sich zuerst durch Gedichte im »Simplizissimus« -und der »Jugend« bekannt, in denen schwere -Gedanken mit übermütiger Schelmerei, <em class="antiqua">fin-de-siècle</em>-tum -mit altdeutscher Romantik in buntem Reigen vorüberziehen. -(»Gedichte«, »Neue Gedichte«, »Ehefrühling«.)</p> - -<p><b>Peter Altenberg</b>, geb. am 9. März 1862 in Wien, -machte mit einer Sammlung von Stimmungsbildern: »Wie -ich es sehe« in Litteratenkreisen Aufsehen. Sie ist ebenso -wie »Aschantee« ganz im impressionistischen Stile geschrieben, -der sehr bequemerweise nur Andeutungen giebt -und es dem Leser überläßt, sie weiter auszuführen.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_103"></a>[103]</span></p> - -<p><b>Stephan George</b>, geb. 1868 in Bingen a. Rhein, -schrieb »Hymnen, Pilgerfahrten, Algabal«, »Die Bücher -der Hirten und Preisgedichte, der Sagen und Sänge -und der hängenden Gärten«, denen sich 1898 »Das Jahr -der Seele«, 1899 »Der Teppich des Lebens und die -Lieder von Traum und Tod« anschlossen. Seine Dichtungen -– ihrem »Wert« entsprechend meist auf das -feinste Büttenpapier gedruckt – sind oft nicht weniger -verworren als die Titel, unter denen er sie herausgab.</p> - -<p><b>Alfred Mombert</b> kann denjenigen jüngstdeutschen -Lyrikern zugezählt werden, deren überreizte, krankhafte -Phantasie sich jeden Stoffes, jeder Empfindung bemächtigt, -um ihnen dichterischen Ausdruck zu geben. Sein Gedichtband: -»Die Schöpfung« läßt nicht klar erkennen, ob es -sich um einen langatmigen Scherz oder um Phantasien -eines geistig Gestörten handelt.</p> - -<p><b>Paul Scheerbart</b>, geb. am 8. Jan. 1863 in Danzig, -früher »Bureauchef im Verlag deutscher Phantasten«, ist -einer der seltsamsten Käuze in der neuzeitlichen Litteratur, -der neben phantastischen Einfällen eine gute Dosis Blödsinn -in seinen Schriften ablagert (»Tarub, Bagdads berühmte -Köchin«, »Der Tod der Barmekiden« u. a.).</p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> -<h2 class="nobreak" id="Nationale_Jungoesterreicher">Nationale Jungösterreicher.</h2> -</div> - -<p><b>Arthur von Wallpach</b>, geb. am 6. März 1866 in Vintl -(Tirol), Schriftleiter des »Scherer«, veröffentlichte »Im -Sommersturm« und »Sonnenlieder«, ernste formvollendete -Dichtungen, die von nationalem Bewußtsein beseelt sind.</p> - -<p><b>Franz Herold</b>, geb. am 15. Febr. 1854 in Böhmisch-Leipa, -gab heraus »Wachsen und Werden«, »Spuren«,<span class="pagenum"><a id="Seite_104"></a>[104]</span> -»Fremde und Vaterland«, meistens Gedankendichtungen, -denen er eine ansprechende Form zu geben versteht.</p> - -<p><b>Hermann Hango</b>, geb. am 16. Mai 1861 in Wien, -verfaßte: »Zum Licht«, »Neue Gedichte«, »Faust und -Prometheus«, »Nausikaa« (Trauerspiel), die sich durch -schöne Form und Gedanken auszeichnen.</p> - -<p><b>Josef Kitir</b>, geb. am 11. Febr. 1867 in Aspang in -Niederösterreich, Herausgeber der »Poetischen Flugblätter«, -hat die Gabe, Ereignisse des alltäglichen Lebens mit großer -dichterischer Stimmung zu schildern. K. veröffentlichte -»Leben und Stimmung«, »Lyrische Radierungen«.</p> - -<p><b>Oskar Weilhart</b> (Pseudon. für Oskar Gerzer), geb. -am 26. September 1868 in Mattighafen, schrieb mit -seinem Bruder Josef Hafner eine Reihe von Dramen: -(»Keine Sühne«, »Der Frauenkongreß«, »Brotlose Kunst«), -die trotz mancher dramatischer Unbeholfenheiten das Ringen -ehrlichen Könnens mit großen Stoffen beweisen.</p> - -<p><b>Franz Adamus</b>, geb. am 15. Okt. 1867 in Auschwitz, -wurde durch sein in den schlesischen Bergwerksdistrikten -spielendes Drama: »Familie Wawroch« bekannt, -in welchem er mit gutem Gelingen den gesunden Realismus -aus den Anfängen der modernen Litteraturentwickelung -wieder auf die Bühne bringt.</p> - -<p><b>Emil Ertl</b>, geb. am 11. März 1860 in Wien, hat -sich durch seine Novellen »Opfer der Zeit«, »Miß Grant«, -»Die Perlenschnur« u. a. als feinsinniger Erzähler einen -guten Namen errungen.</p> - -<p><b>Heinrich von Schullern</b>, geb. am 17. April 1865 -in Innsbruck, wurde durch seine Skizzen (»Helldunkel«) -bekannt, in denen man Stil, Grazie und Esprit, oft auch -nicht immer gut verteilte satirische Spitzen findet. In<span class="pagenum"><a id="Seite_105"></a>[105]</span> -seinem stellenweise stark polemisierenden Roman »Im -Vormärz der Liebe« schildert er die Geschichte einer zur -Lebenserkenntnis gelangenden Jugend.</p> - -<p><b>Hanns Weber-Lutkow</b> (Pseudon. für <em class="antiqua">Dr.</em> Hanns -Pokorny), geb. am 27. September 1861 in Lemberg, -veröffentlichte zahlreiche Skizzen und kritische Arbeiten und -entrollte in seinen »Schlummernden Seelen« ergreifende -Bilder aus dem Fühlen und Leben des niederen Volkes -in Kleinrußland.</p> - -<p><b>Hugo Greinz</b>, geb. am 3. Juni 1873 in Innsbruck, -Herausgeber des »Kyffhäuser«, gilt als kritischer Vorkämpfer -für die Idee einer von der Großstadt unabhängigen -österreichischen Provinzlitteratur. Seine Novellen -»Küsse« stehen unter Jacobsen'schem Einflusse. Mit Heinrich -von Schullern gab er 1898 den modernen Musenalmanach -»Jung-Tirol« heraus.</p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_106"></a>[106]</span></p> - -<h2 class="nobreak" id="Zur_Charakteristik_litterarischer_und">Zur Charakteristik litterarischer und -verwandter Blätter.</h2> -</div> - -<p>An der Spitze unserer Revuen und litterarischen -Zeitschriften marschiert noch immer die von Julius Rodenberg -gegründete und geleitete »Deutsche Rundschau«, der -in Inhalt und Ausstattung die »<em class="antiqua">Revue des deux -Mondes</em>« als Vorbild gedient hat. Erreichte sie auch -nicht die Verbreitung und den Einfluß ihrer französischen -Schwester, so hat sie doch alle Eigenschaften, die sie als -ein vornehmes Organ im besten Sinne charakterisieren, -das die Lobsprüche, welche ihm anläßlich des 25jährigen -Bestehens, im November 1899, gewidmet wurden, durchaus -verdient. In gewissem Abstande folgen »Nord und -Süd«, herausgegeben von Paul Lindau, und die »Deutsche -Revue«, von denen sich die letztere in neuester Zeit besonders -durch ihre zahlreichen und umfangreichen Bismarckpublikationen -hervorgethan hat.</p> - -<p>Mehr dem Gebiet und dem Geiste der »Gartenlaube«, -des »Daheims« u. s. w. nähern sich »Westermann's -Monatshefte«, eine sehr konservativ gehaltene -Zeitschrift, und »Velhagen und Klasings Monatshefte«, -die dem litterarischen Schaffen unserer Tage, besonders -dem der Tagesgrößen, aufmerksame Beachtung schenken -und das Publikum gern einen Blick in die litterarischen<span class="pagenum"><a id="Seite_107"></a>[107]</span> -Werkstätten thun lassen. Nicht für das große Publikum -berechnet ist die »Neue Deutsche Rundschau«, die -aus der »Freien Bühne« hervorging, eine der -»freiesten« Monatsschriften, in der sich oft die wagehalsigsten -Geschichtchen im Stile der Allermodernsten -finden. Sie hat den Erfolg Hauptmanns und seine -litterarische Stellung mit begründen helfen und uns mit -einer Reihe Ausländer, namentlich nordischer Schriftsteller, -bekannt gemacht, die ohne dieses Organ schwerlich in -Deutschland zu Gehör gekommen wäre. Die »Neue -Deutsche Rundschau« hat in den 90er Jahren im Litteraturleben -fast dieselbe Stellung eingenommen, wie im vorausgegangenen -Jahrzehnt »Die Gesellschaft«. Als die Sturm- -und Drangperiode der 80er Jahre inauguriert wurde, -scharten sich die neuen Streiter, alles was in Litteratur -machte und revoltierte, aber keinen Verleger finden konnte, -um das Banner der »Gesellschaft«, an deren Spitze -M. G. Conrad und Karl Bleibtreu standen. Wie die -Mitarbeiter der »Neuen Deutschen Rundschau« in S. -Fischer, Berlin, so fanden die Jüngsten der »Gesellschaft« -in Wilhelm Friedrich, Leipzig, ihren Verleger. -Als die Bewegung, deren Bedeutung man nicht unterschätzen -darf, wenngleich ihre Haupthelden viel gethan -haben, sich um allen Kredit zu bringen, in ein ruhigeres -Fahrwasser glitt, als man das Geschrei von der Wolle -sonderte, da sank auch die »Gesellschaft« von Stufe zu -Stufe, trieb sich, ohne festen Fuß fassen zu können, bei -allen Verlegern umher und ist jetzt endlich im Verlage von -E. Pierson, Dresden, vor Anker gegangen. Sie büßt -nun ihre litterarische Vergangenheit, und es wird der -energischen, zielbewußten Leitung des jetzigen Redakteurs,<span class="pagenum"><a id="Seite_108"></a>[108]</span> -Dr. Ludwig Jacobowskis, bedürfen, sie in litterarischen -Kreisen wieder »gesellschafts«fähig zu machen.</p> - -<p>Mehr auf politischem als litterarischem Gebiete liegt -die Bedeutung der »Grenzboten« und der »Preußischen -Jahrbücher«. Ihre Glanzperioden gehören der Vergangenheit -an, und namentlich die erstere, die früher auch -in Österreich eine Rolle spielte, ist jetzt nur der Schatten -von ehedem, als noch Gustav Freytag auf dem Redaktionssessel -saß. Als gut geleitete, angesehene Zeitschriften sind -noch die Zolling'sche »Gegenwart« und die »Nation«, -das Organ des freisinnigen Abgeordneten Dr. Barth, -zu nennen. Den gleichen Rang, nur mit stärkerer Betonung -des politischen Teiles, nehmen in Österreich »Die -Zeit« und die von Dr. Rudolf Lothar geleitete »Wage« -ein. Zu ihnen hat sich seit April 1899 »Der Kyffhäuser«, -eine von Hugo Greinz geleitete Monatsschrift, gesellt, -die ihre Hilfe und Unterstützung den bedrohten nationalgesinnten -Deutschen leiht. Von geringer Bedeutung und -wohl nur in Litteratenkreisen begehrt, ist die »Wiener -Rundschau«, eine von Constantin Christomanos und -Felix Rappaport geleitete Halbmonatsschrift, die einen -starken Zug nach Mystik und Symbolismus <em class="antiqua">à la</em> Strindberg -und Maeterlinck bekundet.</p> - -<p>Eine Ausnahmestellung nimmt der »Simplizissimus« -ein, der ebenso wie die Münchener »Jugend« nur -bedingungsweise in diese Übersicht gehört. Die -»Jugend« hat sich nicht so ungebärdig gezeigt, wie -das Langensche Blatt, obwohl sie schon durch ihren -Titel ein größeres Recht auf Ungebundenheit herleiten -könnte. Manch hübsche Zeichnung und manch guter -Beitrag ist in ihren Spalten erschienen, und der frische,<span class="pagenum"><a id="Seite_109"></a>[109]</span> -fröhliche Zug, der durch das Ganze geht, haben ihr, -trotz manches Minderguten, das man schon der »Jugend« -zu gute halten mußte, viele Freunde und Anhänger -geschaffen. Anders der »Simplizissimus«, der seiner -Zeit mit dem Anspruche auftrat, ein deutsches Familienblatt -zu sein, in seinen Spalten die politischen und -socialen Verhältnisse in humoristischer und satirischer -Form widerzuspiegeln und lachend die Wahrheit zu -sagen. Selten ist zwischen einem Programm und seiner -Ausführung ein so großes Mißverhältnis eingetreten, wie -dies beim »Simplizissimus« der Fall ist, selten ist das -Wort Humor so falsch verstanden und interpretiert -worden, wie bei dieser Zeitschrift. Die Mitarbeiter, die -sich um die Fahne des neuen Blattes sammelten, sind -fast sämtlich bei den Franzosen in die Schule gegangen -und haben dort alles, was deutsch an ihnen war, weit -hinter sich gelassen. »Die deutsche Sprak ist eine zu -arme Sprak, eine plumpe Sprak« und das deutsche -Wesen ein zu schwerfälliges, zu gründliches, als daß -man es für ein Blatt hätte brauchen können, das in -erster Linie auf starke Effekte berechnet war. Eine -»Gartenlaube« oder ein »Daheim« hätte die Zeitschrift -nicht zu werden brauchen, aber noch weniger das, was -sie geworden ist: ein in deutscher Sprache geschriebenes -französisches Skandal-Boulevardblatt. Was dem Blatte -vor allem fehlt, ist der sittliche Ernst, den man auch -aus Witz und Humor herausfühlen muß und der uns -sagt, daß die Absicht des Zeichners wie des Dichters, -trotz der stark aufgetragenen Farben, eine gute war, daß -sie nicht <em class="gesperrt">nur</em> auf Skandal und Effekthascherei ausgegangen -ist. Daß dieses Gefühl in uns nicht aufkommt, dafür<span class="pagenum"><a id="Seite_110"></a>[110]</span> -sorgen die fast in jeder Nummer enthaltenen echt französischen -Cochonnerien, die, man mag mit noch so viel -gutem Willen versuchen, in sie etwas hineinzulegen, nichts -anderes bleiben als »Caviar« für Lebemänner im Sinne -des Herrn Grimm in Budapest<a id="FNAnker_6" href="#Fussnote_6" class="fnanchor">[6]</a>. – Vom »Simplizissimus« -zur »Zukunft« ist trotz der großen Verschiedenheit -der inneren und äußeren Gestaltung beider -Blätter kein allzuweiter Schritt: sie begegnen sich in der -destruktiven Tendenz, die gegen alles Bestehende gerichtet -ist und ihre Freude nur am Negieren und Verreißen -hat. Wo der »Simplizissimus« grob und derb zugreift, -da finden wir die »Zukunft« und ihren Herausgeber in -stiller Minierarbeit thätig. Harden ist zweifellos ein -begabter und tüchtiger Journalist mit einem Stich ins -Exotische und einer feinen Witterung für das Aktuelle. -Er geht selten gerade aufs Ziel los, aber er versteht es, -in Gleichnissen, Bildern und Allegorien sein Ziel sicher -zu treffen. Dabei besitzt er eine erstaunliche Bekanntschaft -mit Büchern, die außer ihm kein Mensch kennt, -oder vielleicht richtiger, die Gabe, seine gesamten Kenntnisse -in jedem einzelnen Artikel in kursfähige, kleine -Münze umzusetzen. Er ist ein Mann nach dem Herzen -des Staatsanwalts, der schon wiederholt verlangend -die Arme nach ihm ausgestreckt hat, ein Mann, dem -der Erfolg und der Effekt über alles gehen, der -sich in Gegensatz zur herrschenden Partei schon aus -Freude an der Opposition überhaupt stellen würde.<span class="pagenum"><a id="Seite_111"></a>[111]</span> -Maximilian Harden ist aber noch mehr. Er ist vor -allem der Geschäftsmann <em class="antiqua">par excellence</em>, der sein Publikum -kennt und weiß, was er ihm vorzusetzen hat. Er -vertritt das monarchische Prinzip, aber er mag den -Kaiser nicht, er ist für Verfassung, aber sie paßt ihm -nicht, er ist ein glühender Verehrer Bismarck's, aber er -wäre es kaum, wenn Bismarck noch amtiert hätte, als -seine Zeitschrift zu erscheinen begann. Auf diese Weise -sammelte er die Partei jener um sich, die, wenngleich -gute Monarchisten, mit den bestehenden Verhältnissen -unzufrieden sind, jene vor allem, die es als nicht in den -Kreis der Herrscherpflichten fallend erachten, wenn ein -Kaiser nicht nur ein guter Regent, sondern auch ein -guter Redner sein will. – Völlig bedeutungslos ist die -von <em class="antiqua">Dr.</em> Wrede herausgegebene »Kritik« geblieben, die -ursprünglich als Konkurrenz der »Zukunft« gegründet -wurde. Trotz aller polemischen Versuche Wredes, die -oft komisch genug ausfielen, hat sich die »Kritik« nie -mit dieser ganz aus Persönlichem heraus geschaffenen -Zeitschrift auch nur entfernt messen können. Harden ist -auch als Journalist Schriftsteller und ein geistreicher -Kopf, während sich Wrede von den Brosamen nährt, -die von des Reichen Tische fallen.</p> - -<div class="footnotes"> -<div class="footnote"> -<p><a id="Fussnote_6" href="#FNAnker_6" class="label">[6]</a> In den gegen Ende 1899 gegründeten Zeitschriften -»Münchhausen« (inzwischen wieder eingegangen) und »Satyr«, von -denen die letztere auch schon wiederholt konfisziert wurde, hat der -»Simplizissimus« bereits würdige Nachfolger gefunden.</p> -</div> -</div> - -<p>Zu unseren bestgeleiteten Zeitschriften gehört der -von Jeannot Emil Freiherrn von Grotthuß herausgegebene -»Türmer«, der den Untertitel: Monatsschrift für Gemüt -und Geist führt. »Der Türmer« will die Sehenden zu -Schauenden machen, »umsaust von Schlagworten, von -Parteien und Schulen umhergezerrt, will er den stillen -Winkel bieten, wo ein jeder nach dem harten Tagewerk -in Feierabendstimmung die Flut der Erscheinungen des<span class="pagenum"><a id="Seite_112"></a>[112]</span> -socialen und künstlerischen Lebens erörtern und verarbeiten -kann«. Diesem Programm hat der »Türmer« mit Erfolg -gerecht zu werden versucht. Er ist kein Organ für Freidenker, -wie sich das bei dem Herausgeber und dem -lyrisch-religiös angehauchten Verlage von Greiner & Pfeiffer, -Stuttgart, von selbst versteht, und es ist nur zu wünschen, -daß er nicht im Laufe der Zeit in eine kirchlich-reaktionäre -Strömung gerät, die ihn aus dem jetzigen Interessentenkreis -hinaus in die enge Stube des Pfarrhauses trägt. -– Einen vornehmen Anstrich hat sich auch die von Karl -Emil Franzos herausgegebene »Deutsche Dichtung« bewahrt, -ohne daß man ihr jedoch einen besonderen Einfluß -auf unser Geistesleben zugestehen könnte. – Zu erwähnen -wären hier noch zwei politisch-litterarische Zeitschriften, die -vor Jahresfrist gleichzeitig unter dem vielverheißenden Titel: -»Das neue Jahrhundert«, die eine in Köln, die andere -in Berlin, erschienen, sowie die von August Scherl herausgegebene -»Woche«, auf die die Tendenzen des »Berliner -Lokalanzeigers« – eine gesinnungstüchtige Parteilosigkeit -– litterarisch-künstlerisch gefärbt, übertragen wurden. -Die Auflage der »Woche« ist infolgedessen binnen kurzem -auf über 400 000 gestiegen.</p> - -<p>Sieht man von einigen kleineren Blättern ab, von denen -man nicht weiß, ob sie bei Ausgabe dieses Werkchens noch -existieren werden, so bleiben von jenen Zeitschriften, die man -in den Katalogen als »Revuen für Kunst, Wissenschaft und -öffentliches Leben« aufgeführt findet, die große Kunstzeitschrift -»Pan«, einsam in stolzer Höhe thronend, für das Kunstverständnis -und den Geldbeutel aller jener zu hoch, für -die sie ins Leben gerufen wurde, und die im Oktober 1899 -gegründete Zeitschrift »Die Insel« übrig. »Pan« hat<span class="pagenum"><a id="Seite_113"></a>[113]</span> -die Erwartungen, die sich an sein Erscheinen knüpften, -in keiner Weise erfüllt, er ist – ohne jede feste, zielbewußte -Redaktion – so unverständlich und geheimnisvoll -geblieben, wie sein Ahn, der große »Pan«, und -wohl nur der Opferwilligkeit einiger Bankiers und sonstiger -wohlsituierter Leute, die ihr künstlerisches Interesse durch -Hergabe einiger Goldfüchse zu bethätigen suchen, ist es -zu danken, daß er – wenn auch fast unter Ausschluß -der Öffentlichkeit – noch erscheint. – »Die Insel«, -herausgegeben von Otto Julius Bierbaum, A. W. Heymel -und R. A. Schröder, von der jetzt 4 Hefte vorliegen, -scheint sich nach Ausstattung, Inhalt und Preis – Jahresabonnement -36 Mk. – mehr an die Liebhaber und -Sammler, als an die wirklichen Litteratur- und Kunstfreunde -zu wenden. Die litterarischen Beiträge sind -ohne jede Bedeutung, einzelne direkt albern, der »Bilderschmuck« -primitiv wie der einer Kinderfibel und die Druckschrift -so <span id="corr113">verschnörkelt</span> und entartet, daß nur Leute, die -über viel Zeit verfügen, als Leser in Frage kommen können. -Alles in allem: schade um das schöne Papier.</p> - -<p>Zwei Zeitschriften nicht rein litterarischer Art, aber -für Kunstfreunde von besonderem Interesse sind die »Zeitschrift -für Bücherfreunde« und »Bühne und Welt«. Die -erstere hat sich die Aufgabe gestellt, alles in ihren Kreis -zu ziehen, was für Bibliophilen besonderes Interesse hat. -Ist auch diese Gemeinde in Deutschland gegenüber ihrer -Verbreitung in anderen Ländern, besonders in Frankreich -und England, noch eine bescheidene, so scheint es dieser -Zeitschrift doch gelungen zu sein, festen Fuß zu fassen. -Noch jüngeren Datums ist »Bühne der Welt«, die anfangs -tastend und schwankend ihren Weg suchend, nach kaum<span class="pagenum"><a id="Seite_114"></a>[114]</span> -Jahresfrist sich zu einer unserer vornehmsten Revuen aufgeschwungen -hat, in deren Spalten sich das Kunstleben -unserer Tage getreulich widerspiegelt. Sie kann sowohl -denen zur Lektüre empfohlen werden, die unsere Bühnenkünstler -»bei der Arbeit« und zu Hause sehen wollen, als -auch dem Kreis derer, die sich für die dramatische Produktion -der Gegenwart interessieren.</p> - -<p>Übergehend zu den rein litterarischen Zeitschriften -wären vorerst noch der »Kunstwart«, der den Untertitel -»Rundschau über Dichtung, Theater, Musik und bildende -Künste« führt, die »Deutsche Zeitschrift« (Fortsetzung des -»Kynast«), Monatschrift für Politik und Volkswirtschaft, -Kultur und Kunst, und die »Heimat« (Neue Folge des -»Boten für die deutsche Litteratur«) zu nennen. Der -»Kunstwart« hat vor Jahresfrist eine vollständige Umgestaltung -erfahren, die nicht nur eine Änderung des äußeren -Gewandes, sondern vor allem eine bedeutende Vermehrung -des Textes unter gleichzeitiger Beigabe von Kunst- und -Musikbeilagen herbeiführte. Sein Herausgeber Ferdinand -Avenarius besitzt in künstlerischen Dingen ein feinsinniges -Urteil, das er auch bei der Wahl seiner Mitarbeiter, zu -denen Adolf Bartels, Oscar Bie, Schultze-Naumburg u. a. -zählen, bekundet. So ist der »Kunstwart« eine unserer -gediegensten künstlerischen Zeitschriften, trotz aller Vielseitigkeit -von Einseitigkeit im Urteil nicht freizusprechen, -aber ehrlich und vornehm geleitet. – Die von Ernst -Wachler herausgegebene »Deutsche Zeitschrift« bezweckt -vorzugsweise die Pflege und Förderung unserer -National- und Kulturinteressen im Geiste der Politik des -Fürsten Bismarck. Gleich der »Heimat«, deren Gründung -Ende 1899 erfolgte, sucht sie Kunst und Dichtung von<span class="pagenum"><a id="Seite_115"></a>[115]</span> -der Ausländerei freizumachen und nationalen Zielen zuzuführen.</p> - -<p>Von den rein litterarischen Blättern stand das -»Magazin für die in- und ausländische Litteratur« jahrelang -an der Spitze, und es verdiente diese Stellung noch -anfangs der achtziger Jahre, als Wilhelm Friedrich, Leipzig, -noch Verleger des Blattes war, das seinen Ursprung bis -auf das Jahr von Goethes Tode zurückführt. Seinem alten -Programm, eine Übersicht über die Litteratur aller Länder -und Völker zu geben, ist es ganz untreu geworden, eine -redaktionelle Leitung, trotzdem oder weil? drei Herausgeber -(Rudolph Steiner, Otto Erich Hartleben und Moritz -Zitter) vorhanden sind, ist kaum noch wahrzunehmen; das -»Magazin für Litteratur«, wie es sich jetzt nennt, bringt -Artikel aus allen möglichen Gebieten kunterbunt durcheinander -ohne jede Bezugnahme zu seinem Titel. Seit -Wilhelm Friedrich, Leipzig, den Verlag des Blattes nicht -mehr führt, ist es fast immer »unterwegs« auf der Suche -nach einem Verleger gewesen. Hin und wieder ist ein -neues, wenn auch schwächliches Reis dem alten Stamme -aufgepfropft worden, ohne daß die Lebenssäfte des Blattes -durch diese Okulation gewonnen hätten; auch die Beigabe -der »Dramaturgischen Blätter« konnte dem steten Sinken -des »Magazins« keinen Einhalt thun. Ob jetzt das Blatt -im Verlage von S. Cronbach, Berlin, eine Heimstätte -gefunden oder ob auch dieser nur eine Durchgangsstation -bedeutet, vermögen wir nicht zu entscheiden.</p> - -<p>An die Stelle des »Magazins«, was Einfluß und Bedeutung -anlangt, sind die »Internationalen Litteraturberichte« -(Herausgeber Emil Thomas) getreten, die auch der Abonnentenzahl -nach die anderen Litteraturblätter weit hinter sich<span class="pagenum"><a id="Seite_116"></a>[116]</span> -lassen. Sie haben sich die Aufgabe gestellt, alles in ihren Kreis -zu ziehen, was an litterarischen Bestrebungen im In- und -Auslande in Erscheinung tritt und es in Artikeln, Übersichten, -Einzelbesprechungen etc. festzuhalten. Eine Konkurrenz -ist ihnen durch das im Verlage von F. Fontane & Co., -Berlin, erscheinende »Litterarische Echo« erstanden, das -gut geleitet ist und eine Fülle von Notizen bringt, unter -denen die Übersichtlichkeit etwas leidet. Ob und inwieweit -sich für die Dauer die ständige Berücksichtigung kleinerer -Litteratur- und Sprachgebiete, wie des Polnischen, Czechischen -u. s. w., für die in Deutschland nur ein ganz bescheidener -Interessentenkreis vorhanden ist, empfiehlt, wird der Herausgeber, -z. Z. <em class="antiqua">Dr.</em> Ettlinger, bald herausfinden. – Eine -besondere Erwähnung, wenngleich infolge ihres unregelmäßigen -Erscheinens kaum noch als Zeitschrift aufzufassen, verdienen -die »Jahresberichte für deutsche Litteraturgeschichte«, -die in übersichtlich geordneten und zusammenhängenden -Abschnitten zeigen wollen, welche Bücher, Aufsätze, Artikel -und Kritiken auf dem Gebiete der jüngsten Geisteswissenschaft -erscheinen, und was sie Neues und Wertvolles -enthalten. – Fast ganz auf wissenschaftliche Kreise und -Bibliotheken beschränkt war das 1850 von dem hervorragenden -Leipziger Germanisten Prof. Friedr. Zarncke gegründete -»Litterarische Centralblatt«, das lange darauf -verzichtend, eine <em class="gesperrt">Übersicht</em> der deutschen Litteratur zu -geben, fast ausschließlich Rezensionen einzelner Werke brachte -und es dem Einzelnen überließ, aus diesen Bruchstücken sich -das Gesamtbild der Litteratur zusammenzusetzen. Erst -seit Januar 1900 erscheint eine Beilage zum »Centralblatt«, -die vor allem größere zusammenfassende kritische -Übersichten der verschiedenen Gattungen dichterischer<span class="pagenum"><a id="Seite_117"></a>[117]</span> -Werke und orientierende Aufsätze allgemeinen Inhalts -enthält.</p> - -<p>Dem »Litterarischen Centralblatt« verwandt sind -»Euphorion«, die »Deutsche Litteraturzeitung«, das -»Allgemeine Litteraturblatt« (das früher unter dem Titel -»Österreichisches Litteraturblatt« erschien), die »Zeitschrift -für vergleichende Litteraturgeschichte« und die vor kurzem -von <em class="antiqua">Dr.</em> Erich Bischoff gegründete »Zeitschrift für wissenschaftliche -Kritik und Antikritik«. Sie sind alle auf -einen kleinen Kreis beschränkt und ein wirklicher Einfluß -auf unser Litteraturleben ist ihnen kaum zuzusprechen. -Die »Blätter für litterarische Unterhaltung«, eine sehr -alte und angesehene Zeitschrift, ist seit Januar 1899 aus -den Reihen der Litteraturzeitungen verschwunden; selbst -der Klang der Weltfirma F. A. Brockhaus, Leipzig, war -nicht stark genug, um sie am Einschlafen zu behindern. – -An der Spitze der katholischen Litteratur stehen der -»Litterarische Handweiser« und die »Deutsche Rundschau -für das katholische Deutschland«, beide – sehr oft zum -Schaden einer objektiven Kritik, – bemüht, litterarische -Interessen mit religiösen Fragen zu verquicken.</p> - -<p>Von der Aufzählung der Winkel- und Cliquenblättchen, -die ein kärgliches Dasein fristen, um – nachdem Drucker -und Verleger um einige Erfahrungen reicher und ein paar -Hundertmarkscheine ärmer – wieder in den Orkus zu -versinken, wollen wir Abstand nehmen: der Litteratur -nützen sie so wenig wie ihren Herausgebern, die da hofften, -durch sie eine litterarische Position oder pekuniäre Vorteile -zu erlangen.</p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_118"></a>[118]</span></p> - -<h2 class="nobreak" id="Der_deutsche_Verlagsbuchhandel">Der deutsche Verlagsbuchhandel -und sein Anteil an der Litteratur der -Gegenwart.</h2> -</div> - -<p>Die Cotta, Goeschen, Brockhaus und wie die bedeutenden -Buchhändler alle heißen, sind tot, und an Stelle der großen, -von weitausschauenden, scharf ausgeprägten Persönlichkeiten -getragenen Verlagsgeschäfte, die bestimmenden Einfluß auf -die Litteratur ausübten, sind zwar nicht minder große, -aber desto unpersönlichere Aktiengesellschaften getreten, die -zum weitaus größten Teil den litterarischen Markt beherrschen. -Für diese Geschäfte handelt es sich nicht so sehr um die -Förderung des Schrifttums durch den Verlag guter Litteratur, -sondern in erster Linie um die Erzielung hoher -Dividenden, zu deren Erhalt weniger Wert auf die litterarische -Bedeutung eines Buches, als auf seine Gangbarkeit zu -legen ist. Gerade das Fehlen jedes persönlichen Moments -und das ausschließliche Werten eines Werkes nach seiner -Absatzfähigkeit, für die ein Anhalt in dem Namen des -Autors, hin und wieder auch in dem behandelten Stoffe -oder einer momentan herrschenden Strömung liegt, läßt -fast alle großen Verlagsfirmen aus einem großen Aufsatz -scheiden, der von der Anteilnahme des Verlagsbuchhandels -an unserem modernen Schrifttum sprechen soll. Nichtsdestoweniger -stehen diese Firmen in erster Reihe, nicht -zuletzt durch die großen mit einem enormen Kapitalaufwand<span class="pagenum"><a id="Seite_119"></a>[119]</span> -gegründeten Familienblätter, durch die sie auf die -Geschmacksrichtung und das Urteil des großen Publikums -den bedeutendsten Einfluß ausüben. »Über Land und -Meer«, »Buch für Alle«, »Zur guten Stunde«, »Moderne -Kunst«, »Daheim«, »Gartenlaube«, »Vom Fels zum -Meer«, »Für alle Welt« u. s. w. sind Unternehmungen, -die das Lesebedürfnis von Hunderttausenden befriedigen, -neben den Tagesblättern den größten Teil der litterarischen -Produktion an sich reißen und den Wünschen ihres Publikums -entsprechend beeinflussen und zustutzen.</p> - -<p>Der Buchverlag ist für den Schriftsteller wie für -den Verleger in den meisten Fällen nicht mehr lohnend -genug und der vom Ertrage seiner Feder lebende Autor -gezwungen, Konzessionen zu machen, sein künstlerisches -Gewissen auszuschalten und das zu produzieren, was der -Moloch, das große Publikum, am liebsten verschlingt: leicht -verdauliche Unterhaltungsware. Gerade in der letzten Zeit -sind aus den Kreisen der Schriftsteller Stimmen laut geworden, -die auf den verderblichen Einfluß hinwiesen, dem -ihre eigene Produktion unterworfen ist, seit man sie in -die Zwangsjacke der Familienlitteratur gesteckt hat. Das -Publikum hat an diesen Zuständen sicher mehr Schuld -als die Verleger und Redaktionen der Zeitschriften, die -nicht mit dem gebildeten Geschmack einer kleinen Gemeinde, -sondern mit dem rechnen müssen, was Hunderttausenden -gefällt. Um keine Abonnenten zu verlieren und sie der -Konkurrenz in die Arme zu treiben, müssen sie, deren Unternehmungen -auf Massenabsatz angewiesen sind, geben, was -das große Publikum verlangt, müssen – im Gegensatz zu -der Aufgabe eines wahren Familienblattes – verzichten, -bildend und veredelnd auf den Geschmack des Volkes zu<span class="pagenum"><a id="Seite_120"></a>[120]</span> -wirken. Was immer auf dem Gebiete der Litteratur bezw. -der Ästhetik seit der politischen Wiedergeburt Deutschlands -geleistet wurde: das große Publikum ist davon unberührt -geblieben; ja es betrachtet noch heute die Litteratur nicht -anders als eine angenehme Spielerei für müßige Stunden. -Nur die eine Forderung: die nach mehr Wirklichkeitssinn, -nach einer stärkeren Betonung des Lebens und seine Erscheinungen -in der Litteratur hat – vielleicht mehr unbewußt, -mehr vom Leben und seinen Forderungen selbst -beeinflußt – auch im Publikum Anerkennung gefunden. In -Bezug auf künstlerisches Verständnis sind keinerlei Fortschritte -zu verzeichnen und die Existenzbedingungen des -Buchhandels, in dem sich immer mehr eine rein kaufmännische -Auffassung des Berufes geltend macht, sind nicht -derart, um sich den Luxus gestatten zu können, in künstlerischer -Hinsicht erzieherisch auf das Publikum zu wirken.</p> - -<p>Der deutsche Buchhandel früherer Zeiten hat für -Litteratur und Wissenschaft viel gethan und manches Werk, -das weder die Unterstützung einer Regierung, noch einer -Akademie oder eines Instituts gefunden hat, verdankt ihm -allein sein Erscheinen. Nicht aus Liebe zum Geld, sondern -aus Liebe zur Litteratur und Wissenschaft wurden Werke -publiziert, für die kein Kaufmann, kein Geschäftsmann eine -Hand gerührt hätte. So schrieb noch 1839 ein Gelehrter: -»Der deutsche Buchhandel hat von jeher bewiesen, daß -er seine eigentümliche Stellung in den nachbarlichen Grenzen -der Intelligenz und Industrie zu würdigen wisse. Man -prüfe die neuesten Kataloge und entscheide dann, ob jener -ehrenhafte Grundsatz: einen Teil des Gewinnes, den die -Muse dem häuslichen Altar beschieden, der Muse selber -zu opfern, nicht bis auf unsere Zeit herab sich fortgesetzt<span class="pagenum"><a id="Seite_121"></a>[121]</span> -habe.« Der Anteil, den der Verlagsbuchhandel an dem -Wachstum unserer Litteratur, insonderheit an der deutschen -Wissenschaft hat, ist sicher ein nicht geringer, aber er ist -in den letzten Jahren, seitdem das Großkapital seinen -Einzug im Buchhandel gehalten hat, bedeutend zurückgegangen. -Die Aktionäre unserer großen Verlagsanstalten -legen auf hohe Dividenden bei weitem mehr Gewicht als -auf den Ruhmestitel Förderer der Litteratur und Kunst -zu sein. Wirft man heute einen Blick in Kataloge, so -wird man bei näherem Zusehen finden, daß das litterarische -Interesse dem merkantilen gewichen ist, daß alljährlich -Tausende von Schriften erscheinen, die nicht in der Absicht, -eine Bereicherung unserer Litteratur, sondern eine -solche des verlegerischen Geldbeutels herbeizuführen, publiziert -wurden. War früher das jüdische Element hauptsächlich -im Antiquariats- und Ramschbuchhandel thätig, so hat -es sich in neuerer Zeit in hervorragender Weise des Verlagsbuchhhandels -als Spekulationsobjekt bemächtigt, und -neben angesehenen Firmen, die sich in jüdischen Händen -befinden, ist eine ganze Reihe jüdischer Verleger aufgetaucht, -die das Buch als Ware ausschließlich als Ware -ansieht und demgemäß behandelt. Daß die Litteratur der -Neuzeit so wenig Förderung seitens des Buchhandels findet, -hat nicht sowohl seinen Grund in der materialistischen -Anschauung, die in dem Buche nur ein Handelsobjekt -sieht, aus dem so viel als möglich Kapital zu schlagen ist, -sondern zum guten Teil auch in dem Mangel an Urteil, -der viele Verleger von heutzutage nur nach dem greifen -läßt, was sich durch einen klangvollen Namen oder eine -hübsche Etikette auszeichnet. Andere wieder sind so im -Banne der Moderne, daß sie sich für jedes Werk begeistern,<span class="pagenum"><a id="Seite_122"></a>[122]</span> -das modern um jeden Preis, selbst um den des guten -Geschmacks, erscheinen will, mag es künstlerisch auch noch -so unbedeutend sein. An dieser Verständnislosigkeit in -künstlerischen Fragen ist nicht zuletzt die Stellung schuld, -auf die im Laufe der Zeit die Litteraturblätter und die -Revuen mit litterarischem Anstrich herabgedrückt worden sind.</p> - -<hr class="tb" /> - -<p>Union, Stuttgart, Deutsche Verlagsanstalt, Stuttgart, -und Bong & Co., Berlin, werden, was die Höhe des Umsatzes -anbetrifft, an die Spitze des Verlagsbuchhandels gestellt -werden müssen, obwohl der Schwerpunkt dieser Geschäfte -weniger im Buch- als im Zeitschriften-Verlag zu suchen -ist. Der Hauptaktionär der Union, in der der große -Spemann'sche Verlag mit den Kürschner'schen Unternehmungen -aufging, ist Geheimrat Kröner, der Inhaber, -bezw. Mitinhaber von A. G. Liebeskind, der J. G. Cottaschen -Buchhandlung, Ernst Keil's Nachf., Leipzig u. a. -Fast ebenbürtig steht der Union das ehemalige Hallberger'sche -Geschäft, jetzt Deutsche Verlagsanstalt, gegenüber, -das im verflossenen Jahre sein 50jähriges Jubiläum -feiern konnte. Der aus diesem Anlaß herausgegebene -Katalog umfaßt ca. 250 Seiten und giebt ein anschauliches -Bild von dem Wachstum und der Bedeutung dieses -Geschäfts, das sich allerdings in den letzten Jahren – -namentlich seit Gründung der Zeitschrift »Aus fremden -Zungen« – vorzugsweise der Übersetzungslitteratur zugewandt -hat, so daß es wenig Autoren von Klang und -Namen, gleichviel ob Engländer, Franzosen, Italiener, -Spanier, Russen oder Schweden, giebt, die nicht mit -einem oder mehreren Werken in der Deutschen Verlagsanstalt -vertreten sind. Als bedeutendster Konkurrent<span class="pagenum"><a id="Seite_123"></a>[123]</span> -des Zeitschriftenverlags der Union und Deutschen Verlagsanstalt, -bezw. der Zeitschriften: »Vom Fels zum Meer«, -»Buch für Alle« und »Über Land und Meer« trat Ende -der 80er Jahre Richard Bong auf, ein Mann, der sich -aus kleinen Verhältnissen emporarbeitend, »der Leiter -höchste Staffel rasch erstieg« und in den Zeitschriften -»Moderne Kunst«, »Zur guten Stunde« und »Für Alle -Welt« Unternehmungen schuf, in denen er besonderes Gewicht -auf den Farbendruck legte, mit dem er erfolgreich gegen -den Holzschnitt der Stuttgarter Blätter zu Felde zog. Ob -und inwieweit geschäftliche Manipulationen, insbesondere -die höhere Rabattierung seiner Zeitschriften zu diesem Erfolge -beitrugen, dürfte an dieser Stelle wenig interessieren. -Der Buchverlag der Firma – meist Romane, die in -ihren Zeitschriften zum Abdruck gelangten – ist ohne -besonderes charakteristisches Gepräge.</p> - -<p>Das alte Verlagsgeschäft von F. A. Brockhaus, -Leipzig, hat sich in den letzten Jahren neben der Pflege -des Konversationslexikons, das jetzt in 14. bezw. 15. Auflage -vorliegt, fast ausschließlich auf das Gebiet der Reisebeschreibungen -geworfen. Den Reisen Stanleys und -Wißmanns in Afrika folgten Nansens »In Nacht und -Eis«, Landors »Auf verbotenen Wegen in Tibet« und -neuerdings die Reisen Sven Hedins in Asien, alles Werke, -die eine ungeahnte Verbreitung erlangten. Vom Buchverlag -fast ganz zurückgezogen hat sich die Firma Breitkopf -& Härtel, Leipzig, die den Schwerpunkt ihres Geschäftes -auf den Musikverlag legte. Dagegen entwickelt das Bibliographische -Institut, Leipzig, eine fast unheimliche Rührigkeit. -Seine Spezialität liegt in den Sammelwerken, an -deren Spitze Meyers Konversationslexikon steht; ihm<span class="pagenum"><a id="Seite_124"></a>[124]</span> -schließen sich umfangreiche Publikationen an, wie die -Klassiker-Ausgaben, Meyers Volksbücher, Sprachführer, -Reisebücher, Allgemeine Naturkunde, Allgemeine Länderkunde, -Sammlung illustrierter Litteraturgeschichten, Bilder-Atlanten -zur Geographie und Naturgeschichte u. s. w., -meist Unternehmen, die der Initiative der Geschäftsinhaber -entsprungen sind. Die erwähnten Meyer'schen Volksbücher, -die erst neuerdings wieder von sich reden machen, haben -nicht entfernt die Bedeutung der Reclam'schen Universalbibliothek -erlangt, von der jetzt mehr als 4000 Bändchen -vorliegen: sie bilden den Grundstock des Verlags von -Philipp Reclam jr., Leipzig, der mit ihnen in die Reihe -der ersten Verleger trat. Überraschend kam den Meisten -der vor einigen Jahren erfolgte Ankauf der Familienzeitschrift -»Universum«, durch Reclam, die er seither zu einer -Blüte geführt hat, die sie im früheren Hauschild'schen -Verlage nicht erreichen konnte. Den 20 Pfennig-Heften -Reclams und den 10 Pfennig-Volksbüchern Meyers stellte -Otto Hendel, Halle, seine Bibliothek der Weltlitteratur -<em class="antiqua">à</em> Heft 25 Pfennig gegenüber, die, obwohl in größerem -Format und besserer Ausstattung, dem Unternehmen Reclams -doch kaum wesentlichen Abbruch machen konnte.</p> - -<p>Weder Otto Hendel, Halle, noch Hermann Hillgers -Verlag, Berlin, den ich hier nur nenne, da auch er oder -richtiger Professor Kürschner, nach dem Muster der Reclam-Bändchen -einen »Bücherschatz« herausgegeben hat, der -wenigstens numerisch schon zu großer Entwickelung gelangt -ist, gehören an diese Stelle, die vielmehr den großen -wissenschaftlichen oder belletristischen Verlagsanstalten zukommt. -Von den letzteren sind hier zu nennen: J. G. -Cotta'sche Buchhandlung, Nachf., Stuttgart, die Verlegerin<span class="pagenum"><a id="Seite_125"></a>[125]</span> -der »Gedanken und Erinnerungen des Fürsten Bismarck«, -die Sudermann, Fulda, Wilbrandt u. a. zu ihren Autoren -zählt und auch wissenschaftliche, besonders historische Werke -auf den Markt bringt. Der Hauch der Klassizität, der -den alten Verlag noch aus der Goethe- und Schillerzeit -umwehte, hat sich allerdings sehr verflüchtigt: er befaßt -sich nur noch mit Werken, die »gehen«. Ein ähnliches -Urteil läßt sich über den ehemaligen Stuttgarter G. J. -Goeschen'schen Verlag fällen, mit dem die Dichterfürsten -gleichfalls in Verbindung standen und der in den letzten -Jahren, besonders seit seiner Übersiedelung nach Leipzig, -sich mehr »praktischen« Verlagsbestrebungen (Sammlung -Goeschen u. s. w.) zugewandt hat. – Auf praktischem -Gebiet bewegt sich jetzt auch, abgesehen von dem Verlage -der »Illustrierten Zeitung« und der Pflege des Holzschnitts, -J. J. Weber, Leipzig (Katechismen u. s. w.).</p> - -<p>Von großen wissenschaftlichen Verlagshäusern, die sich -besonderen Spezialitäten zugewandt haben, verdienen genannt -zu werden: B. G. Teubner, Leipzig (Pädagogik, -altklassische Sprachwissenschaft), Weidmann'sche Buchhandlung, -Berlin (Klassische Philologie, Pädagogik, Litteraturgeschichte, -Rechtswissenschaft), Paul Parey, Berlin (Landwirtschaft, -Gartenbau), Mittler & Sohn, Berlin (Militärwissenschaften), -Wilhelm Engelmann, Leipzig (Naturwissenschaften), -Friedrich Vieweg & Sohn, Braunschweig (Physik, -Chemie, Mathematik), Hirschwald'sche Buchhandlung, Berlin -(Medizin), J. C. B. Mohr, Tübingen (Protestantische Theologie, -Rechtswissenschaft, Geschichte, Philosophie), Duncker & -Humblot, Leipzig (Socialwissenschaft, Geschichte, Rechtswissenschaft, -Naturwissenschaft), Gustav Fischer, Jena -(Medizin, Socialwissenschaft, Rechtswissenschaft), Julius<span class="pagenum"><a id="Seite_126"></a>[126]</span> -Springer, Berlin (Pharmazeutik, Forst- und Jagdwissenschaft, -Rechtswissenschaft, Geschichte), F. C. W. Vogel, -Leipzig (Medizin), Karl J. Trübner, Straßburg i. Els. -und O. R. Reisland, Leipzig (Germanische und romanische -Philologie), Emil Felber, Berlin und Eduard Avenarius, -Leipzig (Litteraturgeschichte), Gothaische Verlagsanstalt vorm. -F. A. Perthes, Gotha (Geschichte, Protestant. Theologie), -R. Oldenbourg, München (Geschichte, Rechtswissenschaft, -Pädagogik), sowie die großen rechtswissenschaftlichen Verlagsanstalten: -Carl Heymann, J. Guttentag, G. m. b. H., -Frz. Vahlen, Berlin, Ferd. Enke, Stuttgart und Veit & Co., -Leipzig. Die Langenscheidt'sche Buchhandlung (Professor -G. Langenscheidt), Berlin, die mit ihren für das Selbststudium -des Englischen und Französischen berechneten Unterrichtsbriefen -einen ungeheuren Erfolg hatte, darf, da sich -diese, sowie die ausgezeichneten Lexika, auf wissenschaftlicher -Grundlage aufbauen, Anspruch erheben, hier mitgenannt -zu werden. Daß sie in den letzten Jahren Werke -größeren Umfanges nicht mehr publizierte, mag seinen -Grund in den Vorbereitungen haben, die sich zur Herausgabe -der italienischen und spanischen Selbstunterrichtsbriefe -notwendig machen. Halb wissenschaftlicher, halb belletristischer -Natur, aber immer ernst und vornehm, ist der -Verlag von S. Hirzel, Leipzig, dessen Belletristen Wissenschaftler -und dessen Wissenschaftler Belletristen sind. Auf -der Grenzscheide steht auch der Verlag von Alfred Schall, -Berlin (vorm. Schall & Grund), der neben einer Reihe -populärwissenschaftlicher Werke über Länder- und Völkerkunde, -Heere und Flotten einen großen belletristischen -Verlag pflegt. Bekannt ist besonders das Verlagshaus -durch den »Verein der Bücherfreunde« geworden, der<span class="pagenum"><a id="Seite_127"></a>[127]</span> -in seiner Blütezeit einen »Mitglieder«bestand von 12 000 -zählte.</p> - -<p>Von großen belletristischen Verlagshäusern ist in -erster Linie Gebr. Paetel (Verlag der »Deutschen Rundschau«), -Berlin, zu nennen, deren Verlagsfirma eine -ausreichende Gewähr für die Güte der von ihr verlegten -Bücher giebt. In dem 280 Seiten umfassenden Verlagskatalog, -der über die Thätigkeit der Firma in den -Jahren 1837–1895, die sich neben der Belletristik auch -auf die Gebiete der Geschichte, Kulturgeschichte, Völkerkunde, -Litteratur- und Militärwissenschaft erstreckt, berichtet, -findet sich eine Fülle wertvoller Bücher, zumeist von Mitarbeitern -der »Deutschen Rundschau«, die es von jeher -verstanden hat, tüchtige Kräfte heranzuziehen. Eine -ähnliche Stellung nimmt der Verlag von Bonz & Co., -Stuttgart, und Fr. Wilhelm Grunow, Leipzig, ein, obwohl -der letztere durch den Verlag der »Grenzboten« und der -»Buschschen Tagebücher« sich die Sympathien vieler Kreise -verscherzt hat. Nur Verleger zweier Autoren, die aber -ein paar hundert aufwiegen, ist L. Staackmann, Leipzig, -dem Rosegger und Spielhagen ihre Werke übergeben. – -Ein besonderes Gepräge trägt, sowohl die Art der Verlagsartikel, -als auch ihre Ausstattung anlangend, der -Verlag von A. G. Liebeskind, hinter dem eine markante -und eigenartige, vielleicht auch eigenwillige Persönlichkeit -stand, die dem Ganzen ihre Physiognomie lieh. Ob sie -der Verlag nach dem Tode L.'s noch beibehalten wird -– er ist inzwischen nach Stuttgart übergesiedelt und in -Händen des Geheimrat Kröner – bleibt abzuwarten. -Das große Verlagshaus Velhagen & Klasing, Bielefeld, -das sich durch den Verlag des stark religiös angehauchten<span class="pagenum"><a id="Seite_128"></a>[128]</span> -»Daheim« einen Weltruf erwarb, hat sich neuerdings -dem Gebiet der Geschichte und Kunstgeschichte (Monographien -zur Kunstgeschichte. – Monographien zur Weltgeschichte) -noch intensiver zugewandt. Es findet seinen Partner in -dem katholischen Verlag der Firma J. P. Bachem, -Köln a. Rh. (»Kölnische Volkszeitung«), deren Katalog -eine große Anzahl Werke katholischer Tendenz aufweist. -Ausschließlich Werke katholischer Richtung wissenschaftlicher -und belletristischer Natur verlegen auch Ferd. Schöningh, -Paderborn, der den Dichter der »Dreizehnlinden« zu -seinen Autoren zählt, und die B. Herder'sche Verlagsbuchhandlung, -Freiburg i. Br., eins der bedeutendsten -Verlagsgeschäfte, das auch im Auslande sich große Absatzquellen -erschlossen hat.</p> - -<p>Hauptsächlich belletristischen Verlag, aber ohne besondere -Eigenart pflegen Otto Jancke, Berlin (Verlag der -»Romanzeitung«), Schles. Buchdruckerei und Verlagsanstalt, -Breslau (Verlag von »Nord und Süd«, »Unterwegs und -daheim«), Carl Reißner, Dresden, Paul List, Leipzig, -Heinrich Minden, Dresden, Hermann Costenoble, Jena, -J. Bensheimer, Mannheim, Albert Ahn, Köln a. Rh., -und E. Pierson, Dresden, von denen die beiden letztgenannten -auch vielfach als bloße Kommissionsverleger -auftreten. – Mehr dem Gebiet der Buchfabrikation nähert -sich der Verlag von Greiner & Pfeiffer, Stuttgart, durch -seine für das große Publikum berechneten Anthologien, -deren Ausstattung von der »Moderne« noch unberührt -geblieben ist. Erst durch den Verlag des »Türmers« ist -die Firma in die Reihe der für die Litteratur in Betracht -kommenden Verleger getreten, obwohl die genannte Zeitschrift -nichts weniger als »modern« im landläufigen<span class="pagenum"><a id="Seite_129"></a>[129]</span> -Sinne des Wortes ist. – Fast ausschließlich auf Übersetzungen -beschränkt sich der Stuttgarter Verlag von -J. Engelhorn, dessen Romanbibliothek ihrer Wohlfeilheit -wegen einen ungeheuren Absatz zu verzeichnen hat. Die -Zahl deutscher Autoren, die sich an diesem Unternehmen -beteiligt, ist eine äußerst bescheidene, und wird wohl -nur dann vermehrt, wenn der Romanbibliothek frisches -Blut und erhöhtes Interesse zugeführt werden soll.</p> - -<p>Mehr litterarisches Gepräge tragen der Verlag der -Besserschen Buchhandlung, Berlin, Verlegerin Paul -Heyse's, und Fr. Bahn, Schwerin. Als ein äußerst -rühriger Verleger, der sich namentlich um die Einführung -amerikanischer Litteratur in Deutschland besondere Verdienste -erworben hat (Sternbanner-Serie), aber auch auf -den Verlag guter deutscher Romane nicht verzichtet, gilt -Robert Lutz, Stuttgart. Zu den Verlegern modernen -Schlages übergehend, ist neben Freund & Jeckel, Berlin, -und Fontane & Co., Berlin, die ebensogut noch zur -vorhergehenden Gruppe gerechnet werden können, an erster -Stelle S. Fischer, Berlin, zu nennen. Auch er ist wie -Pierson, Dresden, und Ahn, Köln, bis zu einem gewissen -Grade Kommissionsverleger, selbst seinen ersten Autoren, -wie Hauptmann, gegenüber. Der bierfidele Otto Erich -Hartleben, der Halbpariser Hermann Bahr, der jugendliche -Georg Hirschfeld, die Berliner Felix Hollaender und -Hans Land haben ihre Werke bei S. Fischer verlegt, der -die Hauptmann-Gemeinde und alles, was nach »Moderne« -aussieht, durch seine »Neue Deutsche Rundschau«, die -ehemalige »Freie Bühne«, um sich zu scharen wußte. -Fast noch ungeberdiger als dieser Verlag geben sich -Schuster & Löffler, Berlin. Manch gutes Buch findet<span class="pagenum"><a id="Seite_130"></a>[130]</span> -sich in dem Verlagskatalog der erst seit 4 Jahre bestehenden -Firma, aber es fehlt auch der direkte Schund nicht, oder -wenn das besser klingt, jene Litteratur, die nach dem -Grundsatze <em class="antiqua">l'art pour l'art</em> geschrieben, kein vernünftiger -Mensch, vor allem nicht das sogenannte Publikum liest, -die sich aber in Litteratenkreisen großer Beliebtheit erfreut. -Schuster & Löffler haben vielfach neue Bahnen eingeschlagen, -aber es waren nicht immer die rechten. Ein Buch kann -modern, sehr modern sein und braucht doch nichts zu -taugen! Dieser Unterschied ist ihnen leider nicht immer -zum Bewußtsein gekommen. Ähnlichen Tendenzen wie -Schuster & Löffler huldigt auch Vita, Deutsches Verlagshaus, -Berlin, wenngleich dieses bei weitem mehr Konzessionen -an das Publikum macht. Neue Wege, soweit namentlich -die Ausstattung in Frage kommt, ist auch der Verlag -von Fischer & Franke, Berlin, gegangen, der von allen seinen -Mitbewerbern wohl das meiste Geschick gezeigt hat, Inhalt -und Ausstattung seiner Verlagsartikel mit einander in -Einklang zu bringen. In die Reihe der modernen Verleger -hat sich auch G. Bondi, Berlin, gestellt, durch den -Halbes Werke und das große Schlenther'sche Unternehmen -zur Ausgabe gelangen.</p> - -<p>Albert Langen, München, der Verleger des »Simplizissimus«, -hat ein paar Jahre in Paris zugebracht, und -man kann ihm das Zeugnis nicht versagen, daß er dort -manches gelernt hat und bestrebt ist, immer etwas -Originelles zu bringen, seinem Verlage ein charakteristisches -Gepräge zu geben. Auf den Umschlägen seiner Bücher -hat die Moderne schon wahre Orgien gefeiert: da sind -Zeichnungen, so mystisch und dunkel, in denen gar nichts -liegt, so daß man sich gemüßigt fühlt, selbst alles hineinzulegen;<span class="pagenum"><a id="Seite_131"></a>[131]</span> -Frauen und Männer werden dargestellt, denen -das Laster oder die Schwindsucht auf dem Gesicht geschrieben -stehen, und das alles in jenen fließenden Linien, -hingeworfen ohne Saft und Kraft – dazwischen einmal -ein Mädchenkopf, so fein und künstlerisch, daß man sich -verwundert fragt, wie der in diese Gesellschaft kommen -konnte. Dann stelle man sich den »Simplizissimus« vor, -ein »deutsches Blatt«, an dem nichts, aber auch gar -nichts deutsch ist, ein Blatt, bestimmt, »die Kunst dem -Volke zu vermitteln«. Man muß schon 10 Jahre in -Paris oder bei den Wilden gelebt haben, um zu glauben, -daß man ein solches Programm mit einer Zeitschrift vom -Schlage des »Simplizissimus« durchführen kann. Nur -wenig deutschen Namen begegnet man in seinem Verlagskataloge -und auch diese haben einen fremden Klang; -dagegen finden Ausländer: Franzosen, Russen, Skandinavier -u. s. w. bei ihm bereitwilligst Unterkommen. – -Durch eine ultramoderne Ausstattung hat sich auch der -kleine Verlag von Joh. Sassenbach, Berlin, in Litteratenkreisen -einen Namen gemacht. Er ist Verleger von Arno -Holz und seiner Schule, die die Preisfrage: Wie kann -jedermann innerhalb 24 Stunden lyrischer Dichter werden? -mit einer verblüffenden Sicherheit und einer Naivetät, -wie sie sonst nur den wirklichen Dichtern eigen ist, gelöst -haben. Diese neueste Schule hat sich um Sassenbach -gesammelt, der für die Allerjüngsten das zu werden verspricht, -was für die Jungen der 80er Jahre Wilhelm -Friedrich, Leipzig, war, der an das neue Evangelium -und an die Mission der Bleibtreu, M. G. Conrad, Alberti, -Walloth, Conradi, wie an seinen Herrgott glaubte. Und -heute, nachdem kaum 10 Jahre ins Land gezogen sind?<span class="pagenum"><a id="Seite_132"></a>[132]</span> -Wo ehemals die Mistbeete des Realismus standen, da -blühen jetzt stille, bleiche »Lotosblüten«. Wilhelm Friedrich, -der jetzt hauptsächlich Theosophie verlegt, ist immer mit -der Zeit gegangen oder hat versucht, ihr vorauszugehen.</p> - -<p>Als ein »Verlag für moderne Bestrebungen in Litteratur, -Socialwissenschaft und Naturwissenschaft« hat sich -Eugen Diederichs, Leipzig, eingeführt, und wenn auch bei -ihm der Moderne hin und wieder Rücksprache mit dem -Geschäftsmann nimmt, so ist er doch immer bestrebt gewesen, -namentlich hinsichtlich der Buchausstattung die alten -Gleise zu verlassen und neue Bahnen zu wandeln. – -Berührungspunkte mit dem Verlage von Eugen Diederichs -weist Georg Heinr. Meyers Verlag, Berlin, auf, der sich -besonders als Pflegevater der deutsch-österreichischen Schriftsteller -bewährt. Freilich sind die praktischen Erfahrungen, -die er und mit ihm andere an dem österreichischen Verlage -gemacht haben, wenig ermutigend: verdient hat er -an keinem Buche aus Österreich, und selbst die Verlagskosten -sind durch die wenigsten gedeckt worden. Durch die -Gründung der »Heimat« ist sein Verlag der Mittelpunkt -jener Bestrebungen geworden, die die »Heimatkunst« in -den Vordergrund des litterarischen Interesses zu stellen suchen.</p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_133"></a>[133]</span></p> - -<h2 class="nobreak" id="Register">Register</h2> - -<p class="center">der in den »Charakteristiken« angeführten Namen.</p> -</div> - -<ul class="index"> -<li class="ifrst">Achleitner, Arthur <a href="#Seite_46">46</a>.</li> - -<li class="indx">Adamus, Franz <a href="#Seite_104">104</a>.</li> - -<li class="indx">Alberti, Konrad <a href="#Seite_65">65</a>.</li> - -<li class="indx">Allmers, Hermann <a href="#Seite_40">40</a>.</li> - -<li class="indx">Altenberg, Peter <a href="#Seite_102">102</a>.</li> - -<li class="indx">Ambrosius, Johanna <a href="#Seite_94">94</a>.</li> - -<li class="indx">Amyntor, Gerhardt von <a href="#Seite_77">77</a>.</li> - -<li class="indx">Andreas-Salomé, Lou <a href="#Seite_98">98</a>.</li> - -<li class="indx">Anzengruber, Ludwig <a href="#Seite_44">44</a>.</li> - -<li class="indx">Arent, Wilhelm <a href="#Seite_67">67</a>.</li> - -<li class="indx">Arnold, Hans <a href="#Seite_61">61</a>.</li> - -<li class="indx">Asenijeff, Elsa <a href="#Seite_99">99</a>.</li> - -<li class="indx">Auerbach, Berthold <a href="#Seite_32">32</a>.</li> - -<li class="indx">Avenarius, Ferdinand <a href="#Seite_94">94</a>.</li> - -<li class="ifrst">Bahr, Hermann <a href="#Seite_83">83</a>.</li> - -<li class="indx">Bartels, Adolf <a href="#Seite_48">48</a>.</li> - -<li class="indx">Bauer, Erwin <a href="#Seite_71">71</a>.</li> - -<li class="indx">Baumbach, Rudolf <a href="#Seite_56">56</a>.</li> - -<li class="indx">Beetschen, Alfred <a href="#Seite_93">93</a>.</li> - -<li class="indx">Bernhard, Marie <a href="#Seite_64">64</a>.</li> - -<li class="indx">Beta, Ottomar <a href="#Seite_70">70</a>.</li> - -<li class="indx">Bethge, Hans <a href="#Seite_93">93</a>.</li> - -<li class="indx">Bierbaum, Otto Julius <a href="#Seite_99">99</a>.</li> - -<li class="indx">Bleibtreu, Karl <a href="#Seite_64">64</a>.</li> - -<li class="indx">Blumenthal, Oskar <a href="#Seite_53">53</a>.</li> - -<li class="indx">Blüthgen, Victor <a href="#Seite_60">60</a>.</li> - -<li class="indx">Bodenstedt, Friedrich von <a href="#Seite_35">35</a>.</li> - -<li class="indx">Böhlau, Helene <a href="#Seite_97">97</a>.</li> - -<li class="indx">Bölsche, Wilhelm <a href="#Seite_96">96</a>.</li> - -<li class="indx">Bormann, Edwin <a href="#Seite_61">61</a>.</li> - -<li class="indx">Bötticher, Georg <a href="#Seite_61">61</a>.</li> - -<li class="indx">Boy-Ed, Ida <a href="#Seite_80">80</a>.</li> - -<li class="indx">Brieger, Adolf <a href="#Seite_41">41</a>.</li> - -<li class="indx">Bulthaupt, Heinrich <a href="#Seite_41">41</a>.</li> - -<li class="indx">Bunge, Rudolf <a href="#Seite_40">40</a>.</li> - -<li class="indx">Busch, Wilhelm <a href="#Seite_59">59</a>.</li> - -<li class="indx">Busse, Carl <a href="#Seite_92">92</a>.</li> - -<li class="ifrst">Christen, Ada <a href="#Seite_63">63</a>.</li> - -<li class="indx">Conrad, Michael Georg <a href="#Seite_65">65</a>.</li> - -<li class="indx">Conradi, Hermann <a href="#Seite_65">65</a>.</li> - -<li class="indx">Croissant-Rust, Anna <a href="#Seite_97">97</a>.</li> - -<li class="ifrst">Dahn, Felix <a href="#Seite_51">51</a>.</li> - -<li class="indx">David, J. J. <a href="#Seite_76">76</a>.</li> - -<li class="indx">Dehmel, Richard <a href="#Seite_101">101</a>.</li> - -<li class="indx">Dörmann, Felix <a href="#Seite_102">102</a>.</li> - -<li class="indx">Dranmor <a href="#Seite_61">61</a>.</li> - -<li class="indx">Dreyer, Max <a href="#Seite_89">89</a>.</li> - -<li class="ifrst">Ebers, Georg <a href="#Seite_50">50</a>.</li> - -<li class="indx">Ebner-Eschenbach, Marie von <a href="#Seite_72">72</a>.</li> - -<li class="indx"><span class="pagenum"><a id="Seite_134"></a>[134]</span> -Eckstein, Ernst <a href="#Seite_51">51</a>.</li> - -<li class="indx">Eichrodt, Ludwig <a href="#Seite_40">40</a>.</li> - -<li class="indx">Elbe, A. von der <a href="#Seite_80">80</a>.</li> - -<li class="indx">Ernst, Otto <a href="#Seite_95">95</a>.</li> - -<li class="indx">Ertl, Emil <a href="#Seite_104">104</a>.</li> - -<li class="indx">Eschstruth, Nataly von <a href="#Seite_64">64</a>.</li> - -<li class="indx">Evers, Franz <a href="#Seite_100">100</a>.</li> - -<li class="ifrst">Falke, Gustav <a href="#Seite_92">92</a>.</li> - -<li class="indx">Fehrs, Joh. Heinrich <a href="#Seite_47">47</a>.</li> - -<li class="indx">Fischer, Johann Georg <a href="#Seite_38">38</a>.</li> - -<li class="indx">Fitger, Arthur <a href="#Seite_53">53</a>.</li> - -<li class="indx">Flaischlen, Caesar <a href="#Seite_90">90</a>.</li> - -<li class="indx">Fontane, Theodor <a href="#Seite_71">71</a>.</li> - -<li class="indx">François, Luise von <a href="#Seite_32">32</a>.</li> - -<li class="indx">Franzos, Karl Emil <a href="#Seite_49">49</a>.</li> - -<li class="indx">Frapan, Ilse <a href="#Seite_48">48</a>.</li> - -<li class="indx">Frenzel, Karl <a href="#Seite_55">55</a>.</li> - -<li class="indx">Freytag, Gustav <a href="#Seite_29">29</a>.</li> - -<li class="indx">Friedmann, Alfred <a href="#Seite_84">84</a>.</li> - -<li class="indx">Fuchs, Reinhold <a href="#Seite_93">93</a>.</li> - -<li class="indx">Fulda, Ludwig <a href="#Seite_88">88</a>.</li> - -<li class="ifrst">Ganghofer, Ludwig <a href="#Seite_46">46</a>.</li> - -<li class="indx">Geibel, Emanuel <a href="#Seite_35">35</a>.</li> - -<li class="indx">George, Stephan <a href="#Seite_103">103</a>.</li> - -<li class="indx">Gerok, Karl <a href="#Seite_57">57</a>.</li> - -<li class="indx">Glümer, Claire <a href="#Seite_80">80</a>.</li> - -<li class="indx">Gottschall, Rudolf von <a href="#Seite_52">52</a>.</li> - -<li class="indx">Grazie, Marie Eugenie delle <a href="#Seite_97">97</a>.</li> - -<li class="indx">Greif, Martin <a href="#Seite_38">38</a>.</li> - -<li class="indx">Greinz, Hugo <a href="#Seite_105">105</a>.</li> - -<li class="indx">Grisebach, Eduard <a href="#Seite_62">62</a>.</li> - -<li class="indx">Groller, Balduin <a href="#Seite_83">83</a>.</li> - -<li class="indx">Groß, Ferdinand <a href="#Seite_83">83</a>.</li> - -<li class="indx">Grosse, Julius <a href="#Seite_37">37</a>.</li> - -<li class="indx">Groth, Klaus <a href="#Seite_44">44</a>.</li> - -<li class="indx">Grotthuß, Jeannot Emil von <a href="#Seite_93">93</a>.</li> - -<li class="ifrst">Halbe, Max <a href="#Seite_88">88</a>.</li> - -<li class="indx">Hamerling, Robert <a href="#Seite_36">36</a>.</li> - -<li class="indx">Hango, Hermann <a href="#Seite_104">104</a>.</li> - -<li class="indx">Hansjakob, Heinrich <a href="#Seite_47">47</a>.</li> - -<li class="indx">Harden, Maximilian <a href="#Seite_84">84</a>.</li> - -<li class="indx">Hart, Heinrich <a href="#Seite_65">65</a>.</li> - -<li class="indx">Hart, Julius <a href="#Seite_66">66</a>.</li> - -<li class="indx">Hartleben, Otto Erich <a href="#Seite_90">90</a>.</li> - -<li class="indx">Hauptmann, Gerhart <a href="#Seite_85">85</a>.</li> - -<li class="indx">Heiberg, Hermann <a href="#Seite_66">66</a>.</li> - -<li class="indx">Heigel, Karl von <a href="#Seite_55">55</a>.</li> - -<li class="indx">Heimburg, W. <a href="#Seite_63">63</a>.</li> - -<li class="indx">Heine, Anselm <a href="#Seite_98">98</a>.</li> - -<li class="indx">Henckell, Karl <a href="#Seite_68">68</a>.</li> - -<li class="indx">Herold, Franz <a href="#Seite_103">103</a>.</li> - -<li class="indx">Herrig, Hans <a href="#Seite_53">53</a>.</li> - -<li class="indx">Hertz, Wilhelm <a href="#Seite_43">43</a>.</li> - -<li class="indx">Heyse, Paul <a href="#Seite_34">34</a>.</li> - -<li class="indx">Hillern, Wilhelmine von <a href="#Seite_54">54</a>.</li> - -<li class="indx">Hirschfeld, Georg <a href="#Seite_91">91</a>.</li> - -<li class="indx">Hoffmann, Hans <a href="#Seite_59">59</a>.</li> - -<li class="indx">Hofmannsthal, Hugo von <a href="#Seite_102">102</a>.</li> - -<li class="indx">Hollaender, Felix <a href="#Seite_76">76</a>.</li> - -<li class="indx">Holz, Arno <a href="#Seite_67">67</a>.</li> - -<li class="indx">Hopfen, Hans <a href="#Seite_54">54</a>.</li> - -<li class="indx">Huch, Ricarda <a href="#Seite_93">93</a>.</li> - -<li class="ifrst">Jacobowski, Ludwig <a href="#Seite_92">92</a>.</li> - -<li class="indx">Janitschek, Maria <a href="#Seite_97">97</a>.</li> - -<li class="indx">Jensen, Wilhelm <a href="#Seite_72">72</a>.</li> - -<li class="indx">Jordan, Wilhelm <a href="#Seite_39">39</a>.</li> - -<li class="indx">Junghans, Sophie <a href="#Seite_80">80</a>.</li> - -<li class="ifrst">Kahlenberg, Hans von <a href="#Seite_99">99</a>.</li> - -<li class="indx">Keller, Gottfried <a href="#Seite_33">33</a>.</li> - -<li class="indx">Kerstan, Karl <a href="#Seite_71">71</a>.</li> - -<li class="indx">Kirchbach, Wolfgang <a href="#Seite_67">67</a>.</li> - -<li class="indx">Kitir, Josef <a href="#Seite_104">104</a>.</li> - -<li class="indx"><span class="pagenum"><a id="Seite_135"></a>[135]</span> -Kompert, Leopold <a href="#Seite_50">50</a>.</li> - -<li class="indx">Königsbrun-Schaup, Franz v. <a href="#Seite_79">79</a>.</li> - -<li class="indx">Kretzer, Max <a href="#Seite_66">66</a>.</li> - -<li class="indx">Kröger, Timm <a href="#Seite_47">47</a>.</li> - -<li class="indx">Kruse, Heinrich <a href="#Seite_53">53</a>.</li> - -<li class="indx">Kurz, Isolde <a href="#Seite_42">42</a>.</li> - -<li class="ifrst">Land, Hans <a href="#Seite_79">79</a>.</li> - -<li class="indx">Langbehn, Julius <a href="#Seite_83">83</a>.</li> - -<li class="indx">Langmann, Philipp <a href="#Seite_90">90</a>.</li> - -<li class="indx">L'Arronge, Adolf <a href="#Seite_54">54</a>.</li> - -<li class="indx">Lauff, Josef <a href="#Seite_89">89</a>.</li> - -<li class="indx">Leixner, Otto von <a href="#Seite_78">78</a>.</li> - -<li class="indx">Lienhard, Fritz <a href="#Seite_69">69</a>.</li> - -<li class="indx">Liliencron, Detlev von <a href="#Seite_91">91</a>.</li> - -<li class="indx">Lindau, Paul <a href="#Seite_82">82</a>.</li> - -<li class="indx">Lindau, Rudolf <a href="#Seite_81">81</a>.</li> - -<li class="indx">Lindner, Albert <a href="#Seite_53">53</a>.</li> - -<li class="indx">Lingg, Hermann <a href="#Seite_39">39</a>.</li> - -<li class="indx">Linke, Oskar <a href="#Seite_52">52</a>.</li> - -<li class="indx">Lohmeyer, Julius <a href="#Seite_60">60</a>.</li> - -<li class="indx">Lorm, Hieronymus <a href="#Seite_62">62</a>.</li> - -<li class="indx">Lubliner, Hugo <a href="#Seite_53">53</a>.</li> - -<li class="ifrst">Mackay, John Henry <a href="#Seite_68">68</a>.</li> - -<li class="indx">Marlitt, E. <a href="#Seite_63">63</a>.</li> - -<li class="indx">Marriot, Emil <a href="#Seite_98">98</a>.</li> - -<li class="indx">Mauthner, Fritz <a href="#Seite_78">78</a>.</li> - -<li class="indx">Megede, Johannes Rich. zur <a href="#Seite_82">82</a>.</li> - -<li class="indx">Meyer, Conrad Ferdinand <a href="#Seite_32">32</a>.</li> - -<li class="indx">Meyer, Johann <a href="#Seite_47">47</a>.</li> - -<li class="indx">Milow, Stephan <a href="#Seite_40">40</a>.</li> - -<li class="indx">Mombert, Alfred <a href="#Seite_103">103</a>.</li> - -<li class="indx">Möser, Albert <a href="#Seite_37">37</a>.</li> - -<li class="indx">Moser, Gustav von <a href="#Seite_54">54</a>.</li> - -<li class="indx">Mysing, Oscar <a href="#Seite_75">75</a>.</li> - -<li class="ifrst">Naaff, Anton August <a href="#Seite_70">70</a>.</li> - -<li class="indx">Niemann, August <a href="#Seite_77">77</a>.</li> - -<li class="indx">Niese, Charlotte <a href="#Seite_48">48</a>.</li> - -<li class="indx">Nordau, Max <a href="#Seite_83">83</a>.</li> - -<li class="indx">Nordhausen, Richard <a href="#Seite_76">76</a>.</li> - -<li class="ifrst">Ohorn, Anton <a href="#Seite_70">70</a>.</li> - -<li class="indx">Ompteda, Georg von <a href="#Seite_75">75</a>.</li> - -<li class="ifrst">Palmer, Ludwig <a href="#Seite_94">94</a>.</li> - -<li class="indx">Pantenius, Theod. Herrmann <a href="#Seite_45">45</a>.</li> - -<li class="indx">Paulus, Eduard <a href="#Seite_42">42</a>.</li> - -<li class="indx">Perfall, Anton von <a href="#Seite_75">75</a>.</li> - -<li class="indx">Perfall, Karl von <a href="#Seite_75">75</a>.</li> - -<li class="indx">Peschkau, Emil <a href="#Seite_83">83</a>.</li> - -<li class="indx">Philippi, Felix <a href="#Seite_89">89</a>.</li> - -<li class="indx">Pichler, Adolf <a href="#Seite_69">69</a>.</li> - -<li class="indx">Polenz, Wilhelm von <a href="#Seite_75">75</a>.</li> - -<li class="indx">Preuschen, Hermione von <a href="#Seite_98">98</a>.</li> - -<li class="indx">Pröll, Karl <a href="#Seite_69">69</a>.</li> - -<li class="indx">Przybyszewski, Stanislaw <a href="#Seite_100">100</a>.</li> - -<li class="indx">Puttkamer, Alberta von <a href="#Seite_62">62</a>.</li> - -<li class="ifrst">Raabe, Wilhelm <a href="#Seite_58">58</a>.</li> - -<li class="indx">Reder, Heinrich von <a href="#Seite_56">56</a>.</li> - -<li class="indx">Redwitz, Oskar von <a href="#Seite_43">43</a>.</li> - -<li class="indx">Renner, Gustav <a href="#Seite_94">94</a>.</li> - -<li class="indx">Reuter, Gabriele <a href="#Seite_98">98</a>.</li> - -<li class="indx">Riehl, Wilhelm Heinrich <a href="#Seite_49">49</a>.</li> - -<li class="indx">Ritter, Anna <a href="#Seite_94">94</a>.</li> - -<li class="indx">Rittershaus, Emil <a href="#Seite_58">58</a>.</li> - -<li class="indx">Roberts, Alexander von <a href="#Seite_74">74</a>.</li> - -<li class="indx">Rodenberg, Julius <a href="#Seite_41">41</a>.</li> - -<li class="indx">Roquette, Otto <a href="#Seite_43">43</a>.</li> - -<li class="indx">Rosegger, Peter <a href="#Seite_45">45</a>.</li> - -<li class="indx">Rosmer, Ernst <a href="#Seite_91">91</a>.</li> - -<li class="indx">Ruederer, Josef <a href="#Seite_90">90</a>.</li> - -<li class="indx">Rüttenauer, Benno <a href="#Seite_96">96</a>.</li> - -<li class="ifrst">Saar, Ferdinand von <a href="#Seite_55">55</a>.</li> - -<li class="indx">Sacher-Masoch, Leopold von <a href="#Seite_50">50</a>.</li> - -<li class="indx"> -Salus, Hugo <a href="#Seite_102">102</a>. -<span class="pagenum"><a id="Seite_136"></a>[136]</span></li> - -<li class="indx">Samarow, Gregor <a href="#Seite_84">84</a>.</li> - -<li class="indx">Schack, Adolf Friedr., Graf v. <a href="#Seite_36">36</a>.</li> - -<li class="indx">Scheerbart, Paul <a href="#Seite_103">103</a>.</li> - -<li class="indx">Scheffel, Josef Victor von <a href="#Seite_56">56</a>.</li> - -<li class="indx">Schlaf, Johannes <a href="#Seite_99">99</a>.</li> - -<li class="indx">Schmid, Hermann von <a href="#Seite_46">46</a>.</li> - -<li class="indx">Schmidt, Maximilian <a href="#Seite_46">46</a>.</li> - -<li class="indx">Schmitthenner, Adolf <a href="#Seite_75">75</a>.</li> - -<li class="indx">Schnitzler, Arthur <a href="#Seite_89">89</a>.</li> - -<li class="indx">Scholz, Wilhelm von <a href="#Seite_101">101</a>.</li> - -<li class="indx">Schönaich-Carolath, Emil Prinz von <a href="#Seite_62">62</a>.</li> - -<li class="indx">Schubin, Ossip <a href="#Seite_81">81</a>.</li> - -<li class="indx">Schullern, Heinrich von <a href="#Seite_104">104</a>.</li> - -<li class="indx">Seidel, Heinrich <a href="#Seite_59">59</a>.</li> - -<li class="indx">Siegfried, Walter <a href="#Seite_96">96</a>.</li> - -<li class="indx">Sohnrey, Heinrich <a href="#Seite_49">49</a>.</li> - -<li class="indx">Sperl, August <a href="#Seite_48">48</a>.</li> - -<li class="indx">Spielhagen, Friedrich <a href="#Seite_30">30</a>.</li> - -<li class="indx">Spitteler, Carl <a href="#Seite_95">95</a>.</li> - -<li class="indx">Steinhausen, Heinrich <a href="#Seite_43">43</a>.</li> - -<li class="indx">Stern, Adolf <a href="#Seite_55">55</a>.</li> - -<li class="indx">Stern, Maurice Reinhold von <a href="#Seite_68">68</a>.</li> - -<li class="indx">Stieler, Karl <a href="#Seite_45">45</a>.</li> - -<li class="indx">Stinde, Julius <a href="#Seite_60">60</a>.</li> - -<li class="indx">Storm, Theodor <a href="#Seite_33">33</a>.</li> - -<li class="indx">Stratz, Rudolf <a href="#Seite_79">79</a>.</li> - -<li class="indx">Sturm, Julius <a href="#Seite_57">57</a>.</li> - -<li class="indx">Sudermann, Hermann <a href="#Seite_87">87</a>.</li> - -<li class="indx">Suttner, Bertha von <a href="#Seite_82">82</a>.</li> - -<li class="ifrst">Taylor, George <a href="#Seite_51">51</a>.</li> - -<li class="indx">Telmann, Konrad <a href="#Seite_74">74</a>.</li> - -<li class="indx">Torresani, Baron Carl <a href="#Seite_81">81</a>.</li> - -<li class="indx">Tovote, Heinz <a href="#Seite_76">76</a>.</li> - -<li class="indx">Traeger, Albert <a href="#Seite_58">58</a>.</li> - -<li class="indx">Trojan, Johannes <a href="#Seite_60">60</a>.</li> - -<li class="ifrst">Viebig, Clara <a href="#Seite_48">48</a>.</li> - -<li class="indx">Vierordt, Heinrich <a href="#Seite_37">37</a>.</li> - -<li class="indx">Villinger, Hermine <a href="#Seite_47">47</a>.</li> - -<li class="indx">Vischer, Friedrich Theodor <a href="#Seite_39">39</a>.</li> - -<li class="indx">Voß, Richard <a href="#Seite_73">73</a>.</li> - -<li class="ifrst">Wagner, Christian <a href="#Seite_96">96</a>.</li> - -<li class="indx">Waldmüller, Robert <a href="#Seite_40">40</a>.</li> - -<li class="indx">Walloth, Wilhelm <a href="#Seite_66">66</a>.</li> - -<li class="indx">Wallpach, Arthur von <a href="#Seite_103">103</a>.</li> - -<li class="indx">Weber, Friedrich Wilhelm <a href="#Seite_38">38</a>.</li> - -<li class="indx">Weber-Lutkow, Hanns <a href="#Seite_105">105</a>.</li> - -<li class="indx">Wedekind, Frank <a href="#Seite_101">101</a>.</li> - -<li class="indx">Weigand, Wilhelm <a href="#Seite_95">95</a>.</li> - -<li class="indx">Weilhart, Oskar <a href="#Seite_104">104</a>.</li> - -<li class="indx">Weitbrecht, Karl <a href="#Seite_42">42</a>.</li> - -<li class="indx">Werner, E. <a href="#Seite_63">63</a>.</li> - -<li class="indx">Westarp, Adolf Graf von <a href="#Seite_70">70</a>.</li> - -<li class="indx">Westkirch, Luise <a href="#Seite_81">81</a>.</li> - -<li class="indx">Wichert, Ernst <a href="#Seite_77">77</a>.</li> - -<li class="indx">Widmann, Jos. Viktor <a href="#Seite_96">96</a>.</li> - -<li class="indx">Wilbrandt, Adolf <a href="#Seite_73">73</a>.</li> - -<li class="indx">Wildenbruch, Ernst von <a href="#Seite_85">85</a>.</li> - -<li class="indx">Wille, Bruno <a href="#Seite_69">69</a>.</li> - -<li class="indx">Wolff, Julius <a href="#Seite_57">57</a>.</li> - -<li class="indx">Wolters, Wilhelm <a href="#Seite_79">79</a>.</li> - -<li class="indx">Wolzogen, Ernst von <a href="#Seite_73">73</a>.</li> - -<li class="ifrst">Zobeltitz, Fedor von <a href="#Seite_80">80</a>.</li> - -<li class="indx">Zobeltitz, Hanns von <a href="#Seite_80">80</a>.</li> - -<li class="indx">Zolling, Theophil <a href="#Seite_78">78</a>.</li> - -<li class="indx">Zoozmann, Richard <a href="#Seite_93">93</a>.</li> -</ul> - -<hr class="tb" /> - -<p class="center">Druck von Paul Dünnhaupt in Cöthen (Anhalt).</p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="transnote chapter" id="tnextra"> - -<p class="h2">Weitere Anmerkungen zur Transkription</p> - -<p>Offensichtliche Fehler wurden stillschweigend korrigiert. Ansonsten wurden -unterschiedliche Schreibweisen des Originals beibehalten.</p> - -<p>Korrekturen:</p> -<div class="corr"> -<p> -S. 25: herausschaffen → heraus schaffen<br /> -aus der germanischen Volksseele <a href="#corr025">heraus schaffen</a></p> -<p> -S. 34: 1890 → 1830<br /> -Paul Heyse, geb. am 15. März <a href="#corr034">1830</a> in Berlin</p> -<p> -S. 67: hinter → vor<br /> -eine große Zukunft <a href="#corr067">vor</a> sich hat</p> -<p> -S. 75. 24. 1854 → 24. Mai 1854<br /> -Adolf Schmitthenner, geb. am <a href="#corr075">24. Mai 1854</a></p> -<p> -S. 113: verschnöckelt → verschnörkelt<br /> -Druckschrift so <a href="#corr113">verschnörkelt</a> und entartet</p> -</div> -</div> -<div style='display:block; margin-top:4em'>*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE LETZTEN ZWANZIG JAHRE DEUTSCHER LITTERATURGESCHICHTE 1880–1900 ***</div> -<div style='display:block; margin:1em 0'> -Updated editions will replace the previous one—the old editions will -be renamed. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -Creating the works from print editions not protected by U.S. copyright -law means that no one owns a United States copyright in these works, -so the Foundation (and you!) can copy and distribute it in the United -States without permission and without paying copyright -royalties. Special rules, set forth in the General Terms of Use part -of this license, apply to copying and distributing Project -Gutenberg™ electronic works to protect the PROJECT GUTENBERG™ -concept and trademark. 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Redistribution is subject to the trademark -license, especially commercial redistribution. -</div> - -<div style='margin:0.83em 0; font-size:1.1em; text-align:center'>START: FULL LICENSE<br /> -<span style='font-size:smaller'>THE FULL PROJECT GUTENBERG LICENSE<br /> -PLEASE READ THIS BEFORE YOU DISTRIBUTE OR USE THIS WORK</span> -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -To protect the Project Gutenberg™ mission of promoting the free -distribution of electronic works, by using or distributing this work -(or any other work associated in any way with the phrase “Project -Gutenberg”), you agree to comply with all the terms of the Full -Project Gutenberg™ License available with this file or online at -www.gutenberg.org/license. -</div> - -<div style='display:block; font-size:1.1em; margin:1em 0; font-weight:bold'> -Section 1. General Terms of Use and Redistributing Project Gutenberg™ electronic works -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -1.A. By reading or using any part of this Project Gutenberg™ -electronic work, you indicate that you have read, understand, agree to -and accept all the terms of this license and intellectual property -(trademark/copyright) agreement. If you do not agree to abide by all -the terms of this agreement, you must cease using and return or -destroy all copies of Project Gutenberg™ electronic works in your -possession. If you paid a fee for obtaining a copy of or access to a -Project Gutenberg™ electronic work and you do not agree to be bound -by the terms of this agreement, you may obtain a refund from the person -or entity to whom you paid the fee as set forth in paragraph 1.E.8. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -1.B. “Project Gutenberg” is a registered trademark. It may only be -used on or associated in any way with an electronic work by people who -agree to be bound by the terms of this agreement. There are a few -things that you can do with most Project Gutenberg™ electronic works -even without complying with the full terms of this agreement. See -paragraph 1.C below. There are a lot of things you can do with Project -Gutenberg™ electronic works if you follow the terms of this -agreement and help preserve free future access to Project Gutenberg™ -electronic works. See paragraph 1.E below. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -1.C. The Project Gutenberg Literary Archive Foundation (“the -Foundation” or PGLAF), owns a compilation copyright in the collection -of Project Gutenberg™ electronic works. Nearly all the individual -works in the collection are in the public domain in the United -States. 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If any disclaimer or limitation set forth in this agreement -violates the law of the state applicable to this agreement, the -agreement shall be interpreted to make the maximum disclaimer or -limitation permitted by the applicable state law. The invalidity or -unenforceability of any provision of this agreement shall not void the -remaining provisions. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -1.F.6. INDEMNITY - You agree to indemnify and hold the Foundation, the -trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone -providing copies of Project Gutenberg™ electronic works in -accordance with this agreement, and any volunteers associated with the -production, promotion and distribution of Project Gutenberg™ -electronic works, harmless from all liability, costs and expenses, -including legal fees, that arise directly or indirectly from any of -the following which you do or cause to occur: (a) distribution of this -or any Project Gutenberg™ work, (b) alteration, modification, or -additions or deletions to any Project Gutenberg™ work, and (c) any -Defect you cause. -</div> - -<div style='display:block; font-size:1.1em; margin:1em 0; font-weight:bold'> -Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg™ -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -Project Gutenberg™ is synonymous with the free distribution of -electronic works in formats readable by the widest variety of -computers including obsolete, old, middle-aged and new computers. It -exists because of the efforts of hundreds of volunteers and donations -from people in all walks of life. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -Volunteers and financial support to provide volunteers with the -assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg™’s -goals and ensuring that the Project Gutenberg™ collection will -remain freely available for generations to come. In 2001, the Project -Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure -and permanent future for Project Gutenberg™ and future -generations. To learn more about the Project Gutenberg Literary -Archive Foundation and how your efforts and donations can help, see -Sections 3 and 4 and the Foundation information page at www.gutenberg.org. -</div> - -<div style='display:block; font-size:1.1em; margin:1em 0; font-weight:bold'> -Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non-profit -501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the -state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal -Revenue Service. The Foundation’s EIN or federal tax identification -number is 64-6221541. Contributions to the Project Gutenberg Literary -Archive Foundation are tax deductible to the full extent permitted by -U.S. federal laws and your state’s laws. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -The Foundation’s business office is located at 809 North 1500 West, -Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887. Email contact links and up -to date contact information can be found at the Foundation’s web site -and official page at www.gutenberg.org/contact -</div> - -<div style='display:block; font-size:1.1em; margin:1em 0; font-weight:bold'> -Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg Literary Archive Foundation -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -Project Gutenberg™ depends upon and cannot survive without widespread -public support and donations to carry out its mission of -increasing the number of public domain and licensed works that can be -freely distributed in machine-readable form accessible by the widest -array of equipment including outdated equipment. Many small donations -($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt -status with the IRS. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -The Foundation is committed to complying with the laws regulating -charities and charitable donations in all 50 states of the United -States. Compliance requirements are not uniform and it takes a -considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up -with these requirements. We do not solicit donations in locations -where we have not received written confirmation of compliance. To SEND -DONATIONS or determine the status of compliance for any particular state -visit <a href="https://www.gutenberg.org/donate/">www.gutenberg.org/donate</a>. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -While we cannot and do not solicit contributions from states where we -have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition -against accepting unsolicited donations from donors in such states who -approach us with offers to donate. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -International donations are gratefully accepted, but we cannot make -any statements concerning tax treatment of donations received from -outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation -methods and addresses. Donations are accepted in a number of other -ways including checks, online payments and credit card donations. To -donate, please visit: www.gutenberg.org/donate -</div> - -<div style='display:block; font-size:1.1em; margin:1em 0; font-weight:bold'> -Section 5. General Information About Project Gutenberg™ electronic works -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -Professor Michael S. Hart was the originator of the Project -Gutenberg™ concept of a library of electronic works that could be -freely shared with anyone. For forty years, he produced and -distributed Project Gutenberg™ eBooks with only a loose network of -volunteer support. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -Project Gutenberg™ eBooks are often created from several printed -editions, all of which are confirmed as not protected by copyright in -the U.S. unless a copyright notice is included. Thus, we do not -necessarily keep eBooks in compliance with any particular paper -edition. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -Most people start at our Web site which has the main PG search -facility: <a href="https://www.gutenberg.org">www.gutenberg.org</a>. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -This Web site includes information about Project Gutenberg™, -including how to make donations to the Project Gutenberg Literary -Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to -subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks. -</div> - -</body> -</html> diff --git a/old/64245-h/images/cover.jpg b/old/64245-h/images/cover.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 6bee9f6..0000000 --- a/old/64245-h/images/cover.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/64245-h/images/illu-001.jpg b/old/64245-h/images/illu-001.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 32d8d50..0000000 --- a/old/64245-h/images/illu-001.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/64245-h/images/illu-003.jpg b/old/64245-h/images/illu-003.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 47bbd1f..0000000 --- a/old/64245-h/images/illu-003.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/64245-h/images/signet.jpg b/old/64245-h/images/signet.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 4403601..0000000 --- a/old/64245-h/images/signet.jpg +++ /dev/null |
