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-The Project Gutenberg eBook of Die letzten zwanzig Jahre deutscher
-Litteraturgeschichte 1880–1900, by Emil Thomas
-
-This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and
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-whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it under the terms
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-using this eBook.
-
-Title: Die letzten zwanzig Jahre deutscher Litteraturgeschichte
- 1880–1900
-
-Author: Emil Thomas
-
-Release Date: January 09, 2021 [eBook #64245]
-
-Language: German
-
-Character set encoding: UTF-8
-
-Produced by: The Online Distributed Proofreading Team at
- https://www.pgdp.net
-
-*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE LETZTEN ZWANZIG JAHRE
-DEUTSCHER LITTERATURGESCHICHTE 1880–1900 ***
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- Anmerkungen zur Transkription
-
-
- Das Original ist in Fraktur gesetzt. Im Original gesperrter Text
- ist _so ausgezeichnet_. Im Original in Antiqua gesetzter Text ist
- ~so markiert~. Im Original fetter Text ist =so dargestellt=.
-
- Weitere Anmerkungen zur Transkription befinden sich am Ende des
- Buches.
-
- Dieses E-Book wurde anläßlich des 20. Jubiläums von »Distributed
- Proofreaders« erstellt.
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- Die letzten zwanzig
- Jahre deutscher
- Litteraturgeschichte.
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- Die letzten zwanzig
- Jahre deutscher
- Litteraturgeschichte
- 1880--1900
-
- Im Abriß dargestellt
- von Emil Thomas.
-
- 2., durchgesehene Auflage.
-
- (4. bis 8. Tausend.)
-
- [Illustration]
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- Leipzig 1900
- Verlag von _Walther Fiedler_.
-
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-Vorwort.
-
-
-Es sind in neuester Zeit vielfach Versuche einer Darstellung der
-Litteratur der letzten Jahre unternommen worden[1] und es war dies
-umsomehr von nöten, als unsere besten Litteraturgeschichten im Stich
-lassen, sobald die Litteratur der letzten Jahrzehnte in Frage kommt.
-Selbst Vogt und Kochs Litteraturgeschichte, die im vorigen Jahre zur
-Ausgabe gelangte, ein sonst tüchtiges und zuverlässiges Werk, macht vor
-der modernen Litteratur Halt und behandelt die Zeit von dem Auftreten
-der »Jüngsten« an in einer wahrhaft stiefmütterlichen Weise, die zu
-dem Ganzen in keinem Verhältnis steht und deutlich erkennen läßt, wie
-wenig die Verfasser über die moderne Litteratur unterrichtet sind.
-Wenn man nun auch zugeben muß, daß es mit Schwierigkeiten verbunden
-ist, klar und übersichtlich eine Periode darzustellen, in der noch
-alles Leben und Bewegung ist, die noch nicht einmal äußerlich zu
-einem gewissen Abschluß gelangt ist, so erscheint es doch nicht
-angängig, aus einer zeitlich nicht begrenzten Litteraturgeschichte die
-moderne Litteratur auszuschließen oder sie in ungenügender Weise zur
-Darstellung zu bringen. Denn nichts liegt dem Interesse näher, als was
-uns zeitlich naheliegt, und es ist sehr wohl möglich, zeitgenössische
-Schriftsteller und ihre vorliegenden Werke zu beurteilen, auch auf
-die Gefahr hin, daß durch spätere Schöpfungen neue charakteristische
-Züge in das Bild Aufnahme finden müssen. Darstellen läßt sich also
-die Litteraturperiode der letzten Jahre -- fraglich ist nur, ob der
-Bericht über dieselbe, 10 oder 20 Jahre später, nicht derartige
-Korrekturen erfahren wird, daß Urteil und Anschauung der Gegenwart
-dadurch für die spätere Zeit vollständig entwertet werden. Strömungen
-und Unterströmungen auf litterarischem Gebiete sind für denjenigen,
-der mitten in der darzustellenden Periode steht, nur schwer erkennbar,
-und auch das Urteil des vorurteilslosen Beobachters wird von der
-Parteien Haß und Gunst verwirrt, besonders in einer Zeit, die an Stelle
-der litterarischen _Persönlichkeiten_ litterarische _Schulen_ setzt
-und durch Schlagworte zu ersetzen sucht, was ihr an litterarischem
-Verständnis abgeht.
-
- [1] Neben den Studien zur neueren Litteratur, die
- Professor Erich Schmidt, Adolf Stern und Franz Muncker
- veröffentlichten, sind vor allem das Buch B. Litzmann's
- über das deutsche Drama der Gegenwart, sowie Alfred Bieses
- Lyrische Dichtung und neuere deutsche Lyriker, Wolff's
- Geschichte der deutschen Litteratur in der Gegenwart,
- Adolf Bartels, Die deutsche Dichtung der Gegenwart, Edgar
- Steiger, Das Werden des neuen Dramas, und Richard M. Meyers
- Geschichte der deutschen Litteratur im 19. Jahrhundert, zu
- nennen.
-
-Wir sagten, daß in 10 oder 20 Jahren das jetzt abgegebene Urteil
-über unsere moderne Litteratur eine Wandlung erfahren wird, und
-je weiter wir uns von der Gegenwart entfernen, destomehr wird die
-zeitgenössische Kritik von der späterer Zeiten sich als unterschiedlich
-erweisen. Sie wird ruhiger, objektiver ausfallen, aber sie braucht
-darum nicht »richtiger« zu sein, denn der Wert eines Buches darf
-nicht nur danach bemessen werden, daß es noch kommenden Geschlechtern
-etwas zu sagen hat, er kann auch darin bestehen, daß es, allein
-für seine Zeit geschrieben, auch nur dieser nützt. Da wir aber
-die Litteraturgeschichte aus der Kulturgeschichte ausscheiden und
-ihr eine selbständige Stellung -- ob mit Recht oder Unrecht, sei
-dahingestellt -- angewiesen haben, so werden in ihr alle diejenigen
-Werke zu kurz kommen, die allein für ihre Zeit berechnet und nur diese
-fördernd, nicht künstlerischen Gehalt oder genügendes Interesse für
-die Zukunft mitbringen. Noch ein weiterer Grund kommt hinzu, um die
-Aufgabe der Litteraturgeschichte zu erschweren: der, daß niemand,
-und sei er noch so belesen, in der Lage sein wird, ohne Anleihen
-bei anderen zu machen, ein Urteil über die Litteratur, selbst eines
-so begrenzten Zeitraumes, wie es der von 1880--1900 ist, abgeben
-zu können. Denn um festzustellen, welcher Dichter und welches Werk
-in diese Litteraturgeschichte aufzunehmen wären, müßte, unter der
-Voraussetzung einer Befähigung, über alles urteilen zu können, ein
-eingehendes Studium aller in dem betreffenden Zeitraum erschienener
-Werke vorausgehen. Denn wie könnte jemand, der nicht das ganze Gebiet
-beherrscht, wissen, ob er nicht das Wichtigste übersehen, ob ihm nicht
-gerade das entgangen, auf das das meiste Gewicht zu legen wäre? Wäre
-er allein in der Lage, auch nur über eine beschränkte Anzahl Werke ein
-Urteil abzugeben, sie litterarisch zu werten, und könnte dies immer
-unter Ausschaltung alles Persönlichen geschehen? Könnte er sich ganz
-dem Einflusse entziehen, den auch ein minder gutes Buch ausüben kann,
-das ihm persönlich mehr als den anderen zu sagen hat oder das in einer
-Stimmung zur Hand genommen wurde, die es für ihn in einem besonderen
-Lichte erscheinen ließ? Und wird derselbe Autor, der, 30 Jahre alt,
-ein Werk kritisiert, mit 40 Jahren noch dasselbe Urteil über das Werk
-abgeben? Ein persönliches Gepräge kann eine Litteraturgeschichte nur
-in einzelnen Zügen tragen und auch diese müssen mit Vorsicht gegeben
-und durch die Urteile sachverständiger Kritiker wenigstens kontrolliert
-werden. Gerade weil selbst ein eng begrenztes Gebiet zu beherrschen
-unmöglich ist, kann der Autor einer Litteraturgeschichte kaum etwas
-anderes sein als ein Kompilator, der die abgegebenen Urteile in
-litteraturgeschichtlichen und verwandten Büchern und Zeitschriften
-abzuwägen, zu kontrollieren und aus ihnen das Facit zu ziehen hat. Er
-wird nie, und wenn er seinen Namen noch so fett auf das Titelblatt
-schreibt, ganz aus Persönlichem heraus eine Litteraturgeschichte
-schreiben und sagen können: so denke ich über alle jene Werke, zu denen
-ich in dem und dem Verhältnis stehe.
-
-Allerdings soll eine Litteraturgeschichte in ihrer Gesamtheit
-mehr sein, als ein Sammelsurium von Urteilen, die Hinz und Kunz
-über Bücher und Autoren abgeben und die Müller oder Schulze dann
-»kontrollieren« und »abwägen«: eine Litteraturgeschichte muß vor
-allem auf die geistigen Strömungen das Hauptgewicht legen, sie muß,
-wenn sie Wert besitzen soll, uns zeigen, wie sich diese in dem
-Kopfe des Verfassers darstellen, der bei einer Geschichte mehr auf
-den geistigen Zusammenhang, auf die typischen Erscheinungen, als
-auf ihre Repräsentanten zu achten hat. Die Geschichtsschreibung,
-die nur die »Haupt- und Staatsaktionen« kannte und darstellte,
-hat sich überlebt, die politische Geschichte von ehemals ist der
-Kulturgeschichte gewichen, die versuchen muß, uns aus der Zeit heraus
-die Erscheinungen zu erklären und verständlich zu machen. Von der
-Litteraturgeschichte muß aber noch mehr gefordert werden. Vor allem
-ist ihre Aufgabe, reinlich zu scheiden zwischen dem, was Mode, Reklame
-und Marktschreierei, gute Freunde und getreue Nachbarn aus einem Autor
-gemacht haben, und dem, was ihm an wirklichem Verdienste, nach seinem
-Können, zukommt. Sie hat sich mit den schlechten Autoren, die den
-litterarischen Geschmack einer Zeit _wesentlich_ beeinflussen, ebenso
-abzufinden wie mit den guten, hat auch der _besonderen_ Beeinflussung
-älterer Werke und Autoren, die für eine Zeit wieder lebendig geworden
-sind, zu gedenken, sie muß -- und das nicht zuletzt -- auch gutzumachen
-suchen, was an einem Autor gesündigt wurde, dessen Talent sich
-mit jedem der durch Verlegerreklame und Cliquenwirtschaft bekannt
-gewordenen »Jungen« und Modernen messen kann, der aber den Fehler
-beging, nur seine Bücher und nicht auch seine Freunde und Vettern für
-sich reden zu lassen.
-
- * * * * *
-
-Es bedarf wohl einer Erklärung, warum der vorliegende Abriß der
-deutschen Litteraturgeschichte der Gegenwart mit dem Jahre 1880 und
-nicht, wie dies sonst üblich, mit dem Tode Goethes (1832) oder dem
-Ausbruche des deutsch-französischen Krieges (1870) beginnt.
-
-Das eine wie das andere Jahr kommt für die Litteratur wenig in
-Betracht. Der Tod Goethes, wie der Ausbruch des Krieges waren rein
-äußere Umstände: der erstere beendete nicht das goldene Zeitalter
-unserer Litteratur, das mit dem Erscheinen des ersten Teils von Faust
-sein Ende erreichte, und der letztere leitete keine neue Epoche unserer
-Litteratur ein. Wenn es auch gefährlich ist, den Beginn einer neuen
-Litteraturperiode durch ein bestimmtes Jahr festzulegen, so haben
-doch, nach unserem Dafürhalten, die 80er Jahre mehr Berechtigung, als
-Ausgangspunkt bei der Darstellung der modernen Litteratur angenommen zu
-werden, als das Jahr 1870, das nicht einmal auf einem litterarischen
-Gebiete -- der Kriegslyrik -- neue Blüten trieb, sondern nur politisch
-von Bedeutung ist. Nimmt man ein bestimmtes Jahr zum Ausgangspunkt
-an, so entsteht die Frage, inwieweit sich ein Zurückgreifen auf die
-vorhergehenden Jahre zum besseren Verständnisse des angesetzten
-Jahres notwendig macht. Litterarische Erscheinungen wie Freytag und
-Spielhagen -- um Beispiele aus der modernen Litteratur anzuführen --
-hatten ihren Vorläufer in Gutzkow, wie Heyse's Schaffen schließlich auf
-Goethe zurückführt. Und noch eine andere Schwierigkeit erwächst dem
-Litterarhistoriker bei der Darstellung eines bestimmten, engbegrenzten
-Zeitraumes. Heyses, Spielhagens und Freytags litterarische Bedeutung
-und Erfolge -- um bei den einmal Genannten zu bleiben -- gehören
-einer vergangenen Periode an, sie waren es nicht, die der neueren
-Litteratur den Stempel aufdrückten und auch ihr eigenes litterarisches
-Charakterbild erhielt durch ihre späteren Schöpfungen keine neuen Züge.
-Das trifft selbst bei einem Autor wie Spielhagen zu, der sich wie kaum
-ein anderer unter den Alten bemüht hat, die neue Zeit zu verstehen und
-mit ihr zu paktieren, aber doch immer der alte Spielhagen der 70er
-Jahre blieb.
-
-Die älteren Dichter sind daher in dem vorliegenden Abriß nur
-stiefmütterlich behandelt worden, eine Taktik, die auch darauf
-zurückzuführen ist, daß es nicht schwer hält, sich über sie anderenorts
-zu informieren. Wir wollten vor allem den geringen Raum, der uns zur
-Verfügung steht -- das Werkchen ist ein etwas erweiterter Abdruck
-aus dem »Buchhändler-Kalender für 1900« -- benutzen, um auf die
-»neuesten und allerneuesten« Dichter aufmerksam zu machen. Daß wir
-auch hier nur Einzelbilder und Einzelerscheinungen herausgreifen
-konnten und auf eine Darstellung der _Entwickelung der neuesten
-Litteratur_ verzichten mußten, findet gleichfalls seine Erklärung in
-der uns auferlegten räumlichen Beschränkung. Sie verführte auch, im
-Gegensatze zu unserer Anschauung, daß eine Litteraturgeschichte nicht
-nur die schöngeistigen Schriften, sondern das gesamte Geistesleben zu
-umfassen hat, soweit es seinen Ausdruck in der Litteratur findet und
-nicht rein fachwissenschaftlicher Natur ist, zu einer ausschließlichen
-Berücksichtigung der Belletristik, so daß man Namen wie: Büchner,
-Eduard v. Hartmann, Friedrich Nietzsche, Schopenhauer, Stirner,
-Gregorovius, Treitschke, Sybel, Ranke, Mommsen, Schäffle, Ihering,
-Erich Schmidt, Paul de Lagarde, Karl Hillebrand, Victor Hehn, Herman
-Grimm, Otto Gildemeister, Bamberger, Fürst Bismarck, Richard Wagner u.
-a., in den »Charakteristiken« nicht begegnen wird, so sehr sie Anspruch
-auf Aufnahme in eine moderne Litteraturgeschichte haben. Dagegen wird
-man es in einer speciell für Buchhändler, Litteraten etc. bestimmten
-Litteraturgeschichte gerechtfertigt finden, daß wir nicht sowohl den
-Versuch einer Charakteristik der litterarischen und verwandten Blätter
-unternommen, als auch auf den Anteil hingewiesen haben, der dem
-Verlagsbuchhandel an der Entwicklung unserer Litteratur zukommt.
-
-Was die in den »Charakteristiken« angeführten Dichter betrifft, so
-wird gewiß schon im kommenden Jahrzehnt eine ganze Reihe in der
-Versenkung verschwinden und anderen Platz machen müssen, die jetzt
-bescheiden bei Seite stehen, unbeachtet von der Kritik und dem großen
-Publikum. Ihr Ruhm wird dauernder sein als der unserer litterarischen
-Tagesgrößen, wenn auch eine Litteraturgeschichte so geringen Umfangs
-und mit so bescheidenen Aufgaben wie die vorliegende, nur vorsichtig
-für einzelne von ihnen eintreten kann. Denn auf die Freude, gerade den
-_Könnern_ ohne Anhang in der Presse und im Publikum zu ihrem Rechte zu
-verhelfen, muß der Verfasser eines Werkchens verzichten, das seiner
-ganzen Anlage nach nur für die Gegenwart berechnet, keine Umwertung der
-jetzigen litterarischen Werte vornehmen kann, sondern allein den Zweck
-verfolgt, über die bekannteren Schriftsteller und ihre Werke ein paar
-orientierende Notizen zu geben, mit denen sich die Benutzer besser im
-litterarischen Leben zurechtfinden können.
-
- _Leipzig_, März 1900.
-
- =Emil Thomas.=
-
-
-
-
-Inhaltsverzeichnis.
-
-
- Seite
-
- _Vorwort_ 5
-
- _Überblick_ 18
-
- _Charakteristiken_:
-
- _Die Romanciers der alten Schule_ 29
-
- Gustav Freytag. -- Friedrich Spielhagen. -- Berthold
- Auerbach. -- Luise von François.
-
- _Die großen Novellisten der 70er und 80er Jahre_ 32
-
- Conrad Ferd. Meyer. -- Gottfried Keller. -- Theodor
- Storm. -- Paul Heyse.
-
- _Die Formtalente der alten Schule_ 35
-
- Emanuel Geibel. -- Friedr. v. Bodenstedt. -- Adolf
- Friedr. Graf v. Schack. -- Rob. Hamerling. -- Albert
- Moeser. -- Heinr. Vierordt.
-
- _Lyriker und Epiker der 70er und 80er Jahre_ 37
-
- Julius Grosse. -- Martin Greif. -- Joh. Georg Fischer.
- -- Friedr. Wilh. Weber. -- Friedrich Theod. Vischer. --
- Wilh. Jordan. -- Hermann Lingg. -- Stephan Milow. --
- Ludwig Eichrodt. -- Hermann Allmers. -- Robert Waldmüller.
- -- Rudolf Bunge. -- Adolf Brieger. -- Heinrich
- Bulthaupt. -- Julius Rodenberg. -- Karl Weitbrecht.
- -- Eduard Paulus. -- Isolde Kurz.
-
- _Die neuzeitlichen Romantiker_ 43
-
- Otto Roquette. -- Oskar von Redwitz. -- Heinrich Steinhausen.
- -- Wilhelm Hertz.
-
- _Die Dichter mit dem Erdgeruch_ 44
-
- Klaus Groth. -- Ludwig Anzengruber. -- Theod. Herrmann
- Pantenius. -- Peter Rosegger. -- Karl Stieler.
- -- Hermann von Schmid. -- Maximilian Schmidt. --
- Ludwig Ganghofer. -- Arthur Achleitner. -- Johann
- Meyer. -- Joh. Heinr. Fehrs. -- Timm Kröger. -- Heinr.
- Hansjakob. -- Hermine Villinger. -- Clara Viebig. --
- Adolf Bartels. -- Charlotte Niese. -- Ilse Frapan. --
- August Sperl. -- Heinrich Sohnrey.
-
- _Die Kulturnovellisten_ 49
-
- Wilhelm Heinrich Riehl. -- Karl Emil Franzos. -- Leopold
- Kompert. -- Leopold von Sacher-Masoch.
-
- _Die Dichter-Archäologen_ 50
-
- Georg Ebers. -- Felix Dahn. -- Ernst Eckstein. --
- George Taylor. -- Oskar Linke.
-
- _Die Dramatiker der alten Schule_ 52
-
- Rudolf v. Gottschall. -- Hans Herrig. -- Arthur Fitger.
- -- Heinrich Kruse. -- Albert Lindner.
-
- _Die sogenannten Lustspieldichter_ 53
-
- Oskar Blumenthal. -- Hugo Lubliner. -- Gustav von
- Moser. -- Adolf L'Arronge.
-
- _Die Übergangstalente_ 54
-
- Hans Hopfen. -- Wilhelmine von Hillern. -- Karl
- v. Heigel. -- Karl Frenzel. -- Adolf Stern. -- Ferdinand
- von Saar. -- Heinrich von Reder.
-
- _Vaganten und Spielmänner_ 56
-
- Josef Victor von Scheffel. -- Rudolf Baumbach. --
- Julius Wolff.
-
- _Die Goldschnittlyriker der 80er Jahre_ 57
-
- Karl Gerok. -- Julius Sturm. -- Albert Traeger. --
- Emil Rittershaus.
-
- _Die Beschaulichen_ 58
-
- Wilhelm Raabe. -- Wilhelm Busch. -- Hans Hoffmann.
- -- Heinrich Seidel. -- Victor Blüthgen.
-
- _Die Behaglichen_ 60
-
- Julius Stinde. -- Johannes Trojan. -- Julius Lohmeyer.
- -- Edwin Bormann. -- Georg Bötticher. -- Hans
- Arnold.
-
- _Die Dichter der Dekadenz_ 61
-
- Dranmor. -- Eduard Grisebach. -- Emil Prinz von
- Schönaich-Carolath. -- Hieronymus Lorm. -- Alberta
- von Puttkamer. -- Ada Christen.
-
- _Die Marlitt und ihre Schule_ 63
-
- E. Marlitt. -- W. Heimburg. -- E. Werner. -- Marie
- Bernhard. -- Nataly von Eschstruth.
-
- _Die »Jüngstdeutschen« und ihre Vorkämpfer_ 64
-
- Karl Bleibtreu. -- Michael Georg Conrad. -- Hermann
- Conradi. -- Konrad Alberti. -- Heinrich Hart. -- Julius
- Hart. -- Hermann Heiberg. -- Max Kretzer. -- Wilhelm
- Walloth. -- Wilhelm Arent. -- Wolfgang Kirchbach.
-
- _Socialistische Lyriker_ 67
-
- Arno Holz. -- Karl Henckell. -- Maurice Reinhold
- Stern. -- John Henry Mackay. -- Bruno Wille.
-
- _Die Nationalen_ 69
-
- Adolf Pichler. -- Karl Pröll. -- Fritz Lienhard. --
- Anton Ohorn. -- Anton Aug. Naaff. -- Ottomar
- Beta. -- Adolf Graf v. Westarp. -- E. Bauer. --
- Carl Kerstan.
-
- _Die großen neuzeitlichen Erzähler_ 71
-
- Theodor Fontane. -- Wilhelm Jensen. -- Marie von
- Ebner-Eschenbach. -- Adolf Wilbrandt. -- Richard Voß.
-
- _Realistische Erzähler_ 73
-
- Ernst von Wolzogen. -- Konrad Telmann. -- Alexander
- von Roberts. -- Georg v. Ompteda. -- Wilhelm v. Polenz.
- -- Ad. Schmitthenner. -- Karl v. Perfall. -- Anton
- v. Perfall. -- Oscar Mysing. -- Richard Nordhausen. --
- J. J. David. -- Felix Hollaender. -- Heinz Tovote.
-
- _Die Unterhaltungstalente_ 77
-
- Ernst Wichert. -- August Niemann. -- Gerhardt von
- Amyntor. -- Otto v. Leixner. -- Fritz Mauthner. --
- Theophil Zolling. -- Rudolf Stratz. -- Hans Land.
- -- Wilh. Wolters. -- Franz v. Königsbrun-Schaup.
- -- Fedor von Zobeltitz. -- Hanns von Zobeltitz. --
- Ida Boy-Ed. -- A. v. d. Elbe. -- Claire Glümer. --
- Sophie Junghans. -- Luise Westkirch.
-
- _Romanciers des ~High-life~_ 81
-
- Rudolf Lindau. -- Ossip Schubin. -- Baron Carl
- Torresani. -- Johannes Richard zur Megede. -- Bertha
- von Suttner.
-
- _Die Feuilletonisten_ 82
-
- Paul Lindau. -- Max Nordau. -- Julius Langbehn. --
- Emil Peschkau. -- Balduin Groller. -- Ferdinand
- Groß. -- Hermann Bahr. -- Maximilian Harden.
-
- _Die Industriellen_ 84
-
- Gregor Samarow. -- Alfr. Friedmann.
-
- _Die dramatischen Hauptmänner_ 85
-
- Ernst von Wildenbruch. -- Gerhart Hauptmann. --
- Hermann Sudermann.
-
- _Die kleineren Dramatiker der Neuzeit_ 88
-
- Max Halbe. -- Ludwig Fulda. -- Arthur Schnitzler. --
- Josef Lauff. -- Felix Philippi. -- Max Dreyer. --
- Josef Ruederer. -- Caesar Flaischlen. -- Otto Erich
- Hartleben. -- Philipp Langmann. -- Ernst Rosmer. --
- Georg Hirschfeld.
-
- _Tendenzfreie Lyriker der jüngsten Zeit_ 91
-
- Detlev von Liliencron. -- Gustav Falke. -- Carl
- Busse. -- Ludwig Jacobowski. -- Richard Zoozmann. --
- Reinhold Fuchs. -- Jeannot Emil Freiherr v. Grotthuß. --
- Ricarda Huch. -- Alfred Beetschen. -- Hans Bethge. --
- Anna Ritter. -- Johanna Ambrosius. -- Ludwig
- Palmer. -- Gustav Renner.
-
- _Philosophische und polemische Dichter_ 94
-
- Ferdinand Avenarius. -- Wilhelm Weigand. -- Otto
- Ernst. -- Carl Spitteler. -- Josef Viktor Widmann. --
- Christian Wagner. -- Wilhelm Bölsche. -- Walther
- Siegfried. -- Benno Rüttenauer.
-
- _Die Amazonen des Geistes_ 97
-
- Marie Eugenie delle Grazie. -- Helene Böhlau. -- Anna
- Croissant-Rust. -- Maria Janitschek. -- Emil Marriot. --
- Hermione von Preuschen. -- Lou Andreas-Salomé. --
- Gabriele Reuter. -- Anselm Heine. -- Hans von Kahlenberg.
- -- Elsa Asenijeff.
-
- _»Artisten«, Symbolisten und Unverstandene_ 99
-
- Johannes Schlaf. -- Otto Julius Bierbaum. -- Franz
- Evers. -- Stanislaw Przybyszewski. -- Richard Dehmel.
- -- Frank Wedekind. -- Wilhelm von Scholz. -- Felix
- Dörmann. -- Hugo v. Hofmannsthal. -- Hugo Salus.
- -- Peter Altenberg. -- Stephan George. -- Alfred
- Mombert. -- Paul Scheerbart.
-
- _Nationale Jungösterreicher_ 103
-
- Arthur von Wallpach. -- Franz Herold. -- Hermann
- Hango. -- Josef Kitir. -- Oskar Weilhart. -- Franz
- Adamus. -- Emil Ertl. -- Heinrich v. Schullern. --
- Hanns Weber-Lutkow. -- Hugo Greinz.
-
- _Zur Charakteristik litterarischer und verwandter
- Blätter_ 106
-
- _Der Verlagsbuchhandel und sein Anteil an der
- Litteratur der Gegenwart_ 118
-
- _Register der in den »Charakteristiken« angeführten
- Namen_ 133
-
-
-
-
-Überblick.
-
-
-Der deutsch-französische Krieg 1870/71 erfüllte das Sehnen der
-Nation nach Einheit und Macht unter einem neuen deutschen Kaisertum:
-eine neue Litteratur brachte er nicht. Selbst die Kriegslyrik trieb
-nur wenig neue Blüten; Schlag auf Schlag war draußen in Frankreich
-erfolgt, und ehe man Zeit fand, den jungen Ruhm dichterisch zu
-verherrlichen, war der Friede geschlossen. Was sehnsüchtig die Besten
-der Nation herbeigewünscht, war in Erfüllung gegangen, aber nach dem
-jahrzehntelangen Warten stand man zu plötzlich am Ziel, um die Wandlung
-begreifen zu können. In den Kabinetten war der Krieg beschlossen
-worden, die Volksseele hatte wenig Teil an ihm. Auch die Errichtung
-des deutschen Kaisertums war mehr ein Akt der Diplomatie, als der
-Ausfluß jenes Sehnens, das im Volke lebte und dessen Erfüllung man
-kaum noch erhoffte, als sie schon eingetreten war. Die wenigen großen
-Dichter, die wir um jene Zeit besaßen, waren in ihrer Entwicklung
-bereits abgeschlossen, als Bismarck Deutschland in den Sattel hob.
-Paul Heyse war zu sehr Künstler, Ästhetiker, als daß von ihm eine
-nationale Kunst ihren Ausgang nehmen konnte. Seine Sehnsucht ging mehr
-nach dem sonnigen Italien oder dem schönheitstrunkenen Hellas, als
-nach dem neuen Deutschen Reiche. Berthold Auerbach hatte sein Bestes
-schon geleistet und Gustav Freytags altfränkisch-philiströse Kunst
-fand sich ebensowenig im neuen Deutschland zurecht, wie Friedrich
-Spielhagens politisches Glaubensbekenntnis. Die beiden Schweizer
-Gottfried Keller und Conrad Ferd. Meyer standen zu weit ab vom
-Deutschen Reiche, um wirklichen Einfluß auf sein nationales Leben zu
-gewinnen. So verklang das Lied vom »Grünen Heinrich« in der Ferne und
-erst viel später wurde seine Melodie wieder gehört. Conrad Ferd. Meyers
-feinciselierte Kunst war nie Volkskunst, ihr Einfluß blieb auch später
-auf Litteraten- und Künstlerkreise beschränkt. Das Volk trug kein
-Verlangen nach Kunst; was es suchte, war Unterhaltung -- Genuß. Die
-Milliarden kamen ins Land und ein toller Taumel erfaßte alle Kreise:
-wer früher Wasser getrunken, berauschte sich jetzt in Champagner.
-Die Gründerperiode war angebrochen, das Gold übte seine Zauberkraft,
-alles in seinen Bann ziehend und alle anderen als vitale Interessen
-ertötend. Oskar Blumenthal und Paul Lindau, Namen, die heute schon vom
-litterarischen Schauplatz verschwunden sind, feierten ihre Triumphe,
-und das eroberte Paris war es, das seine litterarischen Schatzkammern
-öffnete und dem neuen Reich auch die »neue Kunst« gab. Sie war auch
-danach und ihrer Vertreter würdig. Die beiden Litteraturpäpste an der
-Spree waren aus dem Journalismus hervorgegangen. Beide suchten mit
-Pamphleten schlimmster Sorte ihr Ansehen zu begründen. Den »Allerlei
-Ungezogenheiten« des »blutigen Oscar« traten die »Litterarischen
-Rücksichtslosigkeiten« Lindaus ebenbürtig zur Seite. Alles, was in
-Deutschland einen Namen besaß, verfiel ihnen und wurde mit Spott
-und Hohn überschüttet. Paris war die Parole. Hatte das kriegerische
-Frankreich keine Lorbeeren gepflückt, so fielen sie jetzt dem
-künstlerischen Frankreich überreich in den Schoß. Selbst vor dem
-Kriege war die Abhängigkeit von unseren westlichen Nachbarn nicht so
-groß wie nach der Wiedergeburt Deutschlands, das sich erst auf seine
-Machtstellung besinnen mußte. Irregeleitet von falschen Propheten, die
-ihre Lehrjahre in Paris durchgemacht hatten, wußte das Volk nichts
-Besseres, als der leichtgeschürzten gallischen Muse zuzujubeln und ihre
-Kinder für den Inbegriff des Schönen und Wahren hinzustellen.
-
-Die Zeiten des Kulturkampfes waren der Entwickelung der deutschen
-Dichtung wenig günstig, die Handvoll wirklicher Poeten, die Deutschland
-besaß, ging unverstanden ihre Wege und viel später erst fand sie
-Anerkennung. Die Gründerperiode hatte bald abgewirtschaftet, der Krach
-kam, der Champagnerrausch verflog und nur der Katzenjammer blieb
-zurück. Damals wurde Schopenhauer Mode. Sein Schüler Grisebach sang
-seine Tannhäuserlieder, die die Stimmung des Volkes widerspiegeln,
-das von Genuß zu Genuß taumelt, bis ihm erwachend der Ekel kommt.
-Eine Zeit der Nüchternheit und Niedergeschlagenheit folgte den tollen
-Jahren, eine Zeit, in der die Litteratur auf die Zuneigung der höheren
-Töchter angewiesen war. Die Poesie flüchtete in die Gelehrtenstuben und
-drapierte sich malerisch mit griechischen und ägyptischen Gewändern,
-um sich ein besonderes Air zu geben. Es waren die Erntejahre der
-Dahn und Ebers. In ihrem Gefolge erschienen die Scheffel, Wolff und
-Baumbach und ließen ihre Spielmannsweisen ertönen. Die Romantik hat
-den Deutschen immer im Blute gesteckt und sie sollte auch im neuen
-Deutschen Reiche nicht zu kurz kommen. Was ihre Vertreter an gutem
-Geschmack noch übrig ließen, das richteten die Gartenlaube-Talente vom
-Schlage der Marlitt zu Grunde. Wohl hatte Storm bereits seine schönsten
-Lieder gesungen, Wilh. Raabe, Anzengruber und Rosegger waren bei der
-Arbeit und andere kleinere Talente ihnen gefolgt, aber was vermochten
-sie gegen die Protegés der höheren Töchter in einer Zeit, die die Kunst
-nur als angenehme Zugabe zum Leben betrachtete und keine Dichter haben
-wollte?
-
-In dieser Zeit des Niederganges erstand dem litterarischen Deutschland
-ein Retter in einer Gruppe junger Schriftsteller, die dem allmählichen
-Versanden der Litteratur nicht länger teilnahmslos zusehen wollte.
-Sie empfand tief die Mißachtung, die man dem einheimischen Schrifttum
-entgegegenbrachte, eine Mißachtung, an der nicht sowohl das Publikum
-als auch die Litteratur selbst schuld war. Die erste Streitschrift
-»Kritische Waffengänge«, die der »neuen Litteratur« die Wege bahnen
-sollte, ging von den Gebrüdern Hart aus.
-
-In einem einleitenden Aufsatze: »Wozu, wogegen, wofür?« entwickeln sie
-ihr Programm: Sie wollen aufräumen mit dem eklektischen Dilettantismus,
-der sich breit macht, mit dem um sich fressenden Kastratentum der
-Kritik. Sie wollen Platz machen für bessere und edlere Geister, weil
-sie nicht an einen Niedergang der Litteratur glauben können und wollen.
-
-»Hinweg also mit der schmarotzenden Mittelmäßigkeit, hinweg alle
-Greisenhaftigkeit und alle Blasiertheit, hinweg das verlogene
-Recensententum, hinweg mit der Gleichgiltigkeit und hinweg mit allem
-sonstigen Geröll und Gerümpel. Reißen wir die jungen Geister los aus
-dem Banne, der sie umfängt, machen wir ihnen Lust und Mut, sagen wir
-ihnen, daß das Heil nicht aus Ägypten und Hellas kommt, sondern daß sie
-schaffen müssen aus der germanischen Volksseele heraus, daß wir einer
-echt nationalen Dichtung bedürfen, nicht dem Stoffe nach, sondern dem
-Geiste, daß es wieder anzuknüpfen gilt an den jungen Goethe und seine
-Zeit, und daß wir keine weitere Formenglätte brauchen, sondern mehr
-Tiefe, mehr Glut, mehr Größe.«
-
-Und nun kommen die kritischen Abschlachtungen. Im ersten Heft muß
-der Dramatiker Heinrich Kruse herhalten, im zweiten wird Paul Lindau
-vorgenommen. Ihm folgen Hugo Bürger (Hugo Lubliner) und Albert
-Träger. Das vierte Heft enthält eine Beleuchtung des »Deutschen
-Theater« L'Arronges; im fünften wird Graf Schack gelobt und zum Schluß
-Spielhagen und dem deutschen Roman der Gegenwart näher oder besser zu
-nahe getreten. -- Den »Kritischen Waffengängen« folgte die Arent'sche
-Anthologie »Moderne Dichtercharaktere«, der sich Karl Bleibtreu mit
-seiner Broschüre: »Revolution der Litteratur« anschloß. Um den »Jungen«
-ein Organ zu schaffen, in dem sie ihre Meinungen ungeschminkt zum
-Ausdruck bringen konnten, gründete M. G. Conrad in Gemeinschaft mit
-Bleibtreu »Die Gesellschaft«. Sie wurde bald der Mittelpunkt einer
-Anzahl junger Schriftsteller, unter denen sich neben den Herausgebern
-Hermann Conradi, Wilhelm Walloth, Konrad Alberti bemerkbar machten.
-
-Wie bei jeder neuen Kunstrichtung schoß man auch hier über das Ziel
-hinaus, und in dem Bestreben, alles Bestehende über den Haufen zu
-werfen oder doch zu reformieren, wurde man ungerecht und was noch
-schlimmer war, roh. Dazu kam, daß man an Stelle der alten Kunst zwar
-ein neues _Programm_, aber keine neue _Kunst_ setzen konnte. Auch da
-mußte Frankreich aushelfen. Der den Deutschen verwandte Meister Zola
-zog die Jüngsten in seinen Bann, und wie helle Fanfarenstöße klang
-sein Name in das Lager der »Alten«. Wahrheit und Natur waren die
-Schlagworte, mit denen man der Romantik zu Leibe ging. Die Großstadt
-mit ihrer Pracht und ihrem Elend wurde entdeckt, die Kellnerinnen und
-Dirnen in die Litteratur eingeführt und die vielgliedrige sociale Frage
-der Belletristik einverleibt. Aber dem großen Wollen entsprach nur
-ein geringes Können. Bleibtreu suchte den Satz zu erweisen, das Genie
-sei der Fleiß, und schrieb unermüdlich Band auf Band, M. G. Conrad
-schuf seine Münchener Großstadt-Romane nach Zola'schem Recept, Konrad
-Alberti wählte sich Berlin zum Schauplatz seiner socialen Romane und
-Hermann Conradi stammelte brünstige Lieder und »Phrasen«. Daneben
-sangen Arno Holz und Karl Henckell ihre Proletarierlieder, bei denen
-Geibel und Herwegh Pate gestanden, Liliencron sattelte seinen Pegasus
-zu den »Adjutantenritten« und Hermann Heiberg schrieb seinen »Apotheker
-Heinrich«.
-
-So beachtenswert auch einzelne Leistungen waren, so wenig konnte das
-Gesamtbild befriedigen. Die neuen Stoffe besaß man wohl, aber die
-Künstler fehlten, sie zu gestalten. Auch sonst kam noch manches hinzu,
-was wenig geeignet war, der neuen Kunst Anhänger zuzuführen. Ästhetisch
-feiner empfindende Naturen fühlten sich abgestoßen von dem Gebahren
-der Jüngstdeutschen, die den weichen Künstlerschlapphut der Münchener
-Schule ostentativ mit der Ballonmütze des Proletariers vertauschten
-und in der Art sich zu geben vieles zu wünschen übrig ließen. Die
-Unzulänglichkeit in der Bewältigung der neuen Stoffe führte wieder zu
-einer Anlehnung an das Ausland. Dank den »Gründer«-Übeln übersah man
-Dichter wie _Otto Ludwig_ und vor allem _Friedrich Hebbel_, die zwar
-noch keine socialistische und Kellnerinnen-Litteratur geschaffen,
-aber den _natürlichen Übergang_ von der alten zur neuen nationalen
-Kunst darstellen. Ibsen und Tolstoi, denen sich Strindberg, Björnson,
-Dostojewskij u. a. zugesellten, wurden vielmehr neben Zola die großen
-Vorbilder, denen die Jüngstdeutschen nacheiferten. An Ibsen bewunderte
-man die Kühnheit, mit der er an alle ererbten Institutionen und
-Anschauungen herantrat und ihre Fäulnis und Verderbtheit aufdeckte.
-Und daneben lag in dem »Wunderbaren«, auf das der große Prophet des
-Nordens hinwies, ein eigener Zauber, der ebenso gefangen nahm, wie
-die Lehre von dem Erbarmen mit dem Elend der Gegenwart, die Tolstoi
-verkündete. Ibsen besonders hat das große Publikum mit dem Denken
-und Empfinden der Modernen vertraut gemacht: die Hunderttausende von
-Exemplaren, die Reclam von seinen Stücken in die Welt sandte, predigten
-das neue Evangelium der Kunst. Neben ihm aber war ein anderer Prophet
-aufgetreten, der über Stirner noch hinausgehend, die Philosophie des
-Egoismus predigte und das »robuste Gewissen« verherrlichte: Friedrich
-Nietzsche. Der Sklavenmoral des Christentums setzte er die Herrenmoral
-des »Uebermenschen« gegenüber und wenn er auch kein System auf- und
-ausgebaut hat, so hat seine Lehre doch den stärksten Einfluß auf die
-jüngste Dichtergeneration ausgeübt, die sich an seinen großen Worten
-berauschte und das von ihm verherrlichte Übermenschentum für sich zu
-pachten suchte.[2]
-
- [2] Die Gebrüder Hart hatten in ihren »Kritischen Waffengängen«
- die Forderung aufgestellt: die deutschen Dichter müßten
- »aus der germanischen Volksseele heraus schaffen«; ihre
- modernen Mitstürmer aber vermochten, wie oben ausgeführt,
- die Stoffe, die in der deutschen Volksseele lebten, weder
- zu erfassen, noch zu gestalten. Sie verfielen vielmehr der
- krassesten Ausländerei und befriedigten ihren germanischen
- Litteraturdrang dadurch, daß sie gehorsam zu den Füßen
- der Franzosen, Russen und Norweger saßen. Gegen diese
- Versumpfung der »litterarischen Revolution« und »Moderne«
- trat eine Bewegung auf, die das »Nationale« wieder in den
- Vordergrund zu schieben und eine »Heimatkunst« zu schaffen
- suchte. Politisch schloß sie sich an die Deutschbewegung in
- Österreich und den russischen Ostseeprovinzen an und fand
- ihren stärksten Ausdruck in dem von Erwin Bauer gegründeten
- »Zwanzigsten Jahrhundert«, zu dessen Mitarbeitern
- Karl Pröll, Adolf Graf Westarp, Fritz Lienhard, Oskar
- Linke, Jeannot Emil von Grotthuß u. a. gehörten. Diese
- »nationale« Litteratur-Bewegung verfiel jedoch sehr bald
- dem politischen Antisemitismus und verlor dadurch den
- Einfluß auf die deutsche Jugend ebenso rasch, wie sie ihn
- gewonnen hatte. Erst in den letzten Jahren sind diese
- Bestrebungen, wenn auch in etwas veränderter Form, von
- Ferdinand Avenarius, Adolf Bartels, Fritz Lienhard u.
- a. im »Kunstwart« und neuerdings in der »Heimat« wieder
- erfolgreich aufgenommen worden.
-
-War es um die Litteratur im allgemeinen schon schlecht bestellt,
-so hatte das deutsche Theater im besonderen unter dem Tiefstand
-des litterarischen Interesses und des herrschenden Geschmacks zu
-leiden. Erst Richard Wagners Schöpfung des musikalischen Dramas
-erinnerte daran, daß die Bühne anderen Zwecken zu dienen habe als
-der Darstellung französischer Possen und Zoten. Seine Dramen ließen
-die Vergangenheit wieder aufleben, in seinen stolzen Reckengestalten
-und heldenmütigen Frauen zeigte der Dichter-Komponist wieder Ideale,
-an die der Glaube längst abhanden gekommen. Aber Wagners Bedeutung
-liegt mehr auf musikalischem als dichterischem Gebiete und auf die
-große Menge hat seine Kunst kaum Einfluß gewonnen. Zudem waren die
-Wagnerianer, die heute eine Welt darstellen, damals wenig mehr als
-eine kleine Fanatikergemeinde. Von der jüngeren Generation war
-Wildenbruch der erste, der sich die Bühne mit seinen Stücken eroberte,
-in denen er dramatisch das Ergebnis der neuen Gestaltung Deutschlands
-zu ziehen suchte. Er schuf eigenartige Charakterbilder aus der
-brandenburg-preußischen Geschichte und das Schillersche Pathos, das er
-anschlug, gewann ihm die Gunst des Publikums im Fluge. Das eigentliche
-Drama der Gegenwart aber, das seinen Stoff dem modernen socialen Leben
-entnimmt, brachte der neuen Zeit zuerst Sudermann in seiner »Ehre«.
-Sie leitete eine neue Epoche unseres Litteraturlebens ein, nicht
-ihres künstlerischen Gehaltes wegen, sondern durch die Anteilnahme an
-dem dichterischen Schaffen unserer Tage, die sie in den Kreisen des
-Publikums weckte. Auf die unbestrittenen Erfolge Sudermanns folgten
-die lärmenden Kundgebungen, mit denen man die ersten Schöpfungen
-Hauptmanns empfing, die noch ganz unter dem Einflusse Ibsens standen.
-Andere jüngere Talente, wie Halbe, Fulda, Hartleben schlossen sich
-an. Durch sie und die späteren Triumphe Hauptmanns wurde die Bühne
-dem Naturalismus dauernd gewonnen: die Jüngsten hatten gesiegt, wenn
-auch auf einem anderen Plane als dem zuerst ins Auge gefaßten. Ihr
-Augenmerk war ursprünglich auf die Regeneration des Romans gerichtet,
-dem sie neue Stoffgebiete zu erschließen suchten. In Wirklichkeit war
-es nur die Technik, die eine Umgestaltung erfuhr, denn auch die Dichter
-der alten Schule, Spielhagen, Heyse, um nur zwei der noch lebenden
-zu nennen, hatten aus ihrer Zeit geschöpft und versucht, ein Bild
-derselben zu geben.
-
-Das unbestrittene Verdienst der neuen Schule ist die stärkere
-Anteilnahme der Litteratur am Leben der Gegenwart, dessen Erscheinungen
-sie festzuhalten und künstlerisch zu gestalten sucht. Schon beginnt
-das Interesse für den romanischen Süden dem Zug nach dem germanischen
-Norden zu weichen und an Stelle der »Internationalität« sucht man
-wieder die volkstümlichen Grundlagen unserer Kunst auf: die Heimat und
-ihre Vergangenheit. Diese Errungenschaften der letzten Jahre werden
-durch die blutlose Nervenpoesie der Symbolisten, Neurotiker, Esoteriker
-und wie die neuen Kunstjünger alle heißen, kaum gefährdet werden, das
-bloße Spielen mit Inhalt und Form, das »halbe heimliche Empfinden«
-wird Menschen mit ganzem gesunden Empfinden schwerlich in seinen Bann
-ziehen. Denn wenn man auch von dem echten Dichter verlangt, daß er
-die ganze Empfindungsklaviatur beherrscht, also auch die »schwarzen
-Tasten«, die »halben Töne« kennt, so darf doch nicht vergessen werden,
-daß diese immer nur _den_ Wert haben, _die Gefühls- und Gedankenwelt
-des Dichters_ zu besserem, stärkerem Ausdruck zu bringen. Denn auf
-_diese_, nicht auf die Technik kommt es an, so sehr auch die letztere
-die Absichten des Dichters zu unterstützen vermag. Verheißungsvoll
-für das Gedeihen unserer Litteratur ist die Rückkehr vom Ausland und
-seinen Vorbildern zur Heimat, zu Goethe und die Annäherung an die
-Kunstprinzipien der Vergangenheit: nur in dem Kompromiß des Alten mit
-dem Neuen kann für die nächste Zukunft das Heil der deutschen Dichtung
-erblickt werden.
-
-
-
-
-Die Romanciers der alten Schule.
-
-
-=Gustav Freytag=, geb. am 13. Juli 1816 zu Kreuzburg, gest. am 30.
-April 1895, wird als der Dichter des deutschen Bürgertums gefeiert.
-Selbst durch die besten Werke, die er geschaffen, geht ein leiser
-philiströser Zug, den er vielleicht seiner Stellung als Privatdocent
-in Breslau verdankt. Fast allen Büchern Freytags sieht man an, daß
-ihr Verfasser Kulturhistoriker ist, der sein Material gewissenhaft
-zusammenträgt, ehe er an die Ausarbeitung eines Werkes geht. Fr., ein
-ausgesprochenes Erzählertalent, begann seine litterarische Laufbahn
-als Lyriker und Dramatiker. Sein erstes Stück führte den Titel »Die
-Brautfahrt«, ihm folgten die Gedichte: »In Breslau«, die Schauspiele
-»Die Valentine« und »Graf Waldemar«. Im Jahre 1848 übernahm er in
-Gemeinschaft mit dem Litterarhistoriker Julian Schmidt die Redaktion
-der »Grenzboten«, die er durch fast 25 Jahre fortführte. Seiner
-Beschäftigung mit Politik und Presse verdankt das nicht gerade
-tiefgehende Lustspiel: »Die Journalisten« seine Entstehung, das einen
-großen und dauernden Erfolg errang, der seinem nächsten, der Gegenwart
-abgewandten Drama: »Die Fabier« nicht beschieden war. 1855 entstand das
-Hohelied des deutschen Kaufmannes: der Roman »Soll und Haben«, nach dem
-Recept geschrieben, das Julian Schmidt aufgestellt hatte: »Der Roman
-soll das Volk da suchen, wo es in seiner Tüchtigkeit zu finden ist:
-nämlich bei der Arbeit«. Das nächste Werk: »Die verlorene Handschrift«
-spielt in Professorenkreisen und gewann ihm die Herzen der akademischen
-Jugend. Seine kulturhistorischen Forschungen legte F. in den »Bildern
-aus der deutschen Vergangenheit« nieder. Acht Jahre hat er dann an den
-»Ahnen«, einer Art historischen Familienromans, geschrieben, von dem
-jedes Jahr einen neuen Band brachte. 1. »Ingo«, 2. »Ingraban«, 3. »Das
-Nest der Zaunkönige«, 4. »Die Brüder vom deutschen Hause«, 5. »Marcus
-König«, 6. »Der Rittmeister von Alt-Rosen«, 7. »Der Freierkorporal
-bei Markgraf Albrecht«, 8. »Aus einer kleinen Stadt«. Das ganze Werk,
-dessen Schauplatz nach Thüringen verlegt ist, sollte die Wandlungen
-des deutschen Volkes darstellen: mit jedem Bande geht es mehr der
-Gegenwart entgegen, bis die Sammlung, mit dem Jahre 350 beginnend,
-mit einer Erzählung aus dem 19. Jahrhundert ihren Abschluß erreicht.
-Eine »Technik des Dramas«, die ihn als feinen Kenner der dramatischen
-Praxis zeigt, verdient noch Erwähnung, sowie eine Lebensbeschreibung
-Karl Mathys' und die mit geteilten Empfindungen aufgenommene Schrift:
-»Der Kronprinz und die deutsche Kaiserkrone«. Sein Leben und Schaffen
-beschrieb der Dichter selbst in den »Erinnerungen aus meinem Leben.«
-
-=Friedrich Spielhagen=, geb. 24. Febr. 1829 in Magdeburg, ist der
-Dichter der Reaktion, jener Zeit, die dem tollen Jahre folgte; seine
-Romane suchen vor allem die Erscheinungen der Zeit, die socialen
-Kämpfe, den Sturm und Drang der letzten 50 Jahre festzuhalten und
-dem Leser verständlich zu machen. Sp. hatte bereits das 30. Jahr
-überschritten, als sein erster großer Roman »Problematische Naturen«
-erschien, der seinen litterarischen Ruf begründete. Sein zweiter
-großer Roman »Die von Hohenstein«, hat als Hintergrund das Jahr 1848,
-ihm schlossen sich »In Reih und Glied« und »Hammer und Amboß« an.
-Von weiteren Werken Spielhagens, die fast alle tendenziös gefärbt
-sind, nennen wir noch: »Hans und Grete«, »Unter Tannen«, »Die
-Dorfkokette«, »Deutsche Pioniere«, »Allzeit voran«, »Was die Schwalbe
-sang«, »Ultimo«, »Sturmflut«, »Das Skelett im Hause«, »Platt Land«,
-»Quisisana«, »Angela«, »Uhlenhaus«, »An der Heilquelle«, »Was will das
-werden?«, »~Noblesse oblige~«, »Ein neuer Pharao«, »Sonntagskind«,
-»Stumme des Himmels«, »Susi«, »Selbstgerecht«, »Zum Zeitvertreib«,
-»Faustulus«. Auch als dramatischer und lyrischer Dichter hat sich
-Spielhagen, wenngleich mit geringem äußeren Erfolge versucht.
-Von seinen Schriften, deren Gesamtausgabe in vorläufig 22 Bänden
-erscheint, verdienen noch Erwähnung: »Beiträge zur Theorie und Technik
-des Romans«, »Aus meiner Studienmappe«, sowie der 1899 erschienene
-Band: »Neue Beiträge zur Theorie und Technik der Epik und Dramatik«,
-besonders aber seine Autobiographie: »Finder und Erfinder. Erinnerungen
-aus meinem Leben.« -- Spielhagen ist in der Reaktion der 50er und 60er
-Jahre stecken geblieben: er verstand die neue Zeit nicht mehr und
-suchte in seine neuen Romane noch die alten Ideale hineinzutragen.
-Auch das antiquierte Motiv von der Liebe eines mit allen Vorzügen des
-Geistes und Herzens ausgestatteten Bürgerlichen zu einer Adeligen, das
-in fast allen Werken wiederkehrt und eine heimliche Vorliebe Sp.'s für
-den Adel erkennen läßt, vermochte auf die Dauer nicht mehr zu fesseln,
-und so sehr sich auch Spielhagen, mehr als jeder andere der »Alten«
-bemühte, in die »Moderne« hineinzuwachsen: er verstand sie nicht, so
-wenig wie er verstanden wurde.
-
-=Berthold Auerbach=, geb. am 28. Febr. 1812 zu Nordstetten, gest. am 8.
-Febr. 1882 zu Cannes in Frankreich, wurde durch seine »Schwarzwälder
-Dorfgeschichten« berühmt. Wenn A. auch nicht wie Rosegger, Anzengruber
-u. a. in das Wesen des Volkscharakters eingedrungen ist -- es als Jude
-auch gar nicht konnte, -- so hat er doch das Verdienst, einer der
-ersten gewesen zu sein, die die Dorfgeschichte wieder zu Ehren gebracht
-haben. Zu seinen besten Novellen, die allerdings auch von Schönfärberei
-nicht frei sind, zählen: »Barfüßle«, »Joseph im Schnee« und »Edelweiß«.
-Mit den großangelegten Werken »Auf der Höhe«, »Das Landhaus am Rhein«
-und »Waldfried« betrat A. das Gebiet des liberalen Tendenzromans.
-
-=Luise von François=, geb. am 27. Juni 1817 in Herzberg, gest. am 26.
-Sept. 1893, eine der talentiertesten Romanschriftstellerinnen, erwarb
-sich ihre litterarische Stellung durch den historischen Roman: »Die
-letzte Reckenburgerin«, dem sich »Frau Erdmuthens Zwillingssöhne«,
-»Stufenjahre eines Glücklichen« u. a. anschlossen.
-
-
-
-
-Die großen Novellisten der 70er und 80er Jahre.
-
-
-=Conrad Ferdinand Meyer=, geb. am 12. Oktober 1825 in Zürich,
-gest. am 28. November 1898, ist der Meister der historischen
-Novelle, ein Dichter, der zwar nicht Gemeingut des deutschen
-Volkes werden wird, der aber den Kenner mit seiner fein ciselierten
-Goldschmiedearbeit immer entzücken wird. M.'s Novellen haben meist das
-Reformationszeitalter oder die Renaissancezeit als Hintergrund. Seine
-dichterische Laufbahn begann er mit dem Epos »Huttens letzte Tage«, ihm
-schlossen sich »Jürg Jenatsch«, »Hochzeit des Mönchs«, »Der Heilige«,
-»Versuchung des Pescara«, »Angela Borgia« u. a. an.
-
-=Gottfried Keller=, geb. am 19. Juli 1819 in Glattfelden bei Zürich,
-gest. am 15. Juli 1890, neben Conr. Ferd. Meyer die bedeutendste
-schweizerische Dichtererscheinung der letzten Litteraturperiode, trat
-zuerst mit »Gedichten« und dem autobiographischen Meisterwerk »Der
-grüne Heinrich« vor die Öffentlichkeit, der erst 20 Jahre nach seinem
-Erscheinen die verdiente Würdigung fand und oft mit Goethes »Wilhelm
-Meister« verglichen wurde. Das Reifste und Schönste seiner Kunst bot
-K. in seinem nächsten Werk, der Novellensammlung: »Die Leute von
-Seldwyla«, der 1872 die »Sieben Legenden« folgten. Kulturbilder aus
-Zürichs Vergangenheit enthalten die »Züricher Novellen« und ebenso
-spielt der Roman »Martin Salander« auf schweizerischem Boden. Lebendige
-Phantasie, vermischt mit einem Zug ins Hausbackene, Kleinstädtische
-und ein liebenswürdiger, goldener Humor bilden die Grundzüge seines
-dichterischen Schaffens. K.'s Domäne ist die Novelle, und wie sehr er
-diese meisterte, hat kein Geringerer als Paul Heyse anerkannt, als er
-ihn den Shakespeare der Novelle nannte.
-
-=Theodor Storm=, geb. am 14. Sept. 1817 in Husum, gest. am 4. Juli
-1888, folgte den Spuren Goethescher Lyrik. Ihn zeichnet ein feiner
-Natursinn und echtes tiefes Empfinden aus, so daß seine Lyrik
-vorbildlich für die besten dichterischen Talente unter den Modernen
-geworden ist. Stifter und Eichendorff, vielleicht noch Mörike,
-mögen sein Schaffen am stärksten beeinflußt haben. Neben der Lyrik
-(»Gedichte«) ist es besonders die Novelle, der Storm seine Thätigkeit
-zuwandte und für deren Entwicklung und Ausbau er das Meiste beigetragen
-hat. Als die besten novellistischen Erzeugnisse gelten Storms
-»Immensee«, »Von jenseits des Meeres«, »Vor Zeiten«, »Ein stiller
-Musikant«, »Psyche«, »Am Nachbarhause links«, »Der Schimmelreiter«.
-
-=Paul Heyse=, geb. am 15. März 1830 in Berlin, wurde als Jüngling
-von Geibel dem König Maximilian mit den Worten vorgestellt: »Ein
-junger Goethe, Majestät!« Er ist ein moderner Dichter, wenn es auch
-eine Zeitlang zum guten Ton gehörte, ihn als abgethan zu betrachten.
-H. weiß immer etwas zu sagen und hat moderne Probleme lange vor der
-»neuen Schule« behandelt, von der ihn nur technische Fragen scheiden.
-Ein guter Schilderer menschlichen Innenlebens, wenns nicht zu tief
-nach »innen« geht, bekundet er in seinen Novellen und Romanen, von
-denen viele auf italienischem Boden spielen, eine Vorliebe für die
-Verirrungen des Weibes, namentlich der Frau von 40 Jahren. Eine
-vornehme, edle Sprache zeichnet alle seine Werke aus, er ist der
-Dichter der Schönheit und der Leidenschaft, wenn auch der Künstler mehr
-als der Mensch an ihnen Anteil hat. Von seinen Novellen und Romanen,
-die fast durchwegs moderne Menschen zu Helden haben, die sich über
-Gesetz und Sitte erheben, um der Stimme ihres Herzens zu folgen, seien
-hier nur angeführt: »Novellen« von 1855, 1858, 1859, 1862, »Meeraner
-Novellen«, »Troubadour-Novellen«, »Kinder der Welt«, »Im Paradiese«,
-»Roman der Stiftsdame«, »Merlin«, »Über allen Gipfeln«. Auch seine
-dramatische (»Ludwig der Bayer«, »Graf Königsmark«, »Elfriede«,
-»Alcibiades«, besonders aber »Hans Lange«) und lyrische Produktion
-(»Gedichte«, »Neue Gedichte und Jugendlieder«) verdient Erwähnung.
-
-
-
-
-Die Formtalente der alten Schule.
-
-
-=Emanuel Geibel=, geb. am 17. Oktober 1815 in Lübeck, gest. am 6.
-April 1884, war ein dichterisches Talent von großer Formgewandtheit,
-jedoch ohne besondere individuelle Prägung, wofür als Beweis gelten
-mag, daß seine »Gedichte« und »Neue Gedichte« mehr als hundert Auflagen
-erlebten. Den beiden ersten Gedichtbänden, deren Grundpfeiler deutsche
-Zucht und Art bilden, schlossen sich: »Gedichte und Gedenkblätter«,
-»Heroldsrufe«, »Klassisches Liederbuch«, »Romancero der Spanier
-und Portugiesen« (m. d. Grafen Schack) und »Spätherbstblätter« an,
-unterbrochen von der dramatischen Produktion G.'s (»Brunhild«,
-»Sophonisbe«). Die Kriegslyrik von 1870/71 hat ihm einige hübsche
-Gedichte zu verdanken. War G. auch keine eigenartige dichterische
-Persönlichkeit, so hat er doch eine Menge Nachahmer und Nachbeter
-gefunden.
-
-=Friedrich von Bodenstedt=, geb. am 22. April 1819 in Peine (Hannover),
-gest. am 2. April 1892, wurde durch den Erfolg der »Lieder des Mirza
-Schaffy«, die man lange für Übersetzungen aus dem Orientalischen hielt,
-während es in Wirklichkeit eigene Fabrikate der B.'schen Muse sind,
-berühmt. Erfolgreich waren auch die Lieder »Aus dem Nachlaß des Mirza
-Schaffy«, während die anderen Dichtungen B.'s nur wenig von sich reden
-machten. Außer einer Reihe wissenschaftlicher Werke von zweifelhaftem
-Werte und meist recht gewandter Übersetzungen veröffentlichte B., den
-seine Zeitgenossen stark überschätzten: »Erinnerungen aus meinem Leben«.
-
-=Adolf Friedrich Graf von Schack=, geb. am 2. Aug. 1815 zu Brüsewitz
-bei Schwerin als Sprosse eines alten Freiherrngeschlechtes, gest. am
-14. April 1894, studierte Rechtswissenschaft und wandte sich dann der
-diplomatischen Carrière zu. Schack hat sich nicht nur als Dichter -- er
-war ein hervorragend formalistisches Talent, ohne starke Individualität
--- sondern vor allem als Übersetzer und Litterarhistoriker einen Namen
-gemacht. Seine »Geschichte der dramatischen Litteratur und Kunst
-in Spanien« gilt noch heute als das bedeutendste Werk über diesen
-Gegenstand. Als Lyriker wurde er von Platen, als Epiker von Byron
-beeinflußt. Seine Romane in Versen: »Durch alle Wetter«, »Ebenbürtig«
-u. a. enthalten zahlreiche Schönheiten, ohne doch einen vollen
-künstlerischen Eindruck zu hinterlassen. Zu seinen interessantesten
-Werken zählt die Selbstbiographie: »Ein halbes Jahrhundert«. Auch auf
-dramatischem Gebiete hat sich der Dichter versucht, ohne jedoch auf der
-Bühne festen Fuß fassen zu können.
-
-=Robert Hamerling=, geb. am 24. März 1830 zu Kirchberg am Walde in
-Niederösterreich, gest. am 13. Juli 1889, hat eine verschiedenartige
-Beurteilung nicht nur als Mensch, was hier wenig interessiert,
-sondern auch als Dichter erfahren. Während die einen in ihm nur den
-in Farbenrausch schwelgenden Erotiker sehen, ziehen die anderen die
-genialsten Dichter der Weltlitteratur zum Vergleiche mit ihm heran.
-Sicher ist, daß die beiden großangelegten Epen: »Ahasver in Rom« und
-»Der König von Sion« farbenprächtige Schilderungen aufweisen, die ein
-ungewöhnliches Talent bekunden. Eine treffliche Leistung ist auch
-das satirische Epos »Homunculus«. Weniger Erfolg als seine Epen war
-seinen lyrischen Gedichtsammlungen: »Sinnen und Minnen« und »Blätter
-im Winde«, wie auch der fünfaktigen Tragödie »Danton und Robespierre«
-beschieden. Sein Leben beschrieb H. in den »Stationen meiner
-Lebenspilgerschaft«.
-
-=Albert Möser=, geb. am 7. Mai 1835 in Göttingen, gest. am 27. Febr.
-1900, ist als Dichter von Platen und Hamerling (vergl. M., Meine
-Beziehungen zu Robert Hamerling etc.) beeinflußt. (»Gedichte«, »Nacht
-und Sterne«, »Idyllen«, »Aus der Mansarde« etc.). Als Übersetzer der
-Dichtungen Pol de Monts war er ein Vermittler zwischen niederdeutschem
-und hochdeutschem Wesen.
-
-=Heinrich Vierordt=, geb. am 1. Okt. 1855 in Karlsruhe, machte als
-Balladendichter, der vielfach den Volkston glücklich getroffen hat,
-von sich reden. Er schrieb »Gedichte«, »Lieder und Balladen«, »Neue
-Balladen«, »Akanthusblätter« (Dichtungen aus Italien und Griechenland)
-und »Vaterlandsgesänge«, die sich durch farbenprächtige Schilderungen
-und poetischen Schwung auszeichnen.
-
-
-
-
-Lyriker und Epiker der 70er und 80er Jahre.
-
-
-=Julius Grosse=, geb. am 25. April 1828 in Erfurt, ist einer der
-fruchtbarsten deutschen Dichter, der sich auf dem Gebiete der Lyrik,
-des Romans und des Dramas gleich sicher zu bewegen verstand. Besondere
-Erwähnung von seinen Werken, die sich durch feine Entwicklung der
-Seelenzustände und Charaktere auszeichnen, verdienen die Dramen: »Der
-letzte Grieche«, »Gudrun«, »Judith«, »Tiberius«, von den epischen
-Dichtungen: »Das Mädchen von Capri« und »Gundel vom Königssee«.
-Originelle Schöpfungen sind auch sein Roman: »Der getreue Eckart« und
-seine Lebenserinnerungen »Ursachen und Wirkungen«.
-
-=Martin Greif= (eigentlich Hermann Frey), geb. am 18. Juni 1839 in
-Speyer, ist der Meister des einfachen Volksliedes, dessen Ton er
-wie wenige trifft. Seinen Ruhm begründeten die bereits wiederholt
-aufgelegten »Gedichte«. Seine Dramen (»Heinrich der Löwe«, »Ludwig der
-Bayer«, »Francesca von Rimini«) werden das Schicksal der Uhlandschen
-Dramen teilen.
-
-=Johann Georg Fischer=, geb. am 25. Okt. 1816 zu Großsüßen, gest. am 6.
-Mai 1897, gehört der schwäbischen Dichterschule an, deren Merkmale er
-trägt, und ist in seinem dichterischen Schaffen eine Goethe verwandte
-Natur. Mit 38 Jahren veröffentlichte er seine ersten »Gedichte«, denen
-noch drei weitere Sammlungen, zuletzt -- 1896 -- »Mit 80 Jahren«
-folgten. Wie alle Schwaben hat auch er an dem politischen Leben seiner
-Zeit teilgenommen, wenn auch nicht in dem Maße wie Uhland. Seine Dramen
-»Saul«, »Friedrich II.«, »Florian Geyer« und »Kaiser Maximilian von
-Mexiko« werden geschätzt, ohne jedoch bühnenfähig zu sein.
-
-=Friedrich Wilhelm Weber=, geb. am 26. Dez. 1813 in dem Orte Alhausen
-bei Driburg in Westfalen, gest. am 5. April 1894, studierte
-Medizin und trat im Herbst 1878 mit dem lyrisch-epischen Gedicht:
-»Dreizehnlinden« vor die Öffentlichkeit, das ihn mit einem Schlage
-zum gefeiertsten katholischen Dichter machte. Außer »Dreizehnlinden«,
-von dem mehr als 70 Auflagen erschienen, sind noch seine Dichtung
-»Goliath«, sowie die Sammlungen »Gedichte«, »Marienblumen« und
-»Herbstblätter« zu nennen.
-
-=Friedrich Theodor Vischer=, geb. am 30. Juni 1807 in Ludwigsburg,
-gest. am 14. Sept. 1887, bethätigte sich auf lyrischem Gebiet durch
-seine 1882 erschienene Sammlung »Lyrische Gänge« und auf epischem durch
-den eigenartigen humoristischen Roman »Auch Einer«. Viel Aufsehen
-erregte die Parodie auf den 2. Teil des Faust, die er unter dem
-Titel: »Faust. Der Tragödie dritter Teil. Von Deutobold Symbolizetti
-Allegoriowitsch Mystifizinsky« herausgab.
-
-=Wilhelm Jordan=, geb. am 8. Febr. 1819 zu Insterburg, wurde bekannt
-durch sein Doppelepos »Die Nibelunge«, für die er selbst als
-wandernder Rhapsode eine Propaganda machte, die ihm zu einem starken
-buchhändlerischen Erfolge verhalf. J. übersetzte ferner die Edda,
-Sophokles, Homer, Ilias und Odyssee und gab eine große Anzahl eigener
-Dichtungen, Romane (»Die Sebalds«, »Zwei Wiegen«) und Theaterstücke
-heraus, von denen die Lustspiele »Durchs Ohr«, »Tausch enttäuscht« und
-»Sein Zwillingsbruder« sich als die erfolgreichsten erwiesen. Seine
-Lebensauffassung spiegelt sich am besten in dem dramatischen Werk
-»Demiurgos« wider.
-
-=Hermann Lingg=, geb. am 22. Januar 1820 in Lindau, faßte durch Geibels
-Freundschaft festen Fuß in der Münchener Dichterschule. Sein Hauptwerk
-ist das großangelegte farbenprächtige Epos »Die Völkerwanderung«.
-Außerdem besitzen wir von ihm eine Reihe Dramen und Gedichte. Sein
-Leben und Schaffen beschrieb L. in dem 1. Bande der »Zeitgenössischen
-Selbstbiographien« (»Meine Lebensreise«).
-
-=Stephan Milow= (Pseudon. für Stephan von Millenkovics), geb. am 9.
-März 1836 in Orsova, verdankt seine litterarische Stellung besonders
-seinen lyrischen Gedichten (»Gesammelte Gedichte«). Bemerkenswert sind
-noch die Novellenbände »Wie Herzen lieben« und »Höhen und Tiefen«.
-
-=Ludwig Eichrodt=, geb. am 2. Febr. 1827 in Durlach in Baden, gest.
-1892, ein Jugendgenosse Scheffels, dichtete eine Anzahl humoristischer
-Lieder, die besonders in studentischen Kreisen Anklang fanden
-(»Gesammelte Dichtungen«).
-
-=Hermann Allmers=, geb. am 11. Februar 1821 zu Rechtenfleth, gab das
-»Marschenbuch« heraus, das im Stile der Riehlschen kulturhistorischen
-Novellen Bilder aus dem Leben der friesischen Marschenbauern enthält.
-»Dichtungen« und »Römische Schlendertage« schlossen sich an.
-
-=Robert Waldmüller= (Pseudon. für Ed. Duboc), geb. am 17. Sept. 1822
-in Hamburg, versuchte sich auf fast allen dichterischen Gebieten und
-hat sich auch als Übersetzer bekannt gemacht. Von seinen Romanen sind
-»Somosierra« und »Don Adone«, von seinen Gedichtsammlungen »Klänge aus
-der Fremde« und »Liebesstürme« die bekanntesten.
-
-=Rudolf Bunge=, geb. am 27. März 1836 in Koethen, als Improvisator
-und liebenswürdiger Gesellschafter in allen litterarischen Kreisen
-geschätzt, errang seine größten Kassenerfolge mit dem Libretto zum
-»Trompeter von Säckingen«. Dichterisch höher steht die 5-aktige
-Tragödie »Der Herzog von Kurland«, das den Verlust von Straßburg
-und dem Elsaß behandelt. In seiner Gedichtsammlung »Heimat und
-Fremde« singt er von Lenz und Liebe, von deutschen Frauen, deutscher
-Treue, deutschem Wein und dem angestammten Herrscherhaus, das seine
-vielseitige litterarische Thätigkeit durch Verleihung von Titeln und
-Orden anerkannte.
-
-=Adolf Brieger=, geb. am 12. Okt. 1832 in Greifswald, ein in den
-»weitesten Kreisen« unbekannter Dichter, veröffentlichte erst 1870
-in Hexametern das kleine antikisierende Epos »Krösus und Adrastus«,
-1885 aber, in die unmittelbare Vergangenheit greifend »König Humbert
-in Neapel«. Modern ist auch: »Stirb und werde«. Seine »Ausgewählten
-Gedichte« (1895) geben innerlich Erlebtes, meist an das Naturbild
-als Symbol (im Goethe'schen Sinne) anknüpfend. Zuletzt erschien:
-»Verirrt und heimgefunden«, zwei aus dem Leben der Gegenwart genommene
-Versnovellen.
-
-=Heinrich Bulthaupt=, geb. am 26. Okt. 1849 in Bremen, zeigt sich in
-der Lyrik dem Schweizer Conrad Ferd. Meyer verwandt (»Durch Frost und
-Gluten«), versuchte sich auch wiederholt im Drama (»Der verlorene
-Sohn«, »Viktoria« u. a.), ohne jedoch große Bühnenerfolge zu erzielen.
-Dagegen erlebte seine »Dramaturgie der Klassiker« wiederholt neue
-Auflagen und gilt für das beste neuzeitliche Werk auf diesem Gebiete.
-
-=Julius Rodenberg= (Pseudon. für Levy aus Rodenberg) geb. am 26.
-Juni 1831 in Rodenberg (Kurhessen), der Begründer und Leiter der
-»Deutschen Rundschau«, schrieb Gedichte, Romane und Reisebeschreibungen
-(»Berliner Bilder«), die ihn als liebenswürdigen Poeten zeigen,
-der sich gern in die Erinnerung an die so ungleich bessere und
-vollkommenere Vergangenheit versenkt. (Vergl. auch R.'s »Erinnerungen
-aus der Jugendzeit«.)
-
-=Karl Weitbrecht=, geb. am 8. Dez. 1847 in Neuhengstett, ist nach
-Form und Inhalt einer der bedeutendsten schwäbischen Epiker. Von
-seinen Büchern seien hier genannt: »Liederbuch«, »Sonnenwende«,
-die Novellensammlung »Verirrte Leute«, und der satirische Roman:
-»Phaläna. Die Leiden eines Buches«. Ein besonderes Verdienst hat
-sich W. in Gemeinschaft mit seinem Bruder Richard um die Pflege der
-Dialektdichtung erworben. (»Gschichta-n aus'm Schwôbaland« [1877] und:
-»Nohmôl Schwôbagschichta« [1882]).
-
-=Eduard Paulus=, geb. am 18. Okt. 1837 in Stuttgart, besitzt unter den
-schwäbischen Dichtern der Gegenwart das stärkste lyrische Talent. Ein
-liebenswürdiger Humor, der auch oft satirisch gefärbt ist, zeichnet
-seine in der Form tadellosen Gedichte (»Gesammelte Dichtungen«) aus.
-1897 ließ er »Arabesken« und im Vorjahre ein Epos in 12 Gesängen
-»Tillmann Riemschneider. Ein Künstlerleben« folgen, das wiederum
-Zeugnis von der starken lyrischen Begabung P.'s ablegt. Neben einem
-kecken, übermütigen Humor macht sich, namentlich in seinen letzten
-Schöpfungen, eine wehmütige Grundstimmung bemerkbar.
-
-=Isolde Kurz=, geb. am 21. Dez. 1853 in Stuttgart, ein C. F. Meyer
-verwandtes Talent, hat nur wenige Bände (»Gedichte«, »Phantasien«
-und »Märchen«, »Florentiner Novellen«, »Italienische Erzählungen«)
-publiziert, aber das Wenige trägt den Stempel durchgebildeter
-Meisterschaft und ungewöhnlicher Fabulierkunst.
-
-
-
-
-Die neuzeitlichen Romantiker.
-
-
-=Otto Roquette=, geb. am 19. April 1824 in Krotoschin, gest. am 18.
-März 1896, gab eine Reihe von Dramen, Märchen und Romanen heraus, unter
-denen »Waldmeisters Brautfahrt« den größten Erfolg davontrug. Seine
-»Gedichte« erlebten mehrere Auflagen; als sein bester Roman gilt:
-»Buchstabierbuch der Leidenschaft«. Die nach seinem Tode herausgegebene
-Erzählung: »Die Reise ins Blaue«, mit verwässerter Eichendorffscher
-Romantik, ist nur geeignet, dem Ansehen des Dichters, der jetzt schon
-zu den halb Vergessenen gehört, zu schaden.
-
-=Oskar von Redwitz=, geb. am 28. Juni 1823 in Lichtenau bei Ansbach,
-gest. am 6. Juli 1891, erregte zuerst durch sein lyrisches Epos:
-»Amaranth«, Aufsehen. Von seinen Dramen fanden »Philippine Welser«,
-»Der Zunftmeister von Nürnberg« und »Doge von Venedig« eine ebenso
-unverdient freundliche Aufnahme, wie sein Roman »Hermann Stark« und das
-patriotische »Lied vom neuen Deutschen Reich«.
-
-=Heinrich Steinhausen=, geb. am 27. Juli 1836 in Sorau, trug seinen
-größten Erfolg mit »Irmela«, einer stimmungsvollen Geschichte aus
-alter Zeit davon. Seinen Werken, von denen wir noch den »Korrektor«,
-»Herr Moffs kauft sein Buch« und »Heinrich Zwiesels Ängste« anführen,
-fehlt es, trotz des vorwiegend religiösen Grundtons, nicht an heiteren
-Episoden.
-
-=Wilhelm Hertz=, geb. am 24. Sept. 1835 in Stuttgart, ein Schüler
-Uhlands, machte sich durch seine sprachwissenschaftlichen Werke und
-seine »Gedichte«, in denen er sich jedoch nur als reines Formtalent
-erwies, einen Namen. Seine bekanntesten Epen sind »Hugdietrichs
-Brautfahrt«, »Tristan und Isolde« und »Bruder Rausch«.
-
-
-
-
-Die Dichter mit dem Erdgeruch.
-
-
-=Klaus Groth=, geb. am 24. April 1819 in Heide in Holstein, gest. 1899,
-stand im Mittelpunkt der plattdeutschen Bewegung. Er brachte diese
-bisher nur von Improvisatoren zu Possenreißereien benutzte Sprache
-wieder durch die Herausgabe seines »Quickborn« zu Ehren. Und wenn auch
-Reuter, der Humorist, mit seinen realistischen Darstellungen des Lebens
-mehr Erfolg errang als der Lyriker Groth, so gebührt diesem doch ein
-nicht minder großes Verdienst um die Erhaltung des Plattdeutschen.
-Sein Hauptwerk, der »Quickborn«, dessen Hintergrund die Plätze und
-Gassen eines vor einem Jahrzehnt noch kleinen und abgelegenen Fleckchen
-der Norderdithmarschen-Heide bilden, enthält Familienbilder, Lieder,
-Balladencyklen, Humoristisches etc.
-
-=Ludwig Anzengruber=, geb. am 29. Nov. 1839 in Wien, gest. 1899,
-war ursprünglich Schauspieler, später mangels anderer Beschäftigung
-Beamter. A.'s Dramen, die stellenweise tendenziös gefärbt sind,
-behandeln religiöse und sociale Themata und spielen fast ausschließlich
-in Bauernkreisen. Sein erstes Stück: »Der Pfarrer von Kirchfeld«
-errang einen vollen Erfolg, der auch seinen späteren Dramen: »Der
-Meineidbauer«, »Die Kreuzelschreiber«, »Der Gewissenswurm«, »Der ledige
-Hof«, »Das vierte Gebot« treu blieb. Von den genannten Stücken haben
-»Der Gewissenswurm« und »Das vierte Gebot« die meiste Anerkennung
-gefunden. Von den Erzählungen A.'s steht der großangelegte Roman »Der
-Schandfleck« an erster Stelle.
-
-=Theodor Herrmann Pantenius=, geb. am 22. Okt. 1843 in Mitau, Redakteur
-des »Daheim«, gehört zu den weniger bekannten Romanciers. Von seinen
-Romanen, deren Stoff meist seiner kurländischen Heimat entnommen ist,
-gelten als beste »Wilhelm Wolfschildt« und »Allein und frei«; sein
-in Livland spielender Roman »Die von Kelles« zählt zu den besten
-Schöpfungen der deutschen Litteratur.
-
-=Peter Rosegger=, geb. am 31. Juli 1843 in Krieglach in Steiermark,
-erlernte zuerst das Schneiderhandwerk und wurde von dem Herausgeber der
-»Grazer Tagespost«, Albert Swoboda, für die Litteratur entdeckt. R. ist
-ein Autor von großer Gestaltungskraft und Phantasie, der sich seine
-Heimat, die steirischen Alpen, zur Domäne erkoren hat. Obwohl er der
-Tendenz nach Idealist ist, sind seine Schilderungen des Bauernlebens
-doch durchaus realistisch. Aus der Zahl seiner Werke -- Rosegger
-ist einer der produktivsten Schriftsteller, der gewissenhaft jedes
-Jahr seine 2, 3 Bände liefert --, heben wir hervor: »Die Schriften
-des Waldschulmeisters«, »Heidepeters Gabriel«, »Dorfsünden«, »Der
-Gottsucher«, »Neue Waldgeschichten«, »Höhenfeuer«, »Jakob der Letzte«,
-»Martin der Mann«, »Der Waldvogel«, »Das ewige Licht«, »Erdsegen«.
-
-=Karl Stieler=, geb. am 15. Dez. 1842 in München, gest. 1885, der
-Dichter frischer, fröhlicher »Hochlandslieder«, machte den Krieg
-70/71 mit und schrieb »Durch Krieg zum Frieden 1870/1«. Von seinen
-oberbayrischen Gedichtsammlungen, die auch in Norddeutschland weite
-Verbreitung fanden, nennen wir: »Bergbleameln«, »Habts a Schneid!?«,
-»Hochlandslieder«, »Neue Hochlandslieder«, »Um Sunnawend«, »Weil's mi
-freut!«
-
-=Hermann von Schmid=, geb. am 13. März 1815 in Weizenkirchen
-(Österreich), gest. 1880, wurde durch seine bayrischen Dorfgeschichten
-bekannt. Von seinen historischen Werken hat der vierbändige Roman »Der
-Kanzler von Tirol« die meiste Beachtung gefunden.
-
-=Maximilian Schmidt=, geb. am 25. Febr. 1832 in Eschlkam, wählte
-als Hintergrund seiner Erzählungen den Bayrischen und Böhmer Wald.
-Seine Werke zeichnen sich durch volkstümliche Darstellung, hübsche
-Naturschilderungen und treffende Charakteristik aus. (»Gesammelte
-Werke« 1884 u. ff.)
-
-=Ludwig Ganghofer=, geb. am 7. Juli 1855 in Kaufbeuren, verlegt den
-Schauplatz seiner Romane und Schauspiele meist in das bayerische
-Hochgebirge. Von seinen konventionell-volkstümlichen dramatischen
-Arbeiten fanden besonders »Der Herrgottsschnitzer von Oberammergau«
-und »Der Prozeßhansl« Anerkennung, obwohl seine »Jagerleut« die
-Verwandtschaft mit dem »Salontiroler« nicht verleugnen können. Zu
-seinen besten Romanen und Novellen, in denen die Natur meist symbolisch
-verwertet wird, zählen »Hochlandsgeschichten«, »Der Klosterjäger«, »Die
-Martinsklause«, »Der laufende Berg«.
-
-=Arthur Achleitner=, geb. am 16. Aug. 1858 in Straubing, machte
-sich durch seine Schilderungen aus dem Wild- und Waidmannsleben der
-Hochgebirge bekannt. (»Geschichten aus den Bergen«, »Grüne Brüche«,
-»Grenzerleut'«, »Der Stier von Salzburg«, »Der Hirsch von Eßlingen« u.
-a.)
-
-=Johann Meyer=, geb. am 5. Jan. 1829 in Wilster in Holstein,
-veröffentliche plattdeutsche Erzählungen und Schwänke, »Dithmarscher
-Gedichte« und hochdeutsche »Lyrische Gedichte«, die ein eigenartiges
-poetisches Talent bekunden.
-
-=Joh. Heinrich Fehrs=, geb. am 10. April 1838 in Mühlenbarbeck,
-begann mit Epen (»Krieg und Hütte«, »Eigene Wege«) und schloß daran
-plattdeutsche Erzählungen und Gedichte. (»Lütt Hinerk«, »Allerhand Slag
-Lüd«.)
-
-=Timm Kröger=, geb. am 29. Nov. 1844 in Haale (Holstein),
-debütierte mit dem Novellenband: »Eine stille Welt«, der Bilder und
-Geschichten aus Moor und Heide enthält, die sich durch feinsinnige
-Naturbetrachtungen auszeichnen. Ein kleines Meisterwerk ist sein
-psychologischer Roman »Der Schulmeister von Handewitt«, der in 2.
-Auflage unter dem Titel: »Schuld?« erschien.
-
-=Heinrich Hansjakob=, geb. am 19. Aug. 1837 in Haslach in Baden,
-ist ein Meister der Dorfgeschichte, der zwar in seinen Schriften
-den katholischen Priester nicht verleugnet, dies aber durch einen
-urwüchsigen Humor und echtes Empfinden vergessen läßt. (»Aus
-meiner Jugendzeit«, »Aus meiner Studienzeit«, »Wilde Kirschen«,
-»Schneeballen«.)
-
-=Hermine Villinger=, geb. am 6. Febr. 1849 in Karlsruhe, legte den
-Schwerpunkt ihres litterarischen Schaffens auf die Dorfgeschichte.
-»Aus dem Kleinleben«, »Unter Bauern«, »Kleine Lebensbilder«, »Aus dem
-Badener Land« u. a. enthalten reizende, humorvolle Genrebilder aus dem
-badischen »Ländle«.
-
-=Clara Viebig= (Mädchenname von Clara Cohn), geb. in Trier, entnimmt
-den Stoff ihrer oft graß naturalistischen Werke mit Vorliebe dem
-Gebiete der Eifel. Sie debütierte 1897 mit der Novellensammlung »Kinder
-der Eifel«, denen weitere Novellen (»Vor Tau und Tag«), die Romane
-»Dilettanten des Lebens«, »Es lebe die Kunst!« und »Das Weiberdorf«
-folgten, die jedoch künstlerisch nicht auf der Höhe ihrer ersten
-Publikation stehen. Eine ihrer Eifelgeschichten lieferte den Stoff
-zu ihrem Drama »Barbara Holzer«. Ihr neuestes Bühnenwerk »Pharisäer«
-spielt im Posenschen.
-
-=Adolf Bartels=, geb. am 15. Nov. 1862 in Wesselburen, erwarb sich als
-Litterarhistoriker der Kunstwart-Schule einen Namen. Seine historischen
-Romane »Die Dithmarscher« und »Dietrich Sebrandt« sind vom streng
-geschichtlichen Standpunkt aus geschrieben.
-
-=Charlotte Niese=, geb. am 7. Juni 1854 in Burg auf Fehmarn, gewann
-durch ihre schleswig-holsteinischen Geschichten (»Aus dänischer
-Zeit«, »Geschichten aus Holstein«, »Auf der Heide«) die Gunst des
-Lesepublikums, so daß man über ihre Schwäche, die Socialdemokratie in
-Romanen zu bekämpfen, hinwegsieht.
-
-=Ilse Frapan= (Pseudon. für Ilse Levien), geb. am 3. Febr. 1852 in
-Hamburg, ist ein starkes dichterisches Talent, dem auch der Humor nicht
-fremd ist. Sie gab heraus: »Bescheidene Liebesgeschichten«, »Zwischen
-Elbe und Alster«, »Enge Welt«, »Zu Wasser und zu Lande«, »Querköpfe«,
-»Flügel auf«, »In der Stille«, sowie einen Band »Vischer-Erinnerungen«.
-
-=August Sperl=, geb. am 5. Aug. 1862 in Fürth, machte sich durch »Die
-Fahrt nach der alten Urkunde«, sowie durch den historischen Roman:
-»Die Söhne des Herrn Budiwoj«, der König Ottokars Glück und Ende und
-das Erstehen des habsburgischen Königshauses behandelt, bekannt. In dem
-Epos »Fridtjof Nansen« schilderte er mit Glück die Nordlandsfahrt des
-modernen Fridtjof.
-
-=Heinrich Sohnrey=, geb. am 19. Juni 1859 in Jühnde bei Göttingen,
-Herausgeber von »Das Land«, zeigt eine gewisse Verwandtschaft mit dem
-früh verstorbenen Heinrich Schaumberger, und gilt als einer der besten
-Vertreter der Dorfgeschichte. (»Die Leute aus der Lindenhütte«, »Der
-Bruderhof.«)
-
-
-
-
-Die Kulturnovellisten.
-
-
-=Wilhelm Heinrich Riehl=, geb. am 6. Mai 1823 zu Biebrich a. Rh., gest.
-1897, war Professor der Kulturgeschichte in München und einer der
-geistvollsten kulturhistorischen Schriftsteller, in dessen Werken der
-Belletrist ebenso zu Worte kommt wie der Wissenschaftler. Von seinen
-Schriften, die eine Fülle von Anregung und Belehrung bieten, verdienen
-die »Kulturhistorischen Novellen«, »Geschichten aus alter Zeit«,
-»Kulturstudien aus drei Jahrhunderten«, sowie der Roman »Ein ganzer
-Mann« besondere Erwähnung.
-
-=Karl Emil Franzos=, geb. am 25. Okt. 1848 in Czortkow in Podolien,
-Herausgeber der »Deutschen Dichtung«, entdeckte »Halbasien« (den
-Südosten von Europa) für die Litteratur und verlegte dorthin den
-Schauplatz seiner ersten Kulturromane (»Aus Halbasien«, »Die Juden von
-Barnow«, »Junge Liebe«, »Stille Geschichten«, »Moschko von Parma«, »Ein
-Kampf ums Recht«, »Der Präsident«). Seine späteren Romane und Novellen
-begegneten nicht mehr dem gleichen Interesse.
-
-=Leopold Kompert=, geb. am 15. Mai 1822 zu Münchengrätz, gest. 1886,
-gilt neben Karl Emil Franzos als der kenntnisreichste Schilderer des
-jüdischen Volkslebens. (»Aus dem Ghetto«, »Geschichten einer Gasse« u.
-a.)
-
-=Leopold von Sacher-Masoch=, geb. am 27. Januar 1837 in Lemberg, gest.
-1895, als Litterat ein Pendant zum Marquis de Sade, besaß von Natur aus
-eine bedeutende Begabung, die jedoch in der Sucht nach der Darstellung
-erotisch-perverser Probleme in die Brüche ging. So besitzen seine
-Romane nicht viel mehr als pathologisches Interesse (Masochismus).
-
-
-
-
-Die Dichter-Archäologen.
-
-
-=Georg Ebers=, geb. am 1. März 1837 in Berlin, gest. am 7. August
-1898, berühmter Ägyptologe, war einer der beliebtesten Autoren der
-letzten Jahrzehnte. Seine Romane entrollen meist Kulturbilder aus
-dem Pharaonenlande oder aus dem deutschen Mittelalter. Ebers war der
-Hauptvertreter des geschichtlichen Romans, wenngleich ihm der Vorwurf
-nicht erspart geblieben ist, daß die meisten seiner Gestalten nichts
-als moderne Wesen in historischer Drapierung sind. Eröffnet wurde
-die dichterische Thätigkeit E.'s mit dem Roman: »Eine ägyptische
-Königstochter«. Fast jeder Epoche der ägyptischen Geschichte ist er in
-einem Romane gerecht geworden. (»Uarda«, »~Homo sum~«, »Der Kaiser«,
-»Die Nilbraut« u. a.) Unterbrochen wurde der Cyklus der ägyptischen
-Romane durch »Die Frau Bürgermeisterin« und »Ein Wort«. Seit 1889
-wandte sich E. fast ausschließlich der Schilderung deutschen Lebens
-der Vorzeit zu: »Die Gred«, »Im Schmiedefeuer«, »Im blauen Hecht«,
-»Barbara Blomberg«. E. war trotz aller Anfeindung eine Dichternatur,
-die oftmals durch das Professorentum erstickt wurde, aber in einzelnen
-Zügen in jedem seiner Werke zutage tritt.
-
-=Felix Dahn=, geb. am 9. Febr. 1834 in Hamburg, Professor und
-Dichter zugleich, wenn auch das erstere mehr als das letztere,
-schrieb eine Reihe Romane aus der Zeit der Völkerwanderung und der
-altnordischen Heiden- und Heldenzeit, unter denen »Ein Kampf um Rom«
-der erfolgreichste, »Julian der Abtrünnige« der beste ist. Von seinen
-Dramen verdienen »König Roderich« und »Rüdeger von Bechlaren« genannt
-zu werden. Durch umfangreiche Produktion von Gelegenheitsgedichten
-(nicht solcher im Goethe'schen Sinne) hat D. viel dazu beigetragen
-seinen Ruf als Dichter zu schädigen.
-
-=Ernst Eckstein=, geb. am 6. Febr. 1845 in Gießen, kommt hauptsächlich
-als Unterhaltungsschriftsteller in Betracht, obgleich er später auch
-den Versuch gemacht hat, sich den realistischen Schriftstellern
-zuzugesellen. (»Prusias«, »Die Claudier«, »Nero«, »Dombrowsky«,
-»Familie Hartwig« u. a.) Einen großen buchhändlerischen Erfolg erzielte
-seine kleine Gymnasialhumoreske: »Der Besuch im Carcer«.
-
-=George Taylor= (Pseudon. für Adolf Hausrath), geb. am 13. Jan. 1837,
-Professor an der Universität Heidelberg, geht in den Fußtapfen Georg
-Ebers', wenn auch seine archäologischen Romane (»Antionus«, »Klitia«,
-»Jetta«, »Pater Maternus«, »Unter dem Katalpenbaum«) mehr dichterische
-Fähigkeiten aufweisen als die seines Vorbildes.
-
-=Oskar Linke=, geb. am 15. Juli 1854 in Berlin, berührt sich mit den
-Dichter-Archäologen. Äußerst vielseitig und dabei ein Meister der Form,
-läßt er seine erzählenden Dichtungen oft im klassischen Altertum, das
-er ausgezeichnet kennt und durchdringt, spielen. Seine Weltanschauung
-ist eine freie. (»Blumen des Lebens«, »Jesus Christus«, »Mylesische
-Märchen«, »Chrysothemis erzählt« u. a.)
-
-
-
-
-Die Dramatiker der alten Schule.
-
-
-=Rudolf von Gottschall=, geb. am 30. Sept. 1823 in Breslau, ein
-Jungdeutscher und Freiheitsänger der vormärzlichen Zeit, ist einer
-der vielseitigsten und fruchtbarsten Dichter, der sich auf allen
-Gebieten der Dichtkunst und Schriftstellerei umgesehen hat und
-seit einem Menschenalter den Mittelpunkt des schöngeistigen Lebens
-in Leipzig bildet. Als Bühnenschriftsteller ist G. wiederholt
-hervorgetreten: »Mazeppa«, »Katharina Howard«, »Pitt und Fox«, »Der
-Spion von Rheinsberg«, »Rahab« u. a. Von seinen Romanen, in denen
-er die Bahnen Gutzkows wandelt, ist »Im Banne des schwarzen Adlers«
-der erfolgreichste gewesen. Vielfache Anerkennung fanden auch seine
-litterarhistorischen Arbeiten (»Deutsche Nationallitteratur in der
-ersten Hälfte des 19. Jahrh.«, »Poetik« etc.), in denen die »Moderne«
-allerdings nicht immer glimpflich wegkommt, obwohl G. immer bestrebt
-war, mit dem Zeitgeist rege Fühlung zu behalten. Sein Leben bis zur
-Verheiratung schildert die Autobiographie »Aus meiner Jugend«.
-
-=Hans Herrig=, geb. am 10. Dez. 1845 in Braunschweig, gest. 1892,
-schrieb »Mären und Geschichten« und wurde besonders durch sein
-»Lutherfestspiel« bekannt, dem eine Reihe dramatischer Arbeiten(»Kaiser
-Friedrich der Rotbart«, »Konradin« u. a.) vorausgegangen war.
-
-=Arthur Fitger=, geb. am 4. Okt. 1840 in Delmenhorst, erwählte die
-Malerei als Hauptberuf und errang seine dichterischen Lorbeeren mit dem
-Trauerspiel: »Die Hexe«, dem er andere dramatische Gaben folgen ließ.
-Als Lyriker machte sich F. durch die Sammlungen »Fahrendes Volk« und
-»Winternächte« bekannt.
-
-=Heinrich Kruse=, geb. am 15. Dez. 1815 in Stralsund, schrieb im Stile
-der alten Kunstüberlieferung eine Reihe von Dramen, unter denen »Die
-Gräfin«, »König Erich«, »Brutus«, »Nero« zu nennen sind. K. ist ferner
-Verfasser von »Seegeschichten« und »Gedichten«.
-
-=Albert Lindner=, geb. am 24. April 1831 in Sulza, gest. 1888, wurde
-mehr durch sein tragisches Geschick (er starb im Wahnsinn) als durch
-seine Dramen bekannt, von denen nach seinem Tode »Die Bluthochzeit«
-wiederholt aufgeführt wurde. Seine Prosaerzählungen, von denen mehrere
-das Frauenleben in ernsten und heiteren Episoden behandeln, blieben
-fast unbeachtet.
-
-
-
-
-Die sogenannten Lustspieldichter.
-
-
-=Oskar Blumenthal=, geb. am 13. März 1852 in Berlin, schrieb Schwänke
-ohne künstlerischen Wert, teils allein, teils in Kompagnie, die nur für
-das Publikum, nicht für die Litteraturgeschichte in Betracht kommen.
-
-=Hugo Lubliner= (Pseudon. Hugo Bürger), geb. am 22. April
-1846 in Breslau, ist einer der Mitbegründer des deutschen
-Konversationslustspiels aus den siebziger Jahren, ein treuer
-Helfershelfer der Lindau, Blumenthal, Kadelburg, in dem Bestreben, dem
-deutschen Lustspiel mit französischem Esprit und französischer Technik
-aufzuhelfen.
-
-=Gustav von Moser=, geb. am 11. Mai 1825 in Spandau, schrieb
-Lustspiele, teils selbständig, teils in Verbindung mit anderen. Zu
-seinen erfolgreichsten Stücken, die noch jetzt sich auf dem Theater
-erhalten haben, gehören: »Das Stiftungsfest«, »Der Veilchenfresser«,
-»Ultimo«, »Krieg im Frieden«, »Reif-Reiflingen«.
-
-=Adolf L'Arronge=, geb. am 8. März 1838 in Hamburg, ist ein
-litterarischer Sprosse der Birchpfeiffer und Kotzebues und dadurch
-einer der erfolgreichsten Lustspielschreiber der Gegenwart. (»Mein
-Leopold«, »Hasemanns Töchter«, »Dr. Klaus«, »Lolos Vater« u. a.).
-
-
-
-
-Die Übergangstalente.
-
-
-=Hans Hopfen=, geb. am 3. Jan. 1835 in München, einer der besten
-Vertreter des humoristischen Romans, zeichnet sich durch eine gesunde
-Sinnlichkeit aus, die namentlich in seinen Gedichten und Balladen zum
-Ausdruck kommt. Echt volkstümliche, humorverklärte Figuren schuf er
-in seinen Romanen »Der alte Praktikant«, »Mein Onkel Don Juan«, »Die
-Heirat des Herrn von Waldenberg«, sowie in der Novellensammlung »Kleine
-Leute« und den »Geschichten« und »Neuen Geschichten des Herrn Majors«,
-während er sich in einigen Romanen (»Verdorben zu Paris«, »Glänzendes
-Elend« u. a.) als Dekadent giebt.
-
-=Wilhelmine von Hillern=, geb. am 11. März 1836 in München als Tochter
-der bekannten Birch-Pfeiffer, entlehnte den Stoff ihrer realistisch
-gefärbten Romane dem bayrischen Volksleben. Ihr bekanntester Roman:
-»Die Geyer-Wally« erlebte mehrere Auflagen und fand auch als Drama
-freundliche Aufnahme.
-
-=Karl von Heigel=, geb. am 25. März 1835 zu München, wandte sich der
-Unterhaltungslitteratur zu und schrieb Novellen, Romane und Dramen.
-Seine spätere Produktion (»Der Weg zum Himmel«, »Roman einer Stadt«,
-»Der Herr Stationschef« u. a.) steht unter dem Einfluß des Realismus.
-
-=Karl Frenzel=, geb. am 6. Dez. 1827 in Berlin, weiteren Kreisen
-bekannt als Kritiker der Nationalzeitung, verdient seinen Platz in
-der Litteratur durch seine Romane, Novellen und wissenschaftlichen
-Schriften, die Gelehrsamkeit mit seiner Lebensbeobachtung verbinden,
-und deren Stoffe meist der Zeit des Rococos, dem 18. Jahrhundert,
-entnommen sind (»Melusine«, »Papst Ganganelli«, »Im goldenen
-Zeitalter«, »Renaissance und Rokoko«, »Des Lebens Ueberdruß«, »Dunst«,
-»Schönheit«, »Wahrheit«, »Frauenrecht«).
-
-=Adolf Stern=, geb. am 14. Juni 1835 in Leipzig, lebt jetzt als
-Professor für Litteraturgeschichte am Polytechnikum in Dresden. St.
-ist Epiker und Novellist (»Jerusalem«, »Gutenberg«, »Aus dem 18.
-Jahrhundert«, »Die letzten Humanisten«) und wiederholt als feinsinniger
-Litterarhistoriker hervorgetreten.
-
-=Ferdinand von Saar=, geb. am 30. Sept. 1833 in Wien, ist keine scharf
-ausgeprägte Dichternatur. Seine Erfolge verdankt er den »Gedichten«
-und den Novellensammlungen (»Novellen aus Österreich«, »Herbstreigen«
-u. a.), die ihm den Namen eines Walter Scott der Novelle eingetragen
-haben. Seine Dramen (»Heinrich IV.«, »Die beiden De Witt«, »Eine
-Wohlthat«) konnten sich nicht auf der Bühne behaupten.
-
-=Heinrich von Reder=, geb. am 19. März 1824 in Mellrichstadt, begann
-seine litterarische Laufbahn mit »Soldatenliedern von zwei deutschen
-Offizieren«. Seine Hauptwerke, die »Federzeichnungen« und das »Lyrische
-Skizzenbuch«, tragen realistisches Gepräge.
-
-
-
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-Vaganten und Spielmänner.
-
-
-=Josef Victor von Scheffel=, geb. am 26. Febr. 1826 in Karlsruhe, gest.
-am 9. April 1886, ist besonders der Lieblingsdichter der akademischen
-Jugend, der er eine große Zahl sangbarer Lieder schenkte, aus denen ein
-unverwüstlicher, feuchtfröhlicher Humor spricht. Sein lyrisch-episches
-Werk: »Der Trompeter von Säckingen«, das 1854 erschien, fand
-begeisterte Aufnahme. Weit bedeutender als dieses ist jedoch sein
-»Ekkehard«, ein trotz alles gelehrten Beiwerks und der fleißigen
-Quellenstudien von echter Poesie durchdrungenes Werk, das man als den
-besten kulturhistorischen Roman der letzten Jahrzehnte bezeichnen kann.
-Von Sch.'s weiteren Werken verdienen noch genannt zu werden: »Frau
-Aventiure«, »Gaudeamus« und »Bergpsalmen«.
-
-=Rudolf Baumbach=, geb. am 28. Sept. 1840 in Kranichfeld in Thüringen,
-ist einer der »liebenswürdigen« Dichter, der Naturbursche unter den
-Poeten. Seine lyrischen Gedichte, die sich durch Natürlichkeit und
-Frische auszeichnen und vielfach zu Volksliedern geworden sind,
-erschienen in verschiedenen Sammlungen: »Lieder eines fahrenden
-Gesellen«, »Mein Frühjahr«, »Von der Landstraße«, »Krug und Tintenfaß«
-u. a. Außerdem besitzen wir von ihm Märchen und Epen, die ebenfalls in
-weitere Kreise gedrungen sind.
-
-=Julius Wolff=, geb. am 16. Sept. 1834 in Quedlinburg, gehört zu den
-»Erfolgreichen« der 70er und 80er Jahre. Seine erste Veröffentlichung
-waren Gedichte »Aus dem Felde«. Einen durchschlagenden Erfolg errang
-er mit seinen Epen »Der Rattenfänger von Hameln«, »Der wilde Jäger«,
-»Der Tannhäuser«, »Lurlei« u. a., deren künstlerischer Gehalt zwar
-nicht hervorragend ist, die aber das große Publikum immer durch ihre
-Sentimentalität und Rührseligkeit entzücken werden. Der Beifall, den
-seine Epen fanden, übertrug sich auch auf seine Romane »Recht der
-Hagestolze«, »Der Sülfmeister«, »Das schwarze Weib«.
-
-
-
-
-Die Goldschnittlyriker der 80er Jahre.
-
-
-=Karl Gerok=, geb. am 30. Januar 1815 in Vaihingen in Württemberg,
-starb als Prälat in Stuttgart 1890. Seine Liedersammlungen
-»Palmblätter«, »Neue Palmblätter«, »Pfingstrosen«, »Eichenblätter«,
-»Deutsche Ostern«, die ein liebenswürdiger Humor durchzieht, sind
-vorzugsweise geistlicher Natur und fanden große Verbreitung.
-
-=Julius Sturm=, geb. am 21. Juli 1816 zu Köstritz, gest. 1896, war
-einer der fruchtbarsten Liederdichter. Die Natur seiner Dichtungen,
-die eine innige, aber nicht kopfhängerische Frömmigkeit auszeichnet,
-wird durch die Titel seiner Sammlungen: »Gott grüße Dich«, »Immergrün«,
-»Fromme Lieder«, »In Freud und Leid« charakterisiert.
-
-=Albert Traeger=, geb. am 12. Juni 1830 in Augsburg, ist als Dichter
-in den Kreisen der Liebhaber von Gartenlaube-Poesie bekannt geworden,
-hat sich jedoch außer einigen Lustspielen und Novellen nur einen
-Gedichtband zu schulden kommen lassen.
-
-=Emil Rittershaus=, geb. am 3. April 1834 in Barmen, gest.
-daselbst 1897, gab sich in seinen meist zuerst in der Gartenlaube
-veröffentlichten Gedichten als Sänger frischer, fröhlicher Lieder, die
-Wein und Liebe, Vaterland und Gartenlaube verherrlichen.
-
-
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-Die Beschaulichen.
-
-
-=Wilhelm Raabe=, geb. am 8. Sept. 1831 in Eschhausen, früher
-Buchhändler, nimmt unter den deutschen Humoristen den ersten Rang ein
-und gilt seit 30 Jahren als einer der eigenartigsten Charakterköpfe
-der deutschen Litteratur. Ein goldener Humor, der an Dickens erinnert,
-durchzieht seine Schriften, die er meist in ein altertümelndes Gewand
-kleidet oder im Chronikstil abfaßt. »Zwei oder drei Zeilen in einer
-Chronik, eine halbe Seite in der Geschichte für den Forscher« genügen
-ihm, um eine Erzählung darauf aufzubauen. R. beschäftigt Geist und
-Herz seiner Leser in gleicher Weise und seine Bücher, in einem etwas
-krausen Stile geschrieben, rühren die Seele bis zum Grunde auf. Bei
-alledem ist er einer der am wenigsten erfolgreichen Autoren geblieben,
-trotz des großen Gehalts und der Zahl seiner Schriften, von denen wir
-hier nur die nachstehenden registrieren: »Die Akten des Vogelsangs«,
-»Die Chronik der Sperlingsgasse«, »Gesammelte Erzählungen«, 3 Bde.,
-»Horacker«, »Der Hungerpastor«, »Der Schüdderump«, »Unseres Herrgotts
-Kanzlei«, »Alte Nester«, »Wunnigel«, »Horn von Wanza«.
-
-=Wilhelm Busch=, geb. am 15. April 1832 in Wiedensahl bei Stadthagen,
-ist der bedeutendste zeitgenössische komische Humorist und Zeichner,
-wenngleich seine Wirksamkeit hauptsächlich in die 60er und 70er Jahre
-fällt. Seine Schriften (»Max und Moritz«, »Hans Huckebein«, »Der
-heilige Antonius«, »Die fromme Helene«, »Herr und Frau Knopp« u. a.)
-erlangten eine ungeheuere Verbreitung. Seine letzten Werkchen: »Eduards
-Traum« und »Der Schmetterling« sind symbolische Prosamärchen, die den
-Idealismus ironisieren.
-
-=Hans Hoffmann=, geb. am 27. Juli 1848 in Stettin, zählt zu den besten
-Novellisten der Gegenwart. (»Von Frühling zu Frühling«, »Geschichten
-aus Hinterpommern«, »Ostseemärchen«, »Allerlei Gelehrte«, »Aus der
-Sommerfrische«.) Auch als Romanschriftsteller ist H. wiederholt
-hervorgetreten und hat sich auf diesem Gebiet als ein feinsinniger
-Dichter erwiesen, dem die seltene Gabe des Humors wie wenigen zu Gebote
-steht. (»Der eiserne Rittmeister«, »Landsturm«.) Ein echt nationales,
-von historischem Geiste getragenes Werk ist sein großer 3bändiger
-Roman: »Wider den Kurfürsten«.
-
-=Heinrich Seidel=, geb. am 25. Juni 1842 in Perlin, wurde Ingenieur,
-dann Schriftsteller in Berlin. Er ist der Dichter der kleinen
-behaglichen Lebensverhältnisse; seine Poesie und seine Ideale haben
-einen philiströsen Zug und es sind fast immer dieselben Mittel
-(Pastorenhaus, Fliederbüsche, Tabakspfeife und schüchterne Liebhaber),
-mit denen er in seinen Lebrecht Hühnchen-Geschichten operiert.
-(»Aus der Heimat«, »Vorstadtgeschichten«, »Lebrecht Hühnchen u.
-a. Geschichten«, »Neues von Lebrecht Hühnchen u. a. Sonderlingen«,
-»Lebrecht Hühnchen als Großvater«, »Gesammelte Gedichte« u. a.) S's.
-Autobiographie führt den Titel »Von Perlin nach Berlin«.
-
-=Victor Blüthgen=, geb. am 4. Januar 1844 in Zörbig, ein
-liebenswürdiger, feinsinniger Dichter, schrieb Gedichte (vor allem
-Kinderreime), Novellen und Humoresken (»Henzi u. a. Humoresken«,
-»Badekuren«, »Amoretten« etc.) Von seinen Romanen sind »Der
-Friedensstörer«, »Aus gährender Zeit«, und »Der Preuße« zu nennen.
-
-
-
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-Die Behaglichen.
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-
-=Julius Stinde=, geb. am 28. Aug. 1841 in Kirch-Nüchel in Holstein,
-führte die »Frau Buchholz«, den Typus des Berliner Spießbürgertums,
-in die Litteratur ein und wurde durch zahlreiche Auflagen seiner
-Werke dafür belohnt. Von seinen weiteren Schriften fanden noch die
-»Waldnovellen« und »Pienchens Brautfahrt« größere Verbreitung.
-
-=Johannes Trojan=, geb. am 14. August 1837 in Danzig, Redakteur des
-Kladderadatsch, schrieb hübsche, humorvolle Kinderlieder und eine
-Anzahl ansprechender Gedichte: »Scherzgedichte«, »Für gewöhnliche
-Leute«, »Das Wustrower Königsschießen u. a. Humoresken«.
-
-=Julius Lohmeyer=, geb. am 6. Okt. 1835 in Neisse, machte sich als
-Jugendschriftsteller einen Namen, ohne jedoch auf diesem Gebiete
-viel mehr als guten Willen und einen bescheidenen liebenswürdigen
-Humor mitzubringen. (»Gedichte eines Optimisten«, »Die Bescheidenen«,
-»Humoresken« u. a.)
-
-=Edwin Bormann=, geb. am 14. April 1851 in Leipzig, machte sich als
-sächsischer Humorist in seinem engeren Vaterlande einen Namen (»Mei
-Leipzig low' ich mir«, »Herr Engemann«, »Schelmenlieder« u. a.) So gut
-einige ältere Dialektdichtungen B.'s sind, so flach und schal ist die
-Mehrzahl seiner jüngsten fabrikmäßig hergestellten Poesien. Seinen
-humoristischen Werken nicht beizuzählen, nach Ansicht B.'s vielmehr
-durchaus ernsthaft zu nehmen, sind »Das Shakespeare-Geheimnis« und
-die im Anschlusse daran erschienenen Schriften, in denen der Nachweis
-geführt werden soll, daß Shakespeare nicht Shakespeare, sondern Francis
-Bacon ist.
-
-=Georg Bötticher=, geb. am 20. Mai 1849 in Jena, ein feinsinnigerer
-und vielseitigerer Humorist als Bormann, schrieb in Gemeinschaft
-mit Victor Blüthgen »Schüler-Novellen«, und selbständig zahlreiche
-humoristische Schriften, von denen viele durch die »Fliegenden Blätter«
-und die »Reclam-Bibliothek« weiteren Kreisen bekannt geworden sind.
-(»Schnurrige Kerle«, »Schilda, Verse eines Kleinstädters«, »Allotria,
-humoristische Geschichte«, »Neue Allotria«, »Bunte Reihe« u. a.)
-
-=Hans Arnold= (Pseudon. für Frau Babette von Bülow), geb. am 20.
-Sept. 1850 in Warmbrunn, schildert in ihren Novellen und Erzählungen
-mit Vorliebe in humoristischer Weise die kleinen Verdrießlichkeiten
-und Unannehmlichkeiten des Lebens. Ihre Werke besonders anzuführen,
-erübrigt sich: sie amüsieren und werden vergessen.
-
-
-
-
-Die Dichter der Dekadenz.
-
-
-=Dranmor=, mit seinem eigentlichen Namen Ferdinand von Schmid, geb. am
-22. Juni 1823 in Muri bei Bern, gest. 1888, wanderte nach Brasilien
-aus und wurde weiteren Kreisen durch seine »Gesammelten Dichtungen«
-bekannt, die neben lyrischen Gedichten Balladen und Epen aus dem
-südamerikanischen Leben in düsterer, pessimistischer Färbung enthalten.
-
-=Eduard Grisebach=, geb. am 9. Okt. 1845, gab den »Neuen Tannhäuser«
-und »Tannhäuser in Rom« heraus, leichtgeschürzte Poesien, die viel
-Anerkennung fanden. G. hat sich ferner als Bibliophile und Herausgeber
-der Werke Schopenhauers u. a. verdient gemacht.
-
-=Emil Prinz von Schönaich-Carolath=, geb. am 8. April 1852 zu Breslau,
-lieferte in seinen Dichtungen den Beweis, daß jemand Prinz und doch ein
-großer Dichter, Zigeuner und Weltmann zugleich sein kann. Wenn auch
-die Schöpfungen dieses modernen Byron (»Lieder an eine Verlorene«,
-»Tauwasser«, »Dichtungen«, »Geschichten aus Moll« u. a. m.) von
-Koketterie und Salon-Zigeunertum nicht frei sind, so kommen ihm doch an
-Größe und Leidenschaft nur wenige der Modernen gleich.
-
-=Hieronymus Lorm= (Pseudon. für Heinrich Landesmann), geb. am 9. Aug.
-1821 in Nikolsburg, seit seinem Jünglingsalter taub und erblindet,
-schrieb Romane und Novellen und that sich besonders als pessimistischer
-Lyriker hervor (»Am Kamin«, »Gedichte«, »Nachsommer« u. a.). In seinen
-philosophischen Schriften unternahm er, wenn auch mit wenig Glück,
-wiederholt den Versuch, eine allgemein-verständliche Erörterung des
-Lebensproblems zu geben.
-
-=Alberta von Puttkamer=, geb. am 5. Mai 1849 in Glogau, debütierte mit
-dem Schauspiel »Kaiser Otto III.«, dem sie »Dichtungen«, »Accorde und
-Gesänge«, »Offenbarungen« und »Aus Vergangenheiten« folgen ließ, in
-denen sich ein glühendes Verlangen nach erträumtem Glück, Trauer und
-Sehnsucht nach verlorenem ausspricht.
-
-=Ada Christen= (Pseudon. für Christiane Breden, geb. am 6. März 1844
-in Wien, ist eine Dichterin stark realistischen Gepräges, in deren
-Gedichten (»Lieder einer Verlorenen«, »Aus der Tiefe«) sich das
-seelische Unbefriedigtsein des Weibes ausspricht.
-
-
-
-
-Die Marlitt und ihre Schule.[3]
-
-
- [3] Paul Lindau siehe unter »Feuilletonisten«.
-
-=E. Marlitt= (Pseudon. für Eugenie John, geb. am 5. Dez. 1825 in
-Arnstadt in Thüringen, gest. 1887, wurde viel verlästert von den
-Modernen, aber viel geliebt von dem Publikum der Gartenlaube, das
-ihre Romane »Goldelse«, »Das Geheimnis der alten Mamsell«, »Das
-Heideprinzeßchen« u. a. nicht las, sondern verschlang.
-
-=W. Heimburg= (Pseudon. für Bertha Behrens), geb. am 7. Sept. 1850
-in Thale am Harz, ist ein Gartenlaube-Talent, das sich in wenig oder
-nichts von der Marlitt unterscheidet. Ihre Produktion wird schon
-durch die Titel ihrer Werke charakterisiert: »Aus dem Leben einer
-alten Freundin«, »Lumpenmüllers Lieschen«, »Ein armes Mädchen«,
-»Herzenskrisen«, »Trotzige Herzen« u. s. w.
-
-=E. Werner= (Pseudon. für Elisabeth Bürstenbinder), geb. am 25. Nov.
-1838 in Berlin, gehört zu denjenigen Schriftstellerinnen, die ein Motiv
-so lange variieren, bis es sich zu »Gesammelten Werken« ausgewachsen
-hat. (»Ein Held der Feder«, »Am Altar«, »Gesprengte Fesseln«, »St.
-Michael« u. a.)
-
-=Marie Bernhard=, geb. am 7. Nov. 1852 in Königsberg i. Pr., widmete
-sich der Schriftstellerei im Genre der Gartenlaube (»Forstmeister
-Reichardt«, »Im Strom der Zeit«, »In Treue fest«, »Schule des Lebens«,
-»Unweiblich« u. a.)
-
-=Nataly von Eschstruth= (Mädchenname der jetzigen Frau v.
-Knobelsdorff-Brenkenhoff), geb. am 17. Mai 1860 in Hofgeismar, wurde
-vom Deutschen Schriftsteller-Verband als die »beliebteste« Erzählerin
-proklamiert und ist bemüht, durch die Quantität zu ersetzen, was ihr
-an Qualität fehlt. Ihre »Werke« stehen noch unter denen der Marlitt,
-Heimburg etc.
-
-
-
-
-Die »Jüngstdeutschen« und ihre Vorkämpfer.
-
-
-=Karl Bleibtreu=, geb. am 13. Januar 1859 in Berlin, schrieb mehr
-Bände als er Jahre zählt und ist einer der großen Woller und
-kleinen Könner. Vielseitig veranlagt und ein geistreicher, witziger
-Kopf, irrlichtelierte er von einem Gebiete zu dem andern, ohne
-über Ansätze hinauszukommen und ohne Fähigkeit zur Konzentration
-und -- Bescheidenheit. Ist Feuer in seinen Werken, so ist es
-sicher Brillantfeuer, das keine Wärme giebt und dessen Abbrennen
-teilnahmlos läßt. Von seinen zahlreichen Werken nennen wir nur »Dies
-irae, Erinnerungen eines französischen Offiziers«; die Aufzählung
-seiner dramatischen, lyrischen und epischen Produktion, wie seiner
-Glaubensbekenntnisse, müssen wir uns Raummangels wegen versagen. Die
-Broschüre: »Die Revolution der Litteratur«, die zum ersten Mal dem
-großen Publikum Kenntnis von den Absichten der »Jungen« gab, hat ein
-gewisses litterarhistorisches Interesse.
-
-=Michael Georg Conrad=, geb. am 5. April 1846 zu Gnodstadt in Franken,
-eine eigenartig und scharf ausgeprägte Dichternatur mit einer
-ausgesprochenen Neigung zu politischer Bethätigung, gab in Gemeinschaft
-mit Karl Bleibtreu die »Gesellschaft« heraus, die er ganz in den Dienst
-der modernen Ideen stellte. Seine von Zola und einem jahrelangen
-Aufenthalt in Paris beeinflußten Romane: »Was die Isar rauscht«, »Die
-klugen Jungfrauen«, »Die Beichte des Narren«, »In purpurner Finsternis«
-u. a. sind nicht frei von Kraftmeierei und Übertreibungen.
-
-=Hermann Conradi=, geb. am 12. Juni 1862 in Jeßnitz, gest. am
-8. März 1890, eins der Häupter der Stürmer und Dränger, schrieb
-»Brutalitäten«, »Lieder eines Sünders« und die Romane: »Phrasen« und
-»Adam Mensch«, Werke, die von Brutalitäten, Phrasen, Menschlichem und
-Allzumenschlichem strotzen, und nur als ~documents humains~ von einigem
-Interesse sind.
-
-=Konrad Alberti= (~recte~ Konrad Sittenfeld), geb. am 9. Juli 1862 in
-Breslau, schrieb eine Reihe von Romanen, Novellen und Dramen im Stile
-der Jüngstdeutschen, unter denen die Romane »Wer ist der Stärkere?«
-und »Die Alten und die Jungen« die bedeutendsten sind. Seine spätere
-Produktion wandte sich dem Unterhaltungsroman zu und entbehrt jeder
-Eigenart. (»Die Rose von Hildesheim«, »Die schöne Theotaki« u. a.)
-
-=Heinrich Hart=, geb. am 30. Dez. 1855 in Wesel, Kritiker der
-»Täglichen Rundschau«, gab in Gemeinschaft mit seinem Bruder die
-»Kritischen Waffengänge« heraus, durch die sie den Modernen, mit denen
-sie in ihrem dichterischen Schaffen sonst wenig Gemeinsames haben,
-nahetraten. Das hervorragendste Werk H.'s ist das Epos »Das Lied der
-Menschheit«.
-
-=Julius Hart=, geb. am 9. April 1859 in Münster, Bruder des vorigen,
-schrieb teils selbständig, teils in Gemeinschaft mit seinem Bruder
-eine Reihe kritischer und dichterischer Werke, von denen wir die
-Gedichtsammlung »Sansara«, das Schauspiel »Sumpf«, die Prosadichtung
-»Sehnsucht« und das zweibändige, populär geschriebene Werk: »Geschichte
-der Weltlitteratur« hervorheben.
-
-=Hermann Heiberg=, geb. am 17. Nov. 1840 in Schleswig, Herausgeber
-der Halbmonatsschrift »Niedersachsen«, stand ursprünglich mit den
-Modernen in engster Fühlung, glitt jedoch später ganz in das Fahrwasser
-der Unterhaltungslitteratur. Zu seinen bekanntesten Werken sind die
-»Plaudereien mit der Herzogin von Seeland«, »Apotheker Heinrich«
-und »Eine vornehme Frau« zu zählen, die sämtlich seiner ersten
-Schaffensperiode angehören.
-
-=Max Kretzer=, geb. am 7. Juni 1854 in Posen, arbeitete sich vom
-Fabrikarbeiter zum Schriftsteller empor. Seine Romane, die stark
-realistisch gefärbt sind und ihm den Namen: der deutsche Zola
-eintrugen, spielen meist in den Arbeiterkreisen der Reichshauptstadt,
-die er vorzüglich kennt und zu portraitieren versteht. (»Meister
-Timpe«, »Der Millionenbauer«, »Die gute Tochter« u. a.) Mit seinem
-letzten Roman: »Das Gesicht Christi« ging er vom Realismus zum
-Symbolismus über.
-
-=Wilhelm Walloth=, geb. am 6. Okt. 1856 zu Darmstadt, kämpfte in
-den Reihen der Modernen an erster Stelle. Seine Romane aus dem Rom
-des Niederganges »Oktavia«, »Paris der Mime«, »Ovid«, »Dämon des
-Neides«, denen jede Konzentration fehlt, hielten nicht, was er früher
-versprochen. Mit seinem neuesten Roman: »Im Banne der Hypnose« erregte
-er statt Sensation Langeweile. Seine Dramen: »Marino Falieri«, »Johann
-von Schwaben« sind reich an schönen Einzelheiten, aber als Ganzes
-betrachtet verfehlt.
-
-=Wilhelm Arent=, geb. am 7. März 1864 in Berlin, spielte früher auf
-der Bühne, später in der litterarischen Bewegung der 80er Jahre eine
-Rolle und war Mitherausgeber der »Modernen Dichtercharaktere«. Seine
-Poesie (mehr als 30 Bände!) ist überreich an Stimmung, aber form- und
-gedanken-, ja sinnlos.
-
-=Wolfgang Kirchbach=, geb. am 18. Sept. 1857 zu London, schloß sich
-nur locker der »Moderne« an und ist immer mehr seinen eigenen oft
-sonderlichen Ideen nachgegangen. (»Ausgewählte Gedichte«, »Lebensbuch«,
-»Das Leben auf der Walze«.) Seine Dramen »Des Sonnenreiches Untergang«,
-»Gordon Pascha« fanden nur geteilte Aufnahme.
-
-
-
-
-Socialistische Lyriker.
-
-
-=Arno Holz=, geb. am 26. April 1863 in Rastenburg, ist allem Anschein
-nach ein Talent, das eine große Zukunft vor sich hat. Sein »Buch der
-Zeit« schlug neue, eigenartige Töne an und ließ H., der ursprünglich
-als Geibelianer auftrat, als den berufensten socialistischen Lyriker
-erscheinen. Aus seiner Verbindung mit Johannes Schlaf gingen die
-Novellen: »Papa Hamlet« und das naturalistische Drama: »Familie
-Selicke« hervor. Sein Drama »Socialaristokraten« fiel gänzlich ab und
-die neue Dichtkunst, die er im »Phantasus« predigt und für die er
-bereits eine »Revolution in der Lyrik« in Szene setzte, hat ihm nur
-mitleidiges Lächeln und Achselzucken eingebracht, obwohl sie sich schon
-durch ihre Einfachheit vorteilhaft vor anderen »Methoden« auszeichnet.
-
-=Karl Henckell=, geb. am 17. April 1864 in Hannover, gab mit Arent die
-»Modernen Dichtercharaktere« heraus und stand mit seinen »Strophen« und
-»Amselrufen«, die sich durch Glätte und Formgewandtheit auszeichnen, an
-der Spitze der socialistischen Lyriker.
-
-=Maurice Reinhold von Stern=, geb. am 3. April 1859 in Reval, hat
-eine außerordentlich bewegte Vergangenheit hinter sich, die ihn nach
-Deutschland, Amerika und der Schweiz führte. (Nach dem Zusammenbruch
-seiner Buchhandlung in Zürich postalisch und polizeilich nicht zu
-ermitteln.) In seinen »Proletarierliedern«, »Ausgewählten Gedichten«
-u. a. finden sich neben Naturbildern von Glanz und Stimmung, Plattes
-und Geschmackloses. Sein autobiographischer Roman »Walther Wendrich«
-zeigt seine Unfähigkeit, einen Stoff zu meistern und dichterisch zu
-gestalten. Großes auf kleines übertragen, gilt von ihm das Wort Goethes
-über Grabbe: »Er wußte sich selbst nicht zu zähmen, darum zerrann ihm
-sein Leben wie sein Dichten«.
-
-=John Henry Mackay=, geb. am 6. Febr. 1864 in Greenock in Schottland,
-ist ein Dichter mit revolutionären und salonanarchistischen Tendenzen,
-in dessen Werken Denker, Dichter und Politiker in gleicher Weise zu
-Worte kommen (»Kinder des Hochlands«, »~Arma parata fero~«, »Sturm«,
-»Wiedergeburt«, »Gesammelte Dichtungen«, das Kulturgemälde: »Die
-Anarchisten« u. a.).
-
-=Bruno Wille=, geb. am 6. Febr. 1860 in Magdeburg, zeigt sich in seinen
-Gedichten und philosophischen Schriften als freier unabhängiger Denker,
-der, vom Socialismus ausgehend, den Weg zum Individualismus findet.
-(»Einsiedelkunst aus der Kiefernhaide« u. a.)
-
-
-
-
-Die Nationalen.
-
-
-=Adolf Pichler=, geb. am 4. Sept. 1819, ist der älteste Tiroler
-Dichter: sein Leben und seine Werke reichen von der »Franzosenzeit« bis
-zur Gegenwart. Ein Gelehrter und von allseitiger Bildung, weiß er doch
-wahrhaft volkstümlich zu erzählen (»Allerlei Geschichten aus Tirol«,
-»Letzte Alpenrosen«, »Aus den Tiroler Bergen« u. a.). Er hat ferner als
-Lyriker »Hymnen« geschrieben, »Spätfrüchte« und »Marksteine«. Unter den
-Vorkämpfern einer liberalen Weltanschauung, aber milde und versöhnlich,
-steht er in vorderster Reihe.
-
-=Karl Pröll=, geb. in Graz 1840, bekannt als journalistischer
-Vorkämpfer des Deutschtums in Böhmen, lebt seit vielen Jahren als
-Schriftsteller in Berlin, von wo er neben zahllosen politischen
-Schriften seine Lieder »Sturmvögel«, »Vergessene deutsche Brüder«
-u. s. w. und seine prächtigen Sammlungen von Skizzen und Novellen
-»Moderner Todtentanz«, Bd. 1--5, »Vogelbeeren«, »Spreu im Winde« etc.
-veröffentlichte.
-
-=Fritz Lienhard=, geb. am 4. Okt. 1865 in Rothbach i/Els., war von
-1893--1895 Redakteur des
-
-»Zwanzigsten Jahrhunderts« und Anfang 1900 auf kurze Zeit Herausgeber
-der »Heimat«. Bedeutend sind seine »Lieder eines Elsässers«, sein
-Wanderbuch »Wasgaufahrten« und besonders seine Dramen »Naphtali«,
-»Weltrevolution«, »Till Eulenspiegel«. In seiner schriftstellerischen
-und journalistischen Thätigkeit sucht er der »Heimatkunst«, dem
-Nationalen in Dichtung und Leben, den Weg zu ebnen.
-
-=Anton Ohorn=, geb. am 22. Juli 1846 in Theresienstadt, schrieb
-zahlreiche Romane, Erzählungen und Novellen, von denen das meiste
-Aufsehen die nationale Erzählung »Das deutsche Lied« gemacht hat.
-
-=Anton August Naaff=, geb. am 28. Nov. 1850 in Weitentrebetitsch,
-Herausgeber der »Lyra« in Wien, veröffentlichte die Liedersammlungen im
-Volkstone: »Aus dem Dornbusch«, »Gartheil und Krauseminz«, »Der Sonn'
-entgegen«, »Gerda« u. a.
-
-=Ottomar Beta= (eigentlich Bettziech), geb. am 7. Febr. 1845 in
-Berlin, wurde in England erzogen. B. veröffentlichte außer zahlreichen
-nationalökonomischen, socialpolitischen und politischen Schriften
-mehrere Dramen und Romane, von denen das Trauerspiel »David Rizzio«,
-das Lustspiel »Altmodisch und Modern«, das Schauspiel »Nichts halb!«
-und besonders das Lustspiel »Feurige Kohlen« Anerkennung fanden. Seine
-Novellen und Romane »Schmollis, ein Hundeleben«, »Unter Unkraut«,
-»Peregrine«, »Die Rache ist mein« u. s. w. verraten ein bemerkenswertes
-Erzählertalent. Beachtung verdient auch das satirische Epos
-»Barbarossa's Botschaft«.
-
-=Adolf Graf von Westarp=, geb. am 21. April 1851 in Breslau, erregte
-Aufsehen durch sein Buch »Fürst Bismarck und das deutsche Volk«, sowie
-durch sein Lied »An den Kaiser« (nach Bismarcks Entlassung). W. ist
-ein ebenso eigenartiger wie talentvoller Lyriker. (»Deutsche Lieder«,
-»Idyllen und Elegieen aus den bayrischen Bergen«.)
-
-=Erwin Bauer=, geb. am 9. Jan. 1857 auf dem Gute Techelfer bei Dorpat
-in Livland, begründete in Reval die »Nordische Rundschau«, 1890 in
-Berlin »Das zwanzigste Jahrhundert«. Außer einigen Dramen gab B.,
-dessen Talent frühzeitig von der Politik beschlagnahmt wurde, die
-Novellensammlungen »Aus dem Zarenlande« und »Einfache Geschichten«,
-sowie die Erzählung »Der Selbstmord des Leutnants Mergenthin« heraus.
-Sein bestes Werk ist der in Rußland spielende Roman »~Aut Caesar, aut
-nihil~«.
-
-=Carl Kerstan=, geb. am 22. Okt. 1847 in Prag, machte sich als
-Historienmaler einen Namen. Sein philosophischer Roman in 3 Bänden
-»~Sapaere aude~« gehört zu den besten unserer Litteratur und verdiente
-mehr Beachtung, als er gefunden.
-
-
-
-
-Die großen neuzeitlichen Erzähler.
-
-
-=Theodor Fontane=, geb. am 30. Dez. 1819 in Neuruppin, gest. am 20.
-Sept. 1898, war wie Sudermann und Ibsen ursprünglich Apotheker. Eine
-Reise nach England weckte sein dichterisches Talent, so daß er sich
-bald ganz der Schriftstellerei widmete. F. ist besonders der Dichter
-des Preußentums oder im engeren Sinne der Mark, Berlins. Er schrieb
-die Romane »Irrungen, Wirrungen«, »Stine«, »Quitt«, »Frau Jenny
-Treibel«, »Effi Briest« u. a., die zu den besten der neuzeitlichen
-Erzählungslitteratur zu rechnen sind. Schon seit den vierziger Jahren
-zählte F. zu den bedeutendsten Balladendichtern und Schilderern der
-Mark Brandenburg. Seine »Wanderungen durch die Mark Brandenburg«
-sind Landschaftsbilder von entzückender Anmut, sinniger Feinheit und
-zugleich von frappierender Treue. Tüchtige litterarische Leistungen
-sind außerdem seine Darstellungen der drei Kriege 1864, 1866 und 1870,
-die wiederholt aufgelegt wurden. Mit zwei Bänden Erinnerungen aus
-seinem Leben: »Meine Kinderjahre« und »Von Zwanzig bis Dreißig«, schloß
-er seine dichterische Thätigkeit ab.
-
-=Wilhelm Jensen=, geb. am 15. Febr. 1837 in Heiligenhafen, ist einer
-der eigenartigsten und markantesten Erzähler. Er ist der Dichter des
-Meeres und der Heide und alle Stimmen, die er ihnen abgelauscht,
-klingen in seinen Werken wieder. So ungleich auch die einzelnen Werke
-J.'s untereinander sind, allen gemeinsam ist die melodische, wunderbare
-Sprache und eine weiche, stillverträumte Stimmung, die über ihnen liegt
-und den Leser gefangen nimmt. J. ist ein ungemein produktiver Dichter,
-der sich jedes Jahr mit zwei, drei Bänden einstellt. Von seinen Werken
-seien genannt: »Die braune Erica«, »Karin von Schweden«, »Tagebuch aus
-Grönland«, »Aus den Tagen der Hansa«, »Jenseits des Wassers«, »Luv und
-Lee«, »Sehnsucht«. Auch als Lyriker ist J. wiederholt hervorgetreten
-und darf wohl den Anspruch erheben, als solcher neben Keller, Meyer und
-Storm genannt zu werden. (Gesammelte Gedichte: »Vom Morgen zum Abend«.)
-
-=Marie von Ebner-Eschenbach=, geb. am 13. Sept. 1830 in
-Zdislavic in Mähren, ist gegenwärtig die bedeutendste lebende
-deutsch-österreichische Schriftstellerin. Sie ist eine Meisterin des
-künstlerischen Realismus, den sie so sicher wie die besten Meister der
-Erzählungskunst beherrscht. (»Bozena«, »Dorf- und Schloßgeschichten«,
-»Zwei Komtessen«, »Das Gemeindekind«, »Rittmeister Brand« u. a.)
-
-=Adolf Wilbrandt=, geb. am 24. Aug. 1837 in Rostock, gab zuerst ein
-Werk über Heinrich von Kleist heraus, dem er eine Reihe von Dramen:
-»Arria und Messalina«, »Gracchus«, »Kriemhild«, »Graf Hammerstein«,
-»Die Tochter des Herrn Fabricius«, »Der Meister von Palmyra« u. a.
-folgen ließ, unter denen das letztgenannte das bedeutendste ist. In den
-letzten Jahren hat sich W. fast ganz dem Zeitromane zugewandt (»Hermann
-Ifinger«, »Die Osterinsel«, »Vater Robinson« u. a.). W. ist eine der
-vornehmsten Erscheinungen unter den Schriftstellern der Gegenwart und
-sowohl der Schiller- als auch der Grillparzerpreis sind ihm zugefallen.
-
-=Richard Voß=, geb. am 2. Febr. 1851 in Neugrape in Pommern, ist
-eine reiche phantasievolle und starke Dichternatur, die sich leider
-nicht zur künstlerischen Vollendung durchringen konnte. Ein nervöser,
-dämonischer Zug geht durch alle seine Romane und Dramen, die bald
-in Deutschland, bald in Italien, im Mittelalter oder in der Neuzeit
-spielen. Eine zerrissene, unbefriedigte Natur, vermögen auch seine
-Schöpfungen nicht zu befriedigen, von denen die meisten den Leser
-narkotisieren oder peinigen. Seine erfolgreichsten Dramen sind
-»Schuldig«, »Alexandra«, und »Eva«; von seinen Novellen und Romanen
-sind »Römische Dorfgeschichten«, »Mönch von Berchtesgaden«, »Villa
-Falconieri«, »Unter den Borgia«, die bekanntesten.
-
-
-
-
-Realistische Erzähler.
-
-
-=Ernst von Wolzogen=, geb. am 23. April 1855 in Breslau, ist einer
-der ungleichmäßig schaffenden Dichter. Seine Tragikomödie: »Das
-Lumpengesindel« ist noch immer sein bestes Werk. Einst erhoffte
-man vieles von dem Talent dieses fabulierenden Freiherrn, der die
-schöne Gabe des Humors besitzt und es versteht, seine Personen
-treffend zu charakterisieren, doch produziert er seit langem nur
-Unterhaltungslitteratur, wenn auch im besseren Sinne. Seine besten
-Romane sind »Die Kinder der Excellenz« (auch als Lustspiel bearbeitet),
-»Die tolle Komteß«, »Die Entgleisten«, »Der Kraftmayr«.
-
-=Konrad Telmann= (~recte~ Zitelmann), geb. 1854, gest. 1897, wurde
-durch körperliches Leiden zur Aufgabe seines Berufes gezwungen und
-lebte seit Jahren in Rom. T. hat eine außerordentlich große Anzahl von
-Werken hinterlassen und eine rastlose Thätigkeit entfaltet, die seiner
-Kunst nicht immer zum Vorteil gereichte. Er ist ein Übergangskünstler,
-der sich Friedrich Spielhagen zum Vorbild nahm und über ihn hinaus den
-realistischen Roman auszubauen und mit neuen, meist »interessanten« und
-exotischen Zügen auszustaffieren suchte. Zu seinen besten Romanen, von
-denen viele in der zweiten Heimat des Dichters, in Italien, spielen,
-zählen: »~Vox populi~«, »Unterm Strohdach«, »Unter römischem Himmel«,
-»Unter den Dolomiten«, »Götter und Götzen«, »Vom Stamme der Skariden«.
-
-=Alexander Baron von Roberts=, geb. am 23. Aug. 1845 in Luxemburg,
-gest. 1896, zählte zu den besten Unterhaltungsschriftstellern,
-besonders in den Romanen, die das Militärleben zum Gegenstand haben.
-(»Es und Anderes«, »Götzendienst«, »Lou«, »Die schöne Helena«,
-»Schwiegertöchter« u. a.) Sein Drama »Satisfaktion« ging mehrfach mit
-Erfolg über die Bühne.
-
-=Georg von Ompteda=, geb. am 29. März 1863 in Hannover, veröffentlichte
-(teilweise unter dem Pseudonym Georg Egestorff) »Von der Lebensstraße
-u. a. Gedichte«, sowie die Romane »Drohnen«, »Unter uns Junggesellen«,
-»Sylvester von Geyer« u. a., deren Stoff er vorzugsweise der deutschen
-Armee entnahm. Als Übersetzer machte er sich durch die Übertragung der
-Werke Guy de Maupassants bekannt.
-
-=Wilhelm von Polenz=, geb. am 14. Januar 1861 in Ober-Cunewalde,
-debütierte mit dem Roman »Sühne« und ließ diesem dramatische
-und novellistische Arbeiten, sowie die Romane »Der Pfarrer von
-Breitendorf«, »Der Büttnerbauer«, »Der Grabenhäger« und »Wald« folgen,
-in denen er hauptsächlich brennende Zeitfragen des gutsherrlichen und
-bäuerischen Besitzstandes behandelt.
-
-=Adolf Schmitthenner=, geb. am 24. Mai 1854 in Neckarbischofsheim,
-schrieb den Roman »Psyche« und »Novellen«, die eigenartige, fast
-»gewagte« Probleme zu lösen suchen und sich durch feine Seelenmalerei
-auszeichnen.
-
-=Karl von Perfall=, geb. am 24. März 1851 in Landsberg a/Lech,
-behandelt in seinen Romanen gern moderne Probleme, ohne jedoch dem
-Naturalismus große Konzessionen zu machen. (»Vornehme Geister«, »Die
-Langsteiner«, »Die fromme Witwe«, »Sein Recht«.)
-
-=Anton von Perfall=, geb. am 11. Dez. 1853 in Landsberg a/Lech,
-hat sich besonders durch seine Jagdgeschichten bekannt gemacht.
-Seine Romane »Die Krone«, »Sein Dämon«, »Die Sonne« tragen zum Teil
-realistisches Gepräge.
-
-=Oscar Mysing=, geb. am 1. Nov. 1867 in Bremen, schrieb seine ersten
-Romane und Novellen, die zum größten Teile erotischer Natur sind
-(»Überreif«, »Moderne Liebe«), unter dem Pseudonym Otto Mora und
-ging später zur Familienblattlitteratur über. (»Die Bildungsmüden«,
-»Verfolgte Phantasie«, »Nach der Sündflut«, »Beresina«.)
-
-=Richard Nordhausen=, geb. am 31. Januar 1868 in Berlin, war zuerst
-politisch thätig und schrieb dann eine Reihe Epen (»Joß Fritz der
-Landstreicher«, »Vestigia Leonis«, »Sonnenwende«), die sich durch
-farbenprächtige Schilderungen, glühende Leidenschaft und große Plastik
-auszeichnen. Mit dem Roman: »Die rote Tinktur« betrat N. die Pfade der
-Unterhaltungslitteratur.
-
-=J. J. David=, geb. am 6. Febr. 1859 in Weißkirchen, schrieb
-Schauspiele, Gedichte, Erzählungen u. a., die ein eigenartiges, etwas
-widerborstiges Talent verraten. In seinen Werken »Höferecht«, »Blut«,
-»Hagars Sohn«, »Gedichte«, »Probleme«, »Ein Regentag« u. a. schildert
-er mit Vorliebe Menschen, die auf die Schattenseite des Lebens zu
-stehen kamen.
-
-=Felix Hollaender=, geb. am 1. November 1867 in Leobschütz, debütierte
-mit dem Roman »Jesus und Judas«, denen sich die Berliner Romane: »Ellin
-Röte« und »Sturmwind im Westen« anschlossen. Mit Hans Land schrieb er
-»Die heilige Ehe«.
-
-=Heinz Tovote=, geb. am 12. April 1861 in Hannover, suchte die Bahnen
-Maupassants zu wandeln, ohne jedoch auch nur annähernd sein Vorbild
-zu erreichen, mit dem er nur hinsichtlich der Pikanterie verglichen
-werden kann. Seine Romane und Novellen aus der Berliner Demimonde: »Im
-Liebesrausch«, »Fallobst«, »Frühlingssturm«, »Ich«, »Mutter«, »Das Ende
-vom Liede«, »Die rote Laterne« u. a. erlebten viele Auflagen.
-
-
-
-
-Die Unterhaltungstalente.
-
-
-=Ernst Wichert=, geb. am 11. März 1831 in Insterburg, verfaßte
-zahlreiche Lustspiele, von denen »Der Narr des Glücks«, »Als Verlobte
-empfehlen sich« und »Ein Schritt vom Wege« sich noch auf der Bühne
-erhalten haben. W. ist außerdem Verfasser vieler Romane und Novellen:
-»Litauische Geschichten«, »Heinrich von Plauen«, »Hohe Gönner«,
-»Anderer Leute Kinder«, »Vom alten Schlage«, »Der große Kurfürst in
-Preußen«, u. a., von denen der letztgenannte, ein historischer Roman
-größeren Stils, besonders hervorgehoben zu werden verdient. W., der bis
-1896 dem Richterstande angehörte, schrieb seine Selbstbiographie 1899
-unter dem Titel: »Richter und Dichter«.
-
-=August Niemann=, geb. am 27. Juni 1839 in Hannover, früher Hauptmann,
-führte sich mit einer Geschichte des französischen Feldzuges
-1870/71 in die Litteratur ein. Sein bedeutendster Roman »Bakchen
-und Thyrsosträger«, zieht gegen die materialistische Weltanschauung
-zu Felde. In Buchhändlerkreisen fand besonders der Roman »Eulen und
-Krebse«, das »Soll und Haben« des Buchhändlers, Beachtung.
-
-=Gerhardt von Amyntor= (Pseudon. für Dagobert von Gerhardt), geb.
-am 12. Juli 1831 in Liegnitz, war Offizier und wandte sich dann
-der Litteratur zu. Von seinen Werken, in denen sich oft ein Hang
-zum Übersinnlich-Mystischen und zur Behandlung philosophischer und
-religiöser Themata bemerkbar macht, ist der Roman »Gerke Suteminne«
-das bedeutendste. Die »Hypochondrischen Plaudereien«, sowie die
-Gegenschrift zur Tolstoi'schen Kreutzer-Sonate: »Die Cismoll-Sonate«
-sind etwas hausbacken, aber erfüllt von echt vaterländischem Geiste,
-der allezeit und unentwegt für deutsche Frauen, deutsche Treue, Gott
-und Religion eintritt. Interessante Lebenserinnerungen legte A. in dem
-Werke: »Das Skizzenbuch meines Lebens« nieder.
-
-=Otto von Leixner=, geb. am 24. April 1847 in Saar, bis vor kurzem
-Redakteur der »Deutschen Romanzeitung«, schrieb im Sinne derselben eine
-Reihe Romane, Aphorismen und Plaudereien, von denen die Ȁsthetischen
-Studien für die Frauenwelt«, »Laienpredigten für das deutsche Haus«,
-»Aus meinem Zettelkasten«, und der Roman: »Also sprach Zarathustras
-Sohn« am bemerkenswertesten sind. Seine »Geschichte der deutschen
-Litteratur«, der nur feuilletonistischer Wert beizumessen ist, erlebte
-vier Auflagen.
-
-=Fritz Mauthner=, geb. am 22. November 1849 in Horzitz, einer der
-einflußreichsten Kritiker der Reichshauptstadt, zeigte seine Begabung
-besonders in den in parodistischer Form auftretenden Kritiken: »Nach
-berühmten Mustern« u. a. Mit seinen modern aufgeputzten Romanen aus
-dem Altertum »Xantippe« und »Hypatia«, sowie »Der letzte Deutsche von
-Blatna«, »Die Geisterseher«, »Die bunte Reihe« u. a. machte sich M. als
-Romancier einen Namen.
-
-=Theophil Zolling=, geb. am 30. Dezember 1849 in Scafati, Herausgeber
-der »Gegenwart«, zählt zu den besten Sittenschilderern Berlins. Von
-seinen das hauptstädtische Leben behandelnden Romanen: »Der Klatsch«,
-»Frau Minne«, »Kulissengeister«, »Die Million«, »Bismarcks Nachfolger«
-erregte namentlich der letztere einiges Aufsehen.
-
-=Rudolf Stratz=, geb. am 6. Dez. 1864 in Heidelberg, wandte sich dem
-Zeitroman zu und schrieb: »Unter den Linden«, »Belladonna«, »Die
-kleine Elten«, »Der weiße Tod«, »Montblanc«, den Novellenband »Buch
-der Liebe«, sowie einige Schauspiele. Sein Roman aus dem Bauernkrieg
-von 1525, »Der arme Konrad« und das Drama: »Jörg Trugenhoffen«, eine
-Konkurrenz des »Florian Geyer« von Hauptmann, beruhen auf tüchtigen
-Quellenstudien und geben ein anschauliches Bild der damaligen Zeit.
-
-=Hans Land= (Pseudon. für Hugo Landsberger), geb. am 25. August 1861 in
-Berlin, Herausgeber der Wochenschrift »Das neue Jahrhundert« (Berlin),
-schrieb realistisch gefärbte Romane (»Der neue Gott«, »Um das Weib« u.
-a.), sowie in Gemeinschaft mit Felix Hollaender das sociale Drama »Die
-heilige Ehe«.
-
-=Wilhelm Wolters=, geb. am 8. November 1852 in Dresden, ist durch seine
-Romane: »Sterbliche Götter«, »Helene Pawlowna« und Erzählungen (»Indian
-Summer«, »Ach wenn du wärst mein eigen!«), besonders aber durch seine
-erfolgreiche dramatische Produktion (»Tragische Konflikte« etc.) dem
-größeren Publikum bekannt geworden.
-
-=Franz von Königsbrun-Schaup=, geb. am 22. Februar 1857 in Cilli,
-schuf und befestigte seine litterarische Stellung durch die beiden
-Romane: »Die Bogumilen« und »Hundstagszauber«, die ihn als feinsinnigen
-Erzähler erkennen lassen. Künstlerisch weniger hoch stehen seine
-»Gedichte« und »Märchen«, und der mit Wolters zusammen geschriebene
-Schwank: »Der Hochzeitstag«, wird auf litterarischen Wert wohl
-überhaupt keinen Anspruch erheben.
-
-=Fedor von Zobeltitz=, geb. am 5. Okt. 1857 in Spiegelberg, gehört
-zu unseren besten Unterhaltungsschriftstellern. Von seinen letzten
-Romanen erregte besonders »Der gemordete Wald« Interesse. Um die
-deutsche Bibliophilie hat sich Z. durch Herausgabe der »Zeitschrift für
-Bücherfreunde« verdient gemacht.
-
-=Hanns von Zobeltitz=, geb. am 9. Sept. 1853 in Spiegelberg, schrieb
-eine Reihe Unterhaltungsromane im Stile des »Daheim« und der »Velhagen
-und Klasing'schen Monatshefte«, deren Redakteur Z. ist.
-
-=Ida Boy-Ed=, geb. am 17. April 1852 in Bergedorf, eine der begabtesten
-Schriftstellerinnen der alten Schule, veröffentlichte eine große Zahl
-von Romanen, von denen »Die Schwestern«, »Abgründe des Lebens«, »Fanny
-Förster« und »Aus Tantalus' Geschlecht« den meisten Anklang fanden.
-
-=A. v. der Elbe= (Pseudon. für Auguste von der Decken), geb. am 30.
-Nov. 1828 in Bleckede, setzte die »Chronica eines fahrenden Schülers
-von Clemens Brentano« fort und wandte sich vorzugsweise historischen
-Stoffen zu (»Lüneburger Geschichten«, »Brausejahre«, »Apollonia von
-Celle«, »Die jüngeren Prinzen«, »Der Seekönig« u. a.).
-
-=Claire Glümer=, geb. am 18. Okt. 1825 in Blankenburg, führte sich mit
-Novellen und Skizzen in die Litteratur ein. (»Düstere Nächte«, »Aus der
-Bretagne«, »Junge Herzen«.)
-
-=Sophie Junghans=, geb. am 3. Dez. 1845 in Kassel, ist Verfasserin
-einer Reihe von Unterhaltungsromanen, von denen »Der Bergrat«,
-»Ein Kaufmann«, »Lore Fay«, »Schwertlilie« und »Um das Glück« die
-bekanntesten sind.
-
-=Luise Westkirch=, geb. am 8. Juli 1858 in Amsterdam, behandelte in
-ihren Romanen und Novellen mit männlicher Kraft und Rücksichtslosigkeit
-sociale Probleme der Gegenwart: »Aus dem Hexenkessel der Zeit«, »Die
-Streber«, »Los von der Scholle« u. a.
-
-
-
-
-Romanciers des ~High-life~.
-
-
-=Rudolf Lindau=, geb. am 10. Okt. 1830 in Gardelegen, hatte durch
-seinen diplomatischen Beruf Gelegenheit, die halbe Welt kennen zu
-lernen. Er ist Weltmann großen Stils und in Paris und London ebenso
-zu Hause wie in Peking und San Francisco. L. verfaßte mehrere größere
-Romane, die in den Kreisen der internationalen Gesellschaft spielen
-(»Robert Ashton«, »Gute Gesellschaft« u. a.) und gab Beschreibungen
-seiner umfassenden Reisen heraus (»China und Japan« u. a.).
-
-=Ossip Schubin=, mit ihrem eigentlichen Namen Lolo Kirschner, geb. am
-17. Juni 1854 in Prag, läßt ihre Romane zumeist in den Kreisen des
-internationalen ~high life~, besonders der österreichischen Adels- und
-Offizierskreise, spielen. Ihrem ersten Roman »Ehre« folgten »Schuldig«,
-»Unter uns«, »Gräfin Erikas Lehr- und Wanderjahre«, »Gebrochene
-Flügel«, »Es fiel ein Reif in der Frühlingsnacht« u. a. S. schreibt
-fesselnd und interessant, doch haben ihre Romane etwas skizzenhaftes
-und der Stil ist oft salopp oder gesucht.
-
-=Baron Carl Torresani=, geb. am 19. April 1846 in Mailand, war
-österreichischer Kavallerieoffizier, bewirtschaftete einige Zeit sein
-Gut als Ökonom und widmete sich dann der Bildhauerei. Seine Romane,
-in denen er sich ganz als Österreicher giebt, spielen teils in den
-Kreisen der österreichischen Armee, teils in denen der internationalen
-Gesellschaft, für deren charakteristische Merkmale er einen scharfen
-Blick besitzt. »Aus der schönen wilden Lieutenantszeit«, »Schwarzgelbe
-Reitergeschichten«, »Mit tausend Masten«, »Auf gerettetem Kahn«, »Die
-Juckerkomtesse«, »Der beschleunigte Fall«, »Aus drei Weltstädten« u.
-a. Seiner Selbstbiographie gab er den Titel: »Von der Wasser- bis zur
-Feuertaufe. Werde- und Lehrjahre e. österreichischen Offiziers«.
-
-=Johannes Richard zur Megede=, geb. am 8. Sept. 1864 in Sagan,
-trat erst als reifer Mann mit einer Reihe von Romanen vor die
-Öffentlichkeit. »Kismet«, »Unter Zigeunern«, »Quitt«, »Von zarter
-Hand«, die in den exklusiven Adelskreisen spielen und den Verfasser
-als einen scharfen Beobachter, der einen sicheren Blick für das
-Charakteristische besitzt, erkennen lassen.
-
-=Bertha von Suttner=, geb. am 9. Juni 1843 in Prag, errang ihren
-größten Erfolg mit dem Tendenzroman: »Die Waffen nieder«, der für die
-Weltfriedensidee Propaganda macht. Von ihren übrigen Werken, die sehr
-ungleich im Werte sind, verdienen noch »Inventarium einer Seele« und
-»Das Maschinenzeitalter« genannt zu werden.
-
-
-
-
-Die Feuilletonisten.
-
-
-=Paul Lindau=, geb. am 3. Juni 1839 in Magdeburg, machte sich als
-Kritiker einen Namen, den er als produktiver Dichter rasch wieder
-einbüßte. Auch in seinen Romanen, die meist in Berlin ~W~ spielen und
-starken ~haut-gout~ aufweisen, ist er der Feuilletonist von ehemals
-geblieben, der nichts anderes als Eisenbahnlektüre geschrieben.
-
-=Max Nordau= (Pseudon. für Südfeld), geb. am 29. Juli 1849 in Budapest,
-errang seinen größten Erfolg mit den von Alltagsweisheit triefenden
-»Konventionellen Lügen der Kulturmenschheit«. Als Verfasser von
-»Entartung« scheint er an Paradoxomanie zu leiden oder sie zu heucheln.
-
-=Julius Langbehn= hat mit seinem Buche »Rembrandt als Erzieher« einen
-beispiellosen Erfolg gehabt, weil es »die Menschen zu verwirren weiß«.
-Seine »40 Lieder eines Deutschen« zeigen die ganze dichterische
-Unfähigkeit L.'s, dessen phantastisches und konfuses Erstlingswerk eine
-geraume Zeit im Mittelpunkt aller litterarischen Diskussionen stand.
-
-=Emil Peschkau=, geb. am 19. Febr. 1856 in Wien, gab eine Reihe von
-Skizzen, Epigrammen, Novellen und Romanen heraus, die ein hübsches
-Talent auf humoristischem und satirischem Gebiete erkennen lassen.
-
-=Balduin Groller=, geb. am 5. Sept. 1848 in Arad, gilt als der
-geistreiche Plauderer, der aus nichts eine schnurrige Geschichte
-zusammendrechselt. (»Wenn man jung ist«, »Zehn Geschichten«, »In den
-Tag hinein« u. a.)
-
-=Ferdinand Groß=, geb. am 8. April 1849 in Wien, schrieb zahlreiche
-Skizzen, Novellen und Romane, die den liebenswürdigen Plauderer und
-Feuilletonisten der Wiener Schule erkennen lassen. (»Blätter im Winde«,
-»Litterarische Modelle«, »Zum Nachtisch«, »In Lachen und Lächeln«.)
-
-=Hermann Bahr=, geb. am 19. Juli 1863 zu Linz, kann als der Typus eines
-Journalisten gelten, der in allen Sätteln reitet, in Rom und Madrid
-zu Hause ist und überall sein Weanertum mitbringt. Ein geistreicher,
-talentierter Kopf, der sich gern die Bühne erobern möchte, aber
-auch als Schriftsteller immer Journalist bleibt. Er schrieb Romane,
-litteraturgeschichtliche Abhandlungen und Theaterstücke, von denen
-»Die neuen Menschen«, »Die Mutter«, »Tschaperl« und »Der Athlet« die
-bemerkenswertesten sind.
-
-=Maximilian Harden= (~recte~ Witkowski), geb. am 20. Okt. 1861
-in Berlin, Herausgeber der »Zukunft«, einer der gewandtesten und
-vielseitigsten Journalisten, veröffentlichte seine kritischen Aufsätze
-unter dem Titel: »Apostata« und »Theater und Litteratur«. (Vergl. Zur
-Charakteristik litterar. und verwandter Blätter.)
-
-
-
-
-Die Industriellen.[4]
-
-
- [4] Diese Rubrik, die ihrer Natur nach die umfangreichste des
- ganzen Werkchens darstellen müßte, wurde auf Veranlassung
- des Verlegers »als unerheblich« (?!) auf das »unbedingt
- Notwendige« beschränkt.
-
-=Gregor Samarow= (Pseudon. für Oskar Meding), geb. am 11. April 1829
-in Königsberg i. Pr., kultivierte besonders den sensationell gefärbten
-Zeitroman (»Scepter und Kronen«, »Europäische Minen und Gegenminen«,
-»Zwei Kaiserkronen« und Dutzend andere).
-
-=Dr. Alfred Friedmann=, geb. am 26. Okt. 1845 in Frankfurt a. M., »ist
-seit 27 Jahren auf allen Gebieten erfolgreich thätig, seine Romane
-standen in der »Köln. Ztg.«, in »Westermanns Monatsheften«, »Nord und
-Süd«, »Berliner Tageblatt« etc., seine Gedichte in 3 Bänden gesammelt,
-standen überall. Zahlreiche Feuilletons trugen ihm Briefe bis aus
-Ostindien ein, Heyse, Geibel, Bodenstedt, Lingg etc. schrieben über den
-Dichter und waren ihm befreundet. F. war Redakteur in Wien, ist es in
-Berlin, reiste zu Kongressen und wurde von Reclam in 7 Bänden von je 8
-Auflagen ~à~ 5000 Exemplare verlegt«.[5]
-
- [5] Unverkürzt nach den eigenen Angaben des Dichters.
-
-
-
-
-Die dramatischen Hauptmänner der Gegenwart.
-
-
-=Ernst von Wildenbruch=, geb. in Beirut am 3. Febr. 1845, ist einer
-der erfolgreichsten Dramatiker der Gegenwart, seiner Artung nach mehr
-den Älteren, denen Schiller noch keine abgethane Größe ist, als den
-Modernen zuzuzählen. Wird auch bei ihm die Charakteristik sehr oft
-durch die Rhetorik ersetzt, so ist er doch unerreicht in der Schaffung
-wirkungsvoller Scenen. Von seinen erfolgreichsten Stücken der ersten
-Zeit führen wir an »Die Karolinger«, »Harold«, »Der Mennonit«, »Väter
-und Söhne«. Später entnahm W. hauptsächlich den Stoff seiner Dramen,
-in denen sich der Hurrahpatriotismus auf Kosten des dichterischen
-Gehalts breit macht, der Geschichte der Hohenzollern (»Die Quitzows«,
-»Der Generalfeldoberst«, »Der neue Herr«, »Heinrich und Heinrichs
-Geschlecht«). Den Einfluß Sudermanns zeigt das realistische Stück »Die
-Haubenlerche«. Neben dem Dramatiker W. feierte der Erzähler Triumphe
-(»Humoresken«, »Der Astronom«, »Eifernde Liebe«, »Schwester-Seele« u.
-a.). W.'s dichterisches Können findet den stärksten Ausdruck in seinen
-Kindergeschichten: »Das edle Blut«, »Kinderthränen«.
-
-=Gerhart Hauptmann=, geb. am 15. Nov. 1862 in Salzbrunn, hat sich
-in verschiedenen Berufen versucht, bevor er den Dichter in sich
-entdeckte. Durch Arno Holz wurde er dem konsequenten Naturalismus
-gewonnen; sein erstes Stück: »Vor Sonnenaufgang« steht ganz unter dem
-Einflusse ausländischer Vorbilder, vor allem Ibsens. Nicht höher sind
-die nächsten Dramen: »Das Friedensfest« und »Einsame Menschen« zu
-werten. Erst das sociale Drama »Die Weber«, das ein Bild von der Lage
-des deutschen Arbeiters in der letzten Vergangenheit giebt, brachte ihm
-den ersehnten Erfolg, der durch die beiden nächsten Stücke »College
-Crampton« und »Der Biberpelz«, die hauptsächlich Charakterstudien sind,
-in denen sich eine humoristische, stark mit Satire vermischte Ader
-offenbart, noch mehr befestigt wurde. Die nun folgende Traumdichtung
-»Hannele« zeigt den Dichter im Lager der Symbolisten. Im »Florian
-Geyer« sucht er mit vergeblichem Bemühen das historische Drama zu
-meistern. Den Mißerfolg des letzteren Stücks, das alles andere, nur
-nicht historisch ist, glich H. mit der »Versunkenen Glocke« aus, die
-auf allen großen Theatern den Ruhm des Dichters kündete, der durch sein
-nächstes Stück »Fuhrmann Henschel« zu einem unbestrittenen wurde. Ein
-Mißerfolg war seiner letzten Schöpfung, »einer unbesorgten Laune Kind«:
-»Schluck und Jau, Spiel zu Scherz und Schimpf mit 5 Unterbrechungen«,
-die er noch bezeichnender Erlösungen hätte benamsen können, beschieden.
-Sie beweist aufs neue, welch' großer Dichter Shakespeare war, von
-dem sich H. zu dem Stücke »anregen« ließ. H. ist in erster Linie
-novellistisches Talent, (vgl. auch »Bahnwärter Thiel«), ein scharfer
-Beobachter und ein Meister der Kleinmalerei. Seine dichterische
-Entwicklung ist sprungweise vor sich gegangen, er hat sich auf
-allen Gebieten versucht, ehe er das Rechte fand, das ihn aus einem
-psychologischen Destillateur zum Dichter machte.
-
-=Hermann Sudermann=, geb. am 30. Sept. 1857 in Matziken in Ostpreußen,
-ergriff zuerst wie Ibsen -- mit dem er sonst keine Berührungspunkte
-hat -- den Apothekerberuf, studierte dann in Königsberg und Berlin
-Geschichte und Sprachen und wandte sich später ganz der Litteratur
-zu. Ursprünglich als Romanschriftsteller thätig, errang er seinen
-ersten glänzenden Erfolg mit dem Schauspiel »Ehre«, das über sämtliche
-deutsche und ausländische Bühnen ging. Ein starkes theatralisches
-Talent, hat er es immer verstanden, Konzessionen an die große Menge
-zu machen. Er kennt sein Publikum und weiß, was er ihm vorzusetzen
-hat, daher findet er selten den Mut einer Tendenz. Ein trostloser
-Pessimismus geht durch seine Stücke, in denen er das Faule und Morsche
-mit besonderer Vorliebe behandelt, ohne jedoch den Weg zu einer
-besseren Zukunft auch nur anzudeuten. Über den Mangel an dichterischem
-Gehalt täuscht er hinweg durch eine brillante Technik und eine
-feine Witterung für die modernsten Probleme. Seine Kunst ist keine
-innerliche, sie läßt eine selbständige Weltanschauung vermissen. Das
-tritt nicht nur in seinem ersten Stück, sondern auch in seinen späteren
-Schöpfungen: »Sodoms Ende«, »Heimat«, »Schmetterlingsschlacht«,
-»Morituri«, »Das Glück im Winkel«, »Johannes«, »Die drei Reiherfedern«
-zu Tage. Über dem Dramatiker wird häufig der Romancier Sudermann
-vergessen, der uns mit einer Reihe spannend geschriebener Romane
-und Novellen: »Im Zwielicht«, »Frau Sorge«, »Geschwister«, »Der
-Katzensteg«, »Jolandes Hochzeit«, »Es war« beschenkt hat, unter denen
-»Frau Sorge« obenan steht.
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-Die kleineren Dramatiker der Neuzeit.
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-=Max Halbe=, geb. am 4. Okt. 1865 in Guettland bei Danzig, errang
-einen durchschlagenden Erfolg mit dem Stücke: »Jugend«, der ihn für
-kurze Zeit in die Reihe der ersten Dramatiker stellte. Es gelang
-ihm jedoch nicht, mit seinen späteren Stücken »Der Amerikafahrer«,
-»Lebenswende«, »Mutter Erde«, »Das tausendjährige Reich«, von denen
-das letztgenannte ein bedeutsamer Ansatz zum modern-historischen
-Drama ist, diese Stellung zu behaupten, so sehr sie auch Zeugnis von
-seinem ernsten künstlerischen Streben ablegen. H.'s Kunst wurzelt in
-seiner heimatlichen westpreußischen Erde und hat ihre stärksten Seiten
-in lyrischen Feinheiten. Von starkem dichterischen Gehalt ist seine
-Dorfgeschichte »Frau Meseck«.
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-=Ludwig Fulda=, geb. am 15. Juli 1862 in Frankfurt a/M., erweckte
-bei dem Erscheinen der Schauspiele »Das verlorene Paradies« und
-»Talisman« große Hoffnungen, die jedoch nicht verwirklicht wurden, da
-sich seine Muse immer mehr zu Roderich Benedix hingezogen fühlte. F.
-ist ein geistreicher, formgewandter Causeurpoet, seine Stücke hübsch
-gedrechselte Salonware, ohne großen Gehalt, aber amüsant und auf
-Massenerfolg hin geschrieben (»Die Kameraden«, »Robinsons Eiland«, »Der
-Sohn des Kalifen«, »Jugendfreunde«, »Schlaraffenland«). Bemerkenswertes
-leistete F., der über große Formgewandtheit und sprachliches Talent
-verfügt, auf dem Gebiete des Epigramms und der Spruchdichtung, sowie
-als Übersetzer (Molière, Rostand).
-
-=Arthur Schnitzler=, geb. am 15. Mai 1862 in Wien, hatte bedeutende
-Bühnenerfolge mit seinen Schauspielen »Anatol«, »Märchen«, »Liebelei«,
-»Freiwild«. Er ist der Liebespsychologe der Halbwelt, ein Dichter der
-tändelnden, leichten, freien Liebe, der »kleinen süßen Mädels«, wie sie
-Wien kennt. Seine Männer sind echte Lebemänner, die skrupellos ihrem
-Vergnügen nachgehen und es dort suchen, »wo man lächelnd den ersten Kuß
-empfängt und mit sehr sanfter Rührung scheidet«.
-
-=Josef Lauff=, geb. am 16. Nov. 1855 in Köln, begann seine
-litterarische Laufbahn mit epischen Gedichten (»Jan van Calker«, »Der
-Helfensteiner«, »Die Overstolzin«, »Klaus Störtebecker« u. a.) und
-wandte sich dann unter kaiserlicher Protektion dem Drama zu (»Der
-Burggraf«, »Der Eisenzahn«). In seinen Epen ist er ein verwässerter
-Julius Wolff, in seinen Dramen ein verwässerter Wildenbruch.
-
-=Felix Philippi=, geb. am 5. Aug. 1851 in Berlin, wandte sich fast
-ausschließlich der dramatischen Produktion zu (»Daniela«, »Wohlthäter
-der Menschheit«, »Wer war's?«, »Das Erbe«, »Der goldene Käfig« u. a.).
-Seine letzten Stücke, die meist sensationellen Hofgeschichten oder
-politischen Vorkommnissen ihre Entstehung verdanken, wurden beifälliger
-vom Publikum als von der Kritik aufgenommen.
-
-=Max Dreyer=, geb. am 25. Sept. 1862 in Rostock, führte sich vor ein
-paar Jahren mit dem Drama »Eine« verheißungsvoll in die Litteratur
-ein, schuf jedoch bald Stücke (»In Behandlung«, »Großmama«, »Hans«,
-»Der Probekandidat«), an denen der klug rechnende Verstand mehr Anteil
-hat, als das künstlerische Gewissen. Sie sind weniger Dichtungen als
-Rechenexempel, deren Richtigkeit allerdings durch den Erfolg bestätigt
-wird.
-
-=Josef Ruederer=, geb. am 15. Okt. 1861 in München, schuf in seinem
-Erstlingsromane: »Ein Verrückter. Kampf und Ende eines Lehrers«
-prächtige Gestalten und in der »Fahnenweihe« eine lebendige
-Sittenkomödie. Seine neuesten Veröffentlichungen: der Novellenband
-»Tragödien« und »Wallfahrer-, Maler- und Mördergeschichten« stehen
-nicht ganz auf gleicher Höhe.
-
-=Caesar Flaischlen=, geb. am 12. Mai 1864 in Stuttgart, Redakteur
-des »Pan«, ist ein sprödes und nicht sehr ergiebiges Dichtertalent,
-das stets die »Moderne« auf sich einwirken ließ. Seine Dramen: »Toni
-Stürmer« und »Martin Lehnhardt, ein Kampf um Gott« stehen ganz unter
-dem Einflusse Strindbergs.
-
-=Otto Erich Hartleben=, geb. am 3. Juni 1864 in Clausthal, ist der
-Ironiker unter den Modernen, der bei Maupassant in die Schule gegangen
-ist und mit liebenswürdigem Humor seine Geschichten und Schnurren,
-die er vorsorglich meist irgend einem Philister in den Mund legt, zu
-erzählen weiß (»Die Geschichte vom abgerissenen Knopf«, »Vom gastfreien
-Pastor«, »Der römische Maler«). Als Dramatiker ist er Thesendichter
-(»Ein Ehrenwort«, »Die Erziehung zur Ehe«, »Ein wahrhaft guter Mensch«
-u. a.).
-
-=Philipp Langmann=, geb. am 5. Febr. 1862 in Brünn, errang einen
-großen und verdienten Erfolg mit seinem socialen Arbeiterdrama »Bartel
-Turaser«, der seiner späteren dramatischen Produktion (»Die vier
-Gewinner«, »Gertrud Antleß«) ebenso verdienter Weise versagt blieb.
-Seine ganz in impressionistischem Stile geschriebenen »Realistischen
-Erzählungen« und »Ein junger Mann von 1895 und andere Novellen« sind
-bedeutungslos. Hübsche stimmungsvolle Bilder enthält dagegen sein
-neuester Novellenband »Verflogene Rufe«.
-
-=Ernst Rosmer= (~recte~ Frau Elsa Bernstein) schrieb »Wir Drei«,
-»Dämmerung«, »Königskinder«, sowie den Novellenband »Madonna«, in denen
-sie den Spuren Gerhart Hauptmanns folgt.
-
-=Georg Hirschfeld=, geb. am 17. Febr. 1873 in Berlin, schuf seine
-Schauspiele aus dem engen Kreise seiner (jüdischen) Familie heraus. »Zu
-Hause«, »Die Mutter« und »Agnes Jordan« errangen daher bei dem Berliner
-Premièrenpublikum freundliche Erfolge.
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-Tendenzfreie Lyriker der jüngsten Zeit.
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-=Detlev von Liliencron=, geb. am 3. Juni 1844 in Kiel, war Offizier
-und wandte sich erst im reifen Mannesalter der Litteratur zu. Seine
-litterarische Stellung verdankt er hauptsächlich seinen Gedichten,
-in denen er sich als durchwegs subjektiver Dichter zeigt, dessen
-Werke den Stempel der Ursprünglichkeit und des Selbsterlebten tragen.
-(»Adjutantenritte«, »Gedichte«, »Der Haidegänger«, »Neue Gedichte«,
-»Ausgewählte Gedichte«, »Kämpfe und Ziele«.) Die Form seiner Werke ist
-nicht immer einwandfrei, weil oft ein burschikoses Sichgehenlassen
-hervortritt, aber die Unmittelbarkeit seiner Empfindungsdarstellung
-und die Frische seiner Gedanken vermögen wohl für diese Fehler zu
-entschädigen. Sein bester Roman ist »Breide Hummelsbüttel«, der in den
-Kreisen des holsteinischen Landadels spielt. Viel Lob ernteten auch
-seine Novellensammlungen: »Eine Sommerschlacht«, »Kriegsnovellen«,
-»Unter flatternden Fahnen« und sein neuester Roman: »Mit dem linken
-Ellenbogen.«
-
-=Gustav Falke=, geb. am 11. Januar 1853 in Lübeck, steht hinsichtlich
-der Begabung Detlev v. Liliencron am nächsten. Obwohl seine Lyrik
-viel Formales enthält, hat er doch die Mittel, die höchsten und
-reinsten Wirkungen zu erzielen und den Leser in seine Stimmungen
-hineinzuzwingen. Gedichte: »Mynheer der Tod und andere Gedichte«,
-»Tanz und Andacht«, »Zwischen zwei Nächten«, »Neue Fahrt«, »Mit dem
-Leben«. Seinem stark realistisch gefärbten Hamburger Roman »Landen
-und Stranden« ließ er vor kurzem den psychologischen Roman eines
-~fin-de-siècle~-Menschen: »Der Mann im Nebel« folgen.
-
-=Carl Busse=, geb. am 12. Nov. 1872 zu Lindenstadt in Posen, lenkte
-schon als Schüler die Aufmerksamkeit litterarischer Kreise auf sein
-dichterisches Schaffen. In seinen »Gedichten« und »Neuen Gedichten«,
-die in der Form von größter Reinheit sind, ist alles Farbe, Glanz und
-Stimmung. Seine Romane und Novellen entbehren der Charakteristik,
-während seine litteraturgeschichtlichen Untersuchungen feine
-Bemerkungen und treffende Urteile aufweisen.
-
-=Ludwig Jacobowski=, geb. am 21. Januar 1868 in Strelno, Herausgeber
-der »Gesellschaft«, ist einer der fleißigsten und begabtesten der
-jüngeren Dichtergeneration. Seine Gedichte (»Aus bewegten Stunden«,
-»Funken«, »Aus Tag und Traum«, »Leuchtende Tage«), zeigen ein
-eigenartiges Gepräge, das auch in seinen Romanen »Werther der Jude«,
-»Loki« und der Novellensammlung »Und Satan lachte« zu Tage tritt.
-
-=Richard Zoozmann=, geb. am 13. März 1863 in Berlin, mehr Dilettant als
-Dichter, gab eine ganze Reihe von Gedichtsammlungen heraus, von denen
-hier »Minneborn«, »Lieder, Romanzen und Balladen«, »Neue Dichtungen«,
-»Aus Herz und Welt«, »Aus allen Zonen« genannt sein mögen.
-
-=Reinhold Fuchs=, geb. am 8. Juni 1858 in Leipzig, ist gleich
-ausgezeichnet als Lyriker wie als Epiker. Die Versnovellen »Strandgut«
-und »Herzenskämpfe«, drei Erzählungen in Versen, sind »goldene Früchte
-in silbernen Schalen« und brauchten den Vergleich mit Tennyson nicht zu
-scheuen.
-
-=Jeannot Emil Freiherr von Grotthuß=, geb. am 5. April 1865 in
-Riga, Chefredakteur des »Türmer«, zeigt sich in seinen auch formell
-einwandfreien Gedichten »Gottsuchers Wanderlieder«, sowie in der
-Erzählung: »Der Segen der Sünde« als ein überzeugungstreuer Christ.
-
-=Ricarda Huch= (~recte~ Frau Ricarda Ceconi), geb. am 16. Juli 1864
-zu Porte Alegre, bekundete in ihren im Denken und Fühlen modernen
-»Gedichten«, sowie in dem Roman »Erinnerungen von Ludolf Urslen dem
-Jüngeren« ein starkes poetisches Talent.
-
-=Alfred Beetschen=, geb. am 8. Okt. 1864 in Aarau, ist ein
-feinsinniger, liebenswürdiger Dichter, dem auch Witz und Satire nicht
-fremd sind. Seine »Gedichte«, die er 1898 herausgab, spiegeln fast
-durchweg Selbsterlebtes und -empfundenes wider. Ein hübsches wenn
-auch nicht gerade bedeutendes novellistisches Talent spricht aus den
-»Flegeljahren der Liebe«.
-
-=Hans Bethge=, geb. am 9. Januar 1876 in Dessau, der Jüngsten einer
-in der Litteratur, debütierte mit dem Skizzenbuche »Syrinx«, dem er
-Gedichte: »Die stillen Inseln« folgen ließ, in denen sich eine frische,
-fröhliche Jugend ausspricht, die aber dank des Storm'schen Vorbildes
-künstlerisch nicht auf Abwege gerät. Er ist ein Moderner und doch
-»unmodern«, weil er noch Ideale hat.
-
-=Anna Ritter=, geb. am 23. Febr. 1865 in Coburg, gab 1898 »Gedichte«
-heraus, die die leidenschaftliche hingebende Liebe des Weibes in
-formvollendeten Versen zum Ausdruck bringen.
-
-=Johanna Ambrosius= (~recte~ Johanna Voigt), geb. am 3. August 1854
-in Lengwethen, führte sich als »arme Bäuerin« in die Litteratur ein
-und verdankte dieser Darstellung einen großen buchhändlerischen Erfolg
-ihrer »Gedichte«.
-
-=Ludwig Palmer= brauchte kaum als »Arbeiter« gleichsam entschuldigend
-in die Litteratur eingeführt zu werden. Ein großer Teil seiner »Lieder
-eines Arbeiters« sind, bei tiefem Gefühlsgehalt, in der Form tadellos.
-
-=Gustav Renner=, geb. am 17. Oktober 1866 in Freiburg in Schl., war
-ursprünglich Buchbinder und ging dann zur Kunstmalerei über. Seine
-»Gedichte« erregten Aufsehen und wurden von der Kritik ebenso günstig
-aufgenommen, wie die »Neuen Gedichte«, die eher eine Steigerung als
-eine Abnahme seines dichterischen Könnens verraten.
-
-
-
-
-Philosophische und polemische Dichter.
-
-
-=Ferdinand Avenarius=, geb. am 20. Dez. 1856 in Berlin, zeigt sich
-in seinen Gedichtsammlungen als objektiver Lyriker, der oft statt
-Empfindungen Grundsätze zum Ausdruck bringt. (»Wandern und Werden«,
-»Lebe« und das lyrische Epos: »Die Kinder von Wohldorf«.) Als
-Herausgeber des »Kunstwart« hat er auf unser litterarisches und
-künstlerisches Leben vielfach Einfluß gewonnen.
-
-=Otto Ernst= (Pseudon. für Otto Ernst Schmidt), geb. am 7. Okt. 1862
-in Ottensen bei Hamburg, von Beruf Lehrer, ist eine kampfesfrohe,
-polemische Natur, die sich gern gegen das Althergebrachte wendet und
-auch in der Litteratur oft den Herrn Lehrer spielt. (Gesammelte Essays
-aus Litteratur, Pädagogik und öffentlichem Leben unter dem Titel:
-»Offenes Visier«, »Buch der Hoffnung«.) Seine besten Werke sind die
-Novellensammlung »Aus verborgenen Tiefen«, die »Karthäusergeschichten«
-und die humoristischen Skizzen: »Ein frohes Farbenspiel«. Das Ende 1899
-erschienene Schauspiel: »Die Jugend von heute« ist trotz stellenweise
-treffender Satire ein verfehlter Versuch zu einer »deutschen Komödie«.
-
-=Wilhelm Weigand=, geb. am 13. März 1862 in Gissigheim, gab sich als
-geistvoller Essayist in seinen litteraturgeschichtlichen Schriften.
-Außer dem Roman: »Die Frankenthaler« und einer Reihe dramatischer
-Schriften »Die Renaissance« (Dramencyklus) u. a. gab er »Dramatische
-Gedichte«, »Sommer« (Neue Gedichte) u. a. heraus.
-
-=Carl Spitteler= (Pseudon. Felix Tandem), geb. am 24. April 1845 in
-Luzern, der bedeutendste lebende Dichter der Schweiz, debütierte mit
-der Dichtung »Prometheus und Epimetheus«, der er die Gedichtsammlung
-»Schmetterlinge« und »Balladen« folgen ließ. Als geistreicher Causeur
-zeigt er sich in den »Lachenden Wahrheiten«.
-
-=Josef Viktor Widmann=, geb. am 20. Febr. 1842 in Nennowitz i. M.,
-bekannt als litterarischer Kritiker des »Berner Bund«, begann seine
-Laufbahn mit Dramen und Epen, die stark philosophisch angehaucht sind.
-Von seinen letzten Werken wurde das Epos »Maikäfer-Komödie«, das sich
-durch liebenswürdigen Humor auszeichnet und viele satirische Spitzen
-und Anspielungen enthält, beifällig aufgenommen.
-
-=Christian Wagner=, geb. am 5. August 1835 in Warmbrunn, lebt als Bauer
-in seinem Geburtsorte. Er ist ein tüchtiger Botaniker und weiß in
-seinen prosaisch-poetischen Naturbetrachtungen die charakteristischen
-Eigentümlichkeiten der Blumen zu kleinen Märchen auszugestalten.
-(»Märchenerzähler, Bramine und Seher« [in 2. Aufl. unter dem Titel:
-»Sonntagsgänge«], »Balladen und Blumenlieder«, »Weihegeschenke«, »Neue
-Dichtungen«.) Seine buddhistisch-brahmanistische Weltanschauung legte
-er in seinem letzten Werke »Mein Glaube« nieder.
-
-=Wilhelm Bölsche=, geb. am 2. Jan. 1861 in Köln, hat sich durch seine
-auf naturwissenschaftlicher Grundlage aufgebauten Schriften über
-die moderne Dichtung und Wissenschaft einen Namen gemacht. Als sein
-reifstes und bestes Werk gilt der Roman: »Die Mittagsgöttin«.
-
-=Walther Siegfried=, geb. am 20. März 1858 in Zofingen (Schweiz),
-errang mit seinem Künstlerroman »Tino Moralt«, der sich durch feine
-Seelenmalerei auszeichnet, einen vollen Erfolg. Auf nicht ganz gleicher
-Stufe stehen seine späteren Werke: »Fermont« und »Um der Heimat willen«.
-
-=Benno Rüttenauer=, geb. am 2. Febr. 1855 in Oberwittstadt, machte
-sich durch gediegene litterarische Essays bekannt. Die alte gute
-Kunstüberlieferung suchte er, im Gegensatz zur modernen Schule, in
-seinen Romanen und Novellen (»Unmoderne Geschichten«, »Zwei Rassen«)
-wieder zur Geltung zu bringen.
-
-
-
-
-Die Amazonen des Geistes.
-
-
-=Marie Eugenie delle Grazie=, geb. am 14. Aug. 1864 in
-Unter-Weißkirchen, veröffentlichte Gedichte und Epen, von denen das
-moderne großangelegte Epos »Robespierre« das bekannteste ist.
-
-=Helene Böhlau= (Mädchenname der Frau al Raschid Bey), geb. am 22.
-Nov. 1859 in Weimar als Tochter des dortigen Hofbuchhändlers Herm. B.,
-gelangte früh durch diese ›Verbindung‹ in die »Deutsche Rundschau« und
-zur Anerkennung. Als ihre besten Werke sind die »Ratsmädel-Geschichten«
-und »Der Rangierbahnhof« anzusehen. Ihr neuester Roman »Halbtier«,
-der viel Staub aufwirbelte, gehört der hysterischen weiblichen
-Anklagelitteratur an.
-
-=Anna Croissant-Rust=, geb. am 10. Dez. 1860 in Dürkheim a/H., ist die
-Naturalistin ~par excellence~ in der deutschen Litteratur. (»Feierabend
-und andere Münchner Geschichten«, »Lebensstücke«, »Der standhafte
-Zinnsoldat«, »Der Kakadu und die Prinzessin auf der Erbse«.)
-
-=Maria Janitschek=, geb. am 23. Juli 1860 in Mödling, ist ein starkes,
-dichterisches Talent, das eine besondere Vorliebe für absonderliche und
-krankhafte ~fin-de-siècle~-Menschen bekundet. Mit Laura Marholm steht
-sie an der Spitze der weiblichen Emanzipationsgegner und giebt ihren
-Gedanken über das moderne Weib rückhaltlosen Eindruck. (»Gesammelte
-Gedichte«, »Raoul und Irene«, »Aus der Schmiede des Lebens«, »Vom
-Weibe«, »Ins Leben verirrt«.)
-
-=Emil Marriot= (Pseudon. für Emilie Mataja), geb. am 20. Nov.
-1855 in Wien, gehört der realistischen Schule an. In ihren stark
-katholisch gefärbten Werken »Geistlicher Tod«, »Die Unzufriedenen«,
-»Caritas«, »Der Heiratsmarkt« u. a. kämpft sie mit Vorliebe für die
-Frauenemancipation.
-
-=Hermione von Preuschen=, geb. am 7. August 1857 in Darmstadt, die
-Gattin Konrad Telmanns, versuchte sich als Dichterin und Malerin,
-ohne jedoch trotz aller Sensationsbestrebungen und Effekthascherei zu
-reüssieren (»Regina Vitae«, »Tollkraut«, »Via Passionis« u. a.).
-
-=Lou Andreas-Salomé=, ist eine der gehaltvollsten und tiefsinnigsten
-Erzählerinnen, auf deren künstlerischen Werdegang die Nietzsche'sche
-Philosophie großen Einfluß gewann. Ihre Stärke liegt vor allem in
-der Zergliederung des Menschencharakters, der Analyse der geheimsten
-Seelenregungen. (»Ruth«, »Aus fremder Seele«, »Fenitschka«.)
-
-=Gabriele Reuter=, geb. am 8. Februar 1859 in Alexandrien, errang
-einen vollen Erfolg mit ihrem viel von dem eigenen Denken und Fühlen
-verratenden Roman: »Aus guter Familie«, der die Leidensgeschichte eines
-jungen Mädchens enthält, das an der Erziehungslüge zu Grunde geht. 1896
-folgte ein Novellenband: »Der Lebenskünstler«. Anfang 1900 ein neuer
-Roman: »Frau Bürgelin und ihre Söhne«.
-
-=Anselm Heine= (Pseudon. für Selma Heine), geb. am 18. Juni 1855
-in Bonn, gewann mit ihren Novellensammlungen: »Drei Novellen« und
-»Unterwegs« die Gunst des Publikums und der Kritik.
-
-=Hans von Kahlenberg= (Pseudon. für Helene von Monbart), geb. am 23.
-Febr. 1870 in Heiligenstadt, zeichnete sich in ihren Werken »Ein
-Narr«, »Die Jungen«, »Die Familie von Barchewitz« und dem Briefwechsel
-»Nixchen« durch eine Erotik aus, die die Wahl eines Pseudonyms zur
-unbedingten Notwendigkeit machte.
-
-=Elsa Asenijeff= (Pseudon. für Elsa Nestoroff), eine aus slavischer
-Abstammung geborene Wienerin, greift in ihren mit philosophischen
-Anschauungen durchtränkten Schriften, die an Offenheit nichts zu
-wünschen übrig lassen, vorzugsweise das »Ewig-Männliche« an. (»Ist das
-die Liebe?«, »Aufruhr der Weiber«, »Sehnsucht.«)
-
-
-
-
-»Artisten«, Symbolisten und Unverstandene.
-
-
-=Johannes Schlaf=, geb. am 21. Juni 1862 in Querfurt, ging vom
-Naturalismus aus (»Papa Hamlet«, »Familie Selicke« [in Gemeinschaft
-mit Arno Holz], »Meister Olze«) und wandte sich dann dem Symbolismus
-zu (»Frühling«, »Sommertod«, »Gertrud«). Von seiner Romantrilogie,
-die den Entwicklungsprozeß eines »Neumenschen« hamletschen Gepräges
-zeigen soll, ist bisher nur der 1. Band unter dem Titel: »Das dritte
-Reich«, ein Berliner Roman, erschienen. Sch.'s Produktion nach seiner
-Emancipation von Arno Holz zeigt, daß er dichterisch der bedeutendere
-der beiden war, wenn ihm auch das Kraftvoll-Männliche abgeht und ein
-weicher, verträumter Zug über seinen Werken liegt.
-
-=Otto Julius Bierbaum=, geb. am 28. Juni 1865 in Grünberg, redigierte
-eine Zeitlang die »Freie Bühne«, die er in die »Neue Deutsche
-Rundschau« umtaufte, gab den »Modernen Musenalmanach« heraus, gründete
-mit dem Halbpariser Julius Meier-Gräfe den »Pan« und ist gegenwärtig
-Mitherausgeber der »Insel«. B. warf sich zum Herold der Symbolisten
-auf, mit denen er eine Versicherungsgesellschaft auf gegenseitige
-Hochachtung und Anerkennung gründete, schrieb »Erlebte Gedichte«,
-»Studentenbeichten«, »Nemt Frouwe disen Kranz«, »Pankrazius Graunzer«,
-»Stilpe«, »Das schöne Mädchen von Pao« u. a., und giebt mit Vorliebe
-seinen Bierulk für Humor aus. Der Originalität wegen sieht er sich
-gern im Mittelalter, wenn nötig auch im Auslande, nach Gewändern
-um, seine Figuren damit zu behängen und ihnen auf diese Weise ein
-»charakteristisches Gepräge« zu geben, das ihnen sonst abgehen würde.
-
-=Franz Evers=, geb. am 10. Juli 1871 in Winsen, erweckte mit seinen
-ersten Gedichtsammlungen »Symphonie« und »Fundamente« Hoffnungen,
-verlor sich jedoch später ganz in die Irrgänge der Mystik (»Hohe
-Lieder«, »Maria«, »Paradiese«), aus denen er bisher noch keinen Ausweg
-gefunden hat.
-
-=Stanislaw Przybyszewski=, geb. am 7. Mai 1868 in Lojewo (Prov. Posen)
-sucht in seinen Schriften den Beweis von der Verwandtschaft des Genies
-mit dem Irrsinn zu erbringen, oder ist wenigstens bestrebt, beide so
-mit einander zu verquicken, daß es dem Leser schwer fällt, in dem
-einen das andere und in dem anderen das eine herauszufinden. Seine
-dämonisch-verrückt-genialen Dichtungen peinigen den Leser geradezu mit
-der Darstellung all' der wirklichen und eingebildeten Schmerzen einer
-zerfaserten ~fin-de-siècle~-Seele. Für Gleichgesinnte, die erfahren
-wollen, wie schwer sich der moderne Mensch das Leben machen kann und
-wie sehr er leidet, wie nicht minder für Irrenärzte, sind die P.'schen
-Werke (»~Homo sapiens~«, »~De profundis~«, »Satans Kinder«, »In diesem
-Erdenthal der Thränen«) eine pathologische Goldgrube.
-
-=Richard Dehmel=, geb. den 18. November 1863 zu Wendisch-Hermsdorf,
-ist einer der vielumstrittensten und einflußreichsten Litteraten der
-Gegenwart, der, selbst ein Grübler, es verstanden hat, unklare Köpfe
-durch seine lyrischen Stammeleien noch unklarer zu machen. Neben den
-barocksten und verworrensten Gedichten gelingt ihm hin und wieder ein
-sehr gutes. Wir besitzen von ihm die Gedichtsammlungen »Erlösungen«,
-»Aber die Liebe«, »Lebensblätter«, »Weib und Welt«, ein Drama: »Der
-Mitmensch« und das Tanzspiel: »Luzifer.«
-
-=Frank Wedekind=, geb. am 24. Juli 1864 in Hannover, hat sich mit
-Vorliebe auf dem Gebiete des Dramas oder richtiger des Schwankes
-bewegt. Er ist der Litteratur-Clown ~par excellence~, dessen tolle
-Sprünge und Capriolen leider nicht für den Mangel an jeder Handlung in
-seinen »Dramen«, die Groteskes und Tragisches in kunterbunter Mischung
-enthalten, entschädigen können. (»Die junge Welt«, »Der Erdgeist«,
-»Der Liebestrank« u. a.). Um seine litterarische Art und Stellung
-noch präziser zu kennzeichnen, sei daran erinnert, daß er einer der
-Hauptmitarbeiter des »Simplizissimus« war.
-
-=Wilhelm von Scholz=, geb. am 15. Juli 1874 in Berlin, ist Verfasser
-von Gedichten (»Frühlingsfahrt«, »Hohenklingen«), die eine Neigung zu
-altdeutsch-romantischer Mystik bekunden, wie auch zweier Dramen oder
-richtiger lyrischer Gedichte in dramatischer Form (»Der Gast«, »Der
-Besiegte«), denen dieselben Merkmale anhaften.
-
-=Felix Dörmann= (Pseudon. für Felix Biedermann), geb. am 29. Mai
-1870 in Wien, liebte frühzeitig »die hektischen schlanken Narzissen,
-alles was krank und faul und wund«. Dieser Geschmacksrichtung
-entsprechen seine Gedichtsammlungen »Neurotica«, »Sensationen« und
-die Sittenkomödie »Ledige Leute«, in denen er sich als krampfhafter
-Dekadent erweist.
-
-=Hugo von Hofmannsthal=, geb. am 1. Febr. 1874 in Wien, schrieb
-formschöne, feincisilierte, wenn auch dem Leben abgewandte Dichtungen.
-Seine Begabung ist hauptsächlich formalistischer und stilistischer
-Natur und seine Dramen (»Der Thor und der Tod«, »Der Abenteurer«, »Die
-Hochzeit der Sobeïde«), deren Stoffe zumeist der Märchenwelt entnommen
-sind, erinnern in vielem an D'Annunzio's letzte Werke. Als eine
-Bereicherung unserer Bühne sind sie nicht anzusehen.
-
-=Hugo Salus=, geb. am 3. Aug. 1866 in Böhm.-Leipa, machte sich zuerst
-durch Gedichte im »Simplizissimus« und der »Jugend« bekannt, in denen
-schwere Gedanken mit übermütiger Schelmerei, ~fin-de-siècle~-tum mit
-altdeutscher Romantik in buntem Reigen vorüberziehen. (»Gedichte«,
-»Neue Gedichte«, »Ehefrühling«.)
-
-=Peter Altenberg=, geb. am 9. März 1862 in Wien, machte mit einer
-Sammlung von Stimmungsbildern: »Wie ich es sehe« in Litteratenkreisen
-Aufsehen. Sie ist ebenso wie »Aschantee« ganz im impressionistischen
-Stile geschrieben, der sehr bequemerweise nur Andeutungen giebt und es
-dem Leser überläßt, sie weiter auszuführen.
-
-=Stephan George=, geb. 1868 in Bingen a. Rhein, schrieb »Hymnen,
-Pilgerfahrten, Algabal«, »Die Bücher der Hirten und Preisgedichte,
-der Sagen und Sänge und der hängenden Gärten«, denen sich 1898 »Das
-Jahr der Seele«, 1899 »Der Teppich des Lebens und die Lieder von Traum
-und Tod« anschlossen. Seine Dichtungen -- ihrem »Wert« entsprechend
-meist auf das feinste Büttenpapier gedruckt -- sind oft nicht weniger
-verworren als die Titel, unter denen er sie herausgab.
-
-=Alfred Mombert= kann denjenigen jüngstdeutschen Lyrikern zugezählt
-werden, deren überreizte, krankhafte Phantasie sich jeden Stoffes,
-jeder Empfindung bemächtigt, um ihnen dichterischen Ausdruck zu geben.
-Sein Gedichtband: »Die Schöpfung« läßt nicht klar erkennen, ob es sich
-um einen langatmigen Scherz oder um Phantasien eines geistig Gestörten
-handelt.
-
-=Paul Scheerbart=, geb. am 8. Jan. 1863 in Danzig, früher »Bureauchef
-im Verlag deutscher Phantasten«, ist einer der seltsamsten Käuze in der
-neuzeitlichen Litteratur, der neben phantastischen Einfällen eine gute
-Dosis Blödsinn in seinen Schriften ablagert (»Tarub, Bagdads berühmte
-Köchin«, »Der Tod der Barmekiden« u. a.).
-
-
-
-
-Nationale Jungösterreicher.
-
-
-=Arthur von Wallpach=, geb. am 6. März 1866 in Vintl (Tirol),
-Schriftleiter des »Scherer«, veröffentlichte »Im Sommersturm« und
-»Sonnenlieder«, ernste formvollendete Dichtungen, die von nationalem
-Bewußtsein beseelt sind.
-
-=Franz Herold=, geb. am 15. Febr. 1854 in Böhmisch-Leipa, gab heraus
-»Wachsen und Werden«, »Spuren«, »Fremde und Vaterland«, meistens
-Gedankendichtungen, denen er eine ansprechende Form zu geben versteht.
-
-=Hermann Hango=, geb. am 16. Mai 1861 in Wien, verfaßte: »Zum Licht«,
-»Neue Gedichte«, »Faust und Prometheus«, »Nausikaa« (Trauerspiel), die
-sich durch schöne Form und Gedanken auszeichnen.
-
-=Josef Kitir=, geb. am 11. Febr. 1867 in Aspang in Niederösterreich,
-Herausgeber der »Poetischen Flugblätter«, hat die Gabe, Ereignisse des
-alltäglichen Lebens mit großer dichterischer Stimmung zu schildern. K.
-veröffentlichte »Leben und Stimmung«, »Lyrische Radierungen«.
-
-=Oskar Weilhart= (Pseudon. für Oskar Gerzer), geb. am 26. September
-1868 in Mattighafen, schrieb mit seinem Bruder Josef Hafner eine Reihe
-von Dramen: (»Keine Sühne«, »Der Frauenkongreß«, »Brotlose Kunst«),
-die trotz mancher dramatischer Unbeholfenheiten das Ringen ehrlichen
-Könnens mit großen Stoffen beweisen.
-
-=Franz Adamus=, geb. am 15. Okt. 1867 in Auschwitz, wurde durch sein
-in den schlesischen Bergwerksdistrikten spielendes Drama: »Familie
-Wawroch« bekannt, in welchem er mit gutem Gelingen den gesunden
-Realismus aus den Anfängen der modernen Litteraturentwickelung wieder
-auf die Bühne bringt.
-
-=Emil Ertl=, geb. am 11. März 1860 in Wien, hat sich durch seine
-Novellen »Opfer der Zeit«, »Miß Grant«, »Die Perlenschnur« u. a. als
-feinsinniger Erzähler einen guten Namen errungen.
-
-=Heinrich von Schullern=, geb. am 17. April 1865 in Innsbruck, wurde
-durch seine Skizzen (»Helldunkel«) bekannt, in denen man Stil, Grazie
-und Esprit, oft auch nicht immer gut verteilte satirische Spitzen
-findet. In seinem stellenweise stark polemisierenden Roman »Im Vormärz
-der Liebe« schildert er die Geschichte einer zur Lebenserkenntnis
-gelangenden Jugend.
-
-=Hanns Weber-Lutkow= (Pseudon. für ~Dr.~ Hanns Pokorny), geb. am 27.
-September 1861 in Lemberg, veröffentlichte zahlreiche Skizzen und
-kritische Arbeiten und entrollte in seinen »Schlummernden Seelen«
-ergreifende Bilder aus dem Fühlen und Leben des niederen Volkes in
-Kleinrußland.
-
-=Hugo Greinz=, geb. am 3. Juni 1873 in Innsbruck, Herausgeber des
-»Kyffhäuser«, gilt als kritischer Vorkämpfer für die Idee einer von
-der Großstadt unabhängigen österreichischen Provinzlitteratur. Seine
-Novellen »Küsse« stehen unter Jacobsen'schem Einflusse. Mit Heinrich
-von Schullern gab er 1898 den modernen Musenalmanach »Jung-Tirol«
-heraus.
-
-
-
-
-Zur Charakteristik litterarischer und verwandter Blätter.
-
-
-An der Spitze unserer Revuen und litterarischen Zeitschriften
-marschiert noch immer die von Julius Rodenberg gegründete und geleitete
-»Deutsche Rundschau«, der in Inhalt und Ausstattung die »~Revue des
-deux Mondes~« als Vorbild gedient hat. Erreichte sie auch nicht die
-Verbreitung und den Einfluß ihrer französischen Schwester, so hat sie
-doch alle Eigenschaften, die sie als ein vornehmes Organ im besten
-Sinne charakterisieren, das die Lobsprüche, welche ihm anläßlich des
-25jährigen Bestehens, im November 1899, gewidmet wurden, durchaus
-verdient. In gewissem Abstande folgen »Nord und Süd«, herausgegeben
-von Paul Lindau, und die »Deutsche Revue«, von denen sich die letztere
-in neuester Zeit besonders durch ihre zahlreichen und umfangreichen
-Bismarckpublikationen hervorgethan hat.
-
-Mehr dem Gebiet und dem Geiste der »Gartenlaube«, des »Daheims« u.
-s. w. nähern sich »Westermann's Monatshefte«, eine sehr konservativ
-gehaltene Zeitschrift, und »Velhagen und Klasings Monatshefte«, die dem
-litterarischen Schaffen unserer Tage, besonders dem der Tagesgrößen,
-aufmerksame Beachtung schenken und das Publikum gern einen Blick in
-die litterarischen Werkstätten thun lassen. Nicht für das große
-Publikum berechnet ist die »Neue Deutsche Rundschau«, die aus der
-»Freien Bühne« hervorging, eine der »freiesten« Monatsschriften,
-in der sich oft die wagehalsigsten Geschichtchen im Stile der
-Allermodernsten finden. Sie hat den Erfolg Hauptmanns und seine
-litterarische Stellung mit begründen helfen und uns mit einer Reihe
-Ausländer, namentlich nordischer Schriftsteller, bekannt gemacht, die
-ohne dieses Organ schwerlich in Deutschland zu Gehör gekommen wäre. Die
-»Neue Deutsche Rundschau« hat in den 90er Jahren im Litteraturleben
-fast dieselbe Stellung eingenommen, wie im vorausgegangenen Jahrzehnt
-»Die Gesellschaft«. Als die Sturm- und Drangperiode der 80er Jahre
-inauguriert wurde, scharten sich die neuen Streiter, alles was in
-Litteratur machte und revoltierte, aber keinen Verleger finden konnte,
-um das Banner der »Gesellschaft«, an deren Spitze M. G. Conrad und Karl
-Bleibtreu standen. Wie die Mitarbeiter der »Neuen Deutschen Rundschau«
-in S. Fischer, Berlin, so fanden die Jüngsten der »Gesellschaft« in
-Wilhelm Friedrich, Leipzig, ihren Verleger. Als die Bewegung, deren
-Bedeutung man nicht unterschätzen darf, wenngleich ihre Haupthelden
-viel gethan haben, sich um allen Kredit zu bringen, in ein ruhigeres
-Fahrwasser glitt, als man das Geschrei von der Wolle sonderte, da sank
-auch die »Gesellschaft« von Stufe zu Stufe, trieb sich, ohne festen Fuß
-fassen zu können, bei allen Verlegern umher und ist jetzt endlich im
-Verlage von E. Pierson, Dresden, vor Anker gegangen. Sie büßt nun ihre
-litterarische Vergangenheit, und es wird der energischen, zielbewußten
-Leitung des jetzigen Redakteurs, Dr. Ludwig Jacobowskis, bedürfen, sie
-in litterarischen Kreisen wieder »gesellschafts«fähig zu machen.
-
-Mehr auf politischem als litterarischem Gebiete liegt die Bedeutung
-der »Grenzboten« und der »Preußischen Jahrbücher«. Ihre Glanzperioden
-gehören der Vergangenheit an, und namentlich die erstere, die früher
-auch in Österreich eine Rolle spielte, ist jetzt nur der Schatten von
-ehedem, als noch Gustav Freytag auf dem Redaktionssessel saß. Als
-gut geleitete, angesehene Zeitschriften sind noch die Zolling'sche
-»Gegenwart« und die »Nation«, das Organ des freisinnigen Abgeordneten
-Dr. Barth, zu nennen. Den gleichen Rang, nur mit stärkerer Betonung
-des politischen Teiles, nehmen in Österreich »Die Zeit« und die
-von Dr. Rudolf Lothar geleitete »Wage« ein. Zu ihnen hat sich
-seit April 1899 »Der Kyffhäuser«, eine von Hugo Greinz geleitete
-Monatsschrift, gesellt, die ihre Hilfe und Unterstützung den bedrohten
-nationalgesinnten Deutschen leiht. Von geringer Bedeutung und wohl
-nur in Litteratenkreisen begehrt, ist die »Wiener Rundschau«,
-eine von Constantin Christomanos und Felix Rappaport geleitete
-Halbmonatsschrift, die einen starken Zug nach Mystik und Symbolismus ~à
-la~ Strindberg und Maeterlinck bekundet.
-
-Eine Ausnahmestellung nimmt der »Simplizissimus« ein, der ebenso wie
-die Münchener »Jugend« nur bedingungsweise in diese Übersicht gehört.
-Die »Jugend« hat sich nicht so ungebärdig gezeigt, wie das Langensche
-Blatt, obwohl sie schon durch ihren Titel ein größeres Recht auf
-Ungebundenheit herleiten könnte. Manch hübsche Zeichnung und manch
-guter Beitrag ist in ihren Spalten erschienen, und der frische,
-fröhliche Zug, der durch das Ganze geht, haben ihr, trotz manches
-Minderguten, das man schon der »Jugend« zu gute halten mußte, viele
-Freunde und Anhänger geschaffen. Anders der »Simplizissimus«, der
-seiner Zeit mit dem Anspruche auftrat, ein deutsches Familienblatt
-zu sein, in seinen Spalten die politischen und socialen Verhältnisse
-in humoristischer und satirischer Form widerzuspiegeln und lachend
-die Wahrheit zu sagen. Selten ist zwischen einem Programm und seiner
-Ausführung ein so großes Mißverhältnis eingetreten, wie dies beim
-»Simplizissimus« der Fall ist, selten ist das Wort Humor so falsch
-verstanden und interpretiert worden, wie bei dieser Zeitschrift. Die
-Mitarbeiter, die sich um die Fahne des neuen Blattes sammelten, sind
-fast sämtlich bei den Franzosen in die Schule gegangen und haben dort
-alles, was deutsch an ihnen war, weit hinter sich gelassen. »Die
-deutsche Sprak ist eine zu arme Sprak, eine plumpe Sprak« und das
-deutsche Wesen ein zu schwerfälliges, zu gründliches, als daß man es
-für ein Blatt hätte brauchen können, das in erster Linie auf starke
-Effekte berechnet war. Eine »Gartenlaube« oder ein »Daheim« hätte die
-Zeitschrift nicht zu werden brauchen, aber noch weniger das, was sie
-geworden ist: ein in deutscher Sprache geschriebenes französisches
-Skandal-Boulevardblatt. Was dem Blatte vor allem fehlt, ist der
-sittliche Ernst, den man auch aus Witz und Humor herausfühlen muß und
-der uns sagt, daß die Absicht des Zeichners wie des Dichters, trotz
-der stark aufgetragenen Farben, eine gute war, daß sie nicht _nur_ auf
-Skandal und Effekthascherei ausgegangen ist. Daß dieses Gefühl in uns
-nicht aufkommt, dafür sorgen die fast in jeder Nummer enthaltenen
-echt französischen Cochonnerien, die, man mag mit noch so viel gutem
-Willen versuchen, in sie etwas hineinzulegen, nichts anderes bleiben
-als »Caviar« für Lebemänner im Sinne des Herrn Grimm in Budapest[6]. --
-Vom »Simplizissimus« zur »Zukunft« ist trotz der großen Verschiedenheit
-der inneren und äußeren Gestaltung beider Blätter kein allzuweiter
-Schritt: sie begegnen sich in der destruktiven Tendenz, die gegen
-alles Bestehende gerichtet ist und ihre Freude nur am Negieren und
-Verreißen hat. Wo der »Simplizissimus« grob und derb zugreift, da
-finden wir die »Zukunft« und ihren Herausgeber in stiller Minierarbeit
-thätig. Harden ist zweifellos ein begabter und tüchtiger Journalist
-mit einem Stich ins Exotische und einer feinen Witterung für das
-Aktuelle. Er geht selten gerade aufs Ziel los, aber er versteht es,
-in Gleichnissen, Bildern und Allegorien sein Ziel sicher zu treffen.
-Dabei besitzt er eine erstaunliche Bekanntschaft mit Büchern, die außer
-ihm kein Mensch kennt, oder vielleicht richtiger, die Gabe, seine
-gesamten Kenntnisse in jedem einzelnen Artikel in kursfähige, kleine
-Münze umzusetzen. Er ist ein Mann nach dem Herzen des Staatsanwalts,
-der schon wiederholt verlangend die Arme nach ihm ausgestreckt hat,
-ein Mann, dem der Erfolg und der Effekt über alles gehen, der sich in
-Gegensatz zur herrschenden Partei schon aus Freude an der Opposition
-überhaupt stellen würde. Maximilian Harden ist aber noch mehr. Er ist
-vor allem der Geschäftsmann ~par excellence~, der sein Publikum kennt
-und weiß, was er ihm vorzusetzen hat. Er vertritt das monarchische
-Prinzip, aber er mag den Kaiser nicht, er ist für Verfassung, aber
-sie paßt ihm nicht, er ist ein glühender Verehrer Bismarck's, aber er
-wäre es kaum, wenn Bismarck noch amtiert hätte, als seine Zeitschrift
-zu erscheinen begann. Auf diese Weise sammelte er die Partei jener
-um sich, die, wenngleich gute Monarchisten, mit den bestehenden
-Verhältnissen unzufrieden sind, jene vor allem, die es als nicht in
-den Kreis der Herrscherpflichten fallend erachten, wenn ein Kaiser
-nicht nur ein guter Regent, sondern auch ein guter Redner sein will. --
-Völlig bedeutungslos ist die von ~Dr.~ Wrede herausgegebene »Kritik«
-geblieben, die ursprünglich als Konkurrenz der »Zukunft« gegründet
-wurde. Trotz aller polemischen Versuche Wredes, die oft komisch genug
-ausfielen, hat sich die »Kritik« nie mit dieser ganz aus Persönlichem
-heraus geschaffenen Zeitschrift auch nur entfernt messen können. Harden
-ist auch als Journalist Schriftsteller und ein geistreicher Kopf,
-während sich Wrede von den Brosamen nährt, die von des Reichen Tische
-fallen.
-
- [6] In den gegen Ende 1899 gegründeten Zeitschriften
- »Münchhausen« (inzwischen wieder eingegangen) und »Satyr«,
- von denen die letztere auch schon wiederholt konfisziert
- wurde, hat der »Simplizissimus« bereits würdige Nachfolger
- gefunden.
-
-Zu unseren bestgeleiteten Zeitschriften gehört der von Jeannot Emil
-Freiherrn von Grotthuß herausgegebene »Türmer«, der den Untertitel:
-Monatsschrift für Gemüt und Geist führt. »Der Türmer« will die
-Sehenden zu Schauenden machen, »umsaust von Schlagworten, von Parteien
-und Schulen umhergezerrt, will er den stillen Winkel bieten, wo ein
-jeder nach dem harten Tagewerk in Feierabendstimmung die Flut der
-Erscheinungen des socialen und künstlerischen Lebens erörtern und
-verarbeiten kann«. Diesem Programm hat der »Türmer« mit Erfolg gerecht
-zu werden versucht. Er ist kein Organ für Freidenker, wie sich das
-bei dem Herausgeber und dem lyrisch-religiös angehauchten Verlage von
-Greiner & Pfeiffer, Stuttgart, von selbst versteht, und es ist nur zu
-wünschen, daß er nicht im Laufe der Zeit in eine kirchlich-reaktionäre
-Strömung gerät, die ihn aus dem jetzigen Interessentenkreis hinaus
-in die enge Stube des Pfarrhauses trägt. -- Einen vornehmen Anstrich
-hat sich auch die von Karl Emil Franzos herausgegebene »Deutsche
-Dichtung« bewahrt, ohne daß man ihr jedoch einen besonderen Einfluß
-auf unser Geistesleben zugestehen könnte. -- Zu erwähnen wären hier
-noch zwei politisch-litterarische Zeitschriften, die vor Jahresfrist
-gleichzeitig unter dem vielverheißenden Titel: »Das neue Jahrhundert«,
-die eine in Köln, die andere in Berlin, erschienen, sowie die von
-August Scherl herausgegebene »Woche«, auf die die Tendenzen des
-»Berliner Lokalanzeigers« -- eine gesinnungstüchtige Parteilosigkeit --
-litterarisch-künstlerisch gefärbt, übertragen wurden. Die Auflage der
-»Woche« ist infolgedessen binnen kurzem auf über 400000 gestiegen.
-
-Sieht man von einigen kleineren Blättern ab, von denen man nicht
-weiß, ob sie bei Ausgabe dieses Werkchens noch existieren werden,
-so bleiben von jenen Zeitschriften, die man in den Katalogen als
-»Revuen für Kunst, Wissenschaft und öffentliches Leben« aufgeführt
-findet, die große Kunstzeitschrift »Pan«, einsam in stolzer Höhe
-thronend, für das Kunstverständnis und den Geldbeutel aller jener zu
-hoch, für die sie ins Leben gerufen wurde, und die im Oktober 1899
-gegründete Zeitschrift »Die Insel« übrig. »Pan« hat die Erwartungen,
-die sich an sein Erscheinen knüpften, in keiner Weise erfüllt, er ist
--- ohne jede feste, zielbewußte Redaktion -- so unverständlich und
-geheimnisvoll geblieben, wie sein Ahn, der große »Pan«, und wohl nur
-der Opferwilligkeit einiger Bankiers und sonstiger wohlsituierter
-Leute, die ihr künstlerisches Interesse durch Hergabe einiger
-Goldfüchse zu bethätigen suchen, ist es zu danken, daß er -- wenn
-auch fast unter Ausschluß der Öffentlichkeit -- noch erscheint. --
-»Die Insel«, herausgegeben von Otto Julius Bierbaum, A. W. Heymel
-und R. A. Schröder, von der jetzt 4 Hefte vorliegen, scheint sich
-nach Ausstattung, Inhalt und Preis -- Jahresabonnement 36 Mk. -- mehr
-an die Liebhaber und Sammler, als an die wirklichen Litteratur- und
-Kunstfreunde zu wenden. Die litterarischen Beiträge sind ohne jede
-Bedeutung, einzelne direkt albern, der »Bilderschmuck« primitiv wie der
-einer Kinderfibel und die Druckschrift so verschnörkelt und entartet,
-daß nur Leute, die über viel Zeit verfügen, als Leser in Frage kommen
-können. Alles in allem: schade um das schöne Papier.
-
-Zwei Zeitschriften nicht rein litterarischer Art, aber für Kunstfreunde
-von besonderem Interesse sind die »Zeitschrift für Bücherfreunde« und
-»Bühne und Welt«. Die erstere hat sich die Aufgabe gestellt, alles in
-ihren Kreis zu ziehen, was für Bibliophilen besonderes Interesse hat.
-Ist auch diese Gemeinde in Deutschland gegenüber ihrer Verbreitung
-in anderen Ländern, besonders in Frankreich und England, noch eine
-bescheidene, so scheint es dieser Zeitschrift doch gelungen zu sein,
-festen Fuß zu fassen. Noch jüngeren Datums ist »Bühne der Welt«,
-die anfangs tastend und schwankend ihren Weg suchend, nach kaum
-Jahresfrist sich zu einer unserer vornehmsten Revuen aufgeschwungen
-hat, in deren Spalten sich das Kunstleben unserer Tage getreulich
-widerspiegelt. Sie kann sowohl denen zur Lektüre empfohlen werden,
-die unsere Bühnenkünstler »bei der Arbeit« und zu Hause sehen wollen,
-als auch dem Kreis derer, die sich für die dramatische Produktion der
-Gegenwart interessieren.
-
-Übergehend zu den rein litterarischen Zeitschriften wären
-vorerst noch der »Kunstwart«, der den Untertitel »Rundschau über
-Dichtung, Theater, Musik und bildende Künste« führt, die »Deutsche
-Zeitschrift« (Fortsetzung des »Kynast«), Monatschrift für Politik
-und Volkswirtschaft, Kultur und Kunst, und die »Heimat« (Neue Folge
-des »Boten für die deutsche Litteratur«) zu nennen. Der »Kunstwart«
-hat vor Jahresfrist eine vollständige Umgestaltung erfahren, die
-nicht nur eine Änderung des äußeren Gewandes, sondern vor allem eine
-bedeutende Vermehrung des Textes unter gleichzeitiger Beigabe von
-Kunst- und Musikbeilagen herbeiführte. Sein Herausgeber Ferdinand
-Avenarius besitzt in künstlerischen Dingen ein feinsinniges Urteil,
-das er auch bei der Wahl seiner Mitarbeiter, zu denen Adolf Bartels,
-Oscar Bie, Schultze-Naumburg u. a. zählen, bekundet. So ist der
-»Kunstwart« eine unserer gediegensten künstlerischen Zeitschriften,
-trotz aller Vielseitigkeit von Einseitigkeit im Urteil nicht
-freizusprechen, aber ehrlich und vornehm geleitet. -- Die von Ernst
-Wachler herausgegebene »Deutsche Zeitschrift« bezweckt vorzugsweise die
-Pflege und Förderung unserer National- und Kulturinteressen im Geiste
-der Politik des Fürsten Bismarck. Gleich der »Heimat«, deren Gründung
-Ende 1899 erfolgte, sucht sie Kunst und Dichtung von der Ausländerei
-freizumachen und nationalen Zielen zuzuführen.
-
-Von den rein litterarischen Blättern stand das »Magazin für die in-
-und ausländische Litteratur« jahrelang an der Spitze, und es verdiente
-diese Stellung noch anfangs der achtziger Jahre, als Wilhelm Friedrich,
-Leipzig, noch Verleger des Blattes war, das seinen Ursprung bis auf
-das Jahr von Goethes Tode zurückführt. Seinem alten Programm, eine
-Übersicht über die Litteratur aller Länder und Völker zu geben, ist
-es ganz untreu geworden, eine redaktionelle Leitung, trotzdem oder
-weil? drei Herausgeber (Rudolph Steiner, Otto Erich Hartleben und
-Moritz Zitter) vorhanden sind, ist kaum noch wahrzunehmen; das »Magazin
-für Litteratur«, wie es sich jetzt nennt, bringt Artikel aus allen
-möglichen Gebieten kunterbunt durcheinander ohne jede Bezugnahme zu
-seinem Titel. Seit Wilhelm Friedrich, Leipzig, den Verlag des Blattes
-nicht mehr führt, ist es fast immer »unterwegs« auf der Suche nach
-einem Verleger gewesen. Hin und wieder ist ein neues, wenn auch
-schwächliches Reis dem alten Stamme aufgepfropft worden, ohne daß die
-Lebenssäfte des Blattes durch diese Okulation gewonnen hätten; auch
-die Beigabe der »Dramaturgischen Blätter« konnte dem steten Sinken des
-»Magazins« keinen Einhalt thun. Ob jetzt das Blatt im Verlage von S.
-Cronbach, Berlin, eine Heimstätte gefunden oder ob auch dieser nur eine
-Durchgangsstation bedeutet, vermögen wir nicht zu entscheiden.
-
-An die Stelle des »Magazins«, was Einfluß und Bedeutung anlangt,
-sind die »Internationalen Litteraturberichte« (Herausgeber Emil
-Thomas) getreten, die auch der Abonnentenzahl nach die anderen
-Litteraturblätter weit hinter sich lassen. Sie haben sich die Aufgabe
-gestellt, alles in ihren Kreis zu ziehen, was an litterarischen
-Bestrebungen im In- und Auslande in Erscheinung tritt und es in
-Artikeln, Übersichten, Einzelbesprechungen etc. festzuhalten.
-Eine Konkurrenz ist ihnen durch das im Verlage von F. Fontane &
-Co., Berlin, erscheinende »Litterarische Echo« erstanden, das gut
-geleitet ist und eine Fülle von Notizen bringt, unter denen die
-Übersichtlichkeit etwas leidet. Ob und inwieweit sich für die
-Dauer die ständige Berücksichtigung kleinerer Litteratur- und
-Sprachgebiete, wie des Polnischen, Czechischen u. s. w., für die in
-Deutschland nur ein ganz bescheidener Interessentenkreis vorhanden
-ist, empfiehlt, wird der Herausgeber, z. Z. ~Dr.~ Ettlinger, bald
-herausfinden. -- Eine besondere Erwähnung, wenngleich infolge ihres
-unregelmäßigen Erscheinens kaum noch als Zeitschrift aufzufassen,
-verdienen die »Jahresberichte für deutsche Litteraturgeschichte«,
-die in übersichtlich geordneten und zusammenhängenden Abschnitten
-zeigen wollen, welche Bücher, Aufsätze, Artikel und Kritiken auf dem
-Gebiete der jüngsten Geisteswissenschaft erscheinen, und was sie
-Neues und Wertvolles enthalten. -- Fast ganz auf wissenschaftliche
-Kreise und Bibliotheken beschränkt war das 1850 von dem hervorragenden
-Leipziger Germanisten Prof. Friedr. Zarncke gegründete »Litterarische
-Centralblatt«, das lange darauf verzichtend, eine _Übersicht_ der
-deutschen Litteratur zu geben, fast ausschließlich Rezensionen
-einzelner Werke brachte und es dem Einzelnen überließ, aus diesen
-Bruchstücken sich das Gesamtbild der Litteratur zusammenzusetzen. Erst
-seit Januar 1900 erscheint eine Beilage zum »Centralblatt«, die vor
-allem größere zusammenfassende kritische Übersichten der verschiedenen
-Gattungen dichterischer Werke und orientierende Aufsätze allgemeinen
-Inhalts enthält.
-
-Dem »Litterarischen Centralblatt« verwandt sind »Euphorion«, die
-»Deutsche Litteraturzeitung«, das »Allgemeine Litteraturblatt« (das
-früher unter dem Titel »Österreichisches Litteraturblatt« erschien),
-die »Zeitschrift für vergleichende Litteraturgeschichte« und die
-vor kurzem von ~Dr.~ Erich Bischoff gegründete »Zeitschrift für
-wissenschaftliche Kritik und Antikritik«. Sie sind alle auf einen
-kleinen Kreis beschränkt und ein wirklicher Einfluß auf unser
-Litteraturleben ist ihnen kaum zuzusprechen. Die »Blätter für
-litterarische Unterhaltung«, eine sehr alte und angesehene Zeitschrift,
-ist seit Januar 1899 aus den Reihen der Litteraturzeitungen
-verschwunden; selbst der Klang der Weltfirma F. A. Brockhaus, Leipzig,
-war nicht stark genug, um sie am Einschlafen zu behindern. -- An
-der Spitze der katholischen Litteratur stehen der »Litterarische
-Handweiser« und die »Deutsche Rundschau für das katholische
-Deutschland«, beide -- sehr oft zum Schaden einer objektiven Kritik, --
-bemüht, litterarische Interessen mit religiösen Fragen zu verquicken.
-
-Von der Aufzählung der Winkel- und Cliquenblättchen, die ein kärgliches
-Dasein fristen, um -- nachdem Drucker und Verleger um einige
-Erfahrungen reicher und ein paar Hundertmarkscheine ärmer -- wieder
-in den Orkus zu versinken, wollen wir Abstand nehmen: der Litteratur
-nützen sie so wenig wie ihren Herausgebern, die da hofften, durch sie
-eine litterarische Position oder pekuniäre Vorteile zu erlangen.
-
-
-
-
-Der deutsche Verlagsbuchhandel und sein Anteil an der Litteratur der
-Gegenwart.
-
-
-Die Cotta, Goeschen, Brockhaus und wie die bedeutenden Buchhändler alle
-heißen, sind tot, und an Stelle der großen, von weitausschauenden,
-scharf ausgeprägten Persönlichkeiten getragenen Verlagsgeschäfte, die
-bestimmenden Einfluß auf die Litteratur ausübten, sind zwar nicht
-minder große, aber desto unpersönlichere Aktiengesellschaften getreten,
-die zum weitaus größten Teil den litterarischen Markt beherrschen. Für
-diese Geschäfte handelt es sich nicht so sehr um die Förderung des
-Schrifttums durch den Verlag guter Litteratur, sondern in erster Linie
-um die Erzielung hoher Dividenden, zu deren Erhalt weniger Wert auf
-die litterarische Bedeutung eines Buches, als auf seine Gangbarkeit
-zu legen ist. Gerade das Fehlen jedes persönlichen Moments und das
-ausschließliche Werten eines Werkes nach seiner Absatzfähigkeit,
-für die ein Anhalt in dem Namen des Autors, hin und wieder auch in
-dem behandelten Stoffe oder einer momentan herrschenden Strömung
-liegt, läßt fast alle großen Verlagsfirmen aus einem großen Aufsatz
-scheiden, der von der Anteilnahme des Verlagsbuchhandels an unserem
-modernen Schrifttum sprechen soll. Nichtsdestoweniger stehen diese
-Firmen in erster Reihe, nicht zuletzt durch die großen mit einem
-enormen Kapitalaufwand gegründeten Familienblätter, durch die sie
-auf die Geschmacksrichtung und das Urteil des großen Publikums den
-bedeutendsten Einfluß ausüben. »Über Land und Meer«, »Buch für Alle«,
-»Zur guten Stunde«, »Moderne Kunst«, »Daheim«, »Gartenlaube«, »Vom
-Fels zum Meer«, »Für alle Welt« u. s. w. sind Unternehmungen, die das
-Lesebedürfnis von Hunderttausenden befriedigen, neben den Tagesblättern
-den größten Teil der litterarischen Produktion an sich reißen und den
-Wünschen ihres Publikums entsprechend beeinflussen und zustutzen.
-
-Der Buchverlag ist für den Schriftsteller wie für den Verleger in
-den meisten Fällen nicht mehr lohnend genug und der vom Ertrage
-seiner Feder lebende Autor gezwungen, Konzessionen zu machen, sein
-künstlerisches Gewissen auszuschalten und das zu produzieren, was der
-Moloch, das große Publikum, am liebsten verschlingt: leicht verdauliche
-Unterhaltungsware. Gerade in der letzten Zeit sind aus den Kreisen der
-Schriftsteller Stimmen laut geworden, die auf den verderblichen Einfluß
-hinwiesen, dem ihre eigene Produktion unterworfen ist, seit man sie in
-die Zwangsjacke der Familienlitteratur gesteckt hat. Das Publikum hat
-an diesen Zuständen sicher mehr Schuld als die Verleger und Redaktionen
-der Zeitschriften, die nicht mit dem gebildeten Geschmack einer kleinen
-Gemeinde, sondern mit dem rechnen müssen, was Hunderttausenden gefällt.
-Um keine Abonnenten zu verlieren und sie der Konkurrenz in die Arme zu
-treiben, müssen sie, deren Unternehmungen auf Massenabsatz angewiesen
-sind, geben, was das große Publikum verlangt, müssen -- im Gegensatz
-zu der Aufgabe eines wahren Familienblattes -- verzichten, bildend
-und veredelnd auf den Geschmack des Volkes zu wirken. Was immer auf
-dem Gebiete der Litteratur bezw. der Ästhetik seit der politischen
-Wiedergeburt Deutschlands geleistet wurde: das große Publikum ist
-davon unberührt geblieben; ja es betrachtet noch heute die Litteratur
-nicht anders als eine angenehme Spielerei für müßige Stunden. Nur die
-eine Forderung: die nach mehr Wirklichkeitssinn, nach einer stärkeren
-Betonung des Lebens und seine Erscheinungen in der Litteratur hat --
-vielleicht mehr unbewußt, mehr vom Leben und seinen Forderungen selbst
-beeinflußt -- auch im Publikum Anerkennung gefunden. In Bezug auf
-künstlerisches Verständnis sind keinerlei Fortschritte zu verzeichnen
-und die Existenzbedingungen des Buchhandels, in dem sich immer mehr
-eine rein kaufmännische Auffassung des Berufes geltend macht, sind
-nicht derart, um sich den Luxus gestatten zu können, in künstlerischer
-Hinsicht erzieherisch auf das Publikum zu wirken.
-
-Der deutsche Buchhandel früherer Zeiten hat für Litteratur und
-Wissenschaft viel gethan und manches Werk, das weder die Unterstützung
-einer Regierung, noch einer Akademie oder eines Instituts gefunden
-hat, verdankt ihm allein sein Erscheinen. Nicht aus Liebe zum Geld,
-sondern aus Liebe zur Litteratur und Wissenschaft wurden Werke
-publiziert, für die kein Kaufmann, kein Geschäftsmann eine Hand gerührt
-hätte. So schrieb noch 1839 ein Gelehrter: »Der deutsche Buchhandel
-hat von jeher bewiesen, daß er seine eigentümliche Stellung in den
-nachbarlichen Grenzen der Intelligenz und Industrie zu würdigen
-wisse. Man prüfe die neuesten Kataloge und entscheide dann, ob jener
-ehrenhafte Grundsatz: einen Teil des Gewinnes, den die Muse dem
-häuslichen Altar beschieden, der Muse selber zu opfern, nicht bis
-auf unsere Zeit herab sich fortgesetzt habe.« Der Anteil, den der
-Verlagsbuchhandel an dem Wachstum unserer Litteratur, insonderheit an
-der deutschen Wissenschaft hat, ist sicher ein nicht geringer, aber
-er ist in den letzten Jahren, seitdem das Großkapital seinen Einzug
-im Buchhandel gehalten hat, bedeutend zurückgegangen. Die Aktionäre
-unserer großen Verlagsanstalten legen auf hohe Dividenden bei weitem
-mehr Gewicht als auf den Ruhmestitel Förderer der Litteratur und Kunst
-zu sein. Wirft man heute einen Blick in Kataloge, so wird man bei
-näherem Zusehen finden, daß das litterarische Interesse dem merkantilen
-gewichen ist, daß alljährlich Tausende von Schriften erscheinen,
-die nicht in der Absicht, eine Bereicherung unserer Litteratur,
-sondern eine solche des verlegerischen Geldbeutels herbeizuführen,
-publiziert wurden. War früher das jüdische Element hauptsächlich
-im Antiquariats- und Ramschbuchhandel thätig, so hat es sich in
-neuerer Zeit in hervorragender Weise des Verlagsbuchhhandels als
-Spekulationsobjekt bemächtigt, und neben angesehenen Firmen, die sich
-in jüdischen Händen befinden, ist eine ganze Reihe jüdischer Verleger
-aufgetaucht, die das Buch als Ware ausschließlich als Ware ansieht und
-demgemäß behandelt. Daß die Litteratur der Neuzeit so wenig Förderung
-seitens des Buchhandels findet, hat nicht sowohl seinen Grund in der
-materialistischen Anschauung, die in dem Buche nur ein Handelsobjekt
-sieht, aus dem so viel als möglich Kapital zu schlagen ist, sondern
-zum guten Teil auch in dem Mangel an Urteil, der viele Verleger von
-heutzutage nur nach dem greifen läßt, was sich durch einen klangvollen
-Namen oder eine hübsche Etikette auszeichnet. Andere wieder sind so
-im Banne der Moderne, daß sie sich für jedes Werk begeistern, das
-modern um jeden Preis, selbst um den des guten Geschmacks, erscheinen
-will, mag es künstlerisch auch noch so unbedeutend sein. An dieser
-Verständnislosigkeit in künstlerischen Fragen ist nicht zuletzt die
-Stellung schuld, auf die im Laufe der Zeit die Litteraturblätter und
-die Revuen mit litterarischem Anstrich herabgedrückt worden sind.
-
- * * * * *
-
-Union, Stuttgart, Deutsche Verlagsanstalt, Stuttgart, und Bong & Co.,
-Berlin, werden, was die Höhe des Umsatzes anbetrifft, an die Spitze
-des Verlagsbuchhandels gestellt werden müssen, obwohl der Schwerpunkt
-dieser Geschäfte weniger im Buch- als im Zeitschriften-Verlag zu
-suchen ist. Der Hauptaktionär der Union, in der der große Spemann'sche
-Verlag mit den Kürschner'schen Unternehmungen aufging, ist Geheimrat
-Kröner, der Inhaber, bezw. Mitinhaber von A. G. Liebeskind, der
-J. G. Cottaschen Buchhandlung, Ernst Keil's Nachf., Leipzig u.
-a. Fast ebenbürtig steht der Union das ehemalige Hallberger'sche
-Geschäft, jetzt Deutsche Verlagsanstalt, gegenüber, das im
-verflossenen Jahre sein 50jähriges Jubiläum feiern konnte. Der aus
-diesem Anlaß herausgegebene Katalog umfaßt ca. 250 Seiten und giebt
-ein anschauliches Bild von dem Wachstum und der Bedeutung dieses
-Geschäfts, das sich allerdings in den letzten Jahren -- namentlich
-seit Gründung der Zeitschrift »Aus fremden Zungen« -- vorzugsweise der
-Übersetzungslitteratur zugewandt hat, so daß es wenig Autoren von Klang
-und Namen, gleichviel ob Engländer, Franzosen, Italiener, Spanier,
-Russen oder Schweden, giebt, die nicht mit einem oder mehreren Werken
-in der Deutschen Verlagsanstalt vertreten sind. Als bedeutendster
-Konkurrent des Zeitschriftenverlags der Union und Deutschen
-Verlagsanstalt, bezw. der Zeitschriften: »Vom Fels zum Meer«, »Buch für
-Alle« und »Über Land und Meer« trat Ende der 80er Jahre Richard Bong
-auf, ein Mann, der sich aus kleinen Verhältnissen emporarbeitend, »der
-Leiter höchste Staffel rasch erstieg« und in den Zeitschriften »Moderne
-Kunst«, »Zur guten Stunde« und »Für Alle Welt« Unternehmungen schuf,
-in denen er besonderes Gewicht auf den Farbendruck legte, mit dem er
-erfolgreich gegen den Holzschnitt der Stuttgarter Blätter zu Felde zog.
-Ob und inwieweit geschäftliche Manipulationen, insbesondere die höhere
-Rabattierung seiner Zeitschriften zu diesem Erfolge beitrugen, dürfte
-an dieser Stelle wenig interessieren. Der Buchverlag der Firma -- meist
-Romane, die in ihren Zeitschriften zum Abdruck gelangten -- ist ohne
-besonderes charakteristisches Gepräge.
-
-Das alte Verlagsgeschäft von F. A. Brockhaus, Leipzig, hat sich in den
-letzten Jahren neben der Pflege des Konversationslexikons, das jetzt
-in 14. bezw. 15. Auflage vorliegt, fast ausschließlich auf das Gebiet
-der Reisebeschreibungen geworfen. Den Reisen Stanleys und Wißmanns in
-Afrika folgten Nansens »In Nacht und Eis«, Landors »Auf verbotenen
-Wegen in Tibet« und neuerdings die Reisen Sven Hedins in Asien, alles
-Werke, die eine ungeahnte Verbreitung erlangten. Vom Buchverlag fast
-ganz zurückgezogen hat sich die Firma Breitkopf & Härtel, Leipzig,
-die den Schwerpunkt ihres Geschäftes auf den Musikverlag legte.
-Dagegen entwickelt das Bibliographische Institut, Leipzig, eine fast
-unheimliche Rührigkeit. Seine Spezialität liegt in den Sammelwerken,
-an deren Spitze Meyers Konversationslexikon steht; ihm schließen
-sich umfangreiche Publikationen an, wie die Klassiker-Ausgaben,
-Meyers Volksbücher, Sprachführer, Reisebücher, Allgemeine Naturkunde,
-Allgemeine Länderkunde, Sammlung illustrierter Litteraturgeschichten,
-Bilder-Atlanten zur Geographie und Naturgeschichte u. s. w., meist
-Unternehmen, die der Initiative der Geschäftsinhaber entsprungen sind.
-Die erwähnten Meyer'schen Volksbücher, die erst neuerdings wieder von
-sich reden machen, haben nicht entfernt die Bedeutung der Reclam'schen
-Universalbibliothek erlangt, von der jetzt mehr als 4000 Bändchen
-vorliegen: sie bilden den Grundstock des Verlags von Philipp Reclam
-jr., Leipzig, der mit ihnen in die Reihe der ersten Verleger trat.
-Überraschend kam den Meisten der vor einigen Jahren erfolgte Ankauf
-der Familienzeitschrift »Universum«, durch Reclam, die er seither
-zu einer Blüte geführt hat, die sie im früheren Hauschild'schen
-Verlage nicht erreichen konnte. Den 20 Pfennig-Heften Reclams und
-den 10 Pfennig-Volksbüchern Meyers stellte Otto Hendel, Halle, seine
-Bibliothek der Weltlitteratur ~à~ Heft 25 Pfennig gegenüber, die,
-obwohl in größerem Format und besserer Ausstattung, dem Unternehmen
-Reclams doch kaum wesentlichen Abbruch machen konnte.
-
-Weder Otto Hendel, Halle, noch Hermann Hillgers Verlag, Berlin, den ich
-hier nur nenne, da auch er oder richtiger Professor Kürschner, nach
-dem Muster der Reclam-Bändchen einen »Bücherschatz« herausgegeben hat,
-der wenigstens numerisch schon zu großer Entwickelung gelangt ist,
-gehören an diese Stelle, die vielmehr den großen wissenschaftlichen
-oder belletristischen Verlagsanstalten zukommt. Von den letzteren sind
-hier zu nennen: J. G. Cotta'sche Buchhandlung, Nachf., Stuttgart, die
-Verlegerin der »Gedanken und Erinnerungen des Fürsten Bismarck«, die
-Sudermann, Fulda, Wilbrandt u. a. zu ihren Autoren zählt und auch
-wissenschaftliche, besonders historische Werke auf den Markt bringt.
-Der Hauch der Klassizität, der den alten Verlag noch aus der Goethe-
-und Schillerzeit umwehte, hat sich allerdings sehr verflüchtigt: er
-befaßt sich nur noch mit Werken, die »gehen«. Ein ähnliches Urteil
-läßt sich über den ehemaligen Stuttgarter G. J. Goeschen'schen Verlag
-fällen, mit dem die Dichterfürsten gleichfalls in Verbindung standen
-und der in den letzten Jahren, besonders seit seiner Übersiedelung nach
-Leipzig, sich mehr »praktischen« Verlagsbestrebungen (Sammlung Goeschen
-u. s. w.) zugewandt hat. -- Auf praktischem Gebiet bewegt sich jetzt
-auch, abgesehen von dem Verlage der »Illustrierten Zeitung« und der
-Pflege des Holzschnitts, J. J. Weber, Leipzig (Katechismen u. s. w.).
-
-Von großen wissenschaftlichen Verlagshäusern, die sich besonderen
-Spezialitäten zugewandt haben, verdienen genannt zu werden: B. G.
-Teubner, Leipzig (Pädagogik, altklassische Sprachwissenschaft),
-Weidmann'sche Buchhandlung, Berlin (Klassische Philologie,
-Pädagogik, Litteraturgeschichte, Rechtswissenschaft), Paul
-Parey, Berlin (Landwirtschaft, Gartenbau), Mittler & Sohn,
-Berlin (Militärwissenschaften), Wilhelm Engelmann, Leipzig
-(Naturwissenschaften), Friedrich Vieweg & Sohn, Braunschweig
-(Physik, Chemie, Mathematik), Hirschwald'sche Buchhandlung, Berlin
-(Medizin), J. C. B. Mohr, Tübingen (Protestantische Theologie,
-Rechtswissenschaft, Geschichte, Philosophie), Duncker & Humblot,
-Leipzig (Socialwissenschaft, Geschichte, Rechtswissenschaft,
-Naturwissenschaft), Gustav Fischer, Jena (Medizin, Socialwissenschaft,
-Rechtswissenschaft), Julius Springer, Berlin (Pharmazeutik, Forst-
-und Jagdwissenschaft, Rechtswissenschaft, Geschichte), F. C. W. Vogel,
-Leipzig (Medizin), Karl J. Trübner, Straßburg i. Els. und O. R.
-Reisland, Leipzig (Germanische und romanische Philologie), Emil Felber,
-Berlin und Eduard Avenarius, Leipzig (Litteraturgeschichte), Gothaische
-Verlagsanstalt vorm. F. A. Perthes, Gotha (Geschichte, Protestant.
-Theologie), R. Oldenbourg, München (Geschichte, Rechtswissenschaft,
-Pädagogik), sowie die großen rechtswissenschaftlichen Verlagsanstalten:
-Carl Heymann, J. Guttentag, G. m. b. H., Frz. Vahlen, Berlin, Ferd.
-Enke, Stuttgart und Veit & Co., Leipzig. Die Langenscheidt'sche
-Buchhandlung (Professor G. Langenscheidt), Berlin, die mit ihren
-für das Selbststudium des Englischen und Französischen berechneten
-Unterrichtsbriefen einen ungeheuren Erfolg hatte, darf, da sich diese,
-sowie die ausgezeichneten Lexika, auf wissenschaftlicher Grundlage
-aufbauen, Anspruch erheben, hier mitgenannt zu werden. Daß sie in den
-letzten Jahren Werke größeren Umfanges nicht mehr publizierte, mag
-seinen Grund in den Vorbereitungen haben, die sich zur Herausgabe der
-italienischen und spanischen Selbstunterrichtsbriefe notwendig machen.
-Halb wissenschaftlicher, halb belletristischer Natur, aber immer ernst
-und vornehm, ist der Verlag von S. Hirzel, Leipzig, dessen Belletristen
-Wissenschaftler und dessen Wissenschaftler Belletristen sind. Auf der
-Grenzscheide steht auch der Verlag von Alfred Schall, Berlin (vorm.
-Schall & Grund), der neben einer Reihe populärwissenschaftlicher
-Werke über Länder- und Völkerkunde, Heere und Flotten einen großen
-belletristischen Verlag pflegt. Bekannt ist besonders das Verlagshaus
-durch den »Verein der Bücherfreunde« geworden, der in seiner Blütezeit
-einen »Mitglieder«bestand von 12000 zählte.
-
-Von großen belletristischen Verlagshäusern ist in erster Linie Gebr.
-Paetel (Verlag der »Deutschen Rundschau«), Berlin, zu nennen, deren
-Verlagsfirma eine ausreichende Gewähr für die Güte der von ihr
-verlegten Bücher giebt. In dem 280 Seiten umfassenden Verlagskatalog,
-der über die Thätigkeit der Firma in den Jahren 1837--1895, die
-sich neben der Belletristik auch auf die Gebiete der Geschichte,
-Kulturgeschichte, Völkerkunde, Litteratur- und Militärwissenschaft
-erstreckt, berichtet, findet sich eine Fülle wertvoller Bücher,
-zumeist von Mitarbeitern der »Deutschen Rundschau«, die es von jeher
-verstanden hat, tüchtige Kräfte heranzuziehen. Eine ähnliche Stellung
-nimmt der Verlag von Bonz & Co., Stuttgart, und Fr. Wilhelm Grunow,
-Leipzig, ein, obwohl der letztere durch den Verlag der »Grenzboten«
-und der »Buschschen Tagebücher« sich die Sympathien vieler Kreise
-verscherzt hat. Nur Verleger zweier Autoren, die aber ein paar hundert
-aufwiegen, ist L. Staackmann, Leipzig, dem Rosegger und Spielhagen
-ihre Werke übergeben. -- Ein besonderes Gepräge trägt, sowohl die Art
-der Verlagsartikel, als auch ihre Ausstattung anlangend, der Verlag
-von A. G. Liebeskind, hinter dem eine markante und eigenartige,
-vielleicht auch eigenwillige Persönlichkeit stand, die dem Ganzen
-ihre Physiognomie lieh. Ob sie der Verlag nach dem Tode L.'s noch
-beibehalten wird -- er ist inzwischen nach Stuttgart übergesiedelt
-und in Händen des Geheimrat Kröner -- bleibt abzuwarten. Das große
-Verlagshaus Velhagen & Klasing, Bielefeld, das sich durch den Verlag
-des stark religiös angehauchten »Daheim« einen Weltruf erwarb,
-hat sich neuerdings dem Gebiet der Geschichte und Kunstgeschichte
-(Monographien zur Kunstgeschichte. -- Monographien zur Weltgeschichte)
-noch intensiver zugewandt. Es findet seinen Partner in dem katholischen
-Verlag der Firma J. P. Bachem, Köln a. Rh. (»Kölnische Volkszeitung«),
-deren Katalog eine große Anzahl Werke katholischer Tendenz aufweist.
-Ausschließlich Werke katholischer Richtung wissenschaftlicher und
-belletristischer Natur verlegen auch Ferd. Schöningh, Paderborn,
-der den Dichter der »Dreizehnlinden« zu seinen Autoren zählt, und
-die B. Herder'sche Verlagsbuchhandlung, Freiburg i. Br., eins der
-bedeutendsten Verlagsgeschäfte, das auch im Auslande sich große
-Absatzquellen erschlossen hat.
-
-Hauptsächlich belletristischen Verlag, aber ohne besondere Eigenart
-pflegen Otto Jancke, Berlin (Verlag der »Romanzeitung«), Schles.
-Buchdruckerei und Verlagsanstalt, Breslau (Verlag von »Nord und Süd«,
-»Unterwegs und daheim«), Carl Reißner, Dresden, Paul List, Leipzig,
-Heinrich Minden, Dresden, Hermann Costenoble, Jena, J. Bensheimer,
-Mannheim, Albert Ahn, Köln a. Rh., und E. Pierson, Dresden, von denen
-die beiden letztgenannten auch vielfach als bloße Kommissionsverleger
-auftreten. -- Mehr dem Gebiet der Buchfabrikation nähert sich der
-Verlag von Greiner & Pfeiffer, Stuttgart, durch seine für das große
-Publikum berechneten Anthologien, deren Ausstattung von der »Moderne«
-noch unberührt geblieben ist. Erst durch den Verlag des »Türmers« ist
-die Firma in die Reihe der für die Litteratur in Betracht kommenden
-Verleger getreten, obwohl die genannte Zeitschrift nichts weniger als
-»modern« im landläufigen Sinne des Wortes ist. -- Fast ausschließlich
-auf Übersetzungen beschränkt sich der Stuttgarter Verlag von J.
-Engelhorn, dessen Romanbibliothek ihrer Wohlfeilheit wegen einen
-ungeheuren Absatz zu verzeichnen hat. Die Zahl deutscher Autoren, die
-sich an diesem Unternehmen beteiligt, ist eine äußerst bescheidene, und
-wird wohl nur dann vermehrt, wenn der Romanbibliothek frisches Blut und
-erhöhtes Interesse zugeführt werden soll.
-
-Mehr litterarisches Gepräge tragen der Verlag der Besserschen
-Buchhandlung, Berlin, Verlegerin Paul Heyse's, und Fr. Bahn,
-Schwerin. Als ein äußerst rühriger Verleger, der sich namentlich um
-die Einführung amerikanischer Litteratur in Deutschland besondere
-Verdienste erworben hat (Sternbanner-Serie), aber auch auf den Verlag
-guter deutscher Romane nicht verzichtet, gilt Robert Lutz, Stuttgart.
-Zu den Verlegern modernen Schlages übergehend, ist neben Freund &
-Jeckel, Berlin, und Fontane & Co., Berlin, die ebensogut noch zur
-vorhergehenden Gruppe gerechnet werden können, an erster Stelle S.
-Fischer, Berlin, zu nennen. Auch er ist wie Pierson, Dresden, und
-Ahn, Köln, bis zu einem gewissen Grade Kommissionsverleger, selbst
-seinen ersten Autoren, wie Hauptmann, gegenüber. Der bierfidele Otto
-Erich Hartleben, der Halbpariser Hermann Bahr, der jugendliche Georg
-Hirschfeld, die Berliner Felix Hollaender und Hans Land haben ihre
-Werke bei S. Fischer verlegt, der die Hauptmann-Gemeinde und alles,
-was nach »Moderne« aussieht, durch seine »Neue Deutsche Rundschau«,
-die ehemalige »Freie Bühne«, um sich zu scharen wußte. Fast noch
-ungeberdiger als dieser Verlag geben sich Schuster & Löffler, Berlin.
-Manch gutes Buch findet sich in dem Verlagskatalog der erst seit 4
-Jahre bestehenden Firma, aber es fehlt auch der direkte Schund nicht,
-oder wenn das besser klingt, jene Litteratur, die nach dem Grundsatze
-~l'art pour l'art~ geschrieben, kein vernünftiger Mensch, vor allem
-nicht das sogenannte Publikum liest, die sich aber in Litteratenkreisen
-großer Beliebtheit erfreut. Schuster & Löffler haben vielfach neue
-Bahnen eingeschlagen, aber es waren nicht immer die rechten. Ein Buch
-kann modern, sehr modern sein und braucht doch nichts zu taugen! Dieser
-Unterschied ist ihnen leider nicht immer zum Bewußtsein gekommen.
-Ähnlichen Tendenzen wie Schuster & Löffler huldigt auch Vita, Deutsches
-Verlagshaus, Berlin, wenngleich dieses bei weitem mehr Konzessionen
-an das Publikum macht. Neue Wege, soweit namentlich die Ausstattung
-in Frage kommt, ist auch der Verlag von Fischer & Franke, Berlin,
-gegangen, der von allen seinen Mitbewerbern wohl das meiste Geschick
-gezeigt hat, Inhalt und Ausstattung seiner Verlagsartikel mit einander
-in Einklang zu bringen. In die Reihe der modernen Verleger hat sich
-auch G. Bondi, Berlin, gestellt, durch den Halbes Werke und das große
-Schlenther'sche Unternehmen zur Ausgabe gelangen.
-
-Albert Langen, München, der Verleger des »Simplizissimus«, hat ein
-paar Jahre in Paris zugebracht, und man kann ihm das Zeugnis nicht
-versagen, daß er dort manches gelernt hat und bestrebt ist, immer etwas
-Originelles zu bringen, seinem Verlage ein charakteristisches Gepräge
-zu geben. Auf den Umschlägen seiner Bücher hat die Moderne schon
-wahre Orgien gefeiert: da sind Zeichnungen, so mystisch und dunkel,
-in denen gar nichts liegt, so daß man sich gemüßigt fühlt, selbst
-alles hineinzulegen; Frauen und Männer werden dargestellt, denen
-das Laster oder die Schwindsucht auf dem Gesicht geschrieben stehen,
-und das alles in jenen fließenden Linien, hingeworfen ohne Saft und
-Kraft -- dazwischen einmal ein Mädchenkopf, so fein und künstlerisch,
-daß man sich verwundert fragt, wie der in diese Gesellschaft kommen
-konnte. Dann stelle man sich den »Simplizissimus« vor, ein »deutsches
-Blatt«, an dem nichts, aber auch gar nichts deutsch ist, ein Blatt,
-bestimmt, »die Kunst dem Volke zu vermitteln«. Man muß schon 10 Jahre
-in Paris oder bei den Wilden gelebt haben, um zu glauben, daß man ein
-solches Programm mit einer Zeitschrift vom Schlage des »Simplizissimus«
-durchführen kann. Nur wenig deutschen Namen begegnet man in seinem
-Verlagskataloge und auch diese haben einen fremden Klang; dagegen
-finden Ausländer: Franzosen, Russen, Skandinavier u. s. w. bei ihm
-bereitwilligst Unterkommen. -- Durch eine ultramoderne Ausstattung
-hat sich auch der kleine Verlag von Joh. Sassenbach, Berlin, in
-Litteratenkreisen einen Namen gemacht. Er ist Verleger von Arno Holz
-und seiner Schule, die die Preisfrage: Wie kann jedermann innerhalb 24
-Stunden lyrischer Dichter werden? mit einer verblüffenden Sicherheit
-und einer Naivetät, wie sie sonst nur den wirklichen Dichtern eigen
-ist, gelöst haben. Diese neueste Schule hat sich um Sassenbach
-gesammelt, der für die Allerjüngsten das zu werden verspricht, was
-für die Jungen der 80er Jahre Wilhelm Friedrich, Leipzig, war, der an
-das neue Evangelium und an die Mission der Bleibtreu, M. G. Conrad,
-Alberti, Walloth, Conradi, wie an seinen Herrgott glaubte. Und heute,
-nachdem kaum 10 Jahre ins Land gezogen sind? Wo ehemals die Mistbeete
-des Realismus standen, da blühen jetzt stille, bleiche »Lotosblüten«.
-Wilhelm Friedrich, der jetzt hauptsächlich Theosophie verlegt, ist
-immer mit der Zeit gegangen oder hat versucht, ihr vorauszugehen.
-
-Als ein »Verlag für moderne Bestrebungen in Litteratur,
-Socialwissenschaft und Naturwissenschaft« hat sich Eugen Diederichs,
-Leipzig, eingeführt, und wenn auch bei ihm der Moderne hin und wieder
-Rücksprache mit dem Geschäftsmann nimmt, so ist er doch immer bestrebt
-gewesen, namentlich hinsichtlich der Buchausstattung die alten Gleise
-zu verlassen und neue Bahnen zu wandeln. -- Berührungspunkte mit dem
-Verlage von Eugen Diederichs weist Georg Heinr. Meyers Verlag, Berlin,
-auf, der sich besonders als Pflegevater der deutsch-österreichischen
-Schriftsteller bewährt. Freilich sind die praktischen Erfahrungen, die
-er und mit ihm andere an dem österreichischen Verlage gemacht haben,
-wenig ermutigend: verdient hat er an keinem Buche aus Österreich, und
-selbst die Verlagskosten sind durch die wenigsten gedeckt worden.
-Durch die Gründung der »Heimat« ist sein Verlag der Mittelpunkt jener
-Bestrebungen geworden, die die »Heimatkunst« in den Vordergrund des
-litterarischen Interesses zu stellen suchen.
-
-
-
-
-Register
-
-der in den »Charakteristiken« angeführten Namen.
-
-
- Achleitner, Arthur 46.
-
- Adamus, Franz 104.
-
- Alberti, Konrad 65.
-
- Allmers, Hermann 40.
-
- Altenberg, Peter 102.
-
- Ambrosius, Johanna 94.
-
- Amyntor, Gerhardt von 77.
-
- Andreas-Salomé, Lou 98.
-
- Anzengruber, Ludwig 44.
-
- Arent, Wilhelm 67.
-
- Arnold, Hans 61.
-
- Asenijeff, Elsa 99.
-
- Auerbach, Berthold 32.
-
- Avenarius, Ferdinand 94.
-
-
- Bahr, Hermann 83.
-
- Bartels, Adolf 48.
-
- Bauer, Erwin 71.
-
- Baumbach, Rudolf 56.
-
- Beetschen, Alfred 93.
-
- Bernhard, Marie 64.
-
- Beta, Ottomar 70.
-
- Bethge, Hans 93.
-
- Bierbaum, Otto Julius 99.
-
- Bleibtreu, Karl 64.
-
- Blumenthal, Oskar 53.
-
- Blüthgen, Victor 60.
-
- Bodenstedt, Friedrich von 35.
-
- Böhlau, Helene 97.
-
- Bölsche, Wilhelm 96.
-
- Bormann, Edwin 61.
-
- Bötticher, Georg 61.
-
- Boy-Ed, Ida 80.
-
- Brieger, Adolf 41.
-
- Bulthaupt, Heinrich 41.
-
- Bunge, Rudolf 40.
-
- Busch, Wilhelm 59.
-
- Busse, Carl 92.
-
-
- Christen, Ada 63.
-
- Conrad, Michael Georg 65.
-
- Conradi, Hermann 65.
-
- Croissant-Rust, Anna 97.
-
-
- Dahn, Felix 51.
-
- David, J. J. 76.
-
- Dehmel, Richard 101.
-
- Dörmann, Felix 102.
-
- Dranmor 61.
-
- Dreyer, Max 89.
-
-
- Ebers, Georg 50.
-
- Ebner-Eschenbach, Marie von 72.
-
- Eckstein, Ernst 51.
-
- Eichrodt, Ludwig 40.
-
- Elbe, A. von der 80.
-
- Ernst, Otto 95.
-
- Ertl, Emil 104.
-
- Eschstruth, Nataly von 64.
-
- Evers, Franz 100.
-
-
- Falke, Gustav 92.
-
- Fehrs, Joh. Heinrich 47.
-
- Fischer, Johann Georg 38.
-
- Fitger, Arthur 53.
-
- Flaischlen, Caesar 90.
-
- Fontane, Theodor 71.
-
- François, Luise von 32.
-
- Franzos, Karl Emil 49.
-
- Frapan, Ilse 48.
-
- Frenzel, Karl 55.
-
- Freytag, Gustav 29.
-
- Friedmann, Alfred 84.
-
- Fuchs, Reinhold 93.
-
- Fulda, Ludwig 88.
-
-
- Ganghofer, Ludwig 46.
-
- Geibel, Emanuel 35.
-
- George, Stephan 103.
-
- Gerok, Karl 57.
-
- Glümer, Claire 80.
-
- Gottschall, Rudolf von 52.
-
- Grazie, Marie Eugenie delle 97.
-
- Greif, Martin 38.
-
- Greinz, Hugo 105.
-
- Grisebach, Eduard 62.
-
- Groller, Balduin 83.
-
- Groß, Ferdinand 83.
-
- Grosse, Julius 37.
-
- Groth, Klaus 44.
-
- Grotthuß, Jeannot Emil von 93.
-
-
- Halbe, Max 88.
-
- Hamerling, Robert 36.
-
- Hango, Hermann 104.
-
- Hansjakob, Heinrich 47.
-
- Harden, Maximilian 84.
-
- Hart, Heinrich 65.
-
- Hart, Julius 66.
-
- Hartleben, Otto Erich 90.
-
- Hauptmann, Gerhart 85.
-
- Heiberg, Hermann 66.
-
- Heigel, Karl von 55.
-
- Heimburg, W. 63.
-
- Heine, Anselm 98.
-
- Henckell, Karl 68.
-
- Herold, Franz 103.
-
- Herrig, Hans 53.
-
- Hertz, Wilhelm 43.
-
- Heyse, Paul 34.
-
- Hillern, Wilhelmine von 54.
-
- Hirschfeld, Georg 91.
-
- Hoffmann, Hans 59.
-
- Hofmannsthal, Hugo von 102.
-
- Hollaender, Felix 76.
-
- Holz, Arno 67.
-
- Hopfen, Hans 54.
-
- Huch, Ricarda 93.
-
-
- Jacobowski, Ludwig 92.
-
- Janitschek, Maria 97.
-
- Jensen, Wilhelm 72.
-
- Jordan, Wilhelm 39.
-
- Junghans, Sophie 80.
-
-
- Kahlenberg, Hans von 99.
-
- Keller, Gottfried 33.
-
- Kerstan, Karl 71.
-
- Kirchbach, Wolfgang 67.
-
- Kitir, Josef 104.
-
- Kompert, Leopold 50.
-
- Königsbrun-Schaup, Franz v. 79.
-
- Kretzer, Max 66.
-
- Kröger, Timm 47.
-
- Kruse, Heinrich 53.
-
- Kurz, Isolde 42.
-
-
- Land, Hans 79.
-
- Langbehn, Julius 83.
-
- Langmann, Philipp 90.
-
- L'Arronge, Adolf 54.
-
- Lauff, Josef 89.
-
- Leixner, Otto von 78.
-
- Lienhard, Fritz 69.
-
- Liliencron, Detlev von 91.
-
- Lindau, Paul 82.
-
- Lindau, Rudolf 81.
-
- Lindner, Albert 53.
-
- Lingg, Hermann 39.
-
- Linke, Oskar 52.
-
- Lohmeyer, Julius 60.
-
- Lorm, Hieronymus 62.
-
- Lubliner, Hugo 53.
-
-
- Mackay, John Henry 68.
-
- Marlitt, E. 63.
-
- Marriot, Emil 98.
-
- Mauthner, Fritz 78.
-
- Megede, Johannes Rich. zur 82.
-
- Meyer, Conrad Ferdinand 32.
-
- Meyer, Johann 47.
-
- Milow, Stephan 40.
-
- Mombert, Alfred 103.
-
- Möser, Albert 37.
-
- Moser, Gustav von 54.
-
- Mysing, Oscar 75.
-
-
- Naaff, Anton August 70.
-
- Niemann, August 77.
-
- Niese, Charlotte 48.
-
- Nordau, Max 83.
-
- Nordhausen, Richard 76.
-
-
- Ohorn, Anton 70.
-
- Ompteda, Georg von 75.
-
-
- Palmer, Ludwig 94.
-
- Pantenius, Theod. Herrmann 45.
-
- Paulus, Eduard 42.
-
- Perfall, Anton von 75.
-
- Perfall, Karl von 75.
-
- Peschkau, Emil 83.
-
- Philippi, Felix 89.
-
- Pichler, Adolf 69.
-
- Polenz, Wilhelm von 75.
-
- Preuschen, Hermione von 98.
-
- Pröll, Karl 69.
-
- Przybyszewski, Stanislaw 100.
-
- Puttkamer, Alberta von 62.
-
-
- Raabe, Wilhelm 58.
-
- Reder, Heinrich von 56.
-
- Redwitz, Oskar von 43.
-
- Renner, Gustav 94.
-
- Reuter, Gabriele 98.
-
- Riehl, Wilhelm Heinrich 49.
-
- Ritter, Anna 94.
-
- Rittershaus, Emil 58.
-
- Roberts, Alexander von 74.
-
- Rodenberg, Julius 41.
-
- Roquette, Otto 43.
-
- Rosegger, Peter 45.
-
- Rosmer, Ernst 91.
-
- Ruederer, Josef 90.
-
- Rüttenauer, Benno 96.
-
-
- Saar, Ferdinand von 55.
-
- Sacher-Masoch, Leopold von 50.
-
- Salus, Hugo 102.
-
- Samarow, Gregor 84.
-
- Schack, Adolf Friedr., Graf v. 36.
-
- Scheerbart, Paul 103.
-
- Scheffel, Josef Victor von 56.
-
- Schlaf, Johannes 99.
-
- Schmid, Hermann von 46.
-
- Schmidt, Maximilian 46.
-
- Schmitthenner, Adolf 75.
-
- Schnitzler, Arthur 89.
-
- Scholz, Wilhelm von 101.
-
- Schönaich-Carolath, Emil Prinz von 62.
-
- Schubin, Ossip 81.
-
- Schullern, Heinrich von 104.
-
- Seidel, Heinrich 59.
-
- Siegfried, Walter 96.
-
- Sohnrey, Heinrich 49.
-
- Sperl, August 48.
-
- Spielhagen, Friedrich 30.
-
- Spitteler, Carl 95.
-
- Steinhausen, Heinrich 43.
-
- Stern, Adolf 55.
-
- Stern, Maurice Reinhold von 68.
-
- Stieler, Karl 45.
-
- Stinde, Julius 60.
-
- Storm, Theodor 33.
-
- Stratz, Rudolf 79.
-
- Sturm, Julius 57.
-
- Sudermann, Hermann 87.
-
- Suttner, Bertha von 82.
-
-
- Taylor, George 51.
-
- Telmann, Konrad 74.
-
- Torresani, Baron Carl 81.
-
- Tovote, Heinz 76.
-
- Traeger, Albert 58.
-
- Trojan, Johannes 60.
-
-
- Viebig, Clara 48.
-
- Vierordt, Heinrich 37.
-
- Villinger, Hermine 47.
-
- Vischer, Friedrich Theodor 39.
-
- Voß, Richard 73.
-
-
- Wagner, Christian 96.
-
- Waldmüller, Robert 40.
-
- Walloth, Wilhelm 66.
-
- Wallpach, Arthur von 103.
-
- Weber, Friedrich Wilhelm 38.
-
- Weber-Lutkow, Hanns 105.
-
- Wedekind, Frank 101.
-
- Weigand, Wilhelm 95.
-
- Weilhart, Oskar 104.
-
- Weitbrecht, Karl 42.
-
- Werner, E. 63.
-
- Westarp, Adolf Graf von 70.
-
- Westkirch, Luise 81.
-
- Wichert, Ernst 77.
-
- Widmann, Jos. Viktor 96.
-
- Wilbrandt, Adolf 73.
-
- Wildenbruch, Ernst von 85.
-
- Wille, Bruno 69.
-
- Wolff, Julius 57.
-
- Wolters, Wilhelm 79.
-
- Wolzogen, Ernst von 73.
-
-
- Zobeltitz, Fedor von 80.
-
- Zobeltitz, Hanns von 80.
-
- Zolling, Theophil 78.
-
- Zoozmann, Richard 93.
-
-
-Druck von Paul Dünnhaupt in Cöthen (Anhalt).
-
-
-
-
- Weitere Anmerkungen zur Transkription
-
-
- Offensichtliche Fehler wurden stillschweigend korrigiert. Ansonsten
- wurden unterschiedliche Schreibweisen des Originals beibehalten.
-
- Korrekturen:
-
- S. 25: herausschaffen → heraus schaffen
- aus der germanischen Volksseele {heraus schaffen}
-
- S. 34: 1890 → 1830
- Paul Heyse, geb. am 15. März {1830} in Berlin
-
- S. 67: hinter → vor
- eine große Zukunft {vor} sich hat
-
- S. 75. 24. 1854 → 24. Mai 1854
- Adolf Schmitthenner, geb. am {24. Mai 1854}
-
- S. 113: verschnöckelt → verschnörkelt
- Druckschrift so {verschnörkelt} und entartet
-
-
-
-*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE LETZTEN ZWANZIG JAHRE DEUTSCHER
-LITTERATURGESCHICHTE 1880–1900 ***
-
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