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If you are not located in the United States, you -will have to check the laws of the country where you are located before -using this eBook. - -Title: Die letzten zwanzig Jahre deutscher Litteraturgeschichte - 1880–1900 - -Author: Emil Thomas - -Release Date: January 09, 2021 [eBook #64245] - -Language: German - -Character set encoding: UTF-8 - -Produced by: The Online Distributed Proofreading Team at - https://www.pgdp.net - -*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE LETZTEN ZWANZIG JAHRE -DEUTSCHER LITTERATURGESCHICHTE 1880–1900 *** - - - - - Anmerkungen zur Transkription - - - Das Original ist in Fraktur gesetzt. Im Original gesperrter Text - ist _so ausgezeichnet_. Im Original in Antiqua gesetzter Text ist - ~so markiert~. Im Original fetter Text ist =so dargestellt=. - - Weitere Anmerkungen zur Transkription befinden sich am Ende des - Buches. - - Dieses E-Book wurde anläßlich des 20. Jubiläums von »Distributed - Proofreaders« erstellt. - - - - - Die letzten zwanzig - Jahre deutscher - Litteraturgeschichte. - - - - - Die letzten zwanzig - Jahre deutscher - Litteraturgeschichte - 1880--1900 - - Im Abriß dargestellt - von Emil Thomas. - - 2., durchgesehene Auflage. - - (4. bis 8. Tausend.) - - [Illustration] - - Leipzig 1900 - Verlag von _Walther Fiedler_. - - - - -Vorwort. - - -Es sind in neuester Zeit vielfach Versuche einer Darstellung der -Litteratur der letzten Jahre unternommen worden[1] und es war dies -umsomehr von nöten, als unsere besten Litteraturgeschichten im Stich -lassen, sobald die Litteratur der letzten Jahrzehnte in Frage kommt. -Selbst Vogt und Kochs Litteraturgeschichte, die im vorigen Jahre zur -Ausgabe gelangte, ein sonst tüchtiges und zuverlässiges Werk, macht vor -der modernen Litteratur Halt und behandelt die Zeit von dem Auftreten -der »Jüngsten« an in einer wahrhaft stiefmütterlichen Weise, die zu -dem Ganzen in keinem Verhältnis steht und deutlich erkennen läßt, wie -wenig die Verfasser über die moderne Litteratur unterrichtet sind. -Wenn man nun auch zugeben muß, daß es mit Schwierigkeiten verbunden -ist, klar und übersichtlich eine Periode darzustellen, in der noch -alles Leben und Bewegung ist, die noch nicht einmal äußerlich zu -einem gewissen Abschluß gelangt ist, so erscheint es doch nicht -angängig, aus einer zeitlich nicht begrenzten Litteraturgeschichte die -moderne Litteratur auszuschließen oder sie in ungenügender Weise zur -Darstellung zu bringen. Denn nichts liegt dem Interesse näher, als was -uns zeitlich naheliegt, und es ist sehr wohl möglich, zeitgenössische -Schriftsteller und ihre vorliegenden Werke zu beurteilen, auch auf -die Gefahr hin, daß durch spätere Schöpfungen neue charakteristische -Züge in das Bild Aufnahme finden müssen. Darstellen läßt sich also -die Litteraturperiode der letzten Jahre -- fraglich ist nur, ob der -Bericht über dieselbe, 10 oder 20 Jahre später, nicht derartige -Korrekturen erfahren wird, daß Urteil und Anschauung der Gegenwart -dadurch für die spätere Zeit vollständig entwertet werden. Strömungen -und Unterströmungen auf litterarischem Gebiete sind für denjenigen, -der mitten in der darzustellenden Periode steht, nur schwer erkennbar, -und auch das Urteil des vorurteilslosen Beobachters wird von der -Parteien Haß und Gunst verwirrt, besonders in einer Zeit, die an Stelle -der litterarischen _Persönlichkeiten_ litterarische _Schulen_ setzt -und durch Schlagworte zu ersetzen sucht, was ihr an litterarischem -Verständnis abgeht. - - [1] Neben den Studien zur neueren Litteratur, die - Professor Erich Schmidt, Adolf Stern und Franz Muncker - veröffentlichten, sind vor allem das Buch B. Litzmann's - über das deutsche Drama der Gegenwart, sowie Alfred Bieses - Lyrische Dichtung und neuere deutsche Lyriker, Wolff's - Geschichte der deutschen Litteratur in der Gegenwart, - Adolf Bartels, Die deutsche Dichtung der Gegenwart, Edgar - Steiger, Das Werden des neuen Dramas, und Richard M. Meyers - Geschichte der deutschen Litteratur im 19. Jahrhundert, zu - nennen. - -Wir sagten, daß in 10 oder 20 Jahren das jetzt abgegebene Urteil -über unsere moderne Litteratur eine Wandlung erfahren wird, und -je weiter wir uns von der Gegenwart entfernen, destomehr wird die -zeitgenössische Kritik von der späterer Zeiten sich als unterschiedlich -erweisen. Sie wird ruhiger, objektiver ausfallen, aber sie braucht -darum nicht »richtiger« zu sein, denn der Wert eines Buches darf -nicht nur danach bemessen werden, daß es noch kommenden Geschlechtern -etwas zu sagen hat, er kann auch darin bestehen, daß es, allein -für seine Zeit geschrieben, auch nur dieser nützt. Da wir aber -die Litteraturgeschichte aus der Kulturgeschichte ausscheiden und -ihr eine selbständige Stellung -- ob mit Recht oder Unrecht, sei -dahingestellt -- angewiesen haben, so werden in ihr alle diejenigen -Werke zu kurz kommen, die allein für ihre Zeit berechnet und nur diese -fördernd, nicht künstlerischen Gehalt oder genügendes Interesse für -die Zukunft mitbringen. Noch ein weiterer Grund kommt hinzu, um die -Aufgabe der Litteraturgeschichte zu erschweren: der, daß niemand, -und sei er noch so belesen, in der Lage sein wird, ohne Anleihen -bei anderen zu machen, ein Urteil über die Litteratur, selbst eines -so begrenzten Zeitraumes, wie es der von 1880--1900 ist, abgeben -zu können. Denn um festzustellen, welcher Dichter und welches Werk -in diese Litteraturgeschichte aufzunehmen wären, müßte, unter der -Voraussetzung einer Befähigung, über alles urteilen zu können, ein -eingehendes Studium aller in dem betreffenden Zeitraum erschienener -Werke vorausgehen. Denn wie könnte jemand, der nicht das ganze Gebiet -beherrscht, wissen, ob er nicht das Wichtigste übersehen, ob ihm nicht -gerade das entgangen, auf das das meiste Gewicht zu legen wäre? Wäre -er allein in der Lage, auch nur über eine beschränkte Anzahl Werke ein -Urteil abzugeben, sie litterarisch zu werten, und könnte dies immer -unter Ausschaltung alles Persönlichen geschehen? Könnte er sich ganz -dem Einflusse entziehen, den auch ein minder gutes Buch ausüben kann, -das ihm persönlich mehr als den anderen zu sagen hat oder das in einer -Stimmung zur Hand genommen wurde, die es für ihn in einem besonderen -Lichte erscheinen ließ? Und wird derselbe Autor, der, 30 Jahre alt, -ein Werk kritisiert, mit 40 Jahren noch dasselbe Urteil über das Werk -abgeben? Ein persönliches Gepräge kann eine Litteraturgeschichte nur -in einzelnen Zügen tragen und auch diese müssen mit Vorsicht gegeben -und durch die Urteile sachverständiger Kritiker wenigstens kontrolliert -werden. Gerade weil selbst ein eng begrenztes Gebiet zu beherrschen -unmöglich ist, kann der Autor einer Litteraturgeschichte kaum etwas -anderes sein als ein Kompilator, der die abgegebenen Urteile in -litteraturgeschichtlichen und verwandten Büchern und Zeitschriften -abzuwägen, zu kontrollieren und aus ihnen das Facit zu ziehen hat. Er -wird nie, und wenn er seinen Namen noch so fett auf das Titelblatt -schreibt, ganz aus Persönlichem heraus eine Litteraturgeschichte -schreiben und sagen können: so denke ich über alle jene Werke, zu denen -ich in dem und dem Verhältnis stehe. - -Allerdings soll eine Litteraturgeschichte in ihrer Gesamtheit -mehr sein, als ein Sammelsurium von Urteilen, die Hinz und Kunz -über Bücher und Autoren abgeben und die Müller oder Schulze dann -»kontrollieren« und »abwägen«: eine Litteraturgeschichte muß vor -allem auf die geistigen Strömungen das Hauptgewicht legen, sie muß, -wenn sie Wert besitzen soll, uns zeigen, wie sich diese in dem -Kopfe des Verfassers darstellen, der bei einer Geschichte mehr auf -den geistigen Zusammenhang, auf die typischen Erscheinungen, als -auf ihre Repräsentanten zu achten hat. Die Geschichtsschreibung, -die nur die »Haupt- und Staatsaktionen« kannte und darstellte, -hat sich überlebt, die politische Geschichte von ehemals ist der -Kulturgeschichte gewichen, die versuchen muß, uns aus der Zeit heraus -die Erscheinungen zu erklären und verständlich zu machen. Von der -Litteraturgeschichte muß aber noch mehr gefordert werden. Vor allem -ist ihre Aufgabe, reinlich zu scheiden zwischen dem, was Mode, Reklame -und Marktschreierei, gute Freunde und getreue Nachbarn aus einem Autor -gemacht haben, und dem, was ihm an wirklichem Verdienste, nach seinem -Können, zukommt. Sie hat sich mit den schlechten Autoren, die den -litterarischen Geschmack einer Zeit _wesentlich_ beeinflussen, ebenso -abzufinden wie mit den guten, hat auch der _besonderen_ Beeinflussung -älterer Werke und Autoren, die für eine Zeit wieder lebendig geworden -sind, zu gedenken, sie muß -- und das nicht zuletzt -- auch gutzumachen -suchen, was an einem Autor gesündigt wurde, dessen Talent sich -mit jedem der durch Verlegerreklame und Cliquenwirtschaft bekannt -gewordenen »Jungen« und Modernen messen kann, der aber den Fehler -beging, nur seine Bücher und nicht auch seine Freunde und Vettern für -sich reden zu lassen. - - * * * * * - -Es bedarf wohl einer Erklärung, warum der vorliegende Abriß der -deutschen Litteraturgeschichte der Gegenwart mit dem Jahre 1880 und -nicht, wie dies sonst üblich, mit dem Tode Goethes (1832) oder dem -Ausbruche des deutsch-französischen Krieges (1870) beginnt. - -Das eine wie das andere Jahr kommt für die Litteratur wenig in -Betracht. Der Tod Goethes, wie der Ausbruch des Krieges waren rein -äußere Umstände: der erstere beendete nicht das goldene Zeitalter -unserer Litteratur, das mit dem Erscheinen des ersten Teils von Faust -sein Ende erreichte, und der letztere leitete keine neue Epoche unserer -Litteratur ein. Wenn es auch gefährlich ist, den Beginn einer neuen -Litteraturperiode durch ein bestimmtes Jahr festzulegen, so haben -doch, nach unserem Dafürhalten, die 80er Jahre mehr Berechtigung, als -Ausgangspunkt bei der Darstellung der modernen Litteratur angenommen zu -werden, als das Jahr 1870, das nicht einmal auf einem litterarischen -Gebiete -- der Kriegslyrik -- neue Blüten trieb, sondern nur politisch -von Bedeutung ist. Nimmt man ein bestimmtes Jahr zum Ausgangspunkt -an, so entsteht die Frage, inwieweit sich ein Zurückgreifen auf die -vorhergehenden Jahre zum besseren Verständnisse des angesetzten -Jahres notwendig macht. Litterarische Erscheinungen wie Freytag und -Spielhagen -- um Beispiele aus der modernen Litteratur anzuführen -- -hatten ihren Vorläufer in Gutzkow, wie Heyse's Schaffen schließlich auf -Goethe zurückführt. Und noch eine andere Schwierigkeit erwächst dem -Litterarhistoriker bei der Darstellung eines bestimmten, engbegrenzten -Zeitraumes. Heyses, Spielhagens und Freytags litterarische Bedeutung -und Erfolge -- um bei den einmal Genannten zu bleiben -- gehören -einer vergangenen Periode an, sie waren es nicht, die der neueren -Litteratur den Stempel aufdrückten und auch ihr eigenes litterarisches -Charakterbild erhielt durch ihre späteren Schöpfungen keine neuen Züge. -Das trifft selbst bei einem Autor wie Spielhagen zu, der sich wie kaum -ein anderer unter den Alten bemüht hat, die neue Zeit zu verstehen und -mit ihr zu paktieren, aber doch immer der alte Spielhagen der 70er -Jahre blieb. - -Die älteren Dichter sind daher in dem vorliegenden Abriß nur -stiefmütterlich behandelt worden, eine Taktik, die auch darauf -zurückzuführen ist, daß es nicht schwer hält, sich über sie anderenorts -zu informieren. Wir wollten vor allem den geringen Raum, der uns zur -Verfügung steht -- das Werkchen ist ein etwas erweiterter Abdruck -aus dem »Buchhändler-Kalender für 1900« -- benutzen, um auf die -»neuesten und allerneuesten« Dichter aufmerksam zu machen. Daß wir -auch hier nur Einzelbilder und Einzelerscheinungen herausgreifen -konnten und auf eine Darstellung der _Entwickelung der neuesten -Litteratur_ verzichten mußten, findet gleichfalls seine Erklärung in -der uns auferlegten räumlichen Beschränkung. Sie verführte auch, im -Gegensatze zu unserer Anschauung, daß eine Litteraturgeschichte nicht -nur die schöngeistigen Schriften, sondern das gesamte Geistesleben zu -umfassen hat, soweit es seinen Ausdruck in der Litteratur findet und -nicht rein fachwissenschaftlicher Natur ist, zu einer ausschließlichen -Berücksichtigung der Belletristik, so daß man Namen wie: Büchner, -Eduard v. Hartmann, Friedrich Nietzsche, Schopenhauer, Stirner, -Gregorovius, Treitschke, Sybel, Ranke, Mommsen, Schäffle, Ihering, -Erich Schmidt, Paul de Lagarde, Karl Hillebrand, Victor Hehn, Herman -Grimm, Otto Gildemeister, Bamberger, Fürst Bismarck, Richard Wagner u. -a., in den »Charakteristiken« nicht begegnen wird, so sehr sie Anspruch -auf Aufnahme in eine moderne Litteraturgeschichte haben. Dagegen wird -man es in einer speciell für Buchhändler, Litteraten etc. bestimmten -Litteraturgeschichte gerechtfertigt finden, daß wir nicht sowohl den -Versuch einer Charakteristik der litterarischen und verwandten Blätter -unternommen, als auch auf den Anteil hingewiesen haben, der dem -Verlagsbuchhandel an der Entwicklung unserer Litteratur zukommt. - -Was die in den »Charakteristiken« angeführten Dichter betrifft, so -wird gewiß schon im kommenden Jahrzehnt eine ganze Reihe in der -Versenkung verschwinden und anderen Platz machen müssen, die jetzt -bescheiden bei Seite stehen, unbeachtet von der Kritik und dem großen -Publikum. Ihr Ruhm wird dauernder sein als der unserer litterarischen -Tagesgrößen, wenn auch eine Litteraturgeschichte so geringen Umfangs -und mit so bescheidenen Aufgaben wie die vorliegende, nur vorsichtig -für einzelne von ihnen eintreten kann. Denn auf die Freude, gerade den -_Könnern_ ohne Anhang in der Presse und im Publikum zu ihrem Rechte zu -verhelfen, muß der Verfasser eines Werkchens verzichten, das seiner -ganzen Anlage nach nur für die Gegenwart berechnet, keine Umwertung der -jetzigen litterarischen Werte vornehmen kann, sondern allein den Zweck -verfolgt, über die bekannteren Schriftsteller und ihre Werke ein paar -orientierende Notizen zu geben, mit denen sich die Benutzer besser im -litterarischen Leben zurechtfinden können. - - _Leipzig_, März 1900. - - =Emil Thomas.= - - - - -Inhaltsverzeichnis. - - - Seite - - _Vorwort_ 5 - - _Überblick_ 18 - - _Charakteristiken_: - - _Die Romanciers der alten Schule_ 29 - - Gustav Freytag. -- Friedrich Spielhagen. -- Berthold - Auerbach. -- Luise von François. - - _Die großen Novellisten der 70er und 80er Jahre_ 32 - - Conrad Ferd. Meyer. -- Gottfried Keller. -- Theodor - Storm. -- Paul Heyse. - - _Die Formtalente der alten Schule_ 35 - - Emanuel Geibel. -- Friedr. v. Bodenstedt. -- Adolf - Friedr. Graf v. Schack. -- Rob. Hamerling. -- Albert - Moeser. -- Heinr. Vierordt. - - _Lyriker und Epiker der 70er und 80er Jahre_ 37 - - Julius Grosse. -- Martin Greif. -- Joh. Georg Fischer. - -- Friedr. Wilh. Weber. -- Friedrich Theod. Vischer. -- - Wilh. Jordan. -- Hermann Lingg. -- Stephan Milow. -- - Ludwig Eichrodt. -- Hermann Allmers. -- Robert Waldmüller. - -- Rudolf Bunge. -- Adolf Brieger. -- Heinrich - Bulthaupt. -- Julius Rodenberg. -- Karl Weitbrecht. - -- Eduard Paulus. -- Isolde Kurz. - - _Die neuzeitlichen Romantiker_ 43 - - Otto Roquette. -- Oskar von Redwitz. -- Heinrich Steinhausen. - -- Wilhelm Hertz. - - _Die Dichter mit dem Erdgeruch_ 44 - - Klaus Groth. -- Ludwig Anzengruber. -- Theod. Herrmann - Pantenius. -- Peter Rosegger. -- Karl Stieler. - -- Hermann von Schmid. -- Maximilian Schmidt. -- - Ludwig Ganghofer. -- Arthur Achleitner. -- Johann - Meyer. -- Joh. Heinr. Fehrs. -- Timm Kröger. -- Heinr. - Hansjakob. -- Hermine Villinger. -- Clara Viebig. -- - Adolf Bartels. -- Charlotte Niese. -- Ilse Frapan. -- - August Sperl. -- Heinrich Sohnrey. - - _Die Kulturnovellisten_ 49 - - Wilhelm Heinrich Riehl. -- Karl Emil Franzos. -- Leopold - Kompert. -- Leopold von Sacher-Masoch. - - _Die Dichter-Archäologen_ 50 - - Georg Ebers. -- Felix Dahn. -- Ernst Eckstein. -- - George Taylor. -- Oskar Linke. - - _Die Dramatiker der alten Schule_ 52 - - Rudolf v. Gottschall. -- Hans Herrig. -- Arthur Fitger. - -- Heinrich Kruse. -- Albert Lindner. - - _Die sogenannten Lustspieldichter_ 53 - - Oskar Blumenthal. -- Hugo Lubliner. -- Gustav von - Moser. -- Adolf L'Arronge. - - _Die Übergangstalente_ 54 - - Hans Hopfen. -- Wilhelmine von Hillern. -- Karl - v. Heigel. -- Karl Frenzel. -- Adolf Stern. -- Ferdinand - von Saar. -- Heinrich von Reder. - - _Vaganten und Spielmänner_ 56 - - Josef Victor von Scheffel. -- Rudolf Baumbach. -- - Julius Wolff. - - _Die Goldschnittlyriker der 80er Jahre_ 57 - - Karl Gerok. -- Julius Sturm. -- Albert Traeger. -- - Emil Rittershaus. - - _Die Beschaulichen_ 58 - - Wilhelm Raabe. -- Wilhelm Busch. -- Hans Hoffmann. - -- Heinrich Seidel. -- Victor Blüthgen. - - _Die Behaglichen_ 60 - - Julius Stinde. -- Johannes Trojan. -- Julius Lohmeyer. - -- Edwin Bormann. -- Georg Bötticher. -- Hans - Arnold. - - _Die Dichter der Dekadenz_ 61 - - Dranmor. -- Eduard Grisebach. -- Emil Prinz von - Schönaich-Carolath. -- Hieronymus Lorm. -- Alberta - von Puttkamer. -- Ada Christen. - - _Die Marlitt und ihre Schule_ 63 - - E. Marlitt. -- W. Heimburg. -- E. Werner. -- Marie - Bernhard. -- Nataly von Eschstruth. - - _Die »Jüngstdeutschen« und ihre Vorkämpfer_ 64 - - Karl Bleibtreu. -- Michael Georg Conrad. -- Hermann - Conradi. -- Konrad Alberti. -- Heinrich Hart. -- Julius - Hart. -- Hermann Heiberg. -- Max Kretzer. -- Wilhelm - Walloth. -- Wilhelm Arent. -- Wolfgang Kirchbach. - - _Socialistische Lyriker_ 67 - - Arno Holz. -- Karl Henckell. -- Maurice Reinhold - Stern. -- John Henry Mackay. -- Bruno Wille. - - _Die Nationalen_ 69 - - Adolf Pichler. -- Karl Pröll. -- Fritz Lienhard. -- - Anton Ohorn. -- Anton Aug. Naaff. -- Ottomar - Beta. -- Adolf Graf v. Westarp. -- E. Bauer. -- - Carl Kerstan. - - _Die großen neuzeitlichen Erzähler_ 71 - - Theodor Fontane. -- Wilhelm Jensen. -- Marie von - Ebner-Eschenbach. -- Adolf Wilbrandt. -- Richard Voß. - - _Realistische Erzähler_ 73 - - Ernst von Wolzogen. -- Konrad Telmann. -- Alexander - von Roberts. -- Georg v. Ompteda. -- Wilhelm v. Polenz. - -- Ad. Schmitthenner. -- Karl v. Perfall. -- Anton - v. Perfall. -- Oscar Mysing. -- Richard Nordhausen. -- - J. J. David. -- Felix Hollaender. -- Heinz Tovote. - - _Die Unterhaltungstalente_ 77 - - Ernst Wichert. -- August Niemann. -- Gerhardt von - Amyntor. -- Otto v. Leixner. -- Fritz Mauthner. -- - Theophil Zolling. -- Rudolf Stratz. -- Hans Land. - -- Wilh. Wolters. -- Franz v. Königsbrun-Schaup. - -- Fedor von Zobeltitz. -- Hanns von Zobeltitz. -- - Ida Boy-Ed. -- A. v. d. Elbe. -- Claire Glümer. -- - Sophie Junghans. -- Luise Westkirch. - - _Romanciers des ~High-life~_ 81 - - Rudolf Lindau. -- Ossip Schubin. -- Baron Carl - Torresani. -- Johannes Richard zur Megede. -- Bertha - von Suttner. - - _Die Feuilletonisten_ 82 - - Paul Lindau. -- Max Nordau. -- Julius Langbehn. -- - Emil Peschkau. -- Balduin Groller. -- Ferdinand - Groß. -- Hermann Bahr. -- Maximilian Harden. - - _Die Industriellen_ 84 - - Gregor Samarow. -- Alfr. Friedmann. - - _Die dramatischen Hauptmänner_ 85 - - Ernst von Wildenbruch. -- Gerhart Hauptmann. -- - Hermann Sudermann. - - _Die kleineren Dramatiker der Neuzeit_ 88 - - Max Halbe. -- Ludwig Fulda. -- Arthur Schnitzler. -- - Josef Lauff. -- Felix Philippi. -- Max Dreyer. -- - Josef Ruederer. -- Caesar Flaischlen. -- Otto Erich - Hartleben. -- Philipp Langmann. -- Ernst Rosmer. -- - Georg Hirschfeld. - - _Tendenzfreie Lyriker der jüngsten Zeit_ 91 - - Detlev von Liliencron. -- Gustav Falke. -- Carl - Busse. -- Ludwig Jacobowski. -- Richard Zoozmann. -- - Reinhold Fuchs. -- Jeannot Emil Freiherr v. Grotthuß. -- - Ricarda Huch. -- Alfred Beetschen. -- Hans Bethge. -- - Anna Ritter. -- Johanna Ambrosius. -- Ludwig - Palmer. -- Gustav Renner. - - _Philosophische und polemische Dichter_ 94 - - Ferdinand Avenarius. -- Wilhelm Weigand. -- Otto - Ernst. -- Carl Spitteler. -- Josef Viktor Widmann. -- - Christian Wagner. -- Wilhelm Bölsche. -- Walther - Siegfried. -- Benno Rüttenauer. - - _Die Amazonen des Geistes_ 97 - - Marie Eugenie delle Grazie. -- Helene Böhlau. -- Anna - Croissant-Rust. -- Maria Janitschek. -- Emil Marriot. -- - Hermione von Preuschen. -- Lou Andreas-Salomé. -- - Gabriele Reuter. -- Anselm Heine. -- Hans von Kahlenberg. - -- Elsa Asenijeff. - - _»Artisten«, Symbolisten und Unverstandene_ 99 - - Johannes Schlaf. -- Otto Julius Bierbaum. -- Franz - Evers. -- Stanislaw Przybyszewski. -- Richard Dehmel. - -- Frank Wedekind. -- Wilhelm von Scholz. -- Felix - Dörmann. -- Hugo v. Hofmannsthal. -- Hugo Salus. - -- Peter Altenberg. -- Stephan George. -- Alfred - Mombert. -- Paul Scheerbart. - - _Nationale Jungösterreicher_ 103 - - Arthur von Wallpach. -- Franz Herold. -- Hermann - Hango. -- Josef Kitir. -- Oskar Weilhart. -- Franz - Adamus. -- Emil Ertl. -- Heinrich v. Schullern. -- - Hanns Weber-Lutkow. -- Hugo Greinz. - - _Zur Charakteristik litterarischer und verwandter - Blätter_ 106 - - _Der Verlagsbuchhandel und sein Anteil an der - Litteratur der Gegenwart_ 118 - - _Register der in den »Charakteristiken« angeführten - Namen_ 133 - - - - -Überblick. - - -Der deutsch-französische Krieg 1870/71 erfüllte das Sehnen der -Nation nach Einheit und Macht unter einem neuen deutschen Kaisertum: -eine neue Litteratur brachte er nicht. Selbst die Kriegslyrik trieb -nur wenig neue Blüten; Schlag auf Schlag war draußen in Frankreich -erfolgt, und ehe man Zeit fand, den jungen Ruhm dichterisch zu -verherrlichen, war der Friede geschlossen. Was sehnsüchtig die Besten -der Nation herbeigewünscht, war in Erfüllung gegangen, aber nach dem -jahrzehntelangen Warten stand man zu plötzlich am Ziel, um die Wandlung -begreifen zu können. In den Kabinetten war der Krieg beschlossen -worden, die Volksseele hatte wenig Teil an ihm. Auch die Errichtung -des deutschen Kaisertums war mehr ein Akt der Diplomatie, als der -Ausfluß jenes Sehnens, das im Volke lebte und dessen Erfüllung man -kaum noch erhoffte, als sie schon eingetreten war. Die wenigen großen -Dichter, die wir um jene Zeit besaßen, waren in ihrer Entwicklung -bereits abgeschlossen, als Bismarck Deutschland in den Sattel hob. -Paul Heyse war zu sehr Künstler, Ästhetiker, als daß von ihm eine -nationale Kunst ihren Ausgang nehmen konnte. Seine Sehnsucht ging mehr -nach dem sonnigen Italien oder dem schönheitstrunkenen Hellas, als -nach dem neuen Deutschen Reiche. Berthold Auerbach hatte sein Bestes -schon geleistet und Gustav Freytags altfränkisch-philiströse Kunst -fand sich ebensowenig im neuen Deutschland zurecht, wie Friedrich -Spielhagens politisches Glaubensbekenntnis. Die beiden Schweizer -Gottfried Keller und Conrad Ferd. Meyer standen zu weit ab vom -Deutschen Reiche, um wirklichen Einfluß auf sein nationales Leben zu -gewinnen. So verklang das Lied vom »Grünen Heinrich« in der Ferne und -erst viel später wurde seine Melodie wieder gehört. Conrad Ferd. Meyers -feinciselierte Kunst war nie Volkskunst, ihr Einfluß blieb auch später -auf Litteraten- und Künstlerkreise beschränkt. Das Volk trug kein -Verlangen nach Kunst; was es suchte, war Unterhaltung -- Genuß. Die -Milliarden kamen ins Land und ein toller Taumel erfaßte alle Kreise: -wer früher Wasser getrunken, berauschte sich jetzt in Champagner. -Die Gründerperiode war angebrochen, das Gold übte seine Zauberkraft, -alles in seinen Bann ziehend und alle anderen als vitale Interessen -ertötend. Oskar Blumenthal und Paul Lindau, Namen, die heute schon vom -litterarischen Schauplatz verschwunden sind, feierten ihre Triumphe, -und das eroberte Paris war es, das seine litterarischen Schatzkammern -öffnete und dem neuen Reich auch die »neue Kunst« gab. Sie war auch -danach und ihrer Vertreter würdig. Die beiden Litteraturpäpste an der -Spree waren aus dem Journalismus hervorgegangen. Beide suchten mit -Pamphleten schlimmster Sorte ihr Ansehen zu begründen. Den »Allerlei -Ungezogenheiten« des »blutigen Oscar« traten die »Litterarischen -Rücksichtslosigkeiten« Lindaus ebenbürtig zur Seite. Alles, was in -Deutschland einen Namen besaß, verfiel ihnen und wurde mit Spott -und Hohn überschüttet. Paris war die Parole. Hatte das kriegerische -Frankreich keine Lorbeeren gepflückt, so fielen sie jetzt dem -künstlerischen Frankreich überreich in den Schoß. Selbst vor dem -Kriege war die Abhängigkeit von unseren westlichen Nachbarn nicht so -groß wie nach der Wiedergeburt Deutschlands, das sich erst auf seine -Machtstellung besinnen mußte. Irregeleitet von falschen Propheten, die -ihre Lehrjahre in Paris durchgemacht hatten, wußte das Volk nichts -Besseres, als der leichtgeschürzten gallischen Muse zuzujubeln und ihre -Kinder für den Inbegriff des Schönen und Wahren hinzustellen. - -Die Zeiten des Kulturkampfes waren der Entwickelung der deutschen -Dichtung wenig günstig, die Handvoll wirklicher Poeten, die Deutschland -besaß, ging unverstanden ihre Wege und viel später erst fand sie -Anerkennung. Die Gründerperiode hatte bald abgewirtschaftet, der Krach -kam, der Champagnerrausch verflog und nur der Katzenjammer blieb -zurück. Damals wurde Schopenhauer Mode. Sein Schüler Grisebach sang -seine Tannhäuserlieder, die die Stimmung des Volkes widerspiegeln, -das von Genuß zu Genuß taumelt, bis ihm erwachend der Ekel kommt. -Eine Zeit der Nüchternheit und Niedergeschlagenheit folgte den tollen -Jahren, eine Zeit, in der die Litteratur auf die Zuneigung der höheren -Töchter angewiesen war. Die Poesie flüchtete in die Gelehrtenstuben und -drapierte sich malerisch mit griechischen und ägyptischen Gewändern, -um sich ein besonderes Air zu geben. Es waren die Erntejahre der -Dahn und Ebers. In ihrem Gefolge erschienen die Scheffel, Wolff und -Baumbach und ließen ihre Spielmannsweisen ertönen. Die Romantik hat -den Deutschen immer im Blute gesteckt und sie sollte auch im neuen -Deutschen Reiche nicht zu kurz kommen. Was ihre Vertreter an gutem -Geschmack noch übrig ließen, das richteten die Gartenlaube-Talente vom -Schlage der Marlitt zu Grunde. Wohl hatte Storm bereits seine schönsten -Lieder gesungen, Wilh. Raabe, Anzengruber und Rosegger waren bei der -Arbeit und andere kleinere Talente ihnen gefolgt, aber was vermochten -sie gegen die Protegés der höheren Töchter in einer Zeit, die die Kunst -nur als angenehme Zugabe zum Leben betrachtete und keine Dichter haben -wollte? - -In dieser Zeit des Niederganges erstand dem litterarischen Deutschland -ein Retter in einer Gruppe junger Schriftsteller, die dem allmählichen -Versanden der Litteratur nicht länger teilnahmslos zusehen wollte. -Sie empfand tief die Mißachtung, die man dem einheimischen Schrifttum -entgegegenbrachte, eine Mißachtung, an der nicht sowohl das Publikum -als auch die Litteratur selbst schuld war. Die erste Streitschrift -»Kritische Waffengänge«, die der »neuen Litteratur« die Wege bahnen -sollte, ging von den Gebrüdern Hart aus. - -In einem einleitenden Aufsatze: »Wozu, wogegen, wofür?« entwickeln sie -ihr Programm: Sie wollen aufräumen mit dem eklektischen Dilettantismus, -der sich breit macht, mit dem um sich fressenden Kastratentum der -Kritik. Sie wollen Platz machen für bessere und edlere Geister, weil -sie nicht an einen Niedergang der Litteratur glauben können und wollen. - -»Hinweg also mit der schmarotzenden Mittelmäßigkeit, hinweg alle -Greisenhaftigkeit und alle Blasiertheit, hinweg das verlogene -Recensententum, hinweg mit der Gleichgiltigkeit und hinweg mit allem -sonstigen Geröll und Gerümpel. Reißen wir die jungen Geister los aus -dem Banne, der sie umfängt, machen wir ihnen Lust und Mut, sagen wir -ihnen, daß das Heil nicht aus Ägypten und Hellas kommt, sondern daß sie -schaffen müssen aus der germanischen Volksseele heraus, daß wir einer -echt nationalen Dichtung bedürfen, nicht dem Stoffe nach, sondern dem -Geiste, daß es wieder anzuknüpfen gilt an den jungen Goethe und seine -Zeit, und daß wir keine weitere Formenglätte brauchen, sondern mehr -Tiefe, mehr Glut, mehr Größe.« - -Und nun kommen die kritischen Abschlachtungen. Im ersten Heft muß -der Dramatiker Heinrich Kruse herhalten, im zweiten wird Paul Lindau -vorgenommen. Ihm folgen Hugo Bürger (Hugo Lubliner) und Albert -Träger. Das vierte Heft enthält eine Beleuchtung des »Deutschen -Theater« L'Arronges; im fünften wird Graf Schack gelobt und zum Schluß -Spielhagen und dem deutschen Roman der Gegenwart näher oder besser zu -nahe getreten. -- Den »Kritischen Waffengängen« folgte die Arent'sche -Anthologie »Moderne Dichtercharaktere«, der sich Karl Bleibtreu mit -seiner Broschüre: »Revolution der Litteratur« anschloß. Um den »Jungen« -ein Organ zu schaffen, in dem sie ihre Meinungen ungeschminkt zum -Ausdruck bringen konnten, gründete M. G. Conrad in Gemeinschaft mit -Bleibtreu »Die Gesellschaft«. Sie wurde bald der Mittelpunkt einer -Anzahl junger Schriftsteller, unter denen sich neben den Herausgebern -Hermann Conradi, Wilhelm Walloth, Konrad Alberti bemerkbar machten. - -Wie bei jeder neuen Kunstrichtung schoß man auch hier über das Ziel -hinaus, und in dem Bestreben, alles Bestehende über den Haufen zu -werfen oder doch zu reformieren, wurde man ungerecht und was noch -schlimmer war, roh. Dazu kam, daß man an Stelle der alten Kunst zwar -ein neues _Programm_, aber keine neue _Kunst_ setzen konnte. Auch da -mußte Frankreich aushelfen. Der den Deutschen verwandte Meister Zola -zog die Jüngsten in seinen Bann, und wie helle Fanfarenstöße klang -sein Name in das Lager der »Alten«. Wahrheit und Natur waren die -Schlagworte, mit denen man der Romantik zu Leibe ging. Die Großstadt -mit ihrer Pracht und ihrem Elend wurde entdeckt, die Kellnerinnen und -Dirnen in die Litteratur eingeführt und die vielgliedrige sociale Frage -der Belletristik einverleibt. Aber dem großen Wollen entsprach nur -ein geringes Können. Bleibtreu suchte den Satz zu erweisen, das Genie -sei der Fleiß, und schrieb unermüdlich Band auf Band, M. G. Conrad -schuf seine Münchener Großstadt-Romane nach Zola'schem Recept, Konrad -Alberti wählte sich Berlin zum Schauplatz seiner socialen Romane und -Hermann Conradi stammelte brünstige Lieder und »Phrasen«. Daneben -sangen Arno Holz und Karl Henckell ihre Proletarierlieder, bei denen -Geibel und Herwegh Pate gestanden, Liliencron sattelte seinen Pegasus -zu den »Adjutantenritten« und Hermann Heiberg schrieb seinen »Apotheker -Heinrich«. - -So beachtenswert auch einzelne Leistungen waren, so wenig konnte das -Gesamtbild befriedigen. Die neuen Stoffe besaß man wohl, aber die -Künstler fehlten, sie zu gestalten. Auch sonst kam noch manches hinzu, -was wenig geeignet war, der neuen Kunst Anhänger zuzuführen. Ästhetisch -feiner empfindende Naturen fühlten sich abgestoßen von dem Gebahren -der Jüngstdeutschen, die den weichen Künstlerschlapphut der Münchener -Schule ostentativ mit der Ballonmütze des Proletariers vertauschten -und in der Art sich zu geben vieles zu wünschen übrig ließen. Die -Unzulänglichkeit in der Bewältigung der neuen Stoffe führte wieder zu -einer Anlehnung an das Ausland. Dank den »Gründer«-Übeln übersah man -Dichter wie _Otto Ludwig_ und vor allem _Friedrich Hebbel_, die zwar -noch keine socialistische und Kellnerinnen-Litteratur geschaffen, -aber den _natürlichen Übergang_ von der alten zur neuen nationalen -Kunst darstellen. Ibsen und Tolstoi, denen sich Strindberg, Björnson, -Dostojewskij u. a. zugesellten, wurden vielmehr neben Zola die großen -Vorbilder, denen die Jüngstdeutschen nacheiferten. An Ibsen bewunderte -man die Kühnheit, mit der er an alle ererbten Institutionen und -Anschauungen herantrat und ihre Fäulnis und Verderbtheit aufdeckte. -Und daneben lag in dem »Wunderbaren«, auf das der große Prophet des -Nordens hinwies, ein eigener Zauber, der ebenso gefangen nahm, wie -die Lehre von dem Erbarmen mit dem Elend der Gegenwart, die Tolstoi -verkündete. Ibsen besonders hat das große Publikum mit dem Denken -und Empfinden der Modernen vertraut gemacht: die Hunderttausende von -Exemplaren, die Reclam von seinen Stücken in die Welt sandte, predigten -das neue Evangelium der Kunst. Neben ihm aber war ein anderer Prophet -aufgetreten, der über Stirner noch hinausgehend, die Philosophie des -Egoismus predigte und das »robuste Gewissen« verherrlichte: Friedrich -Nietzsche. Der Sklavenmoral des Christentums setzte er die Herrenmoral -des »Uebermenschen« gegenüber und wenn er auch kein System auf- und -ausgebaut hat, so hat seine Lehre doch den stärksten Einfluß auf die -jüngste Dichtergeneration ausgeübt, die sich an seinen großen Worten -berauschte und das von ihm verherrlichte Übermenschentum für sich zu -pachten suchte.[2] - - [2] Die Gebrüder Hart hatten in ihren »Kritischen Waffengängen« - die Forderung aufgestellt: die deutschen Dichter müßten - »aus der germanischen Volksseele heraus schaffen«; ihre - modernen Mitstürmer aber vermochten, wie oben ausgeführt, - die Stoffe, die in der deutschen Volksseele lebten, weder - zu erfassen, noch zu gestalten. Sie verfielen vielmehr der - krassesten Ausländerei und befriedigten ihren germanischen - Litteraturdrang dadurch, daß sie gehorsam zu den Füßen - der Franzosen, Russen und Norweger saßen. Gegen diese - Versumpfung der »litterarischen Revolution« und »Moderne« - trat eine Bewegung auf, die das »Nationale« wieder in den - Vordergrund zu schieben und eine »Heimatkunst« zu schaffen - suchte. Politisch schloß sie sich an die Deutschbewegung in - Österreich und den russischen Ostseeprovinzen an und fand - ihren stärksten Ausdruck in dem von Erwin Bauer gegründeten - »Zwanzigsten Jahrhundert«, zu dessen Mitarbeitern - Karl Pröll, Adolf Graf Westarp, Fritz Lienhard, Oskar - Linke, Jeannot Emil von Grotthuß u. a. gehörten. Diese - »nationale« Litteratur-Bewegung verfiel jedoch sehr bald - dem politischen Antisemitismus und verlor dadurch den - Einfluß auf die deutsche Jugend ebenso rasch, wie sie ihn - gewonnen hatte. Erst in den letzten Jahren sind diese - Bestrebungen, wenn auch in etwas veränderter Form, von - Ferdinand Avenarius, Adolf Bartels, Fritz Lienhard u. - a. im »Kunstwart« und neuerdings in der »Heimat« wieder - erfolgreich aufgenommen worden. - -War es um die Litteratur im allgemeinen schon schlecht bestellt, -so hatte das deutsche Theater im besonderen unter dem Tiefstand -des litterarischen Interesses und des herrschenden Geschmacks zu -leiden. Erst Richard Wagners Schöpfung des musikalischen Dramas -erinnerte daran, daß die Bühne anderen Zwecken zu dienen habe als -der Darstellung französischer Possen und Zoten. Seine Dramen ließen -die Vergangenheit wieder aufleben, in seinen stolzen Reckengestalten -und heldenmütigen Frauen zeigte der Dichter-Komponist wieder Ideale, -an die der Glaube längst abhanden gekommen. Aber Wagners Bedeutung -liegt mehr auf musikalischem als dichterischem Gebiete und auf die -große Menge hat seine Kunst kaum Einfluß gewonnen. Zudem waren die -Wagnerianer, die heute eine Welt darstellen, damals wenig mehr als -eine kleine Fanatikergemeinde. Von der jüngeren Generation war -Wildenbruch der erste, der sich die Bühne mit seinen Stücken eroberte, -in denen er dramatisch das Ergebnis der neuen Gestaltung Deutschlands -zu ziehen suchte. Er schuf eigenartige Charakterbilder aus der -brandenburg-preußischen Geschichte und das Schillersche Pathos, das er -anschlug, gewann ihm die Gunst des Publikums im Fluge. Das eigentliche -Drama der Gegenwart aber, das seinen Stoff dem modernen socialen Leben -entnimmt, brachte der neuen Zeit zuerst Sudermann in seiner »Ehre«. -Sie leitete eine neue Epoche unseres Litteraturlebens ein, nicht -ihres künstlerischen Gehaltes wegen, sondern durch die Anteilnahme an -dem dichterischen Schaffen unserer Tage, die sie in den Kreisen des -Publikums weckte. Auf die unbestrittenen Erfolge Sudermanns folgten -die lärmenden Kundgebungen, mit denen man die ersten Schöpfungen -Hauptmanns empfing, die noch ganz unter dem Einflusse Ibsens standen. -Andere jüngere Talente, wie Halbe, Fulda, Hartleben schlossen sich -an. Durch sie und die späteren Triumphe Hauptmanns wurde die Bühne -dem Naturalismus dauernd gewonnen: die Jüngsten hatten gesiegt, wenn -auch auf einem anderen Plane als dem zuerst ins Auge gefaßten. Ihr -Augenmerk war ursprünglich auf die Regeneration des Romans gerichtet, -dem sie neue Stoffgebiete zu erschließen suchten. In Wirklichkeit war -es nur die Technik, die eine Umgestaltung erfuhr, denn auch die Dichter -der alten Schule, Spielhagen, Heyse, um nur zwei der noch lebenden -zu nennen, hatten aus ihrer Zeit geschöpft und versucht, ein Bild -derselben zu geben. - -Das unbestrittene Verdienst der neuen Schule ist die stärkere -Anteilnahme der Litteratur am Leben der Gegenwart, dessen Erscheinungen -sie festzuhalten und künstlerisch zu gestalten sucht. Schon beginnt -das Interesse für den romanischen Süden dem Zug nach dem germanischen -Norden zu weichen und an Stelle der »Internationalität« sucht man -wieder die volkstümlichen Grundlagen unserer Kunst auf: die Heimat und -ihre Vergangenheit. Diese Errungenschaften der letzten Jahre werden -durch die blutlose Nervenpoesie der Symbolisten, Neurotiker, Esoteriker -und wie die neuen Kunstjünger alle heißen, kaum gefährdet werden, das -bloße Spielen mit Inhalt und Form, das »halbe heimliche Empfinden« -wird Menschen mit ganzem gesunden Empfinden schwerlich in seinen Bann -ziehen. Denn wenn man auch von dem echten Dichter verlangt, daß er -die ganze Empfindungsklaviatur beherrscht, also auch die »schwarzen -Tasten«, die »halben Töne« kennt, so darf doch nicht vergessen werden, -daß diese immer nur _den_ Wert haben, _die Gefühls- und Gedankenwelt -des Dichters_ zu besserem, stärkerem Ausdruck zu bringen. Denn auf -_diese_, nicht auf die Technik kommt es an, so sehr auch die letztere -die Absichten des Dichters zu unterstützen vermag. Verheißungsvoll -für das Gedeihen unserer Litteratur ist die Rückkehr vom Ausland und -seinen Vorbildern zur Heimat, zu Goethe und die Annäherung an die -Kunstprinzipien der Vergangenheit: nur in dem Kompromiß des Alten mit -dem Neuen kann für die nächste Zukunft das Heil der deutschen Dichtung -erblickt werden. - - - - -Die Romanciers der alten Schule. - - -=Gustav Freytag=, geb. am 13. Juli 1816 zu Kreuzburg, gest. am 30. -April 1895, wird als der Dichter des deutschen Bürgertums gefeiert. -Selbst durch die besten Werke, die er geschaffen, geht ein leiser -philiströser Zug, den er vielleicht seiner Stellung als Privatdocent -in Breslau verdankt. Fast allen Büchern Freytags sieht man an, daß -ihr Verfasser Kulturhistoriker ist, der sein Material gewissenhaft -zusammenträgt, ehe er an die Ausarbeitung eines Werkes geht. Fr., ein -ausgesprochenes Erzählertalent, begann seine litterarische Laufbahn -als Lyriker und Dramatiker. Sein erstes Stück führte den Titel »Die -Brautfahrt«, ihm folgten die Gedichte: »In Breslau«, die Schauspiele -»Die Valentine« und »Graf Waldemar«. Im Jahre 1848 übernahm er in -Gemeinschaft mit dem Litterarhistoriker Julian Schmidt die Redaktion -der »Grenzboten«, die er durch fast 25 Jahre fortführte. Seiner -Beschäftigung mit Politik und Presse verdankt das nicht gerade -tiefgehende Lustspiel: »Die Journalisten« seine Entstehung, das einen -großen und dauernden Erfolg errang, der seinem nächsten, der Gegenwart -abgewandten Drama: »Die Fabier« nicht beschieden war. 1855 entstand das -Hohelied des deutschen Kaufmannes: der Roman »Soll und Haben«, nach dem -Recept geschrieben, das Julian Schmidt aufgestellt hatte: »Der Roman -soll das Volk da suchen, wo es in seiner Tüchtigkeit zu finden ist: -nämlich bei der Arbeit«. Das nächste Werk: »Die verlorene Handschrift« -spielt in Professorenkreisen und gewann ihm die Herzen der akademischen -Jugend. Seine kulturhistorischen Forschungen legte F. in den »Bildern -aus der deutschen Vergangenheit« nieder. Acht Jahre hat er dann an den -»Ahnen«, einer Art historischen Familienromans, geschrieben, von dem -jedes Jahr einen neuen Band brachte. 1. »Ingo«, 2. »Ingraban«, 3. »Das -Nest der Zaunkönige«, 4. »Die Brüder vom deutschen Hause«, 5. »Marcus -König«, 6. »Der Rittmeister von Alt-Rosen«, 7. »Der Freierkorporal -bei Markgraf Albrecht«, 8. »Aus einer kleinen Stadt«. Das ganze Werk, -dessen Schauplatz nach Thüringen verlegt ist, sollte die Wandlungen -des deutschen Volkes darstellen: mit jedem Bande geht es mehr der -Gegenwart entgegen, bis die Sammlung, mit dem Jahre 350 beginnend, -mit einer Erzählung aus dem 19. Jahrhundert ihren Abschluß erreicht. -Eine »Technik des Dramas«, die ihn als feinen Kenner der dramatischen -Praxis zeigt, verdient noch Erwähnung, sowie eine Lebensbeschreibung -Karl Mathys' und die mit geteilten Empfindungen aufgenommene Schrift: -»Der Kronprinz und die deutsche Kaiserkrone«. Sein Leben und Schaffen -beschrieb der Dichter selbst in den »Erinnerungen aus meinem Leben.« - -=Friedrich Spielhagen=, geb. 24. Febr. 1829 in Magdeburg, ist der -Dichter der Reaktion, jener Zeit, die dem tollen Jahre folgte; seine -Romane suchen vor allem die Erscheinungen der Zeit, die socialen -Kämpfe, den Sturm und Drang der letzten 50 Jahre festzuhalten und -dem Leser verständlich zu machen. Sp. hatte bereits das 30. Jahr -überschritten, als sein erster großer Roman »Problematische Naturen« -erschien, der seinen litterarischen Ruf begründete. Sein zweiter -großer Roman »Die von Hohenstein«, hat als Hintergrund das Jahr 1848, -ihm schlossen sich »In Reih und Glied« und »Hammer und Amboß« an. -Von weiteren Werken Spielhagens, die fast alle tendenziös gefärbt -sind, nennen wir noch: »Hans und Grete«, »Unter Tannen«, »Die -Dorfkokette«, »Deutsche Pioniere«, »Allzeit voran«, »Was die Schwalbe -sang«, »Ultimo«, »Sturmflut«, »Das Skelett im Hause«, »Platt Land«, -»Quisisana«, »Angela«, »Uhlenhaus«, »An der Heilquelle«, »Was will das -werden?«, »~Noblesse oblige~«, »Ein neuer Pharao«, »Sonntagskind«, -»Stumme des Himmels«, »Susi«, »Selbstgerecht«, »Zum Zeitvertreib«, -»Faustulus«. Auch als dramatischer und lyrischer Dichter hat sich -Spielhagen, wenngleich mit geringem äußeren Erfolge versucht. -Von seinen Schriften, deren Gesamtausgabe in vorläufig 22 Bänden -erscheint, verdienen noch Erwähnung: »Beiträge zur Theorie und Technik -des Romans«, »Aus meiner Studienmappe«, sowie der 1899 erschienene -Band: »Neue Beiträge zur Theorie und Technik der Epik und Dramatik«, -besonders aber seine Autobiographie: »Finder und Erfinder. Erinnerungen -aus meinem Leben.« -- Spielhagen ist in der Reaktion der 50er und 60er -Jahre stecken geblieben: er verstand die neue Zeit nicht mehr und -suchte in seine neuen Romane noch die alten Ideale hineinzutragen. -Auch das antiquierte Motiv von der Liebe eines mit allen Vorzügen des -Geistes und Herzens ausgestatteten Bürgerlichen zu einer Adeligen, das -in fast allen Werken wiederkehrt und eine heimliche Vorliebe Sp.'s für -den Adel erkennen läßt, vermochte auf die Dauer nicht mehr zu fesseln, -und so sehr sich auch Spielhagen, mehr als jeder andere der »Alten« -bemühte, in die »Moderne« hineinzuwachsen: er verstand sie nicht, so -wenig wie er verstanden wurde. - -=Berthold Auerbach=, geb. am 28. Febr. 1812 zu Nordstetten, gest. am 8. -Febr. 1882 zu Cannes in Frankreich, wurde durch seine »Schwarzwälder -Dorfgeschichten« berühmt. Wenn A. auch nicht wie Rosegger, Anzengruber -u. a. in das Wesen des Volkscharakters eingedrungen ist -- es als Jude -auch gar nicht konnte, -- so hat er doch das Verdienst, einer der -ersten gewesen zu sein, die die Dorfgeschichte wieder zu Ehren gebracht -haben. Zu seinen besten Novellen, die allerdings auch von Schönfärberei -nicht frei sind, zählen: »Barfüßle«, »Joseph im Schnee« und »Edelweiß«. -Mit den großangelegten Werken »Auf der Höhe«, »Das Landhaus am Rhein« -und »Waldfried« betrat A. das Gebiet des liberalen Tendenzromans. - -=Luise von François=, geb. am 27. Juni 1817 in Herzberg, gest. am 26. -Sept. 1893, eine der talentiertesten Romanschriftstellerinnen, erwarb -sich ihre litterarische Stellung durch den historischen Roman: »Die -letzte Reckenburgerin«, dem sich »Frau Erdmuthens Zwillingssöhne«, -»Stufenjahre eines Glücklichen« u. a. anschlossen. - - - - -Die großen Novellisten der 70er und 80er Jahre. - - -=Conrad Ferdinand Meyer=, geb. am 12. Oktober 1825 in Zürich, -gest. am 28. November 1898, ist der Meister der historischen -Novelle, ein Dichter, der zwar nicht Gemeingut des deutschen -Volkes werden wird, der aber den Kenner mit seiner fein ciselierten -Goldschmiedearbeit immer entzücken wird. M.'s Novellen haben meist das -Reformationszeitalter oder die Renaissancezeit als Hintergrund. Seine -dichterische Laufbahn begann er mit dem Epos »Huttens letzte Tage«, ihm -schlossen sich »Jürg Jenatsch«, »Hochzeit des Mönchs«, »Der Heilige«, -»Versuchung des Pescara«, »Angela Borgia« u. a. an. - -=Gottfried Keller=, geb. am 19. Juli 1819 in Glattfelden bei Zürich, -gest. am 15. Juli 1890, neben Conr. Ferd. Meyer die bedeutendste -schweizerische Dichtererscheinung der letzten Litteraturperiode, trat -zuerst mit »Gedichten« und dem autobiographischen Meisterwerk »Der -grüne Heinrich« vor die Öffentlichkeit, der erst 20 Jahre nach seinem -Erscheinen die verdiente Würdigung fand und oft mit Goethes »Wilhelm -Meister« verglichen wurde. Das Reifste und Schönste seiner Kunst bot -K. in seinem nächsten Werk, der Novellensammlung: »Die Leute von -Seldwyla«, der 1872 die »Sieben Legenden« folgten. Kulturbilder aus -Zürichs Vergangenheit enthalten die »Züricher Novellen« und ebenso -spielt der Roman »Martin Salander« auf schweizerischem Boden. Lebendige -Phantasie, vermischt mit einem Zug ins Hausbackene, Kleinstädtische -und ein liebenswürdiger, goldener Humor bilden die Grundzüge seines -dichterischen Schaffens. K.'s Domäne ist die Novelle, und wie sehr er -diese meisterte, hat kein Geringerer als Paul Heyse anerkannt, als er -ihn den Shakespeare der Novelle nannte. - -=Theodor Storm=, geb. am 14. Sept. 1817 in Husum, gest. am 4. Juli -1888, folgte den Spuren Goethescher Lyrik. Ihn zeichnet ein feiner -Natursinn und echtes tiefes Empfinden aus, so daß seine Lyrik -vorbildlich für die besten dichterischen Talente unter den Modernen -geworden ist. Stifter und Eichendorff, vielleicht noch Mörike, -mögen sein Schaffen am stärksten beeinflußt haben. Neben der Lyrik -(»Gedichte«) ist es besonders die Novelle, der Storm seine Thätigkeit -zuwandte und für deren Entwicklung und Ausbau er das Meiste beigetragen -hat. Als die besten novellistischen Erzeugnisse gelten Storms -»Immensee«, »Von jenseits des Meeres«, »Vor Zeiten«, »Ein stiller -Musikant«, »Psyche«, »Am Nachbarhause links«, »Der Schimmelreiter«. - -=Paul Heyse=, geb. am 15. März 1830 in Berlin, wurde als Jüngling -von Geibel dem König Maximilian mit den Worten vorgestellt: »Ein -junger Goethe, Majestät!« Er ist ein moderner Dichter, wenn es auch -eine Zeitlang zum guten Ton gehörte, ihn als abgethan zu betrachten. -H. weiß immer etwas zu sagen und hat moderne Probleme lange vor der -»neuen Schule« behandelt, von der ihn nur technische Fragen scheiden. -Ein guter Schilderer menschlichen Innenlebens, wenns nicht zu tief -nach »innen« geht, bekundet er in seinen Novellen und Romanen, von -denen viele auf italienischem Boden spielen, eine Vorliebe für die -Verirrungen des Weibes, namentlich der Frau von 40 Jahren. Eine -vornehme, edle Sprache zeichnet alle seine Werke aus, er ist der -Dichter der Schönheit und der Leidenschaft, wenn auch der Künstler mehr -als der Mensch an ihnen Anteil hat. Von seinen Novellen und Romanen, -die fast durchwegs moderne Menschen zu Helden haben, die sich über -Gesetz und Sitte erheben, um der Stimme ihres Herzens zu folgen, seien -hier nur angeführt: »Novellen« von 1855, 1858, 1859, 1862, »Meeraner -Novellen«, »Troubadour-Novellen«, »Kinder der Welt«, »Im Paradiese«, -»Roman der Stiftsdame«, »Merlin«, »Über allen Gipfeln«. Auch seine -dramatische (»Ludwig der Bayer«, »Graf Königsmark«, »Elfriede«, -»Alcibiades«, besonders aber »Hans Lange«) und lyrische Produktion -(»Gedichte«, »Neue Gedichte und Jugendlieder«) verdient Erwähnung. - - - - -Die Formtalente der alten Schule. - - -=Emanuel Geibel=, geb. am 17. Oktober 1815 in Lübeck, gest. am 6. -April 1884, war ein dichterisches Talent von großer Formgewandtheit, -jedoch ohne besondere individuelle Prägung, wofür als Beweis gelten -mag, daß seine »Gedichte« und »Neue Gedichte« mehr als hundert Auflagen -erlebten. Den beiden ersten Gedichtbänden, deren Grundpfeiler deutsche -Zucht und Art bilden, schlossen sich: »Gedichte und Gedenkblätter«, -»Heroldsrufe«, »Klassisches Liederbuch«, »Romancero der Spanier -und Portugiesen« (m. d. Grafen Schack) und »Spätherbstblätter« an, -unterbrochen von der dramatischen Produktion G.'s (»Brunhild«, -»Sophonisbe«). Die Kriegslyrik von 1870/71 hat ihm einige hübsche -Gedichte zu verdanken. War G. auch keine eigenartige dichterische -Persönlichkeit, so hat er doch eine Menge Nachahmer und Nachbeter -gefunden. - -=Friedrich von Bodenstedt=, geb. am 22. April 1819 in Peine (Hannover), -gest. am 2. April 1892, wurde durch den Erfolg der »Lieder des Mirza -Schaffy«, die man lange für Übersetzungen aus dem Orientalischen hielt, -während es in Wirklichkeit eigene Fabrikate der B.'schen Muse sind, -berühmt. Erfolgreich waren auch die Lieder »Aus dem Nachlaß des Mirza -Schaffy«, während die anderen Dichtungen B.'s nur wenig von sich reden -machten. Außer einer Reihe wissenschaftlicher Werke von zweifelhaftem -Werte und meist recht gewandter Übersetzungen veröffentlichte B., den -seine Zeitgenossen stark überschätzten: »Erinnerungen aus meinem Leben«. - -=Adolf Friedrich Graf von Schack=, geb. am 2. Aug. 1815 zu Brüsewitz -bei Schwerin als Sprosse eines alten Freiherrngeschlechtes, gest. am -14. April 1894, studierte Rechtswissenschaft und wandte sich dann der -diplomatischen Carrière zu. Schack hat sich nicht nur als Dichter -- er -war ein hervorragend formalistisches Talent, ohne starke Individualität --- sondern vor allem als Übersetzer und Litterarhistoriker einen Namen -gemacht. Seine »Geschichte der dramatischen Litteratur und Kunst -in Spanien« gilt noch heute als das bedeutendste Werk über diesen -Gegenstand. Als Lyriker wurde er von Platen, als Epiker von Byron -beeinflußt. Seine Romane in Versen: »Durch alle Wetter«, »Ebenbürtig« -u. a. enthalten zahlreiche Schönheiten, ohne doch einen vollen -künstlerischen Eindruck zu hinterlassen. Zu seinen interessantesten -Werken zählt die Selbstbiographie: »Ein halbes Jahrhundert«. Auch auf -dramatischem Gebiete hat sich der Dichter versucht, ohne jedoch auf der -Bühne festen Fuß fassen zu können. - -=Robert Hamerling=, geb. am 24. März 1830 zu Kirchberg am Walde in -Niederösterreich, gest. am 13. Juli 1889, hat eine verschiedenartige -Beurteilung nicht nur als Mensch, was hier wenig interessiert, -sondern auch als Dichter erfahren. Während die einen in ihm nur den -in Farbenrausch schwelgenden Erotiker sehen, ziehen die anderen die -genialsten Dichter der Weltlitteratur zum Vergleiche mit ihm heran. -Sicher ist, daß die beiden großangelegten Epen: »Ahasver in Rom« und -»Der König von Sion« farbenprächtige Schilderungen aufweisen, die ein -ungewöhnliches Talent bekunden. Eine treffliche Leistung ist auch -das satirische Epos »Homunculus«. Weniger Erfolg als seine Epen war -seinen lyrischen Gedichtsammlungen: »Sinnen und Minnen« und »Blätter -im Winde«, wie auch der fünfaktigen Tragödie »Danton und Robespierre« -beschieden. Sein Leben beschrieb H. in den »Stationen meiner -Lebenspilgerschaft«. - -=Albert Möser=, geb. am 7. Mai 1835 in Göttingen, gest. am 27. Febr. -1900, ist als Dichter von Platen und Hamerling (vergl. M., Meine -Beziehungen zu Robert Hamerling etc.) beeinflußt. (»Gedichte«, »Nacht -und Sterne«, »Idyllen«, »Aus der Mansarde« etc.). Als Übersetzer der -Dichtungen Pol de Monts war er ein Vermittler zwischen niederdeutschem -und hochdeutschem Wesen. - -=Heinrich Vierordt=, geb. am 1. Okt. 1855 in Karlsruhe, machte als -Balladendichter, der vielfach den Volkston glücklich getroffen hat, -von sich reden. Er schrieb »Gedichte«, »Lieder und Balladen«, »Neue -Balladen«, »Akanthusblätter« (Dichtungen aus Italien und Griechenland) -und »Vaterlandsgesänge«, die sich durch farbenprächtige Schilderungen -und poetischen Schwung auszeichnen. - - - - -Lyriker und Epiker der 70er und 80er Jahre. - - -=Julius Grosse=, geb. am 25. April 1828 in Erfurt, ist einer der -fruchtbarsten deutschen Dichter, der sich auf dem Gebiete der Lyrik, -des Romans und des Dramas gleich sicher zu bewegen verstand. Besondere -Erwähnung von seinen Werken, die sich durch feine Entwicklung der -Seelenzustände und Charaktere auszeichnen, verdienen die Dramen: »Der -letzte Grieche«, »Gudrun«, »Judith«, »Tiberius«, von den epischen -Dichtungen: »Das Mädchen von Capri« und »Gundel vom Königssee«. -Originelle Schöpfungen sind auch sein Roman: »Der getreue Eckart« und -seine Lebenserinnerungen »Ursachen und Wirkungen«. - -=Martin Greif= (eigentlich Hermann Frey), geb. am 18. Juni 1839 in -Speyer, ist der Meister des einfachen Volksliedes, dessen Ton er -wie wenige trifft. Seinen Ruhm begründeten die bereits wiederholt -aufgelegten »Gedichte«. Seine Dramen (»Heinrich der Löwe«, »Ludwig der -Bayer«, »Francesca von Rimini«) werden das Schicksal der Uhlandschen -Dramen teilen. - -=Johann Georg Fischer=, geb. am 25. Okt. 1816 zu Großsüßen, gest. am 6. -Mai 1897, gehört der schwäbischen Dichterschule an, deren Merkmale er -trägt, und ist in seinem dichterischen Schaffen eine Goethe verwandte -Natur. Mit 38 Jahren veröffentlichte er seine ersten »Gedichte«, denen -noch drei weitere Sammlungen, zuletzt -- 1896 -- »Mit 80 Jahren« -folgten. Wie alle Schwaben hat auch er an dem politischen Leben seiner -Zeit teilgenommen, wenn auch nicht in dem Maße wie Uhland. Seine Dramen -»Saul«, »Friedrich II.«, »Florian Geyer« und »Kaiser Maximilian von -Mexiko« werden geschätzt, ohne jedoch bühnenfähig zu sein. - -=Friedrich Wilhelm Weber=, geb. am 26. Dez. 1813 in dem Orte Alhausen -bei Driburg in Westfalen, gest. am 5. April 1894, studierte -Medizin und trat im Herbst 1878 mit dem lyrisch-epischen Gedicht: -»Dreizehnlinden« vor die Öffentlichkeit, das ihn mit einem Schlage -zum gefeiertsten katholischen Dichter machte. Außer »Dreizehnlinden«, -von dem mehr als 70 Auflagen erschienen, sind noch seine Dichtung -»Goliath«, sowie die Sammlungen »Gedichte«, »Marienblumen« und -»Herbstblätter« zu nennen. - -=Friedrich Theodor Vischer=, geb. am 30. Juni 1807 in Ludwigsburg, -gest. am 14. Sept. 1887, bethätigte sich auf lyrischem Gebiet durch -seine 1882 erschienene Sammlung »Lyrische Gänge« und auf epischem durch -den eigenartigen humoristischen Roman »Auch Einer«. Viel Aufsehen -erregte die Parodie auf den 2. Teil des Faust, die er unter dem -Titel: »Faust. Der Tragödie dritter Teil. Von Deutobold Symbolizetti -Allegoriowitsch Mystifizinsky« herausgab. - -=Wilhelm Jordan=, geb. am 8. Febr. 1819 zu Insterburg, wurde bekannt -durch sein Doppelepos »Die Nibelunge«, für die er selbst als -wandernder Rhapsode eine Propaganda machte, die ihm zu einem starken -buchhändlerischen Erfolge verhalf. J. übersetzte ferner die Edda, -Sophokles, Homer, Ilias und Odyssee und gab eine große Anzahl eigener -Dichtungen, Romane (»Die Sebalds«, »Zwei Wiegen«) und Theaterstücke -heraus, von denen die Lustspiele »Durchs Ohr«, »Tausch enttäuscht« und -»Sein Zwillingsbruder« sich als die erfolgreichsten erwiesen. Seine -Lebensauffassung spiegelt sich am besten in dem dramatischen Werk -»Demiurgos« wider. - -=Hermann Lingg=, geb. am 22. Januar 1820 in Lindau, faßte durch Geibels -Freundschaft festen Fuß in der Münchener Dichterschule. Sein Hauptwerk -ist das großangelegte farbenprächtige Epos »Die Völkerwanderung«. -Außerdem besitzen wir von ihm eine Reihe Dramen und Gedichte. Sein -Leben und Schaffen beschrieb L. in dem 1. Bande der »Zeitgenössischen -Selbstbiographien« (»Meine Lebensreise«). - -=Stephan Milow= (Pseudon. für Stephan von Millenkovics), geb. am 9. -März 1836 in Orsova, verdankt seine litterarische Stellung besonders -seinen lyrischen Gedichten (»Gesammelte Gedichte«). Bemerkenswert sind -noch die Novellenbände »Wie Herzen lieben« und »Höhen und Tiefen«. - -=Ludwig Eichrodt=, geb. am 2. Febr. 1827 in Durlach in Baden, gest. -1892, ein Jugendgenosse Scheffels, dichtete eine Anzahl humoristischer -Lieder, die besonders in studentischen Kreisen Anklang fanden -(»Gesammelte Dichtungen«). - -=Hermann Allmers=, geb. am 11. Februar 1821 zu Rechtenfleth, gab das -»Marschenbuch« heraus, das im Stile der Riehlschen kulturhistorischen -Novellen Bilder aus dem Leben der friesischen Marschenbauern enthält. -»Dichtungen« und »Römische Schlendertage« schlossen sich an. - -=Robert Waldmüller= (Pseudon. für Ed. Duboc), geb. am 17. Sept. 1822 -in Hamburg, versuchte sich auf fast allen dichterischen Gebieten und -hat sich auch als Übersetzer bekannt gemacht. Von seinen Romanen sind -»Somosierra« und »Don Adone«, von seinen Gedichtsammlungen »Klänge aus -der Fremde« und »Liebesstürme« die bekanntesten. - -=Rudolf Bunge=, geb. am 27. März 1836 in Koethen, als Improvisator -und liebenswürdiger Gesellschafter in allen litterarischen Kreisen -geschätzt, errang seine größten Kassenerfolge mit dem Libretto zum -»Trompeter von Säckingen«. Dichterisch höher steht die 5-aktige -Tragödie »Der Herzog von Kurland«, das den Verlust von Straßburg -und dem Elsaß behandelt. In seiner Gedichtsammlung »Heimat und -Fremde« singt er von Lenz und Liebe, von deutschen Frauen, deutscher -Treue, deutschem Wein und dem angestammten Herrscherhaus, das seine -vielseitige litterarische Thätigkeit durch Verleihung von Titeln und -Orden anerkannte. - -=Adolf Brieger=, geb. am 12. Okt. 1832 in Greifswald, ein in den -»weitesten Kreisen« unbekannter Dichter, veröffentlichte erst 1870 -in Hexametern das kleine antikisierende Epos »Krösus und Adrastus«, -1885 aber, in die unmittelbare Vergangenheit greifend »König Humbert -in Neapel«. Modern ist auch: »Stirb und werde«. Seine »Ausgewählten -Gedichte« (1895) geben innerlich Erlebtes, meist an das Naturbild -als Symbol (im Goethe'schen Sinne) anknüpfend. Zuletzt erschien: -»Verirrt und heimgefunden«, zwei aus dem Leben der Gegenwart genommene -Versnovellen. - -=Heinrich Bulthaupt=, geb. am 26. Okt. 1849 in Bremen, zeigt sich in -der Lyrik dem Schweizer Conrad Ferd. Meyer verwandt (»Durch Frost und -Gluten«), versuchte sich auch wiederholt im Drama (»Der verlorene -Sohn«, »Viktoria« u. a.), ohne jedoch große Bühnenerfolge zu erzielen. -Dagegen erlebte seine »Dramaturgie der Klassiker« wiederholt neue -Auflagen und gilt für das beste neuzeitliche Werk auf diesem Gebiete. - -=Julius Rodenberg= (Pseudon. für Levy aus Rodenberg) geb. am 26. -Juni 1831 in Rodenberg (Kurhessen), der Begründer und Leiter der -»Deutschen Rundschau«, schrieb Gedichte, Romane und Reisebeschreibungen -(»Berliner Bilder«), die ihn als liebenswürdigen Poeten zeigen, -der sich gern in die Erinnerung an die so ungleich bessere und -vollkommenere Vergangenheit versenkt. (Vergl. auch R.'s »Erinnerungen -aus der Jugendzeit«.) - -=Karl Weitbrecht=, geb. am 8. Dez. 1847 in Neuhengstett, ist nach -Form und Inhalt einer der bedeutendsten schwäbischen Epiker. Von -seinen Büchern seien hier genannt: »Liederbuch«, »Sonnenwende«, -die Novellensammlung »Verirrte Leute«, und der satirische Roman: -»Phaläna. Die Leiden eines Buches«. Ein besonderes Verdienst hat -sich W. in Gemeinschaft mit seinem Bruder Richard um die Pflege der -Dialektdichtung erworben. (»Gschichta-n aus'm Schwôbaland« [1877] und: -»Nohmôl Schwôbagschichta« [1882]). - -=Eduard Paulus=, geb. am 18. Okt. 1837 in Stuttgart, besitzt unter den -schwäbischen Dichtern der Gegenwart das stärkste lyrische Talent. Ein -liebenswürdiger Humor, der auch oft satirisch gefärbt ist, zeichnet -seine in der Form tadellosen Gedichte (»Gesammelte Dichtungen«) aus. -1897 ließ er »Arabesken« und im Vorjahre ein Epos in 12 Gesängen -»Tillmann Riemschneider. Ein Künstlerleben« folgen, das wiederum -Zeugnis von der starken lyrischen Begabung P.'s ablegt. Neben einem -kecken, übermütigen Humor macht sich, namentlich in seinen letzten -Schöpfungen, eine wehmütige Grundstimmung bemerkbar. - -=Isolde Kurz=, geb. am 21. Dez. 1853 in Stuttgart, ein C. F. Meyer -verwandtes Talent, hat nur wenige Bände (»Gedichte«, »Phantasien« -und »Märchen«, »Florentiner Novellen«, »Italienische Erzählungen«) -publiziert, aber das Wenige trägt den Stempel durchgebildeter -Meisterschaft und ungewöhnlicher Fabulierkunst. - - - - -Die neuzeitlichen Romantiker. - - -=Otto Roquette=, geb. am 19. April 1824 in Krotoschin, gest. am 18. -März 1896, gab eine Reihe von Dramen, Märchen und Romanen heraus, unter -denen »Waldmeisters Brautfahrt« den größten Erfolg davontrug. Seine -»Gedichte« erlebten mehrere Auflagen; als sein bester Roman gilt: -»Buchstabierbuch der Leidenschaft«. Die nach seinem Tode herausgegebene -Erzählung: »Die Reise ins Blaue«, mit verwässerter Eichendorffscher -Romantik, ist nur geeignet, dem Ansehen des Dichters, der jetzt schon -zu den halb Vergessenen gehört, zu schaden. - -=Oskar von Redwitz=, geb. am 28. Juni 1823 in Lichtenau bei Ansbach, -gest. am 6. Juli 1891, erregte zuerst durch sein lyrisches Epos: -»Amaranth«, Aufsehen. Von seinen Dramen fanden »Philippine Welser«, -»Der Zunftmeister von Nürnberg« und »Doge von Venedig« eine ebenso -unverdient freundliche Aufnahme, wie sein Roman »Hermann Stark« und das -patriotische »Lied vom neuen Deutschen Reich«. - -=Heinrich Steinhausen=, geb. am 27. Juli 1836 in Sorau, trug seinen -größten Erfolg mit »Irmela«, einer stimmungsvollen Geschichte aus -alter Zeit davon. Seinen Werken, von denen wir noch den »Korrektor«, -»Herr Moffs kauft sein Buch« und »Heinrich Zwiesels Ängste« anführen, -fehlt es, trotz des vorwiegend religiösen Grundtons, nicht an heiteren -Episoden. - -=Wilhelm Hertz=, geb. am 24. Sept. 1835 in Stuttgart, ein Schüler -Uhlands, machte sich durch seine sprachwissenschaftlichen Werke und -seine »Gedichte«, in denen er sich jedoch nur als reines Formtalent -erwies, einen Namen. Seine bekanntesten Epen sind »Hugdietrichs -Brautfahrt«, »Tristan und Isolde« und »Bruder Rausch«. - - - - -Die Dichter mit dem Erdgeruch. - - -=Klaus Groth=, geb. am 24. April 1819 in Heide in Holstein, gest. 1899, -stand im Mittelpunkt der plattdeutschen Bewegung. Er brachte diese -bisher nur von Improvisatoren zu Possenreißereien benutzte Sprache -wieder durch die Herausgabe seines »Quickborn« zu Ehren. Und wenn auch -Reuter, der Humorist, mit seinen realistischen Darstellungen des Lebens -mehr Erfolg errang als der Lyriker Groth, so gebührt diesem doch ein -nicht minder großes Verdienst um die Erhaltung des Plattdeutschen. -Sein Hauptwerk, der »Quickborn«, dessen Hintergrund die Plätze und -Gassen eines vor einem Jahrzehnt noch kleinen und abgelegenen Fleckchen -der Norderdithmarschen-Heide bilden, enthält Familienbilder, Lieder, -Balladencyklen, Humoristisches etc. - -=Ludwig Anzengruber=, geb. am 29. Nov. 1839 in Wien, gest. 1899, -war ursprünglich Schauspieler, später mangels anderer Beschäftigung -Beamter. A.'s Dramen, die stellenweise tendenziös gefärbt sind, -behandeln religiöse und sociale Themata und spielen fast ausschließlich -in Bauernkreisen. Sein erstes Stück: »Der Pfarrer von Kirchfeld« -errang einen vollen Erfolg, der auch seinen späteren Dramen: »Der -Meineidbauer«, »Die Kreuzelschreiber«, »Der Gewissenswurm«, »Der ledige -Hof«, »Das vierte Gebot« treu blieb. Von den genannten Stücken haben -»Der Gewissenswurm« und »Das vierte Gebot« die meiste Anerkennung -gefunden. Von den Erzählungen A.'s steht der großangelegte Roman »Der -Schandfleck« an erster Stelle. - -=Theodor Herrmann Pantenius=, geb. am 22. Okt. 1843 in Mitau, Redakteur -des »Daheim«, gehört zu den weniger bekannten Romanciers. Von seinen -Romanen, deren Stoff meist seiner kurländischen Heimat entnommen ist, -gelten als beste »Wilhelm Wolfschildt« und »Allein und frei«; sein -in Livland spielender Roman »Die von Kelles« zählt zu den besten -Schöpfungen der deutschen Litteratur. - -=Peter Rosegger=, geb. am 31. Juli 1843 in Krieglach in Steiermark, -erlernte zuerst das Schneiderhandwerk und wurde von dem Herausgeber der -»Grazer Tagespost«, Albert Swoboda, für die Litteratur entdeckt. R. ist -ein Autor von großer Gestaltungskraft und Phantasie, der sich seine -Heimat, die steirischen Alpen, zur Domäne erkoren hat. Obwohl er der -Tendenz nach Idealist ist, sind seine Schilderungen des Bauernlebens -doch durchaus realistisch. Aus der Zahl seiner Werke -- Rosegger -ist einer der produktivsten Schriftsteller, der gewissenhaft jedes -Jahr seine 2, 3 Bände liefert --, heben wir hervor: »Die Schriften -des Waldschulmeisters«, »Heidepeters Gabriel«, »Dorfsünden«, »Der -Gottsucher«, »Neue Waldgeschichten«, »Höhenfeuer«, »Jakob der Letzte«, -»Martin der Mann«, »Der Waldvogel«, »Das ewige Licht«, »Erdsegen«. - -=Karl Stieler=, geb. am 15. Dez. 1842 in München, gest. 1885, der -Dichter frischer, fröhlicher »Hochlandslieder«, machte den Krieg -70/71 mit und schrieb »Durch Krieg zum Frieden 1870/1«. Von seinen -oberbayrischen Gedichtsammlungen, die auch in Norddeutschland weite -Verbreitung fanden, nennen wir: »Bergbleameln«, »Habts a Schneid!?«, -»Hochlandslieder«, »Neue Hochlandslieder«, »Um Sunnawend«, »Weil's mi -freut!« - -=Hermann von Schmid=, geb. am 13. März 1815 in Weizenkirchen -(Österreich), gest. 1880, wurde durch seine bayrischen Dorfgeschichten -bekannt. Von seinen historischen Werken hat der vierbändige Roman »Der -Kanzler von Tirol« die meiste Beachtung gefunden. - -=Maximilian Schmidt=, geb. am 25. Febr. 1832 in Eschlkam, wählte -als Hintergrund seiner Erzählungen den Bayrischen und Böhmer Wald. -Seine Werke zeichnen sich durch volkstümliche Darstellung, hübsche -Naturschilderungen und treffende Charakteristik aus. (»Gesammelte -Werke« 1884 u. ff.) - -=Ludwig Ganghofer=, geb. am 7. Juli 1855 in Kaufbeuren, verlegt den -Schauplatz seiner Romane und Schauspiele meist in das bayerische -Hochgebirge. Von seinen konventionell-volkstümlichen dramatischen -Arbeiten fanden besonders »Der Herrgottsschnitzer von Oberammergau« -und »Der Prozeßhansl« Anerkennung, obwohl seine »Jagerleut« die -Verwandtschaft mit dem »Salontiroler« nicht verleugnen können. Zu -seinen besten Romanen und Novellen, in denen die Natur meist symbolisch -verwertet wird, zählen »Hochlandsgeschichten«, »Der Klosterjäger«, »Die -Martinsklause«, »Der laufende Berg«. - -=Arthur Achleitner=, geb. am 16. Aug. 1858 in Straubing, machte -sich durch seine Schilderungen aus dem Wild- und Waidmannsleben der -Hochgebirge bekannt. (»Geschichten aus den Bergen«, »Grüne Brüche«, -»Grenzerleut'«, »Der Stier von Salzburg«, »Der Hirsch von Eßlingen« u. -a.) - -=Johann Meyer=, geb. am 5. Jan. 1829 in Wilster in Holstein, -veröffentliche plattdeutsche Erzählungen und Schwänke, »Dithmarscher -Gedichte« und hochdeutsche »Lyrische Gedichte«, die ein eigenartiges -poetisches Talent bekunden. - -=Joh. Heinrich Fehrs=, geb. am 10. April 1838 in Mühlenbarbeck, -begann mit Epen (»Krieg und Hütte«, »Eigene Wege«) und schloß daran -plattdeutsche Erzählungen und Gedichte. (»Lütt Hinerk«, »Allerhand Slag -Lüd«.) - -=Timm Kröger=, geb. am 29. Nov. 1844 in Haale (Holstein), -debütierte mit dem Novellenband: »Eine stille Welt«, der Bilder und -Geschichten aus Moor und Heide enthält, die sich durch feinsinnige -Naturbetrachtungen auszeichnen. Ein kleines Meisterwerk ist sein -psychologischer Roman »Der Schulmeister von Handewitt«, der in 2. -Auflage unter dem Titel: »Schuld?« erschien. - -=Heinrich Hansjakob=, geb. am 19. Aug. 1837 in Haslach in Baden, -ist ein Meister der Dorfgeschichte, der zwar in seinen Schriften -den katholischen Priester nicht verleugnet, dies aber durch einen -urwüchsigen Humor und echtes Empfinden vergessen läßt. (»Aus -meiner Jugendzeit«, »Aus meiner Studienzeit«, »Wilde Kirschen«, -»Schneeballen«.) - -=Hermine Villinger=, geb. am 6. Febr. 1849 in Karlsruhe, legte den -Schwerpunkt ihres litterarischen Schaffens auf die Dorfgeschichte. -»Aus dem Kleinleben«, »Unter Bauern«, »Kleine Lebensbilder«, »Aus dem -Badener Land« u. a. enthalten reizende, humorvolle Genrebilder aus dem -badischen »Ländle«. - -=Clara Viebig= (Mädchenname von Clara Cohn), geb. in Trier, entnimmt -den Stoff ihrer oft graß naturalistischen Werke mit Vorliebe dem -Gebiete der Eifel. Sie debütierte 1897 mit der Novellensammlung »Kinder -der Eifel«, denen weitere Novellen (»Vor Tau und Tag«), die Romane -»Dilettanten des Lebens«, »Es lebe die Kunst!« und »Das Weiberdorf« -folgten, die jedoch künstlerisch nicht auf der Höhe ihrer ersten -Publikation stehen. Eine ihrer Eifelgeschichten lieferte den Stoff -zu ihrem Drama »Barbara Holzer«. Ihr neuestes Bühnenwerk »Pharisäer« -spielt im Posenschen. - -=Adolf Bartels=, geb. am 15. Nov. 1862 in Wesselburen, erwarb sich als -Litterarhistoriker der Kunstwart-Schule einen Namen. Seine historischen -Romane »Die Dithmarscher« und »Dietrich Sebrandt« sind vom streng -geschichtlichen Standpunkt aus geschrieben. - -=Charlotte Niese=, geb. am 7. Juni 1854 in Burg auf Fehmarn, gewann -durch ihre schleswig-holsteinischen Geschichten (»Aus dänischer -Zeit«, »Geschichten aus Holstein«, »Auf der Heide«) die Gunst des -Lesepublikums, so daß man über ihre Schwäche, die Socialdemokratie in -Romanen zu bekämpfen, hinwegsieht. - -=Ilse Frapan= (Pseudon. für Ilse Levien), geb. am 3. Febr. 1852 in -Hamburg, ist ein starkes dichterisches Talent, dem auch der Humor nicht -fremd ist. Sie gab heraus: »Bescheidene Liebesgeschichten«, »Zwischen -Elbe und Alster«, »Enge Welt«, »Zu Wasser und zu Lande«, »Querköpfe«, -»Flügel auf«, »In der Stille«, sowie einen Band »Vischer-Erinnerungen«. - -=August Sperl=, geb. am 5. Aug. 1862 in Fürth, machte sich durch »Die -Fahrt nach der alten Urkunde«, sowie durch den historischen Roman: -»Die Söhne des Herrn Budiwoj«, der König Ottokars Glück und Ende und -das Erstehen des habsburgischen Königshauses behandelt, bekannt. In dem -Epos »Fridtjof Nansen« schilderte er mit Glück die Nordlandsfahrt des -modernen Fridtjof. - -=Heinrich Sohnrey=, geb. am 19. Juni 1859 in Jühnde bei Göttingen, -Herausgeber von »Das Land«, zeigt eine gewisse Verwandtschaft mit dem -früh verstorbenen Heinrich Schaumberger, und gilt als einer der besten -Vertreter der Dorfgeschichte. (»Die Leute aus der Lindenhütte«, »Der -Bruderhof.«) - - - - -Die Kulturnovellisten. - - -=Wilhelm Heinrich Riehl=, geb. am 6. Mai 1823 zu Biebrich a. Rh., gest. -1897, war Professor der Kulturgeschichte in München und einer der -geistvollsten kulturhistorischen Schriftsteller, in dessen Werken der -Belletrist ebenso zu Worte kommt wie der Wissenschaftler. Von seinen -Schriften, die eine Fülle von Anregung und Belehrung bieten, verdienen -die »Kulturhistorischen Novellen«, »Geschichten aus alter Zeit«, -»Kulturstudien aus drei Jahrhunderten«, sowie der Roman »Ein ganzer -Mann« besondere Erwähnung. - -=Karl Emil Franzos=, geb. am 25. Okt. 1848 in Czortkow in Podolien, -Herausgeber der »Deutschen Dichtung«, entdeckte »Halbasien« (den -Südosten von Europa) für die Litteratur und verlegte dorthin den -Schauplatz seiner ersten Kulturromane (»Aus Halbasien«, »Die Juden von -Barnow«, »Junge Liebe«, »Stille Geschichten«, »Moschko von Parma«, »Ein -Kampf ums Recht«, »Der Präsident«). Seine späteren Romane und Novellen -begegneten nicht mehr dem gleichen Interesse. - -=Leopold Kompert=, geb. am 15. Mai 1822 zu Münchengrätz, gest. 1886, -gilt neben Karl Emil Franzos als der kenntnisreichste Schilderer des -jüdischen Volkslebens. (»Aus dem Ghetto«, »Geschichten einer Gasse« u. -a.) - -=Leopold von Sacher-Masoch=, geb. am 27. Januar 1837 in Lemberg, gest. -1895, als Litterat ein Pendant zum Marquis de Sade, besaß von Natur aus -eine bedeutende Begabung, die jedoch in der Sucht nach der Darstellung -erotisch-perverser Probleme in die Brüche ging. So besitzen seine -Romane nicht viel mehr als pathologisches Interesse (Masochismus). - - - - -Die Dichter-Archäologen. - - -=Georg Ebers=, geb. am 1. März 1837 in Berlin, gest. am 7. August -1898, berühmter Ägyptologe, war einer der beliebtesten Autoren der -letzten Jahrzehnte. Seine Romane entrollen meist Kulturbilder aus -dem Pharaonenlande oder aus dem deutschen Mittelalter. Ebers war der -Hauptvertreter des geschichtlichen Romans, wenngleich ihm der Vorwurf -nicht erspart geblieben ist, daß die meisten seiner Gestalten nichts -als moderne Wesen in historischer Drapierung sind. Eröffnet wurde -die dichterische Thätigkeit E.'s mit dem Roman: »Eine ägyptische -Königstochter«. Fast jeder Epoche der ägyptischen Geschichte ist er in -einem Romane gerecht geworden. (»Uarda«, »~Homo sum~«, »Der Kaiser«, -»Die Nilbraut« u. a.) Unterbrochen wurde der Cyklus der ägyptischen -Romane durch »Die Frau Bürgermeisterin« und »Ein Wort«. Seit 1889 -wandte sich E. fast ausschließlich der Schilderung deutschen Lebens -der Vorzeit zu: »Die Gred«, »Im Schmiedefeuer«, »Im blauen Hecht«, -»Barbara Blomberg«. E. war trotz aller Anfeindung eine Dichternatur, -die oftmals durch das Professorentum erstickt wurde, aber in einzelnen -Zügen in jedem seiner Werke zutage tritt. - -=Felix Dahn=, geb. am 9. Febr. 1834 in Hamburg, Professor und -Dichter zugleich, wenn auch das erstere mehr als das letztere, -schrieb eine Reihe Romane aus der Zeit der Völkerwanderung und der -altnordischen Heiden- und Heldenzeit, unter denen »Ein Kampf um Rom« -der erfolgreichste, »Julian der Abtrünnige« der beste ist. Von seinen -Dramen verdienen »König Roderich« und »Rüdeger von Bechlaren« genannt -zu werden. Durch umfangreiche Produktion von Gelegenheitsgedichten -(nicht solcher im Goethe'schen Sinne) hat D. viel dazu beigetragen -seinen Ruf als Dichter zu schädigen. - -=Ernst Eckstein=, geb. am 6. Febr. 1845 in Gießen, kommt hauptsächlich -als Unterhaltungsschriftsteller in Betracht, obgleich er später auch -den Versuch gemacht hat, sich den realistischen Schriftstellern -zuzugesellen. (»Prusias«, »Die Claudier«, »Nero«, »Dombrowsky«, -»Familie Hartwig« u. a.) Einen großen buchhändlerischen Erfolg erzielte -seine kleine Gymnasialhumoreske: »Der Besuch im Carcer«. - -=George Taylor= (Pseudon. für Adolf Hausrath), geb. am 13. Jan. 1837, -Professor an der Universität Heidelberg, geht in den Fußtapfen Georg -Ebers', wenn auch seine archäologischen Romane (»Antionus«, »Klitia«, -»Jetta«, »Pater Maternus«, »Unter dem Katalpenbaum«) mehr dichterische -Fähigkeiten aufweisen als die seines Vorbildes. - -=Oskar Linke=, geb. am 15. Juli 1854 in Berlin, berührt sich mit den -Dichter-Archäologen. Äußerst vielseitig und dabei ein Meister der Form, -läßt er seine erzählenden Dichtungen oft im klassischen Altertum, das -er ausgezeichnet kennt und durchdringt, spielen. Seine Weltanschauung -ist eine freie. (»Blumen des Lebens«, »Jesus Christus«, »Mylesische -Märchen«, »Chrysothemis erzählt« u. a.) - - - - -Die Dramatiker der alten Schule. - - -=Rudolf von Gottschall=, geb. am 30. Sept. 1823 in Breslau, ein -Jungdeutscher und Freiheitsänger der vormärzlichen Zeit, ist einer -der vielseitigsten und fruchtbarsten Dichter, der sich auf allen -Gebieten der Dichtkunst und Schriftstellerei umgesehen hat und -seit einem Menschenalter den Mittelpunkt des schöngeistigen Lebens -in Leipzig bildet. Als Bühnenschriftsteller ist G. wiederholt -hervorgetreten: »Mazeppa«, »Katharina Howard«, »Pitt und Fox«, »Der -Spion von Rheinsberg«, »Rahab« u. a. Von seinen Romanen, in denen -er die Bahnen Gutzkows wandelt, ist »Im Banne des schwarzen Adlers« -der erfolgreichste gewesen. Vielfache Anerkennung fanden auch seine -litterarhistorischen Arbeiten (»Deutsche Nationallitteratur in der -ersten Hälfte des 19. Jahrh.«, »Poetik« etc.), in denen die »Moderne« -allerdings nicht immer glimpflich wegkommt, obwohl G. immer bestrebt -war, mit dem Zeitgeist rege Fühlung zu behalten. Sein Leben bis zur -Verheiratung schildert die Autobiographie »Aus meiner Jugend«. - -=Hans Herrig=, geb. am 10. Dez. 1845 in Braunschweig, gest. 1892, -schrieb »Mären und Geschichten« und wurde besonders durch sein -»Lutherfestspiel« bekannt, dem eine Reihe dramatischer Arbeiten(»Kaiser -Friedrich der Rotbart«, »Konradin« u. a.) vorausgegangen war. - -=Arthur Fitger=, geb. am 4. Okt. 1840 in Delmenhorst, erwählte die -Malerei als Hauptberuf und errang seine dichterischen Lorbeeren mit dem -Trauerspiel: »Die Hexe«, dem er andere dramatische Gaben folgen ließ. -Als Lyriker machte sich F. durch die Sammlungen »Fahrendes Volk« und -»Winternächte« bekannt. - -=Heinrich Kruse=, geb. am 15. Dez. 1815 in Stralsund, schrieb im Stile -der alten Kunstüberlieferung eine Reihe von Dramen, unter denen »Die -Gräfin«, »König Erich«, »Brutus«, »Nero« zu nennen sind. K. ist ferner -Verfasser von »Seegeschichten« und »Gedichten«. - -=Albert Lindner=, geb. am 24. April 1831 in Sulza, gest. 1888, wurde -mehr durch sein tragisches Geschick (er starb im Wahnsinn) als durch -seine Dramen bekannt, von denen nach seinem Tode »Die Bluthochzeit« -wiederholt aufgeführt wurde. Seine Prosaerzählungen, von denen mehrere -das Frauenleben in ernsten und heiteren Episoden behandeln, blieben -fast unbeachtet. - - - - -Die sogenannten Lustspieldichter. - - -=Oskar Blumenthal=, geb. am 13. März 1852 in Berlin, schrieb Schwänke -ohne künstlerischen Wert, teils allein, teils in Kompagnie, die nur für -das Publikum, nicht für die Litteraturgeschichte in Betracht kommen. - -=Hugo Lubliner= (Pseudon. Hugo Bürger), geb. am 22. April -1846 in Breslau, ist einer der Mitbegründer des deutschen -Konversationslustspiels aus den siebziger Jahren, ein treuer -Helfershelfer der Lindau, Blumenthal, Kadelburg, in dem Bestreben, dem -deutschen Lustspiel mit französischem Esprit und französischer Technik -aufzuhelfen. - -=Gustav von Moser=, geb. am 11. Mai 1825 in Spandau, schrieb -Lustspiele, teils selbständig, teils in Verbindung mit anderen. Zu -seinen erfolgreichsten Stücken, die noch jetzt sich auf dem Theater -erhalten haben, gehören: »Das Stiftungsfest«, »Der Veilchenfresser«, -»Ultimo«, »Krieg im Frieden«, »Reif-Reiflingen«. - -=Adolf L'Arronge=, geb. am 8. März 1838 in Hamburg, ist ein -litterarischer Sprosse der Birchpfeiffer und Kotzebues und dadurch -einer der erfolgreichsten Lustspielschreiber der Gegenwart. (»Mein -Leopold«, »Hasemanns Töchter«, »Dr. Klaus«, »Lolos Vater« u. a.). - - - - -Die Übergangstalente. - - -=Hans Hopfen=, geb. am 3. Jan. 1835 in München, einer der besten -Vertreter des humoristischen Romans, zeichnet sich durch eine gesunde -Sinnlichkeit aus, die namentlich in seinen Gedichten und Balladen zum -Ausdruck kommt. Echt volkstümliche, humorverklärte Figuren schuf er -in seinen Romanen »Der alte Praktikant«, »Mein Onkel Don Juan«, »Die -Heirat des Herrn von Waldenberg«, sowie in der Novellensammlung »Kleine -Leute« und den »Geschichten« und »Neuen Geschichten des Herrn Majors«, -während er sich in einigen Romanen (»Verdorben zu Paris«, »Glänzendes -Elend« u. a.) als Dekadent giebt. - -=Wilhelmine von Hillern=, geb. am 11. März 1836 in München als Tochter -der bekannten Birch-Pfeiffer, entlehnte den Stoff ihrer realistisch -gefärbten Romane dem bayrischen Volksleben. Ihr bekanntester Roman: -»Die Geyer-Wally« erlebte mehrere Auflagen und fand auch als Drama -freundliche Aufnahme. - -=Karl von Heigel=, geb. am 25. März 1835 zu München, wandte sich der -Unterhaltungslitteratur zu und schrieb Novellen, Romane und Dramen. -Seine spätere Produktion (»Der Weg zum Himmel«, »Roman einer Stadt«, -»Der Herr Stationschef« u. a.) steht unter dem Einfluß des Realismus. - -=Karl Frenzel=, geb. am 6. Dez. 1827 in Berlin, weiteren Kreisen -bekannt als Kritiker der Nationalzeitung, verdient seinen Platz in -der Litteratur durch seine Romane, Novellen und wissenschaftlichen -Schriften, die Gelehrsamkeit mit seiner Lebensbeobachtung verbinden, -und deren Stoffe meist der Zeit des Rococos, dem 18. Jahrhundert, -entnommen sind (»Melusine«, »Papst Ganganelli«, »Im goldenen -Zeitalter«, »Renaissance und Rokoko«, »Des Lebens Ueberdruß«, »Dunst«, -»Schönheit«, »Wahrheit«, »Frauenrecht«). - -=Adolf Stern=, geb. am 14. Juni 1835 in Leipzig, lebt jetzt als -Professor für Litteraturgeschichte am Polytechnikum in Dresden. St. -ist Epiker und Novellist (»Jerusalem«, »Gutenberg«, »Aus dem 18. -Jahrhundert«, »Die letzten Humanisten«) und wiederholt als feinsinniger -Litterarhistoriker hervorgetreten. - -=Ferdinand von Saar=, geb. am 30. Sept. 1833 in Wien, ist keine scharf -ausgeprägte Dichternatur. Seine Erfolge verdankt er den »Gedichten« -und den Novellensammlungen (»Novellen aus Österreich«, »Herbstreigen« -u. a.), die ihm den Namen eines Walter Scott der Novelle eingetragen -haben. Seine Dramen (»Heinrich IV.«, »Die beiden De Witt«, »Eine -Wohlthat«) konnten sich nicht auf der Bühne behaupten. - -=Heinrich von Reder=, geb. am 19. März 1824 in Mellrichstadt, begann -seine litterarische Laufbahn mit »Soldatenliedern von zwei deutschen -Offizieren«. Seine Hauptwerke, die »Federzeichnungen« und das »Lyrische -Skizzenbuch«, tragen realistisches Gepräge. - - - - -Vaganten und Spielmänner. - - -=Josef Victor von Scheffel=, geb. am 26. Febr. 1826 in Karlsruhe, gest. -am 9. April 1886, ist besonders der Lieblingsdichter der akademischen -Jugend, der er eine große Zahl sangbarer Lieder schenkte, aus denen ein -unverwüstlicher, feuchtfröhlicher Humor spricht. Sein lyrisch-episches -Werk: »Der Trompeter von Säckingen«, das 1854 erschien, fand -begeisterte Aufnahme. Weit bedeutender als dieses ist jedoch sein -»Ekkehard«, ein trotz alles gelehrten Beiwerks und der fleißigen -Quellenstudien von echter Poesie durchdrungenes Werk, das man als den -besten kulturhistorischen Roman der letzten Jahrzehnte bezeichnen kann. -Von Sch.'s weiteren Werken verdienen noch genannt zu werden: »Frau -Aventiure«, »Gaudeamus« und »Bergpsalmen«. - -=Rudolf Baumbach=, geb. am 28. Sept. 1840 in Kranichfeld in Thüringen, -ist einer der »liebenswürdigen« Dichter, der Naturbursche unter den -Poeten. Seine lyrischen Gedichte, die sich durch Natürlichkeit und -Frische auszeichnen und vielfach zu Volksliedern geworden sind, -erschienen in verschiedenen Sammlungen: »Lieder eines fahrenden -Gesellen«, »Mein Frühjahr«, »Von der Landstraße«, »Krug und Tintenfaß« -u. a. Außerdem besitzen wir von ihm Märchen und Epen, die ebenfalls in -weitere Kreise gedrungen sind. - -=Julius Wolff=, geb. am 16. Sept. 1834 in Quedlinburg, gehört zu den -»Erfolgreichen« der 70er und 80er Jahre. Seine erste Veröffentlichung -waren Gedichte »Aus dem Felde«. Einen durchschlagenden Erfolg errang -er mit seinen Epen »Der Rattenfänger von Hameln«, »Der wilde Jäger«, -»Der Tannhäuser«, »Lurlei« u. a., deren künstlerischer Gehalt zwar -nicht hervorragend ist, die aber das große Publikum immer durch ihre -Sentimentalität und Rührseligkeit entzücken werden. Der Beifall, den -seine Epen fanden, übertrug sich auch auf seine Romane »Recht der -Hagestolze«, »Der Sülfmeister«, »Das schwarze Weib«. - - - - -Die Goldschnittlyriker der 80er Jahre. - - -=Karl Gerok=, geb. am 30. Januar 1815 in Vaihingen in Württemberg, -starb als Prälat in Stuttgart 1890. Seine Liedersammlungen -»Palmblätter«, »Neue Palmblätter«, »Pfingstrosen«, »Eichenblätter«, -»Deutsche Ostern«, die ein liebenswürdiger Humor durchzieht, sind -vorzugsweise geistlicher Natur und fanden große Verbreitung. - -=Julius Sturm=, geb. am 21. Juli 1816 zu Köstritz, gest. 1896, war -einer der fruchtbarsten Liederdichter. Die Natur seiner Dichtungen, -die eine innige, aber nicht kopfhängerische Frömmigkeit auszeichnet, -wird durch die Titel seiner Sammlungen: »Gott grüße Dich«, »Immergrün«, -»Fromme Lieder«, »In Freud und Leid« charakterisiert. - -=Albert Traeger=, geb. am 12. Juni 1830 in Augsburg, ist als Dichter -in den Kreisen der Liebhaber von Gartenlaube-Poesie bekannt geworden, -hat sich jedoch außer einigen Lustspielen und Novellen nur einen -Gedichtband zu schulden kommen lassen. - -=Emil Rittershaus=, geb. am 3. April 1834 in Barmen, gest. -daselbst 1897, gab sich in seinen meist zuerst in der Gartenlaube -veröffentlichten Gedichten als Sänger frischer, fröhlicher Lieder, die -Wein und Liebe, Vaterland und Gartenlaube verherrlichen. - - - - -Die Beschaulichen. - - -=Wilhelm Raabe=, geb. am 8. Sept. 1831 in Eschhausen, früher -Buchhändler, nimmt unter den deutschen Humoristen den ersten Rang ein -und gilt seit 30 Jahren als einer der eigenartigsten Charakterköpfe -der deutschen Litteratur. Ein goldener Humor, der an Dickens erinnert, -durchzieht seine Schriften, die er meist in ein altertümelndes Gewand -kleidet oder im Chronikstil abfaßt. »Zwei oder drei Zeilen in einer -Chronik, eine halbe Seite in der Geschichte für den Forscher« genügen -ihm, um eine Erzählung darauf aufzubauen. R. beschäftigt Geist und -Herz seiner Leser in gleicher Weise und seine Bücher, in einem etwas -krausen Stile geschrieben, rühren die Seele bis zum Grunde auf. Bei -alledem ist er einer der am wenigsten erfolgreichen Autoren geblieben, -trotz des großen Gehalts und der Zahl seiner Schriften, von denen wir -hier nur die nachstehenden registrieren: »Die Akten des Vogelsangs«, -»Die Chronik der Sperlingsgasse«, »Gesammelte Erzählungen«, 3 Bde., -»Horacker«, »Der Hungerpastor«, »Der Schüdderump«, »Unseres Herrgotts -Kanzlei«, »Alte Nester«, »Wunnigel«, »Horn von Wanza«. - -=Wilhelm Busch=, geb. am 15. April 1832 in Wiedensahl bei Stadthagen, -ist der bedeutendste zeitgenössische komische Humorist und Zeichner, -wenngleich seine Wirksamkeit hauptsächlich in die 60er und 70er Jahre -fällt. Seine Schriften (»Max und Moritz«, »Hans Huckebein«, »Der -heilige Antonius«, »Die fromme Helene«, »Herr und Frau Knopp« u. a.) -erlangten eine ungeheuere Verbreitung. Seine letzten Werkchen: »Eduards -Traum« und »Der Schmetterling« sind symbolische Prosamärchen, die den -Idealismus ironisieren. - -=Hans Hoffmann=, geb. am 27. Juli 1848 in Stettin, zählt zu den besten -Novellisten der Gegenwart. (»Von Frühling zu Frühling«, »Geschichten -aus Hinterpommern«, »Ostseemärchen«, »Allerlei Gelehrte«, »Aus der -Sommerfrische«.) Auch als Romanschriftsteller ist H. wiederholt -hervorgetreten und hat sich auf diesem Gebiet als ein feinsinniger -Dichter erwiesen, dem die seltene Gabe des Humors wie wenigen zu Gebote -steht. (»Der eiserne Rittmeister«, »Landsturm«.) Ein echt nationales, -von historischem Geiste getragenes Werk ist sein großer 3bändiger -Roman: »Wider den Kurfürsten«. - -=Heinrich Seidel=, geb. am 25. Juni 1842 in Perlin, wurde Ingenieur, -dann Schriftsteller in Berlin. Er ist der Dichter der kleinen -behaglichen Lebensverhältnisse; seine Poesie und seine Ideale haben -einen philiströsen Zug und es sind fast immer dieselben Mittel -(Pastorenhaus, Fliederbüsche, Tabakspfeife und schüchterne Liebhaber), -mit denen er in seinen Lebrecht Hühnchen-Geschichten operiert. -(»Aus der Heimat«, »Vorstadtgeschichten«, »Lebrecht Hühnchen u. -a. Geschichten«, »Neues von Lebrecht Hühnchen u. a. Sonderlingen«, -»Lebrecht Hühnchen als Großvater«, »Gesammelte Gedichte« u. a.) S's. -Autobiographie führt den Titel »Von Perlin nach Berlin«. - -=Victor Blüthgen=, geb. am 4. Januar 1844 in Zörbig, ein -liebenswürdiger, feinsinniger Dichter, schrieb Gedichte (vor allem -Kinderreime), Novellen und Humoresken (»Henzi u. a. Humoresken«, -»Badekuren«, »Amoretten« etc.) Von seinen Romanen sind »Der -Friedensstörer«, »Aus gährender Zeit«, und »Der Preuße« zu nennen. - - - - -Die Behaglichen. - - -=Julius Stinde=, geb. am 28. Aug. 1841 in Kirch-Nüchel in Holstein, -führte die »Frau Buchholz«, den Typus des Berliner Spießbürgertums, -in die Litteratur ein und wurde durch zahlreiche Auflagen seiner -Werke dafür belohnt. Von seinen weiteren Schriften fanden noch die -»Waldnovellen« und »Pienchens Brautfahrt« größere Verbreitung. - -=Johannes Trojan=, geb. am 14. August 1837 in Danzig, Redakteur des -Kladderadatsch, schrieb hübsche, humorvolle Kinderlieder und eine -Anzahl ansprechender Gedichte: »Scherzgedichte«, »Für gewöhnliche -Leute«, »Das Wustrower Königsschießen u. a. Humoresken«. - -=Julius Lohmeyer=, geb. am 6. Okt. 1835 in Neisse, machte sich als -Jugendschriftsteller einen Namen, ohne jedoch auf diesem Gebiete -viel mehr als guten Willen und einen bescheidenen liebenswürdigen -Humor mitzubringen. (»Gedichte eines Optimisten«, »Die Bescheidenen«, -»Humoresken« u. a.) - -=Edwin Bormann=, geb. am 14. April 1851 in Leipzig, machte sich als -sächsischer Humorist in seinem engeren Vaterlande einen Namen (»Mei -Leipzig low' ich mir«, »Herr Engemann«, »Schelmenlieder« u. a.) So gut -einige ältere Dialektdichtungen B.'s sind, so flach und schal ist die -Mehrzahl seiner jüngsten fabrikmäßig hergestellten Poesien. Seinen -humoristischen Werken nicht beizuzählen, nach Ansicht B.'s vielmehr -durchaus ernsthaft zu nehmen, sind »Das Shakespeare-Geheimnis« und -die im Anschlusse daran erschienenen Schriften, in denen der Nachweis -geführt werden soll, daß Shakespeare nicht Shakespeare, sondern Francis -Bacon ist. - -=Georg Bötticher=, geb. am 20. Mai 1849 in Jena, ein feinsinnigerer -und vielseitigerer Humorist als Bormann, schrieb in Gemeinschaft -mit Victor Blüthgen »Schüler-Novellen«, und selbständig zahlreiche -humoristische Schriften, von denen viele durch die »Fliegenden Blätter« -und die »Reclam-Bibliothek« weiteren Kreisen bekannt geworden sind. -(»Schnurrige Kerle«, »Schilda, Verse eines Kleinstädters«, »Allotria, -humoristische Geschichte«, »Neue Allotria«, »Bunte Reihe« u. a.) - -=Hans Arnold= (Pseudon. für Frau Babette von Bülow), geb. am 20. -Sept. 1850 in Warmbrunn, schildert in ihren Novellen und Erzählungen -mit Vorliebe in humoristischer Weise die kleinen Verdrießlichkeiten -und Unannehmlichkeiten des Lebens. Ihre Werke besonders anzuführen, -erübrigt sich: sie amüsieren und werden vergessen. - - - - -Die Dichter der Dekadenz. - - -=Dranmor=, mit seinem eigentlichen Namen Ferdinand von Schmid, geb. am -22. Juni 1823 in Muri bei Bern, gest. 1888, wanderte nach Brasilien -aus und wurde weiteren Kreisen durch seine »Gesammelten Dichtungen« -bekannt, die neben lyrischen Gedichten Balladen und Epen aus dem -südamerikanischen Leben in düsterer, pessimistischer Färbung enthalten. - -=Eduard Grisebach=, geb. am 9. Okt. 1845, gab den »Neuen Tannhäuser« -und »Tannhäuser in Rom« heraus, leichtgeschürzte Poesien, die viel -Anerkennung fanden. G. hat sich ferner als Bibliophile und Herausgeber -der Werke Schopenhauers u. a. verdient gemacht. - -=Emil Prinz von Schönaich-Carolath=, geb. am 8. April 1852 zu Breslau, -lieferte in seinen Dichtungen den Beweis, daß jemand Prinz und doch ein -großer Dichter, Zigeuner und Weltmann zugleich sein kann. Wenn auch -die Schöpfungen dieses modernen Byron (»Lieder an eine Verlorene«, -»Tauwasser«, »Dichtungen«, »Geschichten aus Moll« u. a. m.) von -Koketterie und Salon-Zigeunertum nicht frei sind, so kommen ihm doch an -Größe und Leidenschaft nur wenige der Modernen gleich. - -=Hieronymus Lorm= (Pseudon. für Heinrich Landesmann), geb. am 9. Aug. -1821 in Nikolsburg, seit seinem Jünglingsalter taub und erblindet, -schrieb Romane und Novellen und that sich besonders als pessimistischer -Lyriker hervor (»Am Kamin«, »Gedichte«, »Nachsommer« u. a.). In seinen -philosophischen Schriften unternahm er, wenn auch mit wenig Glück, -wiederholt den Versuch, eine allgemein-verständliche Erörterung des -Lebensproblems zu geben. - -=Alberta von Puttkamer=, geb. am 5. Mai 1849 in Glogau, debütierte mit -dem Schauspiel »Kaiser Otto III.«, dem sie »Dichtungen«, »Accorde und -Gesänge«, »Offenbarungen« und »Aus Vergangenheiten« folgen ließ, in -denen sich ein glühendes Verlangen nach erträumtem Glück, Trauer und -Sehnsucht nach verlorenem ausspricht. - -=Ada Christen= (Pseudon. für Christiane Breden, geb. am 6. März 1844 -in Wien, ist eine Dichterin stark realistischen Gepräges, in deren -Gedichten (»Lieder einer Verlorenen«, »Aus der Tiefe«) sich das -seelische Unbefriedigtsein des Weibes ausspricht. - - - - -Die Marlitt und ihre Schule.[3] - - - [3] Paul Lindau siehe unter »Feuilletonisten«. - -=E. Marlitt= (Pseudon. für Eugenie John, geb. am 5. Dez. 1825 in -Arnstadt in Thüringen, gest. 1887, wurde viel verlästert von den -Modernen, aber viel geliebt von dem Publikum der Gartenlaube, das -ihre Romane »Goldelse«, »Das Geheimnis der alten Mamsell«, »Das -Heideprinzeßchen« u. a. nicht las, sondern verschlang. - -=W. Heimburg= (Pseudon. für Bertha Behrens), geb. am 7. Sept. 1850 -in Thale am Harz, ist ein Gartenlaube-Talent, das sich in wenig oder -nichts von der Marlitt unterscheidet. Ihre Produktion wird schon -durch die Titel ihrer Werke charakterisiert: »Aus dem Leben einer -alten Freundin«, »Lumpenmüllers Lieschen«, »Ein armes Mädchen«, -»Herzenskrisen«, »Trotzige Herzen« u. s. w. - -=E. Werner= (Pseudon. für Elisabeth Bürstenbinder), geb. am 25. Nov. -1838 in Berlin, gehört zu denjenigen Schriftstellerinnen, die ein Motiv -so lange variieren, bis es sich zu »Gesammelten Werken« ausgewachsen -hat. (»Ein Held der Feder«, »Am Altar«, »Gesprengte Fesseln«, »St. -Michael« u. a.) - -=Marie Bernhard=, geb. am 7. Nov. 1852 in Königsberg i. Pr., widmete -sich der Schriftstellerei im Genre der Gartenlaube (»Forstmeister -Reichardt«, »Im Strom der Zeit«, »In Treue fest«, »Schule des Lebens«, -»Unweiblich« u. a.) - -=Nataly von Eschstruth= (Mädchenname der jetzigen Frau v. -Knobelsdorff-Brenkenhoff), geb. am 17. Mai 1860 in Hofgeismar, wurde -vom Deutschen Schriftsteller-Verband als die »beliebteste« Erzählerin -proklamiert und ist bemüht, durch die Quantität zu ersetzen, was ihr -an Qualität fehlt. Ihre »Werke« stehen noch unter denen der Marlitt, -Heimburg etc. - - - - -Die »Jüngstdeutschen« und ihre Vorkämpfer. - - -=Karl Bleibtreu=, geb. am 13. Januar 1859 in Berlin, schrieb mehr -Bände als er Jahre zählt und ist einer der großen Woller und -kleinen Könner. Vielseitig veranlagt und ein geistreicher, witziger -Kopf, irrlichtelierte er von einem Gebiete zu dem andern, ohne -über Ansätze hinauszukommen und ohne Fähigkeit zur Konzentration -und -- Bescheidenheit. Ist Feuer in seinen Werken, so ist es -sicher Brillantfeuer, das keine Wärme giebt und dessen Abbrennen -teilnahmlos läßt. Von seinen zahlreichen Werken nennen wir nur »Dies -irae, Erinnerungen eines französischen Offiziers«; die Aufzählung -seiner dramatischen, lyrischen und epischen Produktion, wie seiner -Glaubensbekenntnisse, müssen wir uns Raummangels wegen versagen. Die -Broschüre: »Die Revolution der Litteratur«, die zum ersten Mal dem -großen Publikum Kenntnis von den Absichten der »Jungen« gab, hat ein -gewisses litterarhistorisches Interesse. - -=Michael Georg Conrad=, geb. am 5. April 1846 zu Gnodstadt in Franken, -eine eigenartig und scharf ausgeprägte Dichternatur mit einer -ausgesprochenen Neigung zu politischer Bethätigung, gab in Gemeinschaft -mit Karl Bleibtreu die »Gesellschaft« heraus, die er ganz in den Dienst -der modernen Ideen stellte. Seine von Zola und einem jahrelangen -Aufenthalt in Paris beeinflußten Romane: »Was die Isar rauscht«, »Die -klugen Jungfrauen«, »Die Beichte des Narren«, »In purpurner Finsternis« -u. a. sind nicht frei von Kraftmeierei und Übertreibungen. - -=Hermann Conradi=, geb. am 12. Juni 1862 in Jeßnitz, gest. am -8. März 1890, eins der Häupter der Stürmer und Dränger, schrieb -»Brutalitäten«, »Lieder eines Sünders« und die Romane: »Phrasen« und -»Adam Mensch«, Werke, die von Brutalitäten, Phrasen, Menschlichem und -Allzumenschlichem strotzen, und nur als ~documents humains~ von einigem -Interesse sind. - -=Konrad Alberti= (~recte~ Konrad Sittenfeld), geb. am 9. Juli 1862 in -Breslau, schrieb eine Reihe von Romanen, Novellen und Dramen im Stile -der Jüngstdeutschen, unter denen die Romane »Wer ist der Stärkere?« -und »Die Alten und die Jungen« die bedeutendsten sind. Seine spätere -Produktion wandte sich dem Unterhaltungsroman zu und entbehrt jeder -Eigenart. (»Die Rose von Hildesheim«, »Die schöne Theotaki« u. a.) - -=Heinrich Hart=, geb. am 30. Dez. 1855 in Wesel, Kritiker der -»Täglichen Rundschau«, gab in Gemeinschaft mit seinem Bruder die -»Kritischen Waffengänge« heraus, durch die sie den Modernen, mit denen -sie in ihrem dichterischen Schaffen sonst wenig Gemeinsames haben, -nahetraten. Das hervorragendste Werk H.'s ist das Epos »Das Lied der -Menschheit«. - -=Julius Hart=, geb. am 9. April 1859 in Münster, Bruder des vorigen, -schrieb teils selbständig, teils in Gemeinschaft mit seinem Bruder -eine Reihe kritischer und dichterischer Werke, von denen wir die -Gedichtsammlung »Sansara«, das Schauspiel »Sumpf«, die Prosadichtung -»Sehnsucht« und das zweibändige, populär geschriebene Werk: »Geschichte -der Weltlitteratur« hervorheben. - -=Hermann Heiberg=, geb. am 17. Nov. 1840 in Schleswig, Herausgeber -der Halbmonatsschrift »Niedersachsen«, stand ursprünglich mit den -Modernen in engster Fühlung, glitt jedoch später ganz in das Fahrwasser -der Unterhaltungslitteratur. Zu seinen bekanntesten Werken sind die -»Plaudereien mit der Herzogin von Seeland«, »Apotheker Heinrich« -und »Eine vornehme Frau« zu zählen, die sämtlich seiner ersten -Schaffensperiode angehören. - -=Max Kretzer=, geb. am 7. Juni 1854 in Posen, arbeitete sich vom -Fabrikarbeiter zum Schriftsteller empor. Seine Romane, die stark -realistisch gefärbt sind und ihm den Namen: der deutsche Zola -eintrugen, spielen meist in den Arbeiterkreisen der Reichshauptstadt, -die er vorzüglich kennt und zu portraitieren versteht. (»Meister -Timpe«, »Der Millionenbauer«, »Die gute Tochter« u. a.) Mit seinem -letzten Roman: »Das Gesicht Christi« ging er vom Realismus zum -Symbolismus über. - -=Wilhelm Walloth=, geb. am 6. Okt. 1856 zu Darmstadt, kämpfte in -den Reihen der Modernen an erster Stelle. Seine Romane aus dem Rom -des Niederganges »Oktavia«, »Paris der Mime«, »Ovid«, »Dämon des -Neides«, denen jede Konzentration fehlt, hielten nicht, was er früher -versprochen. Mit seinem neuesten Roman: »Im Banne der Hypnose« erregte -er statt Sensation Langeweile. Seine Dramen: »Marino Falieri«, »Johann -von Schwaben« sind reich an schönen Einzelheiten, aber als Ganzes -betrachtet verfehlt. - -=Wilhelm Arent=, geb. am 7. März 1864 in Berlin, spielte früher auf -der Bühne, später in der litterarischen Bewegung der 80er Jahre eine -Rolle und war Mitherausgeber der »Modernen Dichtercharaktere«. Seine -Poesie (mehr als 30 Bände!) ist überreich an Stimmung, aber form- und -gedanken-, ja sinnlos. - -=Wolfgang Kirchbach=, geb. am 18. Sept. 1857 zu London, schloß sich -nur locker der »Moderne« an und ist immer mehr seinen eigenen oft -sonderlichen Ideen nachgegangen. (»Ausgewählte Gedichte«, »Lebensbuch«, -»Das Leben auf der Walze«.) Seine Dramen »Des Sonnenreiches Untergang«, -»Gordon Pascha« fanden nur geteilte Aufnahme. - - - - -Socialistische Lyriker. - - -=Arno Holz=, geb. am 26. April 1863 in Rastenburg, ist allem Anschein -nach ein Talent, das eine große Zukunft vor sich hat. Sein »Buch der -Zeit« schlug neue, eigenartige Töne an und ließ H., der ursprünglich -als Geibelianer auftrat, als den berufensten socialistischen Lyriker -erscheinen. Aus seiner Verbindung mit Johannes Schlaf gingen die -Novellen: »Papa Hamlet« und das naturalistische Drama: »Familie -Selicke« hervor. Sein Drama »Socialaristokraten« fiel gänzlich ab und -die neue Dichtkunst, die er im »Phantasus« predigt und für die er -bereits eine »Revolution in der Lyrik« in Szene setzte, hat ihm nur -mitleidiges Lächeln und Achselzucken eingebracht, obwohl sie sich schon -durch ihre Einfachheit vorteilhaft vor anderen »Methoden« auszeichnet. - -=Karl Henckell=, geb. am 17. April 1864 in Hannover, gab mit Arent die -»Modernen Dichtercharaktere« heraus und stand mit seinen »Strophen« und -»Amselrufen«, die sich durch Glätte und Formgewandtheit auszeichnen, an -der Spitze der socialistischen Lyriker. - -=Maurice Reinhold von Stern=, geb. am 3. April 1859 in Reval, hat -eine außerordentlich bewegte Vergangenheit hinter sich, die ihn nach -Deutschland, Amerika und der Schweiz führte. (Nach dem Zusammenbruch -seiner Buchhandlung in Zürich postalisch und polizeilich nicht zu -ermitteln.) In seinen »Proletarierliedern«, »Ausgewählten Gedichten« -u. a. finden sich neben Naturbildern von Glanz und Stimmung, Plattes -und Geschmackloses. Sein autobiographischer Roman »Walther Wendrich« -zeigt seine Unfähigkeit, einen Stoff zu meistern und dichterisch zu -gestalten. Großes auf kleines übertragen, gilt von ihm das Wort Goethes -über Grabbe: »Er wußte sich selbst nicht zu zähmen, darum zerrann ihm -sein Leben wie sein Dichten«. - -=John Henry Mackay=, geb. am 6. Febr. 1864 in Greenock in Schottland, -ist ein Dichter mit revolutionären und salonanarchistischen Tendenzen, -in dessen Werken Denker, Dichter und Politiker in gleicher Weise zu -Worte kommen (»Kinder des Hochlands«, »~Arma parata fero~«, »Sturm«, -»Wiedergeburt«, »Gesammelte Dichtungen«, das Kulturgemälde: »Die -Anarchisten« u. a.). - -=Bruno Wille=, geb. am 6. Febr. 1860 in Magdeburg, zeigt sich in seinen -Gedichten und philosophischen Schriften als freier unabhängiger Denker, -der, vom Socialismus ausgehend, den Weg zum Individualismus findet. -(»Einsiedelkunst aus der Kiefernhaide« u. a.) - - - - -Die Nationalen. - - -=Adolf Pichler=, geb. am 4. Sept. 1819, ist der älteste Tiroler -Dichter: sein Leben und seine Werke reichen von der »Franzosenzeit« bis -zur Gegenwart. Ein Gelehrter und von allseitiger Bildung, weiß er doch -wahrhaft volkstümlich zu erzählen (»Allerlei Geschichten aus Tirol«, -»Letzte Alpenrosen«, »Aus den Tiroler Bergen« u. a.). Er hat ferner als -Lyriker »Hymnen« geschrieben, »Spätfrüchte« und »Marksteine«. Unter den -Vorkämpfern einer liberalen Weltanschauung, aber milde und versöhnlich, -steht er in vorderster Reihe. - -=Karl Pröll=, geb. in Graz 1840, bekannt als journalistischer -Vorkämpfer des Deutschtums in Böhmen, lebt seit vielen Jahren als -Schriftsteller in Berlin, von wo er neben zahllosen politischen -Schriften seine Lieder »Sturmvögel«, »Vergessene deutsche Brüder« -u. s. w. und seine prächtigen Sammlungen von Skizzen und Novellen -»Moderner Todtentanz«, Bd. 1--5, »Vogelbeeren«, »Spreu im Winde« etc. -veröffentlichte. - -=Fritz Lienhard=, geb. am 4. Okt. 1865 in Rothbach i/Els., war von -1893--1895 Redakteur des - -»Zwanzigsten Jahrhunderts« und Anfang 1900 auf kurze Zeit Herausgeber -der »Heimat«. Bedeutend sind seine »Lieder eines Elsässers«, sein -Wanderbuch »Wasgaufahrten« und besonders seine Dramen »Naphtali«, -»Weltrevolution«, »Till Eulenspiegel«. In seiner schriftstellerischen -und journalistischen Thätigkeit sucht er der »Heimatkunst«, dem -Nationalen in Dichtung und Leben, den Weg zu ebnen. - -=Anton Ohorn=, geb. am 22. Juli 1846 in Theresienstadt, schrieb -zahlreiche Romane, Erzählungen und Novellen, von denen das meiste -Aufsehen die nationale Erzählung »Das deutsche Lied« gemacht hat. - -=Anton August Naaff=, geb. am 28. Nov. 1850 in Weitentrebetitsch, -Herausgeber der »Lyra« in Wien, veröffentlichte die Liedersammlungen im -Volkstone: »Aus dem Dornbusch«, »Gartheil und Krauseminz«, »Der Sonn' -entgegen«, »Gerda« u. a. - -=Ottomar Beta= (eigentlich Bettziech), geb. am 7. Febr. 1845 in -Berlin, wurde in England erzogen. B. veröffentlichte außer zahlreichen -nationalökonomischen, socialpolitischen und politischen Schriften -mehrere Dramen und Romane, von denen das Trauerspiel »David Rizzio«, -das Lustspiel »Altmodisch und Modern«, das Schauspiel »Nichts halb!« -und besonders das Lustspiel »Feurige Kohlen« Anerkennung fanden. Seine -Novellen und Romane »Schmollis, ein Hundeleben«, »Unter Unkraut«, -»Peregrine«, »Die Rache ist mein« u. s. w. verraten ein bemerkenswertes -Erzählertalent. Beachtung verdient auch das satirische Epos -»Barbarossa's Botschaft«. - -=Adolf Graf von Westarp=, geb. am 21. April 1851 in Breslau, erregte -Aufsehen durch sein Buch »Fürst Bismarck und das deutsche Volk«, sowie -durch sein Lied »An den Kaiser« (nach Bismarcks Entlassung). W. ist -ein ebenso eigenartiger wie talentvoller Lyriker. (»Deutsche Lieder«, -»Idyllen und Elegieen aus den bayrischen Bergen«.) - -=Erwin Bauer=, geb. am 9. Jan. 1857 auf dem Gute Techelfer bei Dorpat -in Livland, begründete in Reval die »Nordische Rundschau«, 1890 in -Berlin »Das zwanzigste Jahrhundert«. Außer einigen Dramen gab B., -dessen Talent frühzeitig von der Politik beschlagnahmt wurde, die -Novellensammlungen »Aus dem Zarenlande« und »Einfache Geschichten«, -sowie die Erzählung »Der Selbstmord des Leutnants Mergenthin« heraus. -Sein bestes Werk ist der in Rußland spielende Roman »~Aut Caesar, aut -nihil~«. - -=Carl Kerstan=, geb. am 22. Okt. 1847 in Prag, machte sich als -Historienmaler einen Namen. Sein philosophischer Roman in 3 Bänden -»~Sapaere aude~« gehört zu den besten unserer Litteratur und verdiente -mehr Beachtung, als er gefunden. - - - - -Die großen neuzeitlichen Erzähler. - - -=Theodor Fontane=, geb. am 30. Dez. 1819 in Neuruppin, gest. am 20. -Sept. 1898, war wie Sudermann und Ibsen ursprünglich Apotheker. Eine -Reise nach England weckte sein dichterisches Talent, so daß er sich -bald ganz der Schriftstellerei widmete. F. ist besonders der Dichter -des Preußentums oder im engeren Sinne der Mark, Berlins. Er schrieb -die Romane »Irrungen, Wirrungen«, »Stine«, »Quitt«, »Frau Jenny -Treibel«, »Effi Briest« u. a., die zu den besten der neuzeitlichen -Erzählungslitteratur zu rechnen sind. Schon seit den vierziger Jahren -zählte F. zu den bedeutendsten Balladendichtern und Schilderern der -Mark Brandenburg. Seine »Wanderungen durch die Mark Brandenburg« -sind Landschaftsbilder von entzückender Anmut, sinniger Feinheit und -zugleich von frappierender Treue. Tüchtige litterarische Leistungen -sind außerdem seine Darstellungen der drei Kriege 1864, 1866 und 1870, -die wiederholt aufgelegt wurden. Mit zwei Bänden Erinnerungen aus -seinem Leben: »Meine Kinderjahre« und »Von Zwanzig bis Dreißig«, schloß -er seine dichterische Thätigkeit ab. - -=Wilhelm Jensen=, geb. am 15. Febr. 1837 in Heiligenhafen, ist einer -der eigenartigsten und markantesten Erzähler. Er ist der Dichter des -Meeres und der Heide und alle Stimmen, die er ihnen abgelauscht, -klingen in seinen Werken wieder. So ungleich auch die einzelnen Werke -J.'s untereinander sind, allen gemeinsam ist die melodische, wunderbare -Sprache und eine weiche, stillverträumte Stimmung, die über ihnen liegt -und den Leser gefangen nimmt. J. ist ein ungemein produktiver Dichter, -der sich jedes Jahr mit zwei, drei Bänden einstellt. Von seinen Werken -seien genannt: »Die braune Erica«, »Karin von Schweden«, »Tagebuch aus -Grönland«, »Aus den Tagen der Hansa«, »Jenseits des Wassers«, »Luv und -Lee«, »Sehnsucht«. Auch als Lyriker ist J. wiederholt hervorgetreten -und darf wohl den Anspruch erheben, als solcher neben Keller, Meyer und -Storm genannt zu werden. (Gesammelte Gedichte: »Vom Morgen zum Abend«.) - -=Marie von Ebner-Eschenbach=, geb. am 13. Sept. 1830 in -Zdislavic in Mähren, ist gegenwärtig die bedeutendste lebende -deutsch-österreichische Schriftstellerin. Sie ist eine Meisterin des -künstlerischen Realismus, den sie so sicher wie die besten Meister der -Erzählungskunst beherrscht. (»Bozena«, »Dorf- und Schloßgeschichten«, -»Zwei Komtessen«, »Das Gemeindekind«, »Rittmeister Brand« u. a.) - -=Adolf Wilbrandt=, geb. am 24. Aug. 1837 in Rostock, gab zuerst ein -Werk über Heinrich von Kleist heraus, dem er eine Reihe von Dramen: -»Arria und Messalina«, »Gracchus«, »Kriemhild«, »Graf Hammerstein«, -»Die Tochter des Herrn Fabricius«, »Der Meister von Palmyra« u. a. -folgen ließ, unter denen das letztgenannte das bedeutendste ist. In den -letzten Jahren hat sich W. fast ganz dem Zeitromane zugewandt (»Hermann -Ifinger«, »Die Osterinsel«, »Vater Robinson« u. a.). W. ist eine der -vornehmsten Erscheinungen unter den Schriftstellern der Gegenwart und -sowohl der Schiller- als auch der Grillparzerpreis sind ihm zugefallen. - -=Richard Voß=, geb. am 2. Febr. 1851 in Neugrape in Pommern, ist -eine reiche phantasievolle und starke Dichternatur, die sich leider -nicht zur künstlerischen Vollendung durchringen konnte. Ein nervöser, -dämonischer Zug geht durch alle seine Romane und Dramen, die bald -in Deutschland, bald in Italien, im Mittelalter oder in der Neuzeit -spielen. Eine zerrissene, unbefriedigte Natur, vermögen auch seine -Schöpfungen nicht zu befriedigen, von denen die meisten den Leser -narkotisieren oder peinigen. Seine erfolgreichsten Dramen sind -»Schuldig«, »Alexandra«, und »Eva«; von seinen Novellen und Romanen -sind »Römische Dorfgeschichten«, »Mönch von Berchtesgaden«, »Villa -Falconieri«, »Unter den Borgia«, die bekanntesten. - - - - -Realistische Erzähler. - - -=Ernst von Wolzogen=, geb. am 23. April 1855 in Breslau, ist einer -der ungleichmäßig schaffenden Dichter. Seine Tragikomödie: »Das -Lumpengesindel« ist noch immer sein bestes Werk. Einst erhoffte -man vieles von dem Talent dieses fabulierenden Freiherrn, der die -schöne Gabe des Humors besitzt und es versteht, seine Personen -treffend zu charakterisieren, doch produziert er seit langem nur -Unterhaltungslitteratur, wenn auch im besseren Sinne. Seine besten -Romane sind »Die Kinder der Excellenz« (auch als Lustspiel bearbeitet), -»Die tolle Komteß«, »Die Entgleisten«, »Der Kraftmayr«. - -=Konrad Telmann= (~recte~ Zitelmann), geb. 1854, gest. 1897, wurde -durch körperliches Leiden zur Aufgabe seines Berufes gezwungen und -lebte seit Jahren in Rom. T. hat eine außerordentlich große Anzahl von -Werken hinterlassen und eine rastlose Thätigkeit entfaltet, die seiner -Kunst nicht immer zum Vorteil gereichte. Er ist ein Übergangskünstler, -der sich Friedrich Spielhagen zum Vorbild nahm und über ihn hinaus den -realistischen Roman auszubauen und mit neuen, meist »interessanten« und -exotischen Zügen auszustaffieren suchte. Zu seinen besten Romanen, von -denen viele in der zweiten Heimat des Dichters, in Italien, spielen, -zählen: »~Vox populi~«, »Unterm Strohdach«, »Unter römischem Himmel«, -»Unter den Dolomiten«, »Götter und Götzen«, »Vom Stamme der Skariden«. - -=Alexander Baron von Roberts=, geb. am 23. Aug. 1845 in Luxemburg, -gest. 1896, zählte zu den besten Unterhaltungsschriftstellern, -besonders in den Romanen, die das Militärleben zum Gegenstand haben. -(»Es und Anderes«, »Götzendienst«, »Lou«, »Die schöne Helena«, -»Schwiegertöchter« u. a.) Sein Drama »Satisfaktion« ging mehrfach mit -Erfolg über die Bühne. - -=Georg von Ompteda=, geb. am 29. März 1863 in Hannover, veröffentlichte -(teilweise unter dem Pseudonym Georg Egestorff) »Von der Lebensstraße -u. a. Gedichte«, sowie die Romane »Drohnen«, »Unter uns Junggesellen«, -»Sylvester von Geyer« u. a., deren Stoff er vorzugsweise der deutschen -Armee entnahm. Als Übersetzer machte er sich durch die Übertragung der -Werke Guy de Maupassants bekannt. - -=Wilhelm von Polenz=, geb. am 14. Januar 1861 in Ober-Cunewalde, -debütierte mit dem Roman »Sühne« und ließ diesem dramatische -und novellistische Arbeiten, sowie die Romane »Der Pfarrer von -Breitendorf«, »Der Büttnerbauer«, »Der Grabenhäger« und »Wald« folgen, -in denen er hauptsächlich brennende Zeitfragen des gutsherrlichen und -bäuerischen Besitzstandes behandelt. - -=Adolf Schmitthenner=, geb. am 24. Mai 1854 in Neckarbischofsheim, -schrieb den Roman »Psyche« und »Novellen«, die eigenartige, fast -»gewagte« Probleme zu lösen suchen und sich durch feine Seelenmalerei -auszeichnen. - -=Karl von Perfall=, geb. am 24. März 1851 in Landsberg a/Lech, -behandelt in seinen Romanen gern moderne Probleme, ohne jedoch dem -Naturalismus große Konzessionen zu machen. (»Vornehme Geister«, »Die -Langsteiner«, »Die fromme Witwe«, »Sein Recht«.) - -=Anton von Perfall=, geb. am 11. Dez. 1853 in Landsberg a/Lech, -hat sich besonders durch seine Jagdgeschichten bekannt gemacht. -Seine Romane »Die Krone«, »Sein Dämon«, »Die Sonne« tragen zum Teil -realistisches Gepräge. - -=Oscar Mysing=, geb. am 1. Nov. 1867 in Bremen, schrieb seine ersten -Romane und Novellen, die zum größten Teile erotischer Natur sind -(»Überreif«, »Moderne Liebe«), unter dem Pseudonym Otto Mora und -ging später zur Familienblattlitteratur über. (»Die Bildungsmüden«, -»Verfolgte Phantasie«, »Nach der Sündflut«, »Beresina«.) - -=Richard Nordhausen=, geb. am 31. Januar 1868 in Berlin, war zuerst -politisch thätig und schrieb dann eine Reihe Epen (»Joß Fritz der -Landstreicher«, »Vestigia Leonis«, »Sonnenwende«), die sich durch -farbenprächtige Schilderungen, glühende Leidenschaft und große Plastik -auszeichnen. Mit dem Roman: »Die rote Tinktur« betrat N. die Pfade der -Unterhaltungslitteratur. - -=J. J. David=, geb. am 6. Febr. 1859 in Weißkirchen, schrieb -Schauspiele, Gedichte, Erzählungen u. a., die ein eigenartiges, etwas -widerborstiges Talent verraten. In seinen Werken »Höferecht«, »Blut«, -»Hagars Sohn«, »Gedichte«, »Probleme«, »Ein Regentag« u. a. schildert -er mit Vorliebe Menschen, die auf die Schattenseite des Lebens zu -stehen kamen. - -=Felix Hollaender=, geb. am 1. November 1867 in Leobschütz, debütierte -mit dem Roman »Jesus und Judas«, denen sich die Berliner Romane: »Ellin -Röte« und »Sturmwind im Westen« anschlossen. Mit Hans Land schrieb er -»Die heilige Ehe«. - -=Heinz Tovote=, geb. am 12. April 1861 in Hannover, suchte die Bahnen -Maupassants zu wandeln, ohne jedoch auch nur annähernd sein Vorbild -zu erreichen, mit dem er nur hinsichtlich der Pikanterie verglichen -werden kann. Seine Romane und Novellen aus der Berliner Demimonde: »Im -Liebesrausch«, »Fallobst«, »Frühlingssturm«, »Ich«, »Mutter«, »Das Ende -vom Liede«, »Die rote Laterne« u. a. erlebten viele Auflagen. - - - - -Die Unterhaltungstalente. - - -=Ernst Wichert=, geb. am 11. März 1831 in Insterburg, verfaßte -zahlreiche Lustspiele, von denen »Der Narr des Glücks«, »Als Verlobte -empfehlen sich« und »Ein Schritt vom Wege« sich noch auf der Bühne -erhalten haben. W. ist außerdem Verfasser vieler Romane und Novellen: -»Litauische Geschichten«, »Heinrich von Plauen«, »Hohe Gönner«, -»Anderer Leute Kinder«, »Vom alten Schlage«, »Der große Kurfürst in -Preußen«, u. a., von denen der letztgenannte, ein historischer Roman -größeren Stils, besonders hervorgehoben zu werden verdient. W., der bis -1896 dem Richterstande angehörte, schrieb seine Selbstbiographie 1899 -unter dem Titel: »Richter und Dichter«. - -=August Niemann=, geb. am 27. Juni 1839 in Hannover, früher Hauptmann, -führte sich mit einer Geschichte des französischen Feldzuges -1870/71 in die Litteratur ein. Sein bedeutendster Roman »Bakchen -und Thyrsosträger«, zieht gegen die materialistische Weltanschauung -zu Felde. In Buchhändlerkreisen fand besonders der Roman »Eulen und -Krebse«, das »Soll und Haben« des Buchhändlers, Beachtung. - -=Gerhardt von Amyntor= (Pseudon. für Dagobert von Gerhardt), geb. -am 12. Juli 1831 in Liegnitz, war Offizier und wandte sich dann -der Litteratur zu. Von seinen Werken, in denen sich oft ein Hang -zum Übersinnlich-Mystischen und zur Behandlung philosophischer und -religiöser Themata bemerkbar macht, ist der Roman »Gerke Suteminne« -das bedeutendste. Die »Hypochondrischen Plaudereien«, sowie die -Gegenschrift zur Tolstoi'schen Kreutzer-Sonate: »Die Cismoll-Sonate« -sind etwas hausbacken, aber erfüllt von echt vaterländischem Geiste, -der allezeit und unentwegt für deutsche Frauen, deutsche Treue, Gott -und Religion eintritt. Interessante Lebenserinnerungen legte A. in dem -Werke: »Das Skizzenbuch meines Lebens« nieder. - -=Otto von Leixner=, geb. am 24. April 1847 in Saar, bis vor kurzem -Redakteur der »Deutschen Romanzeitung«, schrieb im Sinne derselben eine -Reihe Romane, Aphorismen und Plaudereien, von denen die »Ästhetischen -Studien für die Frauenwelt«, »Laienpredigten für das deutsche Haus«, -»Aus meinem Zettelkasten«, und der Roman: »Also sprach Zarathustras -Sohn« am bemerkenswertesten sind. Seine »Geschichte der deutschen -Litteratur«, der nur feuilletonistischer Wert beizumessen ist, erlebte -vier Auflagen. - -=Fritz Mauthner=, geb. am 22. November 1849 in Horzitz, einer der -einflußreichsten Kritiker der Reichshauptstadt, zeigte seine Begabung -besonders in den in parodistischer Form auftretenden Kritiken: »Nach -berühmten Mustern« u. a. Mit seinen modern aufgeputzten Romanen aus -dem Altertum »Xantippe« und »Hypatia«, sowie »Der letzte Deutsche von -Blatna«, »Die Geisterseher«, »Die bunte Reihe« u. a. machte sich M. als -Romancier einen Namen. - -=Theophil Zolling=, geb. am 30. Dezember 1849 in Scafati, Herausgeber -der »Gegenwart«, zählt zu den besten Sittenschilderern Berlins. Von -seinen das hauptstädtische Leben behandelnden Romanen: »Der Klatsch«, -»Frau Minne«, »Kulissengeister«, »Die Million«, »Bismarcks Nachfolger« -erregte namentlich der letztere einiges Aufsehen. - -=Rudolf Stratz=, geb. am 6. Dez. 1864 in Heidelberg, wandte sich dem -Zeitroman zu und schrieb: »Unter den Linden«, »Belladonna«, »Die -kleine Elten«, »Der weiße Tod«, »Montblanc«, den Novellenband »Buch -der Liebe«, sowie einige Schauspiele. Sein Roman aus dem Bauernkrieg -von 1525, »Der arme Konrad« und das Drama: »Jörg Trugenhoffen«, eine -Konkurrenz des »Florian Geyer« von Hauptmann, beruhen auf tüchtigen -Quellenstudien und geben ein anschauliches Bild der damaligen Zeit. - -=Hans Land= (Pseudon. für Hugo Landsberger), geb. am 25. August 1861 in -Berlin, Herausgeber der Wochenschrift »Das neue Jahrhundert« (Berlin), -schrieb realistisch gefärbte Romane (»Der neue Gott«, »Um das Weib« u. -a.), sowie in Gemeinschaft mit Felix Hollaender das sociale Drama »Die -heilige Ehe«. - -=Wilhelm Wolters=, geb. am 8. November 1852 in Dresden, ist durch seine -Romane: »Sterbliche Götter«, »Helene Pawlowna« und Erzählungen (»Indian -Summer«, »Ach wenn du wärst mein eigen!«), besonders aber durch seine -erfolgreiche dramatische Produktion (»Tragische Konflikte« etc.) dem -größeren Publikum bekannt geworden. - -=Franz von Königsbrun-Schaup=, geb. am 22. Februar 1857 in Cilli, -schuf und befestigte seine litterarische Stellung durch die beiden -Romane: »Die Bogumilen« und »Hundstagszauber«, die ihn als feinsinnigen -Erzähler erkennen lassen. Künstlerisch weniger hoch stehen seine -»Gedichte« und »Märchen«, und der mit Wolters zusammen geschriebene -Schwank: »Der Hochzeitstag«, wird auf litterarischen Wert wohl -überhaupt keinen Anspruch erheben. - -=Fedor von Zobeltitz=, geb. am 5. Okt. 1857 in Spiegelberg, gehört -zu unseren besten Unterhaltungsschriftstellern. Von seinen letzten -Romanen erregte besonders »Der gemordete Wald« Interesse. Um die -deutsche Bibliophilie hat sich Z. durch Herausgabe der »Zeitschrift für -Bücherfreunde« verdient gemacht. - -=Hanns von Zobeltitz=, geb. am 9. Sept. 1853 in Spiegelberg, schrieb -eine Reihe Unterhaltungsromane im Stile des »Daheim« und der »Velhagen -und Klasing'schen Monatshefte«, deren Redakteur Z. ist. - -=Ida Boy-Ed=, geb. am 17. April 1852 in Bergedorf, eine der begabtesten -Schriftstellerinnen der alten Schule, veröffentlichte eine große Zahl -von Romanen, von denen »Die Schwestern«, »Abgründe des Lebens«, »Fanny -Förster« und »Aus Tantalus' Geschlecht« den meisten Anklang fanden. - -=A. v. der Elbe= (Pseudon. für Auguste von der Decken), geb. am 30. -Nov. 1828 in Bleckede, setzte die »Chronica eines fahrenden Schülers -von Clemens Brentano« fort und wandte sich vorzugsweise historischen -Stoffen zu (»Lüneburger Geschichten«, »Brausejahre«, »Apollonia von -Celle«, »Die jüngeren Prinzen«, »Der Seekönig« u. a.). - -=Claire Glümer=, geb. am 18. Okt. 1825 in Blankenburg, führte sich mit -Novellen und Skizzen in die Litteratur ein. (»Düstere Nächte«, »Aus der -Bretagne«, »Junge Herzen«.) - -=Sophie Junghans=, geb. am 3. Dez. 1845 in Kassel, ist Verfasserin -einer Reihe von Unterhaltungsromanen, von denen »Der Bergrat«, -»Ein Kaufmann«, »Lore Fay«, »Schwertlilie« und »Um das Glück« die -bekanntesten sind. - -=Luise Westkirch=, geb. am 8. Juli 1858 in Amsterdam, behandelte in -ihren Romanen und Novellen mit männlicher Kraft und Rücksichtslosigkeit -sociale Probleme der Gegenwart: »Aus dem Hexenkessel der Zeit«, »Die -Streber«, »Los von der Scholle« u. a. - - - - -Romanciers des ~High-life~. - - -=Rudolf Lindau=, geb. am 10. Okt. 1830 in Gardelegen, hatte durch -seinen diplomatischen Beruf Gelegenheit, die halbe Welt kennen zu -lernen. Er ist Weltmann großen Stils und in Paris und London ebenso -zu Hause wie in Peking und San Francisco. L. verfaßte mehrere größere -Romane, die in den Kreisen der internationalen Gesellschaft spielen -(»Robert Ashton«, »Gute Gesellschaft« u. a.) und gab Beschreibungen -seiner umfassenden Reisen heraus (»China und Japan« u. a.). - -=Ossip Schubin=, mit ihrem eigentlichen Namen Lolo Kirschner, geb. am -17. Juni 1854 in Prag, läßt ihre Romane zumeist in den Kreisen des -internationalen ~high life~, besonders der österreichischen Adels- und -Offizierskreise, spielen. Ihrem ersten Roman »Ehre« folgten »Schuldig«, -»Unter uns«, »Gräfin Erikas Lehr- und Wanderjahre«, »Gebrochene -Flügel«, »Es fiel ein Reif in der Frühlingsnacht« u. a. S. schreibt -fesselnd und interessant, doch haben ihre Romane etwas skizzenhaftes -und der Stil ist oft salopp oder gesucht. - -=Baron Carl Torresani=, geb. am 19. April 1846 in Mailand, war -österreichischer Kavallerieoffizier, bewirtschaftete einige Zeit sein -Gut als Ökonom und widmete sich dann der Bildhauerei. Seine Romane, -in denen er sich ganz als Österreicher giebt, spielen teils in den -Kreisen der österreichischen Armee, teils in denen der internationalen -Gesellschaft, für deren charakteristische Merkmale er einen scharfen -Blick besitzt. »Aus der schönen wilden Lieutenantszeit«, »Schwarzgelbe -Reitergeschichten«, »Mit tausend Masten«, »Auf gerettetem Kahn«, »Die -Juckerkomtesse«, »Der beschleunigte Fall«, »Aus drei Weltstädten« u. -a. Seiner Selbstbiographie gab er den Titel: »Von der Wasser- bis zur -Feuertaufe. Werde- und Lehrjahre e. österreichischen Offiziers«. - -=Johannes Richard zur Megede=, geb. am 8. Sept. 1864 in Sagan, -trat erst als reifer Mann mit einer Reihe von Romanen vor die -Öffentlichkeit. »Kismet«, »Unter Zigeunern«, »Quitt«, »Von zarter -Hand«, die in den exklusiven Adelskreisen spielen und den Verfasser -als einen scharfen Beobachter, der einen sicheren Blick für das -Charakteristische besitzt, erkennen lassen. - -=Bertha von Suttner=, geb. am 9. Juni 1843 in Prag, errang ihren -größten Erfolg mit dem Tendenzroman: »Die Waffen nieder«, der für die -Weltfriedensidee Propaganda macht. Von ihren übrigen Werken, die sehr -ungleich im Werte sind, verdienen noch »Inventarium einer Seele« und -»Das Maschinenzeitalter« genannt zu werden. - - - - -Die Feuilletonisten. - - -=Paul Lindau=, geb. am 3. Juni 1839 in Magdeburg, machte sich als -Kritiker einen Namen, den er als produktiver Dichter rasch wieder -einbüßte. Auch in seinen Romanen, die meist in Berlin ~W~ spielen und -starken ~haut-gout~ aufweisen, ist er der Feuilletonist von ehemals -geblieben, der nichts anderes als Eisenbahnlektüre geschrieben. - -=Max Nordau= (Pseudon. für Südfeld), geb. am 29. Juli 1849 in Budapest, -errang seinen größten Erfolg mit den von Alltagsweisheit triefenden -»Konventionellen Lügen der Kulturmenschheit«. Als Verfasser von -»Entartung« scheint er an Paradoxomanie zu leiden oder sie zu heucheln. - -=Julius Langbehn= hat mit seinem Buche »Rembrandt als Erzieher« einen -beispiellosen Erfolg gehabt, weil es »die Menschen zu verwirren weiß«. -Seine »40 Lieder eines Deutschen« zeigen die ganze dichterische -Unfähigkeit L.'s, dessen phantastisches und konfuses Erstlingswerk eine -geraume Zeit im Mittelpunkt aller litterarischen Diskussionen stand. - -=Emil Peschkau=, geb. am 19. Febr. 1856 in Wien, gab eine Reihe von -Skizzen, Epigrammen, Novellen und Romanen heraus, die ein hübsches -Talent auf humoristischem und satirischem Gebiete erkennen lassen. - -=Balduin Groller=, geb. am 5. Sept. 1848 in Arad, gilt als der -geistreiche Plauderer, der aus nichts eine schnurrige Geschichte -zusammendrechselt. (»Wenn man jung ist«, »Zehn Geschichten«, »In den -Tag hinein« u. a.) - -=Ferdinand Groß=, geb. am 8. April 1849 in Wien, schrieb zahlreiche -Skizzen, Novellen und Romane, die den liebenswürdigen Plauderer und -Feuilletonisten der Wiener Schule erkennen lassen. (»Blätter im Winde«, -»Litterarische Modelle«, »Zum Nachtisch«, »In Lachen und Lächeln«.) - -=Hermann Bahr=, geb. am 19. Juli 1863 zu Linz, kann als der Typus eines -Journalisten gelten, der in allen Sätteln reitet, in Rom und Madrid -zu Hause ist und überall sein Weanertum mitbringt. Ein geistreicher, -talentierter Kopf, der sich gern die Bühne erobern möchte, aber -auch als Schriftsteller immer Journalist bleibt. Er schrieb Romane, -litteraturgeschichtliche Abhandlungen und Theaterstücke, von denen -»Die neuen Menschen«, »Die Mutter«, »Tschaperl« und »Der Athlet« die -bemerkenswertesten sind. - -=Maximilian Harden= (~recte~ Witkowski), geb. am 20. Okt. 1861 -in Berlin, Herausgeber der »Zukunft«, einer der gewandtesten und -vielseitigsten Journalisten, veröffentlichte seine kritischen Aufsätze -unter dem Titel: »Apostata« und »Theater und Litteratur«. (Vergl. Zur -Charakteristik litterar. und verwandter Blätter.) - - - - -Die Industriellen.[4] - - - [4] Diese Rubrik, die ihrer Natur nach die umfangreichste des - ganzen Werkchens darstellen müßte, wurde auf Veranlassung - des Verlegers »als unerheblich« (?!) auf das »unbedingt - Notwendige« beschränkt. - -=Gregor Samarow= (Pseudon. für Oskar Meding), geb. am 11. April 1829 -in Königsberg i. Pr., kultivierte besonders den sensationell gefärbten -Zeitroman (»Scepter und Kronen«, »Europäische Minen und Gegenminen«, -»Zwei Kaiserkronen« und Dutzend andere). - -=Dr. Alfred Friedmann=, geb. am 26. Okt. 1845 in Frankfurt a. M., »ist -seit 27 Jahren auf allen Gebieten erfolgreich thätig, seine Romane -standen in der »Köln. Ztg.«, in »Westermanns Monatsheften«, »Nord und -Süd«, »Berliner Tageblatt« etc., seine Gedichte in 3 Bänden gesammelt, -standen überall. Zahlreiche Feuilletons trugen ihm Briefe bis aus -Ostindien ein, Heyse, Geibel, Bodenstedt, Lingg etc. schrieben über den -Dichter und waren ihm befreundet. F. war Redakteur in Wien, ist es in -Berlin, reiste zu Kongressen und wurde von Reclam in 7 Bänden von je 8 -Auflagen ~à~ 5000 Exemplare verlegt«.[5] - - [5] Unverkürzt nach den eigenen Angaben des Dichters. - - - - -Die dramatischen Hauptmänner der Gegenwart. - - -=Ernst von Wildenbruch=, geb. in Beirut am 3. Febr. 1845, ist einer -der erfolgreichsten Dramatiker der Gegenwart, seiner Artung nach mehr -den Älteren, denen Schiller noch keine abgethane Größe ist, als den -Modernen zuzuzählen. Wird auch bei ihm die Charakteristik sehr oft -durch die Rhetorik ersetzt, so ist er doch unerreicht in der Schaffung -wirkungsvoller Scenen. Von seinen erfolgreichsten Stücken der ersten -Zeit führen wir an »Die Karolinger«, »Harold«, »Der Mennonit«, »Väter -und Söhne«. Später entnahm W. hauptsächlich den Stoff seiner Dramen, -in denen sich der Hurrahpatriotismus auf Kosten des dichterischen -Gehalts breit macht, der Geschichte der Hohenzollern (»Die Quitzows«, -»Der Generalfeldoberst«, »Der neue Herr«, »Heinrich und Heinrichs -Geschlecht«). Den Einfluß Sudermanns zeigt das realistische Stück »Die -Haubenlerche«. Neben dem Dramatiker W. feierte der Erzähler Triumphe -(»Humoresken«, »Der Astronom«, »Eifernde Liebe«, »Schwester-Seele« u. -a.). W.'s dichterisches Können findet den stärksten Ausdruck in seinen -Kindergeschichten: »Das edle Blut«, »Kinderthränen«. - -=Gerhart Hauptmann=, geb. am 15. Nov. 1862 in Salzbrunn, hat sich -in verschiedenen Berufen versucht, bevor er den Dichter in sich -entdeckte. Durch Arno Holz wurde er dem konsequenten Naturalismus -gewonnen; sein erstes Stück: »Vor Sonnenaufgang« steht ganz unter dem -Einflusse ausländischer Vorbilder, vor allem Ibsens. Nicht höher sind -die nächsten Dramen: »Das Friedensfest« und »Einsame Menschen« zu -werten. Erst das sociale Drama »Die Weber«, das ein Bild von der Lage -des deutschen Arbeiters in der letzten Vergangenheit giebt, brachte ihm -den ersehnten Erfolg, der durch die beiden nächsten Stücke »College -Crampton« und »Der Biberpelz«, die hauptsächlich Charakterstudien sind, -in denen sich eine humoristische, stark mit Satire vermischte Ader -offenbart, noch mehr befestigt wurde. Die nun folgende Traumdichtung -»Hannele« zeigt den Dichter im Lager der Symbolisten. Im »Florian -Geyer« sucht er mit vergeblichem Bemühen das historische Drama zu -meistern. Den Mißerfolg des letzteren Stücks, das alles andere, nur -nicht historisch ist, glich H. mit der »Versunkenen Glocke« aus, die -auf allen großen Theatern den Ruhm des Dichters kündete, der durch sein -nächstes Stück »Fuhrmann Henschel« zu einem unbestrittenen wurde. Ein -Mißerfolg war seiner letzten Schöpfung, »einer unbesorgten Laune Kind«: -»Schluck und Jau, Spiel zu Scherz und Schimpf mit 5 Unterbrechungen«, -die er noch bezeichnender Erlösungen hätte benamsen können, beschieden. -Sie beweist aufs neue, welch' großer Dichter Shakespeare war, von -dem sich H. zu dem Stücke »anregen« ließ. H. ist in erster Linie -novellistisches Talent, (vgl. auch »Bahnwärter Thiel«), ein scharfer -Beobachter und ein Meister der Kleinmalerei. Seine dichterische -Entwicklung ist sprungweise vor sich gegangen, er hat sich auf -allen Gebieten versucht, ehe er das Rechte fand, das ihn aus einem -psychologischen Destillateur zum Dichter machte. - -=Hermann Sudermann=, geb. am 30. Sept. 1857 in Matziken in Ostpreußen, -ergriff zuerst wie Ibsen -- mit dem er sonst keine Berührungspunkte -hat -- den Apothekerberuf, studierte dann in Königsberg und Berlin -Geschichte und Sprachen und wandte sich später ganz der Litteratur -zu. Ursprünglich als Romanschriftsteller thätig, errang er seinen -ersten glänzenden Erfolg mit dem Schauspiel »Ehre«, das über sämtliche -deutsche und ausländische Bühnen ging. Ein starkes theatralisches -Talent, hat er es immer verstanden, Konzessionen an die große Menge -zu machen. Er kennt sein Publikum und weiß, was er ihm vorzusetzen -hat, daher findet er selten den Mut einer Tendenz. Ein trostloser -Pessimismus geht durch seine Stücke, in denen er das Faule und Morsche -mit besonderer Vorliebe behandelt, ohne jedoch den Weg zu einer -besseren Zukunft auch nur anzudeuten. Über den Mangel an dichterischem -Gehalt täuscht er hinweg durch eine brillante Technik und eine -feine Witterung für die modernsten Probleme. Seine Kunst ist keine -innerliche, sie läßt eine selbständige Weltanschauung vermissen. Das -tritt nicht nur in seinem ersten Stück, sondern auch in seinen späteren -Schöpfungen: »Sodoms Ende«, »Heimat«, »Schmetterlingsschlacht«, -»Morituri«, »Das Glück im Winkel«, »Johannes«, »Die drei Reiherfedern« -zu Tage. Über dem Dramatiker wird häufig der Romancier Sudermann -vergessen, der uns mit einer Reihe spannend geschriebener Romane -und Novellen: »Im Zwielicht«, »Frau Sorge«, »Geschwister«, »Der -Katzensteg«, »Jolandes Hochzeit«, »Es war« beschenkt hat, unter denen -»Frau Sorge« obenan steht. - - - - -Die kleineren Dramatiker der Neuzeit. - - -=Max Halbe=, geb. am 4. Okt. 1865 in Guettland bei Danzig, errang -einen durchschlagenden Erfolg mit dem Stücke: »Jugend«, der ihn für -kurze Zeit in die Reihe der ersten Dramatiker stellte. Es gelang -ihm jedoch nicht, mit seinen späteren Stücken »Der Amerikafahrer«, -»Lebenswende«, »Mutter Erde«, »Das tausendjährige Reich«, von denen -das letztgenannte ein bedeutsamer Ansatz zum modern-historischen -Drama ist, diese Stellung zu behaupten, so sehr sie auch Zeugnis von -seinem ernsten künstlerischen Streben ablegen. H.'s Kunst wurzelt in -seiner heimatlichen westpreußischen Erde und hat ihre stärksten Seiten -in lyrischen Feinheiten. Von starkem dichterischen Gehalt ist seine -Dorfgeschichte »Frau Meseck«. - -=Ludwig Fulda=, geb. am 15. Juli 1862 in Frankfurt a/M., erweckte -bei dem Erscheinen der Schauspiele »Das verlorene Paradies« und -»Talisman« große Hoffnungen, die jedoch nicht verwirklicht wurden, da -sich seine Muse immer mehr zu Roderich Benedix hingezogen fühlte. F. -ist ein geistreicher, formgewandter Causeurpoet, seine Stücke hübsch -gedrechselte Salonware, ohne großen Gehalt, aber amüsant und auf -Massenerfolg hin geschrieben (»Die Kameraden«, »Robinsons Eiland«, »Der -Sohn des Kalifen«, »Jugendfreunde«, »Schlaraffenland«). Bemerkenswertes -leistete F., der über große Formgewandtheit und sprachliches Talent -verfügt, auf dem Gebiete des Epigramms und der Spruchdichtung, sowie -als Übersetzer (Molière, Rostand). - -=Arthur Schnitzler=, geb. am 15. Mai 1862 in Wien, hatte bedeutende -Bühnenerfolge mit seinen Schauspielen »Anatol«, »Märchen«, »Liebelei«, -»Freiwild«. Er ist der Liebespsychologe der Halbwelt, ein Dichter der -tändelnden, leichten, freien Liebe, der »kleinen süßen Mädels«, wie sie -Wien kennt. Seine Männer sind echte Lebemänner, die skrupellos ihrem -Vergnügen nachgehen und es dort suchen, »wo man lächelnd den ersten Kuß -empfängt und mit sehr sanfter Rührung scheidet«. - -=Josef Lauff=, geb. am 16. Nov. 1855 in Köln, begann seine -litterarische Laufbahn mit epischen Gedichten (»Jan van Calker«, »Der -Helfensteiner«, »Die Overstolzin«, »Klaus Störtebecker« u. a.) und -wandte sich dann unter kaiserlicher Protektion dem Drama zu (»Der -Burggraf«, »Der Eisenzahn«). In seinen Epen ist er ein verwässerter -Julius Wolff, in seinen Dramen ein verwässerter Wildenbruch. - -=Felix Philippi=, geb. am 5. Aug. 1851 in Berlin, wandte sich fast -ausschließlich der dramatischen Produktion zu (»Daniela«, »Wohlthäter -der Menschheit«, »Wer war's?«, »Das Erbe«, »Der goldene Käfig« u. a.). -Seine letzten Stücke, die meist sensationellen Hofgeschichten oder -politischen Vorkommnissen ihre Entstehung verdanken, wurden beifälliger -vom Publikum als von der Kritik aufgenommen. - -=Max Dreyer=, geb. am 25. Sept. 1862 in Rostock, führte sich vor ein -paar Jahren mit dem Drama »Eine« verheißungsvoll in die Litteratur -ein, schuf jedoch bald Stücke (»In Behandlung«, »Großmama«, »Hans«, -»Der Probekandidat«), an denen der klug rechnende Verstand mehr Anteil -hat, als das künstlerische Gewissen. Sie sind weniger Dichtungen als -Rechenexempel, deren Richtigkeit allerdings durch den Erfolg bestätigt -wird. - -=Josef Ruederer=, geb. am 15. Okt. 1861 in München, schuf in seinem -Erstlingsromane: »Ein Verrückter. Kampf und Ende eines Lehrers« -prächtige Gestalten und in der »Fahnenweihe« eine lebendige -Sittenkomödie. Seine neuesten Veröffentlichungen: der Novellenband -»Tragödien« und »Wallfahrer-, Maler- und Mördergeschichten« stehen -nicht ganz auf gleicher Höhe. - -=Caesar Flaischlen=, geb. am 12. Mai 1864 in Stuttgart, Redakteur -des »Pan«, ist ein sprödes und nicht sehr ergiebiges Dichtertalent, -das stets die »Moderne« auf sich einwirken ließ. Seine Dramen: »Toni -Stürmer« und »Martin Lehnhardt, ein Kampf um Gott« stehen ganz unter -dem Einflusse Strindbergs. - -=Otto Erich Hartleben=, geb. am 3. Juni 1864 in Clausthal, ist der -Ironiker unter den Modernen, der bei Maupassant in die Schule gegangen -ist und mit liebenswürdigem Humor seine Geschichten und Schnurren, -die er vorsorglich meist irgend einem Philister in den Mund legt, zu -erzählen weiß (»Die Geschichte vom abgerissenen Knopf«, »Vom gastfreien -Pastor«, »Der römische Maler«). Als Dramatiker ist er Thesendichter -(»Ein Ehrenwort«, »Die Erziehung zur Ehe«, »Ein wahrhaft guter Mensch« -u. a.). - -=Philipp Langmann=, geb. am 5. Febr. 1862 in Brünn, errang einen -großen und verdienten Erfolg mit seinem socialen Arbeiterdrama »Bartel -Turaser«, der seiner späteren dramatischen Produktion (»Die vier -Gewinner«, »Gertrud Antleß«) ebenso verdienter Weise versagt blieb. -Seine ganz in impressionistischem Stile geschriebenen »Realistischen -Erzählungen« und »Ein junger Mann von 1895 und andere Novellen« sind -bedeutungslos. Hübsche stimmungsvolle Bilder enthält dagegen sein -neuester Novellenband »Verflogene Rufe«. - -=Ernst Rosmer= (~recte~ Frau Elsa Bernstein) schrieb »Wir Drei«, -»Dämmerung«, »Königskinder«, sowie den Novellenband »Madonna«, in denen -sie den Spuren Gerhart Hauptmanns folgt. - -=Georg Hirschfeld=, geb. am 17. Febr. 1873 in Berlin, schuf seine -Schauspiele aus dem engen Kreise seiner (jüdischen) Familie heraus. »Zu -Hause«, »Die Mutter« und »Agnes Jordan« errangen daher bei dem Berliner -Premièrenpublikum freundliche Erfolge. - - - - -Tendenzfreie Lyriker der jüngsten Zeit. - - -=Detlev von Liliencron=, geb. am 3. Juni 1844 in Kiel, war Offizier -und wandte sich erst im reifen Mannesalter der Litteratur zu. Seine -litterarische Stellung verdankt er hauptsächlich seinen Gedichten, -in denen er sich als durchwegs subjektiver Dichter zeigt, dessen -Werke den Stempel der Ursprünglichkeit und des Selbsterlebten tragen. -(»Adjutantenritte«, »Gedichte«, »Der Haidegänger«, »Neue Gedichte«, -»Ausgewählte Gedichte«, »Kämpfe und Ziele«.) Die Form seiner Werke ist -nicht immer einwandfrei, weil oft ein burschikoses Sichgehenlassen -hervortritt, aber die Unmittelbarkeit seiner Empfindungsdarstellung -und die Frische seiner Gedanken vermögen wohl für diese Fehler zu -entschädigen. Sein bester Roman ist »Breide Hummelsbüttel«, der in den -Kreisen des holsteinischen Landadels spielt. Viel Lob ernteten auch -seine Novellensammlungen: »Eine Sommerschlacht«, »Kriegsnovellen«, -»Unter flatternden Fahnen« und sein neuester Roman: »Mit dem linken -Ellenbogen.« - -=Gustav Falke=, geb. am 11. Januar 1853 in Lübeck, steht hinsichtlich -der Begabung Detlev v. Liliencron am nächsten. Obwohl seine Lyrik -viel Formales enthält, hat er doch die Mittel, die höchsten und -reinsten Wirkungen zu erzielen und den Leser in seine Stimmungen -hineinzuzwingen. Gedichte: »Mynheer der Tod und andere Gedichte«, -»Tanz und Andacht«, »Zwischen zwei Nächten«, »Neue Fahrt«, »Mit dem -Leben«. Seinem stark realistisch gefärbten Hamburger Roman »Landen -und Stranden« ließ er vor kurzem den psychologischen Roman eines -~fin-de-siècle~-Menschen: »Der Mann im Nebel« folgen. - -=Carl Busse=, geb. am 12. Nov. 1872 zu Lindenstadt in Posen, lenkte -schon als Schüler die Aufmerksamkeit litterarischer Kreise auf sein -dichterisches Schaffen. In seinen »Gedichten« und »Neuen Gedichten«, -die in der Form von größter Reinheit sind, ist alles Farbe, Glanz und -Stimmung. Seine Romane und Novellen entbehren der Charakteristik, -während seine litteraturgeschichtlichen Untersuchungen feine -Bemerkungen und treffende Urteile aufweisen. - -=Ludwig Jacobowski=, geb. am 21. Januar 1868 in Strelno, Herausgeber -der »Gesellschaft«, ist einer der fleißigsten und begabtesten der -jüngeren Dichtergeneration. Seine Gedichte (»Aus bewegten Stunden«, -»Funken«, »Aus Tag und Traum«, »Leuchtende Tage«), zeigen ein -eigenartiges Gepräge, das auch in seinen Romanen »Werther der Jude«, -»Loki« und der Novellensammlung »Und Satan lachte« zu Tage tritt. - -=Richard Zoozmann=, geb. am 13. März 1863 in Berlin, mehr Dilettant als -Dichter, gab eine ganze Reihe von Gedichtsammlungen heraus, von denen -hier »Minneborn«, »Lieder, Romanzen und Balladen«, »Neue Dichtungen«, -»Aus Herz und Welt«, »Aus allen Zonen« genannt sein mögen. - -=Reinhold Fuchs=, geb. am 8. Juni 1858 in Leipzig, ist gleich -ausgezeichnet als Lyriker wie als Epiker. Die Versnovellen »Strandgut« -und »Herzenskämpfe«, drei Erzählungen in Versen, sind »goldene Früchte -in silbernen Schalen« und brauchten den Vergleich mit Tennyson nicht zu -scheuen. - -=Jeannot Emil Freiherr von Grotthuß=, geb. am 5. April 1865 in -Riga, Chefredakteur des »Türmer«, zeigt sich in seinen auch formell -einwandfreien Gedichten »Gottsuchers Wanderlieder«, sowie in der -Erzählung: »Der Segen der Sünde« als ein überzeugungstreuer Christ. - -=Ricarda Huch= (~recte~ Frau Ricarda Ceconi), geb. am 16. Juli 1864 -zu Porte Alegre, bekundete in ihren im Denken und Fühlen modernen -»Gedichten«, sowie in dem Roman »Erinnerungen von Ludolf Urslen dem -Jüngeren« ein starkes poetisches Talent. - -=Alfred Beetschen=, geb. am 8. Okt. 1864 in Aarau, ist ein -feinsinniger, liebenswürdiger Dichter, dem auch Witz und Satire nicht -fremd sind. Seine »Gedichte«, die er 1898 herausgab, spiegeln fast -durchweg Selbsterlebtes und -empfundenes wider. Ein hübsches wenn -auch nicht gerade bedeutendes novellistisches Talent spricht aus den -»Flegeljahren der Liebe«. - -=Hans Bethge=, geb. am 9. Januar 1876 in Dessau, der Jüngsten einer -in der Litteratur, debütierte mit dem Skizzenbuche »Syrinx«, dem er -Gedichte: »Die stillen Inseln« folgen ließ, in denen sich eine frische, -fröhliche Jugend ausspricht, die aber dank des Storm'schen Vorbildes -künstlerisch nicht auf Abwege gerät. Er ist ein Moderner und doch -»unmodern«, weil er noch Ideale hat. - -=Anna Ritter=, geb. am 23. Febr. 1865 in Coburg, gab 1898 »Gedichte« -heraus, die die leidenschaftliche hingebende Liebe des Weibes in -formvollendeten Versen zum Ausdruck bringen. - -=Johanna Ambrosius= (~recte~ Johanna Voigt), geb. am 3. August 1854 -in Lengwethen, führte sich als »arme Bäuerin« in die Litteratur ein -und verdankte dieser Darstellung einen großen buchhändlerischen Erfolg -ihrer »Gedichte«. - -=Ludwig Palmer= brauchte kaum als »Arbeiter« gleichsam entschuldigend -in die Litteratur eingeführt zu werden. Ein großer Teil seiner »Lieder -eines Arbeiters« sind, bei tiefem Gefühlsgehalt, in der Form tadellos. - -=Gustav Renner=, geb. am 17. Oktober 1866 in Freiburg in Schl., war -ursprünglich Buchbinder und ging dann zur Kunstmalerei über. Seine -»Gedichte« erregten Aufsehen und wurden von der Kritik ebenso günstig -aufgenommen, wie die »Neuen Gedichte«, die eher eine Steigerung als -eine Abnahme seines dichterischen Könnens verraten. - - - - -Philosophische und polemische Dichter. - - -=Ferdinand Avenarius=, geb. am 20. Dez. 1856 in Berlin, zeigt sich -in seinen Gedichtsammlungen als objektiver Lyriker, der oft statt -Empfindungen Grundsätze zum Ausdruck bringt. (»Wandern und Werden«, -»Lebe« und das lyrische Epos: »Die Kinder von Wohldorf«.) Als -Herausgeber des »Kunstwart« hat er auf unser litterarisches und -künstlerisches Leben vielfach Einfluß gewonnen. - -=Otto Ernst= (Pseudon. für Otto Ernst Schmidt), geb. am 7. Okt. 1862 -in Ottensen bei Hamburg, von Beruf Lehrer, ist eine kampfesfrohe, -polemische Natur, die sich gern gegen das Althergebrachte wendet und -auch in der Litteratur oft den Herrn Lehrer spielt. (Gesammelte Essays -aus Litteratur, Pädagogik und öffentlichem Leben unter dem Titel: -»Offenes Visier«, »Buch der Hoffnung«.) Seine besten Werke sind die -Novellensammlung »Aus verborgenen Tiefen«, die »Karthäusergeschichten« -und die humoristischen Skizzen: »Ein frohes Farbenspiel«. Das Ende 1899 -erschienene Schauspiel: »Die Jugend von heute« ist trotz stellenweise -treffender Satire ein verfehlter Versuch zu einer »deutschen Komödie«. - -=Wilhelm Weigand=, geb. am 13. März 1862 in Gissigheim, gab sich als -geistvoller Essayist in seinen litteraturgeschichtlichen Schriften. -Außer dem Roman: »Die Frankenthaler« und einer Reihe dramatischer -Schriften »Die Renaissance« (Dramencyklus) u. a. gab er »Dramatische -Gedichte«, »Sommer« (Neue Gedichte) u. a. heraus. - -=Carl Spitteler= (Pseudon. Felix Tandem), geb. am 24. April 1845 in -Luzern, der bedeutendste lebende Dichter der Schweiz, debütierte mit -der Dichtung »Prometheus und Epimetheus«, der er die Gedichtsammlung -»Schmetterlinge« und »Balladen« folgen ließ. Als geistreicher Causeur -zeigt er sich in den »Lachenden Wahrheiten«. - -=Josef Viktor Widmann=, geb. am 20. Febr. 1842 in Nennowitz i. M., -bekannt als litterarischer Kritiker des »Berner Bund«, begann seine -Laufbahn mit Dramen und Epen, die stark philosophisch angehaucht sind. -Von seinen letzten Werken wurde das Epos »Maikäfer-Komödie«, das sich -durch liebenswürdigen Humor auszeichnet und viele satirische Spitzen -und Anspielungen enthält, beifällig aufgenommen. - -=Christian Wagner=, geb. am 5. August 1835 in Warmbrunn, lebt als Bauer -in seinem Geburtsorte. Er ist ein tüchtiger Botaniker und weiß in -seinen prosaisch-poetischen Naturbetrachtungen die charakteristischen -Eigentümlichkeiten der Blumen zu kleinen Märchen auszugestalten. -(»Märchenerzähler, Bramine und Seher« [in 2. Aufl. unter dem Titel: -»Sonntagsgänge«], »Balladen und Blumenlieder«, »Weihegeschenke«, »Neue -Dichtungen«.) Seine buddhistisch-brahmanistische Weltanschauung legte -er in seinem letzten Werke »Mein Glaube« nieder. - -=Wilhelm Bölsche=, geb. am 2. Jan. 1861 in Köln, hat sich durch seine -auf naturwissenschaftlicher Grundlage aufgebauten Schriften über -die moderne Dichtung und Wissenschaft einen Namen gemacht. Als sein -reifstes und bestes Werk gilt der Roman: »Die Mittagsgöttin«. - -=Walther Siegfried=, geb. am 20. März 1858 in Zofingen (Schweiz), -errang mit seinem Künstlerroman »Tino Moralt«, der sich durch feine -Seelenmalerei auszeichnet, einen vollen Erfolg. Auf nicht ganz gleicher -Stufe stehen seine späteren Werke: »Fermont« und »Um der Heimat willen«. - -=Benno Rüttenauer=, geb. am 2. Febr. 1855 in Oberwittstadt, machte -sich durch gediegene litterarische Essays bekannt. Die alte gute -Kunstüberlieferung suchte er, im Gegensatz zur modernen Schule, in -seinen Romanen und Novellen (»Unmoderne Geschichten«, »Zwei Rassen«) -wieder zur Geltung zu bringen. - - - - -Die Amazonen des Geistes. - - -=Marie Eugenie delle Grazie=, geb. am 14. Aug. 1864 in -Unter-Weißkirchen, veröffentlichte Gedichte und Epen, von denen das -moderne großangelegte Epos »Robespierre« das bekannteste ist. - -=Helene Böhlau= (Mädchenname der Frau al Raschid Bey), geb. am 22. -Nov. 1859 in Weimar als Tochter des dortigen Hofbuchhändlers Herm. B., -gelangte früh durch diese ›Verbindung‹ in die »Deutsche Rundschau« und -zur Anerkennung. Als ihre besten Werke sind die »Ratsmädel-Geschichten« -und »Der Rangierbahnhof« anzusehen. Ihr neuester Roman »Halbtier«, -der viel Staub aufwirbelte, gehört der hysterischen weiblichen -Anklagelitteratur an. - -=Anna Croissant-Rust=, geb. am 10. Dez. 1860 in Dürkheim a/H., ist die -Naturalistin ~par excellence~ in der deutschen Litteratur. (»Feierabend -und andere Münchner Geschichten«, »Lebensstücke«, »Der standhafte -Zinnsoldat«, »Der Kakadu und die Prinzessin auf der Erbse«.) - -=Maria Janitschek=, geb. am 23. Juli 1860 in Mödling, ist ein starkes, -dichterisches Talent, das eine besondere Vorliebe für absonderliche und -krankhafte ~fin-de-siècle~-Menschen bekundet. Mit Laura Marholm steht -sie an der Spitze der weiblichen Emanzipationsgegner und giebt ihren -Gedanken über das moderne Weib rückhaltlosen Eindruck. (»Gesammelte -Gedichte«, »Raoul und Irene«, »Aus der Schmiede des Lebens«, »Vom -Weibe«, »Ins Leben verirrt«.) - -=Emil Marriot= (Pseudon. für Emilie Mataja), geb. am 20. Nov. -1855 in Wien, gehört der realistischen Schule an. In ihren stark -katholisch gefärbten Werken »Geistlicher Tod«, »Die Unzufriedenen«, -»Caritas«, »Der Heiratsmarkt« u. a. kämpft sie mit Vorliebe für die -Frauenemancipation. - -=Hermione von Preuschen=, geb. am 7. August 1857 in Darmstadt, die -Gattin Konrad Telmanns, versuchte sich als Dichterin und Malerin, -ohne jedoch trotz aller Sensationsbestrebungen und Effekthascherei zu -reüssieren (»Regina Vitae«, »Tollkraut«, »Via Passionis« u. a.). - -=Lou Andreas-Salomé=, ist eine der gehaltvollsten und tiefsinnigsten -Erzählerinnen, auf deren künstlerischen Werdegang die Nietzsche'sche -Philosophie großen Einfluß gewann. Ihre Stärke liegt vor allem in -der Zergliederung des Menschencharakters, der Analyse der geheimsten -Seelenregungen. (»Ruth«, »Aus fremder Seele«, »Fenitschka«.) - -=Gabriele Reuter=, geb. am 8. Februar 1859 in Alexandrien, errang -einen vollen Erfolg mit ihrem viel von dem eigenen Denken und Fühlen -verratenden Roman: »Aus guter Familie«, der die Leidensgeschichte eines -jungen Mädchens enthält, das an der Erziehungslüge zu Grunde geht. 1896 -folgte ein Novellenband: »Der Lebenskünstler«. Anfang 1900 ein neuer -Roman: »Frau Bürgelin und ihre Söhne«. - -=Anselm Heine= (Pseudon. für Selma Heine), geb. am 18. Juni 1855 -in Bonn, gewann mit ihren Novellensammlungen: »Drei Novellen« und -»Unterwegs« die Gunst des Publikums und der Kritik. - -=Hans von Kahlenberg= (Pseudon. für Helene von Monbart), geb. am 23. -Febr. 1870 in Heiligenstadt, zeichnete sich in ihren Werken »Ein -Narr«, »Die Jungen«, »Die Familie von Barchewitz« und dem Briefwechsel -»Nixchen« durch eine Erotik aus, die die Wahl eines Pseudonyms zur -unbedingten Notwendigkeit machte. - -=Elsa Asenijeff= (Pseudon. für Elsa Nestoroff), eine aus slavischer -Abstammung geborene Wienerin, greift in ihren mit philosophischen -Anschauungen durchtränkten Schriften, die an Offenheit nichts zu -wünschen übrig lassen, vorzugsweise das »Ewig-Männliche« an. (»Ist das -die Liebe?«, »Aufruhr der Weiber«, »Sehnsucht.«) - - - - -»Artisten«, Symbolisten und Unverstandene. - - -=Johannes Schlaf=, geb. am 21. Juni 1862 in Querfurt, ging vom -Naturalismus aus (»Papa Hamlet«, »Familie Selicke« [in Gemeinschaft -mit Arno Holz], »Meister Olze«) und wandte sich dann dem Symbolismus -zu (»Frühling«, »Sommertod«, »Gertrud«). Von seiner Romantrilogie, -die den Entwicklungsprozeß eines »Neumenschen« hamletschen Gepräges -zeigen soll, ist bisher nur der 1. Band unter dem Titel: »Das dritte -Reich«, ein Berliner Roman, erschienen. Sch.'s Produktion nach seiner -Emancipation von Arno Holz zeigt, daß er dichterisch der bedeutendere -der beiden war, wenn ihm auch das Kraftvoll-Männliche abgeht und ein -weicher, verträumter Zug über seinen Werken liegt. - -=Otto Julius Bierbaum=, geb. am 28. Juni 1865 in Grünberg, redigierte -eine Zeitlang die »Freie Bühne«, die er in die »Neue Deutsche -Rundschau« umtaufte, gab den »Modernen Musenalmanach« heraus, gründete -mit dem Halbpariser Julius Meier-Gräfe den »Pan« und ist gegenwärtig -Mitherausgeber der »Insel«. B. warf sich zum Herold der Symbolisten -auf, mit denen er eine Versicherungsgesellschaft auf gegenseitige -Hochachtung und Anerkennung gründete, schrieb »Erlebte Gedichte«, -»Studentenbeichten«, »Nemt Frouwe disen Kranz«, »Pankrazius Graunzer«, -»Stilpe«, »Das schöne Mädchen von Pao« u. a., und giebt mit Vorliebe -seinen Bierulk für Humor aus. Der Originalität wegen sieht er sich -gern im Mittelalter, wenn nötig auch im Auslande, nach Gewändern -um, seine Figuren damit zu behängen und ihnen auf diese Weise ein -»charakteristisches Gepräge« zu geben, das ihnen sonst abgehen würde. - -=Franz Evers=, geb. am 10. Juli 1871 in Winsen, erweckte mit seinen -ersten Gedichtsammlungen »Symphonie« und »Fundamente« Hoffnungen, -verlor sich jedoch später ganz in die Irrgänge der Mystik (»Hohe -Lieder«, »Maria«, »Paradiese«), aus denen er bisher noch keinen Ausweg -gefunden hat. - -=Stanislaw Przybyszewski=, geb. am 7. Mai 1868 in Lojewo (Prov. Posen) -sucht in seinen Schriften den Beweis von der Verwandtschaft des Genies -mit dem Irrsinn zu erbringen, oder ist wenigstens bestrebt, beide so -mit einander zu verquicken, daß es dem Leser schwer fällt, in dem -einen das andere und in dem anderen das eine herauszufinden. Seine -dämonisch-verrückt-genialen Dichtungen peinigen den Leser geradezu mit -der Darstellung all' der wirklichen und eingebildeten Schmerzen einer -zerfaserten ~fin-de-siècle~-Seele. Für Gleichgesinnte, die erfahren -wollen, wie schwer sich der moderne Mensch das Leben machen kann und -wie sehr er leidet, wie nicht minder für Irrenärzte, sind die P.'schen -Werke (»~Homo sapiens~«, »~De profundis~«, »Satans Kinder«, »In diesem -Erdenthal der Thränen«) eine pathologische Goldgrube. - -=Richard Dehmel=, geb. den 18. November 1863 zu Wendisch-Hermsdorf, -ist einer der vielumstrittensten und einflußreichsten Litteraten der -Gegenwart, der, selbst ein Grübler, es verstanden hat, unklare Köpfe -durch seine lyrischen Stammeleien noch unklarer zu machen. Neben den -barocksten und verworrensten Gedichten gelingt ihm hin und wieder ein -sehr gutes. Wir besitzen von ihm die Gedichtsammlungen »Erlösungen«, -»Aber die Liebe«, »Lebensblätter«, »Weib und Welt«, ein Drama: »Der -Mitmensch« und das Tanzspiel: »Luzifer.« - -=Frank Wedekind=, geb. am 24. Juli 1864 in Hannover, hat sich mit -Vorliebe auf dem Gebiete des Dramas oder richtiger des Schwankes -bewegt. Er ist der Litteratur-Clown ~par excellence~, dessen tolle -Sprünge und Capriolen leider nicht für den Mangel an jeder Handlung in -seinen »Dramen«, die Groteskes und Tragisches in kunterbunter Mischung -enthalten, entschädigen können. (»Die junge Welt«, »Der Erdgeist«, -»Der Liebestrank« u. a.). Um seine litterarische Art und Stellung -noch präziser zu kennzeichnen, sei daran erinnert, daß er einer der -Hauptmitarbeiter des »Simplizissimus« war. - -=Wilhelm von Scholz=, geb. am 15. Juli 1874 in Berlin, ist Verfasser -von Gedichten (»Frühlingsfahrt«, »Hohenklingen«), die eine Neigung zu -altdeutsch-romantischer Mystik bekunden, wie auch zweier Dramen oder -richtiger lyrischer Gedichte in dramatischer Form (»Der Gast«, »Der -Besiegte«), denen dieselben Merkmale anhaften. - -=Felix Dörmann= (Pseudon. für Felix Biedermann), geb. am 29. Mai -1870 in Wien, liebte frühzeitig »die hektischen schlanken Narzissen, -alles was krank und faul und wund«. Dieser Geschmacksrichtung -entsprechen seine Gedichtsammlungen »Neurotica«, »Sensationen« und -die Sittenkomödie »Ledige Leute«, in denen er sich als krampfhafter -Dekadent erweist. - -=Hugo von Hofmannsthal=, geb. am 1. Febr. 1874 in Wien, schrieb -formschöne, feincisilierte, wenn auch dem Leben abgewandte Dichtungen. -Seine Begabung ist hauptsächlich formalistischer und stilistischer -Natur und seine Dramen (»Der Thor und der Tod«, »Der Abenteurer«, »Die -Hochzeit der Sobeïde«), deren Stoffe zumeist der Märchenwelt entnommen -sind, erinnern in vielem an D'Annunzio's letzte Werke. Als eine -Bereicherung unserer Bühne sind sie nicht anzusehen. - -=Hugo Salus=, geb. am 3. Aug. 1866 in Böhm.-Leipa, machte sich zuerst -durch Gedichte im »Simplizissimus« und der »Jugend« bekannt, in denen -schwere Gedanken mit übermütiger Schelmerei, ~fin-de-siècle~-tum mit -altdeutscher Romantik in buntem Reigen vorüberziehen. (»Gedichte«, -»Neue Gedichte«, »Ehefrühling«.) - -=Peter Altenberg=, geb. am 9. März 1862 in Wien, machte mit einer -Sammlung von Stimmungsbildern: »Wie ich es sehe« in Litteratenkreisen -Aufsehen. Sie ist ebenso wie »Aschantee« ganz im impressionistischen -Stile geschrieben, der sehr bequemerweise nur Andeutungen giebt und es -dem Leser überläßt, sie weiter auszuführen. - -=Stephan George=, geb. 1868 in Bingen a. Rhein, schrieb »Hymnen, -Pilgerfahrten, Algabal«, »Die Bücher der Hirten und Preisgedichte, -der Sagen und Sänge und der hängenden Gärten«, denen sich 1898 »Das -Jahr der Seele«, 1899 »Der Teppich des Lebens und die Lieder von Traum -und Tod« anschlossen. Seine Dichtungen -- ihrem »Wert« entsprechend -meist auf das feinste Büttenpapier gedruckt -- sind oft nicht weniger -verworren als die Titel, unter denen er sie herausgab. - -=Alfred Mombert= kann denjenigen jüngstdeutschen Lyrikern zugezählt -werden, deren überreizte, krankhafte Phantasie sich jeden Stoffes, -jeder Empfindung bemächtigt, um ihnen dichterischen Ausdruck zu geben. -Sein Gedichtband: »Die Schöpfung« läßt nicht klar erkennen, ob es sich -um einen langatmigen Scherz oder um Phantasien eines geistig Gestörten -handelt. - -=Paul Scheerbart=, geb. am 8. Jan. 1863 in Danzig, früher »Bureauchef -im Verlag deutscher Phantasten«, ist einer der seltsamsten Käuze in der -neuzeitlichen Litteratur, der neben phantastischen Einfällen eine gute -Dosis Blödsinn in seinen Schriften ablagert (»Tarub, Bagdads berühmte -Köchin«, »Der Tod der Barmekiden« u. a.). - - - - -Nationale Jungösterreicher. - - -=Arthur von Wallpach=, geb. am 6. März 1866 in Vintl (Tirol), -Schriftleiter des »Scherer«, veröffentlichte »Im Sommersturm« und -»Sonnenlieder«, ernste formvollendete Dichtungen, die von nationalem -Bewußtsein beseelt sind. - -=Franz Herold=, geb. am 15. Febr. 1854 in Böhmisch-Leipa, gab heraus -»Wachsen und Werden«, »Spuren«, »Fremde und Vaterland«, meistens -Gedankendichtungen, denen er eine ansprechende Form zu geben versteht. - -=Hermann Hango=, geb. am 16. Mai 1861 in Wien, verfaßte: »Zum Licht«, -»Neue Gedichte«, »Faust und Prometheus«, »Nausikaa« (Trauerspiel), die -sich durch schöne Form und Gedanken auszeichnen. - -=Josef Kitir=, geb. am 11. Febr. 1867 in Aspang in Niederösterreich, -Herausgeber der »Poetischen Flugblätter«, hat die Gabe, Ereignisse des -alltäglichen Lebens mit großer dichterischer Stimmung zu schildern. K. -veröffentlichte »Leben und Stimmung«, »Lyrische Radierungen«. - -=Oskar Weilhart= (Pseudon. für Oskar Gerzer), geb. am 26. September -1868 in Mattighafen, schrieb mit seinem Bruder Josef Hafner eine Reihe -von Dramen: (»Keine Sühne«, »Der Frauenkongreß«, »Brotlose Kunst«), -die trotz mancher dramatischer Unbeholfenheiten das Ringen ehrlichen -Könnens mit großen Stoffen beweisen. - -=Franz Adamus=, geb. am 15. Okt. 1867 in Auschwitz, wurde durch sein -in den schlesischen Bergwerksdistrikten spielendes Drama: »Familie -Wawroch« bekannt, in welchem er mit gutem Gelingen den gesunden -Realismus aus den Anfängen der modernen Litteraturentwickelung wieder -auf die Bühne bringt. - -=Emil Ertl=, geb. am 11. März 1860 in Wien, hat sich durch seine -Novellen »Opfer der Zeit«, »Miß Grant«, »Die Perlenschnur« u. a. als -feinsinniger Erzähler einen guten Namen errungen. - -=Heinrich von Schullern=, geb. am 17. April 1865 in Innsbruck, wurde -durch seine Skizzen (»Helldunkel«) bekannt, in denen man Stil, Grazie -und Esprit, oft auch nicht immer gut verteilte satirische Spitzen -findet. In seinem stellenweise stark polemisierenden Roman »Im Vormärz -der Liebe« schildert er die Geschichte einer zur Lebenserkenntnis -gelangenden Jugend. - -=Hanns Weber-Lutkow= (Pseudon. für ~Dr.~ Hanns Pokorny), geb. am 27. -September 1861 in Lemberg, veröffentlichte zahlreiche Skizzen und -kritische Arbeiten und entrollte in seinen »Schlummernden Seelen« -ergreifende Bilder aus dem Fühlen und Leben des niederen Volkes in -Kleinrußland. - -=Hugo Greinz=, geb. am 3. Juni 1873 in Innsbruck, Herausgeber des -»Kyffhäuser«, gilt als kritischer Vorkämpfer für die Idee einer von -der Großstadt unabhängigen österreichischen Provinzlitteratur. Seine -Novellen »Küsse« stehen unter Jacobsen'schem Einflusse. Mit Heinrich -von Schullern gab er 1898 den modernen Musenalmanach »Jung-Tirol« -heraus. - - - - -Zur Charakteristik litterarischer und verwandter Blätter. - - -An der Spitze unserer Revuen und litterarischen Zeitschriften -marschiert noch immer die von Julius Rodenberg gegründete und geleitete -»Deutsche Rundschau«, der in Inhalt und Ausstattung die »~Revue des -deux Mondes~« als Vorbild gedient hat. Erreichte sie auch nicht die -Verbreitung und den Einfluß ihrer französischen Schwester, so hat sie -doch alle Eigenschaften, die sie als ein vornehmes Organ im besten -Sinne charakterisieren, das die Lobsprüche, welche ihm anläßlich des -25jährigen Bestehens, im November 1899, gewidmet wurden, durchaus -verdient. In gewissem Abstande folgen »Nord und Süd«, herausgegeben -von Paul Lindau, und die »Deutsche Revue«, von denen sich die letztere -in neuester Zeit besonders durch ihre zahlreichen und umfangreichen -Bismarckpublikationen hervorgethan hat. - -Mehr dem Gebiet und dem Geiste der »Gartenlaube«, des »Daheims« u. -s. w. nähern sich »Westermann's Monatshefte«, eine sehr konservativ -gehaltene Zeitschrift, und »Velhagen und Klasings Monatshefte«, die dem -litterarischen Schaffen unserer Tage, besonders dem der Tagesgrößen, -aufmerksame Beachtung schenken und das Publikum gern einen Blick in -die litterarischen Werkstätten thun lassen. Nicht für das große -Publikum berechnet ist die »Neue Deutsche Rundschau«, die aus der -»Freien Bühne« hervorging, eine der »freiesten« Monatsschriften, -in der sich oft die wagehalsigsten Geschichtchen im Stile der -Allermodernsten finden. Sie hat den Erfolg Hauptmanns und seine -litterarische Stellung mit begründen helfen und uns mit einer Reihe -Ausländer, namentlich nordischer Schriftsteller, bekannt gemacht, die -ohne dieses Organ schwerlich in Deutschland zu Gehör gekommen wäre. Die -»Neue Deutsche Rundschau« hat in den 90er Jahren im Litteraturleben -fast dieselbe Stellung eingenommen, wie im vorausgegangenen Jahrzehnt -»Die Gesellschaft«. Als die Sturm- und Drangperiode der 80er Jahre -inauguriert wurde, scharten sich die neuen Streiter, alles was in -Litteratur machte und revoltierte, aber keinen Verleger finden konnte, -um das Banner der »Gesellschaft«, an deren Spitze M. G. Conrad und Karl -Bleibtreu standen. Wie die Mitarbeiter der »Neuen Deutschen Rundschau« -in S. Fischer, Berlin, so fanden die Jüngsten der »Gesellschaft« in -Wilhelm Friedrich, Leipzig, ihren Verleger. Als die Bewegung, deren -Bedeutung man nicht unterschätzen darf, wenngleich ihre Haupthelden -viel gethan haben, sich um allen Kredit zu bringen, in ein ruhigeres -Fahrwasser glitt, als man das Geschrei von der Wolle sonderte, da sank -auch die »Gesellschaft« von Stufe zu Stufe, trieb sich, ohne festen Fuß -fassen zu können, bei allen Verlegern umher und ist jetzt endlich im -Verlage von E. Pierson, Dresden, vor Anker gegangen. Sie büßt nun ihre -litterarische Vergangenheit, und es wird der energischen, zielbewußten -Leitung des jetzigen Redakteurs, Dr. Ludwig Jacobowskis, bedürfen, sie -in litterarischen Kreisen wieder »gesellschafts«fähig zu machen. - -Mehr auf politischem als litterarischem Gebiete liegt die Bedeutung -der »Grenzboten« und der »Preußischen Jahrbücher«. Ihre Glanzperioden -gehören der Vergangenheit an, und namentlich die erstere, die früher -auch in Österreich eine Rolle spielte, ist jetzt nur der Schatten von -ehedem, als noch Gustav Freytag auf dem Redaktionssessel saß. Als -gut geleitete, angesehene Zeitschriften sind noch die Zolling'sche -»Gegenwart« und die »Nation«, das Organ des freisinnigen Abgeordneten -Dr. Barth, zu nennen. Den gleichen Rang, nur mit stärkerer Betonung -des politischen Teiles, nehmen in Österreich »Die Zeit« und die -von Dr. Rudolf Lothar geleitete »Wage« ein. Zu ihnen hat sich -seit April 1899 »Der Kyffhäuser«, eine von Hugo Greinz geleitete -Monatsschrift, gesellt, die ihre Hilfe und Unterstützung den bedrohten -nationalgesinnten Deutschen leiht. Von geringer Bedeutung und wohl -nur in Litteratenkreisen begehrt, ist die »Wiener Rundschau«, -eine von Constantin Christomanos und Felix Rappaport geleitete -Halbmonatsschrift, die einen starken Zug nach Mystik und Symbolismus ~à -la~ Strindberg und Maeterlinck bekundet. - -Eine Ausnahmestellung nimmt der »Simplizissimus« ein, der ebenso wie -die Münchener »Jugend« nur bedingungsweise in diese Übersicht gehört. -Die »Jugend« hat sich nicht so ungebärdig gezeigt, wie das Langensche -Blatt, obwohl sie schon durch ihren Titel ein größeres Recht auf -Ungebundenheit herleiten könnte. Manch hübsche Zeichnung und manch -guter Beitrag ist in ihren Spalten erschienen, und der frische, -fröhliche Zug, der durch das Ganze geht, haben ihr, trotz manches -Minderguten, das man schon der »Jugend« zu gute halten mußte, viele -Freunde und Anhänger geschaffen. Anders der »Simplizissimus«, der -seiner Zeit mit dem Anspruche auftrat, ein deutsches Familienblatt -zu sein, in seinen Spalten die politischen und socialen Verhältnisse -in humoristischer und satirischer Form widerzuspiegeln und lachend -die Wahrheit zu sagen. Selten ist zwischen einem Programm und seiner -Ausführung ein so großes Mißverhältnis eingetreten, wie dies beim -»Simplizissimus« der Fall ist, selten ist das Wort Humor so falsch -verstanden und interpretiert worden, wie bei dieser Zeitschrift. Die -Mitarbeiter, die sich um die Fahne des neuen Blattes sammelten, sind -fast sämtlich bei den Franzosen in die Schule gegangen und haben dort -alles, was deutsch an ihnen war, weit hinter sich gelassen. »Die -deutsche Sprak ist eine zu arme Sprak, eine plumpe Sprak« und das -deutsche Wesen ein zu schwerfälliges, zu gründliches, als daß man es -für ein Blatt hätte brauchen können, das in erster Linie auf starke -Effekte berechnet war. Eine »Gartenlaube« oder ein »Daheim« hätte die -Zeitschrift nicht zu werden brauchen, aber noch weniger das, was sie -geworden ist: ein in deutscher Sprache geschriebenes französisches -Skandal-Boulevardblatt. Was dem Blatte vor allem fehlt, ist der -sittliche Ernst, den man auch aus Witz und Humor herausfühlen muß und -der uns sagt, daß die Absicht des Zeichners wie des Dichters, trotz -der stark aufgetragenen Farben, eine gute war, daß sie nicht _nur_ auf -Skandal und Effekthascherei ausgegangen ist. Daß dieses Gefühl in uns -nicht aufkommt, dafür sorgen die fast in jeder Nummer enthaltenen -echt französischen Cochonnerien, die, man mag mit noch so viel gutem -Willen versuchen, in sie etwas hineinzulegen, nichts anderes bleiben -als »Caviar« für Lebemänner im Sinne des Herrn Grimm in Budapest[6]. -- -Vom »Simplizissimus« zur »Zukunft« ist trotz der großen Verschiedenheit -der inneren und äußeren Gestaltung beider Blätter kein allzuweiter -Schritt: sie begegnen sich in der destruktiven Tendenz, die gegen -alles Bestehende gerichtet ist und ihre Freude nur am Negieren und -Verreißen hat. Wo der »Simplizissimus« grob und derb zugreift, da -finden wir die »Zukunft« und ihren Herausgeber in stiller Minierarbeit -thätig. Harden ist zweifellos ein begabter und tüchtiger Journalist -mit einem Stich ins Exotische und einer feinen Witterung für das -Aktuelle. Er geht selten gerade aufs Ziel los, aber er versteht es, -in Gleichnissen, Bildern und Allegorien sein Ziel sicher zu treffen. -Dabei besitzt er eine erstaunliche Bekanntschaft mit Büchern, die außer -ihm kein Mensch kennt, oder vielleicht richtiger, die Gabe, seine -gesamten Kenntnisse in jedem einzelnen Artikel in kursfähige, kleine -Münze umzusetzen. Er ist ein Mann nach dem Herzen des Staatsanwalts, -der schon wiederholt verlangend die Arme nach ihm ausgestreckt hat, -ein Mann, dem der Erfolg und der Effekt über alles gehen, der sich in -Gegensatz zur herrschenden Partei schon aus Freude an der Opposition -überhaupt stellen würde. Maximilian Harden ist aber noch mehr. Er ist -vor allem der Geschäftsmann ~par excellence~, der sein Publikum kennt -und weiß, was er ihm vorzusetzen hat. Er vertritt das monarchische -Prinzip, aber er mag den Kaiser nicht, er ist für Verfassung, aber -sie paßt ihm nicht, er ist ein glühender Verehrer Bismarck's, aber er -wäre es kaum, wenn Bismarck noch amtiert hätte, als seine Zeitschrift -zu erscheinen begann. Auf diese Weise sammelte er die Partei jener -um sich, die, wenngleich gute Monarchisten, mit den bestehenden -Verhältnissen unzufrieden sind, jene vor allem, die es als nicht in -den Kreis der Herrscherpflichten fallend erachten, wenn ein Kaiser -nicht nur ein guter Regent, sondern auch ein guter Redner sein will. -- -Völlig bedeutungslos ist die von ~Dr.~ Wrede herausgegebene »Kritik« -geblieben, die ursprünglich als Konkurrenz der »Zukunft« gegründet -wurde. Trotz aller polemischen Versuche Wredes, die oft komisch genug -ausfielen, hat sich die »Kritik« nie mit dieser ganz aus Persönlichem -heraus geschaffenen Zeitschrift auch nur entfernt messen können. Harden -ist auch als Journalist Schriftsteller und ein geistreicher Kopf, -während sich Wrede von den Brosamen nährt, die von des Reichen Tische -fallen. - - [6] In den gegen Ende 1899 gegründeten Zeitschriften - »Münchhausen« (inzwischen wieder eingegangen) und »Satyr«, - von denen die letztere auch schon wiederholt konfisziert - wurde, hat der »Simplizissimus« bereits würdige Nachfolger - gefunden. - -Zu unseren bestgeleiteten Zeitschriften gehört der von Jeannot Emil -Freiherrn von Grotthuß herausgegebene »Türmer«, der den Untertitel: -Monatsschrift für Gemüt und Geist führt. »Der Türmer« will die -Sehenden zu Schauenden machen, »umsaust von Schlagworten, von Parteien -und Schulen umhergezerrt, will er den stillen Winkel bieten, wo ein -jeder nach dem harten Tagewerk in Feierabendstimmung die Flut der -Erscheinungen des socialen und künstlerischen Lebens erörtern und -verarbeiten kann«. Diesem Programm hat der »Türmer« mit Erfolg gerecht -zu werden versucht. Er ist kein Organ für Freidenker, wie sich das -bei dem Herausgeber und dem lyrisch-religiös angehauchten Verlage von -Greiner & Pfeiffer, Stuttgart, von selbst versteht, und es ist nur zu -wünschen, daß er nicht im Laufe der Zeit in eine kirchlich-reaktionäre -Strömung gerät, die ihn aus dem jetzigen Interessentenkreis hinaus -in die enge Stube des Pfarrhauses trägt. -- Einen vornehmen Anstrich -hat sich auch die von Karl Emil Franzos herausgegebene »Deutsche -Dichtung« bewahrt, ohne daß man ihr jedoch einen besonderen Einfluß -auf unser Geistesleben zugestehen könnte. -- Zu erwähnen wären hier -noch zwei politisch-litterarische Zeitschriften, die vor Jahresfrist -gleichzeitig unter dem vielverheißenden Titel: »Das neue Jahrhundert«, -die eine in Köln, die andere in Berlin, erschienen, sowie die von -August Scherl herausgegebene »Woche«, auf die die Tendenzen des -»Berliner Lokalanzeigers« -- eine gesinnungstüchtige Parteilosigkeit -- -litterarisch-künstlerisch gefärbt, übertragen wurden. Die Auflage der -»Woche« ist infolgedessen binnen kurzem auf über 400000 gestiegen. - -Sieht man von einigen kleineren Blättern ab, von denen man nicht -weiß, ob sie bei Ausgabe dieses Werkchens noch existieren werden, -so bleiben von jenen Zeitschriften, die man in den Katalogen als -»Revuen für Kunst, Wissenschaft und öffentliches Leben« aufgeführt -findet, die große Kunstzeitschrift »Pan«, einsam in stolzer Höhe -thronend, für das Kunstverständnis und den Geldbeutel aller jener zu -hoch, für die sie ins Leben gerufen wurde, und die im Oktober 1899 -gegründete Zeitschrift »Die Insel« übrig. »Pan« hat die Erwartungen, -die sich an sein Erscheinen knüpften, in keiner Weise erfüllt, er ist --- ohne jede feste, zielbewußte Redaktion -- so unverständlich und -geheimnisvoll geblieben, wie sein Ahn, der große »Pan«, und wohl nur -der Opferwilligkeit einiger Bankiers und sonstiger wohlsituierter -Leute, die ihr künstlerisches Interesse durch Hergabe einiger -Goldfüchse zu bethätigen suchen, ist es zu danken, daß er -- wenn -auch fast unter Ausschluß der Öffentlichkeit -- noch erscheint. -- -»Die Insel«, herausgegeben von Otto Julius Bierbaum, A. W. Heymel -und R. A. Schröder, von der jetzt 4 Hefte vorliegen, scheint sich -nach Ausstattung, Inhalt und Preis -- Jahresabonnement 36 Mk. -- mehr -an die Liebhaber und Sammler, als an die wirklichen Litteratur- und -Kunstfreunde zu wenden. Die litterarischen Beiträge sind ohne jede -Bedeutung, einzelne direkt albern, der »Bilderschmuck« primitiv wie der -einer Kinderfibel und die Druckschrift so verschnörkelt und entartet, -daß nur Leute, die über viel Zeit verfügen, als Leser in Frage kommen -können. Alles in allem: schade um das schöne Papier. - -Zwei Zeitschriften nicht rein litterarischer Art, aber für Kunstfreunde -von besonderem Interesse sind die »Zeitschrift für Bücherfreunde« und -»Bühne und Welt«. Die erstere hat sich die Aufgabe gestellt, alles in -ihren Kreis zu ziehen, was für Bibliophilen besonderes Interesse hat. -Ist auch diese Gemeinde in Deutschland gegenüber ihrer Verbreitung -in anderen Ländern, besonders in Frankreich und England, noch eine -bescheidene, so scheint es dieser Zeitschrift doch gelungen zu sein, -festen Fuß zu fassen. Noch jüngeren Datums ist »Bühne der Welt«, -die anfangs tastend und schwankend ihren Weg suchend, nach kaum -Jahresfrist sich zu einer unserer vornehmsten Revuen aufgeschwungen -hat, in deren Spalten sich das Kunstleben unserer Tage getreulich -widerspiegelt. Sie kann sowohl denen zur Lektüre empfohlen werden, -die unsere Bühnenkünstler »bei der Arbeit« und zu Hause sehen wollen, -als auch dem Kreis derer, die sich für die dramatische Produktion der -Gegenwart interessieren. - -Übergehend zu den rein litterarischen Zeitschriften wären -vorerst noch der »Kunstwart«, der den Untertitel »Rundschau über -Dichtung, Theater, Musik und bildende Künste« führt, die »Deutsche -Zeitschrift« (Fortsetzung des »Kynast«), Monatschrift für Politik -und Volkswirtschaft, Kultur und Kunst, und die »Heimat« (Neue Folge -des »Boten für die deutsche Litteratur«) zu nennen. Der »Kunstwart« -hat vor Jahresfrist eine vollständige Umgestaltung erfahren, die -nicht nur eine Änderung des äußeren Gewandes, sondern vor allem eine -bedeutende Vermehrung des Textes unter gleichzeitiger Beigabe von -Kunst- und Musikbeilagen herbeiführte. Sein Herausgeber Ferdinand -Avenarius besitzt in künstlerischen Dingen ein feinsinniges Urteil, -das er auch bei der Wahl seiner Mitarbeiter, zu denen Adolf Bartels, -Oscar Bie, Schultze-Naumburg u. a. zählen, bekundet. So ist der -»Kunstwart« eine unserer gediegensten künstlerischen Zeitschriften, -trotz aller Vielseitigkeit von Einseitigkeit im Urteil nicht -freizusprechen, aber ehrlich und vornehm geleitet. -- Die von Ernst -Wachler herausgegebene »Deutsche Zeitschrift« bezweckt vorzugsweise die -Pflege und Förderung unserer National- und Kulturinteressen im Geiste -der Politik des Fürsten Bismarck. Gleich der »Heimat«, deren Gründung -Ende 1899 erfolgte, sucht sie Kunst und Dichtung von der Ausländerei -freizumachen und nationalen Zielen zuzuführen. - -Von den rein litterarischen Blättern stand das »Magazin für die in- -und ausländische Litteratur« jahrelang an der Spitze, und es verdiente -diese Stellung noch anfangs der achtziger Jahre, als Wilhelm Friedrich, -Leipzig, noch Verleger des Blattes war, das seinen Ursprung bis auf -das Jahr von Goethes Tode zurückführt. Seinem alten Programm, eine -Übersicht über die Litteratur aller Länder und Völker zu geben, ist -es ganz untreu geworden, eine redaktionelle Leitung, trotzdem oder -weil? drei Herausgeber (Rudolph Steiner, Otto Erich Hartleben und -Moritz Zitter) vorhanden sind, ist kaum noch wahrzunehmen; das »Magazin -für Litteratur«, wie es sich jetzt nennt, bringt Artikel aus allen -möglichen Gebieten kunterbunt durcheinander ohne jede Bezugnahme zu -seinem Titel. Seit Wilhelm Friedrich, Leipzig, den Verlag des Blattes -nicht mehr führt, ist es fast immer »unterwegs« auf der Suche nach -einem Verleger gewesen. Hin und wieder ist ein neues, wenn auch -schwächliches Reis dem alten Stamme aufgepfropft worden, ohne daß die -Lebenssäfte des Blattes durch diese Okulation gewonnen hätten; auch -die Beigabe der »Dramaturgischen Blätter« konnte dem steten Sinken des -»Magazins« keinen Einhalt thun. Ob jetzt das Blatt im Verlage von S. -Cronbach, Berlin, eine Heimstätte gefunden oder ob auch dieser nur eine -Durchgangsstation bedeutet, vermögen wir nicht zu entscheiden. - -An die Stelle des »Magazins«, was Einfluß und Bedeutung anlangt, -sind die »Internationalen Litteraturberichte« (Herausgeber Emil -Thomas) getreten, die auch der Abonnentenzahl nach die anderen -Litteraturblätter weit hinter sich lassen. Sie haben sich die Aufgabe -gestellt, alles in ihren Kreis zu ziehen, was an litterarischen -Bestrebungen im In- und Auslande in Erscheinung tritt und es in -Artikeln, Übersichten, Einzelbesprechungen etc. festzuhalten. -Eine Konkurrenz ist ihnen durch das im Verlage von F. Fontane & -Co., Berlin, erscheinende »Litterarische Echo« erstanden, das gut -geleitet ist und eine Fülle von Notizen bringt, unter denen die -Übersichtlichkeit etwas leidet. Ob und inwieweit sich für die -Dauer die ständige Berücksichtigung kleinerer Litteratur- und -Sprachgebiete, wie des Polnischen, Czechischen u. s. w., für die in -Deutschland nur ein ganz bescheidener Interessentenkreis vorhanden -ist, empfiehlt, wird der Herausgeber, z. Z. ~Dr.~ Ettlinger, bald -herausfinden. -- Eine besondere Erwähnung, wenngleich infolge ihres -unregelmäßigen Erscheinens kaum noch als Zeitschrift aufzufassen, -verdienen die »Jahresberichte für deutsche Litteraturgeschichte«, -die in übersichtlich geordneten und zusammenhängenden Abschnitten -zeigen wollen, welche Bücher, Aufsätze, Artikel und Kritiken auf dem -Gebiete der jüngsten Geisteswissenschaft erscheinen, und was sie -Neues und Wertvolles enthalten. -- Fast ganz auf wissenschaftliche -Kreise und Bibliotheken beschränkt war das 1850 von dem hervorragenden -Leipziger Germanisten Prof. Friedr. Zarncke gegründete »Litterarische -Centralblatt«, das lange darauf verzichtend, eine _Übersicht_ der -deutschen Litteratur zu geben, fast ausschließlich Rezensionen -einzelner Werke brachte und es dem Einzelnen überließ, aus diesen -Bruchstücken sich das Gesamtbild der Litteratur zusammenzusetzen. Erst -seit Januar 1900 erscheint eine Beilage zum »Centralblatt«, die vor -allem größere zusammenfassende kritische Übersichten der verschiedenen -Gattungen dichterischer Werke und orientierende Aufsätze allgemeinen -Inhalts enthält. - -Dem »Litterarischen Centralblatt« verwandt sind »Euphorion«, die -»Deutsche Litteraturzeitung«, das »Allgemeine Litteraturblatt« (das -früher unter dem Titel »Österreichisches Litteraturblatt« erschien), -die »Zeitschrift für vergleichende Litteraturgeschichte« und die -vor kurzem von ~Dr.~ Erich Bischoff gegründete »Zeitschrift für -wissenschaftliche Kritik und Antikritik«. Sie sind alle auf einen -kleinen Kreis beschränkt und ein wirklicher Einfluß auf unser -Litteraturleben ist ihnen kaum zuzusprechen. Die »Blätter für -litterarische Unterhaltung«, eine sehr alte und angesehene Zeitschrift, -ist seit Januar 1899 aus den Reihen der Litteraturzeitungen -verschwunden; selbst der Klang der Weltfirma F. A. Brockhaus, Leipzig, -war nicht stark genug, um sie am Einschlafen zu behindern. -- An -der Spitze der katholischen Litteratur stehen der »Litterarische -Handweiser« und die »Deutsche Rundschau für das katholische -Deutschland«, beide -- sehr oft zum Schaden einer objektiven Kritik, -- -bemüht, litterarische Interessen mit religiösen Fragen zu verquicken. - -Von der Aufzählung der Winkel- und Cliquenblättchen, die ein kärgliches -Dasein fristen, um -- nachdem Drucker und Verleger um einige -Erfahrungen reicher und ein paar Hundertmarkscheine ärmer -- wieder -in den Orkus zu versinken, wollen wir Abstand nehmen: der Litteratur -nützen sie so wenig wie ihren Herausgebern, die da hofften, durch sie -eine litterarische Position oder pekuniäre Vorteile zu erlangen. - - - - -Der deutsche Verlagsbuchhandel und sein Anteil an der Litteratur der -Gegenwart. - - -Die Cotta, Goeschen, Brockhaus und wie die bedeutenden Buchhändler alle -heißen, sind tot, und an Stelle der großen, von weitausschauenden, -scharf ausgeprägten Persönlichkeiten getragenen Verlagsgeschäfte, die -bestimmenden Einfluß auf die Litteratur ausübten, sind zwar nicht -minder große, aber desto unpersönlichere Aktiengesellschaften getreten, -die zum weitaus größten Teil den litterarischen Markt beherrschen. Für -diese Geschäfte handelt es sich nicht so sehr um die Förderung des -Schrifttums durch den Verlag guter Litteratur, sondern in erster Linie -um die Erzielung hoher Dividenden, zu deren Erhalt weniger Wert auf -die litterarische Bedeutung eines Buches, als auf seine Gangbarkeit -zu legen ist. Gerade das Fehlen jedes persönlichen Moments und das -ausschließliche Werten eines Werkes nach seiner Absatzfähigkeit, -für die ein Anhalt in dem Namen des Autors, hin und wieder auch in -dem behandelten Stoffe oder einer momentan herrschenden Strömung -liegt, läßt fast alle großen Verlagsfirmen aus einem großen Aufsatz -scheiden, der von der Anteilnahme des Verlagsbuchhandels an unserem -modernen Schrifttum sprechen soll. Nichtsdestoweniger stehen diese -Firmen in erster Reihe, nicht zuletzt durch die großen mit einem -enormen Kapitalaufwand gegründeten Familienblätter, durch die sie -auf die Geschmacksrichtung und das Urteil des großen Publikums den -bedeutendsten Einfluß ausüben. »Über Land und Meer«, »Buch für Alle«, -»Zur guten Stunde«, »Moderne Kunst«, »Daheim«, »Gartenlaube«, »Vom -Fels zum Meer«, »Für alle Welt« u. s. w. sind Unternehmungen, die das -Lesebedürfnis von Hunderttausenden befriedigen, neben den Tagesblättern -den größten Teil der litterarischen Produktion an sich reißen und den -Wünschen ihres Publikums entsprechend beeinflussen und zustutzen. - -Der Buchverlag ist für den Schriftsteller wie für den Verleger in -den meisten Fällen nicht mehr lohnend genug und der vom Ertrage -seiner Feder lebende Autor gezwungen, Konzessionen zu machen, sein -künstlerisches Gewissen auszuschalten und das zu produzieren, was der -Moloch, das große Publikum, am liebsten verschlingt: leicht verdauliche -Unterhaltungsware. Gerade in der letzten Zeit sind aus den Kreisen der -Schriftsteller Stimmen laut geworden, die auf den verderblichen Einfluß -hinwiesen, dem ihre eigene Produktion unterworfen ist, seit man sie in -die Zwangsjacke der Familienlitteratur gesteckt hat. Das Publikum hat -an diesen Zuständen sicher mehr Schuld als die Verleger und Redaktionen -der Zeitschriften, die nicht mit dem gebildeten Geschmack einer kleinen -Gemeinde, sondern mit dem rechnen müssen, was Hunderttausenden gefällt. -Um keine Abonnenten zu verlieren und sie der Konkurrenz in die Arme zu -treiben, müssen sie, deren Unternehmungen auf Massenabsatz angewiesen -sind, geben, was das große Publikum verlangt, müssen -- im Gegensatz -zu der Aufgabe eines wahren Familienblattes -- verzichten, bildend -und veredelnd auf den Geschmack des Volkes zu wirken. Was immer auf -dem Gebiete der Litteratur bezw. der Ästhetik seit der politischen -Wiedergeburt Deutschlands geleistet wurde: das große Publikum ist -davon unberührt geblieben; ja es betrachtet noch heute die Litteratur -nicht anders als eine angenehme Spielerei für müßige Stunden. Nur die -eine Forderung: die nach mehr Wirklichkeitssinn, nach einer stärkeren -Betonung des Lebens und seine Erscheinungen in der Litteratur hat -- -vielleicht mehr unbewußt, mehr vom Leben und seinen Forderungen selbst -beeinflußt -- auch im Publikum Anerkennung gefunden. In Bezug auf -künstlerisches Verständnis sind keinerlei Fortschritte zu verzeichnen -und die Existenzbedingungen des Buchhandels, in dem sich immer mehr -eine rein kaufmännische Auffassung des Berufes geltend macht, sind -nicht derart, um sich den Luxus gestatten zu können, in künstlerischer -Hinsicht erzieherisch auf das Publikum zu wirken. - -Der deutsche Buchhandel früherer Zeiten hat für Litteratur und -Wissenschaft viel gethan und manches Werk, das weder die Unterstützung -einer Regierung, noch einer Akademie oder eines Instituts gefunden -hat, verdankt ihm allein sein Erscheinen. Nicht aus Liebe zum Geld, -sondern aus Liebe zur Litteratur und Wissenschaft wurden Werke -publiziert, für die kein Kaufmann, kein Geschäftsmann eine Hand gerührt -hätte. So schrieb noch 1839 ein Gelehrter: »Der deutsche Buchhandel -hat von jeher bewiesen, daß er seine eigentümliche Stellung in den -nachbarlichen Grenzen der Intelligenz und Industrie zu würdigen -wisse. Man prüfe die neuesten Kataloge und entscheide dann, ob jener -ehrenhafte Grundsatz: einen Teil des Gewinnes, den die Muse dem -häuslichen Altar beschieden, der Muse selber zu opfern, nicht bis -auf unsere Zeit herab sich fortgesetzt habe.« Der Anteil, den der -Verlagsbuchhandel an dem Wachstum unserer Litteratur, insonderheit an -der deutschen Wissenschaft hat, ist sicher ein nicht geringer, aber -er ist in den letzten Jahren, seitdem das Großkapital seinen Einzug -im Buchhandel gehalten hat, bedeutend zurückgegangen. Die Aktionäre -unserer großen Verlagsanstalten legen auf hohe Dividenden bei weitem -mehr Gewicht als auf den Ruhmestitel Förderer der Litteratur und Kunst -zu sein. Wirft man heute einen Blick in Kataloge, so wird man bei -näherem Zusehen finden, daß das litterarische Interesse dem merkantilen -gewichen ist, daß alljährlich Tausende von Schriften erscheinen, -die nicht in der Absicht, eine Bereicherung unserer Litteratur, -sondern eine solche des verlegerischen Geldbeutels herbeizuführen, -publiziert wurden. War früher das jüdische Element hauptsächlich -im Antiquariats- und Ramschbuchhandel thätig, so hat es sich in -neuerer Zeit in hervorragender Weise des Verlagsbuchhhandels als -Spekulationsobjekt bemächtigt, und neben angesehenen Firmen, die sich -in jüdischen Händen befinden, ist eine ganze Reihe jüdischer Verleger -aufgetaucht, die das Buch als Ware ausschließlich als Ware ansieht und -demgemäß behandelt. Daß die Litteratur der Neuzeit so wenig Förderung -seitens des Buchhandels findet, hat nicht sowohl seinen Grund in der -materialistischen Anschauung, die in dem Buche nur ein Handelsobjekt -sieht, aus dem so viel als möglich Kapital zu schlagen ist, sondern -zum guten Teil auch in dem Mangel an Urteil, der viele Verleger von -heutzutage nur nach dem greifen läßt, was sich durch einen klangvollen -Namen oder eine hübsche Etikette auszeichnet. Andere wieder sind so -im Banne der Moderne, daß sie sich für jedes Werk begeistern, das -modern um jeden Preis, selbst um den des guten Geschmacks, erscheinen -will, mag es künstlerisch auch noch so unbedeutend sein. An dieser -Verständnislosigkeit in künstlerischen Fragen ist nicht zuletzt die -Stellung schuld, auf die im Laufe der Zeit die Litteraturblätter und -die Revuen mit litterarischem Anstrich herabgedrückt worden sind. - - * * * * * - -Union, Stuttgart, Deutsche Verlagsanstalt, Stuttgart, und Bong & Co., -Berlin, werden, was die Höhe des Umsatzes anbetrifft, an die Spitze -des Verlagsbuchhandels gestellt werden müssen, obwohl der Schwerpunkt -dieser Geschäfte weniger im Buch- als im Zeitschriften-Verlag zu -suchen ist. Der Hauptaktionär der Union, in der der große Spemann'sche -Verlag mit den Kürschner'schen Unternehmungen aufging, ist Geheimrat -Kröner, der Inhaber, bezw. Mitinhaber von A. G. Liebeskind, der -J. G. Cottaschen Buchhandlung, Ernst Keil's Nachf., Leipzig u. -a. Fast ebenbürtig steht der Union das ehemalige Hallberger'sche -Geschäft, jetzt Deutsche Verlagsanstalt, gegenüber, das im -verflossenen Jahre sein 50jähriges Jubiläum feiern konnte. Der aus -diesem Anlaß herausgegebene Katalog umfaßt ca. 250 Seiten und giebt -ein anschauliches Bild von dem Wachstum und der Bedeutung dieses -Geschäfts, das sich allerdings in den letzten Jahren -- namentlich -seit Gründung der Zeitschrift »Aus fremden Zungen« -- vorzugsweise der -Übersetzungslitteratur zugewandt hat, so daß es wenig Autoren von Klang -und Namen, gleichviel ob Engländer, Franzosen, Italiener, Spanier, -Russen oder Schweden, giebt, die nicht mit einem oder mehreren Werken -in der Deutschen Verlagsanstalt vertreten sind. Als bedeutendster -Konkurrent des Zeitschriftenverlags der Union und Deutschen -Verlagsanstalt, bezw. der Zeitschriften: »Vom Fels zum Meer«, »Buch für -Alle« und »Über Land und Meer« trat Ende der 80er Jahre Richard Bong -auf, ein Mann, der sich aus kleinen Verhältnissen emporarbeitend, »der -Leiter höchste Staffel rasch erstieg« und in den Zeitschriften »Moderne -Kunst«, »Zur guten Stunde« und »Für Alle Welt« Unternehmungen schuf, -in denen er besonderes Gewicht auf den Farbendruck legte, mit dem er -erfolgreich gegen den Holzschnitt der Stuttgarter Blätter zu Felde zog. -Ob und inwieweit geschäftliche Manipulationen, insbesondere die höhere -Rabattierung seiner Zeitschriften zu diesem Erfolge beitrugen, dürfte -an dieser Stelle wenig interessieren. Der Buchverlag der Firma -- meist -Romane, die in ihren Zeitschriften zum Abdruck gelangten -- ist ohne -besonderes charakteristisches Gepräge. - -Das alte Verlagsgeschäft von F. A. Brockhaus, Leipzig, hat sich in den -letzten Jahren neben der Pflege des Konversationslexikons, das jetzt -in 14. bezw. 15. Auflage vorliegt, fast ausschließlich auf das Gebiet -der Reisebeschreibungen geworfen. Den Reisen Stanleys und Wißmanns in -Afrika folgten Nansens »In Nacht und Eis«, Landors »Auf verbotenen -Wegen in Tibet« und neuerdings die Reisen Sven Hedins in Asien, alles -Werke, die eine ungeahnte Verbreitung erlangten. Vom Buchverlag fast -ganz zurückgezogen hat sich die Firma Breitkopf & Härtel, Leipzig, -die den Schwerpunkt ihres Geschäftes auf den Musikverlag legte. -Dagegen entwickelt das Bibliographische Institut, Leipzig, eine fast -unheimliche Rührigkeit. Seine Spezialität liegt in den Sammelwerken, -an deren Spitze Meyers Konversationslexikon steht; ihm schließen -sich umfangreiche Publikationen an, wie die Klassiker-Ausgaben, -Meyers Volksbücher, Sprachführer, Reisebücher, Allgemeine Naturkunde, -Allgemeine Länderkunde, Sammlung illustrierter Litteraturgeschichten, -Bilder-Atlanten zur Geographie und Naturgeschichte u. s. w., meist -Unternehmen, die der Initiative der Geschäftsinhaber entsprungen sind. -Die erwähnten Meyer'schen Volksbücher, die erst neuerdings wieder von -sich reden machen, haben nicht entfernt die Bedeutung der Reclam'schen -Universalbibliothek erlangt, von der jetzt mehr als 4000 Bändchen -vorliegen: sie bilden den Grundstock des Verlags von Philipp Reclam -jr., Leipzig, der mit ihnen in die Reihe der ersten Verleger trat. -Überraschend kam den Meisten der vor einigen Jahren erfolgte Ankauf -der Familienzeitschrift »Universum«, durch Reclam, die er seither -zu einer Blüte geführt hat, die sie im früheren Hauschild'schen -Verlage nicht erreichen konnte. Den 20 Pfennig-Heften Reclams und -den 10 Pfennig-Volksbüchern Meyers stellte Otto Hendel, Halle, seine -Bibliothek der Weltlitteratur ~à~ Heft 25 Pfennig gegenüber, die, -obwohl in größerem Format und besserer Ausstattung, dem Unternehmen -Reclams doch kaum wesentlichen Abbruch machen konnte. - -Weder Otto Hendel, Halle, noch Hermann Hillgers Verlag, Berlin, den ich -hier nur nenne, da auch er oder richtiger Professor Kürschner, nach -dem Muster der Reclam-Bändchen einen »Bücherschatz« herausgegeben hat, -der wenigstens numerisch schon zu großer Entwickelung gelangt ist, -gehören an diese Stelle, die vielmehr den großen wissenschaftlichen -oder belletristischen Verlagsanstalten zukommt. Von den letzteren sind -hier zu nennen: J. G. Cotta'sche Buchhandlung, Nachf., Stuttgart, die -Verlegerin der »Gedanken und Erinnerungen des Fürsten Bismarck«, die -Sudermann, Fulda, Wilbrandt u. a. zu ihren Autoren zählt und auch -wissenschaftliche, besonders historische Werke auf den Markt bringt. -Der Hauch der Klassizität, der den alten Verlag noch aus der Goethe- -und Schillerzeit umwehte, hat sich allerdings sehr verflüchtigt: er -befaßt sich nur noch mit Werken, die »gehen«. Ein ähnliches Urteil -läßt sich über den ehemaligen Stuttgarter G. J. Goeschen'schen Verlag -fällen, mit dem die Dichterfürsten gleichfalls in Verbindung standen -und der in den letzten Jahren, besonders seit seiner Übersiedelung nach -Leipzig, sich mehr »praktischen« Verlagsbestrebungen (Sammlung Goeschen -u. s. w.) zugewandt hat. -- Auf praktischem Gebiet bewegt sich jetzt -auch, abgesehen von dem Verlage der »Illustrierten Zeitung« und der -Pflege des Holzschnitts, J. J. Weber, Leipzig (Katechismen u. s. w.). - -Von großen wissenschaftlichen Verlagshäusern, die sich besonderen -Spezialitäten zugewandt haben, verdienen genannt zu werden: B. G. -Teubner, Leipzig (Pädagogik, altklassische Sprachwissenschaft), -Weidmann'sche Buchhandlung, Berlin (Klassische Philologie, -Pädagogik, Litteraturgeschichte, Rechtswissenschaft), Paul -Parey, Berlin (Landwirtschaft, Gartenbau), Mittler & Sohn, -Berlin (Militärwissenschaften), Wilhelm Engelmann, Leipzig -(Naturwissenschaften), Friedrich Vieweg & Sohn, Braunschweig -(Physik, Chemie, Mathematik), Hirschwald'sche Buchhandlung, Berlin -(Medizin), J. C. B. Mohr, Tübingen (Protestantische Theologie, -Rechtswissenschaft, Geschichte, Philosophie), Duncker & Humblot, -Leipzig (Socialwissenschaft, Geschichte, Rechtswissenschaft, -Naturwissenschaft), Gustav Fischer, Jena (Medizin, Socialwissenschaft, -Rechtswissenschaft), Julius Springer, Berlin (Pharmazeutik, Forst- -und Jagdwissenschaft, Rechtswissenschaft, Geschichte), F. C. W. Vogel, -Leipzig (Medizin), Karl J. Trübner, Straßburg i. Els. und O. R. -Reisland, Leipzig (Germanische und romanische Philologie), Emil Felber, -Berlin und Eduard Avenarius, Leipzig (Litteraturgeschichte), Gothaische -Verlagsanstalt vorm. F. A. Perthes, Gotha (Geschichte, Protestant. -Theologie), R. Oldenbourg, München (Geschichte, Rechtswissenschaft, -Pädagogik), sowie die großen rechtswissenschaftlichen Verlagsanstalten: -Carl Heymann, J. Guttentag, G. m. b. H., Frz. Vahlen, Berlin, Ferd. -Enke, Stuttgart und Veit & Co., Leipzig. Die Langenscheidt'sche -Buchhandlung (Professor G. Langenscheidt), Berlin, die mit ihren -für das Selbststudium des Englischen und Französischen berechneten -Unterrichtsbriefen einen ungeheuren Erfolg hatte, darf, da sich diese, -sowie die ausgezeichneten Lexika, auf wissenschaftlicher Grundlage -aufbauen, Anspruch erheben, hier mitgenannt zu werden. Daß sie in den -letzten Jahren Werke größeren Umfanges nicht mehr publizierte, mag -seinen Grund in den Vorbereitungen haben, die sich zur Herausgabe der -italienischen und spanischen Selbstunterrichtsbriefe notwendig machen. -Halb wissenschaftlicher, halb belletristischer Natur, aber immer ernst -und vornehm, ist der Verlag von S. Hirzel, Leipzig, dessen Belletristen -Wissenschaftler und dessen Wissenschaftler Belletristen sind. Auf der -Grenzscheide steht auch der Verlag von Alfred Schall, Berlin (vorm. -Schall & Grund), der neben einer Reihe populärwissenschaftlicher -Werke über Länder- und Völkerkunde, Heere und Flotten einen großen -belletristischen Verlag pflegt. Bekannt ist besonders das Verlagshaus -durch den »Verein der Bücherfreunde« geworden, der in seiner Blütezeit -einen »Mitglieder«bestand von 12000 zählte. - -Von großen belletristischen Verlagshäusern ist in erster Linie Gebr. -Paetel (Verlag der »Deutschen Rundschau«), Berlin, zu nennen, deren -Verlagsfirma eine ausreichende Gewähr für die Güte der von ihr -verlegten Bücher giebt. In dem 280 Seiten umfassenden Verlagskatalog, -der über die Thätigkeit der Firma in den Jahren 1837--1895, die -sich neben der Belletristik auch auf die Gebiete der Geschichte, -Kulturgeschichte, Völkerkunde, Litteratur- und Militärwissenschaft -erstreckt, berichtet, findet sich eine Fülle wertvoller Bücher, -zumeist von Mitarbeitern der »Deutschen Rundschau«, die es von jeher -verstanden hat, tüchtige Kräfte heranzuziehen. Eine ähnliche Stellung -nimmt der Verlag von Bonz & Co., Stuttgart, und Fr. Wilhelm Grunow, -Leipzig, ein, obwohl der letztere durch den Verlag der »Grenzboten« -und der »Buschschen Tagebücher« sich die Sympathien vieler Kreise -verscherzt hat. Nur Verleger zweier Autoren, die aber ein paar hundert -aufwiegen, ist L. Staackmann, Leipzig, dem Rosegger und Spielhagen -ihre Werke übergeben. -- Ein besonderes Gepräge trägt, sowohl die Art -der Verlagsartikel, als auch ihre Ausstattung anlangend, der Verlag -von A. G. Liebeskind, hinter dem eine markante und eigenartige, -vielleicht auch eigenwillige Persönlichkeit stand, die dem Ganzen -ihre Physiognomie lieh. Ob sie der Verlag nach dem Tode L.'s noch -beibehalten wird -- er ist inzwischen nach Stuttgart übergesiedelt -und in Händen des Geheimrat Kröner -- bleibt abzuwarten. Das große -Verlagshaus Velhagen & Klasing, Bielefeld, das sich durch den Verlag -des stark religiös angehauchten »Daheim« einen Weltruf erwarb, -hat sich neuerdings dem Gebiet der Geschichte und Kunstgeschichte -(Monographien zur Kunstgeschichte. -- Monographien zur Weltgeschichte) -noch intensiver zugewandt. Es findet seinen Partner in dem katholischen -Verlag der Firma J. P. Bachem, Köln a. Rh. (»Kölnische Volkszeitung«), -deren Katalog eine große Anzahl Werke katholischer Tendenz aufweist. -Ausschließlich Werke katholischer Richtung wissenschaftlicher und -belletristischer Natur verlegen auch Ferd. Schöningh, Paderborn, -der den Dichter der »Dreizehnlinden« zu seinen Autoren zählt, und -die B. Herder'sche Verlagsbuchhandlung, Freiburg i. Br., eins der -bedeutendsten Verlagsgeschäfte, das auch im Auslande sich große -Absatzquellen erschlossen hat. - -Hauptsächlich belletristischen Verlag, aber ohne besondere Eigenart -pflegen Otto Jancke, Berlin (Verlag der »Romanzeitung«), Schles. -Buchdruckerei und Verlagsanstalt, Breslau (Verlag von »Nord und Süd«, -»Unterwegs und daheim«), Carl Reißner, Dresden, Paul List, Leipzig, -Heinrich Minden, Dresden, Hermann Costenoble, Jena, J. Bensheimer, -Mannheim, Albert Ahn, Köln a. Rh., und E. Pierson, Dresden, von denen -die beiden letztgenannten auch vielfach als bloße Kommissionsverleger -auftreten. -- Mehr dem Gebiet der Buchfabrikation nähert sich der -Verlag von Greiner & Pfeiffer, Stuttgart, durch seine für das große -Publikum berechneten Anthologien, deren Ausstattung von der »Moderne« -noch unberührt geblieben ist. Erst durch den Verlag des »Türmers« ist -die Firma in die Reihe der für die Litteratur in Betracht kommenden -Verleger getreten, obwohl die genannte Zeitschrift nichts weniger als -»modern« im landläufigen Sinne des Wortes ist. -- Fast ausschließlich -auf Übersetzungen beschränkt sich der Stuttgarter Verlag von J. -Engelhorn, dessen Romanbibliothek ihrer Wohlfeilheit wegen einen -ungeheuren Absatz zu verzeichnen hat. Die Zahl deutscher Autoren, die -sich an diesem Unternehmen beteiligt, ist eine äußerst bescheidene, und -wird wohl nur dann vermehrt, wenn der Romanbibliothek frisches Blut und -erhöhtes Interesse zugeführt werden soll. - -Mehr litterarisches Gepräge tragen der Verlag der Besserschen -Buchhandlung, Berlin, Verlegerin Paul Heyse's, und Fr. Bahn, -Schwerin. Als ein äußerst rühriger Verleger, der sich namentlich um -die Einführung amerikanischer Litteratur in Deutschland besondere -Verdienste erworben hat (Sternbanner-Serie), aber auch auf den Verlag -guter deutscher Romane nicht verzichtet, gilt Robert Lutz, Stuttgart. -Zu den Verlegern modernen Schlages übergehend, ist neben Freund & -Jeckel, Berlin, und Fontane & Co., Berlin, die ebensogut noch zur -vorhergehenden Gruppe gerechnet werden können, an erster Stelle S. -Fischer, Berlin, zu nennen. Auch er ist wie Pierson, Dresden, und -Ahn, Köln, bis zu einem gewissen Grade Kommissionsverleger, selbst -seinen ersten Autoren, wie Hauptmann, gegenüber. Der bierfidele Otto -Erich Hartleben, der Halbpariser Hermann Bahr, der jugendliche Georg -Hirschfeld, die Berliner Felix Hollaender und Hans Land haben ihre -Werke bei S. Fischer verlegt, der die Hauptmann-Gemeinde und alles, -was nach »Moderne« aussieht, durch seine »Neue Deutsche Rundschau«, -die ehemalige »Freie Bühne«, um sich zu scharen wußte. Fast noch -ungeberdiger als dieser Verlag geben sich Schuster & Löffler, Berlin. -Manch gutes Buch findet sich in dem Verlagskatalog der erst seit 4 -Jahre bestehenden Firma, aber es fehlt auch der direkte Schund nicht, -oder wenn das besser klingt, jene Litteratur, die nach dem Grundsatze -~l'art pour l'art~ geschrieben, kein vernünftiger Mensch, vor allem -nicht das sogenannte Publikum liest, die sich aber in Litteratenkreisen -großer Beliebtheit erfreut. Schuster & Löffler haben vielfach neue -Bahnen eingeschlagen, aber es waren nicht immer die rechten. Ein Buch -kann modern, sehr modern sein und braucht doch nichts zu taugen! Dieser -Unterschied ist ihnen leider nicht immer zum Bewußtsein gekommen. -Ähnlichen Tendenzen wie Schuster & Löffler huldigt auch Vita, Deutsches -Verlagshaus, Berlin, wenngleich dieses bei weitem mehr Konzessionen -an das Publikum macht. Neue Wege, soweit namentlich die Ausstattung -in Frage kommt, ist auch der Verlag von Fischer & Franke, Berlin, -gegangen, der von allen seinen Mitbewerbern wohl das meiste Geschick -gezeigt hat, Inhalt und Ausstattung seiner Verlagsartikel mit einander -in Einklang zu bringen. In die Reihe der modernen Verleger hat sich -auch G. Bondi, Berlin, gestellt, durch den Halbes Werke und das große -Schlenther'sche Unternehmen zur Ausgabe gelangen. - -Albert Langen, München, der Verleger des »Simplizissimus«, hat ein -paar Jahre in Paris zugebracht, und man kann ihm das Zeugnis nicht -versagen, daß er dort manches gelernt hat und bestrebt ist, immer etwas -Originelles zu bringen, seinem Verlage ein charakteristisches Gepräge -zu geben. Auf den Umschlägen seiner Bücher hat die Moderne schon -wahre Orgien gefeiert: da sind Zeichnungen, so mystisch und dunkel, -in denen gar nichts liegt, so daß man sich gemüßigt fühlt, selbst -alles hineinzulegen; Frauen und Männer werden dargestellt, denen -das Laster oder die Schwindsucht auf dem Gesicht geschrieben stehen, -und das alles in jenen fließenden Linien, hingeworfen ohne Saft und -Kraft -- dazwischen einmal ein Mädchenkopf, so fein und künstlerisch, -daß man sich verwundert fragt, wie der in diese Gesellschaft kommen -konnte. Dann stelle man sich den »Simplizissimus« vor, ein »deutsches -Blatt«, an dem nichts, aber auch gar nichts deutsch ist, ein Blatt, -bestimmt, »die Kunst dem Volke zu vermitteln«. Man muß schon 10 Jahre -in Paris oder bei den Wilden gelebt haben, um zu glauben, daß man ein -solches Programm mit einer Zeitschrift vom Schlage des »Simplizissimus« -durchführen kann. Nur wenig deutschen Namen begegnet man in seinem -Verlagskataloge und auch diese haben einen fremden Klang; dagegen -finden Ausländer: Franzosen, Russen, Skandinavier u. s. w. bei ihm -bereitwilligst Unterkommen. -- Durch eine ultramoderne Ausstattung -hat sich auch der kleine Verlag von Joh. Sassenbach, Berlin, in -Litteratenkreisen einen Namen gemacht. Er ist Verleger von Arno Holz -und seiner Schule, die die Preisfrage: Wie kann jedermann innerhalb 24 -Stunden lyrischer Dichter werden? mit einer verblüffenden Sicherheit -und einer Naivetät, wie sie sonst nur den wirklichen Dichtern eigen -ist, gelöst haben. Diese neueste Schule hat sich um Sassenbach -gesammelt, der für die Allerjüngsten das zu werden verspricht, was -für die Jungen der 80er Jahre Wilhelm Friedrich, Leipzig, war, der an -das neue Evangelium und an die Mission der Bleibtreu, M. G. Conrad, -Alberti, Walloth, Conradi, wie an seinen Herrgott glaubte. Und heute, -nachdem kaum 10 Jahre ins Land gezogen sind? Wo ehemals die Mistbeete -des Realismus standen, da blühen jetzt stille, bleiche »Lotosblüten«. -Wilhelm Friedrich, der jetzt hauptsächlich Theosophie verlegt, ist -immer mit der Zeit gegangen oder hat versucht, ihr vorauszugehen. - -Als ein »Verlag für moderne Bestrebungen in Litteratur, -Socialwissenschaft und Naturwissenschaft« hat sich Eugen Diederichs, -Leipzig, eingeführt, und wenn auch bei ihm der Moderne hin und wieder -Rücksprache mit dem Geschäftsmann nimmt, so ist er doch immer bestrebt -gewesen, namentlich hinsichtlich der Buchausstattung die alten Gleise -zu verlassen und neue Bahnen zu wandeln. -- Berührungspunkte mit dem -Verlage von Eugen Diederichs weist Georg Heinr. Meyers Verlag, Berlin, -auf, der sich besonders als Pflegevater der deutsch-österreichischen -Schriftsteller bewährt. Freilich sind die praktischen Erfahrungen, die -er und mit ihm andere an dem österreichischen Verlage gemacht haben, -wenig ermutigend: verdient hat er an keinem Buche aus Österreich, und -selbst die Verlagskosten sind durch die wenigsten gedeckt worden. -Durch die Gründung der »Heimat« ist sein Verlag der Mittelpunkt jener -Bestrebungen geworden, die die »Heimatkunst« in den Vordergrund des -litterarischen Interesses zu stellen suchen. - - - - -Register - -der in den »Charakteristiken« angeführten Namen. - - - Achleitner, Arthur 46. - - Adamus, Franz 104. - - Alberti, Konrad 65. - - Allmers, Hermann 40. - - Altenberg, Peter 102. - - Ambrosius, Johanna 94. - - Amyntor, Gerhardt von 77. - - Andreas-Salomé, Lou 98. - - Anzengruber, Ludwig 44. - - Arent, Wilhelm 67. - - Arnold, Hans 61. - - Asenijeff, Elsa 99. - - Auerbach, Berthold 32. - - Avenarius, Ferdinand 94. - - - Bahr, Hermann 83. - - Bartels, Adolf 48. - - Bauer, Erwin 71. - - Baumbach, Rudolf 56. - - Beetschen, Alfred 93. - - Bernhard, Marie 64. - - Beta, Ottomar 70. - - Bethge, Hans 93. - - Bierbaum, Otto Julius 99. - - Bleibtreu, Karl 64. - - Blumenthal, Oskar 53. - - Blüthgen, Victor 60. - - Bodenstedt, Friedrich von 35. - - Böhlau, Helene 97. - - Bölsche, Wilhelm 96. - - Bormann, Edwin 61. - - Bötticher, Georg 61. - - Boy-Ed, Ida 80. - - Brieger, Adolf 41. - - Bulthaupt, Heinrich 41. - - Bunge, Rudolf 40. - - Busch, Wilhelm 59. - - Busse, Carl 92. - - - Christen, Ada 63. - - Conrad, Michael Georg 65. - - Conradi, Hermann 65. - - Croissant-Rust, Anna 97. - - - Dahn, Felix 51. - - David, J. J. 76. - - Dehmel, Richard 101. - - Dörmann, Felix 102. - - Dranmor 61. - - Dreyer, Max 89. - - - Ebers, Georg 50. - - Ebner-Eschenbach, Marie von 72. - - Eckstein, Ernst 51. - - Eichrodt, Ludwig 40. - - Elbe, A. von der 80. - - Ernst, Otto 95. - - Ertl, Emil 104. - - Eschstruth, Nataly von 64. - - Evers, Franz 100. - - - Falke, Gustav 92. - - Fehrs, Joh. Heinrich 47. - - Fischer, Johann Georg 38. - - Fitger, Arthur 53. - - Flaischlen, Caesar 90. - - Fontane, Theodor 71. - - François, Luise von 32. - - Franzos, Karl Emil 49. - - Frapan, Ilse 48. - - Frenzel, Karl 55. - - Freytag, Gustav 29. - - Friedmann, Alfred 84. - - Fuchs, Reinhold 93. - - Fulda, Ludwig 88. - - - Ganghofer, Ludwig 46. - - Geibel, Emanuel 35. - - George, Stephan 103. - - Gerok, Karl 57. - - Glümer, Claire 80. - - Gottschall, Rudolf von 52. - - Grazie, Marie Eugenie delle 97. - - Greif, Martin 38. - - Greinz, Hugo 105. - - Grisebach, Eduard 62. - - Groller, Balduin 83. - - Groß, Ferdinand 83. - - Grosse, Julius 37. - - Groth, Klaus 44. - - Grotthuß, Jeannot Emil von 93. - - - Halbe, Max 88. - - Hamerling, Robert 36. - - Hango, Hermann 104. - - Hansjakob, Heinrich 47. - - Harden, Maximilian 84. - - Hart, Heinrich 65. - - Hart, Julius 66. - - Hartleben, Otto Erich 90. - - Hauptmann, Gerhart 85. - - Heiberg, Hermann 66. - - Heigel, Karl von 55. - - Heimburg, W. 63. - - Heine, Anselm 98. - - Henckell, Karl 68. - - Herold, Franz 103. - - Herrig, Hans 53. - - Hertz, Wilhelm 43. - - Heyse, Paul 34. - - Hillern, Wilhelmine von 54. - - Hirschfeld, Georg 91. - - Hoffmann, Hans 59. - - Hofmannsthal, Hugo von 102. - - Hollaender, Felix 76. - - Holz, Arno 67. - - Hopfen, Hans 54. - - Huch, Ricarda 93. - - - Jacobowski, Ludwig 92. - - Janitschek, Maria 97. - - Jensen, Wilhelm 72. - - Jordan, Wilhelm 39. - - Junghans, Sophie 80. - - - Kahlenberg, Hans von 99. - - Keller, Gottfried 33. - - Kerstan, Karl 71. - - Kirchbach, Wolfgang 67. - - Kitir, Josef 104. - - Kompert, Leopold 50. - - Königsbrun-Schaup, Franz v. 79. - - Kretzer, Max 66. - - Kröger, Timm 47. - - Kruse, Heinrich 53. - - Kurz, Isolde 42. - - - Land, Hans 79. - - Langbehn, Julius 83. - - Langmann, Philipp 90. - - L'Arronge, Adolf 54. - - Lauff, Josef 89. - - Leixner, Otto von 78. - - Lienhard, Fritz 69. - - Liliencron, Detlev von 91. - - Lindau, Paul 82. - - Lindau, Rudolf 81. - - Lindner, Albert 53. - - Lingg, Hermann 39. - - Linke, Oskar 52. - - Lohmeyer, Julius 60. - - Lorm, Hieronymus 62. - - Lubliner, Hugo 53. - - - Mackay, John Henry 68. - - Marlitt, E. 63. - - Marriot, Emil 98. - - Mauthner, Fritz 78. - - Megede, Johannes Rich. zur 82. - - Meyer, Conrad Ferdinand 32. - - Meyer, Johann 47. - - Milow, Stephan 40. - - Mombert, Alfred 103. - - Möser, Albert 37. - - Moser, Gustav von 54. - - Mysing, Oscar 75. - - - Naaff, Anton August 70. - - Niemann, August 77. - - Niese, Charlotte 48. - - Nordau, Max 83. - - Nordhausen, Richard 76. - - - Ohorn, Anton 70. - - Ompteda, Georg von 75. - - - Palmer, Ludwig 94. - - Pantenius, Theod. Herrmann 45. - - Paulus, Eduard 42. - - Perfall, Anton von 75. - - Perfall, Karl von 75. - - Peschkau, Emil 83. - - Philippi, Felix 89. - - Pichler, Adolf 69. - - Polenz, Wilhelm von 75. - - Preuschen, Hermione von 98. - - Pröll, Karl 69. - - Przybyszewski, Stanislaw 100. - - Puttkamer, Alberta von 62. - - - Raabe, Wilhelm 58. - - Reder, Heinrich von 56. - - Redwitz, Oskar von 43. - - Renner, Gustav 94. - - Reuter, Gabriele 98. - - Riehl, Wilhelm Heinrich 49. - - Ritter, Anna 94. - - Rittershaus, Emil 58. - - Roberts, Alexander von 74. - - Rodenberg, Julius 41. - - Roquette, Otto 43. - - Rosegger, Peter 45. - - Rosmer, Ernst 91. - - Ruederer, Josef 90. - - Rüttenauer, Benno 96. - - - Saar, Ferdinand von 55. - - Sacher-Masoch, Leopold von 50. - - Salus, Hugo 102. - - Samarow, Gregor 84. - - Schack, Adolf Friedr., Graf v. 36. - - Scheerbart, Paul 103. - - Scheffel, Josef Victor von 56. - - Schlaf, Johannes 99. - - Schmid, Hermann von 46. - - Schmidt, Maximilian 46. - - Schmitthenner, Adolf 75. - - Schnitzler, Arthur 89. - - Scholz, Wilhelm von 101. - - Schönaich-Carolath, Emil Prinz von 62. - - Schubin, Ossip 81. - - Schullern, Heinrich von 104. - - Seidel, Heinrich 59. - - Siegfried, Walter 96. - - Sohnrey, Heinrich 49. - - Sperl, August 48. - - Spielhagen, Friedrich 30. - - Spitteler, Carl 95. - - Steinhausen, Heinrich 43. - - Stern, Adolf 55. - - Stern, Maurice Reinhold von 68. - - Stieler, Karl 45. - - Stinde, Julius 60. - - Storm, Theodor 33. - - Stratz, Rudolf 79. - - Sturm, Julius 57. - - Sudermann, Hermann 87. - - Suttner, Bertha von 82. - - - Taylor, George 51. - - Telmann, Konrad 74. - - Torresani, Baron Carl 81. - - Tovote, Heinz 76. - - Traeger, Albert 58. - - Trojan, Johannes 60. - - - Viebig, Clara 48. - - Vierordt, Heinrich 37. - - Villinger, Hermine 47. - - Vischer, Friedrich Theodor 39. - - Voß, Richard 73. - - - Wagner, Christian 96. - - Waldmüller, Robert 40. - - Walloth, Wilhelm 66. - - Wallpach, Arthur von 103. - - Weber, Friedrich Wilhelm 38. - - Weber-Lutkow, Hanns 105. - - Wedekind, Frank 101. - - Weigand, Wilhelm 95. - - Weilhart, Oskar 104. - - Weitbrecht, Karl 42. - - Werner, E. 63. - - Westarp, Adolf Graf von 70. - - Westkirch, Luise 81. - - Wichert, Ernst 77. - - Widmann, Jos. Viktor 96. - - Wilbrandt, Adolf 73. - - Wildenbruch, Ernst von 85. - - Wille, Bruno 69. - - Wolff, Julius 57. - - Wolters, Wilhelm 79. - - Wolzogen, Ernst von 73. - - - Zobeltitz, Fedor von 80. - - Zobeltitz, Hanns von 80. - - Zolling, Theophil 78. - - Zoozmann, Richard 93. - - -Druck von Paul Dünnhaupt in Cöthen (Anhalt). - - - - - Weitere Anmerkungen zur Transkription - - - Offensichtliche Fehler wurden stillschweigend korrigiert. Ansonsten - wurden unterschiedliche Schreibweisen des Originals beibehalten. - - Korrekturen: - - S. 25: herausschaffen → heraus schaffen - aus der germanischen Volksseele {heraus schaffen} - - S. 34: 1890 → 1830 - Paul Heyse, geb. am 15. März {1830} in Berlin - - S. 67: hinter → vor - eine große Zukunft {vor} sich hat - - S. 75. 24. 1854 → 24. Mai 1854 - Adolf Schmitthenner, geb. am {24. Mai 1854} - - S. 113: verschnöckelt → verschnörkelt - Druckschrift so {verschnörkelt} und entartet - - - -*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE LETZTEN ZWANZIG JAHRE DEUTSCHER -LITTERATURGESCHICHTE 1880–1900 *** - -Updated editions will replace the previous one--the old editions will -be renamed. - -Creating the works from print editions not protected by U.S. copyright -law means that no one owns a United States copyright in these works, -so the Foundation (and you!) can copy and distribute it in the -United States without permission and without paying copyright -royalties. Special rules, set forth in the General Terms of Use part -of this license, apply to copying and distributing Project -Gutenberg-tm electronic works to protect the PROJECT GUTENBERG-tm -concept and trademark. 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Information about the Project Gutenberg Literary -Archive Foundation - -The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non-profit -501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the -state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal -Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification -number is 64-6221541. Contributions to the Project Gutenberg Literary -Archive Foundation are tax deductible to the full extent permitted by -U.S. federal laws and your state's laws. - -The Foundation's business office is located at 809 North 1500 West, -Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887. Email contact links and up -to date contact information can be found at the Foundation's web site -and official page at www.gutenberg.org/contact - -Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg -Literary Archive Foundation - -Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without -widespread public support and donations to carry out its mission of -increasing the number of public domain and licensed works that can be -freely distributed in machine-readable form accessible by the widest -array of equipment including outdated equipment. Many small donations -($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt -status with the IRS. - -The Foundation is committed to complying with the laws regulating -charities and charitable donations in all 50 states of the United -States. Compliance requirements are not uniform and it takes a -considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up -with these requirements. We do not solicit donations in locations -where we have not received written confirmation of compliance. 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Hart was the originator of the Project -Gutenberg-tm concept of a library of electronic works that could be -freely shared with anyone. For forty years, he produced and -distributed Project Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of -volunteer support. - -Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed -editions, all of which are confirmed as not protected by copyright in -the U.S. unless a copyright notice is included. Thus, we do not -necessarily keep eBooks in compliance with any particular paper -edition. - -Most people start at our Web site which has the main PG search -facility: www.gutenberg.org - -This Web site includes information about Project Gutenberg-tm, -including how to make donations to the Project Gutenberg Literary -Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to -subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks. |
