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-The Project Gutenberg EBook of Über die bürgerliche Verbesserung der Weiber, by
-Theodor Gottlieb von Hippel
-
-This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
-almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or
-re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
-with this eBook or online at www.gutenberg.org/license
-
-
-Title: Über die bürgerliche Verbesserung der Weiber
-
-Author: Theodor Gottlieb von Hippel
-
-Release Date: January 7, 2017 [EBook #53912]
-
-Language: German
-
-Character set encoding: ISO-8859-1
-
-*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK ÜBER DIE BÜRGERLICHE ***
-
-
-
-
-Produced by Matthias Grammel and the Online Distributed
-Proofreading Team at http://www.pgdp.net (This book was
-produced from scanned images of public domain material
-from the Google Books project.)
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- ÜBER DIE
- BÜRGERLICHE VERBESSERUNG
- DER WEIBER
-
- [Illustration]
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- BERLIN, 1792.
- _in der Voßischen Buchhandlung_
-
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-
-
-I.
-
-FORMALE UND MATERIALE DER GEGENWÄRTIGEN SCHRIFT.
-
-
-Man sagt: der strengste Beweis der Wahrheit sei, wenn gewisse
-Dinge jeder Bemühung sie lächerlich zu machen und zu travestiren,
-widerstehen, und wenn sie trotz allem Lächerlichen, womit wir
-sie behängen, doch ehrwürdig bleiben. Wenn die krumme Linie die
-Schönheits-Linie ist; so wird man es schwerlich bedenklich finden,
-dem Lachen die Schlüssel zum Himmelreiche der Wahrheit anzuvertrauen.
-Ein mißlicher Umstand! der mich bei der gegenwärtigen Schrift in
-eine nicht geringe Verlegenheit verwickelt, da ich einen Gegenstand
-vorhabe, worin bei weitem der größte Theil des Ernsthaften mit dem
-Lächerlichen, nicht von Anbeginn und von Natur, sondern durch
-Verjährung, so im Gemenge liegt, daß hierbei nicht so leicht ein
-Divisions-Exempel auf eine Auseinandersetzung gewagt werden kann. Wenn
-ein Ritter von ächtlustiger Gestalt den Kampf beginnt -- wer und was
-kann vor ihm bestehen? welche Festung von System und Dogmatik sich
-halten? _Sokrates_, der Weiseste, nicht unter den _Königen_, sondern
-unter den _Weisen_, dieser Erzkern in einer häßlichen Schale, dieser
-(wiewohl nicht mit sonderlichem Geschmacke gekleidete) Engel unter den
-Menschen, ward in _den Wolken_ zur Farce; und welch ein Autor kann auf
-einen heitern Recensenten- und Leser-Himmel sicher rechnen? -- Selten
-gab es einen, der nicht aus dem Regen unter die Traufe gerieth, und
-noch nie ging ein Licht in der Welt auf, ohne seinen _Aristophanes_
-zu finden, der es, mir nichts, dir nichts, geradezu ausblies, oder --
-unter dem Scheine des Rechts, als wollt' er es schneutzen -- es neckte
-und verdunkelte. Fast scheint auf diese Weise das Lächerliche das
-tägliche Brodt der Menschen zu seyn, und man wird sich ohne Zweifel
-am besten befinden, wenn man in Züchten und Ehren mitlacht, oder seine
-Schrift, des Bildes und der Überschrift des Ernstes ungeachtet, zu
-einem Tone stimmt, der nicht ernsthafte Blößen (die lächerlichsten von
-allen) giebt. -- »Ihr werdet lange nicht so viel über mich weinen, wie
-ihr über mich gelacht habt,« sagte _Scarron_, der Ehevorfahr _Ludwigs
-des XIV._, zu denen, die sein Sterbelager umringten und weinten.
-Diese Vorstellung war im Stande, ihn im Sterben aufzuheitern -- und
-warum auch nicht? -- Jetzt, da selbst die heilige Moral nicht mehr
-im Klosteranzuge ihr Glück machen kann und will, vielmehr fröhlich
-und guter Dinge einhertritt, und die Becher, welche sie mit ihrem
-herzerfreuenden Wein anfüllet, zu bekränzen gebeut; jetzt, da sogar
-jede widerliche Außenseite des Menschen eher seines Herzens Härtigkeit
-als dessen Reinheit zu verrathen scheint: jetzt ist Fröhlichkeit ein
-lebensartiges Ingredienz geworden, und Lachen und Weinen leben in einer
-so glücklichen Ehe, daß jene philosophischen Gaukler, von denen der
-eine nicht aus dem Lachen und der andere nicht aus dem Weinen kommen
-konnte, schwerlich Professuren auf unsern Akademieen erhalten würden.
-Kinder, die der Natur am nächsten sind, lachen und weinen über eine
-und dieselbe Sache, und eine liebenswürdige Braut reißt sich weinend
-aus den Armen ihrer verwaiseten Mutter, um in eben dem Augenblicke
-sich lachend in die Arme ihres Vielgeliebten zu stürzen. -- Unser
-Leben ist Ebbe und Fluth, immerwährender Wechsel von Freude und Leid;
-und sollten nicht alle Gegenstände des gemeinen Lebens Spuren und
-Eindrücke von der _comédie larmoyante_ des _verwünschten Schlosses
-von Planeten_ zeigen, auf dem uns eine Menschen-Rolle angewiesen ist?
--- die schwerste vielleicht in Gottes weitem und breitem Weltall! --
-vielleicht auch die leichteste, je nachdem sie gespielt wird. -- Aller
-unvergeßlichen Bemühungen so mancher _edlen Ritter_ ungeachtet, welche
-die Menschheit und durch sie _die Erde entzaubern_ wollten, ist das
-Abentheuer noch nicht bestanden -- O der verdammten Hexe, der Sünde,
-die das _Verderben_ so braver _Leute_ ist! -- Wenn wir gleich durch die
-Erinnerung des Todes nicht unseres ganzen Lebens Knechte sind; so sind
-doch die Gedanken an den Tod und an Gott _die_, welche uns in jedem
-Falle zu einem _Memento!_ bringen. Wahrlich! es war Philosophie, wenn
-des Königes _Xerxes_ Majestät über sein Heer sich freute und traurig
-ward. -- Jeder Schmerz hat seine Wollust; und wie schal ist nicht das
-Vergnügen, das nicht durch etwas Bitterkeit gewürzt wird! Vom Glück ist
-dem Weisen nur zu träumen erlaubt; das Unglück, als das gewöhnliche
-Loos der Menschheit, mit Fassung zu ertragen, bleibt ihm unabläßliche
-Pflicht: und es giebt in der That überall eine Mittelstraße, eine
-gemäßigte Fröhlichkeit und ein Lächeln, das bei warmen Thränen im Auge
-Statt finden kann. Alle vier und zwanzig Stunden giebt es Nacht und
-Tag, ein Licht, das den Tag regiert, und eins, das die Nacht regiert.
--- Noch näher kann ich dieses Exordium legen, wenn ich bemerke, daß
-das schöne Geschlecht, der Natur getreu, die gute und vollkommene
-Gabe von oben herab besitzt, alle seine Bitterkeiten, deren es sich zu
-seinen Wehr und Waffen zu bedienen pflegt, so zu bezuckern, und ihren
-Ernst, vermittelst eines ihn lindernden Lächelns, so zu ermäßigen, daß
-ich keinen Augenblick Bedenkzeit nehmen darf, diesem liebenswürdigen
-Beispiele zu huldigen und mich der beiden Gesichter des _Janus_ mit
-patriotischer Freiheit zu erinnern. Auch scheint die Last, welche das
-schöne Geschlecht trägt, einem und bei weitem dem größeren Theile
-desselben so sanft und sein Joch so leicht zu seyn, daß es vielleicht
-im Diensthause Egyptens und bei den Fleischtöpfen eines gemächlichen
-wirklichen Alltags-Lebens zu verbleiben wünschen wird, ohne die
-beschwerliche Reise nach Kanaan, wo Milch und Honig der Natur fließt,
-antreten zu wollen. Selbst Damen von Bedeutung scheinen oft nicht zu
-wissen, daß sie in ihrem Prunk von Purpur und köstlicher Leinwand Leid
-tragen, und daß ihr Leben in Herrlichkeit und Freude eine _Leibes-_ und
-_Lebens_strafe ist, die man ihnen im heimlichen Gericht zuerkannt hat.
--- Wo viel Glanz ist, da ist wenig Geschmack -- so wie gemeiniglich
-Bigotterie und Sittenlosigkeit _getreue Nachbarn und desgleichen_ zu
-seyn pflegen. Wahrlich! es ist der höchste Gipfel der Krankheit, wenn
-Patienten Fieberhitze für blühende Gesundheit halten und jede Arznei
-von der Hand weisen; und so übersteigt es auch den gewöhnlichen Grad
-des menschlichen Verderbens, wenn Sklaven auf alle Rechte Verzicht thun
-und ihre Verfassung auf das gute Glück der Denkungsart ihrer Gebieter
-gründen. -- Und wer ist Schuld an diesem Gerichte der Verstockung?
-das andere Geschlecht? wird man diesen Stab brechen, da selbst der
-Naturverkündiger _Rousseau_, der alle Welt, und besonders die schönere
-Hälfte derselben, zur Natur bekehren wollte, trotz dieser _gewaltigen
-Predigt von Buße und Glauben_ am liebsten mit _vornehmen Damen_ umging?
-Wie konnte seine Eitelkeit sich gütlich thun, wenn Standespersonen ihn
-hervorzogen, ob er gleich über das Verderben der höheren Stände bei
-aller Gelegenheit außer Athem kam! -- -- Doch ich will dem zweiten
-Theile dieses Kapitels nicht vorgreifen. Mag sich meine Schrift in die
-Zeit schicken, und von allen Seiten ihr Heil versuchen --! Mit der
-Anrufung der heiligen Zahl der drei mal drei Schwestern soll sie sich
-nicht brüsten, da ein dergleichen _Oremus_ bloß poëtischen Arbeiten die
-Bahn zu brechen gewohnt ist; aber um alles in der Welt wünschte ich
-nicht, daß ihr die Ehre erwiesen würde, die Bibliothek der erlauchten
-Republik des _Plato_ zu zieren. -- Zur Sache.
-
-Als _Ludwig den Vierzehnten_ wegen der neuen Lasten, die er seinem
-schon gedrückten Volke zugedacht hatte, wirklich eine Art von
-Gewissens-Schauer anwandelte, fand er in dem leidigen Troste seines
-Beichtvaters _Tellier_, »_daß das Vermögen seiner Unterthanen sein
-Eigenthum sei_,« ein so sanftes Küssen für dieses aufgewachte Gewissen,
-daß er sich kein Bedenken gemacht haben würde, die Auflage, die ihn
-beunruhiget hatte, aus dem Stegreife zu verdoppeln; und ohne Zweifel
-ist dieser Köhlerglaube der Grund zu jener Behauptung: _ich bin der
-Staat_.
-
-Die Gewohnheit wird so leicht zur andern Natur, daß die Franzosen,
-welche die Plackereien eines _Terray_, und die Härte eines _Meaupou_
-ertrugen, sich hinreichend glücklich schätzten, wenn nur ein kleiner,
-vielleicht der unwürdigste, Theil die durch die Zehnten der Wittwen
-und die Sparpfennige der Elenden gefüllten Freudenbecher des Staats
-in unmäßigen Zügen leeren konnte, während der andere größere und
-arbeitende Theil, unter dem Joche der Willkühr der Despotie und der
-Dürftigkeit schmachtend, doch noch immer das Glück hatte, so gut es
-sich thun ließ', zu springen und zu singen, zu hüpfen und zu pfeifen.
--- Bei einem so leichten, über Alles sich wegsetzenden und mit einem
-_Chanson_ sich aus aller Noth helfenden Völkchen, war diese Zuchtruthe,
-theils mit Peitschen, theils mit Skorpionen, um so weniger fühlbar,
-da es an den Gallatagen und Staatsfesten der Ausgezeichneten unter
-ihm, durch ein Freibillet vermittelst der Augen Theil nahm -- und
-dieses Völkchen lernte es je länger je mehr ertragen, daß jene den
-_Freudenkelch_ für sich allein behielten und es _für sie alle_ thaten.
-Die Brocken, die etwa dem Künstler und der Putzmacherin von den Tischen
-dieser _reichen Männer_ fielen -- waren ihnen eine Segenserndte, und
-die Hunde der Großen leckten ihnen ihre Schwären -- Dies Jammer und
-Elend ist kommen zu einem seligen End, und Laternenpfähle scheinen über
-Frankreich das Licht der Natur und einer Gleichheit aller Menschen
-so stark verbreitet zu haben, daß man vor lauter Licht das Licht
-zuweilen nicht zu erblicken scheint. Es giebt Menschen, die den Wald
-nicht vor den Bäumen sehen, und gar zu hell macht dunkel: auch giebt
-es moralische Blendlinge, die das Glück oder Unglück haben, da etwas
-flittern zu sehen, wo das gesunde Auge des Verstandes nichts wahrnimmt.
-Wie wär' es, wenn ich ohne Feldgeschrei und Sturmglocke, wie weiland
-_Diogenes_, laternisirte und mit einer Handleuchte in der schönen Welt,
-wo so viel Überfluss von tausend und abermal tausend Dingen für Geld
-oder für gute Worte zu haben ist -- Menschen suchte? -- Ob ich finden
-würde? -- Einige Auflösungen sind mit Brausen verbunden; bei einigen
-entstehet eine Hitze, bei einigen eine Kälte. -- Daß Ew. Excellenz sich
-nur ja nicht ereifern, vielmehr Hochdero Galle für Ihren ungetreuen
-Liebhaber _Num._ 30. besparen! -- Eine Schwalbe macht keinen Sommer,
-und meine Laterne ist mit einem Hauch Ihres Eifers ausgeblasen. Wollten
-Ew. Excellenz in aller Zucht und Ehrbarkeit Sich in einen wohlgemeinten
-Wortwechsel mit mir einzulassen geruhen; Sie würden, wie ich nach der
-Liebe hoffe, Sich eines andern besinnen, und vielleicht überzeugt
-werden, daß ich weniger Vorwürfe verdiene, als alle Ihre Liebhaber
-bis auf den _sub Num._ 30., der es freilich außer der Weise macht,
-woran indeß ich und meine Schrift auch nicht auf die entferntste Weise
-Schuld sind -- Bin ich gleich kein galanter, so bin ich doch ein treuer
-Verehrer eines Geschlechtes, unter welchem Sie und viele andere Ihres
-Gleichen so unrichtig _Excellenz_ heißen, wogegen andere trefliche
-Weiber, welche diesen Ehrennamen zehnfach verdienen, aus Hof-Etiquette
-nicht so genannt werden.
-
-_Keinem anderen als einem Deutschen konnte wohl ein solches Buch
-einfallen!_
-
-Auch unter den Franzosen gab es Sonderlinge, die, wenn sie gleich
-freilich nicht mit der Thür ins Haus fielen, und an keine bürgerliche
-Verbesserung des schönen Geschlechtes dachten, ihm doch ein anderes
-Verhältniß anwiesen. Ich habe geglaubt, man müsse dem Übel die Wurzel
-nehmen und den Staat nicht aus dem Spiele lassen.
-
-_Frankreich, wo jetzt alles gleich ist, ließ unser Geschlecht
-unangetastet._
-
-Unverzeihlich! wie konnte ein Volk, das (wie weiland _Voltaire par
-et pour_ die Komödianten lebte) _par et pour_ das schöne Geschlecht
-existirt, bei der weltgepriesenen allgemeinen Gleichheit ein Geschlecht
-vernachlässigen, das eine Königin hat, derengleichen es gewiß wenige in
-der Welt gab. --
-
-Wenn ich nur selbst wüßte, wie ich mich hier ins Mittel legen könnte,
-um aus diesem _excellenten_ Handel mit Ehren herauszukommen! -- Wohlan!
-ich will den gegenwärtigen Weltlauf der Damen copiren, die in Einem
-Athem trotzen und bitten, fluchen und segnen -- --
-
-Vielleicht war das menschliche Geschlecht bloß darum so vielem Wechsel
-von Licht und Finsterniß, von Veredlung und Herabwürdigung, von
-Paradies und Fall ausgesetzt, weil man die Rechnung ohne die schöne
-Welt machte. Es ebbte und fluthete, je nachdem man von dieser andern
-Hälfte Notiz nahm und je nachdem man sie als etwas Wesentliches in der
-Menschheit oder als etwas Beiläufiges ansah, das schon die Ehre haben
-würde, der Principalsache zu folgen. Man sah das schöne Geschlecht,
-wie den Reim, kaum für etwas mehr, als für eine Krücke an, wodurch
-sich der Gedanke forthilft; und bei Messiaden und andern Werken der
-Dichtkunst, wo man ohne Krücken ging -- mußte das andere Geschlecht
-sich gefallen lassen, zu kurz zu kommen. Jener Römische Rechtsspruch:
-Mit dem Rechtsmaß, mit dem man Andere mißt, muß man sich selbst messen;
-schien hier völlig seine Kraft verloren zu haben, wenn er gleich zu
-jenen ins Herz geschriebenen gehört, die zu übertreten eine Sünde
-wider den heiligen Geist ist. -- Wie ist ein Stoff zu organisiren,
-wenn es nicht auf die Vereinfachung des Vielfachen angelegt wird? Wie
-ist dem menschlichen Geschlechte zu rathen und zu helfen, wenn man
-so entsetzlich einseitig verfährt? Der Himmel der alten Welt hatte
-seine Göttinnen so gut wie seine Götter; nur unter den Menschen soll
-es keine anderen Götter geben neben den Männern von Gottes Gnaden! --
-Ist es ein Seelenfest, wenn entfernte, einander völlig fremd gewordene
-Gegenstände in der Geisterwelt sich zusammen finden; wenn sich oft das
-Allerverschiedenste in einem Berührungspunkte des Denkens trifft, wo
-seine ursprüngliche Verwandtschaft wieder einleuchtend wird; wenn sich
-dergleichen von einander abgekommene Gegenstände Hände und Trauringe
-geben und eine Himmelsstimme sich hören läßt: was Gott zusammen fügt,
-soll der Mensch nicht scheiden; ist es unaussprechliche Wonne, wenn
-Freunde nach langen See- und Landreisen sich wieder an Stell' und Ort
-umarmen und sich an die paradiesischen Jahre ihrer Jugend erinnern, wo
-sie Ein Herz und Eine Seele waren: wie weit herrlicher wird es seyn,
-wenn das andere Geschlecht sich wieder zu dem unsrigen verhält, wie
-_Eva_ zu _Adam_, und nicht wie Ew. Excellenz zu _Num._ 30! -- Laßt
-uns dies Werk der Zeit überlassen, die bisweilen aus unbegreiflicher
-Güte Combinationen zusammen bringt, auf welche, nach dem gewöhnlichen
-Laufe der Dinge, weder zu rechnen, noch Jagd zu machen war -- Laßt uns
-auf den Zeitpunkt uns freuen, wo der Tag der Erlösung für das schöne
-Geschlecht anbrechen wird, wenn man Menschen, die zu gleichen Rechten
-berufen sind, nicht mehr in der Ausübung derselben behindert -- und
-wenn man das, was so augenscheinlich gleich ist, nicht so willkührlich
-unterscheidet. -- Ich würd' ein Frauenknecht in bester Form seyn,
-wenn ich behaupten wollte, daß diese goldene Zeit vom Himmel fallen
-werde. Verdienst und Würdigkeit sind die Bedingungen menschlicher
-Glückseligkeit, und der Mensch, sein eigener Bildner, kann aus dem
-Marmorwürfel, den die Natur ihm zuwarf, einen Gott und ein Thier
-machen -- nach Belieben. Bloß auf die Behauptung schränk' ich mich ein,
-daß der Stoff, woraus eine _Venus_ ward, sich eben so gut zu einem
-_Merkur_ verarbeiten läßt; daß den Weibern das _Recht der Gerade_
-gebührt; und daß, wenn die Natur das menschliche Geschlecht zu schaffen
-_anfing_, sie den größeren Theil uns selbst überließ, um die Ehre der
-Schöpfung mit uns zu theilen. Thätigkeit ist die Würze des Genusses,
-und Genuß die Würze der Thätigkeit. -- Es ist dem Menschen angeboren,
-sagt _Cicero_ (mit andern Worten), daß, wenn er sich Gott denkt, die
-menschliche Natur vor ihm schwebt. -- Man definire den Menschen, wie
-weiland der göttliche _Plato_, als _ein zweifüßiges Thier ohne Federn_,
-oder als ein _Geschöpf_, das sich wie ein Tanzmeister _gerade_ hält,
-als Gott, als Thier: nirgends sind Weiber ausgeschlossen; nur müssen
-sie auch nicht sich selbst ausschließen -- und wollen und werden sie
-das? _Wesley_, der Stifter des Methodismus, hatte die Maxime, daß
-es ohne Fasten und Frühaufstehen unmöglich sei, in der Gnade zu
-wachsen -- Was gilt das beste Recht, wenn man sich desselben unwürdig
-macht! Das fräuliche Geschlecht soll in der Gerechtigkeit, und nicht
-in der Gnade, wachsen; indeß kann ich ihm kein anderes als dies
-Methodisten-Recept verschreiben: _Wachsamkeit und Enthaltsamkeit_ --
-Welch ein Fürst, und wär' es der reichste und mächtigste, ist glücklich
-ohne persönliches Verdienst --? _Thomas Payne_, der den Vorwurf, ein
-Fürstenfeind zu seyn, höchlich von sich ablehnt, und protestirend
-versichert, daß Niemand treuer als Er wünschen könne, die regierenden
-Herren zu der glücklichen Lage der Privatmänner zu erheben, bedachte
-nicht, daß jeder Fürst nicht nur ein politisches, sondern auch ein
-Privatleben führt -- daß Fürsten mehr persönliche Verdienste zeigen
-müssen, als andere, wenn sie geliebt und bewundert werden wollen, und
-daß sie Fürsten bleiben und doch sich persönlich auszeichnen können.
-Das ist, mit Ewr. Excellenz gnädiger Erlaubniß, der Fall mit Ihrem
-Geschlechte. -- _Quand le bon ton paroît, le bon sens se retire._ -- --
-
-Eine _Gardefou_, eine Warnungstafel, den Blöden zum Besten: daß ich
-hier mit keiner wirklichen Excellenz wirklich colloquirt habe; denn
-außerdem, daß ich alsdann gewiß weniger zum Wort gekommen wäre, würd'
-ich auch meine wenigeren Worte unschwer zu verzuckern nicht ermangelt
-haben. -- Wenn der Künstler auf bloße Portraite eingeschränkt ist und
-keine Ideale mehr wagen darf, so agonisirt seine Kunst, und auch sein
-Genie liegt in den letzten Zügen; doch muß man in seinen Idealen eine
-auserlesene Sammlung von Portraiten finden, falls sie den Namen Ideale
-verdienen sollen. In einer _Venus_ lag ein Extrakt von fünfhundert
-schönen Mädchen -- Meine Excellenz ist in der Ideenwelt; sie wird
-indeß hoffentlich kenntlich genug geblieben seyn, und man kann ihren
-Widerschein gewiß mehr als fünfhundert mal finden. Die eigentliche
-Absicht war, vermittelst dieses magischen Spiegels mein Müthlein an
-der gefälligen Ungerechtigkeit zu kühlen, die unser Geschlecht dem
-schönen beweiset -- ohne daß das letztere es dazu anlegen will, sich
-von seinen Königen zu befreien, wie weiland _Rom_, nachdem _der stolze
-Tarquin_ wegen seiner Tyrannei vom Throne gestoßen und diese Handlung
-mit dem Grundgesetze bezeichnet ward: die königliche Regierung auf
-immer und ewig abzustellen. Sehr viel mehr als ein _Balken-Königreich_,
-das man aus einer alten Fabel kennt, war und ist unsere Herrschaft doch
-nicht -- und es giebt ein moralisches Nestelknüpfen, kraft dessen (zum
-wahren Glück des Ganzen) nur wenige Männer zur eigentlichen Herrschaft
-gelangen. -- Damit ich indeß dieses erste Kapitel, welches einer
-Parlements- oder gar National-Versammlungs-Rede nicht unähnlich ist,
-einlenke, so glaub' ich, dem Buche _über die Ehe_, diesem belobten und
-betadelten Ehe-Katechismus, mit dem ich es weder halten noch verderben
-mag, nicht zu nahe zu treten, wenn ich zur Zerstörung der galanten
-_Bastillen_, der häuslichen Zwinger und bürgerlichen Verließe, worin
-sich das schöne Geschlecht befindet, mit einem einzigen Operations-Plan
-Markt halte, und _die bürgerliche Verbesserung der Weiber als ein
-diensames Mittel diesen Zweck zu beschleichen_, empfehle, anbei aber
-glaubensvoll versichere, daß dieser weniger im Schweiß des Angesichts
-zu erringende, als so zu erhaltende _Stand im Staate_, beiden
-Hemisphären des menschlichen Geschlechtes heilsam seyn werde, zeitlich
-und ewiglich. -- Ruhig und überzeugend gehet die Vernunft, und nur da,
-wo man sie mit ungleichen Waffen unrühmlich bekämpfen will, wo das
-Vorurtheil den Handschuh wirft, und Gewalt ihr den Weg vertritt, pflegt
-auch sie ihren eigentlichen wohlüberdachten Plan aufzugeben, und ihm
-einen andern unterzulegen, wodurch nicht das Bessere befördert, sondern
-Schlechtes mit Schlechterem verwechselt wird: etwas Blindes mit etwas
-Lahmen; man verändert, ohne zu verbessern. Ein untrügliches Merkmahl
-aller Schwachköpfe, vom Thron bis auf den letzten Officianten-Sessel.
--- Es gab, Gottlob! von je her Weiber, und es giebt ihrer noch, denen
-ihr Stand der Erniedrigung eine zu starke Probe ist; Weiberköpfe,
-die nicht ihre Weiblichkeit, sondern die willkührliche Behandlung
-derselben von Seiten unseres Geschlechtes beseufzten, und die
-ihrer Erlösung entgegen sahen -- meine Schrift soll ihnen keine
-Heerführerdienste leisten. -- Man kann durch Lehren lernen, und durch
-Gehorchen sich im Befehlen unterrichten. Ich leg' es so wenig darauf
-an, das andere Geschlecht Knall und Fall von seiner Sklaverei zu
-befreien, daß ich mich vielmehr begnüge es aufzumuntern, diese Erlösung
-zu verdienen. Des _Himmels würdig werden_, heißt nicht viel weniger,
-als _ein activer Himmelsbürger seyn_. -- -- Findet auch selbst diese
-bescheidene Absicht steinichte Äcker und steinerne Herzen -- immerhin!
--- es ist ja nichts weiter als ein Buch, das ich verbreche; wahrlich
-eine Kleinigkeit. Wirkte je eins? auf frischer That? an Stell' und Ort?
-u. s. w. Erfahrungen, Empfindungen solcher positiven Übel, welche der
-menschlichen Natur widersprechen, wirken; und wenn gleich die Mehrheit
-der Hände vielfältig entschieden hat, und noch entscheiden kann, so
-gilt doch dieser _Vorzug_ der _Thäter_ nicht von der Pluralität der
-_Leser_, die sich zu Denkern etwa wie Eins zu Hundert verhalten. Und
-du lieber Gott! selbst die Denker! sind sie nicht eine so unsichtbare
-Kirche, daß nur der Herr die Seinen kennet? Wahrlich! es hat auf die
-Wirkung keinen Einfluß, ob ein Buch zehn, fünf oder nur Eine Auflage
-erlebt; und der Autor, der nach der Anzahl der verkauften Exemplare ein
-angeworbenes Heer mit ihm gleich denkender Menschen, die vermittelst
-seines Buches Handgeld genommen, berechnen will, scheint weder Bücher
-noch Menschen zu kennen -- man muß ihn in die Schule schicken. Einer
-jeden Schrift, sie sey weß Standes oder Ehren sie wolle, stehet das
-gewöhnliche Schicksal aller Schriften bevor: gelesen und vergessen
-zu werden; falls sie sich bloß auf Meinungen einschränkt (die
-unschädlichsten, unwirksamsten Dinge in der Welt, wenn anders der
-Censor ihnen nicht einen Schein von Bedeutung beizulegen die ungütige
-Güte hat.) -- Gelingt es mir indeß, Leben und Erfahrung in mein
-Büchlein zu legen und einen Geist in die todten Buchstaben zu hauchen;
-so werd' ich wenigstens auf einen Theil der Ehre rechnen können,
-welche sich der mündliche Vortrag gegen den schriftlichen herausnimmt,
-indem es von ihm heißt: der Glaube kommt durch die Predigt. --
-
-Bei solchen Umständen ist mein Zweck freilich eine Reise um die Welt,
-ohne daß ich mein Zimmer verlasse. Ob dies gerade die gemächlichste
-Art zu reisen sei, mag unentschieden bleiben; die unfruchtbarste ist
-sie wenigstens nicht. _Newton_ maß in seinem Lehnsessel die Erde, und
-bestimmte, ohne den _Chimborasso_ bestiegen und in _Tornea_ gefroren zu
-haben, ihre Figur, Jahre lang früher, als die Herren _Condamine_ und
-_Maupertuis_; auch bin ich nicht der Erste, der so reiset. --
-
-Wie, wenn ich die gegenwärtige passive Existenz des schönen
-Geschlechtes in ihrer wahren Blöße zu zeigen glücklich genug wäre, um
-den Vorzug verdächtig zu machen, im Nichtthun stark zu seyn! wenn ich
-einem genußgierigen Volke, das für den sinnlichen Luxus oft selbst den
-moralischen verschwendet, indem es für die Nothwendigkeit knickert,
-ökonomischere Grundsätze beibrächte, und es bewegen könnte, über Leib
-und Seele _Credit_ und _Debet_ zu verzeichnen und Buch zu halten! wenn
-meine wohlgemeinten Vorstellungen bewirkten, daß die Weiber nicht in
-dem Grade männlich würden, wie die Männer weiblich, sondern daß Mann
-und Weib sich Mühe gäben, wirklich Mann und Weib zu seyn, da jetzt,
-aus verjährter Unordnung, in Hinsicht der Geschlechter Niemand recht
-weiß, wer Koch oder Kellner ist! wenn ich, frei von jeder Explosion,
-bloß jenes Ziel näher brächte, welches die Natur in eigner hoher Person
-angewiesen hat! wenn mich das gewöhnliche Schicksal der Reformatoren
-nicht träfe, die Alles außer der Jahreszeit hervorbringen wollen, denen
-es an Geist und Nachdruck gebricht, den Zeitpunkt schneller herbei zu
-führen, und die, was noch ärger ist, sich auf die Pulsschläge der Zeit
-so wenig verstehen, daß sie gemeiniglich _zu früh_, und, wenn das Glück
-gut ist, _zu spät_ zu kommen die Ehre haben! -- Des hoffnungstrunkenen
-Schriftstellers! Man hat in unserer Zeit so sehr die bürgerliche
-Verbesserung der Juden empfohlen; sollte ein _wirkliches Volk Gottes_
-(das andere Geschlecht) weniger diese Sorgfalt verdienen, als das
-_so genannte_? -- Liegt der Same der Erbsünde nicht in den Müttern?
-und lagen die Verhinderungen einer moralischen Verbesserung des
-menschlichen Geschlechtes -- welche Verbesserung die besten Menschen
-in der Welt, und unter diesen FRIEDRICH DER ZWEITE, anfänglich so
-thätig bezweckten, nachher aber betrübt aufgaben -- nicht vorzüglich
-darin, daß man das _schöne_ Geschlecht in seinen Ruinen ließ und
-diesen Tempel bloß aus _unserm_ Geschlecht errichten wollte? Ist es
-nicht unverzeihlich, die Hälfte der menschlichen Kräfte ungekannt,
-ungeschätzt und ungebraucht schlummern zu lassen --? Gesellschaft setzt
-unter den Verbundenen eine Gleichheit voraus, wozu es der Urheber
-der Menschen auch angelegt hat, der die Menschen aufrichtig machte;
-nur leider! suchen sie viele Künste. In allen Gesellschaften, woran
-Weiber Theil nehmen, verbreitet sich Anstand; und sollte dies nicht
-auch der Fall beim Staate seyn, in dessen Geschäfte ein andres Licht
-und Leben kommen würde, wenn Weiber den Zutritt hätten, in ihnen ihr
-Licht leuchten zu lassen und ihnen einen anderen Schwung beizulegen?
--- Wir haben für unsere Gesellschaften noch keine Pflichtvorschriften;
-und doch führt man sich hier ohne Gesetzbuch so exemplarisch, daß oft
-Ungezogene, die der Staat aufgab, mit augenscheinlichem Vortheile
-in diese Schule gingen, und aus ihr als gebesserte Menschen zur
-Universität des Staates gebracht wurden. -- Ich getraue mir (den
-Gegenbeweis unverschnitten) außer Zweifel zu setzen, daß in allen
-weiblichen Regierungen gewisse feine Züge des Anstandes aufzuspüren
-seyn würden, welche bei einem großen Theile der Menschen mehr bewirken,
-als ein wohlbestallter Codex voll kunstgerechter Strafflüche. Dieser
-süße Geruch der Empfehlung, dieses Gewürz des Wohlgefallens -- wie
-liebenswürdig! Die Gesetzgebung der GROSSEN KATHARINA DER II. hat
-davon laute Spuren. -- Schon die Gegenwart der Frau vom Hause, die
-doch das Hausrecht gewiß nicht in aller Strenge handhaben kann, macht
-den Männern die Sprache der Bescheidenheit nothwendig -- und will man
-einwenden, daß die Ohren alsdann gerade nur so viel keuscher geworden
-wären, als das Herz unkeusch; so vergißt man, daß ein gewisser Schein,
-eine gewisse Heuchelei, die man _Lebensart_ nennt, unter den Menschen
-so nothwendig ist, daß die Menschen ohne diese Lebensart nicht, wie
-ein Paar _Augures_ der alten Zeit, wenn sie einander begegneten, oder
-ein Paar der neuern, wenn sie ein _Consilium_ wegen der letzten Öhlung
-eines Patienten halten, über einander lachen, sondern sich verabscheuen
-würden. -- Die Reinheit der Zunge wirkt zurück; und wessen das Herz
-voll ist, geht der Mund über. --
-
-
-
-
-II.
-
-GIEBT ES AUSSER DEM UNTERSCHIEDE DES GESCHLECHTES NOCH ANDERE ZWISCHEN
-MANN UND WEIB?
-
-
-Als nach dem Rathe, den Gott über das Schöpfungswerk gehalten hatte,
-dieser Plan ausgeführt werden sollte; schuf Er das erste und beste
-Paar von Menschen gleich im männlichen und mannbaren Alter, so daß
-ihre Hochzeit keine Stunde ausgesetzt werden durfte. Sie kamen mit
-den erforderlichen Jahren zur Welt, wie regierende Herren ihrem
-neuen Adel Ahnen verehren -- Das _Männlein Adam_ hatte zwar die
-Ehre der Erstgeburt; indeß ward _Fräulein Eva_ vollkommen dadurch
-entschädigt, daß sie aus einer Rippe _Adams_, dieser dagegen nur aus
-einem Erdenkloß zur Welt gebracht wurde --! »_Eine Schöpfung also
-aus der zweiten Hand?_« Warum nicht gar aus der dritten --! Schuf
-nicht eben die Schöpferhand, welche _Adam_ geschaffen hatte, auch
-_Eva_? und gereichet diese Rippen-Hieroglyphe nicht in mehr als Einer
-Rücksicht zum Vorzuge des Weibes? Keins erzog das andere; Keinem fiel
-es ein, sich über das andere zu erheben und Vaterrechte zu behaupten.
--- Elternrecht, das schönste und ehrwürdigste, das die Menschheit
-kennt, der Urquell der liebenswürdigsten Tugenden, hat (wer sollt' es
-denken!) die Ungleichheit unter den Menschen erzeugt. Gute Eltern,
-solch eine ungerathene, ausgeartete Tochter! Sind indeß viele Laster
-nichts anders als ungezogene Tugenden; sind, nach dem Ausspruch
-eines Heiligen, unsere Tugenden bloß schöne Sünden: so würde man ein
-Verbrechen an der Menschheit begehen, wenn man nicht auch dem Bösen
-und dem Ideal desselben, dem Teufel, Gerechtigkeit erweisen wollte.
--- Wenn man ja, nach der ältesten Urkunde das menschliche Geschlecht
-betreffend, einem Theile dieses ersten Menschenpaares einen Vorzug vor
-dem andern beilegen wollte; so würde _Eva_ den Zankapfel von jedem
-_Paris_ erhalten -- »_weil sie schöner als Helena war? und weil jeder
-Paris bei aller Sinneseinfalt eine Mannsperson bleibt?_« Nein! sondern
-weil _Adam_ durch sie zum Falle gebracht ward, oder (wie diese hohe
-und tiefe, erhabene und schöne Hieroglyphe nicht unrichtig gedeutet
-werden kann) weil er sich durch sie zum Gebrauch und zur Anwendung,
-zum Durchbruch der Vernunft hinaufstimmen ließ. Der seligen Stimmung!
--- _Eva_ war das Pupillen-Amt, welches die Majorennitäts-Erklärung
-über den unmündigen _Adam_ aussprach, nachdem er zeither vielleicht
-unter der Vormundschafts-Direktion der braven _Eva_ gestanden zu haben
-scheint, die sich schon zuvor in einigen Stücken manumittirt haben
-mochte -- Sie zerbrach die Ketten des Instinkts, der die Vernunft
-nicht aufkommen ließ, und triumphirte -- _Eva_ sollte _die Vernunft_,
-ihr zum Andenken, heißen. Die erste Hauptrevolution konnte, wie jede
-Revolution, nicht ohne Drangsale und Unruhe seyn. Diese sind nach der
-Natur des Menschen so nothwendig, daß ich nichts weiß, es sey etwas
-Theoretisches oder Praktisches, was, wenn es sich anders auszeichnet,
-nicht durch Zerrüttung und Leidenschaft empfangen und geboren wäre --
-Nur immerwährend kann dieser Braus und Saus nicht seyn und bleiben.
-Die Wellen müssen sich legen und die Vernunft muß endlich obsiegen --
-So ging es bei der ersten Revolution, und so muß es bei einer jeden
-andern gehen, wenn sie anders diesen Namen verdienen soll. Diese
-Lobrede auf _Eva_, welche ihr von wegen der Vernunft-Revolution so
-wohl gebührt, würde vielleicht zu einer theologischen, juristischen,
-medicinischen oder philosophischen Disputation, oder zu einem Aufsatze
-für irgend ein zeitverkürzendes Journal, hinreichende Gelegenheit an
-Hand und Kopf geben, wenn man nur wüßte, wie man den ungebetenen Gast
-von Assistenzräthin, die Schlange, aus dem Spiel bringen könnte. -- Mit
-diesem Eheteufel ist leider! nichts anzufangen -- Kurz und gut, sagt
-der gläubige _Thomas Payne_, ich bin dem ganzen Teufel von Monarchie
-feind. -- Da es aber, mit Herrn _Payne's_ Erlaubniß, auch gar häßliche
-Republikteufel geben kann und giebt; so ist es am Besten, alle Teufel
-zum Teufel zu jagen. Vielleicht die beste Gerechtigkeit, die man ihnen
-erweisen kann. --
-
-Die Schöpfungsgeschichte erwähnet, nach dem klaren Inhalt derselben,
-keines andern als des Geschlechtsunterschiedes. _Lasset uns Menschen
-machen_ -- _und er schuf sie ein Männlein und ein Fräulein_ -- -- Es
-ist eine weit spätere Epoche, wenn es heißt: _Dein Wille soll deinem
-Manne unterworfen seyn und er soll dein Herr seyn!_ Und denkt man
-sich unter der Geschichte des Falles ein Bild von der Befreiung des
-Menschen von dem paradiesischen Joche des Instinkts, und vom Ursprunge
-des gesellschaftlichen Zustandes, zu welchem die weise _Eva_ die
-Gelegenheitsmacherin und Heroldin war; so scheinen diese prophetischen
-Worte den traurigen Zustand zu verkündigen, den _Eva_ ihrem Geschlechte
-durch diese Heldenthat zuzog. -- Ob indeß die Natur der Sache jene
-allererste Urkunde und ihre Auslegung bestätigen wird? Zu übersiebnen
-sind dergleichen alte und wohlbetagte Dinge nicht; und wozu auch diese
-gefährliche Beweisart --? wozu, da wir Vernunft und Erfahrung als
-_Zeugen zum ewigen Gedächtniß_ anrufen können. Aus dieser zweier Zeugen
-Munde bestehet alle Wahrheit. --
-
-Die Natur scheint bei Bildung der beiden Menschengeschlechter nicht
-beabsichtiget zu haben, weder einen merklichen Unterschied unter
-ihnen festzustellen, noch eins auf Kosten des andern zu begünstigen
--- Der Geschlechtsunterschied kann nicht zur Antwort dienen, wenn die
-Frage ist: ob das männliche Geschlecht mit wesentlichen körperlichen
-und geistigen Vorzügen vor dem weiblichen ausgestattet worden sei?
-Andere Unterschiede, als die welche auf die Geschlechtsbestimmung
-gehen, zu entdecken, hat dem anatomischen Messer bis jetzt noch nicht
-gelingen wollen; und doch behauptet dies Instrument bei der goldnen
-Regel: _Erkenne dich selbst_, einen unleugbaren Einfluß; und überhaupt
-hat das brave Eisen dem menschlichen Geschlechte weit mehr Dienste
-geleistet, als das prahlerische Gold -- Wer zuerst den Magneten die
-_Eisenbraut_ nannte, bewies für Magnet und Eisen eine Achtung, die
-beiden gebührt. -- Was hätte die Natur veranlassen können, die Eine
-Hälfte ihres höchsten Meisterstücks zu beglücken und zu ehren, die
-andere dagegen zu verkümmern und zu vernachlässigen, und zwar gerade
-in umgekehrtem Verhältnisse? Bei Erreichung jenes großen Naturzwecks,
-wo Menschen das göttliche Ebenbild des Schöpfers darstellen, hat
-das weibliche Geschlecht einen ungleich wesentlicheren Antheil als
-das männliche, und zwar sowohl in Hinsicht der Substanz als der
-Form. Dieser Absicht recht weise vorzuarbeiten, sollte die Natur
-die Weiber haben schwächer bilden oder unvollendet lassen wollen?
-»Nicht eben schwächer«, sagte ein Weiberfeind, als er diese Stelle
-im Manuskripte las, »aber weniger gang und gebe. Mögen Weiber Stahl
-seyn, die Männer Eisen --«. Nicht also; und warum ein Vergleich auf
-Schrauben, da das schnurgerade Recht auf der Weiberseite ist! Wir,
-glaubt man, wären Gottlob! völlig ausgeschaffen; und nun zerbrach
-der Meister die Form von Thon, und das andere Geschlecht, in der
-Repräsentantin _Eva_, war ein Unternehmen auf gutes Glück, auf
-den Kauf, eher hingeworfen als zu Stande gebracht, angefangen und
-nicht vollendet --! Das Weib, dem das eigentliche Geschäft bei der
-Vermenschlichung der göttlichen Schöpfung anvertrauet ward, sollte
-die Merkzeichen der Ohnmacht und der Dürftigkeit an sich tragen?
-Die allmächtige Natur sollte ihre Stellvertreterin schwach gelassen
-haben, um nicht nur _schwache_ Personen ihres _eigenen_ Geschlechtes,
-sondern auch _starke_ des _unsrigen_ zur Welt zu bringen? Doch
-scheint es so; und freilich, wenn Erfahrung spricht, muß Vernünftelei
-schweigen, knieen und anbeten -- Der einzige Winkelzug, der ihr übrig
-bleibt -- Erfahrung! und was lehrt sie? Das andere Geschlecht sey im
-Ganzen kleiner, schwächlicher angelegt, besitze weniger körperliche
-Kräfte, und sey mehrern Krankheiten unterworfen. Bedarf es weiteres
-Zeugnisses, um die Vernunft zu der Schlußfolge zu bequemen: dies
-wären Geschlechtsunvollkommenheiten, von welchen die Weiber bei der
-Ordnung der Dinge nicht entbunden werden konnten? Alles ist gut,
-was nicht anders seyn kann, und im _Muß_ liegt eine Schatzkammer von
-Beruhigungsgründen, vermittelst deren man bei ein wenig Philosophie
-das: _ich Muß_, mit dem: _ich Will_, so auszusöhnen weiß, daß hier
-jeder Fluch sich in Segen, und die _arge böse_ Welt sich in die _beste_
-verwandelt. Friede mit der Natur und mit dem schönen Geschlechte; und
-Friede mit uns Allen! Wie aber, wenn es so gut Trugerfahrungen als
-Trugschlüsse gäbe? wenn der Schein betröge? Die Vernunft fürchtet sich
-vor den Sinnen; und wenn wir die Operation an uns vollziehen zu lassen
-völlig entschlossen sind, wenden wir doch in der Stunde der Anfechtung
-das Auge weg -- Vernunft, Herz und Sinne arbeiten sich in die Hand;
-und nicht nur das Herz des Menschen, sondern auch seine Vernunft und
-seine Sinne sind trotzig und verzagt: wer kann's ergründen? Bald dünkt
-der Mensch sich, ein Gott, bald weniger als ein Thier zu seyn -- Nackt
-und bloß kommt er zur Welt, und wenn andere Thiere bewaffnet und
-bedeckt sind, können Se. Majestät der Mensch sich nicht entbrechen,
-das königliche Recht an Thieren auszuüben, um sich zu ernähren und zu
-bekleiden -- Diese Finanzregierung wird oft so sehr mit dem Stabe Wehe!
-geführt, daß die Thiere bei der Natur die bittersten Klagen gegen ihre
-Allerdurchlauchtigsten Beherrscher führen könnten -- und auch ohne
-Zweifel führen, wenn anders der Apostel _Paulus_ recht beobachtet hat.
-Denn in der That die Natur hält ein schreckliches heimliches Gericht,
-das schrecklichste, das gedacht werden kann! Noth lehrt beten, bitten
-und nehmen; allein sie ist auch eine weise Lehrerin der Mäßigkeit --
-und wer diese ihre Stimme verkennt, in dem ist nicht die Liebe des
-Allvaters, dessen Kind Alles ist, was Leben und Athem hat. Nichts
-mehr als weinen kann der Mensch ohne Lehrmeister, zum Zeichen, daß er
-bei weitem nicht das höchste Loos zog; -- denn da er sich nicht zu
-berechnen versteht, so ist der Gewinn oft schädlicher als eine Niete.
-Lieber! dergleichen Klagen sind durch das Machtwort: _Vernunft_,
-überwunden. Ohne Schwäche hört der Mensch auf, Mensch zu seyn -- und
-wer es in diesem Erdenleben auf etwas Höheres anlegt, begiebt sich in
-Gefahr, weniger zu werden und den Zweck des Schöpfers zu verrücken.
-Kennen wir ein edleres Geschöpf außer ihm, in welchem die Kraft liegt,
-sich Gott und eine reine Tugend zu denken? -- und diesen Vorzug hat
-auch der Verworfenste nicht aufgegeben -- Einen Augenblick, nicht
-aber immer, kann der Mensch auf das Ebenbild Gottes Verzicht thun --
-Ist die Vernunft nicht mehr als Alles? und verdient sie diesen Namen,
-wenn sie nicht Begierden einschränken kann? Kann man nicht das Thier
-am Menschen fast vergöttlichen und seine Leidenschaften, wie die
-Meereswoge, bedrohen --? Wo _sie_ ist, da wohnt Menschheit, und bei den
-Strahlen ihrer Gottheit diese Würde im andern Geschlechte verkennen
-wollen, heißt: keine Regel übrig lassen, seinen eigenen Werth zu
-bestimmen. Nicht steinerne Gesetztafeln würde man zerbrechen, sondern
-am göttlichen Geiste, der in uns ist, sich versündigen -- -- Kann etwas
-_Sache Gottes_ seyn, was der _Vernunft_ widerspricht? oder will Gott
-seine Sache je durch solche Mittel geführt wissen? Durch die Vernunft,
-den Widerhall seines Mundes, ist Er nicht fern von einem Jeglichen,
-der mittelst ihrer Ihm ähnlich ward und in Ihm lebet, webet und ist.
--- -- Mein Feldzeichen ist keine nichtswürdige Präconisirung, sondern
-Wahrheit und Gerechtigkeit. Ist das weibliche Geschlecht in der Regel
-wirklich kleiner, als das männliche? ist nicht die Größe überhaupt
-etwas sehr Relatives, welches in Klima, Nahrungsmitteln und andern
-uns unbekannten Ursachen wesentlichere Bestimmungsgründe findet, als
-in dem Geschlechtsunterschiede? Jenseits der Wendecirkel und unter
-der Linie ist die Menschenart weit kleiner, als innerhalb derselben.
-Über den zwanzigsten und sechzigsten Grad der Breite hinaus würden
-unsere Werbehäuser ungefähr so viel Glück machen, wie ein Besuch der
-_Boucaniers_ auf _Tierra del Fuego_ in den Höhlen der _Pescherühs_.
-Reisende behaupten, daß Männer und Weiber dort gleichen Strich
-halten, und daß, wenn ihnen nicht der Unterschied der Kleidung und
-etwa der Bart aushülfen, die beiden Geschlechter von einander nicht
-unterschieden werden könnten. Oder sollten diese Klimate hier etwa der
-Entwickelung des weiblichen Körpers günstiger seyn? Mit nichten; ihr
-frühes Dahinwelken widerspricht dieser Muthmaßung: schon das dreißigste
-Jahr bedeckt sie mit Runzeln. Auch in gemäßigtern Himmelsstrichen giebt
-es Verschiedenheiten in Rücksicht der Größe, und unter ihnen Racen, die
-sich von den übrigen auszeichnen, so wie die Bewohner der Marschländer
-in der Regel größer sind, als die Bergbewohner, als ob die Natur diesen
-Menschen den Berg mit in Anschlag gebracht hätte -- und am Ende, was
-thut die Größe?
-
-Aber die Schwächlichkeit gegen den nervigen, eckigen, männlichen
-Körperbau gehalten! Freilich würde sie mehr beweisen; doch fürcht'
-ich, die Erfahrung sagt auch hier weniger, als wir sie sagen lassen --
-Ehe wir die Fehde beginnen, ist die Musterung der Heere nothwendig.
-Verabschieden wir unser elegantes, luftiges Völkchen, läßt das andere
-Geschlecht seine Damen der höheren Klassen sammt ihren Zofen zu den
-lieben Ihrigen heimkehren -- was gilt die Wette? Selbst wenn unsere
-eleganten Damen mit unsern eleganten jungen Herren sich in Fehde
-einließen -- auf welcher Seite wäre Hoffnung zu gewinnen? -- Bei
-Völkern, die auf der ersten Stufe der Cultur stehen, ist das Schicksal
-des weiblichen Geschlechtes hart: bei Jägernationen, denen Hausthiere
-unbekannt sind, ist das Weib das lastbare Thier, welches den Mann zur
-Jagd begleitet und das erbeutete Wild nach der Hütte trägt; bei den
-Hirten- und Ackervölkern ist ihr Schicksal, wo möglich, noch schwerer:
-sie bauen das Feld, treiben Fabriken und Manufakturarbeiten, indem sie
-das, was ihnen der Acker und die Heerden zur Nahrung und Bekleidung
-darbieten, zum Gebrauch bereiten oder veredlen, und auch noch das
-(freilich sehr einfache) Hauswesen besorgen, während der Ehrenmann
-sich dem Müßiggange überläßt -- Auch unter Nationen, wo die Cultur
-schon Fortschritte macht, ist, bei der arbeitenden Klasse des Volkes,
-der Antheil des andern Geschlechtes an den Geschäften gewiß nicht
-von _der_ Art, daß davon auf eine größere Schwächlichkeit der Weiber
-geschlossen werden könnte. Die Arbeiten bei Bestellung des Bodens und
-bei der Erndte -- sind sie nicht unter beide Geschlechter so ziemlich
-gleich vertheilt? Es wird schwer fallen, zu bestimmen, welcher Theil
-hier mehr übersehen werde. Bei der Musterung aller Gewerbe, die den
-Kunstfleiß und die Hände der Menschen beschäftigen -- ist nicht der
-Antheil der Weiber mit einem beträchtlicheren Aufwande von Kräften
-verknüpft? Der Schnitter kehret heim zu seiner Hütte mit frohem
-Herzen, um nach ermüdender Arbeit der Ruhe zu pflegen, wenn, auch bei
-der einfachsten ländlichen Haushaltung, noch vielfache Geschäfte für
-das Weib übrig bleiben, das im Schweiße seines Angesichts die Garben
-band, wozu nicht minder Anstrengung von Kräften erfordert wird. Jene
-von Gesundheit strotzende, mit der ächten Sommerfarbe geschminkte
-Dirne ist eine lebendige Widerlegung dieser mißgünstigen Behauptung,
-und sie wird es mit Jedem aufnehmen, der es wagen will, die Kräfte
-ihrer Muskeln in Versuchung zu führen. Weiberkrankheiten sind nur
-die Geißel _der_ Weiberklasse, die den Ehrennamen _Weiber_, so wie
-die in ihrem Kammerdienste sich befindenden Treugehorsamsten den
-Ehrennamen _Männer_, nur von wegen des Staats und zur Parade führen.
-Darf und soll die Natur Übel verantworten, welche Lebensart, Sitten
-und Conventionen, deren Name Legion ist, über sie gebracht haben?
-Gefährten unserer Thorheiten, Spießgesellen unserer Üppigkeit gehören
-nicht auf das Conto der Natur, die den Menschen so einfach schuf,
-und allenthalben, wo er seine Hütte aufschlug, für Wohnung, Nahrung
-und Kleidung reichlich und täglich sorgte. Hat sie je gewollt, daß
-er Gewürze aus Indien ziehen sollte, um sein Blut zu vergiften? oder
-angreifende Leckerbissen, um seine Nerven zu schwächen? Setzte sie
-dem Indier Eis, und dem Bewohner der Eiszone Wein vor? gab sie nicht
-vielmehr einem Jeden das ihm angemessene und beschiedene Theil?
-Und wie, grundgütige Natur! der ausgeartete Haufe deiner Kinder
-klaget dich wegen Krankheiten an, wozu er die Anlässe, trotz allen
-Gefahren und Hindernissen, aus Osten und Süden mit rastloser Begierde
-zusammen brachte, während das Häuflein deiner genügsamen Kinder, den
-mütterlichen Vorschriften folgsamer, mitten unter diesen unschlachtigen
-ausgearteten Menschen _vor Dir_ wandelt und fromm ist, ohne von
-hysterischen Plagen und dem zahllosen Heere von Krämpfen zu wissen,
-gegen die weder die _Materia medica_, noch vielleicht die ganze weite
-und breite Natur, Mittel im Vermögen hat? Nennt die Natur nicht
-ungerecht, wenn ihr unnatürliche Wege wandelt! Nur gegen natürliche
-Krankheiten scheint die Natur Mittel zu besitzen; gegen Übel, welche
-Folgen unserer unnatürlichen Cultur sind, hat sie weder Kraut noch
-Pflaster, und ihr einziges Mittel ist nur: thut Buße und glaubet an
-das Natur-Evangelium! O, daß ihr Buße thätet und glaubtet! -- Ohne daß
-wir werden wie die Kinder und in dies Philanthropin heimkommen, dem
-wir den Rücken kehrten -- sind wir verrathene und verkaufte Menschen,
-zu denen bisweilen die wohlmeinende Stimme erschallt: Adam wo bist
-du? die sich indeß, so gut sie können, vor sich selbst zu verstecken
-suchen -- Am fünften Akt scheitern besonders die meisten Frauenzimmer,
-so wie ein großer Theil der Theaterdichter -- Die Liebe, das Glück
-des Lebens, wird ihr Unglück; ihr Herz war gebildet, die Tugend zu
-lieben, und nicht das Schicksal, sondern ihre Nachlässigkeit, macht
-es zur Verbrecherin -- Die arbeitende Klasse kennt keine besonderen
-Weiberkrankheiten. Schwangerschaften und Geburten werden nur durch
-Nebenumstände, die ihren Grund in Lebensart, Sitten und Kleidung haben,
-erschwert, und sind so wenig Krankheiten, daß Ärzte sie geradesweges
-als Heilungsmittel vorschreiben könnten -- und zuweilen wirklich
-vorschreiben. Bei einigen so genannten Wilden hält nicht das Weib,
-sondern der Mann, die Entbindungsferien. Kaum ist es seiner Bürde
-entledigt; so badet es sie in dem nächsten Flusse, reicht dem neuen
-Ankömmling die Brust, ersparet sich das Milchfieber und das Ammenkreuz,
-und besorgt die Hausgeschäfte nach wie vor, während der Mann, auf
-seinem Lager hingestreckt, sich pflegen läßt, und von seinen Nachbarn
-Wochenvisiten und Glückwünsche annimmt, weil er -- man denke der Mühe!
--- durch sein Weib ein Kind geboren hat. Da es Helden giebt, deren
-die Geschichte mit Lob und Preis gedenkt, weil sie in höchsten Gnaden
-geruheten, sich Schlachten gewinnen und Siege erkämpfen zu lassen,
-ohne daß sie sich dem kleinsten Gefecht aussetzten und zum Bette der
-Ehren die mindeste Neigung fühlten, indem sie, wenn es hoch kam, weit
-über die Schußweite hinaus sehr behaglich zusahen, wie viele Arme und
-Beine ein Paar Lorbeerreiser kosteten: -- so mag es mit dem Wochenbette
-dieser Männer so genau nicht genommen werden. Ihr, die ihr der
-Schwangerschaften und Geburten halben die Weiber für schwächer haltet
-als Euch; sagt: wie hätte die Natur ihr größtes Werk, die Fortpflanzung
-des menschlichen Geschlechtes, absichtlich mit solchen Übeln in
-Verbindung bringen; wie hätte sie den Becher des köstlichsten Nektars
-mit Wermuth vermischen; wie einer Handlung, über welche sie die besten
-ihrer Segnungen aussprach, mit so schrecklichem Fluche begleiten und
-auf unsere Seite lauter Wonne, auf die andere dagegen lauter Trübsal
-legen sollen! Allerdings sind Schwangerschaften, Entbindungen, Stillung
-des Säuglings mit einem Aufwande von Kräften verbunden; allein, in dem
-weiblichen Körper, wenn er unverdorben ist, findet sich Stoff genug,
-diesen Aufwand nicht nur zu bestreiten, sondern auch dessen Abgang ohne
-Zeitverlust zu ersetzen. Der Einwand, den man von so vielen Modefrauen
-ableitet, gilt nicht; denn diese erscheinen bereits so kümmerlich an
-Lebensstoff und Kräften, daß jede Schwangerschaft ihr luftiges Gebäude
-bis auf den Grund erschüttert, und jede Geburt es zu zerstören droht
--- Planreiche Erfinder, die ihr Rechenmaschinen erdachtet, einem
-Gliedermanne Schach spielen lehrtet, Luftreisen unternahmt, und durch
-Desorganisation Leute weiter bringt, als wenn sie _in gradum doctoris
-utriusque medicincae_ promovirt hätten; ihr denen die Geister so
-zu Gebote stehen, wie dem Hauptmann von Kapernaum seine Knechte:
--- spannt eure Saiten tiefer, und laßt euch zu einer Kleinigkeit
-herab; erfindet eine Kunst, vermittelst deren unsere galanten Damen
-von der Last Kinder zu gebären, befreiet werden können. Laßt Söhne
-und Töchter wie Äpfel und Birnen wachsen; macht, daß sie wie Kohl
-verpflanzet werden -- Sollten auch durch diese Erfindung in den ersten
-Jahren (kein Meister fällt vom Himmel) die politischen Volkszähler
-ein _Minus_ wahrnehmen; so würde doch selbst in diesen Jahren der
-magern Kühe der Metallwerth des menschlichen Geschlechtes Alles ins
-Reine bringen, und _Summa Summarum_ wäre um so mehr ein unläugbares
-_Plus_, da der Staat, anstatt aus Scheidemünze, aus Gliedern von ächtem
-Schroot und Korn bestehen würde! -- Was gilt ein Persisches Heer nach
-Parasangen gemessen, gegen einen Macedonischen Phalanx! Doch nein!
-ziehet eure Schuhe aus, diese Stätte ist heilig. Den rechtmäßigsten,
-den allerheiligsten in der Vernunft gegründeten Ansprüchen der Menschen
-auf die Mittheilung der Wahrheit soll hier nicht durch Spott zu
-nahe getreten werden, der, so wie die üble Nachrede, immer etwas
-zurückläßt -- Nur Menschenliebe nähere sich diesem feurigen Busche!
-Jene Kraft der Trägheit, die im Körper ihr Wesen oder Unwesen treiben
-soll, um ihn beständig in seinem gegenwärtigen Zustande zu erhalten,
-der sich der Ruhe widersetzt, wenn der Körper in Bewegung, und der
-Bewegung, wenn er in Ruhe ist, hat nicht die Ehre mir zu gefallen.
-Eine Kraft, die nur widersteht und nicht von selbst zu wirken vermag,
-ist eine Kraft, mit der sich wenigstens nicht prahlen läßt. Der
-edelste Staat muß sich zuweilen zum Angriffskriege verstehen, und es
-giebt Straf- und Wiederzueignungskriege, wodurch wir unser Recht und
-das was man uns schuldig ist, einfordern, und den zur Verantwortung
-ziehen, der sich an uns vergriff -- Der ist weder klein noch groß,
-der beides nur in dem Grade ist und äußern kann, als man sich ihm
-widersetzt -- Laßt beide Geschlechter zu ihrer Lauterkeit und Wahrheit
-heimkehren, und wir werden je länger je mehr finden, daß Mann und
-Weib auch in diesem Sinn Ein Leib sind -- aber auch Eine Seele? Noch
-hat es den Psychologen nicht gelingen wollen, in dem Gebiete der
-Geister weit genug vorzudringen, um bestimmen zu können, ob es unter
-ihnen einen wesentlichen Unterschied gebe; wenigstens gab es keinen
-_Geister-Linné_, der sie klassificirte. _Rorarius_ mag es verantworten
-wenn er bei den Thieren mehr Vernunft findet, als bei Menschen,
-_Helvetius_, wenn er die Seelen, denen ein Körper mit einem Huf zu
-Theil ward, mit denen, die einen Körper mit Händen erhielten, in
-Eine Klasse setzt, und Beide mögen es mit dem _Cartesius_ ausmachen,
-daß sie seine Maschinenwelt zerstören. Es giebt auch philosophische
-und Vernunftketzer; denn der Grund zu allen Behauptungen wird aus
-der Natur genommen: einer Urkunde, die das mit allen Urkunden gemein
-hat, daß ein Jeder, was er darin sucht, auch darin findet. Jede
-Geschichte, jedes Faktum muß sich bequemen, sich nach uns zu richten,
-und der wahrhafteste Mann trägt zuvor etwas von seinem Selbst in jene
-Geschichte und jenes Faktum, so, daß Alles was der Mensch berührt,
-etwas von seinem Ich, von seinem Selbst, erhält. Das beste Wasser hat
-keinen Geschmack; und so geht es auch den meisten Thatsachen, die
-wir selten ungewürzt erhalten -- und wenn der Würzler auch nur Salz,
-die kümmerlichste und beste Specerei, darzu thun sollte -- Freunde
-und Feinde nehmen von einander so viel an, daß man unverkennbare
-Züge der Ähnlichkeit unter ihnen entdeckt. »Feinde?« Allerdings; und
-ich behaupte, daß sie noch leichter als Freunde sich in einander
-abdrücken -- Ein Freund, der unser Widerhall ist, hat wenig Reitz
-für uns; allein eben das, wodurch Feinde am meisten hervorragen,
-was am meisten interessirt und auf ihre Seite tritt, pflegt unsere
-Nachahmung abzugewinnen: so wie man in den Wald schreiet, so erfolgt
-die Antwort. Eine ganze Schaar von Variantensammlern und Commentatoren
-trägt ihren Sinn und Unsinn so lange in jede Urkunde, bis eine
-_Authentica_ erscheint, und diese mag denn, geliebt es Gott! den Werth
-und Unwerth des Unterschiedes zwischen den Menschen- und Thierseelen
-entscheiden, wenn nur wir es nicht wagen, unter den menschlichen
-Seelen Rangordnungen zu bestimmen, die nicht mehr und nicht weniger
-Realität haben, als Träume und ihre Deutungen. Giebt es denn etwa
-auch Geschlechtsunterschiede unter den Seelen? giebt es Seelen, die
-ausschließlich bestimmt sind, weibliche Körper zu bewohnen --? und
-wer ist der kühne Argonaut, der dieses unbekannte Meer beschifft
-hat? womit hat dieser Apostel der unsichtbaren Welt sein Evangelium
-bestätiget? Wo Satz und Gegensatz einander so nahe sind, daß sie sich
-die Hände bieten können, da liegt jedem die Pflicht auf, seinen Satz
-mit aller Stärke zu beweisen und dann dem Publico das Richteramt zu
-überlassen. Erfahrungen wider Erfahrungen, ehe es noch ausgemacht
-ist, ob die Seele mit sich selbst Erfahrungen anzustellen vermag. Nur
-im Spiegel kann die Seele sich wahrnehmen; und wer weiß nicht, daß
-dieser Spiegel das Bild sehr unvollkommen und oft sehr unrichtig
-wiedergiebt! -- Der Spiegel stellt uns verkehrt dar, und es ist ein
-unangemessener Ausdruck: der Mensch ist getroffen wie aus dem Spiegel
-gestohlen -- Allerdings können einzelne Erfahrungen wohl dienen, eine
-subjektive Überzeugung hervorzubringen; eine allgemeine Wahrheit auf
-diesen Grund zu bauen, reichen nur Erfahrungen hin, die so allgemein
-sind, wie die Wahrheit, der sie zur Unterlage dienen sollen. Wie lange
-ist es, daß wir in diesem Fach Erfahrungen anstellen? Welche Methoden
-schlugen wir ein? Waren diese so wohl gewählt, daß sich nach ihnen
-richtige Resultate erwarten ließen? Haben wir wirklich bereits einen
-solchen Vorrath von Erfahrungen, daß wir ein System wagen können,
-nach welchem für eine ganze Hälfte des menschlichen Geschlechtes eine
-so nachtheilige Unterscheidungslinie sicher gezogen werden kann?
-oder dürft' es uns über kurz oder lang nicht mit dieser gehen, wie
-weiland Sr. Unfehlbarkeit jenseits der Alpen mit der berüchtigten
-Demarcationslinie? Mit einem System geht es gemeiniglich, wie mit
-einem Instrument, auf das wir uns verstehen. Haben wir bei dem
-System, wovon hier die Rede oder die Frage ist, den gewissen Vortheil
-unwiderlegbar berechnet? oder ist es eins wie viele andere seiner
-Brüder, bei denen nichts weiter als Sprachverwirrung obwaltet, wie bei
-dem Thurm zu Babel; dessen Spitze bis in den Himmel reichen wollte?
-Nimmt man den meisten Systemen die Sprachverwirrung, was bleibt übrig?
--- Noch behauptet die Erfahrungsseelenkunde unter den Wissenschaften
-nur einen precären Rang; sie stehe indeß oder falle, die Wahrheit
-verliert nichts, die vor ihr war und nach ihr seyn wird. Stärke der
-Seele, Muth, Überlegenheit des Verstandes, ein größeres Maaß von
-Urtheilskraft, Festigkeit des Willens, eine größere Stärke des Gefühls
-und andere dergleichen Seelenvorzüge der Menschen sind es, die sich die
-Männer auf Kosten des weiblichen Geschlechtes als Erstgeburtsrechte
-zueignen. Sie sind mit dem Erdenall, das man zuweilen Erdenball heißt,
-von Gott belehnt -- die edlen Lehnsträger! -- Da sie indeß Kläger
-und Richter in Einer und selbsteigner Person sind, so scheinen sie
-noch gütig zu seyn, wenn sie Weiber bei Menschenseelen rechtskräftig
-belassen. -- Ob nun (nachdem es dem männlichen Geschlechte rühmlichst
-gelungen, die andere Hälfte der menschlichen Schöpfung, welche nach
-ihrer Bestimmung mit ihm ein Ganzes ausmachen sollte, zu unterjochen
-und sie an den Menschen- und Bürgerrechten nur bittweise, nur in so
-weit es seinem Majestätsrechte nicht zu nahe tritt und ihm nicht
-die Krone bricht, großmüthigen Antheil nehmen zu lassen) -- ob nun
-alle jene Erscheinungen Wahrheiten oder Täuschungen sind, ist eine
-Preisfrage, die mit vielen andern es gemein hat, daß die Antworten auf
-dieselbe von beiden Seiten hinken. -- Auf diese Erscheinungen indeß dem
-schönen Geschlechte alle jene Geistesfähigkeiten abzuläugnen und ihm in
-falschem Spiel seinen Rang abzugewinnen, heißt gerade so verfahren, wie
-gegen die Amerikaner, denen man, auf die Aussage einiger Beobachter,
-die keinen Bart unter ihnen gesehen hatten, dieses männliche, übrigens
-sehr beschwerliche, Ehrenzeichen nicht nur absprach, sondern aus dem
-Mangel desselben auch die richtigen Folgen ableitete, daß die Natur
-ihnen die Keime dazu versagt habe, und daß sie mithin zu einer weit
-geringern Menschenklasse gehörten, nicht minder daß sie unmöglich von
-Einem Erzvater mit uns abstammen könnten. Was für eine Hauptrolle der
-Bart spielen kann, der denn doch, nach dem bekannten Sprichworte,
-keinen Philosophen macht! Besser wär' es freilich gewesen, wenn man
-sich die Mühe gegeben hätte, zu untersuchen, ob die Abkömmlinge des
-_Mankokapak_ dies männliche Unterscheidungszeichen, das übrigens
-immer ehrenwerth und nützlich seyn und bleiben mag, nicht eben so
-unbequem fanden, wie die Söhne _Japhets_, und ob sie, in Ermangelung
-des Aufklärungsmetalls, des Eisens, nicht zu einem andern Mittel ihre
-Zuflucht genommen haben, diesen beschwerlichen Gast los zu werden. --
-Nach genauerer Beobachtung fand sich der Bart, und die Präadamiten
-büßten abermals einen Sieg ein, den sie schon vermittelst eines so
-stattlichen Arguments in ihren Händen glaubten -- Das weibliche
-Geschlecht äußert nicht jene hervorragenden Geistesfähigkeiten, heißt
-bei weitem nicht: die Natur hat ihm die Anlagen dazu versagt, und also
--- o der unbärtigen Schlußfolge! -- steht es eine Stufe niedriger
-auf der Jakobsleiter der Schöpfung. Sind _wir_ etwa Gott ähnlich,
-und hat das andere Geschlecht bloß die Ehre _uns_ von Gottes Gnaden
-ähnlich zu seyn? Warum nicht gar --! Nicht durch Körper, durch Sinne,
-durch Einbildungskraft nähern wir uns dem Urgeiste, sondern durch
-den Geist; und wie? fehlt es den Weibern an Verstand und Willen? an
-der Fülle des Geistes? Überlegen wir nicht oft durch sie? Würzen sie
-nicht in unzähligen Fällen mehr mit dem Salze der Erden, ohne das
-nichts schmackhaft ist, mit Vernunft? und ihre Tugend -- ist sie
-nicht vielfältig reiner, als die werthe unsrige? Übersteigt unsere
-Eitelkeit die weibliche nicht an allen Enden und Orten? War jener
-Pharisäer und sein ganzer Jesuiterorden nicht aus unserm Geschlechte?
-Kann ein braves Weib (und deren giebt es viele) ohne Schrecken und
-Entsetzen an den _Pharisäer neuerer Zeit_ denken, der mit seinen
-Bekenntnissen vor Gottes Thron treten, dem Weltgerichte entgegen gehen
-und sagen will: Wer besser ist, werfe den ersten Stein? Würde nicht
-selbst _Therese_ mehr als Einen Stein haben heben können, wenn sie
-nicht durch diesen Gerechten wäre verdorben worden? Können die Anlagen
-sich entwickeln und Keime treiben, wenn keine wohlthätige Hand sie
-pflegt? wenn alles so gar sich vereinigt, sie zu unterdrücken und,
-wo möglich, auszurotten? Sind nicht von Zeit zu Zeit aus dem andern
-Geschlechte große Seelen aufgestanden, die alle jene ihnen aberkannten
-Geisteseigenschaften in einem sehr vorzüglichen Grade besaßen? Woher
-diese eben nicht so seltenen Erscheinungen, wenn es nicht Anlagen dazu
-in den Weiberseelen gäbe, und es nur eines Zusammentreffens günstigerer
-Umstände bedürfte? einer pflegenden Hand, um diese zu entwickeln und
-ihren Kräften jenen Schwung beizulegen, ohne welchen sie nie ihre
-eingeengte Bahn verlassen hätten? Oder wollen wir der Natur lieber
-Mißgriffe aufbürden, um nur unser System zu retten? eher das vierte
-Gebot in Hinsicht dieser unserer guten Mutter so gröblich übertreten,
-als unsere vermeintlichen Standesrechte aufgeben? Ohne die großen Namen
-der Fabelwelt von den Todten zu erwecken, denen man denn doch nicht
-jeden Funken der Wahrheit abstreiten wird -- wer wage es, _Zenobien_,
-und einer _Anna Komnena_ einen über ihre männlichen Zeitgenossen
-hervorragenden Verstand und Urtheilskraft, einer _Elisabeth_
-Herrschertalente, _Marien Theresien_ Muth und Standhaftigkeit
-abzusprechen? Will man den Gesichtspunkt näher rücken? Es sey und gelte
-zwei weltberühmte Namen! CATHARINA DIE ZWEITE und _Voltaire_. Nicht
-die Selbstherrscherthaten der ERSTEREN, nicht die Kriegeslorbeern,
-die SIE in IHR Diadem geflochten, nicht der postische Nimbus, der
-die Götter der Erden umgiebt -- IHR Briefwechsel entscheide, wo SIE
-nicht im Kaiserglanz, nicht mit den Palmen einer Weltüberwinderin
-erscheint -- und seht! SIE bleibt groß, wie SIE ist -- und _Voltaire_?
-klein, so klein, wie er war, so bald die Wahrheit ihm ihren magischen
-Spiegel vorhielt. Sein theures Selbst ist immer die erste Person;
-die große Frau muß sich mit der zweiten begnügen. SIE soll -- man
-denke! -- _Constantinopel_ erobern, oder wenigstens zu _Taganrok_
-IHRE Residenz aufschlagen, damit er kommen und IHR die Füße küssen
-könne, weil es in _Petersburg_ für den _alten Eremiten von Ferney_ zu
-kalt sei. Noch nicht befriedigt, daß DIE KAISERIN seinen Uhrmachern
-für 8000 Rubel Uhren abnimmt, soll SIE sogar, um seine Fabrikanten in
-Nahrung zu setzen, einen Uhrenhandel mit _China_ in Gang bringen. IHR
-weises Stillschweigen versteht er entweder wirklich nicht, oder --
-was glaublicher ist -- er will es nicht verstehen, bis SIE ihm denn
-endlich mit seinen, einer Kaiserin und eines poëtischen Philosophen
-so unwerthen Mercantilgeschäften an ein _costiges Handlungshaus
-assignirt_. Die prosaischste Leidenschaft unter allen, der leidige
-Geitz, brachte _Voltaire'n_ vom Parnaß auf eine Börse -- König
-_Friedrich Wilhelm der Erste_ charakterisirte seine Gemählde durch die
-Losung: _in tormentis pinxit_. In der That, _Voltaire_ schrieb hier
-in ebenderselben Seelenstimmung. Sonst pflegt das Genie den Dichter
-über sich selbst und alle Regeln hinweg zu setzen und ihm Dinge zu
-inspiriren, die größer als er selbst, die göttlich sind, und die er
-selbst nicht umhin kann, mit Ehrfurcht und Bewunderung anzustaunen.
-Wo ist hiervon die kleinste Spur? Wir sind ehrgebiger, weil wir
-ehrsüchtiger sind; und _Voltaire_ war beides in tausend Fällen, nur
-hier gewiß nicht: Sein Instrument, das er sonst meisterlich spielte,
-ist völlig verstimmt; und war es bei diesen Umständen Wunder, daß seine
-Schmeicheleien Gallicismen wurden, wie man sie an der _Seine_ täglich
-zu Tausenden hören kann? Die Briefe DER KAISERIN führen die Sprache der
-Natur; nur in Fällen, wenn SIE dem eitlen _Voltaire_ ein Opfer bringen
-will, zahlt SIE ihm Münze von seinem Gepräge, so wie jener Fürst
-einem unverschämten Poëten Verse mit Versen bezahlte. Nur auf eine
-scherzhafte Weise spricht SIE von IHRER Person, während die ganze Welt
-nicht aufhören kann, ehrfurchtsvoll IHREN Namen zu nennen; IHRER großen
-Thaten erwähnt SIE so wenig, als wenn sie sich von selbst verständen --
-Immer beschäftiget, IHRE _unermeßliche Monarchie_ reich an Menschen und
-an edler Denkart zu machen, entwirft SIE, während SIE die _Ottmannli_
-schlägt, die Conföderirten in Pohlen zerstreuet, der Pest gebietet
-und den Räubereien des _Pugatschef_ widersteht, _ein Gesetzbuch_
-für IHR Volk, das SIE aus allen Zungen und Sprachen unter dieses
-Gesetz versammelt, um, wie am Pfingstfeste, Einen Geist über dasselbe
-auszugießen und es zu Einem Ziele zu veredlen. Gleich stark im _großen_
-und _kleinen Regierungsdienste_, führt SIE die Inoculation der Blattern
-ein, beschäftiget SICH mit der Erziehung, erndtet tausendfältig von
-den durch sie gestifteten Anstalten, erfindet und ordnet Feste an für
-den _Prinzen Heinrich_, und hat -- Muße ohne Anstrich von Eitelkeit,
-an den eitlen _Voltaire_ zu schreiben. Diese Seelen mit einander
-abgewogen, und die Wagschale wo möglich in der Hand eines höheren
-Wesens -- welche wird fallen? welche steigen? Doch warum höheren
-Wesens? So tief fielen die Menschen noch nicht, um nicht Ehre zu
-erweisen, wem Ehre gebührt -- Wozu eine vollständige Nomenklatur von
-berühmten Weibern, von solchen die das Schicksal zu Kronen berief,
-und die sie mit Würde trugen? -- Es sei genug, eine _Margaretha von
-Dänemark_, eine _Christina von Schweden_, eine _Sophia Charlotta
-von Preußen_ zu nennen; und von denen, die, wenn sie Männer gewesen
-wären, diesem Geschlecht Ehre gemacht hätten -- verdienen nicht eine
-_Cornelia_, die edle Mutter der Gracchen, eine _Arria_ und die durch
-so viele Gerüchte gegangene _Johanna von Arc_ unsere Bewunderung? Nach
-diesen Beispielen wird man mir ohne Zweifel den Beweis erlassen, daß
-es den weiblichen Seelen nicht an großen Anlagen fehle. -- Herbst und
-Winter rauben selbst den Steineichen ihre Blätter; allein die Wurzeln
-bleiben. Warum jene Anlagen nicht zur Regel werden, sondern Ausnahmen
-sind? warum sie nicht häufiger entwickelt werden? sind das Fragen?
-Hat denn _unser_ Geschlecht einen so großen Überfluß von edlen Seelen?
-Nur selten ist die Ehre, womit _Ulysses_ und _Aeneas_, nicht von der
-unpartheiischen _Göttin der Gerechtigkeit_, sondern von dem oft sehr
-partheiischen launigen _Gott Apoll_ kanonisirt wurden. Ohne Zweifel
-nahm _Homer_ seine _Penelope_, _Andromache_, _Nausikae_, _Arete_
-aus der Natur; und noch immer scheinen mir die größere Gleichheit
-des dienenden und herrschenden Standes, die gemeinschaftlichen
-Arbeiten der Weiber und der Sklavinnen, die Vertraulichkeit die von
-dem Umstande kam, daß sie unter einander aufgewachsen und erzogen
-waren, die Art der weiblichen Arbeit und der Ertrag des Nutzens
-derselben jene Zeit für die Weiber unendlich erträglicher gemacht
-zu haben, als die bleierne, in welche das weibliche Geschlecht zu
-fallen das anscheinende Glück hatte, und welche leider! noch nicht
-von ihm genommen ist. Im Heldenalter waren die Sitten, wie die Liebe
-(von jeher lebten Liebe und Sitten in der genauesten Verbindung)
-roher, und es blieb im Takt! Die _damaligen Übel_ des weiblichen
-Geschlechtes waren ungerathene Kinder des Ungefährs, dem man, bei so
-vielen wohlgerathenen, auch jene verzeihen kann; die Übel der folgenden
-und der jetzigen Zeit sind constitutionell, gründen sich auf Unfakta
-und inconsequente Vernünftelei! -- Fürwahr, es würde eine unerhörte
-und nach den angenommenen psychologischen Grundsätzen unerklärbare
-Erscheinung seyn, wenn unter dem eisernen Drucke des Despotismus das
-Freiheitsgefühl nicht endlich seine Spannkraft verlieren; wenn aus
-Mangel an Pflege und Wartung der herrlichste Boden nicht verwildern,
-und endlich jeder nützliche Keim ersticken; wenn über den Gedanken von
-entrissenem Rechte, und daß dieses unwiederbringlich verloren gegangen
-sey, nicht endlich auch das Andenken an jene Rechte selbst und die
-demselben entsprechenden Gefühle, der Glaube an sich selbst und an
-seinen selbstständigen Werth, verlöschen sollte. Wenn Schonung, Achtung
-und Pflege der ursprünglichen Menschenrechte, wenn vorzügliche Cultur
-und Wartung aller edlen und großen Keime, welche die Natur in die Seele
-der Weiber legte, nie Statt findet -- was ist da am Ende zu erwarten?
-Ein Kahn, der sich zu sehr auf die eine Seite neigt, muß umschlagen --
-und unser Geschlecht? wenn es eben den chemischen Versuchen auf nassem
-und trocknem Wege, den Feuer- und Wasserproben, ausgesetzt würde; wenn
-diese Hiobsleiden, womit wir das andere Geschlecht heimsuchen, über
-uns verhängt würden -- was wäre aus uns geworden? würden wir noch so
-viel Urkundliches an uns behalten haben, wie das andere Geschlecht --?
-Würde der Mann, der Mensch, nicht bei uns weit mehr aufhören, als bei
-jenem? -- O des großen Musters, welches das andere Geschlecht, nicht
-mit Pomp, wie die Stoiker und ihr Erzmärtyrer _Peregrinus Proteus_,
-beim Sterben, sondern ganz natürlich giebt, indem es nicht bloß seine
-Feinde liebt, sondern auch, und -- das sagt mehr -- seinen Freunden
-vergiebt! -- Jenes große Wort ist sichtbar an ihm -- _daß es die
-Schwachheit eines Menschen und zugleich die Zufriedenheit eines Gottes
-besitzt_. -- Doch warum soll ich zurück halten? So lange die Weiber
-bloß _Privilegia_ und nicht _Rechte_ haben; so lange der Staat sie
-nur wie parasitische Pflanzen behandelt, die ihr bürgerliches Daseyn
-und ihren Werth nur dem Manne verdanken, mit welchem das Schicksal
-sie paarte -- wird nicht das Weib den großen Beruf der Natur: das
-Weib ihres Mannes, die Mutter ihrer Kinder, und, kraft dieser edlen
-Bestimmungen, ein Mitglied, eine Bürgerin, und nicht bloß eine
-Schutzverwandtin des Staates zu seyn -- nur immer sehr unvollkommen,
-und je länger je unvollkommener, erfüllen? Die Länge trägt die Last.
-Man gebe ihm aber seine Rechte wieder, und man wird sehen, was es
-ist und was es werden kann! Warum eine Kritik meiner namentlichen
-Beispiele? warum ein Vorwurf, daß es nur blutwenige Ausnahmen gebe?
-Nach dem reinen Wein unserer Philosophen kann die Tugend nicht wie
-eine schöne Kunst nachgeahmt werden und nach Beispielen (wären sie
-gleich die ersten und besten) sich bilden. Aus dem ersten Princip der
-Selbstgesetzgebung soll sie fließen, wenn sie anders ächt und rein seyn
-will. Nur da ist Energie der Seele, wo man aus sich selbst schöpft
--- und was gilt Mannigfaltigkeit ohne höchste Einheit? was einzelne
-schöne Züge ohne Alles anordnende und ins Reine bringende Principien?
--- -- Die Französischen Prinzen, die ihr Vaterland verließen, erklärten
-öffentlich: an Gott, an den König und an ihr Schwert sich wenden zu
-wollen. Drei Instanzen, wo der liebe Gott sich gefallen lassen muß,
-die erste, das heißt im juristischen Sinne die geringste, zu seyn. Das
-andere Geschlecht hat nur _Einen Gerichtshof_: an Gott. Überall Männer
--- Männer, bei denen nicht Wichtigkeit des Grundes, sondern Mehrheit
-der Gründe gilt; und welcher Gründe? -- _Raisons d'État_ --? ich greife
-mir vor; wer kann sich aber zurückhalten? In der That, die Gesetze sind
-in Rücksicht der Weiber fast noch inconsequenter, als eine thörichte
-Liebe! So sehr sie auf Einer Seite die bürgerlichen Rechte der Weiber
-in Absicht auf ihre Personen und ihr Vermögen beschränken, weil sie
-dieselben für schwach und unvermögend, ihr eigenes Beste wahrzunehmen,
-erklären; so verpflichtet sie sich halten, das ganze Geschlecht zu
-einer immerwährenden Vormundschaft zu verstoßen: so schnell hört doch
-diese Schwäche auf, Schwäche zu seyn, so bald von Verbrechen und
-Strafen die Rede ist; beide Geschlechter werden mit einem und demselben
-Maße gemessen -- und in der Kirche, in den Gerichtshöfen, (hoffentlich
-auch im Himmel) ist kein Ansehen der Person zwischen Mann und Weib: sie
-sind einerlei Leib und einerlei Seele. Ehre dem _Divus Justinianus_,
-der, mit mehr Zusammenhang als unsere Gesetzgeber, wegen der gröbsten
-Vergehungen dem schönen Geschlechte keine Zurechnung zumuthete, und
-es über alle Strafen wegsetzte! -- Nach seiner Meinung war ein Weib
-so gut, daß es zu nichts taugte, wogegen es bei uns doch wenigstens
-einer Bestrafung -- welch ein Vorzug! -- würdig geachtet wird. Bei
-uns steht es unter dem Gesetze; bei ihm stand es nur unter der Gnade.
--- Wahrlich! man kann nicht läugnen, daß es bei uns einen Schritt
-zur Verbesserung gethan hat, obgleich seine Vollendung, die im weiten
-Felde geblieben, noch ein Wunder in unsern Augen ist -- Ja wohl, ein
-Wunder! -- Die Ewigkeit der Höllenstrafen hat ihre Bestreiter gefunden,
-und dieses Höllenräthsel wird zu unserer knotenlösenden Zeit, wo die
-kalte Philosophie so manches abkühlt, durch die ewigen Folgen ins Reine
-gebracht, welche von keiner bösen Handlung getrennt werden können;
-die Sklaverei des andern Geschlechtes indeß bleibt ein Wurm, der nie
-stirbt, und ein Feuer das nie verlischt. -- _Gerechtigkeit!_ man hat
-dir die Binde genommen; und doch siehst du nicht, daß, wenn gleich
-alle Handlungen, die mit den Personen und dem Vermögen des andern
-Geschlechtes in Beziehung stehen, ohne einen gesetzlichen Beistand
-ungültig sind und ohne allen bürgerlichen Effekt bleiben, deine armen
-Unmündigen durch alle sittliche und bürgerliche Gesetze in eben dem
-Maße wie die Männer verbunden werden! Selbst nicht bei Gesetzen wider
-die Contrebande ist nach dem Curator die Frage, und ob in dessen
-Assistenz dem Kaiser nicht gegeben ward, was des Kaisers ist -- und
-doch ist ein Weib dem Staate nur durch den Mann verwandt und zugethan:
-Nur _er_ huldigte ihm und seinen Gesetzen. Ist es Wunder, wenn Weiber
-die Gesetze befolgen, wie die Nonne den Psalter singt? wenn sie den
-ernsthaften Anordnungen des Staates eine Folie des Lächerlichen
-unterlegen, und sich da noch Auslegungen derselben erlauben, wo blinder
-Gehorsam erfordert wird? War je eine ärgere Löwengesellschaft? und
-trift es irgendwo klärer ein, daß man größere Diebe laufen läßt, und
-kleinere zu hängen sich nicht entbricht? Staaten, die zum Schutze der
-Menschenrechte entstanden, entziehen ihn der Hälfte ihrer bürgerfähigen
-Einwohner! -- Es ist natürlich, wenn der Wille sich da sträubt, wo
-die Vernunft so viele Steine des Anstoßes und Felsen des Ärgernisses
-findet -- -- Leiden einzelner Menschen (besonders wenn diese nicht
-die verdammlichen Urheber davon sind) vollenden, und nichts was groß
-war, kam ohne sie je zur Reife; Leiden aber, die einem ganzen Volke
-nicht von der Natur und vom Schicksal, sondern bloß willkührlich
-zugefügt werden, hemmen allen Muth: sie erschlaffen und entseelen die
-edelsten Völker, so daß man ihre Stätte nicht mehr findet. -- Ewig
-Schade um alle die Fortschritte, die durch jene männliche Grausamkeit
-gehemmet werden! Welch ein Stoff muß im andern Geschlechte liegen, da
-er allen diesen Hindernissen noch bis jetzt so stattlichen Widerstand
-leistete! -- Doch, unmöglich könnten die Weiber noch seyn, was sie
-sind, und die Lage behaupten, in der sie sich befinden, wenn nicht
-Geschlechterneigung und Reitze ihnen Subsidien geleistet hätten. So hat
-bis jetzt die Natur den Menschen noch nie ganz verlassen, wenn er ihr
-auch unerkenntlich den Rücken kehrte! Ein gewisser glücklicher Zustand,
-nach welchem den Menschen wenig zu wünschen, allein eben darum viel
-zu befürchten übrig bleibt, macht sie unglücklich: -- sie erstreben
-nichts; ihre Seele verliert den Schwung, ihr Geist das Geistige; und
-so wie dieser glücklich-unglückliche Zustand das Schicksal vieler
-regierenden Herren ist, die ihren Beruf nur von der Seite der Hoheit
-und der Macht kennen, auf Kleinigkeiten fallen, und Nebendinge der
-Regierung, oder gar solche die ihres Amtes nicht sind, zu Hauptsachen
-erheben: so scheint er auch überhaupt auf dem königlichen Geschlechte
-der Männer zu ruhen. Dieses sucht mehr durch Ausflüchte, als durch Muth
-und Weisheit, den Gefahren zu begegnen; es spielt mehr den Herrn und
-Meister, als daß es beides wäre; an Willkühr gewöhnt, verlernt es, auf
-Mittel zu sinnen; zur Herrschaft geboren und erzogen, denkt es nicht
-darauf sie zu verdienen; es vernachlässigt sich, da es keinen Anreitz
-hat und zu keinem edlen Wettlaufe sich in seinem Hause anstrengen
-darf; es fällt zusammen, da es sich nicht die Mühe giebt, sich gerade
-zu halten. Man sage nicht, daß die Männer bei andern Männern Licht
-anschlagen können; Tyrannen sind verzagt, und kriechen überall, wo sie
-nicht befehlen dürfen. Wahrlich! nicht nur Weiber, sondern auch wir,
-haben durch jene Herabwürdigung des andern Geschlechtes verloren --
-wer am meisten? Ist es zum Beispiel ein Wunder, wenn das fräuliche
-Geschlecht falsche Münze gegen falsche Münze wechselt, und die Tyrannei
-des Herrn Gemahls mit Augendienst erwiedert? -- Ist es ein Wunder,
-wenn alle beide sich das Leben verbittern, und bei dem wohlseligen
-Hintritt des Herrn Gemahls -- Gott tröste ihn! -- die am pompreichen
-Leichengerüste wohlangebrachten Genien die einzigen sind, die ohne
-End' und Ziel, Thränen vergießen, womit sie den letzten Funken der
-umgekehrten Fackeln auslöschen, während die trostvolle Frau Wittwe,
-unter einer ehrwürdigen Decke, ihre Rolle meisterlich spielt und
-fröhlich und guter Dinge ist? -- Von Anbeginn ist es nicht so gewesen.
-
-
-
-
-III.
-
-WOHER DIE ÜBERLEGENHEIT DES MANNES ÜBER DIE FRAU ENTSTANDEN?
-
-RÜCKBLICKE AUF DIE ÄLTESTE ZEIT.
-
-
-Wenn die Weiber mit den Männern von der Natur zu gleichen Rechten
-berufen sind; wenn sie sich im Besitz von gleichen Körper- und
-Geistesanlagen befanden und zum Theil noch befinden: _wo_, _wann_
-und _wie_ entstand denn die Überlegenheit des Mannes über das Weib?
-was gab dem Manne das Schwert in die Hand? und was verwies das Weib
-an die Spindel? Diese Fragen, die jeder sich aufwerfen muß, der zu
-fragen versteht, wenn gleich die größere Kunst zu antworten ihm nicht
-gegeben seyn sollte, haben allerdings nicht wenig von der Natur
-jenes weltberühmten Knotens, der, da er geschürzet war, auch wieder
-hätte aufgelöset werden sollen, den aber _Alexander_, nach der Weise
-vieler unserer Dichter, zu zerhauen die unästhetische Dreistigkeit
-hatte. Ständen wir dem _Wann_ und _Wo_, der Zeit und dem Raume nach,
-näher; so würde es wahrscheinlich keines _Oedips_ bedürfen, um bei
-dieser Meisterfrage eine akademische Prämie von dreißig Silberlingen
-zu gewinnen, und das _Wie_ obendrein zur allgemeinen Befriedigung zu
-beantworten. Allein da über das _Wann_ und _Wo_ in keiner Chronik
-und keiner Topographie ein todtes, geschweige denn ein lebendiges,
-Wort zu finden ist; so müssen, bis die Hieroglyphen an den Pyramiden
-enthüllt seyn werden, oder bis uns ein bisher verborgenes Denkmahl
-darüber seine Aufschlüsse nicht länger vorenthält, das _Irgendwo_ und
-das _Irgendwann_ bei dieser großen Katastrophe zur Unterlage dienen,
-und das _Wie_, in Ermangelung der Geschichte, durch eine Conjektur
-der Vernunft aufgelöset oder -- zerhauen werden. Alles, wobei es auf
-Thatsachen ankommt, kann nur bis auf einen gewissen Zeitpunkt hin
-verfolgt werden. Da wo die Sonne der Geschichte untergeht und sogar der
-Mond der Fabel sein entlehntes Licht entzieht, bleibt der Vernunft
-nichts übrig, um sich zu orientiren, und sie irret in dem unbegrenzten
-Meere der Möglichkeit, ohne zu wissen, woher und wohin? Was hier über
-Geschichte und Fabel hinausgeht, ist (da die ersten Sagen der Völker
-davon, als von einer Sache, die vor ihnen war, sprechen) derjenige
-Zustand des Menschen, wo jedes einzelne Individuum, ohne einige
-Verbindung mit andern seiner Art, in der vollkommensten Unabhängigkeit,
-bloß von den Früchten des Bodens den es durchstrich, lebte, ohne durch
-eine andere Zubereitung, als die man von der Natur selbst erhielt,
-ihr zu Hülfe zu kommen. Die Menschen hingen vom Boden und sonst von
-nichts weiter ab -- Ob es einen dergleichen Zustand wirklich gegeben?
-ob je der Mensch (das geselligste unter allen bekannten Thieren, trotz
-jenen frommen Orang-Utangs in der Thebaischen Wüste, und ihren jüngeren
-Brüdern, die es doch behaglicher gefunden haben, sich aus Eremiten
-zu Cönobiten umzuformen) in einem solchen Zustande war -- mag _Hans
-Jakob_ verantworten, an dessen Grabe es heißt: _Ici_ _reposé l'homme
-de la nature et de la vérité_ -- Dergleichen Hans Jakobsche Kinder
-der Natur hat weder _Colombo_, noch sein Märtyrer von Nachfolger,
-_Cook_, gesehen -- Allenthalben wo diese hinkamen, waren schon die
-ersten Umrisse der Gesellschaft gezeichnet, Familienverhältnisse
-(wenn gleich unvollkommen) gegründet und Spuren (wiewohl freilich oft
-nur sehr schwache) von Cultur und Kunstprodukten vorhanden. Bei den
-allerrohesten Völkern fanden sie schon Hütten, eine Art von Zubereitung
-der Nahrungsmittel, und bei den meisten auch die ersten Anfänge zu
-einer Bekleidung des Körpers. Wo sie sich lange genug aufhielten, und
-wo es ihnen glückte, sich durch Zeichen zu verständigen, überzeugten
-sie sich, daß diese dem Naturstande anscheinend so nahe angränzenden
-Menschen schon lange, und weit über ihre Überlieferungen hinaus,
-immer an dieser Stelle und diesem Orte gestanden hatten. Auch nicht
-die mindeste Ahndung ging unter ihnen im Schwange, daß es außer dem
-Punkte, wo sie sich befanden, noch andere ober- oder unterwärts geben
-könne. So einfach und in so geringer Zahl ihre Familien-, Haus- und
-Nahrungsgeschäfte auch immer seyn mochten, da ihre Bedürfnisse noch
-wenig über die der thierischen Natur hinausgingen; so leicht ihre
-Nothdürftigkeiten gestellt werden konnten, da die Kunst sie nicht
-verwöhnt hatte: so waren unter den beiden Geschlechtern doch schon
-_Casten_ errichtet, und eine Scheidung vorgefallen in dem, was Gott
-zusammen gefügt hat. Je unvollkommener auf der Einen Seite hier die
-gesellschaftliche Verfassung war; je schwerer es fiel, das thierische
-Bedürfniß zu befriedigen, weil die Natur den Boden, oder die Wälder
-(die königlichen Residenzen dieser Menschen) oder die Flüsse und Meere
-nur karg mit den Mitteln dazu ausgestattet hatte: um desto härter
-war das Loos, welches dem weiblichen Theile dieser halbgezähmten
-Menschenklasse fiel. Das Leben des Mannes war vorzüglich zwischen
-Genuß und Ruhe getheilt, wenn ihn nicht dringendes Bedürfniß zur Jagd
-oder zum Fischfang aufforderte. Das Weib begleitete ihn nur selten
-als Gehülfin, weil ihm die Pflicht die Speisen zu bereiten oblag,
-während das Mannthier seine Glieder in der Sonne dehnte. Freilich nur
-schwache, unbefriedigende Data zur Auflösung der aufgeworfenen Frage;
-indeß doch etwas, um uns auf _Mehr_ zu bringen -- wie jene Übermacht
-entstand, welche auf die eine Hälfte des menschlichen Geschlechtes
-alles _Lästige_ wälzte, und sich dagegen allen _Vortheil_ weislich
-vorbehielt. -- Scheint nicht die Natur durch Schwangerschaft und
-Geburt den ersten Fingerzeig _zu diesem Verlust über die Hälfte_, bei
-der Theilung des menschlichen Werthes, gegeben zu haben? Wenn dieses
-Antheil, das den Weibern zufiel, auch noch so sehr erleichtert wird;
-wenn es auch noch so köstlich ist: -- kann es auf eine andere Rubrik
-als auf Mühe und Noth gerechten Anspruch machen --? Der Mann scheint
-zum Vergnügen berufen zu seyn, das Weib dagegen zu Kummer und Elend --
-Wenigstens liegen in dem Familienverhältniß, in der Art und Weise wie
-die Keime der Geselligkeit sich zuerst bei den Menschen entwickelten
-und worauf ihn vielleicht das Zeugungs-Geschäft brachte, entfernte
-Winke und Hieroglyphen, wodurch der gesellschaftliche Zustand, welcher
-dem menschlichen Geschlecht einen so erstaunlichen Schwung gab, der
-Einen Hälfte des Geschlechtes so nachtheilig ward -- Wiederholung der
-nämlichen Umstände pflegt die Dürftigkeit derselben zu bedecken, als ob
-Ermüdung Ergänzung wäre; und selbst unsere Philosophen sind oft in dem
-Falle jenes Kranken, dem der Arzt erlaubte, täglich einen Löffel voll
-Wein zu nehmen, und der sich einen Löffel von vier Quart machen ließ
--- sie sind da am beredtsten, wo sie am kürzesten seyn könnten, weil
-sie hier am wenigsten wissen. -- Es sei mir erlaubt, jene Data durch
-Rückblicke auf die Geschichte, das Noth- und Hülfsbüchlein in allen
-Lebensfällen, zu verstärken oder zu schwächen -- meine Leser mögen den
-eigentlichen Ausdruck suchen; doch, wenn ich bitten darf, nicht auf
-meine Kosten, sondern mir zum Besten.
-
-Schon in den ältesten urkundlichen Nachrichten über den
-gesellschaftlichen Ursprung der Menschen, finden sich Spuren von einer
-Ungleichheit der beiden Geschlechter, und von Zurücksetzungen des
-weiblichen -- wohin auffallend die Vielweiberei gehört.
-
-Wie despotisch ist der Gedanke, daß ein Mann sich befugt halten
-konnte, mehr als Ein Weib zu besitzen, indem bei einer Berechnung an
-den Fingern sich herausbringen läßt, daß er durch diese Verschwendung
-Andere zum Darben bringt! Wahrlich, die Vielweiberei ist ein Umstand,
-der sich weder mit Seele noch mit Körper verträgt, und nicht nur
-der Vernunft, sondern selbst einer Leidenschaft widerspricht, die
-(wie die Kinder reicher und vornehmer Leute) durch die Schule der
-Vernunft gelaufen ist. Wo ein Mann mehr als Ein Weib hat, wird jener
-Tyrannenrath erfüllt: Theile und regiere (_divide et impera_). Die
-Weiber mußten auf diesem Wege des ihnen so nachtheiligen männlichen
-Luxus ihre Abhängigkeit im höchsten Grade fühlen; und wenn gleich die
-Sultanin des Tages sich einen Vorzug vor ihren Colleginnen anmaßte: so
-währte dieses Ansehen, das sie sich gab, doch nicht lange, und bald
-überzeugte sie sich, daß unter Sklavinnen keine Rangordnung Statt
-finde.
-
-Die Geschichte der _Sara_ und _Hagar_ scheinet zu beweisen, daß die
-Kebsweiberschaft nicht gleich anfänglich bloß in dem eignen Belieben
-des Mannes gestanden, und daß er anfänglich verpflichtet gewesen, die
-Genehmigung seiner Frau einzuholen, eh' er sich ein Kebsweib beilegen
-konnte. Auch scheinet sich aus dieser Kebs-Geschichte zu ergeben, daß
-dergleichen Contrakte nicht auf die ganze Lebensdauer gegangen, und daß
-oft noch vor Ablauf der contraktmäßigen Zeit der Engel des Gewissens,
-und der Schutzgeist warnender Umstände dem Manne zugerufen:
-
- _stoß die Magd hinaus mit ihrem Sohne!_
-
-Schon hab' ich mein Herz ausgeschüttet, daß der erste Grund zu der
-männlichen Anmaßung eines Vorzuges vor dem Weibe, in dem Gange
-aufzusuchen sei, den die Bildung des gesellschaftlichen Zustandes
-nahm. Ob die Art, wie die geselligen Keime sich bei den Menschen
-entwickelten, die einzig mögliche; oder ob unter mehreren möglichen
-_die_, auf welche die Menschen von der Natur geleitet wurden, der
-schmale Weg sei, der zum Leben führet: das sind Nebenfragen, die,
-so wie ihre Stammmutter, vielleicht noch lange, vielleicht immer,
-unentschieden bleiben werden.
-
-So viel scheint ausgemacht, daß diese Keime sich überall durch ähnliche
-Veranlassung entwickelt haben müssen, indem sie (ein Beweis, dessen ich
-gern entübriget wäre) für das weibliche Geschlecht einerlei nachteilige
-Folgen hervorgebracht haben. Die Gesellschaft ist die Quelle alles
-Glücks und alles Unglücks, das je dem menschlichen Geschlechte zufiel;
-und noch ist nicht erschienen, was die Menschen durch sie werden
-können und durch sie -- seyn werden. Wir wissen aber, daß, wenn es
-erscheinen wird, wenn wir das heilige Gesetz beobachten, und dasselbe,
-so wie Gott, nicht fürchten sondern lieben, wir Gott ähnlicher seyn
-und die Krone des Lebens tragen werden. Eine Hoffnung, die _Plato_
-nicht den _Traum des wachenden Menschen_ nennen muß, und bei welcher
-Glaube an das menschliche Geschlecht zum Grunde liegt. Könnt' ich doch
-hinzufügen: _wahrer und lebendiger Glaube!_ aber noch ist solcher in
-Israël nicht gefunden -- Dieser Glaube ist _Welt-Patriotismus_.
-
-Darf ich mir ein- für allemal die Erlaubniß auswirken, rückblicken zu
-dürfen, ohne von irgend einer kritischen Feder das Schicksal von _Loths
-Weibe_ zu befürchten zu haben?
-
-Zum Fischefangen und Vogelstellen hat jeder Mensch noch immer einen so
-besonderen Hang, daß gereimte und ungereimte Warnungstafeln aushängen
-müssen, um den Menschen von diesen Urbeschäftigungen abzuleiten, und
-ihn, bei den erweiterten und verzärtelten Bedürfnissen, zu andern
-nothwendig gewordenen künstlichern Nahrungsquellen zu gewöhnen.
-Der bekannte _St. Evremont_ war bis an sein Ende wohlbestallter
-Entenhüter zu St. James; jener Schweizer in Frankreich erbat sich die
-Anwartschaft auf die Hofstelle des Rhinoceros -- jener Gelehrter bei
-dem Hofe FRIEDRICHS II den vacant gewordenen Atheistenplatz; und zu
-wie vielen Rhinoceros- und Atheisten-Posten müssen sich Menschen nicht
-herablassen, um ihr tägliches Brot nach der heutigen Auslegung zu
-erreichen, wovon der Vogelsteller und Fischfänger kein lebendiges Wort
-wußte, keinen Traum oder todten Gedanken kannte!
-
-Ob Jäger _Esau_ auch ein Fischfänger gewesen, ist nicht bemerkt, und
-die Herren Juristen würden ohne allen Zweifel einen artigen Fang
-machen, wenn es _ausgemittelt_ wäre, (ein Lieblingswort dieser Herren,
-die doch so oft _zweckreich_ und _mittelarm_ zu seyn pflegen) daß der
-Fischfang schon in den ältesten Zeiten unter der Jagd begriffen gewesen
-sei.
-
-Warum das weibliche Geschlecht sich nicht die blutarme Fischerei
-zugeeignet habe, um dem nach Blut dürstenden Manne das Wild zu
-überlassen? ist eine Frage, die sich bei dieser Gelegenheit von selbst
-aufwirft. Vielleicht nahm das Weib an allem Theil -- vielleicht stand
-es dem Manne nirgends nach; vielleicht hinderten es nur die letzten
-Stunden der Schwangerschaft, und sechs Stunden nach der Niederkunft,
-an den Geschäften des Oberjägermeisters, seines Mannes, unmittelbaren
-Antheil zu nehmen -- Die Gottheit der Jagd, _Diana_, war bei den
-jüngeren Alten _generis foeminini_ --
-
-Dieser Stillstand, den Schwangerschaft und Niederkunft verursachten,
-war, von so kurzer Dauer er auch immer seyn mochte, ohne Zweifel der
-Grund des weiblichen Falles. In diesen Zwischenzeiten der Muße war
-es vielleicht, wo das Weib, durch einen dem Geschlecht eigenen und
-mit seiner Bestimmung vielleicht genau zusammenhangenden Instinkt
-zu sparen, sich sein Sklavenschicksal bereitete. Warum folgte es
-nicht der göttlichen Lehre: »sorget nicht für den andern Morgen; es
-ist genug, daß ein jeder Tag seine eigene Plage habe!« So lange die
-Nahrungsquellen ergiebig waren, fiel dem Manne nie der Gedanke an das
-Aufbewahren ein; sein Jagdrevier war seine Speisekammer, zu der alles,
-was Leben und Odem hatte, gehörte -- eine lebendige Speisekammer,
-bei der er vor dem verdorbenen Geschmack an faul gewordenem Wildbret
-sehr sicher war! einem Geschmack, der bei allem -- das leidige Geld
-nicht ausgenommen -- Statt findet, was man in Scheuren sammelt, denen
-ohnedies das Motto angeschrieben ist: _du N_ -- _heute wird man deine
-Seele von dir fordern; und was wird seyn das du gesammelt hast?_
--- Doch auch dem Geitzhals, dem Teufel, muß man einen Vertheidiger
-beiordnen --; und in der That ist die Sorge für den andern Morgen, wenn
-sie rechter Art ist und in ihren Schranken bleibt, eine nicht gemeine
-Vernunftäußerung. Der Gedanke: »heute ohne Hunger zu jagen, um morgen
-nicht aus Mangel an Wildbret fasten zu dürfen,« enthält -- ungeachtet
-jener göttlichen Lehre, für den andern Morgen nicht zu sorgen -- so
-viel Überlegung in sich, wie in den Köpfen einer ganzen Heerde von
-Wilden nicht Platz hatte. Auch hier mußte das Weib dem Manne aushelfen,
-und wo es auf Vernunftgebrauch ankam, scheint immer das Weib die Bahn
-gebrochen zu haben. Jene Verlegenheit, in die es die letzten Stunden
-der Schwangerschaft und die ersten nach der Geburt verwickelten,
-leitete es, kraft des instinktartigen Gefühls, zur Selbsterhaltung,
-die ihm wegen der Erhaltung des Säuglinges noch dringender ward, an
-der Hand der Vernunft, weise und mächtig auf Vorrath zu denken, sich
-heute etwas zu entziehen, um morgen nicht ganz entbehren zu müssen.
-Diese Aufbewahrung von Vorräthen, welche anfänglich bloß gelegentlich
-und nur so lange geschah, als es die Umstände verlangten, ward nach
-und nach, je nachdem die Menschen sich mehrten und die Nahrungsquellen
-ärmer wurden, wiederholt, und mit der Zeit beständig. Wenn es wahr
-ist, daß in vielen Fällen Thiere die Lehrer der Menschen gewesen sind;
-so wird das Vorrathsammeln ohne Zweifel zu dem Lektionskatalogus
-dieses Unterrichtes gehören. Der Instinkt (der sich zur Vernunft, wie
-der Tanzbärleiter zum Hodogeten, verhält) hat seine Kinder schneller
-und sicherer an Ort und Stelle gebracht, als die sich Zeit nehmende
-kalte Vernunft die werthen Ihrigen. Gewiß sammelten die Biene und die
-Ameise früher als der Mensch; vielleicht versteckte das Alterthum
-diese Wahrheit unter der Fabel von den Myrmidonen. -- Nicht etwa bloß
-Neugierde, wie einige wollen, sondern Beobachtungsanlage lenkte
-ohne Zweifel zuerst das Weib auf diese Experimental-Unterweisung.
-Vorräthe erforderten beständige Aufsicht, nähere Einrichtung und
-Bearbeitung; und so entstand Hausrath. Irgend ein Zufall, und ohne
-Zweifel die Anhänglichkeit mancher Thiere an den Menschen, lehrte ihn
-(wahrscheinlich zuerst das Weib), einige Gattungen von Thieren zu
-seinem beständigen Brauch und Dienste zu zähmen; und so vermehrte sich
-durch diese Dienstboten, die man im Falle der Noth auch zur Nahrung
-nahm, der Haushalt. Jetzt mußten die Geschäfte getheilt werden; und
-da wählte denn der Mann die Jagd, das Weib den Haushalt. So ward das
-Weib allmählich die Befehlshaberin der Hausthiere, und eh' es sich's
-versah, das erste Hausthier selbst. Das arme Weib! Doch was kann weiter
-befremden? ward es doch durch jene Revolution, wodurch es die Freiheit
-an's Licht brachte, eine Sklavin!
-
-Allmählich fingen die Vortheile und Nachtheile, welche mit den unter
-beiden Geschlechtern so sehr verschiedenen Lebensarten verknüpft
-waren, immer mehr an sichtbar zu werden. Der Körper des Mannes, durch
-die Beschwerlichkeiten der Jagd oder Fischerei abgehärtet, fest,
-gelenk und stark, behauptete auch einen Einfluß auf seine Seele. An
-Gefahren gewöhnt, ward er durch diese Gewohnheit muthig, unerschrocken,
-standhaft, und fühlte seine Überlegenheit über Alles, was nicht Mann
-war, mithin auch über sein Weib, dessen körperliche Kräfte aus Mangel
-an Gelegenheit unentwickelt blieben, und das, aus Unbekanntschaft mit
-Gefahren, diese zu fürchten anfing, da hingegen der Mann, vertraut
-mit der Gefahr, sie vermeiden oder bestehen lernte. Mit kleinlichen
-Gegenständen und mit Thieren umgeben, die Zaum und Gebiß geduldig
-trugen, sank das Weib nach und nach an Körper und Seele zu einer
-niederen Stufe herab, und lernte geduldig, sich bei seinem Despoten
-mit der Stelle einer ersten Sklavin begnügen. Sklavin! Ohne Zweifel
-brachten zahm gemachte Thiere den Menschen auf diesen unmenschlichen
-Gedanken, und dies schreckliche Wort würdigte die Menschheit so tief
-herab, daß die verrufene Münze keine Spur mehr von Bild und Überschrift
-der vorigen Zeiten an sich trug. So wie unfehlbar das Weib durch den
-Besitz gezähmter Thiere das Hirtenleben erfand und einführte, so wird
-eben dasselbe, da es mehr an Einen Ort und an Eine Stelle gebunden
-war, auch zu Anpflanzungen und zum Ackerbau Gelegenheit gegeben haben.
-Gewiß hat es den ersten Sallat zum Wildbraten des Mannes bewirkt. Eine
-Wurzel, Körner -- die, in Ermangelung eines Alderman-Schmauses, von
-einem antipythagorischen Bohnenmahl übrig geblieben waren, und die man,
-weil es fettere Bissen gab, nicht achtete -- wurzelten und mehrten
-sich um die Hütte herum, bis es dem Weibe einfiel, absichtlich zu
-pflanzen und zu säen. So entstand von der Hand des Weibes vielleicht
-der erste Garten, den englischen Garten _Eden_ ausgenommen; und der
-Gartenbau ist auch größtentheils in den Händen der Weiber geblieben,
-bis auf den heutigen Tag. Auch hat das Weib wahrscheinlich in Allem
-zuvor Probe gegessen und dem Manne zur Sicherheit, theils wegen der
-Unschädlichkeit, theils wegen des Wohlgeschmacks, gedient. -- Noch
-jetzt ist das höchste Ziel der Kochkunst ein Vorzug der Weiber. --
-Der Wechsel, den das Weib an seinem eignen Körper erfuhr, gewöhnte
-es an die Witterung, und lehrte es so sehr auf die Zeit merken, wie
-den Unbestand der Witterung überstehen; und so ward durch das Weib
-vielleicht beides, das Hirtenleben und der Ackerbau, -- erfunden oder
-zu Stande gebracht? -- Wie viel läßt sich hierüber conjekturiren! Der
-gemeine Acker- und Gartenbauer räumt dem lieben getreuen Erdenvasallen,
-dem Monde, noch jetzt viel Einfluß auf seine Erzeugnisse ein: er
-pflanzt seinen Kohl und was Blätter treiben soll, im Vollmonde, und
-das, wodurch unter der Erde Wurzeln oder Knollen hervorgebracht werden
-sollen, bei Mondesabnahme. Die Phasen des Mondes sind ihm noch Epochen
-in seinem Wirthschafts-Kalender; und was kann ihn anders auf diese
-Mondweisheit gebracht haben, als die _Weise_ der Weiber --? Von beiden
-Hauptnahrungsquellen, dem Hirtenleben und dem Ackerbau, wußte der
-ins Größere gehende Mann das Weib abzubringen, um es an den Haushalt
-zu fesseln -- wozu Se. Gestrengigkeit das Weib _verurtheilt_ hatte.
-»Verurtheilt?« Mit nichten; durch einen Machtspruch, durch einen
-Justizmord, des Landes verwiesen hatte. -- Noch jetzt genießen Erfinder
-selten die Ehre der Erfindung, und verdienen sie vielleicht auch nicht,
-weil fast immer ein Ungefähr sie darauf bringt -- Erfindungen und
-Offenbarungen werden gemacht, man weiß nicht wie! --
-
-Ackerbau und Viehzucht sind, so wie Ursache und Wirkung, mit
-einander verbunden; und es ist schwer zu begreifen, warum Hirten
-und Ackerbauer sich gleich anfänglich haben trennen und beneiden
-können. Da nichts natürlicher war, als daß das Vieh keine Anpflanzung
-schonte, und da dieser Umstand die Hirten und Ackerbauer in beständige
-Gränzstreitigkeiten verwickeln mußte; so hätten diese Zwiste beide
-Theile sehr bald zu freundschaftlichen Verabredungen bequemen sollen.
-
-Die Jagd allein, der Ursoldatenstand, scheint eine Erfindung des
-Mannes zu seyn; und da der Mann seine Beute oft sehr weit suchen mußte,
-so gab sie die erste Ursache zur Herabwürdigung des Weibes. Bei dem
-Ackerbau und der Viehzucht hätte es sich gewiß länger in Ehren und
-Würden erhalten können, wenn die Jagd nicht schon den Mann bewaffnet
-und er allen Vortheil und Nachtheil des Soldatenstandes in sich
-vereinigt gehabt hätte. Er stand bei seinem Weibe im Quartier. -- Noch
-jetzt bin ich ein Feind der Jagd, weil sie dem Weibe jeden Schritt
-zur weiteren Cultur vertrat und alle jene Übel erzeugte, denen das
-menschliche Geschlecht durch Kriege oder Menschenjagden unterworfen
-worden ist. -- Zwar sagt man, daß der Krieg oft ein Weg zur Cultur
-gewesen sey und werden könne; und freilich ist es nicht das erste
-mal, daß aus dem Bösen etwas Gutes wird: Ist und bleibt aber, dieser
-Metallverwandlung des Guten und Bösen unbeschadet, Krieg nicht ein
-Originalübel? Im Reiche Gottes, dessen Sonnenaufgang und Morgensegen
-wir mit Danksagung erwarten, wird man so wenig Menschen würgen und
-sich zur Erkenntlichkeit dem Würgengel bloß stellen, als in der andern
-Welt freien und sich freien lassen. --
-
-Die Flecken in der Sonne -- die man ungefähr wie die Flecken ansieht,
-womit die reinlichste Hausfrau in der Küche sich ihre Manschetten
-bespritzt, wie es dem Geschäftsmanne an seinem Schreibtische mit
-Tinteflecken nicht besser geht -- sind nicht, was sie scheinen. In der
-physischen Welt ist überhaupt alles gut, sehr gut! -- Und wie? dies
-sollte uns nicht zu der Hoffnung Anleitung geben, daß es auch in der
-moralischen Welt zu jener Stufe der Cultur kommen werde, wo man des
-Bösen nicht bedarf, um Gutes daraus zu lernen? Fehden waren es, die
-ihren Ursprung aus der Vermehrung der Menschen und aus der Verminderung
-des Wildes (des einzigen und nächsten Nahrungsmittels für den rohen
-Menschen) hatten; der Menschen wurden mehr, des Wildes ward weniger:
-und so konnte es nicht fehlen, daß nicht Streitigkeiten und Befehdungen
-entstanden, welche Familienkriege nach sich zogen.
-
-Zwei Familien, die der Übermacht zu weichen gezwungen waren, stießen
-vielleicht durch einen Zufall auf eine dritte, der sie einzeln nicht
-gewachsen gewesen wären, die ihnen aber jetzt ihr Jagdrevier überlassen
-mußte; und dieser Umstand war es, der zwischen beiden, wenigstens so
-lange die Gefahr dauerte, ein gesellschaftliches Band knüpfte, ohne daß
-es unter ihnen zu einer Verabredung und Constitution kommen durfte.
-Durch Irrthum und Thorheit gelangen die Menschen zur Wahrheit, und
-durch Mühe und Streit zur Vereinigung und Gesellschaft. Ist mir doch
-schon wieder der traurige Gedanke im Wege, daß das Böse so oft ein
-Vorspiel, ein Präludium zu dem Textliede des Guten seyn muß! -- »Oft
-oder allemal?« Oft, Freunde; denn es giebt Original-Gutes, Gutes aus
-der Wurzel -- und dies könnte man _göttlich Gutes_ nennen! Gott ist
-original-gut! --
-
-Das Hirtenleben und der Ackerbau (das neue Testament, wozu die Menschen
-nach dem alten Testamente des Jagdlebens sich aufklärten) gab nicht
-minder zu Zwisten Gelegenheit, wozu die Tagdieberei des Hirten, und
-das Vorurtheil, als ob er eben darum Gott lieber wäre und von ihm
-mehr beglückt würde, mittelst des argen, bösen Neides nicht wenig
-beigetragen haben mag: Neid ist Geitz, und dieser ist, wie jeder von
-uns weiß, die Wurzel alles Übels. Der Hirt schonte die Anpflanzungen
-des Ackermannes nicht, und ehe dieser pfänden konnte, war jener mit
-seiner Heerde über alle Berge, und wußte sich listig der Berichtigung
-des Pfandgeldes zu entziehen. Dies zwang den Ackerbauer, mehr auf
-seine Vertheidigung bedacht zu seyn; und da er sich gedrungen sah,
-mehr Hände anzuwerben, um den Acker zu bestellen (Hände, die zusammen
-bleiben mußten, um die Zeit abzuwarten und die Witterung zu benutzen,
-oder ihr zuvor zu kommen:) so bauete ein Haus das andere, wie ein Wort
-das andere zu geben pflegt. Hierdurch waren die Ackerbauer mehr im
-Stande, sich den Ausschweifungen des zahmen Hirten und des wilderen
-Jägers zu widersetzen. Aus den Ackerbauern wurden Bauherren: (eine
-Würde, die ihnen selbst von den überwundenen Horden der Jäger oder der
-Hirten zugestanden ward;) und nur spät hat sich das Blatt gewendet, so
-daß wiederum Fürsten und Herren jagen, und Sklaven den Acker bauen.
--- So drehet sich Alles in der Welt, und die Menschen folgen so
-großen Beispielen; Familien und Reiche, Aufklärung und Verfinsterung,
-Gutes und Böses: Alles geht auf und unter. -- Zu der Zeit, als auf
-den Trümmern von Familiengesellschaften bürgerliche Gesellschaften
-errichtet wurden, war das Schicksal der Weiber schon, wie es schien,
-unwiederbringlich entschieden.
-
-Die Waffen, welche die Männer bei jenen Umständen führen mußten, und
-welche sie fast nie aus den Händen ließen, während die Weiber für das
-Hausbedürfniß ihrer Männer und Kinder besorgt waren, gaben diesen ein
-entscheidendes Übergewicht über jene, welche, weil sie mit Waffen
-nicht umzugehen wußten, sich vor ihnen fürchteten. Sie erschraken
-vor Gefahren, welche die Männer, mehr damit bekannt, verachteten. An
-Körper und Seele war ihnen der Mann, wenn ich so sagen darf, unter
-der Hand überlegen geworden; und da er sich im ausschließenden Besitze
-der Schutz- und Trutzwaffen befand, so vertheidigte er nicht bloß
-seine Person, sondern auch sein Eigenthum, wozu er seine Familie und
-in derselben sein Weib rechnete, das er jetzt als durchaus von ihm
-abhängig ansah.
-
-Während daß die Einsichten des Mannes durch seinen vergrößerten
-Wirkungskreis sich vermehrten; während daß seine Geschäfte mit der
-bürgerlichen Gesellschaft einen höheren Schwung nahmen, indem seine
-Begriffe sich zu generalisiren anfingen: schrumpfte die Seele des
-Weibes je mehr und mehr in die Gränzen des Haushalts ein. Dieser
-bestand wegen Einfachheit der Bedürfnisse, dem Vater _Homer_ zufolge,
-in dem Zeitalter der Heroën, selbst bei königlichen Familien, noch
-bloß im Weben und andern dergleichen Handarbeiten. Nach und nach
-verlor sich die weibliche Spannkraft gänzlich. Schade! -- Durch die
-Umstände, daß alle Geschäfte des Staats den Weibern entzogen, und
-diese, bei Entstehung der bürgerlichen Gesellschaften, schon zur
-Besorgung des Haushalts verwiesen waren, wurden sie nicht Bürgerinnen
-des Staats, sondern Schutzverwandte. -- Schon sehr zufrieden, daß
-der Staat ihnen diese Gnade angedeihen ließ, begnügten sie sich
-mit einigen Begünstigungen vor den Sklaven, die man ihnen bloß zu
-_spendiren_ schien. Wunderbare Wege! Doch, ging man nicht von der
-Poësie zur Prosa, von dem Tanze zum Gange, vom Singen zum Reden,
-vom Roman zur Geschichte --? Es wirkte eine Reihe von Ursachen,
-(wozu wahrscheinlich die, wiewohl größtentheils mißverstandene,
-Natur die erste Veranlassung gab) daß nach und nach eine ganze
-Hälfte des Menschengeschlechtes ihre ursprünglichen Menschenrechte
-verlor und gegenwärtig einige Überbleibsel davon unter dem Titel von
-Begünstigungen, wohl zu merken, nur so lange genießt, als es der andern
-Hälfte gefällt, ihr dieselben zu lassen; -- und doch, ist das dritte
-Wort dieser unterdrückenden Menschenhälfte: Recht und Gerechtigkeit,
-Gesetzgebung und Gesetzhandhabung! -- Warum in Fällen dieser Art
-ängstliche Geschichtsausspürung? Der Geist, der in uns ist, bleibt
-immer die beste Quelle aller Geschichte; er gleicht im Wesentlichen
-dem Geiste aller derer, die vor uns waren, und giebt dem, der sich
-mit ihm einlassen kann, und jedem, der sich selbst verständlich zu
-machen weiß, wichtige Fingerzeige von Nachrichten, die weit über den
-Zeitpunkt schriftlicher Zeugnisse, und weit über die historische
-Gewißheit hinausreichen. Jedes Kind bringt das Andenken an die Kindheit
-der menschlichen Vernunft in Anregung, und die Hauptzüge derselben
-drängen sich Jedem auf, der Augen zu sehen, Ohren zu hören, ein Herz
-zu fühlen, und Vernunft zu ergänzen, zu vergleichen und zu verbinden
-hat. Mit Meinungen der Vorzeit kann uns nicht gedient seyn; und die
-Handvoll aufbehaltener Thatsachen sind so sehr mit jenen Meinungen in
-Verbindung, daß man ohne Philosophie bei den historischen Quellen der
-Vorzeit außerordentlich zu kurz schießt. Kann man ohne philosophischen
-Kopf bei den historischen Quellen auslangen? In uns liegt das Vermögen,
-aus jenen Bruchstücken der alten Welt, wo nicht ein Gebäude, so doch
-eine Hütte zu zimmern, und ein Ebenbild unseres Geistes, eine Einheit
-zu schaffen, die ohne Forscherblick weder in der Weltgeschichte, noch
-auch in der Geschichte jedes einzelnen Menschen, gefunden werden kann.
-Ohne diesen Geist der Wahrheit ist und bleibt jede Lebensbeschreibung
-ein Roman, der Verfasser gehe so offen zu Werke als möglich, oder
-verstecke sich unter die Bäume im Garten. -- Zu Geschichtforschern,
-Auslegern des menschlichen Geistes, zu Seelengelehrten, zu Sehern,
-gehört Studium seiner selbst; und nur in dieser Rücksicht ist _sich
-selbst zu kennen_ eine große Lehre! Nur ein Geschichtschreiber, der
-diese Salbung empfing, weiß die Reihe der Dinge zu übersehen, und
-Ursache und Wirkung unter Einen Hut zu bringen. -- Es giebt historische
-Ergänzungen, wo uns so wenig ein lästiges Ungefähr untergeschoben wird,
-daß wir weder gerade noch seitwärts etwas gegen diese Ergänzungen
-einwenden mögen, wenn wir auch könnten. --
-
-Seht! nicht Überlegenheit des Körpers, nicht Übermacht des Geistes
-gab dem Manne das Schwert in die Hand; die Lage der Sache begünstigte
-diesen Schritt. Über seinen Unterhalt bestand der Mann den Kampf mit
-seines Gleichen. Madam beschützte zwar anfänglich zu Hause ihre Kinder,
-und genoß die Ehre, in dieser Festung zu commandiren, und während der
-Feldzüge ihres Mannes Proviant und Montirungsstücke zu besorgen; indeß
-ward sie auch hier sehr bald von ihrem erstgebornen Sohn entsetzt, der,
-noch zu jung und zu ohnmächtig dem Heere seines Vaters zu folgen, sich
-hier zum Commandanten aufwarf, bis er, mit Vorbeigehung seiner Mutter,
-diesen Posten seinem zweiten Bruder anvertrauen konnte.
-
-Was für eine Veränderung diese Umstände während eines Zeitraums von
-mehrern Jahrhunderten oder Jahrtausenden in dem Charakter, der Denkart
-und selbst in den körperlichen Eigenschaften beider Geschlechter nach
-und nach hervorgebracht haben, ist am Tage. Andere Verhältnisse und
-Resultate als diese Machtvortheile, waren aus jenen Vorgängen ohne
-Wunder nicht zu erwarten; doch nicht eines einzigen, sondern eines
-Zusammenflusses von Wundern hätt' es bedurft, allen diesen zufälligen
-äußeren Veranlassungen eine andere Folgenrichtung zu geben. -- Der
-Anfang steht oft in unserm Vermögen, die Mitte selten, das Ende nie.
--- Warum sollt' ich es bergen, daß wir Männer von Gottes Gnaden es
-so gern bemänteln, wie wir zu dieser Überlegenheit gekommen sind?
-Überhaupt sind Mäntel die männliche Originaltracht, in die wir uns so
-bedächtig verhüllen, um nur so viel von uns zu zeigen, als höchstnöthig
-ist; die Weibermäntel sind Copien von den unsrigen. -- Nähme man uns
-den philosophischen Mantel; entkleidete man uns von der Reverende der
-wohlehrwürdigen Hypothesen und von allen unwesentlichen, fremdartigen
-Behelfen, hinter deren Wolken wir uns so unmännlich verbergen: wie
-weit seltener würden wir bestehen in der Wahrheit! -- Um alles in
-der Welt möchten wir die andere Hälfte des menschlichen Geschlechtes
-überreden, nicht _wir_, sondern die _Natur_ habe sie zurückgesetzt
-und uns unterworfen; und doch sind _wir_ es, die seine Bedürfnisse
-erregen, und Meinungen herrschend machen, wodurch wir, so wie durch
-jene Bedürfnisse, den Meister über die schöne Welt spielen. Jene Clubs
-und geheimen Gesellschaften, die, ohne daß sie den Degen ziehen,
-Macht, Gewalt und Herrschaft erschleichen, sind Copien des Ganges,
-den die Männer einschlugen -- Und die Bibel? Bis jetzt haben noch
-alle philosophische Sekten, die gedrückte, die streitende und die
-triumphirende, und jede neue Staatsreform, bis auf die _Französische
-Constitution_, sich in der Bibel getroffen gefunden.
-
-Es ist das künstlichste Spinnengewebe von Gründen, wodurch wir das
-weibliche Geschlecht zu einer ewigen Vormundschaft verurtheilen; und
-selbst bei den feierlichsten Ehegelübden, die man sich am Myrtenfeste
-vor Gott und den (freilich durch ein Lucullus-Mahl bestochenen)
-Hochzeitszeugen ablegt, verlangt das kirchliche Formular, daß, wenn
-gleich beide Theile gegenseitig sich zu ehren verheißen, doch die
-geehrte Männin dem Manne gehorchen und ihm als ihrem Herrn huldigen
-soll. Ist es zu verwundern, wenn die heiligste aller Zusagen, die
-Ehetreue, so schnöde gebrochen wird, da diesen Principalpunkt so
-viele Nebenverheißungen schwächen? Wie ist die Preisfrage eines
-feinen Kopfes: warum in verschiedenen Staaten, wo Eide das tägliche
-Brot in Gerichten sind, das Ehegelübde (der wichtigste Contrakt, den
-Menschen mit einander schließen können) ohne Eid vollzogen wird, zu
-lösen? Etwa durch die Bemerkung, daß der Gegenstand so groß wie das
-Verbrechen des Vatermordes sei, welches in weisen Gesetzbüchern weiser
-Völker ohne Strafe blieb? Etwa, weil keine Formel stark genug ist, das
-Ehegelübde zu besiegeln? und weil, um das Größte zu sagen, man zur
-Natur der Sache, zum einfachen _Ja Ja, Nein Nein_ zurückkommen muß?
-Wichtige Gründe! doch schwerlich werden sie bei der Unterlassung des
-Eheeides entscheiden; denn müßte sonst nicht unsere Eidmethode längst
-verbessert seyn? Oder wie? schwört man bei der Ehevollziehung etwa
-darum nicht, weil die Gelübde nicht gehalten werden, nicht zu halten
-sind? nur da gehalten werden dürfen, wo die Natur in speciellen Fällen
-mitwirkt? Ei, Lieber! wer hält seinen Amtseid? und wird dieser Eid
-erlassen? Der größten Versuchungen zu falschen Aussagen ungeachtet,
-findet der Richter, oder -- was mehr sagen will -- der Gesetzgeber
-keine Bedenklichkeit, Eiden auszuweichen; und geht denn wirklich das
-Versprechen der ehelichen Treue, auf welchem die Würde, Sicherheit
-und Wohlfahrt des Staates, das Glück des häuslichen Standes, (des
-angenehmsten und tröstlichsten im menschlichen Leben) und aller Fleiß,
-alle Betriebsamkeit beruhen, über das Vermögen der Menschen? Hast du
-nicht liebe getreue Ehegenossen gekannt? Ein menschliches Schauspiel,
-das Engel zu sehen gelüsten könnte! Unglücklicher! was ist dir die
-Menschheit werth, wenn sie so tief gesunken wäre! Ich suche den Grund
-dieser, von unseren eidereichen Vorfahren auf uns gleich eidgierige
-Nachkommen gebrachten, denkwürdigen Gewohnheit in der Befürchtung,
-daß man Eide einer baaren Lächerlichkeit aussetzen würde, wenn man
-sie durch den unnatürlichen, vom andern Geschlechte zu übernehmenden
-Umstand, sich der unerkannten Gewalt des Mannes unterwerfen zu wollen,
-entheiliget hätte. Diese _Homagial-Umstände_ entfernten den Eid bei
-der Ehe _in vielen protestantischen Staaten_; und die auserwählten
-Rüstzeuge von Reformatoren hatten nicht unrecht, den Eid aus der
-Trauungsformel zu verabschieden, oder ihm einen Laufpaß zu behändigen.
-Soll aber die durch die Natur und Erfahrung laut widerlegte männliche
-Macht und Gewalt über das andere Geschlecht sich durch leidige
-Künstelei erhalten? Werden wir, wenn Natur und Wahrheit ihre Rechte
-zurückfordern, die keiner Verjährung unterliegen, noch immer gewinnen
-und den Sieg behaupten? Durch Wiederfragen antworten, heißt, wo nicht
-gar spotten, so doch: die Frage keiner eigentlichen Antwort werth
-achten. Wer kann sich aber, wenn er auch wollte, dieser Zwittergattung
-von Erwiederung enthalten? wer der Fragantwort ausweichen: ob die
-Natur je so tief in Ohnmacht und Schwächlichkeit versinken könne,
-daß sie sich ungestraft berauben lasse, ohne das Raub_schloß_ oder
-Raub_nest_ zu zerstören? Längst sind Männer nur Titularherren, Besitzer
-_in partibus infidelium_. -- Und wie! Deutsche, deren Vorfahren ihre
-Weiber achteten, da der Rath derselben ihnen wichtig, ihre Aussprüche
-ihnen heilig waren, wenn sie die Zukunft aufklärten, vielleicht
-weise genug, sie nach ihrem Willen zu _lenken_ -- (eine ehrwürdige
-prophetische Kunst!) Deutsche, die, wenn es gleich von ihnen heißt,
-_daß sie viel für Geld thun_, ihre Weiher nicht wie die Römer (als
-wären sie Hausrath) einkauften; Deutsche -- sollten ihrer Vorfahren so
-unwerth seyn! Was ist anständiger: mit dem andern Geschlechte gleichen
-Schritt zu halten, oder uns von ihm, ohne daß wir es wissen, leiten
-und führen zu lassen? Nur die _Zeichen_ der Regierung sind uns werth,
-die _Regierung_ verkaufen wir für ein schnödes Linsengericht; und
-eine kluge Frau läßt sich von dem Manne zur Regierungs-Repräsentantin
-erkiesen, dem hier kein Hochverrath ahndet, und der (weil doch
-Hochmuth dem Falle vorausgeht) seine Frau selbst zum Throne führt,
-und sich hinreichend begnügt, daß Alles unter seinem Namen expedirt
-wird, Alles unter: _Wir von Gottes Gnaden_. -- Wenn nun aber ein so
-betrogener Mann, der seine Frau zur List erniedrigt, der seine Kinder
-zu ähnlicher Denkart herabwürdigt, und öffentlich mit sich spielen
-läßt, bei dem allen nicht unglücklich ist; wenn er einen menschlichen
-Richter in Hausangelegenheiten, einen treuen Rathgeber in Fällen, wo
-er unentschlossen schwankt, in seiner Frau findet: -- was würde sie
-ihm seyn, wenn sie von Rechtswegen gleich und gleich mit ihm wäre! Wie
-unendlich leichter würde der Stand des häuslichen und Staatslebens
-werden, wenn wir eine so herrliche Bundesgenossenschaft anerkennen und
-schätzen lernten! -- _Eigensinn_, _Trägheit_ und _Stolz_ fesseln uns an
-alte Meinungen und Gebräuche: drei Götzen, die man auch _Augenlust_,
-_Fleischeslust_ und _hoffärtiges Leben_ zu nennen pflegt! -- Laßt uns
-diesen Götzendienst mit einer vernünftigen Verehrung der Natur und
-ihrer Gesetze vertauschen! Schon lange sind die Weiber durch Leiden
-geprüft und bewährt, um der Herrlichkeit werth zu werden, welche die
-Natur an ihnen so gern offenbaren möchte. Das Ende vom Liede dieses
-Abschnittes.
-
-In der That scheint eine höhere Vernunft es mit Vorbedacht und Vorsicht
-darauf angelegt zu haben, daß der Anfang des menschlichen Geschlechtes
-in einem tiefen heiligen Dunkel bleiben sollte. Chaos war eher als die
-Welt, Finsterniß eher als Licht, Nacht eher als Tag; und wohl uns, wenn
-die menschlichen Handlungen, eben so wie alle Naturbegebenheiten, nach
-allgemeinen Naturgesetzen bestimmt, und von einem inneren Lichte, das
-der große Haufe nicht selten kann, und das nur Sonntagskindern selbst
-in der dicksten Finsterniß leuchtet, gelenket werden!
-
-Heil uns, wenn bei den unablässigen Bemühungen der Menschen, alles
-unregelmäßig zu machen, jene göttliche Regelmäßigkeit ihren festen
-Schritt hält, und die Weisheit ihre ursprünglichen hohen Anlagen bei
-der späten Entwickelung rechtfertiget! Heil uns, wenn wir Alle, und
-auch selbst die unter uns, welche am wenigsten daran denken, Mitglieder
-der göttlichen unsichtbaren Kirche sind! wenn der, welcher bloß für
-sich denkt und oft sogar des Andern Teufel ist, doch, ohne daß er es
-weiß, die göttliche Absicht befördert, die Welt ihrem moralischen Ziel
-immer näher bringt und selbst Teufeleien zum Besten kehret! O, der
-herrlichen Veredlung der moralischen Metalle!
-
-Wer kann bei dieser Idee gleichgültig seyn! wer wünscht nicht, sich
-jenen jüngsten Tag der Menschheit lebhaft vorzustellen und den Gang
-des menschlichen Geschlechtes von Anbeginn bis auf unsere letzte
-_betrübte_, und die in der Hoffnung erwartete _letzte fröhliche_
-Zeit in einer Karte zu übersehen! -- Wie oft würde auf diesem
-Menschheitsgemählde die Weisheit des Einzeln als Thorheit, und die
-Thorheit im Großen als Beitrag zur Weisheit erscheinen! Nur daß
-kein Mensch hieraus Gelegenheit nehme, in seinem verkehrten Sinne
-zu thun was nicht taugt, vielmehr nach bestem Wissen und Gewissen
-seine Tage so anlege, daß die Stimme seiner theoretischen und
-praktischen Vernunft, seiner Einsicht und seines Gewissens, nicht
-unbefolgt bleibe! Zwar kommt es hier immer noch bloß auf den Glauben
-an die Menschheit an, der durch so manche unerhörte, unerklärliche
-Begebenheiten nicht nur in Hinsicht einzelner Menschen, sondern auch
-ganzer Nationen schwankend gemacht wird; wer wollt' indeß auch bei
-einem Senfkorn dieses Glaubens verzweifeln! Vater der Menschen, stärk'
-uns diesen Glauben! Wie planlos da alles durch einander läuft! wie viel
-Zerstörungssucht, Hader, Neid, Zank, Zwietracht! Alles verschworen, die
-Wünsche des Menschenfreundes zu vereiteln und der göttlichen Bestimmung
-entgegen zu arbeiten! Doch jene goldreine Zeit wird kommen, wo die
-Menschheit mehr von Schlacken geläutert seyn wird! nur daß nicht, was
-bei menschlichen Handlungen glänzt, uns sogleich etwas Göttliches
-scheine! Nicht Alles was glänzt, ist Gold. Nur daß wir uns durch
-nichts, selbst nicht durch den herrlichsten kosmopolitischen Zweck,
-zum Handeln bestechen lassen, vielmehr auf nichts weiter denken, als
-unsere Pflicht mit strenger innigster Redlichkeit zu bewirken und sie
-_menschmöglichst_ (ein theures werthes Wort!) zu erfüllen! Nur daß
-wir bei unseren heiligen Verbindlichkeiten nicht an den Morgen der
-Folgen denken, sondern lauter und rein thun, was wir schuldig sind,
-und Alles übrige DEM überlassen, der allein weise ist! Wer sich das
-Ansehen giebt, der göttlichen Regierung nachhelfen zu wollen, ist ein
-Gottesläugner in einem besondern Sinne -- -- Sollte indeß die Natur dem
-verzagenden Beobachter nicht wenigstens, wie _Ariadne_, einen Leitfaden
-zugeworfen haben, um sich aus diesen Labyrinthen herauszuhelfen? um,
-da er in Allem eine göttliche Endabsicht voraussetzen kann, dieselbe,
-trotz allen Kreuz- und Querzügen von eigenen Absichten der Menschen,
-auch bewundern und sich an ihr und an der allmählichen Erreichung
-derselben erfreuen zu können? Nichts würde diese Gesinnungen und diese
-Hoffnungen stärker befestigen, als wenn wir, von den Urzeiten ab,
-in allen den Krümmungen, die das menschliche Geschlecht einschlug,
-eine geheimnißvolle Entwickelung dieser Anlagen zu bemerken und den
-Finger einer Vorsehung zu finden im Stande wären. So bald Geschichte,
-Erfahrung und Nachdenken etwas von diesem ihrem Gange enträthseln
-können; so ist hierzu ein Plan gezeichnet, und wir sind in diesen
-vierzig Jahr-Wochen des Wüstenumweges nach Kanaan nicht ganz und gar
-verlassen und versäumet. Doch noch hat diese herkulische Arbeit keinen
-Anfänger, viel weniger einen Vollender; und da die Einbildungskraft
-in dieser Hinsicht kein leidiger Tröster ist, so läßt sie uns in, mit
-und unter ihrer Beihülfe, wenn gleich nicht lebendige Überzeugung, so
-doch beruhigende Hoffnung erlangen. Ist der Mensch ein Miniaturstück
-von Welt, ein Mikrokosmus; so mag die Geschichte des einzeln Menschen
-immerhin einen Schattenriß von der Geschichte der Menschheit abwerfen,
-und den Anfang derselben, so wie ihren Fortgang, in Hieroglyphen
-dem Auge des Sehers, wenn gleich nicht völlig, so doch kennbar,
-darstellen. Jeder Mensch feiert durch sein Leben das Leben des
-menschlichen Geschlechtes, und wird, wo nicht die Quintessenz, so doch
-ein kurzer Auszug von der Geschichte der moralischen Welt. Wenn man
-ohne sonderliche Vorurtheile (denn ist es möglich, sich über diese
-Egyptischen Plagen völlig wegzusetzen?) einen Plan entwerfen könnte,
-wie die Menschenwelt gehen müßte, wenn sie anders den letzten Zwecken
-der Vorsehung gemäß wandeln wollte; so hätte man freilich von der
-moralischen Welt eine treue Probe, die mit den Bruchstücken, welche wir
-davon geschichtlich besitzen, stimmen und die Data da ergänzen würde,
-wo in der wirklichen Welt Alles wüst und leer scheinet. Jetzt aber
-werden wir, hier und da viel oder wenig abgerechnet, wenigstens ein
-Ungefähr von dem herauszubringen im Stande seyn, was herauszubringen
-war; und sollten wir nicht Alles mit einer reinen Idee dieses Ganges
-übereinstimmend finden, so wird doch ein großer oder kleiner Theil
-stimmig seyn. Die erste Periode unseres Lebens ist so dunkel wie die
-Genesis der Welt, von der wir, da sie unter dem Herzen ihrer Mutter
-lag, nichts wissen. Ist unsere Kindheit (wo wir keinen Willen haben,
-sondern nach Instinkten und nach Leitung der Eltern, die uns entwarfen,
-leben, weben und sind) nicht jener Weltperiode ähnlich, die wir den
-_Stand der Unschuld_ nennen? und sie mag um so mehr so heißen, da uns
-in derselben nichts zugerechnet werden kann. Der Mensch fühlt sich; das
-heißt: er emancipirt sich, giebt oft noch vor der Zeit sich _veniam
-aetatis_, glaubt in seiner Vernunft einen Gott zu haben; und seht!
-mitten in dieser Selbstvergötterung sinkt er, und oft so tief unter den
-Menschen herab, daß er kaum zu kennen ist -- Leidenschaften stürzen ihn
--- Fall auf Fall! -- Anfänglich sind diese Leidenschaften ungebetene
-Gäste, die man gemeiniglich lieber gehen als kommen sieht; doch über
-ein Kleines werden sie Vernunftgenossen, Herzensfreunde, Busen- und
-Schooßlieblinge, deren Umgang, wenn das Gewissen dagegen einwendet,
-der Mensch bis auf's Blut so vertheidigt und rechtfertiget, daß das
-sich selbst gelassene Gewissen sich anfänglich hintergehen, bald
-hernach sich anstecken läßt, und endlich selbst leidenschaftlich wird.
--- Spät nur, und wenn der Tag seines Lebens kühl geworden, kommt der
-Mensch durch die Stimme seines Gewissens, das sich wieder erholt hat,
-zum Nachdenken. »Adam, wo bist du? wohin ist es mit dir gekommen?« Das
-Fieber des Selbstbetruges legt sich; die Vernunft hat Zwischenstunden,
-kommt allmählich zu Kräften, und entwirft sich Gesetze, die der Mensch
-wenigstens im Durchschnitt erfüllt -- Ganz wird er nie aufhören
-Mensch zu seyn -- wie sollt' er auch eine ihm wildfremde Rolle völlig
-ausführen können? Bei den Fehlern des Alters erinnert er sich der
-Sünden der Jugend, sinkt, fällt, steht auf, und sieht am Ende ein, daß
-der Mensch nie zur Vollständigkeit gelangen kann; doch jaget er ihr
-nach, und versucht, ob er jenes Ziel erreichen werde, die Krone des
-Lebens. --
-
-Das Weib -- ist wie der Mann; es giebt hier keinen Unterschied: sie
-sind allzumal Menschen, und mangeln des Ruhmes, den sie haben sollten
--- -- Das Verhältniß der Geschlechter gegen einander? Allerdings der
-Hauptpunkt, worauf es bei dieser ganzen Abschweifung ankam! Der gerade
-Gang aller kleinen und großen Gesellschaften -- den ich aber aus mehr
-als Einer Ursache auch selbst nach den ersten Strichen nicht darstellen
-mag. _Adam_ und _Eva_ leben anfänglich im Stande der Unschuld; dann
-wird _Adam Eva's_ Untergebener, gehorsam bis zur Ausschweifung; bald
-darauf verwandelt er sich in ihren Gebieter, welches er lange bleibt,
-bis sie endlich beiderseits in Frieden, Einigkeit und Gleichheit mit
-einander leben, und zu jenem Stande der Unschuld, wiewohl mit weit
-mehr Einsicht und weit mehr Glückseligkeit, zurückkehren. Genug --
-auch dieser Handzeichnung vom Verhältnisse der Geschlechter will ich
-weder Farben geben, noch sie vollenden -- Ein jeder wird an diesen
-Strichen sich selbst kennen, und _durch_ diese Selbstkenntniß den
-Gang der Menschenwelt und der beiden Geschlechter -- Möchte doch auch
-in Hinsicht des Geschlechterverhältnisses Eine Heerde und Ein Hirt
-werden! -- Doch, dieser Wunsch ist im dritten Kapitel zu früh; wer
-wird sich selbst in den Kauf fallen --? wer sich vor dem fünften Akt
-verheirathen? --
-
-
-
-
-IV.
-
-NÄHERE ANGABEN, WOHER DIE ÜBERLEGENHEIT DES MANNES ÜBER DIE FRAU
-ENTSTANDEN IST.
-
-BETREFFEN NEUERE ZEIT.
-
-
-Das Schwert gab dem männlichen Geschlechte Machtvortheile über das
-weibliche; aber dem natürlichen Maße von Leibes- und Seelenkräften
-konnte es eben so wenig eine Handbreit zusetzen, als der Nichtbesitz
-der Waffen dem weiblichen Geschlecht eine Handbreit zu nehmen im Stande
-war, wenn gleich nicht geleugnet werden kann, daß dieser Nichtbesitz
-Furchtsamkeit, Mißtrauen in Kräfte, welche die Weiber nicht kannten,
-zur Folge hatte. Als die Griechen und Römer in ihren Kriegen mit den
-Indiern der Elephanten ansichtig wurden, erschraken sie über diese
-Kolossen, und der Muth entfiel ihnen; doch, er nahm wieder zu, als sie
-diesen Kriegespopanz mehr kennen und verachten gelernt hatten. Sie
-überzeugten sich, wie wenig diese unbehülflichen Massen der Gewandtheit
-eines geübten Kriegsheeres die Wage halten könnten; und ob sie gleich
-hierdurch keinen wesentlichen Zuwachs an Kräften erhielten, so ward
-doch durch diese Erfahrung das Zutrauen auf ihre Kräfte vergrößert. Es
-hatte mit diesem Zutrauen eben die Bewandniß, wie mit dem Credit der
-Kaufleute, wodurch sie reicher als durch Schätze sind. In der That,
-wir haben an körperlichen Kräften und an den Resultaten derselben,
-Muth und Tapferkeit, gegen unsere Väter so wenig gewonnen, daß wir
-es wohl weislich bleiben lassen müssen, in ihren Rüstungen und mit
-ihren Waffen zu fechten; würden sie aber, mit aller jener körperlichen
-Überlegenheit, mit allem jenem Muth und jener Tapferkeit, nicht gegen
-die erste beste unserer Armeen das Feld räumen müssen? Wir haben
-uns durch Glück und Kunst solcher Kräfte bemächtigt, gegen die sie
-nicht zu stehen vermögen. Verstärken aber alle diese Dinge unsere
-Leibeskräfte und unsere Geistesvorzüge? sind wir dadurch wesentlich
-mächtiger und tapferer geworden, als unsere Vorfahren? Haben wir auf
-diesem Wege ein Recht erlangt, sie unter uns zu erniedrigen, sie zu
-entwürdigen und zurückzusetzen? -- Gerade so, und nicht anders, verhält
-es sich mit unsern Anmaßungen gegen das weibliche Geschlecht. Dadurch,
-daß die Gesellschaften nach und nach dauerhafter und fester wurden;
-dadurch, daß sie gewisse Formen erhielten, vermittelst deren, sie
-äußerlich sich immer ähnlicher wurden; dadurch, daß man in diese Formen
-allmählich mehr Verhältniß zur Masse brachte; kurz, dadurch, daß die
-bürgerlichen Gesellschaften ihre gegenwärtige Gestalt erhielten, ward
-den Weiberrechten nicht im mindesten gefrommt. Diese ursprünglichen
-Rechte waren einmal verloren gegangen, und es blieb dabei, daß man
-Weiber mit zum Hausgeräthe des Oberhauptes der Familie rechnete, womit
-mancher nothdürftig, mancher überflüssig versehen war; sie hatten
-nur noch Werth für ihn, in so fern sie dazu dienten, durch klugen
-Austausch seine Habe zu erweitern und sein Inventarium zu vergrößern.
-Die Menschen wurden Bürger; allein sie fingen ihre Bürgerschaft nicht
-damit an, diesen ihren bürgerlichen Verfassungen Ordnung, Dauer und
-Regelmäßigkeit beizulegen. Noch jetzt lernt, man in der Gesellschaft
-gesellig seyn, und nichts läßt sich so wenig theoretisch begreifen, als
-diese Kunst. Die ersten Gesellschaften dehnten sich bloß durch Gewalt
-der Waffen über andere aus, und gaben sich Mühe, ihre freien Nachbarn
-nicht zu ihren Mitbürgern und Freunden, sondern zu ihren Sklaven zu
-machen. So entsprang, erweiterte und bildete sich der Römische Staat;
-und daß dies der Uranfang aller großen bürgerlichen Gesellschaften
-war, bezeuget die Geschichte vom finstern Anfange bis zum angeblich
-lichten Ende. Immer hatte man Waffen in den Händen, man mochte seinen
-Freunden und seinen Feinden Gesetze vorschreiben, man mochte über
-Anordnungen zum Besten des Staates rathschlagen, oder über Bürgerrechte
-entscheiden. So waren und blieben die Männer in Rücksicht ihrer Weiber
-in Machtvortheilen, und ließen ihnen Gnade für Recht widerfahren,
-wenn sie ihnen einige Brosamen von ihrem Überflusse zuwarfen; das
-heißt: wenn sie ihnen einige Vortheile vor den Sklaven zugestanden.
-Indeß fanden es die Griechen, und vorzüglich die Römer, billiger oder
-(besser) politischer, das weibliche Geschlecht in die Staats- und
-Gesetzordnung mit einzuschließen. -- Wie es der Orient mit den Weibern
-gehalten hat, ist außer dem, was der Jüdische Gesetzgeber in Rücksicht
-ihrer anordnet, nicht bis auf unsere Zeiten gekommen; doch scheint
-ihr ehemaliger Zustand in diesem Vaterlande des Despotismus und der
-Vielweiberei vor dem jetzigen sich nicht ausgezeichnet zu haben, da
-_Asien_ und _Afrika_, seitdem die Griechen und Römer daselbst bekannt
-wurden, in der Cultur eher zurück- als vorgeschritten sind. -- Der
-Mensch ist zur Freiheit geboren; sie ist die Sonne, deren Einfluß
-Alles hervorbringt. -- Da, wo Freiheit unterdrückt wird, kann nichts,
-was menschlich ist und heißt, zu Kräften kommen. -- Dort ist noch
-die Ehe, dieser wichtigste und heiligste Vertrag im Staate, nichts
-mehr und nichts weniger, als ein Kauf- und Tauschhandel; Weiber sind
-eine Waare des Luxus, weil der _Zenana_ (Harem) einen wesentlichen
-Theil eines Indischen Pallastes ausmacht, und die Stelle derjenigen
-Örter vertritt, wo der Europäer seine Prachtliebe zur Schau trägt.
-Anstatt Meisterstücke der Mahlerei und Bildhauerkunst aufzustellen,
-anstatt die Natur durch die Kunst zu verschleiern, stellt man sie
-nackt und bloß dar; und anstatt in einen Tempel des Geschmackes zu
-führen, führt man in ein B--. Die Weiber sind dem Indier Gegenstand und
-Werkzeug des Vergnügens und Zeitvertreibes; und seht da den höchsten
-Gipfel des weiblichen Werthes! Liebe kennt er nicht; denn diese kann
-in Hinsicht des Geschlechtes sich durchaus nicht so theilen. --
-Thierisches Bedürfniß ist das Heiligthum seines Altars der Liebe, und
-verschwenderische Üppigkeit das Ziel seiner häuslichen Glückseligkeit.
--- O des in Armuth reichen Menschenthiers!
-
-Was indeß Griechen und Römer dem weiblichen Geschlechte durch ihre
-Gesetzgebung an bürgerlichen Rechten zugestanden, war nur ein sehr
-dürftiger Theil desjenigen, was ihnen von Naturwegen eignete und
-gebührte, und was ihnen sonach weder durch Feuer noch durch Schwert,
-weder durch gute noch durch böse Gerichte genommen werden konnte.
-Wahrlich ein Raub von besonderer Art, wobei man nicht nur den
-Leib, sondern auch die Seele entwendet, und den sich besonders die
-weltberühmten rechtlichen Römer zu Schulden kommen ließen! Kann man
-überhaupt zu einem Rechte Zutrauen fassen, das sich nicht grämte,
-nicht schämte zu behaupten: die Sklaven wären für nichts zu halten,
-(_servi pro nullis habentur L. 32 D. de Reg. Jur._) und welches den
-an sich so schädlichen als drolligen Einfall geltend machte, es gäbe
-Menschen, die nur den Werth von Sachen hätten? Durch diese gerichtliche
-Taxe verlor die ganze Menschheit; und so lange man den Sklaven Bild
-und Überschrift von Menschen nicht zu nehmen vermag -- wer wird
-mehr entehrt, sie oder ihre Herren? Was nun besonders die unerhörte
-Unerkenntlichkeit der Römer betrifft, die durch das andere Geschlecht
-zu Menschen gemacht, die durch die Sabinischen Jungfrauen erzogen
-waren -- und die ohne Zweifel jene Spuren der Menschlichkeit, die sie
-von ihren Gouvernantinnen lernten, in alles Römische brachten, um ihm
-den bitteren Geschmack der Rohheit zu benehmen -- wer kann dieser
-_Römischen Unerkenntlichkeit_ sich ohne Mißmuth zurück erinnern? Welch
-eine demüthigende Ehre, die man den Weibern erwies, sie auf immer unter
-Vormundschaft zu setzen, ihren bürgerlichen Handlungen die bürgerlichen
-Folgen zu entziehen, und sie durch eine feierliche Sanktion zu Schatten
-der Männer im Staate zu machen! Alle Gesetze in Hinsicht des andern
-Geschlechtes scheinen in Donner und Blitz gegeben zu seyn; wenn sie
-gleich sich das gesetzliche Ansehen (das pedantischste von allen)
-geben, den Evangelienton anzunehmen, sieht man, so bald man ihnen näher
-tritt, doch so viel Donner -- und Blitz -- Gesetzlichkeit in ihrem
-Evangelio, daß man sich sogleich überzeugt, kein Frauenzimmer habe hier
-mit votirt. --
-
-Die höchste Beleidigung ist, zu erklären, daß man durch Jemanden nicht
-beleidigt werden _könne_; und durch das Privilegium, nicht Unrecht thun
-zu _können_, hat man die damit Privilegirten in keine vorteilhaftere
-Sicherheit gestellt, als die Blödsinnigen. Weibliche Personen vom
-tiefsten Sittenverderbniß wollen geschmeichelt seyn, daß sie äußerlich
-die Tugend ehren, die ihr Geschlecht am meisten ziert; und wie? die
-Gesetze selbst berauben das ganze Geschlecht alles Nervs, alles Muthes
-die Freiheit zu lieben, aller Vernunft den Despotismus nicht zu
-fürchten? wie? man erniedrigt ein ganzes Geschlecht zur Sklavenklasse,
-aus dessen Mitte man mehrere, und bei weitem nicht die vorzüglichsten,
-anbetet und als Göttinnen in den Himmel versetzt?
-
-Ist es zu leugnen, daß die Römische Gesetzgebung, und die Adoption
-derselben in Deutschland, dem weiblichen Geschlechte jene _odiösen_
-Privilegia im höchsten Grade zuwandte und ihm den schlechtesten Dienst
-erwies, den man ihm je erweisen konnte? Beide Regeln, welche von
-der gesetzlichen Annahme an Kindes- oder Enkelstatt unzertrennlich
-waren, (nehmlich daß die Adoption die Natur nachahme, und daß sie
-bloß zum Nothhelfer für die erfunden sei, die weder leibliche Kinder,
-noch Hoffnung und Aussicht dazu hatten) fand zwar bei dieser Adoption
-des Römischen Rechtes nicht Statt. Da indeß von _Rom_ aus, und durch
-die Römer, sich Künste, Wissenschaften und Sitten in Norden und
-Westen verbreiteten, so wie unsere ganze hochlöbliche Cultur noch
-gegenwärtig Römisches Vaterland verräth; so trägt besonders unsere
-Staats- und bürgerliche Verfassung, und vor andern unser bürgerliches
-Recht, noch Namen und Gepräge der Römer an Stirn und Brust, seitdem
-der _Justinianische Gesetz- und Rechts-Codex_ zu _Amalfi_ wieder
-aufgefunden ward. Auch das _von Carmersche Neue Testament_ beziehet
-sich auf jenes Römische Sinai des Alten, und ist weniger Schöpfung
-als bessere Einrichtung -- Nur noch wenige Züge, eh' ich dieses Feld
-verlasse -- Jene Rechts-Peinlichkeit in Rücksicht der Hermaphroditen
-würde bloß lächerlich seyn, wenn der Geschlechtsstand des männlichen
-vom weiblichen Geschlechte nicht so außerordentlich verschieden wäre
--- Das Gefühl, Manns- und Weibspersonen würden einerlei Rechte zu
-genießen haben, wenn es auf die Entscheidung der Natur ankäme, brachte
-die Gesetzgeber, und noch mehr ihre Jünger und Prophetenknaben, in eine
-nicht geringe Verlegenheit; und da Ausnahmen nicht vermuthet, sondern
-bewiesen werden müssen, so deutete man (o, der Gerechtigkeitsliebe!)
-_ein Gesetz, wobei die Weibspersonen nicht ausgenommen waren_, auf
-_beide Geschlechter_, und die Weiber hatten die Ehre, die Worte: (_si
-quis_) _wenn Jemand_, auch sich zuzueignen und -- welch ein Vorzug!
--- auch _ein Jemand_ zu seyn. Ein großes Glück, daß man sie nicht
-zum _Niemand_ verstieß. Es ist unerklärbar, wie man auch nur auf den
-Gedanken hat fallen können, daß nicht etwa bloß dem männlichen, sondern
-auch dem weiblichen Geschlechte, nach Römischen Grundsätzen, Vortheile
-zugetheilt wären! Ich finde deren keinen von letzterer Art; vielmehr
-scheinen mir die so genannten Weiber-Vortheile geheime Wunden und
-Meuchelstiche zu seyn, die noch mehr schaden, als wenn das Gesetz sich
-öffentlich wider die Weiber erklärt hätte. Was bedürfen wir weiteres
-Zeugnisses, als daß die Frauenspersonen auf kein öffentliches Amt
-Anspruch haben; daß sie (Mutter und Großmutter ausgenommen) nicht
-Vormünderinnen werden können; daß sie in Fällen, wo die Gesetze, der
-Feierlichkeit des Geschäftes halben, mehr als zwei Zeugen verlangen,
-nicht als Zeuginnen zuzulassen, mithin nicht als Zeugen bei Testamenten
-brauchbar sind, und daß noch Zank und Streit unter den Gelehrten
-obwaltet, ob und in wie weit ihnen diese Zeugenehre bei Codicillen zu
-bewilligen sei; daß sie an den Rechten der Römischen väterlichen Gewalt
-(sie war, so wie überhaupt, so besonders in Hinsicht des Vermögens
-der Kinder vorzüglich) keinen Antheil haben; daß man sie zur wahren
-Adoption unfähig erklärt, weil hier die väterliche Gewalt sich in ihrer
-rechtlichen Würde zeigt! -- Wahrlich, nach diesen Beraubungen wird man
-auf die angeblichen Vortheile neugierig seyn, wodurch die Römischen
-Gesetze das andere Geschlecht zu entschädigen die Güte gehabt;
-und sehet da! die Unwissenheit der Rechte kann den Weibern nicht
-zugerechnet werden, wenn sie sich dieses elenden Einwandes in Fällen
-bedienen, um sich durch einen Blitzableiter wegen des Schadens und
-der Strafe zu sichern. Sie können nicht aus einer Bürgschaft belangt
-werden -- und kurz und gut, sie haben das Recht, alte Kinder zu bleiben
-bis an ihr seliges Ende. -- Der Claudianische Rathsschluß war so
-gnädig festzusetzen, daß, wenn eine freie Frauensperson einen Sklaven
-_actualiter_ für einen Menschen anerkannte und sich mit ihm zu weit
-einließ, sie dem Herrn desselben, falls er ihr in der heiligen Zahl
-Drei diesen Umgang untersagt hatte, als Sklavin zugesprochen werden
-mußte, so bald dieser Herr darauf antrug. So fiel sie, und -- wohl
-zu merken -- auch ihr ganzes Vermögen, diesem so wohlmeinenden Herrn
-anheim, der die große Mühe gehabt hatte, sie dreimal zu warnen! --
-_Justinian_ hob diese Härte, als seiner Zeiten unwürdig, auf; und noch
-schüttelt man den Kopf, unentschlossen, ob dies ein Lob- und Dankopfer,
-oder ein Vorwurf in Hinsicht seiner goldenen Rechtszeit sei.
-
-Bei diesen und andern Umständen hat man nicht etwa bloß dem Geiste der
-Römischen Gesetzgebung, sondern auch ihren Cruditäten das Bürgerrecht
-verstattet, und zu ihrer Aufnahme die Thore weit und die Thüren hoch
-gemacht; während die Franken, Sachsen und andere Bewohner Deutschlands,
-nach ihrer Weise und nach Deutscher Art und Kunst, in der Cultur
-fortschritten. Die Handlungsweise und die Sitten erhielten zwar eine
-andere, aber doch keine Römische Gestalt; vielmehr machte die Eigenheit
-des Volks-Charakters einen sehr wesentlichen Unterschied bemerkbar:
-indeß wurden Deutsche Handlungen doch mit Römischen Schneiderscheeren
-verschnitten -- Aus einem Paradiese und kühnen Naturgarten wurde
-kleinliche Holländische Künstelei. -- _Demosthenes_ hält es beinahe
-für ein Gesetz des Schicksals, daß immer die besten Menschen die
-ungezogensten Kinder hätten; und in Rom und Griechenland war es zum
-Sprichwort geworden, daß die Söhne der Helden selten ihren Vätern
-ähnlich wären. Ganz anders mit den Staatsgesetzen, deren Erziehung
-fast nie fehl schlägt -- Wenn Mitglieder des Staates von ihren
-Rechten und Pflichten richtige Begriffe haben und gern denselben
-gemäß handeln, so sind sie sicher aufgeklärter, als wenn sie der
-Wissenschaften Menge besitzen, die zur bürgerlichen Glückseligkeit
-nichts Wesentliches beitragen, die den Schein haben und die Kraft
-verleugnen. Wie betrübt war das Schicksal der Deutschen bei Römischen
-Gesetzen! Diese Gesetze wurden dem National-Charakter der Deutschen
-und ihren väterlichen Sitten auf keine Weise anpassend gemacht.
-Man fiel nicht darauf, Gesetze und Sitten so viel als möglich in
-Übereinstimmung zu bringen, nicht, wo weder Sitten noch Gesetze eine
-Umformung annehmen wollten, diese zu verwerfen, und für jene eine Regel
-zu erfinden: man nahm es sich vielmehr mit patriotischer Freiheit
-heraus, das Römische Gesetzbuch, wie die _Säulen des Herkules_, als
-Gränze anzusehen, über welche hinaus sich kein Ruhepunkt für den
-menschlichen Verstand denken ließe; man ahndete nicht einmal, daß
-das, was im Römischen Staate und für Römer gerecht und weise war, in
-Deutschland und für Deutsche sehr unweise und ungerecht seyn könnte
--- Der unverfeinerte Geist der Deutschen Sitten hing mehr an einer
-tugendhaften schlichten Denkungsart, als an gewissen durch Convenienz
-so oder so bestimmten Wörtern; und die Deutschen hätten von hundert
-Arten der Lust nicht gewußt, wenn das Römische Gesetz (dessen um sich
-greifende Alleinherrschaft man nur allmählich und nothdürftig durch
-Spiegel und Weichbilde und Willkühre beschränkte) nicht gesagt hätte:
-_Laß dich nicht gelüsten_. Kann man nicht Laster verbreiten, wenn man
-sie gleich mit wahren Farben zeichnet? Giebt es nicht Sünden, die
-nicht anders als mit Gefahr der Verführung zu entschleiern sind? und
-wenn es dem Dichter schwer ist, treue Gemählde der Sitten zu liefern,
-ohne den sittlichen Anstand zu verletzen -- mit welcher Weisheit muß
-der Gesetzgeber verfahren, um nicht mehr zu verderben als zu bessern?
-Kann der Dichter wenigstens jetzt -- und hatten die Alten so ganz ein
-Recht, sich von dieser Weise auszunehmen? -- viele Dinge nach der
-Natur mahlen? oder muß er nicht vielmehr seine Gemählde unter einer
-conventionellen Maske, und mithin um vieles sittlicher als die Menschen
-_pro tempore_ sind, anlegen und halten? und der Gesetzgeber, so ein
-Prosaist er auch sonst ist -- muß er nicht eben den Weg wandeln,
-wenn er nicht mehr Schaden als Nutzen stiften will? Die Menge der
-Römischen Gesetze würde vielleicht mehr abgeschreckt haben; indeß
-brachte das System, wonach sie gezimmert waren, (das nicht bloß die
-Rechtsgelehrten, sondern, wohl zu merken, auch der Bürger, studieren
-mußte, wenn er nicht alle Augenblicke an einer Fiktion und einer
-Feinheit oder deß etwas sich Kopf und Herz stoßen wollte) die Römische
-Gesetzkunst in Umlauf. Der größte Haufe lernte sie halb kennen, und
-eben diese Halbkenntniß erwarb ihr, nach wohlhergebrachter Gewohnheit,
-eine fast mystische Verehrung, so daß alles vor dem Römischen Rechte
-die Kniee beugte, und ihm huldigte. -- Und wer mag denn auch leugnen,
-daß es einen Schatz von Kenntniß und Weisheit enthält? und daß, da
-Spitzfindigkeiten und Distinktionen für den größten Theil der Köpfe
-etwas sehr Hinreißendes behaupten, es besonders zur damaligen Zeit sehr
-natürlich zuging, wenn ihm so reichlich Jünger und Anhänger zufielen?
-ob es gleich den Britten nie leid gethan hat, und zu thun scheint,
-dieser Rechtsfahne nicht geschworen zu haben. Warum mehr Ausholung? --
-Das unrömische Deutsche Weib kam unter das Römische Gesetz, und die
-Deutschen Männer verwickelten sich selbst in das Garn, womit sie Weiber
-zu fangen gedachten. Zu wenig hat die Geschichte uns von unsern in Gott
-ruhenden Ahnherren hinterlassen, denen es überhaupt mehr darum zu thun
-war, Thaten der Nachwelt würdig zu thun, als sie aufzuzeichnen und
-aufzubehalten. Das, was Freund und Nachbar _Tacitus_ von ihren Sitten
-und Gebräuchen überliefert, ist bei weitem nicht hinreichend, um uns
-von ihrer Haus- und bürgerlichen Verfassung einen ganz richtigen, am
-wenigsten einen vollständigen, Begriff zu machen. Nach ihm, wurde
-bei den Deutschen, bei denen Sitten weit mehr als in Rom Gesetze
-vermochten, (denn so, denk' ich, will _Tacitus_ übersetzt seyn) der
-Ehebruch mit dem Tode bestraft; und bedarf es größerer Beweise, daß
-die Ehen den Deutschen nicht gleichgültig waren? Sie wachten über
-ein Geschäft, wobei der Staat so sehr interessirt ist, daß jede
-Vernachlässigung sich über kurz oder lang unmittelbar am Staate rächt,
-mit vieler Eifersucht und Strenge, so, daß auf Vergehungen dieser Art
-(die unter einem Himmelsstriche wie der ihrige, bei einer einfachen
-frugalen Lebensart und bei der Unbekanntschaft mit Müßiggang und dem
-Wohlleben, den Gefährten des Luxus, in der Regel sich nur sparsam
-ereignen konnten) dennoch eine so harte Strafe gesetzt wurde.
-
-Der Einfluß der Deutschen Weiber in Staatsgeschäfte war wichtig,
-indem sie aus ihren Mitteln Priesterinnen gaben, die, außer
-ihren gottesdienstlichen Verrichtungen, einen großen Einfluß in
-Staatsverhandlungen behaupteten, ihre Berathschlagungen lenkten und
-ihren Kriegern in Schlachten Verachtung der Gefahr, Liebe für das
-Vaterland, und Muth gegen ihre Feinde einhauchten. Weiber waren ihren
-Männern nicht, wie große Staatsdiener ihren noch größeren Fürsten,
-_rechte_ oder _linke Hand_, sondern Herz und Seele. Die Geschichte
-hat uns noch einen berühmten Namen, _Vellede_, aufbehalten. Ob sie
-übrigens als aktive Bürgerinnen an den Volksversammlungen Theil
-nahmen; ob sie mit den Männern überall gleiche Rechte genossen: das
-ist eine Frage, welche die Geschichte unbeantwortet läßt; indeß ist zu
-vermuthen, daß auch bei unsern Vätern die Weiber jene Rollen mehr aus
-Connivenz, als kraft einer förmlichen Berechtigung spielten, indem ein
-so wichtiger Umstand, der bei allen übrigen damals bekannten Völkern
-so sehr außer der Regel war, gewiß der Nachwelt wäre überliefert
-worden. Die Eheunlust, worüber Gesetzgeber und Politiker von je her so
-manchen Stab Wehe brachen -- entstand sie nicht aus der Verachtung,
-welcher das andere Geschlecht ausgesetzt war? Scheint es nicht eine
-Art von Degradation seiner selbst, ein Frauenzimmer zu ehelichen, das
-im Grunde so ohne alle Bedeutung ist? besonders wenn man überlästige
-Schwiegermütter und Basen als Beilagen _sub Ecce_ und _Vide_ erhält!
-Man lasse das Mädchen seyn wie unser Einer, und gewiß wird ein
-ehelustiger Jüngling weniger Bedenken finden, mit ihr zu ziehen; und
-werden Basen und Schwiegermütter bei der Geschlechtsverbesserung noch
-Zeit behalten, sich als _Beilagen sub Ecce und Vide_ brauchen zu
-lassen? --
-
-Wenn es wahr ist, daß durch den Müßiggang eines Bürgers im Staate ein
-anderer doppelt arbeiten muß, um die Faulheit von jenem zu übertragen
-und Alles ins Gleichgewicht zu bringen; so bestätiget sich diese
-Bemerkung noch weit mehr durch die Vielweiberei, die Quelle, wodurch
-zwar das _andere_ Geschlecht außerordentlich von seiner Würde verloren,
-die indeß auch dem _männlichen_, und sonach dem _ganzen_ menschlichen
-Geschlechte, einen unglaublichen Nachtheil zugezogen hat. Nicht bloß
-Vater und Mutter, sondern auch die Kinder sind verdorben; der Vater
-kommt mit seiner Liebe zu den Kinden ins Gedränge: er liebt sie nicht
-als seine Kinder, sondern in so weit dieses oder jenes das Kind dieser
-oder jener Mutter ist! -- Der Mißbrauch ist eine ansteckende Krankheit,
-die Alles angreift und vergiftet, was ihr zu nahe kommt -- Es ist eine
-so feine als richtige Bemerkung: daß die Vielweiberei geradehin zu
-einer unnatürlichen Liebe führt, so wie Aberglaube zur Atheisterey,
-Verschwendung zum Geitze. -- Doch, diese Abschweifung sollte bloß den
-Weg zu der Bemerkung bahnen, daß, so wie dem andern Geschlechte von den
-Männern begegnet wird, die Männer sich von den Regenten begegnen lassen
--- Die Sklaverei, wenn sie auch nur im Kleinen, in einer einzigen
-Beziehung, geduldet und geübt wird, macht über kurz oder lang alles zu
-Sklaven. Bei einer gelinden, gemäßigten, eingeschränkten Regierung galt
-das Frauenzimmer von jeher mehr, als in despotischen Staaten, wo die
-Sklaverei der Weiber politisch nothwendig ist. Den Weibern ist ohne
-Zweifel jene Gelindigkeit, Mäßigung und Einschränkung in der Regierung
-zu danken -- Wo sie zum Worte kommen, stimmt sich Alles zur erlaubten
-bürgerlichen Freiheit; zur erlaubten, sag' ich, und füge hinzu, daß die
-Weiber zur despotischen Herrschaft von Seelen- und Körperswegen nicht
-aufgelegt sind -- Zeigen sie Spuren vom Gegentheil, so waren Männer
-ihre Verführer. Der fromme _Haller_ sagt:
-
- _was Böses ist geschehn, das nicht ein Priester that?_
-
-und ist Priester nicht ein Erzmann? ein Mann aus höherem Chor? Man
-sagt, im Orient mache das Klima es nothwendig, daß die Weiber in
-Festungen eingeschlossen werden, und der Zwang der Harems verbessere
-ihre Sitten. Lieber! kann der Zwang Sitten verbessern, wenn du ihn dir
-nicht selbst durch Grundsätze anlegst? oder ist die Tugend, die nicht
-nur einer Schildwache, sondern einer ganzen Festung bedarf, so vieler
-Umstände werth? Was muntert mehr zur Ehe auf: -- Hagestolzenstrafen --
-Vaterprivilegien? oder eine tugendhafte Frau, die bischöflich nur Eines
-Mannes Weib ist, und dies ihr Licht leuchten läßt vor den Leuten, daß
-sie ihre guten Werke sehen? --
-
-Welch ein Umgang ist reitzender, als unter Freunden und Freundinnen!
--- _Freundschaft_ kann freilich unter Einem Geschlecht existiren;
-allein _Umgang_ nicht. -- Freundschaft, ächte Freundschaft ist eine
-Schaumünze, die man nur im höchsten Nothfall angreift; Umgang ist
-Ausgabegeld, für das wir tägliches Brot kaufen: und was wären wir ohne
-ihn? Wie viele Menschen, die zu jener hohen Stimmung der Freundschaft
-keinen Beruf empfingen, würden ohne Umgang lebendig todt seyn! Die
-Freundschaft bittet nicht, sie fordert; sie borgt nicht, auch wenn ihr
-Antrag noch so mächtig wäre, sie kassirt nur Schulden ein -- Freunde
-befinden sich in Gemeinschaft der Güter des Lebens; ihr Sinnbild ist,
-nach dem Ausspruche des _Aristoteles_: Eine Seele in zwei Körpern.
-Zu historischen Belägen mögen _Damon_ und _Pythias_, _Orestes_ und
-_Pylades_ dienen, deren Freundschaft stärker als Leben und Tod war.
--- Ein Alter hielt _den_ schon für äußerst glücklich, der nur _einen
-Schatten_ von einem Freunde angetroffen hätte. Der Umgang, wenn
-beide Geschlechter daran Theil nehmen, ist ein dergleichen Reich der
-Schatten, ein Elysium diesseits des Grabes -- und an dem Eingange
-stehen die Worte: hasse, als stände dir eine Zeit bevor, worin du die,
-welche du jetzt hassest, lieben wirst; liebe die Menschen, als wenn
-du dich nicht würdest entbrechen können, sie einmal zu hassen -- Ein
-Fingerzeig, der ein Hochverrath am Tempel der Freundschaft seyn würde;
-doch Freundschaft hat keinen Tempel, selbst nicht eine Kapelle von
-Menschenhänden gemacht: das Herz ist ihr Heiligthum. Noch oft wird mich
-das selige Wort _Freundschaft_ entzücken. -- Verzeihe, lieber _**s_,
-daß ich hier abbreche; bald sehen wir uns wieder. -- -- --
-
-Die Herren Alten hatten den Weibern die Schnecke zum Sinnbilde
-ausersehen; allein durch sklavische Eingezogenheit verliert die
-Ehe von beiden Seiten, und die Männer ohne Zweifel am meisten. --
-Die Egyptischen Damen mußten mit bloßen Füßen ausgehen, damit sie
-einheimisch blieben; und wer erinnert sich nicht an die Geschichte
-jenes Weibes, das ein öffentliches, den Männern geheiligtes Haus
-vorbeigegangen war? -- Dieser unbeträchtliche Umstand veranlaßte
-eine Wallfahrt nach _Delphi_, um in heiliger Kürze und Einfalt zu
-erfahren, was dieser Vorgang bedeute? Wer wollte nicht lieber an der
-_Wirthstafel_, als bei _Lucullus_ vorlieb nehmen, wenn bei letzterem
-die Menge der Leckerbissen das Vergnügen des Umganges und einer
-gemischten Gesellschaft ersetzen sollte? -- Die Römische Sprache
-scheint zum Umgange mit Frauenzimmern, und zum Umgange überhaupt,
-wenig zu taugen, weil die Römer jenes Salz der Erde nicht kannten.
-Zwar hat jede Nation in ihre Sprache Spuren ihrer Lieblingstugenden
-und Lieblingssünden gedruckt: so kommen die technischen Benennungen
-des Seewesens aus dem Holländischen; die Soldatenworte aus dem
-Französischen, die Baukunst, die Mahlerei und Bildhauerkunst beweisen
-durch ihre Ausdrücke, daß Italien ihr Vaterland ist, und das Jagdwesen
-erkennet Deutschland für sein Revier: indeß scheinen alle neuere
-Sprachen, die Deutsche selbst nicht ausgenommen, durch den Umgang mit
-dem andern Geschlecht etwas Eigenthümliches erhalten zu haben, das der
-alten Welt gebrach. -- Wenn das ewige Feuer, welches die Vestalinnen
-unterhielten, dazu diente, Licht anzuzünden, wie ein allgemeiner
-Brunnen, Wasser zu schöpfen; so ist es ein schönes Bild von dem
-Dienste, den das schöne Geschlecht durch die Verfeinerung des Umganges
-der Welt erwiesen hat: Wir alle haben bei ihm Licht angezündet; -- und
-die Regel: »beherzige deinen Körper in der Einsamkeit, bilde deinen
-Geist in der Welt, deinen Willen durch das Gesetz, deinen Verstand
-durch Freiheit,« ist so richtig, wie irgend eine Regel es nur seyn
-kann. -- Weiber sind berufen, angegriffen zu werden und sich zu
-vertheidigen, und in beides eine so _feine Lebensart_ zu mischen, daß,
-wenn sie nicht die Ehre verdient _Schamhaftigkeit_ zu heißen, diese
-doch nicht ohne jene bestehen kann. Körperlicher Genuß, er sei von
-welcher Art er wolle, ist kurz, und dämpft jenes beglückende sanfte
-Feuer des Umganges eher, als daß er es dauerhaft machen sollte. -- --
-
-Auch das Recht, das die Männer sich bloß anmaßten, die Weiber verstoßen
-zu können, ohne es den letztern gleichfalls zuzubilligen, hat das
-andere Geschlecht entwürdiget. Warum ward dieses Verstoßungsrecht nicht
-wechselsweise und beiden Theilen verstattet? Das Weib würde sicher
-von diesem Rechte nur selten Gebrauch gemacht haben, da der größte
-Theil seiner Reitze, gleich Rosen, sehr bald dahin welkt, und da es,
-nach wenigen in den Armen eines _Adams_ verlebten Wochen, so unendlich
-viel minder gilt, wogegen sein _Adam_ unverwelklich bleibt. -- So
-bald Mann und Frau die Trennung nicht gemeinschaftlich wollten, (in
-welchem Fall' es Ehescheidung gewesen wäre) so hätte die Verstoßung
-als eine bloße Gewaltausübung eine unerhörte Sache seyn müssen. Aller
-dieser wunderbaren, das andere Geschlecht erniedrigenden Gesetze und
-Gewohnheiten ungeachtet, wußten sich doch wenigstens Einige desselben
-so auszuzeichnen, daß das ganze Geschlecht durch sie gewann; und es
-ist -- zum unsterblichen Lobe des schönen Geschlechtes sei es gesagt!
--- in Hinsicht seiner der Fall am öftesten gewesen, daß man nicht
-allgemein ein Recht ausübte, welches ein unnatürliches, ein hartes
-Gesetz einräumte. Von dieser Seite sind Gewohnheiten (_consuetudines_)
-das ehrwürdigste, das ich kenne; sie beweisen da, wo ihrer eine
-ungewöhnliche Anzahl vorhanden ist, nicht unrichtig jenen großen, edlen
-Menschendrang nach Recht, Billigkeit und Freiheit, und daß über die
-bürgerliche Einrichtung der Mensch nicht verloren ging -- Was hülf' es
-auch dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne und nähme Schaden an
-seiner Seele!
-
-Wie wär' es, wenn ich nach diesen Bemerkungen im Allgemeinen noch
-einmal dem Römischen Rechte ein Rauchopfer anzündete und den Grund
-der gesetzlichen Härte gegen das Frauenzimmer zu entwickeln suchte?
-Jede Sache hat innere Data, die, wenn man sie mit Einsicht und
-Bescheidenheit nutzt, die äußeren oft überwiegen; indeß hat es dem
-Römischen Rechte nie an Helfershelfern, Commentaroren, Epitomatoren
-und Auslegern gefehlt, und einem dieser gelehrten Herren gehört ohne
-Zweifel die Behauptung, daß die _Eifersucht_ der Ursprung der meisten
-weiblichen Rechte gewesen sei. Diese Behauptung indeß ist für mich
-so wenig überzeugend, wie der Glaube lebendig ist, daß _schuldige
-Verehrung_ und _Achtung_ hierzu den Grund gelegt haben. So entfernt
-ich bin, den zweizüngigen _Prokop_, der den _Upravda_ in seinen acht
-Geschichtsbüchern erhöhet und in seinen Anekdoten erniedrigt (recht als
-wenn Jemanden das im Testament mit Lob und Dank zugebilligte Legat,
-im Codicill mit Verachtung und Bitterkeit entzogen wird) nachzubeten,
-und überhaupt auf die Rechnung eines Gesetzsammlers und Gesetzgebers
-alle Fehler und Vorzüge eines zusammengebrachten Gesetzbuches zu
-schreiben; so ist doch _Justinian's_ Schwäche gegen seine Gemahlin
-_Theodora_ unleugbar, die weiland eine Komödiantin war, und der er
-nicht wenig Einfluß in die Regierungsgeschäfte ja, wenn man will, in
-das Allerheiligste derselben, die Gesetzgebung, einräumte. Warum gab
-_Justinian_ seinen Liebesgrillen nicht eine andere Richtung? Wie sehr
-übertraf ihn _Franz der Erste_, glorwürdigen Andenkens, der zuerst die
-Sitte begann, daß Damen an den Hof kamen, als wodurch das, was man
-_Hof_ nennt, eigentlich erschaffen ward! Ihnen zu Ehren wurden Bälle,
-Komödien und Turniere angestellt, und _Franz des Ersten_ herzbrechendes
-Sinnbild war ein Salamander in den Flammen, als ob er nicht anders
-als in der Liebesgluth leben könnte. Bei seinen Hofleuten warf er
-sich zum Werber und Ehebeförderer auf, und gern war er ein allezeit
-fertiger Fürsprecher bei ihren Schönen. Traf er ein verliebtes Paar, so
-verlangte er zu wissen, was es sich sagte, und mit Vergnügen, legte er
-ihrer Zunge von seinem Salamanderfeuer Geist und Flamme bei. Freilich
-war auch sein Gang kein Richtsteig; doch -- kam er der Sache nicht
-näher, als der gesetzgalante _Justinian_, der das größte Sibyllinische
-Buch, _die Welt_, dem schönen Geschlechte noch mehr verriegelte,
-wogegen _Franz I._ es ihm öffnete? -- Wie konnte man überhaupt von der
-damaligen Zeit, wo alle Gelehrsamkeit auf so schwachen Füßen stand oder
-ging, Helden- und Meisterzüge der Gesetzgebung erwarten?
-
-Es giebt, sagt man, nach der Verschiedenheit der weiblichen Rechte,
-auch verschiedene Beweggründe zu ihrer Bewilligung -- und in jedem
-Gesetz ist der Grund, weshalb es gegeben ward, am sichersten
-aufzusuchen. Zwar ist es nicht immer der, welchen die gesetzgebende
-Majestät anführt; indeß wird man über die Floskeln des angegebenen
-Grundes sich eben so leicht wegsetzen, als wir heut zu Tage wissen,
-wie wir uns mit dem _allgemeinen Besten_ und der _angestammten Huld
-und Gnade_ einzuverstehen haben. Schwäche des Geschlechtes ist zum
-Beispiel die Ursache, warum es keine Bürgschaft gültig übernehmen kann;
-und da diese Schwäche selbst nach den _eigenen Worten des Gesetzes_,
-nicht den Mangel an Überlegung andeutet: so scheint sie eher in
-jener Gutmüthigkeit zu bestehen, die zu Menschen-Wort und Verheißung
-nicht den Glauben verloren hat; und ist dieser _Glaube an Menschen_
-Schwäche? Ist er es, so kann es von ihm in That und Wahrheit heißen:
-wenn ich schwach bin, bin ich stark. Eine wohlgewählte Strafe für den
-Betrüger würde vielleicht weit wirksamer seyn, als der _Vellejanische
-Rathschluß_, da sie auch gutmüthige Männer aus der Verlegenheit zu
-ziehen im Stande wäre; und wenn Lügen, als die Wurzel alles Übels, mit
-der gehörigen Härte bestraft, oder auf eine sonst gute Manier aus der
-Welt verbannt würden -- welch ein Gewinnst! Das Kindergebären, das
-gemeiniglich zu den Hauptbeweisen der Schwäche gezählt wird, welche
-die Gesetze dem schönen Geschlecht außerordentlich hoch anzurechnen
-geruhen, legt geradezu ein Naturzeugniß seiner Stärke ab. Ich wünschte
-nicht, daß dieses Geschäft an unser Geschlecht käme. Wie sehr würde
-unser Heer von Stutzern, diese hybriden Geschöpfe, und wie noch mehr
-der Staat zu bedauern seyn! Welch ein _Minus_ würde sich schon im
-ersten Jahre an gebornen Kindern, und welch ein _Plus_ an gestorbenen
-Kindbettern finden --! Zählt die Tage beider Geschlechter, welche
-Krankheit zu heiligen erniedrigt; und ich wette, es wird in der Balanz
-_Credit_ und _Debet_ beider Geschlechter sich heben. --
-
-Auch die _Schamhaftigkeit_ wird als ein authentischer Grund der
-weiblichen Rechtsunterdrückung -- wohl zu merken, von den Gesetzen
-selbst! -- angeführt. Ein Grund, worüber sich die Schriftgelehrten
-schämen würden, wenn sie das könnten! Wegen der Schamhaftigkeit soll
-das schöne Geschlecht nicht Theil an gerichtlichen Handlungen nehmen?
-Wie gütig die Gesetze sind! als ob in den Gerichten die Schamhaftigkeit
-Gefahr liefe, oder gar aufgegeben würde! Was könnte denn hier zu
-unerlaubten Begierden verleiten und ein von diesen entferntes Herz
-dazu entflammen? Ehe _beide_ Geschlechter sich zu dieser Tugend
-entschließen, und sich von jedem verführerischen Worte Rechenschaft
-abfordern -- giebt es Schamhaftigkeit? -- und was gilt sie einseitig?
--- Die Schamhaftigkeit ist eine Tugend, die, wenn ich so sagen darf,
-_in der Ehe lebt_; wenn sie nicht von Männern und Weibern zugleich
-geübt wird, so artet sie in Ziererei und weibliche Taschenspielerkünste
-aus -- Und wie? ist den Reinen nicht alles rein? Eine Ehefrau kleidet
-eine edle Freimüthigkeit, ein unverstelltes Wesen, unendlich besser,
-als jene klösterliche Heuchelei. Mit ungewaschenen Händen essen,
-verunreinigt den Menschen nicht; und der Tugend sich mit seinem Munde
-nahen, sie mit seinen Lippen ehren und das Herz von ihr entfernen --
-ist das nicht ein Greuel?
-
-Macht man indeß mehr auf einen reinen Mund Anspruch, als auf ein reines
-Herz, so hat die Gesetzstelle gewonnen Spiel, welche (_L. I. § 5. D.
-de postulando_) behauptet, daß man die weibliche Schamhaftigkeit in
-Labyrinthe der Versuchung führen würde, wenn es dem schönen Geschlecht
-erlaubt werden sollte, sich in Rechtsangelegenheiten zu mischen. O,
-der überfeinen Besorgniß! Ist das Reich Gottes nicht in uns? Tugenden,
-die nie das Glück gehabt haben, in Versuchung zu kommen, sind, wie die
-Scheidemünze, von sehr verdächtigem Schrot und Korn, ob sie gleich
-gemeiniglich den Vorzug haben in Cours zu bleiben. -- Jenes Recht der
-Gegenwehr, kraft dessen wir allem widerstehen, was uns zu nahe zu
-treten versuchen will -- wenn es nie in Anwendung gebracht wird, setzt
-es nicht die Menschen über kurz oder lang aus aller Disciplin, so daß
-sie zuletzt von ihren eigenen Schatten in die Flucht geschlagen werden?
-Sind die schrecklichsten Schandthaten in der großen Welt oder in der
-Einsamkeit empfangen und geboren? oder will man dem schönen Geschlecht
-die Fähigkeit und das moralische Vermögen etwas zu thun oder zu lassen,
-zu Deutsch _das Recht_ genannt, in bester Form Rechtens aberkennen?
-Haben wir nicht bedacht, daß Recht aus der leidenden Verbindlichkeit
-entsteht, und daß kein Recht seyn würde, wenn keine Verbindlichkeit
-wäre? daß, wenn die Natur zu einem Zwecke durch ihr heiliges Gesetz
-verbindet, sie auch den Schlüssel und das Recht zu den Mitteln
-verliehen hat? Oder kann man ohne Mittel zum Zwecke gelangen? Stehet es
-nicht jedem frei, das zu thun, ohne was er seiner Verbindlichkeit nicht
-nachkommen oder sie nicht erfüllen könnte?
-
-Sehr consequent in Rücksicht Römischer Rechts-Grundsätze hat _Divus
-Justinianus_ (_Nov._ CXXXIV. _Cap._ IX.) angeordnet, daß kein
-Frauenzimmer gefänglich eingezogen werden solle. Auch wegen der größten
-Verbrechen will er sie nur mit dem Kloster bestrafen und sie bloß
-der Aufsicht anderer Weiber anvertrauen -- Wir indeß geben dieses
-Gesetz aus männlicher Machtvollkommenheit auf, ohne dem Geschlechte
-andere Römische Rechtswohlthaten zu erlassen. Wer sollte denken,
-daß man mit Wohlthaten so sehr ins Gedränge kommen, so geplagt und
-belästigt werden könnte! wer sollte denken, daß man dem mit Wohlthaten
-so überhäuften Römischen Frauenzimmer ehemals nicht gestattete, den
-Volksversammlungen beizuwohnen! daß man es der Ehre nicht würdigte,
-zum Volke zu gehören, und daß eben aus dieser Herabsetzung ihm der
-Vorzug erwuchs, mit Bestande Rechtens in den Rechten unerfahren zu
-seyn und sich mit dieser Gesetzunwissenheit, wie mit einem Orden, zu
-schmücken! -- Nicht nur unschädlich, sondern rühmlich, war ihm, diese
-Wohlthat der ewigen Kindheit, vermöge deren es im Reiche des _Saturnus_
-in einem immerwährenden Frühling lebte, schwebte und war -- Es
-verschenkte alles das Seinige, um von Almosen zu leben; es vertauschte
-Gold gegen Flittern, Schaumünzen gegen blanke Rechenpfennige. Doch
-alles ist kein Vergleich gegen den Tausch des Rechtes gegen Güte
--- der männlichen Worte: _ich fordere_, gegen die weiblichen: _ich
-bitte_. Wie konnte man aber auch einer, in der gesetzlichen Herrschaft
-des Eheherrn befindlichen Gattin, einer der Gewalt eines Andern
-untergeordneten Sklavin, mehr als Gnade und Wohlthaten erweisen?
-Nicht sie, sondern ihr Mann hatte Kinder -- Auf ihre Familie hatte
-sie Verzicht gethan, um zu ihres Herrn Familie einzugehen -- Schon
-längst hatte man verlernt, daß die Ehe eine gleiche Gesellschaft sei,
-daß die Herrschaft im Ehestande eine beiderseitige Herrschaft der
-Eheleute neben einander bleibe, und daß der Mann sie sich nur durch
-einen _ausdrücklichen_ Vertrag zueignen könne? »Nicht auch durch einen
-_stillschweigenden_?« Ach freilich! hätt' ich doch diese stumme Sünde
-beinahe vergessen. Die Geschichte gedenkt eines naseweisen Knaben,
-_Papirius_, im Besten, weil er, seine Mutter zu betrügen, schon in
-frühen Jahren reif genug befunden war. Er begleitete, nach damaliger
-Sitte, seinen Vater, wenn Se. wohlweise Gestrengigkeit auf das Rathhaus
-ging; und da seine Mutter die Debatten des Tages vom _Papirius_ zu
-wissen verlangte, so schob er ihr eine baare Unwahrheit unter. »Es
-wäre, sagte er, die Frage zur Motion gediehen: Ob es besser sei, daß
-ein Mann zwei Weiber, oder ein Weib zwei Männer habe.« -- -- Welch
-eine Erniedrigung, daß eine Mutter bei einem Knaben, und, was noch
-mehr sagen will, bei ihrem leiblichen Sohne, nach den Dekreten einer
-obrigkeitlichen Sitzung forschen muß! und welch eine Übertretung des
-vierten Gebotes, daß ein Sohn seine Mutter durch eine Unwahrheit
-vorsetzlich zu einem weiblichen Auflauf bei der National-Versammlung
-mißleiten konnte, der sich entschloß, (ohne Zweifel in besserer Form
-und Ordnung als die Parisischen Fischweiber) wider das vermeintliche
-Dekret, daß ein Mann zwei Weiber haben könne, zu protestiren. Es heißt,
-_Papirius_ habe von Stund' an, und nach diesem _examine rigoroso_
-ein Patent als ordentlicher Beisitzer des hohen Rathes erhalten, und
-dagegen sei allen übrigen Auscultatoren und Referendarien der Zutritt
-zu den Raths-Sessionen untersagt worden! Freilich verdienten solche
-altkluge, auf Treibhäusern gezogene Kenntnisse des _Papirius_, und ein
-so stattlicher Mutterbetrug, Aufmunterung und Belohnung! -- Sollten
-indeß alle jene so übermäßige Wohlthaten nicht unter Einen Hut zu
-bringen seyn? Wir können in Ansehung dessen, was in anderen Fällen
-geschieht, wo nicht schon sicher wissen, so doch mit Zuverlässigkeit
-vermuthen, mit was für einem Maße der Einsicht in den Grund der Sache,
-aus welchen öffentlichen und geheimen Artikeln von Anreitzungen,
-Absichten und Nebenabsichten, für die Beibehaltung des Alten geeifert
-wird. Wenn mich nicht alles trügt, so hat die _Furcht_ der Männer,
-durch die Weiber _unterjocht zu werden_, die ersteren zu jener
-Überhäufung mit Wohlthaten gebracht. Nach Art der Hofleute, die kein
-moralisches Aequinoctium annehmen, wo Gutes und Böses sich die Wage
-hält, scheinen die Männer, die schon unter sich so viele Feinde und
-Widersacher zählen, sich von Seiten der Weiber den Rücken decken zu
-wollen -- Wär' es das erstemal, daß man seine Herrschaft durch das
-Hausmittel zu sichern suchte, die, welche man beherrscht und gern ewig
-beherrschen möchte, von reiner Erkenntniß und Besserung hochbedächtig
-zurückzuhalten? Und wie! es stand noch kein Prediger in der Wüste auf,
-der diesen Männerdünkel in seiner Blöße zeigte, und auf diesen Staat
-im Staate aufmerksam machte? -- Es gab Götter und Göttinnen, die für
-Opfer und Geschenke feil waren. So ging es dem andern Geschlechte,
-das auch Opfer auf Kosten seiner Rechte annehmen mußte, und das,
-wenn gleich die Menschheit es so sehr zierte, sie doch gegen jene
-Göttlichkeit aufzugeben gezwungen ward. Jemanden Güte erweisen, indem
-man ihm Gerechtigkeit entzieht, heißt: ein Naturgesetz mit Füßen
-treten, und sich mit einem positiven brüsten; die Erstgeburt für ein
-schnödes Linsengericht verkaufen, Mücken seihen und Kamele verschlucken
--- O, der blinden Leiter, die, mit pharisäischer Heuchelei das andere
-Geschlecht einschläferten, im Trüben fischten und durch Schein des
-Rechts die natürlichen in das Herz geschriebenen Rechte zu vertilgen
-suchten! -- Die Natur läßt sich nicht zwingen. -- _Furcht!_ Fiel dies
-Wort auf? Es sollte auffallen -- Seht! ich will mein Herz ausschütten
-und zur Ehre des männlichen Geschlechtes bekennen, daß keine bösere
-Absicht, als _die Furcht, das andere Geschlecht würde uns beherrschen_,
-den Grund zu unserer Herrschaft über dasselbe gelegt hat. Auch dachten
-wir vielleicht unserer Seits bei diesem Plane nicht, den Weibern
-eben schwer zu fallen und ihnen Schaden oder Leides zu thun; sondern
-_ihnen und uns nützlich zu werden_. Vielleicht war ein Plan dieser
-vermeintlich _nutzreichen Art_ der Anfang mancher andern, jetzt so
-ausgearteten Herrschaft. Die _Furcht_ schuf Götter, sagt ein Alter;
--- nicht auch die _Liebe_? Wir sollen Gott fürchten und lieben, fängt
-_Luther_ jede Erklärung der zehn Gebote an -- und doch treibt die Liebe
-die Furcht aus --!
-
-Sehet euch um! noch jetzt werdet ihr finden, daß Männer, die ihre
-Weiber _anbeten_, vorzüglich jedem Beitrage zur Verbesserung des
-anderen Geschlechtes ausweichen. Und warum dieser befremdende
-Widerstand? Das Gefühl von dem Werthe seines vortreflichen Weibes
-verstärkt die _Furcht_ des Herrn Gemahls. Die Verehrung, die er ihm
-widmet, unterdrückt den Gedanken, dem Geschlechte in ihm Gerechtigkeit
-zu erweisen -- Auch der beste Mann ist neidisch auf große Eigenschaften
-seines Weibes, die ihm gefährlich werden können; er will mit seinen
-Wohlthaten ihm den Mund stopfen, die Vernunft und den Willen
-desselben einschränken und mißleiten, damit es nicht Gerechtigkeit
-begehre -- Eine besondere Art, mit Geschenken das Recht zu beugen,
-eine Wechselschuld nicht zu bezahlen, allein dem Wechsel-Gläubiger
-ein Geschenk zu machen, das jene Schuld überwiegt! -- Dergleichen
-Männer bemühen sich außerordentlich, sich ihren Weibern von der
-besten Seite zu zeigen; und da sie wohl einsehen, wie sehr weit sie
-von ihren Weibern in allem zurückgelassen werden: so legen sie ein
-außerordentliches Gewicht auf ihren Staatsberuf, und rechnen sich
-die Amtsgeschäfte äußerst hoch an, um sich bei ihren Weibern in
-Achtung zu erhalten. -- Das arme Geschlecht! wie sehr es doch durch
-blauen Dunst hingehalten wird --! Man erzählt von einem Türkischen
-Gesandten, er habe auf die Frage: wie ihm das Frauenzimmer in ***
-gefalle; geantwortet: ich bin kein Kenner von Mahlerei -- Ist nicht
-jeder Beamte im Staate geschminkt? -- Man nehme ihm das Weiß und Roth,
-das der Staat ihm Ehrenhalber auflegt; und wir werden weder Gestalt
-noch Schöne an ihm finden --- Wir mögen uns nicht anstrengen, um mit
-dem andern Geschlechte Schritt zu halten; und das müßten wir oft über
-unser Denken und Vermögen, wenn wir ihm gleich kommen wollten. Wir
-gehen ihm sonach Räthsel auf, die der Auflösung nicht werth sind; wir
-verlangen Traumdeutungen von ihm, ohne daß wir ihm den Traum bekannt
-machen; wir suchen es in das Spielwerk der Welt zu verwickeln, und
-es dem Ernste und Nachdenken so viel als möglich zu entziehen: --
-und doch ist dieser Müßiggang -- welches Weib wird nicht dazu auf
-eine grobe und subtile Art verurtheilt? -- der Grund von allem jenem
-Übel, wovon reelle Beschäftigung das Weib, seinen Mann und die Welt
-befreien würde. -- Die _Thätigkeit_ hat drei Grazien zu Töchtern:
-_Tugend_, _Wissenschaft_ und _Reichthum_; allein welche Thätigkeit?
-die, wozu Männer aus Machtvollkommenheit die Weiber verurtheilen, oder
-jene, die man bei selbstgewählten Geschäften anwendet? die, wo Lied-
-und Tagelohn bezahlt wird, oder jene, wo das freiwillig übernommene
-Geschäft sich selbst belohnt? Aufgegebene Arbeiten können zwar zu
-andern unaufgegebenen erwecken, die über jene unendlich erhaben sind;
-doch müssen die aufgegebenen nie von so einförmiger Art seyn, wie die
-weiblichen es sind, falls sie die einmal in Bewegung gesetzte Seele
-zu edler Wirksamkeit hinaufstimmen sollen -- Wann wird Thätigkeit aus
-selbsteigener Wahl einmal aufhören der königliche Vorzug der Männer
-zu seyn! wann werden Weiber zu dem Menschenrechte gelangen, Geschäfte
-nicht fürs Brot, nicht auf den Kauf, sondern mit Lust und Liebe
-treiben zu können! o, wann! -- -- Wie sehr würde man die Erklärung der
-siebenten Bitte durch die Verbesserung des weiblichen Verhältnisses zum
-Staate verkürzen! Man verbietet mit Recht nicht nur das Laster, sondern
-auch den Schein desselben, weil Schamlosigkeit, wenn sie ins Publicum
-dringt, ein allgemeines Verderben des Staates bewirkt, und ein gewisses
-Zeichen seines nahen Sturzes ist. -- Doch bedenkt man nicht, daß eben
-die Ausschließung des andern Geschlechtes von allen öffentlichen
-und ernsthaften Beschäftigungen es geradesweges auf den Gedanken
-bringen muß, alle jene ehrwürdigen Sachen zu enttrohnen, den Werth
-derselben, den inneres Gehalt oder Lieblingsgrillen ihnen beilegen, zu
-verringern, und der jungen naseweisen Welt der Jünglinge allen jenen
-Ernst so zu verekeln -- daß, wenn sie sich ja Geschäften widmen, sie
-die Maximen des Lächerlichen in Anwendung bringen, welche sie zu den
-Füßen des schönen Geschlechtes gelernt haben. Es werden wenige Dinge
-seyn, die sich von dem Roste der Pedanterie rein halten können, außer
-wenn das Frauenzimmer, dieses einzige Verwahrungsmittel gegen jenes
-Geschlechtsübel, dabei eingeflochten wird.
-
-Der Mensch ist zur Nachahmung geneigt, und es ist eine bekannte
-Bemerkung, daß man das in seinem Hause im Kleinen einführt, was im
-Staat im Großen gäng und gebe ist; das Haus pflegt ein Miniaturstück
-des Staates zu seyn. Wenn aber gleich in despotischen Staaten der
-Despotismus auch in Privathäusern wüthet, und um so mehr mit gutem
-Bedachte wüthen zu müssen das Ansehen gewinnt, da größere Freiheit
-der Weiber dem Staat unüberwindliche Nachtheile zuziehen, und dieses
-Geschlecht, geboren der Natur getreu zu seyn, alles jene unnatürliche
-Wesen der Despotie an die gehörige Stelle und den rechtmäßigen Ort
-bringen würde; so ist doch auch in Republiken das schöne Geschlecht
-noch nie zu einem anständigen Grade von Besitz seiner Rechte gediehen
--- Zwar gewinnt es dort durch mindere Pracht; allein eben dieser Gewinn
-lehret die Herren Staats-Repräsentanten aufs Wort merken. Die Weiber
-spielen ein etwas ernsthafteres Spiel, als in Despotie und Monarchie;
-aber man erlaubt ihnen nicht, dieses Ziel zu überschreiten: ihre
-anscheinenden Vorzüge sind avanturirt (erabentheuert) -- Es bleibt
-Spiel was sie treiben -- Ihr Tichten und Trachten sind Kleinigkeiten
-von Jugend auf und immerdar; und, was noch ärger ist -- der
-widernatürlich zusammengeordnete Putz entstellt die natürliche Schöne
-des Körpers so sehr, daß die _Frage_ der Gemahlin des Kaisers von
-_Marokko_, an die geputzte Frau des Holländischen Consuls: _bist du das
-Alles selbst?_ -- oft _ihr Glück versuchen_ könnte.
-
-In der Aristokratie sind die Herren Aristokraten zum Neide und zur
-Eifersucht so berufen, daß sie zu verlieren befürchten, wenn sie ihren
-Weibern einen Vorzug verstatteten -- und da selbst die Französische
-Revolution ihren Zustand -- obgleich Weiber die Fahne derselben geführt
--- nicht verbessert hat; so scheinen wohl die Verschiedenheiten der
-Regierungsformen nicht bestimmt zu seyn, diesen Schaden Josephs zu
-heilen: höchstens bleiben die armen Weiber beim _Mehr_ oder _Weniger_
-stehen.
-
-»Es ist wider die Vernunft und wider die Natur«, sagt ein Philosoph
-der Welt, »daß Weiber die _Hausherrschaft_ führen; allein _Reiche_
-können sie regieren -- Im ersten Falle erlaubt ihnen ihre Schwäche
-diesen Vorzug nicht; im andern stimmt diese sie zur Leutseligkeit und
-Mäßigung. --« Mich dünkt, diese Bemerkung ist Sophisterei. Wer will
-denn, daß Weiber das Hausregiment führen sollen? Nur da, wo, nach dem
-altdeutschen Reim eines Reformators, ein Jeder seine Lektion lernt,
-wird es wohl im Hause stehen. -- Es ist zu verwundern, daß jetzt, da
-das halbe menschliche Geschlecht auf weiter nichts sinnt, als sich
-mit Ehren unter die Haube zu bringen, noch so viel Policei im Punkte
-des Punktes herrscht -- und daß, da das Frauenzimmer zu einer ewigen
-Vormundschaft verdammt wird, es seine Rache bloß aus der ersten Hand
-vom Ehemanne nimmt, und übrigens in der größeren Welt so sittsam und
-menschenfreundlich bleibt. Strenge Aufmerksamkeit auf einen sich selbst
-gegebenen Punkt unterdrückt das Gefühl des Schmerzes, und die größte
-Krankheit verliert einen großen Theil ihrer Feindseligkeit durch die
-Unterhaltung mit einem guten Bekannten, welche aber, wohl zu merken,
-den Kranken unvermerkt, äußerst leicht und ohne angreifende Übergänge
-beschäftigen muß. Ist die Ehe, nach jetziger Sitte, viel mehr als
-eine Krankenunterhaltung, wodurch man so sehr die lange Weile als
-die Anstrengung vermeidet, und vorzüglich das andere Geschlecht von
-jenem schrecklichen Gefühle seiner Abhängigkeit und Unterdrückung
-ableitet? -- Ließen die Männer sich öfter als jetzt merken, daß sie
-das Verhältniß der Geschlechter besser, als die Natur, zu ordnen
-wüßten, wie weiland _Alphonsus_ das Schöpfungswerk weit besser als
-der Schöpfer Himmels und der Erden zu verstehen vorgab: so wäre
-den Männern höherer Klassen schon längst von ihren aufgeklärten
-Damen der Krieg angekündigt; jetzt aber, da Männer diese Saite fast
-gar nicht berühren, oder höchstens sich über diese Sache etwa so
-auslassen, wie _Machiavell_ über die Tyrannen: -- jetzt bleibt es in
-besseren Volksklassen beim Frieden, und in den geringeren ist der
-Unterschied zwischen männlichem und weiblichem Werth und Unwerth zu
-unbedeutend, oder jene geringeren denken zu wenig an ihre Bestimmung,
-um anders als thierisch zu wissen, daß zwei Geschlechter unter den
-Menschen sind -- Wird dann etwa (im Jubeljahr) unter uns ein _St.
-Pierre_, ein _Bayard_, ein _Heinrich IV._ geboren; so läßt das
-andere Geschlecht, des Verdienstes dieser hervorragenden Männer
-halben, dem ganzen männlichen Geschlechte Gnade widerfahren. -- --
-Laßt uns aufrichtig seyn! Alles wodurch Menschen sich auszeichnen
-können, ist dem Frauenzimmer benommen. Ein Cartel erniedrigt es so
-tief, wie eine ungerächte Beleidigung den Ehemann; und in die Klasse
-der Unedlen, der Knechte, ward es unter dem Schreckbilde, daß die
-Gränzen seiner fräulichen Schamhaftigkeit verletzet werden könnten,
-verstoßen, damit nur unser Geschlecht sicher bliebe, nie von ihm zum
-Zweikampfe gefordert zu werden -- Nicht die Ähnlichkeit, sondern
-das Gesetz bestimmt vermöge der Ehe den Vater; es benennt ihn, und
-leidet keinen Widerspruch. Wie war es möglich, daß, da die Natur
-unmittelbar die Mutter bestimmt, daß, da diese so unbezweifelt gewiß
-wie unsere Existenz und der Tod ist -- die Kinder in solch eine
-Unerkenntlichkeit ausarteten! daß nicht gutgesinnte unter ihnen sich
-vereinigen, um ihre Mütter aus der Schmach zu reißen, in der sie von
-wegen des Geschlechtes schmachten! Das männliche Geschlecht spielt mit
-außerordentlichem Glück -- Wenn die Väter ihren Töchtern vermöge des
-Geschlechtstriebes nicht so liebreich zuvorkämen, wie es gemeiniglich
-der Fall ist; vielleicht würden diese schon längst eine Conspiration
-veranlaßt haben, um Menschen aus Mädchen zu machen, die jetzt aus Sitte
-nicht sehen, hören und denken dürfen, die allein in der Einsamkeit
-das Recht haben dreist zu seyn, und nur im Selbstumgange jenen
-schrecklichen Klosterzwang ablegen können, der sie in Gesellschaft zur
-entsetzlichsten Einsamkeit verdammt. Was kann man von dieser Erziehung
-erwarten, die von der Heuchelei dirigirt wird, nach welcher selbst
-der Plan, zur Heirath Anlaß zu geben, so insgeheim ausgeführt werden
-muß, daß oft das lauteste _Nein_ das herzlichste _Ja_ bedeutet! --
-Alle jene Gesetze zur Fortpflanzung des menschlichen Geschlechtes,
-jene Aufmunterungen zur Ehe, die Drei-Kinder-Ehre -- was sind sie
-anders, als unnatürliche Hülfsmittel, die alle aufhören würden, wenn
-man Männer und Weiber in den Gang der Natur einlenkte? -- Wie würde
-sich hier Alles von selbst verstehen! -- Man trachte zuerst nach dem
-Reiche Gottes und nach seiner Gerechtigkeit; und in Wahrheit, alles
-Andere wird von selbst zufallen. Darum Leute im Staat ehren, weil
-sie in der Ehe leben, weil sie Kinder, weil sie drei Kinder haben;
-darum, weil man die meisten Kinder hat, zuerst im Rathe votiren --
-ist eben so wunderbar, als die Seele nach dem Körper messen; und
-jener General hat sich mit uns ausgesöhnt, der Specialkarten verwarf,
-und nur Generalkarten wollte, weil er General war, oder der es nicht
-begreifen konnte, daß man ein großer Mann seyn und doch nicht über
-vier Zoll messen könne. -- Vielleicht kommt noch die Zeit, daß man
-belohnt wird, weil man essen und trinken oder schlafen kann! Mit
-Volksmenge allein ist dem Staate nicht gedient, wohl aber mit Bürgern,
-die mit der natürlichen Beschaffenheit und der Größe desselben in
-richtigen Verhältnissen stehen, die frei, arbeitsam, wohlhabend und
-wohldenkend sind. Und selbst die Volksmenge! würde sie nicht über die
-Hälfte vermehrt werden, wenn man das andere Geschlecht zum Volk zu
-machen sich entschließen, und Weiber zu Colonisten im Staat aufnehmen
-wollte? Man wende einmal die Münze um; und der Revers der Sache --?
-Zu elenden Kunstgriffen muß man sich herablassen, wenn man die Winke
-der Natur vernachlässiget -- Merkwürdig ist es, daß selbst Weiber zu
-einer gewissen Zeit in _Rom_ durch Kinder sich aus der beständigen
-Vormundschaft hinaus gebären konnten! -- Die Freigeborne mußte deren
-drei, die Freigelassene vier haben. --
-
-Heil den Gesetzen, die nicht ansehen, was vor Augen ist, sondern die
-nach dem Beispiele des Stifters des Christenthums das Herz verlangen;
-die es auf den inneren Menschen anlegen; die nicht äußere Schäden
-verbinden, sondern heilen; nicht Palliative bewirken, sondern das Blut
-reinigen! --
-
-Derjenige, der später bezahlt, bezahlt weniger -- Die bündigste
-Antwort, wenn von der Erlaubniß, Zinsen zu nehmen, die Frage ist. Wie
-viele Verzögerungs-Zinsen werden wir dem andern Geschlechte schuldig
-werden --! Als _Cromwell'n_ gerathen ward, seine Tochter _Carl dem II_
-zu geben, nachdem er _Carl den I_ hatte enthaupten lassen, war seine
-Antwort: »Nein; denn könnte er wirklich vergessen, was ich that,« fügte
-er hinzu, »so wär' er nicht werth, eine Krone zu tragen --«
-
-Sollten die Weiber nicht dereinst über kurz oder lang ihre Existenz
-den Männern beweisen, so wie weiland _Alcibiades_ die seinige den
-Atheniensern, die ihn zum Tode verurtheilt hatten? Sollten sie nicht
-auch ein _Sparta_ finden, um ihren Atheniensern von Männern den
-Krieg anzukündigen? sie, die schon jetzt während ihres fünfjährigen
-Pythagorischen Stillschweigens so deutlich zu erkennen geben, wie sehr
-sie verdienen für mündig erklärt zu werden? sie, die mit zwei Augen
-mehr sehen, als _Argus_ mit hundert? sie, die schon jetzt, noch ehe
-erschienen ist, was sie seyn werden, privilegirte Seelen aufzuweisen
-haben, die es mit unserem Geschlechte aufnehmen? sie, welche die
-Sphäre ihrer Zeitgenossen durchbrechen und, ohne sich nach Brücken
-umzusehen, mit Geistesflügeln sich erheben und, wenn es nicht gehen
-will -- sich hinaus denken und wie _Felix_ auf einen gelegenern
-Augenblick warten? -- Oder wie! ist es Wollust, keine Wollust zu
-genießen? ist es ein Göttermahl, zu fasten? ist bloß Streben unsere
-Tugend, und Hoffnung unser Glück --? Beweiset nicht ein großer Theil
-der Weiber, daß edle Seelen auch in Ketten frei sind, wie ein Herrscher
-bei entgegengesetzter Denkart sich in _^selbsteigener^ Sklaverei_
-befindet? Der schlechteste Herr, der nur zu finden war! So diente
-_Alexander_, und _Diogenes_ war frei -- _Alexander!_ dem ein Seeräuber
-in die Augen zu sagen den Alexander-Muth hatte: kleine Diebe hängt man
--- _Diogenes!_ der, als _Alexander_ ihm Gelegenheit gab, sich eine
-Pension zu erbitten, (und eine größere, als alle zusammen genommen, die
-FRIEDRICH II seinen Leib-Philosophen und Dichtern gab) nur verlangte,
-daß Se. Alexandrische Majestät geruhen möchte, ihm, der werth sei, von
-der Sonne beschienen zu werden, diesen Vorzug nicht länger zu rauben.
--- _Diogenes_ beurlaubte _Alexandern_: der reiche Bettler den armen
-ihm die Cour machenden Weltbesitzer. -- Gründet sich fortschreitende
-Vervollkommnung des menschlichen Geschlechtes, und wahre, nicht
-Schein-Aufklärung, auf eine unpartheiische Kenntniß der Natur, und auf
-die Einsicht, ihre Gaben recht zu gebrauchen; so kann kein politischer
-Zwang Menschen behindern, an ihrem Glücke zu arbeiten, und die Würde
-der Gerechtigkeit und ihre wahren Verhältnisse zu Allem, außer sich,
-einzusehen. -- Selten wird ein Mann leugnen oder nur bezweifeln, was
-allgemein angenommen ist; ein Weib aber rechnet es sich zum Vorzuge,
-täglich dergleichen Ausnahmen zu machen. Oft thut ein Weib es früher,
-als es die Umstände beprüft hat; und wenn es dann aus der Noth eine
-Tugend zu machen sich gedrungen sieht, so ist es angenehm zu bemerken,
-wie es Gründe sucht und findet, wodurch es bei seinem Wagestück von
-_Nein_ sich bei Ehren erhält, und sich, wenn nichts mehr, so doch den
-Vorzug erwirbt, sonderbar zu scheinen. Ein Glück, das dem Verstande in
-Nothfällen übrig bleibt, um zu zeigen, wie viel man zu thun im Stande
-gewesen wäre, wenn man nicht zu vielen Hindernissen unterliegen müssen.
-Wir sind mehr für die Gewohnheit, Weiber mehr für die Neuheit -- Beide
-Neigungen lassen sich aus der Lage beider Geschlechter ziemlich richtig
-erklären. Was geht dem andern Geschlechte ab, um würdig zu seyn, in
-den vorigen Stand zurückgesetzt (_in integrum_ restituirn) zu werden?
-Die Thränen der Weiber sind nicht bloß Beweise der Schwäche, sondern
-auch Beweise der in ihnen wohnenden Kraft. Sind Thränen nicht schon im
-gemeinen Leben öfter Anzeigen des Entschlusses, als der Reue? und haben
-nicht Schuld und Unschuld ihre Thränen? Daß übrigens nicht bloß Weiber
-und Kinder greinen, (wenn von Verstellung der Geberde bei Thränen die
-Rede ist) sondern auch Männer, wird selbst dem gemeinsten Beobachter
-nicht entgangen seyn. Die Launen der Weiber werden in der That zu wenig
-von uns beobachtet; wir würden hier oft auch bei kleineren Gewässern
-tiefe Gründe finden, da hingegen jetzt diese Launen auf Flügeln der
-Morgenröthe uns entfliehen, auch selbst wenn wir sie zurück zu halten
-bemühet sind. -- Die Weiber wissen die wenigste Zeit, wie sie mit sich
-selbst daran sind, und sie sollten mir danken, daß ich ihnen hier
-eine nicht kleine Entdeckung mache -- sie sollten manches, was zu
-ihrem Frieden, zum wahren, zum Frieden Gottes gehört, in ihrem Herzen
-bewegen, um eine Stärke recht beurtheilen zu lernen, die sich bloß --
-auf ihre angebliche Schwachheit gründet. Von Liebenden sind uns alle
-Ergebenheits-Bezeugungen verhaßt, wenn _wir_ nicht der eigentliche
-Gegenstand der Neigung sind. Männer! habt ihr von euren Weibern mehr
-als den Schein der Liebe? und verdient ihr mehr? -- Verdient ihr nicht,
-daß sie euch nur in dem Grade lieben, wie Sklaven Tyrannen bedienen?
-Es giebt Augenliebe, wie Augendienst. -- Hätte man die Weiber bloß
-von einigen, augenscheinlich _origetenus_ und von Haus aus männlichen
-Dingen ausgeschlossen; wer unter diesem sanften Volke hätte gemurret
---? Es hätte sein _Marlbrough s'en va t'en guerre_ geleiert, und damit
-wäre Alles vergeben und vergessen gewesen. --
-
-Die Macht kann überall weniger ausrichten, als die Weisheit. Wer sich
-Gott als den _Mächtigsten_ denkt, ist sein _Knecht_; wer ihn sich aber
-als den _Weisesten_ vorstellt, verdient den Namen seines _Kindes_. --
---
-
-
-
-
-V.
-
-VERBESSERUNGS-VORSCHLÄGE.
-
-
-Soll es denn aber immer mit dem andern Geschlechte so bleiben, wie es
-war und ist? sollen ihm die Menschenrechte, die man ihm so schnöde
-entrissen hat, sollen ihm die Bürgerrechte, die ihm so ungebührlich
-vorenthalten werden -- auf ewig verloren seyn? soll es _im_ Staat
-und _für_ den Staat nie einen absoluten Werth erhalten, und immerdar
-beim relativen bleiben? soll es nie an der Staatsgründung und
-Erhaltung einen unmittelbaren Antheil behaupten? soll es nie _für_
-sich und _durch_ sich denken und handeln? ohne End' und Ziel nur
-als Scheidemünze gelten? Werden wir uns bei diesen Fragen mit einer
-wohlweisen Römischen Rechtsfiktion oder einem wohlhergebrachten
-Verjährungs- und Besitzrechte aushelfen können, um sie ab- und zur
-unangenehmen Ruhe zu verweisen? Werden wir selbst unser männliches
-Gewissen mit Bedenklichkeiten über die möglichen Folgen, mit
-Mißbräuchen und was dergleichen Popanze mehr sind, wodurch man Kinder
-schreckt, beruhigen und diese Angelegenheit der Menschheit auf die
-lange, ja lange Bank schieben können --? Dann ist freilich der schöne
-Morgen der Erlösung noch nicht nahe. -- Werden wir uns aber hierbei
-entbrechen können, uns selbst noch _Gothen_ und _Vandalen_ zu heißen,
-was weiland unsere Väter waren, wenn wir nicht dieses Unrecht je eher
-je lieber zu vergüten suchen? Mißbrauch des Rechtes verwirkt nicht
-das Recht. Menschenrechte können niemals, Bürgerrechte nur durch
-Felonie verloren werden; und was ist Felonie? Dies aus dem Lehnsrecht
-entlehnte Wort (keine sonderliche Abkunft!) bezeichnet Alles, was man
-der Lehnsverbindlichkeit zuwider thut oder unterläßt, und wird aus dem
-Lehns-Contrakte beurtheilt. Da es sowohl für den Lehnsherrn als für den
-Vasallen Rechte und Pflichten giebt, die sie einander schuldig sind;
-so kann nicht nur der Vasall, sondern auch der Lehnsherr der Felonie
-schuldig werden. Und wie? geht denn wegen einer jeden Handlung oder
-Unterlassung, die dem Lehns-Contrakte zuwider ist, schon das Lehn
-verloren? Ist der Lehnsherr, da er nichts mehr und nichts weniger als
-ein Mensch ist, nicht vielmehr verbunden, den Vasallen zur Leistung
-der contraktgemäßen That, und zur Vermeidung der contraktswidrigen
-Unthat von Rechtswegen anzuhalten und auf Schadenersetzung anzutragen?
-Werden Contrakte durch zugefügte Contraventions-Strafen geschwächt,
-oder vielmehr verstärkt? Können die Handlungen eines Andern Jemanden
-zugerechnet werden? und wenn der Vasall wegen Felonie das Lehn
-verliert, ist der Lehnsherr nicht verpflichtet, es nach dessen Tode
-demjenigen wieder zu geben, dem es nach dem Ableben des der Felonie
-schuldig und des Lehnsbesitzes unwürdig befundenen Vasallen zufällt?
-Kann je durch Felonie das Lehn aufhören? -- und wer machte denn den
-Mann zum Lehnsherrn, und das Weib zur Vasallin --? sind sie nicht
-beide göttliche Lehnsträger? -- Die Erde könnte vielleicht eher ein
-Weib-, als ein Mannlehn heißen, und ist ohne Zweifel ein vermischtes
-_Feudum_. -- Man lasse doch die Weiber-Felonie an seinen Ort gestellt
-seyn, wovon Natur und Geschichte kein lebendiges Wort wissen, und
-vergesse nicht, daß Gott dem Menschenpaar, welches ^ER^ (o, der
-Menschenwürde!) abschattete, dieses Erden-Lehn anvertrauete, und daß
-zwischen seinem Lehnrecht und der Stümperei des menschlichen keine
-Vergleichung denkbar ist. -- So weit von bürgerlichen Rechten! -- über
-Menschenrechte kann nur Gott richten; und in seine Hände zu fallen --
-wie wohl thut das, wenn wir die gehegten und ungehegten Banken der
-Menschen dagegen halten! --
-
-Ist es etwa Furcht, oder ist es bloß eine Grimasse derselben, die wir
-vorgeben, um jener gegründeten und rechtmäßigen Forderung mit Anstand
-ausweichen zu können? _Werdet wie die Kinder_, ist ein wohlgemeinter
-Rath; denn nur die kindliche Furcht ist nicht unmännlich: sie besteht
-in der Sorgfalt, dem auszuweichen, was den ewigen Gesetzen des Wahren
-und Guten entgegen ist. Jene knechtische, wenn man aus Furcht vor der
-Strafe thut, was die Gesetze wollen, oder unterläßt, was sie nicht
-wollen, ist unmännlich, so wie ihre Verwandtin, die Befürchtung,
-vermittelst deren wir den Gelegenheiten zuvorkommen wollen, wodurch wir
-dergleichen Strafen und Strafgerichten unterworfen werden können.
-
-Wir wollen ein Geschlecht fürchten, das zur Liebe geschaffen ist, und,
-wenn es zürnt, selten die Sonne über seinen Zorn untergehen läßt? das
-bis auf Einen Punkt (und dieser ist eine Sünde wider den heiligen Geist
-des Geschlechtes) dem Beleidiger zwei Drittheile des Weges entgegen
-kommt, um ihm Versöhnung anzubieten! Wie viel mehr Ursache haben wir,
-uns selbst zu fürchten, als ein Geschlecht, das, wenn man es in seine
-Rechte einsetzte, uns, wo nicht Erkenntlichkeit, so doch Wohlwollen
-schuldig wäre, und diese Schuld kraft seines Wesens und Seyns so gern
-abtragen würde!
-
-Man sagt, es sey schwer zu hoffen, daß das menschliche Geschlecht,
-welches von der Natur sich so weit und breit zu entfernen die
-Ungezogenheit gehabt, das durch keine Religionsempfindung sich leiten,
-durch keine Staatstäuschungen sich blenden lasse, sich zu Gesetzen
-bequemen werde; und so liege denn die Furcht nicht so sehr aus dem
-Wege, als man es gemeiniglich denke. -- Lieber! wie kannst du fordern,
-daß das Menschengeschlecht sich ewig am Gängelbande wohl befinden
-werde? Erregen jene Staatstäuschungen und jene Religionsempfindungen,
-wenn sie nicht von Grundsätzen abstammen, nicht einzig und allein
-Unglauben und Mißtrauen in Rücksicht der Gesetze? Sollte der Mensch
-nie zur Achtung für Pflicht gebracht werden? Sollte er nie zu
-dem Hauptprincip des Lebens gelangen: sei vernünftig? -- Sollen
-denn Sinnlichkeiten ihm mehr als die moralische Vernunft und das
-Sittengesetz gelten --? Wird er sich nie so weit erheben, seiner
-geistigen Natur würdig zu seyn, und für das, was er nicht siehet,
-Ehrfurcht und Achtung zu fassen --? Soll denn bloß Weichheit des
-Temperaments ihn zur Neigung bringen? oder giebt es auch außer der
-Temperamentsneigung, die, wenn sie geläutert wird, eine Herzensneigung
-heißen könnte -- giebt es außer ihr auch eine Geistesneigung, so wie
-es ein Geistesvergnügen geben kann --? Für nichts, was in die Sinne
-fällt, hat der stolze Mensch in die Länge Achtung -- es familiarisirt
-sich mit ihm, und es ist wie unser einer. -- Das einzige Mittel des
-größten Helden und des größten Gelehrten, sich bei übermenschlicher
-Ehre (was soll aber die?) zu erhalten, ist: sich zurück zu ziehen.
-Sobald wir uns näher zeigen, geben wir uns wohlfeiler. -- Je höher die
-Spannung war, je schneller läßt sie nach. Alles, außer sterben, muß
-der Mensch _lernen_ -- Zu Allem, es sei gut oder böse, kann er sich
-gewöhnen -- Ein scheues Pferd führt man zu dem Gegenstande zurück,
-den es fürchtete; und wie? hier, wo das höchste Ziel seiner Würde auf
-dem Spiele steht, sollte der Mensch auf seinen Nachdruck Verzicht
-thun? -- Mit nichten -- Wir können und werden dahin kommen, daß wir
-die Göttlichkeit der Gesetze in ihrem Heiligthum, in unserer Seele,
-verehren und unser Herz durch jene Überzeugungen des Geistes gewinnen.
-Noch würde sich freilich der Gesetzgeber gröblich verrechnen, wenn er
-seine Gesetze auf festes Zutrauen zur Vernunft und zur Weisheit seiner
-Bürger calculirte; allein wird die Menschheit nie die Kinderschuhe
-ausziehen? Ist dies -- nun, so bleibe Alles Altflickerei, und der
-Mensch schäme sich, daß er _Mensch_ heißt. -- Ist die Menschheit indeß
-im Stande, zu jenem Grade der Vollständigkeit zu gedeihen, den sie
-sich vorstellen kann, jene Tugend zu üben, die ihr im Ideal Freude
-macht --; so entferne man den Nebel der Täuschung, wodurch man Menschen
-betrog, die über kurz oder lang zum Gebrauche der Vernunft kommen
-und sich betrogen finden müssen. Männer, würdet ihr die Furcht nicht
-barbarisch und unmenschlich finden, wenn man euch Alles und Jedes
-von Freiheit bloß darum entzöge, weil ihr es mißbrauchen könntet --?
-Wie wollet ihr denn jene Furcht nennen, die euch abhält, dem andern
-Geschlechte seine Ehre wiederzugeben? Die Zeiten sind nicht mehr, um
-das andere Geschlecht überreden zu können, daß eine Vormundschaft wie
-bisher für dasselbe zuträglich sei, daß sie seinen Zustand behaglicher
-und sorgloser mache, als eine Emancipation, wodurch es sich mit
-Verantwortungen, Sorgen, Unruhen und tausend Unbequemlichkeiten des
-bürgerlichen Lebens belasten würde, die es jetzt kaum dem Namen nach
-zu kennen das Glück habe. Wahrlich ein abgenutzter Kunstgriff des
-unmenschlichen Despoten, wodurch er seinen feigen Sklaven das Gewicht
-der Ketten erleichtern will! als ob die Freiheit mit allen ihren
-Ungemächlichkeiten nicht der gemächlichsten Sklaverei vorzuziehen
-wäre! _Glauben Sie nicht, daß das Wirtembergische Land Ihrentwegen
-geschaffen ist_, schrieb FRIEDRICH II an den jetzt regierenden _Herzog
-von Wirtemberg_; _sondern überzeugen Sie Sich, daß die Vorsehung Sie
-hat geboren werden lassen, um ihr Volk glücklich zu machen_. Und
-Männer! ihr wollt glauben, eine halbe Welt wäre zu eurem _bon plaisir_,
-zu eurem eigentlichen Willen, das ist verdollmetschet: zu eurem
-Eigenwillen, da? Thiere wirken; Menschen handeln -- Warum soll das
-Weib nicht _Ich_ aussprechen können? Wahrlich ein sanftes Wort, denen,
-welche die neidlose _Natur_ verstehen -- Wer die _Kunst_ versteht,
-ist neidisch und verräth den Meister nicht -- Ist es nicht der größte
-Menschenvorzug, sich selbst zu kennen? Unser Werth ist unsere Sache;
-unsere Würde ist die Sache Gottes und gerechter Menschen. Hat Gott bei
-dem anderen Geschlecht etwas versehen? oder sind es die Männer, die
-sich an diesem Geschlechte wider den Willen des Schöpfers versündigen!
-Warum sollen die Weiber keine Person seyn? warum nicht wissen: das
-ist mir gut, und das ist gut, oder das ist vortheilhaft, und das ist
-recht? Vieles, und fast das meiste, was mit Vergnügen anhebt, leistet
-bei weitem nicht, was wahrhaft vortheilhaft ist -- Aus ächtem Vortheile
-tugendhaft seyn, heißt sonst mit andern Worten: es in Reinheit seyn.
-
-Frankreich schreckt eben jetzt mit der Freiheit diejenigen Mächte,
-welche die zu weit gegangenen Beschlüsse der Nationalversammlung
-einzuschränken drohen. Gott! zu Ende des achtzehnten Jahrhunderts --
-wo kein Gespenst, und wär' es eins von nicht ganz kleinem Range, ein
-Poltergeist, mehr Wirkung thut -- kann man mit _Freiheit_ schrecken --!
-Dahin wär' es gekommen? Ach! auch selbst dem, der an der Kette erzogen
-ist, blitzt der Name _Freiheit_ auf, dieser göttliche Funke, durch den
-wir sind was wir sind, und der uns so wenig schrankenlos macht, daß er
-uns vielmehr fester als Alles an das Allerheiligste der Gesetze bindet.
-Das weibliche Geschlecht kam um die Menschenrechte ohne seine Schuld,
-bloß durch den Schwung, den die menschlichen Angelegenheiten bei den
-Fortschritten zu ihrer Cultur nahmen; Bürgerrechte, die es leider!
-sehr zeitig und schon bei Entstehung kleinerer Familienstaaten verlor,
-hat es nie, weder durch Unterhandlungen noch mit Gewalt, zu erringen
-gesucht, und erwartet sie noch heute mit aller Selbstverleugnung von
-unserer Gerechtigkeit und Großmuth. Und wir wollen es vergeblich warten
-lassen? und das Gesuch, welches die Natur für die Weiber einreicht, zu
-einer Zeit da Menschenrechte laut und auf den Dächern gepredigt werden,
-mit einem aufrichtigen und deutlichen _Nein_ abweisen?
-
-Die neue Französische Constitution verdient eine Wiederholung meiner
-Vorwürfe, weil sie für gut fand, einer ganzen Hälfte der Nation nicht
-zu gedenken, ob sie gleich einem kleineren Theile derselben, der
-überall wo er sich befindet, auf das Duldungsrecht beschränkt ist,
-die Rechte aktiver Bürger zugestand. Alle Menschen haben gleiche
-Rechte -- Alle Franzosen, Männer und Weiber, sollten frei und Bürger
-seyn. Jene Vorschläge zur _dégradation civique_, wodurch die Männer
-vermittelst einer feierlichen besonderen Formel der Ehre eines
-Französischen Bürgers für unwürdig proclamirt werden sollten, falls sie
-durch Verbrechen diese Strafe verdienten, sind nicht auf das andere
-Geschlecht ausgedehnt. Über dieses sollte bloß der Fluch ausgesprochen
-werden: Euer Vaterland hat euch einer infamen Handlung überführt
-befunden --
-
-_Mirabeau_, der zur gegenwärtigen Generation von Menschen sein
-Zutrauen verloren haben mochte, setzt, wie alle große Thäter, sein
-Zutrauen auf Erziehung, und weiset in seinem Posthumus _Travail sur
-l'éducation publique_, die sein Arzt und Freund _Cabanis_ herausgab,
-das Frauenzimmer zur Häuslichkeit und zu stillen, sanften Tugenden
-an, (ist denn nicht jede Tugend sanft und still?) worauf das Glück
-der Familien, und am Ende das Glück des Staates so sehr beruhe. Ohne
-mich in den Streit einzulassen, der über den Grafen und Nichtgrafen
-_Mirabeau_ von Freunden und Feinden übertrieben worden, sei es mir
-erlaubt, der Behauptung zu widersprechen, daß Jemand in seinem
-Privatleben ein elender Mensch, dagegen doch der tugendhafteste Bürger
-und der höchste Grad desselben, ein geschickter Officiant, seyn könne.
-Ein Mensch, der gegen Alles gleichgültig zu seyn vermag, was gut oder
-böse, gerecht oder ungerecht ist, ein nicht rechtschaffener Mensch,
-kann kein rechtschaffener Bürger seyn. _Horaz_ sagt: nur _Jupiter_
-gehe über den Weisen; der Weise sei reich, frei, gerecht, ein König
-aller Könige -- Da das andere Geschlecht vom Menschen auf den Bürger
-zu schließen gewohnt ist und jene Rollenspieler, die Nichts aus
-Grundsätzen, Alles aber nach Zeit und Umständen sind, sehr richtig
-berechnet; -- ist es Wunder, daß diese Glücks- und Unglücksritter das
-andere Geschlecht zu entfernen suchen? --
-
-Wir irren, wenn wir uns überreden, daß Weiber für die Ehrensache der
-Menschheit, für den Kampf der Freiheit mit der Alleingewalt, keine
-Sinne besitzen. Sie haben nicht bloß durch ihren lauten Beifall
-bezeugt, daß sie den Werth der Freiheit zu schätzen wissen, und daß
-das Gefühl für dieselbe noch lichterloh aufflammen kann; selbst thätig
-haben sie mitgewirkt, die Fesseln zu brechen, die man der Nation
-anlegte, und wahrscheinlich lag es nicht an ihnen, daß sie bei diesem
-Schauspiele nur Rollen vom zweiten Range spielten.
-
-Die berühmte Verfasserin der Geschichte der Königin _Elisabeth_, Mad.
-_Keraglio_, vertheidigt seit der Revolution in ihrem _Journal d'État
-et du Citoyen_ die Rechte der Menschheit mit Freimuth, Wahrheit und
-Stärke. Weiber fühlten jene Zurücksetzung, jenes tiefe Stillschweigen
-bei einem so schönen Anlaß, jene Verstoßung, wenn es Staatsdienst gilt
--- Eins unter ihnen wagte es, ihren Unwillen laut werden zu laßen. In
-einem an die Nationalversammlung abgelassenen Briefe bemerkt es, daß
-kein Wort in der Constitution von den Weibern vorkomme, obgleich die
-Mütter Bürgerinnen des Staates seyn müßten. Es schmeichelt sich mit
-dem Befehle, kraft dessen den Müttern erlaubt seyn werde, in Gegenwart
-der Bürgerbeamten diesen feierlichen Eid abzulegen. Diese ehrwürdige
-Ceremonie würde es wünschenswerth gemacht haben, Mutter zu seyn. Die
-Geschichte sagt nicht, was von den Repräsentanten der Nation auf diese
-Adresse einer edlen Französin beschlossen worden ist. Betrübt feire ich
-heute ihr Andenken, heute den 18ten März 1792, da ich in öffentlichen
-Blättern lese, daß die Franzosen, ungerührt durch diesen Wink, es dahin
-kommen lassen, daß das andere Geschlecht dringender um diese Rechte
-angehalten. Schöner würde es gewesen seyn, wenn man dem Geschlechte
-mit der Bürgerehre zuvorgekommen wäre, und bei dieser ernsthaften
-Sache kein Ärgerniß des Lachens gegeben hätte. Wehe dem Menschen,
-durch welchen dergleichen Ärgerniß kommt! Würden wohl alle jene
-Laternenscenen sich ereignet haben, wenn Weiber Aktivvotantinnen in
-Frankreich gewesen wären? Durch geheimen Einfluß wird in jedem Staate,
-besonders in freien, Alles verdorben -- Doch ist es die Frage, ob die
-Pariser Damen schon die Selbstüberwindung gehabt haben, so weit zur
-Natur zurückzukehren, daß sie die gute Sache menschlich und bürgerlich
-beherzigen können -- -- Wahrlich! zu Deutschen Weibern ist größeres
-Vertrauen zu fassen -- Wem Gott Kraft gab, gab er dem nicht auch das
-Recht sie anzuwenden? sollen denn die Weiber ihr Pfund im Schweißtuche
-vergraben, ohne es auf Wucher anzulegen, der dem Staate tausendfältige
-Früchte bringen würde?
-
-Auf Vernunft und auf ihr Meisterstück, die Gesellschaft, kommt
-es an, ob jener Kraftsanwendung freier Lauf zu lassen oder ob sie
-einzuschränken sei; nie aber kann der Staat sich herausnehmen, sie ganz
-unterdrücken zu wollen. Und wie? er wollte ein Räuber der Freiheit
-seyn, welche zu befördern die Hauptabsicht seiner Existenz ist?
-
-Wenn Stände nur durch ihres Gleichen repräsentirt werden können; wenn
-so gar unsere Vorfahren durch Ebenbürtige sich die Gesetze zumessen
-und Recht sprechen ließen: wie kann man Weiber vom Staatsdienste
-ausschließen, in so weit er sich mit der Gesetzgebung oder
-Gesetzausübung beschäftiget? Will man etwa den Weibern die Weihe zu
-diesen Mysterien abschlagen, um sie nicht unsere Schwäche da sehen
-zu lassen, wo wir den höchsten Grad unserer Stärke hieroglyphisch
-vorgeben? Man kann dreißig Jahre dienen und nur Ein Jahr leben, wie
-weiland _M. Plantius_, welcher nur von _der_ Zeit an sein Leben zählte,
-als er aufhörte für das Öffentliche, und anfing für sich zu leben --
-Ein lehrreiches Zeugniß auf Kosten des Staatsdienstes! Ist das Leben
-für den Staat des Ehrennamens: _Leben_, werth, wenn es uns für unsere
-eigene Person sterben läßt, uns vom selbsteigenen Leben entfernt --?
-Nur als uns selbst können wir den Staat, unsern Nächsten lieben;
-Alles darüber ist vom Übel. Wenn man nicht durch den Staatsdienst
-vervielfältigt lebt, so liegt es entweder an uns oder am Staate; in
-beiden Fällen bleibt die Krankheit gefährlich -- Ist es nicht der
-gewöhnliche Fall, daß wir vor lauter Räderwerk nichts ausrichten, vor
-lauter Eingängen das Thema vergessen? Kommt nicht vor lauter kluger
-Vorsichtigkeit gemeiniglich Kleinheit zum Vorschein --? Die meisten
-Staatsbeamten sind Accoucheurs eines Berges, der eine Maus zur Welt
-bringt, die indeß bei der Taufe die prachtvollsten Namen erhält, und
-fast mit noch mehr Paukenhall ins Publicum gebracht wird, als wenn
-ein Schriftsteller sich selbst recensirt. Wer in großen Residenzen
-zu leben die Gnade gehabt hat, wird mich am leichtesten verstehen
--- Welcher Schweiß des Angesichts! -- Collegia und Ausschüsse, das
-_Plenum_ und _Committés_, Gerichte und Commissionen! was für eine
-Menge Papier wird getragen, geschrieben, gelesen! -- Agioteurs von
-einer andern Art -- Papierhändler von höherer Würde! Scheint es doch,
-als wäre Alles gegen Alle, weil Alle gegen Alle sind (_bellum omnium
-contra omnes_); und doch bezwecken jene herkulischen Beschäftigungen,
-jene Versammlungen, Richterstühle und Aktenberge das allgemeine Beste,
-dessen Flor in den Kirchen bebetet und in Schauspielhäusern beklatscht
-wird, (beides _ex officio_, von Amtswegen.) Ist es klug oder nöthig,
-daß man so viele Holzhauer und Wasserträger, Virtuosen und Zünftler
-in Athem setzt, um eine einzige Staats-Manège anzulegen? so viele
-Meister politischer Art und Kunst, um ein Staatsregierungs-Exercitium,
-ja Exercitium, zusammen zu stümpern? Nur Einen Hebel verlangte jener
-Weise, um die Welt zu heben; und wenn das allgemeine Wohl solch eine
-Anstrengung braucht, so liegt es gewiß, oder mich trügt Alles, an dem
-politischen Oberrechenmeister -- Wahrlich diese so beschäftigten
-Herren dienen nicht dem Staate, sondern der Staat dient ihnen -- Der
-Weise, der diesem Staatspiele näher tritt und dessen _joujou_ bis auf
-sein Schach kennt, überzeugt sich, daß Ein Kopf hinreichend ist, dies
-Alles zu lenken. Waren nicht schon _Petrus_ und _Paulus_ streitig?
-Ist nicht Ein Kopf vermögender, das Ganze zusammen zu halten und zu
-übersehen? Man verlangt sonach nicht ohne Grund Einen Principalmeister;
-wo aber Einer zu finden? Wer wird die Selbstverleugnung haben,
-die vielen Künste zu verlassen und der Natur zu huldigen? wer den
-Wortsturm aufgeben, das brausende Meer bedräuen, und zur Stille des
-Denkens und Handelns eingehen? Wer, ohne zu befürchten, daß er beim
-Fürsten und beim Volke verliere --? Das Volk wird durch den Schein
-dieser fast übermenschlichen Anstrengung hintergangen, und der Fürst
-desgleichen, der, wenn es nicht so viel Schweiß kostete, sich gewiß
-näher mit diesen Staatsarbeiten bekannt machen würde -- und da möchten
-denn die hohen und nächsten Staatsgehülfen sehr leicht auf eine
-kleine Rolle zurückgesetzt werden und aus Staatsräthen in Schreiber
-zusammen schrumpfen! -- Ich setze wenig oder nichts von Menschenübeln
-auf Rechnung der Fürsten; gewiß das Meiste gehört auf das Conto der
-Minister, die nicht schwach nicht stark, nicht kalt nicht warm, sondern
-unentschlossen und lau sind, sich von jedem Winde hin und her treiben
-lassen, Jeden um seine Meinung befragen und, wenn sie deren unzählige
-gesammelt haben, nicht wissen, wozu sie sich entschließen sollen. --
-Wer selbst keine Meinung hat -- wie kann der aus so vielen die beste
-finden? Hierzu kommt, daß Gemächlichkeit und ewiger Hang zum Vergnügen
-sie noch stumpfer machen -- Sie kommen nicht aus den Beten heraus,
-die sie abzuspielen haben! -- Noch ärger sind die, welche nicht über
-ihren theoretischen Leisten gehen, immer Schuster bleiben, die sie
-sind, und in armseliger Pedanterie Trost suchen und finden, wenn ihnen
-nichts einschlägt -- Was können wir dafür, daß der Staat, den wir zu
-regieren haben, sich nicht nach unserem _Orbis pictus_ und einem
-_Compendio_ schmiegen will, das uns zum Pharos demüthigst empfohlen
-worden? -- Allerdings! und welche Greuel, wenn die Minister gar Genies
-zu seyn sich einbilden und zu Dero Haupt ein so unumstößliches Zutrauen
-gefaßt haben, daß das große Wort: ER _hat es gesagt_, ihren Commis
-hinreichend scheint, die einleuchtendsten Vorstellungen abzuweisen
-und zu entkräften! -- Das _Recht des Vernünftigern_ ist ihnen, nach
-ihrer, zwar etwas freien, indeß wie sie glauben nicht unverständlichen,
-Übersetzung, das _Recht des Stärkeren_; und freilich -- wer darf
-es wagen, der Gewalt, so lange sie am Ruder ist, den Verstand
-abzusprechen? Jene gewaltigen Genies berechnen Alles an den Fingern --
-_Newton_ könnte von ihnen rechnen lernen; und freilich, wenn die Data
-zu ihren Berechnungen richtig wären -- wer würde ihnen gleich kommen?
-Zur Calculatur geboren, sind sie im göttlichen Zorn Minister und
-Staats-Administratoren geworden --
-
-Stumpfe Köpfe, ihrer eigenen Schwäche bewußt, sind für Collegia.
-Das Sprichwort: vier Augen sehen mehr als zwei; bringt sie zur
-Multiplication der Augen -- die blinden Leiter! In der Oper hilft
-Jeder, der Schriftsteller, Spieler und Sänger, zum Ganzen -- und
-da fallen Coloraturen, Läufe, schmelzende, verzweiflungsvolle,
-schmachtende, fürchterliche Gänge vor, die der Verfasser den Spielern
-und Sängern in Mund und Kehle legt -- Hier aber verläßt sich entweder
-Einer auf den Andern, und sieht die Stunden, die er wohl bezahlt
-absitzen muß, als eine ihm angewiesene Schlafzeit an, worin er sich
-stärkt, um desto geistreicher am Spieltische zu glänzen; oder er hauet
-die Kreuz und Quer ein, so daß nach vielstündigem Zank die Sache am
-Ende weit übler als am Anfange steht, und der kleinere Theil die
-schrecklichste Mühe von der Welt hat, nicht die Angelegenheit ins Reine
-zu bringen, sondern das _per plurima_ herausgebrachte Schluß-Votum von
-den Ungereimtheiten so vieler disparaten Meinungen zu säubern und zu
-läutern, und es W. R. I., oder -- wenn es hoch kommt -- verständlich zu
-machen. Der so witzige als einsichtsvolle Vorschlag, daß die Minorität
-der Stimmen gelten sollte, ist der auffallendste Beweis, was man sich
-zu diesen vierzig Perücken oder ihren Stöcken zu versehen habe -- Viele
-Köche versalzen den Brei, und Ein Kopf ist mehr werth, als ein ganzes
-Synedrium von -- -- Kinnbacken. --
-
-Wenn die Staats-Officianten auf die Pflicht angenommen wurden, nichts
-zu verderben und sich leidend zu verhalten -- wie viel weiter wäre
-die Welt! - Sind das die hohen Collegia und hohen Stühle, von denen
-man das schöne Geschlecht ausschließt --? Man sollte sie aufnehmen,
-wie in freien Reichsstädten politische Kannengießer und Aufwiegler
-zu Rathsgliedern, damit sie schweigen -- Vielleicht hätte man dies
-Stratagen auch wirklich schon segensreich in Anwendung gebracht, wenn
-man zu der Verschwiegenheit des schönen Geschlechtes mehr Zutrauen
-fassen könnte. _Johnson_ sagt: man kann so sehr ein Mann nach der Welt
-seyn, daß man nichts mehr in der Welt ist. Sollte man nicht weit eher
-so sehr ein Staats-Officiant seyn können, daß man bei weitem zu der
-Ehre ein Staatsbürger zu seyn, unfähig ist? -- Wahrlich, um sich wieder
-zu orientiren, sollte man die Weiber zum Staatsdienste vociren --
-wozu sie unstreitig einen göttlichen Ruf haben, an dem es den meisten
-Taugenichten von hohen Staatsbeamten ermangelt.
-
-Ist es zu leugnen, daß man in jedem Gesetz-Codex von den Grundsätzen
-der natürlichen Gleichheit ausgehen, und mit dem Paradiese anfangen
-kann und muß, wenn nur der Sündenfall nicht vergessen wird? Jene
-Grundsätze der Gleichheit werden und müssen so gar bei ihrer Anwendung
-auf den Staat das Resultat politischer Ungleichheit unter den Bürgern
-herausbringen. Bei jener natürlichen Gleichheit gewinnt das andere
-Geschlecht allerdings; allein auch die politische Ungleichheit kann
-nie ein ganzes Geschlecht unwürdig proclamiren, in welchem es in der
-Regel mehr Mündige, als in dem unsrigen giebt, und wozu vielleicht kein
-anderer Grund vorhanden ist, als daß die Gesetzgebung bloß aus Männern
-besteht. Soll ich bemerken, daß ich hier nicht bloß vom Gebrauche des
-Mundes und der Zunge, sondern der Seele und des Herzens rede? So bald
-Stärke, Obermacht und Verjährung nicht Gesetze abnöthigen; -- und wehe
-der Staatsgrundlegung, die solche Ecksteine in Anwendung bringt! --
-so bald jede regelmäßige Gesellschaft so gar eben dazu entsteht, um
-jene natürlichen Hervorstechungen in's Gleichgewicht zu bringen: so
-hat das andere Geschlecht ein Recht, vom Staate zu fordern, daß er ihm
-Gerechtigkeit erweise, daß er über die Schwächlichkeit des Körpers,
-welche zum größten Theil durch Vorurtheil entstanden ist, die Stärke
-der Seelen der Weiber nicht vergesse. Macht denn nicht die Seele den
-Hauptbestandtheil der Menschen? Die natürliche Gleichheit erfordert
-eine politische Ungleichheit, weil die Erhöhung des natürlichen
-Werthes des Menschen nur durch eine gegenseitige politische Verbindung
-derselben unter einander möglich ist, und hervorragende Menschen
-durch Gesetze, so wie Genies durch Regeln, in Ordnung gehalten werden
-müssen. Kann aber dieser an sich nicht unrichtige Grundsatz auf ein
-ganzes Geschlecht gedeutet werden? Ist es gerecht, billig, rathsam und
-nur menschlich, daß unser ganzes Geschlecht zu einer Standeserhöhung
-gebracht und als der Mittelpunkt angesehen wird, um dessenwillen das
-andere Geschlecht existirt? -- Es giebt nur zweierlei Thatsachen, von
-denen wir Begriffe haben: Natur und Freiheit; und sowohl zur Physik
-als zur Moral, haben Weiber unverkennbare Anlagen. Will man Natur und
-Freiheit sinnlich abbilden, so müssen beide in Gestalt eines Weibes
-dargestellt werden. Und was ist ihnen denn im Wege? das positive
-Gesetz? Kein Gesetzbuch, und würde es mit Engelzungen reden, kann
-_Formula concordiae_ und eine Augspurgische Confession werden. Gesetze
-erziehen Menschen, und müssen sich, wenn Menschen mündig werden, von
-Menschen erziehen lassen. -- Angenommen, Weiber wären körperlich
-schwach -- angenommen! und was wäre da die Pflicht der Gesetze? in
-den Schwachen mächtig zu seyn. Nicht die Starken bedürfen des Arztes,
-sondern die Schwachen.
-
-Weiß ich denn nicht, daß manche Frau bei manchem Manne auch jetzt sich
-wohl befindet? Was indeß bloß auf persönlicher Gesinnung beruhet, muß
-seiner Natur nach wandelbar seyn; und es ist auch bei den tolerantesten
-Gesinnungen im Staate nothwendig, daß keine intolerante Stelle im
-Gesetzbuche bleibe. Wer steht für den Nachfolger im Reiche? Weiber
-wissen ihre Männer zu überzeugen, als hätten Weiber keinen Willen. Doch
-eben wenn sie auf ihren Willen in bester Form Rechtens Verzicht zu thun
-scheinen, werden sie Alleinherrscherinnen, ohne den starken Glauben
-ihrer Männer zu schwächen, als ob diese ganz allein regierten -- Sie
-regieren nicht mit Gewalt (_vi_), sondern heimlich und bittweise (_clam
-et precario_).
-
-Der Liebhaber glaubt in dem Dienst einer Göttin zu seyn, welche
-Apotheosen so sehr in ihrer Gewalt habe, wie Facultaten Doktorhüte.
-Der glückliche Geliebte dünkt sich wenigstens halb Gott, weil er so
-glücklich ist, einer solchen Gottheit zu dienen -- Erwacht er über
-ein Kleines aus diesem Traume; seht! so verwandelt sich die Raupe
-nicht in einen Schmetterling, sondern in einen Zuchtmeister, und die
-entgötterte Frau wird seine Sklavin; der Bräutigam wird nicht Ehemann,
-sondern Ehevogt. So hörten Monarchen auf, Götter und _Divi_ zu seyn,
-und hatten die Güte zu den Menschen herabzusteigen; doch würdigten
-sie, um über anderen Menschen zu seyn, diese anderen eine Stufe unter
-die Menschen hinab -- Halbe Wahrheit ist gefährlicher, als eine ganze
-Lüge; diese ist leichter zu kennen, als jene, welche sich in Schein zu
-verkleiden pflegt, um doppelt zu betrügen. Männer, laßt doch Menschen
-seyn, die Gott zu Menschen schuf! _Laßt uns Menschen machen_, hieß
-es, _ein Bild das uns gleich sei; und er schuf sie ein Männlein und
-ein Fräulein_. Sie sind Bein von unserm Bein, und Fleisch von unserm
-Fleisch; und warum nicht Bürger wie wir? warum nicht, da ihnen weder
-Sinn noch Kraft zu Bürgertugenden gebricht, und es bloß darauf ankommt,
-daß sie zu Bürgerinnen erzogen werden! Jetzt freilich, wie sie da sind,
-zum Spielzeug, für Männer gemodelt; jetzt, wenn sie auf einmal aus
-dem Gynäceum auf den großen Schauplatz des gemeinen Wesens, einen für
-ihren Körper und ihre Seele so fremden Boden, treten und männliche
-Rollen spielen sollten: jetzt würden sie kaum erträglich debütiren.
-Wer fordert dies aber von ihrem Kopfe und von ihren Händen? Sie sollen
-eben den Weg gehen, den wir gingen, eben die Wüsten betreten, die uns
-auf der Bahn nach Kanaan beschwerlich wurden; nur durch Erziehung,
-Unterricht und Erfahrung sollen sie das Ziel erreichen, dessen sie
-so würdig sind -- Das Licht braucht beinahe acht Minuten, um von der
-Sonne zu uns zu kommen, und wir sehen die Veränderungen, die in der
-Sonne vorgehen, jedesmal acht Minuten nachher. _Pythagoras_ legte
-seinen Schülern zuvor Schweigen auf, ehe ihnen die philosophische Zunge
-gelöset ward. Dies mögen Fingerzeige für Männer und Weiber seyn: für
-_diese_, um nicht auf Meisterrechte Ansprüche zu machen, ehe sie die
-Lehrlingsjahre zurückgelegt haben; für _jene_, von einem Geschlechte,
-das so lange vernachlässiget ward, nicht vor der Zeit Früchte der
-Buße zu fordern. Der Verstand und die Natur kommen sehr leicht in
-richtigen Einklang; und wenn Mittel unbedeutend scheinen, wenn sie es
-wirklich sind -- wer wird Mittel nach eigener, und nicht vielmehr nach
-der Größe des dadurch zu erreichenden Zweckes schätzen? Eine Eiche
-von einem nicht kleinen Alter kann noch sehr jung heißen, wenn ein
-gleichzeitiges Gesträuch und eine zu seinen Füßen blühende Blume an der
-Gränze ihres Lebens sind -- Nicht im einzelnen Falle, in allen Fällen,
-nicht im einzelnen Menschen, sondern im Geschlechte, offenbaren sich
-die Ehre und der Zweck der Menschheit. -- Woher jetzt der Unterschied
-in der Erziehung beider Geschlechter, der sich bei der Wiege anhebt
-und beim Leichenbrette endiget? warum ein so wesentlicher Unterschied,
-als wären beide Geschlechter nicht Eines Herkommens, nicht Eines
-Stoffs, und nicht zu einerlei Bestimmung geboren? -- Die Scheidewand
-höre auf! man erziehe Bürger für den Staat, ohne Rücksicht auf den
-Geschlechtsunterschied, und überlasse das, was Weiber als Mütter, als
-Hausfrauen, wissen müssen, dem besondern Unterricht; und Alles wird
-zur Ordnung der Natur zurückkehren. Noch lange ist Erziehung nicht
-das, was sie seyn könnte und sollte. Nur sehr spät fiel man auf das,
-womit man hätte anfangen sollen: den Zweck der Erziehung zu bestimmen,
-das Ziel aufzusuchen und seinen Lauf darnach zu richten. Statt daß wir
-sonst, wie irrende Schafe, ohne Plan und Regel in das Weite liefen, sei
-es unsere erste Sorge, heimzukehren zu der Natur und nicht außer uns
-uns selbst zu suchen! -- Was hülf es dem Menschen, wenn er die ganze
-Welt gewönne und an sich selbst Schaden litte! -- Ohne jenen Zweck der
-Erziehung zerreißt das Band, welches alle einzelne Theile zusammen hält
--- und in Kindern liegt das Reich Gottes. --
-
-Zwar hat man in unsern Tagen angefangen, dies wichtige Staatsbedürfniß
-zu beherzigen; aber auch kaum nur angefangen. Die Staaten und ihre
-Repräsentanten selbst, deren erstes und wichtiges Interesse die
-Erziehung ist, scheinen dieses Bedürfniß entweder noch nicht genug zu
-fühlen; oder wohl gar sich für verpflichtet zu halten, den gemachten
-Versuchen, Bürger zu bilden, Hindernisse in den Weg zu legen. Wenn
-die Befehlshaber des Volkes bedächten, daß nichts als eine gute
-Erziehung sie auf immer in dem Besitz gesetzlicher und auf Verträge
-sich gründender Vorzüge sichern kann; sie würden zu dieser ihrer
-Zeit bedenken, was zu ihrem Frieden dienet. Lange hat man Erziehung
-und Unterricht, die doch ihrem Wesen, ihrer Form und ihrem Endzwecke
-nach so sehr unterschieden sind, für Eins gehalten. Lange muthete
-man Lehrern zu, die in der Regel selbst keine Erziehung hatten, sie
-sollten zugleich Erzieher seyn; und man wußte nicht zu begreifen, wie
-man gelehrt seyn und doch keine Sitten haben könnte. Fest glaubte man
-an das goldene Sprichwort: daß Künste und Sitten Schwestern und Brüder
-sind, und Niemand dachte daran zu untersuchen, ob Künste und Sitten
-sich wie Ursache und Wirkung verhielten.
-
-Rechnet man zu diesen Mängeln den Umstand, daß die Hälfte des
-menschlichen Geschlechtes entweder ohne alle Erziehung blieb, oder
-verzogen ward, und daß gerade dieser Hälfte der wichtigste Theil der
-Erziehung überlassen war; so ist es fast noch Wunder, daß wir Menschen
-sind. Ohne allen Zweifel bestimmte die Natur das andere Geschlecht
-zu diesem großen Erziehungsgeschäfte, und versah es mit den nöthigen
-Anlagen und Fähigkeiten, mit den empfänglichsten Sinnen, mit den
-feinsten Empfindungen, in der edelsten Sprache, selbst im Kleinen
-und Zufälligen das Wahre vom Falschen, das Ächte vom Scheinbaren
-zu unterscheiden -- um jene große Bestimmung zu erfüllen --. Die
-_Sokratik_, die _Sokrates_ von seiner Mutter, einer Weisemutter (_sage
-femme_), lernte, indem er auf Seelenentbindungen ausging und ein weiser
-Mann (_homme sage_) ward, ist wahrlich dem andern Geschlecht eigen,
-welches nie, auch beim Heißhunger, den Magen der Wißbegierde der
-Kinder mit Kentnissen überstopft, sondern jeden neuen Begriff ihnen
-einzeln zu denken giebt und ihn so viel wie möglich in Empfindung zu
-verwandeln sucht. Jedem geistigen Gedanken geben Weiber einen Körper,
-bekleiden ihn und verleihen ihm eine sinnliche Form. _Robinet_ meint,
-die Natur habe den Weibern einen Hang zur Geschwätzigkeit gegeben,
-damit sie die für die Kinder zu starke Wörterkost ihnen desto leichter
-vorkauen könnten -- Heißt das nicht, einer herrlichen Naturgabe einen
-bösen Leumund machen? _Rousseau_ sagte zu _Grétry_, der ihm seine
-Hand bot, um ihm über einen Haufen Steine zu helfen: _Laissez moi me
-servir de mes propres forces_; und wem ist jene Entwickelung der in den
-Kinder-Seelen liegenden Ideen natürlicher, als dem andern Geschlechte?
--- Es spinnt sie heraus, knüpft das Sinnliche an geistige Begriffe
-durch Bilder und Gleichnisse -- Wir sind für heroische Methoden;
-folgt indeß nicht nach einer Bravurarie jederzeit eine Leere, da ein
-zu lebhafter Eindruck dem Effekte des Ganzen schadet? -- -- Es kommt
-nicht darauf an, eine gute Empfindung zu erregen, sondern die Summe der
-Empfindungen zu ziehen und auf sie zu wirken. Wie richtig sind hier
-_wenn_ und _wie_! Alle Wege des Wanderers zwecken ab, an einen Ort zu
-kommen; alle kleine Flüsse gehen zum großen Meere -- -- --
-
-Wie ist es aber möglich, daß Weiber diesem Berufe genügen können,
-wenn jene Anlagen und Fähigkeiten so wenig entwickelt werden! Man
-vernachlässiget sie nicht bloß; man unterdrückt sie absichtlich. Das
-Kind ist geschlechtslos; warum sind wir der weiseren Natur zuvor
-geeilt? warum haben wir früher die Geschlechter abzusondern angefangen,
-als die Natur uns dazu einen Wink gab? Das Kind ist gesellig, nicht
-weil es durch einen besondern Trieb dazu gereitzt wird, sondern aus
-Bedürfniß und um thätig zu seyn. Nicht das moralische Gefühl, welches
-den Menschen an seines Gleichen kettet, um sich ihnen mitzutheilen, um
-durch den Umgang mit Andern das Eckige seines Charakters abzuschleifen
-und um sich durch Andere zu vervollständigen -- nicht dieses Gefühl
-macht das Kind gesellig. Was kennt es mehr als sein Bedürfniß? Es will
-genährt und vergnügt seyn: darum ist es gesellig; es ist gesellig
-zum Zeitvertreib -- Wo es diese Absicht erreicht, befindet es sich
-wohl; Geschlechtsunterschiede stehen, so wie moralische und geistige
-Eigenschaften, mit seiner Gesellschaft in gar keiner Beziehung --
-
-Erst um das zwölfte Jahr fangen unter dem Europäischen Himmel die
-Geschlechtskeime an bei dem weiblichen Theile sich zu entwickeln
-und nie gewohnte Unruhe, eine vorher unbemerkte Ahndung und sanfte
-Sehnsucht zu erwecken. So lange sollte unter Kindern Alles bis auf
-die Kleidung gleich bleiben, weil die Natur es so will. Erziehung,
-Unterricht, Zeitvertreib können für beide Geschlechter einerlei seyn,
-weil in diesem Zeitraume die Bildung sich mit dem Menschen beschäftigen
-und für die Entwickelung jener Anlagen sorgen soll, ohne alle Rücksicht
-auf anderweitige Bestimmungen, als auf die erste ehrwürdigste: einen
-Menschen nach der urkundlichen Deutung der Natur darzustellen.
-
-Auf diesen einzigen Endzweck müssen es alle pädagogische Bemühungen
-anlegen, und indem sie den jungen Kindern Hebammendienste leisten, den
-Spielraum für die ersten Versuche der erwachenden Kräfte erweitern, und
-nur nach und nach mit großer Vorsicht es wagen, den üppigen Auswuchs
-zurückzuhalten, und dergestalt mittelbar den Trieben der Natur die
-eigentliche Richtung zu geben. Der Unterricht bedarf in diesem Zeitraum
-eben so wenig besondere Rücksichten auf Geschlechtsunterschied, als
-auf künftige bürgerliche Verhältnisse. Hat das Kind von diesem Allen
-selbst nur Ahndungen? geschweige denn Begriffe! und bleibt nicht aller
-Unterricht in dieser Rücksicht für dasselbe todter Buchstabe, bis nach
-dem Laufe der Natur Empfänglichkeit für diese Lehre sich entwickelt?
-Aller Unterricht muß sich in diesem Zeitraum auf das einschränken, was
-der _Mensch_ glauben, wissen und thun soll.
-
-Warum der Unterschied zwischen weiblichem und männlichem Unterricht,
-da Mann und Weib noch nicht geboren sind? Sind Spiele für Kinder
-das, was sie seyn könnten und sollten? Nur in unsern Tagen, als die
-Erziehungskunst einen neuen Schwung erhielt, fing man an, den großen
-Einfluß derselben zu bemerken; allein machte man nicht, wie gewöhnlich,
-einen schlechten Gebrauch davon, wenn man das Spiel zu einem
-allgemeinen Unterrichtsmittel erhob? Spiele müssen nie zur Methodik
-werden; wohl aber können sie Anlässe zur Bereicherung des Gedächtnisses
-und zur Übung des Verstandes seyn. Wenn sie den Unterricht erleichtern,
-so ist und bleibt ihr Werth bloß subjektiv. Bei Spielen der Kinder muß
-jederzeit die Absicht zum Grunde liegen, sie auf eine ihrer Fähigkeit
-und ihrem Alter angemessene Art zu beschäftigen. Nur dürfen die Kinder
-diese Absicht nicht errathen; sonst ist das Spiel verloren. Früh indeß
-müssen Kinder angewöhnt werden, Spiel und Geschäfte zu unterscheiden,
-um diese achten und lieb gewinnen, jene aber entbehren zu lernen,
-wenn sie anders nicht ewig Kinder bleiben sollen. Doch warum mehr
-Bemerkungen über einen Gegenstand, der jetzt das dritte Wort unserer
-Schriftsteller ist, und auf allen Dächern gepredigt wird! Ich kehre
-mit dem Vorschlage zurück, daß so lange bis das Kind zum Mädchen oder
-zum Knaben heranreift, beide unter den Händen und der Aufsicht des
-weiblichen Geschlechtes bleiben sollten. Der Staat und das weibliche
-Geschlecht würden dabei gewinnen. Alle Kinderschulen sollten Weiber
-zu Aufseherinnen und Lehrerinnen haben, weil die Natur das weibliche
-Geschlecht dazu mit ausgezeichneter Fähigkeit hinreichend ausgestattet
-hat. Reinlichkeit, ein zur Erhaltung der Kinder so nöthiges und
-wichtiges Erforderniß, Sanftmuth, Geduld, Ausdauer bei anscheinend
-kleinlichen Beschäftigungen, Mittheilung, Redefertigkeit, und andere
-zur Kindererziehung unentbehrliche Eigenschaften, scheinen dem
-weiblichen Geschlechte von Natur eigen, bei dem männlichen dagegen
-bloß Kunstfertigkeiten zu seyn. Wie sich Natur zur Kunst verhält; so
-würde sich auch eine Kindererziehung durch Weiber gegen die jetzige
-verhalten. Schon gegenwärtig ist ihr Antheil groß; was würden wir
-ohne ihren Beistand vermögen? O, was für eine Schule für Mütter
-mittleren Standes, wenn eine Hauscapelle weinender und heulender
-Kleinen ihre Geduld prüft, und die Kinderfragen heranwachsender
-neugieriger, verschämter Mädchen und dreister Buben sie in Verlegenheit
-setzen! Ich begreife nicht, wie manches treffliche Weib so heterogene
-Angelegenheiten zu bestreiten vermag -- Dort windet sie dem kleinen
-Feldmarschall _Jakob_ Gabel, Messer und Scheere aus der Hand; hier
-reißt sie dem vielfräßigen Domherrn _Peter_ schädliche Dinge aus dem
-Munde; bald verscheucht sie von der kleinen schlafenden _Jette_ die
-Fliegen; und wie schwer ist der Wildfang _Karl_ zu befriedigen, der
-von Einem Zeitvertreibe zum andern abspringt! Wie viele Vigilien und
-wie viele Tageslasten sind ihr Theil und Erbe bei den ihr obliegenden
-Familiensorgen! -- Ist nun gleich die Dame höheren Standes, die nach
-Landes-Sitte und Brauch das strenge Recht für sich hat, ihre Kleinen
-wie Findelkinder zu behandeln, bei weitem so beschäftiget nicht; ist
-sie es indeß nicht immer weit mehr, als ihr geschäftiger Müßiggänger
-von Gemahl, der, mit großen Kleinigkeiten und vornehmen Gebrechen
-beladen, außer der Spinnstube seines hohen Collegiums, noch so viel
-anderes anzuspinnen hat, was freilich fast immer darauf hinausläuft,
-schlichte Dinge zu verwickeln, und den leichtesten Sachen einen
-Anstrich von Bedeutung zu geben! Des großen Staatsspinners! -- *Doch
-wie? würden Weiber wegen ihrer Furchtsamkeit und aus Gefühl ihrer
-Schwäche die Kinder nicht noch mehr verzärteln, und das menschliche
-Geschlecht nicht noch weichlicher machen, als es gegenwärtig schon
-ist?* Ein Einwurf, der nicht ohne Grund zu seyn scheint; allein nichts
-mehr als ein Gespenst, welches unsere Einbildungskraft in Schrecken
-setzt, aber desto mehr verschwinden muß, je mehr die Weiber sich ihrem
-Ziele nähern. Zärtlichkeit oder eigentliche Schwächlichkeit des Körpers
-ist oft ein Erbtheil der Geburt, und ungleich seltener eine Folge der
-weichlichen Erziehung. Im letzten Falle kann die Geschicklichkeit des
-Erziehers im Knaben- und Jünglingsalter wieder herstellen, was übel
-verstandene Zärtlichkeit im Kindesalter verdarb; da aber, wo der
-Keim schon kränkelt, wird die pflegende Hand der Kunst, anstatt eines
-Baumes, immer nur ein Zwerggewächs erziehen. Völlig wird jene Furcht
-verschwinden, wenn die Ordnung der Natur, die wir umkehrten, wieder in
-den vorigen Stand gebracht wird, und wir fürs erste uns entschließen,
-das andere Geschlecht bei diesem Geschäfte zu leiten. Schon hat man
-zum Theil aufgehört, das Kind in eine Puppe zu verwandeln, es in
-Federn zu ersticken, und, wenn es sich des einzigen Mittels seiner
-Lunge bediente, um sich aus seiner peinlichen Lage zu befreien, es
-mit Theriak oder einer sanften Hirnerschütterung zu betäuben; und
-gewiß, man wird aufhören, Kinder der Luft und dem Wasser zu entziehen,
-so bald die Weiber sich selbst bei dem Einflusse dieser Elemente
-behaglicher fühlen werden. Schon hat man die bisherige Knabenkleidung
-verdächtig zu machen gesucht, und dem Kinderanzuge überhaupt den
-Zwang vorgerückt, wodurch der Einfluß der Luft auf den ganzen Körper
-verloren geht, die Ausdünstung gehemmt, die Brust verengt, das
-Herz unterdrückt, Saft und Kraft -- wenn gleich (was leider nur
-selten der Fall ist) Alles unverdorben auf die Welt gebracht seyn
-sollte -- frühzeitig erschlafft und die Maschine übereilt wird. Die
-tyrannische Mode! Selbst unsere Mahler und Bildhauer sind ihrethalben
-der traurigen Verlegenheit ausgesetzt, zu einem idealischen Costume
-ihre Zuflucht zu nehmen, da die Ungereimtheiten der Mode nicht bei
-dem Altare des Geschmackes bestehen -- Eine feine Rache, welche die
-Natur an ihren Verächtern nimmt --! Bei Gelegenheit der bürgerlichen
-Weiberverbesserung wäre nichts leichter, als eine Kleiderordnung in
-physischer und moralischer Rücksicht in Gang zu bringen, sie wohlfeil,
-natürlich und einfach zu stellen, und diese Sache gleich fern von
-Übertreibung und Montirungssucht in Erwägung zu nehmen. Nur aus
-unverzärtelten, festen, wackern _Kindern_ werden unverzärtelte, feste,
-wackere _Leute_! -- Lasset die Weiber erst sich selbst stark fühlen,
-und sie werden an Leib und Seele starke Kinder leiblich gebären und
-geistlich wiedergebären -- sie zur Welt bringen und erziehen. Warum
-soll denn die Haut mit der Sonne in Feindschaft leben? Fehlgeschlagene
-Hoffnungen, Unterdrückungen, Collisionen sind der Geschmeidigkeit des
-Charakters, den Grazien der Sitten ungünstiger, als jenes unbiegsame
-Äußere. Vom Gefühl einer edlen Freiheit, hangen Muth, Freimüthigkeit
-und jene umfassende Heiterkeit ab, die auch durch die finsterste
-Stirn bricht und auf der rauhesten Oberfläche durchschimmert -- Und
-was gilt euch mehr: jene zweideutigen Aussprüche zu Delphi, oder eine
-unbiegsame Aufrichtigkeit? Aufrichtigkeit bahnt den Weg zur moralischen
-Allmacht -- wogegen durch lebensartige Feinheit der Absicht ganz
-entgegengesetzte Wirkungen resultiren -- Je nachdem man auf diesen
-oder jenen Umstand Licht fallen läßt; je nachdem thut er Wirkung --
-Hat die Furchtsamkeit ihren Grund nicht bloß in dem Gefühl des Mangels
-an körperlichen Kräften und in der Beschränktheit des Verstandes? Ein
-berühmter Englischer General bemerkte, daß seine Truppen nie mehr Muth
-hatten, als wenn ihr Magen mit Pudding und Roastbeef angefüllt war.
-Hunger macht feige, Mangel blöde, Unterdrückung verzagt. --
-
-Die Weiber zu _Sparta_ kannten weder Weichlichkeit noch Furchtsamkeit.
-_Ich habe ihn für das Vaterland geboren_, war die heroische Antwort
-jener Spartanerin, als man ihr die Nachricht brachte, ihr einziger Sohn
-sei in der Schlacht gefallen.
-
-Entwickelt sich der Unterschied der Geschlechter im Knaben und Mädchen,
-so muß der Bürger auf den Menschen gepfropft, der Stand des Bürgers
-an den der Natur geknüpft, und die Vorbereitung zu mannigfaltigen
-untergeordneten Bestimmungen eröffnet werden; und nun ist es Zeit zu
-einem sichtbaren Merkzeichen der Absonderung der Geschlechter.
-
-Diese Geschlechts-Einkleidung wird alle besorgliche Folgen, welche
-die Natur-Uniform etwa bei den Schwachen, die doch immer unter uns
-sind, erregen möchte, unausbleiblich vertilgen, Knaben und Mädchen,
-die als Kinder vertraut waren, in Fremde (wenn gleich nicht in
-Wildfremde -- und weshalb auch das?) umschaffen, und Alles bis auf die
-Rückerinnerung ihrer ehemaligen Bekanntschaft vertilgen. Würde nicht
-diese Geschlechts-Einkleidung auf einmal den einzigen Unterschied, den
-die Natur beabsichtiget hat, zwischen beiden Geschlechtern festsetzen,
-ohne dadurch einen bürgerlichen Unterschied herauszubringen oder zu
-erzwingen, und ohne dadurch Sitten und Wohlstand im mindesten in
-Gefahr zu setzen? Dies wäre der Glockenschlag, welcher Erziehung
-und Unterricht der Geschlechter- und Bürgerbestimmung näher bringen
-würde. -- War nicht schon bei den Römern eine ähnliche Einrichtung in
-Hinsicht auf das männliche Geschlecht? und sagt nicht die Geschichte,
-daß der Jüngling Vaterlandsliebe und alle große Eigenschaften eines
-Römers mit der _toga virili_ (mit dem Mannskleide) anlegte? Es ist
-eine Schande, eine Stunde länger zu leben, als man hätte leben sollen;
--- allein es bleibt eine eben so große Schande, eine Stunde früher
-zu leben anzufangen, als man dazu fähig ist -- und so wie das Ende
-das Werk krönt, und der letzte Tag der Richter aller seiner Vorgänger
-ist, so sollte man gewisse Tage aussondern, und sie zu Denkmählern
-machen. Jener Tag der Geschlechtsabsonderung, der bürgerlichen
-Einsegnung, würde zu diesen festlichen Tagen gehören. Ganz müßte
-das Erziehungsgeschäft in dieser neuen Epoche noch nicht den Händen
-der Weiber entzogen, noch weniger ein Unterschied in Erziehung und
-Unterricht zwischen beiden Geschlechtern veranstaltet werden, bis auf
-die Verpflichtungen, zu denen jedes von der Natur besonders berufen
-ward, welche, in so fern sie für diesen Zeitraum gehören, bei jedem
-Geschlechte durch Personen des seinigen gelehrt werden müßten; wogegen
-alles Übrige ohne Rücksicht auf diesen Unterschied, so wie die Umstände
-es forderten oder erlaubten, von Personen beiderlei Geschlechts gelehrt
-werden könnte. Da Mann und Weib eigentlich nur Ein Mensch sind; so kann
-auch selbst nach jener Geschlechtsabsonderung keine völlige Scheidung
-eintreten: Was Gott zusammen fügt, soll der Mensch nicht scheiden
--- In der Epoche, welche bei Mädchen etwa bis zum 16ten, und bei
-Knaben bis zum 18ten Jahre dauern könnte, müßten beide Geschlechter
-zu den bürgerlichen Bestimmungen vorbereitet und in Allem, was darauf
-Beziehung hat, ohne daß man auf den Geschlechtsunterschied Rücksicht
-nähme, unterrichtet werden. Daß hierbei die völlige Entwickelung des
-Menschen nicht aufzugeben oder nur bei Seite zu setzen ist, versteht
-sich von selbst. Würden bei dieser soliden Einrichtung nicht mit
-dem mannbaren Alter beide Theile ohne Unterschied unbedenklich da
-hingestellt werden können, wo sie, dem Staate nützlich zu seyn,
-Anlage zeigten? Entwöhnt dem größten aller Übel, der langen Weile,
-die mehr als der Tod zu fürchten ist, müßten jetzt der Jüngling und
-das Mädchen Geschäfte angewiesen bekommen, wozu sie mit Neigung
-und Geschicklichkeit versehen sind. Ehre, Rechte und Belohnungen
-werden alsdann nicht ein Geschlechts-Prärogativ, sondern Folgen des
-persönlichen Verdienstes. Weiber, die bisher ein Etwas ohne Namen und
-Rechte waren, würden auf diese Weise Personen und Staatsbürger werden.
--- _Plato_ wollte die Vertheilung des Privatvermögens den Gesetzen
-in die Hände spielen. So viel Gerechtigkeit auch in dieser Idee zu
-liegen scheint, zu so vielen Ungerechtigkeiten würde sie verleiten.
--- Das Vermögen der Weiber indeß, wenn sie gleich ganz allein darüber
-zu verfügen glauben, _scheint_ bloß ihrer Gewalt unterworfen zu seyn;
-denn eigentlich sind Männer die Eigenthümer desselben, die mit diesem
-Kreuz, das sie wohlbedächtig in Händen behalten, sich zu segnen nicht
-ermangeln. Wie viele Kassen-Defraudationen hier vorfallen, liegt
-am Tage. -- Bloß der Entschluß der Weiber, sich dem Staate nicht
-entziehen zu wollen, setzt sie in das Eigenthum ihres Vermögens, und
-sie werden nur sich selbst nöthig haben, um zu denken und zu handeln.
-»Er beleidigte nicht mich, sondern den, für den er mich ansahe,« sagte
-König _Archelaus_, als man ihn auf der Straße mit Wasser begossen
-hatte; -- und so wird das andere Geschlecht sich oft erklären müssen,
-und sich gern erklären, ehe jene Grundsätze, es ehren zu wollen, weil
-ihm Ehre gebührt, zur Gewohnheit geworden sind.
-
-Die Physiokraten halten in ihrem System die producirende Klasse der
-Staatsbürger für die nützlichste, und da für den Staat der Nutzen
-das Einzige ist, was die Rangordnung der Bürger bestimmt; da dieser
-Nutzen die Bürger klassificirt: wie wollen wir denn eine ganze
-Hälfte des menschlichen Geschlechtes, welche an der Hervorbringung
-und Fortpflanzung desselben den wesentlichsten Antheil hat, von der
-Bürgerehre ausschließen? und da wir sie schon ohne Urtheil und Recht
-willkührlich aus angestammter Machtvollkommenheit ausgeschlossen haben,
-ihnen die Wiedereinsetzung in den Paradiesstand verweigern? Werden sie
-nicht, gehörig dazu vorbereitet, mit Ehren rathen, helfen, fördern in
-allen Staatsnöthen? Bis jener hingeworfene Umriß einer neuen Ordnung
-der Dinge in seinem ganzen Umfange in der bürgerlichen Gesellschaft
-eingeführt werden kann, öffnet, Männer! der jetzigen weiblichen
-Jugend je eher je lieber unsere Educations- und Lehranstalten, und
-erlaubt ihr, an der Erziehung und dem Unterrichte, so wie er hier
-gelehrt und gelernt wird, Theil zu nehmen, ohne euch von der Furcht
-vor nachtheiligen Folgen abwendig machen zu lassen. Prüft jene
-hämischen Alltagszweifel: es wird Anstoß, Aufsehen, Ärgerniß geben,
-es wird nachtheilige Folgen haben; -- prüft, und ihr selbst werdet
-sie unentscheidend finden. Man kann sich vor der Furcht, und auch vor
-der Hülfe fürchten. Soll eine verwerfliche Einrichtung der Dinge,
-und wenn sie tausend mahl tausend Jahre gewährt hätte, auch bei dem
-unbehaglichen Gefühl des Nachtheiligen, bei der gewissen Aussicht einer
-besseren Zukunft, darum noch ungestört fortdauern, weil ihre Abänderung
-mit Schwierigkeiten, vielleicht mit anscheinend bedenklichen Folgen,
-verknüpft seyn _kann_? Wäre je in der Welt etwas Großes unternommen
-worden, wenn wir das Für und Wider so ängstlich abgewogen hätten?
-Wäre der Mensch da, wo er gegenwärtig ist, hätte er je so merkliche
-Fortschritte gethan, wenn er, nach der Weise des Elephanten, ehe
-er den Fuß weiter fortbewegt, ängstlich untersucht hätte, ob der
-Boden, den er betreten wolle, auch fest sey? -- Anstoß! Wie man dies
-Wort von weitläuftigem Bedeutungsbezirk nimmt. Unsere symbolischen
-Vorfahren hätten gewiß den schrecklichsten Anstoß genommen, wenn in
-einem Erziehungshause Kinder mit und ohne Vorhaut zusammen gekommen
-wären, um an allerlei Unterricht Theil zu nehmen. Welchen Nachtheil
-für das Christenthum würde man befürchtet haben, wenn ein Abkömmling
-des Stammes Juda mit dem Sohne eines General-Superintendenten aus dem
-blinden Heiden _Cicero_ Menschen- und Bürgerpflichten gelernt hätte!
-Und wer kennet nicht Staaten, wo dies ohne das leiseste Geräusch der
-Eiferer bewirkt wird, und ohne daß die Grundfesten des Christenthums
-auch nur die mindeste Erschütterung befürchten?
-
-_Die Sittlichkeit würde Gefahr laufen!_
-
-Wie denn das? Werden nicht schon jetzt Mädchen und Jünglinge von
-einem und demselben Geistlichen, zu einer und derselben Zeit, auf
-eine und dieselbe Art in der Religion unterrichtet? Die Anstalt ist
-schon da; sie darf nur ausgedehnt werden. Und was kann uns behindern,
-_die_, denen wir in der Kirche gleiche Rechte mit uns einräumen, in
-die Bürgergemeinschaft aufzunehmen? Werden Mädchen und Knaben durch
-gemeinschaftlichen Unterricht zu _Christen_ vorbereitet, warum sollen
-wir sie nicht gemeinschaftlich zu _Bürgern_ erziehen? Sollte denen,
-welchen die erforderliche Anlage zu Himmelsbürgern zugestanden wird,
-der Beruf zur Staatsbürgerschaft abgesprochen worden? Warum leiden in
-dieser Gemeinschule die Sitten nicht, obgleich der Religionsunterricht
-in Jahren ertheilt wird, wo der Geschlechtstrieb äußerst reitzbar ist?
-Sind die Schüler und Schülerinnen dort nicht eben so wie hier unter
-Aufsicht? wird ein kluger Lehrer und Erzieher den Veranlassungen zur
-Erweckung des Geschlechtstriebes nicht überall geschickt auszuweichen
-wissen, und jede Belehrung über die künftige Bestimmung seiner Zöglinge
-so einzulenken verstehen, daß die Folgen nicht schädlich, sondern
-segensreich ausfallen?
-
-_Wird das andere Geschlecht unseren Erwartungen entsprechen? wird es
-unsere Bemühung lohnen?_
-
-Wir wollen also erndten und uns der Mühe überheben, zu pflanzen? Auf
-welche Art werden wir uns von der Tragbarkeit des Bodens versichern,
-wenn wir ihn nicht anbauen? Hat denn nicht bis itzt jeder Boden dieser
-Art den auf ihn verwendeten Fleiß gelohnt? und dürfen wir hier einen
-andern Erfolg befürchten, wenn wir es unserer Trägheit nur abgewinnen
-können, einen ernstlichen Versuch anzustellen? In Alles was die Natur
-hervorbrachte, legte sie Keime, die nur einer Veranlassung bedürfen,
-um entwickelt zu werden. Würden nicht die Weiber jedem bürgerlichen
-Stande, zu welchem man ihnen Zutritt vergönnte, Ehre machen? Und
-welches bürgerliche Geschäft könnte, so lange sie durch ihre besondere
-Geschlechtsbestimmung nicht daran behindert würden, unter ihren
-wohlwollenden Händen sich schlechter befinden? Müßte das Ganze wegen
-des Wetteifers, der zwischen beiden Geschlechtern entstehen würde,
-nicht unendlich gewinnen? Nicht die Nymphe _Egeria_, welche _Numa_
-selbst, nicht _Pythia_, welche die Helden des Alterthums um Rath
-fragten, wenn sie Gesetze geben, wenn sie Länder erobern wollten, nicht
-die _Aspasien_ und _Phrynen_, zu denen ein _Perikles_, ein _Sokrates_
-in die Schule ging, um Weisheit und Regierungskunst zu lernen --
-sollen sich hier der Beispiellehrstühle bemächtigen. Jene hat die
-Fabel in ein ätherisches Gewand gehüllt und sie unserm Auge zu weit
-entrückt, als daß wir sie noch ferner dem Geschlechte zum Vortheil
-anrechnen könnten, ob sie gleich seinen Namen führen und keine Fabel
-ohne Wahrheits-Ingredienz anfängt und vorhanden ist -- So hieß der
-Grosoncle eines von den weltberühmten Lügnern neuerer Zeit, _Josephs
-Balsamo_, der sich _Graf Cagliostro_ nannte: _Cagliostro_ -- Lauter
-Lügen halten so wenig zusammen, daß nie etwas Vernünftiges, etwas
-Ganzes herausgebracht werden kann -- Will man den poëtischen Tugenden
-jener weiblichen Heldennamen keine Glorie und keinen Ehrenschein
-einräumen -- immerhin! wir haben auch prosaische Beispiele, um
-außer Zweifel zu setzen, daß, ungeachtet das weibliche Geschlecht
-(wenn gleich nicht durch ein förmliches Gesetz, so doch durch ein
-stillschweigendes Übereinkommen, welches oft noch grausamer und
-drückender ist) von der Stoa, der Akademie und dem Prytaneum entfernt
-gehalten wurde; ungeachtet man den Weibern die Schulen des Unterrichtes
-und der Weisheit verschloß, sie dennoch Gelehrte und Weise unter sich
-aufweisen können, die ihre Namen durch Thaten und Schriften unsterblich
-gemacht haben. Es würde nicht schwer fallen, in vielen Fächern des
-weitläuftigen Gebiets menschlichen Wissens und menschlicher Kunst
-weibliche Namen aufzufinden, die sich einen Anspruch auf Achtung und
-Ruhm erwarben. Schon erwies ich einigen in so weit Gerechtigkeit,
-als sie sich durch große Eigenschaften auszeichneten. Wohlan! die
-Geschichte mag auftreten, und uns bezeugen, welchen wichtigen Antheil
-das weibliche Geschlecht an der Ausbreitung der christlichen Religion
-nahm, und wie groß in dieser Rücksicht sein Verdienst um Sittlichkeit
-und Aufklärung ist! Der Stifter dieser wohlthätigen, die Rechte
-der Menschheit vertretenden und menschenfreundlichen Religion (die
-sich so himmelweit von jenen _heidnischen Culten_ unterscheidet,
-welche über die Götter die Menschen vergaßen, und eben so von den
-_Jüdischen_, die den Menschen durch äußeren Zwang allmählich zum
-Geiste der Tugend gewöhnen wollten, aber das Volk, bei der besten
-Absicht seines Heerführers _Moses_, in der Wüste der Heuchelei und
-der Äußerlichkeit ließen, ohne daß es je das moralische Kleinod
-erreichte, wozu diese Umwege es anlegten) unterrichtete die _Schwester
-seines Freundes Lazarus_, und gab der _Maria_ vor der bloß häuslichen
-_Martha_ den Vorzug: _Maria hat das beste Theil erwählt, das nicht
-von ihr genommen werden soll_. Die Geschichte der Apostel gedenkt
-einer frommen _Tabea_, die sich nicht nur durch ihren Wandel unter
-den Neubekehrten auszeichnete, sondern auch thätigen Antheil an der
-Ausbreitung der Lehre nahm, die sie angenommen hatte. Nennet die
-Kirchengeschichte nicht eine Menge von Weibern, die mit Heldenmuth
-ihren Glauben bekannten, und sich weder durch Martern noch Verheißungen
-in ihrem Bekenntnisse wankend machen ließen? die bei dem Verzicht auf
-alle Hoheit, auf Ehre und Überfluß, unter Verachtung, Hohn, Mangel und
-Verfolgung ihrer Überzeugung mit unerschütterlicher Standhaftigkeit
-anhingen? Der Stifter der christlichen Religion bewundert so oft das
-gläubige Zutrauen des andern Geschlechtes zu seiner Lehre, und hat
-dasselbe so wenig von der Theilnahme an den Vorzügen der vernünftigen
-lauteren Milch seines Unterrichtes ausgeschlossen, daß er es vielmehr
-mit auf die Erhebung desselben und auf Befreiung von den Ketten,
-die es trug, angelegt zu haben scheint. Und in der That, wenn diese
-Religion in ihrer reitzenden kindlichen Gestalt erscheinen will --
-zeigt sie sich nicht in Kindern und ihren Pflegerinnen, den Weibern?
-Weibliche Herzen sind, wenn ich so reden darf, mit den Lehren dieser
-Religion gleichsam amalgamirt; denn in Wahrheit, die höchste Stufe
-der Menschheit ist nicht speculirende Vernunft, nicht Philosophie
-allein, sondern ein gewisses Etwas, das, wenn es Regierungskunst heißt,
-eine Kunst ist, der die Natur selbst sich unbedenklich unterwirft
--- Ein kühler Trunk kann Lebensgeister zu der Wohnung, die sie fast
-schon verlassen hatten, zurückrufen, kann aber auch ein Gift für
-den erhitzten Wanderer werden: Das Schwert, das uns beschützt, wird
-leicht unser Mordgewehr. Die gebildete Freiheit, die sich so sehr
-von der unregelmäßigen und von dem höchsten Grade derselben, der
-Zügellosigkeit, unterscheidet, könnte _christliche Freiheit_ heißen.
-Und ihre Schule? -- ist die Schule der Weiber. -- Wenn Männer mit
-Verzichtleistung auf ihre Stärke, die so leicht in Leidenschaft
-ausartet, eigentliche Christen werden, und Selbstrache, Blutvergießen,
-alle Machtsprüche und Machtbeweise aufopfern sollen; so wähnen sie, daß
-sie bei diesen christlichen Tugenden ihr Geschlecht einbüßen -- Es ist
-schwer Gutes zu wollen und zu thun, wenn das so leicht auszuführende
-Böse noch obendrein Ehre bringt -- Ich mag diesem Gegenstande
-wohlbedächtig nicht näher treten -- -- --
-
-Überall wo Genieflug und Kunstfleiß der Menschen hinreicht, treffen
-wir Weibernamen an, die um den Preis ringen. Es sind nicht Weiber,
-die auf einem ganz entgegen gesetzten Wege ihre Eitelkeit zu
-befriedigen suchten, weil sie auf dem geschlechtsüblichen nicht
-fortkamen; sondern solche, die, von ihrem Geiste getrieben, jene
-Kräfte anlegten, welche die Natur ihrem Geschlechte so reichlich
-und täglich gespendet hat. Welch eine ehrenvolle Stelle nimmt _Anna
-Comnena_ unter den Byzantinischen Geschichtschreibern ein! Die
-_große Tochter Heinrichs des Achten_, die England nicht durch das
-Parlament regierte, sondern deren Wink für dieses, Staatsgesetz war,
-vor der es die Knie beugte, die, wenn sie gleich nicht den stolzen
-_Philipp_ so doch seine unüberwindliche Flotte überwand, hat eine
-ihr würdige Geschichtschreiberin an der _Keraglio_ gefunden. In den
-Jahrhunderten der Unwissenheit, wo tiefe Mitternacht die Völker
-Europens von einem Ende bis zum andern bedeckte, wo alle Sehnen des
-Geistes völlig abgespannt waren, versuchte es die Nonne _Roswitha_,
-das heilige Feuer der Gelehrsamkeit wieder anzuzünden. _Die Dacier_
-und _die Reiske_ thaten sich durch Sprachkenntnisse hervor; und wie
-viele machten sich nicht in England, Frankreich und Deutschland durch
-Schriftstellertalente berühmt? Wem sind die Namen einer _Macaulay_,
-einer _Genlis_, einer _Sevigné_, einer _la Roche_ unbekannt?
-
-_Weiber entdeckten nichts, erfanden nichts. Es gab unter ihnen keinen
-Newton -- keinen_ -- -- --
-
-Und warum? war es nicht ein Ungefähr, das von Anbeginn unter Menschen
-Erfindungen zu Stande brachte? Schien nicht die Natur bei allen
-menschlichen Erfindungen sich den Haupttheil zu reserviren? legte _sie_
-nicht dies beste Brot vor das Fenster? Wurden jene Entdeckungen und
-Erfindungen nicht den Erfindern und Entdeckern in die Hand gespielt?
-Lag es an Weibern oder an der ihnen verweigerten Gelegenheit, wenn sie
-hier zurückblieben? -- Man räume ihnen Kanzeln und Lehrstühle ein,
-und es wird sich zeigen, ob sie (der schuldigen Achtung für _Paulus_
-unbeschadet, welcher nicht will, daß die Weiber in der Gemeine sich
-sollen hören lassen) nicht eben so gut unsere Überzeugung zu gewinnen
-wissen. Ohne allen Zweifel werden sie sich einen noch leichteren
-Zugang zu unserm Herzen bahnen. Schon sind uns hier die Quäker mit
-ihrem Beispiele vorgegangen. Die Predigten der Weiber würden sich zu
-den Predigten vieler unserer Seelenwächter sehr oft verhalten, wie die
-von _Bourdaloue_ zu denen von einem Stümper seiner Zeit: Wenn dieser
-predigte, ward _gestohlen_; wenn jener auftrat, ward _wiedergegeben_.
-So wie es bei Körpern eine Ansteckung giebt, so auch bei Gemüthern
-und Seelen; und wenn es allgemein nicht unrichtig ist, daß schon in
-den _Augen_ Tod und Leben liegt, und daß gewisse Leute vermittelst
-derselben beides, tödten und lebendig machen, können: so ist dies
-besonders der Vorzug der Weiber -- Die ganze Zauberei scheint sich
-aus den Augen herzuschreiben -- Auge und Athem sind die Seelenvocale
-der Liebe und des Hasses; und wer versteht die Augensprache besser
-als die Weiber? Sie können vermittelst derselben lange Reden im
-Zusammenhange halten; und wer ist, der von dieser Beredsamkeit nicht
-ein Zeugniß abzulegen im Stande wäre? -- Sind es aber bloß die Augen,
-die bei den Weibern reden? Das ganze Leben der Weiber bestehet mehr
-im Reden als im Handeln: ihre Reden sind gemeiniglich Handlungen;
-und wenn wir einen Mann verachten, dessen Leben eher ein Lexikon als
-eine Geschichte vorstellt, so ist dies nicht der Fall bei dem schönen
-Geschlechte, das gewaltiglich spricht -- Das Leben eines Weibes würde
-ein Conversations-Gemählde seyn -- wie bewunderungswerth ist es,
-selbst in anscheinend unwichtigen, oder so genannten Nebenfällen!
-Was Weiber _sagen_, fließt oft weit mehr aus ihrem Herzen, als das,
-was Männer _thun_; und so haben ihre Reden für den denkenden und
-empfindenden Menschen auch oft mehr Interesse, als viele Handlungen
-der Männer. Durch Reden kann man, wenn ich mich so ausdrücken darf,
-seinem Gedankengemählde ein gewisses Colorit mittheilen; und wie viele
-Nüancen giebt es hier, wenn man bloß bei seinem Herzen Unterricht
-nimmt! Man sollte fürchten, daß Weiber, an Toiletten gewöhnt, ihre
-Gedanken und Empfindungen an diesem Altar durch Putz verderben würden.
-Nein! diese Seelen-Toiletten überlassen sie gern unserm Geschlechte
--- Selbst wenn viele unter ihnen von Amts- und Geschlechtswegen
-Musterkarten des modischen Putzes und der gäng' und geben Hofeitelkeit
-werden müssen, verändert ihr Ausdruck nicht seine Natur; Milch und
-Honig bleibt ihre Rede. -- -- Heißt Genie Weisheit? Wörterkram und
-Sophisterei Vernunft? Alles was nicht auf gesunden Menschenverstand und
-moralische Religion berechnet werden kann, ist nicht wahre Weisheit
-und ächte Vernunft. Falsche Perlen und Glanzgold, womit Weiber ihren
-Körper schmücken, überlassen sie in Hinsicht des Geistes den Männern
--- Die tiefste Wahrheit kann in eine Volks-Idee gekleidet werden,
-und eine Wahrheit, die kein _Sokrates_ in das gemeine Leben bringen
-kann, ist nicht viel mehr als Sophisterei, womit man seinen Kopf
-nicht verderben und sein Herz nicht verfälschen sollte -- Weiber
-sind geborne _Protestantinnen_, und haben die Religion der Freiheit,
-die Anweisung Gott im Geist und in der Wahrheit anzubeten. Bei dem
-systematischen Gerüste der Religionslehren finden sie kein Interesse,
-und schwerlich werden sie je durch Doktorhüte in der Gottesgelahrtheit
-gereitzt werden. Sie legen es nicht darauf an, Gottes Existenz zu
-erweisen; vielmehr sind sie dem Neumonde von Philosophie anverwandt
-und zugethan, der den unerweislichen Gott für ein Postulatum der
-Vernunft erklärt, weil er zu unserer Glückseligkeit nothwendig ist.
-»Wer gewisse Dinge erweisen will,« sagte _Frau v._ **, »zweifelt
-entweder selbst, oder will den Zweifeln Anderer mit Höflichkeit
-zuvorkommen.« Ein theures wahres Wort --! Das Minimum von Glauben, ein
-Glaubens-Senfkorn, und die Vorstellung von der Möglichkeit der Existenz
-Gottes, ist hinreichend, um _Alles_ aus uns zu machen, was aus uns
-gemacht werden kann, und unsere Tugend menschenmöglichst untadelhaft
-und rein darzustellen in der Liebe -- Der Zweifel anderer, besonders
-in gutem Geruch stehender, kluger Männer verwickelt oft wider Denken
-und Vermuthen (könnte man nicht sagen: wider Verstand und Willen?)
-in Zweifel -- Weiber haben Gott _im Herzen_; und da sie wohl wissen,
-daß wegen der zweckvollen Einrichtungen der Natur die Grundursache
-als verständig gedacht werden muß: so kümmert es sie nicht, wie viel
-oder wie wenig die speculative Vernunft zu diesem Glauben beitrage.
-Der moralische Beweisgrund (er verdiene den Ehrennamen _Beweis_ oder
-nicht) wirkt in ihnen einen lebendigen Glauben. Wie viele haben Gottes
-Existenz tapfer demonstrirt und durch ihr Leben diese Demonstration
-noch tapferer widerlegt! -- Seinen Willen thun, bleibt der beste
-Beweis, daß er sey. Das größte Problem ist, den Menschen den _Willen_
-beizulegen; an _Einsicht_ fehlt es ihnen weniger. _Franklin_, ein
-Mann, deßgleichen weder das Griechische noch das Römische Alterthum
-aufzuweisen hat, sagte: »Gäbe es einen Gottesleugner, er würde sich
-beim Anblick, von _Philadelphia_, einer so wohleingerichteten Stadt,
-bekehren;« und die Erde, _diese große Stadt Philadelphia_, sollte
-so viel nicht über den Gottesleugner vermögen, so bald er aufhört,
-Alles nach seiner, eigenen kleinen Elle zu messen? Nicht auf unsere
-Meinungen, sondern auf das kommt es am Ende an, was diese Meinungen
-aus uns machten. -- -- Das Glück der Unschuld, die Würde der Natur,
-der Drang nach Freiheit, die Freude eines stillen Lebens, der hohe
-Werth der Kunst sich in sein Schicksal zu finden, sind Hauptgegenstände
-der Weiber. Wie man aus dem Umgange den Menschen kennt, so bestimmen
-seine Lieblingsgegenstände seinen Verstand und seinen Willen -- Jene
-Verschiedenheiten des Ausdrucks, jenes Zurückhalten, ist bei Weibern
-nicht wie bei uns Heuchelei; um Alles würden sie gewisse Dinge nicht
-sagen, einer gewissen sittlichen Reinheit der Sprache nicht ungetreu
-werden, und in plumpe Zweideutigkeiten und Zoten fallen, wenn auch
-diese Sittsamkeit und Enthaltung weniger Reitze hätte. Die Keuschheit
-des Körpers ist mit der Keuschheit der Seele und der Sprache in genauer
-Verbindung -- Weiber kennen so wenig die Regeln als die Gränzen der
-Sprache, überschreiten die ersteren, und erweitern die letzteren --
-Wie manche glückliche Bereicherung hat die Sprache ihnen mittelbar
-und unmittelbar zu danken! Das Mittelmäßige kann im Geschlechte gar
-nicht aufkommen; was sich unterscheidet, ist vorzüglich -- Sie reden
-zwar noch, wenn sie schweigen; keiner ihrer Blicke ist sprachlos;
-ihre unarticulirten Ausdrücke der Leidenschaften, wodurch Menschen
-tief in das Herz der Menschen dringen, sind unüberwindlich --:
-allein, wer ist beredter als sie, wenn sie wirklich sprechen! -- Jene
-sprachlose Beredsamkeit kann weiter Niemand als sie auf Worte bringen
-und übersetzen. Männer sagen oft nichts, wenn sie zu viel sagen, so
-wie man nichts beweiset, wenn man zu viel bewiesen hat. In den Worten
-der Weiber, auch wenn sie überfließen, liegt Absicht, Gewicht und
-Nachdruck. Auge und Sprache sind Ein Herz und Eine Seele, und Weiber
-haben nicht nur in ihrem Blick, in ihrem Auge und auf ihrer Zunge Hölle
-und Himmel, Leben und Tod, Wohl und Wehe; sondern selbst ihr Hören ist
-von der äußersten Bedeutung -- Sie hören anders als wir; und wer kann
-den Einfluß leugnen, den das Gehör auf unsere Rede behauptet? -- Ich
-kenne einen schwer beamteten vornehmen Mann, der in dem Rufe steht,
-daß er alle Menschen höre; auch hört er wirklich Alles, was sich in
-seinem Vorzimmer hören lassen will: und doch klagt alle Welt, daß er
-nicht höre; -- entweder ist er zerstreuet oder unfähig zu verstehen.
-Es giebt eine moralische Taubheit bei dem besten physischen Gehör --
-Man kann gütig und gerecht, unfreundlich und zuvorkommend hören -- Der
-schüchterne bescheidene Jüngling zieht aus dem geneigten Gehör seines
-Beschützers Muth und Leben, und man kann abhören, anhören, aufhören,
-aushören und beim Hören in eine Art von Horchen fallen, welches durch
-das Ohrenspitzen in Verlegenheit, wo nicht gar in Verwirrung, setzt --
-Weiber sind Meisterinnen in der Kunst zu hören, Original-Hörerinnen,
-und ich weiß nicht, ob sie im Hören oder im Sprechen stärker sind. Es
-ist leichter, mit dem Publico, als mit dem Cirkel fertig zu werden,
-worin man lebt, wenn dieser Cirkel aus witzigen Weibern besteht; und
-nicht der Männer, sondern der Weiber halben bleib' ich anonymisch, so
-sehr auch meine Schrift den Weibern das Wort zu reden scheint. --
-
-Die Weiber sind viel zu sehr Kenner des menschlichen Herzens, als daß
-sie nicht wissen sollten, auch die verborgensten Falten desselben
-auszuspähen, Leidenschaften zu erregen oder dem Ausbruche derselben
-zuvorzukommen. Wer weiß mehr als sie, ihre Wuth zu besänftigen, je
-nachdem es ihre Absichten erfordern! und gewiß würde es ihnen auf
-dieser Bahn besser glücken, als den berühmtesten Demagogen. _Rom_
-würde vielleicht bald nach seiner Entstehung wieder in sein voriges
-Nichts zurückgefallen seyn, wenn die neuen Römerinnen sich nicht
-ihrer Räuber angenommen, und die entrüsteten Sabiner beruhigt
-hätten. Was wär' aus _Coriolan's_ Vaterstadt geworden, wenn die
-Mutter den Sohn nicht besänftigte? Ohne den Römischen Stolz und die
-edle Aufforderung eines Weibes (_Margarethe Herlobig_) wäre der
-Schweizerbund vielleicht nie zu Stande gekommen -- Die Überredungsgabe
-eines Weibes übertrifft Alles, was Kunst je geleistet hat. Und ihre
-Lehrmethode? In Wahrheit, Weiber sind äußerst lehrreich: sie sind so
-große Lehrerinnen, als Erzieherinnen. Wer Weiber bloß auf Gefühle und
-Empfindungen reducirt, kennt weder Gefühle, noch Empfindungen, noch
-die Weiber. Oder wie? lehrt das Herz etwa den Kopf? verleihet das
-Gefühlsvermögen dem Erkenntnißvermögen evidente Gefühle zum Vergleichen
-und zum Entscheiden? Stammt das moralische Gefühl, wenn es anders ein
-wirkliches Etwas seyn soll, nicht aus der Vernunft? Muß nicht der
-Kopf dem Herzen Grundsätze so eigen machen, daß es die Achtung für
-das Gesetz als Gewohnheit, als Gefühl ansieht? -- Das Herz, unbelehrt
-von der Vernunft, kann wenig oder nichts ausrichten; es muß geistisch
-gerichtet seyn -- Wenn der Philosoph, der Wortführer der Vernunft,
-nicht wäre; was würde der Dichter, der sich nach dem Haufen richten und
-selbst zu Volksunarten sich herablassen muß, Gutes stiften? Der Dichter
-muß seine Weihe im Tempel der Vernunft erhalten und die süßesten
-Gefühle an Grundsätze knüpfen, wenn er unsterblich seyn will. Weiber
-verstehen jene Chemie, die man die höhere nennen könnte, Grundsätze
-in Gefühle aufzulösen, und das, was der theoretische Hexenmeister
-der Philosophie in schweren Worten ausdrückt, zur Leichtigkeit einer
-Gewohnheit zu bringen -- Weiber haben Sitten, Männer Manieren: diese
-werden durch Erziehung erworben, durch Nachahmung erlernt, durch
-Umgang mitgetheilt; jene hangen von Herz und Vernunft ab. Man sagt:
-Weiber wären kärglicher in ihren Wohlthaten, und an sich und von
-Natur geitzig. Nicht also; ihre Neigungen des Wohlwollens entstehen
-aus Grundsätzen, nicht aber aus dem vorübergehenden Rausche des
-Mitleidens, wie es sehr oft bei uns der Fall ist. Seht! wie schön
-wissen sie selbst bei angestammter Etiquette, bei den patentisirten
-Manieren noch zu modificiren! Auch sogar bei der Liebe halten sie sich
-nicht an das Formular und an die Agende.-- Wir haben unsern _Kubach_,
-und alles ist in _bekannter Melodie_ -- Von Weibern könnte man sogar
-sagen: _sie lieben insgesammt, doch jede liebet anders_. -- Zur
-Hoffnung haben sie eine außerordentliche Anlage; überall wollen sie
-Aussicht: ein Garten, der sie ihnen raubt, ist ihnen ein Gefängniß --
-Die gnädige Frau ist in guter Hoffnung, heißt: sie wird bald Mutter
-werden --. Wir wollen alles fröhlich um uns haben, wenn _wir_ es sind,
-und legen diese Fröhlichkeit unserm Cirkel so nahe, daß, er mag wollen
-oder nicht, er einstimmen muß -- Weiber machen Alles fröhlich, wenn sie
-es sind. Alle ihre Feste sind Erndtefeste, Laubhüttentage, welche die
-Natur geheiligt hat; bei den unsrigen werden Kanonen gelös't -- sie
-können sich ohne Tafelmusik behelfen. (Der leibliche, geistliche und
-ewige Tod aller Unterhaltung.) An Gott denken, heißt ihnen Andacht;
--- an sich denken, heißt ihnen sterben lernen, und philosophiren sich
-verlieben; und wer so denkt der denkt wohl! -- wer so handelt, ist
-nicht auf unrichtiger Bahn --
-
-Sprachen sieht man nicht ohne Grund als den Schlüssel zu dem Magazin
-aller Kenntnisse und alles Wissens an, und eine jede Sprache, die wir
-erlernen, ist ein Schatz des Wissens, den wir fanden. Sprachen zu
-lehren, wird ein besonderes Talent erfordert, welches seltener das
-Theil und Erbe der Männer, als der Weiber, ist. Unsere zeitherige
-Schulmethode Sprachen zu lehren, ist gewiß nicht von Weibern erfunden;
-denn kaum würden diese mit der Grammatik den Anfang gemacht haben.
-Seht da den Lehrer, der es sich Lastträgermühe kosten läßt, Kindern
-begreiflich zu machen, warum der Römer die Wörter in seiner Sprache so
-und nicht anders auf einander folgen ließ! seht da den Schüler, der
-etwas begreifen soll, das schlechterdings unbegreiflich ist, so lange
-er nicht weiß, wie die Römer ihre Sprache redeten oder schrieben.
-Bleibt die Kunst eine Sprache sprechen zu lehren, nicht vorzüglich
-den Weibern eigen? und sollte ihnen nicht der Sprachunterricht
-ausschließlich überlassen werden? Gedächtniß, Einbildungskraft, und ein
-gewisser Geist für das Detail scheinen, wenigstens so lange sie wie
-jetzt sind, vorzüglich ihr Eigenthum zu seyn. Giebt es viele Beispiele,
-daß man bei einem Sprachmeister die Französische Sprache mit Fertigkeit
-sprechen lernte? Wer nicht ihretwegen eine Reise nach Frankreich that,
-lernte sie von Mutter oder Gouvernantin. Kaum hat der Mann angefangen,
-Materialien zu begreifen und anzufassen, so will er schon zusammen
-setzen, generalisiren, Capitalien machen; -- allmählich zu sammeln,
-dauert ihm zu lange. --
-
-Wer kann den Weibern ein gewisses Kunstgefühl absprechen? und scheint
-nicht weniger der Mangel an Anlagen, als ihre zeitherige Lage, Schuld
-zu seyn, daß sie so wenig Vorzügliches in den schönen Künsten und
-Wissenschaften leisteten? An dem reitzenden Schauspiele ringender,
-wenn gleich oft auch unterliegender, Kräfte ist uns zuweilen mehr, als
-an der Entscheidung und an prahlenden Siegen gelegen; und schlummert
-nicht zuweilen auch selbst der große _Homer_? Werden nicht selbst sehr
-wache Augen vom Schlaf überwunden? schläft nicht zuweilen _Brutus_?
-Schöne Künste und schöne Wissenschaften erfordern einen weiten
-Spielraum, leiden keinen drückenden Zwang, und gedeihen nur da, wo der
-Geist, sich keiner Fesseln bewußt, das Gebiet der Einbildungskraft,
-jenes Reich der Unsichtbarkeit, durchkreuzen kann. Auch bei der
-größten Empfänglichkeit für schöne Formen und Gefühle, auch bei der
-glücklichsten Organisation, wird, so lange der jetzige Druck dauert,
-nichts Großes, nichts Vollendetes das Theil der Weiber seyn; eben
-so wenig wie der Griechen, die bei den nämlichen Anlagen, bei dem
-nämlichen milden Himmel, nie etwas, den unerreichbaren Meisterstücken
-ihrer Vorfahren Ähnliches hervorbringen werden, so lange ihr Nacken
-noch in das eiserne Joch der Türken eingezwängt bleibt. Wie wär'
-es möglich, daß das weibliche Geschlecht, so lang' es im Käficht
-eingeschlossen ist, und ein schnödes Vorurtheil seine Flügel lähmt,
-sich in die höheren Regionen aufschwingen sollte? Die Seele pflegt
-schwach zu seyn, wenn der Leib es ist, und Sklaverei erlaubt ihren
-Gefesselten keinen Flug eine Spanne hoch über die Erde. Doch zeigten
-_Einige_, daß sie Eines Geistes Kinder mit Männern wären; und irre ich
-mich, oder ist es gewiß, daß sie weniger nach jedem Fünkchen eines
-fremden Lichtes haschten, um es aufzufangen, als wir? Mit geübterem
-Verstande, mit geschärfterer Empfindung, mit reicherer Phantasie, mit
-festerem Charakter, werden sie reifere Früchte bringen, und in dem
-Felde des Schönen, auf das sie ohnehin schon unleugbare Ansprüche
-haben, Thaten thun -- werth der Unsterblichkeit. Man klagt nicht ohne
-Grund: alle Oberideale wären mit dem Heidenthume verloren gegangen;
-und da die ins Große gehende Kunst ohne Ideale nicht bestehen könne,
-so schiene es, als ob unsere Dichter und Künstler sich nicht über die
-gemeine und wirkliche Natur zu erheben im Stande wären. -- Vielleicht
-ist es dem schönen Geschlechte vorbehalten, sich hier neue Bahnen zu
-brechen, und mit neuer verjüngter Einbildungskraft zu schaffen was
-verloren ging, ohne dem Segen der größeren und heilsameren Wahrheit der
-christlichen Religion, welche für alle jene Ideale durch ihren weisen
-und beglückenden Einfluß entschädiget, zu nahe treten zu dürfen.
-
-Unser Geschlecht hat Gelegenheit, so viel von der Prosa der wirklichen
-Welt kennen zu lernen, und dünkt sich, die Wahrheit zu gestehen, in
-derselben so gewaltig viel, daß es nicht umhin kann, der wirklichen
-Welt, so _herrlich_ und _schön_ sie auch ist, keinen poëtischen Stoff
-zuzutrauen. Unzufrieden mit Menschen, spricht es: »Laßt uns Götter
-schaffen, ein Bild, das uns gleich und doch Gott sei!« -- Und da wird?
-Seht doch, seht! ein Himmel voll Ganz- und Halbgötter, alle zusammen
-nicht werth einen einzigen wackern Kerl abzugeben. An den himmlischen
-_Harem_ mag ich gar nicht denken, der gewiß noch weit weniger ein
-einziges braves Weib aufwiegt -- Wozu der Götterunrath? -- Mährchen,
-sie mögen nun Volks- oder Helden- und Staatsmährchen seyn, gehören,
-sagt man, für das Kinder- und Greisenalter; wer wird indeß diesen
-Spielen der Einbildung nicht gern Gerechtigkeit erweisen, wenn sie
-zum Ernste der Wahrheit leiten, und von der Vernunft die vollzähligen
-Weihen erhalten haben? wer die Imagination nicht ehren, wenn sie
-bei allen ihren Avantürier-Eigenschaften ein Sprößling der Vernunft
-ist? -- Nur thut unser Geschlecht zu oft so äußerst nothgedrungen,
-eine Abschweifung in das Reich der Möglichkeit machen zu müssen,
-obgleich von der lieben Wirklichkeit noch so viel in Rückstand ist;
--- nur will es zuweilen höchst unzeitig die Einfälle aus dem Reiche
-der Einbildung zu Gesetzen in der Sinnenwelt, die vor uns liegt,
-tausendkünsteln; nur macht es sich kein Gewissen daraus, die hehre
-und mächtige Religion der Vernunft, welche sich bescheidene Flügel
-beilegt, mit aller Gewalt zu überflügeln und, ohne sich mit ihr und
-der Volksreligion zu berechnen, bloß auf Vergnügen auszugehen, wo
-sich doch die Vernunft ihren Aufsehersitz und ihre Stimme nicht nehmen
-läßt. Hier ist Stoff zum _neuen Himmel_ und zur _neuen Erde_. Und sag'
-ich zu viel, wenn ich behaupte, daß dem andern Geschlechte hier noch
-ein Richtsteig vorbehalten ist und Palmen, die nicht etwa im dritten
-Himmel zu brechen sind, wo man zu unaussprechlichen Worten entzückt
-ist -- sondern nicht fern von einem Jeglichen unter uns. -- Genug,
-wenn seine Dichtkunst das Herz nicht verfehlt, wenn sie von Herzen
-kommt und wieder zu Herzen geht. -- Was soll ein wildes Feuer? Ein
-heiliges ist sein Ziel. Nie wird es sich erlauben mehr anzulegen,
-und wär' es Cedernholz, als nöthig ist, und um die Wette wird seine
-Dichtkunst mit der Cultur, Leidenschaften zu lenken und zu zähmen
-sich bemühen -- der edelste Beruf der Vernunft und der Dichtkunst!
-Grundsätze, welche die Vernunft im Allgemeinen lehrt, macht Dichtkunst
-durch treffende Beispiele anschaulich. Wovon die Vernunft innerlich
-überzeugt ist, das stellt die Dichtkunst in Lebensgröße unsern
-sittlichen Augen dar, und bringt ein unaussprechliches Vergnügen zu
-Stande, das einzige, das wir durch kein Opfer erringen dürfen -- und
-das immer mit in den Kauf geht! -- Wie? dieser heilige Geist sollte
-nicht über das andere Geschlecht ausgegossen seyn? diese Gaben hätt'
-es nicht empfangen? O, ihr Kleingläubigen! -- als ob der Pegasus
-bloß für Männer wäre! Dies so überaus gute Thier, das sich so viel
-gefallen läßt, sollte keinen Quersattel vertragen? Sollte dieses
-Vorurtheil nicht zu übersiebnen seyn? Allerdings. Wie herrlich sind
-jene weiblichen Explosionen, die Lieder der Liebe der _Sappho_,
-die selbst auch in Deutschland mehr als neun Schwestern hatte, von
-denen eine der vorzüglichsten (_Karschin_), nachdem ihr der Dichter
-FRIEDRICH II vier Gulden verehrt, und _Friedrich Wilhelm II_, der
-kein Poët ist, ein Haus hatte bauen lassen, unlängst zu ihrer älteren
-Schwester heimging. -- Darf ich mehr als _Elisen_ nennen, um _ihrem
-Kopf_ und _ihrem Herzen_ den Rang beizulegen, der beiden gebührt --
-und der durch eine exemplarische Bescheidenheit noch mehr gewinnt?
--- _Angelika Kaufmann_, die Schöpferin schöner Formen, und mehr
-ihres Gleichen waren und sind Mahlerinnen. Der Vorwurf, den man der
-_Angelika_ macht, daß sie männliche Gesichter zu weibisch mahle, ist
-nicht ohne Grund; vielleicht nimmt sie hierdurch an unserm Geschlecht
-eine heimliche Rache. Man sagt: Weiber würden nie Meisterinnen im
-Portraitiren. -- Daß ich nicht wüßte; *_ra_** trifft zum Sprechen --
-zum Hören --. Wär' es in der Regel der Fall, so würd' ich es mir aus
-dem Umstande erklären, daß sie immer Züge aus ihrer trefflichen Seele
-hineinzeichnen, so wie Mahler der _Venus_ Züge von ihren Weibern und
-Töchtern verehren. -- Mahlerinnen würden in dem Grade die Seelen der
-Männer in ihren Portraiten verschönern oder verklären, wie Mahler die
-Gesichter des andern Geschlechtes schminken -- Ist es, weil die Männer
-von der Natur entfremdeter sind, als die Weiber; oder hat die Natur
-wirklich zu dem andern Geschlechte mehr Vorliebe und Zutrauen; oder
-macht es die Seltenheit, daß die Männer, weil sie zu wenig in die
-Heiligthümer der Natur kommen, nicht recht wissen, wie sie mit ihr
-daran sind? -- ich weiß es nicht. Wer kann indeß unter den Männern,
-er sei Dichter oder Mahler, im Wonnegefühl der Natur, in der Fülle
-ihres Genusses, darstellen, was er empfindet? -- wer erliegt nicht
-unter der Gewalt alles Erhabenen und Schönen, das ihm zuströmt und ihn
-entweder in einen Schlummer einwiegt, oder ihn so angreift, daß er den
-zu großen Eindruck nicht umfassen und entwickeln kann. Der Schlummer
-ist ein Beweis der Schwäche; und auch aus zu großer Spannung wird man
-ohnmächtig. Diese Lagen (sowohl die Schlummer- als die Spannungslage)
-darzustellen, ist Manchem unter den Männern so vortreflich geglückt,
-daß, da alle geneigte Leser sich getroffen fanden, diese Darstellungen
-als Meisterstücke bewundert wurden. Man erstaunte, daß die Kraft der
-Kunst in dieser Schwachheit so mächtig war! Hat sich das Feuer des
-Eindrucks gelegt, ist man aus einem entzückenden Schlaf erwacht, so
-mahlen wir aus dem Spiegel der Zurückerinnerung, und die Natur hat
-nicht Ursache, diese Copien für viel weniger als Originale zu halten
--- Es sieht wie aus der ersten Hand aus, ob es gleich eigentlich aus
-der zweiten ist. Weiber können im vollen Genusse der Natur diesen
-Genuß beschreiben; auf das innigste in sie verwebt, verlieren sie den
-Ausdruck nie; sie scheinen Ein Herz und Eine Seele mit der Natur zu
-seyn, und da sie weder zu hoch gespannt sind, noch in süßen Schlummer
-versinken, so gebricht es ihnen bloß an Dreistigkeit, um ihren
-Naturgenuß auch Andere durch Darstellung geniessen zu lassen. -- Sie
-können im ersten Feuer arbeiten, wenn wir uns zuvor abkühlen müssen.
-Gewiß hatten wir manche weibliche _Ossiane_, wenn wir es wollten; und
-was wäre unsere _Karschin_ geworden, wenn man ihr nicht die Flügel
-der Morgenröthe durch den Unterricht in der Mythologie beschnitten
-hätte! Die Originalität gedeihet nur im Schooße der Freiheit; und kann
-wohl die Natur durch Weiber vernehmbar seyn, ehe Männer aufhören, die
-Weiber (diese Gefäße zu Ehren) zu bevormündern, und ehe Geist, Herz
-und Zunge dem andern Geschlechte gelöset werden? -- Wozu dies Alles
-führen soll? Männer, wo nicht aus Pflicht, so doch aus Kunstneugierde
-zu reitzen, daß sie den Schooßkindern der Natur die Geistesfreiheit
-nicht länger vorenthalten, ihre Kräfte nicht weiter unterdrücken,
-und ihre Vernunft durch unzeitige Blödigkeit nicht vor wie nach
-zurückhalten. Die Dichter, die Helden, die Weisen der Vorzeit sahen
-keine andere Sonne, erblickten keine andere Natur, als wir: Jene
-göttlichen Natureingebungen, welche die Uralten hatten, können wir noch
-neutestamentlich aus Hand und Mund der Weiber mit Danksagung empfahen.
---
-
-»_Musik_?« So unbestritten die weiblichen Talente für die Musik
-sind; so wird ihnen doch der Vorwurf gemacht, daß sie noch keine
-Obermeisterin in der Composition aufweisen können. Es fehlt ihnen
-ohne Zweifel auch hier an Muth, um zu dieser Obermeisterschaft zu
-gelangen; schon befriedigt, wenn sie Compositionen der Großmeister
-unseres Geschlechtes mit Empfindung ausdrücken, begnügen sie sich mit
-dem zweiten Range. Das Lied indeß kann wörtlich so im Dichter stehen;
-die Noten können genau getroffen seyn: und doch wird oft weder Dichter
-noch Componist sein Werk wieder kennen, wenn es ein Weib singt oder
-spielt -- dies haucht ihm eine lebendige Seele ein. _Schaffen_ ist
-gut; _erhalten_ nicht minder. -- Möchten Weiber immer beim zweiten
-Range bleiben, wenn nur nicht ein neuerer Reisebeschreiber auch
-von Kastraten bemerkt hätte, daß nie Jemand unter ihnen ein großer
-Componist gewesen sei. Sollte diese Bemerkung Kastraten und Weiber mit
-Recht treffen, so ist die Ursache bei beiden unendlich verschieden.
-Kastraten können nichts schaffen; Weiber dagegen sind die eigentlichen
-Erhalter und Mitschöpfer. -- -- Bei dem gegenwärtigen Druck, worin
-die Weiber sich befinden, legen sie es bloß darauf an, Alles was sie
-verstehen, faßlich und begreiflich zu machen, und das, was wir schwer
-ausdrückten, zu erleichtern und in Umlauf au bringen. Sie ebenen die
-Wege, verstehen den Strahl der schwersten Ideen zu reflektiren und zu
-vervielfachen, das Abstrakteste verständlich und deutlich darzustellen,
-und dem Verachteten aufzuhelfen, so daß sie allen Wissenschaften einen
-unleugbaren Vortheil gebracht haben könnten, wenn man sie zum Meister-
-und Bürgerrecht ohne männliche Geburtsbriefe zugelassen hätte. Die
-Behauptung, daß es keine Synonime in der Sprache gebe, beweisen sie
-meisterlich, wenn gleich das Buchstabiren (eine wirklich männliche
-Sache) sie wenig bekümmert. Das negative _Un_ wird von ihnen, so wie
-die Null im Rechnen, oft so geschickt zum Verstärken des Ausdruckes
-gebraucht, daß man über ihre Feinheit und Geschicklichkeit, womit
-sie bei Ohr und Verstand alles ins Reine bringen, erstaunen muß! Von
-Weibern muß man reden, von Männern schreiben lernen. -- Sind Weiber
-schon jetzt, da sie bloß geduldet werden, und vermittelst Concessionen
-und Begünstigungen arbeiten, von dieser Seite so schätzbar; was
-könnten sie leisten, wenn sie nicht länger so unwürdig von dem edlen
-Wettkampfe ausgeschlossen würden! Es ist eine nicht unrichtige
-Bemerkung, daß verdorbene Beredsamkeit verdorbene Sitten verräth. Da
-man aber in dem schönen Geschlechte tausend Lippen findet, die vom
-Honigseim einer überzeugenden Beredsamkeit überfließen; so kann es mit
-Recht von ihnen heißen: wessen das Herz voll ist, geht der Mund über.
-Der Unterricht legt es nicht geradezu darauf an, und kann es nicht
-darauf anlegen, aus allen Schülern Meister zu bilden. Auch bedarf es
-in der Erziehungsfabrik nicht lauter Meister. Sie bildet Gefäße zu
-Ehren und zum Haus- und Kammergebrauch; sie beschäftigt Meister, auch
-die es _secundum quid_ sind, an der Drehscheibe. So ist der Lehrer
-schon geschickt, wenn er das Mechanische der Kunst und die Methode
-weiß, jenes dem Lehrlinge hinzubringen. Hat man nicht Meister gehabt,
-denen es nie gelang, geschickte Schüler ihrer Kunst zu ziehen? Fehlt
-es nicht vielen an der Gabe der Deutlichkeit und, um ein Kunstwort
-anzubringen, an der Lehrgabe? und ohne Zweifel noch mehreren an
-der unentbehrlichen Lehrtugend, der _Geduld_, die das männliche
-Geschlecht zwar in seiner Tugendliste rühmlichst mit aufzuführen nicht
-unterläßt, die indeß unserem Geschlechte nur sehr selten eigen ist.
-Wir zeigen, daß in unserer Garderobe auch unmodische Anzüge sind,
-nicht um sie zu gebrauchen, sondern um sie zu haben; statt daß bei
-dem weiblichen Geschlechte Geduld das schönste Hauskleid ist, das ihm
-am besten steht. -- Ist die Weibergeduld nicht im Stande, auch aus
-dem unfruchtbarsten Boden Keime herauszulocken? Kann der beharrliche
-Fleiß der Weiber nicht selbst dem Verkrüppelten, wo nicht eine schöne,
-so doch eine erträgliche Form geben, und, wenn nicht Künstler, so
-doch Kunstverwandte bilden? Der Vorwurf, den man den Weibern macht,
-daß sie Neuheit und Wechsel lieben, ist nicht ungerecht; aber nicht
-im Geschlechte, sondern im Druck, den wir veranlassen, liegt die
-Ursache davon. Das Ausdauern und Beharren ist gewiß weniger unsere
-als ihre Sache, wenn der Gegenstand es verdient. Wer kann Weibern
-jetzt ihre Flüchtigkeit übel deuten, wer ihrem Leben es verdenken,
-wenn es von ihm heißt: sie leben als flögen sie davon? -- Wer? --
-In der That, es wären der moralischen Karrikaturen weit weniger,
-wenn wir uns entschließen könnten, dem weiblichen Geschlechte einen
-größeren Antheil an dem Unterricht und der Erziehung einzuräumen.
-Und wie? haben Weiber bloß den Grazien, ihren Freundinnen, geopfert?
-oder sind sie wirklich auch zum Allerheiligsten der Wissenschaften
-eingedrungen? In der That, sie wußten sich auch hier Eingänge zu
-eröffnen, Ehrenstellen zu erringen und sie mit Würde zu behaupten,
-ungeachtet aller Hindernisse, welche Vorurtheile, Herkommen und niedere
-Mißgunst ihren Talenten und ihrem Eifer in den Weg legten. Es wird
-nicht viele Wissenschaften geben, die unter ihren Eingeweiheten nicht
-einige Namen von Weibern zählen, welche sich mit ihnen beschäftigten,
-und zwar nicht bloß solche, die von der Oberfläche schöpften und zum
-Zeitvertreibe; nein solche, die ins Innere derselben mit Eifer und
-Anstrengung eindrangen, die von dieser Ambrosia der Wissenschaften
-nicht bloß kosteten, sondern mit dieser Seelenspeise sich sättigten
-bis zum Wohlgefallen. Freilich können Weiber jener _inneren Freiheit
-des Geistes_ genießen, nach welcher sie ihren _Kopf_ eigenbeliebig
-anzuwenden im Stande sind -- Wir haben ihn indeß dem andern Geschlechte
-abgesprochen, und statuiren nur sein Herz, auf das wir Rechnung machen
--- als ob Eins ohne das andere etwas gölte! Und wenn Weiber sich
-auch über unser Criminalurtheil wegsetzen wollten und könnten; ist
-ihre selbstgewählte ruhige Geistesthätigkeit vermögend, reifere und
-schmackhaftere Früchte zu bringen, da wir die Barbarei haben, uns an
-ihren Blüthen zu vergreifen? -- Was die Geistesfreiheit, die keine
-Geschäftsstörung verdirbt, bei den Weibern ausrichten könnte, wird
-durch den Schwall von Kunstwörtern und Kunstregeln erstickt, womit
-man von Männer-Seite sich wohlbedächtige Mühe giebt, die Weiber zu
-verwirren und verzagt zu machen, so daß sie ohne Noth ermatten und sich
-aufgeben -- Jammer und Schade! Doch gab es einige, die den Faden nicht
-abrissen, die mit Standhaftigkeit sich entschlossen, zu beharren bis
-ans Ende; und unter diesen, welche die letzten Gelübde ablegten, fanden
-sich sogar solche, die sich zu Vorstehern und Lehrern im Tempel der
-Musen weihen ließen. -- In dem bekannten Institut von Bologna lehret
-_Laura Bassi_ die Physik, und hält ihre Vorlesungen in Lateinischer
-Sprache; und wie lange ist es, daß _Signora Agnes von Mayland_ hier
-die Mathematik mit Beifall lehrte? Eben hier bilden _Lilli_ und seine
-geschickte _Gattin_ die Muskeln und Blutgefäße des Körpers, der Natur
-mit so vieltäuschender Wahrheit nach. Italien, dieses Land, das
-wechselsweise so viel Licht und Finsterniß über die Völker der Erde
-verbreitete, trägt kein Bedenken, Frauenzimmern Lehrstühle zu öffnen.
-Unlängst ward in Deutschland ein weiblicher Doktor kreirt (_der Doktor
-Schlözerin_); und würden wir wohl so zuverlässige und beträchtliche
-Neuigkeiten vom Firmament erhalten, wenn der unsterbliche _Herschel_
-von seiner ihm ähnlichen _Schwester_ nicht so unermüdet in seinen
-Beobachtungen und Arbeiten unterstützt würde? Ärzte werden eben so
-krank wie Nichtärzte, und die größten Philosophen sind nicht nur oft
-unweise, sondern verlieren sich auch zuweilen so in Speculationen, daß
-sie nicht aus noch ein wissen --. Weiber sind sehr für innere Wahrheit;
-und wenn sie gleich jenes berühmte Ministerphlegma nicht besitzen,
-so wissen sie doch mit Kälte zu unterscheiden, was bloß trockne und
-was brauchbare Kenntniß ist. Wenn Salz und Laune fehlen, sind ihnen
-die reichstbesetzten Tische ein Greuel, und auf die Schauessen der
-Philosophen nehmen sie keine Einladung an. -- Freund _Montagne_ geht
-indeß zu weit, wenn ihn gelüstet zu behaupten: er habe zu seiner Zeit
-hundert Handwerker und hundert Bauern gesehen, die vernünftiger und
-glücklicher gelebt (auch gedacht?) hätten, als mancher Rektor auf
-einer Universität (Rektor! als wenn dieser das _non plus ultra_ der
-Gelehrsamkeit wäre! _Kästner_, _Kant_ und andere unserer ersten Köpfe
-sind Rektores, weil die Reihe sie trifft), und habe lieber _jenen_ als
-_diesem_ ähnlich seyn wollen. (Immerhin! verliert die Gelehrsamkeit
-dadurch, wenn einige ihrer Meister nicht Weisheitsbeflissene sind?)
-Hat der Rektor der großen Römischen Universität, _Cicero_, so ganz
-Unrecht, wenn er dem Studieren den Preis über Alles zuerkennt, was
-sonst beschäftigen kann und mag? Wie kann man mit größerem und
-bleibenderem Gewinne seine Zeit benutzen? Der Handarbeiter, sagt man,
-wendet sie an; der Gelehrte vertreibt sie. Ei, Lieber! müssen denn
-nicht Feldherren seyn, wo es Krieger giebt? müssen nicht Officiere
-überlegen, was gemeine Soldaten ausführen? -- Durch tiefes Denken
-gewöhnen wir unsere Seele zu einer Art von Existenz außerhalb des
-Körpers; sie bereitet sich durch eine kleine Reise nach _Rekahn_ zu
-einer _Cookschen_ vor, durch einen Weg über Feld zu einem andern --
-der uns Allen bevorsteht. Wenn _Cicero_ es nicht ungeneigt nehmen
-wollte, daß ich seinen guten Geist bei dieser Gelegenheit schon wieder
-citire; so sollt' es seinen Ausspruch gelten, daß das ganze Leben
-des denkenden Mannes eine Todesbetrachtung sei. -- Darf bei diesen
-Umständen das schöne Geschlecht Bedenken tragen, mitunter gelehrt zu
-seyn --? Ist es aber im Stande Wissenschaften sich eigen zu machen, sie
-leicht und mit sichtbarem Nutzen Anderen beizubringen; wie könnt' es
-ihm denn wohl an den Talenten gebrechen, seine erworbenen Kenntnisse
-auf andere Weise dem Staate zum Besten in Anwendung zu bringen, sobald
-der Staat geruhete, den Bann allergnädigst aufzuheben, mit welchem ein
-barbarisches Vorurtheil es seit Jahrtausenden belegt hat! Hätten jene
-Ritter, die unter ihren Gelübden die Verpflichtung hatten, Damen zu
-schützen, ihre Grenzen weiter gesteckt; wie unendlich würdiger wär'
-ihr Beruf gewesen! Schade, daß diese treflichen Männer, welche, mit
-Ausschluß der _irren_ unter den _irrenden_, die edelsten und klügsten
-ihres Zeitalters waren, nicht, anstatt Weiber zu schützen, sie über
-diesen Schutz erhoben! -- Ist der Schleichhandel zu verkennen, der,
-aller jener Verbote ungeachtet, vom andern Geschlechte getrieben
-wird? oder ist nicht vielmehr der große Einfluß sichtbar, den das
-weibliche Geschlecht zu allen Zeiten auf alle bürgerliche und
-Staatsangelegenheiten behauptet hat? Wenn es auf große Plane ankam, die
-ausgeführt oder rückgängig gemacht werden sollten, waren es Weiber,
-welche die Hauptrolle übernahmen. Bei Weisen und Thoren, Regenten
-und Priestern, Staatsmännern und Mönchen waren sie wirklich geheime
-Räthe; sie gehörten jederzeit zum geheimen Ausschusse des Staatsrathes,
-dessen Dekrete das Plenum blos mit Curialien versah -- und dem es
-Sekretariendienste erwies. -- Und wem ist hier ein _dirigirendes
-Weib_, wär' es selbst eine Maitresse, nicht lieber als Leithämmel
-von Kammerdienern, Hofzwergen, Heiducken u. s. w., die ohnehin nur
-Substistuten ihrer Weiber oder ihrer Liebchen sind? Nicht bloß mit
-dem klingenden Spiel und den fliegenden Fahnen ihres Witzes, nicht
-bloß durch den vermittelst der Ideen-Association verstärkten Vortrag
-wissen Weiber sich Eingang zu verschaffen; ihr zur Beurtheilung
-geschmeidiger Verstand vermag Alles -- Wie manchem Tyrannen von
-Minister, der mit den Thränen des Volkes sein Spiel, und mit Glück
-und Unglück der Menschen Handel trieb, der Alles drüber und drunter
-warf, wußten sie auf eine bessere Bahn zu lenken! Weiber halten den
-Faden, an dem die Cabinette geleitet werden: sie mischen die Karten,
-mit denen die Excellenzen spielen; und so wie neue Hindernisse neue
-unberechnete Kräfte erzeugen, so gelangten sie oft vermittelst ihrer
-Schwachheit zum höheren Grade der Stärke -- Ein sanfter gemäßigter
-Charakter ist dem andern Geschlecht eigen -- Die Natur verlieh ihm dazu
-große unverkennbare Anlagen, und nur bei wenig mehr philosophischem
-Nachdenken und Ausweichung der Verführung, würde das schöne Geschlecht
-uns eine gewisse edle unempfindliche Gleichgültigkeit gegen so
-Manches lehren, was uns jetzt so leicht außer uns setzt; und diese
-Gleichgültigkeit ist ohne allen Zweifel die Krone des diesseitigen
-Lebens. Hat die Natur nicht oft den _Correggio_ an der Schönheit und
-Sittsamkeit übertroffen, womit er seine Frauenzimmer ausstattete? Woher
-nehmen Mahler ihre Engelgesichter? und was ist der Sanftmuth unmöglich
--- ob sie gleich sich zuweilen, auch rückwärts zum Ziele zu kommen,
-verbunden sieht? Welche scharfe Umrisse, welches lebendige Colorit
-geben die Weiber ihren Vorstellungen und den Charakteren, die sie darin
-verflechten! Gleich ihr erster Blick trifft das Ungewöhnliche bei jeder
-Sache, und da dies Ähnlichkeit mit dem Wunderbaren hat, an welchem
-die meisten Menschen so gern hangen bleiben -- ist es Wunder, wenn
-sie oft selbst auf das tägliche Brot ein solches Licht fallen lassen,
-daß es feierlich wird? ist es Wunder, wenn sie das ländliche Mahl zur
-Würde eines hohen Festes erheben? Höhere Deutlichkeit und stärkendes
-Licht mit mehr Vergrößerung zu vereinigen, ist das Ziel, das sie mit
-so wenig Mühe und Aufwand erreichen, ob es gleich so überschwenglich
-wirkt -- Das andere Geschlecht nimmt in der Regel _für_, das unsrige
-_wider_ sich ein. Jenes ist gut, bis das Gegentheil bewiesen ist; --
-von uns heißt es: wir sind böse, bis man unser Gutes außer Zweifel
-gesetzt hat. Weiber haben einen _Vor_-, wir einen _Nach-_ Geschmack
--- Jene Runzeln, die das Alter von der Weisheit, oder die Weisheit von
-dem Alter hat, schrecken weder ihren Witz noch ihren Verstand ab --
-und nichts, weder Verstand, noch Schönheit, noch Vermögen, macht sie
-schüchtern -- Dem Verstande lauern sie sehr auf den Dienst, und finden
-bald zu ihrem Troste etwas an Lehr' und Leben der Herren Philosophen
-auszusetzen, worüber schwerlich etwas einzuwenden ist; und da sie
-geborne _Naturalisten_ (im natürlichen Sinne) sind -- wie leicht wird
-es ihnen, von _Artisten_ ein Federchen abzulesen! Weit eher als wir,
-haben sie Anlage, zu dem von Vorurtheilen und Aberglauben befreieten
-Gebrauche der Vernunft zu gelangen -- auf ein Haar wissen sie den
-gelahrten Weizen von der gelahrten Spreu zu unterscheiden -- und den
-Shakespearschen Ausdruck zu deuten: »er redet eine Menge Nichts -- zwei
-Weizenkörnlein versteckt er in zwei Bündlein Spreu.« Weiber sind dazu
-gemacht, den Philosophen, wenn er sich in den Spinneweben des Systems
-verlor, (wie ein bekannter Gelehrter sich in seinem eigenen Hause, das
-wohl gar ein Familienhaus und vom Großvater und Vater auf ihn gekommen
-war, verirrte) an Stell' und Ort zu bringen und zu orientiren; sie
-geben ihm, wie _Ariadne_, einen Faden in die Hand, und rufen Jedem
-zu, der Länge und Breite nicht unterscheidet, der das Ruder seiner
-selbst eingebüßt hat: _Vous êtes orfèvre, Monsieur Josse_! -- Der
-Geist jener Philosophie, die der Übermenschlichkeit nicht wohl will,
-hat schon lange auf ihnen geruhet -- Wer wußte es besser als sie, daß
-weder praktische noch theoretische Vernunft Überzeugungen, vom Daseyn
-intelligibler, unsinnlicher Gegenstände zu verschaffen im Stande ist,
-und daß wir uns in unvermeidliche Widersprüche verirren, wenn uns beide
-Vernunftarten unsinnliche Gegenstände feil halten. Weiber fühlen das
-Halbwahre von allem jenem, was so gern im Allgemeinen gesagt wird, und
-bestehen durchaus darauf, daß dergleichen Behauptungen individueller
-gemacht werden -- Sie handeln nach nahe liegenden Motiven -- Spieler,
-Schiffsleute und alle die durch Glücksfälle regiert werden, die
-Avantüriers nicht ausgenommen, sind zum Aberglauben geneigt -- ist es
-Wunder, daß die Weiber es weniger als wir sind? -- Die Schönheit bei
-einer Mannsperson gilt ihnen durchaus nichts; und wenn man den reichen
-Mann in Ehren hält, weil er, wenn er wollte, helfen könnte, so wissen
-sie wohl, daß er es nie wollen wird -- Ihre unbefangene Seele findet
-überall Weg und Steg; und wer nur ein fleischern Herz hat -- kann der
-ihrer Herzlichkeit widerstehen? Die Frau eines Lichthökers hatte kein
-Bedenken, an der armen Seele des _David Hume_ ihr Heil zu versuchen.
-_Hume_ konnte die Seelsorge, die sie für ihn hatte, nicht anders vom
-inneren Lichte abbringen, als daß er ihr versprach, sein äußeres Licht
-von ihr kaufen zu wollen. -- Vom Philosophen _Terraston_ sagte _Madame
-de Lassay_: nur ein Mann von Witz könne ein solcher Thor seyn; -- und
-wär' es historisch richtig, daß _Karl_ XII an den Senat geschrieben
-hätte: »ich will euch meinen Stiefel schicken, dem ihr gehorchen
-sollt;« so würden die Weiber der Herren Senatoren laut gelacht haben.
--- Was doch kluge Weiber von dem weltberühmten Processe des Ehrenmannes
-_Hastings_ denken mögen, der für die Papiermüller allein schon so viele
-Sporteln abwirft! Nie konnten sie sich des Lachens oder des Weinens
-über die jetzt sanft und selig entschlafende Pariser Policei enthalten,
-welche weiland Farcen und unmenschliche Trauerspiele unter den Scheine
-der Wachsamkeit und Obhut aufführte -- Wie war es möglich, in, mit, und
-unter dieser elenden Policei sich Ausnahmen von der Wahrscheinlichkeit
-der menschlichen Wachsamkeit zu denken! »Hier sind wir alle entweder
-Fürsten oder Dichter,« sagte _Voltaire_, als er sich bei einem Fürsten
-zu Tische setzte; und das ist der eigentliche Ton eines Weibes -- Sie
-sind nicht für Gemähldeausstellungen, wo denn doch auch gegen Einen
-Kenner zehn Schuster sich einfinden, die über den Leisten gehen; sie
-wirken zwar im Stillen, doch wirken sie am liebsten ins Allgemeine, wie
-die Natur, ihre Schutzgöttin -- Oder kann man dies etwa nicht anders,
-als wenn man Kanzeln und Rednerstühle ersteigt? In der allgemeinen und
-sichtbaren Kirche giebt es Lehrerinnen, so wie Lehrer, ohne daß beide
-examinirt und ordinirt sind --
-
-Es ist dem andern Geschlecht eine schonende Gutmüthigkeit im
-historischen Urtheil eigen; doch verstehen es Weiber, ein Faktum, so
-wie einen Menschen, (immerhin so verwickelt als möglich) aufzulösen,
-und zu concentriren. Auch können sie jenen Totaleindruck, den
-Faktum und Mensch auf sie machen, Andern mittheilen, welches uns
-schwerer wird. -- Glückseligkeit ist, so wie Wahrheit und Gottheit,
-eine Einheit; diese Einheit in Allem herauszubringen, ist eine
-hohe Weisheit, und, wir wollen gerecht seyn -- sie ist den Weibern
-eigen. Bei uns wird oft eine Sache, die auch anders scheinen kann,
-die diesem oder jenem Sonderlinge wirklich anders vorkam, gleich
-zum Gegenstände eines gelehrten Streites. Da haben wir denn eine
-extrafeine Geschicklichkeit, die Zweifelsgründe bald zu verstecken,
-bald wieder sichtbar zu machen, ihrer Größe eine Elle zuzugeben oder
-abzunehmen, und die Entscheidungsgründe mit denselben so abzuwägen,
-daß, wenn gleich, besonders bei dem Faktum, die beiderseitigen
-Wahrscheinlichkeiten einander ziemlich gleich sind, doch die Schale, je
-nachdem wir wollen, steigen oder sinken muß. -- Das andere Geschlecht
-liebt keine Spielgefechte mit einer langen Linie aufgestellter und
-überwundener Argumente -- Eins ist ihm Noth. Nie wird es das Publicum
-mit Sophismen äffen: es verliebt sich bei weitem so leicht nicht wie
-wir in eine Idee, die im Grunde keinen Gegenstand hat; allein es
-fürchtet auch dergleichen Gespensterideen weniger als wir -- Gelehrte
-und witzige Leute, (Gelehrte in dem Sinne der gelernten Gelehrsamkeit
-genommen) blind verliebt in den Gegenstand, dem sie nachjagen, verargen
-sich auf diesem Wege kleine Unrichtigkeiten nicht -- Alle Menschen
-sind Lügner, heißt es in der Schrift; Weiber sind hier wachsamer und
-peinlicher. -- Man sagt: starke Wahrheiten wären nur für gute Köpfe,
-(so wie starke Getränke nur für ächt nervige Menschen sind;) schwache
-würden schwindelig -- Man mache mit Weibern den Versuch, und wir
-werden finden, daß es keine Wahrheit giebt, die ihr Kopf nicht ertragen
-könnte; sie wollen so weit wie möglich -- Wir glauben zu leicht, daß
-unser Plan regelmäßig organisirt sey; die Weiber sind leichtgläubiger
-bei der Ausführung -- Sie fürchten nichts Hohes, nichts Niedriges,
-nichts was Unwissenheit oder Gelehrsamkeit, Witz und Unwitz, Verstand
-und Unverstand vermögen; wäre ihnen die ausübende Gewalt anvertrauet
--- sie würden sicher mehr leisten als wir, und, wenn sie sänken, es
-wie der sterbende _Sokrates_ machen, der, als er seine Füße durch Gift
-schon in Leichnam verwandelt fühlte, sie streichelte und mit lachender
-Stirne sagte: so nahe gränzen Vergnügen und Schmerz an einander; --
-oder wie _Seneca_, der Wasser mit seinem Blute vermischt, _Jupiter
-dem Befreier_ weihete. Ach, wie oft, wenn mich so mancher Dienst-Nero
-bis aufs Blut verfolgte und die Wuth blödsinniger Tyrannen mir zwar
-nicht die Ader öffnen ließ, wohl aber mir weit härter fiel, stärkte
-mich dieses Weihwasser, und das Elogium _Jupiter dem Befreier_! --
-Beweis von der Freudigkeit im Tode der Weiber? Beweis! Seht Männer
-und Weiber sterben. Ist Philosophiren sich zum Tode vorbereiten,
-so sind die Weiber große Philosophen; und in Wahrheit, sie sind es
-unendlich praktischer als wir. Zwar sagt man: studieren sei sterben
-lernen, weil man seinen Geist dem Körper entzieht, ihn über den Körper
-erhebt; allein Weiber haben diese Kunstgriffe nicht nöthig, um den Tod
-zu hintergehen und ihm das Schwert aus der Hand zu schlagen -- Warum
-Fechterkünste? Den Tod so ganz wie er da ist verachten, _ist_ Weisheit;
-ihn durch Stratageme hintergehen, _scheint_ Weisheit zu seyn. Kein
-einziger zieht ein anderes Loos; wir sind Alle zum Tode verurtheilt --
-nicht aber als Kriminalverbrecher, sondern als Menschen. -- Käme es auf
-Weiber an, sie würden selten den Ärzten ihr Lebens- und Todesurtheil
-anvertrauen, und sich von ihnen das Leben absprechen lassen --
-Mißtrauisch gegen die Kunst _Galens_, haben sie Alle eine Neigung,
-sich, wenn ja noch etwas seyn soll, einem Unzünftigen anzuvertrauen.
-Ich muß und ich will, ist ihnen fast einerlei; -- und soll es auch
-nicht also seyn? Jene Grundsätze einer bekannten Sekte: entweder
-Vernunft oder Strick -- entweder sich ins Leben schicken oder es
-verlassen, sind den Weibern wie angeboren. Nur _der_ kann frei leben,
-sagte ein Weiser des Alterthums, der den Tod zu verachten weiß. Wie
-viele Freiheitsanlagen sind den Weibern bei ihrer Todesgleichgültigkeit
-eigen! Sollte man sie etwa eben dieser Anlagen halben so sorgfältig
-von der Freiheit entfernen? Nur der, welcher mehr auf sich selbst als
-auf die Freiheit hält, besitzt eine Sklavenseele, und ist unwerth
-der Freiheit. Sind die Weiber in diesem Falle? -- Wenn die Weisheit
-verdrießlich macht, wer wird Lust und Liebe zu ihr haben? Dies Leben
-ist ein Geschenk; laßt uns jeden Tag als eine Zugabe ansehen, auf die
-man nicht zu rechnen im Stande war -- »Was heute geschehen kann, muß
-man nicht auf morgen aussetzen;« so denken Weiber; und allerdings tragen
-ihre körperliche Schwächlichkeit, die Einschränkung ihrer Freiheit
-diesseits des Grabes, und das Verhältniß, das ihnen nicht das Schicksal
-sondern die Männer zumaßen, zu ihrer Lebensgleichgültigkeit bei.
-Vorzüglich aber bewirken sie jene größeren Leiden, welche die Natur
-ihnen als Menschen auferlegte, wogegen die Mannspersonen, zu einiger
-Entschädigung, sich größere bürgerliche Lasten aufgebürdet zu haben
-scheinen -- »Viel Glück, _Diogenes_!« sagte der Philosoph _Speusippus_,
-der wassersüchtig war und sich tragen ließ. »Wenig Glück!« antwortete
-_Diogenes_, »da du das Leben in einem solchen Zustande ertragen
-kannst.« -- So selten indeß weibliche Thränen Murren und Unwillen
-anzeigen, und so oft sie ein leise gewagtes sanftes Sehnen nach mehr
-bürgerlicher Freiheit sind; so hilft allerdings auch der Überdruß
-eines Lebens, das kaum diesen Namen verdiente, ihren freudigen Weg zum
-Grabe ebnen. Daß es in der andern Welt gewiß nicht schlechter für sie
-seyn könne, ist die Nativität, die sie sich bei ihrem Ausgange aus
-dieser Welt (wahrlich für sie einem Jammerthale) mit vieler Gewißheit
-stellen -- Der Tod ist ihr Jupiter der Befreier -- Sie schaffen sich
-eine andere Welt, wo Gerechtigkeit wohnt -- wo sie auf Rosen unter
-einem heiteren Himmel wandeln -- ein elisisches Idyllenleben --!
-Sanfte rührende Schwermuth und leise Schwärmerei helfen ihnen die
-Welt und sich überwinden -- und des Lebens und des Todes Bitterkeit
-verschmelzen -- Seht Weiber sterben! wie ruhig! sie sterben in der
-Regel alle philosophisch. Wenn dieser Fall sich bei unserm Geschlecht
-ereignet, welch ein Geschrei wird über diese Resignation erhoben!
-Der Natur, der die Weiber leben, sterben sie auch; sie scheint ihnen
-die Hand zu bieten, um ihnen überzuhelfen -- Die Weiber wollen nicht
-täglich sterben, sie wollen nicht Augenzeugen von den zu merklichen
-Verlusten seyn, die man, je länger man lebt, je mehr in Hinsicht des
-Lebens macht; haben sie ein hohes Alter erreicht, so kennen sie die
-Beschwerden des Lebens noch genauer, und der Tod hat keine Gelegenheit,
-ihnen hart zu fallen, wenn er auch wollte. _Sokrates_ erwiederte
-denen, die ihm die Nachricht brachten, daß man ihm zum Tode verurtheilt
-habe: die Natur hat dieses Urtheil auch über meine Richter publicirt
--- Das Leben giebt den Tod, der Tod giebt das Leben -- Nicht nur wer
-im Schweiße seines Angesichts, sondern auch wer im vollen Maße des
-Vergnügens seinen Lebenstag vollbracht hat, ist gern schläfrig -- Wäre
-der Schlaf nicht der ältere Bruder des Todes, es würde sich nicht so
-leicht sterben lassen; jetzt aber schlafen wir nur auf länger ein,
-als gewöhnlich -- Warum etwas fürchten, was Allen bevorsteht, etwas
-dem Niemand entgeht, und nähm' er Flügel der Morgenröthe, um an das
-äußerste Ende der Erde und des Meeres zu fliehen! -- Wenn Männer die
-Kunst zu sterben lernen; so lernen Weiber die Natur des Todes: ihr
-Herz erschrickt nicht, und fürchtet sich nicht -- Will man mit dem
-Tode zu seinem Troste bekannt werden, so muß man Weiber und nicht
-Männer im Sterben beobachten -- Gewiß stirbt man im Kriege leichter,
-als auf seinem gewöhnlichen Lager; allein der Tod in der Schlacht
-hat bei weitem nicht so viel Lehrreiches, wie der Tod einer Wöchnerin
-in dem Feldzuge, den die Natur ihr anwies -- Wie schön ist hier der
-Tod, der Tod fürs Vaterland! Ich muß abbrechen; sonst würde ich zu
-sehr verrathen, daß ich in Hinsicht des Todes nur ein Mann bin. Zwei
-Freundinnen, mit denen mich die Natur so nahe verband, starben diesen
-Muttertod -- »Es kommt auf die Kleider an, die man dem Tode anzieht,«
-sagte * * * -- Du hattest recht, Liebe -- Dein Tod war leicht, froh,
-muthig angezogen -- -- -- So sterben Weiber; und wie _leben_ sie?
-Männer thun, was sie thun, mehr aus Temperament, als aus Grundsätzen:
-von Umständen hangen sie ab, und lassen sich von ihnen, wie Schiffe
-die Mast und Ruder verloren vom Winde, hin und her treiben -- Aus
-Noth, aus Trägheit, aus Bedürfniß handeln sie. Sie sind im Grunde weit
-furchtsamer als die Weiber; -- es scheint nur anders. Immer verbinden
-sie sich mit andern Männern, und nennen oft (o der Entheiligung
-des Namens!) _Freundschaft_, was _Furchtsamkeit_ heißen sollte.
-Freundschaft! wo ist eine reine? wie selten gewinnt man, ohne daß ein
-Anderer verliert! -- Handlungen leiden keine Freundschaft, und nur mit
-Worten scheint sie sich behelfen zu sollen -- Durch Mißwachs gewinnt
-der Landmann; durch Verschwendung und Üppigkeit der Kaufmann; durch
-Zank, Hader und Streit der Richter; durch Neid und Haß der Geistliche.
--- »Ein jeder Mensch hat seinen Preis, für den er sich weggiebt,« ist
-die Behauptung eines Engländers, eines Mannes aus einem Volke, das
-noch einen Werth auf sich zu legen versteht -- Und wenn es wahr ist,
-was einer der Alten behauptet, »daß ein Arzt es ungern sieht, wenn
-seine Freunde gesund sind, und ein Soldat, wenn sein Vaterland Frieden
-hat;« wenn der Untergang des Einen Dinges die Schöpfung des andern
-ist: wo wird reine Freundschaft seyn? Freundschaft, die allen Graden
-der Versuchung gewachsen, die auch gegen eine Welt nicht feil ist --!
-Von einem Freunde muß es, wie von _Voltaire'n_, heißen: Sein Geist
-ist überall, sein Herz ist hier (im Hause des _Herrn von Villette_,
-dessen Gemahlin _Voltaire'ns_ Pflegetochter war). Freundschaft ist
-ein geschliffener Stahl, dem schon ein feuchter Hauch den Rost
-zuzieht. -- Nie kann ich auf die großen Worte _Tod_ und _Freundschaft_
-stoßen, ohne daß mein Herz sich ausschüttet -- und sollte mir diese
-Wiederholungen nicht jedes in meiner Lesewelt verzeihen, das auch ein
-Herz für Freundschaft hat, und das -- sterblich ist? -- Freundschaft
-ist Leben; denn ohne sie hat die menschliche Existenz keinen Werth.
-Ich habe meine Schrift überhaupt durch die Bemerkung vorgeleitet,
-daß, da ich für die Freiheit schreibe, ich mich nicht selbst binden
-werde. Lehre und Leben müssen sich in die Hand arbeiten; und darf ich
-wohl im Münzverstande meine Schrift legiren --? genug, wenn ich mich
-geleitlich halte -- und darüber wird hoffentlich kein geierlicher
-Zoll- und Accisebedienter, kein Freund und Feind, mit Grunde Rechtens
-Beschwerde erheben können. -- Freundschaft war die Losung, und dieses
-herrliche Wort verdient, daß wir Platz nehmen. -- Die Frage: wie leben
-Weiber? kann bei dieser Abschweifung nichts verlieren. Laßt Könige
-licitiren: die Freundschaft ist nicht verkäuflich; -- und eine solche
-Freundschaft, die, wenn sie gleich nicht zu den sieben Wunderwerken,
-so doch zu den Seltenheiten der moralischen Welt gehört, würde sich
-häufiger ereignen, wenn auch das andere Geschlecht bei ihren Altären
-zu Ablegung der Gelübde zugelassen würde, die gemeiniglich mit der
-Grundregel anfangen, seinen Freund so behutsam zu behandeln, daß er,
-uns unbeschadet, auch unser Feind werden kann. Jene Einschränkung des
-Zutrauens und der wechselseitigen Herzensergießung, jene Mäßigung in
-Entdeckung unserer geheimen Beschwerden, hebt das, was Freundschaft
-ist, auf, und macht dagegen einen gewissen Schein gäng und gebe, der
-immer als Weltklugheitsmaxime Dienste leisten mag, der aber den Altar
-der Freundschaft entheiligt. Unsere gegenwärtigen Freundschaften sind
-gemeiniglich nichts mehr und nichts weniger, als gemeinschaftlich
-geschlossene Connivenz, wo beide Theile im Gewinn sind; und so wie die
-Bescheidenheit das Verlangen ist, feiner gelobt werden zu wollen: so
-ist die Freundschaft ein Bund, desto reiner zu gewinnen. Heißt nicht
-schon _der_ unser Freund, welcher nicht unser erklärter _Feind_ ist?
-Die Kaufleute nennen _die_: Freunde, mit denen sie in Handlungsverkehr
-stehen, wo es also Provision zu berechnen giebt; und so wie _der_ schon
-für gut gilt, der ein böser Mensch von der allgemeinen Art ist: so gilt
-_der_ schon für unsren Freund, der ein Menschenfreund, ein Mensch von
-keinem schlechten Herzen ist, der uns nicht verräth und verkauft, oder
-der uns zu verrathen oder zu verkaufen keine Gelegenheit gefunden hat.
-Unser Geschlecht ist zu glücklich, als daß wir ächte Freunde der Weiber
-seyn sollten; und zu unserer Freundschaft gegen einander, auf die wir
-so stolz thun, haben die Weiber nicht das mindeste Zutrauen -- Können
-wir (wie kann es nach der Weiberlogik füglich anders lauten?) wohl mit
-Freundschaften aus der Tasche spielen und mit Aufopferungen prahlen, da
-wir uns nicht einmal herabzulassen vermögen, den Weibern Gerechtigkeit
-zu erweisen? Überhaupt ist selbst unser Leben nur halb, da wir die
-Weiber nicht zu leben berechtigen; und _wie leben sie denn_?
-
-Ob sie gleich heut zu Tage noch zu sehr der Sinnlichkeit fröhnen, woran
-_sie_ weniger Schuld sind, als unsere Härte; obgleich noch bei weitem
-nicht an ihnen erschienen ist, was sie seyn können und seyn werden: so
-zeigen sie doch bei so vieler Gelegenheit eine Selbstbeständigkeit,
-eine Fassung, die uns so oft beschämt. -- Ihre Ausschweifungen, die
-wir so schrecklich vergrößern, entstehen mehr aus Befriedigung der
-Eitelkeit als der Begierde. Sie haben keine andere Olympische Bahn,
-als Männer zu fahen; man öffne ihnen andere, und sie werden Wunder
-thun. Das Promemoria, welches jener Kaufmann in sein Denkbuch trug:
-»Ja nicht zu vergessen, mich in Hamburg zu verheirathen!« ist ins
-Herz der Frauenzimmer verzeichnet -- Darum das Werben ihrer Augen
--- Gemeiniglich haben sie hierbei keine Absicht; sie treiben das
-Mienenspiel der Mode halben, und weil keine kluge Mannsperson daraus
-etwas zu schließen wagt. _Montagne_ sagt: jungen Gelehrten geht es wie
-den Kornähren; so lange sie leer sind, richten sie ihre Spitzen gerad'
-und keck empor: kommen aber ihre Körner zur Reife, so lassen sie ihr
-Haupt sinken. -- Warum wollen wir die Weiber wegen ihrer Mienen so
-scharf richten, und Eitelkeit, Koketterie und Wollust für einerlei
-halten? Man lacht über jene Dame, in deren Gegenwart man die schwarzen
-Augen ihrer Nachbarin lobte, und die sehr schnell erwiederte: »jetzt
-trägt man keine schwarzen Augen mehr;« sind wir aber nicht die, welche
-das andere Geschlecht zu solchen Antworten verleiten? befördern wir
-nicht unserer Eitelkeit halben die ihrige? Laßt die Weiber zu Kräften
-kommen, und ihr werdet sehen, daß sie im lauten Geheul der Stürme,
-wo Männer sich nur selten ein geneigtes Gehör zu verschaffen wissen,
-bei den schrecklichen Wogen des empörten Meeres, sich finden, und
-dem Meere und dem Winde _Silentium_ gebieten werden. Wenn man zur
-Zeit der sanften Ruhe erlernt und überdenkt, was man zur Zeit der
-Schiffbruchsgefahr anwenden will, so bleibt es zwar nicht unrühmlich,
-in der Zeit zu sammeln, um in der Noth zu haben; wenn aber Weiber
-selbst in diesem Ungewitter Entschlüsse zu fassen verständen; wenn sie
-kein Lexicon zusammengetragener Regeln aufschlagen dürften, die ohnehin
-nie ganz auf einen einzelnen Fall passen? -- wenn --? Doch, laßt uns
-erwägen, nicht was dieser Wallfisch des menschlichen Geschlechtes
-werden wird, wenn ihm nicht mehr Tönnchen zum Spielen zugeworfen
-werden, sondern was er selbst in seiner jetzigen so traurigen Lage war
-und ist! Als _Sokrates_ von der Gottheit zum _Weisen_ erhoben und ihm
-das Diplom hierüber wegen seines Wohlverhaltens ertheilt ward, maß er
-sich mit vielen seiner Zeitgenossen, und fand, daß Andere diese Würde,
-wo nicht mehr, so doch eben so gut verdienten, wie Seine Wohlweisheit
--- Endlich überzeugte er sich, daß diese Würde, bloß weil er sich nicht
-für weise hielte, ihm auf Allerhöchsten Göttlichen Special-Befehl wäre
-zuerkannt worden -- Kann _der_, welcher Aufsehen macht, weise seyn?
-hat _der_, bei der rastlosen Bemühung sein Ansehen zu schützen und
-den Neid zu entkräften, Zeit und Raum zur Weisheit? _Ob den Weibern
-wirklich die Bescheidenheit bei ihren Handlungen eigen ist?_ Die
-Erfahrung überhebt mich der Antwort. Ob Weiber wirklich gehandelt
-haben? O, der beleidigenden Frage! -- --
-
-Ohne eine _Isabelle_ wäre America vielleicht noch nicht entdeckt
-worden, vielleicht nicht durch _Columbus_, oder doch erst spät, und
-auf einem entgegengesetzten Wege. _Ferdinand_ hatte nicht Muth und
-Entschlossenheit, einem so kühnen Unternehmen seinen Nahmen zu leihen,
-und seinen Schatz zu öffnen. Würde _Cicero_ ohne die _Fulvia_ die
-Verschwörung des _Catilina_ entdeckt, und den Namen eines _Erhalters
-des Römischen Staates_ gewonnen haben? _Karl V_ verdankte es bloß dem
-Einfluß eines Weibes, daß seine Donquixotterien einen besseren Ausgang
-hatten, als sie verdienten. Und warum eine größere Aufzählung solcher
-Begebenheiten, an denen Weiber nicht bloß Antheil nahmen, sondern die
-durch sie entstanden, durch sie geleitet und ausgeführt wurden, wo
-sie nicht bloß untergeordnete Dienste leisteten, sondern der Geist
-waren, der über den Wassern schwebte, die Seele, die den Gang der
-Begebenheiten ordnete und lenkte! --
-
-Frankreich ist seit zweihundert Jahren durch Weiber regiert worden; ob
-gut oder schlecht, ist ein Umstand, auf den es hier nicht ankommt. Daß
-es schlecht regiert ward, ist nicht die Schuld der Weiber überhaupt,
-sondern jener Weiber, die listig, verwegen und ehrsüchtig genug waren,
-die Zügel des Staates den schwachen Händen zu entwinden, denen das
-blinde Glück sie anvertrauet hatte, oder die in anderen Rücksichten
-aufgestellt wurden, und die dann, neben dem schwereren Geschäfte die
-lange Weile von einem müßigen Monarchen zu verscheuchen, auf den
-Einfall kamen, das ungleich leichtere Geschäft der Staatsverwaltung zu
-übernehmen.
-
-Seitdem _Semiramis_ mit rascher entschlossener Hand das Zepter ergriff,
-und es mit so vieler Würde als Weisheit führte, haben viele Weiber,
-und unter diesen mehrere welche die Geburt nicht für ein Diadem
-bestimmte, den Herrschertitel mit Ehren getragen. Giebt es nicht
-Länder, die in ihren Regentenlisten eben so viele berühmte Namen des
-einen als des anderen Geschlechtes aufführen? Wenn das Cabinet außer
-der _Ritterin d'Eon_ keinen weiblichen Geschäftsträger aufzuweisen hat;
-sollte dies wohl die Unfähigkeit des anderen Geschlechtes beweisen?
-Bei Allem, was durch Vernunft erklügelt, durch Dreistigkeit errungen,
-durch Witz erhascht, durch Gutmüthigkeit erreicht werden kann, wird
-die schöne Welt nicht zurückbleiben; -- und wenn feile Seelen allen
-Triebfedern dienstbar sind, werden Weiber nie vergessen, was anständig
-ist -- welches da, wo der Anstand sich das Ansehen giebt am höchsten
-getrieben zu seyn, oft schnöde vergessen wird. Lord _Chesterfield_ soll
-bei einer Assemblee auf _Voltaire'ns_ Frage: _halten Sie die Englischen
-oder die französischen Damen für schöner?_ geantwortet haben: _ich
-verstehe mich nicht auf Gemälde_; und doch wüßt' ich keinen Hofmann,
-der sich so zu schminken verstanden hätte, wie dieser Mann, der unter
-den Lords den Gelehrten, und unter den Gelehrten den Lord machte. Wer
-_le fin du fin_ in dem diplomatischen Fache kennt und übt, richtet
-auf diesem Wege oft am wenigsten aus -- Adler fangen nicht Fliegen,
-und der Prätor setzt sich über kleinfügige Subtilitäten hinweg --
-Der weibliche Vortrag ist gemeiniglich mit dem was vorgetragen wird,
-aus Einem Hause; diese Zwei sind Eins, und nie oder selten findet
-hier eine Mésalliance Statt, welches aber zwischen dem männlichen
-Vortrage und der vorzutragenden Sache sehr oft der Fall ist -- Wüßten
-wir, was in Cabinetten durch Weiber geschehen ist: wir würden über
-die interessantesten aller Spiele, die Täuschung der Imagination,
-erstaunen, wodurch Weiber zu ihrem Zwecke kamen; wir würden die Kunst
-bewundern, mit welcher ein Weib oft den Faden einer Begebenheit
-anspann, den sie durch alle Schleichwege der Intrigue glücklich bis zum
-Ziel hinausführte. Eigentlich scheinen sie jener Künste, worauf die
-Politik heut zu Tage stolz thut, sich bloß darum zu bedienen, daß die
-Männer mit gleicher Münze bezahlen können; im Grunde sind sie von Natur
-aus, weniger, als wir mit jenen Schlangenwindungen der Zweideutigkeit,
-mit jener politischen Falschheit ausgerüstet, die nach den Regeln der
-jetzigen Kunst im Finstern schleicht; und es ist von ihrem Verstande
-und von ihrem Herzen zu erwarten, daß sie die Politik säubern, und ihr
-zum Besten der Menschheit mehr Natur und Wahrheit beiordnen werden. Mit
-dem Talent, die heimlichsten Gedanken eines Andern auszuspähen, und sie
-in den verborgensten Winkeln zu ertappen, werden sie den schlauesten
-Diplomatiker überlisten, ohne daß es Sr. Excellenz gelingt, ihnen ihr
-Geheimniß zu entwenden; und obgleich der Wille der Principal-Excellenz,
-wie ein Taglöhner, oft dem liederlichsten Weibe verkauft wird: so wird
-doch auch der Feinste von den Feinen vergebens sie verleiten, ihren Fuß
-an einen Stein zu stoßen -- Nicht bloß die verliebte Schäferin, sondern
-auch der Hofmann verbirgt sich im Gesträuch; allein beide lassen sich
-_zuvor_ sehen -- Die Kunst vermehrt oft die Schmerzen des Kranken,
-und es giebt eine verkünstelte Kunst die in's Abderitische fällt,
-wodurch unser Geschlecht in der Diplomatik Glück machen will -- Wir
-verfehlen nicht, dem Erzengel _Michael_ und dem _Drachen_ eine Kerze zu
-widmen -- Warum doch so viele Künste! -- Werden Weiber aber bei diesem
-Geschäfte den ihnen eigenen Edelmuth aufgeben? jene aus Menschenliebe
-abstammende Bereitwilligkeit zur Selbstverleugnung? werden sie je
-bei der ihnen eigenen Kunst Menschen zu vernehmen und zu erforschen,
-aufhören, großmüthig zu seyn und sich selbst zu besiegen? Nimmermehr!
-Schwache Männer pflegen gern boshaften Menschen ihr Zutrauen zu
-schenken, schwache Weiber dagegen sich edlen Menschen zu überlassen:
-Weiber hassen Verrätherei und den Verräther; wir nur, wenn's köstlich
-ist, den Verräther: wir sehen es gern, wenn dergleichen Leute viel
-bringen, und geben uns nur Mühe, daß sie wenig oder nichts mitnehmen
--- Weiber, weit hinweg über jene politischen Tiraden, über jene
-politischen Metaphern und jenen politischen _Salto mortale_, wählen die
-Natur zu ihrer Lehrerin, und richten mehr aus, als Excellenzen durch
-abgenutzte, verrathene und verkaufte _Kniffe_, die den beschrieenen
-Namen _Künste_ bei weitem noch nicht einmal verdienen --! Können Weiber
-nicht zeigen und verbergen, was sie wollen? Haben sie nicht eine
-Offenheit, durch die sie mehr, als durch Zurückhaltung, ausrichten?
-eine unvergleichliche Biegsamkeit der Gedanken, eine Helle im Ausdruck,
-eine Geschmeidigkeit im Urtheil --? Ihr Mienenspiel, ihr Glück und
-ihr Verdienst, mit geringen Hülfsmitteln die größten Wirkungen zu
-bewerkstelligen -- ihre Kunst, jedem einen Spiegel vorzuhalten, worin
-_er_ sieht, was _sie_ wollen; ihre gelenkige Zunge, wodurch sie
-ihren Ideen eine Macht beilegen, die Alles überwindet: -- dies sind
-Eigenschaften, wodurch sie alles ausrichten. Man nimmt nur die Wirkung
-an sich wahr, und sieht sich vergebens nach den Ursachen um, welche die
-Weiber sehr künstlich zu verstecken wissen. Schon im gemeinen Leben
-verwickeln sie mit ihrem Witze alle Charaktere der Gesellschaft auf
-eine so angenehme Art, daß man diese ihre Leichtigkeit bewundern muß.
-Indem sie der Ausdruck zu verlassen scheint, indem sie ihn aufgeben,
-finden sie eine überschwengliche Sprache: sie belauschen kleine Ideen,
-die der, den sie gewinnen wollen, fallen läßt; -- sie wissen auf ein
-Haar seine Leibgerichte, seine Neigungen, seine Stärke, seine Schwäche;
-und besitzen die große Gabe, von Glück und Unglück Gebrauch zu machen
--- wie bewunderungswürdig! -- Unser Geschlecht verstehet es selten,
-aus dem Glück, und fast nie, aus dem Unglück Vortheil zu ziehen und
-glücklich durch Unglück zu seyn. --
-
-Der _Mangel der Verschwiegenheit_, den man dem andern Geschlechte so
-oft zur Last legt, ist nur eine Unart des _weiblichen Pöbels_; und der
-_männliche_ Pöbel macht in dieser Hinsicht so wenig eine Ausnahme,
-daß er fast schwatzhafter zu seyn scheinet. Weil die Weiber viel
-reden, hat man sie der Unverschwiegenheit beschuldiget; allein unser
-Geschlecht verdient diesen Vorwurf unendlich mehr; -- wenn es voll
-süßen Weins oder verliebt ist, fast immer, und auch oft dann, wenn
-es sich weder durch Liebe noch durch Wein erhitzt hat -- Nichts kann
-Manchen zurückhalten, sogar seine selbsteigene Schande zu entdecken
--- Kein Soldat kann so begeistert von seinen Siegen erzählen, wie
-ein Zierling (_Élégant_) von den seinigen. Hat man nicht _Mirabeau_,
-dem goldenen Munde neuester Zeit, den Vorwurf gemacht, daß er nichts
-verschweigen können? Jene Weigerung guter Menschen, Alles hören zu
-wollen, nur keine Geheimnisse, beweiset, daß wenige Menschen zu solchen
-Depositis sich Treue genug zutrauen. Viele unseres Geschlechtes haben
-so viel selbsteigene Geheimnisse zu bewahren, daß sie sich mit fremden
-Depositis nicht füglich befassen können; viele sind niedrig genug,
-Depositen-Gebühren auf eine unverschämte Weise zu verlangen -- Wer sich
-selbst nicht treu ist, und seine eigenen Unthaten unter die Leute zu
-bringen für unbedenklich hält, glaubt sich, wo nicht rechtfertigen,
-so doch entschuldigen zu können, wenn er seinen Herrn oder seinen
-Freund verräth! -- Männer sind so fein sich zu überreden, daß sie zum
-Heil und Frommen eines besseren Menschen das Beichtsiegel brechen
-können, das auf die Geständnisse eines minder guten schon gedrückt war!
--- Mancher Richter macht sich kein Gewissen, unter Versicherung des
-Nichtgebrauchs, Bekenntnisse herauszulocken. »Hat denn,« fragt er, »der
-Staat nicht mehr Recht auf mich, als meine Verbindlichkeit?« Du irrest,
-Verräther! der Tugend stehet das größere Recht zu. Die Pflichten gegen
-das Vaterland heben bei weitem nicht alle anderen Pflichten auf, und
-ein Bürger muß nie aufhören ein Mensch zu bleiben. Im Kriege selbst
-darf man den Vorzug nicht aufgeben, ein Freund seines Freundes zu seyn!
-Auch haben die Männer ein verrätherisches Schweigen, ein Achselziehen
-im Gebrauch, die Weise ein halbes Wort zu sagen, den ersten Buchstaben
-anzugeben -- Diese Judas-Verrätherei durch einen Kuß, dieses
-plauderhafte Stillschweigen, läßt das andere Geschlecht sich gar nicht
-zu Schulden kommen -- Man rede nicht von der Unverschwiegenheit der
-Weiber! -- --
-
-Noch weniger aber sollte den Weibern untersagt seyn, an der _inneren
-Staatsverwaltung_ und _Staatshaushaltung_ Theil zu nehmen, da ihnen
-gegenwärtig schon im Ganzen die Verwaltung ihres eigenen Hauswesens
-anvertrauet ist, und sie bei diesem, ihnen zugefallenen Pflichtteile,
-selbst nach dem Zeugnisse der Männer, sich rühmlichst verhalten. Gewiß
-hätten wir alsdann weniger Tyrannen, die auf festem Grund und Boden
-Schiffbrüchige mit Lust arbeiten sehen, oder die des Spaßes wegen
-solchen, die mit den Fluthen ringen, unter Pauken- und Trompeten-Schall
-vermittelst einer heilsamen Verordnung Strohhalme zuwerfen; weniger
-Blutigel, die hier jeden Bissen finanzmäßig zuschneiden, und dort den
-Schweiß und das Blut der Unterthanen ohne Maß und Ziel verschwenden;
--- die sich Mühe geben, dem gemeinen Manne das Huhn aus dem Topfe
-herauszurechnen, welches _Heinrich IV_ ihm alle Sonntage in den Topf
-hineinzurechnen Königliche Sorge trug; -- die ihre Administration, wie
-elende Feldherren ihre Einnahmen, mit Plünderungen anfangen, und, um
-sich aus dem Gerede über neue Plackerei zu bringen, Redouten und Bälle,
-Diners und Soupers geben, und es wie weiland _Alcibiades_ machen, der
-seinem schönen Hunde Ohren und Schwanz abschnitt -- -- Wir hätten
-alsdann weniger Großprahler und Meister, die gleich vom Himmel fallen,
-ob sie schon entweder Colporteurs von alten abgetragenen Meinungen
-sind, welche sie wie ein Bettelkleid mit einem Flick von Sammet
-bereichern, oder aber (trotz jenem Ober-Chirurgus, der sich dienst-
-und kunsteifrig dahin ausließ: hinter die Krankheit muß ich kommen,
-wenn auch das ganze Regiment darauf ginge!) eine neue verzweifelte Kur
-nach der andern probiren -- und das Alles? um reiche Arme und arme
-Reiche zu machen -- O, wie viele hochgepriesene Schwachköpfe giebt
-es, die Einen Stand auf Rechnung des andern in verhältnißwidrigen
-Cours bringen, damit der eine durch Übermuth, und der andere durch
-Hungersnoth verderbe! wie viele, die nichts im Ganzen übersehen können,
-und denen es ein leichtes dünkt, aus Deutschen Franzosen, und aus
-Pohlen Holländer zu _fabriciren_ --! wie viele Finanzblitzer, deren
-Aufblitz nur dazu dient, daß man das Schreckliche der Verderbensnacht
-mit Schauder erblicke! -- Diese Herren sollten die Ermahnung jenes
-Weisen an einen Frevler beherzigen, der bei einem gefährlichen
-Ungewitter die Götter bestürmte: -- sich still zu halten, damit
-die Götter nicht wüßten, daß er hier wäre. -- Nehmt das Triumvirat
-unserer außerordentlichen Minister, des _Grafen Struensee_, _Pombals_,
-_Neckers_; -- und das sollte kein Weib thun, was diese Excellenzen
-thaten?
-
-Wer dem weiblichen Geschlechte die Fähigkeit abspricht, das Ganze
-zu übersehen, Anordnungen für Königreiche zu treffen, sie im Großen
-auszuführen, weit aussehende Plane zu umfassen, und kurz, ihre Begriffe
-bis zum Allgemeinen zu erheben, der verräth wenig Weltkenntniß, und
-schließt von den Geschäftendes Detail -- denn größtentheils werden
-bloß diese den Weibern jetzt anvertrauet -- auf ihre Fähigkeit. Und
-wie? soll es denn bei diesen Geschäften nicht auch subalterne Köpfe
-geben, da Arbeiten dieser Art bei unsern jetzigen Einrichtungen
-überall existiren? Wo es Feste oder Erhöhungen gewisser Tage des
-gemeinen Lebens giebt, da müssen auch Werktage seyn -- Nur alle sieben
-Tage ist ein Sonntag -- Weihungen gewisser Lebens-Momente zu einem
-vorzüglichen Lebensgenusse setzen auch gewöhnliche Tage voraus. Und
-sind wir denn lauter Sonntagskinder? -- Bewunderungswürdig ist das
-Talent zu rechnen selbst bei gemeinen Weibern, ob sie gleich sich über
-unsere Rechnungsmethode wegsetzen, und oft ihre eigene Arithmetik auch
-alsdann noch beibehalten, wenn sie nach der gewöhnlichen Schulmethode
-zu den Geheimnissen der Zahlen zugelassen worden sind. Ihre Kanzelei
-ist mir, bei aller ihrer Unregelmäßigkeit, schätzbar, wenn gleich
-Keuschheits-Procuratoren noch nicht einig sind, ob und in wie weit das
-Schreiben dem weiblichen Geschlechte nützlich oder schädlich sei.
-Giebt es nicht Männer genug, die ihre Töchter nicht anders zu bewachen
-wissen, als daß sie ihnen Tinte und Federn untersagen?
-
-_Storch_, ein neuer Reisender, fand, nach seinen Bemerkungen über
-Frankreich, in der Schule des berühmten Tachygraphen _Coulon de
-Thévenot_ zu _Paris_ Mädchen, unter denen es einige in der Kunst
-geschwind zu schreiben, zu einer erstaunenswürdigen Fertigkeit gebracht
-hatten. Heißt das nicht mehr als Orthographie und Kalligraphie?
-
-Vieles in der _Stadt- und Landwirthschaft_ hat man bis jetzt als
-unbedeutend behandelt; viele Hausthiere sind lange nicht in dem
-gehörigen Maße genutzt und im Ertrage in Anschlag gekommen, und
-überhaupt ist das anzubauende Feld nicht klein, welches auf Weiberköpfe
-und Hände wartet, um urbar zu werden -- Fast möcht' ich sagen, die
-Ökonomie sei weiblichen Geschlechtes, und vorzüglich die, welche ins
-Große geht -- Wie wir doch Alles so meisterhaft -- wie soll ich sagen?
--- _um_zukehren oder zu _ver_kehren gewußt haben!
-
-Und du, _heilige Justiz_! unübersteiglich dem, der dich, wie der Pilger
-die Alpen, ohne Alpenschuhe, Stab und Führer ersteigen will! mystische
-Aristokratie, die du dich oft zwischen Fürsten und Volk stellest --
-angeblich um Mittler- oder Mäkler-Dienste zwischen beiden zu üben,
-eigentlich aber um beide zu beherrschen -- darf ich es wagen, dich
-um Audienz zu bitten? Zwar weiß ich, wie edel dir deine Zeit ist, um
-dich nach einem dreistündigen Sessionsschlaf zu erholen, und zu einer
-abermaligen Sessionsruhe neue Kräfte zu sammeln; doch will ich dich
-gewiß weniger aufhalten, als du alle deine Partheien aufhältst -- Die
-Beobachtung der Natur hat den größten Meistern in den schönen Künsten
-die Regel zugeführt: daß wenige und einfache Zeichen, wenn sie mit
-Weisheit gewählet werden, eine kräftigere Wirkung thun, als durch
-eine verschwenderische Häufung zwecklos gewählter Zeichen möglich
-ist. Darf ich so frei seyn, diesen Umstand der gesetzgebenden und
-gesetzübenden Justiz zur Erwägung zu empfehlen? _Hume_ ging von seinem
-Freunde _Jortin_, einem Geistlichen, mit dem er über natürliche und
-geoffenbarte Religion einen Wortwechsel gehabt hatte; und da der
-Philosoph nicht zugeben wollte, daß der Geistliche ihn begleitete,
-fiel er. Der Geistliche, der ihn fallen hörte, kam ihm mit seinem
-Lichte zu Hülfe, und machte ihn mit den Worten verdrießlich: »Habe ich
-Ihnen nicht oft gesagt, lieber Freund, daß Sie Sich nicht zu viel auf
-eigene Kräfte verlassen sollen, und daß das natürliche Licht nicht
-hinreicht?« Die natürliche Religion verlor durch diesen Fall _Hume'ns_
-nur eben so viel, wie die geoffenbarte durch das Licht _Jortin's_
-gewann; allein die Justiz verliert durch den Umstand, daß auch die
-ersten ihrer Officianten sehr oft nicht wissen, wie sie mit ihr daran
-sind -- Sie fallen mit und ohne Licht, mit und ohne Begleitung; und
-ich weiß nicht, woran es liegt, daß Niemand recht weiß, was Rechtens
-ist. Ihre Sentenzen, welche die Sache lösen wollen und sollen, sind
-gemeiniglich neue Räthsel, die sie aufgeben; und doch gehören viele
-Sächsische Fristen und viele doppelte Sächsische Fristen dazu, ehe
-man die _hochlöblichen Herren_ zum _Stehen_ bringt; und wie viele
-Fristen verlaufen nicht, ehe sie zum _Sitzen_ kommen! Die Justiz war
-zu jeder Frist eine dürftige Krücke, an welcher der Staat hinkte, und
-noch obendrein von so _schadenfroher und bösartiger Natur_, daß sie
-auch selbst dem, der sich zutrauensvoll auf sie stützte, die Hand
-durchbohrte. Wie oft sind ihre Urtheile vergiftete Hostien, die man bei
-großem Pomp des Hochamts empfängt. -- -- In ihrer goldenen Zeit ist die
-Justiz ein Guckkasten, worin schöne Raritäten und schöne Spielwerke
-zu schauen sind -- Es gab von jeher unter den Juristen _Élégants_;
-und wer hat nicht von der _eleganten Jurisprudenz_ reden gehört? Auch
-der einsichtsvollste Jurist wird in eigenen Angelegenheiten nicht
-wissen, was er zu thun und zu lassen habe, um etwas Rechtbeständiges
-zu unternehmen; und so scheint die gar zu große Kunst der Justiz dem
-Menschen, den Gott aufrichtig gemacht, völlig unangemessen zu seyn.
-
-Sollte sich einst die bürgerliche Verbesserung der Weiber bis auf
-die Rechtspflege erstrecken, und das Recht aufhören, ein Monopol
-einer besondern besoldeten Männer-Klasse zu seyn; nur alsdann wird
-man anfangen einzusehen, daß Rechtspflege nicht heißt, im Orakelton
-unverständliche Formeln hersagen, die nur wirksam sind, weil neben der
-Wagschale auch das Schwert liegt, sondern daß sie sich bemühen muß,
-die Partheien über Recht und Unrecht zu belehren und zu überzeugen,
-wenn sie einen Theil der Ehre verdienen will, die sie sich jetzt
-so gränzenlos und machtvollkommen beilegt. Man sagt: _Necker_ sei
-tugendhaft, um damit prahlen zu können; _la Fayette_ sei es, um es zu
-seyn und nicht zu scheinen. Würde dies nicht der Fall mit Richtern aus
-der weiblichen und männlichen Klasse seyn?
-
-Schon fängt der Gedanke an sich je länger je mehr zu regen, daß nur
-Gleiche zwischen Gleichen entscheiden können, wenn Recht nicht ein
-todter Buchstabe bleiben, sondern ein lebendiger werden soll. Würde
-es indeß nicht schreiendes Unrecht seyn, bis dahin, und ehe jener
-glühende Funke in der Asche zum Feuer ausschlägt, den Weibern die
-Richter- und Schöppenstühle zu verschließen? Man behauptet in England:
-unbesoldete, dem Beklagten gleiche, von ihm anerkannte, nur auf eine
-kurze Zeit zum Wohl der Mitmenschen und nicht schnöden Gewinnstes oder
-eitler Ehre halben berufene, einstimmige Richter, oder Geschworne
-(_Juries_), wären eine Schutzwehr der bürgerlichen Freiheit, und eine
-unüberwindliche Festung, wenn gleich die Künstelei der politischen
-Maschine bisweilen zu gesucht seyn sollte, wenn gleich in ihrem
-Räderwerke zu viel oder zu wenig Zusammensetzung Statt fände, wenn
-gleich in der Vertheilung der Gewalt, in der Repräsentation des Volkes,
-und in der Abtheilung der Stände Organisations-, Schwachheits- und
-Bosheitsfehler wären -- Jene Justiz-Verwaltung allein würde schon,
-was schwächlich ist, beim Leben erhalten, und nichts erschöpfen
-lassen, was zum Vortheile und zum Glanze der Nation einen Beitrag
-liefern kann. In der That, auch im monarchischen Staate könnte durch
-eine ähnliche Justizverwaltung Alles einen andern Schwung bekommen,
-und so Manches belebt werden, was jetzt gelähmt ist -- Monarch und
-Volk würden gewinnen. Wie aber, wenn sogar das andere Geschlecht an
-dieser Rechtspflege Antheil nähme, wenn nicht bloß durch gute Männer
-(_arbitros_), sondern auch durch gute Weiber, Zank und Streit beigelegt
-oder entschieden würde? müßte da die Justizverwaltung nicht noch
-vollkommener werden? Menschen, die bloß gesetzlich sind, haben keine
-Haltung; -- es sind im eigentlichen Sinne bloß unnütze Knechte, die
-zwar thun, was ihnen geboten ist, allein damit nichts Gutes stiften
--- Die Gesetze und die Leidenschaften sind oft so verwandt, daß der,
-welcher der Vernunft und dem Gewissen (der praktischen Vernunft) nicht
-folgt, bei aller positiven Gesetzlichkeit nicht selten ein verdorbener
-Mensch ist -- Wer kann hierauf genauere Rücksicht nehmen als das
-andere Geschlecht? wer es mehr empfinden als Weiber, daß der Zwang,
-durch den Andere eben so frei werden, die Probe der wahren Freiheit
-sei? -- Trockne und ungekünstelte Wahrheit gilt in der Geschichte
-und überall mehr, als eine noch so glänzend scheinende Falschheit.
-Jener medicinische Pfuscher, der einen König von einem Quartanfieber
-befreiete, welchem alle kunstverständige Ärzte, ihrer hohen und tiefen
-Gelehrsamkeit ungeachtet, nicht gewachsen waren, antwortete, als er
-_par ordre du Roi_ den Doktor-Hut erhalten sollte, und der Form halben
-examinirt ward, auf die Frage: »was ist das Fieber?« _eine Krankheit,
-die Sie, meine Herren, sehr geschickt zu definiren, und nicht zu
-curiren verstehen, und die ^ich^ nicht definiren, wohl aber
-curiren kann_ -- Die evidente Vernunft ist eine Mitgift, welche die
-Natur allen Menschen in gleichem Maße bewilligt hat. Der allergemeinste
-Grundsatz des Naturrechtes, mit dessen Ausübung Zwang unwidersprechlich
-verbunden werden kann, ist das Gesetz:
-
- verhindere, daß die Vollkommenheit aller
- Menschen nicht gemindert werde;
-
-und liegt in dem höchsten Material-Gesetze der Sittlichkeit:
-
- vervollkommne alle Menschen.
-
-Ist Vollkommenheit nicht die höchste Stufe der Ausbildung aller Kräfte
-zu einem Ganzen? Ich will es hier mit keiner Schule verderben; denn
-meine Absicht ist nicht, nach väterlicher Weise der Richter- und
-Philosophenstühle, durch Zank und Streit die edle Zeit des Handelns zu
-versäumen. Darf ich indeß, um die Justiz zu überzeugen, daß sie mit
-sich selbst uneins ist, noch beiläufig bemerken, daß die Vollkommenheit
-aller Menschen mir der Zweck der sittlichen Gesetze zu seyn scheint?
-Und was will man mehr als diese höchste Ausbildung? Sollten indeß
-Gesetze nicht auf alle Menschen ausgedehnt werden? Kann man ein
-vernünftiges Wesen bloß als Mittel zu höheren Zwecken ansehen? Jener
-allgemeine materielle Grundsatz ist und bleibt ein Kennzeichen der Form
-aller Sittlichkeit, gemäß der allgemein geltenden Gesetzmäßigkeit und
-ihrem obersten Grundsatze: die Vorschriften, nach denen du handelst,
-müssen so beschaffen seyn, daß sie allgemeine Gesetze werden können.
-Verschlag' ich zu weit, oder kann unsere neue Philosophie nicht ein
-Tribunalsausspruch meiner Vorschläge werden? Eine gute Gesetzgebung
-ist sicher das Meisterstück des menschlichen Geistes; und wer aus
-Kenntniß unserer Natur weiß, daß die Sitten der Nationen ihre Bildung
-größtentheils der Wirkung der Gesetze zuschreiben müssen, wird es mir
-nicht verdenken, daß ich unsere Juristen etwas weiter zurückführe, als
-diese Herren vom gewöhnlichen Schlage zu gehen gewohnt sind. Schon
-da, wo die Weiber jetzt das Richteramt führen, in gewissen _causis
-privilegiatis_, zeigen sie sich als Meisterinnen in ihrer Art, und
-beschämen ihre Männer, die gemeiniglich Alles verderben, sobald sie es
-sich herausnehmen, Stellvertreter ihrer Weiber seyn zu wollen --
-
-Man sagt: _Weiber wären hart_; allein läßt sich die Justiz in Gefühle
-auflösen? _sie wären zu peinlich bei ihrer Nachforschung_; allein kann
-man es zu sehr seyn, wenn es Schuld und Unschuld der Menschen gilt? Es
-fehlt den Weibern selbst nicht an Gedächtnis, um eine Legion Gesetze
-zu behalten, noch an Geduld, die ewigen Klagen und Schutzreden der
-Partheien anzuhören, und in einem feinen guten Herzen zu bewahren;
-nicht an Beredsamkeit, um den Sturm der Partheien zu besänftigen und
-die Fluth der Rede in ihr Ufer zurück zu weisen -- Wie geschickt würden
-sie zu Versuchen der Sühne seyn! -- Überraschung ist der natürliche
-Ersatz für alle unangenehme Verwirrung, ohne die sie nicht zu erhalten
-war; allein ist dies der Fall bei unsern richterlichen Sentenzen? sind
-sie nicht gemeiniglich ein neues verwickeltes Knäuel? wechselt nicht
-Verwirrung, bis endlich die dritte Instanz, gemeiniglich durch einen
-Machtspruch (so sehr auch dies Wort bei den Herren Juristen gehaßt und
-verfolgt wird) aller Fehd' ein Ende macht? --
-
-Bis jetzt hatten die Weiber kein anderes ernsthaftes Geschäft als
-Liebesangelegenheiten. Freilich, wenn sie auf einmal, wie vom Himmel
-gefallen, ohne Vorbereitung, ohne ihnen bewilligte bürgerliche
-Rechte, und ohne daß man ihnen auf politische Köpfe und Füße hilft,
-sich in Staatssachen werfen -- ist es Wunder, wenn sie, nach einem
-Französischen _Viso reperto_, zwar die _hysterischen Zufälle_
-verlieren, indeß in noch _ärgere_ fallen? Ernsthafte Sachen sind ihnen
-zu _schön_ und zu _erhaben_, als daß sie nicht Alles dieser köstlichen
-Perle halben veräußern sollten. Zarte Fasern, die man pflegen und
-warten soll, muß der Gärtner nicht zerreißen; bei einer scheinbaren
-Ermattung, oder bei einem zu starken Auswuchs, kann er nicht, ohne
-ein Miethling zu seyn, jene sich hervordrängenden Zweige abschneiden,
-die so leicht zu besseren Zwecken zu leiten gewesen wären -- Er läßt
-sie in die Höhe schießen oder zur beschützenden Krone gedeihen -- Man
-mäßige bei dem andern Geschlechte die zu starke Neuheit; man bringe
-Weiber mit _mehr_ ernsthaften Sachen, und zwar _allmählich_, in
-Verbindung: und hysterische und andere angeblich ärgere Übel, Leibes
-und der Seele, Gutes und Ehre, sind gehoben. Die Pfeifer und Geiger
-wurden auf der Stelle verabschiedet, als _Jairi Töchterlein_ von den
-Todten erweckt werden sollte -- Selbst die Bevölkerung müßte hierbei
-zunehmen; »es verlohne zu leben,« würden die Weiber denken. Und wie ging
-es in aller Welt zu, daß man bis jetzt den Vortheil der Menschheit
-so sehr verkannte? daß man die Weiber als abgeschiedene Seelen in
-einem Psychodocheum hielt, und sie nie zum wirklichen, sondern bloß zu
-einer Art von Leben berechtigte? -- zu einer Art von Ritterleben von
-trauriger Gestalt! -- Viele Züge würden mehr gehoben, andere sanfter
-gemischt werden; man würde uns nicht so oft statt eines Nachtstückes
-die Nacht mit schwarzen Farben verkaufen; nicht so oft aus bloßer
-Angst und Furcht ein Held seyn; nicht so viele Rechtsglücksgreifer und
-Marionettenspieler in den Gerichten finden, nicht so viele flache, mit
-groben Farben überladene Richter und Anwälde und wie die Herren weiter
-heißen -- wenn Weiber an der Rechtsverwaltung Theil hätten. Sind unsere
-praktischen Rechtsgelehrten nicht gemeiniglich Feinde des _Warum_? Ist
-das Verdienst des größten Theils von ihnen nicht, Urtheile in Umlauf
-zu bringen, die man ein _Spielzeug des Gewissens_ nennen könnte --?
-Urtheile, die oft das gerade Gegentheil von jener inneren Gerechtigkeit
-sind, bei der Jeder, wenn er auch gleich durch alle drei Instanzen
-verloren hätte, sicher seyn kann, daß er nach Gefühl und Einsicht der
-gesitteten unparteiischen Welt gewinnen und das Feld behalten werde! --
-Sind die meisten Dikasteria nicht Säulenreihen, die nichts Wichtiges
-zu tragen haben, und wo man unbedeutende Gegenstände mit Verzierungen
-überladen hat? Der _sichere_ Ehrgeitz ist weit unausstehlicher, als
-der, welcher sich vor List und Nachstellung _fürchten_ muß -- Die Römer
-waren, als Staat genommen, keine sonderlichen Financiers; und oft hat
-mich der sündliche Gedanke angewandelt, ob nicht mit darum Juristen und
-Financiers einander so spinnenfeind wären, bis auf den heutigen Tag.
-Würden Weiber an der _Finanz_- und _Rechtsverwaltung_ Antheil nehmen --
-ich wette, dieser Haß zwischen _Herodes_ und _Pilatus_ müßte aufhören,
-und beide Theile mehr zu Gesinnungen der Menschheit kommen, da jetzt
-die Herren Financiers oft ins Recht pfuschen, und die Justiz es so
-wenig bedenklich findet, eine Art von Finanz-Operation zu werden --
-daß die Juristen oft genug die Furierschützen des Finanz-Departements
-sind. --
-
-_Themis!_ weibliche Gottheit, öffne deine Heiligthümer deinem
-Geschlechte, und du wirst Wunder sehen, ohne daß du dich bemühen
-darfst, sie zu thun --!
-
-Während daß wir unsere Hände nach Allem ausstrecken, nicht zufrieden
-über die Seelen der Weiber _à la Padischah_ zu gebieten, sondern
-auch an ihren Körpern zu Helden zu werden, zwingen wir das andere
-Geschlecht, auch auf _die Heilkunde_ Verzicht zu thun, zu der es
-einen unwiderstehlichen Hang behauptet. Und warum ist die Heilkunde
-in ihrem weitesten Umfange nicht eine freie Kunst der Männer und
-Weiber? Fühlen die Weiber nicht so lebhaft, daß die Natur sie ganz
-eigentlich zu diesem Geschäfte berufen hat? treiben sie nicht, trotz
-allen Anordnungen, aller Aufsicht und allen Strafen, dieses ihnen
-so strenge verbotene Handwerk? und haben sie sich nicht -- was noch
-sonderbarer ist -- dabei so gar einen Nahmen zu erwerben Gelegenheit
-gehabt? Frau * * auf * * curirt ihr Haus und ihre Unterthanen, aller
-Recepte von Scheltworten und Drohungen der kunsterfahrnen Facultisten
-ungeachtet, und kann sich nicht mit der gestrengen Rechtsgläubigkeit
-dieser Herren einverstehen, wenn gleich diese Eiferer für des Herrn
-Haus sich viele gelehrte Mühe geben, in Rücksicht anderer unbedeutender
-Ärztinnen, ihre Orthodoxie inquisitorisch zu beurkunden -- Hüten Sie
-Sich, gnädige Frau, daß Sie nicht über Hals und Kopf in ähnliche
-Anfechtung fallen, und wegen ihrer kunstlosen Arzeneien verantwortlich
-werden! -- In einigen Spanischen Provinzen barbieren die Weiber, und
-_Marquis de Langle_ setzt hinzu: so sollt' es eigentlich und überall
-seyn, denn ihre weichen sanften und fleischigen Hände taugen weit
-besser als unsere, das Kinn einzuseifen und das Messer zu handhaben.
--- In den Entscheidungsgründen kann ich diesem Weiberschutzpatron
-nicht beistimmen; wohl aber in der Behauptung selbst -- Jene nicht
-ungerechte Befürchtung des Meuchelmordes würde, wo nicht aufhören, so
-doch außerordentlich geschwächt werden, wenn das andere Geschlecht
-diese _gefährliche Kunst_ triebe. Die Anlage des andern Geschlechtes
-zur Arzeneikunst und Chirurgie beweiset unwiderlegbar seine vorzügliche
-Beobachtungsgabe. Nicht leicht entgehet seiner Aufmerksamkeit auch nur
-die kleinste vorübergehendste Veränderung der Farbe, der Mienen, des
-Auges -- Jede, auch die unbeträchtlichste, krampfhafte Bewegung der
-Muskeln weiß sein Blick zu erreichen. Sein Takt ist zarter und feiner,
-und auch da noch fühlt es Pulsschläge, wo der Arzt, wegen seines
-gröberen Gefühls, nichts mehr bemerkt. Der leiseste Hauch entgeht den
-Weibern nicht; sie vernehmen noch das Wort, das auf der Lippe zitterte
-und starb, und oft verstehen sie die Gedanken -- Am praktischen
-Urtheil, von ihren gesammelten Beobachtungen Gebrauch zu machen,
-fehlt es ihnen sicher nicht -- Schon jetzt bei dem kargen Vorrath von
-Kenntnissen, und ohne allen Beistand der Kunst, übernehmen sie Kuren,
-die dem erfahrensten Arzte, wo nicht lauten, so doch stillschweigenden
-Beifall abzwingen. Wie viel weiter würden sie seyn, wenn ihnen der
-Zugang nachgelassen wäre, den ihnen ein neidischer Zunftgeist bis
-jetzt vorenthielt! Würden ihnen das Heiligthum des _Epidaurischen
-Gottes_, und die unermeßlichen Schätze der Natur aufgethan und sie
-in die Geheimnisse der Kunst als Priesterinnen eingeweihet; wie viel
-wäre für das menschliche Geschlecht gewonnen! da hingegen jetzt die
-große Angelegenheit, die Gesundheit des Menschen, sich immer in
-sehr mißlicher Lage befindet, indem viele von unseren Ärzten sich
-nicht begnügen, Diener der Natur zu seyn, sondern sich zu gestrengen
-Herren derselben aufwerfen -- Wo wir doch überall Herren seyn wollen!
-Die Arzeneikunst aller, der Natur nahe kommenden Menschen ist so
-einfach und so stark, daß sie mit wenigen Mitteln alle Krankheiten
-heilt, so wie Brot die tägliche Schüssel auf allen Eßtischen ist.
-Die Natur ist so gutmüthig, daß sie uns durch Krankheiten gesund
-machen will -- Unpäßlichkeit ist ein Glockenschlag, wodurch wir zum
-Bußtage aufgefordert werden -- Die Natur macht uns aufmerksam auf
-uns selbst -- und will uns damit locken, daß wir glauben sollen,
-sie sei unsere liebe gute, unsere rechte Mutter. Und ist sie das
-nicht? -- Der Schmerz? Ach, dagegen ließe sich noch viel sagen. In
-der That, die Natur scheint mit dem Schmerz ihr Spiel zu treiben. Es
-giebt Fälle, wo der Schmerz mit der Gefahr in keinem Verhältnisse
-steht -- Zahnschmerzvorfälle, in welchen das Leiden weit größer ist,
-als die Gefahr; und so auch umgekehrt -- Vielleicht wollte die Natur
-uns lehren, uns aus dem Schmerze überhaupt nichts zu machen und ihn
-nie auf einen ernsten Fuß zu nehmen. Mache was du willst, sagte ein
-Stoiker zum Schmerz, (ob er sich gleich nicht entbrechen konnte, mit
-den Zähnen zu knirschen) ich werde doch nicht sagen, daß du ein Übel
-bist! und man sage was man will, es liegt in unserm Reden mehr als Ein
-Linderungsmittel. Wenn wir dem Schmerze freundlich zureden, scheint er
-Mitleiden mit uns zu haben; und wenn wir ihm trotzen, scheint er sich
-zu fürchten. Wer den Schmerz in Schimpf oder Ernst übersieht, und sein
-unverwandtes Seelenauge mit strenger Aufmerksamkeit auf einen andern
-Gegenstand heftet, spielt dem Schmerz einen Streich, daß er nicht
-weiß, wie er daran ist. In allen diesen Rücksichten ist vom andern
-Geschlechte mehr, unendlich mehr, als vom unsrigen zu erwarten -- Ein
-gewisses Segensprechen, ein gewisses Hohnsprechen, ist ihm eigen -- Man
-seh' es leiden, man seh' es mitleiden, und Beileid bezeigen -- man hör'
-es Trost und Muth zureden --
-
-Wie viel eine vernünftige Lebensordnung zur Erhaltung der Gesundheit
-beiträgt, und welch ein bedeutendes Hauptstück hier Speise und Trank
-ausmachen; wie vieles dabei auf wahre Zubereitung ankommt: das
-sind Umstände, von denen jeder überzeugt ist; und doch wird dieser
-wichtigste und eigentlichste Theil der Arzeneikunst ganz dem weiblichen
-Geschlecht überlassen, ohne ihm die geringste Kenntniß von dem zu
-lehren, was es zubereitet, noch wie es dasselbe zubereiten muß, wenn
-die thierische Maschine unterhalten und nicht zerstöret werden soll --
-Vielleicht würde es durch Vermittelung der Weiber dahin kommen, daß
-Speise und Trank zu unserer Medicin würden, daß wir Medicin nicht mehr
-_einnehmen_ dürften -- Wird nicht die Hälfte ihrer Wirkung durch den
-Ekel eingebüßt, den das Einnehmen veranlaßt? Kurz und gut, das zahllose
-Heer von Processen und Krankheiten würde vermindert werden, wenn Weiber
-Richter und Ärzte wären. Ist es nicht leichter, manchen Krankheiten
-_auszuweichen_, als sie zu _heilen_? ist es nicht heilsamer für den
-Staat, wenn weniger seiner Bürger von Krankheiten heimgesucht werden,
-als wenn ihnen durch die Kunst der Ärzte die Gesundheit wiedergegeben
-wird? Ist das auch wirklich Gesundheit, was diese Herren den Kranken
-dafür verkaufen? Wahrlich, eben so wenig, wie das Gerechtigkeit ist,
-was wir in unsern Gerichtshöfen sehr theuer bezahlen --
-
-Väter des Staats, errichtet, statt klinischer Institute, Schulen für
-die Weiber, wo das, was zum Unterhalt und zur Nahrung des Menschen
-dienen soll, näher geprüft und untersucht wird; wo sie gelehrt werden,
-Speise und Trank auf eine unschädliche und schmackhafte Weise zu
-bereiten, und das Leben und die Gesundheit der Staatsbürger zu sichern.
-Aber auch selbst in moralischer Rücksicht wäre es den Sitten, und dem
-Staate, dem die Sitten seiner Bürger vorzüglich zu Herzen gehen müssen,
-vortheilhaft, wenn den Weibern gestattet würde, Arzeneikunde zu üben.
-
-Weibliche Ärzte müßten sich weit eher das Zutrauen bei den Kranken
-ihres Geschlechtes erwerben. Diese würden ihre Gebrechen leichter und
-mit weniger Zwang entdecken, und jene, aus Erfahrung mit der Natur
-und Beschaffenheit des weiblichen Körpers, mit seiner periodischen
-Ausleerung bekannt, sicherer dem Übel nachspüren, rathen und helfen
-können. Dann würden weibliche Krankheiten nicht mehr die Schande der
-Ärzte seyn, und vielmehr eine Vollkommenheit in der Kunst erreichet
-werden, in so fern Vollkommenheit zu erreichen ist --.
-
-Schamhaftigkeit, diese Tugend, die das andere Geschlecht so herrlich
-kleidet, mit der, wenn sie verloren ginge, alle Grazien und Reitze
-ihre Kraft verlieren würden; sie, die durch nichts ersetzt wird
--- ist sie nicht oft die Ursache, daß Mädchen Gebrechen so lange
-verheimlichen, bis dieselben nicht mehr zu heben sind? oder daß sie
-lieber mit Gefahr ihres Lebens auf die Hülfe der Kunst Verzicht
-thun? Wie manche hat eine Entzündung in's Grab gebracht, die, wenn
-sie weniger schamhaft gewesen wäre, im Augenblick hätte gerettet
-werden können --! Wie viele büßen nicht durch schwere Geburten ihr
-Leben ein, die es erhalten und dem Staate noch viele Bürger geschenkt
-haben würden, wenn Geburtshülfe eine weibliche Kunst wäre, wenn man
-den Hebammen nicht bloß das Mechanische dieser Kunst überließe, das
-Wissenschaftliche derselben aber sehr weislich den Männern vorbehalten
-hätte! Ist es bei diesen Umständen ein Wunder, daß in _London_ und
-_Dublin_ von Frauen, die sich durch Hebammen entbinden lassen, Eine
-unter 70, und von denen, die sich der Aufsicht männlicher Geburtshelfer
-bedienen, nur Eine unter 140 im Wochenbette stirbt? In der That, es
-bleibt unsittlich, daß ein Eheweib ihren Körper vor irgend einem
-Manne, den ihrigen ausgenommen, entblößt! Verscheucht dergleichen
-Überwindung der Schamhaftigkeit nicht Alles, was man Ehrbarkeit nennen
-kann? Wie viele Villacerfsche Fälle mögen, ohne daß sie verzeichnet
-sind, sich ereignet haben, wo ein Arzt im verliebten Taumel nicht
-wußte, was er that! wo er, um ein Weib zu verführen, oder ein Mädchen
-zu gewinnen, die Kur verlängert, sie anders lenkt, und oft bloß in
-dieser Rücksicht einen langsamen oder schleunigen Tod, ohne daß er es
-dazu anlegte, befördert! Und wenn man weiß, was Eifersucht vermag, wer
-zittert nicht bei diesem Gedanken und bei der Einrichtung, nach welcher
-man dem Arzte so viel anvertrauet, ohne selbst nur den leidigen Trost
-zu haben, durch drei Instanzen seinen Proceß zu verlieren!
-
-Woher kommt es, daß der so wichtige und über alles gehende Widerstreit
-zwischen Wohlstand, Sitten und Bedürfniß bis jetzt übersehen worden
-ist? Hat man ihn aber nicht übersehen, warum ist denn _dieser_
-Mißstand, dem so leicht abzuhelfen war, unabgeholfen geblieben? Man
-kann sich bei dergleichen Umständen des zudringlichen Gedankens nicht
-erwehren, das moralische und physische Wohl der Bürger sei nicht das,
-womit die Staats-Piloten sich zu beschäftigen scheinen. In der That,
-Glück und Zufall sind es gemeiniglich, welche Bahn und Fahrt bestimmen;
-denn es giebt der hier einschlagenden Unschicklichkeiten noch weit
-mehr, von welchen der Staat keine Notiz nimmt, ungeachtet sie einer
-ernstlichen Rüge bedürfen, und ungeachtet es federleicht seyn würde,
-diese Quellen so mancher unmoralischen Folgen zu verstopfen -- Noch
-bedient man sich der _Tanz-_ und _Singemeister_, um dem Frauenzimmer
-Tanz und Musik beizubringen, und scheint es entweder nicht zu wissen
-oder nicht wissen zu wollen, wie nahe die weibliche Tugend hier der
-Gefahr ist, wie Manche diesen Versuchungen nicht widerstanden und als
-Opfer fielen.
-
-Man läßt es geschehen, daß _Männer Weiberköpfe_ putzen, und ahndet
-nicht, was hier für Gedanken geweckt, was für Bilder aufgeregt und was
-für Begierden gereitzt werden. Man vergißt, daß die Gattin und Tochter
-müßig sitzen, daß das Wühlen in den Haaren einen gewissen physischen
-Kitzel, wo nicht bei beiden, so doch bei Einem Theile erregt; man
-übersieht gewisse Stellungen, die einen aufmerksamen Beobachter viel
-errathen lassen. Zwar hat man angefangen, diese Geschäfte weiblichen
-Händen zu übertragen; allein noch ist dies eine Seltenheit und eine
-ökonomische Veranstaltung. Ein kleinlicher Bewegungsgrund, wo es doch
-deren so viele und so wichtige giebt.
-
-Auch die _weibliche Kleidung_ sollte durch _Weiber_ angemessen und
-gefertiget werden. Die Manipulation eines männlichen Schneiders und
-Schusters ist unschicklich. Wär' es dem Staate Ernst, die große und
-edle Hälfte seiner Bürger nützlich zu beschäftigen; fühlte er die
-große Verpflichtung, diejenigen, welche die Natur gleich machte, auch
-nach Gleich und Recht zu behandeln, ihnen ihre Rechte und mit diesen
-persönliche Freiheit und Unabhängigkeit, bürgerliches Verdienst und
-bürgerliche Ehre wiederzugeben; öffnete er den Weibern Cabinette,
-Dikasterien, Hörsäle, Comptoire und Werkstätten; ließ' er dem
-vermeintlich stärkeren Manne das Monopol des Schwertes, wenn der Staat
-sich nun einmal nicht ohne Menschenschlächter behelfen kann oder will;
-und machte er übrigens unter beiden Geschlechtern keinen Unterschied,
-so wie die Natur es wollte, und wie die bürgerliche Gesellschaft es
-auch wollen sollte, wenn sie sich nicht etwa ihrer natürlichen Herkunft
-schämt: so würden Staatswohl und Staatsglückseligkeit sich überall
-mehren, die Menschen wachsen wie die Weiden an den Wasserbächen, und
-die Menschheit ihrer großen Bestimmung mit schnellen Schritten zueilen
---
-
-Doch! ich wollte nur Winke geben, und verdiene vielleicht den Beinamen,
-den man _Burke'n_ zu einer gewissen Zeit beilegte: _the dinnerbell_,
-die Eßglocke, weil die meisten Parlamentsglieder, wenn er zu peroriren
-anfing, das Haus verließen. Die Wahrheit bedarf keiner Schminke, und
-wer der Schönheit wegen schreibt, unterwirft sich dem Schicksal einiger
-Damen unserer verderbten Zeit, die sich weit lieber erkälten, als dem
-Putze das Mindeste von seinen modischen Rechten entziehen. Will man
-etwas in seinem ganzen Umfange, in seiner ganzen Stärke genießen, so
-entferne man alles Fremdartige, und mache es wie große Esser, die,
-außer dem Geschmack, den übrigen Sinnen in ihrem Eßsaale den Zutritt
-nicht verstatten. Selbst weite Aussicht, Tafelmusik, unterhaltende
-Gespräche entkräften ihr Vergnügen -- Still essen sie, und Alles hat
-bei ihnen seine Zeit -- Alles was kolossalisch in's Auge fällt, ist
-schwächlich. Wer Menschen vergöttert, macht weniger aus ihnen, als
-sie von Gottes- und Naturwegen seyn können. _Immerhin Gott, nur kein
-Mensch_, hieß es von Höchstseligen Tyrannen -- Detail-Vorschläge geben
-sich von selbst, wenn nur der Total-Eindruck unauslöschlich ist. Der
-Text muß sich nicht in den Prediger, sondern der Prediger in den Text
-schicken; und was hilft wissen und wollen, wenn es nicht zum Thun
-kömmt! Wer nicht Nebenfolgen von eigentlichen, und Nebenursachen von
-Hauptursachen zu unterscheiden weiß, hat seinen Plan nur schlecht
-angelegt -- oder hat gar keinen. --
-
-Wie aber! es erheben sich Einwendungen an allen _fünf_ Fingern der
-vorigen Kapitel. Immerhin! und wären sie auch nichts weiter als
-wiederholte Wiederholungen, an denen denn doch meine Wenigkeit nicht
-Schuld ist, sondern (Niemand übrigens zu Leide gesagt) meine gebetenen
-Gäste von Opponenten. -- Jene _Chroniques scandaleuses_ wider das
-schöne Geschlecht, von Misogynen und vielbeweibten Männern, von
-Kastraten und körperlichen Kraftgenies, (die, in der Voraussetzung, das
-sinnliche Bedürfniß sei das größte Band unter beiden Geschlechtern,
-des Dafürhaltens sind, die starken Männer wären auch die besten) von
-Thoren und Weisen, von Heiligen und Liederlichen, von Sultanen und
-Keuschheitswächtern, geschrieben und erzählt -- werden sie vermögend
-seyn, uns umzuschaffen oder der Natur Gewalt zu thun --? _Das Weib sei
-nur des Mannes wegen?_ Wohl, so wie der Mann des Weibes halben. Hast
-du nie ein Weib gesehen, Freund, das bei liebenswürdiger Einfachheit
-eine erhabene Größe verräth? bei voller Publicität und Offenheit
-eine enthaltsame, strenge Zurückhaltung? -- bei edler Zutraulichkeit
-forschende Prüfung? -- Es legt es nie auf Herzen an, und doch gewinnt
-es alle Herzen. Das edle Absichtlose, das die Poësie behauptet, ist
-seine Weise; und wie viel richtet es damit aus! Sein Blick, der durch
-die Kirchenschlösser der Herzen dringt und Alles _für_ und _wider_
-entdeckt; -- seine Kraft, die Alles niederdrückt und hebt was es
-will; gleich frei von Freude wie von Leid, von Furcht und Hoffnung
-unbefangen, für den heutigen Tag lebend ohne Sorgen für den andern
-Morgen -- wie schnell und wie umfassend wirksam, zur Selbstherrscherin
-aller Herzen geboren, erhebt dies Weib zu seinen Freunden, die es durch
-die Hoheit seiner Würde zu seinen Untergebenen machte! _Koketterie_
--- sagst du --? Nun, so ist Kosmopolitismus Stoicismus -- und die
-erhabenste Menschentugend im Leben und im Tode Koketterie! Von Natur
-sollte das Weib nicht den _Cajus_, _Titius_ und _Sempronius_ lieben,
-sondern das Geschlecht; durch die Ehe wird es Eines Mannes Weib: an
-jene Umfassung gewohnt, geht auch seine Denkart in's Allgemeine, in's
-Ganze, in's Große -- Macht ein großer Mann jene Rolle des großen
-Weibes; sage unverhohlen: fehlt ihr nicht oft Geist und Leben? -- Du
-zürnest, Freund? Was denkest du Arges in deinem Herzen?
-
-»_Alle Übel in der bürgerlichen Gesellschaft sind Werke der Weiber!_«
-
-Der Weiber, die doch in den politischen Gesellschaften nur Nullen
-sind, und ohne eine vorstehende männliche Zahl keine Bedeutung haben?
-Und warum ihr Werk? weil sie Männer dazu verleiteten? die Curandinnen
-die wohlweisen Curatoren? Wegen des Einflusses, den man den Weibern
-nicht versagen konnte, den auch Sklavinnen über ihre gestrengen
-Herren behaupteten. So sehet denn da die Rache, welche die Natur sich
-nicht versagen kann, wenn man ihre Majestät beleidigt --! Entzieht
-den Weibern keinen jener Antheile, wozu sie unleugbare Rechte haben,
-und ihr werdet jenen Schleichhandel von selbst heben, den jetzt die
-Weiber zum Nachtheile ihrer Männer und des Staates treiben. Die
-Vernunft ist göttliches Ebenbild, und wo ihr sie findet, da ist es
-Pflicht, ihre Superiorität an zuerkennen -- Wo sie erscheint, ist
-Werth, Würde und Selbstbeständigkeit. Sie regiert im Kleinsten der
-Unterthanen den Größten, den Herrn der Welt -- und in dem Staate, wo
-sie unterdrückt wird, hören die Weisen die Stimme, welche sie auf
-ebene Bahn leitet: _Stehet auf und lasset uns von hinnen gehen!_ Oder
-wie? ist etwa der Werth des anderen Geschlechtes nicht auf Vernunft,
-sondern auf Sinnlichkeit gegründet? Ei, Lieber! können wir uns, so
-lange wir Kleider der Sterblichkeit tragen, über die Sinnlichkeit
-hinaussetzen? Nur ein Pedant kann die _Sinne_ die Deutschen Klassen
-nennen; kommen wir nicht durch sie und durch die Empfindung der
-Vernunft zuvor? gründen die Sinne nicht die Vernunft? sind sie nicht
--- die höchsten Revisoren derselben? erheben sie die Vernunft nicht zu
-ihrer eigentlichen Würde? ist die Vernunft nicht _generis foeminini?_
-und der _Geschmack?_ ist er nicht mit so schönen sittlichen Ideen
-ausgestattet, daß es eine Lust ist? Muß die Vernunft sich nicht
-vielmehr von Amtswegen versinnlichen, um über das Herz zu siegen, das
-ein trotziges und verzagtes Ding ist, wer kann es ergründen --? Würden
-wir nicht aufhören Menschen zu seyn, und übernatürlich werden, wenn wir
-auf das Wesen der Menschen Verzicht thäten? ist übernatürlich nicht
-auch unnatürlich? Das feinste Raffinement ist immer ein Verwandter
-der Simplicität. Das Loos dieses Lebens ist eine Menschenrolle; ist
-sie so subaltern wie sie scheint, und verdient _der_ Beförderung,
-der im Geringeren ungetreu ist? Erst durch die Ehe wird das Weib in
-eben dem Grade durch den Mann vollendet, wie der Mann durch das Weib
--- Mann und Weib machen einen ganzen Menschen aus -- Die relativen
-Eigenschaften, die zwischen beiden auf einander angelegt sind, setzen
-diese Behauptung außer Zweifel. Darf ich es noch einmal wiederholen,
-daß der Vorzug der physischen Größe und Stärke des Mannes in Hinsicht
-des Weibes sich auf keine moralische Überlegenheit unseres Geschlechtes
-bezieht? Kein Geschlecht hat den mindesten Werth ohne das andere;
-zusammen genommen machen sie die Menschheit aus. Wir spielen aus Einer
-Kasse, und die Natur hat Mann und Weib so zusammen gefügt, daß kein
-Mensch sie scheiden kann -- In einander verwebt, ist Eins um des Andern
-willen. Eifersucht auf Ansehen ist der Hebel, wodurch nur schwache
-Menschen gereitzt und in Athem gesetzt werden können. Was kann sich
-ohne Weiber gruppiren? Gehe mit einem dir völlig gleichgültigen Weibe
-um, nur langer Weile halben -- ehe du es merkst, wird deine Seele in
-die ihrige eingreifen; ihr werdet nicht von einander lassen, ohne daß
-Lust oder Liebe hierbei den mindesten Einfluß hat -- Dieser Einklang
-ist Geschlechtstrieb, oder inniges geheimes Gefühl, Bestätigung
-der göttlichen Worte: Es ist nicht gut, daß der Mensch allein sei
--- Ohne _Eva_ ist _Adam_ ein Thier, und _Eva_ ohne _Adam_ eine
-Klosterjungfer. Wer bemerkte nicht, daß fast alle Männergesellschaften
-mit dem Paradiese anfangen und mit dem jüngsten Gerichte enden! Man
-erstaunt über die Sprünge, welche Männergespräche nehmen -- Weiber
-knüpfen sie zusammen und bringen Alles in das Verhältniß, wenn gleich
-gesellschaftliche Unterhaltungen mit Recht die Art der Englischen
-Gärten behalten, die genau gebahnte Wege vermeiden. -- Wäre größere
-körperliche Stärke mit einer größeren Seelenkraft verbunden, so würde
-diese Schrift sehr klein geworden seyn, und es hätte nicht verlohnt,
-an eine bürgerliche Verbesserung der Weiber zu denken. Macht aber
-der Geist des Menschen sein eigentliches Wesen und Seyn, so ist die
-Unfähigkeit des Weibes zu Staatsgeschäften, Künsten und Wissenschaften
-ein Vorwand, allein kein Einwand -- Selbst nicht immer sind die Weiber
-schwächer gebauet als die Männer -- »_In einzelnen Fällen --? in
-niederen Klassen?_« Nein! auch selbst im Allgemeinen. In _Champagne_,
-wo die Einwohner ein gesunder Schlag Leute sind, sollen, nach der
-Bemerkung der Reisenden, die Weiber stärker seyn als die Männer;
-und wie viele junge Wüstlinge giebt es, die sich das Alter in der
-Jugend inoculiren ließen, um so wenig vor Alter, wie an den Pocken zu
-sterben --! Ich will für meinen Einwender Gründe auslegen, die er mir
-hoffentlich zu seiner Zeit erstatten wird. Zugegeben, daß das Weib im
-Allgemeinen und bei allen Nationen, so wie überhaupt, in der ganzen
-thierischen Schöpfung, schwächer, feiner und zarter gebauet ist als
-der Mann; zugegeben, daß die weiblichen Nerven biegsamer, reitzbarer
-und zärtlicher als die unsrigen sind: was folgt daraus? etwa, daß der
-Körper der Weiber nicht zu langen Anstrengungen des Geistes angelegt
-sei? daß sie wegen ihrer lebhaften Imagination nicht lange bei einem
-Gegenstande verweilen können? daß Anstrengung des Kopfes, Sammlung
-des Geistes ihre Sache nicht sei? -- Giebt es nicht wissenschaftliche
-Gegenstände, welche Biegsamkeit und Feinheit erfordern? Läßt denn
-körperliche Stärke auf geistige schließen? und hat ein vierschrötiger
-Tagelöhner die beste Anlage zum Generalsuperintendenten? -- Die
-vorzüglichsten Menschen hatten schon oft die schwächlichsten Körper.
-Eine große Seele hat selten einen handfesten Leib zu seinem Gefährten
-gewählt; Freund _Hume_ und einige andere ausgenommen, waren große
-Geister in der Regel klein und schwächlich --. Was wohl leibet,
-heißt es in einem alten Sprich- und wahren Worte, seelet oft übel.
-Selbst _Alexander_ und _Friedrich II_ waren klein von Körper, so wie
-Helden gewöhnlich nicht auf große Statur Anspruch hatten. Oder wie?
-haben Physiologen ausfindig gemacht, daß die ursprüngliche weibliche
-Organisation die Weiber zu subalternen Geschöpfen mache, ihnen den
-Weg zu allem Edlen und Großen vertrete, und, wenn auch Jünglinge
-und Mädchen einerlei Unterricht empfingen, von einerlei Motiven zu
-ihrer Geistesbildung angetrieben würden -- jene doch diese allemal
-überflügelten? Wären diese Beobachtungen wahr und richtig, so müßte
-man freilich glauben, auch wenn man das gerade Gegentheil sähe --
-Ei Lieber! wo hat man den Erfahrungsschatz gefunden? gesammelt hat
-man ihn doch nicht? wo sind Versuche gemacht? absichtlich gemacht?
-und müßte das nicht vorausgegangen seyn, wenn man über Anlagen und
-Fähigkeiten so absprechen wollte? Es hat nie weder an Köpfen noch an
-Herzen unter den Weibern gefehlt, die den Männern den Rang abgewonnen!
-Ich beziehe mich auf den Anfang dieses Ohrfingers von Capitel, welcher
-so spendivisch preiswürdige Namen genannt hat -- Und warum wollen wir
-mit einander streiten, da jeder Blick aus der Arche der Studierstube
-das Vorurtheil der Weiberverachtung widerlegen kann und wird -- falls
-ihm kein gefärbtes Glas die Kraft benimmt. Es geht meinem Gegner wie
-vielen andern seiner Art: er bestreitet nicht die Sache selbst, sondern
-die unrichtigen Begriffe, die er sich von der Sache macht; nicht mich,
-sondern sich --
-
-_Freilich_ -- (ein erwünschter Anfang von einem Opponenten!) _Freilich
-wallfahrtete die Königin aus Arabien, um bei dem Professor Salomo einen
-philosophischen Cursus zu hören; und wir können nach der Liebe hoffen,
-daß er sie nicht ohne ^augenscheinlichen Segen^ seiner Schule
-entlassen haben wird._
-
-Der Schule der Weisheit doch wohl? sonst müßt' ich dies _Freilich_
-mit Zinsen zurückgeben. Wo der liebe Gott eine Kirche hat, da bauet
-sich der leidige Feind eine Kapelle -- Jede Akademie der Weisheit
-hat ein Gymnasium der Torheit in der Nähe; in der größten Schönheit
-liegt der Stoff zur größten Häßlichkeit -- Je glücklicher die Vernunft
-den blauen Dunst zu verbreiten sucht, der unser Auge verfälscht; je
-heftiger wird die Begierde, sie durch Besuche aus jenen Gegenden zu
-widerlegen, wo abgeschiedene Seelen hausen -- Beweiset die königliche
-Wanderschaft (des _Freilichs_ ungeachtet) nicht klärlich, wie begierig
-die schöne Welt -- wohl zu merken nach Weisheit ist --? in Ernst, was
-wissen wir denn? Sind Weiber gleich zuweilen des Dafürhaltens, einer
-Philosophie nicht zu bedürfen, nach welcher wir uns rühmlichst den Kopf
-zerbrechen, um grundgelehrt sagen zu können: wir wüßten nichts; können
-ihnen dagegen wohl Energie der Seele und tiefgeschärfte Bemerkungen
-abgesprochen werden? Und so wäre denn auch dieses Spiel für die Weiber
-gewonnen -- -- -- Kinder reicher Leute sind gemeiniglich so baufällig,
-wie die Hütten der Armen, und langer Nichtbrauch kann Kräfte schwächen;
--- allein auch heben?
-
-Wer kann behaupten, _daß das Eigenthümliche des Geschlechtes nichts
-Bestimmendes für die bürgerliche Gesellschaft habe?_ Das Weib hat
-Selbstliebe und die damit correspondirende Selbstbeständigkeit -- Ist
-bürgerliche Gesellschaft denn etwas anderes, als eine vergrößerte
-häusliche? oder sind etwa auch in der häuslichen Gesellschaft die
-Weiber nicht an Ort und Stelle? Wo sind Privatgesellschaften, die in
-die Länge ohne Weiber sich halten könnten? Ihren Hauptreitz verdanken
-sie den Weibern, deren munterer leichter Ton Alles in's Geschick
-bringt, und die schwersten Gegenstände schmackhaft, anmuthig, gefällig
-und geläufig zu machen versteht -- Sie finden zu den Gedanken des
-Mannes die schicklichsten Ausdrücke; und oft hab' ich zu bemerken
-Gelegenheit gehabt, daß, umgekehrt, Männer die Gedanken des anderen
-Geschlechtes durch wohlgewählte Worte zu beleben suchen. Bei jeder
-Regel haben sie zehn Fälle bei der Hand, die jene bestärken oder
-widerlegen; ihre vom richtigsten Geschmack gebildete Einbildungskraft
-bringt in die abstraktesten Dinge eine lebendige Seele! Wir wollen viel
-wissen, die Weiber viel verstehen; wir wollen viel gedacht haben, die
-Weiber viel sagen und in Umlauf bringen. Sie protegiren gemeiniglich
-nicht Gelehrte, sondern die Gelehrsamkeit; weniger eitel in dieser
-Hinsicht als wir, legen sie es darauf an, weniger gelehrt als weise
-zu seyn; sie ehren den Witz, und bedienen sich seiner als der ihnen
-von Natur beigelegten Waffen, sich in Achtung zu setzen und darin
-zu erhalten. Durch Witz beleben sie ihre gesellschaftlichen Cirkel,
-und halten jede Ungezogenheit ab; ihre gefällige Laune tingirt Alles
-mit Wohlgefallen -- Dem Pedanten schleifen sie den Rost ab, damit er
-erträglich werde; und wenn _Newton_ ihren Finger nimmt, um seine Pfeife
-nachzustopfen, so wissen sie diese unverzeihliche Zerstreuung zu
-seinem Vortheile zu wenden; wenn er etwas über die Offenbarung Johannis
-schreibt, so thut es durch den Schutz, den sie ihm angedeihen lassen,
-ihm an dem Orte, wo er lebt, keinen Schaden. Ein großer Gewinn! Nichts
-wird so wenig vergeben als persönliches Verdienst, und nichts wird so
-gern von Damen in Schutz genommen als eben dieses. Empfindlichkeit
-ist innig mit Genie verbunden: in unserem Glücke liegt auch immer
-der Keim unseres Unglückes; und wie viel haben Damen zu thun, um
-hier Alles zum Besten zu kehren, zu ebenen und in's Gleichgewicht
-zu bringen! Ruhe und Ruhm sind selten gute Freunde; Damen versuchen
-die Sühne unter ihnen, und wissen sie zu vergleichen. Sie vertreiben
-jenen Rauch in den Schriften der schönen Geister, der Alles räucherig
-gemacht haben würde, wenn nicht in Zeiten frische Luft dazu gekommen
-wäre. Sie stellen bei kleinen Soupers witzige Turniere an, und lenken
-das Gefecht. Sie widersprechen nicht wie mein Gegner, sondern oft
-nur, damit man einsehe, daß hier ihrer Zwei sind -- Wenn Gelehrte
-Gedanken überschlagen, so wie man Blätter überschlägt; so füllen
-sie die Lücken, und setzen Alles in Verbindung -- Ihre Aufmunterung
-erhält den verdienstvollen Schriftsteller aufrecht, wenn Knaben ihn
-einen Kahlkopf heißen; sie decken ihn mit ihrer Ägide vor den feurigen
-Pfeilen des Neiders und Spötters, so daß die besten Autoren an ihrer
-Hand die Stufe der verdienten Würde erstiegen, die sie ohne diese Engel
-der Stärkung gewiß nicht erreicht haben würden -- In der Blüthe wären
-sie verwelkt, und noch ehe sie zu männlicher Stärke gelangten, würden
-sie, ohne weibliche Aufmunterung, Autorlebenssatt dahin geschieden
-seyn -- Die Prämien aller Akademien können nicht den aufgekitzelten
-Witz eines Spötters in unserm geselligen Kreise zügeln; -- und Weiber,
-die so wohlthätig in kleinen Gesellschaften sind, sollten es weniger
-in größern und im Staate seyn --? Ein Englischer Reisender macht die
-Anmerkung, daß die Französinnen in den Tagen der Fröhlichkeit und
-des Genusses glänzten, die Engländerinnen dagegen im Schatten des
-eingezogen Lebens und in der häuslichen Ruhe -- Man lasse sie zu
-_Staats-Geschäften_, und wir werden finden, daß sie nicht bloß zum
-Englischen Frühstück, zu einer Französischen Assemblee, sondern auch
-in Geschäfte die nämliche Milde und Güte bringen werden, die sie
-überall, wo sie sind, verbreiten -- Sie sind das Salz der Erden, das
-Allem Geschmack giebt, das Licht, das überall erleuchtet, es mag als
-Mond des Hauswesens, oder als Sonne des Staates aufgehen. Nicht nur die
-angeborne Moral ihrer schönen Seelen; nicht nur ihre Herzenskunst die
-feinsten Winkelzüge des menschlichen Empfindens zu erreichen; nicht
-nur ihr durchdringender Blick, der wie die Steine _Davids Goliathe_
-tödtet; sondern auch jene Eigenschaften, die uns die Kindheit so
-liebenswürdig machen, ihre edle Einfalt, ihre Güte des Herzens, ihre
-von, aller Menschenfurcht entfernte Seele, ihr unbesorgtes Vertrauen
-auf den Vater im Himmel und auf eine gerechte, eine gute Sache, würden
-die Staatsgeschäfte wiedergebären, und wir einen neuen Himmel und eine
-neue Erde des Staates sehen, wo Gerechtigkeit und Milde wohnten, und
-in einem neuen heiligen Leben wandeln. -- Es wäre eine unverzeihliche
-Spötterei, wenn man auf die Frage: warum die weiblichen monarchischen
-Regierungen besser als die männlichen sind? antworten wollte: weil
-alsdann Männer das Ruder in Händen haben, so wie, wenn Männer regieren,
-Weiber sich am Ruder befinden; allein auch selbst diese Spötterei, so
-wenig sie von der Geschichte gerechtfertigt wird, beweiset mindestens,
-daß Weiber guten Rath zu schätzen wissen: und ist dies nicht bei
-Männern nur selten der Fall? Doch, berufen Einwendungen zu lösen, wie
-komm' ich zur Apologie --?
-
-»_Eine Hauptbestimmung des Weibes ist Kindererziehung. Um desto
-sicherer zu glänzen, versäumt es diese Pflicht, die Miethlingen
-überlassen werden muß; und wenn etwa eine Mutter noch mit getheiltem
-Kopf und Herzen die Erziehung ihrer Tochter übernähme -- ist es Wunder,
-daß sie, durch Gesellschaft verdorben, anfänglich mit ihr paradirt,
-und nicht lange nach diesen Tagen eifersüchtig auf sie wird?_« --
-
-Lieber! ist die Erziehung bloß Pflicht der Mütter, oder liegt sie
-nicht auch den Vätern ob? gehören die Kinder nicht beiden? Und wenn
-der Vater, dieser Verpflichtung ungeachtet, nicht aufhört gesellig
-zu seyn, warum soll es denn die Mutter? Wozu werden Kinder erzogen?
-nicht zur Gesellschaft im Großen und Kleinen? und diese kennen zu
-lernen, soll die Mutter Verzicht thun? sie soll erziehen, ohne die
-Erziehungskunst zu kennen? -- Einer der ungerechtesten Vorwürfe ist
-es, die _große Weichlichkeit unseres Jahrhunderts auf die Rechnung der
-Weiber, und des Tons, den sie in Gesellschaften angeben, zu setzen_.
-Sind wir wohl so weichlich wie die cultivirten Völker, die ihre
-Weiber einsperren? Selbst zu gymnastischen Übungen giebt das andere
-Geschlecht unsern Jünglingen Gelegenheit, die indeß kaum noch Kraft
-zum Tanze haben, der ohne die Weiber völlig aufhören würde --! -- Die
-Weichlichkeit fing von jeher bei unserem Geschlechte an, und gewiß
-haben wir es den Weibern zum größten Theil zu verdanken, daß sie nicht
-noch größere Verwüstungen macht. Jene Eitelkeit, die jetzt den Weibern
-anklebt, wird von selbst aufhören, wenn wir ihnen den Zutritt zu Dingen
-verstatten, wo sie sich von einer vortheilhafteren Seite zeigen können.
-Bis jetzt schränkte sich ihre ganze Bestimmung auf die Kunst ein uns
-zu gefallen, und ein Mädchen hat seinen Lauf vollendet, wenn es das
-Glück hat, einen Jüngling anzuwerben, der seiner würdig ist. Gebet
-den Weibern und Mädchen andere Beschäftigungen, und sie werden jene
-Kleinigkeiten, jene Puppen aufgeben, und die äußerlichen Vorzüge weit
-unbeträchtlicher finden, als ein großer Theil unserer Narcissen, die im
-Spiegel der Mädchen bloß ihr geziertes Selbst erblicken. Befriedigen
-wir überhaupt durch das, was wir dem anderen Geschlechte zugestehen,
-nicht weit mehr unsere Eitelkeit, als die Forderung der Natur, als
-die Wünsche eines denkenden Weibes? Es ist nicht zu leugnen, daß
-jetzt auch eine tugendhafte, ihrem Manne getreue Frau eine gewisse
-Koketterie für keinen Fehler hält und Männern von Verdiensten so
-liebreich und zuvorkommend begegnet, daß diese nicht umhin können,
-ihr eine vorzügliche Dankbarkeit zu erweisen -- Doch sollen hierdurch
-Begierden nicht geweckt oder gereitzt werden; nie denkt jene liebe Frau
-sie zu befriedigen, und der Mann, der darauf Rechnung machen wollte,
-wäre ein Neuling, oder ein Prahler oder -- Wenn der liebe Gott einen
-Menschen strafen will, so fängt er an, ihn inconsequent reden oder
-handeln zu lassen -- -- Es giebt stillschweigende Bedingungen, die,
-ob sie gleich nicht verabredet, sondern vorausgesetzt und angenommen
-sind, doch heiliger als schriftliche Contrakte, mit Notariatssiegeln
-verunstaltet, erfüllt werden -- sie sind eine Art von Spielschuld, die
-auch den Königlichen Allerhöchsten Kassen vorgeht -- Bei der jetzigen
-Lage der Dinge trägt diese Koketterie des gemeinen Lebens dazu bei,
-daß der Umgang anziehender wird -- man macht, wenn ich so sagen darf,
-nicht dem Körper, sondern der Seele den Hof, und es giebt in der That
-_Seelen-Cicisbeos_, die unschuldigsten Geschöpfe unter der Sonne --
-Eine gewisse Art von Gleichheit unter den Menschen, welche an die
-Unschuld der ersten Welt erinnert, wird hierdurch zu Stande gebracht;
-und so lange Weiber an den Staatsgeschäften nicht Theil nehmen, und wir
-keine ernsthafte Dinge mit ihnen und in ihrer Gegenwart treiben können,
-ist diese Koketterie ein Nothübel, ohne das unsere Gesellschaften das
-Schalste, Unreitzendste und Langweiligste seyn würden, was je in der
-Welt gewesen ist und seyn kann.
-
-Der Einwand meines Gegners, _daß Weiber zu viel Zeit auf ihren Leib
-verwenden_, spielt den Krieg in sein eignes Land -- Sind wir es nicht,
-die ihnen die Seele bestreiten --? die sie auf den Körper einschränken?
-Ist denn etwa der Körper uns bloß Ballast, mit dem die arme Seele sich
-beschwert hat, um auf der Fahrt dieses Lebens fortzukommen? oder ist er
-nicht vielmehr ein ehrwürdiger Theil des Menschen? -- Wer die Seele den
-Genius des Menschen nannte -- hatte der so ganz unrecht? Man gradiere
-die Weiber im Staate, so wie man dem Golde eine höhere Farbe giebt;
-und sie werden über den Leib die Seele nicht versäumen -- Ist es Ernst,
-lieber Einwender, oder ist deine Behauptung, _daß die Weiber eine
-unüberwindliche Neigung zur Pracht besitzen, wodurch sie ihre Männer
-zur Verschwendung und zu betrügerischen Concursen verleiten_, Scherz?
--- Ernst also! Lieber! wer brachte sie auf die Bahn zur Pracht? nicht
-der Stand des Mannes? müssen sie nicht diesem oft die glücklichsten
-Neigungen ihres Herzens aufopfern? Ist ihre natürliche Stimmung
-nicht für Einsamkeit und Landleben? -- _Landleben?_ -- Allerdings!
-Nicht aber für jenes, das keine Wohnung der Weltentfernung, sondern
-eine Gelegenheitsmacherin zu neuen Üppigkeiten und zu einer ganz
-neuen Art der Übertreibung ist -- An der Hand des Weibes scheint die
-Natur sich mit uns vertraulicher einzulassen und recht Gelegenheiten
-aufzusuchen, ihre Milch und ihren Honig, den ganzen Reichthum ihrer
-Wollüste, uns schmecken und sehen zu lassen. Die edlen Ergüsse der
-Zärtlichkeit, wenn sie reitzend ausgewechselt werden sollen, suchen
-das Land, und entfernen sich von Hof und Stadt, wo sie Fremdlinge sind
--- sie leiden keine Zeugen, und weit weniger Laurer und Faher -- Wie
-oft muß sich das Land mißbrauchen lassen, die verstimmten Sinne des
-Hofmanns, nicht zur Tugend und zu sanften Sitten, sondern zu neuen
-Ausgelassenheiten aufzuheitern! -- Man sucht reinere Luft, um sich zu
-einer neuen Art Ausschweifung aufzufrischen -- Weiber suchen das Land,
-und warten nicht darauf, dahin verwiesen oder ausgestoßen zu werden
--- Freund! sie sollten die Gräfin _**b*_ kennen! Sie darbt, wenn man
-an der Hand der Natur darben kann, um für ihren Schlemmer von Gemahl
-eine ungeheure Schuldenlast zu bezahlen, die nicht bloß Sünden der
-Jugend sind, sondern die er in einem Staatsposten, der seinen Mann
-nährt, noch immer vergrößert -- Weiber schaffen sich Welten, die sie
-besäen und bepflanzen, durch eine wohlthätige Einbildungskraft, die
-ohne Mühe reich macht: in der wirklichen Welt -- wie unbedeutend ist
-da ihre Rolle! -- sie zogen Nieten aus jenem Glückstopfe; wir die
-Gewinner -- Man kann durch Gedanken sich erhitzen und zu einer Röthe
-kommen, die man eine Seelenröthe nennen könnte, und die sich von allen
-jenen unterscheidet, welche durch körperliche Erhitzungen veranlaßt
-werden; und so eine Röthe innerer Zufriedenheit, mit Zuziehung einer
-wohlerlaubten Einbildungskraft erregt -- welch eine Zierde auf der
-Wange eines edlen Weibes! Hast du nie die Wonne eines Familienzimmers
-empfunden, wo man eigentlich zu Hause ist? denn in den übrigen wohnen
-Gäste oder ein antisokratischer Dämon von Pracht und Stolz; und welches
-Zimmer ist dem andern Geschlechte das angemessenste? das erste das
-beste -- Und wie! wenn es auch Weiber giebt, die zu meiner Beschreibung
-nicht passen, wurden sie nicht schon als Bräute zum unzeitigen Aufwande
-durch Geschenke verführt, die weit über das Vermögen des Bräutigams
-gingen? Schwingt sich das Weib zum Regiment, so wird es ihm schwer
-und unerträglich sich herabzustimmen --; und wenn es sich wirklich
-herabstimmt, ist es verzeihlich, solche Blößen zu geben? solche
-Betrüge ungestraft zu begehen? ist es nur anständig, als Bräutigam den
-_Pastor fido_ zu spielen, um nachher als Ehemann den _Orlando furioso_
-zu machen? sein Weib aus dem Himmel in die Hölle, aus Eldorado in
-eine Schenke zu werfen, wo man es durch ein Schattenspiel an der Wand
-entschädigen will? -- So betete man weiland in Paris die Komödianten
-an, denen man im Tode ein ehrliches Begräbniß versagte --.
-
-_Weiber sind auffahrend; der Zorn aber (das Vorspiel der Raserei) thut
-nie, am wenigsten in Staatsgeschäften, was Recht ist._
-
-Und woher dieser Zorn? der Ohnmacht halben, und weil den Weibern keine
-rechtmäßige Macht zustehet? Was hilft es, mit sich selbst zu Rathe
-zu gehen, wenn es an ausübender Gewalt fehlt, die weise genommenen
-Beschlüsse zur Vollziehung zu bringen! -- »Kannst du regnen, so
-kann ich auf Holzschuhen gehen,« heißt es in einem alten Deutschen
-Sprichworte; und wer leugnet es, daß man bei den Ausbrüchen des Zorns
-die eignen Gedanken der Seele nicht vernimmt, so wie man bei tobendem
-Gewitter sein eignes Wort nicht hören kann! -- Als jener edle Mann
-des Alterthums nach seiner Rückkehr sein Hauswesen in unverzeihlicher
-Unordnung fand, stellte er seinen _Vizdum_, den ungerechten Haushalter,
-bloß mit den weisen, bewunderungswürdigen Worten zur Rede: _wie würd'
-ich dir begegnen, wenn ich nicht böse wäre_ --! Mein guter Freund **
-sah einem Diebe gelassen zu, der ihm sein Holz stahl, und nur als er
-zu befürchten anfing, der Holzdieb würde sich zu sehr belasten, bat
-er ihn dienstfreundlich, sein selbst zu schonen, und sich, den Weg
-zweimal zu gehen, nicht verdrießen zu lassen. _Rechtsum_, schön! und
-_Linksum_? Welchem Herrn dient der Knecht lieber: dem, der ihn in der
-ersten Hitze seine Strafhand empfinden, oder dem, der eiskalt ihn
-blutig stäupen läßt? »Der Teufel verliert keinen Dreier dabei, wenn
-ich nicht fluche,« sagte ein Bauerknabe, als ihm das zweite Gebot
-eingebläuet ward -- So theuer bezahl' ich die Weisheit nicht -- Wie
-Vielen kostete die Zornunterdrückung Gesundheit und Leben! -- Gesetzt
-Weiber verständen die Kunst nicht, ihren Zorn äußerlich zu zähmen, und
-eine gewisse Ruhe zu schwarzkünsteln -- sind nicht die unversteckten
-Fehler die leichtesten und gemeiniglich Schwachheitssünden, von denen
-sich auch fromme gottgefällige Seelen nicht lossagen können? Die
-Heiligen sind in dieser Rücksicht nicht ohne Fehl vor Gott; -- vor
-Menschen es zur Scheinheiligkeit zu bringen, kann nicht schwer fallen.
-Jene Fehler bleiben die gefährlichsten, die in Schafskleidern zu uns
-kommen, inwendig aber reißende Wölfe sind: an ihren Früchten sollt
-ihr sie erkennen -- Zürnet und sündiget nicht -- Ist nicht der Zorn
-eine Art von Waffen, womit wir oft Gutes erweisen können, ohne zu
-schaden? Was würden Weiber ohne dies Hausmittel bei der Kindererziehung
-ausrichten? Giebt es nicht Unbeschnittene an Herz und Ohren, denen
-man nachdrücklich und gewaltiglich andeuten muß, was zu ihrem Frieden
-dient? -- »Verziere das Nützliche,« sagte die Weisheit; die Thorheit,
-die alles umzukehren gewohnt ist, kehrte das Gebot um, und machte das
-Hauptwerk zum Nebenwerke. Giebt der Zorn nicht oft der Sache einen
-gewissen Schwung --? Wer kennt und schätzt nicht den _Diensteifer_, der
-das dritte Wort ist, wenn wir dem Staate unsere Dienste anbieten, wenn
-wir wirklich seine Officianten werden und wenn wir mit der Bitte einer
-Pension den Staatsdienst verlassen --!
-
-Der unbilligste Einwand von allen ist, daß Weiber darum nicht zu
-Geschäften berufen sind, _weil sie zu keiner Freundschaft unter sich
-Verstand und Willen haben_. (Man übersehe nur nicht, daß nicht ich
-sondern mein Feind so freundschaftlich ist, an die Freundschaft zu
-denken --) Ich leugne nicht, daß ohne ein gewisses Band so genannter
-Freundschaft, eigentlich Offenheit, gutmüthiger Bekanntschaft,
-Staatsgeschäfte schwerlich bewirkt, und die leider zu künstlich
-gerathene Maschine des Staates vereinfacht werden kann, weil ohne
-dieses Band keine Einheit im Staate herauszubringen ist und alles
-in der Irre ohne Zusammenhang und Ordnung bleibt -- Wer ist aber
-im Stande, den Weibern Überlegung hierzu, kalte Schätzung des
-Gegenstandes, Feinheit, zuvorkommendes Wohlwollen und Aufopferung
-abzusprechen --? Schon jetzt giebt es Freundschaften unter ihnen,
-die den unsrigen nicht weichen -- Nur das Vorurtheil der Männer hat
-ihnen die Anlagen zur Freundschaft abgesprochen. Sind sie nicht
-zarter, treuer, unüberwindlicher, unbestechbarer, als viele Männer,
-wo Neid und Rivalität von so vieler Art die Triebe des Herzens
-verfälschen, und die Freundschaft zum Contrakt _do ut des_, _facio
-ut facias_, nicht zum Herzens-, sondern zum Sachentausche machen? --
-_Damon-_ und _Pythias-_Freundschaften sind Fälle, die zu den seltenen
-gehören, und die bei dem Einerlei der Weiber, bei ihrem Alltagsleben
-um so weniger zu erwarten stehen, da Proben und Situationen zu
-dergleichen Freundschaften durchaus unentbehrlich nöthig sind -- Und
-wie verschieden sind jene _Damon-_ und _Pythias-_Freundschaften vom
-Dienstgleichgewichte, das durch ein gewisses Einverständniß bewirkt
-wird. Weiber müssen jetzt von Geschlechtswegen, wo nicht interessiren,
-so doch Herzen gewinnen, wo nicht angebetet, so doch geliebt werden
-wollen; setzt sie über die Sinnlichkeit hinaus, und ihre Eitelkeit,
-ihre Neugierde, ihr jetziger Hang zum Vergnügen werden sich veredeln
--- sie werden nicht aufhören, Weiber zu seyn; -- wie unglücklich wären
-wir, wenn sie das könnten! -- nur werden sie aufhören, _die_ Weiber zu
-seyn, die sie jetzt sind -- Diese Verwandlung wird uns heben, statt
-daß man uns jetzt, wie jenen Elephantenleiter, fragen könnte: _bist du
-darum so trotzig, weil du Thiere commandirst?_ An uns ist der erste
-Schritt, und nur von unserm bußfertigen Entschlusse hängt es ab, diese
-Revolution zu bewirken. Werdet andere Männer, und Alles, vorzüglich
-die Weiber, ist anders als jetzt. Mit dem Maße mit dem wir sie messen,
-werden sie uns wieder messen. _Dienstfreundschaft!_ Ist sie denn unserm
-Geschlechte eigen? Nicht nur die Kraft, auch den Schein verleugnen wir.
-Führen die Staatsdiener nicht unter sich den dreißigjährigen Krieg?
-Der Financier ist wider den Justizmann, und der Justizmann wider den
-Financier; das diplomatische Corps wider das Kriegs-Departement, und
-dieses gegen jenes -- Einer will den andern übermeistern, ohne daß er
-seiner selbst Meister ist: Einer will dem andern die Gränze verrücken,
-einer stellt dem andern ein Bein -- Doch, leider! ist es immer der
-Staat, der bei dieser Gelegenheit in die Grube fällt -- Oft giebt
-sich sogar _Richtercomplott_ und _Höllenbund wider den Unterdrückten_
-für Dienstfreundschaft aus; und da ist das letzte Übel ärger, als
-das erste; da ist guter Tag und guter Weg ein Himmel gegen jene
-Mörder-Bande --
-
-Der sittliche Zustand der Weiber gründet sich sehr natürlich auf
-ihren gesetzlichen -- Da das Mädchen sich ihren Gefährten des Lebens
-nicht laut und deutlich wählen kann; so sieht es sich genöthiget,
-dieses Geschäft zutrauensvoll seinem Auge zu übertragen, das, an diese
-Einladung gewöhnt, nie ganz diese Weise aufgeben kann -- Man scheint
-dieser Manier eine Art von Dankbarkeit erweisen zu wollen, die jetzt,
-da Alle dies Blickspiel treiben, das Unanständige nicht hat, das es
-sonst haben würde. Diese Blicke, wodurch sie eine besondere Art von
-Beherrschung, die man Augenherrschaft nennen könnte, und eine gewisse
-gefällige Freundschaft üben, haben ihren besondern _Contract social_
-und so bestimmte Gesetze, daß man auf ein Haar weiß, wann die erlaubte
-Grenze _überblickt_ wird -- Dem Reinen ist Alles rein -- Wer findet
-nicht einen sicheren Weg zur Wonne, in dem schönsten der Spiele, einer
-verstohlnen Liebe? Die Genüsse der Verstohlenheit steigen zu einer
-geistigen Würde, zu einer hinreißenden Delicatesse -- Durch jenes
-_Glück_, das die Mädchen sich _erblickten_, durch jene anziehende
-Kraft, wodurch sie auf die Jünglinge wirkten, hat ihre Verlegenheit
-auch bei weitem noch nicht ihr Ende erreicht, wenn sie die Ehre haben,
-in die Gewalt der Männer zu kommen. Sie sinnen unaufhörlich darauf,
-diese Gewalt durch alle Künste einzuschränken, so daß am Ende nicht
-viel davon übrig zu bleiben pflegt -- Da sehen sich denn Weiber
-zuweilen -- ist es ihnen zu verargen? -- nothgedrungen, vermittelst
-der Augen mit getreuen Nachbarn und desgleichen Allianzen zu ihrer
-Deckung einzugehen; und so unschuldig dieser Freundschaftsanfang
-gemeiniglich ist, so schuldig können oft Schutzverträge dieser Art
-werden. Von Personen ihres Geschlechtes können sie keine Beihülfe
-erwarten, und ihre Freundschaften unter sich sind von anderer
-und originaler Weise. Giebt es aber nicht eben so viele wahre
-_Freundinnen_, als es wahre _Freunde_ giebt --? Von der bürgerlichen
-Verbesserung der Weiber wird es abhangen, daß ihre Freundschaftsanlagen
-berichtiget und verbessert werden -- Wie unbillig sind wir, von
-Weibern -- denen wir die Würde Personen zu seyn, versagen -- mehr
-zu fordern, als ihnen zu leisten möglich ist! -- -- Fast könnte man
-behaupten, daß die Gesetze, die für ihr Vermögen, wie für das Vermögen
-eines Unmündigen, sorgen, ihre Personen darüber vernachlässigen, oder
-sie wenigstens vergessen zu haben scheinen. Frauenzimmer, welche
-Mütter werden können, sind keine Kinder mehr -- Der bittere, nicht
-unverdiente Vorwurf, den man unserem Geschlechte macht, _»daß es
-heut zu Tage keine Kinder mehr gebe«_ -- stehet er nicht mit unserer
-Grausamkeit, die Weiber als große Kinder zu behandeln, in engerer
-Verbindung, als man denken sollte? -- -- --
-
-Es giebt Regenten, die sich den landesväterlichen Wunsch des _Caligula_
-aus Geitz eigen machen: ach, wenn doch alle ihre Provinzen nur Einen
-Hals hätten! nicht um ihn zu brechen, sondern nur eine einzige Röhre
-zum Essen und zum Trinken in ihrer Monarchie zu haben. So tyrannisch
-bin ich nicht in Hinsicht meiner guten Freunde von Opponenten, die
-es indeß nicht viel besser als die Virtuosen machen, welche oft
-beschwerlich sind, wenn sie Niemand hören will, dagegen stumm und
-eigensinnig, wenn sie sich hören lassen sollen.
-
-_Die Unbeständigkeit soll ein so charakteristischer Zug des weiblichen
-Verstandes seyn, daß Weiber bei keinem Gegenstande der Untersuchung und
-des ernsten Nachdenkens mit gleicher Anstrengung lange zu verweilen im
-Stande wären._
-
-Der größte Theil des andern Geschlechtes, der Mittelstand, hat nur eine
-einzige Art von Beschäftigung, kommt nie aus dem Takt, und weiß nur vom
-Hörensagen, was lange Weile ist. Diese entsteht aus einer Art von Luxus
-der Beschäftigungen, und gehört in der Regel zu den Eigenschaften der
-Männer, obgleich auch Damen höherer Region an diesem Übel Theil nehmen,
-und an demselben schwach und krank danieder liegen, wenn das Vergnügen
-länger dauert, als sie es auszuhalten gewohnt sind. Die Frau Gräfin
-hatte lange Weile in der Komödie, weil heute noch Redoute ist; allein
-auch auf der Redoute wird ihr die Zeit lang werden; weil sie keine
-Partie findet; und auch wenn sie diese gefunden hat, würde die Zeit von
-ihrem Blei kein Gran verlieren, da ihr Cicisbeo bei dem fürstlichen
-Souper lange Weile hat, und sie mit ihrem Verehrer nicht _minnespielen_
-kann. Bei _einem einzigen_ Spiel findet die schöne Welt zu wenig
-Beschäftigung. Konnte doch _Julius Cäsar_ lesen, schreiben, und sieben
-Cabinetssekretarien sieben besondere Briefe diktieren! -- -- Und
-lebt die schöne Welt wirklich? -- Nein doch! sie spielt das Leben --
-Unbeständig überhaupt find' ich das andere Geschlecht nicht mehr nicht
-weniger, als das unsrige; vielmehr ist ihm eine gewisse Weltüberwindung
-eigen. Es verstehet sich darauf in's Dunkle zu werfen, und glänzt eben
-darum desto besser -- Stilles Verdienst ist sein Eigenthum; und sind
-dies _Anzeigen_ des Unbestandes? -- Zeitiger und fester nimmt es seine
-Partie als wir -- Zwanzig exemplarische alte Jungfern gehen auf einen
-Hagestolzen gleicher Art.
-
-_Die große Lebhaftigkeit weiblicher Empfindungen und weiblicher
-Einbildungskraft, das zu reitzbare Nervensystem soll indeß Schuld an
-der Unbeständigkeit und dem bloß flüchtigen Feuer bei Gegenständen des
-Nachdenkens in Hinsicht der Weiber seyn; auch sollen sie für große
-Gegenstände des menschlichen Wissens nur selten ein wahres Interesse
-fühlen_ --
-
-Und giebt es denn in unserm Geschlechte Viele, bei denen jene Ausdauer
-ist? die ein, dem ersten neuen und frappanten Eindruck gleiches, Feuer
-bei scientifischen Gegenständen behaupten, die dem Spiele schnell auf
-einander folgender angenehmer Empfindungen widerstehen, und einem
-Gegenstande getreu bleiben bis in den Tod? Hat nicht fast jeder, außer
-seinem Haupt-, noch einen Neben-Beruf, den er Erholung nennt, und an
-dem er weit mehr hängt, als an seiner Hauptsache? Die eigentliche
-Strebsamkeit ist dieser Nebensache gewidmet: und hierbei pflegt man es
-auch, durch Gottes Segen, in kurzer Zeit weiter zu bringen, als bei der
-eigentlichen Hauptsache. Friedensschlüsse verbinden jeden, nur nicht
-die, welche sie schlossen; und angewiesene Officianten haben überall
-Kraft und Macht und Glauben in ihrem Amtsbezirk, wenn sie gleich --
-(während sie eine Aktenrelation fertigen, ein Paar über Nichts und
-wider Nichts uneins gewordene Nachbarn ausgleichen, dem jungen Greise
-von Vormunde, bei dem sein Mündel das erloschene Feuer anfachen soll,
-dies unschuldige Geschöpf entreißen, ein Domainen-Stück taxiren, den
-verfallenen Nahrungsstand eines Fleckens untersuchen, die Klagen
-von hundert unterdrückten Bauern hören, und einer Wittwe zu dem ihr
-vertheuerten Rechte verhelfen, und ihre Rechtssache verkürzen sollen)
--- ein Lied auf den Frühling zusammenstümpern, einer Wildenschweinsjagd
-beiwohnen, ein Pikenik abwarten, eine Strohkranzrede halten, oder in
-Liebelei versinken -- Haben doch Könige und Fürsten Kühe gemolken,
-Netze gestrickt, Knöpfe gedrechselt, gemahlt u. s. w. _Leibnitz_ war
-so wenig _Professor Philosophiae_, als _Wieland Professor Poëseos_;
-und was giebt es denn für große Gegenstände des menschlichen Wissens,
-für die nicht Jemand aus dem andern Geschlechte eine Neigung gezeigt
-hätte? Die Geduld, das Ausdauern der Weiber ist zum Bewundern; und
-legen sie nicht täglich davon ein Zeugniß ab, indem sie die Formen
-nicht zerbrechen, in welche Gewalt und List sie goß? indem sie Kinder
-erziehen und in's Geleise bringen, die ihre Väter oft durch blinde
-Liebe und eben so oft durch blinde Strenge verderben --? indem sie mit
-ihren Männern (leider! nur zu oft alten Kindern) gelinde umgehen, wie
-mit jedem Übel, das nicht zu ändern ist, und sie heben und tragen und
-leiten, um sie nur wenigstens leidlich zu erhalten? -- _Aristoteles_
-ging spazieren, wenn er lehrte und lernte, und hieß der _Spazierer_
-(Peripatetiker) -- Oder ist es nöthig, daß Alles im ersten Feuer
-gearbeitet wird? daß die Phantasie uns Alles mit Flammen mahlt? und
-daß Alles, was wir denken und sagen, ein immerwährendes Feuerwerk,
-ist? -- Außer dem Feuer giebt es noch andere wohlthätige Elemente
--- Ungezügelte Bilder, funkelnde Sprüche, tiefgeschöpfte, schwer
-herausgezogene Sätze mögen immer bleiben, was sie sind; es giebt
-Gedanken, die ihren stillen Werth haben -- die, gerechtfertigt werden
-durch That --! -- Wenn den gelehrten Arbeiten der Weiber eine gewisse
-Furchtsamkeit anklebt -- ist es Wunder, da sie sich in die gelehrte
-Republik bloß hineinstehlen müssen? Von Natur sind sie dreister als
-wir; das Gefühl des Unvermögens, den Vorzügen Anderer gemäß zu reden
-und zu handeln, das Allem eine gewisse Ängstlichkeit giebt, ist ihre
-Sache nicht -- Die Gabe ihrer leichten ungezwungenen Unterhaltung
-wird ihren Vortrag nie mit üblen Angewohnheiten und Einschiebseln
-verunstalten, die sich nicht viel besser ausnehmen, als wenn verlegene
-mit der Welt noch unbekannte Jünglinge von ihren Händen und Füßen
-geärgert werden -- oder wenn Fliegen in ein reitzendes Gericht fallen.
-Müßige Phrases in's Gespräch einschalten, heißt ihnen: die Zeit tödten;
-und durch schöne Redensarten einnehmen: das Vergnügen als Zweck des
-Lebens behandeln. Seht Prinzen -- und seht regierende Herren selbst,
-wie furchtsam sie sind! -- Das Hof-Ceremoniel scheint nur erfunden
-zu seyn, ihrer Blödigkeit auszuhelfen. Auch giebt es eine edle
-Freiheit, welche die Folge eines guten Gewissens ist, -- so wie es ein
-Wohlbefinden giebt, ein Gut- und Übelaussehen, das vom Gewissen kommt;
-und dies ist dem andern Geschlecht eigen -- Warum sollten Weiber denn
-wohl als Schriftstellerinnen furchtsam und verlegen thun und seyn, da
-die aufgehaltene Sprache sich durchbrechender Empfindungen eine Gewalt
-und Stärke besitzt, gegen die schwerlich sonst etwas zu wirken vermag,
-als unser kritischer Übermuth, der die Weiber durchaus nicht aufkommen
-lassen will? Weiber wissen Wahrnehmungen zu Beobachtungen zu erhöhen;
-und da Männer Sätze zu Grundsätzen zu erheben wissen, (die, wohl zu
-merken! der Philosoph sogar dem Mathematiker vorschreibt) und mit ihnen
-Tausend schlagen: so schlügen Weiber mit ihrem Witze gewiß Zehntausend,
-wenn Männer ihn nicht durch eine Art von Gründlichkeit (die genau
-genommen wenig oder nichts bedeutet) zu lähmen und in Verlegenheit zu
-setzen suchten. Weiber besitzen die Geschicklichkeit, alle Seelenkräfte
-auf Witz zurückzubringen -- Gelingt ihnen nicht Umfassung der Sache auf
-eine bewunderungswürdige Weise? Wissen sie nicht das ewige Einerlei,
-wozu sie verurtheilt sind, unübertrefflich schön zu modificiren? und
-_Aufmerksamkeit in hohem Grade_, oder _Scharfsinn_ zu zeigen? Wie
-können sie aber einem Schwalle von Kunstwörtern widerstehen, womit
-wir Sturm laufen! wie eine schwerfällige Gelehrsamkeit widerlegen,
-wodurch wir sie aus dem Tempel der Wissenschaften hinauskritteln,
-dessen Allerheiligstes doch so leicht und einfach ist --! Warum
-soll es ihnen an Gedankenfülle, großen erhabenen Darstellungen von
-Charakteren, an hohem Schwunge gebrechen, oder an Schöpfungskraft
-und hohem Grad des Enthusiasmus, da sie von dem allen ungesuchte und
-anspruchlose Proben im gemeinen Leben äußern? -- Feine originelle und
-der Natur abgelauschte Züge sind ihnen eigener als uns; was ihnen
-am scharfen Umriß bei ihren Charakteren (richtig ist er fast immer)
-abgeht, ersetzen sie durch ihr lebendiges Colorit -- So wie sie
-ihren Körper zu kleiden verstehen, so kleiden sie auch ihre Gedanken
--- Die Angemessenheit ihrer Worte und die große Einfachheit in der
-Wortfügung, geben ihrem Styl eine Deutlichkeit, die nichts übertrifft.
-Die besten Denkzettel, die ein Autor seiner Schrift anhängen kann,
-sind, wenn er durch seine Darstellungen uns an uns selbst erinnert;
-wenn seine Schrift dem Menschen durch das Herz geht; wenn die Leser
-sich einbilden: es fehle wenig oder nichts, so hätten sie diese Schrift
-selbst stellen können; sie wären im Stande gewesen, sie dem Autor in
-die Feder zu sagen; aus ihrem Herzen hätt' er es genommen und ihnen
-verkündiget -- Solch ein Widerschein erleuchtet und frommt!-- Wir
-lassen uns von _Ideen_, wie _Sokrates_ von seinem _Dämon_, verfolgen,
-wir versetzen uns, wie _Plato_, in eine Republik; und so wie der,
-welcher ein unverwandtes Auge auf Einen Punkt heftet, zuletzt sieht,
-was er sehen will: so sehen auch wir mit dem Auge der Seele Windmühlen
-für Riesen, Wirthshäuser für Schlösser, Teiche für Weltmeere, eine
-Abderitische Posse für einen wohlüberdachten Finanz-Kniff oder
-Operation an -- Nicht genug; auch Worte spielen den Meister nur zu oft
-über uns -- Wir veruntreuen ihre Bedeutung, werfen eine willkührliche
-Markscheidung derselben auf, und fallen, wie Leute, die reich werden
-wollen, in Versuchung und mancherlei Stricke, wenn wir nach der
-leichtesten Art reich zu werden, _zu sparen_, oder nach der schwersten,
-_zu speculiren_, suchen -- Wir arbeiten Alles zum Druck aus, in der
-bestimmten Absicht, es dem gelehrten Publico zu überantworten, oder
-es in einem privilegirten oder unprivilegirten Cirkel vorlesen zu
-lassen -- Und ob es gleich freilich correkter ausfällt, wenn der Inhalt
-lehrreicher ist, oder so aussieht, wie ein hingeworfener weiblicher
-Aufsatz; so wird die Arbeit des anderen Geschlechtes doch mehr
-Individualität zeigen, und eine Intuition behaupten, die wir, im Namen
-und von wegen unserer stupenden Gelehrsamkeit, fast keinem unserer
-Werke in gleichem Grade verleihen können. Leichter und flüchtiger
-sind weibliche Arbeiten; allein darum oft treffender, richtiger,
-eindrücklicher. Weiber lieben schon nicht lange Worte, weil hier eine
-Hauptsylbe sich die anderen unterordnet und sich die Herrschaft über
-diese anmaßt -- Lange Perioden sind ihnen nicht angenehm, weil sie die
-Alten nicht genug kennen, weil dieselben schwerer zu lesen und zu
-fassen sind, und weil der Witz ein Todfeind dieser Potsdammer ist --
-von denen ein plumper Holländer behauptete, daß nur ein kleines Herz
-in einer dergleichen gewaltig großen Maschine gefunden werde -- Selten
-lassen Weiber einen üppigen Sprößling des Ausdruckes aufschießen -- und
-ereignet sich der Fall, so ist es eine Feldblume, die sich nicht aus
-den Grenzen der Bescheidenheit wagt -- Bei uns gewinnt Nachdenken, bei
-Weibern Empfindung die Oberhand -- Die Oberhand, sag' ich; denn auch
-Nachdenken leistet der weiblichen Empfindung hülfliche Hand: und sind
-in ihren Aufsätzen nicht alle Ungleichheiten geebnet, so bleibt ihnen
-dagegen mehr Eigenthümliches -- Man rücke das Ziel ihres geschäftigen
-Lebens über die Küche und Stricknadel hinaus; man führe sie nur an: und
-sie werden uns sehr bald an Scharf- und Tiefsinn übertreffen, ohne sich
-kraft ihres gesunden Menschenverstandes zu versteigen. Ach! wer kann
-sich entbrechen, wenn vom Vorzuge unseres Geschlechtes die Rede ist,
-mit _Daniel_ auszurufen: Seht, das sind eure Götzen!
-
-_Weiber können nicht allein seyn_ --
-
-Nicht allein? Lieber! wenn die Einsamkeit gemahlt werden soll, muß ein
-Weib sitzen, oder sie ist nicht getroffen.
-
-_Oder nichts allein überlegen._
-
-Und doch ziehen Männer sie alle Augenblicke zu Rath; und wohl ihnen,
-und dem Collegio und dem Staate, wenn Männer es thun! O! wie gern
-wälzen die Männer ihre Bürde von ihrem Herzen auf ihre Weiber, denen
-sie ihre Geheimnisse anvertrauen! und wie viel haben Weiber zu tragen!
-o, wie viel! Von Weibern dagegen ist fast keine einzige, die nicht
-etwas hätte, was nur Gott und sie weiß, was kein Beichtvater erfährt,
-und womit sie der Zeit und Ewigkeit unerschrocken, entgegen geht --
-Unsere Geheimnisse verfliegen oft, gleich einem flüchtigen Geiste; die
-ihrigen sind ihnen in Herz und Seele geätzt -- Wenn Gedanken ihren
-Schöpfern entkommen, die sich bei aller oft widerlichen Anstrengung
-nicht zurückbringen lassen -- ihren Schöpfern, die nur selten
-Gedankenerhalter sind; so verstatten Weiber ihren Gedanken nicht so
-viel Ausgelassenheit -- _Was ich doch sagen wollte_, wird man selten
-oder gar nicht von Weibern hören. Ihr Gedächtniß ist getreuer, als
-das unsrige; und schwerlich wird ein Weib so zerstreuet seyn, wie
-_Terrasson_, und so sehr sein Gedächtniß verlieren, wie er. Weiber
-halten Zerstreuungen für Affektation, und können sich nicht des Lachens
-enthalten, wenn sie von _Terrasson_ hören, daß er kurz vor seinem Ende
-im Gedächtniß-Concurs Alles an seinen Verwalter _Luquet_ assignirte, so
-daß er, als sein Beichtvater ihn bei der letzten Beichte nach seiner
-Sündenmenge fragte, demselben auch diese Assignation gab: Fragen Sie
-nur _Luquet_. --
-
-_Weiber wären nicht selbstständig und allein fähig?_ Eine Einwendung,
-die, so leimgestärkt sie auch scheint, sich nicht halten kann. Wenn wir
-zwischen Furcht und Hoffnung schwanken, nehmen sie gleich Partie, und
-sind entschlossen an Leib und Seele -- Ihre Entbindungen machen sie so
-dreist. Bei minder wichtigen Dingen halten sie es nicht werth, es noch
-auf Entschlüsse auszusetzen: Es gehe, wie es gehe -- In politischen
-Angelegenheiten schlagen sie, wenn wir kannengießern, sich zu keiner
-Parthei, und wählen das beste Theil: Was wir leisten, macht unsern
-Lehrern Ehre; was sie leisten, ihnen selbst -- Sie mischen die Karten,
-und theilen sie so aus, daß Spieler und Zuschauer zufrieden sind,
-wenn dagegen eine Menge staatskluger Köpfe beisammen sitzen, und noch
-immer in gerechter Befürchtung, nicht Kopfs genug zu besitzen, auf
-Verstärkung ihrer Beisitzer denken. Vor lauter Räderwerk wird nichts
-zu Stande gebracht, vor lauter Reden kommt es zu keiner That, vor
-lauter Stimmenzählung zu keinem Schlusse. Wer von uns hat sich über
-das Stimmen der Instrumente nicht geärgert, ehe es zur Sinfonie kommt
---? Hohe Deutlichkeit und stärkeres Licht mit mehr Vergrößerung zu
-vereinigen -- das ist das Ziel der Ausrüstung, um Augenreisen in die
-Ferne zu thun. Wie oft zerschlagen unverständige Kinder und bärtige
-Collegia einen stattlichen Spiegel, um eine Fliege zu tödten! und noch
-öfter wird das Kind mit dem Bade ausgegossen. Des Bocksbeutels und der
-verkünstelten Kunst halben kommen Dekrete zum Vorschein, mit denen am
-wenigsten in allen Fällen, und höchstens nur provisorisch, auszulangen
-ist; Dekrete, die höchstens Palliative sind, um sich eine angenehme
-Ruhe für die nächste Nacht zu machen.
-
-_Warum soll man den Jesuitenorden von den Todten erwecken, und die
-heimlichen Jesuiten, Jesuiten en tapinois (das schöne Geschlecht)
-privilegiren?_
-
-Warum? weil die heimlichen schädlicher sind, als die öffentlichen,
-weil die öffentlichen (wenn nämlich nichts heimlich bei ihnen
-bleibt) aufhören Jesuiten zu seyn, und weil geheime Krankheiten die
-gefährlichsten sind -- Wie kommt aber das andere Geschlecht zur
-Ordensehre?
-
-_Maitressen von guter Abkunft haben bei weitem das Böse nicht
-gestiftet, was die Maitressen niederer Abkunft, eine Pompadour, eine du
-Barry, sich zu Schulden kommen ließen._ Allerdings! und also nehme man
-nicht Maitressen, sondern Weiber.
-
-_Nein, also lasse man die Weiber in ihrer Dunkelheit!_ Getroffen, wenn
-sie Maitressen werden sollen -- Wenn sie aber ihren göttlichen Ruf,
-Weiber zu seyn, befolgen, so hebe man sie nicht durch Flittergold,
-sondern durch Ächtheit -- Sind die Türkischen Bassen und Veziere, die
-Beys in Ägypten darum menschlicher, weil sie in ihren früheren Jahren
-das Elend des Volkes aus erster Hand kennen lernten?
-
-_Welche Widerlegungen!_ Sind etwa die Einwendungen besser? _Es läßt
-sich Alles vertheidigen_ -- und wider Alles einwenden. _Ich wollte um
-Vieles, um Alles in der Welt kein Weib seyn_ --; ich auch nicht --
-_und doch_ -- und eben darum. _Wer hat nun Recht --?_ Wer die Wahrheit
-sagte. _Und wer sagte die Wahrheit? nicht wahr: wer Recht hatte?_
-
-Wer die Sache der Unterdrückten führte, und wer der Menschheit sich
-annahm.
-
-_Der Menschheit?_
-
-Sind etwa Weiber nicht Menschen?
-
-_Der Unterdrückten?_
-
-Sind wir nicht ihre Tyrannen?
-
-_Heil den irrenden Rittern!_
-
-Heil und fröhliche Gestalt, wenn ihr Ritt auf Menschenwohl ausgeht --
-
-_und wenn sie keine Dulcineen haben,_
-
-als die Reinheit der Absicht, die Dulcinee unserer Philosophen --.
-
-_Dies Buch wäre nicht eines Weibes halben geschrieben --?_
-
-Nicht eines Weibes, sondern der Weiber halben -- Keines weiß, daß ich
-es geschrieben habe, keines wird es, so Gott will, wissen.
-
-_Und warum denn nicht jener schmale Weg, der das zu Viel und zu Wenig
-vermeidet und durch Beides sich durchschlängelt?_
-
-Weil Wenige sind, die darauf wandeln --
-
-_Besser als Viele!_
-
-Nicht immer, wenn von bürgerlicher Tugend und Untugend die Rede ist.
-
-_Der Mittelstand zwischen Skepticismus und Leichtgläubigkeit_ --
-
-ist ein unseliges Mittelding -- So oder nicht so, ist mein Wahlspruch;
--- nicht aber: so oder anders, oder halb so. Ja Ja, ist bei mir ein
-halbes Nein; und Nein Nein ein halbes Ja. Ja, Nein, was drüber und
-drunter ist, ist vom Übel --
-
-_Und die Gesetze! -- wird dies Buch es mit ihnen ausmachen?_
-
-Mein kleinster Kummer! mögen es die Gesetze mit den Gesetzen ausmachen!
-mögen die Todten die Todten begraben! -- Freilich thun die Gesetze
-zuweilen so, als ob es Kräfte in der Menschheit gäbe, die außerhalb der
-Menschheit lägen --
-
-_Was will das sagen?_
-
-Es giebt Gesetze, welche die einzelne Kraft des Menschen unterdrücken,
-damit die Summe aller Kräfte desto stärker sei; und doch ist natürlich
-die Gesammtkraft desto größer, je größer die Summe der Kräfte einzelner
-Menschen ist -- Unsere Herren Staatsrechenmeister verrechnen sich
-gewaltig, da sie die Zahl der Weiber auswerfen --
-
-_Wenn sie indeß auf den Zweck der bürgerlichen Gesellschaft sehen_ --
-
-O! dann verrechnen sich die Oberrechnungs-Cameralisten noch mehr. Giebt
-es einen andern Zweck, als die individuelle Freiheit zu schützen, und
-die Eingriffe eines Jeden in die Freiheit eines Andern zu behindern --?
-
-_Das sollte auch auf Geschlechter Anwendung finden?_
-
-Sind die etwa nicht moralische Personen?
-
-_Und die Billigkeit?_
-
-ist ganz auf meiner Seite. Was im Lande gilt, ist Recht; was in der
-Welt gilt, ist billig -- Was nach der Meinung der mehresten Menschen
-recht ist, ist billig --
-
-_und billig ist der, der so handelt, daß es die mehresten Menschen für
-Recht halten -- Ein billiger Autor ist der, der so schreibt, daß_ --
-
-Wahr --!
-
-_Wenn wir zählen wollten_ --
-
-würd' ich gewinnen, falls nur _die_ stimmten, die
-man nicht fragen darf: »verstehest du auch, was du
-sagest --? weißt du auch, was du thust --?«
-
-_Immerhin ^Verbesserung^; warum ^bürgerliche^?_
-
-Weil man sich an Zweige, und wohl gar Blätter, nicht halten muß, wenn
-der Stamm anzugreifen ist --
-
-_Und der Ausdruck dieses Buches --!_
-
-Nachdem die Materie, in der man arbeitet, nachdem die Bruchstücke und
-Späne, welche fallen --
-
-Mögen doch meine Leser und Leserinnen, denen der obige längliche Streit
-und Widerstreit beschwerlich gefallen ist, an dieser runden Manier
-sich erholen und Luft schöpfen, oder mögen sie es nicht, wie es ihnen
-beliebt -- --
-
-
-
-
-VI.
-
-Nutzanwendung.
-
-
-Wenn es wahr ist, daß von der Theorie des Drucks die ganze Operation
-eines glücklichen Finanzsystems und einer weisen Staatsregierung
-abhängt: so haben die Männer wenigstens nicht die rechte Art des
-Druckes erwählt; denn in Wahrheit, wir verlieren durch die Art,
-wie wir das andere Geschlecht behandeln, mehr als es selbst. Man
-sagt, dies sei auch der Fall, wenn man im Unterthan die Tugenden
-des Fleißes, der Industrie und des Gehorsams durch siebenmal sieben
-Plagen erzwingen will. Zwar bei dem Magnetismus erregen Druck, Reiben
-und Streicheln ein übermenschliches Vermögen; allein der politische
-Druck hat noch nicht die Divinationsgabe erregt, den Hunger ohne
-zu essen, und den Durst ohne zu trinken, zu stillen. Es ist höchst
-jämmerlich kein anderes Gesetz zu haben, als den souverainen Willen;
-und wo wandelbare Launen des Despoten, seine Indigestionen, seine
-Galle, seine Blähungen die Stelle der _Numas_ und _Solone_ vertreten
--- wer mag da unter Anordnungen stehen? Es ist schon unerträglich,
-auch dem besten Menschen untergeben zu seyn, wenn er väterlich über
-Menschen regieren will, die längst die Kinderschuhe auszogen! --
-Seht! in dieser traurigen Lage befindet sich das andere Geschlecht.
-Jene Zeit ist nicht mehr, wo ewige Fehden alles in beständiger Unruhe
-und Furcht erhielten, wo das Rauben eine Heldenthat schien, und wo
-man durch Raufen zu Ehren kommen wollte. Was ist aber ärger, seines
-Schicksals gewiß seyn, oder unter dem Beistande des Rechtes leiden?
-einem ganzen Geschlecht unter der scheinheiligen Vorgabe des gemeinen
-Bestens seine Rechte und Privilegien rauben? oft thun als stände
-man unter dem Befehle seiner Sklavin, und noch öfter wirklich schon
-ihre Winke befolgen, und doch im Ganzen ihr Tyrann seyn und bleiben?
-Scheint nicht fast die Liebe aufzuhören, sich in eine Herrschbegierde
-zu verwandeln, und diesen Gräuel der Verwüstung an heiliger Stätte
-schon frühzeitig und in den Flitterwochen der Liebhaberei durch
-Eifersucht zu verrathen? Jetzt schmachtet und liebkoset der schüchterne
-Jüngling, um über ein Kleines als Mann kalt und trotzig zu gebieten
--- Im _Theater_ wird wahre Welt zum Vorschein kommen müssen, wenn sie
-noch sichtbar werden soll; denn in der _wirklichen Welt_ wird Komödie
-gespielt. Wo giebt es Abderiten-Fälle, welche denen gleichen, die
-das Verhältniß beider Geschlechter täglich an den Tag legen -- Wenn
-ein vernünftiges Wesen eines anderen Planeten Zeit übrig hätte, eine
-Wanderschaft auf diesen Erdenkloß zu unternehmen, und das Verhältniß
-beider Geschlechter zu beherzigen; würde nicht, wenn das vernünftige
-Wesen nach seiner Heimkunft eine Reisebeschreibung herausgäbe, die
-Reise dieses _Nikolaus Klimm_ eine der ernsthaftesten Dogmatiken (das
-ehrbarste, das ich kenne) scheinen? An einem Verleger wird es dem
-Wanderer dort hoffentlich nicht fehlen -- Die allgemeine Vernunft ist
-über den Codex, nicht aber der Codex, der doch sein eigener Beweis
-nicht seyn und sein eigenes Kriterium nicht aus sich selbst nehmen
-kann, eine Proceß-Ordnung für die allgemeine Vernunft -- Wie lange will
-man unserer Seits der Vernunft widerstehen! Die Menschen schieben gern
-Alles auf Andere; und wenn sie keinen finden, der seinen Rücken zu
-dieser Belastung darbietet, so muß die Natur sich diese Denunciation
-gefallen lassen -- und so fehlt es auch unserem theuren werthen
-Geschlechte nicht an Behelfen, die auf die Rechnung der schönen Welt
-gesetzt werden -- Eine Schande für uns, daß wir nicht nur ungerecht
-sind, sondern auch die Schuld dieser Ungerechtigkeit von uns entfernen,
-und sie dem anderen Geschlechte zuschieben! Das Weib, das du mir
-zugesellet hast, sagte schon der alte _Adam_, hat mich verführt; -- und
-wir sind bis jetzt noch so treue Adamiten, daß wir nicht ermangeln, uns
-von der Schuld des subalternen Ranges, den wir dem anderen Geschlechte
-zueignen, in bester Form Rechtens loszusagen. Die armen Weiber, die,
-wenn sie sich mit uns auf kalte Negociation einlassen wollten, kein
-Gehör finden, können es noch weit weniger gegen uns auf ernsthaftere
-Schritte aussetzen -- Sie haben keinen _Leonidas_, keinen _Franklin_,
-keinen _Washington_; sie sind keine _Spartaner_, keine _Schweizer_,
-keine _Amerikanische Kolonisten_: können sie aber nicht dies Alles
-haben? können sie nicht dies Alles seyn? _Maria Antonia_ und _la
-Fayette_ sind zwei gleich große Charaktere, die in der Französischen
-Revolutions-Geschichte glänzen werden. Eitelkeit und Furcht vor
-Schande sind gemeiniglich die Basis von dem ganzen Muthe der Männer;
-Temperament ist es bei den Weibern. Eine Reihe von Jahrhunderten hatte
-Europa nur Eine Gestalt. Despotismus und Sklaverei, Unwissenheit und
-Barbarei herrschten überall; und warum sollten die Weiber nach einer,
-wenn gleich langen, Unterdrückung, nicht zu jenem Range erhoben werden
-können, der ihnen als Menschen gebührt? Ein großer Theil unter ihnen
-scheint der Ketten, die ihnen das Gesetz so vortheilhaft schildert,
-müde, und fühlt einen unüberwindlichen Hang, sie eher zu zerbrechen,
-als mit ihnen, wie mit Kinderklappern, zu spielen. Man trauet den Damen
-zu wenig zu, wenn man sich Mühe giebt, ihnen Alles in einem Säftchen
-beizubringen, wenn man ihnen Alles bezuckert und in Nähebeutelformat
-behändiget, als ob sie so schwach und hinfällig wären, nichts Größeres
-als ein Duodez-Bändchen halten zu können. Die Frage: verstehest du
-auch, was du liesest? wird in der Regel das Duodez-Männchen von
-Stutzer weit eher, als ein edles Weib, treffen. Wenn gleich die
-Geistes-Arbeiten der Weiber, sobald sie in's Größere gehen, für's erste
-_bas-relief_ sind -- sie werden weiter kommen; denn nur wir halten
-ihren Geist am Gängelbande, um sie nicht allein gehen zu lassen. Ein
-großer Kinderlehrer ließ in * * die Buchstaben in Pfefferkuchen backen,
-damit die Kinder das A B C in den Kopf bekommen möchten; allein die
-liebe Jugend bekam das A B C in den Magen, und ward krank zu derselben
-Stunde. Diese Pfefferkuchen-Methode ist der gewöhnliche Fehler, den
-man bei der Erziehung des anderen Geschlechtes begeht. Man will weder
-seinen Verstand, noch seinen Willen zur Reife kommen lassen. Die Weiber
-sind _en biscuit_; und wir! sind wir ausgebrannt? und wären wir es
--- was ist denn am Porcellain? -- _Böttcher_ wollte Gold machen, und
-brachte Porcellain heraus. Was ist der Mensch? »_Der halbe Weg vom
-Nichts zur Gottheit_,« sagt Young; und unser frommer _Haller_, der den
-Namen GOTTES nicht unnützlich führen wollte: _unselig Mittelding vom
-Engel und vom Vieh_ -- daß sich Gott erbarm! _Friederike Baldinger_
-versichert in ihrer Lebensbeschreibung, mit einer Vorrede ausgestattet
-von _Sophie de la Roche_: »als Frau war ich erträglich; wie klein würd'
-ich als Mann seyn!« Um Vergebung, sollte dies nicht auch ein jeder Mann
-umgekehrt von sich sagen müssen -- so lange: _ein Mann seyn_, nicht
-mehr heißt: als _ein Mensch seyn_ --? Enthält jene Bescheidenheit
-der _Friederike Baldinger_ nicht zugleich einen Vorwurf für unser
-Geschlecht in Beziehung unserer Selbsterhöhung --? Unser _Herschel_,
-der wegen _Miß Carolinen_, seiner Schwester, und _in puncto_ der
-Astronomie mehr als einmal in dieser Schrift von Amts- und Rechtswegen
-genannt zu werden verdient, nimmt an: die Centralkräfte wären nicht nur
-die erhaltenden, sondern auch die bildenden und erneuenden Kräfte der
-Weltsysteme; und nach seiner Meinung können auch mehrere Gattungen von
-anziehenden und zurückstoßenden Centralkräften in dem Baue des Himmels
-wirksam seyn. Könnten, wenn männliche und weibliche Centralkräfte
-in der Menschenwelt anzögen und zurückstießen, nicht Dinge bewirkt
-werden, von denen man bis jetzt nicht träumt --? Löset _Herschel_ die
-dem bloßen Auge sichtbaren Nebelflecke vermittelst seines Teleskops
-in Sterne auf -- wie leicht würden die _Flamsteads_ und _Mayers_ ihre
-Verzeichnisse von Sternen am Weiber- oder besser am Menschenhimmel
-erweitern können, wenn beide Geschlechter Ein Herz und Eine Seele
-wären! --
-
-Geh' ich zu weit, wenn ich behaupte, daß die Unterdrückung der Weiber
-Unterdrückung überhaupt in der Welt veranlasset habe? Wahrlich,
-die Tapferkeit ist keine Entscheidung des Schicksals, wen sie zum
-Regenten bestimmt hat. Durch Großmuth, nicht durch List, muß man den
-Feind überwinden, und es ist und bleibt unanständig, sich des Andern
-Unerfahrenheit zu Nutze zu machen. Ist es besser, sich des Sieges
-schämen zu müssen, oder sich über das Glück zu beklagen? Die Erhaltung
-eines einzigen Bürgers -- ist sie nicht besser, als die Niederlage von
-hundert Feinden? Das was nach der Meinung der meisten Menschen Recht
-ist, das ist, verdollmetschet: so ist wie es seyn muß; ist recht in
-einem erhabenen Verstande. Dies _rechte Recht_ gründet sich in der
-Natur der Sache, und hat sich von den Schlacken der Willkühr und des
-Türkischen Despotismus gereinigt -- Wollte man, nach dieser allgemeinen
-Meinung von den Verhältnissen des fräulichen Geschlechtes, glauben,
-(glauben muß man in einem besondern Sinne _wollen_) daß das vielfach
-tausendjährige Reich der Sklaverei der Weiber in diesem rechten
-Rechte oder in der Billigkeit sich gründe? Ich will nicht glauben.
-Nicht alles was wir ungestört leiden, hat die Ehre unsers inwendigen
-Menschen vor sich. Sehet euch um! ihr werdet finden, daß das meiste
-Unrecht in der Welt in dem Bestreben besteht, so zu handeln, daß es die
-Mehresten für Recht halten. Wer kann wohl, ohne eine Gewaltthätigkeit
-zu begehen, behaupten: die Weiber müßten einen gewissen Standpunkt auch
-bei dem höheren Grade neuerer Cultur und Sittenverbesserung behalten,
-und sie könnten, wegen ihrer angebornen Bestimmung als Mitglieder der
-Societät und als Weiber, bis an den lieben jüngsten Tag nur so weit
-und nicht weiter kommen? Unsere Gränzen der Ausbildung sollten nicht
-abgesteckt seyn? nur die ihrigen wären behügelt? O, du liebe Zeit!
-Die relativen Bestimmungen des Weibes in der Gesellschaft, in so weit
-es Weib ist -- wer fragt nach diesen? diese sind so ewig, wie die
-Bestimmungen des Mannes als Mann. Allein soll das Weib an Verstand
-und Willen stehen bleiben, wenn der Mann Fortschritte macht; so muß
-es mit der Aufklärung in's Gedränge kommen, und sie muß Kinderspott
-werden -- -- Man könnte Männer mit der Speise, Weiber mit dem Trank
-vergleichen; und nur Speise und Trank in Gemeinschaft halten Leib und
-Seele zusammen. Das Gefühl der Bedürfnisse bildet den Menschen aus,
-und der Schöpfer scheint es ihm nachgelassen zu haben, Bedürfnisse zu
-erfinden, um sie im Schweiße des Angesichts befriedigen zu lernen,
-durch Sprachunterricht zu Realkenntnissen hinauf zu reifen --
-Selbstliebe, Neigung zum Wohlbefinden, Abneigung gegen den Schmerz,
-sind Triebfedern, den Menschen immer weiter und weiter zu bringen;
-und das andere Geschlecht fühlt sie, wo nicht in weit größerem Maße,
-so doch gewiß nicht minder -- Haben etwa Verabredungen, die aus jenen
-Bedürfnissen und jenen Trieben entstehen, gemeinschaftlich Menschen
-seyn zu wollen, um desto leichter zum Zweck zu kommen -- haben etwa
-Verabredungen in den Stand der Gesellschaft zu treten, den Weibern
-ihre Stelle angewiesen --? Nicht also! Die Punktation zum Stande der
-Gesellschaft machte _Eva_; und hat sie es sich wohl je vorstellen
-können, daß auch hier die Ersten die Letzten werden sollten? Setzte
-unser Geschlecht mit Vorwissen und Vorwillen des andern auf dasselbe
-das Motto der Hölle: _Hier ist die Hoffnung ausgeschlossen_; oder
-ist vielmehr durch den Stand der Gesellschaft der Stand der Natur
-geheiligt? sollen nicht in jenem, wie in diesem, alle Menschen gleich
-bleiben? Völker sind sich eben so gleich wie einzelne Menschen,
-und Geschlechter so wie Völker. Ist nicht durch Unterdrückung des
-Schwächeren das innere Verderben der Staaten entstanden, woraus denn
-gerades Weges Unterdrückung und Zerstörung von außen sich nach und
-nach ergab? Kommt es bei diesen Dingen mehr auf spielenden Witz,
-schalkhaften Vortrag, übermüthige Phantasie-Einfälle, oder auf Wahrheit
-und Recht an? und können wir in der Gesellschaft auf Gerechtigkeit
-Anspruch machen, wenn wir keine erweisen?
-
-Können wir, die wir uns so unrühmlich zu Herren des weiblichen
-Geschlechtes aufgeworfen haben, es leugnen, daß wir diese Herrschaft
-von je her nur sehr schlecht verstanden? und in dieser Wissenschaft,
-wie es am Tage ist, bis jetzt nicht weiter gekommen sind? können wir
-es vor unserm Gewissen verhehlen, daß wir die Urheber und Veranlasser
-aller weiblichen Fehler sind, und daß das meiste Gute, welches wir
-an uns haben, auf die Rechnung des andern Geschlechtes gehört?
-Furchtsame Männer werden allerdings den Stab über mich brechen, weil
-ich angeblich die Eitelkeit der Weiber gereitzt, und ihre von Natur
-schon übermüthigen Begriffe von ihrem Werthe genährt habe; allein,
-lieben Leute, durch eure Feuer rufende Befürchtung, ich möchte die
-weibliche Bestimmung zu weit hinausgerückt haben, beweiset ihr, daß
-ihr, anstatt stark zu seyn, schwach seyd, und daß ihr durch diese
-Schwäche eure angebliche Ordnung der Dinge umkehret -- und daß euch
-die Geisteskraft und Denkfähigkeit mangeln, die ihr aus bloßem Neide
-dem andern Geschlechte absprechen wollt. -- In der That, ihr solltet
-der Natur für das Hausmittel danken, durch das andere Geschlecht
-angespornt und aufgemuntert zu werden, immer weiter zu kommen, aber
-nicht Feigenblätter suchen, eure stolze Faulheit zu decken. So bald
-Weiber Menschen sind und Vernunft haben, sind ihre Geistesanlagen nicht
-zu beschränken; am wenigsten können _wir_ hier psychologische Richter
-seyn, da wir so sehr Parthei sind, und da wir weit besser gelernt
-haben, unsere Sache zu führen und Schildknappen der Autorität zu seyn,
-als das der Natur weit treuer gebliebene andere Geschlecht. Wo es
-nicht an innerer Kraft fehlt, da ist nur Gelegenheit nöthig, um sie zu
-äußern; und nur dann, wenn man sich den Vernunftgebrauch untersagt,
-kann man sich zur Ableugnung jener Wahrheit bringen, daß nicht Alles
-_menschlich gleich_ sey, was _menschlich vernünftig_ ist. Nur dann,
-wenn bodenloser Stolz an der Bestimmung des Menschen künstelt,
-entkommen wir der eigentlichen Ausbildung der Anlagen unserer Natur,
-und sie entkommt uns. Schade! --
-
-Was für einen Einfluß Erziehung, Klima und andere äußere Umstände
-auf Menschen (Männer nicht ausgeschlossen) behaupten, lehrt die
-Erfahrung. Der Weinbauer bleibt auch in ergiebigern Ländern ein
-Beispiel von Indolenz und einer daraus entspringenden Verderbtheit
-des moralischen Charakters -- Weiber verstehen nur natürliche Waffen
-zu führen; wir würzen unsere Schutzschriften mit gelehrten Gründen,
-treffen provisorische Einrichtungen, und wissen Bescheid, unsere
-Schwächen so zu verhängen, daß sie nicht in die Augen fallen -- und
-eben darum behaupten wir geradehin, daß Weiber nur aus Neugier, nicht
-aus Wißbegierde, nicht aus eigenem freien Triebe, sondern weil sie
-dazu aufgemuntert werden, und nur aus Eitelkeit, sich hier und da mit
-Wissenschaften abgegeben hätten, ohne sich doch je darin auszuzeichnen
--- Aber außerdem, daß die Reinheit des männlichen Verstandes und
-des männlichen Willens keine Lobrede verdient, und daß Selbstsucht
-mit ihrer ganzen Sippschaft von Eitelkeit, Stolz, Geldhunger und
-Schmeichelei, die Männer gar übel plagt; außerdem, daß auch der
-Gelehrteste, wenn er sich irgend kurz fassen kann, kaum drei Wochen
-gebrauchen würde, um alles zu beichten, was er wirklich _weiß_, und
-selbst was er wirklich _glaubt_, so daß sein Wissen und sein Weißsagen
-doch immer nur Stückwerk ist; außerdem daß zwischen Zuckerbrot der
-Lektüre, und dem herben Wein der Erfahrung ein großer Unterschied
-bleibt: so ist das Ende vom Liede aller Wissenschaften und alles
-gelehrten Dichtens und Trachtens, (wenn es nicht bloß Lückenfüller
-und Langeweiltröster seyn soll) _moralisch besser zu werden_. Sind
-wir das? O, alsdann tret' ich beschämt zurück, widerrufe Alles, was
-in meiner Schrift nur nach Apologie aussieht, und bleibe bloß bei der
-demüthigsten Bitte, dem andern Geschlechte durch eine bürgerliche
-Verbesserung Zeit und Raum zur moralischen Buße zu gönnen, und es
-zur Verpflichtung gegen die Gesetze des Staates, zu jener bestimmten
-und äußerlich vollkommenen Verpflichtung zuzulassen, die doch jeder
-Staatstheilnehmer oder Bürger haben sollte --
-
-Und nun der Schluß? Der Mensch läuft spornstreichs, um zum Ende zu
-kommen, und wenn er sein Ende sieht, muß er sich ganz zusammen nehmen,
-um sich zu fassen. _Machiavell_ schrieb seinen _Principe_, um die
-Despoten-Republik zur Sprache zu bringen; und ich wollte nichts mehr
--- Wenn ich Dinge einander nahe lege, die sich für gewöhnliche Augen
-sehr entfernt berühren, so lasse man mir und Jedem doch seine Weise;
-denn wenn alle Bücher eine und dieselbe Melodie hätten -- würden sich
-wohl noch so viele Leser finden? an Thäter des Wortes ist so nicht
-zu denken! Eine Schrift kann nie ein mächtiges um sich greifendes
-Feuer anzünden; und wenn man behauptet: _Rousseau_, _Voltaire_ und
-_Montesquieu_ hätten die Französische Revolution zu Stande gebracht; so
-vergißt man _Nordamerica_: und es gehört zu den Zeichen dieser Zeit,
-wenn man mit Büchern bekannter als mit Menschen ist, um zu regieren;
-wenn man die äußere Form des Systems viel zu lieb hat, um sie gegen das
-Gründliche und Consequente der Lebensphilosophie aufzuopfern; wenn man
-nur auf Mittel für einen Tag sorget, um seinen Zweck durchzusetzen;
-wenn man seinem Ehrgeitze nur ein anderes Kleid anzieht, das weit
-weniger als der vorige Anzug Achtung für die Leidenschaft erregen kann;
-wenn man nicht die Weisheit anschauender, anziehender und wirksamer zu
-machen sich bemühet, sondern bloß seinem theuren _Ich_ Ehre zudenkt,
-und, wohl zu merken! ein solcher Schwelger und Schlemmer im Ehrgeitze
-ist, daß man nicht an den andern Morgen denkt, und sich befriedigt,
-vier und zwanzig Stunden im Saus und Braus eines hohen _Vivat_ zu
-glänzen, und Plane auf die Zukunft gegen das schnöde Linsengericht
-eines stündigen Zujauchzens zu verprassen -- -- -- Theilnehmende
-Achtung für den Schwächeren hat etwas Göttliches; und wenn Stände
-zum Controlliren der Staatsofficianten ein herrliches, in Geduld
-Frucht bringendes Ding für den Regenten und das Volk sind, warum will
-man diese Controlle des menschlichen Geschlechtes den Weibern nicht
-anvertrauen? ihnen, die nie gewohnt sind, etwas Imaginaires, sondern
-immer etwas Wirkliches zum Grunde zu legen, wenn wir uns gleich die
-schnödeste Mühe geben, sie zu Romanen zu gewöhnen, um sie, kraft der
-Reminiscenzen dieser Lektüre, aus der wirklichen Welt hinauszubringen
--- Weiber haben mehr Geist, als Wissenschaft; Männer mehr Wissenschaft
-als Lebens-Philosophie, und leicht vergißt unser Geschlecht, daß
-man nach Tugend und Rechtschaffenheit am ersten trachten muß, wenn
-uns alles Andere zufallen soll. Bettelmönche haben oft größere
-Gewalt als Eminenzen; Diese haben nicht Zeit, nicht Lust, es auf das
-Seelen-Regiment anzulegen, da hingegen Jene wirkliche Seelen-Despoten
-sind, ob sie gleich (etwas bescheidener) sich bloß Seelsorger nennen.
-Ich schrieb keine Grammatik, wo man die Ausnahme gleich hinter der
-Regel verzeichnet: das Zeichnen sollte den kalligraphischen Übungen
-vorgehen, und die Geschichte, nach dem Vorschlage geprüfter Pädagogen,
-rückwärts vorgetragen werden. -- Ich werde mich für hinreichend
-befriedigt halten, wenn man mir im Ganzen beifällt, obgleich noch
-nähere Bestimmungen gütlich oder rechtlich nöthig gefunden werden.
-Ein Buch, das Gedanken erweckt, ist oft besser als eins, das Alles
-erschöpft, und die Leser wie Unmündige behandelt. Winke fruchten
-mehr als lange Belehrungen; und wenn ein Schriftsteller das große
-Amt verkennt, das ihm von der Natur anvertrauet ward, Menschen gegen
-offenbare Ungerechtigkeiten zu schützen; so verdient er selbst
-unterdrückt zu werden. Wer es über sein Gewissen bringen kann, ein
-Geschlecht zum gebornen Despoten des andern zu erheben, wird vielleicht
-nicht ohne Fertigkeit seyn, volksübliche Sitten nachzuäffen und höheren
-Volksklassen nachzulallen; allein auf rechtskräftiges Urtheil wolle er
-in Zeiten Verzicht thun, und seinen Schlaftrunk von Vortrag für jenes
-Mittelgut von Menschen aufsparen, die Welt und eine Fabrikartigkeit
-besitzen -- wenn gleich gemeiniglich die Pluralität auf ihrer Seite
-ist. Das Deutsche Weib galt in älterer Zeit allemal mehr als andere
-Weiber, und ich bleibe gewiß in den Schranken der Wahrheit, wenn ich
-behaupte, daß auch noch jetzt Deutsche Weiber, so wie sie da sind,
-einer Verbesserung empfänglicher und fähiger wären, als alle andern,
-zu welcher Zunge und Sprache sie sich bekennen, und welcher Vorzüge
-sie sich sonst gegen die Deutschen mit Recht oder mit Unrecht rühmen
-mögen -- Nachtwandler erweckt man, wenn man sie bei Nahmen ruft; --
-und sollten unsere Deutschen Herren Männer nicht auf den kühlenden
-Trank nüchtern werden, den ihnen diese Schrift reichet? -- Es giebt
-Schriftsteller, die, wenn sie mit ihren Werken bei _ihrem_ Geschlechte
-durchzukommen sich nicht getrauen, ihre Schrift mit der Nothlüge
-begaben, sie hätten sie zu Heil und Frommen des andern Geschlechtes
-gestellt. Auch glaubt sich mancher Nachdrucker bei Ehren zu erhalten,
-wenn er das schmackhafte neugebackne Brot eines Andern bröckelt, ohne
-selbst durch Milch oder Butter ihm ein anderes Ansehen zu geben, und
-dies alles auf Kosten des andern Geschlechtes thut -- als ob der Herr
-Nachdrucker _im Brote_ des weiblichen Geschlechtes wäre, oder als ob
-es _nicht mehr könnte als_ (brockenweise) _Brot essen_! -- --
-
-_Wozu alle Vergleichs-Vorschläge und Verbesserungs-Plane, die, wenn
-man gleich ihnen Vorkaufs-Anmaßungen nicht vorrücken kann, die, wenn
-sie es gleich mehr bei bescheidenen Fingerzeigen bewenden lassen, als
-daß sie strafsüchtige Warnungstafeln ausstellen, doch um so weniger
-Lebensfrüchte sicher verheißen können, als man von ihnen nicht weiß, ob
-und in wie weit sie in der Feuerprobe der Ausübung bestehen werden?_
-
-Freilich! warum alle Katheder und Predigerstühle? Sind die Menschen
-nicht von je her Lügner, Undankbare, Räuber, Neider, Geitzhälse
-gewesen? Raubvögel haben zwar von Anbeginn ihre Nächsten, bescheidnere
-Nebenvögel, gefressen, so bald sie sich ihrer bemeistern konnten;
-Menschen, welche einsehen, daß besser besser ist, und daß sie besser
-werden können -- sollten _die_ ewig Raubvögel bleiben? Mich tröstet
-der Glaube an die analogisch zu vermuthende Absicht der väterlichen
-Gottheit -- und das rastlose Fortstreben des menschlichen Geistes, der
-einmal aufgeweckt und in Thätigkeit gesetzt ist. Die gesunde Bergluft
-ist ohne Zweifel die Ursache von dem Heimwehe der Schweizer; was sollte
-aber das andere Geschlecht bewegen, in seiner jetzigen Lage zu bleiben?
-Es wird wollen, wenn wir zu wollen uns entschließen werden --
-
-Ungern muß ich mich noch zu einer Art Menschen wenden, an die ich
-gewiß am wenigsten gedacht hätte, wenn nicht ganz frische Spuren mich
-schreckten -- Daß dies die Herren Recensenten nicht sind, versteht
-sich von selbst. Es giebt wackere Männer unter ihnen, die, wenn sie
-gleich sich einen ehemals ungewöhnlichen Reskriptenton angewöhnen, es
-so übel nicht meinen; man lasse sie reskribiren -- Du lieber Gott!
-was reskribirt heut zu Tage nicht alles --! Wenn Kinder und Säuglinge
-an Jahren und an Verstande in unseren hohen Dikasterien den Nahmen
-Gottes und ihres Fürsten so unnützlich führen, und dummdreistes Zeug
-in diesen breiten goldenen Rahmen fassen; wenn sie so ungestraft
-blinden Lärm zu machen, die Vernunft in blödsinnigen Sentenzen
-gefangen nehmen, den guten Ruf trefflicher Männer als gute Prise
-ansehen, und von Rechtswegen fünf gerade gehen lassen können -- wird
-man nicht, wohl zu merken! bei würdigen Recensenten, denen jene
-unbärtigen Großsprecher nicht werth sind die Schuhriemen zu lösen,
-die weit kleineren Reskripten-Freiheiten, die sie sich herausnehmen,
-ganz gern übersehen? Ich habe in Wahrheit nichts gegen Recensenten,
-die sich wie wohlthätige Egel an unsere Bücher hängen, um ihnen das
-böse Blut abzusaugen; vielmehr wünsch' ich herzlich, daß dieser
-Blutdurst ihnen allerseits nach Stand und Verdienst wohl bekommen
-möge. Wenn aber Mücken um ein Paar Blutstropfen mich verfolgen, und
-meinen Nahmen (wahrlich ein Paar Blutstropfen) entwenden wollen;
-so bitt' ich diese Anekdotensauger in Erwägung zu nehmen, daß ein
-Buch darum keinen Fingerlang oder Fingerbreit schlechter oder besser
-wird, weil man weiß, daß es diesen oder jenen Verfasser hat. In der
-Schrittstellerwelt giebt es keinen Erbadel; und warum will man die
-gelehrte Republik in einen monarchischen, wo nicht gar despotischen,
-Staat umwälzen? warum nicht Jeden bei so viel Freiheit, wie nur
-mensch- und politisch-möglich ist, lassen? Da giebt es denn aber
-Kraftgenies ohne Genie, ohne genialische Anlage und Nachdruck, die
-im Gefühl ihrer Geistesarmuth Anekdoten haschen, um unter Gelehrten
-die Gelehrten zu spielen, die sie nicht sind, und die sie ohne
-wundervolle Pfingst-Inspiration auch nicht werden können! Ein Pfeifer
-und Geiger, ein Flöter und Trommeter glaubt taktlos sich für _Kant_
-und _Wieland_ in Einer Person ausgeben zu können, ob er sich gleich
-begnügen sollte, die Mauern von Jericho umzublasen und die Steine
-tanzen zu lassen. Voll Vademecums-Belägen wissen dergleichen Masken --
-und was denn? was unter braven wackern Gelehrten der wenigste Kummer
-ist; -- allein dafür sind jene Kraftmänner auch vor aller andern
-Hypochondrie, als der, die aus Unwissenheit entsprießt, und die mit
-Nahmen-Wuth anzuheben pflegt, sicher ihr Lebenlang -- machen sich
-aus Litteratur-Kindern und philosophischen Säuglingen eine Macht,
-und kommen nicht selten in die Gefahr jenes Menschenkenners, der
-einen trefflichen Mann fragte: Ist der Herr nicht der Küster aus *
-*? »_Nein, ich bin der General-Superintendent * *, und wer Sie sind,
-mag ich nicht wissen._« -- Wer leugnet es, daß durch Gelehrte von
-Profession, z. B. durch _Kant_ und _Heyne_, die Wissenschaften große
-Fortschritte machten? Gewiß würde der Meister der Philosophie _Kant_ in
-seinen patriarchalischen Jahren nicht so kraftvolle Arbeiten liefern,
-und durch einen wohlgestalteten Seelenerben nach dem andern der Welt
-ein Lachen bereiten, wenn er nicht in der Blüthe seines Lebens mit
-diesen Gegenständen vertraut geworden, und bei seinem Unterrichte zu
-denken von Anbeginn gewohnt gewesen wäre. Seine Vorlesungen waren
-die Goldwagen seiner Grundsätze -- Solch eine Pflege kann kein
-Geschäftsmann seinem Buche geben; noch nie aber haben verdienstvolle
-akademische Lehrer einem _Lessing_, _Spalding_, _Teller_, _Moses
-Mendelssohn_ u. s. w. ihr Verdienst abgesprochen, vielmehr es gern
-gesehen, wenn diese fein sokratisch ihre Systeme in Philosophie der
-Welt, ich weiß nicht ob erniedrigten oder erhöheten? -- Und wozu diese
-Bemerkung? Um eine andere einzuleiten -- Wenn die Kritik der reinen
-Vernunft mit dem Nahmen _Immanuel Kant_ in die Welt kommt -- Wer hat
-etwas dagegen? Wenn aber ein Geschäftsmann Autor ist -- in welche
-Schwierigkeiten sieht er sich verwickelt! Der Präsident beneidet ihn,
-wenn er Rath; und der Minister, wenn er Präsident ist. Zum gemeinen
-Leben berufen, muß er sich nach demselben einrichten und sich in die
-Zeit schicken lernen, und es ist bei dem Geschäftsmanne nur zu oft
-böse Zeit. Kritiken schaden den Gelehrten von Profession so wenig,
-als wenn Renomisten sich an den Fenstern des zu strengen Rektors
-vergreifen, die denn doch durch Laden gesichert werden können; und wie
-leicht ist das Haus Sr. Magnificenz wieder befenstert! Der unsauberste
-Geist indeß schadet dem Geschäftsmann, indem witzleere Antagonisten
-desselben den schalsten Einfall mit Freuden aufnehmen, und mit diesen
-fremden Kälbern pflügen, um den braven Mann zu kränken. Der Gelehrte
-von Profession schlägt den Ball, den ihm ein unfreundlicher Kritikus
-zuschlägt, weiter; der Geschäftsmann kann ihn nur zurückschlagen --
-Jeder Unglücksfall im Dienst wird auf die Rechnung der Autorschaft
-geschrieben; jede ungegründete Beschwerde einer chicanirenden Parthei
-findet gewisses Gehör, weil der Herr _Decernent_, oder _Instruent_,
-_Referent_ und wie die _enten_ alle heißen mögen, Autor ist und sich
-nicht Zeit nahm -- alle Menschen klug zu machen. -- Der Revers der
-Sache? wird nicht mancher Schriftsteller das Ansehen, welches er
-in der gelehrten Welt hat, zum Schreckmittel brauchen, um sich zu
-einem _Noli me tangere_ zu erheben? wird nicht sein Vorgesetzter
-seiner Schriftstellerfeder auf Rechnung seines Postens eine Pension
-zuwenden, und Andern aufbürden, was Jenem zu thun oblag --? _Practica
-est multiplex._ Ein Mann, der _Vater_ ist, wenn er _Brutus_ seyn
-soll, der unter den Autoren Präsident, und unter den Präsidenten
-Autor ist, verdient die Züchtigung eines _Johnson's_, da hingegen ein
-Autor, welcher der gelehrten Welt so wenig von seinem politischen
-Verhältnisse, als diesem von jener verräth, zwiefacher Ehre werth zu
-seyn scheint, indem er sich nicht aus Einer Lage in die andere hinein
-schmeichelt, keine Folie nöthig hat, und nicht Eine Farbe in die andere
-spielen läßt, sondern überall Mann ist -- -- Das Leben eines Mannes
-von dieser Art zu lesen, wenn er aufhört entweder politisch oder
-natürlich zu leben -- kann wahrlich ein besseres Lehrbuch werden, als
-das Leben unseres trefflichen _Semlers_, der geheime Wissenschaften
-an geheimen Orten zu lernen suchte -- um sie kurz vor seinem Ende
-öffentlich zu treiben -- oder anderer Selbstbekenner, die geistliche
-und leibliche Jahr- Monaths- Tage- Stunden- und Minuten-Bücher stellten
---. _Shakespear_ ward in seinem Leben wegen seiner Sonetten, _Milton_
-wegen seiner Lateinischen Verse und prosaischen Schriften geschätzt,
-derentwegen sich Beide schwerlich bis auf den heutigen Tag erhalten
-haben würden -- --
-
-^FRIEDRICH II.^, der doch selbst von der Poësie, wie von einem
-Dämon, gar übel geplagt ward, so daß sie sogar bei Schlachten nicht
-verfehlte, ^IHM^ Cour zu machen, sagte zu einem Staatsdiener,
-dessen Andenken ich heute an dem Tage seines Todes feiere: _ich mache
-Ihn zum * *; aber lass' er mir das Schreiben -- So etwas stört, und
-im Amte muß Er sich durch gar nichts stören lassen -- hört Er?_ Ja!
-und wer Ohren hat zu hören, der höre! Sind das die Gesinnungen eines
-königlichen Schriftstellers, (nach Weise des königlichen Propheten
-_David_) wie viel ist von Fürsten zu fürchten, denen, außer der
-Salbung zu Regenten, keine andere zu Theil ward --! wie noch viel mehr
-von _Königschen_, die, zu schwach zu einer kritischen Sichtung, an
-Autoren, welche ihnen über den Kopf zu wachsen scheinen, so gern zu
-Rittern werden -- Ob von diesen Fällen Einer oder keiner der meinige
-sei, thut nichts zur Sache; daß sie aus dem Leben genommen sind, wird
-Niemand ableugnen -- Und darf ich noch bemerken, daß Kunstrichter,
-wie alle andere Richter, nicht die Personen ansehen müssen, und daß
-es pflichtwidrig ist, es auf den Namen des Schriftstellers anlegen zu
-wollen --?
-
-Wenn unsere Anekdoten- und Nahmenhäscher dies in Erwägung zögen --
-würden sie nicht lieber Fische fangen und Vogel stellen, da sie doch
-einmal verdorbene Gesellen sind? -- Wie viel wollt' ich geben, wenn ich
-dieses Schlusses hätte überhoben seyn können! -- denn in der That, ich
-weiß ihn so wenig in den Takt dieser Schrift zu bringen, daß ich mich
-vielmehr begnügen muß, zu bemerken, wie die Menschen nur alsdann sich
-zu nahe kommen, wenn sie nichts thun wollen oder können, und, anstatt
-sich mit sich selbst zu beschäftigen, es gemächlicher finden, auf und
-gegen Andere zu wirken --
-
-Daß dieser Epilogus jene lieben, trefflichen, edlen Seelen nichts
-angeht, die in keiner andern Absicht, als um sich näher mit dem
-Schriftsteller zu verbinden, der mit ihnen so harmonirt, seinen
-Nahmen gern wüßten -- darf ich dies erst bemerken? -- Möchte doch
-der unerforschliche ^GOTT^ diesen trefflichen Seelen öffentlich
-vergelten, was sie auch etwa an mir insgeheim thaten! -- Möchte ihnen
-doch an der Hand gutdenkender Weiber des Lebens Last und Hitze nicht
-schwer seyn! Leicht sei ihnen die Erde im Leben und im Tode --! --
-
-
-
-
-Inhalt.
-
-
- I. Formale und Materiale der gegenwärtigen
- Schrift. Seite 1
-
- II. Giebt es außer dem Unterschiede des Geschlechtes
- noch andere zwischen Mann und Weib? 28
-
- III. Woher die Überlegenheit des Mannes
- über die Frau entstanden? Rückblicke auf
- die ältere Zeit. 75
-
- IV. Nähere Angaben, woher die Überlegenheit
- des Mannes über die Frau entstanden
- ist. Betreffen neuere Zeit. 122
-
- V. Verbesserungs-Vorschläge. 185
-
- VI. Nutzanwendung. 398
-
-
-
-
-Notizen des Bearbeiters:
-
-Kursivschrift markiert durch _..._
-
-Gesperrte Schrift markiert durch ^...^
-
-Unterschiedliche Schreibweisen wurden beibehalten.
-
-Typographische Fehler und einzelne Satzzeichen wurden stillschweigend
-geändert.
-
-
-
-
-
-End of the Project Gutenberg EBook of Über die bürgerliche Verbesserung der
-Weiber, by Theodor Gottlieb von Hippel
-
-*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK ÜBER DIE BÜRGERLICHE ***
-
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-Proofreading Team at http://www.pgdp.net (This book was
-produced from scanned images of public domain material
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-rules is very easy. You may use this eBook for nearly any purpose
-such as creation of derivative works, reports, performances and
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-used on or associated in any way with an electronic work by people who
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-things that you can do with most Project Gutenberg-tm electronic works
-even without complying with the full terms of this agreement. See
-paragraph 1.C below. There are a lot of things you can do with Project
-Gutenberg-tm electronic works if you follow the terms of this agreement
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-works. See paragraph 1.E below.
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-1.E.9.
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-Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
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-including obsolete, old, middle-aged and new computers. It exists
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-To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
-and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
-and the Foundation web page at http://www.pglaf.org.
-
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-Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive
-Foundation
-
-The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
-501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
-state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
-Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification
-number is 64-6221541. Its 501(c)(3) letter is posted at
-http://pglaf.org/fundraising. Contributions to the Project Gutenberg
-Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
-permitted by U.S. federal laws and your state's laws.
-
-The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
-Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
-throughout numerous locations. Its business office is located at
-809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email
-business@pglaf.org. Email contact links and up to date contact
-information can be found at the Foundation's web site and official
-page at http://pglaf.org
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- The Project Gutenberg eBook of Über Die Bürgerliche Verbesserung Der Weiber, by Theodor Gottlieb von Hippel.
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-The Project Gutenberg EBook of Über die bürgerliche Verbesserung der Weiber, by
-Theodor Gottlieb von Hippel
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-Title: Über die bürgerliche Verbesserung der Weiber
-
-Author: Theodor Gottlieb von Hippel
-
-Release Date: January 7, 2017 [EBook #53912]
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-Language: German
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-*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK ÜBER DIE BÜRGERLICHE ***
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-Produced by Matthias Grammel and the Online Distributed
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-
- <div class="figcenter">
- <img src="images/a001.jpg" alt="Illustration" />
- </div>
-<p class="pmb2" />
-
-<hr class="tb" />
-
-<p class="p2 center font14 pmb1"><span class="smcap"><b>Berlin, 1792.</b></span></p>
-<p class="center font12 pmb3"><i>in der Vo&szlig;ischen Buchhandlung</i></p>
-
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_i"></a></span></p>
-
-
-<hr class="chap" />
-<p class="break" />
-
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_1">[S. 1]</a></span></p>
-
-
-<h2 id="I">I.<br /><br />
-
-<span class="smcap">Formale und Materiale der<br />
-gegenw&auml;rtigen Schrift.</span></h2>
-
- <div class="figcenter">
- <img src="images/tb_001.jpg" alt="Dekoration" />
- </div>
-<p class="pmb1" />
-
-<p>Man sagt: der strengste Beweis der Wahrheit
-sei, wenn gewisse Dinge jeder Bem&uuml;hung
-sie l&auml;cherlich zu machen und zu travestiren,
-widerstehen, und wenn sie trotz allem L&auml;cherlichen,
-womit wir sie beh&auml;ngen, doch ehrw&uuml;rdig
-bleiben. Wenn die krumme Linie die
-Sch&ouml;nheits-Linie ist; so wird man es schwerlich
-bedenklich finden, dem Lachen die Schl&uuml;ssel
-zum Himmelreiche der Wahrheit anzuvertrauen.
-Ein mi&szlig;licher Umstand! der mich
-bei der gegenw&auml;rtigen Schrift in eine nicht
-geringe Verlegenheit verwickelt, da ich einen
-Gegenstand vorhabe, worin bei weitem der
-gr&ouml;&szlig;te Theil des Ernsthaften mit dem L&auml;cherlichen,
- <span class="pagenum"><a id="Seite_2">[S. 2]</a></span>
-nicht von Anbeginn und von Natur,
-sondern durch Verj&auml;hrung, so im Gemenge
-liegt, da&szlig; hierbei nicht so leicht ein Divisions-Exempel
-auf eine Auseinandersetzung gewagt
-werden kann. Wenn ein Ritter von &auml;chtlustiger
-Gestalt den Kampf beginnt &mdash; wer und
-was kann vor ihm bestehen? welche Festung
-von System und Dogmatik sich halten? <i>Sokrates</i>,
-der Weiseste, nicht unter den <i>K&ouml;nigen</i>,
-sondern unter den <i>Weisen</i>, dieser Erzkern in
-einer h&auml;&szlig;lichen Schale, dieser (wiewohl nicht
-mit sonderlichem Geschmacke gekleidete) Engel
-unter den Menschen, ward in <i>den Wolken</i>
-zur Farce; und welch ein Autor kann auf einen
-heitern Recensenten- und Leser-Himmel
-sicher rechnen? &mdash; Selten gab es einen, der
-nicht aus dem Regen unter die Traufe gerieth,
-und noch nie ging ein Licht in der Welt auf,
-ohne seinen <i>Aristophanes</i> zu finden, der es,
-mir nichts, dir nichts, geradezu ausblies, oder
-&mdash; unter dem Scheine des Rechts, als wollt'
-er es schneutzen &mdash; es neckte und verdunkelte.
-Fast scheint auf diese Weise das L&auml;cherliche
-das t&auml;gliche Brodt der Menschen zu seyn, und
- <span class="pagenum"><a id="Seite_3">[S. 3]</a></span>
-man wird sich ohne Zweifel am besten befinden,
-wenn man in Z&uuml;chten und Ehren mitlacht,
-oder seine Schrift, des Bildes und der
-&Uuml;berschrift des Ernstes ungeachtet, zu einem
-Tone stimmt, der nicht ernsthafte Bl&ouml;&szlig;en (die
-l&auml;cherlichsten von allen) giebt. &mdash; &raquo;Ihr werdet
-lange nicht so viel &uuml;ber mich weinen,
-wie ihr &uuml;ber mich gelacht habt,&laquo; sagte <i>Scarron</i>,
-der Ehevorfahr <i>Ludwigs des XIV.</i>, zu
-denen, die sein Sterbelager umringten und
-weinten. Diese Vorstellung war im Stande,
-ihn im Sterben aufzuheitern &mdash; und warum
-auch nicht? &mdash; Jetzt, da selbst die heilige
-Moral nicht mehr im Klosteranzuge ihr Gl&uuml;ck
-machen kann und will, vielmehr fr&ouml;hlich und
-guter Dinge einhertritt, und die Becher, welche
-sie mit ihrem herzerfreuenden Wein anf&uuml;llet,
-zu bekr&auml;nzen gebeut; jetzt, da sogar jede widerliche
-Au&szlig;enseite des Menschen eher seines
-Herzens H&auml;rtigkeit als dessen Reinheit zu verrathen
-scheint: jetzt ist Fr&ouml;hlichkeit ein lebensartiges
-Ingredienz geworden, und Lachen
-und Weinen leben in einer so gl&uuml;cklichen
-Ehe, da&szlig; jene philosophischen Gaukler, von
- <span class="pagenum"><a id="Seite_4">[S. 4]</a></span>
-denen der eine nicht aus dem Lachen und
-der andere nicht aus dem Weinen kommen
-konnte, schwerlich Professuren auf unsern
-Akademieen erhalten w&uuml;rden. Kinder, die der
-Natur am n&auml;chsten sind, lachen und weinen
-&uuml;ber eine und dieselbe Sache, und eine liebensw&uuml;rdige
-Braut rei&szlig;t sich weinend aus den
-Armen ihrer verwaiseten Mutter, um in eben
-dem Augenblicke sich lachend in die Arme
-ihres Vielgeliebten zu st&uuml;rzen. &mdash; Unser Leben
-ist Ebbe und Fluth, immerw&auml;hrender
-Wechsel von Freude und Leid; und sollten
-nicht alle Gegenst&auml;nde des gemeinen Lebens
-Spuren und Eindr&uuml;cke von der <i>comédie larmoyante</i>
-des <i>verw&uuml;nschten Schlosses von Planeten</i>
-zeigen, auf dem uns eine Menschen-Rolle
-angewiesen ist? &mdash; die schwerste vielleicht
-in Gottes weitem und breitem Weltall!
-&mdash; vielleicht auch die leichteste, je nachdem
-sie gespielt wird. &mdash; Aller unverge&szlig;lichen
-Bem&uuml;hungen so mancher <i>edlen Ritter</i> ungeachtet,
-welche die Menschheit und durch sie <i>die
-Erde entzaubern</i> wollten, ist das Abentheuer
-noch nicht bestanden &mdash; O der verdammten
- <span class="pagenum"><a id="Seite_5">[S. 5]</a></span>
-Hexe, der S&uuml;nde, die das <i>Verderben</i> so braver
-<i>Leute</i> ist! &mdash; Wenn wir gleich durch die
-Erinnerung des Todes nicht unseres ganzen
-Lebens Knechte sind; so sind doch die Gedanken
-an den Tod und an Gott <i>die</i>, welche
-uns in jedem Falle zu einem <i>Memento!</i> bringen.
-Wahrlich! es war Philosophie, wenn
-des K&ouml;niges <i>Xerxes</i> Majest&auml;t &uuml;ber sein Heer
-sich freute und traurig ward. &mdash; Jeder Schmerz
-hat seine Wollust; und wie schal ist nicht
-das Vergn&uuml;gen, das nicht durch etwas Bitterkeit
-gew&uuml;rzt wird! Vom Gl&uuml;ck ist dem Weisen
-nur zu tr&auml;umen erlaubt; das Ungl&uuml;ck, als
-das gew&ouml;hnliche Loos der Menschheit, mit
-Fassung zu ertragen, bleibt ihm unabl&auml;&szlig;liche
-Pflicht: und es giebt in der That &uuml;berall eine
-Mittelstra&szlig;e, eine gem&auml;&szlig;igte Fr&ouml;hlichkeit und
-ein L&auml;cheln, das bei warmen Thr&auml;nen im Auge
-Statt finden kann. Alle vier und zwanzig Stunden
-giebt es Nacht und Tag, ein Licht, das
-den Tag regiert, und eins, das die Nacht regiert.
-&mdash; Noch n&auml;her kann ich dieses Exordium
-legen, wenn ich bemerke, da&szlig; das
-sch&ouml;ne Geschlecht, der Natur getreu, die gute
- <span class="pagenum"><a id="Seite_6">[S. 6]</a></span>
-und vollkommene Gabe von oben herab besitzt,
-alle seine Bitterkeiten, deren es sich zu
-seinen Wehr und Waffen zu bedienen pflegt,
-so zu bezuckern, und ihren Ernst, vermittelst
-eines ihn lindernden L&auml;chelns, so zu erm&auml;&szlig;igen,
-da&szlig; ich keinen Augenblick Bedenkzeit
-nehmen darf, diesem liebensw&uuml;rdigen Beispiele
-zu huldigen und mich der beiden Gesichter
-des <i>Janus</i> mit patriotischer Freiheit zu
-erinnern. Auch scheint die Last, welche das
-sch&ouml;ne Geschlecht tr&auml;gt, einem und bei weitem
-dem gr&ouml;&szlig;eren Theile desselben so sanft
-und sein Joch so leicht zu seyn, da&szlig; es vielleicht
-im Diensthause Egyptens und bei den
-Fleischt&ouml;pfen eines gem&auml;chlichen wirklichen
-Alltags-Lebens zu verbleiben w&uuml;nschen wird,
-ohne die beschwerliche Reise nach Kanaan,
-wo Milch und Honig der Natur flie&szlig;t, antreten
-zu wollen. Selbst Damen von Bedeutung
-scheinen oft nicht zu wissen, da&szlig; sie in ihrem
-Prunk von Purpur und k&ouml;stlicher Leinwand
-Leid tragen, und da&szlig; ihr Leben in
-Herrlichkeit und Freude eine <i>Leibes-</i> und <i>Lebens</i>strafe
-ist, die man ihnen im heimlichen
- <span class="pagenum"><a id="Seite_7">[S. 7]</a></span>
-Gericht zuerkannt hat. &mdash; Wo viel Glanz ist,
-da ist wenig Geschmack &mdash; so wie gemeiniglich
-Bigotterie und Sittenlosigkeit <i>getreue Nachbarn
-und desgleichen</i> zu seyn pflegen. Wahrlich!
-es ist der h&ouml;chste Gipfel der Krankheit, wenn
-Patienten Fieberhitze f&uuml;r bl&uuml;hende Gesundheit
-halten und jede Arznei von der Hand weisen;
-und so &uuml;bersteigt es auch den gew&ouml;hnlichen
-Grad des menschlichen Verderbens, wenn
-Sklaven auf alle Rechte Verzicht thun und
-ihre Verfassung auf das gute Gl&uuml;ck der Denkungsart
-ihrer Gebieter gr&uuml;nden. &mdash; Und wer
-ist Schuld an diesem Gerichte der Verstockung?
-das andere Geschlecht? wird man diesen Stab
-brechen, da selbst der Naturverk&uuml;ndiger <i>Rousseau</i>,
-der alle Welt, und besonders die sch&ouml;nere
-H&auml;lfte derselben, zur Natur bekehren
-wollte, trotz dieser <i>gewaltigen Predigt von
-Bu&szlig;e und Glauben</i> am liebsten mit <i>vornehmen
-Damen</i> umging? Wie konnte seine Eitelkeit
-sich g&uuml;tlich thun, wenn Standespersonen
-ihn hervorzogen, ob er gleich &uuml;ber das
-Verderben der h&ouml;heren St&auml;nde bei aller Gelegenheit
-au&szlig;er Athem kam! &mdash; &mdash; Doch ich
- <span class="pagenum"><a id="Seite_8">[S. 8]</a></span>
-will dem zweiten Theile dieses Kapitels nicht
-vorgreifen. Mag sich meine Schrift in die
-Zeit schicken, und von allen Seiten ihr Heil
-versuchen &mdash;! Mit der Anrufung der heiligen
-Zahl der drei mal drei Schwestern soll sie
-sich nicht br&uuml;sten, da ein dergleichen <i>Oremus</i>
-blo&szlig; poëtischen Arbeiten die Bahn zu brechen
-gewohnt ist; aber um alles in der Welt
-w&uuml;nschte ich nicht, da&szlig; ihr die Ehre erwiesen
-w&uuml;rde, die Bibliothek der erlauchten Republik
-des <i>Plato</i> zu zieren. &mdash; Zur Sache.</p>
-
-<p>Als <i>Ludwig den Vierzehnten</i> wegen der
-neuen Lasten, die er seinem schon gedr&uuml;ckten
-Volke zugedacht hatte, wirklich eine Art von
-Gewissens-Schauer anwandelte, fand er in
-dem leidigen Troste seines Beichtvaters <i>Tellier</i>,
-&raquo;<i>da&szlig; das Verm&ouml;gen seiner Unterthanen
-sein Eigenthum sei</i>,&laquo; ein so sanftes K&uuml;ssen
-f&uuml;r dieses aufgewachte Gewissen, da&szlig; er sich
-kein Bedenken gemacht haben w&uuml;rde, die Auflage,
-die ihn beunruhiget hatte, aus dem Stegreife
-zu verdoppeln; und ohne Zweifel ist dieser
-K&ouml;hlerglaube der Grund zu jener Behauptung:
-<i>ich bin der Staat</i>.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_9">[S. 9]</a></span></p>
-
-<p>Die Gewohnheit wird so leicht zur andern
-Natur, da&szlig; die Franzosen, welche die Plackereien
-eines <i>Terray</i>, und die H&auml;rte eines <i>Meaupou</i>
-ertrugen, sich hinreichend gl&uuml;cklich sch&auml;tzten,
-wenn nur ein kleiner, vielleicht der unw&uuml;rdigste,
-Theil die durch die Zehnten der
-Wittwen und die Sparpfennige der Elenden
-gef&uuml;llten Freudenbecher des Staats in unm&auml;&szlig;igen
-Z&uuml;gen leeren konnte, w&auml;hrend der andere
-gr&ouml;&szlig;ere und arbeitende Theil, unter dem
-Joche der Willk&uuml;hr der Despotie und der D&uuml;rftigkeit
-schmachtend, doch noch immer das
-Gl&uuml;ck hatte, so gut es sich thun lie&szlig;', zu
-springen und zu singen, zu h&uuml;pfen und zu
-pfeifen. &mdash; Bei einem so leichten, &uuml;ber Alles
-sich wegsetzenden und mit einem <i>Chanson</i> sich
-aus aller Noth helfenden V&ouml;lkchen, war diese
-Zuchtruthe, theils mit Peitschen, theils mit Skorpionen,
-um so weniger f&uuml;hlbar, da es an den
-Gallatagen und Staatsfesten der Ausgezeichneten
-unter ihm, durch ein Freibillet vermittelst
-der Augen Theil nahm &mdash; und dieses V&ouml;lkchen
-lernte es je l&auml;nger je mehr ertragen, da&szlig; jene
-den <i>Freudenkelch</i> f&uuml;r sich allein behielten und
- <span class="pagenum"><a id="Seite_10">[S. 10]</a></span>
-es <i>f&uuml;r sie alle</i> thaten. Die Brocken, die etwa
-dem K&uuml;nstler und der Putzmacherin von den
-Tischen dieser <i>reichen M&auml;nner</i> fielen &mdash; waren
-ihnen eine Segenserndte, und die Hunde
-der Gro&szlig;en leckten ihnen ihre Schw&auml;ren &mdash;
-Dies Jammer und Elend ist kommen zu einem
-seligen End, und Laternenpf&auml;hle scheinen &uuml;ber
-Frankreich das Licht der Natur und einer
-Gleichheit aller Menschen so stark verbreitet
-zu haben, da&szlig; man vor lauter Licht das Licht
-zuweilen nicht zu erblicken scheint. Es giebt
-Menschen, die den Wald nicht vor den B&auml;umen
-sehen, und gar zu hell macht dunkel: auch giebt
-es moralische Blendlinge, die das Gl&uuml;ck oder
-Ungl&uuml;ck haben, da etwas flittern zu sehen, wo
-das gesunde Auge des Verstandes nichts wahrnimmt.
-Wie w&auml;r' es, wenn ich ohne Feldgeschrei
-und Sturmglocke, wie weiland <i>Diogenes</i>,
-laternisirte und mit einer Handleuchte in
-der sch&ouml;nen Welt, wo so viel &Uuml;berfluss von tausend
-und abermal tausend Dingen f&uuml;r Geld
-oder f&uuml;r gute Worte zu haben ist &mdash; Menschen
-suchte? &mdash; Ob ich finden w&uuml;rde? &mdash;
-Einige Aufl&ouml;sungen sind mit Brausen verbunden;
- <span class="pagenum"><a id="Seite_11">[S. 11]</a></span>
-bei einigen entstehet eine Hitze, bei einigen
-eine K&auml;lte. &mdash; Da&szlig; Ew. Excellenz sich
-nur ja nicht ereifern, vielmehr Hochdero Galle
-f&uuml;r Ihren ungetreuen Liebhaber <i>Num.</i> 30. besparen!
-&mdash; Eine Schwalbe macht keinen Sommer,
-und meine Laterne ist mit einem Hauch
-Ihres Eifers ausgeblasen. Wollten Ew. Excellenz
-in aller Zucht und Ehrbarkeit Sich in einen
-wohlgemeinten Wortwechsel mit mir einzulassen
-geruhen; Sie w&uuml;rden, wie ich nach
-der Liebe hoffe, Sich eines andern besinnen,
-und vielleicht &uuml;berzeugt werden, da&szlig; ich weniger
-Vorw&uuml;rfe verdiene, als alle Ihre Liebhaber
-bis auf den <i>sub Num.</i> 30., der es freilich
-au&szlig;er der Weise macht, woran inde&szlig; ich
-und meine Schrift auch nicht auf die entferntste
-Weise Schuld sind &mdash; Bin ich gleich
-kein galanter, so bin ich doch ein treuer Verehrer
-eines Geschlechtes, unter welchem Sie
-und viele andere Ihres Gleichen so unrichtig
-<i>Excellenz</i> hei&szlig;en, wogegen andere trefliche
-Weiber, welche diesen Ehrennamen zehnfach
-verdienen, aus Hof-Etiquette nicht so genannt
-werden.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_12">[S. 12]</a></span></p>
-
-<p><i>Keinem anderen als einem Deutschen konnte
-wohl ein solches Buch einfallen!</i></p>
-
-<p>Auch unter den Franzosen gab es Sonderlinge,
-die, wenn sie gleich freilich nicht mit
-der Th&uuml;r ins Haus fielen, und an keine b&uuml;rgerliche
-Verbesserung des sch&ouml;nen Geschlechtes
-dachten, ihm doch ein anderes Verh&auml;ltni&szlig;
-anwiesen. Ich habe geglaubt, man m&uuml;sse
-dem &Uuml;bel die Wurzel nehmen und den Staat
-nicht aus dem Spiele lassen.</p>
-
-<p><i>Frankreich, wo jetzt alles gleich ist, lie&szlig;
-unser Geschlecht unangetastet.</i></p>
-
-<p>Unverzeihlich! wie konnte ein Volk, das
-(wie weiland <i>Voltaire par et pour</i> die Kom&ouml;dianten
-lebte) <i>par et pour</i> das sch&ouml;ne Geschlecht
-existirt, bei der weltgepriesenen allgemeinen
-Gleichheit ein Geschlecht vernachl&auml;ssigen,
-das eine K&ouml;nigin hat, derengleichen es
-gewi&szlig; wenige in der Welt gab. &mdash;</p>
-
-<p>Wenn ich nur selbst w&uuml;&szlig;te, wie ich mich
-hier ins Mittel legen k&ouml;nnte, um aus diesem
-<i>excellenten</i> Handel mit Ehren herauszukommen!
-&mdash; Wohlan! ich will den gegenw&auml;rtigen
-Weltlauf der Damen copiren, die in Einem
- <span class="pagenum"><a id="Seite_13">[S. 13]</a></span>
-Athem trotzen und bitten, fluchen und
-segnen &mdash; &mdash;</p>
-
-<p>Vielleicht war das menschliche Geschlecht
-blo&szlig; darum so vielem Wechsel von Licht und
-Finsterni&szlig;, von Veredlung und Herabw&uuml;rdigung,
-von Paradies und Fall ausgesetzt, weil
-man die Rechnung ohne die sch&ouml;ne Welt
-machte. Es ebbte und fluthete, je nachdem
-man von dieser andern H&auml;lfte Notiz nahm und
-je nachdem man sie als etwas Wesentliches
-in der Menschheit oder als etwas Beil&auml;ufiges
-ansah, das schon die Ehre haben w&uuml;rde, der
-Principalsache zu folgen. Man sah das sch&ouml;ne
-Geschlecht, wie den Reim, kaum f&uuml;r etwas
-mehr, als f&uuml;r eine Kr&uuml;cke an, wodurch sich
-der Gedanke forthilft; und bei Messiaden und
-andern Werken der Dichtkunst, wo man ohne
-Kr&uuml;cken ging &mdash; mu&szlig;te das andere Geschlecht
-sich gefallen lassen, zu kurz zu kommen. Jener
-R&ouml;mische Rechtsspruch: Mit dem Rechtsma&szlig;,
-mit dem man Andere mi&szlig;t, mu&szlig; man
-sich selbst messen; schien hier v&ouml;llig seine
-Kraft verloren zu haben, wenn er gleich zu
-jenen ins Herz geschriebenen geh&ouml;rt, die zu
- <span class="pagenum"><a id="Seite_14">[S. 14]</a></span>
-&uuml;bertreten eine S&uuml;nde wider den heiligen
-Geist ist. &mdash; Wie ist ein Stoff zu organisiren,
-wenn es nicht auf die Vereinfachung des Vielfachen
-angelegt wird? Wie ist dem menschlichen
-Geschlechte zu rathen und zu helfen,
-wenn man so entsetzlich einseitig verf&auml;hrt?
-Der Himmel der alten Welt hatte seine G&ouml;ttinnen
-so gut wie seine G&ouml;tter; nur unter den
-Menschen soll es keine anderen G&ouml;tter geben
-neben den M&auml;nnern von Gottes Gnaden!
-&mdash; Ist es ein Seelenfest, wenn entfernte, einander
-v&ouml;llig fremd gewordene Gegenst&auml;nde in der
-Geisterwelt sich zusammen finden; wenn sich
-oft das Allerverschiedenste in einem Ber&uuml;hrungspunkte
-des Denkens trifft, wo seine urspr&uuml;ngliche
-Verwandtschaft wieder einleuchtend
-wird; wenn sich dergleichen von einander
-abgekommene Gegenst&auml;nde H&auml;nde und
-Trauringe geben und eine Himmelsstimme sich
-h&ouml;ren l&auml;&szlig;t: was Gott zusammen f&uuml;gt, soll der
-Mensch nicht scheiden; ist es unaussprechliche
-Wonne, wenn Freunde nach langen See- und
-Landreisen sich wieder an Stell' und Ort umarmen
-und sich an die paradiesischen Jahre
- <span class="pagenum"><a id="Seite_15">[S. 15]</a></span>
-ihrer Jugend erinnern, wo sie Ein Herz und
-Eine Seele waren: wie weit herrlicher wird
-es seyn, wenn das andere Geschlecht sich
-wieder zu dem unsrigen verh&auml;lt, wie <i>Eva</i> zu
-<i>Adam</i>, und nicht wie Ew. Excellenz zu <i>Num.</i>
-30! &mdash; La&szlig;t uns dies Werk der Zeit &uuml;berlassen,
-die bisweilen aus unbegreiflicher G&uuml;te
-Combinationen zusammen bringt, auf welche,
-nach dem gew&ouml;hnlichen Laufe der Dinge, weder
-zu rechnen, noch Jagd zu machen war &mdash;
-La&szlig;t uns auf den Zeitpunkt uns freuen, wo
-der Tag der Erl&ouml;sung f&uuml;r das sch&ouml;ne Geschlecht
-anbrechen wird, wenn man Menschen,
-die zu gleichen Rechten berufen sind,
-nicht mehr in der Aus&uuml;bung derselben behindert
-&mdash; und wenn man das, was so augenscheinlich
-gleich ist, nicht so willk&uuml;hrlich
-unterscheidet. &mdash; Ich w&uuml;rd' ein Frauenknecht
-in bester Form seyn, wenn ich behaupten
-wollte, da&szlig; diese goldene Zeit vom Himmel
-fallen werde. Verdienst und W&uuml;rdigkeit sind
-die Bedingungen menschlicher Gl&uuml;ckseligkeit,
-und der Mensch, sein eigener Bildner, kann
-aus dem Marmorw&uuml;rfel, den die Natur ihm
- <span class="pagenum"><a id="Seite_16">[S. 16]</a></span>
-zuwarf, einen Gott und ein Thier machen &mdash;
-nach Belieben. Blo&szlig; auf die Behauptung
-schr&auml;nk' ich mich ein, da&szlig; der Stoff, woraus
-eine <i>Venus</i> ward, sich eben so gut zu einem
-<i>Merkur</i> verarbeiten l&auml;&szlig;t; da&szlig; den Weibern
-das <i>Recht der Gerade</i> geb&uuml;hrt; und da&szlig;, wenn
-die Natur das menschliche Geschlecht zu
-schaffen <i>anfing</i>, sie den gr&ouml;&szlig;eren Theil uns
-selbst &uuml;berlie&szlig;, um die Ehre der Sch&ouml;pfung
-mit uns zu theilen. Th&auml;tigkeit ist die W&uuml;rze
-des Genusses, und Genu&szlig; die W&uuml;rze der
-Th&auml;tigkeit. &mdash; Es ist dem Menschen angeboren,
-sagt <i>Cicero</i> (mit andern Worten), da&szlig;,
-wenn er sich Gott denkt, die menschliche Natur
-vor ihm schwebt. &mdash; Man definire den
-Menschen, wie weiland der g&ouml;ttliche <i>Plato</i>,
-als <i>ein zweif&uuml;&szlig;iges Thier ohne Federn</i>, oder
-als ein <i>Gesch&ouml;pf</i>, das sich wie ein Tanzmeister
-<i>gerade</i> h&auml;lt, als Gott, als Thier: nirgends
-sind Weiber ausgeschlossen; nur m&uuml;ssen sie
-auch nicht sich selbst ausschlie&szlig;en &mdash; und
-wollen und werden sie das? <i>Wesley</i>, der Stifter
-des Methodismus, hatte die Maxime, da&szlig; es
-ohne Fasten und Fr&uuml;haufstehen unm&ouml;glich sei,
- <span class="pagenum"><a id="Seite_17">[S. 17]</a></span>
-in der Gnade zu wachsen &mdash; Was gilt das beste
-Recht, wenn man sich desselben unw&uuml;rdig
-macht! Das fr&auml;uliche Geschlecht soll in der
-Gerechtigkeit, und nicht in der Gnade, wachsen;
-inde&szlig; kann ich ihm kein anderes als dies
-Methodisten-Recept verschreiben: <i>Wachsamkeit
-und Enthaltsamkeit</i> &mdash; Welch ein F&uuml;rst, und
-w&auml;r' es der reichste und m&auml;chtigste, ist gl&uuml;cklich
-ohne pers&ouml;nliches Verdienst &mdash;? <i>Thomas
-Payne</i>, der den Vorwurf, ein F&uuml;rstenfeind zu
-seyn, h&ouml;chlich von sich ablehnt, und protestirend
-versichert, da&szlig; Niemand treuer als Er
-w&uuml;nschen k&ouml;nne, die regierenden Herren zu
-der gl&uuml;cklichen Lage der Privatm&auml;nner zu erheben,
-bedachte nicht, da&szlig; jeder F&uuml;rst nicht
-nur ein politisches, sondern auch ein Privatleben
-f&uuml;hrt &mdash; da&szlig; F&uuml;rsten mehr pers&ouml;nliche
-Verdienste zeigen m&uuml;ssen, als andere, wenn
-sie geliebt und bewundert werden wollen, und
-da&szlig; sie F&uuml;rsten bleiben und doch sich pers&ouml;nlich
-auszeichnen k&ouml;nnen. Das ist, mit Ewr.
-Excellenz gn&auml;diger Erlaubni&szlig;, der Fall mit
-Ihrem Geschlechte. &mdash; <i>Quand le bon ton
-paroît, le bon sens se retire.</i> &mdash; &mdash;</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_18">[S. 18]</a></span></p>
-
-<p>Eine <i>Gardefou</i>, eine Warnungstafel, den
-Bl&ouml;den zum Besten: da&szlig; ich hier mit keiner
-wirklichen Excellenz wirklich colloquirt habe;
-denn au&szlig;erdem, da&szlig; ich alsdann gewi&szlig; weniger
-zum Wort gekommen w&auml;re, w&uuml;rd' ich
-auch meine wenigeren Worte unschwer zu
-verzuckern nicht ermangelt haben. &mdash; Wenn
-der K&uuml;nstler auf blo&szlig;e Portraite eingeschr&auml;nkt
-ist und keine Ideale mehr wagen darf, so
-agonisirt seine Kunst, und auch sein Genie
-liegt in den letzten Z&uuml;gen; doch mu&szlig; man
-in seinen Idealen eine auserlesene Sammlung
-von Portraiten finden, falls sie den Namen
-Ideale verdienen sollen. In einer <i>Venus</i> lag
-ein Extrakt von f&uuml;nfhundert sch&ouml;nen M&auml;dchen
-&mdash; Meine Excellenz ist in der Ideenwelt; sie
-wird inde&szlig; hoffentlich kenntlich genug geblieben
-seyn, und man kann ihren Widerschein
-gewi&szlig; mehr als f&uuml;nfhundert mal finden. Die
-eigentliche Absicht war, vermittelst dieses magischen
-Spiegels mein M&uuml;thlein an der gef&auml;lligen
-Ungerechtigkeit zu k&uuml;hlen, die unser
-Geschlecht dem sch&ouml;nen beweiset &mdash; ohne
-da&szlig; das letztere es dazu anlegen will, sich
- <span class="pagenum"><a id="Seite_19">[S. 19]</a></span>
-von seinen K&ouml;nigen zu befreien, wie weiland
-<i>Rom</i>, nachdem <i>der stolze Tarquin</i> wegen seiner
-Tyrannei vom Throne gesto&szlig;en und diese
-Handlung mit dem Grundgesetze bezeichnet
-ward: die k&ouml;nigliche Regierung auf immer
-und ewig abzustellen. Sehr viel mehr als ein
-<i>Balken-K&ouml;nigreich</i>, das man aus einer alten
-Fabel kennt, war und ist unsere Herrschaft
-doch nicht &mdash; und es giebt ein moralisches
-Nestelkn&uuml;pfen, kraft dessen (zum wahren
-Gl&uuml;ck des Ganzen) nur wenige M&auml;nner zur
-eigentlichen Herrschaft gelangen. &mdash; Damit
-ich inde&szlig; dieses erste Kapitel, welches einer
-Parlements- oder gar National-Versammlungs-Rede
-nicht un&auml;hnlich ist, einlenke, so glaub'
-ich, dem Buche <i>&uuml;ber die Ehe</i>, diesem belobten
-und betadelten Ehe-Katechismus, mit dem
-ich es weder halten noch verderben mag,
-nicht zu nahe zu treten, wenn ich zur Zerst&ouml;rung
-der galanten <i>Bastillen</i>, der h&auml;uslichen
-Zwinger und b&uuml;rgerlichen Verlie&szlig;e, worin
-sich das sch&ouml;ne Geschlecht befindet, mit einem
-einzigen Operations-Plan Markt halte,
-und <i>die b&uuml;rgerliche Verbesserung der Weiber
- <span class="pagenum"><a id="Seite_20">[S. 20]</a></span>
-als ein diensames Mittel diesen Zweck zu beschleichen</i>,
-empfehle, anbei aber glaubensvoll
-versichere, da&szlig; dieser weniger im Schwei&szlig;
-des Angesichts zu erringende, als so zu erhaltende
-<i>Stand im Staate</i>, beiden Hemisph&auml;ren
-des menschlichen Geschlechtes heilsam seyn
-werde, zeitlich und ewiglich. &mdash; Ruhig und
-&uuml;berzeugend gehet die Vernunft, und nur da,
-wo man sie mit ungleichen Waffen unr&uuml;hmlich
-bek&auml;mpfen will, wo das Vorurtheil den
-Handschuh wirft, und Gewalt ihr den Weg
-vertritt, pflegt auch sie ihren eigentlichen
-wohl&uuml;berdachten Plan aufzugeben, und ihm
-einen andern unterzulegen, wodurch nicht das
-Bessere bef&ouml;rdert, sondern Schlechtes mit
-Schlechterem verwechselt wird: etwas Blindes
-mit etwas Lahmen; man ver&auml;ndert, ohne zu
-verbessern. Ein untr&uuml;gliches Merkmahl aller
-Schwachk&ouml;pfe, vom Thron bis auf den letzten
-Officianten-Sessel. &mdash; Es gab, Gottlob! von je
-her Weiber, und es giebt ihrer noch, denen
-ihr Stand der Erniedrigung eine zu starke
-Probe ist; Weiberk&ouml;pfe, die nicht ihre Weiblichkeit,
-sondern die willk&uuml;hrliche Behandlung
- <span class="pagenum"><a id="Seite_21">[S. 21]</a></span>
-derselben von Seiten unseres Geschlechtes beseufzten,
-und die ihrer Erl&ouml;sung entgegen sahen
-&mdash; meine Schrift soll ihnen keine Heerf&uuml;hrerdienste
-leisten. &mdash; Man kann durch
-Lehren lernen, und durch Gehorchen sich
-im Befehlen unterrichten. Ich leg' es so wenig
-darauf an, das andere Geschlecht Knall
-und Fall von seiner Sklaverei zu befreien,
-da&szlig; ich mich vielmehr begn&uuml;ge es aufzumuntern,
-diese Erl&ouml;sung zu verdienen. Des <i>Himmels
-w&uuml;rdig werden</i>, hei&szlig;t nicht viel weniger,
-als <i>ein activer Himmelsb&uuml;rger seyn</i>. &mdash; &mdash;
-Findet auch selbst diese bescheidene Absicht
-steinichte &Auml;cker und steinerne Herzen &mdash; immerhin!
-&mdash; es ist ja nichts weiter als ein
-Buch, das ich verbreche; wahrlich eine Kleinigkeit.
-Wirkte je eins? auf frischer That?
-an Stell' und Ort? u. s. w. Erfahrungen, Empfindungen
-solcher positiven &Uuml;bel, welche der
-menschlichen Natur widersprechen, wirken;
-und wenn gleich die Mehrheit der H&auml;nde vielf&auml;ltig
-entschieden hat, und noch entscheiden
-kann, so gilt doch dieser <i>Vorzug</i> der <i>Th&auml;ter</i>
-nicht von der Pluralit&auml;t der <i>Leser</i>, die sich zu
- <span class="pagenum"><a id="Seite_22">[S. 22]</a></span>
-Denkern etwa wie Eins zu Hundert verhalten.
-Und du lieber Gott! selbst die Denker! sind
-sie nicht eine so unsichtbare Kirche, da&szlig; nur
-der Herr die Seinen kennet? Wahrlich! es
-hat auf die Wirkung keinen Einflu&szlig;, ob ein
-Buch zehn, f&uuml;nf oder nur Eine Auflage erlebt;
-und der Autor, der nach der Anzahl der verkauften
-Exemplare ein angeworbenes Heer mit
-ihm gleich denkender Menschen, die vermittelst
-seines Buches Handgeld genommen, berechnen
-will, scheint weder B&uuml;cher noch
-Menschen zu kennen &mdash; man mu&szlig; ihn in
-die Schule schicken. Einer jeden Schrift, sie
-sey we&szlig; Standes oder Ehren sie wolle, stehet
-das gew&ouml;hnliche Schicksal aller Schriften bevor:
-gelesen und vergessen zu werden; falls
-sie sich blo&szlig; auf Meinungen einschr&auml;nkt (die
-unsch&auml;dlichsten, unwirksamsten Dinge in der
-Welt, wenn anders der Censor ihnen nicht
-einen Schein von Bedeutung beizulegen die
-ung&uuml;tige G&uuml;te hat.) &mdash; Gelingt es mir inde&szlig;,
-Leben und Erfahrung in mein B&uuml;chlein zu
-legen und einen Geist in die todten Buchstaben
-zu hauchen; so werd' ich wenigstens auf
- <span class="pagenum"><a id="Seite_23">[S. 23]</a></span>
-einen Theil der Ehre rechnen k&ouml;nnen, welche
-sich der m&uuml;ndliche Vortrag gegen den schriftlichen
-herausnimmt, indem es von ihm hei&szlig;t:
-der Glaube kommt durch die Predigt. &mdash;</p>
-
-<p>Bei solchen Umst&auml;nden ist mein Zweck
-freilich eine Reise um die Welt, ohne da&szlig;
-ich mein Zimmer verlasse. Ob dies gerade
-die gem&auml;chlichste Art zu reisen sei, mag unentschieden
-bleiben; die unfruchtbarste ist sie
-wenigstens nicht. <i>Newton</i> ma&szlig; in seinem
-Lehnsessel die Erde, und bestimmte, ohne den
-<i>Chimborasso</i> bestiegen und in <i>Tornea</i> gefroren
-zu haben, ihre Figur, Jahre lang fr&uuml;her,
-als die Herren <i>Condamine</i> und <i>Maupertuis</i>;
-auch bin ich nicht der Erste, der so reiset. &mdash;</p>
-
-<p class="pmb3">Wie, wenn ich die gegenw&auml;rtige passive
-Existenz des sch&ouml;nen Geschlechtes in ihrer
-wahren Bl&ouml;&szlig;e zu zeigen gl&uuml;cklich genug w&auml;re,
-um den Vorzug verd&auml;chtig zu machen, im
-Nichtthun stark zu seyn! wenn ich einem genu&szlig;gierigen
-Volke, das f&uuml;r den sinnlichen
-Luxus oft selbst den moralischen verschwendet,
-indem es f&uuml;r die Nothwendigkeit knickert,
-&ouml;konomischere Grunds&auml;tze beibr&auml;chte, und es
- <span class="pagenum"><a id="Seite_24">[S. 24]</a></span>
-bewegen k&ouml;nnte, &uuml;ber Leib und Seele <i>Credit</i>
-und <i>Debet</i> zu verzeichnen und Buch zu halten!
-wenn meine wohlgemeinten Vorstellungen
-bewirkten, da&szlig; die Weiber nicht in dem
-Grade m&auml;nnlich w&uuml;rden, wie die M&auml;nner
-weiblich, sondern da&szlig; Mann und Weib sich
-M&uuml;he g&auml;ben, wirklich Mann und Weib zu
-seyn, da jetzt, aus verj&auml;hrter Unordnung, in
-Hinsicht der Geschlechter Niemand recht
-wei&szlig;, wer Koch oder Kellner ist! wenn ich,
-frei von jeder Explosion, blo&szlig; jenes Ziel n&auml;her
-br&auml;chte, welches die Natur in eigner hoher
-Person angewiesen hat! wenn mich das
-gew&ouml;hnliche Schicksal der Reformatoren nicht
-tr&auml;fe, die Alles au&szlig;er der Jahreszeit hervorbringen
-wollen, denen es an Geist und Nachdruck
-gebricht, den Zeitpunkt schneller herbei
-zu f&uuml;hren, und die, was noch &auml;rger ist, sich
-auf die Pulsschl&auml;ge der Zeit so wenig verstehen,
-da&szlig; sie gemeiniglich <i>zu fr&uuml;h</i>, und,
-wenn das Gl&uuml;ck gut ist, <i>zu sp&auml;t</i> zu kommen
-die Ehre haben! &mdash; Des hoffnungstrunkenen
-Schriftstellers! Man hat in unserer Zeit so
-sehr die b&uuml;rgerliche Verbesserung der Juden
- <span class="pagenum"><a id="Seite_25">[S. 25]</a></span>
-empfohlen; sollte ein <i>wirkliches Volk Gottes</i>
-(das andere Geschlecht) weniger diese Sorgfalt
-verdienen, als das <i>so genannte</i>? &mdash; Liegt der
-Same der Erbs&uuml;nde nicht in den M&uuml;ttern?
-und lagen die Verhinderungen einer moralischen
-Verbesserung des menschlichen Geschlechtes
-&mdash; welche Verbesserung die besten
-Menschen in der Welt, und unter diesen
-<span class="smcap">Friedrich der Zweite</span>, anf&auml;nglich so th&auml;tig
-bezweckten, nachher aber betr&uuml;bt aufgaben
-&mdash; nicht vorz&uuml;glich darin, da&szlig; man das
-<i>sch&ouml;ne</i> Geschlecht in seinen Ruinen lie&szlig; und
-diesen Tempel blo&szlig; aus <i>unserm</i> Geschlecht
-errichten wollte? Ist es nicht unverzeihlich,
-die H&auml;lfte der menschlichen Kr&auml;fte ungekannt,
-ungesch&auml;tzt und ungebraucht schlummern zu
-lassen &mdash;? Gesellschaft setzt unter den Verbundenen
-eine Gleichheit voraus, wozu es der
-Urheber der Menschen auch angelegt hat, der
-die Menschen aufrichtig machte; nur leider!
-suchen sie viele K&uuml;nste. In allen Gesellschaften,
-woran Weiber Theil nehmen, verbreitet
-sich Anstand; und sollte dies nicht auch der
-Fall beim Staate seyn, in dessen Gesch&auml;fte
- <span class="pagenum"><a id="Seite_26">[S. 26]</a></span>
-ein andres Licht und Leben kommen w&uuml;rde,
-wenn Weiber den Zutritt h&auml;tten, in ihnen ihr
-Licht leuchten zu lassen und ihnen einen anderen
-Schwung beizulegen? &mdash; Wir haben f&uuml;r
-unsere Gesellschaften noch keine Pflichtvorschriften;
-und doch f&uuml;hrt man sich hier ohne
-Gesetzbuch so exemplarisch, da&szlig; oft Ungezogene,
-die der Staat aufgab, mit augenscheinlichem
-Vortheile in diese Schule gingen, und
-aus ihr als gebesserte Menschen zur Universit&auml;t
-des Staates gebracht wurden. &mdash; Ich getraue
-mir (den Gegenbeweis unverschnitten)
-au&szlig;er Zweifel zu setzen, da&szlig; in allen weiblichen
-Regierungen gewisse feine Z&uuml;ge des
-Anstandes aufzusp&uuml;ren seyn w&uuml;rden, welche
-bei einem gro&szlig;en Theile der Menschen mehr
-bewirken, als ein wohlbestallter Codex voll
-kunstgerechter Straffl&uuml;che. Dieser s&uuml;&szlig;e Geruch
-der Empfehlung, dieses Gew&uuml;rz des
-Wohlgefallens &mdash; wie liebensw&uuml;rdig! Die Gesetzgebung
-der <span class="smcap">Grossen Katharina der
-II.</span> hat davon laute Spuren. &mdash; Schon die
-Gegenwart der Frau vom Hause, die doch das
-Hausrecht gewi&szlig; nicht in aller Strenge handhaben
- <span class="pagenum"><a id="Seite_27">[S. 27]</a></span>
-kann, macht den M&auml;nnern die Sprache
-der Bescheidenheit nothwendig &mdash; und will
-man einwenden, da&szlig; die Ohren alsdann gerade
-nur so viel keuscher geworden w&auml;ren,
-als das Herz unkeusch; so vergi&szlig;t man, da&szlig;
-ein gewisser Schein, eine gewisse Heuchelei,
-die man <i>Lebensart</i> nennt, unter den Menschen
-so nothwendig ist, da&szlig; die Menschen ohne
-diese Lebensart nicht, wie ein Paar <i>Augures</i>
-der alten Zeit, wenn sie einander begegneten,
-oder ein Paar der neuern, wenn sie ein <i>Consilium</i>
-wegen der letzten &Ouml;hlung eines Patienten
-halten, &uuml;ber einander lachen, sondern
-sich verabscheuen w&uuml;rden. &mdash; Die Reinheit
-der Zunge wirkt zur&uuml;ck; und wessen das
-Herz voll ist, geht der Mund &uuml;ber. &mdash;</p>
-
-
-<hr class="chap" />
-<p class="break" />
-
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_28">[S. 28]</a></span></p>
-
-
-<h2 id="II">II.<br />
-
-<span class="smcap">Giebt es ausser dem Unterschiede<br />
-des Geschlechtes noch andere<br />
-zwischen Mann und Weib?</span></h2>
-
- <div class="figcenter">
- <img src="images/tb_001.jpg" alt="Dekoration" />
- </div>
-<p class="pmb1" />
-
-<p>Als nach dem Rathe, den Gott &uuml;ber das
-Sch&ouml;pfungswerk gehalten hatte, dieser Plan ausgef&uuml;hrt
-werden sollte; schuf Er das erste und
-beste Paar von Menschen gleich im m&auml;nnlichen
-und mannbaren Alter, so da&szlig; ihre Hochzeit
-keine Stunde ausgesetzt werden durfte. Sie
-kamen mit den erforderlichen Jahren zur Welt,
-wie regierende Herren ihrem neuen Adel Ahnen
-verehren &mdash; Das <i>M&auml;nnlein Adam</i> hatte zwar
-die Ehre der Erstgeburt; inde&szlig; ward <i>Fr&auml;ulein
-Eva</i> vollkommen dadurch entsch&auml;digt,
-da&szlig; sie aus einer Rippe <i>Adams</i>, dieser dagegen
-nur aus einem Erdenklo&szlig; zur Welt gebracht
-wurde &mdash;! &raquo;<i>Eine Sch&ouml;pfung also aus
-der zweiten Hand?</i>&laquo; Warum nicht gar aus der
- <span class="pagenum"><a id="Seite_29">[S. 29]</a></span>
-dritten &mdash;! Schuf nicht eben die Sch&ouml;pferhand,
-welche <i>Adam</i> geschaffen hatte, auch
-<i>Eva</i>? und gereichet diese Rippen-Hieroglyphe
-nicht in mehr als Einer R&uuml;cksicht zum Vorzuge
-des Weibes? Keins erzog das andere;
-Keinem fiel es ein, sich &uuml;ber das andere
-zu erheben und Vaterrechte zu behaupten. &mdash;
-Elternrecht, das sch&ouml;nste und ehrw&uuml;rdigste,
-das die Menschheit kennt, der Urquell der
-liebensw&uuml;rdigsten Tugenden, hat (wer sollt' es
-denken!) die Ungleichheit unter den Menschen
-erzeugt. Gute Eltern, solch eine ungerathene,
-ausgeartete Tochter! Sind inde&szlig; viele Laster
-nichts anders als ungezogene Tugenden; sind,
-nach dem Ausspruch eines Heiligen, unsere
-Tugenden blo&szlig; sch&ouml;ne S&uuml;nden: so w&uuml;rde
-man ein Verbrechen an der Menschheit begehen,
-wenn man nicht auch dem B&ouml;sen und
-dem Ideal desselben, dem Teufel, Gerechtigkeit
-erweisen wollte. &mdash; Wenn man ja, nach
-der &auml;ltesten Urkunde das menschliche Geschlecht
-betreffend, einem Theile dieses ersten
-Menschenpaares einen Vorzug vor dem andern
-beilegen wollte; so w&uuml;rde <i>Eva</i> den Zankapfel
- <span class="pagenum"><a id="Seite_30">[S. 30]</a></span>
-von jedem <i>Paris</i> erhalten &mdash; &raquo;<i>weil sie sch&ouml;ner
-als Helena war? und weil jeder Paris bei aller
-Sinneseinfalt eine Mannsperson bleibt?</i>&laquo;
-Nein! sondern weil <i>Adam</i> durch sie zum Falle
-gebracht ward, oder (wie diese hohe und tiefe,
-erhabene und sch&ouml;ne Hieroglyphe nicht unrichtig
-gedeutet werden kann) weil er sich
-durch sie zum Gebrauch und zur Anwendung,
-zum Durchbruch der Vernunft hinaufstimmen
-lie&szlig;. Der seligen Stimmung! &mdash; <i>Eva</i> war
-das Pupillen-Amt, welches die Majorennit&auml;ts-Erkl&auml;rung
-&uuml;ber den unm&uuml;ndigen <i>Adam</i> aussprach,
-nachdem er zeither vielleicht unter
-der Vormundschafts-Direktion der braven <i>Eva</i>
-gestanden zu haben scheint, die sich schon
-zuvor in einigen St&uuml;cken manumittirt haben
-mochte &mdash; Sie zerbrach die Ketten des Instinkts,
-der die Vernunft nicht aufkommen
-lie&szlig;, und triumphirte &mdash; <i>Eva</i> sollte <i>die Vernunft</i>,
-ihr zum Andenken, hei&szlig;en. Die erste
-Hauptrevolution konnte, wie jede Revolution,
-nicht ohne Drangsale und Unruhe seyn. Diese
-sind nach der Natur des Menschen so
-nothwendig, da&szlig; ich nichts wei&szlig;, es sey etwas
- <span class="pagenum"><a id="Seite_31">[S. 31]</a></span>
-Theoretisches oder Praktisches, was, wenn
-es sich anders auszeichnet, nicht durch Zerr&uuml;ttung
-und Leidenschaft empfangen und geboren
-w&auml;re &mdash; Nur immerw&auml;hrend kann dieser
-Braus und Saus nicht seyn und bleiben.
-Die Wellen m&uuml;ssen sich legen und die Vernunft
-mu&szlig; endlich obsiegen &mdash; So ging es
-bei der ersten Revolution, und so mu&szlig; es bei
-einer jeden andern gehen, wenn sie anders
-diesen Namen verdienen soll. Diese Lobrede
-auf <i>Eva</i>, welche ihr von wegen der Vernunft-Revolution
-so wohl geb&uuml;hrt, w&uuml;rde vielleicht
-zu einer theologischen, juristischen, medicinischen
-oder philosophischen Disputation,
-oder zu einem Aufsatze f&uuml;r irgend ein zeitverk&uuml;rzendes
-Journal, hinreichende Gelegenheit
-an Hand und Kopf geben, wenn man
-nur w&uuml;&szlig;te, wie man den ungebetenen Gast
-von Assistenzr&auml;thin, die Schlange, aus dem
-Spiel bringen k&ouml;nnte. &mdash; Mit diesem Eheteufel
-ist leider! nichts anzufangen &mdash; Kurz und
-gut, sagt der gl&auml;ubige <i>Thomas Payne</i>, ich bin
-dem ganzen Teufel von Monarchie feind. &mdash;
-Da es aber, mit Herrn <i>Payne's</i> Erlaubni&szlig;,
- <span class="pagenum"><a id="Seite_32">[S. 32]</a></span>
-auch gar h&auml;&szlig;liche Republikteufel geben kann
-und giebt; so ist es am Besten, alle Teufel
-zum Teufel zu jagen. Vielleicht die beste
-Gerechtigkeit, die man ihnen erweisen kann. &mdash;</p>
-
-<p>Die Sch&ouml;pfungsgeschichte erw&auml;hnet, nach
-dem klaren Inhalt derselben, keines andern
-als des Geschlechtsunterschiedes. <i>Lasset uns
-Menschen machen</i> &mdash; <i>und er schuf sie ein
-M&auml;nnlein und ein Fr&auml;ulein</i> &mdash; &mdash; Es ist eine
-weit sp&auml;tere Epoche, wenn es hei&szlig;t: <i>Dein
-Wille soll deinem Manne unterworfen seyn
-und er soll dein Herr seyn!</i> Und denkt man
-sich unter der Geschichte des Falles ein Bild
-von der Befreiung des Menschen von dem paradiesischen
-Joche des Instinkts, und vom Ursprunge
-des gesellschaftlichen Zustandes, zu
-welchem die weise <i>Eva</i> die Gelegenheitsmacherin
-und Heroldin war; so scheinen diese
-prophetischen Worte den traurigen Zustand
-zu verk&uuml;ndigen, den <i>Eva</i> ihrem Geschlechte
-durch diese Heldenthat zuzog. &mdash; Ob inde&szlig;
-die Natur der Sache jene allererste Urkunde
-und ihre Auslegung best&auml;tigen wird? Zu &uuml;bersiebnen
-sind dergleichen alte und wohlbetagte
- <span class="pagenum"><a id="Seite_33">[S. 33]</a></span>
-Dinge nicht; und wozu auch diese gef&auml;hrliche
-Beweisart &mdash;? wozu, da wir Vernunft und
-Erfahrung als <i>Zeugen zum ewigen Ged&auml;chtni&szlig;</i>
-anrufen k&ouml;nnen. Aus dieser zweier Zeugen
-Munde bestehet alle Wahrheit. &mdash;</p>
-
-<p>Die Natur scheint bei Bildung der beiden
-Menschengeschlechter nicht beabsichtiget zu
-haben, weder einen merklichen Unterschied
-unter ihnen festzustellen, noch eins auf Kosten
-des andern zu beg&uuml;nstigen &mdash; Der Geschlechtsunterschied
-kann nicht zur Antwort
-dienen, wenn die Frage ist: ob das m&auml;nnliche
-Geschlecht mit wesentlichen k&ouml;rperlichen und
-geistigen Vorz&uuml;gen vor dem weiblichen ausgestattet
-worden sei? Andere Unterschiede, als die
-welche auf die Geschlechtsbestimmung gehen,
-zu entdecken, hat dem anatomischen Messer
-bis jetzt noch nicht gelingen wollen; und doch
-behauptet dies Instrument bei der goldnen Regel:
-<i>Erkenne dich selbst</i>, einen unleugbaren
-Einflu&szlig;; und &uuml;berhaupt hat das brave Eisen
-dem menschlichen Geschlechte weit mehr
-Dienste geleistet, als das prahlerische Gold &mdash;
-Wer zuerst den Magneten die <i>Eisenbraut</i>
- <span class="pagenum"><a id="Seite_34">[S. 34]</a></span>
-nannte, bewies f&uuml;r Magnet und Eisen eine
-Achtung, die beiden geb&uuml;hrt. &mdash; Was h&auml;tte
-die Natur veranlassen k&ouml;nnen, die Eine H&auml;lfte
-ihres h&ouml;chsten Meisterst&uuml;cks zu begl&uuml;cken und
-zu ehren, die andere dagegen zu verk&uuml;mmern
-und zu vernachl&auml;ssigen, und zwar gerade
-in umgekehrtem Verh&auml;ltnisse? Bei Erreichung
-jenes gro&szlig;en Naturzwecks, wo Menschen das
-g&ouml;ttliche Ebenbild des Sch&ouml;pfers darstellen,
-hat das weibliche Geschlecht einen ungleich
-wesentlicheren Antheil als das m&auml;nnliche, und
-zwar sowohl in Hinsicht der Substanz als der
-Form. Dieser Absicht recht weise vorzuarbeiten,
-sollte die Natur die Weiber haben schw&auml;cher bilden
-oder unvollendet lassen wollen?
-&raquo;Nicht eben schw&auml;cher&laquo;, sagte ein Weiberfeind,
-als er diese Stelle im Manuskripte las,
-&raquo;aber weniger gang und gebe. M&ouml;gen Weiber
-Stahl seyn, die M&auml;nner Eisen &mdash;&laquo;. Nicht
-also; und warum ein Vergleich auf Schrauben,
-da das schnurgerade Recht auf der Weiberseite
-ist! Wir, glaubt man, w&auml;ren Gottlob!
-v&ouml;llig ausgeschaffen; und nun zerbrach der
-Meister die Form von Thon, und das andere
- <span class="pagenum"><a id="Seite_35">[S. 35]</a></span>
-Geschlecht, in der Repr&auml;sentantin <i>Eva</i>, war
-ein Unternehmen auf gutes Gl&uuml;ck, auf den
-Kauf, eher hingeworfen als zu Stande gebracht,
-angefangen und nicht vollendet &mdash;!
-Das Weib, dem das eigentliche Gesch&auml;ft bei
-der Vermenschlichung der g&ouml;ttlichen Sch&ouml;pfung
-anvertrauet ward, sollte die Merkzeichen der
-Ohnmacht und der D&uuml;rftigkeit an sich tragen?
-Die allm&auml;chtige Natur sollte ihre Stellvertreterin
-schwach gelassen haben, um nicht nur
-<i>schwache</i> Personen ihres <i>eigenen</i> Geschlechtes,
-sondern auch <i>starke</i> des <i>unsrigen</i> zur Welt zu
-bringen? Doch scheint es so; und freilich,
-wenn Erfahrung spricht, mu&szlig; Vern&uuml;nftelei
-schweigen, knieen und anbeten &mdash; Der einzige
-Winkelzug, der ihr &uuml;brig bleibt &mdash; Erfahrung!
-und was lehrt sie? Das andere Geschlecht sey
-im Ganzen kleiner, schw&auml;chlicher angelegt,
-besitze weniger k&ouml;rperliche Kr&auml;fte, und sey
-mehrern Krankheiten unterworfen. Bedarf
-es weiteres Zeugnisses, um die Vernunft zu
-der Schlu&szlig;folge zu bequemen: dies w&auml;ren
-Geschlechtsunvollkommenheiten, von welchen
-die Weiber bei der Ordnung der Dinge nicht
- <span class="pagenum"><a id="Seite_36">[S. 36]</a></span>
-entbunden werden konnten? Alles ist gut, was
-nicht anders seyn kann, und im <i>Mu&szlig;</i> liegt eine
-Schatzkammer von Beruhigungsgr&uuml;nden, vermittelst
-deren man bei ein wenig Philosophie
-das: <i>ich Mu&szlig;</i>, mit dem: <i>ich Will</i>, so auszus&ouml;hnen
-wei&szlig;, da&szlig; hier jeder Fluch sich in Segen,
-und die <i>arge b&ouml;se</i> Welt sich in die <i>beste</i> verwandelt.
-Friede mit der Natur und mit dem
-sch&ouml;nen Geschlechte; und Friede mit uns Allen!
-Wie aber, wenn es so gut Trugerfahrungen als
-Trugschl&uuml;sse g&auml;be? wenn der Schein betr&ouml;ge?
-Die Vernunft f&uuml;rchtet sich vor den Sinnen; und
-wenn wir die Operation an uns vollziehen zu lassen
-v&ouml;llig entschlossen sind, wenden wir doch
-in der Stunde der Anfechtung das Auge weg &mdash;
-Vernunft, Herz und Sinne arbeiten sich in die
-Hand; und nicht nur das Herz des Menschen,
-sondern auch seine Vernunft und seine Sinne
-sind trotzig und verzagt: wer kann's ergr&uuml;nden?
-Bald d&uuml;nkt der Mensch sich, ein Gott,
-bald weniger als ein Thier zu seyn &mdash; Nackt
-und blo&szlig; kommt er zur Welt, und wenn andere
-Thiere bewaffnet und bedeckt sind, k&ouml;nnen
-Se. Majest&auml;t der Mensch sich nicht entbrechen,
- <span class="pagenum"><a id="Seite_37">[S. 37]</a></span>
-das k&ouml;nigliche Recht an Thieren auszu&uuml;ben,
-um sich zu ern&auml;hren und zu bekleiden
-&mdash; Diese Finanzregierung wird oft so
-sehr mit dem Stabe Wehe! gef&uuml;hrt, da&szlig; die
-Thiere bei der Natur die bittersten Klagen
-gegen ihre Allerdurchlauchtigsten Beherrscher
-f&uuml;hren k&ouml;nnten &mdash; und auch ohne Zweifel
-f&uuml;hren, wenn anders der Apostel <i>Paulus</i> recht
-beobachtet hat. Denn in der That die Natur
-h&auml;lt ein schreckliches heimliches Gericht, das
-schrecklichste, das gedacht werden kann!
-Noth lehrt beten, bitten und nehmen; allein
-sie ist auch eine weise Lehrerin der M&auml;&szlig;igkeit
-&mdash; und wer diese ihre Stimme verkennt,
-in dem ist nicht die Liebe des Allvaters, dessen
-Kind Alles ist, was Leben und Athem hat.
-Nichts mehr als weinen kann der Mensch ohne
-Lehrmeister, zum Zeichen, da&szlig; er bei weitem
-nicht das h&ouml;chste Loos zog; &mdash; denn da
-er sich nicht zu berechnen versteht, so ist der
-Gewinn oft sch&auml;dlicher als eine Niete. Lieber!
-dergleichen Klagen sind durch das Machtwort:
-<i>Vernunft</i>, &uuml;berwunden. Ohne Schw&auml;che
-h&ouml;rt der Mensch auf, Mensch zu seyn &mdash;
- <span class="pagenum"><a id="Seite_38">[S. 38]</a></span>
-und wer es in diesem Erdenleben auf etwas
-H&ouml;heres anlegt, begiebt sich in Gefahr,
-weniger zu werden und den Zweck des Sch&ouml;pfers
-zu verr&uuml;cken. Kennen wir ein edleres
-Gesch&ouml;pf au&szlig;er ihm, in welchem die Kraft
-liegt, sich Gott und eine reine Tugend zu denken?
-&mdash; und diesen Vorzug hat auch der Verworfenste
-nicht aufgegeben &mdash; Einen Augenblick,
-nicht aber immer, kann der Mensch
-auf das Ebenbild Gottes Verzicht thun &mdash; Ist
-die Vernunft nicht mehr als Alles? und verdient
-sie diesen Namen, wenn sie nicht Begierden
-einschr&auml;nken kann? Kann man nicht
-das Thier am Menschen fast verg&ouml;ttlichen und
-seine Leidenschaften, wie die Meereswoge, bedrohen
-&mdash;? Wo <i>sie</i> ist, da wohnt Menschheit,
-und bei den Strahlen ihrer Gottheit diese
-W&uuml;rde im andern Geschlechte verkennen
-wollen, hei&szlig;t: keine Regel &uuml;brig lassen, seinen
-eigenen Werth zu bestimmen. Nicht
-steinerne Gesetztafeln w&uuml;rde man zerbrechen,
-sondern am g&ouml;ttlichen Geiste, der in uns ist,
-sich vers&uuml;ndigen &mdash; &mdash; Kann etwas <i>Sache
-Gottes</i> seyn, was der <i>Vernunft</i> widerspricht?
- <span class="pagenum"><a id="Seite_39">[S. 39]</a></span>
-oder will Gott seine Sache je durch solche
-Mittel gef&uuml;hrt wissen? Durch die Vernunft,
-den Widerhall seines Mundes, ist Er nicht
-fern von einem Jeglichen, der mittelst ihrer
-Ihm &auml;hnlich ward und in Ihm lebet, webet und
-ist. &mdash; &mdash; Mein Feldzeichen ist keine nichtsw&uuml;rdige
-Pr&auml;conisirung, sondern Wahrheit und
-Gerechtigkeit. Ist das weibliche Geschlecht in
-der Regel wirklich kleiner, als das m&auml;nnliche?
-ist nicht die Gr&ouml;&szlig;e &uuml;berhaupt etwas sehr Relatives,
-welches in Klima, Nahrungsmitteln
-und andern uns unbekannten Ursachen wesentlichere
-Bestimmungsgr&uuml;nde findet, als in dem
-Geschlechtsunterschiede? Jenseits der Wendecirkel
-und unter der Linie ist die Menschenart
-weit kleiner, als innerhalb derselben. &Uuml;ber
-den zwanzigsten und sechzigsten Grad der
-Breite hinaus w&uuml;rden unsere Werbeh&auml;user ungef&auml;hr
-so viel Gl&uuml;ck machen, wie ein Besuch
-der <i>Boucaniers</i> auf <i>Tierra del Fuego</i> in den
-H&ouml;hlen der <i>Pescher&uuml;hs</i>. Reisende behaupten,
-da&szlig; M&auml;nner und Weiber dort gleichen Strich
-halten, und da&szlig;, wenn ihnen nicht der Unterschied
-der Kleidung und etwa der Bart aush&uuml;lfen,
- <span class="pagenum"><a id="Seite_40">[S. 40]</a></span>
-die beiden Geschlechter von einander
-nicht unterschieden werden k&ouml;nnten. Oder
-sollten diese Klimate hier etwa der Entwickelung
-des weiblichen K&ouml;rpers g&uuml;nstiger seyn?
-Mit nichten; ihr fr&uuml;hes Dahinwelken widerspricht
-dieser Muthma&szlig;ung: schon das drei&szlig;igste
-Jahr bedeckt sie mit Runzeln. Auch
-in gem&auml;&szlig;igtern Himmelsstrichen giebt es Verschiedenheiten
-in R&uuml;cksicht der Gr&ouml;&szlig;e, und
-unter ihnen Racen, die sich von den &uuml;brigen
-auszeichnen, so wie die Bewohner der Marschl&auml;nder
-in der Regel gr&ouml;&szlig;er sind, als die Bergbewohner,
-als ob die Natur diesen Menschen
-den Berg mit in Anschlag gebracht h&auml;tte &mdash;
-und am Ende, was thut die Gr&ouml;&szlig;e?</p>
-
-<p class="pmb3">Aber die Schw&auml;chlichkeit gegen den nervigen,
-eckigen, m&auml;nnlichen K&ouml;rperbau gehalten!
-Freilich w&uuml;rde sie mehr beweisen; doch f&uuml;rcht'
-ich, die Erfahrung sagt auch hier weniger,
-als wir sie sagen lassen &mdash; Ehe wir die Fehde
-beginnen, ist die Musterung der Heere
-nothwendig. Verabschieden wir unser elegantes,
-luftiges V&ouml;lkchen, l&auml;&szlig;t das andere Geschlecht
-seine Damen der h&ouml;heren Klassen
- <span class="pagenum"><a id="Seite_41">[S. 41]</a></span>
-sammt ihren Zofen zu den lieben Ihrigen
-heimkehren &mdash; was gilt die Wette? Selbst
-wenn unsere eleganten Damen mit unsern eleganten
-jungen Herren sich in Fehde einlie&szlig;en
-&mdash; auf welcher Seite w&auml;re Hoffnung zu
-gewinnen? &mdash; Bei V&ouml;lkern, die auf der ersten
-Stufe der Cultur stehen, ist das Schicksal
-des weiblichen Geschlechtes hart: bei J&auml;gernationen,
-denen Hausthiere unbekannt sind,
-ist das Weib das lastbare Thier, welches den
-Mann zur Jagd begleitet und das erbeutete
-Wild nach der H&uuml;tte tr&auml;gt; bei den Hirten-
-und Ackerv&ouml;lkern ist ihr Schicksal, wo m&ouml;glich,
-noch schwerer: sie bauen das Feld, treiben
-Fabriken und Manufakturarbeiten, indem
-sie das, was ihnen der Acker und die Heerden
-zur Nahrung und Bekleidung darbieten,
-zum Gebrauch bereiten oder veredlen, und
-auch noch das (freilich sehr einfache) Hauswesen
-besorgen, w&auml;hrend der Ehrenmann sich
-dem M&uuml;&szlig;iggange &uuml;berl&auml;&szlig;t &mdash; Auch unter Nationen,
-wo die Cultur schon Fortschritte macht,
-ist, bei der arbeitenden Klasse des Volkes,
-der Antheil des andern Geschlechtes an den
- <span class="pagenum"><a id="Seite_42">[S. 42]</a></span>
-Gesch&auml;ften gewi&szlig; nicht von <i>der</i> Art, da&szlig; davon
-auf eine gr&ouml;&szlig;ere Schw&auml;chlichkeit der Weiber
-geschlossen werden k&ouml;nnte. Die Arbeiten
-bei Bestellung des Bodens und bei der Erndte
-&mdash; sind sie nicht unter beide Geschlechter
-so ziemlich gleich vertheilt? Es wird schwer
-fallen, zu bestimmen, welcher Theil hier mehr
-&uuml;bersehen werde. Bei der Musterung aller
-Gewerbe, die den Kunstflei&szlig; und die H&auml;nde
-der Menschen besch&auml;ftigen &mdash; ist nicht der
-Antheil der Weiber mit einem betr&auml;chtlicheren
-Aufwande von Kr&auml;ften verkn&uuml;pft? Der
-Schnitter kehret heim zu seiner H&uuml;tte mit
-frohem Herzen, um nach erm&uuml;dender Arbeit
-der Ruhe zu pflegen, wenn, auch bei der
-einfachsten l&auml;ndlichen Haushaltung, noch vielfache
-Gesch&auml;fte f&uuml;r das Weib &uuml;brig bleiben,
-das im Schwei&szlig;e seines Angesichts die Garben
-band, wozu nicht minder Anstrengung von
-Kr&auml;ften erfordert wird. Jene von Gesundheit
-strotzende, mit der &auml;chten Sommerfarbe geschminkte
-Dirne ist eine lebendige Widerlegung
-dieser mi&szlig;g&uuml;nstigen Behauptung, und sie
-wird es mit Jedem aufnehmen, der es wagen
- <span class="pagenum"><a id="Seite_43">[S. 43]</a></span>
-will, die Kr&auml;fte ihrer Muskeln in Versuchung
-zu f&uuml;hren. Weiberkrankheiten sind nur die
-Gei&szlig;el <i>der</i> Weiberklasse, die den Ehrennamen
-<i>Weiber</i>, so wie die in ihrem Kammerdienste
-sich befindenden Treugehorsamsten den Ehrennamen
-<i>M&auml;nner</i>, nur von wegen des Staats
-und zur Parade f&uuml;hren. Darf und soll die
-Natur &Uuml;bel verantworten, welche Lebensart,
-Sitten und Conventionen, deren Name Legion
-ist, &uuml;ber sie gebracht haben? Gef&auml;hrten unserer
-Thorheiten, Spie&szlig;gesellen unserer &Uuml;ppigkeit
-geh&ouml;ren nicht auf das Conto der Natur, die
-den Menschen so einfach schuf, und allenthalben,
-wo er seine H&uuml;tte aufschlug, f&uuml;r
-Wohnung, Nahrung und Kleidung reichlich
-und t&auml;glich sorgte. Hat sie je gewollt, da&szlig;
-er Gew&uuml;rze aus Indien ziehen sollte, um sein
-Blut zu vergiften? oder angreifende Leckerbissen,
-um seine Nerven zu schw&auml;chen?
-Setzte sie dem Indier Eis, und dem Bewohner
-der Eiszone Wein vor? gab sie nicht vielmehr
-einem Jeden das ihm angemessene und
-beschiedene Theil? Und wie, grundg&uuml;tige
-Natur! der ausgeartete Haufe deiner Kinder
- <span class="pagenum"><a id="Seite_44">[S. 44]</a></span>
-klaget dich wegen Krankheiten an, wozu er
-die Anl&auml;sse, trotz allen Gefahren und Hindernissen,
-aus Osten und S&uuml;den mit rastloser
-Begierde zusammen brachte, w&auml;hrend das
-H&auml;uflein deiner gen&uuml;gsamen Kinder, den m&uuml;tterlichen
-Vorschriften folgsamer, mitten unter
-diesen unschlachtigen ausgearteten Menschen
-<i>vor Dir</i> wandelt und fromm ist, ohne von
-hysterischen Plagen und dem zahllosen Heere
-von Kr&auml;mpfen zu wissen, gegen die weder
-die <i>Materia medica</i>, noch vielleicht die ganze
-weite und breite Natur, Mittel im Verm&ouml;gen
-hat? Nennt die Natur nicht ungerecht, wenn
-ihr unnat&uuml;rliche Wege wandelt! Nur gegen
-nat&uuml;rliche Krankheiten scheint die Natur Mittel
-zu besitzen; gegen &Uuml;bel, welche Folgen
-unserer unnat&uuml;rlichen Cultur sind, hat sie weder
-Kraut noch Pflaster, und ihr einziges Mittel
-ist nur: thut Bu&szlig;e und glaubet an das
-Natur-Evangelium! O, da&szlig; ihr Bu&szlig;e th&auml;tet
-und glaubtet! &mdash; Ohne da&szlig; wir werden wie
-die Kinder und in dies Philanthropin heimkommen,
-dem wir den R&uuml;cken kehrten &mdash; sind
-wir verrathene und verkaufte Menschen, zu
- <span class="pagenum"><a id="Seite_45">[S. 45]</a></span>
-denen bisweilen die wohlmeinende Stimme erschallt:
-Adam wo bist du? die sich inde&szlig;,
-so gut sie k&ouml;nnen, vor sich selbst zu verstecken
-suchen &mdash; Am f&uuml;nften Akt scheitern besonders
-die meisten Frauenzimmer, so wie ein
-gro&szlig;er Theil der Theaterdichter &mdash; Die Liebe,
-das Gl&uuml;ck des Lebens, wird ihr Ungl&uuml;ck;
-ihr Herz war gebildet, die Tugend zu lieben,
-und nicht das Schicksal, sondern ihre Nachl&auml;ssigkeit,
-macht es zur Verbrecherin &mdash; Die arbeitende
-Klasse kennt keine besonderen Weiberkrankheiten.
-Schwangerschaften und Geburten
-werden nur durch Nebenumst&auml;nde, die
-ihren Grund in Lebensart, Sitten und Kleidung
-haben, erschwert, und sind so wenig Krankheiten,
-da&szlig; &Auml;rzte sie geradesweges als Heilungsmittel
-vorschreiben k&ouml;nnten &mdash; und zuweilen
-wirklich vorschreiben. Bei einigen so
-genannten Wilden h&auml;lt nicht das Weib, sondern
-der Mann, die Entbindungsferien. Kaum
-ist es seiner B&uuml;rde entledigt; so badet es sie
-in dem n&auml;chsten Flusse, reicht dem neuen Ank&ouml;mmling
-die Brust, ersparet sich das Milchfieber
-und das Ammenkreuz, und besorgt die
- <span class="pagenum"><a id="Seite_46">[S. 46]</a></span>
-Hausgesch&auml;fte nach wie vor, w&auml;hrend der
-Mann, auf seinem Lager hingestreckt, sich pflegen
-l&auml;&szlig;t, und von seinen Nachbarn Wochenvisiten
-und Gl&uuml;ckw&uuml;nsche annimmt, weil er &mdash;
-man denke der M&uuml;he! &mdash; durch sein Weib
-ein Kind geboren hat. Da es Helden giebt,
-deren die Geschichte mit Lob und Preis gedenkt,
-weil sie in h&ouml;chsten Gnaden geruheten,
-sich Schlachten gewinnen und Siege erk&auml;mpfen
-zu lassen, ohne da&szlig; sie sich dem
-kleinsten Gefecht aussetzten und zum Bette
-der Ehren die mindeste Neigung f&uuml;hlten, indem
-sie, wenn es hoch kam, weit &uuml;ber die
-Schu&szlig;weite hinaus sehr behaglich zusahen, wie
-viele Arme und Beine ein Paar Lorbeerreiser
-kosteten: &mdash; so mag es mit dem Wochenbette
-dieser M&auml;nner so genau nicht genommen werden.
-Ihr, die ihr der Schwangerschaften und
-Geburten halben die Weiber f&uuml;r schw&auml;cher
-haltet als Euch; sagt: wie h&auml;tte die Natur ihr
-gr&ouml;&szlig;tes Werk, die Fortpflanzung des menschlichen
-Geschlechtes, absichtlich mit solchen
-&Uuml;beln in Verbindung bringen; wie h&auml;tte sie
-den Becher des k&ouml;stlichsten Nektars mit Wermuth
- <span class="pagenum"><a id="Seite_47">[S. 47]</a></span>
-vermischen; wie einer Handlung, &uuml;ber
-welche sie die besten ihrer Segnungen aussprach,
-mit so schrecklichem Fluche begleiten
-und auf unsere Seite lauter Wonne, auf die
-andere dagegen lauter Tr&uuml;bsal legen sollen!
-Allerdings sind Schwangerschaften, Entbindungen,
-Stillung des S&auml;uglings mit einem Aufwande
-von Kr&auml;ften verbunden; allein, in dem
-weiblichen K&ouml;rper, wenn er unverdorben ist,
-findet sich Stoff genug, diesen Aufwand nicht
-nur zu bestreiten, sondern auch dessen Abgang
-ohne Zeitverlust zu ersetzen. Der Einwand,
-den man von so vielen Modefrauen
-ableitet, gilt nicht; denn diese erscheinen bereits
-so k&uuml;mmerlich an Lebensstoff und Kr&auml;ften,
-da&szlig; jede Schwangerschaft ihr luftiges
-Geb&auml;ude bis auf den Grund ersch&uuml;ttert, und
-jede Geburt es zu zerst&ouml;ren droht &mdash; Planreiche
-Erfinder, die ihr Rechenmaschinen erdachtet,
-einem Gliedermanne Schach spielen
-lehrtet, Luftreisen unternahmt, und durch
-Desorganisation Leute weiter bringt, als wenn
-sie <i>in gradum doctoris utriusque medicincae</i>
-promovirt h&auml;tten; ihr denen die Geister so zu
- <span class="pagenum"><a id="Seite_48">[S. 48]</a></span>
-Gebote stehen, wie dem Hauptmann von Kapernaum
-seine Knechte: &mdash; spannt eure Saiten
-tiefer, und la&szlig;t euch zu einer Kleinigkeit
-herab; erfindet eine Kunst, vermittelst deren
-unsere galanten Damen von der Last Kinder zu
-geb&auml;ren, befreiet werden k&ouml;nnen. La&szlig;t S&ouml;hne
-und T&ouml;chter wie &Auml;pfel und Birnen wachsen;
-macht, da&szlig; sie wie Kohl verpflanzet werden
-&mdash; Sollten auch durch diese Erfindung in
-den ersten Jahren (kein Meister f&auml;llt vom
-Himmel) die politischen Volksz&auml;hler ein <i>Minus</i>
-wahrnehmen; so w&uuml;rde doch selbst in
-diesen Jahren der magern K&uuml;he der Metallwerth
-des menschlichen Geschlechtes Alles ins
-Reine bringen, und <i>Summa Summarum</i> w&auml;re
-um so mehr ein unl&auml;ugbares <i>Plus</i>, da der
-Staat, anstatt aus Scheidem&uuml;nze, aus Gliedern
-von &auml;chtem Schroot und Korn bestehen w&uuml;rde!
-&mdash; Was gilt ein Persisches Heer nach
-Parasangen gemessen, gegen einen Macedonischen
-Phalanx! Doch nein! ziehet eure Schuhe
-aus, diese St&auml;tte ist heilig. Den rechtm&auml;&szlig;igsten,
-den allerheiligsten in der Vernunft gegr&uuml;ndeten
-Anspr&uuml;chen der Menschen auf die
- <span class="pagenum"><a id="Seite_49">[S. 49]</a></span>
-Mittheilung der Wahrheit soll hier nicht durch
-Spott zu nahe getreten werden, der, so wie
-die &uuml;ble Nachrede, immer etwas zur&uuml;ckl&auml;&szlig;t &mdash;
-Nur Menschenliebe n&auml;here sich diesem feurigen
-Busche! Jene Kraft der Tr&auml;gheit, die im
-K&ouml;rper ihr Wesen oder Unwesen treiben soll,
-um ihn best&auml;ndig in seinem gegenw&auml;rtigen
-Zustande zu erhalten, der sich der Ruhe widersetzt,
-wenn der K&ouml;rper in Bewegung,
-und der Bewegung, wenn er in Ruhe ist, hat
-nicht die Ehre mir zu gefallen. Eine Kraft,
-die nur widersteht und nicht von selbst zu
-wirken vermag, ist eine Kraft, mit der sich
-wenigstens nicht prahlen l&auml;&szlig;t. Der edelste
-Staat mu&szlig; sich zuweilen zum Angriffskriege
-verstehen, und es giebt Straf- und Wiederzueignungskriege,
-wodurch wir unser Recht
-und das was man uns schuldig ist, einfordern,
-und den zur Verantwortung ziehen, der sich
-an uns vergriff &mdash; Der ist weder klein noch
-gro&szlig;, der beides nur in dem Grade ist und
-&auml;u&szlig;ern kann, als man sich ihm widersetzt &mdash;
-La&szlig;t beide Geschlechter zu ihrer Lauterkeit
-und Wahrheit heimkehren, und wir werden
- <span class="pagenum"><a id="Seite_50">[S. 50]</a></span>
-je l&auml;nger je mehr finden, da&szlig; Mann und
-Weib auch in diesem Sinn Ein Leib sind &mdash;
-aber auch Eine Seele? Noch hat es den Psychologen
-nicht gelingen wollen, in dem Gebiete
-der Geister weit genug vorzudringen, um
-bestimmen zu k&ouml;nnen, ob es unter ihnen einen
-wesentlichen Unterschied gebe; wenigstens
-gab es keinen <i>Geister-Linné</i>, der sie
-klassificirte. <i>Rorarius</i> mag es verantworten
-wenn er bei den Thieren mehr Vernunft findet,
-als bei Menschen, <i>Helvetius</i>, wenn er
-die Seelen, denen ein K&ouml;rper mit einem Huf
-zu Theil ward, mit denen, die einen K&ouml;rper
-mit H&auml;nden erhielten, in Eine Klasse setzt,
-und Beide m&ouml;gen es mit dem <i>Cartesius</i> ausmachen,
-da&szlig; sie seine Maschinenwelt zerst&ouml;ren.
-Es giebt auch philosophische und Vernunftketzer;
-denn der Grund zu allen Behauptungen
-wird aus der Natur genommen: einer
-Urkunde, die das mit allen Urkunden gemein
-hat, da&szlig; ein Jeder, was er darin sucht, auch
-darin findet. Jede Geschichte, jedes Faktum
-mu&szlig; sich bequemen, sich nach uns zu
-richten, und der wahrhafteste Mann tr&auml;gt
- <span class="pagenum"><a id="Seite_51">[S. 51]</a></span>
-zuvor etwas von seinem Selbst in jene Geschichte
-und jenes Faktum, so, da&szlig; Alles
-was der Mensch ber&uuml;hrt, etwas von seinem
-Ich, von seinem Selbst, erh&auml;lt. Das beste
-Wasser hat keinen Geschmack; und so geht
-es auch den meisten Thatsachen, die wir selten
-ungew&uuml;rzt erhalten &mdash; und wenn der
-W&uuml;rzler auch nur Salz, die k&uuml;mmerlichste
-und beste Specerei, darzu thun sollte &mdash;
-Freunde und Feinde nehmen von einander so
-viel an, da&szlig; man unverkennbare Z&uuml;ge der
-&Auml;hnlichkeit unter ihnen entdeckt. &raquo;Feinde?&laquo;
-Allerdings; und ich behaupte, da&szlig; sie noch
-leichter als Freunde sich in einander abdr&uuml;cken
-&mdash; Ein Freund, der unser Widerhall ist,
-hat wenig Reitz f&uuml;r uns; allein eben das, wodurch
-Feinde am meisten hervorragen, was
-am meisten interessirt und auf ihre Seite tritt,
-pflegt unsere Nachahmung abzugewinnen: so
-wie man in den Wald schreiet, so erfolgt die
-Antwort. Eine ganze Schaar von Variantensammlern
-und Commentatoren tr&auml;gt ihren
-Sinn und Unsinn so lange in jede Urkunde,
-bis eine <i>Authentica</i> erscheint, und diese mag
- <span class="pagenum"><a id="Seite_52">[S. 52]</a></span>
-denn, geliebt es Gott! den Werth und Unwerth
-des Unterschiedes zwischen den Menschen-
-und Thierseelen entscheiden, wenn nur
-wir es nicht wagen, unter den menschlichen
-Seelen Rangordnungen zu bestimmen, die
-nicht mehr und nicht weniger Realit&auml;t haben,
-als Tr&auml;ume und ihre Deutungen. Giebt es
-denn etwa auch Geschlechtsunterschiede unter
-den Seelen? giebt es Seelen, die ausschlie&szlig;lich
-bestimmt sind, weibliche K&ouml;rper zu bewohnen
-&mdash;? und wer ist der k&uuml;hne Argonaut,
-der dieses unbekannte Meer beschifft hat? womit
-hat dieser Apostel der unsichtbaren Welt
-sein Evangelium best&auml;tiget? Wo Satz und Gegensatz
-einander so nahe sind, da&szlig; sie sich die
-H&auml;nde bieten k&ouml;nnen, da liegt jedem die
-Pflicht auf, seinen Satz mit aller St&auml;rke zu beweisen
-und dann dem Publico das Richteramt
-zu &uuml;berlassen. Erfahrungen wider Erfahrungen,
-ehe es noch ausgemacht ist, ob die Seele
-mit sich selbst Erfahrungen anzustellen vermag.
-Nur im Spiegel kann die Seele sich
-wahrnehmen; und wer wei&szlig; nicht, da&szlig; dieser
-Spiegel das Bild sehr unvollkommen und
- <span class="pagenum"><a id="Seite_53">[S. 53]</a></span>
-oft sehr unrichtig wiedergiebt! &mdash; Der Spiegel
-stellt uns verkehrt dar, und es ist ein unangemessener
-Ausdruck: der Mensch ist getroffen
-wie aus dem Spiegel gestohlen &mdash; Allerdings
-k&ouml;nnen einzelne Erfahrungen wohl
-dienen, eine subjektive &Uuml;berzeugung hervorzubringen;
-eine allgemeine Wahrheit auf diesen
-Grund zu bauen, reichen nur Erfahrungen
-hin, die so allgemein sind, wie die Wahrheit,
-der sie zur Unterlage dienen sollen.
-Wie lange ist es, da&szlig; wir in diesem Fach
-Erfahrungen anstellen? Welche Methoden
-schlugen wir ein? Waren diese so wohl gew&auml;hlt,
-da&szlig; sich nach ihnen richtige Resultate
-erwarten lie&szlig;en? Haben wir wirklich bereits
-einen solchen Vorrath von Erfahrungen, da&szlig;
-wir ein System wagen k&ouml;nnen, nach welchem
-f&uuml;r eine ganze H&auml;lfte des menschlichen Geschlechtes
-eine so nachtheilige Unterscheidungslinie
-sicher gezogen werden kann? oder
-d&uuml;rft' es uns &uuml;ber kurz oder lang nicht mit
-dieser gehen, wie weiland Sr. Unfehlbarkeit
-jenseits der Alpen mit der ber&uuml;chtigten Demarcationslinie?
-Mit einem System geht es gemeiniglich,
- <span class="pagenum"><a id="Seite_54">[S. 54]</a></span>
-wie mit einem Instrument, auf das
-wir uns verstehen. Haben wir bei dem System,
-wovon hier die Rede oder die Frage
-ist, den gewissen Vortheil unwiderlegbar berechnet?
-oder ist es eins wie viele andere seiner
-Br&uuml;der, bei denen nichts weiter als
-Sprachverwirrung obwaltet, wie bei dem
-Thurm zu Babel; dessen Spitze bis in den
-Himmel reichen wollte? Nimmt man den
-meisten Systemen die Sprachverwirrung, was
-bleibt &uuml;brig? &mdash; Noch behauptet die Erfahrungsseelenkunde
-unter den Wissenschaften
-nur einen prec&auml;ren Rang; sie stehe inde&szlig; oder
-falle, die Wahrheit verliert nichts, die vor
-ihr war und nach ihr seyn wird. St&auml;rke der
-Seele, Muth, &Uuml;berlegenheit des Verstandes,
-ein gr&ouml;&szlig;eres Maa&szlig; von Urtheilskraft, Festigkeit
-des Willens, eine gr&ouml;&szlig;ere St&auml;rke des Gef&uuml;hls
-und andere dergleichen Seelenvorz&uuml;ge
-der Menschen sind es, die sich die M&auml;nner
-auf Kosten des weiblichen Geschlechtes als
-Erstgeburtsrechte zueignen. Sie sind mit dem
-Erdenall, das man zuweilen Erdenball hei&szlig;t,
-von Gott belehnt &mdash; die edlen Lehnstr&auml;ger! &mdash;
- <span class="pagenum"><a id="Seite_55">[S. 55]</a></span>
-Da sie inde&szlig; Kl&auml;ger und Richter in Einer und
-selbsteigner Person sind, so scheinen sie noch
-g&uuml;tig zu seyn, wenn sie Weiber bei Menschenseelen
-rechtskr&auml;ftig belassen. &mdash; Ob nun (nachdem
-es dem m&auml;nnlichen Geschlechte r&uuml;hmlichst
-gelungen, die andere H&auml;lfte der menschlichen
-Sch&ouml;pfung, welche nach ihrer Bestimmung mit
-ihm ein Ganzes ausmachen sollte, zu unterjochen
-und sie an den Menschen- und B&uuml;rgerrechten
-nur bittweise, nur in so weit es seinem
-Majest&auml;tsrechte nicht zu nahe tritt und
-ihm nicht die Krone bricht, gro&szlig;m&uuml;thigen
-Antheil nehmen zu lassen) &mdash; ob nun alle jene
-Erscheinungen Wahrheiten oder T&auml;uschungen
-sind, ist eine Preisfrage, die mit vielen
-andern es gemein hat, da&szlig; die Antworten auf
-dieselbe von beiden Seiten hinken. &mdash; Auf
-diese Erscheinungen inde&szlig; dem sch&ouml;nen Geschlechte
-alle jene Geistesf&auml;higkeiten abzul&auml;ugnen
-und ihm in falschem Spiel seinen Rang
-abzugewinnen, hei&szlig;t gerade so verfahren, wie
-gegen die Amerikaner, denen man, auf die
-Aussage einiger Beobachter, die keinen Bart
-unter ihnen gesehen hatten, dieses m&auml;nnliche,
- <span class="pagenum"><a id="Seite_56">[S. 56]</a></span>
-&uuml;brigens sehr beschwerliche, Ehrenzeichen nicht
-nur absprach, sondern aus dem Mangel desselben
-auch die richtigen Folgen ableitete, da&szlig;
-die Natur ihnen die Keime dazu versagt habe,
-und da&szlig; sie mithin zu einer weit geringern
-Menschenklasse geh&ouml;rten, nicht minder da&szlig;
-sie unm&ouml;glich von Einem Erzvater mit uns
-abstammen k&ouml;nnten. Was f&uuml;r eine Hauptrolle
-der Bart spielen kann, der denn doch, nach
-dem bekannten Sprichworte, keinen Philosophen
-macht! Besser w&auml;r' es freilich gewesen,
-wenn man sich die M&uuml;he gegeben h&auml;tte, zu
-untersuchen, ob die Abk&ouml;mmlinge des <i>Mankokapak</i>
-dies m&auml;nnliche Unterscheidungszeichen,
-das &uuml;brigens immer ehrenwerth und
-n&uuml;tzlich seyn und bleiben mag, nicht eben so
-unbequem fanden, wie die S&ouml;hne <i>Japhets</i>,
-und ob sie, in Ermangelung des Aufkl&auml;rungsmetalls,
-des Eisens, nicht zu einem andern
-Mittel ihre Zuflucht genommen haben, diesen
-beschwerlichen Gast los zu werden. &mdash; Nach
-genauerer Beobachtung fand sich der Bart,
-und die Pr&auml;adamiten b&uuml;&szlig;ten abermals einen
-Sieg ein, den sie schon vermittelst eines so
- <span class="pagenum"><a id="Seite_57">[S. 57]</a></span>
-stattlichen Arguments in ihren H&auml;nden glaubten
-&mdash; Das weibliche Geschlecht &auml;u&szlig;ert nicht
-jene hervorragenden Geistesf&auml;higkeiten, hei&szlig;t
-bei weitem nicht: die Natur hat ihm die
-Anlagen dazu versagt, und also &mdash; o der unb&auml;rtigen
-Schlu&szlig;folge! &mdash; steht es eine Stufe
-niedriger auf der Jakobsleiter der Sch&ouml;pfung.
-Sind <i>wir</i> etwa Gott &auml;hnlich, und hat das andere
-Geschlecht blo&szlig; die Ehre <i>uns</i> von Gottes
-Gnaden &auml;hnlich zu seyn? Warum nicht
-gar &mdash;! Nicht durch K&ouml;rper, durch Sinne,
-durch Einbildungskraft n&auml;hern wir uns dem
-Urgeiste, sondern durch den Geist; und wie?
-fehlt es den Weibern an Verstand und Willen?
-an der F&uuml;lle des Geistes? &Uuml;berlegen
-wir nicht oft durch sie? W&uuml;rzen sie nicht
-in unz&auml;hligen F&auml;llen mehr mit dem Salze der
-Erden, ohne das nichts schmackhaft ist, mit
-Vernunft? und ihre Tugend &mdash; ist sie nicht
-vielf&auml;ltig reiner, als die werthe unsrige? &Uuml;bersteigt
-unsere Eitelkeit die weibliche nicht an
-allen Enden und Orten? War jener Pharis&auml;er
-und sein ganzer Jesuiterorden nicht aus unserm
-Geschlechte? Kann ein braves Weib (und
- <span class="pagenum"><a id="Seite_58">[S. 58]</a></span>
-deren giebt es viele) ohne Schrecken und Entsetzen
-an den <i>Pharis&auml;er neuerer Zeit</i> denken,
-der mit seinen Bekenntnissen vor Gottes
-Thron treten, dem Weltgerichte entgegen gehen
-und sagen will: Wer besser ist, werfe
-den ersten Stein? W&uuml;rde nicht selbst <i>Therese</i>
-mehr als Einen Stein haben heben k&ouml;nnen,
-wenn sie nicht durch diesen Gerechten w&auml;re
-verdorben worden? K&ouml;nnen die Anlagen sich
-entwickeln und Keime treiben, wenn keine
-wohlth&auml;tige Hand sie pflegt? wenn alles so
-gar sich vereinigt, sie zu unterdr&uuml;cken und,
-wo m&ouml;glich, auszurotten? Sind nicht von
-Zeit zu Zeit aus dem andern Geschlechte gro&szlig;e
-Seelen aufgestanden, die alle jene ihnen aberkannten
-Geisteseigenschaften in einem sehr
-vorz&uuml;glichen Grade besa&szlig;en? Woher diese
-eben nicht so seltenen Erscheinungen, wenn
-es nicht Anlagen dazu in den Weiberseelen
-g&auml;be, und es nur eines Zusammentreffens g&uuml;nstigerer
-Umst&auml;nde bed&uuml;rfte? einer pflegenden
-Hand, um diese zu entwickeln und ihren
-Kr&auml;ften jenen Schwung beizulegen, ohne welchen
-sie nie ihre eingeengte Bahn verlassen
- <span class="pagenum"><a id="Seite_59">[S. 59]</a></span>
-h&auml;tten? Oder wollen wir der Natur lieber
-Mi&szlig;griffe aufb&uuml;rden, um nur unser
-System zu retten? eher das vierte Gebot in
-Hinsicht dieser unserer guten Mutter so gr&ouml;blich
-&uuml;bertreten, als unsere vermeintlichen
-Standesrechte aufgeben? Ohne die gro&szlig;en
-Namen der Fabelwelt von den Todten zu erwecken,
-denen man denn doch nicht jeden
-Funken der Wahrheit abstreiten wird &mdash; wer
-wage es, <i>Zenobien</i>, und einer <i>Anna Komnena</i>
-einen &uuml;ber ihre m&auml;nnlichen Zeitgenossen hervorragenden
-Verstand und Urtheilskraft, einer
-<i>Elisabeth</i> Herrschertalente, <i>Marien Theresien</i>
-Muth und Standhaftigkeit abzusprechen? Will
-man den Gesichtspunkt n&auml;her r&uuml;cken? Es sey
-und gelte zwei weltber&uuml;hmte Namen! <span class="smcap">Catharina
-die Zweite</span> und <i>Voltaire</i>. Nicht die
-Selbstherrscherthaten der <span class="smcap">Ersteren</span>, nicht
-die Kriegeslorbeern, die <span class="smcap">SIE</span> in <span class="smcap">IHR</span> Diadem
-geflochten, nicht der postische Nimbus, der
-die G&ouml;tter der Erden umgiebt &mdash; <span class="smcap">IHR</span> Briefwechsel
-entscheide, wo <span class="smcap">SIE</span> nicht im Kaiserglanz,
-nicht mit den Palmen einer Welt&uuml;berwinderin
-erscheint &mdash; und seht! <span class="smcap">SIE</span> bleibt
- <span class="pagenum"><a id="Seite_60">[S. 60]</a></span>
-gro&szlig;, wie <span class="smcap">SIE</span> ist &mdash; und <i>Voltaire</i>? klein,
-so klein, wie er war, so bald die Wahrheit
-ihm ihren magischen Spiegel vorhielt. Sein
-theures Selbst ist immer die erste Person; die
-gro&szlig;e Frau mu&szlig; sich mit der zweiten begn&uuml;gen.
-<span class="smcap">Sie</span> soll &mdash; man denke! &mdash; <i>Constantinopel</i>
-erobern, oder wenigstens zu <i>Taganrok</i> <span class="smcap">IHRE</span>
-Residenz aufschlagen, damit er kommen und
-<span class="smcap">IHR</span> die F&uuml;&szlig;e k&uuml;ssen k&ouml;nne, weil es in <i>Petersburg</i>
-f&uuml;r den <i>alten Eremiten von Ferney</i>
-zu kalt sei. Noch nicht befriedigt, da&szlig; <span class="smcap">die
-Kaiserin</span> seinen Uhrmachern f&uuml;r 8000 Rubel
-Uhren abnimmt, soll <span class="smcap">SIE</span> sogar, um seine Fabrikanten
-in Nahrung zu setzen, einen Uhrenhandel
-mit <i>China</i> in Gang bringen. <span class="smcap">Ihr</span> weises
-Stillschweigen versteht er entweder wirklich
-nicht, oder &mdash; was glaublicher ist &mdash; er
-will es nicht verstehen, bis <span class="smcap">SIE</span> ihm denn endlich
-mit seinen, einer Kaiserin und eines
-poëtischen Philosophen so unwerthen Mercantilgesch&auml;ften
-an ein <i>costiges Handlungshaus
-assignirt</i>. Die prosaischste Leidenschaft
-unter allen, der leidige Geitz, brachte
-<i>Voltaire'n</i> vom Parna&szlig; auf eine B&ouml;rse &mdash;
- <span class="pagenum"><a id="Seite_61">[S. 61]</a></span>
-K&ouml;nig <i>Friedrich Wilhelm der Erste</i> charakterisirte
-seine Gem&auml;hlde durch die Losung:
-<i>in tormentis pinxit</i>. In der That, <i>Voltaire</i>
-schrieb hier in ebenderselben Seelenstimmung.
-Sonst pflegt das Genie den Dichter &uuml;ber sich
-selbst und alle Regeln hinweg zu setzen und
-ihm Dinge zu inspiriren, die gr&ouml;&szlig;er als er
-selbst, die g&ouml;ttlich sind, und die er selbst
-nicht umhin kann, mit Ehrfurcht und Bewunderung
-anzustaunen. Wo ist hiervon die
-kleinste Spur? Wir sind ehrgebiger, weil
-wir ehrs&uuml;chtiger sind; und <i>Voltaire</i> war
-beides in tausend F&auml;llen, nur hier gewi&szlig;
-nicht: Sein Instrument, das er sonst meisterlich
-spielte, ist v&ouml;llig verstimmt; und
-war es bei diesen Umst&auml;nden Wunder, da&szlig;
-seine Schmeicheleien Gallicismen wurden, wie
-man sie an der <i>Seine</i> t&auml;glich zu Tausenden h&ouml;ren
-kann? Die Briefe <span class="smcap">der Kaiserin</span> f&uuml;hren
-die Sprache der Natur; nur in F&auml;llen, wenn
-<span class="smcap">SIE</span> dem eitlen <i>Voltaire</i> ein Opfer bringen
-will, zahlt <span class="smcap">SIE</span> ihm M&uuml;nze von seinem Gepr&auml;ge,
-so wie jener F&uuml;rst einem unversch&auml;mten
-Poëten Verse mit Versen bezahlte. Nur auf
- <span class="pagenum"><a id="Seite_62">[S. 62]</a></span>
-eine scherzhafte Weise spricht <span class="smcap">SIE</span> von <span class="smcap">IHRER</span>
-Person, w&auml;hrend die ganze Welt nicht aufh&ouml;ren
-kann, ehrfurchtsvoll <span class="smcap">IHREN</span> Namen zu nennen;
-<span class="smcap">IHRER</span> gro&szlig;en Thaten erw&auml;hnt <span class="smcap">SIE</span> so
-wenig, als wenn sie sich von selbst verst&auml;nden
-&mdash; Immer besch&auml;ftiget, <span class="smcap">IHRE</span> <i>unerme&szlig;liche
-Monarchie</i> reich an Menschen und an
-edler Denkart zu machen, entwirft <span class="smcap">SIE</span>, w&auml;hrend
-<span class="smcap">SIE</span> die <i>Ottmannli</i> schl&auml;gt, die Conf&ouml;derirten
-in Pohlen zerstreuet, der Pest gebietet
-und den R&auml;ubereien des <i>Pugatschef</i> widersteht,
-<i>ein Gesetzbuch</i> f&uuml;r <span class="smcap">IHR</span> Volk, das <span class="smcap">SIE</span> aus allen
-Zungen und Sprachen unter dieses Gesetz
-versammelt, um, wie am Pfingstfeste, Einen
-Geist &uuml;ber dasselbe auszugie&szlig;en und es zu
-Einem Ziele zu veredlen. Gleich stark im
-<i>gro&szlig;en</i> und <i>kleinen Regierungsdienste</i>, f&uuml;hrt
-<span class="smcap">SIE</span> die Inoculation der Blattern ein, besch&auml;ftiget
-<span class="smcap">SICH</span> mit der Erziehung, erndtet tausendf&auml;ltig
-von den durch sie gestifteten Anstalten,
-erfindet und ordnet Feste an f&uuml;r den <i>Prinzen
-Heinrich</i>, und hat &mdash; Mu&szlig;e ohne Anstrich
-von Eitelkeit, an den eitlen <i>Voltaire</i> zu schreiben.
-Diese Seelen mit einander abgewogen,
- <span class="pagenum"><a id="Seite_63">[S. 63]</a></span>
-und die Wagschale wo m&ouml;glich in der Hand
-eines h&ouml;heren Wesens &mdash; welche wird fallen?
-welche steigen? Doch warum h&ouml;heren Wesens?
-So tief fielen die Menschen noch nicht,
-um nicht Ehre zu erweisen, wem Ehre geb&uuml;hrt
-&mdash; Wozu eine vollst&auml;ndige Nomenklatur
-von ber&uuml;hmten Weibern, von solchen die
-das Schicksal zu Kronen berief, und die sie
-mit W&uuml;rde trugen? &mdash; Es sei genug, eine
-<i>Margaretha von D&auml;nemark</i>, eine <i>Christina
-von Schweden</i>, eine <i>Sophia Charlotta von
-Preu&szlig;en</i> zu nennen; und von denen, die,
-wenn sie M&auml;nner gewesen w&auml;ren, diesem Geschlecht
-Ehre gemacht h&auml;tten &mdash; verdienen
-nicht eine <i>Cornelia</i>, die edle Mutter der
-Gracchen, eine <i>Arria</i> und die durch so viele
-Ger&uuml;chte gegangene <i>Johanna von Arc</i> unsere
-Bewunderung? Nach diesen Beispielen wird
-man mir ohne Zweifel den Beweis erlassen,
-da&szlig; es den weiblichen Seelen nicht an gro&szlig;en
-Anlagen fehle. &mdash; Herbst und Winter rauben
-selbst den Steineichen ihre Bl&auml;tter; allein die
-Wurzeln bleiben. Warum jene Anlagen nicht
-zur Regel werden, sondern Ausnahmen sind?
- <span class="pagenum"><a id="Seite_64">[S. 64]</a></span>
-warum sie nicht h&auml;ufiger entwickelt werden?
-sind das Fragen? Hat denn <i>unser</i> Geschlecht
-einen so gro&szlig;en &Uuml;berflu&szlig; von edlen Seelen?
-Nur selten ist die Ehre, womit <i>Ulysses</i> und
-<i>Aeneas</i>, nicht von der unpartheiischen <i>G&ouml;ttin
-der Gerechtigkeit</i>, sondern von dem oft sehr
-partheiischen launigen <i>Gott Apoll</i> kanonisirt
-wurden. Ohne Zweifel nahm <i>Homer</i> seine
-<i>Penelope</i>, <i>Andromache</i>, <i>Nausikae</i>, <i>Arete</i> aus
-der Natur; und noch immer scheinen mir die
-gr&ouml;&szlig;ere Gleichheit des dienenden und herrschenden
-Standes, die gemeinschaftlichen Arbeiten
-der Weiber und der Sklavinnen, die
-Vertraulichkeit die von dem Umstande kam,
-da&szlig; sie unter einander aufgewachsen und erzogen
-waren, die Art der weiblichen Arbeit
-und der Ertrag des Nutzens derselben jene
-Zeit f&uuml;r die Weiber unendlich ertr&auml;glicher gemacht
-zu haben, als die bleierne, in welche
-das weibliche Geschlecht zu fallen das anscheinende
-Gl&uuml;ck hatte, und welche leider!
-noch nicht von ihm genommen ist. Im Heldenalter
-waren die Sitten, wie die Liebe (von
-jeher lebten Liebe und Sitten in der genauesten
- <span class="pagenum"><a id="Seite_65">[S. 65]</a></span>
-Verbindung) roher, und es blieb im Takt!
-Die <i>damaligen &Uuml;bel</i> des weiblichen Geschlechtes
-waren ungerathene Kinder des Ungef&auml;hrs,
-dem man, bei so vielen wohlgerathenen, auch
-jene verzeihen kann; die &Uuml;bel der folgenden
-und der jetzigen Zeit sind constitutionell,
-gr&uuml;nden sich auf Unfakta und inconsequente
-Vern&uuml;nftelei! &mdash; F&uuml;rwahr, es w&uuml;rde eine
-unerh&ouml;rte und nach den angenommenen psychologischen
-Grunds&auml;tzen unerkl&auml;rbare Erscheinung
-seyn, wenn unter dem eisernen Drucke
-des Despotismus das Freiheitsgef&uuml;hl nicht endlich
-seine Spannkraft verlieren; wenn aus
-Mangel an Pflege und Wartung der herrlichste
-Boden nicht verwildern, und endlich jeder
-n&uuml;tzliche Keim ersticken; wenn &uuml;ber den Gedanken
-von entrissenem Rechte, und da&szlig; dieses
-unwiederbringlich verloren gegangen sey,
-nicht endlich auch das Andenken an jene
-Rechte selbst und die demselben entsprechenden
-Gef&uuml;hle, der Glaube an sich selbst und
-an seinen selbstst&auml;ndigen Werth, verl&ouml;schen
-sollte. Wenn Schonung, Achtung und Pflege
-der urspr&uuml;nglichen Menschenrechte, wenn vorz&uuml;gliche
- <span class="pagenum"><a id="Seite_66">[S. 66]</a></span>
-Cultur und Wartung aller edlen und
-gro&szlig;en Keime, welche die Natur in die Seele
-der Weiber legte, nie Statt findet &mdash; was ist
-da am Ende zu erwarten? Ein Kahn, der
-sich zu sehr auf die eine Seite neigt, mu&szlig;
-umschlagen &mdash; und unser Geschlecht? wenn
-es eben den chemischen Versuchen auf nassem
-und trocknem Wege, den Feuer- und Wasserproben,
-ausgesetzt w&uuml;rde; wenn diese Hiobsleiden,
-womit wir das andere Geschlecht heimsuchen,
-&uuml;ber uns verh&auml;ngt w&uuml;rden &mdash; was
-w&auml;re aus uns geworden? w&uuml;rden wir noch so
-viel Urkundliches an uns behalten haben, wie
-das andere Geschlecht &mdash;? W&uuml;rde der Mann,
-der Mensch, nicht bei uns weit mehr aufh&ouml;ren,
-als bei jenem? &mdash; O des gro&szlig;en Musters,
-welches das andere Geschlecht, nicht mit
-Pomp, wie die Stoiker und ihr Erzm&auml;rtyrer
-<i>Peregrinus Proteus</i>, beim Sterben, sondern ganz
-nat&uuml;rlich giebt, indem es nicht blo&szlig; seine
-Feinde liebt, sondern auch, und &mdash; das sagt
-mehr &mdash; seinen Freunden vergiebt! &mdash; Jenes
-gro&szlig;e Wort ist sichtbar an ihm &mdash; <i>da&szlig; es
-die Schwachheit eines Menschen und zugleich
- <span class="pagenum"><a id="Seite_67">[S. 67]</a></span>
-die Zufriedenheit eines Gottes besitzt</i>. &mdash; Doch
-warum soll ich zur&uuml;ck halten? So lange die
-Weiber blo&szlig; <i>Privilegia</i> und nicht <i>Rechte</i> haben;
-so lange der Staat sie nur wie parasitische
-Pflanzen behandelt, die ihr b&uuml;rgerliches
-Daseyn und ihren Werth nur dem Manne verdanken,
-mit welchem das Schicksal sie paarte
-&mdash; wird nicht das Weib den gro&szlig;en Beruf
-der Natur: das Weib ihres Mannes, die
-Mutter ihrer Kinder, und, kraft dieser edlen
-Bestimmungen, ein Mitglied, eine B&uuml;rgerin,
-und nicht blo&szlig; eine Schutzverwandtin des
-Staates zu seyn &mdash; nur immer sehr unvollkommen,
-und je l&auml;nger je unvollkommener, erf&uuml;llen?
-Die L&auml;nge tr&auml;gt die Last. Man gebe
-ihm aber seine Rechte wieder, und man wird
-sehen, was es ist und was es werden kann!
-Warum eine Kritik meiner namentlichen Beispiele?
-warum ein Vorwurf, da&szlig; es nur blutwenige
-Ausnahmen gebe? Nach dem reinen
-Wein unserer Philosophen kann die Tugend
-nicht wie eine sch&ouml;ne Kunst nachgeahmt werden
-und nach Beispielen (w&auml;ren sie gleich die
-ersten und besten) sich bilden. Aus dem ersten
- <span class="pagenum"><a id="Seite_68">[S. 68]</a></span>
-Princip der Selbstgesetzgebung soll sie
-flie&szlig;en, wenn sie anders &auml;cht und rein seyn
-will. Nur da ist Energie der Seele, wo man
-aus sich selbst sch&ouml;pft &mdash; und was gilt Mannigfaltigkeit
-ohne h&ouml;chste Einheit? was einzelne
-sch&ouml;ne Z&uuml;ge ohne Alles anordnende und
-ins Reine bringende Principien? &mdash; &mdash; Die
-Franz&ouml;sischen Prinzen, die ihr Vaterland verlie&szlig;en,
-erkl&auml;rten &ouml;ffentlich: an Gott, an den
-K&ouml;nig und an ihr Schwert sich wenden zu
-wollen. Drei Instanzen, wo der liebe Gott
-sich gefallen lassen mu&szlig;, die erste, das hei&szlig;t
-im juristischen Sinne die geringste, zu seyn.
-Das andere Geschlecht hat nur <i>Einen Gerichtshof</i>:
-an Gott. &Uuml;berall M&auml;nner &mdash; M&auml;nner,
-bei denen nicht Wichtigkeit des Grundes,
-sondern Mehrheit der Gr&uuml;nde gilt; und welcher
-Gr&uuml;nde? &mdash; <i>Raisons d'État</i> &mdash;? ich
-greife mir vor; wer kann sich aber zur&uuml;ckhalten?
-In der That, die Gesetze sind in
-R&uuml;cksicht der Weiber fast noch inconsequenter,
-als eine th&ouml;richte Liebe! So sehr sie
-auf Einer Seite die b&uuml;rgerlichen Rechte der
-Weiber in Absicht auf ihre Personen und ihr
- <span class="pagenum"><a id="Seite_69">[S. 69]</a></span>
-Verm&ouml;gen beschr&auml;nken, weil sie dieselben
-f&uuml;r schwach und unverm&ouml;gend, ihr eigenes
-Beste wahrzunehmen, erkl&auml;ren; so verpflichtet
-sie sich halten, das ganze Geschlecht zu
-einer immerw&auml;hrenden Vormundschaft zu versto&szlig;en:
-so schnell h&ouml;rt doch diese Schw&auml;che
-auf, Schw&auml;che zu seyn, so bald von Verbrechen
-und Strafen die Rede ist; beide Geschlechter
-werden mit einem und demselben
-Ma&szlig;e gemessen &mdash; und in der Kirche, in
-den Gerichtsh&ouml;fen, (hoffentlich auch im Himmel)
-ist kein Ansehen der Person zwischen
-Mann und Weib: sie sind einerlei Leib und
-einerlei Seele. Ehre dem <i>Divus Justinianus</i>,
-der, mit mehr Zusammenhang als unsere Gesetzgeber,
-wegen der gr&ouml;bsten Vergehungen
-dem sch&ouml;nen Geschlechte keine Zurechnung
-zumuthete, und es &uuml;ber alle Strafen wegsetzte!
-&mdash; Nach seiner Meinung war ein Weib
-so gut, da&szlig; es zu nichts taugte, wogegen es
-bei uns doch wenigstens einer Bestrafung &mdash;
-welch ein Vorzug! &mdash; w&uuml;rdig geachtet wird.
-Bei uns steht es unter dem Gesetze; bei ihm
-stand es nur unter der Gnade. &mdash; Wahrlich!
- <span class="pagenum"><a id="Seite_70">[S. 70]</a></span>
-man kann nicht l&auml;ugnen, da&szlig; es bei uns einen
-Schritt zur Verbesserung gethan hat, obgleich
-seine Vollendung, die im weiten Felde geblieben,
-noch ein Wunder in unsern Augen
-ist &mdash; Ja wohl, ein Wunder! &mdash; Die Ewigkeit
-der H&ouml;llenstrafen hat ihre Bestreiter gefunden,
-und dieses H&ouml;llenr&auml;thsel wird zu unserer
-knotenl&ouml;senden Zeit, wo die kalte Philosophie
-so manches abk&uuml;hlt, durch die ewigen
-Folgen ins Reine gebracht, welche von keiner
-b&ouml;sen Handlung getrennt werden k&ouml;nnen; die
-Sklaverei des andern Geschlechtes inde&szlig; bleibt
-ein Wurm, der nie stirbt, und ein Feuer das
-nie verlischt. &mdash; <i>Gerechtigkeit!</i> man hat dir
-die Binde genommen; und doch siehst du
-nicht, da&szlig;, wenn gleich alle Handlungen, die
-mit den Personen und dem Verm&ouml;gen des andern
-Geschlechtes in Beziehung stehen, ohne
-einen gesetzlichen Beistand ung&uuml;ltig sind und
-ohne allen b&uuml;rgerlichen Effekt bleiben, deine
-armen Unm&uuml;ndigen durch alle sittliche und
-b&uuml;rgerliche Gesetze in eben dem Ma&szlig;e wie
-die M&auml;nner verbunden werden! Selbst nicht
-bei Gesetzen wider die Contrebande ist nach
- <span class="pagenum"><a id="Seite_71">[S. 71]</a></span>
-dem Curator die Frage, und ob in dessen Assistenz
-dem Kaiser nicht gegeben ward, was
-des Kaisers ist &mdash; und doch ist ein Weib dem
-Staate nur durch den Mann verwandt und zugethan:
-Nur <i>er</i> huldigte ihm und seinen Gesetzen.
-Ist es Wunder, wenn Weiber die
-Gesetze befolgen, wie die Nonne den Psalter
-singt? wenn sie den ernsthaften Anordnungen
-des Staates eine Folie des L&auml;cherlichen unterlegen,
-und sich da noch Auslegungen derselben
-erlauben, wo blinder Gehorsam erfordert
-wird? War je eine &auml;rgere L&ouml;wengesellschaft?
-und trift es irgendwo kl&auml;rer ein, da&szlig; man
-gr&ouml;&szlig;ere Diebe laufen l&auml;&szlig;t, und kleinere zu
-h&auml;ngen sich nicht entbricht? Staaten, die
-zum Schutze der Menschenrechte entstanden,
-entziehen ihn der H&auml;lfte ihrer b&uuml;rgerf&auml;higen
-Einwohner! &mdash; Es ist nat&uuml;rlich, wenn der
-Wille sich da str&auml;ubt, wo die Vernunft so
-viele Steine des Ansto&szlig;es und Felsen des &Auml;rgernisses
-findet &mdash; &mdash; Leiden einzelner Menschen
-(besonders wenn diese nicht die verdammlichen
-Urheber davon sind) vollenden,
-und nichts was gro&szlig; war, kam ohne sie je
- <span class="pagenum"><a id="Seite_72">[S. 72]</a></span>
-zur Reife; Leiden aber, die einem ganzen
-Volke nicht von der Natur und vom Schicksal,
-sondern blo&szlig; willk&uuml;hrlich zugef&uuml;gt werden,
-hemmen allen Muth: sie erschlaffen und
-entseelen die edelsten V&ouml;lker, so da&szlig; man ihre
-St&auml;tte nicht mehr findet. &mdash; Ewig Schade
-um alle die Fortschritte, die durch jene m&auml;nnliche
-Grausamkeit gehemmet werden! Welch
-ein Stoff mu&szlig; im andern Geschlechte liegen,
-da er allen diesen Hindernissen noch bis jetzt
-so stattlichen Widerstand leistete! &mdash; Doch,
-unm&ouml;glich k&ouml;nnten die Weiber noch seyn,
-was sie sind, und die Lage behaupten, in der
-sie sich befinden, wenn nicht Geschlechterneigung
-und Reitze ihnen Subsidien geleistet
-h&auml;tten. So hat bis jetzt die Natur den Menschen
-noch nie ganz verlassen, wenn er ihr
-auch unerkenntlich den R&uuml;cken kehrte! Ein
-gewisser gl&uuml;cklicher Zustand, nach welchem
-den Menschen wenig zu w&uuml;nschen, allein eben
-darum viel zu bef&uuml;rchten &uuml;brig bleibt, macht
-sie ungl&uuml;cklich: &mdash; sie erstreben nichts; ihre
-Seele verliert den Schwung, ihr Geist das
-Geistige; und so wie dieser gl&uuml;cklich-ungl&uuml;ckliche
- <span class="pagenum"><a id="Seite_73">[S. 73]</a></span>
-Zustand das Schicksal vieler regierenden
-Herren ist, die ihren Beruf nur von der Seite
-der Hoheit und der Macht kennen, auf
-Kleinigkeiten fallen, und Nebendinge der Regierung,
-oder gar solche die ihres Amtes nicht
-sind, zu Hauptsachen erheben: so scheint er
-auch &uuml;berhaupt auf dem k&ouml;niglichen Geschlechte
-der M&auml;nner zu ruhen. Dieses sucht mehr
-durch Ausfl&uuml;chte, als durch Muth und Weisheit,
-den Gefahren zu begegnen; es spielt
-mehr den Herrn und Meister, als da&szlig; es beides
-w&auml;re; an Willk&uuml;hr gew&ouml;hnt, verlernt es,
-auf Mittel zu sinnen; zur Herrschaft geboren
-und erzogen, denkt es nicht darauf sie zu verdienen;
-es vernachl&auml;ssigt sich, da es keinen
-Anreitz hat und zu keinem edlen Wettlaufe
-sich in seinem Hause anstrengen darf; es f&auml;llt
-zusammen, da es sich nicht die M&uuml;he giebt,
-sich gerade zu halten. Man sage nicht, da&szlig;
-die M&auml;nner bei andern M&auml;nnern Licht anschlagen
-k&ouml;nnen; Tyrannen sind verzagt, und kriechen
-&uuml;berall, wo sie nicht befehlen d&uuml;rfen.
-Wahrlich! nicht nur Weiber, sondern auch
-wir, haben durch jene Herabw&uuml;rdigung des
- <span class="pagenum"><a id="Seite_74">[S. 74]</a></span>
-andern Geschlechtes verloren &mdash; wer am meisten?
-Ist es zum Beispiel ein Wunder, wenn
-das fr&auml;uliche Geschlecht falsche M&uuml;nze gegen
-falsche M&uuml;nze wechselt, und die Tyrannei
-des Herrn Gemahls mit Augendienst erwiedert?
-&mdash; Ist es ein Wunder, wenn alle beide
-sich das Leben verbittern, und bei dem
-wohlseligen Hintritt des Herrn Gemahls &mdash;
-Gott tr&ouml;ste ihn! &mdash; die am pompreichen Leichenger&uuml;ste
-wohlangebrachten Genien die einzigen
-sind, die ohne End' und Ziel, Thr&auml;nen
-vergie&szlig;en, womit sie den letzten Funken der
-umgekehrten Fackeln ausl&ouml;schen, w&auml;hrend die
-trostvolle Frau Wittwe, unter einer ehrw&uuml;rdigen
-Decke, ihre Rolle meisterlich spielt und
-fr&ouml;hlich und guter Dinge ist? &mdash; Von Anbeginn
-ist es nicht so gewesen.</p>
-
-
-<hr class="chap" />
-<p class="break" />
-
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_75">[S. 75]</a></span></p>
-
-
-<h2 id="III">III.<br />
-
-<span class="smcap">Woher die &Uuml;berlegenheit des Mannes<br />
-&uuml;ber die Frau entstanden?</span></h2>
-
-<p class="center pmb1"><span class="smcap">R&uuml;ckblicke auf die &auml;lteste Zeit.</span></p>
-
- <div class="figcenter">
- <img src="images/tb_001.jpg" alt="Dekoration" />
- </div>
-<p class="pmb1" />
-
-<p>Wenn die Weiber mit den M&auml;nnern von
-der Natur zu gleichen Rechten berufen sind;
-wenn sie sich im Besitz von gleichen K&ouml;rper-
-und Geistesanlagen befanden und zum Theil
-noch befinden: <i>wo</i>, <i>wann</i> und <i>wie</i> entstand
-denn die &Uuml;berlegenheit des Mannes &uuml;ber das
-Weib? was gab dem Manne das Schwert
-in die Hand? und was verwies das Weib an
-die Spindel? Diese Fragen, die jeder sich
-aufwerfen mu&szlig;, der zu fragen versteht, wenn
-gleich die gr&ouml;&szlig;ere Kunst zu antworten ihm
-nicht gegeben seyn sollte, haben allerdings nicht
-wenig von der Natur jenes weltber&uuml;hmten Knotens,
-der, da er gesch&uuml;rzet war, auch wieder
-h&auml;tte aufgel&ouml;set werden sollen, den aber <i>Alexander</i>,
-nach der Weise vieler unserer Dichter,
- <span class="pagenum"><a id="Seite_76">[S. 76]</a></span>
-zu zerhauen die un&auml;sthetische Dreistigkeit
-hatte. St&auml;nden wir dem <i>Wann</i> und <i>Wo</i>, der
-Zeit und dem Raume nach, n&auml;her; so w&uuml;rde
-es wahrscheinlich keines <i>Oedips</i> bed&uuml;rfen, um
-bei dieser Meisterfrage eine akademische Pr&auml;mie
-von drei&szlig;ig Silberlingen zu gewinnen,
-und das <i>Wie</i> obendrein zur allgemeinen Befriedigung
-zu beantworten. Allein da &uuml;ber das
-<i>Wann</i> und <i>Wo</i> in keiner Chronik und keiner
-Topographie ein todtes, geschweige denn ein
-lebendiges, Wort zu finden ist; so m&uuml;ssen,
-bis die Hieroglyphen an den Pyramiden enth&uuml;llt
-seyn werden, oder bis uns ein bisher
-verborgenes Denkmahl dar&uuml;ber seine Aufschl&uuml;sse
-nicht l&auml;nger vorenth&auml;lt, das <i>Irgendwo</i> und das
-<i>Irgendwann</i> bei dieser gro&szlig;en Katastrophe zur
-Unterlage dienen, und das <i>Wie</i>, in Ermangelung
-der Geschichte, durch eine Conjektur
-der Vernunft aufgel&ouml;set oder &mdash; zerhauen werden.
-Alles, wobei es auf Thatsachen ankommt,
-kann nur bis auf einen gewissen Zeitpunkt
-hin verfolgt werden. Da wo die Sonne
-der Geschichte untergeht und sogar der Mond
-der Fabel sein entlehntes Licht entzieht, bleibt
- <span class="pagenum"><a id="Seite_77">[S. 77]</a></span>
-der Vernunft nichts &uuml;brig, um sich zu orientiren,
-und sie irret in dem unbegrenzten Meere
-der M&ouml;glichkeit, ohne zu wissen, woher
-und wohin? Was hier &uuml;ber Geschichte und
-Fabel hinausgeht, ist (da die ersten Sagen
-der V&ouml;lker davon, als von einer Sache, die
-vor ihnen war, sprechen) derjenige Zustand
-des Menschen, wo jedes einzelne Individuum,
-ohne einige Verbindung mit andern seiner Art,
-in der vollkommensten Unabh&auml;ngigkeit, blo&szlig;
-von den Fr&uuml;chten des Bodens den es durchstrich,
-lebte, ohne durch eine andere Zubereitung,
-als die man von der Natur selbst erhielt,
-ihr zu H&uuml;lfe zu kommen. Die Menschen
-hingen vom Boden und sonst von nichts
-weiter ab &mdash; Ob es einen dergleichen Zustand
-wirklich gegeben? ob je der Mensch (das
-geselligste unter allen bekannten Thieren, trotz
-jenen frommen Orang-Utangs in der Thebaischen
-W&uuml;ste, und ihren j&uuml;ngeren Br&uuml;dern,
-die es doch behaglicher gefunden haben, sich
-aus Eremiten zu C&ouml;nobiten umzuformen) in
-einem solchen Zustande war &mdash; mag <i>Hans Jakob</i>
-verantworten, an dessen Grabe es hei&szlig;t: <i>Ici</i>
- <span class="pagenum"><a id="Seite_78">[S. 78]</a></span>
-<i>reposé l'homme de la nature et de la vérité</i> &mdash;
-Dergleichen Hans Jakobsche Kinder der Natur
-hat weder <i>Colombo</i>, noch sein M&auml;rtyrer von
-Nachfolger, <i>Cook</i>, gesehen &mdash; Allenthalben
-wo diese hinkamen, waren schon die ersten
-Umrisse der Gesellschaft gezeichnet, Familienverh&auml;ltnisse
-(wenn gleich unvollkommen) gegr&uuml;ndet
-und Spuren (wiewohl freilich oft nur
-sehr schwache) von Cultur und Kunstprodukten
-vorhanden. Bei den allerrohesten V&ouml;lkern fanden
-sie schon H&uuml;tten, eine Art von Zubereitung
-der Nahrungsmittel, und bei den meisten auch
-die ersten Anf&auml;nge zu einer Bekleidung des
-K&ouml;rpers. Wo sie sich lange genug aufhielten,
-und wo es ihnen gl&uuml;ckte, sich durch Zeichen
-zu verst&auml;ndigen, &uuml;berzeugten sie sich, da&szlig;
-diese dem Naturstande anscheinend so nahe
-angr&auml;nzenden Menschen schon lange, und weit
-&uuml;ber ihre &Uuml;berlieferungen hinaus, immer an
-dieser Stelle und diesem Orte gestanden hatten.
-Auch nicht die mindeste Ahndung ging
-unter ihnen im Schwange, da&szlig; es au&szlig;er dem
-Punkte, wo sie sich befanden, noch andere
-ober- oder unterw&auml;rts geben k&ouml;nne. So einfach
- <span class="pagenum"><a id="Seite_79">[S. 79]</a></span>
-und in so geringer Zahl ihre Familien-,
-Haus- und Nahrungsgesch&auml;fte auch immer seyn
-mochten, da ihre Bed&uuml;rfnisse noch wenig &uuml;ber
-die der thierischen Natur hinausgingen; so
-leicht ihre Nothd&uuml;rftigkeiten gestellt werden
-konnten, da die Kunst sie nicht verw&ouml;hnt
-hatte: so waren unter den beiden Geschlechtern
-doch schon <i>Casten</i> errichtet, und eine
-Scheidung vorgefallen in dem, was Gott zusammen
-gef&uuml;gt hat. Je unvollkommener auf
-der Einen Seite hier die gesellschaftliche Verfassung
-war; je schwerer es fiel, das thierische
-Bed&uuml;rfni&szlig; zu befriedigen, weil die Natur den
-Boden, oder die W&auml;lder (die k&ouml;niglichen
-Residenzen dieser Menschen) oder die Fl&uuml;sse
-und Meere nur karg mit den Mitteln dazu ausgestattet
-hatte: um desto h&auml;rter war das Loos,
-welches dem weiblichen Theile dieser halbgez&auml;hmten
-Menschenklasse fiel. Das Leben des
-Mannes war vorz&uuml;glich zwischen Genu&szlig; und
-Ruhe getheilt, wenn ihn nicht dringendes Bed&uuml;rfni&szlig;
-zur Jagd oder zum Fischfang aufforderte.
-Das Weib begleitete ihn nur selten als
-Geh&uuml;lfin, weil ihm die Pflicht die Speisen zu
- <span class="pagenum"><a id="Seite_80">[S. 80]</a></span>
-bereiten oblag, w&auml;hrend das Mannthier seine
-Glieder in der Sonne dehnte. Freilich nur
-schwache, unbefriedigende Data zur Aufl&ouml;sung
-der aufgeworfenen Frage; inde&szlig; doch etwas,
-um uns auf <i>Mehr</i> zu bringen &mdash; wie jene
-&Uuml;bermacht entstand, welche auf die eine H&auml;lfte
-des menschlichen Geschlechtes alles <i>L&auml;stige</i>
-w&auml;lzte, und sich dagegen allen <i>Vortheil</i> weislich
-vorbehielt. &mdash; Scheint nicht die Natur
-durch Schwangerschaft und Geburt den ersten
-Fingerzeig <i>zu diesem Verlust &uuml;ber die H&auml;lfte</i>,
-bei der Theilung des menschlichen Werthes,
-gegeben zu haben? Wenn dieses Antheil, das
-den Weibern zufiel, auch noch so sehr erleichtert
-wird; wenn es auch noch so k&ouml;stlich ist: &mdash;
-kann es auf eine andere Rubrik als auf M&uuml;he
-und Noth gerechten Anspruch machen &mdash;?
-Der Mann scheint zum Vergn&uuml;gen berufen zu
-seyn, das Weib dagegen zu Kummer und
-Elend &mdash; Wenigstens liegen in dem Familienverh&auml;ltni&szlig;,
-in der Art und Weise wie die
-Keime der Geselligkeit sich zuerst bei den
-Menschen entwickelten und worauf ihn vielleicht
-das Zeugungs-Gesch&auml;ft brachte, entfernte
- <span class="pagenum"><a id="Seite_81">[S. 81]</a></span>
-Winke und Hieroglyphen, wodurch der
-gesellschaftliche Zustand, welcher dem menschlichen
-Geschlecht einen so erstaunlichen
-Schwung gab, der Einen H&auml;lfte des Geschlechtes
-so nachtheilig ward &mdash; Wiederholung der
-n&auml;mlichen Umst&auml;nde pflegt die D&uuml;rftigkeit derselben
-zu bedecken, als ob Erm&uuml;dung Erg&auml;nzung
-w&auml;re; und selbst unsere Philosophen
-sind oft in dem Falle jenes Kranken, dem der
-Arzt erlaubte, t&auml;glich einen L&ouml;ffel voll Wein
-zu nehmen, und der sich einen L&ouml;ffel von
-vier Quart machen lie&szlig; &mdash; sie sind da am beredtsten,
-wo sie am k&uuml;rzesten seyn k&ouml;nnten,
-weil sie hier am wenigsten wissen. &mdash; Es sei
-mir erlaubt, jene Data durch R&uuml;ckblicke auf
-die Geschichte, das Noth- und H&uuml;lfsb&uuml;chlein
-in allen Lebensf&auml;llen, zu verst&auml;rken oder zu
-schw&auml;chen &mdash; meine Leser m&ouml;gen den eigentlichen
-Ausdruck suchen; doch, wenn ich bitten
-darf, nicht auf meine Kosten, sondern
-mir zum Besten.</p>
-
-<p>Schon in den &auml;ltesten urkundlichen Nachrichten
-&uuml;ber den gesellschaftlichen Ursprung
-der Menschen, finden sich Spuren von einer
- <span class="pagenum"><a id="Seite_82">[S. 82]</a></span>
-Ungleichheit der beiden Geschlechter, und
-von Zur&uuml;cksetzungen des weiblichen &mdash; wohin
-auffallend die Vielweiberei geh&ouml;rt.</p>
-
-<p>Wie despotisch ist der Gedanke, da&szlig; ein
-Mann sich befugt halten konnte, mehr als Ein
-Weib zu besitzen, indem bei einer Berechnung
-an den Fingern sich herausbringen l&auml;&szlig;t,
-da&szlig; er durch diese Verschwendung Andere
-zum Darben bringt! Wahrlich, die Vielweiberei
-ist ein Umstand, der sich weder mit
-Seele noch mit K&ouml;rper vertr&auml;gt, und nicht nur
-der Vernunft, sondern selbst einer Leidenschaft
-widerspricht, die (wie die Kinder reicher und
-vornehmer Leute) durch die Schule der Vernunft
-gelaufen ist. Wo ein Mann mehr als
-Ein Weib hat, wird jener Tyrannenrath erf&uuml;llt:
-Theile und regiere (<i>divide et impera</i>).
-Die Weiber mu&szlig;ten auf diesem Wege des
-ihnen so nachtheiligen m&auml;nnlichen Luxus ihre
-Abh&auml;ngigkeit im h&ouml;chsten Grade f&uuml;hlen;
-und wenn gleich die Sultanin des Tages sich
-einen Vorzug vor ihren Colleginnen anma&szlig;te:
-so w&auml;hrte dieses Ansehen, das sie sich gab,
-doch nicht lange, und bald &uuml;berzeugte sie
- <span class="pagenum"><a id="Seite_83">[S. 83]</a></span>
-sich, da&szlig; unter Sklavinnen keine Rangordnung
-Statt finde.</p>
-
-<p>Die Geschichte der <i>Sara</i> und <i>Hagar</i> scheinet
-zu beweisen, da&szlig; die Kebsweiberschaft
-nicht gleich anf&auml;nglich blo&szlig; in dem eignen
-Belieben des Mannes gestanden, und da&szlig; er
-anf&auml;nglich verpflichtet gewesen, die Genehmigung
-seiner Frau einzuholen, eh' er sich ein
-Kebsweib beilegen konnte. Auch scheinet sich
-aus dieser Kebs-Geschichte zu ergeben, da&szlig;
-dergleichen Contrakte nicht auf die ganze Lebensdauer
-gegangen, und da&szlig; oft noch vor
-Ablauf der contraktm&auml;&szlig;igen Zeit der Engel
-des Gewissens, und der Schutzgeist warnender
-Umst&auml;nde dem Manne zugerufen:</p>
-
-<blockquote>
-<p><i>sto&szlig; die Magd hinaus mit ihrem Sohne!</i></p>
-</blockquote>
-
-<p>Schon hab' ich mein Herz ausgesch&uuml;ttet, da&szlig;
-der erste Grund zu der m&auml;nnlichen Anma&szlig;ung
-eines Vorzuges vor dem Weibe, in dem
-Gange aufzusuchen sei, den die Bildung des
-gesellschaftlichen Zustandes nahm. Ob die
-Art, wie die geselligen Keime sich bei den
-Menschen entwickelten, die einzig m&ouml;gliche;
-oder ob unter mehreren m&ouml;glichen <i>die</i>, auf
- <span class="pagenum"><a id="Seite_84">[S. 84]</a></span>
-welche die Menschen von der Natur geleitet
-wurden, der schmale Weg sei, der zum Leben
-f&uuml;hret: das sind Nebenfragen, die, so wie
-ihre Stammmutter, vielleicht noch lange, vielleicht
-immer, unentschieden bleiben werden.</p>
-
-<p>So viel scheint ausgemacht, da&szlig; diese Keime
-sich &uuml;berall durch &auml;hnliche Veranlassung
-entwickelt haben m&uuml;ssen, indem sie (ein Beweis,
-dessen ich gern ent&uuml;briget w&auml;re) f&uuml;r das
-weibliche Geschlecht einerlei nachteilige Folgen
-hervorgebracht haben. Die Gesellschaft
-ist die Quelle alles Gl&uuml;cks und alles Ungl&uuml;cks,
-das je dem menschlichen Geschlechte zufiel;
-und noch ist nicht erschienen, was die Menschen
-durch sie werden k&ouml;nnen und durch
-sie &mdash; seyn werden. Wir wissen aber, da&szlig;,
-wenn es erscheinen wird, wenn wir das heilige
-Gesetz beobachten, und dasselbe, so
-wie Gott, nicht f&uuml;rchten sondern lieben,
-wir Gott &auml;hnlicher seyn und die Krone des
-Lebens tragen werden. Eine Hoffnung, die
-<i>Plato</i> nicht den <i>Traum des wachenden Menschen</i>
-nennen mu&szlig;, und bei welcher Glaube
-an das menschliche Geschlecht zum Grunde
- <span class="pagenum"><a id="Seite_85">[S. 85]</a></span>
-liegt. K&ouml;nnt' ich doch hinzuf&uuml;gen: <i>wahrer
-und lebendiger Glaube!</i> aber noch ist solcher
-in Israël nicht gefunden &mdash; Dieser Glaube
-ist <i>Welt-Patriotismus</i>.</p>
-
-<p>Darf ich mir ein- f&uuml;r allemal die Erlaubni&szlig;
-auswirken, r&uuml;ckblicken zu d&uuml;rfen, ohne
-von irgend einer kritischen Feder das Schicksal
-von <i>Loths Weibe</i> zu bef&uuml;rchten zu haben?</p>
-
-<p>Zum Fischefangen und Vogelstellen hat jeder
-Mensch noch immer einen so besonderen
-Hang, da&szlig; gereimte und ungereimte Warnungstafeln
-aush&auml;ngen m&uuml;ssen, um den Menschen
-von diesen Urbesch&auml;ftigungen abzuleiten, und
-ihn, bei den erweiterten und verz&auml;rtelten Bed&uuml;rfnissen,
-zu andern nothwendig gewordenen
-k&uuml;nstlichern Nahrungsquellen zu gew&ouml;hnen.
-Der bekannte <i>St. Evremont</i> war bis an sein
-Ende wohlbestallter Entenh&uuml;ter zu St. James;
-jener Schweizer in Frankreich erbat sich die
-Anwartschaft auf die Hofstelle des Rhinoceros
-&mdash; jener Gelehrter bei dem Hofe <span class="smcap">Friedrichs
-II</span> den vacant gewordenen Atheistenplatz;
-und zu wie vielen Rhinoceros- und Atheisten-Posten
-m&uuml;ssen sich Menschen nicht herablassen,
- <span class="pagenum"><a id="Seite_86">[S. 86]</a></span>
-um ihr t&auml;gliches Brot nach der heutigen
-Auslegung zu erreichen, wovon der Vogelsteller
-und Fischf&auml;nger kein lebendiges Wort
-wu&szlig;te, keinen Traum oder todten Gedanken
-kannte!</p>
-
-<p>Ob J&auml;ger <i>Esau</i> auch ein Fischf&auml;nger gewesen,
-ist nicht bemerkt, und die Herren Juristen
-w&uuml;rden ohne allen Zweifel einen artigen
-Fang machen, wenn es <i>ausgemittelt</i> w&auml;re, (ein
-Lieblingswort dieser Herren, die doch so oft
-<i>zweckreich</i> und <i>mittelarm</i> zu seyn pflegen) da&szlig;
-der Fischfang schon in den &auml;ltesten Zeiten
-unter der Jagd begriffen gewesen sei.</p>
-
-<p>Warum das weibliche Geschlecht sich
-nicht die blutarme Fischerei zugeeignet habe,
-um dem nach Blut d&uuml;rstenden Manne das
-Wild zu &uuml;berlassen? ist eine Frage, die sich
-bei dieser Gelegenheit von selbst aufwirft.
-Vielleicht nahm das Weib an allem Theil &mdash;
-vielleicht stand es dem Manne nirgends nach;
-vielleicht hinderten es nur die letzten Stunden
-der Schwangerschaft, und sechs Stunden nach
-der Niederkunft, an den Gesch&auml;ften des Oberj&auml;germeisters,
-seines Mannes, unmittelbaren
- <span class="pagenum"><a id="Seite_87">[S. 87]</a></span>
-Antheil zu nehmen &mdash; Die Gottheit der Jagd,
-<i>Diana</i>, war bei den j&uuml;ngeren Alten <i>generis
-foeminini</i> &mdash;</p>
-
-<p>Dieser Stillstand, den Schwangerschaft und
-Niederkunft verursachten, war, von so kurzer
-Dauer er auch immer seyn mochte, ohne
-Zweifel der Grund des weiblichen Falles. In
-diesen Zwischenzeiten der Mu&szlig;e war es vielleicht,
-wo das Weib, durch einen dem Geschlecht
-eigenen und mit seiner Bestimmung
-vielleicht genau zusammenhangenden Instinkt
-zu sparen, sich sein Sklavenschicksal bereitete.
-Warum folgte es nicht der g&ouml;ttlichen Lehre:
-&raquo;sorget nicht f&uuml;r den andern Morgen; es ist
-genug, da&szlig; ein jeder Tag seine eigene Plage
-habe!&laquo; So lange die Nahrungsquellen ergiebig
-waren, fiel dem Manne nie der Gedanke an
-das Aufbewahren ein; sein Jagdrevier war seine
-Speisekammer, zu der alles, was Leben
-und Odem hatte, geh&ouml;rte &mdash; eine lebendige
-Speisekammer, bei der er vor dem verdorbenen
-Geschmack an faul gewordenem Wildbret
-sehr sicher war! einem Geschmack, der bei allem
-&mdash; das leidige Geld nicht ausgenommen &mdash;
- <span class="pagenum"><a id="Seite_88">[S. 88]</a></span>
-Statt findet, was man in Scheuren sammelt,
-denen ohnedies das Motto angeschrieben ist:
-<i>du N</i> &mdash; <i>heute wird man deine Seele von dir
-fordern; und was wird seyn das du gesammelt
-hast?</i> &mdash; Doch auch dem Geitzhals, dem
-Teufel, mu&szlig; man einen Vertheidiger beiordnen
-&mdash;; und in der That ist die Sorge f&uuml;r
-den andern Morgen, wenn sie rechter Art ist
-und in ihren Schranken bleibt, eine nicht gemeine
-Vernunft&auml;u&szlig;erung. Der Gedanke: &raquo;heute
-ohne Hunger zu jagen, um morgen nicht
-aus Mangel an Wildbret fasten zu d&uuml;rfen,&laquo;
-enth&auml;lt &mdash; ungeachtet jener g&ouml;ttlichen Lehre,
-f&uuml;r den andern Morgen nicht zu sorgen &mdash; so
-viel &Uuml;berlegung in sich, wie in den K&ouml;pfen
-einer ganzen Heerde von Wilden nicht Platz
-hatte. Auch hier mu&szlig;te das Weib dem Manne
-aushelfen, und wo es auf Vernunftgebrauch
-ankam, scheint immer das Weib die Bahn
-gebrochen zu haben. Jene Verlegenheit, in
-die es die letzten Stunden der Schwangerschaft
-und die ersten nach der Geburt verwickelten,
-leitete es, kraft des instinktartigen Gef&uuml;hls,
-zur Selbsterhaltung, die ihm wegen der Erhaltung
- <span class="pagenum"><a id="Seite_89">[S. 89]</a></span>
-des S&auml;uglinges noch dringender ward, an
-der Hand der Vernunft, weise und m&auml;chtig
-auf Vorrath zu denken, sich heute etwas zu
-entziehen, um morgen nicht ganz entbehren
-zu m&uuml;ssen. Diese Aufbewahrung von Vorr&auml;then,
-welche anf&auml;nglich blo&szlig; gelegentlich und
-nur so lange geschah, als es die Umst&auml;nde verlangten,
-ward nach und nach, je nachdem die
-Menschen sich mehrten und die Nahrungsquellen
-&auml;rmer wurden, wiederholt, und mit der
-Zeit best&auml;ndig. Wenn es wahr ist, da&szlig; in
-vielen F&auml;llen Thiere die Lehrer der Menschen
-gewesen sind; so wird das Vorrathsammeln
-ohne Zweifel zu dem Lektionskatalogus dieses
-Unterrichtes geh&ouml;ren. Der Instinkt (der sich
-zur Vernunft, wie der Tanzb&auml;rleiter zum Hodogeten,
-verh&auml;lt) hat seine Kinder schneller
-und sicherer an Ort und Stelle gebracht,
-als die sich Zeit nehmende kalte Vernunft die
-werthen Ihrigen. Gewi&szlig; sammelten die Biene
-und die Ameise fr&uuml;her als der Mensch;
-vielleicht versteckte das Alterthum diese Wahrheit
-unter der Fabel von den Myrmidonen. &mdash;
-Nicht etwa blo&szlig; Neugierde, wie einige wollen,
- <span class="pagenum"><a id="Seite_90">[S. 90]</a></span>
-sondern Beobachtungsanlage lenkte ohne
-Zweifel zuerst das Weib auf diese Experimental-Unterweisung.
-Vorr&auml;the erforderten
-best&auml;ndige Aufsicht, n&auml;here Einrichtung
-und Bearbeitung; und so entstand Hausrath.
-Irgend ein Zufall, und ohne Zweifel die Anh&auml;nglichkeit
-mancher Thiere an den Menschen,
-lehrte ihn (wahrscheinlich zuerst das Weib),
-einige Gattungen von Thieren zu seinem best&auml;ndigen
-Brauch und Dienste zu z&auml;hmen; und
-so vermehrte sich durch diese Dienstboten,
-die man im Falle der Noth auch zur Nahrung
-nahm, der Haushalt. Jetzt mu&szlig;ten die Gesch&auml;fte
-getheilt werden; und da w&auml;hlte denn
-der Mann die Jagd, das Weib den Haushalt.
-So ward das Weib allm&auml;hlich die Befehlshaberin
-der Hausthiere, und eh' es sich's versah,
-das erste Hausthier selbst. Das arme Weib!
-Doch was kann weiter befremden? ward es
-doch durch jene Revolution, wodurch es die
-Freiheit an's Licht brachte, eine Sklavin!</p>
-
-<p>Allm&auml;hlich fingen die Vortheile und Nachtheile,
-welche mit den unter beiden Geschlechtern
-so sehr verschiedenen Lebensarten verkn&uuml;pft
- <span class="pagenum"><a id="Seite_91">[S. 91]</a></span>
-waren, immer mehr an sichtbar zu
-werden. Der K&ouml;rper des Mannes, durch die
-Beschwerlichkeiten der Jagd oder Fischerei abgeh&auml;rtet,
-fest, gelenk und stark, behauptete
-auch einen Einflu&szlig; auf seine Seele. An Gefahren
-gew&ouml;hnt, ward er durch diese Gewohnheit
-muthig, unerschrocken, standhaft, und
-f&uuml;hlte seine &Uuml;berlegenheit &uuml;ber Alles, was
-nicht Mann war, mithin auch &uuml;ber sein Weib,
-dessen k&ouml;rperliche Kr&auml;fte aus Mangel an Gelegenheit
-unentwickelt blieben, und das, aus
-Unbekanntschaft mit Gefahren, diese zu f&uuml;rchten
-anfing, da hingegen der Mann, vertraut mit
-der Gefahr, sie vermeiden oder bestehen lernte.
-Mit kleinlichen Gegenst&auml;nden und mit
-Thieren umgeben, die Zaum und Gebi&szlig; geduldig
-trugen, sank das Weib nach und nach
-an K&ouml;rper und Seele zu einer niederen Stufe
-herab, und lernte geduldig, sich bei seinem
-Despoten mit der Stelle einer ersten Sklavin
-begn&uuml;gen. Sklavin! Ohne Zweifel brachten
-zahm gemachte Thiere den Menschen auf diesen
-unmenschlichen Gedanken, und dies
-schreckliche Wort w&uuml;rdigte die Menschheit
- <span class="pagenum"><a id="Seite_92">[S. 92]</a></span>
-so tief herab, da&szlig; die verrufene M&uuml;nze keine
-Spur mehr von Bild und &Uuml;berschrift der vorigen
-Zeiten an sich trug. So wie unfehlbar
-das Weib durch den Besitz gez&auml;hmter Thiere
-das Hirtenleben erfand und einf&uuml;hrte, so wird
-eben dasselbe, da es mehr an Einen Ort und
-an Eine Stelle gebunden war, auch zu Anpflanzungen
-und zum Ackerbau Gelegenheit
-gegeben haben. Gewi&szlig; hat es den ersten
-Sallat zum Wildbraten des Mannes bewirkt.
-Eine Wurzel, K&ouml;rner &mdash; die, in Ermangelung
-eines Alderman-Schmauses, von einem
-antipythagorischen Bohnenmahl &uuml;brig geblieben
-waren, und die man, weil es fettere Bissen
-gab, nicht achtete &mdash; wurzelten und mehrten
-sich um die H&uuml;tte herum, bis es dem
-Weibe einfiel, absichtlich zu pflanzen und zu
-s&auml;en. So entstand von der Hand des Weibes
-vielleicht der erste Garten, den englischen
-Garten <i>Eden</i> ausgenommen; und der Gartenbau
-ist auch gr&ouml;&szlig;tentheils in den H&auml;nden der
-Weiber geblieben, bis auf den heutigen Tag.
-Auch hat das Weib wahrscheinlich in Allem
-zuvor Probe gegessen und dem Manne zur
- <span class="pagenum"><a id="Seite_93">[S. 93]</a></span>
-Sicherheit, theils wegen der Unsch&auml;dlichkeit,
-theils wegen des Wohlgeschmacks, gedient. &mdash;
-Noch jetzt ist das h&ouml;chste Ziel der Kochkunst
-ein Vorzug der Weiber. &mdash; Der Wechsel,
-den das Weib an seinem eignen K&ouml;rper erfuhr,
-gew&ouml;hnte es an die Witterung, und
-lehrte es so sehr auf die Zeit merken, wie
-den Unbestand der Witterung &uuml;berstehen; und
-so ward durch das Weib vielleicht beides, das
-Hirtenleben und der Ackerbau, &mdash; erfunden
-oder zu Stande gebracht? &mdash; Wie viel l&auml;&szlig;t
-sich hier&uuml;ber conjekturiren! Der gemeine
-Acker- und Gartenbauer r&auml;umt dem lieben getreuen
-Erdenvasallen, dem Monde, noch jetzt
-viel Einflu&szlig; auf seine Erzeugnisse ein: er
-pflanzt seinen Kohl und was Bl&auml;tter treiben
-soll, im Vollmonde, und das, wodurch unter
-der Erde Wurzeln oder Knollen hervorgebracht
-werden sollen, bei Mondesabnahme. Die Phasen
-des Mondes sind ihm noch Epochen in
-seinem Wirthschafts-Kalender; und was kann
-ihn anders auf diese Mondweisheit gebracht
-haben, als die <i>Weise</i> der Weiber &mdash;? Von
-beiden Hauptnahrungsquellen, dem Hirtenleben
- <span class="pagenum"><a id="Seite_94">[S. 94]</a></span>
-und dem Ackerbau, wu&szlig;te der ins Gr&ouml;&szlig;ere
-gehende Mann das Weib abzubringen, um es
-an den Haushalt zu fesseln &mdash; wozu Se. Gestrengigkeit
-das Weib <i>verurtheilt</i> hatte. &raquo;Verurtheilt?&laquo;
-Mit nichten; durch einen Machtspruch,
-durch einen Justizmord, des Landes
-verwiesen hatte. &mdash; Noch jetzt genie&szlig;en Erfinder
-selten die Ehre der Erfindung, und verdienen
-sie vielleicht auch nicht, weil fast immer
-ein Ungef&auml;hr sie darauf bringt &mdash; Erfindungen
-und Offenbarungen werden gemacht,
-man wei&szlig; nicht wie! &mdash;</p>
-
-<p>Ackerbau und Viehzucht sind, so wie Ursache
-und Wirkung, mit einander verbunden;
-und es ist schwer zu begreifen, warum Hirten
-und Ackerbauer sich gleich anf&auml;nglich haben
-trennen und beneiden k&ouml;nnen. Da nichts
-nat&uuml;rlicher war, als da&szlig; das Vieh keine Anpflanzung
-schonte, und da dieser Umstand die
-Hirten und Ackerbauer in best&auml;ndige Gr&auml;nzstreitigkeiten
-verwickeln mu&szlig;te; so h&auml;tten diese
-Zwiste beide Theile sehr bald zu freundschaftlichen
-Verabredungen bequemen sollen.</p>
-
-<p>Die Jagd allein, der Ursoldatenstand, scheint
- <span class="pagenum"><a id="Seite_95">[S. 95]</a></span>
-eine Erfindung des Mannes zu seyn; und da
-der Mann seine Beute oft sehr weit suchen
-mu&szlig;te, so gab sie die erste Ursache zur Herabw&uuml;rdigung
-des Weibes. Bei dem Ackerbau
-und der Viehzucht h&auml;tte es sich gewi&szlig; l&auml;nger
-in Ehren und W&uuml;rden erhalten k&ouml;nnen, wenn
-die Jagd nicht schon den Mann bewaffnet und
-er allen Vortheil und Nachtheil des Soldatenstandes
-in sich vereinigt gehabt h&auml;tte. Er
-stand bei seinem Weibe im Quartier. &mdash; Noch
-jetzt bin ich ein Feind der Jagd, weil sie dem
-Weibe jeden Schritt zur weiteren Cultur vertrat
-und alle jene &Uuml;bel erzeugte, denen das
-menschliche Geschlecht durch Kriege oder
-Menschenjagden unterworfen worden ist. &mdash;
-Zwar sagt man, da&szlig; der Krieg oft ein Weg
-zur Cultur gewesen sey und werden k&ouml;nne;
-und freilich ist es nicht das erste mal, da&szlig;
-aus dem B&ouml;sen etwas Gutes wird: Ist und
-bleibt aber, dieser Metallverwandlung des Guten
-und B&ouml;sen unbeschadet, Krieg nicht ein
-Original&uuml;bel? Im Reiche Gottes, dessen Sonnenaufgang
-und Morgensegen wir mit Danksagung
-erwarten, wird man so wenig Menschen
- <span class="pagenum"><a id="Seite_96">[S. 96]</a></span>
-w&uuml;rgen und sich zur Erkenntlichkeit dem
-W&uuml;rgengel blo&szlig; stellen, als in der andern
-Welt freien und sich freien lassen. &mdash;</p>
-
-<p>Die Flecken in der Sonne &mdash; die man ungef&auml;hr
-wie die Flecken ansieht, womit die reinlichste
-Hausfrau in der K&uuml;che sich ihre Manschetten
-bespritzt, wie es dem Gesch&auml;ftsmanne
-an seinem Schreibtische mit Tinteflecken nicht
-besser geht &mdash; sind nicht, was sie scheinen.
-In der physischen Welt ist &uuml;berhaupt alles
-gut, sehr gut! &mdash; Und wie? dies sollte uns
-nicht zu der Hoffnung Anleitung geben, da&szlig;
-es auch in der moralischen Welt zu jener
-Stufe der Cultur kommen werde, wo man des
-B&ouml;sen nicht bedarf, um Gutes daraus zu lernen?
-Fehden waren es, die ihren Ursprung
-aus der Vermehrung der Menschen und aus
-der Verminderung des Wildes (des einzigen
-und n&auml;chsten Nahrungsmittels f&uuml;r den rohen
-Menschen) hatten; der Menschen wurden mehr,
-des Wildes ward weniger: und so konnte es
-nicht fehlen, da&szlig; nicht Streitigkeiten und Befehdungen
-entstanden, welche Familienkriege
-nach sich zogen.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_97">[S. 97]</a></span></p>
-
-<p>Zwei Familien, die der &Uuml;bermacht zu weichen
-gezwungen waren, stie&szlig;en vielleicht
-durch einen Zufall auf eine dritte, der sie
-einzeln nicht gewachsen gewesen w&auml;ren, die
-ihnen aber jetzt ihr Jagdrevier &uuml;berlassen
-mu&szlig;te; und dieser Umstand war es, der zwischen
-beiden, wenigstens so lange die Gefahr
-dauerte, ein gesellschaftliches Band kn&uuml;pfte,
-ohne da&szlig; es unter ihnen zu einer Verabredung
-und Constitution kommen durfte. Durch
-Irrthum und Thorheit gelangen die Menschen
-zur Wahrheit, und durch M&uuml;he und Streit
-zur Vereinigung und Gesellschaft. Ist mir
-doch schon wieder der traurige Gedanke im
-Wege, da&szlig; das B&ouml;se so oft ein Vorspiel, ein
-Pr&auml;ludium zu dem Textliede des Guten seyn
-mu&szlig;! &mdash; &raquo;Oft oder allemal?&laquo; Oft, Freunde;
-denn es giebt Original-Gutes, Gutes aus der
-Wurzel &mdash; und dies k&ouml;nnte man <i>g&ouml;ttlich Gutes</i>
-nennen! Gott ist original-gut! &mdash;</p>
-
-<p>Das Hirtenleben und der Ackerbau (das
-neue Testament, wozu die Menschen nach
-dem alten Testamente des Jagdlebens sich aufkl&auml;rten)
-gab nicht minder zu Zwisten Gelegenheit,
- <span class="pagenum"><a id="Seite_98">[S. 98]</a></span>
-wozu die Tagdieberei des Hirten,
-und das Vorurtheil, als ob er eben darum
-Gott lieber w&auml;re und von ihm mehr begl&uuml;ckt
-w&uuml;rde, mittelst des argen, b&ouml;sen Neides nicht
-wenig beigetragen haben mag: Neid ist Geitz,
-und dieser ist, wie jeder von uns wei&szlig;, die
-Wurzel alles &Uuml;bels. Der Hirt schonte die
-Anpflanzungen des Ackermannes nicht, und
-ehe dieser pf&auml;nden konnte, war jener mit
-seiner Heerde &uuml;ber alle Berge, und wu&szlig;te
-sich listig der Berichtigung des Pfandgeldes
-zu entziehen. Dies zwang den Ackerbauer,
-mehr auf seine Vertheidigung bedacht zu seyn;
-und da er sich gedrungen sah, mehr H&auml;nde
-anzuwerben, um den Acker zu bestellen (H&auml;nde,
-die zusammen bleiben mu&szlig;ten, um die
-Zeit abzuwarten und die Witterung zu benutzen,
-oder ihr zuvor zu kommen:) so bauete
-ein Haus das andere, wie ein Wort das andere
-zu geben pflegt. Hierdurch waren die
-Ackerbauer mehr im Stande, sich den Ausschweifungen
-des zahmen Hirten und des
-wilderen J&auml;gers zu widersetzen. Aus den Ackerbauern
-wurden Bauherren: (eine W&uuml;rde,
- <span class="pagenum"><a id="Seite_99">[S. 99]</a></span>
-die ihnen selbst von den &uuml;berwundenen Horden
-der J&auml;ger oder der Hirten zugestanden ward;)
-und nur sp&auml;t hat sich das Blatt gewendet, so
-da&szlig; wiederum F&uuml;rsten und Herren jagen, und
-Sklaven den Acker bauen. &mdash; So drehet sich
-Alles in der Welt, und die Menschen folgen
-so gro&szlig;en Beispielen; Familien und Reiche,
-Aufkl&auml;rung und Verfinsterung, Gutes und B&ouml;ses:
-Alles geht auf und unter. &mdash; Zu der
-Zeit, als auf den Tr&uuml;mmern von Familiengesellschaften
-b&uuml;rgerliche Gesellschaften errichtet
-wurden, war das Schicksal der Weiber schon,
-wie es schien, unwiederbringlich entschieden.</p>
-
-<p>Die Waffen, welche die M&auml;nner bei jenen
-Umst&auml;nden f&uuml;hren mu&szlig;ten, und welche sie
-fast nie aus den H&auml;nden lie&szlig;en, w&auml;hrend die
-Weiber f&uuml;r das Hausbed&uuml;rfni&szlig; ihrer M&auml;nner
-und Kinder besorgt waren, gaben diesen ein
-entscheidendes &Uuml;bergewicht &uuml;ber jene, welche,
-weil sie mit Waffen nicht umzugehen wu&szlig;ten,
-sich vor ihnen f&uuml;rchteten. Sie erschraken vor
-Gefahren, welche die M&auml;nner, mehr damit
-bekannt, verachteten. An K&ouml;rper und Seele
-war ihnen der Mann, wenn ich so sagen darf,
- <span class="pagenum"><a id="Seite_100">[S. 100]</a></span>
-unter der Hand &uuml;berlegen geworden; und da
-er sich im ausschlie&szlig;enden Besitze der Schutz-
-und Trutzwaffen befand, so vertheidigte er
-nicht blo&szlig; seine Person, sondern auch sein
-Eigenthum, wozu er seine Familie und in derselben
-sein Weib rechnete, das er jetzt als
-durchaus von ihm abh&auml;ngig ansah.</p>
-
-<p>W&auml;hrend da&szlig; die Einsichten des Mannes
-durch seinen vergr&ouml;&szlig;erten Wirkungskreis sich
-vermehrten; w&auml;hrend da&szlig; seine Gesch&auml;fte
-mit der b&uuml;rgerlichen Gesellschaft einen h&ouml;heren
-Schwung nahmen, indem seine Begriffe
-sich zu generalisiren anfingen: schrumpfte die
-Seele des Weibes je mehr und mehr in die
-Gr&auml;nzen des Haushalts ein. Dieser bestand
-wegen Einfachheit der Bed&uuml;rfnisse, dem Vater
-<i>Homer</i> zufolge, in dem Zeitalter der Heroën,
-selbst bei k&ouml;niglichen Familien, noch blo&szlig; im
-Weben und andern dergleichen Handarbeiten.
-Nach und nach verlor sich die weibliche
-Spannkraft g&auml;nzlich. Schade! &mdash; Durch die
-Umst&auml;nde, da&szlig; alle Gesch&auml;fte des Staats den
-Weibern entzogen, und diese, bei Entstehung
-der b&uuml;rgerlichen Gesellschaften, schon zur
- <span class="pagenum"><a id="Seite_101">[S. 101]</a></span>
-Besorgung des Haushalts verwiesen waren,
-wurden sie nicht B&uuml;rgerinnen des Staats, sondern
-Schutzverwandte. &mdash; Schon sehr zufrieden,
-da&szlig; der Staat ihnen diese Gnade angedeihen
-lie&szlig;, begn&uuml;gten sie sich mit einigen
-Beg&uuml;nstigungen vor den Sklaven, die man ihnen
-blo&szlig; zu <i>spendiren</i> schien. Wunderbare
-Wege! Doch, ging man nicht von der Poësie
-zur Prosa, von dem Tanze zum Gange, vom
-Singen zum Reden, vom Roman zur Geschichte
-&mdash;? Es wirkte eine Reihe von Ursachen,
-(wozu wahrscheinlich die, wiewohl
-gr&ouml;&szlig;tentheils mi&szlig;verstandene, Natur die erste
-Veranlassung gab) da&szlig; nach und nach eine
-ganze H&auml;lfte des Menschengeschlechtes ihre
-urspr&uuml;nglichen Menschenrechte verlor und gegenw&auml;rtig
-einige &Uuml;berbleibsel davon unter dem
-Titel von Beg&uuml;nstigungen, wohl zu merken,
-nur so lange genie&szlig;t, als es der andern H&auml;lfte
-gef&auml;llt, ihr dieselben zu lassen; &mdash; und doch,
-ist das dritte Wort dieser unterdr&uuml;ckenden
-Menschenh&auml;lfte: Recht und Gerechtigkeit, Gesetzgebung
-und Gesetzhandhabung! &mdash; Warum
-in F&auml;llen dieser Art &auml;ngstliche Geschichtsaussp&uuml;rung?
- <span class="pagenum"><a id="Seite_102">[S. 102]</a></span>
-Der Geist, der in uns ist, bleibt immer
-die beste Quelle aller Geschichte; er
-gleicht im Wesentlichen dem Geiste aller derer,
-die vor uns waren, und giebt dem, der
-sich mit ihm einlassen kann, und jedem, der
-sich selbst verst&auml;ndlich zu machen wei&szlig;, wichtige
-Fingerzeige von Nachrichten, die weit
-&uuml;ber den Zeitpunkt schriftlicher Zeugnisse,
-und weit &uuml;ber die historische Gewi&szlig;heit hinausreichen.
-Jedes Kind bringt das Andenken
-an die Kindheit der menschlichen Vernunft in
-Anregung, und die Hauptz&uuml;ge derselben dr&auml;ngen
-sich Jedem auf, der Augen zu sehen, Ohren
-zu h&ouml;ren, ein Herz zu f&uuml;hlen, und Vernunft
-zu erg&auml;nzen, zu vergleichen und zu verbinden
-hat. Mit Meinungen der Vorzeit kann
-uns nicht gedient seyn; und die Handvoll aufbehaltener
-Thatsachen sind so sehr mit jenen
-Meinungen in Verbindung, da&szlig; man ohne Philosophie
-bei den historischen Quellen der Vorzeit
-au&szlig;erordentlich zu kurz schie&szlig;t. Kann
-man ohne philosophischen Kopf bei den historischen
-Quellen auslangen? In uns liegt das
-Verm&ouml;gen, aus jenen Bruchst&uuml;cken der alten
- <span class="pagenum"><a id="Seite_103">[S. 103]</a></span>
-Welt, wo nicht ein Geb&auml;ude, so doch eine
-H&uuml;tte zu zimmern, und ein Ebenbild unseres
-Geistes, eine Einheit zu schaffen, die ohne
-Forscherblick weder in der Weltgeschichte,
-noch auch in der Geschichte jedes einzelnen
-Menschen, gefunden werden kann. Ohne diesen
-Geist der Wahrheit ist und bleibt jede
-Lebensbeschreibung ein Roman, der Verfasser
-gehe so offen zu Werke als m&ouml;glich, oder
-verstecke sich unter die B&auml;ume im Garten. &mdash;
-Zu Geschichtforschern, Auslegern des menschlichen
-Geistes, zu Seelengelehrten, zu Sehern,
-geh&ouml;rt Studium seiner selbst; und nur in dieser
-R&uuml;cksicht ist <i>sich selbst zu kennen</i> eine
-gro&szlig;e Lehre! Nur ein Geschichtschreiber,
-der diese Salbung empfing, wei&szlig; die Reihe
-der Dinge zu &uuml;bersehen, und Ursache und
-Wirkung unter Einen Hut zu bringen. &mdash; Es
-giebt historische Erg&auml;nzungen, wo uns so wenig
-ein l&auml;stiges Ungef&auml;hr untergeschoben wird,
-da&szlig; wir weder gerade noch seitw&auml;rts etwas
-gegen diese Erg&auml;nzungen einwenden m&ouml;gen,
-wenn wir auch k&ouml;nnten. &mdash;</p>
-
-<p>Seht! nicht &Uuml;berlegenheit des K&ouml;rpers,
- <span class="pagenum"><a id="Seite_104">[S. 104]</a></span>
-nicht &Uuml;bermacht des Geistes gab dem Manne
-das Schwert in die Hand; die Lage der Sache
-beg&uuml;nstigte diesen Schritt. &Uuml;ber seinen Unterhalt
-bestand der Mann den Kampf mit seines
-Gleichen. Madam besch&uuml;tzte zwar anf&auml;nglich
-zu Hause ihre Kinder, und geno&szlig;
-die Ehre, in dieser Festung zu commandiren,
-und w&auml;hrend der Feldz&uuml;ge ihres Mannes Proviant
-und Montirungsst&uuml;cke zu besorgen; inde&szlig;
-ward sie auch hier sehr bald von ihrem
-erstgebornen Sohn entsetzt, der, noch zu jung
-und zu ohnm&auml;chtig dem Heere seines Vaters
-zu folgen, sich hier zum Commandanten aufwarf,
-bis er, mit Vorbeigehung seiner Mutter,
-diesen Posten seinem zweiten Bruder anvertrauen
-konnte.</p>
-
-<p>Was f&uuml;r eine Ver&auml;nderung diese Umst&auml;nde
-w&auml;hrend eines Zeitraums von mehrern Jahrhunderten
-oder Jahrtausenden in dem Charakter,
-der Denkart und selbst in den k&ouml;rperlichen
-Eigenschaften beider Geschlechter nach
-und nach hervorgebracht haben, ist am Tage.
-Andere Verh&auml;ltnisse und Resultate als diese
-Machtvortheile, waren aus jenen Vorg&auml;ngen
- <span class="pagenum"><a id="Seite_105">[S. 105]</a></span>
-ohne Wunder nicht zu erwarten; doch nicht
-eines einzigen, sondern eines Zusammenflusses
-von Wundern h&auml;tt' es bedurft, allen diesen
-zuf&auml;lligen &auml;u&szlig;eren Veranlassungen eine andere
-Folgenrichtung zu geben. &mdash; Der Anfang steht
-oft in unserm Verm&ouml;gen, die Mitte selten, das
-Ende nie. &mdash; Warum sollt' ich es bergen,
-da&szlig; wir M&auml;nner von Gottes Gnaden es so
-gern bem&auml;nteln, wie wir zu dieser &Uuml;berlegenheit
-gekommen sind? &Uuml;berhaupt sind M&auml;ntel
-die m&auml;nnliche Originaltracht, in die wir uns so
-bed&auml;chtig verh&uuml;llen, um nur so viel von uns zu
-zeigen, als h&ouml;chstn&ouml;thig ist; die Weiberm&auml;ntel
-sind Copien von den unsrigen. &mdash; N&auml;hme
-man uns den philosophischen Mantel; entkleidete
-man uns von der Reverende der wohlehrw&uuml;rdigen
-Hypothesen und von allen unwesentlichen,
-fremdartigen Behelfen, hinter deren
-Wolken wir uns so unm&auml;nnlich verbergen:
-wie weit seltener w&uuml;rden wir bestehen in der
-Wahrheit! &mdash; Um alles in der Welt m&ouml;chten
-wir die andere H&auml;lfte des menschlichen
-Geschlechtes &uuml;berreden, nicht <i>wir</i>, sondern die
-<i>Natur</i> habe sie zur&uuml;ckgesetzt und uns unterworfen;
- <span class="pagenum"><a id="Seite_106">[S. 106]</a></span>
-und doch sind <i>wir</i> es, die seine Bed&uuml;rfnisse
-erregen, und Meinungen herrschend
-machen, wodurch wir, so wie durch jene Bed&uuml;rfnisse,
-den Meister &uuml;ber die sch&ouml;ne Welt
-spielen. Jene Clubs und geheimen Gesellschaften,
-die, ohne da&szlig; sie den Degen ziehen,
-Macht, Gewalt und Herrschaft erschleichen,
-sind Copien des Ganges, den die M&auml;nner
-einschlugen &mdash; Und die Bibel? Bis jetzt haben
-noch alle philosophische Sekten, die gedr&uuml;ckte,
-die streitende und die triumphirende, und
-jede neue Staatsreform, bis auf die <i>Franz&ouml;sische
-Constitution</i>, sich in der Bibel getroffen
-gefunden.</p>
-
-<p>Es ist das k&uuml;nstlichste Spinnengewebe von
-Gr&uuml;nden, wodurch wir das weibliche Geschlecht
-zu einer ewigen Vormundschaft verurtheilen;
-und selbst bei den feierlichsten Ehegel&uuml;bden,
-die man sich am Myrtenfeste vor
-Gott und den (freilich durch ein Lucullus-Mahl
-bestochenen) Hochzeitszeugen ablegt,
-verlangt das kirchliche Formular, da&szlig;, wenn
-gleich beide Theile gegenseitig sich zu ehren
-verhei&szlig;en, doch die geehrte M&auml;nnin dem
- <span class="pagenum"><a id="Seite_107">[S. 107]</a></span>
-Manne gehorchen und ihm als ihrem Herrn
-huldigen soll. Ist es zu verwundern, wenn
-die heiligste aller Zusagen, die Ehetreue, so
-schn&ouml;de gebrochen wird, da diesen Principalpunkt
-so viele Nebenverhei&szlig;ungen schw&auml;chen?
-Wie ist die Preisfrage eines feinen Kopfes:
-warum in verschiedenen Staaten, wo Eide das
-t&auml;gliche Brot in Gerichten sind, das Ehegel&uuml;bde
-(der wichtigste Contrakt, den Menschen
-mit einander schlie&szlig;en k&ouml;nnen) ohne Eid
-vollzogen wird, zu l&ouml;sen? Etwa durch die
-Bemerkung, da&szlig; der Gegenstand so gro&szlig; wie
-das Verbrechen des Vatermordes sei, welches
-in weisen Gesetzb&uuml;chern weiser V&ouml;lker ohne
-Strafe blieb? Etwa, weil keine Formel stark
-genug ist, das Ehegel&uuml;bde zu besiegeln? und
-weil, um das Gr&ouml;&szlig;te zu sagen, man zur Natur
-der Sache, zum einfachen <i>Ja Ja, Nein
-Nein</i> zur&uuml;ckkommen mu&szlig;? Wichtige Gr&uuml;nde!
-doch schwerlich werden sie bei der Unterlassung
-des Eheeides entscheiden; denn
-m&uuml;&szlig;te sonst nicht unsere Eidmethode l&auml;ngst
-verbessert seyn? Oder wie? schw&ouml;rt man
-bei der Ehevollziehung etwa darum nicht,
- <span class="pagenum"><a id="Seite_108">[S. 108]</a></span>
-weil die Gel&uuml;bde nicht gehalten werden, nicht
-zu halten sind? nur da gehalten werden d&uuml;rfen,
-wo die Natur in speciellen F&auml;llen mitwirkt?
-Ei, Lieber! wer h&auml;lt seinen Amtseid?
-und wird dieser Eid erlassen? Der gr&ouml;&szlig;ten
-Versuchungen zu falschen Aussagen ungeachtet,
-findet der Richter, oder &mdash; was mehr sagen
-will &mdash; der Gesetzgeber keine Bedenklichkeit,
-Eiden auszuweichen; und geht denn
-wirklich das Versprechen der ehelichen Treue,
-auf welchem die W&uuml;rde, Sicherheit und Wohlfahrt
-des Staates, das Gl&uuml;ck des h&auml;uslichen
-Standes, (des angenehmsten und tr&ouml;stlichsten
-im menschlichen Leben) und aller Flei&szlig;, alle
-Betriebsamkeit beruhen, &uuml;ber das Verm&ouml;gen
-der Menschen? Hast du nicht liebe getreue
-Ehegenossen gekannt? Ein menschliches Schauspiel,
-das Engel zu sehen gel&uuml;sten k&ouml;nnte!
-Ungl&uuml;cklicher! was ist dir die Menschheit
-werth, wenn sie so tief gesunken w&auml;re! Ich
-suche den Grund dieser, von unseren eidereichen
-Vorfahren auf uns gleich eidgierige Nachkommen
-gebrachten, denkw&uuml;rdigen Gewohnheit
-in der Bef&uuml;rchtung, da&szlig; man Eide einer
- <span class="pagenum"><a id="Seite_109">[S. 109]</a></span>
-baaren L&auml;cherlichkeit aussetzen w&uuml;rde, wenn
-man sie durch den unnat&uuml;rlichen, vom andern
-Geschlechte zu &uuml;bernehmenden Umstand, sich
-der unerkannten Gewalt des Mannes unterwerfen
-zu wollen, entheiliget h&auml;tte. Diese <i>Homagial-Umst&auml;nde</i>
-entfernten den Eid bei der
-Ehe <i>in vielen protestantischen Staaten</i>; und
-die auserw&auml;hlten R&uuml;stzeuge von Reformatoren
-hatten nicht unrecht, den Eid aus der Trauungsformel
-zu verabschieden, oder ihm einen
-Laufpa&szlig; zu beh&auml;ndigen. Soll aber die durch
-die Natur und Erfahrung laut widerlegte m&auml;nnliche
-Macht und Gewalt &uuml;ber das andere Geschlecht
-sich durch leidige K&uuml;nstelei erhalten?
-Werden wir, wenn Natur und Wahrheit ihre
-Rechte zur&uuml;ckfordern, die keiner Verj&auml;hrung
-unterliegen, noch immer gewinnen und den
-Sieg behaupten? Durch Wiederfragen antworten,
-hei&szlig;t, wo nicht gar spotten, so doch:
-die Frage keiner eigentlichen Antwort werth
-achten. Wer kann sich aber, wenn er auch
-wollte, dieser Zwittergattung von Erwiederung
-enthalten? wer der Fragantwort ausweichen:
-ob die Natur je so tief in Ohnmacht und
- <span class="pagenum"><a id="Seite_110">[S. 110]</a></span>
-Schw&auml;chlichkeit versinken k&ouml;nne, da&szlig; sie sich
-ungestraft berauben lasse, ohne das Raub<i>schlo&szlig;</i>
-oder Raub<i>nest</i> zu zerst&ouml;ren? L&auml;ngst sind M&auml;nner
-nur Titularherren, Besitzer <i>in partibus infidelium</i>.
-&mdash; Und wie! Deutsche, deren Vorfahren
-ihre Weiber achteten, da der Rath derselben ihnen
-wichtig, ihre Ausspr&uuml;che ihnen heilig waren,
-wenn sie die Zukunft aufkl&auml;rten, vielleicht weise
-genug, sie nach ihrem Willen zu <i>lenken</i> &mdash;
-(eine ehrw&uuml;rdige prophetische Kunst!) Deutsche,
-die, wenn es gleich von ihnen hei&szlig;t,
-<i>da&szlig; sie viel f&uuml;r Geld thun</i>, ihre Weiher
-nicht wie die R&ouml;mer (als w&auml;ren sie Hausrath)
-einkauften; Deutsche &mdash; sollten ihrer Vorfahren
-so unwerth seyn! Was ist anst&auml;ndiger:
-mit dem andern Geschlechte gleichen Schritt
-zu halten, oder uns von ihm, ohne da&szlig; wir
-es wissen, leiten und f&uuml;hren zu lassen? Nur
-die <i>Zeichen</i> der Regierung sind uns werth,
-die <i>Regierung</i> verkaufen wir f&uuml;r ein schn&ouml;des
-Linsengericht; und eine kluge Frau l&auml;&szlig;t sich
-von dem Manne zur Regierungs-Repr&auml;sentantin
-erkiesen, dem hier kein Hochverrath ahndet,
-und der (weil doch Hochmuth dem
- <span class="pagenum"><a id="Seite_111">[S. 111]</a></span>
-Falle vorausgeht) seine Frau selbst zum Throne
-f&uuml;hrt, und sich hinreichend begn&uuml;gt, da&szlig; Alles
-unter seinem Namen expedirt wird, Alles
-unter: <i>Wir von Gottes Gnaden</i>. &mdash; Wenn
-nun aber ein so betrogener Mann, der seine
-Frau zur List erniedrigt, der seine Kinder zu
-&auml;hnlicher Denkart herabw&uuml;rdigt, und &ouml;ffentlich
-mit sich spielen l&auml;&szlig;t, bei dem allen nicht ungl&uuml;cklich
-ist; wenn er einen menschlichen
-Richter in Hausangelegenheiten, einen treuen
-Rathgeber in F&auml;llen, wo er unentschlossen
-schwankt, in seiner Frau findet: &mdash; was w&uuml;rde
-sie ihm seyn, wenn sie von Rechtswegen
-gleich und gleich mit ihm w&auml;re! Wie unendlich
-leichter w&uuml;rde der Stand des h&auml;uslichen
-und Staatslebens werden, wenn wir eine
-so herrliche Bundesgenossenschaft anerkennen
-und sch&auml;tzen lernten! &mdash; <i>Eigensinn</i>, <i>Tr&auml;gheit</i>
-und <i>Stolz</i> fesseln uns an alte Meinungen und
-Gebr&auml;uche: drei G&ouml;tzen, die man auch <i>Augenlust</i>,
-<i>Fleischeslust</i> und <i>hoff&auml;rtiges Leben</i> zu
-nennen pflegt! &mdash; La&szlig;t uns diesen G&ouml;tzendienst
-mit einer vern&uuml;nftigen Verehrung der
-Natur und ihrer Gesetze vertauschen! Schon
- <span class="pagenum"><a id="Seite_112">[S. 112]</a></span>
-lange sind die Weiber durch Leiden gepr&uuml;ft
-und bew&auml;hrt, um der Herrlichkeit werth zu
-werden, welche die Natur an ihnen so gern
-offenbaren m&ouml;chte. Das Ende vom Liede
-dieses Abschnittes.</p>
-
-<p>In der That scheint eine h&ouml;here Vernunft
-es mit Vorbedacht und Vorsicht darauf angelegt
-zu haben, da&szlig; der Anfang des menschlichen
-Geschlechtes in einem tiefen heiligen
-Dunkel bleiben sollte. Chaos war eher als
-die Welt, Finsterni&szlig; eher als Licht, Nacht
-eher als Tag; und wohl uns, wenn die
-menschlichen Handlungen, eben so wie alle
-Naturbegebenheiten, nach allgemeinen Naturgesetzen
-bestimmt, und von einem inneren
-Lichte, das der gro&szlig;e Haufe nicht selten kann,
-und das nur Sonntagskindern selbst in der dicksten
-Finsterni&szlig; leuchtet, gelenket werden!</p>
-
-<p>Heil uns, wenn bei den unabl&auml;ssigen Bem&uuml;hungen
-der Menschen, alles unregelm&auml;&szlig;ig
-zu machen, jene g&ouml;ttliche Regelm&auml;&szlig;igkeit ihren
-festen Schritt h&auml;lt, und die Weisheit ihre
-urspr&uuml;nglichen hohen Anlagen bei der sp&auml;ten
-Entwickelung rechtfertiget! Heil uns, wenn
- <span class="pagenum"><a id="Seite_113">[S. 113]</a></span>
-wir Alle, und auch selbst die unter uns, welche
-am wenigsten daran denken, Mitglieder der
-g&ouml;ttlichen unsichtbaren Kirche sind! wenn der,
-welcher blo&szlig; f&uuml;r sich denkt und oft sogar des
-Andern Teufel ist, doch, ohne da&szlig; er es
-wei&szlig;, die g&ouml;ttliche Absicht bef&ouml;rdert, die
-Welt ihrem moralischen Ziel immer n&auml;her
-bringt und selbst Teufeleien zum Besten kehret!
-O, der herrlichen Veredlung der moralischen
-Metalle!</p>
-
-<p>Wer kann bei dieser Idee gleichg&uuml;ltig seyn!
-wer w&uuml;nscht nicht, sich jenen j&uuml;ngsten Tag
-der Menschheit lebhaft vorzustellen und den
-Gang des menschlichen Geschlechtes von Anbeginn
-bis auf unsere letzte <i>betr&uuml;bte</i>, und die
-in der Hoffnung erwartete <i>letzte fr&ouml;hliche</i> Zeit
-in einer Karte zu &uuml;bersehen! &mdash; Wie oft
-w&uuml;rde auf diesem Menschheitsgem&auml;hlde die
-Weisheit des Einzeln als Thorheit, und die
-Thorheit im Gro&szlig;en als Beitrag zur Weisheit
-erscheinen! Nur da&szlig; kein Mensch hieraus
-Gelegenheit nehme, in seinem verkehrten Sinne
-zu thun was nicht taugt, vielmehr nach
-bestem Wissen und Gewissen seine Tage so
- <span class="pagenum"><a id="Seite_114">[S. 114]</a></span>
-anlege, da&szlig; die Stimme seiner theoretischen
-und praktischen Vernunft, seiner Einsicht und
-seines Gewissens, nicht unbefolgt bleibe!
-Zwar kommt es hier immer noch blo&szlig; auf
-den Glauben an die Menschheit an, der durch
-so manche unerh&ouml;rte, unerkl&auml;rliche Begebenheiten
-nicht nur in Hinsicht einzelner Menschen,
-sondern auch ganzer Nationen schwankend
-gemacht wird; wer wollt' inde&szlig; auch
-bei einem Senfkorn dieses Glaubens verzweifeln!
-Vater der Menschen, st&auml;rk' uns
-diesen Glauben! Wie planlos da alles durch
-einander l&auml;uft! wie viel Zerst&ouml;rungssucht, Hader,
-Neid, Zank, Zwietracht! Alles verschworen,
-die W&uuml;nsche des Menschenfreundes
-zu vereiteln und der g&ouml;ttlichen Bestimmung
-entgegen zu arbeiten! Doch jene goldreine
-Zeit wird kommen, wo die Menschheit
-mehr von Schlacken gel&auml;utert seyn wird! nur
-da&szlig; nicht, was bei menschlichen Handlungen
-gl&auml;nzt, uns sogleich etwas G&ouml;ttliches scheine!
-Nicht Alles was gl&auml;nzt, ist Gold. Nur da&szlig;
-wir uns durch nichts, selbst nicht durch den
-herrlichsten kosmopolitischen Zweck, zum
- <span class="pagenum"><a id="Seite_115">[S. 115]</a></span>
-Handeln bestechen lassen, vielmehr auf nichts
-weiter denken, als unsere Pflicht mit strenger
-innigster Redlichkeit zu bewirken und sie
-<i>menschm&ouml;glichst</i> (ein theures werthes Wort!)
-zu erf&uuml;llen! Nur da&szlig; wir bei unseren heiligen
-Verbindlichkeiten nicht an den Morgen
-der Folgen denken, sondern lauter und rein
-thun, was wir schuldig sind, und Alles &uuml;brige
-<span class="smcap">DEM</span> &uuml;berlassen, der allein weise ist! Wer
-sich das Ansehen giebt, der g&ouml;ttlichen Regierung
-nachhelfen zu wollen, ist ein Gottesl&auml;ugner
-in einem besondern Sinne &mdash; &mdash; Sollte
-inde&szlig; die Natur dem verzagenden Beobachter
-nicht wenigstens, wie <i>Ariadne</i>, einen Leitfaden
-zugeworfen haben, um sich aus diesen
-Labyrinthen herauszuhelfen? um, da er in Allem
-eine g&ouml;ttliche Endabsicht voraussetzen
-kann, dieselbe, trotz allen Kreuz- und Querz&uuml;gen
-von eigenen Absichten der Menschen,
-auch bewundern und sich an ihr und an der
-allm&auml;hlichen Erreichung derselben erfreuen zu
-k&ouml;nnen? Nichts w&uuml;rde diese Gesinnungen und
-diese Hoffnungen st&auml;rker befestigen, als wenn
-wir, von den Urzeiten ab, in allen den Kr&uuml;mmungen,
- <span class="pagenum"><a id="Seite_116">[S. 116]</a></span>
-die das menschliche Geschlecht einschlug,
-eine geheimni&szlig;volle Entwickelung dieser Anlagen
-zu bemerken und den Finger einer Vorsehung
-zu finden im Stande w&auml;ren. So bald
-Geschichte, Erfahrung und Nachdenken etwas
-von diesem ihrem Gange entr&auml;thseln k&ouml;nnen;
-so ist hierzu ein Plan gezeichnet, und
-wir sind in diesen vierzig Jahr-Wochen des
-W&uuml;stenumweges nach Kanaan nicht ganz und
-gar verlassen und vers&auml;umet. Doch noch hat
-diese herkulische Arbeit keinen Anf&auml;nger, viel
-weniger einen Vollender; und da die Einbildungskraft
-in dieser Hinsicht kein leidiger
-Tr&ouml;ster ist, so l&auml;&szlig;t sie uns in, mit und unter
-ihrer Beih&uuml;lfe, wenn gleich nicht lebendige
-&Uuml;berzeugung, so doch beruhigende Hoffnung
-erlangen. Ist der Mensch ein Miniaturst&uuml;ck
-von Welt, ein Mikrokosmus; so mag
-die Geschichte des einzeln Menschen immerhin
-einen Schattenri&szlig; von der Geschichte
-der Menschheit abwerfen, und den Anfang
-derselben, so wie ihren Fortgang, in Hieroglyphen
-dem Auge des Sehers, wenn gleich
-nicht v&ouml;llig, so doch kennbar, darstellen. Jeder
- <span class="pagenum"><a id="Seite_117">[S. 117]</a></span>
-Mensch feiert durch sein Leben das Leben
-des menschlichen Geschlechtes, und wird,
-wo nicht die Quintessenz, so doch ein kurzer
-Auszug von der Geschichte der moralischen
-Welt. Wenn man ohne sonderliche Vorurtheile
-(denn ist es m&ouml;glich, sich &uuml;ber diese
-Egyptischen Plagen v&ouml;llig wegzusetzen?) einen
-Plan entwerfen k&ouml;nnte, wie die Menschenwelt
-gehen m&uuml;&szlig;te, wenn sie anders den letzten
-Zwecken der Vorsehung gem&auml;&szlig; wandeln
-wollte; so h&auml;tte man freilich von der moralischen
-Welt eine treue Probe, die mit den
-Bruchst&uuml;cken, welche wir davon geschichtlich
-besitzen, stimmen und die Data da erg&auml;nzen
-w&uuml;rde, wo in der wirklichen Welt Alles
-w&uuml;st und leer scheinet. Jetzt aber werden
-wir, hier und da viel oder wenig abgerechnet,
-wenigstens ein Ungef&auml;hr von dem herauszubringen
-im Stande seyn, was herauszubringen
-war; und sollten wir nicht Alles mit einer
-reinen Idee dieses Ganges &uuml;bereinstimmend
-finden, so wird doch ein gro&szlig;er oder kleiner
-Theil stimmig seyn. Die erste Periode unseres
-Lebens ist so dunkel wie die Genesis der
- <span class="pagenum"><a id="Seite_118">[S. 118]</a></span>
-Welt, von der wir, da sie unter dem Herzen
-ihrer Mutter lag, nichts wissen. Ist unsere
-Kindheit (wo wir keinen Willen haben, sondern
-nach Instinkten und nach Leitung der
-Eltern, die uns entwarfen, leben, weben und
-sind) nicht jener Weltperiode &auml;hnlich, die wir
-den <i>Stand der Unschuld</i> nennen? und sie
-mag um so mehr so hei&szlig;en, da uns in derselben
-nichts zugerechnet werden kann. Der
-Mensch f&uuml;hlt sich; das hei&szlig;t: er emancipirt
-sich, giebt oft noch vor der Zeit sich <i>veniam
-aetatis</i>, glaubt in seiner Vernunft einen Gott
-zu haben; und seht! mitten in dieser Selbstverg&ouml;tterung
-sinkt er, und oft so tief unter
-den Menschen herab, da&szlig; er kaum zu kennen
-ist &mdash; Leidenschaften st&uuml;rzen ihn &mdash; Fall auf
-Fall! &mdash; Anf&auml;nglich sind diese Leidenschaften
-ungebetene G&auml;ste, die man gemeiniglich lieber
-gehen als kommen sieht; doch &uuml;ber ein Kleines
-werden sie Vernunftgenossen, Herzensfreunde,
-Busen- und Schoo&szlig;lieblinge, deren
-Umgang, wenn das Gewissen dagegen einwendet,
-der Mensch bis auf's Blut so vertheidigt
-und rechtfertiget, da&szlig; das sich selbst gelassene
- <span class="pagenum"><a id="Seite_119">[S. 119]</a></span>
-Gewissen sich anf&auml;nglich hintergehen, bald
-hernach sich anstecken l&auml;&szlig;t, und endlich
-selbst leidenschaftlich wird. &mdash; Sp&auml;t nur, und
-wenn der Tag seines Lebens k&uuml;hl geworden,
-kommt der Mensch durch die Stimme seines
-Gewissens, das sich wieder erholt hat, zum
-Nachdenken. &raquo;Adam, wo bist du? wohin ist
-es mit dir gekommen?&laquo; Das Fieber des
-Selbstbetruges legt sich; die Vernunft hat Zwischenstunden,
-kommt allm&auml;hlich zu Kr&auml;ften,
-und entwirft sich Gesetze, die der Mensch
-wenigstens im Durchschnitt erf&uuml;llt &mdash; Ganz
-wird er nie aufh&ouml;ren Mensch zu seyn &mdash; wie
-sollt' er auch eine ihm wildfremde Rolle v&ouml;llig
-ausf&uuml;hren k&ouml;nnen? Bei den Fehlern des
-Alters erinnert er sich der S&uuml;nden der Jugend,
-sinkt, f&auml;llt, steht auf, und sieht am Ende ein,
-da&szlig; der Mensch nie zur Vollst&auml;ndigkeit gelangen
-kann; doch jaget er ihr nach, und versucht,
-ob er jenes Ziel erreichen werde, die
-Krone des Lebens. &mdash;</p>
-
-<p class="pmb3">Das Weib &mdash; ist wie der Mann; es giebt
-hier keinen Unterschied: sie sind allzumal
-Menschen, und mangeln des Ruhmes, den sie
- <span class="pagenum"><a id="Seite_120">[S. 120]</a></span>
-haben sollten &mdash; &mdash; Das Verh&auml;ltni&szlig; der Geschlechter
-gegen einander? Allerdings der
-Hauptpunkt, worauf es bei dieser ganzen Abschweifung
-ankam! Der gerade Gang aller
-kleinen und gro&szlig;en Gesellschaften &mdash; den ich
-aber aus mehr als Einer Ursache auch selbst
-nach den ersten Strichen nicht darstellen mag.
-<i>Adam</i> und <i>Eva</i> leben anf&auml;nglich im Stande
-der Unschuld; dann wird <i>Adam Eva's</i> Untergebener,
-gehorsam bis zur Ausschweifung;
-bald darauf verwandelt er sich in ihren Gebieter,
-welches er lange bleibt, bis sie endlich
-beiderseits in Frieden, Einigkeit und Gleichheit
-mit einander leben, und zu jenem Stande
-der Unschuld, wiewohl mit weit mehr
-Einsicht und weit mehr Gl&uuml;ckseligkeit, zur&uuml;ckkehren.
-Genug &mdash; auch dieser Handzeichnung
-vom Verh&auml;ltnisse der Geschlechter
-will ich weder Farben geben, noch sie vollenden
-&mdash; Ein jeder wird an diesen Strichen
-sich selbst kennen, und <i>durch</i> diese Selbstkenntni&szlig;
-den Gang der Menschenwelt und
-der beiden Geschlechter &mdash; M&ouml;chte doch auch
-in Hinsicht des Geschlechterverh&auml;ltnisses Eine
- <span class="pagenum"><a id="Seite_121">[S. 121]</a></span>
-Heerde und Ein Hirt werden! &mdash; Doch, dieser
-Wunsch ist im dritten Kapitel zu fr&uuml;h;
-wer wird sich selbst in den Kauf fallen &mdash;?
-wer sich vor dem f&uuml;nften Akt verheirathen?
-&mdash;</p>
-
-
-<hr class="chap" />
-<p class="break" />
-
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_122">[S. 122]</a></span></p>
-
-
-<h2 id="IV">IV.<br />
-
-<span class="smcap">N&auml;here Angaben, woher die &Uuml;berlegenheit<br />
-des Mannes &uuml;ber die<br />
-Frau entstanden ist.</span></h2>
-
-<p class="center pmb1"><span class="smcap">Betreffen neuere Zeit.</span></p>
-
- <div class="figcenter">
- <img src="images/tb_001.jpg" alt="Dekoration" />
- </div>
-<p class="pmb1" />
-
-<p>Das Schwert gab dem m&auml;nnlichen Geschlechte
-Machtvortheile &uuml;ber das weibliche; aber dem
-nat&uuml;rlichen Ma&szlig;e von Leibes- und Seelenkr&auml;ften
-konnte es eben so wenig eine Handbreit
-zusetzen, als der Nichtbesitz der Waffen
-dem weiblichen Geschlecht eine Handbreit zu
-nehmen im Stande war, wenn gleich nicht geleugnet
-werden kann, da&szlig; dieser Nichtbesitz
-Furchtsamkeit, Mi&szlig;trauen in Kr&auml;fte, welche
-die Weiber nicht kannten, zur Folge hatte.
-Als die Griechen und R&ouml;mer in ihren Kriegen
-mit den Indiern der Elephanten ansichtig
-wurden, erschraken sie &uuml;ber diese Kolossen,
-und der Muth entfiel ihnen; doch, er nahm
-wieder zu, als sie diesen Kriegespopanz mehr
- <span class="pagenum"><a id="Seite_123">[S. 123]</a></span>
-kennen und verachten gelernt hatten. Sie
-&uuml;berzeugten sich, wie wenig diese unbeh&uuml;lflichen
-Massen der Gewandtheit eines ge&uuml;bten
-Kriegsheeres die Wage halten k&ouml;nnten; und
-ob sie gleich hierdurch keinen wesentlichen
-Zuwachs an Kr&auml;ften erhielten, so ward doch
-durch diese Erfahrung das Zutrauen auf ihre
-Kr&auml;fte vergr&ouml;&szlig;ert. Es hatte mit diesem Zutrauen
-eben die Bewandni&szlig;, wie mit dem
-Credit der Kaufleute, wodurch sie reicher als
-durch Sch&auml;tze sind. In der That, wir haben
-an k&ouml;rperlichen Kr&auml;ften und an den Resultaten
-derselben, Muth und Tapferkeit, gegen
-unsere V&auml;ter so wenig gewonnen, da&szlig; wir es
-wohl weislich bleiben lassen m&uuml;ssen, in ihren
-R&uuml;stungen und mit ihren Waffen zu fechten;
-w&uuml;rden sie aber, mit aller jener k&ouml;rperlichen
-&Uuml;berlegenheit, mit allem jenem Muth und jener
-Tapferkeit, nicht gegen die erste beste unserer
-Armeen das Feld r&auml;umen m&uuml;ssen? Wir
-haben uns durch Gl&uuml;ck und Kunst solcher
-Kr&auml;fte bem&auml;chtigt, gegen die sie nicht zu stehen
-verm&ouml;gen. Verst&auml;rken aber alle diese
-Dinge unsere Leibeskr&auml;fte und unsere Geistesvorz&uuml;ge?
- <span class="pagenum"><a id="Seite_124">[S. 124]</a></span>
-sind wir dadurch wesentlich m&auml;chtiger
-und tapferer geworden, als unsere Vorfahren?
-Haben wir auf diesem Wege ein
-Recht erlangt, sie unter uns zu erniedrigen,
-sie zu entw&uuml;rdigen und zur&uuml;ckzusetzen? &mdash; Gerade
-so, und nicht anders, verh&auml;lt es sich mit
-unsern Anma&szlig;ungen gegen das weibliche Geschlecht.
-Dadurch, da&szlig; die Gesellschaften
-nach und nach dauerhafter und fester wurden;
-dadurch, da&szlig; sie gewisse Formen erhielten,
-vermittelst deren, sie &auml;u&szlig;erlich sich immer &auml;hnlicher
-wurden; dadurch, da&szlig; man in diese
-Formen allm&auml;hlich mehr Verh&auml;ltni&szlig; zur Masse
-brachte; kurz, dadurch, da&szlig; die b&uuml;rgerlichen
-Gesellschaften ihre gegenw&auml;rtige Gestalt erhielten,
-ward den Weiberrechten nicht im
-mindesten gefrommt. Diese urspr&uuml;nglichen
-Rechte waren einmal verloren gegangen, und
-es blieb dabei, da&szlig; man Weiber mit zum
-Hausger&auml;the des Oberhauptes der Familie rechnete,
-womit mancher nothd&uuml;rftig, mancher
-&uuml;berfl&uuml;ssig versehen war; sie hatten nur noch
-Werth f&uuml;r ihn, in so fern sie dazu dienten,
-durch klugen Austausch seine Habe zu erweitern
- <span class="pagenum"><a id="Seite_125">[S. 125]</a></span>
-und sein Inventarium zu vergr&ouml;&szlig;ern. Die
-Menschen wurden B&uuml;rger; allein sie fingen
-ihre B&uuml;rgerschaft nicht damit an, diesen ihren
-b&uuml;rgerlichen Verfassungen Ordnung, Dauer
-und Regelm&auml;&szlig;igkeit beizulegen. Noch jetzt
-lernt, man in der Gesellschaft gesellig seyn,
-und nichts l&auml;&szlig;t sich so wenig theoretisch begreifen,
-als diese Kunst. Die ersten Gesellschaften
-dehnten sich blo&szlig; durch Gewalt der
-Waffen &uuml;ber andere aus, und gaben sich M&uuml;he,
-ihre freien Nachbarn nicht zu ihren Mitb&uuml;rgern
-und Freunden, sondern zu ihren Sklaven
-zu machen. So entsprang, erweiterte und
-bildete sich der R&ouml;mische Staat; und da&szlig; dies
-der Uranfang aller gro&szlig;en b&uuml;rgerlichen Gesellschaften
-war, bezeuget die Geschichte vom finstern
-Anfange bis zum angeblich lichten Ende.
-Immer hatte man Waffen in den H&auml;nden, man
-mochte seinen Freunden und seinen Feinden
-Gesetze vorschreiben, man mochte &uuml;ber Anordnungen
-zum Besten des Staates rathschlagen,
-oder &uuml;ber B&uuml;rgerrechte entscheiden. So waren
-und blieben die M&auml;nner in R&uuml;cksicht ihrer
-Weiber in Machtvortheilen, und lie&szlig;en
- <span class="pagenum"><a id="Seite_126">[S. 126]</a></span>
-ihnen Gnade f&uuml;r Recht widerfahren, wenn sie
-ihnen einige Brosamen von ihrem &Uuml;berflusse
-zuwarfen; das hei&szlig;t: wenn sie ihnen einige
-Vortheile vor den Sklaven zugestanden. Inde&szlig;
-fanden es die Griechen, und vorz&uuml;glich die
-R&ouml;mer, billiger oder (besser) politischer, das
-weibliche Geschlecht in die Staats- und Gesetzordnung
-mit einzuschlie&szlig;en. &mdash; Wie es
-der Orient mit den Weibern gehalten hat, ist
-au&szlig;er dem, was der J&uuml;dische Gesetzgeber in
-R&uuml;cksicht ihrer anordnet, nicht bis auf unsere
-Zeiten gekommen; doch scheint ihr ehemaliger
-Zustand in diesem Vaterlande des Despotismus
-und der Vielweiberei vor dem jetzigen
-sich nicht ausgezeichnet zu haben, da <i>Asien</i>
-und <i>Afrika</i>, seitdem die Griechen und R&ouml;mer
-daselbst bekannt wurden, in der Cultur eher
-zur&uuml;ck- als vorgeschritten sind. &mdash; Der Mensch
-ist zur Freiheit geboren; sie ist die Sonne, deren
-Einflu&szlig; Alles hervorbringt. &mdash; Da, wo
-Freiheit unterdr&uuml;ckt wird, kann nichts, was
-menschlich ist und hei&szlig;t, zu Kr&auml;ften kommen.
-&mdash; Dort ist noch die Ehe, dieser wichtigste
-und heiligste Vertrag im Staate, nichts
- <span class="pagenum"><a id="Seite_127">[S. 127]</a></span>
-mehr und nichts weniger, als ein Kauf- und
-Tauschhandel; Weiber sind eine Waare des Luxus,
-weil der <i>Zenana</i> (Harem) einen wesentlichen
-Theil eines Indischen Pallastes ausmacht,
-und die Stelle derjenigen &Ouml;rter vertritt, wo der
-Europ&auml;er seine Prachtliebe zur Schau tr&auml;gt.
-Anstatt Meisterst&uuml;cke der Mahlerei und Bildhauerkunst
-aufzustellen, anstatt die Natur
-durch die Kunst zu verschleiern, stellt man
-sie nackt und blo&szlig; dar; und anstatt in einen
-Tempel des Geschmackes zu f&uuml;hren, f&uuml;hrt
-man in ein B&mdash;. Die Weiber sind dem Indier
-Gegenstand und Werkzeug des Vergn&uuml;gens
-und Zeitvertreibes; und seht da den
-h&ouml;chsten Gipfel des weiblichen Werthes! Liebe
-kennt er nicht; denn diese kann in Hinsicht
-des Geschlechtes sich durchaus nicht so theilen.
-&mdash; Thierisches Bed&uuml;rfni&szlig; ist das Heiligthum
-seines Altars der Liebe, und verschwenderische
-&Uuml;ppigkeit das Ziel seiner h&auml;uslichen
-Gl&uuml;ckseligkeit. &mdash; O des in Armuth reichen
-Menschenthiers!</p>
-
-<p>Was inde&szlig; Griechen und R&ouml;mer dem
-weiblichen Geschlechte durch ihre Gesetzgebung
- <span class="pagenum"><a id="Seite_128">[S. 128]</a></span>
-an b&uuml;rgerlichen Rechten zugestanden, war
-nur ein sehr d&uuml;rftiger Theil desjenigen, was
-ihnen von Naturwegen eignete und geb&uuml;hrte,
-und was ihnen sonach weder durch Feuer
-noch durch Schwert, weder durch gute noch
-durch b&ouml;se Gerichte genommen werden konnte.
-Wahrlich ein Raub von besonderer Art, wobei
-man nicht nur den Leib, sondern auch die
-Seele entwendet, und den sich besonders die
-weltber&uuml;hmten rechtlichen R&ouml;mer zu Schulden
-kommen lie&szlig;en! Kann man &uuml;berhaupt zu
-einem Rechte Zutrauen fassen, das sich nicht
-gr&auml;mte, nicht sch&auml;mte zu behaupten: die Sklaven
-w&auml;ren f&uuml;r nichts zu halten, (<i>servi pro nullis
-habentur L. 32 D. de Reg. Jur.</i>) und welches
-den an sich so sch&auml;dlichen als drolligen
-Einfall geltend machte, es g&auml;be Menschen, die
-nur den Werth von Sachen h&auml;tten? Durch
-diese gerichtliche Taxe verlor die ganze
-Menschheit; und so lange man den Sklaven
-Bild und &Uuml;berschrift von Menschen nicht zu
-nehmen vermag &mdash; wer wird mehr entehrt,
-sie oder ihre Herren? Was nun besonders
-die unerh&ouml;rte Unerkenntlichkeit der R&ouml;mer
- <span class="pagenum"><a id="Seite_129">[S. 129]</a></span>
-betrifft, die durch das andere Geschlecht zu
-Menschen gemacht, die durch die Sabinischen
-Jungfrauen erzogen waren &mdash; und die ohne
-Zweifel jene Spuren der Menschlichkeit, die
-sie von ihren Gouvernantinnen lernten, in
-alles R&ouml;mische brachten, um ihm den bitteren
-Geschmack der Rohheit zu benehmen &mdash; wer
-kann dieser <i>R&ouml;mischen Unerkenntlichkeit</i> sich
-ohne Mi&szlig;muth zur&uuml;ck erinnern? Welch eine
-dem&uuml;thigende Ehre, die man den Weibern
-erwies, sie auf immer unter Vormundschaft
-zu setzen, ihren b&uuml;rgerlichen Handlungen die
-b&uuml;rgerlichen Folgen zu entziehen, und sie
-durch eine feierliche Sanktion zu Schatten der
-M&auml;nner im Staate zu machen! Alle Gesetze
-in Hinsicht des andern Geschlechtes scheinen
-in Donner und Blitz gegeben zu seyn; wenn
-sie gleich sich das gesetzliche Ansehen (das
-pedantischste von allen) geben, den Evangelienton
-anzunehmen, sieht man, so bald man ihnen
-n&auml;her tritt, doch so viel Donner &mdash; und
-Blitz &mdash; Gesetzlichkeit in ihrem Evangelio,
-da&szlig; man sich sogleich &uuml;berzeugt, kein Frauenzimmer
-habe hier mit votirt. &mdash;</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_130">[S. 130]</a></span></p>
-
-<p>Die h&ouml;chste Beleidigung ist, zu erkl&auml;ren,
-da&szlig; man durch Jemanden nicht beleidigt werden
-<i>k&ouml;nne</i>; und durch das Privilegium, nicht
-Unrecht thun zu <i>k&ouml;nnen</i>, hat man die damit
-Privilegirten in keine vorteilhaftere Sicherheit
-gestellt, als die Bl&ouml;dsinnigen. Weibliche Personen
-vom tiefsten Sittenverderbni&szlig; wollen
-geschmeichelt seyn, da&szlig; sie &auml;u&szlig;erlich die
-Tugend ehren, die ihr Geschlecht am meisten
-ziert; und wie? die Gesetze selbst berauben
-das ganze Geschlecht alles Nervs, alles
-Muthes die Freiheit zu lieben, aller Vernunft
-den Despotismus nicht zu f&uuml;rchten? wie?
-man erniedrigt ein ganzes Geschlecht zur Sklavenklasse,
-aus dessen Mitte man mehrere,
-und bei weitem nicht die vorz&uuml;glichsten, anbetet
-und als G&ouml;ttinnen in den Himmel versetzt?</p>
-
-<p>Ist es zu leugnen, da&szlig; die R&ouml;mische Gesetzgebung,
-und die Adoption derselben in
-Deutschland, dem weiblichen Geschlechte jene
-<i>odi&ouml;sen</i> Privilegia im h&ouml;chsten Grade zuwandte
-und ihm den schlechtesten Dienst erwies,
-den man ihm je erweisen konnte? Beide Regeln,
- <span class="pagenum"><a id="Seite_131">[S. 131]</a></span>
-welche von der gesetzlichen Annahme
-an Kindes- oder Enkelstatt unzertrennlich waren,
-(nehmlich da&szlig; die Adoption die Natur
-nachahme, und da&szlig; sie blo&szlig; zum Nothhelfer
-f&uuml;r die erfunden sei, die weder leibliche Kinder,
-noch Hoffnung und Aussicht dazu hatten)
-fand zwar bei dieser Adoption des R&ouml;mischen
-Rechtes nicht Statt. Da inde&szlig; von <i>Rom</i> aus,
-und durch die R&ouml;mer, sich K&uuml;nste, Wissenschaften
-und Sitten in Norden und Westen
-verbreiteten, so wie unsere ganze hochl&ouml;bliche
-Cultur noch gegenw&auml;rtig R&ouml;misches Vaterland
-verr&auml;th; so tr&auml;gt besonders unsere Staats-
-und b&uuml;rgerliche Verfassung, und vor andern
-unser b&uuml;rgerliches Recht, noch Namen und
-Gepr&auml;ge der R&ouml;mer an Stirn und Brust, seitdem
-der <i>Justinianische Gesetz- und Rechts-Codex</i>
-zu <i>Amalfi</i> wieder aufgefunden ward. Auch
-das <i>von Carmersche Neue Testament</i> beziehet
-sich auf jenes R&ouml;mische Sinai des Alten, und
-ist weniger Sch&ouml;pfung als bessere Einrichtung
-&mdash; Nur noch wenige Z&uuml;ge, eh' ich dieses
-Feld verlasse &mdash; Jene Rechts-Peinlichkeit in
-R&uuml;cksicht der Hermaphroditen w&uuml;rde blo&szlig;
- <span class="pagenum"><a id="Seite_132">[S. 132]</a></span>
-l&auml;cherlich seyn, wenn der Geschlechtsstand des
-m&auml;nnlichen vom weiblichen Geschlechte nicht
-so au&szlig;erordentlich verschieden w&auml;re &mdash; Das
-Gef&uuml;hl, Manns- und Weibspersonen w&uuml;rden
-einerlei Rechte zu genie&szlig;en haben, wenn es
-auf die Entscheidung der Natur ank&auml;me,
-brachte die Gesetzgeber, und noch mehr ihre
-J&uuml;nger und Prophetenknaben, in eine nicht
-geringe Verlegenheit; und da Ausnahmen nicht
-vermuthet, sondern bewiesen werden m&uuml;ssen,
-so deutete man (o, der Gerechtigkeitsliebe!)
-<i>ein Gesetz, wobei die Weibspersonen nicht
-ausgenommen waren</i>, auf <i>beide Geschlechter</i>,
-und die Weiber hatten die Ehre, die Worte:
-(<i>si quis</i>) <i>wenn Jemand</i>, auch sich zuzueignen
-und &mdash; welch ein Vorzug! &mdash; auch <i>ein Jemand</i>
-zu seyn. Ein gro&szlig;es Gl&uuml;ck, da&szlig; man
-sie nicht zum <i>Niemand</i> verstie&szlig;. Es ist unerkl&auml;rbar,
-wie man auch nur auf den Gedanken
-hat fallen k&ouml;nnen, da&szlig; nicht etwa blo&szlig;
-dem m&auml;nnlichen, sondern auch dem weiblichen
-Geschlechte, nach R&ouml;mischen Grunds&auml;tzen,
-Vortheile zugetheilt w&auml;ren! Ich finde
-deren keinen von letzterer Art; vielmehr scheinen
- <span class="pagenum"><a id="Seite_133">[S. 133]</a></span>
-mir die so genannten Weiber-Vortheile
-geheime Wunden und Meuchelstiche zu seyn,
-die noch mehr schaden, als wenn das Gesetz
-sich &ouml;ffentlich wider die Weiber erkl&auml;rt h&auml;tte.
-Was bed&uuml;rfen wir weiteres Zeugnisses, als da&szlig;
-die Frauenspersonen auf kein &ouml;ffentliches Amt
-Anspruch haben; da&szlig; sie (Mutter und Gro&szlig;mutter
-ausgenommen) nicht Vorm&uuml;nderinnen
-werden k&ouml;nnen; da&szlig; sie in F&auml;llen, wo die
-Gesetze, der Feierlichkeit des Gesch&auml;ftes halben,
-mehr als zwei Zeugen verlangen, nicht
-als Zeuginnen zuzulassen, mithin nicht als
-Zeugen bei Testamenten brauchbar sind, und
-da&szlig; noch Zank und Streit unter den Gelehrten
-obwaltet, ob und in wie weit ihnen diese
-Zeugenehre bei Codicillen zu bewilligen sei;
-da&szlig; sie an den Rechten der R&ouml;mischen v&auml;terlichen
-Gewalt (sie war, so wie &uuml;berhaupt, so
-besonders in Hinsicht des Verm&ouml;gens der Kinder
-vorz&uuml;glich) keinen Antheil haben; da&szlig;
-man sie zur wahren Adoption unf&auml;hig erkl&auml;rt,
-weil hier die v&auml;terliche Gewalt sich in ihrer
-rechtlichen W&uuml;rde zeigt! &mdash; Wahrlich, nach
-diesen Beraubungen wird man auf die angeblichen
- <span class="pagenum"><a id="Seite_134">[S. 134]</a></span>
-Vortheile neugierig seyn, wodurch die
-R&ouml;mischen Gesetze das andere Geschlecht zu
-entsch&auml;digen die G&uuml;te gehabt; und sehet da!
-die Unwissenheit der Rechte kann den Weibern
-nicht zugerechnet werden, wenn sie sich
-dieses elenden Einwandes in F&auml;llen bedienen,
-um sich durch einen Blitzableiter wegen des
-Schadens und der Strafe zu sichern. Sie k&ouml;nnen
-nicht aus einer B&uuml;rgschaft belangt werden
-&mdash; und kurz und gut, sie haben das Recht,
-alte Kinder zu bleiben bis an ihr seliges Ende.
-&mdash; Der Claudianische Rathsschlu&szlig; war so
-gn&auml;dig festzusetzen, da&szlig;, wenn eine freie
-Frauensperson einen Sklaven <i>actualiter</i> f&uuml;r einen
-Menschen anerkannte und sich mit ihm
-zu weit einlie&szlig;, sie dem Herrn desselben,
-falls er ihr in der heiligen Zahl Drei diesen
-Umgang untersagt hatte, als Sklavin zugesprochen
-werden mu&szlig;te, so bald dieser Herr darauf
-antrug. So fiel sie, und &mdash; wohl zu merken &mdash;
-auch ihr ganzes Verm&ouml;gen, diesem so wohlmeinenden
-Herrn anheim, der die gro&szlig;e M&uuml;he
-gehabt hatte, sie dreimal zu warnen! &mdash;
-<i>Justinian</i> hob diese H&auml;rte, als seiner Zeiten unw&uuml;rdig,
- <span class="pagenum"><a id="Seite_135">[S. 135]</a></span>
-auf; und noch sch&uuml;ttelt man den
-Kopf, unentschlossen, ob dies ein Lob- und
-Dankopfer, oder ein Vorwurf in Hinsicht seiner
-goldenen Rechtszeit sei.</p>
-
-<p>Bei diesen und andern Umst&auml;nden hat man
-nicht etwa blo&szlig; dem Geiste der R&ouml;mischen
-Gesetzgebung, sondern auch ihren Crudit&auml;ten
-das B&uuml;rgerrecht verstattet, und zu ihrer Aufnahme
-die Thore weit und die Th&uuml;ren hoch
-gemacht; w&auml;hrend die Franken, Sachsen und
-andere Bewohner Deutschlands, nach ihrer
-Weise und nach Deutscher Art und Kunst,
-in der Cultur fortschritten. Die Handlungsweise
-und die Sitten erhielten zwar eine andere,
-aber doch keine R&ouml;mische Gestalt; vielmehr
-machte die Eigenheit des Volks-Charakters
-einen sehr wesentlichen Unterschied
-bemerkbar: inde&szlig; wurden Deutsche Handlungen
-doch mit R&ouml;mischen Schneiderscheeren
-verschnitten &mdash; Aus einem Paradiese und
-k&uuml;hnen Naturgarten wurde kleinliche Holl&auml;ndische
-K&uuml;nstelei. &mdash; <i>Demosthenes</i> h&auml;lt es beinahe
-f&uuml;r ein Gesetz des Schicksals, da&szlig; immer
-die besten Menschen die ungezogensten Kinder
- <span class="pagenum"><a id="Seite_136">[S. 136]</a></span>
-h&auml;tten; und in Rom und Griechenland
-war es zum Sprichwort geworden, da&szlig; die
-S&ouml;hne der Helden selten ihren V&auml;tern &auml;hnlich
-w&auml;ren. Ganz anders mit den Staatsgesetzen,
-deren Erziehung fast nie fehl schl&auml;gt &mdash; Wenn
-Mitglieder des Staates von ihren Rechten und
-Pflichten richtige Begriffe haben und gern denselben
-gem&auml;&szlig; handeln, so sind sie sicher aufgekl&auml;rter,
-als wenn sie der Wissenschaften
-Menge besitzen, die zur b&uuml;rgerlichen Gl&uuml;ckseligkeit
-nichts Wesentliches beitragen, die
-den Schein haben und die Kraft verleugnen.
-Wie betr&uuml;bt war das Schicksal der Deutschen
-bei R&ouml;mischen Gesetzen! Diese Gesetze wurden
-dem National-Charakter der Deutschen
-und ihren v&auml;terlichen Sitten auf keine Weise
-anpassend gemacht. Man fiel nicht darauf,
-Gesetze und Sitten so viel als m&ouml;glich in
-&Uuml;bereinstimmung zu bringen, nicht, wo weder
-Sitten noch Gesetze eine Umformung annehmen
-wollten, diese zu verwerfen, und f&uuml;r jene
-eine Regel zu erfinden: man nahm es sich
-vielmehr mit patriotischer Freiheit heraus, das
-R&ouml;mische Gesetzbuch, wie die <i>S&auml;ulen des
- <span class="pagenum"><a id="Seite_137">[S. 137]</a></span>
-Herkules</i>, als Gr&auml;nze anzusehen, &uuml;ber welche
-hinaus sich kein Ruhepunkt f&uuml;r den menschlichen
-Verstand denken lie&szlig;e; man ahndete
-nicht einmal, da&szlig; das, was im R&ouml;mischen
-Staate und f&uuml;r R&ouml;mer gerecht und weise war,
-in Deutschland und f&uuml;r Deutsche sehr unweise
-und ungerecht seyn k&ouml;nnte &mdash; Der unverfeinerte
-Geist der Deutschen Sitten hing mehr
-an einer tugendhaften schlichten Denkungsart,
-als an gewissen durch Convenienz so oder so
-bestimmten W&ouml;rtern; und die Deutschen h&auml;tten
-von hundert Arten der Lust nicht gewu&szlig;t,
-wenn das R&ouml;mische Gesetz (dessen um sich
-greifende Alleinherrschaft man nur allm&auml;hlich
-und nothd&uuml;rftig durch Spiegel und Weichbilde
-und Willk&uuml;hre beschr&auml;nkte) nicht gesagt h&auml;tte:
-<i>La&szlig; dich nicht gel&uuml;sten</i>. Kann man nicht Laster
-verbreiten, wenn man sie gleich mit wahren Farben
-zeichnet? Giebt es nicht S&uuml;nden, die nicht
-anders als mit Gefahr der Verf&uuml;hrung zu entschleiern
-sind? und wenn es dem Dichter
-schwer ist, treue Gem&auml;hlde der Sitten zu liefern,
-ohne den sittlichen Anstand zu verletzen
-&mdash; mit welcher Weisheit mu&szlig; der Gesetzgeber
- <span class="pagenum"><a id="Seite_138">[S. 138]</a></span>
-verfahren, um nicht mehr zu verderben
-als zu bessern? Kann der Dichter
-wenigstens jetzt &mdash; und hatten die Alten so
-ganz ein Recht, sich von dieser Weise auszunehmen?
-&mdash; viele Dinge nach der Natur
-mahlen? oder mu&szlig; er nicht vielmehr seine Gem&auml;hlde
-unter einer conventionellen Maske, und
-mithin um vieles sittlicher als die Menschen
-<i>pro tempore</i> sind, anlegen und halten? und
-der Gesetzgeber, so ein Prosaist er auch sonst
-ist &mdash; mu&szlig; er nicht eben den Weg wandeln,
-wenn er nicht mehr Schaden als Nutzen stiften
-will? Die Menge der R&ouml;mischen Gesetze
-w&uuml;rde vielleicht mehr abgeschreckt haben; inde&szlig;
-brachte das System, wonach sie gezimmert
-waren, (das nicht blo&szlig; die Rechtsgelehrten,
-sondern, wohl zu merken, auch der
-B&uuml;rger, studieren mu&szlig;te, wenn er nicht alle
-Augenblicke an einer Fiktion und einer Feinheit
-oder de&szlig; etwas sich Kopf und Herz
-sto&szlig;en wollte) die R&ouml;mische Gesetzkunst in
-Umlauf. Der gr&ouml;&szlig;te Haufe lernte sie halb
-kennen, und eben diese Halbkenntni&szlig; erwarb
-ihr, nach wohlhergebrachter Gewohnheit, eine
- <span class="pagenum"><a id="Seite_139">[S. 139]</a></span>
-fast mystische Verehrung, so da&szlig; alles
-vor dem R&ouml;mischen Rechte die Kniee beugte,
-und ihm huldigte. &mdash; Und wer mag denn
-auch leugnen, da&szlig; es einen Schatz von Kenntni&szlig;
-und Weisheit enth&auml;lt? und da&szlig;, da
-Spitzfindigkeiten und Distinktionen f&uuml;r den
-gr&ouml;&szlig;ten Theil der K&ouml;pfe etwas sehr Hinrei&szlig;endes
-behaupten, es besonders zur damaligen
-Zeit sehr nat&uuml;rlich zuging, wenn ihm so
-reichlich J&uuml;nger und Anh&auml;nger zufielen? ob
-es gleich den Britten nie leid gethan hat, und
-zu thun scheint, dieser Rechtsfahne nicht
-geschworen zu haben. Warum mehr Ausholung?
-&mdash; Das unr&ouml;mische Deutsche Weib
-kam unter das R&ouml;mische Gesetz, und die
-Deutschen M&auml;nner verwickelten sich selbst in
-das Garn, womit sie Weiber zu fangen gedachten.
-Zu wenig hat die Geschichte uns
-von unsern in Gott ruhenden Ahnherren hinterlassen,
-denen es &uuml;berhaupt mehr darum zu
-thun war, Thaten der Nachwelt w&uuml;rdig zu
-thun, als sie aufzuzeichnen und aufzubehalten.
-Das, was Freund und Nachbar <i>Tacitus</i> von
-ihren Sitten und Gebr&auml;uchen &uuml;berliefert, ist
- <span class="pagenum"><a id="Seite_140">[S. 140]</a></span>
-bei weitem nicht hinreichend, um uns von
-ihrer Haus- und b&uuml;rgerlichen Verfassung einen
-ganz richtigen, am wenigsten einen vollst&auml;ndigen,
-Begriff zu machen. Nach ihm, wurde
-bei den Deutschen, bei denen Sitten weit
-mehr als in Rom Gesetze vermochten, (denn
-so, denk' ich, will <i>Tacitus</i> &uuml;bersetzt seyn)
-der Ehebruch mit dem Tode bestraft; und bedarf
-es gr&ouml;&szlig;erer Beweise, da&szlig; die Ehen den
-Deutschen nicht gleichg&uuml;ltig waren? Sie wachten
-&uuml;ber ein Gesch&auml;ft, wobei der Staat so
-sehr interessirt ist, da&szlig; jede Vernachl&auml;ssigung
-sich &uuml;ber kurz oder lang unmittelbar am Staate
-r&auml;cht, mit vieler Eifersucht und Strenge,
-so, da&szlig; auf Vergehungen dieser Art (die unter
-einem Himmelsstriche wie der ihrige, bei
-einer einfachen frugalen Lebensart und bei
-der Unbekanntschaft mit M&uuml;&szlig;iggang und dem
-Wohlleben, den Gef&auml;hrten des Luxus, in der
-Regel sich nur sparsam ereignen konnten)
-dennoch eine so harte Strafe gesetzt wurde.</p>
-
-<p>Der Einflu&szlig; der Deutschen Weiber in
-Staatsgesch&auml;fte war wichtig, indem sie aus ihren
-Mitteln Priesterinnen gaben, die, au&szlig;er
- <span class="pagenum"><a id="Seite_141">[S. 141]</a></span>
-ihren gottesdienstlichen Verrichtungen, einen
-gro&szlig;en Einflu&szlig; in Staatsverhandlungen behaupteten,
-ihre Berathschlagungen lenkten und
-ihren Kriegern in Schlachten Verachtung der
-Gefahr, Liebe f&uuml;r das Vaterland, und Muth
-gegen ihre Feinde einhauchten. Weiber waren
-ihren M&auml;nnern nicht, wie gro&szlig;e Staatsdiener
-ihren noch gr&ouml;&szlig;eren F&uuml;rsten, <i>rechte</i>
-oder <i>linke Hand</i>, sondern Herz und Seele.
-Die Geschichte hat uns noch einen ber&uuml;hmten
-Namen, <i>Vellede</i>, aufbehalten. Ob sie &uuml;brigens
-als aktive B&uuml;rgerinnen an den Volksversammlungen
-Theil nahmen; ob sie mit den
-M&auml;nnern &uuml;berall gleiche Rechte genossen: das
-ist eine Frage, welche die Geschichte unbeantwortet
-l&auml;&szlig;t; inde&szlig; ist zu vermuthen, da&szlig;
-auch bei unsern V&auml;tern die Weiber jene Rollen
-mehr aus Connivenz, als kraft einer
-f&ouml;rmlichen Berechtigung spielten, indem ein
-so wichtiger Umstand, der bei allen &uuml;brigen
-damals bekannten V&ouml;lkern so sehr au&szlig;er der
-Regel war, gewi&szlig; der Nachwelt w&auml;re &uuml;berliefert
-worden. Die Eheunlust, wor&uuml;ber Gesetzgeber
-und Politiker von je her so manchen
- <span class="pagenum"><a id="Seite_142">[S. 142]</a></span>
-Stab Wehe brachen &mdash; entstand sie nicht aus
-der Verachtung, welcher das andere Geschlecht
-ausgesetzt war? Scheint es nicht eine Art
-von Degradation seiner selbst, ein Frauenzimmer
-zu ehelichen, das im Grunde so ohne
-alle Bedeutung ist? besonders wenn man &uuml;berl&auml;stige
-Schwiegerm&uuml;tter und Basen als Beilagen
-<i>sub Ecce</i> und <i>Vide</i> erh&auml;lt! Man lasse
-das M&auml;dchen seyn wie unser Einer, und gewi&szlig;
-wird ein ehelustiger J&uuml;ngling weniger
-Bedenken finden, mit ihr zu ziehen; und
-werden Basen und Schwiegerm&uuml;tter bei der
-Geschlechtsverbesserung noch Zeit behalten,
-sich als <i>Beilagen sub Ecce und Vide</i> brauchen
-zu lassen? &mdash;</p>
-
-<p>Wenn es wahr ist, da&szlig; durch den M&uuml;&szlig;iggang
-eines B&uuml;rgers im Staate ein anderer
-doppelt arbeiten mu&szlig;, um die Faulheit von
-jenem zu &uuml;bertragen und Alles ins Gleichgewicht
-zu bringen; so best&auml;tiget sich diese Bemerkung
-noch weit mehr durch die Vielweiberei,
-die Quelle, wodurch zwar das <i>andere</i>
-Geschlecht au&szlig;erordentlich von seiner W&uuml;rde
-verloren, die inde&szlig; auch dem <i>m&auml;nnlichen</i>,
- <span class="pagenum"><a id="Seite_143">[S. 143]</a></span>
-und sonach dem <i>ganzen</i> menschlichen Geschlechte,
-einen unglaublichen Nachtheil zugezogen
-hat. Nicht blo&szlig; Vater und Mutter,
-sondern auch die Kinder sind verdorben; der
-Vater kommt mit seiner Liebe zu den Kinden
-ins Gedr&auml;nge: er liebt sie nicht als seine
-Kinder, sondern in so weit dieses oder jenes
-das Kind dieser oder jener Mutter ist! &mdash; Der
-Mi&szlig;brauch ist eine ansteckende Krankheit,
-die Alles angreift und vergiftet, was ihr zu
-nahe kommt &mdash; Es ist eine so feine als richtige
-Bemerkung: da&szlig; die Vielweiberei geradehin
-zu einer unnat&uuml;rlichen Liebe f&uuml;hrt, so wie
-Aberglaube zur Atheisterey, Verschwendung
-zum Geitze. &mdash; Doch, diese Abschweifung
-sollte blo&szlig; den Weg zu der Bemerkung bahnen,
-da&szlig;, so wie dem andern Geschlechte
-von den M&auml;nnern begegnet wird, die M&auml;nner
-sich von den Regenten begegnen lassen &mdash;
-Die Sklaverei, wenn sie auch nur im Kleinen,
-in einer einzigen Beziehung, geduldet
-und ge&uuml;bt wird, macht &uuml;ber kurz oder lang
-alles zu Sklaven. Bei einer gelinden, gem&auml;&szlig;igten,
-eingeschr&auml;nkten Regierung galt das
- <span class="pagenum"><a id="Seite_144">[S. 144]</a></span>
-Frauenzimmer von jeher mehr, als in despotischen
-Staaten, wo die Sklaverei der Weiber
-politisch nothwendig ist. Den Weibern ist
-ohne Zweifel jene Gelindigkeit, M&auml;&szlig;igung
-und Einschr&auml;nkung in der Regierung zu danken
-&mdash; Wo sie zum Worte kommen, stimmt
-sich Alles zur erlaubten b&uuml;rgerlichen Freiheit;
-zur erlaubten, sag' ich, und f&uuml;ge hinzu, da&szlig;
-die Weiber zur despotischen Herrschaft von
-Seelen- und K&ouml;rperswegen nicht aufgelegt
-sind &mdash; Zeigen sie Spuren vom Gegentheil,
-so waren M&auml;nner ihre Verf&uuml;hrer. Der fromme
-<i>Haller</i> sagt:</p>
-
-<blockquote>
-<p><i>was B&ouml;ses ist geschehn, das nicht ein Priester
-that?</i></p>
-</blockquote>
-
-<p>und ist Priester nicht ein Erzmann? ein Mann
-aus h&ouml;herem Chor? Man sagt, im Orient
-mache das Klima es nothwendig, da&szlig; die
-Weiber in Festungen eingeschlossen werden,
-und der Zwang der Harems verbessere ihre
-Sitten. Lieber! kann der Zwang Sitten verbessern,
-wenn du ihn dir nicht selbst durch
-Grunds&auml;tze anlegst? oder ist die Tugend, die
-nicht nur einer Schildwache, sondern einer
- <span class="pagenum"><a id="Seite_145">[S. 145]</a></span>
-ganzen Festung bedarf, so vieler Umst&auml;nde
-werth? Was muntert mehr zur Ehe auf: &mdash;
-Hagestolzenstrafen &mdash; Vaterprivilegien? oder
-eine tugendhafte Frau, die bisch&ouml;flich nur Eines
-Mannes Weib ist, und dies ihr Licht
-leuchten l&auml;&szlig;t vor den Leuten, da&szlig; sie ihre
-guten Werke sehen? &mdash;</p>
-
-<p>Welch ein Umgang ist reitzender, als unter
-Freunden und Freundinnen! &mdash; <i>Freundschaft</i>
-kann freilich unter Einem Geschlecht
-existiren; allein <i>Umgang</i> nicht. &mdash; Freundschaft,
-&auml;chte Freundschaft ist eine Schaum&uuml;nze,
-die man nur im h&ouml;chsten Nothfall angreift;
-Umgang ist Ausgabegeld, f&uuml;r das wir t&auml;gliches
-Brot kaufen: und was w&auml;ren wir ohne ihn?
-Wie viele Menschen, die zu jener hohen
-Stimmung der Freundschaft keinen Beruf empfingen,
-w&uuml;rden ohne Umgang lebendig todt
-seyn! Die Freundschaft bittet nicht, sie fordert;
-sie borgt nicht, auch wenn ihr Antrag
-noch so m&auml;chtig w&auml;re, sie kassirt nur Schulden
-ein &mdash; Freunde befinden sich in Gemeinschaft
-der G&uuml;ter des Lebens; ihr Sinnbild ist,
-nach dem Ausspruche des <i>Aristoteles</i>: Eine
- <span class="pagenum"><a id="Seite_146">[S. 146]</a></span>
-Seele in zwei K&ouml;rpern. Zu historischen Bel&auml;gen
-m&ouml;gen <i>Damon</i> und <i>Pythias</i>, <i>Orestes</i>
-und <i>Pylades</i> dienen, deren Freundschaft st&auml;rker
-als Leben und Tod war. &mdash; Ein Alter
-hielt <i>den</i> schon f&uuml;r &auml;u&szlig;erst gl&uuml;cklich, der nur
-<i>einen Schatten</i> von einem Freunde angetroffen
-h&auml;tte. Der Umgang, wenn beide Geschlechter
-daran Theil nehmen, ist ein dergleichen Reich
-der Schatten, ein Elysium diesseits des Grabes
-&mdash; und an dem Eingange stehen die
-Worte: hasse, als st&auml;nde dir eine Zeit bevor,
-worin du die, welche du jetzt hassest, lieben
-wirst; liebe die Menschen, als wenn du dich
-nicht w&uuml;rdest entbrechen k&ouml;nnen, sie einmal
-zu hassen &mdash; Ein Fingerzeig, der ein Hochverrath
-am Tempel der Freundschaft seyn
-w&uuml;rde; doch Freundschaft hat keinen Tempel,
-selbst nicht eine Kapelle von Menschenh&auml;nden
-gemacht: das Herz ist ihr Heiligthum. Noch
-oft wird mich das selige Wort <i>Freundschaft</i> entz&uuml;cken.
-&mdash; Verzeihe, lieber <i>**s</i>, da&szlig; ich hier
-abbreche; bald sehen wir uns wieder. &mdash; &mdash; &mdash;</p>
-
-<p>Die Herren Alten hatten den Weibern die
-Schnecke zum Sinnbilde ausersehen; allein
- <span class="pagenum"><a id="Seite_147">[S. 147]</a></span>
-durch sklavische Eingezogenheit verliert die
-Ehe von beiden Seiten, und die M&auml;nner ohne
-Zweifel am meisten. &mdash; Die Egyptischen Damen
-mu&szlig;ten mit blo&szlig;en F&uuml;&szlig;en ausgehen,
-damit sie einheimisch blieben; und wer erinnert
-sich nicht an die Geschichte jenes
-Weibes, das ein &ouml;ffentliches, den M&auml;nnern geheiligtes
-Haus vorbeigegangen war? &mdash; Dieser
-unbetr&auml;chtliche Umstand veranla&szlig;te eine Wallfahrt
-nach <i>Delphi</i>, um in heiliger K&uuml;rze und
-Einfalt zu erfahren, was dieser Vorgang bedeute?
-Wer wollte nicht lieber an der
-<i>Wirthstafel</i>, als bei <i>Lucullus</i> vorlieb nehmen,
-wenn bei letzterem die Menge der Leckerbissen
-das Vergn&uuml;gen des Umganges und einer
-gemischten Gesellschaft ersetzen sollte? &mdash;
-Die R&ouml;mische Sprache scheint zum Umgange
-mit Frauenzimmern, und zum Umgange &uuml;berhaupt,
-wenig zu taugen, weil die R&ouml;mer jenes
-Salz der Erde nicht kannten. Zwar hat
-jede Nation in ihre Sprache Spuren ihrer
-Lieblingstugenden und Lieblingss&uuml;nden gedruckt:
-so kommen die technischen Benennungen
-des Seewesens aus dem Holl&auml;ndischen;
- <span class="pagenum"><a id="Seite_148">[S. 148]</a></span>
-die Soldatenworte aus dem Franz&ouml;sischen,
-die Baukunst, die Mahlerei und Bildhauerkunst
-beweisen durch ihre Ausdr&uuml;cke, da&szlig; Italien
-ihr Vaterland ist, und das Jagdwesen erkennet
-Deutschland f&uuml;r sein Revier: inde&szlig; scheinen
-alle neuere Sprachen, die Deutsche selbst
-nicht ausgenommen, durch den Umgang mit
-dem andern Geschlecht etwas Eigenth&uuml;mliches
-erhalten zu haben, das der alten Welt gebrach.
-&mdash; Wenn das ewige Feuer, welches
-die Vestalinnen unterhielten, dazu diente, Licht
-anzuz&uuml;nden, wie ein allgemeiner Brunnen,
-Wasser zu sch&ouml;pfen; so ist es ein sch&ouml;nes
-Bild von dem Dienste, den das sch&ouml;ne Geschlecht
-durch die Verfeinerung des Umganges
-der Welt erwiesen hat: Wir alle haben bei
-ihm Licht angez&uuml;ndet; &mdash; und die Regel: &raquo;beherzige
-deinen K&ouml;rper in der Einsamkeit, bilde
-deinen Geist in der Welt, deinen Willen
-durch das Gesetz, deinen Verstand durch
-Freiheit,&laquo; ist so richtig, wie irgend eine Regel
-es nur seyn kann. &mdash; Weiber sind berufen,
-angegriffen zu werden und sich zu vertheidigen,
-und in beides eine so <i>feine Lebensart</i> zu
- <span class="pagenum"><a id="Seite_149">[S. 149]</a></span>
-mischen, da&szlig;, wenn sie nicht die Ehre verdient
-<i>Schamhaftigkeit</i> zu hei&szlig;en, diese doch
-nicht ohne jene bestehen kann. K&ouml;rperlicher
-Genu&szlig;, er sei von welcher Art er wolle, ist
-kurz, und d&auml;mpft jenes begl&uuml;ckende sanfte
-Feuer des Umganges eher, als da&szlig; er es dauerhaft
-machen sollte. &mdash; &mdash;</p>
-
-<p>Auch das Recht, das die M&auml;nner sich blo&szlig;
-anma&szlig;ten, die Weiber versto&szlig;en zu k&ouml;nnen,
-ohne es den letztern gleichfalls zuzubilligen,
-hat das andere Geschlecht entw&uuml;rdiget. Warum
-ward dieses Versto&szlig;ungsrecht nicht wechselsweise
-und beiden Theilen verstattet? Das
-Weib w&uuml;rde sicher von diesem Rechte nur
-selten Gebrauch gemacht haben, da der gr&ouml;&szlig;te
-Theil seiner Reitze, gleich Rosen, sehr bald
-dahin welkt, und da es, nach wenigen in den
-Armen eines <i>Adams</i> verlebten Wochen, so
-unendlich viel minder gilt, wogegen sein <i>Adam</i>
-unverwelklich bleibt. &mdash; So bald Mann und
-Frau die Trennung nicht gemeinschaftlich wollten,
-(in welchem Fall' es Ehescheidung gewesen
-w&auml;re) so h&auml;tte die Versto&szlig;ung als eine blo&szlig;e
-Gewaltaus&uuml;bung eine unerh&ouml;rte Sache seyn m&uuml;ssen.
- <span class="pagenum"><a id="Seite_150">[S. 150]</a></span>
-Aller dieser wunderbaren, das andere Geschlecht
-erniedrigenden Gesetze und Gewohnheiten
-ungeachtet, wu&szlig;ten sich doch wenigstens
-Einige desselben so auszuzeichnen, da&szlig; das
-ganze Geschlecht durch sie gewann; und es
-ist &mdash; zum unsterblichen Lobe des sch&ouml;nen
-Geschlechtes sei es gesagt! &mdash; in Hinsicht seiner
-der Fall am &ouml;ftesten gewesen, da&szlig; man
-nicht allgemein ein Recht aus&uuml;bte, welches
-ein unnat&uuml;rliches, ein hartes Gesetz einr&auml;umte.
-Von dieser Seite sind Gewohnheiten (<i>consuetudines</i>)
-das ehrw&uuml;rdigste, das ich kenne; sie
-beweisen da, wo ihrer eine ungew&ouml;hnliche Anzahl
-vorhanden ist, nicht unrichtig jenen gro&szlig;en,
-edlen Menschendrang nach Recht, Billigkeit
-und Freiheit, und da&szlig; &uuml;ber die b&uuml;rgerliche
-Einrichtung der Mensch nicht verloren
-ging &mdash; Was h&uuml;lf' es auch dem Menschen,
-wenn er die ganze Welt gew&ouml;nne und n&auml;hme
-Schaden an seiner Seele!</p>
-
-<p>Wie w&auml;r' es, wenn ich nach diesen Bemerkungen
-im Allgemeinen noch einmal dem
-R&ouml;mischen Rechte ein Rauchopfer anz&uuml;ndete
-und den Grund der gesetzlichen H&auml;rte gegen
- <span class="pagenum"><a id="Seite_151">[S. 151]</a></span>
-das Frauenzimmer zu entwickeln suchte? Jede
-Sache hat innere Data, die, wenn man sie
-mit Einsicht und Bescheidenheit nutzt, die
-&auml;u&szlig;eren oft &uuml;berwiegen; inde&szlig; hat es dem
-R&ouml;mischen Rechte nie an Helfershelfern, Commentaroren,
-Epitomatoren und Auslegern gefehlt,
-und einem dieser gelehrten Herren geh&ouml;rt
-ohne Zweifel die Behauptung, da&szlig; die
-<i>Eifersucht</i> der Ursprung der meisten weiblichen
-Rechte gewesen sei. Diese Behauptung
-inde&szlig; ist f&uuml;r mich so wenig &uuml;berzeugend, wie
-der Glaube lebendig ist, da&szlig; <i>schuldige Verehrung</i>
-und <i>Achtung</i> hierzu den Grund gelegt
-haben. So entfernt ich bin, den zweiz&uuml;ngigen
-<i>Prokop</i>, der den <i>Upravda</i> in seinen acht Geschichtsb&uuml;chern
-erh&ouml;het und in seinen Anekdoten
-erniedrigt (recht als wenn Jemanden das
-im Testament mit Lob und Dank zugebilligte
-Legat, im Codicill mit Verachtung und Bitterkeit
-entzogen wird) nachzubeten, und &uuml;berhaupt
-auf die Rechnung eines Gesetzsammlers
-und Gesetzgebers alle Fehler und Vorz&uuml;ge
-eines zusammengebrachten Gesetzbuches zu
-schreiben; so ist doch <i>Justinian's</i> Schw&auml;che
- <span class="pagenum"><a id="Seite_152">[S. 152]</a></span>
-gegen seine Gemahlin <i>Theodora</i> unleugbar,
-die weiland eine Kom&ouml;diantin war, und der
-er nicht wenig Einflu&szlig; in die Regierungsgesch&auml;fte
-ja, wenn man will, in das Allerheiligste
-derselben, die Gesetzgebung, einr&auml;umte.
-Warum gab <i>Justinian</i> seinen Liebesgrillen
-nicht eine andere Richtung? Wie sehr &uuml;bertraf
-ihn <i>Franz der Erste</i>, glorw&uuml;rdigen Andenkens,
-der zuerst die Sitte begann, da&szlig; Damen
-an den Hof kamen, als wodurch das, was
-man <i>Hof</i> nennt, eigentlich erschaffen ward!
-Ihnen zu Ehren wurden B&auml;lle, Kom&ouml;dien und
-Turniere angestellt, und <i>Franz des Ersten</i> herzbrechendes
-Sinnbild war ein Salamander in
-den Flammen, als ob er nicht anders als in
-der Liebesgluth leben k&ouml;nnte. Bei seinen
-Hofleuten warf er sich zum Werber und Ehebef&ouml;rderer
-auf, und gern war er ein allezeit
-fertiger F&uuml;rsprecher bei ihren Sch&ouml;nen. Traf
-er ein verliebtes Paar, so verlangte er zu wissen,
-was es sich sagte, und mit Vergn&uuml;gen,
-legte er ihrer Zunge von seinem Salamanderfeuer
-Geist und Flamme bei. Freilich war
-auch sein Gang kein Richtsteig; doch &mdash; kam
- <span class="pagenum"><a id="Seite_153">[S. 153]</a></span>
-er der Sache nicht n&auml;her, als der gesetzgalante
-<i>Justinian</i>, der das gr&ouml;&szlig;te Sibyllinische
-Buch, <i>die Welt</i>, dem sch&ouml;nen Geschlechte
-noch mehr verriegelte, wogegen <i>Franz I.</i> es
-ihm &ouml;ffnete? &mdash; Wie konnte man &uuml;berhaupt
-von der damaligen Zeit, wo alle Gelehrsamkeit
-auf so schwachen F&uuml;&szlig;en stand oder ging,
-Helden- und Meisterz&uuml;ge der Gesetzgebung erwarten?</p>
-
-<p>Es giebt, sagt man, nach der Verschiedenheit
-der weiblichen Rechte, auch verschiedene
-Beweggr&uuml;nde zu ihrer Bewilligung &mdash; und in
-jedem Gesetz ist der Grund, weshalb es gegeben
-ward, am sichersten aufzusuchen. Zwar
-ist es nicht immer der, welchen die gesetzgebende
-Majest&auml;t anf&uuml;hrt; inde&szlig; wird man
-&uuml;ber die Floskeln des angegebenen Grundes
-sich eben so leicht wegsetzen, als wir heut zu
-Tage wissen, wie wir uns mit dem <i>allgemeinen
-Besten</i> und der <i>angestammten Huld und
-Gnade</i> einzuverstehen haben. Schw&auml;che des
-Geschlechtes ist zum Beispiel die Ursache,
-warum es keine B&uuml;rgschaft g&uuml;ltig &uuml;bernehmen
-kann; und da diese Schw&auml;che selbst
- <span class="pagenum"><a id="Seite_154">[S. 154]</a></span>
-nach den <i>eigenen Worten des Gesetzes</i>, nicht
-den Mangel an &Uuml;berlegung andeutet: so
-scheint sie eher in jener Gutm&uuml;thigkeit zu
-bestehen, die zu Menschen-Wort und Verhei&szlig;ung
-nicht den Glauben verloren hat; und
-ist dieser <i>Glaube an Menschen</i> Schw&auml;che?
-Ist er es, so kann es von ihm in That und
-Wahrheit hei&szlig;en: wenn ich schwach bin,
-bin ich stark. Eine wohlgew&auml;hlte Strafe f&uuml;r
-den Betr&uuml;ger w&uuml;rde vielleicht weit wirksamer
-seyn, als der <i>Vellejanische Rathschlu&szlig;</i>, da sie
-auch gutm&uuml;thige M&auml;nner aus der Verlegenheit
-zu ziehen im Stande w&auml;re; und wenn L&uuml;gen,
-als die Wurzel alles &Uuml;bels, mit der geh&ouml;rigen
-H&auml;rte bestraft, oder auf eine sonst gute Manier
-aus der Welt verbannt w&uuml;rden &mdash; welch
-ein Gewinnst! Das Kindergeb&auml;ren, das gemeiniglich
-zu den Hauptbeweisen der Schw&auml;che
-gez&auml;hlt wird, welche die Gesetze dem sch&ouml;nen
-Geschlecht au&szlig;erordentlich hoch anzurechnen
-geruhen, legt geradezu ein Naturzeugni&szlig; seiner
-St&auml;rke ab. Ich w&uuml;nschte nicht, da&szlig; dieses
-Gesch&auml;ft an unser Geschlecht k&auml;me. Wie
-sehr w&uuml;rde unser Heer von Stutzern, diese
- <span class="pagenum"><a id="Seite_155">[S. 155]</a></span>
-hybriden Gesch&ouml;pfe, und wie noch mehr der
-Staat zu bedauern seyn! Welch ein <i>Minus</i>
-w&uuml;rde sich schon im ersten Jahre an gebornen
-Kindern, und welch ein <i>Plus</i> an gestorbenen
-Kindbettern finden &mdash;! Z&auml;hlt die Tage beider
-Geschlechter, welche Krankheit zu heiligen erniedrigt;
-und ich wette, es wird in der Balanz
-<i>Credit</i> und <i>Debet</i> beider Geschlechter
-sich heben. &mdash;</p>
-
-<p>Auch die <i>Schamhaftigkeit</i> wird als ein
-authentischer Grund der weiblichen Rechtsunterdr&uuml;ckung
-&mdash; wohl zu merken, von den
-Gesetzen selbst! &mdash; angef&uuml;hrt. Ein Grund, wor&uuml;ber
-sich die Schriftgelehrten sch&auml;men w&uuml;rden,
-wenn sie das k&ouml;nnten! Wegen der
-Schamhaftigkeit soll das sch&ouml;ne Geschlecht
-nicht Theil an gerichtlichen Handlungen nehmen?
-Wie g&uuml;tig die Gesetze sind! als ob in
-den Gerichten die Schamhaftigkeit Gefahr liefe,
-oder gar aufgegeben w&uuml;rde! Was k&ouml;nnte
-denn hier zu unerlaubten Begierden verleiten
-und ein von diesen entferntes Herz dazu
-entflammen? Ehe <i>beide</i> Geschlechter sich zu
-dieser Tugend entschlie&szlig;en, und sich von jedem
- <span class="pagenum"><a id="Seite_156">[S. 156]</a></span>
-verf&uuml;hrerischen Worte Rechenschaft abfordern
-&mdash; giebt es Schamhaftigkeit? &mdash; und
-was gilt sie einseitig? &mdash; Die Schamhaftigkeit
-ist eine Tugend, die, wenn ich so sagen darf,
-<i>in der Ehe lebt</i>; wenn sie nicht von M&auml;nnern
-und Weibern zugleich ge&uuml;bt wird, so artet sie
-in Ziererei und weibliche Taschenspielerk&uuml;nste
-aus &mdash; Und wie? ist den Reinen nicht alles
-rein? Eine Ehefrau kleidet eine edle Freim&uuml;thigkeit,
-ein unverstelltes Wesen, unendlich
-besser, als jene kl&ouml;sterliche Heuchelei.
-Mit ungewaschenen H&auml;nden essen, verunreinigt
-den Menschen nicht; und der Tugend
-sich mit seinem Munde nahen, sie mit seinen
-Lippen ehren und das Herz von ihr entfernen
-&mdash; ist das nicht ein Greuel?</p>
-
-<p>Macht man inde&szlig; mehr auf einen reinen
-Mund Anspruch, als auf ein reines Herz, so
-hat die Gesetzstelle gewonnen Spiel, welche
-(<i>L. I. § 5. D. de postulando</i>) behauptet, da&szlig;
-man die weibliche Schamhaftigkeit in Labyrinthe
-der Versuchung f&uuml;hren w&uuml;rde, wenn
-es dem sch&ouml;nen Geschlecht erlaubt werden
-sollte, sich in Rechtsangelegenheiten zu mischen.
- <span class="pagenum"><a id="Seite_157">[S. 157]</a></span>
-O, der &uuml;berfeinen Besorgni&szlig;! Ist
-das Reich Gottes nicht in uns? Tugenden,
-die nie das Gl&uuml;ck gehabt haben, in Versuchung
-zu kommen, sind, wie die Scheidem&uuml;nze,
-von sehr verd&auml;chtigem Schrot und
-Korn, ob sie gleich gemeiniglich den Vorzug
-haben in Cours zu bleiben. &mdash; Jenes Recht
-der Gegenwehr, kraft dessen wir allem widerstehen,
-was uns zu nahe zu treten versuchen
-will &mdash; wenn es nie in Anwendung gebracht
-wird, setzt es nicht die Menschen &uuml;ber kurz
-oder lang aus aller Disciplin, so da&szlig; sie zuletzt von ihren eigenen Schatten in die Flucht
-geschlagen werden? Sind die schrecklichsten
-Schandthaten in der gro&szlig;en Welt oder in der
-Einsamkeit empfangen und geboren? oder will
-man dem sch&ouml;nen Geschlecht die F&auml;higkeit
-und das moralische Verm&ouml;gen etwas zu thun
-oder zu lassen, zu Deutsch <i>das Recht</i> genannt,
-in bester Form Rechtens aberkennen? Haben
-wir nicht bedacht, da&szlig; Recht aus der leidenden
-Verbindlichkeit entsteht, und da&szlig; kein
-Recht seyn w&uuml;rde, wenn keine Verbindlichkeit
-w&auml;re? da&szlig;, wenn die Natur zu einem
- <span class="pagenum"><a id="Seite_158">[S. 158]</a></span>
-Zwecke durch ihr heiliges Gesetz verbindet,
-sie auch den Schl&uuml;ssel und das Recht zu den
-Mitteln verliehen hat? Oder kann man ohne
-Mittel zum Zwecke gelangen? Stehet es nicht
-jedem frei, das zu thun, ohne was er seiner
-Verbindlichkeit nicht nachkommen oder sie
-nicht erf&uuml;llen k&ouml;nnte?</p>
-
-<p>Sehr consequent in R&uuml;cksicht R&ouml;mischer
-Rechts-Grunds&auml;tze hat <i>Divus Justinianus</i>
-(<i>Nov.</i> CXXXIV. <i>Cap.</i> IX.) angeordnet, da&szlig;
-kein Frauenzimmer gef&auml;nglich eingezogen werden
-solle. Auch wegen der gr&ouml;&szlig;ten Verbrechen
-will er sie nur mit dem Kloster bestrafen
-und sie blo&szlig; der Aufsicht anderer Weiber
-anvertrauen &mdash; Wir inde&szlig; geben dieses Gesetz
-aus m&auml;nnlicher Machtvollkommenheit auf, ohne
-dem Geschlechte andere R&ouml;mische Rechtswohlthaten
-zu erlassen. Wer sollte denken,
-da&szlig; man mit Wohlthaten so sehr ins Gedr&auml;nge
-kommen, so geplagt und bel&auml;stigt werden
-k&ouml;nnte! wer sollte denken, da&szlig; man dem mit
-Wohlthaten so &uuml;berh&auml;uften R&ouml;mischen Frauenzimmer
-ehemals nicht gestattete, den Volksversammlungen
-beizuwohnen! da&szlig; man es der
- <span class="pagenum"><a id="Seite_159">[S. 159]</a></span>
-Ehre nicht w&uuml;rdigte, zum Volke zu geh&ouml;ren,
-und da&szlig; eben aus dieser Herabsetzung ihm
-der Vorzug erwuchs, mit Bestande Rechtens
-in den Rechten unerfahren zu seyn und sich
-mit dieser Gesetzunwissenheit, wie mit einem
-Orden, zu schm&uuml;cken! &mdash; Nicht nur unsch&auml;dlich,
-sondern r&uuml;hmlich, war ihm, diese
-Wohlthat der ewigen Kindheit, verm&ouml;ge deren
-es im Reiche des <i>Saturnus</i> in einem immerw&auml;hrenden
-Fr&uuml;hling lebte, schwebte und
-war &mdash; Es verschenkte alles das Seinige, um
-von Almosen zu leben; es vertauschte Gold
-gegen Flittern, Schaum&uuml;nzen gegen blanke
-Rechenpfennige. Doch alles ist kein Vergleich
-gegen den Tausch des Rechtes gegen
-G&uuml;te &mdash; der m&auml;nnlichen Worte: <i>ich fordere</i>,
-gegen die weiblichen: <i>ich bitte</i>. Wie konnte
-man aber auch einer, in der gesetzlichen
-Herrschaft des Eheherrn befindlichen Gattin,
-einer der Gewalt eines Andern untergeordneten
-Sklavin, mehr als Gnade und Wohlthaten
-erweisen? Nicht sie, sondern ihr Mann hatte
-Kinder &mdash; Auf ihre Familie hatte sie Verzicht
-gethan, um zu ihres Herrn Familie einzugehen
- <span class="pagenum"><a id="Seite_160">[S. 160]</a></span>
-&mdash; Schon l&auml;ngst hatte man verlernt,
-da&szlig; die Ehe eine gleiche Gesellschaft sei,
-da&szlig; die Herrschaft im Ehestande eine beiderseitige
-Herrschaft der Eheleute neben einander
-bleibe, und da&szlig; der Mann sie sich nur durch
-einen <i>ausdr&uuml;cklichen</i> Vertrag zueignen k&ouml;nne?
-&raquo;Nicht auch durch einen <i>stillschweigenden</i>?&laquo;
-Ach freilich! h&auml;tt' ich doch diese stumme
-S&uuml;nde beinahe vergessen. Die Geschichte gedenkt
-eines naseweisen Knaben, <i>Papirius</i>, im
-Besten, weil er, seine Mutter zu betr&uuml;gen,
-schon in fr&uuml;hen Jahren reif genug befunden
-war. Er begleitete, nach damaliger Sitte, seinen
-Vater, wenn Se. wohlweise Gestrengigkeit
-auf das Rathhaus ging; und da seine
-Mutter die Debatten des Tages vom <i>Papirius</i>
-zu wissen verlangte, so schob er ihr eine baare
-Unwahrheit unter. &raquo;Es w&auml;re, sagte er, die
-Frage zur Motion gediehen: Ob es besser sei,
-da&szlig; ein Mann zwei Weiber, oder ein Weib
-zwei M&auml;nner habe.&laquo; &mdash; &mdash; Welch eine Erniedrigung,
-da&szlig; eine Mutter bei einem Knaben,
-und, was noch mehr sagen will, bei ihrem
-leiblichen Sohne, nach den Dekreten einer
- <span class="pagenum"><a id="Seite_161">[S. 161]</a></span>
-obrigkeitlichen Sitzung forschen mu&szlig;! und
-welch eine &Uuml;bertretung des vierten Gebotes,
-da&szlig; ein Sohn seine Mutter durch eine Unwahrheit
-vorsetzlich zu einem weiblichen Auflauf
-bei der National-Versammlung mi&szlig;leiten
-konnte, der sich entschlo&szlig;, (ohne Zweifel in
-besserer Form und Ordnung als die Parisischen
-Fischweiber) wider das vermeintliche Dekret,
-da&szlig; ein Mann zwei Weiber haben k&ouml;nne,
-zu protestiren. Es hei&szlig;t, <i>Papirius</i> habe
-von Stund' an, und nach diesem <i>examine rigoroso</i>
-ein Patent als ordentlicher Beisitzer des
-hohen Rathes erhalten, und dagegen sei allen
-&uuml;brigen Auscultatoren und Referendarien der
-Zutritt zu den Raths-Sessionen untersagt worden!
-Freilich verdienten solche altkluge, auf
-Treibh&auml;usern gezogene Kenntnisse des <i>Papirius</i>,
-und ein so stattlicher Mutterbetrug, Aufmunterung
-und Belohnung! &mdash; Sollten inde&szlig; alle
-jene so &uuml;berm&auml;&szlig;ige Wohlthaten nicht unter
-Einen Hut zu bringen seyn? Wir k&ouml;nnen
-in Ansehung dessen, was in anderen F&auml;llen
-geschieht, wo nicht schon sicher wissen, so
-doch mit Zuverl&auml;ssigkeit vermuthen, mit was
- <span class="pagenum"><a id="Seite_162">[S. 162]</a></span>
-f&uuml;r einem Ma&szlig;e der Einsicht in den Grund
-der Sache, aus welchen &ouml;ffentlichen und geheimen
-Artikeln von Anreitzungen, Absichten
-und Nebenabsichten, f&uuml;r die Beibehaltung des
-Alten geeifert wird. Wenn mich nicht alles
-tr&uuml;gt, so hat die <i>Furcht</i> der M&auml;nner, durch
-die Weiber <i>unterjocht zu werden</i>, die ersteren
-zu jener &Uuml;berh&auml;ufung mit Wohlthaten gebracht.
-Nach Art der Hofleute, die kein moralisches
-Aequinoctium annehmen, wo Gutes
-und B&ouml;ses sich die Wage h&auml;lt, scheinen die
-M&auml;nner, die schon unter sich so viele Feinde
-und Widersacher z&auml;hlen, sich von Seiten der
-Weiber den R&uuml;cken decken zu wollen &mdash;
-W&auml;r' es das erstemal, da&szlig; man seine Herrschaft
-durch das Hausmittel zu sichern suchte,
-die, welche man beherrscht und gern ewig
-beherrschen m&ouml;chte, von reiner Erkenntni&szlig;
-und Besserung hochbed&auml;chtig zur&uuml;ckzuhalten?
-Und wie! es stand noch kein Prediger in der
-W&uuml;ste auf, der diesen M&auml;nnerd&uuml;nkel in seiner
-Bl&ouml;&szlig;e zeigte, und auf diesen Staat im
-Staate aufmerksam machte? &mdash; Es gab G&ouml;tter
-und G&ouml;ttinnen, die f&uuml;r Opfer und Geschenke
- <span class="pagenum"><a id="Seite_163">[S. 163]</a></span>
-feil waren. So ging es dem andern Geschlechte,
-das auch Opfer auf Kosten seiner Rechte
-annehmen mu&szlig;te, und das, wenn gleich die
-Menschheit es so sehr zierte, sie doch gegen
-jene G&ouml;ttlichkeit aufzugeben gezwungen ward.
-Jemanden G&uuml;te erweisen, indem man ihm Gerechtigkeit
-entzieht, hei&szlig;t: ein Naturgesetz
-mit F&uuml;&szlig;en treten, und sich mit einem positiven
-br&uuml;sten; die Erstgeburt f&uuml;r ein schn&ouml;des
-Linsengericht verkaufen, M&uuml;cken seihen und
-Kamele verschlucken &mdash; O, der blinden Leiter,
-die, mit pharis&auml;ischer Heuchelei das andere
-Geschlecht einschl&auml;ferten, im Tr&uuml;ben
-fischten und durch Schein des Rechts die nat&uuml;rlichen
-in das Herz geschriebenen Rechte
-zu vertilgen suchten! &mdash; Die Natur l&auml;&szlig;t sich
-nicht zwingen. &mdash; <i>Furcht!</i> Fiel dies Wort auf?
-Es sollte auffallen &mdash; Seht! ich will mein
-Herz aussch&uuml;tten und zur Ehre des m&auml;nnlichen
-Geschlechtes bekennen, da&szlig; keine b&ouml;sere
-Absicht, als <i>die Furcht, das andere Geschlecht
-w&uuml;rde uns beherrschen</i>, den Grund
-zu unserer Herrschaft &uuml;ber dasselbe gelegt hat.
-Auch dachten wir vielleicht unserer Seits bei
- <span class="pagenum"><a id="Seite_164">[S. 164]</a></span>
-diesem Plane nicht, den Weibern eben schwer
-zu fallen und ihnen Schaden oder Leides zu
-thun; sondern <i>ihnen und uns n&uuml;tzlich zu
-werden</i>. Vielleicht war ein Plan dieser vermeintlich
-<i>nutzreichen Art</i> der Anfang mancher
-andern, jetzt so ausgearteten Herrschaft. Die
-<i>Furcht</i> schuf G&ouml;tter, sagt ein Alter; &mdash; nicht
-auch die <i>Liebe</i>? Wir sollen Gott f&uuml;rchten
-und lieben, f&auml;ngt <i>Luther</i> jede Erkl&auml;rung der
-zehn Gebote an &mdash; und doch treibt die Liebe
-die Furcht aus &mdash;!</p>
-
-<p>Sehet euch um! noch jetzt werdet ihr finden,
-da&szlig; M&auml;nner, die ihre Weiber <i>anbeten</i>,
-vorz&uuml;glich jedem Beitrage zur Verbesserung
-des anderen Geschlechtes ausweichen. Und
-warum dieser befremdende Widerstand? Das
-Gef&uuml;hl von dem Werthe seines vortreflichen
-Weibes verst&auml;rkt die <i>Furcht</i> des Herrn Gemahls.
-Die Verehrung, die er ihm widmet,
-unterdr&uuml;ckt den Gedanken, dem Geschlechte
-in ihm Gerechtigkeit zu erweisen &mdash; Auch
-der beste Mann ist neidisch auf gro&szlig;e Eigenschaften
-seines Weibes, die ihm gef&auml;hrlich
-werden k&ouml;nnen; er will mit seinen Wohlthaten
- <span class="pagenum"><a id="Seite_165">[S. 165]</a></span>
-ihm den Mund stopfen, die Vernunft und
-den Willen desselben einschr&auml;nken und mi&szlig;leiten,
-damit es nicht Gerechtigkeit begehre &mdash;
-Eine besondere Art, mit Geschenken das
-Recht zu beugen, eine Wechselschuld nicht
-zu bezahlen, allein dem Wechsel-Gl&auml;ubiger
-ein Geschenk zu machen, das jene Schuld
-&uuml;berwiegt! &mdash; Dergleichen M&auml;nner bem&uuml;hen
-sich au&szlig;erordentlich, sich ihren Weibern von
-der besten Seite zu zeigen; und da sie wohl
-einsehen, wie sehr weit sie von ihren Weibern
-in allem zur&uuml;ckgelassen werden: so legen
-sie ein au&szlig;erordentliches Gewicht auf ihren
-Staatsberuf, und rechnen sich die Amtsgesch&auml;fte
-&auml;u&szlig;erst hoch an, um sich bei ihren
-Weibern in Achtung zu erhalten. &mdash; Das arme
-Geschlecht! wie sehr es doch durch blauen
-Dunst hingehalten wird &mdash;! Man erz&auml;hlt
-von einem T&uuml;rkischen Gesandten, er habe auf
-die Frage: wie ihm das Frauenzimmer in ***
-gefalle; geantwortet: ich bin kein Kenner von
-Mahlerei &mdash; Ist nicht jeder Beamte im Staate
-geschminkt? &mdash; Man nehme ihm das Wei&szlig;
-und Roth, das der Staat ihm Ehrenhalber
- <span class="pagenum"><a id="Seite_166">[S. 166]</a></span>
-auflegt; und wir werden weder Gestalt noch
-Sch&ouml;ne an ihm finden &mdash;- Wir m&ouml;gen uns
-nicht anstrengen, um mit dem andern Geschlechte
-Schritt zu halten; und das m&uuml;&szlig;ten
-wir oft &uuml;ber unser Denken und Verm&ouml;gen,
-wenn wir ihm gleich kommen wollten. Wir
-gehen ihm sonach R&auml;thsel auf, die der Aufl&ouml;sung
-nicht werth sind; wir verlangen Traumdeutungen
-von ihm, ohne da&szlig; wir ihm den
-Traum bekannt machen; wir suchen es in
-das Spielwerk der Welt zu verwickeln, und
-es dem Ernste und Nachdenken so viel als
-m&ouml;glich zu entziehen: &mdash; und doch ist dieser
-M&uuml;&szlig;iggang &mdash; welches Weib wird nicht dazu
-auf eine grobe und subtile Art verurtheilt? &mdash;
-der Grund von allem jenem &Uuml;bel, wovon reelle
-Besch&auml;ftigung das Weib, seinen Mann und
-die Welt befreien w&uuml;rde. &mdash; Die <i>Th&auml;tigkeit</i>
-hat drei Grazien zu T&ouml;chtern: <i>Tugend</i>, <i>Wissenschaft</i>
-und <i>Reichthum</i>; allein welche Th&auml;tigkeit?
-die, wozu M&auml;nner aus Machtvollkommenheit
-die Weiber verurtheilen, oder jene,
-die man bei selbstgew&auml;hlten Gesch&auml;ften anwendet?
-die, wo Lied- und Tagelohn bezahlt
- <span class="pagenum"><a id="Seite_167">[S. 167]</a></span>
-wird, oder jene, wo das freiwillig &uuml;bernommene
-Gesch&auml;ft sich selbst belohnt? Aufgegebene
-Arbeiten k&ouml;nnen zwar zu andern unaufgegebenen
-erwecken, die &uuml;ber jene unendlich
-erhaben sind; doch m&uuml;ssen die aufgegebenen
-nie von so einf&ouml;rmiger Art seyn, wie die
-weiblichen es sind, falls sie die einmal in Bewegung
-gesetzte Seele zu edler Wirksamkeit
-hinaufstimmen sollen &mdash; Wann wird Th&auml;tigkeit
-aus selbsteigener Wahl einmal aufh&ouml;ren
-der k&ouml;nigliche Vorzug der M&auml;nner zu seyn!
-wann werden Weiber zu dem Menschenrechte
-gelangen, Gesch&auml;fte nicht f&uuml;rs Brot, nicht
-auf den Kauf, sondern mit Lust und Liebe
-treiben zu k&ouml;nnen! o, wann! &mdash; &mdash; Wie
-sehr w&uuml;rde man die Erkl&auml;rung der siebenten
-Bitte durch die Verbesserung des weiblichen
-Verh&auml;ltnisses zum Staate verk&uuml;rzen! Man
-verbietet mit Recht nicht nur das Laster, sondern
-auch den Schein desselben, weil Schamlosigkeit,
-wenn sie ins Publicum dringt, ein
-allgemeines Verderben des Staates bewirkt,
-und ein gewisses Zeichen seines nahen Sturzes
-ist. &mdash; Doch bedenkt man nicht, da&szlig; eben
- <span class="pagenum"><a id="Seite_168">[S. 168]</a></span>
-die Ausschlie&szlig;ung des andern Geschlechtes
-von allen &ouml;ffentlichen und ernsthaften Besch&auml;ftigungen
-es geradesweges auf den Gedanken
-bringen mu&szlig;, alle jene ehrw&uuml;rdigen Sachen
-zu enttrohnen, den Werth derselben, den inneres
-Gehalt oder Lieblingsgrillen ihnen beilegen,
-zu verringern, und der jungen naseweisen
-Welt der J&uuml;nglinge allen jenen Ernst so
-zu verekeln &mdash; da&szlig;, wenn sie sich ja Gesch&auml;ften
-widmen, sie die Maximen des L&auml;cherlichen
-in Anwendung bringen, welche sie
-zu den F&uuml;&szlig;en des sch&ouml;nen Geschlechtes gelernt
-haben. Es werden wenige Dinge seyn,
-die sich von dem Roste der Pedanterie rein
-halten k&ouml;nnen, au&szlig;er wenn das Frauenzimmer,
-dieses einzige Verwahrungsmittel gegen
-jenes Geschlechts&uuml;bel, dabei eingeflochten
-wird.</p>
-
-<p>Der Mensch ist zur Nachahmung geneigt,
-und es ist eine bekannte Bemerkung, da&szlig;
-man das in seinem Hause im Kleinen einf&uuml;hrt,
-was im Staat im Gro&szlig;en g&auml;ng und gebe ist;
-das Haus pflegt ein Miniaturst&uuml;ck des Staates
-zu seyn. Wenn aber gleich in despotischen
- <span class="pagenum"><a id="Seite_169">[S. 169]</a></span>
-Staaten der Despotismus auch in Privath&auml;usern
-w&uuml;thet, und um so mehr mit gutem Bedachte
-w&uuml;then zu m&uuml;ssen das Ansehen gewinnt, da
-gr&ouml;&szlig;ere Freiheit der Weiber dem Staat un&uuml;berwindliche
-Nachtheile zuziehen, und dieses
-Geschlecht, geboren der Natur getreu zu
-seyn, alles jene unnat&uuml;rliche Wesen der Despotie
-an die geh&ouml;rige Stelle und den rechtm&auml;&szlig;igen
-Ort bringen w&uuml;rde; so ist doch auch
-in Republiken das sch&ouml;ne Geschlecht noch
-nie zu einem anst&auml;ndigen Grade von Besitz
-seiner Rechte gediehen &mdash; Zwar gewinnt es
-dort durch mindere Pracht; allein eben dieser
-Gewinn lehret die Herren Staats-Repr&auml;sentanten
-aufs Wort merken. Die Weiber spielen
-ein etwas ernsthafteres Spiel, als in Despotie
-und Monarchie; aber man erlaubt ihnen nicht,
-dieses Ziel zu &uuml;berschreiten: ihre anscheinenden
-Vorz&uuml;ge sind avanturirt (erabentheuert) &mdash;
-Es bleibt Spiel was sie treiben &mdash; Ihr Tichten
-und Trachten sind Kleinigkeiten von Jugend
-auf und immerdar; und, was noch &auml;rger ist &mdash;
-der widernat&uuml;rlich zusammengeordnete Putz
-entstellt die nat&uuml;rliche Sch&ouml;ne des K&ouml;rpers so
- <span class="pagenum"><a id="Seite_170">[S. 170]</a></span>
-sehr, da&szlig; die <i>Frage</i> der Gemahlin des Kaisers
-von <i>Marokko</i>, an die geputzte Frau des
-Holl&auml;ndischen Consuls: <i>bist du das Alles
-selbst?</i> &mdash; oft <i>ihr Gl&uuml;ck versuchen</i> k&ouml;nnte.</p>
-
-<p>In der Aristokratie sind die Herren Aristokraten
-zum Neide und zur Eifersucht so berufen,
-da&szlig; sie zu verlieren bef&uuml;rchten, wenn
-sie ihren Weibern einen Vorzug verstatteten &mdash;
-und da selbst die Franz&ouml;sische Revolution ihren
-Zustand &mdash; obgleich Weiber die Fahne
-derselben gef&uuml;hrt &mdash; nicht verbessert hat; so
-scheinen wohl die Verschiedenheiten der Regierungsformen
-nicht bestimmt zu seyn, diesen
-Schaden Josephs zu heilen: h&ouml;chstens bleiben
-die armen Weiber beim <i>Mehr</i> oder <i>Weniger</i>
-stehen.</p>
-
-<p>&raquo;Es ist wider die Vernunft und wider die
-Natur&laquo;, sagt ein Philosoph der Welt, &raquo;da&szlig;
-Weiber die <i>Hausherrschaft</i> f&uuml;hren; allein
-<i>Reiche</i> k&ouml;nnen sie regieren &mdash; Im ersten
-Falle erlaubt ihnen ihre Schw&auml;che diesen
-Vorzug nicht; im andern stimmt diese sie
-zur Leutseligkeit und M&auml;&szlig;igung. &mdash;&laquo; Mich
-d&uuml;nkt, diese Bemerkung ist Sophisterei. Wer
- <span class="pagenum"><a id="Seite_171">[S. 171]</a></span>
-will denn, da&szlig; Weiber das Hausregiment f&uuml;hren
-sollen? Nur da, wo, nach dem altdeutschen
-Reim eines Reformators, ein Jeder seine
-Lektion lernt, wird es wohl im Hause stehen.
-&mdash; Es ist zu verwundern, da&szlig; jetzt, da
-das halbe menschliche Geschlecht auf weiter
-nichts sinnt, als sich mit Ehren unter die
-Haube zu bringen, noch so viel Policei im
-Punkte des Punktes herrscht &mdash; und da&szlig;, da
-das Frauenzimmer zu einer ewigen Vormundschaft
-verdammt wird, es seine Rache blo&szlig;
-aus der ersten Hand vom Ehemanne nimmt,
-und &uuml;brigens in der gr&ouml;&szlig;eren Welt so sittsam
-und menschenfreundlich bleibt. Strenge Aufmerksamkeit
-auf einen sich selbst gegebenen
-Punkt unterdr&uuml;ckt das Gef&uuml;hl des Schmerzes,
-und die gr&ouml;&szlig;te Krankheit verliert einen
-gro&szlig;en Theil ihrer Feindseligkeit durch die
-Unterhaltung mit einem guten Bekannten, welche
-aber, wohl zu merken, den Kranken unvermerkt,
-&auml;u&szlig;erst leicht und ohne angreifende
-&Uuml;berg&auml;nge besch&auml;ftigen mu&szlig;. Ist die Ehe,
-nach jetziger Sitte, viel mehr als eine Krankenunterhaltung,
-wodurch man so sehr die lange
- <span class="pagenum"><a id="Seite_172">[S. 172]</a></span>
-Weile als die Anstrengung vermeidet, und vorz&uuml;glich
-das andere Geschlecht von jenem
-schrecklichen Gef&uuml;hle seiner Abh&auml;ngigkeit und
-Unterdr&uuml;ckung ableitet? &mdash; Lie&szlig;en die M&auml;nner
-sich &ouml;fter als jetzt merken, da&szlig; sie das
-Verh&auml;ltni&szlig; der Geschlechter besser, als die
-Natur, zu ordnen w&uuml;&szlig;ten, wie weiland <i>Alphonsus</i>
-das Sch&ouml;pfungswerk weit besser als
-der Sch&ouml;pfer Himmels und der Erden zu verstehen
-vorgab: so w&auml;re den M&auml;nnern h&ouml;herer
-Klassen schon l&auml;ngst von ihren aufgekl&auml;rten
-Damen der Krieg angek&uuml;ndigt; jetzt aber, da
-M&auml;nner diese Saite fast gar nicht ber&uuml;hren,
-oder h&ouml;chstens sich &uuml;ber diese Sache etwa so
-auslassen, wie <i>Machiavell</i> &uuml;ber die Tyrannen:
-&mdash; jetzt bleibt es in besseren Volksklassen
-beim Frieden, und in den geringeren ist der
-Unterschied zwischen m&auml;nnlichem und weiblichem
-Werth und Unwerth zu unbedeutend,
-oder jene geringeren denken zu wenig an ihre
-Bestimmung, um anders als thierisch zu wissen,
-da&szlig; zwei Geschlechter unter den Menschen
-sind &mdash; Wird dann etwa (im Jubeljahr)
-unter uns ein <i>St. Pierre</i>, ein <i>Bayard</i>,
- <span class="pagenum"><a id="Seite_173">[S. 173]</a></span>
-ein <i>Heinrich IV.</i> geboren; so l&auml;&szlig;t das andere
-Geschlecht, des Verdienstes dieser hervorragenden
-M&auml;nner halben, dem ganzen m&auml;nnlichen
-Geschlechte Gnade widerfahren. &mdash; &mdash;
-La&szlig;t uns aufrichtig seyn! Alles wodurch
-Menschen sich auszeichnen k&ouml;nnen, ist dem
-Frauenzimmer benommen. Ein Cartel erniedrigt
-es so tief, wie eine unger&auml;chte Beleidigung
-den Ehemann; und in die Klasse der
-Unedlen, der Knechte, ward es unter dem
-Schreckbilde, da&szlig; die Gr&auml;nzen seiner fr&auml;ulichen
-Schamhaftigkeit verletzet werden k&ouml;nnten,
-versto&szlig;en, damit nur unser Geschlecht
-sicher bliebe, nie von ihm zum Zweikampfe
-gefordert zu werden &mdash; Nicht die &Auml;hnlichkeit,
-sondern das Gesetz bestimmt verm&ouml;ge
-der Ehe den Vater; es benennt ihn, und leidet
-keinen Widerspruch. Wie war es m&ouml;glich,
-da&szlig;, da die Natur unmittelbar die Mutter
-bestimmt, da&szlig;, da diese so unbezweifelt
-gewi&szlig; wie unsere Existenz und der Tod ist &mdash;
-die Kinder in solch eine Unerkenntlichkeit
-ausarteten! da&szlig; nicht gutgesinnte unter ihnen
-sich vereinigen, um ihre M&uuml;tter aus der
- <span class="pagenum"><a id="Seite_174">[S. 174]</a></span>
-Schmach zu rei&szlig;en, in der sie von wegen des
-Geschlechtes schmachten! Das m&auml;nnliche Geschlecht
-spielt mit au&szlig;erordentlichem Gl&uuml;ck &mdash;
-Wenn die V&auml;ter ihren T&ouml;chtern verm&ouml;ge des
-Geschlechtstriebes nicht so liebreich zuvork&auml;men,
-wie es gemeiniglich der Fall ist; vielleicht
-w&uuml;rden diese schon l&auml;ngst eine Conspiration
-veranla&szlig;t haben, um Menschen aus
-M&auml;dchen zu machen, die jetzt aus Sitte nicht
-sehen, h&ouml;ren und denken d&uuml;rfen, die allein
-in der Einsamkeit das Recht haben dreist zu
-seyn, und nur im Selbstumgange jenen schrecklichen
-Klosterzwang ablegen k&ouml;nnen, der sie
-in Gesellschaft zur entsetzlichsten Einsamkeit
-verdammt. Was kann man von dieser Erziehung
-erwarten, die von der Heuchelei dirigirt
-wird, nach welcher selbst der Plan, zur
-Heirath Anla&szlig; zu geben, so insgeheim ausgef&uuml;hrt
-werden mu&szlig;, da&szlig; oft das lauteste <i>Nein</i>
-das herzlichste <i>Ja</i> bedeutet! &mdash; Alle jene
-Gesetze zur Fortpflanzung des menschlichen
-Geschlechtes, jene Aufmunterungen zur Ehe,
-die Drei-Kinder-Ehre &mdash; was sind sie anders,
-als unnat&uuml;rliche H&uuml;lfsmittel, die alle aufh&ouml;ren
- <span class="pagenum"><a id="Seite_175">[S. 175]</a></span>
-w&uuml;rden, wenn man M&auml;nner und Weiber in
-den Gang der Natur einlenkte? &mdash; Wie w&uuml;rde
-sich hier Alles von selbst verstehen! &mdash;
-Man trachte zuerst nach dem Reiche Gottes
-und nach seiner Gerechtigkeit; und in Wahrheit,
-alles Andere wird von selbst zufallen.
-Darum Leute im Staat ehren, weil sie in der
-Ehe leben, weil sie Kinder, weil sie drei
-Kinder haben; darum, weil man die meisten
-Kinder hat, zuerst im Rathe votiren &mdash; ist
-eben so wunderbar, als die Seele nach dem
-K&ouml;rper messen; und jener General hat sich
-mit uns ausges&ouml;hnt, der Specialkarten verwarf,
-und nur Generalkarten wollte, weil er
-General war, oder der es nicht begreifen konnte,
-da&szlig; man ein gro&szlig;er Mann seyn und doch
-nicht &uuml;ber vier Zoll messen k&ouml;nne. &mdash; Vielleicht
-kommt noch die Zeit, da&szlig; man belohnt
-wird, weil man essen und trinken oder schlafen
-kann! Mit Volksmenge allein ist dem
-Staate nicht gedient, wohl aber mit B&uuml;rgern,
-die mit der nat&uuml;rlichen Beschaffenheit und
-der Gr&ouml;&szlig;e desselben in richtigen Verh&auml;ltnissen
-stehen, die frei, arbeitsam, wohlhabend
- <span class="pagenum"><a id="Seite_176">[S. 176]</a></span>
-und wohldenkend sind. Und selbst die Volksmenge!
-w&uuml;rde sie nicht &uuml;ber die H&auml;lfte vermehrt
-werden, wenn man das andere Geschlecht
-zum Volk zu machen sich entschlie&szlig;en,
-und Weiber zu Colonisten im Staat aufnehmen
-wollte? Man wende einmal die M&uuml;nze
-um; und der Revers der Sache &mdash;? Zu
-elenden Kunstgriffen mu&szlig; man sich herablassen,
-wenn man die Winke der Natur vernachl&auml;ssiget
-&mdash; Merkw&uuml;rdig ist es, da&szlig; selbst
-Weiber zu einer gewissen Zeit in <i>Rom</i> durch
-Kinder sich aus der best&auml;ndigen Vormundschaft
-hinaus geb&auml;ren konnten! &mdash; Die Freigeborne
-mu&szlig;te deren drei, die Freigelassene
-vier haben. &mdash;</p>
-
-<p>Heil den Gesetzen, die nicht ansehen, was
-vor Augen ist, sondern die nach dem Beispiele
-des Stifters des Christenthums das Herz
-verlangen; die es auf den inneren Menschen anlegen;
-die nicht &auml;u&szlig;ere Sch&auml;den verbinden,
-sondern heilen; nicht Palliative bewirken, sondern
-das Blut reinigen! &mdash;</p>
-
-<p>Derjenige, der sp&auml;ter bezahlt, bezahlt weniger
-&mdash; Die b&uuml;ndigste Antwort, wenn von
- <span class="pagenum"><a id="Seite_177">[S. 177]</a></span>
-der Erlaubni&szlig;, Zinsen zu nehmen, die Frage
-ist. Wie viele Verz&ouml;gerungs-Zinsen werden
-wir dem andern Geschlechte schuldig werden &mdash;!
-Als <i>Cromwell'n</i> gerathen ward, seine
-Tochter <i>Carl dem II</i> zu geben, nachdem er
-<i>Carl den I</i> hatte enthaupten lassen, war seine
-Antwort: &raquo;Nein; denn k&ouml;nnte er wirklich
-vergessen, was ich that,&laquo; f&uuml;gte er hinzu, &raquo;so
-w&auml;r' er nicht werth, eine Krone zu tragen &mdash;&laquo;</p>
-
-<p>Sollten die Weiber nicht dereinst &uuml;ber
-kurz oder lang ihre Existenz den M&auml;nnern
-beweisen, so wie weiland <i>Alcibiades</i> die seinige
-den Atheniensern, die ihn zum Tode
-verurtheilt hatten? Sollten sie nicht auch ein
-<i>Sparta</i> finden, um ihren Atheniensern von
-M&auml;nnern den Krieg anzuk&uuml;ndigen? sie, die
-schon jetzt w&auml;hrend ihres f&uuml;nfj&auml;hrigen Pythagorischen
-Stillschweigens so deutlich zu erkennen
-geben, wie sehr sie verdienen f&uuml;r
-m&uuml;ndig erkl&auml;rt zu werden? sie, die mit zwei
-Augen mehr sehen, als <i>Argus</i> mit hundert?
-sie, die schon jetzt, noch ehe erschienen ist,
-was sie seyn werden, privilegirte Seelen aufzuweisen
-haben, die es mit unserem Geschlechte
- <span class="pagenum"><a id="Seite_178">[S. 178]</a></span>
-aufnehmen? sie, welche die Sph&auml;re
-ihrer Zeitgenossen durchbrechen und, ohne
-sich nach Br&uuml;cken umzusehen, mit Geistesfl&uuml;geln
-sich erheben und, wenn es nicht gehen
-will &mdash; sich hinaus denken und wie <i>Felix</i> auf
-einen gelegenern Augenblick warten? &mdash; Oder
-wie! ist es Wollust, keine Wollust zu genie&szlig;en?
-ist es ein G&ouml;ttermahl, zu fasten? ist
-blo&szlig; Streben unsere Tugend, und Hoffnung
-unser Gl&uuml;ck &mdash;? Beweiset nicht ein gro&szlig;er
-Theil der Weiber, da&szlig; edle Seelen auch in
-Ketten frei sind, wie ein Herrscher bei entgegengesetzter
-Denkart sich in <i><em class="gesperrt">selbsteigener</em>
-Sklaverei</i> befindet? Der schlechteste Herr, der
-nur zu finden war! So diente <i>Alexander</i>, und
-<i>Diogenes</i> war frei &mdash; <i>Alexander!</i> dem ein
-Seer&auml;uber in die Augen zu sagen den Alexander-Muth
-hatte: kleine Diebe h&auml;ngt man &mdash;
-<i>Diogenes!</i> der, als <i>Alexander</i> ihm Gelegenheit
-gab, sich eine Pension zu erbitten, (und eine
-gr&ouml;&szlig;ere, als alle zusammen genommen, die
-<span class="smcap">Friedrich II</span> seinen Leib-Philosophen und
-Dichtern gab) nur verlangte, da&szlig; Se. Alexandrische
-Majest&auml;t geruhen m&ouml;chte, ihm, der
- <span class="pagenum"><a id="Seite_179">[S. 179]</a></span>
-werth sei, von der Sonne beschienen zu
-werden, diesen Vorzug nicht l&auml;nger zu rauben.
-&mdash; <i>Diogenes</i> beurlaubte <i>Alexandern</i>: der
-reiche Bettler den armen ihm die Cour machenden
-Weltbesitzer. &mdash; Gr&uuml;ndet sich fortschreitende
-Vervollkommnung des menschlichen
-Geschlechtes, und wahre, nicht Schein-Aufkl&auml;rung,
-auf eine unpartheiische Kenntni&szlig;
-der Natur, und auf die Einsicht, ihre Gaben
-recht zu gebrauchen; so kann kein politischer
-Zwang Menschen behindern, an ihrem Gl&uuml;cke
-zu arbeiten, und die W&uuml;rde der Gerechtigkeit
-und ihre wahren Verh&auml;ltnisse zu Allem, au&szlig;er
-sich, einzusehen. &mdash; Selten wird ein Mann
-leugnen oder nur bezweifeln, was allgemein
-angenommen ist; ein Weib aber rechnet es
-sich zum Vorzuge, t&auml;glich dergleichen Ausnahmen
-zu machen. Oft thut ein Weib es
-fr&uuml;her, als es die Umst&auml;nde bepr&uuml;ft hat; und
-wenn es dann aus der Noth eine Tugend zu
-machen sich gedrungen sieht, so ist es angenehm
-zu bemerken, wie es Gr&uuml;nde sucht und
-findet, wodurch es bei seinem Wagest&uuml;ck von
-<i>Nein</i> sich bei Ehren erh&auml;lt, und sich, wenn
- <span class="pagenum"><a id="Seite_180">[S. 180]</a></span>
-nichts mehr, so doch den Vorzug erwirbt,
-sonderbar zu scheinen. Ein Gl&uuml;ck, das dem
-Verstande in Nothf&auml;llen &uuml;brig bleibt, um zu
-zeigen, wie viel man zu thun im Stande gewesen
-w&auml;re, wenn man nicht zu vielen Hindernissen
-unterliegen m&uuml;ssen. Wir sind mehr
-f&uuml;r die Gewohnheit, Weiber mehr f&uuml;r die
-Neuheit &mdash; Beide Neigungen lassen sich aus
-der Lage beider Geschlechter ziemlich richtig
-erkl&auml;ren. Was geht dem andern Geschlechte
-ab, um w&uuml;rdig zu seyn, in den vorigen Stand
-zur&uuml;ckgesetzt (<i>in integrum</i> restituirn) zu werden?
-Die Thr&auml;nen der Weiber sind nicht
-blo&szlig; Beweise der Schw&auml;che, sondern auch
-Beweise der in ihnen wohnenden Kraft. Sind
-Thr&auml;nen nicht schon im gemeinen Leben &ouml;fter
-Anzeigen des Entschlusses, als der Reue? und haben
-nicht Schuld und Unschuld ihre Thr&auml;nen?
-Da&szlig; &uuml;brigens nicht blo&szlig; Weiber und Kinder
-greinen, (wenn von Verstellung der Geberde
-bei Thr&auml;nen die Rede ist) sondern auch M&auml;nner,
-wird selbst dem gemeinsten Beobachter
-nicht entgangen seyn. Die Launen der Weiber
-werden in der That zu wenig von uns
- <span class="pagenum"><a id="Seite_181">[S. 181]</a></span>
-beobachtet; wir w&uuml;rden hier oft auch bei kleineren
-Gew&auml;ssern tiefe Gr&uuml;nde finden, da hingegen
-jetzt diese Launen auf Fl&uuml;geln der Morgenr&ouml;the
-uns entfliehen, auch selbst wenn wir
-sie zur&uuml;ck zu halten bem&uuml;het sind. &mdash; Die
-Weiber wissen die wenigste Zeit, wie sie mit
-sich selbst daran sind, und sie sollten mir
-danken, da&szlig; ich ihnen hier eine nicht kleine
-Entdeckung mache &mdash; sie sollten manches, was
-zu ihrem Frieden, zum wahren, zum Frieden
-Gottes geh&ouml;rt, in ihrem Herzen bewegen, um
-eine St&auml;rke recht beurtheilen zu lernen, die
-sich blo&szlig; &mdash; auf ihre angebliche Schwachheit
-gr&uuml;ndet. Von Liebenden sind uns alle Ergebenheits-Bezeugungen
-verha&szlig;t, wenn <i>wir</i> nicht
-der eigentliche Gegenstand der Neigung sind.
-M&auml;nner! habt ihr von euren Weibern mehr
-als den Schein der Liebe? und verdient ihr
-mehr? &mdash; Verdient ihr nicht, da&szlig; sie euch
-nur in dem Grade lieben, wie Sklaven Tyrannen
-bedienen? Es giebt Augenliebe, wie
-Augendienst. &mdash; H&auml;tte man die Weiber blo&szlig;
-von einigen, augenscheinlich <i>origetenus</i> und
-von Haus aus m&auml;nnlichen Dingen ausgeschlossen;
- <span class="pagenum"><a id="Seite_182">[S. 182]</a></span>
-wer unter diesem sanften Volke h&auml;tte
-gemurret &mdash;? Es h&auml;tte sein <i>Marlbrough s'en
-va t'en guerre</i> geleiert, und damit w&auml;re Alles
-vergeben und vergessen gewesen. &mdash;</p>
-
-<p class="pmb3">Die Macht kann &uuml;berall weniger ausrichten,
-als die Weisheit. Wer sich Gott als den
-<i>M&auml;chtigsten</i> denkt, ist sein <i>Knecht</i>; wer ihn
-sich aber als den <i>Weisesten</i> vorstellt, verdient
-den Namen seines <i>Kindes</i>. &mdash; &mdash;</p>
-
-
-<hr class="chap" />
-<p class="break" />
-
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_183">[S. 183]</a></span></p>
-
-
-<h2 id="V">V.<br />
-
-<span class="smcap">Verbesserungs-Vorschl&auml;ge.</span></h2>
-
- <div class="figcenter">
- <img src="images/tb_001.jpg" alt="Dekoration" />
- </div>
-<p class="pmb1" />
-
-<p>Soll es denn aber immer mit dem andern
-Geschlechte so bleiben, wie es war und ist?
-sollen ihm die Menschenrechte, die man ihm
-so schn&ouml;de entrissen hat, sollen ihm die B&uuml;rgerrechte,
-die ihm so ungeb&uuml;hrlich vorenthalten
-werden &mdash; auf ewig verloren seyn? soll es
-<i>im</i> Staat und <i>f&uuml;r</i> den Staat nie einen absoluten
-Werth erhalten, und immerdar beim relativen
-bleiben? soll es nie an der Staatsgr&uuml;ndung
-und Erhaltung einen unmittelbaren Antheil
-behaupten? soll es nie <i>f&uuml;r</i> sich und <i>durch</i>
-sich denken und handeln? ohne End' und
-Ziel nur als Scheidem&uuml;nze gelten? Werden
-wir uns bei diesen Fragen mit einer wohlweisen
-R&ouml;mischen Rechtsfiktion oder einem wohlhergebrachten
-Verj&auml;hrungs- und Besitzrechte
-aushelfen k&ouml;nnen, um sie ab- und zur unangenehmen
-Ruhe zu verweisen? Werden wir
-selbst unser m&auml;nnliches Gewissen mit Bedenklichkeiten
- <span class="pagenum"><a id="Seite_184">[S. 184]</a></span>
-&uuml;ber die m&ouml;glichen Folgen, mit
-Mi&szlig;br&auml;uchen und was dergleichen Popanze
-mehr sind, wodurch man Kinder schreckt,
-beruhigen und diese Angelegenheit der Menschheit
-auf die lange, ja lange Bank schieben
-k&ouml;nnen &mdash;? Dann ist freilich der sch&ouml;ne Morgen
-der Erl&ouml;sung noch nicht nahe. &mdash; Werden
-wir uns aber hierbei entbrechen k&ouml;nnen,
-uns selbst noch <i>Gothen</i> und <i>Vandalen</i> zu
-hei&szlig;en, was weiland unsere V&auml;ter waren, wenn
-wir nicht dieses Unrecht je eher je lieber zu
-verg&uuml;ten suchen? Mi&szlig;brauch des Rechtes
-verwirkt nicht das Recht. Menschenrechte
-k&ouml;nnen niemals, B&uuml;rgerrechte nur durch Felonie
-verloren werden; und was ist Felonie?
-Dies aus dem Lehnsrecht entlehnte Wort
-(keine sonderliche Abkunft!) bezeichnet Alles,
-was man der Lehnsverbindlichkeit zuwider
-thut oder unterl&auml;&szlig;t, und wird aus dem Lehns-Contrakte
-beurtheilt. Da es sowohl f&uuml;r den
-Lehnsherrn als f&uuml;r den Vasallen Rechte und
-Pflichten giebt, die sie einander schuldig sind;
-so kann nicht nur der Vasall, sondern auch
-der Lehnsherr der Felonie schuldig werden.
- <span class="pagenum"><a id="Seite_185">[S. 185]</a></span>
-Und wie? geht denn wegen einer jeden Handlung
-oder Unterlassung, die dem Lehns-Contrakte
-zuwider ist, schon das Lehn verloren?
-Ist der Lehnsherr, da er nichts mehr und
-nichts weniger als ein Mensch ist, nicht
-vielmehr verbunden, den Vasallen zur Leistung
-der contraktgem&auml;&szlig;en That, und zur Vermeidung
-der contraktswidrigen Unthat von Rechtswegen
-anzuhalten und auf Schadenersetzung
-anzutragen? Werden Contrakte durch zugef&uuml;gte
-Contraventions-Strafen geschw&auml;cht, oder
-vielmehr verst&auml;rkt? K&ouml;nnen die Handlungen
-eines Andern Jemanden zugerechnet werden?
-und wenn der Vasall wegen Felonie das Lehn
-verliert, ist der Lehnsherr nicht verpflichtet,
-es nach dessen Tode demjenigen wieder zu
-geben, dem es nach dem Ableben des der Felonie
-schuldig und des Lehnsbesitzes unw&uuml;rdig
-befundenen Vasallen zuf&auml;llt? Kann je
-durch Felonie das Lehn aufh&ouml;ren? &mdash; und
-wer machte denn den Mann zum Lehnsherrn,
-und das Weib zur Vasallin &mdash;? sind sie nicht
-beide g&ouml;ttliche Lehnstr&auml;ger? &mdash; Die Erde
-k&ouml;nnte vielleicht eher ein Weib-, als ein Mannlehn
- <span class="pagenum"><a id="Seite_186">[S. 186]</a></span>
-hei&szlig;en, und ist ohne Zweifel ein vermischtes
-<i>Feudum</i>. &mdash; Man lasse doch die
-Weiber-Felonie an seinen Ort gestellt seyn,
-wovon Natur und Geschichte kein lebendiges
-Wort wissen, und vergesse nicht, da&szlig; Gott dem
-Menschenpaar, welches <em class="gesperrt"><span class="smcap">ER</span></em> (o, der Menschenw&uuml;rde!)
-abschattete, dieses Erden-Lehn anvertrauete,
-und da&szlig; zwischen seinem Lehnrecht
-und der St&uuml;mperei des menschlichen keine
-Vergleichung denkbar ist. &mdash; So weit von b&uuml;rgerlichen
-Rechten! &mdash; &uuml;ber Menschenrechte
-kann nur Gott richten; und in seine H&auml;nde
-zu fallen &mdash; wie wohl thut das, wenn wir die
-gehegten und ungehegten Banken der Menschen
-dagegen halten! &mdash;</p>
-
-<p>Ist es etwa Furcht, oder ist es blo&szlig; eine
-Grimasse derselben, die wir vorgeben, um jener
-gegr&uuml;ndeten und rechtm&auml;&szlig;igen Forderung
-mit Anstand ausweichen zu k&ouml;nnen? <i>Werdet
-wie die Kinder</i>, ist ein wohlgemeinter Rath;
-denn nur die kindliche Furcht ist nicht unm&auml;nnlich:
-sie besteht in der Sorgfalt, dem
-auszuweichen, was den ewigen Gesetzen des
-Wahren und Guten entgegen ist. Jene knechtische,
- <span class="pagenum"><a id="Seite_187">[S. 187]</a></span>
-wenn man aus Furcht vor der Strafe
-thut, was die Gesetze wollen, oder unterl&auml;&szlig;t,
-was sie nicht wollen, ist unm&auml;nnlich, so wie
-ihre Verwandtin, die Bef&uuml;rchtung, vermittelst
-deren wir den Gelegenheiten zuvorkommen
-wollen, wodurch wir dergleichen Strafen und
-Strafgerichten unterworfen werden k&ouml;nnen.</p>
-
-<p>Wir wollen ein Geschlecht f&uuml;rchten, das
-zur Liebe geschaffen ist, und, wenn es z&uuml;rnt,
-selten die Sonne &uuml;ber seinen Zorn untergehen
-l&auml;&szlig;t? das bis auf Einen Punkt (und dieser ist
-eine S&uuml;nde wider den heiligen Geist des Geschlechtes)
-dem Beleidiger zwei Drittheile des
-Weges entgegen kommt, um ihm Vers&ouml;hnung
-anzubieten! Wie viel mehr Ursache haben
-wir, uns selbst zu f&uuml;rchten, als ein Geschlecht,
-das, wenn man es in seine Rechte einsetzte,
-uns, wo nicht Erkenntlichkeit, so doch Wohlwollen
-schuldig w&auml;re, und diese Schuld kraft
-seines Wesens und Seyns so gern abtragen
-w&uuml;rde!</p>
-
-<p>Man sagt, es sey schwer zu hoffen, da&szlig;
-das menschliche Geschlecht, welches von der
-Natur sich so weit und breit zu entfernen die
- <span class="pagenum"><a id="Seite_188">[S. 188]</a></span>
-Ungezogenheit gehabt, das durch keine Religionsempfindung
-sich leiten, durch keine
-Staatst&auml;uschungen sich blenden lasse, sich zu
-Gesetzen bequemen werde; und so liege denn
-die Furcht nicht so sehr aus dem Wege, als
-man es gemeiniglich denke. &mdash; Lieber! wie
-kannst du fordern, da&szlig; das Menschengeschlecht
-sich ewig am G&auml;ngelbande wohl befinden
-werde? Erregen jene Staatst&auml;uschungen
-und jene Religionsempfindungen, wenn sie
-nicht von Grunds&auml;tzen abstammen, nicht einzig
-und allein Unglauben und Mi&szlig;trauen in
-R&uuml;cksicht der Gesetze? Sollte der Mensch nie
-zur Achtung f&uuml;r Pflicht gebracht werden?
-Sollte er nie zu dem Hauptprincip des Lebens
-gelangen: sei vern&uuml;nftig? &mdash; Sollen denn
-Sinnlichkeiten ihm mehr als die moralische
-Vernunft und das Sittengesetz gelten &mdash;? Wird
-er sich nie so weit erheben, seiner geistigen
-Natur w&uuml;rdig zu seyn, und f&uuml;r das, was er
-nicht siehet, Ehrfurcht und Achtung zu fassen &mdash;?
-Soll denn blo&szlig; Weichheit des Temperaments
-ihn zur Neigung bringen? oder
-giebt es auch au&szlig;er der Temperamentsneigung,
- <span class="pagenum"><a id="Seite_189">[S. 189]</a></span>
-die, wenn sie gel&auml;utert wird, eine Herzensneigung
-hei&szlig;en k&ouml;nnte &mdash; giebt es au&szlig;er ihr
-auch eine Geistesneigung, so wie es ein Geistesvergn&uuml;gen
-geben kann &mdash;? F&uuml;r nichts, was
-in die Sinne f&auml;llt, hat der stolze Mensch in
-die L&auml;nge Achtung &mdash; es familiarisirt sich
-mit ihm, und es ist wie unser einer. &mdash; Das
-einzige Mittel des gr&ouml;&szlig;ten Helden und des
-gr&ouml;&szlig;ten Gelehrten, sich bei &uuml;bermenschlicher
-Ehre (was soll aber die?) zu erhalten, ist:
-sich zur&uuml;ck zu ziehen. Sobald wir uns n&auml;her
-zeigen, geben wir uns wohlfeiler. &mdash; Je h&ouml;her
-die Spannung war, je schneller l&auml;&szlig;t sie
-nach. Alles, au&szlig;er sterben, mu&szlig; der Mensch
-<i>lernen</i> &mdash; Zu Allem, es sei gut oder b&ouml;se,
-kann er sich gew&ouml;hnen &mdash; Ein scheues Pferd
-f&uuml;hrt man zu dem Gegenstande zur&uuml;ck, den
-es f&uuml;rchtete; und wie? hier, wo das h&ouml;chste
-Ziel seiner W&uuml;rde auf dem Spiele steht, sollte
-der Mensch auf seinen Nachdruck Verzicht
-thun? &mdash; Mit nichten &mdash; Wir k&ouml;nnen und
-werden dahin kommen, da&szlig; wir die G&ouml;ttlichkeit
-der Gesetze in ihrem Heiligthum, in unserer
-Seele, verehren und unser Herz durch
- <span class="pagenum"><a id="Seite_190">[S. 190]</a></span>
-jene &Uuml;berzeugungen des Geistes gewinnen.
-Noch w&uuml;rde sich freilich der Gesetzgeber gr&ouml;blich
-verrechnen, wenn er seine Gesetze auf
-festes Zutrauen zur Vernunft und zur Weisheit
-seiner B&uuml;rger calculirte; allein wird die
-Menschheit nie die Kinderschuhe ausziehen?
-Ist dies &mdash; nun, so bleibe Alles Altflickerei,
-und der Mensch sch&auml;me sich, da&szlig; er <i>Mensch</i>
-hei&szlig;t. &mdash; Ist die Menschheit inde&szlig; im Stande,
-zu jenem Grade der Vollst&auml;ndigkeit zu
-gedeihen, den sie sich vorstellen kann, jene
-Tugend zu &uuml;ben, die ihr im Ideal Freude
-macht &mdash;; so entferne man den Nebel der
-T&auml;uschung, wodurch man Menschen betrog,
-die &uuml;ber kurz oder lang zum Gebrauche der
-Vernunft kommen und sich betrogen finden
-m&uuml;ssen. M&auml;nner, w&uuml;rdet ihr die Furcht nicht
-barbarisch und unmenschlich finden, wenn
-man euch Alles und Jedes von Freiheit blo&szlig;
-darum entz&ouml;ge, weil ihr es mi&szlig;brauchen k&ouml;nntet
-&mdash;? Wie wollet ihr denn jene Furcht
-nennen, die euch abh&auml;lt, dem andern Geschlechte
-seine Ehre wiederzugeben? Die
-Zeiten sind nicht mehr, um das andere Geschlecht
- <span class="pagenum"><a id="Seite_191">[S. 191]</a></span>
-&uuml;berreden zu k&ouml;nnen, da&szlig; eine Vormundschaft
-wie bisher f&uuml;r dasselbe zutr&auml;glich
-sei, da&szlig; sie seinen Zustand behaglicher und
-sorgloser mache, als eine Emancipation, wodurch
-es sich mit Verantwortungen, Sorgen,
-Unruhen und tausend Unbequemlichkeiten des
-b&uuml;rgerlichen Lebens belasten w&uuml;rde, die es
-jetzt kaum dem Namen nach zu kennen das
-Gl&uuml;ck habe. Wahrlich ein abgenutzter Kunstgriff
-des unmenschlichen Despoten, wodurch er
-seinen feigen Sklaven das Gewicht der Ketten
-erleichtern will! als ob die Freiheit mit allen
-ihren Ungem&auml;chlichkeiten nicht der gem&auml;chlichsten
-Sklaverei vorzuziehen w&auml;re! <i>Glauben
-Sie nicht, da&szlig; das Wirtembergische Land
-Ihrentwegen geschaffen ist</i>, schrieb <span class="smcap">Friedrich
-II</span> an den jetzt regierenden <i>Herzog
-von Wirtemberg</i>; <i>sondern &uuml;berzeugen Sie Sich,
-da&szlig; die Vorsehung Sie hat geboren werden
-lassen, um ihr Volk gl&uuml;cklich zu machen</i>.
-Und M&auml;nner! ihr wollt glauben, eine
-halbe Welt w&auml;re zu eurem <i>bon plaisir</i>, zu
-eurem eigentlichen Willen, das ist verdollmetschet:
-zu eurem Eigenwillen, da? Thiere
- <span class="pagenum"><a id="Seite_192">[S. 192]</a></span>
-wirken; Menschen handeln &mdash; Warum soll
-das Weib nicht <i>Ich</i> aussprechen k&ouml;nnen?
-Wahrlich ein sanftes Wort, denen, welche
-die neidlose <i>Natur</i> verstehen &mdash; Wer die
-<i>Kunst</i> versteht, ist neidisch und verr&auml;th den
-Meister nicht &mdash; Ist es nicht der gr&ouml;&szlig;te
-Menschenvorzug, sich selbst zu kennen? Unser
-Werth ist unsere Sache; unsere W&uuml;rde
-ist die Sache Gottes und gerechter Menschen.
-Hat Gott bei dem anderen Geschlecht etwas
-versehen? oder sind es die M&auml;nner, die sich
-an diesem Geschlechte wider den Willen des
-Sch&ouml;pfers vers&uuml;ndigen! Warum sollen die
-Weiber keine Person seyn? warum nicht wissen:
-das ist mir gut, und das ist gut, oder
-das ist vortheilhaft, und das ist recht? Vieles,
-und fast das meiste, was mit Vergn&uuml;gen
-anhebt, leistet bei weitem nicht, was wahrhaft
-vortheilhaft ist &mdash; Aus &auml;chtem Vortheile tugendhaft
-seyn, hei&szlig;t sonst mit andern Worten:
-es in Reinheit seyn.</p>
-
-<p>Frankreich schreckt eben jetzt mit der Freiheit
-diejenigen M&auml;chte, welche die zu weit
-gegangenen Beschl&uuml;sse der Nationalversammlung
- <span class="pagenum"><a id="Seite_193">[S. 193]</a></span>
-einzuschr&auml;nken drohen. Gott! zu Ende
-des achtzehnten Jahrhunderts &mdash; wo kein Gespenst,
-und w&auml;r' es eins von nicht ganz kleinem
-Range, ein Poltergeist, mehr Wirkung
-thut &mdash; kann man mit <i>Freiheit</i> schrecken &mdash;!
-Dahin w&auml;r' es gekommen? Ach! auch selbst
-dem, der an der Kette erzogen ist, blitzt der
-Name <i>Freiheit</i> auf, dieser g&ouml;ttliche Funke,
-durch den wir sind was wir sind, und der
-uns so wenig schrankenlos macht, da&szlig; er uns
-vielmehr fester als Alles an das Allerheiligste
-der Gesetze bindet. Das weibliche Geschlecht
-kam um die Menschenrechte ohne seine
-Schuld, blo&szlig; durch den Schwung, den die
-menschlichen Angelegenheiten bei den Fortschritten
-zu ihrer Cultur nahmen; B&uuml;rgerrechte,
-die es leider! sehr zeitig und schon bei
-Entstehung kleinerer Familienstaaten verlor,
-hat es nie, weder durch Unterhandlungen noch
-mit Gewalt, zu erringen gesucht, und erwartet
-sie noch heute mit aller Selbstverleugnung
-von unserer Gerechtigkeit und Gro&szlig;muth.
-Und wir wollen es vergeblich warten lassen?
-und das Gesuch, welches die Natur f&uuml;r die
- <span class="pagenum"><a id="Seite_194">[S. 194]</a></span>
-Weiber einreicht, zu einer Zeit da Menschenrechte
-laut und auf den D&auml;chern gepredigt
-werden, mit einem aufrichtigen und deutlichen
-<i>Nein</i> abweisen?</p>
-
-<p>Die neue Franz&ouml;sische Constitution verdient
-eine Wiederholung meiner Vorw&uuml;rfe, weil
-sie f&uuml;r gut fand, einer ganzen H&auml;lfte der Nation
-nicht zu gedenken, ob sie gleich einem
-kleineren Theile derselben, der &uuml;berall wo
-er sich befindet, auf das Duldungsrecht beschr&auml;nkt
-ist, die Rechte aktiver B&uuml;rger zugestand.
-Alle Menschen haben gleiche Rechte &mdash;
-Alle Franzosen, M&auml;nner und Weiber, sollten
-frei und B&uuml;rger seyn. Jene Vorschl&auml;ge zur
-<i>dégradation civique</i>, wodurch die M&auml;nner
-vermittelst einer feierlichen besonderen Formel
-der Ehre eines Franz&ouml;sischen B&uuml;rgers f&uuml;r unw&uuml;rdig
-proclamirt werden sollten, falls sie
-durch Verbrechen diese Strafe verdienten, sind
-nicht auf das andere Geschlecht ausgedehnt.
-&Uuml;ber dieses sollte blo&szlig; der Fluch ausgesprochen
-werden: Euer Vaterland hat euch einer
-infamen Handlung &uuml;berf&uuml;hrt befunden &mdash;</p>
-
-<p><i>Mirabeau</i>, der zur gegenw&auml;rtigen Generation
- <span class="pagenum"><a id="Seite_195">[S. 195]</a></span>
-von Menschen sein Zutrauen verloren haben
-mochte, setzt, wie alle gro&szlig;e Th&auml;ter,
-sein Zutrauen auf Erziehung, und weiset in
-seinem Posthumus <i>Travail sur l'éducation publique</i>,
-die sein Arzt und Freund <i>Cabanis</i> herausgab,
-das Frauenzimmer zur H&auml;uslichkeit
-und zu stillen, sanften Tugenden an, (ist
-denn nicht jede Tugend sanft und still?)
-worauf das Gl&uuml;ck der Familien, und am Ende
-das Gl&uuml;ck des Staates so sehr beruhe. Ohne
-mich in den Streit einzulassen, der &uuml;ber
-den Grafen und Nichtgrafen <i>Mirabeau</i> von
-Freunden und Feinden &uuml;bertrieben worden,
-sei es mir erlaubt, der Behauptung zu widersprechen,
-da&szlig; Jemand in seinem Privatleben
-ein elender Mensch, dagegen doch der tugendhafteste
-B&uuml;rger und der h&ouml;chste Grad desselben,
-ein geschickter Officiant, seyn k&ouml;nne.
-Ein Mensch, der gegen Alles gleichg&uuml;ltig zu
-seyn vermag, was gut oder b&ouml;se, gerecht oder
-ungerecht ist, ein nicht rechtschaffener Mensch,
-kann kein rechtschaffener B&uuml;rger seyn. <i>Horaz</i>
-sagt: nur <i>Jupiter</i> gehe &uuml;ber den Weisen; der
-Weise sei reich, frei, gerecht, ein K&ouml;nig aller
- <span class="pagenum"><a id="Seite_196">[S. 196]</a></span>
-K&ouml;nige &mdash; Da das andere Geschlecht vom
-Menschen auf den B&uuml;rger zu schlie&szlig;en gewohnt
-ist und jene Rollenspieler, die Nichts
-aus Grunds&auml;tzen, Alles aber nach Zeit und
-Umst&auml;nden sind, sehr richtig berechnet; &mdash;
-ist es Wunder, da&szlig; diese Gl&uuml;cks- und Ungl&uuml;cksritter
-das andere Geschlecht zu entfernen
-suchen? &mdash;</p>
-
-<p>Wir irren, wenn wir uns &uuml;berreden, da&szlig;
-Weiber f&uuml;r die Ehrensache der Menschheit,
-f&uuml;r den Kampf der Freiheit mit der Alleingewalt,
-keine Sinne besitzen. Sie haben nicht
-blo&szlig; durch ihren lauten Beifall bezeugt, da&szlig;
-sie den Werth der Freiheit zu sch&auml;tzen wissen,
-und da&szlig; das Gef&uuml;hl f&uuml;r dieselbe noch
-lichterloh aufflammen kann; selbst th&auml;tig haben
-sie mitgewirkt, die Fesseln zu brechen,
-die man der Nation anlegte, und wahrscheinlich
-lag es nicht an ihnen, da&szlig; sie bei diesem
-Schauspiele nur Rollen vom zweiten Range
-spielten.</p>
-
-<p>Die ber&uuml;hmte Verfasserin der Geschichte
-der K&ouml;nigin <i>Elisabeth</i>, Mad. <i>Keraglio</i>, vertheidigt
-seit der Revolution in ihrem <i>Journal
- <span class="pagenum"><a id="Seite_197">[S. 197]</a></span>
-d'État et du Citoyen</i> die Rechte der Menschheit
-mit Freimuth, Wahrheit und St&auml;rke.
-Weiber f&uuml;hlten jene Zur&uuml;cksetzung, jenes tiefe
-Stillschweigen bei einem so sch&ouml;nen Anla&szlig;,
-jene Versto&szlig;ung, wenn es Staatsdienst gilt &mdash;
-Eins unter ihnen wagte es, ihren Unwillen
-laut werden zu la&szlig;en. In einem an die Nationalversammlung
-abgelassenen Briefe bemerkt
-es, da&szlig; kein Wort in der Constitution von
-den Weibern vorkomme, obgleich die M&uuml;tter
-B&uuml;rgerinnen des Staates seyn m&uuml;&szlig;ten. Es
-schmeichelt sich mit dem Befehle, kraft dessen
-den M&uuml;ttern erlaubt seyn werde, in Gegenwart
-der B&uuml;rgerbeamten diesen feierlichen Eid
-abzulegen. Diese ehrw&uuml;rdige Ceremonie w&uuml;rde
-es w&uuml;nschenswerth gemacht haben, Mutter
-zu seyn. Die Geschichte sagt nicht, was von
-den Repr&auml;sentanten der Nation auf diese
-Adresse einer edlen Franz&ouml;sin beschlossen
-worden ist. Betr&uuml;bt feire ich heute ihr Andenken,
-heute den 18ten M&auml;rz 1792, da ich
-in &ouml;ffentlichen Bl&auml;ttern lese, da&szlig; die Franzosen,
-unger&uuml;hrt durch diesen Wink, es dahin
-kommen lassen, da&szlig; das andere Geschlecht
- <span class="pagenum"><a id="Seite_198">[S. 198]</a></span>
-dringender um diese Rechte angehalten. Sch&ouml;ner
-w&uuml;rde es gewesen seyn, wenn man dem
-Geschlechte mit der B&uuml;rgerehre zuvorgekommen
-w&auml;re, und bei dieser ernsthaften Sache
-kein &Auml;rgerni&szlig; des Lachens gegeben h&auml;tte.
-Wehe dem Menschen, durch welchen dergleichen
-&Auml;rgerni&szlig; kommt! W&uuml;rden wohl alle
-jene Laternenscenen sich ereignet haben, wenn
-Weiber Aktivvotantinnen in Frankreich gewesen
-w&auml;ren? Durch geheimen Einflu&szlig; wird
-in jedem Staate, besonders in freien, Alles
-verdorben &mdash; Doch ist es die Frage, ob die Pariser
-Damen schon die Selbst&uuml;berwindung gehabt
-haben, so weit zur Natur zur&uuml;ckzukehren,
-da&szlig; sie die gute Sache menschlich und
-b&uuml;rgerlich beherzigen k&ouml;nnen &mdash; &mdash; Wahrlich!
-zu Deutschen Weibern ist gr&ouml;&szlig;eres
-Vertrauen zu fassen &mdash; Wem Gott Kraft
-gab, gab er dem nicht auch das Recht sie anzuwenden?
-sollen denn die Weiber ihr Pfund
-im Schwei&szlig;tuche vergraben, ohne es auf Wucher
-anzulegen, der dem Staate tausendf&auml;ltige
-Fr&uuml;chte bringen w&uuml;rde?</p>
-
-<p>Auf Vernunft und auf ihr Meisterst&uuml;ck,
- <span class="pagenum"><a id="Seite_199">[S. 199]</a></span>
-die Gesellschaft, kommt es an, ob jener Kraftsanwendung
-freier Lauf zu lassen oder ob sie einzuschr&auml;nken
-sei; nie aber kann der Staat sich
-herausnehmen, sie ganz unterdr&uuml;cken zu wollen.
-Und wie? er wollte ein R&auml;uber der Freiheit
-seyn, welche zu bef&ouml;rdern die Hauptabsicht
-seiner Existenz ist?</p>
-
-<p>Wenn St&auml;nde nur durch ihres Gleichen
-repr&auml;sentirt werden k&ouml;nnen; wenn so gar unsere
-Vorfahren durch Ebenb&uuml;rtige sich die
-Gesetze zumessen und Recht sprechen lie&szlig;en:
-wie kann man Weiber vom Staatsdienste ausschlie&szlig;en,
-in so weit er sich mit der Gesetzgebung
-oder Gesetzaus&uuml;bung besch&auml;ftiget?
-Will man etwa den Weibern die Weihe zu
-diesen Mysterien abschlagen, um sie nicht unsere
-Schw&auml;che da sehen zu lassen, wo wir
-den h&ouml;chsten Grad unserer St&auml;rke hieroglyphisch
-vorgeben? Man kann drei&szlig;ig Jahre
-dienen und nur Ein Jahr leben, wie weiland
-<i>M. Plantius</i>, welcher nur von <i>der</i> Zeit an sein
-Leben z&auml;hlte, als er aufh&ouml;rte f&uuml;r das &Ouml;ffentliche,
-und anfing f&uuml;r sich zu leben &mdash; Ein
-lehrreiches Zeugni&szlig; auf Kosten des Staatsdienstes!
- <span class="pagenum"><a id="Seite_200">[S. 200]</a></span>
-Ist das Leben f&uuml;r den Staat des
-Ehrennamens: <i>Leben</i>, werth, wenn es uns f&uuml;r
-unsere eigene Person sterben l&auml;&szlig;t, uns vom
-selbsteigenen Leben entfernt &mdash;? Nur als uns
-selbst k&ouml;nnen wir den Staat, unsern N&auml;chsten
-lieben; Alles dar&uuml;ber ist vom &Uuml;bel. Wenn
-man nicht durch den Staatsdienst vervielf&auml;ltigt
-lebt, so liegt es entweder an uns oder am
-Staate; in beiden F&auml;llen bleibt die Krankheit
-gef&auml;hrlich &mdash; Ist es nicht der gew&ouml;hnliche
-Fall, da&szlig; wir vor lauter R&auml;derwerk nichts
-ausrichten, vor lauter Eing&auml;ngen das Thema
-vergessen? Kommt nicht vor lauter kluger
-Vorsichtigkeit gemeiniglich Kleinheit zum Vorschein
-&mdash;? Die meisten Staatsbeamten sind
-Accoucheurs eines Berges, der eine Maus zur
-Welt bringt, die inde&szlig; bei der Taufe die
-prachtvollsten Namen erh&auml;lt, und fast mit
-noch mehr Paukenhall ins Publicum gebracht
-wird, als wenn ein Schriftsteller sich selbst
-recensirt. Wer in gro&szlig;en Residenzen zu leben
-die Gnade gehabt hat, wird mich am
-leichtesten verstehen &mdash; Welcher Schwei&szlig;
-des Angesichts! &mdash; Collegia und Aussch&uuml;sse,
- <span class="pagenum"><a id="Seite_201">[S. 201]</a></span>
-das <i>Plenum</i> und <i>Committés</i>, Gerichte und
-Commissionen! was f&uuml;r eine Menge Papier
-wird getragen, geschrieben, gelesen! &mdash; Agioteurs
-von einer andern Art &mdash; Papierh&auml;ndler
-von h&ouml;herer W&uuml;rde! Scheint es doch, als
-w&auml;re Alles gegen Alle, weil Alle gegen Alle
-sind (<i>bellum omnium contra omnes</i>); und doch
-bezwecken jene herkulischen Besch&auml;ftigungen,
-jene Versammlungen, Richterst&uuml;hle und Aktenberge
-das allgemeine Beste, dessen Flor in
-den Kirchen bebetet und in Schauspielh&auml;usern
-beklatscht wird, (beides <i>ex officio</i>,
-von Amtswegen.) Ist es klug oder n&ouml;thig,
-da&szlig; man so viele Holzhauer und Wassertr&auml;ger,
-Virtuosen und Z&uuml;nftler in Athem setzt,
-um eine einzige Staats-Manège anzulegen?
-so viele Meister politischer Art und Kunst,
-um ein Staatsregierungs-Exercitium, ja Exercitium,
-zusammen zu st&uuml;mpern? Nur Einen
-Hebel verlangte jener Weise, um die Welt zu
-heben; und wenn das allgemeine Wohl solch
-eine Anstrengung braucht, so liegt es gewi&szlig;,
-oder mich tr&uuml;gt Alles, an dem politischen Oberrechenmeister
-&mdash; Wahrlich diese so besch&auml;ftigten
- <span class="pagenum"><a id="Seite_202">[S. 202]</a></span>
-Herren dienen nicht dem Staate, sondern
-der Staat dient ihnen &mdash; Der Weise,
-der diesem Staatspiele n&auml;her tritt und dessen
-<i>joujou</i> bis auf sein Schach kennt, &uuml;berzeugt
-sich, da&szlig; Ein Kopf hinreichend ist, dies Alles
-zu lenken. Waren nicht schon <i>Petrus</i>
-und <i>Paulus</i> streitig? Ist nicht Ein Kopf verm&ouml;gender,
-das Ganze zusammen zu halten
-und zu &uuml;bersehen? Man verlangt sonach
-nicht ohne Grund Einen Principalmeister; wo
-aber Einer zu finden? Wer wird die Selbstverleugnung
-haben, die vielen K&uuml;nste zu verlassen
-und der Natur zu huldigen? wer den
-Wortsturm aufgeben, das brausende Meer bedr&auml;uen,
-und zur Stille des Denkens und Handelns
-eingehen? Wer, ohne zu bef&uuml;rchten,
-da&szlig; er beim F&uuml;rsten und beim Volke verliere
-&mdash;? Das Volk wird durch den Schein
-dieser fast &uuml;bermenschlichen Anstrengung hintergangen,
-und der F&uuml;rst desgleichen, der,
-wenn es nicht so viel Schwei&szlig; kostete, sich
-gewi&szlig; n&auml;her mit diesen Staatsarbeiten bekannt
-machen w&uuml;rde &mdash; und da m&ouml;chten denn die
-hohen und n&auml;chsten Staatsgeh&uuml;lfen sehr leicht
- <span class="pagenum"><a id="Seite_203">[S. 203]</a></span>
-auf eine kleine Rolle zur&uuml;ckgesetzt werden
-und aus Staatsr&auml;then in Schreiber zusammen
-schrumpfen! &mdash; Ich setze wenig oder nichts
-von Menschen&uuml;beln auf Rechnung der F&uuml;rsten;
-gewi&szlig; das Meiste geh&ouml;rt auf das Conto der
-Minister, die nicht schwach nicht stark, nicht
-kalt nicht warm, sondern unentschlossen und
-lau sind, sich von jedem Winde hin und her
-treiben lassen, Jeden um seine Meinung befragen
-und, wenn sie deren unz&auml;hlige gesammelt
-haben, nicht wissen, wozu sie sich entschlie&szlig;en
-sollen. &mdash; Wer selbst keine Meinung
-hat &mdash; wie kann der aus so vielen die
-beste finden? Hierzu kommt, da&szlig; Gem&auml;chlichkeit
-und ewiger Hang zum Vergn&uuml;gen sie
-noch stumpfer machen &mdash; Sie kommen nicht
-aus den Beten heraus, die sie abzuspielen haben!
-&mdash; Noch &auml;rger sind die, welche nicht
-&uuml;ber ihren theoretischen Leisten gehen, immer
-Schuster bleiben, die sie sind, und in armseliger
-Pedanterie Trost suchen und finden,
-wenn ihnen nichts einschl&auml;gt &mdash; Was k&ouml;nnen
-wir daf&uuml;r, da&szlig; der Staat, den wir zu regieren
-haben, sich nicht nach unserem <i>Orbis
- <span class="pagenum"><a id="Seite_204">[S. 204]</a></span>
-pictus</i> und einem <i>Compendio</i> schmiegen will,
-das uns zum Pharos dem&uuml;thigst empfohlen
-worden? &mdash; Allerdings! und welche Greuel,
-wenn die Minister gar Genies zu seyn sich
-einbilden und zu Dero Haupt ein so unumst&ouml;&szlig;liches
-Zutrauen gefa&szlig;t haben, da&szlig; das
-gro&szlig;e Wort: <span class="smcap">Er</span> <i>hat es gesagt</i>, ihren Commis
-hinreichend scheint, die einleuchtendsten Vorstellungen
-abzuweisen und zu entkr&auml;ften! &mdash;
-Das <i>Recht des Vern&uuml;nftigern</i> ist ihnen, nach
-ihrer, zwar etwas freien, inde&szlig; wie sie
-glauben nicht unverst&auml;ndlichen, &Uuml;bersetzung,
-das <i>Recht des St&auml;rkeren</i>; und freilich &mdash; wer
-darf es wagen, der Gewalt, so lange sie am
-Ruder ist, den Verstand abzusprechen? Jene
-gewaltigen Genies berechnen Alles an den
-Fingern &mdash; <i>Newton</i> k&ouml;nnte von ihnen rechnen
-lernen; und freilich, wenn die Data zu ihren
-Berechnungen richtig w&auml;ren &mdash; wer w&uuml;rde ihnen
-gleich kommen? Zur Calculatur geboren,
-sind sie im g&ouml;ttlichen Zorn Minister und
-Staats-Administratoren geworden &mdash;</p>
-
-<p>Stumpfe K&ouml;pfe, ihrer eigenen Schw&auml;che
-bewu&szlig;t, sind f&uuml;r Collegia. Das Sprichwort:
- <span class="pagenum"><a id="Seite_205">[S. 205]</a></span>
-vier Augen sehen mehr als zwei; bringt sie
-zur Multiplication der Augen &mdash; die blinden
-Leiter! In der Oper hilft Jeder, der Schriftsteller,
-Spieler und S&auml;nger, zum Ganzen &mdash;
-und da fallen Coloraturen, L&auml;ufe, schmelzende,
-verzweiflungsvolle, schmachtende, f&uuml;rchterliche
-G&auml;nge vor, die der Verfasser den
-Spielern und S&auml;ngern in Mund und Kehle
-legt &mdash; Hier aber verl&auml;&szlig;t sich entweder Einer
-auf den Andern, und sieht die Stunden,
-die er wohl bezahlt absitzen mu&szlig;, als eine
-ihm angewiesene Schlafzeit an, worin er sich
-st&auml;rkt, um desto geistreicher am Spieltische
-zu gl&auml;nzen; oder er hauet die Kreuz und
-Quer ein, so da&szlig; nach vielst&uuml;ndigem Zank
-die Sache am Ende weit &uuml;bler als am Anfange
-steht, und der kleinere Theil die schrecklichste
-M&uuml;he von der Welt hat, nicht die Angelegenheit
-ins Reine zu bringen, sondern das
-<i>per plurima</i> herausgebrachte Schlu&szlig;-Votum
-von den Ungereimtheiten so vieler disparaten
-Meinungen zu s&auml;ubern und zu l&auml;utern, und
-es W. R. I., oder &mdash; wenn es hoch kommt &mdash;
-verst&auml;ndlich zu machen. Der so witzige als
- <span class="pagenum"><a id="Seite_206">[S. 206]</a></span>
-einsichtsvolle Vorschlag, da&szlig; die Minorit&auml;t
-der Stimmen gelten sollte, ist der auffallendste
-Beweis, was man sich zu diesen vierzig
-Per&uuml;cken oder ihren St&ouml;cken zu versehen habe
-&mdash; Viele K&ouml;che versalzen den Brei, und
-Ein Kopf ist mehr werth, als ein ganzes Synedrium
-von &mdash; &mdash; Kinnbacken. &mdash;</p>
-
-<p>Wenn die Staats-Officianten auf die Pflicht
-angenommen wurden, nichts zu verderben und
-sich leidend zu verhalten &mdash; wie viel weiter
-w&auml;re die Welt! - Sind das die hohen Collegia
-und hohen St&uuml;hle, von denen man das
-sch&ouml;ne Geschlecht ausschlie&szlig;t &mdash;? Man sollte
-sie aufnehmen, wie in freien Reichsst&auml;dten
-politische Kannengie&szlig;er und Aufwiegler zu
-Rathsgliedern, damit sie schweigen &mdash; Vielleicht
-h&auml;tte man dies Stratagen auch wirklich
-schon segensreich in Anwendung gebracht,
-wenn man zu der Verschwiegenheit des sch&ouml;nen
-Geschlechtes mehr Zutrauen fassen k&ouml;nnte.
-<i>Johnson</i> sagt: man kann so sehr ein
-Mann nach der Welt seyn, da&szlig; man nichts
-mehr in der Welt ist. Sollte man nicht weit
-eher so sehr ein Staats-Officiant seyn k&ouml;nnen,
- <span class="pagenum"><a id="Seite_207">[S. 207]</a></span>
-da&szlig; man bei weitem zu der Ehre ein Staatsb&uuml;rger
-zu seyn, unf&auml;hig ist? &mdash; Wahrlich, um
-sich wieder zu orientiren, sollte man die Weiber
-zum Staatsdienste vociren &mdash; wozu sie unstreitig
-einen g&ouml;ttlichen Ruf haben, an dem
-es den meisten Taugenichten von hohen
-Staatsbeamten ermangelt.</p>
-
-<p>Ist es zu leugnen, da&szlig; man in jedem Gesetz-Codex
-von den Grunds&auml;tzen der nat&uuml;rlichen
-Gleichheit ausgehen, und mit dem Paradiese
-anfangen kann und mu&szlig;, wenn nur
-der S&uuml;ndenfall nicht vergessen wird? Jene
-Grunds&auml;tze der Gleichheit werden und m&uuml;ssen
-so gar bei ihrer Anwendung auf den Staat
-das Resultat politischer Ungleichheit unter den
-B&uuml;rgern herausbringen. Bei jener nat&uuml;rlichen
-Gleichheit gewinnt das andere Geschlecht
-allerdings; allein auch die politische Ungleichheit
-kann nie ein ganzes Geschlecht unw&uuml;rdig
-proclamiren, in welchem es in der Regel mehr
-M&uuml;ndige, als in dem unsrigen giebt, und wozu
-vielleicht kein anderer Grund vorhanden
-ist, als da&szlig; die Gesetzgebung blo&szlig; aus M&auml;nnern
-besteht. Soll ich bemerken, da&szlig; ich
- <span class="pagenum"><a id="Seite_208">[S. 208]</a></span>
-hier nicht blo&szlig; vom Gebrauche des Mundes
-und der Zunge, sondern der Seele und des
-Herzens rede? So bald St&auml;rke, Obermacht
-und Verj&auml;hrung nicht Gesetze abn&ouml;thigen; &mdash;
-und wehe der Staatsgrundlegung, die solche
-Ecksteine in Anwendung bringt! &mdash; so bald
-jede regelm&auml;&szlig;ige Gesellschaft so gar eben dazu
-entsteht, um jene nat&uuml;rlichen Hervorstechungen
-in's Gleichgewicht zu bringen: so hat
-das andere Geschlecht ein Recht, vom Staate
-zu fordern, da&szlig; er ihm Gerechtigkeit erweise,
-da&szlig; er &uuml;ber die Schw&auml;chlichkeit des K&ouml;rpers,
-welche zum gr&ouml;&szlig;ten Theil durch Vorurtheil
-entstanden ist, die St&auml;rke der Seelen der Weiber
-nicht vergesse. Macht denn nicht die
-Seele den Hauptbestandtheil der Menschen?
-Die nat&uuml;rliche Gleichheit erfordert eine politische
-Ungleichheit, weil die Erh&ouml;hung des
-nat&uuml;rlichen Werthes des Menschen nur durch
-eine gegenseitige politische Verbindung derselben
-unter einander m&ouml;glich ist, und hervorragende
-Menschen durch Gesetze, so wie Genies
-durch Regeln, in Ordnung gehalten werden
-m&uuml;ssen. Kann aber dieser an sich nicht
- <span class="pagenum"><a id="Seite_209">[S. 209]</a></span>
-unrichtige Grundsatz auf ein ganzes Geschlecht
-gedeutet werden? Ist es gerecht, billig, rathsam
-und nur menschlich, da&szlig; unser ganzes
-Geschlecht zu einer Standeserh&ouml;hung gebracht
-und als der Mittelpunkt angesehen wird, um
-dessenwillen das andere Geschlecht existirt? &mdash;
-Es giebt nur zweierlei Thatsachen, von denen
-wir Begriffe haben: Natur und Freiheit; und
-sowohl zur Physik als zur Moral, haben Weiber
-unverkennbare Anlagen. Will man Natur
-und Freiheit sinnlich abbilden, so m&uuml;ssen beide
-in Gestalt eines Weibes dargestellt werden.
-Und was ist ihnen denn im Wege? das positive
-Gesetz? Kein Gesetzbuch, und w&uuml;rde es
-mit Engelzungen reden, kann <i>Formula concordiae</i>
-und eine Augspurgische Confession werden.
-Gesetze erziehen Menschen, und m&uuml;ssen
-sich, wenn Menschen m&uuml;ndig werden,
-von Menschen erziehen lassen. &mdash; Angenommen,
-Weiber w&auml;ren k&ouml;rperlich schwach &mdash;
-angenommen! und was w&auml;re da die Pflicht der
-Gesetze? in den Schwachen m&auml;chtig zu seyn.
-Nicht die Starken bed&uuml;rfen des Arztes, sondern
-die Schwachen.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_210">[S. 210]</a></span></p>
-
-<p>Wei&szlig; ich denn nicht, da&szlig; manche Frau
-bei manchem Manne auch jetzt sich wohl befindet?
-Was inde&szlig; blo&szlig; auf pers&ouml;nlicher Gesinnung
-beruhet, mu&szlig; seiner Natur nach
-wandelbar seyn; und es ist auch bei den tolerantesten
-Gesinnungen im Staate nothwendig,
-da&szlig; keine intolerante Stelle im Gesetzbuche
-bleibe. Wer steht f&uuml;r den Nachfolger im
-Reiche? Weiber wissen ihre M&auml;nner zu &uuml;berzeugen,
-als h&auml;tten Weiber keinen Willen.
-Doch eben wenn sie auf ihren Willen in bester
-Form Rechtens Verzicht zu thun scheinen,
-werden sie Alleinherrscherinnen, ohne den
-starken Glauben ihrer M&auml;nner zu schw&auml;chen,
-als ob diese ganz allein regierten &mdash; Sie regieren
-nicht mit Gewalt (<i>vi</i>), sondern heimlich
-und bittweise (<i>clam et precario</i>).</p>
-
-<p>Der Liebhaber glaubt in dem Dienst einer
-G&ouml;ttin zu seyn, welche Apotheosen so sehr in
-ihrer Gewalt habe, wie Facultaten Doktorh&uuml;te.
-Der gl&uuml;ckliche Geliebte d&uuml;nkt sich wenigstens
-halb Gott, weil er so gl&uuml;cklich ist, einer solchen
-Gottheit zu dienen &mdash; Erwacht er &uuml;ber
-ein Kleines aus diesem Traume; seht! so verwandelt
- <span class="pagenum"><a id="Seite_211">[S. 211]</a></span>
-sich die Raupe nicht in einen Schmetterling,
-sondern in einen Zuchtmeister, und
-die entg&ouml;tterte Frau wird seine Sklavin; der
-Br&auml;utigam wird nicht Ehemann, sondern Ehevogt.
-So h&ouml;rten Monarchen auf, G&ouml;tter und
-<i>Divi</i> zu seyn, und hatten die G&uuml;te zu den
-Menschen herabzusteigen; doch w&uuml;rdigten sie,
-um &uuml;ber anderen Menschen zu seyn, diese anderen
-eine Stufe unter die Menschen hinab &mdash;
-Halbe Wahrheit ist gef&auml;hrlicher, als eine ganze
-L&uuml;ge; diese ist leichter zu kennen, als jene,
-welche sich in Schein zu verkleiden pflegt,
-um doppelt zu betr&uuml;gen. M&auml;nner, la&szlig;t doch
-Menschen seyn, die Gott zu Menschen schuf!
-<i>La&szlig;t uns Menschen machen</i>, hie&szlig; es, <i>ein
-Bild das uns gleich sei; und er schuf sie ein
-M&auml;nnlein und ein Fr&auml;ulein</i>. Sie sind Bein
-von unserm Bein, und Fleisch von unserm
-Fleisch; und warum nicht B&uuml;rger wie wir?
-warum nicht, da ihnen weder Sinn noch Kraft
-zu B&uuml;rgertugenden gebricht, und es blo&szlig; darauf
-ankommt, da&szlig; sie zu B&uuml;rgerinnen erzogen
-werden! Jetzt freilich, wie sie da sind,
-zum Spielzeug, f&uuml;r M&auml;nner gemodelt; jetzt,
- <span class="pagenum"><a id="Seite_212">[S. 212]</a></span>
-wenn sie auf einmal aus dem Gyn&auml;ceum auf
-den gro&szlig;en Schauplatz des gemeinen Wesens,
-einen f&uuml;r ihren K&ouml;rper und ihre Seele so
-fremden Boden, treten und m&auml;nnliche Rollen
-spielen sollten: jetzt w&uuml;rden sie kaum ertr&auml;glich
-deb&uuml;tiren. Wer fordert dies aber von ihrem
-Kopfe und von ihren H&auml;nden? Sie sollen eben
-den Weg gehen, den wir gingen, eben die
-W&uuml;sten betreten, die uns auf der Bahn nach
-Kanaan beschwerlich wurden; nur durch Erziehung,
-Unterricht und Erfahrung sollen sie
-das Ziel erreichen, dessen sie so w&uuml;rdig
-sind &mdash; Das Licht braucht beinahe acht Minuten,
-um von der Sonne zu uns zu kommen,
-und wir sehen die Ver&auml;nderungen, die in der
-Sonne vorgehen, jedesmal acht Minuten nachher.
-<i>Pythagoras</i> legte seinen Sch&uuml;lern zuvor
-Schweigen auf, ehe ihnen die philosophische
-Zunge gel&ouml;set ward. Dies m&ouml;gen Fingerzeige
-f&uuml;r M&auml;nner und Weiber seyn: f&uuml;r <i>diese</i>, um
-nicht auf Meisterrechte Anspr&uuml;che zu machen,
-ehe sie die Lehrlingsjahre zur&uuml;ckgelegt haben;
-f&uuml;r <i>jene</i>, von einem Geschlechte, das so lange
-vernachl&auml;ssiget ward, nicht vor der Zeit Fr&uuml;chte
- <span class="pagenum"><a id="Seite_213">[S. 213]</a></span>
-der Bu&szlig;e zu fordern. Der Verstand und die
-Natur kommen sehr leicht in richtigen Einklang;
-und wenn Mittel unbedeutend scheinen,
-wenn sie es wirklich sind &mdash; wer wird
-Mittel nach eigener, und nicht vielmehr nach
-der Gr&ouml;&szlig;e des dadurch zu erreichenden Zweckes
-sch&auml;tzen? Eine Eiche von einem nicht
-kleinen Alter kann noch sehr jung hei&szlig;en,
-wenn ein gleichzeitiges Gestr&auml;uch und eine
-zu seinen F&uuml;&szlig;en bl&uuml;hende Blume an der
-Gr&auml;nze ihres Lebens sind &mdash; Nicht im einzelnen
-Falle, in allen F&auml;llen, nicht im einzelnen
-Menschen, sondern im Geschlechte,
-offenbaren sich die Ehre und der Zweck der
-Menschheit. &mdash; Woher jetzt der Unterschied
-in der Erziehung beider Geschlechter, der
-sich bei der Wiege anhebt und beim Leichenbrette
-endiget? warum ein so wesentlicher
-Unterschied, als w&auml;ren beide Geschlechter nicht
-Eines Herkommens, nicht Eines Stoffs, und
-nicht zu einerlei Bestimmung geboren? &mdash;
-Die Scheidewand h&ouml;re auf! man erziehe B&uuml;rger
-f&uuml;r den Staat, ohne R&uuml;cksicht auf den
-Geschlechtsunterschied, und &uuml;berlasse das, was
- <span class="pagenum"><a id="Seite_214">[S. 214]</a></span>
-Weiber als M&uuml;tter, als Hausfrauen, wissen
-m&uuml;ssen, dem besondern Unterricht; und Alles
-wird zur Ordnung der Natur zur&uuml;ckkehren.
-Noch lange ist Erziehung nicht das, was sie
-seyn k&ouml;nnte und sollte. Nur sehr sp&auml;t fiel
-man auf das, womit man h&auml;tte anfangen sollen:
-den Zweck der Erziehung zu bestimmen,
-das Ziel aufzusuchen und seinen Lauf darnach
-zu richten. Statt da&szlig; wir sonst, wie irrende
-Schafe, ohne Plan und Regel in das Weite
-liefen, sei es unsere erste Sorge, heimzukehren
-zu der Natur und nicht au&szlig;er uns uns selbst
-zu suchen! &mdash; Was h&uuml;lf es dem Menschen,
-wenn er die ganze Welt gew&ouml;nne und an sich
-selbst Schaden litte! &mdash; Ohne jenen Zweck
-der Erziehung zerrei&szlig;t das Band, welches alle
-einzelne Theile zusammen h&auml;lt &mdash; und in Kindern
-liegt das Reich Gottes. &mdash;</p>
-
-<p>Zwar hat man in unsern Tagen angefangen,
-dies wichtige Staatsbed&uuml;rfni&szlig; zu beherzigen;
-aber auch kaum nur angefangen. Die
-Staaten und ihre Repr&auml;sentanten selbst, deren
-erstes und wichtiges Interesse die Erziehung
-ist, scheinen dieses Bed&uuml;rfni&szlig; entweder noch
- <span class="pagenum"><a id="Seite_215">[S. 215]</a></span>
-nicht genug zu f&uuml;hlen; oder wohl gar sich f&uuml;r
-verpflichtet zu halten, den gemachten Versuchen,
-B&uuml;rger zu bilden, Hindernisse in den
-Weg zu legen. Wenn die Befehlshaber des
-Volkes bed&auml;chten, da&szlig; nichts als eine gute
-Erziehung sie auf immer in dem Besitz gesetzlicher
-und auf Vertr&auml;ge sich gr&uuml;ndender
-Vorz&uuml;ge sichern kann; sie w&uuml;rden zu dieser
-ihrer Zeit bedenken, was zu ihrem Frieden
-dienet. Lange hat man Erziehung und Unterricht,
-die doch ihrem Wesen, ihrer Form
-und ihrem Endzwecke nach so sehr unterschieden
-sind, f&uuml;r Eins gehalten. Lange muthete
-man Lehrern zu, die in der Regel selbst
-keine Erziehung hatten, sie sollten zugleich
-Erzieher seyn; und man wu&szlig;te nicht zu begreifen,
-wie man gelehrt seyn und doch keine
-Sitten haben k&ouml;nnte. Fest glaubte man an das
-goldene Sprichwort: da&szlig; K&uuml;nste und Sitten
-Schwestern und Br&uuml;der sind, und Niemand
-dachte daran zu untersuchen, ob K&uuml;nste und
-Sitten sich wie Ursache und Wirkung verhielten.</p>
-
-<p>Rechnet man zu diesen M&auml;ngeln den Umstand,
- <span class="pagenum"><a id="Seite_216">[S. 216]</a></span>
-da&szlig; die H&auml;lfte des menschlichen Geschlechtes
-entweder ohne alle Erziehung blieb,
-oder verzogen ward, und da&szlig; gerade dieser
-H&auml;lfte der wichtigste Theil der Erziehung
-&uuml;berlassen war; so ist es fast noch Wunder,
-da&szlig; wir Menschen sind. Ohne allen Zweifel
-bestimmte die Natur das andere Geschlecht
-zu diesem gro&szlig;en Erziehungsgesch&auml;fte, und
-versah es mit den n&ouml;thigen Anlagen und F&auml;higkeiten,
-mit den empf&auml;nglichsten Sinnen,
-mit den feinsten Empfindungen, in der edelsten
-Sprache, selbst im Kleinen und Zuf&auml;lligen das
-Wahre vom Falschen, das &Auml;chte vom Scheinbaren
-zu unterscheiden &mdash; um jene gro&szlig;e
-Bestimmung zu erf&uuml;llen &mdash;. Die <i>Sokratik</i>,
-die <i>Sokrates</i> von seiner Mutter, einer Weisemutter
-(<i>sage femme</i>), lernte, indem er auf
-Seelenentbindungen ausging und ein weiser
-Mann (<i>homme sage</i>) ward, ist wahrlich dem
-andern Geschlecht eigen, welches nie, auch
-beim Hei&szlig;hunger, den Magen der Wi&szlig;begierde
-der Kinder mit Kentnissen &uuml;berstopft, sondern
-jeden neuen Begriff ihnen einzeln zu
-denken giebt und ihn so viel wie m&ouml;glich in
- <span class="pagenum"><a id="Seite_217">[S. 217]</a></span>
-Empfindung zu verwandeln sucht. Jedem geistigen
-Gedanken geben Weiber einen K&ouml;rper,
-bekleiden ihn und verleihen ihm eine sinnliche
-Form. <i>Robinet</i> meint, die Natur habe den
-Weibern einen Hang zur Geschw&auml;tzigkeit gegeben,
-damit sie die f&uuml;r die Kinder zu starke
-W&ouml;rterkost ihnen desto leichter vorkauen k&ouml;nnten
-&mdash; Hei&szlig;t das nicht, einer herrlichen Naturgabe
-einen b&ouml;sen Leumund machen? <i>Rousseau</i>
-sagte zu <i>Grétry</i>, der ihm seine Hand
-bot, um ihm &uuml;ber einen Haufen Steine zu helfen:
-<i>Laissez moi me servir de mes propres
-forces</i>; und wem ist jene Entwickelung der
-in den Kinder-Seelen liegenden Ideen nat&uuml;rlicher,
-als dem andern Geschlechte? &mdash;
-Es spinnt sie heraus, kn&uuml;pft das Sinnliche an
-geistige Begriffe durch Bilder und Gleichnisse
-&mdash; Wir sind f&uuml;r heroische Methoden; folgt
-inde&szlig; nicht nach einer Bravurarie jederzeit eine
-Leere, da ein zu lebhafter Eindruck dem Effekte
-des Ganzen schadet? &mdash; &mdash; Es kommt
-nicht darauf an, eine gute Empfindung zu erregen,
-sondern die Summe der Empfindungen
-zu ziehen und auf sie zu wirken. Wie richtig
- <span class="pagenum"><a id="Seite_218">[S. 218]</a></span>
-sind hier <i>wenn</i> und <i>wie</i>! Alle Wege des
-Wanderers zwecken ab, an einen Ort zu kommen;
-alle kleine Fl&uuml;sse gehen zum gro&szlig;en
-Meere &mdash; &mdash; &mdash;</p>
-
-<p>Wie ist es aber m&ouml;glich, da&szlig; Weiber diesem
-Berufe gen&uuml;gen k&ouml;nnen, wenn jene Anlagen
-und F&auml;higkeiten so wenig entwickelt
-werden! Man vernachl&auml;ssiget sie nicht blo&szlig;;
-man unterdr&uuml;ckt sie absichtlich. Das Kind
-ist geschlechtslos; warum sind wir der weiseren
-Natur zuvor geeilt? warum haben wir fr&uuml;her
-die Geschlechter abzusondern angefangen, als
-die Natur uns dazu einen Wink gab? Das
-Kind ist gesellig, nicht weil es durch einen
-besondern Trieb dazu gereitzt wird, sondern
-aus Bed&uuml;rfni&szlig; und um th&auml;tig zu seyn. Nicht
-das moralische Gef&uuml;hl, welches den Menschen
-an seines Gleichen kettet, um sich ihnen
-mitzutheilen, um durch den Umgang mit Andern
-das Eckige seines Charakters abzuschleifen
-und um sich durch Andere zu vervollst&auml;ndigen
-&mdash; nicht dieses Gef&uuml;hl macht das Kind
-gesellig. Was kennt es mehr als sein Bed&uuml;rfni&szlig;?
-Es will gen&auml;hrt und vergn&uuml;gt seyn:
- <span class="pagenum"><a id="Seite_219">[S. 219]</a></span>
-darum ist es gesellig; es ist gesellig zum Zeitvertreib
-&mdash; Wo es diese Absicht erreicht, befindet
-es sich wohl; Geschlechtsunterschiede
-stehen, so wie moralische und geistige Eigenschaften,
-mit seiner Gesellschaft in gar keiner
-Beziehung &mdash;</p>
-
-<p>Erst um das zw&ouml;lfte Jahr fangen unter
-dem Europ&auml;ischen Himmel die Geschlechtskeime
-an bei dem weiblichen Theile sich zu
-entwickeln und nie gewohnte Unruhe, eine
-vorher unbemerkte Ahndung und sanfte Sehnsucht
-zu erwecken. So lange sollte unter
-Kindern Alles bis auf die Kleidung gleich
-bleiben, weil die Natur es so will. Erziehung,
-Unterricht, Zeitvertreib k&ouml;nnen f&uuml;r beide Geschlechter
-einerlei seyn, weil in diesem Zeitraume
-die Bildung sich mit dem Menschen
-besch&auml;ftigen und f&uuml;r die Entwickelung jener
-Anlagen sorgen soll, ohne alle R&uuml;cksicht auf
-anderweitige Bestimmungen, als auf die erste
-ehrw&uuml;rdigste: einen Menschen nach der urkundlichen
-Deutung der Natur darzustellen.</p>
-
-<p>Auf diesen einzigen Endzweck m&uuml;ssen es
-alle p&auml;dagogische Bem&uuml;hungen anlegen, und
- <span class="pagenum"><a id="Seite_220">[S. 220]</a></span>
-indem sie den jungen Kindern Hebammendienste
-leisten, den Spielraum f&uuml;r die ersten
-Versuche der erwachenden Kr&auml;fte erweitern,
-und nur nach und nach mit gro&szlig;er Vorsicht
-es wagen, den &uuml;ppigen Auswuchs zur&uuml;ckzuhalten,
-und dergestalt mittelbar den Trieben
-der Natur die eigentliche Richtung zu geben.
-Der Unterricht bedarf in diesem Zeitraum eben
-so wenig besondere R&uuml;cksichten auf Geschlechtsunterschied,
-als auf k&uuml;nftige b&uuml;rgerliche
-Verh&auml;ltnisse. Hat das Kind von diesem
-Allen selbst nur Ahndungen? geschweige denn
-Begriffe! und bleibt nicht aller Unterricht in
-dieser R&uuml;cksicht f&uuml;r dasselbe todter Buchstabe,
-bis nach dem Laufe der Natur Empf&auml;nglichkeit
-f&uuml;r diese Lehre sich entwickelt? Aller
-Unterricht mu&szlig; sich in diesem Zeitraum auf
-das einschr&auml;nken, was der <i>Mensch</i> glauben,
-wissen und thun soll.</p>
-
-<p>Warum der Unterschied zwischen weiblichem
-und m&auml;nnlichem Unterricht, da Mann
-und Weib noch nicht geboren sind? Sind
-Spiele f&uuml;r Kinder das, was sie seyn k&ouml;nnten
-und sollten? Nur in unsern Tagen, als die
- <span class="pagenum"><a id="Seite_221">[S. 221]</a></span>
-Erziehungskunst einen neuen Schwung erhielt,
-fing man an, den gro&szlig;en Einflu&szlig; derselben
-zu bemerken; allein machte man nicht, wie
-gew&ouml;hnlich, einen schlechten Gebrauch davon,
-wenn man das Spiel zu einem allgemeinen
-Unterrichtsmittel erhob? Spiele m&uuml;ssen
-nie zur Methodik werden; wohl aber k&ouml;nnen
-sie Anl&auml;sse zur Bereicherung des Ged&auml;chtnisses
-und zur &Uuml;bung des Verstandes seyn.
-Wenn sie den Unterricht erleichtern, so ist
-und bleibt ihr Werth blo&szlig; subjektiv. Bei
-Spielen der Kinder mu&szlig; jederzeit die Absicht
-zum Grunde liegen, sie auf eine ihrer F&auml;higkeit
-und ihrem Alter angemessene Art zu besch&auml;ftigen.
-Nur d&uuml;rfen die Kinder diese Absicht
-nicht errathen; sonst ist das Spiel verloren.
-Fr&uuml;h inde&szlig; m&uuml;ssen Kinder angew&ouml;hnt
-werden, Spiel und Gesch&auml;fte zu unterscheiden,
-um diese achten und lieb gewinnen, jene
-aber entbehren zu lernen, wenn sie anders
-nicht ewig Kinder bleiben sollen. Doch warum
-mehr Bemerkungen &uuml;ber einen Gegenstand,
-der jetzt das dritte Wort unserer
-Schriftsteller ist, und auf allen D&auml;chern gepredigt
- <span class="pagenum"><a id="Seite_222">[S. 222]</a></span>
-wird! Ich kehre mit dem Vorschlage
-zur&uuml;ck, da&szlig; so lange bis das Kind zum M&auml;dchen
-oder zum Knaben heranreift, beide unter
-den H&auml;nden und der Aufsicht des weiblichen
-Geschlechtes bleiben sollten. Der Staat und
-das weibliche Geschlecht w&uuml;rden dabei gewinnen.
-Alle Kinderschulen sollten Weiber zu
-Aufseherinnen und Lehrerinnen haben, weil
-die Natur das weibliche Geschlecht dazu mit
-ausgezeichneter F&auml;higkeit hinreichend ausgestattet
-hat. Reinlichkeit, ein zur Erhaltung
-der Kinder so n&ouml;thiges und wichtiges Erforderni&szlig;,
-Sanftmuth, Geduld, Ausdauer bei anscheinend
-kleinlichen Besch&auml;ftigungen, Mittheilung,
-Redefertigkeit, und andere zur Kindererziehung
-unentbehrliche Eigenschaften,
-scheinen dem weiblichen Geschlechte von
-Natur eigen, bei dem m&auml;nnlichen dagegen
-blo&szlig; Kunstfertigkeiten zu seyn. Wie sich
-Natur zur Kunst verh&auml;lt; so w&uuml;rde sich auch
-eine Kindererziehung durch Weiber gegen die
-jetzige verhalten. Schon gegenw&auml;rtig ist ihr
-Antheil gro&szlig;; was w&uuml;rden wir ohne ihren
-Beistand verm&ouml;gen? O, was f&uuml;r eine Schule
- <span class="pagenum"><a id="Seite_223">[S. 223]</a></span>
-f&uuml;r M&uuml;tter mittleren Standes, wenn eine Hauscapelle
-weinender und heulender Kleinen ihre
-Geduld pr&uuml;ft, und die Kinderfragen heranwachsender
-neugieriger, versch&auml;mter M&auml;dchen
-und dreister Buben sie in Verlegenheit setzen!
-Ich begreife nicht, wie manches treffliche
-Weib so heterogene Angelegenheiten zu bestreiten
-vermag &mdash; Dort windet sie dem kleinen
-Feldmarschall <i>Jakob</i> Gabel, Messer und
-Scheere aus der Hand; hier rei&szlig;t sie dem vielfr&auml;&szlig;igen
-Domherrn <i>Peter</i> sch&auml;dliche Dinge aus
-dem Munde; bald verscheucht sie von der
-kleinen schlafenden <i>Jette</i> die Fliegen; und wie
-schwer ist der Wildfang <i>Karl</i> zu befriedigen,
-der von Einem Zeitvertreibe zum andern abspringt!
-Wie viele Vigilien und wie viele
-Tageslasten sind ihr Theil und Erbe bei den
-ihr obliegenden Familiensorgen! &mdash; Ist nun
-gleich die Dame h&ouml;heren Standes, die nach
-Landes-Sitte und Brauch das strenge Recht
-f&uuml;r sich hat, ihre Kleinen wie Findelkinder
-zu behandeln, bei weitem so besch&auml;ftiget nicht;
-ist sie es inde&szlig; nicht immer weit mehr, als ihr
-gesch&auml;ftiger M&uuml;&szlig;igg&auml;nger von Gemahl, der,
- <span class="pagenum"><a id="Seite_224">[S. 224]</a></span>
-mit gro&szlig;en Kleinigkeiten und vornehmen Gebrechen
-beladen, au&szlig;er der Spinnstube seines
-hohen Collegiums, noch so viel anderes anzuspinnen
-hat, was freilich fast immer darauf
-hinausl&auml;uft, schlichte Dinge zu verwickeln,
-und den leichtesten Sachen einen Anstrich von
-Bedeutung zu geben! Des gro&szlig;en Staatsspinners!
-&mdash; *Doch wie? w&uuml;rden Weiber wegen
-ihrer Furchtsamkeit und aus Gef&uuml;hl ihrer
-Schw&auml;che die Kinder nicht noch mehr verz&auml;rteln,
-und das menschliche Geschlecht nicht
-noch weichlicher machen, als es gegenw&auml;rtig
-schon ist?* Ein Einwurf, der nicht ohne
-Grund zu seyn scheint; allein nichts mehr als
-ein Gespenst, welches unsere Einbildungskraft
-in Schrecken setzt, aber desto mehr verschwinden
-mu&szlig;, je mehr die Weiber sich ihrem
-Ziele n&auml;hern. Z&auml;rtlichkeit oder eigentliche
-Schw&auml;chlichkeit des K&ouml;rpers ist oft ein Erbtheil
-der Geburt, und ungleich seltener eine
-Folge der weichlichen Erziehung. Im letzten
-Falle kann die Geschicklichkeit des Erziehers
-im Knaben- und J&uuml;nglingsalter wieder herstellen,
-was &uuml;bel verstandene Z&auml;rtlichkeit im Kindesalter
- <span class="pagenum"><a id="Seite_225">[S. 225]</a></span>
-verdarb; da aber, wo der Keim schon
-kr&auml;nkelt, wird die pflegende Hand der Kunst,
-anstatt eines Baumes, immer nur ein Zwerggew&auml;chs
-erziehen. V&ouml;llig wird jene Furcht
-verschwinden, wenn die Ordnung der Natur,
-die wir umkehrten, wieder in den vorigen
-Stand gebracht wird, und wir f&uuml;rs erste uns
-entschlie&szlig;en, das andere Geschlecht bei diesem
-Gesch&auml;fte zu leiten. Schon hat man zum
-Theil aufgeh&ouml;rt, das Kind in eine Puppe zu
-verwandeln, es in Federn zu ersticken, und,
-wenn es sich des einzigen Mittels seiner Lunge
-bediente, um sich aus seiner peinlichen
-Lage zu befreien, es mit Theriak oder einer
-sanften Hirnersch&uuml;tterung zu bet&auml;uben; und
-gewi&szlig;, man wird aufh&ouml;ren, Kinder der Luft
-und dem Wasser zu entziehen, so bald die
-Weiber sich selbst bei dem Einflusse dieser
-Elemente behaglicher f&uuml;hlen werden. Schon
-hat man die bisherige Knabenkleidung verd&auml;chtig
-zu machen gesucht, und dem Kinderanzuge
-&uuml;berhaupt den Zwang vorger&uuml;ckt, wodurch
-der Einflu&szlig; der Luft auf den ganzen
-K&ouml;rper verloren geht, die Ausd&uuml;nstung gehemmt,
- <span class="pagenum"><a id="Seite_226">[S. 226]</a></span>
-die Brust verengt, das Herz unterdr&uuml;ckt,
-Saft und Kraft &mdash; wenn gleich (was
-leider nur selten der Fall ist) Alles unverdorben
-auf die Welt gebracht seyn sollte &mdash; fr&uuml;hzeitig
-erschlafft und die Maschine &uuml;bereilt
-wird. Die tyrannische Mode! Selbst unsere
-Mahler und Bildhauer sind ihrethalben der
-traurigen Verlegenheit ausgesetzt, zu einem
-idealischen Costume ihre Zuflucht zu nehmen,
-da die Ungereimtheiten der Mode nicht bei
-dem Altare des Geschmackes bestehen &mdash; Eine
-feine Rache, welche die Natur an ihren Ver&auml;chtern
-nimmt &mdash;! Bei Gelegenheit der b&uuml;rgerlichen
-Weiberverbesserung w&auml;re nichts leichter,
-als eine Kleiderordnung in physischer und
-moralischer R&uuml;cksicht in Gang zu bringen,
-sie wohlfeil, nat&uuml;rlich und einfach zu stellen,
-und diese Sache gleich fern von &Uuml;bertreibung
-und Montirungssucht in Erw&auml;gung zu nehmen.
-Nur aus unverz&auml;rtelten, festen, wackern
-<i>Kindern</i> werden unverz&auml;rtelte, feste, wackere
-<i>Leute</i>! &mdash; Lasset die Weiber erst sich selbst
-stark f&uuml;hlen, und sie werden an Leib und
-Seele starke Kinder leiblich geb&auml;ren und geistlich
- <span class="pagenum"><a id="Seite_227">[S. 227]</a></span>
-wiedergeb&auml;ren &mdash; sie zur Welt bringen
-und erziehen. Warum soll denn die Haut
-mit der Sonne in Feindschaft leben? Fehlgeschlagene
-Hoffnungen, Unterdr&uuml;ckungen, Collisionen
-sind der Geschmeidigkeit des Charakters,
-den Grazien der Sitten ung&uuml;nstiger, als
-jenes unbiegsame &Auml;u&szlig;ere. Vom Gef&uuml;hl einer
-edlen Freiheit, hangen Muth, Freim&uuml;thigkeit
-und jene umfassende Heiterkeit ab, die auch
-durch die finsterste Stirn bricht und auf der
-rauhesten Oberfl&auml;che durchschimmert &mdash; Und
-was gilt euch mehr: jene zweideutigen Ausspr&uuml;che
-zu Delphi, oder eine unbiegsame
-Aufrichtigkeit? Aufrichtigkeit bahnt den Weg
-zur moralischen Allmacht &mdash; wogegen durch
-lebensartige Feinheit der Absicht ganz entgegengesetzte
-Wirkungen resultiren &mdash; Je nachdem
-man auf diesen oder jenen Umstand
-Licht fallen l&auml;&szlig;t; je nachdem thut er Wirkung
-&mdash; Hat die Furchtsamkeit ihren Grund
-nicht blo&szlig; in dem Gef&uuml;hl des Mangels an
-k&ouml;rperlichen Kr&auml;ften und in der Beschr&auml;nktheit
-des Verstandes? Ein ber&uuml;hmter Englischer
-General bemerkte, da&szlig; seine Truppen
- <span class="pagenum"><a id="Seite_228">[S. 228]</a></span>
-nie mehr Muth hatten, als wenn ihr Magen
-mit Pudding und Roastbeef angef&uuml;llt war.
-Hunger macht feige, Mangel bl&ouml;de, Unterdr&uuml;ckung
-verzagt. &mdash;</p>
-
-<p>Die Weiber zu <i>Sparta</i> kannten weder
-Weichlichkeit noch Furchtsamkeit. <i>Ich habe
-ihn f&uuml;r das Vaterland geboren</i>, war die heroische
-Antwort jener Spartanerin, als man
-ihr die Nachricht brachte, ihr einziger Sohn
-sei in der Schlacht gefallen.</p>
-
-<p>Entwickelt sich der Unterschied der Geschlechter
-im Knaben und M&auml;dchen, so mu&szlig;
-der B&uuml;rger auf den Menschen gepfropft, der
-Stand des B&uuml;rgers an den der Natur gekn&uuml;pft,
-und die Vorbereitung zu mannigfaltigen untergeordneten
-Bestimmungen er&ouml;ffnet werden;
-und nun ist es Zeit zu einem sichtbaren Merkzeichen
-der Absonderung der Geschlechter.</p>
-
-<p>Diese Geschlechts-Einkleidung wird alle
-besorgliche Folgen, welche die Natur-Uniform
-etwa bei den Schwachen, die doch immer unter
-uns sind, erregen m&ouml;chte, unausbleiblich
-vertilgen, Knaben und M&auml;dchen, die als Kinder
-vertraut waren, in Fremde (wenn gleich
- <span class="pagenum"><a id="Seite_229">[S. 229]</a></span>
-nicht in Wildfremde &mdash; und weshalb auch
-das?) umschaffen, und Alles bis auf die R&uuml;ckerinnerung
-ihrer ehemaligen Bekanntschaft
-vertilgen. W&uuml;rde nicht diese Geschlechts-Einkleidung
-auf einmal den einzigen Unterschied,
-den die Natur beabsichtiget hat, zwischen
-beiden Geschlechtern festsetzen, ohne
-dadurch einen b&uuml;rgerlichen Unterschied herauszubringen
-oder zu erzwingen, und ohne
-dadurch Sitten und Wohlstand im mindesten
-in Gefahr zu setzen? Dies w&auml;re der Glockenschlag,
-welcher Erziehung und Unterricht der
-Geschlechter- und B&uuml;rgerbestimmung n&auml;her
-bringen w&uuml;rde. &mdash; War nicht schon bei den
-R&ouml;mern eine &auml;hnliche Einrichtung in Hinsicht
-auf das m&auml;nnliche Geschlecht? und sagt nicht
-die Geschichte, da&szlig; der J&uuml;ngling Vaterlandsliebe
-und alle gro&szlig;e Eigenschaften eines
-R&ouml;mers mit der <i>toga virili</i> (mit dem Mannskleide)
-anlegte? Es ist eine Schande, eine
-Stunde l&auml;nger zu leben, als man h&auml;tte leben
-sollen; &mdash; allein es bleibt eine eben so gro&szlig;e
-Schande, eine Stunde fr&uuml;her zu leben anzufangen,
-als man dazu f&auml;hig ist &mdash; und so wie
- <span class="pagenum"><a id="Seite_230">[S. 230]</a></span>
-das Ende das Werk kr&ouml;nt, und der letzte
-Tag der Richter aller seiner Vorg&auml;nger ist, so
-sollte man gewisse Tage aussondern, und sie
-zu Denkm&auml;hlern machen. Jener Tag der Geschlechtsabsonderung,
-der b&uuml;rgerlichen Einsegnung,
-w&uuml;rde zu diesen festlichen Tagen geh&ouml;ren.
-Ganz m&uuml;&szlig;te das Erziehungsgesch&auml;ft in
-dieser neuen Epoche noch nicht den H&auml;nden
-der Weiber entzogen, noch weniger ein Unterschied
-in Erziehung und Unterricht zwischen
-beiden Geschlechtern veranstaltet werden, bis
-auf die Verpflichtungen, zu denen jedes von
-der Natur besonders berufen ward, welche,
-in so fern sie f&uuml;r diesen Zeitraum geh&ouml;ren,
-bei jedem Geschlechte durch Personen des
-seinigen gelehrt werden m&uuml;&szlig;ten; wogegen
-alles &Uuml;brige ohne R&uuml;cksicht auf diesen
-Unterschied, so wie die Umst&auml;nde es forderten
-oder erlaubten, von Personen beiderlei
-Geschlechts gelehrt werden k&ouml;nnte. Da
-Mann und Weib eigentlich nur Ein Mensch
-sind; so kann auch selbst nach jener Geschlechtsabsonderung
-keine v&ouml;llige Scheidung
-eintreten: Was Gott zusammen f&uuml;gt, soll der
- <span class="pagenum"><a id="Seite_231">[S. 231]</a></span>
-Mensch nicht scheiden &mdash; In der Epoche,
-welche bei M&auml;dchen etwa bis zum 16ten, und
-bei Knaben bis zum 18ten Jahre dauern k&ouml;nnte,
-m&uuml;&szlig;ten beide Geschlechter zu den b&uuml;rgerlichen
-Bestimmungen vorbereitet und in Allem,
-was darauf Beziehung hat, ohne da&szlig; man
-auf den Geschlechtsunterschied R&uuml;cksicht n&auml;hme,
-unterrichtet werden. Da&szlig; hierbei die
-v&ouml;llige Entwickelung des Menschen nicht aufzugeben
-oder nur bei Seite zu setzen ist, versteht
-sich von selbst. W&uuml;rden bei dieser soliden
-Einrichtung nicht mit dem mannbaren
-Alter beide Theile ohne Unterschied unbedenklich
-da hingestellt werden k&ouml;nnen, wo sie,
-dem Staate n&uuml;tzlich zu seyn, Anlage zeigten?
-Entw&ouml;hnt dem gr&ouml;&szlig;ten aller &Uuml;bel, der langen
-Weile, die mehr als der Tod zu f&uuml;rchten ist,
-m&uuml;&szlig;ten jetzt der J&uuml;ngling und das M&auml;dchen Gesch&auml;fte
-angewiesen bekommen, wozu sie mit
-Neigung und Geschicklichkeit versehen sind.
-Ehre, Rechte und Belohnungen werden alsdann
-nicht ein Geschlechts-Pr&auml;rogativ, sondern
-Folgen des pers&ouml;nlichen Verdienstes.
-Weiber, die bisher ein Etwas ohne Namen
- <span class="pagenum"><a id="Seite_232">[S. 232]</a></span>
-und Rechte waren, w&uuml;rden auf diese Weise
-Personen und Staatsb&uuml;rger werden. &mdash; <i>Plato</i>
-wollte die Vertheilung des Privatverm&ouml;gens
-den Gesetzen in die H&auml;nde spielen. So viel
-Gerechtigkeit auch in dieser Idee zu liegen
-scheint, zu so vielen Ungerechtigkeiten w&uuml;rde
-sie verleiten. &mdash; Das Verm&ouml;gen der Weiber
-inde&szlig;, wenn sie gleich ganz allein dar&uuml;ber
-zu verf&uuml;gen glauben, <i>scheint</i> blo&szlig; ihrer Gewalt
-unterworfen zu seyn; denn eigentlich sind
-M&auml;nner die Eigenth&uuml;mer desselben, die mit
-diesem Kreuz, das sie wohlbed&auml;chtig in H&auml;nden
-behalten, sich zu segnen nicht ermangeln.
-Wie viele Kassen-Defraudationen hier vorfallen,
-liegt am Tage. &mdash; Blo&szlig; der Entschlu&szlig;
-der Weiber, sich dem Staate nicht entziehen
-zu wollen, setzt sie in das Eigenthum ihres
-Verm&ouml;gens, und sie werden nur sich selbst
-n&ouml;thig haben, um zu denken und zu handeln.
-&raquo;Er beleidigte nicht mich, sondern den, f&uuml;r
-den er mich ansahe,&laquo; sagte K&ouml;nig <i>Archelaus</i>,
-als man ihn auf der Stra&szlig;e mit Wasser begossen
-hatte; &mdash; und so wird das andere Geschlecht
-sich oft erkl&auml;ren m&uuml;ssen, und sich gern
- <span class="pagenum"><a id="Seite_233">[S. 233]</a></span>
-erkl&auml;ren, ehe jene Grunds&auml;tze, es ehren zu
-wollen, weil ihm Ehre geb&uuml;hrt, zur Gewohnheit
-geworden sind.</p>
-
-<p>Die Physiokraten halten in ihrem System
-die producirende Klasse der Staatsb&uuml;rger f&uuml;r
-die n&uuml;tzlichste, und da f&uuml;r den Staat der Nutzen
-das Einzige ist, was die Rangordnung der
-B&uuml;rger bestimmt; da dieser Nutzen die B&uuml;rger
-klassificirt: wie wollen wir denn eine ganze
-H&auml;lfte des menschlichen Geschlechtes, welche
-an der Hervorbringung und Fortpflanzung
-desselben den wesentlichsten Antheil hat, von
-der B&uuml;rgerehre ausschlie&szlig;en? und da wir sie
-schon ohne Urtheil und Recht willk&uuml;hrlich
-aus angestammter Machtvollkommenheit ausgeschlossen
-haben, ihnen die Wiedereinsetzung
-in den Paradiesstand verweigern? Werden sie
-nicht, geh&ouml;rig dazu vorbereitet, mit Ehren
-rathen, helfen, f&ouml;rdern in allen Staatsn&ouml;then?
-Bis jener hingeworfene Umri&szlig; einer neuen
-Ordnung der Dinge in seinem ganzen Umfange
-in der b&uuml;rgerlichen Gesellschaft eingef&uuml;hrt
-werden kann, &ouml;ffnet, M&auml;nner! der jetzigen
-weiblichen Jugend je eher je lieber unsere
- <span class="pagenum"><a id="Seite_234">[S. 234]</a></span>
-Educations- und Lehranstalten, und erlaubt
-ihr, an der Erziehung und dem Unterrichte,
-so wie er hier gelehrt und gelernt wird, Theil
-zu nehmen, ohne euch von der Furcht vor
-nachtheiligen Folgen abwendig machen zu lassen.
-Pr&uuml;ft jene h&auml;mischen Alltagszweifel: es
-wird Ansto&szlig;, Aufsehen, &Auml;rgerni&szlig; geben, es
-wird nachtheilige Folgen haben; &mdash; pr&uuml;ft, und
-ihr selbst werdet sie unentscheidend finden.
-Man kann sich vor der Furcht, und auch vor
-der H&uuml;lfe f&uuml;rchten. Soll eine verwerfliche
-Einrichtung der Dinge, und wenn sie tausend
-mahl tausend Jahre gew&auml;hrt h&auml;tte, auch bei
-dem unbehaglichen Gef&uuml;hl des Nachtheiligen,
-bei der gewissen Aussicht einer besseren Zukunft,
-darum noch ungest&ouml;rt fortdauern, weil
-ihre Ab&auml;nderung mit Schwierigkeiten, vielleicht
-mit anscheinend bedenklichen Folgen, verkn&uuml;pft
-seyn <i>kann</i>? W&auml;re je in der Welt etwas
-Gro&szlig;es unternommen worden, wenn wir das
-F&uuml;r und Wider so &auml;ngstlich abgewogen h&auml;tten?
-W&auml;re der Mensch da, wo er gegenw&auml;rtig
-ist, h&auml;tte er je so merkliche Fortschritte
-gethan, wenn er, nach der Weise des Elephanten,
- <span class="pagenum"><a id="Seite_235">[S. 235]</a></span>
-ehe er den Fu&szlig; weiter fortbewegt,
-&auml;ngstlich untersucht h&auml;tte, ob der Boden, den
-er betreten wolle, auch fest sey? &mdash; Ansto&szlig;!
-Wie man dies Wort von weitl&auml;uftigem Bedeutungsbezirk
-nimmt. Unsere symbolischen Vorfahren
-h&auml;tten gewi&szlig; den schrecklichsten Ansto&szlig;
-genommen, wenn in einem Erziehungshause
-Kinder mit und ohne Vorhaut zusammen gekommen
-w&auml;ren, um an allerlei Unterricht
-Theil zu nehmen. Welchen Nachtheil f&uuml;r das
-Christenthum w&uuml;rde man bef&uuml;rchtet haben,
-wenn ein Abk&ouml;mmling des Stammes Juda mit
-dem Sohne eines General-Superintendenten
-aus dem blinden Heiden <i>Cicero</i> Menschen-
-und B&uuml;rgerpflichten gelernt h&auml;tte! Und wer
-kennet nicht Staaten, wo dies ohne das leiseste
-Ger&auml;usch der Eiferer bewirkt wird, und
-ohne da&szlig; die Grundfesten des Christenthums
-auch nur die mindeste Ersch&uuml;tterung bef&uuml;rchten?</p>
-
-<p><i>Die Sittlichkeit w&uuml;rde Gefahr laufen!</i></p>
-
-<p>Wie denn das? Werden nicht schon jetzt
-M&auml;dchen und J&uuml;nglinge von einem und demselben
-Geistlichen, zu einer und derselben Zeit,
- <span class="pagenum"><a id="Seite_236">[S. 236]</a></span>
-auf eine und dieselbe Art in der Religion unterrichtet?
-Die Anstalt ist schon da; sie darf
-nur ausgedehnt werden. Und was kann uns
-behindern, <i>die</i>, denen wir in der Kirche gleiche
-Rechte mit uns einr&auml;umen, in die B&uuml;rgergemeinschaft
-aufzunehmen? Werden M&auml;dchen
-und Knaben durch gemeinschaftlichen
-Unterricht zu <i>Christen</i> vorbereitet, warum sollen
-wir sie nicht gemeinschaftlich zu <i>B&uuml;rgern</i>
-erziehen? Sollte denen, welchen die erforderliche
-Anlage zu Himmelsb&uuml;rgern zugestanden
-wird, der Beruf zur Staatsb&uuml;rgerschaft abgesprochen
-worden? Warum leiden in dieser
-Gemeinschule die Sitten nicht, obgleich der
-Religionsunterricht in Jahren ertheilt wird, wo
-der Geschlechtstrieb &auml;u&szlig;erst reitzbar ist? Sind
-die Sch&uuml;ler und Sch&uuml;lerinnen dort nicht eben so
-wie hier unter Aufsicht? wird ein kluger Lehrer
-und Erzieher den Veranlassungen zur Erweckung
-des Geschlechtstriebes nicht &uuml;berall geschickt
-auszuweichen wissen, und jede Belehrung
-&uuml;ber die k&uuml;nftige Bestimmung seiner Z&ouml;glinge
-so einzulenken verstehen, da&szlig; die Folgen
-nicht sch&auml;dlich, sondern segensreich ausfallen?</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_237">[S. 237]</a></span></p>
-
-<p><i>Wird das andere Geschlecht unseren Erwartungen
-entsprechen? wird es unsere Bem&uuml;hung
-lohnen?</i></p>
-
-<p>Wir wollen also erndten und uns der M&uuml;he
-&uuml;berheben, zu pflanzen? Auf welche Art
-werden wir uns von der Tragbarkeit des Bodens
-versichern, wenn wir ihn nicht anbauen?
-Hat denn nicht bis itzt jeder Boden dieser
-Art den auf ihn verwendeten Flei&szlig; gelohnt?
-und d&uuml;rfen wir hier einen andern Erfolg bef&uuml;rchten,
-wenn wir es unserer Tr&auml;gheit nur
-abgewinnen k&ouml;nnen, einen ernstlichen Versuch
-anzustellen? In Alles was die Natur hervorbrachte,
-legte sie Keime, die nur einer Veranlassung
-bed&uuml;rfen, um entwickelt zu werden.
-W&uuml;rden nicht die Weiber jedem b&uuml;rgerlichen
-Stande, zu welchem man ihnen Zutritt verg&ouml;nnte,
-Ehre machen? Und welches b&uuml;rgerliche
-Gesch&auml;ft k&ouml;nnte, so lange sie durch ihre
-besondere Geschlechtsbestimmung nicht daran
-behindert w&uuml;rden, unter ihren wohlwollenden
-H&auml;nden sich schlechter befinden? M&uuml;&szlig;te
-das Ganze wegen des Wetteifers, der zwischen
-beiden Geschlechtern entstehen w&uuml;rde,
- <span class="pagenum"><a id="Seite_238">[S. 238]</a></span>
-nicht unendlich gewinnen? Nicht die Nymphe
-<i>Egeria</i>, welche <i>Numa</i> selbst, nicht <i>Pythia</i>,
-welche die Helden des Alterthums um
-Rath fragten, wenn sie Gesetze geben, wenn
-sie L&auml;nder erobern wollten, nicht die <i>Aspasien</i>
-und <i>Phrynen</i>, zu denen ein <i>Perikles</i>, ein
-<i>Sokrates</i> in die Schule ging, um Weisheit und
-Regierungskunst zu lernen &mdash; sollen sich hier
-der Beispiellehrst&uuml;hle bem&auml;chtigen. Jene hat
-die Fabel in ein &auml;therisches Gewand geh&uuml;llt
-und sie unserm Auge zu weit entr&uuml;ckt, als
-da&szlig; wir sie noch ferner dem Geschlechte zum
-Vortheil anrechnen k&ouml;nnten, ob sie gleich seinen
-Namen f&uuml;hren und keine Fabel ohne
-Wahrheits-Ingredienz anf&auml;ngt und vorhanden
-ist &mdash; So hie&szlig; der Grosoncle eines von den
-weltber&uuml;hmten L&uuml;gnern neuerer Zeit, <i>Josephs
-Balsamo</i>, der sich <i>Graf Cagliostro</i> nannte:
-<i>Cagliostro</i> &mdash; Lauter L&uuml;gen halten so wenig
-zusammen, da&szlig; nie etwas Vern&uuml;nftiges, etwas
-Ganzes herausgebracht werden kann &mdash; Will
-man den poëtischen Tugenden jener weiblichen
-Heldennamen keine Glorie und keinen
-Ehrenschein einr&auml;umen &mdash; immerhin! wir haben
- <span class="pagenum"><a id="Seite_239">[S. 239]</a></span>
-auch prosaische Beispiele, um au&szlig;er Zweifel
-zu setzen, da&szlig;, ungeachtet das weibliche
-Geschlecht (wenn gleich nicht durch ein f&ouml;rmliches
-Gesetz, so doch durch ein stillschweigendes
-&Uuml;bereinkommen, welches oft noch
-grausamer und dr&uuml;ckender ist) von der Stoa,
-der Akademie und dem Prytaneum entfernt
-gehalten wurde; ungeachtet man den Weibern
-die Schulen des Unterrichtes und der Weisheit
-verschlo&szlig;, sie dennoch Gelehrte und
-Weise unter sich aufweisen k&ouml;nnen, die ihre
-Namen durch Thaten und Schriften unsterblich
-gemacht haben. Es w&uuml;rde nicht schwer
-fallen, in vielen F&auml;chern des weitl&auml;uftigen
-Gebiets menschlichen Wissens und menschlicher
-Kunst weibliche Namen aufzufinden, die
-sich einen Anspruch auf Achtung und Ruhm
-erwarben. Schon erwies ich einigen in so
-weit Gerechtigkeit, als sie sich durch gro&szlig;e
-Eigenschaften auszeichneten. Wohlan! die
-Geschichte mag auftreten, und uns bezeugen,
-welchen wichtigen Antheil das weibliche Geschlecht
-an der Ausbreitung der christlichen
-Religion nahm, und wie gro&szlig; in dieser R&uuml;cksicht
- <span class="pagenum"><a id="Seite_240">[S. 240]</a></span>
-sein Verdienst um Sittlichkeit und Aufkl&auml;rung
-ist! Der Stifter dieser wohlth&auml;tigen,
-die Rechte der Menschheit vertretenden und
-menschenfreundlichen Religion (die sich so
-himmelweit von jenen <i>heidnischen Culten</i> unterscheidet,
-welche &uuml;ber die G&ouml;tter die Menschen
-verga&szlig;en, und eben so von den <i>J&uuml;dischen</i>,
-die den Menschen durch &auml;u&szlig;eren Zwang
-allm&auml;hlich zum Geiste der Tugend gew&ouml;hnen
-wollten, aber das Volk, bei der besten Absicht
-seines Heerf&uuml;hrers <i>Moses</i>, in der W&uuml;ste der
-Heuchelei und der &Auml;u&szlig;erlichkeit lie&szlig;en, ohne
-da&szlig; es je das moralische Kleinod erreichte,
-wozu diese Umwege es anlegten) unterrichtete
-die <i>Schwester seines Freundes Lazarus</i>, und
-gab der <i>Maria</i> vor der blo&szlig; h&auml;uslichen <i>Martha</i>
-den Vorzug: <i>Maria hat das beste Theil erw&auml;hlt,
-das nicht von ihr genommen werden
-soll</i>. Die Geschichte der Apostel gedenkt einer
-frommen <i>Tabea</i>, die sich nicht nur
-durch ihren Wandel unter den Neubekehrten
-auszeichnete, sondern auch th&auml;tigen Antheil
-an der Ausbreitung der Lehre nahm, die
-sie angenommen hatte. Nennet die Kirchengeschichte
- <span class="pagenum"><a id="Seite_241">[S. 241]</a></span>
-nicht eine Menge von Weibern,
-die mit Heldenmuth ihren Glauben bekannten,
-und sich weder durch Martern noch Verhei&szlig;ungen
-in ihrem Bekenntnisse wankend machen
-lie&szlig;en? die bei dem Verzicht auf alle
-Hoheit, auf Ehre und &Uuml;berflu&szlig;, unter Verachtung,
-Hohn, Mangel und Verfolgung ihrer
-&Uuml;berzeugung mit unersch&uuml;tterlicher Standhaftigkeit
-anhingen? Der Stifter der christlichen
-Religion bewundert so oft das gl&auml;ubige Zutrauen
-des andern Geschlechtes zu seiner Lehre,
-und hat dasselbe so wenig von der Theilnahme
-an den Vorz&uuml;gen der vern&uuml;nftigen lauteren
-Milch seines Unterrichtes ausgeschlossen,
-da&szlig; er es vielmehr mit auf die Erhebung desselben
-und auf Befreiung von den Ketten, die
-es trug, angelegt zu haben scheint. Und in
-der That, wenn diese Religion in ihrer reitzenden
-kindlichen Gestalt erscheinen will &mdash;
-zeigt sie sich nicht in Kindern und ihren Pflegerinnen,
-den Weibern? Weibliche Herzen
-sind, wenn ich so reden darf, mit den Lehren
-dieser Religion gleichsam amalgamirt;
-denn in Wahrheit, die h&ouml;chste Stufe der
- <span class="pagenum"><a id="Seite_242">[S. 242]</a></span>
-Menschheit ist nicht speculirende Vernunft,
-nicht Philosophie allein, sondern ein gewisses
-Etwas, das, wenn es Regierungskunst hei&szlig;t,
-eine Kunst ist, der die Natur selbst sich unbedenklich
-unterwirft &mdash; Ein k&uuml;hler Trunk
-kann Lebensgeister zu der Wohnung, die sie
-fast schon verlassen hatten, zur&uuml;ckrufen, kann
-aber auch ein Gift f&uuml;r den erhitzten Wanderer
-werden: Das Schwert, das uns besch&uuml;tzt,
-wird leicht unser Mordgewehr. Die gebildete
-Freiheit, die sich so sehr von der unregelm&auml;&szlig;igen
-und von dem h&ouml;chsten Grade derselben,
-der Z&uuml;gellosigkeit, unterscheidet, k&ouml;nnte
-<i>christliche Freiheit</i> hei&szlig;en. Und ihre Schule?
-&mdash; ist die Schule der Weiber. &mdash; Wenn
-M&auml;nner mit Verzichtleistung auf ihre St&auml;rke,
-die so leicht in Leidenschaft ausartet, eigentliche
-Christen werden, und Selbstrache, Blutvergie&szlig;en,
-alle Machtspr&uuml;che und Machtbeweise
-aufopfern sollen; so w&auml;hnen sie, da&szlig;
-sie bei diesen christlichen Tugenden ihr Geschlecht
-einb&uuml;&szlig;en &mdash; Es ist schwer Gutes zu
-wollen und zu thun, wenn das so leicht auszuf&uuml;hrende
-B&ouml;se noch obendrein Ehre bringt &mdash;
- <span class="pagenum"><a id="Seite_243">[S. 243]</a></span>
-Ich mag diesem Gegenstande wohlbed&auml;chtig
-nicht n&auml;her treten &mdash; &mdash; &mdash;</p>
-
-<p>&Uuml;berall wo Genieflug und Kunstflei&szlig; der
-Menschen hinreicht, treffen wir Weibernamen
-an, die um den Preis ringen. Es sind nicht
-Weiber, die auf einem ganz entgegen gesetzten
-Wege ihre Eitelkeit zu befriedigen suchten,
-weil sie auf dem geschlechts&uuml;blichen nicht
-fortkamen; sondern solche, die, von ihrem
-Geiste getrieben, jene Kr&auml;fte anlegten, welche
-die Natur ihrem Geschlechte so reichlich und
-t&auml;glich gespendet hat. Welch eine ehrenvolle
-Stelle nimmt <i>Anna Comnena</i> unter den Byzantinischen
-Geschichtschreibern ein! Die
-<i>gro&szlig;e Tochter Heinrichs des Achten</i>, die England
-nicht durch das Parlament regierte, sondern
-deren Wink f&uuml;r dieses, Staatsgesetz war,
-vor der es die Knie beugte, die, wenn sie
-gleich nicht den stolzen <i>Philipp</i> so doch seine
-un&uuml;berwindliche Flotte &uuml;berwand, hat eine ihr
-w&uuml;rdige Geschichtschreiberin an der <i>Keraglio</i>
-gefunden. In den Jahrhunderten der Unwissenheit,
-wo tiefe Mitternacht die V&ouml;lker Europens
-von einem Ende bis zum andern bedeckte,
- <span class="pagenum"><a id="Seite_244">[S. 244]</a></span>
-wo alle Sehnen des Geistes v&ouml;llig abgespannt
-waren, versuchte es die Nonne <i>Roswitha</i>,
-das heilige Feuer der Gelehrsamkeit
-wieder anzuz&uuml;nden. <i>Die Dacier</i> und <i>die
-Reiske</i> thaten sich durch Sprachkenntnisse hervor;
-und wie viele machten sich nicht in
-England, Frankreich und Deutschland durch
-Schriftstellertalente ber&uuml;hmt? Wem sind die
-Namen einer <i>Macaulay</i>, einer <i>Genlis</i>, einer
-<i>Sevigné</i>, einer <i>la Roche</i> unbekannt?</p>
-
-<p><i>Weiber entdeckten nichts, erfanden nichts.
-Es gab unter ihnen keinen Newton &mdash; keinen</i>
-&mdash; &mdash; &mdash;</p>
-
-<p>Und warum? war es nicht ein Ungef&auml;hr,
-das von Anbeginn unter Menschen Erfindungen
-zu Stande brachte? Schien nicht die Natur
-bei allen menschlichen Erfindungen sich den
-Haupttheil zu reserviren? legte <i>sie</i> nicht dies
-beste Brot vor das Fenster? Wurden jene
-Entdeckungen und Erfindungen nicht den Erfindern
-und Entdeckern in die Hand gespielt?
-Lag es an Weibern oder an der ihnen verweigerten
-Gelegenheit, wenn sie hier zur&uuml;ckblieben?
-&mdash; Man r&auml;ume ihnen Kanzeln und Lehrst&uuml;hle
- <span class="pagenum"><a id="Seite_245">[S. 245]</a></span>
-ein, und es wird sich zeigen, ob sie
-(der schuldigen Achtung f&uuml;r <i>Paulus</i> unbeschadet,
-welcher nicht will, da&szlig; die Weiber in
-der Gemeine sich sollen h&ouml;ren lassen) nicht
-eben so gut unsere &Uuml;berzeugung zu gewinnen
-wissen. Ohne allen Zweifel werden
-sie sich einen noch leichteren Zugang zu unserm
-Herzen bahnen. Schon sind uns hier
-die Qu&auml;ker mit ihrem Beispiele vorgegangen.
-Die Predigten der Weiber w&uuml;rden sich
-zu den Predigten vieler unserer Seelenw&auml;chter
-sehr oft verhalten, wie die von <i>Bourdaloue</i>
-zu denen von einem St&uuml;mper seiner
-Zeit: Wenn dieser predigte, ward <i>gestohlen</i>;
-wenn jener auftrat, ward <i>wiedergegeben</i>. So
-wie es bei K&ouml;rpern eine Ansteckung giebt, so
-auch bei Gem&uuml;thern und Seelen; und wenn
-es allgemein nicht unrichtig ist, da&szlig; schon in
-den <i>Augen</i> Tod und Leben liegt, und da&szlig;
-gewisse Leute vermittelst derselben beides,
-t&ouml;dten und lebendig machen, k&ouml;nnen: so ist
-dies besonders der Vorzug der Weiber &mdash;
-Die ganze Zauberei scheint sich aus den Augen
-herzuschreiben &mdash; Auge und Athem sind
- <span class="pagenum"><a id="Seite_246">[S. 246]</a></span>
-die Seelenvocale der Liebe und des Hasses;
-und wer versteht die Augensprache besser als
-die Weiber? Sie k&ouml;nnen vermittelst derselben
-lange Reden im Zusammenhange halten; und
-wer ist, der von dieser Beredsamkeit nicht ein
-Zeugni&szlig; abzulegen im Stande w&auml;re? &mdash; Sind
-es aber blo&szlig; die Augen, die bei den Weibern
-reden? Das ganze Leben der Weiber bestehet
-mehr im Reden als im Handeln: ihre Reden
-sind gemeiniglich Handlungen; und wenn
-wir einen Mann verachten, dessen Leben eher
-ein Lexikon als eine Geschichte vorstellt, so
-ist dies nicht der Fall bei dem sch&ouml;nen Geschlechte,
-das gewaltiglich spricht &mdash; Das
-Leben eines Weibes w&uuml;rde ein Conversations-Gem&auml;hlde
-seyn &mdash; wie bewunderungswerth ist
-es, selbst in anscheinend unwichtigen, oder
-so genannten Nebenf&auml;llen! Was Weiber
-<i>sagen</i>, flie&szlig;t oft weit mehr aus ihrem Herzen,
-als das, was M&auml;nner <i>thun</i>; und so haben ihre
-Reden f&uuml;r den denkenden und empfindenden
-Menschen auch oft mehr Interesse, als
-viele Handlungen der M&auml;nner. Durch Reden
-kann man, wenn ich mich so ausdr&uuml;cken
- <span class="pagenum"><a id="Seite_247">[S. 247]</a></span>
-darf, seinem Gedankengem&auml;hlde ein gewisses
-Colorit mittheilen; und wie viele N&uuml;ancen
-giebt es hier, wenn man blo&szlig; bei seinem
-Herzen Unterricht nimmt! Man sollte f&uuml;rchten,
-da&szlig; Weiber, an Toiletten gew&ouml;hnt, ihre
-Gedanken und Empfindungen an diesem Altar
-durch Putz verderben w&uuml;rden. Nein! diese
-Seelen-Toiletten &uuml;berlassen sie gern unserm
-Geschlechte &mdash; Selbst wenn viele unter ihnen
-von Amts- und Geschlechtswegen Musterkarten
-des modischen Putzes und der g&auml;ng' und
-geben Hofeitelkeit werden m&uuml;ssen, ver&auml;ndert
-ihr Ausdruck nicht seine Natur; Milch und
-Honig bleibt ihre Rede. &mdash; &mdash; Hei&szlig;t Genie
-Weisheit? W&ouml;rterkram und Sophisterei Vernunft?
-Alles was nicht auf gesunden Menschenverstand
-und moralische Religion berechnet
-werden kann, ist nicht wahre Weisheit
-und &auml;chte Vernunft. Falsche Perlen und
-Glanzgold, womit Weiber ihren K&ouml;rper
-schm&uuml;cken, &uuml;berlassen sie in Hinsicht des
-Geistes den M&auml;nnern &mdash; Die tiefste Wahrheit
-kann in eine Volks-Idee gekleidet werden,
-und eine Wahrheit, die kein <i>Sokrates</i> in das
- <span class="pagenum"><a id="Seite_248">[S. 248]</a></span>
-gemeine Leben bringen kann, ist nicht viel
-mehr als Sophisterei, womit man seinen Kopf
-nicht verderben und sein Herz nicht verf&auml;lschen
-sollte &mdash; Weiber sind geborne <i>Protestantinnen</i>,
-und haben die Religion der Freiheit,
-die Anweisung Gott im Geist und in
-der Wahrheit anzubeten. Bei dem systematischen
-Ger&uuml;ste der Religionslehren finden sie
-kein Interesse, und schwerlich werden sie je
-durch Doktorh&uuml;te in der Gottesgelahrtheit gereitzt
-werden. Sie legen es nicht darauf an,
-Gottes Existenz zu erweisen; vielmehr sind
-sie dem Neumonde von Philosophie anverwandt
-und zugethan, der den unerweislichen
-Gott f&uuml;r ein Postulatum der Vernunft erkl&auml;rt,
-weil er zu unserer Gl&uuml;ckseligkeit nothwendig
-ist. &raquo;Wer gewisse Dinge erweisen will,&laquo; sagte
-<i>Frau v.</i> **, &raquo;zweifelt entweder selbst, oder
-will den Zweifeln Anderer mit H&ouml;flichkeit zuvorkommen.&laquo;
-Ein theures wahres Wort &mdash;!
-Das Minimum von Glauben, ein Glaubens-Senfkorn,
-und die Vorstellung von der M&ouml;glichkeit
-der Existenz Gottes, ist hinreichend,
-um <i>Alles</i> aus uns zu machen, was aus uns
- <span class="pagenum"><a id="Seite_249">[S. 249]</a></span>
-gemacht werden kann, und unsere Tugend
-menschenm&ouml;glichst untadelhaft und rein darzustellen
-in der Liebe &mdash; Der Zweifel anderer,
-besonders in gutem Geruch stehender, kluger
-M&auml;nner verwickelt oft wider Denken und
-Vermuthen (k&ouml;nnte man nicht sagen: wider
-Verstand und Willen?) in Zweifel &mdash; Weiber
-haben Gott <i>im Herzen</i>; und da sie wohl wissen,
-da&szlig; wegen der zweckvollen Einrichtungen
-der Natur die Grundursache als verst&auml;ndig
-gedacht werden mu&szlig;: so k&uuml;mmert es sie
-nicht, wie viel oder wie wenig die speculative
-Vernunft zu diesem Glauben beitrage. Der
-moralische Beweisgrund (er verdiene den Ehrennamen
-<i>Beweis</i> oder nicht) wirkt in ihnen
-einen lebendigen Glauben. Wie viele haben
-Gottes Existenz tapfer demonstrirt und durch
-ihr Leben diese Demonstration noch tapferer
-widerlegt! &mdash; Seinen Willen thun, bleibt der
-beste Beweis, da&szlig; er sey. Das gr&ouml;&szlig;te Problem
-ist, den Menschen den <i>Willen</i> beizulegen;
-an <i>Einsicht</i> fehlt es ihnen weniger.
-<i>Franklin</i>, ein Mann, de&szlig;gleichen weder das
-Griechische noch das R&ouml;mische Alterthum aufzuweisen
- <span class="pagenum"><a id="Seite_250">[S. 250]</a></span>
-hat, sagte: &raquo;G&auml;be es einen Gottesleugner,
-er w&uuml;rde sich beim Anblick, von
-<i>Philadelphia</i>, einer so wohleingerichteten Stadt,
-bekehren;&laquo; und die Erde, <i>diese gro&szlig;e Stadt
-Philadelphia</i>, sollte so viel nicht &uuml;ber den
-Gottesleugner verm&ouml;gen, so bald er aufh&ouml;rt,
-Alles nach seiner, eigenen kleinen Elle zu messen?
-Nicht auf unsere Meinungen, sondern
-auf das kommt es am Ende an, was diese
-Meinungen aus uns machten. &mdash; &mdash; Das
-Gl&uuml;ck der Unschuld, die W&uuml;rde der Natur,
-der Drang nach Freiheit, die Freude eines
-stillen Lebens, der hohe Werth der Kunst
-sich in sein Schicksal zu finden, sind Hauptgegenst&auml;nde
-der Weiber. Wie man aus dem
-Umgange den Menschen kennt, so bestimmen
-seine Lieblingsgegenst&auml;nde seinen Verstand und
-seinen Willen &mdash; Jene Verschiedenheiten des
-Ausdrucks, jenes Zur&uuml;ckhalten, ist bei Weibern
-nicht wie bei uns Heuchelei; um Alles
-w&uuml;rden sie gewisse Dinge nicht sagen, einer
-gewissen sittlichen Reinheit der Sprache nicht
-ungetreu werden, und in plumpe Zweideutigkeiten
-und Zoten fallen, wenn auch diese
- <span class="pagenum"><a id="Seite_251">[S. 251]</a></span>
-Sittsamkeit und Enthaltung weniger Reitze
-h&auml;tte. Die Keuschheit des K&ouml;rpers ist mit
-der Keuschheit der Seele und der Sprache in
-genauer Verbindung &mdash; Weiber kennen so
-wenig die Regeln als die Gr&auml;nzen der Sprache,
-&uuml;berschreiten die ersteren, und erweitern
-die letzteren &mdash; Wie manche gl&uuml;ckliche Bereicherung
-hat die Sprache ihnen mittelbar
-und unmittelbar zu danken! Das Mittelm&auml;&szlig;ige
-kann im Geschlechte gar nicht aufkommen;
-was sich unterscheidet, ist vorz&uuml;glich &mdash;
-Sie reden zwar noch, wenn sie schweigen;
-keiner ihrer Blicke ist sprachlos; ihre unarticulirten
-Ausdr&uuml;cke der Leidenschaften, wodurch
-Menschen tief in das Herz der Menschen
-dringen, sind un&uuml;berwindlich &mdash;: allein,
-wer ist beredter als sie, wenn sie wirklich
-sprechen! &mdash; Jene sprachlose Beredsamkeit
-kann weiter Niemand als sie auf Worte bringen
-und &uuml;bersetzen. M&auml;nner sagen oft nichts,
-wenn sie zu viel sagen, so wie man nichts
-beweiset, wenn man zu viel bewiesen hat.
-In den Worten der Weiber, auch wenn sie
-&uuml;berflie&szlig;en, liegt Absicht, Gewicht und Nachdruck.
- <span class="pagenum"><a id="Seite_252">[S. 252]</a></span>
-Auge und Sprache sind Ein Herz und
-Eine Seele, und Weiber haben nicht nur in
-ihrem Blick, in ihrem Auge und auf ihrer
-Zunge H&ouml;lle und Himmel, Leben und Tod,
-Wohl und Wehe; sondern selbst ihr H&ouml;ren
-ist von der &auml;u&szlig;ersten Bedeutung &mdash; Sie h&ouml;ren
-anders als wir; und wer kann den Einflu&szlig;
-leugnen, den das Geh&ouml;r auf unsere Rede behauptet?
-&mdash; Ich kenne einen schwer beamteten
-vornehmen Mann, der in dem Rufe steht,
-da&szlig; er alle Menschen h&ouml;re; auch h&ouml;rt er
-wirklich Alles, was sich in seinem Vorzimmer
-h&ouml;ren lassen will: und doch klagt alle Welt,
-da&szlig; er nicht h&ouml;re; &mdash; entweder ist er zerstreuet
-oder unf&auml;hig zu verstehen. Es giebt
-eine moralische Taubheit bei dem besten physischen
-Geh&ouml;r &mdash; Man kann g&uuml;tig und gerecht,
-unfreundlich und zuvorkommend h&ouml;ren
-&mdash; Der sch&uuml;chterne bescheidene J&uuml;ngling
-zieht aus dem geneigten Geh&ouml;r seines
-Besch&uuml;tzers Muth und Leben, und man kann
-abh&ouml;ren, anh&ouml;ren, aufh&ouml;ren, aush&ouml;ren und
-beim H&ouml;ren in eine Art von Horchen fallen,
-welches durch das Ohrenspitzen in Verlegenheit,
- <span class="pagenum"><a id="Seite_253">[S. 253]</a></span>
-wo nicht gar in Verwirrung, setzt &mdash;
-Weiber sind Meisterinnen in der Kunst zu
-h&ouml;ren, Original-H&ouml;rerinnen, und ich wei&szlig;
-nicht, ob sie im H&ouml;ren oder im Sprechen
-st&auml;rker sind. Es ist leichter, mit dem Publico,
-als mit dem Cirkel fertig zu werden,
-worin man lebt, wenn dieser Cirkel aus witzigen
-Weibern besteht; und nicht der M&auml;nner,
-sondern der Weiber halben bleib' ich
-anonymisch, so sehr auch meine Schrift den
-Weibern das Wort zu reden scheint. &mdash;</p>
-
-<p>Die Weiber sind viel zu sehr Kenner des
-menschlichen Herzens, als da&szlig; sie nicht wissen
-sollten, auch die verborgensten Falten
-desselben auszusp&auml;hen, Leidenschaften zu erregen
-oder dem Ausbruche derselben zuvorzukommen.
-Wer wei&szlig; mehr als sie, ihre
-Wuth zu bes&auml;nftigen, je nachdem es ihre Absichten
-erfordern! und gewi&szlig; w&uuml;rde es ihnen
-auf dieser Bahn besser gl&uuml;cken, als den ber&uuml;hmtesten
-Demagogen. <i>Rom</i> w&uuml;rde vielleicht
-bald nach seiner Entstehung wieder in sein
-voriges Nichts zur&uuml;ckgefallen seyn, wenn die
-neuen R&ouml;merinnen sich nicht ihrer R&auml;uber
- <span class="pagenum"><a id="Seite_254">[S. 254]</a></span>
-angenommen, und die entr&uuml;steten Sabiner beruhigt
-h&auml;tten. Was w&auml;r' aus <i>Coriolan's</i> Vaterstadt
-geworden, wenn die Mutter den Sohn
-nicht bes&auml;nftigte? Ohne den R&ouml;mischen Stolz
-und die edle Aufforderung eines Weibes
-(<i>Margarethe Herlobig</i>) w&auml;re der Schweizerbund
-vielleicht nie zu Stande gekommen &mdash; Die
-&Uuml;berredungsgabe eines Weibes &uuml;bertrifft Alles,
-was Kunst je geleistet hat. Und ihre
-Lehrmethode? In Wahrheit, Weiber sind
-&auml;u&szlig;erst lehrreich: sie sind so gro&szlig;e Lehrerinnen,
-als Erzieherinnen. Wer Weiber blo&szlig;
-auf Gef&uuml;hle und Empfindungen reducirt, kennt
-weder Gef&uuml;hle, noch Empfindungen, noch die
-Weiber. Oder wie? lehrt das Herz etwa den
-Kopf? verleihet das Gef&uuml;hlsverm&ouml;gen dem Erkenntni&szlig;verm&ouml;gen
-evidente Gef&uuml;hle zum Vergleichen
-und zum Entscheiden? Stammt das
-moralische Gef&uuml;hl, wenn es anders ein wirkliches
-Etwas seyn soll, nicht aus der Vernunft?
-Mu&szlig; nicht der Kopf dem Herzen
-Grunds&auml;tze so eigen machen, da&szlig; es die Achtung
-f&uuml;r das Gesetz als Gewohnheit, als Gef&uuml;hl
-ansieht? &mdash; Das Herz, unbelehrt von
- <span class="pagenum"><a id="Seite_255">[S. 255]</a></span>
-der Vernunft, kann wenig oder nichts ausrichten;
-es mu&szlig; geistisch gerichtet seyn &mdash; Wenn
-der Philosoph, der Wortf&uuml;hrer der Vernunft,
-nicht w&auml;re; was w&uuml;rde der Dichter, der sich
-nach dem Haufen richten und selbst zu Volksunarten
-sich herablassen mu&szlig;, Gutes stiften?
-Der Dichter mu&szlig; seine Weihe im Tempel
-der Vernunft erhalten und die s&uuml;&szlig;esten Gef&uuml;hle
-an Grunds&auml;tze kn&uuml;pfen, wenn er unsterblich
-seyn will. Weiber verstehen jene
-Chemie, die man die h&ouml;here nennen k&ouml;nnte,
-Grunds&auml;tze in Gef&uuml;hle aufzul&ouml;sen, und das,
-was der theoretische Hexenmeister der Philosophie
-in schweren Worten ausdr&uuml;ckt, zur
-Leichtigkeit einer Gewohnheit zu bringen &mdash;
-Weiber haben Sitten, M&auml;nner Manieren: diese
-werden durch Erziehung erworben, durch
-Nachahmung erlernt, durch Umgang mitgetheilt;
-jene hangen von Herz und Vernunft
-ab. Man sagt: Weiber w&auml;ren k&auml;rglicher in
-ihren Wohlthaten, und an sich und von Natur
-geitzig. Nicht also; ihre Neigungen des
-Wohlwollens entstehen aus Grunds&auml;tzen,
-nicht aber aus dem vor&uuml;bergehenden Rausche
- <span class="pagenum"><a id="Seite_256">[S. 256]</a></span>
-des Mitleidens, wie es sehr oft bei uns der
-Fall ist. Seht! wie sch&ouml;n wissen sie selbst
-bei angestammter Etiquette, bei den patentisirten
-Manieren noch zu modificiren! Auch
-sogar bei der Liebe halten sie sich nicht an
-das Formular und an die Agende.&mdash; Wir haben
-unsern <i>Kubach</i>, und alles ist in <i>bekannter
-Melodie</i> &mdash; Von Weibern k&ouml;nnte man
-sogar sagen: <i>sie lieben insgesammt, doch jede
-liebet anders</i>. &mdash; Zur Hoffnung haben sie eine
-au&szlig;erordentliche Anlage; &uuml;berall wollen sie
-Aussicht: ein Garten, der sie ihnen raubt,
-ist ihnen ein Gef&auml;ngni&szlig; &mdash; Die gn&auml;dige
-Frau ist in guter Hoffnung, hei&szlig;t: sie
-wird bald Mutter werden &mdash;. Wir wollen
-alles fr&ouml;hlich um uns haben, wenn <i>wir</i> es
-sind, und legen diese Fr&ouml;hlichkeit unserm Cirkel
-so nahe, da&szlig;, er mag wollen oder nicht,
-er einstimmen mu&szlig; &mdash; Weiber machen Alles
-fr&ouml;hlich, wenn sie es sind. Alle ihre Feste
-sind Erndtefeste, Laubh&uuml;ttentage, welche
-die Natur geheiligt hat; bei den unsrigen werden
-Kanonen gel&ouml;s't &mdash; sie k&ouml;nnen sich ohne
-Tafelmusik behelfen. (Der leibliche, geistliche
- <span class="pagenum"><a id="Seite_257">[S. 257]</a></span>
-und ewige Tod aller Unterhaltung.) An
-Gott denken, hei&szlig;t ihnen Andacht; &mdash; an
-sich denken, hei&szlig;t ihnen sterben lernen, und
-philosophiren sich verlieben; und wer so denkt
-der denkt wohl! &mdash; wer so handelt, ist nicht
-auf unrichtiger Bahn &mdash;</p>
-
-<p>Sprachen sieht man nicht ohne Grund als
-den Schl&uuml;ssel zu dem Magazin aller Kenntnisse
-und alles Wissens an, und eine jede
-Sprache, die wir erlernen, ist ein Schatz des
-Wissens, den wir fanden. Sprachen zu lehren,
-wird ein besonderes Talent erfordert, welches
-seltener das Theil und Erbe der M&auml;nner,
-als der Weiber, ist. Unsere zeitherige
-Schulmethode Sprachen zu lehren, ist gewi&szlig;
-nicht von Weibern erfunden; denn kaum w&uuml;rden
-diese mit der Grammatik den Anfang gemacht
-haben. Seht da den Lehrer, der es
-sich Lasttr&auml;germ&uuml;he kosten l&auml;&szlig;t, Kindern begreiflich
-zu machen, warum der R&ouml;mer die
-W&ouml;rter in seiner Sprache so und nicht anders
-auf einander folgen lie&szlig;! seht da den
-Sch&uuml;ler, der etwas begreifen soll, das schlechterdings
-unbegreiflich ist, so lange er nicht
- <span class="pagenum"><a id="Seite_258">[S. 258]</a></span>
-wei&szlig;, wie die R&ouml;mer ihre Sprache redeten
-oder schrieben. Bleibt die Kunst eine Sprache
-sprechen zu lehren, nicht vorz&uuml;glich den
-Weibern eigen? und sollte ihnen nicht der
-Sprachunterricht ausschlie&szlig;lich &uuml;berlassen werden?
-Ged&auml;chtni&szlig;, Einbildungskraft, und ein
-gewisser Geist f&uuml;r das Detail scheinen, wenigstens
-so lange sie wie jetzt sind, vorz&uuml;glich
-ihr Eigenthum zu seyn. Giebt es viele Beispiele,
-da&szlig; man bei einem Sprachmeister die
-Franz&ouml;sische Sprache mit Fertigkeit sprechen
-lernte? Wer nicht ihretwegen eine Reise
-nach Frankreich that, lernte sie von Mutter
-oder Gouvernantin. Kaum hat der Mann angefangen,
-Materialien zu begreifen und anzufassen,
-so will er schon zusammen setzen,
-generalisiren, Capitalien machen; &mdash; allm&auml;hlich
-zu sammeln, dauert ihm zu lange. &mdash;</p>
-
-<p>Wer kann den Weibern ein gewisses
-Kunstgef&uuml;hl absprechen? und scheint nicht
-weniger der Mangel an Anlagen, als ihre zeitherige
-Lage, Schuld zu seyn, da&szlig; sie so wenig
-Vorz&uuml;gliches in den sch&ouml;nen K&uuml;nsten und
-Wissenschaften leisteten? An dem reitzenden
- <span class="pagenum"><a id="Seite_259">[S. 259]</a></span>
-Schauspiele ringender, wenn gleich oft auch
-unterliegender, Kr&auml;fte ist uns zuweilen mehr,
-als an der Entscheidung und an prahlenden
-Siegen gelegen; und schlummert nicht zuweilen
-auch selbst der gro&szlig;e <i>Homer</i>? Werden
-nicht selbst sehr wache Augen vom Schlaf
-&uuml;berwunden? schl&auml;ft nicht zuweilen <i>Brutus</i>?
-Sch&ouml;ne K&uuml;nste und sch&ouml;ne Wissenschaften
-erfordern einen weiten Spielraum, leiden
-keinen dr&uuml;ckenden Zwang, und gedeihen nur
-da, wo der Geist, sich keiner Fesseln bewu&szlig;t,
-das Gebiet der Einbildungskraft, jenes
-Reich der Unsichtbarkeit, durchkreuzen kann.
-Auch bei der gr&ouml;&szlig;ten Empf&auml;nglichkeit f&uuml;r
-sch&ouml;ne Formen und Gef&uuml;hle, auch bei der
-gl&uuml;cklichsten Organisation, wird, so lange der
-jetzige Druck dauert, nichts Gro&szlig;es, nichts
-Vollendetes das Theil der Weiber seyn; eben
-so wenig wie der Griechen, die bei den
-n&auml;mlichen Anlagen, bei dem n&auml;mlichen milden
-Himmel, nie etwas, den unerreichbaren
-Meisterst&uuml;cken ihrer Vorfahren &Auml;hnliches hervorbringen
-werden, so lange ihr Nacken noch
-in das eiserne Joch der T&uuml;rken eingezw&auml;ngt
- <span class="pagenum"><a id="Seite_260">[S. 260]</a></span>
-bleibt. Wie w&auml;r' es m&ouml;glich, da&szlig; das weibliche
-Geschlecht, so lang' es im K&auml;ficht eingeschlossen
-ist, und ein schn&ouml;des Vorurtheil
-seine Fl&uuml;gel l&auml;hmt, sich in die h&ouml;heren Regionen
-aufschwingen sollte? Die Seele pflegt
-schwach zu seyn, wenn der Leib es ist, und
-Sklaverei erlaubt ihren Gefesselten keinen
-Flug eine Spanne hoch &uuml;ber die Erde. Doch
-zeigten <i>Einige</i>, da&szlig; sie Eines Geistes Kinder
-mit M&auml;nnern w&auml;ren; und irre ich mich, oder
-ist es gewi&szlig;, da&szlig; sie weniger nach jedem
-F&uuml;nkchen eines fremden Lichtes haschten, um
-es aufzufangen, als wir? Mit ge&uuml;bterem Verstande,
-mit gesch&auml;rfterer Empfindung, mit reicherer
-Phantasie, mit festerem Charakter, werden
-sie reifere Fr&uuml;chte bringen, und in dem
-Felde des Sch&ouml;nen, auf das sie ohnehin schon
-unleugbare Anspr&uuml;che haben, Thaten thun &mdash;
-werth der Unsterblichkeit. Man klagt nicht ohne
-Grund: alle Oberideale w&auml;ren mit dem Heidenthume
-verloren gegangen; und da die ins Gro&szlig;e
-gehende Kunst ohne Ideale nicht bestehen
-k&ouml;nne, so schiene es, als ob unsere Dichter
-und K&uuml;nstler sich nicht &uuml;ber die gemeine und
- <span class="pagenum"><a id="Seite_261">[S. 261]</a></span>
-wirkliche Natur zu erheben im Stande w&auml;ren.
-&mdash; Vielleicht ist es dem sch&ouml;nen Geschlechte
-vorbehalten, sich hier neue Bahnen
-zu brechen, und mit neuer verj&uuml;ngter Einbildungskraft
-zu schaffen was verloren ging, ohne
-dem Segen der gr&ouml;&szlig;eren und heilsameren
-Wahrheit der christlichen Religion, welche
-f&uuml;r alle jene Ideale durch ihren weisen und
-begl&uuml;ckenden Einflu&szlig; entsch&auml;diget, zu nahe
-treten zu d&uuml;rfen.</p>
-
-<p>Unser Geschlecht hat Gelegenheit, so viel
-von der Prosa der wirklichen Welt kennen
-zu lernen, und d&uuml;nkt sich, die Wahrheit zu
-gestehen, in derselben so gewaltig viel, da&szlig;
-es nicht umhin kann, der wirklichen Welt,
-so <i>herrlich</i> und <i>sch&ouml;n</i> sie auch ist, keinen
-poëtischen Stoff zuzutrauen. Unzufrieden mit
-Menschen, spricht es: &raquo;La&szlig;t uns G&ouml;tter schaffen,
-ein Bild, das uns gleich und doch Gott
-sei!&laquo; &mdash; Und da wird? Seht doch, seht! ein
-Himmel voll Ganz- und Halbg&ouml;tter, alle zusammen
-nicht werth einen einzigen wackern
-Kerl abzugeben. An den himmlischen <i>Harem</i>
-mag ich gar nicht denken, der gewi&szlig; noch
- <span class="pagenum"><a id="Seite_262">[S. 262]</a></span>
-weit weniger ein einziges braves Weib aufwiegt
-&mdash; Wozu der G&ouml;tterunrath? &mdash; M&auml;hrchen,
-sie m&ouml;gen nun Volks- oder Helden- und
-Staatsm&auml;hrchen seyn, geh&ouml;ren, sagt man, f&uuml;r
-das Kinder- und Greisenalter; wer wird inde&szlig;
-diesen Spielen der Einbildung nicht gern
-Gerechtigkeit erweisen, wenn sie zum Ernste
-der Wahrheit leiten, und von der Vernunft
-die vollz&auml;hligen Weihen erhalten haben? wer
-die Imagination nicht ehren, wenn sie bei allen
-ihren Avant&uuml;rier-Eigenschaften ein Spr&ouml;&szlig;ling
-der Vernunft ist? &mdash; Nur thut unser Geschlecht
-zu oft so &auml;u&szlig;erst nothgedrungen, eine
-Abschweifung in das Reich der M&ouml;glichkeit
-machen zu m&uuml;ssen, obgleich von der lieben
-Wirklichkeit noch so viel in R&uuml;ckstand ist;
-&mdash; nur will es zuweilen h&ouml;chst unzeitig die
-Einf&auml;lle aus dem Reiche der Einbildung zu
-Gesetzen in der Sinnenwelt, die vor uns liegt,
-tausendk&uuml;nsteln; nur macht es sich kein Gewissen
-daraus, die hehre und m&auml;chtige Religion
-der Vernunft, welche sich bescheidene
-Fl&uuml;gel beilegt, mit aller Gewalt zu &uuml;berfl&uuml;geln
-und, ohne sich mit ihr und der Volksreligion
- <span class="pagenum"><a id="Seite_263">[S. 263]</a></span>
-zu berechnen, blo&szlig; auf Vergn&uuml;gen
-auszugehen, wo sich doch die Vernunft ihren
-Aufsehersitz und ihre Stimme nicht nehmen
-l&auml;&szlig;t. Hier ist Stoff zum <i>neuen Himmel</i> und
-zur <i>neuen Erde</i>. Und sag' ich zu viel, wenn
-ich behaupte, da&szlig; dem andern Geschlechte
-hier noch ein Richtsteig vorbehalten ist und
-Palmen, die nicht etwa im dritten Himmel zu
-brechen sind, wo man zu unaussprechlichen
-Worten entz&uuml;ckt ist &mdash; sondern nicht fern
-von einem Jeglichen unter uns. &mdash; Genug,
-wenn seine Dichtkunst das Herz nicht verfehlt,
-wenn sie von Herzen kommt und wieder zu
-Herzen geht. &mdash; Was soll ein wildes Feuer?
-Ein heiliges ist sein Ziel. Nie wird es sich
-erlauben mehr anzulegen, und w&auml;r' es Cedernholz,
-als n&ouml;thig ist, und um die Wette wird
-seine Dichtkunst mit der Cultur, Leidenschaften
-zu lenken und zu z&auml;hmen sich bem&uuml;hen
-&mdash; der edelste Beruf der Vernunft und der
-Dichtkunst! Grunds&auml;tze, welche die Vernunft
-im Allgemeinen lehrt, macht Dichtkunst durch
-treffende Beispiele anschaulich. Wovon die
-Vernunft innerlich &uuml;berzeugt ist, das stellt die
- <span class="pagenum"><a id="Seite_264">[S. 264]</a></span>
-Dichtkunst in Lebensgr&ouml;&szlig;e unsern sittlichen
-Augen dar, und bringt ein unaussprechliches
-Vergn&uuml;gen zu Stande, das einzige, das wir
-durch kein Opfer erringen d&uuml;rfen &mdash; und das
-immer mit in den Kauf geht! &mdash; Wie? dieser
-heilige Geist sollte nicht &uuml;ber das andere
-Geschlecht ausgegossen seyn? diese Gaben h&auml;tt'
-es nicht empfangen? O, ihr Kleingl&auml;ubigen!
-&mdash; als ob der Pegasus blo&szlig; f&uuml;r M&auml;nner w&auml;re!
-Dies so &uuml;beraus gute Thier, das sich so viel
-gefallen l&auml;&szlig;t, sollte keinen Quersattel vertragen?
-Sollte dieses Vorurtheil nicht zu &uuml;bersiebnen
-seyn? Allerdings. Wie herrlich sind
-jene weiblichen Explosionen, die Lieder der
-Liebe der <i>Sappho</i>, die selbst auch in Deutschland
-mehr als neun Schwestern hatte, von denen
-eine der vorz&uuml;glichsten (<i>Karschin</i>), nachdem
-ihr der Dichter <span class="smcap">Friedrich</span> II vier Gulden
-verehrt, und <i>Friedrich Wilhelm II</i>, der
-kein Poët ist, ein Haus hatte bauen lassen,
-unl&auml;ngst zu ihrer &auml;lteren Schwester heimging.
-&mdash; Darf ich mehr als <i>Elisen</i> nennen, um <i>ihrem
-Kopf</i> und <i>ihrem Herzen</i> den Rang beizulegen,
-der beiden geb&uuml;hrt &mdash; und der durch
- <span class="pagenum"><a id="Seite_265">[S. 265]</a></span>
-eine exemplarische Bescheidenheit noch mehr
-gewinnt? &mdash; <i>Angelika Kaufmann</i>, die Sch&ouml;pferin
-sch&ouml;ner Formen, und mehr ihres Gleichen
-waren und sind Mahlerinnen. Der Vorwurf,
-den man der <i>Angelika</i> macht, da&szlig; sie
-m&auml;nnliche Gesichter zu weibisch mahle, ist
-nicht ohne Grund; vielleicht nimmt sie hierdurch
-an unserm Geschlecht eine heimliche
-Rache. Man sagt: Weiber w&uuml;rden nie Meisterinnen
-im Portraitiren. &mdash; Da&szlig; ich nicht
-w&uuml;&szlig;te; *<i>ra</i>** trifft zum Sprechen &mdash; zum
-H&ouml;ren &mdash;. W&auml;r' es in der Regel der Fall, so
-w&uuml;rd' ich es mir aus dem Umstande erkl&auml;ren,
-da&szlig; sie immer Z&uuml;ge aus ihrer trefflichen
-Seele hineinzeichnen, so wie Mahler der <i>Venus</i>
-Z&uuml;ge von ihren Weibern und T&ouml;chtern
-verehren. &mdash; Mahlerinnen w&uuml;rden in dem
-Grade die Seelen der M&auml;nner in ihren Portraiten
-versch&ouml;nern oder verkl&auml;ren, wie Mahler
-die Gesichter des andern Geschlechtes
-schminken &mdash; Ist es, weil die M&auml;nner von
-der Natur entfremdeter sind, als die Weiber;
-oder hat die Natur wirklich zu dem andern
-Geschlechte mehr Vorliebe und Zutrauen;
- <span class="pagenum"><a id="Seite_266">[S. 266]</a></span>
-oder macht es die Seltenheit, da&szlig; die M&auml;nner,
-weil sie zu wenig in die Heiligth&uuml;mer
-der Natur kommen, nicht recht wissen, wie
-sie mit ihr daran sind? &mdash; ich wei&szlig; es nicht.
-Wer kann inde&szlig; unter den M&auml;nnern, er sei
-Dichter oder Mahler, im Wonnegef&uuml;hl der
-Natur, in der F&uuml;lle ihres Genusses, darstellen,
-was er empfindet? &mdash; wer erliegt nicht unter
-der Gewalt alles Erhabenen und Sch&ouml;nen, das
-ihm zustr&ouml;mt und ihn entweder in einen
-Schlummer einwiegt, oder ihn so angreift,
-da&szlig; er den zu gro&szlig;en Eindruck nicht umfassen
-und entwickeln kann. Der Schlummer
-ist ein Beweis der Schw&auml;che; und auch aus
-zu gro&szlig;er Spannung wird man ohnm&auml;chtig.
-Diese Lagen (sowohl die Schlummer- als die
-Spannungslage) darzustellen, ist Manchem unter
-den M&auml;nnern so vortreflich gegl&uuml;ckt, da&szlig;,
-da alle geneigte Leser sich getroffen fanden,
-diese Darstellungen als Meisterst&uuml;cke bewundert
-wurden. Man erstaunte, da&szlig; die Kraft
-der Kunst in dieser Schwachheit so m&auml;chtig
-war! Hat sich das Feuer des Eindrucks gelegt,
-ist man aus einem entz&uuml;ckenden Schlaf
- <span class="pagenum"><a id="Seite_267">[S. 267]</a></span>
-erwacht, so mahlen wir aus dem Spiegel der
-Zur&uuml;ckerinnerung, und die Natur hat nicht
-Ursache, diese Copien f&uuml;r viel weniger als
-Originale zu halten &mdash; Es sieht wie aus der
-ersten Hand aus, ob es gleich eigentlich aus
-der zweiten ist. Weiber k&ouml;nnen im vollen
-Genusse der Natur diesen Genu&szlig; beschreiben;
-auf das innigste in sie verwebt, verlieren sie
-den Ausdruck nie; sie scheinen Ein Herz und
-Eine Seele mit der Natur zu seyn, und da sie
-weder zu hoch gespannt sind, noch in s&uuml;&szlig;en
-Schlummer versinken, so gebricht es ihnen blo&szlig;
-an Dreistigkeit, um ihren Naturgenu&szlig; auch
-Andere durch Darstellung geniessen zu lassen.
-&mdash; Sie k&ouml;nnen im ersten Feuer arbeiten, wenn
-wir uns zuvor abk&uuml;hlen m&uuml;ssen. Gewi&szlig; hatten
-wir manche weibliche <i>Ossiane</i>, wenn wir
-es wollten; und was w&auml;re unsere <i>Karschin</i>
-geworden, wenn man ihr nicht die Fl&uuml;gel der
-Morgenr&ouml;the durch den Unterricht in der Mythologie
-beschnitten h&auml;tte! Die Originalit&auml;t
-gedeihet nur im Schoo&szlig;e der Freiheit; und
-kann wohl die Natur durch Weiber vernehmbar
-seyn, ehe M&auml;nner aufh&ouml;ren, die Weiber
- <span class="pagenum"><a id="Seite_268">[S. 268]</a></span>
-(diese Gef&auml;&szlig;e zu Ehren) zu bevorm&uuml;ndern,
-und ehe Geist, Herz und Zunge dem andern
-Geschlechte gel&ouml;set werden? &mdash; Wozu dies Alles
-f&uuml;hren soll? M&auml;nner, wo nicht aus Pflicht,
-so doch aus Kunstneugierde zu reitzen, da&szlig;
-sie den Schoo&szlig;kindern der Natur die Geistesfreiheit
-nicht l&auml;nger vorenthalten, ihre Kr&auml;fte
-nicht weiter unterdr&uuml;cken, und ihre Vernunft
-durch unzeitige Bl&ouml;digkeit nicht vor wie nach
-zur&uuml;ckhalten. Die Dichter, die Helden, die
-Weisen der Vorzeit sahen keine andere Sonne,
-erblickten keine andere Natur, als wir: Jene
-g&ouml;ttlichen Natureingebungen, welche die Uralten
-hatten, k&ouml;nnen wir noch neutestamentlich
-aus Hand und Mund der Weiber mit
-Danksagung empfahen. &mdash;</p>
-
-<p>&raquo;<i>Musik</i>?&laquo;So unbestritten die weiblichen
-Talente f&uuml;r die Musik sind; so wird ihnen
-doch der Vorwurf gemacht, da&szlig; sie noch
-keine Obermeisterin in der Composition aufweisen
-k&ouml;nnen. Es fehlt ihnen ohne Zweifel
-auch hier an Muth, um zu dieser Obermeisterschaft
-zu gelangen; schon befriedigt, wenn sie
-Compositionen der Gro&szlig;meister unseres Geschlechtes
- <span class="pagenum"><a id="Seite_269">[S. 269]</a></span>
-mit Empfindung ausdr&uuml;cken, begn&uuml;gen
-sie sich mit dem zweiten Range. Das
-Lied inde&szlig; kann w&ouml;rtlich so im Dichter stehen;
-die Noten k&ouml;nnen genau getroffen seyn:
-und doch wird oft weder Dichter noch Componist
-sein Werk wieder kennen, wenn es ein
-Weib singt oder spielt &mdash; dies haucht ihm
-eine lebendige Seele ein. <i>Schaffen</i> ist gut;
-<i>erhalten</i> nicht minder. &mdash; M&ouml;chten Weiber
-immer beim zweiten Range bleiben, wenn nur
-nicht ein neuerer Reisebeschreiber auch von
-Kastraten bemerkt h&auml;tte, da&szlig; nie Jemand unter
-ihnen ein gro&szlig;er Componist gewesen sei.
-Sollte diese Bemerkung Kastraten und Weiber
-mit Recht treffen, so ist die Ursache bei beiden
-unendlich verschieden. Kastraten k&ouml;nnen
-nichts schaffen; Weiber dagegen sind die eigentlichen
-Erhalter und Mitsch&ouml;pfer. &mdash; &mdash;
-Bei dem gegenw&auml;rtigen Druck, worin die
-Weiber sich befinden, legen sie es blo&szlig; darauf
-an, Alles was sie verstehen, fa&szlig;lich und
-begreiflich zu machen, und das, was wir
-schwer ausdr&uuml;ckten, zu erleichtern und in Umlauf
-au bringen. Sie ebenen die Wege, verstehen
- <span class="pagenum"><a id="Seite_270">[S. 270]</a></span>
-den Strahl der schwersten Ideen zu reflektiren
-und zu vervielfachen, das Abstrakteste
-verst&auml;ndlich und deutlich darzustellen, und
-dem Verachteten aufzuhelfen, so da&szlig; sie allen
-Wissenschaften einen unleugbaren Vortheil gebracht
-haben k&ouml;nnten, wenn man sie zum
-Meister- und B&uuml;rgerrecht ohne m&auml;nnliche Geburtsbriefe
-zugelassen h&auml;tte. Die Behauptung,
-da&szlig; es keine Synonime in der Sprache gebe,
-beweisen sie meisterlich, wenn gleich das
-Buchstabiren (eine wirklich m&auml;nnliche Sache)
-sie wenig bek&uuml;mmert. Das negative <i>Un</i> wird
-von ihnen, so wie die Null im Rechnen, oft
-so geschickt zum Verst&auml;rken des Ausdruckes
-gebraucht, da&szlig; man &uuml;ber ihre Feinheit und
-Geschicklichkeit, womit sie bei Ohr und Verstand
-alles ins Reine bringen, erstaunen mu&szlig;!
-Von Weibern mu&szlig; man reden, von M&auml;nnern
-schreiben lernen. &mdash; Sind Weiber schon
-jetzt, da sie blo&szlig; geduldet werden, und vermittelst
-Concessionen und Beg&uuml;nstigungen arbeiten,
-von dieser Seite so sch&auml;tzbar; was k&ouml;nnten
-sie leisten, wenn sie nicht l&auml;nger so unw&uuml;rdig
-von dem edlen Wettkampfe ausgeschlossen
- <span class="pagenum"><a id="Seite_271">[S. 271]</a></span>
-w&uuml;rden! Es ist eine nicht unrichtige
-Bemerkung, da&szlig; verdorbene Beredsamkeit verdorbene
-Sitten verr&auml;th. Da man aber in dem
-sch&ouml;nen Geschlechte tausend Lippen findet,
-die vom Honigseim einer &uuml;berzeugenden Beredsamkeit
-&uuml;berflie&szlig;en; so kann es mit Recht
-von ihnen hei&szlig;en: wessen das Herz voll ist,
-geht der Mund &uuml;ber. Der Unterricht legt es
-nicht geradezu darauf an, und kann es nicht
-darauf anlegen, aus allen Sch&uuml;lern Meister zu
-bilden. Auch bedarf es in der Erziehungsfabrik
-nicht lauter Meister. Sie bildet Gef&auml;&szlig;e
-zu Ehren und zum Haus- und Kammergebrauch;
-sie besch&auml;ftigt Meister, auch die es
-<i>secundum quid</i> sind, an der Drehscheibe. So
-ist der Lehrer schon geschickt, wenn er das
-Mechanische der Kunst und die Methode
-wei&szlig;, jenes dem Lehrlinge hinzubringen. Hat
-man nicht Meister gehabt, denen es nie gelang,
-geschickte Sch&uuml;ler ihrer Kunst zu ziehen?
-Fehlt es nicht vielen an der Gabe der
-Deutlichkeit und, um ein Kunstwort anzubringen,
-an der Lehrgabe? und ohne Zweifel noch
-mehreren an der unentbehrlichen Lehrtugend,
- <span class="pagenum"><a id="Seite_272">[S. 272]</a></span>
-der <i>Geduld</i>, die das m&auml;nnliche Geschlecht
-zwar in seiner Tugendliste r&uuml;hmlichst mit
-aufzuf&uuml;hren nicht unterl&auml;&szlig;t, die inde&szlig; unserem
-Geschlechte nur sehr selten eigen ist. Wir
-zeigen, da&szlig; in unserer Garderobe auch unmodische
-Anz&uuml;ge sind, nicht um sie zu gebrauchen,
-sondern um sie zu haben; statt
-da&szlig; bei dem weiblichen Geschlechte Geduld
-das sch&ouml;nste Hauskleid ist, das ihm am besten
-steht. &mdash; Ist die Weibergeduld nicht im Stande,
-auch aus dem unfruchtbarsten Boden Keime
-herauszulocken? Kann der beharrliche Flei&szlig;
-der Weiber nicht selbst dem Verkr&uuml;ppelten,
-wo nicht eine sch&ouml;ne, so doch eine ertr&auml;gliche
-Form geben, und, wenn nicht K&uuml;nstler, so
-doch Kunstverwandte bilden? Der Vorwurf,
-den man den Weibern macht, da&szlig; sie Neuheit
-und Wechsel lieben, ist nicht ungerecht;
-aber nicht im Geschlechte, sondern im Druck,
-den wir veranlassen, liegt die Ursache davon.
-Das Ausdauern und Beharren ist gewi&szlig; weniger
-unsere als ihre Sache, wenn der Gegenstand
-es verdient. Wer kann Weibern jetzt
-ihre Fl&uuml;chtigkeit &uuml;bel deuten, wer ihrem Leben
- <span class="pagenum"><a id="Seite_273">[S. 273]</a></span>
-es verdenken, wenn es von ihm hei&szlig;t:
-sie leben als fl&ouml;gen sie davon? &mdash; Wer? &mdash;
-In der That, es w&auml;ren der moralischen Karrikaturen
-weit weniger, wenn wir uns entschlie&szlig;en
-k&ouml;nnten, dem weiblichen Geschlechte einen
-gr&ouml;&szlig;eren Antheil an dem Unterricht und
-der Erziehung einzur&auml;umen. Und wie? haben
-Weiber blo&szlig; den Grazien, ihren Freundinnen,
-geopfert? oder sind sie wirklich auch zum Allerheiligsten
-der Wissenschaften eingedrungen?
-In der That, sie wu&szlig;ten sich auch hier Eing&auml;nge
-zu er&ouml;ffnen, Ehrenstellen zu erringen
-und sie mit W&uuml;rde zu behaupten, ungeachtet
-aller Hindernisse, welche Vorurtheile, Herkommen
-und niedere Mi&szlig;gunst ihren Talenten
-und ihrem Eifer in den Weg legten. Es wird
-nicht viele Wissenschaften geben, die unter
-ihren Eingeweiheten nicht einige Namen von
-Weibern z&auml;hlen, welche sich mit ihnen besch&auml;ftigten,
-und zwar nicht blo&szlig; solche, die
-von der Oberfl&auml;che sch&ouml;pften und zum Zeitvertreibe;
-nein solche, die ins Innere derselben
-mit Eifer und Anstrengung eindrangen,
-die von dieser Ambrosia der Wissenschaften
- <span class="pagenum"><a id="Seite_274">[S. 274]</a></span>
-nicht blo&szlig; kosteten, sondern mit dieser Seelenspeise
-sich s&auml;ttigten bis zum Wohlgefallen.
-Freilich k&ouml;nnen Weiber jener <i>inneren Freiheit
-des Geistes</i> genie&szlig;en, nach welcher sie ihren
-<i>Kopf</i> eigenbeliebig anzuwenden im Stande
-sind &mdash; Wir haben ihn inde&szlig; dem andern
-Geschlechte abgesprochen, und statuiren nur
-sein Herz, auf das wir Rechnung machen &mdash;
-als ob Eins ohne das andere etwas g&ouml;lte!
-Und wenn Weiber sich auch &uuml;ber unser Criminalurtheil
-wegsetzen wollten und k&ouml;nnten;
-ist ihre selbstgew&auml;hlte ruhige Geistesth&auml;tigkeit
-verm&ouml;gend, reifere und schmackhaftere Fr&uuml;chte
-zu bringen, da wir die Barbarei haben, uns
-an ihren Bl&uuml;then zu vergreifen? &mdash; Was die
-Geistesfreiheit, die keine Gesch&auml;ftsst&ouml;rung verdirbt,
-bei den Weibern ausrichten k&ouml;nnte,
-wird durch den Schwall von Kunstw&ouml;rtern und
-Kunstregeln erstickt, womit man von M&auml;nner-Seite
-sich wohlbed&auml;chtige M&uuml;he giebt, die
-Weiber zu verwirren und verzagt zu machen,
-so da&szlig; sie ohne Noth ermatten und sich aufgeben
-&mdash; Jammer und Schade! Doch gab es
-einige, die den Faden nicht abrissen, die mit
- <span class="pagenum"><a id="Seite_275">[S. 275]</a></span>
-Standhaftigkeit sich entschlossen, zu beharren
-bis ans Ende; und unter diesen, welche die
-letzten Gel&uuml;bde ablegten, fanden sich sogar
-solche, die sich zu Vorstehern und Lehrern
-im Tempel der Musen weihen lie&szlig;en. &mdash; In
-dem bekannten Institut von Bologna lehret
-<i>Laura Bassi</i> die Physik, und h&auml;lt ihre Vorlesungen
-in Lateinischer Sprache; und wie lange
-ist es, da&szlig; <i>Signora Agnes von Mayland</i> hier
-die Mathematik mit Beifall lehrte? Eben hier
-bilden <i>Lilli</i> und seine geschickte <i>Gattin</i> die
-Muskeln und Blutgef&auml;&szlig;e des K&ouml;rpers, der Natur
-mit so vielt&auml;uschender Wahrheit nach.
-Italien, dieses Land, das wechselsweise so viel
-Licht und Finsterni&szlig; &uuml;ber die V&ouml;lker der Erde
-verbreitete, tr&auml;gt kein Bedenken, Frauenzimmern
-Lehrst&uuml;hle zu &ouml;ffnen. Unl&auml;ngst ward
-in Deutschland ein weiblicher Doktor kreirt
-(<i>der Doktor Schl&ouml;zerin</i>); und w&uuml;rden wir
-wohl so zuverl&auml;ssige und betr&auml;chtliche Neuigkeiten
-vom Firmament erhalten, wenn der unsterbliche
-<i>Herschel</i> von seiner ihm &auml;hnlichen
-<i>Schwester</i> nicht so unerm&uuml;det in seinen Beobachtungen
-und Arbeiten unterst&uuml;tzt w&uuml;rde?
- <span class="pagenum"><a id="Seite_276">[S. 276]</a></span>
-&Auml;rzte werden eben so krank wie Nicht&auml;rzte,
-und die gr&ouml;&szlig;ten Philosophen sind nicht nur
-oft unweise, sondern verlieren sich auch zuweilen
-so in Speculationen, da&szlig; sie nicht aus
-noch ein wissen &mdash;. Weiber sind sehr f&uuml;r
-innere Wahrheit; und wenn sie gleich jenes
-ber&uuml;hmte Ministerphlegma nicht besitzen, so
-wissen sie doch mit K&auml;lte zu unterscheiden,
-was blo&szlig; trockne und was brauchbare Kenntni&szlig;
-ist. Wenn Salz und Laune fehlen, sind
-ihnen die reichstbesetzten Tische ein Greuel,
-und auf die Schauessen der Philosophen nehmen
-sie keine Einladung an. &mdash; Freund <i>Montagne</i>
-geht inde&szlig; zu weit, wenn ihn gel&uuml;stet
-zu behaupten: er habe zu seiner Zeit hundert
-Handwerker und hundert Bauern gesehen, die
-vern&uuml;nftiger und gl&uuml;cklicher gelebt (auch gedacht?)
-h&auml;tten, als mancher Rektor auf einer
-Universit&auml;t (Rektor! als wenn dieser das <i>non
-plus ultra</i> der Gelehrsamkeit w&auml;re! <i>K&auml;stner</i>,
-<i>Kant</i> und andere unserer ersten K&ouml;pfe sind
-Rektores, weil die Reihe sie trifft), und habe
-lieber <i>jenen</i> als <i>diesem</i> &auml;hnlich seyn wollen.
-(Immerhin! verliert die Gelehrsamkeit
- <span class="pagenum"><a id="Seite_277">[S. 277]</a></span>
-dadurch, wenn einige ihrer Meister nicht Weisheitsbeflissene
-sind?) Hat der Rektor der
-gro&szlig;en R&ouml;mischen Universit&auml;t, <i>Cicero</i>, so
-ganz Unrecht, wenn er dem Studieren den
-Preis &uuml;ber Alles zuerkennt, was sonst besch&auml;ftigen
-kann und mag? Wie kann man mit
-gr&ouml;&szlig;erem und bleibenderem Gewinne seine
-Zeit benutzen? Der Handarbeiter, sagt man,
-wendet sie an; der Gelehrte vertreibt sie. Ei,
-Lieber! m&uuml;ssen denn nicht Feldherren seyn,
-wo es Krieger giebt? m&uuml;ssen nicht Officiere
-&uuml;berlegen, was gemeine Soldaten ausf&uuml;hren? &mdash;
-Durch tiefes Denken gew&ouml;hnen wir unsere
-Seele zu einer Art von Existenz au&szlig;erhalb des
-K&ouml;rpers; sie bereitet sich durch eine kleine
-Reise nach <i>Rekahn</i> zu einer <i>Cookschen</i> vor,
-durch einen Weg &uuml;ber Feld zu einem andern
-&mdash; der uns Allen bevorsteht. Wenn <i>Cicero</i>
-es nicht ungeneigt nehmen wollte, da&szlig; ich
-seinen guten Geist bei dieser Gelegenheit
-schon wieder citire; so sollt' es seinen Ausspruch
-gelten, da&szlig; das ganze Leben des denkenden
-Mannes eine Todesbetrachtung sei. &mdash;
-Darf bei diesen Umst&auml;nden das sch&ouml;ne Geschlecht
- <span class="pagenum"><a id="Seite_278">[S. 278]</a></span>
-Bedenken tragen, mitunter gelehrt
-zu seyn &mdash;? Ist es aber im Stande Wissenschaften
-sich eigen zu machen, sie leicht und
-mit sichtbarem Nutzen Anderen beizubringen;
-wie k&ouml;nnt' es ihm denn wohl an den Talenten
-gebrechen, seine erworbenen Kenntnisse
-auf andere Weise dem Staate zum Besten in
-Anwendung zu bringen, sobald der Staat geruhete,
-den Bann allergn&auml;digst aufzuheben, mit
-welchem ein barbarisches Vorurtheil es seit
-Jahrtausenden belegt hat! H&auml;tten jene Ritter,
-die unter ihren Gel&uuml;bden die Verpflichtung
-hatten, Damen zu sch&uuml;tzen, ihre Grenzen
-weiter gesteckt; wie unendlich w&uuml;rdiger
-w&auml;r' ihr Beruf gewesen! Schade, da&szlig; diese
-treflichen M&auml;nner, welche, mit Ausschlu&szlig; der
-<i>irren</i> unter den <i>irrenden</i>, die edelsten und
-kl&uuml;gsten ihres Zeitalters waren, nicht, anstatt
-Weiber zu sch&uuml;tzen, sie &uuml;ber diesen Schutz
-erhoben! &mdash; Ist der Schleichhandel zu verkennen,
-der, aller jener Verbote ungeachtet,
-vom andern Geschlechte getrieben wird?
-oder ist nicht vielmehr der gro&szlig;e Einflu&szlig;
-sichtbar, den das weibliche Geschlecht zu allen
- <span class="pagenum"><a id="Seite_279">[S. 279]</a></span>
-Zeiten auf alle b&uuml;rgerliche und Staatsangelegenheiten
-behauptet hat? Wenn es auf
-gro&szlig;e Plane ankam, die ausgef&uuml;hrt oder r&uuml;ckg&auml;ngig
-gemacht werden sollten, waren es Weiber,
-welche die Hauptrolle &uuml;bernahmen. Bei
-Weisen und Thoren, Regenten und Priestern,
-Staatsm&auml;nnern und M&ouml;nchen waren sie wirklich
-geheime R&auml;the; sie geh&ouml;rten jederzeit
-zum geheimen Ausschusse des Staatsrathes, dessen
-Dekrete das Plenum blos mit Curialien
-versah &mdash; und dem es Sekretariendienste erwies.
-&mdash; Und wem ist hier ein <i>dirigirendes
-Weib</i>, w&auml;r' es selbst eine Maitresse, nicht
-lieber als Leith&auml;mmel von Kammerdienern,
-Hofzwergen, Heiducken u. s. w., die ohnehin
-nur Substistuten ihrer Weiber oder ihrer Liebchen
-sind? Nicht blo&szlig; mit dem klingenden
-Spiel und den fliegenden Fahnen ihres Witzes,
-nicht blo&szlig; durch den vermittelst der Ideen-Association
-verst&auml;rkten Vortrag wissen Weiber
-sich Eingang zu verschaffen; ihr zur Beurtheilung
-geschmeidiger Verstand vermag Alles &mdash;
-Wie manchem Tyrannen von Minister, der
-mit den Thr&auml;nen des Volkes sein Spiel, und
- <span class="pagenum"><a id="Seite_280">[S. 280]</a></span>
-mit Gl&uuml;ck und Ungl&uuml;ck der Menschen Handel
-trieb, der Alles dr&uuml;ber und drunter warf,
-wu&szlig;ten sie auf eine bessere Bahn zu lenken!
-Weiber halten den Faden, an dem die Cabinette
-geleitet werden: sie mischen die Karten,
-mit denen die Excellenzen spielen; und so
-wie neue Hindernisse neue unberechnete Kr&auml;fte
-erzeugen, so gelangten sie oft vermittelst
-ihrer Schwachheit zum h&ouml;heren Grade der
-St&auml;rke &mdash; Ein sanfter gem&auml;&szlig;igter Charakter
-ist dem andern Geschlecht eigen &mdash; Die Natur
-verlieh ihm dazu gro&szlig;e unverkennbare
-Anlagen, und nur bei wenig mehr philosophischem
-Nachdenken und Ausweichung der Verf&uuml;hrung,
-w&uuml;rde das sch&ouml;ne Geschlecht uns
-eine gewisse edle unempfindliche Gleichg&uuml;ltigkeit
-gegen so Manches lehren, was uns
-jetzt so leicht au&szlig;er uns setzt; und diese
-Gleichg&uuml;ltigkeit ist ohne allen Zweifel die
-Krone des diesseitigen Lebens. Hat die Natur
-nicht oft den <i>Correggio</i> an der Sch&ouml;nheit und
-Sittsamkeit &uuml;bertroffen, womit er seine Frauenzimmer
-ausstattete? Woher nehmen Mahler
-ihre Engelgesichter? und was ist der Sanftmuth
- <span class="pagenum"><a id="Seite_281">[S. 281]</a></span>
-unm&ouml;glich &mdash; ob sie gleich sich zuweilen,
-auch r&uuml;ckw&auml;rts zum Ziele zu kommen,
-verbunden sieht? Welche scharfe Umrisse,
-welches lebendige Colorit geben die Weiber
-ihren Vorstellungen und den Charakteren, die
-sie darin verflechten! Gleich ihr erster Blick
-trifft das Ungew&ouml;hnliche bei jeder Sache, und
-da dies &Auml;hnlichkeit mit dem Wunderbaren
-hat, an welchem die meisten Menschen so
-gern hangen bleiben &mdash; ist es Wunder, wenn
-sie oft selbst auf das t&auml;gliche Brot ein solches
-Licht fallen lassen, da&szlig; es feierlich wird?
-ist es Wunder, wenn sie das l&auml;ndliche Mahl
-zur W&uuml;rde eines hohen Festes erheben? H&ouml;here
-Deutlichkeit und st&auml;rkendes Licht mit
-mehr Vergr&ouml;&szlig;erung zu vereinigen, ist das
-Ziel, das sie mit so wenig M&uuml;he und Aufwand
-erreichen, ob es gleich so &uuml;berschwenglich
-wirkt &mdash; Das andere Geschlecht nimmt
-in der Regel <i>f&uuml;r</i>, das unsrige <i>wider</i> sich ein.
-Jenes ist gut, bis das Gegentheil bewiesen
-ist; &mdash; von uns hei&szlig;t es: wir sind b&ouml;se, bis
-man unser Gutes au&szlig;er Zweifel gesetzt hat.
-Weiber haben einen <i>Vor</i>-, wir einen <i>Nach-</i>
- <span class="pagenum"><a id="Seite_282">[S. 282]</a></span>
-Geschmack &mdash; Jene Runzeln, die das Alter
-von der Weisheit, oder die Weisheit von dem
-Alter hat, schrecken weder ihren Witz noch
-ihren Verstand ab &mdash; und nichts, weder Verstand,
-noch Sch&ouml;nheit, noch Verm&ouml;gen, macht
-sie sch&uuml;chtern &mdash; Dem Verstande lauern sie
-sehr auf den Dienst, und finden bald zu ihrem
-Troste etwas an Lehr' und Leben der
-Herren Philosophen auszusetzen, wor&uuml;ber
-schwerlich etwas einzuwenden ist; und da sie
-geborne <i>Naturalisten</i> (im nat&uuml;rlichen Sinne)
-sind &mdash; wie leicht wird es ihnen, von <i>Artisten</i>
-ein Federchen abzulesen! Weit eher als
-wir, haben sie Anlage, zu dem von Vorurtheilen
-und Aberglauben befreieten Gebrauche der
-Vernunft zu gelangen &mdash; auf ein Haar wissen
-sie den gelahrten Weizen von der gelahrten
-Spreu zu unterscheiden &mdash; und den Shakespearschen
-Ausdruck zu deuten: &raquo;er redet eine
-Menge Nichts &mdash; zwei Weizenk&ouml;rnlein versteckt
-er in zwei B&uuml;ndlein Spreu.&laquo; Weiber
-sind dazu gemacht, den Philosophen, wenn
-er sich in den Spinneweben des Systems verlor,
-(wie ein bekannter Gelehrter sich in seinem
- <span class="pagenum"><a id="Seite_283">[S. 283]</a></span>
-eigenen Hause, das wohl gar ein Familienhaus
-und vom Gro&szlig;vater und Vater auf
-ihn gekommen war, verirrte) an Stell' und Ort
-zu bringen und zu orientiren; sie geben ihm,
-wie <i>Ariadne</i>, einen Faden in die Hand, und
-rufen Jedem zu, der L&auml;nge und Breite nicht
-unterscheidet, der das Ruder seiner selbst eingeb&uuml;&szlig;t
-hat: <i>Vous êtes orfèvre, Monsieur
-Josse</i>! &mdash; Der Geist jener Philosophie, die
-der &Uuml;bermenschlichkeit nicht wohl will, hat
-schon lange auf ihnen geruhet &mdash; Wer wu&szlig;te
-es besser als sie, da&szlig; weder praktische
-noch theoretische Vernunft &Uuml;berzeugungen,
-vom Daseyn intelligibler, unsinnlicher Gegenst&auml;nde
-zu verschaffen im Stande ist, und
-da&szlig; wir uns in unvermeidliche Widerspr&uuml;che
-verirren, wenn uns beide Vernunftarten unsinnliche
-Gegenst&auml;nde feil halten. Weiber
-f&uuml;hlen das Halbwahre von allem jenem, was
-so gern im Allgemeinen gesagt wird, und bestehen
-durchaus darauf, da&szlig; dergleichen Behauptungen
-individueller gemacht werden &mdash;
-Sie handeln nach nahe liegenden Motiven &mdash;
-Spieler, Schiffsleute und alle die durch Gl&uuml;cksf&auml;lle
- <span class="pagenum"><a id="Seite_284">[S. 284]</a></span>
-regiert werden, die Avant&uuml;riers nicht ausgenommen,
-sind zum Aberglauben geneigt &mdash;
-ist es Wunder, da&szlig; die Weiber es weniger
-als wir sind? &mdash; Die Sch&ouml;nheit bei einer
-Mannsperson gilt ihnen durchaus nichts; und
-wenn man den reichen Mann in Ehren h&auml;lt,
-weil er, wenn er wollte, helfen k&ouml;nnte, so
-wissen sie wohl, da&szlig; er es nie wollen wird &mdash;
-Ihre unbefangene Seele findet &uuml;berall Weg
-und Steg; und wer nur ein fleischern Herz
-hat &mdash; kann der ihrer Herzlichkeit widerstehen?
-Die Frau eines Lichth&ouml;kers hatte kein
-Bedenken, an der armen Seele des <i>David
-Hume</i> ihr Heil zu versuchen. <i>Hume</i> konnte
-die Seelsorge, die sie f&uuml;r ihn hatte, nicht anders
-vom inneren Lichte abbringen, als da&szlig; er
-ihr versprach, sein &auml;u&szlig;eres Licht von ihr kaufen
-zu wollen. &mdash; Vom Philosophen <i>Terraston</i>
-sagte <i>Madame de Lassay</i>: nur ein Mann von
-Witz k&ouml;nne ein solcher Thor seyn; &mdash; und
-w&auml;r' es historisch richtig, da&szlig; <i>Karl</i> XII an
-den Senat geschrieben h&auml;tte: &raquo;ich will euch
-meinen Stiefel schicken, dem ihr gehorchen
-sollt;&laquo; so w&uuml;rden die Weiber der Herren Senatoren
- <span class="pagenum"><a id="Seite_285">[S. 285]</a></span>
-laut gelacht haben. &mdash; Was doch
-kluge Weiber von dem weltber&uuml;hmten Processe
-des Ehrenmannes <i>Hastings</i> denken m&ouml;gen,
-der f&uuml;r die Papierm&uuml;ller allein schon so viele
-Sporteln abwirft! Nie konnten sie sich des
-Lachens oder des Weinens &uuml;ber die jetzt sanft
-und selig entschlafende Pariser Policei enthalten,
-welche weiland Farcen und unmenschliche
-Trauerspiele unter den Scheine der Wachsamkeit
-und Obhut auff&uuml;hrte &mdash; Wie war es
-m&ouml;glich, in, mit, und unter dieser elenden
-Policei sich Ausnahmen von der Wahrscheinlichkeit
-der menschlichen Wachsamkeit zu
-denken! &raquo;Hier sind wir alle entweder F&uuml;rsten
-oder Dichter,&laquo; sagte <i>Voltaire</i>, als er sich bei
-einem F&uuml;rsten zu Tische setzte; und das ist
-der eigentliche Ton eines Weibes &mdash; Sie sind
-nicht f&uuml;r Gem&auml;hldeausstellungen, wo denn
-doch auch gegen Einen Kenner zehn Schuster
-sich einfinden, die &uuml;ber den Leisten gehen;
-sie wirken zwar im Stillen, doch wirken sie
-am liebsten ins Allgemeine, wie die Natur,
-ihre Schutzg&ouml;ttin &mdash; Oder kann man dies
-etwa nicht anders, als wenn man Kanzeln und
- <span class="pagenum"><a id="Seite_286">[S. 286]</a></span>
-Rednerst&uuml;hle ersteigt? In der allgemeinen und
-sichtbaren Kirche giebt es Lehrerinnen, so wie
-Lehrer, ohne da&szlig; beide examinirt und ordinirt
-sind &mdash;</p>
-
-<p>Es ist dem andern Geschlecht eine schonende
-Gutm&uuml;thigkeit im historischen Urtheil
-eigen; doch verstehen es Weiber, ein Faktum,
-so wie einen Menschen, (immerhin so verwickelt
-als m&ouml;glich) aufzul&ouml;sen, und zu concentriren.
-Auch k&ouml;nnen sie jenen Totaleindruck,
-den Faktum und Mensch auf sie machen,
-Andern mittheilen, welches uns schwerer
-wird. &mdash; Gl&uuml;ckseligkeit ist, so wie Wahrheit
-und Gottheit, eine Einheit; diese Einheit in
-Allem herauszubringen, ist eine hohe Weisheit,
-und, wir wollen gerecht seyn &mdash; sie ist
-den Weibern eigen. Bei uns wird oft eine
-Sache, die auch anders scheinen kann, die
-diesem oder jenem Sonderlinge wirklich anders
-vorkam, gleich zum Gegenst&auml;nde eines gelehrten
-Streites. Da haben wir denn eine extrafeine
-Geschicklichkeit, die Zweifelsgr&uuml;nde
-bald zu verstecken, bald wieder sichtbar zu
-machen, ihrer Gr&ouml;&szlig;e eine Elle zuzugeben oder
- <span class="pagenum"><a id="Seite_287">[S. 287]</a></span>
-abzunehmen, und die Entscheidungsgr&uuml;nde mit
-denselben so abzuw&auml;gen, da&szlig;, wenn gleich,
-besonders bei dem Faktum, die beiderseitigen
-Wahrscheinlichkeiten einander ziemlich gleich
-sind, doch die Schale, je nachdem wir wollen,
-steigen oder sinken mu&szlig;. &mdash; Das andere
-Geschlecht liebt keine Spielgefechte mit einer
-langen Linie aufgestellter und &uuml;berwundener
-Argumente &mdash; Eins ist ihm Noth. Nie
-wird es das Publicum mit Sophismen &auml;ffen:
-es verliebt sich bei weitem so leicht nicht wie
-wir in eine Idee, die im Grunde keinen Gegenstand
-hat; allein es f&uuml;rchtet auch dergleichen
-Gespensterideen weniger als wir &mdash; Gelehrte
-und witzige Leute, (Gelehrte in dem
-Sinne der gelernten Gelehrsamkeit genommen)
-blind verliebt in den Gegenstand, dem sie
-nachjagen, verargen sich auf diesem Wege
-kleine Unrichtigkeiten nicht &mdash; Alle Menschen
-sind L&uuml;gner, hei&szlig;t es in der Schrift; Weiber
-sind hier wachsamer und peinlicher. &mdash; Man
-sagt: starke Wahrheiten w&auml;ren nur f&uuml;r gute
-K&ouml;pfe, (so wie starke Getr&auml;nke nur f&uuml;r &auml;cht
-nervige Menschen sind;) schwache w&uuml;rden
- <span class="pagenum"><a id="Seite_288">[S. 288]</a></span>
-schwindelig &mdash; Man mache mit Weibern
-den Versuch, und wir werden finden, da&szlig;
-es keine Wahrheit giebt, die ihr Kopf nicht
-ertragen k&ouml;nnte; sie wollen so weit wie m&ouml;glich
-&mdash; Wir glauben zu leicht, da&szlig; unser
-Plan regelm&auml;&szlig;ig organisirt sey; die Weiber
-sind leichtgl&auml;ubiger bei der Ausf&uuml;hrung &mdash;
-Sie f&uuml;rchten nichts Hohes, nichts Niedriges,
-nichts was Unwissenheit oder Gelehrsamkeit,
-Witz und Unwitz, Verstand und Unverstand
-verm&ouml;gen; w&auml;re ihnen die aus&uuml;bende Gewalt
-anvertrauet &mdash; sie w&uuml;rden sicher mehr leisten
-als wir, und, wenn sie s&auml;nken, es wie der
-sterbende <i>Sokrates</i> machen, der, als er seine
-F&uuml;&szlig;e durch Gift schon in Leichnam verwandelt
-f&uuml;hlte, sie streichelte und mit lachender
-Stirne sagte: so nahe gr&auml;nzen Vergn&uuml;gen und
-Schmerz an einander; &mdash; oder wie <i>Seneca</i>, der
-Wasser mit seinem Blute vermischt, <i>Jupiter
-dem Befreier</i> weihete. Ach, wie oft, wenn
-mich so mancher Dienst-Nero bis aufs Blut
-verfolgte und die Wuth bl&ouml;dsinniger Tyrannen
-mir zwar nicht die Ader &ouml;ffnen lie&szlig;, wohl
-aber mir weit h&auml;rter fiel, st&auml;rkte mich dieses
- <span class="pagenum"><a id="Seite_289">[S. 289]</a></span>
-Weihwasser, und das Elogium <i>Jupiter dem
-Befreier</i>! &mdash; Beweis von der Freudigkeit im
-Tode der Weiber? Beweis! Seht M&auml;nner
-und Weiber sterben. Ist Philosophiren sich
-zum Tode vorbereiten, so sind die Weiber
-gro&szlig;e Philosophen; und in Wahrheit, sie sind
-es unendlich praktischer als wir. Zwar sagt
-man: studieren sei sterben lernen, weil man
-seinen Geist dem K&ouml;rper entzieht, ihn &uuml;ber
-den K&ouml;rper erhebt; allein Weiber haben diese
-Kunstgriffe nicht n&ouml;thig, um den Tod zu hintergehen
-und ihm das Schwert aus der Hand
-zu schlagen &mdash; Warum Fechterk&uuml;nste? Den
-Tod so ganz wie er da ist verachten, <i>ist</i>
-Weisheit; ihn durch Stratageme hintergehen,
-<i>scheint</i> Weisheit zu seyn. Kein einziger zieht
-ein anderes Loos; wir sind Alle zum Tode
-verurtheilt &mdash; nicht aber als Kriminalverbrecher,
-sondern als Menschen. &mdash; K&auml;me es
-auf Weiber an, sie w&uuml;rden selten den &Auml;rzten
-ihr Lebens- und Todesurtheil anvertrauen, und
-sich von ihnen das Leben absprechen lassen &mdash;
-Mi&szlig;trauisch gegen die Kunst <i>Galens</i>, haben
-sie Alle eine Neigung, sich, wenn ja noch
- <span class="pagenum"><a id="Seite_290">[S. 290]</a></span>
-etwas seyn soll, einem Unz&uuml;nftigen anzuvertrauen.
-Ich mu&szlig; und ich will, ist ihnen fast
-einerlei; &mdash; und soll es auch nicht also seyn?
-Jene Grunds&auml;tze einer bekannten Sekte: entweder
-Vernunft oder Strick &mdash; entweder sich
-ins Leben schicken oder es verlassen, sind den
-Weibern wie angeboren. Nur <i>der</i> kann frei
-leben, sagte ein Weiser des Alterthums, der
-den Tod zu verachten wei&szlig;. Wie viele Freiheitsanlagen
-sind den Weibern bei ihrer Todesgleichg&uuml;ltigkeit
-eigen! Sollte man sie etwa
-eben dieser Anlagen halben so sorgf&auml;ltig
-von der Freiheit entfernen? Nur der, welcher
-mehr auf sich selbst als auf die Freiheit
-h&auml;lt, besitzt eine Sklavenseele, und ist unwerth
-der Freiheit. Sind die Weiber in diesem
-Falle? &mdash; Wenn die Weisheit verdrie&szlig;lich
-macht, wer wird Lust und Liebe zu ihr
-haben? Dies Leben ist ein Geschenk; la&szlig;t
-uns jeden Tag als eine Zugabe ansehen, auf
-die man nicht zu rechnen im Stande war &mdash;
-&raquo;Was heute geschehen kann, mu&szlig; man nicht
-auf morgen aussetzen;&laquo; so denken Weiber;
-und allerdings tragen ihre k&ouml;rperliche Schw&auml;chlichkeit,
- <span class="pagenum"><a id="Seite_291">[S. 291]</a></span>
-die Einschr&auml;nkung ihrer Freiheit
-diesseits des Grabes, und das Verh&auml;ltni&szlig;, das
-ihnen nicht das Schicksal sondern die M&auml;nner
-zuma&szlig;en, zu ihrer Lebensgleichg&uuml;ltigkeit bei.
-Vorz&uuml;glich aber bewirken sie jene gr&ouml;&szlig;eren
-Leiden, welche die Natur ihnen als Menschen
-auferlegte, wogegen die Mannspersonen, zu einiger
-Entsch&auml;digung, sich gr&ouml;&szlig;ere b&uuml;rgerliche
-Lasten aufgeb&uuml;rdet zu haben scheinen &mdash; &raquo;Viel
-Gl&uuml;ck, <i>Diogenes</i>!&laquo; sagte der Philosoph <i>Speusippus</i>,
-der wassers&uuml;chtig war und sich tragen
-lie&szlig;. &raquo;Wenig Gl&uuml;ck!&laquo; antwortete <i>Diogenes</i>,
-&raquo;da du das Leben in einem solchen
-Zustande ertragen kannst.&laquo; &mdash; So selten inde&szlig;
-weibliche Thr&auml;nen Murren und Unwillen
-anzeigen, und so oft sie ein leise gewagtes
-sanftes Sehnen nach mehr b&uuml;rgerlicher Freiheit
-sind; so hilft allerdings auch der &Uuml;berdru&szlig;
-eines Lebens, das kaum diesen Namen verdiente,
-ihren freudigen Weg zum Grabe ebnen.
-Da&szlig; es in der andern Welt gewi&szlig;
-nicht schlechter f&uuml;r sie seyn k&ouml;nne, ist die Nativit&auml;t,
-die sie sich bei ihrem Ausgange aus dieser
-Welt (wahrlich f&uuml;r sie einem Jammerthale)
- <span class="pagenum"><a id="Seite_292">[S. 292]</a></span>
-mit vieler Gewi&szlig;heit stellen &mdash; Der Tod ist
-ihr Jupiter der Befreier &mdash; Sie schaffen sich
-eine andere Welt, wo Gerechtigkeit wohnt &mdash;
-wo sie auf Rosen unter einem heiteren Himmel
-wandeln &mdash; ein elisisches Idyllenleben &mdash;!
-Sanfte r&uuml;hrende Schwermuth und leise Schw&auml;rmerei
-helfen ihnen die Welt und sich &uuml;berwinden
-&mdash; und des Lebens und des Todes
-Bitterkeit verschmelzen &mdash; Seht Weiber sterben!
-wie ruhig! sie sterben in der Regel alle
-philosophisch. Wenn dieser Fall sich bei
-unserm Geschlecht ereignet, welch ein Geschrei
-wird &uuml;ber diese Resignation erhoben!
-Der Natur, der die Weiber leben, sterben
-sie auch; sie scheint ihnen die Hand zu bieten,
-um ihnen &uuml;berzuhelfen &mdash; Die Weiber
-wollen nicht t&auml;glich sterben, sie wollen nicht
-Augenzeugen von den zu merklichen Verlusten
-seyn, die man, je l&auml;nger man lebt, je mehr
-in Hinsicht des Lebens macht; haben sie ein
-hohes Alter erreicht, so kennen sie die Beschwerden
-des Lebens noch genauer, und der
-Tod hat keine Gelegenheit, ihnen hart zu
-fallen, wenn er auch wollte. <i>Sokrates</i> erwiederte
- <span class="pagenum"><a id="Seite_293">[S. 293]</a></span>
-denen, die ihm die Nachricht brachten,
-da&szlig; man ihm zum Tode verurtheilt habe: die
-Natur hat dieses Urtheil auch &uuml;ber meine
-Richter publicirt &mdash; Das Leben giebt den
-Tod, der Tod giebt das Leben &mdash; Nicht
-nur wer im Schwei&szlig;e seines Angesichts, sondern
-auch wer im vollen Ma&szlig;e des Vergn&uuml;gens
-seinen Lebenstag vollbracht hat, ist gern
-schl&auml;frig &mdash; W&auml;re der Schlaf nicht der &auml;ltere
-Bruder des Todes, es w&uuml;rde sich nicht so
-leicht sterben lassen; jetzt aber schlafen wir
-nur auf l&auml;nger ein, als gew&ouml;hnlich &mdash; Warum
-etwas f&uuml;rchten, was Allen bevorsteht, etwas
-dem Niemand entgeht, und n&auml;hm' er Fl&uuml;gel
-der Morgenr&ouml;the, um an das &auml;u&szlig;erste Ende
-der Erde und des Meeres zu fliehen! &mdash; Wenn
-M&auml;nner die Kunst zu sterben lernen; so lernen
-Weiber die Natur des Todes: ihr Herz
-erschrickt nicht, und f&uuml;rchtet sich nicht &mdash;
-Will man mit dem Tode zu seinem Troste
-bekannt werden, so mu&szlig; man Weiber und
-nicht M&auml;nner im Sterben beobachten &mdash; Gewi&szlig;
-stirbt man im Kriege leichter, als auf
-seinem gew&ouml;hnlichen Lager; allein der Tod
- <span class="pagenum"><a id="Seite_294">[S. 294]</a></span>
-in der Schlacht hat bei weitem nicht so viel
-Lehrreiches, wie der Tod einer W&ouml;chnerin
-in dem Feldzuge, den die Natur ihr anwies &mdash;
-Wie sch&ouml;n ist hier der Tod, der Tod f&uuml;rs
-Vaterland! Ich mu&szlig; abbrechen; sonst w&uuml;rde
-ich zu sehr verrathen, da&szlig; ich in Hinsicht
-des Todes nur ein Mann bin. Zwei Freundinnen,
-mit denen mich die Natur so nahe
-verband, starben diesen Muttertod &mdash; &raquo;Es
-kommt auf die Kleider an, die man dem Tode
-anzieht,&laquo; sagte * * * &mdash; Du hattest recht, Liebe
-&mdash; Dein Tod war leicht, froh, muthig
-angezogen &mdash; &mdash; &mdash; So sterben Weiber; und
-wie <i>leben</i> sie? M&auml;nner thun, was sie thun,
-mehr aus Temperament, als aus Grunds&auml;tzen:
-von Umst&auml;nden hangen sie ab, und lassen sich
-von ihnen, wie Schiffe die Mast und Ruder
-verloren vom Winde, hin und her treiben &mdash;
-Aus Noth, aus Tr&auml;gheit, aus Bed&uuml;rfni&szlig; handeln
-sie. Sie sind im Grunde weit furchtsamer
-als die Weiber; &mdash; es scheint nur anders.
-Immer verbinden sie sich mit andern
-M&auml;nnern, und nennen oft (o der Entheiligung
-des Namens!) <i>Freundschaft</i>, was <i>Furchtsamkeit</i>
- <span class="pagenum"><a id="Seite_295">[S. 295]</a></span>
-hei&szlig;en sollte. Freundschaft! wo ist eine
-reine? wie selten gewinnt man, ohne da&szlig; ein
-Anderer verliert! &mdash; Handlungen leiden keine
-Freundschaft, und nur mit Worten scheint
-sie sich behelfen zu sollen &mdash; Durch Mi&szlig;wachs
-gewinnt der Landmann; durch Verschwendung
-und &Uuml;ppigkeit der Kaufmann;
-durch Zank, Hader und Streit der Richter;
-durch Neid und Ha&szlig; der Geistliche. &mdash; &raquo;Ein
-jeder Mensch hat seinen Preis, f&uuml;r den er
-sich weggiebt,&laquo; ist die Behauptung eines Engl&auml;nders,
-eines Mannes aus einem Volke, das
-noch einen Werth auf sich zu legen versteht &mdash;
-Und wenn es wahr ist, was einer der Alten
-behauptet, &raquo;da&szlig; ein Arzt es ungern sieht,
-wenn seine Freunde gesund sind, und ein
-Soldat, wenn sein Vaterland Frieden hat;&laquo; wenn der Untergang des Einen Dinges die
-Sch&ouml;pfung des andern ist: wo wird reine
-Freundschaft seyn? Freundschaft, die allen
-Graden der Versuchung gewachsen, die auch
-gegen eine Welt nicht feil ist &mdash;! Von einem
-Freunde mu&szlig; es, wie von <i>Voltaire'n</i>, hei&szlig;en:
-Sein Geist ist &uuml;berall, sein Herz ist hier (im
- <span class="pagenum"><a id="Seite_296">[S. 296]</a></span>
-Hause des <i>Herrn von Villette</i>, dessen Gemahlin
-<i>Voltaire'ns</i> Pflegetochter war). Freundschaft
-ist ein geschliffener Stahl, dem schon ein
-feuchter Hauch den Rost zuzieht. &mdash; Nie kann
-ich auf die gro&szlig;en Worte <i>Tod</i> und <i>Freundschaft</i>
-sto&szlig;en, ohne da&szlig; mein Herz sich aussch&uuml;ttet
-&mdash; und sollte mir diese Wiederholungen
-nicht jedes in meiner Lesewelt verzeihen,
-das auch ein Herz f&uuml;r Freundschaft hat, und
-das &mdash; sterblich ist? &mdash; Freundschaft ist Leben;
-denn ohne sie hat die menschliche Existenz
-keinen Werth. Ich habe meine Schrift
-&uuml;berhaupt durch die Bemerkung vorgeleitet,
-da&szlig;, da ich f&uuml;r die Freiheit schreibe, ich
-mich nicht selbst binden werde. Lehre und
-Leben m&uuml;ssen sich in die Hand arbeiten; und
-darf ich wohl im M&uuml;nzverstande meine Schrift
-legiren &mdash;? genug, wenn ich mich geleitlich
-halte &mdash; und dar&uuml;ber wird hoffentlich kein
-geierlicher Zoll- und Accisebedienter, kein
-Freund und Feind, mit Grunde Rechtens Beschwerde
-erheben k&ouml;nnen. &mdash; Freundschaft war
-die Losung, und dieses herrliche Wort verdient,
-da&szlig; wir Platz nehmen. &mdash; Die Frage:
- <span class="pagenum"><a id="Seite_297">[S. 297]</a></span>
-wie leben Weiber? kann bei dieser Abschweifung
-nichts verlieren. La&szlig;t K&ouml;nige licitiren:
-die Freundschaft ist nicht verk&auml;uflich; &mdash; und
-eine solche Freundschaft, die, wenn sie gleich
-nicht zu den sieben Wunderwerken, so doch
-zu den Seltenheiten der moralischen Welt geh&ouml;rt,
-w&uuml;rde sich h&auml;ufiger ereignen, wenn
-auch das andere Geschlecht bei ihren Alt&auml;ren
-zu Ablegung der Gel&uuml;bde zugelassen w&uuml;rde,
-die gemeiniglich mit der Grundregel anfangen,
-seinen Freund so behutsam zu behandeln,
-da&szlig; er, uns unbeschadet, auch unser
-Feind werden kann. Jene Einschr&auml;nkung des
-Zutrauens und der wechselseitigen Herzensergie&szlig;ung,
-jene M&auml;&szlig;igung in Entdeckung unserer
-geheimen Beschwerden, hebt das, was
-Freundschaft ist, auf, und macht dagegen einen
-gewissen Schein g&auml;ng und gebe, der immer
-als Weltklugheitsmaxime Dienste leisten
-mag, der aber den Altar der Freundschaft entheiligt.
-Unsere gegenw&auml;rtigen Freundschaften
-sind gemeiniglich nichts mehr und nichts weniger,
-als gemeinschaftlich geschlossene Connivenz,
-wo beide Theile im Gewinn sind;
- <span class="pagenum"><a id="Seite_298">[S. 298]</a></span>
-und so wie die Bescheidenheit das Verlangen
-ist, feiner gelobt werden zu wollen: so ist die
-Freundschaft ein Bund, desto reiner zu gewinnen.
-Hei&szlig;t nicht schon <i>der</i> unser Freund,
-welcher nicht unser erkl&auml;rter <i>Feind</i> ist? Die
-Kaufleute nennen <i>die</i>: Freunde, mit denen sie
-in Handlungsverkehr stehen, wo es also Provision
-zu berechnen giebt; und so wie <i>der</i>
-schon f&uuml;r gut gilt, der ein b&ouml;ser Mensch von
-der allgemeinen Art ist: so gilt <i>der</i> schon f&uuml;r
-unsren Freund, der ein Menschenfreund, ein
-Mensch von keinem schlechten Herzen ist,
-der uns nicht verr&auml;th und verkauft, oder der
-uns zu verrathen oder zu verkaufen keine Gelegenheit
-gefunden hat. Unser Geschlecht ist
-zu gl&uuml;cklich, als da&szlig; wir &auml;chte Freunde der
-Weiber seyn sollten; und zu unserer Freundschaft
-gegen einander, auf die wir so stolz
-thun, haben die Weiber nicht das mindeste
-Zutrauen &mdash; K&ouml;nnen wir (wie kann es nach
-der Weiberlogik f&uuml;glich anders lauten?) wohl
-mit Freundschaften aus der Tasche spielen
-und mit Aufopferungen prahlen, da wir uns
-nicht einmal herabzulassen verm&ouml;gen, den
- <span class="pagenum"><a id="Seite_299">[S. 299]</a></span>
-Weibern Gerechtigkeit zu erweisen? &Uuml;berhaupt
-ist selbst unser Leben nur halb, da wir
-die Weiber nicht zu leben berechtigen; und
-<i>wie leben sie denn</i>?</p>
-
-<p>Ob sie gleich heut zu Tage noch zu sehr
-der Sinnlichkeit fr&ouml;hnen, woran <i>sie</i> weniger
-Schuld sind, als unsere H&auml;rte; obgleich noch
-bei weitem nicht an ihnen erschienen ist, was
-sie seyn k&ouml;nnen und seyn werden: so zeigen
-sie doch bei so vieler Gelegenheit eine Selbstbest&auml;ndigkeit,
-eine Fassung, die uns so oft
-besch&auml;mt. &mdash; Ihre Ausschweifungen, die wir
-so schrecklich vergr&ouml;&szlig;ern, entstehen mehr aus
-Befriedigung der Eitelkeit als der Begierde.
-Sie haben keine andere Olympische Bahn, als
-M&auml;nner zu fahen; man &ouml;ffne ihnen andere,
-und sie werden Wunder thun. Das Promemoria,
-welches jener Kaufmann in sein Denkbuch
-trug: &raquo;Ja nicht zu vergessen, mich in
-Hamburg zu verheirathen!&laquo; ist ins Herz der
-Frauenzimmer verzeichnet &mdash; Darum das Werben
-ihrer Augen &mdash; Gemeiniglich haben sie
-hierbei keine Absicht; sie treiben das Mienenspiel
-der Mode halben, und weil keine kluge
- <span class="pagenum"><a id="Seite_300">[S. 300]</a></span>
-Mannsperson daraus etwas zu schlie&szlig;en wagt.
-<i>Montagne</i> sagt: jungen Gelehrten geht es wie
-den Korn&auml;hren; so lange sie leer sind, richten
-sie ihre Spitzen gerad' und keck empor: kommen
-aber ihre K&ouml;rner zur Reife, so lassen sie
-ihr Haupt sinken. &mdash; Warum wollen wir die
-Weiber wegen ihrer Mienen so scharf richten,
-und Eitelkeit, Koketterie und Wollust f&uuml;r einerlei
-halten? Man lacht &uuml;ber jene Dame,
-in deren Gegenwart man die schwarzen Augen
-ihrer Nachbarin lobte, und die sehr schnell
-erwiederte: &raquo;jetzt tr&auml;gt man keine schwarzen
-Augen mehr;&laquo; sind wir aber nicht die, welche
-das andere Geschlecht zu solchen Antworten
-verleiten? bef&ouml;rdern wir nicht unserer Eitelkeit
-halben die ihrige? La&szlig;t die Weiber zu
-Kr&auml;ften kommen, und ihr werdet sehen, da&szlig;
-sie im lauten Geheul der St&uuml;rme, wo M&auml;nner
-sich nur selten ein geneigtes Geh&ouml;r zu verschaffen
-wissen, bei den schrecklichen Wogen
-des emp&ouml;rten Meeres, sich finden, und dem
-Meere und dem Winde <i>Silentium</i> gebieten
-werden. Wenn man zur Zeit der sanften
-Ruhe erlernt und &uuml;berdenkt, was man zur
- <span class="pagenum"><a id="Seite_301">[S. 301]</a></span>
-Zeit der Schiffbruchsgefahr anwenden will, so
-bleibt es zwar nicht unr&uuml;hmlich, in der Zeit
-zu sammeln, um in der Noth zu haben; wenn
-aber Weiber selbst in diesem Ungewitter Entschl&uuml;sse
-zu fassen verst&auml;nden; wenn sie kein
-Lexicon zusammengetragener Regeln aufschlagen
-d&uuml;rften, die ohnehin nie ganz auf einen
-einzelnen Fall passen? &mdash; wenn &mdash;? Doch,
-la&szlig;t uns erw&auml;gen, nicht was dieser Wallfisch
-des menschlichen Geschlechtes werden wird,
-wenn ihm nicht mehr T&ouml;nnchen zum Spielen
-zugeworfen werden, sondern was er selbst in
-seiner jetzigen so traurigen Lage war und ist!
-Als <i>Sokrates</i> von der Gottheit zum <i>Weisen</i>
-erhoben und ihm das Diplom hier&uuml;ber wegen
-seines Wohlverhaltens ertheilt ward, ma&szlig; er
-sich mit vielen seiner Zeitgenossen, und fand,
-da&szlig; Andere diese W&uuml;rde, wo nicht mehr, so
-doch eben so gut verdienten, wie Seine Wohlweisheit
-&mdash; Endlich &uuml;berzeugte er sich, da&szlig;
-diese W&uuml;rde, blo&szlig; weil er sich nicht f&uuml;r
-weise hielte, ihm auf Allerh&ouml;chsten G&ouml;ttlichen
-Special-Befehl w&auml;re zuerkannt worden &mdash;
-Kann <i>der</i>, welcher Aufsehen macht, weise
- <span class="pagenum"><a id="Seite_302">[S. 302]</a></span>
-seyn? hat <i>der</i>, bei der rastlosen Bem&uuml;hung
-sein Ansehen zu sch&uuml;tzen und den Neid zu
-entkr&auml;ften, Zeit und Raum zur Weisheit?
-<i>Ob den Weibern wirklich die Bescheidenheit
-bei ihren Handlungen eigen ist?</i> Die Erfahrung
-&uuml;berhebt mich der Antwort. Ob Weiber
-wirklich gehandelt haben? O, der beleidigenden
-Frage! &mdash; &mdash;</p>
-
-<p>Ohne eine <i>Isabelle</i> w&auml;re America vielleicht
-noch nicht entdeckt worden, vielleicht nicht
-durch <i>Columbus</i>, oder doch erst sp&auml;t, und auf
-einem entgegengesetzten Wege. <i>Ferdinand</i>
-hatte nicht Muth und Entschlossenheit, einem
-so k&uuml;hnen Unternehmen seinen Nahmen zu
-leihen, und seinen Schatz zu &ouml;ffnen. W&uuml;rde
-<i>Cicero</i> ohne die <i>Fulvia</i> die Verschw&ouml;rung des
-<i>Catilina</i> entdeckt, und den Namen eines <i>Erhalters
-des R&ouml;mischen Staates</i> gewonnen haben?
-<i>Karl V</i> verdankte es blo&szlig; dem Einflu&szlig;
-eines Weibes, da&szlig; seine Donquixotterien einen
-besseren Ausgang hatten, als sie verdienten.
-Und warum eine gr&ouml;&szlig;ere Aufz&auml;hlung solcher
-Begebenheiten, an denen Weiber nicht
-blo&szlig; Antheil nahmen, sondern die durch sie
- <span class="pagenum"><a id="Seite_303">[S. 303]</a></span>
-entstanden, durch sie geleitet und ausgef&uuml;hrt
-wurden, wo sie nicht blo&szlig; untergeordnete
-Dienste leisteten, sondern der Geist waren,
-der &uuml;ber den Wassern schwebte, die Seele,
-die den Gang der Begebenheiten ordnete und
-lenkte! &mdash;</p>
-
-<p>Frankreich ist seit zweihundert Jahren
-durch Weiber regiert worden; ob gut oder
-schlecht, ist ein Umstand, auf den es hier
-nicht ankommt. Da&szlig; es schlecht regiert ward,
-ist nicht die Schuld der Weiber &uuml;berhaupt,
-sondern jener Weiber, die listig, verwegen
-und ehrs&uuml;chtig genug waren, die Z&uuml;gel des
-Staates den schwachen H&auml;nden zu entwinden,
-denen das blinde Gl&uuml;ck sie anvertrauet hatte,
-oder die in anderen R&uuml;cksichten aufgestellt
-wurden, und die dann, neben dem schwereren
-Gesch&auml;fte die lange Weile von einem m&uuml;&szlig;igen
-Monarchen zu verscheuchen, auf den Einfall
-kamen, das ungleich leichtere Gesch&auml;ft
-der Staatsverwaltung zu &uuml;bernehmen.</p>
-
-<p>Seitdem <i>Semiramis</i> mit rascher entschlossener
-Hand das Zepter ergriff, und es mit so vieler
-W&uuml;rde als Weisheit f&uuml;hrte, haben viele
- <span class="pagenum"><a id="Seite_304">[S. 304]</a></span>
-Weiber, und unter diesen mehrere welche
-die Geburt nicht f&uuml;r ein Diadem bestimmte,
-den Herrschertitel mit Ehren getragen. Giebt
-es nicht L&auml;nder, die in ihren Regentenlisten
-eben so viele ber&uuml;hmte Namen des einen als
-des anderen Geschlechtes auff&uuml;hren? Wenn
-das Cabinet au&szlig;er der <i>Ritterin d'Eon</i> keinen
-weiblichen Gesch&auml;ftstr&auml;ger aufzuweisen hat;
-sollte dies wohl die Unf&auml;higkeit des anderen
-Geschlechtes beweisen? Bei Allem, was durch
-Vernunft erkl&uuml;gelt, durch Dreistigkeit errungen,
-durch Witz erhascht, durch Gutm&uuml;thigkeit
-erreicht werden kann, wird die sch&ouml;ne
-Welt nicht zur&uuml;ckbleiben; &mdash; und wenn feile
-Seelen allen Triebfedern dienstbar sind, werden
-Weiber nie vergessen, was anst&auml;ndig ist &mdash;
-welches da, wo der Anstand sich das Ansehen
-giebt am h&ouml;chsten getrieben zu seyn, oft
-schn&ouml;de vergessen wird. Lord <i>Chesterfield</i> soll
-bei einer Assemblee auf <i>Voltaire'ns</i> Frage:
-<i>halten Sie die Englischen oder die franz&ouml;sischen
-Damen f&uuml;r sch&ouml;ner?</i> geantwortet haben:
-<i>ich verstehe mich nicht auf Gem&auml;lde</i>; und
-doch w&uuml;&szlig;t' ich keinen Hofmann, der sich so
- <span class="pagenum"><a id="Seite_305">[S. 305]</a></span>
-zu schminken verstanden h&auml;tte, wie dieser
-Mann, der unter den Lords den Gelehrten,
-und unter den Gelehrten den Lord machte.
-Wer <i>le fin du fin</i> in dem diplomatischen Fache
-kennt und &uuml;bt, richtet auf diesem Wege
-oft am wenigsten aus &mdash; Adler fangen nicht
-Fliegen, und der Pr&auml;tor setzt sich &uuml;ber kleinf&uuml;gige
-Subtilit&auml;ten hinweg &mdash; Der weibliche
-Vortrag ist gemeiniglich mit dem was vorgetragen
-wird, aus Einem Hause; diese Zwei
-sind Eins, und nie oder selten findet hier eine
-Mésalliance Statt, welches aber zwischen dem
-m&auml;nnlichen Vortrage und der vorzutragenden
-Sache sehr oft der Fall ist &mdash; W&uuml;&szlig;ten wir,
-was in Cabinetten durch Weiber geschehen
-ist: wir w&uuml;rden &uuml;ber die interessantesten aller
-Spiele, die T&auml;uschung der Imagination, erstaunen,
-wodurch Weiber zu ihrem Zwecke
-kamen; wir w&uuml;rden die Kunst bewundern,
-mit welcher ein Weib oft den Faden einer
-Begebenheit anspann, den sie durch alle
-Schleichwege der Intrigue gl&uuml;cklich bis zum
-Ziel hinausf&uuml;hrte. Eigentlich scheinen sie jener
-K&uuml;nste, worauf die Politik heut zu Tage
- <span class="pagenum"><a id="Seite_306">[S. 306]</a></span>
-stolz thut, sich blo&szlig; darum zu bedienen,
-da&szlig; die M&auml;nner mit gleicher M&uuml;nze bezahlen
-k&ouml;nnen; im Grunde sind sie von Natur
-aus, weniger, als wir mit jenen Schlangenwindungen
-der Zweideutigkeit, mit jener
-politischen Falschheit ausger&uuml;stet, die
-nach den Regeln der jetzigen Kunst im
-Finstern schleicht; und es ist von ihrem Verstande
-und von ihrem Herzen zu erwarten,
-da&szlig; sie die Politik s&auml;ubern, und ihr zum Besten
-der Menschheit mehr Natur und Wahrheit
-beiordnen werden. Mit dem Talent, die
-heimlichsten Gedanken eines Andern auszusp&auml;hen,
-und sie in den verborgensten Winkeln
-zu ertappen, werden sie den schlauesten Diplomatiker
-&uuml;berlisten, ohne da&szlig; es Sr. Excellenz
-gelingt, ihnen ihr Geheimni&szlig; zu
-entwenden; und obgleich der Wille der Principal-Excellenz,
-wie ein Tagl&ouml;hner, oft dem
-liederlichsten Weibe verkauft wird: so wird
-doch auch der Feinste von den Feinen vergebens
-sie verleiten, ihren Fu&szlig; an einen Stein
-zu sto&szlig;en &mdash; Nicht blo&szlig; die verliebte Sch&auml;ferin,
-sondern auch der Hofmann verbirgt sich
- <span class="pagenum"><a id="Seite_307">[S. 307]</a></span>
-im Gestr&auml;uch; allein beide lassen sich <i>zuvor</i>
-sehen &mdash; Die Kunst vermehrt oft die Schmerzen
-des Kranken, und es giebt eine verk&uuml;nstelte
-Kunst die in's Abderitische f&auml;llt, wodurch
-unser Geschlecht in der Diplomatik
-Gl&uuml;ck machen will &mdash; Wir verfehlen nicht,
-dem Erzengel <i>Michael</i> und dem <i>Drachen</i> eine
-Kerze zu widmen &mdash; Warum doch so viele
-K&uuml;nste! &mdash; Werden Weiber aber bei diesem
-Gesch&auml;fte den ihnen eigenen Edelmuth aufgeben?
-jene aus Menschenliebe abstammende
-Bereitwilligkeit zur Selbstverleugnung? werden
-sie je bei der ihnen eigenen Kunst Menschen zu
-vernehmen und zu erforschen, aufh&ouml;ren, gro&szlig;m&uuml;thig
-zu seyn und sich selbst zu besiegen?
-Nimmermehr! Schwache M&auml;nner pflegen
-gern boshaften Menschen ihr Zutrauen zu
-schenken, schwache Weiber dagegen sich edlen
-Menschen zu &uuml;berlassen: Weiber hassen
-Verr&auml;therei und den Verr&auml;ther; wir nur,
-wenn's k&ouml;stlich ist, den Verr&auml;ther: wir sehen
-es gern, wenn dergleichen Leute viel bringen,
-und geben uns nur M&uuml;he, da&szlig; sie wenig
-oder nichts mitnehmen &mdash; Weiber, weit
- <span class="pagenum"><a id="Seite_308">[S. 308]</a></span>
-hinweg &uuml;ber jene politischen Tiraden, &uuml;ber
-jene politischen Metaphern und jenen politischen
-<i>Salto mortale</i>, w&auml;hlen die Natur zu ihrer
-Lehrerin, und richten mehr aus, als Excellenzen
-durch abgenutzte, verrathene und
-verkaufte <i>Kniffe</i>, die den beschrieenen Namen
-<i>K&uuml;nste</i> bei weitem noch nicht einmal
-verdienen &mdash;! K&ouml;nnen Weiber nicht zeigen
-und verbergen, was sie wollen? Haben sie
-nicht eine Offenheit, durch die sie mehr, als
-durch Zur&uuml;ckhaltung, ausrichten? eine unvergleichliche
-Biegsamkeit der Gedanken, eine
-Helle im Ausdruck, eine Geschmeidigkeit im
-Urtheil &mdash;? Ihr Mienenspiel, ihr Gl&uuml;ck und
-ihr Verdienst, mit geringen H&uuml;lfsmitteln die
-gr&ouml;&szlig;ten Wirkungen zu bewerkstelligen &mdash; ihre
-Kunst, jedem einen Spiegel vorzuhalten,
-worin <i>er</i> sieht, was <i>sie</i> wollen; ihre gelenkige
-Zunge, wodurch sie ihren Ideen eine Macht
-beilegen, die Alles &uuml;berwindet: &mdash; dies sind
-Eigenschaften, wodurch sie alles ausrichten.
-Man nimmt nur die Wirkung an sich wahr,
-und sieht sich vergebens nach den Ursachen
-um, welche die Weiber sehr k&uuml;nstlich zu
- <span class="pagenum"><a id="Seite_309">[S. 309]</a></span>
-verstecken wissen. Schon im gemeinen Leben
-verwickeln sie mit ihrem Witze alle Charaktere
-der Gesellschaft auf eine so angenehme
-Art, da&szlig; man diese ihre Leichtigkeit bewundern
-mu&szlig;. Indem sie der Ausdruck zu
-verlassen scheint, indem sie ihn aufgeben, finden
-sie eine &uuml;berschwengliche Sprache: sie
-belauschen kleine Ideen, die der, den sie gewinnen
-wollen, fallen l&auml;&szlig;t; &mdash; sie wissen
-auf ein Haar seine Leibgerichte, seine Neigungen,
-seine St&auml;rke, seine Schw&auml;che; und besitzen
-die gro&szlig;e Gabe, von Gl&uuml;ck und Ungl&uuml;ck
-Gebrauch zu machen &mdash; wie bewunderungsw&uuml;rdig!
-&mdash; Unser Geschlecht verstehet es
-selten, aus dem Gl&uuml;ck, und fast nie, aus dem
-Ungl&uuml;ck Vortheil zu ziehen und gl&uuml;cklich
-durch Ungl&uuml;ck zu seyn. &mdash;</p>
-
-<p>Der <i>Mangel der Verschwiegenheit</i>, den
-man dem andern Geschlechte so oft zur Last
-legt, ist nur eine Unart des <i>weiblichen P&ouml;bels</i>;
-und der <i>m&auml;nnliche</i> P&ouml;bel macht in dieser
-Hinsicht so wenig eine Ausnahme, da&szlig; er
-fast schwatzhafter zu seyn scheinet. Weil die
-Weiber viel reden, hat man sie der Unverschwiegenheit
- <span class="pagenum"><a id="Seite_310">[S. 310]</a></span>
-beschuldiget; allein unser Geschlecht
-verdient diesen Vorwurf unendlich
-mehr; &mdash; wenn es voll s&uuml;&szlig;en Weins oder verliebt
-ist, fast immer, und auch oft dann,
-wenn es sich weder durch Liebe noch durch
-Wein erhitzt hat &mdash; Nichts kann Manchen
-zur&uuml;ckhalten, sogar seine selbsteigene Schande
-zu entdecken &mdash; Kein Soldat kann so begeistert
-von seinen Siegen erz&auml;hlen, wie ein
-Zierling (<i>Élégant</i>) von den seinigen. Hat man
-nicht <i>Mirabeau</i>, dem goldenen Munde neuester
-Zeit, den Vorwurf gemacht, da&szlig; er
-nichts verschweigen k&ouml;nnen? Jene Weigerung
-guter Menschen, Alles h&ouml;ren zu wollen, nur
-keine Geheimnisse, beweiset, da&szlig; wenige
-Menschen zu solchen Depositis sich Treue
-genug zutrauen. Viele unseres Geschlechtes
-haben so viel selbsteigene Geheimnisse zu
-bewahren, da&szlig; sie sich mit fremden Depositis
-nicht f&uuml;glich befassen k&ouml;nnen; viele sind
-niedrig genug, Depositen-Geb&uuml;hren auf eine
-unversch&auml;mte Weise zu verlangen &mdash; Wer
-sich selbst nicht treu ist, und seine eigenen
-Unthaten unter die Leute zu bringen f&uuml;r unbedenklich
- <span class="pagenum"><a id="Seite_311">[S. 311]</a></span>
-h&auml;lt, glaubt sich, wo nicht rechtfertigen,
-so doch entschuldigen zu k&ouml;nnen,
-wenn er seinen Herrn oder seinen Freund
-verr&auml;th! &mdash; M&auml;nner sind so fein sich zu
-&uuml;berreden, da&szlig; sie zum Heil und Frommen
-eines besseren Menschen das Beichtsiegel brechen
-k&ouml;nnen, das auf die Gest&auml;ndnisse eines
-minder guten schon gedr&uuml;ckt war! &mdash; Mancher
-Richter macht sich kein Gewissen, unter
-Versicherung des Nichtgebrauchs, Bekenntnisse
-herauszulocken. &raquo;Hat denn,&laquo; fragt er,
-&raquo;der Staat nicht mehr Recht auf mich, als
-meine Verbindlichkeit?&laquo; Du irrest, Verr&auml;ther!
-der Tugend stehet das gr&ouml;&szlig;ere Recht zu.
-Die Pflichten gegen das Vaterland heben bei
-weitem nicht alle anderen Pflichten auf, und
-ein B&uuml;rger mu&szlig; nie aufh&ouml;ren ein Mensch zu
-bleiben. Im Kriege selbst darf man den Vorzug
-nicht aufgeben, ein Freund seines Freundes
-zu seyn! Auch haben die M&auml;nner ein
-verr&auml;therisches Schweigen, ein Achselziehen
-im Gebrauch, die Weise ein halbes Wort zu
-sagen, den ersten Buchstaben anzugeben &mdash;
-Diese Judas-Verr&auml;therei durch einen Ku&szlig;, dieses
- <span class="pagenum"><a id="Seite_312">[S. 312]</a></span>
-plauderhafte Stillschweigen, l&auml;&szlig;t das andere
-Geschlecht sich gar nicht zu Schulden kommen
-&mdash; Man rede nicht von der Unverschwiegenheit
-der Weiber! &mdash; &mdash;</p>
-
-<p>Noch weniger aber sollte den Weibern
-untersagt seyn, an der <i>inneren Staatsverwaltung</i>
-und <i>Staatshaushaltung</i> Theil zu nehmen,
-da ihnen gegenw&auml;rtig schon im Ganzen die
-Verwaltung ihres eigenen Hauswesens anvertrauet
-ist, und sie bei diesem, ihnen zugefallenen
-Pflichtteile, selbst nach dem Zeugnisse
-der M&auml;nner, sich r&uuml;hmlichst verhalten. Gewi&szlig;
-h&auml;tten wir alsdann weniger Tyrannen,
-die auf festem Grund und Boden Schiffbr&uuml;chige
-mit Lust arbeiten sehen, oder die des
-Spa&szlig;es wegen solchen, die mit den Fluthen
-ringen, unter Pauken- und Trompeten-Schall
-vermittelst einer heilsamen Verordnung Strohhalme
-zuwerfen; weniger Blutigel, die hier
-jeden Bissen finanzm&auml;&szlig;ig zuschneiden, und
-dort den Schwei&szlig; und das Blut der Unterthanen
-ohne Ma&szlig; und Ziel verschwenden; &mdash;
-die sich M&uuml;he geben, dem gemeinen Manne
-das Huhn aus dem Topfe herauszurechnen,
- <span class="pagenum"><a id="Seite_313">[S. 313]</a></span>
-welches <i>Heinrich IV</i> ihm alle Sonntage in den
-Topf hineinzurechnen K&ouml;nigliche Sorge trug; &mdash;
-die ihre Administration, wie elende Feldherren
-ihre Einnahmen, mit Pl&uuml;nderungen anfangen,
-und, um sich aus dem Gerede &uuml;ber neue
-Plackerei zu bringen, Redouten und B&auml;lle,
-Diners und Soupers geben, und es wie weiland
-<i>Alcibiades</i> machen, der seinem sch&ouml;nen
-Hunde Ohren und Schwanz abschnitt &mdash; &mdash;
-Wir h&auml;tten alsdann weniger Gro&szlig;prahler und
-Meister, die gleich vom Himmel fallen, ob
-sie schon entweder Colporteurs von alten abgetragenen
-Meinungen sind, welche sie wie
-ein Bettelkleid mit einem Flick von Sammet
-bereichern, oder aber (trotz jenem Ober-Chirurgus,
-der sich dienst- und kunsteifrig dahin
-auslie&szlig;: hinter die Krankheit mu&szlig; ich kommen,
-wenn auch das ganze Regiment darauf
-ginge!) eine neue verzweifelte Kur nach der
-andern probiren &mdash; und das Alles? um reiche
-Arme und arme Reiche zu machen &mdash; O,
-wie viele hochgepriesene Schwachk&ouml;pfe giebt
-es, die Einen Stand auf Rechnung des andern
-in verh&auml;ltni&szlig;widrigen Cours bringen,
- <span class="pagenum"><a id="Seite_314">[S. 314]</a></span>
-damit der eine durch &Uuml;bermuth, und der andere
-durch Hungersnoth verderbe! wie viele,
-die nichts im Ganzen &uuml;bersehen k&ouml;nnen, und
-denen es ein leichtes d&uuml;nkt, aus Deutschen
-Franzosen, und aus Pohlen Holl&auml;nder zu <i>fabriciren</i>
-&mdash;! wie viele Finanzblitzer, deren
-Aufblitz nur dazu dient, da&szlig; man das Schreckliche
-der Verderbensnacht mit Schauder erblicke!
-&mdash; Diese Herren sollten die Ermahnung
-jenes Weisen an einen Frevler beherzigen,
-der bei einem gef&auml;hrlichen Ungewitter
-die G&ouml;tter best&uuml;rmte: &mdash; sich still zu halten,
-damit die G&ouml;tter nicht w&uuml;&szlig;ten, da&szlig; er hier
-w&auml;re. &mdash; Nehmt das Triumvirat unserer au&szlig;erordentlichen
-Minister, des <i>Grafen Struensee</i>,
-<i>Pombals</i>, <i>Neckers</i>; &mdash; und das sollte kein
-Weib thun, was diese Excellenzen thaten?</p>
-
-<p>Wer dem weiblichen Geschlechte die F&auml;higkeit
-abspricht, das Ganze zu &uuml;bersehen,
-Anordnungen f&uuml;r K&ouml;nigreiche zu treffen, sie
-im Gro&szlig;en auszuf&uuml;hren, weit aussehende Plane
-zu umfassen, und kurz, ihre Begriffe bis zum
-Allgemeinen zu erheben, der verr&auml;th wenig
-Weltkenntni&szlig;, und schlie&szlig;t von den Gesch&auml;ftendes
- <span class="pagenum"><a id="Seite_315">[S. 315]</a></span>
-Detail &mdash; denn gr&ouml;&szlig;tentheils werden
-blo&szlig; diese den Weibern jetzt anvertrauet &mdash; auf
-ihre F&auml;higkeit. Und wie? soll es denn bei
-diesen Gesch&auml;ften nicht auch subalterne K&ouml;pfe
-geben, da Arbeiten dieser Art bei unsern jetzigen
-Einrichtungen &uuml;berall existiren? Wo es
-Feste oder Erh&ouml;hungen gewisser Tage des gemeinen
-Lebens giebt, da m&uuml;ssen auch Werktage
-seyn &mdash; Nur alle sieben Tage ist ein
-Sonntag &mdash; Weihungen gewisser Lebens-Momente
-zu einem vorz&uuml;glichen Lebensgenusse
-setzen auch gew&ouml;hnliche Tage voraus. Und
-sind wir denn lauter Sonntagskinder? &mdash; Bewunderungsw&uuml;rdig
-ist das Talent zu rechnen
-selbst bei gemeinen Weibern, ob sie gleich
-sich &uuml;ber unsere Rechnungsmethode wegsetzen,
-und oft ihre eigene Arithmetik auch alsdann
-noch beibehalten, wenn sie nach der gew&ouml;hnlichen
-Schulmethode zu den Geheimnissen der
-Zahlen zugelassen worden sind. Ihre Kanzelei
-ist mir, bei aller ihrer Unregelm&auml;&szlig;igkeit,
-sch&auml;tzbar, wenn gleich Keuschheits-Procuratoren
-noch nicht einig sind, ob und in wie
-weit das Schreiben dem weiblichen Geschlechte
- <span class="pagenum"><a id="Seite_316">[S. 316]</a></span>
-n&uuml;tzlich oder sch&auml;dlich sei. Giebt es nicht
-M&auml;nner genug, die ihre T&ouml;chter nicht anders
-zu bewachen wissen, als da&szlig; sie ihnen Tinte
-und Federn untersagen?</p>
-
-<p><i>Storch</i>, ein neuer Reisender, fand, nach
-seinen Bemerkungen &uuml;ber Frankreich, in der
-Schule des ber&uuml;hmten Tachygraphen <i>Coulon
-de Thévenot</i> zu <i>Paris</i> M&auml;dchen, unter denen
-es einige in der Kunst geschwind zu schreiben,
-zu einer erstaunensw&uuml;rdigen Fertigkeit
-gebracht hatten. Hei&szlig;t das nicht mehr als
-Orthographie und Kalligraphie?</p>
-
-<p>Vieles in der <i>Stadt- und Landwirthschaft</i>
-hat man bis jetzt als unbedeutend behandelt;
-viele Hausthiere sind lange nicht in dem geh&ouml;rigen
-Ma&szlig;e genutzt und im Ertrage in Anschlag
-gekommen, und &uuml;berhaupt ist das anzubauende
-Feld nicht klein, welches auf Weiberk&ouml;pfe
-und H&auml;nde wartet, um urbar zu werden
-&mdash; Fast m&ouml;cht' ich sagen, die &Ouml;konomie sei
-weiblichen Geschlechtes, und vorz&uuml;glich die,
-welche ins Gro&szlig;e geht &mdash; Wie wir doch Alles
-so meisterhaft &mdash; wie soll ich sagen? &mdash; <i>um</i>zukehren
-oder zu <i>ver</i>kehren gewu&szlig;t haben!</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_317">[S. 317]</a></span></p>
-
-<p>Und du, <i>heilige Justiz</i>! un&uuml;bersteiglich dem,
-der dich, wie der Pilger die Alpen, ohne Alpenschuhe,
-Stab und F&uuml;hrer ersteigen will!
-mystische Aristokratie, die du dich oft zwischen
-F&uuml;rsten und Volk stellest &mdash; angeblich
-um Mittler- oder M&auml;kler-Dienste zwischen
-beiden zu &uuml;ben, eigentlich aber um beide zu
-beherrschen &mdash; darf ich es wagen, dich um
-Audienz zu bitten? Zwar wei&szlig; ich, wie edel
-dir deine Zeit ist, um dich nach einem dreist&uuml;ndigen
-Sessionsschlaf zu erholen, und zu
-einer abermaligen Sessionsruhe neue Kr&auml;fte
-zu sammeln; doch will ich dich gewi&szlig; weniger
-aufhalten, als du alle deine Partheien aufh&auml;ltst
-&mdash; Die Beobachtung der Natur hat
-den gr&ouml;&szlig;ten Meistern in den sch&ouml;nen K&uuml;nsten
-die Regel zugef&uuml;hrt: da&szlig; wenige und einfache
-Zeichen, wenn sie mit Weisheit gew&auml;hlet
-werden, eine kr&auml;ftigere Wirkung thun, als
-durch eine verschwenderische H&auml;ufung zwecklos
-gew&auml;hlter Zeichen m&ouml;glich ist. Darf ich
-so frei seyn, diesen Umstand der gesetzgebenden
-und gesetz&uuml;benden Justiz zur Erw&auml;gung
-zu empfehlen? <i>Hume</i> ging von seinem Freunde
- <span class="pagenum"><a id="Seite_318">[S. 318]</a></span>
-<i>Jortin</i>, einem Geistlichen, mit dem er &uuml;ber
-nat&uuml;rliche und geoffenbarte Religion einen
-Wortwechsel gehabt hatte; und da der Philosoph
-nicht zugeben wollte, da&szlig; der Geistliche
-ihn begleitete, fiel er. Der Geistliche,
-der ihn fallen h&ouml;rte, kam ihm mit seinem
-Lichte zu H&uuml;lfe, und machte ihn mit den
-Worten verdrie&szlig;lich: &raquo;Habe ich Ihnen nicht
-oft gesagt, lieber Freund, da&szlig; Sie Sich nicht
-zu viel auf eigene Kr&auml;fte verlassen sollen,
-und da&szlig; das nat&uuml;rliche Licht nicht hinreicht?&laquo;
-Die nat&uuml;rliche Religion verlor durch diesen
-Fall <i>Hume'ns</i> nur eben so viel, wie die geoffenbarte
-durch das Licht <i>Jortin's</i> gewann; allein
-die Justiz verliert durch den Umstand,
-da&szlig; auch die ersten ihrer Officianten sehr oft
-nicht wissen, wie sie mit ihr daran sind &mdash;
-Sie fallen mit und ohne Licht, mit und ohne
-Begleitung; und ich wei&szlig; nicht, woran es
-liegt, da&szlig; Niemand recht wei&szlig;, was Rechtens
-ist. Ihre Sentenzen, welche die Sache l&ouml;sen
-wollen und sollen, sind gemeiniglich neue
-R&auml;thsel, die sie aufgeben; und doch geh&ouml;ren
-viele S&auml;chsische Fristen und viele doppelte
- <span class="pagenum"><a id="Seite_319">[S. 319]</a></span>
-S&auml;chsische Fristen dazu, ehe man die <i>hochl&ouml;blichen
-Herren</i> zum <i>Stehen</i> bringt; und wie
-viele Fristen verlaufen nicht, ehe sie zum
-<i>Sitzen</i> kommen! Die Justiz war zu jeder
-Frist eine d&uuml;rftige Kr&uuml;cke, an welcher der
-Staat hinkte, und noch obendrein von so
-<i>schadenfroher und b&ouml;sartiger Natur</i>, da&szlig; sie
-auch selbst dem, der sich zutrauensvoll auf
-sie st&uuml;tzte, die Hand durchbohrte. Wie oft
-sind ihre Urtheile vergiftete Hostien, die
-man bei gro&szlig;em Pomp des Hochamts empf&auml;ngt.
-&mdash; &mdash; In ihrer goldenen Zeit ist die
-Justiz ein Guckkasten, worin sch&ouml;ne Rarit&auml;ten
-und sch&ouml;ne Spielwerke zu schauen sind &mdash;
-Es gab von jeher unter den Juristen <i>Élégants</i>;
-und wer hat nicht von der <i>eleganten Jurisprudenz</i>
-reden geh&ouml;rt? Auch der einsichtsvollste
-Jurist wird in eigenen Angelegenheiten
-nicht wissen, was er zu thun und zu lassen
-habe, um etwas Rechtbest&auml;ndiges zu unternehmen;
-und so scheint die gar zu gro&szlig;e Kunst
-der Justiz dem Menschen, den Gott aufrichtig
-gemacht, v&ouml;llig unangemessen zu seyn.</p>
-
-<p>Sollte sich einst die b&uuml;rgerliche Verbesserung
- <span class="pagenum"><a id="Seite_320">[S. 320]</a></span>
-der Weiber bis auf die Rechtspflege erstrecken,
-und das Recht aufh&ouml;ren, ein Monopol
-einer besondern besoldeten M&auml;nner-Klasse
-zu seyn; nur alsdann wird man anfangen einzusehen,
-da&szlig; Rechtspflege nicht hei&szlig;t, im
-Orakelton unverst&auml;ndliche Formeln hersagen,
-die nur wirksam sind, weil neben der Wagschale
-auch das Schwert liegt, sondern da&szlig;
-sie sich bem&uuml;hen mu&szlig;, die Partheien &uuml;ber
-Recht und Unrecht zu belehren und zu &uuml;berzeugen,
-wenn sie einen Theil der Ehre verdienen
-will, die sie sich jetzt so gr&auml;nzenlos
-und machtvollkommen beilegt. Man sagt:
-<i>Necker</i> sei tugendhaft, um damit prahlen zu
-k&ouml;nnen; <i>la Fayette</i> sei es, um es zu seyn
-und nicht zu scheinen. W&uuml;rde dies nicht
-der Fall mit Richtern aus der weiblichen und
-m&auml;nnlichen Klasse seyn?</p>
-
-<p>Schon f&auml;ngt der Gedanke an sich je l&auml;nger
-je mehr zu regen, da&szlig; nur Gleiche zwischen
-Gleichen entscheiden k&ouml;nnen, wenn Recht
-nicht ein todter Buchstabe bleiben, sondern
-ein lebendiger werden soll. W&uuml;rde es inde&szlig;
-nicht schreiendes Unrecht seyn, bis dahin,
- <span class="pagenum"><a id="Seite_321">[S. 321]</a></span>
-und ehe jener gl&uuml;hende Funke in der Asche
-zum Feuer ausschl&auml;gt, den Weibern die Richter-
-und Sch&ouml;ppenst&uuml;hle zu verschlie&szlig;en?
-Man behauptet in England: unbesoldete, dem
-Beklagten gleiche, von ihm anerkannte, nur
-auf eine kurze Zeit zum Wohl der Mitmenschen
-und nicht schn&ouml;den Gewinnstes oder
-eitler Ehre halben berufene, einstimmige Richter,
-oder Geschworne (<i>Juries</i>), w&auml;ren eine
-Schutzwehr der b&uuml;rgerlichen Freiheit, und
-eine un&uuml;berwindliche Festung, wenn gleich
-die K&uuml;nstelei der politischen Maschine bisweilen
-zu gesucht seyn sollte, wenn gleich in
-ihrem R&auml;derwerke zu viel oder zu wenig Zusammensetzung
-Statt f&auml;nde, wenn gleich in
-der Vertheilung der Gewalt, in der Repr&auml;sentation
-des Volkes, und in der Abtheilung der
-St&auml;nde Organisations-, Schwachheits- und
-Bosheitsfehler w&auml;ren &mdash; Jene Justiz-Verwaltung
-allein w&uuml;rde schon, was schw&auml;chlich ist,
-beim Leben erhalten, und nichts ersch&ouml;pfen
-lassen, was zum Vortheile und zum Glanze
-der Nation einen Beitrag liefern kann. In
-der That, auch im monarchischen Staate
- <span class="pagenum"><a id="Seite_322">[S. 322]</a></span>
-k&ouml;nnte durch eine &auml;hnliche Justizverwaltung
-Alles einen andern Schwung bekommen, und
-so Manches belebt werden, was jetzt gel&auml;hmt
-ist &mdash; Monarch und Volk w&uuml;rden gewinnen.
-Wie aber, wenn sogar das andere Geschlecht
-an dieser Rechtspflege Antheil n&auml;hme, wenn
-nicht blo&szlig; durch gute M&auml;nner (<i>arbitros</i>), sondern
-auch durch gute Weiber, Zank und Streit
-beigelegt oder entschieden w&uuml;rde? m&uuml;&szlig;te da
-die Justizverwaltung nicht noch vollkommener
-werden? Menschen, die blo&szlig; gesetzlich sind,
-haben keine Haltung; &mdash; es sind im eigentlichen
-Sinne blo&szlig; unn&uuml;tze Knechte, die zwar
-thun, was ihnen geboten ist, allein damit
-nichts Gutes stiften &mdash; Die Gesetze und die
-Leidenschaften sind oft so verwandt, da&szlig; der,
-welcher der Vernunft und dem Gewissen (der
-praktischen Vernunft) nicht folgt, bei aller positiven
-Gesetzlichkeit nicht selten ein verdorbener
-Mensch ist &mdash; Wer kann hierauf genauere
-R&uuml;cksicht nehmen als das andere Geschlecht?
-wer es mehr empfinden als Weiber,
-da&szlig; der Zwang, durch den Andere eben so
-frei werden, die Probe der wahren Freiheit
- <span class="pagenum"><a id="Seite_323">[S. 323]</a></span>
-sei? &mdash; Trockne und ungek&uuml;nstelte Wahrheit
-gilt in der Geschichte und &uuml;berall mehr, als
-eine noch so gl&auml;nzend scheinende Falschheit.
-Jener medicinische Pfuscher, der einen K&ouml;nig
-von einem Quartanfieber befreiete, welchem
-alle kunstverst&auml;ndige &Auml;rzte, ihrer hohen und
-tiefen Gelehrsamkeit ungeachtet, nicht gewachsen
-waren, antwortete, als er <i>par ordre du
-Roi</i> den Doktor-Hut erhalten sollte, und
-der Form halben examinirt ward, auf die Frage:
-&raquo;was ist das Fieber?&laquo; <i>eine Krankheit, die
-Sie, meine Herren, sehr geschickt zu definiren,
-und nicht zu curiren verstehen, und die <em class="gesperrt">ich</em>
-nicht definiren, wohl aber curiren kann</i> &mdash;
-Die evidente Vernunft ist eine Mitgift, welche
-die Natur allen Menschen in gleichem Ma&szlig;e bewilligt
-hat. Der allergemeinste Grundsatz des Naturrechtes,
-mit dessen Aus&uuml;bung Zwang unwidersprechlich
-verbunden werden kann, ist das Gesetz:</p>
-
-<p>
-verhindere, da&szlig; die Vollkommenheit aller<br />
-Menschen nicht gemindert werde;<br />
-</p>
-
-<p>und liegt in dem h&ouml;chsten Material-Gesetze
-der Sittlichkeit:</p>
-
-<p>vervollkommne alle Menschen.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_324">[S. 324]</a></span></p>
-
-<p>Ist Vollkommenheit nicht die h&ouml;chste Stufe
-der Ausbildung aller Kr&auml;fte zu einem Ganzen?
-Ich will es hier mit keiner Schule verderben;
-denn meine Absicht ist nicht, nach v&auml;terlicher
-Weise der Richter- und Philosophenst&uuml;hle,
-durch Zank und Streit die edle Zeit des Handelns
-zu vers&auml;umen. Darf ich inde&szlig;, um die
-Justiz zu &uuml;berzeugen, da&szlig; sie mit sich selbst
-uneins ist, noch beil&auml;ufig bemerken, da&szlig; die
-Vollkommenheit aller Menschen mir der
-Zweck der sittlichen Gesetze zu seyn scheint?
-Und was will man mehr als diese h&ouml;chste
-Ausbildung? Sollten inde&szlig; Gesetze nicht auf
-alle Menschen ausgedehnt werden? Kann man
-ein vern&uuml;nftiges Wesen blo&szlig; als Mittel zu h&ouml;heren
-Zwecken ansehen? Jener allgemeine
-materielle Grundsatz ist und bleibt ein Kennzeichen
-der Form aller Sittlichkeit, gem&auml;&szlig; der
-allgemein geltenden Gesetzm&auml;&szlig;igkeit und ihrem
-obersten Grundsatze: die Vorschriften, nach
-denen du handelst, m&uuml;ssen so beschaffen seyn,
-da&szlig; sie allgemeine Gesetze werden k&ouml;nnen.
-Verschlag' ich zu weit, oder kann unsere
-neue Philosophie nicht ein Tribunalsausspruch
- <span class="pagenum"><a id="Seite_325">[S. 325]</a></span>
-meiner Vorschl&auml;ge werden? Eine gute Gesetzgebung
-ist sicher das Meisterst&uuml;ck des
-menschlichen Geistes; und wer aus Kenntni&szlig;
-unserer Natur wei&szlig;, da&szlig; die Sitten der Nationen
-ihre Bildung gr&ouml;&szlig;tentheils der Wirkung
-der Gesetze zuschreiben m&uuml;ssen, wird es mir
-nicht verdenken, da&szlig; ich unsere Juristen etwas
-weiter zur&uuml;ckf&uuml;hre, als diese Herren vom gew&ouml;hnlichen
-Schlage zu gehen gewohnt sind.
-Schon da, wo die Weiber jetzt das Richteramt
-f&uuml;hren, in gewissen <i>causis privilegiatis</i>, zeigen
-sie sich als Meisterinnen in ihrer Art, und
-besch&auml;men ihre M&auml;nner, die gemeiniglich Alles
-verderben, sobald sie es sich herausnehmen,
-Stellvertreter ihrer Weiber seyn zu wollen &mdash;</p>
-
-<p>Man sagt: <i>Weiber w&auml;ren hart</i>; allein l&auml;&szlig;t
-sich die Justiz in Gef&uuml;hle aufl&ouml;sen? <i>sie w&auml;ren
-zu peinlich bei ihrer Nachforschung</i>; allein
-kann man es zu sehr seyn, wenn es Schuld
-und Unschuld der Menschen gilt? Es fehlt
-den Weibern selbst nicht an Ged&auml;chtnis, um
-eine Legion Gesetze zu behalten, noch an
-Geduld, die ewigen Klagen und Schutzreden
-der Partheien anzuh&ouml;ren, und in einem feinen
- <span class="pagenum"><a id="Seite_326">[S. 326]</a></span>
-guten Herzen zu bewahren; nicht an Beredsamkeit,
-um den Sturm der Partheien zu bes&auml;nftigen
-und die Fluth der Rede in ihr Ufer zur&uuml;ck
-zu weisen &mdash; Wie geschickt w&uuml;rden sie
-zu Versuchen der S&uuml;hne seyn! &mdash; &Uuml;berraschung
-ist der nat&uuml;rliche Ersatz f&uuml;r alle unangenehme
-Verwirrung, ohne die sie nicht zu
-erhalten war; allein ist dies der Fall bei unsern
-richterlichen Sentenzen? sind sie nicht
-gemeiniglich ein neues verwickeltes Kn&auml;uel?
-wechselt nicht Verwirrung, bis endlich die
-dritte Instanz, gemeiniglich durch einen Machtspruch
-(so sehr auch dies Wort bei den Herren
-Juristen geha&szlig;t und verfolgt wird) aller
-Fehd' ein Ende macht? &mdash;</p>
-
-<p>Bis jetzt hatten die Weiber kein anderes
-ernsthaftes Gesch&auml;ft als Liebesangelegenheiten.
-Freilich, wenn sie auf einmal, wie vom Himmel
-gefallen, ohne Vorbereitung, ohne ihnen
-bewilligte b&uuml;rgerliche Rechte, und ohne da&szlig;
-man ihnen auf politische K&ouml;pfe und F&uuml;&szlig;e
-hilft, sich in Staatssachen werfen &mdash; ist es
-Wunder, wenn sie, nach einem Franz&ouml;sischen
-<i>Viso reperto</i>, zwar die <i>hysterischen Zuf&auml;lle</i>
- <span class="pagenum"><a id="Seite_327">[S. 327]</a></span>
-verlieren, inde&szlig; in noch <i>&auml;rgere</i> fallen? Ernsthafte
-Sachen sind ihnen zu <i>sch&ouml;n</i> und zu <i>erhaben</i>,
-als da&szlig; sie nicht Alles dieser k&ouml;stlichen
-Perle halben ver&auml;u&szlig;ern sollten. Zarte
-Fasern, die man pflegen und warten soll, mu&szlig;
-der G&auml;rtner nicht zerrei&szlig;en; bei einer scheinbaren
-Ermattung, oder bei einem zu starken
-Auswuchs, kann er nicht, ohne ein Miethling
-zu seyn, jene sich hervordr&auml;ngenden Zweige
-abschneiden, die so leicht zu besseren Zwecken
-zu leiten gewesen w&auml;ren &mdash; Er l&auml;&szlig;t sie
-in die H&ouml;he schie&szlig;en oder zur besch&uuml;tzenden
-Krone gedeihen &mdash; Man m&auml;&szlig;ige bei dem
-andern Geschlechte die zu starke Neuheit;
-man bringe Weiber mit <i>mehr</i> ernsthaften Sachen,
-und zwar <i>allm&auml;hlich</i>, in Verbindung:
-und hysterische und andere angeblich &auml;rgere
-&Uuml;bel, Leibes und der Seele, Gutes und Ehre,
-sind gehoben. Die Pfeifer und Geiger wurden
-auf der Stelle verabschiedet, als <i>Jairi T&ouml;chterlein</i>
-von den Todten erweckt werden sollte
-&mdash; Selbst die Bev&ouml;lkerung m&uuml;&szlig;te hierbei
-zunehmen; &raquo;es verlohne zu leben,&laquo; w&uuml;rden
-die Weiber denken. Und wie ging es in aller
- <span class="pagenum"><a id="Seite_328">[S. 328]</a></span>
-Welt zu, da&szlig; man bis jetzt den Vortheil der
-Menschheit so sehr verkannte? da&szlig; man die
-Weiber als abgeschiedene Seelen in einem
-Psychodocheum hielt, und sie nie zum wirklichen,
-sondern blo&szlig; zu einer Art von Leben
-berechtigte? &mdash; zu einer Art von Ritterleben
-von trauriger Gestalt! &mdash; Viele Z&uuml;ge w&uuml;rden
-mehr gehoben, andere sanfter gemischt werden;
-man w&uuml;rde uns nicht so oft statt eines
-Nachtst&uuml;ckes die Nacht mit schwarzen Farben
-verkaufen; nicht so oft aus blo&szlig;er Angst und
-Furcht ein Held seyn; nicht so viele Rechtsgl&uuml;cksgreifer
-und Marionettenspieler in den
-Gerichten finden, nicht so viele flache, mit
-groben Farben &uuml;berladene Richter und Anw&auml;lde
-und wie die Herren weiter hei&szlig;en &mdash;
-wenn Weiber an der Rechtsverwaltung Theil
-h&auml;tten. Sind unsere praktischen Rechtsgelehrten
-nicht gemeiniglich Feinde des <i>Warum</i>?
-Ist das Verdienst des gr&ouml;&szlig;ten Theils von ihnen
-nicht, Urtheile in Umlauf zu bringen,
-die man ein <i>Spielzeug des Gewissens</i> nennen
-k&ouml;nnte &mdash;? Urtheile, die oft das gerade Gegentheil
-von jener inneren Gerechtigkeit sind,
- <span class="pagenum"><a id="Seite_329">[S. 329]</a></span>
-bei der Jeder, wenn er auch gleich durch alle
-drei Instanzen verloren h&auml;tte, sicher seyn
-kann, da&szlig; er nach Gef&uuml;hl und Einsicht der
-gesitteten unparteiischen Welt gewinnen und
-das Feld behalten werde! &mdash; Sind die meisten
-Dikasteria nicht S&auml;ulenreihen, die nichts
-Wichtiges zu tragen haben, und wo man unbedeutende
-Gegenst&auml;nde mit Verzierungen
-&uuml;berladen hat? Der <i>sichere</i> Ehrgeitz ist weit
-unausstehlicher, als der, welcher sich vor
-List und Nachstellung <i>f&uuml;rchten</i> mu&szlig; &mdash; Die
-R&ouml;mer waren, als Staat genommen, keine
-sonderlichen Financiers; und oft hat mich der
-s&uuml;ndliche Gedanke angewandelt, ob nicht mit
-darum Juristen und Financiers einander so
-spinnenfeind w&auml;ren, bis auf den heutigen Tag.
-W&uuml;rden Weiber an der <i>Finanz</i>- und <i>Rechtsverwaltung</i>
-Antheil nehmen &mdash; ich wette, dieser
-Ha&szlig; zwischen <i>Herodes</i> und <i>Pilatus</i> m&uuml;&szlig;te
-aufh&ouml;ren, und beide Theile mehr zu Gesinnungen
-der Menschheit kommen, da jetzt die
-Herren Financiers oft ins Recht pfuschen, und
-die Justiz es so wenig bedenklich findet, eine
-Art von Finanz-Operation zu werden &mdash; da&szlig;
- <span class="pagenum"><a id="Seite_330">[S. 330]</a></span>
-die Juristen oft genug die Furiersch&uuml;tzen des
-Finanz-Departements sind. &mdash;</p>
-
-<p><i>Themis!</i> weibliche Gottheit, &ouml;ffne deine
-Heiligth&uuml;mer deinem Geschlechte, und du
-wirst Wunder sehen, ohne da&szlig; du dich bem&uuml;hen
-darfst, sie zu thun &mdash;!</p>
-
-<p>W&auml;hrend da&szlig; wir unsere H&auml;nde nach Allem
-ausstrecken, nicht zufrieden &uuml;ber die Seelen
-der Weiber <i>à la Padischah</i> zu gebieten,
-sondern auch an ihren K&ouml;rpern zu Helden zu
-werden, zwingen wir das andere Geschlecht,
-auch auf <i>die Heilkunde</i> Verzicht zu thun, zu
-der es einen unwiderstehlichen Hang behauptet.
-Und warum ist die Heilkunde in ihrem
-weitesten Umfange nicht eine freie Kunst der
-M&auml;nner und Weiber? F&uuml;hlen die Weiber
-nicht so lebhaft, da&szlig; die Natur sie ganz eigentlich
-zu diesem Gesch&auml;fte berufen hat?
-treiben sie nicht, trotz allen Anordnungen,
-aller Aufsicht und allen Strafen, dieses ihnen
-so strenge verbotene Handwerk? und haben
-sie sich nicht &mdash; was noch sonderbarer ist &mdash;
-dabei so gar einen Nahmen zu erwerben Gelegenheit
-gehabt? Frau * * auf * * curirt
- <span class="pagenum"><a id="Seite_331">[S. 331]</a></span>
-ihr Haus und ihre Unterthanen, aller Recepte
-von Scheltworten und Drohungen der kunsterfahrnen
-Facultisten ungeachtet, und kann sich
-nicht mit der gestrengen Rechtsgl&auml;ubigkeit dieser
-Herren einverstehen, wenn gleich diese
-Eiferer f&uuml;r des Herrn Haus sich viele gelehrte
-M&uuml;he geben, in R&uuml;cksicht anderer unbedeutender
-&Auml;rztinnen, ihre Orthodoxie inquisitorisch
-zu beurkunden &mdash; H&uuml;ten Sie Sich, gn&auml;dige
-Frau, da&szlig; Sie nicht &uuml;ber Hals und Kopf
-in &auml;hnliche Anfechtung fallen, und wegen ihrer
-kunstlosen Arzeneien verantwortlich werden!
-&mdash; In einigen Spanischen Provinzen
-barbieren die Weiber, und <i>Marquis de Langle</i>
-setzt hinzu: so sollt' es eigentlich und &uuml;berall
-seyn, denn ihre weichen sanften und fleischigen
-H&auml;nde taugen weit besser als unsere, das
-Kinn einzuseifen und das Messer zu handhaben.
-&mdash; In den Entscheidungsgr&uuml;nden kann
-ich diesem Weiberschutzpatron nicht beistimmen;
-wohl aber in der Behauptung selbst &mdash;
-Jene nicht ungerechte Bef&uuml;rchtung des Meuchelmordes
-w&uuml;rde, wo nicht aufh&ouml;ren, so
-doch au&szlig;erordentlich geschw&auml;cht werden, wenn
- <span class="pagenum"><a id="Seite_332">[S. 332]</a></span>
-das andere Geschlecht diese <i>gef&auml;hrliche Kunst</i>
-triebe. Die Anlage des andern Geschlechtes
-zur Arzeneikunst und Chirurgie beweiset unwiderlegbar
-seine vorz&uuml;gliche Beobachtungsgabe.
-Nicht leicht entgehet seiner Aufmerksamkeit
-auch nur die kleinste vor&uuml;bergehendste
-Ver&auml;nderung der Farbe, der Mienen, des Auges
-&mdash; Jede, auch die unbetr&auml;chtlichste,
-krampfhafte Bewegung der Muskeln wei&szlig; sein
-Blick zu erreichen. Sein Takt ist zarter und
-feiner, und auch da noch f&uuml;hlt es Pulsschl&auml;ge,
-wo der Arzt, wegen seines gr&ouml;beren Gef&uuml;hls,
-nichts mehr bemerkt. Der leiseste
-Hauch entgeht den Weibern nicht; sie vernehmen
-noch das Wort, das auf der Lippe zitterte
-und starb, und oft verstehen sie die Gedanken
-&mdash; Am praktischen Urtheil, von ihren
-gesammelten Beobachtungen Gebrauch zu machen,
-fehlt es ihnen sicher nicht &mdash; Schon
-jetzt bei dem kargen Vorrath von Kenntnissen,
-und ohne allen Beistand der Kunst, &uuml;bernehmen
-sie Kuren, die dem erfahrensten Arzte,
-wo nicht lauten, so doch stillschweigenden
-Beifall abzwingen. Wie viel weiter w&uuml;rden
- <span class="pagenum"><a id="Seite_333">[S. 333]</a></span>
-sie seyn, wenn ihnen der Zugang nachgelassen
-w&auml;re, den ihnen ein neidischer Zunftgeist bis
-jetzt vorenthielt! W&uuml;rden ihnen das Heiligthum
-des <i>Epidaurischen Gottes</i>, und die unerme&szlig;lichen
-Sch&auml;tze der Natur aufgethan und
-sie in die Geheimnisse der Kunst als Priesterinnen
-eingeweihet; wie viel w&auml;re f&uuml;r das
-menschliche Geschlecht gewonnen! da hingegen
-jetzt die gro&szlig;e Angelegenheit, die Gesundheit
-des Menschen, sich immer in sehr
-mi&szlig;licher Lage befindet, indem viele von unseren
-&Auml;rzten sich nicht begn&uuml;gen, Diener der
-Natur zu seyn, sondern sich zu gestrengen
-Herren derselben aufwerfen &mdash; Wo wir doch
-&uuml;berall Herren seyn wollen! Die Arzeneikunst
-aller, der Natur nahe kommenden Menschen
-ist so einfach und so stark, da&szlig; sie mit wenigen
-Mitteln alle Krankheiten heilt, so wie
-Brot die t&auml;gliche Sch&uuml;ssel auf allen E&szlig;tischen
-ist. Die Natur ist so gutm&uuml;thig, da&szlig; sie uns
-durch Krankheiten gesund machen will &mdash;
-Unp&auml;&szlig;lichkeit ist ein Glockenschlag, wodurch
-wir zum Bu&szlig;tage aufgefordert werden &mdash; Die
-Natur macht uns aufmerksam auf uns selbst &mdash;
- <span class="pagenum"><a id="Seite_334">[S. 334]</a></span>
-und will uns damit locken, da&szlig; wir glauben
-sollen, sie sei unsere liebe gute, unsere rechte
-Mutter. Und ist sie das nicht? &mdash; Der
-Schmerz? Ach, dagegen lie&szlig;e sich noch viel
-sagen. In der That, die Natur scheint mit
-dem Schmerz ihr Spiel zu treiben. Es giebt
-F&auml;lle, wo der Schmerz mit der Gefahr in
-keinem Verh&auml;ltnisse steht &mdash; Zahnschmerzvorf&auml;lle,
-in welchen das Leiden weit gr&ouml;&szlig;er
-ist, als die Gefahr; und so auch umgekehrt &mdash;
-Vielleicht wollte die Natur uns lehren, uns
-aus dem Schmerze &uuml;berhaupt nichts zu machen
-und ihn nie auf einen ernsten Fu&szlig; zu
-nehmen. Mache was du willst, sagte ein
-Stoiker zum Schmerz, (ob er sich gleich nicht
-entbrechen konnte, mit den Z&auml;hnen zu knirschen)
-ich werde doch nicht sagen, da&szlig; du
-ein &Uuml;bel bist! und man sage was man will,
-es liegt in unserm Reden mehr als Ein Linderungsmittel.
-Wenn wir dem Schmerze
-freundlich zureden, scheint er Mitleiden mit
-uns zu haben; und wenn wir ihm trotzen,
-scheint er sich zu f&uuml;rchten. Wer den Schmerz
-in Schimpf oder Ernst &uuml;bersieht, und sein
- <span class="pagenum"><a id="Seite_335">[S. 335]</a></span>
-unverwandtes Seelenauge mit strenger Aufmerksamkeit
-auf einen andern Gegenstand heftet,
-spielt dem Schmerz einen Streich, da&szlig;
-er nicht wei&szlig;, wie er daran ist. In allen
-diesen R&uuml;cksichten ist vom andern Geschlechte
-mehr, unendlich mehr, als vom unsrigen zu
-erwarten &mdash; Ein gewisses Segensprechen, ein
-gewisses Hohnsprechen, ist ihm eigen &mdash; Man
-seh' es leiden, man seh' es mitleiden, und
-Beileid bezeigen &mdash; man h&ouml;r' es Trost und
-Muth zureden &mdash;</p>
-
-<p>Wie viel eine vern&uuml;nftige Lebensordnung
-zur Erhaltung der Gesundheit beitr&auml;gt, und
-welch ein bedeutendes Hauptst&uuml;ck hier Speise
-und Trank ausmachen; wie vieles dabei auf
-wahre Zubereitung ankommt: das sind Umst&auml;nde,
-von denen jeder &uuml;berzeugt ist; und
-doch wird dieser wichtigste und eigentlichste
-Theil der Arzeneikunst ganz dem weiblichen
-Geschlecht &uuml;berlassen, ohne ihm die geringste
-Kenntni&szlig; von dem zu lehren, was es zubereitet,
-noch wie es dasselbe zubereiten mu&szlig;,
-wenn die thierische Maschine unterhalten und
-nicht zerst&ouml;ret werden soll &mdash; Vielleicht w&uuml;rde
- <span class="pagenum"><a id="Seite_336">[S. 336]</a></span>
-es durch Vermittelung der Weiber dahin
-kommen, da&szlig; Speise und Trank zu unserer
-Medicin w&uuml;rden, da&szlig; wir Medicin nicht mehr
-<i>einnehmen</i> d&uuml;rften &mdash; Wird nicht die H&auml;lfte
-ihrer Wirkung durch den Ekel eingeb&uuml;&szlig;t,
-den das Einnehmen veranla&szlig;t? Kurz und
-gut, das zahllose Heer von Processen und
-Krankheiten w&uuml;rde vermindert werden, wenn
-Weiber Richter und &Auml;rzte w&auml;ren. Ist es nicht
-leichter, manchen Krankheiten <i>auszuweichen</i>,
-als sie zu <i>heilen</i>? ist es nicht heilsamer f&uuml;r
-den Staat, wenn weniger seiner B&uuml;rger von
-Krankheiten heimgesucht werden, als wenn
-ihnen durch die Kunst der &Auml;rzte die Gesundheit
-wiedergegeben wird? Ist das auch wirklich
-Gesundheit, was diese Herren den Kranken
-daf&uuml;r verkaufen? Wahrlich, eben so wenig,
-wie das Gerechtigkeit ist, was wir in
-unsern Gerichtsh&ouml;fen sehr theuer bezahlen &mdash;</p>
-
-<p>V&auml;ter des Staats, errichtet, statt klinischer
-Institute, Schulen f&uuml;r die Weiber, wo das,
-was zum Unterhalt und zur Nahrung des
-Menschen dienen soll, n&auml;her gepr&uuml;ft und
-untersucht wird; wo sie gelehrt werden, Speise
- <span class="pagenum"><a id="Seite_337">[S. 337]</a></span>
-und Trank auf eine unsch&auml;dliche und schmackhafte
-Weise zu bereiten, und das Leben und
-die Gesundheit der Staatsb&uuml;rger zu sichern.
-Aber auch selbst in moralischer R&uuml;cksicht
-w&auml;re es den Sitten, und dem Staate, dem die
-Sitten seiner B&uuml;rger vorz&uuml;glich zu Herzen gehen
-m&uuml;ssen, vortheilhaft, wenn den Weibern
-gestattet w&uuml;rde, Arzeneikunde zu &uuml;ben.</p>
-
-<p>Weibliche &Auml;rzte m&uuml;&szlig;ten sich weit eher
-das Zutrauen bei den Kranken ihres Geschlechtes
-erwerben. Diese w&uuml;rden ihre Gebrechen
-leichter und mit weniger Zwang entdecken,
-und jene, aus Erfahrung mit der Natur und
-Beschaffenheit des weiblichen K&ouml;rpers, mit
-seiner periodischen Ausleerung bekannt, sicherer
-dem &Uuml;bel nachsp&uuml;ren, rathen und helfen
-k&ouml;nnen. Dann w&uuml;rden weibliche Krankheiten
-nicht mehr die Schande der &Auml;rzte seyn, und
-vielmehr eine Vollkommenheit in der Kunst
-erreichet werden, in so fern Vollkommenheit
-zu erreichen ist &mdash;.</p>
-
-<p>Schamhaftigkeit, diese Tugend, die das
-andere Geschlecht so herrlich kleidet, mit
-der, wenn sie verloren ginge, alle Grazien
- <span class="pagenum"><a id="Seite_338">[S. 338]</a></span>
-und Reitze ihre Kraft verlieren w&uuml;rden; sie,
-die durch nichts ersetzt wird &mdash; ist sie nicht
-oft die Ursache, da&szlig; M&auml;dchen Gebrechen so
-lange verheimlichen, bis dieselben nicht mehr
-zu heben sind? oder da&szlig; sie lieber mit Gefahr
-ihres Lebens auf die H&uuml;lfe der Kunst Verzicht
-thun? Wie manche hat eine Entz&uuml;ndung in's
-Grab gebracht, die, wenn sie weniger schamhaft
-gewesen w&auml;re, im Augenblick h&auml;tte gerettet
-werden k&ouml;nnen &mdash;! Wie viele b&uuml;&szlig;en
-nicht durch schwere Geburten ihr Leben ein,
-die es erhalten und dem Staate noch viele
-B&uuml;rger geschenkt haben w&uuml;rden, wenn Geburtsh&uuml;lfe
-eine weibliche Kunst w&auml;re, wenn
-man den Hebammen nicht blo&szlig; das Mechanische
-dieser Kunst &uuml;berlie&szlig;e, das Wissenschaftliche
-derselben aber sehr weislich den
-M&auml;nnern vorbehalten h&auml;tte! Ist es bei diesen
-Umst&auml;nden ein Wunder, da&szlig; in <i>London</i> und
-<i>Dublin</i> von Frauen, die sich durch Hebammen
-entbinden lassen, Eine unter 70, und von denen,
-die sich der Aufsicht m&auml;nnlicher Geburtshelfer
-bedienen, nur Eine unter 140 im
-Wochenbette stirbt? In der That, es bleibt
- <span class="pagenum"><a id="Seite_339">[S. 339]</a></span>
-unsittlich, da&szlig; ein Eheweib ihren K&ouml;rper vor
-irgend einem Manne, den ihrigen ausgenommen,
-entbl&ouml;&szlig;t! Verscheucht dergleichen &Uuml;berwindung
-der Schamhaftigkeit nicht Alles, was
-man Ehrbarkeit nennen kann? Wie viele
-Villacerfsche F&auml;lle m&ouml;gen, ohne da&szlig; sie verzeichnet
-sind, sich ereignet haben, wo ein
-Arzt im verliebten Taumel nicht wu&szlig;te, was
-er that! wo er, um ein Weib zu verf&uuml;hren,
-oder ein M&auml;dchen zu gewinnen, die Kur verl&auml;ngert,
-sie anders lenkt, und oft blo&szlig; in dieser
-R&uuml;cksicht einen langsamen oder schleunigen
-Tod, ohne da&szlig; er es dazu anlegte, bef&ouml;rdert!
-Und wenn man wei&szlig;, was Eifersucht
-vermag, wer zittert nicht bei diesem Gedanken
-und bei der Einrichtung, nach welcher
-man dem Arzte so viel anvertrauet, ohne selbst
-nur den leidigen Trost zu haben, durch drei
-Instanzen seinen Proce&szlig; zu verlieren!</p>
-
-<p>Woher kommt es, da&szlig; der so wichtige
-und &uuml;ber alles gehende Widerstreit zwischen
-Wohlstand, Sitten und Bed&uuml;rfni&szlig; bis jetzt
-&uuml;bersehen worden ist? Hat man ihn aber
-nicht &uuml;bersehen, warum ist denn <i>dieser</i> Mi&szlig;stand,
- <span class="pagenum"><a id="Seite_340">[S. 340]</a></span>
-dem so leicht abzuhelfen war, unabgeholfen
-geblieben? Man kann sich bei dergleichen
-Umst&auml;nden des zudringlichen Gedankens
-nicht erwehren, das moralische und physische
-Wohl der B&uuml;rger sei nicht das, womit
-die Staats-Piloten sich zu besch&auml;ftigen scheinen.
-In der That, Gl&uuml;ck und Zufall sind es
-gemeiniglich, welche Bahn und Fahrt bestimmen;
-denn es giebt der hier einschlagenden
-Unschicklichkeiten noch weit mehr, von welchen
-der Staat keine Notiz nimmt, ungeachtet
-sie einer ernstlichen R&uuml;ge bed&uuml;rfen, und
-ungeachtet es federleicht seyn w&uuml;rde, diese
-Quellen so mancher unmoralischen Folgen zu
-verstopfen &mdash; Noch bedient man sich der
-<i>Tanz-</i> und <i>Singemeister</i>, um dem Frauenzimmer
-Tanz und Musik beizubringen, und
-scheint es entweder nicht zu wissen oder
-nicht wissen zu wollen, wie nahe die weibliche
-Tugend hier der Gefahr ist, wie Manche
-diesen Versuchungen nicht widerstanden und
-als Opfer fielen.</p>
-
-<p>Man l&auml;&szlig;t es geschehen, da&szlig; <i>M&auml;nner Weiberk&ouml;pfe</i>
-putzen, und ahndet nicht, was hier
- <span class="pagenum"><a id="Seite_341">[S. 341]</a></span>
-f&uuml;r Gedanken geweckt, was f&uuml;r Bilder aufgeregt
-und was f&uuml;r Begierden gereitzt werden.
-Man vergi&szlig;t, da&szlig; die Gattin und Tochter
-m&uuml;&szlig;ig sitzen, da&szlig; das W&uuml;hlen in den Haaren
-einen gewissen physischen Kitzel, wo
-nicht bei beiden, so doch bei Einem Theile
-erregt; man &uuml;bersieht gewisse Stellungen, die
-einen aufmerksamen Beobachter viel errathen
-lassen. Zwar hat man angefangen, diese Gesch&auml;fte
-weiblichen H&auml;nden zu &uuml;bertragen; allein
-noch ist dies eine Seltenheit und eine
-&ouml;konomische Veranstaltung. Ein kleinlicher
-Bewegungsgrund, wo es doch deren so viele
-und so wichtige giebt.</p>
-
-<p>Auch die <i>weibliche Kleidung</i> sollte durch
-<i>Weiber</i> angemessen und gefertiget werden.
-Die Manipulation eines m&auml;nnlichen Schneiders
-und Schusters ist unschicklich. W&auml;r' es dem
-Staate Ernst, die gro&szlig;e und edle H&auml;lfte seiner
-B&uuml;rger n&uuml;tzlich zu besch&auml;ftigen; f&uuml;hlte er
-die gro&szlig;e Verpflichtung, diejenigen, welche
-die Natur gleich machte, auch nach Gleich
-und Recht zu behandeln, ihnen ihre Rechte
-und mit diesen pers&ouml;nliche Freiheit und Unabh&auml;ngigkeit,
- <span class="pagenum"><a id="Seite_342">[S. 342]</a></span>
-b&uuml;rgerliches Verdienst und b&uuml;rgerliche
-Ehre wiederzugeben; &ouml;ffnete er den
-Weibern Cabinette, Dikasterien, H&ouml;rs&auml;le,
-Comptoire und Werkst&auml;tten; lie&szlig;' er dem
-vermeintlich st&auml;rkeren Manne das Monopol
-des Schwertes, wenn der Staat sich nun einmal
-nicht ohne Menschenschl&auml;chter behelfen
-kann oder will; und machte er &uuml;brigens unter
-beiden Geschlechtern keinen Unterschied, so
-wie die Natur es wollte, und wie die b&uuml;rgerliche
-Gesellschaft es auch wollen sollte,
-wenn sie sich nicht etwa ihrer nat&uuml;rlichen
-Herkunft sch&auml;mt: so w&uuml;rden Staatswohl und
-Staatsgl&uuml;ckseligkeit sich &uuml;berall mehren, die
-Menschen wachsen wie die Weiden an den
-Wasserb&auml;chen, und die Menschheit ihrer
-gro&szlig;en Bestimmung mit schnellen Schritten
-zueilen &mdash;</p>
-
-<p>Doch! ich wollte nur Winke geben, und
-verdiene vielleicht den Beinamen, den man
-<i>Burke'n</i> zu einer gewissen Zeit beilegte: <i>the
-dinnerbell</i>, die E&szlig;glocke, weil die meisten Parlamentsglieder,
-wenn er zu peroriren anfing, das
-Haus verlie&szlig;en. Die Wahrheit bedarf keiner
- <span class="pagenum"><a id="Seite_343">[S. 343]</a></span>
-Schminke, und wer der Sch&ouml;nheit wegen
-schreibt, unterwirft sich dem Schicksal einiger
-Damen unserer verderbten Zeit, die
-sich weit lieber erk&auml;lten, als dem Putze das
-Mindeste von seinen modischen Rechten entziehen.
-Will man etwas in seinem ganzen
-Umfange, in seiner ganzen St&auml;rke genie&szlig;en,
-so entferne man alles Fremdartige, und mache
-es wie gro&szlig;e Esser, die, au&szlig;er dem Geschmack,
-den &uuml;brigen Sinnen in ihrem E&szlig;saale den Zutritt
-nicht verstatten. Selbst weite Aussicht,
-Tafelmusik, unterhaltende Gespr&auml;che entkr&auml;ften
-ihr Vergn&uuml;gen &mdash; Still essen sie, und
-Alles hat bei ihnen seine Zeit &mdash; Alles was
-kolossalisch in's Auge f&auml;llt, ist schw&auml;chlich.
-Wer Menschen verg&ouml;ttert, macht weniger aus
-ihnen, als sie von Gottes- und Naturwegen
-seyn k&ouml;nnen. <i>Immerhin Gott, nur kein Mensch</i>,
-hie&szlig; es von H&ouml;chstseligen Tyrannen &mdash; Detail-Vorschl&auml;ge
-geben sich von selbst, wenn
-nur der Total-Eindruck unausl&ouml;schlich ist.
-Der Text mu&szlig; sich nicht in den Prediger,
-sondern der Prediger in den Text schicken;
-und was hilft wissen und wollen, wenn es
- <span class="pagenum"><a id="Seite_344">[S. 344]</a></span>
-nicht zum Thun k&ouml;mmt! Wer nicht Nebenfolgen
-von eigentlichen, und Nebenursachen
-von Hauptursachen zu unterscheiden wei&szlig;,
-hat seinen Plan nur schlecht angelegt &mdash; oder
-hat gar keinen. &mdash;</p>
-
-<p>Wie aber! es erheben sich Einwendungen
-an allen <i>f&uuml;nf</i> Fingern der vorigen Kapitel.
-Immerhin! und w&auml;ren sie auch nichts weiter
-als wiederholte Wiederholungen, an denen
-denn doch meine Wenigkeit nicht Schuld ist,
-sondern (Niemand &uuml;brigens zu Leide gesagt)
-meine gebetenen G&auml;ste von Opponenten. &mdash;
-Jene <i>Chroniques scandaleuses</i> wider das sch&ouml;ne
-Geschlecht, von Misogynen und vielbeweibten
-M&auml;nnern, von Kastraten und k&ouml;rperlichen
-Kraftgenies, (die, in der Voraussetzung,
-das sinnliche Bed&uuml;rfni&szlig; sei das gr&ouml;&szlig;te Band
-unter beiden Geschlechtern, des Daf&uuml;rhaltens
-sind, die starken M&auml;nner w&auml;ren auch die besten)
-von Thoren und Weisen, von Heiligen
-und Liederlichen, von Sultanen und Keuschheitsw&auml;chtern,
-geschrieben und erz&auml;hlt &mdash; werden
-sie verm&ouml;gend seyn, uns umzuschaffen
-oder der Natur Gewalt zu thun &mdash;? <i>Das
- <span class="pagenum"><a id="Seite_345">[S. 345]</a></span>
-Weib sei nur des Mannes wegen?</i> Wohl,
-so wie der Mann des Weibes halben. Hast
-du nie ein Weib gesehen, Freund, das bei
-liebensw&uuml;rdiger Einfachheit eine erhabene Gr&ouml;&szlig;e
-verr&auml;th? bei voller Publicit&auml;t und Offenheit
-eine enthaltsame, strenge Zur&uuml;ckhaltung?
-&mdash; bei edler Zutraulichkeit forschende Pr&uuml;fung?
-&mdash; Es legt es nie auf Herzen an, und
-doch gewinnt es alle Herzen. Das edle Absichtlose,
-das die Poësie behauptet, ist seine
-Weise; und wie viel richtet es damit aus!
-Sein Blick, der durch die Kirchenschl&ouml;sser
-der Herzen dringt und Alles <i>f&uuml;r</i> und <i>wider</i>
-entdeckt; &mdash; seine Kraft, die Alles niederdr&uuml;ckt
-und hebt was es will; gleich frei von Freude
-wie von Leid, von Furcht und Hoffnung unbefangen,
-f&uuml;r den heutigen Tag lebend ohne
-Sorgen f&uuml;r den andern Morgen &mdash; wie schnell
-und wie umfassend wirksam, zur Selbstherrscherin
-aller Herzen geboren, erhebt dies
-Weib zu seinen Freunden, die es durch die
-Hoheit seiner W&uuml;rde zu seinen Untergebenen
-machte! <i>Koketterie</i> &mdash; sagst du &mdash;? Nun,
-so ist Kosmopolitismus Stoicismus &mdash; und die
- <span class="pagenum"><a id="Seite_346">[S. 346]</a></span>
-erhabenste Menschentugend im Leben und im
-Tode Koketterie! Von Natur sollte das Weib
-nicht den <i>Cajus</i>, <i>Titius</i> und <i>Sempronius</i> lieben,
-sondern das Geschlecht; durch die Ehe
-wird es Eines Mannes Weib: an jene Umfassung
-gewohnt, geht auch seine Denkart
-in's Allgemeine, in's Ganze, in's Gro&szlig;e &mdash;
-Macht ein gro&szlig;er Mann jene Rolle des gro&szlig;en
-Weibes; sage unverhohlen: fehlt ihr
-nicht oft Geist und Leben? &mdash; Du z&uuml;rnest,
-Freund? Was denkest du Arges in deinem
-Herzen?</p>
-
-<p>&raquo;<i>Alle &Uuml;bel in der b&uuml;rgerlichen Gesellschaft
-sind Werke der Weiber!</i>&laquo;</p>
-
-<p>Der Weiber, die doch in den politischen
-Gesellschaften nur Nullen sind, und ohne eine
-vorstehende m&auml;nnliche Zahl keine Bedeutung
-haben? Und warum ihr Werk? weil sie
-M&auml;nner dazu verleiteten? die Curandinnen die
-wohlweisen Curatoren? Wegen des Einflusses,
-den man den Weibern nicht versagen konnte,
-den auch Sklavinnen &uuml;ber ihre gestrengen
-Herren behaupteten. So sehet denn da die
-Rache, welche die Natur sich nicht versagen
- <span class="pagenum"><a id="Seite_347">[S. 347]</a></span>
-kann, wenn man ihre Majest&auml;t beleidigt &mdash;!
-Entzieht den Weibern keinen jener Antheile,
-wozu sie unleugbare Rechte haben, und ihr
-werdet jenen Schleichhandel von selbst heben,
-den jetzt die Weiber zum Nachtheile ihrer
-M&auml;nner und des Staates treiben. Die Vernunft
-ist g&ouml;ttliches Ebenbild, und wo ihr sie
-findet, da ist es Pflicht, ihre Superiorit&auml;t an
-zuerkennen &mdash; Wo sie erscheint, ist Werth,
-W&uuml;rde und Selbstbest&auml;ndigkeit. Sie regiert
-im Kleinsten der Unterthanen den Gr&ouml;&szlig;ten,
-den Herrn der Welt &mdash; und in dem Staate,
-wo sie unterdr&uuml;ckt wird, h&ouml;ren die Weisen
-die Stimme, welche sie auf ebene Bahn leitet:
-<i>Stehet auf und lasset uns von hinnen gehen!</i>
-Oder wie? ist etwa der Werth des anderen
-Geschlechtes nicht auf Vernunft, sondern auf
-Sinnlichkeit gegr&uuml;ndet? Ei, Lieber! k&ouml;nnen
-wir uns, so lange wir Kleider der Sterblichkeit
-tragen, &uuml;ber die Sinnlichkeit hinaussetzen?
-Nur ein Pedant kann die <i>Sinne</i> die Deutschen
-Klassen nennen; kommen wir nicht durch sie
-und durch die Empfindung der Vernunft zuvor?
-gr&uuml;nden die Sinne nicht die Vernunft?
- <span class="pagenum"><a id="Seite_348">[S. 348]</a></span>
-sind sie nicht &mdash; die h&ouml;chsten Revisoren derselben?
-erheben sie die Vernunft nicht zu ihrer
-eigentlichen W&uuml;rde? ist die Vernunft nicht
-<i>generis foeminini?</i> und der <i>Geschmack?</i> ist er
-nicht mit so sch&ouml;nen sittlichen Ideen ausgestattet,
-da&szlig; es eine Lust ist? Mu&szlig; die Vernunft
-sich nicht vielmehr von Amtswegen versinnlichen,
-um &uuml;ber das Herz zu siegen, das
-ein trotziges und verzagtes Ding ist, wer kann
-es ergr&uuml;nden &mdash;? W&uuml;rden wir nicht aufh&ouml;ren
-Menschen zu seyn, und &uuml;bernat&uuml;rlich
-werden, wenn wir auf das Wesen der Menschen
-Verzicht th&auml;ten? ist &uuml;bernat&uuml;rlich nicht
-auch unnat&uuml;rlich? Das feinste Raffinement
-ist immer ein Verwandter der Simplicit&auml;t. Das
-Loos dieses Lebens ist eine Menschenrolle;
-ist sie so subaltern wie sie scheint, und verdient
-<i>der</i> Bef&ouml;rderung, der im Geringeren ungetreu
-ist? Erst durch die Ehe wird das
-Weib in eben dem Grade durch den Mann
-vollendet, wie der Mann durch das Weib &mdash;
-Mann und Weib machen einen ganzen Menschen
-aus &mdash; Die relativen Eigenschaften, die
-zwischen beiden auf einander angelegt sind,
- <span class="pagenum"><a id="Seite_349">[S. 349]</a></span>
-setzen diese Behauptung au&szlig;er Zweifel. Darf
-ich es noch einmal wiederholen, da&szlig; der Vorzug
-der physischen Gr&ouml;&szlig;e und St&auml;rke des
-Mannes in Hinsicht des Weibes sich auf
-keine moralische &Uuml;berlegenheit unseres Geschlechtes
-bezieht? Kein Geschlecht hat den
-mindesten Werth ohne das andere; zusammen
-genommen machen sie die Menschheit aus.
-Wir spielen aus Einer Kasse, und die Natur
-hat Mann und Weib so zusammen gef&uuml;gt,
-da&szlig; kein Mensch sie scheiden kann &mdash; In einander
-verwebt, ist Eins um des Andern willen.
-Eifersucht auf Ansehen ist der Hebel, wodurch
-nur schwache Menschen gereitzt und
-in Athem gesetzt werden k&ouml;nnen. Was kann
-sich ohne Weiber gruppiren? Gehe mit einem
-dir v&ouml;llig gleichg&uuml;ltigen Weibe um, nur langer
-Weile halben &mdash; ehe du es merkst, wird deine
-Seele in die ihrige eingreifen; ihr werdet
-nicht von einander lassen, ohne da&szlig; Lust
-oder Liebe hierbei den mindesten Einflu&szlig; hat
-&mdash; Dieser Einklang ist Geschlechtstrieb, oder
-inniges geheimes Gef&uuml;hl, Best&auml;tigung der g&ouml;ttlichen
-Worte: Es ist nicht gut, da&szlig; der
- <span class="pagenum"><a id="Seite_350">[S. 350]</a></span>
-Mensch allein sei &mdash; Ohne <i>Eva</i> ist <i>Adam</i>
-ein Thier, und <i>Eva</i> ohne <i>Adam</i> eine Klosterjungfer.
-Wer bemerkte nicht, da&szlig; fast alle
-M&auml;nnergesellschaften mit dem Paradiese anfangen
-und mit dem j&uuml;ngsten Gerichte enden!
-Man erstaunt &uuml;ber die Spr&uuml;nge, welche M&auml;nnergespr&auml;che
-nehmen &mdash; Weiber kn&uuml;pfen sie
-zusammen und bringen Alles in das Verh&auml;ltni&szlig;,
-wenn gleich gesellschaftliche Unterhaltungen
-mit Recht die Art der Englischen G&auml;rten
-behalten, die genau gebahnte Wege vermeiden.
-&mdash; W&auml;re gr&ouml;&szlig;ere k&ouml;rperliche St&auml;rke mit einer
-gr&ouml;&szlig;eren Seelenkraft verbunden, so w&uuml;rde diese
-Schrift sehr klein geworden seyn, und es h&auml;tte
-nicht verlohnt, an eine b&uuml;rgerliche Verbesserung
-der Weiber zu denken. Macht aber der
-Geist des Menschen sein eigentliches Wesen
-und Seyn, so ist die Unf&auml;higkeit des Weibes
-zu Staatsgesch&auml;ften, K&uuml;nsten und Wissenschaften
-ein Vorwand, allein kein Einwand &mdash;
-Selbst nicht immer sind die Weiber schw&auml;cher
-gebauet als die M&auml;nner &mdash; &raquo;<i>In einzelnen F&auml;llen
-&mdash;? in niederen Klassen?</i>&laquo; Nein! auch
-selbst im Allgemeinen. In <i>Champagne</i>, wo
- <span class="pagenum"><a id="Seite_351">[S. 351]</a></span>
-die Einwohner ein gesunder Schlag Leute sind,
-sollen, nach der Bemerkung der Reisenden,
-die Weiber st&auml;rker seyn als die M&auml;nner; und
-wie viele junge W&uuml;stlinge giebt es, die sich
-das Alter in der Jugend inoculiren lie&szlig;en, um
-so wenig vor Alter, wie an den Pocken zu
-sterben &mdash;! Ich will f&uuml;r meinen Einwender
-Gr&uuml;nde auslegen, die er mir hoffentlich zu
-seiner Zeit erstatten wird. Zugegeben, da&szlig;
-das Weib im Allgemeinen und bei allen Nationen,
-so wie &uuml;berhaupt, in der ganzen thierischen
-Sch&ouml;pfung, schw&auml;cher, feiner und zarter
-gebauet ist als der Mann; zugegeben, da&szlig;
-die weiblichen Nerven biegsamer, reitzbarer
-und z&auml;rtlicher als die unsrigen sind: was folgt
-daraus? etwa, da&szlig; der K&ouml;rper der Weiber
-nicht zu langen Anstrengungen des Geistes
-angelegt sei? da&szlig; sie wegen ihrer lebhaften
-Imagination nicht lange bei einem Gegenstande
-verweilen k&ouml;nnen? da&szlig; Anstrengung des Kopfes,
-Sammlung des Geistes ihre Sache nicht
-sei? &mdash; Giebt es nicht wissenschaftliche Gegenst&auml;nde,
-welche Biegsamkeit und Feinheit
-erfordern? L&auml;&szlig;t denn k&ouml;rperliche St&auml;rke auf
- <span class="pagenum"><a id="Seite_352">[S. 352]</a></span>
-geistige schlie&szlig;en? und hat ein vierschr&ouml;tiger
-Tagel&ouml;hner die beste Anlage zum Generalsuperintendenten?
-&mdash; Die vorz&uuml;glichsten Menschen
-hatten schon oft die schw&auml;chlichsten K&ouml;rper.
-Eine gro&szlig;e Seele hat selten einen handfesten
-Leib zu seinem Gef&auml;hrten gew&auml;hlt; Freund <i>Hume</i>
-und einige andere ausgenommen, waren gro&szlig;e
-Geister in der Regel klein und schw&auml;chlich &mdash;.
-Was wohl leibet, hei&szlig;t es in einem alten Sprich-
-und wahren Worte, seelet oft &uuml;bel. Selbst
-<i>Alexander</i> und <i>Friedrich II</i> waren klein von
-K&ouml;rper, so wie Helden gew&ouml;hnlich nicht auf
-gro&szlig;e Statur Anspruch hatten. Oder wie?
-haben Physiologen ausfindig gemacht, da&szlig; die
-urspr&uuml;ngliche weibliche Organisation die Weiber
-zu subalternen Gesch&ouml;pfen mache, ihnen
-den Weg zu allem Edlen und Gro&szlig;en vertrete,
-und, wenn auch J&uuml;nglinge und M&auml;dchen einerlei
-Unterricht empfingen, von einerlei Motiven
-zu ihrer Geistesbildung angetrieben w&uuml;rden
-&mdash; jene doch diese allemal &uuml;berfl&uuml;gelten?
-W&auml;ren diese Beobachtungen wahr und richtig,
-so m&uuml;&szlig;te man freilich glauben, auch wenn
-man das gerade Gegentheil s&auml;he &mdash; Ei Lieber!
- <span class="pagenum"><a id="Seite_353">[S. 353]</a></span>
-wo hat man den Erfahrungsschatz gefunden?
-gesammelt hat man ihn doch nicht?
-wo sind Versuche gemacht? absichtlich gemacht?
-und m&uuml;&szlig;te das nicht vorausgegangen
-seyn, wenn man &uuml;ber Anlagen und F&auml;higkeiten
-so absprechen wollte? Es hat nie weder
-an K&ouml;pfen noch an Herzen unter den Weibern
-gefehlt, die den M&auml;nnern den Rang abgewonnen!
-Ich beziehe mich auf den Anfang dieses
-Ohrfingers von Capitel, welcher so spendivisch
-preisw&uuml;rdige Namen genannt hat &mdash; Und
-warum wollen wir mit einander streiten, da
-jeder Blick aus der Arche der Studierstube das
-Vorurtheil der Weiberverachtung widerlegen
-kann und wird &mdash; falls ihm kein gef&auml;rbtes
-Glas die Kraft benimmt. Es geht meinem
-Gegner wie vielen andern seiner Art: er bestreitet
-nicht die Sache selbst, sondern die
-unrichtigen Begriffe, die er sich von der Sache
-macht; nicht mich, sondern sich &mdash;</p>
-
-<p><i>Freilich</i> &mdash; (ein erw&uuml;nschter Anfang von
-einem Opponenten!) <i>Freilich wallfahrtete die
-K&ouml;nigin aus Arabien, um bei dem Professor
-Salomo einen philosophischen Cursus zu h&ouml;ren;
- <span class="pagenum"><a id="Seite_354">[S. 354]</a></span>
-und wir k&ouml;nnen nach der Liebe hoffen, da&szlig;
-er sie nicht ohne <em class="gesperrt">augenscheinlichen Segen</em>
-seiner Schule entlassen haben wird.</i></p>
-
-<p>Der Schule der Weisheit doch wohl? sonst
-m&uuml;&szlig;t' ich dies <i>Freilich</i> mit Zinsen zur&uuml;ckgeben.
-Wo der liebe Gott eine Kirche hat,
-da bauet sich der leidige Feind eine Kapelle
-&mdash; Jede Akademie der Weisheit hat ein Gymnasium
-der Torheit in der N&auml;he; in der
-gr&ouml;&szlig;ten Sch&ouml;nheit liegt der Stoff zur gr&ouml;&szlig;ten
-H&auml;&szlig;lichkeit &mdash; Je gl&uuml;cklicher die Vernunft
-den blauen Dunst zu verbreiten sucht, der
-unser Auge verf&auml;lscht; je heftiger wird die
-Begierde, sie durch Besuche aus jenen Gegenden
-zu widerlegen, wo abgeschiedene Seelen
-hausen &mdash; Beweiset die k&ouml;nigliche Wanderschaft
-(des <i>Freilichs</i> ungeachtet) nicht kl&auml;rlich,
-wie begierig die sch&ouml;ne Welt &mdash; wohl zu
-merken nach Weisheit ist &mdash;? in Ernst, was
-wissen wir denn? Sind Weiber gleich zuweilen
-des Daf&uuml;rhaltens, einer Philosophie
-nicht zu bed&uuml;rfen, nach welcher wir uns
-r&uuml;hmlichst den Kopf zerbrechen, um grundgelehrt
-sagen zu k&ouml;nnen: wir w&uuml;&szlig;ten nichts;
- <span class="pagenum"><a id="Seite_355">[S. 355]</a></span>
-k&ouml;nnen ihnen dagegen wohl Energie der Seele
-und tiefgesch&auml;rfte Bemerkungen abgesprochen
-werden? Und so w&auml;re denn auch dieses Spiel
-f&uuml;r die Weiber gewonnen &mdash; &mdash; &mdash; Kinder reicher
-Leute sind gemeiniglich so bauf&auml;llig, wie die
-H&uuml;tten der Armen, und langer Nichtbrauch kann
-Kr&auml;fte schw&auml;chen; &mdash; allein auch heben?</p>
-
-<p>Wer kann behaupten, <i>da&szlig; das Eigenth&uuml;mliche
-des Geschlechtes nichts Bestimmendes
-f&uuml;r die b&uuml;rgerliche Gesellschaft habe?</i> Das
-Weib hat Selbstliebe und die damit correspondirende
-Selbstbest&auml;ndigkeit &mdash; Ist b&uuml;rgerliche
-Gesellschaft denn etwas anderes, als eine vergr&ouml;&szlig;erte
-h&auml;usliche? oder sind etwa auch in
-der h&auml;uslichen Gesellschaft die Weiber nicht
-an Ort und Stelle? Wo sind Privatgesellschaften,
-die in die L&auml;nge ohne Weiber sich halten
-k&ouml;nnten? Ihren Hauptreitz verdanken sie den
-Weibern, deren munterer leichter Ton Alles
-in's Geschick bringt, und die schwersten Gegenst&auml;nde
-schmackhaft, anmuthig, gef&auml;llig und
-gel&auml;ufig zu machen versteht &mdash; Sie finden zu
-den Gedanken des Mannes die schicklichsten
-Ausdr&uuml;cke; und oft hab' ich zu bemerken Gelegenheit
- <span class="pagenum"><a id="Seite_356">[S. 356]</a></span>
-gehabt, da&szlig;, umgekehrt, M&auml;nner die
-Gedanken des anderen Geschlechtes durch
-wohlgew&auml;hlte Worte zu beleben suchen. Bei
-jeder Regel haben sie zehn F&auml;lle bei der
-Hand, die jene best&auml;rken oder widerlegen;
-ihre vom richtigsten Geschmack gebildete Einbildungskraft
-bringt in die abstraktesten Dinge
-eine lebendige Seele! Wir wollen viel wissen,
-die Weiber viel verstehen; wir wollen viel
-gedacht haben, die Weiber viel sagen und in
-Umlauf bringen. Sie protegiren gemeiniglich
-nicht Gelehrte, sondern die Gelehrsamkeit;
-weniger eitel in dieser Hinsicht als wir, legen
-sie es darauf an, weniger gelehrt als weise zu
-seyn; sie ehren den Witz, und bedienen sich
-seiner als der ihnen von Natur beigelegten
-Waffen, sich in Achtung zu setzen und darin
-zu erhalten. Durch Witz beleben sie ihre
-gesellschaftlichen Cirkel, und halten jede Ungezogenheit
-ab; ihre gef&auml;llige Laune tingirt
-Alles mit Wohlgefallen &mdash; Dem Pedanten
-schleifen sie den Rost ab, damit er ertr&auml;glich
-werde; und wenn <i>Newton</i> ihren Finger nimmt,
-um seine Pfeife nachzustopfen, so wissen sie
- <span class="pagenum"><a id="Seite_357">[S. 357]</a></span>
-diese unverzeihliche Zerstreuung zu seinem
-Vortheile zu wenden; wenn er etwas &uuml;ber die
-Offenbarung Johannis schreibt, so thut es
-durch den Schutz, den sie ihm angedeihen
-lassen, ihm an dem Orte, wo er lebt, keinen
-Schaden. Ein gro&szlig;er Gewinn! Nichts wird
-so wenig vergeben als pers&ouml;nliches Verdienst,
-und nichts wird so gern von Damen in Schutz
-genommen als eben dieses. Empfindlichkeit
-ist innig mit Genie verbunden: in unserem
-Gl&uuml;cke liegt auch immer der Keim unseres
-Ungl&uuml;ckes; und wie viel haben Damen zu
-thun, um hier Alles zum Besten zu kehren,
-zu ebenen und in's Gleichgewicht zu bringen!
-Ruhe und Ruhm sind selten gute Freunde;
-Damen versuchen die S&uuml;hne unter ihnen, und
-wissen sie zu vergleichen. Sie vertreiben jenen
-Rauch in den Schriften der sch&ouml;nen Geister,
-der Alles r&auml;ucherig gemacht haben w&uuml;rde,
-wenn nicht in Zeiten frische Luft dazu gekommen
-w&auml;re. Sie stellen bei kleinen Soupers
-witzige Turniere an, und lenken das Gefecht.
-Sie widersprechen nicht wie mein
-Gegner, sondern oft nur, damit man einsehe,
- <span class="pagenum"><a id="Seite_358">[S. 358]</a></span>
-da&szlig; hier ihrer Zwei sind &mdash; Wenn Gelehrte
-Gedanken &uuml;berschlagen, so wie man Bl&auml;tter
-&uuml;berschl&auml;gt; so f&uuml;llen sie die L&uuml;cken, und
-setzen Alles in Verbindung &mdash; Ihre Aufmunterung
-erh&auml;lt den verdienstvollen Schriftsteller
-aufrecht, wenn Knaben ihn einen Kahlkopf
-hei&szlig;en; sie decken ihn mit ihrer &Auml;gide vor
-den feurigen Pfeilen des Neiders und Sp&ouml;tters,
-so da&szlig; die besten Autoren an ihrer Hand die
-Stufe der verdienten W&uuml;rde erstiegen, die sie
-ohne diese Engel der St&auml;rkung gewi&szlig; nicht
-erreicht haben w&uuml;rden &mdash; In der Bl&uuml;the w&auml;ren
-sie verwelkt, und noch ehe sie zu m&auml;nnlicher
-St&auml;rke gelangten, w&uuml;rden sie, ohne weibliche
-Aufmunterung, Autorlebenssatt dahin geschieden
-seyn &mdash; Die Pr&auml;mien aller Akademien
-k&ouml;nnen nicht den aufgekitzelten Witz
-eines Sp&ouml;tters in unserm geselligen Kreise z&uuml;geln;
-&mdash; und Weiber, die so wohlth&auml;tig in
-kleinen Gesellschaften sind, sollten es weniger
-in gr&ouml;&szlig;ern und im Staate seyn &mdash;? Ein Englischer
-Reisender macht die Anmerkung, da&szlig;
-die Franz&ouml;sinnen in den Tagen der Fr&ouml;hlichkeit
-und des Genusses gl&auml;nzten, die Engl&auml;nderinnen
- <span class="pagenum"><a id="Seite_359">[S. 359]</a></span>
-dagegen im Schatten des eingezogen
-Lebens und in der h&auml;uslichen Ruhe &mdash;
-Man lasse sie zu <i>Staats-Gesch&auml;ften</i>, und wir
-werden finden, da&szlig; sie nicht blo&szlig; zum
-Englischen Fr&uuml;hst&uuml;ck, zu einer Franz&ouml;sischen
-Assemblee, sondern auch in Gesch&auml;fte die
-n&auml;mliche Milde und G&uuml;te bringen werden,
-die sie &uuml;berall, wo sie sind, verbreiten &mdash; Sie
-sind das Salz der Erden, das Allem Geschmack
-giebt, das Licht, das &uuml;berall erleuchtet, es mag
-als Mond des Hauswesens, oder als Sonne
-des Staates aufgehen. Nicht nur die angeborne
-Moral ihrer sch&ouml;nen Seelen; nicht nur
-ihre Herzenskunst die feinsten Winkelz&uuml;ge des
-menschlichen Empfindens zu erreichen; nicht
-nur ihr durchdringender Blick, der wie die
-Steine <i>Davids Goliathe</i> t&ouml;dtet; sondern auch
-jene Eigenschaften, die uns die Kindheit so
-liebensw&uuml;rdig machen, ihre edle Einfalt, ihre
-G&uuml;te des Herzens, ihre von, aller Menschenfurcht
-entfernte Seele, ihr unbesorgtes Vertrauen
-auf den Vater im Himmel und auf eine
-gerechte, eine gute Sache, w&uuml;rden die Staatsgesch&auml;fte
-wiedergeb&auml;ren, und wir einen neuen
- <span class="pagenum"><a id="Seite_360">[S. 360]</a></span>
-Himmel und eine neue Erde des Staates sehen,
-wo Gerechtigkeit und Milde wohnten, und in
-einem neuen heiligen Leben wandeln. &mdash; Es
-w&auml;re eine unverzeihliche Sp&ouml;tterei, wenn man
-auf die Frage: warum die weiblichen monarchischen
-Regierungen besser als die m&auml;nnlichen
-sind? antworten wollte: weil alsdann
-M&auml;nner das Ruder in H&auml;nden haben, so wie,
-wenn M&auml;nner regieren, Weiber sich am Ruder
-befinden; allein auch selbst diese Sp&ouml;tterei,
-so wenig sie von der Geschichte gerechtfertigt
-wird, beweiset mindestens, da&szlig; Weiber
-guten Rath zu sch&auml;tzen wissen: und ist dies
-nicht bei M&auml;nnern nur selten der Fall? Doch,
-berufen Einwendungen zu l&ouml;sen, wie komm'
-ich zur Apologie &mdash;?</p>
-
-<p>&raquo;<i>Eine Hauptbestimmung des Weibes ist
-Kindererziehung. Um desto sicherer zu gl&auml;nzen,
-vers&auml;umt es diese Pflicht, die Miethlingen
-&uuml;berlassen werden mu&szlig;; und wenn etwa
-eine Mutter noch mit getheiltem Kopf und
-Herzen die Erziehung ihrer Tochter &uuml;bern&auml;hme
-&mdash; ist es Wunder, da&szlig; sie, durch Gesellschaft
-verdorben, anf&auml;nglich mit ihr paradirt,
- <span class="pagenum"><a id="Seite_361">[S. 361]</a></span>
-und nicht lange nach diesen Tagen eifers&uuml;chtig
-auf sie wird?</i>&laquo; &mdash;</p>
-
-<p>Lieber! ist die Erziehung blo&szlig; Pflicht der
-M&uuml;tter, oder liegt sie nicht auch den V&auml;tern
-ob? geh&ouml;ren die Kinder nicht beiden? Und
-wenn der Vater, dieser Verpflichtung ungeachtet,
-nicht aufh&ouml;rt gesellig zu seyn, warum soll
-es denn die Mutter? Wozu werden Kinder
-erzogen? nicht zur Gesellschaft im Gro&szlig;en
-und Kleinen? und diese kennen zu lernen,
-soll die Mutter Verzicht thun? sie soll erziehen,
-ohne die Erziehungskunst zu kennen? &mdash;
-Einer der ungerechtesten Vorw&uuml;rfe ist es, die
-<i>gro&szlig;e Weichlichkeit unseres Jahrhunderts auf
-die Rechnung der Weiber, und des Tons, den
-sie in Gesellschaften angeben, zu setzen</i>. Sind
-wir wohl so weichlich wie die cultivirten V&ouml;lker,
-die ihre Weiber einsperren? Selbst zu
-gymnastischen &Uuml;bungen giebt das andere Geschlecht
-unsern J&uuml;nglingen Gelegenheit, die inde&szlig;
-kaum noch Kraft zum Tanze haben, der
-ohne die Weiber v&ouml;llig aufh&ouml;ren w&uuml;rde &mdash;! &mdash;
-Die Weichlichkeit fing von jeher bei unserem
-Geschlechte an, und gewi&szlig; haben wir es den
- <span class="pagenum"><a id="Seite_362">[S. 362]</a></span>
-Weibern zum gr&ouml;&szlig;ten Theil zu verdanken,
-da&szlig; sie nicht noch gr&ouml;&szlig;ere Verw&uuml;stungen
-macht. Jene Eitelkeit, die jetzt den Weibern
-anklebt, wird von selbst aufh&ouml;ren, wenn wir
-ihnen den Zutritt zu Dingen verstatten, wo
-sie sich von einer vortheilhafteren Seite zeigen
-k&ouml;nnen. Bis jetzt schr&auml;nkte sich ihre ganze
-Bestimmung auf die Kunst ein uns zu gefallen,
-und ein M&auml;dchen hat seinen Lauf vollendet,
-wenn es das Gl&uuml;ck hat, einen J&uuml;ngling anzuwerben,
-der seiner w&uuml;rdig ist. Gebet den
-Weibern und M&auml;dchen andere Besch&auml;ftigungen,
-und sie werden jene Kleinigkeiten, jene
-Puppen aufgeben, und die &auml;u&szlig;erlichen Vorz&uuml;ge
-weit unbetr&auml;chtlicher finden, als ein gro&szlig;er
-Theil unserer Narcissen, die im Spiegel
-der M&auml;dchen blo&szlig; ihr geziertes Selbst erblicken.
-Befriedigen wir &uuml;berhaupt durch das,
-was wir dem anderen Geschlechte zugestehen,
-nicht weit mehr unsere Eitelkeit, als die Forderung
-der Natur, als die W&uuml;nsche eines
-denkenden Weibes? Es ist nicht zu leugnen,
-da&szlig; jetzt auch eine tugendhafte, ihrem Manne
-getreue Frau eine gewisse Koketterie f&uuml;r keinen
- <span class="pagenum"><a id="Seite_363">[S. 363]</a></span>
-Fehler h&auml;lt und M&auml;nnern von Verdiensten so
-liebreich und zuvorkommend begegnet, da&szlig;
-diese nicht umhin k&ouml;nnen, ihr eine vorz&uuml;gliche
-Dankbarkeit zu erweisen &mdash; Doch sollen
-hierdurch Begierden nicht geweckt oder
-gereitzt werden; nie denkt jene liebe Frau sie
-zu befriedigen, und der Mann, der darauf
-Rechnung machen wollte, w&auml;re ein Neuling,
-oder ein Prahler oder &mdash; Wenn der liebe
-Gott einen Menschen strafen will, so f&auml;ngt er
-an, ihn inconsequent reden oder handeln zu
-lassen &mdash; &mdash; Es giebt stillschweigende Bedingungen,
-die, ob sie gleich nicht verabredet,
-sondern vorausgesetzt und angenommen sind,
-doch heiliger als schriftliche Contrakte, mit
-Notariatssiegeln verunstaltet, erf&uuml;llt werden
-&mdash; sie sind eine Art von Spielschuld, die
-auch den K&ouml;niglichen Allerh&ouml;chsten Kassen
-vorgeht &mdash; Bei der jetzigen Lage der Dinge
-tr&auml;gt diese Koketterie des gemeinen Lebens
-dazu bei, da&szlig; der Umgang anziehender wird
-&mdash; man macht, wenn ich so sagen darf, nicht
-dem K&ouml;rper, sondern der Seele den Hof, und
-es giebt in der That <i>Seelen-Cicisbeos</i>, die unschuldigsten
- <span class="pagenum"><a id="Seite_364">[S. 364]</a></span>
-Gesch&ouml;pfe unter der Sonne &mdash;
-Eine gewisse Art von Gleichheit unter den
-Menschen, welche an die Unschuld der ersten
-Welt erinnert, wird hierdurch zu Stande gebracht;
-und so lange Weiber an den Staatsgesch&auml;ften
-nicht Theil nehmen, und wir keine
-ernsthafte Dinge mit ihnen und in ihrer Gegenwart
-treiben k&ouml;nnen, ist diese Koketterie
-ein Noth&uuml;bel, ohne das unsere Gesellschaften
-das Schalste, Unreitzendste und Langweiligste
-seyn w&uuml;rden, was je in der Welt gewesen
-ist und seyn kann.</p>
-
-<p>Der Einwand meines Gegners, <i>da&szlig; Weiber
-zu viel Zeit auf ihren Leib verwenden</i>,
-spielt den Krieg in sein eignes Land &mdash; Sind
-wir es nicht, die ihnen die Seele bestreiten
-&mdash;? die sie auf den K&ouml;rper einschr&auml;nken?
-Ist denn etwa der K&ouml;rper uns blo&szlig; Ballast,
-mit dem die arme Seele sich beschwert hat,
-um auf der Fahrt dieses Lebens fortzukommen?
-oder ist er nicht vielmehr ein ehrw&uuml;rdiger
-Theil des Menschen? &mdash; Wer die Seele den
-Genius des Menschen nannte &mdash; hatte der so
-ganz unrecht? Man gradiere die Weiber im
- <span class="pagenum"><a id="Seite_365">[S. 365]</a></span>
-Staate, so wie man dem Golde eine h&ouml;here Farbe
-giebt; und sie werden &uuml;ber den Leib die Seele
-nicht vers&auml;umen &mdash; Ist es Ernst, lieber
-Einwender, oder ist deine Behauptung, <i>da&szlig;
-die Weiber eine un&uuml;berwindliche Neigung zur
-Pracht besitzen, wodurch sie ihre M&auml;nner zur
-Verschwendung und zu betr&uuml;gerischen Concursen
-verleiten</i>, Scherz? &mdash; Ernst also! Lieber!
-wer brachte sie auf die Bahn zur Pracht?
-nicht der Stand des Mannes? m&uuml;ssen sie
-nicht diesem oft die gl&uuml;cklichsten Neigungen
-ihres Herzens aufopfern? Ist ihre nat&uuml;rliche
-Stimmung nicht f&uuml;r Einsamkeit und Landleben?
-&mdash; <i>Landleben?</i> &mdash; Allerdings! Nicht
-aber f&uuml;r jenes, das keine Wohnung der Weltentfernung,
-sondern eine Gelegenheitsmacherin
-zu neuen &Uuml;ppigkeiten und zu einer ganz
-neuen Art der &Uuml;bertreibung ist &mdash; An der
-Hand des Weibes scheint die Natur sich mit
-uns vertraulicher einzulassen und recht Gelegenheiten
-aufzusuchen, ihre Milch und ihren
-Honig, den ganzen Reichthum ihrer Woll&uuml;ste,
-uns schmecken und sehen zu lassen. Die edlen
-Erg&uuml;sse der Z&auml;rtlichkeit, wenn sie reitzend
- <span class="pagenum"><a id="Seite_366">[S. 366]</a></span>
-ausgewechselt werden sollen, suchen das Land,
-und entfernen sich von Hof und Stadt, wo
-sie Fremdlinge sind &mdash; sie leiden keine Zeugen,
-und weit weniger Laurer und Faher &mdash;
-Wie oft mu&szlig; sich das Land mi&szlig;brauchen
-lassen, die verstimmten Sinne des Hofmanns,
-nicht zur Tugend und zu sanften Sitten, sondern
-zu neuen Ausgelassenheiten aufzuheitern! &mdash;
-Man sucht reinere Luft, um sich zu einer
-neuen Art Ausschweifung aufzufrischen &mdash;
-Weiber suchen das Land, und warten nicht
-darauf, dahin verwiesen oder ausgesto&szlig;en zu
-werden &mdash; Freund! sie sollten die Gr&auml;fin
-<i>**b*</i> kennen! Sie darbt, wenn man an der
-Hand der Natur darben kann, um f&uuml;r ihren
-Schlemmer von Gemahl eine ungeheure Schuldenlast
-zu bezahlen, die nicht blo&szlig; S&uuml;nden
-der Jugend sind, sondern die er in einem
-Staatsposten, der seinen Mann n&auml;hrt, noch
-immer vergr&ouml;&szlig;ert &mdash; Weiber schaffen sich
-Welten, die sie bes&auml;en und bepflanzen, durch
-eine wohlth&auml;tige Einbildungskraft, die ohne
-M&uuml;he reich macht: in der wirklichen Welt &mdash;
-wie unbedeutend ist da ihre Rolle! &mdash; sie zogen
- <span class="pagenum"><a id="Seite_367">[S. 367]</a></span>
-Nieten aus jenem Gl&uuml;ckstopfe; wir die Gewinner
-&mdash; Man kann durch Gedanken sich
-erhitzen und zu einer R&ouml;the kommen, die
-man eine Seelenr&ouml;the nennen k&ouml;nnte, und die
-sich von allen jenen unterscheidet, welche
-durch k&ouml;rperliche Erhitzungen veranla&szlig;t werden;
-und so eine R&ouml;the innerer Zufriedenheit,
-mit Zuziehung einer wohlerlaubten Einbildungskraft
-erregt &mdash; welch eine Zierde auf der
-Wange eines edlen Weibes! Hast du nie die
-Wonne eines Familienzimmers empfunden, wo
-man eigentlich zu Hause ist? denn in den
-&uuml;brigen wohnen G&auml;ste oder ein antisokratischer
-D&auml;mon von Pracht und Stolz; und welches
-Zimmer ist dem andern Geschlechte das angemessenste?
-das erste das beste &mdash; Und wie!
-wenn es auch Weiber giebt, die zu meiner
-Beschreibung nicht passen, wurden sie nicht
-schon als Br&auml;ute zum unzeitigen Aufwande
-durch Geschenke verf&uuml;hrt, die weit &uuml;ber das
-Verm&ouml;gen des Br&auml;utigams gingen? Schwingt
-sich das Weib zum Regiment, so wird es ihm
-schwer und unertr&auml;glich sich herabzustimmen
-&mdash;; und wenn es sich wirklich herabstimmt,
- <span class="pagenum"><a id="Seite_368">[S. 368]</a></span>
-ist es verzeihlich, solche Bl&ouml;&szlig;en zu
-geben? solche Betr&uuml;ge ungestraft zu begehen?
-ist es nur anst&auml;ndig, als Br&auml;utigam den <i>Pastor
-fido</i> zu spielen, um nachher als Ehemann den
-<i>Orlando furioso</i> zu machen? sein Weib aus
-dem Himmel in die H&ouml;lle, aus Eldorado in
-eine Schenke zu werfen, wo man es durch
-ein Schattenspiel an der Wand entsch&auml;digen
-will? &mdash; So betete man weiland in Paris die
-Kom&ouml;dianten an, denen man im Tode ein
-ehrliches Begr&auml;bni&szlig; versagte &mdash;.</p>
-
-<p><i>Weiber sind auffahrend; der Zorn aber
-(das Vorspiel der Raserei) thut nie, am wenigsten
-in Staatsgesch&auml;ften, was Recht ist.</i></p>
-
-<p>Und woher dieser Zorn? der Ohnmacht halben,
-und weil den Weibern keine rechtm&auml;&szlig;ige
-Macht zustehet? Was hilft es, mit sich
-selbst zu Rathe zu gehen, wenn es an aus&uuml;bender
-Gewalt fehlt, die weise genommenen Beschl&uuml;sse
-zur Vollziehung zu bringen! &mdash; &raquo;Kannst
-du regnen, so kann ich auf Holzschuhen gehen,&laquo;
-hei&szlig;t es in einem alten Deutschen
-Sprichworte; und wer leugnet es, da&szlig; man
-bei den Ausbr&uuml;chen des Zorns die eignen Gedanken
- <span class="pagenum"><a id="Seite_369">[S. 369]</a></span>
-der Seele nicht vernimmt, so wie man
-bei tobendem Gewitter sein eignes Wort nicht
-h&ouml;ren kann! &mdash; Als jener edle Mann des Alterthums
-nach seiner R&uuml;ckkehr sein Hauswesen
-in unverzeihlicher Unordnung fand, stellte er
-seinen <i>Vizdum</i>, den ungerechten Haushalter,
-blo&szlig; mit den weisen, bewunderungsw&uuml;rdigen
-Worten zur Rede: <i>wie w&uuml;rd' ich dir begegnen,
-wenn ich nicht b&ouml;se w&auml;re</i> &mdash;! Mein
-guter Freund ** sah einem Diebe gelassen
-zu, der ihm sein Holz stahl, und nur als er
-zu bef&uuml;rchten anfing, der Holzdieb w&uuml;rde sich
-zu sehr belasten, bat er ihn dienstfreundlich,
-sein selbst zu schonen, und sich, den Weg
-zweimal zu gehen, nicht verdrie&szlig;en zu lassen.
-<i>Rechtsum</i>, sch&ouml;n! und <i>Linksum</i>? Welchem
-Herrn dient der Knecht lieber: dem, der ihn
-in der ersten Hitze seine Strafhand empfinden,
-oder dem, der eiskalt ihn blutig st&auml;upen l&auml;&szlig;t?
-&raquo;Der Teufel verliert keinen Dreier dabei, wenn
-ich nicht fluche,&laquo; sagte ein Bauerknabe, als
-ihm das zweite Gebot eingebl&auml;uet ward &mdash;
-So theuer bezahl' ich die Weisheit nicht &mdash;
-Wie Vielen kostete die Zornunterdr&uuml;ckung Gesundheit
- <span class="pagenum"><a id="Seite_370">[S. 370]</a></span>
-und Leben! &mdash; Gesetzt Weiber verst&auml;nden
-die Kunst nicht, ihren Zorn &auml;u&szlig;erlich
-zu z&auml;hmen, und eine gewisse Ruhe zu schwarzk&uuml;nsteln
-&mdash; sind nicht die unversteckten Fehler
-die leichtesten und gemeiniglich Schwachheitss&uuml;nden,
-von denen sich auch fromme
-gottgef&auml;llige Seelen nicht lossagen k&ouml;nnen?
-Die Heiligen sind in dieser R&uuml;cksicht nicht
-ohne Fehl vor Gott; &mdash; vor Menschen es zur
-Scheinheiligkeit zu bringen, kann nicht schwer
-fallen. Jene Fehler bleiben die gef&auml;hrlichsten,
-die in Schafskleidern zu uns kommen, inwendig
-aber rei&szlig;ende W&ouml;lfe sind: an ihren Fr&uuml;chten
-sollt ihr sie erkennen &mdash; Z&uuml;rnet und s&uuml;ndiget
-nicht &mdash; Ist nicht der Zorn eine Art
-von Waffen, womit wir oft Gutes erweisen
-k&ouml;nnen, ohne zu schaden? Was w&uuml;rden
-Weiber ohne dies Hausmittel bei der Kindererziehung
-ausrichten? Giebt es nicht Unbeschnittene
-an Herz und Ohren, denen man
-nachdr&uuml;cklich und gewaltiglich andeuten mu&szlig;,
-was zu ihrem Frieden dient? &mdash; &raquo;Verziere
-das N&uuml;tzliche,&laquo; sagte die Weisheit; die Thorheit,
-die alles umzukehren gewohnt ist, kehrte
- <span class="pagenum"><a id="Seite_371">[S. 371]</a></span>
-das Gebot um, und machte das Hauptwerk
-zum Nebenwerke. Giebt der Zorn nicht oft
-der Sache einen gewissen Schwung &mdash;? Wer
-kennt und sch&auml;tzt nicht den <i>Diensteifer</i>, der
-das dritte Wort ist, wenn wir dem Staate unsere
-Dienste anbieten, wenn wir wirklich seine
-Officianten werden und wenn wir mit der
-Bitte einer Pension den Staatsdienst verlassen
-&mdash;!</p>
-
-<p>Der unbilligste Einwand von allen ist, da&szlig;
-Weiber darum nicht zu Gesch&auml;ften berufen
-sind, <i>weil sie zu keiner Freundschaft unter
-sich Verstand und Willen haben</i>. (Man &uuml;bersehe
-nur nicht, da&szlig; nicht ich sondern mein
-Feind so freundschaftlich ist, an die Freundschaft
-zu denken &mdash;) Ich leugne nicht, da&szlig;
-ohne ein gewisses Band so genannter Freundschaft,
-eigentlich Offenheit, gutm&uuml;thiger Bekanntschaft,
-Staatsgesch&auml;fte schwerlich bewirkt,
-und die leider zu k&uuml;nstlich gerathene
-Maschine des Staates vereinfacht werden kann,
-weil ohne dieses Band keine Einheit im Staate
-herauszubringen ist und alles in der Irre
-ohne Zusammenhang und Ordnung bleibt &mdash;
- <span class="pagenum"><a id="Seite_372">[S. 372]</a></span>
-Wer ist aber im Stande, den Weibern &Uuml;berlegung
-hierzu, kalte Sch&auml;tzung des Gegenstandes,
-Feinheit, zuvorkommendes Wohlwollen
-und Aufopferung abzusprechen &mdash;? Schon
-jetzt giebt es Freundschaften unter ihnen, die
-den unsrigen nicht weichen &mdash; Nur das Vorurtheil
-der M&auml;nner hat ihnen die Anlagen zur
-Freundschaft abgesprochen. Sind sie nicht
-zarter, treuer, un&uuml;berwindlicher, unbestechbarer,
-als viele M&auml;nner, wo Neid und Rivalit&auml;t
-von so vieler Art die Triebe des Herzens
-verf&auml;lschen, und die Freundschaft zum Contrakt
-<i>do ut des</i>, <i>facio ut facias</i>, nicht zum
-Herzens-, sondern zum Sachentausche machen?
-&mdash; <i>Damon-</i> und <i>Pythias-</i>Freundschaften sind
-F&auml;lle, die zu den seltenen geh&ouml;ren, und die
-bei dem Einerlei der Weiber, bei ihrem Alltagsleben
-um so weniger zu erwarten stehen,
-da Proben und Situationen zu dergleichen
-Freundschaften durchaus unentbehrlich n&ouml;thig
-sind &mdash; Und wie verschieden sind jene <i>Damon-</i>
-und <i>Pythias-</i>Freundschaften vom Dienstgleichgewichte,
-das durch ein gewisses Einverst&auml;ndni&szlig;
-bewirkt wird. Weiber m&uuml;ssen
- <span class="pagenum"><a id="Seite_373">[S. 373]</a></span>
-jetzt von Geschlechtswegen, wo nicht interessiren,
-so doch Herzen gewinnen, wo nicht
-angebetet, so doch geliebt werden wollen;
-setzt sie &uuml;ber die Sinnlichkeit hinaus, und ihre
-Eitelkeit, ihre Neugierde, ihr jetziger Hang
-zum Vergn&uuml;gen werden sich veredeln &mdash; sie
-werden nicht aufh&ouml;ren, Weiber zu seyn; &mdash;
-wie ungl&uuml;cklich w&auml;ren wir, wenn sie das
-k&ouml;nnten! &mdash; nur werden sie aufh&ouml;ren, <i>die</i>
-Weiber zu seyn, die sie jetzt sind &mdash; Diese
-Verwandlung wird uns heben, statt da&szlig; man
-uns jetzt, wie jenen Elephantenleiter, fragen
-k&ouml;nnte: <i>bist du darum so trotzig, weil du
-Thiere commandirst?</i> An uns ist der erste
-Schritt, und nur von unserm bu&szlig;fertigen Entschlusse
-h&auml;ngt es ab, diese Revolution zu bewirken.
-Werdet andere M&auml;nner, und Alles,
-vorz&uuml;glich die Weiber, ist anders als jetzt.
-Mit dem Ma&szlig;e mit dem wir sie messen, werden
-sie uns wieder messen. <i>Dienstfreundschaft!</i>
-Ist sie denn unserm Geschlechte eigen?
-Nicht nur die Kraft, auch den Schein
-verleugnen wir. F&uuml;hren die Staatsdiener nicht
-unter sich den drei&szlig;igj&auml;hrigen Krieg? Der
- <span class="pagenum"><a id="Seite_374">[S. 374]</a></span>
-Financier ist wider den Justizmann, und der
-Justizmann wider den Financier; das diplomatische
-Corps wider das Kriegs-Departement,
-und dieses gegen jenes &mdash; Einer will den
-andern &uuml;bermeistern, ohne da&szlig; er seiner selbst
-Meister ist: Einer will dem andern die Gr&auml;nze
-verr&uuml;cken, einer stellt dem andern ein
-Bein &mdash; Doch, leider! ist es immer der
-Staat, der bei dieser Gelegenheit in die Grube
-f&auml;llt &mdash; Oft giebt sich sogar <i>Richtercomplott</i>
-und <i>H&ouml;llenbund wider den Unterdr&uuml;ckten</i>
-f&uuml;r Dienstfreundschaft aus; und da ist das
-letzte &Uuml;bel &auml;rger, als das erste; da ist guter
-Tag und guter Weg ein Himmel gegen jene
-M&ouml;rder-Bande &mdash;</p>
-
-<p>Der sittliche Zustand der Weiber gr&uuml;ndet
-sich sehr nat&uuml;rlich auf ihren gesetzlichen &mdash;
-Da das M&auml;dchen sich ihren Gef&auml;hrten des
-Lebens nicht laut und deutlich w&auml;hlen kann;
-so sieht es sich gen&ouml;thiget, dieses Gesch&auml;ft
-zutrauensvoll seinem Auge zu &uuml;bertragen, das,
-an diese Einladung gew&ouml;hnt, nie ganz diese
-Weise aufgeben kann &mdash; Man scheint dieser
-Manier eine Art von Dankbarkeit erweisen zu
- <span class="pagenum"><a id="Seite_375">[S. 375]</a></span>
-wollen, die jetzt, da Alle dies Blickspiel treiben,
-das Unanst&auml;ndige nicht hat, das es sonst
-haben w&uuml;rde. Diese Blicke, wodurch sie eine
-besondere Art von Beherrschung, die man
-Augenherrschaft nennen k&ouml;nnte, und eine gewisse
-gef&auml;llige Freundschaft &uuml;ben, haben ihren
-besondern <i>Contract social</i> und so bestimmte
-Gesetze, da&szlig; man auf ein Haar wei&szlig;, wann
-die erlaubte Grenze <i>&uuml;berblickt</i> wird &mdash; Dem
-Reinen ist Alles rein &mdash; Wer findet nicht einen
-sicheren Weg zur Wonne, in dem sch&ouml;nsten
-der Spiele, einer verstohlnen Liebe? Die
-Gen&uuml;sse der Verstohlenheit steigen zu einer
-geistigen W&uuml;rde, zu einer hinrei&szlig;enden Delicatesse
-&mdash; Durch jenes <i>Gl&uuml;ck</i>, das die M&auml;dchen
-sich <i>erblickten</i>, durch jene anziehende
-Kraft, wodurch sie auf die J&uuml;nglinge wirkten,
-hat ihre Verlegenheit auch bei weitem noch
-nicht ihr Ende erreicht, wenn sie die Ehre
-haben, in die Gewalt der M&auml;nner zu kommen.
-Sie sinnen unaufh&ouml;rlich darauf, diese Gewalt
-durch alle K&uuml;nste einzuschr&auml;nken, so da&szlig; am
-Ende nicht viel davon &uuml;brig zu bleiben pflegt
-&mdash; Da sehen sich denn Weiber zuweilen &mdash;
- <span class="pagenum"><a id="Seite_376">[S. 376]</a></span>
-ist es ihnen zu verargen? &mdash; nothgedrungen,
-vermittelst der Augen mit getreuen Nachbarn
-und desgleichen Allianzen zu ihrer Deckung
-einzugehen; und so unschuldig dieser Freundschaftsanfang
-gemeiniglich ist, so schuldig
-k&ouml;nnen oft Schutzvertr&auml;ge dieser Art werden.
-Von Personen ihres Geschlechtes k&ouml;nnen sie
-keine Beih&uuml;lfe erwarten, und ihre Freundschaften
-unter sich sind von anderer und
-originaler Weise. Giebt es aber nicht eben
-so viele wahre <i>Freundinnen</i>, als es wahre
-<i>Freunde</i> giebt &mdash;? Von der b&uuml;rgerlichen Verbesserung
-der Weiber wird es abhangen, da&szlig;
-ihre Freundschaftsanlagen berichtiget und verbessert
-werden &mdash; Wie unbillig sind wir,
-von Weibern &mdash; denen wir die W&uuml;rde Personen
-zu seyn, versagen &mdash; mehr zu fordern,
-als ihnen zu leisten m&ouml;glich ist! &mdash; &mdash; Fast
-k&ouml;nnte man behaupten, da&szlig; die Gesetze, die
-f&uuml;r ihr Verm&ouml;gen, wie f&uuml;r das Verm&ouml;gen eines
-Unm&uuml;ndigen, sorgen, ihre Personen dar&uuml;ber
-vernachl&auml;ssigen, oder sie wenigstens vergessen
-zu haben scheinen. Frauenzimmer, welche
-M&uuml;tter werden k&ouml;nnen, sind keine Kinder
- <span class="pagenum"><a id="Seite_377">[S. 377]</a></span>
-mehr &mdash; Der bittere, nicht unverdiente Vorwurf,
-den man unserem Geschlechte macht,
-<i>&raquo;da&szlig; es heut zu Tage keine Kinder mehr gebe&laquo;</i>
-&mdash; stehet er nicht mit unserer Grausamkeit,
-die Weiber als gro&szlig;e Kinder zu behandeln,
-in engerer Verbindung, als man denken
-sollte? &mdash; &mdash; &mdash;</p>
-
-<p>Es giebt Regenten, die sich den landesv&auml;terlichen
-Wunsch des <i>Caligula</i> aus Geitz
-eigen machen: ach, wenn doch alle ihre Provinzen
-nur Einen Hals h&auml;tten! nicht um ihn
-zu brechen, sondern nur eine einzige R&ouml;hre
-zum Essen und zum Trinken in ihrer Monarchie
-zu haben. So tyrannisch bin ich nicht
-in Hinsicht meiner guten Freunde von Opponenten,
-die es inde&szlig; nicht viel besser als die
-Virtuosen machen, welche oft beschwerlich
-sind, wenn sie Niemand h&ouml;ren will, dagegen
-stumm und eigensinnig, wenn sie sich h&ouml;ren
-lassen sollen.</p>
-
-<p><i>Die Unbest&auml;ndigkeit soll ein so charakteristischer
-Zug des weiblichen Verstandes
-seyn, da&szlig; Weiber bei keinem Gegenstande
-der Untersuchung und des ernsten Nachdenkens
- <span class="pagenum"><a id="Seite_378">[S. 378]</a></span>
-mit gleicher Anstrengung lange zu
-verweilen im Stande w&auml;ren.</i></p>
-
-<p>Der gr&ouml;&szlig;te Theil des andern Geschlechtes,
-der Mittelstand, hat nur eine einzige Art von
-Besch&auml;ftigung, kommt nie aus dem Takt, und
-wei&szlig; nur vom H&ouml;rensagen, was lange Weile
-ist. Diese entsteht aus einer Art von Luxus
-der Besch&auml;ftigungen, und geh&ouml;rt in der Regel
-zu den Eigenschaften der M&auml;nner, obgleich
-auch Damen h&ouml;herer Region an diesem &Uuml;bel
-Theil nehmen, und an demselben schwach
-und krank danieder liegen, wenn das Vergn&uuml;gen
-l&auml;nger dauert, als sie es auszuhalten
-gewohnt sind. Die Frau Gr&auml;fin hatte lange
-Weile in der Kom&ouml;die, weil heute noch Redoute
-ist; allein auch auf der Redoute wird
-ihr die Zeit lang werden; weil sie keine Partie
-findet; und auch wenn sie diese gefunden
-hat, w&uuml;rde die Zeit von ihrem Blei kein
-Gran verlieren, da ihr Cicisbeo bei dem f&uuml;rstlichen
-Souper lange Weile hat, und sie mit
-ihrem Verehrer nicht <i>minnespielen</i> kann.
-Bei <i>einem einzigen</i> Spiel findet die sch&ouml;ne
-Welt zu wenig Besch&auml;ftigung. Konnte doch
- <span class="pagenum"><a id="Seite_379">[S. 379]</a></span>
-<i>Julius C&auml;sar</i> lesen, schreiben, und sieben Cabinetssekretarien
-sieben besondere Briefe diktieren!
-&mdash; &mdash; Und lebt die sch&ouml;ne Welt wirklich?
-&mdash; Nein doch! sie spielt das Leben &mdash;
-Unbest&auml;ndig &uuml;berhaupt find' ich das andere
-Geschlecht nicht mehr nicht weniger, als das
-unsrige; vielmehr ist ihm eine gewisse Welt&uuml;berwindung
-eigen. Es verstehet sich darauf
-in's Dunkle zu werfen, und gl&auml;nzt eben darum
-desto besser &mdash; Stilles Verdienst ist sein Eigenthum;
-und sind dies <i>Anzeigen</i> des Unbestandes?
-&mdash; Zeitiger und fester nimmt es seine
-Partie als wir &mdash; Zwanzig exemplarische
-alte Jungfern gehen auf einen Hagestolzen
-gleicher Art.</p>
-
-<p><i>Die gro&szlig;e Lebhaftigkeit weiblicher Empfindungen
-und weiblicher Einbildungskraft,
-das zu reitzbare Nervensystem soll inde&szlig;
-Schuld an der Unbest&auml;ndigkeit und dem blo&szlig;
-fl&uuml;chtigen Feuer bei Gegenst&auml;nden des Nachdenkens
-in Hinsicht der Weiber seyn; auch
-sollen sie f&uuml;r gro&szlig;e Gegenst&auml;nde des menschlichen
-Wissens nur selten ein wahres Interesse
-f&uuml;hlen</i> &mdash;</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_380">[S. 380]</a></span></p>
-
-<p>Und giebt es denn in unserm Geschlechte
-Viele, bei denen jene Ausdauer ist? die ein,
-dem ersten neuen und frappanten Eindruck
-gleiches, Feuer bei scientifischen Gegenst&auml;nden
-behaupten, die dem Spiele schnell auf
-einander folgender angenehmer Empfindungen
-widerstehen, und einem Gegenstande getreu
-bleiben bis in den Tod? Hat nicht fast jeder,
-au&szlig;er seinem Haupt-, noch einen Neben-Beruf,
-den er Erholung nennt, und an dem er
-weit mehr h&auml;ngt, als an seiner Hauptsache?
-Die eigentliche Strebsamkeit ist dieser Nebensache
-gewidmet: und hierbei pflegt man es
-auch, durch Gottes Segen, in kurzer Zeit weiter
-zu bringen, als bei der eigentlichen Hauptsache.
-Friedensschl&uuml;sse verbinden jeden, nur
-nicht die, welche sie schlossen; und angewiesene
-Officianten haben &uuml;berall Kraft und Macht
-und Glauben in ihrem Amtsbezirk, wenn sie
-gleich &mdash; (w&auml;hrend sie eine Aktenrelation fertigen,
-ein Paar &uuml;ber Nichts und wider Nichts
-uneins gewordene Nachbarn ausgleichen, dem
-jungen Greise von Vormunde, bei dem sein
-M&uuml;ndel das erloschene Feuer anfachen soll,
- <span class="pagenum"><a id="Seite_381">[S. 381]</a></span>
-dies unschuldige Gesch&ouml;pf entrei&szlig;en, ein Domainen-St&uuml;ck
-taxiren, den verfallenen Nahrungsstand
-eines Fleckens untersuchen, die
-Klagen von hundert unterdr&uuml;ckten Bauern h&ouml;ren,
-und einer Wittwe zu dem ihr vertheuerten
-Rechte verhelfen, und ihre Rechtssache
-verk&uuml;rzen sollen) &mdash; ein Lied auf den Fr&uuml;hling
-zusammenst&uuml;mpern, einer Wildenschweinsjagd
-beiwohnen, ein Pikenik abwarten, eine
-Strohkranzrede halten, oder in Liebelei versinken
-&mdash; Haben doch K&ouml;nige und F&uuml;rsten
-K&uuml;he gemolken, Netze gestrickt, Kn&ouml;pfe gedrechselt,
-gemahlt u. s. w. <i>Leibnitz</i> war so
-wenig <i>Professor Philosophiae</i>, als <i>Wieland
-Professor Poëseos</i>; und was giebt es denn f&uuml;r
-gro&szlig;e Gegenst&auml;nde des menschlichen Wissens,
-f&uuml;r die nicht Jemand aus dem andern Geschlechte
-eine Neigung gezeigt h&auml;tte? Die
-Geduld, das Ausdauern der Weiber ist zum
-Bewundern; und legen sie nicht t&auml;glich davon
-ein Zeugni&szlig; ab, indem sie die Formen nicht
-zerbrechen, in welche Gewalt und List sie
-go&szlig;? indem sie Kinder erziehen und in's Geleise
-bringen, die ihre V&auml;ter oft durch blinde
- <span class="pagenum"><a id="Seite_382">[S. 382]</a></span>
-Liebe und eben so oft durch blinde Strenge
-verderben &mdash;? indem sie mit ihren M&auml;nnern
-(leider! nur zu oft alten Kindern) gelinde umgehen,
-wie mit jedem &Uuml;bel, das nicht zu &auml;ndern
-ist, und sie heben und tragen und leiten,
-um sie nur wenigstens leidlich zu erhalten? &mdash;
-<i>Aristoteles</i> ging spazieren, wenn er lehrte
-und lernte, und hie&szlig; der <i>Spazierer</i> (Peripatetiker)
-&mdash; Oder ist es n&ouml;thig, da&szlig; Alles im
-ersten Feuer gearbeitet wird? da&szlig; die Phantasie
-uns Alles mit Flammen mahlt? und da&szlig;
-Alles, was wir denken und sagen, ein immerw&auml;hrendes
-Feuerwerk, ist? &mdash; Au&szlig;er dem
-Feuer giebt es noch andere wohlth&auml;tige Elemente
-&mdash; Ungez&uuml;gelte Bilder, funkelnde Spr&uuml;che,
-tiefgesch&ouml;pfte, schwer herausgezogene
-S&auml;tze m&ouml;gen immer bleiben, was sie sind;
-es giebt Gedanken, die ihren stillen Werth
-haben &mdash; die, gerechtfertigt werden durch
-That &mdash;! &mdash; Wenn den gelehrten Arbeiten
-der Weiber eine gewisse Furchtsamkeit anklebt
-&mdash; ist es Wunder, da sie sich in die
-gelehrte Republik blo&szlig; hineinstehlen m&uuml;ssen?
-Von Natur sind sie dreister als wir; das Gef&uuml;hl
- <span class="pagenum"><a id="Seite_383">[S. 383]</a></span>
-des Unverm&ouml;gens, den Vorz&uuml;gen Anderer
-gem&auml;&szlig; zu reden und zu handeln, das Allem
-eine gewisse &Auml;ngstlichkeit giebt, ist ihre Sache
-nicht &mdash; Die Gabe ihrer leichten ungezwungenen
-Unterhaltung wird ihren Vortrag
-nie mit &uuml;blen Angewohnheiten und Einschiebseln
-verunstalten, die sich nicht viel besser
-ausnehmen, als wenn verlegene mit der Welt
-noch unbekannte J&uuml;nglinge von ihren H&auml;nden
-und F&uuml;&szlig;en ge&auml;rgert werden &mdash; oder wenn
-Fliegen in ein reitzendes Gericht fallen. M&uuml;&szlig;ige
-Phrases in's Gespr&auml;ch einschalten, hei&szlig;t
-ihnen: die Zeit t&ouml;dten; und durch sch&ouml;ne Redensarten
-einnehmen: das Vergn&uuml;gen als Zweck
-des Lebens behandeln. Seht Prinzen &mdash; und
-seht regierende Herren selbst, wie furchtsam
-sie sind! &mdash; Das Hof-Ceremoniel scheint
-nur erfunden zu seyn, ihrer Bl&ouml;digkeit auszuhelfen.
-Auch giebt es eine edle Freiheit,
-welche die Folge eines guten Gewissens ist, &mdash;
-so wie es ein Wohlbefinden giebt, ein Gut-
-und &Uuml;belaussehen, das vom Gewissen kommt;
-und dies ist dem andern Geschlecht eigen &mdash;
-Warum sollten Weiber denn wohl als Schriftstellerinnen
- <span class="pagenum"><a id="Seite_384">[S. 384]</a></span>
-furchtsam und verlegen thun und
-seyn, da die aufgehaltene Sprache sich durchbrechender
-Empfindungen eine Gewalt und
-St&auml;rke besitzt, gegen die schwerlich sonst etwas
-zu wirken vermag, als unser kritischer
-&Uuml;bermuth, der die Weiber durchaus nicht
-aufkommen lassen will? Weiber wissen Wahrnehmungen
-zu Beobachtungen zu erh&ouml;hen;
-und da M&auml;nner S&auml;tze zu Grunds&auml;tzen zu erheben
-wissen, (die, wohl zu merken! der Philosoph
-sogar dem Mathematiker vorschreibt)
-und mit ihnen Tausend schlagen: so schl&uuml;gen
-Weiber mit ihrem Witze gewi&szlig; Zehntausend,
-wenn M&auml;nner ihn nicht durch eine Art von
-Gr&uuml;ndlichkeit (die genau genommen wenig
-oder nichts bedeutet) zu l&auml;hmen und in Verlegenheit
-zu setzen suchten. Weiber besitzen
-die Geschicklichkeit, alle Seelenkr&auml;fte auf
-Witz zur&uuml;ckzubringen &mdash; Gelingt ihnen nicht
-Umfassung der Sache auf eine bewunderungsw&uuml;rdige
-Weise? Wissen sie nicht das ewige
-Einerlei, wozu sie verurtheilt sind, un&uuml;bertrefflich
-sch&ouml;n zu modificiren? und <i>Aufmerksamkeit
-in hohem Grade</i>, oder <i>Scharfsinn</i> zu zeigen?
- <span class="pagenum"><a id="Seite_385">[S. 385]</a></span>
-Wie k&ouml;nnen sie aber einem Schwalle
-von Kunstw&ouml;rtern widerstehen, womit wir
-Sturm laufen! wie eine schwerf&auml;llige Gelehrsamkeit
-widerlegen, wodurch wir sie aus dem
-Tempel der Wissenschaften hinauskritteln,
-dessen Allerheiligstes doch so leicht und einfach
-ist &mdash;! Warum soll es ihnen an Gedankenf&uuml;lle,
-gro&szlig;en erhabenen Darstellungen
-von Charakteren, an hohem Schwunge gebrechen,
-oder an Sch&ouml;pfungskraft und hohem
-Grad des Enthusiasmus, da sie von dem
-allen ungesuchte und anspruchlose Proben
-im gemeinen Leben &auml;u&szlig;ern? &mdash; Feine originelle
-und der Natur abgelauschte Z&uuml;ge
-sind ihnen eigener als uns; was ihnen am
-scharfen Umri&szlig; bei ihren Charakteren (richtig
-ist er fast immer) abgeht, ersetzen sie
-durch ihr lebendiges Colorit &mdash; So wie
-sie ihren K&ouml;rper zu kleiden verstehen, so
-kleiden sie auch ihre Gedanken &mdash; Die
-Angemessenheit ihrer Worte und die gro&szlig;e
-Einfachheit in der Wortf&uuml;gung, geben ihrem
-Styl eine Deutlichkeit, die nichts &uuml;bertrifft.
-Die besten Denkzettel, die ein Autor seiner
- <span class="pagenum"><a id="Seite_386">[S. 386]</a></span>
-Schrift anh&auml;ngen kann, sind, wenn er durch
-seine Darstellungen uns an uns selbst erinnert;
-wenn seine Schrift dem Menschen durch das
-Herz geht; wenn die Leser sich einbilden: es
-fehle wenig oder nichts, so h&auml;tten sie diese
-Schrift selbst stellen k&ouml;nnen; sie w&auml;ren im
-Stande gewesen, sie dem Autor in die Feder
-zu sagen; aus ihrem Herzen h&auml;tt' er es genommen
-und ihnen verk&uuml;ndiget &mdash; Solch ein
-Widerschein erleuchtet und frommt!&mdash; Wir
-lassen uns von <i>Ideen</i>, wie <i>Sokrates</i> von seinem
-<i>D&auml;mon</i>, verfolgen, wir versetzen uns, wie
-<i>Plato</i>, in eine Republik; und so wie der,
-welcher ein unverwandtes Auge auf Einen
-Punkt heftet, zuletzt sieht, was er sehen will:
-so sehen auch wir mit dem Auge der Seele
-Windm&uuml;hlen f&uuml;r Riesen, Wirthsh&auml;user f&uuml;r
-Schl&ouml;sser, Teiche f&uuml;r Weltmeere, eine Abderitische
-Posse f&uuml;r einen wohl&uuml;berdachten Finanz-Kniff
-oder Operation an &mdash; Nicht genug;
-auch Worte spielen den Meister nur zu
-oft &uuml;ber uns &mdash; Wir veruntreuen ihre Bedeutung,
-werfen eine willk&uuml;hrliche Markscheidung
-derselben auf, und fallen, wie Leute, die reich
- <span class="pagenum"><a id="Seite_387">[S. 387]</a></span>
-werden wollen, in Versuchung und mancherlei
-Stricke, wenn wir nach der leichtesten Art reich
-zu werden, <i>zu sparen</i>, oder nach der schwersten,
-<i>zu speculiren</i>, suchen &mdash; Wir arbeiten Alles
-zum Druck aus, in der bestimmten Absicht,
-es dem gelehrten Publico zu &uuml;berantworten,
-oder es in einem privilegirten oder unprivilegirten
-Cirkel vorlesen zu lassen &mdash; Und ob
-es gleich freilich correkter ausf&auml;llt, wenn der
-Inhalt lehrreicher ist, oder so aussieht, wie
-ein hingeworfener weiblicher Aufsatz; so wird
-die Arbeit des anderen Geschlechtes doch
-mehr Individualit&auml;t zeigen, und eine Intuition
-behaupten, die wir, im Namen und von wegen
-unserer stupenden Gelehrsamkeit, fast keinem
-unserer Werke in gleichem Grade verleihen
-k&ouml;nnen. Leichter und fl&uuml;chtiger sind weibliche
-Arbeiten; allein darum oft treffender,
-richtiger, eindr&uuml;cklicher. Weiber lieben schon
-nicht lange Worte, weil hier eine Hauptsylbe
-sich die anderen unterordnet und sich die
-Herrschaft &uuml;ber diese anma&szlig;t &mdash; Lange Perioden
-sind ihnen nicht angenehm, weil sie die Alten
-nicht genug kennen, weil dieselben schwerer
- <span class="pagenum"><a id="Seite_388">[S. 388]</a></span>
-zu lesen und zu fassen sind, und weil der
-Witz ein Todfeind dieser Potsdammer ist &mdash;
-von denen ein plumper Holl&auml;nder behauptete,
-da&szlig; nur ein kleines Herz in einer dergleichen
-gewaltig gro&szlig;en Maschine gefunden werde &mdash;
-Selten lassen Weiber einen &uuml;ppigen Spr&ouml;&szlig;ling
-des Ausdruckes aufschie&szlig;en &mdash; und ereignet
-sich der Fall, so ist es eine Feldblume, die
-sich nicht aus den Grenzen der Bescheidenheit
-wagt &mdash; Bei uns gewinnt Nachdenken,
-bei Weibern Empfindung die Oberhand &mdash;
-Die Oberhand, sag' ich; denn auch Nachdenken
-leistet der weiblichen Empfindung h&uuml;lfliche
-Hand: und sind in ihren Aufs&auml;tzen nicht
-alle Ungleichheiten geebnet, so bleibt ihnen
-dagegen mehr Eigenth&uuml;mliches &mdash; Man r&uuml;cke
-das Ziel ihres gesch&auml;ftigen Lebens &uuml;ber die
-K&uuml;che und Stricknadel hinaus; man f&uuml;hre sie
-nur an: und sie werden uns sehr bald an
-Scharf- und Tiefsinn &uuml;bertreffen, ohne sich kraft
-ihres gesunden Menschenverstandes zu versteigen.
-Ach! wer kann sich entbrechen, wenn vom
-Vorzuge unseres Geschlechtes die Rede ist, mit
-<i>Daniel</i> auszurufen: Seht, das sind eure G&ouml;tzen!</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_389">[S. 389]</a></span></p>
-
-<p><i>Weiber k&ouml;nnen nicht allein seyn</i> &mdash;</p>
-
-<p>Nicht allein? Lieber! wenn die Einsamkeit
-gemahlt werden soll, mu&szlig; ein Weib sitzen,
-oder sie ist nicht getroffen.</p>
-
-<p><i>Oder nichts allein &uuml;berlegen.</i></p>
-
-<p>Und doch ziehen M&auml;nner sie alle Augenblicke
-zu Rath; und wohl ihnen, und dem
-Collegio und dem Staate, wenn M&auml;nner es
-thun! O! wie gern w&auml;lzen die M&auml;nner ihre
-B&uuml;rde von ihrem Herzen auf ihre Weiber,
-denen sie ihre Geheimnisse anvertrauen! und
-wie viel haben Weiber zu tragen! o, wie viel!
-Von Weibern dagegen ist fast keine einzige,
-die nicht etwas h&auml;tte, was nur Gott und sie
-wei&szlig;, was kein Beichtvater erf&auml;hrt, und womit
-sie der Zeit und Ewigkeit unerschrocken,
-entgegen geht &mdash; Unsere Geheimnisse verfliegen
-oft, gleich einem fl&uuml;chtigen Geiste; die
-ihrigen sind ihnen in Herz und Seele ge&auml;tzt &mdash;
-Wenn Gedanken ihren Sch&ouml;pfern entkommen,
-die sich bei aller oft widerlichen Anstrengung
-nicht zur&uuml;ckbringen lassen &mdash; ihren Sch&ouml;pfern,
-die nur selten Gedankenerhalter sind; so verstatten
-Weiber ihren Gedanken nicht so viel
- <span class="pagenum"><a id="Seite_390">[S. 390]</a></span>
-Ausgelassenheit &mdash; <i>Was ich doch sagen wollte</i>,
-wird man selten oder gar nicht von Weibern
-h&ouml;ren. Ihr Ged&auml;chtni&szlig; ist getreuer,
-als das unsrige; und schwerlich wird ein
-Weib so zerstreuet seyn, wie <i>Terrasson</i>, und
-so sehr sein Ged&auml;chtni&szlig; verlieren, wie er.
-Weiber halten Zerstreuungen f&uuml;r Affektation,
-und k&ouml;nnen sich nicht des Lachens enthalten,
-wenn sie von <i>Terrasson</i> h&ouml;ren, da&szlig; er kurz
-vor seinem Ende im Ged&auml;chtni&szlig;-Concurs
-Alles an seinen Verwalter <i>Luquet</i> assignirte,
-so da&szlig; er, als sein Beichtvater ihn bei der
-letzten Beichte nach seiner S&uuml;ndenmenge fragte,
-demselben auch diese Assignation gab: Fragen
-Sie nur <i>Luquet</i>. &mdash;</p>
-
-<p><i>Weiber w&auml;ren nicht selbstst&auml;ndig und allein
-f&auml;hig?</i> Eine Einwendung, die, so leimgest&auml;rkt
-sie auch scheint, sich nicht halten kann.
-Wenn wir zwischen Furcht und Hoffnung
-schwanken, nehmen sie gleich Partie, und
-sind entschlossen an Leib und Seele &mdash; Ihre
-Entbindungen machen sie so dreist. Bei minder
-wichtigen Dingen halten sie es nicht
-werth, es noch auf Entschl&uuml;sse auszusetzen:
- <span class="pagenum"><a id="Seite_391">[S. 391]</a></span>
-Es gehe, wie es gehe &mdash; In politischen Angelegenheiten
-schlagen sie, wenn wir kannengie&szlig;ern,
-sich zu keiner Parthei, und w&auml;hlen
-das beste Theil: Was wir leisten, macht unsern
-Lehrern Ehre; was sie leisten, ihnen selbst
-&mdash; Sie mischen die Karten, und theilen sie so
-aus, da&szlig; Spieler und Zuschauer zufrieden sind,
-wenn dagegen eine Menge staatskluger K&ouml;pfe
-beisammen sitzen, und noch immer in gerechter
-Bef&uuml;rchtung, nicht Kopfs genug zu besitzen,
-auf Verst&auml;rkung ihrer Beisitzer denken.
-Vor lauter R&auml;derwerk wird nichts zu Stande
-gebracht, vor lauter Reden kommt es zu keiner
-That, vor lauter Stimmenz&auml;hlung zu keinem
-Schlusse. Wer von uns hat sich &uuml;ber
-das Stimmen der Instrumente nicht ge&auml;rgert,
-ehe es zur Sinfonie kommt &mdash;? Hohe Deutlichkeit
-und st&auml;rkeres Licht mit mehr Vergr&ouml;&szlig;erung
-zu vereinigen &mdash; das ist das Ziel der
-Ausr&uuml;stung, um Augenreisen in die Ferne zu
-thun. Wie oft zerschlagen unverst&auml;ndige Kinder
-und b&auml;rtige Collegia einen stattlichen Spiegel,
-um eine Fliege zu t&ouml;dten! und noch &ouml;fter
-wird das Kind mit dem Bade ausgegossen.
- <span class="pagenum"><a id="Seite_392">[S. 392]</a></span>
-Des Bocksbeutels und der verk&uuml;nstelten Kunst
-halben kommen Dekrete zum Vorschein, mit
-denen am wenigsten in allen F&auml;llen, und
-h&ouml;chstens nur provisorisch, auszulangen ist;
-Dekrete, die h&ouml;chstens Palliative sind, um
-sich eine angenehme Ruhe f&uuml;r die n&auml;chste
-Nacht zu machen.</p>
-
-<p><i>Warum soll man den Jesuitenorden von
-den Todten erwecken, und die heimlichen Jesuiten,
-Jesuiten en tapinois (das sch&ouml;ne Geschlecht)
-privilegiren?</i></p>
-
-<p>Warum? weil die heimlichen sch&auml;dlicher
-sind, als die &ouml;ffentlichen, weil die &ouml;ffentlichen
-(wenn n&auml;mlich nichts heimlich bei ihnen
-bleibt) aufh&ouml;ren Jesuiten zu seyn, und weil geheime
-Krankheiten die gef&auml;hrlichsten sind &mdash;
-Wie kommt aber das andere Geschlecht zur
-Ordensehre?</p>
-
-<p><i>Maitressen von guter Abkunft haben bei
-weitem das B&ouml;se nicht gestiftet, was die Maitressen
-niederer Abkunft, eine Pompadour,
-eine du Barry, sich zu Schulden kommen lie&szlig;en.</i>
-Allerdings! und also nehme man nicht
-Maitressen, sondern Weiber.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_393">[S. 393]</a></span></p>
-
-<p><i>Nein, also lasse man die Weiber in ihrer
-Dunkelheit!</i> Getroffen, wenn sie Maitressen
-werden sollen &mdash; Wenn sie aber ihren g&ouml;ttlichen
-Ruf, Weiber zu seyn, befolgen, so hebe
-man sie nicht durch Flittergold, sondern durch
-&Auml;chtheit &mdash; Sind die T&uuml;rkischen Bassen und
-Veziere, die Beys in &Auml;gypten darum menschlicher,
-weil sie in ihren fr&uuml;heren Jahren das
-Elend des Volkes aus erster Hand kennen
-lernten?</p>
-
-<p><i>Welche Widerlegungen!</i>
-Sind etwa die Einwendungen besser?
-<i>Es l&auml;&szlig;t sich Alles vertheidigen</i> &mdash;
-und wider Alles einwenden.
-<i>Ich wollte um Vieles, um Alles in der Welt kein Weib seyn</i> &mdash;;
-ich auch nicht &mdash;
-<i>und doch</i> &mdash;
-und eben darum.
-<i>Wer hat nun Recht &mdash;?</i>
-Wer die Wahrheit sagte.
-<i>Und wer sagte die Wahrheit? nicht wahr: wer Recht hatte?</i></p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_394">[S. 394]</a></span></p>
-
-<p>Wer die Sache der Unterdr&uuml;ckten f&uuml;hrte,
-und wer der Menschheit sich annahm.</p>
-
-<p><i>Der Menschheit?</i></p>
-
-<p>Sind etwa Weiber nicht Menschen?</p>
-
-<p><i>Der Unterdr&uuml;ckten?</i></p>
-
-<p>Sind wir nicht ihre Tyrannen?</p>
-
-<p><i>Heil den irrenden Rittern!</i></p>
-
-<p>Heil und fr&ouml;hliche Gestalt, wenn ihr Ritt
-auf Menschenwohl ausgeht &mdash;</p>
-
-<p><i>und wenn sie keine Dulcineen haben,</i></p>
-
-<p>als die Reinheit der Absicht, die Dulcinee
-unserer Philosophen &mdash;.</p>
-
-<p><i>Dies Buch w&auml;re nicht eines Weibes halben
-geschrieben &mdash;?</i></p>
-
-<p>Nicht eines Weibes, sondern der Weiber
-halben &mdash; Keines wei&szlig;, da&szlig; ich es geschrieben
-habe, keines wird es, so Gott will, wissen.</p>
-
-<p><i>Und warum denn nicht jener schmale Weg,
-der das zu Viel und zu Wenig vermeidet und
-durch Beides sich durchschl&auml;ngelt?</i></p>
-
-<p>Weil Wenige sind, die darauf wandeln &mdash;</p>
-
-<p><i>Besser als Viele!</i></p>
-
-<p>Nicht immer, wenn von b&uuml;rgerlicher Tugend
-und Untugend die Rede ist.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_395">[S. 395]</a></span></p>
-
-<p><i>Der Mittelstand zwischen Skepticismus und
-Leichtgl&auml;ubigkeit</i> &mdash;</p>
-
-<p>ist ein unseliges Mittelding &mdash; So oder
-nicht so, ist mein Wahlspruch; &mdash; nicht aber:
-so oder anders, oder halb so. Ja Ja, ist bei
-mir ein halbes Nein; und Nein Nein ein
-halbes Ja. Ja, Nein, was dr&uuml;ber und drunter
-ist, ist vom &Uuml;bel &mdash;</p>
-
-<p><i>Und die Gesetze! &mdash; wird dies Buch es
-mit ihnen ausmachen?</i></p>
-
-<p>Mein kleinster Kummer! m&ouml;gen es die Gesetze
-mit den Gesetzen ausmachen! m&ouml;gen
-die Todten die Todten begraben! &mdash; Freilich
-thun die Gesetze zuweilen so, als ob es Kr&auml;fte
-in der Menschheit g&auml;be, die au&szlig;erhalb der
-Menschheit l&auml;gen &mdash;</p>
-
-<p><i>Was will das sagen?</i></p>
-
-<p>Es giebt Gesetze, welche die einzelne Kraft
-des Menschen unterdr&uuml;cken, damit die Summe
-aller Kr&auml;fte desto st&auml;rker sei; und doch ist
-nat&uuml;rlich die Gesammtkraft desto gr&ouml;&szlig;er, je
-gr&ouml;&szlig;er die Summe der Kr&auml;fte einzelner Menschen
-ist &mdash; Unsere Herren Staatsrechenmeister
-verrechnen sich gewaltig, da sie die Zahl
-der Weiber auswerfen &mdash;</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_396">[S. 396]</a></span></p>
-
-<p><i>Wenn sie inde&szlig; auf den Zweck der b&uuml;rgerlichen
-Gesellschaft sehen</i> &mdash;</p>
-
-<p>O! dann verrechnen sich die Oberrechnungs-Cameralisten
-noch mehr. Giebt es einen
-andern Zweck, als die individuelle Freiheit zu
-sch&uuml;tzen, und die Eingriffe eines Jeden in die
-Freiheit eines Andern zu behindern &mdash;?</p>
-
-<p><i>Das sollte auch auf Geschlechter Anwendung
-finden?</i></p>
-
-<p>Sind die etwa nicht moralische Personen?</p>
-
-<p><i>Und die Billigkeit?</i></p>
-
-<p>ist ganz auf meiner Seite. Was im Lande
-gilt, ist Recht; was in der Welt gilt, ist billig
-&mdash; Was nach der Meinung der mehresten
-Menschen recht ist, ist billig &mdash;</p>
-
-<p><i>und billig ist der, der so handelt, da&szlig; es
-die mehresten Menschen f&uuml;r Recht halten &mdash; Ein
-billiger Autor ist der, der so schreibt, da&szlig;</i> &mdash;</p>
-
-<p>Wahr &mdash;!</p>
-
-<p><i>Wenn wir z&auml;hlen wollten</i> &mdash;</p>
-
-<p>w&uuml;rd' ich gewinnen, falls nur <i>die</i> stimmten,
-die man nicht fragen darf: &raquo;verstehest du
-auch, was du sagest &mdash;? wei&szlig;t du auch,
-was du thust &mdash;?&laquo;</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_397">[S. 397]</a></span></p>
-
-<p><i>Immerhin <em class="gesperrt">Verbesserung</em>; warum <em class="gesperrt">b&uuml;rgerliche</em>?</i></p>
-
-<p>Weil man sich an Zweige, und wohl gar
-Bl&auml;tter, nicht halten mu&szlig;, wenn der Stamm
-anzugreifen ist &mdash;</p>
-
-<p><i>Und der Ausdruck dieses Buches &mdash;!</i></p>
-
-<p>Nachdem die Materie, in der man arbeitet,
-nachdem die Bruchst&uuml;cke und Sp&auml;ne, welche
-fallen &mdash;</p>
-
-<p class="pmb3">M&ouml;gen doch meine Leser und Leserinnen,
-denen der obige l&auml;ngliche Streit und Widerstreit
-beschwerlich gefallen ist, an dieser runden
-Manier sich erholen und Luft sch&ouml;pfen,
-oder m&ouml;gen sie es nicht, wie es ihnen beliebt
-&mdash; &mdash;</p>
-
-
-<hr class="chap" />
-<p class="break" />
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_398">[S. 398]</a></span></p>
-
-
-<h2 id="VI">VI.<br />
-
-Nutzanwendung.</h2>
-
- <div class="figcenter">
- <img src="images/tb_001.jpg" alt="Dekoration" />
- </div>
-<p class="pmb1" />
-
-<p>Wenn es wahr ist, da&szlig; von der Theorie
-des Drucks die ganze Operation eines gl&uuml;cklichen
-Finanzsystems und einer weisen Staatsregierung
-abh&auml;ngt: so haben die M&auml;nner wenigstens
-nicht die rechte Art des Druckes erw&auml;hlt;
-denn in Wahrheit, wir verlieren durch
-die Art, wie wir das andere Geschlecht behandeln,
-mehr als es selbst. Man sagt, dies
-sei auch der Fall, wenn man im Unterthan
-die Tugenden des Flei&szlig;es, der Industrie und
-des Gehorsams durch siebenmal sieben Plagen
-erzwingen will. Zwar bei dem Magnetismus
-erregen Druck, Reiben und Streicheln ein
-&uuml;bermenschliches Verm&ouml;gen; allein der politische
-Druck hat noch nicht die Divinationsgabe
-erregt, den Hunger ohne zu essen, und
-den Durst ohne zu trinken, zu stillen. Es
-ist h&ouml;chst j&auml;mmerlich kein anderes Gesetz zu
-haben, als den souverainen Willen; und wo
- <span class="pagenum"><a id="Seite_399">[S. 399]</a></span>
-wandelbare Launen des Despoten, seine Indigestionen,
-seine Galle, seine Bl&auml;hungen die
-Stelle der <i>Numas</i> und <i>Solone</i> vertreten &mdash; wer
-mag da unter Anordnungen stehen? Es ist
-schon unertr&auml;glich, auch dem besten Menschen
-untergeben zu seyn, wenn er v&auml;terlich &uuml;ber
-Menschen regieren will, die l&auml;ngst die Kinderschuhe
-auszogen! &mdash; Seht! in dieser traurigen
-Lage befindet sich das andere Geschlecht.
-Jene Zeit ist nicht mehr, wo ewige Fehden
-alles in best&auml;ndiger Unruhe und Furcht erhielten,
-wo das Rauben eine Heldenthat schien,
-und wo man durch Raufen zu Ehren kommen
-wollte. Was ist aber &auml;rger, seines Schicksals
-gewi&szlig; seyn, oder unter dem Beistande des
-Rechtes leiden? einem ganzen Geschlecht unter
-der scheinheiligen Vorgabe des gemeinen
-Bestens seine Rechte und Privilegien rauben?
-oft thun als st&auml;nde man unter dem Befehle
-seiner Sklavin, und noch &ouml;fter wirklich
-schon ihre Winke befolgen, und doch im
-Ganzen ihr Tyrann seyn und bleiben? Scheint
-nicht fast die Liebe aufzuh&ouml;ren, sich in eine
-Herrschbegierde zu verwandeln, und diesen
- <span class="pagenum"><a id="Seite_400">[S. 400]</a></span>
-Gr&auml;uel der Verw&uuml;stung an heiliger St&auml;tte
-schon fr&uuml;hzeitig und in den Flitterwochen der
-Liebhaberei durch Eifersucht zu verrathen?
-Jetzt schmachtet und liebkoset der sch&uuml;chterne
-J&uuml;ngling, um &uuml;ber ein Kleines als Mann
-kalt und trotzig zu gebieten &mdash; Im <i>Theater</i>
-wird wahre Welt zum Vorschein kommen
-m&uuml;ssen, wenn sie noch sichtbar werden soll;
-denn in der <i>wirklichen Welt</i> wird Kom&ouml;die
-gespielt. Wo giebt es Abderiten-F&auml;lle, welche
-denen gleichen, die das Verh&auml;ltni&szlig; beider
-Geschlechter t&auml;glich an den Tag legen &mdash;
-Wenn ein vern&uuml;nftiges Wesen eines anderen
-Planeten Zeit &uuml;brig h&auml;tte, eine Wanderschaft
-auf diesen Erdenklo&szlig; zu unternehmen, und
-das Verh&auml;ltni&szlig; beider Geschlechter zu beherzigen;
-w&uuml;rde nicht, wenn das vern&uuml;nftige
-Wesen nach seiner Heimkunft eine Reisebeschreibung
-herausg&auml;be, die Reise dieses <i>Nikolaus
-Klimm</i> eine der ernsthaftesten Dogmatiken
-(das ehrbarste, das ich kenne) scheinen?
-An einem Verleger wird es dem Wanderer
-dort hoffentlich nicht fehlen &mdash; Die allgemeine
-Vernunft ist &uuml;ber den Codex, nicht
- <span class="pagenum"><a id="Seite_401">[S. 401]</a></span>
-aber der Codex, der doch sein eigener Beweis
-nicht seyn und sein eigenes Kriterium nicht
-aus sich selbst nehmen kann, eine Proce&szlig;-Ordnung
-f&uuml;r die allgemeine Vernunft &mdash; Wie
-lange will man unserer Seits der Vernunft
-widerstehen! Die Menschen schieben gern
-Alles auf Andere; und wenn sie keinen finden,
-der seinen R&uuml;cken zu dieser Belastung darbietet,
-so mu&szlig; die Natur sich diese Denunciation
-gefallen lassen &mdash; und so fehlt es auch
-unserem theuren werthen Geschlechte nicht
-an Behelfen, die auf die Rechnung der sch&ouml;nen
-Welt gesetzt werden &mdash; Eine Schande
-f&uuml;r uns, da&szlig; wir nicht nur ungerecht sind,
-sondern auch die Schuld dieser Ungerechtigkeit
-von uns entfernen, und sie dem anderen
-Geschlechte zuschieben! Das Weib, das du
-mir zugesellet hast, sagte schon der alte <i>Adam</i>,
-hat mich verf&uuml;hrt; &mdash; und wir sind bis jetzt
-noch so treue Adamiten, da&szlig; wir nicht ermangeln,
-uns von der Schuld des subalternen
-Ranges, den wir dem anderen Geschlechte
-zueignen, in bester Form Rechtens loszusagen.
-Die armen Weiber, die, wenn sie sich mit
- <span class="pagenum"><a id="Seite_402">[S. 402]</a></span>
-uns auf kalte Negociation einlassen wollten,
-kein Geh&ouml;r finden, k&ouml;nnen es noch weit weniger
-gegen uns auf ernsthaftere Schritte aussetzen
-&mdash; Sie haben keinen <i>Leonidas</i>, keinen
-<i>Franklin</i>, keinen <i>Washington</i>; sie sind keine
-<i>Spartaner</i>, keine <i>Schweizer</i>, keine <i>Amerikanische
-Kolonisten</i>: k&ouml;nnen sie aber nicht dies
-Alles haben? k&ouml;nnen sie nicht dies Alles seyn?
-<i>Maria Antonia</i> und <i>la Fayette</i> sind zwei
-gleich gro&szlig;e Charaktere, die in der Franz&ouml;sischen
-Revolutions-Geschichte gl&auml;nzen werden.
-Eitelkeit und Furcht vor Schande sind gemeiniglich
-die Basis von dem ganzen Muthe der
-M&auml;nner; Temperament ist es bei den Weibern.
-Eine Reihe von Jahrhunderten hatte
-Europa nur Eine Gestalt. Despotismus und
-Sklaverei, Unwissenheit und Barbarei herrschten
-&uuml;berall; und warum sollten die Weiber
-nach einer, wenn gleich langen, Unterdr&uuml;ckung,
-nicht zu jenem Range erhoben werden
-k&ouml;nnen, der ihnen als Menschen geb&uuml;hrt?
-Ein gro&szlig;er Theil unter ihnen scheint der
-Ketten, die ihnen das Gesetz so vortheilhaft
-schildert, m&uuml;de, und f&uuml;hlt einen un&uuml;berwindlichen
- <span class="pagenum"><a id="Seite_403">[S. 403]</a></span>
-Hang, sie eher zu zerbrechen, als mit
-ihnen, wie mit Kinderklappern, zu spielen.
-Man trauet den Damen zu wenig zu, wenn
-man sich M&uuml;he giebt, ihnen Alles in einem
-S&auml;ftchen beizubringen, wenn man ihnen Alles
-bezuckert und in N&auml;hebeutelformat beh&auml;ndiget,
-als ob sie so schwach und hinf&auml;llig w&auml;ren,
-nichts Gr&ouml;&szlig;eres als ein Duodez-B&auml;ndchen
-halten zu k&ouml;nnen. Die Frage: verstehest
-du auch, was du liesest? wird in der Regel
-das Duodez-M&auml;nnchen von Stutzer weit eher,
-als ein edles Weib, treffen. Wenn gleich die
-Geistes-Arbeiten der Weiber, sobald sie in's
-Gr&ouml;&szlig;ere gehen, f&uuml;r's erste <i>bas-relief</i> sind &mdash;
-sie werden weiter kommen; denn nur wir halten
-ihren Geist am G&auml;ngelbande, um sie
-nicht allein gehen zu lassen. Ein gro&szlig;er
-Kinderlehrer lie&szlig; in * * die Buchstaben in
-Pfefferkuchen backen, damit die Kinder das
-A B C in den Kopf bekommen m&ouml;chten;
-allein die liebe Jugend bekam das A B C in
-den Magen, und ward krank zu derselben
-Stunde. Diese Pfefferkuchen-Methode ist der
-gew&ouml;hnliche Fehler, den man bei der Erziehung
- <span class="pagenum"><a id="Seite_404">[S. 404]</a></span>
-des anderen Geschlechtes begeht. Man
-will weder seinen Verstand, noch seinen Willen
-zur Reife kommen lassen. Die Weiber
-sind <i>en biscuit</i>; und wir! sind wir ausgebrannt?
-und w&auml;ren wir es &mdash; was ist denn
-am Porcellain? &mdash; <i>B&ouml;ttcher</i> wollte Gold machen,
-und brachte Porcellain heraus. Was ist
-der Mensch? &raquo;<i>Der halbe Weg vom Nichts
-zur Gottheit</i>,&laquo; sagt Young; und unser frommer
-<i>Haller</i>, der den Namen <span class="smcap">Gottes</span> nicht unn&uuml;tzlich
-f&uuml;hren wollte: <i>unselig Mittelding vom
-Engel und vom Vieh</i> &mdash; da&szlig; sich Gott erbarm!
-<i>Friederike Baldinger</i> versichert in ihrer
-Lebensbeschreibung, mit einer Vorrede
-ausgestattet von <i>Sophie de la Roche</i>: &raquo;als Frau
-war ich ertr&auml;glich; wie klein w&uuml;rd' ich als
-Mann seyn!&laquo; Um Vergebung, sollte dies
-nicht auch ein jeder Mann umgekehrt von
-sich sagen m&uuml;ssen &mdash; so lange: <i>ein Mann
-seyn</i>, nicht mehr hei&szlig;t: als <i>ein Mensch seyn</i> &mdash;?
-Enth&auml;lt jene Bescheidenheit der <i>Friederike Baldinger</i>
-nicht zugleich einen Vorwurf f&uuml;r unser
-Geschlecht in Beziehung unserer Selbsterh&ouml;hung
-&mdash;? Unser <i>Herschel</i>, der wegen
- <span class="pagenum"><a id="Seite_405">[S. 405]</a></span>
-<i>Mi&szlig; Carolinen</i>, seiner Schwester, und <i>in
-puncto</i> der Astronomie mehr als einmal in
-dieser Schrift von Amts- und Rechtswegen
-genannt zu werden verdient, nimmt an: die
-Centralkr&auml;fte w&auml;ren nicht nur die erhaltenden,
-sondern auch die bildenden und erneuenden
-Kr&auml;fte der Weltsysteme; und nach seiner
-Meinung k&ouml;nnen auch mehrere Gattungen von
-anziehenden und zur&uuml;cksto&szlig;enden Centralkr&auml;ften
-in dem Baue des Himmels wirksam
-seyn. K&ouml;nnten, wenn m&auml;nnliche und weibliche
-Centralkr&auml;fte in der Menschenwelt anz&ouml;gen
-und zur&uuml;ckstie&szlig;en, nicht Dinge bewirkt werden,
-von denen man bis jetzt nicht tr&auml;umt &mdash;?
-L&ouml;set <i>Herschel</i> die dem blo&szlig;en Auge sichtbaren
-Nebelflecke vermittelst seines Teleskops
-in Sterne auf &mdash; wie leicht w&uuml;rden die <i>Flamsteads</i>
-und <i>Mayers</i> ihre Verzeichnisse von
-Sternen am Weiber- oder besser am Menschenhimmel
-erweitern k&ouml;nnen, wenn beide
-Geschlechter Ein Herz und Eine Seele w&auml;ren! &mdash;</p>
-
-<p>Geh' ich zu weit, wenn ich behaupte,
-da&szlig; die Unterdr&uuml;ckung der Weiber Unterdr&uuml;ckung
- <span class="pagenum"><a id="Seite_406">[S. 406]</a></span>
-&uuml;berhaupt in der Welt veranlasset
-habe? Wahrlich, die Tapferkeit ist keine
-Entscheidung des Schicksals, wen sie zum
-Regenten bestimmt hat. Durch Gro&szlig;muth,
-nicht durch List, mu&szlig; man den Feind &uuml;berwinden,
-und es ist und bleibt unanst&auml;ndig,
-sich des Andern Unerfahrenheit zu Nutze zu
-machen. Ist es besser, sich des Sieges sch&auml;men
-zu m&uuml;ssen, oder sich &uuml;ber das Gl&uuml;ck zu
-beklagen? Die Erhaltung eines einzigen B&uuml;rgers
-&mdash; ist sie nicht besser, als die Niederlage
-von hundert Feinden? Das was nach der
-Meinung der meisten Menschen Recht ist,
-das ist, verdollmetschet: so ist wie es seyn
-mu&szlig;; ist recht in einem erhabenen Verstande.
-Dies <i>rechte Recht</i> gr&uuml;ndet sich in der
-Natur der Sache, und hat sich von den
-Schlacken der Willk&uuml;hr und des T&uuml;rkischen
-Despotismus gereinigt &mdash; Wollte man, nach
-dieser allgemeinen Meinung von den Verh&auml;ltnissen
-des fr&auml;ulichen Geschlechtes, glauben,
-(glauben mu&szlig; man in einem besondern Sinne
-<i>wollen</i>) da&szlig; das vielfach tausendj&auml;hrige Reich
-der Sklaverei der Weiber in diesem rechten
- <span class="pagenum"><a id="Seite_407">[S. 407]</a></span>
-Rechte oder in der Billigkeit sich gr&uuml;nde?
-Ich will nicht glauben. Nicht alles was wir
-ungest&ouml;rt leiden, hat die Ehre unsers inwendigen
-Menschen vor sich. Sehet euch um!
-ihr werdet finden, da&szlig; das meiste Unrecht in
-der Welt in dem Bestreben besteht, so zu
-handeln, da&szlig; es die Mehresten f&uuml;r Recht halten.
-Wer kann wohl, ohne eine Gewaltth&auml;tigkeit
-zu begehen, behaupten: die Weiber
-m&uuml;&szlig;ten einen gewissen Standpunkt auch bei
-dem h&ouml;heren Grade neuerer Cultur und Sittenverbesserung
-behalten, und sie k&ouml;nnten,
-wegen ihrer angebornen Bestimmung als Mitglieder
-der Societ&auml;t und als Weiber, bis an
-den lieben j&uuml;ngsten Tag nur so weit und nicht
-weiter kommen? Unsere Gr&auml;nzen der Ausbildung
-sollten nicht abgesteckt seyn? nur die
-ihrigen w&auml;ren beh&uuml;gelt? O, du liebe Zeit!
-Die relativen Bestimmungen des Weibes in
-der Gesellschaft, in so weit es Weib ist &mdash;
-wer fragt nach diesen? diese sind so ewig,
-wie die Bestimmungen des Mannes als Mann.
-Allein soll das Weib an Verstand und Willen
-stehen bleiben, wenn der Mann Fortschritte
- <span class="pagenum"><a id="Seite_408">[S. 408]</a></span>
-macht; so mu&szlig; es mit der Aufkl&auml;rung in's Gedr&auml;nge
-kommen, und sie mu&szlig; Kinderspott
-werden &mdash; &mdash; Man k&ouml;nnte M&auml;nner mit der
-Speise, Weiber mit dem Trank vergleichen;
-und nur Speise und Trank in Gemeinschaft
-halten Leib und Seele zusammen. Das Gef&uuml;hl
-der Bed&uuml;rfnisse bildet den Menschen aus,
-und der Sch&ouml;pfer scheint es ihm nachgelassen
-zu haben, Bed&uuml;rfnisse zu erfinden, um sie im
-Schwei&szlig;e des Angesichts befriedigen zu lernen,
-durch Sprachunterricht zu Realkenntnissen
-hinauf zu reifen &mdash; Selbstliebe, Neigung
-zum Wohlbefinden, Abneigung gegen den
-Schmerz, sind Triebfedern, den Menschen
-immer weiter und weiter zu bringen; und das
-andere Geschlecht f&uuml;hlt sie, wo nicht in weit
-gr&ouml;&szlig;erem Ma&szlig;e, so doch gewi&szlig; nicht minder
-&mdash; Haben etwa Verabredungen, die aus
-jenen Bed&uuml;rfnissen und jenen Trieben entstehen,
-gemeinschaftlich Menschen seyn zu wollen,
-um desto leichter zum Zweck zu kommen
-&mdash; haben etwa Verabredungen in den
-Stand der Gesellschaft zu treten, den Weibern
-ihre Stelle angewiesen &mdash;? Nicht also! Die
- <span class="pagenum"><a id="Seite_409">[S. 409]</a></span>
-Punktation zum Stande der Gesellschaft machte
-<i>Eva</i>; und hat sie es sich wohl je vorstellen
-k&ouml;nnen, da&szlig; auch hier die Ersten die Letzten
-werden sollten? Setzte unser Geschlecht mit
-Vorwissen und Vorwillen des andern auf dasselbe
-das Motto der H&ouml;lle: <i>Hier ist die Hoffnung
-ausgeschlossen</i>; oder ist vielmehr durch
-den Stand der Gesellschaft der Stand der Natur
-geheiligt? sollen nicht in jenem, wie in
-diesem, alle Menschen gleich bleiben? V&ouml;lker
-sind sich eben so gleich wie einzelne
-Menschen, und Geschlechter so wie V&ouml;lker.
-Ist nicht durch Unterdr&uuml;ckung des Schw&auml;cheren
-das innere Verderben der Staaten entstanden,
-woraus denn gerades Weges Unterdr&uuml;ckung
-und Zerst&ouml;rung von au&szlig;en sich nach
-und nach ergab? Kommt es bei diesen Dingen
-mehr auf spielenden Witz, schalkhaften
-Vortrag, &uuml;berm&uuml;thige Phantasie-Einf&auml;lle, oder
-auf Wahrheit und Recht an? und k&ouml;nnen wir
-in der Gesellschaft auf Gerechtigkeit Anspruch
-machen, wenn wir keine erweisen?</p>
-
-<p>K&ouml;nnen wir, die wir uns so unr&uuml;hmlich
-zu Herren des weiblichen Geschlechtes aufgeworfen
- <span class="pagenum"><a id="Seite_410">[S. 410]</a></span>
-haben, es leugnen, da&szlig; wir diese
-Herrschaft von je her nur sehr schlecht verstanden?
-und in dieser Wissenschaft, wie es
-am Tage ist, bis jetzt nicht weiter gekommen
-sind? k&ouml;nnen wir es vor unserm Gewissen
-verhehlen, da&szlig; wir die Urheber und Veranlasser
-aller weiblichen Fehler sind, und da&szlig;
-das meiste Gute, welches wir an uns haben,
-auf die Rechnung des andern Geschlechtes
-geh&ouml;rt? Furchtsame M&auml;nner werden allerdings
-den Stab &uuml;ber mich brechen, weil ich angeblich
-die Eitelkeit der Weiber gereitzt, und
-ihre von Natur schon &uuml;berm&uuml;thigen Begriffe
-von ihrem Werthe gen&auml;hrt habe; allein, lieben
-Leute, durch eure Feuer rufende Bef&uuml;rchtung,
-ich m&ouml;chte die weibliche Bestimmung zu weit
-hinausger&uuml;ckt haben, beweiset ihr, da&szlig; ihr,
-anstatt stark zu seyn, schwach seyd, und da&szlig;
-ihr durch diese Schw&auml;che eure angebliche
-Ordnung der Dinge umkehret &mdash; und da&szlig;
-euch die Geisteskraft und Denkf&auml;higkeit mangeln,
-die ihr aus blo&szlig;em Neide dem andern
-Geschlechte absprechen wollt. &mdash; In der
-That, ihr solltet der Natur f&uuml;r das Hausmittel
- <span class="pagenum"><a id="Seite_411">[S. 411]</a></span>
-danken, durch das andere Geschlecht angespornt
-und aufgemuntert zu werden, immer
-weiter zu kommen, aber nicht Feigenbl&auml;tter
-suchen, eure stolze Faulheit zu decken. So
-bald Weiber Menschen sind und Vernunft haben,
-sind ihre Geistesanlagen nicht zu beschr&auml;nken;
-am wenigsten k&ouml;nnen <i>wir</i> hier
-psychologische Richter seyn, da wir so sehr
-Parthei sind, und da wir weit besser gelernt
-haben, unsere Sache zu f&uuml;hren und Schildknappen
-der Autorit&auml;t zu seyn, als das der
-Natur weit treuer gebliebene andere Geschlecht.
-Wo es nicht an innerer Kraft fehlt, da ist
-nur Gelegenheit n&ouml;thig, um sie zu &auml;u&szlig;ern;
-und nur dann, wenn man sich den Vernunftgebrauch
-untersagt, kann man sich zur Ableugnung
-jener Wahrheit bringen, da&szlig; nicht
-Alles <i>menschlich gleich</i> sey, was <i>menschlich
-vern&uuml;nftig</i> ist. Nur dann, wenn bodenloser
-Stolz an der Bestimmung des Menschen k&uuml;nstelt,
-entkommen wir der eigentlichen Ausbildung
-der Anlagen unserer Natur, und sie entkommt
-uns. Schade! &mdash;</p>
-
-<p>Was f&uuml;r einen Einflu&szlig; Erziehung, Klima
- <span class="pagenum"><a id="Seite_412">[S. 412]</a></span>
-und andere &auml;u&szlig;ere Umst&auml;nde auf Menschen
-(M&auml;nner nicht ausgeschlossen) behaupten, lehrt
-die Erfahrung. Der Weinbauer bleibt auch
-in ergiebigern L&auml;ndern ein Beispiel von
-Indolenz und einer daraus entspringenden
-Verderbtheit des moralischen Charakters &mdash;
-Weiber verstehen nur nat&uuml;rliche Waffen zu
-f&uuml;hren; wir w&uuml;rzen unsere Schutzschriften mit
-gelehrten Gr&uuml;nden, treffen provisorische Einrichtungen,
-und wissen Bescheid, unsere
-Schw&auml;chen so zu verh&auml;ngen, da&szlig; sie nicht in
-die Augen fallen &mdash; und eben darum behaupten
-wir geradehin, da&szlig; Weiber nur aus Neugier,
-nicht aus Wi&szlig;begierde, nicht aus eigenem
-freien Triebe, sondern weil sie dazu
-aufgemuntert werden, und nur aus Eitelkeit,
-sich hier und da mit Wissenschaften abgegeben
-h&auml;tten, ohne sich doch je darin auszuzeichnen
-&mdash; Aber au&szlig;erdem, da&szlig; die Reinheit
-des m&auml;nnlichen Verstandes und des m&auml;nnlichen
-Willens keine Lobrede verdient, und
-da&szlig; Selbstsucht mit ihrer ganzen Sippschaft
-von Eitelkeit, Stolz, Geldhunger und Schmeichelei,
-die M&auml;nner gar &uuml;bel plagt; au&szlig;erdem,
- <span class="pagenum"><a id="Seite_413">[S. 413]</a></span>
-da&szlig; auch der Gelehrteste, wenn er sich irgend
-kurz fassen kann, kaum drei Wochen
-gebrauchen w&uuml;rde, um alles zu beichten, was
-er wirklich <i>wei&szlig;</i>, und selbst was er wirklich
-<i>glaubt</i>, so da&szlig; sein Wissen und sein Wei&szlig;sagen
-doch immer nur St&uuml;ckwerk ist; au&szlig;erdem
-da&szlig; zwischen Zuckerbrot der Lekt&uuml;re,
-und dem herben Wein der Erfahrung ein gro&szlig;er
-Unterschied bleibt: so ist das Ende vom
-Liede aller Wissenschaften und alles gelehrten
-Dichtens und Trachtens, (wenn es nicht blo&szlig;
-L&uuml;ckenf&uuml;ller und Langeweiltr&ouml;ster seyn soll)
-<i>moralisch besser zu werden</i>. Sind wir das?
-O, alsdann tret' ich besch&auml;mt zur&uuml;ck, widerrufe
-Alles, was in meiner Schrift nur nach
-Apologie aussieht, und bleibe blo&szlig; bei der
-dem&uuml;thigsten Bitte, dem andern Geschlechte
-durch eine b&uuml;rgerliche Verbesserung Zeit und
-Raum zur moralischen Bu&szlig;e zu g&ouml;nnen, und
-es zur Verpflichtung gegen die Gesetze des
-Staates, zu jener bestimmten und &auml;u&szlig;erlich
-vollkommenen Verpflichtung zuzulassen, die
-doch jeder Staatstheilnehmer oder B&uuml;rger haben
-sollte &mdash;</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_414">[S. 414]</a></span></p>
-
-<p>Und nun der Schlu&szlig;? Der Mensch l&auml;uft
-spornstreichs, um zum Ende zu kommen,
-und wenn er sein Ende sieht, mu&szlig; er sich
-ganz zusammen nehmen, um sich zu fassen.
-<i>Machiavell</i> schrieb seinen <i>Principe</i>, um die
-Despoten-Republik zur Sprache zu bringen;
-und ich wollte nichts mehr &mdash; Wenn ich
-Dinge einander nahe lege, die sich f&uuml;r gew&ouml;hnliche
-Augen sehr entfernt ber&uuml;hren, so
-lasse man mir und Jedem doch seine Weise;
-denn wenn alle B&uuml;cher eine und dieselbe Melodie
-h&auml;tten &mdash; w&uuml;rden sich wohl noch so
-viele Leser finden? an Th&auml;ter des Wortes ist
-so nicht zu denken! Eine Schrift kann nie
-ein m&auml;chtiges um sich greifendes Feuer anz&uuml;nden;
-und wenn man behauptet: <i>Rousseau</i>,
-<i>Voltaire</i> und <i>Montesquieu</i> h&auml;tten die Franz&ouml;sische
-Revolution zu Stande gebracht; so vergi&szlig;t
-man <i>Nordamerica</i>: und es geh&ouml;rt zu den
-Zeichen dieser Zeit, wenn man mit B&uuml;chern
-bekannter als mit Menschen ist, um zu regieren;
-wenn man die &auml;u&szlig;ere Form des Systems
-viel zu lieb hat, um sie gegen das Gr&uuml;ndliche
-und Consequente der Lebensphilosophie aufzuopfern;
- <span class="pagenum"><a id="Seite_415">[S. 415]</a></span>
-wenn man nur auf Mittel f&uuml;r einen
-Tag sorget, um seinen Zweck durchzusetzen;
-wenn man seinem Ehrgeitze nur ein anderes
-Kleid anzieht, das weit weniger als der vorige
-Anzug Achtung f&uuml;r die Leidenschaft erregen
-kann; wenn man nicht die Weisheit anschauender,
-anziehender und wirksamer zu
-machen sich bem&uuml;het, sondern blo&szlig; seinem
-theuren <i>Ich</i> Ehre zudenkt, und, wohl zu merken!
-ein solcher Schwelger und Schlemmer
-im Ehrgeitze ist, da&szlig; man nicht an den andern
-Morgen denkt, und sich befriedigt, vier
-und zwanzig Stunden im Saus und Braus eines
-hohen <i>Vivat</i> zu gl&auml;nzen, und Plane auf
-die Zukunft gegen das schn&ouml;de Linsengericht
-eines st&uuml;ndigen Zujauchzens zu verprassen
-&mdash; &mdash; &mdash; Theilnehmende Achtung f&uuml;r den
-Schw&auml;cheren hat etwas G&ouml;ttliches; und wenn
-St&auml;nde zum Controlliren der Staatsofficianten
-ein herrliches, in Geduld Frucht bringendes
-Ding f&uuml;r den Regenten und das Volk
-sind, warum will man diese Controlle des
-menschlichen Geschlechtes den Weibern nicht
-anvertrauen? ihnen, die nie gewohnt sind,
- <span class="pagenum"><a id="Seite_416">[S. 416]</a></span>
-etwas Imaginaires, sondern immer etwas
-Wirkliches zum Grunde zu legen, wenn
-wir uns gleich die schn&ouml;deste M&uuml;he geben,
-sie zu Romanen zu gew&ouml;hnen, um sie,
-kraft der Reminiscenzen dieser Lekt&uuml;re,
-aus der wirklichen Welt hinauszubringen &mdash;
-Weiber haben mehr Geist, als Wissenschaft;
-M&auml;nner mehr Wissenschaft als Lebens-Philosophie,
-und leicht vergi&szlig;t unser Geschlecht,
-da&szlig; man nach Tugend und Rechtschaffenheit
-am ersten trachten mu&szlig;, wenn uns alles Andere
-zufallen soll. Bettelm&ouml;nche haben oft
-gr&ouml;&szlig;ere Gewalt als Eminenzen; Diese haben
-nicht Zeit, nicht Lust, es auf das Seelen-Regiment
-anzulegen, da hingegen Jene wirkliche
-Seelen-Despoten sind, ob sie gleich (etwas
-bescheidener) sich blo&szlig; Seelsorger nennen.
-Ich schrieb keine Grammatik, wo man die
-Ausnahme gleich hinter der Regel verzeichnet:
-das Zeichnen sollte den kalligraphischen &Uuml;bungen
-vorgehen, und die Geschichte, nach dem
-Vorschlage gepr&uuml;fter P&auml;dagogen, r&uuml;ckw&auml;rts vorgetragen
-werden. &mdash; Ich werde mich f&uuml;r hinreichend
-befriedigt halten, wenn man mir im
- <span class="pagenum"><a id="Seite_417">[S. 417]</a></span>
-Ganzen beif&auml;llt, obgleich noch n&auml;here Bestimmungen
-g&uuml;tlich oder rechtlich n&ouml;thig gefunden
-werden. Ein Buch, das Gedanken erweckt,
-ist oft besser als eins, das Alles ersch&ouml;pft,
-und die Leser wie Unm&uuml;ndige behandelt.
-Winke fruchten mehr als lange Belehrungen;
-und wenn ein Schriftsteller das gro&szlig;e
-Amt verkennt, das ihm von der Natur anvertrauet
-ward, Menschen gegen offenbare Ungerechtigkeiten
-zu sch&uuml;tzen; so verdient er
-selbst unterdr&uuml;ckt zu werden. Wer es &uuml;ber
-sein Gewissen bringen kann, ein Geschlecht
-zum gebornen Despoten des andern zu erheben,
-wird vielleicht nicht ohne Fertigkeit
-seyn, volks&uuml;bliche Sitten nachzu&auml;ffen und h&ouml;heren
-Volksklassen nachzulallen; allein auf
-rechtskr&auml;ftiges Urtheil wolle er in Zeiten Verzicht
-thun, und seinen Schlaftrunk von Vortrag
-f&uuml;r jenes Mittelgut von Menschen aufsparen,
-die Welt und eine Fabrikartigkeit besitzen
-&mdash; wenn gleich gemeiniglich die Pluralit&auml;t
-auf ihrer Seite ist. Das Deutsche Weib
-galt in &auml;lterer Zeit allemal mehr als andere
-Weiber, und ich bleibe gewi&szlig; in den Schranken
- <span class="pagenum"><a id="Seite_418">[S. 418]</a></span>
-der Wahrheit, wenn ich behaupte, da&szlig;
-auch noch jetzt Deutsche Weiber, so wie sie
-da sind, einer Verbesserung empf&auml;nglicher und
-f&auml;higer w&auml;ren, als alle andern, zu welcher
-Zunge und Sprache sie sich bekennen, und
-welcher Vorz&uuml;ge sie sich sonst gegen die
-Deutschen mit Recht oder mit Unrecht r&uuml;hmen
-m&ouml;gen &mdash; Nachtwandler erweckt man,
-wenn man sie bei Nahmen ruft; &mdash; und sollten
-unsere Deutschen Herren M&auml;nner nicht
-auf den k&uuml;hlenden Trank n&uuml;chtern werden,
-den ihnen diese Schrift reichet? &mdash; Es giebt
-Schriftsteller, die, wenn sie mit ihren Werken
-bei <i>ihrem</i> Geschlechte durchzukommen
-sich nicht getrauen, ihre Schrift mit der Nothl&uuml;ge
-begaben, sie h&auml;tten sie zu Heil und
-Frommen des andern Geschlechtes gestellt.
-Auch glaubt sich mancher Nachdrucker bei
-Ehren zu erhalten, wenn er das schmackhafte
-neugebackne Brot eines Andern br&ouml;ckelt, ohne
-selbst durch Milch oder Butter ihm ein anderes
-Ansehen zu geben, und dies alles auf
-Kosten des andern Geschlechtes thut &mdash; als
-ob der Herr Nachdrucker <i>im Brote</i> des weiblichen
- <span class="pagenum"><a id="Seite_419">[S. 419]</a></span>
-Geschlechtes w&auml;re, oder als ob es <i>nicht
-mehr k&ouml;nnte als</i> (brockenweise) <i>Brot essen</i>!
-&mdash; &mdash;</p>
-
-<p><i>Wozu alle Vergleichs-Vorschl&auml;ge und
-Verbesserungs-Plane, die, wenn man gleich
-ihnen Vorkaufs-Anma&szlig;ungen nicht vorr&uuml;cken
-kann, die, wenn sie es gleich mehr bei bescheidenen
-Fingerzeigen bewenden lassen, als
-da&szlig; sie strafs&uuml;chtige Warnungstafeln ausstellen,
-doch um so weniger Lebensfr&uuml;chte sicher
-verhei&szlig;en k&ouml;nnen, als man von ihnen nicht
-wei&szlig;, ob und in wie weit sie in der Feuerprobe
-der Aus&uuml;bung bestehen werden?</i></p>
-
-<p>Freilich! warum alle Katheder und Predigerst&uuml;hle?
-Sind die Menschen nicht von je
-her L&uuml;gner, Undankbare, R&auml;uber, Neider,
-Geitzh&auml;lse gewesen? Raubv&ouml;gel haben zwar
-von Anbeginn ihre N&auml;chsten, bescheidnere
-Nebenv&ouml;gel, gefressen, so bald sie sich ihrer
-bemeistern konnten; Menschen, welche einsehen,
-da&szlig; besser besser ist, und da&szlig; sie besser
-werden k&ouml;nnen &mdash; sollten <i>die</i> ewig
-Raubv&ouml;gel bleiben? Mich tr&ouml;stet der Glaube
-an die analogisch zu vermuthende Absicht der
- <span class="pagenum"><a id="Seite_420">[S. 420]</a></span>
-v&auml;terlichen Gottheit &mdash; und das rastlose Fortstreben
-des menschlichen Geistes, der einmal
-aufgeweckt und in Th&auml;tigkeit gesetzt ist. Die
-gesunde Bergluft ist ohne Zweifel die Ursache
-von dem Heimwehe der Schweizer; was sollte
-aber das andere Geschlecht bewegen, in seiner
-jetzigen Lage zu bleiben? Es wird wollen,
-wenn wir zu wollen uns entschlie&szlig;en
-werden &mdash;</p>
-
-<p>Ungern mu&szlig; ich mich noch zu einer Art
-Menschen wenden, an die ich gewi&szlig; am wenigsten
-gedacht h&auml;tte, wenn nicht ganz frische Spuren
-mich schreckten &mdash; Da&szlig; dies die Herren
-Recensenten nicht sind, versteht sich von
-selbst. Es giebt wackere M&auml;nner unter ihnen,
-die, wenn sie gleich sich einen ehemals ungew&ouml;hnlichen
-Reskriptenton angew&ouml;hnen, es
-so &uuml;bel nicht meinen; man lasse sie reskribiren
-&mdash; Du lieber Gott! was reskribirt heut
-zu Tage nicht alles &mdash;! Wenn Kinder und
-S&auml;uglinge an Jahren und an Verstande in unseren
-hohen Dikasterien den Nahmen Gottes
-und ihres F&uuml;rsten so unn&uuml;tzlich f&uuml;hren, und
-dummdreistes Zeug in diesen breiten goldenen
- <span class="pagenum"><a id="Seite_421">[S. 421]</a></span>
-Rahmen fassen; wenn sie so ungestraft blinden
-L&auml;rm zu machen, die Vernunft in bl&ouml;dsinnigen
-Sentenzen gefangen nehmen, den guten
-Ruf trefflicher M&auml;nner als gute Prise ansehen,
-und von Rechtswegen f&uuml;nf gerade gehen
-lassen k&ouml;nnen &mdash; wird man nicht, wohl
-zu merken! bei w&uuml;rdigen Recensenten, denen
-jene unb&auml;rtigen Gro&szlig;sprecher nicht werth sind
-die Schuhriemen zu l&ouml;sen, die weit kleineren
-Reskripten-Freiheiten, die sie sich herausnehmen,
-ganz gern &uuml;bersehen? Ich habe in
-Wahrheit nichts gegen Recensenten, die sich
-wie wohlth&auml;tige Egel an unsere B&uuml;cher h&auml;ngen,
-um ihnen das b&ouml;se Blut abzusaugen;
-vielmehr w&uuml;nsch' ich herzlich, da&szlig; dieser
-Blutdurst ihnen allerseits nach Stand und Verdienst
-wohl bekommen m&ouml;ge. Wenn aber
-M&uuml;cken um ein Paar Blutstropfen mich
-verfolgen, und meinen Nahmen (wahrlich ein
-Paar Blutstropfen) entwenden wollen; so bitt'
-ich diese Anekdotensauger in Erw&auml;gung zu
-nehmen, da&szlig; ein Buch darum keinen Fingerlang
-oder Fingerbreit schlechter oder besser
-wird, weil man wei&szlig;, da&szlig; es diesen oder
- <span class="pagenum"><a id="Seite_422">[S. 422]</a></span>
-jenen Verfasser hat. In der Schrittstellerwelt
-giebt es keinen Erbadel; und warum will man
-die gelehrte Republik in einen monarchischen,
-wo nicht gar despotischen, Staat umw&auml;lzen?
-warum nicht Jeden bei so viel Freiheit, wie
-nur mensch- und politisch-m&ouml;glich ist, lassen?
-Da giebt es denn aber Kraftgenies ohne Genie,
-ohne genialische Anlage und Nachdruck,
-die im Gef&uuml;hl ihrer Geistesarmuth Anekdoten
-haschen, um unter Gelehrten die Gelehrten
-zu spielen, die sie nicht sind, und die sie
-ohne wundervolle Pfingst-Inspiration auch
-nicht werden k&ouml;nnen! Ein Pfeifer und Geiger,
-ein Fl&ouml;ter und Trommeter glaubt taktlos
-sich f&uuml;r <i>Kant</i> und <i>Wieland</i> in Einer Person
-ausgeben zu k&ouml;nnen, ob er sich gleich begn&uuml;gen
-sollte, die Mauern von Jericho umzublasen
-und die Steine tanzen zu lassen. Voll
-Vademecums-Bel&auml;gen wissen dergleichen Masken
-&mdash; und was denn? was unter braven wackern
-Gelehrten der wenigste Kummer ist; &mdash;
-allein daf&uuml;r sind jene Kraftm&auml;nner auch vor
-aller andern Hypochondrie, als der, die
-aus Unwissenheit entsprie&szlig;t, und die mit
- <span class="pagenum"><a id="Seite_423">[S. 423]</a></span>
-Nahmen-Wuth anzuheben pflegt, sicher ihr
-Lebenlang &mdash; machen sich aus Litteratur-Kindern
-und philosophischen S&auml;uglingen eine
-Macht, und kommen nicht selten in die Gefahr
-jenes Menschenkenners, der einen trefflichen
-Mann fragte: Ist der Herr nicht der
-K&uuml;ster aus * *? &raquo;<i>Nein, ich bin der General-Superintendent
-* *, und wer Sie sind, mag
-ich nicht wissen.</i>&laquo; &mdash; Wer leugnet es, da&szlig;
-durch Gelehrte von Profession, z. B. durch
-<i>Kant</i> und <i>Heyne</i>, die Wissenschaften gro&szlig;e
-Fortschritte machten? Gewi&szlig; w&uuml;rde der Meister
-der Philosophie <i>Kant</i> in seinen patriarchalischen
-Jahren nicht so kraftvolle Arbeiten
-liefern, und durch einen wohlgestalteten Seelenerben
-nach dem andern der Welt ein Lachen
-bereiten, wenn er nicht in der Bl&uuml;the
-seines Lebens mit diesen Gegenst&auml;nden vertraut
-geworden, und bei seinem Unterrichte
-zu denken von Anbeginn gewohnt gewesen
-w&auml;re. Seine Vorlesungen waren die Goldwagen
-seiner Grunds&auml;tze &mdash; Solch eine Pflege
-kann kein Gesch&auml;ftsmann seinem Buche geben;
-noch nie aber haben verdienstvolle akademische
- <span class="pagenum"><a id="Seite_424">[S. 424]</a></span>
-Lehrer einem <i>Lessing</i>, <i>Spalding</i>, <i>Teller</i>, <i>Moses
-Mendelssohn</i> u. s. w. ihr Verdienst abgesprochen,
-vielmehr es gern gesehen, wenn
-diese fein sokratisch ihre Systeme in Philosophie
-der Welt, ich wei&szlig; nicht ob erniedrigten
-oder erh&ouml;heten? &mdash; Und wozu diese Bemerkung?
-Um eine andere einzuleiten &mdash; Wenn
-die Kritik der reinen Vernunft mit dem Nahmen
-<i>Immanuel Kant</i> in die Welt kommt &mdash;
-Wer hat etwas dagegen? Wenn aber ein Gesch&auml;ftsmann
-Autor ist &mdash; in welche Schwierigkeiten
-sieht er sich verwickelt! Der Pr&auml;sident
-beneidet ihn, wenn er Rath; und der Minister,
-wenn er Pr&auml;sident ist. Zum gemeinen
-Leben berufen, mu&szlig; er sich nach demselben
-einrichten und sich in die Zeit schicken lernen,
-und es ist bei dem Gesch&auml;ftsmanne nur
-zu oft b&ouml;se Zeit. Kritiken schaden den Gelehrten
-von Profession so wenig, als wenn Renomisten
-sich an den Fenstern des zu strengen
-Rektors vergreifen, die denn doch durch
-Laden gesichert werden k&ouml;nnen; und wie
-leicht ist das Haus Sr. Magnificenz wieder befenstert!
-Der unsauberste Geist inde&szlig; schadet
- <span class="pagenum"><a id="Seite_425">[S. 425]</a></span>
-dem Gesch&auml;ftsmann, indem witzleere Antagonisten
-desselben den schalsten Einfall mit
-Freuden aufnehmen, und mit diesen fremden
-K&auml;lbern pfl&uuml;gen, um den braven Mann zu
-kr&auml;nken. Der Gelehrte von Profession schl&auml;gt
-den Ball, den ihm ein unfreundlicher Kritikus
-zuschl&auml;gt, weiter; der Gesch&auml;ftsmann kann
-ihn nur zur&uuml;ckschlagen &mdash; Jeder Ungl&uuml;cksfall
-im Dienst wird auf die Rechnung der Autorschaft
-geschrieben; jede ungegr&uuml;ndete Beschwerde
-einer chicanirenden Parthei findet
-gewisses Geh&ouml;r, weil der Herr <i>Decernent</i>,
-oder <i>Instruent</i>, <i>Referent</i> und wie die <i>enten</i>
-alle hei&szlig;en m&ouml;gen, Autor ist und sich nicht
-Zeit nahm &mdash; alle Menschen klug zu machen.
-&mdash; Der Revers der Sache? wird nicht
-mancher Schriftsteller das Ansehen, welches
-er in der gelehrten Welt hat, zum Schreckmittel
-brauchen, um sich zu einem <i>Noli me
-tangere</i> zu erheben? wird nicht sein Vorgesetzter
-seiner Schriftstellerfeder auf Rechnung
-seines Postens eine Pension zuwenden, und
-Andern aufb&uuml;rden, was Jenem zu thun oblag
-&mdash;? <i>Practica est multiplex.</i> Ein Mann,
- <span class="pagenum"><a id="Seite_426">[S. 426]</a></span>
-der <i>Vater</i> ist, wenn er <i>Brutus</i> seyn soll, der
-unter den Autoren Pr&auml;sident, und unter den
-Pr&auml;sidenten Autor ist, verdient die Z&uuml;chtigung
-eines <i>Johnson's</i>, da hingegen ein Autor, welcher
-der gelehrten Welt so wenig von seinem
-politischen Verh&auml;ltnisse, als diesem von jener
-verr&auml;th, zwiefacher Ehre werth zu seyn scheint,
-indem er sich nicht aus Einer Lage in die andere
-hinein schmeichelt, keine Folie n&ouml;thig
-hat, und nicht Eine Farbe in die andere spielen
-l&auml;&szlig;t, sondern &uuml;berall Mann ist &mdash; &mdash; Das
-Leben eines Mannes von dieser Art zu lesen,
-wenn er aufh&ouml;rt entweder politisch oder nat&uuml;rlich
-zu leben &mdash; kann wahrlich ein besseres
-Lehrbuch werden, als das Leben unseres
-trefflichen <i>Semlers</i>, der geheime Wissenschaften
-an geheimen Orten zu lernen suchte &mdash;
-um sie kurz vor seinem Ende &ouml;ffentlich zu
-treiben &mdash; oder anderer Selbstbekenner, die
-geistliche und leibliche Jahr- Monaths- Tage-
-Stunden- und Minuten-B&uuml;cher stellten &mdash;.
-<i>Shakespear</i> ward in seinem Leben wegen seiner
-Sonetten, <i>Milton</i> wegen seiner Lateinischen
-Verse und prosaischen Schriften gesch&auml;tzt, derentwegen
- <span class="pagenum"><a id="Seite_427">[S. 427]</a></span>
-sich Beide schwerlich bis auf den
-heutigen Tag erhalten haben w&uuml;rden &mdash; &mdash;</p>
-
-<p><em class="gesperrt"><span class="smcap">Friedrich</span> II.</em>, der doch selbst von der
-Poësie, wie von einem D&auml;mon, gar &uuml;bel geplagt
-ward, so da&szlig; sie sogar bei Schlachten
-nicht verfehlte, <em class="gesperrt"><span class="smcap">IHM</span></em> Cour zu machen, sagte
-zu einem Staatsdiener, dessen Andenken ich
-heute an dem Tage seines Todes feiere:
-<i>ich mache Ihn zum * *; aber lass' er mir das
-Schreiben &mdash; So etwas st&ouml;rt, und im Amte
-mu&szlig; Er sich durch gar nichts st&ouml;ren lassen &mdash;
-h&ouml;rt Er?</i> Ja! und wer Ohren hat zu h&ouml;ren,
-der h&ouml;re! Sind das die Gesinnungen eines
-k&ouml;niglichen Schriftstellers, (nach Weise des k&ouml;niglichen
-Propheten <i>David</i>) wie viel ist von
-F&uuml;rsten zu f&uuml;rchten, denen, au&szlig;er der Salbung
-zu Regenten, keine andere zu Theil
-ward &mdash;! wie noch viel mehr von <i>K&ouml;nigschen</i>,
-die, zu schwach zu einer kritischen
-Sichtung, an Autoren, welche ihnen &uuml;ber den
-Kopf zu wachsen scheinen, so gern zu Rittern
-werden &mdash; Ob von diesen F&auml;llen Einer
-oder keiner der meinige sei, thut nichts zur
-Sache; da&szlig; sie aus dem Leben genommen
- <span class="pagenum"><a id="Seite_428">[S. 428]</a></span>
-sind, wird Niemand ableugnen &mdash; Und darf
-ich noch bemerken, da&szlig; Kunstrichter, wie
-alle andere Richter, nicht die Personen ansehen
-m&uuml;ssen, und da&szlig; es pflichtwidrig ist, es
-auf den Namen des Schriftstellers anlegen zu
-wollen &mdash;?</p>
-
-<p>Wenn unsere Anekdoten- und Nahmenh&auml;scher
-dies in Erw&auml;gung z&ouml;gen &mdash; w&uuml;rden
-sie nicht lieber Fische fangen und Vogel stellen,
-da sie doch einmal verdorbene Gesellen
-sind? &mdash; Wie viel wollt' ich geben, wenn
-ich dieses Schlusses h&auml;tte &uuml;berhoben seyn k&ouml;nnen!
-&mdash; denn in der That, ich wei&szlig; ihn so
-wenig in den Takt dieser Schrift zu bringen,
-da&szlig; ich mich vielmehr begn&uuml;gen mu&szlig;, zu bemerken,
-wie die Menschen nur alsdann sich
-zu nahe kommen, wenn sie nichts thun wollen
-oder k&ouml;nnen, und, anstatt sich mit sich
-selbst zu besch&auml;ftigen, es gem&auml;chlicher finden,
-auf und gegen Andere zu wirken &mdash;</p>
-
-<p>Da&szlig; dieser Epilogus jene lieben, trefflichen,
-edlen Seelen nichts angeht, die in keiner
-andern Absicht, als um sich n&auml;her mit
-dem Schriftsteller zu verbinden, der mit ihnen
- <span class="pagenum"><a id="Seite_429">[S. 429]</a></span>
-so harmonirt, seinen Nahmen gern w&uuml;&szlig;ten
-&mdash; darf ich dies erst bemerken? &mdash;
-M&ouml;chte doch der unerforschliche <em class="gesperrt"><span class="smcap">Gott</span></em> diesen
-trefflichen Seelen &ouml;ffentlich vergelten, was
-sie auch etwa an mir insgeheim thaten! &mdash;
-M&ouml;chte ihnen doch an der Hand gutdenkender
-Weiber des Lebens Last und Hitze nicht
-schwer seyn! Leicht sei ihnen die Erde im
-Leben und im Tode &mdash;! &mdash;</p>
-
-
-<hr class="chap" />
-<p class="break" />
-
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_430">[S. 430]</a></span></p>
-
-
-<h2 id="Inhalt">Inhalt.</h2>
-
- <div class="figcenter">
- <img src="images/tb_001.jpg" alt="Dekoration" />
- </div>
-<p class="pmb1" />
-
-<div class="block6">
-<table border="0" cellspacing="3" cellpadding="1" class="tdl" summary="Inhalt">
-
- <tr>
- <td align="left" valign="top">I.<br /></td>
- <td align="left">Formale und Materiale der gegenw&auml;rtigen Schrift.<br /></td>
- <td align="right" valign="bottom">Seite<br /></td>
- <td align="right" valign="bottom"><a href="#Seite_1">1</a><br /></td>
- </tr>
- <tr>
- <td align="left" valign="top">II.<br /></td>
- <td align="left">Giebt es au&szlig;er dem Unterschiede des Geschlechtes
- noch andere zwischen Mann und Weib?<br /></td>
- <td align="right" valign="bottom" colspan="2"><a href="#Seite_28">28</a><br /></td>
- </tr>
- <tr>
- <td align="left" valign="top">III.<br /></td>
- <td align="left">Woher die &Uuml;berlegenheit des Mannes
- &uuml;ber die Frau entstanden? R&uuml;ckblicke auf die &auml;ltere Zeit.<br /></td>
- <td align="right" valign="bottom" colspan="2"><a href="#Seite_75">75</a><br /></td>
- </tr>
- <tr>
- <td align="left" valign="top">IV.<br /></td>
- <td align="left">N&auml;here Angaben, woher die &Uuml;berlegenheit
- des Mannes &uuml;ber die Frau entstanden ist. Betreffen neuere Zeit.<br /></td>
- <td align="right" valign="bottom" colspan="2"><a href="#Seite_122">122</a><br /></td>
- </tr>
- <tr>
- <td align="left" valign="top">V.<br /></td>
- <td align="left">Verbesserungs-Vorschl&auml;ge.<br /></td>
- <td align="right" valign="bottom" colspan="2"><a href="#Seite_185">185</a><br /></td>
- </tr>
- <tr>
- <td align="left" valign="top">VI.<br /></td>
- <td align="left">Nutzanwendung.<br /></td>
- <td align="right" valign="bottom" colspan="2"><a href="#Seite_398">398</a><br /></td>
- </tr>
-</table>
-</div>
-
-<p class="pmb3" />
- <div class="figcenter">
- <img src="images/tb_001.jpg" alt="Dekoration" />
- </div>
-<p class="pmb3" />
-
-
-
-<hr class="chap" />
-<p class="break" />
-
-
-<div class="transnote">
-
-<b><a id="Transcribers_notes">Notizen des Bearbeiters:</a></b>
-
-<p>Unterschiedliche Schreibweisen wurden beibehalten.</p>
-
-<p>Typographische Fehler und einzelne Satzzeichen wurden stillschweigend ge&auml;ndert.</p>
-
-</div>
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-<pre>
-
-
-
-
-
-End of the Project Gutenberg EBook of Über die bürgerliche Verbesserung der
-Weiber, by Theodor Gottlieb von Hippel
-
-*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK ÜBER DIE BÜRGERLICHE ***
-
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-warranties or the exclusion or limitation of certain types of damages.
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-provision of this agreement shall not void the remaining provisions.
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-1.F.6. INDEMNITY - You agree to indemnify and hold the Foundation, the
-trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone
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-harmless from all liability, costs and expenses, including legal fees,
-that arise directly or indirectly from any of the following which you do
-or cause to occur: (a) distribution of this or any Project Gutenberg-tm
-work, (b) alteration, modification, or additions or deletions to any
-Project Gutenberg-tm work, and (c) any Defect you cause.
-
-
-Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg-tm
-
-Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
-electronic works in formats readable by the widest variety of computers
-including obsolete, old, middle-aged and new computers. It exists
-because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
-people in all walks of life.
-
-Volunteers and financial support to provide volunteers with the
-assistance they need, are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
-goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
-remain freely available for generations to come. In 2001, the Project
-Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
-and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations.
-To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
-and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
-and the Foundation web page at http://www.pglaf.org.
-
-
-Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive
-Foundation
-
-The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
-501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
-state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
-Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification
-number is 64-6221541. Its 501(c)(3) letter is posted at
-http://pglaf.org/fundraising. Contributions to the Project Gutenberg
-Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
-permitted by U.S. federal laws and your state's laws.
-
-The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
-Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
-throughout numerous locations. Its business office is located at
-809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email
-business@pglaf.org. Email contact links and up to date contact
-information can be found at the Foundation's web site and official
-page at http://pglaf.org
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-For additional contact information:
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- Chief Executive and Director
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-Literary Archive Foundation
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-Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic
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-
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