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You may copy it, give it away or -re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included -with this eBook or online at www.gutenberg.org/license - - -Title: Über die bürgerliche Verbesserung der Weiber - -Author: Theodor Gottlieb von Hippel - -Release Date: January 7, 2017 [EBook #53912] - -Language: German - -Character set encoding: ISO-8859-1 - -*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK ÜBER DIE BÜRGERLICHE *** - - - - -Produced by Matthias Grammel and the Online Distributed -Proofreading Team at http://www.pgdp.net (This book was -produced from scanned images of public domain material -from the Google Books project.) - - - - - - - - - - ÜBER DIE - BÜRGERLICHE VERBESSERUNG - DER WEIBER - - [Illustration] - - BERLIN, 1792. - _in der Voßischen Buchhandlung_ - - - - -I. - -FORMALE UND MATERIALE DER GEGENWÄRTIGEN SCHRIFT. - - -Man sagt: der strengste Beweis der Wahrheit sei, wenn gewisse -Dinge jeder Bemühung sie lächerlich zu machen und zu travestiren, -widerstehen, und wenn sie trotz allem Lächerlichen, womit wir -sie behängen, doch ehrwürdig bleiben. Wenn die krumme Linie die -Schönheits-Linie ist; so wird man es schwerlich bedenklich finden, -dem Lachen die Schlüssel zum Himmelreiche der Wahrheit anzuvertrauen. -Ein mißlicher Umstand! der mich bei der gegenwärtigen Schrift in -eine nicht geringe Verlegenheit verwickelt, da ich einen Gegenstand -vorhabe, worin bei weitem der größte Theil des Ernsthaften mit dem -Lächerlichen, nicht von Anbeginn und von Natur, sondern durch -Verjährung, so im Gemenge liegt, daß hierbei nicht so leicht ein -Divisions-Exempel auf eine Auseinandersetzung gewagt werden kann. Wenn -ein Ritter von ächtlustiger Gestalt den Kampf beginnt -- wer und was -kann vor ihm bestehen? welche Festung von System und Dogmatik sich -halten? _Sokrates_, der Weiseste, nicht unter den _Königen_, sondern -unter den _Weisen_, dieser Erzkern in einer häßlichen Schale, dieser -(wiewohl nicht mit sonderlichem Geschmacke gekleidete) Engel unter den -Menschen, ward in _den Wolken_ zur Farce; und welch ein Autor kann auf -einen heitern Recensenten- und Leser-Himmel sicher rechnen? -- Selten -gab es einen, der nicht aus dem Regen unter die Traufe gerieth, und -noch nie ging ein Licht in der Welt auf, ohne seinen _Aristophanes_ -zu finden, der es, mir nichts, dir nichts, geradezu ausblies, oder -- -unter dem Scheine des Rechts, als wollt' er es schneutzen -- es neckte -und verdunkelte. Fast scheint auf diese Weise das Lächerliche das -tägliche Brodt der Menschen zu seyn, und man wird sich ohne Zweifel -am besten befinden, wenn man in Züchten und Ehren mitlacht, oder seine -Schrift, des Bildes und der Überschrift des Ernstes ungeachtet, zu -einem Tone stimmt, der nicht ernsthafte Blößen (die lächerlichsten von -allen) giebt. -- »Ihr werdet lange nicht so viel über mich weinen, wie -ihr über mich gelacht habt,« sagte _Scarron_, der Ehevorfahr _Ludwigs -des XIV._, zu denen, die sein Sterbelager umringten und weinten. -Diese Vorstellung war im Stande, ihn im Sterben aufzuheitern -- und -warum auch nicht? -- Jetzt, da selbst die heilige Moral nicht mehr -im Klosteranzuge ihr Glück machen kann und will, vielmehr fröhlich -und guter Dinge einhertritt, und die Becher, welche sie mit ihrem -herzerfreuenden Wein anfüllet, zu bekränzen gebeut; jetzt, da sogar -jede widerliche Außenseite des Menschen eher seines Herzens Härtigkeit -als dessen Reinheit zu verrathen scheint: jetzt ist Fröhlichkeit ein -lebensartiges Ingredienz geworden, und Lachen und Weinen leben in einer -so glücklichen Ehe, daß jene philosophischen Gaukler, von denen der -eine nicht aus dem Lachen und der andere nicht aus dem Weinen kommen -konnte, schwerlich Professuren auf unsern Akademieen erhalten würden. -Kinder, die der Natur am nächsten sind, lachen und weinen über eine -und dieselbe Sache, und eine liebenswürdige Braut reißt sich weinend -aus den Armen ihrer verwaiseten Mutter, um in eben dem Augenblicke -sich lachend in die Arme ihres Vielgeliebten zu stürzen. -- Unser -Leben ist Ebbe und Fluth, immerwährender Wechsel von Freude und Leid; -und sollten nicht alle Gegenstände des gemeinen Lebens Spuren und -Eindrücke von der _comédie larmoyante_ des _verwünschten Schlosses -von Planeten_ zeigen, auf dem uns eine Menschen-Rolle angewiesen ist? --- die schwerste vielleicht in Gottes weitem und breitem Weltall! -- -vielleicht auch die leichteste, je nachdem sie gespielt wird. -- Aller -unvergeßlichen Bemühungen so mancher _edlen Ritter_ ungeachtet, welche -die Menschheit und durch sie _die Erde entzaubern_ wollten, ist das -Abentheuer noch nicht bestanden -- O der verdammten Hexe, der Sünde, -die das _Verderben_ so braver _Leute_ ist! -- Wenn wir gleich durch die -Erinnerung des Todes nicht unseres ganzen Lebens Knechte sind; so sind -doch die Gedanken an den Tod und an Gott _die_, welche uns in jedem -Falle zu einem _Memento!_ bringen. Wahrlich! es war Philosophie, wenn -des Königes _Xerxes_ Majestät über sein Heer sich freute und traurig -ward. -- Jeder Schmerz hat seine Wollust; und wie schal ist nicht das -Vergnügen, das nicht durch etwas Bitterkeit gewürzt wird! Vom Glück ist -dem Weisen nur zu träumen erlaubt; das Unglück, als das gewöhnliche -Loos der Menschheit, mit Fassung zu ertragen, bleibt ihm unabläßliche -Pflicht: und es giebt in der That überall eine Mittelstraße, eine -gemäßigte Fröhlichkeit und ein Lächeln, das bei warmen Thränen im Auge -Statt finden kann. Alle vier und zwanzig Stunden giebt es Nacht und -Tag, ein Licht, das den Tag regiert, und eins, das die Nacht regiert. --- Noch näher kann ich dieses Exordium legen, wenn ich bemerke, daß -das schöne Geschlecht, der Natur getreu, die gute und vollkommene -Gabe von oben herab besitzt, alle seine Bitterkeiten, deren es sich zu -seinen Wehr und Waffen zu bedienen pflegt, so zu bezuckern, und ihren -Ernst, vermittelst eines ihn lindernden Lächelns, so zu ermäßigen, daß -ich keinen Augenblick Bedenkzeit nehmen darf, diesem liebenswürdigen -Beispiele zu huldigen und mich der beiden Gesichter des _Janus_ mit -patriotischer Freiheit zu erinnern. Auch scheint die Last, welche das -schöne Geschlecht trägt, einem und bei weitem dem größeren Theile -desselben so sanft und sein Joch so leicht zu seyn, daß es vielleicht -im Diensthause Egyptens und bei den Fleischtöpfen eines gemächlichen -wirklichen Alltags-Lebens zu verbleiben wünschen wird, ohne die -beschwerliche Reise nach Kanaan, wo Milch und Honig der Natur fließt, -antreten zu wollen. Selbst Damen von Bedeutung scheinen oft nicht zu -wissen, daß sie in ihrem Prunk von Purpur und köstlicher Leinwand Leid -tragen, und daß ihr Leben in Herrlichkeit und Freude eine _Leibes-_ und -_Lebens_strafe ist, die man ihnen im heimlichen Gericht zuerkannt hat. --- Wo viel Glanz ist, da ist wenig Geschmack -- so wie gemeiniglich -Bigotterie und Sittenlosigkeit _getreue Nachbarn und desgleichen_ zu -seyn pflegen. Wahrlich! es ist der höchste Gipfel der Krankheit, wenn -Patienten Fieberhitze für blühende Gesundheit halten und jede Arznei -von der Hand weisen; und so übersteigt es auch den gewöhnlichen Grad -des menschlichen Verderbens, wenn Sklaven auf alle Rechte Verzicht thun -und ihre Verfassung auf das gute Glück der Denkungsart ihrer Gebieter -gründen. -- Und wer ist Schuld an diesem Gerichte der Verstockung? -das andere Geschlecht? wird man diesen Stab brechen, da selbst der -Naturverkündiger _Rousseau_, der alle Welt, und besonders die schönere -Hälfte derselben, zur Natur bekehren wollte, trotz dieser _gewaltigen -Predigt von Buße und Glauben_ am liebsten mit _vornehmen Damen_ umging? -Wie konnte seine Eitelkeit sich gütlich thun, wenn Standespersonen ihn -hervorzogen, ob er gleich über das Verderben der höheren Stände bei -aller Gelegenheit außer Athem kam! -- -- Doch ich will dem zweiten -Theile dieses Kapitels nicht vorgreifen. Mag sich meine Schrift in die -Zeit schicken, und von allen Seiten ihr Heil versuchen --! Mit der -Anrufung der heiligen Zahl der drei mal drei Schwestern soll sie sich -nicht brüsten, da ein dergleichen _Oremus_ bloß poëtischen Arbeiten die -Bahn zu brechen gewohnt ist; aber um alles in der Welt wünschte ich -nicht, daß ihr die Ehre erwiesen würde, die Bibliothek der erlauchten -Republik des _Plato_ zu zieren. -- Zur Sache. - -Als _Ludwig den Vierzehnten_ wegen der neuen Lasten, die er seinem -schon gedrückten Volke zugedacht hatte, wirklich eine Art von -Gewissens-Schauer anwandelte, fand er in dem leidigen Troste seines -Beichtvaters _Tellier_, »_daß das Vermögen seiner Unterthanen sein -Eigenthum sei_,« ein so sanftes Küssen für dieses aufgewachte Gewissen, -daß er sich kein Bedenken gemacht haben würde, die Auflage, die ihn -beunruhiget hatte, aus dem Stegreife zu verdoppeln; und ohne Zweifel -ist dieser Köhlerglaube der Grund zu jener Behauptung: _ich bin der -Staat_. - -Die Gewohnheit wird so leicht zur andern Natur, daß die Franzosen, -welche die Plackereien eines _Terray_, und die Härte eines _Meaupou_ -ertrugen, sich hinreichend glücklich schätzten, wenn nur ein kleiner, -vielleicht der unwürdigste, Theil die durch die Zehnten der Wittwen -und die Sparpfennige der Elenden gefüllten Freudenbecher des Staats -in unmäßigen Zügen leeren konnte, während der andere größere und -arbeitende Theil, unter dem Joche der Willkühr der Despotie und der -Dürftigkeit schmachtend, doch noch immer das Glück hatte, so gut es -sich thun ließ', zu springen und zu singen, zu hüpfen und zu pfeifen. --- Bei einem so leichten, über Alles sich wegsetzenden und mit einem -_Chanson_ sich aus aller Noth helfenden Völkchen, war diese Zuchtruthe, -theils mit Peitschen, theils mit Skorpionen, um so weniger fühlbar, -da es an den Gallatagen und Staatsfesten der Ausgezeichneten unter -ihm, durch ein Freibillet vermittelst der Augen Theil nahm -- und -dieses Völkchen lernte es je länger je mehr ertragen, daß jene den -_Freudenkelch_ für sich allein behielten und es _für sie alle_ thaten. -Die Brocken, die etwa dem Künstler und der Putzmacherin von den Tischen -dieser _reichen Männer_ fielen -- waren ihnen eine Segenserndte, und -die Hunde der Großen leckten ihnen ihre Schwären -- Dies Jammer und -Elend ist kommen zu einem seligen End, und Laternenpfähle scheinen über -Frankreich das Licht der Natur und einer Gleichheit aller Menschen -so stark verbreitet zu haben, daß man vor lauter Licht das Licht -zuweilen nicht zu erblicken scheint. Es giebt Menschen, die den Wald -nicht vor den Bäumen sehen, und gar zu hell macht dunkel: auch giebt -es moralische Blendlinge, die das Glück oder Unglück haben, da etwas -flittern zu sehen, wo das gesunde Auge des Verstandes nichts wahrnimmt. -Wie wär' es, wenn ich ohne Feldgeschrei und Sturmglocke, wie weiland -_Diogenes_, laternisirte und mit einer Handleuchte in der schönen Welt, -wo so viel Überfluss von tausend und abermal tausend Dingen für Geld -oder für gute Worte zu haben ist -- Menschen suchte? -- Ob ich finden -würde? -- Einige Auflösungen sind mit Brausen verbunden; bei einigen -entstehet eine Hitze, bei einigen eine Kälte. -- Daß Ew. Excellenz sich -nur ja nicht ereifern, vielmehr Hochdero Galle für Ihren ungetreuen -Liebhaber _Num._ 30. besparen! -- Eine Schwalbe macht keinen Sommer, -und meine Laterne ist mit einem Hauch Ihres Eifers ausgeblasen. Wollten -Ew. Excellenz in aller Zucht und Ehrbarkeit Sich in einen wohlgemeinten -Wortwechsel mit mir einzulassen geruhen; Sie würden, wie ich nach der -Liebe hoffe, Sich eines andern besinnen, und vielleicht überzeugt -werden, daß ich weniger Vorwürfe verdiene, als alle Ihre Liebhaber -bis auf den _sub Num._ 30., der es freilich außer der Weise macht, -woran indeß ich und meine Schrift auch nicht auf die entferntste Weise -Schuld sind -- Bin ich gleich kein galanter, so bin ich doch ein treuer -Verehrer eines Geschlechtes, unter welchem Sie und viele andere Ihres -Gleichen so unrichtig _Excellenz_ heißen, wogegen andere trefliche -Weiber, welche diesen Ehrennamen zehnfach verdienen, aus Hof-Etiquette -nicht so genannt werden. - -_Keinem anderen als einem Deutschen konnte wohl ein solches Buch -einfallen!_ - -Auch unter den Franzosen gab es Sonderlinge, die, wenn sie gleich -freilich nicht mit der Thür ins Haus fielen, und an keine bürgerliche -Verbesserung des schönen Geschlechtes dachten, ihm doch ein anderes -Verhältniß anwiesen. Ich habe geglaubt, man müsse dem Übel die Wurzel -nehmen und den Staat nicht aus dem Spiele lassen. - -_Frankreich, wo jetzt alles gleich ist, ließ unser Geschlecht -unangetastet._ - -Unverzeihlich! wie konnte ein Volk, das (wie weiland _Voltaire par -et pour_ die Komödianten lebte) _par et pour_ das schöne Geschlecht -existirt, bei der weltgepriesenen allgemeinen Gleichheit ein Geschlecht -vernachlässigen, das eine Königin hat, derengleichen es gewiß wenige in -der Welt gab. -- - -Wenn ich nur selbst wüßte, wie ich mich hier ins Mittel legen könnte, -um aus diesem _excellenten_ Handel mit Ehren herauszukommen! -- Wohlan! -ich will den gegenwärtigen Weltlauf der Damen copiren, die in Einem -Athem trotzen und bitten, fluchen und segnen -- -- - -Vielleicht war das menschliche Geschlecht bloß darum so vielem Wechsel -von Licht und Finsterniß, von Veredlung und Herabwürdigung, von -Paradies und Fall ausgesetzt, weil man die Rechnung ohne die schöne -Welt machte. Es ebbte und fluthete, je nachdem man von dieser andern -Hälfte Notiz nahm und je nachdem man sie als etwas Wesentliches in der -Menschheit oder als etwas Beiläufiges ansah, das schon die Ehre haben -würde, der Principalsache zu folgen. Man sah das schöne Geschlecht, -wie den Reim, kaum für etwas mehr, als für eine Krücke an, wodurch -sich der Gedanke forthilft; und bei Messiaden und andern Werken der -Dichtkunst, wo man ohne Krücken ging -- mußte das andere Geschlecht -sich gefallen lassen, zu kurz zu kommen. Jener Römische Rechtsspruch: -Mit dem Rechtsmaß, mit dem man Andere mißt, muß man sich selbst messen; -schien hier völlig seine Kraft verloren zu haben, wenn er gleich zu -jenen ins Herz geschriebenen gehört, die zu übertreten eine Sünde -wider den heiligen Geist ist. -- Wie ist ein Stoff zu organisiren, -wenn es nicht auf die Vereinfachung des Vielfachen angelegt wird? Wie -ist dem menschlichen Geschlechte zu rathen und zu helfen, wenn man -so entsetzlich einseitig verfährt? Der Himmel der alten Welt hatte -seine Göttinnen so gut wie seine Götter; nur unter den Menschen soll -es keine anderen Götter geben neben den Männern von Gottes Gnaden! -- -Ist es ein Seelenfest, wenn entfernte, einander völlig fremd gewordene -Gegenstände in der Geisterwelt sich zusammen finden; wenn sich oft das -Allerverschiedenste in einem Berührungspunkte des Denkens trifft, wo -seine ursprüngliche Verwandtschaft wieder einleuchtend wird; wenn sich -dergleichen von einander abgekommene Gegenstände Hände und Trauringe -geben und eine Himmelsstimme sich hören läßt: was Gott zusammen fügt, -soll der Mensch nicht scheiden; ist es unaussprechliche Wonne, wenn -Freunde nach langen See- und Landreisen sich wieder an Stell' und Ort -umarmen und sich an die paradiesischen Jahre ihrer Jugend erinnern, wo -sie Ein Herz und Eine Seele waren: wie weit herrlicher wird es seyn, -wenn das andere Geschlecht sich wieder zu dem unsrigen verhält, wie -_Eva_ zu _Adam_, und nicht wie Ew. Excellenz zu _Num._ 30! -- Laßt -uns dies Werk der Zeit überlassen, die bisweilen aus unbegreiflicher -Güte Combinationen zusammen bringt, auf welche, nach dem gewöhnlichen -Laufe der Dinge, weder zu rechnen, noch Jagd zu machen war -- Laßt uns -auf den Zeitpunkt uns freuen, wo der Tag der Erlösung für das schöne -Geschlecht anbrechen wird, wenn man Menschen, die zu gleichen Rechten -berufen sind, nicht mehr in der Ausübung derselben behindert -- und -wenn man das, was so augenscheinlich gleich ist, nicht so willkührlich -unterscheidet. -- Ich würd' ein Frauenknecht in bester Form seyn, -wenn ich behaupten wollte, daß diese goldene Zeit vom Himmel fallen -werde. Verdienst und Würdigkeit sind die Bedingungen menschlicher -Glückseligkeit, und der Mensch, sein eigener Bildner, kann aus dem -Marmorwürfel, den die Natur ihm zuwarf, einen Gott und ein Thier -machen -- nach Belieben. Bloß auf die Behauptung schränk' ich mich ein, -daß der Stoff, woraus eine _Venus_ ward, sich eben so gut zu einem -_Merkur_ verarbeiten läßt; daß den Weibern das _Recht der Gerade_ -gebührt; und daß, wenn die Natur das menschliche Geschlecht zu schaffen -_anfing_, sie den größeren Theil uns selbst überließ, um die Ehre der -Schöpfung mit uns zu theilen. Thätigkeit ist die Würze des Genusses, -und Genuß die Würze der Thätigkeit. -- Es ist dem Menschen angeboren, -sagt _Cicero_ (mit andern Worten), daß, wenn er sich Gott denkt, die -menschliche Natur vor ihm schwebt. -- Man definire den Menschen, wie -weiland der göttliche _Plato_, als _ein zweifüßiges Thier ohne Federn_, -oder als ein _Geschöpf_, das sich wie ein Tanzmeister _gerade_ hält, -als Gott, als Thier: nirgends sind Weiber ausgeschlossen; nur müssen -sie auch nicht sich selbst ausschließen -- und wollen und werden sie -das? _Wesley_, der Stifter des Methodismus, hatte die Maxime, daß -es ohne Fasten und Frühaufstehen unmöglich sei, in der Gnade zu -wachsen -- Was gilt das beste Recht, wenn man sich desselben unwürdig -macht! Das fräuliche Geschlecht soll in der Gerechtigkeit, und nicht -in der Gnade, wachsen; indeß kann ich ihm kein anderes als dies -Methodisten-Recept verschreiben: _Wachsamkeit und Enthaltsamkeit_ -- -Welch ein Fürst, und wär' es der reichste und mächtigste, ist glücklich -ohne persönliches Verdienst --? _Thomas Payne_, der den Vorwurf, ein -Fürstenfeind zu seyn, höchlich von sich ablehnt, und protestirend -versichert, daß Niemand treuer als Er wünschen könne, die regierenden -Herren zu der glücklichen Lage der Privatmänner zu erheben, bedachte -nicht, daß jeder Fürst nicht nur ein politisches, sondern auch ein -Privatleben führt -- daß Fürsten mehr persönliche Verdienste zeigen -müssen, als andere, wenn sie geliebt und bewundert werden wollen, und -daß sie Fürsten bleiben und doch sich persönlich auszeichnen können. -Das ist, mit Ewr. Excellenz gnädiger Erlaubniß, der Fall mit Ihrem -Geschlechte. -- _Quand le bon ton paroît, le bon sens se retire._ -- -- - -Eine _Gardefou_, eine Warnungstafel, den Blöden zum Besten: daß ich -hier mit keiner wirklichen Excellenz wirklich colloquirt habe; denn -außerdem, daß ich alsdann gewiß weniger zum Wort gekommen wäre, würd' -ich auch meine wenigeren Worte unschwer zu verzuckern nicht ermangelt -haben. -- Wenn der Künstler auf bloße Portraite eingeschränkt ist und -keine Ideale mehr wagen darf, so agonisirt seine Kunst, und auch sein -Genie liegt in den letzten Zügen; doch muß man in seinen Idealen eine -auserlesene Sammlung von Portraiten finden, falls sie den Namen Ideale -verdienen sollen. In einer _Venus_ lag ein Extrakt von fünfhundert -schönen Mädchen -- Meine Excellenz ist in der Ideenwelt; sie wird -indeß hoffentlich kenntlich genug geblieben seyn, und man kann ihren -Widerschein gewiß mehr als fünfhundert mal finden. Die eigentliche -Absicht war, vermittelst dieses magischen Spiegels mein Müthlein an -der gefälligen Ungerechtigkeit zu kühlen, die unser Geschlecht dem -schönen beweiset -- ohne daß das letztere es dazu anlegen will, sich -von seinen Königen zu befreien, wie weiland _Rom_, nachdem _der stolze -Tarquin_ wegen seiner Tyrannei vom Throne gestoßen und diese Handlung -mit dem Grundgesetze bezeichnet ward: die königliche Regierung auf -immer und ewig abzustellen. Sehr viel mehr als ein _Balken-Königreich_, -das man aus einer alten Fabel kennt, war und ist unsere Herrschaft doch -nicht -- und es giebt ein moralisches Nestelknüpfen, kraft dessen (zum -wahren Glück des Ganzen) nur wenige Männer zur eigentlichen Herrschaft -gelangen. -- Damit ich indeß dieses erste Kapitel, welches einer -Parlements- oder gar National-Versammlungs-Rede nicht unähnlich ist, -einlenke, so glaub' ich, dem Buche _über die Ehe_, diesem belobten und -betadelten Ehe-Katechismus, mit dem ich es weder halten noch verderben -mag, nicht zu nahe zu treten, wenn ich zur Zerstörung der galanten -_Bastillen_, der häuslichen Zwinger und bürgerlichen Verließe, worin -sich das schöne Geschlecht befindet, mit einem einzigen Operations-Plan -Markt halte, und _die bürgerliche Verbesserung der Weiber als ein -diensames Mittel diesen Zweck zu beschleichen_, empfehle, anbei aber -glaubensvoll versichere, daß dieser weniger im Schweiß des Angesichts -zu erringende, als so zu erhaltende _Stand im Staate_, beiden -Hemisphären des menschlichen Geschlechtes heilsam seyn werde, zeitlich -und ewiglich. -- Ruhig und überzeugend gehet die Vernunft, und nur da, -wo man sie mit ungleichen Waffen unrühmlich bekämpfen will, wo das -Vorurtheil den Handschuh wirft, und Gewalt ihr den Weg vertritt, pflegt -auch sie ihren eigentlichen wohlüberdachten Plan aufzugeben, und ihm -einen andern unterzulegen, wodurch nicht das Bessere befördert, sondern -Schlechtes mit Schlechterem verwechselt wird: etwas Blindes mit etwas -Lahmen; man verändert, ohne zu verbessern. Ein untrügliches Merkmahl -aller Schwachköpfe, vom Thron bis auf den letzten Officianten-Sessel. --- Es gab, Gottlob! von je her Weiber, und es giebt ihrer noch, denen -ihr Stand der Erniedrigung eine zu starke Probe ist; Weiberköpfe, -die nicht ihre Weiblichkeit, sondern die willkührliche Behandlung -derselben von Seiten unseres Geschlechtes beseufzten, und die -ihrer Erlösung entgegen sahen -- meine Schrift soll ihnen keine -Heerführerdienste leisten. -- Man kann durch Lehren lernen, und durch -Gehorchen sich im Befehlen unterrichten. Ich leg' es so wenig darauf -an, das andere Geschlecht Knall und Fall von seiner Sklaverei zu -befreien, daß ich mich vielmehr begnüge es aufzumuntern, diese Erlösung -zu verdienen. Des _Himmels würdig werden_, heißt nicht viel weniger, -als _ein activer Himmelsbürger seyn_. -- -- Findet auch selbst diese -bescheidene Absicht steinichte Äcker und steinerne Herzen -- immerhin! --- es ist ja nichts weiter als ein Buch, das ich verbreche; wahrlich -eine Kleinigkeit. Wirkte je eins? auf frischer That? an Stell' und Ort? -u. s. w. Erfahrungen, Empfindungen solcher positiven Übel, welche der -menschlichen Natur widersprechen, wirken; und wenn gleich die Mehrheit -der Hände vielfältig entschieden hat, und noch entscheiden kann, so -gilt doch dieser _Vorzug_ der _Thäter_ nicht von der Pluralität der -_Leser_, die sich zu Denkern etwa wie Eins zu Hundert verhalten. Und -du lieber Gott! selbst die Denker! sind sie nicht eine so unsichtbare -Kirche, daß nur der Herr die Seinen kennet? Wahrlich! es hat auf die -Wirkung keinen Einfluß, ob ein Buch zehn, fünf oder nur Eine Auflage -erlebt; und der Autor, der nach der Anzahl der verkauften Exemplare ein -angeworbenes Heer mit ihm gleich denkender Menschen, die vermittelst -seines Buches Handgeld genommen, berechnen will, scheint weder Bücher -noch Menschen zu kennen -- man muß ihn in die Schule schicken. Einer -jeden Schrift, sie sey weß Standes oder Ehren sie wolle, stehet das -gewöhnliche Schicksal aller Schriften bevor: gelesen und vergessen -zu werden; falls sie sich bloß auf Meinungen einschränkt (die -unschädlichsten, unwirksamsten Dinge in der Welt, wenn anders der -Censor ihnen nicht einen Schein von Bedeutung beizulegen die ungütige -Güte hat.) -- Gelingt es mir indeß, Leben und Erfahrung in mein -Büchlein zu legen und einen Geist in die todten Buchstaben zu hauchen; -so werd' ich wenigstens auf einen Theil der Ehre rechnen können, -welche sich der mündliche Vortrag gegen den schriftlichen herausnimmt, -indem es von ihm heißt: der Glaube kommt durch die Predigt. -- - -Bei solchen Umständen ist mein Zweck freilich eine Reise um die Welt, -ohne daß ich mein Zimmer verlasse. Ob dies gerade die gemächlichste -Art zu reisen sei, mag unentschieden bleiben; die unfruchtbarste ist -sie wenigstens nicht. _Newton_ maß in seinem Lehnsessel die Erde, und -bestimmte, ohne den _Chimborasso_ bestiegen und in _Tornea_ gefroren zu -haben, ihre Figur, Jahre lang früher, als die Herren _Condamine_ und -_Maupertuis_; auch bin ich nicht der Erste, der so reiset. -- - -Wie, wenn ich die gegenwärtige passive Existenz des schönen -Geschlechtes in ihrer wahren Blöße zu zeigen glücklich genug wäre, um -den Vorzug verdächtig zu machen, im Nichtthun stark zu seyn! wenn ich -einem genußgierigen Volke, das für den sinnlichen Luxus oft selbst den -moralischen verschwendet, indem es für die Nothwendigkeit knickert, -ökonomischere Grundsätze beibrächte, und es bewegen könnte, über Leib -und Seele _Credit_ und _Debet_ zu verzeichnen und Buch zu halten! wenn -meine wohlgemeinten Vorstellungen bewirkten, daß die Weiber nicht in -dem Grade männlich würden, wie die Männer weiblich, sondern daß Mann -und Weib sich Mühe gäben, wirklich Mann und Weib zu seyn, da jetzt, -aus verjährter Unordnung, in Hinsicht der Geschlechter Niemand recht -weiß, wer Koch oder Kellner ist! wenn ich, frei von jeder Explosion, -bloß jenes Ziel näher brächte, welches die Natur in eigner hoher Person -angewiesen hat! wenn mich das gewöhnliche Schicksal der Reformatoren -nicht träfe, die Alles außer der Jahreszeit hervorbringen wollen, denen -es an Geist und Nachdruck gebricht, den Zeitpunkt schneller herbei zu -führen, und die, was noch ärger ist, sich auf die Pulsschläge der Zeit -so wenig verstehen, daß sie gemeiniglich _zu früh_, und, wenn das Glück -gut ist, _zu spät_ zu kommen die Ehre haben! -- Des hoffnungstrunkenen -Schriftstellers! Man hat in unserer Zeit so sehr die bürgerliche -Verbesserung der Juden empfohlen; sollte ein _wirkliches Volk Gottes_ -(das andere Geschlecht) weniger diese Sorgfalt verdienen, als das -_so genannte_? -- Liegt der Same der Erbsünde nicht in den Müttern? -und lagen die Verhinderungen einer moralischen Verbesserung des -menschlichen Geschlechtes -- welche Verbesserung die besten Menschen -in der Welt, und unter diesen FRIEDRICH DER ZWEITE, anfänglich so -thätig bezweckten, nachher aber betrübt aufgaben -- nicht vorzüglich -darin, daß man das _schöne_ Geschlecht in seinen Ruinen ließ und -diesen Tempel bloß aus _unserm_ Geschlecht errichten wollte? Ist es -nicht unverzeihlich, die Hälfte der menschlichen Kräfte ungekannt, -ungeschätzt und ungebraucht schlummern zu lassen --? Gesellschaft setzt -unter den Verbundenen eine Gleichheit voraus, wozu es der Urheber -der Menschen auch angelegt hat, der die Menschen aufrichtig machte; -nur leider! suchen sie viele Künste. In allen Gesellschaften, woran -Weiber Theil nehmen, verbreitet sich Anstand; und sollte dies nicht -auch der Fall beim Staate seyn, in dessen Geschäfte ein andres Licht -und Leben kommen würde, wenn Weiber den Zutritt hätten, in ihnen ihr -Licht leuchten zu lassen und ihnen einen anderen Schwung beizulegen? --- Wir haben für unsere Gesellschaften noch keine Pflichtvorschriften; -und doch führt man sich hier ohne Gesetzbuch so exemplarisch, daß oft -Ungezogene, die der Staat aufgab, mit augenscheinlichem Vortheile -in diese Schule gingen, und aus ihr als gebesserte Menschen zur -Universität des Staates gebracht wurden. -- Ich getraue mir (den -Gegenbeweis unverschnitten) außer Zweifel zu setzen, daß in allen -weiblichen Regierungen gewisse feine Züge des Anstandes aufzuspüren -seyn würden, welche bei einem großen Theile der Menschen mehr bewirken, -als ein wohlbestallter Codex voll kunstgerechter Strafflüche. Dieser -süße Geruch der Empfehlung, dieses Gewürz des Wohlgefallens -- wie -liebenswürdig! Die Gesetzgebung der GROSSEN KATHARINA DER II. hat -davon laute Spuren. -- Schon die Gegenwart der Frau vom Hause, die -doch das Hausrecht gewiß nicht in aller Strenge handhaben kann, macht -den Männern die Sprache der Bescheidenheit nothwendig -- und will man -einwenden, daß die Ohren alsdann gerade nur so viel keuscher geworden -wären, als das Herz unkeusch; so vergißt man, daß ein gewisser Schein, -eine gewisse Heuchelei, die man _Lebensart_ nennt, unter den Menschen -so nothwendig ist, daß die Menschen ohne diese Lebensart nicht, wie -ein Paar _Augures_ der alten Zeit, wenn sie einander begegneten, oder -ein Paar der neuern, wenn sie ein _Consilium_ wegen der letzten Öhlung -eines Patienten halten, über einander lachen, sondern sich verabscheuen -würden. -- Die Reinheit der Zunge wirkt zurück; und wessen das Herz -voll ist, geht der Mund über. -- - - - - -II. - -GIEBT ES AUSSER DEM UNTERSCHIEDE DES GESCHLECHTES NOCH ANDERE ZWISCHEN -MANN UND WEIB? - - -Als nach dem Rathe, den Gott über das Schöpfungswerk gehalten hatte, -dieser Plan ausgeführt werden sollte; schuf Er das erste und beste -Paar von Menschen gleich im männlichen und mannbaren Alter, so daß -ihre Hochzeit keine Stunde ausgesetzt werden durfte. Sie kamen mit -den erforderlichen Jahren zur Welt, wie regierende Herren ihrem -neuen Adel Ahnen verehren -- Das _Männlein Adam_ hatte zwar die -Ehre der Erstgeburt; indeß ward _Fräulein Eva_ vollkommen dadurch -entschädigt, daß sie aus einer Rippe _Adams_, dieser dagegen nur aus -einem Erdenkloß zur Welt gebracht wurde --! »_Eine Schöpfung also -aus der zweiten Hand?_« Warum nicht gar aus der dritten --! Schuf -nicht eben die Schöpferhand, welche _Adam_ geschaffen hatte, auch -_Eva_? und gereichet diese Rippen-Hieroglyphe nicht in mehr als Einer -Rücksicht zum Vorzuge des Weibes? Keins erzog das andere; Keinem fiel -es ein, sich über das andere zu erheben und Vaterrechte zu behaupten. --- Elternrecht, das schönste und ehrwürdigste, das die Menschheit -kennt, der Urquell der liebenswürdigsten Tugenden, hat (wer sollt' es -denken!) die Ungleichheit unter den Menschen erzeugt. Gute Eltern, -solch eine ungerathene, ausgeartete Tochter! Sind indeß viele Laster -nichts anders als ungezogene Tugenden; sind, nach dem Ausspruch -eines Heiligen, unsere Tugenden bloß schöne Sünden: so würde man ein -Verbrechen an der Menschheit begehen, wenn man nicht auch dem Bösen -und dem Ideal desselben, dem Teufel, Gerechtigkeit erweisen wollte. --- Wenn man ja, nach der ältesten Urkunde das menschliche Geschlecht -betreffend, einem Theile dieses ersten Menschenpaares einen Vorzug vor -dem andern beilegen wollte; so würde _Eva_ den Zankapfel von jedem -_Paris_ erhalten -- »_weil sie schöner als Helena war? und weil jeder -Paris bei aller Sinneseinfalt eine Mannsperson bleibt?_« Nein! sondern -weil _Adam_ durch sie zum Falle gebracht ward, oder (wie diese hohe -und tiefe, erhabene und schöne Hieroglyphe nicht unrichtig gedeutet -werden kann) weil er sich durch sie zum Gebrauch und zur Anwendung, -zum Durchbruch der Vernunft hinaufstimmen ließ. Der seligen Stimmung! --- _Eva_ war das Pupillen-Amt, welches die Majorennitäts-Erklärung -über den unmündigen _Adam_ aussprach, nachdem er zeither vielleicht -unter der Vormundschafts-Direktion der braven _Eva_ gestanden zu haben -scheint, die sich schon zuvor in einigen Stücken manumittirt haben -mochte -- Sie zerbrach die Ketten des Instinkts, der die Vernunft -nicht aufkommen ließ, und triumphirte -- _Eva_ sollte _die Vernunft_, -ihr zum Andenken, heißen. Die erste Hauptrevolution konnte, wie jede -Revolution, nicht ohne Drangsale und Unruhe seyn. Diese sind nach der -Natur des Menschen so nothwendig, daß ich nichts weiß, es sey etwas -Theoretisches oder Praktisches, was, wenn es sich anders auszeichnet, -nicht durch Zerrüttung und Leidenschaft empfangen und geboren wäre -- -Nur immerwährend kann dieser Braus und Saus nicht seyn und bleiben. -Die Wellen müssen sich legen und die Vernunft muß endlich obsiegen -- -So ging es bei der ersten Revolution, und so muß es bei einer jeden -andern gehen, wenn sie anders diesen Namen verdienen soll. Diese -Lobrede auf _Eva_, welche ihr von wegen der Vernunft-Revolution so -wohl gebührt, würde vielleicht zu einer theologischen, juristischen, -medicinischen oder philosophischen Disputation, oder zu einem Aufsatze -für irgend ein zeitverkürzendes Journal, hinreichende Gelegenheit an -Hand und Kopf geben, wenn man nur wüßte, wie man den ungebetenen Gast -von Assistenzräthin, die Schlange, aus dem Spiel bringen könnte. -- Mit -diesem Eheteufel ist leider! nichts anzufangen -- Kurz und gut, sagt -der gläubige _Thomas Payne_, ich bin dem ganzen Teufel von Monarchie -feind. -- Da es aber, mit Herrn _Payne's_ Erlaubniß, auch gar häßliche -Republikteufel geben kann und giebt; so ist es am Besten, alle Teufel -zum Teufel zu jagen. Vielleicht die beste Gerechtigkeit, die man ihnen -erweisen kann. -- - -Die Schöpfungsgeschichte erwähnet, nach dem klaren Inhalt derselben, -keines andern als des Geschlechtsunterschiedes. _Lasset uns Menschen -machen_ -- _und er schuf sie ein Männlein und ein Fräulein_ -- -- Es -ist eine weit spätere Epoche, wenn es heißt: _Dein Wille soll deinem -Manne unterworfen seyn und er soll dein Herr seyn!_ Und denkt man -sich unter der Geschichte des Falles ein Bild von der Befreiung des -Menschen von dem paradiesischen Joche des Instinkts, und vom Ursprunge -des gesellschaftlichen Zustandes, zu welchem die weise _Eva_ die -Gelegenheitsmacherin und Heroldin war; so scheinen diese prophetischen -Worte den traurigen Zustand zu verkündigen, den _Eva_ ihrem Geschlechte -durch diese Heldenthat zuzog. -- Ob indeß die Natur der Sache jene -allererste Urkunde und ihre Auslegung bestätigen wird? Zu übersiebnen -sind dergleichen alte und wohlbetagte Dinge nicht; und wozu auch diese -gefährliche Beweisart --? wozu, da wir Vernunft und Erfahrung als -_Zeugen zum ewigen Gedächtniß_ anrufen können. Aus dieser zweier Zeugen -Munde bestehet alle Wahrheit. -- - -Die Natur scheint bei Bildung der beiden Menschengeschlechter nicht -beabsichtiget zu haben, weder einen merklichen Unterschied unter -ihnen festzustellen, noch eins auf Kosten des andern zu begünstigen --- Der Geschlechtsunterschied kann nicht zur Antwort dienen, wenn die -Frage ist: ob das männliche Geschlecht mit wesentlichen körperlichen -und geistigen Vorzügen vor dem weiblichen ausgestattet worden sei? -Andere Unterschiede, als die welche auf die Geschlechtsbestimmung -gehen, zu entdecken, hat dem anatomischen Messer bis jetzt noch nicht -gelingen wollen; und doch behauptet dies Instrument bei der goldnen -Regel: _Erkenne dich selbst_, einen unleugbaren Einfluß; und überhaupt -hat das brave Eisen dem menschlichen Geschlechte weit mehr Dienste -geleistet, als das prahlerische Gold -- Wer zuerst den Magneten die -_Eisenbraut_ nannte, bewies für Magnet und Eisen eine Achtung, die -beiden gebührt. -- Was hätte die Natur veranlassen können, die Eine -Hälfte ihres höchsten Meisterstücks zu beglücken und zu ehren, die -andere dagegen zu verkümmern und zu vernachlässigen, und zwar gerade -in umgekehrtem Verhältnisse? Bei Erreichung jenes großen Naturzwecks, -wo Menschen das göttliche Ebenbild des Schöpfers darstellen, hat -das weibliche Geschlecht einen ungleich wesentlicheren Antheil als -das männliche, und zwar sowohl in Hinsicht der Substanz als der -Form. Dieser Absicht recht weise vorzuarbeiten, sollte die Natur -die Weiber haben schwächer bilden oder unvollendet lassen wollen? -»Nicht eben schwächer«, sagte ein Weiberfeind, als er diese Stelle -im Manuskripte las, »aber weniger gang und gebe. Mögen Weiber Stahl -seyn, die Männer Eisen --«. Nicht also; und warum ein Vergleich auf -Schrauben, da das schnurgerade Recht auf der Weiberseite ist! Wir, -glaubt man, wären Gottlob! völlig ausgeschaffen; und nun zerbrach -der Meister die Form von Thon, und das andere Geschlecht, in der -Repräsentantin _Eva_, war ein Unternehmen auf gutes Glück, auf -den Kauf, eher hingeworfen als zu Stande gebracht, angefangen und -nicht vollendet --! Das Weib, dem das eigentliche Geschäft bei der -Vermenschlichung der göttlichen Schöpfung anvertrauet ward, sollte -die Merkzeichen der Ohnmacht und der Dürftigkeit an sich tragen? -Die allmächtige Natur sollte ihre Stellvertreterin schwach gelassen -haben, um nicht nur _schwache_ Personen ihres _eigenen_ Geschlechtes, -sondern auch _starke_ des _unsrigen_ zur Welt zu bringen? Doch -scheint es so; und freilich, wenn Erfahrung spricht, muß Vernünftelei -schweigen, knieen und anbeten -- Der einzige Winkelzug, der ihr übrig -bleibt -- Erfahrung! und was lehrt sie? Das andere Geschlecht sey im -Ganzen kleiner, schwächlicher angelegt, besitze weniger körperliche -Kräfte, und sey mehrern Krankheiten unterworfen. Bedarf es weiteres -Zeugnisses, um die Vernunft zu der Schlußfolge zu bequemen: dies -wären Geschlechtsunvollkommenheiten, von welchen die Weiber bei der -Ordnung der Dinge nicht entbunden werden konnten? Alles ist gut, -was nicht anders seyn kann, und im _Muß_ liegt eine Schatzkammer von -Beruhigungsgründen, vermittelst deren man bei ein wenig Philosophie -das: _ich Muß_, mit dem: _ich Will_, so auszusöhnen weiß, daß hier -jeder Fluch sich in Segen, und die _arge böse_ Welt sich in die _beste_ -verwandelt. Friede mit der Natur und mit dem schönen Geschlechte; und -Friede mit uns Allen! Wie aber, wenn es so gut Trugerfahrungen als -Trugschlüsse gäbe? wenn der Schein betröge? Die Vernunft fürchtet sich -vor den Sinnen; und wenn wir die Operation an uns vollziehen zu lassen -völlig entschlossen sind, wenden wir doch in der Stunde der Anfechtung -das Auge weg -- Vernunft, Herz und Sinne arbeiten sich in die Hand; -und nicht nur das Herz des Menschen, sondern auch seine Vernunft und -seine Sinne sind trotzig und verzagt: wer kann's ergründen? Bald dünkt -der Mensch sich, ein Gott, bald weniger als ein Thier zu seyn -- Nackt -und bloß kommt er zur Welt, und wenn andere Thiere bewaffnet und -bedeckt sind, können Se. Majestät der Mensch sich nicht entbrechen, -das königliche Recht an Thieren auszuüben, um sich zu ernähren und zu -bekleiden -- Diese Finanzregierung wird oft so sehr mit dem Stabe Wehe! -geführt, daß die Thiere bei der Natur die bittersten Klagen gegen ihre -Allerdurchlauchtigsten Beherrscher führen könnten -- und auch ohne -Zweifel führen, wenn anders der Apostel _Paulus_ recht beobachtet hat. -Denn in der That die Natur hält ein schreckliches heimliches Gericht, -das schrecklichste, das gedacht werden kann! Noth lehrt beten, bitten -und nehmen; allein sie ist auch eine weise Lehrerin der Mäßigkeit -- -und wer diese ihre Stimme verkennt, in dem ist nicht die Liebe des -Allvaters, dessen Kind Alles ist, was Leben und Athem hat. Nichts -mehr als weinen kann der Mensch ohne Lehrmeister, zum Zeichen, daß er -bei weitem nicht das höchste Loos zog; -- denn da er sich nicht zu -berechnen versteht, so ist der Gewinn oft schädlicher als eine Niete. -Lieber! dergleichen Klagen sind durch das Machtwort: _Vernunft_, -überwunden. Ohne Schwäche hört der Mensch auf, Mensch zu seyn -- und -wer es in diesem Erdenleben auf etwas Höheres anlegt, begiebt sich in -Gefahr, weniger zu werden und den Zweck des Schöpfers zu verrücken. -Kennen wir ein edleres Geschöpf außer ihm, in welchem die Kraft liegt, -sich Gott und eine reine Tugend zu denken? -- und diesen Vorzug hat -auch der Verworfenste nicht aufgegeben -- Einen Augenblick, nicht -aber immer, kann der Mensch auf das Ebenbild Gottes Verzicht thun -- -Ist die Vernunft nicht mehr als Alles? und verdient sie diesen Namen, -wenn sie nicht Begierden einschränken kann? Kann man nicht das Thier -am Menschen fast vergöttlichen und seine Leidenschaften, wie die -Meereswoge, bedrohen --? Wo _sie_ ist, da wohnt Menschheit, und bei den -Strahlen ihrer Gottheit diese Würde im andern Geschlechte verkennen -wollen, heißt: keine Regel übrig lassen, seinen eigenen Werth zu -bestimmen. Nicht steinerne Gesetztafeln würde man zerbrechen, sondern -am göttlichen Geiste, der in uns ist, sich versündigen -- -- Kann etwas -_Sache Gottes_ seyn, was der _Vernunft_ widerspricht? oder will Gott -seine Sache je durch solche Mittel geführt wissen? Durch die Vernunft, -den Widerhall seines Mundes, ist Er nicht fern von einem Jeglichen, -der mittelst ihrer Ihm ähnlich ward und in Ihm lebet, webet und ist. --- -- Mein Feldzeichen ist keine nichtswürdige Präconisirung, sondern -Wahrheit und Gerechtigkeit. Ist das weibliche Geschlecht in der Regel -wirklich kleiner, als das männliche? ist nicht die Größe überhaupt -etwas sehr Relatives, welches in Klima, Nahrungsmitteln und andern -uns unbekannten Ursachen wesentlichere Bestimmungsgründe findet, als -in dem Geschlechtsunterschiede? Jenseits der Wendecirkel und unter -der Linie ist die Menschenart weit kleiner, als innerhalb derselben. -Über den zwanzigsten und sechzigsten Grad der Breite hinaus würden -unsere Werbehäuser ungefähr so viel Glück machen, wie ein Besuch der -_Boucaniers_ auf _Tierra del Fuego_ in den Höhlen der _Pescherühs_. -Reisende behaupten, daß Männer und Weiber dort gleichen Strich -halten, und daß, wenn ihnen nicht der Unterschied der Kleidung und -etwa der Bart aushülfen, die beiden Geschlechter von einander nicht -unterschieden werden könnten. Oder sollten diese Klimate hier etwa der -Entwickelung des weiblichen Körpers günstiger seyn? Mit nichten; ihr -frühes Dahinwelken widerspricht dieser Muthmaßung: schon das dreißigste -Jahr bedeckt sie mit Runzeln. Auch in gemäßigtern Himmelsstrichen giebt -es Verschiedenheiten in Rücksicht der Größe, und unter ihnen Racen, die -sich von den übrigen auszeichnen, so wie die Bewohner der Marschländer -in der Regel größer sind, als die Bergbewohner, als ob die Natur diesen -Menschen den Berg mit in Anschlag gebracht hätte -- und am Ende, was -thut die Größe? - -Aber die Schwächlichkeit gegen den nervigen, eckigen, männlichen -Körperbau gehalten! Freilich würde sie mehr beweisen; doch fürcht' -ich, die Erfahrung sagt auch hier weniger, als wir sie sagen lassen -- -Ehe wir die Fehde beginnen, ist die Musterung der Heere nothwendig. -Verabschieden wir unser elegantes, luftiges Völkchen, läßt das andere -Geschlecht seine Damen der höheren Klassen sammt ihren Zofen zu den -lieben Ihrigen heimkehren -- was gilt die Wette? Selbst wenn unsere -eleganten Damen mit unsern eleganten jungen Herren sich in Fehde -einließen -- auf welcher Seite wäre Hoffnung zu gewinnen? -- Bei -Völkern, die auf der ersten Stufe der Cultur stehen, ist das Schicksal -des weiblichen Geschlechtes hart: bei Jägernationen, denen Hausthiere -unbekannt sind, ist das Weib das lastbare Thier, welches den Mann zur -Jagd begleitet und das erbeutete Wild nach der Hütte trägt; bei den -Hirten- und Ackervölkern ist ihr Schicksal, wo möglich, noch schwerer: -sie bauen das Feld, treiben Fabriken und Manufakturarbeiten, indem sie -das, was ihnen der Acker und die Heerden zur Nahrung und Bekleidung -darbieten, zum Gebrauch bereiten oder veredlen, und auch noch das -(freilich sehr einfache) Hauswesen besorgen, während der Ehrenmann -sich dem Müßiggange überläßt -- Auch unter Nationen, wo die Cultur -schon Fortschritte macht, ist, bei der arbeitenden Klasse des Volkes, -der Antheil des andern Geschlechtes an den Geschäften gewiß nicht -von _der_ Art, daß davon auf eine größere Schwächlichkeit der Weiber -geschlossen werden könnte. Die Arbeiten bei Bestellung des Bodens und -bei der Erndte -- sind sie nicht unter beide Geschlechter so ziemlich -gleich vertheilt? Es wird schwer fallen, zu bestimmen, welcher Theil -hier mehr übersehen werde. Bei der Musterung aller Gewerbe, die den -Kunstfleiß und die Hände der Menschen beschäftigen -- ist nicht der -Antheil der Weiber mit einem beträchtlicheren Aufwande von Kräften -verknüpft? Der Schnitter kehret heim zu seiner Hütte mit frohem -Herzen, um nach ermüdender Arbeit der Ruhe zu pflegen, wenn, auch bei -der einfachsten ländlichen Haushaltung, noch vielfache Geschäfte für -das Weib übrig bleiben, das im Schweiße seines Angesichts die Garben -band, wozu nicht minder Anstrengung von Kräften erfordert wird. Jene -von Gesundheit strotzende, mit der ächten Sommerfarbe geschminkte -Dirne ist eine lebendige Widerlegung dieser mißgünstigen Behauptung, -und sie wird es mit Jedem aufnehmen, der es wagen will, die Kräfte -ihrer Muskeln in Versuchung zu führen. Weiberkrankheiten sind nur -die Geißel _der_ Weiberklasse, die den Ehrennamen _Weiber_, so wie -die in ihrem Kammerdienste sich befindenden Treugehorsamsten den -Ehrennamen _Männer_, nur von wegen des Staats und zur Parade führen. -Darf und soll die Natur Übel verantworten, welche Lebensart, Sitten -und Conventionen, deren Name Legion ist, über sie gebracht haben? -Gefährten unserer Thorheiten, Spießgesellen unserer Üppigkeit gehören -nicht auf das Conto der Natur, die den Menschen so einfach schuf, -und allenthalben, wo er seine Hütte aufschlug, für Wohnung, Nahrung -und Kleidung reichlich und täglich sorgte. Hat sie je gewollt, daß -er Gewürze aus Indien ziehen sollte, um sein Blut zu vergiften? oder -angreifende Leckerbissen, um seine Nerven zu schwächen? Setzte sie -dem Indier Eis, und dem Bewohner der Eiszone Wein vor? gab sie nicht -vielmehr einem Jeden das ihm angemessene und beschiedene Theil? -Und wie, grundgütige Natur! der ausgeartete Haufe deiner Kinder -klaget dich wegen Krankheiten an, wozu er die Anlässe, trotz allen -Gefahren und Hindernissen, aus Osten und Süden mit rastloser Begierde -zusammen brachte, während das Häuflein deiner genügsamen Kinder, den -mütterlichen Vorschriften folgsamer, mitten unter diesen unschlachtigen -ausgearteten Menschen _vor Dir_ wandelt und fromm ist, ohne von -hysterischen Plagen und dem zahllosen Heere von Krämpfen zu wissen, -gegen die weder die _Materia medica_, noch vielleicht die ganze weite -und breite Natur, Mittel im Vermögen hat? Nennt die Natur nicht -ungerecht, wenn ihr unnatürliche Wege wandelt! Nur gegen natürliche -Krankheiten scheint die Natur Mittel zu besitzen; gegen Übel, welche -Folgen unserer unnatürlichen Cultur sind, hat sie weder Kraut noch -Pflaster, und ihr einziges Mittel ist nur: thut Buße und glaubet an -das Natur-Evangelium! O, daß ihr Buße thätet und glaubtet! -- Ohne daß -wir werden wie die Kinder und in dies Philanthropin heimkommen, dem -wir den Rücken kehrten -- sind wir verrathene und verkaufte Menschen, -zu denen bisweilen die wohlmeinende Stimme erschallt: Adam wo bist -du? die sich indeß, so gut sie können, vor sich selbst zu verstecken -suchen -- Am fünften Akt scheitern besonders die meisten Frauenzimmer, -so wie ein großer Theil der Theaterdichter -- Die Liebe, das Glück -des Lebens, wird ihr Unglück; ihr Herz war gebildet, die Tugend zu -lieben, und nicht das Schicksal, sondern ihre Nachlässigkeit, macht -es zur Verbrecherin -- Die arbeitende Klasse kennt keine besonderen -Weiberkrankheiten. Schwangerschaften und Geburten werden nur durch -Nebenumstände, die ihren Grund in Lebensart, Sitten und Kleidung haben, -erschwert, und sind so wenig Krankheiten, daß Ärzte sie geradesweges -als Heilungsmittel vorschreiben könnten -- und zuweilen wirklich -vorschreiben. Bei einigen so genannten Wilden hält nicht das Weib, -sondern der Mann, die Entbindungsferien. Kaum ist es seiner Bürde -entledigt; so badet es sie in dem nächsten Flusse, reicht dem neuen -Ankömmling die Brust, ersparet sich das Milchfieber und das Ammenkreuz, -und besorgt die Hausgeschäfte nach wie vor, während der Mann, auf -seinem Lager hingestreckt, sich pflegen läßt, und von seinen Nachbarn -Wochenvisiten und Glückwünsche annimmt, weil er -- man denke der Mühe! --- durch sein Weib ein Kind geboren hat. Da es Helden giebt, deren -die Geschichte mit Lob und Preis gedenkt, weil sie in höchsten Gnaden -geruheten, sich Schlachten gewinnen und Siege erkämpfen zu lassen, -ohne daß sie sich dem kleinsten Gefecht aussetzten und zum Bette der -Ehren die mindeste Neigung fühlten, indem sie, wenn es hoch kam, weit -über die Schußweite hinaus sehr behaglich zusahen, wie viele Arme und -Beine ein Paar Lorbeerreiser kosteten: -- so mag es mit dem Wochenbette -dieser Männer so genau nicht genommen werden. Ihr, die ihr der -Schwangerschaften und Geburten halben die Weiber für schwächer haltet -als Euch; sagt: wie hätte die Natur ihr größtes Werk, die Fortpflanzung -des menschlichen Geschlechtes, absichtlich mit solchen Übeln in -Verbindung bringen; wie hätte sie den Becher des köstlichsten Nektars -mit Wermuth vermischen; wie einer Handlung, über welche sie die besten -ihrer Segnungen aussprach, mit so schrecklichem Fluche begleiten und -auf unsere Seite lauter Wonne, auf die andere dagegen lauter Trübsal -legen sollen! Allerdings sind Schwangerschaften, Entbindungen, Stillung -des Säuglings mit einem Aufwande von Kräften verbunden; allein, in dem -weiblichen Körper, wenn er unverdorben ist, findet sich Stoff genug, -diesen Aufwand nicht nur zu bestreiten, sondern auch dessen Abgang ohne -Zeitverlust zu ersetzen. Der Einwand, den man von so vielen Modefrauen -ableitet, gilt nicht; denn diese erscheinen bereits so kümmerlich an -Lebensstoff und Kräften, daß jede Schwangerschaft ihr luftiges Gebäude -bis auf den Grund erschüttert, und jede Geburt es zu zerstören droht --- Planreiche Erfinder, die ihr Rechenmaschinen erdachtet, einem -Gliedermanne Schach spielen lehrtet, Luftreisen unternahmt, und durch -Desorganisation Leute weiter bringt, als wenn sie _in gradum doctoris -utriusque medicincae_ promovirt hätten; ihr denen die Geister so -zu Gebote stehen, wie dem Hauptmann von Kapernaum seine Knechte: --- spannt eure Saiten tiefer, und laßt euch zu einer Kleinigkeit -herab; erfindet eine Kunst, vermittelst deren unsere galanten Damen -von der Last Kinder zu gebären, befreiet werden können. Laßt Söhne -und Töchter wie Äpfel und Birnen wachsen; macht, daß sie wie Kohl -verpflanzet werden -- Sollten auch durch diese Erfindung in den ersten -Jahren (kein Meister fällt vom Himmel) die politischen Volkszähler -ein _Minus_ wahrnehmen; so würde doch selbst in diesen Jahren der -magern Kühe der Metallwerth des menschlichen Geschlechtes Alles ins -Reine bringen, und _Summa Summarum_ wäre um so mehr ein unläugbares -_Plus_, da der Staat, anstatt aus Scheidemünze, aus Gliedern von ächtem -Schroot und Korn bestehen würde! -- Was gilt ein Persisches Heer nach -Parasangen gemessen, gegen einen Macedonischen Phalanx! Doch nein! -ziehet eure Schuhe aus, diese Stätte ist heilig. Den rechtmäßigsten, -den allerheiligsten in der Vernunft gegründeten Ansprüchen der Menschen -auf die Mittheilung der Wahrheit soll hier nicht durch Spott zu -nahe getreten werden, der, so wie die üble Nachrede, immer etwas -zurückläßt -- Nur Menschenliebe nähere sich diesem feurigen Busche! -Jene Kraft der Trägheit, die im Körper ihr Wesen oder Unwesen treiben -soll, um ihn beständig in seinem gegenwärtigen Zustande zu erhalten, -der sich der Ruhe widersetzt, wenn der Körper in Bewegung, und der -Bewegung, wenn er in Ruhe ist, hat nicht die Ehre mir zu gefallen. -Eine Kraft, die nur widersteht und nicht von selbst zu wirken vermag, -ist eine Kraft, mit der sich wenigstens nicht prahlen läßt. Der -edelste Staat muß sich zuweilen zum Angriffskriege verstehen, und es -giebt Straf- und Wiederzueignungskriege, wodurch wir unser Recht und -das was man uns schuldig ist, einfordern, und den zur Verantwortung -ziehen, der sich an uns vergriff -- Der ist weder klein noch groß, -der beides nur in dem Grade ist und äußern kann, als man sich ihm -widersetzt -- Laßt beide Geschlechter zu ihrer Lauterkeit und Wahrheit -heimkehren, und wir werden je länger je mehr finden, daß Mann und -Weib auch in diesem Sinn Ein Leib sind -- aber auch Eine Seele? Noch -hat es den Psychologen nicht gelingen wollen, in dem Gebiete der -Geister weit genug vorzudringen, um bestimmen zu können, ob es unter -ihnen einen wesentlichen Unterschied gebe; wenigstens gab es keinen -_Geister-Linné_, der sie klassificirte. _Rorarius_ mag es verantworten -wenn er bei den Thieren mehr Vernunft findet, als bei Menschen, -_Helvetius_, wenn er die Seelen, denen ein Körper mit einem Huf zu -Theil ward, mit denen, die einen Körper mit Händen erhielten, in -Eine Klasse setzt, und Beide mögen es mit dem _Cartesius_ ausmachen, -daß sie seine Maschinenwelt zerstören. Es giebt auch philosophische -und Vernunftketzer; denn der Grund zu allen Behauptungen wird aus -der Natur genommen: einer Urkunde, die das mit allen Urkunden gemein -hat, daß ein Jeder, was er darin sucht, auch darin findet. Jede -Geschichte, jedes Faktum muß sich bequemen, sich nach uns zu richten, -und der wahrhafteste Mann trägt zuvor etwas von seinem Selbst in jene -Geschichte und jenes Faktum, so, daß Alles was der Mensch berührt, -etwas von seinem Ich, von seinem Selbst, erhält. Das beste Wasser hat -keinen Geschmack; und so geht es auch den meisten Thatsachen, die -wir selten ungewürzt erhalten -- und wenn der Würzler auch nur Salz, -die kümmerlichste und beste Specerei, darzu thun sollte -- Freunde -und Feinde nehmen von einander so viel an, daß man unverkennbare -Züge der Ähnlichkeit unter ihnen entdeckt. »Feinde?« Allerdings; und -ich behaupte, daß sie noch leichter als Freunde sich in einander -abdrücken -- Ein Freund, der unser Widerhall ist, hat wenig Reitz -für uns; allein eben das, wodurch Feinde am meisten hervorragen, -was am meisten interessirt und auf ihre Seite tritt, pflegt unsere -Nachahmung abzugewinnen: so wie man in den Wald schreiet, so erfolgt -die Antwort. Eine ganze Schaar von Variantensammlern und Commentatoren -trägt ihren Sinn und Unsinn so lange in jede Urkunde, bis eine -_Authentica_ erscheint, und diese mag denn, geliebt es Gott! den Werth -und Unwerth des Unterschiedes zwischen den Menschen- und Thierseelen -entscheiden, wenn nur wir es nicht wagen, unter den menschlichen -Seelen Rangordnungen zu bestimmen, die nicht mehr und nicht weniger -Realität haben, als Träume und ihre Deutungen. Giebt es denn etwa -auch Geschlechtsunterschiede unter den Seelen? giebt es Seelen, die -ausschließlich bestimmt sind, weibliche Körper zu bewohnen --? und -wer ist der kühne Argonaut, der dieses unbekannte Meer beschifft -hat? womit hat dieser Apostel der unsichtbaren Welt sein Evangelium -bestätiget? Wo Satz und Gegensatz einander so nahe sind, daß sie sich -die Hände bieten können, da liegt jedem die Pflicht auf, seinen Satz -mit aller Stärke zu beweisen und dann dem Publico das Richteramt zu -überlassen. Erfahrungen wider Erfahrungen, ehe es noch ausgemacht -ist, ob die Seele mit sich selbst Erfahrungen anzustellen vermag. Nur -im Spiegel kann die Seele sich wahrnehmen; und wer weiß nicht, daß -dieser Spiegel das Bild sehr unvollkommen und oft sehr unrichtig -wiedergiebt! -- Der Spiegel stellt uns verkehrt dar, und es ist ein -unangemessener Ausdruck: der Mensch ist getroffen wie aus dem Spiegel -gestohlen -- Allerdings können einzelne Erfahrungen wohl dienen, eine -subjektive Überzeugung hervorzubringen; eine allgemeine Wahrheit auf -diesen Grund zu bauen, reichen nur Erfahrungen hin, die so allgemein -sind, wie die Wahrheit, der sie zur Unterlage dienen sollen. Wie lange -ist es, daß wir in diesem Fach Erfahrungen anstellen? Welche Methoden -schlugen wir ein? Waren diese so wohl gewählt, daß sich nach ihnen -richtige Resultate erwarten ließen? Haben wir wirklich bereits einen -solchen Vorrath von Erfahrungen, daß wir ein System wagen können, -nach welchem für eine ganze Hälfte des menschlichen Geschlechtes eine -so nachtheilige Unterscheidungslinie sicher gezogen werden kann? -oder dürft' es uns über kurz oder lang nicht mit dieser gehen, wie -weiland Sr. Unfehlbarkeit jenseits der Alpen mit der berüchtigten -Demarcationslinie? Mit einem System geht es gemeiniglich, wie mit -einem Instrument, auf das wir uns verstehen. Haben wir bei dem -System, wovon hier die Rede oder die Frage ist, den gewissen Vortheil -unwiderlegbar berechnet? oder ist es eins wie viele andere seiner -Brüder, bei denen nichts weiter als Sprachverwirrung obwaltet, wie bei -dem Thurm zu Babel; dessen Spitze bis in den Himmel reichen wollte? -Nimmt man den meisten Systemen die Sprachverwirrung, was bleibt übrig? --- Noch behauptet die Erfahrungsseelenkunde unter den Wissenschaften -nur einen precären Rang; sie stehe indeß oder falle, die Wahrheit -verliert nichts, die vor ihr war und nach ihr seyn wird. Stärke der -Seele, Muth, Überlegenheit des Verstandes, ein größeres Maaß von -Urtheilskraft, Festigkeit des Willens, eine größere Stärke des Gefühls -und andere dergleichen Seelenvorzüge der Menschen sind es, die sich die -Männer auf Kosten des weiblichen Geschlechtes als Erstgeburtsrechte -zueignen. Sie sind mit dem Erdenall, das man zuweilen Erdenball heißt, -von Gott belehnt -- die edlen Lehnsträger! -- Da sie indeß Kläger -und Richter in Einer und selbsteigner Person sind, so scheinen sie -noch gütig zu seyn, wenn sie Weiber bei Menschenseelen rechtskräftig -belassen. -- Ob nun (nachdem es dem männlichen Geschlechte rühmlichst -gelungen, die andere Hälfte der menschlichen Schöpfung, welche nach -ihrer Bestimmung mit ihm ein Ganzes ausmachen sollte, zu unterjochen -und sie an den Menschen- und Bürgerrechten nur bittweise, nur in so -weit es seinem Majestätsrechte nicht zu nahe tritt und ihm nicht -die Krone bricht, großmüthigen Antheil nehmen zu lassen) -- ob nun -alle jene Erscheinungen Wahrheiten oder Täuschungen sind, ist eine -Preisfrage, die mit vielen andern es gemein hat, daß die Antworten auf -dieselbe von beiden Seiten hinken. -- Auf diese Erscheinungen indeß dem -schönen Geschlechte alle jene Geistesfähigkeiten abzuläugnen und ihm in -falschem Spiel seinen Rang abzugewinnen, heißt gerade so verfahren, wie -gegen die Amerikaner, denen man, auf die Aussage einiger Beobachter, -die keinen Bart unter ihnen gesehen hatten, dieses männliche, übrigens -sehr beschwerliche, Ehrenzeichen nicht nur absprach, sondern aus dem -Mangel desselben auch die richtigen Folgen ableitete, daß die Natur -ihnen die Keime dazu versagt habe, und daß sie mithin zu einer weit -geringern Menschenklasse gehörten, nicht minder daß sie unmöglich von -Einem Erzvater mit uns abstammen könnten. Was für eine Hauptrolle der -Bart spielen kann, der denn doch, nach dem bekannten Sprichworte, -keinen Philosophen macht! Besser wär' es freilich gewesen, wenn man -sich die Mühe gegeben hätte, zu untersuchen, ob die Abkömmlinge des -_Mankokapak_ dies männliche Unterscheidungszeichen, das übrigens -immer ehrenwerth und nützlich seyn und bleiben mag, nicht eben so -unbequem fanden, wie die Söhne _Japhets_, und ob sie, in Ermangelung -des Aufklärungsmetalls, des Eisens, nicht zu einem andern Mittel ihre -Zuflucht genommen haben, diesen beschwerlichen Gast los zu werden. -- -Nach genauerer Beobachtung fand sich der Bart, und die Präadamiten -büßten abermals einen Sieg ein, den sie schon vermittelst eines so -stattlichen Arguments in ihren Händen glaubten -- Das weibliche -Geschlecht äußert nicht jene hervorragenden Geistesfähigkeiten, heißt -bei weitem nicht: die Natur hat ihm die Anlagen dazu versagt, und also --- o der unbärtigen Schlußfolge! -- steht es eine Stufe niedriger -auf der Jakobsleiter der Schöpfung. Sind _wir_ etwa Gott ähnlich, -und hat das andere Geschlecht bloß die Ehre _uns_ von Gottes Gnaden -ähnlich zu seyn? Warum nicht gar --! Nicht durch Körper, durch Sinne, -durch Einbildungskraft nähern wir uns dem Urgeiste, sondern durch -den Geist; und wie? fehlt es den Weibern an Verstand und Willen? an -der Fülle des Geistes? Überlegen wir nicht oft durch sie? Würzen sie -nicht in unzähligen Fällen mehr mit dem Salze der Erden, ohne das -nichts schmackhaft ist, mit Vernunft? und ihre Tugend -- ist sie -nicht vielfältig reiner, als die werthe unsrige? Übersteigt unsere -Eitelkeit die weibliche nicht an allen Enden und Orten? War jener -Pharisäer und sein ganzer Jesuiterorden nicht aus unserm Geschlechte? -Kann ein braves Weib (und deren giebt es viele) ohne Schrecken und -Entsetzen an den _Pharisäer neuerer Zeit_ denken, der mit seinen -Bekenntnissen vor Gottes Thron treten, dem Weltgerichte entgegen gehen -und sagen will: Wer besser ist, werfe den ersten Stein? Würde nicht -selbst _Therese_ mehr als Einen Stein haben heben können, wenn sie -nicht durch diesen Gerechten wäre verdorben worden? Können die Anlagen -sich entwickeln und Keime treiben, wenn keine wohlthätige Hand sie -pflegt? wenn alles so gar sich vereinigt, sie zu unterdrücken und, -wo möglich, auszurotten? Sind nicht von Zeit zu Zeit aus dem andern -Geschlechte große Seelen aufgestanden, die alle jene ihnen aberkannten -Geisteseigenschaften in einem sehr vorzüglichen Grade besaßen? Woher -diese eben nicht so seltenen Erscheinungen, wenn es nicht Anlagen dazu -in den Weiberseelen gäbe, und es nur eines Zusammentreffens günstigerer -Umstände bedürfte? einer pflegenden Hand, um diese zu entwickeln und -ihren Kräften jenen Schwung beizulegen, ohne welchen sie nie ihre -eingeengte Bahn verlassen hätten? Oder wollen wir der Natur lieber -Mißgriffe aufbürden, um nur unser System zu retten? eher das vierte -Gebot in Hinsicht dieser unserer guten Mutter so gröblich übertreten, -als unsere vermeintlichen Standesrechte aufgeben? Ohne die großen Namen -der Fabelwelt von den Todten zu erwecken, denen man denn doch nicht -jeden Funken der Wahrheit abstreiten wird -- wer wage es, _Zenobien_, -und einer _Anna Komnena_ einen über ihre männlichen Zeitgenossen -hervorragenden Verstand und Urtheilskraft, einer _Elisabeth_ -Herrschertalente, _Marien Theresien_ Muth und Standhaftigkeit -abzusprechen? Will man den Gesichtspunkt näher rücken? Es sey und gelte -zwei weltberühmte Namen! CATHARINA DIE ZWEITE und _Voltaire_. Nicht -die Selbstherrscherthaten der ERSTEREN, nicht die Kriegeslorbeern, -die SIE in IHR Diadem geflochten, nicht der postische Nimbus, der -die Götter der Erden umgiebt -- IHR Briefwechsel entscheide, wo SIE -nicht im Kaiserglanz, nicht mit den Palmen einer Weltüberwinderin -erscheint -- und seht! SIE bleibt groß, wie SIE ist -- und _Voltaire_? -klein, so klein, wie er war, so bald die Wahrheit ihm ihren magischen -Spiegel vorhielt. Sein theures Selbst ist immer die erste Person; -die große Frau muß sich mit der zweiten begnügen. SIE soll -- man -denke! -- _Constantinopel_ erobern, oder wenigstens zu _Taganrok_ -IHRE Residenz aufschlagen, damit er kommen und IHR die Füße küssen -könne, weil es in _Petersburg_ für den _alten Eremiten von Ferney_ zu -kalt sei. Noch nicht befriedigt, daß DIE KAISERIN seinen Uhrmachern -für 8000 Rubel Uhren abnimmt, soll SIE sogar, um seine Fabrikanten in -Nahrung zu setzen, einen Uhrenhandel mit _China_ in Gang bringen. IHR -weises Stillschweigen versteht er entweder wirklich nicht, oder -- -was glaublicher ist -- er will es nicht verstehen, bis SIE ihm denn -endlich mit seinen, einer Kaiserin und eines poëtischen Philosophen -so unwerthen Mercantilgeschäften an ein _costiges Handlungshaus -assignirt_. Die prosaischste Leidenschaft unter allen, der leidige -Geitz, brachte _Voltaire'n_ vom Parnaß auf eine Börse -- König -_Friedrich Wilhelm der Erste_ charakterisirte seine Gemählde durch die -Losung: _in tormentis pinxit_. In der That, _Voltaire_ schrieb hier -in ebenderselben Seelenstimmung. Sonst pflegt das Genie den Dichter -über sich selbst und alle Regeln hinweg zu setzen und ihm Dinge zu -inspiriren, die größer als er selbst, die göttlich sind, und die er -selbst nicht umhin kann, mit Ehrfurcht und Bewunderung anzustaunen. -Wo ist hiervon die kleinste Spur? Wir sind ehrgebiger, weil wir -ehrsüchtiger sind; und _Voltaire_ war beides in tausend Fällen, nur -hier gewiß nicht: Sein Instrument, das er sonst meisterlich spielte, -ist völlig verstimmt; und war es bei diesen Umständen Wunder, daß seine -Schmeicheleien Gallicismen wurden, wie man sie an der _Seine_ täglich -zu Tausenden hören kann? Die Briefe DER KAISERIN führen die Sprache der -Natur; nur in Fällen, wenn SIE dem eitlen _Voltaire_ ein Opfer bringen -will, zahlt SIE ihm Münze von seinem Gepräge, so wie jener Fürst -einem unverschämten Poëten Verse mit Versen bezahlte. Nur auf eine -scherzhafte Weise spricht SIE von IHRER Person, während die ganze Welt -nicht aufhören kann, ehrfurchtsvoll IHREN Namen zu nennen; IHRER großen -Thaten erwähnt SIE so wenig, als wenn sie sich von selbst verständen -- -Immer beschäftiget, IHRE _unermeßliche Monarchie_ reich an Menschen und -an edler Denkart zu machen, entwirft SIE, während SIE die _Ottmannli_ -schlägt, die Conföderirten in Pohlen zerstreuet, der Pest gebietet -und den Räubereien des _Pugatschef_ widersteht, _ein Gesetzbuch_ -für IHR Volk, das SIE aus allen Zungen und Sprachen unter dieses -Gesetz versammelt, um, wie am Pfingstfeste, Einen Geist über dasselbe -auszugießen und es zu Einem Ziele zu veredlen. Gleich stark im _großen_ -und _kleinen Regierungsdienste_, führt SIE die Inoculation der Blattern -ein, beschäftiget SICH mit der Erziehung, erndtet tausendfältig von -den durch sie gestifteten Anstalten, erfindet und ordnet Feste an für -den _Prinzen Heinrich_, und hat -- Muße ohne Anstrich von Eitelkeit, -an den eitlen _Voltaire_ zu schreiben. Diese Seelen mit einander -abgewogen, und die Wagschale wo möglich in der Hand eines höheren -Wesens -- welche wird fallen? welche steigen? Doch warum höheren -Wesens? So tief fielen die Menschen noch nicht, um nicht Ehre zu -erweisen, wem Ehre gebührt -- Wozu eine vollständige Nomenklatur von -berühmten Weibern, von solchen die das Schicksal zu Kronen berief, -und die sie mit Würde trugen? -- Es sei genug, eine _Margaretha von -Dänemark_, eine _Christina von Schweden_, eine _Sophia Charlotta -von Preußen_ zu nennen; und von denen, die, wenn sie Männer gewesen -wären, diesem Geschlecht Ehre gemacht hätten -- verdienen nicht eine -_Cornelia_, die edle Mutter der Gracchen, eine _Arria_ und die durch -so viele Gerüchte gegangene _Johanna von Arc_ unsere Bewunderung? Nach -diesen Beispielen wird man mir ohne Zweifel den Beweis erlassen, daß -es den weiblichen Seelen nicht an großen Anlagen fehle. -- Herbst und -Winter rauben selbst den Steineichen ihre Blätter; allein die Wurzeln -bleiben. Warum jene Anlagen nicht zur Regel werden, sondern Ausnahmen -sind? warum sie nicht häufiger entwickelt werden? sind das Fragen? -Hat denn _unser_ Geschlecht einen so großen Überfluß von edlen Seelen? -Nur selten ist die Ehre, womit _Ulysses_ und _Aeneas_, nicht von der -unpartheiischen _Göttin der Gerechtigkeit_, sondern von dem oft sehr -partheiischen launigen _Gott Apoll_ kanonisirt wurden. Ohne Zweifel -nahm _Homer_ seine _Penelope_, _Andromache_, _Nausikae_, _Arete_ -aus der Natur; und noch immer scheinen mir die größere Gleichheit -des dienenden und herrschenden Standes, die gemeinschaftlichen -Arbeiten der Weiber und der Sklavinnen, die Vertraulichkeit die von -dem Umstande kam, daß sie unter einander aufgewachsen und erzogen -waren, die Art der weiblichen Arbeit und der Ertrag des Nutzens -derselben jene Zeit für die Weiber unendlich erträglicher gemacht -zu haben, als die bleierne, in welche das weibliche Geschlecht zu -fallen das anscheinende Glück hatte, und welche leider! noch nicht -von ihm genommen ist. Im Heldenalter waren die Sitten, wie die Liebe -(von jeher lebten Liebe und Sitten in der genauesten Verbindung) -roher, und es blieb im Takt! Die _damaligen Übel_ des weiblichen -Geschlechtes waren ungerathene Kinder des Ungefährs, dem man, bei so -vielen wohlgerathenen, auch jene verzeihen kann; die Übel der folgenden -und der jetzigen Zeit sind constitutionell, gründen sich auf Unfakta -und inconsequente Vernünftelei! -- Fürwahr, es würde eine unerhörte -und nach den angenommenen psychologischen Grundsätzen unerklärbare -Erscheinung seyn, wenn unter dem eisernen Drucke des Despotismus das -Freiheitsgefühl nicht endlich seine Spannkraft verlieren; wenn aus -Mangel an Pflege und Wartung der herrlichste Boden nicht verwildern, -und endlich jeder nützliche Keim ersticken; wenn über den Gedanken von -entrissenem Rechte, und daß dieses unwiederbringlich verloren gegangen -sey, nicht endlich auch das Andenken an jene Rechte selbst und die -demselben entsprechenden Gefühle, der Glaube an sich selbst und an -seinen selbstständigen Werth, verlöschen sollte. Wenn Schonung, Achtung -und Pflege der ursprünglichen Menschenrechte, wenn vorzügliche Cultur -und Wartung aller edlen und großen Keime, welche die Natur in die Seele -der Weiber legte, nie Statt findet -- was ist da am Ende zu erwarten? -Ein Kahn, der sich zu sehr auf die eine Seite neigt, muß umschlagen -- -und unser Geschlecht? wenn es eben den chemischen Versuchen auf nassem -und trocknem Wege, den Feuer- und Wasserproben, ausgesetzt würde; wenn -diese Hiobsleiden, womit wir das andere Geschlecht heimsuchen, über -uns verhängt würden -- was wäre aus uns geworden? würden wir noch so -viel Urkundliches an uns behalten haben, wie das andere Geschlecht --? -Würde der Mann, der Mensch, nicht bei uns weit mehr aufhören, als bei -jenem? -- O des großen Musters, welches das andere Geschlecht, nicht -mit Pomp, wie die Stoiker und ihr Erzmärtyrer _Peregrinus Proteus_, -beim Sterben, sondern ganz natürlich giebt, indem es nicht bloß seine -Feinde liebt, sondern auch, und -- das sagt mehr -- seinen Freunden -vergiebt! -- Jenes große Wort ist sichtbar an ihm -- _daß es die -Schwachheit eines Menschen und zugleich die Zufriedenheit eines Gottes -besitzt_. -- Doch warum soll ich zurück halten? So lange die Weiber -bloß _Privilegia_ und nicht _Rechte_ haben; so lange der Staat sie -nur wie parasitische Pflanzen behandelt, die ihr bürgerliches Daseyn -und ihren Werth nur dem Manne verdanken, mit welchem das Schicksal -sie paarte -- wird nicht das Weib den großen Beruf der Natur: das -Weib ihres Mannes, die Mutter ihrer Kinder, und, kraft dieser edlen -Bestimmungen, ein Mitglied, eine Bürgerin, und nicht bloß eine -Schutzverwandtin des Staates zu seyn -- nur immer sehr unvollkommen, -und je länger je unvollkommener, erfüllen? Die Länge trägt die Last. -Man gebe ihm aber seine Rechte wieder, und man wird sehen, was es -ist und was es werden kann! Warum eine Kritik meiner namentlichen -Beispiele? warum ein Vorwurf, daß es nur blutwenige Ausnahmen gebe? -Nach dem reinen Wein unserer Philosophen kann die Tugend nicht wie -eine schöne Kunst nachgeahmt werden und nach Beispielen (wären sie -gleich die ersten und besten) sich bilden. Aus dem ersten Princip der -Selbstgesetzgebung soll sie fließen, wenn sie anders ächt und rein seyn -will. Nur da ist Energie der Seele, wo man aus sich selbst schöpft --- und was gilt Mannigfaltigkeit ohne höchste Einheit? was einzelne -schöne Züge ohne Alles anordnende und ins Reine bringende Principien? --- -- Die Französischen Prinzen, die ihr Vaterland verließen, erklärten -öffentlich: an Gott, an den König und an ihr Schwert sich wenden zu -wollen. Drei Instanzen, wo der liebe Gott sich gefallen lassen muß, -die erste, das heißt im juristischen Sinne die geringste, zu seyn. Das -andere Geschlecht hat nur _Einen Gerichtshof_: an Gott. Überall Männer --- Männer, bei denen nicht Wichtigkeit des Grundes, sondern Mehrheit -der Gründe gilt; und welcher Gründe? -- _Raisons d'État_ --? ich greife -mir vor; wer kann sich aber zurückhalten? In der That, die Gesetze sind -in Rücksicht der Weiber fast noch inconsequenter, als eine thörichte -Liebe! So sehr sie auf Einer Seite die bürgerlichen Rechte der Weiber -in Absicht auf ihre Personen und ihr Vermögen beschränken, weil sie -dieselben für schwach und unvermögend, ihr eigenes Beste wahrzunehmen, -erklären; so verpflichtet sie sich halten, das ganze Geschlecht zu -einer immerwährenden Vormundschaft zu verstoßen: so schnell hört doch -diese Schwäche auf, Schwäche zu seyn, so bald von Verbrechen und -Strafen die Rede ist; beide Geschlechter werden mit einem und demselben -Maße gemessen -- und in der Kirche, in den Gerichtshöfen, (hoffentlich -auch im Himmel) ist kein Ansehen der Person zwischen Mann und Weib: sie -sind einerlei Leib und einerlei Seele. Ehre dem _Divus Justinianus_, -der, mit mehr Zusammenhang als unsere Gesetzgeber, wegen der gröbsten -Vergehungen dem schönen Geschlechte keine Zurechnung zumuthete, und -es über alle Strafen wegsetzte! -- Nach seiner Meinung war ein Weib -so gut, daß es zu nichts taugte, wogegen es bei uns doch wenigstens -einer Bestrafung -- welch ein Vorzug! -- würdig geachtet wird. Bei -uns steht es unter dem Gesetze; bei ihm stand es nur unter der Gnade. --- Wahrlich! man kann nicht läugnen, daß es bei uns einen Schritt -zur Verbesserung gethan hat, obgleich seine Vollendung, die im weiten -Felde geblieben, noch ein Wunder in unsern Augen ist -- Ja wohl, ein -Wunder! -- Die Ewigkeit der Höllenstrafen hat ihre Bestreiter gefunden, -und dieses Höllenräthsel wird zu unserer knotenlösenden Zeit, wo die -kalte Philosophie so manches abkühlt, durch die ewigen Folgen ins Reine -gebracht, welche von keiner bösen Handlung getrennt werden können; -die Sklaverei des andern Geschlechtes indeß bleibt ein Wurm, der nie -stirbt, und ein Feuer das nie verlischt. -- _Gerechtigkeit!_ man hat -dir die Binde genommen; und doch siehst du nicht, daß, wenn gleich -alle Handlungen, die mit den Personen und dem Vermögen des andern -Geschlechtes in Beziehung stehen, ohne einen gesetzlichen Beistand -ungültig sind und ohne allen bürgerlichen Effekt bleiben, deine armen -Unmündigen durch alle sittliche und bürgerliche Gesetze in eben dem -Maße wie die Männer verbunden werden! Selbst nicht bei Gesetzen wider -die Contrebande ist nach dem Curator die Frage, und ob in dessen -Assistenz dem Kaiser nicht gegeben ward, was des Kaisers ist -- und -doch ist ein Weib dem Staate nur durch den Mann verwandt und zugethan: -Nur _er_ huldigte ihm und seinen Gesetzen. Ist es Wunder, wenn Weiber -die Gesetze befolgen, wie die Nonne den Psalter singt? wenn sie den -ernsthaften Anordnungen des Staates eine Folie des Lächerlichen -unterlegen, und sich da noch Auslegungen derselben erlauben, wo blinder -Gehorsam erfordert wird? War je eine ärgere Löwengesellschaft? und -trift es irgendwo klärer ein, daß man größere Diebe laufen läßt, und -kleinere zu hängen sich nicht entbricht? Staaten, die zum Schutze der -Menschenrechte entstanden, entziehen ihn der Hälfte ihrer bürgerfähigen -Einwohner! -- Es ist natürlich, wenn der Wille sich da sträubt, wo -die Vernunft so viele Steine des Anstoßes und Felsen des Ärgernisses -findet -- -- Leiden einzelner Menschen (besonders wenn diese nicht -die verdammlichen Urheber davon sind) vollenden, und nichts was groß -war, kam ohne sie je zur Reife; Leiden aber, die einem ganzen Volke -nicht von der Natur und vom Schicksal, sondern bloß willkührlich -zugefügt werden, hemmen allen Muth: sie erschlaffen und entseelen die -edelsten Völker, so daß man ihre Stätte nicht mehr findet. -- Ewig -Schade um alle die Fortschritte, die durch jene männliche Grausamkeit -gehemmet werden! Welch ein Stoff muß im andern Geschlechte liegen, da -er allen diesen Hindernissen noch bis jetzt so stattlichen Widerstand -leistete! -- Doch, unmöglich könnten die Weiber noch seyn, was sie -sind, und die Lage behaupten, in der sie sich befinden, wenn nicht -Geschlechterneigung und Reitze ihnen Subsidien geleistet hätten. So hat -bis jetzt die Natur den Menschen noch nie ganz verlassen, wenn er ihr -auch unerkenntlich den Rücken kehrte! Ein gewisser glücklicher Zustand, -nach welchem den Menschen wenig zu wünschen, allein eben darum viel -zu befürchten übrig bleibt, macht sie unglücklich: -- sie erstreben -nichts; ihre Seele verliert den Schwung, ihr Geist das Geistige; und -so wie dieser glücklich-unglückliche Zustand das Schicksal vieler -regierenden Herren ist, die ihren Beruf nur von der Seite der Hoheit -und der Macht kennen, auf Kleinigkeiten fallen, und Nebendinge der -Regierung, oder gar solche die ihres Amtes nicht sind, zu Hauptsachen -erheben: so scheint er auch überhaupt auf dem königlichen Geschlechte -der Männer zu ruhen. Dieses sucht mehr durch Ausflüchte, als durch Muth -und Weisheit, den Gefahren zu begegnen; es spielt mehr den Herrn und -Meister, als daß es beides wäre; an Willkühr gewöhnt, verlernt es, auf -Mittel zu sinnen; zur Herrschaft geboren und erzogen, denkt es nicht -darauf sie zu verdienen; es vernachlässigt sich, da es keinen Anreitz -hat und zu keinem edlen Wettlaufe sich in seinem Hause anstrengen -darf; es fällt zusammen, da es sich nicht die Mühe giebt, sich gerade -zu halten. Man sage nicht, daß die Männer bei andern Männern Licht -anschlagen können; Tyrannen sind verzagt, und kriechen überall, wo sie -nicht befehlen dürfen. Wahrlich! nicht nur Weiber, sondern auch wir, -haben durch jene Herabwürdigung des andern Geschlechtes verloren -- -wer am meisten? Ist es zum Beispiel ein Wunder, wenn das fräuliche -Geschlecht falsche Münze gegen falsche Münze wechselt, und die Tyrannei -des Herrn Gemahls mit Augendienst erwiedert? -- Ist es ein Wunder, -wenn alle beide sich das Leben verbittern, und bei dem wohlseligen -Hintritt des Herrn Gemahls -- Gott tröste ihn! -- die am pompreichen -Leichengerüste wohlangebrachten Genien die einzigen sind, die ohne -End' und Ziel, Thränen vergießen, womit sie den letzten Funken der -umgekehrten Fackeln auslöschen, während die trostvolle Frau Wittwe, -unter einer ehrwürdigen Decke, ihre Rolle meisterlich spielt und -fröhlich und guter Dinge ist? -- Von Anbeginn ist es nicht so gewesen. - - - - -III. - -WOHER DIE ÜBERLEGENHEIT DES MANNES ÜBER DIE FRAU ENTSTANDEN? - -RÜCKBLICKE AUF DIE ÄLTESTE ZEIT. - - -Wenn die Weiber mit den Männern von der Natur zu gleichen Rechten -berufen sind; wenn sie sich im Besitz von gleichen Körper- und -Geistesanlagen befanden und zum Theil noch befinden: _wo_, _wann_ -und _wie_ entstand denn die Überlegenheit des Mannes über das Weib? -was gab dem Manne das Schwert in die Hand? und was verwies das Weib -an die Spindel? Diese Fragen, die jeder sich aufwerfen muß, der zu -fragen versteht, wenn gleich die größere Kunst zu antworten ihm nicht -gegeben seyn sollte, haben allerdings nicht wenig von der Natur -jenes weltberühmten Knotens, der, da er geschürzet war, auch wieder -hätte aufgelöset werden sollen, den aber _Alexander_, nach der Weise -vieler unserer Dichter, zu zerhauen die unästhetische Dreistigkeit -hatte. Ständen wir dem _Wann_ und _Wo_, der Zeit und dem Raume nach, -näher; so würde es wahrscheinlich keines _Oedips_ bedürfen, um bei -dieser Meisterfrage eine akademische Prämie von dreißig Silberlingen -zu gewinnen, und das _Wie_ obendrein zur allgemeinen Befriedigung zu -beantworten. Allein da über das _Wann_ und _Wo_ in keiner Chronik -und keiner Topographie ein todtes, geschweige denn ein lebendiges, -Wort zu finden ist; so müssen, bis die Hieroglyphen an den Pyramiden -enthüllt seyn werden, oder bis uns ein bisher verborgenes Denkmahl -darüber seine Aufschlüsse nicht länger vorenthält, das _Irgendwo_ und -das _Irgendwann_ bei dieser großen Katastrophe zur Unterlage dienen, -und das _Wie_, in Ermangelung der Geschichte, durch eine Conjektur -der Vernunft aufgelöset oder -- zerhauen werden. Alles, wobei es auf -Thatsachen ankommt, kann nur bis auf einen gewissen Zeitpunkt hin -verfolgt werden. Da wo die Sonne der Geschichte untergeht und sogar der -Mond der Fabel sein entlehntes Licht entzieht, bleibt der Vernunft -nichts übrig, um sich zu orientiren, und sie irret in dem unbegrenzten -Meere der Möglichkeit, ohne zu wissen, woher und wohin? Was hier über -Geschichte und Fabel hinausgeht, ist (da die ersten Sagen der Völker -davon, als von einer Sache, die vor ihnen war, sprechen) derjenige -Zustand des Menschen, wo jedes einzelne Individuum, ohne einige -Verbindung mit andern seiner Art, in der vollkommensten Unabhängigkeit, -bloß von den Früchten des Bodens den es durchstrich, lebte, ohne durch -eine andere Zubereitung, als die man von der Natur selbst erhielt, -ihr zu Hülfe zu kommen. Die Menschen hingen vom Boden und sonst von -nichts weiter ab -- Ob es einen dergleichen Zustand wirklich gegeben? -ob je der Mensch (das geselligste unter allen bekannten Thieren, trotz -jenen frommen Orang-Utangs in der Thebaischen Wüste, und ihren jüngeren -Brüdern, die es doch behaglicher gefunden haben, sich aus Eremiten -zu Cönobiten umzuformen) in einem solchen Zustande war -- mag _Hans -Jakob_ verantworten, an dessen Grabe es heißt: _Ici_ _reposé l'homme -de la nature et de la vérité_ -- Dergleichen Hans Jakobsche Kinder -der Natur hat weder _Colombo_, noch sein Märtyrer von Nachfolger, -_Cook_, gesehen -- Allenthalben wo diese hinkamen, waren schon die -ersten Umrisse der Gesellschaft gezeichnet, Familienverhältnisse -(wenn gleich unvollkommen) gegründet und Spuren (wiewohl freilich oft -nur sehr schwache) von Cultur und Kunstprodukten vorhanden. Bei den -allerrohesten Völkern fanden sie schon Hütten, eine Art von Zubereitung -der Nahrungsmittel, und bei den meisten auch die ersten Anfänge zu -einer Bekleidung des Körpers. Wo sie sich lange genug aufhielten, und -wo es ihnen glückte, sich durch Zeichen zu verständigen, überzeugten -sie sich, daß diese dem Naturstande anscheinend so nahe angränzenden -Menschen schon lange, und weit über ihre Überlieferungen hinaus, -immer an dieser Stelle und diesem Orte gestanden hatten. Auch nicht -die mindeste Ahndung ging unter ihnen im Schwange, daß es außer dem -Punkte, wo sie sich befanden, noch andere ober- oder unterwärts geben -könne. So einfach und in so geringer Zahl ihre Familien-, Haus- und -Nahrungsgeschäfte auch immer seyn mochten, da ihre Bedürfnisse noch -wenig über die der thierischen Natur hinausgingen; so leicht ihre -Nothdürftigkeiten gestellt werden konnten, da die Kunst sie nicht -verwöhnt hatte: so waren unter den beiden Geschlechtern doch schon -_Casten_ errichtet, und eine Scheidung vorgefallen in dem, was Gott -zusammen gefügt hat. Je unvollkommener auf der Einen Seite hier die -gesellschaftliche Verfassung war; je schwerer es fiel, das thierische -Bedürfniß zu befriedigen, weil die Natur den Boden, oder die Wälder -(die königlichen Residenzen dieser Menschen) oder die Flüsse und Meere -nur karg mit den Mitteln dazu ausgestattet hatte: um desto härter -war das Loos, welches dem weiblichen Theile dieser halbgezähmten -Menschenklasse fiel. Das Leben des Mannes war vorzüglich zwischen -Genuß und Ruhe getheilt, wenn ihn nicht dringendes Bedürfniß zur Jagd -oder zum Fischfang aufforderte. Das Weib begleitete ihn nur selten -als Gehülfin, weil ihm die Pflicht die Speisen zu bereiten oblag, -während das Mannthier seine Glieder in der Sonne dehnte. Freilich nur -schwache, unbefriedigende Data zur Auflösung der aufgeworfenen Frage; -indeß doch etwas, um uns auf _Mehr_ zu bringen -- wie jene Übermacht -entstand, welche auf die eine Hälfte des menschlichen Geschlechtes -alles _Lästige_ wälzte, und sich dagegen allen _Vortheil_ weislich -vorbehielt. -- Scheint nicht die Natur durch Schwangerschaft und -Geburt den ersten Fingerzeig _zu diesem Verlust über die Hälfte_, bei -der Theilung des menschlichen Werthes, gegeben zu haben? Wenn dieses -Antheil, das den Weibern zufiel, auch noch so sehr erleichtert wird; -wenn es auch noch so köstlich ist: -- kann es auf eine andere Rubrik -als auf Mühe und Noth gerechten Anspruch machen --? Der Mann scheint -zum Vergnügen berufen zu seyn, das Weib dagegen zu Kummer und Elend -- -Wenigstens liegen in dem Familienverhältniß, in der Art und Weise wie -die Keime der Geselligkeit sich zuerst bei den Menschen entwickelten -und worauf ihn vielleicht das Zeugungs-Geschäft brachte, entfernte -Winke und Hieroglyphen, wodurch der gesellschaftliche Zustand, welcher -dem menschlichen Geschlecht einen so erstaunlichen Schwung gab, der -Einen Hälfte des Geschlechtes so nachtheilig ward -- Wiederholung der -nämlichen Umstände pflegt die Dürftigkeit derselben zu bedecken, als ob -Ermüdung Ergänzung wäre; und selbst unsere Philosophen sind oft in dem -Falle jenes Kranken, dem der Arzt erlaubte, täglich einen Löffel voll -Wein zu nehmen, und der sich einen Löffel von vier Quart machen ließ --- sie sind da am beredtsten, wo sie am kürzesten seyn könnten, weil -sie hier am wenigsten wissen. -- Es sei mir erlaubt, jene Data durch -Rückblicke auf die Geschichte, das Noth- und Hülfsbüchlein in allen -Lebensfällen, zu verstärken oder zu schwächen -- meine Leser mögen den -eigentlichen Ausdruck suchen; doch, wenn ich bitten darf, nicht auf -meine Kosten, sondern mir zum Besten. - -Schon in den ältesten urkundlichen Nachrichten über den -gesellschaftlichen Ursprung der Menschen, finden sich Spuren von einer -Ungleichheit der beiden Geschlechter, und von Zurücksetzungen des -weiblichen -- wohin auffallend die Vielweiberei gehört. - -Wie despotisch ist der Gedanke, daß ein Mann sich befugt halten -konnte, mehr als Ein Weib zu besitzen, indem bei einer Berechnung an -den Fingern sich herausbringen läßt, daß er durch diese Verschwendung -Andere zum Darben bringt! Wahrlich, die Vielweiberei ist ein Umstand, -der sich weder mit Seele noch mit Körper verträgt, und nicht nur -der Vernunft, sondern selbst einer Leidenschaft widerspricht, die -(wie die Kinder reicher und vornehmer Leute) durch die Schule der -Vernunft gelaufen ist. Wo ein Mann mehr als Ein Weib hat, wird jener -Tyrannenrath erfüllt: Theile und regiere (_divide et impera_). Die -Weiber mußten auf diesem Wege des ihnen so nachtheiligen männlichen -Luxus ihre Abhängigkeit im höchsten Grade fühlen; und wenn gleich die -Sultanin des Tages sich einen Vorzug vor ihren Colleginnen anmaßte: so -währte dieses Ansehen, das sie sich gab, doch nicht lange, und bald -überzeugte sie sich, daß unter Sklavinnen keine Rangordnung Statt -finde. - -Die Geschichte der _Sara_ und _Hagar_ scheinet zu beweisen, daß die -Kebsweiberschaft nicht gleich anfänglich bloß in dem eignen Belieben -des Mannes gestanden, und daß er anfänglich verpflichtet gewesen, die -Genehmigung seiner Frau einzuholen, eh' er sich ein Kebsweib beilegen -konnte. Auch scheinet sich aus dieser Kebs-Geschichte zu ergeben, daß -dergleichen Contrakte nicht auf die ganze Lebensdauer gegangen, und daß -oft noch vor Ablauf der contraktmäßigen Zeit der Engel des Gewissens, -und der Schutzgeist warnender Umstände dem Manne zugerufen: - - _stoß die Magd hinaus mit ihrem Sohne!_ - -Schon hab' ich mein Herz ausgeschüttet, daß der erste Grund zu der -männlichen Anmaßung eines Vorzuges vor dem Weibe, in dem Gange -aufzusuchen sei, den die Bildung des gesellschaftlichen Zustandes -nahm. Ob die Art, wie die geselligen Keime sich bei den Menschen -entwickelten, die einzig mögliche; oder ob unter mehreren möglichen -_die_, auf welche die Menschen von der Natur geleitet wurden, der -schmale Weg sei, der zum Leben führet: das sind Nebenfragen, die, -so wie ihre Stammmutter, vielleicht noch lange, vielleicht immer, -unentschieden bleiben werden. - -So viel scheint ausgemacht, daß diese Keime sich überall durch ähnliche -Veranlassung entwickelt haben müssen, indem sie (ein Beweis, dessen ich -gern entübriget wäre) für das weibliche Geschlecht einerlei nachteilige -Folgen hervorgebracht haben. Die Gesellschaft ist die Quelle alles -Glücks und alles Unglücks, das je dem menschlichen Geschlechte zufiel; -und noch ist nicht erschienen, was die Menschen durch sie werden -können und durch sie -- seyn werden. Wir wissen aber, daß, wenn es -erscheinen wird, wenn wir das heilige Gesetz beobachten, und dasselbe, -so wie Gott, nicht fürchten sondern lieben, wir Gott ähnlicher seyn -und die Krone des Lebens tragen werden. Eine Hoffnung, die _Plato_ -nicht den _Traum des wachenden Menschen_ nennen muß, und bei welcher -Glaube an das menschliche Geschlecht zum Grunde liegt. Könnt' ich doch -hinzufügen: _wahrer und lebendiger Glaube!_ aber noch ist solcher in -Israël nicht gefunden -- Dieser Glaube ist _Welt-Patriotismus_. - -Darf ich mir ein- für allemal die Erlaubniß auswirken, rückblicken zu -dürfen, ohne von irgend einer kritischen Feder das Schicksal von _Loths -Weibe_ zu befürchten zu haben? - -Zum Fischefangen und Vogelstellen hat jeder Mensch noch immer einen so -besonderen Hang, daß gereimte und ungereimte Warnungstafeln aushängen -müssen, um den Menschen von diesen Urbeschäftigungen abzuleiten, und -ihn, bei den erweiterten und verzärtelten Bedürfnissen, zu andern -nothwendig gewordenen künstlichern Nahrungsquellen zu gewöhnen. -Der bekannte _St. Evremont_ war bis an sein Ende wohlbestallter -Entenhüter zu St. James; jener Schweizer in Frankreich erbat sich die -Anwartschaft auf die Hofstelle des Rhinoceros -- jener Gelehrter bei -dem Hofe FRIEDRICHS II den vacant gewordenen Atheistenplatz; und zu -wie vielen Rhinoceros- und Atheisten-Posten müssen sich Menschen nicht -herablassen, um ihr tägliches Brot nach der heutigen Auslegung zu -erreichen, wovon der Vogelsteller und Fischfänger kein lebendiges Wort -wußte, keinen Traum oder todten Gedanken kannte! - -Ob Jäger _Esau_ auch ein Fischfänger gewesen, ist nicht bemerkt, und -die Herren Juristen würden ohne allen Zweifel einen artigen Fang -machen, wenn es _ausgemittelt_ wäre, (ein Lieblingswort dieser Herren, -die doch so oft _zweckreich_ und _mittelarm_ zu seyn pflegen) daß der -Fischfang schon in den ältesten Zeiten unter der Jagd begriffen gewesen -sei. - -Warum das weibliche Geschlecht sich nicht die blutarme Fischerei -zugeeignet habe, um dem nach Blut dürstenden Manne das Wild zu -überlassen? ist eine Frage, die sich bei dieser Gelegenheit von selbst -aufwirft. Vielleicht nahm das Weib an allem Theil -- vielleicht stand -es dem Manne nirgends nach; vielleicht hinderten es nur die letzten -Stunden der Schwangerschaft, und sechs Stunden nach der Niederkunft, -an den Geschäften des Oberjägermeisters, seines Mannes, unmittelbaren -Antheil zu nehmen -- Die Gottheit der Jagd, _Diana_, war bei den -jüngeren Alten _generis foeminini_ -- - -Dieser Stillstand, den Schwangerschaft und Niederkunft verursachten, -war, von so kurzer Dauer er auch immer seyn mochte, ohne Zweifel der -Grund des weiblichen Falles. In diesen Zwischenzeiten der Muße war -es vielleicht, wo das Weib, durch einen dem Geschlecht eigenen und -mit seiner Bestimmung vielleicht genau zusammenhangenden Instinkt -zu sparen, sich sein Sklavenschicksal bereitete. Warum folgte es -nicht der göttlichen Lehre: »sorget nicht für den andern Morgen; es -ist genug, daß ein jeder Tag seine eigene Plage habe!« So lange die -Nahrungsquellen ergiebig waren, fiel dem Manne nie der Gedanke an das -Aufbewahren ein; sein Jagdrevier war seine Speisekammer, zu der alles, -was Leben und Odem hatte, gehörte -- eine lebendige Speisekammer, -bei der er vor dem verdorbenen Geschmack an faul gewordenem Wildbret -sehr sicher war! einem Geschmack, der bei allem -- das leidige Geld -nicht ausgenommen -- Statt findet, was man in Scheuren sammelt, denen -ohnedies das Motto angeschrieben ist: _du N_ -- _heute wird man deine -Seele von dir fordern; und was wird seyn das du gesammelt hast?_ --- Doch auch dem Geitzhals, dem Teufel, muß man einen Vertheidiger -beiordnen --; und in der That ist die Sorge für den andern Morgen, wenn -sie rechter Art ist und in ihren Schranken bleibt, eine nicht gemeine -Vernunftäußerung. Der Gedanke: »heute ohne Hunger zu jagen, um morgen -nicht aus Mangel an Wildbret fasten zu dürfen,« enthält -- ungeachtet -jener göttlichen Lehre, für den andern Morgen nicht zu sorgen -- so -viel Überlegung in sich, wie in den Köpfen einer ganzen Heerde von -Wilden nicht Platz hatte. Auch hier mußte das Weib dem Manne aushelfen, -und wo es auf Vernunftgebrauch ankam, scheint immer das Weib die Bahn -gebrochen zu haben. Jene Verlegenheit, in die es die letzten Stunden -der Schwangerschaft und die ersten nach der Geburt verwickelten, -leitete es, kraft des instinktartigen Gefühls, zur Selbsterhaltung, -die ihm wegen der Erhaltung des Säuglinges noch dringender ward, an -der Hand der Vernunft, weise und mächtig auf Vorrath zu denken, sich -heute etwas zu entziehen, um morgen nicht ganz entbehren zu müssen. -Diese Aufbewahrung von Vorräthen, welche anfänglich bloß gelegentlich -und nur so lange geschah, als es die Umstände verlangten, ward nach -und nach, je nachdem die Menschen sich mehrten und die Nahrungsquellen -ärmer wurden, wiederholt, und mit der Zeit beständig. Wenn es wahr -ist, daß in vielen Fällen Thiere die Lehrer der Menschen gewesen sind; -so wird das Vorrathsammeln ohne Zweifel zu dem Lektionskatalogus -dieses Unterrichtes gehören. Der Instinkt (der sich zur Vernunft, wie -der Tanzbärleiter zum Hodogeten, verhält) hat seine Kinder schneller -und sicherer an Ort und Stelle gebracht, als die sich Zeit nehmende -kalte Vernunft die werthen Ihrigen. Gewiß sammelten die Biene und die -Ameise früher als der Mensch; vielleicht versteckte das Alterthum -diese Wahrheit unter der Fabel von den Myrmidonen. -- Nicht etwa bloß -Neugierde, wie einige wollen, sondern Beobachtungsanlage lenkte -ohne Zweifel zuerst das Weib auf diese Experimental-Unterweisung. -Vorräthe erforderten beständige Aufsicht, nähere Einrichtung und -Bearbeitung; und so entstand Hausrath. Irgend ein Zufall, und ohne -Zweifel die Anhänglichkeit mancher Thiere an den Menschen, lehrte ihn -(wahrscheinlich zuerst das Weib), einige Gattungen von Thieren zu -seinem beständigen Brauch und Dienste zu zähmen; und so vermehrte sich -durch diese Dienstboten, die man im Falle der Noth auch zur Nahrung -nahm, der Haushalt. Jetzt mußten die Geschäfte getheilt werden; und -da wählte denn der Mann die Jagd, das Weib den Haushalt. So ward das -Weib allmählich die Befehlshaberin der Hausthiere, und eh' es sich's -versah, das erste Hausthier selbst. Das arme Weib! Doch was kann weiter -befremden? ward es doch durch jene Revolution, wodurch es die Freiheit -an's Licht brachte, eine Sklavin! - -Allmählich fingen die Vortheile und Nachtheile, welche mit den unter -beiden Geschlechtern so sehr verschiedenen Lebensarten verknüpft -waren, immer mehr an sichtbar zu werden. Der Körper des Mannes, durch -die Beschwerlichkeiten der Jagd oder Fischerei abgehärtet, fest, -gelenk und stark, behauptete auch einen Einfluß auf seine Seele. An -Gefahren gewöhnt, ward er durch diese Gewohnheit muthig, unerschrocken, -standhaft, und fühlte seine Überlegenheit über Alles, was nicht Mann -war, mithin auch über sein Weib, dessen körperliche Kräfte aus Mangel -an Gelegenheit unentwickelt blieben, und das, aus Unbekanntschaft mit -Gefahren, diese zu fürchten anfing, da hingegen der Mann, vertraut -mit der Gefahr, sie vermeiden oder bestehen lernte. Mit kleinlichen -Gegenständen und mit Thieren umgeben, die Zaum und Gebiß geduldig -trugen, sank das Weib nach und nach an Körper und Seele zu einer -niederen Stufe herab, und lernte geduldig, sich bei seinem Despoten -mit der Stelle einer ersten Sklavin begnügen. Sklavin! Ohne Zweifel -brachten zahm gemachte Thiere den Menschen auf diesen unmenschlichen -Gedanken, und dies schreckliche Wort würdigte die Menschheit so tief -herab, daß die verrufene Münze keine Spur mehr von Bild und Überschrift -der vorigen Zeiten an sich trug. So wie unfehlbar das Weib durch den -Besitz gezähmter Thiere das Hirtenleben erfand und einführte, so wird -eben dasselbe, da es mehr an Einen Ort und an Eine Stelle gebunden -war, auch zu Anpflanzungen und zum Ackerbau Gelegenheit gegeben haben. -Gewiß hat es den ersten Sallat zum Wildbraten des Mannes bewirkt. Eine -Wurzel, Körner -- die, in Ermangelung eines Alderman-Schmauses, von -einem antipythagorischen Bohnenmahl übrig geblieben waren, und die man, -weil es fettere Bissen gab, nicht achtete -- wurzelten und mehrten -sich um die Hütte herum, bis es dem Weibe einfiel, absichtlich zu -pflanzen und zu säen. So entstand von der Hand des Weibes vielleicht -der erste Garten, den englischen Garten _Eden_ ausgenommen; und der -Gartenbau ist auch größtentheils in den Händen der Weiber geblieben, -bis auf den heutigen Tag. Auch hat das Weib wahrscheinlich in Allem -zuvor Probe gegessen und dem Manne zur Sicherheit, theils wegen der -Unschädlichkeit, theils wegen des Wohlgeschmacks, gedient. -- Noch -jetzt ist das höchste Ziel der Kochkunst ein Vorzug der Weiber. -- -Der Wechsel, den das Weib an seinem eignen Körper erfuhr, gewöhnte -es an die Witterung, und lehrte es so sehr auf die Zeit merken, wie -den Unbestand der Witterung überstehen; und so ward durch das Weib -vielleicht beides, das Hirtenleben und der Ackerbau, -- erfunden oder -zu Stande gebracht? -- Wie viel läßt sich hierüber conjekturiren! Der -gemeine Acker- und Gartenbauer räumt dem lieben getreuen Erdenvasallen, -dem Monde, noch jetzt viel Einfluß auf seine Erzeugnisse ein: er -pflanzt seinen Kohl und was Blätter treiben soll, im Vollmonde, und -das, wodurch unter der Erde Wurzeln oder Knollen hervorgebracht werden -sollen, bei Mondesabnahme. Die Phasen des Mondes sind ihm noch Epochen -in seinem Wirthschafts-Kalender; und was kann ihn anders auf diese -Mondweisheit gebracht haben, als die _Weise_ der Weiber --? Von beiden -Hauptnahrungsquellen, dem Hirtenleben und dem Ackerbau, wußte der -ins Größere gehende Mann das Weib abzubringen, um es an den Haushalt -zu fesseln -- wozu Se. Gestrengigkeit das Weib _verurtheilt_ hatte. -»Verurtheilt?« Mit nichten; durch einen Machtspruch, durch einen -Justizmord, des Landes verwiesen hatte. -- Noch jetzt genießen Erfinder -selten die Ehre der Erfindung, und verdienen sie vielleicht auch nicht, -weil fast immer ein Ungefähr sie darauf bringt -- Erfindungen und -Offenbarungen werden gemacht, man weiß nicht wie! -- - -Ackerbau und Viehzucht sind, so wie Ursache und Wirkung, mit -einander verbunden; und es ist schwer zu begreifen, warum Hirten -und Ackerbauer sich gleich anfänglich haben trennen und beneiden -können. Da nichts natürlicher war, als daß das Vieh keine Anpflanzung -schonte, und da dieser Umstand die Hirten und Ackerbauer in beständige -Gränzstreitigkeiten verwickeln mußte; so hätten diese Zwiste beide -Theile sehr bald zu freundschaftlichen Verabredungen bequemen sollen. - -Die Jagd allein, der Ursoldatenstand, scheint eine Erfindung des -Mannes zu seyn; und da der Mann seine Beute oft sehr weit suchen mußte, -so gab sie die erste Ursache zur Herabwürdigung des Weibes. Bei dem -Ackerbau und der Viehzucht hätte es sich gewiß länger in Ehren und -Würden erhalten können, wenn die Jagd nicht schon den Mann bewaffnet -und er allen Vortheil und Nachtheil des Soldatenstandes in sich -vereinigt gehabt hätte. Er stand bei seinem Weibe im Quartier. -- Noch -jetzt bin ich ein Feind der Jagd, weil sie dem Weibe jeden Schritt -zur weiteren Cultur vertrat und alle jene Übel erzeugte, denen das -menschliche Geschlecht durch Kriege oder Menschenjagden unterworfen -worden ist. -- Zwar sagt man, daß der Krieg oft ein Weg zur Cultur -gewesen sey und werden könne; und freilich ist es nicht das erste -mal, daß aus dem Bösen etwas Gutes wird: Ist und bleibt aber, dieser -Metallverwandlung des Guten und Bösen unbeschadet, Krieg nicht ein -Originalübel? Im Reiche Gottes, dessen Sonnenaufgang und Morgensegen -wir mit Danksagung erwarten, wird man so wenig Menschen würgen und -sich zur Erkenntlichkeit dem Würgengel bloß stellen, als in der andern -Welt freien und sich freien lassen. -- - -Die Flecken in der Sonne -- die man ungefähr wie die Flecken ansieht, -womit die reinlichste Hausfrau in der Küche sich ihre Manschetten -bespritzt, wie es dem Geschäftsmanne an seinem Schreibtische mit -Tinteflecken nicht besser geht -- sind nicht, was sie scheinen. In der -physischen Welt ist überhaupt alles gut, sehr gut! -- Und wie? dies -sollte uns nicht zu der Hoffnung Anleitung geben, daß es auch in der -moralischen Welt zu jener Stufe der Cultur kommen werde, wo man des -Bösen nicht bedarf, um Gutes daraus zu lernen? Fehden waren es, die -ihren Ursprung aus der Vermehrung der Menschen und aus der Verminderung -des Wildes (des einzigen und nächsten Nahrungsmittels für den rohen -Menschen) hatten; der Menschen wurden mehr, des Wildes ward weniger: -und so konnte es nicht fehlen, daß nicht Streitigkeiten und Befehdungen -entstanden, welche Familienkriege nach sich zogen. - -Zwei Familien, die der Übermacht zu weichen gezwungen waren, stießen -vielleicht durch einen Zufall auf eine dritte, der sie einzeln nicht -gewachsen gewesen wären, die ihnen aber jetzt ihr Jagdrevier überlassen -mußte; und dieser Umstand war es, der zwischen beiden, wenigstens so -lange die Gefahr dauerte, ein gesellschaftliches Band knüpfte, ohne daß -es unter ihnen zu einer Verabredung und Constitution kommen durfte. -Durch Irrthum und Thorheit gelangen die Menschen zur Wahrheit, und -durch Mühe und Streit zur Vereinigung und Gesellschaft. Ist mir doch -schon wieder der traurige Gedanke im Wege, daß das Böse so oft ein -Vorspiel, ein Präludium zu dem Textliede des Guten seyn muß! -- »Oft -oder allemal?« Oft, Freunde; denn es giebt Original-Gutes, Gutes aus -der Wurzel -- und dies könnte man _göttlich Gutes_ nennen! Gott ist -original-gut! -- - -Das Hirtenleben und der Ackerbau (das neue Testament, wozu die Menschen -nach dem alten Testamente des Jagdlebens sich aufklärten) gab nicht -minder zu Zwisten Gelegenheit, wozu die Tagdieberei des Hirten, und -das Vorurtheil, als ob er eben darum Gott lieber wäre und von ihm -mehr beglückt würde, mittelst des argen, bösen Neides nicht wenig -beigetragen haben mag: Neid ist Geitz, und dieser ist, wie jeder von -uns weiß, die Wurzel alles Übels. Der Hirt schonte die Anpflanzungen -des Ackermannes nicht, und ehe dieser pfänden konnte, war jener mit -seiner Heerde über alle Berge, und wußte sich listig der Berichtigung -des Pfandgeldes zu entziehen. Dies zwang den Ackerbauer, mehr auf -seine Vertheidigung bedacht zu seyn; und da er sich gedrungen sah, -mehr Hände anzuwerben, um den Acker zu bestellen (Hände, die zusammen -bleiben mußten, um die Zeit abzuwarten und die Witterung zu benutzen, -oder ihr zuvor zu kommen:) so bauete ein Haus das andere, wie ein Wort -das andere zu geben pflegt. Hierdurch waren die Ackerbauer mehr im -Stande, sich den Ausschweifungen des zahmen Hirten und des wilderen -Jägers zu widersetzen. Aus den Ackerbauern wurden Bauherren: (eine -Würde, die ihnen selbst von den überwundenen Horden der Jäger oder der -Hirten zugestanden ward;) und nur spät hat sich das Blatt gewendet, so -daß wiederum Fürsten und Herren jagen, und Sklaven den Acker bauen. --- So drehet sich Alles in der Welt, und die Menschen folgen so -großen Beispielen; Familien und Reiche, Aufklärung und Verfinsterung, -Gutes und Böses: Alles geht auf und unter. -- Zu der Zeit, als auf -den Trümmern von Familiengesellschaften bürgerliche Gesellschaften -errichtet wurden, war das Schicksal der Weiber schon, wie es schien, -unwiederbringlich entschieden. - -Die Waffen, welche die Männer bei jenen Umständen führen mußten, und -welche sie fast nie aus den Händen ließen, während die Weiber für das -Hausbedürfniß ihrer Männer und Kinder besorgt waren, gaben diesen ein -entscheidendes Übergewicht über jene, welche, weil sie mit Waffen -nicht umzugehen wußten, sich vor ihnen fürchteten. Sie erschraken -vor Gefahren, welche die Männer, mehr damit bekannt, verachteten. An -Körper und Seele war ihnen der Mann, wenn ich so sagen darf, unter -der Hand überlegen geworden; und da er sich im ausschließenden Besitze -der Schutz- und Trutzwaffen befand, so vertheidigte er nicht bloß -seine Person, sondern auch sein Eigenthum, wozu er seine Familie und -in derselben sein Weib rechnete, das er jetzt als durchaus von ihm -abhängig ansah. - -Während daß die Einsichten des Mannes durch seinen vergrößerten -Wirkungskreis sich vermehrten; während daß seine Geschäfte mit der -bürgerlichen Gesellschaft einen höheren Schwung nahmen, indem seine -Begriffe sich zu generalisiren anfingen: schrumpfte die Seele des -Weibes je mehr und mehr in die Gränzen des Haushalts ein. Dieser -bestand wegen Einfachheit der Bedürfnisse, dem Vater _Homer_ zufolge, -in dem Zeitalter der Heroën, selbst bei königlichen Familien, noch -bloß im Weben und andern dergleichen Handarbeiten. Nach und nach -verlor sich die weibliche Spannkraft gänzlich. Schade! -- Durch die -Umstände, daß alle Geschäfte des Staats den Weibern entzogen, und -diese, bei Entstehung der bürgerlichen Gesellschaften, schon zur -Besorgung des Haushalts verwiesen waren, wurden sie nicht Bürgerinnen -des Staats, sondern Schutzverwandte. -- Schon sehr zufrieden, daß -der Staat ihnen diese Gnade angedeihen ließ, begnügten sie sich -mit einigen Begünstigungen vor den Sklaven, die man ihnen bloß zu -_spendiren_ schien. Wunderbare Wege! Doch, ging man nicht von der -Poësie zur Prosa, von dem Tanze zum Gange, vom Singen zum Reden, -vom Roman zur Geschichte --? Es wirkte eine Reihe von Ursachen, -(wozu wahrscheinlich die, wiewohl größtentheils mißverstandene, -Natur die erste Veranlassung gab) daß nach und nach eine ganze -Hälfte des Menschengeschlechtes ihre ursprünglichen Menschenrechte -verlor und gegenwärtig einige Überbleibsel davon unter dem Titel von -Begünstigungen, wohl zu merken, nur so lange genießt, als es der andern -Hälfte gefällt, ihr dieselben zu lassen; -- und doch, ist das dritte -Wort dieser unterdrückenden Menschenhälfte: Recht und Gerechtigkeit, -Gesetzgebung und Gesetzhandhabung! -- Warum in Fällen dieser Art -ängstliche Geschichtsausspürung? Der Geist, der in uns ist, bleibt -immer die beste Quelle aller Geschichte; er gleicht im Wesentlichen -dem Geiste aller derer, die vor uns waren, und giebt dem, der sich -mit ihm einlassen kann, und jedem, der sich selbst verständlich zu -machen weiß, wichtige Fingerzeige von Nachrichten, die weit über den -Zeitpunkt schriftlicher Zeugnisse, und weit über die historische -Gewißheit hinausreichen. Jedes Kind bringt das Andenken an die Kindheit -der menschlichen Vernunft in Anregung, und die Hauptzüge derselben -drängen sich Jedem auf, der Augen zu sehen, Ohren zu hören, ein Herz -zu fühlen, und Vernunft zu ergänzen, zu vergleichen und zu verbinden -hat. Mit Meinungen der Vorzeit kann uns nicht gedient seyn; und die -Handvoll aufbehaltener Thatsachen sind so sehr mit jenen Meinungen in -Verbindung, daß man ohne Philosophie bei den historischen Quellen der -Vorzeit außerordentlich zu kurz schießt. Kann man ohne philosophischen -Kopf bei den historischen Quellen auslangen? In uns liegt das Vermögen, -aus jenen Bruchstücken der alten Welt, wo nicht ein Gebäude, so doch -eine Hütte zu zimmern, und ein Ebenbild unseres Geistes, eine Einheit -zu schaffen, die ohne Forscherblick weder in der Weltgeschichte, noch -auch in der Geschichte jedes einzelnen Menschen, gefunden werden kann. -Ohne diesen Geist der Wahrheit ist und bleibt jede Lebensbeschreibung -ein Roman, der Verfasser gehe so offen zu Werke als möglich, oder -verstecke sich unter die Bäume im Garten. -- Zu Geschichtforschern, -Auslegern des menschlichen Geistes, zu Seelengelehrten, zu Sehern, -gehört Studium seiner selbst; und nur in dieser Rücksicht ist _sich -selbst zu kennen_ eine große Lehre! Nur ein Geschichtschreiber, der -diese Salbung empfing, weiß die Reihe der Dinge zu übersehen, und -Ursache und Wirkung unter Einen Hut zu bringen. -- Es giebt historische -Ergänzungen, wo uns so wenig ein lästiges Ungefähr untergeschoben wird, -daß wir weder gerade noch seitwärts etwas gegen diese Ergänzungen -einwenden mögen, wenn wir auch könnten. -- - -Seht! nicht Überlegenheit des Körpers, nicht Übermacht des Geistes -gab dem Manne das Schwert in die Hand; die Lage der Sache begünstigte -diesen Schritt. Über seinen Unterhalt bestand der Mann den Kampf mit -seines Gleichen. Madam beschützte zwar anfänglich zu Hause ihre Kinder, -und genoß die Ehre, in dieser Festung zu commandiren, und während der -Feldzüge ihres Mannes Proviant und Montirungsstücke zu besorgen; indeß -ward sie auch hier sehr bald von ihrem erstgebornen Sohn entsetzt, der, -noch zu jung und zu ohnmächtig dem Heere seines Vaters zu folgen, sich -hier zum Commandanten aufwarf, bis er, mit Vorbeigehung seiner Mutter, -diesen Posten seinem zweiten Bruder anvertrauen konnte. - -Was für eine Veränderung diese Umstände während eines Zeitraums von -mehrern Jahrhunderten oder Jahrtausenden in dem Charakter, der Denkart -und selbst in den körperlichen Eigenschaften beider Geschlechter nach -und nach hervorgebracht haben, ist am Tage. Andere Verhältnisse und -Resultate als diese Machtvortheile, waren aus jenen Vorgängen ohne -Wunder nicht zu erwarten; doch nicht eines einzigen, sondern eines -Zusammenflusses von Wundern hätt' es bedurft, allen diesen zufälligen -äußeren Veranlassungen eine andere Folgenrichtung zu geben. -- Der -Anfang steht oft in unserm Vermögen, die Mitte selten, das Ende nie. --- Warum sollt' ich es bergen, daß wir Männer von Gottes Gnaden es -so gern bemänteln, wie wir zu dieser Überlegenheit gekommen sind? -Überhaupt sind Mäntel die männliche Originaltracht, in die wir uns so -bedächtig verhüllen, um nur so viel von uns zu zeigen, als höchstnöthig -ist; die Weibermäntel sind Copien von den unsrigen. -- Nähme man uns -den philosophischen Mantel; entkleidete man uns von der Reverende der -wohlehrwürdigen Hypothesen und von allen unwesentlichen, fremdartigen -Behelfen, hinter deren Wolken wir uns so unmännlich verbergen: wie -weit seltener würden wir bestehen in der Wahrheit! -- Um alles in -der Welt möchten wir die andere Hälfte des menschlichen Geschlechtes -überreden, nicht _wir_, sondern die _Natur_ habe sie zurückgesetzt -und uns unterworfen; und doch sind _wir_ es, die seine Bedürfnisse -erregen, und Meinungen herrschend machen, wodurch wir, so wie durch -jene Bedürfnisse, den Meister über die schöne Welt spielen. Jene Clubs -und geheimen Gesellschaften, die, ohne daß sie den Degen ziehen, -Macht, Gewalt und Herrschaft erschleichen, sind Copien des Ganges, -den die Männer einschlugen -- Und die Bibel? Bis jetzt haben noch -alle philosophische Sekten, die gedrückte, die streitende und die -triumphirende, und jede neue Staatsreform, bis auf die _Französische -Constitution_, sich in der Bibel getroffen gefunden. - -Es ist das künstlichste Spinnengewebe von Gründen, wodurch wir das -weibliche Geschlecht zu einer ewigen Vormundschaft verurtheilen; und -selbst bei den feierlichsten Ehegelübden, die man sich am Myrtenfeste -vor Gott und den (freilich durch ein Lucullus-Mahl bestochenen) -Hochzeitszeugen ablegt, verlangt das kirchliche Formular, daß, wenn -gleich beide Theile gegenseitig sich zu ehren verheißen, doch die -geehrte Männin dem Manne gehorchen und ihm als ihrem Herrn huldigen -soll. Ist es zu verwundern, wenn die heiligste aller Zusagen, die -Ehetreue, so schnöde gebrochen wird, da diesen Principalpunkt so -viele Nebenverheißungen schwächen? Wie ist die Preisfrage eines -feinen Kopfes: warum in verschiedenen Staaten, wo Eide das tägliche -Brot in Gerichten sind, das Ehegelübde (der wichtigste Contrakt, den -Menschen mit einander schließen können) ohne Eid vollzogen wird, zu -lösen? Etwa durch die Bemerkung, daß der Gegenstand so groß wie das -Verbrechen des Vatermordes sei, welches in weisen Gesetzbüchern weiser -Völker ohne Strafe blieb? Etwa, weil keine Formel stark genug ist, das -Ehegelübde zu besiegeln? und weil, um das Größte zu sagen, man zur -Natur der Sache, zum einfachen _Ja Ja, Nein Nein_ zurückkommen muß? -Wichtige Gründe! doch schwerlich werden sie bei der Unterlassung des -Eheeides entscheiden; denn müßte sonst nicht unsere Eidmethode längst -verbessert seyn? Oder wie? schwört man bei der Ehevollziehung etwa -darum nicht, weil die Gelübde nicht gehalten werden, nicht zu halten -sind? nur da gehalten werden dürfen, wo die Natur in speciellen Fällen -mitwirkt? Ei, Lieber! wer hält seinen Amtseid? und wird dieser Eid -erlassen? Der größten Versuchungen zu falschen Aussagen ungeachtet, -findet der Richter, oder -- was mehr sagen will -- der Gesetzgeber -keine Bedenklichkeit, Eiden auszuweichen; und geht denn wirklich das -Versprechen der ehelichen Treue, auf welchem die Würde, Sicherheit -und Wohlfahrt des Staates, das Glück des häuslichen Standes, (des -angenehmsten und tröstlichsten im menschlichen Leben) und aller Fleiß, -alle Betriebsamkeit beruhen, über das Vermögen der Menschen? Hast du -nicht liebe getreue Ehegenossen gekannt? Ein menschliches Schauspiel, -das Engel zu sehen gelüsten könnte! Unglücklicher! was ist dir die -Menschheit werth, wenn sie so tief gesunken wäre! Ich suche den Grund -dieser, von unseren eidereichen Vorfahren auf uns gleich eidgierige -Nachkommen gebrachten, denkwürdigen Gewohnheit in der Befürchtung, -daß man Eide einer baaren Lächerlichkeit aussetzen würde, wenn man -sie durch den unnatürlichen, vom andern Geschlechte zu übernehmenden -Umstand, sich der unerkannten Gewalt des Mannes unterwerfen zu wollen, -entheiliget hätte. Diese _Homagial-Umstände_ entfernten den Eid bei -der Ehe _in vielen protestantischen Staaten_; und die auserwählten -Rüstzeuge von Reformatoren hatten nicht unrecht, den Eid aus der -Trauungsformel zu verabschieden, oder ihm einen Laufpaß zu behändigen. -Soll aber die durch die Natur und Erfahrung laut widerlegte männliche -Macht und Gewalt über das andere Geschlecht sich durch leidige -Künstelei erhalten? Werden wir, wenn Natur und Wahrheit ihre Rechte -zurückfordern, die keiner Verjährung unterliegen, noch immer gewinnen -und den Sieg behaupten? Durch Wiederfragen antworten, heißt, wo nicht -gar spotten, so doch: die Frage keiner eigentlichen Antwort werth -achten. Wer kann sich aber, wenn er auch wollte, dieser Zwittergattung -von Erwiederung enthalten? wer der Fragantwort ausweichen: ob die -Natur je so tief in Ohnmacht und Schwächlichkeit versinken könne, -daß sie sich ungestraft berauben lasse, ohne das Raub_schloß_ oder -Raub_nest_ zu zerstören? Längst sind Männer nur Titularherren, Besitzer -_in partibus infidelium_. -- Und wie! Deutsche, deren Vorfahren ihre -Weiber achteten, da der Rath derselben ihnen wichtig, ihre Aussprüche -ihnen heilig waren, wenn sie die Zukunft aufklärten, vielleicht -weise genug, sie nach ihrem Willen zu _lenken_ -- (eine ehrwürdige -prophetische Kunst!) Deutsche, die, wenn es gleich von ihnen heißt, -_daß sie viel für Geld thun_, ihre Weiher nicht wie die Römer (als -wären sie Hausrath) einkauften; Deutsche -- sollten ihrer Vorfahren so -unwerth seyn! Was ist anständiger: mit dem andern Geschlechte gleichen -Schritt zu halten, oder uns von ihm, ohne daß wir es wissen, leiten -und führen zu lassen? Nur die _Zeichen_ der Regierung sind uns werth, -die _Regierung_ verkaufen wir für ein schnödes Linsengericht; und -eine kluge Frau läßt sich von dem Manne zur Regierungs-Repräsentantin -erkiesen, dem hier kein Hochverrath ahndet, und der (weil doch -Hochmuth dem Falle vorausgeht) seine Frau selbst zum Throne führt, -und sich hinreichend begnügt, daß Alles unter seinem Namen expedirt -wird, Alles unter: _Wir von Gottes Gnaden_. -- Wenn nun aber ein so -betrogener Mann, der seine Frau zur List erniedrigt, der seine Kinder -zu ähnlicher Denkart herabwürdigt, und öffentlich mit sich spielen -läßt, bei dem allen nicht unglücklich ist; wenn er einen menschlichen -Richter in Hausangelegenheiten, einen treuen Rathgeber in Fällen, wo -er unentschlossen schwankt, in seiner Frau findet: -- was würde sie -ihm seyn, wenn sie von Rechtswegen gleich und gleich mit ihm wäre! Wie -unendlich leichter würde der Stand des häuslichen und Staatslebens -werden, wenn wir eine so herrliche Bundesgenossenschaft anerkennen und -schätzen lernten! -- _Eigensinn_, _Trägheit_ und _Stolz_ fesseln uns an -alte Meinungen und Gebräuche: drei Götzen, die man auch _Augenlust_, -_Fleischeslust_ und _hoffärtiges Leben_ zu nennen pflegt! -- Laßt uns -diesen Götzendienst mit einer vernünftigen Verehrung der Natur und -ihrer Gesetze vertauschen! Schon lange sind die Weiber durch Leiden -geprüft und bewährt, um der Herrlichkeit werth zu werden, welche die -Natur an ihnen so gern offenbaren möchte. Das Ende vom Liede dieses -Abschnittes. - -In der That scheint eine höhere Vernunft es mit Vorbedacht und Vorsicht -darauf angelegt zu haben, daß der Anfang des menschlichen Geschlechtes -in einem tiefen heiligen Dunkel bleiben sollte. Chaos war eher als die -Welt, Finsterniß eher als Licht, Nacht eher als Tag; und wohl uns, wenn -die menschlichen Handlungen, eben so wie alle Naturbegebenheiten, nach -allgemeinen Naturgesetzen bestimmt, und von einem inneren Lichte, das -der große Haufe nicht selten kann, und das nur Sonntagskindern selbst -in der dicksten Finsterniß leuchtet, gelenket werden! - -Heil uns, wenn bei den unablässigen Bemühungen der Menschen, alles -unregelmäßig zu machen, jene göttliche Regelmäßigkeit ihren festen -Schritt hält, und die Weisheit ihre ursprünglichen hohen Anlagen bei -der späten Entwickelung rechtfertiget! Heil uns, wenn wir Alle, und -auch selbst die unter uns, welche am wenigsten daran denken, Mitglieder -der göttlichen unsichtbaren Kirche sind! wenn der, welcher bloß für -sich denkt und oft sogar des Andern Teufel ist, doch, ohne daß er es -weiß, die göttliche Absicht befördert, die Welt ihrem moralischen Ziel -immer näher bringt und selbst Teufeleien zum Besten kehret! O, der -herrlichen Veredlung der moralischen Metalle! - -Wer kann bei dieser Idee gleichgültig seyn! wer wünscht nicht, sich -jenen jüngsten Tag der Menschheit lebhaft vorzustellen und den Gang -des menschlichen Geschlechtes von Anbeginn bis auf unsere letzte -_betrübte_, und die in der Hoffnung erwartete _letzte fröhliche_ -Zeit in einer Karte zu übersehen! -- Wie oft würde auf diesem -Menschheitsgemählde die Weisheit des Einzeln als Thorheit, und die -Thorheit im Großen als Beitrag zur Weisheit erscheinen! Nur daß -kein Mensch hieraus Gelegenheit nehme, in seinem verkehrten Sinne -zu thun was nicht taugt, vielmehr nach bestem Wissen und Gewissen -seine Tage so anlege, daß die Stimme seiner theoretischen und -praktischen Vernunft, seiner Einsicht und seines Gewissens, nicht -unbefolgt bleibe! Zwar kommt es hier immer noch bloß auf den Glauben -an die Menschheit an, der durch so manche unerhörte, unerklärliche -Begebenheiten nicht nur in Hinsicht einzelner Menschen, sondern auch -ganzer Nationen schwankend gemacht wird; wer wollt' indeß auch bei -einem Senfkorn dieses Glaubens verzweifeln! Vater der Menschen, stärk' -uns diesen Glauben! Wie planlos da alles durch einander läuft! wie viel -Zerstörungssucht, Hader, Neid, Zank, Zwietracht! Alles verschworen, die -Wünsche des Menschenfreundes zu vereiteln und der göttlichen Bestimmung -entgegen zu arbeiten! Doch jene goldreine Zeit wird kommen, wo die -Menschheit mehr von Schlacken geläutert seyn wird! nur daß nicht, was -bei menschlichen Handlungen glänzt, uns sogleich etwas Göttliches -scheine! Nicht Alles was glänzt, ist Gold. Nur daß wir uns durch -nichts, selbst nicht durch den herrlichsten kosmopolitischen Zweck, -zum Handeln bestechen lassen, vielmehr auf nichts weiter denken, als -unsere Pflicht mit strenger innigster Redlichkeit zu bewirken und sie -_menschmöglichst_ (ein theures werthes Wort!) zu erfüllen! Nur daß -wir bei unseren heiligen Verbindlichkeiten nicht an den Morgen der -Folgen denken, sondern lauter und rein thun, was wir schuldig sind, -und Alles übrige DEM überlassen, der allein weise ist! Wer sich das -Ansehen giebt, der göttlichen Regierung nachhelfen zu wollen, ist ein -Gottesläugner in einem besondern Sinne -- -- Sollte indeß die Natur dem -verzagenden Beobachter nicht wenigstens, wie _Ariadne_, einen Leitfaden -zugeworfen haben, um sich aus diesen Labyrinthen herauszuhelfen? um, -da er in Allem eine göttliche Endabsicht voraussetzen kann, dieselbe, -trotz allen Kreuz- und Querzügen von eigenen Absichten der Menschen, -auch bewundern und sich an ihr und an der allmählichen Erreichung -derselben erfreuen zu können? Nichts würde diese Gesinnungen und diese -Hoffnungen stärker befestigen, als wenn wir, von den Urzeiten ab, -in allen den Krümmungen, die das menschliche Geschlecht einschlug, -eine geheimnißvolle Entwickelung dieser Anlagen zu bemerken und den -Finger einer Vorsehung zu finden im Stande wären. So bald Geschichte, -Erfahrung und Nachdenken etwas von diesem ihrem Gange enträthseln -können; so ist hierzu ein Plan gezeichnet, und wir sind in diesen -vierzig Jahr-Wochen des Wüstenumweges nach Kanaan nicht ganz und gar -verlassen und versäumet. Doch noch hat diese herkulische Arbeit keinen -Anfänger, viel weniger einen Vollender; und da die Einbildungskraft -in dieser Hinsicht kein leidiger Tröster ist, so läßt sie uns in, mit -und unter ihrer Beihülfe, wenn gleich nicht lebendige Überzeugung, so -doch beruhigende Hoffnung erlangen. Ist der Mensch ein Miniaturstück -von Welt, ein Mikrokosmus; so mag die Geschichte des einzeln Menschen -immerhin einen Schattenriß von der Geschichte der Menschheit abwerfen, -und den Anfang derselben, so wie ihren Fortgang, in Hieroglyphen -dem Auge des Sehers, wenn gleich nicht völlig, so doch kennbar, -darstellen. Jeder Mensch feiert durch sein Leben das Leben des -menschlichen Geschlechtes, und wird, wo nicht die Quintessenz, so doch -ein kurzer Auszug von der Geschichte der moralischen Welt. Wenn man -ohne sonderliche Vorurtheile (denn ist es möglich, sich über diese -Egyptischen Plagen völlig wegzusetzen?) einen Plan entwerfen könnte, -wie die Menschenwelt gehen müßte, wenn sie anders den letzten Zwecken -der Vorsehung gemäß wandeln wollte; so hätte man freilich von der -moralischen Welt eine treue Probe, die mit den Bruchstücken, welche wir -davon geschichtlich besitzen, stimmen und die Data da ergänzen würde, -wo in der wirklichen Welt Alles wüst und leer scheinet. Jetzt aber -werden wir, hier und da viel oder wenig abgerechnet, wenigstens ein -Ungefähr von dem herauszubringen im Stande seyn, was herauszubringen -war; und sollten wir nicht Alles mit einer reinen Idee dieses Ganges -übereinstimmend finden, so wird doch ein großer oder kleiner Theil -stimmig seyn. Die erste Periode unseres Lebens ist so dunkel wie die -Genesis der Welt, von der wir, da sie unter dem Herzen ihrer Mutter -lag, nichts wissen. Ist unsere Kindheit (wo wir keinen Willen haben, -sondern nach Instinkten und nach Leitung der Eltern, die uns entwarfen, -leben, weben und sind) nicht jener Weltperiode ähnlich, die wir den -_Stand der Unschuld_ nennen? und sie mag um so mehr so heißen, da uns -in derselben nichts zugerechnet werden kann. Der Mensch fühlt sich; das -heißt: er emancipirt sich, giebt oft noch vor der Zeit sich _veniam -aetatis_, glaubt in seiner Vernunft einen Gott zu haben; und seht! -mitten in dieser Selbstvergötterung sinkt er, und oft so tief unter den -Menschen herab, daß er kaum zu kennen ist -- Leidenschaften stürzen ihn --- Fall auf Fall! -- Anfänglich sind diese Leidenschaften ungebetene -Gäste, die man gemeiniglich lieber gehen als kommen sieht; doch über -ein Kleines werden sie Vernunftgenossen, Herzensfreunde, Busen- und -Schooßlieblinge, deren Umgang, wenn das Gewissen dagegen einwendet, -der Mensch bis auf's Blut so vertheidigt und rechtfertiget, daß das -sich selbst gelassene Gewissen sich anfänglich hintergehen, bald -hernach sich anstecken läßt, und endlich selbst leidenschaftlich wird. --- Spät nur, und wenn der Tag seines Lebens kühl geworden, kommt der -Mensch durch die Stimme seines Gewissens, das sich wieder erholt hat, -zum Nachdenken. »Adam, wo bist du? wohin ist es mit dir gekommen?« Das -Fieber des Selbstbetruges legt sich; die Vernunft hat Zwischenstunden, -kommt allmählich zu Kräften, und entwirft sich Gesetze, die der Mensch -wenigstens im Durchschnitt erfüllt -- Ganz wird er nie aufhören -Mensch zu seyn -- wie sollt' er auch eine ihm wildfremde Rolle völlig -ausführen können? Bei den Fehlern des Alters erinnert er sich der -Sünden der Jugend, sinkt, fällt, steht auf, und sieht am Ende ein, daß -der Mensch nie zur Vollständigkeit gelangen kann; doch jaget er ihr -nach, und versucht, ob er jenes Ziel erreichen werde, die Krone des -Lebens. -- - -Das Weib -- ist wie der Mann; es giebt hier keinen Unterschied: sie -sind allzumal Menschen, und mangeln des Ruhmes, den sie haben sollten --- -- Das Verhältniß der Geschlechter gegen einander? Allerdings der -Hauptpunkt, worauf es bei dieser ganzen Abschweifung ankam! Der gerade -Gang aller kleinen und großen Gesellschaften -- den ich aber aus mehr -als Einer Ursache auch selbst nach den ersten Strichen nicht darstellen -mag. _Adam_ und _Eva_ leben anfänglich im Stande der Unschuld; dann -wird _Adam Eva's_ Untergebener, gehorsam bis zur Ausschweifung; bald -darauf verwandelt er sich in ihren Gebieter, welches er lange bleibt, -bis sie endlich beiderseits in Frieden, Einigkeit und Gleichheit mit -einander leben, und zu jenem Stande der Unschuld, wiewohl mit weit -mehr Einsicht und weit mehr Glückseligkeit, zurückkehren. Genug -- -auch dieser Handzeichnung vom Verhältnisse der Geschlechter will ich -weder Farben geben, noch sie vollenden -- Ein jeder wird an diesen -Strichen sich selbst kennen, und _durch_ diese Selbstkenntniß den -Gang der Menschenwelt und der beiden Geschlechter -- Möchte doch auch -in Hinsicht des Geschlechterverhältnisses Eine Heerde und Ein Hirt -werden! -- Doch, dieser Wunsch ist im dritten Kapitel zu früh; wer -wird sich selbst in den Kauf fallen --? wer sich vor dem fünften Akt -verheirathen? -- - - - - -IV. - -NÄHERE ANGABEN, WOHER DIE ÜBERLEGENHEIT DES MANNES ÜBER DIE FRAU -ENTSTANDEN IST. - -BETREFFEN NEUERE ZEIT. - - -Das Schwert gab dem männlichen Geschlechte Machtvortheile über das -weibliche; aber dem natürlichen Maße von Leibes- und Seelenkräften -konnte es eben so wenig eine Handbreit zusetzen, als der Nichtbesitz -der Waffen dem weiblichen Geschlecht eine Handbreit zu nehmen im Stande -war, wenn gleich nicht geleugnet werden kann, daß dieser Nichtbesitz -Furchtsamkeit, Mißtrauen in Kräfte, welche die Weiber nicht kannten, -zur Folge hatte. Als die Griechen und Römer in ihren Kriegen mit den -Indiern der Elephanten ansichtig wurden, erschraken sie über diese -Kolossen, und der Muth entfiel ihnen; doch, er nahm wieder zu, als sie -diesen Kriegespopanz mehr kennen und verachten gelernt hatten. Sie -überzeugten sich, wie wenig diese unbehülflichen Massen der Gewandtheit -eines geübten Kriegsheeres die Wage halten könnten; und ob sie gleich -hierdurch keinen wesentlichen Zuwachs an Kräften erhielten, so ward -doch durch diese Erfahrung das Zutrauen auf ihre Kräfte vergrößert. Es -hatte mit diesem Zutrauen eben die Bewandniß, wie mit dem Credit der -Kaufleute, wodurch sie reicher als durch Schätze sind. In der That, -wir haben an körperlichen Kräften und an den Resultaten derselben, -Muth und Tapferkeit, gegen unsere Väter so wenig gewonnen, daß wir -es wohl weislich bleiben lassen müssen, in ihren Rüstungen und mit -ihren Waffen zu fechten; würden sie aber, mit aller jener körperlichen -Überlegenheit, mit allem jenem Muth und jener Tapferkeit, nicht gegen -die erste beste unserer Armeen das Feld räumen müssen? Wir haben -uns durch Glück und Kunst solcher Kräfte bemächtigt, gegen die sie -nicht zu stehen vermögen. Verstärken aber alle diese Dinge unsere -Leibeskräfte und unsere Geistesvorzüge? sind wir dadurch wesentlich -mächtiger und tapferer geworden, als unsere Vorfahren? Haben wir auf -diesem Wege ein Recht erlangt, sie unter uns zu erniedrigen, sie zu -entwürdigen und zurückzusetzen? -- Gerade so, und nicht anders, verhält -es sich mit unsern Anmaßungen gegen das weibliche Geschlecht. Dadurch, -daß die Gesellschaften nach und nach dauerhafter und fester wurden; -dadurch, daß sie gewisse Formen erhielten, vermittelst deren, sie -äußerlich sich immer ähnlicher wurden; dadurch, daß man in diese Formen -allmählich mehr Verhältniß zur Masse brachte; kurz, dadurch, daß die -bürgerlichen Gesellschaften ihre gegenwärtige Gestalt erhielten, ward -den Weiberrechten nicht im mindesten gefrommt. Diese ursprünglichen -Rechte waren einmal verloren gegangen, und es blieb dabei, daß man -Weiber mit zum Hausgeräthe des Oberhauptes der Familie rechnete, womit -mancher nothdürftig, mancher überflüssig versehen war; sie hatten -nur noch Werth für ihn, in so fern sie dazu dienten, durch klugen -Austausch seine Habe zu erweitern und sein Inventarium zu vergrößern. -Die Menschen wurden Bürger; allein sie fingen ihre Bürgerschaft nicht -damit an, diesen ihren bürgerlichen Verfassungen Ordnung, Dauer und -Regelmäßigkeit beizulegen. Noch jetzt lernt, man in der Gesellschaft -gesellig seyn, und nichts läßt sich so wenig theoretisch begreifen, als -diese Kunst. Die ersten Gesellschaften dehnten sich bloß durch Gewalt -der Waffen über andere aus, und gaben sich Mühe, ihre freien Nachbarn -nicht zu ihren Mitbürgern und Freunden, sondern zu ihren Sklaven zu -machen. So entsprang, erweiterte und bildete sich der Römische Staat; -und daß dies der Uranfang aller großen bürgerlichen Gesellschaften -war, bezeuget die Geschichte vom finstern Anfange bis zum angeblich -lichten Ende. Immer hatte man Waffen in den Händen, man mochte seinen -Freunden und seinen Feinden Gesetze vorschreiben, man mochte über -Anordnungen zum Besten des Staates rathschlagen, oder über Bürgerrechte -entscheiden. So waren und blieben die Männer in Rücksicht ihrer Weiber -in Machtvortheilen, und ließen ihnen Gnade für Recht widerfahren, -wenn sie ihnen einige Brosamen von ihrem Überflusse zuwarfen; das -heißt: wenn sie ihnen einige Vortheile vor den Sklaven zugestanden. -Indeß fanden es die Griechen, und vorzüglich die Römer, billiger oder -(besser) politischer, das weibliche Geschlecht in die Staats- und -Gesetzordnung mit einzuschließen. -- Wie es der Orient mit den Weibern -gehalten hat, ist außer dem, was der Jüdische Gesetzgeber in Rücksicht -ihrer anordnet, nicht bis auf unsere Zeiten gekommen; doch scheint -ihr ehemaliger Zustand in diesem Vaterlande des Despotismus und der -Vielweiberei vor dem jetzigen sich nicht ausgezeichnet zu haben, da -_Asien_ und _Afrika_, seitdem die Griechen und Römer daselbst bekannt -wurden, in der Cultur eher zurück- als vorgeschritten sind. -- Der -Mensch ist zur Freiheit geboren; sie ist die Sonne, deren Einfluß -Alles hervorbringt. -- Da, wo Freiheit unterdrückt wird, kann nichts, -was menschlich ist und heißt, zu Kräften kommen. -- Dort ist noch -die Ehe, dieser wichtigste und heiligste Vertrag im Staate, nichts -mehr und nichts weniger, als ein Kauf- und Tauschhandel; Weiber sind -eine Waare des Luxus, weil der _Zenana_ (Harem) einen wesentlichen -Theil eines Indischen Pallastes ausmacht, und die Stelle derjenigen -Örter vertritt, wo der Europäer seine Prachtliebe zur Schau trägt. -Anstatt Meisterstücke der Mahlerei und Bildhauerkunst aufzustellen, -anstatt die Natur durch die Kunst zu verschleiern, stellt man sie -nackt und bloß dar; und anstatt in einen Tempel des Geschmackes zu -führen, führt man in ein B--. Die Weiber sind dem Indier Gegenstand und -Werkzeug des Vergnügens und Zeitvertreibes; und seht da den höchsten -Gipfel des weiblichen Werthes! Liebe kennt er nicht; denn diese kann -in Hinsicht des Geschlechtes sich durchaus nicht so theilen. -- -Thierisches Bedürfniß ist das Heiligthum seines Altars der Liebe, und -verschwenderische Üppigkeit das Ziel seiner häuslichen Glückseligkeit. --- O des in Armuth reichen Menschenthiers! - -Was indeß Griechen und Römer dem weiblichen Geschlechte durch ihre -Gesetzgebung an bürgerlichen Rechten zugestanden, war nur ein sehr -dürftiger Theil desjenigen, was ihnen von Naturwegen eignete und -gebührte, und was ihnen sonach weder durch Feuer noch durch Schwert, -weder durch gute noch durch böse Gerichte genommen werden konnte. -Wahrlich ein Raub von besonderer Art, wobei man nicht nur den -Leib, sondern auch die Seele entwendet, und den sich besonders die -weltberühmten rechtlichen Römer zu Schulden kommen ließen! Kann man -überhaupt zu einem Rechte Zutrauen fassen, das sich nicht grämte, -nicht schämte zu behaupten: die Sklaven wären für nichts zu halten, -(_servi pro nullis habentur L. 32 D. de Reg. Jur._) und welches den -an sich so schädlichen als drolligen Einfall geltend machte, es gäbe -Menschen, die nur den Werth von Sachen hätten? Durch diese gerichtliche -Taxe verlor die ganze Menschheit; und so lange man den Sklaven Bild -und Überschrift von Menschen nicht zu nehmen vermag -- wer wird -mehr entehrt, sie oder ihre Herren? Was nun besonders die unerhörte -Unerkenntlichkeit der Römer betrifft, die durch das andere Geschlecht -zu Menschen gemacht, die durch die Sabinischen Jungfrauen erzogen -waren -- und die ohne Zweifel jene Spuren der Menschlichkeit, die sie -von ihren Gouvernantinnen lernten, in alles Römische brachten, um ihm -den bitteren Geschmack der Rohheit zu benehmen -- wer kann dieser -_Römischen Unerkenntlichkeit_ sich ohne Mißmuth zurück erinnern? Welch -eine demüthigende Ehre, die man den Weibern erwies, sie auf immer unter -Vormundschaft zu setzen, ihren bürgerlichen Handlungen die bürgerlichen -Folgen zu entziehen, und sie durch eine feierliche Sanktion zu Schatten -der Männer im Staate zu machen! Alle Gesetze in Hinsicht des andern -Geschlechtes scheinen in Donner und Blitz gegeben zu seyn; wenn sie -gleich sich das gesetzliche Ansehen (das pedantischste von allen) -geben, den Evangelienton anzunehmen, sieht man, so bald man ihnen näher -tritt, doch so viel Donner -- und Blitz -- Gesetzlichkeit in ihrem -Evangelio, daß man sich sogleich überzeugt, kein Frauenzimmer habe hier -mit votirt. -- - -Die höchste Beleidigung ist, zu erklären, daß man durch Jemanden nicht -beleidigt werden _könne_; und durch das Privilegium, nicht Unrecht thun -zu _können_, hat man die damit Privilegirten in keine vorteilhaftere -Sicherheit gestellt, als die Blödsinnigen. Weibliche Personen vom -tiefsten Sittenverderbniß wollen geschmeichelt seyn, daß sie äußerlich -die Tugend ehren, die ihr Geschlecht am meisten ziert; und wie? die -Gesetze selbst berauben das ganze Geschlecht alles Nervs, alles Muthes -die Freiheit zu lieben, aller Vernunft den Despotismus nicht zu -fürchten? wie? man erniedrigt ein ganzes Geschlecht zur Sklavenklasse, -aus dessen Mitte man mehrere, und bei weitem nicht die vorzüglichsten, -anbetet und als Göttinnen in den Himmel versetzt? - -Ist es zu leugnen, daß die Römische Gesetzgebung, und die Adoption -derselben in Deutschland, dem weiblichen Geschlechte jene _odiösen_ -Privilegia im höchsten Grade zuwandte und ihm den schlechtesten Dienst -erwies, den man ihm je erweisen konnte? Beide Regeln, welche von -der gesetzlichen Annahme an Kindes- oder Enkelstatt unzertrennlich -waren, (nehmlich daß die Adoption die Natur nachahme, und daß sie -bloß zum Nothhelfer für die erfunden sei, die weder leibliche Kinder, -noch Hoffnung und Aussicht dazu hatten) fand zwar bei dieser Adoption -des Römischen Rechtes nicht Statt. Da indeß von _Rom_ aus, und durch -die Römer, sich Künste, Wissenschaften und Sitten in Norden und -Westen verbreiteten, so wie unsere ganze hochlöbliche Cultur noch -gegenwärtig Römisches Vaterland verräth; so trägt besonders unsere -Staats- und bürgerliche Verfassung, und vor andern unser bürgerliches -Recht, noch Namen und Gepräge der Römer an Stirn und Brust, seitdem -der _Justinianische Gesetz- und Rechts-Codex_ zu _Amalfi_ wieder -aufgefunden ward. Auch das _von Carmersche Neue Testament_ beziehet -sich auf jenes Römische Sinai des Alten, und ist weniger Schöpfung -als bessere Einrichtung -- Nur noch wenige Züge, eh' ich dieses Feld -verlasse -- Jene Rechts-Peinlichkeit in Rücksicht der Hermaphroditen -würde bloß lächerlich seyn, wenn der Geschlechtsstand des männlichen -vom weiblichen Geschlechte nicht so außerordentlich verschieden wäre --- Das Gefühl, Manns- und Weibspersonen würden einerlei Rechte zu -genießen haben, wenn es auf die Entscheidung der Natur ankäme, brachte -die Gesetzgeber, und noch mehr ihre Jünger und Prophetenknaben, in eine -nicht geringe Verlegenheit; und da Ausnahmen nicht vermuthet, sondern -bewiesen werden müssen, so deutete man (o, der Gerechtigkeitsliebe!) -_ein Gesetz, wobei die Weibspersonen nicht ausgenommen waren_, auf -_beide Geschlechter_, und die Weiber hatten die Ehre, die Worte: (_si -quis_) _wenn Jemand_, auch sich zuzueignen und -- welch ein Vorzug! --- auch _ein Jemand_ zu seyn. Ein großes Glück, daß man sie nicht -zum _Niemand_ verstieß. Es ist unerklärbar, wie man auch nur auf den -Gedanken hat fallen können, daß nicht etwa bloß dem männlichen, sondern -auch dem weiblichen Geschlechte, nach Römischen Grundsätzen, Vortheile -zugetheilt wären! Ich finde deren keinen von letzterer Art; vielmehr -scheinen mir die so genannten Weiber-Vortheile geheime Wunden und -Meuchelstiche zu seyn, die noch mehr schaden, als wenn das Gesetz sich -öffentlich wider die Weiber erklärt hätte. Was bedürfen wir weiteres -Zeugnisses, als daß die Frauenspersonen auf kein öffentliches Amt -Anspruch haben; daß sie (Mutter und Großmutter ausgenommen) nicht -Vormünderinnen werden können; daß sie in Fällen, wo die Gesetze, der -Feierlichkeit des Geschäftes halben, mehr als zwei Zeugen verlangen, -nicht als Zeuginnen zuzulassen, mithin nicht als Zeugen bei Testamenten -brauchbar sind, und daß noch Zank und Streit unter den Gelehrten -obwaltet, ob und in wie weit ihnen diese Zeugenehre bei Codicillen zu -bewilligen sei; daß sie an den Rechten der Römischen väterlichen Gewalt -(sie war, so wie überhaupt, so besonders in Hinsicht des Vermögens -der Kinder vorzüglich) keinen Antheil haben; daß man sie zur wahren -Adoption unfähig erklärt, weil hier die väterliche Gewalt sich in ihrer -rechtlichen Würde zeigt! -- Wahrlich, nach diesen Beraubungen wird man -auf die angeblichen Vortheile neugierig seyn, wodurch die Römischen -Gesetze das andere Geschlecht zu entschädigen die Güte gehabt; -und sehet da! die Unwissenheit der Rechte kann den Weibern nicht -zugerechnet werden, wenn sie sich dieses elenden Einwandes in Fällen -bedienen, um sich durch einen Blitzableiter wegen des Schadens und -der Strafe zu sichern. Sie können nicht aus einer Bürgschaft belangt -werden -- und kurz und gut, sie haben das Recht, alte Kinder zu bleiben -bis an ihr seliges Ende. -- Der Claudianische Rathsschluß war so -gnädig festzusetzen, daß, wenn eine freie Frauensperson einen Sklaven -_actualiter_ für einen Menschen anerkannte und sich mit ihm zu weit -einließ, sie dem Herrn desselben, falls er ihr in der heiligen Zahl -Drei diesen Umgang untersagt hatte, als Sklavin zugesprochen werden -mußte, so bald dieser Herr darauf antrug. So fiel sie, und -- wohl -zu merken -- auch ihr ganzes Vermögen, diesem so wohlmeinenden Herrn -anheim, der die große Mühe gehabt hatte, sie dreimal zu warnen! -- -_Justinian_ hob diese Härte, als seiner Zeiten unwürdig, auf; und noch -schüttelt man den Kopf, unentschlossen, ob dies ein Lob- und Dankopfer, -oder ein Vorwurf in Hinsicht seiner goldenen Rechtszeit sei. - -Bei diesen und andern Umständen hat man nicht etwa bloß dem Geiste der -Römischen Gesetzgebung, sondern auch ihren Cruditäten das Bürgerrecht -verstattet, und zu ihrer Aufnahme die Thore weit und die Thüren hoch -gemacht; während die Franken, Sachsen und andere Bewohner Deutschlands, -nach ihrer Weise und nach Deutscher Art und Kunst, in der Cultur -fortschritten. Die Handlungsweise und die Sitten erhielten zwar eine -andere, aber doch keine Römische Gestalt; vielmehr machte die Eigenheit -des Volks-Charakters einen sehr wesentlichen Unterschied bemerkbar: -indeß wurden Deutsche Handlungen doch mit Römischen Schneiderscheeren -verschnitten -- Aus einem Paradiese und kühnen Naturgarten wurde -kleinliche Holländische Künstelei. -- _Demosthenes_ hält es beinahe -für ein Gesetz des Schicksals, daß immer die besten Menschen die -ungezogensten Kinder hätten; und in Rom und Griechenland war es zum -Sprichwort geworden, daß die Söhne der Helden selten ihren Vätern -ähnlich wären. Ganz anders mit den Staatsgesetzen, deren Erziehung -fast nie fehl schlägt -- Wenn Mitglieder des Staates von ihren -Rechten und Pflichten richtige Begriffe haben und gern denselben -gemäß handeln, so sind sie sicher aufgeklärter, als wenn sie der -Wissenschaften Menge besitzen, die zur bürgerlichen Glückseligkeit -nichts Wesentliches beitragen, die den Schein haben und die Kraft -verleugnen. Wie betrübt war das Schicksal der Deutschen bei Römischen -Gesetzen! Diese Gesetze wurden dem National-Charakter der Deutschen -und ihren väterlichen Sitten auf keine Weise anpassend gemacht. -Man fiel nicht darauf, Gesetze und Sitten so viel als möglich in -Übereinstimmung zu bringen, nicht, wo weder Sitten noch Gesetze eine -Umformung annehmen wollten, diese zu verwerfen, und für jene eine Regel -zu erfinden: man nahm es sich vielmehr mit patriotischer Freiheit -heraus, das Römische Gesetzbuch, wie die _Säulen des Herkules_, als -Gränze anzusehen, über welche hinaus sich kein Ruhepunkt für den -menschlichen Verstand denken ließe; man ahndete nicht einmal, daß -das, was im Römischen Staate und für Römer gerecht und weise war, in -Deutschland und für Deutsche sehr unweise und ungerecht seyn könnte --- Der unverfeinerte Geist der Deutschen Sitten hing mehr an einer -tugendhaften schlichten Denkungsart, als an gewissen durch Convenienz -so oder so bestimmten Wörtern; und die Deutschen hätten von hundert -Arten der Lust nicht gewußt, wenn das Römische Gesetz (dessen um sich -greifende Alleinherrschaft man nur allmählich und nothdürftig durch -Spiegel und Weichbilde und Willkühre beschränkte) nicht gesagt hätte: -_Laß dich nicht gelüsten_. Kann man nicht Laster verbreiten, wenn man -sie gleich mit wahren Farben zeichnet? Giebt es nicht Sünden, die -nicht anders als mit Gefahr der Verführung zu entschleiern sind? und -wenn es dem Dichter schwer ist, treue Gemählde der Sitten zu liefern, -ohne den sittlichen Anstand zu verletzen -- mit welcher Weisheit muß -der Gesetzgeber verfahren, um nicht mehr zu verderben als zu bessern? -Kann der Dichter wenigstens jetzt -- und hatten die Alten so ganz ein -Recht, sich von dieser Weise auszunehmen? -- viele Dinge nach der -Natur mahlen? oder muß er nicht vielmehr seine Gemählde unter einer -conventionellen Maske, und mithin um vieles sittlicher als die Menschen -_pro tempore_ sind, anlegen und halten? und der Gesetzgeber, so ein -Prosaist er auch sonst ist -- muß er nicht eben den Weg wandeln, -wenn er nicht mehr Schaden als Nutzen stiften will? Die Menge der -Römischen Gesetze würde vielleicht mehr abgeschreckt haben; indeß -brachte das System, wonach sie gezimmert waren, (das nicht bloß die -Rechtsgelehrten, sondern, wohl zu merken, auch der Bürger, studieren -mußte, wenn er nicht alle Augenblicke an einer Fiktion und einer -Feinheit oder deß etwas sich Kopf und Herz stoßen wollte) die Römische -Gesetzkunst in Umlauf. Der größte Haufe lernte sie halb kennen, und -eben diese Halbkenntniß erwarb ihr, nach wohlhergebrachter Gewohnheit, -eine fast mystische Verehrung, so daß alles vor dem Römischen Rechte -die Kniee beugte, und ihm huldigte. -- Und wer mag denn auch leugnen, -daß es einen Schatz von Kenntniß und Weisheit enthält? und daß, da -Spitzfindigkeiten und Distinktionen für den größten Theil der Köpfe -etwas sehr Hinreißendes behaupten, es besonders zur damaligen Zeit sehr -natürlich zuging, wenn ihm so reichlich Jünger und Anhänger zufielen? -ob es gleich den Britten nie leid gethan hat, und zu thun scheint, -dieser Rechtsfahne nicht geschworen zu haben. Warum mehr Ausholung? -- -Das unrömische Deutsche Weib kam unter das Römische Gesetz, und die -Deutschen Männer verwickelten sich selbst in das Garn, womit sie Weiber -zu fangen gedachten. Zu wenig hat die Geschichte uns von unsern in Gott -ruhenden Ahnherren hinterlassen, denen es überhaupt mehr darum zu thun -war, Thaten der Nachwelt würdig zu thun, als sie aufzuzeichnen und -aufzubehalten. Das, was Freund und Nachbar _Tacitus_ von ihren Sitten -und Gebräuchen überliefert, ist bei weitem nicht hinreichend, um uns -von ihrer Haus- und bürgerlichen Verfassung einen ganz richtigen, am -wenigsten einen vollständigen, Begriff zu machen. Nach ihm, wurde -bei den Deutschen, bei denen Sitten weit mehr als in Rom Gesetze -vermochten, (denn so, denk' ich, will _Tacitus_ übersetzt seyn) der -Ehebruch mit dem Tode bestraft; und bedarf es größerer Beweise, daß -die Ehen den Deutschen nicht gleichgültig waren? Sie wachten über -ein Geschäft, wobei der Staat so sehr interessirt ist, daß jede -Vernachlässigung sich über kurz oder lang unmittelbar am Staate rächt, -mit vieler Eifersucht und Strenge, so, daß auf Vergehungen dieser Art -(die unter einem Himmelsstriche wie der ihrige, bei einer einfachen -frugalen Lebensart und bei der Unbekanntschaft mit Müßiggang und dem -Wohlleben, den Gefährten des Luxus, in der Regel sich nur sparsam -ereignen konnten) dennoch eine so harte Strafe gesetzt wurde. - -Der Einfluß der Deutschen Weiber in Staatsgeschäfte war wichtig, -indem sie aus ihren Mitteln Priesterinnen gaben, die, außer -ihren gottesdienstlichen Verrichtungen, einen großen Einfluß in -Staatsverhandlungen behaupteten, ihre Berathschlagungen lenkten und -ihren Kriegern in Schlachten Verachtung der Gefahr, Liebe für das -Vaterland, und Muth gegen ihre Feinde einhauchten. Weiber waren ihren -Männern nicht, wie große Staatsdiener ihren noch größeren Fürsten, -_rechte_ oder _linke Hand_, sondern Herz und Seele. Die Geschichte -hat uns noch einen berühmten Namen, _Vellede_, aufbehalten. Ob sie -übrigens als aktive Bürgerinnen an den Volksversammlungen Theil -nahmen; ob sie mit den Männern überall gleiche Rechte genossen: das -ist eine Frage, welche die Geschichte unbeantwortet läßt; indeß ist zu -vermuthen, daß auch bei unsern Vätern die Weiber jene Rollen mehr aus -Connivenz, als kraft einer förmlichen Berechtigung spielten, indem ein -so wichtiger Umstand, der bei allen übrigen damals bekannten Völkern -so sehr außer der Regel war, gewiß der Nachwelt wäre überliefert -worden. Die Eheunlust, worüber Gesetzgeber und Politiker von je her so -manchen Stab Wehe brachen -- entstand sie nicht aus der Verachtung, -welcher das andere Geschlecht ausgesetzt war? Scheint es nicht eine -Art von Degradation seiner selbst, ein Frauenzimmer zu ehelichen, das -im Grunde so ohne alle Bedeutung ist? besonders wenn man überlästige -Schwiegermütter und Basen als Beilagen _sub Ecce_ und _Vide_ erhält! -Man lasse das Mädchen seyn wie unser Einer, und gewiß wird ein -ehelustiger Jüngling weniger Bedenken finden, mit ihr zu ziehen; und -werden Basen und Schwiegermütter bei der Geschlechtsverbesserung noch -Zeit behalten, sich als _Beilagen sub Ecce und Vide_ brauchen zu -lassen? -- - -Wenn es wahr ist, daß durch den Müßiggang eines Bürgers im Staate ein -anderer doppelt arbeiten muß, um die Faulheit von jenem zu übertragen -und Alles ins Gleichgewicht zu bringen; so bestätiget sich diese -Bemerkung noch weit mehr durch die Vielweiberei, die Quelle, wodurch -zwar das _andere_ Geschlecht außerordentlich von seiner Würde verloren, -die indeß auch dem _männlichen_, und sonach dem _ganzen_ menschlichen -Geschlechte, einen unglaublichen Nachtheil zugezogen hat. Nicht bloß -Vater und Mutter, sondern auch die Kinder sind verdorben; der Vater -kommt mit seiner Liebe zu den Kinden ins Gedränge: er liebt sie nicht -als seine Kinder, sondern in so weit dieses oder jenes das Kind dieser -oder jener Mutter ist! -- Der Mißbrauch ist eine ansteckende Krankheit, -die Alles angreift und vergiftet, was ihr zu nahe kommt -- Es ist eine -so feine als richtige Bemerkung: daß die Vielweiberei geradehin zu -einer unnatürlichen Liebe führt, so wie Aberglaube zur Atheisterey, -Verschwendung zum Geitze. -- Doch, diese Abschweifung sollte bloß den -Weg zu der Bemerkung bahnen, daß, so wie dem andern Geschlechte von den -Männern begegnet wird, die Männer sich von den Regenten begegnen lassen --- Die Sklaverei, wenn sie auch nur im Kleinen, in einer einzigen -Beziehung, geduldet und geübt wird, macht über kurz oder lang alles zu -Sklaven. Bei einer gelinden, gemäßigten, eingeschränkten Regierung galt -das Frauenzimmer von jeher mehr, als in despotischen Staaten, wo die -Sklaverei der Weiber politisch nothwendig ist. Den Weibern ist ohne -Zweifel jene Gelindigkeit, Mäßigung und Einschränkung in der Regierung -zu danken -- Wo sie zum Worte kommen, stimmt sich Alles zur erlaubten -bürgerlichen Freiheit; zur erlaubten, sag' ich, und füge hinzu, daß die -Weiber zur despotischen Herrschaft von Seelen- und Körperswegen nicht -aufgelegt sind -- Zeigen sie Spuren vom Gegentheil, so waren Männer -ihre Verführer. Der fromme _Haller_ sagt: - - _was Böses ist geschehn, das nicht ein Priester that?_ - -und ist Priester nicht ein Erzmann? ein Mann aus höherem Chor? Man -sagt, im Orient mache das Klima es nothwendig, daß die Weiber in -Festungen eingeschlossen werden, und der Zwang der Harems verbessere -ihre Sitten. Lieber! kann der Zwang Sitten verbessern, wenn du ihn dir -nicht selbst durch Grundsätze anlegst? oder ist die Tugend, die nicht -nur einer Schildwache, sondern einer ganzen Festung bedarf, so vieler -Umstände werth? Was muntert mehr zur Ehe auf: -- Hagestolzenstrafen -- -Vaterprivilegien? oder eine tugendhafte Frau, die bischöflich nur Eines -Mannes Weib ist, und dies ihr Licht leuchten läßt vor den Leuten, daß -sie ihre guten Werke sehen? -- - -Welch ein Umgang ist reitzender, als unter Freunden und Freundinnen! --- _Freundschaft_ kann freilich unter Einem Geschlecht existiren; -allein _Umgang_ nicht. -- Freundschaft, ächte Freundschaft ist eine -Schaumünze, die man nur im höchsten Nothfall angreift; Umgang ist -Ausgabegeld, für das wir tägliches Brot kaufen: und was wären wir ohne -ihn? Wie viele Menschen, die zu jener hohen Stimmung der Freundschaft -keinen Beruf empfingen, würden ohne Umgang lebendig todt seyn! Die -Freundschaft bittet nicht, sie fordert; sie borgt nicht, auch wenn ihr -Antrag noch so mächtig wäre, sie kassirt nur Schulden ein -- Freunde -befinden sich in Gemeinschaft der Güter des Lebens; ihr Sinnbild ist, -nach dem Ausspruche des _Aristoteles_: Eine Seele in zwei Körpern. -Zu historischen Belägen mögen _Damon_ und _Pythias_, _Orestes_ und -_Pylades_ dienen, deren Freundschaft stärker als Leben und Tod war. --- Ein Alter hielt _den_ schon für äußerst glücklich, der nur _einen -Schatten_ von einem Freunde angetroffen hätte. Der Umgang, wenn -beide Geschlechter daran Theil nehmen, ist ein dergleichen Reich der -Schatten, ein Elysium diesseits des Grabes -- und an dem Eingange -stehen die Worte: hasse, als stände dir eine Zeit bevor, worin du die, -welche du jetzt hassest, lieben wirst; liebe die Menschen, als wenn -du dich nicht würdest entbrechen können, sie einmal zu hassen -- Ein -Fingerzeig, der ein Hochverrath am Tempel der Freundschaft seyn würde; -doch Freundschaft hat keinen Tempel, selbst nicht eine Kapelle von -Menschenhänden gemacht: das Herz ist ihr Heiligthum. Noch oft wird mich -das selige Wort _Freundschaft_ entzücken. -- Verzeihe, lieber _**s_, -daß ich hier abbreche; bald sehen wir uns wieder. -- -- -- - -Die Herren Alten hatten den Weibern die Schnecke zum Sinnbilde -ausersehen; allein durch sklavische Eingezogenheit verliert die -Ehe von beiden Seiten, und die Männer ohne Zweifel am meisten. -- -Die Egyptischen Damen mußten mit bloßen Füßen ausgehen, damit sie -einheimisch blieben; und wer erinnert sich nicht an die Geschichte -jenes Weibes, das ein öffentliches, den Männern geheiligtes Haus -vorbeigegangen war? -- Dieser unbeträchtliche Umstand veranlaßte -eine Wallfahrt nach _Delphi_, um in heiliger Kürze und Einfalt zu -erfahren, was dieser Vorgang bedeute? Wer wollte nicht lieber an der -_Wirthstafel_, als bei _Lucullus_ vorlieb nehmen, wenn bei letzterem -die Menge der Leckerbissen das Vergnügen des Umganges und einer -gemischten Gesellschaft ersetzen sollte? -- Die Römische Sprache -scheint zum Umgange mit Frauenzimmern, und zum Umgange überhaupt, -wenig zu taugen, weil die Römer jenes Salz der Erde nicht kannten. -Zwar hat jede Nation in ihre Sprache Spuren ihrer Lieblingstugenden -und Lieblingssünden gedruckt: so kommen die technischen Benennungen -des Seewesens aus dem Holländischen; die Soldatenworte aus dem -Französischen, die Baukunst, die Mahlerei und Bildhauerkunst beweisen -durch ihre Ausdrücke, daß Italien ihr Vaterland ist, und das Jagdwesen -erkennet Deutschland für sein Revier: indeß scheinen alle neuere -Sprachen, die Deutsche selbst nicht ausgenommen, durch den Umgang mit -dem andern Geschlecht etwas Eigenthümliches erhalten zu haben, das der -alten Welt gebrach. -- Wenn das ewige Feuer, welches die Vestalinnen -unterhielten, dazu diente, Licht anzuzünden, wie ein allgemeiner -Brunnen, Wasser zu schöpfen; so ist es ein schönes Bild von dem -Dienste, den das schöne Geschlecht durch die Verfeinerung des Umganges -der Welt erwiesen hat: Wir alle haben bei ihm Licht angezündet; -- und -die Regel: »beherzige deinen Körper in der Einsamkeit, bilde deinen -Geist in der Welt, deinen Willen durch das Gesetz, deinen Verstand -durch Freiheit,« ist so richtig, wie irgend eine Regel es nur seyn -kann. -- Weiber sind berufen, angegriffen zu werden und sich zu -vertheidigen, und in beides eine so _feine Lebensart_ zu mischen, daß, -wenn sie nicht die Ehre verdient _Schamhaftigkeit_ zu heißen, diese -doch nicht ohne jene bestehen kann. Körperlicher Genuß, er sei von -welcher Art er wolle, ist kurz, und dämpft jenes beglückende sanfte -Feuer des Umganges eher, als daß er es dauerhaft machen sollte. -- -- - -Auch das Recht, das die Männer sich bloß anmaßten, die Weiber verstoßen -zu können, ohne es den letztern gleichfalls zuzubilligen, hat das -andere Geschlecht entwürdiget. Warum ward dieses Verstoßungsrecht nicht -wechselsweise und beiden Theilen verstattet? Das Weib würde sicher -von diesem Rechte nur selten Gebrauch gemacht haben, da der größte -Theil seiner Reitze, gleich Rosen, sehr bald dahin welkt, und da es, -nach wenigen in den Armen eines _Adams_ verlebten Wochen, so unendlich -viel minder gilt, wogegen sein _Adam_ unverwelklich bleibt. -- So -bald Mann und Frau die Trennung nicht gemeinschaftlich wollten, (in -welchem Fall' es Ehescheidung gewesen wäre) so hätte die Verstoßung -als eine bloße Gewaltausübung eine unerhörte Sache seyn müssen. Aller -dieser wunderbaren, das andere Geschlecht erniedrigenden Gesetze und -Gewohnheiten ungeachtet, wußten sich doch wenigstens Einige desselben -so auszuzeichnen, daß das ganze Geschlecht durch sie gewann; und es -ist -- zum unsterblichen Lobe des schönen Geschlechtes sei es gesagt! --- in Hinsicht seiner der Fall am öftesten gewesen, daß man nicht -allgemein ein Recht ausübte, welches ein unnatürliches, ein hartes -Gesetz einräumte. Von dieser Seite sind Gewohnheiten (_consuetudines_) -das ehrwürdigste, das ich kenne; sie beweisen da, wo ihrer eine -ungewöhnliche Anzahl vorhanden ist, nicht unrichtig jenen großen, edlen -Menschendrang nach Recht, Billigkeit und Freiheit, und daß über die -bürgerliche Einrichtung der Mensch nicht verloren ging -- Was hülf' es -auch dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne und nähme Schaden an -seiner Seele! - -Wie wär' es, wenn ich nach diesen Bemerkungen im Allgemeinen noch -einmal dem Römischen Rechte ein Rauchopfer anzündete und den Grund -der gesetzlichen Härte gegen das Frauenzimmer zu entwickeln suchte? -Jede Sache hat innere Data, die, wenn man sie mit Einsicht und -Bescheidenheit nutzt, die äußeren oft überwiegen; indeß hat es dem -Römischen Rechte nie an Helfershelfern, Commentaroren, Epitomatoren -und Auslegern gefehlt, und einem dieser gelehrten Herren gehört ohne -Zweifel die Behauptung, daß die _Eifersucht_ der Ursprung der meisten -weiblichen Rechte gewesen sei. Diese Behauptung indeß ist für mich -so wenig überzeugend, wie der Glaube lebendig ist, daß _schuldige -Verehrung_ und _Achtung_ hierzu den Grund gelegt haben. So entfernt -ich bin, den zweizüngigen _Prokop_, der den _Upravda_ in seinen acht -Geschichtsbüchern erhöhet und in seinen Anekdoten erniedrigt (recht als -wenn Jemanden das im Testament mit Lob und Dank zugebilligte Legat, -im Codicill mit Verachtung und Bitterkeit entzogen wird) nachzubeten, -und überhaupt auf die Rechnung eines Gesetzsammlers und Gesetzgebers -alle Fehler und Vorzüge eines zusammengebrachten Gesetzbuches zu -schreiben; so ist doch _Justinian's_ Schwäche gegen seine Gemahlin -_Theodora_ unleugbar, die weiland eine Komödiantin war, und der er -nicht wenig Einfluß in die Regierungsgeschäfte ja, wenn man will, in -das Allerheiligste derselben, die Gesetzgebung, einräumte. Warum gab -_Justinian_ seinen Liebesgrillen nicht eine andere Richtung? Wie sehr -übertraf ihn _Franz der Erste_, glorwürdigen Andenkens, der zuerst die -Sitte begann, daß Damen an den Hof kamen, als wodurch das, was man -_Hof_ nennt, eigentlich erschaffen ward! Ihnen zu Ehren wurden Bälle, -Komödien und Turniere angestellt, und _Franz des Ersten_ herzbrechendes -Sinnbild war ein Salamander in den Flammen, als ob er nicht anders -als in der Liebesgluth leben könnte. Bei seinen Hofleuten warf er -sich zum Werber und Ehebeförderer auf, und gern war er ein allezeit -fertiger Fürsprecher bei ihren Schönen. Traf er ein verliebtes Paar, so -verlangte er zu wissen, was es sich sagte, und mit Vergnügen, legte er -ihrer Zunge von seinem Salamanderfeuer Geist und Flamme bei. Freilich -war auch sein Gang kein Richtsteig; doch -- kam er der Sache nicht -näher, als der gesetzgalante _Justinian_, der das größte Sibyllinische -Buch, _die Welt_, dem schönen Geschlechte noch mehr verriegelte, -wogegen _Franz I._ es ihm öffnete? -- Wie konnte man überhaupt von der -damaligen Zeit, wo alle Gelehrsamkeit auf so schwachen Füßen stand oder -ging, Helden- und Meisterzüge der Gesetzgebung erwarten? - -Es giebt, sagt man, nach der Verschiedenheit der weiblichen Rechte, -auch verschiedene Beweggründe zu ihrer Bewilligung -- und in jedem -Gesetz ist der Grund, weshalb es gegeben ward, am sichersten -aufzusuchen. Zwar ist es nicht immer der, welchen die gesetzgebende -Majestät anführt; indeß wird man über die Floskeln des angegebenen -Grundes sich eben so leicht wegsetzen, als wir heut zu Tage wissen, -wie wir uns mit dem _allgemeinen Besten_ und der _angestammten Huld -und Gnade_ einzuverstehen haben. Schwäche des Geschlechtes ist zum -Beispiel die Ursache, warum es keine Bürgschaft gültig übernehmen kann; -und da diese Schwäche selbst nach den _eigenen Worten des Gesetzes_, -nicht den Mangel an Überlegung andeutet: so scheint sie eher in -jener Gutmüthigkeit zu bestehen, die zu Menschen-Wort und Verheißung -nicht den Glauben verloren hat; und ist dieser _Glaube an Menschen_ -Schwäche? Ist er es, so kann es von ihm in That und Wahrheit heißen: -wenn ich schwach bin, bin ich stark. Eine wohlgewählte Strafe für den -Betrüger würde vielleicht weit wirksamer seyn, als der _Vellejanische -Rathschluß_, da sie auch gutmüthige Männer aus der Verlegenheit zu -ziehen im Stande wäre; und wenn Lügen, als die Wurzel alles Übels, mit -der gehörigen Härte bestraft, oder auf eine sonst gute Manier aus der -Welt verbannt würden -- welch ein Gewinnst! Das Kindergebären, das -gemeiniglich zu den Hauptbeweisen der Schwäche gezählt wird, welche -die Gesetze dem schönen Geschlecht außerordentlich hoch anzurechnen -geruhen, legt geradezu ein Naturzeugniß seiner Stärke ab. Ich wünschte -nicht, daß dieses Geschäft an unser Geschlecht käme. Wie sehr würde -unser Heer von Stutzern, diese hybriden Geschöpfe, und wie noch mehr -der Staat zu bedauern seyn! Welch ein _Minus_ würde sich schon im -ersten Jahre an gebornen Kindern, und welch ein _Plus_ an gestorbenen -Kindbettern finden --! Zählt die Tage beider Geschlechter, welche -Krankheit zu heiligen erniedrigt; und ich wette, es wird in der Balanz -_Credit_ und _Debet_ beider Geschlechter sich heben. -- - -Auch die _Schamhaftigkeit_ wird als ein authentischer Grund der -weiblichen Rechtsunterdrückung -- wohl zu merken, von den Gesetzen -selbst! -- angeführt. Ein Grund, worüber sich die Schriftgelehrten -schämen würden, wenn sie das könnten! Wegen der Schamhaftigkeit soll -das schöne Geschlecht nicht Theil an gerichtlichen Handlungen nehmen? -Wie gütig die Gesetze sind! als ob in den Gerichten die Schamhaftigkeit -Gefahr liefe, oder gar aufgegeben würde! Was könnte denn hier zu -unerlaubten Begierden verleiten und ein von diesen entferntes Herz -dazu entflammen? Ehe _beide_ Geschlechter sich zu dieser Tugend -entschließen, und sich von jedem verführerischen Worte Rechenschaft -abfordern -- giebt es Schamhaftigkeit? -- und was gilt sie einseitig? --- Die Schamhaftigkeit ist eine Tugend, die, wenn ich so sagen darf, -_in der Ehe lebt_; wenn sie nicht von Männern und Weibern zugleich -geübt wird, so artet sie in Ziererei und weibliche Taschenspielerkünste -aus -- Und wie? ist den Reinen nicht alles rein? Eine Ehefrau kleidet -eine edle Freimüthigkeit, ein unverstelltes Wesen, unendlich besser, -als jene klösterliche Heuchelei. Mit ungewaschenen Händen essen, -verunreinigt den Menschen nicht; und der Tugend sich mit seinem Munde -nahen, sie mit seinen Lippen ehren und das Herz von ihr entfernen -- -ist das nicht ein Greuel? - -Macht man indeß mehr auf einen reinen Mund Anspruch, als auf ein reines -Herz, so hat die Gesetzstelle gewonnen Spiel, welche (_L. I. § 5. D. -de postulando_) behauptet, daß man die weibliche Schamhaftigkeit in -Labyrinthe der Versuchung führen würde, wenn es dem schönen Geschlecht -erlaubt werden sollte, sich in Rechtsangelegenheiten zu mischen. O, -der überfeinen Besorgniß! Ist das Reich Gottes nicht in uns? Tugenden, -die nie das Glück gehabt haben, in Versuchung zu kommen, sind, wie die -Scheidemünze, von sehr verdächtigem Schrot und Korn, ob sie gleich -gemeiniglich den Vorzug haben in Cours zu bleiben. -- Jenes Recht der -Gegenwehr, kraft dessen wir allem widerstehen, was uns zu nahe zu -treten versuchen will -- wenn es nie in Anwendung gebracht wird, setzt -es nicht die Menschen über kurz oder lang aus aller Disciplin, so daß -sie zuletzt von ihren eigenen Schatten in die Flucht geschlagen werden? -Sind die schrecklichsten Schandthaten in der großen Welt oder in der -Einsamkeit empfangen und geboren? oder will man dem schönen Geschlecht -die Fähigkeit und das moralische Vermögen etwas zu thun oder zu lassen, -zu Deutsch _das Recht_ genannt, in bester Form Rechtens aberkennen? -Haben wir nicht bedacht, daß Recht aus der leidenden Verbindlichkeit -entsteht, und daß kein Recht seyn würde, wenn keine Verbindlichkeit -wäre? daß, wenn die Natur zu einem Zwecke durch ihr heiliges Gesetz -verbindet, sie auch den Schlüssel und das Recht zu den Mitteln -verliehen hat? Oder kann man ohne Mittel zum Zwecke gelangen? Stehet es -nicht jedem frei, das zu thun, ohne was er seiner Verbindlichkeit nicht -nachkommen oder sie nicht erfüllen könnte? - -Sehr consequent in Rücksicht Römischer Rechts-Grundsätze hat _Divus -Justinianus_ (_Nov._ CXXXIV. _Cap._ IX.) angeordnet, daß kein -Frauenzimmer gefänglich eingezogen werden solle. Auch wegen der größten -Verbrechen will er sie nur mit dem Kloster bestrafen und sie bloß -der Aufsicht anderer Weiber anvertrauen -- Wir indeß geben dieses -Gesetz aus männlicher Machtvollkommenheit auf, ohne dem Geschlechte -andere Römische Rechtswohlthaten zu erlassen. Wer sollte denken, -daß man mit Wohlthaten so sehr ins Gedränge kommen, so geplagt und -belästigt werden könnte! wer sollte denken, daß man dem mit Wohlthaten -so überhäuften Römischen Frauenzimmer ehemals nicht gestattete, den -Volksversammlungen beizuwohnen! daß man es der Ehre nicht würdigte, -zum Volke zu gehören, und daß eben aus dieser Herabsetzung ihm der -Vorzug erwuchs, mit Bestande Rechtens in den Rechten unerfahren zu -seyn und sich mit dieser Gesetzunwissenheit, wie mit einem Orden, zu -schmücken! -- Nicht nur unschädlich, sondern rühmlich, war ihm, diese -Wohlthat der ewigen Kindheit, vermöge deren es im Reiche des _Saturnus_ -in einem immerwährenden Frühling lebte, schwebte und war -- Es -verschenkte alles das Seinige, um von Almosen zu leben; es vertauschte -Gold gegen Flittern, Schaumünzen gegen blanke Rechenpfennige. Doch -alles ist kein Vergleich gegen den Tausch des Rechtes gegen Güte --- der männlichen Worte: _ich fordere_, gegen die weiblichen: _ich -bitte_. Wie konnte man aber auch einer, in der gesetzlichen Herrschaft -des Eheherrn befindlichen Gattin, einer der Gewalt eines Andern -untergeordneten Sklavin, mehr als Gnade und Wohlthaten erweisen? -Nicht sie, sondern ihr Mann hatte Kinder -- Auf ihre Familie hatte -sie Verzicht gethan, um zu ihres Herrn Familie einzugehen -- Schon -längst hatte man verlernt, daß die Ehe eine gleiche Gesellschaft sei, -daß die Herrschaft im Ehestande eine beiderseitige Herrschaft der -Eheleute neben einander bleibe, und daß der Mann sie sich nur durch -einen _ausdrücklichen_ Vertrag zueignen könne? »Nicht auch durch einen -_stillschweigenden_?« Ach freilich! hätt' ich doch diese stumme Sünde -beinahe vergessen. Die Geschichte gedenkt eines naseweisen Knaben, -_Papirius_, im Besten, weil er, seine Mutter zu betrügen, schon in -frühen Jahren reif genug befunden war. Er begleitete, nach damaliger -Sitte, seinen Vater, wenn Se. wohlweise Gestrengigkeit auf das Rathhaus -ging; und da seine Mutter die Debatten des Tages vom _Papirius_ zu -wissen verlangte, so schob er ihr eine baare Unwahrheit unter. »Es -wäre, sagte er, die Frage zur Motion gediehen: Ob es besser sei, daß -ein Mann zwei Weiber, oder ein Weib zwei Männer habe.« -- -- Welch -eine Erniedrigung, daß eine Mutter bei einem Knaben, und, was noch -mehr sagen will, bei ihrem leiblichen Sohne, nach den Dekreten einer -obrigkeitlichen Sitzung forschen muß! und welch eine Übertretung des -vierten Gebotes, daß ein Sohn seine Mutter durch eine Unwahrheit -vorsetzlich zu einem weiblichen Auflauf bei der National-Versammlung -mißleiten konnte, der sich entschloß, (ohne Zweifel in besserer Form -und Ordnung als die Parisischen Fischweiber) wider das vermeintliche -Dekret, daß ein Mann zwei Weiber haben könne, zu protestiren. Es heißt, -_Papirius_ habe von Stund' an, und nach diesem _examine rigoroso_ -ein Patent als ordentlicher Beisitzer des hohen Rathes erhalten, und -dagegen sei allen übrigen Auscultatoren und Referendarien der Zutritt -zu den Raths-Sessionen untersagt worden! Freilich verdienten solche -altkluge, auf Treibhäusern gezogene Kenntnisse des _Papirius_, und ein -so stattlicher Mutterbetrug, Aufmunterung und Belohnung! -- Sollten -indeß alle jene so übermäßige Wohlthaten nicht unter Einen Hut zu -bringen seyn? Wir können in Ansehung dessen, was in anderen Fällen -geschieht, wo nicht schon sicher wissen, so doch mit Zuverlässigkeit -vermuthen, mit was für einem Maße der Einsicht in den Grund der Sache, -aus welchen öffentlichen und geheimen Artikeln von Anreitzungen, -Absichten und Nebenabsichten, für die Beibehaltung des Alten geeifert -wird. Wenn mich nicht alles trügt, so hat die _Furcht_ der Männer, -durch die Weiber _unterjocht zu werden_, die ersteren zu jener -Überhäufung mit Wohlthaten gebracht. Nach Art der Hofleute, die kein -moralisches Aequinoctium annehmen, wo Gutes und Böses sich die Wage -hält, scheinen die Männer, die schon unter sich so viele Feinde und -Widersacher zählen, sich von Seiten der Weiber den Rücken decken zu -wollen -- Wär' es das erstemal, daß man seine Herrschaft durch das -Hausmittel zu sichern suchte, die, welche man beherrscht und gern ewig -beherrschen möchte, von reiner Erkenntniß und Besserung hochbedächtig -zurückzuhalten? Und wie! es stand noch kein Prediger in der Wüste auf, -der diesen Männerdünkel in seiner Blöße zeigte, und auf diesen Staat -im Staate aufmerksam machte? -- Es gab Götter und Göttinnen, die für -Opfer und Geschenke feil waren. So ging es dem andern Geschlechte, -das auch Opfer auf Kosten seiner Rechte annehmen mußte, und das, -wenn gleich die Menschheit es so sehr zierte, sie doch gegen jene -Göttlichkeit aufzugeben gezwungen ward. Jemanden Güte erweisen, indem -man ihm Gerechtigkeit entzieht, heißt: ein Naturgesetz mit Füßen -treten, und sich mit einem positiven brüsten; die Erstgeburt für ein -schnödes Linsengericht verkaufen, Mücken seihen und Kamele verschlucken --- O, der blinden Leiter, die, mit pharisäischer Heuchelei das andere -Geschlecht einschläferten, im Trüben fischten und durch Schein des -Rechts die natürlichen in das Herz geschriebenen Rechte zu vertilgen -suchten! -- Die Natur läßt sich nicht zwingen. -- _Furcht!_ Fiel dies -Wort auf? Es sollte auffallen -- Seht! ich will mein Herz ausschütten -und zur Ehre des männlichen Geschlechtes bekennen, daß keine bösere -Absicht, als _die Furcht, das andere Geschlecht würde uns beherrschen_, -den Grund zu unserer Herrschaft über dasselbe gelegt hat. Auch dachten -wir vielleicht unserer Seits bei diesem Plane nicht, den Weibern -eben schwer zu fallen und ihnen Schaden oder Leides zu thun; sondern -_ihnen und uns nützlich zu werden_. Vielleicht war ein Plan dieser -vermeintlich _nutzreichen Art_ der Anfang mancher andern, jetzt so -ausgearteten Herrschaft. Die _Furcht_ schuf Götter, sagt ein Alter; --- nicht auch die _Liebe_? Wir sollen Gott fürchten und lieben, fängt -_Luther_ jede Erklärung der zehn Gebote an -- und doch treibt die Liebe -die Furcht aus --! - -Sehet euch um! noch jetzt werdet ihr finden, daß Männer, die ihre -Weiber _anbeten_, vorzüglich jedem Beitrage zur Verbesserung des -anderen Geschlechtes ausweichen. Und warum dieser befremdende -Widerstand? Das Gefühl von dem Werthe seines vortreflichen Weibes -verstärkt die _Furcht_ des Herrn Gemahls. Die Verehrung, die er ihm -widmet, unterdrückt den Gedanken, dem Geschlechte in ihm Gerechtigkeit -zu erweisen -- Auch der beste Mann ist neidisch auf große Eigenschaften -seines Weibes, die ihm gefährlich werden können; er will mit seinen -Wohlthaten ihm den Mund stopfen, die Vernunft und den Willen -desselben einschränken und mißleiten, damit es nicht Gerechtigkeit -begehre -- Eine besondere Art, mit Geschenken das Recht zu beugen, -eine Wechselschuld nicht zu bezahlen, allein dem Wechsel-Gläubiger -ein Geschenk zu machen, das jene Schuld überwiegt! -- Dergleichen -Männer bemühen sich außerordentlich, sich ihren Weibern von der -besten Seite zu zeigen; und da sie wohl einsehen, wie sehr weit sie -von ihren Weibern in allem zurückgelassen werden: so legen sie ein -außerordentliches Gewicht auf ihren Staatsberuf, und rechnen sich -die Amtsgeschäfte äußerst hoch an, um sich bei ihren Weibern in -Achtung zu erhalten. -- Das arme Geschlecht! wie sehr es doch durch -blauen Dunst hingehalten wird --! Man erzählt von einem Türkischen -Gesandten, er habe auf die Frage: wie ihm das Frauenzimmer in *** -gefalle; geantwortet: ich bin kein Kenner von Mahlerei -- Ist nicht -jeder Beamte im Staate geschminkt? -- Man nehme ihm das Weiß und Roth, -das der Staat ihm Ehrenhalber auflegt; und wir werden weder Gestalt -noch Schöne an ihm finden --- Wir mögen uns nicht anstrengen, um mit -dem andern Geschlechte Schritt zu halten; und das müßten wir oft über -unser Denken und Vermögen, wenn wir ihm gleich kommen wollten. Wir -gehen ihm sonach Räthsel auf, die der Auflösung nicht werth sind; wir -verlangen Traumdeutungen von ihm, ohne daß wir ihm den Traum bekannt -machen; wir suchen es in das Spielwerk der Welt zu verwickeln, und -es dem Ernste und Nachdenken so viel als möglich zu entziehen: -- -und doch ist dieser Müßiggang -- welches Weib wird nicht dazu auf -eine grobe und subtile Art verurtheilt? -- der Grund von allem jenem -Übel, wovon reelle Beschäftigung das Weib, seinen Mann und die Welt -befreien würde. -- Die _Thätigkeit_ hat drei Grazien zu Töchtern: -_Tugend_, _Wissenschaft_ und _Reichthum_; allein welche Thätigkeit? -die, wozu Männer aus Machtvollkommenheit die Weiber verurtheilen, oder -jene, die man bei selbstgewählten Geschäften anwendet? die, wo Lied- -und Tagelohn bezahlt wird, oder jene, wo das freiwillig übernommene -Geschäft sich selbst belohnt? Aufgegebene Arbeiten können zwar zu -andern unaufgegebenen erwecken, die über jene unendlich erhaben sind; -doch müssen die aufgegebenen nie von so einförmiger Art seyn, wie die -weiblichen es sind, falls sie die einmal in Bewegung gesetzte Seele -zu edler Wirksamkeit hinaufstimmen sollen -- Wann wird Thätigkeit aus -selbsteigener Wahl einmal aufhören der königliche Vorzug der Männer -zu seyn! wann werden Weiber zu dem Menschenrechte gelangen, Geschäfte -nicht fürs Brot, nicht auf den Kauf, sondern mit Lust und Liebe -treiben zu können! o, wann! -- -- Wie sehr würde man die Erklärung der -siebenten Bitte durch die Verbesserung des weiblichen Verhältnisses zum -Staate verkürzen! Man verbietet mit Recht nicht nur das Laster, sondern -auch den Schein desselben, weil Schamlosigkeit, wenn sie ins Publicum -dringt, ein allgemeines Verderben des Staates bewirkt, und ein gewisses -Zeichen seines nahen Sturzes ist. -- Doch bedenkt man nicht, daß eben -die Ausschließung des andern Geschlechtes von allen öffentlichen -und ernsthaften Beschäftigungen es geradesweges auf den Gedanken -bringen muß, alle jene ehrwürdigen Sachen zu enttrohnen, den Werth -derselben, den inneres Gehalt oder Lieblingsgrillen ihnen beilegen, zu -verringern, und der jungen naseweisen Welt der Jünglinge allen jenen -Ernst so zu verekeln -- daß, wenn sie sich ja Geschäften widmen, sie -die Maximen des Lächerlichen in Anwendung bringen, welche sie zu den -Füßen des schönen Geschlechtes gelernt haben. Es werden wenige Dinge -seyn, die sich von dem Roste der Pedanterie rein halten können, außer -wenn das Frauenzimmer, dieses einzige Verwahrungsmittel gegen jenes -Geschlechtsübel, dabei eingeflochten wird. - -Der Mensch ist zur Nachahmung geneigt, und es ist eine bekannte -Bemerkung, daß man das in seinem Hause im Kleinen einführt, was im -Staat im Großen gäng und gebe ist; das Haus pflegt ein Miniaturstück -des Staates zu seyn. Wenn aber gleich in despotischen Staaten der -Despotismus auch in Privathäusern wüthet, und um so mehr mit gutem -Bedachte wüthen zu müssen das Ansehen gewinnt, da größere Freiheit -der Weiber dem Staat unüberwindliche Nachtheile zuziehen, und dieses -Geschlecht, geboren der Natur getreu zu seyn, alles jene unnatürliche -Wesen der Despotie an die gehörige Stelle und den rechtmäßigen Ort -bringen würde; so ist doch auch in Republiken das schöne Geschlecht -noch nie zu einem anständigen Grade von Besitz seiner Rechte gediehen --- Zwar gewinnt es dort durch mindere Pracht; allein eben dieser Gewinn -lehret die Herren Staats-Repräsentanten aufs Wort merken. Die Weiber -spielen ein etwas ernsthafteres Spiel, als in Despotie und Monarchie; -aber man erlaubt ihnen nicht, dieses Ziel zu überschreiten: ihre -anscheinenden Vorzüge sind avanturirt (erabentheuert) -- Es bleibt -Spiel was sie treiben -- Ihr Tichten und Trachten sind Kleinigkeiten -von Jugend auf und immerdar; und, was noch ärger ist -- der -widernatürlich zusammengeordnete Putz entstellt die natürliche Schöne -des Körpers so sehr, daß die _Frage_ der Gemahlin des Kaisers von -_Marokko_, an die geputzte Frau des Holländischen Consuls: _bist du das -Alles selbst?_ -- oft _ihr Glück versuchen_ könnte. - -In der Aristokratie sind die Herren Aristokraten zum Neide und zur -Eifersucht so berufen, daß sie zu verlieren befürchten, wenn sie ihren -Weibern einen Vorzug verstatteten -- und da selbst die Französische -Revolution ihren Zustand -- obgleich Weiber die Fahne derselben geführt --- nicht verbessert hat; so scheinen wohl die Verschiedenheiten der -Regierungsformen nicht bestimmt zu seyn, diesen Schaden Josephs zu -heilen: höchstens bleiben die armen Weiber beim _Mehr_ oder _Weniger_ -stehen. - -»Es ist wider die Vernunft und wider die Natur«, sagt ein Philosoph -der Welt, »daß Weiber die _Hausherrschaft_ führen; allein _Reiche_ -können sie regieren -- Im ersten Falle erlaubt ihnen ihre Schwäche -diesen Vorzug nicht; im andern stimmt diese sie zur Leutseligkeit und -Mäßigung. --« Mich dünkt, diese Bemerkung ist Sophisterei. Wer will -denn, daß Weiber das Hausregiment führen sollen? Nur da, wo, nach dem -altdeutschen Reim eines Reformators, ein Jeder seine Lektion lernt, -wird es wohl im Hause stehen. -- Es ist zu verwundern, daß jetzt, da -das halbe menschliche Geschlecht auf weiter nichts sinnt, als sich -mit Ehren unter die Haube zu bringen, noch so viel Policei im Punkte -des Punktes herrscht -- und daß, da das Frauenzimmer zu einer ewigen -Vormundschaft verdammt wird, es seine Rache bloß aus der ersten Hand -vom Ehemanne nimmt, und übrigens in der größeren Welt so sittsam und -menschenfreundlich bleibt. Strenge Aufmerksamkeit auf einen sich selbst -gegebenen Punkt unterdrückt das Gefühl des Schmerzes, und die größte -Krankheit verliert einen großen Theil ihrer Feindseligkeit durch die -Unterhaltung mit einem guten Bekannten, welche aber, wohl zu merken, -den Kranken unvermerkt, äußerst leicht und ohne angreifende Übergänge -beschäftigen muß. Ist die Ehe, nach jetziger Sitte, viel mehr als -eine Krankenunterhaltung, wodurch man so sehr die lange Weile als -die Anstrengung vermeidet, und vorzüglich das andere Geschlecht von -jenem schrecklichen Gefühle seiner Abhängigkeit und Unterdrückung -ableitet? -- Ließen die Männer sich öfter als jetzt merken, daß sie -das Verhältniß der Geschlechter besser, als die Natur, zu ordnen -wüßten, wie weiland _Alphonsus_ das Schöpfungswerk weit besser als -der Schöpfer Himmels und der Erden zu verstehen vorgab: so wäre -den Männern höherer Klassen schon längst von ihren aufgeklärten -Damen der Krieg angekündigt; jetzt aber, da Männer diese Saite fast -gar nicht berühren, oder höchstens sich über diese Sache etwa so -auslassen, wie _Machiavell_ über die Tyrannen: -- jetzt bleibt es in -besseren Volksklassen beim Frieden, und in den geringeren ist der -Unterschied zwischen männlichem und weiblichem Werth und Unwerth zu -unbedeutend, oder jene geringeren denken zu wenig an ihre Bestimmung, -um anders als thierisch zu wissen, daß zwei Geschlechter unter den -Menschen sind -- Wird dann etwa (im Jubeljahr) unter uns ein _St. -Pierre_, ein _Bayard_, ein _Heinrich IV._ geboren; so läßt das -andere Geschlecht, des Verdienstes dieser hervorragenden Männer -halben, dem ganzen männlichen Geschlechte Gnade widerfahren. -- -- -Laßt uns aufrichtig seyn! Alles wodurch Menschen sich auszeichnen -können, ist dem Frauenzimmer benommen. Ein Cartel erniedrigt es so -tief, wie eine ungerächte Beleidigung den Ehemann; und in die Klasse -der Unedlen, der Knechte, ward es unter dem Schreckbilde, daß die -Gränzen seiner fräulichen Schamhaftigkeit verletzet werden könnten, -verstoßen, damit nur unser Geschlecht sicher bliebe, nie von ihm zum -Zweikampfe gefordert zu werden -- Nicht die Ähnlichkeit, sondern -das Gesetz bestimmt vermöge der Ehe den Vater; es benennt ihn, und -leidet keinen Widerspruch. Wie war es möglich, daß, da die Natur -unmittelbar die Mutter bestimmt, daß, da diese so unbezweifelt gewiß -wie unsere Existenz und der Tod ist -- die Kinder in solch eine -Unerkenntlichkeit ausarteten! daß nicht gutgesinnte unter ihnen sich -vereinigen, um ihre Mütter aus der Schmach zu reißen, in der sie von -wegen des Geschlechtes schmachten! Das männliche Geschlecht spielt mit -außerordentlichem Glück -- Wenn die Väter ihren Töchtern vermöge des -Geschlechtstriebes nicht so liebreich zuvorkämen, wie es gemeiniglich -der Fall ist; vielleicht würden diese schon längst eine Conspiration -veranlaßt haben, um Menschen aus Mädchen zu machen, die jetzt aus Sitte -nicht sehen, hören und denken dürfen, die allein in der Einsamkeit -das Recht haben dreist zu seyn, und nur im Selbstumgange jenen -schrecklichen Klosterzwang ablegen können, der sie in Gesellschaft zur -entsetzlichsten Einsamkeit verdammt. Was kann man von dieser Erziehung -erwarten, die von der Heuchelei dirigirt wird, nach welcher selbst -der Plan, zur Heirath Anlaß zu geben, so insgeheim ausgeführt werden -muß, daß oft das lauteste _Nein_ das herzlichste _Ja_ bedeutet! -- -Alle jene Gesetze zur Fortpflanzung des menschlichen Geschlechtes, -jene Aufmunterungen zur Ehe, die Drei-Kinder-Ehre -- was sind sie -anders, als unnatürliche Hülfsmittel, die alle aufhören würden, wenn -man Männer und Weiber in den Gang der Natur einlenkte? -- Wie würde -sich hier Alles von selbst verstehen! -- Man trachte zuerst nach dem -Reiche Gottes und nach seiner Gerechtigkeit; und in Wahrheit, alles -Andere wird von selbst zufallen. Darum Leute im Staat ehren, weil -sie in der Ehe leben, weil sie Kinder, weil sie drei Kinder haben; -darum, weil man die meisten Kinder hat, zuerst im Rathe votiren -- -ist eben so wunderbar, als die Seele nach dem Körper messen; und -jener General hat sich mit uns ausgesöhnt, der Specialkarten verwarf, -und nur Generalkarten wollte, weil er General war, oder der es nicht -begreifen konnte, daß man ein großer Mann seyn und doch nicht über -vier Zoll messen könne. -- Vielleicht kommt noch die Zeit, daß man -belohnt wird, weil man essen und trinken oder schlafen kann! Mit -Volksmenge allein ist dem Staate nicht gedient, wohl aber mit Bürgern, -die mit der natürlichen Beschaffenheit und der Größe desselben in -richtigen Verhältnissen stehen, die frei, arbeitsam, wohlhabend und -wohldenkend sind. Und selbst die Volksmenge! würde sie nicht über die -Hälfte vermehrt werden, wenn man das andere Geschlecht zum Volk zu -machen sich entschließen, und Weiber zu Colonisten im Staat aufnehmen -wollte? Man wende einmal die Münze um; und der Revers der Sache --? -Zu elenden Kunstgriffen muß man sich herablassen, wenn man die Winke -der Natur vernachlässiget -- Merkwürdig ist es, daß selbst Weiber zu -einer gewissen Zeit in _Rom_ durch Kinder sich aus der beständigen -Vormundschaft hinaus gebären konnten! -- Die Freigeborne mußte deren -drei, die Freigelassene vier haben. -- - -Heil den Gesetzen, die nicht ansehen, was vor Augen ist, sondern die -nach dem Beispiele des Stifters des Christenthums das Herz verlangen; -die es auf den inneren Menschen anlegen; die nicht äußere Schäden -verbinden, sondern heilen; nicht Palliative bewirken, sondern das Blut -reinigen! -- - -Derjenige, der später bezahlt, bezahlt weniger -- Die bündigste -Antwort, wenn von der Erlaubniß, Zinsen zu nehmen, die Frage ist. Wie -viele Verzögerungs-Zinsen werden wir dem andern Geschlechte schuldig -werden --! Als _Cromwell'n_ gerathen ward, seine Tochter _Carl dem II_ -zu geben, nachdem er _Carl den I_ hatte enthaupten lassen, war seine -Antwort: »Nein; denn könnte er wirklich vergessen, was ich that,« fügte -er hinzu, »so wär' er nicht werth, eine Krone zu tragen --« - -Sollten die Weiber nicht dereinst über kurz oder lang ihre Existenz -den Männern beweisen, so wie weiland _Alcibiades_ die seinige den -Atheniensern, die ihn zum Tode verurtheilt hatten? Sollten sie nicht -auch ein _Sparta_ finden, um ihren Atheniensern von Männern den -Krieg anzukündigen? sie, die schon jetzt während ihres fünfjährigen -Pythagorischen Stillschweigens so deutlich zu erkennen geben, wie sehr -sie verdienen für mündig erklärt zu werden? sie, die mit zwei Augen -mehr sehen, als _Argus_ mit hundert? sie, die schon jetzt, noch ehe -erschienen ist, was sie seyn werden, privilegirte Seelen aufzuweisen -haben, die es mit unserem Geschlechte aufnehmen? sie, welche die -Sphäre ihrer Zeitgenossen durchbrechen und, ohne sich nach Brücken -umzusehen, mit Geistesflügeln sich erheben und, wenn es nicht gehen -will -- sich hinaus denken und wie _Felix_ auf einen gelegenern -Augenblick warten? -- Oder wie! ist es Wollust, keine Wollust zu -genießen? ist es ein Göttermahl, zu fasten? ist bloß Streben unsere -Tugend, und Hoffnung unser Glück --? Beweiset nicht ein großer Theil -der Weiber, daß edle Seelen auch in Ketten frei sind, wie ein Herrscher -bei entgegengesetzter Denkart sich in _^selbsteigener^ Sklaverei_ -befindet? Der schlechteste Herr, der nur zu finden war! So diente -_Alexander_, und _Diogenes_ war frei -- _Alexander!_ dem ein Seeräuber -in die Augen zu sagen den Alexander-Muth hatte: kleine Diebe hängt man --- _Diogenes!_ der, als _Alexander_ ihm Gelegenheit gab, sich eine -Pension zu erbitten, (und eine größere, als alle zusammen genommen, die -FRIEDRICH II seinen Leib-Philosophen und Dichtern gab) nur verlangte, -daß Se. Alexandrische Majestät geruhen möchte, ihm, der werth sei, von -der Sonne beschienen zu werden, diesen Vorzug nicht länger zu rauben. --- _Diogenes_ beurlaubte _Alexandern_: der reiche Bettler den armen -ihm die Cour machenden Weltbesitzer. -- Gründet sich fortschreitende -Vervollkommnung des menschlichen Geschlechtes, und wahre, nicht -Schein-Aufklärung, auf eine unpartheiische Kenntniß der Natur, und auf -die Einsicht, ihre Gaben recht zu gebrauchen; so kann kein politischer -Zwang Menschen behindern, an ihrem Glücke zu arbeiten, und die Würde -der Gerechtigkeit und ihre wahren Verhältnisse zu Allem, außer sich, -einzusehen. -- Selten wird ein Mann leugnen oder nur bezweifeln, was -allgemein angenommen ist; ein Weib aber rechnet es sich zum Vorzuge, -täglich dergleichen Ausnahmen zu machen. Oft thut ein Weib es früher, -als es die Umstände beprüft hat; und wenn es dann aus der Noth eine -Tugend zu machen sich gedrungen sieht, so ist es angenehm zu bemerken, -wie es Gründe sucht und findet, wodurch es bei seinem Wagestück von -_Nein_ sich bei Ehren erhält, und sich, wenn nichts mehr, so doch den -Vorzug erwirbt, sonderbar zu scheinen. Ein Glück, das dem Verstande in -Nothfällen übrig bleibt, um zu zeigen, wie viel man zu thun im Stande -gewesen wäre, wenn man nicht zu vielen Hindernissen unterliegen müssen. -Wir sind mehr für die Gewohnheit, Weiber mehr für die Neuheit -- Beide -Neigungen lassen sich aus der Lage beider Geschlechter ziemlich richtig -erklären. Was geht dem andern Geschlechte ab, um würdig zu seyn, in -den vorigen Stand zurückgesetzt (_in integrum_ restituirn) zu werden? -Die Thränen der Weiber sind nicht bloß Beweise der Schwäche, sondern -auch Beweise der in ihnen wohnenden Kraft. Sind Thränen nicht schon im -gemeinen Leben öfter Anzeigen des Entschlusses, als der Reue? und haben -nicht Schuld und Unschuld ihre Thränen? Daß übrigens nicht bloß Weiber -und Kinder greinen, (wenn von Verstellung der Geberde bei Thränen die -Rede ist) sondern auch Männer, wird selbst dem gemeinsten Beobachter -nicht entgangen seyn. Die Launen der Weiber werden in der That zu wenig -von uns beobachtet; wir würden hier oft auch bei kleineren Gewässern -tiefe Gründe finden, da hingegen jetzt diese Launen auf Flügeln der -Morgenröthe uns entfliehen, auch selbst wenn wir sie zurück zu halten -bemühet sind. -- Die Weiber wissen die wenigste Zeit, wie sie mit sich -selbst daran sind, und sie sollten mir danken, daß ich ihnen hier -eine nicht kleine Entdeckung mache -- sie sollten manches, was zu -ihrem Frieden, zum wahren, zum Frieden Gottes gehört, in ihrem Herzen -bewegen, um eine Stärke recht beurtheilen zu lernen, die sich bloß -- -auf ihre angebliche Schwachheit gründet. Von Liebenden sind uns alle -Ergebenheits-Bezeugungen verhaßt, wenn _wir_ nicht der eigentliche -Gegenstand der Neigung sind. Männer! habt ihr von euren Weibern mehr -als den Schein der Liebe? und verdient ihr mehr? -- Verdient ihr nicht, -daß sie euch nur in dem Grade lieben, wie Sklaven Tyrannen bedienen? -Es giebt Augenliebe, wie Augendienst. -- Hätte man die Weiber bloß -von einigen, augenscheinlich _origetenus_ und von Haus aus männlichen -Dingen ausgeschlossen; wer unter diesem sanften Volke hätte gemurret ---? Es hätte sein _Marlbrough s'en va t'en guerre_ geleiert, und damit -wäre Alles vergeben und vergessen gewesen. -- - -Die Macht kann überall weniger ausrichten, als die Weisheit. Wer sich -Gott als den _Mächtigsten_ denkt, ist sein _Knecht_; wer ihn sich aber -als den _Weisesten_ vorstellt, verdient den Namen seines _Kindes_. -- --- - - - - -V. - -VERBESSERUNGS-VORSCHLÄGE. - - -Soll es denn aber immer mit dem andern Geschlechte so bleiben, wie es -war und ist? sollen ihm die Menschenrechte, die man ihm so schnöde -entrissen hat, sollen ihm die Bürgerrechte, die ihm so ungebührlich -vorenthalten werden -- auf ewig verloren seyn? soll es _im_ Staat -und _für_ den Staat nie einen absoluten Werth erhalten, und immerdar -beim relativen bleiben? soll es nie an der Staatsgründung und -Erhaltung einen unmittelbaren Antheil behaupten? soll es nie _für_ -sich und _durch_ sich denken und handeln? ohne End' und Ziel nur -als Scheidemünze gelten? Werden wir uns bei diesen Fragen mit einer -wohlweisen Römischen Rechtsfiktion oder einem wohlhergebrachten -Verjährungs- und Besitzrechte aushelfen können, um sie ab- und zur -unangenehmen Ruhe zu verweisen? Werden wir selbst unser männliches -Gewissen mit Bedenklichkeiten über die möglichen Folgen, mit -Mißbräuchen und was dergleichen Popanze mehr sind, wodurch man Kinder -schreckt, beruhigen und diese Angelegenheit der Menschheit auf die -lange, ja lange Bank schieben können --? Dann ist freilich der schöne -Morgen der Erlösung noch nicht nahe. -- Werden wir uns aber hierbei -entbrechen können, uns selbst noch _Gothen_ und _Vandalen_ zu heißen, -was weiland unsere Väter waren, wenn wir nicht dieses Unrecht je eher -je lieber zu vergüten suchen? Mißbrauch des Rechtes verwirkt nicht -das Recht. Menschenrechte können niemals, Bürgerrechte nur durch -Felonie verloren werden; und was ist Felonie? Dies aus dem Lehnsrecht -entlehnte Wort (keine sonderliche Abkunft!) bezeichnet Alles, was man -der Lehnsverbindlichkeit zuwider thut oder unterläßt, und wird aus dem -Lehns-Contrakte beurtheilt. Da es sowohl für den Lehnsherrn als für den -Vasallen Rechte und Pflichten giebt, die sie einander schuldig sind; -so kann nicht nur der Vasall, sondern auch der Lehnsherr der Felonie -schuldig werden. Und wie? geht denn wegen einer jeden Handlung oder -Unterlassung, die dem Lehns-Contrakte zuwider ist, schon das Lehn -verloren? Ist der Lehnsherr, da er nichts mehr und nichts weniger als -ein Mensch ist, nicht vielmehr verbunden, den Vasallen zur Leistung -der contraktgemäßen That, und zur Vermeidung der contraktswidrigen -Unthat von Rechtswegen anzuhalten und auf Schadenersetzung anzutragen? -Werden Contrakte durch zugefügte Contraventions-Strafen geschwächt, -oder vielmehr verstärkt? Können die Handlungen eines Andern Jemanden -zugerechnet werden? und wenn der Vasall wegen Felonie das Lehn -verliert, ist der Lehnsherr nicht verpflichtet, es nach dessen Tode -demjenigen wieder zu geben, dem es nach dem Ableben des der Felonie -schuldig und des Lehnsbesitzes unwürdig befundenen Vasallen zufällt? -Kann je durch Felonie das Lehn aufhören? -- und wer machte denn den -Mann zum Lehnsherrn, und das Weib zur Vasallin --? sind sie nicht -beide göttliche Lehnsträger? -- Die Erde könnte vielleicht eher ein -Weib-, als ein Mannlehn heißen, und ist ohne Zweifel ein vermischtes -_Feudum_. -- Man lasse doch die Weiber-Felonie an seinen Ort gestellt -seyn, wovon Natur und Geschichte kein lebendiges Wort wissen, und -vergesse nicht, daß Gott dem Menschenpaar, welches ^ER^ (o, der -Menschenwürde!) abschattete, dieses Erden-Lehn anvertrauete, und daß -zwischen seinem Lehnrecht und der Stümperei des menschlichen keine -Vergleichung denkbar ist. -- So weit von bürgerlichen Rechten! -- über -Menschenrechte kann nur Gott richten; und in seine Hände zu fallen -- -wie wohl thut das, wenn wir die gehegten und ungehegten Banken der -Menschen dagegen halten! -- - -Ist es etwa Furcht, oder ist es bloß eine Grimasse derselben, die wir -vorgeben, um jener gegründeten und rechtmäßigen Forderung mit Anstand -ausweichen zu können? _Werdet wie die Kinder_, ist ein wohlgemeinter -Rath; denn nur die kindliche Furcht ist nicht unmännlich: sie besteht -in der Sorgfalt, dem auszuweichen, was den ewigen Gesetzen des Wahren -und Guten entgegen ist. Jene knechtische, wenn man aus Furcht vor der -Strafe thut, was die Gesetze wollen, oder unterläßt, was sie nicht -wollen, ist unmännlich, so wie ihre Verwandtin, die Befürchtung, -vermittelst deren wir den Gelegenheiten zuvorkommen wollen, wodurch wir -dergleichen Strafen und Strafgerichten unterworfen werden können. - -Wir wollen ein Geschlecht fürchten, das zur Liebe geschaffen ist, und, -wenn es zürnt, selten die Sonne über seinen Zorn untergehen läßt? das -bis auf Einen Punkt (und dieser ist eine Sünde wider den heiligen Geist -des Geschlechtes) dem Beleidiger zwei Drittheile des Weges entgegen -kommt, um ihm Versöhnung anzubieten! Wie viel mehr Ursache haben wir, -uns selbst zu fürchten, als ein Geschlecht, das, wenn man es in seine -Rechte einsetzte, uns, wo nicht Erkenntlichkeit, so doch Wohlwollen -schuldig wäre, und diese Schuld kraft seines Wesens und Seyns so gern -abtragen würde! - -Man sagt, es sey schwer zu hoffen, daß das menschliche Geschlecht, -welches von der Natur sich so weit und breit zu entfernen die -Ungezogenheit gehabt, das durch keine Religionsempfindung sich leiten, -durch keine Staatstäuschungen sich blenden lasse, sich zu Gesetzen -bequemen werde; und so liege denn die Furcht nicht so sehr aus dem -Wege, als man es gemeiniglich denke. -- Lieber! wie kannst du fordern, -daß das Menschengeschlecht sich ewig am Gängelbande wohl befinden -werde? Erregen jene Staatstäuschungen und jene Religionsempfindungen, -wenn sie nicht von Grundsätzen abstammen, nicht einzig und allein -Unglauben und Mißtrauen in Rücksicht der Gesetze? Sollte der Mensch -nie zur Achtung für Pflicht gebracht werden? Sollte er nie zu -dem Hauptprincip des Lebens gelangen: sei vernünftig? -- Sollen -denn Sinnlichkeiten ihm mehr als die moralische Vernunft und das -Sittengesetz gelten --? Wird er sich nie so weit erheben, seiner -geistigen Natur würdig zu seyn, und für das, was er nicht siehet, -Ehrfurcht und Achtung zu fassen --? Soll denn bloß Weichheit des -Temperaments ihn zur Neigung bringen? oder giebt es auch außer der -Temperamentsneigung, die, wenn sie geläutert wird, eine Herzensneigung -heißen könnte -- giebt es außer ihr auch eine Geistesneigung, so wie -es ein Geistesvergnügen geben kann --? Für nichts, was in die Sinne -fällt, hat der stolze Mensch in die Länge Achtung -- es familiarisirt -sich mit ihm, und es ist wie unser einer. -- Das einzige Mittel des -größten Helden und des größten Gelehrten, sich bei übermenschlicher -Ehre (was soll aber die?) zu erhalten, ist: sich zurück zu ziehen. -Sobald wir uns näher zeigen, geben wir uns wohlfeiler. -- Je höher die -Spannung war, je schneller läßt sie nach. Alles, außer sterben, muß -der Mensch _lernen_ -- Zu Allem, es sei gut oder böse, kann er sich -gewöhnen -- Ein scheues Pferd führt man zu dem Gegenstande zurück, -den es fürchtete; und wie? hier, wo das höchste Ziel seiner Würde auf -dem Spiele steht, sollte der Mensch auf seinen Nachdruck Verzicht -thun? -- Mit nichten -- Wir können und werden dahin kommen, daß wir -die Göttlichkeit der Gesetze in ihrem Heiligthum, in unserer Seele, -verehren und unser Herz durch jene Überzeugungen des Geistes gewinnen. -Noch würde sich freilich der Gesetzgeber gröblich verrechnen, wenn er -seine Gesetze auf festes Zutrauen zur Vernunft und zur Weisheit seiner -Bürger calculirte; allein wird die Menschheit nie die Kinderschuhe -ausziehen? Ist dies -- nun, so bleibe Alles Altflickerei, und der -Mensch schäme sich, daß er _Mensch_ heißt. -- Ist die Menschheit indeß -im Stande, zu jenem Grade der Vollständigkeit zu gedeihen, den sie -sich vorstellen kann, jene Tugend zu üben, die ihr im Ideal Freude -macht --; so entferne man den Nebel der Täuschung, wodurch man Menschen -betrog, die über kurz oder lang zum Gebrauche der Vernunft kommen -und sich betrogen finden müssen. Männer, würdet ihr die Furcht nicht -barbarisch und unmenschlich finden, wenn man euch Alles und Jedes -von Freiheit bloß darum entzöge, weil ihr es mißbrauchen könntet --? -Wie wollet ihr denn jene Furcht nennen, die euch abhält, dem andern -Geschlechte seine Ehre wiederzugeben? Die Zeiten sind nicht mehr, um -das andere Geschlecht überreden zu können, daß eine Vormundschaft wie -bisher für dasselbe zuträglich sei, daß sie seinen Zustand behaglicher -und sorgloser mache, als eine Emancipation, wodurch es sich mit -Verantwortungen, Sorgen, Unruhen und tausend Unbequemlichkeiten des -bürgerlichen Lebens belasten würde, die es jetzt kaum dem Namen nach -zu kennen das Glück habe. Wahrlich ein abgenutzter Kunstgriff des -unmenschlichen Despoten, wodurch er seinen feigen Sklaven das Gewicht -der Ketten erleichtern will! als ob die Freiheit mit allen ihren -Ungemächlichkeiten nicht der gemächlichsten Sklaverei vorzuziehen -wäre! _Glauben Sie nicht, daß das Wirtembergische Land Ihrentwegen -geschaffen ist_, schrieb FRIEDRICH II an den jetzt regierenden _Herzog -von Wirtemberg_; _sondern überzeugen Sie Sich, daß die Vorsehung Sie -hat geboren werden lassen, um ihr Volk glücklich zu machen_. Und -Männer! ihr wollt glauben, eine halbe Welt wäre zu eurem _bon plaisir_, -zu eurem eigentlichen Willen, das ist verdollmetschet: zu eurem -Eigenwillen, da? Thiere wirken; Menschen handeln -- Warum soll das -Weib nicht _Ich_ aussprechen können? Wahrlich ein sanftes Wort, denen, -welche die neidlose _Natur_ verstehen -- Wer die _Kunst_ versteht, -ist neidisch und verräth den Meister nicht -- Ist es nicht der größte -Menschenvorzug, sich selbst zu kennen? Unser Werth ist unsere Sache; -unsere Würde ist die Sache Gottes und gerechter Menschen. Hat Gott bei -dem anderen Geschlecht etwas versehen? oder sind es die Männer, die -sich an diesem Geschlechte wider den Willen des Schöpfers versündigen! -Warum sollen die Weiber keine Person seyn? warum nicht wissen: das -ist mir gut, und das ist gut, oder das ist vortheilhaft, und das ist -recht? Vieles, und fast das meiste, was mit Vergnügen anhebt, leistet -bei weitem nicht, was wahrhaft vortheilhaft ist -- Aus ächtem Vortheile -tugendhaft seyn, heißt sonst mit andern Worten: es in Reinheit seyn. - -Frankreich schreckt eben jetzt mit der Freiheit diejenigen Mächte, -welche die zu weit gegangenen Beschlüsse der Nationalversammlung -einzuschränken drohen. Gott! zu Ende des achtzehnten Jahrhunderts -- -wo kein Gespenst, und wär' es eins von nicht ganz kleinem Range, ein -Poltergeist, mehr Wirkung thut -- kann man mit _Freiheit_ schrecken --! -Dahin wär' es gekommen? Ach! auch selbst dem, der an der Kette erzogen -ist, blitzt der Name _Freiheit_ auf, dieser göttliche Funke, durch den -wir sind was wir sind, und der uns so wenig schrankenlos macht, daß er -uns vielmehr fester als Alles an das Allerheiligste der Gesetze bindet. -Das weibliche Geschlecht kam um die Menschenrechte ohne seine Schuld, -bloß durch den Schwung, den die menschlichen Angelegenheiten bei den -Fortschritten zu ihrer Cultur nahmen; Bürgerrechte, die es leider! -sehr zeitig und schon bei Entstehung kleinerer Familienstaaten verlor, -hat es nie, weder durch Unterhandlungen noch mit Gewalt, zu erringen -gesucht, und erwartet sie noch heute mit aller Selbstverleugnung von -unserer Gerechtigkeit und Großmuth. Und wir wollen es vergeblich warten -lassen? und das Gesuch, welches die Natur für die Weiber einreicht, zu -einer Zeit da Menschenrechte laut und auf den Dächern gepredigt werden, -mit einem aufrichtigen und deutlichen _Nein_ abweisen? - -Die neue Französische Constitution verdient eine Wiederholung meiner -Vorwürfe, weil sie für gut fand, einer ganzen Hälfte der Nation nicht -zu gedenken, ob sie gleich einem kleineren Theile derselben, der -überall wo er sich befindet, auf das Duldungsrecht beschränkt ist, -die Rechte aktiver Bürger zugestand. Alle Menschen haben gleiche -Rechte -- Alle Franzosen, Männer und Weiber, sollten frei und Bürger -seyn. Jene Vorschläge zur _dégradation civique_, wodurch die Männer -vermittelst einer feierlichen besonderen Formel der Ehre eines -Französischen Bürgers für unwürdig proclamirt werden sollten, falls sie -durch Verbrechen diese Strafe verdienten, sind nicht auf das andere -Geschlecht ausgedehnt. Über dieses sollte bloß der Fluch ausgesprochen -werden: Euer Vaterland hat euch einer infamen Handlung überführt -befunden -- - -_Mirabeau_, der zur gegenwärtigen Generation von Menschen sein -Zutrauen verloren haben mochte, setzt, wie alle große Thäter, sein -Zutrauen auf Erziehung, und weiset in seinem Posthumus _Travail sur -l'éducation publique_, die sein Arzt und Freund _Cabanis_ herausgab, -das Frauenzimmer zur Häuslichkeit und zu stillen, sanften Tugenden -an, (ist denn nicht jede Tugend sanft und still?) worauf das Glück -der Familien, und am Ende das Glück des Staates so sehr beruhe. Ohne -mich in den Streit einzulassen, der über den Grafen und Nichtgrafen -_Mirabeau_ von Freunden und Feinden übertrieben worden, sei es mir -erlaubt, der Behauptung zu widersprechen, daß Jemand in seinem -Privatleben ein elender Mensch, dagegen doch der tugendhafteste Bürger -und der höchste Grad desselben, ein geschickter Officiant, seyn könne. -Ein Mensch, der gegen Alles gleichgültig zu seyn vermag, was gut oder -böse, gerecht oder ungerecht ist, ein nicht rechtschaffener Mensch, -kann kein rechtschaffener Bürger seyn. _Horaz_ sagt: nur _Jupiter_ -gehe über den Weisen; der Weise sei reich, frei, gerecht, ein König -aller Könige -- Da das andere Geschlecht vom Menschen auf den Bürger -zu schließen gewohnt ist und jene Rollenspieler, die Nichts aus -Grundsätzen, Alles aber nach Zeit und Umständen sind, sehr richtig -berechnet; -- ist es Wunder, daß diese Glücks- und Unglücksritter das -andere Geschlecht zu entfernen suchen? -- - -Wir irren, wenn wir uns überreden, daß Weiber für die Ehrensache der -Menschheit, für den Kampf der Freiheit mit der Alleingewalt, keine -Sinne besitzen. Sie haben nicht bloß durch ihren lauten Beifall -bezeugt, daß sie den Werth der Freiheit zu schätzen wissen, und daß -das Gefühl für dieselbe noch lichterloh aufflammen kann; selbst thätig -haben sie mitgewirkt, die Fesseln zu brechen, die man der Nation -anlegte, und wahrscheinlich lag es nicht an ihnen, daß sie bei diesem -Schauspiele nur Rollen vom zweiten Range spielten. - -Die berühmte Verfasserin der Geschichte der Königin _Elisabeth_, Mad. -_Keraglio_, vertheidigt seit der Revolution in ihrem _Journal d'État -et du Citoyen_ die Rechte der Menschheit mit Freimuth, Wahrheit und -Stärke. Weiber fühlten jene Zurücksetzung, jenes tiefe Stillschweigen -bei einem so schönen Anlaß, jene Verstoßung, wenn es Staatsdienst gilt --- Eins unter ihnen wagte es, ihren Unwillen laut werden zu laßen. In -einem an die Nationalversammlung abgelassenen Briefe bemerkt es, daß -kein Wort in der Constitution von den Weibern vorkomme, obgleich die -Mütter Bürgerinnen des Staates seyn müßten. Es schmeichelt sich mit -dem Befehle, kraft dessen den Müttern erlaubt seyn werde, in Gegenwart -der Bürgerbeamten diesen feierlichen Eid abzulegen. Diese ehrwürdige -Ceremonie würde es wünschenswerth gemacht haben, Mutter zu seyn. Die -Geschichte sagt nicht, was von den Repräsentanten der Nation auf diese -Adresse einer edlen Französin beschlossen worden ist. Betrübt feire ich -heute ihr Andenken, heute den 18ten März 1792, da ich in öffentlichen -Blättern lese, daß die Franzosen, ungerührt durch diesen Wink, es dahin -kommen lassen, daß das andere Geschlecht dringender um diese Rechte -angehalten. Schöner würde es gewesen seyn, wenn man dem Geschlechte -mit der Bürgerehre zuvorgekommen wäre, und bei dieser ernsthaften -Sache kein Ärgerniß des Lachens gegeben hätte. Wehe dem Menschen, -durch welchen dergleichen Ärgerniß kommt! Würden wohl alle jene -Laternenscenen sich ereignet haben, wenn Weiber Aktivvotantinnen in -Frankreich gewesen wären? Durch geheimen Einfluß wird in jedem Staate, -besonders in freien, Alles verdorben -- Doch ist es die Frage, ob die -Pariser Damen schon die Selbstüberwindung gehabt haben, so weit zur -Natur zurückzukehren, daß sie die gute Sache menschlich und bürgerlich -beherzigen können -- -- Wahrlich! zu Deutschen Weibern ist größeres -Vertrauen zu fassen -- Wem Gott Kraft gab, gab er dem nicht auch das -Recht sie anzuwenden? sollen denn die Weiber ihr Pfund im Schweißtuche -vergraben, ohne es auf Wucher anzulegen, der dem Staate tausendfältige -Früchte bringen würde? - -Auf Vernunft und auf ihr Meisterstück, die Gesellschaft, kommt -es an, ob jener Kraftsanwendung freier Lauf zu lassen oder ob sie -einzuschränken sei; nie aber kann der Staat sich herausnehmen, sie ganz -unterdrücken zu wollen. Und wie? er wollte ein Räuber der Freiheit -seyn, welche zu befördern die Hauptabsicht seiner Existenz ist? - -Wenn Stände nur durch ihres Gleichen repräsentirt werden können; wenn -so gar unsere Vorfahren durch Ebenbürtige sich die Gesetze zumessen -und Recht sprechen ließen: wie kann man Weiber vom Staatsdienste -ausschließen, in so weit er sich mit der Gesetzgebung oder -Gesetzausübung beschäftiget? Will man etwa den Weibern die Weihe zu -diesen Mysterien abschlagen, um sie nicht unsere Schwäche da sehen -zu lassen, wo wir den höchsten Grad unserer Stärke hieroglyphisch -vorgeben? Man kann dreißig Jahre dienen und nur Ein Jahr leben, wie -weiland _M. Plantius_, welcher nur von _der_ Zeit an sein Leben zählte, -als er aufhörte für das Öffentliche, und anfing für sich zu leben -- -Ein lehrreiches Zeugniß auf Kosten des Staatsdienstes! Ist das Leben -für den Staat des Ehrennamens: _Leben_, werth, wenn es uns für unsere -eigene Person sterben läßt, uns vom selbsteigenen Leben entfernt --? -Nur als uns selbst können wir den Staat, unsern Nächsten lieben; -Alles darüber ist vom Übel. Wenn man nicht durch den Staatsdienst -vervielfältigt lebt, so liegt es entweder an uns oder am Staate; in -beiden Fällen bleibt die Krankheit gefährlich -- Ist es nicht der -gewöhnliche Fall, daß wir vor lauter Räderwerk nichts ausrichten, vor -lauter Eingängen das Thema vergessen? Kommt nicht vor lauter kluger -Vorsichtigkeit gemeiniglich Kleinheit zum Vorschein --? Die meisten -Staatsbeamten sind Accoucheurs eines Berges, der eine Maus zur Welt -bringt, die indeß bei der Taufe die prachtvollsten Namen erhält, und -fast mit noch mehr Paukenhall ins Publicum gebracht wird, als wenn -ein Schriftsteller sich selbst recensirt. Wer in großen Residenzen -zu leben die Gnade gehabt hat, wird mich am leichtesten verstehen --- Welcher Schweiß des Angesichts! -- Collegia und Ausschüsse, das -_Plenum_ und _Committés_, Gerichte und Commissionen! was für eine -Menge Papier wird getragen, geschrieben, gelesen! -- Agioteurs von -einer andern Art -- Papierhändler von höherer Würde! Scheint es doch, -als wäre Alles gegen Alle, weil Alle gegen Alle sind (_bellum omnium -contra omnes_); und doch bezwecken jene herkulischen Beschäftigungen, -jene Versammlungen, Richterstühle und Aktenberge das allgemeine Beste, -dessen Flor in den Kirchen bebetet und in Schauspielhäusern beklatscht -wird, (beides _ex officio_, von Amtswegen.) Ist es klug oder nöthig, -daß man so viele Holzhauer und Wasserträger, Virtuosen und Zünftler -in Athem setzt, um eine einzige Staats-Manège anzulegen? so viele -Meister politischer Art und Kunst, um ein Staatsregierungs-Exercitium, -ja Exercitium, zusammen zu stümpern? Nur Einen Hebel verlangte jener -Weise, um die Welt zu heben; und wenn das allgemeine Wohl solch eine -Anstrengung braucht, so liegt es gewiß, oder mich trügt Alles, an dem -politischen Oberrechenmeister -- Wahrlich diese so beschäftigten -Herren dienen nicht dem Staate, sondern der Staat dient ihnen -- Der -Weise, der diesem Staatspiele näher tritt und dessen _joujou_ bis auf -sein Schach kennt, überzeugt sich, daß Ein Kopf hinreichend ist, dies -Alles zu lenken. Waren nicht schon _Petrus_ und _Paulus_ streitig? -Ist nicht Ein Kopf vermögender, das Ganze zusammen zu halten und zu -übersehen? Man verlangt sonach nicht ohne Grund Einen Principalmeister; -wo aber Einer zu finden? Wer wird die Selbstverleugnung haben, -die vielen Künste zu verlassen und der Natur zu huldigen? wer den -Wortsturm aufgeben, das brausende Meer bedräuen, und zur Stille des -Denkens und Handelns eingehen? Wer, ohne zu befürchten, daß er beim -Fürsten und beim Volke verliere --? Das Volk wird durch den Schein -dieser fast übermenschlichen Anstrengung hintergangen, und der Fürst -desgleichen, der, wenn es nicht so viel Schweiß kostete, sich gewiß -näher mit diesen Staatsarbeiten bekannt machen würde -- und da möchten -denn die hohen und nächsten Staatsgehülfen sehr leicht auf eine -kleine Rolle zurückgesetzt werden und aus Staatsräthen in Schreiber -zusammen schrumpfen! -- Ich setze wenig oder nichts von Menschenübeln -auf Rechnung der Fürsten; gewiß das Meiste gehört auf das Conto der -Minister, die nicht schwach nicht stark, nicht kalt nicht warm, sondern -unentschlossen und lau sind, sich von jedem Winde hin und her treiben -lassen, Jeden um seine Meinung befragen und, wenn sie deren unzählige -gesammelt haben, nicht wissen, wozu sie sich entschließen sollen. -- -Wer selbst keine Meinung hat -- wie kann der aus so vielen die beste -finden? Hierzu kommt, daß Gemächlichkeit und ewiger Hang zum Vergnügen -sie noch stumpfer machen -- Sie kommen nicht aus den Beten heraus, -die sie abzuspielen haben! -- Noch ärger sind die, welche nicht über -ihren theoretischen Leisten gehen, immer Schuster bleiben, die sie -sind, und in armseliger Pedanterie Trost suchen und finden, wenn ihnen -nichts einschlägt -- Was können wir dafür, daß der Staat, den wir zu -regieren haben, sich nicht nach unserem _Orbis pictus_ und einem -_Compendio_ schmiegen will, das uns zum Pharos demüthigst empfohlen -worden? -- Allerdings! und welche Greuel, wenn die Minister gar Genies -zu seyn sich einbilden und zu Dero Haupt ein so unumstößliches Zutrauen -gefaßt haben, daß das große Wort: ER _hat es gesagt_, ihren Commis -hinreichend scheint, die einleuchtendsten Vorstellungen abzuweisen -und zu entkräften! -- Das _Recht des Vernünftigern_ ist ihnen, nach -ihrer, zwar etwas freien, indeß wie sie glauben nicht unverständlichen, -Übersetzung, das _Recht des Stärkeren_; und freilich -- wer darf -es wagen, der Gewalt, so lange sie am Ruder ist, den Verstand -abzusprechen? Jene gewaltigen Genies berechnen Alles an den Fingern -- -_Newton_ könnte von ihnen rechnen lernen; und freilich, wenn die Data -zu ihren Berechnungen richtig wären -- wer würde ihnen gleich kommen? -Zur Calculatur geboren, sind sie im göttlichen Zorn Minister und -Staats-Administratoren geworden -- - -Stumpfe Köpfe, ihrer eigenen Schwäche bewußt, sind für Collegia. -Das Sprichwort: vier Augen sehen mehr als zwei; bringt sie zur -Multiplication der Augen -- die blinden Leiter! In der Oper hilft -Jeder, der Schriftsteller, Spieler und Sänger, zum Ganzen -- und -da fallen Coloraturen, Läufe, schmelzende, verzweiflungsvolle, -schmachtende, fürchterliche Gänge vor, die der Verfasser den Spielern -und Sängern in Mund und Kehle legt -- Hier aber verläßt sich entweder -Einer auf den Andern, und sieht die Stunden, die er wohl bezahlt -absitzen muß, als eine ihm angewiesene Schlafzeit an, worin er sich -stärkt, um desto geistreicher am Spieltische zu glänzen; oder er hauet -die Kreuz und Quer ein, so daß nach vielstündigem Zank die Sache am -Ende weit übler als am Anfange steht, und der kleinere Theil die -schrecklichste Mühe von der Welt hat, nicht die Angelegenheit ins Reine -zu bringen, sondern das _per plurima_ herausgebrachte Schluß-Votum von -den Ungereimtheiten so vieler disparaten Meinungen zu säubern und zu -läutern, und es W. R. I., oder -- wenn es hoch kommt -- verständlich zu -machen. Der so witzige als einsichtsvolle Vorschlag, daß die Minorität -der Stimmen gelten sollte, ist der auffallendste Beweis, was man sich -zu diesen vierzig Perücken oder ihren Stöcken zu versehen habe -- Viele -Köche versalzen den Brei, und Ein Kopf ist mehr werth, als ein ganzes -Synedrium von -- -- Kinnbacken. -- - -Wenn die Staats-Officianten auf die Pflicht angenommen wurden, nichts -zu verderben und sich leidend zu verhalten -- wie viel weiter wäre -die Welt! - Sind das die hohen Collegia und hohen Stühle, von denen -man das schöne Geschlecht ausschließt --? Man sollte sie aufnehmen, -wie in freien Reichsstädten politische Kannengießer und Aufwiegler -zu Rathsgliedern, damit sie schweigen -- Vielleicht hätte man dies -Stratagen auch wirklich schon segensreich in Anwendung gebracht, wenn -man zu der Verschwiegenheit des schönen Geschlechtes mehr Zutrauen -fassen könnte. _Johnson_ sagt: man kann so sehr ein Mann nach der Welt -seyn, daß man nichts mehr in der Welt ist. Sollte man nicht weit eher -so sehr ein Staats-Officiant seyn können, daß man bei weitem zu der -Ehre ein Staatsbürger zu seyn, unfähig ist? -- Wahrlich, um sich wieder -zu orientiren, sollte man die Weiber zum Staatsdienste vociren -- -wozu sie unstreitig einen göttlichen Ruf haben, an dem es den meisten -Taugenichten von hohen Staatsbeamten ermangelt. - -Ist es zu leugnen, daß man in jedem Gesetz-Codex von den Grundsätzen -der natürlichen Gleichheit ausgehen, und mit dem Paradiese anfangen -kann und muß, wenn nur der Sündenfall nicht vergessen wird? Jene -Grundsätze der Gleichheit werden und müssen so gar bei ihrer Anwendung -auf den Staat das Resultat politischer Ungleichheit unter den Bürgern -herausbringen. Bei jener natürlichen Gleichheit gewinnt das andere -Geschlecht allerdings; allein auch die politische Ungleichheit kann -nie ein ganzes Geschlecht unwürdig proclamiren, in welchem es in der -Regel mehr Mündige, als in dem unsrigen giebt, und wozu vielleicht kein -anderer Grund vorhanden ist, als daß die Gesetzgebung bloß aus Männern -besteht. Soll ich bemerken, daß ich hier nicht bloß vom Gebrauche des -Mundes und der Zunge, sondern der Seele und des Herzens rede? So bald -Stärke, Obermacht und Verjährung nicht Gesetze abnöthigen; -- und wehe -der Staatsgrundlegung, die solche Ecksteine in Anwendung bringt! -- -so bald jede regelmäßige Gesellschaft so gar eben dazu entsteht, um -jene natürlichen Hervorstechungen in's Gleichgewicht zu bringen: so -hat das andere Geschlecht ein Recht, vom Staate zu fordern, daß er ihm -Gerechtigkeit erweise, daß er über die Schwächlichkeit des Körpers, -welche zum größten Theil durch Vorurtheil entstanden ist, die Stärke -der Seelen der Weiber nicht vergesse. Macht denn nicht die Seele den -Hauptbestandtheil der Menschen? Die natürliche Gleichheit erfordert -eine politische Ungleichheit, weil die Erhöhung des natürlichen -Werthes des Menschen nur durch eine gegenseitige politische Verbindung -derselben unter einander möglich ist, und hervorragende Menschen -durch Gesetze, so wie Genies durch Regeln, in Ordnung gehalten werden -müssen. Kann aber dieser an sich nicht unrichtige Grundsatz auf ein -ganzes Geschlecht gedeutet werden? Ist es gerecht, billig, rathsam und -nur menschlich, daß unser ganzes Geschlecht zu einer Standeserhöhung -gebracht und als der Mittelpunkt angesehen wird, um dessenwillen das -andere Geschlecht existirt? -- Es giebt nur zweierlei Thatsachen, von -denen wir Begriffe haben: Natur und Freiheit; und sowohl zur Physik -als zur Moral, haben Weiber unverkennbare Anlagen. Will man Natur und -Freiheit sinnlich abbilden, so müssen beide in Gestalt eines Weibes -dargestellt werden. Und was ist ihnen denn im Wege? das positive -Gesetz? Kein Gesetzbuch, und würde es mit Engelzungen reden, kann -_Formula concordiae_ und eine Augspurgische Confession werden. Gesetze -erziehen Menschen, und müssen sich, wenn Menschen mündig werden, von -Menschen erziehen lassen. -- Angenommen, Weiber wären körperlich -schwach -- angenommen! und was wäre da die Pflicht der Gesetze? in -den Schwachen mächtig zu seyn. Nicht die Starken bedürfen des Arztes, -sondern die Schwachen. - -Weiß ich denn nicht, daß manche Frau bei manchem Manne auch jetzt sich -wohl befindet? Was indeß bloß auf persönlicher Gesinnung beruhet, muß -seiner Natur nach wandelbar seyn; und es ist auch bei den tolerantesten -Gesinnungen im Staate nothwendig, daß keine intolerante Stelle im -Gesetzbuche bleibe. Wer steht für den Nachfolger im Reiche? Weiber -wissen ihre Männer zu überzeugen, als hätten Weiber keinen Willen. Doch -eben wenn sie auf ihren Willen in bester Form Rechtens Verzicht zu thun -scheinen, werden sie Alleinherrscherinnen, ohne den starken Glauben -ihrer Männer zu schwächen, als ob diese ganz allein regierten -- Sie -regieren nicht mit Gewalt (_vi_), sondern heimlich und bittweise (_clam -et precario_). - -Der Liebhaber glaubt in dem Dienst einer Göttin zu seyn, welche -Apotheosen so sehr in ihrer Gewalt habe, wie Facultaten Doktorhüte. -Der glückliche Geliebte dünkt sich wenigstens halb Gott, weil er so -glücklich ist, einer solchen Gottheit zu dienen -- Erwacht er über -ein Kleines aus diesem Traume; seht! so verwandelt sich die Raupe -nicht in einen Schmetterling, sondern in einen Zuchtmeister, und die -entgötterte Frau wird seine Sklavin; der Bräutigam wird nicht Ehemann, -sondern Ehevogt. So hörten Monarchen auf, Götter und _Divi_ zu seyn, -und hatten die Güte zu den Menschen herabzusteigen; doch würdigten -sie, um über anderen Menschen zu seyn, diese anderen eine Stufe unter -die Menschen hinab -- Halbe Wahrheit ist gefährlicher, als eine ganze -Lüge; diese ist leichter zu kennen, als jene, welche sich in Schein zu -verkleiden pflegt, um doppelt zu betrügen. Männer, laßt doch Menschen -seyn, die Gott zu Menschen schuf! _Laßt uns Menschen machen_, hieß -es, _ein Bild das uns gleich sei; und er schuf sie ein Männlein und -ein Fräulein_. Sie sind Bein von unserm Bein, und Fleisch von unserm -Fleisch; und warum nicht Bürger wie wir? warum nicht, da ihnen weder -Sinn noch Kraft zu Bürgertugenden gebricht, und es bloß darauf ankommt, -daß sie zu Bürgerinnen erzogen werden! Jetzt freilich, wie sie da sind, -zum Spielzeug, für Männer gemodelt; jetzt, wenn sie auf einmal aus -dem Gynäceum auf den großen Schauplatz des gemeinen Wesens, einen für -ihren Körper und ihre Seele so fremden Boden, treten und männliche -Rollen spielen sollten: jetzt würden sie kaum erträglich debütiren. -Wer fordert dies aber von ihrem Kopfe und von ihren Händen? Sie sollen -eben den Weg gehen, den wir gingen, eben die Wüsten betreten, die uns -auf der Bahn nach Kanaan beschwerlich wurden; nur durch Erziehung, -Unterricht und Erfahrung sollen sie das Ziel erreichen, dessen sie -so würdig sind -- Das Licht braucht beinahe acht Minuten, um von der -Sonne zu uns zu kommen, und wir sehen die Veränderungen, die in der -Sonne vorgehen, jedesmal acht Minuten nachher. _Pythagoras_ legte -seinen Schülern zuvor Schweigen auf, ehe ihnen die philosophische Zunge -gelöset ward. Dies mögen Fingerzeige für Männer und Weiber seyn: für -_diese_, um nicht auf Meisterrechte Ansprüche zu machen, ehe sie die -Lehrlingsjahre zurückgelegt haben; für _jene_, von einem Geschlechte, -das so lange vernachlässiget ward, nicht vor der Zeit Früchte der -Buße zu fordern. Der Verstand und die Natur kommen sehr leicht in -richtigen Einklang; und wenn Mittel unbedeutend scheinen, wenn sie es -wirklich sind -- wer wird Mittel nach eigener, und nicht vielmehr nach -der Größe des dadurch zu erreichenden Zweckes schätzen? Eine Eiche -von einem nicht kleinen Alter kann noch sehr jung heißen, wenn ein -gleichzeitiges Gesträuch und eine zu seinen Füßen blühende Blume an der -Gränze ihres Lebens sind -- Nicht im einzelnen Falle, in allen Fällen, -nicht im einzelnen Menschen, sondern im Geschlechte, offenbaren sich -die Ehre und der Zweck der Menschheit. -- Woher jetzt der Unterschied -in der Erziehung beider Geschlechter, der sich bei der Wiege anhebt -und beim Leichenbrette endiget? warum ein so wesentlicher Unterschied, -als wären beide Geschlechter nicht Eines Herkommens, nicht Eines -Stoffs, und nicht zu einerlei Bestimmung geboren? -- Die Scheidewand -höre auf! man erziehe Bürger für den Staat, ohne Rücksicht auf den -Geschlechtsunterschied, und überlasse das, was Weiber als Mütter, als -Hausfrauen, wissen müssen, dem besondern Unterricht; und Alles wird -zur Ordnung der Natur zurückkehren. Noch lange ist Erziehung nicht -das, was sie seyn könnte und sollte. Nur sehr spät fiel man auf das, -womit man hätte anfangen sollen: den Zweck der Erziehung zu bestimmen, -das Ziel aufzusuchen und seinen Lauf darnach zu richten. Statt daß wir -sonst, wie irrende Schafe, ohne Plan und Regel in das Weite liefen, sei -es unsere erste Sorge, heimzukehren zu der Natur und nicht außer uns -uns selbst zu suchen! -- Was hülf es dem Menschen, wenn er die ganze -Welt gewönne und an sich selbst Schaden litte! -- Ohne jenen Zweck der -Erziehung zerreißt das Band, welches alle einzelne Theile zusammen hält --- und in Kindern liegt das Reich Gottes. -- - -Zwar hat man in unsern Tagen angefangen, dies wichtige Staatsbedürfniß -zu beherzigen; aber auch kaum nur angefangen. Die Staaten und ihre -Repräsentanten selbst, deren erstes und wichtiges Interesse die -Erziehung ist, scheinen dieses Bedürfniß entweder noch nicht genug zu -fühlen; oder wohl gar sich für verpflichtet zu halten, den gemachten -Versuchen, Bürger zu bilden, Hindernisse in den Weg zu legen. Wenn -die Befehlshaber des Volkes bedächten, daß nichts als eine gute -Erziehung sie auf immer in dem Besitz gesetzlicher und auf Verträge -sich gründender Vorzüge sichern kann; sie würden zu dieser ihrer -Zeit bedenken, was zu ihrem Frieden dienet. Lange hat man Erziehung -und Unterricht, die doch ihrem Wesen, ihrer Form und ihrem Endzwecke -nach so sehr unterschieden sind, für Eins gehalten. Lange muthete -man Lehrern zu, die in der Regel selbst keine Erziehung hatten, sie -sollten zugleich Erzieher seyn; und man wußte nicht zu begreifen, wie -man gelehrt seyn und doch keine Sitten haben könnte. Fest glaubte man -an das goldene Sprichwort: daß Künste und Sitten Schwestern und Brüder -sind, und Niemand dachte daran zu untersuchen, ob Künste und Sitten -sich wie Ursache und Wirkung verhielten. - -Rechnet man zu diesen Mängeln den Umstand, daß die Hälfte des -menschlichen Geschlechtes entweder ohne alle Erziehung blieb, oder -verzogen ward, und daß gerade dieser Hälfte der wichtigste Theil der -Erziehung überlassen war; so ist es fast noch Wunder, daß wir Menschen -sind. Ohne allen Zweifel bestimmte die Natur das andere Geschlecht -zu diesem großen Erziehungsgeschäfte, und versah es mit den nöthigen -Anlagen und Fähigkeiten, mit den empfänglichsten Sinnen, mit den -feinsten Empfindungen, in der edelsten Sprache, selbst im Kleinen -und Zufälligen das Wahre vom Falschen, das Ächte vom Scheinbaren -zu unterscheiden -- um jene große Bestimmung zu erfüllen --. Die -_Sokratik_, die _Sokrates_ von seiner Mutter, einer Weisemutter (_sage -femme_), lernte, indem er auf Seelenentbindungen ausging und ein weiser -Mann (_homme sage_) ward, ist wahrlich dem andern Geschlecht eigen, -welches nie, auch beim Heißhunger, den Magen der Wißbegierde der -Kinder mit Kentnissen überstopft, sondern jeden neuen Begriff ihnen -einzeln zu denken giebt und ihn so viel wie möglich in Empfindung zu -verwandeln sucht. Jedem geistigen Gedanken geben Weiber einen Körper, -bekleiden ihn und verleihen ihm eine sinnliche Form. _Robinet_ meint, -die Natur habe den Weibern einen Hang zur Geschwätzigkeit gegeben, -damit sie die für die Kinder zu starke Wörterkost ihnen desto leichter -vorkauen könnten -- Heißt das nicht, einer herrlichen Naturgabe einen -bösen Leumund machen? _Rousseau_ sagte zu _Grétry_, der ihm seine -Hand bot, um ihm über einen Haufen Steine zu helfen: _Laissez moi me -servir de mes propres forces_; und wem ist jene Entwickelung der in den -Kinder-Seelen liegenden Ideen natürlicher, als dem andern Geschlechte? --- Es spinnt sie heraus, knüpft das Sinnliche an geistige Begriffe -durch Bilder und Gleichnisse -- Wir sind für heroische Methoden; -folgt indeß nicht nach einer Bravurarie jederzeit eine Leere, da ein -zu lebhafter Eindruck dem Effekte des Ganzen schadet? -- -- Es kommt -nicht darauf an, eine gute Empfindung zu erregen, sondern die Summe der -Empfindungen zu ziehen und auf sie zu wirken. Wie richtig sind hier -_wenn_ und _wie_! Alle Wege des Wanderers zwecken ab, an einen Ort zu -kommen; alle kleine Flüsse gehen zum großen Meere -- -- -- - -Wie ist es aber möglich, daß Weiber diesem Berufe genügen können, -wenn jene Anlagen und Fähigkeiten so wenig entwickelt werden! Man -vernachlässiget sie nicht bloß; man unterdrückt sie absichtlich. Das -Kind ist geschlechtslos; warum sind wir der weiseren Natur zuvor -geeilt? warum haben wir früher die Geschlechter abzusondern angefangen, -als die Natur uns dazu einen Wink gab? Das Kind ist gesellig, nicht -weil es durch einen besondern Trieb dazu gereitzt wird, sondern aus -Bedürfniß und um thätig zu seyn. Nicht das moralische Gefühl, welches -den Menschen an seines Gleichen kettet, um sich ihnen mitzutheilen, um -durch den Umgang mit Andern das Eckige seines Charakters abzuschleifen -und um sich durch Andere zu vervollständigen -- nicht dieses Gefühl -macht das Kind gesellig. Was kennt es mehr als sein Bedürfniß? Es will -genährt und vergnügt seyn: darum ist es gesellig; es ist gesellig -zum Zeitvertreib -- Wo es diese Absicht erreicht, befindet es sich -wohl; Geschlechtsunterschiede stehen, so wie moralische und geistige -Eigenschaften, mit seiner Gesellschaft in gar keiner Beziehung -- - -Erst um das zwölfte Jahr fangen unter dem Europäischen Himmel die -Geschlechtskeime an bei dem weiblichen Theile sich zu entwickeln -und nie gewohnte Unruhe, eine vorher unbemerkte Ahndung und sanfte -Sehnsucht zu erwecken. So lange sollte unter Kindern Alles bis auf -die Kleidung gleich bleiben, weil die Natur es so will. Erziehung, -Unterricht, Zeitvertreib können für beide Geschlechter einerlei seyn, -weil in diesem Zeitraume die Bildung sich mit dem Menschen beschäftigen -und für die Entwickelung jener Anlagen sorgen soll, ohne alle Rücksicht -auf anderweitige Bestimmungen, als auf die erste ehrwürdigste: einen -Menschen nach der urkundlichen Deutung der Natur darzustellen. - -Auf diesen einzigen Endzweck müssen es alle pädagogische Bemühungen -anlegen, und indem sie den jungen Kindern Hebammendienste leisten, den -Spielraum für die ersten Versuche der erwachenden Kräfte erweitern, und -nur nach und nach mit großer Vorsicht es wagen, den üppigen Auswuchs -zurückzuhalten, und dergestalt mittelbar den Trieben der Natur die -eigentliche Richtung zu geben. Der Unterricht bedarf in diesem Zeitraum -eben so wenig besondere Rücksichten auf Geschlechtsunterschied, als -auf künftige bürgerliche Verhältnisse. Hat das Kind von diesem Allen -selbst nur Ahndungen? geschweige denn Begriffe! und bleibt nicht aller -Unterricht in dieser Rücksicht für dasselbe todter Buchstabe, bis nach -dem Laufe der Natur Empfänglichkeit für diese Lehre sich entwickelt? -Aller Unterricht muß sich in diesem Zeitraum auf das einschränken, was -der _Mensch_ glauben, wissen und thun soll. - -Warum der Unterschied zwischen weiblichem und männlichem Unterricht, -da Mann und Weib noch nicht geboren sind? Sind Spiele für Kinder -das, was sie seyn könnten und sollten? Nur in unsern Tagen, als die -Erziehungskunst einen neuen Schwung erhielt, fing man an, den großen -Einfluß derselben zu bemerken; allein machte man nicht, wie gewöhnlich, -einen schlechten Gebrauch davon, wenn man das Spiel zu einem -allgemeinen Unterrichtsmittel erhob? Spiele müssen nie zur Methodik -werden; wohl aber können sie Anlässe zur Bereicherung des Gedächtnisses -und zur Übung des Verstandes seyn. Wenn sie den Unterricht erleichtern, -so ist und bleibt ihr Werth bloß subjektiv. Bei Spielen der Kinder muß -jederzeit die Absicht zum Grunde liegen, sie auf eine ihrer Fähigkeit -und ihrem Alter angemessene Art zu beschäftigen. Nur dürfen die Kinder -diese Absicht nicht errathen; sonst ist das Spiel verloren. Früh indeß -müssen Kinder angewöhnt werden, Spiel und Geschäfte zu unterscheiden, -um diese achten und lieb gewinnen, jene aber entbehren zu lernen, -wenn sie anders nicht ewig Kinder bleiben sollen. Doch warum mehr -Bemerkungen über einen Gegenstand, der jetzt das dritte Wort unserer -Schriftsteller ist, und auf allen Dächern gepredigt wird! Ich kehre -mit dem Vorschlage zurück, daß so lange bis das Kind zum Mädchen oder -zum Knaben heranreift, beide unter den Händen und der Aufsicht des -weiblichen Geschlechtes bleiben sollten. Der Staat und das weibliche -Geschlecht würden dabei gewinnen. Alle Kinderschulen sollten Weiber -zu Aufseherinnen und Lehrerinnen haben, weil die Natur das weibliche -Geschlecht dazu mit ausgezeichneter Fähigkeit hinreichend ausgestattet -hat. Reinlichkeit, ein zur Erhaltung der Kinder so nöthiges und -wichtiges Erforderniß, Sanftmuth, Geduld, Ausdauer bei anscheinend -kleinlichen Beschäftigungen, Mittheilung, Redefertigkeit, und andere -zur Kindererziehung unentbehrliche Eigenschaften, scheinen dem -weiblichen Geschlechte von Natur eigen, bei dem männlichen dagegen -bloß Kunstfertigkeiten zu seyn. Wie sich Natur zur Kunst verhält; so -würde sich auch eine Kindererziehung durch Weiber gegen die jetzige -verhalten. Schon gegenwärtig ist ihr Antheil groß; was würden wir -ohne ihren Beistand vermögen? O, was für eine Schule für Mütter -mittleren Standes, wenn eine Hauscapelle weinender und heulender -Kleinen ihre Geduld prüft, und die Kinderfragen heranwachsender -neugieriger, verschämter Mädchen und dreister Buben sie in Verlegenheit -setzen! Ich begreife nicht, wie manches treffliche Weib so heterogene -Angelegenheiten zu bestreiten vermag -- Dort windet sie dem kleinen -Feldmarschall _Jakob_ Gabel, Messer und Scheere aus der Hand; hier -reißt sie dem vielfräßigen Domherrn _Peter_ schädliche Dinge aus dem -Munde; bald verscheucht sie von der kleinen schlafenden _Jette_ die -Fliegen; und wie schwer ist der Wildfang _Karl_ zu befriedigen, der -von Einem Zeitvertreibe zum andern abspringt! Wie viele Vigilien und -wie viele Tageslasten sind ihr Theil und Erbe bei den ihr obliegenden -Familiensorgen! -- Ist nun gleich die Dame höheren Standes, die nach -Landes-Sitte und Brauch das strenge Recht für sich hat, ihre Kleinen -wie Findelkinder zu behandeln, bei weitem so beschäftiget nicht; ist -sie es indeß nicht immer weit mehr, als ihr geschäftiger Müßiggänger -von Gemahl, der, mit großen Kleinigkeiten und vornehmen Gebrechen -beladen, außer der Spinnstube seines hohen Collegiums, noch so viel -anderes anzuspinnen hat, was freilich fast immer darauf hinausläuft, -schlichte Dinge zu verwickeln, und den leichtesten Sachen einen -Anstrich von Bedeutung zu geben! Des großen Staatsspinners! -- *Doch -wie? würden Weiber wegen ihrer Furchtsamkeit und aus Gefühl ihrer -Schwäche die Kinder nicht noch mehr verzärteln, und das menschliche -Geschlecht nicht noch weichlicher machen, als es gegenwärtig schon -ist?* Ein Einwurf, der nicht ohne Grund zu seyn scheint; allein nichts -mehr als ein Gespenst, welches unsere Einbildungskraft in Schrecken -setzt, aber desto mehr verschwinden muß, je mehr die Weiber sich ihrem -Ziele nähern. Zärtlichkeit oder eigentliche Schwächlichkeit des Körpers -ist oft ein Erbtheil der Geburt, und ungleich seltener eine Folge der -weichlichen Erziehung. Im letzten Falle kann die Geschicklichkeit des -Erziehers im Knaben- und Jünglingsalter wieder herstellen, was übel -verstandene Zärtlichkeit im Kindesalter verdarb; da aber, wo der -Keim schon kränkelt, wird die pflegende Hand der Kunst, anstatt eines -Baumes, immer nur ein Zwerggewächs erziehen. Völlig wird jene Furcht -verschwinden, wenn die Ordnung der Natur, die wir umkehrten, wieder in -den vorigen Stand gebracht wird, und wir fürs erste uns entschließen, -das andere Geschlecht bei diesem Geschäfte zu leiten. Schon hat man -zum Theil aufgehört, das Kind in eine Puppe zu verwandeln, es in -Federn zu ersticken, und, wenn es sich des einzigen Mittels seiner -Lunge bediente, um sich aus seiner peinlichen Lage zu befreien, es -mit Theriak oder einer sanften Hirnerschütterung zu betäuben; und -gewiß, man wird aufhören, Kinder der Luft und dem Wasser zu entziehen, -so bald die Weiber sich selbst bei dem Einflusse dieser Elemente -behaglicher fühlen werden. Schon hat man die bisherige Knabenkleidung -verdächtig zu machen gesucht, und dem Kinderanzuge überhaupt den -Zwang vorgerückt, wodurch der Einfluß der Luft auf den ganzen Körper -verloren geht, die Ausdünstung gehemmt, die Brust verengt, das -Herz unterdrückt, Saft und Kraft -- wenn gleich (was leider nur -selten der Fall ist) Alles unverdorben auf die Welt gebracht seyn -sollte -- frühzeitig erschlafft und die Maschine übereilt wird. Die -tyrannische Mode! Selbst unsere Mahler und Bildhauer sind ihrethalben -der traurigen Verlegenheit ausgesetzt, zu einem idealischen Costume -ihre Zuflucht zu nehmen, da die Ungereimtheiten der Mode nicht bei -dem Altare des Geschmackes bestehen -- Eine feine Rache, welche die -Natur an ihren Verächtern nimmt --! Bei Gelegenheit der bürgerlichen -Weiberverbesserung wäre nichts leichter, als eine Kleiderordnung in -physischer und moralischer Rücksicht in Gang zu bringen, sie wohlfeil, -natürlich und einfach zu stellen, und diese Sache gleich fern von -Übertreibung und Montirungssucht in Erwägung zu nehmen. Nur aus -unverzärtelten, festen, wackern _Kindern_ werden unverzärtelte, feste, -wackere _Leute_! -- Lasset die Weiber erst sich selbst stark fühlen, -und sie werden an Leib und Seele starke Kinder leiblich gebären und -geistlich wiedergebären -- sie zur Welt bringen und erziehen. Warum -soll denn die Haut mit der Sonne in Feindschaft leben? Fehlgeschlagene -Hoffnungen, Unterdrückungen, Collisionen sind der Geschmeidigkeit des -Charakters, den Grazien der Sitten ungünstiger, als jenes unbiegsame -Äußere. Vom Gefühl einer edlen Freiheit, hangen Muth, Freimüthigkeit -und jene umfassende Heiterkeit ab, die auch durch die finsterste -Stirn bricht und auf der rauhesten Oberfläche durchschimmert -- Und -was gilt euch mehr: jene zweideutigen Aussprüche zu Delphi, oder eine -unbiegsame Aufrichtigkeit? Aufrichtigkeit bahnt den Weg zur moralischen -Allmacht -- wogegen durch lebensartige Feinheit der Absicht ganz -entgegengesetzte Wirkungen resultiren -- Je nachdem man auf diesen -oder jenen Umstand Licht fallen läßt; je nachdem thut er Wirkung -- -Hat die Furchtsamkeit ihren Grund nicht bloß in dem Gefühl des Mangels -an körperlichen Kräften und in der Beschränktheit des Verstandes? Ein -berühmter Englischer General bemerkte, daß seine Truppen nie mehr Muth -hatten, als wenn ihr Magen mit Pudding und Roastbeef angefüllt war. -Hunger macht feige, Mangel blöde, Unterdrückung verzagt. -- - -Die Weiber zu _Sparta_ kannten weder Weichlichkeit noch Furchtsamkeit. -_Ich habe ihn für das Vaterland geboren_, war die heroische Antwort -jener Spartanerin, als man ihr die Nachricht brachte, ihr einziger Sohn -sei in der Schlacht gefallen. - -Entwickelt sich der Unterschied der Geschlechter im Knaben und Mädchen, -so muß der Bürger auf den Menschen gepfropft, der Stand des Bürgers -an den der Natur geknüpft, und die Vorbereitung zu mannigfaltigen -untergeordneten Bestimmungen eröffnet werden; und nun ist es Zeit zu -einem sichtbaren Merkzeichen der Absonderung der Geschlechter. - -Diese Geschlechts-Einkleidung wird alle besorgliche Folgen, welche -die Natur-Uniform etwa bei den Schwachen, die doch immer unter uns -sind, erregen möchte, unausbleiblich vertilgen, Knaben und Mädchen, -die als Kinder vertraut waren, in Fremde (wenn gleich nicht in -Wildfremde -- und weshalb auch das?) umschaffen, und Alles bis auf die -Rückerinnerung ihrer ehemaligen Bekanntschaft vertilgen. Würde nicht -diese Geschlechts-Einkleidung auf einmal den einzigen Unterschied, den -die Natur beabsichtiget hat, zwischen beiden Geschlechtern festsetzen, -ohne dadurch einen bürgerlichen Unterschied herauszubringen oder zu -erzwingen, und ohne dadurch Sitten und Wohlstand im mindesten in -Gefahr zu setzen? Dies wäre der Glockenschlag, welcher Erziehung -und Unterricht der Geschlechter- und Bürgerbestimmung näher bringen -würde. -- War nicht schon bei den Römern eine ähnliche Einrichtung in -Hinsicht auf das männliche Geschlecht? und sagt nicht die Geschichte, -daß der Jüngling Vaterlandsliebe und alle große Eigenschaften eines -Römers mit der _toga virili_ (mit dem Mannskleide) anlegte? Es ist -eine Schande, eine Stunde länger zu leben, als man hätte leben sollen; --- allein es bleibt eine eben so große Schande, eine Stunde früher -zu leben anzufangen, als man dazu fähig ist -- und so wie das Ende -das Werk krönt, und der letzte Tag der Richter aller seiner Vorgänger -ist, so sollte man gewisse Tage aussondern, und sie zu Denkmählern -machen. Jener Tag der Geschlechtsabsonderung, der bürgerlichen -Einsegnung, würde zu diesen festlichen Tagen gehören. Ganz müßte -das Erziehungsgeschäft in dieser neuen Epoche noch nicht den Händen -der Weiber entzogen, noch weniger ein Unterschied in Erziehung und -Unterricht zwischen beiden Geschlechtern veranstaltet werden, bis auf -die Verpflichtungen, zu denen jedes von der Natur besonders berufen -ward, welche, in so fern sie für diesen Zeitraum gehören, bei jedem -Geschlechte durch Personen des seinigen gelehrt werden müßten; wogegen -alles Übrige ohne Rücksicht auf diesen Unterschied, so wie die Umstände -es forderten oder erlaubten, von Personen beiderlei Geschlechts gelehrt -werden könnte. Da Mann und Weib eigentlich nur Ein Mensch sind; so kann -auch selbst nach jener Geschlechtsabsonderung keine völlige Scheidung -eintreten: Was Gott zusammen fügt, soll der Mensch nicht scheiden --- In der Epoche, welche bei Mädchen etwa bis zum 16ten, und bei -Knaben bis zum 18ten Jahre dauern könnte, müßten beide Geschlechter -zu den bürgerlichen Bestimmungen vorbereitet und in Allem, was darauf -Beziehung hat, ohne daß man auf den Geschlechtsunterschied Rücksicht -nähme, unterrichtet werden. Daß hierbei die völlige Entwickelung des -Menschen nicht aufzugeben oder nur bei Seite zu setzen ist, versteht -sich von selbst. Würden bei dieser soliden Einrichtung nicht mit -dem mannbaren Alter beide Theile ohne Unterschied unbedenklich da -hingestellt werden können, wo sie, dem Staate nützlich zu seyn, -Anlage zeigten? Entwöhnt dem größten aller Übel, der langen Weile, -die mehr als der Tod zu fürchten ist, müßten jetzt der Jüngling und -das Mädchen Geschäfte angewiesen bekommen, wozu sie mit Neigung -und Geschicklichkeit versehen sind. Ehre, Rechte und Belohnungen -werden alsdann nicht ein Geschlechts-Prärogativ, sondern Folgen des -persönlichen Verdienstes. Weiber, die bisher ein Etwas ohne Namen und -Rechte waren, würden auf diese Weise Personen und Staatsbürger werden. --- _Plato_ wollte die Vertheilung des Privatvermögens den Gesetzen -in die Hände spielen. So viel Gerechtigkeit auch in dieser Idee zu -liegen scheint, zu so vielen Ungerechtigkeiten würde sie verleiten. --- Das Vermögen der Weiber indeß, wenn sie gleich ganz allein darüber -zu verfügen glauben, _scheint_ bloß ihrer Gewalt unterworfen zu seyn; -denn eigentlich sind Männer die Eigenthümer desselben, die mit diesem -Kreuz, das sie wohlbedächtig in Händen behalten, sich zu segnen nicht -ermangeln. Wie viele Kassen-Defraudationen hier vorfallen, liegt -am Tage. -- Bloß der Entschluß der Weiber, sich dem Staate nicht -entziehen zu wollen, setzt sie in das Eigenthum ihres Vermögens, und -sie werden nur sich selbst nöthig haben, um zu denken und zu handeln. -»Er beleidigte nicht mich, sondern den, für den er mich ansahe,« sagte -König _Archelaus_, als man ihn auf der Straße mit Wasser begossen -hatte; -- und so wird das andere Geschlecht sich oft erklären müssen, -und sich gern erklären, ehe jene Grundsätze, es ehren zu wollen, weil -ihm Ehre gebührt, zur Gewohnheit geworden sind. - -Die Physiokraten halten in ihrem System die producirende Klasse der -Staatsbürger für die nützlichste, und da für den Staat der Nutzen -das Einzige ist, was die Rangordnung der Bürger bestimmt; da dieser -Nutzen die Bürger klassificirt: wie wollen wir denn eine ganze -Hälfte des menschlichen Geschlechtes, welche an der Hervorbringung -und Fortpflanzung desselben den wesentlichsten Antheil hat, von der -Bürgerehre ausschließen? und da wir sie schon ohne Urtheil und Recht -willkührlich aus angestammter Machtvollkommenheit ausgeschlossen haben, -ihnen die Wiedereinsetzung in den Paradiesstand verweigern? Werden sie -nicht, gehörig dazu vorbereitet, mit Ehren rathen, helfen, fördern in -allen Staatsnöthen? Bis jener hingeworfene Umriß einer neuen Ordnung -der Dinge in seinem ganzen Umfange in der bürgerlichen Gesellschaft -eingeführt werden kann, öffnet, Männer! der jetzigen weiblichen -Jugend je eher je lieber unsere Educations- und Lehranstalten, und -erlaubt ihr, an der Erziehung und dem Unterrichte, so wie er hier -gelehrt und gelernt wird, Theil zu nehmen, ohne euch von der Furcht -vor nachtheiligen Folgen abwendig machen zu lassen. Prüft jene -hämischen Alltagszweifel: es wird Anstoß, Aufsehen, Ärgerniß geben, -es wird nachtheilige Folgen haben; -- prüft, und ihr selbst werdet -sie unentscheidend finden. Man kann sich vor der Furcht, und auch vor -der Hülfe fürchten. Soll eine verwerfliche Einrichtung der Dinge, -und wenn sie tausend mahl tausend Jahre gewährt hätte, auch bei dem -unbehaglichen Gefühl des Nachtheiligen, bei der gewissen Aussicht einer -besseren Zukunft, darum noch ungestört fortdauern, weil ihre Abänderung -mit Schwierigkeiten, vielleicht mit anscheinend bedenklichen Folgen, -verknüpft seyn _kann_? Wäre je in der Welt etwas Großes unternommen -worden, wenn wir das Für und Wider so ängstlich abgewogen hätten? -Wäre der Mensch da, wo er gegenwärtig ist, hätte er je so merkliche -Fortschritte gethan, wenn er, nach der Weise des Elephanten, ehe -er den Fuß weiter fortbewegt, ängstlich untersucht hätte, ob der -Boden, den er betreten wolle, auch fest sey? -- Anstoß! Wie man dies -Wort von weitläuftigem Bedeutungsbezirk nimmt. Unsere symbolischen -Vorfahren hätten gewiß den schrecklichsten Anstoß genommen, wenn in -einem Erziehungshause Kinder mit und ohne Vorhaut zusammen gekommen -wären, um an allerlei Unterricht Theil zu nehmen. Welchen Nachtheil -für das Christenthum würde man befürchtet haben, wenn ein Abkömmling -des Stammes Juda mit dem Sohne eines General-Superintendenten aus dem -blinden Heiden _Cicero_ Menschen- und Bürgerpflichten gelernt hätte! -Und wer kennet nicht Staaten, wo dies ohne das leiseste Geräusch der -Eiferer bewirkt wird, und ohne daß die Grundfesten des Christenthums -auch nur die mindeste Erschütterung befürchten? - -_Die Sittlichkeit würde Gefahr laufen!_ - -Wie denn das? Werden nicht schon jetzt Mädchen und Jünglinge von -einem und demselben Geistlichen, zu einer und derselben Zeit, auf -eine und dieselbe Art in der Religion unterrichtet? Die Anstalt ist -schon da; sie darf nur ausgedehnt werden. Und was kann uns behindern, -_die_, denen wir in der Kirche gleiche Rechte mit uns einräumen, in -die Bürgergemeinschaft aufzunehmen? Werden Mädchen und Knaben durch -gemeinschaftlichen Unterricht zu _Christen_ vorbereitet, warum sollen -wir sie nicht gemeinschaftlich zu _Bürgern_ erziehen? Sollte denen, -welchen die erforderliche Anlage zu Himmelsbürgern zugestanden wird, -der Beruf zur Staatsbürgerschaft abgesprochen worden? Warum leiden in -dieser Gemeinschule die Sitten nicht, obgleich der Religionsunterricht -in Jahren ertheilt wird, wo der Geschlechtstrieb äußerst reitzbar ist? -Sind die Schüler und Schülerinnen dort nicht eben so wie hier unter -Aufsicht? wird ein kluger Lehrer und Erzieher den Veranlassungen zur -Erweckung des Geschlechtstriebes nicht überall geschickt auszuweichen -wissen, und jede Belehrung über die künftige Bestimmung seiner Zöglinge -so einzulenken verstehen, daß die Folgen nicht schädlich, sondern -segensreich ausfallen? - -_Wird das andere Geschlecht unseren Erwartungen entsprechen? wird es -unsere Bemühung lohnen?_ - -Wir wollen also erndten und uns der Mühe überheben, zu pflanzen? Auf -welche Art werden wir uns von der Tragbarkeit des Bodens versichern, -wenn wir ihn nicht anbauen? Hat denn nicht bis itzt jeder Boden dieser -Art den auf ihn verwendeten Fleiß gelohnt? und dürfen wir hier einen -andern Erfolg befürchten, wenn wir es unserer Trägheit nur abgewinnen -können, einen ernstlichen Versuch anzustellen? In Alles was die Natur -hervorbrachte, legte sie Keime, die nur einer Veranlassung bedürfen, -um entwickelt zu werden. Würden nicht die Weiber jedem bürgerlichen -Stande, zu welchem man ihnen Zutritt vergönnte, Ehre machen? Und -welches bürgerliche Geschäft könnte, so lange sie durch ihre besondere -Geschlechtsbestimmung nicht daran behindert würden, unter ihren -wohlwollenden Händen sich schlechter befinden? Müßte das Ganze wegen -des Wetteifers, der zwischen beiden Geschlechtern entstehen würde, -nicht unendlich gewinnen? Nicht die Nymphe _Egeria_, welche _Numa_ -selbst, nicht _Pythia_, welche die Helden des Alterthums um Rath -fragten, wenn sie Gesetze geben, wenn sie Länder erobern wollten, nicht -die _Aspasien_ und _Phrynen_, zu denen ein _Perikles_, ein _Sokrates_ -in die Schule ging, um Weisheit und Regierungskunst zu lernen -- -sollen sich hier der Beispiellehrstühle bemächtigen. Jene hat die -Fabel in ein ätherisches Gewand gehüllt und sie unserm Auge zu weit -entrückt, als daß wir sie noch ferner dem Geschlechte zum Vortheil -anrechnen könnten, ob sie gleich seinen Namen führen und keine Fabel -ohne Wahrheits-Ingredienz anfängt und vorhanden ist -- So hieß der -Grosoncle eines von den weltberühmten Lügnern neuerer Zeit, _Josephs -Balsamo_, der sich _Graf Cagliostro_ nannte: _Cagliostro_ -- Lauter -Lügen halten so wenig zusammen, daß nie etwas Vernünftiges, etwas -Ganzes herausgebracht werden kann -- Will man den poëtischen Tugenden -jener weiblichen Heldennamen keine Glorie und keinen Ehrenschein -einräumen -- immerhin! wir haben auch prosaische Beispiele, um -außer Zweifel zu setzen, daß, ungeachtet das weibliche Geschlecht -(wenn gleich nicht durch ein förmliches Gesetz, so doch durch ein -stillschweigendes Übereinkommen, welches oft noch grausamer und -drückender ist) von der Stoa, der Akademie und dem Prytaneum entfernt -gehalten wurde; ungeachtet man den Weibern die Schulen des Unterrichtes -und der Weisheit verschloß, sie dennoch Gelehrte und Weise unter sich -aufweisen können, die ihre Namen durch Thaten und Schriften unsterblich -gemacht haben. Es würde nicht schwer fallen, in vielen Fächern des -weitläuftigen Gebiets menschlichen Wissens und menschlicher Kunst -weibliche Namen aufzufinden, die sich einen Anspruch auf Achtung und -Ruhm erwarben. Schon erwies ich einigen in so weit Gerechtigkeit, -als sie sich durch große Eigenschaften auszeichneten. Wohlan! die -Geschichte mag auftreten, und uns bezeugen, welchen wichtigen Antheil -das weibliche Geschlecht an der Ausbreitung der christlichen Religion -nahm, und wie groß in dieser Rücksicht sein Verdienst um Sittlichkeit -und Aufklärung ist! Der Stifter dieser wohlthätigen, die Rechte -der Menschheit vertretenden und menschenfreundlichen Religion (die -sich so himmelweit von jenen _heidnischen Culten_ unterscheidet, -welche über die Götter die Menschen vergaßen, und eben so von den -_Jüdischen_, die den Menschen durch äußeren Zwang allmählich zum -Geiste der Tugend gewöhnen wollten, aber das Volk, bei der besten -Absicht seines Heerführers _Moses_, in der Wüste der Heuchelei und -der Äußerlichkeit ließen, ohne daß es je das moralische Kleinod -erreichte, wozu diese Umwege es anlegten) unterrichtete die _Schwester -seines Freundes Lazarus_, und gab der _Maria_ vor der bloß häuslichen -_Martha_ den Vorzug: _Maria hat das beste Theil erwählt, das nicht -von ihr genommen werden soll_. Die Geschichte der Apostel gedenkt -einer frommen _Tabea_, die sich nicht nur durch ihren Wandel unter -den Neubekehrten auszeichnete, sondern auch thätigen Antheil an der -Ausbreitung der Lehre nahm, die sie angenommen hatte. Nennet die -Kirchengeschichte nicht eine Menge von Weibern, die mit Heldenmuth -ihren Glauben bekannten, und sich weder durch Martern noch Verheißungen -in ihrem Bekenntnisse wankend machen ließen? die bei dem Verzicht auf -alle Hoheit, auf Ehre und Überfluß, unter Verachtung, Hohn, Mangel und -Verfolgung ihrer Überzeugung mit unerschütterlicher Standhaftigkeit -anhingen? Der Stifter der christlichen Religion bewundert so oft das -gläubige Zutrauen des andern Geschlechtes zu seiner Lehre, und hat -dasselbe so wenig von der Theilnahme an den Vorzügen der vernünftigen -lauteren Milch seines Unterrichtes ausgeschlossen, daß er es vielmehr -mit auf die Erhebung desselben und auf Befreiung von den Ketten, -die es trug, angelegt zu haben scheint. Und in der That, wenn diese -Religion in ihrer reitzenden kindlichen Gestalt erscheinen will -- -zeigt sie sich nicht in Kindern und ihren Pflegerinnen, den Weibern? -Weibliche Herzen sind, wenn ich so reden darf, mit den Lehren dieser -Religion gleichsam amalgamirt; denn in Wahrheit, die höchste Stufe -der Menschheit ist nicht speculirende Vernunft, nicht Philosophie -allein, sondern ein gewisses Etwas, das, wenn es Regierungskunst heißt, -eine Kunst ist, der die Natur selbst sich unbedenklich unterwirft --- Ein kühler Trunk kann Lebensgeister zu der Wohnung, die sie fast -schon verlassen hatten, zurückrufen, kann aber auch ein Gift für -den erhitzten Wanderer werden: Das Schwert, das uns beschützt, wird -leicht unser Mordgewehr. Die gebildete Freiheit, die sich so sehr -von der unregelmäßigen und von dem höchsten Grade derselben, der -Zügellosigkeit, unterscheidet, könnte _christliche Freiheit_ heißen. -Und ihre Schule? -- ist die Schule der Weiber. -- Wenn Männer mit -Verzichtleistung auf ihre Stärke, die so leicht in Leidenschaft -ausartet, eigentliche Christen werden, und Selbstrache, Blutvergießen, -alle Machtsprüche und Machtbeweise aufopfern sollen; so wähnen sie, daß -sie bei diesen christlichen Tugenden ihr Geschlecht einbüßen -- Es ist -schwer Gutes zu wollen und zu thun, wenn das so leicht auszuführende -Böse noch obendrein Ehre bringt -- Ich mag diesem Gegenstande -wohlbedächtig nicht näher treten -- -- -- - -Überall wo Genieflug und Kunstfleiß der Menschen hinreicht, treffen -wir Weibernamen an, die um den Preis ringen. Es sind nicht Weiber, -die auf einem ganz entgegen gesetzten Wege ihre Eitelkeit zu -befriedigen suchten, weil sie auf dem geschlechtsüblichen nicht -fortkamen; sondern solche, die, von ihrem Geiste getrieben, jene -Kräfte anlegten, welche die Natur ihrem Geschlechte so reichlich -und täglich gespendet hat. Welch eine ehrenvolle Stelle nimmt _Anna -Comnena_ unter den Byzantinischen Geschichtschreibern ein! Die -_große Tochter Heinrichs des Achten_, die England nicht durch das -Parlament regierte, sondern deren Wink für dieses, Staatsgesetz war, -vor der es die Knie beugte, die, wenn sie gleich nicht den stolzen -_Philipp_ so doch seine unüberwindliche Flotte überwand, hat eine -ihr würdige Geschichtschreiberin an der _Keraglio_ gefunden. In den -Jahrhunderten der Unwissenheit, wo tiefe Mitternacht die Völker -Europens von einem Ende bis zum andern bedeckte, wo alle Sehnen des -Geistes völlig abgespannt waren, versuchte es die Nonne _Roswitha_, -das heilige Feuer der Gelehrsamkeit wieder anzuzünden. _Die Dacier_ -und _die Reiske_ thaten sich durch Sprachkenntnisse hervor; und wie -viele machten sich nicht in England, Frankreich und Deutschland durch -Schriftstellertalente berühmt? Wem sind die Namen einer _Macaulay_, -einer _Genlis_, einer _Sevigné_, einer _la Roche_ unbekannt? - -_Weiber entdeckten nichts, erfanden nichts. Es gab unter ihnen keinen -Newton -- keinen_ -- -- -- - -Und warum? war es nicht ein Ungefähr, das von Anbeginn unter Menschen -Erfindungen zu Stande brachte? Schien nicht die Natur bei allen -menschlichen Erfindungen sich den Haupttheil zu reserviren? legte _sie_ -nicht dies beste Brot vor das Fenster? Wurden jene Entdeckungen und -Erfindungen nicht den Erfindern und Entdeckern in die Hand gespielt? -Lag es an Weibern oder an der ihnen verweigerten Gelegenheit, wenn sie -hier zurückblieben? -- Man räume ihnen Kanzeln und Lehrstühle ein, -und es wird sich zeigen, ob sie (der schuldigen Achtung für _Paulus_ -unbeschadet, welcher nicht will, daß die Weiber in der Gemeine sich -sollen hören lassen) nicht eben so gut unsere Überzeugung zu gewinnen -wissen. Ohne allen Zweifel werden sie sich einen noch leichteren -Zugang zu unserm Herzen bahnen. Schon sind uns hier die Quäker mit -ihrem Beispiele vorgegangen. Die Predigten der Weiber würden sich zu -den Predigten vieler unserer Seelenwächter sehr oft verhalten, wie die -von _Bourdaloue_ zu denen von einem Stümper seiner Zeit: Wenn dieser -predigte, ward _gestohlen_; wenn jener auftrat, ward _wiedergegeben_. -So wie es bei Körpern eine Ansteckung giebt, so auch bei Gemüthern -und Seelen; und wenn es allgemein nicht unrichtig ist, daß schon in -den _Augen_ Tod und Leben liegt, und daß gewisse Leute vermittelst -derselben beides, tödten und lebendig machen, können: so ist dies -besonders der Vorzug der Weiber -- Die ganze Zauberei scheint sich -aus den Augen herzuschreiben -- Auge und Athem sind die Seelenvocale -der Liebe und des Hasses; und wer versteht die Augensprache besser -als die Weiber? Sie können vermittelst derselben lange Reden im -Zusammenhange halten; und wer ist, der von dieser Beredsamkeit nicht -ein Zeugniß abzulegen im Stande wäre? -- Sind es aber bloß die Augen, -die bei den Weibern reden? Das ganze Leben der Weiber bestehet mehr -im Reden als im Handeln: ihre Reden sind gemeiniglich Handlungen; -und wenn wir einen Mann verachten, dessen Leben eher ein Lexikon als -eine Geschichte vorstellt, so ist dies nicht der Fall bei dem schönen -Geschlechte, das gewaltiglich spricht -- Das Leben eines Weibes würde -ein Conversations-Gemählde seyn -- wie bewunderungswerth ist es, -selbst in anscheinend unwichtigen, oder so genannten Nebenfällen! -Was Weiber _sagen_, fließt oft weit mehr aus ihrem Herzen, als das, -was Männer _thun_; und so haben ihre Reden für den denkenden und -empfindenden Menschen auch oft mehr Interesse, als viele Handlungen -der Männer. Durch Reden kann man, wenn ich mich so ausdrücken darf, -seinem Gedankengemählde ein gewisses Colorit mittheilen; und wie viele -Nüancen giebt es hier, wenn man bloß bei seinem Herzen Unterricht -nimmt! Man sollte fürchten, daß Weiber, an Toiletten gewöhnt, ihre -Gedanken und Empfindungen an diesem Altar durch Putz verderben würden. -Nein! diese Seelen-Toiletten überlassen sie gern unserm Geschlechte --- Selbst wenn viele unter ihnen von Amts- und Geschlechtswegen -Musterkarten des modischen Putzes und der gäng' und geben Hofeitelkeit -werden müssen, verändert ihr Ausdruck nicht seine Natur; Milch und -Honig bleibt ihre Rede. -- -- Heißt Genie Weisheit? Wörterkram und -Sophisterei Vernunft? Alles was nicht auf gesunden Menschenverstand und -moralische Religion berechnet werden kann, ist nicht wahre Weisheit -und ächte Vernunft. Falsche Perlen und Glanzgold, womit Weiber ihren -Körper schmücken, überlassen sie in Hinsicht des Geistes den Männern --- Die tiefste Wahrheit kann in eine Volks-Idee gekleidet werden, -und eine Wahrheit, die kein _Sokrates_ in das gemeine Leben bringen -kann, ist nicht viel mehr als Sophisterei, womit man seinen Kopf -nicht verderben und sein Herz nicht verfälschen sollte -- Weiber -sind geborne _Protestantinnen_, und haben die Religion der Freiheit, -die Anweisung Gott im Geist und in der Wahrheit anzubeten. Bei dem -systematischen Gerüste der Religionslehren finden sie kein Interesse, -und schwerlich werden sie je durch Doktorhüte in der Gottesgelahrtheit -gereitzt werden. Sie legen es nicht darauf an, Gottes Existenz zu -erweisen; vielmehr sind sie dem Neumonde von Philosophie anverwandt -und zugethan, der den unerweislichen Gott für ein Postulatum der -Vernunft erklärt, weil er zu unserer Glückseligkeit nothwendig ist. -»Wer gewisse Dinge erweisen will,« sagte _Frau v._ **, »zweifelt -entweder selbst, oder will den Zweifeln Anderer mit Höflichkeit -zuvorkommen.« Ein theures wahres Wort --! Das Minimum von Glauben, ein -Glaubens-Senfkorn, und die Vorstellung von der Möglichkeit der Existenz -Gottes, ist hinreichend, um _Alles_ aus uns zu machen, was aus uns -gemacht werden kann, und unsere Tugend menschenmöglichst untadelhaft -und rein darzustellen in der Liebe -- Der Zweifel anderer, besonders -in gutem Geruch stehender, kluger Männer verwickelt oft wider Denken -und Vermuthen (könnte man nicht sagen: wider Verstand und Willen?) -in Zweifel -- Weiber haben Gott _im Herzen_; und da sie wohl wissen, -daß wegen der zweckvollen Einrichtungen der Natur die Grundursache -als verständig gedacht werden muß: so kümmert es sie nicht, wie viel -oder wie wenig die speculative Vernunft zu diesem Glauben beitrage. -Der moralische Beweisgrund (er verdiene den Ehrennamen _Beweis_ oder -nicht) wirkt in ihnen einen lebendigen Glauben. Wie viele haben Gottes -Existenz tapfer demonstrirt und durch ihr Leben diese Demonstration -noch tapferer widerlegt! -- Seinen Willen thun, bleibt der beste -Beweis, daß er sey. Das größte Problem ist, den Menschen den _Willen_ -beizulegen; an _Einsicht_ fehlt es ihnen weniger. _Franklin_, ein -Mann, deßgleichen weder das Griechische noch das Römische Alterthum -aufzuweisen hat, sagte: »Gäbe es einen Gottesleugner, er würde sich -beim Anblick, von _Philadelphia_, einer so wohleingerichteten Stadt, -bekehren;« und die Erde, _diese große Stadt Philadelphia_, sollte -so viel nicht über den Gottesleugner vermögen, so bald er aufhört, -Alles nach seiner, eigenen kleinen Elle zu messen? Nicht auf unsere -Meinungen, sondern auf das kommt es am Ende an, was diese Meinungen -aus uns machten. -- -- Das Glück der Unschuld, die Würde der Natur, -der Drang nach Freiheit, die Freude eines stillen Lebens, der hohe -Werth der Kunst sich in sein Schicksal zu finden, sind Hauptgegenstände -der Weiber. Wie man aus dem Umgange den Menschen kennt, so bestimmen -seine Lieblingsgegenstände seinen Verstand und seinen Willen -- Jene -Verschiedenheiten des Ausdrucks, jenes Zurückhalten, ist bei Weibern -nicht wie bei uns Heuchelei; um Alles würden sie gewisse Dinge nicht -sagen, einer gewissen sittlichen Reinheit der Sprache nicht ungetreu -werden, und in plumpe Zweideutigkeiten und Zoten fallen, wenn auch -diese Sittsamkeit und Enthaltung weniger Reitze hätte. Die Keuschheit -des Körpers ist mit der Keuschheit der Seele und der Sprache in genauer -Verbindung -- Weiber kennen so wenig die Regeln als die Gränzen der -Sprache, überschreiten die ersteren, und erweitern die letzteren -- -Wie manche glückliche Bereicherung hat die Sprache ihnen mittelbar -und unmittelbar zu danken! Das Mittelmäßige kann im Geschlechte gar -nicht aufkommen; was sich unterscheidet, ist vorzüglich -- Sie reden -zwar noch, wenn sie schweigen; keiner ihrer Blicke ist sprachlos; -ihre unarticulirten Ausdrücke der Leidenschaften, wodurch Menschen -tief in das Herz der Menschen dringen, sind unüberwindlich --: -allein, wer ist beredter als sie, wenn sie wirklich sprechen! -- Jene -sprachlose Beredsamkeit kann weiter Niemand als sie auf Worte bringen -und übersetzen. Männer sagen oft nichts, wenn sie zu viel sagen, so -wie man nichts beweiset, wenn man zu viel bewiesen hat. In den Worten -der Weiber, auch wenn sie überfließen, liegt Absicht, Gewicht und -Nachdruck. Auge und Sprache sind Ein Herz und Eine Seele, und Weiber -haben nicht nur in ihrem Blick, in ihrem Auge und auf ihrer Zunge Hölle -und Himmel, Leben und Tod, Wohl und Wehe; sondern selbst ihr Hören ist -von der äußersten Bedeutung -- Sie hören anders als wir; und wer kann -den Einfluß leugnen, den das Gehör auf unsere Rede behauptet? -- Ich -kenne einen schwer beamteten vornehmen Mann, der in dem Rufe steht, -daß er alle Menschen höre; auch hört er wirklich Alles, was sich in -seinem Vorzimmer hören lassen will: und doch klagt alle Welt, daß er -nicht höre; -- entweder ist er zerstreuet oder unfähig zu verstehen. -Es giebt eine moralische Taubheit bei dem besten physischen Gehör -- -Man kann gütig und gerecht, unfreundlich und zuvorkommend hören -- Der -schüchterne bescheidene Jüngling zieht aus dem geneigten Gehör seines -Beschützers Muth und Leben, und man kann abhören, anhören, aufhören, -aushören und beim Hören in eine Art von Horchen fallen, welches durch -das Ohrenspitzen in Verlegenheit, wo nicht gar in Verwirrung, setzt -- -Weiber sind Meisterinnen in der Kunst zu hören, Original-Hörerinnen, -und ich weiß nicht, ob sie im Hören oder im Sprechen stärker sind. Es -ist leichter, mit dem Publico, als mit dem Cirkel fertig zu werden, -worin man lebt, wenn dieser Cirkel aus witzigen Weibern besteht; und -nicht der Männer, sondern der Weiber halben bleib' ich anonymisch, so -sehr auch meine Schrift den Weibern das Wort zu reden scheint. -- - -Die Weiber sind viel zu sehr Kenner des menschlichen Herzens, als daß -sie nicht wissen sollten, auch die verborgensten Falten desselben -auszuspähen, Leidenschaften zu erregen oder dem Ausbruche derselben -zuvorzukommen. Wer weiß mehr als sie, ihre Wuth zu besänftigen, je -nachdem es ihre Absichten erfordern! und gewiß würde es ihnen auf -dieser Bahn besser glücken, als den berühmtesten Demagogen. _Rom_ -würde vielleicht bald nach seiner Entstehung wieder in sein voriges -Nichts zurückgefallen seyn, wenn die neuen Römerinnen sich nicht -ihrer Räuber angenommen, und die entrüsteten Sabiner beruhigt -hätten. Was wär' aus _Coriolan's_ Vaterstadt geworden, wenn die -Mutter den Sohn nicht besänftigte? Ohne den Römischen Stolz und die -edle Aufforderung eines Weibes (_Margarethe Herlobig_) wäre der -Schweizerbund vielleicht nie zu Stande gekommen -- Die Überredungsgabe -eines Weibes übertrifft Alles, was Kunst je geleistet hat. Und ihre -Lehrmethode? In Wahrheit, Weiber sind äußerst lehrreich: sie sind so -große Lehrerinnen, als Erzieherinnen. Wer Weiber bloß auf Gefühle und -Empfindungen reducirt, kennt weder Gefühle, noch Empfindungen, noch -die Weiber. Oder wie? lehrt das Herz etwa den Kopf? verleihet das -Gefühlsvermögen dem Erkenntnißvermögen evidente Gefühle zum Vergleichen -und zum Entscheiden? Stammt das moralische Gefühl, wenn es anders ein -wirkliches Etwas seyn soll, nicht aus der Vernunft? Muß nicht der -Kopf dem Herzen Grundsätze so eigen machen, daß es die Achtung für -das Gesetz als Gewohnheit, als Gefühl ansieht? -- Das Herz, unbelehrt -von der Vernunft, kann wenig oder nichts ausrichten; es muß geistisch -gerichtet seyn -- Wenn der Philosoph, der Wortführer der Vernunft, -nicht wäre; was würde der Dichter, der sich nach dem Haufen richten und -selbst zu Volksunarten sich herablassen muß, Gutes stiften? Der Dichter -muß seine Weihe im Tempel der Vernunft erhalten und die süßesten -Gefühle an Grundsätze knüpfen, wenn er unsterblich seyn will. Weiber -verstehen jene Chemie, die man die höhere nennen könnte, Grundsätze -in Gefühle aufzulösen, und das, was der theoretische Hexenmeister -der Philosophie in schweren Worten ausdrückt, zur Leichtigkeit einer -Gewohnheit zu bringen -- Weiber haben Sitten, Männer Manieren: diese -werden durch Erziehung erworben, durch Nachahmung erlernt, durch -Umgang mitgetheilt; jene hangen von Herz und Vernunft ab. Man sagt: -Weiber wären kärglicher in ihren Wohlthaten, und an sich und von -Natur geitzig. Nicht also; ihre Neigungen des Wohlwollens entstehen -aus Grundsätzen, nicht aber aus dem vorübergehenden Rausche des -Mitleidens, wie es sehr oft bei uns der Fall ist. Seht! wie schön -wissen sie selbst bei angestammter Etiquette, bei den patentisirten -Manieren noch zu modificiren! Auch sogar bei der Liebe halten sie sich -nicht an das Formular und an die Agende.-- Wir haben unsern _Kubach_, -und alles ist in _bekannter Melodie_ -- Von Weibern könnte man sogar -sagen: _sie lieben insgesammt, doch jede liebet anders_. -- Zur -Hoffnung haben sie eine außerordentliche Anlage; überall wollen sie -Aussicht: ein Garten, der sie ihnen raubt, ist ihnen ein Gefängniß -- -Die gnädige Frau ist in guter Hoffnung, heißt: sie wird bald Mutter -werden --. Wir wollen alles fröhlich um uns haben, wenn _wir_ es sind, -und legen diese Fröhlichkeit unserm Cirkel so nahe, daß, er mag wollen -oder nicht, er einstimmen muß -- Weiber machen Alles fröhlich, wenn sie -es sind. Alle ihre Feste sind Erndtefeste, Laubhüttentage, welche die -Natur geheiligt hat; bei den unsrigen werden Kanonen gelös't -- sie -können sich ohne Tafelmusik behelfen. (Der leibliche, geistliche und -ewige Tod aller Unterhaltung.) An Gott denken, heißt ihnen Andacht; --- an sich denken, heißt ihnen sterben lernen, und philosophiren sich -verlieben; und wer so denkt der denkt wohl! -- wer so handelt, ist -nicht auf unrichtiger Bahn -- - -Sprachen sieht man nicht ohne Grund als den Schlüssel zu dem Magazin -aller Kenntnisse und alles Wissens an, und eine jede Sprache, die wir -erlernen, ist ein Schatz des Wissens, den wir fanden. Sprachen zu -lehren, wird ein besonderes Talent erfordert, welches seltener das -Theil und Erbe der Männer, als der Weiber, ist. Unsere zeitherige -Schulmethode Sprachen zu lehren, ist gewiß nicht von Weibern erfunden; -denn kaum würden diese mit der Grammatik den Anfang gemacht haben. -Seht da den Lehrer, der es sich Lastträgermühe kosten läßt, Kindern -begreiflich zu machen, warum der Römer die Wörter in seiner Sprache so -und nicht anders auf einander folgen ließ! seht da den Schüler, der -etwas begreifen soll, das schlechterdings unbegreiflich ist, so lange -er nicht weiß, wie die Römer ihre Sprache redeten oder schrieben. -Bleibt die Kunst eine Sprache sprechen zu lehren, nicht vorzüglich -den Weibern eigen? und sollte ihnen nicht der Sprachunterricht -ausschließlich überlassen werden? Gedächtniß, Einbildungskraft, und ein -gewisser Geist für das Detail scheinen, wenigstens so lange sie wie -jetzt sind, vorzüglich ihr Eigenthum zu seyn. Giebt es viele Beispiele, -daß man bei einem Sprachmeister die Französische Sprache mit Fertigkeit -sprechen lernte? Wer nicht ihretwegen eine Reise nach Frankreich that, -lernte sie von Mutter oder Gouvernantin. Kaum hat der Mann angefangen, -Materialien zu begreifen und anzufassen, so will er schon zusammen -setzen, generalisiren, Capitalien machen; -- allmählich zu sammeln, -dauert ihm zu lange. -- - -Wer kann den Weibern ein gewisses Kunstgefühl absprechen? und scheint -nicht weniger der Mangel an Anlagen, als ihre zeitherige Lage, Schuld -zu seyn, daß sie so wenig Vorzügliches in den schönen Künsten und -Wissenschaften leisteten? An dem reitzenden Schauspiele ringender, -wenn gleich oft auch unterliegender, Kräfte ist uns zuweilen mehr, als -an der Entscheidung und an prahlenden Siegen gelegen; und schlummert -nicht zuweilen auch selbst der große _Homer_? Werden nicht selbst sehr -wache Augen vom Schlaf überwunden? schläft nicht zuweilen _Brutus_? -Schöne Künste und schöne Wissenschaften erfordern einen weiten -Spielraum, leiden keinen drückenden Zwang, und gedeihen nur da, wo der -Geist, sich keiner Fesseln bewußt, das Gebiet der Einbildungskraft, -jenes Reich der Unsichtbarkeit, durchkreuzen kann. Auch bei der -größten Empfänglichkeit für schöne Formen und Gefühle, auch bei der -glücklichsten Organisation, wird, so lange der jetzige Druck dauert, -nichts Großes, nichts Vollendetes das Theil der Weiber seyn; eben -so wenig wie der Griechen, die bei den nämlichen Anlagen, bei dem -nämlichen milden Himmel, nie etwas, den unerreichbaren Meisterstücken -ihrer Vorfahren Ähnliches hervorbringen werden, so lange ihr Nacken -noch in das eiserne Joch der Türken eingezwängt bleibt. Wie wär' -es möglich, daß das weibliche Geschlecht, so lang' es im Käficht -eingeschlossen ist, und ein schnödes Vorurtheil seine Flügel lähmt, -sich in die höheren Regionen aufschwingen sollte? Die Seele pflegt -schwach zu seyn, wenn der Leib es ist, und Sklaverei erlaubt ihren -Gefesselten keinen Flug eine Spanne hoch über die Erde. Doch zeigten -_Einige_, daß sie Eines Geistes Kinder mit Männern wären; und irre ich -mich, oder ist es gewiß, daß sie weniger nach jedem Fünkchen eines -fremden Lichtes haschten, um es aufzufangen, als wir? Mit geübterem -Verstande, mit geschärfterer Empfindung, mit reicherer Phantasie, mit -festerem Charakter, werden sie reifere Früchte bringen, und in dem -Felde des Schönen, auf das sie ohnehin schon unleugbare Ansprüche -haben, Thaten thun -- werth der Unsterblichkeit. Man klagt nicht ohne -Grund: alle Oberideale wären mit dem Heidenthume verloren gegangen; -und da die ins Große gehende Kunst ohne Ideale nicht bestehen könne, -so schiene es, als ob unsere Dichter und Künstler sich nicht über die -gemeine und wirkliche Natur zu erheben im Stande wären. -- Vielleicht -ist es dem schönen Geschlechte vorbehalten, sich hier neue Bahnen zu -brechen, und mit neuer verjüngter Einbildungskraft zu schaffen was -verloren ging, ohne dem Segen der größeren und heilsameren Wahrheit der -christlichen Religion, welche für alle jene Ideale durch ihren weisen -und beglückenden Einfluß entschädiget, zu nahe treten zu dürfen. - -Unser Geschlecht hat Gelegenheit, so viel von der Prosa der wirklichen -Welt kennen zu lernen, und dünkt sich, die Wahrheit zu gestehen, in -derselben so gewaltig viel, daß es nicht umhin kann, der wirklichen -Welt, so _herrlich_ und _schön_ sie auch ist, keinen poëtischen Stoff -zuzutrauen. Unzufrieden mit Menschen, spricht es: »Laßt uns Götter -schaffen, ein Bild, das uns gleich und doch Gott sei!« -- Und da wird? -Seht doch, seht! ein Himmel voll Ganz- und Halbgötter, alle zusammen -nicht werth einen einzigen wackern Kerl abzugeben. An den himmlischen -_Harem_ mag ich gar nicht denken, der gewiß noch weit weniger ein -einziges braves Weib aufwiegt -- Wozu der Götterunrath? -- Mährchen, -sie mögen nun Volks- oder Helden- und Staatsmährchen seyn, gehören, -sagt man, für das Kinder- und Greisenalter; wer wird indeß diesen -Spielen der Einbildung nicht gern Gerechtigkeit erweisen, wenn sie -zum Ernste der Wahrheit leiten, und von der Vernunft die vollzähligen -Weihen erhalten haben? wer die Imagination nicht ehren, wenn sie -bei allen ihren Avantürier-Eigenschaften ein Sprößling der Vernunft -ist? -- Nur thut unser Geschlecht zu oft so äußerst nothgedrungen, -eine Abschweifung in das Reich der Möglichkeit machen zu müssen, -obgleich von der lieben Wirklichkeit noch so viel in Rückstand ist; --- nur will es zuweilen höchst unzeitig die Einfälle aus dem Reiche -der Einbildung zu Gesetzen in der Sinnenwelt, die vor uns liegt, -tausendkünsteln; nur macht es sich kein Gewissen daraus, die hehre -und mächtige Religion der Vernunft, welche sich bescheidene Flügel -beilegt, mit aller Gewalt zu überflügeln und, ohne sich mit ihr und -der Volksreligion zu berechnen, bloß auf Vergnügen auszugehen, wo -sich doch die Vernunft ihren Aufsehersitz und ihre Stimme nicht nehmen -läßt. Hier ist Stoff zum _neuen Himmel_ und zur _neuen Erde_. Und sag' -ich zu viel, wenn ich behaupte, daß dem andern Geschlechte hier noch -ein Richtsteig vorbehalten ist und Palmen, die nicht etwa im dritten -Himmel zu brechen sind, wo man zu unaussprechlichen Worten entzückt -ist -- sondern nicht fern von einem Jeglichen unter uns. -- Genug, -wenn seine Dichtkunst das Herz nicht verfehlt, wenn sie von Herzen -kommt und wieder zu Herzen geht. -- Was soll ein wildes Feuer? Ein -heiliges ist sein Ziel. Nie wird es sich erlauben mehr anzulegen, -und wär' es Cedernholz, als nöthig ist, und um die Wette wird seine -Dichtkunst mit der Cultur, Leidenschaften zu lenken und zu zähmen -sich bemühen -- der edelste Beruf der Vernunft und der Dichtkunst! -Grundsätze, welche die Vernunft im Allgemeinen lehrt, macht Dichtkunst -durch treffende Beispiele anschaulich. Wovon die Vernunft innerlich -überzeugt ist, das stellt die Dichtkunst in Lebensgröße unsern -sittlichen Augen dar, und bringt ein unaussprechliches Vergnügen zu -Stande, das einzige, das wir durch kein Opfer erringen dürfen -- und -das immer mit in den Kauf geht! -- Wie? dieser heilige Geist sollte -nicht über das andere Geschlecht ausgegossen seyn? diese Gaben hätt' -es nicht empfangen? O, ihr Kleingläubigen! -- als ob der Pegasus -bloß für Männer wäre! Dies so überaus gute Thier, das sich so viel -gefallen läßt, sollte keinen Quersattel vertragen? Sollte dieses -Vorurtheil nicht zu übersiebnen seyn? Allerdings. Wie herrlich sind -jene weiblichen Explosionen, die Lieder der Liebe der _Sappho_, -die selbst auch in Deutschland mehr als neun Schwestern hatte, von -denen eine der vorzüglichsten (_Karschin_), nachdem ihr der Dichter -FRIEDRICH II vier Gulden verehrt, und _Friedrich Wilhelm II_, der -kein Poët ist, ein Haus hatte bauen lassen, unlängst zu ihrer älteren -Schwester heimging. -- Darf ich mehr als _Elisen_ nennen, um _ihrem -Kopf_ und _ihrem Herzen_ den Rang beizulegen, der beiden gebührt -- -und der durch eine exemplarische Bescheidenheit noch mehr gewinnt? --- _Angelika Kaufmann_, die Schöpferin schöner Formen, und mehr -ihres Gleichen waren und sind Mahlerinnen. Der Vorwurf, den man der -_Angelika_ macht, daß sie männliche Gesichter zu weibisch mahle, ist -nicht ohne Grund; vielleicht nimmt sie hierdurch an unserm Geschlecht -eine heimliche Rache. Man sagt: Weiber würden nie Meisterinnen im -Portraitiren. -- Daß ich nicht wüßte; *_ra_** trifft zum Sprechen -- -zum Hören --. Wär' es in der Regel der Fall, so würd' ich es mir aus -dem Umstande erklären, daß sie immer Züge aus ihrer trefflichen Seele -hineinzeichnen, so wie Mahler der _Venus_ Züge von ihren Weibern und -Töchtern verehren. -- Mahlerinnen würden in dem Grade die Seelen der -Männer in ihren Portraiten verschönern oder verklären, wie Mahler die -Gesichter des andern Geschlechtes schminken -- Ist es, weil die Männer -von der Natur entfremdeter sind, als die Weiber; oder hat die Natur -wirklich zu dem andern Geschlechte mehr Vorliebe und Zutrauen; oder -macht es die Seltenheit, daß die Männer, weil sie zu wenig in die -Heiligthümer der Natur kommen, nicht recht wissen, wie sie mit ihr -daran sind? -- ich weiß es nicht. Wer kann indeß unter den Männern, -er sei Dichter oder Mahler, im Wonnegefühl der Natur, in der Fülle -ihres Genusses, darstellen, was er empfindet? -- wer erliegt nicht -unter der Gewalt alles Erhabenen und Schönen, das ihm zuströmt und ihn -entweder in einen Schlummer einwiegt, oder ihn so angreift, daß er den -zu großen Eindruck nicht umfassen und entwickeln kann. Der Schlummer -ist ein Beweis der Schwäche; und auch aus zu großer Spannung wird man -ohnmächtig. Diese Lagen (sowohl die Schlummer- als die Spannungslage) -darzustellen, ist Manchem unter den Männern so vortreflich geglückt, -daß, da alle geneigte Leser sich getroffen fanden, diese Darstellungen -als Meisterstücke bewundert wurden. Man erstaunte, daß die Kraft der -Kunst in dieser Schwachheit so mächtig war! Hat sich das Feuer des -Eindrucks gelegt, ist man aus einem entzückenden Schlaf erwacht, so -mahlen wir aus dem Spiegel der Zurückerinnerung, und die Natur hat -nicht Ursache, diese Copien für viel weniger als Originale zu halten --- Es sieht wie aus der ersten Hand aus, ob es gleich eigentlich aus -der zweiten ist. Weiber können im vollen Genusse der Natur diesen -Genuß beschreiben; auf das innigste in sie verwebt, verlieren sie den -Ausdruck nie; sie scheinen Ein Herz und Eine Seele mit der Natur zu -seyn, und da sie weder zu hoch gespannt sind, noch in süßen Schlummer -versinken, so gebricht es ihnen bloß an Dreistigkeit, um ihren -Naturgenuß auch Andere durch Darstellung geniessen zu lassen. -- Sie -können im ersten Feuer arbeiten, wenn wir uns zuvor abkühlen müssen. -Gewiß hatten wir manche weibliche _Ossiane_, wenn wir es wollten; und -was wäre unsere _Karschin_ geworden, wenn man ihr nicht die Flügel -der Morgenröthe durch den Unterricht in der Mythologie beschnitten -hätte! Die Originalität gedeihet nur im Schooße der Freiheit; und kann -wohl die Natur durch Weiber vernehmbar seyn, ehe Männer aufhören, die -Weiber (diese Gefäße zu Ehren) zu bevormündern, und ehe Geist, Herz -und Zunge dem andern Geschlechte gelöset werden? -- Wozu dies Alles -führen soll? Männer, wo nicht aus Pflicht, so doch aus Kunstneugierde -zu reitzen, daß sie den Schooßkindern der Natur die Geistesfreiheit -nicht länger vorenthalten, ihre Kräfte nicht weiter unterdrücken, -und ihre Vernunft durch unzeitige Blödigkeit nicht vor wie nach -zurückhalten. Die Dichter, die Helden, die Weisen der Vorzeit sahen -keine andere Sonne, erblickten keine andere Natur, als wir: Jene -göttlichen Natureingebungen, welche die Uralten hatten, können wir noch -neutestamentlich aus Hand und Mund der Weiber mit Danksagung empfahen. --- - -»_Musik_?« So unbestritten die weiblichen Talente für die Musik -sind; so wird ihnen doch der Vorwurf gemacht, daß sie noch keine -Obermeisterin in der Composition aufweisen können. Es fehlt ihnen -ohne Zweifel auch hier an Muth, um zu dieser Obermeisterschaft zu -gelangen; schon befriedigt, wenn sie Compositionen der Großmeister -unseres Geschlechtes mit Empfindung ausdrücken, begnügen sie sich mit -dem zweiten Range. Das Lied indeß kann wörtlich so im Dichter stehen; -die Noten können genau getroffen seyn: und doch wird oft weder Dichter -noch Componist sein Werk wieder kennen, wenn es ein Weib singt oder -spielt -- dies haucht ihm eine lebendige Seele ein. _Schaffen_ ist -gut; _erhalten_ nicht minder. -- Möchten Weiber immer beim zweiten -Range bleiben, wenn nur nicht ein neuerer Reisebeschreiber auch -von Kastraten bemerkt hätte, daß nie Jemand unter ihnen ein großer -Componist gewesen sei. Sollte diese Bemerkung Kastraten und Weiber mit -Recht treffen, so ist die Ursache bei beiden unendlich verschieden. -Kastraten können nichts schaffen; Weiber dagegen sind die eigentlichen -Erhalter und Mitschöpfer. -- -- Bei dem gegenwärtigen Druck, worin -die Weiber sich befinden, legen sie es bloß darauf an, Alles was sie -verstehen, faßlich und begreiflich zu machen, und das, was wir schwer -ausdrückten, zu erleichtern und in Umlauf au bringen. Sie ebenen die -Wege, verstehen den Strahl der schwersten Ideen zu reflektiren und zu -vervielfachen, das Abstrakteste verständlich und deutlich darzustellen, -und dem Verachteten aufzuhelfen, so daß sie allen Wissenschaften einen -unleugbaren Vortheil gebracht haben könnten, wenn man sie zum Meister- -und Bürgerrecht ohne männliche Geburtsbriefe zugelassen hätte. Die -Behauptung, daß es keine Synonime in der Sprache gebe, beweisen sie -meisterlich, wenn gleich das Buchstabiren (eine wirklich männliche -Sache) sie wenig bekümmert. Das negative _Un_ wird von ihnen, so wie -die Null im Rechnen, oft so geschickt zum Verstärken des Ausdruckes -gebraucht, daß man über ihre Feinheit und Geschicklichkeit, womit -sie bei Ohr und Verstand alles ins Reine bringen, erstaunen muß! Von -Weibern muß man reden, von Männern schreiben lernen. -- Sind Weiber -schon jetzt, da sie bloß geduldet werden, und vermittelst Concessionen -und Begünstigungen arbeiten, von dieser Seite so schätzbar; was -könnten sie leisten, wenn sie nicht länger so unwürdig von dem edlen -Wettkampfe ausgeschlossen würden! Es ist eine nicht unrichtige -Bemerkung, daß verdorbene Beredsamkeit verdorbene Sitten verräth. Da -man aber in dem schönen Geschlechte tausend Lippen findet, die vom -Honigseim einer überzeugenden Beredsamkeit überfließen; so kann es mit -Recht von ihnen heißen: wessen das Herz voll ist, geht der Mund über. -Der Unterricht legt es nicht geradezu darauf an, und kann es nicht -darauf anlegen, aus allen Schülern Meister zu bilden. Auch bedarf es -in der Erziehungsfabrik nicht lauter Meister. Sie bildet Gefäße zu -Ehren und zum Haus- und Kammergebrauch; sie beschäftigt Meister, auch -die es _secundum quid_ sind, an der Drehscheibe. So ist der Lehrer -schon geschickt, wenn er das Mechanische der Kunst und die Methode -weiß, jenes dem Lehrlinge hinzubringen. Hat man nicht Meister gehabt, -denen es nie gelang, geschickte Schüler ihrer Kunst zu ziehen? Fehlt -es nicht vielen an der Gabe der Deutlichkeit und, um ein Kunstwort -anzubringen, an der Lehrgabe? und ohne Zweifel noch mehreren an -der unentbehrlichen Lehrtugend, der _Geduld_, die das männliche -Geschlecht zwar in seiner Tugendliste rühmlichst mit aufzuführen nicht -unterläßt, die indeß unserem Geschlechte nur sehr selten eigen ist. -Wir zeigen, daß in unserer Garderobe auch unmodische Anzüge sind, -nicht um sie zu gebrauchen, sondern um sie zu haben; statt daß bei -dem weiblichen Geschlechte Geduld das schönste Hauskleid ist, das ihm -am besten steht. -- Ist die Weibergeduld nicht im Stande, auch aus -dem unfruchtbarsten Boden Keime herauszulocken? Kann der beharrliche -Fleiß der Weiber nicht selbst dem Verkrüppelten, wo nicht eine schöne, -so doch eine erträgliche Form geben, und, wenn nicht Künstler, so -doch Kunstverwandte bilden? Der Vorwurf, den man den Weibern macht, -daß sie Neuheit und Wechsel lieben, ist nicht ungerecht; aber nicht -im Geschlechte, sondern im Druck, den wir veranlassen, liegt die -Ursache davon. Das Ausdauern und Beharren ist gewiß weniger unsere -als ihre Sache, wenn der Gegenstand es verdient. Wer kann Weibern -jetzt ihre Flüchtigkeit übel deuten, wer ihrem Leben es verdenken, -wenn es von ihm heißt: sie leben als flögen sie davon? -- Wer? -- -In der That, es wären der moralischen Karrikaturen weit weniger, -wenn wir uns entschließen könnten, dem weiblichen Geschlechte einen -größeren Antheil an dem Unterricht und der Erziehung einzuräumen. -Und wie? haben Weiber bloß den Grazien, ihren Freundinnen, geopfert? -oder sind sie wirklich auch zum Allerheiligsten der Wissenschaften -eingedrungen? In der That, sie wußten sich auch hier Eingänge zu -eröffnen, Ehrenstellen zu erringen und sie mit Würde zu behaupten, -ungeachtet aller Hindernisse, welche Vorurtheile, Herkommen und niedere -Mißgunst ihren Talenten und ihrem Eifer in den Weg legten. Es wird -nicht viele Wissenschaften geben, die unter ihren Eingeweiheten nicht -einige Namen von Weibern zählen, welche sich mit ihnen beschäftigten, -und zwar nicht bloß solche, die von der Oberfläche schöpften und zum -Zeitvertreibe; nein solche, die ins Innere derselben mit Eifer und -Anstrengung eindrangen, die von dieser Ambrosia der Wissenschaften -nicht bloß kosteten, sondern mit dieser Seelenspeise sich sättigten -bis zum Wohlgefallen. Freilich können Weiber jener _inneren Freiheit -des Geistes_ genießen, nach welcher sie ihren _Kopf_ eigenbeliebig -anzuwenden im Stande sind -- Wir haben ihn indeß dem andern Geschlechte -abgesprochen, und statuiren nur sein Herz, auf das wir Rechnung machen --- als ob Eins ohne das andere etwas gölte! Und wenn Weiber sich -auch über unser Criminalurtheil wegsetzen wollten und könnten; ist -ihre selbstgewählte ruhige Geistesthätigkeit vermögend, reifere und -schmackhaftere Früchte zu bringen, da wir die Barbarei haben, uns an -ihren Blüthen zu vergreifen? -- Was die Geistesfreiheit, die keine -Geschäftsstörung verdirbt, bei den Weibern ausrichten könnte, wird -durch den Schwall von Kunstwörtern und Kunstregeln erstickt, womit -man von Männer-Seite sich wohlbedächtige Mühe giebt, die Weiber zu -verwirren und verzagt zu machen, so daß sie ohne Noth ermatten und sich -aufgeben -- Jammer und Schade! Doch gab es einige, die den Faden nicht -abrissen, die mit Standhaftigkeit sich entschlossen, zu beharren bis -ans Ende; und unter diesen, welche die letzten Gelübde ablegten, fanden -sich sogar solche, die sich zu Vorstehern und Lehrern im Tempel der -Musen weihen ließen. -- In dem bekannten Institut von Bologna lehret -_Laura Bassi_ die Physik, und hält ihre Vorlesungen in Lateinischer -Sprache; und wie lange ist es, daß _Signora Agnes von Mayland_ hier -die Mathematik mit Beifall lehrte? Eben hier bilden _Lilli_ und seine -geschickte _Gattin_ die Muskeln und Blutgefäße des Körpers, der Natur -mit so vieltäuschender Wahrheit nach. Italien, dieses Land, das -wechselsweise so viel Licht und Finsterniß über die Völker der Erde -verbreitete, trägt kein Bedenken, Frauenzimmern Lehrstühle zu öffnen. -Unlängst ward in Deutschland ein weiblicher Doktor kreirt (_der Doktor -Schlözerin_); und würden wir wohl so zuverlässige und beträchtliche -Neuigkeiten vom Firmament erhalten, wenn der unsterbliche _Herschel_ -von seiner ihm ähnlichen _Schwester_ nicht so unermüdet in seinen -Beobachtungen und Arbeiten unterstützt würde? Ärzte werden eben so -krank wie Nichtärzte, und die größten Philosophen sind nicht nur oft -unweise, sondern verlieren sich auch zuweilen so in Speculationen, daß -sie nicht aus noch ein wissen --. Weiber sind sehr für innere Wahrheit; -und wenn sie gleich jenes berühmte Ministerphlegma nicht besitzen, -so wissen sie doch mit Kälte zu unterscheiden, was bloß trockne und -was brauchbare Kenntniß ist. Wenn Salz und Laune fehlen, sind ihnen -die reichstbesetzten Tische ein Greuel, und auf die Schauessen der -Philosophen nehmen sie keine Einladung an. -- Freund _Montagne_ geht -indeß zu weit, wenn ihn gelüstet zu behaupten: er habe zu seiner Zeit -hundert Handwerker und hundert Bauern gesehen, die vernünftiger und -glücklicher gelebt (auch gedacht?) hätten, als mancher Rektor auf -einer Universität (Rektor! als wenn dieser das _non plus ultra_ der -Gelehrsamkeit wäre! _Kästner_, _Kant_ und andere unserer ersten Köpfe -sind Rektores, weil die Reihe sie trifft), und habe lieber _jenen_ als -_diesem_ ähnlich seyn wollen. (Immerhin! verliert die Gelehrsamkeit -dadurch, wenn einige ihrer Meister nicht Weisheitsbeflissene sind?) -Hat der Rektor der großen Römischen Universität, _Cicero_, so ganz -Unrecht, wenn er dem Studieren den Preis über Alles zuerkennt, was -sonst beschäftigen kann und mag? Wie kann man mit größerem und -bleibenderem Gewinne seine Zeit benutzen? Der Handarbeiter, sagt man, -wendet sie an; der Gelehrte vertreibt sie. Ei, Lieber! müssen denn -nicht Feldherren seyn, wo es Krieger giebt? müssen nicht Officiere -überlegen, was gemeine Soldaten ausführen? -- Durch tiefes Denken -gewöhnen wir unsere Seele zu einer Art von Existenz außerhalb des -Körpers; sie bereitet sich durch eine kleine Reise nach _Rekahn_ zu -einer _Cookschen_ vor, durch einen Weg über Feld zu einem andern -- -der uns Allen bevorsteht. Wenn _Cicero_ es nicht ungeneigt nehmen -wollte, daß ich seinen guten Geist bei dieser Gelegenheit schon wieder -citire; so sollt' es seinen Ausspruch gelten, daß das ganze Leben -des denkenden Mannes eine Todesbetrachtung sei. -- Darf bei diesen -Umständen das schöne Geschlecht Bedenken tragen, mitunter gelehrt zu -seyn --? Ist es aber im Stande Wissenschaften sich eigen zu machen, sie -leicht und mit sichtbarem Nutzen Anderen beizubringen; wie könnt' es -ihm denn wohl an den Talenten gebrechen, seine erworbenen Kenntnisse -auf andere Weise dem Staate zum Besten in Anwendung zu bringen, sobald -der Staat geruhete, den Bann allergnädigst aufzuheben, mit welchem ein -barbarisches Vorurtheil es seit Jahrtausenden belegt hat! Hätten jene -Ritter, die unter ihren Gelübden die Verpflichtung hatten, Damen zu -schützen, ihre Grenzen weiter gesteckt; wie unendlich würdiger wär' -ihr Beruf gewesen! Schade, daß diese treflichen Männer, welche, mit -Ausschluß der _irren_ unter den _irrenden_, die edelsten und klügsten -ihres Zeitalters waren, nicht, anstatt Weiber zu schützen, sie über -diesen Schutz erhoben! -- Ist der Schleichhandel zu verkennen, der, -aller jener Verbote ungeachtet, vom andern Geschlechte getrieben -wird? oder ist nicht vielmehr der große Einfluß sichtbar, den das -weibliche Geschlecht zu allen Zeiten auf alle bürgerliche und -Staatsangelegenheiten behauptet hat? Wenn es auf große Plane ankam, die -ausgeführt oder rückgängig gemacht werden sollten, waren es Weiber, -welche die Hauptrolle übernahmen. Bei Weisen und Thoren, Regenten -und Priestern, Staatsmännern und Mönchen waren sie wirklich geheime -Räthe; sie gehörten jederzeit zum geheimen Ausschusse des Staatsrathes, -dessen Dekrete das Plenum blos mit Curialien versah -- und dem es -Sekretariendienste erwies. -- Und wem ist hier ein _dirigirendes -Weib_, wär' es selbst eine Maitresse, nicht lieber als Leithämmel -von Kammerdienern, Hofzwergen, Heiducken u. s. w., die ohnehin nur -Substistuten ihrer Weiber oder ihrer Liebchen sind? Nicht bloß mit -dem klingenden Spiel und den fliegenden Fahnen ihres Witzes, nicht -bloß durch den vermittelst der Ideen-Association verstärkten Vortrag -wissen Weiber sich Eingang zu verschaffen; ihr zur Beurtheilung -geschmeidiger Verstand vermag Alles -- Wie manchem Tyrannen von -Minister, der mit den Thränen des Volkes sein Spiel, und mit Glück -und Unglück der Menschen Handel trieb, der Alles drüber und drunter -warf, wußten sie auf eine bessere Bahn zu lenken! Weiber halten den -Faden, an dem die Cabinette geleitet werden: sie mischen die Karten, -mit denen die Excellenzen spielen; und so wie neue Hindernisse neue -unberechnete Kräfte erzeugen, so gelangten sie oft vermittelst ihrer -Schwachheit zum höheren Grade der Stärke -- Ein sanfter gemäßigter -Charakter ist dem andern Geschlecht eigen -- Die Natur verlieh ihm dazu -große unverkennbare Anlagen, und nur bei wenig mehr philosophischem -Nachdenken und Ausweichung der Verführung, würde das schöne Geschlecht -uns eine gewisse edle unempfindliche Gleichgültigkeit gegen so -Manches lehren, was uns jetzt so leicht außer uns setzt; und diese -Gleichgültigkeit ist ohne allen Zweifel die Krone des diesseitigen -Lebens. Hat die Natur nicht oft den _Correggio_ an der Schönheit und -Sittsamkeit übertroffen, womit er seine Frauenzimmer ausstattete? Woher -nehmen Mahler ihre Engelgesichter? und was ist der Sanftmuth unmöglich --- ob sie gleich sich zuweilen, auch rückwärts zum Ziele zu kommen, -verbunden sieht? Welche scharfe Umrisse, welches lebendige Colorit -geben die Weiber ihren Vorstellungen und den Charakteren, die sie darin -verflechten! Gleich ihr erster Blick trifft das Ungewöhnliche bei jeder -Sache, und da dies Ähnlichkeit mit dem Wunderbaren hat, an welchem -die meisten Menschen so gern hangen bleiben -- ist es Wunder, wenn -sie oft selbst auf das tägliche Brot ein solches Licht fallen lassen, -daß es feierlich wird? ist es Wunder, wenn sie das ländliche Mahl zur -Würde eines hohen Festes erheben? Höhere Deutlichkeit und stärkendes -Licht mit mehr Vergrößerung zu vereinigen, ist das Ziel, das sie mit -so wenig Mühe und Aufwand erreichen, ob es gleich so überschwenglich -wirkt -- Das andere Geschlecht nimmt in der Regel _für_, das unsrige -_wider_ sich ein. Jenes ist gut, bis das Gegentheil bewiesen ist; -- -von uns heißt es: wir sind böse, bis man unser Gutes außer Zweifel -gesetzt hat. Weiber haben einen _Vor_-, wir einen _Nach-_ Geschmack --- Jene Runzeln, die das Alter von der Weisheit, oder die Weisheit von -dem Alter hat, schrecken weder ihren Witz noch ihren Verstand ab -- -und nichts, weder Verstand, noch Schönheit, noch Vermögen, macht sie -schüchtern -- Dem Verstande lauern sie sehr auf den Dienst, und finden -bald zu ihrem Troste etwas an Lehr' und Leben der Herren Philosophen -auszusetzen, worüber schwerlich etwas einzuwenden ist; und da sie -geborne _Naturalisten_ (im natürlichen Sinne) sind -- wie leicht wird -es ihnen, von _Artisten_ ein Federchen abzulesen! Weit eher als wir, -haben sie Anlage, zu dem von Vorurtheilen und Aberglauben befreieten -Gebrauche der Vernunft zu gelangen -- auf ein Haar wissen sie den -gelahrten Weizen von der gelahrten Spreu zu unterscheiden -- und den -Shakespearschen Ausdruck zu deuten: »er redet eine Menge Nichts -- zwei -Weizenkörnlein versteckt er in zwei Bündlein Spreu.« Weiber sind dazu -gemacht, den Philosophen, wenn er sich in den Spinneweben des Systems -verlor, (wie ein bekannter Gelehrter sich in seinem eigenen Hause, das -wohl gar ein Familienhaus und vom Großvater und Vater auf ihn gekommen -war, verirrte) an Stell' und Ort zu bringen und zu orientiren; sie -geben ihm, wie _Ariadne_, einen Faden in die Hand, und rufen Jedem -zu, der Länge und Breite nicht unterscheidet, der das Ruder seiner -selbst eingebüßt hat: _Vous êtes orfèvre, Monsieur Josse_! -- Der -Geist jener Philosophie, die der Übermenschlichkeit nicht wohl will, -hat schon lange auf ihnen geruhet -- Wer wußte es besser als sie, daß -weder praktische noch theoretische Vernunft Überzeugungen, vom Daseyn -intelligibler, unsinnlicher Gegenstände zu verschaffen im Stande ist, -und daß wir uns in unvermeidliche Widersprüche verirren, wenn uns beide -Vernunftarten unsinnliche Gegenstände feil halten. Weiber fühlen das -Halbwahre von allem jenem, was so gern im Allgemeinen gesagt wird, und -bestehen durchaus darauf, daß dergleichen Behauptungen individueller -gemacht werden -- Sie handeln nach nahe liegenden Motiven -- Spieler, -Schiffsleute und alle die durch Glücksfälle regiert werden, die -Avantüriers nicht ausgenommen, sind zum Aberglauben geneigt -- ist es -Wunder, daß die Weiber es weniger als wir sind? -- Die Schönheit bei -einer Mannsperson gilt ihnen durchaus nichts; und wenn man den reichen -Mann in Ehren hält, weil er, wenn er wollte, helfen könnte, so wissen -sie wohl, daß er es nie wollen wird -- Ihre unbefangene Seele findet -überall Weg und Steg; und wer nur ein fleischern Herz hat -- kann der -ihrer Herzlichkeit widerstehen? Die Frau eines Lichthökers hatte kein -Bedenken, an der armen Seele des _David Hume_ ihr Heil zu versuchen. -_Hume_ konnte die Seelsorge, die sie für ihn hatte, nicht anders vom -inneren Lichte abbringen, als daß er ihr versprach, sein äußeres Licht -von ihr kaufen zu wollen. -- Vom Philosophen _Terraston_ sagte _Madame -de Lassay_: nur ein Mann von Witz könne ein solcher Thor seyn; -- und -wär' es historisch richtig, daß _Karl_ XII an den Senat geschrieben -hätte: »ich will euch meinen Stiefel schicken, dem ihr gehorchen -sollt;« so würden die Weiber der Herren Senatoren laut gelacht haben. --- Was doch kluge Weiber von dem weltberühmten Processe des Ehrenmannes -_Hastings_ denken mögen, der für die Papiermüller allein schon so viele -Sporteln abwirft! Nie konnten sie sich des Lachens oder des Weinens -über die jetzt sanft und selig entschlafende Pariser Policei enthalten, -welche weiland Farcen und unmenschliche Trauerspiele unter den Scheine -der Wachsamkeit und Obhut aufführte -- Wie war es möglich, in, mit, und -unter dieser elenden Policei sich Ausnahmen von der Wahrscheinlichkeit -der menschlichen Wachsamkeit zu denken! »Hier sind wir alle entweder -Fürsten oder Dichter,« sagte _Voltaire_, als er sich bei einem Fürsten -zu Tische setzte; und das ist der eigentliche Ton eines Weibes -- Sie -sind nicht für Gemähldeausstellungen, wo denn doch auch gegen Einen -Kenner zehn Schuster sich einfinden, die über den Leisten gehen; sie -wirken zwar im Stillen, doch wirken sie am liebsten ins Allgemeine, wie -die Natur, ihre Schutzgöttin -- Oder kann man dies etwa nicht anders, -als wenn man Kanzeln und Rednerstühle ersteigt? In der allgemeinen und -sichtbaren Kirche giebt es Lehrerinnen, so wie Lehrer, ohne daß beide -examinirt und ordinirt sind -- - -Es ist dem andern Geschlecht eine schonende Gutmüthigkeit im -historischen Urtheil eigen; doch verstehen es Weiber, ein Faktum, so -wie einen Menschen, (immerhin so verwickelt als möglich) aufzulösen, -und zu concentriren. Auch können sie jenen Totaleindruck, den -Faktum und Mensch auf sie machen, Andern mittheilen, welches uns -schwerer wird. -- Glückseligkeit ist, so wie Wahrheit und Gottheit, -eine Einheit; diese Einheit in Allem herauszubringen, ist eine -hohe Weisheit, und, wir wollen gerecht seyn -- sie ist den Weibern -eigen. Bei uns wird oft eine Sache, die auch anders scheinen kann, -die diesem oder jenem Sonderlinge wirklich anders vorkam, gleich -zum Gegenstände eines gelehrten Streites. Da haben wir denn eine -extrafeine Geschicklichkeit, die Zweifelsgründe bald zu verstecken, -bald wieder sichtbar zu machen, ihrer Größe eine Elle zuzugeben oder -abzunehmen, und die Entscheidungsgründe mit denselben so abzuwägen, -daß, wenn gleich, besonders bei dem Faktum, die beiderseitigen -Wahrscheinlichkeiten einander ziemlich gleich sind, doch die Schale, je -nachdem wir wollen, steigen oder sinken muß. -- Das andere Geschlecht -liebt keine Spielgefechte mit einer langen Linie aufgestellter und -überwundener Argumente -- Eins ist ihm Noth. Nie wird es das Publicum -mit Sophismen äffen: es verliebt sich bei weitem so leicht nicht wie -wir in eine Idee, die im Grunde keinen Gegenstand hat; allein es -fürchtet auch dergleichen Gespensterideen weniger als wir -- Gelehrte -und witzige Leute, (Gelehrte in dem Sinne der gelernten Gelehrsamkeit -genommen) blind verliebt in den Gegenstand, dem sie nachjagen, verargen -sich auf diesem Wege kleine Unrichtigkeiten nicht -- Alle Menschen -sind Lügner, heißt es in der Schrift; Weiber sind hier wachsamer und -peinlicher. -- Man sagt: starke Wahrheiten wären nur für gute Köpfe, -(so wie starke Getränke nur für ächt nervige Menschen sind;) schwache -würden schwindelig -- Man mache mit Weibern den Versuch, und wir -werden finden, daß es keine Wahrheit giebt, die ihr Kopf nicht ertragen -könnte; sie wollen so weit wie möglich -- Wir glauben zu leicht, daß -unser Plan regelmäßig organisirt sey; die Weiber sind leichtgläubiger -bei der Ausführung -- Sie fürchten nichts Hohes, nichts Niedriges, -nichts was Unwissenheit oder Gelehrsamkeit, Witz und Unwitz, Verstand -und Unverstand vermögen; wäre ihnen die ausübende Gewalt anvertrauet --- sie würden sicher mehr leisten als wir, und, wenn sie sänken, es -wie der sterbende _Sokrates_ machen, der, als er seine Füße durch Gift -schon in Leichnam verwandelt fühlte, sie streichelte und mit lachender -Stirne sagte: so nahe gränzen Vergnügen und Schmerz an einander; -- -oder wie _Seneca_, der Wasser mit seinem Blute vermischt, _Jupiter -dem Befreier_ weihete. Ach, wie oft, wenn mich so mancher Dienst-Nero -bis aufs Blut verfolgte und die Wuth blödsinniger Tyrannen mir zwar -nicht die Ader öffnen ließ, wohl aber mir weit härter fiel, stärkte -mich dieses Weihwasser, und das Elogium _Jupiter dem Befreier_! -- -Beweis von der Freudigkeit im Tode der Weiber? Beweis! Seht Männer -und Weiber sterben. Ist Philosophiren sich zum Tode vorbereiten, -so sind die Weiber große Philosophen; und in Wahrheit, sie sind es -unendlich praktischer als wir. Zwar sagt man: studieren sei sterben -lernen, weil man seinen Geist dem Körper entzieht, ihn über den Körper -erhebt; allein Weiber haben diese Kunstgriffe nicht nöthig, um den Tod -zu hintergehen und ihm das Schwert aus der Hand zu schlagen -- Warum -Fechterkünste? Den Tod so ganz wie er da ist verachten, _ist_ Weisheit; -ihn durch Stratageme hintergehen, _scheint_ Weisheit zu seyn. Kein -einziger zieht ein anderes Loos; wir sind Alle zum Tode verurtheilt -- -nicht aber als Kriminalverbrecher, sondern als Menschen. -- Käme es auf -Weiber an, sie würden selten den Ärzten ihr Lebens- und Todesurtheil -anvertrauen, und sich von ihnen das Leben absprechen lassen -- -Mißtrauisch gegen die Kunst _Galens_, haben sie Alle eine Neigung, -sich, wenn ja noch etwas seyn soll, einem Unzünftigen anzuvertrauen. -Ich muß und ich will, ist ihnen fast einerlei; -- und soll es auch -nicht also seyn? Jene Grundsätze einer bekannten Sekte: entweder -Vernunft oder Strick -- entweder sich ins Leben schicken oder es -verlassen, sind den Weibern wie angeboren. Nur _der_ kann frei leben, -sagte ein Weiser des Alterthums, der den Tod zu verachten weiß. Wie -viele Freiheitsanlagen sind den Weibern bei ihrer Todesgleichgültigkeit -eigen! Sollte man sie etwa eben dieser Anlagen halben so sorgfältig -von der Freiheit entfernen? Nur der, welcher mehr auf sich selbst als -auf die Freiheit hält, besitzt eine Sklavenseele, und ist unwerth -der Freiheit. Sind die Weiber in diesem Falle? -- Wenn die Weisheit -verdrießlich macht, wer wird Lust und Liebe zu ihr haben? Dies Leben -ist ein Geschenk; laßt uns jeden Tag als eine Zugabe ansehen, auf die -man nicht zu rechnen im Stande war -- »Was heute geschehen kann, muß -man nicht auf morgen aussetzen;« so denken Weiber; und allerdings tragen -ihre körperliche Schwächlichkeit, die Einschränkung ihrer Freiheit -diesseits des Grabes, und das Verhältniß, das ihnen nicht das Schicksal -sondern die Männer zumaßen, zu ihrer Lebensgleichgültigkeit bei. -Vorzüglich aber bewirken sie jene größeren Leiden, welche die Natur -ihnen als Menschen auferlegte, wogegen die Mannspersonen, zu einiger -Entschädigung, sich größere bürgerliche Lasten aufgebürdet zu haben -scheinen -- »Viel Glück, _Diogenes_!« sagte der Philosoph _Speusippus_, -der wassersüchtig war und sich tragen ließ. »Wenig Glück!« antwortete -_Diogenes_, »da du das Leben in einem solchen Zustande ertragen -kannst.« -- So selten indeß weibliche Thränen Murren und Unwillen -anzeigen, und so oft sie ein leise gewagtes sanftes Sehnen nach mehr -bürgerlicher Freiheit sind; so hilft allerdings auch der Überdruß -eines Lebens, das kaum diesen Namen verdiente, ihren freudigen Weg zum -Grabe ebnen. Daß es in der andern Welt gewiß nicht schlechter für sie -seyn könne, ist die Nativität, die sie sich bei ihrem Ausgange aus -dieser Welt (wahrlich für sie einem Jammerthale) mit vieler Gewißheit -stellen -- Der Tod ist ihr Jupiter der Befreier -- Sie schaffen sich -eine andere Welt, wo Gerechtigkeit wohnt -- wo sie auf Rosen unter -einem heiteren Himmel wandeln -- ein elisisches Idyllenleben --! -Sanfte rührende Schwermuth und leise Schwärmerei helfen ihnen die -Welt und sich überwinden -- und des Lebens und des Todes Bitterkeit -verschmelzen -- Seht Weiber sterben! wie ruhig! sie sterben in der -Regel alle philosophisch. Wenn dieser Fall sich bei unserm Geschlecht -ereignet, welch ein Geschrei wird über diese Resignation erhoben! -Der Natur, der die Weiber leben, sterben sie auch; sie scheint ihnen -die Hand zu bieten, um ihnen überzuhelfen -- Die Weiber wollen nicht -täglich sterben, sie wollen nicht Augenzeugen von den zu merklichen -Verlusten seyn, die man, je länger man lebt, je mehr in Hinsicht des -Lebens macht; haben sie ein hohes Alter erreicht, so kennen sie die -Beschwerden des Lebens noch genauer, und der Tod hat keine Gelegenheit, -ihnen hart zu fallen, wenn er auch wollte. _Sokrates_ erwiederte -denen, die ihm die Nachricht brachten, daß man ihm zum Tode verurtheilt -habe: die Natur hat dieses Urtheil auch über meine Richter publicirt --- Das Leben giebt den Tod, der Tod giebt das Leben -- Nicht nur wer -im Schweiße seines Angesichts, sondern auch wer im vollen Maße des -Vergnügens seinen Lebenstag vollbracht hat, ist gern schläfrig -- Wäre -der Schlaf nicht der ältere Bruder des Todes, es würde sich nicht so -leicht sterben lassen; jetzt aber schlafen wir nur auf länger ein, -als gewöhnlich -- Warum etwas fürchten, was Allen bevorsteht, etwas -dem Niemand entgeht, und nähm' er Flügel der Morgenröthe, um an das -äußerste Ende der Erde und des Meeres zu fliehen! -- Wenn Männer die -Kunst zu sterben lernen; so lernen Weiber die Natur des Todes: ihr -Herz erschrickt nicht, und fürchtet sich nicht -- Will man mit dem -Tode zu seinem Troste bekannt werden, so muß man Weiber und nicht -Männer im Sterben beobachten -- Gewiß stirbt man im Kriege leichter, -als auf seinem gewöhnlichen Lager; allein der Tod in der Schlacht -hat bei weitem nicht so viel Lehrreiches, wie der Tod einer Wöchnerin -in dem Feldzuge, den die Natur ihr anwies -- Wie schön ist hier der -Tod, der Tod fürs Vaterland! Ich muß abbrechen; sonst würde ich zu -sehr verrathen, daß ich in Hinsicht des Todes nur ein Mann bin. Zwei -Freundinnen, mit denen mich die Natur so nahe verband, starben diesen -Muttertod -- »Es kommt auf die Kleider an, die man dem Tode anzieht,« -sagte * * * -- Du hattest recht, Liebe -- Dein Tod war leicht, froh, -muthig angezogen -- -- -- So sterben Weiber; und wie _leben_ sie? -Männer thun, was sie thun, mehr aus Temperament, als aus Grundsätzen: -von Umständen hangen sie ab, und lassen sich von ihnen, wie Schiffe -die Mast und Ruder verloren vom Winde, hin und her treiben -- Aus -Noth, aus Trägheit, aus Bedürfniß handeln sie. Sie sind im Grunde weit -furchtsamer als die Weiber; -- es scheint nur anders. Immer verbinden -sie sich mit andern Männern, und nennen oft (o der Entheiligung -des Namens!) _Freundschaft_, was _Furchtsamkeit_ heißen sollte. -Freundschaft! wo ist eine reine? wie selten gewinnt man, ohne daß ein -Anderer verliert! -- Handlungen leiden keine Freundschaft, und nur mit -Worten scheint sie sich behelfen zu sollen -- Durch Mißwachs gewinnt -der Landmann; durch Verschwendung und Üppigkeit der Kaufmann; durch -Zank, Hader und Streit der Richter; durch Neid und Haß der Geistliche. --- »Ein jeder Mensch hat seinen Preis, für den er sich weggiebt,« ist -die Behauptung eines Engländers, eines Mannes aus einem Volke, das -noch einen Werth auf sich zu legen versteht -- Und wenn es wahr ist, -was einer der Alten behauptet, »daß ein Arzt es ungern sieht, wenn -seine Freunde gesund sind, und ein Soldat, wenn sein Vaterland Frieden -hat;« wenn der Untergang des Einen Dinges die Schöpfung des andern -ist: wo wird reine Freundschaft seyn? Freundschaft, die allen Graden -der Versuchung gewachsen, die auch gegen eine Welt nicht feil ist --! -Von einem Freunde muß es, wie von _Voltaire'n_, heißen: Sein Geist -ist überall, sein Herz ist hier (im Hause des _Herrn von Villette_, -dessen Gemahlin _Voltaire'ns_ Pflegetochter war). Freundschaft ist -ein geschliffener Stahl, dem schon ein feuchter Hauch den Rost -zuzieht. -- Nie kann ich auf die großen Worte _Tod_ und _Freundschaft_ -stoßen, ohne daß mein Herz sich ausschüttet -- und sollte mir diese -Wiederholungen nicht jedes in meiner Lesewelt verzeihen, das auch ein -Herz für Freundschaft hat, und das -- sterblich ist? -- Freundschaft -ist Leben; denn ohne sie hat die menschliche Existenz keinen Werth. -Ich habe meine Schrift überhaupt durch die Bemerkung vorgeleitet, -daß, da ich für die Freiheit schreibe, ich mich nicht selbst binden -werde. Lehre und Leben müssen sich in die Hand arbeiten; und darf ich -wohl im Münzverstande meine Schrift legiren --? genug, wenn ich mich -geleitlich halte -- und darüber wird hoffentlich kein geierlicher -Zoll- und Accisebedienter, kein Freund und Feind, mit Grunde Rechtens -Beschwerde erheben können. -- Freundschaft war die Losung, und dieses -herrliche Wort verdient, daß wir Platz nehmen. -- Die Frage: wie leben -Weiber? kann bei dieser Abschweifung nichts verlieren. Laßt Könige -licitiren: die Freundschaft ist nicht verkäuflich; -- und eine solche -Freundschaft, die, wenn sie gleich nicht zu den sieben Wunderwerken, -so doch zu den Seltenheiten der moralischen Welt gehört, würde sich -häufiger ereignen, wenn auch das andere Geschlecht bei ihren Altären -zu Ablegung der Gelübde zugelassen würde, die gemeiniglich mit der -Grundregel anfangen, seinen Freund so behutsam zu behandeln, daß er, -uns unbeschadet, auch unser Feind werden kann. Jene Einschränkung des -Zutrauens und der wechselseitigen Herzensergießung, jene Mäßigung in -Entdeckung unserer geheimen Beschwerden, hebt das, was Freundschaft -ist, auf, und macht dagegen einen gewissen Schein gäng und gebe, der -immer als Weltklugheitsmaxime Dienste leisten mag, der aber den Altar -der Freundschaft entheiligt. Unsere gegenwärtigen Freundschaften sind -gemeiniglich nichts mehr und nichts weniger, als gemeinschaftlich -geschlossene Connivenz, wo beide Theile im Gewinn sind; und so wie die -Bescheidenheit das Verlangen ist, feiner gelobt werden zu wollen: so -ist die Freundschaft ein Bund, desto reiner zu gewinnen. Heißt nicht -schon _der_ unser Freund, welcher nicht unser erklärter _Feind_ ist? -Die Kaufleute nennen _die_: Freunde, mit denen sie in Handlungsverkehr -stehen, wo es also Provision zu berechnen giebt; und so wie _der_ schon -für gut gilt, der ein böser Mensch von der allgemeinen Art ist: so gilt -_der_ schon für unsren Freund, der ein Menschenfreund, ein Mensch von -keinem schlechten Herzen ist, der uns nicht verräth und verkauft, oder -der uns zu verrathen oder zu verkaufen keine Gelegenheit gefunden hat. -Unser Geschlecht ist zu glücklich, als daß wir ächte Freunde der Weiber -seyn sollten; und zu unserer Freundschaft gegen einander, auf die wir -so stolz thun, haben die Weiber nicht das mindeste Zutrauen -- Können -wir (wie kann es nach der Weiberlogik füglich anders lauten?) wohl mit -Freundschaften aus der Tasche spielen und mit Aufopferungen prahlen, da -wir uns nicht einmal herabzulassen vermögen, den Weibern Gerechtigkeit -zu erweisen? Überhaupt ist selbst unser Leben nur halb, da wir die -Weiber nicht zu leben berechtigen; und _wie leben sie denn_? - -Ob sie gleich heut zu Tage noch zu sehr der Sinnlichkeit fröhnen, woran -_sie_ weniger Schuld sind, als unsere Härte; obgleich noch bei weitem -nicht an ihnen erschienen ist, was sie seyn können und seyn werden: so -zeigen sie doch bei so vieler Gelegenheit eine Selbstbeständigkeit, -eine Fassung, die uns so oft beschämt. -- Ihre Ausschweifungen, die -wir so schrecklich vergrößern, entstehen mehr aus Befriedigung der -Eitelkeit als der Begierde. Sie haben keine andere Olympische Bahn, -als Männer zu fahen; man öffne ihnen andere, und sie werden Wunder -thun. Das Promemoria, welches jener Kaufmann in sein Denkbuch trug: -»Ja nicht zu vergessen, mich in Hamburg zu verheirathen!« ist ins -Herz der Frauenzimmer verzeichnet -- Darum das Werben ihrer Augen --- Gemeiniglich haben sie hierbei keine Absicht; sie treiben das -Mienenspiel der Mode halben, und weil keine kluge Mannsperson daraus -etwas zu schließen wagt. _Montagne_ sagt: jungen Gelehrten geht es wie -den Kornähren; so lange sie leer sind, richten sie ihre Spitzen gerad' -und keck empor: kommen aber ihre Körner zur Reife, so lassen sie ihr -Haupt sinken. -- Warum wollen wir die Weiber wegen ihrer Mienen so -scharf richten, und Eitelkeit, Koketterie und Wollust für einerlei -halten? Man lacht über jene Dame, in deren Gegenwart man die schwarzen -Augen ihrer Nachbarin lobte, und die sehr schnell erwiederte: »jetzt -trägt man keine schwarzen Augen mehr;« sind wir aber nicht die, welche -das andere Geschlecht zu solchen Antworten verleiten? befördern wir -nicht unserer Eitelkeit halben die ihrige? Laßt die Weiber zu Kräften -kommen, und ihr werdet sehen, daß sie im lauten Geheul der Stürme, -wo Männer sich nur selten ein geneigtes Gehör zu verschaffen wissen, -bei den schrecklichen Wogen des empörten Meeres, sich finden, und -dem Meere und dem Winde _Silentium_ gebieten werden. Wenn man zur -Zeit der sanften Ruhe erlernt und überdenkt, was man zur Zeit der -Schiffbruchsgefahr anwenden will, so bleibt es zwar nicht unrühmlich, -in der Zeit zu sammeln, um in der Noth zu haben; wenn aber Weiber -selbst in diesem Ungewitter Entschlüsse zu fassen verständen; wenn sie -kein Lexicon zusammengetragener Regeln aufschlagen dürften, die ohnehin -nie ganz auf einen einzelnen Fall passen? -- wenn --? Doch, laßt uns -erwägen, nicht was dieser Wallfisch des menschlichen Geschlechtes -werden wird, wenn ihm nicht mehr Tönnchen zum Spielen zugeworfen -werden, sondern was er selbst in seiner jetzigen so traurigen Lage war -und ist! Als _Sokrates_ von der Gottheit zum _Weisen_ erhoben und ihm -das Diplom hierüber wegen seines Wohlverhaltens ertheilt ward, maß er -sich mit vielen seiner Zeitgenossen, und fand, daß Andere diese Würde, -wo nicht mehr, so doch eben so gut verdienten, wie Seine Wohlweisheit --- Endlich überzeugte er sich, daß diese Würde, bloß weil er sich nicht -für weise hielte, ihm auf Allerhöchsten Göttlichen Special-Befehl wäre -zuerkannt worden -- Kann _der_, welcher Aufsehen macht, weise seyn? -hat _der_, bei der rastlosen Bemühung sein Ansehen zu schützen und -den Neid zu entkräften, Zeit und Raum zur Weisheit? _Ob den Weibern -wirklich die Bescheidenheit bei ihren Handlungen eigen ist?_ Die -Erfahrung überhebt mich der Antwort. Ob Weiber wirklich gehandelt -haben? O, der beleidigenden Frage! -- -- - -Ohne eine _Isabelle_ wäre America vielleicht noch nicht entdeckt -worden, vielleicht nicht durch _Columbus_, oder doch erst spät, und -auf einem entgegengesetzten Wege. _Ferdinand_ hatte nicht Muth und -Entschlossenheit, einem so kühnen Unternehmen seinen Nahmen zu leihen, -und seinen Schatz zu öffnen. Würde _Cicero_ ohne die _Fulvia_ die -Verschwörung des _Catilina_ entdeckt, und den Namen eines _Erhalters -des Römischen Staates_ gewonnen haben? _Karl V_ verdankte es bloß dem -Einfluß eines Weibes, daß seine Donquixotterien einen besseren Ausgang -hatten, als sie verdienten. Und warum eine größere Aufzählung solcher -Begebenheiten, an denen Weiber nicht bloß Antheil nahmen, sondern die -durch sie entstanden, durch sie geleitet und ausgeführt wurden, wo -sie nicht bloß untergeordnete Dienste leisteten, sondern der Geist -waren, der über den Wassern schwebte, die Seele, die den Gang der -Begebenheiten ordnete und lenkte! -- - -Frankreich ist seit zweihundert Jahren durch Weiber regiert worden; ob -gut oder schlecht, ist ein Umstand, auf den es hier nicht ankommt. Daß -es schlecht regiert ward, ist nicht die Schuld der Weiber überhaupt, -sondern jener Weiber, die listig, verwegen und ehrsüchtig genug waren, -die Zügel des Staates den schwachen Händen zu entwinden, denen das -blinde Glück sie anvertrauet hatte, oder die in anderen Rücksichten -aufgestellt wurden, und die dann, neben dem schwereren Geschäfte die -lange Weile von einem müßigen Monarchen zu verscheuchen, auf den -Einfall kamen, das ungleich leichtere Geschäft der Staatsverwaltung zu -übernehmen. - -Seitdem _Semiramis_ mit rascher entschlossener Hand das Zepter ergriff, -und es mit so vieler Würde als Weisheit führte, haben viele Weiber, -und unter diesen mehrere welche die Geburt nicht für ein Diadem -bestimmte, den Herrschertitel mit Ehren getragen. Giebt es nicht -Länder, die in ihren Regentenlisten eben so viele berühmte Namen des -einen als des anderen Geschlechtes aufführen? Wenn das Cabinet außer -der _Ritterin d'Eon_ keinen weiblichen Geschäftsträger aufzuweisen hat; -sollte dies wohl die Unfähigkeit des anderen Geschlechtes beweisen? -Bei Allem, was durch Vernunft erklügelt, durch Dreistigkeit errungen, -durch Witz erhascht, durch Gutmüthigkeit erreicht werden kann, wird -die schöne Welt nicht zurückbleiben; -- und wenn feile Seelen allen -Triebfedern dienstbar sind, werden Weiber nie vergessen, was anständig -ist -- welches da, wo der Anstand sich das Ansehen giebt am höchsten -getrieben zu seyn, oft schnöde vergessen wird. Lord _Chesterfield_ soll -bei einer Assemblee auf _Voltaire'ns_ Frage: _halten Sie die Englischen -oder die französischen Damen für schöner?_ geantwortet haben: _ich -verstehe mich nicht auf Gemälde_; und doch wüßt' ich keinen Hofmann, -der sich so zu schminken verstanden hätte, wie dieser Mann, der unter -den Lords den Gelehrten, und unter den Gelehrten den Lord machte. Wer -_le fin du fin_ in dem diplomatischen Fache kennt und übt, richtet -auf diesem Wege oft am wenigsten aus -- Adler fangen nicht Fliegen, -und der Prätor setzt sich über kleinfügige Subtilitäten hinweg -- -Der weibliche Vortrag ist gemeiniglich mit dem was vorgetragen wird, -aus Einem Hause; diese Zwei sind Eins, und nie oder selten findet -hier eine Mésalliance Statt, welches aber zwischen dem männlichen -Vortrage und der vorzutragenden Sache sehr oft der Fall ist -- Wüßten -wir, was in Cabinetten durch Weiber geschehen ist: wir würden über -die interessantesten aller Spiele, die Täuschung der Imagination, -erstaunen, wodurch Weiber zu ihrem Zwecke kamen; wir würden die Kunst -bewundern, mit welcher ein Weib oft den Faden einer Begebenheit -anspann, den sie durch alle Schleichwege der Intrigue glücklich bis zum -Ziel hinausführte. Eigentlich scheinen sie jener Künste, worauf die -Politik heut zu Tage stolz thut, sich bloß darum zu bedienen, daß die -Männer mit gleicher Münze bezahlen können; im Grunde sind sie von Natur -aus, weniger, als wir mit jenen Schlangenwindungen der Zweideutigkeit, -mit jener politischen Falschheit ausgerüstet, die nach den Regeln der -jetzigen Kunst im Finstern schleicht; und es ist von ihrem Verstande -und von ihrem Herzen zu erwarten, daß sie die Politik säubern, und ihr -zum Besten der Menschheit mehr Natur und Wahrheit beiordnen werden. Mit -dem Talent, die heimlichsten Gedanken eines Andern auszuspähen, und sie -in den verborgensten Winkeln zu ertappen, werden sie den schlauesten -Diplomatiker überlisten, ohne daß es Sr. Excellenz gelingt, ihnen ihr -Geheimniß zu entwenden; und obgleich der Wille der Principal-Excellenz, -wie ein Taglöhner, oft dem liederlichsten Weibe verkauft wird: so wird -doch auch der Feinste von den Feinen vergebens sie verleiten, ihren Fuß -an einen Stein zu stoßen -- Nicht bloß die verliebte Schäferin, sondern -auch der Hofmann verbirgt sich im Gesträuch; allein beide lassen sich -_zuvor_ sehen -- Die Kunst vermehrt oft die Schmerzen des Kranken, -und es giebt eine verkünstelte Kunst die in's Abderitische fällt, -wodurch unser Geschlecht in der Diplomatik Glück machen will -- Wir -verfehlen nicht, dem Erzengel _Michael_ und dem _Drachen_ eine Kerze zu -widmen -- Warum doch so viele Künste! -- Werden Weiber aber bei diesem -Geschäfte den ihnen eigenen Edelmuth aufgeben? jene aus Menschenliebe -abstammende Bereitwilligkeit zur Selbstverleugnung? werden sie je -bei der ihnen eigenen Kunst Menschen zu vernehmen und zu erforschen, -aufhören, großmüthig zu seyn und sich selbst zu besiegen? Nimmermehr! -Schwache Männer pflegen gern boshaften Menschen ihr Zutrauen zu -schenken, schwache Weiber dagegen sich edlen Menschen zu überlassen: -Weiber hassen Verrätherei und den Verräther; wir nur, wenn's köstlich -ist, den Verräther: wir sehen es gern, wenn dergleichen Leute viel -bringen, und geben uns nur Mühe, daß sie wenig oder nichts mitnehmen --- Weiber, weit hinweg über jene politischen Tiraden, über jene -politischen Metaphern und jenen politischen _Salto mortale_, wählen die -Natur zu ihrer Lehrerin, und richten mehr aus, als Excellenzen durch -abgenutzte, verrathene und verkaufte _Kniffe_, die den beschrieenen -Namen _Künste_ bei weitem noch nicht einmal verdienen --! Können Weiber -nicht zeigen und verbergen, was sie wollen? Haben sie nicht eine -Offenheit, durch die sie mehr, als durch Zurückhaltung, ausrichten? -eine unvergleichliche Biegsamkeit der Gedanken, eine Helle im Ausdruck, -eine Geschmeidigkeit im Urtheil --? Ihr Mienenspiel, ihr Glück und -ihr Verdienst, mit geringen Hülfsmitteln die größten Wirkungen zu -bewerkstelligen -- ihre Kunst, jedem einen Spiegel vorzuhalten, worin -_er_ sieht, was _sie_ wollen; ihre gelenkige Zunge, wodurch sie -ihren Ideen eine Macht beilegen, die Alles überwindet: -- dies sind -Eigenschaften, wodurch sie alles ausrichten. Man nimmt nur die Wirkung -an sich wahr, und sieht sich vergebens nach den Ursachen um, welche die -Weiber sehr künstlich zu verstecken wissen. Schon im gemeinen Leben -verwickeln sie mit ihrem Witze alle Charaktere der Gesellschaft auf -eine so angenehme Art, daß man diese ihre Leichtigkeit bewundern muß. -Indem sie der Ausdruck zu verlassen scheint, indem sie ihn aufgeben, -finden sie eine überschwengliche Sprache: sie belauschen kleine Ideen, -die der, den sie gewinnen wollen, fallen läßt; -- sie wissen auf ein -Haar seine Leibgerichte, seine Neigungen, seine Stärke, seine Schwäche; -und besitzen die große Gabe, von Glück und Unglück Gebrauch zu machen --- wie bewunderungswürdig! -- Unser Geschlecht verstehet es selten, -aus dem Glück, und fast nie, aus dem Unglück Vortheil zu ziehen und -glücklich durch Unglück zu seyn. -- - -Der _Mangel der Verschwiegenheit_, den man dem andern Geschlechte so -oft zur Last legt, ist nur eine Unart des _weiblichen Pöbels_; und der -_männliche_ Pöbel macht in dieser Hinsicht so wenig eine Ausnahme, -daß er fast schwatzhafter zu seyn scheinet. Weil die Weiber viel -reden, hat man sie der Unverschwiegenheit beschuldiget; allein unser -Geschlecht verdient diesen Vorwurf unendlich mehr; -- wenn es voll -süßen Weins oder verliebt ist, fast immer, und auch oft dann, wenn -es sich weder durch Liebe noch durch Wein erhitzt hat -- Nichts kann -Manchen zurückhalten, sogar seine selbsteigene Schande zu entdecken --- Kein Soldat kann so begeistert von seinen Siegen erzählen, wie -ein Zierling (_Élégant_) von den seinigen. Hat man nicht _Mirabeau_, -dem goldenen Munde neuester Zeit, den Vorwurf gemacht, daß er nichts -verschweigen können? Jene Weigerung guter Menschen, Alles hören zu -wollen, nur keine Geheimnisse, beweiset, daß wenige Menschen zu solchen -Depositis sich Treue genug zutrauen. Viele unseres Geschlechtes haben -so viel selbsteigene Geheimnisse zu bewahren, daß sie sich mit fremden -Depositis nicht füglich befassen können; viele sind niedrig genug, -Depositen-Gebühren auf eine unverschämte Weise zu verlangen -- Wer sich -selbst nicht treu ist, und seine eigenen Unthaten unter die Leute zu -bringen für unbedenklich hält, glaubt sich, wo nicht rechtfertigen, -so doch entschuldigen zu können, wenn er seinen Herrn oder seinen -Freund verräth! -- Männer sind so fein sich zu überreden, daß sie zum -Heil und Frommen eines besseren Menschen das Beichtsiegel brechen -können, das auf die Geständnisse eines minder guten schon gedrückt war! --- Mancher Richter macht sich kein Gewissen, unter Versicherung des -Nichtgebrauchs, Bekenntnisse herauszulocken. »Hat denn,« fragt er, »der -Staat nicht mehr Recht auf mich, als meine Verbindlichkeit?« Du irrest, -Verräther! der Tugend stehet das größere Recht zu. Die Pflichten gegen -das Vaterland heben bei weitem nicht alle anderen Pflichten auf, und -ein Bürger muß nie aufhören ein Mensch zu bleiben. Im Kriege selbst -darf man den Vorzug nicht aufgeben, ein Freund seines Freundes zu seyn! -Auch haben die Männer ein verrätherisches Schweigen, ein Achselziehen -im Gebrauch, die Weise ein halbes Wort zu sagen, den ersten Buchstaben -anzugeben -- Diese Judas-Verrätherei durch einen Kuß, dieses -plauderhafte Stillschweigen, läßt das andere Geschlecht sich gar nicht -zu Schulden kommen -- Man rede nicht von der Unverschwiegenheit der -Weiber! -- -- - -Noch weniger aber sollte den Weibern untersagt seyn, an der _inneren -Staatsverwaltung_ und _Staatshaushaltung_ Theil zu nehmen, da ihnen -gegenwärtig schon im Ganzen die Verwaltung ihres eigenen Hauswesens -anvertrauet ist, und sie bei diesem, ihnen zugefallenen Pflichtteile, -selbst nach dem Zeugnisse der Männer, sich rühmlichst verhalten. Gewiß -hätten wir alsdann weniger Tyrannen, die auf festem Grund und Boden -Schiffbrüchige mit Lust arbeiten sehen, oder die des Spaßes wegen -solchen, die mit den Fluthen ringen, unter Pauken- und Trompeten-Schall -vermittelst einer heilsamen Verordnung Strohhalme zuwerfen; weniger -Blutigel, die hier jeden Bissen finanzmäßig zuschneiden, und dort den -Schweiß und das Blut der Unterthanen ohne Maß und Ziel verschwenden; --- die sich Mühe geben, dem gemeinen Manne das Huhn aus dem Topfe -herauszurechnen, welches _Heinrich IV_ ihm alle Sonntage in den Topf -hineinzurechnen Königliche Sorge trug; -- die ihre Administration, wie -elende Feldherren ihre Einnahmen, mit Plünderungen anfangen, und, um -sich aus dem Gerede über neue Plackerei zu bringen, Redouten und Bälle, -Diners und Soupers geben, und es wie weiland _Alcibiades_ machen, der -seinem schönen Hunde Ohren und Schwanz abschnitt -- -- Wir hätten -alsdann weniger Großprahler und Meister, die gleich vom Himmel fallen, -ob sie schon entweder Colporteurs von alten abgetragenen Meinungen -sind, welche sie wie ein Bettelkleid mit einem Flick von Sammet -bereichern, oder aber (trotz jenem Ober-Chirurgus, der sich dienst- -und kunsteifrig dahin ausließ: hinter die Krankheit muß ich kommen, -wenn auch das ganze Regiment darauf ginge!) eine neue verzweifelte Kur -nach der andern probiren -- und das Alles? um reiche Arme und arme -Reiche zu machen -- O, wie viele hochgepriesene Schwachköpfe giebt -es, die Einen Stand auf Rechnung des andern in verhältnißwidrigen -Cours bringen, damit der eine durch Übermuth, und der andere durch -Hungersnoth verderbe! wie viele, die nichts im Ganzen übersehen können, -und denen es ein leichtes dünkt, aus Deutschen Franzosen, und aus -Pohlen Holländer zu _fabriciren_ --! wie viele Finanzblitzer, deren -Aufblitz nur dazu dient, daß man das Schreckliche der Verderbensnacht -mit Schauder erblicke! -- Diese Herren sollten die Ermahnung jenes -Weisen an einen Frevler beherzigen, der bei einem gefährlichen -Ungewitter die Götter bestürmte: -- sich still zu halten, damit -die Götter nicht wüßten, daß er hier wäre. -- Nehmt das Triumvirat -unserer außerordentlichen Minister, des _Grafen Struensee_, _Pombals_, -_Neckers_; -- und das sollte kein Weib thun, was diese Excellenzen -thaten? - -Wer dem weiblichen Geschlechte die Fähigkeit abspricht, das Ganze -zu übersehen, Anordnungen für Königreiche zu treffen, sie im Großen -auszuführen, weit aussehende Plane zu umfassen, und kurz, ihre Begriffe -bis zum Allgemeinen zu erheben, der verräth wenig Weltkenntniß, und -schließt von den Geschäftendes Detail -- denn größtentheils werden -bloß diese den Weibern jetzt anvertrauet -- auf ihre Fähigkeit. Und -wie? soll es denn bei diesen Geschäften nicht auch subalterne Köpfe -geben, da Arbeiten dieser Art bei unsern jetzigen Einrichtungen -überall existiren? Wo es Feste oder Erhöhungen gewisser Tage des -gemeinen Lebens giebt, da müssen auch Werktage seyn -- Nur alle sieben -Tage ist ein Sonntag -- Weihungen gewisser Lebens-Momente zu einem -vorzüglichen Lebensgenusse setzen auch gewöhnliche Tage voraus. Und -sind wir denn lauter Sonntagskinder? -- Bewunderungswürdig ist das -Talent zu rechnen selbst bei gemeinen Weibern, ob sie gleich sich über -unsere Rechnungsmethode wegsetzen, und oft ihre eigene Arithmetik auch -alsdann noch beibehalten, wenn sie nach der gewöhnlichen Schulmethode -zu den Geheimnissen der Zahlen zugelassen worden sind. Ihre Kanzelei -ist mir, bei aller ihrer Unregelmäßigkeit, schätzbar, wenn gleich -Keuschheits-Procuratoren noch nicht einig sind, ob und in wie weit das -Schreiben dem weiblichen Geschlechte nützlich oder schädlich sei. -Giebt es nicht Männer genug, die ihre Töchter nicht anders zu bewachen -wissen, als daß sie ihnen Tinte und Federn untersagen? - -_Storch_, ein neuer Reisender, fand, nach seinen Bemerkungen über -Frankreich, in der Schule des berühmten Tachygraphen _Coulon de -Thévenot_ zu _Paris_ Mädchen, unter denen es einige in der Kunst -geschwind zu schreiben, zu einer erstaunenswürdigen Fertigkeit gebracht -hatten. Heißt das nicht mehr als Orthographie und Kalligraphie? - -Vieles in der _Stadt- und Landwirthschaft_ hat man bis jetzt als -unbedeutend behandelt; viele Hausthiere sind lange nicht in dem -gehörigen Maße genutzt und im Ertrage in Anschlag gekommen, und -überhaupt ist das anzubauende Feld nicht klein, welches auf Weiberköpfe -und Hände wartet, um urbar zu werden -- Fast möcht' ich sagen, die -Ökonomie sei weiblichen Geschlechtes, und vorzüglich die, welche ins -Große geht -- Wie wir doch Alles so meisterhaft -- wie soll ich sagen? --- _um_zukehren oder zu _ver_kehren gewußt haben! - -Und du, _heilige Justiz_! unübersteiglich dem, der dich, wie der Pilger -die Alpen, ohne Alpenschuhe, Stab und Führer ersteigen will! mystische -Aristokratie, die du dich oft zwischen Fürsten und Volk stellest -- -angeblich um Mittler- oder Mäkler-Dienste zwischen beiden zu üben, -eigentlich aber um beide zu beherrschen -- darf ich es wagen, dich -um Audienz zu bitten? Zwar weiß ich, wie edel dir deine Zeit ist, um -dich nach einem dreistündigen Sessionsschlaf zu erholen, und zu einer -abermaligen Sessionsruhe neue Kräfte zu sammeln; doch will ich dich -gewiß weniger aufhalten, als du alle deine Partheien aufhältst -- Die -Beobachtung der Natur hat den größten Meistern in den schönen Künsten -die Regel zugeführt: daß wenige und einfache Zeichen, wenn sie mit -Weisheit gewählet werden, eine kräftigere Wirkung thun, als durch -eine verschwenderische Häufung zwecklos gewählter Zeichen möglich -ist. Darf ich so frei seyn, diesen Umstand der gesetzgebenden und -gesetzübenden Justiz zur Erwägung zu empfehlen? _Hume_ ging von seinem -Freunde _Jortin_, einem Geistlichen, mit dem er über natürliche und -geoffenbarte Religion einen Wortwechsel gehabt hatte; und da der -Philosoph nicht zugeben wollte, daß der Geistliche ihn begleitete, -fiel er. Der Geistliche, der ihn fallen hörte, kam ihm mit seinem -Lichte zu Hülfe, und machte ihn mit den Worten verdrießlich: »Habe ich -Ihnen nicht oft gesagt, lieber Freund, daß Sie Sich nicht zu viel auf -eigene Kräfte verlassen sollen, und daß das natürliche Licht nicht -hinreicht?« Die natürliche Religion verlor durch diesen Fall _Hume'ns_ -nur eben so viel, wie die geoffenbarte durch das Licht _Jortin's_ -gewann; allein die Justiz verliert durch den Umstand, daß auch die -ersten ihrer Officianten sehr oft nicht wissen, wie sie mit ihr daran -sind -- Sie fallen mit und ohne Licht, mit und ohne Begleitung; und -ich weiß nicht, woran es liegt, daß Niemand recht weiß, was Rechtens -ist. Ihre Sentenzen, welche die Sache lösen wollen und sollen, sind -gemeiniglich neue Räthsel, die sie aufgeben; und doch gehören viele -Sächsische Fristen und viele doppelte Sächsische Fristen dazu, ehe -man die _hochlöblichen Herren_ zum _Stehen_ bringt; und wie viele -Fristen verlaufen nicht, ehe sie zum _Sitzen_ kommen! Die Justiz war -zu jeder Frist eine dürftige Krücke, an welcher der Staat hinkte, und -noch obendrein von so _schadenfroher und bösartiger Natur_, daß sie -auch selbst dem, der sich zutrauensvoll auf sie stützte, die Hand -durchbohrte. Wie oft sind ihre Urtheile vergiftete Hostien, die man bei -großem Pomp des Hochamts empfängt. -- -- In ihrer goldenen Zeit ist die -Justiz ein Guckkasten, worin schöne Raritäten und schöne Spielwerke -zu schauen sind -- Es gab von jeher unter den Juristen _Élégants_; -und wer hat nicht von der _eleganten Jurisprudenz_ reden gehört? Auch -der einsichtsvollste Jurist wird in eigenen Angelegenheiten nicht -wissen, was er zu thun und zu lassen habe, um etwas Rechtbeständiges -zu unternehmen; und so scheint die gar zu große Kunst der Justiz dem -Menschen, den Gott aufrichtig gemacht, völlig unangemessen zu seyn. - -Sollte sich einst die bürgerliche Verbesserung der Weiber bis auf -die Rechtspflege erstrecken, und das Recht aufhören, ein Monopol -einer besondern besoldeten Männer-Klasse zu seyn; nur alsdann wird -man anfangen einzusehen, daß Rechtspflege nicht heißt, im Orakelton -unverständliche Formeln hersagen, die nur wirksam sind, weil neben der -Wagschale auch das Schwert liegt, sondern daß sie sich bemühen muß, -die Partheien über Recht und Unrecht zu belehren und zu überzeugen, -wenn sie einen Theil der Ehre verdienen will, die sie sich jetzt -so gränzenlos und machtvollkommen beilegt. Man sagt: _Necker_ sei -tugendhaft, um damit prahlen zu können; _la Fayette_ sei es, um es zu -seyn und nicht zu scheinen. Würde dies nicht der Fall mit Richtern aus -der weiblichen und männlichen Klasse seyn? - -Schon fängt der Gedanke an sich je länger je mehr zu regen, daß nur -Gleiche zwischen Gleichen entscheiden können, wenn Recht nicht ein -todter Buchstabe bleiben, sondern ein lebendiger werden soll. Würde -es indeß nicht schreiendes Unrecht seyn, bis dahin, und ehe jener -glühende Funke in der Asche zum Feuer ausschlägt, den Weibern die -Richter- und Schöppenstühle zu verschließen? Man behauptet in England: -unbesoldete, dem Beklagten gleiche, von ihm anerkannte, nur auf eine -kurze Zeit zum Wohl der Mitmenschen und nicht schnöden Gewinnstes oder -eitler Ehre halben berufene, einstimmige Richter, oder Geschworne -(_Juries_), wären eine Schutzwehr der bürgerlichen Freiheit, und eine -unüberwindliche Festung, wenn gleich die Künstelei der politischen -Maschine bisweilen zu gesucht seyn sollte, wenn gleich in ihrem -Räderwerke zu viel oder zu wenig Zusammensetzung Statt fände, wenn -gleich in der Vertheilung der Gewalt, in der Repräsentation des Volkes, -und in der Abtheilung der Stände Organisations-, Schwachheits- und -Bosheitsfehler wären -- Jene Justiz-Verwaltung allein würde schon, -was schwächlich ist, beim Leben erhalten, und nichts erschöpfen -lassen, was zum Vortheile und zum Glanze der Nation einen Beitrag -liefern kann. In der That, auch im monarchischen Staate könnte durch -eine ähnliche Justizverwaltung Alles einen andern Schwung bekommen, -und so Manches belebt werden, was jetzt gelähmt ist -- Monarch und -Volk würden gewinnen. Wie aber, wenn sogar das andere Geschlecht an -dieser Rechtspflege Antheil nähme, wenn nicht bloß durch gute Männer -(_arbitros_), sondern auch durch gute Weiber, Zank und Streit beigelegt -oder entschieden würde? müßte da die Justizverwaltung nicht noch -vollkommener werden? Menschen, die bloß gesetzlich sind, haben keine -Haltung; -- es sind im eigentlichen Sinne bloß unnütze Knechte, die -zwar thun, was ihnen geboten ist, allein damit nichts Gutes stiften --- Die Gesetze und die Leidenschaften sind oft so verwandt, daß der, -welcher der Vernunft und dem Gewissen (der praktischen Vernunft) nicht -folgt, bei aller positiven Gesetzlichkeit nicht selten ein verdorbener -Mensch ist -- Wer kann hierauf genauere Rücksicht nehmen als das -andere Geschlecht? wer es mehr empfinden als Weiber, daß der Zwang, -durch den Andere eben so frei werden, die Probe der wahren Freiheit -sei? -- Trockne und ungekünstelte Wahrheit gilt in der Geschichte -und überall mehr, als eine noch so glänzend scheinende Falschheit. -Jener medicinische Pfuscher, der einen König von einem Quartanfieber -befreiete, welchem alle kunstverständige Ärzte, ihrer hohen und tiefen -Gelehrsamkeit ungeachtet, nicht gewachsen waren, antwortete, als er -_par ordre du Roi_ den Doktor-Hut erhalten sollte, und der Form halben -examinirt ward, auf die Frage: »was ist das Fieber?« _eine Krankheit, -die Sie, meine Herren, sehr geschickt zu definiren, und nicht zu -curiren verstehen, und die ^ich^ nicht definiren, wohl aber -curiren kann_ -- Die evidente Vernunft ist eine Mitgift, welche die -Natur allen Menschen in gleichem Maße bewilligt hat. Der allergemeinste -Grundsatz des Naturrechtes, mit dessen Ausübung Zwang unwidersprechlich -verbunden werden kann, ist das Gesetz: - - verhindere, daß die Vollkommenheit aller - Menschen nicht gemindert werde; - -und liegt in dem höchsten Material-Gesetze der Sittlichkeit: - - vervollkommne alle Menschen. - -Ist Vollkommenheit nicht die höchste Stufe der Ausbildung aller Kräfte -zu einem Ganzen? Ich will es hier mit keiner Schule verderben; denn -meine Absicht ist nicht, nach väterlicher Weise der Richter- und -Philosophenstühle, durch Zank und Streit die edle Zeit des Handelns zu -versäumen. Darf ich indeß, um die Justiz zu überzeugen, daß sie mit -sich selbst uneins ist, noch beiläufig bemerken, daß die Vollkommenheit -aller Menschen mir der Zweck der sittlichen Gesetze zu seyn scheint? -Und was will man mehr als diese höchste Ausbildung? Sollten indeß -Gesetze nicht auf alle Menschen ausgedehnt werden? Kann man ein -vernünftiges Wesen bloß als Mittel zu höheren Zwecken ansehen? Jener -allgemeine materielle Grundsatz ist und bleibt ein Kennzeichen der Form -aller Sittlichkeit, gemäß der allgemein geltenden Gesetzmäßigkeit und -ihrem obersten Grundsatze: die Vorschriften, nach denen du handelst, -müssen so beschaffen seyn, daß sie allgemeine Gesetze werden können. -Verschlag' ich zu weit, oder kann unsere neue Philosophie nicht ein -Tribunalsausspruch meiner Vorschläge werden? Eine gute Gesetzgebung -ist sicher das Meisterstück des menschlichen Geistes; und wer aus -Kenntniß unserer Natur weiß, daß die Sitten der Nationen ihre Bildung -größtentheils der Wirkung der Gesetze zuschreiben müssen, wird es mir -nicht verdenken, daß ich unsere Juristen etwas weiter zurückführe, als -diese Herren vom gewöhnlichen Schlage zu gehen gewohnt sind. Schon -da, wo die Weiber jetzt das Richteramt führen, in gewissen _causis -privilegiatis_, zeigen sie sich als Meisterinnen in ihrer Art, und -beschämen ihre Männer, die gemeiniglich Alles verderben, sobald sie es -sich herausnehmen, Stellvertreter ihrer Weiber seyn zu wollen -- - -Man sagt: _Weiber wären hart_; allein läßt sich die Justiz in Gefühle -auflösen? _sie wären zu peinlich bei ihrer Nachforschung_; allein kann -man es zu sehr seyn, wenn es Schuld und Unschuld der Menschen gilt? Es -fehlt den Weibern selbst nicht an Gedächtnis, um eine Legion Gesetze -zu behalten, noch an Geduld, die ewigen Klagen und Schutzreden der -Partheien anzuhören, und in einem feinen guten Herzen zu bewahren; -nicht an Beredsamkeit, um den Sturm der Partheien zu besänftigen und -die Fluth der Rede in ihr Ufer zurück zu weisen -- Wie geschickt würden -sie zu Versuchen der Sühne seyn! -- Überraschung ist der natürliche -Ersatz für alle unangenehme Verwirrung, ohne die sie nicht zu erhalten -war; allein ist dies der Fall bei unsern richterlichen Sentenzen? sind -sie nicht gemeiniglich ein neues verwickeltes Knäuel? wechselt nicht -Verwirrung, bis endlich die dritte Instanz, gemeiniglich durch einen -Machtspruch (so sehr auch dies Wort bei den Herren Juristen gehaßt und -verfolgt wird) aller Fehd' ein Ende macht? -- - -Bis jetzt hatten die Weiber kein anderes ernsthaftes Geschäft als -Liebesangelegenheiten. Freilich, wenn sie auf einmal, wie vom Himmel -gefallen, ohne Vorbereitung, ohne ihnen bewilligte bürgerliche -Rechte, und ohne daß man ihnen auf politische Köpfe und Füße hilft, -sich in Staatssachen werfen -- ist es Wunder, wenn sie, nach einem -Französischen _Viso reperto_, zwar die _hysterischen Zufälle_ -verlieren, indeß in noch _ärgere_ fallen? Ernsthafte Sachen sind ihnen -zu _schön_ und zu _erhaben_, als daß sie nicht Alles dieser köstlichen -Perle halben veräußern sollten. Zarte Fasern, die man pflegen und -warten soll, muß der Gärtner nicht zerreißen; bei einer scheinbaren -Ermattung, oder bei einem zu starken Auswuchs, kann er nicht, ohne -ein Miethling zu seyn, jene sich hervordrängenden Zweige abschneiden, -die so leicht zu besseren Zwecken zu leiten gewesen wären -- Er läßt -sie in die Höhe schießen oder zur beschützenden Krone gedeihen -- Man -mäßige bei dem andern Geschlechte die zu starke Neuheit; man bringe -Weiber mit _mehr_ ernsthaften Sachen, und zwar _allmählich_, in -Verbindung: und hysterische und andere angeblich ärgere Übel, Leibes -und der Seele, Gutes und Ehre, sind gehoben. Die Pfeifer und Geiger -wurden auf der Stelle verabschiedet, als _Jairi Töchterlein_ von den -Todten erweckt werden sollte -- Selbst die Bevölkerung müßte hierbei -zunehmen; »es verlohne zu leben,« würden die Weiber denken. Und wie ging -es in aller Welt zu, daß man bis jetzt den Vortheil der Menschheit -so sehr verkannte? daß man die Weiber als abgeschiedene Seelen in -einem Psychodocheum hielt, und sie nie zum wirklichen, sondern bloß zu -einer Art von Leben berechtigte? -- zu einer Art von Ritterleben von -trauriger Gestalt! -- Viele Züge würden mehr gehoben, andere sanfter -gemischt werden; man würde uns nicht so oft statt eines Nachtstückes -die Nacht mit schwarzen Farben verkaufen; nicht so oft aus bloßer -Angst und Furcht ein Held seyn; nicht so viele Rechtsglücksgreifer und -Marionettenspieler in den Gerichten finden, nicht so viele flache, mit -groben Farben überladene Richter und Anwälde und wie die Herren weiter -heißen -- wenn Weiber an der Rechtsverwaltung Theil hätten. Sind unsere -praktischen Rechtsgelehrten nicht gemeiniglich Feinde des _Warum_? Ist -das Verdienst des größten Theils von ihnen nicht, Urtheile in Umlauf -zu bringen, die man ein _Spielzeug des Gewissens_ nennen könnte --? -Urtheile, die oft das gerade Gegentheil von jener inneren Gerechtigkeit -sind, bei der Jeder, wenn er auch gleich durch alle drei Instanzen -verloren hätte, sicher seyn kann, daß er nach Gefühl und Einsicht der -gesitteten unparteiischen Welt gewinnen und das Feld behalten werde! -- -Sind die meisten Dikasteria nicht Säulenreihen, die nichts Wichtiges -zu tragen haben, und wo man unbedeutende Gegenstände mit Verzierungen -überladen hat? Der _sichere_ Ehrgeitz ist weit unausstehlicher, als -der, welcher sich vor List und Nachstellung _fürchten_ muß -- Die Römer -waren, als Staat genommen, keine sonderlichen Financiers; und oft hat -mich der sündliche Gedanke angewandelt, ob nicht mit darum Juristen und -Financiers einander so spinnenfeind wären, bis auf den heutigen Tag. -Würden Weiber an der _Finanz_- und _Rechtsverwaltung_ Antheil nehmen -- -ich wette, dieser Haß zwischen _Herodes_ und _Pilatus_ müßte aufhören, -und beide Theile mehr zu Gesinnungen der Menschheit kommen, da jetzt -die Herren Financiers oft ins Recht pfuschen, und die Justiz es so -wenig bedenklich findet, eine Art von Finanz-Operation zu werden -- -daß die Juristen oft genug die Furierschützen des Finanz-Departements -sind. -- - -_Themis!_ weibliche Gottheit, öffne deine Heiligthümer deinem -Geschlechte, und du wirst Wunder sehen, ohne daß du dich bemühen -darfst, sie zu thun --! - -Während daß wir unsere Hände nach Allem ausstrecken, nicht zufrieden -über die Seelen der Weiber _à la Padischah_ zu gebieten, sondern -auch an ihren Körpern zu Helden zu werden, zwingen wir das andere -Geschlecht, auch auf _die Heilkunde_ Verzicht zu thun, zu der es -einen unwiderstehlichen Hang behauptet. Und warum ist die Heilkunde -in ihrem weitesten Umfange nicht eine freie Kunst der Männer und -Weiber? Fühlen die Weiber nicht so lebhaft, daß die Natur sie ganz -eigentlich zu diesem Geschäfte berufen hat? treiben sie nicht, trotz -allen Anordnungen, aller Aufsicht und allen Strafen, dieses ihnen -so strenge verbotene Handwerk? und haben sie sich nicht -- was noch -sonderbarer ist -- dabei so gar einen Nahmen zu erwerben Gelegenheit -gehabt? Frau * * auf * * curirt ihr Haus und ihre Unterthanen, aller -Recepte von Scheltworten und Drohungen der kunsterfahrnen Facultisten -ungeachtet, und kann sich nicht mit der gestrengen Rechtsgläubigkeit -dieser Herren einverstehen, wenn gleich diese Eiferer für des Herrn -Haus sich viele gelehrte Mühe geben, in Rücksicht anderer unbedeutender -Ärztinnen, ihre Orthodoxie inquisitorisch zu beurkunden -- Hüten Sie -Sich, gnädige Frau, daß Sie nicht über Hals und Kopf in ähnliche -Anfechtung fallen, und wegen ihrer kunstlosen Arzeneien verantwortlich -werden! -- In einigen Spanischen Provinzen barbieren die Weiber, und -_Marquis de Langle_ setzt hinzu: so sollt' es eigentlich und überall -seyn, denn ihre weichen sanften und fleischigen Hände taugen weit -besser als unsere, das Kinn einzuseifen und das Messer zu handhaben. --- In den Entscheidungsgründen kann ich diesem Weiberschutzpatron -nicht beistimmen; wohl aber in der Behauptung selbst -- Jene nicht -ungerechte Befürchtung des Meuchelmordes würde, wo nicht aufhören, so -doch außerordentlich geschwächt werden, wenn das andere Geschlecht -diese _gefährliche Kunst_ triebe. Die Anlage des andern Geschlechtes -zur Arzeneikunst und Chirurgie beweiset unwiderlegbar seine vorzügliche -Beobachtungsgabe. Nicht leicht entgehet seiner Aufmerksamkeit auch nur -die kleinste vorübergehendste Veränderung der Farbe, der Mienen, des -Auges -- Jede, auch die unbeträchtlichste, krampfhafte Bewegung der -Muskeln weiß sein Blick zu erreichen. Sein Takt ist zarter und feiner, -und auch da noch fühlt es Pulsschläge, wo der Arzt, wegen seines -gröberen Gefühls, nichts mehr bemerkt. Der leiseste Hauch entgeht den -Weibern nicht; sie vernehmen noch das Wort, das auf der Lippe zitterte -und starb, und oft verstehen sie die Gedanken -- Am praktischen -Urtheil, von ihren gesammelten Beobachtungen Gebrauch zu machen, -fehlt es ihnen sicher nicht -- Schon jetzt bei dem kargen Vorrath von -Kenntnissen, und ohne allen Beistand der Kunst, übernehmen sie Kuren, -die dem erfahrensten Arzte, wo nicht lauten, so doch stillschweigenden -Beifall abzwingen. Wie viel weiter würden sie seyn, wenn ihnen der -Zugang nachgelassen wäre, den ihnen ein neidischer Zunftgeist bis -jetzt vorenthielt! Würden ihnen das Heiligthum des _Epidaurischen -Gottes_, und die unermeßlichen Schätze der Natur aufgethan und sie -in die Geheimnisse der Kunst als Priesterinnen eingeweihet; wie viel -wäre für das menschliche Geschlecht gewonnen! da hingegen jetzt die -große Angelegenheit, die Gesundheit des Menschen, sich immer in -sehr mißlicher Lage befindet, indem viele von unseren Ärzten sich -nicht begnügen, Diener der Natur zu seyn, sondern sich zu gestrengen -Herren derselben aufwerfen -- Wo wir doch überall Herren seyn wollen! -Die Arzeneikunst aller, der Natur nahe kommenden Menschen ist so -einfach und so stark, daß sie mit wenigen Mitteln alle Krankheiten -heilt, so wie Brot die tägliche Schüssel auf allen Eßtischen ist. -Die Natur ist so gutmüthig, daß sie uns durch Krankheiten gesund -machen will -- Unpäßlichkeit ist ein Glockenschlag, wodurch wir zum -Bußtage aufgefordert werden -- Die Natur macht uns aufmerksam auf -uns selbst -- und will uns damit locken, daß wir glauben sollen, -sie sei unsere liebe gute, unsere rechte Mutter. Und ist sie das -nicht? -- Der Schmerz? Ach, dagegen ließe sich noch viel sagen. In -der That, die Natur scheint mit dem Schmerz ihr Spiel zu treiben. Es -giebt Fälle, wo der Schmerz mit der Gefahr in keinem Verhältnisse -steht -- Zahnschmerzvorfälle, in welchen das Leiden weit größer ist, -als die Gefahr; und so auch umgekehrt -- Vielleicht wollte die Natur -uns lehren, uns aus dem Schmerze überhaupt nichts zu machen und ihn -nie auf einen ernsten Fuß zu nehmen. Mache was du willst, sagte ein -Stoiker zum Schmerz, (ob er sich gleich nicht entbrechen konnte, mit -den Zähnen zu knirschen) ich werde doch nicht sagen, daß du ein Übel -bist! und man sage was man will, es liegt in unserm Reden mehr als Ein -Linderungsmittel. Wenn wir dem Schmerze freundlich zureden, scheint er -Mitleiden mit uns zu haben; und wenn wir ihm trotzen, scheint er sich -zu fürchten. Wer den Schmerz in Schimpf oder Ernst übersieht, und sein -unverwandtes Seelenauge mit strenger Aufmerksamkeit auf einen andern -Gegenstand heftet, spielt dem Schmerz einen Streich, daß er nicht -weiß, wie er daran ist. In allen diesen Rücksichten ist vom andern -Geschlechte mehr, unendlich mehr, als vom unsrigen zu erwarten -- Ein -gewisses Segensprechen, ein gewisses Hohnsprechen, ist ihm eigen -- Man -seh' es leiden, man seh' es mitleiden, und Beileid bezeigen -- man hör' -es Trost und Muth zureden -- - -Wie viel eine vernünftige Lebensordnung zur Erhaltung der Gesundheit -beiträgt, und welch ein bedeutendes Hauptstück hier Speise und Trank -ausmachen; wie vieles dabei auf wahre Zubereitung ankommt: das -sind Umstände, von denen jeder überzeugt ist; und doch wird dieser -wichtigste und eigentlichste Theil der Arzeneikunst ganz dem weiblichen -Geschlecht überlassen, ohne ihm die geringste Kenntniß von dem zu -lehren, was es zubereitet, noch wie es dasselbe zubereiten muß, wenn -die thierische Maschine unterhalten und nicht zerstöret werden soll -- -Vielleicht würde es durch Vermittelung der Weiber dahin kommen, daß -Speise und Trank zu unserer Medicin würden, daß wir Medicin nicht mehr -_einnehmen_ dürften -- Wird nicht die Hälfte ihrer Wirkung durch den -Ekel eingebüßt, den das Einnehmen veranlaßt? Kurz und gut, das zahllose -Heer von Processen und Krankheiten würde vermindert werden, wenn Weiber -Richter und Ärzte wären. Ist es nicht leichter, manchen Krankheiten -_auszuweichen_, als sie zu _heilen_? ist es nicht heilsamer für den -Staat, wenn weniger seiner Bürger von Krankheiten heimgesucht werden, -als wenn ihnen durch die Kunst der Ärzte die Gesundheit wiedergegeben -wird? Ist das auch wirklich Gesundheit, was diese Herren den Kranken -dafür verkaufen? Wahrlich, eben so wenig, wie das Gerechtigkeit ist, -was wir in unsern Gerichtshöfen sehr theuer bezahlen -- - -Väter des Staats, errichtet, statt klinischer Institute, Schulen für -die Weiber, wo das, was zum Unterhalt und zur Nahrung des Menschen -dienen soll, näher geprüft und untersucht wird; wo sie gelehrt werden, -Speise und Trank auf eine unschädliche und schmackhafte Weise zu -bereiten, und das Leben und die Gesundheit der Staatsbürger zu sichern. -Aber auch selbst in moralischer Rücksicht wäre es den Sitten, und dem -Staate, dem die Sitten seiner Bürger vorzüglich zu Herzen gehen müssen, -vortheilhaft, wenn den Weibern gestattet würde, Arzeneikunde zu üben. - -Weibliche Ärzte müßten sich weit eher das Zutrauen bei den Kranken -ihres Geschlechtes erwerben. Diese würden ihre Gebrechen leichter und -mit weniger Zwang entdecken, und jene, aus Erfahrung mit der Natur -und Beschaffenheit des weiblichen Körpers, mit seiner periodischen -Ausleerung bekannt, sicherer dem Übel nachspüren, rathen und helfen -können. Dann würden weibliche Krankheiten nicht mehr die Schande der -Ärzte seyn, und vielmehr eine Vollkommenheit in der Kunst erreichet -werden, in so fern Vollkommenheit zu erreichen ist --. - -Schamhaftigkeit, diese Tugend, die das andere Geschlecht so herrlich -kleidet, mit der, wenn sie verloren ginge, alle Grazien und Reitze -ihre Kraft verlieren würden; sie, die durch nichts ersetzt wird --- ist sie nicht oft die Ursache, daß Mädchen Gebrechen so lange -verheimlichen, bis dieselben nicht mehr zu heben sind? oder daß sie -lieber mit Gefahr ihres Lebens auf die Hülfe der Kunst Verzicht -thun? Wie manche hat eine Entzündung in's Grab gebracht, die, wenn -sie weniger schamhaft gewesen wäre, im Augenblick hätte gerettet -werden können --! Wie viele büßen nicht durch schwere Geburten ihr -Leben ein, die es erhalten und dem Staate noch viele Bürger geschenkt -haben würden, wenn Geburtshülfe eine weibliche Kunst wäre, wenn man -den Hebammen nicht bloß das Mechanische dieser Kunst überließe, das -Wissenschaftliche derselben aber sehr weislich den Männern vorbehalten -hätte! Ist es bei diesen Umständen ein Wunder, daß in _London_ und -_Dublin_ von Frauen, die sich durch Hebammen entbinden lassen, Eine -unter 70, und von denen, die sich der Aufsicht männlicher Geburtshelfer -bedienen, nur Eine unter 140 im Wochenbette stirbt? In der That, es -bleibt unsittlich, daß ein Eheweib ihren Körper vor irgend einem -Manne, den ihrigen ausgenommen, entblößt! Verscheucht dergleichen -Überwindung der Schamhaftigkeit nicht Alles, was man Ehrbarkeit nennen -kann? Wie viele Villacerfsche Fälle mögen, ohne daß sie verzeichnet -sind, sich ereignet haben, wo ein Arzt im verliebten Taumel nicht -wußte, was er that! wo er, um ein Weib zu verführen, oder ein Mädchen -zu gewinnen, die Kur verlängert, sie anders lenkt, und oft bloß in -dieser Rücksicht einen langsamen oder schleunigen Tod, ohne daß er es -dazu anlegte, befördert! Und wenn man weiß, was Eifersucht vermag, wer -zittert nicht bei diesem Gedanken und bei der Einrichtung, nach welcher -man dem Arzte so viel anvertrauet, ohne selbst nur den leidigen Trost -zu haben, durch drei Instanzen seinen Proceß zu verlieren! - -Woher kommt es, daß der so wichtige und über alles gehende Widerstreit -zwischen Wohlstand, Sitten und Bedürfniß bis jetzt übersehen worden -ist? Hat man ihn aber nicht übersehen, warum ist denn _dieser_ -Mißstand, dem so leicht abzuhelfen war, unabgeholfen geblieben? Man -kann sich bei dergleichen Umständen des zudringlichen Gedankens nicht -erwehren, das moralische und physische Wohl der Bürger sei nicht das, -womit die Staats-Piloten sich zu beschäftigen scheinen. In der That, -Glück und Zufall sind es gemeiniglich, welche Bahn und Fahrt bestimmen; -denn es giebt der hier einschlagenden Unschicklichkeiten noch weit -mehr, von welchen der Staat keine Notiz nimmt, ungeachtet sie einer -ernstlichen Rüge bedürfen, und ungeachtet es federleicht seyn würde, -diese Quellen so mancher unmoralischen Folgen zu verstopfen -- Noch -bedient man sich der _Tanz-_ und _Singemeister_, um dem Frauenzimmer -Tanz und Musik beizubringen, und scheint es entweder nicht zu wissen -oder nicht wissen zu wollen, wie nahe die weibliche Tugend hier der -Gefahr ist, wie Manche diesen Versuchungen nicht widerstanden und als -Opfer fielen. - -Man läßt es geschehen, daß _Männer Weiberköpfe_ putzen, und ahndet -nicht, was hier für Gedanken geweckt, was für Bilder aufgeregt und was -für Begierden gereitzt werden. Man vergißt, daß die Gattin und Tochter -müßig sitzen, daß das Wühlen in den Haaren einen gewissen physischen -Kitzel, wo nicht bei beiden, so doch bei Einem Theile erregt; man -übersieht gewisse Stellungen, die einen aufmerksamen Beobachter viel -errathen lassen. Zwar hat man angefangen, diese Geschäfte weiblichen -Händen zu übertragen; allein noch ist dies eine Seltenheit und eine -ökonomische Veranstaltung. Ein kleinlicher Bewegungsgrund, wo es doch -deren so viele und so wichtige giebt. - -Auch die _weibliche Kleidung_ sollte durch _Weiber_ angemessen und -gefertiget werden. Die Manipulation eines männlichen Schneiders und -Schusters ist unschicklich. Wär' es dem Staate Ernst, die große und -edle Hälfte seiner Bürger nützlich zu beschäftigen; fühlte er die -große Verpflichtung, diejenigen, welche die Natur gleich machte, auch -nach Gleich und Recht zu behandeln, ihnen ihre Rechte und mit diesen -persönliche Freiheit und Unabhängigkeit, bürgerliches Verdienst und -bürgerliche Ehre wiederzugeben; öffnete er den Weibern Cabinette, -Dikasterien, Hörsäle, Comptoire und Werkstätten; ließ' er dem -vermeintlich stärkeren Manne das Monopol des Schwertes, wenn der Staat -sich nun einmal nicht ohne Menschenschlächter behelfen kann oder will; -und machte er übrigens unter beiden Geschlechtern keinen Unterschied, -so wie die Natur es wollte, und wie die bürgerliche Gesellschaft es -auch wollen sollte, wenn sie sich nicht etwa ihrer natürlichen Herkunft -schämt: so würden Staatswohl und Staatsglückseligkeit sich überall -mehren, die Menschen wachsen wie die Weiden an den Wasserbächen, und -die Menschheit ihrer großen Bestimmung mit schnellen Schritten zueilen --- - -Doch! ich wollte nur Winke geben, und verdiene vielleicht den Beinamen, -den man _Burke'n_ zu einer gewissen Zeit beilegte: _the dinnerbell_, -die Eßglocke, weil die meisten Parlamentsglieder, wenn er zu peroriren -anfing, das Haus verließen. Die Wahrheit bedarf keiner Schminke, und -wer der Schönheit wegen schreibt, unterwirft sich dem Schicksal einiger -Damen unserer verderbten Zeit, die sich weit lieber erkälten, als dem -Putze das Mindeste von seinen modischen Rechten entziehen. Will man -etwas in seinem ganzen Umfange, in seiner ganzen Stärke genießen, so -entferne man alles Fremdartige, und mache es wie große Esser, die, -außer dem Geschmack, den übrigen Sinnen in ihrem Eßsaale den Zutritt -nicht verstatten. Selbst weite Aussicht, Tafelmusik, unterhaltende -Gespräche entkräften ihr Vergnügen -- Still essen sie, und Alles hat -bei ihnen seine Zeit -- Alles was kolossalisch in's Auge fällt, ist -schwächlich. Wer Menschen vergöttert, macht weniger aus ihnen, als -sie von Gottes- und Naturwegen seyn können. _Immerhin Gott, nur kein -Mensch_, hieß es von Höchstseligen Tyrannen -- Detail-Vorschläge geben -sich von selbst, wenn nur der Total-Eindruck unauslöschlich ist. Der -Text muß sich nicht in den Prediger, sondern der Prediger in den Text -schicken; und was hilft wissen und wollen, wenn es nicht zum Thun -kömmt! Wer nicht Nebenfolgen von eigentlichen, und Nebenursachen von -Hauptursachen zu unterscheiden weiß, hat seinen Plan nur schlecht -angelegt -- oder hat gar keinen. -- - -Wie aber! es erheben sich Einwendungen an allen _fünf_ Fingern der -vorigen Kapitel. Immerhin! und wären sie auch nichts weiter als -wiederholte Wiederholungen, an denen denn doch meine Wenigkeit nicht -Schuld ist, sondern (Niemand übrigens zu Leide gesagt) meine gebetenen -Gäste von Opponenten. -- Jene _Chroniques scandaleuses_ wider das -schöne Geschlecht, von Misogynen und vielbeweibten Männern, von -Kastraten und körperlichen Kraftgenies, (die, in der Voraussetzung, das -sinnliche Bedürfniß sei das größte Band unter beiden Geschlechtern, -des Dafürhaltens sind, die starken Männer wären auch die besten) von -Thoren und Weisen, von Heiligen und Liederlichen, von Sultanen und -Keuschheitswächtern, geschrieben und erzählt -- werden sie vermögend -seyn, uns umzuschaffen oder der Natur Gewalt zu thun --? _Das Weib sei -nur des Mannes wegen?_ Wohl, so wie der Mann des Weibes halben. Hast -du nie ein Weib gesehen, Freund, das bei liebenswürdiger Einfachheit -eine erhabene Größe verräth? bei voller Publicität und Offenheit -eine enthaltsame, strenge Zurückhaltung? -- bei edler Zutraulichkeit -forschende Prüfung? -- Es legt es nie auf Herzen an, und doch gewinnt -es alle Herzen. Das edle Absichtlose, das die Poësie behauptet, ist -seine Weise; und wie viel richtet es damit aus! Sein Blick, der durch -die Kirchenschlösser der Herzen dringt und Alles _für_ und _wider_ -entdeckt; -- seine Kraft, die Alles niederdrückt und hebt was es -will; gleich frei von Freude wie von Leid, von Furcht und Hoffnung -unbefangen, für den heutigen Tag lebend ohne Sorgen für den andern -Morgen -- wie schnell und wie umfassend wirksam, zur Selbstherrscherin -aller Herzen geboren, erhebt dies Weib zu seinen Freunden, die es durch -die Hoheit seiner Würde zu seinen Untergebenen machte! _Koketterie_ --- sagst du --? Nun, so ist Kosmopolitismus Stoicismus -- und die -erhabenste Menschentugend im Leben und im Tode Koketterie! Von Natur -sollte das Weib nicht den _Cajus_, _Titius_ und _Sempronius_ lieben, -sondern das Geschlecht; durch die Ehe wird es Eines Mannes Weib: an -jene Umfassung gewohnt, geht auch seine Denkart in's Allgemeine, in's -Ganze, in's Große -- Macht ein großer Mann jene Rolle des großen -Weibes; sage unverhohlen: fehlt ihr nicht oft Geist und Leben? -- Du -zürnest, Freund? Was denkest du Arges in deinem Herzen? - -»_Alle Übel in der bürgerlichen Gesellschaft sind Werke der Weiber!_« - -Der Weiber, die doch in den politischen Gesellschaften nur Nullen -sind, und ohne eine vorstehende männliche Zahl keine Bedeutung haben? -Und warum ihr Werk? weil sie Männer dazu verleiteten? die Curandinnen -die wohlweisen Curatoren? Wegen des Einflusses, den man den Weibern -nicht versagen konnte, den auch Sklavinnen über ihre gestrengen -Herren behaupteten. So sehet denn da die Rache, welche die Natur sich -nicht versagen kann, wenn man ihre Majestät beleidigt --! Entzieht -den Weibern keinen jener Antheile, wozu sie unleugbare Rechte haben, -und ihr werdet jenen Schleichhandel von selbst heben, den jetzt die -Weiber zum Nachtheile ihrer Männer und des Staates treiben. Die -Vernunft ist göttliches Ebenbild, und wo ihr sie findet, da ist es -Pflicht, ihre Superiorität an zuerkennen -- Wo sie erscheint, ist -Werth, Würde und Selbstbeständigkeit. Sie regiert im Kleinsten der -Unterthanen den Größten, den Herrn der Welt -- und in dem Staate, wo -sie unterdrückt wird, hören die Weisen die Stimme, welche sie auf -ebene Bahn leitet: _Stehet auf und lasset uns von hinnen gehen!_ Oder -wie? ist etwa der Werth des anderen Geschlechtes nicht auf Vernunft, -sondern auf Sinnlichkeit gegründet? Ei, Lieber! können wir uns, so -lange wir Kleider der Sterblichkeit tragen, über die Sinnlichkeit -hinaussetzen? Nur ein Pedant kann die _Sinne_ die Deutschen Klassen -nennen; kommen wir nicht durch sie und durch die Empfindung der -Vernunft zuvor? gründen die Sinne nicht die Vernunft? sind sie nicht --- die höchsten Revisoren derselben? erheben sie die Vernunft nicht zu -ihrer eigentlichen Würde? ist die Vernunft nicht _generis foeminini?_ -und der _Geschmack?_ ist er nicht mit so schönen sittlichen Ideen -ausgestattet, daß es eine Lust ist? Muß die Vernunft sich nicht -vielmehr von Amtswegen versinnlichen, um über das Herz zu siegen, das -ein trotziges und verzagtes Ding ist, wer kann es ergründen --? Würden -wir nicht aufhören Menschen zu seyn, und übernatürlich werden, wenn wir -auf das Wesen der Menschen Verzicht thäten? ist übernatürlich nicht -auch unnatürlich? Das feinste Raffinement ist immer ein Verwandter -der Simplicität. Das Loos dieses Lebens ist eine Menschenrolle; ist -sie so subaltern wie sie scheint, und verdient _der_ Beförderung, -der im Geringeren ungetreu ist? Erst durch die Ehe wird das Weib in -eben dem Grade durch den Mann vollendet, wie der Mann durch das Weib --- Mann und Weib machen einen ganzen Menschen aus -- Die relativen -Eigenschaften, die zwischen beiden auf einander angelegt sind, setzen -diese Behauptung außer Zweifel. Darf ich es noch einmal wiederholen, -daß der Vorzug der physischen Größe und Stärke des Mannes in Hinsicht -des Weibes sich auf keine moralische Überlegenheit unseres Geschlechtes -bezieht? Kein Geschlecht hat den mindesten Werth ohne das andere; -zusammen genommen machen sie die Menschheit aus. Wir spielen aus Einer -Kasse, und die Natur hat Mann und Weib so zusammen gefügt, daß kein -Mensch sie scheiden kann -- In einander verwebt, ist Eins um des Andern -willen. Eifersucht auf Ansehen ist der Hebel, wodurch nur schwache -Menschen gereitzt und in Athem gesetzt werden können. Was kann sich -ohne Weiber gruppiren? Gehe mit einem dir völlig gleichgültigen Weibe -um, nur langer Weile halben -- ehe du es merkst, wird deine Seele in -die ihrige eingreifen; ihr werdet nicht von einander lassen, ohne daß -Lust oder Liebe hierbei den mindesten Einfluß hat -- Dieser Einklang -ist Geschlechtstrieb, oder inniges geheimes Gefühl, Bestätigung -der göttlichen Worte: Es ist nicht gut, daß der Mensch allein sei --- Ohne _Eva_ ist _Adam_ ein Thier, und _Eva_ ohne _Adam_ eine -Klosterjungfer. Wer bemerkte nicht, daß fast alle Männergesellschaften -mit dem Paradiese anfangen und mit dem jüngsten Gerichte enden! Man -erstaunt über die Sprünge, welche Männergespräche nehmen -- Weiber -knüpfen sie zusammen und bringen Alles in das Verhältniß, wenn gleich -gesellschaftliche Unterhaltungen mit Recht die Art der Englischen -Gärten behalten, die genau gebahnte Wege vermeiden. -- Wäre größere -körperliche Stärke mit einer größeren Seelenkraft verbunden, so würde -diese Schrift sehr klein geworden seyn, und es hätte nicht verlohnt, -an eine bürgerliche Verbesserung der Weiber zu denken. Macht aber -der Geist des Menschen sein eigentliches Wesen und Seyn, so ist die -Unfähigkeit des Weibes zu Staatsgeschäften, Künsten und Wissenschaften -ein Vorwand, allein kein Einwand -- Selbst nicht immer sind die Weiber -schwächer gebauet als die Männer -- »_In einzelnen Fällen --? in -niederen Klassen?_« Nein! auch selbst im Allgemeinen. In _Champagne_, -wo die Einwohner ein gesunder Schlag Leute sind, sollen, nach der -Bemerkung der Reisenden, die Weiber stärker seyn als die Männer; -und wie viele junge Wüstlinge giebt es, die sich das Alter in der -Jugend inoculiren ließen, um so wenig vor Alter, wie an den Pocken zu -sterben --! Ich will für meinen Einwender Gründe auslegen, die er mir -hoffentlich zu seiner Zeit erstatten wird. Zugegeben, daß das Weib im -Allgemeinen und bei allen Nationen, so wie überhaupt, in der ganzen -thierischen Schöpfung, schwächer, feiner und zarter gebauet ist als -der Mann; zugegeben, daß die weiblichen Nerven biegsamer, reitzbarer -und zärtlicher als die unsrigen sind: was folgt daraus? etwa, daß der -Körper der Weiber nicht zu langen Anstrengungen des Geistes angelegt -sei? daß sie wegen ihrer lebhaften Imagination nicht lange bei einem -Gegenstande verweilen können? daß Anstrengung des Kopfes, Sammlung -des Geistes ihre Sache nicht sei? -- Giebt es nicht wissenschaftliche -Gegenstände, welche Biegsamkeit und Feinheit erfordern? Läßt denn -körperliche Stärke auf geistige schließen? und hat ein vierschrötiger -Tagelöhner die beste Anlage zum Generalsuperintendenten? -- Die -vorzüglichsten Menschen hatten schon oft die schwächlichsten Körper. -Eine große Seele hat selten einen handfesten Leib zu seinem Gefährten -gewählt; Freund _Hume_ und einige andere ausgenommen, waren große -Geister in der Regel klein und schwächlich --. Was wohl leibet, -heißt es in einem alten Sprich- und wahren Worte, seelet oft übel. -Selbst _Alexander_ und _Friedrich II_ waren klein von Körper, so wie -Helden gewöhnlich nicht auf große Statur Anspruch hatten. Oder wie? -haben Physiologen ausfindig gemacht, daß die ursprüngliche weibliche -Organisation die Weiber zu subalternen Geschöpfen mache, ihnen den -Weg zu allem Edlen und Großen vertrete, und, wenn auch Jünglinge -und Mädchen einerlei Unterricht empfingen, von einerlei Motiven zu -ihrer Geistesbildung angetrieben würden -- jene doch diese allemal -überflügelten? Wären diese Beobachtungen wahr und richtig, so müßte -man freilich glauben, auch wenn man das gerade Gegentheil sähe -- -Ei Lieber! wo hat man den Erfahrungsschatz gefunden? gesammelt hat -man ihn doch nicht? wo sind Versuche gemacht? absichtlich gemacht? -und müßte das nicht vorausgegangen seyn, wenn man über Anlagen und -Fähigkeiten so absprechen wollte? Es hat nie weder an Köpfen noch an -Herzen unter den Weibern gefehlt, die den Männern den Rang abgewonnen! -Ich beziehe mich auf den Anfang dieses Ohrfingers von Capitel, welcher -so spendivisch preiswürdige Namen genannt hat -- Und warum wollen wir -mit einander streiten, da jeder Blick aus der Arche der Studierstube -das Vorurtheil der Weiberverachtung widerlegen kann und wird -- falls -ihm kein gefärbtes Glas die Kraft benimmt. Es geht meinem Gegner wie -vielen andern seiner Art: er bestreitet nicht die Sache selbst, sondern -die unrichtigen Begriffe, die er sich von der Sache macht; nicht mich, -sondern sich -- - -_Freilich_ -- (ein erwünschter Anfang von einem Opponenten!) _Freilich -wallfahrtete die Königin aus Arabien, um bei dem Professor Salomo einen -philosophischen Cursus zu hören; und wir können nach der Liebe hoffen, -daß er sie nicht ohne ^augenscheinlichen Segen^ seiner Schule -entlassen haben wird._ - -Der Schule der Weisheit doch wohl? sonst müßt' ich dies _Freilich_ -mit Zinsen zurückgeben. Wo der liebe Gott eine Kirche hat, da bauet -sich der leidige Feind eine Kapelle -- Jede Akademie der Weisheit -hat ein Gymnasium der Torheit in der Nähe; in der größten Schönheit -liegt der Stoff zur größten Häßlichkeit -- Je glücklicher die Vernunft -den blauen Dunst zu verbreiten sucht, der unser Auge verfälscht; je -heftiger wird die Begierde, sie durch Besuche aus jenen Gegenden zu -widerlegen, wo abgeschiedene Seelen hausen -- Beweiset die königliche -Wanderschaft (des _Freilichs_ ungeachtet) nicht klärlich, wie begierig -die schöne Welt -- wohl zu merken nach Weisheit ist --? in Ernst, was -wissen wir denn? Sind Weiber gleich zuweilen des Dafürhaltens, einer -Philosophie nicht zu bedürfen, nach welcher wir uns rühmlichst den Kopf -zerbrechen, um grundgelehrt sagen zu können: wir wüßten nichts; können -ihnen dagegen wohl Energie der Seele und tiefgeschärfte Bemerkungen -abgesprochen werden? Und so wäre denn auch dieses Spiel für die Weiber -gewonnen -- -- -- Kinder reicher Leute sind gemeiniglich so baufällig, -wie die Hütten der Armen, und langer Nichtbrauch kann Kräfte schwächen; --- allein auch heben? - -Wer kann behaupten, _daß das Eigenthümliche des Geschlechtes nichts -Bestimmendes für die bürgerliche Gesellschaft habe?_ Das Weib hat -Selbstliebe und die damit correspondirende Selbstbeständigkeit -- Ist -bürgerliche Gesellschaft denn etwas anderes, als eine vergrößerte -häusliche? oder sind etwa auch in der häuslichen Gesellschaft die -Weiber nicht an Ort und Stelle? Wo sind Privatgesellschaften, die in -die Länge ohne Weiber sich halten könnten? Ihren Hauptreitz verdanken -sie den Weibern, deren munterer leichter Ton Alles in's Geschick -bringt, und die schwersten Gegenstände schmackhaft, anmuthig, gefällig -und geläufig zu machen versteht -- Sie finden zu den Gedanken des -Mannes die schicklichsten Ausdrücke; und oft hab' ich zu bemerken -Gelegenheit gehabt, daß, umgekehrt, Männer die Gedanken des anderen -Geschlechtes durch wohlgewählte Worte zu beleben suchen. Bei jeder -Regel haben sie zehn Fälle bei der Hand, die jene bestärken oder -widerlegen; ihre vom richtigsten Geschmack gebildete Einbildungskraft -bringt in die abstraktesten Dinge eine lebendige Seele! Wir wollen viel -wissen, die Weiber viel verstehen; wir wollen viel gedacht haben, die -Weiber viel sagen und in Umlauf bringen. Sie protegiren gemeiniglich -nicht Gelehrte, sondern die Gelehrsamkeit; weniger eitel in dieser -Hinsicht als wir, legen sie es darauf an, weniger gelehrt als weise -zu seyn; sie ehren den Witz, und bedienen sich seiner als der ihnen -von Natur beigelegten Waffen, sich in Achtung zu setzen und darin -zu erhalten. Durch Witz beleben sie ihre gesellschaftlichen Cirkel, -und halten jede Ungezogenheit ab; ihre gefällige Laune tingirt Alles -mit Wohlgefallen -- Dem Pedanten schleifen sie den Rost ab, damit er -erträglich werde; und wenn _Newton_ ihren Finger nimmt, um seine Pfeife -nachzustopfen, so wissen sie diese unverzeihliche Zerstreuung zu -seinem Vortheile zu wenden; wenn er etwas über die Offenbarung Johannis -schreibt, so thut es durch den Schutz, den sie ihm angedeihen lassen, -ihm an dem Orte, wo er lebt, keinen Schaden. Ein großer Gewinn! Nichts -wird so wenig vergeben als persönliches Verdienst, und nichts wird so -gern von Damen in Schutz genommen als eben dieses. Empfindlichkeit -ist innig mit Genie verbunden: in unserem Glücke liegt auch immer -der Keim unseres Unglückes; und wie viel haben Damen zu thun, um -hier Alles zum Besten zu kehren, zu ebenen und in's Gleichgewicht -zu bringen! Ruhe und Ruhm sind selten gute Freunde; Damen versuchen -die Sühne unter ihnen, und wissen sie zu vergleichen. Sie vertreiben -jenen Rauch in den Schriften der schönen Geister, der Alles räucherig -gemacht haben würde, wenn nicht in Zeiten frische Luft dazu gekommen -wäre. Sie stellen bei kleinen Soupers witzige Turniere an, und lenken -das Gefecht. Sie widersprechen nicht wie mein Gegner, sondern oft -nur, damit man einsehe, daß hier ihrer Zwei sind -- Wenn Gelehrte -Gedanken überschlagen, so wie man Blätter überschlägt; so füllen -sie die Lücken, und setzen Alles in Verbindung -- Ihre Aufmunterung -erhält den verdienstvollen Schriftsteller aufrecht, wenn Knaben ihn -einen Kahlkopf heißen; sie decken ihn mit ihrer Ägide vor den feurigen -Pfeilen des Neiders und Spötters, so daß die besten Autoren an ihrer -Hand die Stufe der verdienten Würde erstiegen, die sie ohne diese Engel -der Stärkung gewiß nicht erreicht haben würden -- In der Blüthe wären -sie verwelkt, und noch ehe sie zu männlicher Stärke gelangten, würden -sie, ohne weibliche Aufmunterung, Autorlebenssatt dahin geschieden -seyn -- Die Prämien aller Akademien können nicht den aufgekitzelten -Witz eines Spötters in unserm geselligen Kreise zügeln; -- und Weiber, -die so wohlthätig in kleinen Gesellschaften sind, sollten es weniger -in größern und im Staate seyn --? Ein Englischer Reisender macht die -Anmerkung, daß die Französinnen in den Tagen der Fröhlichkeit und -des Genusses glänzten, die Engländerinnen dagegen im Schatten des -eingezogen Lebens und in der häuslichen Ruhe -- Man lasse sie zu -_Staats-Geschäften_, und wir werden finden, daß sie nicht bloß zum -Englischen Frühstück, zu einer Französischen Assemblee, sondern auch -in Geschäfte die nämliche Milde und Güte bringen werden, die sie -überall, wo sie sind, verbreiten -- Sie sind das Salz der Erden, das -Allem Geschmack giebt, das Licht, das überall erleuchtet, es mag als -Mond des Hauswesens, oder als Sonne des Staates aufgehen. Nicht nur die -angeborne Moral ihrer schönen Seelen; nicht nur ihre Herzenskunst die -feinsten Winkelzüge des menschlichen Empfindens zu erreichen; nicht -nur ihr durchdringender Blick, der wie die Steine _Davids Goliathe_ -tödtet; sondern auch jene Eigenschaften, die uns die Kindheit so -liebenswürdig machen, ihre edle Einfalt, ihre Güte des Herzens, ihre -von, aller Menschenfurcht entfernte Seele, ihr unbesorgtes Vertrauen -auf den Vater im Himmel und auf eine gerechte, eine gute Sache, würden -die Staatsgeschäfte wiedergebären, und wir einen neuen Himmel und eine -neue Erde des Staates sehen, wo Gerechtigkeit und Milde wohnten, und -in einem neuen heiligen Leben wandeln. -- Es wäre eine unverzeihliche -Spötterei, wenn man auf die Frage: warum die weiblichen monarchischen -Regierungen besser als die männlichen sind? antworten wollte: weil -alsdann Männer das Ruder in Händen haben, so wie, wenn Männer regieren, -Weiber sich am Ruder befinden; allein auch selbst diese Spötterei, so -wenig sie von der Geschichte gerechtfertigt wird, beweiset mindestens, -daß Weiber guten Rath zu schätzen wissen: und ist dies nicht bei -Männern nur selten der Fall? Doch, berufen Einwendungen zu lösen, wie -komm' ich zur Apologie --? - -»_Eine Hauptbestimmung des Weibes ist Kindererziehung. Um desto -sicherer zu glänzen, versäumt es diese Pflicht, die Miethlingen -überlassen werden muß; und wenn etwa eine Mutter noch mit getheiltem -Kopf und Herzen die Erziehung ihrer Tochter übernähme -- ist es Wunder, -daß sie, durch Gesellschaft verdorben, anfänglich mit ihr paradirt, -und nicht lange nach diesen Tagen eifersüchtig auf sie wird?_« -- - -Lieber! ist die Erziehung bloß Pflicht der Mütter, oder liegt sie -nicht auch den Vätern ob? gehören die Kinder nicht beiden? Und wenn -der Vater, dieser Verpflichtung ungeachtet, nicht aufhört gesellig -zu seyn, warum soll es denn die Mutter? Wozu werden Kinder erzogen? -nicht zur Gesellschaft im Großen und Kleinen? und diese kennen zu -lernen, soll die Mutter Verzicht thun? sie soll erziehen, ohne die -Erziehungskunst zu kennen? -- Einer der ungerechtesten Vorwürfe ist -es, die _große Weichlichkeit unseres Jahrhunderts auf die Rechnung der -Weiber, und des Tons, den sie in Gesellschaften angeben, zu setzen_. -Sind wir wohl so weichlich wie die cultivirten Völker, die ihre -Weiber einsperren? Selbst zu gymnastischen Übungen giebt das andere -Geschlecht unsern Jünglingen Gelegenheit, die indeß kaum noch Kraft -zum Tanze haben, der ohne die Weiber völlig aufhören würde --! -- Die -Weichlichkeit fing von jeher bei unserem Geschlechte an, und gewiß -haben wir es den Weibern zum größten Theil zu verdanken, daß sie nicht -noch größere Verwüstungen macht. Jene Eitelkeit, die jetzt den Weibern -anklebt, wird von selbst aufhören, wenn wir ihnen den Zutritt zu Dingen -verstatten, wo sie sich von einer vortheilhafteren Seite zeigen können. -Bis jetzt schränkte sich ihre ganze Bestimmung auf die Kunst ein uns -zu gefallen, und ein Mädchen hat seinen Lauf vollendet, wenn es das -Glück hat, einen Jüngling anzuwerben, der seiner würdig ist. Gebet -den Weibern und Mädchen andere Beschäftigungen, und sie werden jene -Kleinigkeiten, jene Puppen aufgeben, und die äußerlichen Vorzüge weit -unbeträchtlicher finden, als ein großer Theil unserer Narcissen, die im -Spiegel der Mädchen bloß ihr geziertes Selbst erblicken. Befriedigen -wir überhaupt durch das, was wir dem anderen Geschlechte zugestehen, -nicht weit mehr unsere Eitelkeit, als die Forderung der Natur, als -die Wünsche eines denkenden Weibes? Es ist nicht zu leugnen, daß -jetzt auch eine tugendhafte, ihrem Manne getreue Frau eine gewisse -Koketterie für keinen Fehler hält und Männern von Verdiensten so -liebreich und zuvorkommend begegnet, daß diese nicht umhin können, -ihr eine vorzügliche Dankbarkeit zu erweisen -- Doch sollen hierdurch -Begierden nicht geweckt oder gereitzt werden; nie denkt jene liebe Frau -sie zu befriedigen, und der Mann, der darauf Rechnung machen wollte, -wäre ein Neuling, oder ein Prahler oder -- Wenn der liebe Gott einen -Menschen strafen will, so fängt er an, ihn inconsequent reden oder -handeln zu lassen -- -- Es giebt stillschweigende Bedingungen, die, -ob sie gleich nicht verabredet, sondern vorausgesetzt und angenommen -sind, doch heiliger als schriftliche Contrakte, mit Notariatssiegeln -verunstaltet, erfüllt werden -- sie sind eine Art von Spielschuld, die -auch den Königlichen Allerhöchsten Kassen vorgeht -- Bei der jetzigen -Lage der Dinge trägt diese Koketterie des gemeinen Lebens dazu bei, -daß der Umgang anziehender wird -- man macht, wenn ich so sagen darf, -nicht dem Körper, sondern der Seele den Hof, und es giebt in der That -_Seelen-Cicisbeos_, die unschuldigsten Geschöpfe unter der Sonne -- -Eine gewisse Art von Gleichheit unter den Menschen, welche an die -Unschuld der ersten Welt erinnert, wird hierdurch zu Stande gebracht; -und so lange Weiber an den Staatsgeschäften nicht Theil nehmen, und wir -keine ernsthafte Dinge mit ihnen und in ihrer Gegenwart treiben können, -ist diese Koketterie ein Nothübel, ohne das unsere Gesellschaften das -Schalste, Unreitzendste und Langweiligste seyn würden, was je in der -Welt gewesen ist und seyn kann. - -Der Einwand meines Gegners, _daß Weiber zu viel Zeit auf ihren Leib -verwenden_, spielt den Krieg in sein eignes Land -- Sind wir es nicht, -die ihnen die Seele bestreiten --? die sie auf den Körper einschränken? -Ist denn etwa der Körper uns bloß Ballast, mit dem die arme Seele sich -beschwert hat, um auf der Fahrt dieses Lebens fortzukommen? oder ist er -nicht vielmehr ein ehrwürdiger Theil des Menschen? -- Wer die Seele den -Genius des Menschen nannte -- hatte der so ganz unrecht? Man gradiere -die Weiber im Staate, so wie man dem Golde eine höhere Farbe giebt; -und sie werden über den Leib die Seele nicht versäumen -- Ist es Ernst, -lieber Einwender, oder ist deine Behauptung, _daß die Weiber eine -unüberwindliche Neigung zur Pracht besitzen, wodurch sie ihre Männer -zur Verschwendung und zu betrügerischen Concursen verleiten_, Scherz? --- Ernst also! Lieber! wer brachte sie auf die Bahn zur Pracht? nicht -der Stand des Mannes? müssen sie nicht diesem oft die glücklichsten -Neigungen ihres Herzens aufopfern? Ist ihre natürliche Stimmung -nicht für Einsamkeit und Landleben? -- _Landleben?_ -- Allerdings! -Nicht aber für jenes, das keine Wohnung der Weltentfernung, sondern -eine Gelegenheitsmacherin zu neuen Üppigkeiten und zu einer ganz -neuen Art der Übertreibung ist -- An der Hand des Weibes scheint die -Natur sich mit uns vertraulicher einzulassen und recht Gelegenheiten -aufzusuchen, ihre Milch und ihren Honig, den ganzen Reichthum ihrer -Wollüste, uns schmecken und sehen zu lassen. Die edlen Ergüsse der -Zärtlichkeit, wenn sie reitzend ausgewechselt werden sollen, suchen -das Land, und entfernen sich von Hof und Stadt, wo sie Fremdlinge sind --- sie leiden keine Zeugen, und weit weniger Laurer und Faher -- Wie -oft muß sich das Land mißbrauchen lassen, die verstimmten Sinne des -Hofmanns, nicht zur Tugend und zu sanften Sitten, sondern zu neuen -Ausgelassenheiten aufzuheitern! -- Man sucht reinere Luft, um sich zu -einer neuen Art Ausschweifung aufzufrischen -- Weiber suchen das Land, -und warten nicht darauf, dahin verwiesen oder ausgestoßen zu werden --- Freund! sie sollten die Gräfin _**b*_ kennen! Sie darbt, wenn man -an der Hand der Natur darben kann, um für ihren Schlemmer von Gemahl -eine ungeheure Schuldenlast zu bezahlen, die nicht bloß Sünden der -Jugend sind, sondern die er in einem Staatsposten, der seinen Mann -nährt, noch immer vergrößert -- Weiber schaffen sich Welten, die sie -besäen und bepflanzen, durch eine wohlthätige Einbildungskraft, die -ohne Mühe reich macht: in der wirklichen Welt -- wie unbedeutend ist -da ihre Rolle! -- sie zogen Nieten aus jenem Glückstopfe; wir die -Gewinner -- Man kann durch Gedanken sich erhitzen und zu einer Röthe -kommen, die man eine Seelenröthe nennen könnte, und die sich von allen -jenen unterscheidet, welche durch körperliche Erhitzungen veranlaßt -werden; und so eine Röthe innerer Zufriedenheit, mit Zuziehung einer -wohlerlaubten Einbildungskraft erregt -- welch eine Zierde auf der -Wange eines edlen Weibes! Hast du nie die Wonne eines Familienzimmers -empfunden, wo man eigentlich zu Hause ist? denn in den übrigen wohnen -Gäste oder ein antisokratischer Dämon von Pracht und Stolz; und welches -Zimmer ist dem andern Geschlechte das angemessenste? das erste das -beste -- Und wie! wenn es auch Weiber giebt, die zu meiner Beschreibung -nicht passen, wurden sie nicht schon als Bräute zum unzeitigen Aufwande -durch Geschenke verführt, die weit über das Vermögen des Bräutigams -gingen? Schwingt sich das Weib zum Regiment, so wird es ihm schwer -und unerträglich sich herabzustimmen --; und wenn es sich wirklich -herabstimmt, ist es verzeihlich, solche Blößen zu geben? solche -Betrüge ungestraft zu begehen? ist es nur anständig, als Bräutigam den -_Pastor fido_ zu spielen, um nachher als Ehemann den _Orlando furioso_ -zu machen? sein Weib aus dem Himmel in die Hölle, aus Eldorado in -eine Schenke zu werfen, wo man es durch ein Schattenspiel an der Wand -entschädigen will? -- So betete man weiland in Paris die Komödianten -an, denen man im Tode ein ehrliches Begräbniß versagte --. - -_Weiber sind auffahrend; der Zorn aber (das Vorspiel der Raserei) thut -nie, am wenigsten in Staatsgeschäften, was Recht ist._ - -Und woher dieser Zorn? der Ohnmacht halben, und weil den Weibern keine -rechtmäßige Macht zustehet? Was hilft es, mit sich selbst zu Rathe -zu gehen, wenn es an ausübender Gewalt fehlt, die weise genommenen -Beschlüsse zur Vollziehung zu bringen! -- »Kannst du regnen, so -kann ich auf Holzschuhen gehen,« heißt es in einem alten Deutschen -Sprichworte; und wer leugnet es, daß man bei den Ausbrüchen des Zorns -die eignen Gedanken der Seele nicht vernimmt, so wie man bei tobendem -Gewitter sein eignes Wort nicht hören kann! -- Als jener edle Mann -des Alterthums nach seiner Rückkehr sein Hauswesen in unverzeihlicher -Unordnung fand, stellte er seinen _Vizdum_, den ungerechten Haushalter, -bloß mit den weisen, bewunderungswürdigen Worten zur Rede: _wie würd' -ich dir begegnen, wenn ich nicht böse wäre_ --! Mein guter Freund ** -sah einem Diebe gelassen zu, der ihm sein Holz stahl, und nur als er -zu befürchten anfing, der Holzdieb würde sich zu sehr belasten, bat -er ihn dienstfreundlich, sein selbst zu schonen, und sich, den Weg -zweimal zu gehen, nicht verdrießen zu lassen. _Rechtsum_, schön! und -_Linksum_? Welchem Herrn dient der Knecht lieber: dem, der ihn in der -ersten Hitze seine Strafhand empfinden, oder dem, der eiskalt ihn -blutig stäupen läßt? »Der Teufel verliert keinen Dreier dabei, wenn -ich nicht fluche,« sagte ein Bauerknabe, als ihm das zweite Gebot -eingebläuet ward -- So theuer bezahl' ich die Weisheit nicht -- Wie -Vielen kostete die Zornunterdrückung Gesundheit und Leben! -- Gesetzt -Weiber verständen die Kunst nicht, ihren Zorn äußerlich zu zähmen, und -eine gewisse Ruhe zu schwarzkünsteln -- sind nicht die unversteckten -Fehler die leichtesten und gemeiniglich Schwachheitssünden, von denen -sich auch fromme gottgefällige Seelen nicht lossagen können? Die -Heiligen sind in dieser Rücksicht nicht ohne Fehl vor Gott; -- vor -Menschen es zur Scheinheiligkeit zu bringen, kann nicht schwer fallen. -Jene Fehler bleiben die gefährlichsten, die in Schafskleidern zu uns -kommen, inwendig aber reißende Wölfe sind: an ihren Früchten sollt -ihr sie erkennen -- Zürnet und sündiget nicht -- Ist nicht der Zorn -eine Art von Waffen, womit wir oft Gutes erweisen können, ohne zu -schaden? Was würden Weiber ohne dies Hausmittel bei der Kindererziehung -ausrichten? Giebt es nicht Unbeschnittene an Herz und Ohren, denen -man nachdrücklich und gewaltiglich andeuten muß, was zu ihrem Frieden -dient? -- »Verziere das Nützliche,« sagte die Weisheit; die Thorheit, -die alles umzukehren gewohnt ist, kehrte das Gebot um, und machte das -Hauptwerk zum Nebenwerke. Giebt der Zorn nicht oft der Sache einen -gewissen Schwung --? Wer kennt und schätzt nicht den _Diensteifer_, der -das dritte Wort ist, wenn wir dem Staate unsere Dienste anbieten, wenn -wir wirklich seine Officianten werden und wenn wir mit der Bitte einer -Pension den Staatsdienst verlassen --! - -Der unbilligste Einwand von allen ist, daß Weiber darum nicht zu -Geschäften berufen sind, _weil sie zu keiner Freundschaft unter sich -Verstand und Willen haben_. (Man übersehe nur nicht, daß nicht ich -sondern mein Feind so freundschaftlich ist, an die Freundschaft zu -denken --) Ich leugne nicht, daß ohne ein gewisses Band so genannter -Freundschaft, eigentlich Offenheit, gutmüthiger Bekanntschaft, -Staatsgeschäfte schwerlich bewirkt, und die leider zu künstlich -gerathene Maschine des Staates vereinfacht werden kann, weil ohne -dieses Band keine Einheit im Staate herauszubringen ist und alles -in der Irre ohne Zusammenhang und Ordnung bleibt -- Wer ist aber -im Stande, den Weibern Überlegung hierzu, kalte Schätzung des -Gegenstandes, Feinheit, zuvorkommendes Wohlwollen und Aufopferung -abzusprechen --? Schon jetzt giebt es Freundschaften unter ihnen, -die den unsrigen nicht weichen -- Nur das Vorurtheil der Männer hat -ihnen die Anlagen zur Freundschaft abgesprochen. Sind sie nicht -zarter, treuer, unüberwindlicher, unbestechbarer, als viele Männer, -wo Neid und Rivalität von so vieler Art die Triebe des Herzens -verfälschen, und die Freundschaft zum Contrakt _do ut des_, _facio -ut facias_, nicht zum Herzens-, sondern zum Sachentausche machen? -- -_Damon-_ und _Pythias-_Freundschaften sind Fälle, die zu den seltenen -gehören, und die bei dem Einerlei der Weiber, bei ihrem Alltagsleben -um so weniger zu erwarten stehen, da Proben und Situationen zu -dergleichen Freundschaften durchaus unentbehrlich nöthig sind -- Und -wie verschieden sind jene _Damon-_ und _Pythias-_Freundschaften vom -Dienstgleichgewichte, das durch ein gewisses Einverständniß bewirkt -wird. Weiber müssen jetzt von Geschlechtswegen, wo nicht interessiren, -so doch Herzen gewinnen, wo nicht angebetet, so doch geliebt werden -wollen; setzt sie über die Sinnlichkeit hinaus, und ihre Eitelkeit, -ihre Neugierde, ihr jetziger Hang zum Vergnügen werden sich veredeln --- sie werden nicht aufhören, Weiber zu seyn; -- wie unglücklich wären -wir, wenn sie das könnten! -- nur werden sie aufhören, _die_ Weiber zu -seyn, die sie jetzt sind -- Diese Verwandlung wird uns heben, statt -daß man uns jetzt, wie jenen Elephantenleiter, fragen könnte: _bist du -darum so trotzig, weil du Thiere commandirst?_ An uns ist der erste -Schritt, und nur von unserm bußfertigen Entschlusse hängt es ab, diese -Revolution zu bewirken. Werdet andere Männer, und Alles, vorzüglich -die Weiber, ist anders als jetzt. Mit dem Maße mit dem wir sie messen, -werden sie uns wieder messen. _Dienstfreundschaft!_ Ist sie denn unserm -Geschlechte eigen? Nicht nur die Kraft, auch den Schein verleugnen wir. -Führen die Staatsdiener nicht unter sich den dreißigjährigen Krieg? -Der Financier ist wider den Justizmann, und der Justizmann wider den -Financier; das diplomatische Corps wider das Kriegs-Departement, und -dieses gegen jenes -- Einer will den andern übermeistern, ohne daß er -seiner selbst Meister ist: Einer will dem andern die Gränze verrücken, -einer stellt dem andern ein Bein -- Doch, leider! ist es immer der -Staat, der bei dieser Gelegenheit in die Grube fällt -- Oft giebt -sich sogar _Richtercomplott_ und _Höllenbund wider den Unterdrückten_ -für Dienstfreundschaft aus; und da ist das letzte Übel ärger, als -das erste; da ist guter Tag und guter Weg ein Himmel gegen jene -Mörder-Bande -- - -Der sittliche Zustand der Weiber gründet sich sehr natürlich auf -ihren gesetzlichen -- Da das Mädchen sich ihren Gefährten des Lebens -nicht laut und deutlich wählen kann; so sieht es sich genöthiget, -dieses Geschäft zutrauensvoll seinem Auge zu übertragen, das, an diese -Einladung gewöhnt, nie ganz diese Weise aufgeben kann -- Man scheint -dieser Manier eine Art von Dankbarkeit erweisen zu wollen, die jetzt, -da Alle dies Blickspiel treiben, das Unanständige nicht hat, das es -sonst haben würde. Diese Blicke, wodurch sie eine besondere Art von -Beherrschung, die man Augenherrschaft nennen könnte, und eine gewisse -gefällige Freundschaft üben, haben ihren besondern _Contract social_ -und so bestimmte Gesetze, daß man auf ein Haar weiß, wann die erlaubte -Grenze _überblickt_ wird -- Dem Reinen ist Alles rein -- Wer findet -nicht einen sicheren Weg zur Wonne, in dem schönsten der Spiele, einer -verstohlnen Liebe? Die Genüsse der Verstohlenheit steigen zu einer -geistigen Würde, zu einer hinreißenden Delicatesse -- Durch jenes -_Glück_, das die Mädchen sich _erblickten_, durch jene anziehende -Kraft, wodurch sie auf die Jünglinge wirkten, hat ihre Verlegenheit -auch bei weitem noch nicht ihr Ende erreicht, wenn sie die Ehre haben, -in die Gewalt der Männer zu kommen. Sie sinnen unaufhörlich darauf, -diese Gewalt durch alle Künste einzuschränken, so daß am Ende nicht -viel davon übrig zu bleiben pflegt -- Da sehen sich denn Weiber -zuweilen -- ist es ihnen zu verargen? -- nothgedrungen, vermittelst -der Augen mit getreuen Nachbarn und desgleichen Allianzen zu ihrer -Deckung einzugehen; und so unschuldig dieser Freundschaftsanfang -gemeiniglich ist, so schuldig können oft Schutzverträge dieser Art -werden. Von Personen ihres Geschlechtes können sie keine Beihülfe -erwarten, und ihre Freundschaften unter sich sind von anderer -und originaler Weise. Giebt es aber nicht eben so viele wahre -_Freundinnen_, als es wahre _Freunde_ giebt --? Von der bürgerlichen -Verbesserung der Weiber wird es abhangen, daß ihre Freundschaftsanlagen -berichtiget und verbessert werden -- Wie unbillig sind wir, von -Weibern -- denen wir die Würde Personen zu seyn, versagen -- mehr -zu fordern, als ihnen zu leisten möglich ist! -- -- Fast könnte man -behaupten, daß die Gesetze, die für ihr Vermögen, wie für das Vermögen -eines Unmündigen, sorgen, ihre Personen darüber vernachlässigen, oder -sie wenigstens vergessen zu haben scheinen. Frauenzimmer, welche -Mütter werden können, sind keine Kinder mehr -- Der bittere, nicht -unverdiente Vorwurf, den man unserem Geschlechte macht, _»daß es -heut zu Tage keine Kinder mehr gebe«_ -- stehet er nicht mit unserer -Grausamkeit, die Weiber als große Kinder zu behandeln, in engerer -Verbindung, als man denken sollte? -- -- -- - -Es giebt Regenten, die sich den landesväterlichen Wunsch des _Caligula_ -aus Geitz eigen machen: ach, wenn doch alle ihre Provinzen nur Einen -Hals hätten! nicht um ihn zu brechen, sondern nur eine einzige Röhre -zum Essen und zum Trinken in ihrer Monarchie zu haben. So tyrannisch -bin ich nicht in Hinsicht meiner guten Freunde von Opponenten, die -es indeß nicht viel besser als die Virtuosen machen, welche oft -beschwerlich sind, wenn sie Niemand hören will, dagegen stumm und -eigensinnig, wenn sie sich hören lassen sollen. - -_Die Unbeständigkeit soll ein so charakteristischer Zug des weiblichen -Verstandes seyn, daß Weiber bei keinem Gegenstande der Untersuchung und -des ernsten Nachdenkens mit gleicher Anstrengung lange zu verweilen im -Stande wären._ - -Der größte Theil des andern Geschlechtes, der Mittelstand, hat nur eine -einzige Art von Beschäftigung, kommt nie aus dem Takt, und weiß nur vom -Hörensagen, was lange Weile ist. Diese entsteht aus einer Art von Luxus -der Beschäftigungen, und gehört in der Regel zu den Eigenschaften der -Männer, obgleich auch Damen höherer Region an diesem Übel Theil nehmen, -und an demselben schwach und krank danieder liegen, wenn das Vergnügen -länger dauert, als sie es auszuhalten gewohnt sind. Die Frau Gräfin -hatte lange Weile in der Komödie, weil heute noch Redoute ist; allein -auch auf der Redoute wird ihr die Zeit lang werden; weil sie keine -Partie findet; und auch wenn sie diese gefunden hat, würde die Zeit von -ihrem Blei kein Gran verlieren, da ihr Cicisbeo bei dem fürstlichen -Souper lange Weile hat, und sie mit ihrem Verehrer nicht _minnespielen_ -kann. Bei _einem einzigen_ Spiel findet die schöne Welt zu wenig -Beschäftigung. Konnte doch _Julius Cäsar_ lesen, schreiben, und sieben -Cabinetssekretarien sieben besondere Briefe diktieren! -- -- Und -lebt die schöne Welt wirklich? -- Nein doch! sie spielt das Leben -- -Unbeständig überhaupt find' ich das andere Geschlecht nicht mehr nicht -weniger, als das unsrige; vielmehr ist ihm eine gewisse Weltüberwindung -eigen. Es verstehet sich darauf in's Dunkle zu werfen, und glänzt eben -darum desto besser -- Stilles Verdienst ist sein Eigenthum; und sind -dies _Anzeigen_ des Unbestandes? -- Zeitiger und fester nimmt es seine -Partie als wir -- Zwanzig exemplarische alte Jungfern gehen auf einen -Hagestolzen gleicher Art. - -_Die große Lebhaftigkeit weiblicher Empfindungen und weiblicher -Einbildungskraft, das zu reitzbare Nervensystem soll indeß Schuld an -der Unbeständigkeit und dem bloß flüchtigen Feuer bei Gegenständen des -Nachdenkens in Hinsicht der Weiber seyn; auch sollen sie für große -Gegenstände des menschlichen Wissens nur selten ein wahres Interesse -fühlen_ -- - -Und giebt es denn in unserm Geschlechte Viele, bei denen jene Ausdauer -ist? die ein, dem ersten neuen und frappanten Eindruck gleiches, Feuer -bei scientifischen Gegenständen behaupten, die dem Spiele schnell auf -einander folgender angenehmer Empfindungen widerstehen, und einem -Gegenstande getreu bleiben bis in den Tod? Hat nicht fast jeder, außer -seinem Haupt-, noch einen Neben-Beruf, den er Erholung nennt, und an -dem er weit mehr hängt, als an seiner Hauptsache? Die eigentliche -Strebsamkeit ist dieser Nebensache gewidmet: und hierbei pflegt man es -auch, durch Gottes Segen, in kurzer Zeit weiter zu bringen, als bei der -eigentlichen Hauptsache. Friedensschlüsse verbinden jeden, nur nicht -die, welche sie schlossen; und angewiesene Officianten haben überall -Kraft und Macht und Glauben in ihrem Amtsbezirk, wenn sie gleich -- -(während sie eine Aktenrelation fertigen, ein Paar über Nichts und -wider Nichts uneins gewordene Nachbarn ausgleichen, dem jungen Greise -von Vormunde, bei dem sein Mündel das erloschene Feuer anfachen soll, -dies unschuldige Geschöpf entreißen, ein Domainen-Stück taxiren, den -verfallenen Nahrungsstand eines Fleckens untersuchen, die Klagen -von hundert unterdrückten Bauern hören, und einer Wittwe zu dem ihr -vertheuerten Rechte verhelfen, und ihre Rechtssache verkürzen sollen) --- ein Lied auf den Frühling zusammenstümpern, einer Wildenschweinsjagd -beiwohnen, ein Pikenik abwarten, eine Strohkranzrede halten, oder in -Liebelei versinken -- Haben doch Könige und Fürsten Kühe gemolken, -Netze gestrickt, Knöpfe gedrechselt, gemahlt u. s. w. _Leibnitz_ war -so wenig _Professor Philosophiae_, als _Wieland Professor Poëseos_; -und was giebt es denn für große Gegenstände des menschlichen Wissens, -für die nicht Jemand aus dem andern Geschlechte eine Neigung gezeigt -hätte? Die Geduld, das Ausdauern der Weiber ist zum Bewundern; und -legen sie nicht täglich davon ein Zeugniß ab, indem sie die Formen -nicht zerbrechen, in welche Gewalt und List sie goß? indem sie Kinder -erziehen und in's Geleise bringen, die ihre Väter oft durch blinde -Liebe und eben so oft durch blinde Strenge verderben --? indem sie mit -ihren Männern (leider! nur zu oft alten Kindern) gelinde umgehen, wie -mit jedem Übel, das nicht zu ändern ist, und sie heben und tragen und -leiten, um sie nur wenigstens leidlich zu erhalten? -- _Aristoteles_ -ging spazieren, wenn er lehrte und lernte, und hieß der _Spazierer_ -(Peripatetiker) -- Oder ist es nöthig, daß Alles im ersten Feuer -gearbeitet wird? daß die Phantasie uns Alles mit Flammen mahlt? und -daß Alles, was wir denken und sagen, ein immerwährendes Feuerwerk, -ist? -- Außer dem Feuer giebt es noch andere wohlthätige Elemente --- Ungezügelte Bilder, funkelnde Sprüche, tiefgeschöpfte, schwer -herausgezogene Sätze mögen immer bleiben, was sie sind; es giebt -Gedanken, die ihren stillen Werth haben -- die, gerechtfertigt werden -durch That --! -- Wenn den gelehrten Arbeiten der Weiber eine gewisse -Furchtsamkeit anklebt -- ist es Wunder, da sie sich in die gelehrte -Republik bloß hineinstehlen müssen? Von Natur sind sie dreister als -wir; das Gefühl des Unvermögens, den Vorzügen Anderer gemäß zu reden -und zu handeln, das Allem eine gewisse Ängstlichkeit giebt, ist ihre -Sache nicht -- Die Gabe ihrer leichten ungezwungenen Unterhaltung -wird ihren Vortrag nie mit üblen Angewohnheiten und Einschiebseln -verunstalten, die sich nicht viel besser ausnehmen, als wenn verlegene -mit der Welt noch unbekannte Jünglinge von ihren Händen und Füßen -geärgert werden -- oder wenn Fliegen in ein reitzendes Gericht fallen. -Müßige Phrases in's Gespräch einschalten, heißt ihnen: die Zeit tödten; -und durch schöne Redensarten einnehmen: das Vergnügen als Zweck des -Lebens behandeln. Seht Prinzen -- und seht regierende Herren selbst, -wie furchtsam sie sind! -- Das Hof-Ceremoniel scheint nur erfunden -zu seyn, ihrer Blödigkeit auszuhelfen. Auch giebt es eine edle -Freiheit, welche die Folge eines guten Gewissens ist, -- so wie es ein -Wohlbefinden giebt, ein Gut- und Übelaussehen, das vom Gewissen kommt; -und dies ist dem andern Geschlecht eigen -- Warum sollten Weiber denn -wohl als Schriftstellerinnen furchtsam und verlegen thun und seyn, da -die aufgehaltene Sprache sich durchbrechender Empfindungen eine Gewalt -und Stärke besitzt, gegen die schwerlich sonst etwas zu wirken vermag, -als unser kritischer Übermuth, der die Weiber durchaus nicht aufkommen -lassen will? Weiber wissen Wahrnehmungen zu Beobachtungen zu erhöhen; -und da Männer Sätze zu Grundsätzen zu erheben wissen, (die, wohl zu -merken! der Philosoph sogar dem Mathematiker vorschreibt) und mit ihnen -Tausend schlagen: so schlügen Weiber mit ihrem Witze gewiß Zehntausend, -wenn Männer ihn nicht durch eine Art von Gründlichkeit (die genau -genommen wenig oder nichts bedeutet) zu lähmen und in Verlegenheit zu -setzen suchten. Weiber besitzen die Geschicklichkeit, alle Seelenkräfte -auf Witz zurückzubringen -- Gelingt ihnen nicht Umfassung der Sache auf -eine bewunderungswürdige Weise? Wissen sie nicht das ewige Einerlei, -wozu sie verurtheilt sind, unübertrefflich schön zu modificiren? und -_Aufmerksamkeit in hohem Grade_, oder _Scharfsinn_ zu zeigen? Wie -können sie aber einem Schwalle von Kunstwörtern widerstehen, womit -wir Sturm laufen! wie eine schwerfällige Gelehrsamkeit widerlegen, -wodurch wir sie aus dem Tempel der Wissenschaften hinauskritteln, -dessen Allerheiligstes doch so leicht und einfach ist --! Warum -soll es ihnen an Gedankenfülle, großen erhabenen Darstellungen von -Charakteren, an hohem Schwunge gebrechen, oder an Schöpfungskraft -und hohem Grad des Enthusiasmus, da sie von dem allen ungesuchte und -anspruchlose Proben im gemeinen Leben äußern? -- Feine originelle und -der Natur abgelauschte Züge sind ihnen eigener als uns; was ihnen -am scharfen Umriß bei ihren Charakteren (richtig ist er fast immer) -abgeht, ersetzen sie durch ihr lebendiges Colorit -- So wie sie -ihren Körper zu kleiden verstehen, so kleiden sie auch ihre Gedanken --- Die Angemessenheit ihrer Worte und die große Einfachheit in der -Wortfügung, geben ihrem Styl eine Deutlichkeit, die nichts übertrifft. -Die besten Denkzettel, die ein Autor seiner Schrift anhängen kann, -sind, wenn er durch seine Darstellungen uns an uns selbst erinnert; -wenn seine Schrift dem Menschen durch das Herz geht; wenn die Leser -sich einbilden: es fehle wenig oder nichts, so hätten sie diese Schrift -selbst stellen können; sie wären im Stande gewesen, sie dem Autor in -die Feder zu sagen; aus ihrem Herzen hätt' er es genommen und ihnen -verkündiget -- Solch ein Widerschein erleuchtet und frommt!-- Wir -lassen uns von _Ideen_, wie _Sokrates_ von seinem _Dämon_, verfolgen, -wir versetzen uns, wie _Plato_, in eine Republik; und so wie der, -welcher ein unverwandtes Auge auf Einen Punkt heftet, zuletzt sieht, -was er sehen will: so sehen auch wir mit dem Auge der Seele Windmühlen -für Riesen, Wirthshäuser für Schlösser, Teiche für Weltmeere, eine -Abderitische Posse für einen wohlüberdachten Finanz-Kniff oder -Operation an -- Nicht genug; auch Worte spielen den Meister nur zu oft -über uns -- Wir veruntreuen ihre Bedeutung, werfen eine willkührliche -Markscheidung derselben auf, und fallen, wie Leute, die reich werden -wollen, in Versuchung und mancherlei Stricke, wenn wir nach der -leichtesten Art reich zu werden, _zu sparen_, oder nach der schwersten, -_zu speculiren_, suchen -- Wir arbeiten Alles zum Druck aus, in der -bestimmten Absicht, es dem gelehrten Publico zu überantworten, oder -es in einem privilegirten oder unprivilegirten Cirkel vorlesen zu -lassen -- Und ob es gleich freilich correkter ausfällt, wenn der Inhalt -lehrreicher ist, oder so aussieht, wie ein hingeworfener weiblicher -Aufsatz; so wird die Arbeit des anderen Geschlechtes doch mehr -Individualität zeigen, und eine Intuition behaupten, die wir, im Namen -und von wegen unserer stupenden Gelehrsamkeit, fast keinem unserer -Werke in gleichem Grade verleihen können. Leichter und flüchtiger -sind weibliche Arbeiten; allein darum oft treffender, richtiger, -eindrücklicher. Weiber lieben schon nicht lange Worte, weil hier eine -Hauptsylbe sich die anderen unterordnet und sich die Herrschaft über -diese anmaßt -- Lange Perioden sind ihnen nicht angenehm, weil sie die -Alten nicht genug kennen, weil dieselben schwerer zu lesen und zu -fassen sind, und weil der Witz ein Todfeind dieser Potsdammer ist -- -von denen ein plumper Holländer behauptete, daß nur ein kleines Herz -in einer dergleichen gewaltig großen Maschine gefunden werde -- Selten -lassen Weiber einen üppigen Sprößling des Ausdruckes aufschießen -- und -ereignet sich der Fall, so ist es eine Feldblume, die sich nicht aus -den Grenzen der Bescheidenheit wagt -- Bei uns gewinnt Nachdenken, bei -Weibern Empfindung die Oberhand -- Die Oberhand, sag' ich; denn auch -Nachdenken leistet der weiblichen Empfindung hülfliche Hand: und sind -in ihren Aufsätzen nicht alle Ungleichheiten geebnet, so bleibt ihnen -dagegen mehr Eigenthümliches -- Man rücke das Ziel ihres geschäftigen -Lebens über die Küche und Stricknadel hinaus; man führe sie nur an: und -sie werden uns sehr bald an Scharf- und Tiefsinn übertreffen, ohne sich -kraft ihres gesunden Menschenverstandes zu versteigen. Ach! wer kann -sich entbrechen, wenn vom Vorzuge unseres Geschlechtes die Rede ist, -mit _Daniel_ auszurufen: Seht, das sind eure Götzen! - -_Weiber können nicht allein seyn_ -- - -Nicht allein? Lieber! wenn die Einsamkeit gemahlt werden soll, muß ein -Weib sitzen, oder sie ist nicht getroffen. - -_Oder nichts allein überlegen._ - -Und doch ziehen Männer sie alle Augenblicke zu Rath; und wohl ihnen, -und dem Collegio und dem Staate, wenn Männer es thun! O! wie gern -wälzen die Männer ihre Bürde von ihrem Herzen auf ihre Weiber, denen -sie ihre Geheimnisse anvertrauen! und wie viel haben Weiber zu tragen! -o, wie viel! Von Weibern dagegen ist fast keine einzige, die nicht -etwas hätte, was nur Gott und sie weiß, was kein Beichtvater erfährt, -und womit sie der Zeit und Ewigkeit unerschrocken, entgegen geht -- -Unsere Geheimnisse verfliegen oft, gleich einem flüchtigen Geiste; die -ihrigen sind ihnen in Herz und Seele geätzt -- Wenn Gedanken ihren -Schöpfern entkommen, die sich bei aller oft widerlichen Anstrengung -nicht zurückbringen lassen -- ihren Schöpfern, die nur selten -Gedankenerhalter sind; so verstatten Weiber ihren Gedanken nicht so -viel Ausgelassenheit -- _Was ich doch sagen wollte_, wird man selten -oder gar nicht von Weibern hören. Ihr Gedächtniß ist getreuer, als -das unsrige; und schwerlich wird ein Weib so zerstreuet seyn, wie -_Terrasson_, und so sehr sein Gedächtniß verlieren, wie er. Weiber -halten Zerstreuungen für Affektation, und können sich nicht des Lachens -enthalten, wenn sie von _Terrasson_ hören, daß er kurz vor seinem Ende -im Gedächtniß-Concurs Alles an seinen Verwalter _Luquet_ assignirte, so -daß er, als sein Beichtvater ihn bei der letzten Beichte nach seiner -Sündenmenge fragte, demselben auch diese Assignation gab: Fragen Sie -nur _Luquet_. -- - -_Weiber wären nicht selbstständig und allein fähig?_ Eine Einwendung, -die, so leimgestärkt sie auch scheint, sich nicht halten kann. Wenn wir -zwischen Furcht und Hoffnung schwanken, nehmen sie gleich Partie, und -sind entschlossen an Leib und Seele -- Ihre Entbindungen machen sie so -dreist. Bei minder wichtigen Dingen halten sie es nicht werth, es noch -auf Entschlüsse auszusetzen: Es gehe, wie es gehe -- In politischen -Angelegenheiten schlagen sie, wenn wir kannengießern, sich zu keiner -Parthei, und wählen das beste Theil: Was wir leisten, macht unsern -Lehrern Ehre; was sie leisten, ihnen selbst -- Sie mischen die Karten, -und theilen sie so aus, daß Spieler und Zuschauer zufrieden sind, -wenn dagegen eine Menge staatskluger Köpfe beisammen sitzen, und noch -immer in gerechter Befürchtung, nicht Kopfs genug zu besitzen, auf -Verstärkung ihrer Beisitzer denken. Vor lauter Räderwerk wird nichts -zu Stande gebracht, vor lauter Reden kommt es zu keiner That, vor -lauter Stimmenzählung zu keinem Schlusse. Wer von uns hat sich über -das Stimmen der Instrumente nicht geärgert, ehe es zur Sinfonie kommt ---? Hohe Deutlichkeit und stärkeres Licht mit mehr Vergrößerung zu -vereinigen -- das ist das Ziel der Ausrüstung, um Augenreisen in die -Ferne zu thun. Wie oft zerschlagen unverständige Kinder und bärtige -Collegia einen stattlichen Spiegel, um eine Fliege zu tödten! und noch -öfter wird das Kind mit dem Bade ausgegossen. Des Bocksbeutels und der -verkünstelten Kunst halben kommen Dekrete zum Vorschein, mit denen am -wenigsten in allen Fällen, und höchstens nur provisorisch, auszulangen -ist; Dekrete, die höchstens Palliative sind, um sich eine angenehme -Ruhe für die nächste Nacht zu machen. - -_Warum soll man den Jesuitenorden von den Todten erwecken, und die -heimlichen Jesuiten, Jesuiten en tapinois (das schöne Geschlecht) -privilegiren?_ - -Warum? weil die heimlichen schädlicher sind, als die öffentlichen, -weil die öffentlichen (wenn nämlich nichts heimlich bei ihnen -bleibt) aufhören Jesuiten zu seyn, und weil geheime Krankheiten die -gefährlichsten sind -- Wie kommt aber das andere Geschlecht zur -Ordensehre? - -_Maitressen von guter Abkunft haben bei weitem das Böse nicht -gestiftet, was die Maitressen niederer Abkunft, eine Pompadour, eine du -Barry, sich zu Schulden kommen ließen._ Allerdings! und also nehme man -nicht Maitressen, sondern Weiber. - -_Nein, also lasse man die Weiber in ihrer Dunkelheit!_ Getroffen, wenn -sie Maitressen werden sollen -- Wenn sie aber ihren göttlichen Ruf, -Weiber zu seyn, befolgen, so hebe man sie nicht durch Flittergold, -sondern durch Ächtheit -- Sind die Türkischen Bassen und Veziere, die -Beys in Ägypten darum menschlicher, weil sie in ihren früheren Jahren -das Elend des Volkes aus erster Hand kennen lernten? - -_Welche Widerlegungen!_ Sind etwa die Einwendungen besser? _Es läßt -sich Alles vertheidigen_ -- und wider Alles einwenden. _Ich wollte um -Vieles, um Alles in der Welt kein Weib seyn_ --; ich auch nicht -- -_und doch_ -- und eben darum. _Wer hat nun Recht --?_ Wer die Wahrheit -sagte. _Und wer sagte die Wahrheit? nicht wahr: wer Recht hatte?_ - -Wer die Sache der Unterdrückten führte, und wer der Menschheit sich -annahm. - -_Der Menschheit?_ - -Sind etwa Weiber nicht Menschen? - -_Der Unterdrückten?_ - -Sind wir nicht ihre Tyrannen? - -_Heil den irrenden Rittern!_ - -Heil und fröhliche Gestalt, wenn ihr Ritt auf Menschenwohl ausgeht -- - -_und wenn sie keine Dulcineen haben,_ - -als die Reinheit der Absicht, die Dulcinee unserer Philosophen --. - -_Dies Buch wäre nicht eines Weibes halben geschrieben --?_ - -Nicht eines Weibes, sondern der Weiber halben -- Keines weiß, daß ich -es geschrieben habe, keines wird es, so Gott will, wissen. - -_Und warum denn nicht jener schmale Weg, der das zu Viel und zu Wenig -vermeidet und durch Beides sich durchschlängelt?_ - -Weil Wenige sind, die darauf wandeln -- - -_Besser als Viele!_ - -Nicht immer, wenn von bürgerlicher Tugend und Untugend die Rede ist. - -_Der Mittelstand zwischen Skepticismus und Leichtgläubigkeit_ -- - -ist ein unseliges Mittelding -- So oder nicht so, ist mein Wahlspruch; --- nicht aber: so oder anders, oder halb so. Ja Ja, ist bei mir ein -halbes Nein; und Nein Nein ein halbes Ja. Ja, Nein, was drüber und -drunter ist, ist vom Übel -- - -_Und die Gesetze! -- wird dies Buch es mit ihnen ausmachen?_ - -Mein kleinster Kummer! mögen es die Gesetze mit den Gesetzen ausmachen! -mögen die Todten die Todten begraben! -- Freilich thun die Gesetze -zuweilen so, als ob es Kräfte in der Menschheit gäbe, die außerhalb der -Menschheit lägen -- - -_Was will das sagen?_ - -Es giebt Gesetze, welche die einzelne Kraft des Menschen unterdrücken, -damit die Summe aller Kräfte desto stärker sei; und doch ist natürlich -die Gesammtkraft desto größer, je größer die Summe der Kräfte einzelner -Menschen ist -- Unsere Herren Staatsrechenmeister verrechnen sich -gewaltig, da sie die Zahl der Weiber auswerfen -- - -_Wenn sie indeß auf den Zweck der bürgerlichen Gesellschaft sehen_ -- - -O! dann verrechnen sich die Oberrechnungs-Cameralisten noch mehr. Giebt -es einen andern Zweck, als die individuelle Freiheit zu schützen, und -die Eingriffe eines Jeden in die Freiheit eines Andern zu behindern --? - -_Das sollte auch auf Geschlechter Anwendung finden?_ - -Sind die etwa nicht moralische Personen? - -_Und die Billigkeit?_ - -ist ganz auf meiner Seite. Was im Lande gilt, ist Recht; was in der -Welt gilt, ist billig -- Was nach der Meinung der mehresten Menschen -recht ist, ist billig -- - -_und billig ist der, der so handelt, daß es die mehresten Menschen für -Recht halten -- Ein billiger Autor ist der, der so schreibt, daß_ -- - -Wahr --! - -_Wenn wir zählen wollten_ -- - -würd' ich gewinnen, falls nur _die_ stimmten, die -man nicht fragen darf: »verstehest du auch, was du -sagest --? weißt du auch, was du thust --?« - -_Immerhin ^Verbesserung^; warum ^bürgerliche^?_ - -Weil man sich an Zweige, und wohl gar Blätter, nicht halten muß, wenn -der Stamm anzugreifen ist -- - -_Und der Ausdruck dieses Buches --!_ - -Nachdem die Materie, in der man arbeitet, nachdem die Bruchstücke und -Späne, welche fallen -- - -Mögen doch meine Leser und Leserinnen, denen der obige längliche Streit -und Widerstreit beschwerlich gefallen ist, an dieser runden Manier -sich erholen und Luft schöpfen, oder mögen sie es nicht, wie es ihnen -beliebt -- -- - - - - -VI. - -Nutzanwendung. - - -Wenn es wahr ist, daß von der Theorie des Drucks die ganze Operation -eines glücklichen Finanzsystems und einer weisen Staatsregierung -abhängt: so haben die Männer wenigstens nicht die rechte Art des -Druckes erwählt; denn in Wahrheit, wir verlieren durch die Art, -wie wir das andere Geschlecht behandeln, mehr als es selbst. Man -sagt, dies sei auch der Fall, wenn man im Unterthan die Tugenden -des Fleißes, der Industrie und des Gehorsams durch siebenmal sieben -Plagen erzwingen will. Zwar bei dem Magnetismus erregen Druck, Reiben -und Streicheln ein übermenschliches Vermögen; allein der politische -Druck hat noch nicht die Divinationsgabe erregt, den Hunger ohne -zu essen, und den Durst ohne zu trinken, zu stillen. Es ist höchst -jämmerlich kein anderes Gesetz zu haben, als den souverainen Willen; -und wo wandelbare Launen des Despoten, seine Indigestionen, seine -Galle, seine Blähungen die Stelle der _Numas_ und _Solone_ vertreten --- wer mag da unter Anordnungen stehen? Es ist schon unerträglich, -auch dem besten Menschen untergeben zu seyn, wenn er väterlich über -Menschen regieren will, die längst die Kinderschuhe auszogen! -- -Seht! in dieser traurigen Lage befindet sich das andere Geschlecht. -Jene Zeit ist nicht mehr, wo ewige Fehden alles in beständiger Unruhe -und Furcht erhielten, wo das Rauben eine Heldenthat schien, und wo -man durch Raufen zu Ehren kommen wollte. Was ist aber ärger, seines -Schicksals gewiß seyn, oder unter dem Beistande des Rechtes leiden? -einem ganzen Geschlecht unter der scheinheiligen Vorgabe des gemeinen -Bestens seine Rechte und Privilegien rauben? oft thun als stände -man unter dem Befehle seiner Sklavin, und noch öfter wirklich schon -ihre Winke befolgen, und doch im Ganzen ihr Tyrann seyn und bleiben? -Scheint nicht fast die Liebe aufzuhören, sich in eine Herrschbegierde -zu verwandeln, und diesen Gräuel der Verwüstung an heiliger Stätte -schon frühzeitig und in den Flitterwochen der Liebhaberei durch -Eifersucht zu verrathen? Jetzt schmachtet und liebkoset der schüchterne -Jüngling, um über ein Kleines als Mann kalt und trotzig zu gebieten --- Im _Theater_ wird wahre Welt zum Vorschein kommen müssen, wenn sie -noch sichtbar werden soll; denn in der _wirklichen Welt_ wird Komödie -gespielt. Wo giebt es Abderiten-Fälle, welche denen gleichen, die -das Verhältniß beider Geschlechter täglich an den Tag legen -- Wenn -ein vernünftiges Wesen eines anderen Planeten Zeit übrig hätte, eine -Wanderschaft auf diesen Erdenkloß zu unternehmen, und das Verhältniß -beider Geschlechter zu beherzigen; würde nicht, wenn das vernünftige -Wesen nach seiner Heimkunft eine Reisebeschreibung herausgäbe, die -Reise dieses _Nikolaus Klimm_ eine der ernsthaftesten Dogmatiken (das -ehrbarste, das ich kenne) scheinen? An einem Verleger wird es dem -Wanderer dort hoffentlich nicht fehlen -- Die allgemeine Vernunft ist -über den Codex, nicht aber der Codex, der doch sein eigener Beweis -nicht seyn und sein eigenes Kriterium nicht aus sich selbst nehmen -kann, eine Proceß-Ordnung für die allgemeine Vernunft -- Wie lange will -man unserer Seits der Vernunft widerstehen! Die Menschen schieben gern -Alles auf Andere; und wenn sie keinen finden, der seinen Rücken zu -dieser Belastung darbietet, so muß die Natur sich diese Denunciation -gefallen lassen -- und so fehlt es auch unserem theuren werthen -Geschlechte nicht an Behelfen, die auf die Rechnung der schönen Welt -gesetzt werden -- Eine Schande für uns, daß wir nicht nur ungerecht -sind, sondern auch die Schuld dieser Ungerechtigkeit von uns entfernen, -und sie dem anderen Geschlechte zuschieben! Das Weib, das du mir -zugesellet hast, sagte schon der alte _Adam_, hat mich verführt; -- und -wir sind bis jetzt noch so treue Adamiten, daß wir nicht ermangeln, uns -von der Schuld des subalternen Ranges, den wir dem anderen Geschlechte -zueignen, in bester Form Rechtens loszusagen. Die armen Weiber, die, -wenn sie sich mit uns auf kalte Negociation einlassen wollten, kein -Gehör finden, können es noch weit weniger gegen uns auf ernsthaftere -Schritte aussetzen -- Sie haben keinen _Leonidas_, keinen _Franklin_, -keinen _Washington_; sie sind keine _Spartaner_, keine _Schweizer_, -keine _Amerikanische Kolonisten_: können sie aber nicht dies Alles -haben? können sie nicht dies Alles seyn? _Maria Antonia_ und _la -Fayette_ sind zwei gleich große Charaktere, die in der Französischen -Revolutions-Geschichte glänzen werden. Eitelkeit und Furcht vor -Schande sind gemeiniglich die Basis von dem ganzen Muthe der Männer; -Temperament ist es bei den Weibern. Eine Reihe von Jahrhunderten hatte -Europa nur Eine Gestalt. Despotismus und Sklaverei, Unwissenheit und -Barbarei herrschten überall; und warum sollten die Weiber nach einer, -wenn gleich langen, Unterdrückung, nicht zu jenem Range erhoben werden -können, der ihnen als Menschen gebührt? Ein großer Theil unter ihnen -scheint der Ketten, die ihnen das Gesetz so vortheilhaft schildert, -müde, und fühlt einen unüberwindlichen Hang, sie eher zu zerbrechen, -als mit ihnen, wie mit Kinderklappern, zu spielen. Man trauet den Damen -zu wenig zu, wenn man sich Mühe giebt, ihnen Alles in einem Säftchen -beizubringen, wenn man ihnen Alles bezuckert und in Nähebeutelformat -behändiget, als ob sie so schwach und hinfällig wären, nichts Größeres -als ein Duodez-Bändchen halten zu können. Die Frage: verstehest du -auch, was du liesest? wird in der Regel das Duodez-Männchen von -Stutzer weit eher, als ein edles Weib, treffen. Wenn gleich die -Geistes-Arbeiten der Weiber, sobald sie in's Größere gehen, für's erste -_bas-relief_ sind -- sie werden weiter kommen; denn nur wir halten -ihren Geist am Gängelbande, um sie nicht allein gehen zu lassen. Ein -großer Kinderlehrer ließ in * * die Buchstaben in Pfefferkuchen backen, -damit die Kinder das A B C in den Kopf bekommen möchten; allein die -liebe Jugend bekam das A B C in den Magen, und ward krank zu derselben -Stunde. Diese Pfefferkuchen-Methode ist der gewöhnliche Fehler, den -man bei der Erziehung des anderen Geschlechtes begeht. Man will weder -seinen Verstand, noch seinen Willen zur Reife kommen lassen. Die Weiber -sind _en biscuit_; und wir! sind wir ausgebrannt? und wären wir es --- was ist denn am Porcellain? -- _Böttcher_ wollte Gold machen, und -brachte Porcellain heraus. Was ist der Mensch? »_Der halbe Weg vom -Nichts zur Gottheit_,« sagt Young; und unser frommer _Haller_, der den -Namen GOTTES nicht unnützlich führen wollte: _unselig Mittelding vom -Engel und vom Vieh_ -- daß sich Gott erbarm! _Friederike Baldinger_ -versichert in ihrer Lebensbeschreibung, mit einer Vorrede ausgestattet -von _Sophie de la Roche_: »als Frau war ich erträglich; wie klein würd' -ich als Mann seyn!« Um Vergebung, sollte dies nicht auch ein jeder Mann -umgekehrt von sich sagen müssen -- so lange: _ein Mann seyn_, nicht -mehr heißt: als _ein Mensch seyn_ --? Enthält jene Bescheidenheit -der _Friederike Baldinger_ nicht zugleich einen Vorwurf für unser -Geschlecht in Beziehung unserer Selbsterhöhung --? Unser _Herschel_, -der wegen _Miß Carolinen_, seiner Schwester, und _in puncto_ der -Astronomie mehr als einmal in dieser Schrift von Amts- und Rechtswegen -genannt zu werden verdient, nimmt an: die Centralkräfte wären nicht nur -die erhaltenden, sondern auch die bildenden und erneuenden Kräfte der -Weltsysteme; und nach seiner Meinung können auch mehrere Gattungen von -anziehenden und zurückstoßenden Centralkräften in dem Baue des Himmels -wirksam seyn. Könnten, wenn männliche und weibliche Centralkräfte -in der Menschenwelt anzögen und zurückstießen, nicht Dinge bewirkt -werden, von denen man bis jetzt nicht träumt --? Löset _Herschel_ die -dem bloßen Auge sichtbaren Nebelflecke vermittelst seines Teleskops -in Sterne auf -- wie leicht würden die _Flamsteads_ und _Mayers_ ihre -Verzeichnisse von Sternen am Weiber- oder besser am Menschenhimmel -erweitern können, wenn beide Geschlechter Ein Herz und Eine Seele -wären! -- - -Geh' ich zu weit, wenn ich behaupte, daß die Unterdrückung der Weiber -Unterdrückung überhaupt in der Welt veranlasset habe? Wahrlich, -die Tapferkeit ist keine Entscheidung des Schicksals, wen sie zum -Regenten bestimmt hat. Durch Großmuth, nicht durch List, muß man den -Feind überwinden, und es ist und bleibt unanständig, sich des Andern -Unerfahrenheit zu Nutze zu machen. Ist es besser, sich des Sieges -schämen zu müssen, oder sich über das Glück zu beklagen? Die Erhaltung -eines einzigen Bürgers -- ist sie nicht besser, als die Niederlage von -hundert Feinden? Das was nach der Meinung der meisten Menschen Recht -ist, das ist, verdollmetschet: so ist wie es seyn muß; ist recht in -einem erhabenen Verstande. Dies _rechte Recht_ gründet sich in der -Natur der Sache, und hat sich von den Schlacken der Willkühr und des -Türkischen Despotismus gereinigt -- Wollte man, nach dieser allgemeinen -Meinung von den Verhältnissen des fräulichen Geschlechtes, glauben, -(glauben muß man in einem besondern Sinne _wollen_) daß das vielfach -tausendjährige Reich der Sklaverei der Weiber in diesem rechten -Rechte oder in der Billigkeit sich gründe? Ich will nicht glauben. -Nicht alles was wir ungestört leiden, hat die Ehre unsers inwendigen -Menschen vor sich. Sehet euch um! ihr werdet finden, daß das meiste -Unrecht in der Welt in dem Bestreben besteht, so zu handeln, daß es die -Mehresten für Recht halten. Wer kann wohl, ohne eine Gewaltthätigkeit -zu begehen, behaupten: die Weiber müßten einen gewissen Standpunkt auch -bei dem höheren Grade neuerer Cultur und Sittenverbesserung behalten, -und sie könnten, wegen ihrer angebornen Bestimmung als Mitglieder der -Societät und als Weiber, bis an den lieben jüngsten Tag nur so weit -und nicht weiter kommen? Unsere Gränzen der Ausbildung sollten nicht -abgesteckt seyn? nur die ihrigen wären behügelt? O, du liebe Zeit! -Die relativen Bestimmungen des Weibes in der Gesellschaft, in so weit -es Weib ist -- wer fragt nach diesen? diese sind so ewig, wie die -Bestimmungen des Mannes als Mann. Allein soll das Weib an Verstand -und Willen stehen bleiben, wenn der Mann Fortschritte macht; so muß -es mit der Aufklärung in's Gedränge kommen, und sie muß Kinderspott -werden -- -- Man könnte Männer mit der Speise, Weiber mit dem Trank -vergleichen; und nur Speise und Trank in Gemeinschaft halten Leib und -Seele zusammen. Das Gefühl der Bedürfnisse bildet den Menschen aus, -und der Schöpfer scheint es ihm nachgelassen zu haben, Bedürfnisse zu -erfinden, um sie im Schweiße des Angesichts befriedigen zu lernen, -durch Sprachunterricht zu Realkenntnissen hinauf zu reifen -- -Selbstliebe, Neigung zum Wohlbefinden, Abneigung gegen den Schmerz, -sind Triebfedern, den Menschen immer weiter und weiter zu bringen; -und das andere Geschlecht fühlt sie, wo nicht in weit größerem Maße, -so doch gewiß nicht minder -- Haben etwa Verabredungen, die aus jenen -Bedürfnissen und jenen Trieben entstehen, gemeinschaftlich Menschen -seyn zu wollen, um desto leichter zum Zweck zu kommen -- haben etwa -Verabredungen in den Stand der Gesellschaft zu treten, den Weibern -ihre Stelle angewiesen --? Nicht also! Die Punktation zum Stande der -Gesellschaft machte _Eva_; und hat sie es sich wohl je vorstellen -können, daß auch hier die Ersten die Letzten werden sollten? Setzte -unser Geschlecht mit Vorwissen und Vorwillen des andern auf dasselbe -das Motto der Hölle: _Hier ist die Hoffnung ausgeschlossen_; oder -ist vielmehr durch den Stand der Gesellschaft der Stand der Natur -geheiligt? sollen nicht in jenem, wie in diesem, alle Menschen gleich -bleiben? Völker sind sich eben so gleich wie einzelne Menschen, -und Geschlechter so wie Völker. Ist nicht durch Unterdrückung des -Schwächeren das innere Verderben der Staaten entstanden, woraus denn -gerades Weges Unterdrückung und Zerstörung von außen sich nach und -nach ergab? Kommt es bei diesen Dingen mehr auf spielenden Witz, -schalkhaften Vortrag, übermüthige Phantasie-Einfälle, oder auf Wahrheit -und Recht an? und können wir in der Gesellschaft auf Gerechtigkeit -Anspruch machen, wenn wir keine erweisen? - -Können wir, die wir uns so unrühmlich zu Herren des weiblichen -Geschlechtes aufgeworfen haben, es leugnen, daß wir diese Herrschaft -von je her nur sehr schlecht verstanden? und in dieser Wissenschaft, -wie es am Tage ist, bis jetzt nicht weiter gekommen sind? können wir -es vor unserm Gewissen verhehlen, daß wir die Urheber und Veranlasser -aller weiblichen Fehler sind, und daß das meiste Gute, welches wir -an uns haben, auf die Rechnung des andern Geschlechtes gehört? -Furchtsame Männer werden allerdings den Stab über mich brechen, weil -ich angeblich die Eitelkeit der Weiber gereitzt, und ihre von Natur -schon übermüthigen Begriffe von ihrem Werthe genährt habe; allein, -lieben Leute, durch eure Feuer rufende Befürchtung, ich möchte die -weibliche Bestimmung zu weit hinausgerückt haben, beweiset ihr, daß -ihr, anstatt stark zu seyn, schwach seyd, und daß ihr durch diese -Schwäche eure angebliche Ordnung der Dinge umkehret -- und daß euch -die Geisteskraft und Denkfähigkeit mangeln, die ihr aus bloßem Neide -dem andern Geschlechte absprechen wollt. -- In der That, ihr solltet -der Natur für das Hausmittel danken, durch das andere Geschlecht -angespornt und aufgemuntert zu werden, immer weiter zu kommen, aber -nicht Feigenblätter suchen, eure stolze Faulheit zu decken. So bald -Weiber Menschen sind und Vernunft haben, sind ihre Geistesanlagen nicht -zu beschränken; am wenigsten können _wir_ hier psychologische Richter -seyn, da wir so sehr Parthei sind, und da wir weit besser gelernt -haben, unsere Sache zu führen und Schildknappen der Autorität zu seyn, -als das der Natur weit treuer gebliebene andere Geschlecht. Wo es -nicht an innerer Kraft fehlt, da ist nur Gelegenheit nöthig, um sie zu -äußern; und nur dann, wenn man sich den Vernunftgebrauch untersagt, -kann man sich zur Ableugnung jener Wahrheit bringen, daß nicht Alles -_menschlich gleich_ sey, was _menschlich vernünftig_ ist. Nur dann, -wenn bodenloser Stolz an der Bestimmung des Menschen künstelt, -entkommen wir der eigentlichen Ausbildung der Anlagen unserer Natur, -und sie entkommt uns. Schade! -- - -Was für einen Einfluß Erziehung, Klima und andere äußere Umstände -auf Menschen (Männer nicht ausgeschlossen) behaupten, lehrt die -Erfahrung. Der Weinbauer bleibt auch in ergiebigern Ländern ein -Beispiel von Indolenz und einer daraus entspringenden Verderbtheit -des moralischen Charakters -- Weiber verstehen nur natürliche Waffen -zu führen; wir würzen unsere Schutzschriften mit gelehrten Gründen, -treffen provisorische Einrichtungen, und wissen Bescheid, unsere -Schwächen so zu verhängen, daß sie nicht in die Augen fallen -- und -eben darum behaupten wir geradehin, daß Weiber nur aus Neugier, nicht -aus Wißbegierde, nicht aus eigenem freien Triebe, sondern weil sie -dazu aufgemuntert werden, und nur aus Eitelkeit, sich hier und da mit -Wissenschaften abgegeben hätten, ohne sich doch je darin auszuzeichnen --- Aber außerdem, daß die Reinheit des männlichen Verstandes und -des männlichen Willens keine Lobrede verdient, und daß Selbstsucht -mit ihrer ganzen Sippschaft von Eitelkeit, Stolz, Geldhunger und -Schmeichelei, die Männer gar übel plagt; außerdem, daß auch der -Gelehrteste, wenn er sich irgend kurz fassen kann, kaum drei Wochen -gebrauchen würde, um alles zu beichten, was er wirklich _weiß_, und -selbst was er wirklich _glaubt_, so daß sein Wissen und sein Weißsagen -doch immer nur Stückwerk ist; außerdem daß zwischen Zuckerbrot der -Lektüre, und dem herben Wein der Erfahrung ein großer Unterschied -bleibt: so ist das Ende vom Liede aller Wissenschaften und alles -gelehrten Dichtens und Trachtens, (wenn es nicht bloß Lückenfüller -und Langeweiltröster seyn soll) _moralisch besser zu werden_. Sind -wir das? O, alsdann tret' ich beschämt zurück, widerrufe Alles, was -in meiner Schrift nur nach Apologie aussieht, und bleibe bloß bei der -demüthigsten Bitte, dem andern Geschlechte durch eine bürgerliche -Verbesserung Zeit und Raum zur moralischen Buße zu gönnen, und es -zur Verpflichtung gegen die Gesetze des Staates, zu jener bestimmten -und äußerlich vollkommenen Verpflichtung zuzulassen, die doch jeder -Staatstheilnehmer oder Bürger haben sollte -- - -Und nun der Schluß? Der Mensch läuft spornstreichs, um zum Ende zu -kommen, und wenn er sein Ende sieht, muß er sich ganz zusammen nehmen, -um sich zu fassen. _Machiavell_ schrieb seinen _Principe_, um die -Despoten-Republik zur Sprache zu bringen; und ich wollte nichts mehr --- Wenn ich Dinge einander nahe lege, die sich für gewöhnliche Augen -sehr entfernt berühren, so lasse man mir und Jedem doch seine Weise; -denn wenn alle Bücher eine und dieselbe Melodie hätten -- würden sich -wohl noch so viele Leser finden? an Thäter des Wortes ist so nicht -zu denken! Eine Schrift kann nie ein mächtiges um sich greifendes -Feuer anzünden; und wenn man behauptet: _Rousseau_, _Voltaire_ und -_Montesquieu_ hätten die Französische Revolution zu Stande gebracht; so -vergißt man _Nordamerica_: und es gehört zu den Zeichen dieser Zeit, -wenn man mit Büchern bekannter als mit Menschen ist, um zu regieren; -wenn man die äußere Form des Systems viel zu lieb hat, um sie gegen das -Gründliche und Consequente der Lebensphilosophie aufzuopfern; wenn man -nur auf Mittel für einen Tag sorget, um seinen Zweck durchzusetzen; -wenn man seinem Ehrgeitze nur ein anderes Kleid anzieht, das weit -weniger als der vorige Anzug Achtung für die Leidenschaft erregen kann; -wenn man nicht die Weisheit anschauender, anziehender und wirksamer zu -machen sich bemühet, sondern bloß seinem theuren _Ich_ Ehre zudenkt, -und, wohl zu merken! ein solcher Schwelger und Schlemmer im Ehrgeitze -ist, daß man nicht an den andern Morgen denkt, und sich befriedigt, -vier und zwanzig Stunden im Saus und Braus eines hohen _Vivat_ zu -glänzen, und Plane auf die Zukunft gegen das schnöde Linsengericht -eines stündigen Zujauchzens zu verprassen -- -- -- Theilnehmende -Achtung für den Schwächeren hat etwas Göttliches; und wenn Stände -zum Controlliren der Staatsofficianten ein herrliches, in Geduld -Frucht bringendes Ding für den Regenten und das Volk sind, warum will -man diese Controlle des menschlichen Geschlechtes den Weibern nicht -anvertrauen? ihnen, die nie gewohnt sind, etwas Imaginaires, sondern -immer etwas Wirkliches zum Grunde zu legen, wenn wir uns gleich die -schnödeste Mühe geben, sie zu Romanen zu gewöhnen, um sie, kraft der -Reminiscenzen dieser Lektüre, aus der wirklichen Welt hinauszubringen --- Weiber haben mehr Geist, als Wissenschaft; Männer mehr Wissenschaft -als Lebens-Philosophie, und leicht vergißt unser Geschlecht, daß -man nach Tugend und Rechtschaffenheit am ersten trachten muß, wenn -uns alles Andere zufallen soll. Bettelmönche haben oft größere -Gewalt als Eminenzen; Diese haben nicht Zeit, nicht Lust, es auf das -Seelen-Regiment anzulegen, da hingegen Jene wirkliche Seelen-Despoten -sind, ob sie gleich (etwas bescheidener) sich bloß Seelsorger nennen. -Ich schrieb keine Grammatik, wo man die Ausnahme gleich hinter der -Regel verzeichnet: das Zeichnen sollte den kalligraphischen Übungen -vorgehen, und die Geschichte, nach dem Vorschlage geprüfter Pädagogen, -rückwärts vorgetragen werden. -- Ich werde mich für hinreichend -befriedigt halten, wenn man mir im Ganzen beifällt, obgleich noch -nähere Bestimmungen gütlich oder rechtlich nöthig gefunden werden. -Ein Buch, das Gedanken erweckt, ist oft besser als eins, das Alles -erschöpft, und die Leser wie Unmündige behandelt. Winke fruchten -mehr als lange Belehrungen; und wenn ein Schriftsteller das große -Amt verkennt, das ihm von der Natur anvertrauet ward, Menschen gegen -offenbare Ungerechtigkeiten zu schützen; so verdient er selbst -unterdrückt zu werden. Wer es über sein Gewissen bringen kann, ein -Geschlecht zum gebornen Despoten des andern zu erheben, wird vielleicht -nicht ohne Fertigkeit seyn, volksübliche Sitten nachzuäffen und höheren -Volksklassen nachzulallen; allein auf rechtskräftiges Urtheil wolle er -in Zeiten Verzicht thun, und seinen Schlaftrunk von Vortrag für jenes -Mittelgut von Menschen aufsparen, die Welt und eine Fabrikartigkeit -besitzen -- wenn gleich gemeiniglich die Pluralität auf ihrer Seite -ist. Das Deutsche Weib galt in älterer Zeit allemal mehr als andere -Weiber, und ich bleibe gewiß in den Schranken der Wahrheit, wenn ich -behaupte, daß auch noch jetzt Deutsche Weiber, so wie sie da sind, -einer Verbesserung empfänglicher und fähiger wären, als alle andern, -zu welcher Zunge und Sprache sie sich bekennen, und welcher Vorzüge -sie sich sonst gegen die Deutschen mit Recht oder mit Unrecht rühmen -mögen -- Nachtwandler erweckt man, wenn man sie bei Nahmen ruft; -- -und sollten unsere Deutschen Herren Männer nicht auf den kühlenden -Trank nüchtern werden, den ihnen diese Schrift reichet? -- Es giebt -Schriftsteller, die, wenn sie mit ihren Werken bei _ihrem_ Geschlechte -durchzukommen sich nicht getrauen, ihre Schrift mit der Nothlüge -begaben, sie hätten sie zu Heil und Frommen des andern Geschlechtes -gestellt. Auch glaubt sich mancher Nachdrucker bei Ehren zu erhalten, -wenn er das schmackhafte neugebackne Brot eines Andern bröckelt, ohne -selbst durch Milch oder Butter ihm ein anderes Ansehen zu geben, und -dies alles auf Kosten des andern Geschlechtes thut -- als ob der Herr -Nachdrucker _im Brote_ des weiblichen Geschlechtes wäre, oder als ob -es _nicht mehr könnte als_ (brockenweise) _Brot essen_! -- -- - -_Wozu alle Vergleichs-Vorschläge und Verbesserungs-Plane, die, wenn -man gleich ihnen Vorkaufs-Anmaßungen nicht vorrücken kann, die, wenn -sie es gleich mehr bei bescheidenen Fingerzeigen bewenden lassen, als -daß sie strafsüchtige Warnungstafeln ausstellen, doch um so weniger -Lebensfrüchte sicher verheißen können, als man von ihnen nicht weiß, ob -und in wie weit sie in der Feuerprobe der Ausübung bestehen werden?_ - -Freilich! warum alle Katheder und Predigerstühle? Sind die Menschen -nicht von je her Lügner, Undankbare, Räuber, Neider, Geitzhälse -gewesen? Raubvögel haben zwar von Anbeginn ihre Nächsten, bescheidnere -Nebenvögel, gefressen, so bald sie sich ihrer bemeistern konnten; -Menschen, welche einsehen, daß besser besser ist, und daß sie besser -werden können -- sollten _die_ ewig Raubvögel bleiben? Mich tröstet -der Glaube an die analogisch zu vermuthende Absicht der väterlichen -Gottheit -- und das rastlose Fortstreben des menschlichen Geistes, der -einmal aufgeweckt und in Thätigkeit gesetzt ist. Die gesunde Bergluft -ist ohne Zweifel die Ursache von dem Heimwehe der Schweizer; was sollte -aber das andere Geschlecht bewegen, in seiner jetzigen Lage zu bleiben? -Es wird wollen, wenn wir zu wollen uns entschließen werden -- - -Ungern muß ich mich noch zu einer Art Menschen wenden, an die ich -gewiß am wenigsten gedacht hätte, wenn nicht ganz frische Spuren mich -schreckten -- Daß dies die Herren Recensenten nicht sind, versteht -sich von selbst. Es giebt wackere Männer unter ihnen, die, wenn sie -gleich sich einen ehemals ungewöhnlichen Reskriptenton angewöhnen, es -so übel nicht meinen; man lasse sie reskribiren -- Du lieber Gott! -was reskribirt heut zu Tage nicht alles --! Wenn Kinder und Säuglinge -an Jahren und an Verstande in unseren hohen Dikasterien den Nahmen -Gottes und ihres Fürsten so unnützlich führen, und dummdreistes Zeug -in diesen breiten goldenen Rahmen fassen; wenn sie so ungestraft -blinden Lärm zu machen, die Vernunft in blödsinnigen Sentenzen -gefangen nehmen, den guten Ruf trefflicher Männer als gute Prise -ansehen, und von Rechtswegen fünf gerade gehen lassen können -- wird -man nicht, wohl zu merken! bei würdigen Recensenten, denen jene -unbärtigen Großsprecher nicht werth sind die Schuhriemen zu lösen, -die weit kleineren Reskripten-Freiheiten, die sie sich herausnehmen, -ganz gern übersehen? Ich habe in Wahrheit nichts gegen Recensenten, -die sich wie wohlthätige Egel an unsere Bücher hängen, um ihnen das -böse Blut abzusaugen; vielmehr wünsch' ich herzlich, daß dieser -Blutdurst ihnen allerseits nach Stand und Verdienst wohl bekommen -möge. Wenn aber Mücken um ein Paar Blutstropfen mich verfolgen, und -meinen Nahmen (wahrlich ein Paar Blutstropfen) entwenden wollen; -so bitt' ich diese Anekdotensauger in Erwägung zu nehmen, daß ein -Buch darum keinen Fingerlang oder Fingerbreit schlechter oder besser -wird, weil man weiß, daß es diesen oder jenen Verfasser hat. In der -Schrittstellerwelt giebt es keinen Erbadel; und warum will man die -gelehrte Republik in einen monarchischen, wo nicht gar despotischen, -Staat umwälzen? warum nicht Jeden bei so viel Freiheit, wie nur -mensch- und politisch-möglich ist, lassen? Da giebt es denn aber -Kraftgenies ohne Genie, ohne genialische Anlage und Nachdruck, die -im Gefühl ihrer Geistesarmuth Anekdoten haschen, um unter Gelehrten -die Gelehrten zu spielen, die sie nicht sind, und die sie ohne -wundervolle Pfingst-Inspiration auch nicht werden können! Ein Pfeifer -und Geiger, ein Flöter und Trommeter glaubt taktlos sich für _Kant_ -und _Wieland_ in Einer Person ausgeben zu können, ob er sich gleich -begnügen sollte, die Mauern von Jericho umzublasen und die Steine -tanzen zu lassen. Voll Vademecums-Belägen wissen dergleichen Masken -- -und was denn? was unter braven wackern Gelehrten der wenigste Kummer -ist; -- allein dafür sind jene Kraftmänner auch vor aller andern -Hypochondrie, als der, die aus Unwissenheit entsprießt, und die mit -Nahmen-Wuth anzuheben pflegt, sicher ihr Lebenlang -- machen sich -aus Litteratur-Kindern und philosophischen Säuglingen eine Macht, -und kommen nicht selten in die Gefahr jenes Menschenkenners, der -einen trefflichen Mann fragte: Ist der Herr nicht der Küster aus * -*? »_Nein, ich bin der General-Superintendent * *, und wer Sie sind, -mag ich nicht wissen._« -- Wer leugnet es, daß durch Gelehrte von -Profession, z. B. durch _Kant_ und _Heyne_, die Wissenschaften große -Fortschritte machten? Gewiß würde der Meister der Philosophie _Kant_ in -seinen patriarchalischen Jahren nicht so kraftvolle Arbeiten liefern, -und durch einen wohlgestalteten Seelenerben nach dem andern der Welt -ein Lachen bereiten, wenn er nicht in der Blüthe seines Lebens mit -diesen Gegenständen vertraut geworden, und bei seinem Unterrichte zu -denken von Anbeginn gewohnt gewesen wäre. Seine Vorlesungen waren -die Goldwagen seiner Grundsätze -- Solch eine Pflege kann kein -Geschäftsmann seinem Buche geben; noch nie aber haben verdienstvolle -akademische Lehrer einem _Lessing_, _Spalding_, _Teller_, _Moses -Mendelssohn_ u. s. w. ihr Verdienst abgesprochen, vielmehr es gern -gesehen, wenn diese fein sokratisch ihre Systeme in Philosophie der -Welt, ich weiß nicht ob erniedrigten oder erhöheten? -- Und wozu diese -Bemerkung? Um eine andere einzuleiten -- Wenn die Kritik der reinen -Vernunft mit dem Nahmen _Immanuel Kant_ in die Welt kommt -- Wer hat -etwas dagegen? Wenn aber ein Geschäftsmann Autor ist -- in welche -Schwierigkeiten sieht er sich verwickelt! Der Präsident beneidet ihn, -wenn er Rath; und der Minister, wenn er Präsident ist. Zum gemeinen -Leben berufen, muß er sich nach demselben einrichten und sich in die -Zeit schicken lernen, und es ist bei dem Geschäftsmanne nur zu oft -böse Zeit. Kritiken schaden den Gelehrten von Profession so wenig, -als wenn Renomisten sich an den Fenstern des zu strengen Rektors -vergreifen, die denn doch durch Laden gesichert werden können; und wie -leicht ist das Haus Sr. Magnificenz wieder befenstert! Der unsauberste -Geist indeß schadet dem Geschäftsmann, indem witzleere Antagonisten -desselben den schalsten Einfall mit Freuden aufnehmen, und mit diesen -fremden Kälbern pflügen, um den braven Mann zu kränken. Der Gelehrte -von Profession schlägt den Ball, den ihm ein unfreundlicher Kritikus -zuschlägt, weiter; der Geschäftsmann kann ihn nur zurückschlagen -- -Jeder Unglücksfall im Dienst wird auf die Rechnung der Autorschaft -geschrieben; jede ungegründete Beschwerde einer chicanirenden Parthei -findet gewisses Gehör, weil der Herr _Decernent_, oder _Instruent_, -_Referent_ und wie die _enten_ alle heißen mögen, Autor ist und sich -nicht Zeit nahm -- alle Menschen klug zu machen. -- Der Revers der -Sache? wird nicht mancher Schriftsteller das Ansehen, welches er -in der gelehrten Welt hat, zum Schreckmittel brauchen, um sich zu -einem _Noli me tangere_ zu erheben? wird nicht sein Vorgesetzter -seiner Schriftstellerfeder auf Rechnung seines Postens eine Pension -zuwenden, und Andern aufbürden, was Jenem zu thun oblag --? _Practica -est multiplex._ Ein Mann, der _Vater_ ist, wenn er _Brutus_ seyn -soll, der unter den Autoren Präsident, und unter den Präsidenten -Autor ist, verdient die Züchtigung eines _Johnson's_, da hingegen ein -Autor, welcher der gelehrten Welt so wenig von seinem politischen -Verhältnisse, als diesem von jener verräth, zwiefacher Ehre werth zu -seyn scheint, indem er sich nicht aus Einer Lage in die andere hinein -schmeichelt, keine Folie nöthig hat, und nicht Eine Farbe in die andere -spielen läßt, sondern überall Mann ist -- -- Das Leben eines Mannes -von dieser Art zu lesen, wenn er aufhört entweder politisch oder -natürlich zu leben -- kann wahrlich ein besseres Lehrbuch werden, als -das Leben unseres trefflichen _Semlers_, der geheime Wissenschaften -an geheimen Orten zu lernen suchte -- um sie kurz vor seinem Ende -öffentlich zu treiben -- oder anderer Selbstbekenner, die geistliche -und leibliche Jahr- Monaths- Tage- Stunden- und Minuten-Bücher stellten ---. _Shakespear_ ward in seinem Leben wegen seiner Sonetten, _Milton_ -wegen seiner Lateinischen Verse und prosaischen Schriften geschätzt, -derentwegen sich Beide schwerlich bis auf den heutigen Tag erhalten -haben würden -- -- - -^FRIEDRICH II.^, der doch selbst von der Poësie, wie von einem -Dämon, gar übel geplagt ward, so daß sie sogar bei Schlachten nicht -verfehlte, ^IHM^ Cour zu machen, sagte zu einem Staatsdiener, -dessen Andenken ich heute an dem Tage seines Todes feiere: _ich mache -Ihn zum * *; aber lass' er mir das Schreiben -- So etwas stört, und -im Amte muß Er sich durch gar nichts stören lassen -- hört Er?_ Ja! -und wer Ohren hat zu hören, der höre! Sind das die Gesinnungen eines -königlichen Schriftstellers, (nach Weise des königlichen Propheten -_David_) wie viel ist von Fürsten zu fürchten, denen, außer der -Salbung zu Regenten, keine andere zu Theil ward --! wie noch viel mehr -von _Königschen_, die, zu schwach zu einer kritischen Sichtung, an -Autoren, welche ihnen über den Kopf zu wachsen scheinen, so gern zu -Rittern werden -- Ob von diesen Fällen Einer oder keiner der meinige -sei, thut nichts zur Sache; daß sie aus dem Leben genommen sind, wird -Niemand ableugnen -- Und darf ich noch bemerken, daß Kunstrichter, -wie alle andere Richter, nicht die Personen ansehen müssen, und daß -es pflichtwidrig ist, es auf den Namen des Schriftstellers anlegen zu -wollen --? - -Wenn unsere Anekdoten- und Nahmenhäscher dies in Erwägung zögen -- -würden sie nicht lieber Fische fangen und Vogel stellen, da sie doch -einmal verdorbene Gesellen sind? -- Wie viel wollt' ich geben, wenn ich -dieses Schlusses hätte überhoben seyn können! -- denn in der That, ich -weiß ihn so wenig in den Takt dieser Schrift zu bringen, daß ich mich -vielmehr begnügen muß, zu bemerken, wie die Menschen nur alsdann sich -zu nahe kommen, wenn sie nichts thun wollen oder können, und, anstatt -sich mit sich selbst zu beschäftigen, es gemächlicher finden, auf und -gegen Andere zu wirken -- - -Daß dieser Epilogus jene lieben, trefflichen, edlen Seelen nichts -angeht, die in keiner andern Absicht, als um sich näher mit dem -Schriftsteller zu verbinden, der mit ihnen so harmonirt, seinen -Nahmen gern wüßten -- darf ich dies erst bemerken? -- Möchte doch -der unerforschliche ^GOTT^ diesen trefflichen Seelen öffentlich -vergelten, was sie auch etwa an mir insgeheim thaten! -- Möchte ihnen -doch an der Hand gutdenkender Weiber des Lebens Last und Hitze nicht -schwer seyn! Leicht sei ihnen die Erde im Leben und im Tode --! -- - - - - -Inhalt. - - - I. Formale und Materiale der gegenwärtigen - Schrift. Seite 1 - - II. Giebt es außer dem Unterschiede des Geschlechtes - noch andere zwischen Mann und Weib? 28 - - III. Woher die Überlegenheit des Mannes - über die Frau entstanden? Rückblicke auf - die ältere Zeit. 75 - - IV. Nähere Angaben, woher die Überlegenheit - des Mannes über die Frau entstanden - ist. Betreffen neuere Zeit. 122 - - V. Verbesserungs-Vorschläge. 185 - - VI. Nutzanwendung. 398 - - - - -Notizen des Bearbeiters: - -Kursivschrift markiert durch _..._ - -Gesperrte Schrift markiert durch ^...^ - -Unterschiedliche Schreibweisen wurden beibehalten. - -Typographische Fehler und einzelne Satzzeichen wurden stillschweigend -geändert. - - - - - -End of the Project Gutenberg EBook of Über die bürgerliche Verbesserung der -Weiber, by Theodor Gottlieb von Hippel - -*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK ÜBER DIE BÜRGERLICHE *** - -***** This file should be named 53912-8.txt or 53912-8.zip ***** -This and all associated files of various formats will be found in: - http://www.gutenberg.org/5/3/9/1/53912/ - -Produced by Matthias Grammel and the Online Distributed -Proofreading Team at http://www.pgdp.net (This book was -produced from scanned images of public domain material -from the Google Books project.) - - -Updated editions will replace the previous one--the old editions -will be renamed. - -Creating the works from public domain print editions means that no -one owns a United States copyright in these works, so the Foundation -(and you!) can copy and distribute it in the United States without -permission and without paying copyright royalties. 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