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You may copy it, give it away or -re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included -with this eBook or online at www.gutenberg.org/license - - -Title: Über die bürgerliche Verbesserung der Weiber - -Author: Theodor Gottlieb von Hippel - -Release Date: January 7, 2017 [EBook #53912] - -Language: German - -Character set encoding: ISO-8859-1 - -*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK ÜBER DIE BÜRGERLICHE *** - - - - -Produced by Matthias Grammel and the Online Distributed -Proofreading Team at http://www.pgdp.net (This book was -produced from scanned images of public domain material -from the Google Books project.) - - - - - - - - - - ÜBER DIE - BÜRGERLICHE VERBESSERUNG - DER WEIBER - - [Illustration] - - BERLIN, 1792. - _in der Voßischen Buchhandlung_ - - - - -I. - -FORMALE UND MATERIALE DER GEGENWÄRTIGEN SCHRIFT. - - -Man sagt: der strengste Beweis der Wahrheit sei, wenn gewisse -Dinge jeder Bemühung sie lächerlich zu machen und zu travestiren, -widerstehen, und wenn sie trotz allem Lächerlichen, womit wir -sie behängen, doch ehrwürdig bleiben. Wenn die krumme Linie die -Schönheits-Linie ist; so wird man es schwerlich bedenklich finden, -dem Lachen die Schlüssel zum Himmelreiche der Wahrheit anzuvertrauen. -Ein mißlicher Umstand! der mich bei der gegenwärtigen Schrift in -eine nicht geringe Verlegenheit verwickelt, da ich einen Gegenstand -vorhabe, worin bei weitem der größte Theil des Ernsthaften mit dem -Lächerlichen, nicht von Anbeginn und von Natur, sondern durch -Verjährung, so im Gemenge liegt, daß hierbei nicht so leicht ein -Divisions-Exempel auf eine Auseinandersetzung gewagt werden kann. Wenn -ein Ritter von ächtlustiger Gestalt den Kampf beginnt -- wer und was -kann vor ihm bestehen? welche Festung von System und Dogmatik sich -halten? _Sokrates_, der Weiseste, nicht unter den _Königen_, sondern -unter den _Weisen_, dieser Erzkern in einer häßlichen Schale, dieser -(wiewohl nicht mit sonderlichem Geschmacke gekleidete) Engel unter den -Menschen, ward in _den Wolken_ zur Farce; und welch ein Autor kann auf -einen heitern Recensenten- und Leser-Himmel sicher rechnen? -- Selten -gab es einen, der nicht aus dem Regen unter die Traufe gerieth, und -noch nie ging ein Licht in der Welt auf, ohne seinen _Aristophanes_ -zu finden, der es, mir nichts, dir nichts, geradezu ausblies, oder -- -unter dem Scheine des Rechts, als wollt' er es schneutzen -- es neckte -und verdunkelte. Fast scheint auf diese Weise das Lächerliche das -tägliche Brodt der Menschen zu seyn, und man wird sich ohne Zweifel -am besten befinden, wenn man in Züchten und Ehren mitlacht, oder seine -Schrift, des Bildes und der Überschrift des Ernstes ungeachtet, zu -einem Tone stimmt, der nicht ernsthafte Blößen (die lächerlichsten von -allen) giebt. -- »Ihr werdet lange nicht so viel über mich weinen, wie -ihr über mich gelacht habt,« sagte _Scarron_, der Ehevorfahr _Ludwigs -des XIV._, zu denen, die sein Sterbelager umringten und weinten. -Diese Vorstellung war im Stande, ihn im Sterben aufzuheitern -- und -warum auch nicht? -- Jetzt, da selbst die heilige Moral nicht mehr -im Klosteranzuge ihr Glück machen kann und will, vielmehr fröhlich -und guter Dinge einhertritt, und die Becher, welche sie mit ihrem -herzerfreuenden Wein anfüllet, zu bekränzen gebeut; jetzt, da sogar -jede widerliche Außenseite des Menschen eher seines Herzens Härtigkeit -als dessen Reinheit zu verrathen scheint: jetzt ist Fröhlichkeit ein -lebensartiges Ingredienz geworden, und Lachen und Weinen leben in einer -so glücklichen Ehe, daß jene philosophischen Gaukler, von denen der -eine nicht aus dem Lachen und der andere nicht aus dem Weinen kommen -konnte, schwerlich Professuren auf unsern Akademieen erhalten würden. -Kinder, die der Natur am nächsten sind, lachen und weinen über eine -und dieselbe Sache, und eine liebenswürdige Braut reißt sich weinend -aus den Armen ihrer verwaiseten Mutter, um in eben dem Augenblicke -sich lachend in die Arme ihres Vielgeliebten zu stürzen. -- Unser -Leben ist Ebbe und Fluth, immerwährender Wechsel von Freude und Leid; -und sollten nicht alle Gegenstände des gemeinen Lebens Spuren und -Eindrücke von der _comédie larmoyante_ des _verwünschten Schlosses -von Planeten_ zeigen, auf dem uns eine Menschen-Rolle angewiesen ist? --- die schwerste vielleicht in Gottes weitem und breitem Weltall! -- -vielleicht auch die leichteste, je nachdem sie gespielt wird. -- Aller -unvergeßlichen Bemühungen so mancher _edlen Ritter_ ungeachtet, welche -die Menschheit und durch sie _die Erde entzaubern_ wollten, ist das -Abentheuer noch nicht bestanden -- O der verdammten Hexe, der Sünde, -die das _Verderben_ so braver _Leute_ ist! -- Wenn wir gleich durch die -Erinnerung des Todes nicht unseres ganzen Lebens Knechte sind; so sind -doch die Gedanken an den Tod und an Gott _die_, welche uns in jedem -Falle zu einem _Memento!_ bringen. Wahrlich! es war Philosophie, wenn -des Königes _Xerxes_ Majestät über sein Heer sich freute und traurig -ward. -- Jeder Schmerz hat seine Wollust; und wie schal ist nicht das -Vergnügen, das nicht durch etwas Bitterkeit gewürzt wird! Vom Glück ist -dem Weisen nur zu träumen erlaubt; das Unglück, als das gewöhnliche -Loos der Menschheit, mit Fassung zu ertragen, bleibt ihm unabläßliche -Pflicht: und es giebt in der That überall eine Mittelstraße, eine -gemäßigte Fröhlichkeit und ein Lächeln, das bei warmen Thränen im Auge -Statt finden kann. Alle vier und zwanzig Stunden giebt es Nacht und -Tag, ein Licht, das den Tag regiert, und eins, das die Nacht regiert. --- Noch näher kann ich dieses Exordium legen, wenn ich bemerke, daß -das schöne Geschlecht, der Natur getreu, die gute und vollkommene -Gabe von oben herab besitzt, alle seine Bitterkeiten, deren es sich zu -seinen Wehr und Waffen zu bedienen pflegt, so zu bezuckern, und ihren -Ernst, vermittelst eines ihn lindernden Lächelns, so zu ermäßigen, daß -ich keinen Augenblick Bedenkzeit nehmen darf, diesem liebenswürdigen -Beispiele zu huldigen und mich der beiden Gesichter des _Janus_ mit -patriotischer Freiheit zu erinnern. Auch scheint die Last, welche das -schöne Geschlecht trägt, einem und bei weitem dem größeren Theile -desselben so sanft und sein Joch so leicht zu seyn, daß es vielleicht -im Diensthause Egyptens und bei den Fleischtöpfen eines gemächlichen -wirklichen Alltags-Lebens zu verbleiben wünschen wird, ohne die -beschwerliche Reise nach Kanaan, wo Milch und Honig der Natur fließt, -antreten zu wollen. Selbst Damen von Bedeutung scheinen oft nicht zu -wissen, daß sie in ihrem Prunk von Purpur und köstlicher Leinwand Leid -tragen, und daß ihr Leben in Herrlichkeit und Freude eine _Leibes-_ und -_Lebens_strafe ist, die man ihnen im heimlichen Gericht zuerkannt hat. --- Wo viel Glanz ist, da ist wenig Geschmack -- so wie gemeiniglich -Bigotterie und Sittenlosigkeit _getreue Nachbarn und desgleichen_ zu -seyn pflegen. Wahrlich! es ist der höchste Gipfel der Krankheit, wenn -Patienten Fieberhitze für blühende Gesundheit halten und jede Arznei -von der Hand weisen; und so übersteigt es auch den gewöhnlichen Grad -des menschlichen Verderbens, wenn Sklaven auf alle Rechte Verzicht thun -und ihre Verfassung auf das gute Glück der Denkungsart ihrer Gebieter -gründen. -- Und wer ist Schuld an diesem Gerichte der Verstockung? -das andere Geschlecht? wird man diesen Stab brechen, da selbst der -Naturverkündiger _Rousseau_, der alle Welt, und besonders die schönere -Hälfte derselben, zur Natur bekehren wollte, trotz dieser _gewaltigen -Predigt von Buße und Glauben_ am liebsten mit _vornehmen Damen_ umging? -Wie konnte seine Eitelkeit sich gütlich thun, wenn Standespersonen ihn -hervorzogen, ob er gleich über das Verderben der höheren Stände bei -aller Gelegenheit außer Athem kam! -- -- Doch ich will dem zweiten -Theile dieses Kapitels nicht vorgreifen. Mag sich meine Schrift in die -Zeit schicken, und von allen Seiten ihr Heil versuchen --! Mit der -Anrufung der heiligen Zahl der drei mal drei Schwestern soll sie sich -nicht brüsten, da ein dergleichen _Oremus_ bloß poëtischen Arbeiten die -Bahn zu brechen gewohnt ist; aber um alles in der Welt wünschte ich -nicht, daß ihr die Ehre erwiesen würde, die Bibliothek der erlauchten -Republik des _Plato_ zu zieren. -- Zur Sache. - -Als _Ludwig den Vierzehnten_ wegen der neuen Lasten, die er seinem -schon gedrückten Volke zugedacht hatte, wirklich eine Art von -Gewissens-Schauer anwandelte, fand er in dem leidigen Troste seines -Beichtvaters _Tellier_, »_daß das Vermögen seiner Unterthanen sein -Eigenthum sei_,« ein so sanftes Küssen für dieses aufgewachte Gewissen, -daß er sich kein Bedenken gemacht haben würde, die Auflage, die ihn -beunruhiget hatte, aus dem Stegreife zu verdoppeln; und ohne Zweifel -ist dieser Köhlerglaube der Grund zu jener Behauptung: _ich bin der -Staat_. - -Die Gewohnheit wird so leicht zur andern Natur, daß die Franzosen, -welche die Plackereien eines _Terray_, und die Härte eines _Meaupou_ -ertrugen, sich hinreichend glücklich schätzten, wenn nur ein kleiner, -vielleicht der unwürdigste, Theil die durch die Zehnten der Wittwen -und die Sparpfennige der Elenden gefüllten Freudenbecher des Staats -in unmäßigen Zügen leeren konnte, während der andere größere und -arbeitende Theil, unter dem Joche der Willkühr der Despotie und der -Dürftigkeit schmachtend, doch noch immer das Glück hatte, so gut es -sich thun ließ', zu springen und zu singen, zu hüpfen und zu pfeifen. --- Bei einem so leichten, über Alles sich wegsetzenden und mit einem -_Chanson_ sich aus aller Noth helfenden Völkchen, war diese Zuchtruthe, -theils mit Peitschen, theils mit Skorpionen, um so weniger fühlbar, -da es an den Gallatagen und Staatsfesten der Ausgezeichneten unter -ihm, durch ein Freibillet vermittelst der Augen Theil nahm -- und -dieses Völkchen lernte es je länger je mehr ertragen, daß jene den -_Freudenkelch_ für sich allein behielten und es _für sie alle_ thaten. -Die Brocken, die etwa dem Künstler und der Putzmacherin von den Tischen -dieser _reichen Männer_ fielen -- waren ihnen eine Segenserndte, und -die Hunde der Großen leckten ihnen ihre Schwären -- Dies Jammer und -Elend ist kommen zu einem seligen End, und Laternenpfähle scheinen über -Frankreich das Licht der Natur und einer Gleichheit aller Menschen -so stark verbreitet zu haben, daß man vor lauter Licht das Licht -zuweilen nicht zu erblicken scheint. Es giebt Menschen, die den Wald -nicht vor den Bäumen sehen, und gar zu hell macht dunkel: auch giebt -es moralische Blendlinge, die das Glück oder Unglück haben, da etwas -flittern zu sehen, wo das gesunde Auge des Verstandes nichts wahrnimmt. -Wie wär' es, wenn ich ohne Feldgeschrei und Sturmglocke, wie weiland -_Diogenes_, laternisirte und mit einer Handleuchte in der schönen Welt, -wo so viel Überfluss von tausend und abermal tausend Dingen für Geld -oder für gute Worte zu haben ist -- Menschen suchte? -- Ob ich finden -würde? -- Einige Auflösungen sind mit Brausen verbunden; bei einigen -entstehet eine Hitze, bei einigen eine Kälte. -- Daß Ew. Excellenz sich -nur ja nicht ereifern, vielmehr Hochdero Galle für Ihren ungetreuen -Liebhaber _Num._ 30. besparen! -- Eine Schwalbe macht keinen Sommer, -und meine Laterne ist mit einem Hauch Ihres Eifers ausgeblasen. Wollten -Ew. Excellenz in aller Zucht und Ehrbarkeit Sich in einen wohlgemeinten -Wortwechsel mit mir einzulassen geruhen; Sie würden, wie ich nach der -Liebe hoffe, Sich eines andern besinnen, und vielleicht überzeugt -werden, daß ich weniger Vorwürfe verdiene, als alle Ihre Liebhaber -bis auf den _sub Num._ 30., der es freilich außer der Weise macht, -woran indeß ich und meine Schrift auch nicht auf die entferntste Weise -Schuld sind -- Bin ich gleich kein galanter, so bin ich doch ein treuer -Verehrer eines Geschlechtes, unter welchem Sie und viele andere Ihres -Gleichen so unrichtig _Excellenz_ heißen, wogegen andere trefliche -Weiber, welche diesen Ehrennamen zehnfach verdienen, aus Hof-Etiquette -nicht so genannt werden. - -_Keinem anderen als einem Deutschen konnte wohl ein solches Buch -einfallen!_ - -Auch unter den Franzosen gab es Sonderlinge, die, wenn sie gleich -freilich nicht mit der Thür ins Haus fielen, und an keine bürgerliche -Verbesserung des schönen Geschlechtes dachten, ihm doch ein anderes -Verhältniß anwiesen. Ich habe geglaubt, man müsse dem Übel die Wurzel -nehmen und den Staat nicht aus dem Spiele lassen. - -_Frankreich, wo jetzt alles gleich ist, ließ unser Geschlecht -unangetastet._ - -Unverzeihlich! wie konnte ein Volk, das (wie weiland _Voltaire par -et pour_ die Komödianten lebte) _par et pour_ das schöne Geschlecht -existirt, bei der weltgepriesenen allgemeinen Gleichheit ein Geschlecht -vernachlässigen, das eine Königin hat, derengleichen es gewiß wenige in -der Welt gab. -- - -Wenn ich nur selbst wüßte, wie ich mich hier ins Mittel legen könnte, -um aus diesem _excellenten_ Handel mit Ehren herauszukommen! -- Wohlan! -ich will den gegenwärtigen Weltlauf der Damen copiren, die in Einem -Athem trotzen und bitten, fluchen und segnen -- -- - -Vielleicht war das menschliche Geschlecht bloß darum so vielem Wechsel -von Licht und Finsterniß, von Veredlung und Herabwürdigung, von -Paradies und Fall ausgesetzt, weil man die Rechnung ohne die schöne -Welt machte. Es ebbte und fluthete, je nachdem man von dieser andern -Hälfte Notiz nahm und je nachdem man sie als etwas Wesentliches in der -Menschheit oder als etwas Beiläufiges ansah, das schon die Ehre haben -würde, der Principalsache zu folgen. Man sah das schöne Geschlecht, -wie den Reim, kaum für etwas mehr, als für eine Krücke an, wodurch -sich der Gedanke forthilft; und bei Messiaden und andern Werken der -Dichtkunst, wo man ohne Krücken ging -- mußte das andere Geschlecht -sich gefallen lassen, zu kurz zu kommen. Jener Römische Rechtsspruch: -Mit dem Rechtsmaß, mit dem man Andere mißt, muß man sich selbst messen; -schien hier völlig seine Kraft verloren zu haben, wenn er gleich zu -jenen ins Herz geschriebenen gehört, die zu übertreten eine Sünde -wider den heiligen Geist ist. -- Wie ist ein Stoff zu organisiren, -wenn es nicht auf die Vereinfachung des Vielfachen angelegt wird? Wie -ist dem menschlichen Geschlechte zu rathen und zu helfen, wenn man -so entsetzlich einseitig verfährt? Der Himmel der alten Welt hatte -seine Göttinnen so gut wie seine Götter; nur unter den Menschen soll -es keine anderen Götter geben neben den Männern von Gottes Gnaden! -- -Ist es ein Seelenfest, wenn entfernte, einander völlig fremd gewordene -Gegenstände in der Geisterwelt sich zusammen finden; wenn sich oft das -Allerverschiedenste in einem Berührungspunkte des Denkens trifft, wo -seine ursprüngliche Verwandtschaft wieder einleuchtend wird; wenn sich -dergleichen von einander abgekommene Gegenstände Hände und Trauringe -geben und eine Himmelsstimme sich hören läßt: was Gott zusammen fügt, -soll der Mensch nicht scheiden; ist es unaussprechliche Wonne, wenn -Freunde nach langen See- und Landreisen sich wieder an Stell' und Ort -umarmen und sich an die paradiesischen Jahre ihrer Jugend erinnern, wo -sie Ein Herz und Eine Seele waren: wie weit herrlicher wird es seyn, -wenn das andere Geschlecht sich wieder zu dem unsrigen verhält, wie -_Eva_ zu _Adam_, und nicht wie Ew. Excellenz zu _Num._ 30! -- Laßt -uns dies Werk der Zeit überlassen, die bisweilen aus unbegreiflicher -Güte Combinationen zusammen bringt, auf welche, nach dem gewöhnlichen -Laufe der Dinge, weder zu rechnen, noch Jagd zu machen war -- Laßt uns -auf den Zeitpunkt uns freuen, wo der Tag der Erlösung für das schöne -Geschlecht anbrechen wird, wenn man Menschen, die zu gleichen Rechten -berufen sind, nicht mehr in der Ausübung derselben behindert -- und -wenn man das, was so augenscheinlich gleich ist, nicht so willkührlich -unterscheidet. -- Ich würd' ein Frauenknecht in bester Form seyn, -wenn ich behaupten wollte, daß diese goldene Zeit vom Himmel fallen -werde. Verdienst und Würdigkeit sind die Bedingungen menschlicher -Glückseligkeit, und der Mensch, sein eigener Bildner, kann aus dem -Marmorwürfel, den die Natur ihm zuwarf, einen Gott und ein Thier -machen -- nach Belieben. Bloß auf die Behauptung schränk' ich mich ein, -daß der Stoff, woraus eine _Venus_ ward, sich eben so gut zu einem -_Merkur_ verarbeiten läßt; daß den Weibern das _Recht der Gerade_ -gebührt; und daß, wenn die Natur das menschliche Geschlecht zu schaffen -_anfing_, sie den größeren Theil uns selbst überließ, um die Ehre der -Schöpfung mit uns zu theilen. Thätigkeit ist die Würze des Genusses, -und Genuß die Würze der Thätigkeit. -- Es ist dem Menschen angeboren, -sagt _Cicero_ (mit andern Worten), daß, wenn er sich Gott denkt, die -menschliche Natur vor ihm schwebt. -- Man definire den Menschen, wie -weiland der göttliche _Plato_, als _ein zweifüßiges Thier ohne Federn_, -oder als ein _Geschöpf_, das sich wie ein Tanzmeister _gerade_ hält, -als Gott, als Thier: nirgends sind Weiber ausgeschlossen; nur müssen -sie auch nicht sich selbst ausschließen -- und wollen und werden sie -das? _Wesley_, der Stifter des Methodismus, hatte die Maxime, daß -es ohne Fasten und Frühaufstehen unmöglich sei, in der Gnade zu -wachsen -- Was gilt das beste Recht, wenn man sich desselben unwürdig -macht! Das fräuliche Geschlecht soll in der Gerechtigkeit, und nicht -in der Gnade, wachsen; indeß kann ich ihm kein anderes als dies -Methodisten-Recept verschreiben: _Wachsamkeit und Enthaltsamkeit_ -- -Welch ein Fürst, und wär' es der reichste und mächtigste, ist glücklich -ohne persönliches Verdienst --? _Thomas Payne_, der den Vorwurf, ein -Fürstenfeind zu seyn, höchlich von sich ablehnt, und protestirend -versichert, daß Niemand treuer als Er wünschen könne, die regierenden -Herren zu der glücklichen Lage der Privatmänner zu erheben, bedachte -nicht, daß jeder Fürst nicht nur ein politisches, sondern auch ein -Privatleben führt -- daß Fürsten mehr persönliche Verdienste zeigen -müssen, als andere, wenn sie geliebt und bewundert werden wollen, und -daß sie Fürsten bleiben und doch sich persönlich auszeichnen können. -Das ist, mit Ewr. Excellenz gnädiger Erlaubniß, der Fall mit Ihrem -Geschlechte. -- _Quand le bon ton paroît, le bon sens se retire._ -- -- - -Eine _Gardefou_, eine Warnungstafel, den Blöden zum Besten: daß ich -hier mit keiner wirklichen Excellenz wirklich colloquirt habe; denn -außerdem, daß ich alsdann gewiß weniger zum Wort gekommen wäre, würd' -ich auch meine wenigeren Worte unschwer zu verzuckern nicht ermangelt -haben. -- Wenn der Künstler auf bloße Portraite eingeschränkt ist und -keine Ideale mehr wagen darf, so agonisirt seine Kunst, und auch sein -Genie liegt in den letzten Zügen; doch muß man in seinen Idealen eine -auserlesene Sammlung von Portraiten finden, falls sie den Namen Ideale -verdienen sollen. In einer _Venus_ lag ein Extrakt von fünfhundert -schönen Mädchen -- Meine Excellenz ist in der Ideenwelt; sie wird -indeß hoffentlich kenntlich genug geblieben seyn, und man kann ihren -Widerschein gewiß mehr als fünfhundert mal finden. Die eigentliche -Absicht war, vermittelst dieses magischen Spiegels mein Müthlein an -der gefälligen Ungerechtigkeit zu kühlen, die unser Geschlecht dem -schönen beweiset -- ohne daß das letztere es dazu anlegen will, sich -von seinen Königen zu befreien, wie weiland _Rom_, nachdem _der stolze -Tarquin_ wegen seiner Tyrannei vom Throne gestoßen und diese Handlung -mit dem Grundgesetze bezeichnet ward: die königliche Regierung auf -immer und ewig abzustellen. Sehr viel mehr als ein _Balken-Königreich_, -das man aus einer alten Fabel kennt, war und ist unsere Herrschaft doch -nicht -- und es giebt ein moralisches Nestelknüpfen, kraft dessen (zum -wahren Glück des Ganzen) nur wenige Männer zur eigentlichen Herrschaft -gelangen. -- Damit ich indeß dieses erste Kapitel, welches einer -Parlements- oder gar National-Versammlungs-Rede nicht unähnlich ist, -einlenke, so glaub' ich, dem Buche _über die Ehe_, diesem belobten und -betadelten Ehe-Katechismus, mit dem ich es weder halten noch verderben -mag, nicht zu nahe zu treten, wenn ich zur Zerstörung der galanten -_Bastillen_, der häuslichen Zwinger und bürgerlichen Verließe, worin -sich das schöne Geschlecht befindet, mit einem einzigen Operations-Plan -Markt halte, und _die bürgerliche Verbesserung der Weiber als ein -diensames Mittel diesen Zweck zu beschleichen_, empfehle, anbei aber -glaubensvoll versichere, daß dieser weniger im Schweiß des Angesichts -zu erringende, als so zu erhaltende _Stand im Staate_, beiden -Hemisphären des menschlichen Geschlechtes heilsam seyn werde, zeitlich -und ewiglich. -- Ruhig und überzeugend gehet die Vernunft, und nur da, -wo man sie mit ungleichen Waffen unrühmlich bekämpfen will, wo das -Vorurtheil den Handschuh wirft, und Gewalt ihr den Weg vertritt, pflegt -auch sie ihren eigentlichen wohlüberdachten Plan aufzugeben, und ihm -einen andern unterzulegen, wodurch nicht das Bessere befördert, sondern -Schlechtes mit Schlechterem verwechselt wird: etwas Blindes mit etwas -Lahmen; man verändert, ohne zu verbessern. Ein untrügliches Merkmahl -aller Schwachköpfe, vom Thron bis auf den letzten Officianten-Sessel. --- Es gab, Gottlob! von je her Weiber, und es giebt ihrer noch, denen -ihr Stand der Erniedrigung eine zu starke Probe ist; Weiberköpfe, -die nicht ihre Weiblichkeit, sondern die willkührliche Behandlung -derselben von Seiten unseres Geschlechtes beseufzten, und die -ihrer Erlösung entgegen sahen -- meine Schrift soll ihnen keine -Heerführerdienste leisten. -- Man kann durch Lehren lernen, und durch -Gehorchen sich im Befehlen unterrichten. Ich leg' es so wenig darauf -an, das andere Geschlecht Knall und Fall von seiner Sklaverei zu -befreien, daß ich mich vielmehr begnüge es aufzumuntern, diese Erlösung -zu verdienen. Des _Himmels würdig werden_, heißt nicht viel weniger, -als _ein activer Himmelsbürger seyn_. -- -- Findet auch selbst diese -bescheidene Absicht steinichte Äcker und steinerne Herzen -- immerhin! --- es ist ja nichts weiter als ein Buch, das ich verbreche; wahrlich -eine Kleinigkeit. Wirkte je eins? auf frischer That? an Stell' und Ort? -u. s. w. Erfahrungen, Empfindungen solcher positiven Übel, welche der -menschlichen Natur widersprechen, wirken; und wenn gleich die Mehrheit -der Hände vielfältig entschieden hat, und noch entscheiden kann, so -gilt doch dieser _Vorzug_ der _Thäter_ nicht von der Pluralität der -_Leser_, die sich zu Denkern etwa wie Eins zu Hundert verhalten. Und -du lieber Gott! selbst die Denker! sind sie nicht eine so unsichtbare -Kirche, daß nur der Herr die Seinen kennet? Wahrlich! es hat auf die -Wirkung keinen Einfluß, ob ein Buch zehn, fünf oder nur Eine Auflage -erlebt; und der Autor, der nach der Anzahl der verkauften Exemplare ein -angeworbenes Heer mit ihm gleich denkender Menschen, die vermittelst -seines Buches Handgeld genommen, berechnen will, scheint weder Bücher -noch Menschen zu kennen -- man muß ihn in die Schule schicken. Einer -jeden Schrift, sie sey weß Standes oder Ehren sie wolle, stehet das -gewöhnliche Schicksal aller Schriften bevor: gelesen und vergessen -zu werden; falls sie sich bloß auf Meinungen einschränkt (die -unschädlichsten, unwirksamsten Dinge in der Welt, wenn anders der -Censor ihnen nicht einen Schein von Bedeutung beizulegen die ungütige -Güte hat.) -- Gelingt es mir indeß, Leben und Erfahrung in mein -Büchlein zu legen und einen Geist in die todten Buchstaben zu hauchen; -so werd' ich wenigstens auf einen Theil der Ehre rechnen können, -welche sich der mündliche Vortrag gegen den schriftlichen herausnimmt, -indem es von ihm heißt: der Glaube kommt durch die Predigt. -- - -Bei solchen Umständen ist mein Zweck freilich eine Reise um die Welt, -ohne daß ich mein Zimmer verlasse. Ob dies gerade die gemächlichste -Art zu reisen sei, mag unentschieden bleiben; die unfruchtbarste ist -sie wenigstens nicht. _Newton_ maß in seinem Lehnsessel die Erde, und -bestimmte, ohne den _Chimborasso_ bestiegen und in _Tornea_ gefroren zu -haben, ihre Figur, Jahre lang früher, als die Herren _Condamine_ und -_Maupertuis_; auch bin ich nicht der Erste, der so reiset. -- - -Wie, wenn ich die gegenwärtige passive Existenz des schönen -Geschlechtes in ihrer wahren Blöße zu zeigen glücklich genug wäre, um -den Vorzug verdächtig zu machen, im Nichtthun stark zu seyn! wenn ich -einem genußgierigen Volke, das für den sinnlichen Luxus oft selbst den -moralischen verschwendet, indem es für die Nothwendigkeit knickert, -ökonomischere Grundsätze beibrächte, und es bewegen könnte, über Leib -und Seele _Credit_ und _Debet_ zu verzeichnen und Buch zu halten! wenn -meine wohlgemeinten Vorstellungen bewirkten, daß die Weiber nicht in -dem Grade männlich würden, wie die Männer weiblich, sondern daß Mann -und Weib sich Mühe gäben, wirklich Mann und Weib zu seyn, da jetzt, -aus verjährter Unordnung, in Hinsicht der Geschlechter Niemand recht -weiß, wer Koch oder Kellner ist! wenn ich, frei von jeder Explosion, -bloß jenes Ziel näher brächte, welches die Natur in eigner hoher Person -angewiesen hat! wenn mich das gewöhnliche Schicksal der Reformatoren -nicht träfe, die Alles außer der Jahreszeit hervorbringen wollen, denen -es an Geist und Nachdruck gebricht, den Zeitpunkt schneller herbei zu -führen, und die, was noch ärger ist, sich auf die Pulsschläge der Zeit -so wenig verstehen, daß sie gemeiniglich _zu früh_, und, wenn das Glück -gut ist, _zu spät_ zu kommen die Ehre haben! -- Des hoffnungstrunkenen -Schriftstellers! Man hat in unserer Zeit so sehr die bürgerliche -Verbesserung der Juden empfohlen; sollte ein _wirkliches Volk Gottes_ -(das andere Geschlecht) weniger diese Sorgfalt verdienen, als das -_so genannte_? -- Liegt der Same der Erbsünde nicht in den Müttern? -und lagen die Verhinderungen einer moralischen Verbesserung des -menschlichen Geschlechtes -- welche Verbesserung die besten Menschen -in der Welt, und unter diesen FRIEDRICH DER ZWEITE, anfänglich so -thätig bezweckten, nachher aber betrübt aufgaben -- nicht vorzüglich -darin, daß man das _schöne_ Geschlecht in seinen Ruinen ließ und -diesen Tempel bloß aus _unserm_ Geschlecht errichten wollte? Ist es -nicht unverzeihlich, die Hälfte der menschlichen Kräfte ungekannt, -ungeschätzt und ungebraucht schlummern zu lassen --? Gesellschaft setzt -unter den Verbundenen eine Gleichheit voraus, wozu es der Urheber -der Menschen auch angelegt hat, der die Menschen aufrichtig machte; -nur leider! suchen sie viele Künste. In allen Gesellschaften, woran -Weiber Theil nehmen, verbreitet sich Anstand; und sollte dies nicht -auch der Fall beim Staate seyn, in dessen Geschäfte ein andres Licht -und Leben kommen würde, wenn Weiber den Zutritt hätten, in ihnen ihr -Licht leuchten zu lassen und ihnen einen anderen Schwung beizulegen? --- Wir haben für unsere Gesellschaften noch keine Pflichtvorschriften; -und doch führt man sich hier ohne Gesetzbuch so exemplarisch, daß oft -Ungezogene, die der Staat aufgab, mit augenscheinlichem Vortheile -in diese Schule gingen, und aus ihr als gebesserte Menschen zur -Universität des Staates gebracht wurden. -- Ich getraue mir (den -Gegenbeweis unverschnitten) außer Zweifel zu setzen, daß in allen -weiblichen Regierungen gewisse feine Züge des Anstandes aufzuspüren -seyn würden, welche bei einem großen Theile der Menschen mehr bewirken, -als ein wohlbestallter Codex voll kunstgerechter Strafflüche. Dieser -süße Geruch der Empfehlung, dieses Gewürz des Wohlgefallens -- wie -liebenswürdig! Die Gesetzgebung der GROSSEN KATHARINA DER II. hat -davon laute Spuren. -- Schon die Gegenwart der Frau vom Hause, die -doch das Hausrecht gewiß nicht in aller Strenge handhaben kann, macht -den Männern die Sprache der Bescheidenheit nothwendig -- und will man -einwenden, daß die Ohren alsdann gerade nur so viel keuscher geworden -wären, als das Herz unkeusch; so vergißt man, daß ein gewisser Schein, -eine gewisse Heuchelei, die man _Lebensart_ nennt, unter den Menschen -so nothwendig ist, daß die Menschen ohne diese Lebensart nicht, wie -ein Paar _Augures_ der alten Zeit, wenn sie einander begegneten, oder -ein Paar der neuern, wenn sie ein _Consilium_ wegen der letzten Öhlung -eines Patienten halten, über einander lachen, sondern sich verabscheuen -würden. -- Die Reinheit der Zunge wirkt zurück; und wessen das Herz -voll ist, geht der Mund über. -- - - - - -II. - -GIEBT ES AUSSER DEM UNTERSCHIEDE DES GESCHLECHTES NOCH ANDERE ZWISCHEN -MANN UND WEIB? - - -Als nach dem Rathe, den Gott über das Schöpfungswerk gehalten hatte, -dieser Plan ausgeführt werden sollte; schuf Er das erste und beste -Paar von Menschen gleich im männlichen und mannbaren Alter, so daß -ihre Hochzeit keine Stunde ausgesetzt werden durfte. Sie kamen mit -den erforderlichen Jahren zur Welt, wie regierende Herren ihrem -neuen Adel Ahnen verehren -- Das _Männlein Adam_ hatte zwar die -Ehre der Erstgeburt; indeß ward _Fräulein Eva_ vollkommen dadurch -entschädigt, daß sie aus einer Rippe _Adams_, dieser dagegen nur aus -einem Erdenkloß zur Welt gebracht wurde --! »_Eine Schöpfung also -aus der zweiten Hand?_« Warum nicht gar aus der dritten --! Schuf -nicht eben die Schöpferhand, welche _Adam_ geschaffen hatte, auch -_Eva_? und gereichet diese Rippen-Hieroglyphe nicht in mehr als Einer -Rücksicht zum Vorzuge des Weibes? Keins erzog das andere; Keinem fiel -es ein, sich über das andere zu erheben und Vaterrechte zu behaupten. --- Elternrecht, das schönste und ehrwürdigste, das die Menschheit -kennt, der Urquell der liebenswürdigsten Tugenden, hat (wer sollt' es -denken!) die Ungleichheit unter den Menschen erzeugt. Gute Eltern, -solch eine ungerathene, ausgeartete Tochter! Sind indeß viele Laster -nichts anders als ungezogene Tugenden; sind, nach dem Ausspruch -eines Heiligen, unsere Tugenden bloß schöne Sünden: so würde man ein -Verbrechen an der Menschheit begehen, wenn man nicht auch dem Bösen -und dem Ideal desselben, dem Teufel, Gerechtigkeit erweisen wollte. --- Wenn man ja, nach der ältesten Urkunde das menschliche Geschlecht -betreffend, einem Theile dieses ersten Menschenpaares einen Vorzug vor -dem andern beilegen wollte; so würde _Eva_ den Zankapfel von jedem -_Paris_ erhalten -- »_weil sie schöner als Helena war? und weil jeder -Paris bei aller Sinneseinfalt eine Mannsperson bleibt?_« Nein! sondern -weil _Adam_ durch sie zum Falle gebracht ward, oder (wie diese hohe -und tiefe, erhabene und schöne Hieroglyphe nicht unrichtig gedeutet -werden kann) weil er sich durch sie zum Gebrauch und zur Anwendung, -zum Durchbruch der Vernunft hinaufstimmen ließ. Der seligen Stimmung! --- _Eva_ war das Pupillen-Amt, welches die Majorennitäts-Erklärung -über den unmündigen _Adam_ aussprach, nachdem er zeither vielleicht -unter der Vormundschafts-Direktion der braven _Eva_ gestanden zu haben -scheint, die sich schon zuvor in einigen Stücken manumittirt haben -mochte -- Sie zerbrach die Ketten des Instinkts, der die Vernunft -nicht aufkommen ließ, und triumphirte -- _Eva_ sollte _die Vernunft_, -ihr zum Andenken, heißen. Die erste Hauptrevolution konnte, wie jede -Revolution, nicht ohne Drangsale und Unruhe seyn. Diese sind nach der -Natur des Menschen so nothwendig, daß ich nichts weiß, es sey etwas -Theoretisches oder Praktisches, was, wenn es sich anders auszeichnet, -nicht durch Zerrüttung und Leidenschaft empfangen und geboren wäre -- -Nur immerwährend kann dieser Braus und Saus nicht seyn und bleiben. -Die Wellen müssen sich legen und die Vernunft muß endlich obsiegen -- -So ging es bei der ersten Revolution, und so muß es bei einer jeden -andern gehen, wenn sie anders diesen Namen verdienen soll. Diese -Lobrede auf _Eva_, welche ihr von wegen der Vernunft-Revolution so -wohl gebührt, würde vielleicht zu einer theologischen, juristischen, -medicinischen oder philosophischen Disputation, oder zu einem Aufsatze -für irgend ein zeitverkürzendes Journal, hinreichende Gelegenheit an -Hand und Kopf geben, wenn man nur wüßte, wie man den ungebetenen Gast -von Assistenzräthin, die Schlange, aus dem Spiel bringen könnte. -- Mit -diesem Eheteufel ist leider! nichts anzufangen -- Kurz und gut, sagt -der gläubige _Thomas Payne_, ich bin dem ganzen Teufel von Monarchie -feind. -- Da es aber, mit Herrn _Payne's_ Erlaubniß, auch gar häßliche -Republikteufel geben kann und giebt; so ist es am Besten, alle Teufel -zum Teufel zu jagen. Vielleicht die beste Gerechtigkeit, die man ihnen -erweisen kann. -- - -Die Schöpfungsgeschichte erwähnet, nach dem klaren Inhalt derselben, -keines andern als des Geschlechtsunterschiedes. _Lasset uns Menschen -machen_ -- _und er schuf sie ein Männlein und ein Fräulein_ -- -- Es -ist eine weit spätere Epoche, wenn es heißt: _Dein Wille soll deinem -Manne unterworfen seyn und er soll dein Herr seyn!_ Und denkt man -sich unter der Geschichte des Falles ein Bild von der Befreiung des -Menschen von dem paradiesischen Joche des Instinkts, und vom Ursprunge -des gesellschaftlichen Zustandes, zu welchem die weise _Eva_ die -Gelegenheitsmacherin und Heroldin war; so scheinen diese prophetischen -Worte den traurigen Zustand zu verkündigen, den _Eva_ ihrem Geschlechte -durch diese Heldenthat zuzog. -- Ob indeß die Natur der Sache jene -allererste Urkunde und ihre Auslegung bestätigen wird? Zu übersiebnen -sind dergleichen alte und wohlbetagte Dinge nicht; und wozu auch diese -gefährliche Beweisart --? wozu, da wir Vernunft und Erfahrung als -_Zeugen zum ewigen Gedächtniß_ anrufen können. Aus dieser zweier Zeugen -Munde bestehet alle Wahrheit. -- - -Die Natur scheint bei Bildung der beiden Menschengeschlechter nicht -beabsichtiget zu haben, weder einen merklichen Unterschied unter -ihnen festzustellen, noch eins auf Kosten des andern zu begünstigen --- Der Geschlechtsunterschied kann nicht zur Antwort dienen, wenn die -Frage ist: ob das männliche Geschlecht mit wesentlichen körperlichen -und geistigen Vorzügen vor dem weiblichen ausgestattet worden sei? -Andere Unterschiede, als die welche auf die Geschlechtsbestimmung -gehen, zu entdecken, hat dem anatomischen Messer bis jetzt noch nicht -gelingen wollen; und doch behauptet dies Instrument bei der goldnen -Regel: _Erkenne dich selbst_, einen unleugbaren Einfluß; und überhaupt -hat das brave Eisen dem menschlichen Geschlechte weit mehr Dienste -geleistet, als das prahlerische Gold -- Wer zuerst den Magneten die -_Eisenbraut_ nannte, bewies für Magnet und Eisen eine Achtung, die -beiden gebührt. -- Was hätte die Natur veranlassen können, die Eine -Hälfte ihres höchsten Meisterstücks zu beglücken und zu ehren, die -andere dagegen zu verkümmern und zu vernachlässigen, und zwar gerade -in umgekehrtem Verhältnisse? Bei Erreichung jenes großen Naturzwecks, -wo Menschen das göttliche Ebenbild des Schöpfers darstellen, hat -das weibliche Geschlecht einen ungleich wesentlicheren Antheil als -das männliche, und zwar sowohl in Hinsicht der Substanz als der -Form. Dieser Absicht recht weise vorzuarbeiten, sollte die Natur -die Weiber haben schwächer bilden oder unvollendet lassen wollen? -»Nicht eben schwächer«, sagte ein Weiberfeind, als er diese Stelle -im Manuskripte las, »aber weniger gang und gebe. Mögen Weiber Stahl -seyn, die Männer Eisen --«. Nicht also; und warum ein Vergleich auf -Schrauben, da das schnurgerade Recht auf der Weiberseite ist! Wir, -glaubt man, wären Gottlob! völlig ausgeschaffen; und nun zerbrach -der Meister die Form von Thon, und das andere Geschlecht, in der -Repräsentantin _Eva_, war ein Unternehmen auf gutes Glück, auf -den Kauf, eher hingeworfen als zu Stande gebracht, angefangen und -nicht vollendet --! Das Weib, dem das eigentliche Geschäft bei der -Vermenschlichung der göttlichen Schöpfung anvertrauet ward, sollte -die Merkzeichen der Ohnmacht und der Dürftigkeit an sich tragen? -Die allmächtige Natur sollte ihre Stellvertreterin schwach gelassen -haben, um nicht nur _schwache_ Personen ihres _eigenen_ Geschlechtes, -sondern auch _starke_ des _unsrigen_ zur Welt zu bringen? Doch -scheint es so; und freilich, wenn Erfahrung spricht, muß Vernünftelei -schweigen, knieen und anbeten -- Der einzige Winkelzug, der ihr übrig -bleibt -- Erfahrung! und was lehrt sie? Das andere Geschlecht sey im -Ganzen kleiner, schwächlicher angelegt, besitze weniger körperliche -Kräfte, und sey mehrern Krankheiten unterworfen. Bedarf es weiteres -Zeugnisses, um die Vernunft zu der Schlußfolge zu bequemen: dies -wären Geschlechtsunvollkommenheiten, von welchen die Weiber bei der -Ordnung der Dinge nicht entbunden werden konnten? Alles ist gut, -was nicht anders seyn kann, und im _Muß_ liegt eine Schatzkammer von -Beruhigungsgründen, vermittelst deren man bei ein wenig Philosophie -das: _ich Muß_, mit dem: _ich Will_, so auszusöhnen weiß, daß hier -jeder Fluch sich in Segen, und die _arge böse_ Welt sich in die _beste_ -verwandelt. Friede mit der Natur und mit dem schönen Geschlechte; und -Friede mit uns Allen! Wie aber, wenn es so gut Trugerfahrungen als -Trugschlüsse gäbe? wenn der Schein betröge? Die Vernunft fürchtet sich -vor den Sinnen; und wenn wir die Operation an uns vollziehen zu lassen -völlig entschlossen sind, wenden wir doch in der Stunde der Anfechtung -das Auge weg -- Vernunft, Herz und Sinne arbeiten sich in die Hand; -und nicht nur das Herz des Menschen, sondern auch seine Vernunft und -seine Sinne sind trotzig und verzagt: wer kann's ergründen? Bald dünkt -der Mensch sich, ein Gott, bald weniger als ein Thier zu seyn -- Nackt -und bloß kommt er zur Welt, und wenn andere Thiere bewaffnet und -bedeckt sind, können Se. Majestät der Mensch sich nicht entbrechen, -das königliche Recht an Thieren auszuüben, um sich zu ernähren und zu -bekleiden -- Diese Finanzregierung wird oft so sehr mit dem Stabe Wehe! -geführt, daß die Thiere bei der Natur die bittersten Klagen gegen ihre -Allerdurchlauchtigsten Beherrscher führen könnten -- und auch ohne -Zweifel führen, wenn anders der Apostel _Paulus_ recht beobachtet hat. -Denn in der That die Natur hält ein schreckliches heimliches Gericht, -das schrecklichste, das gedacht werden kann! Noth lehrt beten, bitten -und nehmen; allein sie ist auch eine weise Lehrerin der Mäßigkeit -- -und wer diese ihre Stimme verkennt, in dem ist nicht die Liebe des -Allvaters, dessen Kind Alles ist, was Leben und Athem hat. Nichts -mehr als weinen kann der Mensch ohne Lehrmeister, zum Zeichen, daß er -bei weitem nicht das höchste Loos zog; -- denn da er sich nicht zu -berechnen versteht, so ist der Gewinn oft schädlicher als eine Niete. -Lieber! dergleichen Klagen sind durch das Machtwort: _Vernunft_, -überwunden. Ohne Schwäche hört der Mensch auf, Mensch zu seyn -- und -wer es in diesem Erdenleben auf etwas Höheres anlegt, begiebt sich in -Gefahr, weniger zu werden und den Zweck des Schöpfers zu verrücken. -Kennen wir ein edleres Geschöpf außer ihm, in welchem die Kraft liegt, -sich Gott und eine reine Tugend zu denken? -- und diesen Vorzug hat -auch der Verworfenste nicht aufgegeben -- Einen Augenblick, nicht -aber immer, kann der Mensch auf das Ebenbild Gottes Verzicht thun -- -Ist die Vernunft nicht mehr als Alles? und verdient sie diesen Namen, -wenn sie nicht Begierden einschränken kann? Kann man nicht das Thier -am Menschen fast vergöttlichen und seine Leidenschaften, wie die -Meereswoge, bedrohen --? Wo _sie_ ist, da wohnt Menschheit, und bei den -Strahlen ihrer Gottheit diese Würde im andern Geschlechte verkennen -wollen, heißt: keine Regel übrig lassen, seinen eigenen Werth zu -bestimmen. Nicht steinerne Gesetztafeln würde man zerbrechen, sondern -am göttlichen Geiste, der in uns ist, sich versündigen -- -- Kann etwas -_Sache Gottes_ seyn, was der _Vernunft_ widerspricht? oder will Gott -seine Sache je durch solche Mittel geführt wissen? Durch die Vernunft, -den Widerhall seines Mundes, ist Er nicht fern von einem Jeglichen, -der mittelst ihrer Ihm ähnlich ward und in Ihm lebet, webet und ist. --- -- Mein Feldzeichen ist keine nichtswürdige Präconisirung, sondern -Wahrheit und Gerechtigkeit. Ist das weibliche Geschlecht in der Regel -wirklich kleiner, als das männliche? ist nicht die Größe überhaupt -etwas sehr Relatives, welches in Klima, Nahrungsmitteln und andern -uns unbekannten Ursachen wesentlichere Bestimmungsgründe findet, als -in dem Geschlechtsunterschiede? Jenseits der Wendecirkel und unter -der Linie ist die Menschenart weit kleiner, als innerhalb derselben. -Über den zwanzigsten und sechzigsten Grad der Breite hinaus würden -unsere Werbehäuser ungefähr so viel Glück machen, wie ein Besuch der -_Boucaniers_ auf _Tierra del Fuego_ in den Höhlen der _Pescherühs_. -Reisende behaupten, daß Männer und Weiber dort gleichen Strich -halten, und daß, wenn ihnen nicht der Unterschied der Kleidung und -etwa der Bart aushülfen, die beiden Geschlechter von einander nicht -unterschieden werden könnten. Oder sollten diese Klimate hier etwa der -Entwickelung des weiblichen Körpers günstiger seyn? Mit nichten; ihr -frühes Dahinwelken widerspricht dieser Muthmaßung: schon das dreißigste -Jahr bedeckt sie mit Runzeln. Auch in gemäßigtern Himmelsstrichen giebt -es Verschiedenheiten in Rücksicht der Größe, und unter ihnen Racen, die -sich von den übrigen auszeichnen, so wie die Bewohner der Marschländer -in der Regel größer sind, als die Bergbewohner, als ob die Natur diesen -Menschen den Berg mit in Anschlag gebracht hätte -- und am Ende, was -thut die Größe? - -Aber die Schwächlichkeit gegen den nervigen, eckigen, männlichen -Körperbau gehalten! Freilich würde sie mehr beweisen; doch fürcht' -ich, die Erfahrung sagt auch hier weniger, als wir sie sagen lassen -- -Ehe wir die Fehde beginnen, ist die Musterung der Heere nothwendig. -Verabschieden wir unser elegantes, luftiges Völkchen, läßt das andere -Geschlecht seine Damen der höheren Klassen sammt ihren Zofen zu den -lieben Ihrigen heimkehren -- was gilt die Wette? Selbst wenn unsere -eleganten Damen mit unsern eleganten jungen Herren sich in Fehde -einließen -- auf welcher Seite wäre Hoffnung zu gewinnen? -- Bei -Völkern, die auf der ersten Stufe der Cultur stehen, ist das Schicksal -des weiblichen Geschlechtes hart: bei Jägernationen, denen Hausthiere -unbekannt sind, ist das Weib das lastbare Thier, welches den Mann zur -Jagd begleitet und das erbeutete Wild nach der Hütte trägt; bei den -Hirten- und Ackervölkern ist ihr Schicksal, wo möglich, noch schwerer: -sie bauen das Feld, treiben Fabriken und Manufakturarbeiten, indem sie -das, was ihnen der Acker und die Heerden zur Nahrung und Bekleidung -darbieten, zum Gebrauch bereiten oder veredlen, und auch noch das -(freilich sehr einfache) Hauswesen besorgen, während der Ehrenmann -sich dem Müßiggange überläßt -- Auch unter Nationen, wo die Cultur -schon Fortschritte macht, ist, bei der arbeitenden Klasse des Volkes, -der Antheil des andern Geschlechtes an den Geschäften gewiß nicht -von _der_ Art, daß davon auf eine größere Schwächlichkeit der Weiber -geschlossen werden könnte. Die Arbeiten bei Bestellung des Bodens und -bei der Erndte -- sind sie nicht unter beide Geschlechter so ziemlich -gleich vertheilt? Es wird schwer fallen, zu bestimmen, welcher Theil -hier mehr übersehen werde. Bei der Musterung aller Gewerbe, die den -Kunstfleiß und die Hände der Menschen beschäftigen -- ist nicht der -Antheil der Weiber mit einem beträchtlicheren Aufwande von Kräften -verknüpft? Der Schnitter kehret heim zu seiner Hütte mit frohem -Herzen, um nach ermüdender Arbeit der Ruhe zu pflegen, wenn, auch bei -der einfachsten ländlichen Haushaltung, noch vielfache Geschäfte für -das Weib übrig bleiben, das im Schweiße seines Angesichts die Garben -band, wozu nicht minder Anstrengung von Kräften erfordert wird. Jene -von Gesundheit strotzende, mit der ächten Sommerfarbe geschminkte -Dirne ist eine lebendige Widerlegung dieser mißgünstigen Behauptung, -und sie wird es mit Jedem aufnehmen, der es wagen will, die Kräfte -ihrer Muskeln in Versuchung zu führen. Weiberkrankheiten sind nur -die Geißel _der_ Weiberklasse, die den Ehrennamen _Weiber_, so wie -die in ihrem Kammerdienste sich befindenden Treugehorsamsten den -Ehrennamen _Männer_, nur von wegen des Staats und zur Parade führen. -Darf und soll die Natur Übel verantworten, welche Lebensart, Sitten -und Conventionen, deren Name Legion ist, über sie gebracht haben? -Gefährten unserer Thorheiten, Spießgesellen unserer Üppigkeit gehören -nicht auf das Conto der Natur, die den Menschen so einfach schuf, -und allenthalben, wo er seine Hütte aufschlug, für Wohnung, Nahrung -und Kleidung reichlich und täglich sorgte. Hat sie je gewollt, daß -er Gewürze aus Indien ziehen sollte, um sein Blut zu vergiften? oder -angreifende Leckerbissen, um seine Nerven zu schwächen? Setzte sie -dem Indier Eis, und dem Bewohner der Eiszone Wein vor? gab sie nicht -vielmehr einem Jeden das ihm angemessene und beschiedene Theil? -Und wie, grundgütige Natur! der ausgeartete Haufe deiner Kinder -klaget dich wegen Krankheiten an, wozu er die Anlässe, trotz allen -Gefahren und Hindernissen, aus Osten und Süden mit rastloser Begierde -zusammen brachte, während das Häuflein deiner genügsamen Kinder, den -mütterlichen Vorschriften folgsamer, mitten unter diesen unschlachtigen -ausgearteten Menschen _vor Dir_ wandelt und fromm ist, ohne von -hysterischen Plagen und dem zahllosen Heere von Krämpfen zu wissen, -gegen die weder die _Materia medica_, noch vielleicht die ganze weite -und breite Natur, Mittel im Vermögen hat? Nennt die Natur nicht -ungerecht, wenn ihr unnatürliche Wege wandelt! Nur gegen natürliche -Krankheiten scheint die Natur Mittel zu besitzen; gegen Übel, welche -Folgen unserer unnatürlichen Cultur sind, hat sie weder Kraut noch -Pflaster, und ihr einziges Mittel ist nur: thut Buße und glaubet an -das Natur-Evangelium! O, daß ihr Buße thätet und glaubtet! -- Ohne daß -wir werden wie die Kinder und in dies Philanthropin heimkommen, dem -wir den Rücken kehrten -- sind wir verrathene und verkaufte Menschen, -zu denen bisweilen die wohlmeinende Stimme erschallt: Adam wo bist -du? die sich indeß, so gut sie können, vor sich selbst zu verstecken -suchen -- Am fünften Akt scheitern besonders die meisten Frauenzimmer, -so wie ein großer Theil der Theaterdichter -- Die Liebe, das Glück -des Lebens, wird ihr Unglück; ihr Herz war gebildet, die Tugend zu -lieben, und nicht das Schicksal, sondern ihre Nachlässigkeit, macht -es zur Verbrecherin -- Die arbeitende Klasse kennt keine besonderen -Weiberkrankheiten. Schwangerschaften und Geburten werden nur durch -Nebenumstände, die ihren Grund in Lebensart, Sitten und Kleidung haben, -erschwert, und sind so wenig Krankheiten, daß Ärzte sie geradesweges -als Heilungsmittel vorschreiben könnten -- und zuweilen wirklich -vorschreiben. Bei einigen so genannten Wilden hält nicht das Weib, -sondern der Mann, die Entbindungsferien. Kaum ist es seiner Bürde -entledigt; so badet es sie in dem nächsten Flusse, reicht dem neuen -Ankömmling die Brust, ersparet sich das Milchfieber und das Ammenkreuz, -und besorgt die Hausgeschäfte nach wie vor, während der Mann, auf -seinem Lager hingestreckt, sich pflegen läßt, und von seinen Nachbarn -Wochenvisiten und Glückwünsche annimmt, weil er -- man denke der Mühe! --- durch sein Weib ein Kind geboren hat. Da es Helden giebt, deren -die Geschichte mit Lob und Preis gedenkt, weil sie in höchsten Gnaden -geruheten, sich Schlachten gewinnen und Siege erkämpfen zu lassen, -ohne daß sie sich dem kleinsten Gefecht aussetzten und zum Bette der -Ehren die mindeste Neigung fühlten, indem sie, wenn es hoch kam, weit -über die Schußweite hinaus sehr behaglich zusahen, wie viele Arme und -Beine ein Paar Lorbeerreiser kosteten: -- so mag es mit dem Wochenbette -dieser Männer so genau nicht genommen werden. Ihr, die ihr der -Schwangerschaften und Geburten halben die Weiber für schwächer haltet -als Euch; sagt: wie hätte die Natur ihr größtes Werk, die Fortpflanzung -des menschlichen Geschlechtes, absichtlich mit solchen Übeln in -Verbindung bringen; wie hätte sie den Becher des köstlichsten Nektars -mit Wermuth vermischen; wie einer Handlung, über welche sie die besten -ihrer Segnungen aussprach, mit so schrecklichem Fluche begleiten und -auf unsere Seite lauter Wonne, auf die andere dagegen lauter Trübsal -legen sollen! Allerdings sind Schwangerschaften, Entbindungen, Stillung -des Säuglings mit einem Aufwande von Kräften verbunden; allein, in dem -weiblichen Körper, wenn er unverdorben ist, findet sich Stoff genug, -diesen Aufwand nicht nur zu bestreiten, sondern auch dessen Abgang ohne -Zeitverlust zu ersetzen. Der Einwand, den man von so vielen Modefrauen -ableitet, gilt nicht; denn diese erscheinen bereits so kümmerlich an -Lebensstoff und Kräften, daß jede Schwangerschaft ihr luftiges Gebäude -bis auf den Grund erschüttert, und jede Geburt es zu zerstören droht --- Planreiche Erfinder, die ihr Rechenmaschinen erdachtet, einem -Gliedermanne Schach spielen lehrtet, Luftreisen unternahmt, und durch -Desorganisation Leute weiter bringt, als wenn sie _in gradum doctoris -utriusque medicincae_ promovirt hätten; ihr denen die Geister so -zu Gebote stehen, wie dem Hauptmann von Kapernaum seine Knechte: --- spannt eure Saiten tiefer, und laßt euch zu einer Kleinigkeit -herab; erfindet eine Kunst, vermittelst deren unsere galanten Damen -von der Last Kinder zu gebären, befreiet werden können. Laßt Söhne -und Töchter wie Äpfel und Birnen wachsen; macht, daß sie wie Kohl -verpflanzet werden -- Sollten auch durch diese Erfindung in den ersten -Jahren (kein Meister fällt vom Himmel) die politischen Volkszähler -ein _Minus_ wahrnehmen; so würde doch selbst in diesen Jahren der -magern Kühe der Metallwerth des menschlichen Geschlechtes Alles ins -Reine bringen, und _Summa Summarum_ wäre um so mehr ein unläugbares -_Plus_, da der Staat, anstatt aus Scheidemünze, aus Gliedern von ächtem -Schroot und Korn bestehen würde! -- Was gilt ein Persisches Heer nach -Parasangen gemessen, gegen einen Macedonischen Phalanx! Doch nein! -ziehet eure Schuhe aus, diese Stätte ist heilig. Den rechtmäßigsten, -den allerheiligsten in der Vernunft gegründeten Ansprüchen der Menschen -auf die Mittheilung der Wahrheit soll hier nicht durch Spott zu -nahe getreten werden, der, so wie die üble Nachrede, immer etwas -zurückläßt -- Nur Menschenliebe nähere sich diesem feurigen Busche! -Jene Kraft der Trägheit, die im Körper ihr Wesen oder Unwesen treiben -soll, um ihn beständig in seinem gegenwärtigen Zustande zu erhalten, -der sich der Ruhe widersetzt, wenn der Körper in Bewegung, und der -Bewegung, wenn er in Ruhe ist, hat nicht die Ehre mir zu gefallen. -Eine Kraft, die nur widersteht und nicht von selbst zu wirken vermag, -ist eine Kraft, mit der sich wenigstens nicht prahlen läßt. Der -edelste Staat muß sich zuweilen zum Angriffskriege verstehen, und es -giebt Straf- und Wiederzueignungskriege, wodurch wir unser Recht und -das was man uns schuldig ist, einfordern, und den zur Verantwortung -ziehen, der sich an uns vergriff -- Der ist weder klein noch groß, -der beides nur in dem Grade ist und äußern kann, als man sich ihm -widersetzt -- Laßt beide Geschlechter zu ihrer Lauterkeit und Wahrheit -heimkehren, und wir werden je länger je mehr finden, daß Mann und -Weib auch in diesem Sinn Ein Leib sind -- aber auch Eine Seele? Noch -hat es den Psychologen nicht gelingen wollen, in dem Gebiete der -Geister weit genug vorzudringen, um bestimmen zu können, ob es unter -ihnen einen wesentlichen Unterschied gebe; wenigstens gab es keinen -_Geister-Linné_, der sie klassificirte. _Rorarius_ mag es verantworten -wenn er bei den Thieren mehr Vernunft findet, als bei Menschen, -_Helvetius_, wenn er die Seelen, denen ein Körper mit einem Huf zu -Theil ward, mit denen, die einen Körper mit Händen erhielten, in -Eine Klasse setzt, und Beide mögen es mit dem _Cartesius_ ausmachen, -daß sie seine Maschinenwelt zerstören. Es giebt auch philosophische -und Vernunftketzer; denn der Grund zu allen Behauptungen wird aus -der Natur genommen: einer Urkunde, die das mit allen Urkunden gemein -hat, daß ein Jeder, was er darin sucht, auch darin findet. Jede -Geschichte, jedes Faktum muß sich bequemen, sich nach uns zu richten, -und der wahrhafteste Mann trägt zuvor etwas von seinem Selbst in jene -Geschichte und jenes Faktum, so, daß Alles was der Mensch berührt, -etwas von seinem Ich, von seinem Selbst, erhält. Das beste Wasser hat -keinen Geschmack; und so geht es auch den meisten Thatsachen, die -wir selten ungewürzt erhalten -- und wenn der Würzler auch nur Salz, -die kümmerlichste und beste Specerei, darzu thun sollte -- Freunde -und Feinde nehmen von einander so viel an, daß man unverkennbare -Züge der Ähnlichkeit unter ihnen entdeckt. »Feinde?« Allerdings; und -ich behaupte, daß sie noch leichter als Freunde sich in einander -abdrücken -- Ein Freund, der unser Widerhall ist, hat wenig Reitz -für uns; allein eben das, wodurch Feinde am meisten hervorragen, -was am meisten interessirt und auf ihre Seite tritt, pflegt unsere -Nachahmung abzugewinnen: so wie man in den Wald schreiet, so erfolgt -die Antwort. Eine ganze Schaar von Variantensammlern und Commentatoren -trägt ihren Sinn und Unsinn so lange in jede Urkunde, bis eine -_Authentica_ erscheint, und diese mag denn, geliebt es Gott! den Werth -und Unwerth des Unterschiedes zwischen den Menschen- und Thierseelen -entscheiden, wenn nur wir es nicht wagen, unter den menschlichen -Seelen Rangordnungen zu bestimmen, die nicht mehr und nicht weniger -Realität haben, als Träume und ihre Deutungen. Giebt es denn etwa -auch Geschlechtsunterschiede unter den Seelen? giebt es Seelen, die -ausschließlich bestimmt sind, weibliche Körper zu bewohnen --? und -wer ist der kühne Argonaut, der dieses unbekannte Meer beschifft -hat? womit hat dieser Apostel der unsichtbaren Welt sein Evangelium -bestätiget? Wo Satz und Gegensatz einander so nahe sind, daß sie sich -die Hände bieten können, da liegt jedem die Pflicht auf, seinen Satz -mit aller Stärke zu beweisen und dann dem Publico das Richteramt zu -überlassen. Erfahrungen wider Erfahrungen, ehe es noch ausgemacht -ist, ob die Seele mit sich selbst Erfahrungen anzustellen vermag. Nur -im Spiegel kann die Seele sich wahrnehmen; und wer weiß nicht, daß -dieser Spiegel das Bild sehr unvollkommen und oft sehr unrichtig -wiedergiebt! -- Der Spiegel stellt uns verkehrt dar, und es ist ein -unangemessener Ausdruck: der Mensch ist getroffen wie aus dem Spiegel -gestohlen -- Allerdings können einzelne Erfahrungen wohl dienen, eine -subjektive Überzeugung hervorzubringen; eine allgemeine Wahrheit auf -diesen Grund zu bauen, reichen nur Erfahrungen hin, die so allgemein -sind, wie die Wahrheit, der sie zur Unterlage dienen sollen. Wie lange -ist es, daß wir in diesem Fach Erfahrungen anstellen? Welche Methoden -schlugen wir ein? Waren diese so wohl gewählt, daß sich nach ihnen -richtige Resultate erwarten ließen? Haben wir wirklich bereits einen -solchen Vorrath von Erfahrungen, daß wir ein System wagen können, -nach welchem für eine ganze Hälfte des menschlichen Geschlechtes eine -so nachtheilige Unterscheidungslinie sicher gezogen werden kann? -oder dürft' es uns über kurz oder lang nicht mit dieser gehen, wie -weiland Sr. Unfehlbarkeit jenseits der Alpen mit der berüchtigten -Demarcationslinie? Mit einem System geht es gemeiniglich, wie mit -einem Instrument, auf das wir uns verstehen. Haben wir bei dem -System, wovon hier die Rede oder die Frage ist, den gewissen Vortheil -unwiderlegbar berechnet? oder ist es eins wie viele andere seiner -Brüder, bei denen nichts weiter als Sprachverwirrung obwaltet, wie bei -dem Thurm zu Babel; dessen Spitze bis in den Himmel reichen wollte? -Nimmt man den meisten Systemen die Sprachverwirrung, was bleibt übrig? --- Noch behauptet die Erfahrungsseelenkunde unter den Wissenschaften -nur einen precären Rang; sie stehe indeß oder falle, die Wahrheit -verliert nichts, die vor ihr war und nach ihr seyn wird. Stärke der -Seele, Muth, Überlegenheit des Verstandes, ein größeres Maaß von -Urtheilskraft, Festigkeit des Willens, eine größere Stärke des Gefühls -und andere dergleichen Seelenvorzüge der Menschen sind es, die sich die -Männer auf Kosten des weiblichen Geschlechtes als Erstgeburtsrechte -zueignen. Sie sind mit dem Erdenall, das man zuweilen Erdenball heißt, -von Gott belehnt -- die edlen Lehnsträger! -- Da sie indeß Kläger -und Richter in Einer und selbsteigner Person sind, so scheinen sie -noch gütig zu seyn, wenn sie Weiber bei Menschenseelen rechtskräftig -belassen. -- Ob nun (nachdem es dem männlichen Geschlechte rühmlichst -gelungen, die andere Hälfte der menschlichen Schöpfung, welche nach -ihrer Bestimmung mit ihm ein Ganzes ausmachen sollte, zu unterjochen -und sie an den Menschen- und Bürgerrechten nur bittweise, nur in so -weit es seinem Majestätsrechte nicht zu nahe tritt und ihm nicht -die Krone bricht, großmüthigen Antheil nehmen zu lassen) -- ob nun -alle jene Erscheinungen Wahrheiten oder Täuschungen sind, ist eine -Preisfrage, die mit vielen andern es gemein hat, daß die Antworten auf -dieselbe von beiden Seiten hinken. -- Auf diese Erscheinungen indeß dem -schönen Geschlechte alle jene Geistesfähigkeiten abzuläugnen und ihm in -falschem Spiel seinen Rang abzugewinnen, heißt gerade so verfahren, wie -gegen die Amerikaner, denen man, auf die Aussage einiger Beobachter, -die keinen Bart unter ihnen gesehen hatten, dieses männliche, übrigens -sehr beschwerliche, Ehrenzeichen nicht nur absprach, sondern aus dem -Mangel desselben auch die richtigen Folgen ableitete, daß die Natur -ihnen die Keime dazu versagt habe, und daß sie mithin zu einer weit -geringern Menschenklasse gehörten, nicht minder daß sie unmöglich von -Einem Erzvater mit uns abstammen könnten. Was für eine Hauptrolle der -Bart spielen kann, der denn doch, nach dem bekannten Sprichworte, -keinen Philosophen macht! Besser wär' es freilich gewesen, wenn man -sich die Mühe gegeben hätte, zu untersuchen, ob die Abkömmlinge des -_Mankokapak_ dies männliche Unterscheidungszeichen, das übrigens -immer ehrenwerth und nützlich seyn und bleiben mag, nicht eben so -unbequem fanden, wie die Söhne _Japhets_, und ob sie, in Ermangelung -des Aufklärungsmetalls, des Eisens, nicht zu einem andern Mittel ihre -Zuflucht genommen haben, diesen beschwerlichen Gast los zu werden. -- -Nach genauerer Beobachtung fand sich der Bart, und die Präadamiten -büßten abermals einen Sieg ein, den sie schon vermittelst eines so -stattlichen Arguments in ihren Händen glaubten -- Das weibliche -Geschlecht äußert nicht jene hervorragenden Geistesfähigkeiten, heißt -bei weitem nicht: die Natur hat ihm die Anlagen dazu versagt, und also --- o der unbärtigen Schlußfolge! -- steht es eine Stufe niedriger -auf der Jakobsleiter der Schöpfung. Sind _wir_ etwa Gott ähnlich, -und hat das andere Geschlecht bloß die Ehre _uns_ von Gottes Gnaden -ähnlich zu seyn? Warum nicht gar --! Nicht durch Körper, durch Sinne, -durch Einbildungskraft nähern wir uns dem Urgeiste, sondern durch -den Geist; und wie? fehlt es den Weibern an Verstand und Willen? an -der Fülle des Geistes? Überlegen wir nicht oft durch sie? Würzen sie -nicht in unzähligen Fällen mehr mit dem Salze der Erden, ohne das -nichts schmackhaft ist, mit Vernunft? und ihre Tugend -- ist sie -nicht vielfältig reiner, als die werthe unsrige? Übersteigt unsere -Eitelkeit die weibliche nicht an allen Enden und Orten? War jener -Pharisäer und sein ganzer Jesuiterorden nicht aus unserm Geschlechte? -Kann ein braves Weib (und deren giebt es viele) ohne Schrecken und -Entsetzen an den _Pharisäer neuerer Zeit_ denken, der mit seinen -Bekenntnissen vor Gottes Thron treten, dem Weltgerichte entgegen gehen -und sagen will: Wer besser ist, werfe den ersten Stein? Würde nicht -selbst _Therese_ mehr als Einen Stein haben heben können, wenn sie -nicht durch diesen Gerechten wäre verdorben worden? Können die Anlagen -sich entwickeln und Keime treiben, wenn keine wohlthätige Hand sie -pflegt? wenn alles so gar sich vereinigt, sie zu unterdrücken und, -wo möglich, auszurotten? Sind nicht von Zeit zu Zeit aus dem andern -Geschlechte große Seelen aufgestanden, die alle jene ihnen aberkannten -Geisteseigenschaften in einem sehr vorzüglichen Grade besaßen? Woher -diese eben nicht so seltenen Erscheinungen, wenn es nicht Anlagen dazu -in den Weiberseelen gäbe, und es nur eines Zusammentreffens günstigerer -Umstände bedürfte? einer pflegenden Hand, um diese zu entwickeln und -ihren Kräften jenen Schwung beizulegen, ohne welchen sie nie ihre -eingeengte Bahn verlassen hätten? Oder wollen wir der Natur lieber -Mißgriffe aufbürden, um nur unser System zu retten? eher das vierte -Gebot in Hinsicht dieser unserer guten Mutter so gröblich übertreten, -als unsere vermeintlichen Standesrechte aufgeben? Ohne die großen Namen -der Fabelwelt von den Todten zu erwecken, denen man denn doch nicht -jeden Funken der Wahrheit abstreiten wird -- wer wage es, _Zenobien_, -und einer _Anna Komnena_ einen über ihre männlichen Zeitgenossen -hervorragenden Verstand und Urtheilskraft, einer _Elisabeth_ -Herrschertalente, _Marien Theresien_ Muth und Standhaftigkeit -abzusprechen? Will man den Gesichtspunkt näher rücken? Es sey und gelte -zwei weltberühmte Namen! CATHARINA DIE ZWEITE und _Voltaire_. Nicht -die Selbstherrscherthaten der ERSTEREN, nicht die Kriegeslorbeern, -die SIE in IHR Diadem geflochten, nicht der postische Nimbus, der -die Götter der Erden umgiebt -- IHR Briefwechsel entscheide, wo SIE -nicht im Kaiserglanz, nicht mit den Palmen einer Weltüberwinderin -erscheint -- und seht! SIE bleibt groß, wie SIE ist -- und _Voltaire_? -klein, so klein, wie er war, so bald die Wahrheit ihm ihren magischen -Spiegel vorhielt. Sein theures Selbst ist immer die erste Person; -die große Frau muß sich mit der zweiten begnügen. SIE soll -- man -denke! -- _Constantinopel_ erobern, oder wenigstens zu _Taganrok_ -IHRE Residenz aufschlagen, damit er kommen und IHR die Füße küssen -könne, weil es in _Petersburg_ für den _alten Eremiten von Ferney_ zu -kalt sei. Noch nicht befriedigt, daß DIE KAISERIN seinen Uhrmachern -für 8000 Rubel Uhren abnimmt, soll SIE sogar, um seine Fabrikanten in -Nahrung zu setzen, einen Uhrenhandel mit _China_ in Gang bringen. IHR -weises Stillschweigen versteht er entweder wirklich nicht, oder -- -was glaublicher ist -- er will es nicht verstehen, bis SIE ihm denn -endlich mit seinen, einer Kaiserin und eines poëtischen Philosophen -so unwerthen Mercantilgeschäften an ein _costiges Handlungshaus -assignirt_. Die prosaischste Leidenschaft unter allen, der leidige -Geitz, brachte _Voltaire'n_ vom Parnaß auf eine Börse -- König -_Friedrich Wilhelm der Erste_ charakterisirte seine Gemählde durch die -Losung: _in tormentis pinxit_. In der That, _Voltaire_ schrieb hier -in ebenderselben Seelenstimmung. Sonst pflegt das Genie den Dichter -über sich selbst und alle Regeln hinweg zu setzen und ihm Dinge zu -inspiriren, die größer als er selbst, die göttlich sind, und die er -selbst nicht umhin kann, mit Ehrfurcht und Bewunderung anzustaunen. -Wo ist hiervon die kleinste Spur? Wir sind ehrgebiger, weil wir -ehrsüchtiger sind; und _Voltaire_ war beides in tausend Fällen, nur -hier gewiß nicht: Sein Instrument, das er sonst meisterlich spielte, -ist völlig verstimmt; und war es bei diesen Umständen Wunder, daß seine -Schmeicheleien Gallicismen wurden, wie man sie an der _Seine_ täglich -zu Tausenden hören kann? Die Briefe DER KAISERIN führen die Sprache der -Natur; nur in Fällen, wenn SIE dem eitlen _Voltaire_ ein Opfer bringen -will, zahlt SIE ihm Münze von seinem Gepräge, so wie jener Fürst -einem unverschämten Poëten Verse mit Versen bezahlte. Nur auf eine -scherzhafte Weise spricht SIE von IHRER Person, während die ganze Welt -nicht aufhören kann, ehrfurchtsvoll IHREN Namen zu nennen; IHRER großen -Thaten erwähnt SIE so wenig, als wenn sie sich von selbst verständen -- -Immer beschäftiget, IHRE _unermeßliche Monarchie_ reich an Menschen und -an edler Denkart zu machen, entwirft SIE, während SIE die _Ottmannli_ -schlägt, die Conföderirten in Pohlen zerstreuet, der Pest gebietet -und den Räubereien des _Pugatschef_ widersteht, _ein Gesetzbuch_ -für IHR Volk, das SIE aus allen Zungen und Sprachen unter dieses -Gesetz versammelt, um, wie am Pfingstfeste, Einen Geist über dasselbe -auszugießen und es zu Einem Ziele zu veredlen. Gleich stark im _großen_ -und _kleinen Regierungsdienste_, führt SIE die Inoculation der Blattern -ein, beschäftiget SICH mit der Erziehung, erndtet tausendfältig von -den durch sie gestifteten Anstalten, erfindet und ordnet Feste an für -den _Prinzen Heinrich_, und hat -- Muße ohne Anstrich von Eitelkeit, -an den eitlen _Voltaire_ zu schreiben. Diese Seelen mit einander -abgewogen, und die Wagschale wo möglich in der Hand eines höheren -Wesens -- welche wird fallen? welche steigen? Doch warum höheren -Wesens? So tief fielen die Menschen noch nicht, um nicht Ehre zu -erweisen, wem Ehre gebührt -- Wozu eine vollständige Nomenklatur von -berühmten Weibern, von solchen die das Schicksal zu Kronen berief, -und die sie mit Würde trugen? -- Es sei genug, eine _Margaretha von -Dänemark_, eine _Christina von Schweden_, eine _Sophia Charlotta -von Preußen_ zu nennen; und von denen, die, wenn sie Männer gewesen -wären, diesem Geschlecht Ehre gemacht hätten -- verdienen nicht eine -_Cornelia_, die edle Mutter der Gracchen, eine _Arria_ und die durch -so viele Gerüchte gegangene _Johanna von Arc_ unsere Bewunderung? Nach -diesen Beispielen wird man mir ohne Zweifel den Beweis erlassen, daß -es den weiblichen Seelen nicht an großen Anlagen fehle. -- Herbst und -Winter rauben selbst den Steineichen ihre Blätter; allein die Wurzeln -bleiben. Warum jene Anlagen nicht zur Regel werden, sondern Ausnahmen -sind? warum sie nicht häufiger entwickelt werden? sind das Fragen? -Hat denn _unser_ Geschlecht einen so großen Überfluß von edlen Seelen? -Nur selten ist die Ehre, womit _Ulysses_ und _Aeneas_, nicht von der -unpartheiischen _Göttin der Gerechtigkeit_, sondern von dem oft sehr -partheiischen launigen _Gott Apoll_ kanonisirt wurden. Ohne Zweifel -nahm _Homer_ seine _Penelope_, _Andromache_, _Nausikae_, _Arete_ -aus der Natur; und noch immer scheinen mir die größere Gleichheit -des dienenden und herrschenden Standes, die gemeinschaftlichen -Arbeiten der Weiber und der Sklavinnen, die Vertraulichkeit die von -dem Umstande kam, daß sie unter einander aufgewachsen und erzogen -waren, die Art der weiblichen Arbeit und der Ertrag des Nutzens -derselben jene Zeit für die Weiber unendlich erträglicher gemacht -zu haben, als die bleierne, in welche das weibliche Geschlecht zu -fallen das anscheinende Glück hatte, und welche leider! noch nicht -von ihm genommen ist. Im Heldenalter waren die Sitten, wie die Liebe -(von jeher lebten Liebe und Sitten in der genauesten Verbindung) -roher, und es blieb im Takt! Die _damaligen Übel_ des weiblichen -Geschlechtes waren ungerathene Kinder des Ungefährs, dem man, bei so -vielen wohlgerathenen, auch jene verzeihen kann; die Übel der folgenden -und der jetzigen Zeit sind constitutionell, gründen sich auf Unfakta -und inconsequente Vernünftelei! -- Fürwahr, es würde eine unerhörte -und nach den angenommenen psychologischen Grundsätzen unerklärbare -Erscheinung seyn, wenn unter dem eisernen Drucke des Despotismus das -Freiheitsgefühl nicht endlich seine Spannkraft verlieren; wenn aus -Mangel an Pflege und Wartung der herrlichste Boden nicht verwildern, -und endlich jeder nützliche Keim ersticken; wenn über den Gedanken von -entrissenem Rechte, und daß dieses unwiederbringlich verloren gegangen -sey, nicht endlich auch das Andenken an jene Rechte selbst und die -demselben entsprechenden Gefühle, der Glaube an sich selbst und an -seinen selbstständigen Werth, verlöschen sollte. Wenn Schonung, Achtung -und Pflege der ursprünglichen Menschenrechte, wenn vorzügliche Cultur -und Wartung aller edlen und großen Keime, welche die Natur in die Seele -der Weiber legte, nie Statt findet -- was ist da am Ende zu erwarten? -Ein Kahn, der sich zu sehr auf die eine Seite neigt, muß umschlagen -- -und unser Geschlecht? wenn es eben den chemischen Versuchen auf nassem -und trocknem Wege, den Feuer- und Wasserproben, ausgesetzt würde; wenn -diese Hiobsleiden, womit wir das andere Geschlecht heimsuchen, über -uns verhängt würden -- was wäre aus uns geworden? würden wir noch so -viel Urkundliches an uns behalten haben, wie das andere Geschlecht --? -Würde der Mann, der Mensch, nicht bei uns weit mehr aufhören, als bei -jenem? -- O des großen Musters, welches das andere Geschlecht, nicht -mit Pomp, wie die Stoiker und ihr Erzmärtyrer _Peregrinus Proteus_, -beim Sterben, sondern ganz natürlich giebt, indem es nicht bloß seine -Feinde liebt, sondern auch, und -- das sagt mehr -- seinen Freunden -vergiebt! -- Jenes große Wort ist sichtbar an ihm -- _daß es die -Schwachheit eines Menschen und zugleich die Zufriedenheit eines Gottes -besitzt_. -- Doch warum soll ich zurück halten? So lange die Weiber -bloß _Privilegia_ und nicht _Rechte_ haben; so lange der Staat sie -nur wie parasitische Pflanzen behandelt, die ihr bürgerliches Daseyn -und ihren Werth nur dem Manne verdanken, mit welchem das Schicksal -sie paarte -- wird nicht das Weib den großen Beruf der Natur: das -Weib ihres Mannes, die Mutter ihrer Kinder, und, kraft dieser edlen -Bestimmungen, ein Mitglied, eine Bürgerin, und nicht bloß eine -Schutzverwandtin des Staates zu seyn -- nur immer sehr unvollkommen, -und je länger je unvollkommener, erfüllen? Die Länge trägt die Last. -Man gebe ihm aber seine Rechte wieder, und man wird sehen, was es -ist und was es werden kann! Warum eine Kritik meiner namentlichen -Beispiele? warum ein Vorwurf, daß es nur blutwenige Ausnahmen gebe? -Nach dem reinen Wein unserer Philosophen kann die Tugend nicht wie -eine schöne Kunst nachgeahmt werden und nach Beispielen (wären sie -gleich die ersten und besten) sich bilden. Aus dem ersten Princip der -Selbstgesetzgebung soll sie fließen, wenn sie anders ächt und rein seyn -will. Nur da ist Energie der Seele, wo man aus sich selbst schöpft --- und was gilt Mannigfaltigkeit ohne höchste Einheit? was einzelne -schöne Züge ohne Alles anordnende und ins Reine bringende Principien? --- -- Die Französischen Prinzen, die ihr Vaterland verließen, erklärten -öffentlich: an Gott, an den König und an ihr Schwert sich wenden zu -wollen. Drei Instanzen, wo der liebe Gott sich gefallen lassen muß, -die erste, das heißt im juristischen Sinne die geringste, zu seyn. Das -andere Geschlecht hat nur _Einen Gerichtshof_: an Gott. Überall Männer --- Männer, bei denen nicht Wichtigkeit des Grundes, sondern Mehrheit -der Gründe gilt; und welcher Gründe? -- _Raisons d'État_ --? ich greife -mir vor; wer kann sich aber zurückhalten? In der That, die Gesetze sind -in Rücksicht der Weiber fast noch inconsequenter, als eine thörichte -Liebe! So sehr sie auf Einer Seite die bürgerlichen Rechte der Weiber -in Absicht auf ihre Personen und ihr Vermögen beschränken, weil sie -dieselben für schwach und unvermögend, ihr eigenes Beste wahrzunehmen, -erklären; so verpflichtet sie sich halten, das ganze Geschlecht zu -einer immerwährenden Vormundschaft zu verstoßen: so schnell hört doch -diese Schwäche auf, Schwäche zu seyn, so bald von Verbrechen und -Strafen die Rede ist; beide Geschlechter werden mit einem und demselben -Maße gemessen -- und in der Kirche, in den Gerichtshöfen, (hoffentlich -auch im Himmel) ist kein Ansehen der Person zwischen Mann und Weib: sie -sind einerlei Leib und einerlei Seele. Ehre dem _Divus Justinianus_, -der, mit mehr Zusammenhang als unsere Gesetzgeber, wegen der gröbsten -Vergehungen dem schönen Geschlechte keine Zurechnung zumuthete, und -es über alle Strafen wegsetzte! -- Nach seiner Meinung war ein Weib -so gut, daß es zu nichts taugte, wogegen es bei uns doch wenigstens -einer Bestrafung -- welch ein Vorzug! -- würdig geachtet wird. Bei -uns steht es unter dem Gesetze; bei ihm stand es nur unter der Gnade. --- Wahrlich! man kann nicht läugnen, daß es bei uns einen Schritt -zur Verbesserung gethan hat, obgleich seine Vollendung, die im weiten -Felde geblieben, noch ein Wunder in unsern Augen ist -- Ja wohl, ein -Wunder! -- Die Ewigkeit der Höllenstrafen hat ihre Bestreiter gefunden, -und dieses Höllenräthsel wird zu unserer knotenlösenden Zeit, wo die -kalte Philosophie so manches abkühlt, durch die ewigen Folgen ins Reine -gebracht, welche von keiner bösen Handlung getrennt werden können; -die Sklaverei des andern Geschlechtes indeß bleibt ein Wurm, der nie -stirbt, und ein Feuer das nie verlischt. -- _Gerechtigkeit!_ man hat -dir die Binde genommen; und doch siehst du nicht, daß, wenn gleich -alle Handlungen, die mit den Personen und dem Vermögen des andern -Geschlechtes in Beziehung stehen, ohne einen gesetzlichen Beistand -ungültig sind und ohne allen bürgerlichen Effekt bleiben, deine armen -Unmündigen durch alle sittliche und bürgerliche Gesetze in eben dem -Maße wie die Männer verbunden werden! Selbst nicht bei Gesetzen wider -die Contrebande ist nach dem Curator die Frage, und ob in dessen -Assistenz dem Kaiser nicht gegeben ward, was des Kaisers ist -- und -doch ist ein Weib dem Staate nur durch den Mann verwandt und zugethan: -Nur _er_ huldigte ihm und seinen Gesetzen. Ist es Wunder, wenn Weiber -die Gesetze befolgen, wie die Nonne den Psalter singt? wenn sie den -ernsthaften Anordnungen des Staates eine Folie des Lächerlichen -unterlegen, und sich da noch Auslegungen derselben erlauben, wo blinder -Gehorsam erfordert wird? War je eine ärgere Löwengesellschaft? und -trift es irgendwo klärer ein, daß man größere Diebe laufen läßt, und -kleinere zu hängen sich nicht entbricht? Staaten, die zum Schutze der -Menschenrechte entstanden, entziehen ihn der Hälfte ihrer bürgerfähigen -Einwohner! -- Es ist natürlich, wenn der Wille sich da sträubt, wo -die Vernunft so viele Steine des Anstoßes und Felsen des Ärgernisses -findet -- -- Leiden einzelner Menschen (besonders wenn diese nicht -die verdammlichen Urheber davon sind) vollenden, und nichts was groß -war, kam ohne sie je zur Reife; Leiden aber, die einem ganzen Volke -nicht von der Natur und vom Schicksal, sondern bloß willkührlich -zugefügt werden, hemmen allen Muth: sie erschlaffen und entseelen die -edelsten Völker, so daß man ihre Stätte nicht mehr findet. -- Ewig -Schade um alle die Fortschritte, die durch jene männliche Grausamkeit -gehemmet werden! Welch ein Stoff muß im andern Geschlechte liegen, da -er allen diesen Hindernissen noch bis jetzt so stattlichen Widerstand -leistete! -- Doch, unmöglich könnten die Weiber noch seyn, was sie -sind, und die Lage behaupten, in der sie sich befinden, wenn nicht -Geschlechterneigung und Reitze ihnen Subsidien geleistet hätten. So hat -bis jetzt die Natur den Menschen noch nie ganz verlassen, wenn er ihr -auch unerkenntlich den Rücken kehrte! Ein gewisser glücklicher Zustand, -nach welchem den Menschen wenig zu wünschen, allein eben darum viel -zu befürchten übrig bleibt, macht sie unglücklich: -- sie erstreben -nichts; ihre Seele verliert den Schwung, ihr Geist das Geistige; und -so wie dieser glücklich-unglückliche Zustand das Schicksal vieler -regierenden Herren ist, die ihren Beruf nur von der Seite der Hoheit -und der Macht kennen, auf Kleinigkeiten fallen, und Nebendinge der -Regierung, oder gar solche die ihres Amtes nicht sind, zu Hauptsachen -erheben: so scheint er auch überhaupt auf dem königlichen Geschlechte -der Männer zu ruhen. Dieses sucht mehr durch Ausflüchte, als durch Muth -und Weisheit, den Gefahren zu begegnen; es spielt mehr den Herrn und -Meister, als daß es beides wäre; an Willkühr gewöhnt, verlernt es, auf -Mittel zu sinnen; zur Herrschaft geboren und erzogen, denkt es nicht -darauf sie zu verdienen; es vernachlässigt sich, da es keinen Anreitz -hat und zu keinem edlen Wettlaufe sich in seinem Hause anstrengen -darf; es fällt zusammen, da es sich nicht die Mühe giebt, sich gerade -zu halten. Man sage nicht, daß die Männer bei andern Männern Licht -anschlagen können; Tyrannen sind verzagt, und kriechen überall, wo sie -nicht befehlen dürfen. Wahrlich! nicht nur Weiber, sondern auch wir, -haben durch jene Herabwürdigung des andern Geschlechtes verloren -- -wer am meisten? Ist es zum Beispiel ein Wunder, wenn das fräuliche -Geschlecht falsche Münze gegen falsche Münze wechselt, und die Tyrannei -des Herrn Gemahls mit Augendienst erwiedert? -- Ist es ein Wunder, -wenn alle beide sich das Leben verbittern, und bei dem wohlseligen -Hintritt des Herrn Gemahls -- Gott tröste ihn! -- die am pompreichen -Leichengerüste wohlangebrachten Genien die einzigen sind, die ohne -End' und Ziel, Thränen vergießen, womit sie den letzten Funken der -umgekehrten Fackeln auslöschen, während die trostvolle Frau Wittwe, -unter einer ehrwürdigen Decke, ihre Rolle meisterlich spielt und -fröhlich und guter Dinge ist? -- Von Anbeginn ist es nicht so gewesen. - - - - -III. - -WOHER DIE ÜBERLEGENHEIT DES MANNES ÜBER DIE FRAU ENTSTANDEN? - -RÜCKBLICKE AUF DIE ÄLTESTE ZEIT. - - -Wenn die Weiber mit den Männern von der Natur zu gleichen Rechten -berufen sind; wenn sie sich im Besitz von gleichen Körper- und -Geistesanlagen befanden und zum Theil noch befinden: _wo_, _wann_ -und _wie_ entstand denn die Überlegenheit des Mannes über das Weib? -was gab dem Manne das Schwert in die Hand? und was verwies das Weib -an die Spindel? Diese Fragen, die jeder sich aufwerfen muß, der zu -fragen versteht, wenn gleich die größere Kunst zu antworten ihm nicht -gegeben seyn sollte, haben allerdings nicht wenig von der Natur -jenes weltberühmten Knotens, der, da er geschürzet war, auch wieder -hätte aufgelöset werden sollen, den aber _Alexander_, nach der Weise -vieler unserer Dichter, zu zerhauen die unästhetische Dreistigkeit -hatte. Ständen wir dem _Wann_ und _Wo_, der Zeit und dem Raume nach, -näher; so würde es wahrscheinlich keines _Oedips_ bedürfen, um bei -dieser Meisterfrage eine akademische Prämie von dreißig Silberlingen -zu gewinnen, und das _Wie_ obendrein zur allgemeinen Befriedigung zu -beantworten. Allein da über das _Wann_ und _Wo_ in keiner Chronik -und keiner Topographie ein todtes, geschweige denn ein lebendiges, -Wort zu finden ist; so müssen, bis die Hieroglyphen an den Pyramiden -enthüllt seyn werden, oder bis uns ein bisher verborgenes Denkmahl -darüber seine Aufschlüsse nicht länger vorenthält, das _Irgendwo_ und -das _Irgendwann_ bei dieser großen Katastrophe zur Unterlage dienen, -und das _Wie_, in Ermangelung der Geschichte, durch eine Conjektur -der Vernunft aufgelöset oder -- zerhauen werden. Alles, wobei es auf -Thatsachen ankommt, kann nur bis auf einen gewissen Zeitpunkt hin -verfolgt werden. Da wo die Sonne der Geschichte untergeht und sogar der -Mond der Fabel sein entlehntes Licht entzieht, bleibt der Vernunft -nichts übrig, um sich zu orientiren, und sie irret in dem unbegrenzten -Meere der Möglichkeit, ohne zu wissen, woher und wohin? Was hier über -Geschichte und Fabel hinausgeht, ist (da die ersten Sagen der Völker -davon, als von einer Sache, die vor ihnen war, sprechen) derjenige -Zustand des Menschen, wo jedes einzelne Individuum, ohne einige -Verbindung mit andern seiner Art, in der vollkommensten Unabhängigkeit, -bloß von den Früchten des Bodens den es durchstrich, lebte, ohne durch -eine andere Zubereitung, als die man von der Natur selbst erhielt, -ihr zu Hülfe zu kommen. Die Menschen hingen vom Boden und sonst von -nichts weiter ab -- Ob es einen dergleichen Zustand wirklich gegeben? -ob je der Mensch (das geselligste unter allen bekannten Thieren, trotz -jenen frommen Orang-Utangs in der Thebaischen Wüste, und ihren jüngeren -Brüdern, die es doch behaglicher gefunden haben, sich aus Eremiten -zu Cönobiten umzuformen) in einem solchen Zustande war -- mag _Hans -Jakob_ verantworten, an dessen Grabe es heißt: _Ici_ _reposé l'homme -de la nature et de la vérité_ -- Dergleichen Hans Jakobsche Kinder -der Natur hat weder _Colombo_, noch sein Märtyrer von Nachfolger, -_Cook_, gesehen -- Allenthalben wo diese hinkamen, waren schon die -ersten Umrisse der Gesellschaft gezeichnet, Familienverhältnisse -(wenn gleich unvollkommen) gegründet und Spuren (wiewohl freilich oft -nur sehr schwache) von Cultur und Kunstprodukten vorhanden. Bei den -allerrohesten Völkern fanden sie schon Hütten, eine Art von Zubereitung -der Nahrungsmittel, und bei den meisten auch die ersten Anfänge zu -einer Bekleidung des Körpers. Wo sie sich lange genug aufhielten, und -wo es ihnen glückte, sich durch Zeichen zu verständigen, überzeugten -sie sich, daß diese dem Naturstande anscheinend so nahe angränzenden -Menschen schon lange, und weit über ihre Überlieferungen hinaus, -immer an dieser Stelle und diesem Orte gestanden hatten. Auch nicht -die mindeste Ahndung ging unter ihnen im Schwange, daß es außer dem -Punkte, wo sie sich befanden, noch andere ober- oder unterwärts geben -könne. So einfach und in so geringer Zahl ihre Familien-, Haus- und -Nahrungsgeschäfte auch immer seyn mochten, da ihre Bedürfnisse noch -wenig über die der thierischen Natur hinausgingen; so leicht ihre -Nothdürftigkeiten gestellt werden konnten, da die Kunst sie nicht -verwöhnt hatte: so waren unter den beiden Geschlechtern doch schon -_Casten_ errichtet, und eine Scheidung vorgefallen in dem, was Gott -zusammen gefügt hat. Je unvollkommener auf der Einen Seite hier die -gesellschaftliche Verfassung war; je schwerer es fiel, das thierische -Bedürfniß zu befriedigen, weil die Natur den Boden, oder die Wälder -(die königlichen Residenzen dieser Menschen) oder die Flüsse und Meere -nur karg mit den Mitteln dazu ausgestattet hatte: um desto härter -war das Loos, welches dem weiblichen Theile dieser halbgezähmten -Menschenklasse fiel. Das Leben des Mannes war vorzüglich zwischen -Genuß und Ruhe getheilt, wenn ihn nicht dringendes Bedürfniß zur Jagd -oder zum Fischfang aufforderte. Das Weib begleitete ihn nur selten -als Gehülfin, weil ihm die Pflicht die Speisen zu bereiten oblag, -während das Mannthier seine Glieder in der Sonne dehnte. Freilich nur -schwache, unbefriedigende Data zur Auflösung der aufgeworfenen Frage; -indeß doch etwas, um uns auf _Mehr_ zu bringen -- wie jene Übermacht -entstand, welche auf die eine Hälfte des menschlichen Geschlechtes -alles _Lästige_ wälzte, und sich dagegen allen _Vortheil_ weislich -vorbehielt. -- Scheint nicht die Natur durch Schwangerschaft und -Geburt den ersten Fingerzeig _zu diesem Verlust über die Hälfte_, bei -der Theilung des menschlichen Werthes, gegeben zu haben? Wenn dieses -Antheil, das den Weibern zufiel, auch noch so sehr erleichtert wird; -wenn es auch noch so köstlich ist: -- kann es auf eine andere Rubrik -als auf Mühe und Noth gerechten Anspruch machen --? Der Mann scheint -zum Vergnügen berufen zu seyn, das Weib dagegen zu Kummer und Elend -- -Wenigstens liegen in dem Familienverhältniß, in der Art und Weise wie -die Keime der Geselligkeit sich zuerst bei den Menschen entwickelten -und worauf ihn vielleicht das Zeugungs-Geschäft brachte, entfernte -Winke und Hieroglyphen, wodurch der gesellschaftliche Zustand, welcher -dem menschlichen Geschlecht einen so erstaunlichen Schwung gab, der -Einen Hälfte des Geschlechtes so nachtheilig ward -- Wiederholung der -nämlichen Umstände pflegt die Dürftigkeit derselben zu bedecken, als ob -Ermüdung Ergänzung wäre; und selbst unsere Philosophen sind oft in dem -Falle jenes Kranken, dem der Arzt erlaubte, täglich einen Löffel voll -Wein zu nehmen, und der sich einen Löffel von vier Quart machen ließ --- sie sind da am beredtsten, wo sie am kürzesten seyn könnten, weil -sie hier am wenigsten wissen. -- Es sei mir erlaubt, jene Data durch -Rückblicke auf die Geschichte, das Noth- und Hülfsbüchlein in allen -Lebensfällen, zu verstärken oder zu schwächen -- meine Leser mögen den -eigentlichen Ausdruck suchen; doch, wenn ich bitten darf, nicht auf -meine Kosten, sondern mir zum Besten. - -Schon in den ältesten urkundlichen Nachrichten über den -gesellschaftlichen Ursprung der Menschen, finden sich Spuren von einer -Ungleichheit der beiden Geschlechter, und von Zurücksetzungen des -weiblichen -- wohin auffallend die Vielweiberei gehört. - -Wie despotisch ist der Gedanke, daß ein Mann sich befugt halten -konnte, mehr als Ein Weib zu besitzen, indem bei einer Berechnung an -den Fingern sich herausbringen läßt, daß er durch diese Verschwendung -Andere zum Darben bringt! Wahrlich, die Vielweiberei ist ein Umstand, -der sich weder mit Seele noch mit Körper verträgt, und nicht nur -der Vernunft, sondern selbst einer Leidenschaft widerspricht, die -(wie die Kinder reicher und vornehmer Leute) durch die Schule der -Vernunft gelaufen ist. Wo ein Mann mehr als Ein Weib hat, wird jener -Tyrannenrath erfüllt: Theile und regiere (_divide et impera_). Die -Weiber mußten auf diesem Wege des ihnen so nachtheiligen männlichen -Luxus ihre Abhängigkeit im höchsten Grade fühlen; und wenn gleich die -Sultanin des Tages sich einen Vorzug vor ihren Colleginnen anmaßte: so -währte dieses Ansehen, das sie sich gab, doch nicht lange, und bald -überzeugte sie sich, daß unter Sklavinnen keine Rangordnung Statt -finde. - -Die Geschichte der _Sara_ und _Hagar_ scheinet zu beweisen, daß die -Kebsweiberschaft nicht gleich anfänglich bloß in dem eignen Belieben -des Mannes gestanden, und daß er anfänglich verpflichtet gewesen, die -Genehmigung seiner Frau einzuholen, eh' er sich ein Kebsweib beilegen -konnte. Auch scheinet sich aus dieser Kebs-Geschichte zu ergeben, daß -dergleichen Contrakte nicht auf die ganze Lebensdauer gegangen, und daß -oft noch vor Ablauf der contraktmäßigen Zeit der Engel des Gewissens, -und der Schutzgeist warnender Umstände dem Manne zugerufen: - - _stoß die Magd hinaus mit ihrem Sohne!_ - -Schon hab' ich mein Herz ausgeschüttet, daß der erste Grund zu der -männlichen Anmaßung eines Vorzuges vor dem Weibe, in dem Gange -aufzusuchen sei, den die Bildung des gesellschaftlichen Zustandes -nahm. Ob die Art, wie die geselligen Keime sich bei den Menschen -entwickelten, die einzig mögliche; oder ob unter mehreren möglichen -_die_, auf welche die Menschen von der Natur geleitet wurden, der -schmale Weg sei, der zum Leben führet: das sind Nebenfragen, die, -so wie ihre Stammmutter, vielleicht noch lange, vielleicht immer, -unentschieden bleiben werden. - -So viel scheint ausgemacht, daß diese Keime sich überall durch ähnliche -Veranlassung entwickelt haben müssen, indem sie (ein Beweis, dessen ich -gern entübriget wäre) für das weibliche Geschlecht einerlei nachteilige -Folgen hervorgebracht haben. Die Gesellschaft ist die Quelle alles -Glücks und alles Unglücks, das je dem menschlichen Geschlechte zufiel; -und noch ist nicht erschienen, was die Menschen durch sie werden -können und durch sie -- seyn werden. Wir wissen aber, daß, wenn es -erscheinen wird, wenn wir das heilige Gesetz beobachten, und dasselbe, -so wie Gott, nicht fürchten sondern lieben, wir Gott ähnlicher seyn -und die Krone des Lebens tragen werden. Eine Hoffnung, die _Plato_ -nicht den _Traum des wachenden Menschen_ nennen muß, und bei welcher -Glaube an das menschliche Geschlecht zum Grunde liegt. Könnt' ich doch -hinzufügen: _wahrer und lebendiger Glaube!_ aber noch ist solcher in -Israël nicht gefunden -- Dieser Glaube ist _Welt-Patriotismus_. - -Darf ich mir ein- für allemal die Erlaubniß auswirken, rückblicken zu -dürfen, ohne von irgend einer kritischen Feder das Schicksal von _Loths -Weibe_ zu befürchten zu haben? - -Zum Fischefangen und Vogelstellen hat jeder Mensch noch immer einen so -besonderen Hang, daß gereimte und ungereimte Warnungstafeln aushängen -müssen, um den Menschen von diesen Urbeschäftigungen abzuleiten, und -ihn, bei den erweiterten und verzärtelten Bedürfnissen, zu andern -nothwendig gewordenen künstlichern Nahrungsquellen zu gewöhnen. -Der bekannte _St. Evremont_ war bis an sein Ende wohlbestallter -Entenhüter zu St. James; jener Schweizer in Frankreich erbat sich die -Anwartschaft auf die Hofstelle des Rhinoceros -- jener Gelehrter bei -dem Hofe FRIEDRICHS II den vacant gewordenen Atheistenplatz; und zu -wie vielen Rhinoceros- und Atheisten-Posten müssen sich Menschen nicht -herablassen, um ihr tägliches Brot nach der heutigen Auslegung zu -erreichen, wovon der Vogelsteller und Fischfänger kein lebendiges Wort -wußte, keinen Traum oder todten Gedanken kannte! - -Ob Jäger _Esau_ auch ein Fischfänger gewesen, ist nicht bemerkt, und -die Herren Juristen würden ohne allen Zweifel einen artigen Fang -machen, wenn es _ausgemittelt_ wäre, (ein Lieblingswort dieser Herren, -die doch so oft _zweckreich_ und _mittelarm_ zu seyn pflegen) daß der -Fischfang schon in den ältesten Zeiten unter der Jagd begriffen gewesen -sei. - -Warum das weibliche Geschlecht sich nicht die blutarme Fischerei -zugeeignet habe, um dem nach Blut dürstenden Manne das Wild zu -überlassen? ist eine Frage, die sich bei dieser Gelegenheit von selbst -aufwirft. Vielleicht nahm das Weib an allem Theil -- vielleicht stand -es dem Manne nirgends nach; vielleicht hinderten es nur die letzten -Stunden der Schwangerschaft, und sechs Stunden nach der Niederkunft, -an den Geschäften des Oberjägermeisters, seines Mannes, unmittelbaren -Antheil zu nehmen -- Die Gottheit der Jagd, _Diana_, war bei den -jüngeren Alten _generis foeminini_ -- - -Dieser Stillstand, den Schwangerschaft und Niederkunft verursachten, -war, von so kurzer Dauer er auch immer seyn mochte, ohne Zweifel der -Grund des weiblichen Falles. In diesen Zwischenzeiten der Muße war -es vielleicht, wo das Weib, durch einen dem Geschlecht eigenen und -mit seiner Bestimmung vielleicht genau zusammenhangenden Instinkt -zu sparen, sich sein Sklavenschicksal bereitete. Warum folgte es -nicht der göttlichen Lehre: »sorget nicht für den andern Morgen; es -ist genug, daß ein jeder Tag seine eigene Plage habe!« So lange die -Nahrungsquellen ergiebig waren, fiel dem Manne nie der Gedanke an das -Aufbewahren ein; sein Jagdrevier war seine Speisekammer, zu der alles, -was Leben und Odem hatte, gehörte -- eine lebendige Speisekammer, -bei der er vor dem verdorbenen Geschmack an faul gewordenem Wildbret -sehr sicher war! einem Geschmack, der bei allem -- das leidige Geld -nicht ausgenommen -- Statt findet, was man in Scheuren sammelt, denen -ohnedies das Motto angeschrieben ist: _du N_ -- _heute wird man deine -Seele von dir fordern; und was wird seyn das du gesammelt hast?_ --- Doch auch dem Geitzhals, dem Teufel, muß man einen Vertheidiger -beiordnen --; und in der That ist die Sorge für den andern Morgen, wenn -sie rechter Art ist und in ihren Schranken bleibt, eine nicht gemeine -Vernunftäußerung. Der Gedanke: »heute ohne Hunger zu jagen, um morgen -nicht aus Mangel an Wildbret fasten zu dürfen,« enthält -- ungeachtet -jener göttlichen Lehre, für den andern Morgen nicht zu sorgen -- so -viel Überlegung in sich, wie in den Köpfen einer ganzen Heerde von -Wilden nicht Platz hatte. Auch hier mußte das Weib dem Manne aushelfen, -und wo es auf Vernunftgebrauch ankam, scheint immer das Weib die Bahn -gebrochen zu haben. Jene Verlegenheit, in die es die letzten Stunden -der Schwangerschaft und die ersten nach der Geburt verwickelten, -leitete es, kraft des instinktartigen Gefühls, zur Selbsterhaltung, -die ihm wegen der Erhaltung des Säuglinges noch dringender ward, an -der Hand der Vernunft, weise und mächtig auf Vorrath zu denken, sich -heute etwas zu entziehen, um morgen nicht ganz entbehren zu müssen. -Diese Aufbewahrung von Vorräthen, welche anfänglich bloß gelegentlich -und nur so lange geschah, als es die Umstände verlangten, ward nach -und nach, je nachdem die Menschen sich mehrten und die Nahrungsquellen -ärmer wurden, wiederholt, und mit der Zeit beständig. Wenn es wahr -ist, daß in vielen Fällen Thiere die Lehrer der Menschen gewesen sind; -so wird das Vorrathsammeln ohne Zweifel zu dem Lektionskatalogus -dieses Unterrichtes gehören. Der Instinkt (der sich zur Vernunft, wie -der Tanzbärleiter zum Hodogeten, verhält) hat seine Kinder schneller -und sicherer an Ort und Stelle gebracht, als die sich Zeit nehmende -kalte Vernunft die werthen Ihrigen. Gewiß sammelten die Biene und die -Ameise früher als der Mensch; vielleicht versteckte das Alterthum -diese Wahrheit unter der Fabel von den Myrmidonen. -- Nicht etwa bloß -Neugierde, wie einige wollen, sondern Beobachtungsanlage lenkte -ohne Zweifel zuerst das Weib auf diese Experimental-Unterweisung. -Vorräthe erforderten beständige Aufsicht, nähere Einrichtung und -Bearbeitung; und so entstand Hausrath. Irgend ein Zufall, und ohne -Zweifel die Anhänglichkeit mancher Thiere an den Menschen, lehrte ihn -(wahrscheinlich zuerst das Weib), einige Gattungen von Thieren zu -seinem beständigen Brauch und Dienste zu zähmen; und so vermehrte sich -durch diese Dienstboten, die man im Falle der Noth auch zur Nahrung -nahm, der Haushalt. Jetzt mußten die Geschäfte getheilt werden; und -da wählte denn der Mann die Jagd, das Weib den Haushalt. So ward das -Weib allmählich die Befehlshaberin der Hausthiere, und eh' es sich's -versah, das erste Hausthier selbst. Das arme Weib! Doch was kann weiter -befremden? ward es doch durch jene Revolution, wodurch es die Freiheit -an's Licht brachte, eine Sklavin! - -Allmählich fingen die Vortheile und Nachtheile, welche mit den unter -beiden Geschlechtern so sehr verschiedenen Lebensarten verknüpft -waren, immer mehr an sichtbar zu werden. Der Körper des Mannes, durch -die Beschwerlichkeiten der Jagd oder Fischerei abgehärtet, fest, -gelenk und stark, behauptete auch einen Einfluß auf seine Seele. An -Gefahren gewöhnt, ward er durch diese Gewohnheit muthig, unerschrocken, -standhaft, und fühlte seine Überlegenheit über Alles, was nicht Mann -war, mithin auch über sein Weib, dessen körperliche Kräfte aus Mangel -an Gelegenheit unentwickelt blieben, und das, aus Unbekanntschaft mit -Gefahren, diese zu fürchten anfing, da hingegen der Mann, vertraut -mit der Gefahr, sie vermeiden oder bestehen lernte. Mit kleinlichen -Gegenständen und mit Thieren umgeben, die Zaum und Gebiß geduldig -trugen, sank das Weib nach und nach an Körper und Seele zu einer -niederen Stufe herab, und lernte geduldig, sich bei seinem Despoten -mit der Stelle einer ersten Sklavin begnügen. Sklavin! Ohne Zweifel -brachten zahm gemachte Thiere den Menschen auf diesen unmenschlichen -Gedanken, und dies schreckliche Wort würdigte die Menschheit so tief -herab, daß die verrufene Münze keine Spur mehr von Bild und Überschrift -der vorigen Zeiten an sich trug. So wie unfehlbar das Weib durch den -Besitz gezähmter Thiere das Hirtenleben erfand und einführte, so wird -eben dasselbe, da es mehr an Einen Ort und an Eine Stelle gebunden -war, auch zu Anpflanzungen und zum Ackerbau Gelegenheit gegeben haben. -Gewiß hat es den ersten Sallat zum Wildbraten des Mannes bewirkt. Eine -Wurzel, Körner -- die, in Ermangelung eines Alderman-Schmauses, von -einem antipythagorischen Bohnenmahl übrig geblieben waren, und die man, -weil es fettere Bissen gab, nicht achtete -- wurzelten und mehrten -sich um die Hütte herum, bis es dem Weibe einfiel, absichtlich zu -pflanzen und zu säen. So entstand von der Hand des Weibes vielleicht -der erste Garten, den englischen Garten _Eden_ ausgenommen; und der -Gartenbau ist auch größtentheils in den Händen der Weiber geblieben, -bis auf den heutigen Tag. Auch hat das Weib wahrscheinlich in Allem -zuvor Probe gegessen und dem Manne zur Sicherheit, theils wegen der -Unschädlichkeit, theils wegen des Wohlgeschmacks, gedient. -- Noch -jetzt ist das höchste Ziel der Kochkunst ein Vorzug der Weiber. -- -Der Wechsel, den das Weib an seinem eignen Körper erfuhr, gewöhnte -es an die Witterung, und lehrte es so sehr auf die Zeit merken, wie -den Unbestand der Witterung überstehen; und so ward durch das Weib -vielleicht beides, das Hirtenleben und der Ackerbau, -- erfunden oder -zu Stande gebracht? -- Wie viel läßt sich hierüber conjekturiren! Der -gemeine Acker- und Gartenbauer räumt dem lieben getreuen Erdenvasallen, -dem Monde, noch jetzt viel Einfluß auf seine Erzeugnisse ein: er -pflanzt seinen Kohl und was Blätter treiben soll, im Vollmonde, und -das, wodurch unter der Erde Wurzeln oder Knollen hervorgebracht werden -sollen, bei Mondesabnahme. Die Phasen des Mondes sind ihm noch Epochen -in seinem Wirthschafts-Kalender; und was kann ihn anders auf diese -Mondweisheit gebracht haben, als die _Weise_ der Weiber --? Von beiden -Hauptnahrungsquellen, dem Hirtenleben und dem Ackerbau, wußte der -ins Größere gehende Mann das Weib abzubringen, um es an den Haushalt -zu fesseln -- wozu Se. Gestrengigkeit das Weib _verurtheilt_ hatte. -»Verurtheilt?« Mit nichten; durch einen Machtspruch, durch einen -Justizmord, des Landes verwiesen hatte. -- Noch jetzt genießen Erfinder -selten die Ehre der Erfindung, und verdienen sie vielleicht auch nicht, -weil fast immer ein Ungefähr sie darauf bringt -- Erfindungen und -Offenbarungen werden gemacht, man weiß nicht wie! -- - -Ackerbau und Viehzucht sind, so wie Ursache und Wirkung, mit -einander verbunden; und es ist schwer zu begreifen, warum Hirten -und Ackerbauer sich gleich anfänglich haben trennen und beneiden -können. Da nichts natürlicher war, als daß das Vieh keine Anpflanzung -schonte, und da dieser Umstand die Hirten und Ackerbauer in beständige -Gränzstreitigkeiten verwickeln mußte; so hätten diese Zwiste beide -Theile sehr bald zu freundschaftlichen Verabredungen bequemen sollen. - -Die Jagd allein, der Ursoldatenstand, scheint eine Erfindung des -Mannes zu seyn; und da der Mann seine Beute oft sehr weit suchen mußte, -so gab sie die erste Ursache zur Herabwürdigung des Weibes. Bei dem -Ackerbau und der Viehzucht hätte es sich gewiß länger in Ehren und -Würden erhalten können, wenn die Jagd nicht schon den Mann bewaffnet -und er allen Vortheil und Nachtheil des Soldatenstandes in sich -vereinigt gehabt hätte. Er stand bei seinem Weibe im Quartier. -- Noch -jetzt bin ich ein Feind der Jagd, weil sie dem Weibe jeden Schritt -zur weiteren Cultur vertrat und alle jene Übel erzeugte, denen das -menschliche Geschlecht durch Kriege oder Menschenjagden unterworfen -worden ist. -- Zwar sagt man, daß der Krieg oft ein Weg zur Cultur -gewesen sey und werden könne; und freilich ist es nicht das erste -mal, daß aus dem Bösen etwas Gutes wird: Ist und bleibt aber, dieser -Metallverwandlung des Guten und Bösen unbeschadet, Krieg nicht ein -Originalübel? Im Reiche Gottes, dessen Sonnenaufgang und Morgensegen -wir mit Danksagung erwarten, wird man so wenig Menschen würgen und -sich zur Erkenntlichkeit dem Würgengel bloß stellen, als in der andern -Welt freien und sich freien lassen. -- - -Die Flecken in der Sonne -- die man ungefähr wie die Flecken ansieht, -womit die reinlichste Hausfrau in der Küche sich ihre Manschetten -bespritzt, wie es dem Geschäftsmanne an seinem Schreibtische mit -Tinteflecken nicht besser geht -- sind nicht, was sie scheinen. In der -physischen Welt ist überhaupt alles gut, sehr gut! -- Und wie? dies -sollte uns nicht zu der Hoffnung Anleitung geben, daß es auch in der -moralischen Welt zu jener Stufe der Cultur kommen werde, wo man des -Bösen nicht bedarf, um Gutes daraus zu lernen? Fehden waren es, die -ihren Ursprung aus der Vermehrung der Menschen und aus der Verminderung -des Wildes (des einzigen und nächsten Nahrungsmittels für den rohen -Menschen) hatten; der Menschen wurden mehr, des Wildes ward weniger: -und so konnte es nicht fehlen, daß nicht Streitigkeiten und Befehdungen -entstanden, welche Familienkriege nach sich zogen. - -Zwei Familien, die der Übermacht zu weichen gezwungen waren, stießen -vielleicht durch einen Zufall auf eine dritte, der sie einzeln nicht -gewachsen gewesen wären, die ihnen aber jetzt ihr Jagdrevier überlassen -mußte; und dieser Umstand war es, der zwischen beiden, wenigstens so -lange die Gefahr dauerte, ein gesellschaftliches Band knüpfte, ohne daß -es unter ihnen zu einer Verabredung und Constitution kommen durfte. -Durch Irrthum und Thorheit gelangen die Menschen zur Wahrheit, und -durch Mühe und Streit zur Vereinigung und Gesellschaft. Ist mir doch -schon wieder der traurige Gedanke im Wege, daß das Böse so oft ein -Vorspiel, ein Präludium zu dem Textliede des Guten seyn muß! -- »Oft -oder allemal?« Oft, Freunde; denn es giebt Original-Gutes, Gutes aus -der Wurzel -- und dies könnte man _göttlich Gutes_ nennen! Gott ist -original-gut! -- - -Das Hirtenleben und der Ackerbau (das neue Testament, wozu die Menschen -nach dem alten Testamente des Jagdlebens sich aufklärten) gab nicht -minder zu Zwisten Gelegenheit, wozu die Tagdieberei des Hirten, und -das Vorurtheil, als ob er eben darum Gott lieber wäre und von ihm -mehr beglückt würde, mittelst des argen, bösen Neides nicht wenig -beigetragen haben mag: Neid ist Geitz, und dieser ist, wie jeder von -uns weiß, die Wurzel alles Übels. Der Hirt schonte die Anpflanzungen -des Ackermannes nicht, und ehe dieser pfänden konnte, war jener mit -seiner Heerde über alle Berge, und wußte sich listig der Berichtigung -des Pfandgeldes zu entziehen. Dies zwang den Ackerbauer, mehr auf -seine Vertheidigung bedacht zu seyn; und da er sich gedrungen sah, -mehr Hände anzuwerben, um den Acker zu bestellen (Hände, die zusammen -bleiben mußten, um die Zeit abzuwarten und die Witterung zu benutzen, -oder ihr zuvor zu kommen:) so bauete ein Haus das andere, wie ein Wort -das andere zu geben pflegt. Hierdurch waren die Ackerbauer mehr im -Stande, sich den Ausschweifungen des zahmen Hirten und des wilderen -Jägers zu widersetzen. Aus den Ackerbauern wurden Bauherren: (eine -Würde, die ihnen selbst von den überwundenen Horden der Jäger oder der -Hirten zugestanden ward;) und nur spät hat sich das Blatt gewendet, so -daß wiederum Fürsten und Herren jagen, und Sklaven den Acker bauen. --- So drehet sich Alles in der Welt, und die Menschen folgen so -großen Beispielen; Familien und Reiche, Aufklärung und Verfinsterung, -Gutes und Böses: Alles geht auf und unter. -- Zu der Zeit, als auf -den Trümmern von Familiengesellschaften bürgerliche Gesellschaften -errichtet wurden, war das Schicksal der Weiber schon, wie es schien, -unwiederbringlich entschieden. - -Die Waffen, welche die Männer bei jenen Umständen führen mußten, und -welche sie fast nie aus den Händen ließen, während die Weiber für das -Hausbedürfniß ihrer Männer und Kinder besorgt waren, gaben diesen ein -entscheidendes Übergewicht über jene, welche, weil sie mit Waffen -nicht umzugehen wußten, sich vor ihnen fürchteten. Sie erschraken -vor Gefahren, welche die Männer, mehr damit bekannt, verachteten. An -Körper und Seele war ihnen der Mann, wenn ich so sagen darf, unter -der Hand überlegen geworden; und da er sich im ausschließenden Besitze -der Schutz- und Trutzwaffen befand, so vertheidigte er nicht bloß -seine Person, sondern auch sein Eigenthum, wozu er seine Familie und -in derselben sein Weib rechnete, das er jetzt als durchaus von ihm -abhängig ansah. - -Während daß die Einsichten des Mannes durch seinen vergrößerten -Wirkungskreis sich vermehrten; während daß seine Geschäfte mit der -bürgerlichen Gesellschaft einen höheren Schwung nahmen, indem seine -Begriffe sich zu generalisiren anfingen: schrumpfte die Seele des -Weibes je mehr und mehr in die Gränzen des Haushalts ein. Dieser -bestand wegen Einfachheit der Bedürfnisse, dem Vater _Homer_ zufolge, -in dem Zeitalter der Heroën, selbst bei königlichen Familien, noch -bloß im Weben und andern dergleichen Handarbeiten. Nach und nach -verlor sich die weibliche Spannkraft gänzlich. Schade! -- Durch die -Umstände, daß alle Geschäfte des Staats den Weibern entzogen, und -diese, bei Entstehung der bürgerlichen Gesellschaften, schon zur -Besorgung des Haushalts verwiesen waren, wurden sie nicht Bürgerinnen -des Staats, sondern Schutzverwandte. -- Schon sehr zufrieden, daß -der Staat ihnen diese Gnade angedeihen ließ, begnügten sie sich -mit einigen Begünstigungen vor den Sklaven, die man ihnen bloß zu -_spendiren_ schien. Wunderbare Wege! Doch, ging man nicht von der -Poësie zur Prosa, von dem Tanze zum Gange, vom Singen zum Reden, -vom Roman zur Geschichte --? Es wirkte eine Reihe von Ursachen, -(wozu wahrscheinlich die, wiewohl größtentheils mißverstandene, -Natur die erste Veranlassung gab) daß nach und nach eine ganze -Hälfte des Menschengeschlechtes ihre ursprünglichen Menschenrechte -verlor und gegenwärtig einige Überbleibsel davon unter dem Titel von -Begünstigungen, wohl zu merken, nur so lange genießt, als es der andern -Hälfte gefällt, ihr dieselben zu lassen; -- und doch, ist das dritte -Wort dieser unterdrückenden Menschenhälfte: Recht und Gerechtigkeit, -Gesetzgebung und Gesetzhandhabung! -- Warum in Fällen dieser Art -ängstliche Geschichtsausspürung? Der Geist, der in uns ist, bleibt -immer die beste Quelle aller Geschichte; er gleicht im Wesentlichen -dem Geiste aller derer, die vor uns waren, und giebt dem, der sich -mit ihm einlassen kann, und jedem, der sich selbst verständlich zu -machen weiß, wichtige Fingerzeige von Nachrichten, die weit über den -Zeitpunkt schriftlicher Zeugnisse, und weit über die historische -Gewißheit hinausreichen. Jedes Kind bringt das Andenken an die Kindheit -der menschlichen Vernunft in Anregung, und die Hauptzüge derselben -drängen sich Jedem auf, der Augen zu sehen, Ohren zu hören, ein Herz -zu fühlen, und Vernunft zu ergänzen, zu vergleichen und zu verbinden -hat. Mit Meinungen der Vorzeit kann uns nicht gedient seyn; und die -Handvoll aufbehaltener Thatsachen sind so sehr mit jenen Meinungen in -Verbindung, daß man ohne Philosophie bei den historischen Quellen der -Vorzeit außerordentlich zu kurz schießt. Kann man ohne philosophischen -Kopf bei den historischen Quellen auslangen? In uns liegt das Vermögen, -aus jenen Bruchstücken der alten Welt, wo nicht ein Gebäude, so doch -eine Hütte zu zimmern, und ein Ebenbild unseres Geistes, eine Einheit -zu schaffen, die ohne Forscherblick weder in der Weltgeschichte, noch -auch in der Geschichte jedes einzelnen Menschen, gefunden werden kann. -Ohne diesen Geist der Wahrheit ist und bleibt jede Lebensbeschreibung -ein Roman, der Verfasser gehe so offen zu Werke als möglich, oder -verstecke sich unter die Bäume im Garten. -- Zu Geschichtforschern, -Auslegern des menschlichen Geistes, zu Seelengelehrten, zu Sehern, -gehört Studium seiner selbst; und nur in dieser Rücksicht ist _sich -selbst zu kennen_ eine große Lehre! Nur ein Geschichtschreiber, der -diese Salbung empfing, weiß die Reihe der Dinge zu übersehen, und -Ursache und Wirkung unter Einen Hut zu bringen. -- Es giebt historische -Ergänzungen, wo uns so wenig ein lästiges Ungefähr untergeschoben wird, -daß wir weder gerade noch seitwärts etwas gegen diese Ergänzungen -einwenden mögen, wenn wir auch könnten. -- - -Seht! nicht Überlegenheit des Körpers, nicht Übermacht des Geistes -gab dem Manne das Schwert in die Hand; die Lage der Sache begünstigte -diesen Schritt. Über seinen Unterhalt bestand der Mann den Kampf mit -seines Gleichen. Madam beschützte zwar anfänglich zu Hause ihre Kinder, -und genoß die Ehre, in dieser Festung zu commandiren, und während der -Feldzüge ihres Mannes Proviant und Montirungsstücke zu besorgen; indeß -ward sie auch hier sehr bald von ihrem erstgebornen Sohn entsetzt, der, -noch zu jung und zu ohnmächtig dem Heere seines Vaters zu folgen, sich -hier zum Commandanten aufwarf, bis er, mit Vorbeigehung seiner Mutter, -diesen Posten seinem zweiten Bruder anvertrauen konnte. - -Was für eine Veränderung diese Umstände während eines Zeitraums von -mehrern Jahrhunderten oder Jahrtausenden in dem Charakter, der Denkart -und selbst in den körperlichen Eigenschaften beider Geschlechter nach -und nach hervorgebracht haben, ist am Tage. Andere Verhältnisse und -Resultate als diese Machtvortheile, waren aus jenen Vorgängen ohne -Wunder nicht zu erwarten; doch nicht eines einzigen, sondern eines -Zusammenflusses von Wundern hätt' es bedurft, allen diesen zufälligen -äußeren Veranlassungen eine andere Folgenrichtung zu geben. -- Der -Anfang steht oft in unserm Vermögen, die Mitte selten, das Ende nie. --- Warum sollt' ich es bergen, daß wir Männer von Gottes Gnaden es -so gern bemänteln, wie wir zu dieser Überlegenheit gekommen sind? -Überhaupt sind Mäntel die männliche Originaltracht, in die wir uns so -bedächtig verhüllen, um nur so viel von uns zu zeigen, als höchstnöthig -ist; die Weibermäntel sind Copien von den unsrigen. -- Nähme man uns -den philosophischen Mantel; entkleidete man uns von der Reverende der -wohlehrwürdigen Hypothesen und von allen unwesentlichen, fremdartigen -Behelfen, hinter deren Wolken wir uns so unmännlich verbergen: wie -weit seltener würden wir bestehen in der Wahrheit! -- Um alles in -der Welt möchten wir die andere Hälfte des menschlichen Geschlechtes -überreden, nicht _wir_, sondern die _Natur_ habe sie zurückgesetzt -und uns unterworfen; und doch sind _wir_ es, die seine Bedürfnisse -erregen, und Meinungen herrschend machen, wodurch wir, so wie durch -jene Bedürfnisse, den Meister über die schöne Welt spielen. Jene Clubs -und geheimen Gesellschaften, die, ohne daß sie den Degen ziehen, -Macht, Gewalt und Herrschaft erschleichen, sind Copien des Ganges, -den die Männer einschlugen -- Und die Bibel? Bis jetzt haben noch -alle philosophische Sekten, die gedrückte, die streitende und die -triumphirende, und jede neue Staatsreform, bis auf die _Französische -Constitution_, sich in der Bibel getroffen gefunden. - -Es ist das künstlichste Spinnengewebe von Gründen, wodurch wir das -weibliche Geschlecht zu einer ewigen Vormundschaft verurtheilen; und -selbst bei den feierlichsten Ehegelübden, die man sich am Myrtenfeste -vor Gott und den (freilich durch ein Lucullus-Mahl bestochenen) -Hochzeitszeugen ablegt, verlangt das kirchliche Formular, daß, wenn -gleich beide Theile gegenseitig sich zu ehren verheißen, doch die -geehrte Männin dem Manne gehorchen und ihm als ihrem Herrn huldigen -soll. Ist es zu verwundern, wenn die heiligste aller Zusagen, die -Ehetreue, so schnöde gebrochen wird, da diesen Principalpunkt so -viele Nebenverheißungen schwächen? Wie ist die Preisfrage eines -feinen Kopfes: warum in verschiedenen Staaten, wo Eide das tägliche -Brot in Gerichten sind, das Ehegelübde (der wichtigste Contrakt, den -Menschen mit einander schließen können) ohne Eid vollzogen wird, zu -lösen? Etwa durch die Bemerkung, daß der Gegenstand so groß wie das -Verbrechen des Vatermordes sei, welches in weisen Gesetzbüchern weiser -Völker ohne Strafe blieb? Etwa, weil keine Formel stark genug ist, das -Ehegelübde zu besiegeln? und weil, um das Größte zu sagen, man zur -Natur der Sache, zum einfachen _Ja Ja, Nein Nein_ zurückkommen muß? -Wichtige Gründe! doch schwerlich werden sie bei der Unterlassung des -Eheeides entscheiden; denn müßte sonst nicht unsere Eidmethode längst -verbessert seyn? Oder wie? schwört man bei der Ehevollziehung etwa -darum nicht, weil die Gelübde nicht gehalten werden, nicht zu halten -sind? nur da gehalten werden dürfen, wo die Natur in speciellen Fällen -mitwirkt? Ei, Lieber! wer hält seinen Amtseid? und wird dieser Eid -erlassen? Der größten Versuchungen zu falschen Aussagen ungeachtet, -findet der Richter, oder -- was mehr sagen will -- der Gesetzgeber -keine Bedenklichkeit, Eiden auszuweichen; und geht denn wirklich das -Versprechen der ehelichen Treue, auf welchem die Würde, Sicherheit -und Wohlfahrt des Staates, das Glück des häuslichen Standes, (des -angenehmsten und tröstlichsten im menschlichen Leben) und aller Fleiß, -alle Betriebsamkeit beruhen, über das Vermögen der Menschen? Hast du -nicht liebe getreue Ehegenossen gekannt? Ein menschliches Schauspiel, -das Engel zu sehen gelüsten könnte! Unglücklicher! was ist dir die -Menschheit werth, wenn sie so tief gesunken wäre! Ich suche den Grund -dieser, von unseren eidereichen Vorfahren auf uns gleich eidgierige -Nachkommen gebrachten, denkwürdigen Gewohnheit in der Befürchtung, -daß man Eide einer baaren Lächerlichkeit aussetzen würde, wenn man -sie durch den unnatürlichen, vom andern Geschlechte zu übernehmenden -Umstand, sich der unerkannten Gewalt des Mannes unterwerfen zu wollen, -entheiliget hätte. Diese _Homagial-Umstände_ entfernten den Eid bei -der Ehe _in vielen protestantischen Staaten_; und die auserwählten -Rüstzeuge von Reformatoren hatten nicht unrecht, den Eid aus der -Trauungsformel zu verabschieden, oder ihm einen Laufpaß zu behändigen. -Soll aber die durch die Natur und Erfahrung laut widerlegte männliche -Macht und Gewalt über das andere Geschlecht sich durch leidige -Künstelei erhalten? Werden wir, wenn Natur und Wahrheit ihre Rechte -zurückfordern, die keiner Verjährung unterliegen, noch immer gewinnen -und den Sieg behaupten? Durch Wiederfragen antworten, heißt, wo nicht -gar spotten, so doch: die Frage keiner eigentlichen Antwort werth -achten. Wer kann sich aber, wenn er auch wollte, dieser Zwittergattung -von Erwiederung enthalten? wer der Fragantwort ausweichen: ob die -Natur je so tief in Ohnmacht und Schwächlichkeit versinken könne, -daß sie sich ungestraft berauben lasse, ohne das Raub_schloß_ oder -Raub_nest_ zu zerstören? Längst sind Männer nur Titularherren, Besitzer -_in partibus infidelium_. -- Und wie! Deutsche, deren Vorfahren ihre -Weiber achteten, da der Rath derselben ihnen wichtig, ihre Aussprüche -ihnen heilig waren, wenn sie die Zukunft aufklärten, vielleicht -weise genug, sie nach ihrem Willen zu _lenken_ -- (eine ehrwürdige -prophetische Kunst!) Deutsche, die, wenn es gleich von ihnen heißt, -_daß sie viel für Geld thun_, ihre Weiher nicht wie die Römer (als -wären sie Hausrath) einkauften; Deutsche -- sollten ihrer Vorfahren so -unwerth seyn! Was ist anständiger: mit dem andern Geschlechte gleichen -Schritt zu halten, oder uns von ihm, ohne daß wir es wissen, leiten -und führen zu lassen? Nur die _Zeichen_ der Regierung sind uns werth, -die _Regierung_ verkaufen wir für ein schnödes Linsengericht; und -eine kluge Frau läßt sich von dem Manne zur Regierungs-Repräsentantin -erkiesen, dem hier kein Hochverrath ahndet, und der (weil doch -Hochmuth dem Falle vorausgeht) seine Frau selbst zum Throne führt, -und sich hinreichend begnügt, daß Alles unter seinem Namen expedirt -wird, Alles unter: _Wir von Gottes Gnaden_. -- Wenn nun aber ein so -betrogener Mann, der seine Frau zur List erniedrigt, der seine Kinder -zu ähnlicher Denkart herabwürdigt, und öffentlich mit sich spielen -läßt, bei dem allen nicht unglücklich ist; wenn er einen menschlichen -Richter in Hausangelegenheiten, einen treuen Rathgeber in Fällen, wo -er unentschlossen schwankt, in seiner Frau findet: -- was würde sie -ihm seyn, wenn sie von Rechtswegen gleich und gleich mit ihm wäre! Wie -unendlich leichter würde der Stand des häuslichen und Staatslebens -werden, wenn wir eine so herrliche Bundesgenossenschaft anerkennen und -schätzen lernten! -- _Eigensinn_, _Trägheit_ und _Stolz_ fesseln uns an -alte Meinungen und Gebräuche: drei Götzen, die man auch _Augenlust_, -_Fleischeslust_ und _hoffärtiges Leben_ zu nennen pflegt! -- Laßt uns -diesen Götzendienst mit einer vernünftigen Verehrung der Natur und -ihrer Gesetze vertauschen! Schon lange sind die Weiber durch Leiden -geprüft und bewährt, um der Herrlichkeit werth zu werden, welche die -Natur an ihnen so gern offenbaren möchte. Das Ende vom Liede dieses -Abschnittes. - -In der That scheint eine höhere Vernunft es mit Vorbedacht und Vorsicht -darauf angelegt zu haben, daß der Anfang des menschlichen Geschlechtes -in einem tiefen heiligen Dunkel bleiben sollte. Chaos war eher als die -Welt, Finsterniß eher als Licht, Nacht eher als Tag; und wohl uns, wenn -die menschlichen Handlungen, eben so wie alle Naturbegebenheiten, nach -allgemeinen Naturgesetzen bestimmt, und von einem inneren Lichte, das -der große Haufe nicht selten kann, und das nur Sonntagskindern selbst -in der dicksten Finsterniß leuchtet, gelenket werden! - -Heil uns, wenn bei den unablässigen Bemühungen der Menschen, alles -unregelmäßig zu machen, jene göttliche Regelmäßigkeit ihren festen -Schritt hält, und die Weisheit ihre ursprünglichen hohen Anlagen bei -der späten Entwickelung rechtfertiget! Heil uns, wenn wir Alle, und -auch selbst die unter uns, welche am wenigsten daran denken, Mitglieder -der göttlichen unsichtbaren Kirche sind! wenn der, welcher bloß für -sich denkt und oft sogar des Andern Teufel ist, doch, ohne daß er es -weiß, die göttliche Absicht befördert, die Welt ihrem moralischen Ziel -immer näher bringt und selbst Teufeleien zum Besten kehret! O, der -herrlichen Veredlung der moralischen Metalle! - -Wer kann bei dieser Idee gleichgültig seyn! wer wünscht nicht, sich -jenen jüngsten Tag der Menschheit lebhaft vorzustellen und den Gang -des menschlichen Geschlechtes von Anbeginn bis auf unsere letzte -_betrübte_, und die in der Hoffnung erwartete _letzte fröhliche_ -Zeit in einer Karte zu übersehen! -- Wie oft würde auf diesem -Menschheitsgemählde die Weisheit des Einzeln als Thorheit, und die -Thorheit im Großen als Beitrag zur Weisheit erscheinen! Nur daß -kein Mensch hieraus Gelegenheit nehme, in seinem verkehrten Sinne -zu thun was nicht taugt, vielmehr nach bestem Wissen und Gewissen -seine Tage so anlege, daß die Stimme seiner theoretischen und -praktischen Vernunft, seiner Einsicht und seines Gewissens, nicht -unbefolgt bleibe! Zwar kommt es hier immer noch bloß auf den Glauben -an die Menschheit an, der durch so manche unerhörte, unerklärliche -Begebenheiten nicht nur in Hinsicht einzelner Menschen, sondern auch -ganzer Nationen schwankend gemacht wird; wer wollt' indeß auch bei -einem Senfkorn dieses Glaubens verzweifeln! Vater der Menschen, stärk' -uns diesen Glauben! Wie planlos da alles durch einander läuft! wie viel -Zerstörungssucht, Hader, Neid, Zank, Zwietracht! Alles verschworen, die -Wünsche des Menschenfreundes zu vereiteln und der göttlichen Bestimmung -entgegen zu arbeiten! Doch jene goldreine Zeit wird kommen, wo die -Menschheit mehr von Schlacken geläutert seyn wird! nur daß nicht, was -bei menschlichen Handlungen glänzt, uns sogleich etwas Göttliches -scheine! Nicht Alles was glänzt, ist Gold. Nur daß wir uns durch -nichts, selbst nicht durch den herrlichsten kosmopolitischen Zweck, -zum Handeln bestechen lassen, vielmehr auf nichts weiter denken, als -unsere Pflicht mit strenger innigster Redlichkeit zu bewirken und sie -_menschmöglichst_ (ein theures werthes Wort!) zu erfüllen! Nur daß -wir bei unseren heiligen Verbindlichkeiten nicht an den Morgen der -Folgen denken, sondern lauter und rein thun, was wir schuldig sind, -und Alles übrige DEM überlassen, der allein weise ist! Wer sich das -Ansehen giebt, der göttlichen Regierung nachhelfen zu wollen, ist ein -Gottesläugner in einem besondern Sinne -- -- Sollte indeß die Natur dem -verzagenden Beobachter nicht wenigstens, wie _Ariadne_, einen Leitfaden -zugeworfen haben, um sich aus diesen Labyrinthen herauszuhelfen? um, -da er in Allem eine göttliche Endabsicht voraussetzen kann, dieselbe, -trotz allen Kreuz- und Querzügen von eigenen Absichten der Menschen, -auch bewundern und sich an ihr und an der allmählichen Erreichung -derselben erfreuen zu können? Nichts würde diese Gesinnungen und diese -Hoffnungen stärker befestigen, als wenn wir, von den Urzeiten ab, -in allen den Krümmungen, die das menschliche Geschlecht einschlug, -eine geheimnißvolle Entwickelung dieser Anlagen zu bemerken und den -Finger einer Vorsehung zu finden im Stande wären. So bald Geschichte, -Erfahrung und Nachdenken etwas von diesem ihrem Gange enträthseln -können; so ist hierzu ein Plan gezeichnet, und wir sind in diesen -vierzig Jahr-Wochen des Wüstenumweges nach Kanaan nicht ganz und gar -verlassen und versäumet. Doch noch hat diese herkulische Arbeit keinen -Anfänger, viel weniger einen Vollender; und da die Einbildungskraft -in dieser Hinsicht kein leidiger Tröster ist, so läßt sie uns in, mit -und unter ihrer Beihülfe, wenn gleich nicht lebendige Überzeugung, so -doch beruhigende Hoffnung erlangen. Ist der Mensch ein Miniaturstück -von Welt, ein Mikrokosmus; so mag die Geschichte des einzeln Menschen -immerhin einen Schattenriß von der Geschichte der Menschheit abwerfen, -und den Anfang derselben, so wie ihren Fortgang, in Hieroglyphen -dem Auge des Sehers, wenn gleich nicht völlig, so doch kennbar, -darstellen. Jeder Mensch feiert durch sein Leben das Leben des -menschlichen Geschlechtes, und wird, wo nicht die Quintessenz, so doch -ein kurzer Auszug von der Geschichte der moralischen Welt. Wenn man -ohne sonderliche Vorurtheile (denn ist es möglich, sich über diese -Egyptischen Plagen völlig wegzusetzen?) einen Plan entwerfen könnte, -wie die Menschenwelt gehen müßte, wenn sie anders den letzten Zwecken -der Vorsehung gemäß wandeln wollte; so hätte man freilich von der -moralischen Welt eine treue Probe, die mit den Bruchstücken, welche wir -davon geschichtlich besitzen, stimmen und die Data da ergänzen würde, -wo in der wirklichen Welt Alles wüst und leer scheinet. Jetzt aber -werden wir, hier und da viel oder wenig abgerechnet, wenigstens ein -Ungefähr von dem herauszubringen im Stande seyn, was herauszubringen -war; und sollten wir nicht Alles mit einer reinen Idee dieses Ganges -übereinstimmend finden, so wird doch ein großer oder kleiner Theil -stimmig seyn. Die erste Periode unseres Lebens ist so dunkel wie die -Genesis der Welt, von der wir, da sie unter dem Herzen ihrer Mutter -lag, nichts wissen. Ist unsere Kindheit (wo wir keinen Willen haben, -sondern nach Instinkten und nach Leitung der Eltern, die uns entwarfen, -leben, weben und sind) nicht jener Weltperiode ähnlich, die wir den -_Stand der Unschuld_ nennen? und sie mag um so mehr so heißen, da uns -in derselben nichts zugerechnet werden kann. Der Mensch fühlt sich; das -heißt: er emancipirt sich, giebt oft noch vor der Zeit sich _veniam -aetatis_, glaubt in seiner Vernunft einen Gott zu haben; und seht! -mitten in dieser Selbstvergötterung sinkt er, und oft so tief unter den -Menschen herab, daß er kaum zu kennen ist -- Leidenschaften stürzen ihn --- Fall auf Fall! -- Anfänglich sind diese Leidenschaften ungebetene -Gäste, die man gemeiniglich lieber gehen als kommen sieht; doch über -ein Kleines werden sie Vernunftgenossen, Herzensfreunde, Busen- und -Schooßlieblinge, deren Umgang, wenn das Gewissen dagegen einwendet, -der Mensch bis auf's Blut so vertheidigt und rechtfertiget, daß das -sich selbst gelassene Gewissen sich anfänglich hintergehen, bald -hernach sich anstecken läßt, und endlich selbst leidenschaftlich wird. --- Spät nur, und wenn der Tag seines Lebens kühl geworden, kommt der -Mensch durch die Stimme seines Gewissens, das sich wieder erholt hat, -zum Nachdenken. »Adam, wo bist du? wohin ist es mit dir gekommen?« Das -Fieber des Selbstbetruges legt sich; die Vernunft hat Zwischenstunden, -kommt allmählich zu Kräften, und entwirft sich Gesetze, die der Mensch -wenigstens im Durchschnitt erfüllt -- Ganz wird er nie aufhören -Mensch zu seyn -- wie sollt' er auch eine ihm wildfremde Rolle völlig -ausführen können? Bei den Fehlern des Alters erinnert er sich der -Sünden der Jugend, sinkt, fällt, steht auf, und sieht am Ende ein, daß -der Mensch nie zur Vollständigkeit gelangen kann; doch jaget er ihr -nach, und versucht, ob er jenes Ziel erreichen werde, die Krone des -Lebens. -- - -Das Weib -- ist wie der Mann; es giebt hier keinen Unterschied: sie -sind allzumal Menschen, und mangeln des Ruhmes, den sie haben sollten --- -- Das Verhältniß der Geschlechter gegen einander? Allerdings der -Hauptpunkt, worauf es bei dieser ganzen Abschweifung ankam! Der gerade -Gang aller kleinen und großen Gesellschaften -- den ich aber aus mehr -als Einer Ursache auch selbst nach den ersten Strichen nicht darstellen -mag. _Adam_ und _Eva_ leben anfänglich im Stande der Unschuld; dann -wird _Adam Eva's_ Untergebener, gehorsam bis zur Ausschweifung; bald -darauf verwandelt er sich in ihren Gebieter, welches er lange bleibt, -bis sie endlich beiderseits in Frieden, Einigkeit und Gleichheit mit -einander leben, und zu jenem Stande der Unschuld, wiewohl mit weit -mehr Einsicht und weit mehr Glückseligkeit, zurückkehren. Genug -- -auch dieser Handzeichnung vom Verhältnisse der Geschlechter will ich -weder Farben geben, noch sie vollenden -- Ein jeder wird an diesen -Strichen sich selbst kennen, und _durch_ diese Selbstkenntniß den -Gang der Menschenwelt und der beiden Geschlechter -- Möchte doch auch -in Hinsicht des Geschlechterverhältnisses Eine Heerde und Ein Hirt -werden! -- Doch, dieser Wunsch ist im dritten Kapitel zu früh; wer -wird sich selbst in den Kauf fallen --? wer sich vor dem fünften Akt -verheirathen? -- - - - - -IV. - -NÄHERE ANGABEN, WOHER DIE ÜBERLEGENHEIT DES MANNES ÜBER DIE FRAU -ENTSTANDEN IST. - -BETREFFEN NEUERE ZEIT. - - -Das Schwert gab dem männlichen Geschlechte Machtvortheile über das -weibliche; aber dem natürlichen Maße von Leibes- und Seelenkräften -konnte es eben so wenig eine Handbreit zusetzen, als der Nichtbesitz -der Waffen dem weiblichen Geschlecht eine Handbreit zu nehmen im Stande -war, wenn gleich nicht geleugnet werden kann, daß dieser Nichtbesitz -Furchtsamkeit, Mißtrauen in Kräfte, welche die Weiber nicht kannten, -zur Folge hatte. Als die Griechen und Römer in ihren Kriegen mit den -Indiern der Elephanten ansichtig wurden, erschraken sie über diese -Kolossen, und der Muth entfiel ihnen; doch, er nahm wieder zu, als sie -diesen Kriegespopanz mehr kennen und verachten gelernt hatten. Sie -überzeugten sich, wie wenig diese unbehülflichen Massen der Gewandtheit -eines geübten Kriegsheeres die Wage halten könnten; und ob sie gleich -hierdurch keinen wesentlichen Zuwachs an Kräften erhielten, so ward -doch durch diese Erfahrung das Zutrauen auf ihre Kräfte vergrößert. Es -hatte mit diesem Zutrauen eben die Bewandniß, wie mit dem Credit der -Kaufleute, wodurch sie reicher als durch Schätze sind. In der That, -wir haben an körperlichen Kräften und an den Resultaten derselben, -Muth und Tapferkeit, gegen unsere Väter so wenig gewonnen, daß wir -es wohl weislich bleiben lassen müssen, in ihren Rüstungen und mit -ihren Waffen zu fechten; würden sie aber, mit aller jener körperlichen -Überlegenheit, mit allem jenem Muth und jener Tapferkeit, nicht gegen -die erste beste unserer Armeen das Feld räumen müssen? Wir haben -uns durch Glück und Kunst solcher Kräfte bemächtigt, gegen die sie -nicht zu stehen vermögen. Verstärken aber alle diese Dinge unsere -Leibeskräfte und unsere Geistesvorzüge? sind wir dadurch wesentlich -mächtiger und tapferer geworden, als unsere Vorfahren? Haben wir auf -diesem Wege ein Recht erlangt, sie unter uns zu erniedrigen, sie zu -entwürdigen und zurückzusetzen? -- Gerade so, und nicht anders, verhält -es sich mit unsern Anmaßungen gegen das weibliche Geschlecht. Dadurch, -daß die Gesellschaften nach und nach dauerhafter und fester wurden; -dadurch, daß sie gewisse Formen erhielten, vermittelst deren, sie -äußerlich sich immer ähnlicher wurden; dadurch, daß man in diese Formen -allmählich mehr Verhältniß zur Masse brachte; kurz, dadurch, daß die -bürgerlichen Gesellschaften ihre gegenwärtige Gestalt erhielten, ward -den Weiberrechten nicht im mindesten gefrommt. Diese ursprünglichen -Rechte waren einmal verloren gegangen, und es blieb dabei, daß man -Weiber mit zum Hausgeräthe des Oberhauptes der Familie rechnete, womit -mancher nothdürftig, mancher überflüssig versehen war; sie hatten -nur noch Werth für ihn, in so fern sie dazu dienten, durch klugen -Austausch seine Habe zu erweitern und sein Inventarium zu vergrößern. -Die Menschen wurden Bürger; allein sie fingen ihre Bürgerschaft nicht -damit an, diesen ihren bürgerlichen Verfassungen Ordnung, Dauer und -Regelmäßigkeit beizulegen. Noch jetzt lernt, man in der Gesellschaft -gesellig seyn, und nichts läßt sich so wenig theoretisch begreifen, als -diese Kunst. Die ersten Gesellschaften dehnten sich bloß durch Gewalt -der Waffen über andere aus, und gaben sich Mühe, ihre freien Nachbarn -nicht zu ihren Mitbürgern und Freunden, sondern zu ihren Sklaven zu -machen. So entsprang, erweiterte und bildete sich der Römische Staat; -und daß dies der Uranfang aller großen bürgerlichen Gesellschaften -war, bezeuget die Geschichte vom finstern Anfange bis zum angeblich -lichten Ende. Immer hatte man Waffen in den Händen, man mochte seinen -Freunden und seinen Feinden Gesetze vorschreiben, man mochte über -Anordnungen zum Besten des Staates rathschlagen, oder über Bürgerrechte -entscheiden. So waren und blieben die Männer in Rücksicht ihrer Weiber -in Machtvortheilen, und ließen ihnen Gnade für Recht widerfahren, -wenn sie ihnen einige Brosamen von ihrem Überflusse zuwarfen; das -heißt: wenn sie ihnen einige Vortheile vor den Sklaven zugestanden. -Indeß fanden es die Griechen, und vorzüglich die Römer, billiger oder -(besser) politischer, das weibliche Geschlecht in die Staats- und -Gesetzordnung mit einzuschließen. -- Wie es der Orient mit den Weibern -gehalten hat, ist außer dem, was der Jüdische Gesetzgeber in Rücksicht -ihrer anordnet, nicht bis auf unsere Zeiten gekommen; doch scheint -ihr ehemaliger Zustand in diesem Vaterlande des Despotismus und der -Vielweiberei vor dem jetzigen sich nicht ausgezeichnet zu haben, da -_Asien_ und _Afrika_, seitdem die Griechen und Römer daselbst bekannt -wurden, in der Cultur eher zurück- als vorgeschritten sind. -- Der -Mensch ist zur Freiheit geboren; sie ist die Sonne, deren Einfluß -Alles hervorbringt. -- Da, wo Freiheit unterdrückt wird, kann nichts, -was menschlich ist und heißt, zu Kräften kommen. -- Dort ist noch -die Ehe, dieser wichtigste und heiligste Vertrag im Staate, nichts -mehr und nichts weniger, als ein Kauf- und Tauschhandel; Weiber sind -eine Waare des Luxus, weil der _Zenana_ (Harem) einen wesentlichen -Theil eines Indischen Pallastes ausmacht, und die Stelle derjenigen -Örter vertritt, wo der Europäer seine Prachtliebe zur Schau trägt. -Anstatt Meisterstücke der Mahlerei und Bildhauerkunst aufzustellen, -anstatt die Natur durch die Kunst zu verschleiern, stellt man sie -nackt und bloß dar; und anstatt in einen Tempel des Geschmackes zu -führen, führt man in ein B--. Die Weiber sind dem Indier Gegenstand und -Werkzeug des Vergnügens und Zeitvertreibes; und seht da den höchsten -Gipfel des weiblichen Werthes! Liebe kennt er nicht; denn diese kann -in Hinsicht des Geschlechtes sich durchaus nicht so theilen. -- -Thierisches Bedürfniß ist das Heiligthum seines Altars der Liebe, und -verschwenderische Üppigkeit das Ziel seiner häuslichen Glückseligkeit. --- O des in Armuth reichen Menschenthiers! - -Was indeß Griechen und Römer dem weiblichen Geschlechte durch ihre -Gesetzgebung an bürgerlichen Rechten zugestanden, war nur ein sehr -dürftiger Theil desjenigen, was ihnen von Naturwegen eignete und -gebührte, und was ihnen sonach weder durch Feuer noch durch Schwert, -weder durch gute noch durch böse Gerichte genommen werden konnte. -Wahrlich ein Raub von besonderer Art, wobei man nicht nur den -Leib, sondern auch die Seele entwendet, und den sich besonders die -weltberühmten rechtlichen Römer zu Schulden kommen ließen! Kann man -überhaupt zu einem Rechte Zutrauen fassen, das sich nicht grämte, -nicht schämte zu behaupten: die Sklaven wären für nichts zu halten, -(_servi pro nullis habentur L. 32 D. de Reg. Jur._) und welches den -an sich so schädlichen als drolligen Einfall geltend machte, es gäbe -Menschen, die nur den Werth von Sachen hätten? Durch diese gerichtliche -Taxe verlor die ganze Menschheit; und so lange man den Sklaven Bild -und Überschrift von Menschen nicht zu nehmen vermag -- wer wird -mehr entehrt, sie oder ihre Herren? Was nun besonders die unerhörte -Unerkenntlichkeit der Römer betrifft, die durch das andere Geschlecht -zu Menschen gemacht, die durch die Sabinischen Jungfrauen erzogen -waren -- und die ohne Zweifel jene Spuren der Menschlichkeit, die sie -von ihren Gouvernantinnen lernten, in alles Römische brachten, um ihm -den bitteren Geschmack der Rohheit zu benehmen -- wer kann dieser -_Römischen Unerkenntlichkeit_ sich ohne Mißmuth zurück erinnern? Welch -eine demüthigende Ehre, die man den Weibern erwies, sie auf immer unter -Vormundschaft zu setzen, ihren bürgerlichen Handlungen die bürgerlichen -Folgen zu entziehen, und sie durch eine feierliche Sanktion zu Schatten -der Männer im Staate zu machen! Alle Gesetze in Hinsicht des andern -Geschlechtes scheinen in Donner und Blitz gegeben zu seyn; wenn sie -gleich sich das gesetzliche Ansehen (das pedantischste von allen) -geben, den Evangelienton anzunehmen, sieht man, so bald man ihnen näher -tritt, doch so viel Donner -- und Blitz -- Gesetzlichkeit in ihrem -Evangelio, daß man sich sogleich überzeugt, kein Frauenzimmer habe hier -mit votirt. -- - -Die höchste Beleidigung ist, zu erklären, daß man durch Jemanden nicht -beleidigt werden _könne_; und durch das Privilegium, nicht Unrecht thun -zu _können_, hat man die damit Privilegirten in keine vorteilhaftere -Sicherheit gestellt, als die Blödsinnigen. Weibliche Personen vom -tiefsten Sittenverderbniß wollen geschmeichelt seyn, daß sie äußerlich -die Tugend ehren, die ihr Geschlecht am meisten ziert; und wie? die -Gesetze selbst berauben das ganze Geschlecht alles Nervs, alles Muthes -die Freiheit zu lieben, aller Vernunft den Despotismus nicht zu -fürchten? wie? man erniedrigt ein ganzes Geschlecht zur Sklavenklasse, -aus dessen Mitte man mehrere, und bei weitem nicht die vorzüglichsten, -anbetet und als Göttinnen in den Himmel versetzt? - -Ist es zu leugnen, daß die Römische Gesetzgebung, und die Adoption -derselben in Deutschland, dem weiblichen Geschlechte jene _odiösen_ -Privilegia im höchsten Grade zuwandte und ihm den schlechtesten Dienst -erwies, den man ihm je erweisen konnte? Beide Regeln, welche von -der gesetzlichen Annahme an Kindes- oder Enkelstatt unzertrennlich -waren, (nehmlich daß die Adoption die Natur nachahme, und daß sie -bloß zum Nothhelfer für die erfunden sei, die weder leibliche Kinder, -noch Hoffnung und Aussicht dazu hatten) fand zwar bei dieser Adoption -des Römischen Rechtes nicht Statt. Da indeß von _Rom_ aus, und durch -die Römer, sich Künste, Wissenschaften und Sitten in Norden und -Westen verbreiteten, so wie unsere ganze hochlöbliche Cultur noch -gegenwärtig Römisches Vaterland verräth; so trägt besonders unsere -Staats- und bürgerliche Verfassung, und vor andern unser bürgerliches -Recht, noch Namen und Gepräge der Römer an Stirn und Brust, seitdem -der _Justinianische Gesetz- und Rechts-Codex_ zu _Amalfi_ wieder -aufgefunden ward. Auch das _von Carmersche Neue Testament_ beziehet -sich auf jenes Römische Sinai des Alten, und ist weniger Schöpfung -als bessere Einrichtung -- Nur noch wenige Züge, eh' ich dieses Feld -verlasse -- Jene Rechts-Peinlichkeit in Rücksicht der Hermaphroditen -würde bloß lächerlich seyn, wenn der Geschlechtsstand des männlichen -vom weiblichen Geschlechte nicht so außerordentlich verschieden wäre --- Das Gefühl, Manns- und Weibspersonen würden einerlei Rechte zu -genießen haben, wenn es auf die Entscheidung der Natur ankäme, brachte -die Gesetzgeber, und noch mehr ihre Jünger und Prophetenknaben, in eine -nicht geringe Verlegenheit; und da Ausnahmen nicht vermuthet, sondern -bewiesen werden müssen, so deutete man (o, der Gerechtigkeitsliebe!) -_ein Gesetz, wobei die Weibspersonen nicht ausgenommen waren_, auf -_beide Geschlechter_, und die Weiber hatten die Ehre, die Worte: (_si -quis_) _wenn Jemand_, auch sich zuzueignen und -- welch ein Vorzug! --- auch _ein Jemand_ zu seyn. Ein großes Glück, daß man sie nicht -zum _Niemand_ verstieß. Es ist unerklärbar, wie man auch nur auf den -Gedanken hat fallen können, daß nicht etwa bloß dem männlichen, sondern -auch dem weiblichen Geschlechte, nach Römischen Grundsätzen, Vortheile -zugetheilt wären! Ich finde deren keinen von letzterer Art; vielmehr -scheinen mir die so genannten Weiber-Vortheile geheime Wunden und -Meuchelstiche zu seyn, die noch mehr schaden, als wenn das Gesetz sich -öffentlich wider die Weiber erklärt hätte. Was bedürfen wir weiteres -Zeugnisses, als daß die Frauenspersonen auf kein öffentliches Amt -Anspruch haben; daß sie (Mutter und Großmutter ausgenommen) nicht -Vormünderinnen werden können; daß sie in Fällen, wo die Gesetze, der -Feierlichkeit des Geschäftes halben, mehr als zwei Zeugen verlangen, -nicht als Zeuginnen zuzulassen, mithin nicht als Zeugen bei Testamenten -brauchbar sind, und daß noch Zank und Streit unter den Gelehrten -obwaltet, ob und in wie weit ihnen diese Zeugenehre bei Codicillen zu -bewilligen sei; daß sie an den Rechten der Römischen väterlichen Gewalt -(sie war, so wie überhaupt, so besonders in Hinsicht des Vermögens -der Kinder vorzüglich) keinen Antheil haben; daß man sie zur wahren -Adoption unfähig erklärt, weil hier die väterliche Gewalt sich in ihrer -rechtlichen Würde zeigt! -- Wahrlich, nach diesen Beraubungen wird man -auf die angeblichen Vortheile neugierig seyn, wodurch die Römischen -Gesetze das andere Geschlecht zu entschädigen die Güte gehabt; -und sehet da! die Unwissenheit der Rechte kann den Weibern nicht -zugerechnet werden, wenn sie sich dieses elenden Einwandes in Fällen -bedienen, um sich durch einen Blitzableiter wegen des Schadens und -der Strafe zu sichern. Sie können nicht aus einer Bürgschaft belangt -werden -- und kurz und gut, sie haben das Recht, alte Kinder zu bleiben -bis an ihr seliges Ende. -- Der Claudianische Rathsschluß war so -gnädig festzusetzen, daß, wenn eine freie Frauensperson einen Sklaven -_actualiter_ für einen Menschen anerkannte und sich mit ihm zu weit -einließ, sie dem Herrn desselben, falls er ihr in der heiligen Zahl -Drei diesen Umgang untersagt hatte, als Sklavin zugesprochen werden -mußte, so bald dieser Herr darauf antrug. So fiel sie, und -- wohl -zu merken -- auch ihr ganzes Vermögen, diesem so wohlmeinenden Herrn -anheim, der die große Mühe gehabt hatte, sie dreimal zu warnen! -- -_Justinian_ hob diese Härte, als seiner Zeiten unwürdig, auf; und noch -schüttelt man den Kopf, unentschlossen, ob dies ein Lob- und Dankopfer, -oder ein Vorwurf in Hinsicht seiner goldenen Rechtszeit sei. - -Bei diesen und andern Umständen hat man nicht etwa bloß dem Geiste der -Römischen Gesetzgebung, sondern auch ihren Cruditäten das Bürgerrecht -verstattet, und zu ihrer Aufnahme die Thore weit und die Thüren hoch -gemacht; während die Franken, Sachsen und andere Bewohner Deutschlands, -nach ihrer Weise und nach Deutscher Art und Kunst, in der Cultur -fortschritten. Die Handlungsweise und die Sitten erhielten zwar eine -andere, aber doch keine Römische Gestalt; vielmehr machte die Eigenheit -des Volks-Charakters einen sehr wesentlichen Unterschied bemerkbar: -indeß wurden Deutsche Handlungen doch mit Römischen Schneiderscheeren -verschnitten -- Aus einem Paradiese und kühnen Naturgarten wurde -kleinliche Holländische Künstelei. -- _Demosthenes_ hält es beinahe -für ein Gesetz des Schicksals, daß immer die besten Menschen die -ungezogensten Kinder hätten; und in Rom und Griechenland war es zum -Sprichwort geworden, daß die Söhne der Helden selten ihren Vätern -ähnlich wären. Ganz anders mit den Staatsgesetzen, deren Erziehung -fast nie fehl schlägt -- Wenn Mitglieder des Staates von ihren -Rechten und Pflichten richtige Begriffe haben und gern denselben -gemäß handeln, so sind sie sicher aufgeklärter, als wenn sie der -Wissenschaften Menge besitzen, die zur bürgerlichen Glückseligkeit -nichts Wesentliches beitragen, die den Schein haben und die Kraft -verleugnen. Wie betrübt war das Schicksal der Deutschen bei Römischen -Gesetzen! Diese Gesetze wurden dem National-Charakter der Deutschen -und ihren väterlichen Sitten auf keine Weise anpassend gemacht. -Man fiel nicht darauf, Gesetze und Sitten so viel als möglich in -Übereinstimmung zu bringen, nicht, wo weder Sitten noch Gesetze eine -Umformung annehmen wollten, diese zu verwerfen, und für jene eine Regel -zu erfinden: man nahm es sich vielmehr mit patriotischer Freiheit -heraus, das Römische Gesetzbuch, wie die _Säulen des Herkules_, als -Gränze anzusehen, über welche hinaus sich kein Ruhepunkt für den -menschlichen Verstand denken ließe; man ahndete nicht einmal, daß -das, was im Römischen Staate und für Römer gerecht und weise war, in -Deutschland und für Deutsche sehr unweise und ungerecht seyn könnte --- Der unverfeinerte Geist der Deutschen Sitten hing mehr an einer -tugendhaften schlichten Denkungsart, als an gewissen durch Convenienz -so oder so bestimmten Wörtern; und die Deutschen hätten von hundert -Arten der Lust nicht gewußt, wenn das Römische Gesetz (dessen um sich -greifende Alleinherrschaft man nur allmählich und nothdürftig durch -Spiegel und Weichbilde und Willkühre beschränkte) nicht gesagt hätte: -_Laß dich nicht gelüsten_. Kann man nicht Laster verbreiten, wenn man -sie gleich mit wahren Farben zeichnet? Giebt es nicht Sünden, die -nicht anders als mit Gefahr der Verführung zu entschleiern sind? und -wenn es dem Dichter schwer ist, treue Gemählde der Sitten zu liefern, -ohne den sittlichen Anstand zu verletzen -- mit welcher Weisheit muß -der Gesetzgeber verfahren, um nicht mehr zu verderben als zu bessern? -Kann der Dichter wenigstens jetzt -- und hatten die Alten so ganz ein -Recht, sich von dieser Weise auszunehmen? -- viele Dinge nach der -Natur mahlen? oder muß er nicht vielmehr seine Gemählde unter einer -conventionellen Maske, und mithin um vieles sittlicher als die Menschen -_pro tempore_ sind, anlegen und halten? und der Gesetzgeber, so ein -Prosaist er auch sonst ist -- muß er nicht eben den Weg wandeln, -wenn er nicht mehr Schaden als Nutzen stiften will? Die Menge der -Römischen Gesetze würde vielleicht mehr abgeschreckt haben; indeß -brachte das System, wonach sie gezimmert waren, (das nicht bloß die -Rechtsgelehrten, sondern, wohl zu merken, auch der Bürger, studieren -mußte, wenn er nicht alle Augenblicke an einer Fiktion und einer -Feinheit oder deß etwas sich Kopf und Herz stoßen wollte) die Römische -Gesetzkunst in Umlauf. Der größte Haufe lernte sie halb kennen, und -eben diese Halbkenntniß erwarb ihr, nach wohlhergebrachter Gewohnheit, -eine fast mystische Verehrung, so daß alles vor dem Römischen Rechte -die Kniee beugte, und ihm huldigte. -- Und wer mag denn auch leugnen, -daß es einen Schatz von Kenntniß und Weisheit enthält? und daß, da -Spitzfindigkeiten und Distinktionen für den größten Theil der Köpfe -etwas sehr Hinreißendes behaupten, es besonders zur damaligen Zeit sehr -natürlich zuging, wenn ihm so reichlich Jünger und Anhänger zufielen? -ob es gleich den Britten nie leid gethan hat, und zu thun scheint, -dieser Rechtsfahne nicht geschworen zu haben. Warum mehr Ausholung? -- -Das unrömische Deutsche Weib kam unter das Römische Gesetz, und die -Deutschen Männer verwickelten sich selbst in das Garn, womit sie Weiber -zu fangen gedachten. Zu wenig hat die Geschichte uns von unsern in Gott -ruhenden Ahnherren hinterlassen, denen es überhaupt mehr darum zu thun -war, Thaten der Nachwelt würdig zu thun, als sie aufzuzeichnen und -aufzubehalten. Das, was Freund und Nachbar _Tacitus_ von ihren Sitten -und Gebräuchen überliefert, ist bei weitem nicht hinreichend, um uns -von ihrer Haus- und bürgerlichen Verfassung einen ganz richtigen, am -wenigsten einen vollständigen, Begriff zu machen. Nach ihm, wurde -bei den Deutschen, bei denen Sitten weit mehr als in Rom Gesetze -vermochten, (denn so, denk' ich, will _Tacitus_ übersetzt seyn) der -Ehebruch mit dem Tode bestraft; und bedarf es größerer Beweise, daß -die Ehen den Deutschen nicht gleichgültig waren? Sie wachten über -ein Geschäft, wobei der Staat so sehr interessirt ist, daß jede -Vernachlässigung sich über kurz oder lang unmittelbar am Staate rächt, -mit vieler Eifersucht und Strenge, so, daß auf Vergehungen dieser Art -(die unter einem Himmelsstriche wie der ihrige, bei einer einfachen -frugalen Lebensart und bei der Unbekanntschaft mit Müßiggang und dem -Wohlleben, den Gefährten des Luxus, in der Regel sich nur sparsam -ereignen konnten) dennoch eine so harte Strafe gesetzt wurde. - -Der Einfluß der Deutschen Weiber in Staatsgeschäfte war wichtig, -indem sie aus ihren Mitteln Priesterinnen gaben, die, außer -ihren gottesdienstlichen Verrichtungen, einen großen Einfluß in -Staatsverhandlungen behaupteten, ihre Berathschlagungen lenkten und -ihren Kriegern in Schlachten Verachtung der Gefahr, Liebe für das -Vaterland, und Muth gegen ihre Feinde einhauchten. Weiber waren ihren -Männern nicht, wie große Staatsdiener ihren noch größeren Fürsten, -_rechte_ oder _linke Hand_, sondern Herz und Seele. Die Geschichte -hat uns noch einen berühmten Namen, _Vellede_, aufbehalten. Ob sie -übrigens als aktive Bürgerinnen an den Volksversammlungen Theil -nahmen; ob sie mit den Männern überall gleiche Rechte genossen: das -ist eine Frage, welche die Geschichte unbeantwortet läßt; indeß ist zu -vermuthen, daß auch bei unsern Vätern die Weiber jene Rollen mehr aus -Connivenz, als kraft einer förmlichen Berechtigung spielten, indem ein -so wichtiger Umstand, der bei allen übrigen damals bekannten Völkern -so sehr außer der Regel war, gewiß der Nachwelt wäre überliefert -worden. Die Eheunlust, worüber Gesetzgeber und Politiker von je her so -manchen Stab Wehe brachen -- entstand sie nicht aus der Verachtung, -welcher das andere Geschlecht ausgesetzt war? Scheint es nicht eine -Art von Degradation seiner selbst, ein Frauenzimmer zu ehelichen, das -im Grunde so ohne alle Bedeutung ist? besonders wenn man überlästige -Schwiegermütter und Basen als Beilagen _sub Ecce_ und _Vide_ erhält! -Man lasse das Mädchen seyn wie unser Einer, und gewiß wird ein -ehelustiger Jüngling weniger Bedenken finden, mit ihr zu ziehen; und -werden Basen und Schwiegermütter bei der Geschlechtsverbesserung noch -Zeit behalten, sich als _Beilagen sub Ecce und Vide_ brauchen zu -lassen? -- - -Wenn es wahr ist, daß durch den Müßiggang eines Bürgers im Staate ein -anderer doppelt arbeiten muß, um die Faulheit von jenem zu übertragen -und Alles ins Gleichgewicht zu bringen; so bestätiget sich diese -Bemerkung noch weit mehr durch die Vielweiberei, die Quelle, wodurch -zwar das _andere_ Geschlecht außerordentlich von seiner Würde verloren, -die indeß auch dem _männlichen_, und sonach dem _ganzen_ menschlichen -Geschlechte, einen unglaublichen Nachtheil zugezogen hat. Nicht bloß -Vater und Mutter, sondern auch die Kinder sind verdorben; der Vater -kommt mit seiner Liebe zu den Kinden ins Gedränge: er liebt sie nicht -als seine Kinder, sondern in so weit dieses oder jenes das Kind dieser -oder jener Mutter ist! -- Der Mißbrauch ist eine ansteckende Krankheit, -die Alles angreift und vergiftet, was ihr zu nahe kommt -- Es ist eine -so feine als richtige Bemerkung: daß die Vielweiberei geradehin zu -einer unnatürlichen Liebe führt, so wie Aberglaube zur Atheisterey, -Verschwendung zum Geitze. -- Doch, diese Abschweifung sollte bloß den -Weg zu der Bemerkung bahnen, daß, so wie dem andern Geschlechte von den -Männern begegnet wird, die Männer sich von den Regenten begegnen lassen --- Die Sklaverei, wenn sie auch nur im Kleinen, in einer einzigen -Beziehung, geduldet und geübt wird, macht über kurz oder lang alles zu -Sklaven. Bei einer gelinden, gemäßigten, eingeschränkten Regierung galt -das Frauenzimmer von jeher mehr, als in despotischen Staaten, wo die -Sklaverei der Weiber politisch nothwendig ist. Den Weibern ist ohne -Zweifel jene Gelindigkeit, Mäßigung und Einschränkung in der Regierung -zu danken -- Wo sie zum Worte kommen, stimmt sich Alles zur erlaubten -bürgerlichen Freiheit; zur erlaubten, sag' ich, und füge hinzu, daß die -Weiber zur despotischen Herrschaft von Seelen- und Körperswegen nicht -aufgelegt sind -- Zeigen sie Spuren vom Gegentheil, so waren Männer -ihre Verführer. Der fromme _Haller_ sagt: - - _was Böses ist geschehn, das nicht ein Priester that?_ - -und ist Priester nicht ein Erzmann? ein Mann aus höherem Chor? Man -sagt, im Orient mache das Klima es nothwendig, daß die Weiber in -Festungen eingeschlossen werden, und der Zwang der Harems verbessere -ihre Sitten. Lieber! kann der Zwang Sitten verbessern, wenn du ihn dir -nicht selbst durch Grundsätze anlegst? oder ist die Tugend, die nicht -nur einer Schildwache, sondern einer ganzen Festung bedarf, so vieler -Umstände werth? Was muntert mehr zur Ehe auf: -- Hagestolzenstrafen -- -Vaterprivilegien? oder eine tugendhafte Frau, die bischöflich nur Eines -Mannes Weib ist, und dies ihr Licht leuchten läßt vor den Leuten, daß -sie ihre guten Werke sehen? -- - -Welch ein Umgang ist reitzender, als unter Freunden und Freundinnen! --- _Freundschaft_ kann freilich unter Einem Geschlecht existiren; -allein _Umgang_ nicht. -- Freundschaft, ächte Freundschaft ist eine -Schaumünze, die man nur im höchsten Nothfall angreift; Umgang ist -Ausgabegeld, für das wir tägliches Brot kaufen: und was wären wir ohne -ihn? Wie viele Menschen, die zu jener hohen Stimmung der Freundschaft -keinen Beruf empfingen, würden ohne Umgang lebendig todt seyn! Die -Freundschaft bittet nicht, sie fordert; sie borgt nicht, auch wenn ihr -Antrag noch so mächtig wäre, sie kassirt nur Schulden ein -- Freunde -befinden sich in Gemeinschaft der Güter des Lebens; ihr Sinnbild ist, -nach dem Ausspruche des _Aristoteles_: Eine Seele in zwei Körpern. -Zu historischen Belägen mögen _Damon_ und _Pythias_, _Orestes_ und -_Pylades_ dienen, deren Freundschaft stärker als Leben und Tod war. --- Ein Alter hielt _den_ schon für äußerst glücklich, der nur _einen -Schatten_ von einem Freunde angetroffen hätte. Der Umgang, wenn -beide Geschlechter daran Theil nehmen, ist ein dergleichen Reich der -Schatten, ein Elysium diesseits des Grabes -- und an dem Eingange -stehen die Worte: hasse, als stände dir eine Zeit bevor, worin du die, -welche du jetzt hassest, lieben wirst; liebe die Menschen, als wenn -du dich nicht würdest entbrechen können, sie einmal zu hassen -- Ein -Fingerzeig, der ein Hochverrath am Tempel der Freundschaft seyn würde; -doch Freundschaft hat keinen Tempel, selbst nicht eine Kapelle von -Menschenhänden gemacht: das Herz ist ihr Heiligthum. Noch oft wird mich -das selige Wort _Freundschaft_ entzücken. -- Verzeihe, lieber _**s_, -daß ich hier abbreche; bald sehen wir uns wieder. -- -- -- - -Die Herren Alten hatten den Weibern die Schnecke zum Sinnbilde -ausersehen; allein durch sklavische Eingezogenheit verliert die -Ehe von beiden Seiten, und die Männer ohne Zweifel am meisten. -- -Die Egyptischen Damen mußten mit bloßen Füßen ausgehen, damit sie -einheimisch blieben; und wer erinnert sich nicht an die Geschichte -jenes Weibes, das ein öffentliches, den Männern geheiligtes Haus -vorbeigegangen war? -- Dieser unbeträchtliche Umstand veranlaßte -eine Wallfahrt nach _Delphi_, um in heiliger Kürze und Einfalt zu -erfahren, was dieser Vorgang bedeute? Wer wollte nicht lieber an der -_Wirthstafel_, als bei _Lucullus_ vorlieb nehmen, wenn bei letzterem -die Menge der Leckerbissen das Vergnügen des Umganges und einer -gemischten Gesellschaft ersetzen sollte? -- Die Römische Sprache -scheint zum Umgange mit Frauenzimmern, und zum Umgange überhaupt, -wenig zu taugen, weil die Römer jenes Salz der Erde nicht kannten. -Zwar hat jede Nation in ihre Sprache Spuren ihrer Lieblingstugenden -und Lieblingssünden gedruckt: so kommen die technischen Benennungen -des Seewesens aus dem Holländischen; die Soldatenworte aus dem -Französischen, die Baukunst, die Mahlerei und Bildhauerkunst beweisen -durch ihre Ausdrücke, daß Italien ihr Vaterland ist, und das Jagdwesen -erkennet Deutschland für sein Revier: indeß scheinen alle neuere -Sprachen, die Deutsche selbst nicht ausgenommen, durch den Umgang mit -dem andern Geschlecht etwas Eigenthümliches erhalten zu haben, das der -alten Welt gebrach. -- Wenn das ewige Feuer, welches die Vestalinnen -unterhielten, dazu diente, Licht anzuzünden, wie ein allgemeiner -Brunnen, Wasser zu schöpfen; so ist es ein schönes Bild von dem -Dienste, den das schöne Geschlecht durch die Verfeinerung des Umganges -der Welt erwiesen hat: Wir alle haben bei ihm Licht angezündet; -- und -die Regel: »beherzige deinen Körper in der Einsamkeit, bilde deinen -Geist in der Welt, deinen Willen durch das Gesetz, deinen Verstand -durch Freiheit,« ist so richtig, wie irgend eine Regel es nur seyn -kann. -- Weiber sind berufen, angegriffen zu werden und sich zu -vertheidigen, und in beides eine so _feine Lebensart_ zu mischen, daß, -wenn sie nicht die Ehre verdient _Schamhaftigkeit_ zu heißen, diese -doch nicht ohne jene bestehen kann. Körperlicher Genuß, er sei von -welcher Art er wolle, ist kurz, und dämpft jenes beglückende sanfte -Feuer des Umganges eher, als daß er es dauerhaft machen sollte. -- -- - -Auch das Recht, das die Männer sich bloß anmaßten, die Weiber verstoßen -zu können, ohne es den letztern gleichfalls zuzubilligen, hat das -andere Geschlecht entwürdiget. Warum ward dieses Verstoßungsrecht nicht -wechselsweise und beiden Theilen verstattet? Das Weib würde sicher -von diesem Rechte nur selten Gebrauch gemacht haben, da der größte -Theil seiner Reitze, gleich Rosen, sehr bald dahin welkt, und da es, -nach wenigen in den Armen eines _Adams_ verlebten Wochen, so unendlich -viel minder gilt, wogegen sein _Adam_ unverwelklich bleibt. -- So -bald Mann und Frau die Trennung nicht gemeinschaftlich wollten, (in -welchem Fall' es Ehescheidung gewesen wäre) so hätte die Verstoßung -als eine bloße Gewaltausübung eine unerhörte Sache seyn müssen. Aller -dieser wunderbaren, das andere Geschlecht erniedrigenden Gesetze und -Gewohnheiten ungeachtet, wußten sich doch wenigstens Einige desselben -so auszuzeichnen, daß das ganze Geschlecht durch sie gewann; und es -ist -- zum unsterblichen Lobe des schönen Geschlechtes sei es gesagt! --- in Hinsicht seiner der Fall am öftesten gewesen, daß man nicht -allgemein ein Recht ausübte, welches ein unnatürliches, ein hartes -Gesetz einräumte. Von dieser Seite sind Gewohnheiten (_consuetudines_) -das ehrwürdigste, das ich kenne; sie beweisen da, wo ihrer eine -ungewöhnliche Anzahl vorhanden ist, nicht unrichtig jenen großen, edlen -Menschendrang nach Recht, Billigkeit und Freiheit, und daß über die -bürgerliche Einrichtung der Mensch nicht verloren ging -- Was hülf' es -auch dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne und nähme Schaden an -seiner Seele! - -Wie wär' es, wenn ich nach diesen Bemerkungen im Allgemeinen noch -einmal dem Römischen Rechte ein Rauchopfer anzündete und den Grund -der gesetzlichen Härte gegen das Frauenzimmer zu entwickeln suchte? -Jede Sache hat innere Data, die, wenn man sie mit Einsicht und -Bescheidenheit nutzt, die äußeren oft überwiegen; indeß hat es dem -Römischen Rechte nie an Helfershelfern, Commentaroren, Epitomatoren -und Auslegern gefehlt, und einem dieser gelehrten Herren gehört ohne -Zweifel die Behauptung, daß die _Eifersucht_ der Ursprung der meisten -weiblichen Rechte gewesen sei. Diese Behauptung indeß ist für mich -so wenig überzeugend, wie der Glaube lebendig ist, daß _schuldige -Verehrung_ und _Achtung_ hierzu den Grund gelegt haben. So entfernt -ich bin, den zweizüngigen _Prokop_, der den _Upravda_ in seinen acht -Geschichtsbüchern erhöhet und in seinen Anekdoten erniedrigt (recht als -wenn Jemanden das im Testament mit Lob und Dank zugebilligte Legat, -im Codicill mit Verachtung und Bitterkeit entzogen wird) nachzubeten, -und überhaupt auf die Rechnung eines Gesetzsammlers und Gesetzgebers -alle Fehler und Vorzüge eines zusammengebrachten Gesetzbuches zu -schreiben; so ist doch _Justinian's_ Schwäche gegen seine Gemahlin -_Theodora_ unleugbar, die weiland eine Komödiantin war, und der er -nicht wenig Einfluß in die Regierungsgeschäfte ja, wenn man will, in -das Allerheiligste derselben, die Gesetzgebung, einräumte. Warum gab -_Justinian_ seinen Liebesgrillen nicht eine andere Richtung? Wie sehr -übertraf ihn _Franz der Erste_, glorwürdigen Andenkens, der zuerst die -Sitte begann, daß Damen an den Hof kamen, als wodurch das, was man -_Hof_ nennt, eigentlich erschaffen ward! Ihnen zu Ehren wurden Bälle, -Komödien und Turniere angestellt, und _Franz des Ersten_ herzbrechendes -Sinnbild war ein Salamander in den Flammen, als ob er nicht anders -als in der Liebesgluth leben könnte. Bei seinen Hofleuten warf er -sich zum Werber und Ehebeförderer auf, und gern war er ein allezeit -fertiger Fürsprecher bei ihren Schönen. Traf er ein verliebtes Paar, so -verlangte er zu wissen, was es sich sagte, und mit Vergnügen, legte er -ihrer Zunge von seinem Salamanderfeuer Geist und Flamme bei. Freilich -war auch sein Gang kein Richtsteig; doch -- kam er der Sache nicht -näher, als der gesetzgalante _Justinian_, der das größte Sibyllinische -Buch, _die Welt_, dem schönen Geschlechte noch mehr verriegelte, -wogegen _Franz I._ es ihm öffnete? -- Wie konnte man überhaupt von der -damaligen Zeit, wo alle Gelehrsamkeit auf so schwachen Füßen stand oder -ging, Helden- und Meisterzüge der Gesetzgebung erwarten? - -Es giebt, sagt man, nach der Verschiedenheit der weiblichen Rechte, -auch verschiedene Beweggründe zu ihrer Bewilligung -- und in jedem -Gesetz ist der Grund, weshalb es gegeben ward, am sichersten -aufzusuchen. Zwar ist es nicht immer der, welchen die gesetzgebende -Majestät anführt; indeß wird man über die Floskeln des angegebenen -Grundes sich eben so leicht wegsetzen, als wir heut zu Tage wissen, -wie wir uns mit dem _allgemeinen Besten_ und der _angestammten Huld -und Gnade_ einzuverstehen haben. Schwäche des Geschlechtes ist zum -Beispiel die Ursache, warum es keine Bürgschaft gültig übernehmen kann; -und da diese Schwäche selbst nach den _eigenen Worten des Gesetzes_, -nicht den Mangel an Überlegung andeutet: so scheint sie eher in -jener Gutmüthigkeit zu bestehen, die zu Menschen-Wort und Verheißung -nicht den Glauben verloren hat; und ist dieser _Glaube an Menschen_ -Schwäche? Ist er es, so kann es von ihm in That und Wahrheit heißen: -wenn ich schwach bin, bin ich stark. Eine wohlgewählte Strafe für den -Betrüger würde vielleicht weit wirksamer seyn, als der _Vellejanische -Rathschluß_, da sie auch gutmüthige Männer aus der Verlegenheit zu -ziehen im Stande wäre; und wenn Lügen, als die Wurzel alles Übels, mit -der gehörigen Härte bestraft, oder auf eine sonst gute Manier aus der -Welt verbannt würden -- welch ein Gewinnst! Das Kindergebären, das -gemeiniglich zu den Hauptbeweisen der Schwäche gezählt wird, welche -die Gesetze dem schönen Geschlecht außerordentlich hoch anzurechnen -geruhen, legt geradezu ein Naturzeugniß seiner Stärke ab. Ich wünschte -nicht, daß dieses Geschäft an unser Geschlecht käme. Wie sehr würde -unser Heer von Stutzern, diese hybriden Geschöpfe, und wie noch mehr -der Staat zu bedauern seyn! Welch ein _Minus_ würde sich schon im -ersten Jahre an gebornen Kindern, und welch ein _Plus_ an gestorbenen -Kindbettern finden --! Zählt die Tage beider Geschlechter, welche -Krankheit zu heiligen erniedrigt; und ich wette, es wird in der Balanz -_Credit_ und _Debet_ beider Geschlechter sich heben. -- - -Auch die _Schamhaftigkeit_ wird als ein authentischer Grund der -weiblichen Rechtsunterdrückung -- wohl zu merken, von den Gesetzen -selbst! -- angeführt. Ein Grund, worüber sich die Schriftgelehrten -schämen würden, wenn sie das könnten! Wegen der Schamhaftigkeit soll -das schöne Geschlecht nicht Theil an gerichtlichen Handlungen nehmen? -Wie gütig die Gesetze sind! als ob in den Gerichten die Schamhaftigkeit -Gefahr liefe, oder gar aufgegeben würde! Was könnte denn hier zu -unerlaubten Begierden verleiten und ein von diesen entferntes Herz -dazu entflammen? Ehe _beide_ Geschlechter sich zu dieser Tugend -entschließen, und sich von jedem verführerischen Worte Rechenschaft -abfordern -- giebt es Schamhaftigkeit? -- und was gilt sie einseitig? --- Die Schamhaftigkeit ist eine Tugend, die, wenn ich so sagen darf, -_in der Ehe lebt_; wenn sie nicht von Männern und Weibern zugleich -geübt wird, so artet sie in Ziererei und weibliche Taschenspielerkünste -aus -- Und wie? ist den Reinen nicht alles rein? Eine Ehefrau kleidet -eine edle Freimüthigkeit, ein unverstelltes Wesen, unendlich besser, -als jene klösterliche Heuchelei. Mit ungewaschenen Händen essen, -verunreinigt den Menschen nicht; und der Tugend sich mit seinem Munde -nahen, sie mit seinen Lippen ehren und das Herz von ihr entfernen -- -ist das nicht ein Greuel? - -Macht man indeß mehr auf einen reinen Mund Anspruch, als auf ein reines -Herz, so hat die Gesetzstelle gewonnen Spiel, welche (_L. I. § 5. D. -de postulando_) behauptet, daß man die weibliche Schamhaftigkeit in -Labyrinthe der Versuchung führen würde, wenn es dem schönen Geschlecht -erlaubt werden sollte, sich in Rechtsangelegenheiten zu mischen. O, -der überfeinen Besorgniß! Ist das Reich Gottes nicht in uns? Tugenden, -die nie das Glück gehabt haben, in Versuchung zu kommen, sind, wie die -Scheidemünze, von sehr verdächtigem Schrot und Korn, ob sie gleich -gemeiniglich den Vorzug haben in Cours zu bleiben. -- Jenes Recht der -Gegenwehr, kraft dessen wir allem widerstehen, was uns zu nahe zu -treten versuchen will -- wenn es nie in Anwendung gebracht wird, setzt -es nicht die Menschen über kurz oder lang aus aller Disciplin, so daß -sie zuletzt von ihren eigenen Schatten in die Flucht geschlagen werden? -Sind die schrecklichsten Schandthaten in der großen Welt oder in der -Einsamkeit empfangen und geboren? oder will man dem schönen Geschlecht -die Fähigkeit und das moralische Vermögen etwas zu thun oder zu lassen, -zu Deutsch _das Recht_ genannt, in bester Form Rechtens aberkennen? -Haben wir nicht bedacht, daß Recht aus der leidenden Verbindlichkeit -entsteht, und daß kein Recht seyn würde, wenn keine Verbindlichkeit -wäre? daß, wenn die Natur zu einem Zwecke durch ihr heiliges Gesetz -verbindet, sie auch den Schlüssel und das Recht zu den Mitteln -verliehen hat? Oder kann man ohne Mittel zum Zwecke gelangen? Stehet es -nicht jedem frei, das zu thun, ohne was er seiner Verbindlichkeit nicht -nachkommen oder sie nicht erfüllen könnte? - -Sehr consequent in Rücksicht Römischer Rechts-Grundsätze hat _Divus -Justinianus_ (_Nov._ CXXXIV. _Cap._ IX.) angeordnet, daß kein -Frauenzimmer gefänglich eingezogen werden solle. Auch wegen der größten -Verbrechen will er sie nur mit dem Kloster bestrafen und sie bloß -der Aufsicht anderer Weiber anvertrauen -- Wir indeß geben dieses -Gesetz aus männlicher Machtvollkommenheit auf, ohne dem Geschlechte -andere Römische Rechtswohlthaten zu erlassen. Wer sollte denken, -daß man mit Wohlthaten so sehr ins Gedränge kommen, so geplagt und -belästigt werden könnte! wer sollte denken, daß man dem mit Wohlthaten -so überhäuften Römischen Frauenzimmer ehemals nicht gestattete, den -Volksversammlungen beizuwohnen! daß man es der Ehre nicht würdigte, -zum Volke zu gehören, und daß eben aus dieser Herabsetzung ihm der -Vorzug erwuchs, mit Bestande Rechtens in den Rechten unerfahren zu -seyn und sich mit dieser Gesetzunwissenheit, wie mit einem Orden, zu -schmücken! -- Nicht nur unschädlich, sondern rühmlich, war ihm, diese -Wohlthat der ewigen Kindheit, vermöge deren es im Reiche des _Saturnus_ -in einem immerwährenden Frühling lebte, schwebte und war -- Es -verschenkte alles das Seinige, um von Almosen zu leben; es vertauschte -Gold gegen Flittern, Schaumünzen gegen blanke Rechenpfennige. Doch -alles ist kein Vergleich gegen den Tausch des Rechtes gegen Güte --- der männlichen Worte: _ich fordere_, gegen die weiblichen: _ich -bitte_. Wie konnte man aber auch einer, in der gesetzlichen Herrschaft -des Eheherrn befindlichen Gattin, einer der Gewalt eines Andern -untergeordneten Sklavin, mehr als Gnade und Wohlthaten erweisen? -Nicht sie, sondern ihr Mann hatte Kinder -- Auf ihre Familie hatte -sie Verzicht gethan, um zu ihres Herrn Familie einzugehen -- Schon -längst hatte man verlernt, daß die Ehe eine gleiche Gesellschaft sei, -daß die Herrschaft im Ehestande eine beiderseitige Herrschaft der -Eheleute neben einander bleibe, und daß der Mann sie sich nur durch -einen _ausdrücklichen_ Vertrag zueignen könne? »Nicht auch durch einen -_stillschweigenden_?« Ach freilich! hätt' ich doch diese stumme Sünde -beinahe vergessen. Die Geschichte gedenkt eines naseweisen Knaben, -_Papirius_, im Besten, weil er, seine Mutter zu betrügen, schon in -frühen Jahren reif genug befunden war. Er begleitete, nach damaliger -Sitte, seinen Vater, wenn Se. wohlweise Gestrengigkeit auf das Rathhaus -ging; und da seine Mutter die Debatten des Tages vom _Papirius_ zu -wissen verlangte, so schob er ihr eine baare Unwahrheit unter. »Es -wäre, sagte er, die Frage zur Motion gediehen: Ob es besser sei, daß -ein Mann zwei Weiber, oder ein Weib zwei Männer habe.« -- -- Welch -eine Erniedrigung, daß eine Mutter bei einem Knaben, und, was noch -mehr sagen will, bei ihrem leiblichen Sohne, nach den Dekreten einer -obrigkeitlichen Sitzung forschen muß! und welch eine Übertretung des -vierten Gebotes, daß ein Sohn seine Mutter durch eine Unwahrheit -vorsetzlich zu einem weiblichen Auflauf bei der National-Versammlung -mißleiten konnte, der sich entschloß, (ohne Zweifel in besserer Form -und Ordnung als die Parisischen Fischweiber) wider das vermeintliche -Dekret, daß ein Mann zwei Weiber haben könne, zu protestiren. Es heißt, -_Papirius_ habe von Stund' an, und nach diesem _examine rigoroso_ -ein Patent als ordentlicher Beisitzer des hohen Rathes erhalten, und -dagegen sei allen übrigen Auscultatoren und Referendarien der Zutritt -zu den Raths-Sessionen untersagt worden! Freilich verdienten solche -altkluge, auf Treibhäusern gezogene Kenntnisse des _Papirius_, und ein -so stattlicher Mutterbetrug, Aufmunterung und Belohnung! -- Sollten -indeß alle jene so übermäßige Wohlthaten nicht unter Einen Hut zu -bringen seyn? Wir können in Ansehung dessen, was in anderen Fällen -geschieht, wo nicht schon sicher wissen, so doch mit Zuverlässigkeit -vermuthen, mit was für einem Maße der Einsicht in den Grund der Sache, -aus welchen öffentlichen und geheimen Artikeln von Anreitzungen, -Absichten und Nebenabsichten, für die Beibehaltung des Alten geeifert -wird. Wenn mich nicht alles trügt, so hat die _Furcht_ der Männer, -durch die Weiber _unterjocht zu werden_, die ersteren zu jener -Überhäufung mit Wohlthaten gebracht. Nach Art der Hofleute, die kein -moralisches Aequinoctium annehmen, wo Gutes und Böses sich die Wage -hält, scheinen die Männer, die schon unter sich so viele Feinde und -Widersacher zählen, sich von Seiten der Weiber den Rücken decken zu -wollen -- Wär' es das erstemal, daß man seine Herrschaft durch das -Hausmittel zu sichern suchte, die, welche man beherrscht und gern ewig -beherrschen möchte, von reiner Erkenntniß und Besserung hochbedächtig -zurückzuhalten? Und wie! es stand noch kein Prediger in der Wüste auf, -der diesen Männerdünkel in seiner Blöße zeigte, und auf diesen Staat -im Staate aufmerksam machte? -- Es gab Götter und Göttinnen, die für -Opfer und Geschenke feil waren. So ging es dem andern Geschlechte, -das auch Opfer auf Kosten seiner Rechte annehmen mußte, und das, -wenn gleich die Menschheit es so sehr zierte, sie doch gegen jene -Göttlichkeit aufzugeben gezwungen ward. Jemanden Güte erweisen, indem -man ihm Gerechtigkeit entzieht, heißt: ein Naturgesetz mit Füßen -treten, und sich mit einem positiven brüsten; die Erstgeburt für ein -schnödes Linsengericht verkaufen, Mücken seihen und Kamele verschlucken --- O, der blinden Leiter, die, mit pharisäischer Heuchelei das andere -Geschlecht einschläferten, im Trüben fischten und durch Schein des -Rechts die natürlichen in das Herz geschriebenen Rechte zu vertilgen -suchten! -- Die Natur läßt sich nicht zwingen. -- _Furcht!_ Fiel dies -Wort auf? Es sollte auffallen -- Seht! ich will mein Herz ausschütten -und zur Ehre des männlichen Geschlechtes bekennen, daß keine bösere -Absicht, als _die Furcht, das andere Geschlecht würde uns beherrschen_, -den Grund zu unserer Herrschaft über dasselbe gelegt hat. Auch dachten -wir vielleicht unserer Seits bei diesem Plane nicht, den Weibern -eben schwer zu fallen und ihnen Schaden oder Leides zu thun; sondern -_ihnen und uns nützlich zu werden_. Vielleicht war ein Plan dieser -vermeintlich _nutzreichen Art_ der Anfang mancher andern, jetzt so -ausgearteten Herrschaft. Die _Furcht_ schuf Götter, sagt ein Alter; --- nicht auch die _Liebe_? Wir sollen Gott fürchten und lieben, fängt -_Luther_ jede Erklärung der zehn Gebote an -- und doch treibt die Liebe -die Furcht aus --! - -Sehet euch um! noch jetzt werdet ihr finden, daß Männer, die ihre -Weiber _anbeten_, vorzüglich jedem Beitrage zur Verbesserung des -anderen Geschlechtes ausweichen. Und warum dieser befremdende -Widerstand? Das Gefühl von dem Werthe seines vortreflichen Weibes -verstärkt die _Furcht_ des Herrn Gemahls. Die Verehrung, die er ihm -widmet, unterdrückt den Gedanken, dem Geschlechte in ihm Gerechtigkeit -zu erweisen -- Auch der beste Mann ist neidisch auf große Eigenschaften -seines Weibes, die ihm gefährlich werden können; er will mit seinen -Wohlthaten ihm den Mund stopfen, die Vernunft und den Willen -desselben einschränken und mißleiten, damit es nicht Gerechtigkeit -begehre -- Eine besondere Art, mit Geschenken das Recht zu beugen, -eine Wechselschuld nicht zu bezahlen, allein dem Wechsel-Gläubiger -ein Geschenk zu machen, das jene Schuld überwiegt! -- Dergleichen -Männer bemühen sich außerordentlich, sich ihren Weibern von der -besten Seite zu zeigen; und da sie wohl einsehen, wie sehr weit sie -von ihren Weibern in allem zurückgelassen werden: so legen sie ein -außerordentliches Gewicht auf ihren Staatsberuf, und rechnen sich -die Amtsgeschäfte äußerst hoch an, um sich bei ihren Weibern in -Achtung zu erhalten. -- Das arme Geschlecht! wie sehr es doch durch -blauen Dunst hingehalten wird --! Man erzählt von einem Türkischen -Gesandten, er habe auf die Frage: wie ihm das Frauenzimmer in *** -gefalle; geantwortet: ich bin kein Kenner von Mahlerei -- Ist nicht -jeder Beamte im Staate geschminkt? -- Man nehme ihm das Weiß und Roth, -das der Staat ihm Ehrenhalber auflegt; und wir werden weder Gestalt -noch Schöne an ihm finden --- Wir mögen uns nicht anstrengen, um mit -dem andern Geschlechte Schritt zu halten; und das müßten wir oft über -unser Denken und Vermögen, wenn wir ihm gleich kommen wollten. Wir -gehen ihm sonach Räthsel auf, die der Auflösung nicht werth sind; wir -verlangen Traumdeutungen von ihm, ohne daß wir ihm den Traum bekannt -machen; wir suchen es in das Spielwerk der Welt zu verwickeln, und -es dem Ernste und Nachdenken so viel als möglich zu entziehen: -- -und doch ist dieser Müßiggang -- welches Weib wird nicht dazu auf -eine grobe und subtile Art verurtheilt? -- der Grund von allem jenem -Übel, wovon reelle Beschäftigung das Weib, seinen Mann und die Welt -befreien würde. -- Die _Thätigkeit_ hat drei Grazien zu Töchtern: -_Tugend_, _Wissenschaft_ und _Reichthum_; allein welche Thätigkeit? -die, wozu Männer aus Machtvollkommenheit die Weiber verurtheilen, oder -jene, die man bei selbstgewählten Geschäften anwendet? die, wo Lied- -und Tagelohn bezahlt wird, oder jene, wo das freiwillig übernommene -Geschäft sich selbst belohnt? Aufgegebene Arbeiten können zwar zu -andern unaufgegebenen erwecken, die über jene unendlich erhaben sind; -doch müssen die aufgegebenen nie von so einförmiger Art seyn, wie die -weiblichen es sind, falls sie die einmal in Bewegung gesetzte Seele -zu edler Wirksamkeit hinaufstimmen sollen -- Wann wird Thätigkeit aus -selbsteigener Wahl einmal aufhören der königliche Vorzug der Männer -zu seyn! wann werden Weiber zu dem Menschenrechte gelangen, Geschäfte -nicht fürs Brot, nicht auf den Kauf, sondern mit Lust und Liebe -treiben zu können! o, wann! -- -- Wie sehr würde man die Erklärung der -siebenten Bitte durch die Verbesserung des weiblichen Verhältnisses zum -Staate verkürzen! Man verbietet mit Recht nicht nur das Laster, sondern -auch den Schein desselben, weil Schamlosigkeit, wenn sie ins Publicum -dringt, ein allgemeines Verderben des Staates bewirkt, und ein gewisses -Zeichen seines nahen Sturzes ist. -- Doch bedenkt man nicht, daß eben -die Ausschließung des andern Geschlechtes von allen öffentlichen -und ernsthaften Beschäftigungen es geradesweges auf den Gedanken -bringen muß, alle jene ehrwürdigen Sachen zu enttrohnen, den Werth -derselben, den inneres Gehalt oder Lieblingsgrillen ihnen beilegen, zu -verringern, und der jungen naseweisen Welt der Jünglinge allen jenen -Ernst so zu verekeln -- daß, wenn sie sich ja Geschäften widmen, sie -die Maximen des Lächerlichen in Anwendung bringen, welche sie zu den -Füßen des schönen Geschlechtes gelernt haben. Es werden wenige Dinge -seyn, die sich von dem Roste der Pedanterie rein halten können, außer -wenn das Frauenzimmer, dieses einzige Verwahrungsmittel gegen jenes -Geschlechtsübel, dabei eingeflochten wird. - -Der Mensch ist zur Nachahmung geneigt, und es ist eine bekannte -Bemerkung, daß man das in seinem Hause im Kleinen einführt, was im -Staat im Großen gäng und gebe ist; das Haus pflegt ein Miniaturstück -des Staates zu seyn. Wenn aber gleich in despotischen Staaten der -Despotismus auch in Privathäusern wüthet, und um so mehr mit gutem -Bedachte wüthen zu müssen das Ansehen gewinnt, da größere Freiheit -der Weiber dem Staat unüberwindliche Nachtheile zuziehen, und dieses -Geschlecht, geboren der Natur getreu zu seyn, alles jene unnatürliche -Wesen der Despotie an die gehörige Stelle und den rechtmäßigen Ort -bringen würde; so ist doch auch in Republiken das schöne Geschlecht -noch nie zu einem anständigen Grade von Besitz seiner Rechte gediehen --- Zwar gewinnt es dort durch mindere Pracht; allein eben dieser Gewinn -lehret die Herren Staats-Repräsentanten aufs Wort merken. Die Weiber -spielen ein etwas ernsthafteres Spiel, als in Despotie und Monarchie; -aber man erlaubt ihnen nicht, dieses Ziel zu überschreiten: ihre -anscheinenden Vorzüge sind avanturirt (erabentheuert) -- Es bleibt -Spiel was sie treiben -- Ihr Tichten und Trachten sind Kleinigkeiten -von Jugend auf und immerdar; und, was noch ärger ist -- der -widernatürlich zusammengeordnete Putz entstellt die natürliche Schöne -des Körpers so sehr, daß die _Frage_ der Gemahlin des Kaisers von -_Marokko_, an die geputzte Frau des Holländischen Consuls: _bist du das -Alles selbst?_ -- oft _ihr Glück versuchen_ könnte. - -In der Aristokratie sind die Herren Aristokraten zum Neide und zur -Eifersucht so berufen, daß sie zu verlieren befürchten, wenn sie ihren -Weibern einen Vorzug verstatteten -- und da selbst die Französische -Revolution ihren Zustand -- obgleich Weiber die Fahne derselben geführt --- nicht verbessert hat; so scheinen wohl die Verschiedenheiten der -Regierungsformen nicht bestimmt zu seyn, diesen Schaden Josephs zu -heilen: höchstens bleiben die armen Weiber beim _Mehr_ oder _Weniger_ -stehen. - -»Es ist wider die Vernunft und wider die Natur«, sagt ein Philosoph -der Welt, »daß Weiber die _Hausherrschaft_ führen; allein _Reiche_ -können sie regieren -- Im ersten Falle erlaubt ihnen ihre Schwäche -diesen Vorzug nicht; im andern stimmt diese sie zur Leutseligkeit und -Mäßigung. --« Mich dünkt, diese Bemerkung ist Sophisterei. Wer will -denn, daß Weiber das Hausregiment führen sollen? Nur da, wo, nach dem -altdeutschen Reim eines Reformators, ein Jeder seine Lektion lernt, -wird es wohl im Hause stehen. -- Es ist zu verwundern, daß jetzt, da -das halbe menschliche Geschlecht auf weiter nichts sinnt, als sich -mit Ehren unter die Haube zu bringen, noch so viel Policei im Punkte -des Punktes herrscht -- und daß, da das Frauenzimmer zu einer ewigen -Vormundschaft verdammt wird, es seine Rache bloß aus der ersten Hand -vom Ehemanne nimmt, und übrigens in der größeren Welt so sittsam und -menschenfreundlich bleibt. Strenge Aufmerksamkeit auf einen sich selbst -gegebenen Punkt unterdrückt das Gefühl des Schmerzes, und die größte -Krankheit verliert einen großen Theil ihrer Feindseligkeit durch die -Unterhaltung mit einem guten Bekannten, welche aber, wohl zu merken, -den Kranken unvermerkt, äußerst leicht und ohne angreifende Übergänge -beschäftigen muß. Ist die Ehe, nach jetziger Sitte, viel mehr als -eine Krankenunterhaltung, wodurch man so sehr die lange Weile als -die Anstrengung vermeidet, und vorzüglich das andere Geschlecht von -jenem schrecklichen Gefühle seiner Abhängigkeit und Unterdrückung -ableitet? -- Ließen die Männer sich öfter als jetzt merken, daß sie -das Verhältniß der Geschlechter besser, als die Natur, zu ordnen -wüßten, wie weiland _Alphonsus_ das Schöpfungswerk weit besser als -der Schöpfer Himmels und der Erden zu verstehen vorgab: so wäre -den Männern höherer Klassen schon längst von ihren aufgeklärten -Damen der Krieg angekündigt; jetzt aber, da Männer diese Saite fast -gar nicht berühren, oder höchstens sich über diese Sache etwa so -auslassen, wie _Machiavell_ über die Tyrannen: -- jetzt bleibt es in -besseren Volksklassen beim Frieden, und in den geringeren ist der -Unterschied zwischen männlichem und weiblichem Werth und Unwerth zu -unbedeutend, oder jene geringeren denken zu wenig an ihre Bestimmung, -um anders als thierisch zu wissen, daß zwei Geschlechter unter den -Menschen sind -- Wird dann etwa (im Jubeljahr) unter uns ein _St. -Pierre_, ein _Bayard_, ein _Heinrich IV._ geboren; so läßt das -andere Geschlecht, des Verdienstes dieser hervorragenden Männer -halben, dem ganzen männlichen Geschlechte Gnade widerfahren. -- -- -Laßt uns aufrichtig seyn! Alles wodurch Menschen sich auszeichnen -können, ist dem Frauenzimmer benommen. Ein Cartel erniedrigt es so -tief, wie eine ungerächte Beleidigung den Ehemann; und in die Klasse -der Unedlen, der Knechte, ward es unter dem Schreckbilde, daß die -Gränzen seiner fräulichen Schamhaftigkeit verletzet werden könnten, -verstoßen, damit nur unser Geschlecht sicher bliebe, nie von ihm zum -Zweikampfe gefordert zu werden -- Nicht die Ähnlichkeit, sondern -das Gesetz bestimmt vermöge der Ehe den Vater; es benennt ihn, und -leidet keinen Widerspruch. Wie war es möglich, daß, da die Natur -unmittelbar die Mutter bestimmt, daß, da diese so unbezweifelt gewiß -wie unsere Existenz und der Tod ist -- die Kinder in solch eine -Unerkenntlichkeit ausarteten! daß nicht gutgesinnte unter ihnen sich -vereinigen, um ihre Mütter aus der Schmach zu reißen, in der sie von -wegen des Geschlechtes schmachten! Das männliche Geschlecht spielt mit -außerordentlichem Glück -- Wenn die Väter ihren Töchtern vermöge des -Geschlechtstriebes nicht so liebreich zuvorkämen, wie es gemeiniglich -der Fall ist; vielleicht würden diese schon längst eine Conspiration -veranlaßt haben, um Menschen aus Mädchen zu machen, die jetzt aus Sitte -nicht sehen, hören und denken dürfen, die allein in der Einsamkeit -das Recht haben dreist zu seyn, und nur im Selbstumgange jenen -schrecklichen Klosterzwang ablegen können, der sie in Gesellschaft zur -entsetzlichsten Einsamkeit verdammt. Was kann man von dieser Erziehung -erwarten, die von der Heuchelei dirigirt wird, nach welcher selbst -der Plan, zur Heirath Anlaß zu geben, so insgeheim ausgeführt werden -muß, daß oft das lauteste _Nein_ das herzlichste _Ja_ bedeutet! -- -Alle jene Gesetze zur Fortpflanzung des menschlichen Geschlechtes, -jene Aufmunterungen zur Ehe, die Drei-Kinder-Ehre -- was sind sie -anders, als unnatürliche Hülfsmittel, die alle aufhören würden, wenn -man Männer und Weiber in den Gang der Natur einlenkte? -- Wie würde -sich hier Alles von selbst verstehen! -- Man trachte zuerst nach dem -Reiche Gottes und nach seiner Gerechtigkeit; und in Wahrheit, alles -Andere wird von selbst zufallen. Darum Leute im Staat ehren, weil -sie in der Ehe leben, weil sie Kinder, weil sie drei Kinder haben; -darum, weil man die meisten Kinder hat, zuerst im Rathe votiren -- -ist eben so wunderbar, als die Seele nach dem Körper messen; und -jener General hat sich mit uns ausgesöhnt, der Specialkarten verwarf, -und nur Generalkarten wollte, weil er General war, oder der es nicht -begreifen konnte, daß man ein großer Mann seyn und doch nicht über -vier Zoll messen könne. -- Vielleicht kommt noch die Zeit, daß man -belohnt wird, weil man essen und trinken oder schlafen kann! Mit -Volksmenge allein ist dem Staate nicht gedient, wohl aber mit Bürgern, -die mit der natürlichen Beschaffenheit und der Größe desselben in -richtigen Verhältnissen stehen, die frei, arbeitsam, wohlhabend und -wohldenkend sind. Und selbst die Volksmenge! würde sie nicht über die -Hälfte vermehrt werden, wenn man das andere Geschlecht zum Volk zu -machen sich entschließen, und Weiber zu Colonisten im Staat aufnehmen -wollte? Man wende einmal die Münze um; und der Revers der Sache --? -Zu elenden Kunstgriffen muß man sich herablassen, wenn man die Winke -der Natur vernachlässiget -- Merkwürdig ist es, daß selbst Weiber zu -einer gewissen Zeit in _Rom_ durch Kinder sich aus der beständigen -Vormundschaft hinaus gebären konnten! -- Die Freigeborne mußte deren -drei, die Freigelassene vier haben. -- - -Heil den Gesetzen, die nicht ansehen, was vor Augen ist, sondern die -nach dem Beispiele des Stifters des Christenthums das Herz verlangen; -die es auf den inneren Menschen anlegen; die nicht äußere Schäden -verbinden, sondern heilen; nicht Palliative bewirken, sondern das Blut -reinigen! -- - -Derjenige, der später bezahlt, bezahlt weniger -- Die bündigste -Antwort, wenn von der Erlaubniß, Zinsen zu nehmen, die Frage ist. Wie -viele Verzögerungs-Zinsen werden wir dem andern Geschlechte schuldig -werden --! Als _Cromwell'n_ gerathen ward, seine Tochter _Carl dem II_ -zu geben, nachdem er _Carl den I_ hatte enthaupten lassen, war seine -Antwort: »Nein; denn könnte er wirklich vergessen, was ich that,« fügte -er hinzu, »so wär' er nicht werth, eine Krone zu tragen --« - -Sollten die Weiber nicht dereinst über kurz oder lang ihre Existenz -den Männern beweisen, so wie weiland _Alcibiades_ die seinige den -Atheniensern, die ihn zum Tode verurtheilt hatten? Sollten sie nicht -auch ein _Sparta_ finden, um ihren Atheniensern von Männern den -Krieg anzukündigen? sie, die schon jetzt während ihres fünfjährigen -Pythagorischen Stillschweigens so deutlich zu erkennen geben, wie sehr -sie verdienen für mündig erklärt zu werden? sie, die mit zwei Augen -mehr sehen, als _Argus_ mit hundert? sie, die schon jetzt, noch ehe -erschienen ist, was sie seyn werden, privilegirte Seelen aufzuweisen -haben, die es mit unserem Geschlechte aufnehmen? sie, welche die -Sphäre ihrer Zeitgenossen durchbrechen und, ohne sich nach Brücken -umzusehen, mit Geistesflügeln sich erheben und, wenn es nicht gehen -will -- sich hinaus denken und wie _Felix_ auf einen gelegenern -Augenblick warten? -- Oder wie! ist es Wollust, keine Wollust zu -genießen? ist es ein Göttermahl, zu fasten? ist bloß Streben unsere -Tugend, und Hoffnung unser Glück --? Beweiset nicht ein großer Theil -der Weiber, daß edle Seelen auch in Ketten frei sind, wie ein Herrscher -bei entgegengesetzter Denkart sich in _^selbsteigener^ Sklaverei_ -befindet? Der schlechteste Herr, der nur zu finden war! So diente -_Alexander_, und _Diogenes_ war frei -- _Alexander!_ dem ein Seeräuber -in die Augen zu sagen den Alexander-Muth hatte: kleine Diebe hängt man --- _Diogenes!_ der, als _Alexander_ ihm Gelegenheit gab, sich eine -Pension zu erbitten, (und eine größere, als alle zusammen genommen, die -FRIEDRICH II seinen Leib-Philosophen und Dichtern gab) nur verlangte, -daß Se. Alexandrische Majestät geruhen möchte, ihm, der werth sei, von -der Sonne beschienen zu werden, diesen Vorzug nicht länger zu rauben. --- _Diogenes_ beurlaubte _Alexandern_: der reiche Bettler den armen -ihm die Cour machenden Weltbesitzer. -- Gründet sich fortschreitende -Vervollkommnung des menschlichen Geschlechtes, und wahre, nicht -Schein-Aufklärung, auf eine unpartheiische Kenntniß der Natur, und auf -die Einsicht, ihre Gaben recht zu gebrauchen; so kann kein politischer -Zwang Menschen behindern, an ihrem Glücke zu arbeiten, und die Würde -der Gerechtigkeit und ihre wahren Verhältnisse zu Allem, außer sich, -einzusehen. -- Selten wird ein Mann leugnen oder nur bezweifeln, was -allgemein angenommen ist; ein Weib aber rechnet es sich zum Vorzuge, -täglich dergleichen Ausnahmen zu machen. Oft thut ein Weib es früher, -als es die Umstände beprüft hat; und wenn es dann aus der Noth eine -Tugend zu machen sich gedrungen sieht, so ist es angenehm zu bemerken, -wie es Gründe sucht und findet, wodurch es bei seinem Wagestück von -_Nein_ sich bei Ehren erhält, und sich, wenn nichts mehr, so doch den -Vorzug erwirbt, sonderbar zu scheinen. Ein Glück, das dem Verstande in -Nothfällen übrig bleibt, um zu zeigen, wie viel man zu thun im Stande -gewesen wäre, wenn man nicht zu vielen Hindernissen unterliegen müssen. -Wir sind mehr für die Gewohnheit, Weiber mehr für die Neuheit -- Beide -Neigungen lassen sich aus der Lage beider Geschlechter ziemlich richtig -erklären. Was geht dem andern Geschlechte ab, um würdig zu seyn, in -den vorigen Stand zurückgesetzt (_in integrum_ restituirn) zu werden? -Die Thränen der Weiber sind nicht bloß Beweise der Schwäche, sondern -auch Beweise der in ihnen wohnenden Kraft. Sind Thränen nicht schon im -gemeinen Leben öfter Anzeigen des Entschlusses, als der Reue? und haben -nicht Schuld und Unschuld ihre Thränen? Daß übrigens nicht bloß Weiber -und Kinder greinen, (wenn von Verstellung der Geberde bei Thränen die -Rede ist) sondern auch Männer, wird selbst dem gemeinsten Beobachter -nicht entgangen seyn. Die Launen der Weiber werden in der That zu wenig -von uns beobachtet; wir würden hier oft auch bei kleineren Gewässern -tiefe Gründe finden, da hingegen jetzt diese Launen auf Flügeln der -Morgenröthe uns entfliehen, auch selbst wenn wir sie zurück zu halten -bemühet sind. -- Die Weiber wissen die wenigste Zeit, wie sie mit sich -selbst daran sind, und sie sollten mir danken, daß ich ihnen hier -eine nicht kleine Entdeckung mache -- sie sollten manches, was zu -ihrem Frieden, zum wahren, zum Frieden Gottes gehört, in ihrem Herzen -bewegen, um eine Stärke recht beurtheilen zu lernen, die sich bloß -- -auf ihre angebliche Schwachheit gründet. Von Liebenden sind uns alle -Ergebenheits-Bezeugungen verhaßt, wenn _wir_ nicht der eigentliche -Gegenstand der Neigung sind. Männer! habt ihr von euren Weibern mehr -als den Schein der Liebe? und verdient ihr mehr? -- Verdient ihr nicht, -daß sie euch nur in dem Grade lieben, wie Sklaven Tyrannen bedienen? -Es giebt Augenliebe, wie Augendienst. -- Hätte man die Weiber bloß -von einigen, augenscheinlich _origetenus_ und von Haus aus männlichen -Dingen ausgeschlossen; wer unter diesem sanften Volke hätte gemurret ---? Es hätte sein _Marlbrough s'en va t'en guerre_ geleiert, und damit -wäre Alles vergeben und vergessen gewesen. -- - -Die Macht kann überall weniger ausrichten, als die Weisheit. Wer sich -Gott als den _Mächtigsten_ denkt, ist sein _Knecht_; wer ihn sich aber -als den _Weisesten_ vorstellt, verdient den Namen seines _Kindes_. -- --- - - - - -V. - -VERBESSERUNGS-VORSCHLÄGE. - - -Soll es denn aber immer mit dem andern Geschlechte so bleiben, wie es -war und ist? sollen ihm die Menschenrechte, die man ihm so schnöde -entrissen hat, sollen ihm die Bürgerrechte, die ihm so ungebührlich -vorenthalten werden -- auf ewig verloren seyn? soll es _im_ Staat -und _für_ den Staat nie einen absoluten Werth erhalten, und immerdar -beim relativen bleiben? soll es nie an der Staatsgründung und -Erhaltung einen unmittelbaren Antheil behaupten? soll es nie _für_ -sich und _durch_ sich denken und handeln? ohne End' und Ziel nur -als Scheidemünze gelten? Werden wir uns bei diesen Fragen mit einer -wohlweisen Römischen Rechtsfiktion oder einem wohlhergebrachten -Verjährungs- und Besitzrechte aushelfen können, um sie ab- und zur -unangenehmen Ruhe zu verweisen? Werden wir selbst unser männliches -Gewissen mit Bedenklichkeiten über die möglichen Folgen, mit -Mißbräuchen und was dergleichen Popanze mehr sind, wodurch man Kinder -schreckt, beruhigen und diese Angelegenheit der Menschheit auf die -lange, ja lange Bank schieben können --? Dann ist freilich der schöne -Morgen der Erlösung noch nicht nahe. -- Werden wir uns aber hierbei -entbrechen können, uns selbst noch _Gothen_ und _Vandalen_ zu heißen, -was weiland unsere Väter waren, wenn wir nicht dieses Unrecht je eher -je lieber zu vergüten suchen? Mißbrauch des Rechtes verwirkt nicht -das Recht. Menschenrechte können niemals, Bürgerrechte nur durch -Felonie verloren werden; und was ist Felonie? Dies aus dem Lehnsrecht -entlehnte Wort (keine sonderliche Abkunft!) bezeichnet Alles, was man -der Lehnsverbindlichkeit zuwider thut oder unterläßt, und wird aus dem -Lehns-Contrakte beurtheilt. Da es sowohl für den Lehnsherrn als für den -Vasallen Rechte und Pflichten giebt, die sie einander schuldig sind; -so kann nicht nur der Vasall, sondern auch der Lehnsherr der Felonie -schuldig werden. Und wie? geht denn wegen einer jeden Handlung oder -Unterlassung, die dem Lehns-Contrakte zuwider ist, schon das Lehn -verloren? Ist der Lehnsherr, da er nichts mehr und nichts weniger als -ein Mensch ist, nicht vielmehr verbunden, den Vasallen zur Leistung -der contraktgemäßen That, und zur Vermeidung der contraktswidrigen -Unthat von Rechtswegen anzuhalten und auf Schadenersetzung anzutragen? -Werden Contrakte durch zugefügte Contraventions-Strafen geschwächt, -oder vielmehr verstärkt? Können die Handlungen eines Andern Jemanden -zugerechnet werden? und wenn der Vasall wegen Felonie das Lehn -verliert, ist der Lehnsherr nicht verpflichtet, es nach dessen Tode -demjenigen wieder zu geben, dem es nach dem Ableben des der Felonie -schuldig und des Lehnsbesitzes unwürdig befundenen Vasallen zufällt? -Kann je durch Felonie das Lehn aufhören? -- und wer machte denn den -Mann zum Lehnsherrn, und das Weib zur Vasallin --? sind sie nicht -beide göttliche Lehnsträger? -- Die Erde könnte vielleicht eher ein -Weib-, als ein Mannlehn heißen, und ist ohne Zweifel ein vermischtes -_Feudum_. -- Man lasse doch die Weiber-Felonie an seinen Ort gestellt -seyn, wovon Natur und Geschichte kein lebendiges Wort wissen, und -vergesse nicht, daß Gott dem Menschenpaar, welches ^ER^ (o, der -Menschenwürde!) abschattete, dieses Erden-Lehn anvertrauete, und daß -zwischen seinem Lehnrecht und der Stümperei des menschlichen keine -Vergleichung denkbar ist. -- So weit von bürgerlichen Rechten! -- über -Menschenrechte kann nur Gott richten; und in seine Hände zu fallen -- -wie wohl thut das, wenn wir die gehegten und ungehegten Banken der -Menschen dagegen halten! -- - -Ist es etwa Furcht, oder ist es bloß eine Grimasse derselben, die wir -vorgeben, um jener gegründeten und rechtmäßigen Forderung mit Anstand -ausweichen zu können? _Werdet wie die Kinder_, ist ein wohlgemeinter -Rath; denn nur die kindliche Furcht ist nicht unmännlich: sie besteht -in der Sorgfalt, dem auszuweichen, was den ewigen Gesetzen des Wahren -und Guten entgegen ist. Jene knechtische, wenn man aus Furcht vor der -Strafe thut, was die Gesetze wollen, oder unterläßt, was sie nicht -wollen, ist unmännlich, so wie ihre Verwandtin, die Befürchtung, -vermittelst deren wir den Gelegenheiten zuvorkommen wollen, wodurch wir -dergleichen Strafen und Strafgerichten unterworfen werden können. - -Wir wollen ein Geschlecht fürchten, das zur Liebe geschaffen ist, und, -wenn es zürnt, selten die Sonne über seinen Zorn untergehen läßt? das -bis auf Einen Punkt (und dieser ist eine Sünde wider den heiligen Geist -des Geschlechtes) dem Beleidiger zwei Drittheile des Weges entgegen -kommt, um ihm Versöhnung anzubieten! Wie viel mehr Ursache haben wir, -uns selbst zu fürchten, als ein Geschlecht, das, wenn man es in seine -Rechte einsetzte, uns, wo nicht Erkenntlichkeit, so doch Wohlwollen -schuldig wäre, und diese Schuld kraft seines Wesens und Seyns so gern -abtragen würde! - -Man sagt, es sey schwer zu hoffen, daß das menschliche Geschlecht, -welches von der Natur sich so weit und breit zu entfernen die -Ungezogenheit gehabt, das durch keine Religionsempfindung sich leiten, -durch keine Staatstäuschungen sich blenden lasse, sich zu Gesetzen -bequemen werde; und so liege denn die Furcht nicht so sehr aus dem -Wege, als man es gemeiniglich denke. -- Lieber! wie kannst du fordern, -daß das Menschengeschlecht sich ewig am Gängelbande wohl befinden -werde? Erregen jene Staatstäuschungen und jene Religionsempfindungen, -wenn sie nicht von Grundsätzen abstammen, nicht einzig und allein -Unglauben und Mißtrauen in Rücksicht der Gesetze? Sollte der Mensch -nie zur Achtung für Pflicht gebracht werden? Sollte er nie zu -dem Hauptprincip des Lebens gelangen: sei vernünftig? -- Sollen -denn Sinnlichkeiten ihm mehr als die moralische Vernunft und das -Sittengesetz gelten --? Wird er sich nie so weit erheben, seiner -geistigen Natur würdig zu seyn, und für das, was er nicht siehet, -Ehrfurcht und Achtung zu fassen --? Soll denn bloß Weichheit des -Temperaments ihn zur Neigung bringen? oder giebt es auch außer der -Temperamentsneigung, die, wenn sie geläutert wird, eine Herzensneigung -heißen könnte -- giebt es außer ihr auch eine Geistesneigung, so wie -es ein Geistesvergnügen geben kann --? Für nichts, was in die Sinne -fällt, hat der stolze Mensch in die Länge Achtung -- es familiarisirt -sich mit ihm, und es ist wie unser einer. -- Das einzige Mittel des -größten Helden und des größten Gelehrten, sich bei übermenschlicher -Ehre (was soll aber die?) zu erhalten, ist: sich zurück zu ziehen. -Sobald wir uns näher zeigen, geben wir uns wohlfeiler. -- Je höher die -Spannung war, je schneller läßt sie nach. Alles, außer sterben, muß -der Mensch _lernen_ -- Zu Allem, es sei gut oder böse, kann er sich -gewöhnen -- Ein scheues Pferd führt man zu dem Gegenstande zurück, -den es fürchtete; und wie? hier, wo das höchste Ziel seiner Würde auf -dem Spiele steht, sollte der Mensch auf seinen Nachdruck Verzicht -thun? -- Mit nichten -- Wir können und werden dahin kommen, daß wir -die Göttlichkeit der Gesetze in ihrem Heiligthum, in unserer Seele, -verehren und unser Herz durch jene Überzeugungen des Geistes gewinnen. -Noch würde sich freilich der Gesetzgeber gröblich verrechnen, wenn er -seine Gesetze auf festes Zutrauen zur Vernunft und zur Weisheit seiner -Bürger calculirte; allein wird die Menschheit nie die Kinderschuhe -ausziehen? Ist dies -- nun, so bleibe Alles Altflickerei, und der -Mensch schäme sich, daß er _Mensch_ heißt. -- Ist die Menschheit indeß -im Stande, zu jenem Grade der Vollständigkeit zu gedeihen, den sie -sich vorstellen kann, jene Tugend zu üben, die ihr im Ideal Freude -macht --; so entferne man den Nebel der Täuschung, wodurch man Menschen -betrog, die über kurz oder lang zum Gebrauche der Vernunft kommen -und sich betrogen finden müssen. Männer, würdet ihr die Furcht nicht -barbarisch und unmenschlich finden, wenn man euch Alles und Jedes -von Freiheit bloß darum entzöge, weil ihr es mißbrauchen könntet --? -Wie wollet ihr denn jene Furcht nennen, die euch abhält, dem andern -Geschlechte seine Ehre wiederzugeben? Die Zeiten sind nicht mehr, um -das andere Geschlecht überreden zu können, daß eine Vormundschaft wie -bisher für dasselbe zuträglich sei, daß sie seinen Zustand behaglicher -und sorgloser mache, als eine Emancipation, wodurch es sich mit -Verantwortungen, Sorgen, Unruhen und tausend Unbequemlichkeiten des -bürgerlichen Lebens belasten würde, die es jetzt kaum dem Namen nach -zu kennen das Glück habe. Wahrlich ein abgenutzter Kunstgriff des -unmenschlichen Despoten, wodurch er seinen feigen Sklaven das Gewicht -der Ketten erleichtern will! als ob die Freiheit mit allen ihren -Ungemächlichkeiten nicht der gemächlichsten Sklaverei vorzuziehen -wäre! _Glauben Sie nicht, daß das Wirtembergische Land Ihrentwegen -geschaffen ist_, schrieb FRIEDRICH II an den jetzt regierenden _Herzog -von Wirtemberg_; _sondern überzeugen Sie Sich, daß die Vorsehung Sie -hat geboren werden lassen, um ihr Volk glücklich zu machen_. Und -Männer! ihr wollt glauben, eine halbe Welt wäre zu eurem _bon plaisir_, -zu eurem eigentlichen Willen, das ist verdollmetschet: zu eurem -Eigenwillen, da? Thiere wirken; Menschen handeln -- Warum soll das -Weib nicht _Ich_ aussprechen können? Wahrlich ein sanftes Wort, denen, -welche die neidlose _Natur_ verstehen -- Wer die _Kunst_ versteht, -ist neidisch und verräth den Meister nicht -- Ist es nicht der größte -Menschenvorzug, sich selbst zu kennen? Unser Werth ist unsere Sache; -unsere Würde ist die Sache Gottes und gerechter Menschen. Hat Gott bei -dem anderen Geschlecht etwas versehen? oder sind es die Männer, die -sich an diesem Geschlechte wider den Willen des Schöpfers versündigen! -Warum sollen die Weiber keine Person seyn? warum nicht wissen: das -ist mir gut, und das ist gut, oder das ist vortheilhaft, und das ist -recht? Vieles, und fast das meiste, was mit Vergnügen anhebt, leistet -bei weitem nicht, was wahrhaft vortheilhaft ist -- Aus ächtem Vortheile -tugendhaft seyn, heißt sonst mit andern Worten: es in Reinheit seyn. - -Frankreich schreckt eben jetzt mit der Freiheit diejenigen Mächte, -welche die zu weit gegangenen Beschlüsse der Nationalversammlung -einzuschränken drohen. Gott! zu Ende des achtzehnten Jahrhunderts -- -wo kein Gespenst, und wär' es eins von nicht ganz kleinem Range, ein -Poltergeist, mehr Wirkung thut -- kann man mit _Freiheit_ schrecken --! -Dahin wär' es gekommen? Ach! auch selbst dem, der an der Kette erzogen -ist, blitzt der Name _Freiheit_ auf, dieser göttliche Funke, durch den -wir sind was wir sind, und der uns so wenig schrankenlos macht, daß er -uns vielmehr fester als Alles an das Allerheiligste der Gesetze bindet. -Das weibliche Geschlecht kam um die Menschenrechte ohne seine Schuld, -bloß durch den Schwung, den die menschlichen Angelegenheiten bei den -Fortschritten zu ihrer Cultur nahmen; Bürgerrechte, die es leider! -sehr zeitig und schon bei Entstehung kleinerer Familienstaaten verlor, -hat es nie, weder durch Unterhandlungen noch mit Gewalt, zu erringen -gesucht, und erwartet sie noch heute mit aller Selbstverleugnung von -unserer Gerechtigkeit und Großmuth. Und wir wollen es vergeblich warten -lassen? und das Gesuch, welches die Natur für die Weiber einreicht, zu -einer Zeit da Menschenrechte laut und auf den Dächern gepredigt werden, -mit einem aufrichtigen und deutlichen _Nein_ abweisen? - -Die neue Französische Constitution verdient eine Wiederholung meiner -Vorwürfe, weil sie für gut fand, einer ganzen Hälfte der Nation nicht -zu gedenken, ob sie gleich einem kleineren Theile derselben, der -überall wo er sich befindet, auf das Duldungsrecht beschränkt ist, -die Rechte aktiver Bürger zugestand. Alle Menschen haben gleiche -Rechte -- Alle Franzosen, Männer und Weiber, sollten frei und Bürger -seyn. Jene Vorschläge zur _dégradation civique_, wodurch die Männer -vermittelst einer feierlichen besonderen Formel der Ehre eines -Französischen Bürgers für unwürdig proclamirt werden sollten, falls sie -durch Verbrechen diese Strafe verdienten, sind nicht auf das andere -Geschlecht ausgedehnt. Über dieses sollte bloß der Fluch ausgesprochen -werden: Euer Vaterland hat euch einer infamen Handlung überführt -befunden -- - -_Mirabeau_, der zur gegenwärtigen Generation von Menschen sein -Zutrauen verloren haben mochte, setzt, wie alle große Thäter, sein -Zutrauen auf Erziehung, und weiset in seinem Posthumus _Travail sur -l'éducation publique_, die sein Arzt und Freund _Cabanis_ herausgab, -das Frauenzimmer zur Häuslichkeit und zu stillen, sanften Tugenden -an, (ist denn nicht jede Tugend sanft und still?) worauf das Glück -der Familien, und am Ende das Glück des Staates so sehr beruhe. Ohne -mich in den Streit einzulassen, der über den Grafen und Nichtgrafen -_Mirabeau_ von Freunden und Feinden übertrieben worden, sei es mir -erlaubt, der Behauptung zu widersprechen, daß Jemand in seinem -Privatleben ein elender Mensch, dagegen doch der tugendhafteste Bürger -und der höchste Grad desselben, ein geschickter Officiant, seyn könne. -Ein Mensch, der gegen Alles gleichgültig zu seyn vermag, was gut oder -böse, gerecht oder ungerecht ist, ein nicht rechtschaffener Mensch, -kann kein rechtschaffener Bürger seyn. _Horaz_ sagt: nur _Jupiter_ -gehe über den Weisen; der Weise sei reich, frei, gerecht, ein König -aller Könige -- Da das andere Geschlecht vom Menschen auf den Bürger -zu schließen gewohnt ist und jene Rollenspieler, die Nichts aus -Grundsätzen, Alles aber nach Zeit und Umständen sind, sehr richtig -berechnet; -- ist es Wunder, daß diese Glücks- und Unglücksritter das -andere Geschlecht zu entfernen suchen? -- - -Wir irren, wenn wir uns überreden, daß Weiber für die Ehrensache der -Menschheit, für den Kampf der Freiheit mit der Alleingewalt, keine -Sinne besitzen. Sie haben nicht bloß durch ihren lauten Beifall -bezeugt, daß sie den Werth der Freiheit zu schätzen wissen, und daß -das Gefühl für dieselbe noch lichterloh aufflammen kann; selbst thätig -haben sie mitgewirkt, die Fesseln zu brechen, die man der Nation -anlegte, und wahrscheinlich lag es nicht an ihnen, daß sie bei diesem -Schauspiele nur Rollen vom zweiten Range spielten. - -Die berühmte Verfasserin der Geschichte der Königin _Elisabeth_, Mad. -_Keraglio_, vertheidigt seit der Revolution in ihrem _Journal d'État -et du Citoyen_ die Rechte der Menschheit mit Freimuth, Wahrheit und -Stärke. Weiber fühlten jene Zurücksetzung, jenes tiefe Stillschweigen -bei einem so schönen Anlaß, jene Verstoßung, wenn es Staatsdienst gilt --- Eins unter ihnen wagte es, ihren Unwillen laut werden zu laßen. In -einem an die Nationalversammlung abgelassenen Briefe bemerkt es, daß -kein Wort in der Constitution von den Weibern vorkomme, obgleich die -Mütter Bürgerinnen des Staates seyn müßten. Es schmeichelt sich mit -dem Befehle, kraft dessen den Müttern erlaubt seyn werde, in Gegenwart -der Bürgerbeamten diesen feierlichen Eid abzulegen. Diese ehrwürdige -Ceremonie würde es wünschenswerth gemacht haben, Mutter zu seyn. Die -Geschichte sagt nicht, was von den Repräsentanten der Nation auf diese -Adresse einer edlen Französin beschlossen worden ist. Betrübt feire ich -heute ihr Andenken, heute den 18ten März 1792, da ich in öffentlichen -Blättern lese, daß die Franzosen, ungerührt durch diesen Wink, es dahin -kommen lassen, daß das andere Geschlecht dringender um diese Rechte -angehalten. Schöner würde es gewesen seyn, wenn man dem Geschlechte -mit der Bürgerehre zuvorgekommen wäre, und bei dieser ernsthaften -Sache kein Ärgerniß des Lachens gegeben hätte. Wehe dem Menschen, -durch welchen dergleichen Ärgerniß kommt! Würden wohl alle jene -Laternenscenen sich ereignet haben, wenn Weiber Aktivvotantinnen in -Frankreich gewesen wären? Durch geheimen Einfluß wird in jedem Staate, -besonders in freien, Alles verdorben -- Doch ist es die Frage, ob die -Pariser Damen schon die Selbstüberwindung gehabt haben, so weit zur -Natur zurückzukehren, daß sie die gute Sache menschlich und bürgerlich -beherzigen können -- -- Wahrlich! zu Deutschen Weibern ist größeres -Vertrauen zu fassen -- Wem Gott Kraft gab, gab er dem nicht auch das -Recht sie anzuwenden? sollen denn die Weiber ihr Pfund im Schweißtuche -vergraben, ohne es auf Wucher anzulegen, der dem Staate tausendfältige -Früchte bringen würde? - -Auf Vernunft und auf ihr Meisterstück, die Gesellschaft, kommt -es an, ob jener Kraftsanwendung freier Lauf zu lassen oder ob sie -einzuschränken sei; nie aber kann der Staat sich herausnehmen, sie ganz -unterdrücken zu wollen. Und wie? er wollte ein Räuber der Freiheit -seyn, welche zu befördern die Hauptabsicht seiner Existenz ist? - -Wenn Stände nur durch ihres Gleichen repräsentirt werden können; wenn -so gar unsere Vorfahren durch Ebenbürtige sich die Gesetze zumessen -und Recht sprechen ließen: wie kann man Weiber vom Staatsdienste -ausschließen, in so weit er sich mit der Gesetzgebung oder -Gesetzausübung beschäftiget? Will man etwa den Weibern die Weihe zu -diesen Mysterien abschlagen, um sie nicht unsere Schwäche da sehen -zu lassen, wo wir den höchsten Grad unserer Stärke hieroglyphisch -vorgeben? Man kann dreißig Jahre dienen und nur Ein Jahr leben, wie -weiland _M. Plantius_, welcher nur von _der_ Zeit an sein Leben zählte, -als er aufhörte für das Öffentliche, und anfing für sich zu leben -- -Ein lehrreiches Zeugniß auf Kosten des Staatsdienstes! Ist das Leben -für den Staat des Ehrennamens: _Leben_, werth, wenn es uns für unsere -eigene Person sterben läßt, uns vom selbsteigenen Leben entfernt --? -Nur als uns selbst können wir den Staat, unsern Nächsten lieben; -Alles darüber ist vom Übel. Wenn man nicht durch den Staatsdienst -vervielfältigt lebt, so liegt es entweder an uns oder am Staate; in -beiden Fällen bleibt die Krankheit gefährlich -- Ist es nicht der -gewöhnliche Fall, daß wir vor lauter Räderwerk nichts ausrichten, vor -lauter Eingängen das Thema vergessen? Kommt nicht vor lauter kluger -Vorsichtigkeit gemeiniglich Kleinheit zum Vorschein --? Die meisten -Staatsbeamten sind Accoucheurs eines Berges, der eine Maus zur Welt -bringt, die indeß bei der Taufe die prachtvollsten Namen erhält, und -fast mit noch mehr Paukenhall ins Publicum gebracht wird, als wenn -ein Schriftsteller sich selbst recensirt. Wer in großen Residenzen -zu leben die Gnade gehabt hat, wird mich am leichtesten verstehen --- Welcher Schweiß des Angesichts! -- Collegia und Ausschüsse, das -_Plenum_ und _Committés_, Gerichte und Commissionen! was für eine -Menge Papier wird getragen, geschrieben, gelesen! -- Agioteurs von -einer andern Art -- Papierhändler von höherer Würde! Scheint es doch, -als wäre Alles gegen Alle, weil Alle gegen Alle sind (_bellum omnium -contra omnes_); und doch bezwecken jene herkulischen Beschäftigungen, -jene Versammlungen, Richterstühle und Aktenberge das allgemeine Beste, -dessen Flor in den Kirchen bebetet und in Schauspielhäusern beklatscht -wird, (beides _ex officio_, von Amtswegen.) Ist es klug oder nöthig, -daß man so viele Holzhauer und Wasserträger, Virtuosen und Zünftler -in Athem setzt, um eine einzige Staats-Manège anzulegen? so viele -Meister politischer Art und Kunst, um ein Staatsregierungs-Exercitium, -ja Exercitium, zusammen zu stümpern? Nur Einen Hebel verlangte jener -Weise, um die Welt zu heben; und wenn das allgemeine Wohl solch eine -Anstrengung braucht, so liegt es gewiß, oder mich trügt Alles, an dem -politischen Oberrechenmeister -- Wahrlich diese so beschäftigten -Herren dienen nicht dem Staate, sondern der Staat dient ihnen -- Der -Weise, der diesem Staatspiele näher tritt und dessen _joujou_ bis auf -sein Schach kennt, überzeugt sich, daß Ein Kopf hinreichend ist, dies -Alles zu lenken. Waren nicht schon _Petrus_ und _Paulus_ streitig? -Ist nicht Ein Kopf vermögender, das Ganze zusammen zu halten und zu -übersehen? Man verlangt sonach nicht ohne Grund Einen Principalmeister; -wo aber Einer zu finden? Wer wird die Selbstverleugnung haben, -die vielen Künste zu verlassen und der Natur zu huldigen? wer den -Wortsturm aufgeben, das brausende Meer bedräuen, und zur Stille des -Denkens und Handelns eingehen? Wer, ohne zu befürchten, daß er beim -Fürsten und beim Volke verliere --? Das Volk wird durch den Schein -dieser fast übermenschlichen Anstrengung hintergangen, und der Fürst -desgleichen, der, wenn es nicht so viel Schweiß kostete, sich gewiß -näher mit diesen Staatsarbeiten bekannt machen würde -- und da möchten -denn die hohen und nächsten Staatsgehülfen sehr leicht auf eine -kleine Rolle zurückgesetzt werden und aus Staatsräthen in Schreiber -zusammen schrumpfen! -- Ich setze wenig oder nichts von Menschenübeln -auf Rechnung der Fürsten; gewiß das Meiste gehört auf das Conto der -Minister, die nicht schwach nicht stark, nicht kalt nicht warm, sondern -unentschlossen und lau sind, sich von jedem Winde hin und her treiben -lassen, Jeden um seine Meinung befragen und, wenn sie deren unzählige -gesammelt haben, nicht wissen, wozu sie sich entschließen sollen. -- -Wer selbst keine Meinung hat -- wie kann der aus so vielen die beste -finden? Hierzu kommt, daß Gemächlichkeit und ewiger Hang zum Vergnügen -sie noch stumpfer machen -- Sie kommen nicht aus den Beten heraus, -die sie abzuspielen haben! -- Noch ärger sind die, welche nicht über -ihren theoretischen Leisten gehen, immer Schuster bleiben, die sie -sind, und in armseliger Pedanterie Trost suchen und finden, wenn ihnen -nichts einschlägt -- Was können wir dafür, daß der Staat, den wir zu -regieren haben, sich nicht nach unserem _Orbis pictus_ und einem -_Compendio_ schmiegen will, das uns zum Pharos demüthigst empfohlen -worden? -- Allerdings! und welche Greuel, wenn die Minister gar Genies -zu seyn sich einbilden und zu Dero Haupt ein so unumstößliches Zutrauen -gefaßt haben, daß das große Wort: ER _hat es gesagt_, ihren Commis -hinreichend scheint, die einleuchtendsten Vorstellungen abzuweisen -und zu entkräften! -- Das _Recht des Vernünftigern_ ist ihnen, nach -ihrer, zwar etwas freien, indeß wie sie glauben nicht unverständlichen, -Übersetzung, das _Recht des Stärkeren_; und freilich -- wer darf -es wagen, der Gewalt, so lange sie am Ruder ist, den Verstand -abzusprechen? Jene gewaltigen Genies berechnen Alles an den Fingern -- -_Newton_ könnte von ihnen rechnen lernen; und freilich, wenn die Data -zu ihren Berechnungen richtig wären -- wer würde ihnen gleich kommen? -Zur Calculatur geboren, sind sie im göttlichen Zorn Minister und -Staats-Administratoren geworden -- - -Stumpfe Köpfe, ihrer eigenen Schwäche bewußt, sind für Collegia. -Das Sprichwort: vier Augen sehen mehr als zwei; bringt sie zur -Multiplication der Augen -- die blinden Leiter! In der Oper hilft -Jeder, der Schriftsteller, Spieler und Sänger, zum Ganzen -- und -da fallen Coloraturen, Läufe, schmelzende, verzweiflungsvolle, -schmachtende, fürchterliche Gänge vor, die der Verfasser den Spielern -und Sängern in Mund und Kehle legt -- Hier aber verläßt sich entweder -Einer auf den Andern, und sieht die Stunden, die er wohl bezahlt -absitzen muß, als eine ihm angewiesene Schlafzeit an, worin er sich -stärkt, um desto geistreicher am Spieltische zu glänzen; oder er hauet -die Kreuz und Quer ein, so daß nach vielstündigem Zank die Sache am -Ende weit übler als am Anfange steht, und der kleinere Theil die -schrecklichste Mühe von der Welt hat, nicht die Angelegenheit ins Reine -zu bringen, sondern das _per plurima_ herausgebrachte Schluß-Votum von -den Ungereimtheiten so vieler disparaten Meinungen zu säubern und zu -läutern, und es W. R. I., oder -- wenn es hoch kommt -- verständlich zu -machen. Der so witzige als einsichtsvolle Vorschlag, daß die Minorität -der Stimmen gelten sollte, ist der auffallendste Beweis, was man sich -zu diesen vierzig Perücken oder ihren Stöcken zu versehen habe -- Viele -Köche versalzen den Brei, und Ein Kopf ist mehr werth, als ein ganzes -Synedrium von -- -- Kinnbacken. -- - -Wenn die Staats-Officianten auf die Pflicht angenommen wurden, nichts -zu verderben und sich leidend zu verhalten -- wie viel weiter wäre -die Welt! - Sind das die hohen Collegia und hohen Stühle, von denen -man das schöne Geschlecht ausschließt --? Man sollte sie aufnehmen, -wie in freien Reichsstädten politische Kannengießer und Aufwiegler -zu Rathsgliedern, damit sie schweigen -- Vielleicht hätte man dies -Stratagen auch wirklich schon segensreich in Anwendung gebracht, wenn -man zu der Verschwiegenheit des schönen Geschlechtes mehr Zutrauen -fassen könnte. _Johnson_ sagt: man kann so sehr ein Mann nach der Welt -seyn, daß man nichts mehr in der Welt ist. Sollte man nicht weit eher -so sehr ein Staats-Officiant seyn können, daß man bei weitem zu der -Ehre ein Staatsbürger zu seyn, unfähig ist? -- Wahrlich, um sich wieder -zu orientiren, sollte man die Weiber zum Staatsdienste vociren -- -wozu sie unstreitig einen göttlichen Ruf haben, an dem es den meisten -Taugenichten von hohen Staatsbeamten ermangelt. - -Ist es zu leugnen, daß man in jedem Gesetz-Codex von den Grundsätzen -der natürlichen Gleichheit ausgehen, und mit dem Paradiese anfangen -kann und muß, wenn nur der Sündenfall nicht vergessen wird? Jene -Grundsätze der Gleichheit werden und müssen so gar bei ihrer Anwendung -auf den Staat das Resultat politischer Ungleichheit unter den Bürgern -herausbringen. Bei jener natürlichen Gleichheit gewinnt das andere -Geschlecht allerdings; allein auch die politische Ungleichheit kann -nie ein ganzes Geschlecht unwürdig proclamiren, in welchem es in der -Regel mehr Mündige, als in dem unsrigen giebt, und wozu vielleicht kein -anderer Grund vorhanden ist, als daß die Gesetzgebung bloß aus Männern -besteht. Soll ich bemerken, daß ich hier nicht bloß vom Gebrauche des -Mundes und der Zunge, sondern der Seele und des Herzens rede? So bald -Stärke, Obermacht und Verjährung nicht Gesetze abnöthigen; -- und wehe -der Staatsgrundlegung, die solche Ecksteine in Anwendung bringt! -- -so bald jede regelmäßige Gesellschaft so gar eben dazu entsteht, um -jene natürlichen Hervorstechungen in's Gleichgewicht zu bringen: so -hat das andere Geschlecht ein Recht, vom Staate zu fordern, daß er ihm -Gerechtigkeit erweise, daß er über die Schwächlichkeit des Körpers, -welche zum größten Theil durch Vorurtheil entstanden ist, die Stärke -der Seelen der Weiber nicht vergesse. Macht denn nicht die Seele den -Hauptbestandtheil der Menschen? Die natürliche Gleichheit erfordert -eine politische Ungleichheit, weil die Erhöhung des natürlichen -Werthes des Menschen nur durch eine gegenseitige politische Verbindung -derselben unter einander möglich ist, und hervorragende Menschen -durch Gesetze, so wie Genies durch Regeln, in Ordnung gehalten werden -müssen. Kann aber dieser an sich nicht unrichtige Grundsatz auf ein -ganzes Geschlecht gedeutet werden? Ist es gerecht, billig, rathsam und -nur menschlich, daß unser ganzes Geschlecht zu einer Standeserhöhung -gebracht und als der Mittelpunkt angesehen wird, um dessenwillen das -andere Geschlecht existirt? -- Es giebt nur zweierlei Thatsachen, von -denen wir Begriffe haben: Natur und Freiheit; und sowohl zur Physik -als zur Moral, haben Weiber unverkennbare Anlagen. Will man Natur und -Freiheit sinnlich abbilden, so müssen beide in Gestalt eines Weibes -dargestellt werden. Und was ist ihnen denn im Wege? das positive -Gesetz? Kein Gesetzbuch, und würde es mit Engelzungen reden, kann -_Formula concordiae_ und eine Augspurgische Confession werden. Gesetze -erziehen Menschen, und müssen sich, wenn Menschen mündig werden, von -Menschen erziehen lassen. -- Angenommen, Weiber wären körperlich -schwach -- angenommen! und was wäre da die Pflicht der Gesetze? in -den Schwachen mächtig zu seyn. Nicht die Starken bedürfen des Arztes, -sondern die Schwachen. - -Weiß ich denn nicht, daß manche Frau bei manchem Manne auch jetzt sich -wohl befindet? Was indeß bloß auf persönlicher Gesinnung beruhet, muß -seiner Natur nach wandelbar seyn; und es ist auch bei den tolerantesten -Gesinnungen im Staate nothwendig, daß keine intolerante Stelle im -Gesetzbuche bleibe. Wer steht für den Nachfolger im Reiche? Weiber -wissen ihre Männer zu überzeugen, als hätten Weiber keinen Willen. Doch -eben wenn sie auf ihren Willen in bester Form Rechtens Verzicht zu thun -scheinen, werden sie Alleinherrscherinnen, ohne den starken Glauben -ihrer Männer zu schwächen, als ob diese ganz allein regierten -- Sie -regieren nicht mit Gewalt (_vi_), sondern heimlich und bittweise (_clam -et precario_). - -Der Liebhaber glaubt in dem Dienst einer Göttin zu seyn, welche -Apotheosen so sehr in ihrer Gewalt habe, wie Facultaten Doktorhüte. -Der glückliche Geliebte dünkt sich wenigstens halb Gott, weil er so -glücklich ist, einer solchen Gottheit zu dienen -- Erwacht er über -ein Kleines aus diesem Traume; seht! so verwandelt sich die Raupe -nicht in einen Schmetterling, sondern in einen Zuchtmeister, und die -entgötterte Frau wird seine Sklavin; der Bräutigam wird nicht Ehemann, -sondern Ehevogt. So hörten Monarchen auf, Götter und _Divi_ zu seyn, -und hatten die Güte zu den Menschen herabzusteigen; doch würdigten -sie, um über anderen Menschen zu seyn, diese anderen eine Stufe unter -die Menschen hinab -- Halbe Wahrheit ist gefährlicher, als eine ganze -Lüge; diese ist leichter zu kennen, als jene, welche sich in Schein zu -verkleiden pflegt, um doppelt zu betrügen. Männer, laßt doch Menschen -seyn, die Gott zu Menschen schuf! _Laßt uns Menschen machen_, hieß -es, _ein Bild das uns gleich sei; und er schuf sie ein Männlein und -ein Fräulein_. Sie sind Bein von unserm Bein, und Fleisch von unserm -Fleisch; und warum nicht Bürger wie wir? warum nicht, da ihnen weder -Sinn noch Kraft zu Bürgertugenden gebricht, und es bloß darauf ankommt, -daß sie zu Bürgerinnen erzogen werden! Jetzt freilich, wie sie da sind, -zum Spielzeug, für Männer gemodelt; jetzt, wenn sie auf einmal aus -dem Gynäceum auf den großen Schauplatz des gemeinen Wesens, einen für -ihren Körper und ihre Seele so fremden Boden, treten und männliche -Rollen spielen sollten: jetzt würden sie kaum erträglich debütiren. -Wer fordert dies aber von ihrem Kopfe und von ihren Händen? Sie sollen -eben den Weg gehen, den wir gingen, eben die Wüsten betreten, die uns -auf der Bahn nach Kanaan beschwerlich wurden; nur durch Erziehung, -Unterricht und Erfahrung sollen sie das Ziel erreichen, dessen sie -so würdig sind -- Das Licht braucht beinahe acht Minuten, um von der -Sonne zu uns zu kommen, und wir sehen die Veränderungen, die in der -Sonne vorgehen, jedesmal acht Minuten nachher. _Pythagoras_ legte -seinen Schülern zuvor Schweigen auf, ehe ihnen die philosophische Zunge -gelöset ward. Dies mögen Fingerzeige für Männer und Weiber seyn: für -_diese_, um nicht auf Meisterrechte Ansprüche zu machen, ehe sie die -Lehrlingsjahre zurückgelegt haben; für _jene_, von einem Geschlechte, -das so lange vernachlässiget ward, nicht vor der Zeit Früchte der -Buße zu fordern. Der Verstand und die Natur kommen sehr leicht in -richtigen Einklang; und wenn Mittel unbedeutend scheinen, wenn sie es -wirklich sind -- wer wird Mittel nach eigener, und nicht vielmehr nach -der Größe des dadurch zu erreichenden Zweckes schätzen? Eine Eiche -von einem nicht kleinen Alter kann noch sehr jung heißen, wenn ein -gleichzeitiges Gesträuch und eine zu seinen Füßen blühende Blume an der -Gränze ihres Lebens sind -- Nicht im einzelnen Falle, in allen Fällen, -nicht im einzelnen Menschen, sondern im Geschlechte, offenbaren sich -die Ehre und der Zweck der Menschheit. -- Woher jetzt der Unterschied -in der Erziehung beider Geschlechter, der sich bei der Wiege anhebt -und beim Leichenbrette endiget? warum ein so wesentlicher Unterschied, -als wären beide Geschlechter nicht Eines Herkommens, nicht Eines -Stoffs, und nicht zu einerlei Bestimmung geboren? -- Die Scheidewand -höre auf! man erziehe Bürger für den Staat, ohne Rücksicht auf den -Geschlechtsunterschied, und überlasse das, was Weiber als Mütter, als -Hausfrauen, wissen müssen, dem besondern Unterricht; und Alles wird -zur Ordnung der Natur zurückkehren. Noch lange ist Erziehung nicht -das, was sie seyn könnte und sollte. Nur sehr spät fiel man auf das, -womit man hätte anfangen sollen: den Zweck der Erziehung zu bestimmen, -das Ziel aufzusuchen und seinen Lauf darnach zu richten. Statt daß wir -sonst, wie irrende Schafe, ohne Plan und Regel in das Weite liefen, sei -es unsere erste Sorge, heimzukehren zu der Natur und nicht außer uns -uns selbst zu suchen! -- Was hülf es dem Menschen, wenn er die ganze -Welt gewönne und an sich selbst Schaden litte! -- Ohne jenen Zweck der -Erziehung zerreißt das Band, welches alle einzelne Theile zusammen hält --- und in Kindern liegt das Reich Gottes. -- - -Zwar hat man in unsern Tagen angefangen, dies wichtige Staatsbedürfniß -zu beherzigen; aber auch kaum nur angefangen. Die Staaten und ihre -Repräsentanten selbst, deren erstes und wichtiges Interesse die -Erziehung ist, scheinen dieses Bedürfniß entweder noch nicht genug zu -fühlen; oder wohl gar sich für verpflichtet zu halten, den gemachten -Versuchen, Bürger zu bilden, Hindernisse in den Weg zu legen. Wenn -die Befehlshaber des Volkes bedächten, daß nichts als eine gute -Erziehung sie auf immer in dem Besitz gesetzlicher und auf Verträge -sich gründender Vorzüge sichern kann; sie würden zu dieser ihrer -Zeit bedenken, was zu ihrem Frieden dienet. Lange hat man Erziehung -und Unterricht, die doch ihrem Wesen, ihrer Form und ihrem Endzwecke -nach so sehr unterschieden sind, für Eins gehalten. Lange muthete -man Lehrern zu, die in der Regel selbst keine Erziehung hatten, sie -sollten zugleich Erzieher seyn; und man wußte nicht zu begreifen, wie -man gelehrt seyn und doch keine Sitten haben könnte. Fest glaubte man -an das goldene Sprichwort: daß Künste und Sitten Schwestern und Brüder -sind, und Niemand dachte daran zu untersuchen, ob Künste und Sitten -sich wie Ursache und Wirkung verhielten. - -Rechnet man zu diesen Mängeln den Umstand, daß die Hälfte des -menschlichen Geschlechtes entweder ohne alle Erziehung blieb, oder -verzogen ward, und daß gerade dieser Hälfte der wichtigste Theil der -Erziehung überlassen war; so ist es fast noch Wunder, daß wir Menschen -sind. Ohne allen Zweifel bestimmte die Natur das andere Geschlecht -zu diesem großen Erziehungsgeschäfte, und versah es mit den nöthigen -Anlagen und Fähigkeiten, mit den empfänglichsten Sinnen, mit den -feinsten Empfindungen, in der edelsten Sprache, selbst im Kleinen -und Zufälligen das Wahre vom Falschen, das Ächte vom Scheinbaren -zu unterscheiden -- um jene große Bestimmung zu erfüllen --. Die -_Sokratik_, die _Sokrates_ von seiner Mutter, einer Weisemutter (_sage -femme_), lernte, indem er auf Seelenentbindungen ausging und ein weiser -Mann (_homme sage_) ward, ist wahrlich dem andern Geschlecht eigen, -welches nie, auch beim Heißhunger, den Magen der Wißbegierde der -Kinder mit Kentnissen überstopft, sondern jeden neuen Begriff ihnen -einzeln zu denken giebt und ihn so viel wie möglich in Empfindung zu -verwandeln sucht. Jedem geistigen Gedanken geben Weiber einen Körper, -bekleiden ihn und verleihen ihm eine sinnliche Form. _Robinet_ meint, -die Natur habe den Weibern einen Hang zur Geschwätzigkeit gegeben, -damit sie die für die Kinder zu starke Wörterkost ihnen desto leichter -vorkauen könnten -- Heißt das nicht, einer herrlichen Naturgabe einen -bösen Leumund machen? _Rousseau_ sagte zu _Grétry_, der ihm seine -Hand bot, um ihm über einen Haufen Steine zu helfen: _Laissez moi me -servir de mes propres forces_; und wem ist jene Entwickelung der in den -Kinder-Seelen liegenden Ideen natürlicher, als dem andern Geschlechte? --- Es spinnt sie heraus, knüpft das Sinnliche an geistige Begriffe -durch Bilder und Gleichnisse -- Wir sind für heroische Methoden; -folgt indeß nicht nach einer Bravurarie jederzeit eine Leere, da ein -zu lebhafter Eindruck dem Effekte des Ganzen schadet? -- -- Es kommt -nicht darauf an, eine gute Empfindung zu erregen, sondern die Summe der -Empfindungen zu ziehen und auf sie zu wirken. Wie richtig sind hier -_wenn_ und _wie_! Alle Wege des Wanderers zwecken ab, an einen Ort zu -kommen; alle kleine Flüsse gehen zum großen Meere -- -- -- - -Wie ist es aber möglich, daß Weiber diesem Berufe genügen können, -wenn jene Anlagen und Fähigkeiten so wenig entwickelt werden! Man -vernachlässiget sie nicht bloß; man unterdrückt sie absichtlich. Das -Kind ist geschlechtslos; warum sind wir der weiseren Natur zuvor -geeilt? warum haben wir früher die Geschlechter abzusondern angefangen, -als die Natur uns dazu einen Wink gab? Das Kind ist gesellig, nicht -weil es durch einen besondern Trieb dazu gereitzt wird, sondern aus -Bedürfniß und um thätig zu seyn. Nicht das moralische Gefühl, welches -den Menschen an seines Gleichen kettet, um sich ihnen mitzutheilen, um -durch den Umgang mit Andern das Eckige seines Charakters abzuschleifen -und um sich durch Andere zu vervollständigen -- nicht dieses Gefühl -macht das Kind gesellig. Was kennt es mehr als sein Bedürfniß? Es will -genährt und vergnügt seyn: darum ist es gesellig; es ist gesellig -zum Zeitvertreib -- Wo es diese Absicht erreicht, befindet es sich -wohl; Geschlechtsunterschiede stehen, so wie moralische und geistige -Eigenschaften, mit seiner Gesellschaft in gar keiner Beziehung -- - -Erst um das zwölfte Jahr fangen unter dem Europäischen Himmel die -Geschlechtskeime an bei dem weiblichen Theile sich zu entwickeln -und nie gewohnte Unruhe, eine vorher unbemerkte Ahndung und sanfte -Sehnsucht zu erwecken. So lange sollte unter Kindern Alles bis auf -die Kleidung gleich bleiben, weil die Natur es so will. Erziehung, -Unterricht, Zeitvertreib können für beide Geschlechter einerlei seyn, -weil in diesem Zeitraume die Bildung sich mit dem Menschen beschäftigen -und für die Entwickelung jener Anlagen sorgen soll, ohne alle Rücksicht -auf anderweitige Bestimmungen, als auf die erste ehrwürdigste: einen -Menschen nach der urkundlichen Deutung der Natur darzustellen. - -Auf diesen einzigen Endzweck müssen es alle pädagogische Bemühungen -anlegen, und indem sie den jungen Kindern Hebammendienste leisten, den -Spielraum für die ersten Versuche der erwachenden Kräfte erweitern, und -nur nach und nach mit großer Vorsicht es wagen, den üppigen Auswuchs -zurückzuhalten, und dergestalt mittelbar den Trieben der Natur die -eigentliche Richtung zu geben. Der Unterricht bedarf in diesem Zeitraum -eben so wenig besondere Rücksichten auf Geschlechtsunterschied, als -auf künftige bürgerliche Verhältnisse. Hat das Kind von diesem Allen -selbst nur Ahndungen? geschweige denn Begriffe! und bleibt nicht aller -Unterricht in dieser Rücksicht für dasselbe todter Buchstabe, bis nach -dem Laufe der Natur Empfänglichkeit für diese Lehre sich entwickelt? -Aller Unterricht muß sich in diesem Zeitraum auf das einschränken, was -der _Mensch_ glauben, wissen und thun soll. - -Warum der Unterschied zwischen weiblichem und männlichem Unterricht, -da Mann und Weib noch nicht geboren sind? Sind Spiele für Kinder -das, was sie seyn könnten und sollten? Nur in unsern Tagen, als die -Erziehungskunst einen neuen Schwung erhielt, fing man an, den großen -Einfluß derselben zu bemerken; allein machte man nicht, wie gewöhnlich, -einen schlechten Gebrauch davon, wenn man das Spiel zu einem -allgemeinen Unterrichtsmittel erhob? Spiele müssen nie zur Methodik -werden; wohl aber können sie Anlässe zur Bereicherung des Gedächtnisses -und zur Übung des Verstandes seyn. Wenn sie den Unterricht erleichtern, -so ist und bleibt ihr Werth bloß subjektiv. Bei Spielen der Kinder muß -jederzeit die Absicht zum Grunde liegen, sie auf eine ihrer Fähigkeit -und ihrem Alter angemessene Art zu beschäftigen. Nur dürfen die Kinder -diese Absicht nicht errathen; sonst ist das Spiel verloren. Früh indeß -müssen Kinder angewöhnt werden, Spiel und Geschäfte zu unterscheiden, -um diese achten und lieb gewinnen, jene aber entbehren zu lernen, -wenn sie anders nicht ewig Kinder bleiben sollen. Doch warum mehr -Bemerkungen über einen Gegenstand, der jetzt das dritte Wort unserer -Schriftsteller ist, und auf allen Dächern gepredigt wird! Ich kehre -mit dem Vorschlage zurück, daß so lange bis das Kind zum Mädchen oder -zum Knaben heranreift, beide unter den Händen und der Aufsicht des -weiblichen Geschlechtes bleiben sollten. Der Staat und das weibliche -Geschlecht würden dabei gewinnen. Alle Kinderschulen sollten Weiber -zu Aufseherinnen und Lehrerinnen haben, weil die Natur das weibliche -Geschlecht dazu mit ausgezeichneter Fähigkeit hinreichend ausgestattet -hat. Reinlichkeit, ein zur Erhaltung der Kinder so nöthiges und -wichtiges Erforderniß, Sanftmuth, Geduld, Ausdauer bei anscheinend -kleinlichen Beschäftigungen, Mittheilung, Redefertigkeit, und andere -zur Kindererziehung unentbehrliche Eigenschaften, scheinen dem -weiblichen Geschlechte von Natur eigen, bei dem männlichen dagegen -bloß Kunstfertigkeiten zu seyn. Wie sich Natur zur Kunst verhält; so -würde sich auch eine Kindererziehung durch Weiber gegen die jetzige -verhalten. Schon gegenwärtig ist ihr Antheil groß; was würden wir -ohne ihren Beistand vermögen? O, was für eine Schule für Mütter -mittleren Standes, wenn eine Hauscapelle weinender und heulender -Kleinen ihre Geduld prüft, und die Kinderfragen heranwachsender -neugieriger, verschämter Mädchen und dreister Buben sie in Verlegenheit -setzen! Ich begreife nicht, wie manches treffliche Weib so heterogene -Angelegenheiten zu bestreiten vermag -- Dort windet sie dem kleinen -Feldmarschall _Jakob_ Gabel, Messer und Scheere aus der Hand; hier -reißt sie dem vielfräßigen Domherrn _Peter_ schädliche Dinge aus dem -Munde; bald verscheucht sie von der kleinen schlafenden _Jette_ die -Fliegen; und wie schwer ist der Wildfang _Karl_ zu befriedigen, der -von Einem Zeitvertreibe zum andern abspringt! Wie viele Vigilien und -wie viele Tageslasten sind ihr Theil und Erbe bei den ihr obliegenden -Familiensorgen! -- Ist nun gleich die Dame höheren Standes, die nach -Landes-Sitte und Brauch das strenge Recht für sich hat, ihre Kleinen -wie Findelkinder zu behandeln, bei weitem so beschäftiget nicht; ist -sie es indeß nicht immer weit mehr, als ihr geschäftiger Müßiggänger -von Gemahl, der, mit großen Kleinigkeiten und vornehmen Gebrechen -beladen, außer der Spinnstube seines hohen Collegiums, noch so viel -anderes anzuspinnen hat, was freilich fast immer darauf hinausläuft, -schlichte Dinge zu verwickeln, und den leichtesten Sachen einen -Anstrich von Bedeutung zu geben! Des großen Staatsspinners! -- *Doch -wie? würden Weiber wegen ihrer Furchtsamkeit und aus Gefühl ihrer -Schwäche die Kinder nicht noch mehr verzärteln, und das menschliche -Geschlecht nicht noch weichlicher machen, als es gegenwärtig schon -ist?* Ein Einwurf, der nicht ohne Grund zu seyn scheint; allein nichts -mehr als ein Gespenst, welches unsere Einbildungskraft in Schrecken -setzt, aber desto mehr verschwinden muß, je mehr die Weiber sich ihrem -Ziele nähern. Zärtlichkeit oder eigentliche Schwächlichkeit des Körpers -ist oft ein Erbtheil der Geburt, und ungleich seltener eine Folge der -weichlichen Erziehung. Im letzten Falle kann die Geschicklichkeit des -Erziehers im Knaben- und Jünglingsalter wieder herstellen, was übel -verstandene Zärtlichkeit im Kindesalter verdarb; da aber, wo der -Keim schon kränkelt, wird die pflegende Hand der Kunst, anstatt eines -Baumes, immer nur ein Zwerggewächs erziehen. Völlig wird jene Furcht -verschwinden, wenn die Ordnung der Natur, die wir umkehrten, wieder in -den vorigen Stand gebracht wird, und wir fürs erste uns entschließen, -das andere Geschlecht bei diesem Geschäfte zu leiten. Schon hat man -zum Theil aufgehört, das Kind in eine Puppe zu verwandeln, es in -Federn zu ersticken, und, wenn es sich des einzigen Mittels seiner -Lunge bediente, um sich aus seiner peinlichen Lage zu befreien, es -mit Theriak oder einer sanften Hirnerschütterung zu betäuben; und -gewiß, man wird aufhören, Kinder der Luft und dem Wasser zu entziehen, -so bald die Weiber sich selbst bei dem Einflusse dieser Elemente -behaglicher fühlen werden. Schon hat man die bisherige Knabenkleidung -verdächtig zu machen gesucht, und dem Kinderanzuge überhaupt den -Zwang vorgerückt, wodurch der Einfluß der Luft auf den ganzen Körper -verloren geht, die Ausdünstung gehemmt, die Brust verengt, das -Herz unterdrückt, Saft und Kraft -- wenn gleich (was leider nur -selten der Fall ist) Alles unverdorben auf die Welt gebracht seyn -sollte -- frühzeitig erschlafft und die Maschine übereilt wird. Die -tyrannische Mode! Selbst unsere Mahler und Bildhauer sind ihrethalben -der traurigen Verlegenheit ausgesetzt, zu einem idealischen Costume -ihre Zuflucht zu nehmen, da die Ungereimtheiten der Mode nicht bei -dem Altare des Geschmackes bestehen -- Eine feine Rache, welche die -Natur an ihren Verächtern nimmt --! Bei Gelegenheit der bürgerlichen -Weiberverbesserung wäre nichts leichter, als eine Kleiderordnung in -physischer und moralischer Rücksicht in Gang zu bringen, sie wohlfeil, -natürlich und einfach zu stellen, und diese Sache gleich fern von -Übertreibung und Montirungssucht in Erwägung zu nehmen. Nur aus -unverzärtelten, festen, wackern _Kindern_ werden unverzärtelte, feste, -wackere _Leute_! -- Lasset die Weiber erst sich selbst stark fühlen, -und sie werden an Leib und Seele starke Kinder leiblich gebären und -geistlich wiedergebären -- sie zur Welt bringen und erziehen. Warum -soll denn die Haut mit der Sonne in Feindschaft leben? Fehlgeschlagene -Hoffnungen, Unterdrückungen, Collisionen sind der Geschmeidigkeit des -Charakters, den Grazien der Sitten ungünstiger, als jenes unbiegsame -Äußere. Vom Gefühl einer edlen Freiheit, hangen Muth, Freimüthigkeit -und jene umfassende Heiterkeit ab, die auch durch die finsterste -Stirn bricht und auf der rauhesten Oberfläche durchschimmert -- Und -was gilt euch mehr: jene zweideutigen Aussprüche zu Delphi, oder eine -unbiegsame Aufrichtigkeit? Aufrichtigkeit bahnt den Weg zur moralischen -Allmacht -- wogegen durch lebensartige Feinheit der Absicht ganz -entgegengesetzte Wirkungen resultiren -- Je nachdem man auf diesen -oder jenen Umstand Licht fallen läßt; je nachdem thut er Wirkung -- -Hat die Furchtsamkeit ihren Grund nicht bloß in dem Gefühl des Mangels -an körperlichen Kräften und in der Beschränktheit des Verstandes? Ein -berühmter Englischer General bemerkte, daß seine Truppen nie mehr Muth -hatten, als wenn ihr Magen mit Pudding und Roastbeef angefüllt war. -Hunger macht feige, Mangel blöde, Unterdrückung verzagt. -- - -Die Weiber zu _Sparta_ kannten weder Weichlichkeit noch Furchtsamkeit. -_Ich habe ihn für das Vaterland geboren_, war die heroische Antwort -jener Spartanerin, als man ihr die Nachricht brachte, ihr einziger Sohn -sei in der Schlacht gefallen. - -Entwickelt sich der Unterschied der Geschlechter im Knaben und Mädchen, -so muß der Bürger auf den Menschen gepfropft, der Stand des Bürgers -an den der Natur geknüpft, und die Vorbereitung zu mannigfaltigen -untergeordneten Bestimmungen eröffnet werden; und nun ist es Zeit zu -einem sichtbaren Merkzeichen der Absonderung der Geschlechter. - -Diese Geschlechts-Einkleidung wird alle besorgliche Folgen, welche -die Natur-Uniform etwa bei den Schwachen, die doch immer unter uns -sind, erregen möchte, unausbleiblich vertilgen, Knaben und Mädchen, -die als Kinder vertraut waren, in Fremde (wenn gleich nicht in -Wildfremde -- und weshalb auch das?) umschaffen, und Alles bis auf die -Rückerinnerung ihrer ehemaligen Bekanntschaft vertilgen. Würde nicht -diese Geschlechts-Einkleidung auf einmal den einzigen Unterschied, den -die Natur beabsichtiget hat, zwischen beiden Geschlechtern festsetzen, -ohne dadurch einen bürgerlichen Unterschied herauszubringen oder zu -erzwingen, und ohne dadurch Sitten und Wohlstand im mindesten in -Gefahr zu setzen? Dies wäre der Glockenschlag, welcher Erziehung -und Unterricht der Geschlechter- und Bürgerbestimmung näher bringen -würde. -- War nicht schon bei den Römern eine ähnliche Einrichtung in -Hinsicht auf das männliche Geschlecht? und sagt nicht die Geschichte, -daß der Jüngling Vaterlandsliebe und alle große Eigenschaften eines -Römers mit der _toga virili_ (mit dem Mannskleide) anlegte? Es ist -eine Schande, eine Stunde länger zu leben, als man hätte leben sollen; --- allein es bleibt eine eben so große Schande, eine Stunde früher -zu leben anzufangen, als man dazu fähig ist -- und so wie das Ende -das Werk krönt, und der letzte Tag der Richter aller seiner Vorgänger -ist, so sollte man gewisse Tage aussondern, und sie zu Denkmählern -machen. Jener Tag der Geschlechtsabsonderung, der bürgerlichen -Einsegnung, würde zu diesen festlichen Tagen gehören. Ganz müßte -das Erziehungsgeschäft in dieser neuen Epoche noch nicht den Händen -der Weiber entzogen, noch weniger ein Unterschied in Erziehung und -Unterricht zwischen beiden Geschlechtern veranstaltet werden, bis auf -die Verpflichtungen, zu denen jedes von der Natur besonders berufen -ward, welche, in so fern sie für diesen Zeitraum gehören, bei jedem -Geschlechte durch Personen des seinigen gelehrt werden müßten; wogegen -alles Übrige ohne Rücksicht auf diesen Unterschied, so wie die Umstände -es forderten oder erlaubten, von Personen beiderlei Geschlechts gelehrt -werden könnte. Da Mann und Weib eigentlich nur Ein Mensch sind; so kann -auch selbst nach jener Geschlechtsabsonderung keine völlige Scheidung -eintreten: Was Gott zusammen fügt, soll der Mensch nicht scheiden --- In der Epoche, welche bei Mädchen etwa bis zum 16ten, und bei -Knaben bis zum 18ten Jahre dauern könnte, müßten beide Geschlechter -zu den bürgerlichen Bestimmungen vorbereitet und in Allem, was darauf -Beziehung hat, ohne daß man auf den Geschlechtsunterschied Rücksicht -nähme, unterrichtet werden. Daß hierbei die völlige Entwickelung des -Menschen nicht aufzugeben oder nur bei Seite zu setzen ist, versteht -sich von selbst. Würden bei dieser soliden Einrichtung nicht mit -dem mannbaren Alter beide Theile ohne Unterschied unbedenklich da -hingestellt werden können, wo sie, dem Staate nützlich zu seyn, -Anlage zeigten? Entwöhnt dem größten aller Übel, der langen Weile, -die mehr als der Tod zu fürchten ist, müßten jetzt der Jüngling und -das Mädchen Geschäfte angewiesen bekommen, wozu sie mit Neigung -und Geschicklichkeit versehen sind. Ehre, Rechte und Belohnungen -werden alsdann nicht ein Geschlechts-Prärogativ, sondern Folgen des -persönlichen Verdienstes. Weiber, die bisher ein Etwas ohne Namen und -Rechte waren, würden auf diese Weise Personen und Staatsbürger werden. --- _Plato_ wollte die Vertheilung des Privatvermögens den Gesetzen -in die Hände spielen. So viel Gerechtigkeit auch in dieser Idee zu -liegen scheint, zu so vielen Ungerechtigkeiten würde sie verleiten. --- Das Vermögen der Weiber indeß, wenn sie gleich ganz allein darüber -zu verfügen glauben, _scheint_ bloß ihrer Gewalt unterworfen zu seyn; -denn eigentlich sind Männer die Eigenthümer desselben, die mit diesem -Kreuz, das sie wohlbedächtig in Händen behalten, sich zu segnen nicht -ermangeln. Wie viele Kassen-Defraudationen hier vorfallen, liegt -am Tage. -- Bloß der Entschluß der Weiber, sich dem Staate nicht -entziehen zu wollen, setzt sie in das Eigenthum ihres Vermögens, und -sie werden nur sich selbst nöthig haben, um zu denken und zu handeln. -»Er beleidigte nicht mich, sondern den, für den er mich ansahe,« sagte -König _Archelaus_, als man ihn auf der Straße mit Wasser begossen -hatte; -- und so wird das andere Geschlecht sich oft erklären müssen, -und sich gern erklären, ehe jene Grundsätze, es ehren zu wollen, weil -ihm Ehre gebührt, zur Gewohnheit geworden sind. - -Die Physiokraten halten in ihrem System die producirende Klasse der -Staatsbürger für die nützlichste, und da für den Staat der Nutzen -das Einzige ist, was die Rangordnung der Bürger bestimmt; da dieser -Nutzen die Bürger klassificirt: wie wollen wir denn eine ganze -Hälfte des menschlichen Geschlechtes, welche an der Hervorbringung -und Fortpflanzung desselben den wesentlichsten Antheil hat, von der -Bürgerehre ausschließen? und da wir sie schon ohne Urtheil und Recht -willkührlich aus angestammter Machtvollkommenheit ausgeschlossen haben, -ihnen die Wiedereinsetzung in den Paradiesstand verweigern? Werden sie -nicht, gehörig dazu vorbereitet, mit Ehren rathen, helfen, fördern in -allen Staatsnöthen? Bis jener hingeworfene Umriß einer neuen Ordnung -der Dinge in seinem ganzen Umfange in der bürgerlichen Gesellschaft -eingeführt werden kann, öffnet, Männer! der jetzigen weiblichen -Jugend je eher je lieber unsere Educations- und Lehranstalten, und -erlaubt ihr, an der Erziehung und dem Unterrichte, so wie er hier -gelehrt und gelernt wird, Theil zu nehmen, ohne euch von der Furcht -vor nachtheiligen Folgen abwendig machen zu lassen. Prüft jene -hämischen Alltagszweifel: es wird Anstoß, Aufsehen, Ärgerniß geben, -es wird nachtheilige Folgen haben; -- prüft, und ihr selbst werdet -sie unentscheidend finden. Man kann sich vor der Furcht, und auch vor -der Hülfe fürchten. Soll eine verwerfliche Einrichtung der Dinge, -und wenn sie tausend mahl tausend Jahre gewährt hätte, auch bei dem -unbehaglichen Gefühl des Nachtheiligen, bei der gewissen Aussicht einer -besseren Zukunft, darum noch ungestört fortdauern, weil ihre Abänderung -mit Schwierigkeiten, vielleicht mit anscheinend bedenklichen Folgen, -verknüpft seyn _kann_? Wäre je in der Welt etwas Großes unternommen -worden, wenn wir das Für und Wider so ängstlich abgewogen hätten? -Wäre der Mensch da, wo er gegenwärtig ist, hätte er je so merkliche -Fortschritte gethan, wenn er, nach der Weise des Elephanten, ehe -er den Fuß weiter fortbewegt, ängstlich untersucht hätte, ob der -Boden, den er betreten wolle, auch fest sey? -- Anstoß! Wie man dies -Wort von weitläuftigem Bedeutungsbezirk nimmt. Unsere symbolischen -Vorfahren hätten gewiß den schrecklichsten Anstoß genommen, wenn in -einem Erziehungshause Kinder mit und ohne Vorhaut zusammen gekommen -wären, um an allerlei Unterricht Theil zu nehmen. Welchen Nachtheil -für das Christenthum würde man befürchtet haben, wenn ein Abkömmling -des Stammes Juda mit dem Sohne eines General-Superintendenten aus dem -blinden Heiden _Cicero_ Menschen- und Bürgerpflichten gelernt hätte! -Und wer kennet nicht Staaten, wo dies ohne das leiseste Geräusch der -Eiferer bewirkt wird, und ohne daß die Grundfesten des Christenthums -auch nur die mindeste Erschütterung befürchten? - -_Die Sittlichkeit würde Gefahr laufen!_ - -Wie denn das? Werden nicht schon jetzt Mädchen und Jünglinge von -einem und demselben Geistlichen, zu einer und derselben Zeit, auf -eine und dieselbe Art in der Religion unterrichtet? Die Anstalt ist -schon da; sie darf nur ausgedehnt werden. Und was kann uns behindern, -_die_, denen wir in der Kirche gleiche Rechte mit uns einräumen, in -die Bürgergemeinschaft aufzunehmen? Werden Mädchen und Knaben durch -gemeinschaftlichen Unterricht zu _Christen_ vorbereitet, warum sollen -wir sie nicht gemeinschaftlich zu _Bürgern_ erziehen? Sollte denen, -welchen die erforderliche Anlage zu Himmelsbürgern zugestanden wird, -der Beruf zur Staatsbürgerschaft abgesprochen worden? Warum leiden in -dieser Gemeinschule die Sitten nicht, obgleich der Religionsunterricht -in Jahren ertheilt wird, wo der Geschlechtstrieb äußerst reitzbar ist? -Sind die Schüler und Schülerinnen dort nicht eben so wie hier unter -Aufsicht? wird ein kluger Lehrer und Erzieher den Veranlassungen zur -Erweckung des Geschlechtstriebes nicht überall geschickt auszuweichen -wissen, und jede Belehrung über die künftige Bestimmung seiner Zöglinge -so einzulenken verstehen, daß die Folgen nicht schädlich, sondern -segensreich ausfallen? - -_Wird das andere Geschlecht unseren Erwartungen entsprechen? wird es -unsere Bemühung lohnen?_ - -Wir wollen also erndten und uns der Mühe überheben, zu pflanzen? Auf -welche Art werden wir uns von der Tragbarkeit des Bodens versichern, -wenn wir ihn nicht anbauen? Hat denn nicht bis itzt jeder Boden dieser -Art den auf ihn verwendeten Fleiß gelohnt? und dürfen wir hier einen -andern Erfolg befürchten, wenn wir es unserer Trägheit nur abgewinnen -können, einen ernstlichen Versuch anzustellen? In Alles was die Natur -hervorbrachte, legte sie Keime, die nur einer Veranlassung bedürfen, -um entwickelt zu werden. Würden nicht die Weiber jedem bürgerlichen -Stande, zu welchem man ihnen Zutritt vergönnte, Ehre machen? Und -welches bürgerliche Geschäft könnte, so lange sie durch ihre besondere -Geschlechtsbestimmung nicht daran behindert würden, unter ihren -wohlwollenden Händen sich schlechter befinden? Müßte das Ganze wegen -des Wetteifers, der zwischen beiden Geschlechtern entstehen würde, -nicht unendlich gewinnen? Nicht die Nymphe _Egeria_, welche _Numa_ -selbst, nicht _Pythia_, welche die Helden des Alterthums um Rath -fragten, wenn sie Gesetze geben, wenn sie Länder erobern wollten, nicht -die _Aspasien_ und _Phrynen_, zu denen ein _Perikles_, ein _Sokrates_ -in die Schule ging, um Weisheit und Regierungskunst zu lernen -- -sollen sich hier der Beispiellehrstühle bemächtigen. Jene hat die -Fabel in ein ätherisches Gewand gehüllt und sie unserm Auge zu weit -entrückt, als daß wir sie noch ferner dem Geschlechte zum Vortheil -anrechnen könnten, ob sie gleich seinen Namen führen und keine Fabel -ohne Wahrheits-Ingredienz anfängt und vorhanden ist -- So hieß der -Grosoncle eines von den weltberühmten Lügnern neuerer Zeit, _Josephs -Balsamo_, der sich _Graf Cagliostro_ nannte: _Cagliostro_ -- Lauter -Lügen halten so wenig zusammen, daß nie etwas Vernünftiges, etwas -Ganzes herausgebracht werden kann -- Will man den poëtischen Tugenden -jener weiblichen Heldennamen keine Glorie und keinen Ehrenschein -einräumen -- immerhin! wir haben auch prosaische Beispiele, um -außer Zweifel zu setzen, daß, ungeachtet das weibliche Geschlecht -(wenn gleich nicht durch ein förmliches Gesetz, so doch durch ein -stillschweigendes Übereinkommen, welches oft noch grausamer und -drückender ist) von der Stoa, der Akademie und dem Prytaneum entfernt -gehalten wurde; ungeachtet man den Weibern die Schulen des Unterrichtes -und der Weisheit verschloß, sie dennoch Gelehrte und Weise unter sich -aufweisen können, die ihre Namen durch Thaten und Schriften unsterblich -gemacht haben. Es würde nicht schwer fallen, in vielen Fächern des -weitläuftigen Gebiets menschlichen Wissens und menschlicher Kunst -weibliche Namen aufzufinden, die sich einen Anspruch auf Achtung und -Ruhm erwarben. Schon erwies ich einigen in so weit Gerechtigkeit, -als sie sich durch große Eigenschaften auszeichneten. Wohlan! die -Geschichte mag auftreten, und uns bezeugen, welchen wichtigen Antheil -das weibliche Geschlecht an der Ausbreitung der christlichen Religion -nahm, und wie groß in dieser Rücksicht sein Verdienst um Sittlichkeit -und Aufklärung ist! Der Stifter dieser wohlthätigen, die Rechte -der Menschheit vertretenden und menschenfreundlichen Religion (die -sich so himmelweit von jenen _heidnischen Culten_ unterscheidet, -welche über die Götter die Menschen vergaßen, und eben so von den -_Jüdischen_, die den Menschen durch äußeren Zwang allmählich zum -Geiste der Tugend gewöhnen wollten, aber das Volk, bei der besten -Absicht seines Heerführers _Moses_, in der Wüste der Heuchelei und -der Äußerlichkeit ließen, ohne daß es je das moralische Kleinod -erreichte, wozu diese Umwege es anlegten) unterrichtete die _Schwester -seines Freundes Lazarus_, und gab der _Maria_ vor der bloß häuslichen -_Martha_ den Vorzug: _Maria hat das beste Theil erwählt, das nicht -von ihr genommen werden soll_. Die Geschichte der Apostel gedenkt -einer frommen _Tabea_, die sich nicht nur durch ihren Wandel unter -den Neubekehrten auszeichnete, sondern auch thätigen Antheil an der -Ausbreitung der Lehre nahm, die sie angenommen hatte. Nennet die -Kirchengeschichte nicht eine Menge von Weibern, die mit Heldenmuth -ihren Glauben bekannten, und sich weder durch Martern noch Verheißungen -in ihrem Bekenntnisse wankend machen ließen? die bei dem Verzicht auf -alle Hoheit, auf Ehre und Überfluß, unter Verachtung, Hohn, Mangel und -Verfolgung ihrer Überzeugung mit unerschütterlicher Standhaftigkeit -anhingen? Der Stifter der christlichen Religion bewundert so oft das -gläubige Zutrauen des andern Geschlechtes zu seiner Lehre, und hat -dasselbe so wenig von der Theilnahme an den Vorzügen der vernünftigen -lauteren Milch seines Unterrichtes ausgeschlossen, daß er es vielmehr -mit auf die Erhebung desselben und auf Befreiung von den Ketten, -die es trug, angelegt zu haben scheint. Und in der That, wenn diese -Religion in ihrer reitzenden kindlichen Gestalt erscheinen will -- -zeigt sie sich nicht in Kindern und ihren Pflegerinnen, den Weibern? -Weibliche Herzen sind, wenn ich so reden darf, mit den Lehren dieser -Religion gleichsam amalgamirt; denn in Wahrheit, die höchste Stufe -der Menschheit ist nicht speculirende Vernunft, nicht Philosophie -allein, sondern ein gewisses Etwas, das, wenn es Regierungskunst heißt, -eine Kunst ist, der die Natur selbst sich unbedenklich unterwirft --- Ein kühler Trunk kann Lebensgeister zu der Wohnung, die sie fast -schon verlassen hatten, zurückrufen, kann aber auch ein Gift für -den erhitzten Wanderer werden: Das Schwert, das uns beschützt, wird -leicht unser Mordgewehr. Die gebildete Freiheit, die sich so sehr -von der unregelmäßigen und von dem höchsten Grade derselben, der -Zügellosigkeit, unterscheidet, könnte _christliche Freiheit_ heißen. -Und ihre Schule? -- ist die Schule der Weiber. -- Wenn Männer mit -Verzichtleistung auf ihre Stärke, die so leicht in Leidenschaft -ausartet, eigentliche Christen werden, und Selbstrache, Blutvergießen, -alle Machtsprüche und Machtbeweise aufopfern sollen; so wähnen sie, daß -sie bei diesen christlichen Tugenden ihr Geschlecht einbüßen -- Es ist -schwer Gutes zu wollen und zu thun, wenn das so leicht auszuführende -Böse noch obendrein Ehre bringt -- Ich mag diesem Gegenstande -wohlbedächtig nicht näher treten -- -- -- - -Überall wo Genieflug und Kunstfleiß der Menschen hinreicht, treffen -wir Weibernamen an, die um den Preis ringen. Es sind nicht Weiber, -die auf einem ganz entgegen gesetzten Wege ihre Eitelkeit zu -befriedigen suchten, weil sie auf dem geschlechtsüblichen nicht -fortkamen; sondern solche, die, von ihrem Geiste getrieben, jene -Kräfte anlegten, welche die Natur ihrem Geschlechte so reichlich -und täglich gespendet hat. Welch eine ehrenvolle Stelle nimmt _Anna -Comnena_ unter den Byzantinischen Geschichtschreibern ein! Die -_große Tochter Heinrichs des Achten_, die England nicht durch das -Parlament regierte, sondern deren Wink für dieses, Staatsgesetz war, -vor der es die Knie beugte, die, wenn sie gleich nicht den stolzen -_Philipp_ so doch seine unüberwindliche Flotte überwand, hat eine -ihr würdige Geschichtschreiberin an der _Keraglio_ gefunden. In den -Jahrhunderten der Unwissenheit, wo tiefe Mitternacht die Völker -Europens von einem Ende bis zum andern bedeckte, wo alle Sehnen des -Geistes völlig abgespannt waren, versuchte es die Nonne _Roswitha_, -das heilige Feuer der Gelehrsamkeit wieder anzuzünden. _Die Dacier_ -und _die Reiske_ thaten sich durch Sprachkenntnisse hervor; und wie -viele machten sich nicht in England, Frankreich und Deutschland durch -Schriftstellertalente berühmt? Wem sind die Namen einer _Macaulay_, -einer _Genlis_, einer _Sevigné_, einer _la Roche_ unbekannt? - -_Weiber entdeckten nichts, erfanden nichts. Es gab unter ihnen keinen -Newton -- keinen_ -- -- -- - -Und warum? war es nicht ein Ungefähr, das von Anbeginn unter Menschen -Erfindungen zu Stande brachte? Schien nicht die Natur bei allen -menschlichen Erfindungen sich den Haupttheil zu reserviren? legte _sie_ -nicht dies beste Brot vor das Fenster? Wurden jene Entdeckungen und -Erfindungen nicht den Erfindern und Entdeckern in die Hand gespielt? -Lag es an Weibern oder an der ihnen verweigerten Gelegenheit, wenn sie -hier zurückblieben? -- Man räume ihnen Kanzeln und Lehrstühle ein, -und es wird sich zeigen, ob sie (der schuldigen Achtung für _Paulus_ -unbeschadet, welcher nicht will, daß die Weiber in der Gemeine sich -sollen hören lassen) nicht eben so gut unsere Überzeugung zu gewinnen -wissen. Ohne allen Zweifel werden sie sich einen noch leichteren -Zugang zu unserm Herzen bahnen. Schon sind uns hier die Quäker mit -ihrem Beispiele vorgegangen. Die Predigten der Weiber würden sich zu -den Predigten vieler unserer Seelenwächter sehr oft verhalten, wie die -von _Bourdaloue_ zu denen von einem Stümper seiner Zeit: Wenn dieser -predigte, ward _gestohlen_; wenn jener auftrat, ward _wiedergegeben_. -So wie es bei Körpern eine Ansteckung giebt, so auch bei Gemüthern -und Seelen; und wenn es allgemein nicht unrichtig ist, daß schon in -den _Augen_ Tod und Leben liegt, und daß gewisse Leute vermittelst -derselben beides, tödten und lebendig machen, können: so ist dies -besonders der Vorzug der Weiber -- Die ganze Zauberei scheint sich -aus den Augen herzuschreiben -- Auge und Athem sind die Seelenvocale -der Liebe und des Hasses; und wer versteht die Augensprache besser -als die Weiber? Sie können vermittelst derselben lange Reden im -Zusammenhange halten; und wer ist, der von dieser Beredsamkeit nicht -ein Zeugniß abzulegen im Stande wäre? -- Sind es aber bloß die Augen, -die bei den Weibern reden? Das ganze Leben der Weiber bestehet mehr -im Reden als im Handeln: ihre Reden sind gemeiniglich Handlungen; -und wenn wir einen Mann verachten, dessen Leben eher ein Lexikon als -eine Geschichte vorstellt, so ist dies nicht der Fall bei dem schönen -Geschlechte, das gewaltiglich spricht -- Das Leben eines Weibes würde -ein Conversations-Gemählde seyn -- wie bewunderungswerth ist es, -selbst in anscheinend unwichtigen, oder so genannten Nebenfällen! -Was Weiber _sagen_, fließt oft weit mehr aus ihrem Herzen, als das, -was Männer _thun_; und so haben ihre Reden für den denkenden und -empfindenden Menschen auch oft mehr Interesse, als viele Handlungen -der Männer. Durch Reden kann man, wenn ich mich so ausdrücken darf, -seinem Gedankengemählde ein gewisses Colorit mittheilen; und wie viele -Nüancen giebt es hier, wenn man bloß bei seinem Herzen Unterricht -nimmt! Man sollte fürchten, daß Weiber, an Toiletten gewöhnt, ihre -Gedanken und Empfindungen an diesem Altar durch Putz verderben würden. -Nein! diese Seelen-Toiletten überlassen sie gern unserm Geschlechte --- Selbst wenn viele unter ihnen von Amts- und Geschlechtswegen -Musterkarten des modischen Putzes und der gäng' und geben Hofeitelkeit -werden müssen, verändert ihr Ausdruck nicht seine Natur; Milch und -Honig bleibt ihre Rede. -- -- Heißt Genie Weisheit? Wörterkram und -Sophisterei Vernunft? Alles was nicht auf gesunden Menschenverstand und -moralische Religion berechnet werden kann, ist nicht wahre Weisheit -und ächte Vernunft. Falsche Perlen und Glanzgold, womit Weiber ihren -Körper schmücken, überlassen sie in Hinsicht des Geistes den Männern --- Die tiefste Wahrheit kann in eine Volks-Idee gekleidet werden, -und eine Wahrheit, die kein _Sokrates_ in das gemeine Leben bringen -kann, ist nicht viel mehr als Sophisterei, womit man seinen Kopf -nicht verderben und sein Herz nicht verfälschen sollte -- Weiber -sind geborne _Protestantinnen_, und haben die Religion der Freiheit, -die Anweisung Gott im Geist und in der Wahrheit anzubeten. Bei dem -systematischen Gerüste der Religionslehren finden sie kein Interesse, -und schwerlich werden sie je durch Doktorhüte in der Gottesgelahrtheit -gereitzt werden. Sie legen es nicht darauf an, Gottes Existenz zu -erweisen; vielmehr sind sie dem Neumonde von Philosophie anverwandt -und zugethan, der den unerweislichen Gott für ein Postulatum der -Vernunft erklärt, weil er zu unserer Glückseligkeit nothwendig ist. -»Wer gewisse Dinge erweisen will,« sagte _Frau v._ **, »zweifelt -entweder selbst, oder will den Zweifeln Anderer mit Höflichkeit -zuvorkommen.« Ein theures wahres Wort --! Das Minimum von Glauben, ein -Glaubens-Senfkorn, und die Vorstellung von der Möglichkeit der Existenz -Gottes, ist hinreichend, um _Alles_ aus uns zu machen, was aus uns -gemacht werden kann, und unsere Tugend menschenmöglichst untadelhaft -und rein darzustellen in der Liebe -- Der Zweifel anderer, besonders -in gutem Geruch stehender, kluger Männer verwickelt oft wider Denken -und Vermuthen (könnte man nicht sagen: wider Verstand und Willen?) -in Zweifel -- Weiber haben Gott _im Herzen_; und da sie wohl wissen, -daß wegen der zweckvollen Einrichtungen der Natur die Grundursache -als verständig gedacht werden muß: so kümmert es sie nicht, wie viel -oder wie wenig die speculative Vernunft zu diesem Glauben beitrage. -Der moralische Beweisgrund (er verdiene den Ehrennamen _Beweis_ oder -nicht) wirkt in ihnen einen lebendigen Glauben. Wie viele haben Gottes -Existenz tapfer demonstrirt und durch ihr Leben diese Demonstration -noch tapferer widerlegt! -- Seinen Willen thun, bleibt der beste -Beweis, daß er sey. Das größte Problem ist, den Menschen den _Willen_ -beizulegen; an _Einsicht_ fehlt es ihnen weniger. _Franklin_, ein -Mann, deßgleichen weder das Griechische noch das Römische Alterthum -aufzuweisen hat, sagte: »Gäbe es einen Gottesleugner, er würde sich -beim Anblick, von _Philadelphia_, einer so wohleingerichteten Stadt, -bekehren;« und die Erde, _diese große Stadt Philadelphia_, sollte -so viel nicht über den Gottesleugner vermögen, so bald er aufhört, -Alles nach seiner, eigenen kleinen Elle zu messen? Nicht auf unsere -Meinungen, sondern auf das kommt es am Ende an, was diese Meinungen -aus uns machten. -- -- Das Glück der Unschuld, die Würde der Natur, -der Drang nach Freiheit, die Freude eines stillen Lebens, der hohe -Werth der Kunst sich in sein Schicksal zu finden, sind Hauptgegenstände -der Weiber. Wie man aus dem Umgange den Menschen kennt, so bestimmen -seine Lieblingsgegenstände seinen Verstand und seinen Willen -- Jene -Verschiedenheiten des Ausdrucks, jenes Zurückhalten, ist bei Weibern -nicht wie bei uns Heuchelei; um Alles würden sie gewisse Dinge nicht -sagen, einer gewissen sittlichen Reinheit der Sprache nicht ungetreu -werden, und in plumpe Zweideutigkeiten und Zoten fallen, wenn auch -diese Sittsamkeit und Enthaltung weniger Reitze hätte. Die Keuschheit -des Körpers ist mit der Keuschheit der Seele und der Sprache in genauer -Verbindung -- Weiber kennen so wenig die Regeln als die Gränzen der -Sprache, überschreiten die ersteren, und erweitern die letzteren -- -Wie manche glückliche Bereicherung hat die Sprache ihnen mittelbar -und unmittelbar zu danken! Das Mittelmäßige kann im Geschlechte gar -nicht aufkommen; was sich unterscheidet, ist vorzüglich -- Sie reden -zwar noch, wenn sie schweigen; keiner ihrer Blicke ist sprachlos; -ihre unarticulirten Ausdrücke der Leidenschaften, wodurch Menschen -tief in das Herz der Menschen dringen, sind unüberwindlich --: -allein, wer ist beredter als sie, wenn sie wirklich sprechen! -- Jene -sprachlose Beredsamkeit kann weiter Niemand als sie auf Worte bringen -und übersetzen. Männer sagen oft nichts, wenn sie zu viel sagen, so -wie man nichts beweiset, wenn man zu viel bewiesen hat. In den Worten -der Weiber, auch wenn sie überfließen, liegt Absicht, Gewicht und -Nachdruck. Auge und Sprache sind Ein Herz und Eine Seele, und Weiber -haben nicht nur in ihrem Blick, in ihrem Auge und auf ihrer Zunge Hölle -und Himmel, Leben und Tod, Wohl und Wehe; sondern selbst ihr Hören ist -von der äußersten Bedeutung -- Sie hören anders als wir; und wer kann -den Einfluß leugnen, den das Gehör auf unsere Rede behauptet? -- Ich -kenne einen schwer beamteten vornehmen Mann, der in dem Rufe steht, -daß er alle Menschen höre; auch hört er wirklich Alles, was sich in -seinem Vorzimmer hören lassen will: und doch klagt alle Welt, daß er -nicht höre; -- entweder ist er zerstreuet oder unfähig zu verstehen. -Es giebt eine moralische Taubheit bei dem besten physischen Gehör -- -Man kann gütig und gerecht, unfreundlich und zuvorkommend hören -- Der -schüchterne bescheidene Jüngling zieht aus dem geneigten Gehör seines -Beschützers Muth und Leben, und man kann abhören, anhören, aufhören, -aushören und beim Hören in eine Art von Horchen fallen, welches durch -das Ohrenspitzen in Verlegenheit, wo nicht gar in Verwirrung, setzt -- -Weiber sind Meisterinnen in der Kunst zu hören, Original-Hörerinnen, -und ich weiß nicht, ob sie im Hören oder im Sprechen stärker sind. Es -ist leichter, mit dem Publico, als mit dem Cirkel fertig zu werden, -worin man lebt, wenn dieser Cirkel aus witzigen Weibern besteht; und -nicht der Männer, sondern der Weiber halben bleib' ich anonymisch, so -sehr auch meine Schrift den Weibern das Wort zu reden scheint. -- - -Die Weiber sind viel zu sehr Kenner des menschlichen Herzens, als daß -sie nicht wissen sollten, auch die verborgensten Falten desselben -auszuspähen, Leidenschaften zu erregen oder dem Ausbruche derselben -zuvorzukommen. Wer weiß mehr als sie, ihre Wuth zu besänftigen, je -nachdem es ihre Absichten erfordern! und gewiß würde es ihnen auf -dieser Bahn besser glücken, als den berühmtesten Demagogen. _Rom_ -würde vielleicht bald nach seiner Entstehung wieder in sein voriges -Nichts zurückgefallen seyn, wenn die neuen Römerinnen sich nicht -ihrer Räuber angenommen, und die entrüsteten Sabiner beruhigt -hätten. Was wär' aus _Coriolan's_ Vaterstadt geworden, wenn die -Mutter den Sohn nicht besänftigte? Ohne den Römischen Stolz und die -edle Aufforderung eines Weibes (_Margarethe Herlobig_) wäre der -Schweizerbund vielleicht nie zu Stande gekommen -- Die Überredungsgabe -eines Weibes übertrifft Alles, was Kunst je geleistet hat. Und ihre -Lehrmethode? In Wahrheit, Weiber sind äußerst lehrreich: sie sind so -große Lehrerinnen, als Erzieherinnen. Wer Weiber bloß auf Gefühle und -Empfindungen reducirt, kennt weder Gefühle, noch Empfindungen, noch -die Weiber. Oder wie? lehrt das Herz etwa den Kopf? verleihet das -Gefühlsvermögen dem Erkenntnißvermögen evidente Gefühle zum Vergleichen -und zum Entscheiden? Stammt das moralische Gefühl, wenn es anders ein -wirkliches Etwas seyn soll, nicht aus der Vernunft? Muß nicht der -Kopf dem Herzen Grundsätze so eigen machen, daß es die Achtung für -das Gesetz als Gewohnheit, als Gefühl ansieht? -- Das Herz, unbelehrt -von der Vernunft, kann wenig oder nichts ausrichten; es muß geistisch -gerichtet seyn -- Wenn der Philosoph, der Wortführer der Vernunft, -nicht wäre; was würde der Dichter, der sich nach dem Haufen richten und -selbst zu Volksunarten sich herablassen muß, Gutes stiften? Der Dichter -muß seine Weihe im Tempel der Vernunft erhalten und die süßesten -Gefühle an Grundsätze knüpfen, wenn er unsterblich seyn will. Weiber -verstehen jene Chemie, die man die höhere nennen könnte, Grundsätze -in Gefühle aufzulösen, und das, was der theoretische Hexenmeister -der Philosophie in schweren Worten ausdrückt, zur Leichtigkeit einer -Gewohnheit zu bringen -- Weiber haben Sitten, Männer Manieren: diese -werden durch Erziehung erworben, durch Nachahmung erlernt, durch -Umgang mitgetheilt; jene hangen von Herz und Vernunft ab. Man sagt: -Weiber wären kärglicher in ihren Wohlthaten, und an sich und von -Natur geitzig. Nicht also; ihre Neigungen des Wohlwollens entstehen -aus Grundsätzen, nicht aber aus dem vorübergehenden Rausche des -Mitleidens, wie es sehr oft bei uns der Fall ist. Seht! wie schön -wissen sie selbst bei angestammter Etiquette, bei den patentisirten -Manieren noch zu modificiren! Auch sogar bei der Liebe halten sie sich -nicht an das Formular und an die Agende.-- Wir haben unsern _Kubach_, -und alles ist in _bekannter Melodie_ -- Von Weibern könnte man sogar -sagen: _sie lieben insgesammt, doch jede liebet anders_. -- Zur -Hoffnung haben sie eine außerordentliche Anlage; überall wollen sie -Aussicht: ein Garten, der sie ihnen raubt, ist ihnen ein Gefängniß -- -Die gnädige Frau ist in guter Hoffnung, heißt: sie wird bald Mutter -werden --. Wir wollen alles fröhlich um uns haben, wenn _wir_ es sind, -und legen diese Fröhlichkeit unserm Cirkel so nahe, daß, er mag wollen -oder nicht, er einstimmen muß -- Weiber machen Alles fröhlich, wenn sie -es sind. Alle ihre Feste sind Erndtefeste, Laubhüttentage, welche die -Natur geheiligt hat; bei den unsrigen werden Kanonen gelös't -- sie -können sich ohne Tafelmusik behelfen. (Der leibliche, geistliche und -ewige Tod aller Unterhaltung.) An Gott denken, heißt ihnen Andacht; --- an sich denken, heißt ihnen sterben lernen, und philosophiren sich -verlieben; und wer so denkt der denkt wohl! -- wer so handelt, ist -nicht auf unrichtiger Bahn -- - -Sprachen sieht man nicht ohne Grund als den Schlüssel zu dem Magazin -aller Kenntnisse und alles Wissens an, und eine jede Sprache, die wir -erlernen, ist ein Schatz des Wissens, den wir fanden. Sprachen zu -lehren, wird ein besonderes Talent erfordert, welches seltener das -Theil und Erbe der Männer, als der Weiber, ist. Unsere zeitherige -Schulmethode Sprachen zu lehren, ist gewiß nicht von Weibern erfunden; -denn kaum würden diese mit der Grammatik den Anfang gemacht haben. -Seht da den Lehrer, der es sich Lastträgermühe kosten läßt, Kindern -begreiflich zu machen, warum der Römer die Wörter in seiner Sprache so -und nicht anders auf einander folgen ließ! seht da den Schüler, der -etwas begreifen soll, das schlechterdings unbegreiflich ist, so lange -er nicht weiß, wie die Römer ihre Sprache redeten oder schrieben. -Bleibt die Kunst eine Sprache sprechen zu lehren, nicht vorzüglich -den Weibern eigen? und sollte ihnen nicht der Sprachunterricht -ausschließlich überlassen werden? Gedächtniß, Einbildungskraft, und ein -gewisser Geist für das Detail scheinen, wenigstens so lange sie wie -jetzt sind, vorzüglich ihr Eigenthum zu seyn. Giebt es viele Beispiele, -daß man bei einem Sprachmeister die Französische Sprache mit Fertigkeit -sprechen lernte? Wer nicht ihretwegen eine Reise nach Frankreich that, -lernte sie von Mutter oder Gouvernantin. Kaum hat der Mann angefangen, -Materialien zu begreifen und anzufassen, so will er schon zusammen -setzen, generalisiren, Capitalien machen; -- allmählich zu sammeln, -dauert ihm zu lange. -- - -Wer kann den Weibern ein gewisses Kunstgefühl absprechen? und scheint -nicht weniger der Mangel an Anlagen, als ihre zeitherige Lage, Schuld -zu seyn, daß sie so wenig Vorzügliches in den schönen Künsten und -Wissenschaften leisteten? An dem reitzenden Schauspiele ringender, -wenn gleich oft auch unterliegender, Kräfte ist uns zuweilen mehr, als -an der Entscheidung und an prahlenden Siegen gelegen; und schlummert -nicht zuweilen auch selbst der große _Homer_? Werden nicht selbst sehr -wache Augen vom Schlaf überwunden? schläft nicht zuweilen _Brutus_? -Schöne Künste und schöne Wissenschaften erfordern einen weiten -Spielraum, leiden keinen drückenden Zwang, und gedeihen nur da, wo der -Geist, sich keiner Fesseln bewußt, das Gebiet der Einbildungskraft, -jenes Reich der Unsichtbarkeit, durchkreuzen kann. Auch bei der -größten Empfänglichkeit für schöne Formen und Gefühle, auch bei der -glücklichsten Organisation, wird, so lange der jetzige Druck dauert, -nichts Großes, nichts Vollendetes das Theil der Weiber seyn; eben -so wenig wie der Griechen, die bei den nämlichen Anlagen, bei dem -nämlichen milden Himmel, nie etwas, den unerreichbaren Meisterstücken -ihrer Vorfahren Ähnliches hervorbringen werden, so lange ihr Nacken -noch in das eiserne Joch der Türken eingezwängt bleibt. Wie wär' -es möglich, daß das weibliche Geschlecht, so lang' es im Käficht -eingeschlossen ist, und ein schnödes Vorurtheil seine Flügel lähmt, -sich in die höheren Regionen aufschwingen sollte? Die Seele pflegt -schwach zu seyn, wenn der Leib es ist, und Sklaverei erlaubt ihren -Gefesselten keinen Flug eine Spanne hoch über die Erde. Doch zeigten -_Einige_, daß sie Eines Geistes Kinder mit Männern wären; und irre ich -mich, oder ist es gewiß, daß sie weniger nach jedem Fünkchen eines -fremden Lichtes haschten, um es aufzufangen, als wir? Mit geübterem -Verstande, mit geschärfterer Empfindung, mit reicherer Phantasie, mit -festerem Charakter, werden sie reifere Früchte bringen, und in dem -Felde des Schönen, auf das sie ohnehin schon unleugbare Ansprüche -haben, Thaten thun -- werth der Unsterblichkeit. Man klagt nicht ohne -Grund: alle Oberideale wären mit dem Heidenthume verloren gegangen; -und da die ins Große gehende Kunst ohne Ideale nicht bestehen könne, -so schiene es, als ob unsere Dichter und Künstler sich nicht über die -gemeine und wirkliche Natur zu erheben im Stande wären. -- Vielleicht -ist es dem schönen Geschlechte vorbehalten, sich hier neue Bahnen zu -brechen, und mit neuer verjüngter Einbildungskraft zu schaffen was -verloren ging, ohne dem Segen der größeren und heilsameren Wahrheit der -christlichen Religion, welche für alle jene Ideale durch ihren weisen -und beglückenden Einfluß entschädiget, zu nahe treten zu dürfen. - -Unser Geschlecht hat Gelegenheit, so viel von der Prosa der wirklichen -Welt kennen zu lernen, und dünkt sich, die Wahrheit zu gestehen, in -derselben so gewaltig viel, daß es nicht umhin kann, der wirklichen -Welt, so _herrlich_ und _schön_ sie auch ist, keinen poëtischen Stoff -zuzutrauen. Unzufrieden mit Menschen, spricht es: »Laßt uns Götter -schaffen, ein Bild, das uns gleich und doch Gott sei!« -- Und da wird? -Seht doch, seht! ein Himmel voll Ganz- und Halbgötter, alle zusammen -nicht werth einen einzigen wackern Kerl abzugeben. An den himmlischen -_Harem_ mag ich gar nicht denken, der gewiß noch weit weniger ein -einziges braves Weib aufwiegt -- Wozu der Götterunrath? -- Mährchen, -sie mögen nun Volks- oder Helden- und Staatsmährchen seyn, gehören, -sagt man, für das Kinder- und Greisenalter; wer wird indeß diesen -Spielen der Einbildung nicht gern Gerechtigkeit erweisen, wenn sie -zum Ernste der Wahrheit leiten, und von der Vernunft die vollzähligen -Weihen erhalten haben? wer die Imagination nicht ehren, wenn sie -bei allen ihren Avantürier-Eigenschaften ein Sprößling der Vernunft -ist? -- Nur thut unser Geschlecht zu oft so äußerst nothgedrungen, -eine Abschweifung in das Reich der Möglichkeit machen zu müssen, -obgleich von der lieben Wirklichkeit noch so viel in Rückstand ist; --- nur will es zuweilen höchst unzeitig die Einfälle aus dem Reiche -der Einbildung zu Gesetzen in der Sinnenwelt, die vor uns liegt, -tausendkünsteln; nur macht es sich kein Gewissen daraus, die hehre -und mächtige Religion der Vernunft, welche sich bescheidene Flügel -beilegt, mit aller Gewalt zu überflügeln und, ohne sich mit ihr und -der Volksreligion zu berechnen, bloß auf Vergnügen auszugehen, wo -sich doch die Vernunft ihren Aufsehersitz und ihre Stimme nicht nehmen -läßt. Hier ist Stoff zum _neuen Himmel_ und zur _neuen Erde_. Und sag' -ich zu viel, wenn ich behaupte, daß dem andern Geschlechte hier noch -ein Richtsteig vorbehalten ist und Palmen, die nicht etwa im dritten -Himmel zu brechen sind, wo man zu unaussprechlichen Worten entzückt -ist -- sondern nicht fern von einem Jeglichen unter uns. -- Genug, -wenn seine Dichtkunst das Herz nicht verfehlt, wenn sie von Herzen -kommt und wieder zu Herzen geht. -- Was soll ein wildes Feuer? Ein -heiliges ist sein Ziel. Nie wird es sich erlauben mehr anzulegen, -und wär' es Cedernholz, als nöthig ist, und um die Wette wird seine -Dichtkunst mit der Cultur, Leidenschaften zu lenken und zu zähmen -sich bemühen -- der edelste Beruf der Vernunft und der Dichtkunst! -Grundsätze, welche die Vernunft im Allgemeinen lehrt, macht Dichtkunst -durch treffende Beispiele anschaulich. Wovon die Vernunft innerlich -überzeugt ist, das stellt die Dichtkunst in Lebensgröße unsern -sittlichen Augen dar, und bringt ein unaussprechliches Vergnügen zu -Stande, das einzige, das wir durch kein Opfer erringen dürfen -- und -das immer mit in den Kauf geht! -- Wie? dieser heilige Geist sollte -nicht über das andere Geschlecht ausgegossen seyn? diese Gaben hätt' -es nicht empfangen? O, ihr Kleingläubigen! -- als ob der Pegasus -bloß für Männer wäre! Dies so überaus gute Thier, das sich so viel -gefallen läßt, sollte keinen Quersattel vertragen? Sollte dieses -Vorurtheil nicht zu übersiebnen seyn? Allerdings. Wie herrlich sind -jene weiblichen Explosionen, die Lieder der Liebe der _Sappho_, -die selbst auch in Deutschland mehr als neun Schwestern hatte, von -denen eine der vorzüglichsten (_Karschin_), nachdem ihr der Dichter -FRIEDRICH II vier Gulden verehrt, und _Friedrich Wilhelm II_, der -kein Poët ist, ein Haus hatte bauen lassen, unlängst zu ihrer älteren -Schwester heimging. -- Darf ich mehr als _Elisen_ nennen, um _ihrem -Kopf_ und _ihrem Herzen_ den Rang beizulegen, der beiden gebührt -- -und der durch eine exemplarische Bescheidenheit noch mehr gewinnt? --- _Angelika Kaufmann_, die Schöpferin schöner Formen, und mehr -ihres Gleichen waren und sind Mahlerinnen. Der Vorwurf, den man der -_Angelika_ macht, daß sie männliche Gesichter zu weibisch mahle, ist -nicht ohne Grund; vielleicht nimmt sie hierdurch an unserm Geschlecht -eine heimliche Rache. Man sagt: Weiber würden nie Meisterinnen im -Portraitiren. -- Daß ich nicht wüßte; *_ra_** trifft zum Sprechen -- -zum Hören --. Wär' es in der Regel der Fall, so würd' ich es mir aus -dem Umstande erklären, daß sie immer Züge aus ihrer trefflichen Seele -hineinzeichnen, so wie Mahler der _Venus_ Züge von ihren Weibern und -Töchtern verehren. -- Mahlerinnen würden in dem Grade die Seelen der -Männer in ihren Portraiten verschönern oder verklären, wie Mahler die -Gesichter des andern Geschlechtes schminken -- Ist es, weil die Männer -von der Natur entfremdeter sind, als die Weiber; oder hat die Natur -wirklich zu dem andern Geschlechte mehr Vorliebe und Zutrauen; oder -macht es die Seltenheit, daß die Männer, weil sie zu wenig in die -Heiligthümer der Natur kommen, nicht recht wissen, wie sie mit ihr -daran sind? -- ich weiß es nicht. Wer kann indeß unter den Männern, -er sei Dichter oder Mahler, im Wonnegefühl der Natur, in der Fülle -ihres Genusses, darstellen, was er empfindet? -- wer erliegt nicht -unter der Gewalt alles Erhabenen und Schönen, das ihm zuströmt und ihn -entweder in einen Schlummer einwiegt, oder ihn so angreift, daß er den -zu großen Eindruck nicht umfassen und entwickeln kann. Der Schlummer -ist ein Beweis der Schwäche; und auch aus zu großer Spannung wird man -ohnmächtig. Diese Lagen (sowohl die Schlummer- als die Spannungslage) -darzustellen, ist Manchem unter den Männern so vortreflich geglückt, -daß, da alle geneigte Leser sich getroffen fanden, diese Darstellungen -als Meisterstücke bewundert wurden. Man erstaunte, daß die Kraft der -Kunst in dieser Schwachheit so mächtig war! Hat sich das Feuer des -Eindrucks gelegt, ist man aus einem entzückenden Schlaf erwacht, so -mahlen wir aus dem Spiegel der Zurückerinnerung, und die Natur hat -nicht Ursache, diese Copien für viel weniger als Originale zu halten --- Es sieht wie aus der ersten Hand aus, ob es gleich eigentlich aus -der zweiten ist. Weiber können im vollen Genusse der Natur diesen -Genuß beschreiben; auf das innigste in sie verwebt, verlieren sie den -Ausdruck nie; sie scheinen Ein Herz und Eine Seele mit der Natur zu -seyn, und da sie weder zu hoch gespannt sind, noch in süßen Schlummer -versinken, so gebricht es ihnen bloß an Dreistigkeit, um ihren -Naturgenuß auch Andere durch Darstellung geniessen zu lassen. -- Sie -können im ersten Feuer arbeiten, wenn wir uns zuvor abkühlen müssen. -Gewiß hatten wir manche weibliche _Ossiane_, wenn wir es wollten; und -was wäre unsere _Karschin_ geworden, wenn man ihr nicht die Flügel -der Morgenröthe durch den Unterricht in der Mythologie beschnitten -hätte! Die Originalität gedeihet nur im Schooße der Freiheit; und kann -wohl die Natur durch Weiber vernehmbar seyn, ehe Männer aufhören, die -Weiber (diese Gefäße zu Ehren) zu bevormündern, und ehe Geist, Herz -und Zunge dem andern Geschlechte gelöset werden? -- Wozu dies Alles -führen soll? Männer, wo nicht aus Pflicht, so doch aus Kunstneugierde -zu reitzen, daß sie den Schooßkindern der Natur die Geistesfreiheit -nicht länger vorenthalten, ihre Kräfte nicht weiter unterdrücken, -und ihre Vernunft durch unzeitige Blödigkeit nicht vor wie nach -zurückhalten. Die Dichter, die Helden, die Weisen der Vorzeit sahen -keine andere Sonne, erblickten keine andere Natur, als wir: Jene -göttlichen Natureingebungen, welche die Uralten hatten, können wir noch -neutestamentlich aus Hand und Mund der Weiber mit Danksagung empfahen. --- - -»_Musik_?« So unbestritten die weiblichen Talente für die Musik -sind; so wird ihnen doch der Vorwurf gemacht, daß sie noch keine -Obermeisterin in der Composition aufweisen können. Es fehlt ihnen -ohne Zweifel auch hier an Muth, um zu dieser Obermeisterschaft zu -gelangen; schon befriedigt, wenn sie Compositionen der Großmeister -unseres Geschlechtes mit Empfindung ausdrücken, begnügen sie sich mit -dem zweiten Range. Das Lied indeß kann wörtlich so im Dichter stehen; -die Noten können genau getroffen seyn: und doch wird oft weder Dichter -noch Componist sein Werk wieder kennen, wenn es ein Weib singt oder -spielt -- dies haucht ihm eine lebendige Seele ein. _Schaffen_ ist -gut; _erhalten_ nicht minder. -- Möchten Weiber immer beim zweiten -Range bleiben, wenn nur nicht ein neuerer Reisebeschreiber auch -von Kastraten bemerkt hätte, daß nie Jemand unter ihnen ein großer -Componist gewesen sei. Sollte diese Bemerkung Kastraten und Weiber mit -Recht treffen, so ist die Ursache bei beiden unendlich verschieden. -Kastraten können nichts schaffen; Weiber dagegen sind die eigentlichen -Erhalter und Mitschöpfer. -- -- Bei dem gegenwärtigen Druck, worin -die Weiber sich befinden, legen sie es bloß darauf an, Alles was sie -verstehen, faßlich und begreiflich zu machen, und das, was wir schwer -ausdrückten, zu erleichtern und in Umlauf au bringen. Sie ebenen die -Wege, verstehen den Strahl der schwersten Ideen zu reflektiren und zu -vervielfachen, das Abstrakteste verständlich und deutlich darzustellen, -und dem Verachteten aufzuhelfen, so daß sie allen Wissenschaften einen -unleugbaren Vortheil gebracht haben könnten, wenn man sie zum Meister- -und Bürgerrecht ohne männliche Geburtsbriefe zugelassen hätte. Die -Behauptung, daß es keine Synonime in der Sprache gebe, beweisen sie -meisterlich, wenn gleich das Buchstabiren (eine wirklich männliche -Sache) sie wenig bekümmert. Das negative _Un_ wird von ihnen, so wie -die Null im Rechnen, oft so geschickt zum Verstärken des Ausdruckes -gebraucht, daß man über ihre Feinheit und Geschicklichkeit, womit -sie bei Ohr und Verstand alles ins Reine bringen, erstaunen muß! Von -Weibern muß man reden, von Männern schreiben lernen. -- Sind Weiber -schon jetzt, da sie bloß geduldet werden, und vermittelst Concessionen -und Begünstigungen arbeiten, von dieser Seite so schätzbar; was -könnten sie leisten, wenn sie nicht länger so unwürdig von dem edlen -Wettkampfe ausgeschlossen würden! Es ist eine nicht unrichtige -Bemerkung, daß verdorbene Beredsamkeit verdorbene Sitten verräth. Da -man aber in dem schönen Geschlechte tausend Lippen findet, die vom -Honigseim einer überzeugenden Beredsamkeit überfließen; so kann es mit -Recht von ihnen heißen: wessen das Herz voll ist, geht der Mund über. -Der Unterricht legt es nicht geradezu darauf an, und kann es nicht -darauf anlegen, aus allen Schülern Meister zu bilden. Auch bedarf es -in der Erziehungsfabrik nicht lauter Meister. Sie bildet Gefäße zu -Ehren und zum Haus- und Kammergebrauch; sie beschäftigt Meister, auch -die es _secundum quid_ sind, an der Drehscheibe. So ist der Lehrer -schon geschickt, wenn er das Mechanische der Kunst und die Methode -weiß, jenes dem Lehrlinge hinzubringen. Hat man nicht Meister gehabt, -denen es nie gelang, geschickte Schüler ihrer Kunst zu ziehen? Fehlt -es nicht vielen an der Gabe der Deutlichkeit und, um ein Kunstwort -anzubringen, an der Lehrgabe? und ohne Zweifel noch mehreren an -der unentbehrlichen Lehrtugend, der _Geduld_, die das männliche -Geschlecht zwar in seiner Tugendliste rühmlichst mit aufzuführen nicht -unterläßt, die indeß unserem Geschlechte nur sehr selten eigen ist. -Wir zeigen, daß in unserer Garderobe auch unmodische Anzüge sind, -nicht um sie zu gebrauchen, sondern um sie zu haben; statt daß bei -dem weiblichen Geschlechte Geduld das schönste Hauskleid ist, das ihm -am besten steht. -- Ist die Weibergeduld nicht im Stande, auch aus -dem unfruchtbarsten Boden Keime herauszulocken? Kann der beharrliche -Fleiß der Weiber nicht selbst dem Verkrüppelten, wo nicht eine schöne, -so doch eine erträgliche Form geben, und, wenn nicht Künstler, so -doch Kunstverwandte bilden? Der Vorwurf, den man den Weibern macht, -daß sie Neuheit und Wechsel lieben, ist nicht ungerecht; aber nicht -im Geschlechte, sondern im Druck, den wir veranlassen, liegt die -Ursache davon. Das Ausdauern und Beharren ist gewiß weniger unsere -als ihre Sache, wenn der Gegenstand es verdient. Wer kann Weibern -jetzt ihre Flüchtigkeit übel deuten, wer ihrem Leben es verdenken, -wenn es von ihm heißt: sie leben als flögen sie davon? -- Wer? -- -In der That, es wären der moralischen Karrikaturen weit weniger, -wenn wir uns entschließen könnten, dem weiblichen Geschlechte einen -größeren Antheil an dem Unterricht und der Erziehung einzuräumen. -Und wie? haben Weiber bloß den Grazien, ihren Freundinnen, geopfert? -oder sind sie wirklich auch zum Allerheiligsten der Wissenschaften -eingedrungen? In der That, sie wußten sich auch hier Eingänge zu -eröffnen, Ehrenstellen zu erringen und sie mit Würde zu behaupten, -ungeachtet aller Hindernisse, welche Vorurtheile, Herkommen und niedere -Mißgunst ihren Talenten und ihrem Eifer in den Weg legten. Es wird -nicht viele Wissenschaften geben, die unter ihren Eingeweiheten nicht -einige Namen von Weibern zählen, welche sich mit ihnen beschäftigten, -und zwar nicht bloß solche, die von der Oberfläche schöpften und zum -Zeitvertreibe; nein solche, die ins Innere derselben mit Eifer und -Anstrengung eindrangen, die von dieser Ambrosia der Wissenschaften -nicht bloß kosteten, sondern mit dieser Seelenspeise sich sättigten -bis zum Wohlgefallen. Freilich können Weiber jener _inneren Freiheit -des Geistes_ genießen, nach welcher sie ihren _Kopf_ eigenbeliebig -anzuwenden im Stande sind -- Wir haben ihn indeß dem andern Geschlechte -abgesprochen, und statuiren nur sein Herz, auf das wir Rechnung machen --- als ob Eins ohne das andere etwas gölte! Und wenn Weiber sich -auch über unser Criminalurtheil wegsetzen wollten und könnten; ist -ihre selbstgewählte ruhige Geistesthätigkeit vermögend, reifere und -schmackhaftere Früchte zu bringen, da wir die Barbarei haben, uns an -ihren Blüthen zu vergreifen? -- Was die Geistesfreiheit, die keine -Geschäftsstörung verdirbt, bei den Weibern ausrichten könnte, wird -durch den Schwall von Kunstwörtern und Kunstregeln erstickt, womit -man von Männer-Seite sich wohlbedächtige Mühe giebt, die Weiber zu -verwirren und verzagt zu machen, so daß sie ohne Noth ermatten und sich -aufgeben -- Jammer und Schade! Doch gab es einige, die den Faden nicht -abrissen, die mit Standhaftigkeit sich entschlossen, zu beharren bis -ans Ende; und unter diesen, welche die letzten Gelübde ablegten, fanden -sich sogar solche, die sich zu Vorstehern und Lehrern im Tempel der -Musen weihen ließen. -- In dem bekannten Institut von Bologna lehret -_Laura Bassi_ die Physik, und hält ihre Vorlesungen in Lateinischer -Sprache; und wie lange ist es, daß _Signora Agnes von Mayland_ hier -die Mathematik mit Beifall lehrte? Eben hier bilden _Lilli_ und seine -geschickte _Gattin_ die Muskeln und Blutgefäße des Körpers, der Natur -mit so vieltäuschender Wahrheit nach. Italien, dieses Land, das -wechselsweise so viel Licht und Finsterniß über die Völker der Erde -verbreitete, trägt kein Bedenken, Frauenzimmern Lehrstühle zu öffnen. -Unlängst ward in Deutschland ein weiblicher Doktor kreirt (_der Doktor -Schlözerin_); und würden wir wohl so zuverlässige und beträchtliche -Neuigkeiten vom Firmament erhalten, wenn der unsterbliche _Herschel_ -von seiner ihm ähnlichen _Schwester_ nicht so unermüdet in seinen -Beobachtungen und Arbeiten unterstützt würde? Ärzte werden eben so -krank wie Nichtärzte, und die größten Philosophen sind nicht nur oft -unweise, sondern verlieren sich auch zuweilen so in Speculationen, daß -sie nicht aus noch ein wissen --. Weiber sind sehr für innere Wahrheit; -und wenn sie gleich jenes berühmte Ministerphlegma nicht besitzen, -so wissen sie doch mit Kälte zu unterscheiden, was bloß trockne und -was brauchbare Kenntniß ist. Wenn Salz und Laune fehlen, sind ihnen -die reichstbesetzten Tische ein Greuel, und auf die Schauessen der -Philosophen nehmen sie keine Einladung an. -- Freund _Montagne_ geht -indeß zu weit, wenn ihn gelüstet zu behaupten: er habe zu seiner Zeit -hundert Handwerker und hundert Bauern gesehen, die vernünftiger und -glücklicher gelebt (auch gedacht?) hätten, als mancher Rektor auf -einer Universität (Rektor! als wenn dieser das _non plus ultra_ der -Gelehrsamkeit wäre! _Kästner_, _Kant_ und andere unserer ersten Köpfe -sind Rektores, weil die Reihe sie trifft), und habe lieber _jenen_ als -_diesem_ ähnlich seyn wollen. (Immerhin! verliert die Gelehrsamkeit -dadurch, wenn einige ihrer Meister nicht Weisheitsbeflissene sind?) -Hat der Rektor der großen Römischen Universität, _Cicero_, so ganz -Unrecht, wenn er dem Studieren den Preis über Alles zuerkennt, was -sonst beschäftigen kann und mag? Wie kann man mit größerem und -bleibenderem Gewinne seine Zeit benutzen? Der Handarbeiter, sagt man, -wendet sie an; der Gelehrte vertreibt sie. Ei, Lieber! müssen denn -nicht Feldherren seyn, wo es Krieger giebt? müssen nicht Officiere -überlegen, was gemeine Soldaten ausführen? -- Durch tiefes Denken -gewöhnen wir unsere Seele zu einer Art von Existenz außerhalb des -Körpers; sie bereitet sich durch eine kleine Reise nach _Rekahn_ zu -einer _Cookschen_ vor, durch einen Weg über Feld zu einem andern -- -der uns Allen bevorsteht. Wenn _Cicero_ es nicht ungeneigt nehmen -wollte, daß ich seinen guten Geist bei dieser Gelegenheit schon wieder -citire; so sollt' es seinen Ausspruch gelten, daß das ganze Leben -des denkenden Mannes eine Todesbetrachtung sei. -- Darf bei diesen -Umständen das schöne Geschlecht Bedenken tragen, mitunter gelehrt zu -seyn --? Ist es aber im Stande Wissenschaften sich eigen zu machen, sie -leicht und mit sichtbarem Nutzen Anderen beizubringen; wie könnt' es -ihm denn wohl an den Talenten gebrechen, seine erworbenen Kenntnisse -auf andere Weise dem Staate zum Besten in Anwendung zu bringen, sobald -der Staat geruhete, den Bann allergnädigst aufzuheben, mit welchem ein -barbarisches Vorurtheil es seit Jahrtausenden belegt hat! Hätten jene -Ritter, die unter ihren Gelübden die Verpflichtung hatten, Damen zu -schützen, ihre Grenzen weiter gesteckt; wie unendlich würdiger wär' -ihr Beruf gewesen! Schade, daß diese treflichen Männer, welche, mit -Ausschluß der _irren_ unter den _irrenden_, die edelsten und klügsten -ihres Zeitalters waren, nicht, anstatt Weiber zu schützen, sie über -diesen Schutz erhoben! -- Ist der Schleichhandel zu verkennen, der, -aller jener Verbote ungeachtet, vom andern Geschlechte getrieben -wird? oder ist nicht vielmehr der große Einfluß sichtbar, den das -weibliche Geschlecht zu allen Zeiten auf alle bürgerliche und -Staatsangelegenheiten behauptet hat? Wenn es auf große Plane ankam, die -ausgeführt oder rückgängig gemacht werden sollten, waren es Weiber, -welche die Hauptrolle übernahmen. Bei Weisen und Thoren, Regenten -und Priestern, Staatsmännern und Mönchen waren sie wirklich geheime -Räthe; sie gehörten jederzeit zum geheimen Ausschusse des Staatsrathes, -dessen Dekrete das Plenum blos mit Curialien versah -- und dem es -Sekretariendienste erwies. -- Und wem ist hier ein _dirigirendes -Weib_, wär' es selbst eine Maitresse, nicht lieber als Leithämmel -von Kammerdienern, Hofzwergen, Heiducken u. s. w., die ohnehin nur -Substistuten ihrer Weiber oder ihrer Liebchen sind? Nicht bloß mit -dem klingenden Spiel und den fliegenden Fahnen ihres Witzes, nicht -bloß durch den vermittelst der Ideen-Association verstärkten Vortrag -wissen Weiber sich Eingang zu verschaffen; ihr zur Beurtheilung -geschmeidiger Verstand vermag Alles -- Wie manchem Tyrannen von -Minister, der mit den Thränen des Volkes sein Spiel, und mit Glück -und Unglück der Menschen Handel trieb, der Alles drüber und drunter -warf, wußten sie auf eine bessere Bahn zu lenken! Weiber halten den -Faden, an dem die Cabinette geleitet werden: sie mischen die Karten, -mit denen die Excellenzen spielen; und so wie neue Hindernisse neue -unberechnete Kräfte erzeugen, so gelangten sie oft vermittelst ihrer -Schwachheit zum höheren Grade der Stärke -- Ein sanfter gemäßigter -Charakter ist dem andern Geschlecht eigen -- Die Natur verlieh ihm dazu -große unverkennbare Anlagen, und nur bei wenig mehr philosophischem -Nachdenken und Ausweichung der Verführung, würde das schöne Geschlecht -uns eine gewisse edle unempfindliche Gleichgültigkeit gegen so -Manches lehren, was uns jetzt so leicht außer uns setzt; und diese -Gleichgültigkeit ist ohne allen Zweifel die Krone des diesseitigen -Lebens. Hat die Natur nicht oft den _Correggio_ an der Schönheit und -Sittsamkeit übertroffen, womit er seine Frauenzimmer ausstattete? Woher -nehmen Mahler ihre Engelgesichter? und was ist der Sanftmuth unmöglich --- ob sie gleich sich zuweilen, auch rückwärts zum Ziele zu kommen, -verbunden sieht? Welche scharfe Umrisse, welches lebendige Colorit -geben die Weiber ihren Vorstellungen und den Charakteren, die sie darin -verflechten! Gleich ihr erster Blick trifft das Ungewöhnliche bei jeder -Sache, und da dies Ähnlichkeit mit dem Wunderbaren hat, an welchem -die meisten Menschen so gern hangen bleiben -- ist es Wunder, wenn -sie oft selbst auf das tägliche Brot ein solches Licht fallen lassen, -daß es feierlich wird? ist es Wunder, wenn sie das ländliche Mahl zur -Würde eines hohen Festes erheben? Höhere Deutlichkeit und stärkendes -Licht mit mehr Vergrößerung zu vereinigen, ist das Ziel, das sie mit -so wenig Mühe und Aufwand erreichen, ob es gleich so überschwenglich -wirkt -- Das andere Geschlecht nimmt in der Regel _für_, das unsrige -_wider_ sich ein. Jenes ist gut, bis das Gegentheil bewiesen ist; -- -von uns heißt es: wir sind böse, bis man unser Gutes außer Zweifel -gesetzt hat. Weiber haben einen _Vor_-, wir einen _Nach-_ Geschmack --- Jene Runzeln, die das Alter von der Weisheit, oder die Weisheit von -dem Alter hat, schrecken weder ihren Witz noch ihren Verstand ab -- -und nichts, weder Verstand, noch Schönheit, noch Vermögen, macht sie -schüchtern -- Dem Verstande lauern sie sehr auf den Dienst, und finden -bald zu ihrem Troste etwas an Lehr' und Leben der Herren Philosophen -auszusetzen, worüber schwerlich etwas einzuwenden ist; und da sie -geborne _Naturalisten_ (im natürlichen Sinne) sind -- wie leicht wird -es ihnen, von _Artisten_ ein Federchen abzulesen! Weit eher als wir, -haben sie Anlage, zu dem von Vorurtheilen und Aberglauben befreieten -Gebrauche der Vernunft zu gelangen -- auf ein Haar wissen sie den -gelahrten Weizen von der gelahrten Spreu zu unterscheiden -- und den -Shakespearschen Ausdruck zu deuten: »er redet eine Menge Nichts -- zwei -Weizenkörnlein versteckt er in zwei Bündlein Spreu.« Weiber sind dazu -gemacht, den Philosophen, wenn er sich in den Spinneweben des Systems -verlor, (wie ein bekannter Gelehrter sich in seinem eigenen Hause, das -wohl gar ein Familienhaus und vom Großvater und Vater auf ihn gekommen -war, verirrte) an Stell' und Ort zu bringen und zu orientiren; sie -geben ihm, wie _Ariadne_, einen Faden in die Hand, und rufen Jedem -zu, der Länge und Breite nicht unterscheidet, der das Ruder seiner -selbst eingebüßt hat: _Vous êtes orfèvre, Monsieur Josse_! -- Der -Geist jener Philosophie, die der Übermenschlichkeit nicht wohl will, -hat schon lange auf ihnen geruhet -- Wer wußte es besser als sie, daß -weder praktische noch theoretische Vernunft Überzeugungen, vom Daseyn -intelligibler, unsinnlicher Gegenstände zu verschaffen im Stande ist, -und daß wir uns in unvermeidliche Widersprüche verirren, wenn uns beide -Vernunftarten unsinnliche Gegenstände feil halten. Weiber fühlen das -Halbwahre von allem jenem, was so gern im Allgemeinen gesagt wird, und -bestehen durchaus darauf, daß dergleichen Behauptungen individueller -gemacht werden -- Sie handeln nach nahe liegenden Motiven -- Spieler, -Schiffsleute und alle die durch Glücksfälle regiert werden, die -Avantüriers nicht ausgenommen, sind zum Aberglauben geneigt -- ist es -Wunder, daß die Weiber es weniger als wir sind? -- Die Schönheit bei -einer Mannsperson gilt ihnen durchaus nichts; und wenn man den reichen -Mann in Ehren hält, weil er, wenn er wollte, helfen könnte, so wissen -sie wohl, daß er es nie wollen wird -- Ihre unbefangene Seele findet -überall Weg und Steg; und wer nur ein fleischern Herz hat -- kann der -ihrer Herzlichkeit widerstehen? Die Frau eines Lichthökers hatte kein -Bedenken, an der armen Seele des _David Hume_ ihr Heil zu versuchen. -_Hume_ konnte die Seelsorge, die sie für ihn hatte, nicht anders vom -inneren Lichte abbringen, als daß er ihr versprach, sein äußeres Licht -von ihr kaufen zu wollen. -- Vom Philosophen _Terraston_ sagte _Madame -de Lassay_: nur ein Mann von Witz könne ein solcher Thor seyn; -- und -wär' es historisch richtig, daß _Karl_ XII an den Senat geschrieben -hätte: »ich will euch meinen Stiefel schicken, dem ihr gehorchen -sollt;« so würden die Weiber der Herren Senatoren laut gelacht haben. --- Was doch kluge Weiber von dem weltberühmten Processe des Ehrenmannes -_Hastings_ denken mögen, der für die Papiermüller allein schon so viele -Sporteln abwirft! Nie konnten sie sich des Lachens oder des Weinens -über die jetzt sanft und selig entschlafende Pariser Policei enthalten, -welche weiland Farcen und unmenschliche Trauerspiele unter den Scheine -der Wachsamkeit und Obhut aufführte -- Wie war es möglich, in, mit, und -unter dieser elenden Policei sich Ausnahmen von der Wahrscheinlichkeit -der menschlichen Wachsamkeit zu denken! »Hier sind wir alle entweder -Fürsten oder Dichter,« sagte _Voltaire_, als er sich bei einem Fürsten -zu Tische setzte; und das ist der eigentliche Ton eines Weibes -- Sie -sind nicht für Gemähldeausstellungen, wo denn doch auch gegen Einen -Kenner zehn Schuster sich einfinden, die über den Leisten gehen; sie -wirken zwar im Stillen, doch wirken sie am liebsten ins Allgemeine, wie -die Natur, ihre Schutzgöttin -- Oder kann man dies etwa nicht anders, -als wenn man Kanzeln und Rednerstühle ersteigt? In der allgemeinen und -sichtbaren Kirche giebt es Lehrerinnen, so wie Lehrer, ohne daß beide -examinirt und ordinirt sind -- - -Es ist dem andern Geschlecht eine schonende Gutmüthigkeit im -historischen Urtheil eigen; doch verstehen es Weiber, ein Faktum, so -wie einen Menschen, (immerhin so verwickelt als möglich) aufzulösen, -und zu concentriren. Auch können sie jenen Totaleindruck, den -Faktum und Mensch auf sie machen, Andern mittheilen, welches uns -schwerer wird. -- Glückseligkeit ist, so wie Wahrheit und Gottheit, -eine Einheit; diese Einheit in Allem herauszubringen, ist eine -hohe Weisheit, und, wir wollen gerecht seyn -- sie ist den Weibern -eigen. Bei uns wird oft eine Sache, die auch anders scheinen kann, -die diesem oder jenem Sonderlinge wirklich anders vorkam, gleich -zum Gegenstände eines gelehrten Streites. Da haben wir denn eine -extrafeine Geschicklichkeit, die Zweifelsgründe bald zu verstecken, -bald wieder sichtbar zu machen, ihrer Größe eine Elle zuzugeben oder -abzunehmen, und die Entscheidungsgründe mit denselben so abzuwägen, -daß, wenn gleich, besonders bei dem Faktum, die beiderseitigen -Wahrscheinlichkeiten einander ziemlich gleich sind, doch die Schale, je -nachdem wir wollen, steigen oder sinken muß. -- Das andere Geschlecht -liebt keine Spielgefechte mit einer langen Linie aufgestellter und -überwundener Argumente -- Eins ist ihm Noth. Nie wird es das Publicum -mit Sophismen äffen: es verliebt sich bei weitem so leicht nicht wie -wir in eine Idee, die im Grunde keinen Gegenstand hat; allein es -fürchtet auch dergleichen Gespensterideen weniger als wir -- Gelehrte -und witzige Leute, (Gelehrte in dem Sinne der gelernten Gelehrsamkeit -genommen) blind verliebt in den Gegenstand, dem sie nachjagen, verargen -sich auf diesem Wege kleine Unrichtigkeiten nicht -- Alle Menschen -sind Lügner, heißt es in der Schrift; Weiber sind hier wachsamer und -peinlicher. -- Man sagt: starke Wahrheiten wären nur für gute Köpfe, -(so wie starke Getränke nur für ächt nervige Menschen sind;) schwache -würden schwindelig -- Man mache mit Weibern den Versuch, und wir -werden finden, daß es keine Wahrheit giebt, die ihr Kopf nicht ertragen -könnte; sie wollen so weit wie möglich -- Wir glauben zu leicht, daß -unser Plan regelmäßig organisirt sey; die Weiber sind leichtgläubiger -bei der Ausführung -- Sie fürchten nichts Hohes, nichts Niedriges, -nichts was Unwissenheit oder Gelehrsamkeit, Witz und Unwitz, Verstand -und Unverstand vermögen; wäre ihnen die ausübende Gewalt anvertrauet --- sie würden sicher mehr leisten als wir, und, wenn sie sänken, es -wie der sterbende _Sokrates_ machen, der, als er seine Füße durch Gift -schon in Leichnam verwandelt fühlte, sie streichelte und mit lachender -Stirne sagte: so nahe gränzen Vergnügen und Schmerz an einander; -- -oder wie _Seneca_, der Wasser mit seinem Blute vermischt, _Jupiter -dem Befreier_ weihete. Ach, wie oft, wenn mich so mancher Dienst-Nero -bis aufs Blut verfolgte und die Wuth blödsinniger Tyrannen mir zwar -nicht die Ader öffnen ließ, wohl aber mir weit härter fiel, stärkte -mich dieses Weihwasser, und das Elogium _Jupiter dem Befreier_! -- -Beweis von der Freudigkeit im Tode der Weiber? Beweis! Seht Männer -und Weiber sterben. Ist Philosophiren sich zum Tode vorbereiten, -so sind die Weiber große Philosophen; und in Wahrheit, sie sind es -unendlich praktischer als wir. Zwar sagt man: studieren sei sterben -lernen, weil man seinen Geist dem Körper entzieht, ihn über den Körper -erhebt; allein Weiber haben diese Kunstgriffe nicht nöthig, um den Tod -zu hintergehen und ihm das Schwert aus der Hand zu schlagen -- Warum -Fechterkünste? Den Tod so ganz wie er da ist verachten, _ist_ Weisheit; -ihn durch Stratageme hintergehen, _scheint_ Weisheit zu seyn. Kein -einziger zieht ein anderes Loos; wir sind Alle zum Tode verurtheilt -- -nicht aber als Kriminalverbrecher, sondern als Menschen. -- Käme es auf -Weiber an, sie würden selten den Ärzten ihr Lebens- und Todesurtheil -anvertrauen, und sich von ihnen das Leben absprechen lassen -- -Mißtrauisch gegen die Kunst _Galens_, haben sie Alle eine Neigung, -sich, wenn ja noch etwas seyn soll, einem Unzünftigen anzuvertrauen. -Ich muß und ich will, ist ihnen fast einerlei; -- und soll es auch -nicht also seyn? Jene Grundsätze einer bekannten Sekte: entweder -Vernunft oder Strick -- entweder sich ins Leben schicken oder es -verlassen, sind den Weibern wie angeboren. Nur _der_ kann frei leben, -sagte ein Weiser des Alterthums, der den Tod zu verachten weiß. Wie -viele Freiheitsanlagen sind den Weibern bei ihrer Todesgleichgültigkeit -eigen! Sollte man sie etwa eben dieser Anlagen halben so sorgfältig -von der Freiheit entfernen? Nur der, welcher mehr auf sich selbst als -auf die Freiheit hält, besitzt eine Sklavenseele, und ist unwerth -der Freiheit. Sind die Weiber in diesem Falle? -- Wenn die Weisheit -verdrießlich macht, wer wird Lust und Liebe zu ihr haben? Dies Leben -ist ein Geschenk; laßt uns jeden Tag als eine Zugabe ansehen, auf die -man nicht zu rechnen im Stande war -- »Was heute geschehen kann, muß -man nicht auf morgen aussetzen;« so denken Weiber; und allerdings tragen -ihre körperliche Schwächlichkeit, die Einschränkung ihrer Freiheit -diesseits des Grabes, und das Verhältniß, das ihnen nicht das Schicksal -sondern die Männer zumaßen, zu ihrer Lebensgleichgültigkeit bei. -Vorzüglich aber bewirken sie jene größeren Leiden, welche die Natur -ihnen als Menschen auferlegte, wogegen die Mannspersonen, zu einiger -Entschädigung, sich größere bürgerliche Lasten aufgebürdet zu haben -scheinen -- »Viel Glück, _Diogenes_!« sagte der Philosoph _Speusippus_, -der wassersüchtig war und sich tragen ließ. »Wenig Glück!« antwortete -_Diogenes_, »da du das Leben in einem solchen Zustande ertragen -kannst.« -- So selten indeß weibliche Thränen Murren und Unwillen -anzeigen, und so oft sie ein leise gewagtes sanftes Sehnen nach mehr -bürgerlicher Freiheit sind; so hilft allerdings auch der Überdruß -eines Lebens, das kaum diesen Namen verdiente, ihren freudigen Weg zum -Grabe ebnen. Daß es in der andern Welt gewiß nicht schlechter für sie -seyn könne, ist die Nativität, die sie sich bei ihrem Ausgange aus -dieser Welt (wahrlich für sie einem Jammerthale) mit vieler Gewißheit -stellen -- Der Tod ist ihr Jupiter der Befreier -- Sie schaffen sich -eine andere Welt, wo Gerechtigkeit wohnt -- wo sie auf Rosen unter -einem heiteren Himmel wandeln -- ein elisisches Idyllenleben --! -Sanfte rührende Schwermuth und leise Schwärmerei helfen ihnen die -Welt und sich überwinden -- und des Lebens und des Todes Bitterkeit -verschmelzen -- Seht Weiber sterben! wie ruhig! sie sterben in der -Regel alle philosophisch. Wenn dieser Fall sich bei unserm Geschlecht -ereignet, welch ein Geschrei wird über diese Resignation erhoben! -Der Natur, der die Weiber leben, sterben sie auch; sie scheint ihnen -die Hand zu bieten, um ihnen überzuhelfen -- Die Weiber wollen nicht -täglich sterben, sie wollen nicht Augenzeugen von den zu merklichen -Verlusten seyn, die man, je länger man lebt, je mehr in Hinsicht des -Lebens macht; haben sie ein hohes Alter erreicht, so kennen sie die -Beschwerden des Lebens noch genauer, und der Tod hat keine Gelegenheit, -ihnen hart zu fallen, wenn er auch wollte. _Sokrates_ erwiederte -denen, die ihm die Nachricht brachten, daß man ihm zum Tode verurtheilt -habe: die Natur hat dieses Urtheil auch über meine Richter publicirt --- Das Leben giebt den Tod, der Tod giebt das Leben -- Nicht nur wer -im Schweiße seines Angesichts, sondern auch wer im vollen Maße des -Vergnügens seinen Lebenstag vollbracht hat, ist gern schläfrig -- Wäre -der Schlaf nicht der ältere Bruder des Todes, es würde sich nicht so -leicht sterben lassen; jetzt aber schlafen wir nur auf länger ein, -als gewöhnlich -- Warum etwas fürchten, was Allen bevorsteht, etwas -dem Niemand entgeht, und nähm' er Flügel der Morgenröthe, um an das -äußerste Ende der Erde und des Meeres zu fliehen! -- Wenn Männer die -Kunst zu sterben lernen; so lernen Weiber die Natur des Todes: ihr -Herz erschrickt nicht, und fürchtet sich nicht -- Will man mit dem -Tode zu seinem Troste bekannt werden, so muß man Weiber und nicht -Männer im Sterben beobachten -- Gewiß stirbt man im Kriege leichter, -als auf seinem gewöhnlichen Lager; allein der Tod in der Schlacht -hat bei weitem nicht so viel Lehrreiches, wie der Tod einer Wöchnerin -in dem Feldzuge, den die Natur ihr anwies -- Wie schön ist hier der -Tod, der Tod fürs Vaterland! Ich muß abbrechen; sonst würde ich zu -sehr verrathen, daß ich in Hinsicht des Todes nur ein Mann bin. Zwei -Freundinnen, mit denen mich die Natur so nahe verband, starben diesen -Muttertod -- »Es kommt auf die Kleider an, die man dem Tode anzieht,« -sagte * * * -- Du hattest recht, Liebe -- Dein Tod war leicht, froh, -muthig angezogen -- -- -- So sterben Weiber; und wie _leben_ sie? -Männer thun, was sie thun, mehr aus Temperament, als aus Grundsätzen: -von Umständen hangen sie ab, und lassen sich von ihnen, wie Schiffe -die Mast und Ruder verloren vom Winde, hin und her treiben -- Aus -Noth, aus Trägheit, aus Bedürfniß handeln sie. Sie sind im Grunde weit -furchtsamer als die Weiber; -- es scheint nur anders. Immer verbinden -sie sich mit andern Männern, und nennen oft (o der Entheiligung -des Namens!) _Freundschaft_, was _Furchtsamkeit_ heißen sollte. -Freundschaft! wo ist eine reine? wie selten gewinnt man, ohne daß ein -Anderer verliert! -- Handlungen leiden keine Freundschaft, und nur mit -Worten scheint sie sich behelfen zu sollen -- Durch Mißwachs gewinnt -der Landmann; durch Verschwendung und Üppigkeit der Kaufmann; durch -Zank, Hader und Streit der Richter; durch Neid und Haß der Geistliche. --- »Ein jeder Mensch hat seinen Preis, für den er sich weggiebt,« ist -die Behauptung eines Engländers, eines Mannes aus einem Volke, das -noch einen Werth auf sich zu legen versteht -- Und wenn es wahr ist, -was einer der Alten behauptet, »daß ein Arzt es ungern sieht, wenn -seine Freunde gesund sind, und ein Soldat, wenn sein Vaterland Frieden -hat;« wenn der Untergang des Einen Dinges die Schöpfung des andern -ist: wo wird reine Freundschaft seyn? Freundschaft, die allen Graden -der Versuchung gewachsen, die auch gegen eine Welt nicht feil ist --! -Von einem Freunde muß es, wie von _Voltaire'n_, heißen: Sein Geist -ist überall, sein Herz ist hier (im Hause des _Herrn von Villette_, -dessen Gemahlin _Voltaire'ns_ Pflegetochter war). Freundschaft ist -ein geschliffener Stahl, dem schon ein feuchter Hauch den Rost -zuzieht. -- Nie kann ich auf die großen Worte _Tod_ und _Freundschaft_ -stoßen, ohne daß mein Herz sich ausschüttet -- und sollte mir diese -Wiederholungen nicht jedes in meiner Lesewelt verzeihen, das auch ein -Herz für Freundschaft hat, und das -- sterblich ist? -- Freundschaft -ist Leben; denn ohne sie hat die menschliche Existenz keinen Werth. -Ich habe meine Schrift überhaupt durch die Bemerkung vorgeleitet, -daß, da ich für die Freiheit schreibe, ich mich nicht selbst binden -werde. Lehre und Leben müssen sich in die Hand arbeiten; und darf ich -wohl im Münzverstande meine Schrift legiren --? genug, wenn ich mich -geleitlich halte -- und darüber wird hoffentlich kein geierlicher -Zoll- und Accisebedienter, kein Freund und Feind, mit Grunde Rechtens -Beschwerde erheben können. -- Freundschaft war die Losung, und dieses -herrliche Wort verdient, daß wir Platz nehmen. -- Die Frage: wie leben -Weiber? kann bei dieser Abschweifung nichts verlieren. Laßt Könige -licitiren: die Freundschaft ist nicht verkäuflich; -- und eine solche -Freundschaft, die, wenn sie gleich nicht zu den sieben Wunderwerken, -so doch zu den Seltenheiten der moralischen Welt gehört, würde sich -häufiger ereignen, wenn auch das andere Geschlecht bei ihren Altären -zu Ablegung der Gelübde zugelassen würde, die gemeiniglich mit der -Grundregel anfangen, seinen Freund so behutsam zu behandeln, daß er, -uns unbeschadet, auch unser Feind werden kann. Jene Einschränkung des -Zutrauens und der wechselseitigen Herzensergießung, jene Mäßigung in -Entdeckung unserer geheimen Beschwerden, hebt das, was Freundschaft -ist, auf, und macht dagegen einen gewissen Schein gäng und gebe, der -immer als Weltklugheitsmaxime Dienste leisten mag, der aber den Altar -der Freundschaft entheiligt. Unsere gegenwärtigen Freundschaften sind -gemeiniglich nichts mehr und nichts weniger, als gemeinschaftlich -geschlossene Connivenz, wo beide Theile im Gewinn sind; und so wie die -Bescheidenheit das Verlangen ist, feiner gelobt werden zu wollen: so -ist die Freundschaft ein Bund, desto reiner zu gewinnen. Heißt nicht -schon _der_ unser Freund, welcher nicht unser erklärter _Feind_ ist? -Die Kaufleute nennen _die_: Freunde, mit denen sie in Handlungsverkehr -stehen, wo es also Provision zu berechnen giebt; und so wie _der_ schon -für gut gilt, der ein böser Mensch von der allgemeinen Art ist: so gilt -_der_ schon für unsren Freund, der ein Menschenfreund, ein Mensch von -keinem schlechten Herzen ist, der uns nicht verräth und verkauft, oder -der uns zu verrathen oder zu verkaufen keine Gelegenheit gefunden hat. -Unser Geschlecht ist zu glücklich, als daß wir ächte Freunde der Weiber -seyn sollten; und zu unserer Freundschaft gegen einander, auf die wir -so stolz thun, haben die Weiber nicht das mindeste Zutrauen -- Können -wir (wie kann es nach der Weiberlogik füglich anders lauten?) wohl mit -Freundschaften aus der Tasche spielen und mit Aufopferungen prahlen, da -wir uns nicht einmal herabzulassen vermögen, den Weibern Gerechtigkeit -zu erweisen? Überhaupt ist selbst unser Leben nur halb, da wir die -Weiber nicht zu leben berechtigen; und _wie leben sie denn_? - -Ob sie gleich heut zu Tage noch zu sehr der Sinnlichkeit fröhnen, woran -_sie_ weniger Schuld sind, als unsere Härte; obgleich noch bei weitem -nicht an ihnen erschienen ist, was sie seyn können und seyn werden: so -zeigen sie doch bei so vieler Gelegenheit eine Selbstbeständigkeit, -eine Fassung, die uns so oft beschämt. -- Ihre Ausschweifungen, die -wir so schrecklich vergrößern, entstehen mehr aus Befriedigung der -Eitelkeit als der Begierde. Sie haben keine andere Olympische Bahn, -als Männer zu fahen; man öffne ihnen andere, und sie werden Wunder -thun. Das Promemoria, welches jener Kaufmann in sein Denkbuch trug: -»Ja nicht zu vergessen, mich in Hamburg zu verheirathen!« ist ins -Herz der Frauenzimmer verzeichnet -- Darum das Werben ihrer Augen --- Gemeiniglich haben sie hierbei keine Absicht; sie treiben das -Mienenspiel der Mode halben, und weil keine kluge Mannsperson daraus -etwas zu schließen wagt. _Montagne_ sagt: jungen Gelehrten geht es wie -den Kornähren; so lange sie leer sind, richten sie ihre Spitzen gerad' -und keck empor: kommen aber ihre Körner zur Reife, so lassen sie ihr -Haupt sinken. -- Warum wollen wir die Weiber wegen ihrer Mienen so -scharf richten, und Eitelkeit, Koketterie und Wollust für einerlei -halten? Man lacht über jene Dame, in deren Gegenwart man die schwarzen -Augen ihrer Nachbarin lobte, und die sehr schnell erwiederte: »jetzt -trägt man keine schwarzen Augen mehr;« sind wir aber nicht die, welche -das andere Geschlecht zu solchen Antworten verleiten? befördern wir -nicht unserer Eitelkeit halben die ihrige? Laßt die Weiber zu Kräften -kommen, und ihr werdet sehen, daß sie im lauten Geheul der Stürme, -wo Männer sich nur selten ein geneigtes Gehör zu verschaffen wissen, -bei den schrecklichen Wogen des empörten Meeres, sich finden, und -dem Meere und dem Winde _Silentium_ gebieten werden. Wenn man zur -Zeit der sanften Ruhe erlernt und überdenkt, was man zur Zeit der -Schiffbruchsgefahr anwenden will, so bleibt es zwar nicht unrühmlich, -in der Zeit zu sammeln, um in der Noth zu haben; wenn aber Weiber -selbst in diesem Ungewitter Entschlüsse zu fassen verständen; wenn sie -kein Lexicon zusammengetragener Regeln aufschlagen dürften, die ohnehin -nie ganz auf einen einzelnen Fall passen? -- wenn --? Doch, laßt uns -erwägen, nicht was dieser Wallfisch des menschlichen Geschlechtes -werden wird, wenn ihm nicht mehr Tönnchen zum Spielen zugeworfen -werden, sondern was er selbst in seiner jetzigen so traurigen Lage war -und ist! Als _Sokrates_ von der Gottheit zum _Weisen_ erhoben und ihm -das Diplom hierüber wegen seines Wohlverhaltens ertheilt ward, maß er -sich mit vielen seiner Zeitgenossen, und fand, daß Andere diese Würde, -wo nicht mehr, so doch eben so gut verdienten, wie Seine Wohlweisheit --- Endlich überzeugte er sich, daß diese Würde, bloß weil er sich nicht -für weise hielte, ihm auf Allerhöchsten Göttlichen Special-Befehl wäre -zuerkannt worden -- Kann _der_, welcher Aufsehen macht, weise seyn? -hat _der_, bei der rastlosen Bemühung sein Ansehen zu schützen und -den Neid zu entkräften, Zeit und Raum zur Weisheit? _Ob den Weibern -wirklich die Bescheidenheit bei ihren Handlungen eigen ist?_ Die -Erfahrung überhebt mich der Antwort. Ob Weiber wirklich gehandelt -haben? O, der beleidigenden Frage! -- -- - -Ohne eine _Isabelle_ wäre America vielleicht noch nicht entdeckt -worden, vielleicht nicht durch _Columbus_, oder doch erst spät, und -auf einem entgegengesetzten Wege. _Ferdinand_ hatte nicht Muth und -Entschlossenheit, einem so kühnen Unternehmen seinen Nahmen zu leihen, -und seinen Schatz zu öffnen. Würde _Cicero_ ohne die _Fulvia_ die -Verschwörung des _Catilina_ entdeckt, und den Namen eines _Erhalters -des Römischen Staates_ gewonnen haben? _Karl V_ verdankte es bloß dem -Einfluß eines Weibes, daß seine Donquixotterien einen besseren Ausgang -hatten, als sie verdienten. Und warum eine größere Aufzählung solcher -Begebenheiten, an denen Weiber nicht bloß Antheil nahmen, sondern die -durch sie entstanden, durch sie geleitet und ausgeführt wurden, wo -sie nicht bloß untergeordnete Dienste leisteten, sondern der Geist -waren, der über den Wassern schwebte, die Seele, die den Gang der -Begebenheiten ordnete und lenkte! -- - -Frankreich ist seit zweihundert Jahren durch Weiber regiert worden; ob -gut oder schlecht, ist ein Umstand, auf den es hier nicht ankommt. Daß -es schlecht regiert ward, ist nicht die Schuld der Weiber überhaupt, -sondern jener Weiber, die listig, verwegen und ehrsüchtig genug waren, -die Zügel des Staates den schwachen Händen zu entwinden, denen das -blinde Glück sie anvertrauet hatte, oder die in anderen Rücksichten -aufgestellt wurden, und die dann, neben dem schwereren Geschäfte die -lange Weile von einem müßigen Monarchen zu verscheuchen, auf den -Einfall kamen, das ungleich leichtere Geschäft der Staatsverwaltung zu -übernehmen. - -Seitdem _Semiramis_ mit rascher entschlossener Hand das Zepter ergriff, -und es mit so vieler Würde als Weisheit führte, haben viele Weiber, -und unter diesen mehrere welche die Geburt nicht für ein Diadem -bestimmte, den Herrschertitel mit Ehren getragen. Giebt es nicht -Länder, die in ihren Regentenlisten eben so viele berühmte Namen des -einen als des anderen Geschlechtes aufführen? Wenn das Cabinet außer -der _Ritterin d'Eon_ keinen weiblichen Geschäftsträger aufzuweisen hat; -sollte dies wohl die Unfähigkeit des anderen Geschlechtes beweisen? -Bei Allem, was durch Vernunft erklügelt, durch Dreistigkeit errungen, -durch Witz erhascht, durch Gutmüthigkeit erreicht werden kann, wird -die schöne Welt nicht zurückbleiben; -- und wenn feile Seelen allen -Triebfedern dienstbar sind, werden Weiber nie vergessen, was anständig -ist -- welches da, wo der Anstand sich das Ansehen giebt am höchsten -getrieben zu seyn, oft schnöde vergessen wird. Lord _Chesterfield_ soll -bei einer Assemblee auf _Voltaire'ns_ Frage: _halten Sie die Englischen -oder die französischen Damen für schöner?_ geantwortet haben: _ich -verstehe mich nicht auf Gemälde_; und doch wüßt' ich keinen Hofmann, -der sich so zu schminken verstanden hätte, wie dieser Mann, der unter -den Lords den Gelehrten, und unter den Gelehrten den Lord machte. Wer -_le fin du fin_ in dem diplomatischen Fache kennt und übt, richtet -auf diesem Wege oft am wenigsten aus -- Adler fangen nicht Fliegen, -und der Prätor setzt sich über kleinfügige Subtilitäten hinweg -- -Der weibliche Vortrag ist gemeiniglich mit dem was vorgetragen wird, -aus Einem Hause; diese Zwei sind Eins, und nie oder selten findet -hier eine Mésalliance Statt, welches aber zwischen dem männlichen -Vortrage und der vorzutragenden Sache sehr oft der Fall ist -- Wüßten -wir, was in Cabinetten durch Weiber geschehen ist: wir würden über -die interessantesten aller Spiele, die Täuschung der Imagination, -erstaunen, wodurch Weiber zu ihrem Zwecke kamen; wir würden die Kunst -bewundern, mit welcher ein Weib oft den Faden einer Begebenheit -anspann, den sie durch alle Schleichwege der Intrigue glücklich bis zum -Ziel hinausführte. Eigentlich scheinen sie jener Künste, worauf die -Politik heut zu Tage stolz thut, sich bloß darum zu bedienen, daß die -Männer mit gleicher Münze bezahlen können; im Grunde sind sie von Natur -aus, weniger, als wir mit jenen Schlangenwindungen der Zweideutigkeit, -mit jener politischen Falschheit ausgerüstet, die nach den Regeln der -jetzigen Kunst im Finstern schleicht; und es ist von ihrem Verstande -und von ihrem Herzen zu erwarten, daß sie die Politik säubern, und ihr -zum Besten der Menschheit mehr Natur und Wahrheit beiordnen werden. Mit -dem Talent, die heimlichsten Gedanken eines Andern auszuspähen, und sie -in den verborgensten Winkeln zu ertappen, werden sie den schlauesten -Diplomatiker überlisten, ohne daß es Sr. Excellenz gelingt, ihnen ihr -Geheimniß zu entwenden; und obgleich der Wille der Principal-Excellenz, -wie ein Taglöhner, oft dem liederlichsten Weibe verkauft wird: so wird -doch auch der Feinste von den Feinen vergebens sie verleiten, ihren Fuß -an einen Stein zu stoßen -- Nicht bloß die verliebte Schäferin, sondern -auch der Hofmann verbirgt sich im Gesträuch; allein beide lassen sich -_zuvor_ sehen -- Die Kunst vermehrt oft die Schmerzen des Kranken, -und es giebt eine verkünstelte Kunst die in's Abderitische fällt, -wodurch unser Geschlecht in der Diplomatik Glück machen will -- Wir -verfehlen nicht, dem Erzengel _Michael_ und dem _Drachen_ eine Kerze zu -widmen -- Warum doch so viele Künste! -- Werden Weiber aber bei diesem -Geschäfte den ihnen eigenen Edelmuth aufgeben? jene aus Menschenliebe -abstammende Bereitwilligkeit zur Selbstverleugnung? werden sie je -bei der ihnen eigenen Kunst Menschen zu vernehmen und zu erforschen, -aufhören, großmüthig zu seyn und sich selbst zu besiegen? Nimmermehr! -Schwache Männer pflegen gern boshaften Menschen ihr Zutrauen zu -schenken, schwache Weiber dagegen sich edlen Menschen zu überlassen: -Weiber hassen Verrätherei und den Verräther; wir nur, wenn's köstlich -ist, den Verräther: wir sehen es gern, wenn dergleichen Leute viel -bringen, und geben uns nur Mühe, daß sie wenig oder nichts mitnehmen --- Weiber, weit hinweg über jene politischen Tiraden, über jene -politischen Metaphern und jenen politischen _Salto mortale_, wählen die -Natur zu ihrer Lehrerin, und richten mehr aus, als Excellenzen durch -abgenutzte, verrathene und verkaufte _Kniffe_, die den beschrieenen -Namen _Künste_ bei weitem noch nicht einmal verdienen --! Können Weiber -nicht zeigen und verbergen, was sie wollen? Haben sie nicht eine -Offenheit, durch die sie mehr, als durch Zurückhaltung, ausrichten? -eine unvergleichliche Biegsamkeit der Gedanken, eine Helle im Ausdruck, -eine Geschmeidigkeit im Urtheil --? Ihr Mienenspiel, ihr Glück und -ihr Verdienst, mit geringen Hülfsmitteln die größten Wirkungen zu -bewerkstelligen -- ihre Kunst, jedem einen Spiegel vorzuhalten, worin -_er_ sieht, was _sie_ wollen; ihre gelenkige Zunge, wodurch sie -ihren Ideen eine Macht beilegen, die Alles überwindet: -- dies sind -Eigenschaften, wodurch sie alles ausrichten. Man nimmt nur die Wirkung -an sich wahr, und sieht sich vergebens nach den Ursachen um, welche die -Weiber sehr künstlich zu verstecken wissen. Schon im gemeinen Leben -verwickeln sie mit ihrem Witze alle Charaktere der Gesellschaft auf -eine so angenehme Art, daß man diese ihre Leichtigkeit bewundern muß. -Indem sie der Ausdruck zu verlassen scheint, indem sie ihn aufgeben, -finden sie eine überschwengliche Sprache: sie belauschen kleine Ideen, -die der, den sie gewinnen wollen, fallen läßt; -- sie wissen auf ein -Haar seine Leibgerichte, seine Neigungen, seine Stärke, seine Schwäche; -und besitzen die große Gabe, von Glück und Unglück Gebrauch zu machen --- wie bewunderungswürdig! -- Unser Geschlecht verstehet es selten, -aus dem Glück, und fast nie, aus dem Unglück Vortheil zu ziehen und -glücklich durch Unglück zu seyn. -- - -Der _Mangel der Verschwiegenheit_, den man dem andern Geschlechte so -oft zur Last legt, ist nur eine Unart des _weiblichen Pöbels_; und der -_männliche_ Pöbel macht in dieser Hinsicht so wenig eine Ausnahme, -daß er fast schwatzhafter zu seyn scheinet. Weil die Weiber viel -reden, hat man sie der Unverschwiegenheit beschuldiget; allein unser -Geschlecht verdient diesen Vorwurf unendlich mehr; -- wenn es voll -süßen Weins oder verliebt ist, fast immer, und auch oft dann, wenn -es sich weder durch Liebe noch durch Wein erhitzt hat -- Nichts kann -Manchen zurückhalten, sogar seine selbsteigene Schande zu entdecken --- Kein Soldat kann so begeistert von seinen Siegen erzählen, wie -ein Zierling (_Élégant_) von den seinigen. Hat man nicht _Mirabeau_, -dem goldenen Munde neuester Zeit, den Vorwurf gemacht, daß er nichts -verschweigen können? Jene Weigerung guter Menschen, Alles hören zu -wollen, nur keine Geheimnisse, beweiset, daß wenige Menschen zu solchen -Depositis sich Treue genug zutrauen. Viele unseres Geschlechtes haben -so viel selbsteigene Geheimnisse zu bewahren, daß sie sich mit fremden -Depositis nicht füglich befassen können; viele sind niedrig genug, -Depositen-Gebühren auf eine unverschämte Weise zu verlangen -- Wer sich -selbst nicht treu ist, und seine eigenen Unthaten unter die Leute zu -bringen für unbedenklich hält, glaubt sich, wo nicht rechtfertigen, -so doch entschuldigen zu können, wenn er seinen Herrn oder seinen -Freund verräth! -- Männer sind so fein sich zu überreden, daß sie zum -Heil und Frommen eines besseren Menschen das Beichtsiegel brechen -können, das auf die Geständnisse eines minder guten schon gedrückt war! --- Mancher Richter macht sich kein Gewissen, unter Versicherung des -Nichtgebrauchs, Bekenntnisse herauszulocken. »Hat denn,« fragt er, »der -Staat nicht mehr Recht auf mich, als meine Verbindlichkeit?« Du irrest, -Verräther! der Tugend stehet das größere Recht zu. Die Pflichten gegen -das Vaterland heben bei weitem nicht alle anderen Pflichten auf, und -ein Bürger muß nie aufhören ein Mensch zu bleiben. Im Kriege selbst -darf man den Vorzug nicht aufgeben, ein Freund seines Freundes zu seyn! -Auch haben die Männer ein verrätherisches Schweigen, ein Achselziehen -im Gebrauch, die Weise ein halbes Wort zu sagen, den ersten Buchstaben -anzugeben -- Diese Judas-Verrätherei durch einen Kuß, dieses -plauderhafte Stillschweigen, läßt das andere Geschlecht sich gar nicht -zu Schulden kommen -- Man rede nicht von der Unverschwiegenheit der -Weiber! -- -- - -Noch weniger aber sollte den Weibern untersagt seyn, an der _inneren -Staatsverwaltung_ und _Staatshaushaltung_ Theil zu nehmen, da ihnen -gegenwärtig schon im Ganzen die Verwaltung ihres eigenen Hauswesens -anvertrauet ist, und sie bei diesem, ihnen zugefallenen Pflichtteile, -selbst nach dem Zeugnisse der Männer, sich rühmlichst verhalten. Gewiß -hätten wir alsdann weniger Tyrannen, die auf festem Grund und Boden -Schiffbrüchige mit Lust arbeiten sehen, oder die des Spaßes wegen -solchen, die mit den Fluthen ringen, unter Pauken- und Trompeten-Schall -vermittelst einer heilsamen Verordnung Strohhalme zuwerfen; weniger -Blutigel, die hier jeden Bissen finanzmäßig zuschneiden, und dort den -Schweiß und das Blut der Unterthanen ohne Maß und Ziel verschwenden; --- die sich Mühe geben, dem gemeinen Manne das Huhn aus dem Topfe -herauszurechnen, welches _Heinrich IV_ ihm alle Sonntage in den Topf -hineinzurechnen Königliche Sorge trug; -- die ihre Administration, wie -elende Feldherren ihre Einnahmen, mit Plünderungen anfangen, und, um -sich aus dem Gerede über neue Plackerei zu bringen, Redouten und Bälle, -Diners und Soupers geben, und es wie weiland _Alcibiades_ machen, der -seinem schönen Hunde Ohren und Schwanz abschnitt -- -- Wir hätten -alsdann weniger Großprahler und Meister, die gleich vom Himmel fallen, -ob sie schon entweder Colporteurs von alten abgetragenen Meinungen -sind, welche sie wie ein Bettelkleid mit einem Flick von Sammet -bereichern, oder aber (trotz jenem Ober-Chirurgus, der sich dienst- -und kunsteifrig dahin ausließ: hinter die Krankheit muß ich kommen, -wenn auch das ganze Regiment darauf ginge!) eine neue verzweifelte Kur -nach der andern probiren -- und das Alles? um reiche Arme und arme -Reiche zu machen -- O, wie viele hochgepriesene Schwachköpfe giebt -es, die Einen Stand auf Rechnung des andern in verhältnißwidrigen -Cours bringen, damit der eine durch Übermuth, und der andere durch -Hungersnoth verderbe! wie viele, die nichts im Ganzen übersehen können, -und denen es ein leichtes dünkt, aus Deutschen Franzosen, und aus -Pohlen Holländer zu _fabriciren_ --! wie viele Finanzblitzer, deren -Aufblitz nur dazu dient, daß man das Schreckliche der Verderbensnacht -mit Schauder erblicke! -- Diese Herren sollten die Ermahnung jenes -Weisen an einen Frevler beherzigen, der bei einem gefährlichen -Ungewitter die Götter bestürmte: -- sich still zu halten, damit -die Götter nicht wüßten, daß er hier wäre. -- Nehmt das Triumvirat -unserer außerordentlichen Minister, des _Grafen Struensee_, _Pombals_, -_Neckers_; -- und das sollte kein Weib thun, was diese Excellenzen -thaten? - -Wer dem weiblichen Geschlechte die Fähigkeit abspricht, das Ganze -zu übersehen, Anordnungen für Königreiche zu treffen, sie im Großen -auszuführen, weit aussehende Plane zu umfassen, und kurz, ihre Begriffe -bis zum Allgemeinen zu erheben, der verräth wenig Weltkenntniß, und -schließt von den Geschäftendes Detail -- denn größtentheils werden -bloß diese den Weibern jetzt anvertrauet -- auf ihre Fähigkeit. Und -wie? soll es denn bei diesen Geschäften nicht auch subalterne Köpfe -geben, da Arbeiten dieser Art bei unsern jetzigen Einrichtungen -überall existiren? Wo es Feste oder Erhöhungen gewisser Tage des -gemeinen Lebens giebt, da müssen auch Werktage seyn -- Nur alle sieben -Tage ist ein Sonntag -- Weihungen gewisser Lebens-Momente zu einem -vorzüglichen Lebensgenusse setzen auch gewöhnliche Tage voraus. Und -sind wir denn lauter Sonntagskinder? -- Bewunderungswürdig ist das -Talent zu rechnen selbst bei gemeinen Weibern, ob sie gleich sich über -unsere Rechnungsmethode wegsetzen, und oft ihre eigene Arithmetik auch -alsdann noch beibehalten, wenn sie nach der gewöhnlichen Schulmethode -zu den Geheimnissen der Zahlen zugelassen worden sind. Ihre Kanzelei -ist mir, bei aller ihrer Unregelmäßigkeit, schätzbar, wenn gleich -Keuschheits-Procuratoren noch nicht einig sind, ob und in wie weit das -Schreiben dem weiblichen Geschlechte nützlich oder schädlich sei. -Giebt es nicht Männer genug, die ihre Töchter nicht anders zu bewachen -wissen, als daß sie ihnen Tinte und Federn untersagen? - -_Storch_, ein neuer Reisender, fand, nach seinen Bemerkungen über -Frankreich, in der Schule des berühmten Tachygraphen _Coulon de -Thévenot_ zu _Paris_ Mädchen, unter denen es einige in der Kunst -geschwind zu schreiben, zu einer erstaunenswürdigen Fertigkeit gebracht -hatten. Heißt das nicht mehr als Orthographie und Kalligraphie? - -Vieles in der _Stadt- und Landwirthschaft_ hat man bis jetzt als -unbedeutend behandelt; viele Hausthiere sind lange nicht in dem -gehörigen Maße genutzt und im Ertrage in Anschlag gekommen, und -überhaupt ist das anzubauende Feld nicht klein, welches auf Weiberköpfe -und Hände wartet, um urbar zu werden -- Fast möcht' ich sagen, die -Ökonomie sei weiblichen Geschlechtes, und vorzüglich die, welche ins -Große geht -- Wie wir doch Alles so meisterhaft -- wie soll ich sagen? --- _um_zukehren oder zu _ver_kehren gewußt haben! - -Und du, _heilige Justiz_! unübersteiglich dem, der dich, wie der Pilger -die Alpen, ohne Alpenschuhe, Stab und Führer ersteigen will! mystische -Aristokratie, die du dich oft zwischen Fürsten und Volk stellest -- -angeblich um Mittler- oder Mäkler-Dienste zwischen beiden zu üben, -eigentlich aber um beide zu beherrschen -- darf ich es wagen, dich -um Audienz zu bitten? Zwar weiß ich, wie edel dir deine Zeit ist, um -dich nach einem dreistündigen Sessionsschlaf zu erholen, und zu einer -abermaligen Sessionsruhe neue Kräfte zu sammeln; doch will ich dich -gewiß weniger aufhalten, als du alle deine Partheien aufhältst -- Die -Beobachtung der Natur hat den größten Meistern in den schönen Künsten -die Regel zugeführt: daß wenige und einfache Zeichen, wenn sie mit -Weisheit gewählet werden, eine kräftigere Wirkung thun, als durch -eine verschwenderische Häufung zwecklos gewählter Zeichen möglich -ist. Darf ich so frei seyn, diesen Umstand der gesetzgebenden und -gesetzübenden Justiz zur Erwägung zu empfehlen? _Hume_ ging von seinem -Freunde _Jortin_, einem Geistlichen, mit dem er über natürliche und -geoffenbarte Religion einen Wortwechsel gehabt hatte; und da der -Philosoph nicht zugeben wollte, daß der Geistliche ihn begleitete, -fiel er. Der Geistliche, der ihn fallen hörte, kam ihm mit seinem -Lichte zu Hülfe, und machte ihn mit den Worten verdrießlich: »Habe ich -Ihnen nicht oft gesagt, lieber Freund, daß Sie Sich nicht zu viel auf -eigene Kräfte verlassen sollen, und daß das natürliche Licht nicht -hinreicht?« Die natürliche Religion verlor durch diesen Fall _Hume'ns_ -nur eben so viel, wie die geoffenbarte durch das Licht _Jortin's_ -gewann; allein die Justiz verliert durch den Umstand, daß auch die -ersten ihrer Officianten sehr oft nicht wissen, wie sie mit ihr daran -sind -- Sie fallen mit und ohne Licht, mit und ohne Begleitung; und -ich weiß nicht, woran es liegt, daß Niemand recht weiß, was Rechtens -ist. Ihre Sentenzen, welche die Sache lösen wollen und sollen, sind -gemeiniglich neue Räthsel, die sie aufgeben; und doch gehören viele -Sächsische Fristen und viele doppelte Sächsische Fristen dazu, ehe -man die _hochlöblichen Herren_ zum _Stehen_ bringt; und wie viele -Fristen verlaufen nicht, ehe sie zum _Sitzen_ kommen! Die Justiz war -zu jeder Frist eine dürftige Krücke, an welcher der Staat hinkte, und -noch obendrein von so _schadenfroher und bösartiger Natur_, daß sie -auch selbst dem, der sich zutrauensvoll auf sie stützte, die Hand -durchbohrte. Wie oft sind ihre Urtheile vergiftete Hostien, die man bei -großem Pomp des Hochamts empfängt. -- -- In ihrer goldenen Zeit ist die -Justiz ein Guckkasten, worin schöne Raritäten und schöne Spielwerke -zu schauen sind -- Es gab von jeher unter den Juristen _Élégants_; -und wer hat nicht von der _eleganten Jurisprudenz_ reden gehört? Auch -der einsichtsvollste Jurist wird in eigenen Angelegenheiten nicht -wissen, was er zu thun und zu lassen habe, um etwas Rechtbeständiges -zu unternehmen; und so scheint die gar zu große Kunst der Justiz dem -Menschen, den Gott aufrichtig gemacht, völlig unangemessen zu seyn. - -Sollte sich einst die bürgerliche Verbesserung der Weiber bis auf -die Rechtspflege erstrecken, und das Recht aufhören, ein Monopol -einer besondern besoldeten Männer-Klasse zu seyn; nur alsdann wird -man anfangen einzusehen, daß Rechtspflege nicht heißt, im Orakelton -unverständliche Formeln hersagen, die nur wirksam sind, weil neben der -Wagschale auch das Schwert liegt, sondern daß sie sich bemühen muß, -die Partheien über Recht und Unrecht zu belehren und zu überzeugen, -wenn sie einen Theil der Ehre verdienen will, die sie sich jetzt -so gränzenlos und machtvollkommen beilegt. Man sagt: _Necker_ sei -tugendhaft, um damit prahlen zu können; _la Fayette_ sei es, um es zu -seyn und nicht zu scheinen. Würde dies nicht der Fall mit Richtern aus -der weiblichen und männlichen Klasse seyn? - -Schon fängt der Gedanke an sich je länger je mehr zu regen, daß nur -Gleiche zwischen Gleichen entscheiden können, wenn Recht nicht ein -todter Buchstabe bleiben, sondern ein lebendiger werden soll. Würde -es indeß nicht schreiendes Unrecht seyn, bis dahin, und ehe jener -glühende Funke in der Asche zum Feuer ausschlägt, den Weibern die -Richter- und Schöppenstühle zu verschließen? Man behauptet in England: -unbesoldete, dem Beklagten gleiche, von ihm anerkannte, nur auf eine -kurze Zeit zum Wohl der Mitmenschen und nicht schnöden Gewinnstes oder -eitler Ehre halben berufene, einstimmige Richter, oder Geschworne -(_Juries_), wären eine Schutzwehr der bürgerlichen Freiheit, und eine -unüberwindliche Festung, wenn gleich die Künstelei der politischen -Maschine bisweilen zu gesucht seyn sollte, wenn gleich in ihrem -Räderwerke zu viel oder zu wenig Zusammensetzung Statt fände, wenn -gleich in der Vertheilung der Gewalt, in der Repräsentation des Volkes, -und in der Abtheilung der Stände Organisations-, Schwachheits- und -Bosheitsfehler wären -- Jene Justiz-Verwaltung allein würde schon, -was schwächlich ist, beim Leben erhalten, und nichts erschöpfen -lassen, was zum Vortheile und zum Glanze der Nation einen Beitrag -liefern kann. In der That, auch im monarchischen Staate könnte durch -eine ähnliche Justizverwaltung Alles einen andern Schwung bekommen, -und so Manches belebt werden, was jetzt gelähmt ist -- Monarch und -Volk würden gewinnen. Wie aber, wenn sogar das andere Geschlecht an -dieser Rechtspflege Antheil nähme, wenn nicht bloß durch gute Männer -(_arbitros_), sondern auch durch gute Weiber, Zank und Streit beigelegt -oder entschieden würde? müßte da die Justizverwaltung nicht noch -vollkommener werden? Menschen, die bloß gesetzlich sind, haben keine -Haltung; -- es sind im eigentlichen Sinne bloß unnütze Knechte, die -zwar thun, was ihnen geboten ist, allein damit nichts Gutes stiften --- Die Gesetze und die Leidenschaften sind oft so verwandt, daß der, -welcher der Vernunft und dem Gewissen (der praktischen Vernunft) nicht -folgt, bei aller positiven Gesetzlichkeit nicht selten ein verdorbener -Mensch ist -- Wer kann hierauf genauere Rücksicht nehmen als das -andere Geschlecht? wer es mehr empfinden als Weiber, daß der Zwang, -durch den Andere eben so frei werden, die Probe der wahren Freiheit -sei? -- Trockne und ungekünstelte Wahrheit gilt in der Geschichte -und überall mehr, als eine noch so glänzend scheinende Falschheit. -Jener medicinische Pfuscher, der einen König von einem Quartanfieber -befreiete, welchem alle kunstverständige Ärzte, ihrer hohen und tiefen -Gelehrsamkeit ungeachtet, nicht gewachsen waren, antwortete, als er -_par ordre du Roi_ den Doktor-Hut erhalten sollte, und der Form halben -examinirt ward, auf die Frage: »was ist das Fieber?« _eine Krankheit, -die Sie, meine Herren, sehr geschickt zu definiren, und nicht zu -curiren verstehen, und die ^ich^ nicht definiren, wohl aber -curiren kann_ -- Die evidente Vernunft ist eine Mitgift, welche die -Natur allen Menschen in gleichem Maße bewilligt hat. Der allergemeinste -Grundsatz des Naturrechtes, mit dessen Ausübung Zwang unwidersprechlich -verbunden werden kann, ist das Gesetz: - - verhindere, daß die Vollkommenheit aller - Menschen nicht gemindert werde; - -und liegt in dem höchsten Material-Gesetze der Sittlichkeit: - - vervollkommne alle Menschen. - -Ist Vollkommenheit nicht die höchste Stufe der Ausbildung aller Kräfte -zu einem Ganzen? Ich will es hier mit keiner Schule verderben; denn -meine Absicht ist nicht, nach väterlicher Weise der Richter- und -Philosophenstühle, durch Zank und Streit die edle Zeit des Handelns zu -versäumen. Darf ich indeß, um die Justiz zu überzeugen, daß sie mit -sich selbst uneins ist, noch beiläufig bemerken, daß die Vollkommenheit -aller Menschen mir der Zweck der sittlichen Gesetze zu seyn scheint? -Und was will man mehr als diese höchste Ausbildung? Sollten indeß -Gesetze nicht auf alle Menschen ausgedehnt werden? Kann man ein -vernünftiges Wesen bloß als Mittel zu höheren Zwecken ansehen? Jener -allgemeine materielle Grundsatz ist und bleibt ein Kennzeichen der Form -aller Sittlichkeit, gemäß der allgemein geltenden Gesetzmäßigkeit und -ihrem obersten Grundsatze: die Vorschriften, nach denen du handelst, -müssen so beschaffen seyn, daß sie allgemeine Gesetze werden können. -Verschlag' ich zu weit, oder kann unsere neue Philosophie nicht ein -Tribunalsausspruch meiner Vorschläge werden? Eine gute Gesetzgebung -ist sicher das Meisterstück des menschlichen Geistes; und wer aus -Kenntniß unserer Natur weiß, daß die Sitten der Nationen ihre Bildung -größtentheils der Wirkung der Gesetze zuschreiben müssen, wird es mir -nicht verdenken, daß ich unsere Juristen etwas weiter zurückführe, als -diese Herren vom gewöhnlichen Schlage zu gehen gewohnt sind. Schon -da, wo die Weiber jetzt das Richteramt führen, in gewissen _causis -privilegiatis_, zeigen sie sich als Meisterinnen in ihrer Art, und -beschämen ihre Männer, die gemeiniglich Alles verderben, sobald sie es -sich herausnehmen, Stellvertreter ihrer Weiber seyn zu wollen -- - -Man sagt: _Weiber wären hart_; allein läßt sich die Justiz in Gefühle -auflösen? _sie wären zu peinlich bei ihrer Nachforschung_; allein kann -man es zu sehr seyn, wenn es Schuld und Unschuld der Menschen gilt? Es -fehlt den Weibern selbst nicht an Gedächtnis, um eine Legion Gesetze -zu behalten, noch an Geduld, die ewigen Klagen und Schutzreden der -Partheien anzuhören, und in einem feinen guten Herzen zu bewahren; -nicht an Beredsamkeit, um den Sturm der Partheien zu besänftigen und -die Fluth der Rede in ihr Ufer zurück zu weisen -- Wie geschickt würden -sie zu Versuchen der Sühne seyn! -- Überraschung ist der natürliche -Ersatz für alle unangenehme Verwirrung, ohne die sie nicht zu erhalten -war; allein ist dies der Fall bei unsern richterlichen Sentenzen? sind -sie nicht gemeiniglich ein neues verwickeltes Knäuel? wechselt nicht -Verwirrung, bis endlich die dritte Instanz, gemeiniglich durch einen -Machtspruch (so sehr auch dies Wort bei den Herren Juristen gehaßt und -verfolgt wird) aller Fehd' ein Ende macht? -- - -Bis jetzt hatten die Weiber kein anderes ernsthaftes Geschäft als -Liebesangelegenheiten. Freilich, wenn sie auf einmal, wie vom Himmel -gefallen, ohne Vorbereitung, ohne ihnen bewilligte bürgerliche -Rechte, und ohne daß man ihnen auf politische Köpfe und Füße hilft, -sich in Staatssachen werfen -- ist es Wunder, wenn sie, nach einem -Französischen _Viso reperto_, zwar die _hysterischen Zufälle_ -verlieren, indeß in noch _ärgere_ fallen? Ernsthafte Sachen sind ihnen -zu _schön_ und zu _erhaben_, als daß sie nicht Alles dieser köstlichen -Perle halben veräußern sollten. Zarte Fasern, die man pflegen und -warten soll, muß der Gärtner nicht zerreißen; bei einer scheinbaren -Ermattung, oder bei einem zu starken Auswuchs, kann er nicht, ohne -ein Miethling zu seyn, jene sich hervordrängenden Zweige abschneiden, -die so leicht zu besseren Zwecken zu leiten gewesen wären -- Er läßt -sie in die Höhe schießen oder zur beschützenden Krone gedeihen -- Man -mäßige bei dem andern Geschlechte die zu starke Neuheit; man bringe -Weiber mit _mehr_ ernsthaften Sachen, und zwar _allmählich_, in -Verbindung: und hysterische und andere angeblich ärgere Übel, Leibes -und der Seele, Gutes und Ehre, sind gehoben. Die Pfeifer und Geiger -wurden auf der Stelle verabschiedet, als _Jairi Töchterlein_ von den -Todten erweckt werden sollte -- Selbst die Bevölkerung müßte hierbei -zunehmen; »es verlohne zu leben,« würden die Weiber denken. Und wie ging -es in aller Welt zu, daß man bis jetzt den Vortheil der Menschheit -so sehr verkannte? daß man die Weiber als abgeschiedene Seelen in -einem Psychodocheum hielt, und sie nie zum wirklichen, sondern bloß zu -einer Art von Leben berechtigte? -- zu einer Art von Ritterleben von -trauriger Gestalt! -- Viele Züge würden mehr gehoben, andere sanfter -gemischt werden; man würde uns nicht so oft statt eines Nachtstückes -die Nacht mit schwarzen Farben verkaufen; nicht so oft aus bloßer -Angst und Furcht ein Held seyn; nicht so viele Rechtsglücksgreifer und -Marionettenspieler in den Gerichten finden, nicht so viele flache, mit -groben Farben überladene Richter und Anwälde und wie die Herren weiter -heißen -- wenn Weiber an der Rechtsverwaltung Theil hätten. Sind unsere -praktischen Rechtsgelehrten nicht gemeiniglich Feinde des _Warum_? Ist -das Verdienst des größten Theils von ihnen nicht, Urtheile in Umlauf -zu bringen, die man ein _Spielzeug des Gewissens_ nennen könnte --? -Urtheile, die oft das gerade Gegentheil von jener inneren Gerechtigkeit -sind, bei der Jeder, wenn er auch gleich durch alle drei Instanzen -verloren hätte, sicher seyn kann, daß er nach Gefühl und Einsicht der -gesitteten unparteiischen Welt gewinnen und das Feld behalten werde! -- -Sind die meisten Dikasteria nicht Säulenreihen, die nichts Wichtiges -zu tragen haben, und wo man unbedeutende Gegenstände mit Verzierungen -überladen hat? Der _sichere_ Ehrgeitz ist weit unausstehlicher, als -der, welcher sich vor List und Nachstellung _fürchten_ muß -- Die Römer -waren, als Staat genommen, keine sonderlichen Financiers; und oft hat -mich der sündliche Gedanke angewandelt, ob nicht mit darum Juristen und -Financiers einander so spinnenfeind wären, bis auf den heutigen Tag. -Würden Weiber an der _Finanz_- und _Rechtsverwaltung_ Antheil nehmen -- -ich wette, dieser Haß zwischen _Herodes_ und _Pilatus_ müßte aufhören, -und beide Theile mehr zu Gesinnungen der Menschheit kommen, da jetzt -die Herren Financiers oft ins Recht pfuschen, und die Justiz es so -wenig bedenklich findet, eine Art von Finanz-Operation zu werden -- -daß die Juristen oft genug die Furierschützen des Finanz-Departements -sind. -- - -_Themis!_ weibliche Gottheit, öffne deine Heiligthümer deinem -Geschlechte, und du wirst Wunder sehen, ohne daß du dich bemühen -darfst, sie zu thun --! - -Während daß wir unsere Hände nach Allem ausstrecken, nicht zufrieden -über die Seelen der Weiber _à la Padischah_ zu gebieten, sondern -auch an ihren Körpern zu Helden zu werden, zwingen wir das andere -Geschlecht, auch auf _die Heilkunde_ Verzicht zu thun, zu der es -einen unwiderstehlichen Hang behauptet. Und warum ist die Heilkunde -in ihrem weitesten Umfange nicht eine freie Kunst der Männer und -Weiber? Fühlen die Weiber nicht so lebhaft, daß die Natur sie ganz -eigentlich zu diesem Geschäfte berufen hat? treiben sie nicht, trotz -allen Anordnungen, aller Aufsicht und allen Strafen, dieses ihnen -so strenge verbotene Handwerk? und haben sie sich nicht -- was noch -sonderbarer ist -- dabei so gar einen Nahmen zu erwerben Gelegenheit -gehabt? Frau * * auf * * curirt ihr Haus und ihre Unterthanen, aller -Recepte von Scheltworten und Drohungen der kunsterfahrnen Facultisten -ungeachtet, und kann sich nicht mit der gestrengen Rechtsgläubigkeit -dieser Herren einverstehen, wenn gleich diese Eiferer für des Herrn -Haus sich viele gelehrte Mühe geben, in Rücksicht anderer unbedeutender -Ärztinnen, ihre Orthodoxie inquisitorisch zu beurkunden -- Hüten Sie -Sich, gnädige Frau, daß Sie nicht über Hals und Kopf in ähnliche -Anfechtung fallen, und wegen ihrer kunstlosen Arzeneien verantwortlich -werden! -- In einigen Spanischen Provinzen barbieren die Weiber, und -_Marquis de Langle_ setzt hinzu: so sollt' es eigentlich und überall -seyn, denn ihre weichen sanften und fleischigen Hände taugen weit -besser als unsere, das Kinn einzuseifen und das Messer zu handhaben. --- In den Entscheidungsgründen kann ich diesem Weiberschutzpatron -nicht beistimmen; wohl aber in der Behauptung selbst -- Jene nicht -ungerechte Befürchtung des Meuchelmordes würde, wo nicht aufhören, so -doch außerordentlich geschwächt werden, wenn das andere Geschlecht -diese _gefährliche Kunst_ triebe. Die Anlage des andern Geschlechtes -zur Arzeneikunst und Chirurgie beweiset unwiderlegbar seine vorzügliche -Beobachtungsgabe. Nicht leicht entgehet seiner Aufmerksamkeit auch nur -die kleinste vorübergehendste Veränderung der Farbe, der Mienen, des -Auges -- Jede, auch die unbeträchtlichste, krampfhafte Bewegung der -Muskeln weiß sein Blick zu erreichen. Sein Takt ist zarter und feiner, -und auch da noch fühlt es Pulsschläge, wo der Arzt, wegen seines -gröberen Gefühls, nichts mehr bemerkt. Der leiseste Hauch entgeht den -Weibern nicht; sie vernehmen noch das Wort, das auf der Lippe zitterte -und starb, und oft verstehen sie die Gedanken -- Am praktischen -Urtheil, von ihren gesammelten Beobachtungen Gebrauch zu machen, -fehlt es ihnen sicher nicht -- Schon jetzt bei dem kargen Vorrath von -Kenntnissen, und ohne allen Beistand der Kunst, übernehmen sie Kuren, -die dem erfahrensten Arzte, wo nicht lauten, so doch stillschweigenden -Beifall abzwingen. Wie viel weiter würden sie seyn, wenn ihnen der -Zugang nachgelassen wäre, den ihnen ein neidischer Zunftgeist bis -jetzt vorenthielt! Würden ihnen das Heiligthum des _Epidaurischen -Gottes_, und die unermeßlichen Schätze der Natur aufgethan und sie -in die Geheimnisse der Kunst als Priesterinnen eingeweihet; wie viel -wäre für das menschliche Geschlecht gewonnen! da hingegen jetzt die -große Angelegenheit, die Gesundheit des Menschen, sich immer in -sehr mißlicher Lage befindet, indem viele von unseren Ärzten sich -nicht begnügen, Diener der Natur zu seyn, sondern sich zu gestrengen -Herren derselben aufwerfen -- Wo wir doch überall Herren seyn wollen! -Die Arzeneikunst aller, der Natur nahe kommenden Menschen ist so -einfach und so stark, daß sie mit wenigen Mitteln alle Krankheiten -heilt, so wie Brot die tägliche Schüssel auf allen Eßtischen ist. -Die Natur ist so gutmüthig, daß sie uns durch Krankheiten gesund -machen will -- Unpäßlichkeit ist ein Glockenschlag, wodurch wir zum -Bußtage aufgefordert werden -- Die Natur macht uns aufmerksam auf -uns selbst -- und will uns damit locken, daß wir glauben sollen, -sie sei unsere liebe gute, unsere rechte Mutter. Und ist sie das -nicht? -- Der Schmerz? Ach, dagegen ließe sich noch viel sagen. In -der That, die Natur scheint mit dem Schmerz ihr Spiel zu treiben. Es -giebt Fälle, wo der Schmerz mit der Gefahr in keinem Verhältnisse -steht -- Zahnschmerzvorfälle, in welchen das Leiden weit größer ist, -als die Gefahr; und so auch umgekehrt -- Vielleicht wollte die Natur -uns lehren, uns aus dem Schmerze überhaupt nichts zu machen und ihn -nie auf einen ernsten Fuß zu nehmen. Mache was du willst, sagte ein -Stoiker zum Schmerz, (ob er sich gleich nicht entbrechen konnte, mit -den Zähnen zu knirschen) ich werde doch nicht sagen, daß du ein Übel -bist! und man sage was man will, es liegt in unserm Reden mehr als Ein -Linderungsmittel. Wenn wir dem Schmerze freundlich zureden, scheint er -Mitleiden mit uns zu haben; und wenn wir ihm trotzen, scheint er sich -zu fürchten. Wer den Schmerz in Schimpf oder Ernst übersieht, und sein -unverwandtes Seelenauge mit strenger Aufmerksamkeit auf einen andern -Gegenstand heftet, spielt dem Schmerz einen Streich, daß er nicht -weiß, wie er daran ist. In allen diesen Rücksichten ist vom andern -Geschlechte mehr, unendlich mehr, als vom unsrigen zu erwarten -- Ein -gewisses Segensprechen, ein gewisses Hohnsprechen, ist ihm eigen -- Man -seh' es leiden, man seh' es mitleiden, und Beileid bezeigen -- man hör' -es Trost und Muth zureden -- - -Wie viel eine vernünftige Lebensordnung zur Erhaltung der Gesundheit -beiträgt, und welch ein bedeutendes Hauptstück hier Speise und Trank -ausmachen; wie vieles dabei auf wahre Zubereitung ankommt: das -sind Umstände, von denen jeder überzeugt ist; und doch wird dieser -wichtigste und eigentlichste Theil der Arzeneikunst ganz dem weiblichen -Geschlecht überlassen, ohne ihm die geringste Kenntniß von dem zu -lehren, was es zubereitet, noch wie es dasselbe zubereiten muß, wenn -die thierische Maschine unterhalten und nicht zerstöret werden soll -- -Vielleicht würde es durch Vermittelung der Weiber dahin kommen, daß -Speise und Trank zu unserer Medicin würden, daß wir Medicin nicht mehr -_einnehmen_ dürften -- Wird nicht die Hälfte ihrer Wirkung durch den -Ekel eingebüßt, den das Einnehmen veranlaßt? Kurz und gut, das zahllose -Heer von Processen und Krankheiten würde vermindert werden, wenn Weiber -Richter und Ärzte wären. Ist es nicht leichter, manchen Krankheiten -_auszuweichen_, als sie zu _heilen_? ist es nicht heilsamer für den -Staat, wenn weniger seiner Bürger von Krankheiten heimgesucht werden, -als wenn ihnen durch die Kunst der Ärzte die Gesundheit wiedergegeben -wird? Ist das auch wirklich Gesundheit, was diese Herren den Kranken -dafür verkaufen? Wahrlich, eben so wenig, wie das Gerechtigkeit ist, -was wir in unsern Gerichtshöfen sehr theuer bezahlen -- - -Väter des Staats, errichtet, statt klinischer Institute, Schulen für -die Weiber, wo das, was zum Unterhalt und zur Nahrung des Menschen -dienen soll, näher geprüft und untersucht wird; wo sie gelehrt werden, -Speise und Trank auf eine unschädliche und schmackhafte Weise zu -bereiten, und das Leben und die Gesundheit der Staatsbürger zu sichern. -Aber auch selbst in moralischer Rücksicht wäre es den Sitten, und dem -Staate, dem die Sitten seiner Bürger vorzüglich zu Herzen gehen müssen, -vortheilhaft, wenn den Weibern gestattet würde, Arzeneikunde zu üben. - -Weibliche Ärzte müßten sich weit eher das Zutrauen bei den Kranken -ihres Geschlechtes erwerben. Diese würden ihre Gebrechen leichter und -mit weniger Zwang entdecken, und jene, aus Erfahrung mit der Natur -und Beschaffenheit des weiblichen Körpers, mit seiner periodischen -Ausleerung bekannt, sicherer dem Übel nachspüren, rathen und helfen -können. Dann würden weibliche Krankheiten nicht mehr die Schande der -Ärzte seyn, und vielmehr eine Vollkommenheit in der Kunst erreichet -werden, in so fern Vollkommenheit zu erreichen ist --. - -Schamhaftigkeit, diese Tugend, die das andere Geschlecht so herrlich -kleidet, mit der, wenn sie verloren ginge, alle Grazien und Reitze -ihre Kraft verlieren würden; sie, die durch nichts ersetzt wird --- ist sie nicht oft die Ursache, daß Mädchen Gebrechen so lange -verheimlichen, bis dieselben nicht mehr zu heben sind? oder daß sie -lieber mit Gefahr ihres Lebens auf die Hülfe der Kunst Verzicht -thun? Wie manche hat eine Entzündung in's Grab gebracht, die, wenn -sie weniger schamhaft gewesen wäre, im Augenblick hätte gerettet -werden können --! Wie viele büßen nicht durch schwere Geburten ihr -Leben ein, die es erhalten und dem Staate noch viele Bürger geschenkt -haben würden, wenn Geburtshülfe eine weibliche Kunst wäre, wenn man -den Hebammen nicht bloß das Mechanische dieser Kunst überließe, das -Wissenschaftliche derselben aber sehr weislich den Männern vorbehalten -hätte! Ist es bei diesen Umständen ein Wunder, daß in _London_ und -_Dublin_ von Frauen, die sich durch Hebammen entbinden lassen, Eine -unter 70, und von denen, die sich der Aufsicht männlicher Geburtshelfer -bedienen, nur Eine unter 140 im Wochenbette stirbt? In der That, es -bleibt unsittlich, daß ein Eheweib ihren Körper vor irgend einem -Manne, den ihrigen ausgenommen, entblößt! Verscheucht dergleichen -Überwindung der Schamhaftigkeit nicht Alles, was man Ehrbarkeit nennen -kann? Wie viele Villacerfsche Fälle mögen, ohne daß sie verzeichnet -sind, sich ereignet haben, wo ein Arzt im verliebten Taumel nicht -wußte, was er that! wo er, um ein Weib zu verführen, oder ein Mädchen -zu gewinnen, die Kur verlängert, sie anders lenkt, und oft bloß in -dieser Rücksicht einen langsamen oder schleunigen Tod, ohne daß er es -dazu anlegte, befördert! Und wenn man weiß, was Eifersucht vermag, wer -zittert nicht bei diesem Gedanken und bei der Einrichtung, nach welcher -man dem Arzte so viel anvertrauet, ohne selbst nur den leidigen Trost -zu haben, durch drei Instanzen seinen Proceß zu verlieren! - -Woher kommt es, daß der so wichtige und über alles gehende Widerstreit -zwischen Wohlstand, Sitten und Bedürfniß bis jetzt übersehen worden -ist? Hat man ihn aber nicht übersehen, warum ist denn _dieser_ -Mißstand, dem so leicht abzuhelfen war, unabgeholfen geblieben? Man -kann sich bei dergleichen Umständen des zudringlichen Gedankens nicht -erwehren, das moralische und physische Wohl der Bürger sei nicht das, -womit die Staats-Piloten sich zu beschäftigen scheinen. In der That, -Glück und Zufall sind es gemeiniglich, welche Bahn und Fahrt bestimmen; -denn es giebt der hier einschlagenden Unschicklichkeiten noch weit -mehr, von welchen der Staat keine Notiz nimmt, ungeachtet sie einer -ernstlichen Rüge bedürfen, und ungeachtet es federleicht seyn würde, -diese Quellen so mancher unmoralischen Folgen zu verstopfen -- Noch -bedient man sich der _Tanz-_ und _Singemeister_, um dem Frauenzimmer -Tanz und Musik beizubringen, und scheint es entweder nicht zu wissen -oder nicht wissen zu wollen, wie nahe die weibliche Tugend hier der -Gefahr ist, wie Manche diesen Versuchungen nicht widerstanden und als -Opfer fielen. - -Man läßt es geschehen, daß _Männer Weiberköpfe_ putzen, und ahndet -nicht, was hier für Gedanken geweckt, was für Bilder aufgeregt und was -für Begierden gereitzt werden. Man vergißt, daß die Gattin und Tochter -müßig sitzen, daß das Wühlen in den Haaren einen gewissen physischen -Kitzel, wo nicht bei beiden, so doch bei Einem Theile erregt; man -übersieht gewisse Stellungen, die einen aufmerksamen Beobachter viel -errathen lassen. Zwar hat man angefangen, diese Geschäfte weiblichen -Händen zu übertragen; allein noch ist dies eine Seltenheit und eine -ökonomische Veranstaltung. Ein kleinlicher Bewegungsgrund, wo es doch -deren so viele und so wichtige giebt. - -Auch die _weibliche Kleidung_ sollte durch _Weiber_ angemessen und -gefertiget werden. Die Manipulation eines männlichen Schneiders und -Schusters ist unschicklich. Wär' es dem Staate Ernst, die große und -edle Hälfte seiner Bürger nützlich zu beschäftigen; fühlte er die -große Verpflichtung, diejenigen, welche die Natur gleich machte, auch -nach Gleich und Recht zu behandeln, ihnen ihre Rechte und mit diesen -persönliche Freiheit und Unabhängigkeit, bürgerliches Verdienst und -bürgerliche Ehre wiederzugeben; öffnete er den Weibern Cabinette, -Dikasterien, Hörsäle, Comptoire und Werkstätten; ließ' er dem -vermeintlich stärkeren Manne das Monopol des Schwertes, wenn der Staat -sich nun einmal nicht ohne Menschenschlächter behelfen kann oder will; -und machte er übrigens unter beiden Geschlechtern keinen Unterschied, -so wie die Natur es wollte, und wie die bürgerliche Gesellschaft es -auch wollen sollte, wenn sie sich nicht etwa ihrer natürlichen Herkunft -schämt: so würden Staatswohl und Staatsglückseligkeit sich überall -mehren, die Menschen wachsen wie die Weiden an den Wasserbächen, und -die Menschheit ihrer großen Bestimmung mit schnellen Schritten zueilen --- - -Doch! ich wollte nur Winke geben, und verdiene vielleicht den Beinamen, -den man _Burke'n_ zu einer gewissen Zeit beilegte: _the dinnerbell_, -die Eßglocke, weil die meisten Parlamentsglieder, wenn er zu peroriren -anfing, das Haus verließen. Die Wahrheit bedarf keiner Schminke, und -wer der Schönheit wegen schreibt, unterwirft sich dem Schicksal einiger -Damen unserer verderbten Zeit, die sich weit lieber erkälten, als dem -Putze das Mindeste von seinen modischen Rechten entziehen. Will man -etwas in seinem ganzen Umfange, in seiner ganzen Stärke genießen, so -entferne man alles Fremdartige, und mache es wie große Esser, die, -außer dem Geschmack, den übrigen Sinnen in ihrem Eßsaale den Zutritt -nicht verstatten. Selbst weite Aussicht, Tafelmusik, unterhaltende -Gespräche entkräften ihr Vergnügen -- Still essen sie, und Alles hat -bei ihnen seine Zeit -- Alles was kolossalisch in's Auge fällt, ist -schwächlich. Wer Menschen vergöttert, macht weniger aus ihnen, als -sie von Gottes- und Naturwegen seyn können. _Immerhin Gott, nur kein -Mensch_, hieß es von Höchstseligen Tyrannen -- Detail-Vorschläge geben -sich von selbst, wenn nur der Total-Eindruck unauslöschlich ist. Der -Text muß sich nicht in den Prediger, sondern der Prediger in den Text -schicken; und was hilft wissen und wollen, wenn es nicht zum Thun -kömmt! Wer nicht Nebenfolgen von eigentlichen, und Nebenursachen von -Hauptursachen zu unterscheiden weiß, hat seinen Plan nur schlecht -angelegt -- oder hat gar keinen. -- - -Wie aber! es erheben sich Einwendungen an allen _fünf_ Fingern der -vorigen Kapitel. Immerhin! und wären sie auch nichts weiter als -wiederholte Wiederholungen, an denen denn doch meine Wenigkeit nicht -Schuld ist, sondern (Niemand übrigens zu Leide gesagt) meine gebetenen -Gäste von Opponenten. -- Jene _Chroniques scandaleuses_ wider das -schöne Geschlecht, von Misogynen und vielbeweibten Männern, von -Kastraten und körperlichen Kraftgenies, (die, in der Voraussetzung, das -sinnliche Bedürfniß sei das größte Band unter beiden Geschlechtern, -des Dafürhaltens sind, die starken Männer wären auch die besten) von -Thoren und Weisen, von Heiligen und Liederlichen, von Sultanen und -Keuschheitswächtern, geschrieben und erzählt -- werden sie vermögend -seyn, uns umzuschaffen oder der Natur Gewalt zu thun --? _Das Weib sei -nur des Mannes wegen?_ Wohl, so wie der Mann des Weibes halben. Hast -du nie ein Weib gesehen, Freund, das bei liebenswürdiger Einfachheit -eine erhabene Größe verräth? bei voller Publicität und Offenheit -eine enthaltsame, strenge Zurückhaltung? -- bei edler Zutraulichkeit -forschende Prüfung? -- Es legt es nie auf Herzen an, und doch gewinnt -es alle Herzen. Das edle Absichtlose, das die Poësie behauptet, ist -seine Weise; und wie viel richtet es damit aus! Sein Blick, der durch -die Kirchenschlösser der Herzen dringt und Alles _für_ und _wider_ -entdeckt; -- seine Kraft, die Alles niederdrückt und hebt was es -will; gleich frei von Freude wie von Leid, von Furcht und Hoffnung -unbefangen, für den heutigen Tag lebend ohne Sorgen für den andern -Morgen -- wie schnell und wie umfassend wirksam, zur Selbstherrscherin -aller Herzen geboren, erhebt dies Weib zu seinen Freunden, die es durch -die Hoheit seiner Würde zu seinen Untergebenen machte! _Koketterie_ --- sagst du --? Nun, so ist Kosmopolitismus Stoicismus -- und die -erhabenste Menschentugend im Leben und im Tode Koketterie! Von Natur -sollte das Weib nicht den _Cajus_, _Titius_ und _Sempronius_ lieben, -sondern das Geschlecht; durch die Ehe wird es Eines Mannes Weib: an -jene Umfassung gewohnt, geht auch seine Denkart in's Allgemeine, in's -Ganze, in's Große -- Macht ein großer Mann jene Rolle des großen -Weibes; sage unverhohlen: fehlt ihr nicht oft Geist und Leben? -- Du -zürnest, Freund? Was denkest du Arges in deinem Herzen? - -»_Alle Übel in der bürgerlichen Gesellschaft sind Werke der Weiber!_« - -Der Weiber, die doch in den politischen Gesellschaften nur Nullen -sind, und ohne eine vorstehende männliche Zahl keine Bedeutung haben? -Und warum ihr Werk? weil sie Männer dazu verleiteten? die Curandinnen -die wohlweisen Curatoren? Wegen des Einflusses, den man den Weibern -nicht versagen konnte, den auch Sklavinnen über ihre gestrengen -Herren behaupteten. So sehet denn da die Rache, welche die Natur sich -nicht versagen kann, wenn man ihre Majestät beleidigt --! Entzieht -den Weibern keinen jener Antheile, wozu sie unleugbare Rechte haben, -und ihr werdet jenen Schleichhandel von selbst heben, den jetzt die -Weiber zum Nachtheile ihrer Männer und des Staates treiben. Die -Vernunft ist göttliches Ebenbild, und wo ihr sie findet, da ist es -Pflicht, ihre Superiorität an zuerkennen -- Wo sie erscheint, ist -Werth, Würde und Selbstbeständigkeit. Sie regiert im Kleinsten der -Unterthanen den Größten, den Herrn der Welt -- und in dem Staate, wo -sie unterdrückt wird, hören die Weisen die Stimme, welche sie auf -ebene Bahn leitet: _Stehet auf und lasset uns von hinnen gehen!_ Oder -wie? ist etwa der Werth des anderen Geschlechtes nicht auf Vernunft, -sondern auf Sinnlichkeit gegründet? Ei, Lieber! können wir uns, so -lange wir Kleider der Sterblichkeit tragen, über die Sinnlichkeit -hinaussetzen? Nur ein Pedant kann die _Sinne_ die Deutschen Klassen -nennen; kommen wir nicht durch sie und durch die Empfindung der -Vernunft zuvor? gründen die Sinne nicht die Vernunft? sind sie nicht --- die höchsten Revisoren derselben? erheben sie die Vernunft nicht zu -ihrer eigentlichen Würde? ist die Vernunft nicht _generis foeminini?_ -und der _Geschmack?_ ist er nicht mit so schönen sittlichen Ideen -ausgestattet, daß es eine Lust ist? Muß die Vernunft sich nicht -vielmehr von Amtswegen versinnlichen, um über das Herz zu siegen, das -ein trotziges und verzagtes Ding ist, wer kann es ergründen --? Würden -wir nicht aufhören Menschen zu seyn, und übernatürlich werden, wenn wir -auf das Wesen der Menschen Verzicht thäten? ist übernatürlich nicht -auch unnatürlich? Das feinste Raffinement ist immer ein Verwandter -der Simplicität. Das Loos dieses Lebens ist eine Menschenrolle; ist -sie so subaltern wie sie scheint, und verdient _der_ Beförderung, -der im Geringeren ungetreu ist? Erst durch die Ehe wird das Weib in -eben dem Grade durch den Mann vollendet, wie der Mann durch das Weib --- Mann und Weib machen einen ganzen Menschen aus -- Die relativen -Eigenschaften, die zwischen beiden auf einander angelegt sind, setzen -diese Behauptung außer Zweifel. Darf ich es noch einmal wiederholen, -daß der Vorzug der physischen Größe und Stärke des Mannes in Hinsicht -des Weibes sich auf keine moralische Überlegenheit unseres Geschlechtes -bezieht? Kein Geschlecht hat den mindesten Werth ohne das andere; -zusammen genommen machen sie die Menschheit aus. Wir spielen aus Einer -Kasse, und die Natur hat Mann und Weib so zusammen gefügt, daß kein -Mensch sie scheiden kann -- In einander verwebt, ist Eins um des Andern -willen. Eifersucht auf Ansehen ist der Hebel, wodurch nur schwache -Menschen gereitzt und in Athem gesetzt werden können. Was kann sich -ohne Weiber gruppiren? Gehe mit einem dir völlig gleichgültigen Weibe -um, nur langer Weile halben -- ehe du es merkst, wird deine Seele in -die ihrige eingreifen; ihr werdet nicht von einander lassen, ohne daß -Lust oder Liebe hierbei den mindesten Einfluß hat -- Dieser Einklang -ist Geschlechtstrieb, oder inniges geheimes Gefühl, Bestätigung -der göttlichen Worte: Es ist nicht gut, daß der Mensch allein sei --- Ohne _Eva_ ist _Adam_ ein Thier, und _Eva_ ohne _Adam_ eine -Klosterjungfer. Wer bemerkte nicht, daß fast alle Männergesellschaften -mit dem Paradiese anfangen und mit dem jüngsten Gerichte enden! Man -erstaunt über die Sprünge, welche Männergespräche nehmen -- Weiber -knüpfen sie zusammen und bringen Alles in das Verhältniß, wenn gleich -gesellschaftliche Unterhaltungen mit Recht die Art der Englischen -Gärten behalten, die genau gebahnte Wege vermeiden. -- Wäre größere -körperliche Stärke mit einer größeren Seelenkraft verbunden, so würde -diese Schrift sehr klein geworden seyn, und es hätte nicht verlohnt, -an eine bürgerliche Verbesserung der Weiber zu denken. Macht aber -der Geist des Menschen sein eigentliches Wesen und Seyn, so ist die -Unfähigkeit des Weibes zu Staatsgeschäften, Künsten und Wissenschaften -ein Vorwand, allein kein Einwand -- Selbst nicht immer sind die Weiber -schwächer gebauet als die Männer -- »_In einzelnen Fällen --? in -niederen Klassen?_« Nein! auch selbst im Allgemeinen. In _Champagne_, -wo die Einwohner ein gesunder Schlag Leute sind, sollen, nach der -Bemerkung der Reisenden, die Weiber stärker seyn als die Männer; -und wie viele junge Wüstlinge giebt es, die sich das Alter in der -Jugend inoculiren ließen, um so wenig vor Alter, wie an den Pocken zu -sterben --! Ich will für meinen Einwender Gründe auslegen, die er mir -hoffentlich zu seiner Zeit erstatten wird. Zugegeben, daß das Weib im -Allgemeinen und bei allen Nationen, so wie überhaupt, in der ganzen -thierischen Schöpfung, schwächer, feiner und zarter gebauet ist als -der Mann; zugegeben, daß die weiblichen Nerven biegsamer, reitzbarer -und zärtlicher als die unsrigen sind: was folgt daraus? etwa, daß der -Körper der Weiber nicht zu langen Anstrengungen des Geistes angelegt -sei? daß sie wegen ihrer lebhaften Imagination nicht lange bei einem -Gegenstande verweilen können? daß Anstrengung des Kopfes, Sammlung -des Geistes ihre Sache nicht sei? -- Giebt es nicht wissenschaftliche -Gegenstände, welche Biegsamkeit und Feinheit erfordern? Läßt denn -körperliche Stärke auf geistige schließen? und hat ein vierschrötiger -Tagelöhner die beste Anlage zum Generalsuperintendenten? -- Die -vorzüglichsten Menschen hatten schon oft die schwächlichsten Körper. -Eine große Seele hat selten einen handfesten Leib zu seinem Gefährten -gewählt; Freund _Hume_ und einige andere ausgenommen, waren große -Geister in der Regel klein und schwächlich --. Was wohl leibet, -heißt es in einem alten Sprich- und wahren Worte, seelet oft übel. -Selbst _Alexander_ und _Friedrich II_ waren klein von Körper, so wie -Helden gewöhnlich nicht auf große Statur Anspruch hatten. Oder wie? -haben Physiologen ausfindig gemacht, daß die ursprüngliche weibliche -Organisation die Weiber zu subalternen Geschöpfen mache, ihnen den -Weg zu allem Edlen und Großen vertrete, und, wenn auch Jünglinge -und Mädchen einerlei Unterricht empfingen, von einerlei Motiven zu -ihrer Geistesbildung angetrieben würden -- jene doch diese allemal -überflügelten? Wären diese Beobachtungen wahr und richtig, so müßte -man freilich glauben, auch wenn man das gerade Gegentheil sähe -- -Ei Lieber! wo hat man den Erfahrungsschatz gefunden? gesammelt hat -man ihn doch nicht? wo sind Versuche gemacht? absichtlich gemacht? -und müßte das nicht vorausgegangen seyn, wenn man über Anlagen und -Fähigkeiten so absprechen wollte? Es hat nie weder an Köpfen noch an -Herzen unter den Weibern gefehlt, die den Männern den Rang abgewonnen! -Ich beziehe mich auf den Anfang dieses Ohrfingers von Capitel, welcher -so spendivisch preiswürdige Namen genannt hat -- Und warum wollen wir -mit einander streiten, da jeder Blick aus der Arche der Studierstube -das Vorurtheil der Weiberverachtung widerlegen kann und wird -- falls -ihm kein gefärbtes Glas die Kraft benimmt. Es geht meinem Gegner wie -vielen andern seiner Art: er bestreitet nicht die Sache selbst, sondern -die unrichtigen Begriffe, die er sich von der Sache macht; nicht mich, -sondern sich -- - -_Freilich_ -- (ein erwünschter Anfang von einem Opponenten!) _Freilich -wallfahrtete die Königin aus Arabien, um bei dem Professor Salomo einen -philosophischen Cursus zu hören; und wir können nach der Liebe hoffen, -daß er sie nicht ohne ^augenscheinlichen Segen^ seiner Schule -entlassen haben wird._ - -Der Schule der Weisheit doch wohl? sonst müßt' ich dies _Freilich_ -mit Zinsen zurückgeben. Wo der liebe Gott eine Kirche hat, da bauet -sich der leidige Feind eine Kapelle -- Jede Akademie der Weisheit -hat ein Gymnasium der Torheit in der Nähe; in der größten Schönheit -liegt der Stoff zur größten Häßlichkeit -- Je glücklicher die Vernunft -den blauen Dunst zu verbreiten sucht, der unser Auge verfälscht; je -heftiger wird die Begierde, sie durch Besuche aus jenen Gegenden zu -widerlegen, wo abgeschiedene Seelen hausen -- Beweiset die königliche -Wanderschaft (des _Freilichs_ ungeachtet) nicht klärlich, wie begierig -die schöne Welt -- wohl zu merken nach Weisheit ist --? in Ernst, was -wissen wir denn? Sind Weiber gleich zuweilen des Dafürhaltens, einer -Philosophie nicht zu bedürfen, nach welcher wir uns rühmlichst den Kopf -zerbrechen, um grundgelehrt sagen zu können: wir wüßten nichts; können -ihnen dagegen wohl Energie der Seele und tiefgeschärfte Bemerkungen -abgesprochen werden? Und so wäre denn auch dieses Spiel für die Weiber -gewonnen -- -- -- Kinder reicher Leute sind gemeiniglich so baufällig, -wie die Hütten der Armen, und langer Nichtbrauch kann Kräfte schwächen; --- allein auch heben? - -Wer kann behaupten, _daß das Eigenthümliche des Geschlechtes nichts -Bestimmendes für die bürgerliche Gesellschaft habe?_ Das Weib hat -Selbstliebe und die damit correspondirende Selbstbeständigkeit -- Ist -bürgerliche Gesellschaft denn etwas anderes, als eine vergrößerte -häusliche? oder sind etwa auch in der häuslichen Gesellschaft die -Weiber nicht an Ort und Stelle? Wo sind Privatgesellschaften, die in -die Länge ohne Weiber sich halten könnten? Ihren Hauptreitz verdanken -sie den Weibern, deren munterer leichter Ton Alles in's Geschick -bringt, und die schwersten Gegenstände schmackhaft, anmuthig, gefällig -und geläufig zu machen versteht -- Sie finden zu den Gedanken des -Mannes die schicklichsten Ausdrücke; und oft hab' ich zu bemerken -Gelegenheit gehabt, daß, umgekehrt, Männer die Gedanken des anderen -Geschlechtes durch wohlgewählte Worte zu beleben suchen. Bei jeder -Regel haben sie zehn Fälle bei der Hand, die jene bestärken oder -widerlegen; ihre vom richtigsten Geschmack gebildete Einbildungskraft -bringt in die abstraktesten Dinge eine lebendige Seele! Wir wollen viel -wissen, die Weiber viel verstehen; wir wollen viel gedacht haben, die -Weiber viel sagen und in Umlauf bringen. Sie protegiren gemeiniglich -nicht Gelehrte, sondern die Gelehrsamkeit; weniger eitel in dieser -Hinsicht als wir, legen sie es darauf an, weniger gelehrt als weise -zu seyn; sie ehren den Witz, und bedienen sich seiner als der ihnen -von Natur beigelegten Waffen, sich in Achtung zu setzen und darin -zu erhalten. Durch Witz beleben sie ihre gesellschaftlichen Cirkel, -und halten jede Ungezogenheit ab; ihre gefällige Laune tingirt Alles -mit Wohlgefallen -- Dem Pedanten schleifen sie den Rost ab, damit er -erträglich werde; und wenn _Newton_ ihren Finger nimmt, um seine Pfeife -nachzustopfen, so wissen sie diese unverzeihliche Zerstreuung zu -seinem Vortheile zu wenden; wenn er etwas über die Offenbarung Johannis -schreibt, so thut es durch den Schutz, den sie ihm angedeihen lassen, -ihm an dem Orte, wo er lebt, keinen Schaden. Ein großer Gewinn! Nichts -wird so wenig vergeben als persönliches Verdienst, und nichts wird so -gern von Damen in Schutz genommen als eben dieses. Empfindlichkeit -ist innig mit Genie verbunden: in unserem Glücke liegt auch immer -der Keim unseres Unglückes; und wie viel haben Damen zu thun, um -hier Alles zum Besten zu kehren, zu ebenen und in's Gleichgewicht -zu bringen! Ruhe und Ruhm sind selten gute Freunde; Damen versuchen -die Sühne unter ihnen, und wissen sie zu vergleichen. Sie vertreiben -jenen Rauch in den Schriften der schönen Geister, der Alles räucherig -gemacht haben würde, wenn nicht in Zeiten frische Luft dazu gekommen -wäre. Sie stellen bei kleinen Soupers witzige Turniere an, und lenken -das Gefecht. Sie widersprechen nicht wie mein Gegner, sondern oft -nur, damit man einsehe, daß hier ihrer Zwei sind -- Wenn Gelehrte -Gedanken überschlagen, so wie man Blätter überschlägt; so füllen -sie die Lücken, und setzen Alles in Verbindung -- Ihre Aufmunterung -erhält den verdienstvollen Schriftsteller aufrecht, wenn Knaben ihn -einen Kahlkopf heißen; sie decken ihn mit ihrer Ägide vor den feurigen -Pfeilen des Neiders und Spötters, so daß die besten Autoren an ihrer -Hand die Stufe der verdienten Würde erstiegen, die sie ohne diese Engel -der Stärkung gewiß nicht erreicht haben würden -- In der Blüthe wären -sie verwelkt, und noch ehe sie zu männlicher Stärke gelangten, würden -sie, ohne weibliche Aufmunterung, Autorlebenssatt dahin geschieden -seyn -- Die Prämien aller Akademien können nicht den aufgekitzelten -Witz eines Spötters in unserm geselligen Kreise zügeln; -- und Weiber, -die so wohlthätig in kleinen Gesellschaften sind, sollten es weniger -in größern und im Staate seyn --? Ein Englischer Reisender macht die -Anmerkung, daß die Französinnen in den Tagen der Fröhlichkeit und -des Genusses glänzten, die Engländerinnen dagegen im Schatten des -eingezogen Lebens und in der häuslichen Ruhe -- Man lasse sie zu -_Staats-Geschäften_, und wir werden finden, daß sie nicht bloß zum -Englischen Frühstück, zu einer Französischen Assemblee, sondern auch -in Geschäfte die nämliche Milde und Güte bringen werden, die sie -überall, wo sie sind, verbreiten -- Sie sind das Salz der Erden, das -Allem Geschmack giebt, das Licht, das überall erleuchtet, es mag als -Mond des Hauswesens, oder als Sonne des Staates aufgehen. Nicht nur die -angeborne Moral ihrer schönen Seelen; nicht nur ihre Herzenskunst die -feinsten Winkelzüge des menschlichen Empfindens zu erreichen; nicht -nur ihr durchdringender Blick, der wie die Steine _Davids Goliathe_ -tödtet; sondern auch jene Eigenschaften, die uns die Kindheit so -liebenswürdig machen, ihre edle Einfalt, ihre Güte des Herzens, ihre -von, aller Menschenfurcht entfernte Seele, ihr unbesorgtes Vertrauen -auf den Vater im Himmel und auf eine gerechte, eine gute Sache, würden -die Staatsgeschäfte wiedergebären, und wir einen neuen Himmel und eine -neue Erde des Staates sehen, wo Gerechtigkeit und Milde wohnten, und -in einem neuen heiligen Leben wandeln. -- Es wäre eine unverzeihliche -Spötterei, wenn man auf die Frage: warum die weiblichen monarchischen -Regierungen besser als die männlichen sind? antworten wollte: weil -alsdann Männer das Ruder in Händen haben, so wie, wenn Männer regieren, -Weiber sich am Ruder befinden; allein auch selbst diese Spötterei, so -wenig sie von der Geschichte gerechtfertigt wird, beweiset mindestens, -daß Weiber guten Rath zu schätzen wissen: und ist dies nicht bei -Männern nur selten der Fall? Doch, berufen Einwendungen zu lösen, wie -komm' ich zur Apologie --? - -»_Eine Hauptbestimmung des Weibes ist Kindererziehung. Um desto -sicherer zu glänzen, versäumt es diese Pflicht, die Miethlingen -überlassen werden muß; und wenn etwa eine Mutter noch mit getheiltem -Kopf und Herzen die Erziehung ihrer Tochter übernähme -- ist es Wunder, -daß sie, durch Gesellschaft verdorben, anfänglich mit ihr paradirt, -und nicht lange nach diesen Tagen eifersüchtig auf sie wird?_« -- - -Lieber! ist die Erziehung bloß Pflicht der Mütter, oder liegt sie -nicht auch den Vätern ob? gehören die Kinder nicht beiden? Und wenn -der Vater, dieser Verpflichtung ungeachtet, nicht aufhört gesellig -zu seyn, warum soll es denn die Mutter? Wozu werden Kinder erzogen? -nicht zur Gesellschaft im Großen und Kleinen? und diese kennen zu -lernen, soll die Mutter Verzicht thun? sie soll erziehen, ohne die -Erziehungskunst zu kennen? -- Einer der ungerechtesten Vorwürfe ist -es, die _große Weichlichkeit unseres Jahrhunderts auf die Rechnung der -Weiber, und des Tons, den sie in Gesellschaften angeben, zu setzen_. -Sind wir wohl so weichlich wie die cultivirten Völker, die ihre -Weiber einsperren? Selbst zu gymnastischen Übungen giebt das andere -Geschlecht unsern Jünglingen Gelegenheit, die indeß kaum noch Kraft -zum Tanze haben, der ohne die Weiber völlig aufhören würde --! -- Die -Weichlichkeit fing von jeher bei unserem Geschlechte an, und gewiß -haben wir es den Weibern zum größten Theil zu verdanken, daß sie nicht -noch größere Verwüstungen macht. Jene Eitelkeit, die jetzt den Weibern -anklebt, wird von selbst aufhören, wenn wir ihnen den Zutritt zu Dingen -verstatten, wo sie sich von einer vortheilhafteren Seite zeigen können. -Bis jetzt schränkte sich ihre ganze Bestimmung auf die Kunst ein uns -zu gefallen, und ein Mädchen hat seinen Lauf vollendet, wenn es das -Glück hat, einen Jüngling anzuwerben, der seiner würdig ist. Gebet -den Weibern und Mädchen andere Beschäftigungen, und sie werden jene -Kleinigkeiten, jene Puppen aufgeben, und die äußerlichen Vorzüge weit -unbeträchtlicher finden, als ein großer Theil unserer Narcissen, die im -Spiegel der Mädchen bloß ihr geziertes Selbst erblicken. Befriedigen -wir überhaupt durch das, was wir dem anderen Geschlechte zugestehen, -nicht weit mehr unsere Eitelkeit, als die Forderung der Natur, als -die Wünsche eines denkenden Weibes? Es ist nicht zu leugnen, daß -jetzt auch eine tugendhafte, ihrem Manne getreue Frau eine gewisse -Koketterie für keinen Fehler hält und Männern von Verdiensten so -liebreich und zuvorkommend begegnet, daß diese nicht umhin können, -ihr eine vorzügliche Dankbarkeit zu erweisen -- Doch sollen hierdurch -Begierden nicht geweckt oder gereitzt werden; nie denkt jene liebe Frau -sie zu befriedigen, und der Mann, der darauf Rechnung machen wollte, -wäre ein Neuling, oder ein Prahler oder -- Wenn der liebe Gott einen -Menschen strafen will, so fängt er an, ihn inconsequent reden oder -handeln zu lassen -- -- Es giebt stillschweigende Bedingungen, die, -ob sie gleich nicht verabredet, sondern vorausgesetzt und angenommen -sind, doch heiliger als schriftliche Contrakte, mit Notariatssiegeln -verunstaltet, erfüllt werden -- sie sind eine Art von Spielschuld, die -auch den Königlichen Allerhöchsten Kassen vorgeht -- Bei der jetzigen -Lage der Dinge trägt diese Koketterie des gemeinen Lebens dazu bei, -daß der Umgang anziehender wird -- man macht, wenn ich so sagen darf, -nicht dem Körper, sondern der Seele den Hof, und es giebt in der That -_Seelen-Cicisbeos_, die unschuldigsten Geschöpfe unter der Sonne -- -Eine gewisse Art von Gleichheit unter den Menschen, welche an die -Unschuld der ersten Welt erinnert, wird hierdurch zu Stande gebracht; -und so lange Weiber an den Staatsgeschäften nicht Theil nehmen, und wir -keine ernsthafte Dinge mit ihnen und in ihrer Gegenwart treiben können, -ist diese Koketterie ein Nothübel, ohne das unsere Gesellschaften das -Schalste, Unreitzendste und Langweiligste seyn würden, was je in der -Welt gewesen ist und seyn kann. - -Der Einwand meines Gegners, _daß Weiber zu viel Zeit auf ihren Leib -verwenden_, spielt den Krieg in sein eignes Land -- Sind wir es nicht, -die ihnen die Seele bestreiten --? die sie auf den Körper einschränken? -Ist denn etwa der Körper uns bloß Ballast, mit dem die arme Seele sich -beschwert hat, um auf der Fahrt dieses Lebens fortzukommen? oder ist er -nicht vielmehr ein ehrwürdiger Theil des Menschen? -- Wer die Seele den -Genius des Menschen nannte -- hatte der so ganz unrecht? Man gradiere -die Weiber im Staate, so wie man dem Golde eine höhere Farbe giebt; -und sie werden über den Leib die Seele nicht versäumen -- Ist es Ernst, -lieber Einwender, oder ist deine Behauptung, _daß die Weiber eine -unüberwindliche Neigung zur Pracht besitzen, wodurch sie ihre Männer -zur Verschwendung und zu betrügerischen Concursen verleiten_, Scherz? --- Ernst also! Lieber! wer brachte sie auf die Bahn zur Pracht? nicht -der Stand des Mannes? müssen sie nicht diesem oft die glücklichsten -Neigungen ihres Herzens aufopfern? Ist ihre natürliche Stimmung -nicht für Einsamkeit und Landleben? -- _Landleben?_ -- Allerdings! -Nicht aber für jenes, das keine Wohnung der Weltentfernung, sondern -eine Gelegenheitsmacherin zu neuen Üppigkeiten und zu einer ganz -neuen Art der Übertreibung ist -- An der Hand des Weibes scheint die -Natur sich mit uns vertraulicher einzulassen und recht Gelegenheiten -aufzusuchen, ihre Milch und ihren Honig, den ganzen Reichthum ihrer -Wollüste, uns schmecken und sehen zu lassen. Die edlen Ergüsse der -Zärtlichkeit, wenn sie reitzend ausgewechselt werden sollen, suchen -das Land, und entfernen sich von Hof und Stadt, wo sie Fremdlinge sind --- sie leiden keine Zeugen, und weit weniger Laurer und Faher -- Wie -oft muß sich das Land mißbrauchen lassen, die verstimmten Sinne des -Hofmanns, nicht zur Tugend und zu sanften Sitten, sondern zu neuen -Ausgelassenheiten aufzuheitern! -- Man sucht reinere Luft, um sich zu -einer neuen Art Ausschweifung aufzufrischen -- Weiber suchen das Land, -und warten nicht darauf, dahin verwiesen oder ausgestoßen zu werden --- Freund! sie sollten die Gräfin _**b*_ kennen! Sie darbt, wenn man -an der Hand der Natur darben kann, um für ihren Schlemmer von Gemahl -eine ungeheure Schuldenlast zu bezahlen, die nicht bloß Sünden der -Jugend sind, sondern die er in einem Staatsposten, der seinen Mann -nährt, noch immer vergrößert -- Weiber schaffen sich Welten, die sie -besäen und bepflanzen, durch eine wohlthätige Einbildungskraft, die -ohne Mühe reich macht: in der wirklichen Welt -- wie unbedeutend ist -da ihre Rolle! -- sie zogen Nieten aus jenem Glückstopfe; wir die -Gewinner -- Man kann durch Gedanken sich erhitzen und zu einer Röthe -kommen, die man eine Seelenröthe nennen könnte, und die sich von allen -jenen unterscheidet, welche durch körperliche Erhitzungen veranlaßt -werden; und so eine Röthe innerer Zufriedenheit, mit Zuziehung einer -wohlerlaubten Einbildungskraft erregt -- welch eine Zierde auf der -Wange eines edlen Weibes! Hast du nie die Wonne eines Familienzimmers -empfunden, wo man eigentlich zu Hause ist? denn in den übrigen wohnen -Gäste oder ein antisokratischer Dämon von Pracht und Stolz; und welches -Zimmer ist dem andern Geschlechte das angemessenste? das erste das -beste -- Und wie! wenn es auch Weiber giebt, die zu meiner Beschreibung -nicht passen, wurden sie nicht schon als Bräute zum unzeitigen Aufwande -durch Geschenke verführt, die weit über das Vermögen des Bräutigams -gingen? Schwingt sich das Weib zum Regiment, so wird es ihm schwer -und unerträglich sich herabzustimmen --; und wenn es sich wirklich -herabstimmt, ist es verzeihlich, solche Blößen zu geben? solche -Betrüge ungestraft zu begehen? ist es nur anständig, als Bräutigam den -_Pastor fido_ zu spielen, um nachher als Ehemann den _Orlando furioso_ -zu machen? sein Weib aus dem Himmel in die Hölle, aus Eldorado in -eine Schenke zu werfen, wo man es durch ein Schattenspiel an der Wand -entschädigen will? -- So betete man weiland in Paris die Komödianten -an, denen man im Tode ein ehrliches Begräbniß versagte --. - -_Weiber sind auffahrend; der Zorn aber (das Vorspiel der Raserei) thut -nie, am wenigsten in Staatsgeschäften, was Recht ist._ - -Und woher dieser Zorn? der Ohnmacht halben, und weil den Weibern keine -rechtmäßige Macht zustehet? Was hilft es, mit sich selbst zu Rathe -zu gehen, wenn es an ausübender Gewalt fehlt, die weise genommenen -Beschlüsse zur Vollziehung zu bringen! -- »Kannst du regnen, so -kann ich auf Holzschuhen gehen,« heißt es in einem alten Deutschen -Sprichworte; und wer leugnet es, daß man bei den Ausbrüchen des Zorns -die eignen Gedanken der Seele nicht vernimmt, so wie man bei tobendem -Gewitter sein eignes Wort nicht hören kann! -- Als jener edle Mann -des Alterthums nach seiner Rückkehr sein Hauswesen in unverzeihlicher -Unordnung fand, stellte er seinen _Vizdum_, den ungerechten Haushalter, -bloß mit den weisen, bewunderungswürdigen Worten zur Rede: _wie würd' -ich dir begegnen, wenn ich nicht böse wäre_ --! Mein guter Freund ** -sah einem Diebe gelassen zu, der ihm sein Holz stahl, und nur als er -zu befürchten anfing, der Holzdieb würde sich zu sehr belasten, bat -er ihn dienstfreundlich, sein selbst zu schonen, und sich, den Weg -zweimal zu gehen, nicht verdrießen zu lassen. _Rechtsum_, schön! und -_Linksum_? Welchem Herrn dient der Knecht lieber: dem, der ihn in der -ersten Hitze seine Strafhand empfinden, oder dem, der eiskalt ihn -blutig stäupen läßt? »Der Teufel verliert keinen Dreier dabei, wenn -ich nicht fluche,« sagte ein Bauerknabe, als ihm das zweite Gebot -eingebläuet ward -- So theuer bezahl' ich die Weisheit nicht -- Wie -Vielen kostete die Zornunterdrückung Gesundheit und Leben! -- Gesetzt -Weiber verständen die Kunst nicht, ihren Zorn äußerlich zu zähmen, und -eine gewisse Ruhe zu schwarzkünsteln -- sind nicht die unversteckten -Fehler die leichtesten und gemeiniglich Schwachheitssünden, von denen -sich auch fromme gottgefällige Seelen nicht lossagen können? Die -Heiligen sind in dieser Rücksicht nicht ohne Fehl vor Gott; -- vor -Menschen es zur Scheinheiligkeit zu bringen, kann nicht schwer fallen. -Jene Fehler bleiben die gefährlichsten, die in Schafskleidern zu uns -kommen, inwendig aber reißende Wölfe sind: an ihren Früchten sollt -ihr sie erkennen -- Zürnet und sündiget nicht -- Ist nicht der Zorn -eine Art von Waffen, womit wir oft Gutes erweisen können, ohne zu -schaden? Was würden Weiber ohne dies Hausmittel bei der Kindererziehung -ausrichten? Giebt es nicht Unbeschnittene an Herz und Ohren, denen -man nachdrücklich und gewaltiglich andeuten muß, was zu ihrem Frieden -dient? -- »Verziere das Nützliche,« sagte die Weisheit; die Thorheit, -die alles umzukehren gewohnt ist, kehrte das Gebot um, und machte das -Hauptwerk zum Nebenwerke. Giebt der Zorn nicht oft der Sache einen -gewissen Schwung --? Wer kennt und schätzt nicht den _Diensteifer_, der -das dritte Wort ist, wenn wir dem Staate unsere Dienste anbieten, wenn -wir wirklich seine Officianten werden und wenn wir mit der Bitte einer -Pension den Staatsdienst verlassen --! - -Der unbilligste Einwand von allen ist, daß Weiber darum nicht zu -Geschäften berufen sind, _weil sie zu keiner Freundschaft unter sich -Verstand und Willen haben_. (Man übersehe nur nicht, daß nicht ich -sondern mein Feind so freundschaftlich ist, an die Freundschaft zu -denken --) Ich leugne nicht, daß ohne ein gewisses Band so genannter -Freundschaft, eigentlich Offenheit, gutmüthiger Bekanntschaft, -Staatsgeschäfte schwerlich bewirkt, und die leider zu künstlich -gerathene Maschine des Staates vereinfacht werden kann, weil ohne -dieses Band keine Einheit im Staate herauszubringen ist und alles -in der Irre ohne Zusammenhang und Ordnung bleibt -- Wer ist aber -im Stande, den Weibern Überlegung hierzu, kalte Schätzung des -Gegenstandes, Feinheit, zuvorkommendes Wohlwollen und Aufopferung -abzusprechen --? Schon jetzt giebt es Freundschaften unter ihnen, -die den unsrigen nicht weichen -- Nur das Vorurtheil der Männer hat -ihnen die Anlagen zur Freundschaft abgesprochen. Sind sie nicht -zarter, treuer, unüberwindlicher, unbestechbarer, als viele Männer, -wo Neid und Rivalität von so vieler Art die Triebe des Herzens -verfälschen, und die Freundschaft zum Contrakt _do ut des_, _facio -ut facias_, nicht zum Herzens-, sondern zum Sachentausche machen? -- -_Damon-_ und _Pythias-_Freundschaften sind Fälle, die zu den seltenen -gehören, und die bei dem Einerlei der Weiber, bei ihrem Alltagsleben -um so weniger zu erwarten stehen, da Proben und Situationen zu -dergleichen Freundschaften durchaus unentbehrlich nöthig sind -- Und -wie verschieden sind jene _Damon-_ und _Pythias-_Freundschaften vom -Dienstgleichgewichte, das durch ein gewisses Einverständniß bewirkt -wird. Weiber müssen jetzt von Geschlechtswegen, wo nicht interessiren, -so doch Herzen gewinnen, wo nicht angebetet, so doch geliebt werden -wollen; setzt sie über die Sinnlichkeit hinaus, und ihre Eitelkeit, -ihre Neugierde, ihr jetziger Hang zum Vergnügen werden sich veredeln --- sie werden nicht aufhören, Weiber zu seyn; -- wie unglücklich wären -wir, wenn sie das könnten! -- nur werden sie aufhören, _die_ Weiber zu -seyn, die sie jetzt sind -- Diese Verwandlung wird uns heben, statt -daß man uns jetzt, wie jenen Elephantenleiter, fragen könnte: _bist du -darum so trotzig, weil du Thiere commandirst?_ An uns ist der erste -Schritt, und nur von unserm bußfertigen Entschlusse hängt es ab, diese -Revolution zu bewirken. Werdet andere Männer, und Alles, vorzüglich -die Weiber, ist anders als jetzt. Mit dem Maße mit dem wir sie messen, -werden sie uns wieder messen. _Dienstfreundschaft!_ Ist sie denn unserm -Geschlechte eigen? Nicht nur die Kraft, auch den Schein verleugnen wir. -Führen die Staatsdiener nicht unter sich den dreißigjährigen Krieg? -Der Financier ist wider den Justizmann, und der Justizmann wider den -Financier; das diplomatische Corps wider das Kriegs-Departement, und -dieses gegen jenes -- Einer will den andern übermeistern, ohne daß er -seiner selbst Meister ist: Einer will dem andern die Gränze verrücken, -einer stellt dem andern ein Bein -- Doch, leider! ist es immer der -Staat, der bei dieser Gelegenheit in die Grube fällt -- Oft giebt -sich sogar _Richtercomplott_ und _Höllenbund wider den Unterdrückten_ -für Dienstfreundschaft aus; und da ist das letzte Übel ärger, als -das erste; da ist guter Tag und guter Weg ein Himmel gegen jene -Mörder-Bande -- - -Der sittliche Zustand der Weiber gründet sich sehr natürlich auf -ihren gesetzlichen -- Da das Mädchen sich ihren Gefährten des Lebens -nicht laut und deutlich wählen kann; so sieht es sich genöthiget, -dieses Geschäft zutrauensvoll seinem Auge zu übertragen, das, an diese -Einladung gewöhnt, nie ganz diese Weise aufgeben kann -- Man scheint -dieser Manier eine Art von Dankbarkeit erweisen zu wollen, die jetzt, -da Alle dies Blickspiel treiben, das Unanständige nicht hat, das es -sonst haben würde. Diese Blicke, wodurch sie eine besondere Art von -Beherrschung, die man Augenherrschaft nennen könnte, und eine gewisse -gefällige Freundschaft üben, haben ihren besondern _Contract social_ -und so bestimmte Gesetze, daß man auf ein Haar weiß, wann die erlaubte -Grenze _überblickt_ wird -- Dem Reinen ist Alles rein -- Wer findet -nicht einen sicheren Weg zur Wonne, in dem schönsten der Spiele, einer -verstohlnen Liebe? Die Genüsse der Verstohlenheit steigen zu einer -geistigen Würde, zu einer hinreißenden Delicatesse -- Durch jenes -_Glück_, das die Mädchen sich _erblickten_, durch jene anziehende -Kraft, wodurch sie auf die Jünglinge wirkten, hat ihre Verlegenheit -auch bei weitem noch nicht ihr Ende erreicht, wenn sie die Ehre haben, -in die Gewalt der Männer zu kommen. Sie sinnen unaufhörlich darauf, -diese Gewalt durch alle Künste einzuschränken, so daß am Ende nicht -viel davon übrig zu bleiben pflegt -- Da sehen sich denn Weiber -zuweilen -- ist es ihnen zu verargen? -- nothgedrungen, vermittelst -der Augen mit getreuen Nachbarn und desgleichen Allianzen zu ihrer -Deckung einzugehen; und so unschuldig dieser Freundschaftsanfang -gemeiniglich ist, so schuldig können oft Schutzverträge dieser Art -werden. Von Personen ihres Geschlechtes können sie keine Beihülfe -erwarten, und ihre Freundschaften unter sich sind von anderer -und originaler Weise. Giebt es aber nicht eben so viele wahre -_Freundinnen_, als es wahre _Freunde_ giebt --? Von der bürgerlichen -Verbesserung der Weiber wird es abhangen, daß ihre Freundschaftsanlagen -berichtiget und verbessert werden -- Wie unbillig sind wir, von -Weibern -- denen wir die Würde Personen zu seyn, versagen -- mehr -zu fordern, als ihnen zu leisten möglich ist! -- -- Fast könnte man -behaupten, daß die Gesetze, die für ihr Vermögen, wie für das Vermögen -eines Unmündigen, sorgen, ihre Personen darüber vernachlässigen, oder -sie wenigstens vergessen zu haben scheinen. Frauenzimmer, welche -Mütter werden können, sind keine Kinder mehr -- Der bittere, nicht -unverdiente Vorwurf, den man unserem Geschlechte macht, _»daß es -heut zu Tage keine Kinder mehr gebe«_ -- stehet er nicht mit unserer -Grausamkeit, die Weiber als große Kinder zu behandeln, in engerer -Verbindung, als man denken sollte? -- -- -- - -Es giebt Regenten, die sich den landesväterlichen Wunsch des _Caligula_ -aus Geitz eigen machen: ach, wenn doch alle ihre Provinzen nur Einen -Hals hätten! nicht um ihn zu brechen, sondern nur eine einzige Röhre -zum Essen und zum Trinken in ihrer Monarchie zu haben. So tyrannisch -bin ich nicht in Hinsicht meiner guten Freunde von Opponenten, die -es indeß nicht viel besser als die Virtuosen machen, welche oft -beschwerlich sind, wenn sie Niemand hören will, dagegen stumm und -eigensinnig, wenn sie sich hören lassen sollen. - -_Die Unbeständigkeit soll ein so charakteristischer Zug des weiblichen -Verstandes seyn, daß Weiber bei keinem Gegenstande der Untersuchung und -des ernsten Nachdenkens mit gleicher Anstrengung lange zu verweilen im -Stande wären._ - -Der größte Theil des andern Geschlechtes, der Mittelstand, hat nur eine -einzige Art von Beschäftigung, kommt nie aus dem Takt, und weiß nur vom -Hörensagen, was lange Weile ist. Diese entsteht aus einer Art von Luxus -der Beschäftigungen, und gehört in der Regel zu den Eigenschaften der -Männer, obgleich auch Damen höherer Region an diesem Übel Theil nehmen, -und an demselben schwach und krank danieder liegen, wenn das Vergnügen -länger dauert, als sie es auszuhalten gewohnt sind. Die Frau Gräfin -hatte lange Weile in der Komödie, weil heute noch Redoute ist; allein -auch auf der Redoute wird ihr die Zeit lang werden; weil sie keine -Partie findet; und auch wenn sie diese gefunden hat, würde die Zeit von -ihrem Blei kein Gran verlieren, da ihr Cicisbeo bei dem fürstlichen -Souper lange Weile hat, und sie mit ihrem Verehrer nicht _minnespielen_ -kann. Bei _einem einzigen_ Spiel findet die schöne Welt zu wenig -Beschäftigung. Konnte doch _Julius Cäsar_ lesen, schreiben, und sieben -Cabinetssekretarien sieben besondere Briefe diktieren! -- -- Und -lebt die schöne Welt wirklich? -- Nein doch! sie spielt das Leben -- -Unbeständig überhaupt find' ich das andere Geschlecht nicht mehr nicht -weniger, als das unsrige; vielmehr ist ihm eine gewisse Weltüberwindung -eigen. Es verstehet sich darauf in's Dunkle zu werfen, und glänzt eben -darum desto besser -- Stilles Verdienst ist sein Eigenthum; und sind -dies _Anzeigen_ des Unbestandes? -- Zeitiger und fester nimmt es seine -Partie als wir -- Zwanzig exemplarische alte Jungfern gehen auf einen -Hagestolzen gleicher Art. - -_Die große Lebhaftigkeit weiblicher Empfindungen und weiblicher -Einbildungskraft, das zu reitzbare Nervensystem soll indeß Schuld an -der Unbeständigkeit und dem bloß flüchtigen Feuer bei Gegenständen des -Nachdenkens in Hinsicht der Weiber seyn; auch sollen sie für große -Gegenstände des menschlichen Wissens nur selten ein wahres Interesse -fühlen_ -- - -Und giebt es denn in unserm Geschlechte Viele, bei denen jene Ausdauer -ist? die ein, dem ersten neuen und frappanten Eindruck gleiches, Feuer -bei scientifischen Gegenständen behaupten, die dem Spiele schnell auf -einander folgender angenehmer Empfindungen widerstehen, und einem -Gegenstande getreu bleiben bis in den Tod? Hat nicht fast jeder, außer -seinem Haupt-, noch einen Neben-Beruf, den er Erholung nennt, und an -dem er weit mehr hängt, als an seiner Hauptsache? Die eigentliche -Strebsamkeit ist dieser Nebensache gewidmet: und hierbei pflegt man es -auch, durch Gottes Segen, in kurzer Zeit weiter zu bringen, als bei der -eigentlichen Hauptsache. Friedensschlüsse verbinden jeden, nur nicht -die, welche sie schlossen; und angewiesene Officianten haben überall -Kraft und Macht und Glauben in ihrem Amtsbezirk, wenn sie gleich -- -(während sie eine Aktenrelation fertigen, ein Paar über Nichts und -wider Nichts uneins gewordene Nachbarn ausgleichen, dem jungen Greise -von Vormunde, bei dem sein Mündel das erloschene Feuer anfachen soll, -dies unschuldige Geschöpf entreißen, ein Domainen-Stück taxiren, den -verfallenen Nahrungsstand eines Fleckens untersuchen, die Klagen -von hundert unterdrückten Bauern hören, und einer Wittwe zu dem ihr -vertheuerten Rechte verhelfen, und ihre Rechtssache verkürzen sollen) --- ein Lied auf den Frühling zusammenstümpern, einer Wildenschweinsjagd -beiwohnen, ein Pikenik abwarten, eine Strohkranzrede halten, oder in -Liebelei versinken -- Haben doch Könige und Fürsten Kühe gemolken, -Netze gestrickt, Knöpfe gedrechselt, gemahlt u. s. w. _Leibnitz_ war -so wenig _Professor Philosophiae_, als _Wieland Professor Poëseos_; -und was giebt es denn für große Gegenstände des menschlichen Wissens, -für die nicht Jemand aus dem andern Geschlechte eine Neigung gezeigt -hätte? Die Geduld, das Ausdauern der Weiber ist zum Bewundern; und -legen sie nicht täglich davon ein Zeugniß ab, indem sie die Formen -nicht zerbrechen, in welche Gewalt und List sie goß? indem sie Kinder -erziehen und in's Geleise bringen, die ihre Väter oft durch blinde -Liebe und eben so oft durch blinde Strenge verderben --? indem sie mit -ihren Männern (leider! nur zu oft alten Kindern) gelinde umgehen, wie -mit jedem Übel, das nicht zu ändern ist, und sie heben und tragen und -leiten, um sie nur wenigstens leidlich zu erhalten? -- _Aristoteles_ -ging spazieren, wenn er lehrte und lernte, und hieß der _Spazierer_ -(Peripatetiker) -- Oder ist es nöthig, daß Alles im ersten Feuer -gearbeitet wird? daß die Phantasie uns Alles mit Flammen mahlt? und -daß Alles, was wir denken und sagen, ein immerwährendes Feuerwerk, -ist? -- Außer dem Feuer giebt es noch andere wohlthätige Elemente --- Ungezügelte Bilder, funkelnde Sprüche, tiefgeschöpfte, schwer -herausgezogene Sätze mögen immer bleiben, was sie sind; es giebt -Gedanken, die ihren stillen Werth haben -- die, gerechtfertigt werden -durch That --! -- Wenn den gelehrten Arbeiten der Weiber eine gewisse -Furchtsamkeit anklebt -- ist es Wunder, da sie sich in die gelehrte -Republik bloß hineinstehlen müssen? Von Natur sind sie dreister als -wir; das Gefühl des Unvermögens, den Vorzügen Anderer gemäß zu reden -und zu handeln, das Allem eine gewisse Ängstlichkeit giebt, ist ihre -Sache nicht -- Die Gabe ihrer leichten ungezwungenen Unterhaltung -wird ihren Vortrag nie mit üblen Angewohnheiten und Einschiebseln -verunstalten, die sich nicht viel besser ausnehmen, als wenn verlegene -mit der Welt noch unbekannte Jünglinge von ihren Händen und Füßen -geärgert werden -- oder wenn Fliegen in ein reitzendes Gericht fallen. -Müßige Phrases in's Gespräch einschalten, heißt ihnen: die Zeit tödten; -und durch schöne Redensarten einnehmen: das Vergnügen als Zweck des -Lebens behandeln. Seht Prinzen -- und seht regierende Herren selbst, -wie furchtsam sie sind! -- Das Hof-Ceremoniel scheint nur erfunden -zu seyn, ihrer Blödigkeit auszuhelfen. Auch giebt es eine edle -Freiheit, welche die Folge eines guten Gewissens ist, -- so wie es ein -Wohlbefinden giebt, ein Gut- und Übelaussehen, das vom Gewissen kommt; -und dies ist dem andern Geschlecht eigen -- Warum sollten Weiber denn -wohl als Schriftstellerinnen furchtsam und verlegen thun und seyn, da -die aufgehaltene Sprache sich durchbrechender Empfindungen eine Gewalt -und Stärke besitzt, gegen die schwerlich sonst etwas zu wirken vermag, -als unser kritischer Übermuth, der die Weiber durchaus nicht aufkommen -lassen will? Weiber wissen Wahrnehmungen zu Beobachtungen zu erhöhen; -und da Männer Sätze zu Grundsätzen zu erheben wissen, (die, wohl zu -merken! der Philosoph sogar dem Mathematiker vorschreibt) und mit ihnen -Tausend schlagen: so schlügen Weiber mit ihrem Witze gewiß Zehntausend, -wenn Männer ihn nicht durch eine Art von Gründlichkeit (die genau -genommen wenig oder nichts bedeutet) zu lähmen und in Verlegenheit zu -setzen suchten. Weiber besitzen die Geschicklichkeit, alle Seelenkräfte -auf Witz zurückzubringen -- Gelingt ihnen nicht Umfassung der Sache auf -eine bewunderungswürdige Weise? Wissen sie nicht das ewige Einerlei, -wozu sie verurtheilt sind, unübertrefflich schön zu modificiren? und -_Aufmerksamkeit in hohem Grade_, oder _Scharfsinn_ zu zeigen? Wie -können sie aber einem Schwalle von Kunstwörtern widerstehen, womit -wir Sturm laufen! wie eine schwerfällige Gelehrsamkeit widerlegen, -wodurch wir sie aus dem Tempel der Wissenschaften hinauskritteln, -dessen Allerheiligstes doch so leicht und einfach ist --! Warum -soll es ihnen an Gedankenfülle, großen erhabenen Darstellungen von -Charakteren, an hohem Schwunge gebrechen, oder an Schöpfungskraft -und hohem Grad des Enthusiasmus, da sie von dem allen ungesuchte und -anspruchlose Proben im gemeinen Leben äußern? -- Feine originelle und -der Natur abgelauschte Züge sind ihnen eigener als uns; was ihnen -am scharfen Umriß bei ihren Charakteren (richtig ist er fast immer) -abgeht, ersetzen sie durch ihr lebendiges Colorit -- So wie sie -ihren Körper zu kleiden verstehen, so kleiden sie auch ihre Gedanken --- Die Angemessenheit ihrer Worte und die große Einfachheit in der -Wortfügung, geben ihrem Styl eine Deutlichkeit, die nichts übertrifft. -Die besten Denkzettel, die ein Autor seiner Schrift anhängen kann, -sind, wenn er durch seine Darstellungen uns an uns selbst erinnert; -wenn seine Schrift dem Menschen durch das Herz geht; wenn die Leser -sich einbilden: es fehle wenig oder nichts, so hätten sie diese Schrift -selbst stellen können; sie wären im Stande gewesen, sie dem Autor in -die Feder zu sagen; aus ihrem Herzen hätt' er es genommen und ihnen -verkündiget -- Solch ein Widerschein erleuchtet und frommt!-- Wir -lassen uns von _Ideen_, wie _Sokrates_ von seinem _Dämon_, verfolgen, -wir versetzen uns, wie _Plato_, in eine Republik; und so wie der, -welcher ein unverwandtes Auge auf Einen Punkt heftet, zuletzt sieht, -was er sehen will: so sehen auch wir mit dem Auge der Seele Windmühlen -für Riesen, Wirthshäuser für Schlösser, Teiche für Weltmeere, eine -Abderitische Posse für einen wohlüberdachten Finanz-Kniff oder -Operation an -- Nicht genug; auch Worte spielen den Meister nur zu oft -über uns -- Wir veruntreuen ihre Bedeutung, werfen eine willkührliche -Markscheidung derselben auf, und fallen, wie Leute, die reich werden -wollen, in Versuchung und mancherlei Stricke, wenn wir nach der -leichtesten Art reich zu werden, _zu sparen_, oder nach der schwersten, -_zu speculiren_, suchen -- Wir arbeiten Alles zum Druck aus, in der -bestimmten Absicht, es dem gelehrten Publico zu überantworten, oder -es in einem privilegirten oder unprivilegirten Cirkel vorlesen zu -lassen -- Und ob es gleich freilich correkter ausfällt, wenn der Inhalt -lehrreicher ist, oder so aussieht, wie ein hingeworfener weiblicher -Aufsatz; so wird die Arbeit des anderen Geschlechtes doch mehr -Individualität zeigen, und eine Intuition behaupten, die wir, im Namen -und von wegen unserer stupenden Gelehrsamkeit, fast keinem unserer -Werke in gleichem Grade verleihen können. Leichter und flüchtiger -sind weibliche Arbeiten; allein darum oft treffender, richtiger, -eindrücklicher. Weiber lieben schon nicht lange Worte, weil hier eine -Hauptsylbe sich die anderen unterordnet und sich die Herrschaft über -diese anmaßt -- Lange Perioden sind ihnen nicht angenehm, weil sie die -Alten nicht genug kennen, weil dieselben schwerer zu lesen und zu -fassen sind, und weil der Witz ein Todfeind dieser Potsdammer ist -- -von denen ein plumper Holländer behauptete, daß nur ein kleines Herz -in einer dergleichen gewaltig großen Maschine gefunden werde -- Selten -lassen Weiber einen üppigen Sprößling des Ausdruckes aufschießen -- und -ereignet sich der Fall, so ist es eine Feldblume, die sich nicht aus -den Grenzen der Bescheidenheit wagt -- Bei uns gewinnt Nachdenken, bei -Weibern Empfindung die Oberhand -- Die Oberhand, sag' ich; denn auch -Nachdenken leistet der weiblichen Empfindung hülfliche Hand: und sind -in ihren Aufsätzen nicht alle Ungleichheiten geebnet, so bleibt ihnen -dagegen mehr Eigenthümliches -- Man rücke das Ziel ihres geschäftigen -Lebens über die Küche und Stricknadel hinaus; man führe sie nur an: und -sie werden uns sehr bald an Scharf- und Tiefsinn übertreffen, ohne sich -kraft ihres gesunden Menschenverstandes zu versteigen. Ach! wer kann -sich entbrechen, wenn vom Vorzuge unseres Geschlechtes die Rede ist, -mit _Daniel_ auszurufen: Seht, das sind eure Götzen! - -_Weiber können nicht allein seyn_ -- - -Nicht allein? Lieber! wenn die Einsamkeit gemahlt werden soll, muß ein -Weib sitzen, oder sie ist nicht getroffen. - -_Oder nichts allein überlegen._ - -Und doch ziehen Männer sie alle Augenblicke zu Rath; und wohl ihnen, -und dem Collegio und dem Staate, wenn Männer es thun! O! wie gern -wälzen die Männer ihre Bürde von ihrem Herzen auf ihre Weiber, denen -sie ihre Geheimnisse anvertrauen! und wie viel haben Weiber zu tragen! -o, wie viel! Von Weibern dagegen ist fast keine einzige, die nicht -etwas hätte, was nur Gott und sie weiß, was kein Beichtvater erfährt, -und womit sie der Zeit und Ewigkeit unerschrocken, entgegen geht -- -Unsere Geheimnisse verfliegen oft, gleich einem flüchtigen Geiste; die -ihrigen sind ihnen in Herz und Seele geätzt -- Wenn Gedanken ihren -Schöpfern entkommen, die sich bei aller oft widerlichen Anstrengung -nicht zurückbringen lassen -- ihren Schöpfern, die nur selten -Gedankenerhalter sind; so verstatten Weiber ihren Gedanken nicht so -viel Ausgelassenheit -- _Was ich doch sagen wollte_, wird man selten -oder gar nicht von Weibern hören. Ihr Gedächtniß ist getreuer, als -das unsrige; und schwerlich wird ein Weib so zerstreuet seyn, wie -_Terrasson_, und so sehr sein Gedächtniß verlieren, wie er. Weiber -halten Zerstreuungen für Affektation, und können sich nicht des Lachens -enthalten, wenn sie von _Terrasson_ hören, daß er kurz vor seinem Ende -im Gedächtniß-Concurs Alles an seinen Verwalter _Luquet_ assignirte, so -daß er, als sein Beichtvater ihn bei der letzten Beichte nach seiner -Sündenmenge fragte, demselben auch diese Assignation gab: Fragen Sie -nur _Luquet_. -- - -_Weiber wären nicht selbstständig und allein fähig?_ Eine Einwendung, -die, so leimgestärkt sie auch scheint, sich nicht halten kann. Wenn wir -zwischen Furcht und Hoffnung schwanken, nehmen sie gleich Partie, und -sind entschlossen an Leib und Seele -- Ihre Entbindungen machen sie so -dreist. Bei minder wichtigen Dingen halten sie es nicht werth, es noch -auf Entschlüsse auszusetzen: Es gehe, wie es gehe -- In politischen -Angelegenheiten schlagen sie, wenn wir kannengießern, sich zu keiner -Parthei, und wählen das beste Theil: Was wir leisten, macht unsern -Lehrern Ehre; was sie leisten, ihnen selbst -- Sie mischen die Karten, -und theilen sie so aus, daß Spieler und Zuschauer zufrieden sind, -wenn dagegen eine Menge staatskluger Köpfe beisammen sitzen, und noch -immer in gerechter Befürchtung, nicht Kopfs genug zu besitzen, auf -Verstärkung ihrer Beisitzer denken. Vor lauter Räderwerk wird nichts -zu Stande gebracht, vor lauter Reden kommt es zu keiner That, vor -lauter Stimmenzählung zu keinem Schlusse. Wer von uns hat sich über -das Stimmen der Instrumente nicht geärgert, ehe es zur Sinfonie kommt ---? Hohe Deutlichkeit und stärkeres Licht mit mehr Vergrößerung zu -vereinigen -- das ist das Ziel der Ausrüstung, um Augenreisen in die -Ferne zu thun. Wie oft zerschlagen unverständige Kinder und bärtige -Collegia einen stattlichen Spiegel, um eine Fliege zu tödten! und noch -öfter wird das Kind mit dem Bade ausgegossen. Des Bocksbeutels und der -verkünstelten Kunst halben kommen Dekrete zum Vorschein, mit denen am -wenigsten in allen Fällen, und höchstens nur provisorisch, auszulangen -ist; Dekrete, die höchstens Palliative sind, um sich eine angenehme -Ruhe für die nächste Nacht zu machen. - -_Warum soll man den Jesuitenorden von den Todten erwecken, und die -heimlichen Jesuiten, Jesuiten en tapinois (das schöne Geschlecht) -privilegiren?_ - -Warum? weil die heimlichen schädlicher sind, als die öffentlichen, -weil die öffentlichen (wenn nämlich nichts heimlich bei ihnen -bleibt) aufhören Jesuiten zu seyn, und weil geheime Krankheiten die -gefährlichsten sind -- Wie kommt aber das andere Geschlecht zur -Ordensehre? - -_Maitressen von guter Abkunft haben bei weitem das Böse nicht -gestiftet, was die Maitressen niederer Abkunft, eine Pompadour, eine du -Barry, sich zu Schulden kommen ließen._ Allerdings! und also nehme man -nicht Maitressen, sondern Weiber. - -_Nein, also lasse man die Weiber in ihrer Dunkelheit!_ Getroffen, wenn -sie Maitressen werden sollen -- Wenn sie aber ihren göttlichen Ruf, -Weiber zu seyn, befolgen, so hebe man sie nicht durch Flittergold, -sondern durch Ächtheit -- Sind die Türkischen Bassen und Veziere, die -Beys in Ägypten darum menschlicher, weil sie in ihren früheren Jahren -das Elend des Volkes aus erster Hand kennen lernten? - -_Welche Widerlegungen!_ Sind etwa die Einwendungen besser? _Es läßt -sich Alles vertheidigen_ -- und wider Alles einwenden. _Ich wollte um -Vieles, um Alles in der Welt kein Weib seyn_ --; ich auch nicht -- -_und doch_ -- und eben darum. _Wer hat nun Recht --?_ Wer die Wahrheit -sagte. _Und wer sagte die Wahrheit? nicht wahr: wer Recht hatte?_ - -Wer die Sache der Unterdrückten führte, und wer der Menschheit sich -annahm. - -_Der Menschheit?_ - -Sind etwa Weiber nicht Menschen? - -_Der Unterdrückten?_ - -Sind wir nicht ihre Tyrannen? - -_Heil den irrenden Rittern!_ - -Heil und fröhliche Gestalt, wenn ihr Ritt auf Menschenwohl ausgeht -- - -_und wenn sie keine Dulcineen haben,_ - -als die Reinheit der Absicht, die Dulcinee unserer Philosophen --. - -_Dies Buch wäre nicht eines Weibes halben geschrieben --?_ - -Nicht eines Weibes, sondern der Weiber halben -- Keines weiß, daß ich -es geschrieben habe, keines wird es, so Gott will, wissen. - -_Und warum denn nicht jener schmale Weg, der das zu Viel und zu Wenig -vermeidet und durch Beides sich durchschlängelt?_ - -Weil Wenige sind, die darauf wandeln -- - -_Besser als Viele!_ - -Nicht immer, wenn von bürgerlicher Tugend und Untugend die Rede ist. - -_Der Mittelstand zwischen Skepticismus und Leichtgläubigkeit_ -- - -ist ein unseliges Mittelding -- So oder nicht so, ist mein Wahlspruch; --- nicht aber: so oder anders, oder halb so. Ja Ja, ist bei mir ein -halbes Nein; und Nein Nein ein halbes Ja. Ja, Nein, was drüber und -drunter ist, ist vom Übel -- - -_Und die Gesetze! -- wird dies Buch es mit ihnen ausmachen?_ - -Mein kleinster Kummer! mögen es die Gesetze mit den Gesetzen ausmachen! -mögen die Todten die Todten begraben! -- Freilich thun die Gesetze -zuweilen so, als ob es Kräfte in der Menschheit gäbe, die außerhalb der -Menschheit lägen -- - -_Was will das sagen?_ - -Es giebt Gesetze, welche die einzelne Kraft des Menschen unterdrücken, -damit die Summe aller Kräfte desto stärker sei; und doch ist natürlich -die Gesammtkraft desto größer, je größer die Summe der Kräfte einzelner -Menschen ist -- Unsere Herren Staatsrechenmeister verrechnen sich -gewaltig, da sie die Zahl der Weiber auswerfen -- - -_Wenn sie indeß auf den Zweck der bürgerlichen Gesellschaft sehen_ -- - -O! dann verrechnen sich die Oberrechnungs-Cameralisten noch mehr. Giebt -es einen andern Zweck, als die individuelle Freiheit zu schützen, und -die Eingriffe eines Jeden in die Freiheit eines Andern zu behindern --? - -_Das sollte auch auf Geschlechter Anwendung finden?_ - -Sind die etwa nicht moralische Personen? - -_Und die Billigkeit?_ - -ist ganz auf meiner Seite. Was im Lande gilt, ist Recht; was in der -Welt gilt, ist billig -- Was nach der Meinung der mehresten Menschen -recht ist, ist billig -- - -_und billig ist der, der so handelt, daß es die mehresten Menschen für -Recht halten -- Ein billiger Autor ist der, der so schreibt, daß_ -- - -Wahr --! - -_Wenn wir zählen wollten_ -- - -würd' ich gewinnen, falls nur _die_ stimmten, die -man nicht fragen darf: »verstehest du auch, was du -sagest --? weißt du auch, was du thust --?« - -_Immerhin ^Verbesserung^; warum ^bürgerliche^?_ - -Weil man sich an Zweige, und wohl gar Blätter, nicht halten muß, wenn -der Stamm anzugreifen ist -- - -_Und der Ausdruck dieses Buches --!_ - -Nachdem die Materie, in der man arbeitet, nachdem die Bruchstücke und -Späne, welche fallen -- - -Mögen doch meine Leser und Leserinnen, denen der obige längliche Streit -und Widerstreit beschwerlich gefallen ist, an dieser runden Manier -sich erholen und Luft schöpfen, oder mögen sie es nicht, wie es ihnen -beliebt -- -- - - - - -VI. - -Nutzanwendung. - - -Wenn es wahr ist, daß von der Theorie des Drucks die ganze Operation -eines glücklichen Finanzsystems und einer weisen Staatsregierung -abhängt: so haben die Männer wenigstens nicht die rechte Art des -Druckes erwählt; denn in Wahrheit, wir verlieren durch die Art, -wie wir das andere Geschlecht behandeln, mehr als es selbst. Man -sagt, dies sei auch der Fall, wenn man im Unterthan die Tugenden -des Fleißes, der Industrie und des Gehorsams durch siebenmal sieben -Plagen erzwingen will. Zwar bei dem Magnetismus erregen Druck, Reiben -und Streicheln ein übermenschliches Vermögen; allein der politische -Druck hat noch nicht die Divinationsgabe erregt, den Hunger ohne -zu essen, und den Durst ohne zu trinken, zu stillen. Es ist höchst -jämmerlich kein anderes Gesetz zu haben, als den souverainen Willen; -und wo wandelbare Launen des Despoten, seine Indigestionen, seine -Galle, seine Blähungen die Stelle der _Numas_ und _Solone_ vertreten --- wer mag da unter Anordnungen stehen? Es ist schon unerträglich, -auch dem besten Menschen untergeben zu seyn, wenn er väterlich über -Menschen regieren will, die längst die Kinderschuhe auszogen! -- -Seht! in dieser traurigen Lage befindet sich das andere Geschlecht. -Jene Zeit ist nicht mehr, wo ewige Fehden alles in beständiger Unruhe -und Furcht erhielten, wo das Rauben eine Heldenthat schien, und wo -man durch Raufen zu Ehren kommen wollte. Was ist aber ärger, seines -Schicksals gewiß seyn, oder unter dem Beistande des Rechtes leiden? -einem ganzen Geschlecht unter der scheinheiligen Vorgabe des gemeinen -Bestens seine Rechte und Privilegien rauben? oft thun als stände -man unter dem Befehle seiner Sklavin, und noch öfter wirklich schon -ihre Winke befolgen, und doch im Ganzen ihr Tyrann seyn und bleiben? -Scheint nicht fast die Liebe aufzuhören, sich in eine Herrschbegierde -zu verwandeln, und diesen Gräuel der Verwüstung an heiliger Stätte -schon frühzeitig und in den Flitterwochen der Liebhaberei durch -Eifersucht zu verrathen? Jetzt schmachtet und liebkoset der schüchterne -Jüngling, um über ein Kleines als Mann kalt und trotzig zu gebieten --- Im _Theater_ wird wahre Welt zum Vorschein kommen müssen, wenn sie -noch sichtbar werden soll; denn in der _wirklichen Welt_ wird Komödie -gespielt. Wo giebt es Abderiten-Fälle, welche denen gleichen, die -das Verhältniß beider Geschlechter täglich an den Tag legen -- Wenn -ein vernünftiges Wesen eines anderen Planeten Zeit übrig hätte, eine -Wanderschaft auf diesen Erdenkloß zu unternehmen, und das Verhältniß -beider Geschlechter zu beherzigen; würde nicht, wenn das vernünftige -Wesen nach seiner Heimkunft eine Reisebeschreibung herausgäbe, die -Reise dieses _Nikolaus Klimm_ eine der ernsthaftesten Dogmatiken (das -ehrbarste, das ich kenne) scheinen? An einem Verleger wird es dem -Wanderer dort hoffentlich nicht fehlen -- Die allgemeine Vernunft ist -über den Codex, nicht aber der Codex, der doch sein eigener Beweis -nicht seyn und sein eigenes Kriterium nicht aus sich selbst nehmen -kann, eine Proceß-Ordnung für die allgemeine Vernunft -- Wie lange will -man unserer Seits der Vernunft widerstehen! Die Menschen schieben gern -Alles auf Andere; und wenn sie keinen finden, der seinen Rücken zu -dieser Belastung darbietet, so muß die Natur sich diese Denunciation -gefallen lassen -- und so fehlt es auch unserem theuren werthen -Geschlechte nicht an Behelfen, die auf die Rechnung der schönen Welt -gesetzt werden -- Eine Schande für uns, daß wir nicht nur ungerecht -sind, sondern auch die Schuld dieser Ungerechtigkeit von uns entfernen, -und sie dem anderen Geschlechte zuschieben! Das Weib, das du mir -zugesellet hast, sagte schon der alte _Adam_, hat mich verführt; -- und -wir sind bis jetzt noch so treue Adamiten, daß wir nicht ermangeln, uns -von der Schuld des subalternen Ranges, den wir dem anderen Geschlechte -zueignen, in bester Form Rechtens loszusagen. Die armen Weiber, die, -wenn sie sich mit uns auf kalte Negociation einlassen wollten, kein -Gehör finden, können es noch weit weniger gegen uns auf ernsthaftere -Schritte aussetzen -- Sie haben keinen _Leonidas_, keinen _Franklin_, -keinen _Washington_; sie sind keine _Spartaner_, keine _Schweizer_, -keine _Amerikanische Kolonisten_: können sie aber nicht dies Alles -haben? können sie nicht dies Alles seyn? _Maria Antonia_ und _la -Fayette_ sind zwei gleich große Charaktere, die in der Französischen -Revolutions-Geschichte glänzen werden. Eitelkeit und Furcht vor -Schande sind gemeiniglich die Basis von dem ganzen Muthe der Männer; -Temperament ist es bei den Weibern. Eine Reihe von Jahrhunderten hatte -Europa nur Eine Gestalt. Despotismus und Sklaverei, Unwissenheit und -Barbarei herrschten überall; und warum sollten die Weiber nach einer, -wenn gleich langen, Unterdrückung, nicht zu jenem Range erhoben werden -können, der ihnen als Menschen gebührt? Ein großer Theil unter ihnen -scheint der Ketten, die ihnen das Gesetz so vortheilhaft schildert, -müde, und fühlt einen unüberwindlichen Hang, sie eher zu zerbrechen, -als mit ihnen, wie mit Kinderklappern, zu spielen. Man trauet den Damen -zu wenig zu, wenn man sich Mühe giebt, ihnen Alles in einem Säftchen -beizubringen, wenn man ihnen Alles bezuckert und in Nähebeutelformat -behändiget, als ob sie so schwach und hinfällig wären, nichts Größeres -als ein Duodez-Bändchen halten zu können. Die Frage: verstehest du -auch, was du liesest? wird in der Regel das Duodez-Männchen von -Stutzer weit eher, als ein edles Weib, treffen. Wenn gleich die -Geistes-Arbeiten der Weiber, sobald sie in's Größere gehen, für's erste -_bas-relief_ sind -- sie werden weiter kommen; denn nur wir halten -ihren Geist am Gängelbande, um sie nicht allein gehen zu lassen. Ein -großer Kinderlehrer ließ in * * die Buchstaben in Pfefferkuchen backen, -damit die Kinder das A B C in den Kopf bekommen möchten; allein die -liebe Jugend bekam das A B C in den Magen, und ward krank zu derselben -Stunde. Diese Pfefferkuchen-Methode ist der gewöhnliche Fehler, den -man bei der Erziehung des anderen Geschlechtes begeht. Man will weder -seinen Verstand, noch seinen Willen zur Reife kommen lassen. Die Weiber -sind _en biscuit_; und wir! sind wir ausgebrannt? und wären wir es --- was ist denn am Porcellain? -- _Böttcher_ wollte Gold machen, und -brachte Porcellain heraus. Was ist der Mensch? »_Der halbe Weg vom -Nichts zur Gottheit_,« sagt Young; und unser frommer _Haller_, der den -Namen GOTTES nicht unnützlich führen wollte: _unselig Mittelding vom -Engel und vom Vieh_ -- daß sich Gott erbarm! _Friederike Baldinger_ -versichert in ihrer Lebensbeschreibung, mit einer Vorrede ausgestattet -von _Sophie de la Roche_: »als Frau war ich erträglich; wie klein würd' -ich als Mann seyn!« Um Vergebung, sollte dies nicht auch ein jeder Mann -umgekehrt von sich sagen müssen -- so lange: _ein Mann seyn_, nicht -mehr heißt: als _ein Mensch seyn_ --? Enthält jene Bescheidenheit -der _Friederike Baldinger_ nicht zugleich einen Vorwurf für unser -Geschlecht in Beziehung unserer Selbsterhöhung --? Unser _Herschel_, -der wegen _Miß Carolinen_, seiner Schwester, und _in puncto_ der -Astronomie mehr als einmal in dieser Schrift von Amts- und Rechtswegen -genannt zu werden verdient, nimmt an: die Centralkräfte wären nicht nur -die erhaltenden, sondern auch die bildenden und erneuenden Kräfte der -Weltsysteme; und nach seiner Meinung können auch mehrere Gattungen von -anziehenden und zurückstoßenden Centralkräften in dem Baue des Himmels -wirksam seyn. Könnten, wenn männliche und weibliche Centralkräfte -in der Menschenwelt anzögen und zurückstießen, nicht Dinge bewirkt -werden, von denen man bis jetzt nicht träumt --? Löset _Herschel_ die -dem bloßen Auge sichtbaren Nebelflecke vermittelst seines Teleskops -in Sterne auf -- wie leicht würden die _Flamsteads_ und _Mayers_ ihre -Verzeichnisse von Sternen am Weiber- oder besser am Menschenhimmel -erweitern können, wenn beide Geschlechter Ein Herz und Eine Seele -wären! -- - -Geh' ich zu weit, wenn ich behaupte, daß die Unterdrückung der Weiber -Unterdrückung überhaupt in der Welt veranlasset habe? Wahrlich, -die Tapferkeit ist keine Entscheidung des Schicksals, wen sie zum -Regenten bestimmt hat. Durch Großmuth, nicht durch List, muß man den -Feind überwinden, und es ist und bleibt unanständig, sich des Andern -Unerfahrenheit zu Nutze zu machen. Ist es besser, sich des Sieges -schämen zu müssen, oder sich über das Glück zu beklagen? Die Erhaltung -eines einzigen Bürgers -- ist sie nicht besser, als die Niederlage von -hundert Feinden? Das was nach der Meinung der meisten Menschen Recht -ist, das ist, verdollmetschet: so ist wie es seyn muß; ist recht in -einem erhabenen Verstande. Dies _rechte Recht_ gründet sich in der -Natur der Sache, und hat sich von den Schlacken der Willkühr und des -Türkischen Despotismus gereinigt -- Wollte man, nach dieser allgemeinen -Meinung von den Verhältnissen des fräulichen Geschlechtes, glauben, -(glauben muß man in einem besondern Sinne _wollen_) daß das vielfach -tausendjährige Reich der Sklaverei der Weiber in diesem rechten -Rechte oder in der Billigkeit sich gründe? Ich will nicht glauben. -Nicht alles was wir ungestört leiden, hat die Ehre unsers inwendigen -Menschen vor sich. Sehet euch um! ihr werdet finden, daß das meiste -Unrecht in der Welt in dem Bestreben besteht, so zu handeln, daß es die -Mehresten für Recht halten. Wer kann wohl, ohne eine Gewaltthätigkeit -zu begehen, behaupten: die Weiber müßten einen gewissen Standpunkt auch -bei dem höheren Grade neuerer Cultur und Sittenverbesserung behalten, -und sie könnten, wegen ihrer angebornen Bestimmung als Mitglieder der -Societät und als Weiber, bis an den lieben jüngsten Tag nur so weit -und nicht weiter kommen? Unsere Gränzen der Ausbildung sollten nicht -abgesteckt seyn? nur die ihrigen wären behügelt? O, du liebe Zeit! -Die relativen Bestimmungen des Weibes in der Gesellschaft, in so weit -es Weib ist -- wer fragt nach diesen? diese sind so ewig, wie die -Bestimmungen des Mannes als Mann. Allein soll das Weib an Verstand -und Willen stehen bleiben, wenn der Mann Fortschritte macht; so muß -es mit der Aufklärung in's Gedränge kommen, und sie muß Kinderspott -werden -- -- Man könnte Männer mit der Speise, Weiber mit dem Trank -vergleichen; und nur Speise und Trank in Gemeinschaft halten Leib und -Seele zusammen. Das Gefühl der Bedürfnisse bildet den Menschen aus, -und der Schöpfer scheint es ihm nachgelassen zu haben, Bedürfnisse zu -erfinden, um sie im Schweiße des Angesichts befriedigen zu lernen, -durch Sprachunterricht zu Realkenntnissen hinauf zu reifen -- -Selbstliebe, Neigung zum Wohlbefinden, Abneigung gegen den Schmerz, -sind Triebfedern, den Menschen immer weiter und weiter zu bringen; -und das andere Geschlecht fühlt sie, wo nicht in weit größerem Maße, -so doch gewiß nicht minder -- Haben etwa Verabredungen, die aus jenen -Bedürfnissen und jenen Trieben entstehen, gemeinschaftlich Menschen -seyn zu wollen, um desto leichter zum Zweck zu kommen -- haben etwa -Verabredungen in den Stand der Gesellschaft zu treten, den Weibern -ihre Stelle angewiesen --? Nicht also! Die Punktation zum Stande der -Gesellschaft machte _Eva_; und hat sie es sich wohl je vorstellen -können, daß auch hier die Ersten die Letzten werden sollten? Setzte -unser Geschlecht mit Vorwissen und Vorwillen des andern auf dasselbe -das Motto der Hölle: _Hier ist die Hoffnung ausgeschlossen_; oder -ist vielmehr durch den Stand der Gesellschaft der Stand der Natur -geheiligt? sollen nicht in jenem, wie in diesem, alle Menschen gleich -bleiben? Völker sind sich eben so gleich wie einzelne Menschen, -und Geschlechter so wie Völker. Ist nicht durch Unterdrückung des -Schwächeren das innere Verderben der Staaten entstanden, woraus denn -gerades Weges Unterdrückung und Zerstörung von außen sich nach und -nach ergab? Kommt es bei diesen Dingen mehr auf spielenden Witz, -schalkhaften Vortrag, übermüthige Phantasie-Einfälle, oder auf Wahrheit -und Recht an? und können wir in der Gesellschaft auf Gerechtigkeit -Anspruch machen, wenn wir keine erweisen? - -Können wir, die wir uns so unrühmlich zu Herren des weiblichen -Geschlechtes aufgeworfen haben, es leugnen, daß wir diese Herrschaft -von je her nur sehr schlecht verstanden? und in dieser Wissenschaft, -wie es am Tage ist, bis jetzt nicht weiter gekommen sind? können wir -es vor unserm Gewissen verhehlen, daß wir die Urheber und Veranlasser -aller weiblichen Fehler sind, und daß das meiste Gute, welches wir -an uns haben, auf die Rechnung des andern Geschlechtes gehört? -Furchtsame Männer werden allerdings den Stab über mich brechen, weil -ich angeblich die Eitelkeit der Weiber gereitzt, und ihre von Natur -schon übermüthigen Begriffe von ihrem Werthe genährt habe; allein, -lieben Leute, durch eure Feuer rufende Befürchtung, ich möchte die -weibliche Bestimmung zu weit hinausgerückt haben, beweiset ihr, daß -ihr, anstatt stark zu seyn, schwach seyd, und daß ihr durch diese -Schwäche eure angebliche Ordnung der Dinge umkehret -- und daß euch -die Geisteskraft und Denkfähigkeit mangeln, die ihr aus bloßem Neide -dem andern Geschlechte absprechen wollt. -- In der That, ihr solltet -der Natur für das Hausmittel danken, durch das andere Geschlecht -angespornt und aufgemuntert zu werden, immer weiter zu kommen, aber -nicht Feigenblätter suchen, eure stolze Faulheit zu decken. So bald -Weiber Menschen sind und Vernunft haben, sind ihre Geistesanlagen nicht -zu beschränken; am wenigsten können _wir_ hier psychologische Richter -seyn, da wir so sehr Parthei sind, und da wir weit besser gelernt -haben, unsere Sache zu führen und Schildknappen der Autorität zu seyn, -als das der Natur weit treuer gebliebene andere Geschlecht. Wo es -nicht an innerer Kraft fehlt, da ist nur Gelegenheit nöthig, um sie zu -äußern; und nur dann, wenn man sich den Vernunftgebrauch untersagt, -kann man sich zur Ableugnung jener Wahrheit bringen, daß nicht Alles -_menschlich gleich_ sey, was _menschlich vernünftig_ ist. Nur dann, -wenn bodenloser Stolz an der Bestimmung des Menschen künstelt, -entkommen wir der eigentlichen Ausbildung der Anlagen unserer Natur, -und sie entkommt uns. Schade! -- - -Was für einen Einfluß Erziehung, Klima und andere äußere Umstände -auf Menschen (Männer nicht ausgeschlossen) behaupten, lehrt die -Erfahrung. Der Weinbauer bleibt auch in ergiebigern Ländern ein -Beispiel von Indolenz und einer daraus entspringenden Verderbtheit -des moralischen Charakters -- Weiber verstehen nur natürliche Waffen -zu führen; wir würzen unsere Schutzschriften mit gelehrten Gründen, -treffen provisorische Einrichtungen, und wissen Bescheid, unsere -Schwächen so zu verhängen, daß sie nicht in die Augen fallen -- und -eben darum behaupten wir geradehin, daß Weiber nur aus Neugier, nicht -aus Wißbegierde, nicht aus eigenem freien Triebe, sondern weil sie -dazu aufgemuntert werden, und nur aus Eitelkeit, sich hier und da mit -Wissenschaften abgegeben hätten, ohne sich doch je darin auszuzeichnen --- Aber außerdem, daß die Reinheit des männlichen Verstandes und -des männlichen Willens keine Lobrede verdient, und daß Selbstsucht -mit ihrer ganzen Sippschaft von Eitelkeit, Stolz, Geldhunger und -Schmeichelei, die Männer gar übel plagt; außerdem, daß auch der -Gelehrteste, wenn er sich irgend kurz fassen kann, kaum drei Wochen -gebrauchen würde, um alles zu beichten, was er wirklich _weiß_, und -selbst was er wirklich _glaubt_, so daß sein Wissen und sein Weißsagen -doch immer nur Stückwerk ist; außerdem daß zwischen Zuckerbrot der -Lektüre, und dem herben Wein der Erfahrung ein großer Unterschied -bleibt: so ist das Ende vom Liede aller Wissenschaften und alles -gelehrten Dichtens und Trachtens, (wenn es nicht bloß Lückenfüller -und Langeweiltröster seyn soll) _moralisch besser zu werden_. Sind -wir das? O, alsdann tret' ich beschämt zurück, widerrufe Alles, was -in meiner Schrift nur nach Apologie aussieht, und bleibe bloß bei der -demüthigsten Bitte, dem andern Geschlechte durch eine bürgerliche -Verbesserung Zeit und Raum zur moralischen Buße zu gönnen, und es -zur Verpflichtung gegen die Gesetze des Staates, zu jener bestimmten -und äußerlich vollkommenen Verpflichtung zuzulassen, die doch jeder -Staatstheilnehmer oder Bürger haben sollte -- - -Und nun der Schluß? Der Mensch läuft spornstreichs, um zum Ende zu -kommen, und wenn er sein Ende sieht, muß er sich ganz zusammen nehmen, -um sich zu fassen. _Machiavell_ schrieb seinen _Principe_, um die -Despoten-Republik zur Sprache zu bringen; und ich wollte nichts mehr --- Wenn ich Dinge einander nahe lege, die sich für gewöhnliche Augen -sehr entfernt berühren, so lasse man mir und Jedem doch seine Weise; -denn wenn alle Bücher eine und dieselbe Melodie hätten -- würden sich -wohl noch so viele Leser finden? an Thäter des Wortes ist so nicht -zu denken! Eine Schrift kann nie ein mächtiges um sich greifendes -Feuer anzünden; und wenn man behauptet: _Rousseau_, _Voltaire_ und -_Montesquieu_ hätten die Französische Revolution zu Stande gebracht; so -vergißt man _Nordamerica_: und es gehört zu den Zeichen dieser Zeit, -wenn man mit Büchern bekannter als mit Menschen ist, um zu regieren; -wenn man die äußere Form des Systems viel zu lieb hat, um sie gegen das -Gründliche und Consequente der Lebensphilosophie aufzuopfern; wenn man -nur auf Mittel für einen Tag sorget, um seinen Zweck durchzusetzen; -wenn man seinem Ehrgeitze nur ein anderes Kleid anzieht, das weit -weniger als der vorige Anzug Achtung für die Leidenschaft erregen kann; -wenn man nicht die Weisheit anschauender, anziehender und wirksamer zu -machen sich bemühet, sondern bloß seinem theuren _Ich_ Ehre zudenkt, -und, wohl zu merken! ein solcher Schwelger und Schlemmer im Ehrgeitze -ist, daß man nicht an den andern Morgen denkt, und sich befriedigt, -vier und zwanzig Stunden im Saus und Braus eines hohen _Vivat_ zu -glänzen, und Plane auf die Zukunft gegen das schnöde Linsengericht -eines stündigen Zujauchzens zu verprassen -- -- -- Theilnehmende -Achtung für den Schwächeren hat etwas Göttliches; und wenn Stände -zum Controlliren der Staatsofficianten ein herrliches, in Geduld -Frucht bringendes Ding für den Regenten und das Volk sind, warum will -man diese Controlle des menschlichen Geschlechtes den Weibern nicht -anvertrauen? ihnen, die nie gewohnt sind, etwas Imaginaires, sondern -immer etwas Wirkliches zum Grunde zu legen, wenn wir uns gleich die -schnödeste Mühe geben, sie zu Romanen zu gewöhnen, um sie, kraft der -Reminiscenzen dieser Lektüre, aus der wirklichen Welt hinauszubringen --- Weiber haben mehr Geist, als Wissenschaft; Männer mehr Wissenschaft -als Lebens-Philosophie, und leicht vergißt unser Geschlecht, daß -man nach Tugend und Rechtschaffenheit am ersten trachten muß, wenn -uns alles Andere zufallen soll. Bettelmönche haben oft größere -Gewalt als Eminenzen; Diese haben nicht Zeit, nicht Lust, es auf das -Seelen-Regiment anzulegen, da hingegen Jene wirkliche Seelen-Despoten -sind, ob sie gleich (etwas bescheidener) sich bloß Seelsorger nennen. -Ich schrieb keine Grammatik, wo man die Ausnahme gleich hinter der -Regel verzeichnet: das Zeichnen sollte den kalligraphischen Übungen -vorgehen, und die Geschichte, nach dem Vorschlage geprüfter Pädagogen, -rückwärts vorgetragen werden. -- Ich werde mich für hinreichend -befriedigt halten, wenn man mir im Ganzen beifällt, obgleich noch -nähere Bestimmungen gütlich oder rechtlich nöthig gefunden werden. -Ein Buch, das Gedanken erweckt, ist oft besser als eins, das Alles -erschöpft, und die Leser wie Unmündige behandelt. Winke fruchten -mehr als lange Belehrungen; und wenn ein Schriftsteller das große -Amt verkennt, das ihm von der Natur anvertrauet ward, Menschen gegen -offenbare Ungerechtigkeiten zu schützen; so verdient er selbst -unterdrückt zu werden. Wer es über sein Gewissen bringen kann, ein -Geschlecht zum gebornen Despoten des andern zu erheben, wird vielleicht -nicht ohne Fertigkeit seyn, volksübliche Sitten nachzuäffen und höheren -Volksklassen nachzulallen; allein auf rechtskräftiges Urtheil wolle er -in Zeiten Verzicht thun, und seinen Schlaftrunk von Vortrag für jenes -Mittelgut von Menschen aufsparen, die Welt und eine Fabrikartigkeit -besitzen -- wenn gleich gemeiniglich die Pluralität auf ihrer Seite -ist. Das Deutsche Weib galt in älterer Zeit allemal mehr als andere -Weiber, und ich bleibe gewiß in den Schranken der Wahrheit, wenn ich -behaupte, daß auch noch jetzt Deutsche Weiber, so wie sie da sind, -einer Verbesserung empfänglicher und fähiger wären, als alle andern, -zu welcher Zunge und Sprache sie sich bekennen, und welcher Vorzüge -sie sich sonst gegen die Deutschen mit Recht oder mit Unrecht rühmen -mögen -- Nachtwandler erweckt man, wenn man sie bei Nahmen ruft; -- -und sollten unsere Deutschen Herren Männer nicht auf den kühlenden -Trank nüchtern werden, den ihnen diese Schrift reichet? -- Es giebt -Schriftsteller, die, wenn sie mit ihren Werken bei _ihrem_ Geschlechte -durchzukommen sich nicht getrauen, ihre Schrift mit der Nothlüge -begaben, sie hätten sie zu Heil und Frommen des andern Geschlechtes -gestellt. Auch glaubt sich mancher Nachdrucker bei Ehren zu erhalten, -wenn er das schmackhafte neugebackne Brot eines Andern bröckelt, ohne -selbst durch Milch oder Butter ihm ein anderes Ansehen zu geben, und -dies alles auf Kosten des andern Geschlechtes thut -- als ob der Herr -Nachdrucker _im Brote_ des weiblichen Geschlechtes wäre, oder als ob -es _nicht mehr könnte als_ (brockenweise) _Brot essen_! -- -- - -_Wozu alle Vergleichs-Vorschläge und Verbesserungs-Plane, die, wenn -man gleich ihnen Vorkaufs-Anmaßungen nicht vorrücken kann, die, wenn -sie es gleich mehr bei bescheidenen Fingerzeigen bewenden lassen, als -daß sie strafsüchtige Warnungstafeln ausstellen, doch um so weniger -Lebensfrüchte sicher verheißen können, als man von ihnen nicht weiß, ob -und in wie weit sie in der Feuerprobe der Ausübung bestehen werden?_ - -Freilich! warum alle Katheder und Predigerstühle? Sind die Menschen -nicht von je her Lügner, Undankbare, Räuber, Neider, Geitzhälse -gewesen? Raubvögel haben zwar von Anbeginn ihre Nächsten, bescheidnere -Nebenvögel, gefressen, so bald sie sich ihrer bemeistern konnten; -Menschen, welche einsehen, daß besser besser ist, und daß sie besser -werden können -- sollten _die_ ewig Raubvögel bleiben? Mich tröstet -der Glaube an die analogisch zu vermuthende Absicht der väterlichen -Gottheit -- und das rastlose Fortstreben des menschlichen Geistes, der -einmal aufgeweckt und in Thätigkeit gesetzt ist. Die gesunde Bergluft -ist ohne Zweifel die Ursache von dem Heimwehe der Schweizer; was sollte -aber das andere Geschlecht bewegen, in seiner jetzigen Lage zu bleiben? -Es wird wollen, wenn wir zu wollen uns entschließen werden -- - -Ungern muß ich mich noch zu einer Art Menschen wenden, an die ich -gewiß am wenigsten gedacht hätte, wenn nicht ganz frische Spuren mich -schreckten -- Daß dies die Herren Recensenten nicht sind, versteht -sich von selbst. Es giebt wackere Männer unter ihnen, die, wenn sie -gleich sich einen ehemals ungewöhnlichen Reskriptenton angewöhnen, es -so übel nicht meinen; man lasse sie reskribiren -- Du lieber Gott! -was reskribirt heut zu Tage nicht alles --! Wenn Kinder und Säuglinge -an Jahren und an Verstande in unseren hohen Dikasterien den Nahmen -Gottes und ihres Fürsten so unnützlich führen, und dummdreistes Zeug -in diesen breiten goldenen Rahmen fassen; wenn sie so ungestraft -blinden Lärm zu machen, die Vernunft in blödsinnigen Sentenzen -gefangen nehmen, den guten Ruf trefflicher Männer als gute Prise -ansehen, und von Rechtswegen fünf gerade gehen lassen können -- wird -man nicht, wohl zu merken! bei würdigen Recensenten, denen jene -unbärtigen Großsprecher nicht werth sind die Schuhriemen zu lösen, -die weit kleineren Reskripten-Freiheiten, die sie sich herausnehmen, -ganz gern übersehen? Ich habe in Wahrheit nichts gegen Recensenten, -die sich wie wohlthätige Egel an unsere Bücher hängen, um ihnen das -böse Blut abzusaugen; vielmehr wünsch' ich herzlich, daß dieser -Blutdurst ihnen allerseits nach Stand und Verdienst wohl bekommen -möge. Wenn aber Mücken um ein Paar Blutstropfen mich verfolgen, und -meinen Nahmen (wahrlich ein Paar Blutstropfen) entwenden wollen; -so bitt' ich diese Anekdotensauger in Erwägung zu nehmen, daß ein -Buch darum keinen Fingerlang oder Fingerbreit schlechter oder besser -wird, weil man weiß, daß es diesen oder jenen Verfasser hat. In der -Schrittstellerwelt giebt es keinen Erbadel; und warum will man die -gelehrte Republik in einen monarchischen, wo nicht gar despotischen, -Staat umwälzen? warum nicht Jeden bei so viel Freiheit, wie nur -mensch- und politisch-möglich ist, lassen? Da giebt es denn aber -Kraftgenies ohne Genie, ohne genialische Anlage und Nachdruck, die -im Gefühl ihrer Geistesarmuth Anekdoten haschen, um unter Gelehrten -die Gelehrten zu spielen, die sie nicht sind, und die sie ohne -wundervolle Pfingst-Inspiration auch nicht werden können! Ein Pfeifer -und Geiger, ein Flöter und Trommeter glaubt taktlos sich für _Kant_ -und _Wieland_ in Einer Person ausgeben zu können, ob er sich gleich -begnügen sollte, die Mauern von Jericho umzublasen und die Steine -tanzen zu lassen. Voll Vademecums-Belägen wissen dergleichen Masken -- -und was denn? was unter braven wackern Gelehrten der wenigste Kummer -ist; -- allein dafür sind jene Kraftmänner auch vor aller andern -Hypochondrie, als der, die aus Unwissenheit entsprießt, und die mit -Nahmen-Wuth anzuheben pflegt, sicher ihr Lebenlang -- machen sich -aus Litteratur-Kindern und philosophischen Säuglingen eine Macht, -und kommen nicht selten in die Gefahr jenes Menschenkenners, der -einen trefflichen Mann fragte: Ist der Herr nicht der Küster aus * -*? »_Nein, ich bin der General-Superintendent * *, und wer Sie sind, -mag ich nicht wissen._« -- Wer leugnet es, daß durch Gelehrte von -Profession, z. B. durch _Kant_ und _Heyne_, die Wissenschaften große -Fortschritte machten? Gewiß würde der Meister der Philosophie _Kant_ in -seinen patriarchalischen Jahren nicht so kraftvolle Arbeiten liefern, -und durch einen wohlgestalteten Seelenerben nach dem andern der Welt -ein Lachen bereiten, wenn er nicht in der Blüthe seines Lebens mit -diesen Gegenständen vertraut geworden, und bei seinem Unterrichte zu -denken von Anbeginn gewohnt gewesen wäre. Seine Vorlesungen waren -die Goldwagen seiner Grundsätze -- Solch eine Pflege kann kein -Geschäftsmann seinem Buche geben; noch nie aber haben verdienstvolle -akademische Lehrer einem _Lessing_, _Spalding_, _Teller_, _Moses -Mendelssohn_ u. s. w. ihr Verdienst abgesprochen, vielmehr es gern -gesehen, wenn diese fein sokratisch ihre Systeme in Philosophie der -Welt, ich weiß nicht ob erniedrigten oder erhöheten? -- Und wozu diese -Bemerkung? Um eine andere einzuleiten -- Wenn die Kritik der reinen -Vernunft mit dem Nahmen _Immanuel Kant_ in die Welt kommt -- Wer hat -etwas dagegen? Wenn aber ein Geschäftsmann Autor ist -- in welche -Schwierigkeiten sieht er sich verwickelt! Der Präsident beneidet ihn, -wenn er Rath; und der Minister, wenn er Präsident ist. Zum gemeinen -Leben berufen, muß er sich nach demselben einrichten und sich in die -Zeit schicken lernen, und es ist bei dem Geschäftsmanne nur zu oft -böse Zeit. Kritiken schaden den Gelehrten von Profession so wenig, -als wenn Renomisten sich an den Fenstern des zu strengen Rektors -vergreifen, die denn doch durch Laden gesichert werden können; und wie -leicht ist das Haus Sr. Magnificenz wieder befenstert! Der unsauberste -Geist indeß schadet dem Geschäftsmann, indem witzleere Antagonisten -desselben den schalsten Einfall mit Freuden aufnehmen, und mit diesen -fremden Kälbern pflügen, um den braven Mann zu kränken. Der Gelehrte -von Profession schlägt den Ball, den ihm ein unfreundlicher Kritikus -zuschlägt, weiter; der Geschäftsmann kann ihn nur zurückschlagen -- -Jeder Unglücksfall im Dienst wird auf die Rechnung der Autorschaft -geschrieben; jede ungegründete Beschwerde einer chicanirenden Parthei -findet gewisses Gehör, weil der Herr _Decernent_, oder _Instruent_, -_Referent_ und wie die _enten_ alle heißen mögen, Autor ist und sich -nicht Zeit nahm -- alle Menschen klug zu machen. -- Der Revers der -Sache? wird nicht mancher Schriftsteller das Ansehen, welches er -in der gelehrten Welt hat, zum Schreckmittel brauchen, um sich zu -einem _Noli me tangere_ zu erheben? wird nicht sein Vorgesetzter -seiner Schriftstellerfeder auf Rechnung seines Postens eine Pension -zuwenden, und Andern aufbürden, was Jenem zu thun oblag --? _Practica -est multiplex._ Ein Mann, der _Vater_ ist, wenn er _Brutus_ seyn -soll, der unter den Autoren Präsident, und unter den Präsidenten -Autor ist, verdient die Züchtigung eines _Johnson's_, da hingegen ein -Autor, welcher der gelehrten Welt so wenig von seinem politischen -Verhältnisse, als diesem von jener verräth, zwiefacher Ehre werth zu -seyn scheint, indem er sich nicht aus Einer Lage in die andere hinein -schmeichelt, keine Folie nöthig hat, und nicht Eine Farbe in die andere -spielen läßt, sondern überall Mann ist -- -- Das Leben eines Mannes -von dieser Art zu lesen, wenn er aufhört entweder politisch oder -natürlich zu leben -- kann wahrlich ein besseres Lehrbuch werden, als -das Leben unseres trefflichen _Semlers_, der geheime Wissenschaften -an geheimen Orten zu lernen suchte -- um sie kurz vor seinem Ende -öffentlich zu treiben -- oder anderer Selbstbekenner, die geistliche -und leibliche Jahr- Monaths- Tage- Stunden- und Minuten-Bücher stellten ---. _Shakespear_ ward in seinem Leben wegen seiner Sonetten, _Milton_ -wegen seiner Lateinischen Verse und prosaischen Schriften geschätzt, -derentwegen sich Beide schwerlich bis auf den heutigen Tag erhalten -haben würden -- -- - -^FRIEDRICH II.^, der doch selbst von der Poësie, wie von einem -Dämon, gar übel geplagt ward, so daß sie sogar bei Schlachten nicht -verfehlte, ^IHM^ Cour zu machen, sagte zu einem Staatsdiener, -dessen Andenken ich heute an dem Tage seines Todes feiere: _ich mache -Ihn zum * *; aber lass' er mir das Schreiben -- So etwas stört, und -im Amte muß Er sich durch gar nichts stören lassen -- hört Er?_ Ja! -und wer Ohren hat zu hören, der höre! Sind das die Gesinnungen eines -königlichen Schriftstellers, (nach Weise des königlichen Propheten -_David_) wie viel ist von Fürsten zu fürchten, denen, außer der -Salbung zu Regenten, keine andere zu Theil ward --! wie noch viel mehr -von _Königschen_, die, zu schwach zu einer kritischen Sichtung, an -Autoren, welche ihnen über den Kopf zu wachsen scheinen, so gern zu -Rittern werden -- Ob von diesen Fällen Einer oder keiner der meinige -sei, thut nichts zur Sache; daß sie aus dem Leben genommen sind, wird -Niemand ableugnen -- Und darf ich noch bemerken, daß Kunstrichter, -wie alle andere Richter, nicht die Personen ansehen müssen, und daß -es pflichtwidrig ist, es auf den Namen des Schriftstellers anlegen zu -wollen --? - -Wenn unsere Anekdoten- und Nahmenhäscher dies in Erwägung zögen -- -würden sie nicht lieber Fische fangen und Vogel stellen, da sie doch -einmal verdorbene Gesellen sind? -- Wie viel wollt' ich geben, wenn ich -dieses Schlusses hätte überhoben seyn können! -- denn in der That, ich -weiß ihn so wenig in den Takt dieser Schrift zu bringen, daß ich mich -vielmehr begnügen muß, zu bemerken, wie die Menschen nur alsdann sich -zu nahe kommen, wenn sie nichts thun wollen oder können, und, anstatt -sich mit sich selbst zu beschäftigen, es gemächlicher finden, auf und -gegen Andere zu wirken -- - -Daß dieser Epilogus jene lieben, trefflichen, edlen Seelen nichts -angeht, die in keiner andern Absicht, als um sich näher mit dem -Schriftsteller zu verbinden, der mit ihnen so harmonirt, seinen -Nahmen gern wüßten -- darf ich dies erst bemerken? -- Möchte doch -der unerforschliche ^GOTT^ diesen trefflichen Seelen öffentlich -vergelten, was sie auch etwa an mir insgeheim thaten! -- Möchte ihnen -doch an der Hand gutdenkender Weiber des Lebens Last und Hitze nicht -schwer seyn! Leicht sei ihnen die Erde im Leben und im Tode --! -- - - - - -Inhalt. - - - I. Formale und Materiale der gegenwärtigen - Schrift. Seite 1 - - II. Giebt es außer dem Unterschiede des Geschlechtes - noch andere zwischen Mann und Weib? 28 - - III. Woher die Überlegenheit des Mannes - über die Frau entstanden? Rückblicke auf - die ältere Zeit. 75 - - IV. Nähere Angaben, woher die Überlegenheit - des Mannes über die Frau entstanden - ist. Betreffen neuere Zeit. 122 - - V. Verbesserungs-Vorschläge. 185 - - VI. Nutzanwendung. 398 - - - - -Notizen des Bearbeiters: - -Kursivschrift markiert durch _..._ - -Gesperrte Schrift markiert durch ^...^ - -Unterschiedliche Schreibweisen wurden beibehalten. - -Typographische Fehler und einzelne Satzzeichen wurden stillschweigend -geändert. - - - - - -End of the Project Gutenberg EBook of Über die bürgerliche Verbesserung der -Weiber, by Theodor Gottlieb von Hippel - -*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK ÜBER DIE BÜRGERLICHE *** - -***** This file should be named 53912-8.txt or 53912-8.zip ***** -This and all associated files of various formats will be found in: - http://www.gutenberg.org/5/3/9/1/53912/ - -Produced by Matthias Grammel and the Online Distributed -Proofreading Team at http://www.pgdp.net (This book was -produced from scanned images of public domain material -from the Google Books project.) - - -Updated editions will replace the previous one--the old editions -will be renamed. - -Creating the works from public domain print editions means that no -one owns a United States copyright in these works, so the Foundation -(and you!) can copy and distribute it in the United States without -permission and without paying copyright royalties. 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You may copy it, give it away or -re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included -with this eBook or online at www.gutenberg.org/license - - -Title: Über die bürgerliche Verbesserung der Weiber - -Author: Theodor Gottlieb von Hippel - -Release Date: January 7, 2017 [EBook #53912] - -Language: German - -Character set encoding: ISO-8859-1 - -*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK ÜBER DIE BÜRGERLICHE *** - - - - -Produced by Matthias Grammel and the Online Distributed -Proofreading Team at http://www.pgdp.net (This book was -produced from scanned images of public domain material -from the Google Books project.) - - - - - - -</pre> - - - - -<h1><span class="smcap">Über die<br /> -bürgerliche Verbesserung<br /> -der Weiber</span></h1> - - <div class="figcenter"> - <img src="images/a001.jpg" alt="Illustration" /> - </div> -<p class="pmb2" /> - -<hr class="tb" /> - -<p class="p2 center font14 pmb1"><span class="smcap"><b>Berlin, 1792.</b></span></p> -<p class="center font12 pmb3"><i>in der Voßischen Buchhandlung</i></p> - - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_i"></a></span></p> - - -<hr class="chap" /> -<p class="break" /> - - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_1">[S. 1]</a></span></p> - - -<h2 id="I">I.<br /><br /> - -<span class="smcap">Formale und Materiale der<br /> -gegenwärtigen Schrift.</span></h2> - - <div class="figcenter"> - <img src="images/tb_001.jpg" alt="Dekoration" /> - </div> -<p class="pmb1" /> - -<p>Man sagt: der strengste Beweis der Wahrheit -sei, wenn gewisse Dinge jeder Bemühung -sie lächerlich zu machen und zu travestiren, -widerstehen, und wenn sie trotz allem Lächerlichen, -womit wir sie behängen, doch ehrwürdig -bleiben. Wenn die krumme Linie die -Schönheits-Linie ist; so wird man es schwerlich -bedenklich finden, dem Lachen die Schlüssel -zum Himmelreiche der Wahrheit anzuvertrauen. -Ein mißlicher Umstand! der mich -bei der gegenwärtigen Schrift in eine nicht -geringe Verlegenheit verwickelt, da ich einen -Gegenstand vorhabe, worin bei weitem der -größte Theil des Ernsthaften mit dem Lächerlichen, - <span class="pagenum"><a id="Seite_2">[S. 2]</a></span> -nicht von Anbeginn und von Natur, -sondern durch Verjährung, so im Gemenge -liegt, daß hierbei nicht so leicht ein Divisions-Exempel -auf eine Auseinandersetzung gewagt -werden kann. Wenn ein Ritter von ächtlustiger -Gestalt den Kampf beginnt — wer und -was kann vor ihm bestehen? welche Festung -von System und Dogmatik sich halten? <i>Sokrates</i>, -der Weiseste, nicht unter den <i>Königen</i>, -sondern unter den <i>Weisen</i>, dieser Erzkern in -einer häßlichen Schale, dieser (wiewohl nicht -mit sonderlichem Geschmacke gekleidete) Engel -unter den Menschen, ward in <i>den Wolken</i> -zur Farce; und welch ein Autor kann auf einen -heitern Recensenten- und Leser-Himmel -sicher rechnen? — Selten gab es einen, der -nicht aus dem Regen unter die Traufe gerieth, -und noch nie ging ein Licht in der Welt auf, -ohne seinen <i>Aristophanes</i> zu finden, der es, -mir nichts, dir nichts, geradezu ausblies, oder -— unter dem Scheine des Rechts, als wollt' -er es schneutzen — es neckte und verdunkelte. -Fast scheint auf diese Weise das Lächerliche -das tägliche Brodt der Menschen zu seyn, und - <span class="pagenum"><a id="Seite_3">[S. 3]</a></span> -man wird sich ohne Zweifel am besten befinden, -wenn man in Züchten und Ehren mitlacht, -oder seine Schrift, des Bildes und der -Überschrift des Ernstes ungeachtet, zu einem -Tone stimmt, der nicht ernsthafte Blößen (die -lächerlichsten von allen) giebt. — »Ihr werdet -lange nicht so viel über mich weinen, -wie ihr über mich gelacht habt,« sagte <i>Scarron</i>, -der Ehevorfahr <i>Ludwigs des XIV.</i>, zu -denen, die sein Sterbelager umringten und -weinten. Diese Vorstellung war im Stande, -ihn im Sterben aufzuheitern — und warum -auch nicht? — Jetzt, da selbst die heilige -Moral nicht mehr im Klosteranzuge ihr Glück -machen kann und will, vielmehr fröhlich und -guter Dinge einhertritt, und die Becher, welche -sie mit ihrem herzerfreuenden Wein anfüllet, -zu bekränzen gebeut; jetzt, da sogar jede widerliche -Außenseite des Menschen eher seines -Herzens Härtigkeit als dessen Reinheit zu verrathen -scheint: jetzt ist Fröhlichkeit ein lebensartiges -Ingredienz geworden, und Lachen -und Weinen leben in einer so glücklichen -Ehe, daß jene philosophischen Gaukler, von - <span class="pagenum"><a id="Seite_4">[S. 4]</a></span> -denen der eine nicht aus dem Lachen und -der andere nicht aus dem Weinen kommen -konnte, schwerlich Professuren auf unsern -Akademieen erhalten würden. Kinder, die der -Natur am nächsten sind, lachen und weinen -über eine und dieselbe Sache, und eine liebenswürdige -Braut reißt sich weinend aus den -Armen ihrer verwaiseten Mutter, um in eben -dem Augenblicke sich lachend in die Arme -ihres Vielgeliebten zu stürzen. — Unser Leben -ist Ebbe und Fluth, immerwährender -Wechsel von Freude und Leid; und sollten -nicht alle Gegenstände des gemeinen Lebens -Spuren und Eindrücke von der <i>comédie larmoyante</i> -des <i>verwünschten Schlosses von Planeten</i> -zeigen, auf dem uns eine Menschen-Rolle -angewiesen ist? — die schwerste vielleicht -in Gottes weitem und breitem Weltall! -— vielleicht auch die leichteste, je nachdem -sie gespielt wird. — Aller unvergeßlichen -Bemühungen so mancher <i>edlen Ritter</i> ungeachtet, -welche die Menschheit und durch sie <i>die -Erde entzaubern</i> wollten, ist das Abentheuer -noch nicht bestanden — O der verdammten - <span class="pagenum"><a id="Seite_5">[S. 5]</a></span> -Hexe, der Sünde, die das <i>Verderben</i> so braver -<i>Leute</i> ist! — Wenn wir gleich durch die -Erinnerung des Todes nicht unseres ganzen -Lebens Knechte sind; so sind doch die Gedanken -an den Tod und an Gott <i>die</i>, welche -uns in jedem Falle zu einem <i>Memento!</i> bringen. -Wahrlich! es war Philosophie, wenn -des Königes <i>Xerxes</i> Majestät über sein Heer -sich freute und traurig ward. — Jeder Schmerz -hat seine Wollust; und wie schal ist nicht -das Vergnügen, das nicht durch etwas Bitterkeit -gewürzt wird! Vom Glück ist dem Weisen -nur zu träumen erlaubt; das Unglück, als -das gewöhnliche Loos der Menschheit, mit -Fassung zu ertragen, bleibt ihm unabläßliche -Pflicht: und es giebt in der That überall eine -Mittelstraße, eine gemäßigte Fröhlichkeit und -ein Lächeln, das bei warmen Thränen im Auge -Statt finden kann. Alle vier und zwanzig Stunden -giebt es Nacht und Tag, ein Licht, das -den Tag regiert, und eins, das die Nacht regiert. -— Noch näher kann ich dieses Exordium -legen, wenn ich bemerke, daß das -schöne Geschlecht, der Natur getreu, die gute - <span class="pagenum"><a id="Seite_6">[S. 6]</a></span> -und vollkommene Gabe von oben herab besitzt, -alle seine Bitterkeiten, deren es sich zu -seinen Wehr und Waffen zu bedienen pflegt, -so zu bezuckern, und ihren Ernst, vermittelst -eines ihn lindernden Lächelns, so zu ermäßigen, -daß ich keinen Augenblick Bedenkzeit -nehmen darf, diesem liebenswürdigen Beispiele -zu huldigen und mich der beiden Gesichter -des <i>Janus</i> mit patriotischer Freiheit zu -erinnern. Auch scheint die Last, welche das -schöne Geschlecht trägt, einem und bei weitem -dem größeren Theile desselben so sanft -und sein Joch so leicht zu seyn, daß es vielleicht -im Diensthause Egyptens und bei den -Fleischtöpfen eines gemächlichen wirklichen -Alltags-Lebens zu verbleiben wünschen wird, -ohne die beschwerliche Reise nach Kanaan, -wo Milch und Honig der Natur fließt, antreten -zu wollen. Selbst Damen von Bedeutung -scheinen oft nicht zu wissen, daß sie in ihrem -Prunk von Purpur und köstlicher Leinwand -Leid tragen, und daß ihr Leben in -Herrlichkeit und Freude eine <i>Leibes-</i> und <i>Lebens</i>strafe -ist, die man ihnen im heimlichen - <span class="pagenum"><a id="Seite_7">[S. 7]</a></span> -Gericht zuerkannt hat. — Wo viel Glanz ist, -da ist wenig Geschmack — so wie gemeiniglich -Bigotterie und Sittenlosigkeit <i>getreue Nachbarn -und desgleichen</i> zu seyn pflegen. Wahrlich! -es ist der höchste Gipfel der Krankheit, wenn -Patienten Fieberhitze für blühende Gesundheit -halten und jede Arznei von der Hand weisen; -und so übersteigt es auch den gewöhnlichen -Grad des menschlichen Verderbens, wenn -Sklaven auf alle Rechte Verzicht thun und -ihre Verfassung auf das gute Glück der Denkungsart -ihrer Gebieter gründen. — Und wer -ist Schuld an diesem Gerichte der Verstockung? -das andere Geschlecht? wird man diesen Stab -brechen, da selbst der Naturverkündiger <i>Rousseau</i>, -der alle Welt, und besonders die schönere -Hälfte derselben, zur Natur bekehren -wollte, trotz dieser <i>gewaltigen Predigt von -Buße und Glauben</i> am liebsten mit <i>vornehmen -Damen</i> umging? Wie konnte seine Eitelkeit -sich gütlich thun, wenn Standespersonen -ihn hervorzogen, ob er gleich über das -Verderben der höheren Stände bei aller Gelegenheit -außer Athem kam! — — Doch ich - <span class="pagenum"><a id="Seite_8">[S. 8]</a></span> -will dem zweiten Theile dieses Kapitels nicht -vorgreifen. Mag sich meine Schrift in die -Zeit schicken, und von allen Seiten ihr Heil -versuchen —! Mit der Anrufung der heiligen -Zahl der drei mal drei Schwestern soll sie -sich nicht brüsten, da ein dergleichen <i>Oremus</i> -bloß poëtischen Arbeiten die Bahn zu brechen -gewohnt ist; aber um alles in der Welt -wünschte ich nicht, daß ihr die Ehre erwiesen -würde, die Bibliothek der erlauchten Republik -des <i>Plato</i> zu zieren. — Zur Sache.</p> - -<p>Als <i>Ludwig den Vierzehnten</i> wegen der -neuen Lasten, die er seinem schon gedrückten -Volke zugedacht hatte, wirklich eine Art von -Gewissens-Schauer anwandelte, fand er in -dem leidigen Troste seines Beichtvaters <i>Tellier</i>, -»<i>daß das Vermögen seiner Unterthanen -sein Eigenthum sei</i>,« ein so sanftes Küssen -für dieses aufgewachte Gewissen, daß er sich -kein Bedenken gemacht haben würde, die Auflage, -die ihn beunruhiget hatte, aus dem Stegreife -zu verdoppeln; und ohne Zweifel ist dieser -Köhlerglaube der Grund zu jener Behauptung: -<i>ich bin der Staat</i>.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_9">[S. 9]</a></span></p> - -<p>Die Gewohnheit wird so leicht zur andern -Natur, daß die Franzosen, welche die Plackereien -eines <i>Terray</i>, und die Härte eines <i>Meaupou</i> -ertrugen, sich hinreichend glücklich schätzten, -wenn nur ein kleiner, vielleicht der unwürdigste, -Theil die durch die Zehnten der -Wittwen und die Sparpfennige der Elenden -gefüllten Freudenbecher des Staats in unmäßigen -Zügen leeren konnte, während der andere -größere und arbeitende Theil, unter dem -Joche der Willkühr der Despotie und der Dürftigkeit -schmachtend, doch noch immer das -Glück hatte, so gut es sich thun ließ', zu -springen und zu singen, zu hüpfen und zu -pfeifen. — Bei einem so leichten, über Alles -sich wegsetzenden und mit einem <i>Chanson</i> sich -aus aller Noth helfenden Völkchen, war diese -Zuchtruthe, theils mit Peitschen, theils mit Skorpionen, -um so weniger fühlbar, da es an den -Gallatagen und Staatsfesten der Ausgezeichneten -unter ihm, durch ein Freibillet vermittelst -der Augen Theil nahm — und dieses Völkchen -lernte es je länger je mehr ertragen, daß jene -den <i>Freudenkelch</i> für sich allein behielten und - <span class="pagenum"><a id="Seite_10">[S. 10]</a></span> -es <i>für sie alle</i> thaten. Die Brocken, die etwa -dem Künstler und der Putzmacherin von den -Tischen dieser <i>reichen Männer</i> fielen — waren -ihnen eine Segenserndte, und die Hunde -der Großen leckten ihnen ihre Schwären — -Dies Jammer und Elend ist kommen zu einem -seligen End, und Laternenpfähle scheinen über -Frankreich das Licht der Natur und einer -Gleichheit aller Menschen so stark verbreitet -zu haben, daß man vor lauter Licht das Licht -zuweilen nicht zu erblicken scheint. Es giebt -Menschen, die den Wald nicht vor den Bäumen -sehen, und gar zu hell macht dunkel: auch giebt -es moralische Blendlinge, die das Glück oder -Unglück haben, da etwas flittern zu sehen, wo -das gesunde Auge des Verstandes nichts wahrnimmt. -Wie wär' es, wenn ich ohne Feldgeschrei -und Sturmglocke, wie weiland <i>Diogenes</i>, -laternisirte und mit einer Handleuchte in -der schönen Welt, wo so viel Überfluss von tausend -und abermal tausend Dingen für Geld -oder für gute Worte zu haben ist — Menschen -suchte? — Ob ich finden würde? — -Einige Auflösungen sind mit Brausen verbunden; - <span class="pagenum"><a id="Seite_11">[S. 11]</a></span> -bei einigen entstehet eine Hitze, bei einigen -eine Kälte. — Daß Ew. Excellenz sich -nur ja nicht ereifern, vielmehr Hochdero Galle -für Ihren ungetreuen Liebhaber <i>Num.</i> 30. besparen! -— Eine Schwalbe macht keinen Sommer, -und meine Laterne ist mit einem Hauch -Ihres Eifers ausgeblasen. Wollten Ew. Excellenz -in aller Zucht und Ehrbarkeit Sich in einen -wohlgemeinten Wortwechsel mit mir einzulassen -geruhen; Sie würden, wie ich nach -der Liebe hoffe, Sich eines andern besinnen, -und vielleicht überzeugt werden, daß ich weniger -Vorwürfe verdiene, als alle Ihre Liebhaber -bis auf den <i>sub Num.</i> 30., der es freilich -außer der Weise macht, woran indeß ich -und meine Schrift auch nicht auf die entferntste -Weise Schuld sind — Bin ich gleich -kein galanter, so bin ich doch ein treuer Verehrer -eines Geschlechtes, unter welchem Sie -und viele andere Ihres Gleichen so unrichtig -<i>Excellenz</i> heißen, wogegen andere trefliche -Weiber, welche diesen Ehrennamen zehnfach -verdienen, aus Hof-Etiquette nicht so genannt -werden.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_12">[S. 12]</a></span></p> - -<p><i>Keinem anderen als einem Deutschen konnte -wohl ein solches Buch einfallen!</i></p> - -<p>Auch unter den Franzosen gab es Sonderlinge, -die, wenn sie gleich freilich nicht mit -der Thür ins Haus fielen, und an keine bürgerliche -Verbesserung des schönen Geschlechtes -dachten, ihm doch ein anderes Verhältniß -anwiesen. Ich habe geglaubt, man müsse -dem Übel die Wurzel nehmen und den Staat -nicht aus dem Spiele lassen.</p> - -<p><i>Frankreich, wo jetzt alles gleich ist, ließ -unser Geschlecht unangetastet.</i></p> - -<p>Unverzeihlich! wie konnte ein Volk, das -(wie weiland <i>Voltaire par et pour</i> die Komödianten -lebte) <i>par et pour</i> das schöne Geschlecht -existirt, bei der weltgepriesenen allgemeinen -Gleichheit ein Geschlecht vernachlässigen, -das eine Königin hat, derengleichen es -gewiß wenige in der Welt gab. —</p> - -<p>Wenn ich nur selbst wüßte, wie ich mich -hier ins Mittel legen könnte, um aus diesem -<i>excellenten</i> Handel mit Ehren herauszukommen! -— Wohlan! ich will den gegenwärtigen -Weltlauf der Damen copiren, die in Einem - <span class="pagenum"><a id="Seite_13">[S. 13]</a></span> -Athem trotzen und bitten, fluchen und -segnen — —</p> - -<p>Vielleicht war das menschliche Geschlecht -bloß darum so vielem Wechsel von Licht und -Finsterniß, von Veredlung und Herabwürdigung, -von Paradies und Fall ausgesetzt, weil -man die Rechnung ohne die schöne Welt -machte. Es ebbte und fluthete, je nachdem -man von dieser andern Hälfte Notiz nahm und -je nachdem man sie als etwas Wesentliches -in der Menschheit oder als etwas Beiläufiges -ansah, das schon die Ehre haben würde, der -Principalsache zu folgen. Man sah das schöne -Geschlecht, wie den Reim, kaum für etwas -mehr, als für eine Krücke an, wodurch sich -der Gedanke forthilft; und bei Messiaden und -andern Werken der Dichtkunst, wo man ohne -Krücken ging — mußte das andere Geschlecht -sich gefallen lassen, zu kurz zu kommen. Jener -Römische Rechtsspruch: Mit dem Rechtsmaß, -mit dem man Andere mißt, muß man -sich selbst messen; schien hier völlig seine -Kraft verloren zu haben, wenn er gleich zu -jenen ins Herz geschriebenen gehört, die zu - <span class="pagenum"><a id="Seite_14">[S. 14]</a></span> -übertreten eine Sünde wider den heiligen -Geist ist. — Wie ist ein Stoff zu organisiren, -wenn es nicht auf die Vereinfachung des Vielfachen -angelegt wird? Wie ist dem menschlichen -Geschlechte zu rathen und zu helfen, -wenn man so entsetzlich einseitig verfährt? -Der Himmel der alten Welt hatte seine Göttinnen -so gut wie seine Götter; nur unter den -Menschen soll es keine anderen Götter geben -neben den Männern von Gottes Gnaden! -— Ist es ein Seelenfest, wenn entfernte, einander -völlig fremd gewordene Gegenstände in der -Geisterwelt sich zusammen finden; wenn sich -oft das Allerverschiedenste in einem Berührungspunkte -des Denkens trifft, wo seine ursprüngliche -Verwandtschaft wieder einleuchtend -wird; wenn sich dergleichen von einander -abgekommene Gegenstände Hände und -Trauringe geben und eine Himmelsstimme sich -hören läßt: was Gott zusammen fügt, soll der -Mensch nicht scheiden; ist es unaussprechliche -Wonne, wenn Freunde nach langen See- und -Landreisen sich wieder an Stell' und Ort umarmen -und sich an die paradiesischen Jahre - <span class="pagenum"><a id="Seite_15">[S. 15]</a></span> -ihrer Jugend erinnern, wo sie Ein Herz und -Eine Seele waren: wie weit herrlicher wird -es seyn, wenn das andere Geschlecht sich -wieder zu dem unsrigen verhält, wie <i>Eva</i> zu -<i>Adam</i>, und nicht wie Ew. Excellenz zu <i>Num.</i> -30! — Laßt uns dies Werk der Zeit überlassen, -die bisweilen aus unbegreiflicher Güte -Combinationen zusammen bringt, auf welche, -nach dem gewöhnlichen Laufe der Dinge, weder -zu rechnen, noch Jagd zu machen war — -Laßt uns auf den Zeitpunkt uns freuen, wo -der Tag der Erlösung für das schöne Geschlecht -anbrechen wird, wenn man Menschen, -die zu gleichen Rechten berufen sind, -nicht mehr in der Ausübung derselben behindert -— und wenn man das, was so augenscheinlich -gleich ist, nicht so willkührlich -unterscheidet. — Ich würd' ein Frauenknecht -in bester Form seyn, wenn ich behaupten -wollte, daß diese goldene Zeit vom Himmel -fallen werde. Verdienst und Würdigkeit sind -die Bedingungen menschlicher Glückseligkeit, -und der Mensch, sein eigener Bildner, kann -aus dem Marmorwürfel, den die Natur ihm - <span class="pagenum"><a id="Seite_16">[S. 16]</a></span> -zuwarf, einen Gott und ein Thier machen — -nach Belieben. Bloß auf die Behauptung -schränk' ich mich ein, daß der Stoff, woraus -eine <i>Venus</i> ward, sich eben so gut zu einem -<i>Merkur</i> verarbeiten läßt; daß den Weibern -das <i>Recht der Gerade</i> gebührt; und daß, wenn -die Natur das menschliche Geschlecht zu -schaffen <i>anfing</i>, sie den größeren Theil uns -selbst überließ, um die Ehre der Schöpfung -mit uns zu theilen. Thätigkeit ist die Würze -des Genusses, und Genuß die Würze der -Thätigkeit. — Es ist dem Menschen angeboren, -sagt <i>Cicero</i> (mit andern Worten), daß, -wenn er sich Gott denkt, die menschliche Natur -vor ihm schwebt. — Man definire den -Menschen, wie weiland der göttliche <i>Plato</i>, -als <i>ein zweifüßiges Thier ohne Federn</i>, oder -als ein <i>Geschöpf</i>, das sich wie ein Tanzmeister -<i>gerade</i> hält, als Gott, als Thier: nirgends -sind Weiber ausgeschlossen; nur müssen sie -auch nicht sich selbst ausschließen — und -wollen und werden sie das? <i>Wesley</i>, der Stifter -des Methodismus, hatte die Maxime, daß es -ohne Fasten und Frühaufstehen unmöglich sei, - <span class="pagenum"><a id="Seite_17">[S. 17]</a></span> -in der Gnade zu wachsen — Was gilt das beste -Recht, wenn man sich desselben unwürdig -macht! Das fräuliche Geschlecht soll in der -Gerechtigkeit, und nicht in der Gnade, wachsen; -indeß kann ich ihm kein anderes als dies -Methodisten-Recept verschreiben: <i>Wachsamkeit -und Enthaltsamkeit</i> — Welch ein Fürst, und -wär' es der reichste und mächtigste, ist glücklich -ohne persönliches Verdienst —? <i>Thomas -Payne</i>, der den Vorwurf, ein Fürstenfeind zu -seyn, höchlich von sich ablehnt, und protestirend -versichert, daß Niemand treuer als Er -wünschen könne, die regierenden Herren zu -der glücklichen Lage der Privatmänner zu erheben, -bedachte nicht, daß jeder Fürst nicht -nur ein politisches, sondern auch ein Privatleben -führt — daß Fürsten mehr persönliche -Verdienste zeigen müssen, als andere, wenn -sie geliebt und bewundert werden wollen, und -daß sie Fürsten bleiben und doch sich persönlich -auszeichnen können. Das ist, mit Ewr. -Excellenz gnädiger Erlaubniß, der Fall mit -Ihrem Geschlechte. — <i>Quand le bon ton -paroît, le bon sens se retire.</i> — —</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_18">[S. 18]</a></span></p> - -<p>Eine <i>Gardefou</i>, eine Warnungstafel, den -Blöden zum Besten: daß ich hier mit keiner -wirklichen Excellenz wirklich colloquirt habe; -denn außerdem, daß ich alsdann gewiß weniger -zum Wort gekommen wäre, würd' ich -auch meine wenigeren Worte unschwer zu -verzuckern nicht ermangelt haben. — Wenn -der Künstler auf bloße Portraite eingeschränkt -ist und keine Ideale mehr wagen darf, so -agonisirt seine Kunst, und auch sein Genie -liegt in den letzten Zügen; doch muß man -in seinen Idealen eine auserlesene Sammlung -von Portraiten finden, falls sie den Namen -Ideale verdienen sollen. In einer <i>Venus</i> lag -ein Extrakt von fünfhundert schönen Mädchen -— Meine Excellenz ist in der Ideenwelt; sie -wird indeß hoffentlich kenntlich genug geblieben -seyn, und man kann ihren Widerschein -gewiß mehr als fünfhundert mal finden. Die -eigentliche Absicht war, vermittelst dieses magischen -Spiegels mein Müthlein an der gefälligen -Ungerechtigkeit zu kühlen, die unser -Geschlecht dem schönen beweiset — ohne -daß das letztere es dazu anlegen will, sich - <span class="pagenum"><a id="Seite_19">[S. 19]</a></span> -von seinen Königen zu befreien, wie weiland -<i>Rom</i>, nachdem <i>der stolze Tarquin</i> wegen seiner -Tyrannei vom Throne gestoßen und diese -Handlung mit dem Grundgesetze bezeichnet -ward: die königliche Regierung auf immer -und ewig abzustellen. Sehr viel mehr als ein -<i>Balken-Königreich</i>, das man aus einer alten -Fabel kennt, war und ist unsere Herrschaft -doch nicht — und es giebt ein moralisches -Nestelknüpfen, kraft dessen (zum wahren -Glück des Ganzen) nur wenige Männer zur -eigentlichen Herrschaft gelangen. — Damit -ich indeß dieses erste Kapitel, welches einer -Parlements- oder gar National-Versammlungs-Rede -nicht unähnlich ist, einlenke, so glaub' -ich, dem Buche <i>über die Ehe</i>, diesem belobten -und betadelten Ehe-Katechismus, mit dem -ich es weder halten noch verderben mag, -nicht zu nahe zu treten, wenn ich zur Zerstörung -der galanten <i>Bastillen</i>, der häuslichen -Zwinger und bürgerlichen Verließe, worin -sich das schöne Geschlecht befindet, mit einem -einzigen Operations-Plan Markt halte, -und <i>die bürgerliche Verbesserung der Weiber - <span class="pagenum"><a id="Seite_20">[S. 20]</a></span> -als ein diensames Mittel diesen Zweck zu beschleichen</i>, -empfehle, anbei aber glaubensvoll -versichere, daß dieser weniger im Schweiß -des Angesichts zu erringende, als so zu erhaltende -<i>Stand im Staate</i>, beiden Hemisphären -des menschlichen Geschlechtes heilsam seyn -werde, zeitlich und ewiglich. — Ruhig und -überzeugend gehet die Vernunft, und nur da, -wo man sie mit ungleichen Waffen unrühmlich -bekämpfen will, wo das Vorurtheil den -Handschuh wirft, und Gewalt ihr den Weg -vertritt, pflegt auch sie ihren eigentlichen -wohlüberdachten Plan aufzugeben, und ihm -einen andern unterzulegen, wodurch nicht das -Bessere befördert, sondern Schlechtes mit -Schlechterem verwechselt wird: etwas Blindes -mit etwas Lahmen; man verändert, ohne zu -verbessern. Ein untrügliches Merkmahl aller -Schwachköpfe, vom Thron bis auf den letzten -Officianten-Sessel. — Es gab, Gottlob! von je -her Weiber, und es giebt ihrer noch, denen -ihr Stand der Erniedrigung eine zu starke -Probe ist; Weiberköpfe, die nicht ihre Weiblichkeit, -sondern die willkührliche Behandlung - <span class="pagenum"><a id="Seite_21">[S. 21]</a></span> -derselben von Seiten unseres Geschlechtes beseufzten, -und die ihrer Erlösung entgegen sahen -— meine Schrift soll ihnen keine Heerführerdienste -leisten. — Man kann durch -Lehren lernen, und durch Gehorchen sich -im Befehlen unterrichten. Ich leg' es so wenig -darauf an, das andere Geschlecht Knall -und Fall von seiner Sklaverei zu befreien, -daß ich mich vielmehr begnüge es aufzumuntern, -diese Erlösung zu verdienen. Des <i>Himmels -würdig werden</i>, heißt nicht viel weniger, -als <i>ein activer Himmelsbürger seyn</i>. — — -Findet auch selbst diese bescheidene Absicht -steinichte Äcker und steinerne Herzen — immerhin! -— es ist ja nichts weiter als ein -Buch, das ich verbreche; wahrlich eine Kleinigkeit. -Wirkte je eins? auf frischer That? -an Stell' und Ort? u. s. w. Erfahrungen, Empfindungen -solcher positiven Übel, welche der -menschlichen Natur widersprechen, wirken; -und wenn gleich die Mehrheit der Hände vielfältig -entschieden hat, und noch entscheiden -kann, so gilt doch dieser <i>Vorzug</i> der <i>Thäter</i> -nicht von der Pluralität der <i>Leser</i>, die sich zu - <span class="pagenum"><a id="Seite_22">[S. 22]</a></span> -Denkern etwa wie Eins zu Hundert verhalten. -Und du lieber Gott! selbst die Denker! sind -sie nicht eine so unsichtbare Kirche, daß nur -der Herr die Seinen kennet? Wahrlich! es -hat auf die Wirkung keinen Einfluß, ob ein -Buch zehn, fünf oder nur Eine Auflage erlebt; -und der Autor, der nach der Anzahl der verkauften -Exemplare ein angeworbenes Heer mit -ihm gleich denkender Menschen, die vermittelst -seines Buches Handgeld genommen, berechnen -will, scheint weder Bücher noch -Menschen zu kennen — man muß ihn in -die Schule schicken. Einer jeden Schrift, sie -sey weß Standes oder Ehren sie wolle, stehet -das gewöhnliche Schicksal aller Schriften bevor: -gelesen und vergessen zu werden; falls -sie sich bloß auf Meinungen einschränkt (die -unschädlichsten, unwirksamsten Dinge in der -Welt, wenn anders der Censor ihnen nicht -einen Schein von Bedeutung beizulegen die -ungütige Güte hat.) — Gelingt es mir indeß, -Leben und Erfahrung in mein Büchlein zu -legen und einen Geist in die todten Buchstaben -zu hauchen; so werd' ich wenigstens auf - <span class="pagenum"><a id="Seite_23">[S. 23]</a></span> -einen Theil der Ehre rechnen können, welche -sich der mündliche Vortrag gegen den schriftlichen -herausnimmt, indem es von ihm heißt: -der Glaube kommt durch die Predigt. —</p> - -<p>Bei solchen Umständen ist mein Zweck -freilich eine Reise um die Welt, ohne daß -ich mein Zimmer verlasse. Ob dies gerade -die gemächlichste Art zu reisen sei, mag unentschieden -bleiben; die unfruchtbarste ist sie -wenigstens nicht. <i>Newton</i> maß in seinem -Lehnsessel die Erde, und bestimmte, ohne den -<i>Chimborasso</i> bestiegen und in <i>Tornea</i> gefroren -zu haben, ihre Figur, Jahre lang früher, -als die Herren <i>Condamine</i> und <i>Maupertuis</i>; -auch bin ich nicht der Erste, der so reiset. —</p> - -<p class="pmb3">Wie, wenn ich die gegenwärtige passive -Existenz des schönen Geschlechtes in ihrer -wahren Blöße zu zeigen glücklich genug wäre, -um den Vorzug verdächtig zu machen, im -Nichtthun stark zu seyn! wenn ich einem genußgierigen -Volke, das für den sinnlichen -Luxus oft selbst den moralischen verschwendet, -indem es für die Nothwendigkeit knickert, -ökonomischere Grundsätze beibrächte, und es - <span class="pagenum"><a id="Seite_24">[S. 24]</a></span> -bewegen könnte, über Leib und Seele <i>Credit</i> -und <i>Debet</i> zu verzeichnen und Buch zu halten! -wenn meine wohlgemeinten Vorstellungen -bewirkten, daß die Weiber nicht in dem -Grade männlich würden, wie die Männer -weiblich, sondern daß Mann und Weib sich -Mühe gäben, wirklich Mann und Weib zu -seyn, da jetzt, aus verjährter Unordnung, in -Hinsicht der Geschlechter Niemand recht -weiß, wer Koch oder Kellner ist! wenn ich, -frei von jeder Explosion, bloß jenes Ziel näher -brächte, welches die Natur in eigner hoher -Person angewiesen hat! wenn mich das -gewöhnliche Schicksal der Reformatoren nicht -träfe, die Alles außer der Jahreszeit hervorbringen -wollen, denen es an Geist und Nachdruck -gebricht, den Zeitpunkt schneller herbei -zu führen, und die, was noch ärger ist, sich -auf die Pulsschläge der Zeit so wenig verstehen, -daß sie gemeiniglich <i>zu früh</i>, und, -wenn das Glück gut ist, <i>zu spät</i> zu kommen -die Ehre haben! — Des hoffnungstrunkenen -Schriftstellers! Man hat in unserer Zeit so -sehr die bürgerliche Verbesserung der Juden - <span class="pagenum"><a id="Seite_25">[S. 25]</a></span> -empfohlen; sollte ein <i>wirkliches Volk Gottes</i> -(das andere Geschlecht) weniger diese Sorgfalt -verdienen, als das <i>so genannte</i>? — Liegt der -Same der Erbsünde nicht in den Müttern? -und lagen die Verhinderungen einer moralischen -Verbesserung des menschlichen Geschlechtes -— welche Verbesserung die besten -Menschen in der Welt, und unter diesen -<span class="smcap">Friedrich der Zweite</span>, anfänglich so thätig -bezweckten, nachher aber betrübt aufgaben -— nicht vorzüglich darin, daß man das -<i>schöne</i> Geschlecht in seinen Ruinen ließ und -diesen Tempel bloß aus <i>unserm</i> Geschlecht -errichten wollte? Ist es nicht unverzeihlich, -die Hälfte der menschlichen Kräfte ungekannt, -ungeschätzt und ungebraucht schlummern zu -lassen —? Gesellschaft setzt unter den Verbundenen -eine Gleichheit voraus, wozu es der -Urheber der Menschen auch angelegt hat, der -die Menschen aufrichtig machte; nur leider! -suchen sie viele Künste. In allen Gesellschaften, -woran Weiber Theil nehmen, verbreitet -sich Anstand; und sollte dies nicht auch der -Fall beim Staate seyn, in dessen Geschäfte - <span class="pagenum"><a id="Seite_26">[S. 26]</a></span> -ein andres Licht und Leben kommen würde, -wenn Weiber den Zutritt hätten, in ihnen ihr -Licht leuchten zu lassen und ihnen einen anderen -Schwung beizulegen? — Wir haben für -unsere Gesellschaften noch keine Pflichtvorschriften; -und doch führt man sich hier ohne -Gesetzbuch so exemplarisch, daß oft Ungezogene, -die der Staat aufgab, mit augenscheinlichem -Vortheile in diese Schule gingen, und -aus ihr als gebesserte Menschen zur Universität -des Staates gebracht wurden. — Ich getraue -mir (den Gegenbeweis unverschnitten) -außer Zweifel zu setzen, daß in allen weiblichen -Regierungen gewisse feine Züge des -Anstandes aufzuspüren seyn würden, welche -bei einem großen Theile der Menschen mehr -bewirken, als ein wohlbestallter Codex voll -kunstgerechter Strafflüche. Dieser süße Geruch -der Empfehlung, dieses Gewürz des -Wohlgefallens — wie liebenswürdig! Die Gesetzgebung -der <span class="smcap">Grossen Katharina der -II.</span> hat davon laute Spuren. — Schon die -Gegenwart der Frau vom Hause, die doch das -Hausrecht gewiß nicht in aller Strenge handhaben - <span class="pagenum"><a id="Seite_27">[S. 27]</a></span> -kann, macht den Männern die Sprache -der Bescheidenheit nothwendig — und will -man einwenden, daß die Ohren alsdann gerade -nur so viel keuscher geworden wären, -als das Herz unkeusch; so vergißt man, daß -ein gewisser Schein, eine gewisse Heuchelei, -die man <i>Lebensart</i> nennt, unter den Menschen -so nothwendig ist, daß die Menschen ohne -diese Lebensart nicht, wie ein Paar <i>Augures</i> -der alten Zeit, wenn sie einander begegneten, -oder ein Paar der neuern, wenn sie ein <i>Consilium</i> -wegen der letzten Öhlung eines Patienten -halten, über einander lachen, sondern -sich verabscheuen würden. — Die Reinheit -der Zunge wirkt zurück; und wessen das -Herz voll ist, geht der Mund über. —</p> - - -<hr class="chap" /> -<p class="break" /> - - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_28">[S. 28]</a></span></p> - - -<h2 id="II">II.<br /> - -<span class="smcap">Giebt es ausser dem Unterschiede<br /> -des Geschlechtes noch andere<br /> -zwischen Mann und Weib?</span></h2> - - <div class="figcenter"> - <img src="images/tb_001.jpg" alt="Dekoration" /> - </div> -<p class="pmb1" /> - -<p>Als nach dem Rathe, den Gott über das -Schöpfungswerk gehalten hatte, dieser Plan ausgeführt -werden sollte; schuf Er das erste und -beste Paar von Menschen gleich im männlichen -und mannbaren Alter, so daß ihre Hochzeit -keine Stunde ausgesetzt werden durfte. Sie -kamen mit den erforderlichen Jahren zur Welt, -wie regierende Herren ihrem neuen Adel Ahnen -verehren — Das <i>Männlein Adam</i> hatte zwar -die Ehre der Erstgeburt; indeß ward <i>Fräulein -Eva</i> vollkommen dadurch entschädigt, -daß sie aus einer Rippe <i>Adams</i>, dieser dagegen -nur aus einem Erdenkloß zur Welt gebracht -wurde —! »<i>Eine Schöpfung also aus -der zweiten Hand?</i>« Warum nicht gar aus der - <span class="pagenum"><a id="Seite_29">[S. 29]</a></span> -dritten —! Schuf nicht eben die Schöpferhand, -welche <i>Adam</i> geschaffen hatte, auch -<i>Eva</i>? und gereichet diese Rippen-Hieroglyphe -nicht in mehr als Einer Rücksicht zum Vorzuge -des Weibes? Keins erzog das andere; -Keinem fiel es ein, sich über das andere -zu erheben und Vaterrechte zu behaupten. — -Elternrecht, das schönste und ehrwürdigste, -das die Menschheit kennt, der Urquell der -liebenswürdigsten Tugenden, hat (wer sollt' es -denken!) die Ungleichheit unter den Menschen -erzeugt. Gute Eltern, solch eine ungerathene, -ausgeartete Tochter! Sind indeß viele Laster -nichts anders als ungezogene Tugenden; sind, -nach dem Ausspruch eines Heiligen, unsere -Tugenden bloß schöne Sünden: so würde -man ein Verbrechen an der Menschheit begehen, -wenn man nicht auch dem Bösen und -dem Ideal desselben, dem Teufel, Gerechtigkeit -erweisen wollte. — Wenn man ja, nach -der ältesten Urkunde das menschliche Geschlecht -betreffend, einem Theile dieses ersten -Menschenpaares einen Vorzug vor dem andern -beilegen wollte; so würde <i>Eva</i> den Zankapfel - <span class="pagenum"><a id="Seite_30">[S. 30]</a></span> -von jedem <i>Paris</i> erhalten — »<i>weil sie schöner -als Helena war? und weil jeder Paris bei aller -Sinneseinfalt eine Mannsperson bleibt?</i>« -Nein! sondern weil <i>Adam</i> durch sie zum Falle -gebracht ward, oder (wie diese hohe und tiefe, -erhabene und schöne Hieroglyphe nicht unrichtig -gedeutet werden kann) weil er sich -durch sie zum Gebrauch und zur Anwendung, -zum Durchbruch der Vernunft hinaufstimmen -ließ. Der seligen Stimmung! — <i>Eva</i> war -das Pupillen-Amt, welches die Majorennitäts-Erklärung -über den unmündigen <i>Adam</i> aussprach, -nachdem er zeither vielleicht unter -der Vormundschafts-Direktion der braven <i>Eva</i> -gestanden zu haben scheint, die sich schon -zuvor in einigen Stücken manumittirt haben -mochte — Sie zerbrach die Ketten des Instinkts, -der die Vernunft nicht aufkommen -ließ, und triumphirte — <i>Eva</i> sollte <i>die Vernunft</i>, -ihr zum Andenken, heißen. Die erste -Hauptrevolution konnte, wie jede Revolution, -nicht ohne Drangsale und Unruhe seyn. Diese -sind nach der Natur des Menschen so -nothwendig, daß ich nichts weiß, es sey etwas - <span class="pagenum"><a id="Seite_31">[S. 31]</a></span> -Theoretisches oder Praktisches, was, wenn -es sich anders auszeichnet, nicht durch Zerrüttung -und Leidenschaft empfangen und geboren -wäre — Nur immerwährend kann dieser -Braus und Saus nicht seyn und bleiben. -Die Wellen müssen sich legen und die Vernunft -muß endlich obsiegen — So ging es -bei der ersten Revolution, und so muß es bei -einer jeden andern gehen, wenn sie anders -diesen Namen verdienen soll. Diese Lobrede -auf <i>Eva</i>, welche ihr von wegen der Vernunft-Revolution -so wohl gebührt, würde vielleicht -zu einer theologischen, juristischen, medicinischen -oder philosophischen Disputation, -oder zu einem Aufsatze für irgend ein zeitverkürzendes -Journal, hinreichende Gelegenheit -an Hand und Kopf geben, wenn man -nur wüßte, wie man den ungebetenen Gast -von Assistenzräthin, die Schlange, aus dem -Spiel bringen könnte. — Mit diesem Eheteufel -ist leider! nichts anzufangen — Kurz und -gut, sagt der gläubige <i>Thomas Payne</i>, ich bin -dem ganzen Teufel von Monarchie feind. — -Da es aber, mit Herrn <i>Payne's</i> Erlaubniß, - <span class="pagenum"><a id="Seite_32">[S. 32]</a></span> -auch gar häßliche Republikteufel geben kann -und giebt; so ist es am Besten, alle Teufel -zum Teufel zu jagen. Vielleicht die beste -Gerechtigkeit, die man ihnen erweisen kann. —</p> - -<p>Die Schöpfungsgeschichte erwähnet, nach -dem klaren Inhalt derselben, keines andern -als des Geschlechtsunterschiedes. <i>Lasset uns -Menschen machen</i> — <i>und er schuf sie ein -Männlein und ein Fräulein</i> — — Es ist eine -weit spätere Epoche, wenn es heißt: <i>Dein -Wille soll deinem Manne unterworfen seyn -und er soll dein Herr seyn!</i> Und denkt man -sich unter der Geschichte des Falles ein Bild -von der Befreiung des Menschen von dem paradiesischen -Joche des Instinkts, und vom Ursprunge -des gesellschaftlichen Zustandes, zu -welchem die weise <i>Eva</i> die Gelegenheitsmacherin -und Heroldin war; so scheinen diese -prophetischen Worte den traurigen Zustand -zu verkündigen, den <i>Eva</i> ihrem Geschlechte -durch diese Heldenthat zuzog. — Ob indeß -die Natur der Sache jene allererste Urkunde -und ihre Auslegung bestätigen wird? Zu übersiebnen -sind dergleichen alte und wohlbetagte - <span class="pagenum"><a id="Seite_33">[S. 33]</a></span> -Dinge nicht; und wozu auch diese gefährliche -Beweisart —? wozu, da wir Vernunft und -Erfahrung als <i>Zeugen zum ewigen Gedächtniß</i> -anrufen können. Aus dieser zweier Zeugen -Munde bestehet alle Wahrheit. —</p> - -<p>Die Natur scheint bei Bildung der beiden -Menschengeschlechter nicht beabsichtiget zu -haben, weder einen merklichen Unterschied -unter ihnen festzustellen, noch eins auf Kosten -des andern zu begünstigen — Der Geschlechtsunterschied -kann nicht zur Antwort -dienen, wenn die Frage ist: ob das männliche -Geschlecht mit wesentlichen körperlichen und -geistigen Vorzügen vor dem weiblichen ausgestattet -worden sei? Andere Unterschiede, als die -welche auf die Geschlechtsbestimmung gehen, -zu entdecken, hat dem anatomischen Messer -bis jetzt noch nicht gelingen wollen; und doch -behauptet dies Instrument bei der goldnen Regel: -<i>Erkenne dich selbst</i>, einen unleugbaren -Einfluß; und überhaupt hat das brave Eisen -dem menschlichen Geschlechte weit mehr -Dienste geleistet, als das prahlerische Gold — -Wer zuerst den Magneten die <i>Eisenbraut</i> - <span class="pagenum"><a id="Seite_34">[S. 34]</a></span> -nannte, bewies für Magnet und Eisen eine -Achtung, die beiden gebührt. — Was hätte -die Natur veranlassen können, die Eine Hälfte -ihres höchsten Meisterstücks zu beglücken und -zu ehren, die andere dagegen zu verkümmern -und zu vernachlässigen, und zwar gerade -in umgekehrtem Verhältnisse? Bei Erreichung -jenes großen Naturzwecks, wo Menschen das -göttliche Ebenbild des Schöpfers darstellen, -hat das weibliche Geschlecht einen ungleich -wesentlicheren Antheil als das männliche, und -zwar sowohl in Hinsicht der Substanz als der -Form. Dieser Absicht recht weise vorzuarbeiten, -sollte die Natur die Weiber haben schwächer bilden -oder unvollendet lassen wollen? -»Nicht eben schwächer«, sagte ein Weiberfeind, -als er diese Stelle im Manuskripte las, -»aber weniger gang und gebe. Mögen Weiber -Stahl seyn, die Männer Eisen —«. Nicht -also; und warum ein Vergleich auf Schrauben, -da das schnurgerade Recht auf der Weiberseite -ist! Wir, glaubt man, wären Gottlob! -völlig ausgeschaffen; und nun zerbrach der -Meister die Form von Thon, und das andere - <span class="pagenum"><a id="Seite_35">[S. 35]</a></span> -Geschlecht, in der Repräsentantin <i>Eva</i>, war -ein Unternehmen auf gutes Glück, auf den -Kauf, eher hingeworfen als zu Stande gebracht, -angefangen und nicht vollendet —! -Das Weib, dem das eigentliche Geschäft bei -der Vermenschlichung der göttlichen Schöpfung -anvertrauet ward, sollte die Merkzeichen der -Ohnmacht und der Dürftigkeit an sich tragen? -Die allmächtige Natur sollte ihre Stellvertreterin -schwach gelassen haben, um nicht nur -<i>schwache</i> Personen ihres <i>eigenen</i> Geschlechtes, -sondern auch <i>starke</i> des <i>unsrigen</i> zur Welt zu -bringen? Doch scheint es so; und freilich, -wenn Erfahrung spricht, muß Vernünftelei -schweigen, knieen und anbeten — Der einzige -Winkelzug, der ihr übrig bleibt — Erfahrung! -und was lehrt sie? Das andere Geschlecht sey -im Ganzen kleiner, schwächlicher angelegt, -besitze weniger körperliche Kräfte, und sey -mehrern Krankheiten unterworfen. Bedarf -es weiteres Zeugnisses, um die Vernunft zu -der Schlußfolge zu bequemen: dies wären -Geschlechtsunvollkommenheiten, von welchen -die Weiber bei der Ordnung der Dinge nicht - <span class="pagenum"><a id="Seite_36">[S. 36]</a></span> -entbunden werden konnten? Alles ist gut, was -nicht anders seyn kann, und im <i>Muß</i> liegt eine -Schatzkammer von Beruhigungsgründen, vermittelst -deren man bei ein wenig Philosophie -das: <i>ich Muß</i>, mit dem: <i>ich Will</i>, so auszusöhnen -weiß, daß hier jeder Fluch sich in Segen, -und die <i>arge böse</i> Welt sich in die <i>beste</i> verwandelt. -Friede mit der Natur und mit dem -schönen Geschlechte; und Friede mit uns Allen! -Wie aber, wenn es so gut Trugerfahrungen als -Trugschlüsse gäbe? wenn der Schein betröge? -Die Vernunft fürchtet sich vor den Sinnen; und -wenn wir die Operation an uns vollziehen zu lassen -völlig entschlossen sind, wenden wir doch -in der Stunde der Anfechtung das Auge weg — -Vernunft, Herz und Sinne arbeiten sich in die -Hand; und nicht nur das Herz des Menschen, -sondern auch seine Vernunft und seine Sinne -sind trotzig und verzagt: wer kann's ergründen? -Bald dünkt der Mensch sich, ein Gott, -bald weniger als ein Thier zu seyn — Nackt -und bloß kommt er zur Welt, und wenn andere -Thiere bewaffnet und bedeckt sind, können -Se. Majestät der Mensch sich nicht entbrechen, - <span class="pagenum"><a id="Seite_37">[S. 37]</a></span> -das königliche Recht an Thieren auszuüben, -um sich zu ernähren und zu bekleiden -— Diese Finanzregierung wird oft so -sehr mit dem Stabe Wehe! geführt, daß die -Thiere bei der Natur die bittersten Klagen -gegen ihre Allerdurchlauchtigsten Beherrscher -führen könnten — und auch ohne Zweifel -führen, wenn anders der Apostel <i>Paulus</i> recht -beobachtet hat. Denn in der That die Natur -hält ein schreckliches heimliches Gericht, das -schrecklichste, das gedacht werden kann! -Noth lehrt beten, bitten und nehmen; allein -sie ist auch eine weise Lehrerin der Mäßigkeit -— und wer diese ihre Stimme verkennt, -in dem ist nicht die Liebe des Allvaters, dessen -Kind Alles ist, was Leben und Athem hat. -Nichts mehr als weinen kann der Mensch ohne -Lehrmeister, zum Zeichen, daß er bei weitem -nicht das höchste Loos zog; — denn da -er sich nicht zu berechnen versteht, so ist der -Gewinn oft schädlicher als eine Niete. Lieber! -dergleichen Klagen sind durch das Machtwort: -<i>Vernunft</i>, überwunden. Ohne Schwäche -hört der Mensch auf, Mensch zu seyn — - <span class="pagenum"><a id="Seite_38">[S. 38]</a></span> -und wer es in diesem Erdenleben auf etwas -Höheres anlegt, begiebt sich in Gefahr, -weniger zu werden und den Zweck des Schöpfers -zu verrücken. Kennen wir ein edleres -Geschöpf außer ihm, in welchem die Kraft -liegt, sich Gott und eine reine Tugend zu denken? -— und diesen Vorzug hat auch der Verworfenste -nicht aufgegeben — Einen Augenblick, -nicht aber immer, kann der Mensch -auf das Ebenbild Gottes Verzicht thun — Ist -die Vernunft nicht mehr als Alles? und verdient -sie diesen Namen, wenn sie nicht Begierden -einschränken kann? Kann man nicht -das Thier am Menschen fast vergöttlichen und -seine Leidenschaften, wie die Meereswoge, bedrohen -—? Wo <i>sie</i> ist, da wohnt Menschheit, -und bei den Strahlen ihrer Gottheit diese -Würde im andern Geschlechte verkennen -wollen, heißt: keine Regel übrig lassen, seinen -eigenen Werth zu bestimmen. Nicht -steinerne Gesetztafeln würde man zerbrechen, -sondern am göttlichen Geiste, der in uns ist, -sich versündigen — — Kann etwas <i>Sache -Gottes</i> seyn, was der <i>Vernunft</i> widerspricht? - <span class="pagenum"><a id="Seite_39">[S. 39]</a></span> -oder will Gott seine Sache je durch solche -Mittel geführt wissen? Durch die Vernunft, -den Widerhall seines Mundes, ist Er nicht -fern von einem Jeglichen, der mittelst ihrer -Ihm ähnlich ward und in Ihm lebet, webet und -ist. — — Mein Feldzeichen ist keine nichtswürdige -Präconisirung, sondern Wahrheit und -Gerechtigkeit. Ist das weibliche Geschlecht in -der Regel wirklich kleiner, als das männliche? -ist nicht die Größe überhaupt etwas sehr Relatives, -welches in Klima, Nahrungsmitteln -und andern uns unbekannten Ursachen wesentlichere -Bestimmungsgründe findet, als in dem -Geschlechtsunterschiede? Jenseits der Wendecirkel -und unter der Linie ist die Menschenart -weit kleiner, als innerhalb derselben. Über -den zwanzigsten und sechzigsten Grad der -Breite hinaus würden unsere Werbehäuser ungefähr -so viel Glück machen, wie ein Besuch -der <i>Boucaniers</i> auf <i>Tierra del Fuego</i> in den -Höhlen der <i>Pescherühs</i>. Reisende behaupten, -daß Männer und Weiber dort gleichen Strich -halten, und daß, wenn ihnen nicht der Unterschied -der Kleidung und etwa der Bart aushülfen, - <span class="pagenum"><a id="Seite_40">[S. 40]</a></span> -die beiden Geschlechter von einander -nicht unterschieden werden könnten. Oder -sollten diese Klimate hier etwa der Entwickelung -des weiblichen Körpers günstiger seyn? -Mit nichten; ihr frühes Dahinwelken widerspricht -dieser Muthmaßung: schon das dreißigste -Jahr bedeckt sie mit Runzeln. Auch -in gemäßigtern Himmelsstrichen giebt es Verschiedenheiten -in Rücksicht der Größe, und -unter ihnen Racen, die sich von den übrigen -auszeichnen, so wie die Bewohner der Marschländer -in der Regel größer sind, als die Bergbewohner, -als ob die Natur diesen Menschen -den Berg mit in Anschlag gebracht hätte — -und am Ende, was thut die Größe?</p> - -<p class="pmb3">Aber die Schwächlichkeit gegen den nervigen, -eckigen, männlichen Körperbau gehalten! -Freilich würde sie mehr beweisen; doch fürcht' -ich, die Erfahrung sagt auch hier weniger, -als wir sie sagen lassen — Ehe wir die Fehde -beginnen, ist die Musterung der Heere -nothwendig. Verabschieden wir unser elegantes, -luftiges Völkchen, läßt das andere Geschlecht -seine Damen der höheren Klassen - <span class="pagenum"><a id="Seite_41">[S. 41]</a></span> -sammt ihren Zofen zu den lieben Ihrigen -heimkehren — was gilt die Wette? Selbst -wenn unsere eleganten Damen mit unsern eleganten -jungen Herren sich in Fehde einließen -— auf welcher Seite wäre Hoffnung zu -gewinnen? — Bei Völkern, die auf der ersten -Stufe der Cultur stehen, ist das Schicksal -des weiblichen Geschlechtes hart: bei Jägernationen, -denen Hausthiere unbekannt sind, -ist das Weib das lastbare Thier, welches den -Mann zur Jagd begleitet und das erbeutete -Wild nach der Hütte trägt; bei den Hirten- -und Ackervölkern ist ihr Schicksal, wo möglich, -noch schwerer: sie bauen das Feld, treiben -Fabriken und Manufakturarbeiten, indem -sie das, was ihnen der Acker und die Heerden -zur Nahrung und Bekleidung darbieten, -zum Gebrauch bereiten oder veredlen, und -auch noch das (freilich sehr einfache) Hauswesen -besorgen, während der Ehrenmann sich -dem Müßiggange überläßt — Auch unter Nationen, -wo die Cultur schon Fortschritte macht, -ist, bei der arbeitenden Klasse des Volkes, -der Antheil des andern Geschlechtes an den - <span class="pagenum"><a id="Seite_42">[S. 42]</a></span> -Geschäften gewiß nicht von <i>der</i> Art, daß davon -auf eine größere Schwächlichkeit der Weiber -geschlossen werden könnte. Die Arbeiten -bei Bestellung des Bodens und bei der Erndte -— sind sie nicht unter beide Geschlechter -so ziemlich gleich vertheilt? Es wird schwer -fallen, zu bestimmen, welcher Theil hier mehr -übersehen werde. Bei der Musterung aller -Gewerbe, die den Kunstfleiß und die Hände -der Menschen beschäftigen — ist nicht der -Antheil der Weiber mit einem beträchtlicheren -Aufwande von Kräften verknüpft? Der -Schnitter kehret heim zu seiner Hütte mit -frohem Herzen, um nach ermüdender Arbeit -der Ruhe zu pflegen, wenn, auch bei der -einfachsten ländlichen Haushaltung, noch vielfache -Geschäfte für das Weib übrig bleiben, -das im Schweiße seines Angesichts die Garben -band, wozu nicht minder Anstrengung von -Kräften erfordert wird. Jene von Gesundheit -strotzende, mit der ächten Sommerfarbe geschminkte -Dirne ist eine lebendige Widerlegung -dieser mißgünstigen Behauptung, und sie -wird es mit Jedem aufnehmen, der es wagen - <span class="pagenum"><a id="Seite_43">[S. 43]</a></span> -will, die Kräfte ihrer Muskeln in Versuchung -zu führen. Weiberkrankheiten sind nur die -Geißel <i>der</i> Weiberklasse, die den Ehrennamen -<i>Weiber</i>, so wie die in ihrem Kammerdienste -sich befindenden Treugehorsamsten den Ehrennamen -<i>Männer</i>, nur von wegen des Staats -und zur Parade führen. Darf und soll die -Natur Übel verantworten, welche Lebensart, -Sitten und Conventionen, deren Name Legion -ist, über sie gebracht haben? Gefährten unserer -Thorheiten, Spießgesellen unserer Üppigkeit -gehören nicht auf das Conto der Natur, die -den Menschen so einfach schuf, und allenthalben, -wo er seine Hütte aufschlug, für -Wohnung, Nahrung und Kleidung reichlich -und täglich sorgte. Hat sie je gewollt, daß -er Gewürze aus Indien ziehen sollte, um sein -Blut zu vergiften? oder angreifende Leckerbissen, -um seine Nerven zu schwächen? -Setzte sie dem Indier Eis, und dem Bewohner -der Eiszone Wein vor? gab sie nicht vielmehr -einem Jeden das ihm angemessene und -beschiedene Theil? Und wie, grundgütige -Natur! der ausgeartete Haufe deiner Kinder - <span class="pagenum"><a id="Seite_44">[S. 44]</a></span> -klaget dich wegen Krankheiten an, wozu er -die Anlässe, trotz allen Gefahren und Hindernissen, -aus Osten und Süden mit rastloser -Begierde zusammen brachte, während das -Häuflein deiner genügsamen Kinder, den mütterlichen -Vorschriften folgsamer, mitten unter -diesen unschlachtigen ausgearteten Menschen -<i>vor Dir</i> wandelt und fromm ist, ohne von -hysterischen Plagen und dem zahllosen Heere -von Krämpfen zu wissen, gegen die weder -die <i>Materia medica</i>, noch vielleicht die ganze -weite und breite Natur, Mittel im Vermögen -hat? Nennt die Natur nicht ungerecht, wenn -ihr unnatürliche Wege wandelt! Nur gegen -natürliche Krankheiten scheint die Natur Mittel -zu besitzen; gegen Übel, welche Folgen -unserer unnatürlichen Cultur sind, hat sie weder -Kraut noch Pflaster, und ihr einziges Mittel -ist nur: thut Buße und glaubet an das -Natur-Evangelium! O, daß ihr Buße thätet -und glaubtet! — Ohne daß wir werden wie -die Kinder und in dies Philanthropin heimkommen, -dem wir den Rücken kehrten — sind -wir verrathene und verkaufte Menschen, zu - <span class="pagenum"><a id="Seite_45">[S. 45]</a></span> -denen bisweilen die wohlmeinende Stimme erschallt: -Adam wo bist du? die sich indeß, -so gut sie können, vor sich selbst zu verstecken -suchen — Am fünften Akt scheitern besonders -die meisten Frauenzimmer, so wie ein -großer Theil der Theaterdichter — Die Liebe, -das Glück des Lebens, wird ihr Unglück; -ihr Herz war gebildet, die Tugend zu lieben, -und nicht das Schicksal, sondern ihre Nachlässigkeit, -macht es zur Verbrecherin — Die arbeitende -Klasse kennt keine besonderen Weiberkrankheiten. -Schwangerschaften und Geburten -werden nur durch Nebenumstände, die -ihren Grund in Lebensart, Sitten und Kleidung -haben, erschwert, und sind so wenig Krankheiten, -daß Ärzte sie geradesweges als Heilungsmittel -vorschreiben könnten — und zuweilen -wirklich vorschreiben. Bei einigen so -genannten Wilden hält nicht das Weib, sondern -der Mann, die Entbindungsferien. Kaum -ist es seiner Bürde entledigt; so badet es sie -in dem nächsten Flusse, reicht dem neuen Ankömmling -die Brust, ersparet sich das Milchfieber -und das Ammenkreuz, und besorgt die - <span class="pagenum"><a id="Seite_46">[S. 46]</a></span> -Hausgeschäfte nach wie vor, während der -Mann, auf seinem Lager hingestreckt, sich pflegen -läßt, und von seinen Nachbarn Wochenvisiten -und Glückwünsche annimmt, weil er — -man denke der Mühe! — durch sein Weib -ein Kind geboren hat. Da es Helden giebt, -deren die Geschichte mit Lob und Preis gedenkt, -weil sie in höchsten Gnaden geruheten, -sich Schlachten gewinnen und Siege erkämpfen -zu lassen, ohne daß sie sich dem -kleinsten Gefecht aussetzten und zum Bette -der Ehren die mindeste Neigung fühlten, indem -sie, wenn es hoch kam, weit über die -Schußweite hinaus sehr behaglich zusahen, wie -viele Arme und Beine ein Paar Lorbeerreiser -kosteten: — so mag es mit dem Wochenbette -dieser Männer so genau nicht genommen werden. -Ihr, die ihr der Schwangerschaften und -Geburten halben die Weiber für schwächer -haltet als Euch; sagt: wie hätte die Natur ihr -größtes Werk, die Fortpflanzung des menschlichen -Geschlechtes, absichtlich mit solchen -Übeln in Verbindung bringen; wie hätte sie -den Becher des köstlichsten Nektars mit Wermuth - <span class="pagenum"><a id="Seite_47">[S. 47]</a></span> -vermischen; wie einer Handlung, über -welche sie die besten ihrer Segnungen aussprach, -mit so schrecklichem Fluche begleiten -und auf unsere Seite lauter Wonne, auf die -andere dagegen lauter Trübsal legen sollen! -Allerdings sind Schwangerschaften, Entbindungen, -Stillung des Säuglings mit einem Aufwande -von Kräften verbunden; allein, in dem -weiblichen Körper, wenn er unverdorben ist, -findet sich Stoff genug, diesen Aufwand nicht -nur zu bestreiten, sondern auch dessen Abgang -ohne Zeitverlust zu ersetzen. Der Einwand, -den man von so vielen Modefrauen -ableitet, gilt nicht; denn diese erscheinen bereits -so kümmerlich an Lebensstoff und Kräften, -daß jede Schwangerschaft ihr luftiges -Gebäude bis auf den Grund erschüttert, und -jede Geburt es zu zerstören droht — Planreiche -Erfinder, die ihr Rechenmaschinen erdachtet, -einem Gliedermanne Schach spielen -lehrtet, Luftreisen unternahmt, und durch -Desorganisation Leute weiter bringt, als wenn -sie <i>in gradum doctoris utriusque medicincae</i> -promovirt hätten; ihr denen die Geister so zu - <span class="pagenum"><a id="Seite_48">[S. 48]</a></span> -Gebote stehen, wie dem Hauptmann von Kapernaum -seine Knechte: — spannt eure Saiten -tiefer, und laßt euch zu einer Kleinigkeit -herab; erfindet eine Kunst, vermittelst deren -unsere galanten Damen von der Last Kinder zu -gebären, befreiet werden können. Laßt Söhne -und Töchter wie Äpfel und Birnen wachsen; -macht, daß sie wie Kohl verpflanzet werden -— Sollten auch durch diese Erfindung in -den ersten Jahren (kein Meister fällt vom -Himmel) die politischen Volkszähler ein <i>Minus</i> -wahrnehmen; so würde doch selbst in -diesen Jahren der magern Kühe der Metallwerth -des menschlichen Geschlechtes Alles ins -Reine bringen, und <i>Summa Summarum</i> wäre -um so mehr ein unläugbares <i>Plus</i>, da der -Staat, anstatt aus Scheidemünze, aus Gliedern -von ächtem Schroot und Korn bestehen würde! -— Was gilt ein Persisches Heer nach -Parasangen gemessen, gegen einen Macedonischen -Phalanx! Doch nein! ziehet eure Schuhe -aus, diese Stätte ist heilig. Den rechtmäßigsten, -den allerheiligsten in der Vernunft gegründeten -Ansprüchen der Menschen auf die - <span class="pagenum"><a id="Seite_49">[S. 49]</a></span> -Mittheilung der Wahrheit soll hier nicht durch -Spott zu nahe getreten werden, der, so wie -die üble Nachrede, immer etwas zurückläßt — -Nur Menschenliebe nähere sich diesem feurigen -Busche! Jene Kraft der Trägheit, die im -Körper ihr Wesen oder Unwesen treiben soll, -um ihn beständig in seinem gegenwärtigen -Zustande zu erhalten, der sich der Ruhe widersetzt, -wenn der Körper in Bewegung, -und der Bewegung, wenn er in Ruhe ist, hat -nicht die Ehre mir zu gefallen. Eine Kraft, -die nur widersteht und nicht von selbst zu -wirken vermag, ist eine Kraft, mit der sich -wenigstens nicht prahlen läßt. Der edelste -Staat muß sich zuweilen zum Angriffskriege -verstehen, und es giebt Straf- und Wiederzueignungskriege, -wodurch wir unser Recht -und das was man uns schuldig ist, einfordern, -und den zur Verantwortung ziehen, der sich -an uns vergriff — Der ist weder klein noch -groß, der beides nur in dem Grade ist und -äußern kann, als man sich ihm widersetzt — -Laßt beide Geschlechter zu ihrer Lauterkeit -und Wahrheit heimkehren, und wir werden - <span class="pagenum"><a id="Seite_50">[S. 50]</a></span> -je länger je mehr finden, daß Mann und -Weib auch in diesem Sinn Ein Leib sind — -aber auch Eine Seele? Noch hat es den Psychologen -nicht gelingen wollen, in dem Gebiete -der Geister weit genug vorzudringen, um -bestimmen zu können, ob es unter ihnen einen -wesentlichen Unterschied gebe; wenigstens -gab es keinen <i>Geister-Linné</i>, der sie -klassificirte. <i>Rorarius</i> mag es verantworten -wenn er bei den Thieren mehr Vernunft findet, -als bei Menschen, <i>Helvetius</i>, wenn er -die Seelen, denen ein Körper mit einem Huf -zu Theil ward, mit denen, die einen Körper -mit Händen erhielten, in Eine Klasse setzt, -und Beide mögen es mit dem <i>Cartesius</i> ausmachen, -daß sie seine Maschinenwelt zerstören. -Es giebt auch philosophische und Vernunftketzer; -denn der Grund zu allen Behauptungen -wird aus der Natur genommen: einer -Urkunde, die das mit allen Urkunden gemein -hat, daß ein Jeder, was er darin sucht, auch -darin findet. Jede Geschichte, jedes Faktum -muß sich bequemen, sich nach uns zu -richten, und der wahrhafteste Mann trägt - <span class="pagenum"><a id="Seite_51">[S. 51]</a></span> -zuvor etwas von seinem Selbst in jene Geschichte -und jenes Faktum, so, daß Alles -was der Mensch berührt, etwas von seinem -Ich, von seinem Selbst, erhält. Das beste -Wasser hat keinen Geschmack; und so geht -es auch den meisten Thatsachen, die wir selten -ungewürzt erhalten — und wenn der -Würzler auch nur Salz, die kümmerlichste -und beste Specerei, darzu thun sollte — -Freunde und Feinde nehmen von einander so -viel an, daß man unverkennbare Züge der -Ähnlichkeit unter ihnen entdeckt. »Feinde?« -Allerdings; und ich behaupte, daß sie noch -leichter als Freunde sich in einander abdrücken -— Ein Freund, der unser Widerhall ist, -hat wenig Reitz für uns; allein eben das, wodurch -Feinde am meisten hervorragen, was -am meisten interessirt und auf ihre Seite tritt, -pflegt unsere Nachahmung abzugewinnen: so -wie man in den Wald schreiet, so erfolgt die -Antwort. Eine ganze Schaar von Variantensammlern -und Commentatoren trägt ihren -Sinn und Unsinn so lange in jede Urkunde, -bis eine <i>Authentica</i> erscheint, und diese mag - <span class="pagenum"><a id="Seite_52">[S. 52]</a></span> -denn, geliebt es Gott! den Werth und Unwerth -des Unterschiedes zwischen den Menschen- -und Thierseelen entscheiden, wenn nur -wir es nicht wagen, unter den menschlichen -Seelen Rangordnungen zu bestimmen, die -nicht mehr und nicht weniger Realität haben, -als Träume und ihre Deutungen. Giebt es -denn etwa auch Geschlechtsunterschiede unter -den Seelen? giebt es Seelen, die ausschließlich -bestimmt sind, weibliche Körper zu bewohnen -—? und wer ist der kühne Argonaut, -der dieses unbekannte Meer beschifft hat? womit -hat dieser Apostel der unsichtbaren Welt -sein Evangelium bestätiget? Wo Satz und Gegensatz -einander so nahe sind, daß sie sich die -Hände bieten können, da liegt jedem die -Pflicht auf, seinen Satz mit aller Stärke zu beweisen -und dann dem Publico das Richteramt -zu überlassen. Erfahrungen wider Erfahrungen, -ehe es noch ausgemacht ist, ob die Seele -mit sich selbst Erfahrungen anzustellen vermag. -Nur im Spiegel kann die Seele sich -wahrnehmen; und wer weiß nicht, daß dieser -Spiegel das Bild sehr unvollkommen und - <span class="pagenum"><a id="Seite_53">[S. 53]</a></span> -oft sehr unrichtig wiedergiebt! — Der Spiegel -stellt uns verkehrt dar, und es ist ein unangemessener -Ausdruck: der Mensch ist getroffen -wie aus dem Spiegel gestohlen — Allerdings -können einzelne Erfahrungen wohl -dienen, eine subjektive Überzeugung hervorzubringen; -eine allgemeine Wahrheit auf diesen -Grund zu bauen, reichen nur Erfahrungen -hin, die so allgemein sind, wie die Wahrheit, -der sie zur Unterlage dienen sollen. -Wie lange ist es, daß wir in diesem Fach -Erfahrungen anstellen? Welche Methoden -schlugen wir ein? Waren diese so wohl gewählt, -daß sich nach ihnen richtige Resultate -erwarten ließen? Haben wir wirklich bereits -einen solchen Vorrath von Erfahrungen, daß -wir ein System wagen können, nach welchem -für eine ganze Hälfte des menschlichen Geschlechtes -eine so nachtheilige Unterscheidungslinie -sicher gezogen werden kann? oder -dürft' es uns über kurz oder lang nicht mit -dieser gehen, wie weiland Sr. Unfehlbarkeit -jenseits der Alpen mit der berüchtigten Demarcationslinie? -Mit einem System geht es gemeiniglich, - <span class="pagenum"><a id="Seite_54">[S. 54]</a></span> -wie mit einem Instrument, auf das -wir uns verstehen. Haben wir bei dem System, -wovon hier die Rede oder die Frage -ist, den gewissen Vortheil unwiderlegbar berechnet? -oder ist es eins wie viele andere seiner -Brüder, bei denen nichts weiter als -Sprachverwirrung obwaltet, wie bei dem -Thurm zu Babel; dessen Spitze bis in den -Himmel reichen wollte? Nimmt man den -meisten Systemen die Sprachverwirrung, was -bleibt übrig? — Noch behauptet die Erfahrungsseelenkunde -unter den Wissenschaften -nur einen precären Rang; sie stehe indeß oder -falle, die Wahrheit verliert nichts, die vor -ihr war und nach ihr seyn wird. Stärke der -Seele, Muth, Überlegenheit des Verstandes, -ein größeres Maaß von Urtheilskraft, Festigkeit -des Willens, eine größere Stärke des Gefühls -und andere dergleichen Seelenvorzüge -der Menschen sind es, die sich die Männer -auf Kosten des weiblichen Geschlechtes als -Erstgeburtsrechte zueignen. Sie sind mit dem -Erdenall, das man zuweilen Erdenball heißt, -von Gott belehnt — die edlen Lehnsträger! — - <span class="pagenum"><a id="Seite_55">[S. 55]</a></span> -Da sie indeß Kläger und Richter in Einer und -selbsteigner Person sind, so scheinen sie noch -gütig zu seyn, wenn sie Weiber bei Menschenseelen -rechtskräftig belassen. — Ob nun (nachdem -es dem männlichen Geschlechte rühmlichst -gelungen, die andere Hälfte der menschlichen -Schöpfung, welche nach ihrer Bestimmung mit -ihm ein Ganzes ausmachen sollte, zu unterjochen -und sie an den Menschen- und Bürgerrechten -nur bittweise, nur in so weit es seinem -Majestätsrechte nicht zu nahe tritt und -ihm nicht die Krone bricht, großmüthigen -Antheil nehmen zu lassen) — ob nun alle jene -Erscheinungen Wahrheiten oder Täuschungen -sind, ist eine Preisfrage, die mit vielen -andern es gemein hat, daß die Antworten auf -dieselbe von beiden Seiten hinken. — Auf -diese Erscheinungen indeß dem schönen Geschlechte -alle jene Geistesfähigkeiten abzuläugnen -und ihm in falschem Spiel seinen Rang -abzugewinnen, heißt gerade so verfahren, wie -gegen die Amerikaner, denen man, auf die -Aussage einiger Beobachter, die keinen Bart -unter ihnen gesehen hatten, dieses männliche, - <span class="pagenum"><a id="Seite_56">[S. 56]</a></span> -übrigens sehr beschwerliche, Ehrenzeichen nicht -nur absprach, sondern aus dem Mangel desselben -auch die richtigen Folgen ableitete, daß -die Natur ihnen die Keime dazu versagt habe, -und daß sie mithin zu einer weit geringern -Menschenklasse gehörten, nicht minder daß -sie unmöglich von Einem Erzvater mit uns -abstammen könnten. Was für eine Hauptrolle -der Bart spielen kann, der denn doch, nach -dem bekannten Sprichworte, keinen Philosophen -macht! Besser wär' es freilich gewesen, -wenn man sich die Mühe gegeben hätte, zu -untersuchen, ob die Abkömmlinge des <i>Mankokapak</i> -dies männliche Unterscheidungszeichen, -das übrigens immer ehrenwerth und -nützlich seyn und bleiben mag, nicht eben so -unbequem fanden, wie die Söhne <i>Japhets</i>, -und ob sie, in Ermangelung des Aufklärungsmetalls, -des Eisens, nicht zu einem andern -Mittel ihre Zuflucht genommen haben, diesen -beschwerlichen Gast los zu werden. — Nach -genauerer Beobachtung fand sich der Bart, -und die Präadamiten büßten abermals einen -Sieg ein, den sie schon vermittelst eines so - <span class="pagenum"><a id="Seite_57">[S. 57]</a></span> -stattlichen Arguments in ihren Händen glaubten -— Das weibliche Geschlecht äußert nicht -jene hervorragenden Geistesfähigkeiten, heißt -bei weitem nicht: die Natur hat ihm die -Anlagen dazu versagt, und also — o der unbärtigen -Schlußfolge! — steht es eine Stufe -niedriger auf der Jakobsleiter der Schöpfung. -Sind <i>wir</i> etwa Gott ähnlich, und hat das andere -Geschlecht bloß die Ehre <i>uns</i> von Gottes -Gnaden ähnlich zu seyn? Warum nicht -gar —! Nicht durch Körper, durch Sinne, -durch Einbildungskraft nähern wir uns dem -Urgeiste, sondern durch den Geist; und wie? -fehlt es den Weibern an Verstand und Willen? -an der Fülle des Geistes? Überlegen -wir nicht oft durch sie? Würzen sie nicht -in unzähligen Fällen mehr mit dem Salze der -Erden, ohne das nichts schmackhaft ist, mit -Vernunft? und ihre Tugend — ist sie nicht -vielfältig reiner, als die werthe unsrige? Übersteigt -unsere Eitelkeit die weibliche nicht an -allen Enden und Orten? War jener Pharisäer -und sein ganzer Jesuiterorden nicht aus unserm -Geschlechte? Kann ein braves Weib (und - <span class="pagenum"><a id="Seite_58">[S. 58]</a></span> -deren giebt es viele) ohne Schrecken und Entsetzen -an den <i>Pharisäer neuerer Zeit</i> denken, -der mit seinen Bekenntnissen vor Gottes -Thron treten, dem Weltgerichte entgegen gehen -und sagen will: Wer besser ist, werfe -den ersten Stein? Würde nicht selbst <i>Therese</i> -mehr als Einen Stein haben heben können, -wenn sie nicht durch diesen Gerechten wäre -verdorben worden? Können die Anlagen sich -entwickeln und Keime treiben, wenn keine -wohlthätige Hand sie pflegt? wenn alles so -gar sich vereinigt, sie zu unterdrücken und, -wo möglich, auszurotten? Sind nicht von -Zeit zu Zeit aus dem andern Geschlechte große -Seelen aufgestanden, die alle jene ihnen aberkannten -Geisteseigenschaften in einem sehr -vorzüglichen Grade besaßen? Woher diese -eben nicht so seltenen Erscheinungen, wenn -es nicht Anlagen dazu in den Weiberseelen -gäbe, und es nur eines Zusammentreffens günstigerer -Umstände bedürfte? einer pflegenden -Hand, um diese zu entwickeln und ihren -Kräften jenen Schwung beizulegen, ohne welchen -sie nie ihre eingeengte Bahn verlassen - <span class="pagenum"><a id="Seite_59">[S. 59]</a></span> -hätten? Oder wollen wir der Natur lieber -Mißgriffe aufbürden, um nur unser -System zu retten? eher das vierte Gebot in -Hinsicht dieser unserer guten Mutter so gröblich -übertreten, als unsere vermeintlichen -Standesrechte aufgeben? Ohne die großen -Namen der Fabelwelt von den Todten zu erwecken, -denen man denn doch nicht jeden -Funken der Wahrheit abstreiten wird — wer -wage es, <i>Zenobien</i>, und einer <i>Anna Komnena</i> -einen über ihre männlichen Zeitgenossen hervorragenden -Verstand und Urtheilskraft, einer -<i>Elisabeth</i> Herrschertalente, <i>Marien Theresien</i> -Muth und Standhaftigkeit abzusprechen? Will -man den Gesichtspunkt näher rücken? Es sey -und gelte zwei weltberühmte Namen! <span class="smcap">Catharina -die Zweite</span> und <i>Voltaire</i>. Nicht die -Selbstherrscherthaten der <span class="smcap">Ersteren</span>, nicht -die Kriegeslorbeern, die <span class="smcap">SIE</span> in <span class="smcap">IHR</span> Diadem -geflochten, nicht der postische Nimbus, der -die Götter der Erden umgiebt — <span class="smcap">IHR</span> Briefwechsel -entscheide, wo <span class="smcap">SIE</span> nicht im Kaiserglanz, -nicht mit den Palmen einer Weltüberwinderin -erscheint — und seht! <span class="smcap">SIE</span> bleibt - <span class="pagenum"><a id="Seite_60">[S. 60]</a></span> -groß, wie <span class="smcap">SIE</span> ist — und <i>Voltaire</i>? klein, -so klein, wie er war, so bald die Wahrheit -ihm ihren magischen Spiegel vorhielt. Sein -theures Selbst ist immer die erste Person; die -große Frau muß sich mit der zweiten begnügen. -<span class="smcap">Sie</span> soll — man denke! — <i>Constantinopel</i> -erobern, oder wenigstens zu <i>Taganrok</i> <span class="smcap">IHRE</span> -Residenz aufschlagen, damit er kommen und -<span class="smcap">IHR</span> die Füße küssen könne, weil es in <i>Petersburg</i> -für den <i>alten Eremiten von Ferney</i> -zu kalt sei. Noch nicht befriedigt, daß <span class="smcap">die -Kaiserin</span> seinen Uhrmachern für 8000 Rubel -Uhren abnimmt, soll <span class="smcap">SIE</span> sogar, um seine Fabrikanten -in Nahrung zu setzen, einen Uhrenhandel -mit <i>China</i> in Gang bringen. <span class="smcap">Ihr</span> weises -Stillschweigen versteht er entweder wirklich -nicht, oder — was glaublicher ist — er -will es nicht verstehen, bis <span class="smcap">SIE</span> ihm denn endlich -mit seinen, einer Kaiserin und eines -poëtischen Philosophen so unwerthen Mercantilgeschäften -an ein <i>costiges Handlungshaus -assignirt</i>. Die prosaischste Leidenschaft -unter allen, der leidige Geitz, brachte -<i>Voltaire'n</i> vom Parnaß auf eine Börse — - <span class="pagenum"><a id="Seite_61">[S. 61]</a></span> -König <i>Friedrich Wilhelm der Erste</i> charakterisirte -seine Gemählde durch die Losung: -<i>in tormentis pinxit</i>. In der That, <i>Voltaire</i> -schrieb hier in ebenderselben Seelenstimmung. -Sonst pflegt das Genie den Dichter über sich -selbst und alle Regeln hinweg zu setzen und -ihm Dinge zu inspiriren, die größer als er -selbst, die göttlich sind, und die er selbst -nicht umhin kann, mit Ehrfurcht und Bewunderung -anzustaunen. Wo ist hiervon die -kleinste Spur? Wir sind ehrgebiger, weil -wir ehrsüchtiger sind; und <i>Voltaire</i> war -beides in tausend Fällen, nur hier gewiß -nicht: Sein Instrument, das er sonst meisterlich -spielte, ist völlig verstimmt; und -war es bei diesen Umständen Wunder, daß -seine Schmeicheleien Gallicismen wurden, wie -man sie an der <i>Seine</i> täglich zu Tausenden hören -kann? Die Briefe <span class="smcap">der Kaiserin</span> führen -die Sprache der Natur; nur in Fällen, wenn -<span class="smcap">SIE</span> dem eitlen <i>Voltaire</i> ein Opfer bringen -will, zahlt <span class="smcap">SIE</span> ihm Münze von seinem Gepräge, -so wie jener Fürst einem unverschämten -Poëten Verse mit Versen bezahlte. Nur auf - <span class="pagenum"><a id="Seite_62">[S. 62]</a></span> -eine scherzhafte Weise spricht <span class="smcap">SIE</span> von <span class="smcap">IHRER</span> -Person, während die ganze Welt nicht aufhören -kann, ehrfurchtsvoll <span class="smcap">IHREN</span> Namen zu nennen; -<span class="smcap">IHRER</span> großen Thaten erwähnt <span class="smcap">SIE</span> so -wenig, als wenn sie sich von selbst verständen -— Immer beschäftiget, <span class="smcap">IHRE</span> <i>unermeßliche -Monarchie</i> reich an Menschen und an -edler Denkart zu machen, entwirft <span class="smcap">SIE</span>, während -<span class="smcap">SIE</span> die <i>Ottmannli</i> schlägt, die Conföderirten -in Pohlen zerstreuet, der Pest gebietet -und den Räubereien des <i>Pugatschef</i> widersteht, -<i>ein Gesetzbuch</i> für <span class="smcap">IHR</span> Volk, das <span class="smcap">SIE</span> aus allen -Zungen und Sprachen unter dieses Gesetz -versammelt, um, wie am Pfingstfeste, Einen -Geist über dasselbe auszugießen und es zu -Einem Ziele zu veredlen. Gleich stark im -<i>großen</i> und <i>kleinen Regierungsdienste</i>, führt -<span class="smcap">SIE</span> die Inoculation der Blattern ein, beschäftiget -<span class="smcap">SICH</span> mit der Erziehung, erndtet tausendfältig -von den durch sie gestifteten Anstalten, -erfindet und ordnet Feste an für den <i>Prinzen -Heinrich</i>, und hat — Muße ohne Anstrich -von Eitelkeit, an den eitlen <i>Voltaire</i> zu schreiben. -Diese Seelen mit einander abgewogen, - <span class="pagenum"><a id="Seite_63">[S. 63]</a></span> -und die Wagschale wo möglich in der Hand -eines höheren Wesens — welche wird fallen? -welche steigen? Doch warum höheren Wesens? -So tief fielen die Menschen noch nicht, -um nicht Ehre zu erweisen, wem Ehre gebührt -— Wozu eine vollständige Nomenklatur -von berühmten Weibern, von solchen die -das Schicksal zu Kronen berief, und die sie -mit Würde trugen? — Es sei genug, eine -<i>Margaretha von Dänemark</i>, eine <i>Christina -von Schweden</i>, eine <i>Sophia Charlotta von -Preußen</i> zu nennen; und von denen, die, -wenn sie Männer gewesen wären, diesem Geschlecht -Ehre gemacht hätten — verdienen -nicht eine <i>Cornelia</i>, die edle Mutter der -Gracchen, eine <i>Arria</i> und die durch so viele -Gerüchte gegangene <i>Johanna von Arc</i> unsere -Bewunderung? Nach diesen Beispielen wird -man mir ohne Zweifel den Beweis erlassen, -daß es den weiblichen Seelen nicht an großen -Anlagen fehle. — Herbst und Winter rauben -selbst den Steineichen ihre Blätter; allein die -Wurzeln bleiben. Warum jene Anlagen nicht -zur Regel werden, sondern Ausnahmen sind? - <span class="pagenum"><a id="Seite_64">[S. 64]</a></span> -warum sie nicht häufiger entwickelt werden? -sind das Fragen? Hat denn <i>unser</i> Geschlecht -einen so großen Überfluß von edlen Seelen? -Nur selten ist die Ehre, womit <i>Ulysses</i> und -<i>Aeneas</i>, nicht von der unpartheiischen <i>Göttin -der Gerechtigkeit</i>, sondern von dem oft sehr -partheiischen launigen <i>Gott Apoll</i> kanonisirt -wurden. Ohne Zweifel nahm <i>Homer</i> seine -<i>Penelope</i>, <i>Andromache</i>, <i>Nausikae</i>, <i>Arete</i> aus -der Natur; und noch immer scheinen mir die -größere Gleichheit des dienenden und herrschenden -Standes, die gemeinschaftlichen Arbeiten -der Weiber und der Sklavinnen, die -Vertraulichkeit die von dem Umstande kam, -daß sie unter einander aufgewachsen und erzogen -waren, die Art der weiblichen Arbeit -und der Ertrag des Nutzens derselben jene -Zeit für die Weiber unendlich erträglicher gemacht -zu haben, als die bleierne, in welche -das weibliche Geschlecht zu fallen das anscheinende -Glück hatte, und welche leider! -noch nicht von ihm genommen ist. Im Heldenalter -waren die Sitten, wie die Liebe (von -jeher lebten Liebe und Sitten in der genauesten - <span class="pagenum"><a id="Seite_65">[S. 65]</a></span> -Verbindung) roher, und es blieb im Takt! -Die <i>damaligen Übel</i> des weiblichen Geschlechtes -waren ungerathene Kinder des Ungefährs, -dem man, bei so vielen wohlgerathenen, auch -jene verzeihen kann; die Übel der folgenden -und der jetzigen Zeit sind constitutionell, -gründen sich auf Unfakta und inconsequente -Vernünftelei! — Fürwahr, es würde eine -unerhörte und nach den angenommenen psychologischen -Grundsätzen unerklärbare Erscheinung -seyn, wenn unter dem eisernen Drucke -des Despotismus das Freiheitsgefühl nicht endlich -seine Spannkraft verlieren; wenn aus -Mangel an Pflege und Wartung der herrlichste -Boden nicht verwildern, und endlich jeder -nützliche Keim ersticken; wenn über den Gedanken -von entrissenem Rechte, und daß dieses -unwiederbringlich verloren gegangen sey, -nicht endlich auch das Andenken an jene -Rechte selbst und die demselben entsprechenden -Gefühle, der Glaube an sich selbst und -an seinen selbstständigen Werth, verlöschen -sollte. Wenn Schonung, Achtung und Pflege -der ursprünglichen Menschenrechte, wenn vorzügliche - <span class="pagenum"><a id="Seite_66">[S. 66]</a></span> -Cultur und Wartung aller edlen und -großen Keime, welche die Natur in die Seele -der Weiber legte, nie Statt findet — was ist -da am Ende zu erwarten? Ein Kahn, der -sich zu sehr auf die eine Seite neigt, muß -umschlagen — und unser Geschlecht? wenn -es eben den chemischen Versuchen auf nassem -und trocknem Wege, den Feuer- und Wasserproben, -ausgesetzt würde; wenn diese Hiobsleiden, -womit wir das andere Geschlecht heimsuchen, -über uns verhängt würden — was -wäre aus uns geworden? würden wir noch so -viel Urkundliches an uns behalten haben, wie -das andere Geschlecht —? Würde der Mann, -der Mensch, nicht bei uns weit mehr aufhören, -als bei jenem? — O des großen Musters, -welches das andere Geschlecht, nicht mit -Pomp, wie die Stoiker und ihr Erzmärtyrer -<i>Peregrinus Proteus</i>, beim Sterben, sondern ganz -natürlich giebt, indem es nicht bloß seine -Feinde liebt, sondern auch, und — das sagt -mehr — seinen Freunden vergiebt! — Jenes -große Wort ist sichtbar an ihm — <i>daß es -die Schwachheit eines Menschen und zugleich - <span class="pagenum"><a id="Seite_67">[S. 67]</a></span> -die Zufriedenheit eines Gottes besitzt</i>. — Doch -warum soll ich zurück halten? So lange die -Weiber bloß <i>Privilegia</i> und nicht <i>Rechte</i> haben; -so lange der Staat sie nur wie parasitische -Pflanzen behandelt, die ihr bürgerliches -Daseyn und ihren Werth nur dem Manne verdanken, -mit welchem das Schicksal sie paarte -— wird nicht das Weib den großen Beruf -der Natur: das Weib ihres Mannes, die -Mutter ihrer Kinder, und, kraft dieser edlen -Bestimmungen, ein Mitglied, eine Bürgerin, -und nicht bloß eine Schutzverwandtin des -Staates zu seyn — nur immer sehr unvollkommen, -und je länger je unvollkommener, erfüllen? -Die Länge trägt die Last. Man gebe -ihm aber seine Rechte wieder, und man wird -sehen, was es ist und was es werden kann! -Warum eine Kritik meiner namentlichen Beispiele? -warum ein Vorwurf, daß es nur blutwenige -Ausnahmen gebe? Nach dem reinen -Wein unserer Philosophen kann die Tugend -nicht wie eine schöne Kunst nachgeahmt werden -und nach Beispielen (wären sie gleich die -ersten und besten) sich bilden. Aus dem ersten - <span class="pagenum"><a id="Seite_68">[S. 68]</a></span> -Princip der Selbstgesetzgebung soll sie -fließen, wenn sie anders ächt und rein seyn -will. Nur da ist Energie der Seele, wo man -aus sich selbst schöpft — und was gilt Mannigfaltigkeit -ohne höchste Einheit? was einzelne -schöne Züge ohne Alles anordnende und -ins Reine bringende Principien? — — Die -Französischen Prinzen, die ihr Vaterland verließen, -erklärten öffentlich: an Gott, an den -König und an ihr Schwert sich wenden zu -wollen. Drei Instanzen, wo der liebe Gott -sich gefallen lassen muß, die erste, das heißt -im juristischen Sinne die geringste, zu seyn. -Das andere Geschlecht hat nur <i>Einen Gerichtshof</i>: -an Gott. Überall Männer — Männer, -bei denen nicht Wichtigkeit des Grundes, -sondern Mehrheit der Gründe gilt; und welcher -Gründe? — <i>Raisons d'État</i> —? ich -greife mir vor; wer kann sich aber zurückhalten? -In der That, die Gesetze sind in -Rücksicht der Weiber fast noch inconsequenter, -als eine thörichte Liebe! So sehr sie -auf Einer Seite die bürgerlichen Rechte der -Weiber in Absicht auf ihre Personen und ihr - <span class="pagenum"><a id="Seite_69">[S. 69]</a></span> -Vermögen beschränken, weil sie dieselben -für schwach und unvermögend, ihr eigenes -Beste wahrzunehmen, erklären; so verpflichtet -sie sich halten, das ganze Geschlecht zu -einer immerwährenden Vormundschaft zu verstoßen: -so schnell hört doch diese Schwäche -auf, Schwäche zu seyn, so bald von Verbrechen -und Strafen die Rede ist; beide Geschlechter -werden mit einem und demselben -Maße gemessen — und in der Kirche, in -den Gerichtshöfen, (hoffentlich auch im Himmel) -ist kein Ansehen der Person zwischen -Mann und Weib: sie sind einerlei Leib und -einerlei Seele. Ehre dem <i>Divus Justinianus</i>, -der, mit mehr Zusammenhang als unsere Gesetzgeber, -wegen der gröbsten Vergehungen -dem schönen Geschlechte keine Zurechnung -zumuthete, und es über alle Strafen wegsetzte! -— Nach seiner Meinung war ein Weib -so gut, daß es zu nichts taugte, wogegen es -bei uns doch wenigstens einer Bestrafung — -welch ein Vorzug! — würdig geachtet wird. -Bei uns steht es unter dem Gesetze; bei ihm -stand es nur unter der Gnade. — Wahrlich! - <span class="pagenum"><a id="Seite_70">[S. 70]</a></span> -man kann nicht läugnen, daß es bei uns einen -Schritt zur Verbesserung gethan hat, obgleich -seine Vollendung, die im weiten Felde geblieben, -noch ein Wunder in unsern Augen -ist — Ja wohl, ein Wunder! — Die Ewigkeit -der Höllenstrafen hat ihre Bestreiter gefunden, -und dieses Höllenräthsel wird zu unserer -knotenlösenden Zeit, wo die kalte Philosophie -so manches abkühlt, durch die ewigen -Folgen ins Reine gebracht, welche von keiner -bösen Handlung getrennt werden können; die -Sklaverei des andern Geschlechtes indeß bleibt -ein Wurm, der nie stirbt, und ein Feuer das -nie verlischt. — <i>Gerechtigkeit!</i> man hat dir -die Binde genommen; und doch siehst du -nicht, daß, wenn gleich alle Handlungen, die -mit den Personen und dem Vermögen des andern -Geschlechtes in Beziehung stehen, ohne -einen gesetzlichen Beistand ungültig sind und -ohne allen bürgerlichen Effekt bleiben, deine -armen Unmündigen durch alle sittliche und -bürgerliche Gesetze in eben dem Maße wie -die Männer verbunden werden! Selbst nicht -bei Gesetzen wider die Contrebande ist nach - <span class="pagenum"><a id="Seite_71">[S. 71]</a></span> -dem Curator die Frage, und ob in dessen Assistenz -dem Kaiser nicht gegeben ward, was -des Kaisers ist — und doch ist ein Weib dem -Staate nur durch den Mann verwandt und zugethan: -Nur <i>er</i> huldigte ihm und seinen Gesetzen. -Ist es Wunder, wenn Weiber die -Gesetze befolgen, wie die Nonne den Psalter -singt? wenn sie den ernsthaften Anordnungen -des Staates eine Folie des Lächerlichen unterlegen, -und sich da noch Auslegungen derselben -erlauben, wo blinder Gehorsam erfordert -wird? War je eine ärgere Löwengesellschaft? -und trift es irgendwo klärer ein, daß man -größere Diebe laufen läßt, und kleinere zu -hängen sich nicht entbricht? Staaten, die -zum Schutze der Menschenrechte entstanden, -entziehen ihn der Hälfte ihrer bürgerfähigen -Einwohner! — Es ist natürlich, wenn der -Wille sich da sträubt, wo die Vernunft so -viele Steine des Anstoßes und Felsen des Ärgernisses -findet — — Leiden einzelner Menschen -(besonders wenn diese nicht die verdammlichen -Urheber davon sind) vollenden, -und nichts was groß war, kam ohne sie je - <span class="pagenum"><a id="Seite_72">[S. 72]</a></span> -zur Reife; Leiden aber, die einem ganzen -Volke nicht von der Natur und vom Schicksal, -sondern bloß willkührlich zugefügt werden, -hemmen allen Muth: sie erschlaffen und -entseelen die edelsten Völker, so daß man ihre -Stätte nicht mehr findet. — Ewig Schade -um alle die Fortschritte, die durch jene männliche -Grausamkeit gehemmet werden! Welch -ein Stoff muß im andern Geschlechte liegen, -da er allen diesen Hindernissen noch bis jetzt -so stattlichen Widerstand leistete! — Doch, -unmöglich könnten die Weiber noch seyn, -was sie sind, und die Lage behaupten, in der -sie sich befinden, wenn nicht Geschlechterneigung -und Reitze ihnen Subsidien geleistet -hätten. So hat bis jetzt die Natur den Menschen -noch nie ganz verlassen, wenn er ihr -auch unerkenntlich den Rücken kehrte! Ein -gewisser glücklicher Zustand, nach welchem -den Menschen wenig zu wünschen, allein eben -darum viel zu befürchten übrig bleibt, macht -sie unglücklich: — sie erstreben nichts; ihre -Seele verliert den Schwung, ihr Geist das -Geistige; und so wie dieser glücklich-unglückliche - <span class="pagenum"><a id="Seite_73">[S. 73]</a></span> -Zustand das Schicksal vieler regierenden -Herren ist, die ihren Beruf nur von der Seite -der Hoheit und der Macht kennen, auf -Kleinigkeiten fallen, und Nebendinge der Regierung, -oder gar solche die ihres Amtes nicht -sind, zu Hauptsachen erheben: so scheint er -auch überhaupt auf dem königlichen Geschlechte -der Männer zu ruhen. Dieses sucht mehr -durch Ausflüchte, als durch Muth und Weisheit, -den Gefahren zu begegnen; es spielt -mehr den Herrn und Meister, als daß es beides -wäre; an Willkühr gewöhnt, verlernt es, -auf Mittel zu sinnen; zur Herrschaft geboren -und erzogen, denkt es nicht darauf sie zu verdienen; -es vernachlässigt sich, da es keinen -Anreitz hat und zu keinem edlen Wettlaufe -sich in seinem Hause anstrengen darf; es fällt -zusammen, da es sich nicht die Mühe giebt, -sich gerade zu halten. Man sage nicht, daß -die Männer bei andern Männern Licht anschlagen -können; Tyrannen sind verzagt, und kriechen -überall, wo sie nicht befehlen dürfen. -Wahrlich! nicht nur Weiber, sondern auch -wir, haben durch jene Herabwürdigung des - <span class="pagenum"><a id="Seite_74">[S. 74]</a></span> -andern Geschlechtes verloren — wer am meisten? -Ist es zum Beispiel ein Wunder, wenn -das fräuliche Geschlecht falsche Münze gegen -falsche Münze wechselt, und die Tyrannei -des Herrn Gemahls mit Augendienst erwiedert? -— Ist es ein Wunder, wenn alle beide -sich das Leben verbittern, und bei dem -wohlseligen Hintritt des Herrn Gemahls — -Gott tröste ihn! — die am pompreichen Leichengerüste -wohlangebrachten Genien die einzigen -sind, die ohne End' und Ziel, Thränen -vergießen, womit sie den letzten Funken der -umgekehrten Fackeln auslöschen, während die -trostvolle Frau Wittwe, unter einer ehrwürdigen -Decke, ihre Rolle meisterlich spielt und -fröhlich und guter Dinge ist? — Von Anbeginn -ist es nicht so gewesen.</p> - - -<hr class="chap" /> -<p class="break" /> - - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_75">[S. 75]</a></span></p> - - -<h2 id="III">III.<br /> - -<span class="smcap">Woher die Überlegenheit des Mannes<br /> -über die Frau entstanden?</span></h2> - -<p class="center pmb1"><span class="smcap">Rückblicke auf die älteste Zeit.</span></p> - - <div class="figcenter"> - <img src="images/tb_001.jpg" alt="Dekoration" /> - </div> -<p class="pmb1" /> - -<p>Wenn die Weiber mit den Männern von -der Natur zu gleichen Rechten berufen sind; -wenn sie sich im Besitz von gleichen Körper- -und Geistesanlagen befanden und zum Theil -noch befinden: <i>wo</i>, <i>wann</i> und <i>wie</i> entstand -denn die Überlegenheit des Mannes über das -Weib? was gab dem Manne das Schwert -in die Hand? und was verwies das Weib an -die Spindel? Diese Fragen, die jeder sich -aufwerfen muß, der zu fragen versteht, wenn -gleich die größere Kunst zu antworten ihm -nicht gegeben seyn sollte, haben allerdings nicht -wenig von der Natur jenes weltberühmten Knotens, -der, da er geschürzet war, auch wieder -hätte aufgelöset werden sollen, den aber <i>Alexander</i>, -nach der Weise vieler unserer Dichter, - <span class="pagenum"><a id="Seite_76">[S. 76]</a></span> -zu zerhauen die unästhetische Dreistigkeit -hatte. Ständen wir dem <i>Wann</i> und <i>Wo</i>, der -Zeit und dem Raume nach, näher; so würde -es wahrscheinlich keines <i>Oedips</i> bedürfen, um -bei dieser Meisterfrage eine akademische Prämie -von dreißig Silberlingen zu gewinnen, -und das <i>Wie</i> obendrein zur allgemeinen Befriedigung -zu beantworten. Allein da über das -<i>Wann</i> und <i>Wo</i> in keiner Chronik und keiner -Topographie ein todtes, geschweige denn ein -lebendiges, Wort zu finden ist; so müssen, -bis die Hieroglyphen an den Pyramiden enthüllt -seyn werden, oder bis uns ein bisher -verborgenes Denkmahl darüber seine Aufschlüsse -nicht länger vorenthält, das <i>Irgendwo</i> und das -<i>Irgendwann</i> bei dieser großen Katastrophe zur -Unterlage dienen, und das <i>Wie</i>, in Ermangelung -der Geschichte, durch eine Conjektur -der Vernunft aufgelöset oder — zerhauen werden. -Alles, wobei es auf Thatsachen ankommt, -kann nur bis auf einen gewissen Zeitpunkt -hin verfolgt werden. Da wo die Sonne -der Geschichte untergeht und sogar der Mond -der Fabel sein entlehntes Licht entzieht, bleibt - <span class="pagenum"><a id="Seite_77">[S. 77]</a></span> -der Vernunft nichts übrig, um sich zu orientiren, -und sie irret in dem unbegrenzten Meere -der Möglichkeit, ohne zu wissen, woher -und wohin? Was hier über Geschichte und -Fabel hinausgeht, ist (da die ersten Sagen -der Völker davon, als von einer Sache, die -vor ihnen war, sprechen) derjenige Zustand -des Menschen, wo jedes einzelne Individuum, -ohne einige Verbindung mit andern seiner Art, -in der vollkommensten Unabhängigkeit, bloß -von den Früchten des Bodens den es durchstrich, -lebte, ohne durch eine andere Zubereitung, -als die man von der Natur selbst erhielt, -ihr zu Hülfe zu kommen. Die Menschen -hingen vom Boden und sonst von nichts -weiter ab — Ob es einen dergleichen Zustand -wirklich gegeben? ob je der Mensch (das -geselligste unter allen bekannten Thieren, trotz -jenen frommen Orang-Utangs in der Thebaischen -Wüste, und ihren jüngeren Brüdern, -die es doch behaglicher gefunden haben, sich -aus Eremiten zu Cönobiten umzuformen) in -einem solchen Zustande war — mag <i>Hans Jakob</i> -verantworten, an dessen Grabe es heißt: <i>Ici</i> - <span class="pagenum"><a id="Seite_78">[S. 78]</a></span> -<i>reposé l'homme de la nature et de la vérité</i> — -Dergleichen Hans Jakobsche Kinder der Natur -hat weder <i>Colombo</i>, noch sein Märtyrer von -Nachfolger, <i>Cook</i>, gesehen — Allenthalben -wo diese hinkamen, waren schon die ersten -Umrisse der Gesellschaft gezeichnet, Familienverhältnisse -(wenn gleich unvollkommen) gegründet -und Spuren (wiewohl freilich oft nur -sehr schwache) von Cultur und Kunstprodukten -vorhanden. Bei den allerrohesten Völkern fanden -sie schon Hütten, eine Art von Zubereitung -der Nahrungsmittel, und bei den meisten auch -die ersten Anfänge zu einer Bekleidung des -Körpers. Wo sie sich lange genug aufhielten, -und wo es ihnen glückte, sich durch Zeichen -zu verständigen, überzeugten sie sich, daß -diese dem Naturstande anscheinend so nahe -angränzenden Menschen schon lange, und weit -über ihre Überlieferungen hinaus, immer an -dieser Stelle und diesem Orte gestanden hatten. -Auch nicht die mindeste Ahndung ging -unter ihnen im Schwange, daß es außer dem -Punkte, wo sie sich befanden, noch andere -ober- oder unterwärts geben könne. So einfach - <span class="pagenum"><a id="Seite_79">[S. 79]</a></span> -und in so geringer Zahl ihre Familien-, -Haus- und Nahrungsgeschäfte auch immer seyn -mochten, da ihre Bedürfnisse noch wenig über -die der thierischen Natur hinausgingen; so -leicht ihre Nothdürftigkeiten gestellt werden -konnten, da die Kunst sie nicht verwöhnt -hatte: so waren unter den beiden Geschlechtern -doch schon <i>Casten</i> errichtet, und eine -Scheidung vorgefallen in dem, was Gott zusammen -gefügt hat. Je unvollkommener auf -der Einen Seite hier die gesellschaftliche Verfassung -war; je schwerer es fiel, das thierische -Bedürfniß zu befriedigen, weil die Natur den -Boden, oder die Wälder (die königlichen -Residenzen dieser Menschen) oder die Flüsse -und Meere nur karg mit den Mitteln dazu ausgestattet -hatte: um desto härter war das Loos, -welches dem weiblichen Theile dieser halbgezähmten -Menschenklasse fiel. Das Leben des -Mannes war vorzüglich zwischen Genuß und -Ruhe getheilt, wenn ihn nicht dringendes Bedürfniß -zur Jagd oder zum Fischfang aufforderte. -Das Weib begleitete ihn nur selten als -Gehülfin, weil ihm die Pflicht die Speisen zu - <span class="pagenum"><a id="Seite_80">[S. 80]</a></span> -bereiten oblag, während das Mannthier seine -Glieder in der Sonne dehnte. Freilich nur -schwache, unbefriedigende Data zur Auflösung -der aufgeworfenen Frage; indeß doch etwas, -um uns auf <i>Mehr</i> zu bringen — wie jene -Übermacht entstand, welche auf die eine Hälfte -des menschlichen Geschlechtes alles <i>Lästige</i> -wälzte, und sich dagegen allen <i>Vortheil</i> weislich -vorbehielt. — Scheint nicht die Natur -durch Schwangerschaft und Geburt den ersten -Fingerzeig <i>zu diesem Verlust über die Hälfte</i>, -bei der Theilung des menschlichen Werthes, -gegeben zu haben? Wenn dieses Antheil, das -den Weibern zufiel, auch noch so sehr erleichtert -wird; wenn es auch noch so köstlich ist: — -kann es auf eine andere Rubrik als auf Mühe -und Noth gerechten Anspruch machen —? -Der Mann scheint zum Vergnügen berufen zu -seyn, das Weib dagegen zu Kummer und -Elend — Wenigstens liegen in dem Familienverhältniß, -in der Art und Weise wie die -Keime der Geselligkeit sich zuerst bei den -Menschen entwickelten und worauf ihn vielleicht -das Zeugungs-Geschäft brachte, entfernte - <span class="pagenum"><a id="Seite_81">[S. 81]</a></span> -Winke und Hieroglyphen, wodurch der -gesellschaftliche Zustand, welcher dem menschlichen -Geschlecht einen so erstaunlichen -Schwung gab, der Einen Hälfte des Geschlechtes -so nachtheilig ward — Wiederholung der -nämlichen Umstände pflegt die Dürftigkeit derselben -zu bedecken, als ob Ermüdung Ergänzung -wäre; und selbst unsere Philosophen -sind oft in dem Falle jenes Kranken, dem der -Arzt erlaubte, täglich einen Löffel voll Wein -zu nehmen, und der sich einen Löffel von -vier Quart machen ließ — sie sind da am beredtsten, -wo sie am kürzesten seyn könnten, -weil sie hier am wenigsten wissen. — Es sei -mir erlaubt, jene Data durch Rückblicke auf -die Geschichte, das Noth- und Hülfsbüchlein -in allen Lebensfällen, zu verstärken oder zu -schwächen — meine Leser mögen den eigentlichen -Ausdruck suchen; doch, wenn ich bitten -darf, nicht auf meine Kosten, sondern -mir zum Besten.</p> - -<p>Schon in den ältesten urkundlichen Nachrichten -über den gesellschaftlichen Ursprung -der Menschen, finden sich Spuren von einer - <span class="pagenum"><a id="Seite_82">[S. 82]</a></span> -Ungleichheit der beiden Geschlechter, und -von Zurücksetzungen des weiblichen — wohin -auffallend die Vielweiberei gehört.</p> - -<p>Wie despotisch ist der Gedanke, daß ein -Mann sich befugt halten konnte, mehr als Ein -Weib zu besitzen, indem bei einer Berechnung -an den Fingern sich herausbringen läßt, -daß er durch diese Verschwendung Andere -zum Darben bringt! Wahrlich, die Vielweiberei -ist ein Umstand, der sich weder mit -Seele noch mit Körper verträgt, und nicht nur -der Vernunft, sondern selbst einer Leidenschaft -widerspricht, die (wie die Kinder reicher und -vornehmer Leute) durch die Schule der Vernunft -gelaufen ist. Wo ein Mann mehr als -Ein Weib hat, wird jener Tyrannenrath erfüllt: -Theile und regiere (<i>divide et impera</i>). -Die Weiber mußten auf diesem Wege des -ihnen so nachtheiligen männlichen Luxus ihre -Abhängigkeit im höchsten Grade fühlen; -und wenn gleich die Sultanin des Tages sich -einen Vorzug vor ihren Colleginnen anmaßte: -so währte dieses Ansehen, das sie sich gab, -doch nicht lange, und bald überzeugte sie - <span class="pagenum"><a id="Seite_83">[S. 83]</a></span> -sich, daß unter Sklavinnen keine Rangordnung -Statt finde.</p> - -<p>Die Geschichte der <i>Sara</i> und <i>Hagar</i> scheinet -zu beweisen, daß die Kebsweiberschaft -nicht gleich anfänglich bloß in dem eignen -Belieben des Mannes gestanden, und daß er -anfänglich verpflichtet gewesen, die Genehmigung -seiner Frau einzuholen, eh' er sich ein -Kebsweib beilegen konnte. Auch scheinet sich -aus dieser Kebs-Geschichte zu ergeben, daß -dergleichen Contrakte nicht auf die ganze Lebensdauer -gegangen, und daß oft noch vor -Ablauf der contraktmäßigen Zeit der Engel -des Gewissens, und der Schutzgeist warnender -Umstände dem Manne zugerufen:</p> - -<blockquote> -<p><i>stoß die Magd hinaus mit ihrem Sohne!</i></p> -</blockquote> - -<p>Schon hab' ich mein Herz ausgeschüttet, daß -der erste Grund zu der männlichen Anmaßung -eines Vorzuges vor dem Weibe, in dem -Gange aufzusuchen sei, den die Bildung des -gesellschaftlichen Zustandes nahm. Ob die -Art, wie die geselligen Keime sich bei den -Menschen entwickelten, die einzig mögliche; -oder ob unter mehreren möglichen <i>die</i>, auf - <span class="pagenum"><a id="Seite_84">[S. 84]</a></span> -welche die Menschen von der Natur geleitet -wurden, der schmale Weg sei, der zum Leben -führet: das sind Nebenfragen, die, so wie -ihre Stammmutter, vielleicht noch lange, vielleicht -immer, unentschieden bleiben werden.</p> - -<p>So viel scheint ausgemacht, daß diese Keime -sich überall durch ähnliche Veranlassung -entwickelt haben müssen, indem sie (ein Beweis, -dessen ich gern entübriget wäre) für das -weibliche Geschlecht einerlei nachteilige Folgen -hervorgebracht haben. Die Gesellschaft -ist die Quelle alles Glücks und alles Unglücks, -das je dem menschlichen Geschlechte zufiel; -und noch ist nicht erschienen, was die Menschen -durch sie werden können und durch -sie — seyn werden. Wir wissen aber, daß, -wenn es erscheinen wird, wenn wir das heilige -Gesetz beobachten, und dasselbe, so -wie Gott, nicht fürchten sondern lieben, -wir Gott ähnlicher seyn und die Krone des -Lebens tragen werden. Eine Hoffnung, die -<i>Plato</i> nicht den <i>Traum des wachenden Menschen</i> -nennen muß, und bei welcher Glaube -an das menschliche Geschlecht zum Grunde - <span class="pagenum"><a id="Seite_85">[S. 85]</a></span> -liegt. Könnt' ich doch hinzufügen: <i>wahrer -und lebendiger Glaube!</i> aber noch ist solcher -in Israël nicht gefunden — Dieser Glaube -ist <i>Welt-Patriotismus</i>.</p> - -<p>Darf ich mir ein- für allemal die Erlaubniß -auswirken, rückblicken zu dürfen, ohne -von irgend einer kritischen Feder das Schicksal -von <i>Loths Weibe</i> zu befürchten zu haben?</p> - -<p>Zum Fischefangen und Vogelstellen hat jeder -Mensch noch immer einen so besonderen -Hang, daß gereimte und ungereimte Warnungstafeln -aushängen müssen, um den Menschen -von diesen Urbeschäftigungen abzuleiten, und -ihn, bei den erweiterten und verzärtelten Bedürfnissen, -zu andern nothwendig gewordenen -künstlichern Nahrungsquellen zu gewöhnen. -Der bekannte <i>St. Evremont</i> war bis an sein -Ende wohlbestallter Entenhüter zu St. James; -jener Schweizer in Frankreich erbat sich die -Anwartschaft auf die Hofstelle des Rhinoceros -— jener Gelehrter bei dem Hofe <span class="smcap">Friedrichs -II</span> den vacant gewordenen Atheistenplatz; -und zu wie vielen Rhinoceros- und Atheisten-Posten -müssen sich Menschen nicht herablassen, - <span class="pagenum"><a id="Seite_86">[S. 86]</a></span> -um ihr tägliches Brot nach der heutigen -Auslegung zu erreichen, wovon der Vogelsteller -und Fischfänger kein lebendiges Wort -wußte, keinen Traum oder todten Gedanken -kannte!</p> - -<p>Ob Jäger <i>Esau</i> auch ein Fischfänger gewesen, -ist nicht bemerkt, und die Herren Juristen -würden ohne allen Zweifel einen artigen -Fang machen, wenn es <i>ausgemittelt</i> wäre, (ein -Lieblingswort dieser Herren, die doch so oft -<i>zweckreich</i> und <i>mittelarm</i> zu seyn pflegen) daß -der Fischfang schon in den ältesten Zeiten -unter der Jagd begriffen gewesen sei.</p> - -<p>Warum das weibliche Geschlecht sich -nicht die blutarme Fischerei zugeeignet habe, -um dem nach Blut dürstenden Manne das -Wild zu überlassen? ist eine Frage, die sich -bei dieser Gelegenheit von selbst aufwirft. -Vielleicht nahm das Weib an allem Theil — -vielleicht stand es dem Manne nirgends nach; -vielleicht hinderten es nur die letzten Stunden -der Schwangerschaft, und sechs Stunden nach -der Niederkunft, an den Geschäften des Oberjägermeisters, -seines Mannes, unmittelbaren - <span class="pagenum"><a id="Seite_87">[S. 87]</a></span> -Antheil zu nehmen — Die Gottheit der Jagd, -<i>Diana</i>, war bei den jüngeren Alten <i>generis -foeminini</i> —</p> - -<p>Dieser Stillstand, den Schwangerschaft und -Niederkunft verursachten, war, von so kurzer -Dauer er auch immer seyn mochte, ohne -Zweifel der Grund des weiblichen Falles. In -diesen Zwischenzeiten der Muße war es vielleicht, -wo das Weib, durch einen dem Geschlecht -eigenen und mit seiner Bestimmung -vielleicht genau zusammenhangenden Instinkt -zu sparen, sich sein Sklavenschicksal bereitete. -Warum folgte es nicht der göttlichen Lehre: -»sorget nicht für den andern Morgen; es ist -genug, daß ein jeder Tag seine eigene Plage -habe!« So lange die Nahrungsquellen ergiebig -waren, fiel dem Manne nie der Gedanke an -das Aufbewahren ein; sein Jagdrevier war seine -Speisekammer, zu der alles, was Leben -und Odem hatte, gehörte — eine lebendige -Speisekammer, bei der er vor dem verdorbenen -Geschmack an faul gewordenem Wildbret -sehr sicher war! einem Geschmack, der bei allem -— das leidige Geld nicht ausgenommen — - <span class="pagenum"><a id="Seite_88">[S. 88]</a></span> -Statt findet, was man in Scheuren sammelt, -denen ohnedies das Motto angeschrieben ist: -<i>du N</i> — <i>heute wird man deine Seele von dir -fordern; und was wird seyn das du gesammelt -hast?</i> — Doch auch dem Geitzhals, dem -Teufel, muß man einen Vertheidiger beiordnen -—; und in der That ist die Sorge für -den andern Morgen, wenn sie rechter Art ist -und in ihren Schranken bleibt, eine nicht gemeine -Vernunftäußerung. Der Gedanke: »heute -ohne Hunger zu jagen, um morgen nicht -aus Mangel an Wildbret fasten zu dürfen,« -enthält — ungeachtet jener göttlichen Lehre, -für den andern Morgen nicht zu sorgen — so -viel Überlegung in sich, wie in den Köpfen -einer ganzen Heerde von Wilden nicht Platz -hatte. Auch hier mußte das Weib dem Manne -aushelfen, und wo es auf Vernunftgebrauch -ankam, scheint immer das Weib die Bahn -gebrochen zu haben. Jene Verlegenheit, in -die es die letzten Stunden der Schwangerschaft -und die ersten nach der Geburt verwickelten, -leitete es, kraft des instinktartigen Gefühls, -zur Selbsterhaltung, die ihm wegen der Erhaltung - <span class="pagenum"><a id="Seite_89">[S. 89]</a></span> -des Säuglinges noch dringender ward, an -der Hand der Vernunft, weise und mächtig -auf Vorrath zu denken, sich heute etwas zu -entziehen, um morgen nicht ganz entbehren -zu müssen. Diese Aufbewahrung von Vorräthen, -welche anfänglich bloß gelegentlich und -nur so lange geschah, als es die Umstände verlangten, -ward nach und nach, je nachdem die -Menschen sich mehrten und die Nahrungsquellen -ärmer wurden, wiederholt, und mit der -Zeit beständig. Wenn es wahr ist, daß in -vielen Fällen Thiere die Lehrer der Menschen -gewesen sind; so wird das Vorrathsammeln -ohne Zweifel zu dem Lektionskatalogus dieses -Unterrichtes gehören. Der Instinkt (der sich -zur Vernunft, wie der Tanzbärleiter zum Hodogeten, -verhält) hat seine Kinder schneller -und sicherer an Ort und Stelle gebracht, -als die sich Zeit nehmende kalte Vernunft die -werthen Ihrigen. Gewiß sammelten die Biene -und die Ameise früher als der Mensch; -vielleicht versteckte das Alterthum diese Wahrheit -unter der Fabel von den Myrmidonen. — -Nicht etwa bloß Neugierde, wie einige wollen, - <span class="pagenum"><a id="Seite_90">[S. 90]</a></span> -sondern Beobachtungsanlage lenkte ohne -Zweifel zuerst das Weib auf diese Experimental-Unterweisung. -Vorräthe erforderten -beständige Aufsicht, nähere Einrichtung -und Bearbeitung; und so entstand Hausrath. -Irgend ein Zufall, und ohne Zweifel die Anhänglichkeit -mancher Thiere an den Menschen, -lehrte ihn (wahrscheinlich zuerst das Weib), -einige Gattungen von Thieren zu seinem beständigen -Brauch und Dienste zu zähmen; und -so vermehrte sich durch diese Dienstboten, -die man im Falle der Noth auch zur Nahrung -nahm, der Haushalt. Jetzt mußten die Geschäfte -getheilt werden; und da wählte denn -der Mann die Jagd, das Weib den Haushalt. -So ward das Weib allmählich die Befehlshaberin -der Hausthiere, und eh' es sich's versah, -das erste Hausthier selbst. Das arme Weib! -Doch was kann weiter befremden? ward es -doch durch jene Revolution, wodurch es die -Freiheit an's Licht brachte, eine Sklavin!</p> - -<p>Allmählich fingen die Vortheile und Nachtheile, -welche mit den unter beiden Geschlechtern -so sehr verschiedenen Lebensarten verknüpft - <span class="pagenum"><a id="Seite_91">[S. 91]</a></span> -waren, immer mehr an sichtbar zu -werden. Der Körper des Mannes, durch die -Beschwerlichkeiten der Jagd oder Fischerei abgehärtet, -fest, gelenk und stark, behauptete -auch einen Einfluß auf seine Seele. An Gefahren -gewöhnt, ward er durch diese Gewohnheit -muthig, unerschrocken, standhaft, und -fühlte seine Überlegenheit über Alles, was -nicht Mann war, mithin auch über sein Weib, -dessen körperliche Kräfte aus Mangel an Gelegenheit -unentwickelt blieben, und das, aus -Unbekanntschaft mit Gefahren, diese zu fürchten -anfing, da hingegen der Mann, vertraut mit -der Gefahr, sie vermeiden oder bestehen lernte. -Mit kleinlichen Gegenständen und mit -Thieren umgeben, die Zaum und Gebiß geduldig -trugen, sank das Weib nach und nach -an Körper und Seele zu einer niederen Stufe -herab, und lernte geduldig, sich bei seinem -Despoten mit der Stelle einer ersten Sklavin -begnügen. Sklavin! Ohne Zweifel brachten -zahm gemachte Thiere den Menschen auf diesen -unmenschlichen Gedanken, und dies -schreckliche Wort würdigte die Menschheit - <span class="pagenum"><a id="Seite_92">[S. 92]</a></span> -so tief herab, daß die verrufene Münze keine -Spur mehr von Bild und Überschrift der vorigen -Zeiten an sich trug. So wie unfehlbar -das Weib durch den Besitz gezähmter Thiere -das Hirtenleben erfand und einführte, so wird -eben dasselbe, da es mehr an Einen Ort und -an Eine Stelle gebunden war, auch zu Anpflanzungen -und zum Ackerbau Gelegenheit -gegeben haben. Gewiß hat es den ersten -Sallat zum Wildbraten des Mannes bewirkt. -Eine Wurzel, Körner — die, in Ermangelung -eines Alderman-Schmauses, von einem -antipythagorischen Bohnenmahl übrig geblieben -waren, und die man, weil es fettere Bissen -gab, nicht achtete — wurzelten und mehrten -sich um die Hütte herum, bis es dem -Weibe einfiel, absichtlich zu pflanzen und zu -säen. So entstand von der Hand des Weibes -vielleicht der erste Garten, den englischen -Garten <i>Eden</i> ausgenommen; und der Gartenbau -ist auch größtentheils in den Händen der -Weiber geblieben, bis auf den heutigen Tag. -Auch hat das Weib wahrscheinlich in Allem -zuvor Probe gegessen und dem Manne zur - <span class="pagenum"><a id="Seite_93">[S. 93]</a></span> -Sicherheit, theils wegen der Unschädlichkeit, -theils wegen des Wohlgeschmacks, gedient. — -Noch jetzt ist das höchste Ziel der Kochkunst -ein Vorzug der Weiber. — Der Wechsel, -den das Weib an seinem eignen Körper erfuhr, -gewöhnte es an die Witterung, und -lehrte es so sehr auf die Zeit merken, wie -den Unbestand der Witterung überstehen; und -so ward durch das Weib vielleicht beides, das -Hirtenleben und der Ackerbau, — erfunden -oder zu Stande gebracht? — Wie viel läßt -sich hierüber conjekturiren! Der gemeine -Acker- und Gartenbauer räumt dem lieben getreuen -Erdenvasallen, dem Monde, noch jetzt -viel Einfluß auf seine Erzeugnisse ein: er -pflanzt seinen Kohl und was Blätter treiben -soll, im Vollmonde, und das, wodurch unter -der Erde Wurzeln oder Knollen hervorgebracht -werden sollen, bei Mondesabnahme. Die Phasen -des Mondes sind ihm noch Epochen in -seinem Wirthschafts-Kalender; und was kann -ihn anders auf diese Mondweisheit gebracht -haben, als die <i>Weise</i> der Weiber —? Von -beiden Hauptnahrungsquellen, dem Hirtenleben - <span class="pagenum"><a id="Seite_94">[S. 94]</a></span> -und dem Ackerbau, wußte der ins Größere -gehende Mann das Weib abzubringen, um es -an den Haushalt zu fesseln — wozu Se. Gestrengigkeit -das Weib <i>verurtheilt</i> hatte. »Verurtheilt?« -Mit nichten; durch einen Machtspruch, -durch einen Justizmord, des Landes -verwiesen hatte. — Noch jetzt genießen Erfinder -selten die Ehre der Erfindung, und verdienen -sie vielleicht auch nicht, weil fast immer -ein Ungefähr sie darauf bringt — Erfindungen -und Offenbarungen werden gemacht, -man weiß nicht wie! —</p> - -<p>Ackerbau und Viehzucht sind, so wie Ursache -und Wirkung, mit einander verbunden; -und es ist schwer zu begreifen, warum Hirten -und Ackerbauer sich gleich anfänglich haben -trennen und beneiden können. Da nichts -natürlicher war, als daß das Vieh keine Anpflanzung -schonte, und da dieser Umstand die -Hirten und Ackerbauer in beständige Gränzstreitigkeiten -verwickeln mußte; so hätten diese -Zwiste beide Theile sehr bald zu freundschaftlichen -Verabredungen bequemen sollen.</p> - -<p>Die Jagd allein, der Ursoldatenstand, scheint - <span class="pagenum"><a id="Seite_95">[S. 95]</a></span> -eine Erfindung des Mannes zu seyn; und da -der Mann seine Beute oft sehr weit suchen -mußte, so gab sie die erste Ursache zur Herabwürdigung -des Weibes. Bei dem Ackerbau -und der Viehzucht hätte es sich gewiß länger -in Ehren und Würden erhalten können, wenn -die Jagd nicht schon den Mann bewaffnet und -er allen Vortheil und Nachtheil des Soldatenstandes -in sich vereinigt gehabt hätte. Er -stand bei seinem Weibe im Quartier. — Noch -jetzt bin ich ein Feind der Jagd, weil sie dem -Weibe jeden Schritt zur weiteren Cultur vertrat -und alle jene Übel erzeugte, denen das -menschliche Geschlecht durch Kriege oder -Menschenjagden unterworfen worden ist. — -Zwar sagt man, daß der Krieg oft ein Weg -zur Cultur gewesen sey und werden könne; -und freilich ist es nicht das erste mal, daß -aus dem Bösen etwas Gutes wird: Ist und -bleibt aber, dieser Metallverwandlung des Guten -und Bösen unbeschadet, Krieg nicht ein -Originalübel? Im Reiche Gottes, dessen Sonnenaufgang -und Morgensegen wir mit Danksagung -erwarten, wird man so wenig Menschen - <span class="pagenum"><a id="Seite_96">[S. 96]</a></span> -würgen und sich zur Erkenntlichkeit dem -Würgengel bloß stellen, als in der andern -Welt freien und sich freien lassen. —</p> - -<p>Die Flecken in der Sonne — die man ungefähr -wie die Flecken ansieht, womit die reinlichste -Hausfrau in der Küche sich ihre Manschetten -bespritzt, wie es dem Geschäftsmanne -an seinem Schreibtische mit Tinteflecken nicht -besser geht — sind nicht, was sie scheinen. -In der physischen Welt ist überhaupt alles -gut, sehr gut! — Und wie? dies sollte uns -nicht zu der Hoffnung Anleitung geben, daß -es auch in der moralischen Welt zu jener -Stufe der Cultur kommen werde, wo man des -Bösen nicht bedarf, um Gutes daraus zu lernen? -Fehden waren es, die ihren Ursprung -aus der Vermehrung der Menschen und aus -der Verminderung des Wildes (des einzigen -und nächsten Nahrungsmittels für den rohen -Menschen) hatten; der Menschen wurden mehr, -des Wildes ward weniger: und so konnte es -nicht fehlen, daß nicht Streitigkeiten und Befehdungen -entstanden, welche Familienkriege -nach sich zogen.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_97">[S. 97]</a></span></p> - -<p>Zwei Familien, die der Übermacht zu weichen -gezwungen waren, stießen vielleicht -durch einen Zufall auf eine dritte, der sie -einzeln nicht gewachsen gewesen wären, die -ihnen aber jetzt ihr Jagdrevier überlassen -mußte; und dieser Umstand war es, der zwischen -beiden, wenigstens so lange die Gefahr -dauerte, ein gesellschaftliches Band knüpfte, -ohne daß es unter ihnen zu einer Verabredung -und Constitution kommen durfte. Durch -Irrthum und Thorheit gelangen die Menschen -zur Wahrheit, und durch Mühe und Streit -zur Vereinigung und Gesellschaft. Ist mir -doch schon wieder der traurige Gedanke im -Wege, daß das Böse so oft ein Vorspiel, ein -Präludium zu dem Textliede des Guten seyn -muß! — »Oft oder allemal?« Oft, Freunde; -denn es giebt Original-Gutes, Gutes aus der -Wurzel — und dies könnte man <i>göttlich Gutes</i> -nennen! Gott ist original-gut! —</p> - -<p>Das Hirtenleben und der Ackerbau (das -neue Testament, wozu die Menschen nach -dem alten Testamente des Jagdlebens sich aufklärten) -gab nicht minder zu Zwisten Gelegenheit, - <span class="pagenum"><a id="Seite_98">[S. 98]</a></span> -wozu die Tagdieberei des Hirten, -und das Vorurtheil, als ob er eben darum -Gott lieber wäre und von ihm mehr beglückt -würde, mittelst des argen, bösen Neides nicht -wenig beigetragen haben mag: Neid ist Geitz, -und dieser ist, wie jeder von uns weiß, die -Wurzel alles Übels. Der Hirt schonte die -Anpflanzungen des Ackermannes nicht, und -ehe dieser pfänden konnte, war jener mit -seiner Heerde über alle Berge, und wußte -sich listig der Berichtigung des Pfandgeldes -zu entziehen. Dies zwang den Ackerbauer, -mehr auf seine Vertheidigung bedacht zu seyn; -und da er sich gedrungen sah, mehr Hände -anzuwerben, um den Acker zu bestellen (Hände, -die zusammen bleiben mußten, um die -Zeit abzuwarten und die Witterung zu benutzen, -oder ihr zuvor zu kommen:) so bauete -ein Haus das andere, wie ein Wort das andere -zu geben pflegt. Hierdurch waren die -Ackerbauer mehr im Stande, sich den Ausschweifungen -des zahmen Hirten und des -wilderen Jägers zu widersetzen. Aus den Ackerbauern -wurden Bauherren: (eine Würde, - <span class="pagenum"><a id="Seite_99">[S. 99]</a></span> -die ihnen selbst von den überwundenen Horden -der Jäger oder der Hirten zugestanden ward;) -und nur spät hat sich das Blatt gewendet, so -daß wiederum Fürsten und Herren jagen, und -Sklaven den Acker bauen. — So drehet sich -Alles in der Welt, und die Menschen folgen -so großen Beispielen; Familien und Reiche, -Aufklärung und Verfinsterung, Gutes und Böses: -Alles geht auf und unter. — Zu der -Zeit, als auf den Trümmern von Familiengesellschaften -bürgerliche Gesellschaften errichtet -wurden, war das Schicksal der Weiber schon, -wie es schien, unwiederbringlich entschieden.</p> - -<p>Die Waffen, welche die Männer bei jenen -Umständen führen mußten, und welche sie -fast nie aus den Händen ließen, während die -Weiber für das Hausbedürfniß ihrer Männer -und Kinder besorgt waren, gaben diesen ein -entscheidendes Übergewicht über jene, welche, -weil sie mit Waffen nicht umzugehen wußten, -sich vor ihnen fürchteten. Sie erschraken vor -Gefahren, welche die Männer, mehr damit -bekannt, verachteten. An Körper und Seele -war ihnen der Mann, wenn ich so sagen darf, - <span class="pagenum"><a id="Seite_100">[S. 100]</a></span> -unter der Hand überlegen geworden; und da -er sich im ausschließenden Besitze der Schutz- -und Trutzwaffen befand, so vertheidigte er -nicht bloß seine Person, sondern auch sein -Eigenthum, wozu er seine Familie und in derselben -sein Weib rechnete, das er jetzt als -durchaus von ihm abhängig ansah.</p> - -<p>Während daß die Einsichten des Mannes -durch seinen vergrößerten Wirkungskreis sich -vermehrten; während daß seine Geschäfte -mit der bürgerlichen Gesellschaft einen höheren -Schwung nahmen, indem seine Begriffe -sich zu generalisiren anfingen: schrumpfte die -Seele des Weibes je mehr und mehr in die -Gränzen des Haushalts ein. Dieser bestand -wegen Einfachheit der Bedürfnisse, dem Vater -<i>Homer</i> zufolge, in dem Zeitalter der Heroën, -selbst bei königlichen Familien, noch bloß im -Weben und andern dergleichen Handarbeiten. -Nach und nach verlor sich die weibliche -Spannkraft gänzlich. Schade! — Durch die -Umstände, daß alle Geschäfte des Staats den -Weibern entzogen, und diese, bei Entstehung -der bürgerlichen Gesellschaften, schon zur - <span class="pagenum"><a id="Seite_101">[S. 101]</a></span> -Besorgung des Haushalts verwiesen waren, -wurden sie nicht Bürgerinnen des Staats, sondern -Schutzverwandte. — Schon sehr zufrieden, -daß der Staat ihnen diese Gnade angedeihen -ließ, begnügten sie sich mit einigen -Begünstigungen vor den Sklaven, die man ihnen -bloß zu <i>spendiren</i> schien. Wunderbare -Wege! Doch, ging man nicht von der Poësie -zur Prosa, von dem Tanze zum Gange, vom -Singen zum Reden, vom Roman zur Geschichte -—? Es wirkte eine Reihe von Ursachen, -(wozu wahrscheinlich die, wiewohl -größtentheils mißverstandene, Natur die erste -Veranlassung gab) daß nach und nach eine -ganze Hälfte des Menschengeschlechtes ihre -ursprünglichen Menschenrechte verlor und gegenwärtig -einige Überbleibsel davon unter dem -Titel von Begünstigungen, wohl zu merken, -nur so lange genießt, als es der andern Hälfte -gefällt, ihr dieselben zu lassen; — und doch, -ist das dritte Wort dieser unterdrückenden -Menschenhälfte: Recht und Gerechtigkeit, Gesetzgebung -und Gesetzhandhabung! — Warum -in Fällen dieser Art ängstliche Geschichtsausspürung? - <span class="pagenum"><a id="Seite_102">[S. 102]</a></span> -Der Geist, der in uns ist, bleibt immer -die beste Quelle aller Geschichte; er -gleicht im Wesentlichen dem Geiste aller derer, -die vor uns waren, und giebt dem, der -sich mit ihm einlassen kann, und jedem, der -sich selbst verständlich zu machen weiß, wichtige -Fingerzeige von Nachrichten, die weit -über den Zeitpunkt schriftlicher Zeugnisse, -und weit über die historische Gewißheit hinausreichen. -Jedes Kind bringt das Andenken -an die Kindheit der menschlichen Vernunft in -Anregung, und die Hauptzüge derselben drängen -sich Jedem auf, der Augen zu sehen, Ohren -zu hören, ein Herz zu fühlen, und Vernunft -zu ergänzen, zu vergleichen und zu verbinden -hat. Mit Meinungen der Vorzeit kann -uns nicht gedient seyn; und die Handvoll aufbehaltener -Thatsachen sind so sehr mit jenen -Meinungen in Verbindung, daß man ohne Philosophie -bei den historischen Quellen der Vorzeit -außerordentlich zu kurz schießt. Kann -man ohne philosophischen Kopf bei den historischen -Quellen auslangen? In uns liegt das -Vermögen, aus jenen Bruchstücken der alten - <span class="pagenum"><a id="Seite_103">[S. 103]</a></span> -Welt, wo nicht ein Gebäude, so doch eine -Hütte zu zimmern, und ein Ebenbild unseres -Geistes, eine Einheit zu schaffen, die ohne -Forscherblick weder in der Weltgeschichte, -noch auch in der Geschichte jedes einzelnen -Menschen, gefunden werden kann. Ohne diesen -Geist der Wahrheit ist und bleibt jede -Lebensbeschreibung ein Roman, der Verfasser -gehe so offen zu Werke als möglich, oder -verstecke sich unter die Bäume im Garten. — -Zu Geschichtforschern, Auslegern des menschlichen -Geistes, zu Seelengelehrten, zu Sehern, -gehört Studium seiner selbst; und nur in dieser -Rücksicht ist <i>sich selbst zu kennen</i> eine -große Lehre! Nur ein Geschichtschreiber, -der diese Salbung empfing, weiß die Reihe -der Dinge zu übersehen, und Ursache und -Wirkung unter Einen Hut zu bringen. — Es -giebt historische Ergänzungen, wo uns so wenig -ein lästiges Ungefähr untergeschoben wird, -daß wir weder gerade noch seitwärts etwas -gegen diese Ergänzungen einwenden mögen, -wenn wir auch könnten. —</p> - -<p>Seht! nicht Überlegenheit des Körpers, - <span class="pagenum"><a id="Seite_104">[S. 104]</a></span> -nicht Übermacht des Geistes gab dem Manne -das Schwert in die Hand; die Lage der Sache -begünstigte diesen Schritt. Über seinen Unterhalt -bestand der Mann den Kampf mit seines -Gleichen. Madam beschützte zwar anfänglich -zu Hause ihre Kinder, und genoß -die Ehre, in dieser Festung zu commandiren, -und während der Feldzüge ihres Mannes Proviant -und Montirungsstücke zu besorgen; indeß -ward sie auch hier sehr bald von ihrem -erstgebornen Sohn entsetzt, der, noch zu jung -und zu ohnmächtig dem Heere seines Vaters -zu folgen, sich hier zum Commandanten aufwarf, -bis er, mit Vorbeigehung seiner Mutter, -diesen Posten seinem zweiten Bruder anvertrauen -konnte.</p> - -<p>Was für eine Veränderung diese Umstände -während eines Zeitraums von mehrern Jahrhunderten -oder Jahrtausenden in dem Charakter, -der Denkart und selbst in den körperlichen -Eigenschaften beider Geschlechter nach -und nach hervorgebracht haben, ist am Tage. -Andere Verhältnisse und Resultate als diese -Machtvortheile, waren aus jenen Vorgängen - <span class="pagenum"><a id="Seite_105">[S. 105]</a></span> -ohne Wunder nicht zu erwarten; doch nicht -eines einzigen, sondern eines Zusammenflusses -von Wundern hätt' es bedurft, allen diesen -zufälligen äußeren Veranlassungen eine andere -Folgenrichtung zu geben. — Der Anfang steht -oft in unserm Vermögen, die Mitte selten, das -Ende nie. — Warum sollt' ich es bergen, -daß wir Männer von Gottes Gnaden es so -gern bemänteln, wie wir zu dieser Überlegenheit -gekommen sind? Überhaupt sind Mäntel -die männliche Originaltracht, in die wir uns so -bedächtig verhüllen, um nur so viel von uns zu -zeigen, als höchstnöthig ist; die Weibermäntel -sind Copien von den unsrigen. — Nähme -man uns den philosophischen Mantel; entkleidete -man uns von der Reverende der wohlehrwürdigen -Hypothesen und von allen unwesentlichen, -fremdartigen Behelfen, hinter deren -Wolken wir uns so unmännlich verbergen: -wie weit seltener würden wir bestehen in der -Wahrheit! — Um alles in der Welt möchten -wir die andere Hälfte des menschlichen -Geschlechtes überreden, nicht <i>wir</i>, sondern die -<i>Natur</i> habe sie zurückgesetzt und uns unterworfen; - <span class="pagenum"><a id="Seite_106">[S. 106]</a></span> -und doch sind <i>wir</i> es, die seine Bedürfnisse -erregen, und Meinungen herrschend -machen, wodurch wir, so wie durch jene Bedürfnisse, -den Meister über die schöne Welt -spielen. Jene Clubs und geheimen Gesellschaften, -die, ohne daß sie den Degen ziehen, -Macht, Gewalt und Herrschaft erschleichen, -sind Copien des Ganges, den die Männer -einschlugen — Und die Bibel? Bis jetzt haben -noch alle philosophische Sekten, die gedrückte, -die streitende und die triumphirende, und -jede neue Staatsreform, bis auf die <i>Französische -Constitution</i>, sich in der Bibel getroffen -gefunden.</p> - -<p>Es ist das künstlichste Spinnengewebe von -Gründen, wodurch wir das weibliche Geschlecht -zu einer ewigen Vormundschaft verurtheilen; -und selbst bei den feierlichsten Ehegelübden, -die man sich am Myrtenfeste vor -Gott und den (freilich durch ein Lucullus-Mahl -bestochenen) Hochzeitszeugen ablegt, -verlangt das kirchliche Formular, daß, wenn -gleich beide Theile gegenseitig sich zu ehren -verheißen, doch die geehrte Männin dem - <span class="pagenum"><a id="Seite_107">[S. 107]</a></span> -Manne gehorchen und ihm als ihrem Herrn -huldigen soll. Ist es zu verwundern, wenn -die heiligste aller Zusagen, die Ehetreue, so -schnöde gebrochen wird, da diesen Principalpunkt -so viele Nebenverheißungen schwächen? -Wie ist die Preisfrage eines feinen Kopfes: -warum in verschiedenen Staaten, wo Eide das -tägliche Brot in Gerichten sind, das Ehegelübde -(der wichtigste Contrakt, den Menschen -mit einander schließen können) ohne Eid -vollzogen wird, zu lösen? Etwa durch die -Bemerkung, daß der Gegenstand so groß wie -das Verbrechen des Vatermordes sei, welches -in weisen Gesetzbüchern weiser Völker ohne -Strafe blieb? Etwa, weil keine Formel stark -genug ist, das Ehegelübde zu besiegeln? und -weil, um das Größte zu sagen, man zur Natur -der Sache, zum einfachen <i>Ja Ja, Nein -Nein</i> zurückkommen muß? Wichtige Gründe! -doch schwerlich werden sie bei der Unterlassung -des Eheeides entscheiden; denn -müßte sonst nicht unsere Eidmethode längst -verbessert seyn? Oder wie? schwört man -bei der Ehevollziehung etwa darum nicht, - <span class="pagenum"><a id="Seite_108">[S. 108]</a></span> -weil die Gelübde nicht gehalten werden, nicht -zu halten sind? nur da gehalten werden dürfen, -wo die Natur in speciellen Fällen mitwirkt? -Ei, Lieber! wer hält seinen Amtseid? -und wird dieser Eid erlassen? Der größten -Versuchungen zu falschen Aussagen ungeachtet, -findet der Richter, oder — was mehr sagen -will — der Gesetzgeber keine Bedenklichkeit, -Eiden auszuweichen; und geht denn -wirklich das Versprechen der ehelichen Treue, -auf welchem die Würde, Sicherheit und Wohlfahrt -des Staates, das Glück des häuslichen -Standes, (des angenehmsten und tröstlichsten -im menschlichen Leben) und aller Fleiß, alle -Betriebsamkeit beruhen, über das Vermögen -der Menschen? Hast du nicht liebe getreue -Ehegenossen gekannt? Ein menschliches Schauspiel, -das Engel zu sehen gelüsten könnte! -Unglücklicher! was ist dir die Menschheit -werth, wenn sie so tief gesunken wäre! Ich -suche den Grund dieser, von unseren eidereichen -Vorfahren auf uns gleich eidgierige Nachkommen -gebrachten, denkwürdigen Gewohnheit -in der Befürchtung, daß man Eide einer - <span class="pagenum"><a id="Seite_109">[S. 109]</a></span> -baaren Lächerlichkeit aussetzen würde, wenn -man sie durch den unnatürlichen, vom andern -Geschlechte zu übernehmenden Umstand, sich -der unerkannten Gewalt des Mannes unterwerfen -zu wollen, entheiliget hätte. Diese <i>Homagial-Umstände</i> -entfernten den Eid bei der -Ehe <i>in vielen protestantischen Staaten</i>; und -die auserwählten Rüstzeuge von Reformatoren -hatten nicht unrecht, den Eid aus der Trauungsformel -zu verabschieden, oder ihm einen -Laufpaß zu behändigen. Soll aber die durch -die Natur und Erfahrung laut widerlegte männliche -Macht und Gewalt über das andere Geschlecht -sich durch leidige Künstelei erhalten? -Werden wir, wenn Natur und Wahrheit ihre -Rechte zurückfordern, die keiner Verjährung -unterliegen, noch immer gewinnen und den -Sieg behaupten? Durch Wiederfragen antworten, -heißt, wo nicht gar spotten, so doch: -die Frage keiner eigentlichen Antwort werth -achten. Wer kann sich aber, wenn er auch -wollte, dieser Zwittergattung von Erwiederung -enthalten? wer der Fragantwort ausweichen: -ob die Natur je so tief in Ohnmacht und - <span class="pagenum"><a id="Seite_110">[S. 110]</a></span> -Schwächlichkeit versinken könne, daß sie sich -ungestraft berauben lasse, ohne das Raub<i>schloß</i> -oder Raub<i>nest</i> zu zerstören? Längst sind Männer -nur Titularherren, Besitzer <i>in partibus infidelium</i>. -— Und wie! Deutsche, deren Vorfahren -ihre Weiber achteten, da der Rath derselben ihnen -wichtig, ihre Aussprüche ihnen heilig waren, -wenn sie die Zukunft aufklärten, vielleicht weise -genug, sie nach ihrem Willen zu <i>lenken</i> — -(eine ehrwürdige prophetische Kunst!) Deutsche, -die, wenn es gleich von ihnen heißt, -<i>daß sie viel für Geld thun</i>, ihre Weiher -nicht wie die Römer (als wären sie Hausrath) -einkauften; Deutsche — sollten ihrer Vorfahren -so unwerth seyn! Was ist anständiger: -mit dem andern Geschlechte gleichen Schritt -zu halten, oder uns von ihm, ohne daß wir -es wissen, leiten und führen zu lassen? Nur -die <i>Zeichen</i> der Regierung sind uns werth, -die <i>Regierung</i> verkaufen wir für ein schnödes -Linsengericht; und eine kluge Frau läßt sich -von dem Manne zur Regierungs-Repräsentantin -erkiesen, dem hier kein Hochverrath ahndet, -und der (weil doch Hochmuth dem - <span class="pagenum"><a id="Seite_111">[S. 111]</a></span> -Falle vorausgeht) seine Frau selbst zum Throne -führt, und sich hinreichend begnügt, daß Alles -unter seinem Namen expedirt wird, Alles -unter: <i>Wir von Gottes Gnaden</i>. — Wenn -nun aber ein so betrogener Mann, der seine -Frau zur List erniedrigt, der seine Kinder zu -ähnlicher Denkart herabwürdigt, und öffentlich -mit sich spielen läßt, bei dem allen nicht unglücklich -ist; wenn er einen menschlichen -Richter in Hausangelegenheiten, einen treuen -Rathgeber in Fällen, wo er unentschlossen -schwankt, in seiner Frau findet: — was würde -sie ihm seyn, wenn sie von Rechtswegen -gleich und gleich mit ihm wäre! Wie unendlich -leichter würde der Stand des häuslichen -und Staatslebens werden, wenn wir eine -so herrliche Bundesgenossenschaft anerkennen -und schätzen lernten! — <i>Eigensinn</i>, <i>Trägheit</i> -und <i>Stolz</i> fesseln uns an alte Meinungen und -Gebräuche: drei Götzen, die man auch <i>Augenlust</i>, -<i>Fleischeslust</i> und <i>hoffärtiges Leben</i> zu -nennen pflegt! — Laßt uns diesen Götzendienst -mit einer vernünftigen Verehrung der -Natur und ihrer Gesetze vertauschen! Schon - <span class="pagenum"><a id="Seite_112">[S. 112]</a></span> -lange sind die Weiber durch Leiden geprüft -und bewährt, um der Herrlichkeit werth zu -werden, welche die Natur an ihnen so gern -offenbaren möchte. Das Ende vom Liede -dieses Abschnittes.</p> - -<p>In der That scheint eine höhere Vernunft -es mit Vorbedacht und Vorsicht darauf angelegt -zu haben, daß der Anfang des menschlichen -Geschlechtes in einem tiefen heiligen -Dunkel bleiben sollte. Chaos war eher als -die Welt, Finsterniß eher als Licht, Nacht -eher als Tag; und wohl uns, wenn die -menschlichen Handlungen, eben so wie alle -Naturbegebenheiten, nach allgemeinen Naturgesetzen -bestimmt, und von einem inneren -Lichte, das der große Haufe nicht selten kann, -und das nur Sonntagskindern selbst in der dicksten -Finsterniß leuchtet, gelenket werden!</p> - -<p>Heil uns, wenn bei den unablässigen Bemühungen -der Menschen, alles unregelmäßig -zu machen, jene göttliche Regelmäßigkeit ihren -festen Schritt hält, und die Weisheit ihre -ursprünglichen hohen Anlagen bei der späten -Entwickelung rechtfertiget! Heil uns, wenn - <span class="pagenum"><a id="Seite_113">[S. 113]</a></span> -wir Alle, und auch selbst die unter uns, welche -am wenigsten daran denken, Mitglieder der -göttlichen unsichtbaren Kirche sind! wenn der, -welcher bloß für sich denkt und oft sogar des -Andern Teufel ist, doch, ohne daß er es -weiß, die göttliche Absicht befördert, die -Welt ihrem moralischen Ziel immer näher -bringt und selbst Teufeleien zum Besten kehret! -O, der herrlichen Veredlung der moralischen -Metalle!</p> - -<p>Wer kann bei dieser Idee gleichgültig seyn! -wer wünscht nicht, sich jenen jüngsten Tag -der Menschheit lebhaft vorzustellen und den -Gang des menschlichen Geschlechtes von Anbeginn -bis auf unsere letzte <i>betrübte</i>, und die -in der Hoffnung erwartete <i>letzte fröhliche</i> Zeit -in einer Karte zu übersehen! — Wie oft -würde auf diesem Menschheitsgemählde die -Weisheit des Einzeln als Thorheit, und die -Thorheit im Großen als Beitrag zur Weisheit -erscheinen! Nur daß kein Mensch hieraus -Gelegenheit nehme, in seinem verkehrten Sinne -zu thun was nicht taugt, vielmehr nach -bestem Wissen und Gewissen seine Tage so - <span class="pagenum"><a id="Seite_114">[S. 114]</a></span> -anlege, daß die Stimme seiner theoretischen -und praktischen Vernunft, seiner Einsicht und -seines Gewissens, nicht unbefolgt bleibe! -Zwar kommt es hier immer noch bloß auf -den Glauben an die Menschheit an, der durch -so manche unerhörte, unerklärliche Begebenheiten -nicht nur in Hinsicht einzelner Menschen, -sondern auch ganzer Nationen schwankend -gemacht wird; wer wollt' indeß auch -bei einem Senfkorn dieses Glaubens verzweifeln! -Vater der Menschen, stärk' uns -diesen Glauben! Wie planlos da alles durch -einander läuft! wie viel Zerstörungssucht, Hader, -Neid, Zank, Zwietracht! Alles verschworen, -die Wünsche des Menschenfreundes -zu vereiteln und der göttlichen Bestimmung -entgegen zu arbeiten! Doch jene goldreine -Zeit wird kommen, wo die Menschheit -mehr von Schlacken geläutert seyn wird! nur -daß nicht, was bei menschlichen Handlungen -glänzt, uns sogleich etwas Göttliches scheine! -Nicht Alles was glänzt, ist Gold. Nur daß -wir uns durch nichts, selbst nicht durch den -herrlichsten kosmopolitischen Zweck, zum - <span class="pagenum"><a id="Seite_115">[S. 115]</a></span> -Handeln bestechen lassen, vielmehr auf nichts -weiter denken, als unsere Pflicht mit strenger -innigster Redlichkeit zu bewirken und sie -<i>menschmöglichst</i> (ein theures werthes Wort!) -zu erfüllen! Nur daß wir bei unseren heiligen -Verbindlichkeiten nicht an den Morgen -der Folgen denken, sondern lauter und rein -thun, was wir schuldig sind, und Alles übrige -<span class="smcap">DEM</span> überlassen, der allein weise ist! Wer -sich das Ansehen giebt, der göttlichen Regierung -nachhelfen zu wollen, ist ein Gottesläugner -in einem besondern Sinne — — Sollte -indeß die Natur dem verzagenden Beobachter -nicht wenigstens, wie <i>Ariadne</i>, einen Leitfaden -zugeworfen haben, um sich aus diesen -Labyrinthen herauszuhelfen? um, da er in Allem -eine göttliche Endabsicht voraussetzen -kann, dieselbe, trotz allen Kreuz- und Querzügen -von eigenen Absichten der Menschen, -auch bewundern und sich an ihr und an der -allmählichen Erreichung derselben erfreuen zu -können? Nichts würde diese Gesinnungen und -diese Hoffnungen stärker befestigen, als wenn -wir, von den Urzeiten ab, in allen den Krümmungen, - <span class="pagenum"><a id="Seite_116">[S. 116]</a></span> -die das menschliche Geschlecht einschlug, -eine geheimnißvolle Entwickelung dieser Anlagen -zu bemerken und den Finger einer Vorsehung -zu finden im Stande wären. So bald -Geschichte, Erfahrung und Nachdenken etwas -von diesem ihrem Gange enträthseln können; -so ist hierzu ein Plan gezeichnet, und -wir sind in diesen vierzig Jahr-Wochen des -Wüstenumweges nach Kanaan nicht ganz und -gar verlassen und versäumet. Doch noch hat -diese herkulische Arbeit keinen Anfänger, viel -weniger einen Vollender; und da die Einbildungskraft -in dieser Hinsicht kein leidiger -Tröster ist, so läßt sie uns in, mit und unter -ihrer Beihülfe, wenn gleich nicht lebendige -Überzeugung, so doch beruhigende Hoffnung -erlangen. Ist der Mensch ein Miniaturstück -von Welt, ein Mikrokosmus; so mag -die Geschichte des einzeln Menschen immerhin -einen Schattenriß von der Geschichte -der Menschheit abwerfen, und den Anfang -derselben, so wie ihren Fortgang, in Hieroglyphen -dem Auge des Sehers, wenn gleich -nicht völlig, so doch kennbar, darstellen. Jeder - <span class="pagenum"><a id="Seite_117">[S. 117]</a></span> -Mensch feiert durch sein Leben das Leben -des menschlichen Geschlechtes, und wird, -wo nicht die Quintessenz, so doch ein kurzer -Auszug von der Geschichte der moralischen -Welt. Wenn man ohne sonderliche Vorurtheile -(denn ist es möglich, sich über diese -Egyptischen Plagen völlig wegzusetzen?) einen -Plan entwerfen könnte, wie die Menschenwelt -gehen müßte, wenn sie anders den letzten -Zwecken der Vorsehung gemäß wandeln -wollte; so hätte man freilich von der moralischen -Welt eine treue Probe, die mit den -Bruchstücken, welche wir davon geschichtlich -besitzen, stimmen und die Data da ergänzen -würde, wo in der wirklichen Welt Alles -wüst und leer scheinet. Jetzt aber werden -wir, hier und da viel oder wenig abgerechnet, -wenigstens ein Ungefähr von dem herauszubringen -im Stande seyn, was herauszubringen -war; und sollten wir nicht Alles mit einer -reinen Idee dieses Ganges übereinstimmend -finden, so wird doch ein großer oder kleiner -Theil stimmig seyn. Die erste Periode unseres -Lebens ist so dunkel wie die Genesis der - <span class="pagenum"><a id="Seite_118">[S. 118]</a></span> -Welt, von der wir, da sie unter dem Herzen -ihrer Mutter lag, nichts wissen. Ist unsere -Kindheit (wo wir keinen Willen haben, sondern -nach Instinkten und nach Leitung der -Eltern, die uns entwarfen, leben, weben und -sind) nicht jener Weltperiode ähnlich, die wir -den <i>Stand der Unschuld</i> nennen? und sie -mag um so mehr so heißen, da uns in derselben -nichts zugerechnet werden kann. Der -Mensch fühlt sich; das heißt: er emancipirt -sich, giebt oft noch vor der Zeit sich <i>veniam -aetatis</i>, glaubt in seiner Vernunft einen Gott -zu haben; und seht! mitten in dieser Selbstvergötterung -sinkt er, und oft so tief unter -den Menschen herab, daß er kaum zu kennen -ist — Leidenschaften stürzen ihn — Fall auf -Fall! — Anfänglich sind diese Leidenschaften -ungebetene Gäste, die man gemeiniglich lieber -gehen als kommen sieht; doch über ein Kleines -werden sie Vernunftgenossen, Herzensfreunde, -Busen- und Schooßlieblinge, deren -Umgang, wenn das Gewissen dagegen einwendet, -der Mensch bis auf's Blut so vertheidigt -und rechtfertiget, daß das sich selbst gelassene - <span class="pagenum"><a id="Seite_119">[S. 119]</a></span> -Gewissen sich anfänglich hintergehen, bald -hernach sich anstecken läßt, und endlich -selbst leidenschaftlich wird. — Spät nur, und -wenn der Tag seines Lebens kühl geworden, -kommt der Mensch durch die Stimme seines -Gewissens, das sich wieder erholt hat, zum -Nachdenken. »Adam, wo bist du? wohin ist -es mit dir gekommen?« Das Fieber des -Selbstbetruges legt sich; die Vernunft hat Zwischenstunden, -kommt allmählich zu Kräften, -und entwirft sich Gesetze, die der Mensch -wenigstens im Durchschnitt erfüllt — Ganz -wird er nie aufhören Mensch zu seyn — wie -sollt' er auch eine ihm wildfremde Rolle völlig -ausführen können? Bei den Fehlern des -Alters erinnert er sich der Sünden der Jugend, -sinkt, fällt, steht auf, und sieht am Ende ein, -daß der Mensch nie zur Vollständigkeit gelangen -kann; doch jaget er ihr nach, und versucht, -ob er jenes Ziel erreichen werde, die -Krone des Lebens. —</p> - -<p class="pmb3">Das Weib — ist wie der Mann; es giebt -hier keinen Unterschied: sie sind allzumal -Menschen, und mangeln des Ruhmes, den sie - <span class="pagenum"><a id="Seite_120">[S. 120]</a></span> -haben sollten — — Das Verhältniß der Geschlechter -gegen einander? Allerdings der -Hauptpunkt, worauf es bei dieser ganzen Abschweifung -ankam! Der gerade Gang aller -kleinen und großen Gesellschaften — den ich -aber aus mehr als Einer Ursache auch selbst -nach den ersten Strichen nicht darstellen mag. -<i>Adam</i> und <i>Eva</i> leben anfänglich im Stande -der Unschuld; dann wird <i>Adam Eva's</i> Untergebener, -gehorsam bis zur Ausschweifung; -bald darauf verwandelt er sich in ihren Gebieter, -welches er lange bleibt, bis sie endlich -beiderseits in Frieden, Einigkeit und Gleichheit -mit einander leben, und zu jenem Stande -der Unschuld, wiewohl mit weit mehr -Einsicht und weit mehr Glückseligkeit, zurückkehren. -Genug — auch dieser Handzeichnung -vom Verhältnisse der Geschlechter -will ich weder Farben geben, noch sie vollenden -— Ein jeder wird an diesen Strichen -sich selbst kennen, und <i>durch</i> diese Selbstkenntniß -den Gang der Menschenwelt und -der beiden Geschlechter — Möchte doch auch -in Hinsicht des Geschlechterverhältnisses Eine - <span class="pagenum"><a id="Seite_121">[S. 121]</a></span> -Heerde und Ein Hirt werden! — Doch, dieser -Wunsch ist im dritten Kapitel zu früh; -wer wird sich selbst in den Kauf fallen —? -wer sich vor dem fünften Akt verheirathen? -—</p> - - -<hr class="chap" /> -<p class="break" /> - - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_122">[S. 122]</a></span></p> - - -<h2 id="IV">IV.<br /> - -<span class="smcap">Nähere Angaben, woher die Überlegenheit<br /> -des Mannes über die<br /> -Frau entstanden ist.</span></h2> - -<p class="center pmb1"><span class="smcap">Betreffen neuere Zeit.</span></p> - - <div class="figcenter"> - <img src="images/tb_001.jpg" alt="Dekoration" /> - </div> -<p class="pmb1" /> - -<p>Das Schwert gab dem männlichen Geschlechte -Machtvortheile über das weibliche; aber dem -natürlichen Maße von Leibes- und Seelenkräften -konnte es eben so wenig eine Handbreit -zusetzen, als der Nichtbesitz der Waffen -dem weiblichen Geschlecht eine Handbreit zu -nehmen im Stande war, wenn gleich nicht geleugnet -werden kann, daß dieser Nichtbesitz -Furchtsamkeit, Mißtrauen in Kräfte, welche -die Weiber nicht kannten, zur Folge hatte. -Als die Griechen und Römer in ihren Kriegen -mit den Indiern der Elephanten ansichtig -wurden, erschraken sie über diese Kolossen, -und der Muth entfiel ihnen; doch, er nahm -wieder zu, als sie diesen Kriegespopanz mehr - <span class="pagenum"><a id="Seite_123">[S. 123]</a></span> -kennen und verachten gelernt hatten. Sie -überzeugten sich, wie wenig diese unbehülflichen -Massen der Gewandtheit eines geübten -Kriegsheeres die Wage halten könnten; und -ob sie gleich hierdurch keinen wesentlichen -Zuwachs an Kräften erhielten, so ward doch -durch diese Erfahrung das Zutrauen auf ihre -Kräfte vergrößert. Es hatte mit diesem Zutrauen -eben die Bewandniß, wie mit dem -Credit der Kaufleute, wodurch sie reicher als -durch Schätze sind. In der That, wir haben -an körperlichen Kräften und an den Resultaten -derselben, Muth und Tapferkeit, gegen -unsere Väter so wenig gewonnen, daß wir es -wohl weislich bleiben lassen müssen, in ihren -Rüstungen und mit ihren Waffen zu fechten; -würden sie aber, mit aller jener körperlichen -Überlegenheit, mit allem jenem Muth und jener -Tapferkeit, nicht gegen die erste beste unserer -Armeen das Feld räumen müssen? Wir -haben uns durch Glück und Kunst solcher -Kräfte bemächtigt, gegen die sie nicht zu stehen -vermögen. Verstärken aber alle diese -Dinge unsere Leibeskräfte und unsere Geistesvorzüge? - <span class="pagenum"><a id="Seite_124">[S. 124]</a></span> -sind wir dadurch wesentlich mächtiger -und tapferer geworden, als unsere Vorfahren? -Haben wir auf diesem Wege ein -Recht erlangt, sie unter uns zu erniedrigen, -sie zu entwürdigen und zurückzusetzen? — Gerade -so, und nicht anders, verhält es sich mit -unsern Anmaßungen gegen das weibliche Geschlecht. -Dadurch, daß die Gesellschaften -nach und nach dauerhafter und fester wurden; -dadurch, daß sie gewisse Formen erhielten, -vermittelst deren, sie äußerlich sich immer ähnlicher -wurden; dadurch, daß man in diese -Formen allmählich mehr Verhältniß zur Masse -brachte; kurz, dadurch, daß die bürgerlichen -Gesellschaften ihre gegenwärtige Gestalt erhielten, -ward den Weiberrechten nicht im -mindesten gefrommt. Diese ursprünglichen -Rechte waren einmal verloren gegangen, und -es blieb dabei, daß man Weiber mit zum -Hausgeräthe des Oberhauptes der Familie rechnete, -womit mancher nothdürftig, mancher -überflüssig versehen war; sie hatten nur noch -Werth für ihn, in so fern sie dazu dienten, -durch klugen Austausch seine Habe zu erweitern - <span class="pagenum"><a id="Seite_125">[S. 125]</a></span> -und sein Inventarium zu vergrößern. Die -Menschen wurden Bürger; allein sie fingen -ihre Bürgerschaft nicht damit an, diesen ihren -bürgerlichen Verfassungen Ordnung, Dauer -und Regelmäßigkeit beizulegen. Noch jetzt -lernt, man in der Gesellschaft gesellig seyn, -und nichts läßt sich so wenig theoretisch begreifen, -als diese Kunst. Die ersten Gesellschaften -dehnten sich bloß durch Gewalt der -Waffen über andere aus, und gaben sich Mühe, -ihre freien Nachbarn nicht zu ihren Mitbürgern -und Freunden, sondern zu ihren Sklaven -zu machen. So entsprang, erweiterte und -bildete sich der Römische Staat; und daß dies -der Uranfang aller großen bürgerlichen Gesellschaften -war, bezeuget die Geschichte vom finstern -Anfange bis zum angeblich lichten Ende. -Immer hatte man Waffen in den Händen, man -mochte seinen Freunden und seinen Feinden -Gesetze vorschreiben, man mochte über Anordnungen -zum Besten des Staates rathschlagen, -oder über Bürgerrechte entscheiden. So waren -und blieben die Männer in Rücksicht ihrer -Weiber in Machtvortheilen, und ließen - <span class="pagenum"><a id="Seite_126">[S. 126]</a></span> -ihnen Gnade für Recht widerfahren, wenn sie -ihnen einige Brosamen von ihrem Überflusse -zuwarfen; das heißt: wenn sie ihnen einige -Vortheile vor den Sklaven zugestanden. Indeß -fanden es die Griechen, und vorzüglich die -Römer, billiger oder (besser) politischer, das -weibliche Geschlecht in die Staats- und Gesetzordnung -mit einzuschließen. — Wie es -der Orient mit den Weibern gehalten hat, ist -außer dem, was der Jüdische Gesetzgeber in -Rücksicht ihrer anordnet, nicht bis auf unsere -Zeiten gekommen; doch scheint ihr ehemaliger -Zustand in diesem Vaterlande des Despotismus -und der Vielweiberei vor dem jetzigen -sich nicht ausgezeichnet zu haben, da <i>Asien</i> -und <i>Afrika</i>, seitdem die Griechen und Römer -daselbst bekannt wurden, in der Cultur eher -zurück- als vorgeschritten sind. — Der Mensch -ist zur Freiheit geboren; sie ist die Sonne, deren -Einfluß Alles hervorbringt. — Da, wo -Freiheit unterdrückt wird, kann nichts, was -menschlich ist und heißt, zu Kräften kommen. -— Dort ist noch die Ehe, dieser wichtigste -und heiligste Vertrag im Staate, nichts - <span class="pagenum"><a id="Seite_127">[S. 127]</a></span> -mehr und nichts weniger, als ein Kauf- und -Tauschhandel; Weiber sind eine Waare des Luxus, -weil der <i>Zenana</i> (Harem) einen wesentlichen -Theil eines Indischen Pallastes ausmacht, -und die Stelle derjenigen Örter vertritt, wo der -Europäer seine Prachtliebe zur Schau trägt. -Anstatt Meisterstücke der Mahlerei und Bildhauerkunst -aufzustellen, anstatt die Natur -durch die Kunst zu verschleiern, stellt man -sie nackt und bloß dar; und anstatt in einen -Tempel des Geschmackes zu führen, führt -man in ein B—. Die Weiber sind dem Indier -Gegenstand und Werkzeug des Vergnügens -und Zeitvertreibes; und seht da den -höchsten Gipfel des weiblichen Werthes! Liebe -kennt er nicht; denn diese kann in Hinsicht -des Geschlechtes sich durchaus nicht so theilen. -— Thierisches Bedürfniß ist das Heiligthum -seines Altars der Liebe, und verschwenderische -Üppigkeit das Ziel seiner häuslichen -Glückseligkeit. — O des in Armuth reichen -Menschenthiers!</p> - -<p>Was indeß Griechen und Römer dem -weiblichen Geschlechte durch ihre Gesetzgebung - <span class="pagenum"><a id="Seite_128">[S. 128]</a></span> -an bürgerlichen Rechten zugestanden, war -nur ein sehr dürftiger Theil desjenigen, was -ihnen von Naturwegen eignete und gebührte, -und was ihnen sonach weder durch Feuer -noch durch Schwert, weder durch gute noch -durch böse Gerichte genommen werden konnte. -Wahrlich ein Raub von besonderer Art, wobei -man nicht nur den Leib, sondern auch die -Seele entwendet, und den sich besonders die -weltberühmten rechtlichen Römer zu Schulden -kommen ließen! Kann man überhaupt zu -einem Rechte Zutrauen fassen, das sich nicht -grämte, nicht schämte zu behaupten: die Sklaven -wären für nichts zu halten, (<i>servi pro nullis -habentur L. 32 D. de Reg. Jur.</i>) und welches -den an sich so schädlichen als drolligen -Einfall geltend machte, es gäbe Menschen, die -nur den Werth von Sachen hätten? Durch -diese gerichtliche Taxe verlor die ganze -Menschheit; und so lange man den Sklaven -Bild und Überschrift von Menschen nicht zu -nehmen vermag — wer wird mehr entehrt, -sie oder ihre Herren? Was nun besonders -die unerhörte Unerkenntlichkeit der Römer - <span class="pagenum"><a id="Seite_129">[S. 129]</a></span> -betrifft, die durch das andere Geschlecht zu -Menschen gemacht, die durch die Sabinischen -Jungfrauen erzogen waren — und die ohne -Zweifel jene Spuren der Menschlichkeit, die -sie von ihren Gouvernantinnen lernten, in -alles Römische brachten, um ihm den bitteren -Geschmack der Rohheit zu benehmen — wer -kann dieser <i>Römischen Unerkenntlichkeit</i> sich -ohne Mißmuth zurück erinnern? Welch eine -demüthigende Ehre, die man den Weibern -erwies, sie auf immer unter Vormundschaft -zu setzen, ihren bürgerlichen Handlungen die -bürgerlichen Folgen zu entziehen, und sie -durch eine feierliche Sanktion zu Schatten der -Männer im Staate zu machen! Alle Gesetze -in Hinsicht des andern Geschlechtes scheinen -in Donner und Blitz gegeben zu seyn; wenn -sie gleich sich das gesetzliche Ansehen (das -pedantischste von allen) geben, den Evangelienton -anzunehmen, sieht man, so bald man ihnen -näher tritt, doch so viel Donner — und -Blitz — Gesetzlichkeit in ihrem Evangelio, -daß man sich sogleich überzeugt, kein Frauenzimmer -habe hier mit votirt. —</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_130">[S. 130]</a></span></p> - -<p>Die höchste Beleidigung ist, zu erklären, -daß man durch Jemanden nicht beleidigt werden -<i>könne</i>; und durch das Privilegium, nicht -Unrecht thun zu <i>können</i>, hat man die damit -Privilegirten in keine vorteilhaftere Sicherheit -gestellt, als die Blödsinnigen. Weibliche Personen -vom tiefsten Sittenverderbniß wollen -geschmeichelt seyn, daß sie äußerlich die -Tugend ehren, die ihr Geschlecht am meisten -ziert; und wie? die Gesetze selbst berauben -das ganze Geschlecht alles Nervs, alles -Muthes die Freiheit zu lieben, aller Vernunft -den Despotismus nicht zu fürchten? wie? -man erniedrigt ein ganzes Geschlecht zur Sklavenklasse, -aus dessen Mitte man mehrere, -und bei weitem nicht die vorzüglichsten, anbetet -und als Göttinnen in den Himmel versetzt?</p> - -<p>Ist es zu leugnen, daß die Römische Gesetzgebung, -und die Adoption derselben in -Deutschland, dem weiblichen Geschlechte jene -<i>odiösen</i> Privilegia im höchsten Grade zuwandte -und ihm den schlechtesten Dienst erwies, -den man ihm je erweisen konnte? Beide Regeln, - <span class="pagenum"><a id="Seite_131">[S. 131]</a></span> -welche von der gesetzlichen Annahme -an Kindes- oder Enkelstatt unzertrennlich waren, -(nehmlich daß die Adoption die Natur -nachahme, und daß sie bloß zum Nothhelfer -für die erfunden sei, die weder leibliche Kinder, -noch Hoffnung und Aussicht dazu hatten) -fand zwar bei dieser Adoption des Römischen -Rechtes nicht Statt. Da indeß von <i>Rom</i> aus, -und durch die Römer, sich Künste, Wissenschaften -und Sitten in Norden und Westen -verbreiteten, so wie unsere ganze hochlöbliche -Cultur noch gegenwärtig Römisches Vaterland -verräth; so trägt besonders unsere Staats- -und bürgerliche Verfassung, und vor andern -unser bürgerliches Recht, noch Namen und -Gepräge der Römer an Stirn und Brust, seitdem -der <i>Justinianische Gesetz- und Rechts-Codex</i> -zu <i>Amalfi</i> wieder aufgefunden ward. Auch -das <i>von Carmersche Neue Testament</i> beziehet -sich auf jenes Römische Sinai des Alten, und -ist weniger Schöpfung als bessere Einrichtung -— Nur noch wenige Züge, eh' ich dieses -Feld verlasse — Jene Rechts-Peinlichkeit in -Rücksicht der Hermaphroditen würde bloß - <span class="pagenum"><a id="Seite_132">[S. 132]</a></span> -lächerlich seyn, wenn der Geschlechtsstand des -männlichen vom weiblichen Geschlechte nicht -so außerordentlich verschieden wäre — Das -Gefühl, Manns- und Weibspersonen würden -einerlei Rechte zu genießen haben, wenn es -auf die Entscheidung der Natur ankäme, -brachte die Gesetzgeber, und noch mehr ihre -Jünger und Prophetenknaben, in eine nicht -geringe Verlegenheit; und da Ausnahmen nicht -vermuthet, sondern bewiesen werden müssen, -so deutete man (o, der Gerechtigkeitsliebe!) -<i>ein Gesetz, wobei die Weibspersonen nicht -ausgenommen waren</i>, auf <i>beide Geschlechter</i>, -und die Weiber hatten die Ehre, die Worte: -(<i>si quis</i>) <i>wenn Jemand</i>, auch sich zuzueignen -und — welch ein Vorzug! — auch <i>ein Jemand</i> -zu seyn. Ein großes Glück, daß man -sie nicht zum <i>Niemand</i> verstieß. Es ist unerklärbar, -wie man auch nur auf den Gedanken -hat fallen können, daß nicht etwa bloß -dem männlichen, sondern auch dem weiblichen -Geschlechte, nach Römischen Grundsätzen, -Vortheile zugetheilt wären! Ich finde -deren keinen von letzterer Art; vielmehr scheinen - <span class="pagenum"><a id="Seite_133">[S. 133]</a></span> -mir die so genannten Weiber-Vortheile -geheime Wunden und Meuchelstiche zu seyn, -die noch mehr schaden, als wenn das Gesetz -sich öffentlich wider die Weiber erklärt hätte. -Was bedürfen wir weiteres Zeugnisses, als daß -die Frauenspersonen auf kein öffentliches Amt -Anspruch haben; daß sie (Mutter und Großmutter -ausgenommen) nicht Vormünderinnen -werden können; daß sie in Fällen, wo die -Gesetze, der Feierlichkeit des Geschäftes halben, -mehr als zwei Zeugen verlangen, nicht -als Zeuginnen zuzulassen, mithin nicht als -Zeugen bei Testamenten brauchbar sind, und -daß noch Zank und Streit unter den Gelehrten -obwaltet, ob und in wie weit ihnen diese -Zeugenehre bei Codicillen zu bewilligen sei; -daß sie an den Rechten der Römischen väterlichen -Gewalt (sie war, so wie überhaupt, so -besonders in Hinsicht des Vermögens der Kinder -vorzüglich) keinen Antheil haben; daß -man sie zur wahren Adoption unfähig erklärt, -weil hier die väterliche Gewalt sich in ihrer -rechtlichen Würde zeigt! — Wahrlich, nach -diesen Beraubungen wird man auf die angeblichen - <span class="pagenum"><a id="Seite_134">[S. 134]</a></span> -Vortheile neugierig seyn, wodurch die -Römischen Gesetze das andere Geschlecht zu -entschädigen die Güte gehabt; und sehet da! -die Unwissenheit der Rechte kann den Weibern -nicht zugerechnet werden, wenn sie sich -dieses elenden Einwandes in Fällen bedienen, -um sich durch einen Blitzableiter wegen des -Schadens und der Strafe zu sichern. Sie können -nicht aus einer Bürgschaft belangt werden -— und kurz und gut, sie haben das Recht, -alte Kinder zu bleiben bis an ihr seliges Ende. -— Der Claudianische Rathsschluß war so -gnädig festzusetzen, daß, wenn eine freie -Frauensperson einen Sklaven <i>actualiter</i> für einen -Menschen anerkannte und sich mit ihm -zu weit einließ, sie dem Herrn desselben, -falls er ihr in der heiligen Zahl Drei diesen -Umgang untersagt hatte, als Sklavin zugesprochen -werden mußte, so bald dieser Herr darauf -antrug. So fiel sie, und — wohl zu merken — -auch ihr ganzes Vermögen, diesem so wohlmeinenden -Herrn anheim, der die große Mühe -gehabt hatte, sie dreimal zu warnen! — -<i>Justinian</i> hob diese Härte, als seiner Zeiten unwürdig, - <span class="pagenum"><a id="Seite_135">[S. 135]</a></span> -auf; und noch schüttelt man den -Kopf, unentschlossen, ob dies ein Lob- und -Dankopfer, oder ein Vorwurf in Hinsicht seiner -goldenen Rechtszeit sei.</p> - -<p>Bei diesen und andern Umständen hat man -nicht etwa bloß dem Geiste der Römischen -Gesetzgebung, sondern auch ihren Cruditäten -das Bürgerrecht verstattet, und zu ihrer Aufnahme -die Thore weit und die Thüren hoch -gemacht; während die Franken, Sachsen und -andere Bewohner Deutschlands, nach ihrer -Weise und nach Deutscher Art und Kunst, -in der Cultur fortschritten. Die Handlungsweise -und die Sitten erhielten zwar eine andere, -aber doch keine Römische Gestalt; vielmehr -machte die Eigenheit des Volks-Charakters -einen sehr wesentlichen Unterschied -bemerkbar: indeß wurden Deutsche Handlungen -doch mit Römischen Schneiderscheeren -verschnitten — Aus einem Paradiese und -kühnen Naturgarten wurde kleinliche Holländische -Künstelei. — <i>Demosthenes</i> hält es beinahe -für ein Gesetz des Schicksals, daß immer -die besten Menschen die ungezogensten Kinder - <span class="pagenum"><a id="Seite_136">[S. 136]</a></span> -hätten; und in Rom und Griechenland -war es zum Sprichwort geworden, daß die -Söhne der Helden selten ihren Vätern ähnlich -wären. Ganz anders mit den Staatsgesetzen, -deren Erziehung fast nie fehl schlägt — Wenn -Mitglieder des Staates von ihren Rechten und -Pflichten richtige Begriffe haben und gern denselben -gemäß handeln, so sind sie sicher aufgeklärter, -als wenn sie der Wissenschaften -Menge besitzen, die zur bürgerlichen Glückseligkeit -nichts Wesentliches beitragen, die -den Schein haben und die Kraft verleugnen. -Wie betrübt war das Schicksal der Deutschen -bei Römischen Gesetzen! Diese Gesetze wurden -dem National-Charakter der Deutschen -und ihren väterlichen Sitten auf keine Weise -anpassend gemacht. Man fiel nicht darauf, -Gesetze und Sitten so viel als möglich in -Übereinstimmung zu bringen, nicht, wo weder -Sitten noch Gesetze eine Umformung annehmen -wollten, diese zu verwerfen, und für jene -eine Regel zu erfinden: man nahm es sich -vielmehr mit patriotischer Freiheit heraus, das -Römische Gesetzbuch, wie die <i>Säulen des - <span class="pagenum"><a id="Seite_137">[S. 137]</a></span> -Herkules</i>, als Gränze anzusehen, über welche -hinaus sich kein Ruhepunkt für den menschlichen -Verstand denken ließe; man ahndete -nicht einmal, daß das, was im Römischen -Staate und für Römer gerecht und weise war, -in Deutschland und für Deutsche sehr unweise -und ungerecht seyn könnte — Der unverfeinerte -Geist der Deutschen Sitten hing mehr -an einer tugendhaften schlichten Denkungsart, -als an gewissen durch Convenienz so oder so -bestimmten Wörtern; und die Deutschen hätten -von hundert Arten der Lust nicht gewußt, -wenn das Römische Gesetz (dessen um sich -greifende Alleinherrschaft man nur allmählich -und nothdürftig durch Spiegel und Weichbilde -und Willkühre beschränkte) nicht gesagt hätte: -<i>Laß dich nicht gelüsten</i>. Kann man nicht Laster -verbreiten, wenn man sie gleich mit wahren Farben -zeichnet? Giebt es nicht Sünden, die nicht -anders als mit Gefahr der Verführung zu entschleiern -sind? und wenn es dem Dichter -schwer ist, treue Gemählde der Sitten zu liefern, -ohne den sittlichen Anstand zu verletzen -— mit welcher Weisheit muß der Gesetzgeber - <span class="pagenum"><a id="Seite_138">[S. 138]</a></span> -verfahren, um nicht mehr zu verderben -als zu bessern? Kann der Dichter -wenigstens jetzt — und hatten die Alten so -ganz ein Recht, sich von dieser Weise auszunehmen? -— viele Dinge nach der Natur -mahlen? oder muß er nicht vielmehr seine Gemählde -unter einer conventionellen Maske, und -mithin um vieles sittlicher als die Menschen -<i>pro tempore</i> sind, anlegen und halten? und -der Gesetzgeber, so ein Prosaist er auch sonst -ist — muß er nicht eben den Weg wandeln, -wenn er nicht mehr Schaden als Nutzen stiften -will? Die Menge der Römischen Gesetze -würde vielleicht mehr abgeschreckt haben; indeß -brachte das System, wonach sie gezimmert -waren, (das nicht bloß die Rechtsgelehrten, -sondern, wohl zu merken, auch der -Bürger, studieren mußte, wenn er nicht alle -Augenblicke an einer Fiktion und einer Feinheit -oder deß etwas sich Kopf und Herz -stoßen wollte) die Römische Gesetzkunst in -Umlauf. Der größte Haufe lernte sie halb -kennen, und eben diese Halbkenntniß erwarb -ihr, nach wohlhergebrachter Gewohnheit, eine - <span class="pagenum"><a id="Seite_139">[S. 139]</a></span> -fast mystische Verehrung, so daß alles -vor dem Römischen Rechte die Kniee beugte, -und ihm huldigte. — Und wer mag denn -auch leugnen, daß es einen Schatz von Kenntniß -und Weisheit enthält? und daß, da -Spitzfindigkeiten und Distinktionen für den -größten Theil der Köpfe etwas sehr Hinreißendes -behaupten, es besonders zur damaligen -Zeit sehr natürlich zuging, wenn ihm so -reichlich Jünger und Anhänger zufielen? ob -es gleich den Britten nie leid gethan hat, und -zu thun scheint, dieser Rechtsfahne nicht -geschworen zu haben. Warum mehr Ausholung? -— Das unrömische Deutsche Weib -kam unter das Römische Gesetz, und die -Deutschen Männer verwickelten sich selbst in -das Garn, womit sie Weiber zu fangen gedachten. -Zu wenig hat die Geschichte uns -von unsern in Gott ruhenden Ahnherren hinterlassen, -denen es überhaupt mehr darum zu -thun war, Thaten der Nachwelt würdig zu -thun, als sie aufzuzeichnen und aufzubehalten. -Das, was Freund und Nachbar <i>Tacitus</i> von -ihren Sitten und Gebräuchen überliefert, ist - <span class="pagenum"><a id="Seite_140">[S. 140]</a></span> -bei weitem nicht hinreichend, um uns von -ihrer Haus- und bürgerlichen Verfassung einen -ganz richtigen, am wenigsten einen vollständigen, -Begriff zu machen. Nach ihm, wurde -bei den Deutschen, bei denen Sitten weit -mehr als in Rom Gesetze vermochten, (denn -so, denk' ich, will <i>Tacitus</i> übersetzt seyn) -der Ehebruch mit dem Tode bestraft; und bedarf -es größerer Beweise, daß die Ehen den -Deutschen nicht gleichgültig waren? Sie wachten -über ein Geschäft, wobei der Staat so -sehr interessirt ist, daß jede Vernachlässigung -sich über kurz oder lang unmittelbar am Staate -rächt, mit vieler Eifersucht und Strenge, -so, daß auf Vergehungen dieser Art (die unter -einem Himmelsstriche wie der ihrige, bei -einer einfachen frugalen Lebensart und bei -der Unbekanntschaft mit Müßiggang und dem -Wohlleben, den Gefährten des Luxus, in der -Regel sich nur sparsam ereignen konnten) -dennoch eine so harte Strafe gesetzt wurde.</p> - -<p>Der Einfluß der Deutschen Weiber in -Staatsgeschäfte war wichtig, indem sie aus ihren -Mitteln Priesterinnen gaben, die, außer - <span class="pagenum"><a id="Seite_141">[S. 141]</a></span> -ihren gottesdienstlichen Verrichtungen, einen -großen Einfluß in Staatsverhandlungen behaupteten, -ihre Berathschlagungen lenkten und -ihren Kriegern in Schlachten Verachtung der -Gefahr, Liebe für das Vaterland, und Muth -gegen ihre Feinde einhauchten. Weiber waren -ihren Männern nicht, wie große Staatsdiener -ihren noch größeren Fürsten, <i>rechte</i> -oder <i>linke Hand</i>, sondern Herz und Seele. -Die Geschichte hat uns noch einen berühmten -Namen, <i>Vellede</i>, aufbehalten. Ob sie übrigens -als aktive Bürgerinnen an den Volksversammlungen -Theil nahmen; ob sie mit den -Männern überall gleiche Rechte genossen: das -ist eine Frage, welche die Geschichte unbeantwortet -läßt; indeß ist zu vermuthen, daß -auch bei unsern Vätern die Weiber jene Rollen -mehr aus Connivenz, als kraft einer -förmlichen Berechtigung spielten, indem ein -so wichtiger Umstand, der bei allen übrigen -damals bekannten Völkern so sehr außer der -Regel war, gewiß der Nachwelt wäre überliefert -worden. Die Eheunlust, worüber Gesetzgeber -und Politiker von je her so manchen - <span class="pagenum"><a id="Seite_142">[S. 142]</a></span> -Stab Wehe brachen — entstand sie nicht aus -der Verachtung, welcher das andere Geschlecht -ausgesetzt war? Scheint es nicht eine Art -von Degradation seiner selbst, ein Frauenzimmer -zu ehelichen, das im Grunde so ohne -alle Bedeutung ist? besonders wenn man überlästige -Schwiegermütter und Basen als Beilagen -<i>sub Ecce</i> und <i>Vide</i> erhält! Man lasse -das Mädchen seyn wie unser Einer, und gewiß -wird ein ehelustiger Jüngling weniger -Bedenken finden, mit ihr zu ziehen; und -werden Basen und Schwiegermütter bei der -Geschlechtsverbesserung noch Zeit behalten, -sich als <i>Beilagen sub Ecce und Vide</i> brauchen -zu lassen? —</p> - -<p>Wenn es wahr ist, daß durch den Müßiggang -eines Bürgers im Staate ein anderer -doppelt arbeiten muß, um die Faulheit von -jenem zu übertragen und Alles ins Gleichgewicht -zu bringen; so bestätiget sich diese Bemerkung -noch weit mehr durch die Vielweiberei, -die Quelle, wodurch zwar das <i>andere</i> -Geschlecht außerordentlich von seiner Würde -verloren, die indeß auch dem <i>männlichen</i>, - <span class="pagenum"><a id="Seite_143">[S. 143]</a></span> -und sonach dem <i>ganzen</i> menschlichen Geschlechte, -einen unglaublichen Nachtheil zugezogen -hat. Nicht bloß Vater und Mutter, -sondern auch die Kinder sind verdorben; der -Vater kommt mit seiner Liebe zu den Kinden -ins Gedränge: er liebt sie nicht als seine -Kinder, sondern in so weit dieses oder jenes -das Kind dieser oder jener Mutter ist! — Der -Mißbrauch ist eine ansteckende Krankheit, -die Alles angreift und vergiftet, was ihr zu -nahe kommt — Es ist eine so feine als richtige -Bemerkung: daß die Vielweiberei geradehin -zu einer unnatürlichen Liebe führt, so wie -Aberglaube zur Atheisterey, Verschwendung -zum Geitze. — Doch, diese Abschweifung -sollte bloß den Weg zu der Bemerkung bahnen, -daß, so wie dem andern Geschlechte -von den Männern begegnet wird, die Männer -sich von den Regenten begegnen lassen — -Die Sklaverei, wenn sie auch nur im Kleinen, -in einer einzigen Beziehung, geduldet -und geübt wird, macht über kurz oder lang -alles zu Sklaven. Bei einer gelinden, gemäßigten, -eingeschränkten Regierung galt das - <span class="pagenum"><a id="Seite_144">[S. 144]</a></span> -Frauenzimmer von jeher mehr, als in despotischen -Staaten, wo die Sklaverei der Weiber -politisch nothwendig ist. Den Weibern ist -ohne Zweifel jene Gelindigkeit, Mäßigung -und Einschränkung in der Regierung zu danken -— Wo sie zum Worte kommen, stimmt -sich Alles zur erlaubten bürgerlichen Freiheit; -zur erlaubten, sag' ich, und füge hinzu, daß -die Weiber zur despotischen Herrschaft von -Seelen- und Körperswegen nicht aufgelegt -sind — Zeigen sie Spuren vom Gegentheil, -so waren Männer ihre Verführer. Der fromme -<i>Haller</i> sagt:</p> - -<blockquote> -<p><i>was Böses ist geschehn, das nicht ein Priester -that?</i></p> -</blockquote> - -<p>und ist Priester nicht ein Erzmann? ein Mann -aus höherem Chor? Man sagt, im Orient -mache das Klima es nothwendig, daß die -Weiber in Festungen eingeschlossen werden, -und der Zwang der Harems verbessere ihre -Sitten. Lieber! kann der Zwang Sitten verbessern, -wenn du ihn dir nicht selbst durch -Grundsätze anlegst? oder ist die Tugend, die -nicht nur einer Schildwache, sondern einer - <span class="pagenum"><a id="Seite_145">[S. 145]</a></span> -ganzen Festung bedarf, so vieler Umstände -werth? Was muntert mehr zur Ehe auf: — -Hagestolzenstrafen — Vaterprivilegien? oder -eine tugendhafte Frau, die bischöflich nur Eines -Mannes Weib ist, und dies ihr Licht -leuchten läßt vor den Leuten, daß sie ihre -guten Werke sehen? —</p> - -<p>Welch ein Umgang ist reitzender, als unter -Freunden und Freundinnen! — <i>Freundschaft</i> -kann freilich unter Einem Geschlecht -existiren; allein <i>Umgang</i> nicht. — Freundschaft, -ächte Freundschaft ist eine Schaumünze, -die man nur im höchsten Nothfall angreift; -Umgang ist Ausgabegeld, für das wir tägliches -Brot kaufen: und was wären wir ohne ihn? -Wie viele Menschen, die zu jener hohen -Stimmung der Freundschaft keinen Beruf empfingen, -würden ohne Umgang lebendig todt -seyn! Die Freundschaft bittet nicht, sie fordert; -sie borgt nicht, auch wenn ihr Antrag -noch so mächtig wäre, sie kassirt nur Schulden -ein — Freunde befinden sich in Gemeinschaft -der Güter des Lebens; ihr Sinnbild ist, -nach dem Ausspruche des <i>Aristoteles</i>: Eine - <span class="pagenum"><a id="Seite_146">[S. 146]</a></span> -Seele in zwei Körpern. Zu historischen Belägen -mögen <i>Damon</i> und <i>Pythias</i>, <i>Orestes</i> -und <i>Pylades</i> dienen, deren Freundschaft stärker -als Leben und Tod war. — Ein Alter -hielt <i>den</i> schon für äußerst glücklich, der nur -<i>einen Schatten</i> von einem Freunde angetroffen -hätte. Der Umgang, wenn beide Geschlechter -daran Theil nehmen, ist ein dergleichen Reich -der Schatten, ein Elysium diesseits des Grabes -— und an dem Eingange stehen die -Worte: hasse, als stände dir eine Zeit bevor, -worin du die, welche du jetzt hassest, lieben -wirst; liebe die Menschen, als wenn du dich -nicht würdest entbrechen können, sie einmal -zu hassen — Ein Fingerzeig, der ein Hochverrath -am Tempel der Freundschaft seyn -würde; doch Freundschaft hat keinen Tempel, -selbst nicht eine Kapelle von Menschenhänden -gemacht: das Herz ist ihr Heiligthum. Noch -oft wird mich das selige Wort <i>Freundschaft</i> entzücken. -— Verzeihe, lieber <i>**s</i>, daß ich hier -abbreche; bald sehen wir uns wieder. — — —</p> - -<p>Die Herren Alten hatten den Weibern die -Schnecke zum Sinnbilde ausersehen; allein - <span class="pagenum"><a id="Seite_147">[S. 147]</a></span> -durch sklavische Eingezogenheit verliert die -Ehe von beiden Seiten, und die Männer ohne -Zweifel am meisten. — Die Egyptischen Damen -mußten mit bloßen Füßen ausgehen, -damit sie einheimisch blieben; und wer erinnert -sich nicht an die Geschichte jenes -Weibes, das ein öffentliches, den Männern geheiligtes -Haus vorbeigegangen war? — Dieser -unbeträchtliche Umstand veranlaßte eine Wallfahrt -nach <i>Delphi</i>, um in heiliger Kürze und -Einfalt zu erfahren, was dieser Vorgang bedeute? -Wer wollte nicht lieber an der -<i>Wirthstafel</i>, als bei <i>Lucullus</i> vorlieb nehmen, -wenn bei letzterem die Menge der Leckerbissen -das Vergnügen des Umganges und einer -gemischten Gesellschaft ersetzen sollte? — -Die Römische Sprache scheint zum Umgange -mit Frauenzimmern, und zum Umgange überhaupt, -wenig zu taugen, weil die Römer jenes -Salz der Erde nicht kannten. Zwar hat -jede Nation in ihre Sprache Spuren ihrer -Lieblingstugenden und Lieblingssünden gedruckt: -so kommen die technischen Benennungen -des Seewesens aus dem Holländischen; - <span class="pagenum"><a id="Seite_148">[S. 148]</a></span> -die Soldatenworte aus dem Französischen, -die Baukunst, die Mahlerei und Bildhauerkunst -beweisen durch ihre Ausdrücke, daß Italien -ihr Vaterland ist, und das Jagdwesen erkennet -Deutschland für sein Revier: indeß scheinen -alle neuere Sprachen, die Deutsche selbst -nicht ausgenommen, durch den Umgang mit -dem andern Geschlecht etwas Eigenthümliches -erhalten zu haben, das der alten Welt gebrach. -— Wenn das ewige Feuer, welches -die Vestalinnen unterhielten, dazu diente, Licht -anzuzünden, wie ein allgemeiner Brunnen, -Wasser zu schöpfen; so ist es ein schönes -Bild von dem Dienste, den das schöne Geschlecht -durch die Verfeinerung des Umganges -der Welt erwiesen hat: Wir alle haben bei -ihm Licht angezündet; — und die Regel: »beherzige -deinen Körper in der Einsamkeit, bilde -deinen Geist in der Welt, deinen Willen -durch das Gesetz, deinen Verstand durch -Freiheit,« ist so richtig, wie irgend eine Regel -es nur seyn kann. — Weiber sind berufen, -angegriffen zu werden und sich zu vertheidigen, -und in beides eine so <i>feine Lebensart</i> zu - <span class="pagenum"><a id="Seite_149">[S. 149]</a></span> -mischen, daß, wenn sie nicht die Ehre verdient -<i>Schamhaftigkeit</i> zu heißen, diese doch -nicht ohne jene bestehen kann. Körperlicher -Genuß, er sei von welcher Art er wolle, ist -kurz, und dämpft jenes beglückende sanfte -Feuer des Umganges eher, als daß er es dauerhaft -machen sollte. — —</p> - -<p>Auch das Recht, das die Männer sich bloß -anmaßten, die Weiber verstoßen zu können, -ohne es den letztern gleichfalls zuzubilligen, -hat das andere Geschlecht entwürdiget. Warum -ward dieses Verstoßungsrecht nicht wechselsweise -und beiden Theilen verstattet? Das -Weib würde sicher von diesem Rechte nur -selten Gebrauch gemacht haben, da der größte -Theil seiner Reitze, gleich Rosen, sehr bald -dahin welkt, und da es, nach wenigen in den -Armen eines <i>Adams</i> verlebten Wochen, so -unendlich viel minder gilt, wogegen sein <i>Adam</i> -unverwelklich bleibt. — So bald Mann und -Frau die Trennung nicht gemeinschaftlich wollten, -(in welchem Fall' es Ehescheidung gewesen -wäre) so hätte die Verstoßung als eine bloße -Gewaltausübung eine unerhörte Sache seyn müssen. - <span class="pagenum"><a id="Seite_150">[S. 150]</a></span> -Aller dieser wunderbaren, das andere Geschlecht -erniedrigenden Gesetze und Gewohnheiten -ungeachtet, wußten sich doch wenigstens -Einige desselben so auszuzeichnen, daß das -ganze Geschlecht durch sie gewann; und es -ist — zum unsterblichen Lobe des schönen -Geschlechtes sei es gesagt! — in Hinsicht seiner -der Fall am öftesten gewesen, daß man -nicht allgemein ein Recht ausübte, welches -ein unnatürliches, ein hartes Gesetz einräumte. -Von dieser Seite sind Gewohnheiten (<i>consuetudines</i>) -das ehrwürdigste, das ich kenne; sie -beweisen da, wo ihrer eine ungewöhnliche Anzahl -vorhanden ist, nicht unrichtig jenen großen, -edlen Menschendrang nach Recht, Billigkeit -und Freiheit, und daß über die bürgerliche -Einrichtung der Mensch nicht verloren -ging — Was hülf' es auch dem Menschen, -wenn er die ganze Welt gewönne und nähme -Schaden an seiner Seele!</p> - -<p>Wie wär' es, wenn ich nach diesen Bemerkungen -im Allgemeinen noch einmal dem -Römischen Rechte ein Rauchopfer anzündete -und den Grund der gesetzlichen Härte gegen - <span class="pagenum"><a id="Seite_151">[S. 151]</a></span> -das Frauenzimmer zu entwickeln suchte? Jede -Sache hat innere Data, die, wenn man sie -mit Einsicht und Bescheidenheit nutzt, die -äußeren oft überwiegen; indeß hat es dem -Römischen Rechte nie an Helfershelfern, Commentaroren, -Epitomatoren und Auslegern gefehlt, -und einem dieser gelehrten Herren gehört -ohne Zweifel die Behauptung, daß die -<i>Eifersucht</i> der Ursprung der meisten weiblichen -Rechte gewesen sei. Diese Behauptung -indeß ist für mich so wenig überzeugend, wie -der Glaube lebendig ist, daß <i>schuldige Verehrung</i> -und <i>Achtung</i> hierzu den Grund gelegt -haben. So entfernt ich bin, den zweizüngigen -<i>Prokop</i>, der den <i>Upravda</i> in seinen acht Geschichtsbüchern -erhöhet und in seinen Anekdoten -erniedrigt (recht als wenn Jemanden das -im Testament mit Lob und Dank zugebilligte -Legat, im Codicill mit Verachtung und Bitterkeit -entzogen wird) nachzubeten, und überhaupt -auf die Rechnung eines Gesetzsammlers -und Gesetzgebers alle Fehler und Vorzüge -eines zusammengebrachten Gesetzbuches zu -schreiben; so ist doch <i>Justinian's</i> Schwäche - <span class="pagenum"><a id="Seite_152">[S. 152]</a></span> -gegen seine Gemahlin <i>Theodora</i> unleugbar, -die weiland eine Komödiantin war, und der -er nicht wenig Einfluß in die Regierungsgeschäfte -ja, wenn man will, in das Allerheiligste -derselben, die Gesetzgebung, einräumte. -Warum gab <i>Justinian</i> seinen Liebesgrillen -nicht eine andere Richtung? Wie sehr übertraf -ihn <i>Franz der Erste</i>, glorwürdigen Andenkens, -der zuerst die Sitte begann, daß Damen -an den Hof kamen, als wodurch das, was -man <i>Hof</i> nennt, eigentlich erschaffen ward! -Ihnen zu Ehren wurden Bälle, Komödien und -Turniere angestellt, und <i>Franz des Ersten</i> herzbrechendes -Sinnbild war ein Salamander in -den Flammen, als ob er nicht anders als in -der Liebesgluth leben könnte. Bei seinen -Hofleuten warf er sich zum Werber und Ehebeförderer -auf, und gern war er ein allezeit -fertiger Fürsprecher bei ihren Schönen. Traf -er ein verliebtes Paar, so verlangte er zu wissen, -was es sich sagte, und mit Vergnügen, -legte er ihrer Zunge von seinem Salamanderfeuer -Geist und Flamme bei. Freilich war -auch sein Gang kein Richtsteig; doch — kam - <span class="pagenum"><a id="Seite_153">[S. 153]</a></span> -er der Sache nicht näher, als der gesetzgalante -<i>Justinian</i>, der das größte Sibyllinische -Buch, <i>die Welt</i>, dem schönen Geschlechte -noch mehr verriegelte, wogegen <i>Franz I.</i> es -ihm öffnete? — Wie konnte man überhaupt -von der damaligen Zeit, wo alle Gelehrsamkeit -auf so schwachen Füßen stand oder ging, -Helden- und Meisterzüge der Gesetzgebung erwarten?</p> - -<p>Es giebt, sagt man, nach der Verschiedenheit -der weiblichen Rechte, auch verschiedene -Beweggründe zu ihrer Bewilligung — und in -jedem Gesetz ist der Grund, weshalb es gegeben -ward, am sichersten aufzusuchen. Zwar -ist es nicht immer der, welchen die gesetzgebende -Majestät anführt; indeß wird man -über die Floskeln des angegebenen Grundes -sich eben so leicht wegsetzen, als wir heut zu -Tage wissen, wie wir uns mit dem <i>allgemeinen -Besten</i> und der <i>angestammten Huld und -Gnade</i> einzuverstehen haben. Schwäche des -Geschlechtes ist zum Beispiel die Ursache, -warum es keine Bürgschaft gültig übernehmen -kann; und da diese Schwäche selbst - <span class="pagenum"><a id="Seite_154">[S. 154]</a></span> -nach den <i>eigenen Worten des Gesetzes</i>, nicht -den Mangel an Überlegung andeutet: so -scheint sie eher in jener Gutmüthigkeit zu -bestehen, die zu Menschen-Wort und Verheißung -nicht den Glauben verloren hat; und -ist dieser <i>Glaube an Menschen</i> Schwäche? -Ist er es, so kann es von ihm in That und -Wahrheit heißen: wenn ich schwach bin, -bin ich stark. Eine wohlgewählte Strafe für -den Betrüger würde vielleicht weit wirksamer -seyn, als der <i>Vellejanische Rathschluß</i>, da sie -auch gutmüthige Männer aus der Verlegenheit -zu ziehen im Stande wäre; und wenn Lügen, -als die Wurzel alles Übels, mit der gehörigen -Härte bestraft, oder auf eine sonst gute Manier -aus der Welt verbannt würden — welch -ein Gewinnst! Das Kindergebären, das gemeiniglich -zu den Hauptbeweisen der Schwäche -gezählt wird, welche die Gesetze dem schönen -Geschlecht außerordentlich hoch anzurechnen -geruhen, legt geradezu ein Naturzeugniß seiner -Stärke ab. Ich wünschte nicht, daß dieses -Geschäft an unser Geschlecht käme. Wie -sehr würde unser Heer von Stutzern, diese - <span class="pagenum"><a id="Seite_155">[S. 155]</a></span> -hybriden Geschöpfe, und wie noch mehr der -Staat zu bedauern seyn! Welch ein <i>Minus</i> -würde sich schon im ersten Jahre an gebornen -Kindern, und welch ein <i>Plus</i> an gestorbenen -Kindbettern finden —! Zählt die Tage beider -Geschlechter, welche Krankheit zu heiligen erniedrigt; -und ich wette, es wird in der Balanz -<i>Credit</i> und <i>Debet</i> beider Geschlechter -sich heben. —</p> - -<p>Auch die <i>Schamhaftigkeit</i> wird als ein -authentischer Grund der weiblichen Rechtsunterdrückung -— wohl zu merken, von den -Gesetzen selbst! — angeführt. Ein Grund, worüber -sich die Schriftgelehrten schämen würden, -wenn sie das könnten! Wegen der -Schamhaftigkeit soll das schöne Geschlecht -nicht Theil an gerichtlichen Handlungen nehmen? -Wie gütig die Gesetze sind! als ob in -den Gerichten die Schamhaftigkeit Gefahr liefe, -oder gar aufgegeben würde! Was könnte -denn hier zu unerlaubten Begierden verleiten -und ein von diesen entferntes Herz dazu -entflammen? Ehe <i>beide</i> Geschlechter sich zu -dieser Tugend entschließen, und sich von jedem - <span class="pagenum"><a id="Seite_156">[S. 156]</a></span> -verführerischen Worte Rechenschaft abfordern -— giebt es Schamhaftigkeit? — und -was gilt sie einseitig? — Die Schamhaftigkeit -ist eine Tugend, die, wenn ich so sagen darf, -<i>in der Ehe lebt</i>; wenn sie nicht von Männern -und Weibern zugleich geübt wird, so artet sie -in Ziererei und weibliche Taschenspielerkünste -aus — Und wie? ist den Reinen nicht alles -rein? Eine Ehefrau kleidet eine edle Freimüthigkeit, -ein unverstelltes Wesen, unendlich -besser, als jene klösterliche Heuchelei. -Mit ungewaschenen Händen essen, verunreinigt -den Menschen nicht; und der Tugend -sich mit seinem Munde nahen, sie mit seinen -Lippen ehren und das Herz von ihr entfernen -— ist das nicht ein Greuel?</p> - -<p>Macht man indeß mehr auf einen reinen -Mund Anspruch, als auf ein reines Herz, so -hat die Gesetzstelle gewonnen Spiel, welche -(<i>L. I. § 5. D. de postulando</i>) behauptet, daß -man die weibliche Schamhaftigkeit in Labyrinthe -der Versuchung führen würde, wenn -es dem schönen Geschlecht erlaubt werden -sollte, sich in Rechtsangelegenheiten zu mischen. - <span class="pagenum"><a id="Seite_157">[S. 157]</a></span> -O, der überfeinen Besorgniß! Ist -das Reich Gottes nicht in uns? Tugenden, -die nie das Glück gehabt haben, in Versuchung -zu kommen, sind, wie die Scheidemünze, -von sehr verdächtigem Schrot und -Korn, ob sie gleich gemeiniglich den Vorzug -haben in Cours zu bleiben. — Jenes Recht -der Gegenwehr, kraft dessen wir allem widerstehen, -was uns zu nahe zu treten versuchen -will — wenn es nie in Anwendung gebracht -wird, setzt es nicht die Menschen über kurz -oder lang aus aller Disciplin, so daß sie zuletzt von ihren eigenen Schatten in die Flucht -geschlagen werden? Sind die schrecklichsten -Schandthaten in der großen Welt oder in der -Einsamkeit empfangen und geboren? oder will -man dem schönen Geschlecht die Fähigkeit -und das moralische Vermögen etwas zu thun -oder zu lassen, zu Deutsch <i>das Recht</i> genannt, -in bester Form Rechtens aberkennen? Haben -wir nicht bedacht, daß Recht aus der leidenden -Verbindlichkeit entsteht, und daß kein -Recht seyn würde, wenn keine Verbindlichkeit -wäre? daß, wenn die Natur zu einem - <span class="pagenum"><a id="Seite_158">[S. 158]</a></span> -Zwecke durch ihr heiliges Gesetz verbindet, -sie auch den Schlüssel und das Recht zu den -Mitteln verliehen hat? Oder kann man ohne -Mittel zum Zwecke gelangen? Stehet es nicht -jedem frei, das zu thun, ohne was er seiner -Verbindlichkeit nicht nachkommen oder sie -nicht erfüllen könnte?</p> - -<p>Sehr consequent in Rücksicht Römischer -Rechts-Grundsätze hat <i>Divus Justinianus</i> -(<i>Nov.</i> CXXXIV. <i>Cap.</i> IX.) angeordnet, daß -kein Frauenzimmer gefänglich eingezogen werden -solle. Auch wegen der größten Verbrechen -will er sie nur mit dem Kloster bestrafen -und sie bloß der Aufsicht anderer Weiber -anvertrauen — Wir indeß geben dieses Gesetz -aus männlicher Machtvollkommenheit auf, ohne -dem Geschlechte andere Römische Rechtswohlthaten -zu erlassen. Wer sollte denken, -daß man mit Wohlthaten so sehr ins Gedränge -kommen, so geplagt und belästigt werden -könnte! wer sollte denken, daß man dem mit -Wohlthaten so überhäuften Römischen Frauenzimmer -ehemals nicht gestattete, den Volksversammlungen -beizuwohnen! daß man es der - <span class="pagenum"><a id="Seite_159">[S. 159]</a></span> -Ehre nicht würdigte, zum Volke zu gehören, -und daß eben aus dieser Herabsetzung ihm -der Vorzug erwuchs, mit Bestande Rechtens -in den Rechten unerfahren zu seyn und sich -mit dieser Gesetzunwissenheit, wie mit einem -Orden, zu schmücken! — Nicht nur unschädlich, -sondern rühmlich, war ihm, diese -Wohlthat der ewigen Kindheit, vermöge deren -es im Reiche des <i>Saturnus</i> in einem immerwährenden -Frühling lebte, schwebte und -war — Es verschenkte alles das Seinige, um -von Almosen zu leben; es vertauschte Gold -gegen Flittern, Schaumünzen gegen blanke -Rechenpfennige. Doch alles ist kein Vergleich -gegen den Tausch des Rechtes gegen -Güte — der männlichen Worte: <i>ich fordere</i>, -gegen die weiblichen: <i>ich bitte</i>. Wie konnte -man aber auch einer, in der gesetzlichen -Herrschaft des Eheherrn befindlichen Gattin, -einer der Gewalt eines Andern untergeordneten -Sklavin, mehr als Gnade und Wohlthaten -erweisen? Nicht sie, sondern ihr Mann hatte -Kinder — Auf ihre Familie hatte sie Verzicht -gethan, um zu ihres Herrn Familie einzugehen - <span class="pagenum"><a id="Seite_160">[S. 160]</a></span> -— Schon längst hatte man verlernt, -daß die Ehe eine gleiche Gesellschaft sei, -daß die Herrschaft im Ehestande eine beiderseitige -Herrschaft der Eheleute neben einander -bleibe, und daß der Mann sie sich nur durch -einen <i>ausdrücklichen</i> Vertrag zueignen könne? -»Nicht auch durch einen <i>stillschweigenden</i>?« -Ach freilich! hätt' ich doch diese stumme -Sünde beinahe vergessen. Die Geschichte gedenkt -eines naseweisen Knaben, <i>Papirius</i>, im -Besten, weil er, seine Mutter zu betrügen, -schon in frühen Jahren reif genug befunden -war. Er begleitete, nach damaliger Sitte, seinen -Vater, wenn Se. wohlweise Gestrengigkeit -auf das Rathhaus ging; und da seine -Mutter die Debatten des Tages vom <i>Papirius</i> -zu wissen verlangte, so schob er ihr eine baare -Unwahrheit unter. »Es wäre, sagte er, die -Frage zur Motion gediehen: Ob es besser sei, -daß ein Mann zwei Weiber, oder ein Weib -zwei Männer habe.« — — Welch eine Erniedrigung, -daß eine Mutter bei einem Knaben, -und, was noch mehr sagen will, bei ihrem -leiblichen Sohne, nach den Dekreten einer - <span class="pagenum"><a id="Seite_161">[S. 161]</a></span> -obrigkeitlichen Sitzung forschen muß! und -welch eine Übertretung des vierten Gebotes, -daß ein Sohn seine Mutter durch eine Unwahrheit -vorsetzlich zu einem weiblichen Auflauf -bei der National-Versammlung mißleiten -konnte, der sich entschloß, (ohne Zweifel in -besserer Form und Ordnung als die Parisischen -Fischweiber) wider das vermeintliche Dekret, -daß ein Mann zwei Weiber haben könne, -zu protestiren. Es heißt, <i>Papirius</i> habe -von Stund' an, und nach diesem <i>examine rigoroso</i> -ein Patent als ordentlicher Beisitzer des -hohen Rathes erhalten, und dagegen sei allen -übrigen Auscultatoren und Referendarien der -Zutritt zu den Raths-Sessionen untersagt worden! -Freilich verdienten solche altkluge, auf -Treibhäusern gezogene Kenntnisse des <i>Papirius</i>, -und ein so stattlicher Mutterbetrug, Aufmunterung -und Belohnung! — Sollten indeß alle -jene so übermäßige Wohlthaten nicht unter -Einen Hut zu bringen seyn? Wir können -in Ansehung dessen, was in anderen Fällen -geschieht, wo nicht schon sicher wissen, so -doch mit Zuverlässigkeit vermuthen, mit was - <span class="pagenum"><a id="Seite_162">[S. 162]</a></span> -für einem Maße der Einsicht in den Grund -der Sache, aus welchen öffentlichen und geheimen -Artikeln von Anreitzungen, Absichten -und Nebenabsichten, für die Beibehaltung des -Alten geeifert wird. Wenn mich nicht alles -trügt, so hat die <i>Furcht</i> der Männer, durch -die Weiber <i>unterjocht zu werden</i>, die ersteren -zu jener Überhäufung mit Wohlthaten gebracht. -Nach Art der Hofleute, die kein moralisches -Aequinoctium annehmen, wo Gutes -und Böses sich die Wage hält, scheinen die -Männer, die schon unter sich so viele Feinde -und Widersacher zählen, sich von Seiten der -Weiber den Rücken decken zu wollen — -Wär' es das erstemal, daß man seine Herrschaft -durch das Hausmittel zu sichern suchte, -die, welche man beherrscht und gern ewig -beherrschen möchte, von reiner Erkenntniß -und Besserung hochbedächtig zurückzuhalten? -Und wie! es stand noch kein Prediger in der -Wüste auf, der diesen Männerdünkel in seiner -Blöße zeigte, und auf diesen Staat im -Staate aufmerksam machte? — Es gab Götter -und Göttinnen, die für Opfer und Geschenke - <span class="pagenum"><a id="Seite_163">[S. 163]</a></span> -feil waren. So ging es dem andern Geschlechte, -das auch Opfer auf Kosten seiner Rechte -annehmen mußte, und das, wenn gleich die -Menschheit es so sehr zierte, sie doch gegen -jene Göttlichkeit aufzugeben gezwungen ward. -Jemanden Güte erweisen, indem man ihm Gerechtigkeit -entzieht, heißt: ein Naturgesetz -mit Füßen treten, und sich mit einem positiven -brüsten; die Erstgeburt für ein schnödes -Linsengericht verkaufen, Mücken seihen und -Kamele verschlucken — O, der blinden Leiter, -die, mit pharisäischer Heuchelei das andere -Geschlecht einschläferten, im Trüben -fischten und durch Schein des Rechts die natürlichen -in das Herz geschriebenen Rechte -zu vertilgen suchten! — Die Natur läßt sich -nicht zwingen. — <i>Furcht!</i> Fiel dies Wort auf? -Es sollte auffallen — Seht! ich will mein -Herz ausschütten und zur Ehre des männlichen -Geschlechtes bekennen, daß keine bösere -Absicht, als <i>die Furcht, das andere Geschlecht -würde uns beherrschen</i>, den Grund -zu unserer Herrschaft über dasselbe gelegt hat. -Auch dachten wir vielleicht unserer Seits bei - <span class="pagenum"><a id="Seite_164">[S. 164]</a></span> -diesem Plane nicht, den Weibern eben schwer -zu fallen und ihnen Schaden oder Leides zu -thun; sondern <i>ihnen und uns nützlich zu -werden</i>. Vielleicht war ein Plan dieser vermeintlich -<i>nutzreichen Art</i> der Anfang mancher -andern, jetzt so ausgearteten Herrschaft. Die -<i>Furcht</i> schuf Götter, sagt ein Alter; — nicht -auch die <i>Liebe</i>? Wir sollen Gott fürchten -und lieben, fängt <i>Luther</i> jede Erklärung der -zehn Gebote an — und doch treibt die Liebe -die Furcht aus —!</p> - -<p>Sehet euch um! noch jetzt werdet ihr finden, -daß Männer, die ihre Weiber <i>anbeten</i>, -vorzüglich jedem Beitrage zur Verbesserung -des anderen Geschlechtes ausweichen. Und -warum dieser befremdende Widerstand? Das -Gefühl von dem Werthe seines vortreflichen -Weibes verstärkt die <i>Furcht</i> des Herrn Gemahls. -Die Verehrung, die er ihm widmet, -unterdrückt den Gedanken, dem Geschlechte -in ihm Gerechtigkeit zu erweisen — Auch -der beste Mann ist neidisch auf große Eigenschaften -seines Weibes, die ihm gefährlich -werden können; er will mit seinen Wohlthaten - <span class="pagenum"><a id="Seite_165">[S. 165]</a></span> -ihm den Mund stopfen, die Vernunft und -den Willen desselben einschränken und mißleiten, -damit es nicht Gerechtigkeit begehre — -Eine besondere Art, mit Geschenken das -Recht zu beugen, eine Wechselschuld nicht -zu bezahlen, allein dem Wechsel-Gläubiger -ein Geschenk zu machen, das jene Schuld -überwiegt! — Dergleichen Männer bemühen -sich außerordentlich, sich ihren Weibern von -der besten Seite zu zeigen; und da sie wohl -einsehen, wie sehr weit sie von ihren Weibern -in allem zurückgelassen werden: so legen -sie ein außerordentliches Gewicht auf ihren -Staatsberuf, und rechnen sich die Amtsgeschäfte -äußerst hoch an, um sich bei ihren -Weibern in Achtung zu erhalten. — Das arme -Geschlecht! wie sehr es doch durch blauen -Dunst hingehalten wird —! Man erzählt -von einem Türkischen Gesandten, er habe auf -die Frage: wie ihm das Frauenzimmer in *** -gefalle; geantwortet: ich bin kein Kenner von -Mahlerei — Ist nicht jeder Beamte im Staate -geschminkt? — Man nehme ihm das Weiß -und Roth, das der Staat ihm Ehrenhalber - <span class="pagenum"><a id="Seite_166">[S. 166]</a></span> -auflegt; und wir werden weder Gestalt noch -Schöne an ihm finden —- Wir mögen uns -nicht anstrengen, um mit dem andern Geschlechte -Schritt zu halten; und das müßten -wir oft über unser Denken und Vermögen, -wenn wir ihm gleich kommen wollten. Wir -gehen ihm sonach Räthsel auf, die der Auflösung -nicht werth sind; wir verlangen Traumdeutungen -von ihm, ohne daß wir ihm den -Traum bekannt machen; wir suchen es in -das Spielwerk der Welt zu verwickeln, und -es dem Ernste und Nachdenken so viel als -möglich zu entziehen: — und doch ist dieser -Müßiggang — welches Weib wird nicht dazu -auf eine grobe und subtile Art verurtheilt? — -der Grund von allem jenem Übel, wovon reelle -Beschäftigung das Weib, seinen Mann und -die Welt befreien würde. — Die <i>Thätigkeit</i> -hat drei Grazien zu Töchtern: <i>Tugend</i>, <i>Wissenschaft</i> -und <i>Reichthum</i>; allein welche Thätigkeit? -die, wozu Männer aus Machtvollkommenheit -die Weiber verurtheilen, oder jene, -die man bei selbstgewählten Geschäften anwendet? -die, wo Lied- und Tagelohn bezahlt - <span class="pagenum"><a id="Seite_167">[S. 167]</a></span> -wird, oder jene, wo das freiwillig übernommene -Geschäft sich selbst belohnt? Aufgegebene -Arbeiten können zwar zu andern unaufgegebenen -erwecken, die über jene unendlich -erhaben sind; doch müssen die aufgegebenen -nie von so einförmiger Art seyn, wie die -weiblichen es sind, falls sie die einmal in Bewegung -gesetzte Seele zu edler Wirksamkeit -hinaufstimmen sollen — Wann wird Thätigkeit -aus selbsteigener Wahl einmal aufhören -der königliche Vorzug der Männer zu seyn! -wann werden Weiber zu dem Menschenrechte -gelangen, Geschäfte nicht fürs Brot, nicht -auf den Kauf, sondern mit Lust und Liebe -treiben zu können! o, wann! — — Wie -sehr würde man die Erklärung der siebenten -Bitte durch die Verbesserung des weiblichen -Verhältnisses zum Staate verkürzen! Man -verbietet mit Recht nicht nur das Laster, sondern -auch den Schein desselben, weil Schamlosigkeit, -wenn sie ins Publicum dringt, ein -allgemeines Verderben des Staates bewirkt, -und ein gewisses Zeichen seines nahen Sturzes -ist. — Doch bedenkt man nicht, daß eben - <span class="pagenum"><a id="Seite_168">[S. 168]</a></span> -die Ausschließung des andern Geschlechtes -von allen öffentlichen und ernsthaften Beschäftigungen -es geradesweges auf den Gedanken -bringen muß, alle jene ehrwürdigen Sachen -zu enttrohnen, den Werth derselben, den inneres -Gehalt oder Lieblingsgrillen ihnen beilegen, -zu verringern, und der jungen naseweisen -Welt der Jünglinge allen jenen Ernst so -zu verekeln — daß, wenn sie sich ja Geschäften -widmen, sie die Maximen des Lächerlichen -in Anwendung bringen, welche sie -zu den Füßen des schönen Geschlechtes gelernt -haben. Es werden wenige Dinge seyn, -die sich von dem Roste der Pedanterie rein -halten können, außer wenn das Frauenzimmer, -dieses einzige Verwahrungsmittel gegen -jenes Geschlechtsübel, dabei eingeflochten -wird.</p> - -<p>Der Mensch ist zur Nachahmung geneigt, -und es ist eine bekannte Bemerkung, daß -man das in seinem Hause im Kleinen einführt, -was im Staat im Großen gäng und gebe ist; -das Haus pflegt ein Miniaturstück des Staates -zu seyn. Wenn aber gleich in despotischen - <span class="pagenum"><a id="Seite_169">[S. 169]</a></span> -Staaten der Despotismus auch in Privathäusern -wüthet, und um so mehr mit gutem Bedachte -wüthen zu müssen das Ansehen gewinnt, da -größere Freiheit der Weiber dem Staat unüberwindliche -Nachtheile zuziehen, und dieses -Geschlecht, geboren der Natur getreu zu -seyn, alles jene unnatürliche Wesen der Despotie -an die gehörige Stelle und den rechtmäßigen -Ort bringen würde; so ist doch auch -in Republiken das schöne Geschlecht noch -nie zu einem anständigen Grade von Besitz -seiner Rechte gediehen — Zwar gewinnt es -dort durch mindere Pracht; allein eben dieser -Gewinn lehret die Herren Staats-Repräsentanten -aufs Wort merken. Die Weiber spielen -ein etwas ernsthafteres Spiel, als in Despotie -und Monarchie; aber man erlaubt ihnen nicht, -dieses Ziel zu überschreiten: ihre anscheinenden -Vorzüge sind avanturirt (erabentheuert) — -Es bleibt Spiel was sie treiben — Ihr Tichten -und Trachten sind Kleinigkeiten von Jugend -auf und immerdar; und, was noch ärger ist — -der widernatürlich zusammengeordnete Putz -entstellt die natürliche Schöne des Körpers so - <span class="pagenum"><a id="Seite_170">[S. 170]</a></span> -sehr, daß die <i>Frage</i> der Gemahlin des Kaisers -von <i>Marokko</i>, an die geputzte Frau des -Holländischen Consuls: <i>bist du das Alles -selbst?</i> — oft <i>ihr Glück versuchen</i> könnte.</p> - -<p>In der Aristokratie sind die Herren Aristokraten -zum Neide und zur Eifersucht so berufen, -daß sie zu verlieren befürchten, wenn -sie ihren Weibern einen Vorzug verstatteten — -und da selbst die Französische Revolution ihren -Zustand — obgleich Weiber die Fahne -derselben geführt — nicht verbessert hat; so -scheinen wohl die Verschiedenheiten der Regierungsformen -nicht bestimmt zu seyn, diesen -Schaden Josephs zu heilen: höchstens bleiben -die armen Weiber beim <i>Mehr</i> oder <i>Weniger</i> -stehen.</p> - -<p>»Es ist wider die Vernunft und wider die -Natur«, sagt ein Philosoph der Welt, »daß -Weiber die <i>Hausherrschaft</i> führen; allein -<i>Reiche</i> können sie regieren — Im ersten -Falle erlaubt ihnen ihre Schwäche diesen -Vorzug nicht; im andern stimmt diese sie -zur Leutseligkeit und Mäßigung. —« Mich -dünkt, diese Bemerkung ist Sophisterei. Wer - <span class="pagenum"><a id="Seite_171">[S. 171]</a></span> -will denn, daß Weiber das Hausregiment führen -sollen? Nur da, wo, nach dem altdeutschen -Reim eines Reformators, ein Jeder seine -Lektion lernt, wird es wohl im Hause stehen. -— Es ist zu verwundern, daß jetzt, da -das halbe menschliche Geschlecht auf weiter -nichts sinnt, als sich mit Ehren unter die -Haube zu bringen, noch so viel Policei im -Punkte des Punktes herrscht — und daß, da -das Frauenzimmer zu einer ewigen Vormundschaft -verdammt wird, es seine Rache bloß -aus der ersten Hand vom Ehemanne nimmt, -und übrigens in der größeren Welt so sittsam -und menschenfreundlich bleibt. Strenge Aufmerksamkeit -auf einen sich selbst gegebenen -Punkt unterdrückt das Gefühl des Schmerzes, -und die größte Krankheit verliert einen -großen Theil ihrer Feindseligkeit durch die -Unterhaltung mit einem guten Bekannten, welche -aber, wohl zu merken, den Kranken unvermerkt, -äußerst leicht und ohne angreifende -Übergänge beschäftigen muß. Ist die Ehe, -nach jetziger Sitte, viel mehr als eine Krankenunterhaltung, -wodurch man so sehr die lange - <span class="pagenum"><a id="Seite_172">[S. 172]</a></span> -Weile als die Anstrengung vermeidet, und vorzüglich -das andere Geschlecht von jenem -schrecklichen Gefühle seiner Abhängigkeit und -Unterdrückung ableitet? — Ließen die Männer -sich öfter als jetzt merken, daß sie das -Verhältniß der Geschlechter besser, als die -Natur, zu ordnen wüßten, wie weiland <i>Alphonsus</i> -das Schöpfungswerk weit besser als -der Schöpfer Himmels und der Erden zu verstehen -vorgab: so wäre den Männern höherer -Klassen schon längst von ihren aufgeklärten -Damen der Krieg angekündigt; jetzt aber, da -Männer diese Saite fast gar nicht berühren, -oder höchstens sich über diese Sache etwa so -auslassen, wie <i>Machiavell</i> über die Tyrannen: -— jetzt bleibt es in besseren Volksklassen -beim Frieden, und in den geringeren ist der -Unterschied zwischen männlichem und weiblichem -Werth und Unwerth zu unbedeutend, -oder jene geringeren denken zu wenig an ihre -Bestimmung, um anders als thierisch zu wissen, -daß zwei Geschlechter unter den Menschen -sind — Wird dann etwa (im Jubeljahr) -unter uns ein <i>St. Pierre</i>, ein <i>Bayard</i>, - <span class="pagenum"><a id="Seite_173">[S. 173]</a></span> -ein <i>Heinrich IV.</i> geboren; so läßt das andere -Geschlecht, des Verdienstes dieser hervorragenden -Männer halben, dem ganzen männlichen -Geschlechte Gnade widerfahren. — — -Laßt uns aufrichtig seyn! Alles wodurch -Menschen sich auszeichnen können, ist dem -Frauenzimmer benommen. Ein Cartel erniedrigt -es so tief, wie eine ungerächte Beleidigung -den Ehemann; und in die Klasse der -Unedlen, der Knechte, ward es unter dem -Schreckbilde, daß die Gränzen seiner fräulichen -Schamhaftigkeit verletzet werden könnten, -verstoßen, damit nur unser Geschlecht -sicher bliebe, nie von ihm zum Zweikampfe -gefordert zu werden — Nicht die Ähnlichkeit, -sondern das Gesetz bestimmt vermöge -der Ehe den Vater; es benennt ihn, und leidet -keinen Widerspruch. Wie war es möglich, -daß, da die Natur unmittelbar die Mutter -bestimmt, daß, da diese so unbezweifelt -gewiß wie unsere Existenz und der Tod ist — -die Kinder in solch eine Unerkenntlichkeit -ausarteten! daß nicht gutgesinnte unter ihnen -sich vereinigen, um ihre Mütter aus der - <span class="pagenum"><a id="Seite_174">[S. 174]</a></span> -Schmach zu reißen, in der sie von wegen des -Geschlechtes schmachten! Das männliche Geschlecht -spielt mit außerordentlichem Glück — -Wenn die Väter ihren Töchtern vermöge des -Geschlechtstriebes nicht so liebreich zuvorkämen, -wie es gemeiniglich der Fall ist; vielleicht -würden diese schon längst eine Conspiration -veranlaßt haben, um Menschen aus -Mädchen zu machen, die jetzt aus Sitte nicht -sehen, hören und denken dürfen, die allein -in der Einsamkeit das Recht haben dreist zu -seyn, und nur im Selbstumgange jenen schrecklichen -Klosterzwang ablegen können, der sie -in Gesellschaft zur entsetzlichsten Einsamkeit -verdammt. Was kann man von dieser Erziehung -erwarten, die von der Heuchelei dirigirt -wird, nach welcher selbst der Plan, zur -Heirath Anlaß zu geben, so insgeheim ausgeführt -werden muß, daß oft das lauteste <i>Nein</i> -das herzlichste <i>Ja</i> bedeutet! — Alle jene -Gesetze zur Fortpflanzung des menschlichen -Geschlechtes, jene Aufmunterungen zur Ehe, -die Drei-Kinder-Ehre — was sind sie anders, -als unnatürliche Hülfsmittel, die alle aufhören - <span class="pagenum"><a id="Seite_175">[S. 175]</a></span> -würden, wenn man Männer und Weiber in -den Gang der Natur einlenkte? — Wie würde -sich hier Alles von selbst verstehen! — -Man trachte zuerst nach dem Reiche Gottes -und nach seiner Gerechtigkeit; und in Wahrheit, -alles Andere wird von selbst zufallen. -Darum Leute im Staat ehren, weil sie in der -Ehe leben, weil sie Kinder, weil sie drei -Kinder haben; darum, weil man die meisten -Kinder hat, zuerst im Rathe votiren — ist -eben so wunderbar, als die Seele nach dem -Körper messen; und jener General hat sich -mit uns ausgesöhnt, der Specialkarten verwarf, -und nur Generalkarten wollte, weil er -General war, oder der es nicht begreifen konnte, -daß man ein großer Mann seyn und doch -nicht über vier Zoll messen könne. — Vielleicht -kommt noch die Zeit, daß man belohnt -wird, weil man essen und trinken oder schlafen -kann! Mit Volksmenge allein ist dem -Staate nicht gedient, wohl aber mit Bürgern, -die mit der natürlichen Beschaffenheit und -der Größe desselben in richtigen Verhältnissen -stehen, die frei, arbeitsam, wohlhabend - <span class="pagenum"><a id="Seite_176">[S. 176]</a></span> -und wohldenkend sind. Und selbst die Volksmenge! -würde sie nicht über die Hälfte vermehrt -werden, wenn man das andere Geschlecht -zum Volk zu machen sich entschließen, -und Weiber zu Colonisten im Staat aufnehmen -wollte? Man wende einmal die Münze -um; und der Revers der Sache —? Zu -elenden Kunstgriffen muß man sich herablassen, -wenn man die Winke der Natur vernachlässiget -— Merkwürdig ist es, daß selbst -Weiber zu einer gewissen Zeit in <i>Rom</i> durch -Kinder sich aus der beständigen Vormundschaft -hinaus gebären konnten! — Die Freigeborne -mußte deren drei, die Freigelassene -vier haben. —</p> - -<p>Heil den Gesetzen, die nicht ansehen, was -vor Augen ist, sondern die nach dem Beispiele -des Stifters des Christenthums das Herz -verlangen; die es auf den inneren Menschen anlegen; -die nicht äußere Schäden verbinden, -sondern heilen; nicht Palliative bewirken, sondern -das Blut reinigen! —</p> - -<p>Derjenige, der später bezahlt, bezahlt weniger -— Die bündigste Antwort, wenn von - <span class="pagenum"><a id="Seite_177">[S. 177]</a></span> -der Erlaubniß, Zinsen zu nehmen, die Frage -ist. Wie viele Verzögerungs-Zinsen werden -wir dem andern Geschlechte schuldig werden —! -Als <i>Cromwell'n</i> gerathen ward, seine -Tochter <i>Carl dem II</i> zu geben, nachdem er -<i>Carl den I</i> hatte enthaupten lassen, war seine -Antwort: »Nein; denn könnte er wirklich -vergessen, was ich that,« fügte er hinzu, »so -wär' er nicht werth, eine Krone zu tragen —«</p> - -<p>Sollten die Weiber nicht dereinst über -kurz oder lang ihre Existenz den Männern -beweisen, so wie weiland <i>Alcibiades</i> die seinige -den Atheniensern, die ihn zum Tode -verurtheilt hatten? Sollten sie nicht auch ein -<i>Sparta</i> finden, um ihren Atheniensern von -Männern den Krieg anzukündigen? sie, die -schon jetzt während ihres fünfjährigen Pythagorischen -Stillschweigens so deutlich zu erkennen -geben, wie sehr sie verdienen für -mündig erklärt zu werden? sie, die mit zwei -Augen mehr sehen, als <i>Argus</i> mit hundert? -sie, die schon jetzt, noch ehe erschienen ist, -was sie seyn werden, privilegirte Seelen aufzuweisen -haben, die es mit unserem Geschlechte - <span class="pagenum"><a id="Seite_178">[S. 178]</a></span> -aufnehmen? sie, welche die Sphäre -ihrer Zeitgenossen durchbrechen und, ohne -sich nach Brücken umzusehen, mit Geistesflügeln -sich erheben und, wenn es nicht gehen -will — sich hinaus denken und wie <i>Felix</i> auf -einen gelegenern Augenblick warten? — Oder -wie! ist es Wollust, keine Wollust zu genießen? -ist es ein Göttermahl, zu fasten? ist -bloß Streben unsere Tugend, und Hoffnung -unser Glück —? Beweiset nicht ein großer -Theil der Weiber, daß edle Seelen auch in -Ketten frei sind, wie ein Herrscher bei entgegengesetzter -Denkart sich in <i><em class="gesperrt">selbsteigener</em> -Sklaverei</i> befindet? Der schlechteste Herr, der -nur zu finden war! So diente <i>Alexander</i>, und -<i>Diogenes</i> war frei — <i>Alexander!</i> dem ein -Seeräuber in die Augen zu sagen den Alexander-Muth -hatte: kleine Diebe hängt man — -<i>Diogenes!</i> der, als <i>Alexander</i> ihm Gelegenheit -gab, sich eine Pension zu erbitten, (und eine -größere, als alle zusammen genommen, die -<span class="smcap">Friedrich II</span> seinen Leib-Philosophen und -Dichtern gab) nur verlangte, daß Se. Alexandrische -Majestät geruhen möchte, ihm, der - <span class="pagenum"><a id="Seite_179">[S. 179]</a></span> -werth sei, von der Sonne beschienen zu -werden, diesen Vorzug nicht länger zu rauben. -— <i>Diogenes</i> beurlaubte <i>Alexandern</i>: der -reiche Bettler den armen ihm die Cour machenden -Weltbesitzer. — Gründet sich fortschreitende -Vervollkommnung des menschlichen -Geschlechtes, und wahre, nicht Schein-Aufklärung, -auf eine unpartheiische Kenntniß -der Natur, und auf die Einsicht, ihre Gaben -recht zu gebrauchen; so kann kein politischer -Zwang Menschen behindern, an ihrem Glücke -zu arbeiten, und die Würde der Gerechtigkeit -und ihre wahren Verhältnisse zu Allem, außer -sich, einzusehen. — Selten wird ein Mann -leugnen oder nur bezweifeln, was allgemein -angenommen ist; ein Weib aber rechnet es -sich zum Vorzuge, täglich dergleichen Ausnahmen -zu machen. Oft thut ein Weib es -früher, als es die Umstände beprüft hat; und -wenn es dann aus der Noth eine Tugend zu -machen sich gedrungen sieht, so ist es angenehm -zu bemerken, wie es Gründe sucht und -findet, wodurch es bei seinem Wagestück von -<i>Nein</i> sich bei Ehren erhält, und sich, wenn - <span class="pagenum"><a id="Seite_180">[S. 180]</a></span> -nichts mehr, so doch den Vorzug erwirbt, -sonderbar zu scheinen. Ein Glück, das dem -Verstande in Nothfällen übrig bleibt, um zu -zeigen, wie viel man zu thun im Stande gewesen -wäre, wenn man nicht zu vielen Hindernissen -unterliegen müssen. Wir sind mehr -für die Gewohnheit, Weiber mehr für die -Neuheit — Beide Neigungen lassen sich aus -der Lage beider Geschlechter ziemlich richtig -erklären. Was geht dem andern Geschlechte -ab, um würdig zu seyn, in den vorigen Stand -zurückgesetzt (<i>in integrum</i> restituirn) zu werden? -Die Thränen der Weiber sind nicht -bloß Beweise der Schwäche, sondern auch -Beweise der in ihnen wohnenden Kraft. Sind -Thränen nicht schon im gemeinen Leben öfter -Anzeigen des Entschlusses, als der Reue? und haben -nicht Schuld und Unschuld ihre Thränen? -Daß übrigens nicht bloß Weiber und Kinder -greinen, (wenn von Verstellung der Geberde -bei Thränen die Rede ist) sondern auch Männer, -wird selbst dem gemeinsten Beobachter -nicht entgangen seyn. Die Launen der Weiber -werden in der That zu wenig von uns - <span class="pagenum"><a id="Seite_181">[S. 181]</a></span> -beobachtet; wir würden hier oft auch bei kleineren -Gewässern tiefe Gründe finden, da hingegen -jetzt diese Launen auf Flügeln der Morgenröthe -uns entfliehen, auch selbst wenn wir -sie zurück zu halten bemühet sind. — Die -Weiber wissen die wenigste Zeit, wie sie mit -sich selbst daran sind, und sie sollten mir -danken, daß ich ihnen hier eine nicht kleine -Entdeckung mache — sie sollten manches, was -zu ihrem Frieden, zum wahren, zum Frieden -Gottes gehört, in ihrem Herzen bewegen, um -eine Stärke recht beurtheilen zu lernen, die -sich bloß — auf ihre angebliche Schwachheit -gründet. Von Liebenden sind uns alle Ergebenheits-Bezeugungen -verhaßt, wenn <i>wir</i> nicht -der eigentliche Gegenstand der Neigung sind. -Männer! habt ihr von euren Weibern mehr -als den Schein der Liebe? und verdient ihr -mehr? — Verdient ihr nicht, daß sie euch -nur in dem Grade lieben, wie Sklaven Tyrannen -bedienen? Es giebt Augenliebe, wie -Augendienst. — Hätte man die Weiber bloß -von einigen, augenscheinlich <i>origetenus</i> und -von Haus aus männlichen Dingen ausgeschlossen; - <span class="pagenum"><a id="Seite_182">[S. 182]</a></span> -wer unter diesem sanften Volke hätte -gemurret —? Es hätte sein <i>Marlbrough s'en -va t'en guerre</i> geleiert, und damit wäre Alles -vergeben und vergessen gewesen. —</p> - -<p class="pmb3">Die Macht kann überall weniger ausrichten, -als die Weisheit. Wer sich Gott als den -<i>Mächtigsten</i> denkt, ist sein <i>Knecht</i>; wer ihn -sich aber als den <i>Weisesten</i> vorstellt, verdient -den Namen seines <i>Kindes</i>. — —</p> - - -<hr class="chap" /> -<p class="break" /> - - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_183">[S. 183]</a></span></p> - - -<h2 id="V">V.<br /> - -<span class="smcap">Verbesserungs-Vorschläge.</span></h2> - - <div class="figcenter"> - <img src="images/tb_001.jpg" alt="Dekoration" /> - </div> -<p class="pmb1" /> - -<p>Soll es denn aber immer mit dem andern -Geschlechte so bleiben, wie es war und ist? -sollen ihm die Menschenrechte, die man ihm -so schnöde entrissen hat, sollen ihm die Bürgerrechte, -die ihm so ungebührlich vorenthalten -werden — auf ewig verloren seyn? soll es -<i>im</i> Staat und <i>für</i> den Staat nie einen absoluten -Werth erhalten, und immerdar beim relativen -bleiben? soll es nie an der Staatsgründung -und Erhaltung einen unmittelbaren Antheil -behaupten? soll es nie <i>für</i> sich und <i>durch</i> -sich denken und handeln? ohne End' und -Ziel nur als Scheidemünze gelten? Werden -wir uns bei diesen Fragen mit einer wohlweisen -Römischen Rechtsfiktion oder einem wohlhergebrachten -Verjährungs- und Besitzrechte -aushelfen können, um sie ab- und zur unangenehmen -Ruhe zu verweisen? Werden wir -selbst unser männliches Gewissen mit Bedenklichkeiten - <span class="pagenum"><a id="Seite_184">[S. 184]</a></span> -über die möglichen Folgen, mit -Mißbräuchen und was dergleichen Popanze -mehr sind, wodurch man Kinder schreckt, -beruhigen und diese Angelegenheit der Menschheit -auf die lange, ja lange Bank schieben -können —? Dann ist freilich der schöne Morgen -der Erlösung noch nicht nahe. — Werden -wir uns aber hierbei entbrechen können, -uns selbst noch <i>Gothen</i> und <i>Vandalen</i> zu -heißen, was weiland unsere Väter waren, wenn -wir nicht dieses Unrecht je eher je lieber zu -vergüten suchen? Mißbrauch des Rechtes -verwirkt nicht das Recht. Menschenrechte -können niemals, Bürgerrechte nur durch Felonie -verloren werden; und was ist Felonie? -Dies aus dem Lehnsrecht entlehnte Wort -(keine sonderliche Abkunft!) bezeichnet Alles, -was man der Lehnsverbindlichkeit zuwider -thut oder unterläßt, und wird aus dem Lehns-Contrakte -beurtheilt. Da es sowohl für den -Lehnsherrn als für den Vasallen Rechte und -Pflichten giebt, die sie einander schuldig sind; -so kann nicht nur der Vasall, sondern auch -der Lehnsherr der Felonie schuldig werden. - <span class="pagenum"><a id="Seite_185">[S. 185]</a></span> -Und wie? geht denn wegen einer jeden Handlung -oder Unterlassung, die dem Lehns-Contrakte -zuwider ist, schon das Lehn verloren? -Ist der Lehnsherr, da er nichts mehr und -nichts weniger als ein Mensch ist, nicht -vielmehr verbunden, den Vasallen zur Leistung -der contraktgemäßen That, und zur Vermeidung -der contraktswidrigen Unthat von Rechtswegen -anzuhalten und auf Schadenersetzung -anzutragen? Werden Contrakte durch zugefügte -Contraventions-Strafen geschwächt, oder -vielmehr verstärkt? Können die Handlungen -eines Andern Jemanden zugerechnet werden? -und wenn der Vasall wegen Felonie das Lehn -verliert, ist der Lehnsherr nicht verpflichtet, -es nach dessen Tode demjenigen wieder zu -geben, dem es nach dem Ableben des der Felonie -schuldig und des Lehnsbesitzes unwürdig -befundenen Vasallen zufällt? Kann je -durch Felonie das Lehn aufhören? — und -wer machte denn den Mann zum Lehnsherrn, -und das Weib zur Vasallin —? sind sie nicht -beide göttliche Lehnsträger? — Die Erde -könnte vielleicht eher ein Weib-, als ein Mannlehn - <span class="pagenum"><a id="Seite_186">[S. 186]</a></span> -heißen, und ist ohne Zweifel ein vermischtes -<i>Feudum</i>. — Man lasse doch die -Weiber-Felonie an seinen Ort gestellt seyn, -wovon Natur und Geschichte kein lebendiges -Wort wissen, und vergesse nicht, daß Gott dem -Menschenpaar, welches <em class="gesperrt"><span class="smcap">ER</span></em> (o, der Menschenwürde!) -abschattete, dieses Erden-Lehn anvertrauete, -und daß zwischen seinem Lehnrecht -und der Stümperei des menschlichen keine -Vergleichung denkbar ist. — So weit von bürgerlichen -Rechten! — über Menschenrechte -kann nur Gott richten; und in seine Hände -zu fallen — wie wohl thut das, wenn wir die -gehegten und ungehegten Banken der Menschen -dagegen halten! —</p> - -<p>Ist es etwa Furcht, oder ist es bloß eine -Grimasse derselben, die wir vorgeben, um jener -gegründeten und rechtmäßigen Forderung -mit Anstand ausweichen zu können? <i>Werdet -wie die Kinder</i>, ist ein wohlgemeinter Rath; -denn nur die kindliche Furcht ist nicht unmännlich: -sie besteht in der Sorgfalt, dem -auszuweichen, was den ewigen Gesetzen des -Wahren und Guten entgegen ist. Jene knechtische, - <span class="pagenum"><a id="Seite_187">[S. 187]</a></span> -wenn man aus Furcht vor der Strafe -thut, was die Gesetze wollen, oder unterläßt, -was sie nicht wollen, ist unmännlich, so wie -ihre Verwandtin, die Befürchtung, vermittelst -deren wir den Gelegenheiten zuvorkommen -wollen, wodurch wir dergleichen Strafen und -Strafgerichten unterworfen werden können.</p> - -<p>Wir wollen ein Geschlecht fürchten, das -zur Liebe geschaffen ist, und, wenn es zürnt, -selten die Sonne über seinen Zorn untergehen -läßt? das bis auf Einen Punkt (und dieser ist -eine Sünde wider den heiligen Geist des Geschlechtes) -dem Beleidiger zwei Drittheile des -Weges entgegen kommt, um ihm Versöhnung -anzubieten! Wie viel mehr Ursache haben -wir, uns selbst zu fürchten, als ein Geschlecht, -das, wenn man es in seine Rechte einsetzte, -uns, wo nicht Erkenntlichkeit, so doch Wohlwollen -schuldig wäre, und diese Schuld kraft -seines Wesens und Seyns so gern abtragen -würde!</p> - -<p>Man sagt, es sey schwer zu hoffen, daß -das menschliche Geschlecht, welches von der -Natur sich so weit und breit zu entfernen die - <span class="pagenum"><a id="Seite_188">[S. 188]</a></span> -Ungezogenheit gehabt, das durch keine Religionsempfindung -sich leiten, durch keine -Staatstäuschungen sich blenden lasse, sich zu -Gesetzen bequemen werde; und so liege denn -die Furcht nicht so sehr aus dem Wege, als -man es gemeiniglich denke. — Lieber! wie -kannst du fordern, daß das Menschengeschlecht -sich ewig am Gängelbande wohl befinden -werde? Erregen jene Staatstäuschungen -und jene Religionsempfindungen, wenn sie -nicht von Grundsätzen abstammen, nicht einzig -und allein Unglauben und Mißtrauen in -Rücksicht der Gesetze? Sollte der Mensch nie -zur Achtung für Pflicht gebracht werden? -Sollte er nie zu dem Hauptprincip des Lebens -gelangen: sei vernünftig? — Sollen denn -Sinnlichkeiten ihm mehr als die moralische -Vernunft und das Sittengesetz gelten —? Wird -er sich nie so weit erheben, seiner geistigen -Natur würdig zu seyn, und für das, was er -nicht siehet, Ehrfurcht und Achtung zu fassen —? -Soll denn bloß Weichheit des Temperaments -ihn zur Neigung bringen? oder -giebt es auch außer der Temperamentsneigung, - <span class="pagenum"><a id="Seite_189">[S. 189]</a></span> -die, wenn sie geläutert wird, eine Herzensneigung -heißen könnte — giebt es außer ihr -auch eine Geistesneigung, so wie es ein Geistesvergnügen -geben kann —? Für nichts, was -in die Sinne fällt, hat der stolze Mensch in -die Länge Achtung — es familiarisirt sich -mit ihm, und es ist wie unser einer. — Das -einzige Mittel des größten Helden und des -größten Gelehrten, sich bei übermenschlicher -Ehre (was soll aber die?) zu erhalten, ist: -sich zurück zu ziehen. Sobald wir uns näher -zeigen, geben wir uns wohlfeiler. — Je höher -die Spannung war, je schneller läßt sie -nach. Alles, außer sterben, muß der Mensch -<i>lernen</i> — Zu Allem, es sei gut oder böse, -kann er sich gewöhnen — Ein scheues Pferd -führt man zu dem Gegenstande zurück, den -es fürchtete; und wie? hier, wo das höchste -Ziel seiner Würde auf dem Spiele steht, sollte -der Mensch auf seinen Nachdruck Verzicht -thun? — Mit nichten — Wir können und -werden dahin kommen, daß wir die Göttlichkeit -der Gesetze in ihrem Heiligthum, in unserer -Seele, verehren und unser Herz durch - <span class="pagenum"><a id="Seite_190">[S. 190]</a></span> -jene Überzeugungen des Geistes gewinnen. -Noch würde sich freilich der Gesetzgeber gröblich -verrechnen, wenn er seine Gesetze auf -festes Zutrauen zur Vernunft und zur Weisheit -seiner Bürger calculirte; allein wird die -Menschheit nie die Kinderschuhe ausziehen? -Ist dies — nun, so bleibe Alles Altflickerei, -und der Mensch schäme sich, daß er <i>Mensch</i> -heißt. — Ist die Menschheit indeß im Stande, -zu jenem Grade der Vollständigkeit zu -gedeihen, den sie sich vorstellen kann, jene -Tugend zu üben, die ihr im Ideal Freude -macht —; so entferne man den Nebel der -Täuschung, wodurch man Menschen betrog, -die über kurz oder lang zum Gebrauche der -Vernunft kommen und sich betrogen finden -müssen. Männer, würdet ihr die Furcht nicht -barbarisch und unmenschlich finden, wenn -man euch Alles und Jedes von Freiheit bloß -darum entzöge, weil ihr es mißbrauchen könntet -—? Wie wollet ihr denn jene Furcht -nennen, die euch abhält, dem andern Geschlechte -seine Ehre wiederzugeben? Die -Zeiten sind nicht mehr, um das andere Geschlecht - <span class="pagenum"><a id="Seite_191">[S. 191]</a></span> -überreden zu können, daß eine Vormundschaft -wie bisher für dasselbe zuträglich -sei, daß sie seinen Zustand behaglicher und -sorgloser mache, als eine Emancipation, wodurch -es sich mit Verantwortungen, Sorgen, -Unruhen und tausend Unbequemlichkeiten des -bürgerlichen Lebens belasten würde, die es -jetzt kaum dem Namen nach zu kennen das -Glück habe. Wahrlich ein abgenutzter Kunstgriff -des unmenschlichen Despoten, wodurch er -seinen feigen Sklaven das Gewicht der Ketten -erleichtern will! als ob die Freiheit mit allen -ihren Ungemächlichkeiten nicht der gemächlichsten -Sklaverei vorzuziehen wäre! <i>Glauben -Sie nicht, daß das Wirtembergische Land -Ihrentwegen geschaffen ist</i>, schrieb <span class="smcap">Friedrich -II</span> an den jetzt regierenden <i>Herzog -von Wirtemberg</i>; <i>sondern überzeugen Sie Sich, -daß die Vorsehung Sie hat geboren werden -lassen, um ihr Volk glücklich zu machen</i>. -Und Männer! ihr wollt glauben, eine -halbe Welt wäre zu eurem <i>bon plaisir</i>, zu -eurem eigentlichen Willen, das ist verdollmetschet: -zu eurem Eigenwillen, da? Thiere - <span class="pagenum"><a id="Seite_192">[S. 192]</a></span> -wirken; Menschen handeln — Warum soll -das Weib nicht <i>Ich</i> aussprechen können? -Wahrlich ein sanftes Wort, denen, welche -die neidlose <i>Natur</i> verstehen — Wer die -<i>Kunst</i> versteht, ist neidisch und verräth den -Meister nicht — Ist es nicht der größte -Menschenvorzug, sich selbst zu kennen? Unser -Werth ist unsere Sache; unsere Würde -ist die Sache Gottes und gerechter Menschen. -Hat Gott bei dem anderen Geschlecht etwas -versehen? oder sind es die Männer, die sich -an diesem Geschlechte wider den Willen des -Schöpfers versündigen! Warum sollen die -Weiber keine Person seyn? warum nicht wissen: -das ist mir gut, und das ist gut, oder -das ist vortheilhaft, und das ist recht? Vieles, -und fast das meiste, was mit Vergnügen -anhebt, leistet bei weitem nicht, was wahrhaft -vortheilhaft ist — Aus ächtem Vortheile tugendhaft -seyn, heißt sonst mit andern Worten: -es in Reinheit seyn.</p> - -<p>Frankreich schreckt eben jetzt mit der Freiheit -diejenigen Mächte, welche die zu weit -gegangenen Beschlüsse der Nationalversammlung - <span class="pagenum"><a id="Seite_193">[S. 193]</a></span> -einzuschränken drohen. Gott! zu Ende -des achtzehnten Jahrhunderts — wo kein Gespenst, -und wär' es eins von nicht ganz kleinem -Range, ein Poltergeist, mehr Wirkung -thut — kann man mit <i>Freiheit</i> schrecken —! -Dahin wär' es gekommen? Ach! auch selbst -dem, der an der Kette erzogen ist, blitzt der -Name <i>Freiheit</i> auf, dieser göttliche Funke, -durch den wir sind was wir sind, und der -uns so wenig schrankenlos macht, daß er uns -vielmehr fester als Alles an das Allerheiligste -der Gesetze bindet. Das weibliche Geschlecht -kam um die Menschenrechte ohne seine -Schuld, bloß durch den Schwung, den die -menschlichen Angelegenheiten bei den Fortschritten -zu ihrer Cultur nahmen; Bürgerrechte, -die es leider! sehr zeitig und schon bei -Entstehung kleinerer Familienstaaten verlor, -hat es nie, weder durch Unterhandlungen noch -mit Gewalt, zu erringen gesucht, und erwartet -sie noch heute mit aller Selbstverleugnung -von unserer Gerechtigkeit und Großmuth. -Und wir wollen es vergeblich warten lassen? -und das Gesuch, welches die Natur für die - <span class="pagenum"><a id="Seite_194">[S. 194]</a></span> -Weiber einreicht, zu einer Zeit da Menschenrechte -laut und auf den Dächern gepredigt -werden, mit einem aufrichtigen und deutlichen -<i>Nein</i> abweisen?</p> - -<p>Die neue Französische Constitution verdient -eine Wiederholung meiner Vorwürfe, weil -sie für gut fand, einer ganzen Hälfte der Nation -nicht zu gedenken, ob sie gleich einem -kleineren Theile derselben, der überall wo -er sich befindet, auf das Duldungsrecht beschränkt -ist, die Rechte aktiver Bürger zugestand. -Alle Menschen haben gleiche Rechte — -Alle Franzosen, Männer und Weiber, sollten -frei und Bürger seyn. Jene Vorschläge zur -<i>dégradation civique</i>, wodurch die Männer -vermittelst einer feierlichen besonderen Formel -der Ehre eines Französischen Bürgers für unwürdig -proclamirt werden sollten, falls sie -durch Verbrechen diese Strafe verdienten, sind -nicht auf das andere Geschlecht ausgedehnt. -Über dieses sollte bloß der Fluch ausgesprochen -werden: Euer Vaterland hat euch einer -infamen Handlung überführt befunden —</p> - -<p><i>Mirabeau</i>, der zur gegenwärtigen Generation - <span class="pagenum"><a id="Seite_195">[S. 195]</a></span> -von Menschen sein Zutrauen verloren haben -mochte, setzt, wie alle große Thäter, -sein Zutrauen auf Erziehung, und weiset in -seinem Posthumus <i>Travail sur l'éducation publique</i>, -die sein Arzt und Freund <i>Cabanis</i> herausgab, -das Frauenzimmer zur Häuslichkeit -und zu stillen, sanften Tugenden an, (ist -denn nicht jede Tugend sanft und still?) -worauf das Glück der Familien, und am Ende -das Glück des Staates so sehr beruhe. Ohne -mich in den Streit einzulassen, der über -den Grafen und Nichtgrafen <i>Mirabeau</i> von -Freunden und Feinden übertrieben worden, -sei es mir erlaubt, der Behauptung zu widersprechen, -daß Jemand in seinem Privatleben -ein elender Mensch, dagegen doch der tugendhafteste -Bürger und der höchste Grad desselben, -ein geschickter Officiant, seyn könne. -Ein Mensch, der gegen Alles gleichgültig zu -seyn vermag, was gut oder böse, gerecht oder -ungerecht ist, ein nicht rechtschaffener Mensch, -kann kein rechtschaffener Bürger seyn. <i>Horaz</i> -sagt: nur <i>Jupiter</i> gehe über den Weisen; der -Weise sei reich, frei, gerecht, ein König aller - <span class="pagenum"><a id="Seite_196">[S. 196]</a></span> -Könige — Da das andere Geschlecht vom -Menschen auf den Bürger zu schließen gewohnt -ist und jene Rollenspieler, die Nichts -aus Grundsätzen, Alles aber nach Zeit und -Umständen sind, sehr richtig berechnet; — -ist es Wunder, daß diese Glücks- und Unglücksritter -das andere Geschlecht zu entfernen -suchen? —</p> - -<p>Wir irren, wenn wir uns überreden, daß -Weiber für die Ehrensache der Menschheit, -für den Kampf der Freiheit mit der Alleingewalt, -keine Sinne besitzen. Sie haben nicht -bloß durch ihren lauten Beifall bezeugt, daß -sie den Werth der Freiheit zu schätzen wissen, -und daß das Gefühl für dieselbe noch -lichterloh aufflammen kann; selbst thätig haben -sie mitgewirkt, die Fesseln zu brechen, -die man der Nation anlegte, und wahrscheinlich -lag es nicht an ihnen, daß sie bei diesem -Schauspiele nur Rollen vom zweiten Range -spielten.</p> - -<p>Die berühmte Verfasserin der Geschichte -der Königin <i>Elisabeth</i>, Mad. <i>Keraglio</i>, vertheidigt -seit der Revolution in ihrem <i>Journal - <span class="pagenum"><a id="Seite_197">[S. 197]</a></span> -d'État et du Citoyen</i> die Rechte der Menschheit -mit Freimuth, Wahrheit und Stärke. -Weiber fühlten jene Zurücksetzung, jenes tiefe -Stillschweigen bei einem so schönen Anlaß, -jene Verstoßung, wenn es Staatsdienst gilt — -Eins unter ihnen wagte es, ihren Unwillen -laut werden zu laßen. In einem an die Nationalversammlung -abgelassenen Briefe bemerkt -es, daß kein Wort in der Constitution von -den Weibern vorkomme, obgleich die Mütter -Bürgerinnen des Staates seyn müßten. Es -schmeichelt sich mit dem Befehle, kraft dessen -den Müttern erlaubt seyn werde, in Gegenwart -der Bürgerbeamten diesen feierlichen Eid -abzulegen. Diese ehrwürdige Ceremonie würde -es wünschenswerth gemacht haben, Mutter -zu seyn. Die Geschichte sagt nicht, was von -den Repräsentanten der Nation auf diese -Adresse einer edlen Französin beschlossen -worden ist. Betrübt feire ich heute ihr Andenken, -heute den 18ten März 1792, da ich -in öffentlichen Blättern lese, daß die Franzosen, -ungerührt durch diesen Wink, es dahin -kommen lassen, daß das andere Geschlecht - <span class="pagenum"><a id="Seite_198">[S. 198]</a></span> -dringender um diese Rechte angehalten. Schöner -würde es gewesen seyn, wenn man dem -Geschlechte mit der Bürgerehre zuvorgekommen -wäre, und bei dieser ernsthaften Sache -kein Ärgerniß des Lachens gegeben hätte. -Wehe dem Menschen, durch welchen dergleichen -Ärgerniß kommt! Würden wohl alle -jene Laternenscenen sich ereignet haben, wenn -Weiber Aktivvotantinnen in Frankreich gewesen -wären? Durch geheimen Einfluß wird -in jedem Staate, besonders in freien, Alles -verdorben — Doch ist es die Frage, ob die Pariser -Damen schon die Selbstüberwindung gehabt -haben, so weit zur Natur zurückzukehren, -daß sie die gute Sache menschlich und -bürgerlich beherzigen können — — Wahrlich! -zu Deutschen Weibern ist größeres -Vertrauen zu fassen — Wem Gott Kraft -gab, gab er dem nicht auch das Recht sie anzuwenden? -sollen denn die Weiber ihr Pfund -im Schweißtuche vergraben, ohne es auf Wucher -anzulegen, der dem Staate tausendfältige -Früchte bringen würde?</p> - -<p>Auf Vernunft und auf ihr Meisterstück, - <span class="pagenum"><a id="Seite_199">[S. 199]</a></span> -die Gesellschaft, kommt es an, ob jener Kraftsanwendung -freier Lauf zu lassen oder ob sie einzuschränken -sei; nie aber kann der Staat sich -herausnehmen, sie ganz unterdrücken zu wollen. -Und wie? er wollte ein Räuber der Freiheit -seyn, welche zu befördern die Hauptabsicht -seiner Existenz ist?</p> - -<p>Wenn Stände nur durch ihres Gleichen -repräsentirt werden können; wenn so gar unsere -Vorfahren durch Ebenbürtige sich die -Gesetze zumessen und Recht sprechen ließen: -wie kann man Weiber vom Staatsdienste ausschließen, -in so weit er sich mit der Gesetzgebung -oder Gesetzausübung beschäftiget? -Will man etwa den Weibern die Weihe zu -diesen Mysterien abschlagen, um sie nicht unsere -Schwäche da sehen zu lassen, wo wir -den höchsten Grad unserer Stärke hieroglyphisch -vorgeben? Man kann dreißig Jahre -dienen und nur Ein Jahr leben, wie weiland -<i>M. Plantius</i>, welcher nur von <i>der</i> Zeit an sein -Leben zählte, als er aufhörte für das Öffentliche, -und anfing für sich zu leben — Ein -lehrreiches Zeugniß auf Kosten des Staatsdienstes! - <span class="pagenum"><a id="Seite_200">[S. 200]</a></span> -Ist das Leben für den Staat des -Ehrennamens: <i>Leben</i>, werth, wenn es uns für -unsere eigene Person sterben läßt, uns vom -selbsteigenen Leben entfernt —? Nur als uns -selbst können wir den Staat, unsern Nächsten -lieben; Alles darüber ist vom Übel. Wenn -man nicht durch den Staatsdienst vervielfältigt -lebt, so liegt es entweder an uns oder am -Staate; in beiden Fällen bleibt die Krankheit -gefährlich — Ist es nicht der gewöhnliche -Fall, daß wir vor lauter Räderwerk nichts -ausrichten, vor lauter Eingängen das Thema -vergessen? Kommt nicht vor lauter kluger -Vorsichtigkeit gemeiniglich Kleinheit zum Vorschein -—? Die meisten Staatsbeamten sind -Accoucheurs eines Berges, der eine Maus zur -Welt bringt, die indeß bei der Taufe die -prachtvollsten Namen erhält, und fast mit -noch mehr Paukenhall ins Publicum gebracht -wird, als wenn ein Schriftsteller sich selbst -recensirt. Wer in großen Residenzen zu leben -die Gnade gehabt hat, wird mich am -leichtesten verstehen — Welcher Schweiß -des Angesichts! — Collegia und Ausschüsse, - <span class="pagenum"><a id="Seite_201">[S. 201]</a></span> -das <i>Plenum</i> und <i>Committés</i>, Gerichte und -Commissionen! was für eine Menge Papier -wird getragen, geschrieben, gelesen! — Agioteurs -von einer andern Art — Papierhändler -von höherer Würde! Scheint es doch, als -wäre Alles gegen Alle, weil Alle gegen Alle -sind (<i>bellum omnium contra omnes</i>); und doch -bezwecken jene herkulischen Beschäftigungen, -jene Versammlungen, Richterstühle und Aktenberge -das allgemeine Beste, dessen Flor in -den Kirchen bebetet und in Schauspielhäusern -beklatscht wird, (beides <i>ex officio</i>, -von Amtswegen.) Ist es klug oder nöthig, -daß man so viele Holzhauer und Wasserträger, -Virtuosen und Zünftler in Athem setzt, -um eine einzige Staats-Manège anzulegen? -so viele Meister politischer Art und Kunst, -um ein Staatsregierungs-Exercitium, ja Exercitium, -zusammen zu stümpern? Nur Einen -Hebel verlangte jener Weise, um die Welt zu -heben; und wenn das allgemeine Wohl solch -eine Anstrengung braucht, so liegt es gewiß, -oder mich trügt Alles, an dem politischen Oberrechenmeister -— Wahrlich diese so beschäftigten - <span class="pagenum"><a id="Seite_202">[S. 202]</a></span> -Herren dienen nicht dem Staate, sondern -der Staat dient ihnen — Der Weise, -der diesem Staatspiele näher tritt und dessen -<i>joujou</i> bis auf sein Schach kennt, überzeugt -sich, daß Ein Kopf hinreichend ist, dies Alles -zu lenken. Waren nicht schon <i>Petrus</i> -und <i>Paulus</i> streitig? Ist nicht Ein Kopf vermögender, -das Ganze zusammen zu halten -und zu übersehen? Man verlangt sonach -nicht ohne Grund Einen Principalmeister; wo -aber Einer zu finden? Wer wird die Selbstverleugnung -haben, die vielen Künste zu verlassen -und der Natur zu huldigen? wer den -Wortsturm aufgeben, das brausende Meer bedräuen, -und zur Stille des Denkens und Handelns -eingehen? Wer, ohne zu befürchten, -daß er beim Fürsten und beim Volke verliere -—? Das Volk wird durch den Schein -dieser fast übermenschlichen Anstrengung hintergangen, -und der Fürst desgleichen, der, -wenn es nicht so viel Schweiß kostete, sich -gewiß näher mit diesen Staatsarbeiten bekannt -machen würde — und da möchten denn die -hohen und nächsten Staatsgehülfen sehr leicht - <span class="pagenum"><a id="Seite_203">[S. 203]</a></span> -auf eine kleine Rolle zurückgesetzt werden -und aus Staatsräthen in Schreiber zusammen -schrumpfen! — Ich setze wenig oder nichts -von Menschenübeln auf Rechnung der Fürsten; -gewiß das Meiste gehört auf das Conto der -Minister, die nicht schwach nicht stark, nicht -kalt nicht warm, sondern unentschlossen und -lau sind, sich von jedem Winde hin und her -treiben lassen, Jeden um seine Meinung befragen -und, wenn sie deren unzählige gesammelt -haben, nicht wissen, wozu sie sich entschließen -sollen. — Wer selbst keine Meinung -hat — wie kann der aus so vielen die -beste finden? Hierzu kommt, daß Gemächlichkeit -und ewiger Hang zum Vergnügen sie -noch stumpfer machen — Sie kommen nicht -aus den Beten heraus, die sie abzuspielen haben! -— Noch ärger sind die, welche nicht -über ihren theoretischen Leisten gehen, immer -Schuster bleiben, die sie sind, und in armseliger -Pedanterie Trost suchen und finden, -wenn ihnen nichts einschlägt — Was können -wir dafür, daß der Staat, den wir zu regieren -haben, sich nicht nach unserem <i>Orbis - <span class="pagenum"><a id="Seite_204">[S. 204]</a></span> -pictus</i> und einem <i>Compendio</i> schmiegen will, -das uns zum Pharos demüthigst empfohlen -worden? — Allerdings! und welche Greuel, -wenn die Minister gar Genies zu seyn sich -einbilden und zu Dero Haupt ein so unumstößliches -Zutrauen gefaßt haben, daß das -große Wort: <span class="smcap">Er</span> <i>hat es gesagt</i>, ihren Commis -hinreichend scheint, die einleuchtendsten Vorstellungen -abzuweisen und zu entkräften! — -Das <i>Recht des Vernünftigern</i> ist ihnen, nach -ihrer, zwar etwas freien, indeß wie sie -glauben nicht unverständlichen, Übersetzung, -das <i>Recht des Stärkeren</i>; und freilich — wer -darf es wagen, der Gewalt, so lange sie am -Ruder ist, den Verstand abzusprechen? Jene -gewaltigen Genies berechnen Alles an den -Fingern — <i>Newton</i> könnte von ihnen rechnen -lernen; und freilich, wenn die Data zu ihren -Berechnungen richtig wären — wer würde ihnen -gleich kommen? Zur Calculatur geboren, -sind sie im göttlichen Zorn Minister und -Staats-Administratoren geworden —</p> - -<p>Stumpfe Köpfe, ihrer eigenen Schwäche -bewußt, sind für Collegia. Das Sprichwort: - <span class="pagenum"><a id="Seite_205">[S. 205]</a></span> -vier Augen sehen mehr als zwei; bringt sie -zur Multiplication der Augen — die blinden -Leiter! In der Oper hilft Jeder, der Schriftsteller, -Spieler und Sänger, zum Ganzen — -und da fallen Coloraturen, Läufe, schmelzende, -verzweiflungsvolle, schmachtende, fürchterliche -Gänge vor, die der Verfasser den -Spielern und Sängern in Mund und Kehle -legt — Hier aber verläßt sich entweder Einer -auf den Andern, und sieht die Stunden, -die er wohl bezahlt absitzen muß, als eine -ihm angewiesene Schlafzeit an, worin er sich -stärkt, um desto geistreicher am Spieltische -zu glänzen; oder er hauet die Kreuz und -Quer ein, so daß nach vielstündigem Zank -die Sache am Ende weit übler als am Anfange -steht, und der kleinere Theil die schrecklichste -Mühe von der Welt hat, nicht die Angelegenheit -ins Reine zu bringen, sondern das -<i>per plurima</i> herausgebrachte Schluß-Votum -von den Ungereimtheiten so vieler disparaten -Meinungen zu säubern und zu läutern, und -es W. R. I., oder — wenn es hoch kommt — -verständlich zu machen. Der so witzige als - <span class="pagenum"><a id="Seite_206">[S. 206]</a></span> -einsichtsvolle Vorschlag, daß die Minorität -der Stimmen gelten sollte, ist der auffallendste -Beweis, was man sich zu diesen vierzig -Perücken oder ihren Stöcken zu versehen habe -— Viele Köche versalzen den Brei, und -Ein Kopf ist mehr werth, als ein ganzes Synedrium -von — — Kinnbacken. —</p> - -<p>Wenn die Staats-Officianten auf die Pflicht -angenommen wurden, nichts zu verderben und -sich leidend zu verhalten — wie viel weiter -wäre die Welt! - Sind das die hohen Collegia -und hohen Stühle, von denen man das -schöne Geschlecht ausschließt —? Man sollte -sie aufnehmen, wie in freien Reichsstädten -politische Kannengießer und Aufwiegler zu -Rathsgliedern, damit sie schweigen — Vielleicht -hätte man dies Stratagen auch wirklich -schon segensreich in Anwendung gebracht, -wenn man zu der Verschwiegenheit des schönen -Geschlechtes mehr Zutrauen fassen könnte. -<i>Johnson</i> sagt: man kann so sehr ein -Mann nach der Welt seyn, daß man nichts -mehr in der Welt ist. Sollte man nicht weit -eher so sehr ein Staats-Officiant seyn können, - <span class="pagenum"><a id="Seite_207">[S. 207]</a></span> -daß man bei weitem zu der Ehre ein Staatsbürger -zu seyn, unfähig ist? — Wahrlich, um -sich wieder zu orientiren, sollte man die Weiber -zum Staatsdienste vociren — wozu sie unstreitig -einen göttlichen Ruf haben, an dem -es den meisten Taugenichten von hohen -Staatsbeamten ermangelt.</p> - -<p>Ist es zu leugnen, daß man in jedem Gesetz-Codex -von den Grundsätzen der natürlichen -Gleichheit ausgehen, und mit dem Paradiese -anfangen kann und muß, wenn nur -der Sündenfall nicht vergessen wird? Jene -Grundsätze der Gleichheit werden und müssen -so gar bei ihrer Anwendung auf den Staat -das Resultat politischer Ungleichheit unter den -Bürgern herausbringen. Bei jener natürlichen -Gleichheit gewinnt das andere Geschlecht -allerdings; allein auch die politische Ungleichheit -kann nie ein ganzes Geschlecht unwürdig -proclamiren, in welchem es in der Regel mehr -Mündige, als in dem unsrigen giebt, und wozu -vielleicht kein anderer Grund vorhanden -ist, als daß die Gesetzgebung bloß aus Männern -besteht. Soll ich bemerken, daß ich - <span class="pagenum"><a id="Seite_208">[S. 208]</a></span> -hier nicht bloß vom Gebrauche des Mundes -und der Zunge, sondern der Seele und des -Herzens rede? So bald Stärke, Obermacht -und Verjährung nicht Gesetze abnöthigen; — -und wehe der Staatsgrundlegung, die solche -Ecksteine in Anwendung bringt! — so bald -jede regelmäßige Gesellschaft so gar eben dazu -entsteht, um jene natürlichen Hervorstechungen -in's Gleichgewicht zu bringen: so hat -das andere Geschlecht ein Recht, vom Staate -zu fordern, daß er ihm Gerechtigkeit erweise, -daß er über die Schwächlichkeit des Körpers, -welche zum größten Theil durch Vorurtheil -entstanden ist, die Stärke der Seelen der Weiber -nicht vergesse. Macht denn nicht die -Seele den Hauptbestandtheil der Menschen? -Die natürliche Gleichheit erfordert eine politische -Ungleichheit, weil die Erhöhung des -natürlichen Werthes des Menschen nur durch -eine gegenseitige politische Verbindung derselben -unter einander möglich ist, und hervorragende -Menschen durch Gesetze, so wie Genies -durch Regeln, in Ordnung gehalten werden -müssen. Kann aber dieser an sich nicht - <span class="pagenum"><a id="Seite_209">[S. 209]</a></span> -unrichtige Grundsatz auf ein ganzes Geschlecht -gedeutet werden? Ist es gerecht, billig, rathsam -und nur menschlich, daß unser ganzes -Geschlecht zu einer Standeserhöhung gebracht -und als der Mittelpunkt angesehen wird, um -dessenwillen das andere Geschlecht existirt? — -Es giebt nur zweierlei Thatsachen, von denen -wir Begriffe haben: Natur und Freiheit; und -sowohl zur Physik als zur Moral, haben Weiber -unverkennbare Anlagen. Will man Natur -und Freiheit sinnlich abbilden, so müssen beide -in Gestalt eines Weibes dargestellt werden. -Und was ist ihnen denn im Wege? das positive -Gesetz? Kein Gesetzbuch, und würde es -mit Engelzungen reden, kann <i>Formula concordiae</i> -und eine Augspurgische Confession werden. -Gesetze erziehen Menschen, und müssen -sich, wenn Menschen mündig werden, -von Menschen erziehen lassen. — Angenommen, -Weiber wären körperlich schwach — -angenommen! und was wäre da die Pflicht der -Gesetze? in den Schwachen mächtig zu seyn. -Nicht die Starken bedürfen des Arztes, sondern -die Schwachen.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_210">[S. 210]</a></span></p> - -<p>Weiß ich denn nicht, daß manche Frau -bei manchem Manne auch jetzt sich wohl befindet? -Was indeß bloß auf persönlicher Gesinnung -beruhet, muß seiner Natur nach -wandelbar seyn; und es ist auch bei den tolerantesten -Gesinnungen im Staate nothwendig, -daß keine intolerante Stelle im Gesetzbuche -bleibe. Wer steht für den Nachfolger im -Reiche? Weiber wissen ihre Männer zu überzeugen, -als hätten Weiber keinen Willen. -Doch eben wenn sie auf ihren Willen in bester -Form Rechtens Verzicht zu thun scheinen, -werden sie Alleinherrscherinnen, ohne den -starken Glauben ihrer Männer zu schwächen, -als ob diese ganz allein regierten — Sie regieren -nicht mit Gewalt (<i>vi</i>), sondern heimlich -und bittweise (<i>clam et precario</i>).</p> - -<p>Der Liebhaber glaubt in dem Dienst einer -Göttin zu seyn, welche Apotheosen so sehr in -ihrer Gewalt habe, wie Facultaten Doktorhüte. -Der glückliche Geliebte dünkt sich wenigstens -halb Gott, weil er so glücklich ist, einer solchen -Gottheit zu dienen — Erwacht er über -ein Kleines aus diesem Traume; seht! so verwandelt - <span class="pagenum"><a id="Seite_211">[S. 211]</a></span> -sich die Raupe nicht in einen Schmetterling, -sondern in einen Zuchtmeister, und -die entgötterte Frau wird seine Sklavin; der -Bräutigam wird nicht Ehemann, sondern Ehevogt. -So hörten Monarchen auf, Götter und -<i>Divi</i> zu seyn, und hatten die Güte zu den -Menschen herabzusteigen; doch würdigten sie, -um über anderen Menschen zu seyn, diese anderen -eine Stufe unter die Menschen hinab — -Halbe Wahrheit ist gefährlicher, als eine ganze -Lüge; diese ist leichter zu kennen, als jene, -welche sich in Schein zu verkleiden pflegt, -um doppelt zu betrügen. Männer, laßt doch -Menschen seyn, die Gott zu Menschen schuf! -<i>Laßt uns Menschen machen</i>, hieß es, <i>ein -Bild das uns gleich sei; und er schuf sie ein -Männlein und ein Fräulein</i>. Sie sind Bein -von unserm Bein, und Fleisch von unserm -Fleisch; und warum nicht Bürger wie wir? -warum nicht, da ihnen weder Sinn noch Kraft -zu Bürgertugenden gebricht, und es bloß darauf -ankommt, daß sie zu Bürgerinnen erzogen -werden! Jetzt freilich, wie sie da sind, -zum Spielzeug, für Männer gemodelt; jetzt, - <span class="pagenum"><a id="Seite_212">[S. 212]</a></span> -wenn sie auf einmal aus dem Gynäceum auf -den großen Schauplatz des gemeinen Wesens, -einen für ihren Körper und ihre Seele so -fremden Boden, treten und männliche Rollen -spielen sollten: jetzt würden sie kaum erträglich -debütiren. Wer fordert dies aber von ihrem -Kopfe und von ihren Händen? Sie sollen eben -den Weg gehen, den wir gingen, eben die -Wüsten betreten, die uns auf der Bahn nach -Kanaan beschwerlich wurden; nur durch Erziehung, -Unterricht und Erfahrung sollen sie -das Ziel erreichen, dessen sie so würdig -sind — Das Licht braucht beinahe acht Minuten, -um von der Sonne zu uns zu kommen, -und wir sehen die Veränderungen, die in der -Sonne vorgehen, jedesmal acht Minuten nachher. -<i>Pythagoras</i> legte seinen Schülern zuvor -Schweigen auf, ehe ihnen die philosophische -Zunge gelöset ward. Dies mögen Fingerzeige -für Männer und Weiber seyn: für <i>diese</i>, um -nicht auf Meisterrechte Ansprüche zu machen, -ehe sie die Lehrlingsjahre zurückgelegt haben; -für <i>jene</i>, von einem Geschlechte, das so lange -vernachlässiget ward, nicht vor der Zeit Früchte - <span class="pagenum"><a id="Seite_213">[S. 213]</a></span> -der Buße zu fordern. Der Verstand und die -Natur kommen sehr leicht in richtigen Einklang; -und wenn Mittel unbedeutend scheinen, -wenn sie es wirklich sind — wer wird -Mittel nach eigener, und nicht vielmehr nach -der Größe des dadurch zu erreichenden Zweckes -schätzen? Eine Eiche von einem nicht -kleinen Alter kann noch sehr jung heißen, -wenn ein gleichzeitiges Gesträuch und eine -zu seinen Füßen blühende Blume an der -Gränze ihres Lebens sind — Nicht im einzelnen -Falle, in allen Fällen, nicht im einzelnen -Menschen, sondern im Geschlechte, -offenbaren sich die Ehre und der Zweck der -Menschheit. — Woher jetzt der Unterschied -in der Erziehung beider Geschlechter, der -sich bei der Wiege anhebt und beim Leichenbrette -endiget? warum ein so wesentlicher -Unterschied, als wären beide Geschlechter nicht -Eines Herkommens, nicht Eines Stoffs, und -nicht zu einerlei Bestimmung geboren? — -Die Scheidewand höre auf! man erziehe Bürger -für den Staat, ohne Rücksicht auf den -Geschlechtsunterschied, und überlasse das, was - <span class="pagenum"><a id="Seite_214">[S. 214]</a></span> -Weiber als Mütter, als Hausfrauen, wissen -müssen, dem besondern Unterricht; und Alles -wird zur Ordnung der Natur zurückkehren. -Noch lange ist Erziehung nicht das, was sie -seyn könnte und sollte. Nur sehr spät fiel -man auf das, womit man hätte anfangen sollen: -den Zweck der Erziehung zu bestimmen, -das Ziel aufzusuchen und seinen Lauf darnach -zu richten. Statt daß wir sonst, wie irrende -Schafe, ohne Plan und Regel in das Weite -liefen, sei es unsere erste Sorge, heimzukehren -zu der Natur und nicht außer uns uns selbst -zu suchen! — Was hülf es dem Menschen, -wenn er die ganze Welt gewönne und an sich -selbst Schaden litte! — Ohne jenen Zweck -der Erziehung zerreißt das Band, welches alle -einzelne Theile zusammen hält — und in Kindern -liegt das Reich Gottes. —</p> - -<p>Zwar hat man in unsern Tagen angefangen, -dies wichtige Staatsbedürfniß zu beherzigen; -aber auch kaum nur angefangen. Die -Staaten und ihre Repräsentanten selbst, deren -erstes und wichtiges Interesse die Erziehung -ist, scheinen dieses Bedürfniß entweder noch - <span class="pagenum"><a id="Seite_215">[S. 215]</a></span> -nicht genug zu fühlen; oder wohl gar sich für -verpflichtet zu halten, den gemachten Versuchen, -Bürger zu bilden, Hindernisse in den -Weg zu legen. Wenn die Befehlshaber des -Volkes bedächten, daß nichts als eine gute -Erziehung sie auf immer in dem Besitz gesetzlicher -und auf Verträge sich gründender -Vorzüge sichern kann; sie würden zu dieser -ihrer Zeit bedenken, was zu ihrem Frieden -dienet. Lange hat man Erziehung und Unterricht, -die doch ihrem Wesen, ihrer Form -und ihrem Endzwecke nach so sehr unterschieden -sind, für Eins gehalten. Lange muthete -man Lehrern zu, die in der Regel selbst -keine Erziehung hatten, sie sollten zugleich -Erzieher seyn; und man wußte nicht zu begreifen, -wie man gelehrt seyn und doch keine -Sitten haben könnte. Fest glaubte man an das -goldene Sprichwort: daß Künste und Sitten -Schwestern und Brüder sind, und Niemand -dachte daran zu untersuchen, ob Künste und -Sitten sich wie Ursache und Wirkung verhielten.</p> - -<p>Rechnet man zu diesen Mängeln den Umstand, - <span class="pagenum"><a id="Seite_216">[S. 216]</a></span> -daß die Hälfte des menschlichen Geschlechtes -entweder ohne alle Erziehung blieb, -oder verzogen ward, und daß gerade dieser -Hälfte der wichtigste Theil der Erziehung -überlassen war; so ist es fast noch Wunder, -daß wir Menschen sind. Ohne allen Zweifel -bestimmte die Natur das andere Geschlecht -zu diesem großen Erziehungsgeschäfte, und -versah es mit den nöthigen Anlagen und Fähigkeiten, -mit den empfänglichsten Sinnen, -mit den feinsten Empfindungen, in der edelsten -Sprache, selbst im Kleinen und Zufälligen das -Wahre vom Falschen, das Ächte vom Scheinbaren -zu unterscheiden — um jene große -Bestimmung zu erfüllen —. Die <i>Sokratik</i>, -die <i>Sokrates</i> von seiner Mutter, einer Weisemutter -(<i>sage femme</i>), lernte, indem er auf -Seelenentbindungen ausging und ein weiser -Mann (<i>homme sage</i>) ward, ist wahrlich dem -andern Geschlecht eigen, welches nie, auch -beim Heißhunger, den Magen der Wißbegierde -der Kinder mit Kentnissen überstopft, sondern -jeden neuen Begriff ihnen einzeln zu -denken giebt und ihn so viel wie möglich in - <span class="pagenum"><a id="Seite_217">[S. 217]</a></span> -Empfindung zu verwandeln sucht. Jedem geistigen -Gedanken geben Weiber einen Körper, -bekleiden ihn und verleihen ihm eine sinnliche -Form. <i>Robinet</i> meint, die Natur habe den -Weibern einen Hang zur Geschwätzigkeit gegeben, -damit sie die für die Kinder zu starke -Wörterkost ihnen desto leichter vorkauen könnten -— Heißt das nicht, einer herrlichen Naturgabe -einen bösen Leumund machen? <i>Rousseau</i> -sagte zu <i>Grétry</i>, der ihm seine Hand -bot, um ihm über einen Haufen Steine zu helfen: -<i>Laissez moi me servir de mes propres -forces</i>; und wem ist jene Entwickelung der -in den Kinder-Seelen liegenden Ideen natürlicher, -als dem andern Geschlechte? — -Es spinnt sie heraus, knüpft das Sinnliche an -geistige Begriffe durch Bilder und Gleichnisse -— Wir sind für heroische Methoden; folgt -indeß nicht nach einer Bravurarie jederzeit eine -Leere, da ein zu lebhafter Eindruck dem Effekte -des Ganzen schadet? — — Es kommt -nicht darauf an, eine gute Empfindung zu erregen, -sondern die Summe der Empfindungen -zu ziehen und auf sie zu wirken. Wie richtig - <span class="pagenum"><a id="Seite_218">[S. 218]</a></span> -sind hier <i>wenn</i> und <i>wie</i>! Alle Wege des -Wanderers zwecken ab, an einen Ort zu kommen; -alle kleine Flüsse gehen zum großen -Meere — — —</p> - -<p>Wie ist es aber möglich, daß Weiber diesem -Berufe genügen können, wenn jene Anlagen -und Fähigkeiten so wenig entwickelt -werden! Man vernachlässiget sie nicht bloß; -man unterdrückt sie absichtlich. Das Kind -ist geschlechtslos; warum sind wir der weiseren -Natur zuvor geeilt? warum haben wir früher -die Geschlechter abzusondern angefangen, als -die Natur uns dazu einen Wink gab? Das -Kind ist gesellig, nicht weil es durch einen -besondern Trieb dazu gereitzt wird, sondern -aus Bedürfniß und um thätig zu seyn. Nicht -das moralische Gefühl, welches den Menschen -an seines Gleichen kettet, um sich ihnen -mitzutheilen, um durch den Umgang mit Andern -das Eckige seines Charakters abzuschleifen -und um sich durch Andere zu vervollständigen -— nicht dieses Gefühl macht das Kind -gesellig. Was kennt es mehr als sein Bedürfniß? -Es will genährt und vergnügt seyn: - <span class="pagenum"><a id="Seite_219">[S. 219]</a></span> -darum ist es gesellig; es ist gesellig zum Zeitvertreib -— Wo es diese Absicht erreicht, befindet -es sich wohl; Geschlechtsunterschiede -stehen, so wie moralische und geistige Eigenschaften, -mit seiner Gesellschaft in gar keiner -Beziehung —</p> - -<p>Erst um das zwölfte Jahr fangen unter -dem Europäischen Himmel die Geschlechtskeime -an bei dem weiblichen Theile sich zu -entwickeln und nie gewohnte Unruhe, eine -vorher unbemerkte Ahndung und sanfte Sehnsucht -zu erwecken. So lange sollte unter -Kindern Alles bis auf die Kleidung gleich -bleiben, weil die Natur es so will. Erziehung, -Unterricht, Zeitvertreib können für beide Geschlechter -einerlei seyn, weil in diesem Zeitraume -die Bildung sich mit dem Menschen -beschäftigen und für die Entwickelung jener -Anlagen sorgen soll, ohne alle Rücksicht auf -anderweitige Bestimmungen, als auf die erste -ehrwürdigste: einen Menschen nach der urkundlichen -Deutung der Natur darzustellen.</p> - -<p>Auf diesen einzigen Endzweck müssen es -alle pädagogische Bemühungen anlegen, und - <span class="pagenum"><a id="Seite_220">[S. 220]</a></span> -indem sie den jungen Kindern Hebammendienste -leisten, den Spielraum für die ersten -Versuche der erwachenden Kräfte erweitern, -und nur nach und nach mit großer Vorsicht -es wagen, den üppigen Auswuchs zurückzuhalten, -und dergestalt mittelbar den Trieben -der Natur die eigentliche Richtung zu geben. -Der Unterricht bedarf in diesem Zeitraum eben -so wenig besondere Rücksichten auf Geschlechtsunterschied, -als auf künftige bürgerliche -Verhältnisse. Hat das Kind von diesem -Allen selbst nur Ahndungen? geschweige denn -Begriffe! und bleibt nicht aller Unterricht in -dieser Rücksicht für dasselbe todter Buchstabe, -bis nach dem Laufe der Natur Empfänglichkeit -für diese Lehre sich entwickelt? Aller -Unterricht muß sich in diesem Zeitraum auf -das einschränken, was der <i>Mensch</i> glauben, -wissen und thun soll.</p> - -<p>Warum der Unterschied zwischen weiblichem -und männlichem Unterricht, da Mann -und Weib noch nicht geboren sind? Sind -Spiele für Kinder das, was sie seyn könnten -und sollten? Nur in unsern Tagen, als die - <span class="pagenum"><a id="Seite_221">[S. 221]</a></span> -Erziehungskunst einen neuen Schwung erhielt, -fing man an, den großen Einfluß derselben -zu bemerken; allein machte man nicht, wie -gewöhnlich, einen schlechten Gebrauch davon, -wenn man das Spiel zu einem allgemeinen -Unterrichtsmittel erhob? Spiele müssen -nie zur Methodik werden; wohl aber können -sie Anlässe zur Bereicherung des Gedächtnisses -und zur Übung des Verstandes seyn. -Wenn sie den Unterricht erleichtern, so ist -und bleibt ihr Werth bloß subjektiv. Bei -Spielen der Kinder muß jederzeit die Absicht -zum Grunde liegen, sie auf eine ihrer Fähigkeit -und ihrem Alter angemessene Art zu beschäftigen. -Nur dürfen die Kinder diese Absicht -nicht errathen; sonst ist das Spiel verloren. -Früh indeß müssen Kinder angewöhnt -werden, Spiel und Geschäfte zu unterscheiden, -um diese achten und lieb gewinnen, jene -aber entbehren zu lernen, wenn sie anders -nicht ewig Kinder bleiben sollen. Doch warum -mehr Bemerkungen über einen Gegenstand, -der jetzt das dritte Wort unserer -Schriftsteller ist, und auf allen Dächern gepredigt - <span class="pagenum"><a id="Seite_222">[S. 222]</a></span> -wird! Ich kehre mit dem Vorschlage -zurück, daß so lange bis das Kind zum Mädchen -oder zum Knaben heranreift, beide unter -den Händen und der Aufsicht des weiblichen -Geschlechtes bleiben sollten. Der Staat und -das weibliche Geschlecht würden dabei gewinnen. -Alle Kinderschulen sollten Weiber zu -Aufseherinnen und Lehrerinnen haben, weil -die Natur das weibliche Geschlecht dazu mit -ausgezeichneter Fähigkeit hinreichend ausgestattet -hat. Reinlichkeit, ein zur Erhaltung -der Kinder so nöthiges und wichtiges Erforderniß, -Sanftmuth, Geduld, Ausdauer bei anscheinend -kleinlichen Beschäftigungen, Mittheilung, -Redefertigkeit, und andere zur Kindererziehung -unentbehrliche Eigenschaften, -scheinen dem weiblichen Geschlechte von -Natur eigen, bei dem männlichen dagegen -bloß Kunstfertigkeiten zu seyn. Wie sich -Natur zur Kunst verhält; so würde sich auch -eine Kindererziehung durch Weiber gegen die -jetzige verhalten. Schon gegenwärtig ist ihr -Antheil groß; was würden wir ohne ihren -Beistand vermögen? O, was für eine Schule - <span class="pagenum"><a id="Seite_223">[S. 223]</a></span> -für Mütter mittleren Standes, wenn eine Hauscapelle -weinender und heulender Kleinen ihre -Geduld prüft, und die Kinderfragen heranwachsender -neugieriger, verschämter Mädchen -und dreister Buben sie in Verlegenheit setzen! -Ich begreife nicht, wie manches treffliche -Weib so heterogene Angelegenheiten zu bestreiten -vermag — Dort windet sie dem kleinen -Feldmarschall <i>Jakob</i> Gabel, Messer und -Scheere aus der Hand; hier reißt sie dem vielfräßigen -Domherrn <i>Peter</i> schädliche Dinge aus -dem Munde; bald verscheucht sie von der -kleinen schlafenden <i>Jette</i> die Fliegen; und wie -schwer ist der Wildfang <i>Karl</i> zu befriedigen, -der von Einem Zeitvertreibe zum andern abspringt! -Wie viele Vigilien und wie viele -Tageslasten sind ihr Theil und Erbe bei den -ihr obliegenden Familiensorgen! — Ist nun -gleich die Dame höheren Standes, die nach -Landes-Sitte und Brauch das strenge Recht -für sich hat, ihre Kleinen wie Findelkinder -zu behandeln, bei weitem so beschäftiget nicht; -ist sie es indeß nicht immer weit mehr, als ihr -geschäftiger Müßiggänger von Gemahl, der, - <span class="pagenum"><a id="Seite_224">[S. 224]</a></span> -mit großen Kleinigkeiten und vornehmen Gebrechen -beladen, außer der Spinnstube seines -hohen Collegiums, noch so viel anderes anzuspinnen -hat, was freilich fast immer darauf -hinausläuft, schlichte Dinge zu verwickeln, -und den leichtesten Sachen einen Anstrich von -Bedeutung zu geben! Des großen Staatsspinners! -— *Doch wie? würden Weiber wegen -ihrer Furchtsamkeit und aus Gefühl ihrer -Schwäche die Kinder nicht noch mehr verzärteln, -und das menschliche Geschlecht nicht -noch weichlicher machen, als es gegenwärtig -schon ist?* Ein Einwurf, der nicht ohne -Grund zu seyn scheint; allein nichts mehr als -ein Gespenst, welches unsere Einbildungskraft -in Schrecken setzt, aber desto mehr verschwinden -muß, je mehr die Weiber sich ihrem -Ziele nähern. Zärtlichkeit oder eigentliche -Schwächlichkeit des Körpers ist oft ein Erbtheil -der Geburt, und ungleich seltener eine -Folge der weichlichen Erziehung. Im letzten -Falle kann die Geschicklichkeit des Erziehers -im Knaben- und Jünglingsalter wieder herstellen, -was übel verstandene Zärtlichkeit im Kindesalter - <span class="pagenum"><a id="Seite_225">[S. 225]</a></span> -verdarb; da aber, wo der Keim schon -kränkelt, wird die pflegende Hand der Kunst, -anstatt eines Baumes, immer nur ein Zwerggewächs -erziehen. Völlig wird jene Furcht -verschwinden, wenn die Ordnung der Natur, -die wir umkehrten, wieder in den vorigen -Stand gebracht wird, und wir fürs erste uns -entschließen, das andere Geschlecht bei diesem -Geschäfte zu leiten. Schon hat man zum -Theil aufgehört, das Kind in eine Puppe zu -verwandeln, es in Federn zu ersticken, und, -wenn es sich des einzigen Mittels seiner Lunge -bediente, um sich aus seiner peinlichen -Lage zu befreien, es mit Theriak oder einer -sanften Hirnerschütterung zu betäuben; und -gewiß, man wird aufhören, Kinder der Luft -und dem Wasser zu entziehen, so bald die -Weiber sich selbst bei dem Einflusse dieser -Elemente behaglicher fühlen werden. Schon -hat man die bisherige Knabenkleidung verdächtig -zu machen gesucht, und dem Kinderanzuge -überhaupt den Zwang vorgerückt, wodurch -der Einfluß der Luft auf den ganzen -Körper verloren geht, die Ausdünstung gehemmt, - <span class="pagenum"><a id="Seite_226">[S. 226]</a></span> -die Brust verengt, das Herz unterdrückt, -Saft und Kraft — wenn gleich (was -leider nur selten der Fall ist) Alles unverdorben -auf die Welt gebracht seyn sollte — frühzeitig -erschlafft und die Maschine übereilt -wird. Die tyrannische Mode! Selbst unsere -Mahler und Bildhauer sind ihrethalben der -traurigen Verlegenheit ausgesetzt, zu einem -idealischen Costume ihre Zuflucht zu nehmen, -da die Ungereimtheiten der Mode nicht bei -dem Altare des Geschmackes bestehen — Eine -feine Rache, welche die Natur an ihren Verächtern -nimmt —! Bei Gelegenheit der bürgerlichen -Weiberverbesserung wäre nichts leichter, -als eine Kleiderordnung in physischer und -moralischer Rücksicht in Gang zu bringen, -sie wohlfeil, natürlich und einfach zu stellen, -und diese Sache gleich fern von Übertreibung -und Montirungssucht in Erwägung zu nehmen. -Nur aus unverzärtelten, festen, wackern -<i>Kindern</i> werden unverzärtelte, feste, wackere -<i>Leute</i>! — Lasset die Weiber erst sich selbst -stark fühlen, und sie werden an Leib und -Seele starke Kinder leiblich gebären und geistlich - <span class="pagenum"><a id="Seite_227">[S. 227]</a></span> -wiedergebären — sie zur Welt bringen -und erziehen. Warum soll denn die Haut -mit der Sonne in Feindschaft leben? Fehlgeschlagene -Hoffnungen, Unterdrückungen, Collisionen -sind der Geschmeidigkeit des Charakters, -den Grazien der Sitten ungünstiger, als -jenes unbiegsame Äußere. Vom Gefühl einer -edlen Freiheit, hangen Muth, Freimüthigkeit -und jene umfassende Heiterkeit ab, die auch -durch die finsterste Stirn bricht und auf der -rauhesten Oberfläche durchschimmert — Und -was gilt euch mehr: jene zweideutigen Aussprüche -zu Delphi, oder eine unbiegsame -Aufrichtigkeit? Aufrichtigkeit bahnt den Weg -zur moralischen Allmacht — wogegen durch -lebensartige Feinheit der Absicht ganz entgegengesetzte -Wirkungen resultiren — Je nachdem -man auf diesen oder jenen Umstand -Licht fallen läßt; je nachdem thut er Wirkung -— Hat die Furchtsamkeit ihren Grund -nicht bloß in dem Gefühl des Mangels an -körperlichen Kräften und in der Beschränktheit -des Verstandes? Ein berühmter Englischer -General bemerkte, daß seine Truppen - <span class="pagenum"><a id="Seite_228">[S. 228]</a></span> -nie mehr Muth hatten, als wenn ihr Magen -mit Pudding und Roastbeef angefüllt war. -Hunger macht feige, Mangel blöde, Unterdrückung -verzagt. —</p> - -<p>Die Weiber zu <i>Sparta</i> kannten weder -Weichlichkeit noch Furchtsamkeit. <i>Ich habe -ihn für das Vaterland geboren</i>, war die heroische -Antwort jener Spartanerin, als man -ihr die Nachricht brachte, ihr einziger Sohn -sei in der Schlacht gefallen.</p> - -<p>Entwickelt sich der Unterschied der Geschlechter -im Knaben und Mädchen, so muß -der Bürger auf den Menschen gepfropft, der -Stand des Bürgers an den der Natur geknüpft, -und die Vorbereitung zu mannigfaltigen untergeordneten -Bestimmungen eröffnet werden; -und nun ist es Zeit zu einem sichtbaren Merkzeichen -der Absonderung der Geschlechter.</p> - -<p>Diese Geschlechts-Einkleidung wird alle -besorgliche Folgen, welche die Natur-Uniform -etwa bei den Schwachen, die doch immer unter -uns sind, erregen möchte, unausbleiblich -vertilgen, Knaben und Mädchen, die als Kinder -vertraut waren, in Fremde (wenn gleich - <span class="pagenum"><a id="Seite_229">[S. 229]</a></span> -nicht in Wildfremde — und weshalb auch -das?) umschaffen, und Alles bis auf die Rückerinnerung -ihrer ehemaligen Bekanntschaft -vertilgen. Würde nicht diese Geschlechts-Einkleidung -auf einmal den einzigen Unterschied, -den die Natur beabsichtiget hat, zwischen -beiden Geschlechtern festsetzen, ohne -dadurch einen bürgerlichen Unterschied herauszubringen -oder zu erzwingen, und ohne -dadurch Sitten und Wohlstand im mindesten -in Gefahr zu setzen? Dies wäre der Glockenschlag, -welcher Erziehung und Unterricht der -Geschlechter- und Bürgerbestimmung näher -bringen würde. — War nicht schon bei den -Römern eine ähnliche Einrichtung in Hinsicht -auf das männliche Geschlecht? und sagt nicht -die Geschichte, daß der Jüngling Vaterlandsliebe -und alle große Eigenschaften eines -Römers mit der <i>toga virili</i> (mit dem Mannskleide) -anlegte? Es ist eine Schande, eine -Stunde länger zu leben, als man hätte leben -sollen; — allein es bleibt eine eben so große -Schande, eine Stunde früher zu leben anzufangen, -als man dazu fähig ist — und so wie - <span class="pagenum"><a id="Seite_230">[S. 230]</a></span> -das Ende das Werk krönt, und der letzte -Tag der Richter aller seiner Vorgänger ist, so -sollte man gewisse Tage aussondern, und sie -zu Denkmählern machen. Jener Tag der Geschlechtsabsonderung, -der bürgerlichen Einsegnung, -würde zu diesen festlichen Tagen gehören. -Ganz müßte das Erziehungsgeschäft in -dieser neuen Epoche noch nicht den Händen -der Weiber entzogen, noch weniger ein Unterschied -in Erziehung und Unterricht zwischen -beiden Geschlechtern veranstaltet werden, bis -auf die Verpflichtungen, zu denen jedes von -der Natur besonders berufen ward, welche, -in so fern sie für diesen Zeitraum gehören, -bei jedem Geschlechte durch Personen des -seinigen gelehrt werden müßten; wogegen -alles Übrige ohne Rücksicht auf diesen -Unterschied, so wie die Umstände es forderten -oder erlaubten, von Personen beiderlei -Geschlechts gelehrt werden könnte. Da -Mann und Weib eigentlich nur Ein Mensch -sind; so kann auch selbst nach jener Geschlechtsabsonderung -keine völlige Scheidung -eintreten: Was Gott zusammen fügt, soll der - <span class="pagenum"><a id="Seite_231">[S. 231]</a></span> -Mensch nicht scheiden — In der Epoche, -welche bei Mädchen etwa bis zum 16ten, und -bei Knaben bis zum 18ten Jahre dauern könnte, -müßten beide Geschlechter zu den bürgerlichen -Bestimmungen vorbereitet und in Allem, -was darauf Beziehung hat, ohne daß man -auf den Geschlechtsunterschied Rücksicht nähme, -unterrichtet werden. Daß hierbei die -völlige Entwickelung des Menschen nicht aufzugeben -oder nur bei Seite zu setzen ist, versteht -sich von selbst. Würden bei dieser soliden -Einrichtung nicht mit dem mannbaren -Alter beide Theile ohne Unterschied unbedenklich -da hingestellt werden können, wo sie, -dem Staate nützlich zu seyn, Anlage zeigten? -Entwöhnt dem größten aller Übel, der langen -Weile, die mehr als der Tod zu fürchten ist, -müßten jetzt der Jüngling und das Mädchen Geschäfte -angewiesen bekommen, wozu sie mit -Neigung und Geschicklichkeit versehen sind. -Ehre, Rechte und Belohnungen werden alsdann -nicht ein Geschlechts-Prärogativ, sondern -Folgen des persönlichen Verdienstes. -Weiber, die bisher ein Etwas ohne Namen - <span class="pagenum"><a id="Seite_232">[S. 232]</a></span> -und Rechte waren, würden auf diese Weise -Personen und Staatsbürger werden. — <i>Plato</i> -wollte die Vertheilung des Privatvermögens -den Gesetzen in die Hände spielen. So viel -Gerechtigkeit auch in dieser Idee zu liegen -scheint, zu so vielen Ungerechtigkeiten würde -sie verleiten. — Das Vermögen der Weiber -indeß, wenn sie gleich ganz allein darüber -zu verfügen glauben, <i>scheint</i> bloß ihrer Gewalt -unterworfen zu seyn; denn eigentlich sind -Männer die Eigenthümer desselben, die mit -diesem Kreuz, das sie wohlbedächtig in Händen -behalten, sich zu segnen nicht ermangeln. -Wie viele Kassen-Defraudationen hier vorfallen, -liegt am Tage. — Bloß der Entschluß -der Weiber, sich dem Staate nicht entziehen -zu wollen, setzt sie in das Eigenthum ihres -Vermögens, und sie werden nur sich selbst -nöthig haben, um zu denken und zu handeln. -»Er beleidigte nicht mich, sondern den, für -den er mich ansahe,« sagte König <i>Archelaus</i>, -als man ihn auf der Straße mit Wasser begossen -hatte; — und so wird das andere Geschlecht -sich oft erklären müssen, und sich gern - <span class="pagenum"><a id="Seite_233">[S. 233]</a></span> -erklären, ehe jene Grundsätze, es ehren zu -wollen, weil ihm Ehre gebührt, zur Gewohnheit -geworden sind.</p> - -<p>Die Physiokraten halten in ihrem System -die producirende Klasse der Staatsbürger für -die nützlichste, und da für den Staat der Nutzen -das Einzige ist, was die Rangordnung der -Bürger bestimmt; da dieser Nutzen die Bürger -klassificirt: wie wollen wir denn eine ganze -Hälfte des menschlichen Geschlechtes, welche -an der Hervorbringung und Fortpflanzung -desselben den wesentlichsten Antheil hat, von -der Bürgerehre ausschließen? und da wir sie -schon ohne Urtheil und Recht willkührlich -aus angestammter Machtvollkommenheit ausgeschlossen -haben, ihnen die Wiedereinsetzung -in den Paradiesstand verweigern? Werden sie -nicht, gehörig dazu vorbereitet, mit Ehren -rathen, helfen, fördern in allen Staatsnöthen? -Bis jener hingeworfene Umriß einer neuen -Ordnung der Dinge in seinem ganzen Umfange -in der bürgerlichen Gesellschaft eingeführt -werden kann, öffnet, Männer! der jetzigen -weiblichen Jugend je eher je lieber unsere - <span class="pagenum"><a id="Seite_234">[S. 234]</a></span> -Educations- und Lehranstalten, und erlaubt -ihr, an der Erziehung und dem Unterrichte, -so wie er hier gelehrt und gelernt wird, Theil -zu nehmen, ohne euch von der Furcht vor -nachtheiligen Folgen abwendig machen zu lassen. -Prüft jene hämischen Alltagszweifel: es -wird Anstoß, Aufsehen, Ärgerniß geben, es -wird nachtheilige Folgen haben; — prüft, und -ihr selbst werdet sie unentscheidend finden. -Man kann sich vor der Furcht, und auch vor -der Hülfe fürchten. Soll eine verwerfliche -Einrichtung der Dinge, und wenn sie tausend -mahl tausend Jahre gewährt hätte, auch bei -dem unbehaglichen Gefühl des Nachtheiligen, -bei der gewissen Aussicht einer besseren Zukunft, -darum noch ungestört fortdauern, weil -ihre Abänderung mit Schwierigkeiten, vielleicht -mit anscheinend bedenklichen Folgen, verknüpft -seyn <i>kann</i>? Wäre je in der Welt etwas -Großes unternommen worden, wenn wir das -Für und Wider so ängstlich abgewogen hätten? -Wäre der Mensch da, wo er gegenwärtig -ist, hätte er je so merkliche Fortschritte -gethan, wenn er, nach der Weise des Elephanten, - <span class="pagenum"><a id="Seite_235">[S. 235]</a></span> -ehe er den Fuß weiter fortbewegt, -ängstlich untersucht hätte, ob der Boden, den -er betreten wolle, auch fest sey? — Anstoß! -Wie man dies Wort von weitläuftigem Bedeutungsbezirk -nimmt. Unsere symbolischen Vorfahren -hätten gewiß den schrecklichsten Anstoß -genommen, wenn in einem Erziehungshause -Kinder mit und ohne Vorhaut zusammen gekommen -wären, um an allerlei Unterricht -Theil zu nehmen. Welchen Nachtheil für das -Christenthum würde man befürchtet haben, -wenn ein Abkömmling des Stammes Juda mit -dem Sohne eines General-Superintendenten -aus dem blinden Heiden <i>Cicero</i> Menschen- -und Bürgerpflichten gelernt hätte! Und wer -kennet nicht Staaten, wo dies ohne das leiseste -Geräusch der Eiferer bewirkt wird, und -ohne daß die Grundfesten des Christenthums -auch nur die mindeste Erschütterung befürchten?</p> - -<p><i>Die Sittlichkeit würde Gefahr laufen!</i></p> - -<p>Wie denn das? Werden nicht schon jetzt -Mädchen und Jünglinge von einem und demselben -Geistlichen, zu einer und derselben Zeit, - <span class="pagenum"><a id="Seite_236">[S. 236]</a></span> -auf eine und dieselbe Art in der Religion unterrichtet? -Die Anstalt ist schon da; sie darf -nur ausgedehnt werden. Und was kann uns -behindern, <i>die</i>, denen wir in der Kirche gleiche -Rechte mit uns einräumen, in die Bürgergemeinschaft -aufzunehmen? Werden Mädchen -und Knaben durch gemeinschaftlichen -Unterricht zu <i>Christen</i> vorbereitet, warum sollen -wir sie nicht gemeinschaftlich zu <i>Bürgern</i> -erziehen? Sollte denen, welchen die erforderliche -Anlage zu Himmelsbürgern zugestanden -wird, der Beruf zur Staatsbürgerschaft abgesprochen -worden? Warum leiden in dieser -Gemeinschule die Sitten nicht, obgleich der -Religionsunterricht in Jahren ertheilt wird, wo -der Geschlechtstrieb äußerst reitzbar ist? Sind -die Schüler und Schülerinnen dort nicht eben so -wie hier unter Aufsicht? wird ein kluger Lehrer -und Erzieher den Veranlassungen zur Erweckung -des Geschlechtstriebes nicht überall geschickt -auszuweichen wissen, und jede Belehrung -über die künftige Bestimmung seiner Zöglinge -so einzulenken verstehen, daß die Folgen -nicht schädlich, sondern segensreich ausfallen?</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_237">[S. 237]</a></span></p> - -<p><i>Wird das andere Geschlecht unseren Erwartungen -entsprechen? wird es unsere Bemühung -lohnen?</i></p> - -<p>Wir wollen also erndten und uns der Mühe -überheben, zu pflanzen? Auf welche Art -werden wir uns von der Tragbarkeit des Bodens -versichern, wenn wir ihn nicht anbauen? -Hat denn nicht bis itzt jeder Boden dieser -Art den auf ihn verwendeten Fleiß gelohnt? -und dürfen wir hier einen andern Erfolg befürchten, -wenn wir es unserer Trägheit nur -abgewinnen können, einen ernstlichen Versuch -anzustellen? In Alles was die Natur hervorbrachte, -legte sie Keime, die nur einer Veranlassung -bedürfen, um entwickelt zu werden. -Würden nicht die Weiber jedem bürgerlichen -Stande, zu welchem man ihnen Zutritt vergönnte, -Ehre machen? Und welches bürgerliche -Geschäft könnte, so lange sie durch ihre -besondere Geschlechtsbestimmung nicht daran -behindert würden, unter ihren wohlwollenden -Händen sich schlechter befinden? Müßte -das Ganze wegen des Wetteifers, der zwischen -beiden Geschlechtern entstehen würde, - <span class="pagenum"><a id="Seite_238">[S. 238]</a></span> -nicht unendlich gewinnen? Nicht die Nymphe -<i>Egeria</i>, welche <i>Numa</i> selbst, nicht <i>Pythia</i>, -welche die Helden des Alterthums um -Rath fragten, wenn sie Gesetze geben, wenn -sie Länder erobern wollten, nicht die <i>Aspasien</i> -und <i>Phrynen</i>, zu denen ein <i>Perikles</i>, ein -<i>Sokrates</i> in die Schule ging, um Weisheit und -Regierungskunst zu lernen — sollen sich hier -der Beispiellehrstühle bemächtigen. Jene hat -die Fabel in ein ätherisches Gewand gehüllt -und sie unserm Auge zu weit entrückt, als -daß wir sie noch ferner dem Geschlechte zum -Vortheil anrechnen könnten, ob sie gleich seinen -Namen führen und keine Fabel ohne -Wahrheits-Ingredienz anfängt und vorhanden -ist — So hieß der Grosoncle eines von den -weltberühmten Lügnern neuerer Zeit, <i>Josephs -Balsamo</i>, der sich <i>Graf Cagliostro</i> nannte: -<i>Cagliostro</i> — Lauter Lügen halten so wenig -zusammen, daß nie etwas Vernünftiges, etwas -Ganzes herausgebracht werden kann — Will -man den poëtischen Tugenden jener weiblichen -Heldennamen keine Glorie und keinen -Ehrenschein einräumen — immerhin! wir haben - <span class="pagenum"><a id="Seite_239">[S. 239]</a></span> -auch prosaische Beispiele, um außer Zweifel -zu setzen, daß, ungeachtet das weibliche -Geschlecht (wenn gleich nicht durch ein förmliches -Gesetz, so doch durch ein stillschweigendes -Übereinkommen, welches oft noch -grausamer und drückender ist) von der Stoa, -der Akademie und dem Prytaneum entfernt -gehalten wurde; ungeachtet man den Weibern -die Schulen des Unterrichtes und der Weisheit -verschloß, sie dennoch Gelehrte und -Weise unter sich aufweisen können, die ihre -Namen durch Thaten und Schriften unsterblich -gemacht haben. Es würde nicht schwer -fallen, in vielen Fächern des weitläuftigen -Gebiets menschlichen Wissens und menschlicher -Kunst weibliche Namen aufzufinden, die -sich einen Anspruch auf Achtung und Ruhm -erwarben. Schon erwies ich einigen in so -weit Gerechtigkeit, als sie sich durch große -Eigenschaften auszeichneten. Wohlan! die -Geschichte mag auftreten, und uns bezeugen, -welchen wichtigen Antheil das weibliche Geschlecht -an der Ausbreitung der christlichen -Religion nahm, und wie groß in dieser Rücksicht - <span class="pagenum"><a id="Seite_240">[S. 240]</a></span> -sein Verdienst um Sittlichkeit und Aufklärung -ist! Der Stifter dieser wohlthätigen, -die Rechte der Menschheit vertretenden und -menschenfreundlichen Religion (die sich so -himmelweit von jenen <i>heidnischen Culten</i> unterscheidet, -welche über die Götter die Menschen -vergaßen, und eben so von den <i>Jüdischen</i>, -die den Menschen durch äußeren Zwang -allmählich zum Geiste der Tugend gewöhnen -wollten, aber das Volk, bei der besten Absicht -seines Heerführers <i>Moses</i>, in der Wüste der -Heuchelei und der Äußerlichkeit ließen, ohne -daß es je das moralische Kleinod erreichte, -wozu diese Umwege es anlegten) unterrichtete -die <i>Schwester seines Freundes Lazarus</i>, und -gab der <i>Maria</i> vor der bloß häuslichen <i>Martha</i> -den Vorzug: <i>Maria hat das beste Theil erwählt, -das nicht von ihr genommen werden -soll</i>. Die Geschichte der Apostel gedenkt einer -frommen <i>Tabea</i>, die sich nicht nur -durch ihren Wandel unter den Neubekehrten -auszeichnete, sondern auch thätigen Antheil -an der Ausbreitung der Lehre nahm, die -sie angenommen hatte. Nennet die Kirchengeschichte - <span class="pagenum"><a id="Seite_241">[S. 241]</a></span> -nicht eine Menge von Weibern, -die mit Heldenmuth ihren Glauben bekannten, -und sich weder durch Martern noch Verheißungen -in ihrem Bekenntnisse wankend machen -ließen? die bei dem Verzicht auf alle -Hoheit, auf Ehre und Überfluß, unter Verachtung, -Hohn, Mangel und Verfolgung ihrer -Überzeugung mit unerschütterlicher Standhaftigkeit -anhingen? Der Stifter der christlichen -Religion bewundert so oft das gläubige Zutrauen -des andern Geschlechtes zu seiner Lehre, -und hat dasselbe so wenig von der Theilnahme -an den Vorzügen der vernünftigen lauteren -Milch seines Unterrichtes ausgeschlossen, -daß er es vielmehr mit auf die Erhebung desselben -und auf Befreiung von den Ketten, die -es trug, angelegt zu haben scheint. Und in -der That, wenn diese Religion in ihrer reitzenden -kindlichen Gestalt erscheinen will — -zeigt sie sich nicht in Kindern und ihren Pflegerinnen, -den Weibern? Weibliche Herzen -sind, wenn ich so reden darf, mit den Lehren -dieser Religion gleichsam amalgamirt; -denn in Wahrheit, die höchste Stufe der - <span class="pagenum"><a id="Seite_242">[S. 242]</a></span> -Menschheit ist nicht speculirende Vernunft, -nicht Philosophie allein, sondern ein gewisses -Etwas, das, wenn es Regierungskunst heißt, -eine Kunst ist, der die Natur selbst sich unbedenklich -unterwirft — Ein kühler Trunk -kann Lebensgeister zu der Wohnung, die sie -fast schon verlassen hatten, zurückrufen, kann -aber auch ein Gift für den erhitzten Wanderer -werden: Das Schwert, das uns beschützt, -wird leicht unser Mordgewehr. Die gebildete -Freiheit, die sich so sehr von der unregelmäßigen -und von dem höchsten Grade derselben, -der Zügellosigkeit, unterscheidet, könnte -<i>christliche Freiheit</i> heißen. Und ihre Schule? -— ist die Schule der Weiber. — Wenn -Männer mit Verzichtleistung auf ihre Stärke, -die so leicht in Leidenschaft ausartet, eigentliche -Christen werden, und Selbstrache, Blutvergießen, -alle Machtsprüche und Machtbeweise -aufopfern sollen; so wähnen sie, daß -sie bei diesen christlichen Tugenden ihr Geschlecht -einbüßen — Es ist schwer Gutes zu -wollen und zu thun, wenn das so leicht auszuführende -Böse noch obendrein Ehre bringt — - <span class="pagenum"><a id="Seite_243">[S. 243]</a></span> -Ich mag diesem Gegenstande wohlbedächtig -nicht näher treten — — —</p> - -<p>Überall wo Genieflug und Kunstfleiß der -Menschen hinreicht, treffen wir Weibernamen -an, die um den Preis ringen. Es sind nicht -Weiber, die auf einem ganz entgegen gesetzten -Wege ihre Eitelkeit zu befriedigen suchten, -weil sie auf dem geschlechtsüblichen nicht -fortkamen; sondern solche, die, von ihrem -Geiste getrieben, jene Kräfte anlegten, welche -die Natur ihrem Geschlechte so reichlich und -täglich gespendet hat. Welch eine ehrenvolle -Stelle nimmt <i>Anna Comnena</i> unter den Byzantinischen -Geschichtschreibern ein! Die -<i>große Tochter Heinrichs des Achten</i>, die England -nicht durch das Parlament regierte, sondern -deren Wink für dieses, Staatsgesetz war, -vor der es die Knie beugte, die, wenn sie -gleich nicht den stolzen <i>Philipp</i> so doch seine -unüberwindliche Flotte überwand, hat eine ihr -würdige Geschichtschreiberin an der <i>Keraglio</i> -gefunden. In den Jahrhunderten der Unwissenheit, -wo tiefe Mitternacht die Völker Europens -von einem Ende bis zum andern bedeckte, - <span class="pagenum"><a id="Seite_244">[S. 244]</a></span> -wo alle Sehnen des Geistes völlig abgespannt -waren, versuchte es die Nonne <i>Roswitha</i>, -das heilige Feuer der Gelehrsamkeit -wieder anzuzünden. <i>Die Dacier</i> und <i>die -Reiske</i> thaten sich durch Sprachkenntnisse hervor; -und wie viele machten sich nicht in -England, Frankreich und Deutschland durch -Schriftstellertalente berühmt? Wem sind die -Namen einer <i>Macaulay</i>, einer <i>Genlis</i>, einer -<i>Sevigné</i>, einer <i>la Roche</i> unbekannt?</p> - -<p><i>Weiber entdeckten nichts, erfanden nichts. -Es gab unter ihnen keinen Newton — keinen</i> -— — —</p> - -<p>Und warum? war es nicht ein Ungefähr, -das von Anbeginn unter Menschen Erfindungen -zu Stande brachte? Schien nicht die Natur -bei allen menschlichen Erfindungen sich den -Haupttheil zu reserviren? legte <i>sie</i> nicht dies -beste Brot vor das Fenster? Wurden jene -Entdeckungen und Erfindungen nicht den Erfindern -und Entdeckern in die Hand gespielt? -Lag es an Weibern oder an der ihnen verweigerten -Gelegenheit, wenn sie hier zurückblieben? -— Man räume ihnen Kanzeln und Lehrstühle - <span class="pagenum"><a id="Seite_245">[S. 245]</a></span> -ein, und es wird sich zeigen, ob sie -(der schuldigen Achtung für <i>Paulus</i> unbeschadet, -welcher nicht will, daß die Weiber in -der Gemeine sich sollen hören lassen) nicht -eben so gut unsere Überzeugung zu gewinnen -wissen. Ohne allen Zweifel werden -sie sich einen noch leichteren Zugang zu unserm -Herzen bahnen. Schon sind uns hier -die Quäker mit ihrem Beispiele vorgegangen. -Die Predigten der Weiber würden sich -zu den Predigten vieler unserer Seelenwächter -sehr oft verhalten, wie die von <i>Bourdaloue</i> -zu denen von einem Stümper seiner -Zeit: Wenn dieser predigte, ward <i>gestohlen</i>; -wenn jener auftrat, ward <i>wiedergegeben</i>. So -wie es bei Körpern eine Ansteckung giebt, so -auch bei Gemüthern und Seelen; und wenn -es allgemein nicht unrichtig ist, daß schon in -den <i>Augen</i> Tod und Leben liegt, und daß -gewisse Leute vermittelst derselben beides, -tödten und lebendig machen, können: so ist -dies besonders der Vorzug der Weiber — -Die ganze Zauberei scheint sich aus den Augen -herzuschreiben — Auge und Athem sind - <span class="pagenum"><a id="Seite_246">[S. 246]</a></span> -die Seelenvocale der Liebe und des Hasses; -und wer versteht die Augensprache besser als -die Weiber? Sie können vermittelst derselben -lange Reden im Zusammenhange halten; und -wer ist, der von dieser Beredsamkeit nicht ein -Zeugniß abzulegen im Stande wäre? — Sind -es aber bloß die Augen, die bei den Weibern -reden? Das ganze Leben der Weiber bestehet -mehr im Reden als im Handeln: ihre Reden -sind gemeiniglich Handlungen; und wenn -wir einen Mann verachten, dessen Leben eher -ein Lexikon als eine Geschichte vorstellt, so -ist dies nicht der Fall bei dem schönen Geschlechte, -das gewaltiglich spricht — Das -Leben eines Weibes würde ein Conversations-Gemählde -seyn — wie bewunderungswerth ist -es, selbst in anscheinend unwichtigen, oder -so genannten Nebenfällen! Was Weiber -<i>sagen</i>, fließt oft weit mehr aus ihrem Herzen, -als das, was Männer <i>thun</i>; und so haben ihre -Reden für den denkenden und empfindenden -Menschen auch oft mehr Interesse, als -viele Handlungen der Männer. Durch Reden -kann man, wenn ich mich so ausdrücken - <span class="pagenum"><a id="Seite_247">[S. 247]</a></span> -darf, seinem Gedankengemählde ein gewisses -Colorit mittheilen; und wie viele Nüancen -giebt es hier, wenn man bloß bei seinem -Herzen Unterricht nimmt! Man sollte fürchten, -daß Weiber, an Toiletten gewöhnt, ihre -Gedanken und Empfindungen an diesem Altar -durch Putz verderben würden. Nein! diese -Seelen-Toiletten überlassen sie gern unserm -Geschlechte — Selbst wenn viele unter ihnen -von Amts- und Geschlechtswegen Musterkarten -des modischen Putzes und der gäng' und -geben Hofeitelkeit werden müssen, verändert -ihr Ausdruck nicht seine Natur; Milch und -Honig bleibt ihre Rede. — — Heißt Genie -Weisheit? Wörterkram und Sophisterei Vernunft? -Alles was nicht auf gesunden Menschenverstand -und moralische Religion berechnet -werden kann, ist nicht wahre Weisheit -und ächte Vernunft. Falsche Perlen und -Glanzgold, womit Weiber ihren Körper -schmücken, überlassen sie in Hinsicht des -Geistes den Männern — Die tiefste Wahrheit -kann in eine Volks-Idee gekleidet werden, -und eine Wahrheit, die kein <i>Sokrates</i> in das - <span class="pagenum"><a id="Seite_248">[S. 248]</a></span> -gemeine Leben bringen kann, ist nicht viel -mehr als Sophisterei, womit man seinen Kopf -nicht verderben und sein Herz nicht verfälschen -sollte — Weiber sind geborne <i>Protestantinnen</i>, -und haben die Religion der Freiheit, -die Anweisung Gott im Geist und in -der Wahrheit anzubeten. Bei dem systematischen -Gerüste der Religionslehren finden sie -kein Interesse, und schwerlich werden sie je -durch Doktorhüte in der Gottesgelahrtheit gereitzt -werden. Sie legen es nicht darauf an, -Gottes Existenz zu erweisen; vielmehr sind -sie dem Neumonde von Philosophie anverwandt -und zugethan, der den unerweislichen -Gott für ein Postulatum der Vernunft erklärt, -weil er zu unserer Glückseligkeit nothwendig -ist. »Wer gewisse Dinge erweisen will,« sagte -<i>Frau v.</i> **, »zweifelt entweder selbst, oder -will den Zweifeln Anderer mit Höflichkeit zuvorkommen.« -Ein theures wahres Wort —! -Das Minimum von Glauben, ein Glaubens-Senfkorn, -und die Vorstellung von der Möglichkeit -der Existenz Gottes, ist hinreichend, -um <i>Alles</i> aus uns zu machen, was aus uns - <span class="pagenum"><a id="Seite_249">[S. 249]</a></span> -gemacht werden kann, und unsere Tugend -menschenmöglichst untadelhaft und rein darzustellen -in der Liebe — Der Zweifel anderer, -besonders in gutem Geruch stehender, kluger -Männer verwickelt oft wider Denken und -Vermuthen (könnte man nicht sagen: wider -Verstand und Willen?) in Zweifel — Weiber -haben Gott <i>im Herzen</i>; und da sie wohl wissen, -daß wegen der zweckvollen Einrichtungen -der Natur die Grundursache als verständig -gedacht werden muß: so kümmert es sie -nicht, wie viel oder wie wenig die speculative -Vernunft zu diesem Glauben beitrage. Der -moralische Beweisgrund (er verdiene den Ehrennamen -<i>Beweis</i> oder nicht) wirkt in ihnen -einen lebendigen Glauben. Wie viele haben -Gottes Existenz tapfer demonstrirt und durch -ihr Leben diese Demonstration noch tapferer -widerlegt! — Seinen Willen thun, bleibt der -beste Beweis, daß er sey. Das größte Problem -ist, den Menschen den <i>Willen</i> beizulegen; -an <i>Einsicht</i> fehlt es ihnen weniger. -<i>Franklin</i>, ein Mann, deßgleichen weder das -Griechische noch das Römische Alterthum aufzuweisen - <span class="pagenum"><a id="Seite_250">[S. 250]</a></span> -hat, sagte: »Gäbe es einen Gottesleugner, -er würde sich beim Anblick, von -<i>Philadelphia</i>, einer so wohleingerichteten Stadt, -bekehren;« und die Erde, <i>diese große Stadt -Philadelphia</i>, sollte so viel nicht über den -Gottesleugner vermögen, so bald er aufhört, -Alles nach seiner, eigenen kleinen Elle zu messen? -Nicht auf unsere Meinungen, sondern -auf das kommt es am Ende an, was diese -Meinungen aus uns machten. — — Das -Glück der Unschuld, die Würde der Natur, -der Drang nach Freiheit, die Freude eines -stillen Lebens, der hohe Werth der Kunst -sich in sein Schicksal zu finden, sind Hauptgegenstände -der Weiber. Wie man aus dem -Umgange den Menschen kennt, so bestimmen -seine Lieblingsgegenstände seinen Verstand und -seinen Willen — Jene Verschiedenheiten des -Ausdrucks, jenes Zurückhalten, ist bei Weibern -nicht wie bei uns Heuchelei; um Alles -würden sie gewisse Dinge nicht sagen, einer -gewissen sittlichen Reinheit der Sprache nicht -ungetreu werden, und in plumpe Zweideutigkeiten -und Zoten fallen, wenn auch diese - <span class="pagenum"><a id="Seite_251">[S. 251]</a></span> -Sittsamkeit und Enthaltung weniger Reitze -hätte. Die Keuschheit des Körpers ist mit -der Keuschheit der Seele und der Sprache in -genauer Verbindung — Weiber kennen so -wenig die Regeln als die Gränzen der Sprache, -überschreiten die ersteren, und erweitern -die letzteren — Wie manche glückliche Bereicherung -hat die Sprache ihnen mittelbar -und unmittelbar zu danken! Das Mittelmäßige -kann im Geschlechte gar nicht aufkommen; -was sich unterscheidet, ist vorzüglich — -Sie reden zwar noch, wenn sie schweigen; -keiner ihrer Blicke ist sprachlos; ihre unarticulirten -Ausdrücke der Leidenschaften, wodurch -Menschen tief in das Herz der Menschen -dringen, sind unüberwindlich —: allein, -wer ist beredter als sie, wenn sie wirklich -sprechen! — Jene sprachlose Beredsamkeit -kann weiter Niemand als sie auf Worte bringen -und übersetzen. Männer sagen oft nichts, -wenn sie zu viel sagen, so wie man nichts -beweiset, wenn man zu viel bewiesen hat. -In den Worten der Weiber, auch wenn sie -überfließen, liegt Absicht, Gewicht und Nachdruck. - <span class="pagenum"><a id="Seite_252">[S. 252]</a></span> -Auge und Sprache sind Ein Herz und -Eine Seele, und Weiber haben nicht nur in -ihrem Blick, in ihrem Auge und auf ihrer -Zunge Hölle und Himmel, Leben und Tod, -Wohl und Wehe; sondern selbst ihr Hören -ist von der äußersten Bedeutung — Sie hören -anders als wir; und wer kann den Einfluß -leugnen, den das Gehör auf unsere Rede behauptet? -— Ich kenne einen schwer beamteten -vornehmen Mann, der in dem Rufe steht, -daß er alle Menschen höre; auch hört er -wirklich Alles, was sich in seinem Vorzimmer -hören lassen will: und doch klagt alle Welt, -daß er nicht höre; — entweder ist er zerstreuet -oder unfähig zu verstehen. Es giebt -eine moralische Taubheit bei dem besten physischen -Gehör — Man kann gütig und gerecht, -unfreundlich und zuvorkommend hören -— Der schüchterne bescheidene Jüngling -zieht aus dem geneigten Gehör seines -Beschützers Muth und Leben, und man kann -abhören, anhören, aufhören, aushören und -beim Hören in eine Art von Horchen fallen, -welches durch das Ohrenspitzen in Verlegenheit, - <span class="pagenum"><a id="Seite_253">[S. 253]</a></span> -wo nicht gar in Verwirrung, setzt — -Weiber sind Meisterinnen in der Kunst zu -hören, Original-Hörerinnen, und ich weiß -nicht, ob sie im Hören oder im Sprechen -stärker sind. Es ist leichter, mit dem Publico, -als mit dem Cirkel fertig zu werden, -worin man lebt, wenn dieser Cirkel aus witzigen -Weibern besteht; und nicht der Männer, -sondern der Weiber halben bleib' ich -anonymisch, so sehr auch meine Schrift den -Weibern das Wort zu reden scheint. —</p> - -<p>Die Weiber sind viel zu sehr Kenner des -menschlichen Herzens, als daß sie nicht wissen -sollten, auch die verborgensten Falten -desselben auszuspähen, Leidenschaften zu erregen -oder dem Ausbruche derselben zuvorzukommen. -Wer weiß mehr als sie, ihre -Wuth zu besänftigen, je nachdem es ihre Absichten -erfordern! und gewiß würde es ihnen -auf dieser Bahn besser glücken, als den berühmtesten -Demagogen. <i>Rom</i> würde vielleicht -bald nach seiner Entstehung wieder in sein -voriges Nichts zurückgefallen seyn, wenn die -neuen Römerinnen sich nicht ihrer Räuber - <span class="pagenum"><a id="Seite_254">[S. 254]</a></span> -angenommen, und die entrüsteten Sabiner beruhigt -hätten. Was wär' aus <i>Coriolan's</i> Vaterstadt -geworden, wenn die Mutter den Sohn -nicht besänftigte? Ohne den Römischen Stolz -und die edle Aufforderung eines Weibes -(<i>Margarethe Herlobig</i>) wäre der Schweizerbund -vielleicht nie zu Stande gekommen — Die -Überredungsgabe eines Weibes übertrifft Alles, -was Kunst je geleistet hat. Und ihre -Lehrmethode? In Wahrheit, Weiber sind -äußerst lehrreich: sie sind so große Lehrerinnen, -als Erzieherinnen. Wer Weiber bloß -auf Gefühle und Empfindungen reducirt, kennt -weder Gefühle, noch Empfindungen, noch die -Weiber. Oder wie? lehrt das Herz etwa den -Kopf? verleihet das Gefühlsvermögen dem Erkenntnißvermögen -evidente Gefühle zum Vergleichen -und zum Entscheiden? Stammt das -moralische Gefühl, wenn es anders ein wirkliches -Etwas seyn soll, nicht aus der Vernunft? -Muß nicht der Kopf dem Herzen -Grundsätze so eigen machen, daß es die Achtung -für das Gesetz als Gewohnheit, als Gefühl -ansieht? — Das Herz, unbelehrt von - <span class="pagenum"><a id="Seite_255">[S. 255]</a></span> -der Vernunft, kann wenig oder nichts ausrichten; -es muß geistisch gerichtet seyn — Wenn -der Philosoph, der Wortführer der Vernunft, -nicht wäre; was würde der Dichter, der sich -nach dem Haufen richten und selbst zu Volksunarten -sich herablassen muß, Gutes stiften? -Der Dichter muß seine Weihe im Tempel -der Vernunft erhalten und die süßesten Gefühle -an Grundsätze knüpfen, wenn er unsterblich -seyn will. Weiber verstehen jene -Chemie, die man die höhere nennen könnte, -Grundsätze in Gefühle aufzulösen, und das, -was der theoretische Hexenmeister der Philosophie -in schweren Worten ausdrückt, zur -Leichtigkeit einer Gewohnheit zu bringen — -Weiber haben Sitten, Männer Manieren: diese -werden durch Erziehung erworben, durch -Nachahmung erlernt, durch Umgang mitgetheilt; -jene hangen von Herz und Vernunft -ab. Man sagt: Weiber wären kärglicher in -ihren Wohlthaten, und an sich und von Natur -geitzig. Nicht also; ihre Neigungen des -Wohlwollens entstehen aus Grundsätzen, -nicht aber aus dem vorübergehenden Rausche - <span class="pagenum"><a id="Seite_256">[S. 256]</a></span> -des Mitleidens, wie es sehr oft bei uns der -Fall ist. Seht! wie schön wissen sie selbst -bei angestammter Etiquette, bei den patentisirten -Manieren noch zu modificiren! Auch -sogar bei der Liebe halten sie sich nicht an -das Formular und an die Agende.— Wir haben -unsern <i>Kubach</i>, und alles ist in <i>bekannter -Melodie</i> — Von Weibern könnte man -sogar sagen: <i>sie lieben insgesammt, doch jede -liebet anders</i>. — Zur Hoffnung haben sie eine -außerordentliche Anlage; überall wollen sie -Aussicht: ein Garten, der sie ihnen raubt, -ist ihnen ein Gefängniß — Die gnädige -Frau ist in guter Hoffnung, heißt: sie -wird bald Mutter werden —. Wir wollen -alles fröhlich um uns haben, wenn <i>wir</i> es -sind, und legen diese Fröhlichkeit unserm Cirkel -so nahe, daß, er mag wollen oder nicht, -er einstimmen muß — Weiber machen Alles -fröhlich, wenn sie es sind. Alle ihre Feste -sind Erndtefeste, Laubhüttentage, welche -die Natur geheiligt hat; bei den unsrigen werden -Kanonen gelös't — sie können sich ohne -Tafelmusik behelfen. (Der leibliche, geistliche - <span class="pagenum"><a id="Seite_257">[S. 257]</a></span> -und ewige Tod aller Unterhaltung.) An -Gott denken, heißt ihnen Andacht; — an -sich denken, heißt ihnen sterben lernen, und -philosophiren sich verlieben; und wer so denkt -der denkt wohl! — wer so handelt, ist nicht -auf unrichtiger Bahn —</p> - -<p>Sprachen sieht man nicht ohne Grund als -den Schlüssel zu dem Magazin aller Kenntnisse -und alles Wissens an, und eine jede -Sprache, die wir erlernen, ist ein Schatz des -Wissens, den wir fanden. Sprachen zu lehren, -wird ein besonderes Talent erfordert, welches -seltener das Theil und Erbe der Männer, -als der Weiber, ist. Unsere zeitherige -Schulmethode Sprachen zu lehren, ist gewiß -nicht von Weibern erfunden; denn kaum würden -diese mit der Grammatik den Anfang gemacht -haben. Seht da den Lehrer, der es -sich Lastträgermühe kosten läßt, Kindern begreiflich -zu machen, warum der Römer die -Wörter in seiner Sprache so und nicht anders -auf einander folgen ließ! seht da den -Schüler, der etwas begreifen soll, das schlechterdings -unbegreiflich ist, so lange er nicht - <span class="pagenum"><a id="Seite_258">[S. 258]</a></span> -weiß, wie die Römer ihre Sprache redeten -oder schrieben. Bleibt die Kunst eine Sprache -sprechen zu lehren, nicht vorzüglich den -Weibern eigen? und sollte ihnen nicht der -Sprachunterricht ausschließlich überlassen werden? -Gedächtniß, Einbildungskraft, und ein -gewisser Geist für das Detail scheinen, wenigstens -so lange sie wie jetzt sind, vorzüglich -ihr Eigenthum zu seyn. Giebt es viele Beispiele, -daß man bei einem Sprachmeister die -Französische Sprache mit Fertigkeit sprechen -lernte? Wer nicht ihretwegen eine Reise -nach Frankreich that, lernte sie von Mutter -oder Gouvernantin. Kaum hat der Mann angefangen, -Materialien zu begreifen und anzufassen, -so will er schon zusammen setzen, -generalisiren, Capitalien machen; — allmählich -zu sammeln, dauert ihm zu lange. —</p> - -<p>Wer kann den Weibern ein gewisses -Kunstgefühl absprechen? und scheint nicht -weniger der Mangel an Anlagen, als ihre zeitherige -Lage, Schuld zu seyn, daß sie so wenig -Vorzügliches in den schönen Künsten und -Wissenschaften leisteten? An dem reitzenden - <span class="pagenum"><a id="Seite_259">[S. 259]</a></span> -Schauspiele ringender, wenn gleich oft auch -unterliegender, Kräfte ist uns zuweilen mehr, -als an der Entscheidung und an prahlenden -Siegen gelegen; und schlummert nicht zuweilen -auch selbst der große <i>Homer</i>? Werden -nicht selbst sehr wache Augen vom Schlaf -überwunden? schläft nicht zuweilen <i>Brutus</i>? -Schöne Künste und schöne Wissenschaften -erfordern einen weiten Spielraum, leiden -keinen drückenden Zwang, und gedeihen nur -da, wo der Geist, sich keiner Fesseln bewußt, -das Gebiet der Einbildungskraft, jenes -Reich der Unsichtbarkeit, durchkreuzen kann. -Auch bei der größten Empfänglichkeit für -schöne Formen und Gefühle, auch bei der -glücklichsten Organisation, wird, so lange der -jetzige Druck dauert, nichts Großes, nichts -Vollendetes das Theil der Weiber seyn; eben -so wenig wie der Griechen, die bei den -nämlichen Anlagen, bei dem nämlichen milden -Himmel, nie etwas, den unerreichbaren -Meisterstücken ihrer Vorfahren Ähnliches hervorbringen -werden, so lange ihr Nacken noch -in das eiserne Joch der Türken eingezwängt - <span class="pagenum"><a id="Seite_260">[S. 260]</a></span> -bleibt. Wie wär' es möglich, daß das weibliche -Geschlecht, so lang' es im Käficht eingeschlossen -ist, und ein schnödes Vorurtheil -seine Flügel lähmt, sich in die höheren Regionen -aufschwingen sollte? Die Seele pflegt -schwach zu seyn, wenn der Leib es ist, und -Sklaverei erlaubt ihren Gefesselten keinen -Flug eine Spanne hoch über die Erde. Doch -zeigten <i>Einige</i>, daß sie Eines Geistes Kinder -mit Männern wären; und irre ich mich, oder -ist es gewiß, daß sie weniger nach jedem -Fünkchen eines fremden Lichtes haschten, um -es aufzufangen, als wir? Mit geübterem Verstande, -mit geschärfterer Empfindung, mit reicherer -Phantasie, mit festerem Charakter, werden -sie reifere Früchte bringen, und in dem -Felde des Schönen, auf das sie ohnehin schon -unleugbare Ansprüche haben, Thaten thun — -werth der Unsterblichkeit. Man klagt nicht ohne -Grund: alle Oberideale wären mit dem Heidenthume -verloren gegangen; und da die ins Große -gehende Kunst ohne Ideale nicht bestehen -könne, so schiene es, als ob unsere Dichter -und Künstler sich nicht über die gemeine und - <span class="pagenum"><a id="Seite_261">[S. 261]</a></span> -wirkliche Natur zu erheben im Stande wären. -— Vielleicht ist es dem schönen Geschlechte -vorbehalten, sich hier neue Bahnen -zu brechen, und mit neuer verjüngter Einbildungskraft -zu schaffen was verloren ging, ohne -dem Segen der größeren und heilsameren -Wahrheit der christlichen Religion, welche -für alle jene Ideale durch ihren weisen und -beglückenden Einfluß entschädiget, zu nahe -treten zu dürfen.</p> - -<p>Unser Geschlecht hat Gelegenheit, so viel -von der Prosa der wirklichen Welt kennen -zu lernen, und dünkt sich, die Wahrheit zu -gestehen, in derselben so gewaltig viel, daß -es nicht umhin kann, der wirklichen Welt, -so <i>herrlich</i> und <i>schön</i> sie auch ist, keinen -poëtischen Stoff zuzutrauen. Unzufrieden mit -Menschen, spricht es: »Laßt uns Götter schaffen, -ein Bild, das uns gleich und doch Gott -sei!« — Und da wird? Seht doch, seht! ein -Himmel voll Ganz- und Halbgötter, alle zusammen -nicht werth einen einzigen wackern -Kerl abzugeben. An den himmlischen <i>Harem</i> -mag ich gar nicht denken, der gewiß noch - <span class="pagenum"><a id="Seite_262">[S. 262]</a></span> -weit weniger ein einziges braves Weib aufwiegt -— Wozu der Götterunrath? — Mährchen, -sie mögen nun Volks- oder Helden- und -Staatsmährchen seyn, gehören, sagt man, für -das Kinder- und Greisenalter; wer wird indeß -diesen Spielen der Einbildung nicht gern -Gerechtigkeit erweisen, wenn sie zum Ernste -der Wahrheit leiten, und von der Vernunft -die vollzähligen Weihen erhalten haben? wer -die Imagination nicht ehren, wenn sie bei allen -ihren Avantürier-Eigenschaften ein Sprößling -der Vernunft ist? — Nur thut unser Geschlecht -zu oft so äußerst nothgedrungen, eine -Abschweifung in das Reich der Möglichkeit -machen zu müssen, obgleich von der lieben -Wirklichkeit noch so viel in Rückstand ist; -— nur will es zuweilen höchst unzeitig die -Einfälle aus dem Reiche der Einbildung zu -Gesetzen in der Sinnenwelt, die vor uns liegt, -tausendkünsteln; nur macht es sich kein Gewissen -daraus, die hehre und mächtige Religion -der Vernunft, welche sich bescheidene -Flügel beilegt, mit aller Gewalt zu überflügeln -und, ohne sich mit ihr und der Volksreligion - <span class="pagenum"><a id="Seite_263">[S. 263]</a></span> -zu berechnen, bloß auf Vergnügen -auszugehen, wo sich doch die Vernunft ihren -Aufsehersitz und ihre Stimme nicht nehmen -läßt. Hier ist Stoff zum <i>neuen Himmel</i> und -zur <i>neuen Erde</i>. Und sag' ich zu viel, wenn -ich behaupte, daß dem andern Geschlechte -hier noch ein Richtsteig vorbehalten ist und -Palmen, die nicht etwa im dritten Himmel zu -brechen sind, wo man zu unaussprechlichen -Worten entzückt ist — sondern nicht fern -von einem Jeglichen unter uns. — Genug, -wenn seine Dichtkunst das Herz nicht verfehlt, -wenn sie von Herzen kommt und wieder zu -Herzen geht. — Was soll ein wildes Feuer? -Ein heiliges ist sein Ziel. Nie wird es sich -erlauben mehr anzulegen, und wär' es Cedernholz, -als nöthig ist, und um die Wette wird -seine Dichtkunst mit der Cultur, Leidenschaften -zu lenken und zu zähmen sich bemühen -— der edelste Beruf der Vernunft und der -Dichtkunst! Grundsätze, welche die Vernunft -im Allgemeinen lehrt, macht Dichtkunst durch -treffende Beispiele anschaulich. Wovon die -Vernunft innerlich überzeugt ist, das stellt die - <span class="pagenum"><a id="Seite_264">[S. 264]</a></span> -Dichtkunst in Lebensgröße unsern sittlichen -Augen dar, und bringt ein unaussprechliches -Vergnügen zu Stande, das einzige, das wir -durch kein Opfer erringen dürfen — und das -immer mit in den Kauf geht! — Wie? dieser -heilige Geist sollte nicht über das andere -Geschlecht ausgegossen seyn? diese Gaben hätt' -es nicht empfangen? O, ihr Kleingläubigen! -— als ob der Pegasus bloß für Männer wäre! -Dies so überaus gute Thier, das sich so viel -gefallen läßt, sollte keinen Quersattel vertragen? -Sollte dieses Vorurtheil nicht zu übersiebnen -seyn? Allerdings. Wie herrlich sind -jene weiblichen Explosionen, die Lieder der -Liebe der <i>Sappho</i>, die selbst auch in Deutschland -mehr als neun Schwestern hatte, von denen -eine der vorzüglichsten (<i>Karschin</i>), nachdem -ihr der Dichter <span class="smcap">Friedrich</span> II vier Gulden -verehrt, und <i>Friedrich Wilhelm II</i>, der -kein Poët ist, ein Haus hatte bauen lassen, -unlängst zu ihrer älteren Schwester heimging. -— Darf ich mehr als <i>Elisen</i> nennen, um <i>ihrem -Kopf</i> und <i>ihrem Herzen</i> den Rang beizulegen, -der beiden gebührt — und der durch - <span class="pagenum"><a id="Seite_265">[S. 265]</a></span> -eine exemplarische Bescheidenheit noch mehr -gewinnt? — <i>Angelika Kaufmann</i>, die Schöpferin -schöner Formen, und mehr ihres Gleichen -waren und sind Mahlerinnen. Der Vorwurf, -den man der <i>Angelika</i> macht, daß sie -männliche Gesichter zu weibisch mahle, ist -nicht ohne Grund; vielleicht nimmt sie hierdurch -an unserm Geschlecht eine heimliche -Rache. Man sagt: Weiber würden nie Meisterinnen -im Portraitiren. — Daß ich nicht -wüßte; *<i>ra</i>** trifft zum Sprechen — zum -Hören —. Wär' es in der Regel der Fall, so -würd' ich es mir aus dem Umstande erklären, -daß sie immer Züge aus ihrer trefflichen -Seele hineinzeichnen, so wie Mahler der <i>Venus</i> -Züge von ihren Weibern und Töchtern -verehren. — Mahlerinnen würden in dem -Grade die Seelen der Männer in ihren Portraiten -verschönern oder verklären, wie Mahler -die Gesichter des andern Geschlechtes -schminken — Ist es, weil die Männer von -der Natur entfremdeter sind, als die Weiber; -oder hat die Natur wirklich zu dem andern -Geschlechte mehr Vorliebe und Zutrauen; - <span class="pagenum"><a id="Seite_266">[S. 266]</a></span> -oder macht es die Seltenheit, daß die Männer, -weil sie zu wenig in die Heiligthümer -der Natur kommen, nicht recht wissen, wie -sie mit ihr daran sind? — ich weiß es nicht. -Wer kann indeß unter den Männern, er sei -Dichter oder Mahler, im Wonnegefühl der -Natur, in der Fülle ihres Genusses, darstellen, -was er empfindet? — wer erliegt nicht unter -der Gewalt alles Erhabenen und Schönen, das -ihm zuströmt und ihn entweder in einen -Schlummer einwiegt, oder ihn so angreift, -daß er den zu großen Eindruck nicht umfassen -und entwickeln kann. Der Schlummer -ist ein Beweis der Schwäche; und auch aus -zu großer Spannung wird man ohnmächtig. -Diese Lagen (sowohl die Schlummer- als die -Spannungslage) darzustellen, ist Manchem unter -den Männern so vortreflich geglückt, daß, -da alle geneigte Leser sich getroffen fanden, -diese Darstellungen als Meisterstücke bewundert -wurden. Man erstaunte, daß die Kraft -der Kunst in dieser Schwachheit so mächtig -war! Hat sich das Feuer des Eindrucks gelegt, -ist man aus einem entzückenden Schlaf - <span class="pagenum"><a id="Seite_267">[S. 267]</a></span> -erwacht, so mahlen wir aus dem Spiegel der -Zurückerinnerung, und die Natur hat nicht -Ursache, diese Copien für viel weniger als -Originale zu halten — Es sieht wie aus der -ersten Hand aus, ob es gleich eigentlich aus -der zweiten ist. Weiber können im vollen -Genusse der Natur diesen Genuß beschreiben; -auf das innigste in sie verwebt, verlieren sie -den Ausdruck nie; sie scheinen Ein Herz und -Eine Seele mit der Natur zu seyn, und da sie -weder zu hoch gespannt sind, noch in süßen -Schlummer versinken, so gebricht es ihnen bloß -an Dreistigkeit, um ihren Naturgenuß auch -Andere durch Darstellung geniessen zu lassen. -— Sie können im ersten Feuer arbeiten, wenn -wir uns zuvor abkühlen müssen. Gewiß hatten -wir manche weibliche <i>Ossiane</i>, wenn wir -es wollten; und was wäre unsere <i>Karschin</i> -geworden, wenn man ihr nicht die Flügel der -Morgenröthe durch den Unterricht in der Mythologie -beschnitten hätte! Die Originalität -gedeihet nur im Schooße der Freiheit; und -kann wohl die Natur durch Weiber vernehmbar -seyn, ehe Männer aufhören, die Weiber - <span class="pagenum"><a id="Seite_268">[S. 268]</a></span> -(diese Gefäße zu Ehren) zu bevormündern, -und ehe Geist, Herz und Zunge dem andern -Geschlechte gelöset werden? — Wozu dies Alles -führen soll? Männer, wo nicht aus Pflicht, -so doch aus Kunstneugierde zu reitzen, daß -sie den Schooßkindern der Natur die Geistesfreiheit -nicht länger vorenthalten, ihre Kräfte -nicht weiter unterdrücken, und ihre Vernunft -durch unzeitige Blödigkeit nicht vor wie nach -zurückhalten. Die Dichter, die Helden, die -Weisen der Vorzeit sahen keine andere Sonne, -erblickten keine andere Natur, als wir: Jene -göttlichen Natureingebungen, welche die Uralten -hatten, können wir noch neutestamentlich -aus Hand und Mund der Weiber mit -Danksagung empfahen. —</p> - -<p>»<i>Musik</i>?«So unbestritten die weiblichen -Talente für die Musik sind; so wird ihnen -doch der Vorwurf gemacht, daß sie noch -keine Obermeisterin in der Composition aufweisen -können. Es fehlt ihnen ohne Zweifel -auch hier an Muth, um zu dieser Obermeisterschaft -zu gelangen; schon befriedigt, wenn sie -Compositionen der Großmeister unseres Geschlechtes - <span class="pagenum"><a id="Seite_269">[S. 269]</a></span> -mit Empfindung ausdrücken, begnügen -sie sich mit dem zweiten Range. Das -Lied indeß kann wörtlich so im Dichter stehen; -die Noten können genau getroffen seyn: -und doch wird oft weder Dichter noch Componist -sein Werk wieder kennen, wenn es ein -Weib singt oder spielt — dies haucht ihm -eine lebendige Seele ein. <i>Schaffen</i> ist gut; -<i>erhalten</i> nicht minder. — Möchten Weiber -immer beim zweiten Range bleiben, wenn nur -nicht ein neuerer Reisebeschreiber auch von -Kastraten bemerkt hätte, daß nie Jemand unter -ihnen ein großer Componist gewesen sei. -Sollte diese Bemerkung Kastraten und Weiber -mit Recht treffen, so ist die Ursache bei beiden -unendlich verschieden. Kastraten können -nichts schaffen; Weiber dagegen sind die eigentlichen -Erhalter und Mitschöpfer. — — -Bei dem gegenwärtigen Druck, worin die -Weiber sich befinden, legen sie es bloß darauf -an, Alles was sie verstehen, faßlich und -begreiflich zu machen, und das, was wir -schwer ausdrückten, zu erleichtern und in Umlauf -au bringen. Sie ebenen die Wege, verstehen - <span class="pagenum"><a id="Seite_270">[S. 270]</a></span> -den Strahl der schwersten Ideen zu reflektiren -und zu vervielfachen, das Abstrakteste -verständlich und deutlich darzustellen, und -dem Verachteten aufzuhelfen, so daß sie allen -Wissenschaften einen unleugbaren Vortheil gebracht -haben könnten, wenn man sie zum -Meister- und Bürgerrecht ohne männliche Geburtsbriefe -zugelassen hätte. Die Behauptung, -daß es keine Synonime in der Sprache gebe, -beweisen sie meisterlich, wenn gleich das -Buchstabiren (eine wirklich männliche Sache) -sie wenig bekümmert. Das negative <i>Un</i> wird -von ihnen, so wie die Null im Rechnen, oft -so geschickt zum Verstärken des Ausdruckes -gebraucht, daß man über ihre Feinheit und -Geschicklichkeit, womit sie bei Ohr und Verstand -alles ins Reine bringen, erstaunen muß! -Von Weibern muß man reden, von Männern -schreiben lernen. — Sind Weiber schon -jetzt, da sie bloß geduldet werden, und vermittelst -Concessionen und Begünstigungen arbeiten, -von dieser Seite so schätzbar; was könnten -sie leisten, wenn sie nicht länger so unwürdig -von dem edlen Wettkampfe ausgeschlossen - <span class="pagenum"><a id="Seite_271">[S. 271]</a></span> -würden! Es ist eine nicht unrichtige -Bemerkung, daß verdorbene Beredsamkeit verdorbene -Sitten verräth. Da man aber in dem -schönen Geschlechte tausend Lippen findet, -die vom Honigseim einer überzeugenden Beredsamkeit -überfließen; so kann es mit Recht -von ihnen heißen: wessen das Herz voll ist, -geht der Mund über. Der Unterricht legt es -nicht geradezu darauf an, und kann es nicht -darauf anlegen, aus allen Schülern Meister zu -bilden. Auch bedarf es in der Erziehungsfabrik -nicht lauter Meister. Sie bildet Gefäße -zu Ehren und zum Haus- und Kammergebrauch; -sie beschäftigt Meister, auch die es -<i>secundum quid</i> sind, an der Drehscheibe. So -ist der Lehrer schon geschickt, wenn er das -Mechanische der Kunst und die Methode -weiß, jenes dem Lehrlinge hinzubringen. Hat -man nicht Meister gehabt, denen es nie gelang, -geschickte Schüler ihrer Kunst zu ziehen? -Fehlt es nicht vielen an der Gabe der -Deutlichkeit und, um ein Kunstwort anzubringen, -an der Lehrgabe? und ohne Zweifel noch -mehreren an der unentbehrlichen Lehrtugend, - <span class="pagenum"><a id="Seite_272">[S. 272]</a></span> -der <i>Geduld</i>, die das männliche Geschlecht -zwar in seiner Tugendliste rühmlichst mit -aufzuführen nicht unterläßt, die indeß unserem -Geschlechte nur sehr selten eigen ist. Wir -zeigen, daß in unserer Garderobe auch unmodische -Anzüge sind, nicht um sie zu gebrauchen, -sondern um sie zu haben; statt -daß bei dem weiblichen Geschlechte Geduld -das schönste Hauskleid ist, das ihm am besten -steht. — Ist die Weibergeduld nicht im Stande, -auch aus dem unfruchtbarsten Boden Keime -herauszulocken? Kann der beharrliche Fleiß -der Weiber nicht selbst dem Verkrüppelten, -wo nicht eine schöne, so doch eine erträgliche -Form geben, und, wenn nicht Künstler, so -doch Kunstverwandte bilden? Der Vorwurf, -den man den Weibern macht, daß sie Neuheit -und Wechsel lieben, ist nicht ungerecht; -aber nicht im Geschlechte, sondern im Druck, -den wir veranlassen, liegt die Ursache davon. -Das Ausdauern und Beharren ist gewiß weniger -unsere als ihre Sache, wenn der Gegenstand -es verdient. Wer kann Weibern jetzt -ihre Flüchtigkeit übel deuten, wer ihrem Leben - <span class="pagenum"><a id="Seite_273">[S. 273]</a></span> -es verdenken, wenn es von ihm heißt: -sie leben als flögen sie davon? — Wer? — -In der That, es wären der moralischen Karrikaturen -weit weniger, wenn wir uns entschließen -könnten, dem weiblichen Geschlechte einen -größeren Antheil an dem Unterricht und -der Erziehung einzuräumen. Und wie? haben -Weiber bloß den Grazien, ihren Freundinnen, -geopfert? oder sind sie wirklich auch zum Allerheiligsten -der Wissenschaften eingedrungen? -In der That, sie wußten sich auch hier Eingänge -zu eröffnen, Ehrenstellen zu erringen -und sie mit Würde zu behaupten, ungeachtet -aller Hindernisse, welche Vorurtheile, Herkommen -und niedere Mißgunst ihren Talenten -und ihrem Eifer in den Weg legten. Es wird -nicht viele Wissenschaften geben, die unter -ihren Eingeweiheten nicht einige Namen von -Weibern zählen, welche sich mit ihnen beschäftigten, -und zwar nicht bloß solche, die -von der Oberfläche schöpften und zum Zeitvertreibe; -nein solche, die ins Innere derselben -mit Eifer und Anstrengung eindrangen, -die von dieser Ambrosia der Wissenschaften - <span class="pagenum"><a id="Seite_274">[S. 274]</a></span> -nicht bloß kosteten, sondern mit dieser Seelenspeise -sich sättigten bis zum Wohlgefallen. -Freilich können Weiber jener <i>inneren Freiheit -des Geistes</i> genießen, nach welcher sie ihren -<i>Kopf</i> eigenbeliebig anzuwenden im Stande -sind — Wir haben ihn indeß dem andern -Geschlechte abgesprochen, und statuiren nur -sein Herz, auf das wir Rechnung machen — -als ob Eins ohne das andere etwas gölte! -Und wenn Weiber sich auch über unser Criminalurtheil -wegsetzen wollten und könnten; -ist ihre selbstgewählte ruhige Geistesthätigkeit -vermögend, reifere und schmackhaftere Früchte -zu bringen, da wir die Barbarei haben, uns -an ihren Blüthen zu vergreifen? — Was die -Geistesfreiheit, die keine Geschäftsstörung verdirbt, -bei den Weibern ausrichten könnte, -wird durch den Schwall von Kunstwörtern und -Kunstregeln erstickt, womit man von Männer-Seite -sich wohlbedächtige Mühe giebt, die -Weiber zu verwirren und verzagt zu machen, -so daß sie ohne Noth ermatten und sich aufgeben -— Jammer und Schade! Doch gab es -einige, die den Faden nicht abrissen, die mit - <span class="pagenum"><a id="Seite_275">[S. 275]</a></span> -Standhaftigkeit sich entschlossen, zu beharren -bis ans Ende; und unter diesen, welche die -letzten Gelübde ablegten, fanden sich sogar -solche, die sich zu Vorstehern und Lehrern -im Tempel der Musen weihen ließen. — In -dem bekannten Institut von Bologna lehret -<i>Laura Bassi</i> die Physik, und hält ihre Vorlesungen -in Lateinischer Sprache; und wie lange -ist es, daß <i>Signora Agnes von Mayland</i> hier -die Mathematik mit Beifall lehrte? Eben hier -bilden <i>Lilli</i> und seine geschickte <i>Gattin</i> die -Muskeln und Blutgefäße des Körpers, der Natur -mit so vieltäuschender Wahrheit nach. -Italien, dieses Land, das wechselsweise so viel -Licht und Finsterniß über die Völker der Erde -verbreitete, trägt kein Bedenken, Frauenzimmern -Lehrstühle zu öffnen. Unlängst ward -in Deutschland ein weiblicher Doktor kreirt -(<i>der Doktor Schlözerin</i>); und würden wir -wohl so zuverlässige und beträchtliche Neuigkeiten -vom Firmament erhalten, wenn der unsterbliche -<i>Herschel</i> von seiner ihm ähnlichen -<i>Schwester</i> nicht so unermüdet in seinen Beobachtungen -und Arbeiten unterstützt würde? - <span class="pagenum"><a id="Seite_276">[S. 276]</a></span> -Ärzte werden eben so krank wie Nichtärzte, -und die größten Philosophen sind nicht nur -oft unweise, sondern verlieren sich auch zuweilen -so in Speculationen, daß sie nicht aus -noch ein wissen —. Weiber sind sehr für -innere Wahrheit; und wenn sie gleich jenes -berühmte Ministerphlegma nicht besitzen, so -wissen sie doch mit Kälte zu unterscheiden, -was bloß trockne und was brauchbare Kenntniß -ist. Wenn Salz und Laune fehlen, sind -ihnen die reichstbesetzten Tische ein Greuel, -und auf die Schauessen der Philosophen nehmen -sie keine Einladung an. — Freund <i>Montagne</i> -geht indeß zu weit, wenn ihn gelüstet -zu behaupten: er habe zu seiner Zeit hundert -Handwerker und hundert Bauern gesehen, die -vernünftiger und glücklicher gelebt (auch gedacht?) -hätten, als mancher Rektor auf einer -Universität (Rektor! als wenn dieser das <i>non -plus ultra</i> der Gelehrsamkeit wäre! <i>Kästner</i>, -<i>Kant</i> und andere unserer ersten Köpfe sind -Rektores, weil die Reihe sie trifft), und habe -lieber <i>jenen</i> als <i>diesem</i> ähnlich seyn wollen. -(Immerhin! verliert die Gelehrsamkeit - <span class="pagenum"><a id="Seite_277">[S. 277]</a></span> -dadurch, wenn einige ihrer Meister nicht Weisheitsbeflissene -sind?) Hat der Rektor der -großen Römischen Universität, <i>Cicero</i>, so -ganz Unrecht, wenn er dem Studieren den -Preis über Alles zuerkennt, was sonst beschäftigen -kann und mag? Wie kann man mit -größerem und bleibenderem Gewinne seine -Zeit benutzen? Der Handarbeiter, sagt man, -wendet sie an; der Gelehrte vertreibt sie. Ei, -Lieber! müssen denn nicht Feldherren seyn, -wo es Krieger giebt? müssen nicht Officiere -überlegen, was gemeine Soldaten ausführen? — -Durch tiefes Denken gewöhnen wir unsere -Seele zu einer Art von Existenz außerhalb des -Körpers; sie bereitet sich durch eine kleine -Reise nach <i>Rekahn</i> zu einer <i>Cookschen</i> vor, -durch einen Weg über Feld zu einem andern -— der uns Allen bevorsteht. Wenn <i>Cicero</i> -es nicht ungeneigt nehmen wollte, daß ich -seinen guten Geist bei dieser Gelegenheit -schon wieder citire; so sollt' es seinen Ausspruch -gelten, daß das ganze Leben des denkenden -Mannes eine Todesbetrachtung sei. — -Darf bei diesen Umständen das schöne Geschlecht - <span class="pagenum"><a id="Seite_278">[S. 278]</a></span> -Bedenken tragen, mitunter gelehrt -zu seyn —? Ist es aber im Stande Wissenschaften -sich eigen zu machen, sie leicht und -mit sichtbarem Nutzen Anderen beizubringen; -wie könnt' es ihm denn wohl an den Talenten -gebrechen, seine erworbenen Kenntnisse -auf andere Weise dem Staate zum Besten in -Anwendung zu bringen, sobald der Staat geruhete, -den Bann allergnädigst aufzuheben, mit -welchem ein barbarisches Vorurtheil es seit -Jahrtausenden belegt hat! Hätten jene Ritter, -die unter ihren Gelübden die Verpflichtung -hatten, Damen zu schützen, ihre Grenzen -weiter gesteckt; wie unendlich würdiger -wär' ihr Beruf gewesen! Schade, daß diese -treflichen Männer, welche, mit Ausschluß der -<i>irren</i> unter den <i>irrenden</i>, die edelsten und -klügsten ihres Zeitalters waren, nicht, anstatt -Weiber zu schützen, sie über diesen Schutz -erhoben! — Ist der Schleichhandel zu verkennen, -der, aller jener Verbote ungeachtet, -vom andern Geschlechte getrieben wird? -oder ist nicht vielmehr der große Einfluß -sichtbar, den das weibliche Geschlecht zu allen - <span class="pagenum"><a id="Seite_279">[S. 279]</a></span> -Zeiten auf alle bürgerliche und Staatsangelegenheiten -behauptet hat? Wenn es auf -große Plane ankam, die ausgeführt oder rückgängig -gemacht werden sollten, waren es Weiber, -welche die Hauptrolle übernahmen. Bei -Weisen und Thoren, Regenten und Priestern, -Staatsmännern und Mönchen waren sie wirklich -geheime Räthe; sie gehörten jederzeit -zum geheimen Ausschusse des Staatsrathes, dessen -Dekrete das Plenum blos mit Curialien -versah — und dem es Sekretariendienste erwies. -— Und wem ist hier ein <i>dirigirendes -Weib</i>, wär' es selbst eine Maitresse, nicht -lieber als Leithämmel von Kammerdienern, -Hofzwergen, Heiducken u. s. w., die ohnehin -nur Substistuten ihrer Weiber oder ihrer Liebchen -sind? Nicht bloß mit dem klingenden -Spiel und den fliegenden Fahnen ihres Witzes, -nicht bloß durch den vermittelst der Ideen-Association -verstärkten Vortrag wissen Weiber -sich Eingang zu verschaffen; ihr zur Beurtheilung -geschmeidiger Verstand vermag Alles — -Wie manchem Tyrannen von Minister, der -mit den Thränen des Volkes sein Spiel, und - <span class="pagenum"><a id="Seite_280">[S. 280]</a></span> -mit Glück und Unglück der Menschen Handel -trieb, der Alles drüber und drunter warf, -wußten sie auf eine bessere Bahn zu lenken! -Weiber halten den Faden, an dem die Cabinette -geleitet werden: sie mischen die Karten, -mit denen die Excellenzen spielen; und so -wie neue Hindernisse neue unberechnete Kräfte -erzeugen, so gelangten sie oft vermittelst -ihrer Schwachheit zum höheren Grade der -Stärke — Ein sanfter gemäßigter Charakter -ist dem andern Geschlecht eigen — Die Natur -verlieh ihm dazu große unverkennbare -Anlagen, und nur bei wenig mehr philosophischem -Nachdenken und Ausweichung der Verführung, -würde das schöne Geschlecht uns -eine gewisse edle unempfindliche Gleichgültigkeit -gegen so Manches lehren, was uns -jetzt so leicht außer uns setzt; und diese -Gleichgültigkeit ist ohne allen Zweifel die -Krone des diesseitigen Lebens. Hat die Natur -nicht oft den <i>Correggio</i> an der Schönheit und -Sittsamkeit übertroffen, womit er seine Frauenzimmer -ausstattete? Woher nehmen Mahler -ihre Engelgesichter? und was ist der Sanftmuth - <span class="pagenum"><a id="Seite_281">[S. 281]</a></span> -unmöglich — ob sie gleich sich zuweilen, -auch rückwärts zum Ziele zu kommen, -verbunden sieht? Welche scharfe Umrisse, -welches lebendige Colorit geben die Weiber -ihren Vorstellungen und den Charakteren, die -sie darin verflechten! Gleich ihr erster Blick -trifft das Ungewöhnliche bei jeder Sache, und -da dies Ähnlichkeit mit dem Wunderbaren -hat, an welchem die meisten Menschen so -gern hangen bleiben — ist es Wunder, wenn -sie oft selbst auf das tägliche Brot ein solches -Licht fallen lassen, daß es feierlich wird? -ist es Wunder, wenn sie das ländliche Mahl -zur Würde eines hohen Festes erheben? Höhere -Deutlichkeit und stärkendes Licht mit -mehr Vergrößerung zu vereinigen, ist das -Ziel, das sie mit so wenig Mühe und Aufwand -erreichen, ob es gleich so überschwenglich -wirkt — Das andere Geschlecht nimmt -in der Regel <i>für</i>, das unsrige <i>wider</i> sich ein. -Jenes ist gut, bis das Gegentheil bewiesen -ist; — von uns heißt es: wir sind böse, bis -man unser Gutes außer Zweifel gesetzt hat. -Weiber haben einen <i>Vor</i>-, wir einen <i>Nach-</i> - <span class="pagenum"><a id="Seite_282">[S. 282]</a></span> -Geschmack — Jene Runzeln, die das Alter -von der Weisheit, oder die Weisheit von dem -Alter hat, schrecken weder ihren Witz noch -ihren Verstand ab — und nichts, weder Verstand, -noch Schönheit, noch Vermögen, macht -sie schüchtern — Dem Verstande lauern sie -sehr auf den Dienst, und finden bald zu ihrem -Troste etwas an Lehr' und Leben der -Herren Philosophen auszusetzen, worüber -schwerlich etwas einzuwenden ist; und da sie -geborne <i>Naturalisten</i> (im natürlichen Sinne) -sind — wie leicht wird es ihnen, von <i>Artisten</i> -ein Federchen abzulesen! Weit eher als -wir, haben sie Anlage, zu dem von Vorurtheilen -und Aberglauben befreieten Gebrauche der -Vernunft zu gelangen — auf ein Haar wissen -sie den gelahrten Weizen von der gelahrten -Spreu zu unterscheiden — und den Shakespearschen -Ausdruck zu deuten: »er redet eine -Menge Nichts — zwei Weizenkörnlein versteckt -er in zwei Bündlein Spreu.« Weiber -sind dazu gemacht, den Philosophen, wenn -er sich in den Spinneweben des Systems verlor, -(wie ein bekannter Gelehrter sich in seinem - <span class="pagenum"><a id="Seite_283">[S. 283]</a></span> -eigenen Hause, das wohl gar ein Familienhaus -und vom Großvater und Vater auf -ihn gekommen war, verirrte) an Stell' und Ort -zu bringen und zu orientiren; sie geben ihm, -wie <i>Ariadne</i>, einen Faden in die Hand, und -rufen Jedem zu, der Länge und Breite nicht -unterscheidet, der das Ruder seiner selbst eingebüßt -hat: <i>Vous êtes orfèvre, Monsieur -Josse</i>! — Der Geist jener Philosophie, die -der Übermenschlichkeit nicht wohl will, hat -schon lange auf ihnen geruhet — Wer wußte -es besser als sie, daß weder praktische -noch theoretische Vernunft Überzeugungen, -vom Daseyn intelligibler, unsinnlicher Gegenstände -zu verschaffen im Stande ist, und -daß wir uns in unvermeidliche Widersprüche -verirren, wenn uns beide Vernunftarten unsinnliche -Gegenstände feil halten. Weiber -fühlen das Halbwahre von allem jenem, was -so gern im Allgemeinen gesagt wird, und bestehen -durchaus darauf, daß dergleichen Behauptungen -individueller gemacht werden — -Sie handeln nach nahe liegenden Motiven — -Spieler, Schiffsleute und alle die durch Glücksfälle - <span class="pagenum"><a id="Seite_284">[S. 284]</a></span> -regiert werden, die Avantüriers nicht ausgenommen, -sind zum Aberglauben geneigt — -ist es Wunder, daß die Weiber es weniger -als wir sind? — Die Schönheit bei einer -Mannsperson gilt ihnen durchaus nichts; und -wenn man den reichen Mann in Ehren hält, -weil er, wenn er wollte, helfen könnte, so -wissen sie wohl, daß er es nie wollen wird — -Ihre unbefangene Seele findet überall Weg -und Steg; und wer nur ein fleischern Herz -hat — kann der ihrer Herzlichkeit widerstehen? -Die Frau eines Lichthökers hatte kein -Bedenken, an der armen Seele des <i>David -Hume</i> ihr Heil zu versuchen. <i>Hume</i> konnte -die Seelsorge, die sie für ihn hatte, nicht anders -vom inneren Lichte abbringen, als daß er -ihr versprach, sein äußeres Licht von ihr kaufen -zu wollen. — Vom Philosophen <i>Terraston</i> -sagte <i>Madame de Lassay</i>: nur ein Mann von -Witz könne ein solcher Thor seyn; — und -wär' es historisch richtig, daß <i>Karl</i> XII an -den Senat geschrieben hätte: »ich will euch -meinen Stiefel schicken, dem ihr gehorchen -sollt;« so würden die Weiber der Herren Senatoren - <span class="pagenum"><a id="Seite_285">[S. 285]</a></span> -laut gelacht haben. — Was doch -kluge Weiber von dem weltberühmten Processe -des Ehrenmannes <i>Hastings</i> denken mögen, -der für die Papiermüller allein schon so viele -Sporteln abwirft! Nie konnten sie sich des -Lachens oder des Weinens über die jetzt sanft -und selig entschlafende Pariser Policei enthalten, -welche weiland Farcen und unmenschliche -Trauerspiele unter den Scheine der Wachsamkeit -und Obhut aufführte — Wie war es -möglich, in, mit, und unter dieser elenden -Policei sich Ausnahmen von der Wahrscheinlichkeit -der menschlichen Wachsamkeit zu -denken! »Hier sind wir alle entweder Fürsten -oder Dichter,« sagte <i>Voltaire</i>, als er sich bei -einem Fürsten zu Tische setzte; und das ist -der eigentliche Ton eines Weibes — Sie sind -nicht für Gemähldeausstellungen, wo denn -doch auch gegen Einen Kenner zehn Schuster -sich einfinden, die über den Leisten gehen; -sie wirken zwar im Stillen, doch wirken sie -am liebsten ins Allgemeine, wie die Natur, -ihre Schutzgöttin — Oder kann man dies -etwa nicht anders, als wenn man Kanzeln und - <span class="pagenum"><a id="Seite_286">[S. 286]</a></span> -Rednerstühle ersteigt? In der allgemeinen und -sichtbaren Kirche giebt es Lehrerinnen, so wie -Lehrer, ohne daß beide examinirt und ordinirt -sind —</p> - -<p>Es ist dem andern Geschlecht eine schonende -Gutmüthigkeit im historischen Urtheil -eigen; doch verstehen es Weiber, ein Faktum, -so wie einen Menschen, (immerhin so verwickelt -als möglich) aufzulösen, und zu concentriren. -Auch können sie jenen Totaleindruck, -den Faktum und Mensch auf sie machen, -Andern mittheilen, welches uns schwerer -wird. — Glückseligkeit ist, so wie Wahrheit -und Gottheit, eine Einheit; diese Einheit in -Allem herauszubringen, ist eine hohe Weisheit, -und, wir wollen gerecht seyn — sie ist -den Weibern eigen. Bei uns wird oft eine -Sache, die auch anders scheinen kann, die -diesem oder jenem Sonderlinge wirklich anders -vorkam, gleich zum Gegenstände eines gelehrten -Streites. Da haben wir denn eine extrafeine -Geschicklichkeit, die Zweifelsgründe -bald zu verstecken, bald wieder sichtbar zu -machen, ihrer Größe eine Elle zuzugeben oder - <span class="pagenum"><a id="Seite_287">[S. 287]</a></span> -abzunehmen, und die Entscheidungsgründe mit -denselben so abzuwägen, daß, wenn gleich, -besonders bei dem Faktum, die beiderseitigen -Wahrscheinlichkeiten einander ziemlich gleich -sind, doch die Schale, je nachdem wir wollen, -steigen oder sinken muß. — Das andere -Geschlecht liebt keine Spielgefechte mit einer -langen Linie aufgestellter und überwundener -Argumente — Eins ist ihm Noth. Nie -wird es das Publicum mit Sophismen äffen: -es verliebt sich bei weitem so leicht nicht wie -wir in eine Idee, die im Grunde keinen Gegenstand -hat; allein es fürchtet auch dergleichen -Gespensterideen weniger als wir — Gelehrte -und witzige Leute, (Gelehrte in dem -Sinne der gelernten Gelehrsamkeit genommen) -blind verliebt in den Gegenstand, dem sie -nachjagen, verargen sich auf diesem Wege -kleine Unrichtigkeiten nicht — Alle Menschen -sind Lügner, heißt es in der Schrift; Weiber -sind hier wachsamer und peinlicher. — Man -sagt: starke Wahrheiten wären nur für gute -Köpfe, (so wie starke Getränke nur für ächt -nervige Menschen sind;) schwache würden - <span class="pagenum"><a id="Seite_288">[S. 288]</a></span> -schwindelig — Man mache mit Weibern -den Versuch, und wir werden finden, daß -es keine Wahrheit giebt, die ihr Kopf nicht -ertragen könnte; sie wollen so weit wie möglich -— Wir glauben zu leicht, daß unser -Plan regelmäßig organisirt sey; die Weiber -sind leichtgläubiger bei der Ausführung — -Sie fürchten nichts Hohes, nichts Niedriges, -nichts was Unwissenheit oder Gelehrsamkeit, -Witz und Unwitz, Verstand und Unverstand -vermögen; wäre ihnen die ausübende Gewalt -anvertrauet — sie würden sicher mehr leisten -als wir, und, wenn sie sänken, es wie der -sterbende <i>Sokrates</i> machen, der, als er seine -Füße durch Gift schon in Leichnam verwandelt -fühlte, sie streichelte und mit lachender -Stirne sagte: so nahe gränzen Vergnügen und -Schmerz an einander; — oder wie <i>Seneca</i>, der -Wasser mit seinem Blute vermischt, <i>Jupiter -dem Befreier</i> weihete. Ach, wie oft, wenn -mich so mancher Dienst-Nero bis aufs Blut -verfolgte und die Wuth blödsinniger Tyrannen -mir zwar nicht die Ader öffnen ließ, wohl -aber mir weit härter fiel, stärkte mich dieses - <span class="pagenum"><a id="Seite_289">[S. 289]</a></span> -Weihwasser, und das Elogium <i>Jupiter dem -Befreier</i>! — Beweis von der Freudigkeit im -Tode der Weiber? Beweis! Seht Männer -und Weiber sterben. Ist Philosophiren sich -zum Tode vorbereiten, so sind die Weiber -große Philosophen; und in Wahrheit, sie sind -es unendlich praktischer als wir. Zwar sagt -man: studieren sei sterben lernen, weil man -seinen Geist dem Körper entzieht, ihn über -den Körper erhebt; allein Weiber haben diese -Kunstgriffe nicht nöthig, um den Tod zu hintergehen -und ihm das Schwert aus der Hand -zu schlagen — Warum Fechterkünste? Den -Tod so ganz wie er da ist verachten, <i>ist</i> -Weisheit; ihn durch Stratageme hintergehen, -<i>scheint</i> Weisheit zu seyn. Kein einziger zieht -ein anderes Loos; wir sind Alle zum Tode -verurtheilt — nicht aber als Kriminalverbrecher, -sondern als Menschen. — Käme es -auf Weiber an, sie würden selten den Ärzten -ihr Lebens- und Todesurtheil anvertrauen, und -sich von ihnen das Leben absprechen lassen — -Mißtrauisch gegen die Kunst <i>Galens</i>, haben -sie Alle eine Neigung, sich, wenn ja noch - <span class="pagenum"><a id="Seite_290">[S. 290]</a></span> -etwas seyn soll, einem Unzünftigen anzuvertrauen. -Ich muß und ich will, ist ihnen fast -einerlei; — und soll es auch nicht also seyn? -Jene Grundsätze einer bekannten Sekte: entweder -Vernunft oder Strick — entweder sich -ins Leben schicken oder es verlassen, sind den -Weibern wie angeboren. Nur <i>der</i> kann frei -leben, sagte ein Weiser des Alterthums, der -den Tod zu verachten weiß. Wie viele Freiheitsanlagen -sind den Weibern bei ihrer Todesgleichgültigkeit -eigen! Sollte man sie etwa -eben dieser Anlagen halben so sorgfältig -von der Freiheit entfernen? Nur der, welcher -mehr auf sich selbst als auf die Freiheit -hält, besitzt eine Sklavenseele, und ist unwerth -der Freiheit. Sind die Weiber in diesem -Falle? — Wenn die Weisheit verdrießlich -macht, wer wird Lust und Liebe zu ihr -haben? Dies Leben ist ein Geschenk; laßt -uns jeden Tag als eine Zugabe ansehen, auf -die man nicht zu rechnen im Stande war — -»Was heute geschehen kann, muß man nicht -auf morgen aussetzen;« so denken Weiber; -und allerdings tragen ihre körperliche Schwächlichkeit, - <span class="pagenum"><a id="Seite_291">[S. 291]</a></span> -die Einschränkung ihrer Freiheit -diesseits des Grabes, und das Verhältniß, das -ihnen nicht das Schicksal sondern die Männer -zumaßen, zu ihrer Lebensgleichgültigkeit bei. -Vorzüglich aber bewirken sie jene größeren -Leiden, welche die Natur ihnen als Menschen -auferlegte, wogegen die Mannspersonen, zu einiger -Entschädigung, sich größere bürgerliche -Lasten aufgebürdet zu haben scheinen — »Viel -Glück, <i>Diogenes</i>!« sagte der Philosoph <i>Speusippus</i>, -der wassersüchtig war und sich tragen -ließ. »Wenig Glück!« antwortete <i>Diogenes</i>, -»da du das Leben in einem solchen -Zustande ertragen kannst.« — So selten indeß -weibliche Thränen Murren und Unwillen -anzeigen, und so oft sie ein leise gewagtes -sanftes Sehnen nach mehr bürgerlicher Freiheit -sind; so hilft allerdings auch der Überdruß -eines Lebens, das kaum diesen Namen verdiente, -ihren freudigen Weg zum Grabe ebnen. -Daß es in der andern Welt gewiß -nicht schlechter für sie seyn könne, ist die Nativität, -die sie sich bei ihrem Ausgange aus dieser -Welt (wahrlich für sie einem Jammerthale) - <span class="pagenum"><a id="Seite_292">[S. 292]</a></span> -mit vieler Gewißheit stellen — Der Tod ist -ihr Jupiter der Befreier — Sie schaffen sich -eine andere Welt, wo Gerechtigkeit wohnt — -wo sie auf Rosen unter einem heiteren Himmel -wandeln — ein elisisches Idyllenleben —! -Sanfte rührende Schwermuth und leise Schwärmerei -helfen ihnen die Welt und sich überwinden -— und des Lebens und des Todes -Bitterkeit verschmelzen — Seht Weiber sterben! -wie ruhig! sie sterben in der Regel alle -philosophisch. Wenn dieser Fall sich bei -unserm Geschlecht ereignet, welch ein Geschrei -wird über diese Resignation erhoben! -Der Natur, der die Weiber leben, sterben -sie auch; sie scheint ihnen die Hand zu bieten, -um ihnen überzuhelfen — Die Weiber -wollen nicht täglich sterben, sie wollen nicht -Augenzeugen von den zu merklichen Verlusten -seyn, die man, je länger man lebt, je mehr -in Hinsicht des Lebens macht; haben sie ein -hohes Alter erreicht, so kennen sie die Beschwerden -des Lebens noch genauer, und der -Tod hat keine Gelegenheit, ihnen hart zu -fallen, wenn er auch wollte. <i>Sokrates</i> erwiederte - <span class="pagenum"><a id="Seite_293">[S. 293]</a></span> -denen, die ihm die Nachricht brachten, -daß man ihm zum Tode verurtheilt habe: die -Natur hat dieses Urtheil auch über meine -Richter publicirt — Das Leben giebt den -Tod, der Tod giebt das Leben — Nicht -nur wer im Schweiße seines Angesichts, sondern -auch wer im vollen Maße des Vergnügens -seinen Lebenstag vollbracht hat, ist gern -schläfrig — Wäre der Schlaf nicht der ältere -Bruder des Todes, es würde sich nicht so -leicht sterben lassen; jetzt aber schlafen wir -nur auf länger ein, als gewöhnlich — Warum -etwas fürchten, was Allen bevorsteht, etwas -dem Niemand entgeht, und nähm' er Flügel -der Morgenröthe, um an das äußerste Ende -der Erde und des Meeres zu fliehen! — Wenn -Männer die Kunst zu sterben lernen; so lernen -Weiber die Natur des Todes: ihr Herz -erschrickt nicht, und fürchtet sich nicht — -Will man mit dem Tode zu seinem Troste -bekannt werden, so muß man Weiber und -nicht Männer im Sterben beobachten — Gewiß -stirbt man im Kriege leichter, als auf -seinem gewöhnlichen Lager; allein der Tod - <span class="pagenum"><a id="Seite_294">[S. 294]</a></span> -in der Schlacht hat bei weitem nicht so viel -Lehrreiches, wie der Tod einer Wöchnerin -in dem Feldzuge, den die Natur ihr anwies — -Wie schön ist hier der Tod, der Tod fürs -Vaterland! Ich muß abbrechen; sonst würde -ich zu sehr verrathen, daß ich in Hinsicht -des Todes nur ein Mann bin. Zwei Freundinnen, -mit denen mich die Natur so nahe -verband, starben diesen Muttertod — »Es -kommt auf die Kleider an, die man dem Tode -anzieht,« sagte * * * — Du hattest recht, Liebe -— Dein Tod war leicht, froh, muthig -angezogen — — — So sterben Weiber; und -wie <i>leben</i> sie? Männer thun, was sie thun, -mehr aus Temperament, als aus Grundsätzen: -von Umständen hangen sie ab, und lassen sich -von ihnen, wie Schiffe die Mast und Ruder -verloren vom Winde, hin und her treiben — -Aus Noth, aus Trägheit, aus Bedürfniß handeln -sie. Sie sind im Grunde weit furchtsamer -als die Weiber; — es scheint nur anders. -Immer verbinden sie sich mit andern -Männern, und nennen oft (o der Entheiligung -des Namens!) <i>Freundschaft</i>, was <i>Furchtsamkeit</i> - <span class="pagenum"><a id="Seite_295">[S. 295]</a></span> -heißen sollte. Freundschaft! wo ist eine -reine? wie selten gewinnt man, ohne daß ein -Anderer verliert! — Handlungen leiden keine -Freundschaft, und nur mit Worten scheint -sie sich behelfen zu sollen — Durch Mißwachs -gewinnt der Landmann; durch Verschwendung -und Üppigkeit der Kaufmann; -durch Zank, Hader und Streit der Richter; -durch Neid und Haß der Geistliche. — »Ein -jeder Mensch hat seinen Preis, für den er -sich weggiebt,« ist die Behauptung eines Engländers, -eines Mannes aus einem Volke, das -noch einen Werth auf sich zu legen versteht — -Und wenn es wahr ist, was einer der Alten -behauptet, »daß ein Arzt es ungern sieht, -wenn seine Freunde gesund sind, und ein -Soldat, wenn sein Vaterland Frieden hat;« wenn der Untergang des Einen Dinges die -Schöpfung des andern ist: wo wird reine -Freundschaft seyn? Freundschaft, die allen -Graden der Versuchung gewachsen, die auch -gegen eine Welt nicht feil ist —! Von einem -Freunde muß es, wie von <i>Voltaire'n</i>, heißen: -Sein Geist ist überall, sein Herz ist hier (im - <span class="pagenum"><a id="Seite_296">[S. 296]</a></span> -Hause des <i>Herrn von Villette</i>, dessen Gemahlin -<i>Voltaire'ns</i> Pflegetochter war). Freundschaft -ist ein geschliffener Stahl, dem schon ein -feuchter Hauch den Rost zuzieht. — Nie kann -ich auf die großen Worte <i>Tod</i> und <i>Freundschaft</i> -stoßen, ohne daß mein Herz sich ausschüttet -— und sollte mir diese Wiederholungen -nicht jedes in meiner Lesewelt verzeihen, -das auch ein Herz für Freundschaft hat, und -das — sterblich ist? — Freundschaft ist Leben; -denn ohne sie hat die menschliche Existenz -keinen Werth. Ich habe meine Schrift -überhaupt durch die Bemerkung vorgeleitet, -daß, da ich für die Freiheit schreibe, ich -mich nicht selbst binden werde. Lehre und -Leben müssen sich in die Hand arbeiten; und -darf ich wohl im Münzverstande meine Schrift -legiren —? genug, wenn ich mich geleitlich -halte — und darüber wird hoffentlich kein -geierlicher Zoll- und Accisebedienter, kein -Freund und Feind, mit Grunde Rechtens Beschwerde -erheben können. — Freundschaft war -die Losung, und dieses herrliche Wort verdient, -daß wir Platz nehmen. — Die Frage: - <span class="pagenum"><a id="Seite_297">[S. 297]</a></span> -wie leben Weiber? kann bei dieser Abschweifung -nichts verlieren. Laßt Könige licitiren: -die Freundschaft ist nicht verkäuflich; — und -eine solche Freundschaft, die, wenn sie gleich -nicht zu den sieben Wunderwerken, so doch -zu den Seltenheiten der moralischen Welt gehört, -würde sich häufiger ereignen, wenn -auch das andere Geschlecht bei ihren Altären -zu Ablegung der Gelübde zugelassen würde, -die gemeiniglich mit der Grundregel anfangen, -seinen Freund so behutsam zu behandeln, -daß er, uns unbeschadet, auch unser -Feind werden kann. Jene Einschränkung des -Zutrauens und der wechselseitigen Herzensergießung, -jene Mäßigung in Entdeckung unserer -geheimen Beschwerden, hebt das, was -Freundschaft ist, auf, und macht dagegen einen -gewissen Schein gäng und gebe, der immer -als Weltklugheitsmaxime Dienste leisten -mag, der aber den Altar der Freundschaft entheiligt. -Unsere gegenwärtigen Freundschaften -sind gemeiniglich nichts mehr und nichts weniger, -als gemeinschaftlich geschlossene Connivenz, -wo beide Theile im Gewinn sind; - <span class="pagenum"><a id="Seite_298">[S. 298]</a></span> -und so wie die Bescheidenheit das Verlangen -ist, feiner gelobt werden zu wollen: so ist die -Freundschaft ein Bund, desto reiner zu gewinnen. -Heißt nicht schon <i>der</i> unser Freund, -welcher nicht unser erklärter <i>Feind</i> ist? Die -Kaufleute nennen <i>die</i>: Freunde, mit denen sie -in Handlungsverkehr stehen, wo es also Provision -zu berechnen giebt; und so wie <i>der</i> -schon für gut gilt, der ein böser Mensch von -der allgemeinen Art ist: so gilt <i>der</i> schon für -unsren Freund, der ein Menschenfreund, ein -Mensch von keinem schlechten Herzen ist, -der uns nicht verräth und verkauft, oder der -uns zu verrathen oder zu verkaufen keine Gelegenheit -gefunden hat. Unser Geschlecht ist -zu glücklich, als daß wir ächte Freunde der -Weiber seyn sollten; und zu unserer Freundschaft -gegen einander, auf die wir so stolz -thun, haben die Weiber nicht das mindeste -Zutrauen — Können wir (wie kann es nach -der Weiberlogik füglich anders lauten?) wohl -mit Freundschaften aus der Tasche spielen -und mit Aufopferungen prahlen, da wir uns -nicht einmal herabzulassen vermögen, den - <span class="pagenum"><a id="Seite_299">[S. 299]</a></span> -Weibern Gerechtigkeit zu erweisen? Überhaupt -ist selbst unser Leben nur halb, da wir -die Weiber nicht zu leben berechtigen; und -<i>wie leben sie denn</i>?</p> - -<p>Ob sie gleich heut zu Tage noch zu sehr -der Sinnlichkeit fröhnen, woran <i>sie</i> weniger -Schuld sind, als unsere Härte; obgleich noch -bei weitem nicht an ihnen erschienen ist, was -sie seyn können und seyn werden: so zeigen -sie doch bei so vieler Gelegenheit eine Selbstbeständigkeit, -eine Fassung, die uns so oft -beschämt. — Ihre Ausschweifungen, die wir -so schrecklich vergrößern, entstehen mehr aus -Befriedigung der Eitelkeit als der Begierde. -Sie haben keine andere Olympische Bahn, als -Männer zu fahen; man öffne ihnen andere, -und sie werden Wunder thun. Das Promemoria, -welches jener Kaufmann in sein Denkbuch -trug: »Ja nicht zu vergessen, mich in -Hamburg zu verheirathen!« ist ins Herz der -Frauenzimmer verzeichnet — Darum das Werben -ihrer Augen — Gemeiniglich haben sie -hierbei keine Absicht; sie treiben das Mienenspiel -der Mode halben, und weil keine kluge - <span class="pagenum"><a id="Seite_300">[S. 300]</a></span> -Mannsperson daraus etwas zu schließen wagt. -<i>Montagne</i> sagt: jungen Gelehrten geht es wie -den Kornähren; so lange sie leer sind, richten -sie ihre Spitzen gerad' und keck empor: kommen -aber ihre Körner zur Reife, so lassen sie -ihr Haupt sinken. — Warum wollen wir die -Weiber wegen ihrer Mienen so scharf richten, -und Eitelkeit, Koketterie und Wollust für einerlei -halten? Man lacht über jene Dame, -in deren Gegenwart man die schwarzen Augen -ihrer Nachbarin lobte, und die sehr schnell -erwiederte: »jetzt trägt man keine schwarzen -Augen mehr;« sind wir aber nicht die, welche -das andere Geschlecht zu solchen Antworten -verleiten? befördern wir nicht unserer Eitelkeit -halben die ihrige? Laßt die Weiber zu -Kräften kommen, und ihr werdet sehen, daß -sie im lauten Geheul der Stürme, wo Männer -sich nur selten ein geneigtes Gehör zu verschaffen -wissen, bei den schrecklichen Wogen -des empörten Meeres, sich finden, und dem -Meere und dem Winde <i>Silentium</i> gebieten -werden. Wenn man zur Zeit der sanften -Ruhe erlernt und überdenkt, was man zur - <span class="pagenum"><a id="Seite_301">[S. 301]</a></span> -Zeit der Schiffbruchsgefahr anwenden will, so -bleibt es zwar nicht unrühmlich, in der Zeit -zu sammeln, um in der Noth zu haben; wenn -aber Weiber selbst in diesem Ungewitter Entschlüsse -zu fassen verständen; wenn sie kein -Lexicon zusammengetragener Regeln aufschlagen -dürften, die ohnehin nie ganz auf einen -einzelnen Fall passen? — wenn —? Doch, -laßt uns erwägen, nicht was dieser Wallfisch -des menschlichen Geschlechtes werden wird, -wenn ihm nicht mehr Tönnchen zum Spielen -zugeworfen werden, sondern was er selbst in -seiner jetzigen so traurigen Lage war und ist! -Als <i>Sokrates</i> von der Gottheit zum <i>Weisen</i> -erhoben und ihm das Diplom hierüber wegen -seines Wohlverhaltens ertheilt ward, maß er -sich mit vielen seiner Zeitgenossen, und fand, -daß Andere diese Würde, wo nicht mehr, so -doch eben so gut verdienten, wie Seine Wohlweisheit -— Endlich überzeugte er sich, daß -diese Würde, bloß weil er sich nicht für -weise hielte, ihm auf Allerhöchsten Göttlichen -Special-Befehl wäre zuerkannt worden — -Kann <i>der</i>, welcher Aufsehen macht, weise - <span class="pagenum"><a id="Seite_302">[S. 302]</a></span> -seyn? hat <i>der</i>, bei der rastlosen Bemühung -sein Ansehen zu schützen und den Neid zu -entkräften, Zeit und Raum zur Weisheit? -<i>Ob den Weibern wirklich die Bescheidenheit -bei ihren Handlungen eigen ist?</i> Die Erfahrung -überhebt mich der Antwort. Ob Weiber -wirklich gehandelt haben? O, der beleidigenden -Frage! — —</p> - -<p>Ohne eine <i>Isabelle</i> wäre America vielleicht -noch nicht entdeckt worden, vielleicht nicht -durch <i>Columbus</i>, oder doch erst spät, und auf -einem entgegengesetzten Wege. <i>Ferdinand</i> -hatte nicht Muth und Entschlossenheit, einem -so kühnen Unternehmen seinen Nahmen zu -leihen, und seinen Schatz zu öffnen. Würde -<i>Cicero</i> ohne die <i>Fulvia</i> die Verschwörung des -<i>Catilina</i> entdeckt, und den Namen eines <i>Erhalters -des Römischen Staates</i> gewonnen haben? -<i>Karl V</i> verdankte es bloß dem Einfluß -eines Weibes, daß seine Donquixotterien einen -besseren Ausgang hatten, als sie verdienten. -Und warum eine größere Aufzählung solcher -Begebenheiten, an denen Weiber nicht -bloß Antheil nahmen, sondern die durch sie - <span class="pagenum"><a id="Seite_303">[S. 303]</a></span> -entstanden, durch sie geleitet und ausgeführt -wurden, wo sie nicht bloß untergeordnete -Dienste leisteten, sondern der Geist waren, -der über den Wassern schwebte, die Seele, -die den Gang der Begebenheiten ordnete und -lenkte! —</p> - -<p>Frankreich ist seit zweihundert Jahren -durch Weiber regiert worden; ob gut oder -schlecht, ist ein Umstand, auf den es hier -nicht ankommt. Daß es schlecht regiert ward, -ist nicht die Schuld der Weiber überhaupt, -sondern jener Weiber, die listig, verwegen -und ehrsüchtig genug waren, die Zügel des -Staates den schwachen Händen zu entwinden, -denen das blinde Glück sie anvertrauet hatte, -oder die in anderen Rücksichten aufgestellt -wurden, und die dann, neben dem schwereren -Geschäfte die lange Weile von einem müßigen -Monarchen zu verscheuchen, auf den Einfall -kamen, das ungleich leichtere Geschäft -der Staatsverwaltung zu übernehmen.</p> - -<p>Seitdem <i>Semiramis</i> mit rascher entschlossener -Hand das Zepter ergriff, und es mit so vieler -Würde als Weisheit führte, haben viele - <span class="pagenum"><a id="Seite_304">[S. 304]</a></span> -Weiber, und unter diesen mehrere welche -die Geburt nicht für ein Diadem bestimmte, -den Herrschertitel mit Ehren getragen. Giebt -es nicht Länder, die in ihren Regentenlisten -eben so viele berühmte Namen des einen als -des anderen Geschlechtes aufführen? Wenn -das Cabinet außer der <i>Ritterin d'Eon</i> keinen -weiblichen Geschäftsträger aufzuweisen hat; -sollte dies wohl die Unfähigkeit des anderen -Geschlechtes beweisen? Bei Allem, was durch -Vernunft erklügelt, durch Dreistigkeit errungen, -durch Witz erhascht, durch Gutmüthigkeit -erreicht werden kann, wird die schöne -Welt nicht zurückbleiben; — und wenn feile -Seelen allen Triebfedern dienstbar sind, werden -Weiber nie vergessen, was anständig ist — -welches da, wo der Anstand sich das Ansehen -giebt am höchsten getrieben zu seyn, oft -schnöde vergessen wird. Lord <i>Chesterfield</i> soll -bei einer Assemblee auf <i>Voltaire'ns</i> Frage: -<i>halten Sie die Englischen oder die französischen -Damen für schöner?</i> geantwortet haben: -<i>ich verstehe mich nicht auf Gemälde</i>; und -doch wüßt' ich keinen Hofmann, der sich so - <span class="pagenum"><a id="Seite_305">[S. 305]</a></span> -zu schminken verstanden hätte, wie dieser -Mann, der unter den Lords den Gelehrten, -und unter den Gelehrten den Lord machte. -Wer <i>le fin du fin</i> in dem diplomatischen Fache -kennt und übt, richtet auf diesem Wege -oft am wenigsten aus — Adler fangen nicht -Fliegen, und der Prätor setzt sich über kleinfügige -Subtilitäten hinweg — Der weibliche -Vortrag ist gemeiniglich mit dem was vorgetragen -wird, aus Einem Hause; diese Zwei -sind Eins, und nie oder selten findet hier eine -Mésalliance Statt, welches aber zwischen dem -männlichen Vortrage und der vorzutragenden -Sache sehr oft der Fall ist — Wüßten wir, -was in Cabinetten durch Weiber geschehen -ist: wir würden über die interessantesten aller -Spiele, die Täuschung der Imagination, erstaunen, -wodurch Weiber zu ihrem Zwecke -kamen; wir würden die Kunst bewundern, -mit welcher ein Weib oft den Faden einer -Begebenheit anspann, den sie durch alle -Schleichwege der Intrigue glücklich bis zum -Ziel hinausführte. Eigentlich scheinen sie jener -Künste, worauf die Politik heut zu Tage - <span class="pagenum"><a id="Seite_306">[S. 306]</a></span> -stolz thut, sich bloß darum zu bedienen, -daß die Männer mit gleicher Münze bezahlen -können; im Grunde sind sie von Natur -aus, weniger, als wir mit jenen Schlangenwindungen -der Zweideutigkeit, mit jener -politischen Falschheit ausgerüstet, die -nach den Regeln der jetzigen Kunst im -Finstern schleicht; und es ist von ihrem Verstande -und von ihrem Herzen zu erwarten, -daß sie die Politik säubern, und ihr zum Besten -der Menschheit mehr Natur und Wahrheit -beiordnen werden. Mit dem Talent, die -heimlichsten Gedanken eines Andern auszuspähen, -und sie in den verborgensten Winkeln -zu ertappen, werden sie den schlauesten Diplomatiker -überlisten, ohne daß es Sr. Excellenz -gelingt, ihnen ihr Geheimniß zu -entwenden; und obgleich der Wille der Principal-Excellenz, -wie ein Taglöhner, oft dem -liederlichsten Weibe verkauft wird: so wird -doch auch der Feinste von den Feinen vergebens -sie verleiten, ihren Fuß an einen Stein -zu stoßen — Nicht bloß die verliebte Schäferin, -sondern auch der Hofmann verbirgt sich - <span class="pagenum"><a id="Seite_307">[S. 307]</a></span> -im Gesträuch; allein beide lassen sich <i>zuvor</i> -sehen — Die Kunst vermehrt oft die Schmerzen -des Kranken, und es giebt eine verkünstelte -Kunst die in's Abderitische fällt, wodurch -unser Geschlecht in der Diplomatik -Glück machen will — Wir verfehlen nicht, -dem Erzengel <i>Michael</i> und dem <i>Drachen</i> eine -Kerze zu widmen — Warum doch so viele -Künste! — Werden Weiber aber bei diesem -Geschäfte den ihnen eigenen Edelmuth aufgeben? -jene aus Menschenliebe abstammende -Bereitwilligkeit zur Selbstverleugnung? werden -sie je bei der ihnen eigenen Kunst Menschen zu -vernehmen und zu erforschen, aufhören, großmüthig -zu seyn und sich selbst zu besiegen? -Nimmermehr! Schwache Männer pflegen -gern boshaften Menschen ihr Zutrauen zu -schenken, schwache Weiber dagegen sich edlen -Menschen zu überlassen: Weiber hassen -Verrätherei und den Verräther; wir nur, -wenn's köstlich ist, den Verräther: wir sehen -es gern, wenn dergleichen Leute viel bringen, -und geben uns nur Mühe, daß sie wenig -oder nichts mitnehmen — Weiber, weit - <span class="pagenum"><a id="Seite_308">[S. 308]</a></span> -hinweg über jene politischen Tiraden, über -jene politischen Metaphern und jenen politischen -<i>Salto mortale</i>, wählen die Natur zu ihrer -Lehrerin, und richten mehr aus, als Excellenzen -durch abgenutzte, verrathene und -verkaufte <i>Kniffe</i>, die den beschrieenen Namen -<i>Künste</i> bei weitem noch nicht einmal -verdienen —! Können Weiber nicht zeigen -und verbergen, was sie wollen? Haben sie -nicht eine Offenheit, durch die sie mehr, als -durch Zurückhaltung, ausrichten? eine unvergleichliche -Biegsamkeit der Gedanken, eine -Helle im Ausdruck, eine Geschmeidigkeit im -Urtheil —? Ihr Mienenspiel, ihr Glück und -ihr Verdienst, mit geringen Hülfsmitteln die -größten Wirkungen zu bewerkstelligen — ihre -Kunst, jedem einen Spiegel vorzuhalten, -worin <i>er</i> sieht, was <i>sie</i> wollen; ihre gelenkige -Zunge, wodurch sie ihren Ideen eine Macht -beilegen, die Alles überwindet: — dies sind -Eigenschaften, wodurch sie alles ausrichten. -Man nimmt nur die Wirkung an sich wahr, -und sieht sich vergebens nach den Ursachen -um, welche die Weiber sehr künstlich zu - <span class="pagenum"><a id="Seite_309">[S. 309]</a></span> -verstecken wissen. Schon im gemeinen Leben -verwickeln sie mit ihrem Witze alle Charaktere -der Gesellschaft auf eine so angenehme -Art, daß man diese ihre Leichtigkeit bewundern -muß. Indem sie der Ausdruck zu -verlassen scheint, indem sie ihn aufgeben, finden -sie eine überschwengliche Sprache: sie -belauschen kleine Ideen, die der, den sie gewinnen -wollen, fallen läßt; — sie wissen -auf ein Haar seine Leibgerichte, seine Neigungen, -seine Stärke, seine Schwäche; und besitzen -die große Gabe, von Glück und Unglück -Gebrauch zu machen — wie bewunderungswürdig! -— Unser Geschlecht verstehet es -selten, aus dem Glück, und fast nie, aus dem -Unglück Vortheil zu ziehen und glücklich -durch Unglück zu seyn. —</p> - -<p>Der <i>Mangel der Verschwiegenheit</i>, den -man dem andern Geschlechte so oft zur Last -legt, ist nur eine Unart des <i>weiblichen Pöbels</i>; -und der <i>männliche</i> Pöbel macht in dieser -Hinsicht so wenig eine Ausnahme, daß er -fast schwatzhafter zu seyn scheinet. Weil die -Weiber viel reden, hat man sie der Unverschwiegenheit - <span class="pagenum"><a id="Seite_310">[S. 310]</a></span> -beschuldiget; allein unser Geschlecht -verdient diesen Vorwurf unendlich -mehr; — wenn es voll süßen Weins oder verliebt -ist, fast immer, und auch oft dann, -wenn es sich weder durch Liebe noch durch -Wein erhitzt hat — Nichts kann Manchen -zurückhalten, sogar seine selbsteigene Schande -zu entdecken — Kein Soldat kann so begeistert -von seinen Siegen erzählen, wie ein -Zierling (<i>Élégant</i>) von den seinigen. Hat man -nicht <i>Mirabeau</i>, dem goldenen Munde neuester -Zeit, den Vorwurf gemacht, daß er -nichts verschweigen können? Jene Weigerung -guter Menschen, Alles hören zu wollen, nur -keine Geheimnisse, beweiset, daß wenige -Menschen zu solchen Depositis sich Treue -genug zutrauen. Viele unseres Geschlechtes -haben so viel selbsteigene Geheimnisse zu -bewahren, daß sie sich mit fremden Depositis -nicht füglich befassen können; viele sind -niedrig genug, Depositen-Gebühren auf eine -unverschämte Weise zu verlangen — Wer -sich selbst nicht treu ist, und seine eigenen -Unthaten unter die Leute zu bringen für unbedenklich - <span class="pagenum"><a id="Seite_311">[S. 311]</a></span> -hält, glaubt sich, wo nicht rechtfertigen, -so doch entschuldigen zu können, -wenn er seinen Herrn oder seinen Freund -verräth! — Männer sind so fein sich zu -überreden, daß sie zum Heil und Frommen -eines besseren Menschen das Beichtsiegel brechen -können, das auf die Geständnisse eines -minder guten schon gedrückt war! — Mancher -Richter macht sich kein Gewissen, unter -Versicherung des Nichtgebrauchs, Bekenntnisse -herauszulocken. »Hat denn,« fragt er, -»der Staat nicht mehr Recht auf mich, als -meine Verbindlichkeit?« Du irrest, Verräther! -der Tugend stehet das größere Recht zu. -Die Pflichten gegen das Vaterland heben bei -weitem nicht alle anderen Pflichten auf, und -ein Bürger muß nie aufhören ein Mensch zu -bleiben. Im Kriege selbst darf man den Vorzug -nicht aufgeben, ein Freund seines Freundes -zu seyn! Auch haben die Männer ein -verrätherisches Schweigen, ein Achselziehen -im Gebrauch, die Weise ein halbes Wort zu -sagen, den ersten Buchstaben anzugeben — -Diese Judas-Verrätherei durch einen Kuß, dieses - <span class="pagenum"><a id="Seite_312">[S. 312]</a></span> -plauderhafte Stillschweigen, läßt das andere -Geschlecht sich gar nicht zu Schulden kommen -— Man rede nicht von der Unverschwiegenheit -der Weiber! — —</p> - -<p>Noch weniger aber sollte den Weibern -untersagt seyn, an der <i>inneren Staatsverwaltung</i> -und <i>Staatshaushaltung</i> Theil zu nehmen, -da ihnen gegenwärtig schon im Ganzen die -Verwaltung ihres eigenen Hauswesens anvertrauet -ist, und sie bei diesem, ihnen zugefallenen -Pflichtteile, selbst nach dem Zeugnisse -der Männer, sich rühmlichst verhalten. Gewiß -hätten wir alsdann weniger Tyrannen, -die auf festem Grund und Boden Schiffbrüchige -mit Lust arbeiten sehen, oder die des -Spaßes wegen solchen, die mit den Fluthen -ringen, unter Pauken- und Trompeten-Schall -vermittelst einer heilsamen Verordnung Strohhalme -zuwerfen; weniger Blutigel, die hier -jeden Bissen finanzmäßig zuschneiden, und -dort den Schweiß und das Blut der Unterthanen -ohne Maß und Ziel verschwenden; — -die sich Mühe geben, dem gemeinen Manne -das Huhn aus dem Topfe herauszurechnen, - <span class="pagenum"><a id="Seite_313">[S. 313]</a></span> -welches <i>Heinrich IV</i> ihm alle Sonntage in den -Topf hineinzurechnen Königliche Sorge trug; — -die ihre Administration, wie elende Feldherren -ihre Einnahmen, mit Plünderungen anfangen, -und, um sich aus dem Gerede über neue -Plackerei zu bringen, Redouten und Bälle, -Diners und Soupers geben, und es wie weiland -<i>Alcibiades</i> machen, der seinem schönen -Hunde Ohren und Schwanz abschnitt — — -Wir hätten alsdann weniger Großprahler und -Meister, die gleich vom Himmel fallen, ob -sie schon entweder Colporteurs von alten abgetragenen -Meinungen sind, welche sie wie -ein Bettelkleid mit einem Flick von Sammet -bereichern, oder aber (trotz jenem Ober-Chirurgus, -der sich dienst- und kunsteifrig dahin -ausließ: hinter die Krankheit muß ich kommen, -wenn auch das ganze Regiment darauf -ginge!) eine neue verzweifelte Kur nach der -andern probiren — und das Alles? um reiche -Arme und arme Reiche zu machen — O, -wie viele hochgepriesene Schwachköpfe giebt -es, die Einen Stand auf Rechnung des andern -in verhältnißwidrigen Cours bringen, - <span class="pagenum"><a id="Seite_314">[S. 314]</a></span> -damit der eine durch Übermuth, und der andere -durch Hungersnoth verderbe! wie viele, -die nichts im Ganzen übersehen können, und -denen es ein leichtes dünkt, aus Deutschen -Franzosen, und aus Pohlen Holländer zu <i>fabriciren</i> -—! wie viele Finanzblitzer, deren -Aufblitz nur dazu dient, daß man das Schreckliche -der Verderbensnacht mit Schauder erblicke! -— Diese Herren sollten die Ermahnung -jenes Weisen an einen Frevler beherzigen, -der bei einem gefährlichen Ungewitter -die Götter bestürmte: — sich still zu halten, -damit die Götter nicht wüßten, daß er hier -wäre. — Nehmt das Triumvirat unserer außerordentlichen -Minister, des <i>Grafen Struensee</i>, -<i>Pombals</i>, <i>Neckers</i>; — und das sollte kein -Weib thun, was diese Excellenzen thaten?</p> - -<p>Wer dem weiblichen Geschlechte die Fähigkeit -abspricht, das Ganze zu übersehen, -Anordnungen für Königreiche zu treffen, sie -im Großen auszuführen, weit aussehende Plane -zu umfassen, und kurz, ihre Begriffe bis zum -Allgemeinen zu erheben, der verräth wenig -Weltkenntniß, und schließt von den Geschäftendes - <span class="pagenum"><a id="Seite_315">[S. 315]</a></span> -Detail — denn größtentheils werden -bloß diese den Weibern jetzt anvertrauet — auf -ihre Fähigkeit. Und wie? soll es denn bei -diesen Geschäften nicht auch subalterne Köpfe -geben, da Arbeiten dieser Art bei unsern jetzigen -Einrichtungen überall existiren? Wo es -Feste oder Erhöhungen gewisser Tage des gemeinen -Lebens giebt, da müssen auch Werktage -seyn — Nur alle sieben Tage ist ein -Sonntag — Weihungen gewisser Lebens-Momente -zu einem vorzüglichen Lebensgenusse -setzen auch gewöhnliche Tage voraus. Und -sind wir denn lauter Sonntagskinder? — Bewunderungswürdig -ist das Talent zu rechnen -selbst bei gemeinen Weibern, ob sie gleich -sich über unsere Rechnungsmethode wegsetzen, -und oft ihre eigene Arithmetik auch alsdann -noch beibehalten, wenn sie nach der gewöhnlichen -Schulmethode zu den Geheimnissen der -Zahlen zugelassen worden sind. Ihre Kanzelei -ist mir, bei aller ihrer Unregelmäßigkeit, -schätzbar, wenn gleich Keuschheits-Procuratoren -noch nicht einig sind, ob und in wie -weit das Schreiben dem weiblichen Geschlechte - <span class="pagenum"><a id="Seite_316">[S. 316]</a></span> -nützlich oder schädlich sei. Giebt es nicht -Männer genug, die ihre Töchter nicht anders -zu bewachen wissen, als daß sie ihnen Tinte -und Federn untersagen?</p> - -<p><i>Storch</i>, ein neuer Reisender, fand, nach -seinen Bemerkungen über Frankreich, in der -Schule des berühmten Tachygraphen <i>Coulon -de Thévenot</i> zu <i>Paris</i> Mädchen, unter denen -es einige in der Kunst geschwind zu schreiben, -zu einer erstaunenswürdigen Fertigkeit -gebracht hatten. Heißt das nicht mehr als -Orthographie und Kalligraphie?</p> - -<p>Vieles in der <i>Stadt- und Landwirthschaft</i> -hat man bis jetzt als unbedeutend behandelt; -viele Hausthiere sind lange nicht in dem gehörigen -Maße genutzt und im Ertrage in Anschlag -gekommen, und überhaupt ist das anzubauende -Feld nicht klein, welches auf Weiberköpfe -und Hände wartet, um urbar zu werden -— Fast möcht' ich sagen, die Ökonomie sei -weiblichen Geschlechtes, und vorzüglich die, -welche ins Große geht — Wie wir doch Alles -so meisterhaft — wie soll ich sagen? — <i>um</i>zukehren -oder zu <i>ver</i>kehren gewußt haben!</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_317">[S. 317]</a></span></p> - -<p>Und du, <i>heilige Justiz</i>! unübersteiglich dem, -der dich, wie der Pilger die Alpen, ohne Alpenschuhe, -Stab und Führer ersteigen will! -mystische Aristokratie, die du dich oft zwischen -Fürsten und Volk stellest — angeblich -um Mittler- oder Mäkler-Dienste zwischen -beiden zu üben, eigentlich aber um beide zu -beherrschen — darf ich es wagen, dich um -Audienz zu bitten? Zwar weiß ich, wie edel -dir deine Zeit ist, um dich nach einem dreistündigen -Sessionsschlaf zu erholen, und zu -einer abermaligen Sessionsruhe neue Kräfte -zu sammeln; doch will ich dich gewiß weniger -aufhalten, als du alle deine Partheien aufhältst -— Die Beobachtung der Natur hat -den größten Meistern in den schönen Künsten -die Regel zugeführt: daß wenige und einfache -Zeichen, wenn sie mit Weisheit gewählet -werden, eine kräftigere Wirkung thun, als -durch eine verschwenderische Häufung zwecklos -gewählter Zeichen möglich ist. Darf ich -so frei seyn, diesen Umstand der gesetzgebenden -und gesetzübenden Justiz zur Erwägung -zu empfehlen? <i>Hume</i> ging von seinem Freunde - <span class="pagenum"><a id="Seite_318">[S. 318]</a></span> -<i>Jortin</i>, einem Geistlichen, mit dem er über -natürliche und geoffenbarte Religion einen -Wortwechsel gehabt hatte; und da der Philosoph -nicht zugeben wollte, daß der Geistliche -ihn begleitete, fiel er. Der Geistliche, -der ihn fallen hörte, kam ihm mit seinem -Lichte zu Hülfe, und machte ihn mit den -Worten verdrießlich: »Habe ich Ihnen nicht -oft gesagt, lieber Freund, daß Sie Sich nicht -zu viel auf eigene Kräfte verlassen sollen, -und daß das natürliche Licht nicht hinreicht?« -Die natürliche Religion verlor durch diesen -Fall <i>Hume'ns</i> nur eben so viel, wie die geoffenbarte -durch das Licht <i>Jortin's</i> gewann; allein -die Justiz verliert durch den Umstand, -daß auch die ersten ihrer Officianten sehr oft -nicht wissen, wie sie mit ihr daran sind — -Sie fallen mit und ohne Licht, mit und ohne -Begleitung; und ich weiß nicht, woran es -liegt, daß Niemand recht weiß, was Rechtens -ist. Ihre Sentenzen, welche die Sache lösen -wollen und sollen, sind gemeiniglich neue -Räthsel, die sie aufgeben; und doch gehören -viele Sächsische Fristen und viele doppelte - <span class="pagenum"><a id="Seite_319">[S. 319]</a></span> -Sächsische Fristen dazu, ehe man die <i>hochlöblichen -Herren</i> zum <i>Stehen</i> bringt; und wie -viele Fristen verlaufen nicht, ehe sie zum -<i>Sitzen</i> kommen! Die Justiz war zu jeder -Frist eine dürftige Krücke, an welcher der -Staat hinkte, und noch obendrein von so -<i>schadenfroher und bösartiger Natur</i>, daß sie -auch selbst dem, der sich zutrauensvoll auf -sie stützte, die Hand durchbohrte. Wie oft -sind ihre Urtheile vergiftete Hostien, die -man bei großem Pomp des Hochamts empfängt. -— — In ihrer goldenen Zeit ist die -Justiz ein Guckkasten, worin schöne Raritäten -und schöne Spielwerke zu schauen sind — -Es gab von jeher unter den Juristen <i>Élégants</i>; -und wer hat nicht von der <i>eleganten Jurisprudenz</i> -reden gehört? Auch der einsichtsvollste -Jurist wird in eigenen Angelegenheiten -nicht wissen, was er zu thun und zu lassen -habe, um etwas Rechtbeständiges zu unternehmen; -und so scheint die gar zu große Kunst -der Justiz dem Menschen, den Gott aufrichtig -gemacht, völlig unangemessen zu seyn.</p> - -<p>Sollte sich einst die bürgerliche Verbesserung - <span class="pagenum"><a id="Seite_320">[S. 320]</a></span> -der Weiber bis auf die Rechtspflege erstrecken, -und das Recht aufhören, ein Monopol -einer besondern besoldeten Männer-Klasse -zu seyn; nur alsdann wird man anfangen einzusehen, -daß Rechtspflege nicht heißt, im -Orakelton unverständliche Formeln hersagen, -die nur wirksam sind, weil neben der Wagschale -auch das Schwert liegt, sondern daß -sie sich bemühen muß, die Partheien über -Recht und Unrecht zu belehren und zu überzeugen, -wenn sie einen Theil der Ehre verdienen -will, die sie sich jetzt so gränzenlos -und machtvollkommen beilegt. Man sagt: -<i>Necker</i> sei tugendhaft, um damit prahlen zu -können; <i>la Fayette</i> sei es, um es zu seyn -und nicht zu scheinen. Würde dies nicht -der Fall mit Richtern aus der weiblichen und -männlichen Klasse seyn?</p> - -<p>Schon fängt der Gedanke an sich je länger -je mehr zu regen, daß nur Gleiche zwischen -Gleichen entscheiden können, wenn Recht -nicht ein todter Buchstabe bleiben, sondern -ein lebendiger werden soll. Würde es indeß -nicht schreiendes Unrecht seyn, bis dahin, - <span class="pagenum"><a id="Seite_321">[S. 321]</a></span> -und ehe jener glühende Funke in der Asche -zum Feuer ausschlägt, den Weibern die Richter- -und Schöppenstühle zu verschließen? -Man behauptet in England: unbesoldete, dem -Beklagten gleiche, von ihm anerkannte, nur -auf eine kurze Zeit zum Wohl der Mitmenschen -und nicht schnöden Gewinnstes oder -eitler Ehre halben berufene, einstimmige Richter, -oder Geschworne (<i>Juries</i>), wären eine -Schutzwehr der bürgerlichen Freiheit, und -eine unüberwindliche Festung, wenn gleich -die Künstelei der politischen Maschine bisweilen -zu gesucht seyn sollte, wenn gleich in -ihrem Räderwerke zu viel oder zu wenig Zusammensetzung -Statt fände, wenn gleich in -der Vertheilung der Gewalt, in der Repräsentation -des Volkes, und in der Abtheilung der -Stände Organisations-, Schwachheits- und -Bosheitsfehler wären — Jene Justiz-Verwaltung -allein würde schon, was schwächlich ist, -beim Leben erhalten, und nichts erschöpfen -lassen, was zum Vortheile und zum Glanze -der Nation einen Beitrag liefern kann. In -der That, auch im monarchischen Staate - <span class="pagenum"><a id="Seite_322">[S. 322]</a></span> -könnte durch eine ähnliche Justizverwaltung -Alles einen andern Schwung bekommen, und -so Manches belebt werden, was jetzt gelähmt -ist — Monarch und Volk würden gewinnen. -Wie aber, wenn sogar das andere Geschlecht -an dieser Rechtspflege Antheil nähme, wenn -nicht bloß durch gute Männer (<i>arbitros</i>), sondern -auch durch gute Weiber, Zank und Streit -beigelegt oder entschieden würde? müßte da -die Justizverwaltung nicht noch vollkommener -werden? Menschen, die bloß gesetzlich sind, -haben keine Haltung; — es sind im eigentlichen -Sinne bloß unnütze Knechte, die zwar -thun, was ihnen geboten ist, allein damit -nichts Gutes stiften — Die Gesetze und die -Leidenschaften sind oft so verwandt, daß der, -welcher der Vernunft und dem Gewissen (der -praktischen Vernunft) nicht folgt, bei aller positiven -Gesetzlichkeit nicht selten ein verdorbener -Mensch ist — Wer kann hierauf genauere -Rücksicht nehmen als das andere Geschlecht? -wer es mehr empfinden als Weiber, -daß der Zwang, durch den Andere eben so -frei werden, die Probe der wahren Freiheit - <span class="pagenum"><a id="Seite_323">[S. 323]</a></span> -sei? — Trockne und ungekünstelte Wahrheit -gilt in der Geschichte und überall mehr, als -eine noch so glänzend scheinende Falschheit. -Jener medicinische Pfuscher, der einen König -von einem Quartanfieber befreiete, welchem -alle kunstverständige Ärzte, ihrer hohen und -tiefen Gelehrsamkeit ungeachtet, nicht gewachsen -waren, antwortete, als er <i>par ordre du -Roi</i> den Doktor-Hut erhalten sollte, und -der Form halben examinirt ward, auf die Frage: -»was ist das Fieber?« <i>eine Krankheit, die -Sie, meine Herren, sehr geschickt zu definiren, -und nicht zu curiren verstehen, und die <em class="gesperrt">ich</em> -nicht definiren, wohl aber curiren kann</i> — -Die evidente Vernunft ist eine Mitgift, welche -die Natur allen Menschen in gleichem Maße bewilligt -hat. Der allergemeinste Grundsatz des Naturrechtes, -mit dessen Ausübung Zwang unwidersprechlich -verbunden werden kann, ist das Gesetz:</p> - -<p> -verhindere, daß die Vollkommenheit aller<br /> -Menschen nicht gemindert werde;<br /> -</p> - -<p>und liegt in dem höchsten Material-Gesetze -der Sittlichkeit:</p> - -<p>vervollkommne alle Menschen.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_324">[S. 324]</a></span></p> - -<p>Ist Vollkommenheit nicht die höchste Stufe -der Ausbildung aller Kräfte zu einem Ganzen? -Ich will es hier mit keiner Schule verderben; -denn meine Absicht ist nicht, nach väterlicher -Weise der Richter- und Philosophenstühle, -durch Zank und Streit die edle Zeit des Handelns -zu versäumen. Darf ich indeß, um die -Justiz zu überzeugen, daß sie mit sich selbst -uneins ist, noch beiläufig bemerken, daß die -Vollkommenheit aller Menschen mir der -Zweck der sittlichen Gesetze zu seyn scheint? -Und was will man mehr als diese höchste -Ausbildung? Sollten indeß Gesetze nicht auf -alle Menschen ausgedehnt werden? Kann man -ein vernünftiges Wesen bloß als Mittel zu höheren -Zwecken ansehen? Jener allgemeine -materielle Grundsatz ist und bleibt ein Kennzeichen -der Form aller Sittlichkeit, gemäß der -allgemein geltenden Gesetzmäßigkeit und ihrem -obersten Grundsatze: die Vorschriften, nach -denen du handelst, müssen so beschaffen seyn, -daß sie allgemeine Gesetze werden können. -Verschlag' ich zu weit, oder kann unsere -neue Philosophie nicht ein Tribunalsausspruch - <span class="pagenum"><a id="Seite_325">[S. 325]</a></span> -meiner Vorschläge werden? Eine gute Gesetzgebung -ist sicher das Meisterstück des -menschlichen Geistes; und wer aus Kenntniß -unserer Natur weiß, daß die Sitten der Nationen -ihre Bildung größtentheils der Wirkung -der Gesetze zuschreiben müssen, wird es mir -nicht verdenken, daß ich unsere Juristen etwas -weiter zurückführe, als diese Herren vom gewöhnlichen -Schlage zu gehen gewohnt sind. -Schon da, wo die Weiber jetzt das Richteramt -führen, in gewissen <i>causis privilegiatis</i>, zeigen -sie sich als Meisterinnen in ihrer Art, und -beschämen ihre Männer, die gemeiniglich Alles -verderben, sobald sie es sich herausnehmen, -Stellvertreter ihrer Weiber seyn zu wollen —</p> - -<p>Man sagt: <i>Weiber wären hart</i>; allein läßt -sich die Justiz in Gefühle auflösen? <i>sie wären -zu peinlich bei ihrer Nachforschung</i>; allein -kann man es zu sehr seyn, wenn es Schuld -und Unschuld der Menschen gilt? Es fehlt -den Weibern selbst nicht an Gedächtnis, um -eine Legion Gesetze zu behalten, noch an -Geduld, die ewigen Klagen und Schutzreden -der Partheien anzuhören, und in einem feinen - <span class="pagenum"><a id="Seite_326">[S. 326]</a></span> -guten Herzen zu bewahren; nicht an Beredsamkeit, -um den Sturm der Partheien zu besänftigen -und die Fluth der Rede in ihr Ufer zurück -zu weisen — Wie geschickt würden sie -zu Versuchen der Sühne seyn! — Überraschung -ist der natürliche Ersatz für alle unangenehme -Verwirrung, ohne die sie nicht zu -erhalten war; allein ist dies der Fall bei unsern -richterlichen Sentenzen? sind sie nicht -gemeiniglich ein neues verwickeltes Knäuel? -wechselt nicht Verwirrung, bis endlich die -dritte Instanz, gemeiniglich durch einen Machtspruch -(so sehr auch dies Wort bei den Herren -Juristen gehaßt und verfolgt wird) aller -Fehd' ein Ende macht? —</p> - -<p>Bis jetzt hatten die Weiber kein anderes -ernsthaftes Geschäft als Liebesangelegenheiten. -Freilich, wenn sie auf einmal, wie vom Himmel -gefallen, ohne Vorbereitung, ohne ihnen -bewilligte bürgerliche Rechte, und ohne daß -man ihnen auf politische Köpfe und Füße -hilft, sich in Staatssachen werfen — ist es -Wunder, wenn sie, nach einem Französischen -<i>Viso reperto</i>, zwar die <i>hysterischen Zufälle</i> - <span class="pagenum"><a id="Seite_327">[S. 327]</a></span> -verlieren, indeß in noch <i>ärgere</i> fallen? Ernsthafte -Sachen sind ihnen zu <i>schön</i> und zu <i>erhaben</i>, -als daß sie nicht Alles dieser köstlichen -Perle halben veräußern sollten. Zarte -Fasern, die man pflegen und warten soll, muß -der Gärtner nicht zerreißen; bei einer scheinbaren -Ermattung, oder bei einem zu starken -Auswuchs, kann er nicht, ohne ein Miethling -zu seyn, jene sich hervordrängenden Zweige -abschneiden, die so leicht zu besseren Zwecken -zu leiten gewesen wären — Er läßt sie -in die Höhe schießen oder zur beschützenden -Krone gedeihen — Man mäßige bei dem -andern Geschlechte die zu starke Neuheit; -man bringe Weiber mit <i>mehr</i> ernsthaften Sachen, -und zwar <i>allmählich</i>, in Verbindung: -und hysterische und andere angeblich ärgere -Übel, Leibes und der Seele, Gutes und Ehre, -sind gehoben. Die Pfeifer und Geiger wurden -auf der Stelle verabschiedet, als <i>Jairi Töchterlein</i> -von den Todten erweckt werden sollte -— Selbst die Bevölkerung müßte hierbei -zunehmen; »es verlohne zu leben,« würden -die Weiber denken. Und wie ging es in aller - <span class="pagenum"><a id="Seite_328">[S. 328]</a></span> -Welt zu, daß man bis jetzt den Vortheil der -Menschheit so sehr verkannte? daß man die -Weiber als abgeschiedene Seelen in einem -Psychodocheum hielt, und sie nie zum wirklichen, -sondern bloß zu einer Art von Leben -berechtigte? — zu einer Art von Ritterleben -von trauriger Gestalt! — Viele Züge würden -mehr gehoben, andere sanfter gemischt werden; -man würde uns nicht so oft statt eines -Nachtstückes die Nacht mit schwarzen Farben -verkaufen; nicht so oft aus bloßer Angst und -Furcht ein Held seyn; nicht so viele Rechtsglücksgreifer -und Marionettenspieler in den -Gerichten finden, nicht so viele flache, mit -groben Farben überladene Richter und Anwälde -und wie die Herren weiter heißen — -wenn Weiber an der Rechtsverwaltung Theil -hätten. Sind unsere praktischen Rechtsgelehrten -nicht gemeiniglich Feinde des <i>Warum</i>? -Ist das Verdienst des größten Theils von ihnen -nicht, Urtheile in Umlauf zu bringen, -die man ein <i>Spielzeug des Gewissens</i> nennen -könnte —? Urtheile, die oft das gerade Gegentheil -von jener inneren Gerechtigkeit sind, - <span class="pagenum"><a id="Seite_329">[S. 329]</a></span> -bei der Jeder, wenn er auch gleich durch alle -drei Instanzen verloren hätte, sicher seyn -kann, daß er nach Gefühl und Einsicht der -gesitteten unparteiischen Welt gewinnen und -das Feld behalten werde! — Sind die meisten -Dikasteria nicht Säulenreihen, die nichts -Wichtiges zu tragen haben, und wo man unbedeutende -Gegenstände mit Verzierungen -überladen hat? Der <i>sichere</i> Ehrgeitz ist weit -unausstehlicher, als der, welcher sich vor -List und Nachstellung <i>fürchten</i> muß — Die -Römer waren, als Staat genommen, keine -sonderlichen Financiers; und oft hat mich der -sündliche Gedanke angewandelt, ob nicht mit -darum Juristen und Financiers einander so -spinnenfeind wären, bis auf den heutigen Tag. -Würden Weiber an der <i>Finanz</i>- und <i>Rechtsverwaltung</i> -Antheil nehmen — ich wette, dieser -Haß zwischen <i>Herodes</i> und <i>Pilatus</i> müßte -aufhören, und beide Theile mehr zu Gesinnungen -der Menschheit kommen, da jetzt die -Herren Financiers oft ins Recht pfuschen, und -die Justiz es so wenig bedenklich findet, eine -Art von Finanz-Operation zu werden — daß - <span class="pagenum"><a id="Seite_330">[S. 330]</a></span> -die Juristen oft genug die Furierschützen des -Finanz-Departements sind. —</p> - -<p><i>Themis!</i> weibliche Gottheit, öffne deine -Heiligthümer deinem Geschlechte, und du -wirst Wunder sehen, ohne daß du dich bemühen -darfst, sie zu thun —!</p> - -<p>Während daß wir unsere Hände nach Allem -ausstrecken, nicht zufrieden über die Seelen -der Weiber <i>à la Padischah</i> zu gebieten, -sondern auch an ihren Körpern zu Helden zu -werden, zwingen wir das andere Geschlecht, -auch auf <i>die Heilkunde</i> Verzicht zu thun, zu -der es einen unwiderstehlichen Hang behauptet. -Und warum ist die Heilkunde in ihrem -weitesten Umfange nicht eine freie Kunst der -Männer und Weiber? Fühlen die Weiber -nicht so lebhaft, daß die Natur sie ganz eigentlich -zu diesem Geschäfte berufen hat? -treiben sie nicht, trotz allen Anordnungen, -aller Aufsicht und allen Strafen, dieses ihnen -so strenge verbotene Handwerk? und haben -sie sich nicht — was noch sonderbarer ist — -dabei so gar einen Nahmen zu erwerben Gelegenheit -gehabt? Frau * * auf * * curirt - <span class="pagenum"><a id="Seite_331">[S. 331]</a></span> -ihr Haus und ihre Unterthanen, aller Recepte -von Scheltworten und Drohungen der kunsterfahrnen -Facultisten ungeachtet, und kann sich -nicht mit der gestrengen Rechtsgläubigkeit dieser -Herren einverstehen, wenn gleich diese -Eiferer für des Herrn Haus sich viele gelehrte -Mühe geben, in Rücksicht anderer unbedeutender -Ärztinnen, ihre Orthodoxie inquisitorisch -zu beurkunden — Hüten Sie Sich, gnädige -Frau, daß Sie nicht über Hals und Kopf -in ähnliche Anfechtung fallen, und wegen ihrer -kunstlosen Arzeneien verantwortlich werden! -— In einigen Spanischen Provinzen -barbieren die Weiber, und <i>Marquis de Langle</i> -setzt hinzu: so sollt' es eigentlich und überall -seyn, denn ihre weichen sanften und fleischigen -Hände taugen weit besser als unsere, das -Kinn einzuseifen und das Messer zu handhaben. -— In den Entscheidungsgründen kann -ich diesem Weiberschutzpatron nicht beistimmen; -wohl aber in der Behauptung selbst — -Jene nicht ungerechte Befürchtung des Meuchelmordes -würde, wo nicht aufhören, so -doch außerordentlich geschwächt werden, wenn - <span class="pagenum"><a id="Seite_332">[S. 332]</a></span> -das andere Geschlecht diese <i>gefährliche Kunst</i> -triebe. Die Anlage des andern Geschlechtes -zur Arzeneikunst und Chirurgie beweiset unwiderlegbar -seine vorzügliche Beobachtungsgabe. -Nicht leicht entgehet seiner Aufmerksamkeit -auch nur die kleinste vorübergehendste -Veränderung der Farbe, der Mienen, des Auges -— Jede, auch die unbeträchtlichste, -krampfhafte Bewegung der Muskeln weiß sein -Blick zu erreichen. Sein Takt ist zarter und -feiner, und auch da noch fühlt es Pulsschläge, -wo der Arzt, wegen seines gröberen Gefühls, -nichts mehr bemerkt. Der leiseste -Hauch entgeht den Weibern nicht; sie vernehmen -noch das Wort, das auf der Lippe zitterte -und starb, und oft verstehen sie die Gedanken -— Am praktischen Urtheil, von ihren -gesammelten Beobachtungen Gebrauch zu machen, -fehlt es ihnen sicher nicht — Schon -jetzt bei dem kargen Vorrath von Kenntnissen, -und ohne allen Beistand der Kunst, übernehmen -sie Kuren, die dem erfahrensten Arzte, -wo nicht lauten, so doch stillschweigenden -Beifall abzwingen. Wie viel weiter würden - <span class="pagenum"><a id="Seite_333">[S. 333]</a></span> -sie seyn, wenn ihnen der Zugang nachgelassen -wäre, den ihnen ein neidischer Zunftgeist bis -jetzt vorenthielt! Würden ihnen das Heiligthum -des <i>Epidaurischen Gottes</i>, und die unermeßlichen -Schätze der Natur aufgethan und -sie in die Geheimnisse der Kunst als Priesterinnen -eingeweihet; wie viel wäre für das -menschliche Geschlecht gewonnen! da hingegen -jetzt die große Angelegenheit, die Gesundheit -des Menschen, sich immer in sehr -mißlicher Lage befindet, indem viele von unseren -Ärzten sich nicht begnügen, Diener der -Natur zu seyn, sondern sich zu gestrengen -Herren derselben aufwerfen — Wo wir doch -überall Herren seyn wollen! Die Arzeneikunst -aller, der Natur nahe kommenden Menschen -ist so einfach und so stark, daß sie mit wenigen -Mitteln alle Krankheiten heilt, so wie -Brot die tägliche Schüssel auf allen Eßtischen -ist. Die Natur ist so gutmüthig, daß sie uns -durch Krankheiten gesund machen will — -Unpäßlichkeit ist ein Glockenschlag, wodurch -wir zum Bußtage aufgefordert werden — Die -Natur macht uns aufmerksam auf uns selbst — - <span class="pagenum"><a id="Seite_334">[S. 334]</a></span> -und will uns damit locken, daß wir glauben -sollen, sie sei unsere liebe gute, unsere rechte -Mutter. Und ist sie das nicht? — Der -Schmerz? Ach, dagegen ließe sich noch viel -sagen. In der That, die Natur scheint mit -dem Schmerz ihr Spiel zu treiben. Es giebt -Fälle, wo der Schmerz mit der Gefahr in -keinem Verhältnisse steht — Zahnschmerzvorfälle, -in welchen das Leiden weit größer -ist, als die Gefahr; und so auch umgekehrt — -Vielleicht wollte die Natur uns lehren, uns -aus dem Schmerze überhaupt nichts zu machen -und ihn nie auf einen ernsten Fuß zu -nehmen. Mache was du willst, sagte ein -Stoiker zum Schmerz, (ob er sich gleich nicht -entbrechen konnte, mit den Zähnen zu knirschen) -ich werde doch nicht sagen, daß du -ein Übel bist! und man sage was man will, -es liegt in unserm Reden mehr als Ein Linderungsmittel. -Wenn wir dem Schmerze -freundlich zureden, scheint er Mitleiden mit -uns zu haben; und wenn wir ihm trotzen, -scheint er sich zu fürchten. Wer den Schmerz -in Schimpf oder Ernst übersieht, und sein - <span class="pagenum"><a id="Seite_335">[S. 335]</a></span> -unverwandtes Seelenauge mit strenger Aufmerksamkeit -auf einen andern Gegenstand heftet, -spielt dem Schmerz einen Streich, daß -er nicht weiß, wie er daran ist. In allen -diesen Rücksichten ist vom andern Geschlechte -mehr, unendlich mehr, als vom unsrigen zu -erwarten — Ein gewisses Segensprechen, ein -gewisses Hohnsprechen, ist ihm eigen — Man -seh' es leiden, man seh' es mitleiden, und -Beileid bezeigen — man hör' es Trost und -Muth zureden —</p> - -<p>Wie viel eine vernünftige Lebensordnung -zur Erhaltung der Gesundheit beiträgt, und -welch ein bedeutendes Hauptstück hier Speise -und Trank ausmachen; wie vieles dabei auf -wahre Zubereitung ankommt: das sind Umstände, -von denen jeder überzeugt ist; und -doch wird dieser wichtigste und eigentlichste -Theil der Arzeneikunst ganz dem weiblichen -Geschlecht überlassen, ohne ihm die geringste -Kenntniß von dem zu lehren, was es zubereitet, -noch wie es dasselbe zubereiten muß, -wenn die thierische Maschine unterhalten und -nicht zerstöret werden soll — Vielleicht würde - <span class="pagenum"><a id="Seite_336">[S. 336]</a></span> -es durch Vermittelung der Weiber dahin -kommen, daß Speise und Trank zu unserer -Medicin würden, daß wir Medicin nicht mehr -<i>einnehmen</i> dürften — Wird nicht die Hälfte -ihrer Wirkung durch den Ekel eingebüßt, -den das Einnehmen veranlaßt? Kurz und -gut, das zahllose Heer von Processen und -Krankheiten würde vermindert werden, wenn -Weiber Richter und Ärzte wären. Ist es nicht -leichter, manchen Krankheiten <i>auszuweichen</i>, -als sie zu <i>heilen</i>? ist es nicht heilsamer für -den Staat, wenn weniger seiner Bürger von -Krankheiten heimgesucht werden, als wenn -ihnen durch die Kunst der Ärzte die Gesundheit -wiedergegeben wird? Ist das auch wirklich -Gesundheit, was diese Herren den Kranken -dafür verkaufen? Wahrlich, eben so wenig, -wie das Gerechtigkeit ist, was wir in -unsern Gerichtshöfen sehr theuer bezahlen —</p> - -<p>Väter des Staats, errichtet, statt klinischer -Institute, Schulen für die Weiber, wo das, -was zum Unterhalt und zur Nahrung des -Menschen dienen soll, näher geprüft und -untersucht wird; wo sie gelehrt werden, Speise - <span class="pagenum"><a id="Seite_337">[S. 337]</a></span> -und Trank auf eine unschädliche und schmackhafte -Weise zu bereiten, und das Leben und -die Gesundheit der Staatsbürger zu sichern. -Aber auch selbst in moralischer Rücksicht -wäre es den Sitten, und dem Staate, dem die -Sitten seiner Bürger vorzüglich zu Herzen gehen -müssen, vortheilhaft, wenn den Weibern -gestattet würde, Arzeneikunde zu üben.</p> - -<p>Weibliche Ärzte müßten sich weit eher -das Zutrauen bei den Kranken ihres Geschlechtes -erwerben. Diese würden ihre Gebrechen -leichter und mit weniger Zwang entdecken, -und jene, aus Erfahrung mit der Natur und -Beschaffenheit des weiblichen Körpers, mit -seiner periodischen Ausleerung bekannt, sicherer -dem Übel nachspüren, rathen und helfen -können. Dann würden weibliche Krankheiten -nicht mehr die Schande der Ärzte seyn, und -vielmehr eine Vollkommenheit in der Kunst -erreichet werden, in so fern Vollkommenheit -zu erreichen ist —.</p> - -<p>Schamhaftigkeit, diese Tugend, die das -andere Geschlecht so herrlich kleidet, mit -der, wenn sie verloren ginge, alle Grazien - <span class="pagenum"><a id="Seite_338">[S. 338]</a></span> -und Reitze ihre Kraft verlieren würden; sie, -die durch nichts ersetzt wird — ist sie nicht -oft die Ursache, daß Mädchen Gebrechen so -lange verheimlichen, bis dieselben nicht mehr -zu heben sind? oder daß sie lieber mit Gefahr -ihres Lebens auf die Hülfe der Kunst Verzicht -thun? Wie manche hat eine Entzündung in's -Grab gebracht, die, wenn sie weniger schamhaft -gewesen wäre, im Augenblick hätte gerettet -werden können —! Wie viele büßen -nicht durch schwere Geburten ihr Leben ein, -die es erhalten und dem Staate noch viele -Bürger geschenkt haben würden, wenn Geburtshülfe -eine weibliche Kunst wäre, wenn -man den Hebammen nicht bloß das Mechanische -dieser Kunst überließe, das Wissenschaftliche -derselben aber sehr weislich den -Männern vorbehalten hätte! Ist es bei diesen -Umständen ein Wunder, daß in <i>London</i> und -<i>Dublin</i> von Frauen, die sich durch Hebammen -entbinden lassen, Eine unter 70, und von denen, -die sich der Aufsicht männlicher Geburtshelfer -bedienen, nur Eine unter 140 im -Wochenbette stirbt? In der That, es bleibt - <span class="pagenum"><a id="Seite_339">[S. 339]</a></span> -unsittlich, daß ein Eheweib ihren Körper vor -irgend einem Manne, den ihrigen ausgenommen, -entblößt! Verscheucht dergleichen Überwindung -der Schamhaftigkeit nicht Alles, was -man Ehrbarkeit nennen kann? Wie viele -Villacerfsche Fälle mögen, ohne daß sie verzeichnet -sind, sich ereignet haben, wo ein -Arzt im verliebten Taumel nicht wußte, was -er that! wo er, um ein Weib zu verführen, -oder ein Mädchen zu gewinnen, die Kur verlängert, -sie anders lenkt, und oft bloß in dieser -Rücksicht einen langsamen oder schleunigen -Tod, ohne daß er es dazu anlegte, befördert! -Und wenn man weiß, was Eifersucht -vermag, wer zittert nicht bei diesem Gedanken -und bei der Einrichtung, nach welcher -man dem Arzte so viel anvertrauet, ohne selbst -nur den leidigen Trost zu haben, durch drei -Instanzen seinen Proceß zu verlieren!</p> - -<p>Woher kommt es, daß der so wichtige -und über alles gehende Widerstreit zwischen -Wohlstand, Sitten und Bedürfniß bis jetzt -übersehen worden ist? Hat man ihn aber -nicht übersehen, warum ist denn <i>dieser</i> Mißstand, - <span class="pagenum"><a id="Seite_340">[S. 340]</a></span> -dem so leicht abzuhelfen war, unabgeholfen -geblieben? Man kann sich bei dergleichen -Umständen des zudringlichen Gedankens -nicht erwehren, das moralische und physische -Wohl der Bürger sei nicht das, womit -die Staats-Piloten sich zu beschäftigen scheinen. -In der That, Glück und Zufall sind es -gemeiniglich, welche Bahn und Fahrt bestimmen; -denn es giebt der hier einschlagenden -Unschicklichkeiten noch weit mehr, von welchen -der Staat keine Notiz nimmt, ungeachtet -sie einer ernstlichen Rüge bedürfen, und -ungeachtet es federleicht seyn würde, diese -Quellen so mancher unmoralischen Folgen zu -verstopfen — Noch bedient man sich der -<i>Tanz-</i> und <i>Singemeister</i>, um dem Frauenzimmer -Tanz und Musik beizubringen, und -scheint es entweder nicht zu wissen oder -nicht wissen zu wollen, wie nahe die weibliche -Tugend hier der Gefahr ist, wie Manche -diesen Versuchungen nicht widerstanden und -als Opfer fielen.</p> - -<p>Man läßt es geschehen, daß <i>Männer Weiberköpfe</i> -putzen, und ahndet nicht, was hier - <span class="pagenum"><a id="Seite_341">[S. 341]</a></span> -für Gedanken geweckt, was für Bilder aufgeregt -und was für Begierden gereitzt werden. -Man vergißt, daß die Gattin und Tochter -müßig sitzen, daß das Wühlen in den Haaren -einen gewissen physischen Kitzel, wo -nicht bei beiden, so doch bei Einem Theile -erregt; man übersieht gewisse Stellungen, die -einen aufmerksamen Beobachter viel errathen -lassen. Zwar hat man angefangen, diese Geschäfte -weiblichen Händen zu übertragen; allein -noch ist dies eine Seltenheit und eine -ökonomische Veranstaltung. Ein kleinlicher -Bewegungsgrund, wo es doch deren so viele -und so wichtige giebt.</p> - -<p>Auch die <i>weibliche Kleidung</i> sollte durch -<i>Weiber</i> angemessen und gefertiget werden. -Die Manipulation eines männlichen Schneiders -und Schusters ist unschicklich. Wär' es dem -Staate Ernst, die große und edle Hälfte seiner -Bürger nützlich zu beschäftigen; fühlte er -die große Verpflichtung, diejenigen, welche -die Natur gleich machte, auch nach Gleich -und Recht zu behandeln, ihnen ihre Rechte -und mit diesen persönliche Freiheit und Unabhängigkeit, - <span class="pagenum"><a id="Seite_342">[S. 342]</a></span> -bürgerliches Verdienst und bürgerliche -Ehre wiederzugeben; öffnete er den -Weibern Cabinette, Dikasterien, Hörsäle, -Comptoire und Werkstätten; ließ' er dem -vermeintlich stärkeren Manne das Monopol -des Schwertes, wenn der Staat sich nun einmal -nicht ohne Menschenschlächter behelfen -kann oder will; und machte er übrigens unter -beiden Geschlechtern keinen Unterschied, so -wie die Natur es wollte, und wie die bürgerliche -Gesellschaft es auch wollen sollte, -wenn sie sich nicht etwa ihrer natürlichen -Herkunft schämt: so würden Staatswohl und -Staatsglückseligkeit sich überall mehren, die -Menschen wachsen wie die Weiden an den -Wasserbächen, und die Menschheit ihrer -großen Bestimmung mit schnellen Schritten -zueilen —</p> - -<p>Doch! ich wollte nur Winke geben, und -verdiene vielleicht den Beinamen, den man -<i>Burke'n</i> zu einer gewissen Zeit beilegte: <i>the -dinnerbell</i>, die Eßglocke, weil die meisten Parlamentsglieder, -wenn er zu peroriren anfing, das -Haus verließen. Die Wahrheit bedarf keiner - <span class="pagenum"><a id="Seite_343">[S. 343]</a></span> -Schminke, und wer der Schönheit wegen -schreibt, unterwirft sich dem Schicksal einiger -Damen unserer verderbten Zeit, die -sich weit lieber erkälten, als dem Putze das -Mindeste von seinen modischen Rechten entziehen. -Will man etwas in seinem ganzen -Umfange, in seiner ganzen Stärke genießen, -so entferne man alles Fremdartige, und mache -es wie große Esser, die, außer dem Geschmack, -den übrigen Sinnen in ihrem Eßsaale den Zutritt -nicht verstatten. Selbst weite Aussicht, -Tafelmusik, unterhaltende Gespräche entkräften -ihr Vergnügen — Still essen sie, und -Alles hat bei ihnen seine Zeit — Alles was -kolossalisch in's Auge fällt, ist schwächlich. -Wer Menschen vergöttert, macht weniger aus -ihnen, als sie von Gottes- und Naturwegen -seyn können. <i>Immerhin Gott, nur kein Mensch</i>, -hieß es von Höchstseligen Tyrannen — Detail-Vorschläge -geben sich von selbst, wenn -nur der Total-Eindruck unauslöschlich ist. -Der Text muß sich nicht in den Prediger, -sondern der Prediger in den Text schicken; -und was hilft wissen und wollen, wenn es - <span class="pagenum"><a id="Seite_344">[S. 344]</a></span> -nicht zum Thun kömmt! Wer nicht Nebenfolgen -von eigentlichen, und Nebenursachen -von Hauptursachen zu unterscheiden weiß, -hat seinen Plan nur schlecht angelegt — oder -hat gar keinen. —</p> - -<p>Wie aber! es erheben sich Einwendungen -an allen <i>fünf</i> Fingern der vorigen Kapitel. -Immerhin! und wären sie auch nichts weiter -als wiederholte Wiederholungen, an denen -denn doch meine Wenigkeit nicht Schuld ist, -sondern (Niemand übrigens zu Leide gesagt) -meine gebetenen Gäste von Opponenten. — -Jene <i>Chroniques scandaleuses</i> wider das schöne -Geschlecht, von Misogynen und vielbeweibten -Männern, von Kastraten und körperlichen -Kraftgenies, (die, in der Voraussetzung, -das sinnliche Bedürfniß sei das größte Band -unter beiden Geschlechtern, des Dafürhaltens -sind, die starken Männer wären auch die besten) -von Thoren und Weisen, von Heiligen -und Liederlichen, von Sultanen und Keuschheitswächtern, -geschrieben und erzählt — werden -sie vermögend seyn, uns umzuschaffen -oder der Natur Gewalt zu thun —? <i>Das - <span class="pagenum"><a id="Seite_345">[S. 345]</a></span> -Weib sei nur des Mannes wegen?</i> Wohl, -so wie der Mann des Weibes halben. Hast -du nie ein Weib gesehen, Freund, das bei -liebenswürdiger Einfachheit eine erhabene Größe -verräth? bei voller Publicität und Offenheit -eine enthaltsame, strenge Zurückhaltung? -— bei edler Zutraulichkeit forschende Prüfung? -— Es legt es nie auf Herzen an, und -doch gewinnt es alle Herzen. Das edle Absichtlose, -das die Poësie behauptet, ist seine -Weise; und wie viel richtet es damit aus! -Sein Blick, der durch die Kirchenschlösser -der Herzen dringt und Alles <i>für</i> und <i>wider</i> -entdeckt; — seine Kraft, die Alles niederdrückt -und hebt was es will; gleich frei von Freude -wie von Leid, von Furcht und Hoffnung unbefangen, -für den heutigen Tag lebend ohne -Sorgen für den andern Morgen — wie schnell -und wie umfassend wirksam, zur Selbstherrscherin -aller Herzen geboren, erhebt dies -Weib zu seinen Freunden, die es durch die -Hoheit seiner Würde zu seinen Untergebenen -machte! <i>Koketterie</i> — sagst du —? Nun, -so ist Kosmopolitismus Stoicismus — und die - <span class="pagenum"><a id="Seite_346">[S. 346]</a></span> -erhabenste Menschentugend im Leben und im -Tode Koketterie! Von Natur sollte das Weib -nicht den <i>Cajus</i>, <i>Titius</i> und <i>Sempronius</i> lieben, -sondern das Geschlecht; durch die Ehe -wird es Eines Mannes Weib: an jene Umfassung -gewohnt, geht auch seine Denkart -in's Allgemeine, in's Ganze, in's Große — -Macht ein großer Mann jene Rolle des großen -Weibes; sage unverhohlen: fehlt ihr -nicht oft Geist und Leben? — Du zürnest, -Freund? Was denkest du Arges in deinem -Herzen?</p> - -<p>»<i>Alle Übel in der bürgerlichen Gesellschaft -sind Werke der Weiber!</i>«</p> - -<p>Der Weiber, die doch in den politischen -Gesellschaften nur Nullen sind, und ohne eine -vorstehende männliche Zahl keine Bedeutung -haben? Und warum ihr Werk? weil sie -Männer dazu verleiteten? die Curandinnen die -wohlweisen Curatoren? Wegen des Einflusses, -den man den Weibern nicht versagen konnte, -den auch Sklavinnen über ihre gestrengen -Herren behaupteten. So sehet denn da die -Rache, welche die Natur sich nicht versagen - <span class="pagenum"><a id="Seite_347">[S. 347]</a></span> -kann, wenn man ihre Majestät beleidigt —! -Entzieht den Weibern keinen jener Antheile, -wozu sie unleugbare Rechte haben, und ihr -werdet jenen Schleichhandel von selbst heben, -den jetzt die Weiber zum Nachtheile ihrer -Männer und des Staates treiben. Die Vernunft -ist göttliches Ebenbild, und wo ihr sie -findet, da ist es Pflicht, ihre Superiorität an -zuerkennen — Wo sie erscheint, ist Werth, -Würde und Selbstbeständigkeit. Sie regiert -im Kleinsten der Unterthanen den Größten, -den Herrn der Welt — und in dem Staate, -wo sie unterdrückt wird, hören die Weisen -die Stimme, welche sie auf ebene Bahn leitet: -<i>Stehet auf und lasset uns von hinnen gehen!</i> -Oder wie? ist etwa der Werth des anderen -Geschlechtes nicht auf Vernunft, sondern auf -Sinnlichkeit gegründet? Ei, Lieber! können -wir uns, so lange wir Kleider der Sterblichkeit -tragen, über die Sinnlichkeit hinaussetzen? -Nur ein Pedant kann die <i>Sinne</i> die Deutschen -Klassen nennen; kommen wir nicht durch sie -und durch die Empfindung der Vernunft zuvor? -gründen die Sinne nicht die Vernunft? - <span class="pagenum"><a id="Seite_348">[S. 348]</a></span> -sind sie nicht — die höchsten Revisoren derselben? -erheben sie die Vernunft nicht zu ihrer -eigentlichen Würde? ist die Vernunft nicht -<i>generis foeminini?</i> und der <i>Geschmack?</i> ist er -nicht mit so schönen sittlichen Ideen ausgestattet, -daß es eine Lust ist? Muß die Vernunft -sich nicht vielmehr von Amtswegen versinnlichen, -um über das Herz zu siegen, das -ein trotziges und verzagtes Ding ist, wer kann -es ergründen —? Würden wir nicht aufhören -Menschen zu seyn, und übernatürlich -werden, wenn wir auf das Wesen der Menschen -Verzicht thäten? ist übernatürlich nicht -auch unnatürlich? Das feinste Raffinement -ist immer ein Verwandter der Simplicität. Das -Loos dieses Lebens ist eine Menschenrolle; -ist sie so subaltern wie sie scheint, und verdient -<i>der</i> Beförderung, der im Geringeren ungetreu -ist? Erst durch die Ehe wird das -Weib in eben dem Grade durch den Mann -vollendet, wie der Mann durch das Weib — -Mann und Weib machen einen ganzen Menschen -aus — Die relativen Eigenschaften, die -zwischen beiden auf einander angelegt sind, - <span class="pagenum"><a id="Seite_349">[S. 349]</a></span> -setzen diese Behauptung außer Zweifel. Darf -ich es noch einmal wiederholen, daß der Vorzug -der physischen Größe und Stärke des -Mannes in Hinsicht des Weibes sich auf -keine moralische Überlegenheit unseres Geschlechtes -bezieht? Kein Geschlecht hat den -mindesten Werth ohne das andere; zusammen -genommen machen sie die Menschheit aus. -Wir spielen aus Einer Kasse, und die Natur -hat Mann und Weib so zusammen gefügt, -daß kein Mensch sie scheiden kann — In einander -verwebt, ist Eins um des Andern willen. -Eifersucht auf Ansehen ist der Hebel, wodurch -nur schwache Menschen gereitzt und -in Athem gesetzt werden können. Was kann -sich ohne Weiber gruppiren? Gehe mit einem -dir völlig gleichgültigen Weibe um, nur langer -Weile halben — ehe du es merkst, wird deine -Seele in die ihrige eingreifen; ihr werdet -nicht von einander lassen, ohne daß Lust -oder Liebe hierbei den mindesten Einfluß hat -— Dieser Einklang ist Geschlechtstrieb, oder -inniges geheimes Gefühl, Bestätigung der göttlichen -Worte: Es ist nicht gut, daß der - <span class="pagenum"><a id="Seite_350">[S. 350]</a></span> -Mensch allein sei — Ohne <i>Eva</i> ist <i>Adam</i> -ein Thier, und <i>Eva</i> ohne <i>Adam</i> eine Klosterjungfer. -Wer bemerkte nicht, daß fast alle -Männergesellschaften mit dem Paradiese anfangen -und mit dem jüngsten Gerichte enden! -Man erstaunt über die Sprünge, welche Männergespräche -nehmen — Weiber knüpfen sie -zusammen und bringen Alles in das Verhältniß, -wenn gleich gesellschaftliche Unterhaltungen -mit Recht die Art der Englischen Gärten -behalten, die genau gebahnte Wege vermeiden. -— Wäre größere körperliche Stärke mit einer -größeren Seelenkraft verbunden, so würde diese -Schrift sehr klein geworden seyn, und es hätte -nicht verlohnt, an eine bürgerliche Verbesserung -der Weiber zu denken. Macht aber der -Geist des Menschen sein eigentliches Wesen -und Seyn, so ist die Unfähigkeit des Weibes -zu Staatsgeschäften, Künsten und Wissenschaften -ein Vorwand, allein kein Einwand — -Selbst nicht immer sind die Weiber schwächer -gebauet als die Männer — »<i>In einzelnen Fällen -—? in niederen Klassen?</i>« Nein! auch -selbst im Allgemeinen. In <i>Champagne</i>, wo - <span class="pagenum"><a id="Seite_351">[S. 351]</a></span> -die Einwohner ein gesunder Schlag Leute sind, -sollen, nach der Bemerkung der Reisenden, -die Weiber stärker seyn als die Männer; und -wie viele junge Wüstlinge giebt es, die sich -das Alter in der Jugend inoculiren ließen, um -so wenig vor Alter, wie an den Pocken zu -sterben —! Ich will für meinen Einwender -Gründe auslegen, die er mir hoffentlich zu -seiner Zeit erstatten wird. Zugegeben, daß -das Weib im Allgemeinen und bei allen Nationen, -so wie überhaupt, in der ganzen thierischen -Schöpfung, schwächer, feiner und zarter -gebauet ist als der Mann; zugegeben, daß -die weiblichen Nerven biegsamer, reitzbarer -und zärtlicher als die unsrigen sind: was folgt -daraus? etwa, daß der Körper der Weiber -nicht zu langen Anstrengungen des Geistes -angelegt sei? daß sie wegen ihrer lebhaften -Imagination nicht lange bei einem Gegenstande -verweilen können? daß Anstrengung des Kopfes, -Sammlung des Geistes ihre Sache nicht -sei? — Giebt es nicht wissenschaftliche Gegenstände, -welche Biegsamkeit und Feinheit -erfordern? Läßt denn körperliche Stärke auf - <span class="pagenum"><a id="Seite_352">[S. 352]</a></span> -geistige schließen? und hat ein vierschrötiger -Tagelöhner die beste Anlage zum Generalsuperintendenten? -— Die vorzüglichsten Menschen -hatten schon oft die schwächlichsten Körper. -Eine große Seele hat selten einen handfesten -Leib zu seinem Gefährten gewählt; Freund <i>Hume</i> -und einige andere ausgenommen, waren große -Geister in der Regel klein und schwächlich —. -Was wohl leibet, heißt es in einem alten Sprich- -und wahren Worte, seelet oft übel. Selbst -<i>Alexander</i> und <i>Friedrich II</i> waren klein von -Körper, so wie Helden gewöhnlich nicht auf -große Statur Anspruch hatten. Oder wie? -haben Physiologen ausfindig gemacht, daß die -ursprüngliche weibliche Organisation die Weiber -zu subalternen Geschöpfen mache, ihnen -den Weg zu allem Edlen und Großen vertrete, -und, wenn auch Jünglinge und Mädchen einerlei -Unterricht empfingen, von einerlei Motiven -zu ihrer Geistesbildung angetrieben würden -— jene doch diese allemal überflügelten? -Wären diese Beobachtungen wahr und richtig, -so müßte man freilich glauben, auch wenn -man das gerade Gegentheil sähe — Ei Lieber! - <span class="pagenum"><a id="Seite_353">[S. 353]</a></span> -wo hat man den Erfahrungsschatz gefunden? -gesammelt hat man ihn doch nicht? -wo sind Versuche gemacht? absichtlich gemacht? -und müßte das nicht vorausgegangen -seyn, wenn man über Anlagen und Fähigkeiten -so absprechen wollte? Es hat nie weder -an Köpfen noch an Herzen unter den Weibern -gefehlt, die den Männern den Rang abgewonnen! -Ich beziehe mich auf den Anfang dieses -Ohrfingers von Capitel, welcher so spendivisch -preiswürdige Namen genannt hat — Und -warum wollen wir mit einander streiten, da -jeder Blick aus der Arche der Studierstube das -Vorurtheil der Weiberverachtung widerlegen -kann und wird — falls ihm kein gefärbtes -Glas die Kraft benimmt. Es geht meinem -Gegner wie vielen andern seiner Art: er bestreitet -nicht die Sache selbst, sondern die -unrichtigen Begriffe, die er sich von der Sache -macht; nicht mich, sondern sich —</p> - -<p><i>Freilich</i> — (ein erwünschter Anfang von -einem Opponenten!) <i>Freilich wallfahrtete die -Königin aus Arabien, um bei dem Professor -Salomo einen philosophischen Cursus zu hören; - <span class="pagenum"><a id="Seite_354">[S. 354]</a></span> -und wir können nach der Liebe hoffen, daß -er sie nicht ohne <em class="gesperrt">augenscheinlichen Segen</em> -seiner Schule entlassen haben wird.</i></p> - -<p>Der Schule der Weisheit doch wohl? sonst -müßt' ich dies <i>Freilich</i> mit Zinsen zurückgeben. -Wo der liebe Gott eine Kirche hat, -da bauet sich der leidige Feind eine Kapelle -— Jede Akademie der Weisheit hat ein Gymnasium -der Torheit in der Nähe; in der -größten Schönheit liegt der Stoff zur größten -Häßlichkeit — Je glücklicher die Vernunft -den blauen Dunst zu verbreiten sucht, der -unser Auge verfälscht; je heftiger wird die -Begierde, sie durch Besuche aus jenen Gegenden -zu widerlegen, wo abgeschiedene Seelen -hausen — Beweiset die königliche Wanderschaft -(des <i>Freilichs</i> ungeachtet) nicht klärlich, -wie begierig die schöne Welt — wohl zu -merken nach Weisheit ist —? in Ernst, was -wissen wir denn? Sind Weiber gleich zuweilen -des Dafürhaltens, einer Philosophie -nicht zu bedürfen, nach welcher wir uns -rühmlichst den Kopf zerbrechen, um grundgelehrt -sagen zu können: wir wüßten nichts; - <span class="pagenum"><a id="Seite_355">[S. 355]</a></span> -können ihnen dagegen wohl Energie der Seele -und tiefgeschärfte Bemerkungen abgesprochen -werden? Und so wäre denn auch dieses Spiel -für die Weiber gewonnen — — — Kinder reicher -Leute sind gemeiniglich so baufällig, wie die -Hütten der Armen, und langer Nichtbrauch kann -Kräfte schwächen; — allein auch heben?</p> - -<p>Wer kann behaupten, <i>daß das Eigenthümliche -des Geschlechtes nichts Bestimmendes -für die bürgerliche Gesellschaft habe?</i> Das -Weib hat Selbstliebe und die damit correspondirende -Selbstbeständigkeit — Ist bürgerliche -Gesellschaft denn etwas anderes, als eine vergrößerte -häusliche? oder sind etwa auch in -der häuslichen Gesellschaft die Weiber nicht -an Ort und Stelle? Wo sind Privatgesellschaften, -die in die Länge ohne Weiber sich halten -könnten? Ihren Hauptreitz verdanken sie den -Weibern, deren munterer leichter Ton Alles -in's Geschick bringt, und die schwersten Gegenstände -schmackhaft, anmuthig, gefällig und -geläufig zu machen versteht — Sie finden zu -den Gedanken des Mannes die schicklichsten -Ausdrücke; und oft hab' ich zu bemerken Gelegenheit - <span class="pagenum"><a id="Seite_356">[S. 356]</a></span> -gehabt, daß, umgekehrt, Männer die -Gedanken des anderen Geschlechtes durch -wohlgewählte Worte zu beleben suchen. Bei -jeder Regel haben sie zehn Fälle bei der -Hand, die jene bestärken oder widerlegen; -ihre vom richtigsten Geschmack gebildete Einbildungskraft -bringt in die abstraktesten Dinge -eine lebendige Seele! Wir wollen viel wissen, -die Weiber viel verstehen; wir wollen viel -gedacht haben, die Weiber viel sagen und in -Umlauf bringen. Sie protegiren gemeiniglich -nicht Gelehrte, sondern die Gelehrsamkeit; -weniger eitel in dieser Hinsicht als wir, legen -sie es darauf an, weniger gelehrt als weise zu -seyn; sie ehren den Witz, und bedienen sich -seiner als der ihnen von Natur beigelegten -Waffen, sich in Achtung zu setzen und darin -zu erhalten. Durch Witz beleben sie ihre -gesellschaftlichen Cirkel, und halten jede Ungezogenheit -ab; ihre gefällige Laune tingirt -Alles mit Wohlgefallen — Dem Pedanten -schleifen sie den Rost ab, damit er erträglich -werde; und wenn <i>Newton</i> ihren Finger nimmt, -um seine Pfeife nachzustopfen, so wissen sie - <span class="pagenum"><a id="Seite_357">[S. 357]</a></span> -diese unverzeihliche Zerstreuung zu seinem -Vortheile zu wenden; wenn er etwas über die -Offenbarung Johannis schreibt, so thut es -durch den Schutz, den sie ihm angedeihen -lassen, ihm an dem Orte, wo er lebt, keinen -Schaden. Ein großer Gewinn! Nichts wird -so wenig vergeben als persönliches Verdienst, -und nichts wird so gern von Damen in Schutz -genommen als eben dieses. Empfindlichkeit -ist innig mit Genie verbunden: in unserem -Glücke liegt auch immer der Keim unseres -Unglückes; und wie viel haben Damen zu -thun, um hier Alles zum Besten zu kehren, -zu ebenen und in's Gleichgewicht zu bringen! -Ruhe und Ruhm sind selten gute Freunde; -Damen versuchen die Sühne unter ihnen, und -wissen sie zu vergleichen. Sie vertreiben jenen -Rauch in den Schriften der schönen Geister, -der Alles räucherig gemacht haben würde, -wenn nicht in Zeiten frische Luft dazu gekommen -wäre. Sie stellen bei kleinen Soupers -witzige Turniere an, und lenken das Gefecht. -Sie widersprechen nicht wie mein -Gegner, sondern oft nur, damit man einsehe, - <span class="pagenum"><a id="Seite_358">[S. 358]</a></span> -daß hier ihrer Zwei sind — Wenn Gelehrte -Gedanken überschlagen, so wie man Blätter -überschlägt; so füllen sie die Lücken, und -setzen Alles in Verbindung — Ihre Aufmunterung -erhält den verdienstvollen Schriftsteller -aufrecht, wenn Knaben ihn einen Kahlkopf -heißen; sie decken ihn mit ihrer Ägide vor -den feurigen Pfeilen des Neiders und Spötters, -so daß die besten Autoren an ihrer Hand die -Stufe der verdienten Würde erstiegen, die sie -ohne diese Engel der Stärkung gewiß nicht -erreicht haben würden — In der Blüthe wären -sie verwelkt, und noch ehe sie zu männlicher -Stärke gelangten, würden sie, ohne weibliche -Aufmunterung, Autorlebenssatt dahin geschieden -seyn — Die Prämien aller Akademien -können nicht den aufgekitzelten Witz -eines Spötters in unserm geselligen Kreise zügeln; -— und Weiber, die so wohlthätig in -kleinen Gesellschaften sind, sollten es weniger -in größern und im Staate seyn —? Ein Englischer -Reisender macht die Anmerkung, daß -die Französinnen in den Tagen der Fröhlichkeit -und des Genusses glänzten, die Engländerinnen - <span class="pagenum"><a id="Seite_359">[S. 359]</a></span> -dagegen im Schatten des eingezogen -Lebens und in der häuslichen Ruhe — -Man lasse sie zu <i>Staats-Geschäften</i>, und wir -werden finden, daß sie nicht bloß zum -Englischen Frühstück, zu einer Französischen -Assemblee, sondern auch in Geschäfte die -nämliche Milde und Güte bringen werden, -die sie überall, wo sie sind, verbreiten — Sie -sind das Salz der Erden, das Allem Geschmack -giebt, das Licht, das überall erleuchtet, es mag -als Mond des Hauswesens, oder als Sonne -des Staates aufgehen. Nicht nur die angeborne -Moral ihrer schönen Seelen; nicht nur -ihre Herzenskunst die feinsten Winkelzüge des -menschlichen Empfindens zu erreichen; nicht -nur ihr durchdringender Blick, der wie die -Steine <i>Davids Goliathe</i> tödtet; sondern auch -jene Eigenschaften, die uns die Kindheit so -liebenswürdig machen, ihre edle Einfalt, ihre -Güte des Herzens, ihre von, aller Menschenfurcht -entfernte Seele, ihr unbesorgtes Vertrauen -auf den Vater im Himmel und auf eine -gerechte, eine gute Sache, würden die Staatsgeschäfte -wiedergebären, und wir einen neuen - <span class="pagenum"><a id="Seite_360">[S. 360]</a></span> -Himmel und eine neue Erde des Staates sehen, -wo Gerechtigkeit und Milde wohnten, und in -einem neuen heiligen Leben wandeln. — Es -wäre eine unverzeihliche Spötterei, wenn man -auf die Frage: warum die weiblichen monarchischen -Regierungen besser als die männlichen -sind? antworten wollte: weil alsdann -Männer das Ruder in Händen haben, so wie, -wenn Männer regieren, Weiber sich am Ruder -befinden; allein auch selbst diese Spötterei, -so wenig sie von der Geschichte gerechtfertigt -wird, beweiset mindestens, daß Weiber -guten Rath zu schätzen wissen: und ist dies -nicht bei Männern nur selten der Fall? Doch, -berufen Einwendungen zu lösen, wie komm' -ich zur Apologie —?</p> - -<p>»<i>Eine Hauptbestimmung des Weibes ist -Kindererziehung. Um desto sicherer zu glänzen, -versäumt es diese Pflicht, die Miethlingen -überlassen werden muß; und wenn etwa -eine Mutter noch mit getheiltem Kopf und -Herzen die Erziehung ihrer Tochter übernähme -— ist es Wunder, daß sie, durch Gesellschaft -verdorben, anfänglich mit ihr paradirt, - <span class="pagenum"><a id="Seite_361">[S. 361]</a></span> -und nicht lange nach diesen Tagen eifersüchtig -auf sie wird?</i>« —</p> - -<p>Lieber! ist die Erziehung bloß Pflicht der -Mütter, oder liegt sie nicht auch den Vätern -ob? gehören die Kinder nicht beiden? Und -wenn der Vater, dieser Verpflichtung ungeachtet, -nicht aufhört gesellig zu seyn, warum soll -es denn die Mutter? Wozu werden Kinder -erzogen? nicht zur Gesellschaft im Großen -und Kleinen? und diese kennen zu lernen, -soll die Mutter Verzicht thun? sie soll erziehen, -ohne die Erziehungskunst zu kennen? — -Einer der ungerechtesten Vorwürfe ist es, die -<i>große Weichlichkeit unseres Jahrhunderts auf -die Rechnung der Weiber, und des Tons, den -sie in Gesellschaften angeben, zu setzen</i>. Sind -wir wohl so weichlich wie die cultivirten Völker, -die ihre Weiber einsperren? Selbst zu -gymnastischen Übungen giebt das andere Geschlecht -unsern Jünglingen Gelegenheit, die indeß -kaum noch Kraft zum Tanze haben, der -ohne die Weiber völlig aufhören würde —! — -Die Weichlichkeit fing von jeher bei unserem -Geschlechte an, und gewiß haben wir es den - <span class="pagenum"><a id="Seite_362">[S. 362]</a></span> -Weibern zum größten Theil zu verdanken, -daß sie nicht noch größere Verwüstungen -macht. Jene Eitelkeit, die jetzt den Weibern -anklebt, wird von selbst aufhören, wenn wir -ihnen den Zutritt zu Dingen verstatten, wo -sie sich von einer vortheilhafteren Seite zeigen -können. Bis jetzt schränkte sich ihre ganze -Bestimmung auf die Kunst ein uns zu gefallen, -und ein Mädchen hat seinen Lauf vollendet, -wenn es das Glück hat, einen Jüngling anzuwerben, -der seiner würdig ist. Gebet den -Weibern und Mädchen andere Beschäftigungen, -und sie werden jene Kleinigkeiten, jene -Puppen aufgeben, und die äußerlichen Vorzüge -weit unbeträchtlicher finden, als ein großer -Theil unserer Narcissen, die im Spiegel -der Mädchen bloß ihr geziertes Selbst erblicken. -Befriedigen wir überhaupt durch das, -was wir dem anderen Geschlechte zugestehen, -nicht weit mehr unsere Eitelkeit, als die Forderung -der Natur, als die Wünsche eines -denkenden Weibes? Es ist nicht zu leugnen, -daß jetzt auch eine tugendhafte, ihrem Manne -getreue Frau eine gewisse Koketterie für keinen - <span class="pagenum"><a id="Seite_363">[S. 363]</a></span> -Fehler hält und Männern von Verdiensten so -liebreich und zuvorkommend begegnet, daß -diese nicht umhin können, ihr eine vorzügliche -Dankbarkeit zu erweisen — Doch sollen -hierdurch Begierden nicht geweckt oder -gereitzt werden; nie denkt jene liebe Frau sie -zu befriedigen, und der Mann, der darauf -Rechnung machen wollte, wäre ein Neuling, -oder ein Prahler oder — Wenn der liebe -Gott einen Menschen strafen will, so fängt er -an, ihn inconsequent reden oder handeln zu -lassen — — Es giebt stillschweigende Bedingungen, -die, ob sie gleich nicht verabredet, -sondern vorausgesetzt und angenommen sind, -doch heiliger als schriftliche Contrakte, mit -Notariatssiegeln verunstaltet, erfüllt werden -— sie sind eine Art von Spielschuld, die -auch den Königlichen Allerhöchsten Kassen -vorgeht — Bei der jetzigen Lage der Dinge -trägt diese Koketterie des gemeinen Lebens -dazu bei, daß der Umgang anziehender wird -— man macht, wenn ich so sagen darf, nicht -dem Körper, sondern der Seele den Hof, und -es giebt in der That <i>Seelen-Cicisbeos</i>, die unschuldigsten - <span class="pagenum"><a id="Seite_364">[S. 364]</a></span> -Geschöpfe unter der Sonne — -Eine gewisse Art von Gleichheit unter den -Menschen, welche an die Unschuld der ersten -Welt erinnert, wird hierdurch zu Stande gebracht; -und so lange Weiber an den Staatsgeschäften -nicht Theil nehmen, und wir keine -ernsthafte Dinge mit ihnen und in ihrer Gegenwart -treiben können, ist diese Koketterie -ein Nothübel, ohne das unsere Gesellschaften -das Schalste, Unreitzendste und Langweiligste -seyn würden, was je in der Welt gewesen -ist und seyn kann.</p> - -<p>Der Einwand meines Gegners, <i>daß Weiber -zu viel Zeit auf ihren Leib verwenden</i>, -spielt den Krieg in sein eignes Land — Sind -wir es nicht, die ihnen die Seele bestreiten -—? die sie auf den Körper einschränken? -Ist denn etwa der Körper uns bloß Ballast, -mit dem die arme Seele sich beschwert hat, -um auf der Fahrt dieses Lebens fortzukommen? -oder ist er nicht vielmehr ein ehrwürdiger -Theil des Menschen? — Wer die Seele den -Genius des Menschen nannte — hatte der so -ganz unrecht? Man gradiere die Weiber im - <span class="pagenum"><a id="Seite_365">[S. 365]</a></span> -Staate, so wie man dem Golde eine höhere Farbe -giebt; und sie werden über den Leib die Seele -nicht versäumen — Ist es Ernst, lieber -Einwender, oder ist deine Behauptung, <i>daß -die Weiber eine unüberwindliche Neigung zur -Pracht besitzen, wodurch sie ihre Männer zur -Verschwendung und zu betrügerischen Concursen -verleiten</i>, Scherz? — Ernst also! Lieber! -wer brachte sie auf die Bahn zur Pracht? -nicht der Stand des Mannes? müssen sie -nicht diesem oft die glücklichsten Neigungen -ihres Herzens aufopfern? Ist ihre natürliche -Stimmung nicht für Einsamkeit und Landleben? -— <i>Landleben?</i> — Allerdings! Nicht -aber für jenes, das keine Wohnung der Weltentfernung, -sondern eine Gelegenheitsmacherin -zu neuen Üppigkeiten und zu einer ganz -neuen Art der Übertreibung ist — An der -Hand des Weibes scheint die Natur sich mit -uns vertraulicher einzulassen und recht Gelegenheiten -aufzusuchen, ihre Milch und ihren -Honig, den ganzen Reichthum ihrer Wollüste, -uns schmecken und sehen zu lassen. Die edlen -Ergüsse der Zärtlichkeit, wenn sie reitzend - <span class="pagenum"><a id="Seite_366">[S. 366]</a></span> -ausgewechselt werden sollen, suchen das Land, -und entfernen sich von Hof und Stadt, wo -sie Fremdlinge sind — sie leiden keine Zeugen, -und weit weniger Laurer und Faher — -Wie oft muß sich das Land mißbrauchen -lassen, die verstimmten Sinne des Hofmanns, -nicht zur Tugend und zu sanften Sitten, sondern -zu neuen Ausgelassenheiten aufzuheitern! — -Man sucht reinere Luft, um sich zu einer -neuen Art Ausschweifung aufzufrischen — -Weiber suchen das Land, und warten nicht -darauf, dahin verwiesen oder ausgestoßen zu -werden — Freund! sie sollten die Gräfin -<i>**b*</i> kennen! Sie darbt, wenn man an der -Hand der Natur darben kann, um für ihren -Schlemmer von Gemahl eine ungeheure Schuldenlast -zu bezahlen, die nicht bloß Sünden -der Jugend sind, sondern die er in einem -Staatsposten, der seinen Mann nährt, noch -immer vergrößert — Weiber schaffen sich -Welten, die sie besäen und bepflanzen, durch -eine wohlthätige Einbildungskraft, die ohne -Mühe reich macht: in der wirklichen Welt — -wie unbedeutend ist da ihre Rolle! — sie zogen - <span class="pagenum"><a id="Seite_367">[S. 367]</a></span> -Nieten aus jenem Glückstopfe; wir die Gewinner -— Man kann durch Gedanken sich -erhitzen und zu einer Röthe kommen, die -man eine Seelenröthe nennen könnte, und die -sich von allen jenen unterscheidet, welche -durch körperliche Erhitzungen veranlaßt werden; -und so eine Röthe innerer Zufriedenheit, -mit Zuziehung einer wohlerlaubten Einbildungskraft -erregt — welch eine Zierde auf der -Wange eines edlen Weibes! Hast du nie die -Wonne eines Familienzimmers empfunden, wo -man eigentlich zu Hause ist? denn in den -übrigen wohnen Gäste oder ein antisokratischer -Dämon von Pracht und Stolz; und welches -Zimmer ist dem andern Geschlechte das angemessenste? -das erste das beste — Und wie! -wenn es auch Weiber giebt, die zu meiner -Beschreibung nicht passen, wurden sie nicht -schon als Bräute zum unzeitigen Aufwande -durch Geschenke verführt, die weit über das -Vermögen des Bräutigams gingen? Schwingt -sich das Weib zum Regiment, so wird es ihm -schwer und unerträglich sich herabzustimmen -—; und wenn es sich wirklich herabstimmt, - <span class="pagenum"><a id="Seite_368">[S. 368]</a></span> -ist es verzeihlich, solche Blößen zu -geben? solche Betrüge ungestraft zu begehen? -ist es nur anständig, als Bräutigam den <i>Pastor -fido</i> zu spielen, um nachher als Ehemann den -<i>Orlando furioso</i> zu machen? sein Weib aus -dem Himmel in die Hölle, aus Eldorado in -eine Schenke zu werfen, wo man es durch -ein Schattenspiel an der Wand entschädigen -will? — So betete man weiland in Paris die -Komödianten an, denen man im Tode ein -ehrliches Begräbniß versagte —.</p> - -<p><i>Weiber sind auffahrend; der Zorn aber -(das Vorspiel der Raserei) thut nie, am wenigsten -in Staatsgeschäften, was Recht ist.</i></p> - -<p>Und woher dieser Zorn? der Ohnmacht halben, -und weil den Weibern keine rechtmäßige -Macht zustehet? Was hilft es, mit sich -selbst zu Rathe zu gehen, wenn es an ausübender -Gewalt fehlt, die weise genommenen Beschlüsse -zur Vollziehung zu bringen! — »Kannst -du regnen, so kann ich auf Holzschuhen gehen,« -heißt es in einem alten Deutschen -Sprichworte; und wer leugnet es, daß man -bei den Ausbrüchen des Zorns die eignen Gedanken - <span class="pagenum"><a id="Seite_369">[S. 369]</a></span> -der Seele nicht vernimmt, so wie man -bei tobendem Gewitter sein eignes Wort nicht -hören kann! — Als jener edle Mann des Alterthums -nach seiner Rückkehr sein Hauswesen -in unverzeihlicher Unordnung fand, stellte er -seinen <i>Vizdum</i>, den ungerechten Haushalter, -bloß mit den weisen, bewunderungswürdigen -Worten zur Rede: <i>wie würd' ich dir begegnen, -wenn ich nicht böse wäre</i> —! Mein -guter Freund ** sah einem Diebe gelassen -zu, der ihm sein Holz stahl, und nur als er -zu befürchten anfing, der Holzdieb würde sich -zu sehr belasten, bat er ihn dienstfreundlich, -sein selbst zu schonen, und sich, den Weg -zweimal zu gehen, nicht verdrießen zu lassen. -<i>Rechtsum</i>, schön! und <i>Linksum</i>? Welchem -Herrn dient der Knecht lieber: dem, der ihn -in der ersten Hitze seine Strafhand empfinden, -oder dem, der eiskalt ihn blutig stäupen läßt? -»Der Teufel verliert keinen Dreier dabei, wenn -ich nicht fluche,« sagte ein Bauerknabe, als -ihm das zweite Gebot eingebläuet ward — -So theuer bezahl' ich die Weisheit nicht — -Wie Vielen kostete die Zornunterdrückung Gesundheit - <span class="pagenum"><a id="Seite_370">[S. 370]</a></span> -und Leben! — Gesetzt Weiber verständen -die Kunst nicht, ihren Zorn äußerlich -zu zähmen, und eine gewisse Ruhe zu schwarzkünsteln -— sind nicht die unversteckten Fehler -die leichtesten und gemeiniglich Schwachheitssünden, -von denen sich auch fromme -gottgefällige Seelen nicht lossagen können? -Die Heiligen sind in dieser Rücksicht nicht -ohne Fehl vor Gott; — vor Menschen es zur -Scheinheiligkeit zu bringen, kann nicht schwer -fallen. Jene Fehler bleiben die gefährlichsten, -die in Schafskleidern zu uns kommen, inwendig -aber reißende Wölfe sind: an ihren Früchten -sollt ihr sie erkennen — Zürnet und sündiget -nicht — Ist nicht der Zorn eine Art -von Waffen, womit wir oft Gutes erweisen -können, ohne zu schaden? Was würden -Weiber ohne dies Hausmittel bei der Kindererziehung -ausrichten? Giebt es nicht Unbeschnittene -an Herz und Ohren, denen man -nachdrücklich und gewaltiglich andeuten muß, -was zu ihrem Frieden dient? — »Verziere -das Nützliche,« sagte die Weisheit; die Thorheit, -die alles umzukehren gewohnt ist, kehrte - <span class="pagenum"><a id="Seite_371">[S. 371]</a></span> -das Gebot um, und machte das Hauptwerk -zum Nebenwerke. Giebt der Zorn nicht oft -der Sache einen gewissen Schwung —? Wer -kennt und schätzt nicht den <i>Diensteifer</i>, der -das dritte Wort ist, wenn wir dem Staate unsere -Dienste anbieten, wenn wir wirklich seine -Officianten werden und wenn wir mit der -Bitte einer Pension den Staatsdienst verlassen -—!</p> - -<p>Der unbilligste Einwand von allen ist, daß -Weiber darum nicht zu Geschäften berufen -sind, <i>weil sie zu keiner Freundschaft unter -sich Verstand und Willen haben</i>. (Man übersehe -nur nicht, daß nicht ich sondern mein -Feind so freundschaftlich ist, an die Freundschaft -zu denken —) Ich leugne nicht, daß -ohne ein gewisses Band so genannter Freundschaft, -eigentlich Offenheit, gutmüthiger Bekanntschaft, -Staatsgeschäfte schwerlich bewirkt, -und die leider zu künstlich gerathene -Maschine des Staates vereinfacht werden kann, -weil ohne dieses Band keine Einheit im Staate -herauszubringen ist und alles in der Irre -ohne Zusammenhang und Ordnung bleibt — - <span class="pagenum"><a id="Seite_372">[S. 372]</a></span> -Wer ist aber im Stande, den Weibern Überlegung -hierzu, kalte Schätzung des Gegenstandes, -Feinheit, zuvorkommendes Wohlwollen -und Aufopferung abzusprechen —? Schon -jetzt giebt es Freundschaften unter ihnen, die -den unsrigen nicht weichen — Nur das Vorurtheil -der Männer hat ihnen die Anlagen zur -Freundschaft abgesprochen. Sind sie nicht -zarter, treuer, unüberwindlicher, unbestechbarer, -als viele Männer, wo Neid und Rivalität -von so vieler Art die Triebe des Herzens -verfälschen, und die Freundschaft zum Contrakt -<i>do ut des</i>, <i>facio ut facias</i>, nicht zum -Herzens-, sondern zum Sachentausche machen? -— <i>Damon-</i> und <i>Pythias-</i>Freundschaften sind -Fälle, die zu den seltenen gehören, und die -bei dem Einerlei der Weiber, bei ihrem Alltagsleben -um so weniger zu erwarten stehen, -da Proben und Situationen zu dergleichen -Freundschaften durchaus unentbehrlich nöthig -sind — Und wie verschieden sind jene <i>Damon-</i> -und <i>Pythias-</i>Freundschaften vom Dienstgleichgewichte, -das durch ein gewisses Einverständniß -bewirkt wird. Weiber müssen - <span class="pagenum"><a id="Seite_373">[S. 373]</a></span> -jetzt von Geschlechtswegen, wo nicht interessiren, -so doch Herzen gewinnen, wo nicht -angebetet, so doch geliebt werden wollen; -setzt sie über die Sinnlichkeit hinaus, und ihre -Eitelkeit, ihre Neugierde, ihr jetziger Hang -zum Vergnügen werden sich veredeln — sie -werden nicht aufhören, Weiber zu seyn; — -wie unglücklich wären wir, wenn sie das -könnten! — nur werden sie aufhören, <i>die</i> -Weiber zu seyn, die sie jetzt sind — Diese -Verwandlung wird uns heben, statt daß man -uns jetzt, wie jenen Elephantenleiter, fragen -könnte: <i>bist du darum so trotzig, weil du -Thiere commandirst?</i> An uns ist der erste -Schritt, und nur von unserm bußfertigen Entschlusse -hängt es ab, diese Revolution zu bewirken. -Werdet andere Männer, und Alles, -vorzüglich die Weiber, ist anders als jetzt. -Mit dem Maße mit dem wir sie messen, werden -sie uns wieder messen. <i>Dienstfreundschaft!</i> -Ist sie denn unserm Geschlechte eigen? -Nicht nur die Kraft, auch den Schein -verleugnen wir. Führen die Staatsdiener nicht -unter sich den dreißigjährigen Krieg? Der - <span class="pagenum"><a id="Seite_374">[S. 374]</a></span> -Financier ist wider den Justizmann, und der -Justizmann wider den Financier; das diplomatische -Corps wider das Kriegs-Departement, -und dieses gegen jenes — Einer will den -andern übermeistern, ohne daß er seiner selbst -Meister ist: Einer will dem andern die Gränze -verrücken, einer stellt dem andern ein -Bein — Doch, leider! ist es immer der -Staat, der bei dieser Gelegenheit in die Grube -fällt — Oft giebt sich sogar <i>Richtercomplott</i> -und <i>Höllenbund wider den Unterdrückten</i> -für Dienstfreundschaft aus; und da ist das -letzte Übel ärger, als das erste; da ist guter -Tag und guter Weg ein Himmel gegen jene -Mörder-Bande —</p> - -<p>Der sittliche Zustand der Weiber gründet -sich sehr natürlich auf ihren gesetzlichen — -Da das Mädchen sich ihren Gefährten des -Lebens nicht laut und deutlich wählen kann; -so sieht es sich genöthiget, dieses Geschäft -zutrauensvoll seinem Auge zu übertragen, das, -an diese Einladung gewöhnt, nie ganz diese -Weise aufgeben kann — Man scheint dieser -Manier eine Art von Dankbarkeit erweisen zu - <span class="pagenum"><a id="Seite_375">[S. 375]</a></span> -wollen, die jetzt, da Alle dies Blickspiel treiben, -das Unanständige nicht hat, das es sonst -haben würde. Diese Blicke, wodurch sie eine -besondere Art von Beherrschung, die man -Augenherrschaft nennen könnte, und eine gewisse -gefällige Freundschaft üben, haben ihren -besondern <i>Contract social</i> und so bestimmte -Gesetze, daß man auf ein Haar weiß, wann -die erlaubte Grenze <i>überblickt</i> wird — Dem -Reinen ist Alles rein — Wer findet nicht einen -sicheren Weg zur Wonne, in dem schönsten -der Spiele, einer verstohlnen Liebe? Die -Genüsse der Verstohlenheit steigen zu einer -geistigen Würde, zu einer hinreißenden Delicatesse -— Durch jenes <i>Glück</i>, das die Mädchen -sich <i>erblickten</i>, durch jene anziehende -Kraft, wodurch sie auf die Jünglinge wirkten, -hat ihre Verlegenheit auch bei weitem noch -nicht ihr Ende erreicht, wenn sie die Ehre -haben, in die Gewalt der Männer zu kommen. -Sie sinnen unaufhörlich darauf, diese Gewalt -durch alle Künste einzuschränken, so daß am -Ende nicht viel davon übrig zu bleiben pflegt -— Da sehen sich denn Weiber zuweilen — - <span class="pagenum"><a id="Seite_376">[S. 376]</a></span> -ist es ihnen zu verargen? — nothgedrungen, -vermittelst der Augen mit getreuen Nachbarn -und desgleichen Allianzen zu ihrer Deckung -einzugehen; und so unschuldig dieser Freundschaftsanfang -gemeiniglich ist, so schuldig -können oft Schutzverträge dieser Art werden. -Von Personen ihres Geschlechtes können sie -keine Beihülfe erwarten, und ihre Freundschaften -unter sich sind von anderer und -originaler Weise. Giebt es aber nicht eben -so viele wahre <i>Freundinnen</i>, als es wahre -<i>Freunde</i> giebt —? Von der bürgerlichen Verbesserung -der Weiber wird es abhangen, daß -ihre Freundschaftsanlagen berichtiget und verbessert -werden — Wie unbillig sind wir, -von Weibern — denen wir die Würde Personen -zu seyn, versagen — mehr zu fordern, -als ihnen zu leisten möglich ist! — — Fast -könnte man behaupten, daß die Gesetze, die -für ihr Vermögen, wie für das Vermögen eines -Unmündigen, sorgen, ihre Personen darüber -vernachlässigen, oder sie wenigstens vergessen -zu haben scheinen. Frauenzimmer, welche -Mütter werden können, sind keine Kinder - <span class="pagenum"><a id="Seite_377">[S. 377]</a></span> -mehr — Der bittere, nicht unverdiente Vorwurf, -den man unserem Geschlechte macht, -<i>»daß es heut zu Tage keine Kinder mehr gebe«</i> -— stehet er nicht mit unserer Grausamkeit, -die Weiber als große Kinder zu behandeln, -in engerer Verbindung, als man denken -sollte? — — —</p> - -<p>Es giebt Regenten, die sich den landesväterlichen -Wunsch des <i>Caligula</i> aus Geitz -eigen machen: ach, wenn doch alle ihre Provinzen -nur Einen Hals hätten! nicht um ihn -zu brechen, sondern nur eine einzige Röhre -zum Essen und zum Trinken in ihrer Monarchie -zu haben. So tyrannisch bin ich nicht -in Hinsicht meiner guten Freunde von Opponenten, -die es indeß nicht viel besser als die -Virtuosen machen, welche oft beschwerlich -sind, wenn sie Niemand hören will, dagegen -stumm und eigensinnig, wenn sie sich hören -lassen sollen.</p> - -<p><i>Die Unbeständigkeit soll ein so charakteristischer -Zug des weiblichen Verstandes -seyn, daß Weiber bei keinem Gegenstande -der Untersuchung und des ernsten Nachdenkens - <span class="pagenum"><a id="Seite_378">[S. 378]</a></span> -mit gleicher Anstrengung lange zu -verweilen im Stande wären.</i></p> - -<p>Der größte Theil des andern Geschlechtes, -der Mittelstand, hat nur eine einzige Art von -Beschäftigung, kommt nie aus dem Takt, und -weiß nur vom Hörensagen, was lange Weile -ist. Diese entsteht aus einer Art von Luxus -der Beschäftigungen, und gehört in der Regel -zu den Eigenschaften der Männer, obgleich -auch Damen höherer Region an diesem Übel -Theil nehmen, und an demselben schwach -und krank danieder liegen, wenn das Vergnügen -länger dauert, als sie es auszuhalten -gewohnt sind. Die Frau Gräfin hatte lange -Weile in der Komödie, weil heute noch Redoute -ist; allein auch auf der Redoute wird -ihr die Zeit lang werden; weil sie keine Partie -findet; und auch wenn sie diese gefunden -hat, würde die Zeit von ihrem Blei kein -Gran verlieren, da ihr Cicisbeo bei dem fürstlichen -Souper lange Weile hat, und sie mit -ihrem Verehrer nicht <i>minnespielen</i> kann. -Bei <i>einem einzigen</i> Spiel findet die schöne -Welt zu wenig Beschäftigung. Konnte doch - <span class="pagenum"><a id="Seite_379">[S. 379]</a></span> -<i>Julius Cäsar</i> lesen, schreiben, und sieben Cabinetssekretarien -sieben besondere Briefe diktieren! -— — Und lebt die schöne Welt wirklich? -— Nein doch! sie spielt das Leben — -Unbeständig überhaupt find' ich das andere -Geschlecht nicht mehr nicht weniger, als das -unsrige; vielmehr ist ihm eine gewisse Weltüberwindung -eigen. Es verstehet sich darauf -in's Dunkle zu werfen, und glänzt eben darum -desto besser — Stilles Verdienst ist sein Eigenthum; -und sind dies <i>Anzeigen</i> des Unbestandes? -— Zeitiger und fester nimmt es seine -Partie als wir — Zwanzig exemplarische -alte Jungfern gehen auf einen Hagestolzen -gleicher Art.</p> - -<p><i>Die große Lebhaftigkeit weiblicher Empfindungen -und weiblicher Einbildungskraft, -das zu reitzbare Nervensystem soll indeß -Schuld an der Unbeständigkeit und dem bloß -flüchtigen Feuer bei Gegenständen des Nachdenkens -in Hinsicht der Weiber seyn; auch -sollen sie für große Gegenstände des menschlichen -Wissens nur selten ein wahres Interesse -fühlen</i> —</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_380">[S. 380]</a></span></p> - -<p>Und giebt es denn in unserm Geschlechte -Viele, bei denen jene Ausdauer ist? die ein, -dem ersten neuen und frappanten Eindruck -gleiches, Feuer bei scientifischen Gegenständen -behaupten, die dem Spiele schnell auf -einander folgender angenehmer Empfindungen -widerstehen, und einem Gegenstande getreu -bleiben bis in den Tod? Hat nicht fast jeder, -außer seinem Haupt-, noch einen Neben-Beruf, -den er Erholung nennt, und an dem er -weit mehr hängt, als an seiner Hauptsache? -Die eigentliche Strebsamkeit ist dieser Nebensache -gewidmet: und hierbei pflegt man es -auch, durch Gottes Segen, in kurzer Zeit weiter -zu bringen, als bei der eigentlichen Hauptsache. -Friedensschlüsse verbinden jeden, nur -nicht die, welche sie schlossen; und angewiesene -Officianten haben überall Kraft und Macht -und Glauben in ihrem Amtsbezirk, wenn sie -gleich — (während sie eine Aktenrelation fertigen, -ein Paar über Nichts und wider Nichts -uneins gewordene Nachbarn ausgleichen, dem -jungen Greise von Vormunde, bei dem sein -Mündel das erloschene Feuer anfachen soll, - <span class="pagenum"><a id="Seite_381">[S. 381]</a></span> -dies unschuldige Geschöpf entreißen, ein Domainen-Stück -taxiren, den verfallenen Nahrungsstand -eines Fleckens untersuchen, die -Klagen von hundert unterdrückten Bauern hören, -und einer Wittwe zu dem ihr vertheuerten -Rechte verhelfen, und ihre Rechtssache -verkürzen sollen) — ein Lied auf den Frühling -zusammenstümpern, einer Wildenschweinsjagd -beiwohnen, ein Pikenik abwarten, eine -Strohkranzrede halten, oder in Liebelei versinken -— Haben doch Könige und Fürsten -Kühe gemolken, Netze gestrickt, Knöpfe gedrechselt, -gemahlt u. s. w. <i>Leibnitz</i> war so -wenig <i>Professor Philosophiae</i>, als <i>Wieland -Professor Poëseos</i>; und was giebt es denn für -große Gegenstände des menschlichen Wissens, -für die nicht Jemand aus dem andern Geschlechte -eine Neigung gezeigt hätte? Die -Geduld, das Ausdauern der Weiber ist zum -Bewundern; und legen sie nicht täglich davon -ein Zeugniß ab, indem sie die Formen nicht -zerbrechen, in welche Gewalt und List sie -goß? indem sie Kinder erziehen und in's Geleise -bringen, die ihre Väter oft durch blinde - <span class="pagenum"><a id="Seite_382">[S. 382]</a></span> -Liebe und eben so oft durch blinde Strenge -verderben —? indem sie mit ihren Männern -(leider! nur zu oft alten Kindern) gelinde umgehen, -wie mit jedem Übel, das nicht zu ändern -ist, und sie heben und tragen und leiten, -um sie nur wenigstens leidlich zu erhalten? — -<i>Aristoteles</i> ging spazieren, wenn er lehrte -und lernte, und hieß der <i>Spazierer</i> (Peripatetiker) -— Oder ist es nöthig, daß Alles im -ersten Feuer gearbeitet wird? daß die Phantasie -uns Alles mit Flammen mahlt? und daß -Alles, was wir denken und sagen, ein immerwährendes -Feuerwerk, ist? — Außer dem -Feuer giebt es noch andere wohlthätige Elemente -— Ungezügelte Bilder, funkelnde Sprüche, -tiefgeschöpfte, schwer herausgezogene -Sätze mögen immer bleiben, was sie sind; -es giebt Gedanken, die ihren stillen Werth -haben — die, gerechtfertigt werden durch -That —! — Wenn den gelehrten Arbeiten -der Weiber eine gewisse Furchtsamkeit anklebt -— ist es Wunder, da sie sich in die -gelehrte Republik bloß hineinstehlen müssen? -Von Natur sind sie dreister als wir; das Gefühl - <span class="pagenum"><a id="Seite_383">[S. 383]</a></span> -des Unvermögens, den Vorzügen Anderer -gemäß zu reden und zu handeln, das Allem -eine gewisse Ängstlichkeit giebt, ist ihre Sache -nicht — Die Gabe ihrer leichten ungezwungenen -Unterhaltung wird ihren Vortrag -nie mit üblen Angewohnheiten und Einschiebseln -verunstalten, die sich nicht viel besser -ausnehmen, als wenn verlegene mit der Welt -noch unbekannte Jünglinge von ihren Händen -und Füßen geärgert werden — oder wenn -Fliegen in ein reitzendes Gericht fallen. Müßige -Phrases in's Gespräch einschalten, heißt -ihnen: die Zeit tödten; und durch schöne Redensarten -einnehmen: das Vergnügen als Zweck -des Lebens behandeln. Seht Prinzen — und -seht regierende Herren selbst, wie furchtsam -sie sind! — Das Hof-Ceremoniel scheint -nur erfunden zu seyn, ihrer Blödigkeit auszuhelfen. -Auch giebt es eine edle Freiheit, -welche die Folge eines guten Gewissens ist, — -so wie es ein Wohlbefinden giebt, ein Gut- -und Übelaussehen, das vom Gewissen kommt; -und dies ist dem andern Geschlecht eigen — -Warum sollten Weiber denn wohl als Schriftstellerinnen - <span class="pagenum"><a id="Seite_384">[S. 384]</a></span> -furchtsam und verlegen thun und -seyn, da die aufgehaltene Sprache sich durchbrechender -Empfindungen eine Gewalt und -Stärke besitzt, gegen die schwerlich sonst etwas -zu wirken vermag, als unser kritischer -Übermuth, der die Weiber durchaus nicht -aufkommen lassen will? Weiber wissen Wahrnehmungen -zu Beobachtungen zu erhöhen; -und da Männer Sätze zu Grundsätzen zu erheben -wissen, (die, wohl zu merken! der Philosoph -sogar dem Mathematiker vorschreibt) -und mit ihnen Tausend schlagen: so schlügen -Weiber mit ihrem Witze gewiß Zehntausend, -wenn Männer ihn nicht durch eine Art von -Gründlichkeit (die genau genommen wenig -oder nichts bedeutet) zu lähmen und in Verlegenheit -zu setzen suchten. Weiber besitzen -die Geschicklichkeit, alle Seelenkräfte auf -Witz zurückzubringen — Gelingt ihnen nicht -Umfassung der Sache auf eine bewunderungswürdige -Weise? Wissen sie nicht das ewige -Einerlei, wozu sie verurtheilt sind, unübertrefflich -schön zu modificiren? und <i>Aufmerksamkeit -in hohem Grade</i>, oder <i>Scharfsinn</i> zu zeigen? - <span class="pagenum"><a id="Seite_385">[S. 385]</a></span> -Wie können sie aber einem Schwalle -von Kunstwörtern widerstehen, womit wir -Sturm laufen! wie eine schwerfällige Gelehrsamkeit -widerlegen, wodurch wir sie aus dem -Tempel der Wissenschaften hinauskritteln, -dessen Allerheiligstes doch so leicht und einfach -ist —! Warum soll es ihnen an Gedankenfülle, -großen erhabenen Darstellungen -von Charakteren, an hohem Schwunge gebrechen, -oder an Schöpfungskraft und hohem -Grad des Enthusiasmus, da sie von dem -allen ungesuchte und anspruchlose Proben -im gemeinen Leben äußern? — Feine originelle -und der Natur abgelauschte Züge -sind ihnen eigener als uns; was ihnen am -scharfen Umriß bei ihren Charakteren (richtig -ist er fast immer) abgeht, ersetzen sie -durch ihr lebendiges Colorit — So wie -sie ihren Körper zu kleiden verstehen, so -kleiden sie auch ihre Gedanken — Die -Angemessenheit ihrer Worte und die große -Einfachheit in der Wortfügung, geben ihrem -Styl eine Deutlichkeit, die nichts übertrifft. -Die besten Denkzettel, die ein Autor seiner - <span class="pagenum"><a id="Seite_386">[S. 386]</a></span> -Schrift anhängen kann, sind, wenn er durch -seine Darstellungen uns an uns selbst erinnert; -wenn seine Schrift dem Menschen durch das -Herz geht; wenn die Leser sich einbilden: es -fehle wenig oder nichts, so hätten sie diese -Schrift selbst stellen können; sie wären im -Stande gewesen, sie dem Autor in die Feder -zu sagen; aus ihrem Herzen hätt' er es genommen -und ihnen verkündiget — Solch ein -Widerschein erleuchtet und frommt!— Wir -lassen uns von <i>Ideen</i>, wie <i>Sokrates</i> von seinem -<i>Dämon</i>, verfolgen, wir versetzen uns, wie -<i>Plato</i>, in eine Republik; und so wie der, -welcher ein unverwandtes Auge auf Einen -Punkt heftet, zuletzt sieht, was er sehen will: -so sehen auch wir mit dem Auge der Seele -Windmühlen für Riesen, Wirthshäuser für -Schlösser, Teiche für Weltmeere, eine Abderitische -Posse für einen wohlüberdachten Finanz-Kniff -oder Operation an — Nicht genug; -auch Worte spielen den Meister nur zu -oft über uns — Wir veruntreuen ihre Bedeutung, -werfen eine willkührliche Markscheidung -derselben auf, und fallen, wie Leute, die reich - <span class="pagenum"><a id="Seite_387">[S. 387]</a></span> -werden wollen, in Versuchung und mancherlei -Stricke, wenn wir nach der leichtesten Art reich -zu werden, <i>zu sparen</i>, oder nach der schwersten, -<i>zu speculiren</i>, suchen — Wir arbeiten Alles -zum Druck aus, in der bestimmten Absicht, -es dem gelehrten Publico zu überantworten, -oder es in einem privilegirten oder unprivilegirten -Cirkel vorlesen zu lassen — Und ob -es gleich freilich correkter ausfällt, wenn der -Inhalt lehrreicher ist, oder so aussieht, wie -ein hingeworfener weiblicher Aufsatz; so wird -die Arbeit des anderen Geschlechtes doch -mehr Individualität zeigen, und eine Intuition -behaupten, die wir, im Namen und von wegen -unserer stupenden Gelehrsamkeit, fast keinem -unserer Werke in gleichem Grade verleihen -können. Leichter und flüchtiger sind weibliche -Arbeiten; allein darum oft treffender, -richtiger, eindrücklicher. Weiber lieben schon -nicht lange Worte, weil hier eine Hauptsylbe -sich die anderen unterordnet und sich die -Herrschaft über diese anmaßt — Lange Perioden -sind ihnen nicht angenehm, weil sie die Alten -nicht genug kennen, weil dieselben schwerer - <span class="pagenum"><a id="Seite_388">[S. 388]</a></span> -zu lesen und zu fassen sind, und weil der -Witz ein Todfeind dieser Potsdammer ist — -von denen ein plumper Holländer behauptete, -daß nur ein kleines Herz in einer dergleichen -gewaltig großen Maschine gefunden werde — -Selten lassen Weiber einen üppigen Sprößling -des Ausdruckes aufschießen — und ereignet -sich der Fall, so ist es eine Feldblume, die -sich nicht aus den Grenzen der Bescheidenheit -wagt — Bei uns gewinnt Nachdenken, -bei Weibern Empfindung die Oberhand — -Die Oberhand, sag' ich; denn auch Nachdenken -leistet der weiblichen Empfindung hülfliche -Hand: und sind in ihren Aufsätzen nicht -alle Ungleichheiten geebnet, so bleibt ihnen -dagegen mehr Eigenthümliches — Man rücke -das Ziel ihres geschäftigen Lebens über die -Küche und Stricknadel hinaus; man führe sie -nur an: und sie werden uns sehr bald an -Scharf- und Tiefsinn übertreffen, ohne sich kraft -ihres gesunden Menschenverstandes zu versteigen. -Ach! wer kann sich entbrechen, wenn vom -Vorzuge unseres Geschlechtes die Rede ist, mit -<i>Daniel</i> auszurufen: Seht, das sind eure Götzen!</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_389">[S. 389]</a></span></p> - -<p><i>Weiber können nicht allein seyn</i> —</p> - -<p>Nicht allein? Lieber! wenn die Einsamkeit -gemahlt werden soll, muß ein Weib sitzen, -oder sie ist nicht getroffen.</p> - -<p><i>Oder nichts allein überlegen.</i></p> - -<p>Und doch ziehen Männer sie alle Augenblicke -zu Rath; und wohl ihnen, und dem -Collegio und dem Staate, wenn Männer es -thun! O! wie gern wälzen die Männer ihre -Bürde von ihrem Herzen auf ihre Weiber, -denen sie ihre Geheimnisse anvertrauen! und -wie viel haben Weiber zu tragen! o, wie viel! -Von Weibern dagegen ist fast keine einzige, -die nicht etwas hätte, was nur Gott und sie -weiß, was kein Beichtvater erfährt, und womit -sie der Zeit und Ewigkeit unerschrocken, -entgegen geht — Unsere Geheimnisse verfliegen -oft, gleich einem flüchtigen Geiste; die -ihrigen sind ihnen in Herz und Seele geätzt — -Wenn Gedanken ihren Schöpfern entkommen, -die sich bei aller oft widerlichen Anstrengung -nicht zurückbringen lassen — ihren Schöpfern, -die nur selten Gedankenerhalter sind; so verstatten -Weiber ihren Gedanken nicht so viel - <span class="pagenum"><a id="Seite_390">[S. 390]</a></span> -Ausgelassenheit — <i>Was ich doch sagen wollte</i>, -wird man selten oder gar nicht von Weibern -hören. Ihr Gedächtniß ist getreuer, -als das unsrige; und schwerlich wird ein -Weib so zerstreuet seyn, wie <i>Terrasson</i>, und -so sehr sein Gedächtniß verlieren, wie er. -Weiber halten Zerstreuungen für Affektation, -und können sich nicht des Lachens enthalten, -wenn sie von <i>Terrasson</i> hören, daß er kurz -vor seinem Ende im Gedächtniß-Concurs -Alles an seinen Verwalter <i>Luquet</i> assignirte, -so daß er, als sein Beichtvater ihn bei der -letzten Beichte nach seiner Sündenmenge fragte, -demselben auch diese Assignation gab: Fragen -Sie nur <i>Luquet</i>. —</p> - -<p><i>Weiber wären nicht selbstständig und allein -fähig?</i> Eine Einwendung, die, so leimgestärkt -sie auch scheint, sich nicht halten kann. -Wenn wir zwischen Furcht und Hoffnung -schwanken, nehmen sie gleich Partie, und -sind entschlossen an Leib und Seele — Ihre -Entbindungen machen sie so dreist. Bei minder -wichtigen Dingen halten sie es nicht -werth, es noch auf Entschlüsse auszusetzen: - <span class="pagenum"><a id="Seite_391">[S. 391]</a></span> -Es gehe, wie es gehe — In politischen Angelegenheiten -schlagen sie, wenn wir kannengießern, -sich zu keiner Parthei, und wählen -das beste Theil: Was wir leisten, macht unsern -Lehrern Ehre; was sie leisten, ihnen selbst -— Sie mischen die Karten, und theilen sie so -aus, daß Spieler und Zuschauer zufrieden sind, -wenn dagegen eine Menge staatskluger Köpfe -beisammen sitzen, und noch immer in gerechter -Befürchtung, nicht Kopfs genug zu besitzen, -auf Verstärkung ihrer Beisitzer denken. -Vor lauter Räderwerk wird nichts zu Stande -gebracht, vor lauter Reden kommt es zu keiner -That, vor lauter Stimmenzählung zu keinem -Schlusse. Wer von uns hat sich über -das Stimmen der Instrumente nicht geärgert, -ehe es zur Sinfonie kommt —? Hohe Deutlichkeit -und stärkeres Licht mit mehr Vergrößerung -zu vereinigen — das ist das Ziel der -Ausrüstung, um Augenreisen in die Ferne zu -thun. Wie oft zerschlagen unverständige Kinder -und bärtige Collegia einen stattlichen Spiegel, -um eine Fliege zu tödten! und noch öfter -wird das Kind mit dem Bade ausgegossen. - <span class="pagenum"><a id="Seite_392">[S. 392]</a></span> -Des Bocksbeutels und der verkünstelten Kunst -halben kommen Dekrete zum Vorschein, mit -denen am wenigsten in allen Fällen, und -höchstens nur provisorisch, auszulangen ist; -Dekrete, die höchstens Palliative sind, um -sich eine angenehme Ruhe für die nächste -Nacht zu machen.</p> - -<p><i>Warum soll man den Jesuitenorden von -den Todten erwecken, und die heimlichen Jesuiten, -Jesuiten en tapinois (das schöne Geschlecht) -privilegiren?</i></p> - -<p>Warum? weil die heimlichen schädlicher -sind, als die öffentlichen, weil die öffentlichen -(wenn nämlich nichts heimlich bei ihnen -bleibt) aufhören Jesuiten zu seyn, und weil geheime -Krankheiten die gefährlichsten sind — -Wie kommt aber das andere Geschlecht zur -Ordensehre?</p> - -<p><i>Maitressen von guter Abkunft haben bei -weitem das Böse nicht gestiftet, was die Maitressen -niederer Abkunft, eine Pompadour, -eine du Barry, sich zu Schulden kommen ließen.</i> -Allerdings! und also nehme man nicht -Maitressen, sondern Weiber.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_393">[S. 393]</a></span></p> - -<p><i>Nein, also lasse man die Weiber in ihrer -Dunkelheit!</i> Getroffen, wenn sie Maitressen -werden sollen — Wenn sie aber ihren göttlichen -Ruf, Weiber zu seyn, befolgen, so hebe -man sie nicht durch Flittergold, sondern durch -Ächtheit — Sind die Türkischen Bassen und -Veziere, die Beys in Ägypten darum menschlicher, -weil sie in ihren früheren Jahren das -Elend des Volkes aus erster Hand kennen -lernten?</p> - -<p><i>Welche Widerlegungen!</i> -Sind etwa die Einwendungen besser? -<i>Es läßt sich Alles vertheidigen</i> — -und wider Alles einwenden. -<i>Ich wollte um Vieles, um Alles in der Welt kein Weib seyn</i> —; -ich auch nicht — -<i>und doch</i> — -und eben darum. -<i>Wer hat nun Recht —?</i> -Wer die Wahrheit sagte. -<i>Und wer sagte die Wahrheit? nicht wahr: wer Recht hatte?</i></p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_394">[S. 394]</a></span></p> - -<p>Wer die Sache der Unterdrückten führte, -und wer der Menschheit sich annahm.</p> - -<p><i>Der Menschheit?</i></p> - -<p>Sind etwa Weiber nicht Menschen?</p> - -<p><i>Der Unterdrückten?</i></p> - -<p>Sind wir nicht ihre Tyrannen?</p> - -<p><i>Heil den irrenden Rittern!</i></p> - -<p>Heil und fröhliche Gestalt, wenn ihr Ritt -auf Menschenwohl ausgeht —</p> - -<p><i>und wenn sie keine Dulcineen haben,</i></p> - -<p>als die Reinheit der Absicht, die Dulcinee -unserer Philosophen —.</p> - -<p><i>Dies Buch wäre nicht eines Weibes halben -geschrieben —?</i></p> - -<p>Nicht eines Weibes, sondern der Weiber -halben — Keines weiß, daß ich es geschrieben -habe, keines wird es, so Gott will, wissen.</p> - -<p><i>Und warum denn nicht jener schmale Weg, -der das zu Viel und zu Wenig vermeidet und -durch Beides sich durchschlängelt?</i></p> - -<p>Weil Wenige sind, die darauf wandeln —</p> - -<p><i>Besser als Viele!</i></p> - -<p>Nicht immer, wenn von bürgerlicher Tugend -und Untugend die Rede ist.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_395">[S. 395]</a></span></p> - -<p><i>Der Mittelstand zwischen Skepticismus und -Leichtgläubigkeit</i> —</p> - -<p>ist ein unseliges Mittelding — So oder -nicht so, ist mein Wahlspruch; — nicht aber: -so oder anders, oder halb so. Ja Ja, ist bei -mir ein halbes Nein; und Nein Nein ein -halbes Ja. Ja, Nein, was drüber und drunter -ist, ist vom Übel —</p> - -<p><i>Und die Gesetze! — wird dies Buch es -mit ihnen ausmachen?</i></p> - -<p>Mein kleinster Kummer! mögen es die Gesetze -mit den Gesetzen ausmachen! mögen -die Todten die Todten begraben! — Freilich -thun die Gesetze zuweilen so, als ob es Kräfte -in der Menschheit gäbe, die außerhalb der -Menschheit lägen —</p> - -<p><i>Was will das sagen?</i></p> - -<p>Es giebt Gesetze, welche die einzelne Kraft -des Menschen unterdrücken, damit die Summe -aller Kräfte desto stärker sei; und doch ist -natürlich die Gesammtkraft desto größer, je -größer die Summe der Kräfte einzelner Menschen -ist — Unsere Herren Staatsrechenmeister -verrechnen sich gewaltig, da sie die Zahl -der Weiber auswerfen —</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_396">[S. 396]</a></span></p> - -<p><i>Wenn sie indeß auf den Zweck der bürgerlichen -Gesellschaft sehen</i> —</p> - -<p>O! dann verrechnen sich die Oberrechnungs-Cameralisten -noch mehr. Giebt es einen -andern Zweck, als die individuelle Freiheit zu -schützen, und die Eingriffe eines Jeden in die -Freiheit eines Andern zu behindern —?</p> - -<p><i>Das sollte auch auf Geschlechter Anwendung -finden?</i></p> - -<p>Sind die etwa nicht moralische Personen?</p> - -<p><i>Und die Billigkeit?</i></p> - -<p>ist ganz auf meiner Seite. Was im Lande -gilt, ist Recht; was in der Welt gilt, ist billig -— Was nach der Meinung der mehresten -Menschen recht ist, ist billig —</p> - -<p><i>und billig ist der, der so handelt, daß es -die mehresten Menschen für Recht halten — Ein -billiger Autor ist der, der so schreibt, daß</i> —</p> - -<p>Wahr —!</p> - -<p><i>Wenn wir zählen wollten</i> —</p> - -<p>würd' ich gewinnen, falls nur <i>die</i> stimmten, -die man nicht fragen darf: »verstehest du -auch, was du sagest —? weißt du auch, -was du thust —?«</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_397">[S. 397]</a></span></p> - -<p><i>Immerhin <em class="gesperrt">Verbesserung</em>; warum <em class="gesperrt">bürgerliche</em>?</i></p> - -<p>Weil man sich an Zweige, und wohl gar -Blätter, nicht halten muß, wenn der Stamm -anzugreifen ist —</p> - -<p><i>Und der Ausdruck dieses Buches —!</i></p> - -<p>Nachdem die Materie, in der man arbeitet, -nachdem die Bruchstücke und Späne, welche -fallen —</p> - -<p class="pmb3">Mögen doch meine Leser und Leserinnen, -denen der obige längliche Streit und Widerstreit -beschwerlich gefallen ist, an dieser runden -Manier sich erholen und Luft schöpfen, -oder mögen sie es nicht, wie es ihnen beliebt -— —</p> - - -<hr class="chap" /> -<p class="break" /> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_398">[S. 398]</a></span></p> - - -<h2 id="VI">VI.<br /> - -Nutzanwendung.</h2> - - <div class="figcenter"> - <img src="images/tb_001.jpg" alt="Dekoration" /> - </div> -<p class="pmb1" /> - -<p>Wenn es wahr ist, daß von der Theorie -des Drucks die ganze Operation eines glücklichen -Finanzsystems und einer weisen Staatsregierung -abhängt: so haben die Männer wenigstens -nicht die rechte Art des Druckes erwählt; -denn in Wahrheit, wir verlieren durch -die Art, wie wir das andere Geschlecht behandeln, -mehr als es selbst. Man sagt, dies -sei auch der Fall, wenn man im Unterthan -die Tugenden des Fleißes, der Industrie und -des Gehorsams durch siebenmal sieben Plagen -erzwingen will. Zwar bei dem Magnetismus -erregen Druck, Reiben und Streicheln ein -übermenschliches Vermögen; allein der politische -Druck hat noch nicht die Divinationsgabe -erregt, den Hunger ohne zu essen, und -den Durst ohne zu trinken, zu stillen. Es -ist höchst jämmerlich kein anderes Gesetz zu -haben, als den souverainen Willen; und wo - <span class="pagenum"><a id="Seite_399">[S. 399]</a></span> -wandelbare Launen des Despoten, seine Indigestionen, -seine Galle, seine Blähungen die -Stelle der <i>Numas</i> und <i>Solone</i> vertreten — wer -mag da unter Anordnungen stehen? Es ist -schon unerträglich, auch dem besten Menschen -untergeben zu seyn, wenn er väterlich über -Menschen regieren will, die längst die Kinderschuhe -auszogen! — Seht! in dieser traurigen -Lage befindet sich das andere Geschlecht. -Jene Zeit ist nicht mehr, wo ewige Fehden -alles in beständiger Unruhe und Furcht erhielten, -wo das Rauben eine Heldenthat schien, -und wo man durch Raufen zu Ehren kommen -wollte. Was ist aber ärger, seines Schicksals -gewiß seyn, oder unter dem Beistande des -Rechtes leiden? einem ganzen Geschlecht unter -der scheinheiligen Vorgabe des gemeinen -Bestens seine Rechte und Privilegien rauben? -oft thun als stände man unter dem Befehle -seiner Sklavin, und noch öfter wirklich -schon ihre Winke befolgen, und doch im -Ganzen ihr Tyrann seyn und bleiben? Scheint -nicht fast die Liebe aufzuhören, sich in eine -Herrschbegierde zu verwandeln, und diesen - <span class="pagenum"><a id="Seite_400">[S. 400]</a></span> -Gräuel der Verwüstung an heiliger Stätte -schon frühzeitig und in den Flitterwochen der -Liebhaberei durch Eifersucht zu verrathen? -Jetzt schmachtet und liebkoset der schüchterne -Jüngling, um über ein Kleines als Mann -kalt und trotzig zu gebieten — Im <i>Theater</i> -wird wahre Welt zum Vorschein kommen -müssen, wenn sie noch sichtbar werden soll; -denn in der <i>wirklichen Welt</i> wird Komödie -gespielt. Wo giebt es Abderiten-Fälle, welche -denen gleichen, die das Verhältniß beider -Geschlechter täglich an den Tag legen — -Wenn ein vernünftiges Wesen eines anderen -Planeten Zeit übrig hätte, eine Wanderschaft -auf diesen Erdenkloß zu unternehmen, und -das Verhältniß beider Geschlechter zu beherzigen; -würde nicht, wenn das vernünftige -Wesen nach seiner Heimkunft eine Reisebeschreibung -herausgäbe, die Reise dieses <i>Nikolaus -Klimm</i> eine der ernsthaftesten Dogmatiken -(das ehrbarste, das ich kenne) scheinen? -An einem Verleger wird es dem Wanderer -dort hoffentlich nicht fehlen — Die allgemeine -Vernunft ist über den Codex, nicht - <span class="pagenum"><a id="Seite_401">[S. 401]</a></span> -aber der Codex, der doch sein eigener Beweis -nicht seyn und sein eigenes Kriterium nicht -aus sich selbst nehmen kann, eine Proceß-Ordnung -für die allgemeine Vernunft — Wie -lange will man unserer Seits der Vernunft -widerstehen! Die Menschen schieben gern -Alles auf Andere; und wenn sie keinen finden, -der seinen Rücken zu dieser Belastung darbietet, -so muß die Natur sich diese Denunciation -gefallen lassen — und so fehlt es auch -unserem theuren werthen Geschlechte nicht -an Behelfen, die auf die Rechnung der schönen -Welt gesetzt werden — Eine Schande -für uns, daß wir nicht nur ungerecht sind, -sondern auch die Schuld dieser Ungerechtigkeit -von uns entfernen, und sie dem anderen -Geschlechte zuschieben! Das Weib, das du -mir zugesellet hast, sagte schon der alte <i>Adam</i>, -hat mich verführt; — und wir sind bis jetzt -noch so treue Adamiten, daß wir nicht ermangeln, -uns von der Schuld des subalternen -Ranges, den wir dem anderen Geschlechte -zueignen, in bester Form Rechtens loszusagen. -Die armen Weiber, die, wenn sie sich mit - <span class="pagenum"><a id="Seite_402">[S. 402]</a></span> -uns auf kalte Negociation einlassen wollten, -kein Gehör finden, können es noch weit weniger -gegen uns auf ernsthaftere Schritte aussetzen -— Sie haben keinen <i>Leonidas</i>, keinen -<i>Franklin</i>, keinen <i>Washington</i>; sie sind keine -<i>Spartaner</i>, keine <i>Schweizer</i>, keine <i>Amerikanische -Kolonisten</i>: können sie aber nicht dies -Alles haben? können sie nicht dies Alles seyn? -<i>Maria Antonia</i> und <i>la Fayette</i> sind zwei -gleich große Charaktere, die in der Französischen -Revolutions-Geschichte glänzen werden. -Eitelkeit und Furcht vor Schande sind gemeiniglich -die Basis von dem ganzen Muthe der -Männer; Temperament ist es bei den Weibern. -Eine Reihe von Jahrhunderten hatte -Europa nur Eine Gestalt. Despotismus und -Sklaverei, Unwissenheit und Barbarei herrschten -überall; und warum sollten die Weiber -nach einer, wenn gleich langen, Unterdrückung, -nicht zu jenem Range erhoben werden -können, der ihnen als Menschen gebührt? -Ein großer Theil unter ihnen scheint der -Ketten, die ihnen das Gesetz so vortheilhaft -schildert, müde, und fühlt einen unüberwindlichen - <span class="pagenum"><a id="Seite_403">[S. 403]</a></span> -Hang, sie eher zu zerbrechen, als mit -ihnen, wie mit Kinderklappern, zu spielen. -Man trauet den Damen zu wenig zu, wenn -man sich Mühe giebt, ihnen Alles in einem -Säftchen beizubringen, wenn man ihnen Alles -bezuckert und in Nähebeutelformat behändiget, -als ob sie so schwach und hinfällig wären, -nichts Größeres als ein Duodez-Bändchen -halten zu können. Die Frage: verstehest -du auch, was du liesest? wird in der Regel -das Duodez-Männchen von Stutzer weit eher, -als ein edles Weib, treffen. Wenn gleich die -Geistes-Arbeiten der Weiber, sobald sie in's -Größere gehen, für's erste <i>bas-relief</i> sind — -sie werden weiter kommen; denn nur wir halten -ihren Geist am Gängelbande, um sie -nicht allein gehen zu lassen. Ein großer -Kinderlehrer ließ in * * die Buchstaben in -Pfefferkuchen backen, damit die Kinder das -A B C in den Kopf bekommen möchten; -allein die liebe Jugend bekam das A B C in -den Magen, und ward krank zu derselben -Stunde. Diese Pfefferkuchen-Methode ist der -gewöhnliche Fehler, den man bei der Erziehung - <span class="pagenum"><a id="Seite_404">[S. 404]</a></span> -des anderen Geschlechtes begeht. Man -will weder seinen Verstand, noch seinen Willen -zur Reife kommen lassen. Die Weiber -sind <i>en biscuit</i>; und wir! sind wir ausgebrannt? -und wären wir es — was ist denn -am Porcellain? — <i>Böttcher</i> wollte Gold machen, -und brachte Porcellain heraus. Was ist -der Mensch? »<i>Der halbe Weg vom Nichts -zur Gottheit</i>,« sagt Young; und unser frommer -<i>Haller</i>, der den Namen <span class="smcap">Gottes</span> nicht unnützlich -führen wollte: <i>unselig Mittelding vom -Engel und vom Vieh</i> — daß sich Gott erbarm! -<i>Friederike Baldinger</i> versichert in ihrer -Lebensbeschreibung, mit einer Vorrede -ausgestattet von <i>Sophie de la Roche</i>: »als Frau -war ich erträglich; wie klein würd' ich als -Mann seyn!« Um Vergebung, sollte dies -nicht auch ein jeder Mann umgekehrt von -sich sagen müssen — so lange: <i>ein Mann -seyn</i>, nicht mehr heißt: als <i>ein Mensch seyn</i> —? -Enthält jene Bescheidenheit der <i>Friederike Baldinger</i> -nicht zugleich einen Vorwurf für unser -Geschlecht in Beziehung unserer Selbsterhöhung -—? Unser <i>Herschel</i>, der wegen - <span class="pagenum"><a id="Seite_405">[S. 405]</a></span> -<i>Miß Carolinen</i>, seiner Schwester, und <i>in -puncto</i> der Astronomie mehr als einmal in -dieser Schrift von Amts- und Rechtswegen -genannt zu werden verdient, nimmt an: die -Centralkräfte wären nicht nur die erhaltenden, -sondern auch die bildenden und erneuenden -Kräfte der Weltsysteme; und nach seiner -Meinung können auch mehrere Gattungen von -anziehenden und zurückstoßenden Centralkräften -in dem Baue des Himmels wirksam -seyn. Könnten, wenn männliche und weibliche -Centralkräfte in der Menschenwelt anzögen -und zurückstießen, nicht Dinge bewirkt werden, -von denen man bis jetzt nicht träumt —? -Löset <i>Herschel</i> die dem bloßen Auge sichtbaren -Nebelflecke vermittelst seines Teleskops -in Sterne auf — wie leicht würden die <i>Flamsteads</i> -und <i>Mayers</i> ihre Verzeichnisse von -Sternen am Weiber- oder besser am Menschenhimmel -erweitern können, wenn beide -Geschlechter Ein Herz und Eine Seele wären! —</p> - -<p>Geh' ich zu weit, wenn ich behaupte, -daß die Unterdrückung der Weiber Unterdrückung - <span class="pagenum"><a id="Seite_406">[S. 406]</a></span> -überhaupt in der Welt veranlasset -habe? Wahrlich, die Tapferkeit ist keine -Entscheidung des Schicksals, wen sie zum -Regenten bestimmt hat. Durch Großmuth, -nicht durch List, muß man den Feind überwinden, -und es ist und bleibt unanständig, -sich des Andern Unerfahrenheit zu Nutze zu -machen. Ist es besser, sich des Sieges schämen -zu müssen, oder sich über das Glück zu -beklagen? Die Erhaltung eines einzigen Bürgers -— ist sie nicht besser, als die Niederlage -von hundert Feinden? Das was nach der -Meinung der meisten Menschen Recht ist, -das ist, verdollmetschet: so ist wie es seyn -muß; ist recht in einem erhabenen Verstande. -Dies <i>rechte Recht</i> gründet sich in der -Natur der Sache, und hat sich von den -Schlacken der Willkühr und des Türkischen -Despotismus gereinigt — Wollte man, nach -dieser allgemeinen Meinung von den Verhältnissen -des fräulichen Geschlechtes, glauben, -(glauben muß man in einem besondern Sinne -<i>wollen</i>) daß das vielfach tausendjährige Reich -der Sklaverei der Weiber in diesem rechten - <span class="pagenum"><a id="Seite_407">[S. 407]</a></span> -Rechte oder in der Billigkeit sich gründe? -Ich will nicht glauben. Nicht alles was wir -ungestört leiden, hat die Ehre unsers inwendigen -Menschen vor sich. Sehet euch um! -ihr werdet finden, daß das meiste Unrecht in -der Welt in dem Bestreben besteht, so zu -handeln, daß es die Mehresten für Recht halten. -Wer kann wohl, ohne eine Gewaltthätigkeit -zu begehen, behaupten: die Weiber -müßten einen gewissen Standpunkt auch bei -dem höheren Grade neuerer Cultur und Sittenverbesserung -behalten, und sie könnten, -wegen ihrer angebornen Bestimmung als Mitglieder -der Societät und als Weiber, bis an -den lieben jüngsten Tag nur so weit und nicht -weiter kommen? Unsere Gränzen der Ausbildung -sollten nicht abgesteckt seyn? nur die -ihrigen wären behügelt? O, du liebe Zeit! -Die relativen Bestimmungen des Weibes in -der Gesellschaft, in so weit es Weib ist — -wer fragt nach diesen? diese sind so ewig, -wie die Bestimmungen des Mannes als Mann. -Allein soll das Weib an Verstand und Willen -stehen bleiben, wenn der Mann Fortschritte - <span class="pagenum"><a id="Seite_408">[S. 408]</a></span> -macht; so muß es mit der Aufklärung in's Gedränge -kommen, und sie muß Kinderspott -werden — — Man könnte Männer mit der -Speise, Weiber mit dem Trank vergleichen; -und nur Speise und Trank in Gemeinschaft -halten Leib und Seele zusammen. Das Gefühl -der Bedürfnisse bildet den Menschen aus, -und der Schöpfer scheint es ihm nachgelassen -zu haben, Bedürfnisse zu erfinden, um sie im -Schweiße des Angesichts befriedigen zu lernen, -durch Sprachunterricht zu Realkenntnissen -hinauf zu reifen — Selbstliebe, Neigung -zum Wohlbefinden, Abneigung gegen den -Schmerz, sind Triebfedern, den Menschen -immer weiter und weiter zu bringen; und das -andere Geschlecht fühlt sie, wo nicht in weit -größerem Maße, so doch gewiß nicht minder -— Haben etwa Verabredungen, die aus -jenen Bedürfnissen und jenen Trieben entstehen, -gemeinschaftlich Menschen seyn zu wollen, -um desto leichter zum Zweck zu kommen -— haben etwa Verabredungen in den -Stand der Gesellschaft zu treten, den Weibern -ihre Stelle angewiesen —? Nicht also! Die - <span class="pagenum"><a id="Seite_409">[S. 409]</a></span> -Punktation zum Stande der Gesellschaft machte -<i>Eva</i>; und hat sie es sich wohl je vorstellen -können, daß auch hier die Ersten die Letzten -werden sollten? Setzte unser Geschlecht mit -Vorwissen und Vorwillen des andern auf dasselbe -das Motto der Hölle: <i>Hier ist die Hoffnung -ausgeschlossen</i>; oder ist vielmehr durch -den Stand der Gesellschaft der Stand der Natur -geheiligt? sollen nicht in jenem, wie in -diesem, alle Menschen gleich bleiben? Völker -sind sich eben so gleich wie einzelne -Menschen, und Geschlechter so wie Völker. -Ist nicht durch Unterdrückung des Schwächeren -das innere Verderben der Staaten entstanden, -woraus denn gerades Weges Unterdrückung -und Zerstörung von außen sich nach -und nach ergab? Kommt es bei diesen Dingen -mehr auf spielenden Witz, schalkhaften -Vortrag, übermüthige Phantasie-Einfälle, oder -auf Wahrheit und Recht an? und können wir -in der Gesellschaft auf Gerechtigkeit Anspruch -machen, wenn wir keine erweisen?</p> - -<p>Können wir, die wir uns so unrühmlich -zu Herren des weiblichen Geschlechtes aufgeworfen - <span class="pagenum"><a id="Seite_410">[S. 410]</a></span> -haben, es leugnen, daß wir diese -Herrschaft von je her nur sehr schlecht verstanden? -und in dieser Wissenschaft, wie es -am Tage ist, bis jetzt nicht weiter gekommen -sind? können wir es vor unserm Gewissen -verhehlen, daß wir die Urheber und Veranlasser -aller weiblichen Fehler sind, und daß -das meiste Gute, welches wir an uns haben, -auf die Rechnung des andern Geschlechtes -gehört? Furchtsame Männer werden allerdings -den Stab über mich brechen, weil ich angeblich -die Eitelkeit der Weiber gereitzt, und -ihre von Natur schon übermüthigen Begriffe -von ihrem Werthe genährt habe; allein, lieben -Leute, durch eure Feuer rufende Befürchtung, -ich möchte die weibliche Bestimmung zu weit -hinausgerückt haben, beweiset ihr, daß ihr, -anstatt stark zu seyn, schwach seyd, und daß -ihr durch diese Schwäche eure angebliche -Ordnung der Dinge umkehret — und daß -euch die Geisteskraft und Denkfähigkeit mangeln, -die ihr aus bloßem Neide dem andern -Geschlechte absprechen wollt. — In der -That, ihr solltet der Natur für das Hausmittel - <span class="pagenum"><a id="Seite_411">[S. 411]</a></span> -danken, durch das andere Geschlecht angespornt -und aufgemuntert zu werden, immer -weiter zu kommen, aber nicht Feigenblätter -suchen, eure stolze Faulheit zu decken. So -bald Weiber Menschen sind und Vernunft haben, -sind ihre Geistesanlagen nicht zu beschränken; -am wenigsten können <i>wir</i> hier -psychologische Richter seyn, da wir so sehr -Parthei sind, und da wir weit besser gelernt -haben, unsere Sache zu führen und Schildknappen -der Autorität zu seyn, als das der -Natur weit treuer gebliebene andere Geschlecht. -Wo es nicht an innerer Kraft fehlt, da ist -nur Gelegenheit nöthig, um sie zu äußern; -und nur dann, wenn man sich den Vernunftgebrauch -untersagt, kann man sich zur Ableugnung -jener Wahrheit bringen, daß nicht -Alles <i>menschlich gleich</i> sey, was <i>menschlich -vernünftig</i> ist. Nur dann, wenn bodenloser -Stolz an der Bestimmung des Menschen künstelt, -entkommen wir der eigentlichen Ausbildung -der Anlagen unserer Natur, und sie entkommt -uns. Schade! —</p> - -<p>Was für einen Einfluß Erziehung, Klima - <span class="pagenum"><a id="Seite_412">[S. 412]</a></span> -und andere äußere Umstände auf Menschen -(Männer nicht ausgeschlossen) behaupten, lehrt -die Erfahrung. Der Weinbauer bleibt auch -in ergiebigern Ländern ein Beispiel von -Indolenz und einer daraus entspringenden -Verderbtheit des moralischen Charakters — -Weiber verstehen nur natürliche Waffen zu -führen; wir würzen unsere Schutzschriften mit -gelehrten Gründen, treffen provisorische Einrichtungen, -und wissen Bescheid, unsere -Schwächen so zu verhängen, daß sie nicht in -die Augen fallen — und eben darum behaupten -wir geradehin, daß Weiber nur aus Neugier, -nicht aus Wißbegierde, nicht aus eigenem -freien Triebe, sondern weil sie dazu -aufgemuntert werden, und nur aus Eitelkeit, -sich hier und da mit Wissenschaften abgegeben -hätten, ohne sich doch je darin auszuzeichnen -— Aber außerdem, daß die Reinheit -des männlichen Verstandes und des männlichen -Willens keine Lobrede verdient, und -daß Selbstsucht mit ihrer ganzen Sippschaft -von Eitelkeit, Stolz, Geldhunger und Schmeichelei, -die Männer gar übel plagt; außerdem, - <span class="pagenum"><a id="Seite_413">[S. 413]</a></span> -daß auch der Gelehrteste, wenn er sich irgend -kurz fassen kann, kaum drei Wochen -gebrauchen würde, um alles zu beichten, was -er wirklich <i>weiß</i>, und selbst was er wirklich -<i>glaubt</i>, so daß sein Wissen und sein Weißsagen -doch immer nur Stückwerk ist; außerdem -daß zwischen Zuckerbrot der Lektüre, -und dem herben Wein der Erfahrung ein großer -Unterschied bleibt: so ist das Ende vom -Liede aller Wissenschaften und alles gelehrten -Dichtens und Trachtens, (wenn es nicht bloß -Lückenfüller und Langeweiltröster seyn soll) -<i>moralisch besser zu werden</i>. Sind wir das? -O, alsdann tret' ich beschämt zurück, widerrufe -Alles, was in meiner Schrift nur nach -Apologie aussieht, und bleibe bloß bei der -demüthigsten Bitte, dem andern Geschlechte -durch eine bürgerliche Verbesserung Zeit und -Raum zur moralischen Buße zu gönnen, und -es zur Verpflichtung gegen die Gesetze des -Staates, zu jener bestimmten und äußerlich -vollkommenen Verpflichtung zuzulassen, die -doch jeder Staatstheilnehmer oder Bürger haben -sollte —</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_414">[S. 414]</a></span></p> - -<p>Und nun der Schluß? Der Mensch läuft -spornstreichs, um zum Ende zu kommen, -und wenn er sein Ende sieht, muß er sich -ganz zusammen nehmen, um sich zu fassen. -<i>Machiavell</i> schrieb seinen <i>Principe</i>, um die -Despoten-Republik zur Sprache zu bringen; -und ich wollte nichts mehr — Wenn ich -Dinge einander nahe lege, die sich für gewöhnliche -Augen sehr entfernt berühren, so -lasse man mir und Jedem doch seine Weise; -denn wenn alle Bücher eine und dieselbe Melodie -hätten — würden sich wohl noch so -viele Leser finden? an Thäter des Wortes ist -so nicht zu denken! Eine Schrift kann nie -ein mächtiges um sich greifendes Feuer anzünden; -und wenn man behauptet: <i>Rousseau</i>, -<i>Voltaire</i> und <i>Montesquieu</i> hätten die Französische -Revolution zu Stande gebracht; so vergißt -man <i>Nordamerica</i>: und es gehört zu den -Zeichen dieser Zeit, wenn man mit Büchern -bekannter als mit Menschen ist, um zu regieren; -wenn man die äußere Form des Systems -viel zu lieb hat, um sie gegen das Gründliche -und Consequente der Lebensphilosophie aufzuopfern; - <span class="pagenum"><a id="Seite_415">[S. 415]</a></span> -wenn man nur auf Mittel für einen -Tag sorget, um seinen Zweck durchzusetzen; -wenn man seinem Ehrgeitze nur ein anderes -Kleid anzieht, das weit weniger als der vorige -Anzug Achtung für die Leidenschaft erregen -kann; wenn man nicht die Weisheit anschauender, -anziehender und wirksamer zu -machen sich bemühet, sondern bloß seinem -theuren <i>Ich</i> Ehre zudenkt, und, wohl zu merken! -ein solcher Schwelger und Schlemmer -im Ehrgeitze ist, daß man nicht an den andern -Morgen denkt, und sich befriedigt, vier -und zwanzig Stunden im Saus und Braus eines -hohen <i>Vivat</i> zu glänzen, und Plane auf -die Zukunft gegen das schnöde Linsengericht -eines stündigen Zujauchzens zu verprassen -— — — Theilnehmende Achtung für den -Schwächeren hat etwas Göttliches; und wenn -Stände zum Controlliren der Staatsofficianten -ein herrliches, in Geduld Frucht bringendes -Ding für den Regenten und das Volk -sind, warum will man diese Controlle des -menschlichen Geschlechtes den Weibern nicht -anvertrauen? ihnen, die nie gewohnt sind, - <span class="pagenum"><a id="Seite_416">[S. 416]</a></span> -etwas Imaginaires, sondern immer etwas -Wirkliches zum Grunde zu legen, wenn -wir uns gleich die schnödeste Mühe geben, -sie zu Romanen zu gewöhnen, um sie, -kraft der Reminiscenzen dieser Lektüre, -aus der wirklichen Welt hinauszubringen — -Weiber haben mehr Geist, als Wissenschaft; -Männer mehr Wissenschaft als Lebens-Philosophie, -und leicht vergißt unser Geschlecht, -daß man nach Tugend und Rechtschaffenheit -am ersten trachten muß, wenn uns alles Andere -zufallen soll. Bettelmönche haben oft -größere Gewalt als Eminenzen; Diese haben -nicht Zeit, nicht Lust, es auf das Seelen-Regiment -anzulegen, da hingegen Jene wirkliche -Seelen-Despoten sind, ob sie gleich (etwas -bescheidener) sich bloß Seelsorger nennen. -Ich schrieb keine Grammatik, wo man die -Ausnahme gleich hinter der Regel verzeichnet: -das Zeichnen sollte den kalligraphischen Übungen -vorgehen, und die Geschichte, nach dem -Vorschlage geprüfter Pädagogen, rückwärts vorgetragen -werden. — Ich werde mich für hinreichend -befriedigt halten, wenn man mir im - <span class="pagenum"><a id="Seite_417">[S. 417]</a></span> -Ganzen beifällt, obgleich noch nähere Bestimmungen -gütlich oder rechtlich nöthig gefunden -werden. Ein Buch, das Gedanken erweckt, -ist oft besser als eins, das Alles erschöpft, -und die Leser wie Unmündige behandelt. -Winke fruchten mehr als lange Belehrungen; -und wenn ein Schriftsteller das große -Amt verkennt, das ihm von der Natur anvertrauet -ward, Menschen gegen offenbare Ungerechtigkeiten -zu schützen; so verdient er -selbst unterdrückt zu werden. Wer es über -sein Gewissen bringen kann, ein Geschlecht -zum gebornen Despoten des andern zu erheben, -wird vielleicht nicht ohne Fertigkeit -seyn, volksübliche Sitten nachzuäffen und höheren -Volksklassen nachzulallen; allein auf -rechtskräftiges Urtheil wolle er in Zeiten Verzicht -thun, und seinen Schlaftrunk von Vortrag -für jenes Mittelgut von Menschen aufsparen, -die Welt und eine Fabrikartigkeit besitzen -— wenn gleich gemeiniglich die Pluralität -auf ihrer Seite ist. Das Deutsche Weib -galt in älterer Zeit allemal mehr als andere -Weiber, und ich bleibe gewiß in den Schranken - <span class="pagenum"><a id="Seite_418">[S. 418]</a></span> -der Wahrheit, wenn ich behaupte, daß -auch noch jetzt Deutsche Weiber, so wie sie -da sind, einer Verbesserung empfänglicher und -fähiger wären, als alle andern, zu welcher -Zunge und Sprache sie sich bekennen, und -welcher Vorzüge sie sich sonst gegen die -Deutschen mit Recht oder mit Unrecht rühmen -mögen — Nachtwandler erweckt man, -wenn man sie bei Nahmen ruft; — und sollten -unsere Deutschen Herren Männer nicht -auf den kühlenden Trank nüchtern werden, -den ihnen diese Schrift reichet? — Es giebt -Schriftsteller, die, wenn sie mit ihren Werken -bei <i>ihrem</i> Geschlechte durchzukommen -sich nicht getrauen, ihre Schrift mit der Nothlüge -begaben, sie hätten sie zu Heil und -Frommen des andern Geschlechtes gestellt. -Auch glaubt sich mancher Nachdrucker bei -Ehren zu erhalten, wenn er das schmackhafte -neugebackne Brot eines Andern bröckelt, ohne -selbst durch Milch oder Butter ihm ein anderes -Ansehen zu geben, und dies alles auf -Kosten des andern Geschlechtes thut — als -ob der Herr Nachdrucker <i>im Brote</i> des weiblichen - <span class="pagenum"><a id="Seite_419">[S. 419]</a></span> -Geschlechtes wäre, oder als ob es <i>nicht -mehr könnte als</i> (brockenweise) <i>Brot essen</i>! -— —</p> - -<p><i>Wozu alle Vergleichs-Vorschläge und -Verbesserungs-Plane, die, wenn man gleich -ihnen Vorkaufs-Anmaßungen nicht vorrücken -kann, die, wenn sie es gleich mehr bei bescheidenen -Fingerzeigen bewenden lassen, als -daß sie strafsüchtige Warnungstafeln ausstellen, -doch um so weniger Lebensfrüchte sicher -verheißen können, als man von ihnen nicht -weiß, ob und in wie weit sie in der Feuerprobe -der Ausübung bestehen werden?</i></p> - -<p>Freilich! warum alle Katheder und Predigerstühle? -Sind die Menschen nicht von je -her Lügner, Undankbare, Räuber, Neider, -Geitzhälse gewesen? Raubvögel haben zwar -von Anbeginn ihre Nächsten, bescheidnere -Nebenvögel, gefressen, so bald sie sich ihrer -bemeistern konnten; Menschen, welche einsehen, -daß besser besser ist, und daß sie besser -werden können — sollten <i>die</i> ewig -Raubvögel bleiben? Mich tröstet der Glaube -an die analogisch zu vermuthende Absicht der - <span class="pagenum"><a id="Seite_420">[S. 420]</a></span> -väterlichen Gottheit — und das rastlose Fortstreben -des menschlichen Geistes, der einmal -aufgeweckt und in Thätigkeit gesetzt ist. Die -gesunde Bergluft ist ohne Zweifel die Ursache -von dem Heimwehe der Schweizer; was sollte -aber das andere Geschlecht bewegen, in seiner -jetzigen Lage zu bleiben? Es wird wollen, -wenn wir zu wollen uns entschließen -werden —</p> - -<p>Ungern muß ich mich noch zu einer Art -Menschen wenden, an die ich gewiß am wenigsten -gedacht hätte, wenn nicht ganz frische Spuren -mich schreckten — Daß dies die Herren -Recensenten nicht sind, versteht sich von -selbst. Es giebt wackere Männer unter ihnen, -die, wenn sie gleich sich einen ehemals ungewöhnlichen -Reskriptenton angewöhnen, es -so übel nicht meinen; man lasse sie reskribiren -— Du lieber Gott! was reskribirt heut -zu Tage nicht alles —! Wenn Kinder und -Säuglinge an Jahren und an Verstande in unseren -hohen Dikasterien den Nahmen Gottes -und ihres Fürsten so unnützlich führen, und -dummdreistes Zeug in diesen breiten goldenen - <span class="pagenum"><a id="Seite_421">[S. 421]</a></span> -Rahmen fassen; wenn sie so ungestraft blinden -Lärm zu machen, die Vernunft in blödsinnigen -Sentenzen gefangen nehmen, den guten -Ruf trefflicher Männer als gute Prise ansehen, -und von Rechtswegen fünf gerade gehen -lassen können — wird man nicht, wohl -zu merken! bei würdigen Recensenten, denen -jene unbärtigen Großsprecher nicht werth sind -die Schuhriemen zu lösen, die weit kleineren -Reskripten-Freiheiten, die sie sich herausnehmen, -ganz gern übersehen? Ich habe in -Wahrheit nichts gegen Recensenten, die sich -wie wohlthätige Egel an unsere Bücher hängen, -um ihnen das böse Blut abzusaugen; -vielmehr wünsch' ich herzlich, daß dieser -Blutdurst ihnen allerseits nach Stand und Verdienst -wohl bekommen möge. Wenn aber -Mücken um ein Paar Blutstropfen mich -verfolgen, und meinen Nahmen (wahrlich ein -Paar Blutstropfen) entwenden wollen; so bitt' -ich diese Anekdotensauger in Erwägung zu -nehmen, daß ein Buch darum keinen Fingerlang -oder Fingerbreit schlechter oder besser -wird, weil man weiß, daß es diesen oder - <span class="pagenum"><a id="Seite_422">[S. 422]</a></span> -jenen Verfasser hat. In der Schrittstellerwelt -giebt es keinen Erbadel; und warum will man -die gelehrte Republik in einen monarchischen, -wo nicht gar despotischen, Staat umwälzen? -warum nicht Jeden bei so viel Freiheit, wie -nur mensch- und politisch-möglich ist, lassen? -Da giebt es denn aber Kraftgenies ohne Genie, -ohne genialische Anlage und Nachdruck, -die im Gefühl ihrer Geistesarmuth Anekdoten -haschen, um unter Gelehrten die Gelehrten -zu spielen, die sie nicht sind, und die sie -ohne wundervolle Pfingst-Inspiration auch -nicht werden können! Ein Pfeifer und Geiger, -ein Flöter und Trommeter glaubt taktlos -sich für <i>Kant</i> und <i>Wieland</i> in Einer Person -ausgeben zu können, ob er sich gleich begnügen -sollte, die Mauern von Jericho umzublasen -und die Steine tanzen zu lassen. Voll -Vademecums-Belägen wissen dergleichen Masken -— und was denn? was unter braven wackern -Gelehrten der wenigste Kummer ist; — -allein dafür sind jene Kraftmänner auch vor -aller andern Hypochondrie, als der, die -aus Unwissenheit entsprießt, und die mit - <span class="pagenum"><a id="Seite_423">[S. 423]</a></span> -Nahmen-Wuth anzuheben pflegt, sicher ihr -Lebenlang — machen sich aus Litteratur-Kindern -und philosophischen Säuglingen eine -Macht, und kommen nicht selten in die Gefahr -jenes Menschenkenners, der einen trefflichen -Mann fragte: Ist der Herr nicht der -Küster aus * *? »<i>Nein, ich bin der General-Superintendent -* *, und wer Sie sind, mag -ich nicht wissen.</i>« — Wer leugnet es, daß -durch Gelehrte von Profession, z. B. durch -<i>Kant</i> und <i>Heyne</i>, die Wissenschaften große -Fortschritte machten? Gewiß würde der Meister -der Philosophie <i>Kant</i> in seinen patriarchalischen -Jahren nicht so kraftvolle Arbeiten -liefern, und durch einen wohlgestalteten Seelenerben -nach dem andern der Welt ein Lachen -bereiten, wenn er nicht in der Blüthe -seines Lebens mit diesen Gegenständen vertraut -geworden, und bei seinem Unterrichte -zu denken von Anbeginn gewohnt gewesen -wäre. Seine Vorlesungen waren die Goldwagen -seiner Grundsätze — Solch eine Pflege -kann kein Geschäftsmann seinem Buche geben; -noch nie aber haben verdienstvolle akademische - <span class="pagenum"><a id="Seite_424">[S. 424]</a></span> -Lehrer einem <i>Lessing</i>, <i>Spalding</i>, <i>Teller</i>, <i>Moses -Mendelssohn</i> u. s. w. ihr Verdienst abgesprochen, -vielmehr es gern gesehen, wenn -diese fein sokratisch ihre Systeme in Philosophie -der Welt, ich weiß nicht ob erniedrigten -oder erhöheten? — Und wozu diese Bemerkung? -Um eine andere einzuleiten — Wenn -die Kritik der reinen Vernunft mit dem Nahmen -<i>Immanuel Kant</i> in die Welt kommt — -Wer hat etwas dagegen? Wenn aber ein Geschäftsmann -Autor ist — in welche Schwierigkeiten -sieht er sich verwickelt! Der Präsident -beneidet ihn, wenn er Rath; und der Minister, -wenn er Präsident ist. Zum gemeinen -Leben berufen, muß er sich nach demselben -einrichten und sich in die Zeit schicken lernen, -und es ist bei dem Geschäftsmanne nur -zu oft böse Zeit. Kritiken schaden den Gelehrten -von Profession so wenig, als wenn Renomisten -sich an den Fenstern des zu strengen -Rektors vergreifen, die denn doch durch -Laden gesichert werden können; und wie -leicht ist das Haus Sr. Magnificenz wieder befenstert! -Der unsauberste Geist indeß schadet - <span class="pagenum"><a id="Seite_425">[S. 425]</a></span> -dem Geschäftsmann, indem witzleere Antagonisten -desselben den schalsten Einfall mit -Freuden aufnehmen, und mit diesen fremden -Kälbern pflügen, um den braven Mann zu -kränken. Der Gelehrte von Profession schlägt -den Ball, den ihm ein unfreundlicher Kritikus -zuschlägt, weiter; der Geschäftsmann kann -ihn nur zurückschlagen — Jeder Unglücksfall -im Dienst wird auf die Rechnung der Autorschaft -geschrieben; jede ungegründete Beschwerde -einer chicanirenden Parthei findet -gewisses Gehör, weil der Herr <i>Decernent</i>, -oder <i>Instruent</i>, <i>Referent</i> und wie die <i>enten</i> -alle heißen mögen, Autor ist und sich nicht -Zeit nahm — alle Menschen klug zu machen. -— Der Revers der Sache? wird nicht -mancher Schriftsteller das Ansehen, welches -er in der gelehrten Welt hat, zum Schreckmittel -brauchen, um sich zu einem <i>Noli me -tangere</i> zu erheben? wird nicht sein Vorgesetzter -seiner Schriftstellerfeder auf Rechnung -seines Postens eine Pension zuwenden, und -Andern aufbürden, was Jenem zu thun oblag -—? <i>Practica est multiplex.</i> Ein Mann, - <span class="pagenum"><a id="Seite_426">[S. 426]</a></span> -der <i>Vater</i> ist, wenn er <i>Brutus</i> seyn soll, der -unter den Autoren Präsident, und unter den -Präsidenten Autor ist, verdient die Züchtigung -eines <i>Johnson's</i>, da hingegen ein Autor, welcher -der gelehrten Welt so wenig von seinem -politischen Verhältnisse, als diesem von jener -verräth, zwiefacher Ehre werth zu seyn scheint, -indem er sich nicht aus Einer Lage in die andere -hinein schmeichelt, keine Folie nöthig -hat, und nicht Eine Farbe in die andere spielen -läßt, sondern überall Mann ist — — Das -Leben eines Mannes von dieser Art zu lesen, -wenn er aufhört entweder politisch oder natürlich -zu leben — kann wahrlich ein besseres -Lehrbuch werden, als das Leben unseres -trefflichen <i>Semlers</i>, der geheime Wissenschaften -an geheimen Orten zu lernen suchte — -um sie kurz vor seinem Ende öffentlich zu -treiben — oder anderer Selbstbekenner, die -geistliche und leibliche Jahr- Monaths- Tage- -Stunden- und Minuten-Bücher stellten —. -<i>Shakespear</i> ward in seinem Leben wegen seiner -Sonetten, <i>Milton</i> wegen seiner Lateinischen -Verse und prosaischen Schriften geschätzt, derentwegen - <span class="pagenum"><a id="Seite_427">[S. 427]</a></span> -sich Beide schwerlich bis auf den -heutigen Tag erhalten haben würden — —</p> - -<p><em class="gesperrt"><span class="smcap">Friedrich</span> II.</em>, der doch selbst von der -Poësie, wie von einem Dämon, gar übel geplagt -ward, so daß sie sogar bei Schlachten -nicht verfehlte, <em class="gesperrt"><span class="smcap">IHM</span></em> Cour zu machen, sagte -zu einem Staatsdiener, dessen Andenken ich -heute an dem Tage seines Todes feiere: -<i>ich mache Ihn zum * *; aber lass' er mir das -Schreiben — So etwas stört, und im Amte -muß Er sich durch gar nichts stören lassen — -hört Er?</i> Ja! und wer Ohren hat zu hören, -der höre! Sind das die Gesinnungen eines -königlichen Schriftstellers, (nach Weise des königlichen -Propheten <i>David</i>) wie viel ist von -Fürsten zu fürchten, denen, außer der Salbung -zu Regenten, keine andere zu Theil -ward —! wie noch viel mehr von <i>Königschen</i>, -die, zu schwach zu einer kritischen -Sichtung, an Autoren, welche ihnen über den -Kopf zu wachsen scheinen, so gern zu Rittern -werden — Ob von diesen Fällen Einer -oder keiner der meinige sei, thut nichts zur -Sache; daß sie aus dem Leben genommen - <span class="pagenum"><a id="Seite_428">[S. 428]</a></span> -sind, wird Niemand ableugnen — Und darf -ich noch bemerken, daß Kunstrichter, wie -alle andere Richter, nicht die Personen ansehen -müssen, und daß es pflichtwidrig ist, es -auf den Namen des Schriftstellers anlegen zu -wollen —?</p> - -<p>Wenn unsere Anekdoten- und Nahmenhäscher -dies in Erwägung zögen — würden -sie nicht lieber Fische fangen und Vogel stellen, -da sie doch einmal verdorbene Gesellen -sind? — Wie viel wollt' ich geben, wenn -ich dieses Schlusses hätte überhoben seyn können! -— denn in der That, ich weiß ihn so -wenig in den Takt dieser Schrift zu bringen, -daß ich mich vielmehr begnügen muß, zu bemerken, -wie die Menschen nur alsdann sich -zu nahe kommen, wenn sie nichts thun wollen -oder können, und, anstatt sich mit sich -selbst zu beschäftigen, es gemächlicher finden, -auf und gegen Andere zu wirken —</p> - -<p>Daß dieser Epilogus jene lieben, trefflichen, -edlen Seelen nichts angeht, die in keiner -andern Absicht, als um sich näher mit -dem Schriftsteller zu verbinden, der mit ihnen - <span class="pagenum"><a id="Seite_429">[S. 429]</a></span> -so harmonirt, seinen Nahmen gern wüßten -— darf ich dies erst bemerken? — -Möchte doch der unerforschliche <em class="gesperrt"><span class="smcap">Gott</span></em> diesen -trefflichen Seelen öffentlich vergelten, was -sie auch etwa an mir insgeheim thaten! — -Möchte ihnen doch an der Hand gutdenkender -Weiber des Lebens Last und Hitze nicht -schwer seyn! Leicht sei ihnen die Erde im -Leben und im Tode —! —</p> - - -<hr class="chap" /> -<p class="break" /> - - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_430">[S. 430]</a></span></p> - - -<h2 id="Inhalt">Inhalt.</h2> - - <div class="figcenter"> - <img src="images/tb_001.jpg" alt="Dekoration" /> - </div> -<p class="pmb1" /> - -<div class="block6"> -<table border="0" cellspacing="3" cellpadding="1" class="tdl" summary="Inhalt"> - - <tr> - <td align="left" valign="top">I.<br /></td> - <td align="left">Formale und Materiale der gegenwärtigen Schrift.<br /></td> - <td align="right" valign="bottom">Seite<br /></td> - <td align="right" valign="bottom"><a href="#Seite_1">1</a><br /></td> - </tr> - <tr> - <td align="left" valign="top">II.<br /></td> - <td align="left">Giebt es außer dem Unterschiede des Geschlechtes - noch andere zwischen Mann und Weib?<br /></td> - <td align="right" valign="bottom" colspan="2"><a href="#Seite_28">28</a><br /></td> - </tr> - <tr> - <td align="left" valign="top">III.<br /></td> - <td align="left">Woher die Überlegenheit des Mannes - über die Frau entstanden? Rückblicke auf die ältere Zeit.<br /></td> - <td align="right" valign="bottom" colspan="2"><a href="#Seite_75">75</a><br /></td> - </tr> - <tr> - <td align="left" valign="top">IV.<br /></td> - <td align="left">Nähere Angaben, woher die Überlegenheit - des Mannes über die Frau entstanden ist. Betreffen neuere Zeit.<br /></td> - <td align="right" valign="bottom" colspan="2"><a href="#Seite_122">122</a><br /></td> - </tr> - <tr> - <td align="left" valign="top">V.<br /></td> - <td align="left">Verbesserungs-Vorschläge.<br /></td> - <td align="right" valign="bottom" colspan="2"><a href="#Seite_185">185</a><br /></td> - </tr> - <tr> - <td align="left" valign="top">VI.<br /></td> - <td align="left">Nutzanwendung.<br /></td> - <td align="right" valign="bottom" colspan="2"><a href="#Seite_398">398</a><br /></td> - </tr> -</table> -</div> - -<p class="pmb3" /> - <div class="figcenter"> - <img src="images/tb_001.jpg" alt="Dekoration" /> - </div> -<p class="pmb3" /> - - - -<hr class="chap" /> -<p class="break" /> - - -<div class="transnote"> - -<b><a id="Transcribers_notes">Notizen des Bearbeiters:</a></b> - -<p>Unterschiedliche Schreibweisen wurden beibehalten.</p> - -<p>Typographische Fehler und einzelne Satzzeichen wurden stillschweigend geändert.</p> - -</div> - - - - - - - - - -<pre> - - - - - -End of the Project Gutenberg EBook of Über die bürgerliche Verbesserung der -Weiber, by Theodor Gottlieb von Hippel - -*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK ÜBER DIE BÜRGERLICHE *** - -***** This file should be named 53912-h.htm or 53912-h.zip ***** -This and all associated files of various formats will be found in: - http://www.gutenberg.org/5/3/9/1/53912/ - -Produced by Matthias Grammel and the Online Distributed -Proofreading Team at http://www.pgdp.net (This book was -produced from scanned images of public domain material -from the Google Books project.) - - -Updated editions will replace the previous one--the old editions -will be renamed. - -Creating the works from public domain print editions means that no -one owns a United States copyright in these works, so the Foundation -(and you!) can copy and distribute it in the United States without -permission and without paying copyright royalties. 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Redistribution is -subject to the trademark license, especially commercial -redistribution. - - - -*** START: FULL LICENSE *** - -THE FULL PROJECT GUTENBERG LICENSE -PLEASE READ THIS BEFORE YOU DISTRIBUTE OR USE THIS WORK - -To protect the Project Gutenberg-tm mission of promoting the free -distribution of electronic works, by using or distributing this work -(or any other work associated in any way with the phrase "Project -Gutenberg"), you agree to comply with all the terms of the Full Project -Gutenberg-tm License (available with this file or online at -http://gutenberg.org/license). - - -Section 1. General Terms of Use and Redistributing Project Gutenberg-tm -electronic works - -1.A. By reading or using any part of this Project Gutenberg-tm -electronic work, you indicate that you have read, understand, agree to -and accept all the terms of this license and intellectual property -(trademark/copyright) agreement. 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