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-The Project Gutenberg EBook of Die Sebalduskirche in Nürnberg, by
-Wilhelm Friedrich Hoffmann
-
-This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and most
-other parts of the world at no cost and with almost no restrictions
-whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it under the terms of
-the Project Gutenberg License included with this eBook or online at
-www.gutenberg.org. If you are not located in the United States, you'll have
-to check the laws of the country where you are located before using this ebook.
-
-
-
-Title: Die Sebalduskirche in Nürnberg
-
-Author: Wilhelm Friedrich Hoffmann
-
-Release Date: October 3, 2015 [EBook #50120]
-
-Language: German
-
-Character set encoding: ISO-8859-1
-
-*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE SEBALDUSKIRCHE IN NÜRNBERG ***
-
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-
-Produced by Karl Eichwalder, Jens Nordmann and the Online
-Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net
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-[Illustration: TAFEL I. Ansicht des Ostchores.]
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- DIE SEBALDUSKIRCHE IN NÜRNBERG
-
- IHRE BAUGESCHICHTE UND
- IHRE KUNSTDENKMALE
-
- VON
-
- FRIEDRICH WILHELM HOFFMANN
-
- ÜBERARBEITET UND ERGÄNZT VON
-
- TH. HAMPE, E. MUMMENHOFF, JOS. SCHMITZ
-
- MIT 15 TAFELN, ZUM TEIL NACH DEN UNTER PROFESSOR
- DR. v. HAUBERRISSER GEFERTIGTEN PLANZEICHNUNGEN
- UND 144 ABBILDUNGEN IM TEXT
-
- MIT UNTERSTÜTZUNG HERAUSGEGEBEN
- DER VOM VEREIN FÜR
- STADTGEMEINDE GESCHICHTE DER
- NÜRNBERG STADT NÜRNBERG
-
- WIEN
- VERLAG VON GERLACH & WIEDLING
- 1912
-
- DRUCK VON FRIEDRICH JASPER IN WIEN.
-
-
-
-
- Vorwort.
-
-
-Im Frühjahr 1897 faßte der Ausschuß des Vereines für Geschichte der
-Stadt Nürnberg auf Anregung seines Vorstandes den wichtigen Beschluß,
-aus Anlaß des herannahenden Abschlusses des großen Unternehmens der
-Wiederinstandsetzung der St. Sebaldkirche in Nürnberg eine umfassende,
-reich illustrierte Geschichte dieses herrlichen Bauwerkes gleichsam
-zum Abschluß des Restaurationswerkes herauszugeben. Es sollte den
-Mitgliedern des Vereines und allen Freunden Nürnberger Kunst und
-Geschichte in Wort und Bild die Entstehung und Entwicklung des
-ehrwürdigen Gotteshauses mit seinen zahllosen Kunstschätzen eingehend
-geschildert und ein zuverlässiger Bericht über seine Wiedererneuerung
-durch die lebende Generation gegeben werden, so wie zehn Jahre vorher
-der Verein aus Anlaß des teilweisen Umbaues und der Erweiterung des
-Nürnberger Rathauses durch den unvergeßlichen August v. Essenwein und
-seinen getreuen Mitarbeiter, den städtischen Architekten und jetzigen
-Baurat Heinrich Wallraff, eine reich illustrierte, vom Stadtarchivar
-Ernst Mummenhoff verfaßte Geschichte des wichtigsten Profanbauwerkes der
-Stadt, des Rathauses, mit finanzieller Unterstützung der städtischen
-Kollegien herausgegeben hatte. Gleichwie diese schöne Publikation dem
-Verein allenthalben Ehre und Anerkennung eingetragen hatte, hoffte
-der Ausschuß sich ein Verdienst zu erwerben, wenn er auch das große
-Unternehmen der Restauration der St. Sebaldkirche nicht unbeachtet
-vorübergehen lassen, sondern nach besten Kräften zum Ruhme der um
-sie am meisten verdienten Männer, des vortrefflichen Kirchenrates
-Friedrich Michahelles und der Restauratoren Prof. Georg v. Hauberrisser
-und Professor Joseph Schmitz, beitragen würde. In der Tat fand auch
-dieser Gedanke überall Anklang. Aber niemand ahnte damals, welchen
-Schwierigkeiten seine Durchführung begegnen und wie viel Zeit vergehen
-würde, bis diese Geschichte der St. Sebaldkirche das Licht der Welt
-erblicken würde.
-
-Wohl wissend, daß seine eigenen Kräfte zur Durchführung eines so großen
-Unternehmens nicht ausreichen würden, bemühte sich der Verein vor allem,
-sich auch in diesem Falle des Einverständnisses und der materiellen
-Unterstützung der städtischen Kollegien zu versichern. Bereitwillig
-und in dankenswerter Liberalität wurde der Bitte des Vereines von
-seiten der städtischen Kollegien entsprochen. Im Oktober 1897 wurde
-dem Vorstand die erfreuliche Mitteilung, daß die städtischen Kollegien
-beschlossen hätten, dem Verein zur Herausgabe eines illustrierten
-Prachtwerks über die St. Sebaldkirche für jedes der Jahre 1898, 1899 und
-1900 einen Zuschuß von 1500 Mark aus der Stadtkasse unter bestimmten
-Voraussetzungen zu bewilligen.
-
-Eine zur Bearbeitung des Textes geeignete wissenschaftliche Kraft wurde
-in der Person eines jüngeren Kunsthistorikers gewonnen, der, frei über
-seine Zeit verfügend, seine ganze Kraft der Aufgabe widmen konnte, des
-Dr. Friedrich Hoffmann in München. Nach dem mit ihm abgeschlossenen
-Vertrage sollte das Werk nach drei Jahren im Manuskript druckfertig
-vorliegen.
-
-Allein durch eine ganze Reihe widriger, hier nicht näher zu erörternder
-Umstände wurde die programmäßige Fertigstellung des Werkes um Jahre
-verzögert. Besonders hinderlich stand der Förderung der Arbeit
-entgegen, daß Dr. =Hoffmann= nicht, wie man doch hätte erwarten müssen,
-seinen Wohnsitz in Nürnberg nahm, wo er in beständiger Fühlung mit
-dem Bauwerke selbst und dem bauleitendem Architekten sowie unter der
-Aufsicht der niedergesetzten Kommission viel eher seine Aufgabe hätte
-bewältigen können, sondern in München blieb. Ein weiteres Haupthindernis
-eines rüstigen Fortschreitens der Arbeit war die Annahme einer
-Assistentenstelle am bayrischen Nationalmuseum durch Dr. =Hoffmann= im
-Jahre 1898, infolgedessen er nur einen verhältnismäßig geringen Teil
-seiner Zeit und Kraft auf die übernommene umfassende Aufgabe verwenden
-konnte.
-
-Da die Fortführung der Arbeit nach und nach immer mehr ins Stocken
-geriet und schließlich sogar das Erscheinen des Werkes in Frage gestellt
-wurde, sah sich der Vereinsausschuß gezwungen, von dem ihm vertraglich
-eingeräumten Rechte, die Vollendung des Werkes selbst in die Hand
-zu nehmen, Gebrauch zu machen, und übertrug im September 1909 die
-Durchführung der erforderlichen Abänderungs- und Ergänzungsarbeiten
-einer aus den Herren Direktor Dr. =Hampe=, Archivrat Dr. =Mummenhoff=
-und Professor =Schmitz= bestehenden Subkommission, die schon seither
-die Arbeit vom kunsthistorischen, historischen und architektonischen
-Standpunkte aus einer eingehenden und sorgfältigen Prüfung unterzogen
-hatte.
-
-Das Werk wurde jetzt nochmals durchgeprüft, und es war dann keine
-geringe Arbeit und Mühe, welche die Abänderung des Textes, die
-Ausmerzung der Irrtümer und Mängel, die teilweise völlige Umgestaltung
-ganzer Partien und die mannigfachen Ergänzungen, zumal des Inventars,
-welch letztere schwierige und zeitraubende Arbeit die Herren Direktor
-=Hampe= und Professor =Schmitz= ausschließlich auf sich nahmen, endlich
-die gänzliche Umarbeitung des Urkunden- und Regestenteiles erforderten.
-Gern wären die Überarbeiter in den Änderungen und Ergänzungen noch
-weiter gegangen, aber sie hielten sich dazu nur im äußersten Notfall
-für berechtigt und wollten noch tiefere Eingriffe in die Arbeit des
-eigentlichen Verfassers vermeiden. Vor allem auch mußten sie auf die
-Beibringung weiteren Quellenmateriales verzichten, und so wird sich
-denn in Zukunft noch so manches zur Geschichte der Sebalduskirche
-beischaffen lassen, das der Verfasser nicht gebracht hat. Aber alles zu
-geben, was oft in ganz versteckten Quellen ruht, ist wohl ein Ding der
-Unmöglichkeit, zumal bei einem Werke, das auf Jahrhunderte zurückgeht.
-
-Trotz so vieler Hindernisse, die sich dem Werke in den Weg stellten,
-und trotz aller Widrigkeiten, die oft alle Hoffnung auf das endliche
-Zustandekommen schwinden ließen, liegt es nun doch, wenn auch erst nach
-jahrelanger Verzögerung, in einer Gestalt vor, die hohen Anforderungen
-genügen dürfte. Auch hier darf man wohl sagen, wenn man das Werk und
-seine schöne, ja glänzende Ausstattung durch die bewährte Firma Gerlach
-& Wiedling ins Auge faßt: Ende gut, alles gut!
-
-Freuen wir uns deshalb, daß es dem opferwilligen Zusammenwirken einer
-Reihe von berufenen Kräften endlich gelungen ist, ein der herrlichen
-St. Sebaldkirche würdiges Buch zustande zu bringen.
-
-In Dankbarkeit sei zunächst der städtischen Kollegien gedacht, die
-durch Gewährung einer bedeutenden finanziellen Unterstützung erst
-das Zustandekommen des Werkes ermöglichten. Besonderer Dank gebührt
-ferner dem ersten Direktor am Germanischen Museum, Herrn Dr. v.
-=Bezold=, der als Vertreter der Kommission zunächst dem Bearbeiter
-als sachverständiger Berater beigegeben war, in welcher Funktion er
-dann durch den damaligen Konservator am Germanischen Museum und
-nunmehrigen Direktor des Bayrischen Nationalmuseums in München,
-Herrn Dr. =Stegmann=, in dankenswerter Weise abgelöst wurde, ferner
-den Verwaltungen der Archive, Bibliotheken und Anstalten, welche
-bereitwilligst dem Bearbeiter die einschlägigen Materialien zur
-Verfügung stellten, und nicht minder der Verwaltung des vereinigten
-protestantischen Kirchenvermögens wie dem kgl. Pfarramt St. Sebald,
-welche vielen und oft einschneidenden Wünschen des Vereines, wie z. B.
-der Bitte um Gestattung von Nachgrabungen in der Kirche, unbedenklich
-Rechnung trugen und so das Unternehmen ganz wesentlich förderten,
-endlich all den Gönnern, die durch ihre freiwilligen Beiträge die Kosten
-der Aufgrabungen deckten. Prof. Dr. Georg Ritter v. =Hauberrisser= in
-München hat sich das besondere Verdienst erworben, daß er die während
-der Restaurierung gefertigten Pläne und Werkzeichnungen zur Verfügung
-stellte, um ihre Vervielfältigung für das Buch zu ermöglichen. Prof.
-Jos. =Schmitz= hat dem Werke in allen Stadien seines Entstehens sein
-tatkräftiges Interesse zugewandt, die so wichtigen Ausgrabungen
-geleitet, den Bearbeiter vielfach beraten und auf die Auswahl und
-Vervielfältigungsart der Illustrationen Einfluß geübt.
-
-Dem Verein für Geschichte der Stadt Nürnberg ist es endlich auch
-gelungen, in der Firma =Gerlach & Wiedling=, Buch-, Kunst- und
-Musikalienverlag in Wien, Verleger zu finden, die bereit waren, dem
-Druck und der künstlerischen Ausstattung des Werkes diejenige Sorgfalt
-angedeihen zu lassen, die ihren längst anerkannten Ruf begründet hat.
-
-Noch eines Mannes müssen wir in Wehmut gedenken, der viele Jahre
-hindurch dem Werke seine Kraft und Fürsorge widmete und dessen
-unermüdlicher Beharrlichkeit und nie nachlassender Geduld es gelang,
-dasselbe, wenn es ins Stocken geraten, wieder flott zu machen, und
-der, als gar sein Erscheinen in Frage gestellt war, als ein bewährter
-Steuermann doch alles wieder zum Besten lenkte, des langjährigen ersten
-Vorstandes des Vereines Dr. Georg Freiherrn v. =Kreß=. Leider sehen
-seine Augen das vollendete Werk nicht mehr, um dessen Zustandekommen er
-sich so große Verdienste erworben hat. Wir aber müssen es immer wieder
-rückhaltslos anerkennen, daß er, hier wie sonst, um alles und jedes
-besorgt und bemüht, seine ganze Kraft einsetzte, um dem Vereine zu
-dienen und das gesteckte Ziel zu erreichen.
-
-So möge denn das Buch hinausgehen und nicht nur den Ruhm der
-kunstsinnigen Vorfahren verkünden, die einst die Vaterstadt mit dem
-herrlichen Bauwerk der St. Sebaldkirche schmückten, sondern auch den des
-lebenden Geschlechtes, das den Mut besaß, rechtzeitig seinem Verfall
-Einhalt zu tun und den Nachkommen den Besitz der hohen ethischen,
-kulturellen und künstlerischen Werte, die das ehrwürdige Baudenkmal
-darstellt und umschließt, auf Jahrhunderte hinaus zu sichern.
-
- =Nürnberg=, im Januar 1912.
- $Dr. Ernst Mummenhoff$,
- 1. Vorsitzender.
-
-
-
-
- Inhaltsverzeichnis.
-
-
- Seite
- Einleitung 11
-
- I. Der romanische Bau, etwa 1225-1273 13
-
- II. Die gotische Bauperiode 39
- 1. Die Erweiterung der Seitenschiffe und die Umbauten am
- Querschiff und Westchor. 1309-1361 39
- 2. Der Ostchor. 1361-1379 48
- 3. Der Umbau der Türme. 1345, 1481-1484, 1489, 1490 67
-
- III. Die Restaurierungen der Kirche 75
- 1. Die Restaurierungen der Kirche bis zur Neuzeit 75
- 2. Das Restaurierungswerk der Neuzeit. 1888-1906 79
- 3. Bericht der Bauleitung über die Wiederherstellung des
- Äußern. 1888-1904 85
- 4. Bericht der Bauleitung über die Instandsetzung des
- Innern. 1903-1906 104
- 5. Nachtrag vom 15. Januar 1912 127
-
- IV. Das Inventar der Kirche 129
- 1. Altäre und Kanzel 129
- 2. Die Plastik 138
- A. Die Plastik am Außenbau 140
- B. Die Plastik im Innern 153
- 3. Die Gemälde 168
- 4. Die Glasgemälde 177
- 5. Gedenktafeln, Totenschilder, Stuhlwerk, Orgeln und Glocken 187
- 6. Altargeräte, Wandteppiche, Paramente 196
- 7. Sammlung alter Skulpturen- und Baureste. -- Büchersammlung 206
-
- Urkundliche Beilagen 213
-
- Anmerkungen 226
-
- Chronologische Übersicht 234
-
- Verzeichnis der Abbildungen 243
-
- Verzeichnis der Personen, Orte und wichtigsten Sachen 246
-
-
-
-
- Einleitung.
-
-
-An Stelle der jetzigen Pfarrkirche St. Sebald in Nürnberg stand
-ursprünglich eine Kapelle, dem hl. Petrus geweiht. Ein urkundlicher
-Beleg kann hierfür nicht beigebracht werden, allein die älteren
-Chroniken berichten hiervon in übereinstimmender Weise und andererseits
-spricht für die Wahrheit jener Behauptung der Umstand, daß der Bau
-von St. Sebald erst dem 13. Jahrhundert seine Entstehung verdankt,
-während Nürnberg schon zu Beginn des 12. Jahrhunderts den Rang einer
-Stadt besaß, und daß man in der späteren Pfarrkirche zur Aufnahme von
-Reliquien des hl. Petrus und zum Zweck seiner besonderen Verehrung durch
-Anlage eines eigenen Westchors einen entsprechenden Raum schuf. Denn so
-jung auch Nürnberg im Verhältnis zu anderen hervorragenden deutschen
-Städten des Mittelalters war, in der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts
-war es schon ein ansehnlicher Ort; hatte doch der fränkische Kaiser
-Heinrich III. (1039-1056)[1] -- wenn auch nur vorübergehend -- den Markt
-von Fürth dorthin verlegt und er sowie sein Nachfolger Nürnberg mehrmals
-zum Aufenthalt erwählt. Selbstverständlich besaß die Gemeinde in jener
-Zeit zur Befriedigung ihrer religiösen Bedürfnisse ein Gotteshaus.
-Dieses Gotteshaus war aller Wahrscheinlichkeit nach nur eine Kapelle;
-von einem größeren Kirchenbau würden in Gestalt von Mauerresten oder
-handschriftlichen Nachrichten noch Zeugen zu finden sein. Aber auch
-nicht zu klein wird man sich jene Kapelle vorstellen dürfen. Trotz der
-raschen Entwicklung Nürnbergs und der starken Zunahme seiner Bevölkerung
-im Laufe des 12. Jahrhunderts hatte die Kapelle genügt. Obschon nun die
-hohe Verehrung des hl. Sebald in Nürnberg uns bereits für den Beginn der
-siebziger Jahre des 11. Jahrhunderts bezeugt ist, verstrich doch noch
-über ein Jahrhundert, bis man zur Erbauung eines ihm besonders geweihten
-Gotteshauses schritt. Die alte Kapelle blieb dem hl. Petrus zubenannt.
-
-Von dem Aussehen der Kapelle ist nichts bekannt. Auch nichts von
-der Zeit ihrer Gründung. Auffällig will aber der Name des Heiligen
-erscheinen, dem sie geweiht war; er kann vielleicht über die Zeit der
-Erbauung Aufschluß geben. Wie eben erwähnt, fanden Reliquien des
-hl. Petrus auch in der Sebalduskirche eine Unterkunftstätte, der
-Westchor wurde hierzu ausersehen, und, wie im I. Kapitel dargelegt
-wird, steht die doppelchörige Anlage von St. Sebald im engsten
-Zusammenhang mit dem Bau des Bamberger Domes. Auch in Bamberg ist der
-Westchor dem hl. Petrus geweiht, während der eigentliche Schutzpatron,
-dem der Ostchor eingeräumt ist, nicht Petrus, sondern Georg heißt.
-Dasselbe gilt beinahe von allen Kirchenbauten in Bayern und Schwaben,
-welche, um das Jahr 1000 gegründet, mit dem Dom von Bamberg in naher
-Verwandtschaft stehen: den Ausgangspunkt bildet Augsburg, es folgen
-St. Emmeram und Obermünster in Regensburg, von wo aus durch Vermittlung
-des Kaisers Heinrich II., des ehemaligen Herzogs von Bayern, Bamberg
-beeinflußt worden ist. Die basilikale Anlage, bei welcher der
-Schwerpunkt nach Westen verlegt ist, wird direkt auf die Petersbasilika
-in Rom zurückgeführt. Nur scheint diese Epoche der Baukunst, zu deren
-wichtigen Vertretern auch Mainz (978-1009) und Worms (996-1016)
-zählen, mehr den Charakter einer Mode zu tragen als den einer für die
-Folgezeit wichtigen Entwicklungsstufe. Der Bau von Westchören oder
-gar westlichen Querhäusern wurde bald wieder aufgegeben und damit kam
-auch sonderbarerweise die Verehrung des Schutzpatrons von Rom wieder
-in Wegfall. Denselben noch nicht genügend bekannten Gründen, welchen
-jene befremdliche Abart von der Tradition des Bauwesens ihre Entstehung
-verdankt, wird man auch die Gründung der Kapelle St. Peter zuschreiben
-dürfen. Hier muß noch darauf hingewiesen werden, daß die Mutterkirche
-dieser Kapelle und der späteren Sebalduskirche, die Pfarrkirche zu
-Poppenreuth, ebenfalls dem hl. Petrus geweiht ist.
-
-Der Platz, auf dem die Peterskapelle stand, wird sich ungefähr mit dem
-des Westchors der jetzigen Sebalduskirche gedeckt haben. Die Stelle
-bedeutete nach ihrer früheren Beschaffenheit, wie sich jetzt unschwer
-erkennen läßt, gegenüber dem östlich, südlich und westlich angrenzenden
-Gelände eine Erhebung, welche nach Osten nur wenig, nach Süden und
-Westen steiler abfiel. Nach Norden hatte die Erhebung Anschluß an den
-mit der Burg bekrönten Kegel, sie bildete gleichsam den südlichen in
-das sandige und sumpfige Nordufer der Pegnitz vorgeschobenen Ausläufer
-des Burgberges. An dem gegen den Fluß sich neigenden Südabhang der Burg
-siedelte sich nach und nach die Stadt an, vermied jedoch den weichen
-Boden der Pegnitzufer; die Kapelle St. Peter war somit eine Zeit lang
-der das Südende der Ansiedlung bezeichnende Punkt und lag ungefähr in
-der Mitte dieser Grenze an dem Knotenpunkte der alten Handelsstraßen.
-
-[Illustration: TAFEL II. Grundrisse und Details des romanischen Baues.]
-
-
-
-
- I.
-
- Der romanische Bau, etwa 1225-1273.
-
-
-Am 1. Oktober des Jahres 1256 erteilte Bischof Heinrich von Bamberg
-einen Ablaß allen jenen Christgläubigen, welche die Pfarrkirche St.
-Sebald zu Nürnberg am Tag ihrer Einweihung und an den Tagen ihrer
-Patrone St. Peter und Paul und St. Sebald besuchen und Almosen spenden
-würden.
-
-Dies ist im wesentlichen der Inhalt der für die ältere Baugeschichte von
-St. Sebald wichtigsten Urkunde.[I]
-
- [I] Siehe Beilage 2.
-
-Aus dem Text des in lateinischer Sprache abgefaßten Ablaßbriefes ist
-auf den ersten Blick nicht ersichtlich, was der Ausdruck »Tag der
-Einweihung«: _dies dedicationis_ bedeuten soll. Handelt es sich hier um
-die Einweihungsfeier selbst oder um die Wiederkehr des Einweihungstages?
-In letzterem Falle würde die Einweihung der Kirche schon =vor= dem 1.
-Oktober 1256 -- sei es nun unmittelbar oder ein oder mehrere Jahre
-vorher -- stattgefunden haben und die Kirche als eine zu jenem Zeitpunkt
-vollendete oder wenigstens in einem ihrer Hauptteile vollendete zu
-betrachten sein. In ersterem Falle wäre die Einweihung der Kirche
-erst =nach= dem 1. Oktober 1256, und zwar bald nach diesem Termin
-anzusetzen.[2]
-
-Der Inhalt unserer Urkunde ist in einfacher, schlichter Form
-vorgetragen. Der Bischof von Bamberg entbietet zunächst allen
-Christgläubigen, welche von dieser Ablaßeröffnung Kenntnis erhalten,
-seinen Gruß, spricht dann von dem Wert werktätiger Liebe und kündigt
-allen denen, welche die Kirche St. Sebald an den eingangs erwähnten drei
-Tagen besuchen und Almosen spenden, einen Nachlaß ihrer Sündenstrafen
-an. Der Inhalt ist überaus kurz und bündig. Es fehlt jegliche
-Zutat, welche als charakteristisches Kennzeichen dieser Urkunde zum
-Unterschiede von anderen, gewöhnlichen Ablaßurkunden gedeutet werden
-könnte. Demnach scheint es keine Urkunde zu sein, die aus Anlaß der
-feierlichen Einweihung der Kirche ausgefertigt wurde, ja es darf
-als ziemlich sicher gelten, daß mit dem _dies dedicationis_ der
-alljährlich wiederkehrende Kirchweihtag gemeint ist. Denn es müßte doch
-andernfalls vom Bau oder dessen Vollendung die Rede sein, oder es wären
-Feierlichkeiten erwähnt, die gelegentlich der Einweihung abgehalten
-werden, oder es wären die geistlichen Würdenträger aufgezählt, welche
-der Feier beiwohnen. Kein Wort verlautet von alledem. Oder man müßte
-doch erwarten, daß der Tag der Einweihung besonders hervorgehoben wird;
-im Gegenteil, abgesehen davon, daß er überhaupt nur allein genannt sein
-sollte, wird er aufgeführt im Verein mit zwei anderen Tagen, und es wird
-ihm gewissermaßen die gleiche Bedeutung wie diesen zuerkannt.
-
-Außerdem spricht für eine gewöhnliche Ablaßurkunde noch der Umstand,
-daß mit den beiden Tagen St. Peter und Paul und St. Sebald nicht nur
-die ersten auf das Datum der Urkunde folgenden Heiligentage gemeint
-sein können, sondern auch die des übernächsten Jahres und der folgenden
-Jahre mitinbegriffen sein müssen. Denn ein bestimmtes Jahr ist nicht
-bezeichnet. Und dann wäre es doch sehr auffällig, daß man, falls es
-sich in der Urkunde um die Feier der Einweihung handeln sollte, gerade
-jene beiden Tage, so enge sie auch mit der Kirchengeschichte von
-St. Sebald verknüpft sind, gewählt hätte, obwohl zwischen ihnen und dem
-Datum der Urkunde ein Zeitraum von mindestens drei Vierteljahren (vom
-1. Oktober bis 29. Juni, beziehungsweise 19. August) liegt. Und was für
-jene beiden Tage gilt, muß auch für den _dies dedicationis_ in Anspruch
-genommen werden: derselbe ist hier soviel wie »der stets wiederkehrende
-Kirchweihtag«.
-
-Für die Baugeschichte von St. Sebald ergibt sich somit aus den
-bisherigen Erörterungen: Als der Bischof von Bamberg am 1. Oktober 1256
-jenen Ablaß für die Kirche St. Sebald ankündigte, war die Kirche bereits
-eingeweiht und dem Gottesdienst übergeben.
-
-Das gewonnene Ergebnis muß nun aber nicht unbedingt so gedeutet werden,
-als wäre der ältere Bau in allen seinen Teilen vollendet gewesen; es ist
-sehr wohl möglich, daß der Bau damals nur in einem seiner Hauptteile
-fertig war, in welchem vorerst provisorisch bis zur Vollendung des
-ganzen Bauwerkes Gottesdienst abgehalten wurde. Bekanntlich zog sich
-im Mittelalter die Vollendung von Kirchenbauten oft sehr lange hin,
-die größeren Bauten nahmen stets Jahrzehnte in Anspruch, mußten, wenn
-die Mittel ausgingen, längere Unterbrechungen erleiden, und so kam es
-häufig, daß man, um dem religiösen Bedürfnis der Gemeinde zu genügen,
-den zuerst in Angriff genommenen und am weitesten gediehenen Bauteil --
-in der Regel war es der Ostchor -- für sich einweihte und Gottesdienst
-darin abhielt. St. Sebald war im Jahre 1256 offenbar in dem gleichen
-oder wenigstens in einem ähnlichen Zustande.[II]
-
- [II] Dr. Hoffmann ist zwar der Ansicht, daß die Nennung der =beiden=
- Patrone der Kirche in der Urkunde vom 1. Oktober 1256 die
- Fertigstellung der =beiden= ihnen geweihten =Chöre=, also auch
- des Westchores, bereits voraussetze, somit der Tenor der Urkunde
- gegen die oben geltend gemachte Auffassung spreche. Die mit
- der Überarbeitung des Manuskriptes betraute Kommission konnte
- sich indessen dieser Ansicht um so weniger anschließen, als
- der Ablaßbrief vom 17. August 1274 deutlich von einer am 9.
- September 1273 stattgehabten Einweihung von Chor und Altar der
- Sebalduskirche berichtet. Dieses Datum (1273) mit baulichen
- Veränderungen anderer Art, die eine neue Weihe notwendig gemacht
- hätten, in Zusammenhang zu bringen, wie es Dr. Hoffmann wollte,
- schien der Kommission nicht angängig. Die das Innere der Kirche
- wenig berührenden baulichen Veränderungen, die Dr. Hoffmann
- im Auge hatte, nämlich der Ausbruch größerer Fenster und eine
- mutmaßliche Veränderung der Dachform beim Westchor, boten zu
- einer Neueinweihung sicherlich keine Veranlassung.
-
-An Stelle der Kirche St. Sebald stand zuvor eine Kapelle, welche ebenso
-wie ihre Mutterkirche, die Pfarrkirche in dem nordwestlich von Nürnberg
-gelegenen, eine Stunde entfernten Poppenreuth, dem hl. Petrus geweiht
-war.[3] Vom hl. Petrus wurden in jener Kapelle zweifellos Reliquien
-aufbewahrt und verehrt. Mit der Zeit fand in Nürnberg auch der
-hl. Sebald Verehrung, ja er machte bald dem hl. Petrus im Kult
-bedeutende Konkurrenz. Auch von ihm besaß man Reliquien. Bei dem
-stattlichen Neubau nun, welcher an die Stelle des bescheidenen
-Kirchleins treten sollte, mußten beide Heilige die entsprechende
-Berücksichtigung finden, und so entschloß man sich, für die neue Kirche
-die doppelchörige Anlage zu wählen, um den Ostchor dem hl. Sebald, den
-Westchor den Heiligen Petrus und Paulus weihen zu können.
-
-Wenn nun, wie anzunehmen ist, jene alte Peterskapelle sich an der Stelle
-des heutigen Westchores erhob und schwerlich abgebrochen wurde, bevor
-durch Erbauung und Einweihung des Hauptteiles der neuen Kirche Ersatz
-für die alte Kultstätte geschaffen war, so wird es verständlich, daß
-mit dem Baue des Westchores kaum vor dem Jahre 1256 begonnen worden
-sein kann. Über die Zeit seiner Vollendung unterrichtet uns ein uns
-erhaltener Ablaßbrief vom 17. August 1274, in dem Bischof Berthold von
-Bamberg allen jenen Gläubigen Ablaß gewährt, die sich am Kirchweihtage
-jenes Jahres der Pfarrkirche des hl. Sebald zu Nürnberg, deren Chor und
-Altar er am 9. September 1273 geweiht habe, christlich vorbereitet nahen
-und daselbst ihre Almosen spenden würden.[III] Von dem gleichen Tage
-ist auch ein Ablaßbrief Bischof Bertholds für die Maria Magdalenakirche
-des Klaraklosters zu Nürnberg datiert, die nach dieser Urkunde einen
-Tag nach der Konsekration des Westchores der Sebalduskirche, nämlich
-am 10. September 1273 eingeweiht worden war. Die uns heute noch
-erhaltenen romanischen Teile dieser späterhin vielfach umgebauten
-Klarakirche zeigen mit den Architekturformen der Sebalduskirche so nahe
-Verwandtschaft, daß auf die Tätigkeit der gleichen Werkleute bei beiden
-Bauten mit voller Sicherheit geschlossen werden darf.
-
- [III] Siehe Beilage 4.
-
-In der nördlichen Hälfte des von Mauern umgrenzten Gebietes der Stadt
-Nürnberg, nahezu in der Mitte zwischen Burg und Pegnitz, erhebt sich
-der vornehme Bau der Pfarrkirche von St. Sebald. Mit dem mächtigen
-Ostchor und den überschlanken spitzen Türmen beherrscht er einen großen
-Teil der Stadt, ja er ist eines jener Bauwerke, welche dem Stadtbild
-sein charakteristisches Gepräge verleihen. Denn so reich auch Nürnberg
-ist an hochragenden Kirchen, Türmen und steilen Giebeln, die Burg, St.
-Sebald und St. Lorenz sind diejenigen Bauwerke, welche auch auf weite
-Entfernung hin die dominierende Rolle spielen und besonders nach Osten
-oder Westen der alten Reichsstadt eine geradezu prächtige Silhouette
-verleihen.
-
-Der Bau von St. Sebald ist ein Werk des Mittelalters, und zwar ein
-Werk mehrerer Jahrhunderte. Die oberen Teile der Türme sind Zeugen der
-spätesten Gotik, die Seitenschiffe und vor allen Dingen der stattliche
-Ostchor -- abgesehen von den Mauern des westlichen Joches -- entstammen
-dem 14. Jahrhundert und die übrigen Teile des Baues, insbesondere das
-Mittelschiff, die unteren Turmgeschosse und der Westchor, sind Werke des
-13. Jahrhunderts. Die dem 13. Jahrhundert angehörenden Bauteile sind als
-die Überreste einer ehemals einheitlichen Kirche anzusehen (Taf. II und
-III).
-
-Wir beschränken uns im folgenden auf diese älteren Bauteile und
-versuchen eine vollständige Rekonstruktion der früheren Kirche.[4]
-
-Der Westchor ist intakt geblieben bis auf die drei mittleren
-spitzbogigen Fenster der polygonen Apsis, welche in späterer Zeit
-ausgebrochen wurden an Stelle von rundbogigen Fenstern mit ebensolchen
-Oberfenstern, wie sie sich noch neben den Türmen in der Nord- und
-Südwand der Apsis unverändert erhalten haben.
-
-Das Dach des Westchores wurde später erhöht, und zwar zu gleicher Zeit,
-als auch das Dach und damit der Giebel des Mittelschiffes erhöht wurde.
-Unter dem Dach des Westchores kann man sowohl den Ansatz des früheren
-Westchordaches als auch das Dachgesims des Mittelschiffwestgiebels und
-den darunter hinlaufenden Rundbogenfries erkennen.
-
-Von den Türmen gehören die vier unteren Stockwerke zum alten Bau. Das
-nächstfolgende Stockwerk enthält beim nördlichen Turm zwar auch älteres
-Mauerwerk und Teile eines Rundbogenfrieses, wurde jedoch vielleicht
-schon im 14., wahrscheinlich aber erst zu Ende des 15. Jahrhunderts mit
-teilweiser Verwendung des bisherigen Mauerwerkes und des Frieses erhöht.
-Es ist anzunehmen, daß das fünfte Stockwerk des nördlichen Turmes etwa
-die Höhe des nächst unteren Stockwerkes gehabt hat und zugleich das
-letzte Stockwerk war. Aus vierseitigen Helmen von mittlerer Höhe werden
-die Turmdächer bestanden haben.
-
-Das Mittelschiff ist, abgesehen von der schon erwähnten Abänderung des
-Daches und der Giebel, völlig unverändert geblieben.
-
-Die jetzigen Seitenschiffe stammen, wie bereits hervorgehoben, aus dem
-14. Jahrhundert. Ausdehnung und Gestalt der älteren Seitenschiffe lassen
-sich ziemlich genau bestimmen.
-
-An der östlichen Mauer des nördlichen wie des südlichen Turmes sind
-Spuren eines früheren Dachgesimses wahrzunehmen, welches in der Höhe der
-Fensterbänke des Mittelschiffes beginnt und bedeutend steiler verläuft
-als das jetzige Dach. Die gleichen Spuren finden sich auch am anderen
-Ende der Seitenschiffe, nämlich an der Westwand des jetzigen Ostchores
-oder ehemaligen Querschiffes vor. Nur sind weder hier noch dort die
-unteren Enden der Gesimse sichtbar, da sie durch das Gewölbmauerwerk
-der später erhöhten und erweiterten Seitenschiffe verdeckt werden.
-Dagegen ist das Kaffgesims an den beiden westlichen Strebepfeilern des
-Querhauses noch erhalten.
-
-Den notwendigen Aufschluß über die Breite der alten Seitenschiffe bieten
-erst im Innern der Kirche die die Turmhallen von den Seitenschiffen
-trennenden Scheidbögen und noch zuverlässiger die über den Scheidbögen
-sichtbaren Ansätze des alten Seitenschiffgewölbes. Demnach hatten die
-Seitenschiffe nahezu die Breite der Türme und das Verhältnis der lichten
-Weite der Seitenschiffe zu der des Mittelschiffes war 4 : 7.
-
-Über den Seitenschiffen waren zur Mittelschiffshochwand je zwei
-Strebebögen gespannt, wie die Spuren zwischen den drei mittleren
-Fenstern des Mittelschiffes auf jeder Seite heute noch beweisen. Beim
-Umbau der Seitenschiffe wurden die Strebebögen entfernt.
-
-Die Wände des westlichen Joches des jetzigen Ostchores mit den Diensten
-und zum großen Teil den Strebepfeilern sind Bestandteile eines
-ehemaligen Querschiffes. Dasselbe war aus drei gewölbten Quadraten,
-jedes in Mittelschiffbreite, zusammengesetzt. Die Höhe des Querschiffes
-entsprach der des Mittelschiffes. Die mittleren Dienste und Streben an
-den Giebelwänden des Querschiffes finden darin ihre Erklärung, daß von
-den vierteiligen Gewölben die seitlichen oder äußeren Gewölbviertel
-in den Kreuzarmen in zwei Achtelfelder geteilt waren. In den beiden
-nördlichen Jochen des Querschiffes befanden sich kreisförmige Fenster,
-von deren Umrahmung heute noch im Innern der Kirche mehrere Werkstücke
-sichtbar sind.
-
-Im übrigen ergibt der Bau über die Gestalt der alten Ostpartie keine
-Anhaltspunkte. Hier konnte nur durch Nachgrabungen Aufschluß erlangt
-werden.
-
-Auf Anregung von verschiedenen Seiten und mit Genehmigung der Verwaltung
-des vereinigten protestantischen Kirchenvermögens unterzog sich der
-Verein für Geschichte der Stadt Nürnberg dieser anerkennenswerten
-Aufgabe, indem er im November 1899 auf eigene Kosten die erforderlichen
-Nachgrabungen unter der Leitung von Prof. Schmitz vornehmen ließ. Im
-dritten mittleren Joch des jetzigen Ostchores, von Westen gerechnet, und
-zugleich im zweiten südlichen Joch desselben wurde mit der Wegnahme der
-Bodenplatten und dem Ausheben des Grundes begonnen. Man stieß gleich in
-den ersten Tagen hier wie dort auf das Mauerwerk des alten Ostchores
-und führte nun die Nachgrabungen einseitig, nämlich auf der in Angriff
-genommenen Südhälfte des Chores, durch, mit Recht eine symmetrische
-Anlage des alten Ostchores voraussetzend. Im Verlauf von 14 Tagen waren
-die Nachgrabungen beendet (Abb. 1).
-
-[Illustration: Abb. 1. Modell (von oben gesehen) der ausgegrabenen
-Ostchorkrypta.]
-
-[Illustration: Abb. 2. Innenansicht gegen Osten.]
-
-Nach dem Ergebnis derselben hat sich an das Vierungsquadrat des
-alten Querschiffes, welchem ungefähr das erste mittlere Joch des
-jetzigen Ostchores entspricht, östlich ein ebenso großes Chorquadrat
-und an dieses eine halbrunde Apsis in der Breite des Chorquadrates
-angeschlossen; und unmittelbar an die beiden Querarme kleinere,
-ebenfalls halbrunde Seitenapsiden. Der Chor, und zwar nicht nur Apsis
-und Chorquadrat, sondern auch die Vierung, ist um mindestens zehn Stufen
-über das Niveau der Kirche erhöht gewesen, und unter ihm hat sich eine
-zweischiffige, in drei Konchen endigende Krypta hingezogen. Das Gewölbe
-der Krypta, acht vierteilige Kreuzrippengewölbe, wurde in der Mitte von
-vier freistehenden Säulen und einer Wandsäule und an den Seitenwänden
-von zehn Diensten oder Wandsäulen getragen; das Gewölbe im Chorabschluß
-der Krypta bestand aus drei radial gestellten Kappen. Zugänglich war die
-Krypta durch zwei aus den Kreuzarmen und durch zwei aus dem Mittelschiff
-herabführenden Treppen von je acht Stufen. Auf den Chor werden
-wahrscheinlich zwei Zugänge von den Kreuzarmen neben den Kryptatreppen
-geführt haben; ein Zugang auf den Chor vom Mittelschiff aus hat nicht
-bestanden, da zwischen den beiden Mittelschiffstreppen, welche in die
-Krypta führten, ein Altar stand, über welchem sich an der Chorbrüstung
-die Kanzel befand. Nach den Querhausarmen zu wird der Chor durch eine
-Brüstung abgeschlossen gewesen sein.
-
-Der in allgemeinen Umrissen soeben rekonstruierte ältere Bau von
-St. Sebald war eine doppelchörige, kreuzförmige Pfeilerbasilika. Das
-Langhaus bestand aus drei Schiffen, welche durch je fünf Scheidbögen
-voneinander getrennt waren.
-
-Das Querschiff lag im Osten des Baues. Dieses, ein daran anschließendes
-Chorquadrat und drei vermutlich halbrunde Chornischen bildeten die
-Ostpartie.
-
-Der Westchor schließt polygon ab und zwar mit fünf Seiten des Achteckes,
-das in diesem Falle jedoch nicht regulär gebildet ist. Ein Rechteck
-verbindet Westapsis mit Mittelschiff. Dieses Rechteck ist von einem
-Turmpaar flankiert.
-
-Jeder der beiden Chöre ist, beziehungsweise war mit einer Krypta
-versehen. Während die des Westchores nur Apsis und das vorliegende
-Rechteck umfaßt, erstreckte sich die östliche über Apsis, Chorquadrat
-und Vierung. Da jede der beiden Krypten eine Erhöhung des über
-ihr liegenden Bodens bedingte, so war hiermit zugleich auch die
-Ausdehnung der Chöre festgelegt; und war schon durch die Anlage des
-Querschiffes im Osten dem Ostchor eine bevorzugte Stellung gegenüber
-dem Westchor eingeräumt, so wurde derselben durch die Ungleichheit der
-Bodenausdehnung der Chöre noch mehr Nachdruck verliehen. Andererseits
-ergab sich für den Ostchor durch die Krypta notwendigerweise eine
-Spaltung. Denn dadurch, daß auch der Boden des Vierungsquadrates erhöht
-und mit zum Chor einbezogen wurde, nahm man ihn aus dem Querschiff
-heraus und löste so die beiden Kreuzarme voneinander los. Dieselben
-waren also nicht mehr vom Mittelschiff aus, sondern eigentlich nur von
-den Seitenschiffen aus zugänglich und erhielten mit ihren Apsiden als
-Nebenchöre sowohl eine in sich abgeschlossene selbständige als auch dem
-Hauptchor gegenüber untergeordnete Stellung. Hatten so die Seitenschiffe
-an Bedeutung nichts eingebüßt, so gilt dies um so mehr für das
-Mittelschiff. Denn abgesehen davon, daß das an und für sich schon kurz
-geratene Langhaus durch das Vorhandensein eines Westchores im Innern
-an Ausdehnung verloren hat, wird die Bedeutung des Mittelschiffes noch
-mehr dadurch beeinträchtigt, daß es zum Verzicht auf das Vierungsquadrat
-gezwungen wurde, worauf es doch -- und dies liegt im Wesen der
-kreuzförmigen Basilika begründet -- denselben Anspruch hätte wie das
-Querschiff.
-
-=Das Gewölbe.= Der ganze Bau war eingewölbt. Die noch vorhandenen
-Gewölbe bestehen durchgehends aus Bruchsteinen in starker Mörtelbettung,
-wobei häufig ein leichter Tuffstein der fränkischen Schweiz zur
-Verwendung gekommen ist.
-
-Die bei der Wölbung angewandte Gattung ist die des Kreuzgewölbes mit
-profilierten Rippen.
-
-In den Seitenschiffen erhob sich die Wölbung über nahezu quadratischen
-Grundrissen. Im Mittelschiff dagegen, das bei größerer Breite
-ebensoviele Joche zählt wie die Seitenschiffe, haben die einzelnen
-Gewölbefelder rechteckige Form. Es ist also nicht das sogenannte
-gebundene, bei romanischen Bauten übliche System, bei welchem je zwei
-Seitenschiffjoche einem Mittelschiffjoch entsprechen, zur Anwendung
-gelangt, sondern das bei gotischen Bauten angewandte einfache System mit
-durchlaufenden Jochen.
-
-Gurte und Rippen sind spitzbogig, erstere wenig gestelzt. Die Gewölbe
-haben leichte Busung mit fast horizontaler Scheitellinie.
-
-Während die Gewölbe des Mittelschiffes selbst vierteilig sind, was auch
-bei den Turmhallen und den Seitenschiffen der Fall ist oder doch war, so
-zeigen die anderen, sowohl die noch vorhandenen wie zum Teil die noch
-rekonstruierbaren Gewölbe eine hiervon verschiedene Form.
-
-Das Gewölbe des Westchorrechteckes ist sechsteilig.
-
-Das Gewölbe der polygonen Westapsis selbst hat fünf, d. h. ebensoviele
-Kappen, wie der Chor Seiten hat, und noch einen Zwickel am Gurtbogen, so
-daß der Schlußstein den Gurtbogen nicht berührt.
-
-Das Gewölbe über den beiden Querschiffarmen war eine Mischung von vier-
-und sechsteiligem Gewölbe. Denn die noch vorhandenen seitlichen Mauern
-weisen in der Mitte außen einen Strebepfeiler und entsprechend an der
-Innenseite einen Dienst auf, was darauf schließen läßt, daß die beiden
-seitlichen Gewölbeviertel nochmals geteilt waren, und zwar, wie die
-Spuren an der Innenwand erkennen lassen, in zwei Kappen mit niedrigeren
-Schildbögen und infolgedessen mit steileren Scheiteln wie die übrigen
-ungeteilten Viertel der Kreuzarmgewölbe.
-
-Ob das Ostchorquadrat vierteilig oder sechsteilig eingewölbt war, läßt
-sich nicht mehr entscheiden, da die Nachgrabung Anhaltspunkte nicht
-gab und auch nicht geben konnte. Selbst wenn bei den Nachgrabungen die
-unteren Mauerteile des Chorquadrates ohne Pilastervorlagen und Dienste
-aufgefunden worden wären, wäre ein sechsteiliges Gewölbe noch nicht
-ausgeschlossen. Denn es hätten sehr wohl, wie es an den erhaltenen
-Bauteilen häufig der Fall ist, die für die mittleren Querrippen
-bestimmten Dienste nicht ganz herabgeführt sein, sondern in halber Höhe
-auf Konsolen ruhen können.
-
-Die drei östlichen Apsiden hatten wahrscheinlich Halbkuppeln.
-
-=System des Aufbaues und Hochwandgliederung.= Der ganze Bau ist ein
-Werksteinbau, jedoch mit der Einschränkung, daß die Mauer stets aus zwei
-Werksteinwänden besteht, deren Zwischenraum mit Bruchsteinmauerwerk
-ausgefüllt ist: die gewöhnliche Bauart des Mittelalters.
-
-[Illustration: TAFEL III. Ansicht und Schnitte des romanischen Baues.]
-
-Die Gewölbgurte werden von Halbpfeilern mit vorgelagerten
-Dreiviertelsäulen oder Diensten getragen (Abb. 2). An die Halbpfeiler
-schließen sich auch seitlich Halbsäulen an, welche zur Aufnahme der
-Diagonalrippen bestimmt sind. Am Querschiff werden die Gewölbträger
-außen durch Strebepfeiler unterstützt. Dagegen fehlen die Strebepfeiler
-am Westchor, während wiederum an den Türmen Streben angebracht sind.
-Am Mittelschiff scheint durch je zwei Strebebögen Ersatz für die
-Strebepfeiler geschaffen worden zu sein, um dem etwaigen Schub des
-hohen Gewölbes nach außen Widerstand zu leisten. Ist hierbei nicht
-zu verkennen, daß der Baumeister von St. Sebald den Anlauf zu einer
-den wirkenden Kräften entsprechenden organischen Gliederung des
-Baues genommen hat, so muß andererseits auf die Inkonsequenz bei der
-Durchführung der gewollten Gliederung hingewiesen werden und zwar in
-Anbetracht der Stärke der Mittelschiffsjochmauern. Dieselben sollten
-eigentlich nur als Füllmauerwerk funktionieren, weshalb Mauern von
-bedeutend geringerer Stärke den gleichen Zweck erfüllt hätten. Nur bei
-den Bogenfeldern des Lichtgadens ist ein Versuch zur Entlastung des
-Mauerwerkes gemacht worden, indem dasselbe im Innern zurücktritt und die
-Schildbögen auf kleinen, an die Halbpfeiler angelehnten Säulchen ruhen.
-
-[Illustration: Abb. 3. Innenansicht gegen den Westchor.]
-
-[Illustration: Abb. 4. Triforien im Mittelschiff.]
-
-Was die Gliederung der Mittelschiffhochwand betrifft (Abb. 3), so
-ist durch die Einführung des schmalen durchlaufenden Joches jeder
-Pfeiler Hauptpfeiler geworden und so eine enge Aneinanderreihung der
-Gewölbstützen ermöglicht. Die auf diese Weise schlank gewordenen
-Proportionen des Längsschnittes korrespondieren mit der starken
-Höhenentwicklung des Querschnittes. Einen wohltuenden Gegensatz zur
-starken vertikalen Gliederung bildet die dreigeschossige Anlage des
-Aufrisses. Die Arkaden werden durch Einsprünge abgestuft; die so
-entstandenen rechtwinkeligen Vorlagen ruhen auf Halbsäulen, welche
-aber ihrerseits von Konsolen getragen werden, so daß den Pfeilern die
-quadrate Grundrißform bleibt. Die Mauerfläche zwischen den Arkaden und
-dem Lichtgaden ist belebt durch ein über die Bögen hinlaufendes Gesims
-und darüber durch eine Galerie, welche nach Art des französischen
-Triforiums aus der Mauerdicke ausgespart ist (Abb. 4). Die Bogenfelder
-des Lichtgadens sind, wie vorhin erwähnt, gegliedert und mit
-Rundbogenfenstern durchbrochen, so daß sich das Streben geltend macht,
-den an und für sich schweren, kräftigen Bau nach oben zu leichter
-erscheinen zu lassen.
-
-Ebenso wie die Fenster der Mittelschiffhochwand und die älteren Fenster
-des Westchores -- zweifellos waren sämtliche Fenster rundbogig -- sind
-auch die beiden einzigen erhaltenen Portale, die jetzigen Portale der
-Turmhallen, rundbogig, während Gewölbe und Arkaden spitzbogig gestaltet
-sind, was ein charakteristisches Merkmal für die Bauzeit der Kirche
-bildet.
-
-Die Wände des westlichen Vorchores sind belebt durch je einen
-zweiteiligen loggienartigen Durchbruch nach den Turmhallen. Beide
-Doppelfenster wurden gelegentlich der letzten Restaurierung wieder
-bloßgelegt. An der nördlichen Wand hat sich durch Untersuchungen
-herausgestellt, daß das ehemalige Doppelfenster in späterer Zeit
-gründlich verändert wurde. Die Fenster hatten den Zweck, vom Westchor
-aus die Turmhallen zu erhellen.
-
-Der fünfteilige Westchor erhält sein Licht durch ebensoviele Fenster
-mit Oberfenstern. Die Wände unterhalb der größeren Fenster sind mit
-Kleeblattblendarkaden gegliedert.
-
-[Illustration: Abb. 5. Partie aus dem Engelschor.]
-
-Über dem Westchor befindet sich ein Obergeschoß, Engelschor genannt
-(Abb. 5). Denn die Wölbung des eigentlichen Chores erreicht nicht die
-Höhe des Mittelschiffes und der ausgesparte Raum mit dem gleichen
-Grundriß wie der untere dem hl. Petrus geweihte Chor ist auch analog
-diesem eingewölbt. Der Engelschor erhält sein Licht durch drei Fenster
-von gleicher Größe und Gestalt wie die oberen Fenster des Peterschores
-und durch zwei Rundfenster. Er hat die Bedeutung einer Empore. Die
-Sockelwände sind gleichfalls mit Kleeblattblendbögen gegliedert. Im
-übrigen ist Architektur und Dekoration reicher wie die des unteren
-Chores. Die Ausführung macht einen unfertigen Eindruck. Eine Brüstung
-mit halbrundem Erker in der Mitte schließt die Empore gegen das Schiff
-ab.
-
-Von den Wänden der Querschiffarme sind die westlichen Mauern über den
-Seitenschiffen von je zwei rundbogigen Fenstern durchbrochen.
-
-Über die Gliederung der Wände des Ostchores würden sich nur Vermutungen
-aufstellen lassen.
-
-=Der Außenbau.= War es bei der bisherigen Beschreibung des Baues
-notwendig, stets die rekonstruierten Bauteile in Berücksichtigung zu
-ziehen, so gilt dies in nicht geringerem Grade von der Beschreibung des
-Außenbaues, insbesondere in bezug auf die Gesamtwirkung desselben.
-
-Die Behandlung der Außenseite des Baues ist im allgemeinen sehr
-einfach. Der Bogenfries ist fast der einzige Schmuck.[5] Er läuft am
-Mittelschiff unter dem Dach hin, an den Türmen ziert er die einzelnen
-Stockwerkgesimse und außerdem hat ihn noch der Westchor aufzuweisen.
-Wahrscheinlich wird er auch Querschiff, Seitenschiffe und die Ostpartie
-geschmückt haben. An den Türmen tritt anstatt des einfachen ein mit
-Laubwerk reich ornamentierter Bogenfries auf. Die Wände sind glatt
-behandelt bis auf eine schlichte Gliederung der polygonen Westchorapsis
-durch Dienste an den Eckkanten, welche oben in Kapitäle endigen und
-anfangs wohl fünf Giebel mit runden, viereckig geblendeten Fenstern,
-wie sie noch die äußeren Seiten aufweisen, getragen haben dürften.
-Möglicherweise waren Ostchor und Seitenschiffe mit Lisenen belebt. Man
-scheint eben bei der dekorativen Gliederung mehr Nachdruck auf den
-Innenbau gelegt zu haben.
-
-Die Haupteingänge befanden sich, wie mit ziemlicher Gewißheit
-angenommen werden darf, an den beiden Seitenschiffen, wohl zwischen
-den Strebebögen. Diese Portale wurden beim Umbau der Seitenschiffe an
-die Türme transferiert. Ob die Turmhallen von Anfang an mit Eingängen
-versehen waren, kann nicht zuverlässig behauptet werden.[6] Kleinere
-Portale führten vermutlich an Stelle des späteren Brautportales und des
-Dreikönigsportales in das Querhaus.
-
-Bei der Baumasse, als Ganzes betrachtet, lag der Schwerpunkt auf der
-Ostpartie. Gleichwohl ist eine starke Hervorhebung der Westpartie mit
-dem Turmpaar (Abb. 6) nicht zu leugnen, wenn auch auf eine Fassade im
-richtigen Sinne des Wortes wegen des Chores verzichtet werden mußte.
-Andererseits darf nicht vergessen werden, daß der Gedanke, die Ostpartie
-mehr zu betonen, fast auf den Grundplan beschränkt geblieben ist, da am
-Ostchor wahrscheinlich weder Türme noch Kuppel vorhanden waren, so daß
-im Hochbau die vertikale Entfaltung eigentlich nur in der Westpartie zum
-präzisen Ausdruck kommt.
-
-Kurz geraten in der Anlage ist das Langhaus mit seinen nur fünf schmalen
-Jochen. Ost- und Westpartie sind einander dadurch ziemlich nahe gerückt,
-eine enge Gruppierung der Baumassen war die Folge. So bescheiden die
-Außenarchitektur im einzelnen auch ist, im ganzen muß die geschlossene
-Komposition eine malerische Wirkung geübt haben.
-
-=Einzelglieder und Dekoration.= Das reiche Formenspiel des Innenbaues
-bietet eine malerische Verteilung und Abwechslung von Licht und
-Schatten. In der Verwendung von Säulen und Säulchen, Halbsäulen,
-Bögen und Blendbögen ist nicht gespart; dabei gibt sich das Bestreben
-kund, die struktiven Glieder den dekorativen zu substituieren. Von
-statuarischer Plastik der romanischen Kirche haben sich keine Reste
-erhalten. Die Bogenfelder der nicht mehr existierenden oder der später
-umgebauten, beziehungsweise versetzten Portale hatten vielleicht
-Reliefplastik aufzuweisen. Die Dekoration war nur in beschränktem Maße
-polychrom, wie die Feststellungen bei der letzten Restaurierung bewiesen
-haben. Möglicherweise war der Ostchor mit größeren Wandmalereien
-ausgestattet. Im Langhaus genossen in der Hauptsache die Schlußsteine
-und einige Kapitäle die Vorteile des Farbenkleides. Anspruch auf
-romanischen Ursprung können aber nur die im Westchor vorgefundenen
-Farbenreste erheben, wonach eine Anzahl von Halbsäulenvorlagen oder
-Diensten an ihren Schäften nach rheinischer Art im Schieferton, die
-Rippen und Gurte mit weißem und grauem Steinmuster und die Gewölbekappen
-mit kleinem Steinfugenschnitt bemalt waren. Auch einzelne Gesimse
-zeigten eine dunkelgraue Färbung. Glasmalerei ist wahrscheinlich auch
-vertreten gewesen.
-
-Der =Pfeiler= (Abb. 7) funktioniert im Innern der Kirche als
-freistehende Stütze der Hochwand und steht mit dieser in naher
-struktiver wie formaler Beziehung. Er ist quadratisch im Grundriß
-und hat im Seitenschiff eine Pfeilervorlage, an jeder Seite eine
-Halbsäulenvorlage. Die Ecken sind mit Rundstäben versehen. Der Sockel
-fehlt. Im Mittelschiff ruhen die Halbsäulenvorlagen auf Konsolen oder
-setzen auch trichterförmig am Pfeiler an. Durch die Halbsäulenvorlagen
-an den Schiffsseiten ist eine enge organische Verbindung zwischen
-Pfeiler und Gewölbeträger hergestellt. Das Gesims wird an den vier
-Seiten ringsum geführt, sogar um die Vorlagen, dort die Deckplatten der
-Halbsäulenkapitäle bildend.
-
-[Illustration: Abb. 6. Westansicht vor der Restaurierung.]
-
-Die =Säule= ist meist als Halbsäule mit dem Pfeiler oder der
-Pfeilervorlage verbunden und trägt als solche Gurte und Rippen. Sie
-stützt auch leichtere Lasten, und hier mehr in dekorativer als in
-konstruktiver Verbindung, so an den Kleeblattblendbögen, an den
-Schildbögen, an den Arkadenvorlagen. Freistehend findet sie sich nur
-in der Triforien- oder Zwerggalerie und im Engelschor vor. Als reines
-Zierglied steht sie an den Wandungen der Westportale. Die Behandlung
-des Schaftes ist glatt, die Form zylindrisch, ohne Schwellung und ohne
-Verjüngung, an der Triforiengalerie auch achteckig. Im Westchor, wo die
-Säule, als Dreiviertelsäule an die Wand angelehnt, die Gewölberippen
-trägt, ist ihr Schaft mit einem scharf profilierten Ring in der
-Mitte umgürtet. Ebenso an den beiden noch vorhandenen westlichen
-Vierungspfeilern.
-
-Die =Kapitäle= (Abb. 8, 9, 10, 11, 12) gruppieren sich in
-Knospenkapitäle und solche mit Blattornament, beziehungsweise in Kelch-
-und Würfelkapitäle. Der Kern des Knospenkapitäls ist die Kelchform, die
-Behandlung des Reliefs zum großen Teil eine mehr zeichnende, abgesehen
-natürlich von den Knospen, welche zuweilen über den Rand der Deckplatte
-vortreten. Bei den Blattornamentkapitälen geht die Kelchform in die des
-Würfels über infolge plastischer Behandlung der Blätter; dabei zeigt
-sich eine Vorliebe für das bandförmige Blattornament, indem Stengel
-und Ranken wie gestickte Bänder gearbeitet, die Blätter gleichsam mit
-Schnüren von Perlen oder Edelsteinen besetzt sind. Eine freiere zum Teil
-phantastische Behandlung weisen nur die Kapitäle in der Triforiengalerie
-auf, wo auch die Würfelform mehr Anwendung gefunden hat. Häufig
-vertreten hier Fratzen die Stelle von Kapitälen.
-
-Die =Basen=, von der bei romanischen Bauten üblichen attischen Art,
-sind nicht mehr starr und hoch, sondern biegsam und zeigen bereits die
-flache, gedrückte Gestalt, welche dem Druck elastisch nachgegeben hat
-und mit dem unteren Wulst über den Rand des Sockels hinausgedrängt
-worden ist. Manche Basen weisen Eckknollen auf.
-
-Unter den =Konsolen= (Abb. 13, 14) sind die am häufigsten vorkommenden
-die Hornkonsolen, in welche die für die Diagonalrippen bestimmten
-seitlichen Halbsäulenvorlagen oder Dienste unmittelbar über dem Gesims
-der Arkadenpfeiler endigen. Sie sind meist glatt behandelt, die Spitze
-nach außen gebogen. Einige tragen auch schlichtes Blattornament. Die
-Gurtdienste im Mittelschiff werden zuweilen von hockenden bärtigen
-Gestalten gestützt. Die übrigen Konsolen haben einfache Form, in einen
-schaftartigen Rundbogenfries gehüllt.
-
-Von den =Türen= kommen nur die jetzigen beiden West- oder Turmportale
-(Abb. 15, 16, 17, 18) in Betracht. Dieselben treten mit ihrem
-verschrägten Gewände und ihrem bogenförmigen Abschluß als Umrahmung
-vor die Fläche der Turmmauer vor. Gewände und Bogenleibung sind durch
-drei rechtwinkelige Einsprünge aufgelöst. In den Winkeln stehen zu
-beiden Seiten je drei Säulen, welche mehrfach profilierte Bögen tragen.
-Plastischer Schmuck ist nur an den Kapitälen vorhanden, und zwar sind
-dieselben an der einen Seite als Knospenkapitäle, auf der anderen
-Seite als Blattornamentkapitäle unterschieden. Die Bogenfelder ruhen
-auf Pfeilern auf, welche aber mit den flankierenden Säulen nur das
-bekrönende Gesims gemein haben. Durch die beiden Turmportale hat die
-Westseite nachträglich die Bedeutung einer Fassade gewonnnen.
-
-=Bisheriges Ergebnis.= Die im Vorausgehenden gegebene Beschreibung
-des Baues führt zu dem Ergebnis, daß die ältere Kirche St. Sebald im
-großen und ganzen ein der romanischen Stilart angehöriger Bau ist. Es
-haben allerdings die drei gotischen Grundelemente: der Spitzbogen, der
-Strebebogen und das einfache System bereits Eingang gefunden. Allein
-diese Anleihen haben nicht den Organismus des Gliederbaues völlig
-durchdrungen, sie sind nicht durchweg zu konstruktiver Notwendigkeit
-geworden. Hat man doch beim späteren Umbau der Seitenschiffe den
-Überfluß der Strebebögen erkannt und ihre Beseitigung herbeigeführt.
-Auch der Eindruck des Innern, wo erst das einfache System dem Beschauer
-sichtbar wird, ist trotz der reichen Hochwandgliederung und trotz der
-starken Höhenentwicklung nicht der eines gotischen Baues. Der Bau ist in
-seinem innersten Kern romanisch. Den romanischen Charakter bestätigen
-auch die Ornamente.
-
-=Stilkritik.= Die erste Periode der Nürnberger Bau- und Kunstgeschichte
-fällt in das 12. Jahrhundert. Die ehemalige Schottenkirche St. Egidien
-mit der Euchariuskapelle und die Doppelkapelle auf der Burg sind ihre
-Repräsentanten. Die Egidienkirche brannte 1696 ab. Nur Abbildungen
-aus der Zeit vor und unmittelbar nach der Brandkatastrophe haben uns
-ein Bild der romanischen, in gotischer Zeit mehrfach umgebauten und
-erweiterten Klosterkirche überliefert, allein sie genügen nicht,
-um genau Konstruktion oder gar Ornamentik erkennen zu lassen.
-Wir wissen nur, daß die Kirche eine dreischiffige Basilika mit
-östlichem Querschiff, westlichen Türmen und Vorhalle war; vielleicht
-eine Säulenbasilika, in welcher die Seitenschiffe gewölbt, das
-Mittelschiff dagegen flach gedeckt war. Mit ziemlicher Sicherheit
-aber wird man annehmen können, daß die Kirche des um 1140 von Kaiser
-Konrad III. gestifteten und mit Regensburger, teilweise auch mit
-Würzburger Schottenmönchen besetzten Klosters auch in der Bauweise
-als Schottenkirche gekennzeichnet und mit St. Jakob in Regensburg eng
-verwandt war. Deutlich ist der Einfluß der Schotten an der Doppelkapelle
-auf der Burg, der Margareten- und Kaiserkapelle (etwa 1170 bis etwa
-1180). Weniger in der Gewölbekonstruktion, als besonders durch Gestalt
-und Ornamentik der Kapitäle und durch die Anlage des Oratoriums mit
-den kurzen, gedrungenen Säulen wird man sofort an die Regensburger
-Schottenkirche erinnert. Dagegen deutet die gegen Ende des 12.
-Jahrhunderts erbaute Euchariuskapelle mit ihren Rippengewölben und den
-hohen, reich profilierten Sockeln, Basen und Kämpfern auf Bamberg.
-
-[Illustration: Abb. 7. Ansicht vom südlichen Seitenschiff gegen Norden.]
-
-Von wie hoher Bedeutung auch für die Kunstgeschichte Nürnbergs in der
-zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts die Beziehungen zu Regensburg
-gewesen sind, eine =Nürnberger Bauschule= scheint sich aus jener nicht
-allzu umfangreichen, im wesentlichen auf die beiden ersterwähnten
-Kirchen beschränkten Bautätigkeit nicht entwickelt zu haben. Es ist
-anzunehmen, daß die Bauleute für die Doppelkapelle auf der Burg und für
-die Egidienkirche von auswärts, das heißt von Regensburg, gekommen waren
-und nach Vollendung der Bauten wieder weitergezogen sind, also weder aus
-der Bevölkerung Nürnbergs hervorgegangen sind, noch sich in Nürnberg
-dauernd angesiedelt haben.
-
-[Illustration: Abb. 8. Kapitäl der Dienste im Mittelschiff.]
-
-Mit der Wende zum 13. Jahrhundert war auf einige Jahrzehnte eine
-Stockung im Bauleben Nürnbergs eingetreten, bis sich mit der
-Niederlassung der Bettelorden, vor allem aber mit dem Bau von St.
-Sebald eine um so regere Tätigkeit entfaltete. So kam es, daß sich an
-die von den Schotten angewendete Bauweise keine Tradition knüpfte und
-man die technischen Vorteile und die dekorative Eigenart, welche jene
-mitgebracht, völlig vergaß. Und als das Bedürfnis nach einem größeren
-Gotteshaus wach wurde, war in Nürnberg ein gänzlicher Mangel an
-geschulten Baumeistern wie Steinmetzen, welche einen umfassenden Auftrag
-hätten übernehmen und durchführen können. Dazu handelte es sich jetzt
-nicht mehr um eine Kirche für einen geschlossenen Orden, sondern um die
-Kirche für eine Pfarrgemeinde. Stand bereits die zum Egidienkloster
-gehörige Euchariuskapelle unter dem Einfluß des Bamberger Domes, so war
-es ganz natürlich, daß die unterbrochenen Beziehungen zu dem erst 1237
-vollendeten Dom wieder aufgenommen wurden, um so mehr als Bamberg die
-Diözesanhauptstadt von Nürnberg war.
-
-=St. Sebald und der Dom zu Bamberg.= Bei der Gründung der Diözese
-Bamberg durch Kaiser Heinrich II. im Jahre 1007 wurde der neue Sprengel
-gegen den von Eichstätt mit dem Laufe der Pegnitz abgegrenzt. Was also
-vom jetzigen Stadtgebiet Nürnbergs nördlich dieses Flusses lag, gehörte
-zu Bamberg, was dagegen auf der anderen Seite lag, zählte vorerst zu
-Eichstätt. Dieses Verhältnis scheint jedoch nicht lange bestanden zu
-haben, denn schon 1162 wird die Kapelle zum Heiligen Grab, an deren
-Stelle sich jetzt die Pfarrkirche St. Lorenz erhebt, als zu Fürth
-eingepfarrt erwähnt, und Fürth gehörte damals zur Diözese Bamberg. Im
-13. Jahrhundert kommt also für Nürnberg als Diözesanhauptstadt nur
-Bamberg in Betracht.
-
-Im ersten Drittel dieses Jahrhunderts entwickelte sich in Bamberg im
-Anschluß an den Dombau ein reges Kunstleben. Der unter Kaiser Heinrich
-II. erbaute, 1081 abgebrannte, unter Bischof Otto dem Heiligen wieder
-aufgebaute und 1185 abermals durch eine Feuersbrunst zerstörte Dom
-wurde gleich nach dem Brande von neuem aufgebaut. Begonnen wurde mit
-der Ostpartie. Nach Vollendung derselben vor 1202 trat eine kurze
-Unterbrechung ein. Man ging nun energisch an die Vollendung des ganzen
-Baues. Auf die provisorische Einweihung von 1232 folgte am 6. Mai
-1237 die letzte und endgültige.[7] Es ist ganz natürlich, daß bei dem
-Bau eines Gotteshauses von den Dimensionen des Bamberger Domes, der
-noch dazu in verhältnismäßig kurzer Zeit zur Ausführung gelangte und
-infolgedessen eine zahlreich besetzte Bauhütte erforderte, sich eine
-eigene Bauschule heranbildete, die im Bedarfsfalle imstande war, auch
-nach auswärts Parliere und Steinmetzen abzugeben. Was liegt da näher,
-als daß die Nürnberger Pfarrgemeinde, als man nach einem monumentalen,
-nur mit dem Aufgebot gediegener und geschulter Kräfte zu erbauenden
-Gotteshaus verlangte, zur Dombauschule der Diözesanhauptstadt in engste
-Beziehungen trat.
-
-[Illustration: Abb. 9. Romanisches Kapitäl mit Blatt- und Bandornament.]
-
-[Illustration: Abb. 10. Romanisches Kapitäl mit Blatt- und Bandornament.]
-
-[Illustration: Abb. 11. Gotisches Kapitäl im Seitenschiff.]
-
-Wir fassen zunächst die beiden Grundrisse, beziehungsweise
-Plandispositionen ins Auge.
-
-Beim Bamberger Dom ist die Plandisposition des alten Heinrichsbaues --
-doppelchörige Basilika mit westlichem Querschiff -- beibehalten worden.
-Es kann daher weder in der doppelchörigen Anlage, noch im westlichen
-Querschiff eine auf Rechnung des Neubaues kommende Besonderheit
-erblickt werden, es ist vielmehr auf andere ähnliche Beispiele, nämlich
-einerseits auf die Dome von Mainz (erster Bau 978-1009) und Worms
-(996-1016), andererseits auf die schwäbisch-bayerischen Bauten, so auf
-den Dom von Augsburg (994 bis 1006), auf Obermünster (1010 und 1020)
-und St. Emmeram in Regensburg (1002 und 1020), unter deren Einfluß der
-Heinrichsbau des Bamberger Domes zweifelsohne stand, zu verweisen.[8]
-Das Schwergewicht bei der Anlage einer Kirche nach Westen zu verlegen,
-wurde, wenn nicht ähnliche zwingende Gründe vorhanden waren, von jener
-Zeit ab vermieden. Um so auffälliger muß es erscheinen, daß bei dem Bau
-einer Kirche wie St. Sebald, der von Grund aus einen Neubau bildet, zwar
-nicht das Hauptgewicht auf den Westchor verlegt, aber doch demselben
-eine dem Ostchor beinahe gleichkommende Bedeutung zuteil wird, ja daß
-überhaupt ein Westchor noch Anklang findet. Denn spätere doppelchörige
-Anlagen sind nicht bekannt.
-
-[Illustration: Abb. 12. Romanisches Kapitäl mit Knollenornament.]
-
-Wie schon erwähnt, stand zuvor an Stelle der Kirche St. Sebald eine
-Kapelle. Dieselbe war von Anfang an dem hl. Petrus geweiht und bewahrte
-Reliquien von ihm. Im letzten Viertel des 11. Jahrhunderts fand
-allmählich auch der hl. Sebald Verehrung, er wurde bald zum Stadtpatron
-erhoben, ohne daß auf die Verehrung des hl. Petrus verzichtet worden
-wäre. Auch vom hl. Sebald waren Reliquien vorhanden. Es mußte daher,
-als man eine Gemeindekirche größerer Ausdehnung als Ersatz für die
-kleine Kapelle erbauen wollte, gleich von vornherein auf beide Heilige
-Rücksicht genommen werden. So blieb nichts anderes übrig, als den
-Grundriß einer doppelchörigen Kirche zu wählen, und hierzu bot der
-Bamberger Dom das geeignetste Vorbild. Man begnügte sich aber nicht mit
-der bloßen Kopie, sondern ging in einer Hinsicht sehr selbstständig vor.
-Beim Bamberger Dom liegt, weil die Plandisposition des Heinrichsbaues
-beibehalten wurde, das Querhaus im Westen. Vom 11. Jahrhundert an jedoch
-wurden überall nicht nur doppelchörige Anlagen soviel wie möglich
-vermieden, sondern auch die Kirchen regelmäßig nach Osten angelegt.
-Infolgedessen ist der Grundriß von St. Sebald gegenüber dem Bamberger
-Grundriß in der Himmelsrichtung gerade umgekehrt. Und da im Laufe des
-12. Jahrhunderts der hl. Sebald Stadtpatron geworden war, nach welchem
-auch die Kirche benannt werden sollte, so wurde seiner Verehrung der
-größere Ostchor eingeräumt, während dem hl. Petrus der kleinere Westchor
-zufiel.[9]
-
-[Illustration: Abb. 13. Romanische Hornkonsole.]
-
-[Illustration: Abb. 14. Romanische Konsole.]
-
-Eine weitere Selbständigkeit liegt in dem Mangel eines zweiten
-Turmpaares am Querschiffe von St. Sebald, welches dafür zwei Apsiden als
-Nebenchöre hat.
-
-Dagegen spricht wieder deutlich für die enge Verwandtschaft, daß bei den
-östlichen Apsiden der Kirche St. Sebald genau wie bei der Ostapsis des
-Bamberger Domes die halbrunde Form gewählt, während hier wie dort der
-Westchor polygon abgeschlossen wurde.
-
-Abgesehen von dieser Ähnlichkeit im Grundriß haben die beiden Westchöre
-auch fast den gleichen Aufbau, wenn wir die durch den Unterschied der
-Größenverhältnisse gegebenen Abweichungen außer acht lassen. Außen:
-Mangel an Strebepfeilern, Abtrennung eines oberen Stockwerkes mit
-Oberfenstern durch ein kräftiges Gesims, an den Ecken Dienste, welche
-nicht bis zum Dachgesims reichen; ein Unterschied besteht in den hier
-runden, dort spitzbogigen Fenstern und darin, daß bei St. Sebald auch
-das untere Stockwerk Oberfenster hat. Innen: sechsteilige Gewölbe in den
-Rechtecken, Dienste mit Schaftringen und Kleeblattblendarkaden an den
-Wänden der Apsis.
-
-Sowohl hier wie dort ist die Außenwand des Mittelschiffes so schlicht
-wie möglich behandelt. Wandgliederung fehlt. Die Anzahl der Fenster
-stimmt überein, es trifft auf jedes Joch ein Fenster. Die Fenster
-sind bei beiden Bauten rundbogig, mit glatten Wandungen, und sitzen
-unmittelbar auf dem Ansatz der Seitenschiffdächer auf. Ein ebenfalls
-übereinstimmender Rundbogenfries, welcher sich unter dem Dachgesims
-hinzieht, bildet den einzigen Schmuck der Hochwand.
-
-Ferner ist im Außenbau der Ansatz der Chornische, beziehungsweise
-des Chordaches an den Mittelschiffgiebel der gleiche (bei St. Sebald
-im Westen, beim Dom zu Bamberg im Osten), und ebenfalls belebt der
-eben erwähnte Rundbogenfries die Giebellinie. Übrigens hat aller
-Wahrscheinlichkeit nach beim Bamberger wie beim Nürnberger Westchor der
-Abschluß in einem Kranz von Giebeln mit Giebeldächern bestanden, wie die
-Endigungen der Eckdienste beweisen; zum mindesten war eine derartige
-Bekrönung bei beiden Apsiden geplant wie an rheinischen Bauten des
-Übergangsstiles.
-
-Sonst fällt von den Übereinstimmungen am Außenbau noch der an den beiden
-Westapsiden unter dem das untere vom oberen Stockwerk trennenden Gesims
-sich hinziehende Rundbogenfries auf, der auch auf die flankierenden
-Türme übergreift und dessen Bogenansätze von blattwerkgeschmückten
-Konsolen getragen werden.
-
-In allen übrigen Punkten kommt beim Außenbau der Unterschied zwischen
-der reich ausgestatteten Bischofskirche und der einfachen, schlichten
-Pfarrkirche zum Ausdruck.
-
-Bezüglich der Einzelglieder und der Dekoration im Innern der beiden
-Kirchen kann nur eine teilweise Übereinstimmung festgestellt werden:
-die Kleeblattblendarkaden im Westchor (bei Bamberg auch an den
-Westchorschranken)[10] in der Anlage sowohl wie in der Detailbildung,
-Abschluß der Dienste in halber Höhe durch stützende Konsolen, auch
-Hornkonsolen (bei Bamberg nur im Westchor, bei St. Sebald durchgehends)
-und Abrundung der Scheidbögenkanten in Wulste.
-
-Zum Schlusse sei noch betont, daß sämtliche Steinmetzzeichen von St.
-Sebald sich unter den zahlreichen Zeichen des Bamberger Domes vorfinden.
-
-Durch diese Nebeneinanderstellung wird die von der Kunstgeschichte
-ausgesprochene Vermutung, daß die Kirche St. Sebald in ihrer ersten,
-durch spätere An- und Umbauten noch nicht erweiterten Gestalt durch den
-Bamberger Dom wesentlich beeinflußt ist, vollauf bestätigt. Es gilt dies
-in erster Linie von der Plandisposition, in zweiter Linie vom Außenbau.
-Was vom Dom zu Bamberg aus dessen erster Bauperiode vor und kurz nach
-1200 auf die Kirche St. Sebald übertragen wurde, ist die doppelchörige
-Anlage und die Idee, die Chorapsis mit zwei Türmen zu flankieren. Beides
-wurde in selbständiger und eigenartiger Weise vom Baumeister von St.
-Sebald verwertet. Alle übrigen Übereinstimmungen der beiden Bauten gehen
-auf die zweite Bauperiode des Bamberger Domes zurück, welche die Zeit
-vom Ende des zweiten Jahrzehnts bis 1237 umfaßt. Und da die Nürnberger
-Steinmetzzeichen nur am westlichen, der zweiten Bauperiode angehörenden
-Teil des Bamberger Domes vorkommen, so steht fest, daß die zweite
-Bamberger Bauperiode und die erste Hälfte der Nürnberger Bauzeit durch
-keinen größeren Zeitraum getrennt sein können.
-
-Es erübrigt nun beide Bauwerke auf ihre =Verschiedenheiten und
-Abweichungen= zu untersuchen.
-
-Technik und Konstruktion der Gewölbe ist bei beiden Kirchen so ziemlich
-die gleiche: Bruchsteingewölbe in reicher Mörtelbettung, spitzbogige
-Kreuzrippengewölbe mit schwacher Busung und nahezu horizontalem
-Scheitel. Allein die angewandten Systeme sind grundverschieden: beim Dom
-zu Bamberg das gebundene, bei St. Sebald das einfache System.
-
-Ferner ist bei St. Sebald an einigen Stellen der Versuch gemacht worden,
-durch Stützwerk eine Verringerung der Mauerstärke herbeizuführen und
-so den Gliederbau mehr zu betonen: an den Türmen und am Querschiff
-durch Strebepfeiler, am Mittelschiff sogar durch Strebebögen. Am Dom zu
-Bamberg fehlt -- abgesehen von den beiden Stützpfeilern an den Osttürmen
-aus dem Jahre 1274 -- jede Strebe; es entspricht fast durchwegs die
-Mauerstärke der Stärke der alten Grundmauer, so daß Strebepfeiler oder
-Strebebögen auch überflüssig waren.
-
-Was die Maßverhältnisse und die Raumwirkung anlangt, so macht
-sich am Bamberger Dom im Querschnitt ein Streben nach imposanter
-Breitenentwicklung geltend. Die Höhe des Mittelschiffes verhält sich
-zu dessen lichter Weite wie 2 : 1. Anders bei St. Sebald. Hier ist
-bei einem Verhältnis von 3 : 1 eine ganz bedeutende Höhenentwicklung
-festzustellen.[11]
-
-Im engsten Zusammenhang mit den Unterschieden im Querschnitt stehen
-die in der Hochwandgliederung. Der breiten Anlage im Querschnitt beim
-Dom zu Bamberg entspricht im Mittelschiff die breite Wandfläche eines
-Joches, welche sich über zwei Arkadenbögen erhebt und um so breiter
-erscheint, weil sie vom Gesims bis zum Fenster völlig leer geblieben,
-d. h. weil jede Gliederung streng vermieden ist. Bei St. Sebald
-entspricht der Höhenentwicklung des Mittelschiffes die schmale Bildung
-einer Jochwand, die schon dadurch schlank erscheint, daß sie sich bei
-enger Aneinanderreihung der Stützen nur über =einer= Arkade erhebt und
-außerdem durch Belebung mit einer Triforiengalerie und Gliederung des
-Lichtgadens kurzweiliger wirkt.
-
-Der Gesamteindruck des Außenbaues ist beim Bamberger Dom bedingt --
-und zwar für den in spätromanischer Zeit errichteten Hochbau nicht in
-der günstigsten Weise -- durch die vom alten Heinrichsbau beibehaltene
-Anlage. Der ganze Bau ist langgestreckt und so scheinen gegenüber der
-leeren Mittelschiffhochwand die mehr oder minder reich behandelte Ost-
-und Westpartie in einem losen Zusammenhang zu stehen. Grundverschieden
-hiervon ist der Gesamteindruck des Außenbaues von St. Sebald, oder
-besser gesagt, wird er gewesen sein. Starke Anklänge an Bamberg hat
-eigentlich nur die Westpartie. Das Gesamtbild jedoch bietet eine ganz
-andere Massenwirkung und Silhouette. Vor allen Dingen fehlt ein zweites
-Turmpaar. Die Ostpartie mit den drei Apsiden ist Bamberg gegenüber ein
-neues, jedenfalls selbständiges Motiv. Und dann, dies dürfte wohl der
-Hauptunterschied sein, stellt St. Sebald von den Fundamenten an einen
-einheitlichen Bau dar, der auch nach außen hin die charakteristischen
-Merkmale des spätromanischen oder Übergangsstiles zur Schau trägt:
-die Entfernung vom östlichen Querschiff zu den Westtürmen ist im
-Verhältnis zu Bamberg eine überaus kurze, was bei der gleichen Anzahl
-von Mittelschiffjochen in der Verschiedenheit der Systeme liegt, die
-Baumassen sind demnach eng zusammengruppiert, und diese Wirkung wird
-noch verstärkt durch Strebepfeiler und Strebebögen.
-
-Ein nicht gerade wesentlicher Unterschied ist an den Westchören zwischen
-den spitzbogigen Bamberger und rundbogigen Nürnberger Fenstern zu
-verzeichnen.
-
-Diese mannigfachen, teilweise schwerwiegenden Unterschiede der beiden
-Kirchen lehren, daß St. Sebald in vielen Punkten noch auf andere Bauten
-zurückgehen muß. Die kunstgeschichtliche Bedeutung des Bamberger
-Domes liegt vor allen Dingen in der eigenartigen Verschmelzung
-fremder Einflüsse, die nicht nur verschiedenen lokalen, sondern auch
-verschiedenen zeitlichen Ursprunges sind. Fällt die Anlage unter
-den Einfluß Regensburgs im Anfang des 11. Jahrhunderts, so zählt
-anderseits der Hochbau zu den bedeutendsten Schöpfungen des deutschen
-Übergangsstiles, wobei der Außenbau des Ostchores vom Ende des 12.
-Jahrhunderts stark an die Ostpartie des Mainzer Domes und an andere
-rheinische Bauten erinnert; und während einzelne Bauglieder des
-Westchores aus dem zweiten und dritten Zehnt des folgenden Jahrhunderts
-der Ebracher Schule angehören, weisen die Einwölbung des Westchores und
-der Ausbau der Westtürme aus den dreißiger Jahren desselben Jahrhunderts
-auf Nordfrankreich, speziell auf Laon. Es ist ganz klar, daß von einem
-derartigen Bauwerk mit so vielen stilistischen Verschiedenheiten nur
-verhältnismäßig wenige Einzelheiten auf den Bau von St. Sebald übergehen
-konnten: ein Teil der Plandisposition, die Anlage des Westchores und
-Teile am Außenbau. Und dann war eben bei St. Sebald die Einführung
-zeitgemäßer Neuerungen möglich, weil nicht, wie beim Bamberger Dom,
-alte Grund- und Hochmauern einen Zwang auf die Gestaltung des neuen
-Hochbaues ausübten. Da nun bis zum damaligen Zeitpunkt eine Bauschule
-in Nürnberg nicht bestanden hat, so müssen jenen Neuerungen, welche
-St. Sebald gegenüber Bamberg aufzuweisen hat, andere verwandtschaftliche
-Beziehungen zugrunde liegen.
-
-=St. Sebald und die Klosterkirche zu Ebrach.= Die Entwicklung der
-Baukunst in der romanischen Epoche wurde vorzugsweise in den großen
-Städten gefördert, welche Bischofssitze waren. Man braucht da nur an
-die Städte Mainz, Speyer oder Köln zu erinnern und man kennt sofort die
-Bedeutung ihrer romanischen Bauwerke und den Einfluß derselben auf die
-ganze Entwicklung.
-
-Daneben machte sich aber eine Bewegung geltend, deren Einfluß nicht
-geringer als jener geschätzt werden darf. Es ist die Bewegung, welche
-durch die Bauschulen des Benediktiner- und des Zisterzienser-Ordens
-hervorgerufen wurde.[12] Ja, der Einfluß derselben ist in gewisser
-Hinsicht von weit höherer Bedeutung für die Kunstgeschichte als der der
-Dombauschulen; denn dieser war selten über ein eng begrenztes Gebiet,
-meist nicht über die Grenzen der Diözese hinausgegangen, der Einfluß
-jener Ordensbauschulen war aber nie lokal beschränkt, er erstreckte sich
-weithin nach allen Richtungen in die verschiedensten Länder, er darf
-mitunter geradezu als international betrachtet werden. Und waren es dort
-die Kirchen und Dome, welche von ihrer Zentral- oder Metropolitankirche
-Neuerungen empfingen und mit größerer oder geringerer Modulation in
-sich aufnahmen, so waren es hier die Kirchen des Landes, gewöhnlich die
-Klosterkirchen, denen -- natürlich ebenfalls in lokaler Anpassung -- das
-charakteristische Gepräge der entsprechenden Ordensbauschule aufgedrückt
-wurde.
-
-Im 11. Jahrhundert hatte unter den Ordensbauschulen der
-Benediktinerorden die der Kluniazenser die Oberhand, im 12. Jahrhundert
-wurden dieselben von den Hirsauern abgelöst, und im letzten Drittel des
-12. und in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts hatte der Orden der
-Zisterzienser, neben dem sich auch die Prämonstratenser geltend machten,
-die weiteste Verbreitung.
-
-Zwischen Würzburg und Bamberg, näher bei letzterer Stadt, liegt
-mitten in den stattlichen Nadel- und Laubwaldungen des Steigerwaldes
-im Quellgebiet der mittleren Ebrach das nach diesem Bache benannte
-Zisterzienserkloster. Es liegt -- was die Zisterzienser bei neuen
-Klostergründungen stets im Auge behielten -- in sich abgeschlossen,
-abseits von allen Verkehrswegen, gleichweit vom Main, von der Rednitz
-und von der Heerstraße Nürnberg-Würzburg entfernt.
-
-Das Kloster wurde im Jahre 1126 gegründet.[13] Der Besitz hatte bald
-bedeutenden Umfang gewonnen teils durch Schenkungen, teils durch Ankauf
-von Gütern, teils durch den Fleiß der Mönche in der Kultivierung der
-umliegenden Waldungen. Zu Beginn des 13. Jahrhunderts mußte bereits
-der Frage einer Erweiterung der Ökonomiegebäude wie der Kirche näher
-getreten werden. Was die Kirche anlangt, so entschloß man sich zu
-einem vollständigen Neubau, und zwar zu einem Bau von beträchtlichen
-Dimensionen, der an und für sich schon einen Rückschluß auf die damalige
-zahlreiche Besetzung und den Reichtum des Klosters zuläßt.
-
-Bald nach 1200 wurde der Bau begonnen, eine dreischiffige
-Pfeilerbasilika mit dem nach Schema Cisteaux II gebildeten Chorabschluß,
-nämlich einer einfachen geradlinigen Kapellenreihe an der Ostseite
-des Querschiffes und einer doppelten um den ebenfalls geradlinig
-abschließenden Chor. Die Wölbung besteht aus Kreuzrippengewölben in dem
-System des durchlaufenden Joches. Im 18. Jahrhundert wurde das Innere
-der Kirche im Stile der Zeit derartig umgestaltet, daß die romanischen
-Details nicht mehr zu erkennen, ja größtenteils überhaupt nicht mehr
-sichtbar sind. Doch steht fest, daß eine Triforiengalerie nicht
-vorhanden war. Die Hauptbauperiode fällt in das erste Drittel des 13.
-Jahrhunderts; die Vollendungsarbeiten zogen sich in die Länge, erst 1285
-fand die Einweihung der Kirche statt.
-
-Dagegen hat sich eine an die Nordseite des Querschiffes der Kirche
-angebaute Kapelle, die Michelskapelle, bis auf den heutigen Tag
-unverändert erhalten. Sie wurde ebenfalls zu Beginn des 13. Jahrhunderts
-in Angriff genommen, 1207 schon fand die Einweihung der Kapelle und
-dreier Altäre statt. Dieser Epoche gehört der größere Teil der Kapelle
-an, nämlich der mit sieben Stufen über das Niveau der übrigen Kapelle
-erhöhte Chor einschließlich Querschiff mit vier Wölbungsquadraten und
-das anstoßende Quadrat der unteren Kapelle. Die beiden westlichen
-Rechtecke mit den sechsteiligen Gewölben wurden erst im folgenden
-Jahrzehnt angefügt. Hier in dieser Kapelle haben Architekturglieder und
-Ornamente die reichste Verwendung gefunden, hier finden sich wieder
-Kleeblattblendbögen und Hornkonsolen, welche in der allgemeinen Form
-sowohl wie in der Detailbearbeitung stark an den Dom zu Bamberg und an
-St. Sebald in Nürnberg erinnern. Und wenn wir uns vergegenwärtigen, wie
-damals die Zisterzienser mit ihren Mönchen und Laienbrüdern sich häufig
-auch an anderen Kirchenbauten, welche im Auftrage von Pfarrgemeinden
-oder weltlichen Geistlichen errichtet wurden, rege beteiligten, so liegt
-die Vermutung sehr nahe, daß zwischen dem Bau der Klosterkirche in
-Ebrach und den zeitlich mit ihm übereinstimmenden Bauten in Bamberg und
-Nürnberg enge Beziehungen bestanden haben.
-
-Die Vermutung wird in erster Linie durch den Umstand bestätigt, daß
-sämtliche Steinmetzzeichen am alten Bau von St. Sebald nicht nur am Dom
-zu Bamberg, sondern auch mit noch etlichen Zeichen dieses Baues wieder
-an der Klosterkirche in Ebrach angetroffen werden. Es steht somit fest,
-daß eine Anzahl ein und derselben Steinmetzen an allen drei Kirchen
-tätig waren. War diese wandernde Kolonie an dem einen Bau fertig, so zog
-sie zum anderen Bau, um dort ihre Tätigkeit von neuem aufzunehmen.
-
-Der Anzahl der Zeichen nach zu schließen waren von den Steinmetzen,
-die am Bau der Klosterkirche Ebrach arbeiteten, mehr am Dom zu Bamberg
-tätig als an der Kirche St. Sebald. Trotzdem war den Ebrachern an der
-Nürnberger Pfarrkirche ein größeres Arbeitsfeld eingeräumt als dort.
-Was am Bamberger Dom direkt auf Ebracher Einfluß zurückgeht, ist der
-Westchor bis zum Dachgesims, beziehungsweise bis zu den Gewölbeanfängen
-im Innern und das Nordportal des Querhauses mit den Kleeblattblendbögen;
-ferner die Schranken des Westchores.[14] Der Dom war eben in seinen
-Hauptteilen: Ostchor mit Türmen, Langhaus und Querschiff, bereits
-vollendet oder wenigstens der Vollendung nahe, als man in Ebrach die
-Neubauten aufzuführen begann. Beim Weiterbau am Bamberger Dom mußte die
-einmal gegebene Disposition beibehalten werden, und so hatten sich die
-Ebracher den Anordnungen der Dombauleitung unterzuordnen. Anders bei
-St. Sebald. Hier konnte sich die Tätigkeit der Ebracher viel
-einflußreicher gestalten, weil man überhaupt erst zu bauen anfing,
-als die Ebracher kamen. Hier konnten also die von den Ebrachern in
-ihr Bauprogramm aufgenommenen Neuerungen volle Verwertung finden.
-Und so finden sich bei St. Sebald nicht nur dekorative Glieder, wie
-kleeblattförmige Blendnischen oder Hornkonsolen vor, welche auf eine
-nahe Verwandtschaft mit Ebrach hinweisen, sondern auch Konstruktion
-und System, d. h. fast alles, worin St. Sebald mit Bamberg nicht
-übereinstimmt, bilden ein Produkt der engen Beziehungen.
-
-Wir sehen nämlich in Ebrach, und zwar zunächst in der Klosterkirche
-selbst, vor allem das einfache System mit durchlaufendem Joch wieder,
-die rechteckigen Gewölbefelder im Mittelschiff und infolgedessen im
-Längsschnitt der Mittelschiffjoche eine bedeutende Höhenentwicklung
-(Bamberg 2 : 1, Ebrach 3 : 1); ferner eine im Gegensatz zu Bamberg große
-Entfernung der Gewölbkämpferlinie von den Arkadenbögen, Vorlagen in
-den Arkadenbögen, von Säulen getragen, nicht vollständige Herabführung
-der Mittelschiffdienste im Gegensatz zu den Seitenschiffdiensten und
-schließlich am Außenbau Strebepfeiler. Ebenfalls ist der Rundbogen in
-den Fenstern, der Spitzbogen in den Arkaden und im Gewölbe vertreten.
-In der Michelskapelle und zwar in deren jüngerem Teil kehren das
-sechsteilige Gewölbe, Verringerung der Mauerstärke des Lichtgadens und
-Aufsitzen des Schildbogens auf kleinen Säulen, außerdem nahverwandte
-Formen an den Halbsäulenkonsolen und an den Kapitälen wieder.
-
-[Illustration: Abb. 15. Portal am südlichen Turm.]
-
-Die soeben festgestellten Übereinstimmungen zwischen St. Sebald und
-der Ebracher Klosterkirche sind architektonische Elemente, welche dem
-Bamberger Dombau völlig fern liegen, und zum weitaus größten Teil
-konstruktiver Natur, in der Hauptsache: das Strebesystem und das System
-des einfachen Joches. Wir fragen uns nun: wie kamen bei Ebrach zu Anfang
-des 13. Jahrhunderts diese wesentlichen Elemente gotischen Stiles in die
-spätromanische Baukunst Ostfrankens?
-
-Bekanntlich war Frankreich das Kulturland des Mittelalters. Am meisten
-hatte Deutschland im 13. Jahrhundert den Einfluß Frankreichs im gesamten
-Bereich der Kultur zu verspüren und nicht zum mindesten in der Baukunst.
-Mit dem 13. Jahrhundert hatte die Gotik in ihrem Geburtslande Frankreich
-den Höhepunkt ihrer Entwicklung erreicht, und von dieser Zeit an datiert
-ihre Einführung nach Deutschland, und zwar in der zweiten Hälfte des 13.
-Jahrhunderts die Einführung der entwickelten Gotik, in der ersten Hälfte
-die Einführung einzelner Elemente dieses Stiles. Und die Einführung
-einzelner gotischer Elemente wurde von dem weit verbreiteten Orden der
-Zisterzienser besorgt.
-
-Gewiß fand in Ebrach auch nach Vollendung des 1126 gegründeten Klosters
-die Baukunst durch die Mönche und Laienbrüder weiterhin Pflege.
-Erweiterungen der Klosteranlage, welche durch den rasch anwachsenden
-Reichtum bedingt wurden, und Aufträge in der Umgegend werden genügend
-Arbeit zugeführt haben. Als jedoch das Kloster zu Beginn des 13.
-Jahrhunderts beschloß, einen bedeutenden Neubau dem Zeitcharakter
-entsprechend aufzuführen, da reichten die vorhandenen bau- und
-kunstverständigen Mitglieder des Ordens nicht aus, man bedurfte eines
-bedeutenden Zuwachses neuer Kräfte, insbesondere eines entsprechend
-geschulten Bauleiters. Es blieb daher nichts anderes übrig, als sich an
-das Mutterkloster zu wenden und sich von dort eine Anzahl von Konversen
-samt Baumeister, Parlieren und Steinmetzen kommen zu lassen. Nur auf
-diese Weise erklärt sich das plötzliche Auftauchen französischer
-Bauweise in Ostfranken, zumal in Ebrach.
-
-Zu Beginn des 13. Jahrhunderts waren für die Zisterzienser nicht mehr
-die fünf burgundischen Hauptkirchen die allein ausschlaggebenden Bauten.
-Dieselben waren im wesentlichen nunmehr Vorbilder in der Anlage. In
-allen übrigen Punkten kam jetzt die burgundische Schule überhaupt,
-also nicht nur die der Zisterzienser speziell, als Ausgangspunkt für
-neuere Bestrebungen in Betracht, und hier nahmen den ersten Platz die
-beiden im östlichen oder Niederburgund gelegenen Bauten, die gegen 1200
-vollendete Kathedrale von Langres und die um 1220 erbaute mächtige
-Vorhalle von Cluny ein. Von da aus scheinen die beiden Hauptelemente
-der französischen Frühgotik, das einfache Wölbungssystem und die
-Verstrebung, bis nach Ostfranken und nach Nürnberg vorgedrungen zu sein.
-Auffällig ist nur, daß die dort einen Hauptteil der Hochwandgliederung
-bildende Triforiengalerie und der Strebebogen in Ebrach keinen Eingang
-fanden, um so mehr, als die Zisterzienser doch stets ein lebhaftes
-Streben nach Zweckmäßigkeit im Konstruktiven bekundeten. Nach dieser
-Richtung also kann Ebrach für St. Sebald nur eine vermittelnde Rolle
-gespielt haben und nicht selbst Vorbild gewesen sein.
-
-[Illustration: Abb. 16.]
-
-[Illustration: Abb. 17.]
-
-[Illustration: Abb. 18. Romanisches Portal am südlichen Turme.]
-
-Jedoch ist ein anderer Weg der Einführung nicht ausgeschlossen. Die
-Einwölbung des Bamberger Westchores ist ein Werk französischer Frühgotik
-aus den dreißiger Jahren des 13. Jahrhunderts und hat mit Ebracher
-Baukunst, als deren Werk oben der übrige Teil des Westchores bezeichnet
-wurde, nicht das geringste gemein. Im Gegenteil weisen verschiedene
-Spuren darauf hin, daß die Einwölbung von dem nämlichen Meister geleitet
-wurde, nach dessen Plänen auch die Westtürme ihre charakteristische
-Gestalt erhielten. Die beiden Westtürme wurden nach dem Muster der Türme
-der Kathedrale von Laon gebaut, und diese, das letzte bedeutendste
-Bauwerk der nordfranzösischen Frühgotik, dessen Vollendung in die
-Zeit vor 1226 fällt, scheint denselben Anteil an St. Sebald wie die
-Kathedrale von Langres und die Vorhalle von Cluny zu haben. Ein
-bestimmtes Ergebnis dürfte natürlich erst durch eine eingehende, die
-erwähnten Punkte besonders berücksichtigende örtliche Untersuchung jener
-Bauten zu erzielen sein. Vorerst jedoch hat die Vermutung viel für sich,
-es gingen die nahen verwandtschaftlichen Beziehungen zwischen Bamberg
-und Laon zuletzt auch auf eine Vermittlung von Ebrach zurück und liege
-so für die Einführung französisch-frühgotischer Elemente in St. Sebald
-eine durch Ebrach bewirkte Verschmelzung von Einflüssen der beiden
-angrenzenden Gegenden Burgund und Champagne zugrunde. --
-
-Bamberg und Ebrach teilen sich in ihre Ansprüche auf die Gestaltung der
-Kirche St. Sebald. Konstruktion und System fallen Ebrach, Plananlage
-und Außenbau Bamberg, Ornamentik und Dekoration beiden zu. Man sollte
-glauben, daß die Wage sich dorthin, von wo Konstruktion und System
-entlehnt wurden, neigen müsse. Keineswegs. Der Baumeister von St.
-Sebald hat nie vergessen, daß er eine Pfarrkirche und nicht eine
-Klosterkirche zu bauen hatte. Das Programm der Zisterzienser lautete
-auf Verzicht von Krypten, St. Sebald birgt deren zwei, und eine reiche
-Verwendung plastisch-dekorativer Details wird noch durch die ebenfalls
-von den Zisterziensern verschmähte Polychromie besonders hervorgehoben.
-Durch die Kreuzung zweier so grundverschiedener Einflüsse wie die
-von Bamberg und Ebrach zählt St. Sebald nicht zu den gewöhnlichen
-Durchschnittsbauten des deutschen Übergangsstiles, sondern nimmt eine
-besondere Stellung ein. Freilich mußte darunter der einheitliche
-Charakter des Baues leiden. Einheitlich ist das Innere, einheitlich
-scheint auch der Außenbau, wenn wir von den Strebebögen absehen, gewesen
-zu sein; aber nach Ansicht des Außenbaues vermutet man beim Eintritt
-in das Innere nie und nimmer französische Frühgotik. Außenbau und
-Innenbau decken sich nicht. Und eben weil der Baumeister eine organische
-Verschmelzung beider nicht oder vielmehr noch nicht erreicht hat, muß
-der Bau den spätromanischen Bauten und darf nicht den frühgotischen
-Bauten eingereiht werden. Es hat sich in Deutschland nirgends aus der
-Vereinigung des spätromanischen Stiles mit französischen frühgotischen
-Elementen eine eigene Gotik herausgebildet. Die Gotik mußte als fertiges
-Ganzes von Frankreich herüber gebracht werden; erst dann konnte man in
-Deutschland gotisch bauen.
-
-[Illustration: TAFEL IV. Das Brauttor.]
-
-
-
-
- II.
-
- Die gotische Bauperiode.
-
- 1. Die Erweiterung der Seitenschiffe und die Umbauten am Querschiff
- und Westchor. 1309-1361.
-
-
-Am 14. Februar des Jahres 1309 erschien Friedrich Holzschuher,
-Gotteshauspfleger von St. Sebald, vor dem Schultheißen Siegfried von
-Kammerstein und den Schöffen der Stadt, um im Auftrage des Rats den
-Verkauf eines zum Kirchenvermögen der Sebaldkirche gehörigen Hauses
-»vor der badstuben bi dem fleischpenken« an Herdegen Holzschuher und
-dessen Erben verbriefen zu lassen. In der vom Gericht ausgefertigten
-Kaufsurkunde ist der Zweck der Veräußerung jenes Hauses bei den
-Fleischbänken ausdrücklich angegeben: »sw[.a] daz wer durch des
-neuen poues wegen an sante Sebol[t]s kirchen, daz man den dest baz
-m[.o]cht volbringen an den apseiten«.[IV]
-
- [IV] Siehe Beilage 18.
-
-In der Literatur ist gewöhnlich als Grund für diese Bauveränderung der
-schlechte Zustand der Seitenschiffe bezeichnet, ja es wird sogar eine
-gefahrdrohende Baufälligkeit als unmittelbarer Anlaß vermutet.[15]
-Es ist nicht ersichtlich, wie vom ganzen romanischen Bau gerade die
-Seitenschiffe hätten schadhaft werden sollen, während alles übrige
-völlig intakt geblieben wäre.
-
-Noch immer war damals die Sebaldkirche wie zur Zeit ihrer Gründung
-die einzige Pfarrkirche von Nürnberg. Denn soweit auch der für den
-südlichen Sprengel der Stadt bestimmte, im letzten Drittel des 13.
-Jahrhunderts begonnene Bau von St. Lorenz gediehen sein mochte, er
-scheint zu Beginn des 14. Jahrhunderts noch nicht dem Gottesdienst
-übergeben worden zu sein. Zudem hatte sich Nürnberg im 13. Jahrhundert
-gewaltig entwickelt. Schon vor Mitte desselben wurde mit der zweiten
-Ummauerung begonnen, welche nicht nur das bisherige befestigte Gebiet
-zwischen Burg und Pegnitz westlich und östlich vergrößerte, sondern
-auch einen beträchtlichen südlich der Pegnitz gelegenen Teil mit in
-das Stadtbild hereinnahm. Die Mauerzüge sind heute noch deutlich zu
-erkennen, der Weiße Turm und der Laufer Schlagturm sind Überreste dieser
-Befestigung.[16] Der Rückschluß auf den Zuwachs der Bevölkerung und
-Pfarrgemeinde läßt die Notwendigkeit einer Erweiterung der Pfarrkirche
-deutlich erkennen.
-
-Der Wortlaut der Urkunde steht dieser Annahme nicht entgegen. Denn von
-dem Zweck des Umbaues ist gar nicht die Rede. Es heißt schlechthin:
-wegen des neuen Baues bei St. Sebald ist der Hausverkauf notwendig
-geworden. Die Vermutung liegt nahe, daß der Bau, als der Verkauf jenes
-Anwesens durchgeführt wurde, schon seit einiger Zeit im Gange war
-und daß die nun gewonnenen Geldmittel zu einer reicheren Ausstattung
-des Baues verwendet werden sollten: daß man ihn desto besser möchte
-vollbringen.
-
-=Anlage.= Die um 1309 durchgeführte Erweiterung der Seitenschiffe (Abb.
-19) besteht vor allem darin, daß die Mauer derselben bis auf die Breite
-des Querschiffes hinausgeschoben worden ist. Der Raumgewinn ist ein ganz
-bedeutender, denn die Bodenfläche der jetzigen Seitenschiffe beträgt
-fast das Doppelte der alten. In vertikaler Richtung hat man ebenfalls an
-Raum gewonnen, denn durch die größere Breite ist naturgemäß ein höheres
-Gewölbe bedingt worden.[17] Eine besondere Schwierigkeit hat sich dem
-Neubau nicht in den Weg gestellt. Zu erwägen war nur, was mit den beiden
-Paaren von Strebebögen, welche die mittlere Gewölbepartie des Langhauses
-stützten, anzufangen sei. Man hatte bei der kräftigen Konstruktion des
-romanischen Mauerwerkes wahrscheinlich bald die Entbehrlichkeit dieser
-Bögen erkannt und sie ohne jeglichen Ersatz beseitigt. Bedenken machte
-ferner die Lösung der Dachfrage. Die Erhöhung des Gewölbes brachte
-auch eine Erhöhung des Daches mit sich, wollte man für den Dachstuhl
-die für den Wasserablauf günstige und zur damaligen Zeit beliebte
-steile Form wählen. Allein man fürchtete eine Einbuße an Licht, weil
-die Fenster der Hochwand in ihrem unteren Drittel hätten zugedeckt
-werden müssen, und entschied sich beim nördlichen Seitenschiff für
-Kapellen- oder Giebeldächer, von welchen jedes einem Gewölbe entsprach.
-Um eine Benützung der romanischen Triforien während des Gottesdienstes
-auch weiterhin zu ermöglichen, wurden Treppenläufe innerhalb der
-Gewölbetrichter angelegt. Der First der Kapellendächer lief wagerecht,
-berührte also die Hochwandfenster nur an ihrer Sohle, und zwischen den
-Dächern lagen schräg nach außen dreieckförmige Dachzwickel, deren Rinnen
-neben den neuen Strebepfeilern in Wasserspeier endeten. Beim südlichen
-Seitenschiff sind die Kapellendächer nicht nachzuweisen. Hier scheint
-ein Pultdach, welches in die Mittelschiffenster einschnitt, vorhanden
-gewesen zu sein.
-
-=Gewölbe.= Das vierteilige Kreuzgewölbe ist auch bei dem Neubau
-beibehalten worden, ebenso die Höhe der äußeren Kämpferlinie. Es ist ein
-Rippengewölbe ohne Stelzung und mit wagerechtem Scheitel. Die Stärke
-der Gurte unterscheidet sich nicht von der Stärke der Rippen; selbst
-in der Profilierung ist nur ein kleiner Unterschied bemerkbar: während
-dort auf Sockel und Hohlkehle eine ebenfalls gekehlte Rippe aufgesetzt
-ist, folgt hier ein herzförmiger Stab. Die Schlußsteine zeigen überaus
-reichen und anziehenden, teils figuralen, teils ornamentalen plastischen
-Schmuck. Die Wandpfeiler sind rund, gleichsam als Halbsäulen gedacht.
-Die Kapitäle gliedern sich in zwei Hälften: die untere hat zwei Kränze
-übereinander, die obere zwischen zwei polygonen Plinten einen Laubkranz.
-
-=Fassade.= Durch die zur Stütze der Gewölbe erforderlichen Strebepfeiler
-ist die Fassade der Seitenschiffe von selbst gegliedert. Vier Jochwände
-sind mit Fenstern durchbrochen, eine, und zwar beiderseits die zweite
-von den Türmen an gerechnet, enthält ein Portal, dessen Körper vor die
-Mauerflucht bis auf die Tiefe der Strebepfeiler heraustritt. Über dem
-Portalkörper ist in der Mauer ein kleineres Fenster. Ein belebendes
-Moment bilden beim nördlichen Seitenschiff die Wimperge über den
-Fenstern und die den horizontalen Mauerabschluß bekrönende Galerie, so
-daß mit den Fialen der Streben ein abwechslungsreiches Bild entsteht.
-Im übrigen hat die Mauer der Fassade die an gotischen Bauten übliche
-Gliederung.
-
-=Strebepfeiler.= Der zweifach abgestufte Mauersockel setzt sich auch
-um die Strebepfeiler fort. Ebenso das Kaffgesims. In halber Höhe
-beginnt die bis zum Schluß sich steigernde architektonische Belebung,
-welche zunächst darin besteht, daß sich an den drei Seiten ebensoviele
-Giebelgesimse mit Krabben und Kreuzblumen anlehnen. Über denselben ein
-Zinnenkranz. Der obere Teil endigt mit je einem mit Kreuzblumen und
-Krabben geschmückten Giebel, darunter zweiteiliges Blendmaßwerk. Den
-Abschluß bildet eine krabbengezierte Pyramide mit Kreuzblume.
-
-[Illustration: Abb. 19. Querschnitt durch das Mittelschiff und die
-Seitenschiffe.]
-
-Bei den Strebepfeilern, welche die Portale flankieren, treten die oberen
-Teile zurück. Der dadurch ausgesparte Raum an der Vorderseite ist zur
-Aufnahme von Statuen bestimmt, wie die Baldachine andeuten. Es soll
-damit wahrscheinlich eine einheitliche Komposition dieser Wand als
-Portalwand betont sein.
-
-=Fenster.= Die Breite der Fenster ist ungleich. Das Fenster in der
-letzten an das Querhaus anstoßenden Jochwand mußte mit Rücksicht auf den
-in das neue Mauerwerk mit hereingenommenen romanischen Strebepfeiler
-schmäler ausfallen als die übrigen. Hingegen wurde das Fenster in
-der an die Türme anstoßenden Jochwand mit Absicht breiter gestaltet,
-nämlich um mehr Licht in dem dunkeln Winkel bei den Türmen zu
-gewinnen. Daß dieses Fenster erst später seine jetzige Breite erhalten
-hätte, ist bei der genauen Übereinstimmung der Profilierung seiner
-Leibung nicht möglich. Überall ist die Leibung durch zwei Hohlkehlen
-gegliedert, welche durch einen im Profil birnförmigen Stab geschieden
-sind, während die äußere Kante ein Rundstab begleitet. Auch die
-Maßverhältnisse stimmen überein. Während die beiden östlichen Fenster
-Drei- und Vierteilung mit je drei Gruppierungen aufweisen, sind jedoch
-die Maßwerke der westlichen Fenster mehrfach gruppiert bei teilweiser
-Verwendung von halbrunden Bögen anstatt der Spitzbögen (Abb. 21 und a,
-b, c).
-
-=Ornamente.= Beim nördlichen Seitenschiff ist die Galerie des Daches
-eine Neuschöpfung der letzten Restaurierung, zu der nur spärliche
-Anhaltspunkte vorhanden waren. Im Gegensatze hierzu bedurfte die Galerie
-des Portales nur einer Ergänzung; sie ist durch fünf freistehende und
-zwei Wandpfosten geteilt, welche schlichtes Maßwerk einschließen. Beim
-südlichen Seitenschiff fehlen sowohl die Wimperge über den Fenstern wie
-die abschließende Galerie.
-
-=Portale.= Die beiden Portale sind bis auf die Galerie, welche am Portal
-des südlichen Seitenschiffes (Abb. 20) fehlt, vollständig gleich in
-der Anlage. Das Gewände ist in je vier Abstufungen aufgelöst, deren
-Kanten durch Stäbe gegliedert sind und in deren Ecken ebensoviele
-Säulen stehen. Die Säulen bestehen aus je vier Einzelsäulen, sind also
-gleichsam Säulenbündel. Dieselbe Gliederung setzt sich in Basis und
-Kapitäl fort. Die Basen ruhen auf Würfelsockeln und diese ihrerseits auf
-einem glatten Postament. Die trichterförmig sich erweiternden Kapitäle
-haben bald figürlichen, bald ornamentalen Schmuck; ihre Platten sind
-durch eine Hohlkehle gegliedert und bilden das Hauptgesims. Der Bogen
-hat eine dem Gewände entsprechende Gliederung.
-
-=Mauerwerk.= Das Mauerwerk der Fassademauer besteht aus Werksteinen, das
-der Gewölbe aus Bruchsteinen in Mörtelbettung.
-
-Der eben in seinen Einzelheiten beschriebene Bau der Seitenschiffe von
-St. Sebald gehört nach der stilistischen Seite noch in die Periode der
-Hochgotik. Er weist in der ganzen Anlage, in der Verteilung der Massen,
-in den Proportionen, in der Art der Ausschmückung, in der Ornamentik
-selbst alle Vorzüge derselben auf.
-
-Der Meister, dessen Persönlichkeit festzustellen uns bis jetzt nicht
-gelungen ist, stammte zweifellos aus einer der ersten damaligen
-Schulen, und zwar aus einer Schule, in welcher die Gotik nicht mehr als
-französische Anleihe, sondern bereits als deutsches Eigentum behandelt
-wurde.
-
-Vielleicht kann ein in den ersten noch romanischen Strebepfeiler
-der ehemaligen nördlichen Querschiffwand nachträglich eingesetztes
-männliches Bildnis als Porträt dieses Meisters angesprochen werden.
-
-[Illustration: TAFEL V. Grundriß der Sebalduskirche.]
-
-=Stilkritische Würdigung.= Die bau- und kunstgeschichtlichen Beziehungen
-der Seitenschiffe zur allgemeinen Entwicklung nachzuweisen, ist nicht
-leicht. Daß bei den günstigen Maßverhältnissen, bei dem Reichtum des
-Aufbaues und bei der künstlerischen Ausführung der belebenden Ornamente
-ein Zusammenhang mit einer einflußreichen Bauschule Deutschlands
-bestanden hat, versteht sich ja von selbst. Allein die vermittelnden
-Bindeglieder fehlen, welche an den Ausgangspunkt führen. Zweifellos
-würden die Bauten der vier Bettelorden, die sich seit den zwanziger
-Jahren des 13. Jahrhunderts in Nürnberg ansiedelten, imstande sein,
-Aufschluß zu geben -- wenn sie noch beständen. Erhalten ist nur die
-Barfüßerkirche, aber durch den Umbau im 17. Jahrhundert so verändert,
-daß ihr ursprüngliches Aussehen vollständig verschwunden ist. Auch
-mit den auf uns gekommenen Abbildungen der Bettelordenkirchen, meist
-Stichen des 17. und 18. Jahrhunderts, ist nichts anzufangen, sie sind
-in der Darstellungsweise zu sehr von dem Stilcharakter ihrer Zeit
-beeinflußt, als daß sie für eine kunstgeschichtliche Untersuchung in
-dieser Hinsicht in Frage kommen könnten. Freilich hatten die Kirchen
-der Bettelorden der Ordensregel entsprechend nirgends eine reichere
-Ausführung aufzuweisen, sodaß sie für eine direkte Beeinflussung
-stattlicher Pfarrkirchen überhaupt nicht von Belang sind. Nur indirekt
-können sie durch Grundrißanlage und Konstruktion des Aufbaues
-Fingerzeige bei Vergleichung bedeutender Bauten geben, was aber in dem
-vorliegenden Falle aus dem angeführten Grunde nicht mehr möglich ist.
-
-[Illustration: Abb. 20. Portal am südlichen Seitenschiff.]
-
-Eine weitere Vermittlerrolle ist der Schwesterkirche St. Lorenz
-zugefallen, deren Erbauung in den siebziger Jahren des 13.
-Jahrhunderts begonnen hat. Auch sie hat wie St. Sebald später mehrere
-durchgreifende Veränderungen erfahren: 1403 eine Erweiterung der
-Seitenschiffe, 1439-1477 den Bau des neuen Chores. Mit der Erweiterung
-der Seitenschiffe im Jahre 1403 fielen die alten Mauern und die neuen
-wurden in die Flucht der Querschiffmauern hinausgerückt. Was vom
-Mauerkörper der alten Seitenschiffe noch besteht, zeigt indessen eine
-so nahe Verwandtschaft mit den Seitenschiffen von St. Sebald, daß der
-Gedanke, es sei der gleiche Meister an beiden Bauten tätig gewesen, sich
-unwillkürlich aufdrängt. War es doch wohl auch das Nächstliegende, zu
-den baulichen Veränderungen, die St. Sebald in dieser Epoche erfuhr,
-Werkleute der eben im Bau begriffenen neuen Pfarrkirche heranzuziehen.
-Der alte Bau von St. Lorenz seinerseits deutet in stilistischer
-Hinsicht auf die Schule von Freiburg. Die Bauzeit deckt sich ungefähr
-mit der des Langhauses vom Freiburger Münster und dehnt sich noch über
-dieselbe aus. Vor allem erinnert der ganze innere Aufbau an Freiburg,
-nur mit dem Unterschiede, daß die bei beiden bereits vorhandenen
-Reduktionserscheinungen an der Kirche St. Lorenz noch um einen Grad
-stärker eingegriffen haben: die Hochwand ist durch den Mangel des die
-vorausgegangene Epoche auszeichnenden Triforiums wieder eine wirkliche
-Mauer geworden, die Fensteröffnungen sind verringert. Die Säulenbündeln
-ähnlichen Pfeiler sind nahe verwandt. An den Kapitälen fehlt bei St.
-Lorenz fast durchgehends schon das Laubwerk. Die Raumwirkung ist hier
-günstig, während bei Freiburg die Rücksichtnahme auf ältere Bauteile
-die Raumverhältnisse wesentlich beeinträchtigt hat. In der Anlage
-der Fassade geht St. Lorenz auf das Straßburger Münster zurück, wie
-überhaupt bei den Wechselbeziehungen zwischen Freiburg und Straßburg die
-Einflüsse einer dieser Schulen stets mit denen der anderen gemischt sind.
-
-Obwohl die Erweiterung der Seitenschiffe bei St. Sebald erst im
-Beginn des 14. Jahrhunderts in Angriff genommen wurde, sind hier die
-Reduktionserscheinungen relativ gering. So nehmen die Fenster die
-ganze Wandfläche ein, der ornamentale Schmuck ist noch reich. Dieser,
-die Pfeilerbildung, insbesondere die für Figuren bestimmten Nischen
-und Baldachine an den Pfeilern gemahnen an Freiburg. Dagegen wird die
-Frage der Herkunft der Fensterwimperge mit Freiburg nicht gelöst. Die
-Schönheit, welche in der fortlaufenden Abwechslung der bekrönenden
-Strebepfeilerfialen, Wimperge und Galerien liegt, hatte man im 13.
-Jahrhundert zu würdigen gewußt. Von Frankreich ausgehend, verbreitete
-sich dieses Motiv rasch über Deutschland. Alle bedeutenderen Bauten
-sind damit geziert. Zu den Reduktionserscheinungen im 14. Jahrhundert
-zählt auch der Verzicht auf die Wimperge, nur die Galerien wurden neben
-den Fialen beibehalten. Es ist anzunehmen, daß, wie bei St. Lorenz die
-ganze Anlage auf Freiburg und nur die Fassade auf Straßburg zurückgeht,
-so bei St. Sebald die Wimperge ebenfalls mittelbar oder unmittelbar
-eine Entlehnung vom Straßburger Münster bedeuten, wo sich dieselben
-nicht nur über Portalen und einzelnen Fenstern der Fassade, sondern
-im Verein mit Fialen und Galerien an den Seitenschiffen finden. Die
-Wölbung hinwiederum ist der im Freiburger Münster eng verwandt, hier
-wie dort Gewölbe mit wagerechtem Scheitel, während bei den Gewölben des
-Straßburger Münsters Busung und konkave Scheitellinien anzutreffen sind.
-
-[Illustration: Abb. 21 a-d. Fenster-Maßwerke der Seitenschiffe.]
-
-[Illustration: Abb. 22 und 22a. Brauttor.]
-
-Der romanische Bau von St. Sebald war, so viele gotische Elemente
-er auch in sich aufgenommen hatte, in seinem Kern nur wenig berührt
-worden. Mit dem Umbau der Seitenschiffe dagegen hatte die Gotik in
-ihrer reifsten Form Ausdruck erhalten. Der gewaltige Umschwung, der
-sich während der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts in der deutschen
-Baukunst vollzogen hatte, ist aus diesem Gegensatz deutlich zu erkennen:
-Anfangs- und Endstadium stehen nebeneinander. Dort der Ausgang einer
-Epoche mit deutlichen Anzeichen des neuen Stiles, hier bereits ein
-fertiges Produkt desselben; die Zwischenstufen fehlen. Allein so sehr
-beim romanischen Bau die importierten Elemente auf den Schauplatz
-hinweisen, auf welchem der gotische Stil zur Entwicklung gebracht worden
-ist, von französischer Gotik ist bei den Seitenschiffen nichts mehr zu
-finden. Hier gehört die Epoche der Rezeption der französischen Gotik auf
-deutschem Boden schon zur Vergangenheit, hier hat die Gotik deutsches
-Bürgerrecht erworben. Die Seitenschiffe stehen aber auch schon hart an
-der Grenze, jenseits welcher man zu reduzieren begonnen hat. Sie sind
-eine Schöpfung der Hochgotik mit allen Vorzügen derselben. Sie sind das
-Beste, was die gotische Baukunst in Nürnberg geschaffen hat.
-
-=Die Fensterausbrüche im Querschiff und Westchor.= Die der Kirche durch
-die breiten neuen Fenster der Seitenschiffe zugeführte Lichtmenge war
-bedeutend und mußte den Wunsch erwecken, auch an anderen Wänden der
-Kirche die romanischen Fenster durch Ausbrüche zu verbreitern, um
-so mehr, als in bezug auf größere Lichtfülle die in der Vollendung
-begriffene St. Lorenzkirche zur Nacheiferung aufforderte. So sehen
-wir denn weiterhin an Stelle der romanischen Kreisfenster in den
-Querschiffwänden breite vierteilige Maßwerkfenster entstehen, von denen
-die Kämpferkapitäle jetzt noch vorhanden sind und zeigen, daß beim
-späteren Ostchorbau nur eine Verlängerung der schon vorhandenen Fenster
-stattgefunden hat.
-
-Aus dem gleichen Bedürfnisse erwuchs schließlich auch die Umwandlung der
-romanischen Fenster in den drei mittleren Feldern des Westchores, die
-bis dahin, wie die noch vorhandenen seitlichen Fenster ausweisen, aus je
-zwei Öffnungen bestanden, in zweiteilige gotische Maßwerkfenster. Über
-die genauere zeitliche Reihenfolge dieser Fensterausbrüche läßt sich
-völlig Sicheres nicht feststellen.
-
-Auf diese Weise hatte also der romanische Bau eine ganz veränderte
-Beleuchtung, nämlich die heute noch vorhandene, erhalten. Die
-ursprünglich gedämpfte und feierliche Lichtwirkung, die in den Schiffen
-und Chören der romanischen Kirche geherrscht hat, können wir uns nur
-mehr in der Vorstellung vergegenwärtigen.
-
-Einen eigentümlichen Reiz muß in dieser Zwischenperiode die ganze
-Erscheinung der Kirche, namentlich das romanische Querschiff mit seinen
-gotischen Maßwerkfenstern, geboten haben.
-
-=Die neuen Portale am Querschiff.= Im Zusammenhang mit diesen baulichen
-Veränderungen ist hier schließlich noch die Anlage zweier neuer Portale
-an den ersten Querschiffjochen zu erwähnen, die offenbar bereits dieser
-Bauperiode der Kirche angehört: das =Brautportal= (Taf. IV und Abb. 22
-und 22a) im östlichen Joch des nördlichen Querschiffarmes zwischen
-den romanischen Strebepfeilern, zeigt ein reich profiliertes Gewände,
-innerhalb dessen die Statuen der klugen und törichten Jungfrauen auf
-Konsolen unter Baldachinen aufgestellt sind. Nach oben schließt das
-Portal mit einem Spitzbogen und darüber horizontal in rechtwinkeliger
-Form ab. In der Spitze des Bogens ist das Brustbild des segnenden
-Heilands, zu beiden Seiten sind die Statuen Adam und Eva angebracht. Das
-jetzt leere Tympanonfeld kann ehemals eine Skulptur, vielleicht aber
-auch nur ein Maßwerk enthalten haben.
-
-Eine wirkungsvolle Zutat, die aber einen Teil der früheren Anlage
-verdeckt, erhielt das Portal ein paar Dezennien später durch den Vorbau
-eines reich ausgebildeten durchbrochenen Maßwerkes, neben dem zwei
-Statuen -- rechts der hl. Sebald und links Maria mit dem Christuskinde
--- auf Konsolen und unter Baldachinen ihren Platz fanden.
-
-Am südlichen Querschiffarme, ebenfalls zwischen den romanischen
-Strebepfeilern des westlichen Joches, wurde das =Dreikönigsportal=
-angelegt. In einfacherer Weise als beim Brauttor zeigt das Portal ein
-reich profiliertes Gewände und als Abschluß einen Spitzbogen, in dessen
-Tympanonfeld heute eine nach dem Innern der Kirche hin gerichtete
-Holzskulptur (Epitaphium der sel. Ebnerin) angebracht ist. Nach außen
-wurde zwischen den Strebepfeilern durch den Einbau eines Gewölbes mit
-profilierten Rippen eine Vorhalle geschaffen, an deren Wänden in Nischen
-auf vier Konsolen Maria mit dem Christuskinde und je einer der drei
-Weisen mit ihren Geschenken als Rundfiguren angebracht sind.
-
-
- 2. Der Ostchor. 1361-1379.
-
-Der im Jahre 1309 begonnene Umbau der Seitenschiffe konnte, wenn auch
-die Kirche ungefähr 100 qm an Flächenraum gewann, nicht als eigentlicher
-Erweiterungsbau gelten. Es waren eben nur die Seitenschiffe, welche bei
-dem Besuch der Kirche während des Hauptgottesdienstes wenig in Frage
-kommen, erweitert worden, Mittelschiff und Chor waren geblieben, wie sie
-in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts angelegt waren.
-
-Auf die Dauer genügte demnach die Kirche St. Sebald ihrer immer mehr
-anwachsenden Gemeinde nicht. Wir wissen ja, daß die Stadtgrenze in der
-zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts mit jenem Mauerzug bestimmt wurde,
-welcher im heutigen Stadtbild am Weißen Turm und dem Laufer Schlagturm
-noch deutlich zu erkennen ist, und daß noch vor der Mitte des folgenden
-Jahrhunderts diese Grenze auf den jetzigen Stadtgraben hinaus verlegt
-wurde, was doch in Anbetracht der kurzen Zeit zweifellos auf eine rasche
-Bevölkerungszunahme der Stadt und insbesondere der Pfarrei St. Sebald
-schließen läßt.[18][19]
-
-Angesichts dieses starken Bevölkerungszuwachses konnte auch die in den
-Jahren 1355-1361 auf dem Markt erbaute Kapelle zu Unserer Lieben Frau
-keine Entlastung für die Kirche St. Sebald bedeuten.
-
-Mitbestimmend für die notwendige Erweiterung der Kirche St. Sebald war
-wesentlich folgender Punkt.
-
-Mit der Zunahme der Bevölkerung war auch Nürnbergs politische und
-kulturelle Bedeutung gestiegen.
-
-[Illustration: TAFEL VI. Längenschnitt der Sebalduskirche.]
-
-Die außerordentlich günstige zentrale Lage des Ortes, seine Stellung
-als bevorzugte Reichsstadt, in der sich die deutschen Könige und
-Kaiser oft und lange aufhielten und die sie durch bedeutende Handels-
-und sonstige Privilegien auf alle Weise förderten, die große Gunst
-und Liebe, die besonders die beiden Kaiser Ludwig der Bayer und Karl
-IV. der Stadt angedeihen ließen, dann aber, und das war nicht weniger
-wichtig, die unerschöpfliche Arbeitskraft und Arbeitslust seiner
-Bevölkerung sowie die Intelligenz und der Unternehmungsgeist seiner
-Geschlechter und der übrigen bedeutenden Kaufmannschaft, hatte das
-Wachstum und die Blüte Nürnbergs so mächtig gefördert, daß es bereits
-um die Mitte des 14. Jahrhunderts in sonst kaum beobachteter rascher
-Entwicklung sich eine weltgeschichtliche Bedeutung errungen hatte. Es
-ist richtig, die Entwicklung Nürnbergs auf allen Gebieten, dem des
-Handels und der Gewerbe, der Kunst und der Wissenschaft, tritt zu keiner
-Zeit so deutlich und herrlich in die Erscheinung wie gegen Ende des
-15. und im ersten Viertel des 16. Jahrhunderts, wo eine auserlesene
-Schar hervorragender, ja einziger Kräfte auf dem Gebiete des Gewerbes,
-insbesondere des Kunstgewerbes in Nürnberg wirkten und, man möchte
-sagen, die Fürsten im Reiche der Kunst und des Kunsthandwerkes dieser
-einzigen Stadt ihren Glanz durch Jahrhunderte verliehen. Aber einen
-ersten bedeutenden Höhepunkt erreichte das Kunstleben der Stadt,
-entsprechend der bedeutenden Entwicklung, die das Gemeinwesen sowohl als
-auch die handelspolitische Bedeutung der Stadt genommen hatte, schon
-in der glanzvollen Epoche der gotischen Kirchenbauten. Da kann es denn
-nicht wundernehmen, daß man, als das Bedürfnis einer Erweiterung der
-Hauptpfarrkirche immer dringender hervortrat, an Stelle des Ostchors,
-für dessen Stilcharakter man kein Verständnis mehr hatte, und der auch
-den gesteigerten Ansprüchen viel zu bescheiden, ja armselig erscheinen
-mochte, einen stattlichen, dem modernen Geschmack angepaßten Neubau
-erstehen ließ.
-
-Ende der fünfziger Jahre wurde bereits für den Neubau zu sammeln
-begonnen, wie zwei Ablaßurkunden vom 23. Februar und 21. September
-des Jahres 1358 beweisen.[20] 1360 wurde ein am Friedhof von St.
-Sebald gelegenes und dem Egidienkloster gehöriges Haus gegen ein
-zum Kirchenvermögen von St. Sebald gehöriges Anwesen umgetauscht,
-was wohl nur daraus verständlich wird, daß jenes Haus hart an der
-Friedhofmauer, in nächster Nähe des alten Ostchores lag und behufs
-Niederlegen von der Kirchenverwaltung von St. Sebald erworben werden
-mußte.[21] Im Sommer 1361 nahm man den Neubau in Angriff.[22] Daß
-Geld stets vonnöten war, besagt unter anderem der 1362 zur Förderung
-des Neubaues erteilte Ablaß.[23] Im Frühjahr 1364 war der Bau bereits
-weit vorgeschritten; der Pfarrer Albrecht Krauter, der sich um den
-Neubau seiner Kirche sehr verdient gemacht hat, stellte der Stadt einen
-Revers über die Nichterweiterung des Friedhofes aus, obwohl das Areal
-desselben durch den Neubau an Flächenraum erheblich eingebüßt hatte.[24]
-Eine Unterbrechung des Gottesdienstes scheint während des Baues nicht
-stattgefunden zu haben. So wurden bis zum Jahre 1365 Pfründen gestiftet
-und bestätigt, darunter 1364 eine Pfründe für den in der südlichen
-Seitenapsis stehenden St. Stephansaltar.[25] Vom Oktober 1365[26] bis
-zum Juli 1370[27] allerdings schweigen die urkundlichen Nachrichten, und
-erst in den folgenden Jahren hören wir wieder von Stiftungen für Altäre
-und zwar in erster Linie für Altäre, die ihren Standort im neuen Ostchor
-erhielten. Schon 1370 scheint der Neubau den Anschluß an die alte Kirche
-erreicht zu haben und auch eingewölbt gewesen zu sein, so daß die bisher
-in den drei Ostapsiden des romanischen Chores befindlichen Altäre nun
-neue Aufstellung finden konnten.[28] In der Zwischenzeit von 1365-1370
-wurde der Hauptgottesdienst wahrscheinlich im Mittelschiff oder im
-Westchor abgehalten.
-
-Von besonderem Interesse erscheinen zwei Urkunden, vom 3. Juli 1370 und
-vom 10. Juli 1379[29], nach deren Inhalt die Ostkrypta nicht, wie man
-annehmen könnte, beim Neubau eingefüllt worden wäre, sondern einstweilen
-noch fortbestanden hätte. Beide Schriftstücke, von welchen das erste
-die Bestätigung der Stiftung einer Pfründe für den Marienaltar enthält,
-das andere von einem Ablaß des Kardinals Pileus für den gleichen Altar
-handelt, bezeichnen ausdrücklich den Standort dieses Altares als in der
-Krypta befindlich. Diese Bezeichnung des Standortes muß indessen sehr
-auffällig erscheinen und ist nur schwer zu erklären, da ein Fortbestehen
-der Ostkrypta nach Vollendung des Neubaues technisch unmöglich war.
-
-War schon im Jahre 1370 der Bau im Innern soweit vorgeschritten, daß der
-Gottesdienst in demselben aufgenommen werden konnte, so ging auch das
-Äußere rasch seiner Vollendung entgegen. Wie aus zwei im Stadtarchiv
-Nürnberg aufbewahrten Urkunden vom 15. Oktober und 20. Dezember des
-Jahres 1372[30] ersichtlich ist, war nämlich um diese Zeit der Außenbau
-vollendet und aller Wahrscheinlichkeit nach auch das Gerüst beseitigt,
-denn es wurden den ehemaligen Pächtern der Brotbänke am alten Ostchor
-nun neue Brotbänke an den Pfeilern des neuen Chores überlassen. Was den
-endgültigen Abschluß des ganzen Unternehmens noch hinausschob, wird wohl
-der Umstand gewesen sein, daß entweder verschiedene auf die Ausstattung
-und Einrichtung der Kirche abzielende Aufträge noch nicht erfüllt waren
-oder daß es nach dieser Richtung überhaupt an Auftraggebern und Stiftern
-eine Zeitlang gefehlt hat. Noch am 5. Juni 1379 erteilte der Kardinal
-Pileus einen Ablaß, weil die vorhandenen Mittel zur Vollendung der
-Kirche nicht ausreichten.[31] Am Sonntag nach Bartholomäus des Jahres
-1379 endlich fand die feierliche Einweihung des neuen Ostchores statt,
-welcher im ganzen 24000 Goldgulden kostete.[32]
-
-So war in verhältnismäßig kurzer Zeit -- besonders wenn wir die Jahre
-1361-1372 ins Auge fassen -- ein mächtiges und herrliches Bauwerk
-geschaffen worden. Es läßt diese Tatsache wohl einen Rückschluß zu auf
-den Eifer, mit dem das Unternehmen begonnen und durchgeführt worden war,
-aber auch auf die Wohlhabenheit der Bürger, welche das Unternehmen nie
-hatte ins Stocken geraten lassen, was im Mittelalter, wo fast niemals
-ein größeres Bauwerk nach dem ursprünglichen Plane in wenigen Jahren zur
-Vollendung gelangte, zu den Seltenheiten gehörte.
-
- * * * * *
-
-=Baubeschreibung.= Der Ostchor von St. Sebald ist ein dreischiffiger
-Hallenbau mit Chorumgang. Unregelmäßigkeiten und Verschiebungen in
-der Grundrißbildung (Taf. V), wovon eingehend bei dem Abschnitt über
-Stilkritik die Rede sein wird, hatten zur Folge, daß die Anlage mit
-drei ungefähr gleich breiten Schiffen, wie sie im westlichen Joch, wo
-der Chor an das Langhaus anstößt, gegeben war, nicht genau durchgeführt
-werden konnte. Gleichwohl ist die quadratische Form der Gewölbefelder im
-allgemeinen beibehalten worden, so daß fast immer die Breite der Schiffe
-so ziemlich der Größe der Pfeilerabstände entspricht.
-
-Der Abschluß des Binnenchores wird von drei Seiten des Achteckes
-gebildet. Im Chorumgang, dessen Außenwand aus sieben Seiten des
-Sechzehneckes besteht[33], wechseln vier dreieckige Felder mit drei
-rechteckigen Feldern ab. Das Gewölbe wird von zehn freistehenden
-Pfeilern getragen, dem Schub des Gewölbes nach außen begegnet die Wand
-mit 18 Strebepfeilern, an der Westwand entsprechen den Innenpfeilern
-zwei romanische Vierungspfeiler und an den Außenecken stehen zwei kleine
-Strebepfeiler.
-
-Das verwendete Baumaterial ist rötlichgrauer Sandstein von ziemlich
-weicher Beschaffenheit aus den westlichen Ausläufern des Jura, für
-Steinmetz- und Bildhauerarbeiten vorzüglich geeignet, jedoch von
-geringer Widerstandskraft gegen die Unbilden der Witterung.
-
-Für die Anlage des neuen Ostchores war die Breite des romanischen
-Querhauses maßgebend, von welchem verschiedene Teile mit in den Neubau
-aufgenommen wurden. Die Westwand und die beiden Seitenwände wurden
-mit ihren Pfeilern, Strebepfeilern und Diensten beibehalten. Dagegen
-wurden die östlichen romanischen Vierungspfeiler durch neue freistehende
-Pfeiler und die entsprechenden Strebepfeiler mit ihren Diensten
-ebenfalls durch neue ersetzt.
-
-Zu den Anbauten und Nebenbauten gehören zwei Sakristeien: die größere
-an der Nordwand zwischen dem dritten und vierten Strebepfeiler,
-ein zweistöckiger Bau in rechteckiger Grundrißform, das untere
-Geschoß mit zweiteiligem Gewölbe, und die kleinere gegenüber an der
-Südwand, ebensolang, aber nur halb so breit wie die andere Sakristei
-und nur eingeschossig. Die südliche Sakristei war ursprünglich die
-Pankratiuskapelle. An die beiden Sakristeien schließt sich westlich
-je eine Kapelle an, zwischen zwei Pfeilern durch Einziehung derselben
-eingebaut; die nördliche derselben, von der Nürnberger Patrizierfamilie
-der Pfinzing gestiftet, wurde später durch Umbau in eine Empore
-verwandelt und führt jetzt den Namen Magistratschor, die südliche ist
-die Pömerkapelle.
-
-[Illustration: Abb. 23. Ostchor. Innenansicht.]
-
-Zwischen den beiden ersten Strebepfeilern an der Nordwand wie an der
-Südwand, also hart neben den beiden eben erwähnten Kapellen, führen
-die zwei schon früher vorhandenen Portale in den Chor, nördlich das
-Brautportal oder die »Ehtür« und südlich das Dreikönigsportal. Die
-östlich der südlichen Sakristei befindliche kleine Türe, die sogenannte
-Schautüre, bestand damals noch nicht.[34] Die einzelnen Wandabteilungen
-werden von schlanken, gleich langen Fenstern durchbrochen; nur die
-Fenster in einigen westlichen Traveen, insbesondere das über der
-nördlichen Sakristei, haben eine Kürzung erfahren müssen.
-
-=Querschnitt und Aufriß= (Taf. VI). Das Prinzip der Hallenkirche
-erfordert, wenn es rein zum Ausdruck kommen soll, bei den drei
-parallelen Schiffen nicht nur gleiche Spannweite, sondern auch gleiche
-Höhe. Letzterem Erfordernis ist am Ostchor von St. Sebald durchweg
-Rechnung getragen, und es konnte dies, eben weil die Schiffe so ziemlich
-gleiche Spannung haben, leicht geschehen; es war demnach weder eine
-schlanke, noch eine gedrückte Bildung der Wölbungslinien notwendig, und
-so mußten auch die Kämpfer, beziehungsweise Gewölbeanfänger gleiche
-Höhe erhalten. Ungleichheiten entstanden nur im östlichen Teile des
-Chores, wo zwar die Breiten der Wandabteilungen mit den Pfeilerabständen
-ungefähr übereinstimmen, aber beide nicht mit der Spannweite des
-Umganges. Gleiche Scheitelhöhe einerseits und gleiche Kämpferhöhe
-andererseits ist jedoch auch hier beibehalten worden, weshalb die
-Wölbungslinien das einemal eine gedrücktere, das anderemal eine spitzere
-Form annehmen. Eine kleine Unregelmäßigkeit hat sich ferner noch beim
-Ansatz des Gewölbes an die stehengebliebenen Wände, Pfeiler und Dienste
-des romanischen Querhauses ergeben. Es wurden nämlich die westlichen
-Vierungspfeiler mit ihren Diensten sowie die übrigen Dienste vollständig
-in den Neubau aufgenommen, also einschließlich der Kapitäle, nur an
-den beiden Pfeilern wurden die vorkragenden Gesimse weggeschlagen, was
-aber konstruktiv ohne Belang ist. Erst von den romanischen Kapitälen an
-beginnen die gotischen Gurt-, Rippen- und Schildbögen, oder richtiger
-gesagt: =schon= von den romanischen Kapitälen an; denn da das neue
-Gewölbe -- nicht nur die Scheitel, sondern auch die Gewölbeanfänger --
-etwa 1·50 m höher liegt als das alte, so mußten die neuen Gewölbteile
-über den romanischen Stützen um diese Entfernung gestelzt werden. Dabei
-wurde für den ersten nördlichen Scheidbogen die Breite des romanischen
-Vierungspfeilers beibehalten, da dessen Breite der Stärke der übrigen
-Scheidbögen zufälliger Weise entsprach, die Breite des anderen Pfeilers
-dagegen mußte, weil derselbe bedeutend stärker, verkleinert werden.
-
-Die Wahl gleicher Höhe sowohl wie gleicher Spannweite der Schiffe
-brachte außerdem noch ein günstiges Verhältnis für die Stabilität
-des Baues mit sich. Der Schub der mittleren Gewölbe wird auf
-diese Weise naturgemäß durch die seitlichen völlig aufgehoben,
-so daß die Außenmauern und ihre Strebepfeiler nur dem Schub der
-Seitenschiffsgewölbe Widerstand zu leisten haben. Außenmauern und
-Strebepfeiler hätten somit auf ihre geringste Stärke reduziert werden
-können, ebenso die Innenpfeiler, welche ja nur unter senkrechter
-Belastung stehen. Allein eine solche Reduzierung hätte für den Bestand
-des Bauwerkes gefahrdrohend sein müssen. Man wollte den ganzen Chor mit
-seinen drei Schiffen und seinem Umgang, wie es damals bei Hallenbauten
-üblich war, unter ein einziges Dach bringen, und ein solches Dach mußte
-bei den riesigen Dimensionen schon durch sein eigenes Gewicht, dann aber
-vor allem durch den Winddruck, den es auszuhalten, und die Schneemasse,
-die es zu tragen hatte, den Gewölbebau ganz beträchtlich belasten. Und
-so unterblieb die theoretisch zulässige Reduzierung von Pfeiler- und
-Wandstärke auf das Mindestmaß.
-
-[Illustration: Abb. 24. Innenansicht vom Ostchor gegen Nordosten.]
-
-Die schlanken Innenpfeiler (Abb. 23) zeigen bereits ausgesprochenen
-spätgotischen Charakter: ihr Horizontalschnitt besteht aus einem
-regulären Achteck mit vier angelegten kreisrunden Diensten. Der
-Pfeilersockel hat die erweiterte Form des Pfeilers, mit dem Unterschied,
-daß der achteckige Grundriß an den Diagonalseiten zu einem rechteckigen
-ergänzt ist. Den Übergang vom Sockel zum Pfeiler stellt eine einmalige
-wellenförmige Abstufung mit zwei kleinen Hohlkehlringen, bei den Ecken
-eine pyramidenförmige dreiteilige Abstufung her. Kapitäle fehlen. Der
-Übergang von der Stütze zur Last sollte unmittelbar sein. Doch wurde es
-unterlassen, den Grundriß des Gewölbanfängers in Übereinstimmung mit dem
-Pfeilergrundriß zu bringen oder umgekehrt. Denn der Pfeiler hätte, wenn
-Dienst mit Rippe oder Gurt, Scheidbogen mit einem Teile des Pfeilerkerns
-selbst sich hätten decken sollen, eine achteckige Grundrißform haben
-müssen, indem die beiden in der Querachse liegenden Seiten mit je drei
-Diensten für je einen Gurt und zwei Rippen ausgerüstet gewesen wären;
-die beiden in der Längsachse liegenden Seiten würden den Scheidbögen
-entsprochen haben. So aber -- bei einem achteckigen Pfeiler mit vier
-Diensten an den vier Hauptseiten -- mußten die seitlich einmündenden
-drei Rippen, einschließlich eines Gurtes, enger zusammengefaßt werden
-und sich auf einen einzigen Dienst beschränken, während die übrigen
-zwei Dienste mit den anschließenden Teilen des Pfeilers in die gänzlich
-anders profilierten Scheidbögen übergehen. Aber auch die Rippenprofile
-sind wesentlich verschieden von der runden Form der Dienste, so daß das
-Gesamtbild des Gewölbanfängers keineswegs mit der Form des Pfeilers
-übereinstimmt. Gleichwohl wird dadurch, daß sich die einzelnen Rippen
-und Bögen nur allmählich im Pfeiler verlieren, im Beschauer die Meinung
-erweckt, als wenn sich der Übergang vom Pfeiler zum Gewölbe in weitem,
-unmerklichem Fluß vollziehen würde.
-
-Das in Anwendung gebrachte Gewölbesystem ist das einfache Kreuzgewölbe
-über quadratischem Grundriß. Der Gewölbescheitel liegt nahezu
-horizontal, auch in den beiden äußeren Gewölbevierteln der ersten
-Seitenschiffsjoche, welche wegen des vorhandenen romanischen
-Mitteldienstes geteilt wurden. Es steht demnach auch die Wandfläche
-als solche nur unter senkrechter Belastung. Rippen, Gurte, Schildbögen
-sind unter sich gleich stark und in gleicher Weise profiliert, die
-Schlußsteine sind kreisrund und führen die Profilierung der Rippen fort.
-Das Profil der Scheidbögen zeigt zwischen zwei tief einschneidenden
-Hohlkehlen einen polygonalen Vorsprung.
-
-Bei der Einwölbung der rechteckigen und dreieckigen Felder des
-Chorumgangs hatten sich Besonderheiten nicht ergeben. Ebensowenig
-bei der Einwölbung des Binnenchorabschlusses, indem zu den drei
-gleich großen Achteckseiten die beiden anstoßenden etwas größeren
-Pfeilerabstände hereingenommen wurden, so daß die Lösung der
-Wölbungsfrage in der einfachsten Weise geschehen konnte.
-
-Das Material des Kappengemäuers ist Bruchstein in Mörtelbettung.
-
-Dieselbe Einfachheit, mit der Grundriß und Aufriß, beziehungsweise
-Querschnitt durchgebildet sind, zeigt sich auch bei der Gliederung der
-Innenwand (Abb. 24). Die bereits gegebene Teilung wurde ohne eigentliche
-Zutat belassen. Die senkrechte Teilung in einzelne Wandflächen
-besorgen die Wandpfeiler, oder, besser gesagt, die Fortsetzungen der
-Wölbungsgurte, welche aber nicht besonders auffällig aus der Wand
-heraustreten, denn sie haben nicht nur die Profilierung der Rippen,
-sondern auch deren Stärke behalten. Etwa 4 m über dem Boden beginnen
-die Fensteröffnungen und ziehen sich hoch hinauf bis an das Gewölbe.
-Diese starke Betonung des Vertikalen wird nur unterbrochen durch ein
-in der Nähe und in Verbindung mit den Fensterbänken horizontal um den
-Chor herumlaufendes Gesims, das jedoch an den Mauerdiensten absetzt.
-Als einziger Schmuck wurden zu beiden Seiten der Fenster für noch zu
-stiftende Statuen Konsolen und reich gestaltete Baldachine angebracht
-(Abb. 25).
-
-[Illustration: Abb. 25. Baldachin im Ostchor.]
-
-In der Profilierung der Fensterleibungen wechseln mehrere Hohlkehlen,
-Rundstäbe und Stege miteinander ab. Charakteristisch ist außer der
-Betonung einer größeren Hohlkehle die Anfügung des Rundstabes, der mit
-einem Doppelpolster auf einem kanellierten stabförmigen Sockel aufsitzt.
-
-Die Anwendung der Polychromie war nur spärlich. Trotzdem war der
-Eindruck des Innenraumes auf den Beschauer ein malerischer. Die
-Kirche war von Anfang an getüncht, so daß die scharfe Wirkung, welche
-die nackte Steinarchitektur ausgeübt hätte, wesentlich gemildert
-erschien. Ungemein wohltuend wirkten dann die einzelnen bemalten
-Stellen, gleichsam Farbflecke im Gesamtbilde der Architektur. Die
-Leibungen der Fenster waren mit roter Steinfarbe gestrichen, mit
-einfachem Strichmuster waren die Gewölbrippen belebt, bunte Fassung
-mit reichlicher Verwendung von Gold zeigten nur die Schlußsteine. Die
-farbige Ausschmückung der Chorwände unterhalb der Fensterbank und auch
-der Baldachine war dem Wohltätigkeitssinn der Patrizier und anderer
-reicher Familien überlassen, ebenso wie die Ausfüllung der großen
-Fensterflächen mit Glasmalereien.
-
-Der Eindruck des Innenraumes an und für sich, des Raumbildes selbst,
-ist ein überaus günstiger. Schon in der Beleuchtung des Raumes liegt
-eine Reihe von Vorzügen. Dadurch, daß sämtliche Schiffe gleiche Höhe
-haben, verteilt sich das Licht gleichmäßig auf den ganzen Raum, es
-entsteht nirgends eine finstere Ecke. Gesteigert wird diese Wirkung noch
-durch den Umstand, daß fast sämtliche Fenster mit Glasmalereien bis zur
-halben Höhe ausgestattet sind, beziehungsweise bei der 1379 erfolgten
-Einweihung ausgestattet waren, so daß die Beleuchtung den Gewölben
-zu verstärkt, nach unten gedämpft wird und daß andererseits die tief
-herabgezogenen Seitenfenster weniger stören.
-
-Der Charakter des Hallenbaues kommt voll und ganz zum Ausdruck. Die
-Verzichtleistung auf ein Querschiff und somit auf die Kreuzform
-überhaupt, der in die Breite gehende Aufbau bei verhältnismäßig kurzer
-Längenausdehnung des Ganzen haben zur Erreichung des Hallenprinzips den
-größten Teil beigetragen. Die breite Anlage, der kühne Aufbau kommt erst
-recht zur Geltung, wenn man von dem romanischen Langhaus in den neuen
-Chor übertritt. Ein gewisses beengendes Gefühl, das einen in den fest
-geschlossenen Schiffen -- die gotischen Seitenschiffe nicht ausgenommen
--- überkommt, schwindet mit einemmal, man atmet auf und glaubt in freier
-Luft zu sein.
-
-Welch gewaltiger Unterschied liegt da zwischen dem Bauwerk der ersten
-Hälfte des 13. Jahrhunderts und dem der zweiten Hälfte des 14.
-Jahrhunderts! Ruhen dort die Vorzüge in der Darstellung und in der bis
-zu einem gewissen Grade konsequenten Durchführung des =Organischen=,
-so breitet hier die =Raumkunst= ihre gesamten Vorteile in mächtiger
-Entfaltung aus. So verhältnismäßig kurz der dazwischenliegende
-Zeitraum auch ist, aus dem älteren Bau kann der Neubau nicht erklärt
-werden; man glaubt vor einem Rätsel zu stehen. Denn der im Anfange
-des 14. Jahrhunderts erfolgte Umbau der Seitenschiffe des romanischen
-Langhauses gibt, obwohl er mit ein Glied in der Entwicklungskette
-bildet, keinen Aufschluß und kann auch keinen geben, da das basilikale
-System beibehalten worden ist und daher die Seitenschiffe wegen ihrer
-untergeordneten Bedeutung nicht in Frage kommen können.
-
-Das Innere des Ostchores zeichnet sich aber auch noch durch besondere
-Vornehmheit in der Gesamtwirkung aus, ganz im Gegensatz zu der
-Nüchternheit der spätgotischen Hallenkirchen. Es ist dies vor
-allem einem überaus fein gestimmten Proportionsgefühl des Erbauers
-zuzuschreiben. Zudem zeigte sich derselbe auch frei von dem Streben nach
-der in der Spätzeit so beliebten Kontrastwirkung und hat kleinliche
-Details streng vermieden. Bei dem Gebrauch des dekorativen Elementes hat
-er sich eine weise Beschränkung auferlegt.
-
- * * * * *
-
-Die Struktur des Außenbaues (Taf. VII, VIII, IX) ist analog der
-Gestaltung der Innenwand an sich wenig reich an Gliederung. Es wechseln
-die schlanken Strebepfeiler mit den fast ebensolangen Fenstern ab, also
-in der Hauptsache ebenfalls Betonung des Vertikalen. In Vereinigung mit
-den Fensterbänken zieht sich ein kräftiges Gesims um den ganzen Chor
-herum, die Streben mitinbegriffen, und als zweite Horizontallinie kann
-die auf der Chormauer aufsitzende Galeriebrüstung betrachtet werden.
-So einfach, ja man möchte sagen, so primitiv die Gliederung des durch
-die Hallenanlage bedingten Außenbaues ist, schwerfällig kann derselbe
-keineswegs genannt werden. Denn mit der Wahl von sieben Seiten des
-Sechzehnecks für den Chorabschluß wurde eine enge Aneinanderreihung der
-Streben erzielt, so daß die verhältnismäßig schmalen Fenster nahezu
-die ganze Zwischenwand einnehmen und somit das Mauerwerk wesentlich
-auf den konstruktiven Bedarf reduziert wird. Und auch Eintönigkeit und
-Einförmigkeit, die eine natürliche Folge im Außenbau einer solchen
-Anlage hätten sein müssen, sind durch Gliederung im einzelnen und durch
-reichen Aufwand an Dekoration gänzlich vermieden worden.
-
-Eine Gliederung des Mauerwerks unterhalb des in Fensterhöhe sich
-herumziehenden Gesimses ist unterlassen worden; nur ein schlichter
-Sockel, wie am übrigen Bau wellenförmig mit der Mauer verbunden, ist zu
-erwähnen. Erst von dem Hauptgesims ab beginnt die Architektur lebendig
-zu werden. Die sich verjüngenden Strebepfeiler sind in drei Stockwerke
-abgeteilt, wobei die markierenden feinen Gesimse auch auf die zwischen
-Pfeiler und Fenster als Rest verbliebenen Wandstreifen übergreifen.
-Die einzelnen Absätze nun sind mit einer Fülle von Blendwerk, jedoch
-in klarer Disposition, ausgestattet. Die Blendnischen der unteren
-Stockwerke enthalten zur Aufnahme von Statuen Baldachine (Abb. 27 und
-a, b) und Konsolen, welch letztere, bald auf Säulen ruhend, bald nur
-in die Wand eingelassen, ornamentalen und figürlichen Schmuck zeigen;
-neben den Fenstern sind, entsprechend dem Pfeiler, zu demselben Zweck
-Postamente, auf dem Hauptgesims stehend, und hohe, bis an das nächste
-Pfeilerstockwerk hinaufragende Baldachine angebracht. Das Blendwerk des
-zweiten Stockwerkes setzt sich auch auf die Wand bis an die Fenster hin
-fort; dagegen fehlen hier Konsolen und Baldachine. Vorne ist dieses
-Stockwerk dreieckig gestaltet, die Nischen der beiden Dreiecksseiten
-enthalten wiederum kleine Postamente und Baldachine; über dem Dreieck
-erhebt sich eine mit Krabben und Kreuzblume geschmückte Fiale bis über
-die Hälfte des nächsten Stockwerkes, dessen Blendwerkgliederung infolge
-des geringeren Umfanges wesentlich vereinfacht ist.
-
-[Illustration: TAFEL VII. Grundrißentwicklung der Strebepfeiler am
-Ostchor.]
-
-[Illustration: TAFEL VIII. Ansicht eines Ostchorjoches.]
-
-[Illustration: TAFEL IX. Seitenansicht und Schnitt eines Strebepfeilers
-am Ostchor.]
-
-Die Profilierung der Fensterleibungen ist ähnlich der an der Innenwand
-und wird hauptsächlich durch eine größere Hohlkehle bestimmt. Das
-Maßwerk der Fenster hat noch keine komplizierten Formen und erinnert
-meist an die Zeit der Hochgotik. Die vier Teile, in welche die Fenster
-durch einen stärkeren Mittel- und zwei schwächere Seitenpfosten geteilt
-sind, schließen einzeln mit Spitzbögen ab, welche wiederum paarweise
-zusammengefaßt sind, und die Füllung in diesen beiden Spitzbögen bilden
-gewöhnlich Dreipässe. Nur in den Fenstern des ehemals romanischen
-Querhauses, die durch Verlängerung der dort schon bestandenen gotischen
-Fenster entstanden sind, ist die Bildung der Maßwerkfüllung eine
-freiere, weniger zum Gesamtorganismus passende, es tritt sogar die
-Fischblase auf.
-
-Über den Fenstern ragen Wimperge, in Kreuzblumen endigend und mit
-Laubbossen auf den Kanten, empor; sie sitzen seitlich auf hohen, bis zur
-Fensterbank hinabreichenden Rundstäben auf und überschneiden oben die
-zinnenbekrönte, an ihrem Fuß mit Ranken und Blattwerkfries geschmückte
-Galerie. Ein weiteres, die Gesamtarchitektur belebendes Moment sind die
-mit Blendwerk, Krabben und Kreuzblumen ausgestatteten Fialen auf den
-Strebepfeilern.
-
-So ist es gelungen, durch Gliederung im einzelnen wie durch reiche,
-aber immer maßvolle Entfaltung ornamentalen Schmuckes den Mangel an
-Gliederung des Ganzen zu ersetzen. Und außerdem ist mit dem von der
-Chorgalerie, den Fensterwimpergen und Fialen gebildeten prächtigen Kranz
-für den Beschauer ein gut Teil des gewaltigen Daches verdeckt.
-
-Die Westwand des romanischen Querhauses, welche schon wegen der
-höheren Einwölbung des neuen Ostchores erhöht werden mußte, ist bis
-über den First des romanischen Mittelschiffes weitergeführt, jedoch
-nicht bis zum First des Chordaches, sondern, vielleicht um weniger
-Widerstand gegen Wind und Wetter zu bieten, vielleicht auch nur aus
-Sparsamkeitsrücksichten, abgewalmt.[35]
-
-Der Eindruck des Außenbaues auf den Beschauer ist ein mächtiger, um so
-mehr, als man beim Anblick unwillkürlich zum Vergleich mit den älteren,
-in kleineren Verhältnissen errichteten Bauteilen der Kirche gezwungen
-wird. Nur liegt hier die Sache anders als beim Innenbau. Dort wird der
-Hauptunterschied mehr in der Breitendimension gefunden, hier mehr in der
-Höhendimension.
-
-Ist auch das Mauerwerk des neuen Ostchors nicht bedeutend höher als
-die romanische Hochwand, so übt doch das Dach mit seiner mächtigen
-Ausdehnung eine geradezu erdrückende Wirkung auf den übrigen Bau aus,
-und zwar deswegen, weil die drei Schiffe mit einem einzigen Sattel
-überzogen sind. Angenommen, es wäre möglich gewesen, jedem einzelnen
-der Chorschiffe, wie es z. B. bei verschiedenen Bauten in Hessen öfters
-der Fall ist, eine besondere Bedachung aufzusetzen, so würden diese
-einzelnen Dächer ebenso wie das Mauerwerk das romanische Mittelschiff
-nur wenig überragt haben. So aber ist der neue Ostchor mitbestimmend für
-das Stadtbild geworden, was hundert Jahre später auch bei der Kirche St.
-Lorenz der Fall war. In der Silhouette der Stadt, welche mit der Burg
-und den beiden Turmpaaren von St. Sebald und St. Lorenz im wesentlichen
-gegeben ist, ragen auch die beiden Chorbauten empor; von Westen gesehen,
-blicken sie durch die Türme durch, von Süden gesehen gewähren sie den
-Anschein, als wäre jede Verbindung zwischen ihnen und ihren Türmen
-aufgehoben.
-
-Ein Vergleich des Neubaues mit dem alten Bau drängt sich aber noch
-bezüglich der Wirkung der Architektur selbst auf. Der Unterschied
-zwischen dem Ostchor und der romanischen Hochwand ist im Außenbau
-noch überraschender als im Innenbau. Denn hier fehlt beim romanischen
-Bau jegliche Struktur. Aus der glatten Wand mit den fünf rundbogigen
-Fenstern ist ein Rückschluß auf die Art der Innenkonstruktion,
-beziehungsweise der Einwölbung unmöglich. Doch tritt für den Beschauer
-der romanische Teil des Baues zu sehr in den Hintergrund zurück, als daß
-er unbedingt zu einem Vergleich mit dem Chor herausfordern würde. Anders
-verhält es sich mit den Seitenschiffen. Im Innern werden dieselben trotz
-ihrer erheblichen Breite kaum beachtet. Ihr Außenbau jedoch führt eine
-beredte Sprache. Seit 1309 begonnen, zeigen sie in der Gliederung der
-Architektur wie in der Dekoration den Geist der Hochgotik, voll Feinheit
-und Geschmack. Und der Stilcharakter im Außenbau des Ostchores scheint
-bei der über ein halbes Jahrhundert betragenden Zeitdifferenz nicht weit
-verschieden zu sein: dasselbe Prinzip der Gliederung und Dekoration
-hier wie dort, bestehend in Galeriebrüstung und überschneidenden
-Fensterwimpergen und Pfeilerfialen.
-
-=Stilkritische Würdigung.= Wir fragen uns nun, welche Stelle nimmt der
-Ostchor von St. Sebald in der Bau- und Kunstgeschichte seiner Zeit ein,
-in welchen Beziehungen steht dieser Bau zu anderen Hallenbauten und aus
-welchen Quellen hat sein Meister geschöpft?
-
-Die Hallenkirche nimmt in der Baugeschichte der Spätgotik einen breiten
-Raum ein. Es hatte sich diese Bauart aus dem Grunde fast überall Eingang
-verschafft, weil sie dem Zeitgeist am besten entsprach und weil die
-in ihrem Wesen begründet liegende Einfachheit im Raum sowohl wie in
-der Konstruktion und die daraus sich ergebende größere Sparsamkeit
-der Bauausführung ihr den Vorzug vor dem basilikalen Bausystem gaben.
-Am meisten wurde die neue Bauart in der deutschen Spätgotik in zwei
-ganz verschiedenen Gegenden kultiviert: in Hessen und in Westfalen
-einerseits, in Schwaben und in den bayerischen Ländern andererseits.
-Dabei hatten sich bald verschiedene Typen gebildet oder es wurden
-frühere Typen wieder aufgegriffen und so entstanden Hallenkirchen
-mit glattem Schluß der Schiffe, solche mit polygon geschlossenem,
-vorgeschobenem Chor und solche mit Chorumgang. Der letztere Typus hatte
-sich vornehmlich im nordöstlichen Schwaben, in Bayern und Österreich
-eingebürgert, und so scheint auch unser Ostchor von St. Sebald mit in
-die Gruppe zu gehören.
-
-Der erste Bau dieser langen Reihe von unter sich mehr oder weniger
-verwandten Hallenkirchen war die Heiligkreuzkirche zu Schwäbisch-Gmünd,
-erbaut von dem aus Köln gebürtigen Meister Heinrich Parler.[36] Die
-Bauzeit dieser Kirche umfaßt nahezu ein Jahrhundert: in den zwanziger
-Jahren des 14. Jahrhunderts wurde an Stelle einer romanischen Kirche mit
-dem Bau des Langhauses begonnen, 1351 wurde der Neubau des Chores in
-Angriff genommen und erst 1414 fand die Einweihung des ganzen Bauwerkes
-statt. Aus den letzten Jahren dieser Bauzeit wird die Einwölbung dieses
-Langhauses stammen. Das Gewölbe des Chores gehört erst dem Ausgang des
-15. Jahrhunderts an.
-
-In der Anlage nun ist die Heiligkreuzkirche in Gmünd eine dreischiffige
-Hallenkirche mit Chorumgang und Kapellenkranz. Die Seitenschiffe
-sind bedeutend schmäler als das Mittelschiff, im Chor noch mehr als
-im Langhaus; die Gewölbfelder im Mittelschiff sind rechteckig, die
-in den Seitenschiffen haben fast quadratische Form. Der Abschluß des
-Binnenchors ist aus drei Seiten gebildet, welchen im Chorumgang sieben
-Seiten entsprechen, so daß in der Mittelachse ein Chorfenster liegt.
-Die Strebepfeiler des Chores sind in ihrer unteren Hälfte zur Bildung
-von Kapellen eingezogen, welche geradlinig geschlossen sind. Von der
-ursprünglich geplanten Wölbung kann nicht viel gesagt werden, doch
-soviel scheint sicher, daß die Scheitelhöhe der Gewölbe auch damals
-schon in den drei Schiffen einander gleich gedacht war; daraus hätte
-sich dann, ebenso wie es jetzt der Fall ist, für das Mittelschiff eine
-gedrücktere, für die Seitenschiffe eine schlankere Form der Gewölbe und
-eine ungleiche Verteilung der Drucklinien ergeben. Die Gewölbe ruhen auf
-Säulen.
-
-Der Bau des Ostchors von St. Sebald, in der Bauzeit mit der Gmünder
-Kirche teilweise sogar zusammenfallend, scheint unter dem Einflusse
-derselben zu stehen.
-
-Das Prinzip der Hallenkirche ist beim Ostchor von St. Sebald viel
-reiner zur Erscheinung gekommen als bei der Heiligkreuzkirche zu
-Schwäbisch-Gmünd. Die langgestreckte Ausdehnung hier konnte bei St.
-Sebald leicht vermieden werden, da es sich in Wirklichkeit nur um einen
-Chor und nicht um eine ganze Kirche handelte, und auch das gleiche Maß
-der Schiffsbreiten, wenn auch nicht bei jedem Joch genau eingehalten,
-war mit dem Anschluß an die drei Quadrate des romanischen Querschiffes
-gegeben. Und infolge der gleichen Höhe der drei Schiffe wird der Schub
-der mittleren Gewölbe aufgehoben, die inneren Pfeiler sind nur senkrecht
-belastet und den Strebepfeilern außen obliegt lediglich die Aufgabe des
-Widerstandes gegen den Gewölbeschub der äußeren Schiffe. Es hat somit
-eine in jeder Weise gleichmäßige Gestaltung des Baues bewirkt werden
-können, und so sieht der Beschauer im Innern des Chores nach jeder
-Richtung hin das gleiche System, wohl das Endziel des Hallenbaues, was
-bei der Heiligkreuzkirche in Schwäbisch-Gmünd bei weitem nicht der Fall
-ist.
-
-Nun liegt allerdings zwischen der 1326 mit dem Schiffe und 1351 mit
-dem Chor begonnenen Heiligkreuzkirche zu Gmünd und dem 1361 begonnenen
-Ostchor von St. Sebald der Bau der Nürnberger Liebfrauenkirche. Man
-fragt sich unwillkürlich, ob nicht diese Kirche das Bindeglied zwischen
-den beiden verwandten Bauten darstellte, d. h. ob denn ohne den Vorgang
-der Liebfrauenkirche die Fortschritte am Bau von St. Sebald wohl denkbar
-gewesen wären.
-
-Innerhalb der schwäbisch-bayerischen Gruppe, und nur diese kommt hier
-in Betracht, ist die Liebfrauenkirche der erste Hallenbau mit gleich
-weiten Jochen, in die Länge wie in die Breite gemessen: der Grundriß
-besteht aus neun großen Quadraten. Abgesehen von diesem besonderen
-Punkte besteht im übrigen eine engere Verwandtschaft dieser Kirche mit
-der Heiligkreuzkirche in Gmünd. Es sei hier nur an die gleiche Bildung
-der Gewölbestützen in Form zylindrischer Schäfte oder runder Säulen mit
-Blattwerkkranz als Kapitäl und vor allem an die Gestaltung der Fassade
-erinnert. Die Verschiedenheit im Verhältnis des Mittelschiffes zu den
-Seitenschiffen hat aber aller Wahrscheinlichkeit nach darin ihren
-Grund, daß in Schwäbisch-Gmünd zum Teil der Grundriß der abgebrochenen
-romanischen Kirche, vielleicht auch deren Grundmauern mit in den Neubau
-aufgenommen wurden, und daß dem Baumeister die Anlage mit schmäleren
-Seitenschiffen gar nicht unwillkommen war wegen der einfachen Lösung
-der Frage der Umführung derselben um den Binnenchor, während an der
-Nürnberger Frauenkirche, als an einer Hallenkirche mit vorgeschobenem
-Chor, ohne Schwierigkeit das Prinzip des gleichen Maßes bei Mittel- und
-Seitenschiff zur Durchführung gelangen konnte.
-
-Und dennoch wird man zugeben müssen, daß in der Entwicklung von der
-Heiligkreuzkirche in Gmünd zur Sebaldkirche in Nürnberg die Frauenkirche
-ein Zwischenglied =nicht= bildet. Denn der einzige übereinstimmende
-Punkt bei den zwei Nürnberger Kirchen ist eben das bei Seitenschiffen
-und Mittelschiff gleiche Maßverhältnis.
-
-Wie oben bereits angedeutet, hängt beim Ostchor von St. Sebald die
-Teilung in drei gleiche Schiffe mit dem Anschluß an das vorhandene,
-in den Neubau übernommene romanische Querschiff zusammen. Von dem
-romanischen Querschiff wurde beim Neubau verwertet die ganze Westwand
-und die beiden Schmalwände. Auf das relativ hohe Gewölbe verzichtete
-man, da das neue Gewölbe im ganzen Chor durchweg noch um 1·5 m
-höher gelegt werden sollte. Dagegen ließ man die Mitteldienste an
-den Seitenwänden bestehen und, um sie nicht ohne Bestimmungszweck
-zu lassen, teilte man wie beim romanischen Bau die beiden äußeren
-Gewölbeviertel wiederum in je zwei Achtel.
-
-Daß die östlichen Vierungspfeiler neuen Pfeilern weichen mußten,
-erscheint selbstverständlich. Jedoch steht, wenn auch bei Errichtung
-der neuen Pfeiler das Fundament der alten Pfeiler mitbenutzt wurde, die
-Achse des nördlichen Pfeilers außerhalb der Achse des alten.
-
-Bei näherer Betrachtung des Grundrisses findet man zunächst, daß sich
-der ganze Chor von Westen nach Osten fortschreitend verbreitert, sowie
-ferner, daß seine Achse um einige Grade nach Norden verschoben ist.
-
-Was das Abbiegen der Längsachse anlangt, die man auch bei anderen
-mittelalterlichen Kirchen, wenn auch nicht in so starkem Maße,
-beobachten kann, so gibt es dafür verschiedene Erklärungsversuche, die
-sich auf die Annahme schlechten Baugrundes oder von Mängeln in der
-Visierung stützen. Einwandfrei ist jedoch diese Frage bis jetzt noch
-nicht gelöst worden.
-
-Die andere Unregelmäßigkeit in der Anlage des neuen Chors mag vielleicht
-darin ihren Grund gehabt haben, daß einer allzu großen Ungleichheit
-der Gewölbefelder bei dem sich verengernden Chorumgang dadurch
-vorgebeugt und zugleich für die am Hochaltar vorzunehmende Kulthandlung
-Raum gewonnen wurde. Ebenso beabsichtigt erscheint die allmähliche
-Verringerung der Abstände der Mittelpfeiler von Westen nach Osten, die
-es bewirkt, daß sich die Zwischenräume zwischen den Abschlußpfeilern des
-Binnenchors harmonisch dem Rhythmus der Pfeileranlage einpassen.
-
-Dabei wurden diese offenbaren Unregelmäßigkeiten vom Baumeister von
-St. Sebald in so unauffälliger Weise vorgenommen, daß wir, im Innern
-der Kirche stehend, von den einzelnen Verschiebungen, Verkürzungen und
-sonstigen Unregelmäßigkeiten, ohne vorher darauf aufmerksam gemacht zu
-sein, gar nichts wahrnehmen.
-
-Zeigen schon diese Maßnahmen, die sich zum Teil aus der Notwendigkeit
-ergaben, eine Choranlage von fortentwickelten Raumabsichten mit der
-ganz anders gearteten Raumwirkung der älteren Kirche in Einklang zu
-bringen, den Baumeister von St. Sebald als überlegenen Geist, dem wir
-ohne Zweifel auch einen wesentlichen Anteil an der Entwicklung der
-Baugedanken seiner Zeit zutrauen dürfen, so wird diese Vermutung auch
-durch die Betrachtung der Durchbildung des Aufrisses bestätigt.
-
-Wie bereits oben erwähnt, ist es uns bei der Gmünder Kirche nicht
-mehr möglich, die vom Meister Heinrich Parler ursprünglich geplante
-Wölbung mit Sicherheit zu rekonstruieren; wir wissen nicht, war
-ein komplizierteres oder ein einfacheres System gewählt worden.
-Mit Bezug auf die, wenn auch in kleineren Verhältnissen gehaltene,
-aber mit der Gmünder Kirche noch verwandte Nürnberger Frauenkirche
-wäre dort im allgemeinen das vierteilige Kreuzgewölbe, für den
-Abschluß des Binnenchores die Verbindung von Kreuz- und Sterngewölbe
-anzunehmen. Was nun den Chorumgang anlangt, so wäre die einfachste
-Lösung gewiß die: anschließend an die Seitenschiffe zunächst je ein
-vierteiliges Kreuzgewölbe mit ungleichen Seiten und Diagonalen, dann
-je zwei dreiteilige Gewölbe und zum Schlusse wieder ein vierteiliges
-Kreuzgewölbe. Die Stützen der Gewölbe sind runde Säulenschäfte, deren
-Kapitäle meist aus zwei Blattwerkkränzen mit polychromer Platte
-bestehen. Also von einer organisch-konstruktiven Verbindung von Gewölbe
-und Gewölbstütze keine Rede.
-
-Anders bei St. Sebald. Das Wölbungssystem stimmt mit dem an der Gmünder
-Kirche eben rekonstruierten so ziemlich überein, bis auf den Chorumgang,
-dessen Einwölbung sich hier infolge des für den Binnenchorabschluß
-gewählten Achtecks natürlicher gestalten mußte: es wechseln vier
-dreieckige Felder mit drei rechteckigen ab. Der Hauptunterschied liegt
-jedoch darin, daß hier das Gewölbe nicht auf runden, sondern auf
-polygonalen Stützen ruht, d. h. nicht auf Säulen, sondern auf Pfeilern,
-und zwar haben diese Pfeiler achteckige Form mit vier vorgelegten
-Diensten. Ferner ist der Ansatz des Gewölbes nicht durch ein Kapitäl
-markiert, sondern Scheidbögen, Gurtbögen und Rippen wachsen gleichsam
-unmittelbar aus den Diensten, zum Teil auch aus dem polygonalen Pfeiler
-selbst heraus. In Anbetracht der dem Wesen des Hallenbaues zugrunde
-liegenden Tendenz der Vereinfachung alles Konstruktiven bedeuten also
-die Pfeiler im Chor von St. Sebald gegenüber den Säulen der Gmünder
-Kirche einen Fortschritt in der Entwicklung.
-
-Vorbildlich für die Pfeilerbildung im Ostchor von St. Sebald mag
-die Frauenkirche in Eßlingen gewesen sein. Bekanntlich besteht die
-Schwäbische Schule des 14. und 15. Jahrhunderts aus zwei Gruppen, von
-welchen der einen die Hallenbauten mit Chorumgang, der andern diejenigen
-mit vorgeschobenem Chor und einem in der Mitte der Fassade stehenden
-Turm angehören. Die erstere Gruppe wird vor allem vertreten durch die
-Heiligkreuzkirche in Schwäbisch-Gmünd, die letztere wird repräsentiert
-durch Bauten wie die Frauenkirche in Eßlingen und das Ulmer Münster.
-Wohl war die Gmünder Kirche zugleich auch der Ausgangspunkt für die
-große zumeist auf bayerischem Boden befindliche Gruppe von Hallenbauten,
-wie den Kirchen St. Georg in Nördlingen und Dinkelsbühl, St. Lorenz
-in Nürnberg, St. Martin in Landshut, der Frauenkirche in München.
-Allein bei den engen baugeschichtlichen Beziehungen zwischen den beiden
-Schwäbischen Schulen ist es ja ganz natürlich, daß auch Elemente der
-zweiten Schule bei Bauten der bayerischen Gruppe Eingang gefunden haben.
-So ist z. B. die Fassade der Nürnberger Frauenkirche nicht nur, wie
-bereits oben erwähnt, von der Gmünder Kirche, sondern in viel höherem
-Grade von der Frauenkirche in Eßlingen beeinflußt.
-
-Was nun die vorbildliche Bedeutung der letztgenannten Kirche für den
-Ostchor von St. Sebald in Bezug auf die Pfeilerbildung anlangt, so
-sei zunächst darauf hingewiesen, daß zwischen der Gmünder Kirche und
-der Eßlinger Frauenkirche trotz Verschiedenheit in der Anlage eine
-nahe Verwandtschaft besteht. In die Augen springend ist dieselbe --
-abgesehen von der erwähnten Fassadenbildung -- ja nicht. Allein eine
-Reihe von gleichen Steinmetzzeichen an beiden Bauten geben einen
-unwiderleglichen Beweis hiefür, was man bei der geringen geographischen
-Entfernung der beiden Orte und bei dem Umstand, daß das Langhaus der
-Gmünder Kirche zum Teil ebenso wie der östliche Teil der Eßlinger
-Frauenkirche dem zweiten Viertel des 14. Jahrhunderts angehören[37],
-ganz selbstverständlich findet. Die Eßlinger Kirche hat wie der Ostchor
-von St. Sebald polygone Pfeiler mit vorgelegten Diensten, welche, ohne
-von Kapitälen unterbrochen zu werden, unmittelbar in Gurte und Rippen
-übergehen, um vierteilige Gewölbe zu tragen. Also auch hier war der
-Baumeister bestrebt, gegenüber dem bisher Üblichen eine wesentliche
-Vereinfachung eintreten zu lassen. Nur hat, möchten wir hinzufügen, der
-Eßlinger Meister eine schönere und auch konstruktiv richtigere Lösung
-in der Pfeilerbildung gefunden, während der Baumeister des Ostchores
-von St. Sebald, ohne besondere Rücksicht auf das Gewölbesystem, mehr
-auf eine gleichmäßige Gestaltung des Grundrisses gesehen hat. Denn dort
-gruppieren sich auf den beiden Schiffsseiten eines Pfeilers je drei
-Dienste, von welchen sich jeder einzelne als Rippe, beziehungsweise
-Gurt fortsetzt und die Arkadenbögen setzen am Pfeilerkern selbst
-an, hier dagegen wachsen die Arkadenbögen aus Diensten heraus und
-den drei Rippen (zwei Diagonalrippen und eine Gurtrippe) an einer
-Schiffsseite steht nur ein einziger Dienst zur Verfügung. Durch den
-Ansatz mehrerer mit Hohlkehlen profilierter Rippen an einem Dienst sind
-aber ganz neue Bildungen entstanden, wie sie häufig erst an späteren
-Bauten, wir erinnern nur an die St. Georgskirche in Dinkelsbühl,
-wiederkehren, allerdings dort infolge der im 15. Jahrhundert üblichen
-reichen Sterngewölbe in komplizierterer Form. Allein trotz dieser
-Unterschiede der Pfeiler im Ostchor von St. Sebald von den Pfeilern
-der Eßlinger Frauenkirche erscheint doch die Annahme gerechtfertigt,
-daß der Baumeister von St. Sebald die ganze Idee, polygone Pfeiler mit
-vorgelegten Diensten zu schaffen und dieselben ohne Kapitäl gleich
-direkt ins Gewölbe überzuführen, der Eßlinger Frauenkirche entnommen hat.
-
-Noch in einem anderen Punkte des Aufrisses verrät der Ostchor von
-St. Sebald gegenüber der Heiligkreuzkirche in Gmünd einen hohen Grad
-von Selbständigkeit; es betrifft dies in der Hauptsache auch mit die
-Gestaltung des Außenbaues.
-
-Während an der Gmünder Kirche die Wände des Schiffes lange, bis hinauf
-an die Wölbung reichende Fenster aufweisen, sind die Chorwände in zwei
-Stockwerke geteilt. Es sind dort nämlich die Strebepfeiler in ihrer
-unteren Hälfte eingezogen, oder besser gesagt, die Chorwand ist in ihrer
-unteren Hälfte hinausgeschoben, so daß sich um den Chorumgang eine Reihe
-von Kapellen gruppiert. Beim Ostchor von St. Sebald dagegen hat man auf
-den Kapellenkranz verzichtet und wie beim Langhaus der Gmünder Kirche
--- auch hierin kann die Frauenkirche in Eßlingen anregend mitgewirkt
-haben -- hohe, die ganze Länge der einzelnen Wandabteilungen einnehmende
-Fenster gewählt. Dies hat zur Folge, daß hier die Beleuchtung des ganzen
-Chors viel stärker wird als im Chor der Gmünder Kirche und andererseits,
-daß dort die Chorwand eine reichere Gliederung erhält. Der Baumeister
-von St. Sebald hat nun unter gleichzeitiger Erhöhung des gewonnenen
-Vorteils den entstandenen Nachteil dadurch gemindert, daß er die Breite
-der Fenster fast bis an die Strebepfeiler hin ausdehnte und so die
-Mauerfläche gleichsam in eine Reihe von Gewölbestützen auflöste. Und
-was die Außenansicht allein anlangt, so wurde der Mangel an Gliederung
-noch weiter durch eine reiche Ausstattung ersetzt. Von dem in der Höhe
-der Fensterbänke sich herumziehenden Gesims an weisen die in drei
-Stockwerken sich abstufenden Strebepfeiler, übergreifend auf den kleinen
-Rest von Wandfläche, eine Fülle von Schmuck auf, bestehend in vielem
-Blendenwerk, Konsolen, Baldachinen und Fialen. Um nun von den mächtigen,
-aber monoton wirkenden Chordach soviel wie möglich zu verdecken, hat
-der Meister einen bereits an der Gmünder Kirche zum Ausdruck gebrachten
-Gedanken wiederholt, indem er auf die Mauer eine Galerie aufsetzte,
-welche mit den die Fenster überragenden Wimpergen und den die Pfeiler
-bekrönenden Fialen dem Chor ein geradezu prächtiges Aussehen verleiht.
-
-Also auch nach dieser Seite hat es der Baumeister von St. Sebald,
-der seine Zugehörigkeit zur Schwäbischen und speziell zur Gmünder
-Schule nicht verleugnen kann, aber völlig frei ist von sklavischer
-Abhängigkeit, verstanden, den im Wesen der Hallenkirche begründet
-liegenden Anforderungen gerecht zu werden. Er hat durch Vereinfachung
-und Reduzierung aller konstruktiven Elemente, wodurch zunächst eine
-willkommene Sparsamkeit in der Bauausführung erzielt wurde, eine
-Vervollkommnung des Prinzips der Hallenkirche erreicht.
-
-=Der Baumeister.= Lebhaftes Interesse erregt nun die Frage: Wer mag
-wohl der Schöpfer dieses herrlichen, kunstgeschichtlich so bedeutenden
-Bauwerkes gewesen sein? Wie heißt er?
-
-Die Zugehörigkeit des Ostchores von St. Sebald zur Gmünder Schule wurde
-im Vorhergehenden sehr wahrscheinlich gemacht. Es hatte sich gezeigt,
-daß beide Bauten in den engsten verwandtschaftlichen Beziehungen
-zueinander stehen, ja, daß der Hallenbau von St. Sebald ohne den Vorgang
-von Schwäbisch-Gmünd vielleicht überhaupt nicht, jedenfalls nicht in
-seiner jetzigen Gestalt möglich gewesen wäre. Denn der Ostchor von
-St. Sebald weist eine Summe von Erscheinungen auf, welche sich nur
-aus dem Bau der Heiligkreuzkirche oder durch Vermittlung desselben
-aus anderen Bauten erklären lassen. Dieses Abhängigkeitsverhältnis
-wird auch durch das Vorhandensein einer großen Anzahl von gleichen
-Steinmetzzeichen an beiden Kirchen bestätigt, woraus mit Sicherheit
-folgt, daß eine ganze Gruppe von Steinmetzen von Schwäbisch-Gmünd
-nach Nürnberg gezogen ist, um hier an dem Bau von St. Sebald zu
-arbeiten. Es befinden sich sogar unter den gleichen Steinmetzzeichen
-häufig wiederkehrend solche, welche infolge ihrer gleichen Grundform
-einen engeren Zusammenschluß ihrer Träger erkennen lassen, d. h.
-welche beweisen, daß ihre Inhaber bei einem und demselben Meister
-gelernt haben. Und jenes Meisterzeichen, von welchem diese Zeichen
-ihre Variation entlehnt haben, hat sich anscheinend tatsächlich
-vorgefunden. Bei der letzten Restaurierung wurde hinter einem Baldachine
-eines Ostchorstrebepfeilers ein kleines Erzschild entdeckt, welches
-ursprünglich wohl an der Galerie über dem Hauptgesimse befestigt war und
-beim Abbruch derselben (1561) heruntergefallen und an diesen verborgenen
-Platz gelangt ist. Das Schild (Abb. 26), welches heute im Ostchor an
-der südlichen Wand angebracht ist, zeigt im Inneren einen nach unten
-offenen rechten Winkel mit darin befindlichem senkrecht gestelltem Kreuz
-und hat den Stilcharakter der Erbauungszeit des Chores. Dieses Zeichen
-kann nach den gegebenen Umständen wohl als das Zeichen des Baumeisters
-angesprochen werden.
-
-[Illustration: Abb. 26. Meisterzeichen (Ostchor).]
-
-Trotz sorgfältiger, mühsamer Untersuchung des Baues der Gmünder
-Heiligkreuzkirche, soweit derselbe eben für diesen Zweck zugänglich
-war, konnte das Meisterzeichen von St. Sebald dort nicht gefunden
-werden. Es ist auch dieser Umstand für die weitere Beweisführung nicht
-von besonderem Belang, denn einerseits steht dadurch keineswegs fest,
-daß das Zeichen dort überhaupt nicht vorkommt, und andererseits ist es
-doch mehr als selbstverständlich, daß an dem Bau, welcher die meisten
-Anregungen für die Gestaltung des Ostchores von St. Sebald geboten
-hat, ja überhaupt die unerläßliche Vorbedingung für die Existenz des
-Nürnberger Hallenbaues war und an welchem die Schüler des Erbauers des
-letzteren gearbeitet haben, auch der Meister selbst tätig gewesen sein
-muß.
-
-Es liegt somit nahe, in dem Baumeister von St. Sebald einen Angehörigen
-der Familie jenes Heinrich Parler, des Erbauers der Gmünder Kirche, zu
-vermuten.
-
-Soweit wir die Familie Parler zurückverfolgen können -- die
-Kunstwissenschaft hat sich seit längeren Jahren viel mit ihr
-beschäftigt --, wird die erste uns bekannte Generation durch Heinrich
-Parler vertreten, welcher, aus Köln gebürtig, etwa im dritten
-Jahrzehnt des 14. Jahrhunderts wahrscheinlich infolge einer Berufung
-nach Schwäbisch-Gmünd eingewandert ist, um den Bau der dortigen
-Heiligkreuzkirche zu leiten.[38] Von seinen Söhnen kommen für uns
-zwei in Betracht, nämlich Peter und Heinrich. Peter Parler, 1330
-geboren[39], erhielt 1353 als junger, erst 23jähriger Mann von Kaiser
-Karl IV. einen Ruf nach Prag zur Übernahme der Vollendung des seit dem
-1352 erfolgten Tode des Matthias von Arras unterbrochenen Dombaues.
-Peter Parler entfaltete in Prag nicht nur, sondern auch in ganz Böhmen
-eine umfassende Tätigkeit, baute die Barbarakirche in Kuttenberg, die
-Bartholomäuskirche in Kolin u. a. m. Von seinem Bruder Heinrich Parler
-dagegen wissen wir nur aus den Wochenrechnungen des Prager Dombaues, daß
-er im Jahre 1378 dort gearbeitet hat. Außerdem wird von verschiedenen
-Forschern mit ihm jener Heinrich von Gmünd als identisch bezeichnet,
-welcher in den Jahren 1381, 1384 und 1387 als Baumeister des Markgrafen
-Jodok von Mähren in Brünn tätig war, ja sogar ein Enrico da Gamodia, vom
-11. Dezember 1391 bis zum 29. Mai 1392 in Mailand am Dombau beschäftigt,
-wird auf Heinrich, den Bruder des Peter Parler, bezogen.
-
-Wir bemühen uns vorerst nicht, die Identität des Heinrich Parler,
-der 1378 in Prag gearbeitet hat, mit den anderen, Heinrich von Gmünd
-genannten Personen nachzuweisen, sondern uns interessiert vielmehr
-zunächst zu wissen, worin denn die Tätigkeit des jüngeren Heinrich
-Parler in den Jahren vor 1378 bestanden hat. Man wird natürlich
-annehmen, daß Heinrich nicht nur im Jahre 1378, sondern auch in der
-Zeit vorher am Prager Dombau beschäftigt war, zu welchem Zwecke er
-wahrscheinlich 1353 mit seinem Bruder oder doch bald nach der Berufung
-desselben Schwäbisch-Gmünd verlassen hat. Allein warum werden in den
-Prager Dombaurechnungen, welche die Jahre 1372 bis 1378 umfassen, neben
-dem Meister Peter Parler alle Steinmetzen und sonstigen Handwerker,
-welche am Dom gearbeitet haben, aufgeführt, nur, abgesehen vom Jahre
-1378, dieser Heinrich Parler nicht? Weil er, wie wir vermuten, vor
-1378 überhaupt nicht in Prag war, sondern -- in Nürnberg den Bau des
-Ostchores von St. Sebald geleitet hat.
-
-Und in der Tat, der Zufall hat es gewollt, daß in den Verzeichnissen
-Nürnberger Künstler des 14. Jahrhunderts auch der Name eines Heinrich
-Parler aus Böhmen der Nachwelt überliefert ist. Im Jahre 1363 wurde
-einem Heinrich Beheim Balier zu Nürnberg das Bürger- und Meisterrecht
-verliehen und in den folgenden Jahren wird er noch verschiedentlich
-genannt.[40] Es fragt sich nun, ob dieser Heinrich Beheim Balier
-wirklich kein anderer als der vor 1378 in Prag nicht auffindbare
-Heinrich Parler ist.
-
-Wir glauben, daß daran kaum zu zweifeln ist. Zunächst jedoch wird
-man den Einwand erheben, daß beide schon deswegen nicht identisch
-sein können, weil der Prager Heinrich Parler in den Dombaurechnungen
-bereits am 19. September und am 3. Oktober 1378 erwähnt wird, während
-die Einweihung des Ostchores von St. Sebald erst am Sonntag nach
-Bartholomäi 1379 stattfand. Kann mit diesem Einwand an und für sich
-gar nicht bestritten werden, daß Heinrich Parler im Jahre 1379 wieder
-nach Nürnberg gezogen wäre, um an der Einweihungsfeier teilzunehmen
--- wir wissen, daß im Mittelalter Baumeister sowohl wie Steinmetze
-ihre Arbeitsstätten häufig wechselten --, so ist weiterhin zu betonen,
-daß die Anwesenheit des Baumeisters bei der Einweihung seines Werkes
-keineswegs erforderlich war. Der Ostchor von St. Sebald war als
-Bauwerk, wie wir oben gesehen haben, bereits 1372 in der Hauptsache
-vollendet; was die Einweihung hinausschob, war jedenfalls nur die
-noch zu leistende Fertigstellung oder Stiftung von Glasmalereien,
-Paramenten, Kirchengeräten usw. Der Baumeister hatte somit im Jahre
-1372 oder bald nachher seinen Auftrag erledigt, er konnte jetzt andere
-Arbeiten übernehmen, und zwar, wie wir vermuten, in Schwäbisch-Gmünd und
-Eßlingen, kam vor oder in dem Jahre 1378 wieder nach Nürnberg und wird
-dann noch in demselben Jahre wieder zu seinem Bruder nach Prag gewandert
-sein, um sich dort an der Weiterführung des Dombaues zu beteiligen.
-
-Man könnte weiterhin auffällig finden, daß der urkundlich in den Prager
-Dombaurechnungen erwähnte Heinrich Parler hier Heinrich Beheim Balier
-genannt wird. Die verschiedene Form des Wortes oder Namens Parler darf
-indessen keinen Anstoß erregen, denn es ist zur Genüge bekannt, daß
-im 14. Jahrhundert die Schreibweise der Familiennamen noch keineswegs
-fixiert, sondern ganz bedeutenden Schwankungen unterworfen war, so
-daß der Name Parler ebensogut durch Parlier, Parlierer, Palier,
-Balier ersetzt werden konnte. Aber auffällig erscheint der Zusatz
-Beheim. Beheim heißt nichts anderes als Böhmen und bezeichnet, als
-Beiname eines Personennamens gebraucht, die Herkunft der betreffenden
-Person. Unser Heinrich Balier wird demnach ausdrücklich als aus Böhmen
-kommend aufgeführt. Doch werden diese lokalen Beinamen nicht immer
-angewendet, in vielen Fällen nur zur Unterscheidung von anderen Personen
-gleichen Namens oder zur besonderen Hervorhebung. Es kann also, da zur
-Führung eines solchen Beinamens für den Träger von vornherein keine
-Verpflichtung bestand, dieselbe Person anderwärts ohne solche lokale
-Bezeichnung begegnen, und es dürfte somit mehr als wahrscheinlich sein,
-daß Heinrich Beheim Balier in Nürnberg so bezeichnet wurde, weil er zu
-der Zeit, als ihm der Bau des neuen Ostchores von St. Sebald übertragen
-wurde, aus Böhmen kam.[41] Heinrich Parler scheint nach der Mitte der
-fünfziger Jahre nach Prag gezogen zu sein, um bei seinem Bruder, Peter
-Parler, am Dombau und anderen Bauten Böhmens mitzuwirken. Und von
-Böhmen aus wird man ihn, vielleicht durch Vermittlung Kaiser Karls IV.,
-unter dessen Protektion ja die Nürnberger Frauenkirche in den Jahren
-1355-1361 erbaut wurde, nach Nürnberg berufen haben. Als Heinrich Parler
-in den siebziger Jahren wieder nach Böhmen und Prag zurückkehrte, war
-die Führung des Beinamens Beheim, welche in Nürnberg gerechtfertigt
-schien, gegenstandslos geworden, und so erscheint der Bruder des Prager
-Dombaumeisters in den dortigen Wochenrechnungen nur mehr als Henricus
-Parlerius.
-
-Die Identität zwischen dem Nürnberger Heinrich Beheim Balier und dem
-Prager Heinrich Parler scheint keinem Zweifel mehr zu unterliegen, der
-Erbauer des Ostchores von St. Sebald ist somit ein Bruder des berühmten
-Prager Dombaumeisters Peter Parler und ein Sohn des Meisters der
-Heiligkreuzkirche in Gmünd, Heinrich Parler.
-
-Wohl aber möchten wir Bedenken tragen, jenen Meister Heinrich von Gmünd,
-welcher in den Jahren 1381, 1384 und 1387 urkundlich als Baumeister des
-Markgrafen Jodok von Mähren in Brünn erwähnt wird, mit unserem Heinrich
-Parler zu identifizieren. Ein Beweis für stilistische Übereinstimmung
-der Werke der beiden Meister ist in der Kunstwissenschaft nicht erbracht
-worden. Aber abgesehen hiervon, schon die Verschiedenheit der beiden
-Namen läßt uns auf Verschiedenheit der Personen schließen; niemals
-findet sich bei Heinrich Parler der Zusatz »von Gmünd« und niemals
-bei Heinrich von Gmünd der Name Parler. Der Zusatz »von Gmünd« wäre
-ja an und für sich erklärlich, ja wir würden diese Bezeichnung, wenn
-sie dem Namen Heinrich Parler in den Dombaurechnungen beigegeben wäre,
-verständlich finden. Auffällig ist aber, daß die Bezeichnung »von
-Gemünd«, während sie hier gänzlich fehlt, erst mit dem Jahre 1384
-urkundlich auftritt. Kann somit also die Identität =dieser= beiden
-jüngeren Gmünder Meister Heinrich nicht als wahrscheinlich angesehen
-werden, so könnte man, zum Teil im Gegensatz zu den Vermutungen der
-mit dieser Frage beschäftigten Kunsthistoriker, wohl geneigt sein,
-anzunehmen, daß die beiden Heinrich von Gmünd, die zu wiederholten Malen
-und an verschiedenen Stellen erwähnt werden, ein und dieselbe Person
-bedeuten: der 1381, 1384 und 1387 als Heinrich von Gemunde oder Henricus
-de Gemunden lapicida in Brünn aufgeführte Meister wird der nämliche sein
-wie der von 1391-1392 ein halbes Jahr lang in Mailand am Dombau tätige
-Heinrichus da Gamundia oder Enrico da Gamondia.
-
-Andererseits aber hat die Annahme viel für sich, daß unser Heinrich
-Parler, der Erbauer des Ostchores von St. Sebald, auch der Schöpfer
-des Schönen Brunnens in Nürnberg gewesen sei, dessen Erbauung man wohl
-entgegen der neuerdings von Albert Gümbel aufgestellten Vermutung,
-wonach sie bereits in die sechziger Jahre des 14. Jahrhunderts fallen
-würde, wieder in die Zeit von 1385 bis 1395 wird setzen müssen.
-
-Die nahe stilistische Verwandtschaft dieses Bauwerks mit dem Ostchore
-von St. Sebald, die auch trotz des späteren Formcharakters -- es liegen
-ungefähr zwei Jahrzehnte zwischen den beiden Bauten -- anerkannt werden
-muß, spricht deutlich genug dafür.
-
-Mit einem Meister Heinrich dem Parlier, dessen Tätigkeit in Nürnberg wir
-von 1397 bis zu seinem 1430 erfolgten Tode verfolgen können, ist der
-Baumeister des Ostchores von St. Sebald und, wie wir annehmen wollen,
-Erbauer des Schönen Brunnens nach den Forschungen Gümbels indessen nicht
-zu identifizieren. Unser Meister Heinrich war zwar in den achtziger und
-neunziger Jahren noch mannigfach für den Rat tätig, starb aber bereits
-zu Anfang des 15. Jahrhunderts. Sein und seiner Familie Jahrtag wurde
-im Barfüßerkloster zu Nürnberg am 23. Juni begangen, wie ein Eintrag im
-Totenkalender des genannten Klosters bezeugt: F. 9 Calend. (Julii) Obiit
-Heinricus Barlierer Lapicida et Kunigundis Uxor et Anna filia, quorum
-m(emoria) h(abeatur).[42]
-
-Wir haben noch ein Wort über das Meisterzeichen unseres Heinrich Parler
-hinzuzufügen. Bekanntlich hat das Zeichen seines Bruders, des Prager
-Dombaumeisters, an dessen Porträtbüste im Triforium des Prager Domes die
-Gestalt eines gebrochenen Balkens oder eines Doppelwinkelhakens, also
-eine vom Nürnberger Meisterzeichen grundverschiedene Form. War es nun
-damals zulässig, daß zwei so nah verwandte Steinmetzmeister besondere,
-in gar keiner Beziehung zueinander stehende Zeichen führen konnten?
-Gewiß. Denn in der Form eines Steinmetzzeichens kommt nur das Verhältnis
-des Schülers zum Lehrer, aber nicht das Verhältnis von Verwandten zum
-Ausdruck. Hatte ein Steinmetz ausgelernt, so erhielt er von seinem
-Meister das Zeichen, das er dann unverändert beibehielt, ob er nun bei
-seinem ersten Meister blieb oder bei anderen Stellung fand oder selbst
-Meister wurde. Wir schließen daraus, daß die beiden Brüder Parler bei
-ganz verschiedenen Meistern ihre Lehrzeit absolvierten. Wer von den
-beiden bei seinem Vater auslernte oder ob überhaupt einer von beiden
-seinen Vater zum Lehrmeister hatte, läßt sich nicht mit Bestimmtheit
-nachweisen, da das Meisterzeichen des Vaters nicht bekannt ist. Hat
-einer von den beiden Brüdern in Gmünd ausgelernt, so scheint es eher
-Peter Parler gewesen zu sein. Denn nicht nur die Heiligkreuzkirche in
-Gmünd deutet in vielen Punkten auf den Kölner Dom, sondern auch in den
-Bauten des Peter Parler, im Prager Dom sowohl wie in den Kirchen von
-Kolin und Kuttenberg, spricht sich Kölner und speziell französische
-Bauweise aus. Im Ostchor von St. Sebald verrät sich jedoch mehr eine
-Verwandtschaft mit der Schwäbischen Schule im allgemeinen, insbesondere
-über Gmünd hinaus auch mit Eßlingen. Ja, die feinen Verzweigungen ließen
-sich noch weiter verfolgen, sie scheinen über Reutlingen hin nach
-Freiburg zu führen, von wo aus eine Reihe von Anregungen schon früher,
-nämlich bei Anlaß des Erweiterungsbaues der Seitenschiffe von St. Sebald
-und vor allem beim Bau der um die Wende des 13. Jahrhunderts begonnenen
-basilikalen Lorenzkirche, über deren Meister wir bisher gar nichts
-wissen, bezogen wurden.
-
-
- 3. Der Umbau der Türme. 1345, 1481-1484, 1489, 1490.
-
-Bereits zum Jahre 1345 berichten uns die Chroniken von baulichen
-Veränderungen, die damals an beiden Türmen (Abb. 28) vorgenommen worden
-seien. »Item anno domini 1300 und 45 jar«, so berichtet ein Chronist,
-»da pauet man den oberen [d. h. nördlichen] turen zu sant Sebolt, da kam
-zu dem dach 100 und 4 zentner und 79 lb zins und 37 zentner pleis«[43]
-und ferner heißt es: »Auch ist damals der ander turn gegen der Pegnitz
-[also der südliche Turm] verändert und dem andern gleich gemacht und zu
-dessen bedachung kommen 104 centner zinn und 87 centner blei«.[44]
-
-[Illustration: Abb. 27 und 27a und b. Baldachin am Ostchor.]
-
-Aus diesen chronikalischen Nachrichten geht zweifelsohne hervor, daß
-1345 mindestens eine neue Eindeckung der Turmdächer stattgefunden
-hat. Ob und inwieweit aber die oberen Stockwerke eine Abänderung oder
-Erhöhung schon 1345 erfuhren, ist mit Sicherheit aus diesen Notizen
-nicht zu entnehmen, und auch der Baubefund gibt dafür keinerlei
-Anhaltspunkte. Wohl wissen wir vom südlichen Turm, daß darin eine
-Wächterstube eingerichtet war[45], und ebenso vom nördlichen, daß in
-ihm von alters her die Glocken hingen, denn noch ist deutlich durch
-den Steinschnitt des Quaderbaues eine ehemals vorhandene breite Öffnung
-nachzuweisen, die nur, mit zwei freistehenden Säulen, eine dreiteilige
-Arkatur gebildet haben kann. Und irgendwelche weitergehende Schlüsse
-läßt auch die offenbar ungenaue Ausdrucksweise der Quellen -- man kann
-doch nicht eigentlich von dem »Bau« des oberen Turmes sprechen, wenn
-ein solcher fünf Stockwerke hoch bereits bestand -- nicht zu. Auch aus
-der Erwähnung nur eines Turmes in urkundlichen Nachrichten vor 1345[46]
-möchten wir nicht ohne weiteres folgern, daß einer der beiden Türme den
-andern das Stadtbild wesentlich mitbestimmend überragt habe, wenn man
-auch die Möglichkeit umfangreicherer Umbauten im Jahre 1345, wie gesagt,
-bestehen lassen muß. Die größere Wahrscheinlichkeit spricht auch hier
-meist für ungenaue Ausdrucksweise.
-
-Von dem Abschluß und der Bedachung der Türme der romanischen Kirche bis
-zum Jahre 1345 wissen wir demnach so gut wie nichts. Dagegen besitzen
-wir über das Aussehen der Helme, die eben im Jahre 1345 aufgesetzt
-worden waren, wenigstens ein leidlich zuverlässiges, allerdings nicht
-ganz zu deutendes Zeugnis in der Mitteilung des Nürnberger Patriziers
-Lazarus Holzschuher aus dem Anfang des 16. Jahrhunderts, in welcher
-er die alten Turmdächer der Sebalduskirche, wie sie noch vor 30
-Jahren bestanden hätten, mit Zinn weiß gedeckt sein läßt und sie
-ihrer Form nach mit »Pfifferlingen« vergleicht.[47] Wahrscheinlich
-wollte Holzschuher mit letzterer Bezeichnung nur sagen, daß die alten
-Turmhauben pilzförmig gewesen seien. An die eigentliche botanische
-Bedeutung des Pfifferlings als des Eierschwammes (cantharellus cibarius)
-wird er dabei schwerlich gedacht haben.
-
-Daß nun aber diese möglicherweise schon etwas erhöhten Türme durch die
-gewaltige Masse des hohen Ostchores, seitdem dieser 1379 vollendet
-worden war, in ihrer bisher das ganze Kirchengebäude beherrschenden
-Erscheinung stark beeinträchtigt wurden, ist wohl ohne weiteres klar.
-Das Mißverhältnis mußte um so mehr in die Augen fallen, als die
-Schwesterkirche von St. Lorenz mit ihren bereits in der ersten Hälfte
-des 14. Jahrhunderts vollendeten, in der Anlage nahe verwandten, 80 m
-hohen Türmen unwillkürlich zum Vergleich herausforderte.[V]
-
- [V] Dr. Hoffmann glaubte aus dem Wortlaute der Quellen und dem Befunde
- am Mauerwerk der Türme den Umfang der an den Türmen im Jahre
- 1345 vorgenommenen Bauarbeiten genauer bestimmen zu können und
- insbesondere schon für jene Zeit eine erstmalige Erhöhung des
- nördlichen Turmes um zwei Stockwerke annehmen zu müssen. Die
- Überarbeiter seines Manuskriptes vermochten den zur Stütze dieser
- Ansicht beigebrachten Gründen eine genügende Beweiskraft nicht
- zuzuerkennen.
-
-Allein bis zum Jahre 1481 hören wir hinsichtlich der Türme von St.
-Sebald lediglich zum Jahre 1361 von einer Neudeckung mit Zinn[48] und
-von Ausbesserungen an der Bedachung, die 1447 nötig wurden.[49]
-
-An eine weitere Erhöhung der Türme wagte man sich erst im letzten
-Drittel des 15. Jahrhunderts.
-
-Wir geben im nachstehenden zunächst die ausführlichen und gut in die
-Geschichte des Turmbaues einführenden Nachrichten Baaders (Beiträge 1,
-S. 54 ff.) im Wortlaute wieder:
-
-»Diese (Türme) waren ursprünglich ziemlich nieder, der Rat beschloß
-daher im Jahre 1481 die Erhöhung und den Umbau derselben. Die beiden
-Kirchenmeister Hans Haller und sein Nachfolger Sebald Schreier,
-unter welchem dieser Bau zu Ende geführt wurde, hatten die nächste
-Veranlassung dazu gegeben. Weil es aber an Mitteln fehlte, entlehnten
-sie für die Kirche mit Bewilligung des Rates 11,853 Pfund 4 Schilling
-und 4 Haller aus der Losungsstube (Finanzkammer); die übrigen Kosten
-sollten durch milde Beiträge gedeckt werden, die in der Tat auch
-reichlich flossen und von allen Ständen in Geld, Geschmeide, Gewand und
-unter gar verschiedenen Formen geleistet wurden.
-
-»Nachdem die Stadtwerkmeister und andere Bauverständige die Türme
-besichtigt, ihr Gutachten abgegeben und für ihre Mühe Wein, Käse und
-Brod erhalten hatten, begann man sogleich mit dem Abbrechen des gegen
-die Stadtwage zu gelegenen Turmes [des südlichen Turmes], dessen Stumpf
-einstweilen mit Schindeln gedeckt wurde.[50] Hierauf schrieb man dem
-Meister Heinrich Kugler, dem Steinmetzen von Nördlingen, daß er kommen
-solle, um mit ihm wegen Führung des Baues zu unterhandeln. Am 2.
-Dezember 1481 versammelten sich im Hause des Kirchenmeisters Hans Haller
-die Herren Ruprecht Haller, Pfleger der Kirche, Niklas Groß der ältere,
-Hans Tucher der ältere und Hans Volckamer, der Stadtbaumeister. Auch
-Meister Heinrich war erschienen; man kam mit ihm überein, daß er den Bau
-führe, wie ihm von den Herren fürgegeben werde, und daß er mit dem Lohne
-sich begnüge, den sie ihm zuerkennen werden. Der Kontrakt wurde an
-demselben Tage noch abgeschlossen und dem Meister Heinrich 4 fl. Leikauf
-gegeben, wovon er die Hälfte seinem Weibe geben soll.
-
-[Illustration: Abb. 28. Westansicht.]
-
-»Die Herstellung der nötigen Gerüste und alles Zimmer- und Dachwerkes
-wurde dem Meister Eucharius, dem Stadtzimmermann, übertragen, der zu
-diesem Zwecke vom Rat eigens beurlaubt wurde. Im Januar 1482 schickte
-man ihn nach Ulm, um den Zug zu besichtigen und kennen zu lernen, den
-man am Bau Unser Lieben Frauenkirche dortselbst in Anwendung brachte.
-Den Meister Hanns Pinz, Zimmermann zu Ulm, der wahrscheinlich der
-Erfinder des Zuges war, nahm Meister Eucharius mit sich nach Nürnberg,
-um auch hier den Zug zu dem Bau der Türme anzugeben und einzurichten.
-Während der nächsten Jahre herrschte bei diesem Zuge lebhafte Tätigkeit;
-dirigiert wurde er von mehreren Zimmergesellen.
-
-»=Turm der Stadtwage gegenüber.= Am 11. März 1482 fing Meister Heinrich
-Kugler mit dem Zuhauen und Herrichten der Steine an.[51] Er beschäftigte
-20 Steinmetzgesellen und darüber, deren jeder einen Taglohn von
-18-20 [Pfennig] und am Ende der Woche ein Badegeld erhielt.[52] Die
-Lehrgesellen erhielten des Tages nur 18 [Pfennig]. Der Wochenlohn des
-Meisters Heinrich betrug 5 Pfund alt. Am Freitag nach Kiliani (12. Juli)
-fing man an zu mauern; an diesem Tage wurden die ersten zwei Steine
-auf den Turm gelegt. Die große Anzahl der Arbeiter und der rege Eifer,
-der bei dem ganzen Baue herrschte, machten es möglich, daß man schon
-am 23. Oktober 1482 den letzten Stein legen konnte und Ende dieses
-Monates das Steinwerk des Turmes in der Hauptsache vollendet war. Der
-Steinmetzgeselle Hans von Langheim zeichnete sich bei dieser Arbeit
-besonders aus; dafür erhielt er aber auch ein besonderes Trinkgeld.
-
-»Während die Steinmetzen an dem Steinwerk des Turmes arbeiteten,
-beschäftigte sich Meister Eucharius mit seinen Zimmerleuten an der
-Herstellung des Zimmerwerkes und Daches. Am 26. Mai 1483 stellten
-sie die ersten Sparren zu der Dachung und Spitze des Turmes auf. Die
-Sparren waren 70 Stadtschuh hoch; die Höhe der Stange oder des Spießes
-oberhalb der Sparren betrug 20 Stadtschuhe; von dem Ende der Sparren
-bis an den Knopf waren 9 Stadtschuhe und 6 Zoll und von dem Knopf bis
-an die Fahne 5 Stadtschuhe und 4-1/2 Zoll. Die Zimmergesellen erhielten
-20-24 [Pfennig] Taglohn und, wenn sie recht gefährliche Arbeit in der
-Höhe verrichteten, noch 4 [Pfennig] Zulage. Am 10. Juni 1483 wurde dem
-Turm der Knopf aufgesetzt. Dieser war 2 Stadtschuh und 2-1/2 Zoll hoch
-und 8 Stadtschuh und 8 Zoll weit. Verfertigt wurde er durch Niklas
-Gnotzhamer und vergoldet durch den Goldschmied Erhard Hupfauf, der 80
-Dukaten oder (3 Dukaten zu 4 Goldgulden gerechnet) 106 fl. 5 Pfund und
-18 [Pfennig] neu oder 896 Pfund alt dazu verwendete. Ich vermute aber,
-diese Summe sei für die Vergoldung beider Turmknöpfe und nicht bloß des
-einen verwendet worden. Am 7. Juli wurde die Fahne aufgesteckt; sie war
-von Kupferblech, 2 Stadtschuh und 11 Zoll hoch und 3 Stadtschuh und 11
-Zoll breit und wog mit dem Eisenwerk 39 Pfund. Gemalt hatte sie der
-Meister Ulrich Pildschnitzer, Maler; für das Malen derselben und für
-das Anstreichen des Eisenwerkes und der Fenster bei der Schlagglocke
-erhielt er 40 Pfund Pfennig alt. Dann ging es an die Herstellung der
-Türmerstube, und da kamen die Kleibergesellen, die den Boden, den
-kupfernen Ofen und die Fenster mit Lehm verkleibten und verstrichen,
-und die Tünchergesellen, die da tünchten und Estrich schlugen; deren
-jeder erhielt 24 [Pfennig] Taglohn und am Ende der Woche ein Badgeld.
-Die Türmerstube erhielt 8 neue Rahmen. Das Paar kostete 1 Pfund 15
-[Pfennig]. In den Rahmen waren 433 neue und 70 alte Fensterscheiben;
-hierfür erhielt der Glaser 28 Pfund alt. Der Turm war sohin fertig bis
-auf das Decken.
-
-»=Der Turm St. Moritzen-Kapellen gegenüber= (=nördlicher Turm=). Nachdem
-der der Stadtwage gegenüber gelegene Kirchturm im Steinwerk fertig
-war, kamen am 10. November 1482 Sebald Schreier, Kirchenmeister,
-Niklas Groß, Hans Tucher und Hans Volckamer in Ruprecht Hallers, des
-Kirchenpflegers, Haus abermals zusammen, um mit Meister Heinrich Kugler
-auch wegen Erbauung des anderen Turmes Moritzen-Kapellen gegenüber zu
-unterhandeln. Die Bedingungen waren dieselben wie beim ersten Turm;
-sie wurden von Meister Heinrich auch ebenso angenommen. Bei dieser
-Gelegenheit wurde auch eine Irrung zwischen Meister Heinrich und seinem
-Parlierer Ulrich Speidel beigelegt und ausgesprochen, daß Meister
-Heinrich Gewalt haben solle, die Steinmetzgesellen aufzunehmen und zu
-entlassen, und auch sogar dem Parlierer selbst den Abschied zu geben,
-letzteres jedoch nur mit Wissen eines Rates. Der Parlierer erhielt den
-Taglohn eines Gesellen, aber alle Quatember noch eine Liebung von 16
-Pfund alt. Speidel erkrankte übrigens am Montag nach St. Margareta; am
-Pfintztag (Donnerstag) danach war er schon eine Leiche. Er starb an der
-Pest, die damals regierte. An seiner Stelle nahm Meister Heinrich den
-Hans Karter als Parlierer auf.
-
-»Am 7. April 1483 wurde mit dem Abbrechen des Turmes begonnen; neun
-Wochen später, am 16. Juni, konnte man schon den ersten Stein auf das
-alte Gemäuer setzen. Nach drei Monaten, am 24. September, war das
-Mauerwerk hergestellt. Mit dem Aufstellen des unterdessen hergerichteten
-Zimmerwerks begann man am 3. November 1483. Am 5. Dezember wurde sodann
-der Knopf und danach auch die Fahne aufgesteckt. Die Stiegen, Portale,
-Geländer und Gänge an beiden Türmen wurden während der nächsten drei
-Jahre gemacht.
-
-»=Das Decken beider Türme.= Um sie dauerhaft und gut decken zu lassen,
-ließ man den Meister Stephan Kaschendorfer von Dresden kommen, damit
-er dem Meister Christoph Lilgenweiß Unterricht im Decken erteile.
-Nachdem dies geschehen und Meister Stephan für seine Mühe reichlich
-belohnt worden, übertrug man am 27. April 1483 das Decken des Turmes der
-Wage gegenüber dem Meister Christoph Lilgenweiß, der mit dem nötigen
-Zinn, womit die Türme gedeckt wurden, und mit allem Zeug von dem
-Kirchenmeister versehen wurde und für das Gießen eines jeden Zentners
-Zinn 1 fl. erhielt. Als der Turm im Laufe des Jahres 1483 vollständig
-gedeckt war, wurde ihm am 4. März 1484 auch das Decken des mittlerweile
-fertig gewordenen Turmes St. Moritzen-Kapellen gegenüber übertragen.
-Vor Ablauf des Jahres war auch dieser gedeckt. Man verwendete entweder
-Eberstorfer, Löwensteiner oder Seifenzinn; von den beiden ersteren
-kostete der Zentner 8 fl., von letzterem 10 fl. Auch englisches Zinn
-wurde verwendet. Aber die Arbeit war schlecht geraten und der Guß der
-Zinntafeln und Tonnen ungleich; sie zersprangen allenthalben und ließen
-den Regen eindringen. Man schrieb die Schuld teils dem Meister Stephan
-Kaschendorfer, der über das Gießen und Decken nicht gehörig Aufschluß
-gegeben, insbesondere aber dem Meister Christoph Lilgenweiß zu, der
-mit Unfleiß, Verwahrlosung und Untreue umgegangen, indem er Zinn beim
-Decken abgetragen und entwendet und dieses Material mit Blei vermischt
-und geringert und so den Eid verletzt habe, den er bei der Übernahme
-der Arbeit geschworen. Der Wert des Zinnes, das er bei dem ersten Turm
-abhändig gemacht, betrug 142 fl., bei dem zweiten über 278 fl. Er wurde
-deshalb im Jahre 1485 ins Lochgefängnis gelegt und mit ernstlicher Frag
-(Tortur) angegriffen. Er bekannte aber nur 56 fl. Als Fürbitten von
-Bamberg und anderen Orten bei dem Rat für ihn einkamen und sein Vater,
-der Lilgenweiß von Bamberg, und seine Hausfrau Anna die Zahlung obiger
-56 fl. verbürgten, ließ man ihn los, weil man damals noch keine Kenntnis
-hatte von dem großen Schaden, den er der Kirche zugefügt und der erst
-später sichtbar wurde. Als er aber vernahm, daß die Türme wieder ab-
-und von neuem gedeckt werden sollen, ergriff er die Flucht, weil er die
-Entdeckung seiner großen Untreue befürchtete.
-
-»Am 15. Juli 1489 wurde beschlossen, die Türme durch Meister Ulrich
-Hübner, Büchsenmeister von Bamberg, neu decken zu lassen. Zuerst deckte
-er den Turm der Wage gegenüber. Das nötige Zinn und was er sonst nötig
-hatte, das Werkzeug ausgenommen, erhielt er von dem Kirchenmeister
-Sebald Schreier, der ihn für das Gießen eines jeden Zentners und für
-das Decken 2 Pfund neuer Haller bezahlte. Die Kosten für das Decken
-dieses Turmes betrugen 1406 Pfund und 4 Schilling Haller neuer Währung
-oder (den Gulden zu 2 Pfund 1 Schilling 8 Haller neu oder 8 Pfund 10
-[Pfennig] alt gerechnet) 674 fl. rhein., 19 Schilling 6 Haller in Gold.
-An Zinn und Blei wurden 4907 Pfund verwendet.
-
-»Da die Arbeit des Meisters Ulrich befriedigte, übertrug man ihm im
-Jahre 1490 auch das Decken des anderen Turmes, bei welchem sich die
-Kosten nur auf 310 Pfund 18 Schilling 8 h. oder 149 fl. 5 Schilling in
-Gold beliefen.«
-
-Soweit Baaders Nachrichten, welche aus den Baurechnungen gezogen sind.
-Demnach war der 1481 oder richtiger im Frühjahr 1482 begonnene Neubau
-einschließlich Bedachung -- abgesehen von der Neudeckung 1489 und 1490
--- im Herbst 1484 vollendet. Kleinere Arbeiten, wie Einrichtung der
-Holztreppen, Fertigstellung der Türen, Geländer und Gänge an beiden
-Türmen, nahmen noch die Jahre bis 1486, nach anderen bis 1485 in
-Anspruch.[53] 1496 sollen die »beiden zierlich durchbrochenen Gänge,
-welche man aber 1577 wieder neu bauen mußte, gemacht« worden sein[54],
-wofür ein urkundlicher Beleg jedoch nicht bekannt ist. Möglich, daß
-durch den 1494 erfolgten Aufzug der Viertelstundenglocke die Galerie
-beschädigt oder, um den Aufzug zu bewerkstelligen, absichtlich teilweise
-beseitigt wurde, was 1496 eine umfassende Reparatur erfordert hätte.[55]
-Jedenfalls hätte es sich dann nur um den südlichen Turm, in dessen
-oberem Helmdurchbruch die Glocke aufgehängt wurde, handeln können.
-
-Die Erhöhung der Türme bezog sich hauptsächlich auf den Aufbau neuer
-Glockenstuben mit weiten Schallfenstern, die ohne Verjüngung beiderseits
-auf die unteren Stockwerke aufgesetzt wurden. Die an jeder Seite der
-Türme angebrachten doppelten Schallfenster werden je durch ein weites
-und hohes Blendfenster mit drei senkrechten Stäben zusammengefaßt. Die
-Spitzbögen der eigentlichen Schallfenster füllt einfaches Maßwerk,
-Leibungen und Stäbe der Blende sind in schlichter Weise profiliert. Die
-Wände sind vollständig glatt behandelt, es fehlen also auch die Lisenen,
-welche am nördlichen Turm bis an das Gesims des sechsten Stockwerkes
-hinaufreichen. Unter dem oberen Abschluß dieses Stockwerkes zieht
-sich, ohne Abwechslung der Motive, ein Bogenfries hin, dessen Spitzen
-Knospenornamente zieren.
-
-Darüber erhebt sich, durch eine aus zwei Hohlkehlen bestehende
-Profilierung wenig über die Mauerflucht hervorragend, eine Kranzgalerie
-(Abb. 29), in Herzblattmuster durchbrochen gearbeitet. Das siebente,
-ebenfalls quadratische aber engere Stockwerk über der Plattform, ist
-wiederum glatt behandelt und hat jeweils in der Westseite eine Türe,
-durch welche man auf den schmalen Gang gelangt, und außerdem auf jeder
-Seite zwei kleine viereckige Fenster. Der obere Teil dieses siebenten
-Stockwerkes wurde im südlichen Turm als Wächterwohnung eingerichtet. Ein
-Fries, ähnlich dem des sechsten Stockwerkes, schließt das Mauerwerk ab.
-Die schlanken Turmhelme setzen viereckig an und gehen durch Teilung der
-Kanten und Brechung derselben in ein gleichmäßiges Achteck über; der
-südliche Helm ist zweimal durchbrochen, zur Aufnahme der Stundenglocke
-unten und der Viertelstundenglocke oben. Knopf und Fahne bekrönen das
-Ganze.
-
-Einen Anspruch auf künstlerische Bedeutung können die Türme auch in
-ihren neuen Bauteilen nicht erheben. Gerade in den beiden Türmen mit
-ihrer einfachen, schlichten Behandlung kommt eben eigentlich so recht
-die Einfachheit und zugleich auch Nüchternheit der Nürnberger Gegend zum
-Ausdruck. Hier unterscheidet sich die Kirche St. Sebald nur wenig von
-den Bauten der Nachbarorte, denn weder das nördliche Bayern, noch das
-angrenzende östliche Franken hat Kirchtürme aufzuweisen, welche sich
-besonderer Schönheit erfreuen. Am nächsten verwandt mit den Türmen von
-St. Sebald ist der Turm der Stadtpfarrkirche in Schwabach.
-
-[Illustration: Abb. 29. Oberer Teil des nördlichen Turms.]
-
-Der Baumeister der neuen Turmteile war Heinrich Kugler von Nördlingen.
-Dort hatte er 1480 das Amt eines Kirchenbaumeisters bei St. Georg
-übernommen und in der Zeit bis 1494, wo er wegen Krankheit seine Stelle
-niederlegen mußte, in der Hauptsache den oberen Teil des mächtigen
-Turmes und die Pfeiler im Chore gebaut; die kriegerischen Verwicklungen
-der Reichsstadt mit Herzog Georg von Niederbayern-Landshut und
-insbesondere die Beurlaubung nach Nürnberg zum Ausbau der Türme von
-St. Sebald[56] hinderten ihn, am Bau von St. Georg in dieser Zeit mehr
-auszuführen. Übrigens käme für einen kunstkritischen Vergleich doch
-eigentlich nur der obere Teil des Nördlinger Turmes in Betracht; allein
-aus dem kleinen von Kugler ausgeführten Stück, dem achteckigen Teil über
-der zweiten Galerie, lassen sich keine Schlüsse auf die Türme von St.
-Sebald ziehen, um so weniger, als Kugler dort genau wie bei St. Sebald
-durch die Höhe der vorhandenen Türme für den Weiterbau bereits gebunden
-war und außerdem die im Gutachten des früheren Baumeisters Ensinger
-gegebenen Direktiven einzuhalten hatte.[57]
-
-Endlich ist für den Bau der Türme noch ein Aufriß in sauberer
-Federzeichnung von Interesse, der sich im Archiv der Oberen Pfarrkirche
-zu Ingolstadt befindet. Er stellt im Maßstab 1 : 20 den oberen Teil
-eines Turmes dar, der im wesentlichen mit den Glockenstuben von St.
-Sebald übereinstimmt und mit Wahrscheinlichkeit als ein Werkriß
-des Meisters Heinrich Kugler betrachtet werden darf. Die großen
-Schallfenster mit ihrer Verblendung stimmen fast genau mit den
-ausgeführten Fenstern überein, nur die Strebepfeiler an den Ecken sind
-weiter geführt und endigen etwa in der Mitte des sechsten Stockwerks mit
-Fialen und Kreuzblumen. Das siebente Stockwerk jedoch ist vollständig
-anders geplant. Nur wenig schmäler als das sechste steht es mit diesem
-durch ein kräftig profiliertes Gesims in Verbindung und hat erst zu
-oberst eine Kranzgalerie, so daß der Turmhelm ohne jede Vermittlung
-auf der Plattform aufsitzt, aber ebenfalls einen schmalen Gang
-freilassend. Das durchbrochene Motiv der Galerie sowie der Bogenfries
-unterhalb derselben, ferner Form, Größe und Anordnung der Fenster der
-Türmerwohnung sind die gleichen wie am ausgeführten Bau. Wie dieser
-Aufriß in das Archiv der Oberen Pfarrkirche (oder Frauenkirche) zu
-Ingolstadt gelangt ist, muß vorerst noch unaufgeklärt bleiben. Da er
-sich zwischen den Bauplänen des Ulrich Heydenreich, Baumeisters zu Unser
-Schönen Lieben Frauen in Ingolstadt, erhalten hat, kann man vermuten,
-daß Heydenreich, als er gegen Ende des Jahrhunderts die schwäbischen
-Städte besuchte und ihre Kirchen und insbesondere Türme aufnahm, jenen
-Riß von seinem Kollegen Heinrich Kugler geschenkt bekommen und mit nach
-Ingolstadt gebracht habe.
-
-Uns aber kann ein Vergleich des Aufrisses mit dem vollendeten Bauwerk
-lehren, welche Umänderungen die ursprünglichen Bauabsichten noch während
-der Ausführung erfahren haben, ein Einblick in die Tätigkeit des
-Architekten, wie er uns, soweit es sich um die Zeiten des Mittelalters
-handelt, nur selten möglich ist.
-
-[Illustration: TAFEL X. Innenansicht vom Ostchor gegen das nördliche
-Seitenschiff.]
-
-
-
-
- III.
-
- Die Restaurierungen der Kirche.
-
- 1. Die Restaurierungen der Kirche bis zur Neuzeit.
-
-
-Bei einem so umfangreichen Bauwerke wie die Kirche St. Sebald wurden
-natürlich im Laufe der Zeit eine Reihe von größeren und kleineren
-Reparaturen, namentlich am Außenbau, erforderlich. Verschiedene
-Veränderungen sind auch ein Produkt der veränderten Bedürfnisse oder des
-veränderten Zeitgeschmackes.
-
-Die erste beglaubigte Restaurierung im Innern wurde 1493 vorgenommen:
-»do wart die kirchen zu sant Sebolt geweist und verneut inwendig und
-wurd fertig auf sant Seboltz tag«.[58]
-
-Nach der Stärke und Beschaffenheit der Tünche zu schließen, welche
-die Wände bis zur letzten Restaurierung überzog, wurde die Ausweißung
-öfter wiederholt, möglicherweise auch gelegentlich der Ende der
-fünfziger und Anfang der sechziger Jahre des 17. Jahrhunderts betätigten
-Barockausstattung.
-
-»Im Jahre 1515 erlaubte der Rat dem Michel Beheim, der Cramer Kapellen
-in St. Sebalds Kirchen am Gewölb und an den Fenstern und Altartafeln
-restaurieren zu lassen. Doch durfte er sein Wappen nirgends anbringen
-und mußte er die alten Wappen stehen lassen.«[59] Gemeint ist
-wahrscheinlich die Pömerkapelle zwischen der südlichen Sakristei und der
-Dreikönigstüre.
-
-1657 und in den folgenden Jahren wurde das Innere der Kirche von dem
-Tünchermeister Jakob Fuchs nach dem Muster des Bamberger Domes --
-Tüncher und Steinmetzen erhielten für die Reise dorthin zusammen 6
-fl. -- renoviert, und zwar einschließlich der »damaligen Porkirchen«
-(wahrscheinlich der Engelschor) und der beiden Sakristeien. Akkordiert
-war die Summe von 900 fl. Über die Art und Weise der Renovierung,
-soweit sie die Architektur betrifft, erhalten wir keinen Aufschluß,
-auch führt ein Vergleich mit dem Bamberger Dom zu keinem Ergebnis, da
-das Innere desselben unter König Ludwig I. von allen späteren Zutaten
-»gereinigt« wurde. Nur folgende Angaben aus der erhaltenen Rechnung
-sind von Interesse: im Jahre 1657 u. ff. wurde außerdem noch renoviert
-(von verschiedenen Meistern) innen in der Kirche ... unter der Kanzel
-gepflastert (fl. 1·40), Fledermäuse über dem Gewölbe weggeschafft,
-Gemälde »oben an dem Gewölb des Chors« (6 fl.) etc.[60] Aus dem
-letzteren Posten geht hervor, daß die Gewölbe des Ostchores, denn nur
-dieser kann gemeint sein, mit Malereien wahrscheinlich aus der Zeit der
-Erbauung ausgestattet waren. Die letzte Restaurierung hat denn auch eine
-reiche Polychromie der Schlußsteine und eine Bemalung der anstoßenden
-Rippen aufgedeckt.
-
-Eine besonders umfangreiche Erneuerung erfuhr 1657 die Innenausstattung
-der Kirche (Abb. 30). Sie bezog sich vor allem auf die Neuherstellung
-von Altären und der Kanzel sowie der beiden Orgelemporen im Querschiff.
-Außerdem wurden damals im Mittelschiff in der Höhe der Triforien und im
-nördlichen Seitenschiff hölzerne Emporen angebracht. Auf Einzelheiten
-dieser Erneuerung wird bei der Behandlung des Inventars zurückzukommen
-sein.
-
-Soweit die Nachrichten über die Restaurierungen im Innern.
-
-Bei einigen von den zahlreichen Veränderungen am Außenbau wurde
-durch die letzte Restaurierung der ursprüngliche Zustand, so gut es
-eben möglich war, wieder hergestellt. So mußten in erster Linie die
-beiden Dachwerkanbauten auf den Seitenschiffen an der Westwand des
-Ostchores weichen, in welchen die Blasbälge für die beiden 1443 und
-1447 errichteten Orgeln auf den Ostchoremporen untergebracht waren. Zur
-Zierde des Ganzen hatten diese Anbauten nicht gereicht.
-
-Die älteste Gestalt der gotischen Seitenschiffdächer war die, daß an
-ein ziemlich flaches, bis an den unteren Rand der Hochschiffsfenster
-heranreichendes Pultdach von den Wimpergen der Seitenschiffe aus
-Giebeldächer anstießen. In späterer Zeit waren die Giebeldächer mitsamt
-den Wimpergspitzen und der Galerie beseitigt und das Pultdach steiler
-gelegt worden, so daß die reiche Dachbildung, die im Verhältnis zu der
-mannigfaltigen Gliederung der Wände der Seitenschiffe stand, verloren
-ging und die unteren Partien der Hochschiffsfenster zugemauert werden
-mußten, was für den Innenraum des Langhauses einen beträchtlichen
-Entgang an Licht bedeutete. Dieser Übelstand wurde durch die letzte
-Restaurierung infolge Tiefer- oder Flacherlegung des Pultdaches und
-Herausnahme der Fenstereinmauerungen behoben. Die Wimpergspitzen und die
-Galerie wurden erneuert, Giebel- oder Kapellendächer gelangten jedoch
-nicht zur Wiederherstellung.
-
-Nach der Vollendung des Ostchores zählte die Kirche sechs Eingänge:
-die zwei romanischen Turmportale, im Westen, je zwei an der Nord- und
-an der Südseite, die Anschreibtüre und die Ehtüre, diesen entsprechend
-die Schultüre und die Dreikönigstüre. Im Jahre 1480 wurde, aus welchem
-Bedürfnis ist nicht bekannt, in der Südwand des Ostchores gegenüber
-der Schau unter dem Behaimschen Fenster eine niedrige Türe mit flachem
-Bogen und ohne Profilierung des Rahmens, nur mit Abschrägung der
-Kanten, ausgebrochen. Drei Stufen führen zu derselben hinauf. Wegen des
-gegenüberliegenden öffentlichen Gebäudes wurde sie Schautüre genannt.[61]
-
-Am 20. November 1490 kam in früher Morgenstunde in der Wächterstube
-des südlichen Turmes Feuer aus. Einen größeren Umfang scheint dasselbe
-nicht angenommen zu haben, denn bauliche Veränderungen, die auf einen
-Brandschaden zurückzuführen wären, sind am Turm nicht wahrzunehmen. Es
-wird also nur ein Zimmerbrand gewesen sein.[62]
-
-Wie bereits hinlänglich bekannt, mußte die Galerie des Ostchores 1561
-wegen Baufälligkeit abgenommen werden. Am 27. Mai nahmen im Auftrag des
-Rates der städtische Baumeister Joachim Tetzel und vier Handwerksmeister
-eine eingehende Besichtigung des Umganges vor und erstatteten hierüber
-in einem ausführlichen Gutachten Bericht (vgl. Beilage 36). Danach sei
-die ganze Galerie durch die Einwirkung des Regen- und Schneewassers
-gleichsam zerfressen, insbesondere das die Galerie tragende Gesims,
-so daß einzelne Stücke, vor allem die ebenfalls stark beschädigten
-Wasserspeier, herabzufallen drohten. Eine Ausbesserung, von der man
-sich aber nicht viel versprechen könne, würde auf etwa 5000 fl. zu
-stehen kommen. Man halte die Abtragung der Galerie, die Deckung des
-Umganges mit Dachziegeln und die Anbringung kupferner Dachrinnen für
-die geeignetsten Maßnahmen. Dem Antrag entsprechend wurde beschlossen
-und gehandelt. Und so verschwanden nach nicht ganz 200jährigem Bestehen
-die Galerie, die Wimperge der Fenster, soweit sie den Dachrand
-überragten, die Fialen der Strebepfeiler und die vielen Wasserspeier,
-welche zusammen eine prächtige Bekrönung des Chores gebildet hatten,
-hinter der bei größeren Festlichkeiten, vornehmlich bei Einzügen von
-Fürsten, die Stadtpfeifer und -trompeter gar feierlich herabbliesen.
-Daß es sich damals nur um die Galerie des Ostchores und nicht auch um
-die der Seitenschiffe handelte, ist aus einer Angabe des vorerwähnten
-gutachtlichen Berichtes zu schließen, wonach die Länge der Galerie 333
-Stadtschuh, also genau dem Umfang des Ostchores entsprechend, abgesehen
-von der Westwand desselben, betragen hat.[63]
-
-[Illustration: Abb. 30. Inneres der Sebalduskirche. Ausschnitt aus dem
-Kupferstiche von J. A. Graff. 1694.]
-
-In den Jahren 1571 bis 1647 wurden eine Anzahl Reparaturen am südlichen,
-dem sogenannten Schlagturm vorgenommen. 1571 fand eine Besichtigung der
-Kranzgalerie, die infolge Baufälligkeit das Schicksal der Ostchorgalerie
-teilen sollte, statt. Einige Jahre darauf, vielleicht 1577, wurde auf
-ein ausführliches fachmännisches Gutachten hin, welches zugleich ein
-kurzes Projekt der Restaurierung enthielt und dem ein Plan der Galerie
-beigegeben war, dieselbe erneuert, und zwar genau im ursprünglichen
-Stilcharakter. Die beabsichtigte Aufsetzung von Kugeln auf den Ecken
-des Geländers scheint unterblieben zu sein. Die übrigen Renovierungen
-beziehen sich meist auf das ruinös gewordene Zinndach. 1591 wurde der
-schlechte Zustand desselben zum ersten Mal festgestellt. 1609, 1613 und
-1616 folgten weitere Besichtigungen und Ausbesserungen. Schließlich,
-1647, blieb nichts anderes übrig, als eine Neubedachung vorzunehmen,
-und da man mit dem Zinn so schlechte Erfahrungen gemacht hatte, wurde
-Kupfer gewählt. Seitdem besteht an dem Turmpaar von St. Sebald ein für
-das ganze Stadtbild charakteristisch gewordener Farbenkontrast, der
-nördliche glatte Turmhelm zeigt sich in dem matten Grau des Zinnes, der
-südliche durchbrochene in der grün schimmernden Patina des oxydierten
-Kupfers.[64]
-
-Samstag den 3. August 1754 schlug ein »Donnerwetter« in die Kirche
-St. Sebald, und zwar ein »Feuer-« und ein »Wasserstrahl«. Der erstere
-fuhr durch das Dach des Langhauses »gegen den Milchmarkt über« auf das
-darunter befindliche Dach »auf den Boden, wo man in die kleine Orgel
-gehet«, und zündete einen Querbalken an. Der Brand wurde sofort bemerkt
-und gelöscht. Der »Wasserstrahl« ging durch das Langhaus bei den Türmen,
-eine »ziembliche« Anzahl Ziegel erschlagend, auf das Dach direkt über
-der Löffelholzkapelle, wo die Türmer Holz und Späne liegen hatten,
-und wo er mehrere Dachsparren völlig zerschmetterte. Die entstandenen
-Dachöffnungen wurden aus eigener Initiative des Almosenamtes noch am
-selbigen Abend mit Ziegeln zugedeckt. Die erforderlichen Ausbesserungen
-waren für den Bau selbst nicht von Belang.[65]
-
-Wie beim südlichen Turm so mußte man auch beim nördlichen Turm die
-schädlichen Folgen einer schlechten Zinnbedachung erfahren. Hier
-bedurfte aber nicht allein die Bedachung, sondern der ganze Dachstuhl
-des spitzigen Helmes einer Erneuerung. Für die neue Bedachung wurde
-nicht wie 1647 beim anderen Turm Kupfer, sondern wieder Zinn in starker
-Vermischung mit Blei gewählt. Die Restaurierung nahm die Jahre 1768 und
-1769 in Anspruch und erforderte einen Kostenaufwand von über 5500 fl.
-Die Einzelheiten sind aus der Beilage 38 ersichtlich.
-
-1805 wurde die Fahnenstange auf dem südlichen Turm wiederholt
-ausgebessert. Die zur Vornahme der geringfügigen Ausbesserung notwendige
-Rüstung des Helmes kostete 361 fl. 20 kr.[66]
-
-Die 1647 in Kupfer ausgeführte Neubedachung des südlichen Turmes
-wurde 1807 an mehreren Stellen ausgebessert, wobei die abgenommenen
-schadhaften Kupferplatten für Reparatur eines Braukessels im
-Weizenbierbrauhaus Verwendung fanden.[67]
-
-Aus dem Vorausgehenden ist ersichtlich, daß wesentliche Veränderungen am
-Bau von St. Sebald, wie ihn das Mittelalter der späteren oder neueren
-Zeit überliefert hat, nicht vorgenommen wurden, obwohl sich schon
-früh genug die Wahl weichen Steinmaterials für ornamentale Teile oder
-architektonische Zierglieder gerächt hatte. Es darf dieser Umstand
-vielleicht als ein Glück bezeichnet werden. Denn spätere Umbauten im
-Renaissance-, Barock- oder Rokokostil, wie sie sich so häufig in den
-katholisch gebliebenen Gegenden vorfinden, würden, selbst wenn sie zu
-den hervorragendsten Leistungen zu zählen wären, nur den Bau seiner
-ursprünglichen künstlerischen Feinheiten und einer Reihe kostbarer
-historischer Erinnerungen beraubt haben; das mittelalterliche Leben,
-das noch aus allen Ecken und Winkeln der Kirche atmet und ein mächtiger
-Zeuge der früheren politischen Höhe Nürnbergs ist, wäre zerstört. Der
-Gegenwart war es vorbehalten, das schadhaft gewordene Bauwerk durch eine
-gründliche Restaurierung in seinem alten Glanze wiederherzustellen.
-
-Wir lassen nun eine Würdigung der 1906 beendeten Restaurierung folgen
-nebst den ausführlichen Berichten der Bauleitung.
-
-
- 2. Das Restaurierungswerk der Neuzeit. 1888-1906.
-
-Die im vorausgehenden Kapitel behandelten, in der Zeit vom 16.
-bis zum beginnenden 19. Jahrhundert an der Kirche vorgenommenen
-Ausbesserungen, amtlich »Reparaturen« genannt, waren in der Regel
-untergeordnete Instandsetzungsarbeiten an schadhaften Stellen des Baues.
-Die Architektur als solche blieb unangetastet, wenn sie auch noch so
-restaurierungsbedürftig erschien.
-
-So ist die Kirche St. Sebald, zwei kleine Anbauten an der Giebelseite
-des Ostchores und die Steilerlegung der Seitenschiffdächer ausgenommen,
-in ihrer äußeren Erscheinung in der Gestalt der Spätzeit des 15.
-Jahrhunderts fast unverändert auf uns gekommen. Dagegen war der
-Erhaltungszustand des Baues der denkbar schlechteste. Bei dem weichen
-Steinmaterial, das man für das ganze Mauerwerk und auch für die
-feinen Zierglieder der Hoch- und Spätgotik verwendet hatte, konnte
-die Zeit bald und ausgiebig mit ihrer Zerstörungsarbeit beginnen, so
-daß die Kirche zuletzt, verwildert und verstümmelt, den Anblick einer
-Ruine gewährte (Abb. 31). Dazu kam, daß die an dem ursprünglichen
-romanischen Baukörper nach und nach vorgenommenen Umbauten jedesmal
-einen empfindlichen Eingriff in den konstruktiven Organismus bedeuteten,
-der Verschiebungen und Schwächungen der einzelnen Mauerteile zur Folge
-haben mußte. Der Zustand des Verfalls war allmählich in ein bedenkliches
-Stadium getreten. Eine durchgreifende Wiederherstellung war nicht länger
-aufzuschieben.
-
-Die Verwaltung des vereinigten protestantischen Kirchenvermögens,
-die Eigentümerin des Bauwerkes, erkannte diese Notwendigkeit und
-ging energisch zu Werke. Eine Menge langwieriger Vorarbeiten war zu
-erledigen, so daß von dem ersten Entschluß bis zur Inangriffnahme
-der Wiederherstellung eine geraume Zeit verstrich. Man war auf
-das bereitwillige Entgegenkommen und die emsige Mitarbeit der
-verschiedensten Faktoren angewiesen. Denn weder der Umfang und die
-Zeitdauer der Restaurierung, noch die Höhe der entstehenden Kosten
-konnten trotz Untersuchungen, Gutachten und Voranschlägen genau bestimmt
-werden. Insofern aber sah die Kirchenverwaltung dem Zustandekommen des
-Unternehmens mit Zuversicht entgegen, als sie wußte, daß hinter ihr ein
-auf die Erhaltung seiner historischen Kunstschätze bedachtes Bürgertum
-stand, welches dem Aufruf zur Instandsetzung des bedeutenden Baudenkmals
-und der dort aufgespeicherten Schätze opferwillig Folge leistete.
-
-[Illustration: Abb. 31. Ostchorpartie vor der Restaurierung.]
-
-Ein eigens für die Restaurierung der Kirche gegründeter Verein machte
-sich ausschließlich die Beschaffung der erforderlichen Geldmittel
-zur Aufgabe. Von allen Seiten flossen Zuschüsse herbei, wenn auch in
-Anbetracht der enormen Ausgaben, welche das Unternehmen verursachte,
-zuweilen etwas langsam und in geringen Beträgen. Private Kreise, die
-Stadtbehörde, Fürstlichkeiten, voran der Deutsche Kaiser und Bayerns
-Regent, und insbesondere die alteingesessenen Patriziergeschlechter der
-ehemaligen Reichsstadt hielten mit Unterstützungen nicht zurück.
-
-Das Unternehmen der Restaurierung war vom Schicksal begünstigt.
-Schon der Umstand war von unschätzbarem Vorteil, daß man sich an die
-Wiederherstellung nicht früher gewagt hat, als es in der Tat geschehen
-ist, obwohl der Zustand des Baues von jeher Anlaß genug gewesen wäre.
-Ein Menschenalter vorher beispielsweise hätte bei den maßgebenden
-Faktoren und ebenso in Künstlerkreisen nicht das gleiche Verständnis für
-=alle= Stilperioden des Baues und noch weniger für =alle= Gegenstände
-der Inneneinrichtung bestanden. Es wären zweifellos viele Inventarstücke
-der Renaissance, des Barock und Rokoko dem damals noch vielfach
-angewendeten Purifikationssystem zum Opfer gefallen.
-
-Ein überaus glücklicher Griff wurde in der Wahl der Bauleitung getan.
-Die Kirchenverwaltung bestellte als Oberleiter den Professor =Georg
-von Hauberrisser= in München, der wiederum seinen Schüler Professor
-=Joseph Schmitz= mit der örtlichen Leitung betraute. Beide sind Gotiker
-von anerkanntem Ruf. Während der Restaurierung des Außenbaues behielt
-Hauberrisser die Oberleitung bei, die Restaurierung des Innern und
-des Inventars leitete Schmitz allein. Die beiden Meister huldigten
-dem Grundsatz der gleichen Existenzberechtigung sämtlicher Teile des
-Baues wie des Inventars, gleichviel ob künstlerische oder historische
-Interessen in Frage ständen, und dem anderen Grundsatz: besser zu wenig
-als zu viel restaurieren. Mit liebevoller Pietät und peinlicher Sorgfalt
-wurden alle Einzelheiten behandelt, und waren Ergänzungen von größerer
-Ausdehnung vorzunehmen, so boten die künstlerischen Qualitäten der
-Leiter Garantie für zutreffende Form.
-
-Ein allgemein bindendes Programm oder bestimmte, für jeden speziellen
-Fall gültige Satzungen wurden nicht aufgestellt. Die Restaurierung
-erfolgte in einzelnen Abschnitten und wanderte von Bauteil zu
-Bauteil (Abb. 32). Während der Vollendung eines Abschnittes wurde
-die Arbeit für den nächstfolgenden vorbereitet. Setzte die folgende
-Wiederherstellungsarbeit eine andere Art der Behandlung voraus, so
-wurden von der Bauleitung die geeigneten Maßnahmen beraten, die
-beschlossenen Absichten dem Bauausschuß der Kirchenverwaltung vorgelegt
-und nach den entworfenen Plänen die Ausführung in Angriff genommen.
-
-Mit der Außenrestaurierung des Ostchores wurde der Anfang gemacht; es
-folgten die Nordseite, der Westchor und das südliche Seitenschiff.
-Die Türme bildeten den Schluß. Um während der Innenrestaurierung den
-Gottesdienst nicht auf längere Zeit unterbrechen zu müssen, teilte
-man die Kirche in zwei Hälften, welche nacheinander in Arbeit gegeben
-wurden. Zugleich mit der Innenrestaurierung des Baues wurde auch die
-Renovierung der Inventargegenstände betätigt.
-
-Die äußerliche Schadhaftigkeit der spätromanischen Bauteile war bei
-dem Mangel feiner dekorativer Glieder am Außenbau naturgemäß geringer
-als die Schadhaftigkeit der gotischen Teile. Der Verwitterung am
-meisten ausgesetzt waren hier hauptsächlich die Bogenfriese und
-ornamentierten Kapitäle, welche durch getreue Kopien ersetzt wurden.
-An den ausgedehnten gotischen Partien fehlten nicht nur Krabben und
-Kreuzblumen, sondern auch Wimpergspitzen, Maßwerke, ja ganze Galerien
-waren dem Zerstörungswerk zum Opfer gefallen. Spärlich, doch ausreichend
-waren die aufgefundenen Überreste zur Ermöglichung zuverlässiger
-Rekonstruktion und Ergänzung. Von besonderem Interesse sind in dieser
-Beziehung die innerhalb der Mauerkrone des Ostchores aufgefundenen
-Reste der früheren Galerie. Die Restaurierung des Baues wurde daher
-durchgehends im Stilcharakter der einzelnen Bauteile durchgeführt.
-Die wiederholte Aufnahme des alten Baustiles und die Außerachtlassung
-neuzeitlicher Ausdrucksformen war ohne weiteres gerechtfertigt.
-
-Auf leergebliebenen Konsolen des Ostchors und nördlichen Seitenschiffes
-fanden zahlreiche vom Bildhauer Georg Leistner in Nürnberg gearbeitete
-Statuen von Aposteln, Propheten und Kirchenvätern, dazu auch Luthers
-und Melanchthons Aufstellung. Sie erfüllen wesentlich einen dekorativen
-Zweck und fügen sich in ihrer gotischen Formengebung im allgemeinen gut
-der reichen architektonischen Umgebung ein.
-
-Hauptarbeiten am Außenbau waren: Auswechslung der schadhaften Steine,
-Ergänzung, beziehungsweise Rekonstruktion der ruinösen oder abgefallenen
-Galerien, Pfeilerendigungen und sonstigen Zierglieder, Kopierung
-der verwitterten Bildwerke, Neubedachung der beiden Turmhelme und
-Flacherlegung der Seitenschiffdächer. Über diese Punkte, wie über
-alle Einzelheiten bei der Außen- und Innenrestaurierung, gibt der
-nachfolgende ausführliche Bericht der Bauleitung genauen Aufschluß.[68]
-Bezüglich der letzterwähnten Arbeit am Außenbau ist hinzuzufügen, daß
-von den verschiedenen Gestaltungen, welche den Seitenschiffdächern
-im Laufe der Jahrhunderte gegeben worden sind und deren jede für uns
-historische Berechtigung hatte: Kapellendach, flaches Pultdach, steiles
-Pultdach -- das flache Pultdach als diejenige Form gewählt wurde, welche
-sich praktisch als die vorteilhafteste erwies.
-
-Das Steinmaterial des alten Baues besteht beim romanischen Teil aus
-grauem, bei den gotischen Bauteilen aus rötlichem Sandstein der
-Nürnberger Umgebung von ziemlich grobem Korn. Die Beständigkeit
-dieses Materials insbesondere bei Verwendung für dekorative Glieder
-und figürliche Darstellungen ist eine sehr geringe, dazu kommen die
-schädlichen Einwirkungen des Rußes der modernen Fabrikstadt, die den
-Fortschritt der Verwitterung bei einem schon angegriffenen Stein
-außerordentlich beschleunigen.
-
-Um derartigen Übelständen für die Zukunft vorzubeugen, wurde bei
-allen Ergänzungen und Kopien außer verschiedenen oberfränkischen
-Hartsandsteinen meistens der sehr harte wetterbeständige und
-quarzitreiche Stein aus den Wendelsteiner Brüchen bei Nürnberg verwendet.
-
-[Illustration: Abb. 32. Westansicht, mit den Gerüstbauten.]
-
-An der Außenarchitektur hatten die späteren Jahrhunderte keine
-wesentlichen Neuerungen hinzugefügt. Anders verhielt es sich bei der
-Innenarchitektur. Fast jede Epoche hatte ihre Spuren hinterlassen,
-bestehend in einer oder mehrmaligen Übertünchung der Gewölbe und Wände.
-Es war sofort klar, daß der künstlerische Wert dieser Ausweißungen nicht
-auf der gleichen Stufe mit der vornehmen Wirkung des ursprünglichen
-Zustandes stehen konnte. Untersuchungen und Proben bestätigten diese
-Anschauung. Hiemit war die Grundlage für die Innenrestaurierung gegeben:
-auch im Innern war dem Bauwerk sein ehemaliges, dann durch unverständige
-Behandlung beeinträchtigtes Aussehen wiederzugeben. Nur wurde der Zweck
-durch gerade entgegengesetzte Maßnahmen erreicht: dort hieß es aufbauen,
-hier abnehmen.
-
-Nach Entfernung des weißen Kleides der dicken Tünchkruste kamen eine,
-wenn auch nicht reiche, so doch überaus geschickt verteilte Polychromie
-sowohl beim romanischen Bau wie beim Ostchor und mehrere wertvolle
-Wandmalereien des 14. und 15. Jahrhunderts zum Vorschein. Im Westchor
-wurden zwei romanische Doppelfenster, welche einst die Turmhallen vom
-Chor aus beleuchteten, freigelegt. Zu den erfreulichen Entdeckungen
-kam aber zum Schluß eine höchst unangenehme Überraschung, welche die
-Innenrestaurierung sehr in die Länge zog. Gelegentlich der Beseitigung
-der Farbschichten an den beiden dem Ostchor zunächst stehenden Pfeilern
-des Langhauses, welche zu den ehemaligen Vierungspfeilern zählten, mußte
-die schlechte Beschaffenheit dieser Hauptstützen und somit ihre geringe
-Haltbarkeit festgestellt werden. Bei der außerordentlichen Belastung
-dieser konstruktiven Glieder war ihre Auswechslung unter Anwendung
-äußerster Vorsicht mit den größten Schwierigkeiten verbunden. Als nicht
-minder bedeutend ergaben sich die konstruktiven Arbeiten, welche an der
-unteren Ostwand des nördlichen Turmes, in dessen Mauern ursprünglich
-Treppenläufe angebracht waren, erforderlich wurden.
-
-Mit der Aufdeckung der alten Polychromie und der Wandmalereien allein
-war die Aufgabe der Innenrestaurierung noch nicht gelöst. Es handelte
-sich um einen seinem Zweck nicht entfremdeten Bau, um eine noch als
-Gotteshaus dienende Kirche, und daraus ergab sich, daß das Innere, d. h.
-die bloßgelegten Malereien, Fenster usw. nicht nur durch Konservierung
-in einen haltbaren, sondern auch in einen das Auge der Kirchenbesucher
-nicht verletzenden Zustand versetzt werde.
-
-Die erforderlichen Instandsetzungen wurden jedoch mit der äußersten
-Zurückhaltung und der größten Vorsicht vorgenommen. Bei alten
-Inventarstücken wurde unterschieden, ob es sich um Ersatz abgebrochener
-kleiner Details oder um Hinzufügung von selbständigen Teilen, z. B. von
-Türflügeln u. dgl. handelte. Im ersteren Falle wurde von Ergänzungen oft
-ganz abgesehen. Waren die Defekte gar zu störend und war die Ergänzung
-nach Vorbildern im Charakter des Originales einwandfrei herzustellen, so
-wurde sie dementsprechend vorgenommen. Bei selbständigen neuen Teilen
-aber, wie z. B. Türflügeln an Wandnischen oder vor Gemälden, Stuhlwerk,
-Anlage eines Wandbrunnens, Vertäfelungen der Sakristei, wurden primitive
-Formen ohne Zugehörigkeit zu einem besonderen Stile angewendet, die sich
-in die Umgebung ohne Mißklang einfügten, indem sie sich dem wertvollen
-historischen Bestande bescheiden unterordneten.
-
-Die Erhaltung des gegenwärtigen Gesamtbestandes galt als Grundprinzip.
-Nicht das Verhältnis eines Gegenstandes in seinem Stilcharakter zur
-Wirkung der nächsten architektonischen Umgebung, auch nicht der Umstand,
-ob der Gegenstand heute noch den ihm zukommenden Zweck erfüllt, war für
-seine Erhaltung maßgebend, sondern einzig und allein die Tatsache seines
-Vorhandenseins. Bei den scheinbar unbedeutenden Gegenständen fiel das
-kirchen- und lokalgeschichtliche Interesse ins Gewicht. Eine besondere
-Beachtung wurde auch dem Standort der Gegenstände zugewendet. Gerade bei
-denjenigen Inventarstücken, welche ihrem ursprünglichen Zweck entfremdet
-sind, ist die Beibehaltung des alten Standortes von großer Wichtigkeit.
-Die historische Beziehung zur Kirche, welche meist nur aus dem Standorte
-zu erkennen ist, erhebt den Gegenstand über die Bedeutung eines bloßen
-Museumsobjektes.
-
-Hervorzuheben ist, daß die Restaurierung der Statuen durch Abnahme
-der starken Tünchkruste mit dem Gewinn bunter Fassung und feiner
-Modellierung belohnt wurde, und daß bei vielen Werken Feststellungen
-bezüglich der Enstehungszeit und Autorschaft gemacht werden konnten.
-Die Ergänzungen der Bildhauerarbeiten, die Wiederherstellung der
-Faßmalereien und die Renovierung der Wand- und Tafelgemälde wurden
-vorgebildeten Kräften anvertraut. Nur zwei Gruppen von Inventarstücken
-mußten aus finanziellen Gründen vorerst zurückgestellt werden, die
-Wandteppiche und die Glasgemälde.
-
-Den Bestand des Inventars hatte Heideloff wesentlich geschmälert.
-Die Mittelschiffemporen, die Kanzel und der Hauptaltar, aus der
-Barockzeit stammend, mußten seinen auf Stilreinheit gerichteten
-Wiederherstellungsabsichten weichen. Kanzel und Altar wurden durch
-Neuschöpfungen im Stile der Spätgotik ersetzt. Mit der Entfernung des
-neuen Altars erklärte sich der Bauauschuß einverstanden; man begnügte
-sich damit, anstatt des Altaraufsatzes einen der wertvollen Gobelins
-hinter der Mensa anzubringen und darüber die Kreuzigungsgruppe von
-Veit Stoß aufzustellen. Die reich geschnitzte Kanzel wurde belassen.
-Das Fehlen der langen Mittelschiffemporen wird man nicht zu beklagen
-brauchen. Denn nach Kupferstichen zu schließen, hatten sie keine
-künstlerischen Vorzüge aufzuweisen und standen der von ihnen verdeckten
-kunstgeschichtlich interessanten Triforiengalerie jedenfalls bedeutend
-nach.
-
-Das Restaurierungswerk im ganzen betrachtet muß eine hervorragende,
-in Anbetracht der Qualität eine vorbildliche Tat genannt werden. Mit
-weiser, freiwillig auferlegter Zurückhaltung, dem vornehmsten Gebot
-der Denkmalpflege, hat die Bauleitung bei Lösung der gestellten
-Aufgaben verfahren. Die hier in der Praxis verwirklichten Anschauungen
-wird selbst der eifrigste Gegner, wenn er im konkreten Fall
-Restaurierungsbedürftigkeit und vollendete Ausführung gegenüberstellt,
-als richtig anerkennen müssen.
-
-Die Anhänger der absoluten Stilreinheit sind zwar bis auf einige
-Unheilbare, die erfreulicherweise auf die heutige Entwicklung der
-Restaurierungsmethode ohne Einfluß sind, ausgestorben. Aber schon
-machen sich ernsthafte Bestrebungen geltend, welche unter Hinweis auf
-das Verhalten früherer Jahrhunderte gegenüber restaurierungsbedürftigen
-Denkmälern einer Ergänzung im Stilcharakter der Gegenwart auch
-bei der Außenarchitektur unter allen Umständen das Wort reden. Es
-erscheint unverständlich, wie hier das Vorgehen früherer Epochen
-als mustergültiges Beispiel empfohlen werden kann. So sehr auch den
-Alten gedankt werden muß, daß sie bei dem geringen Verständnis für
-vorausgegangene Stilperioden keine Lust verspürten, gegebenen Falls in
-der ihnen fremd gewordenen Formensprache Ergänzungen vorzunehmen --
-solche Fälle finden sich zwar auch in der Kunstgeschichte, jedoch nur
-vereinzelt --, so wenig wird begriffen, warum nun mit einem Male all die
-vielen Erfahrungen und gründlichen Kenntnisse, die man sich im Laufe des
-vorigen Jahrhunderts auf dem weiten Gebiete des Restaurierungswesens
-durch gründliches Studium der eigenartigen mittelalterlichen
-Konstruktionsmethoden besonders in der Steinmetztechnik verschafft
-hat, beiseite zu legen sind. Man sollte sich vielmehr darüber freuen,
-daß solche Erfolge erzielt wurden, und durch Gründung von Schulen für
-Fortpflanzung, Vermehrung und weitere Verbreitung der erworbenen
-Fähigkeiten Sorge tragen. Angenommen, unsere Zeit wäre in der zweifellos
-glücklichen Lage, über eigene Ausdrucksformen in der Kunst zu verfügen,
-welche auf gleicher Höhe mit den historisch gewordenen früheren
-Stilarten stünden: was wäre mit der Anwendung dieses Stiles z. B. bei
-der Restaurierung des Ostchores erreicht worden? Es hätte zunächst
-auf die mancherlei aufgefundenen Überreste, welche eine Restauration
-der alten Mauerkrone leicht ermöglichten, verzichtet und, um den
-ästhetisch unbedingt notwendigen Abschluß herzustellen, eine Bekrönung
-oder ein Dachgesims geschaffen werden müssen, welche keineswegs in den
-günstigen organischen Zusammenhang mit der Architektur des vorhandenen
-Mauerwerkes zu bringen gewesen wäre wie die rekonstruierte Galerie.
-Anders freilich würde die Sache liegen, wenn es sich um die Neuschöpfung
-eines selbständigen Bauteiles, etwa einer Sakristei, oder um Anschaffung
-eines neuen Inventarstückes, eines Altares, gehandelt hätte. Hier müßte
-individuelle künstlerische Eigenart zum Ausdruck kommen.[69]
-
-Man vergißt anscheinend auch, daß das Vorgehen früherer Zeiten bei
-reparaturbedürftigen Denkmälern große Nachteile hatte. Wurden Bauten
-in jeweils modernem Stil ergänzt oder umgebaut, dann ließ man nicht
-immer die gebührende Rücksicht walten und entfernte oft mehr, als der
-Billigkeit entsprach. Defekte Statuen vollends, auch solche in gutem
-Zustande, wurden dem Zeitgeschmack gemäß abgeändert, meist verstümmelt
-oder, wenn sie nicht mehr gefallen wollten, vernichtet, defekte Gemälde
-wanderten im günstigsten Fall auf den Speicher, gewöhnlich wurden sie
-verschleudert oder übermalt, so daß sie in dem einen wie in dem anderen
-Fall unrettbar verloren waren. Gewiß keine empfehlenswerten Maßnahmen!
-
-Die Bedeutung als nachahmenswerte Leistung gebührt dem nunmehr fertigen
-Werke der Wiederherstellung der Sebalduskirche auch deswegen, weil
-sich die Restaurierung nicht nur auf den Bau und die wenigen vom
-protestantischen Kultus benötigten Inventargegenstände, sondern auf die
-gesamte ungemein reichhaltige Ausstattung erstreckt hat. Wohl selten
-wird Gelegenheit geboten, einen Bau von der Stellung der Sebalduskirche
-und zugleich eine solche Fülle von Meisterwerken nach pietätvollen
-Prinzipien unter berufener Leitung zu restaurieren und unter so
-günstigen Umständen die Arbeit zu vollenden. Ein ganz besonderes
-Verdienst gebührt hiebei dem kunstsinnigen Pfarrer von St. Sebald,
-Kirchenrat Friedrich Michahelles, der die Vollendung des Werkes nicht
-mehr erleben sollte. Einen wesentlichen Beitrag zu dem Werke lieferte im
-übrigen die Unterstützung des Nürnberger Patriziats. Ist es ihm schon
-zu danken, daß in den späteren Jahrhunderten, als der stets wechselnde
-Zeitgeschmack, namentlich in den Gegenden des Protestantismus, zu
-ungunsten der Kunsterzeugnisse des Mittelalters sich äußerte, in
-Nürnberg soviel wie möglich von den Werken der Väter gerettet wurde,
-so war es diesmal ebenfalls Lokalpatriotismus im besten Sinne des
-Wortes, welcher es, ohne große Opfer zu scheuen, zustande brachte,
-die prächtigen Familienstiftungen in ihrer Gesamtheit in altem Glanze
-erstehen zu lassen.
-
-Zur Erhaltung der ruinösen Originale, Statuen, Reliefs und der kleineren
-Bauglieder, welche durch Kopien ersetzt werden mußten, wurde von der
-Bauleitung ein kleines Museum gegründet, welches in der Westkrypta als
-Lapidarium und im oberen Stockwerke der großen Sakristei Unterkunft
-gefunden hat. Ein anderer Teil der Statuen ist in der Kirche selbst
-untergebracht. Im oberen Stockwerke der Sakristei wurden als weitere
-Sammlungsgegenstände Modelle, zeichnerische und photographische
-Aufnahmen der Kirche in ihrem vorgefundenen Zustand beigefügt. Das
-angehäufte und systematisch geordnete Anschauungsmaterial gestattet
-einen vortrefflichen Einblick in die Tätigkeit der Bauleitung und
-die von ihr angewendeten Grundsätze und Methoden.[70] Über dieses
-kleine Museum der Denkmalsplage, wie man es nennen könnte, wird etwas
-ausführlicher noch weiter unten zu handeln sein.
-
-Wir lassen nunmehr die Berichte der Bauleitung über die
-Wiederherstellungsarbeiten in ihrem Wortlaute folgen.
-
-
- 3. Bericht der Bauleitung über die Wiederherstellung des Äußeren.
- 1888-1904.
-
-=1888-1889.= Die seit dem Jahre 1882 im Gange befindlichen umfangreichen
-Vorarbeiten zur Wiederherstellung der Sebalduskirche waren im Jahre 1888
-so weit gediehen, daß die Verwaltung des Vereinigten protestantischen
-Kirchenvermögens die Inangriffnahme des Werkes beschließen konnte.
-
-Professor =von Hauberisser= in München sandte daher im Juli dieses
-Jahres den Unterzeichneten nach Nürnberg, um die Leitung der baulichen
-Arbeiten an Ort und Stelle zu übernehmen. Professor von Hauberisser
-selbst traf alle künstlerischen und technischen Dispositionen während
-periodischer Besuche in Nürnberg.
-
-Die Kirchenverwaltung wählte aus ihrer Mitte einen =Ausschuß=, der über
-alle vorzunehmenden Bauarbeiten beraten und Beschluß fassen sollte.
-Es gehörten ihm unter dem Vorsitze des ersten Pfarrers von St. Sebald
-Friedr. =Michahelles= folgende Herren an: Fabrikbesitzer von Forster,
-Baumeister Goll, Justizrat Hilpert, Schlossermeister Leibold, Ingenieur
-Rupprecht und Magistratsrat Tauber.
-
-Für die große, auf lange Jahre hinaus projektierte Unternehmung
-erwies sich die Errichtung einer =Bauhütte= als erforderlich, die als
-zweistöckiges Fachwerkgebäude neben dem südlichen Turm errichtet wurde
-und die Zeichenzimmer enthielt, während ein östlicher Flügelbau die
-Steinmetzwerkstätte und Schmiede aufnahm.
-
-Ursprünglich hatte die Absicht bestanden, mit der Wiederherstellung
-eines Strebepfeilers am Ostchor zu beginnen. Allein die fortschreitende
-Verwitterung der Pfeilerendigungen dort und die Rücksicht auf eine
-größere Einheitlichkeit des Betriebes empfahlen, als ersten Bauabschnitt
-die Wiederherstellung der =Chorgalerie= und ihrer Pfeilerspitzen in
-Arbeit zu nehmen.
-
-Es wurde daher zunächst in der Höhe des Hauptgesimses an den vier
-ersten Jochen bei der Brauttüre ein Gerüst und auf der Nordseite der
-Sakristei ein gezimmerter Treppenturm aufgestellt. Aus verschiedenen
-alten Nachrichten war bekannt, daß die Galerie im Jahre 1561 wegen
-Baufälligkeit abgebrochen worden war; an ihrer Stelle hatte man damals
-ein schweres steinernes Karniesgesims aufgesetzt und mittelst einer
-Aufschiftung das Dach darüber gezogen.
-
-Nun wurde diese Aufschiftung und das Gesims entfernt und letzteres
-zur Anlage einer Umfassungsmauer um die Bauhütte benutzt. Beim
-Aufbrechen der frei liegenden Mauerkrone fanden sich erfreulicherweise
-am 7. November kleine =Reste der ursprünglichen Galerie=, aus deren
-Zusammenstellung sowohl die frühere Form der Maßwerkfüllungen wie des
-mit Zinnen besetzten Abdeckungsgesimses erkennbar waren (Abb. 33 und
-139). In der Hoffnung auf weitere Funde wurde jetzt das bisher nur
-bei vier Jochen angebrachte Gerüst um den ganzen Chor geführt, und es
-konnten in der Tat auch die verschiedenen Formen, welche im Maßwerk bei
-den einzelnen Jochen abwechselten, genau festgestellt werden.
-
-Nach Beendigung der nötigen Aufnahmen und Vermessungen sowie der
-Herstellung der Werkzeichnungen für die neuen Bauteile wurde mit der
-Steinmetzarbeit begonnen, die für den Umfang der Galerie der Firma
-Göschel & Alt, von welcher Joh. Göschel durch seine Arbeiten an der
-Frauenkirche und dem Germanischen Nationalmuseum schon viele Erfahrungen
-gesammelt hatte, in Akkord gegeben wurde. Es zeigte sich aber, daß für
-solche Arbeiten der Regiebetrieb unter Verrechnung der Selbstkosten
-seitens des ausführenden Meisters und mit prozentualem Zuschlage einer
-Meistergebühr geeigneter ist; daher wurde in der Folge die Akkordarbeit
-wieder aufgegeben. Die Werkhütte, die Gerüste und die hauptsächlichsten
-Arbeitsgeräte waren ohnehin von der Kirchenverwaltung gestellt worden.
-Auch die =Werksteine= wurden von der Bauleitung direkt bezogen. Da der
-Stein aus der näheren Umgebung wegen seiner geringen Wetterbeständigkeit
-und der Schwierigkeit, guten Kernfelsen zu erhalten, nicht in Frage
-kommen konnte, wurde auf Grund einer von Professor Hauberrisser
-und einigen Sachverständigen der Kirchenverwaltung ausgeführten
-Inspektionsreise ein gelblicher Sandstein von Bayreuth (Buntsandstein
-der Triasperiode) und ein rötlicher aus der Kulmbacher Gegend verwendet.
-
-[Illustration: Abb. 33. Die aufgefundenen Reste der ehemaligen Galerie
-am Ostchor.]
-
-Hauptgewicht wurde darauf gelegt, daß der Stein rauhes Korn habe, damit
-er in der zu erwartenden Patina sich den alten Steinen einfüge und nicht
-wie dies z. B. beim Mainsandstein (siehe Frauenkirche) der Fall ist,
-durch Beibehaltung seiner Naturfarbe einen zu großen Gegensatz zu seiner
-Umgebung bilde.
-
-Für die der Verwitterung sehr ausgesetzten Werkstücke, z. B. die
-Maßwerke der Galerie, fand der harte und wetterbeständige =Quarzit= aus
-Wendelstein Verwendung.
-
-Mit der Herstellung der Modelle zu den ornamentalen Skulpturen, die in
-einer der Bauhütte angefügten Modellkammer zur Ausführung kamen, wurde
-der Bildhauer und Lehrer an der Kunstgewerbeschule G. Leistner betraut.
-
-Die Untersuchung der oberen Chormauer führte auch zu einer unliebsamen
-Entdeckung.
-
-Aus den Balken, welche, auf der Mauerkrone aufliegend, den Dachstuhl
-tragen, waren zu irgend einer Zeit in der Mitte größere Stücke
-herausgeschnitten worden, so daß der gewaltige Dachstuhl durch den
-radialen Schub die Mauern hinausgedrückt hatte. Schon zeigten sich bei
-den Gewölben klaffende Risse. Es war daher notwendig, die Balken wieder
-zu ergänzen und mit ihnen bei jedem Joch eiserne Verschlauderungen in
-Verbindung zu bringen.
-
-Auch den großen Westgiebel entlang wurden die auf beiden Seiten
-ausgewichenen Strebepfeiler durch eine starke Verschlauderung wieder
-verbunden.
-
-In der Werkhütte nahmen die Steinmetzarbeiten Winter und Sommer über
-einen guten Fortgang, so daß am 14. Oktober 1889 der =erste Stein= zur
-Galerie bei der Ecke über dem Brauttor versetzt werden konnte. Die
-übrigen Versetzarbeiten wurden bis zum Ende des Jahres fortgesetzt.
-
-=1890.= Die Versetzarbeiten an der =Chorgalerie= wurden durch die
-Witterungsverhältnisse so begünstigt, daß selbst den Winter hindurch
-keine Unterbrechung stattfand.
-
-Im Februar konnten schon an den ersten Jochen die neuhergestellten
-Arbeiten von den Gerüsten befreit werden. Der fahrbare Aufzugskran wurde
-jeweilig zu den neuen Arbeitstellen weiter geschoben.
-
-Die Rinnenanlage hinter der Galerie war in solidester Weise unter
-Verwendung von starkem Kupfer herzustellen und wurde zum Schutze
-mit Holzrosten belegt. Auch die Wasserspeier erhielten eine
-Kupferausfütterung.
-
-Entsprechend den äußeren Arbeiten mußte auch der Betrieb in der Hütte
-gefördert werden. Dazu erwies sich eine Erweiterung der Bauhütte als
-erforderlich, die als ein seitlicher Anbau an der Ostseite der Bauhütte
-zur Ausführung kam, so daß etwa 46 Steinmetzen untergebracht werden
-konnten.
-
-Da unter den bezogenen Werksteinen viele vorhandener Stiche und gröberer
-Toneinsprengungen wegen ausgeschossen werden mußten, wurden verschiedene
-Versuche mit neuen Bezugsquellen aus der Gegend von Aschaffenburg und
-von Lahr in Baden, und zwar mit wechselndem Erfolg gemacht. Am besten
-bewährte sich immer der Wendelsteiner Quarzit, dessen Bearbeitung jedoch
-wegen seiner Härte große Kosten verursachte.
-
-Im Juni war die Chorgalerie schon zur Hälfte fertiggestellt.
-Professor Hauberrisser war wiederholt zur Besprechung aller baulichen
-Dispositionen anwesend; auch fanden zu gleichem Zwecke verschiedene
-Sitzungen des Bauausschusses statt. Im November besichtigte
-Kultusminister von Müller die Bauarbeiten. Am 4. Dezember konnte in
-feierlicher Weise die Aufsetzung des letzten Steines der Galerie beim
-westlichen Pfeiler an der Südseite stattfinden. Stadtpfarrer Lotholz
-legte als Vorstand der Kirchenverwaltung bei dieser Gelegenheit
-eine Urkunde über dem nunmehr vollendeten ersten Bauabschnitt der
-Wiederherstellung in den Schlußstein ein.
-
-Die Bauleitung, welche mit ihren zeichnerischen und
-Projektierungsarbeiten naturgemäß den Ausführungsarbeiten stets voraus
-sein mußte, hatte unterdessen die Aufnahmen der Strebepfeiler am Ostchor
-hergestellt und für diese Abwechslungsarbeiten die erforderlichen
-Vorarbeiten eingeleitet.
-
-Zimmermeister Steger, der die Gerüstarbeiten bisher ausgeführt hatte,
-war in diesem Jahre gestorben. An seiner Stelle wurde Zimmermeister F.
-Birkmann mit den weiteren Zimmerarbeiten beauftragt.
-
-=1891.= Bezüglich der Wiederherstellung der =Strebepfeiler am Ostchor=
-war ursprünglich geplant, nur einzelne schadhafte Stellen durch
-Einsetzen von mehr oder weniger großen »Vierungen« auszubessern. Es
-stellte sich jedoch bei näherer Untersuchung eine so starke Verwitterung
-aller Profilierungen und Skulpturen heraus, daß bei jedem Pfeiler
-ungefähr fünfzig Werkstücke ganz neu ersetzt werden mußten (Abb. 34),
-wobei jedesmal 2-1/2-3 m hohe Teile des Pfeilers bis in die eigentliche
-Umfassungsmauer hinein auszubrechen waren.
-
-[Illustration: Abb. 34. Ostchorpartie nach der Restaurierung.]
-
-Da hierdurch der Strebepfeiler, der die Gewölbe stützen sollte, jeden
-Halt verloren haben würde, so war die Anbringung einer eisernen
-Stützkonstruktion erforderlich, zu welcher Direktor Rieppel einen
-Entwurf herstellte. Derselbe gedachte zuerst mit einer 10 m hohen
-eisernen Stütze vom Straßenniveau aus den oberen Pfeiler abzufangen,
-hielt aber dann den Gedanken Professor Hauberrissers fest, den oberen
-Pfeiler auf den unteren mittels einer Eisenkonstruktion abzustützen,
-welche jedesmal nur die Höhe des erforderlichen Ausbruches hatte.
-
-Die Hütte hatte schon im Anfang des Jahres mit der Bearbeitung der
-Werkstücke zu den Pfeilern, und zwar zunächst der großen Kreuzblumen und
-Riesen begonnen.
-
-Im Oktober waren alle Vorbereitungen so weit gediehen, daß auf der
-Nordseite die Abstützung zum ersten Male aufgestellt werden und die
-Auswechslung vor sich gehen konnte. Im Inneren sollte ein Zeiger, der
-sich mittels Hebelübersetzung einer Millimeterteilung entlang bewegte,
-jede kleinste Veränderung des Mauerwerkes anzeigen.
-
-Mit Steinmetzmeister Göschel war schon im Jahre 1890 ein Vertrag über
-die Wiederherstellung eines Pfeilers abgeschlossen, welcher im April auf
-vier weitere und im Oktober auf sämtliche Pfeiler ausgedehnt wurde.
-
-Die vielen Abweichungen in den architektonischen Formen sowohl wie
-in den Maßverhältnissen der Strebepfeiler wurden bei der Erneuerung
-sorfältig festgehalten, wobei auf charakteristische Wiedergabe der
-Profilierungen wie der Ornamentation großer Wert gelegt wurde.
-
-Professor Hauberrisser lud den Verein für Geschichte der Stadt Nürnberg
-im April zu einer Besichtigung der Arbeiten in der Bauhütte ein, und im
-August stattete die in Nürnberg tagende Hauptversammlung der deutschen
-Architekten der Sebalduskirche einen Besuch ab.
-
-[Illustration: Abb. 35. Neuer Verkündigungsengel am Ostchor.]
-
-=1892.= Die Wiederherstellungsarbeiten an den =Ostchorpfeilern= wurden
-in diesem Jahre in der Weise fortgeführt, daß zu gleicher Zeit an den
-Pfeilern selbst die fertigen Werkstücke unter jedesmaliger Verwendung
-der Stützkonstruktion versetzt und in der Hütte für die weiteren Pfeiler
-die neuen Werksteine bearbeitet wurden.
-
-Daneben wurden auch die vielen außerordentlich reich durchgebildeten
-=Baldachine=, von welchen jeder Pfeiler sieben Stück aufweist, und die
-nachträglich leicht versetzt werden konnten, in Arbeit genommen. Als
-Steinmaterial kam hiezu der in Obernkirchen bei Bückeburg gebrochene
-harte und wetterbeständige, dabei ziemlich feinkörnige Sandstein zur
-Verwendung.
-
-An =Statuen= fanden sich unter den Baldachinen im ganzen nur vier vor.
-Nämlich auf der Vorderseite zwei Propheten, die stark verwittert waren
-und nach erfolgter Ergänzung kopiert wurden, sowie im Osten =Maria=
-und =Sebaldus= an einem Joche, welches ursprünglich durch eine vor dem
-Fenster angebrachte plastische Darstellung ausgezeichnet gewesen zu
-sein scheint. Diese beiden Statuen, welche in Anbetracht ihres guten
-Erhaltungszustandes unverändert blieben, zeigen =farbigen Hintergrund=
-mit aufgemalten Engelfiguren. Für die unter den übrigen Baldachinen
-fehlenden Statuen fertigte Stadtpfarrer Michahelles ein Verzeichnis an,
-nach welchem in der unteren Reihe die Hauptpersonen des Alten und in der
-oberen Reihe die des Neuen Testamentes zur Darstellung kommen sollten.
-Als im November der Kultusminister die Kirche wieder besuchte, waren
-auf der Nordseite die Auswechslungsarbeiten an sechs Pfeilern bereits
-vorgenommen, jedoch fehlten noch die neuen Baldachine, die sehr viele
-Arbeit erforderten.
-
-Da eine Reihe von Familien und Privatpersonen die Stiftung je eines
-Pfeilers übernahm, so wurde an jedem Pfeiler eine diesbezügliche
-Inschrift oder ein Wappen angebracht, während die wertvollsten =alten
-Steinreste= in der Westkrypta zu einem =Lapidarium= vereinigt wurden
-(Abb. 139).
-
-Beim Abbruch eines der großen Baldachine auf der Nordostseite fand sich
-eingeklemmt in der zwischen Baldachin und Wand befindlichen Spalte ein
-kleines Erzgußwappen mit Steinmetzzeichen (Abb. 26). Allem Anscheine
-nach ist das Wappen durch Zufall in diese Vertiefung hineingefallen,
-nachdem es zuvor an der 1561 abgebrochenen Galerie befestigt war. Bei
-dem dargestellten Steinmetzzeichen kann es sich nur um den =Meister des
-Ostchores= handeln.
-
-=1893.= Auch das Jahr 1893 wurde durch die umfangreichen Arbeiten an
-den Ostchorstrebepfeilern ausgefüllt, ohne daß sie ganz beendigt werden
-konnten. Doch ging alles in bester Weise ohne Störung und Unfall von
-statten.
-
-Zu den =Statuen= an den Pfeilern fertigte, nachdem Stadtpfarrer
-Michahelles sein Verzeichnis auf eine Anregung des Vereins für
-Geschichte der Stadt Nürnberg einer Änderung unterzogen hatte, Bildhauer
-Leistner die Modelle. Die Ausführung geschah in der Hütte in Kelheimer
-und Offenstettener Kalkstein (Abb. 35).
-
-[Illustration: Abb. 36 Konsole mit Ritter an einem nördlichen Pfeiler
-des Ostchors.]
-
-[Illustration: Abb. 37. Konsole mit Ritterfräulein an einem nördlichen
-Pfeiler des Ostchors.]
-
-Am Ende des Jahres waren bis auf die aus dem nördlichen Sakristeidach
-herausragenden Pfeiler die Hauptauswechslungsarbeiten an den
-Ostchorstrebepfeilern fertiggestellt. Nur fehlten noch die meisten
-Baldachine.
-
-Die Bauleitung hatte sich unterdessen schon seit einiger Zeit mit
-den Aufnahmen und Plänen für die Wiederherstellung des =nördlichen
-Seitenschiffes= beschäftigt (Abb. 38, 39). Die Untersuchungen ergaben
-über die frühere Gestalt interessante Aufschlüsse.[17] Das Seitenschiff
-war nämlich ursprünglich mit einer durchbrochenen =Galerie= bekrönt und
-mit =Kapellendächern= versehen, d. h. hinter den die einzelnen Joche
-abschließenden Giebeln waren Satteldächer angebracht, die an ein das
-ganze Seitenschiff überdeckendes Pultdach anstießen. Es wurden sowohl
-die Form dieser Dächer wie auch ihre eigenartigen =Entwässerungsanlagen=
-nach Entfernung der Backsteinmauerungen aufgefunden. Leider waren diese
-Abwässerungen, besonders dem Schnee gegenüber, nicht praktisch. Die
-Dächer wurden nach den vorhandenen Spuren bald, wahrscheinlich im 16.
-Jahrhundert, abgetragen, und an ihre Stelle trat ein einziges großes
-=Pultdach=, das jedoch die Fenster des Mittelschiffes zu drei Vierteln
-verdeckte und den inneren Raum stark verdunkelte.
-
-Zu jener Zeit werden wohl auch die Galerie- und Giebelspitzen
-ähnlich wie beim Ostchor wegen der auf das mangelhafte Material
-zurückzuführenden Baufälligkeit abgetragen worden sein.
-
-Über die Form der Galerie gaben nur mehr Kalkspuren an der östlichen
-und westlichen Abbruchstelle Auskunft. Aber ein Hauptgesimsstück,
-das den Anstoß an das Wimperggesims zeigte, war neben dem Brauttor
-glücklicherweise erhalten geblieben und bildete für die Neuherstellung
-wertvolle Anhaltspunkte.
-
-Unterhalb des abgetragenen Daches fanden sich auch bei den beiden
-mittleren Mittelschiffpfeilern die Ansätze von ehemaligen romanischen
-Strebebögen, die vom Seitenschiff aus das Mittelschiff stützten.
-
-Außerdem beschäftigte die Bauleitung die Anfertigung der Pläne für die
-Wiederherstellung des großen =Giebels= und der =Galerie= am Ostchor.
-
-In einer im Dezember stattgehabten Sitzung des Bauausschusses legte
-Professor Hauberrisser die Vorschläge für Wiederherstellung der Galerie
-des nördlichen Seitenschiffes und Flachlegung des Daches sowie für die
-Arbeiten am Westgiebel vor. Eine im März stattgehabte Untersuchung der
-=Türme= hatte auch die Baufälligkeit der dortigen Galerie und große
-andere Schäden des Mauerwerks wie der Dachstühle dargetan.
-
-=1894.= Während des Winters 1893 auf 1894 und selbst das ganze Frühjahr
-hindurch bis in den Sommer hinein war die Hütte mit der Herstellung
-der vielen reichen =Baldachine= und =Konsolen= (Abb. 27, 36, 37) am
-Ostchor beschäftigt. Sobald die sieben Baldachine je eines Pfeilers
-fertiggestellt und versetzt waren, konnten die Gerüste entfernt werden,
-und so fiel von Norden nach Süden nach und nach die Hülle von Gerüsten,
-die den Ostchor vier Jahre hindurch verdeckt hatte. Ende Juli wurden
-die Baldachine und Figuren am letzten Strebepfeiler bei der Schautüre
-versetzt. Auch wurden die Abfallrohre bei jedem Pfeiler in Kupfer neu
-hergestellt.
-
-In den Monaten April und Mai wurden die zwei aus der nördlichen
-Sakristei herausragenden Strebepfeiler ausgewechselt. Hierbei wurden
-auch die Giebelabdeckungen erneuert und das Dach, welches die Mauern
-bisher überdeckt hatte, tiefer gelegt, so daß die an den alten
-Abdeckungen schon vorhandenen inneren Gesimsprofile nun sichtbar sind.
-Auch die Rinne und das Abfallrohr wurden in Kupfer neu hergestellt.
-
-[Illustration: Abb. 38. Nördliches Seitenschiff vor der Restaurierung.]
-
-Die weitere Arbeit der Hütte bestand zunächst in der teilweisen
-Neuherstellung und Ausbesserung der Wandflächen unterhalb des
-Kaffgesimses bis zum Sockel des Ostchores, die durch die früher
-eingebauten Kramläden erheblich gelitten hatten.
-
-Hiermit fanden die Arbeiten am Ostchor, da die Restaurierung der
-=Portale= auf späterhin verschoben wurde, ihren vorläufigen Abschluß,
-und die Hütte begann mit der Anfertigung der Werkstücke für die
-Wiederherstellung des =Westgiebels=, und zwar zunächst des nördlichen
-Teiles desselben.
-
-Diese Arbeit füllte den Sommer und Herbst aus; es gelang, die
-Neuherstellung der =Galerie= (an Stelle der früher vorhandenen
-Ziegelbedachung) sowie des =Eingangstürmchens= und die übrigen
-Ausbesserungen dortselbst bis auf das Verfugen noch vor Winter zu Ende
-zu führen.
-
-Nunmehr nahm die Hütte die Werkstücke für die Galerie sowie die Giebel
-und Pfeilerendigungen des nördlichen Seitenschiffes in Arbeit als
-Aufgabe für den Winter 1894/95.
-
-[Illustration: Abb. 39. Nordansicht.]
-
-Der =Fachwerkaufbau= für den Sängerchor am nördlichen Seitenschiff war
-anfangs des Jahres abgebrochen worden.
-
-Die Bauleitung war während des ganzen Jahres mit den Vorbereitungen für
-die vorbeschriebenen Arbeiten der Hütte beschäftigt.
-
-Außerdem wurden, nachdem im August am =nördlichen Turm= in der Höhe
-der Glockenstube feste Gerüste aufgeschlagen waren, die nun zugänglich
-gewordenen Teile des Turmes, deren große Schadhaftigkeit früher schon
-festgestellt worden war, vermessen und zeichnerisch dargestellt.
-
-Mit Steinmetzmeister Göschel war ein neuer Vertrag für die weiteren
-Wiederherstellungsarbeiten im März abgeschlossen worden. Das
-Steinmaterial wurde seit dem Frühjahr ausschließlich aus den Brüchen von
-Wendelstein bezogen.
-
-Im August beschloß der Bauausschuß, sowohl die Lattung wie die
-Ziegeldeckung des großen =Ostchordaches= auszubessern und eine Anzahl
-neuer Dachfenster anzubringen. Im Innern des Dachbodens wurden auf
-allen Balkenlagen bequeme Laufgänge hergerichtet und der Boden selbst
-oberhalb der Gewölbe mit einer neuen Bretterung versehen. Die beiden
-=Dachendigungen= waren bei dieser Gelegenheit genau nach den vorhandenen
-Resten zum Teil erneuert worden.
-
-Am =Schreyerschen Grabmale= (Abb. 69) wurden im Herbst zwei neue
-Baldachine an Stelle der alten verwitterten eingesetzt; auch die
-Holzdecke dieses Vorbaues und das Kupferdach wurden neu hergestellt.
-Im April nahm der Kultusminister von den Arbeiten Einsicht. Um
-einen Überblick über die Art der Wiederherstellung in späterer
-Zeit zu ermöglichen, richtete die Bauleitung im Laufe des Jahres
-in dem unbenutzten Raume oberhalb der nördlichen Sakristei (der
-alten Schatzkammer) eine =Sammlung von Modellen, Zeichnungen und
-Photographien= ein, welche eine Ergänzung der bereits im Lapidarium
-bestehenden Sammlung bildet.
-
-=1895.= Nachdem die Hütte im Winter 1894/1895 einen großen Teil der
-für den Ausbau des =nördlichen Seitenschiffes= nötigen Werkstücke
-hergestellt hatte, konnte im Frühjahr mit dem Versetzen, und zwar bei
-der =Galerie= zunächst dem Brauttor, begonnen werden (Abb. 39).
-
-Von Joch zu Joch wurden Galerie und Pfeiler neu aufgestellt und jedesmal
-dahinter der neue Dachstuhl aufgerichtet. Bei dem letzteren war eine
-etwas umständliche Konstruktion erforderlich, weil trotz des nunmehr
-viel niedrigeren Daches unterhalb desselben der =Durchgang= vom Turm zur
-Sängerbühne erhalten werden mußte.
-
-Mit dem =Niedrigerlegen= des Daches wurden endlich die romanischen
-=Fenster= des Mittelschiffes wieder frei, wodurch das letztere volles
-Licht erhielt und die schöne romanische Architektur im Innern zur
-Geltung gelangte.
-
-Ein kleiner Aufenthalt ergab sich im Juli bei der Anschreibtür, weil
-die dort erforderliche besonders eingreifende Abbrucharbeit der beiden
-Portalpfeiler große Vorsicht bezüglich des Gewölbeschubes erheischte. Es
-wurde aller Gefahr durch eine vom Straßenboden aus aufgestellte eiserne
-Stützkonstruktion vorgebeugt.
-
-Über die ehemalige Form der Galerie dieses Portales hatten
-glücklicherweise ein erhaltenes Gesimsstück und der Maßwerkanschluß
-Aufklärung gegeben.
-
-Bis zum Eintritt des Winters wurden von den fünf Jochen vier
-fertiggestellt. Zugleich mit den Arbeiten an der Galerie waren auch
-die =Maßwerke der Fenster= (Abb. 21) einer gründlichen Ausbesserung zu
-unterziehen. Die Gerüste konnten nun bis zur halben Fensterhöhe fallen.
-
-Der Deckung des Daches wurde besondere Sorgfalt zugewendet. Die so
-charakteristische =Ziegeldeckung= sollte beibehalten werden, aber bei
-der flachen Neigung erwies sich noch ein besonderer Schutz gegen
-eindringendes Wasser notwendig. Daher wurde das Dach zuerst mit
-verbleitem Eisenblech und hierauf erst mit Ziegeln gedeckt. Die Rinne
-wurde ähnlich wie am Ostchor gestaltet und aus Kupfer hergestellt.
-
-Die Anfertigung der am nördlichen Seitenschiff zu erneuernden =Statuen=,
-welche nach den alten verwitterten und ergänzten Vorbildern genau
-kopiert wurden, übertrug der Bauausschuß zum Teil dem Bildhauer
-Leistner, zum Teil dem Steinmetzmeister Göschel. Der Kultusminister
-besuchte die Kirche im Januar.
-
-Am 18. Mai erhielt sie den Besuch des Prinzen Ludwig von Bayern und am
-30. Juli der beiden ältesten Söhne des Deutschen Kaisers.
-
-Unterdessen hatte sich die Bauleitung mit den Plänen befaßt, welche
-zur Umgestaltung, beziehungsweise zum Aufbau des =Treppentürmchens=
-am nördlichen Turm erforderlich waren. Daneben wurde die =südliche
-Sakristei= in ihrem äußeren Mauerwerk restauriert, der Kamin derselben
-verändert und das Dach niedriger gelegt.
-
-In den Bauausschußsitzungen war wiederholt die Frage der Beheizung der
-Kirche, zunächst allerdings ohne Ergebnis, besprochen worden.
-
-Als die Versetzarbeiten des Frostes wegen eingestellt werden mußten,
-war die Hütte in die Winterarbeit -- Wiederherstellung des letzten
-Joches des nördlichen Seitenschiffes, der Wimpergkränze, der beiden
-Pfeiler dortselbst und der Baldachine und Konsolen des Seitenschiffes
--- eingetreten. Auch für den nördlichen Turm wurden schon eine Anzahl
-Steine bearbeitet. Für das nächste Jahr wurden außer der Beendigung des
-nördlichen Seitenschiffes die Arbeiten am =nördlichen Turm= (Abb. 28)
-und am =südlichen Westgiebel= in Aussicht genommen.
-
-=1896.= Da in diesem Jahre in Nürnberg die zweite bayerische
-=Landesausstellung= stattfand, wurden die Arbeiten am westlichen Joch
-sowie die Auswechslung von zwei Mittelteilen der Strebepfeiler zwischen
-Brauttor und Anschreibtür und schließlich die Wiederherstellung der
-Galerie über der letzteren so beschleunigt, daß beim Besuche des
-Prinzregenten =Luitpold= am 13. Mai das nördliche Seitenschiff bis
-auf den Magistratschor und das Treppentürmchen am nördlichen Turm von
-Gerüsten ganz befreit war.
-
-Nun wurde zunächst das Treppentürmchen ausgebessert und um ein
-Stockwerk erhöht zur Ermöglichung eines Austrittes in die Dachrinne
-des Seitenschiffes. An Stelle der alten Backsteinpyramide trat ein
-steinerner Dachhelm mit Kreuzblume (Abb. 39).
-
-Zugleich wurde im nördlichen Turm der Zugang zum Seitenschiff durch
-Anlage neuer Treppen und Fußböden verbessert und der Gang zur
-Sängerbühne durch eine Rabitzwand gegen den Dachraum abgeschlossen. Die
-Triforien erhielten neue Zugangstreppen.
-
-Unterdessen hatte sich herausgestellt, da die Gerüste am Treppentürmchen
-eine genaue Untersuchung ermöglicht hatten, daß der =Turm= zu beiden
-Seiten seiner nordwestlichen Strebepfeiler 4-6 m lange und bis zu 5 cm
-breite =Risse= aufwies. Hier befanden sich zwei vermauerte, mit
-Rundbögen überdeckte ehemalige =Öffnungen=, welche in nordwestlicher
-Richtung einen Schub ausübten. Die den letzteren verursachende Belastung
-mag vergrößert worden sein durch die Erhöhung des Turmes in der
-gotischen Zeit, durch Glockengeläute und Winddruck. Obschon die offenbar
-schon alten Risse keine augenblickliche Gefahr mit sich brachten, war
-dringend nötig, weiteren Bewegungen Einhalt zu tun.
-
-Es wurde daher eine doppelte =eiserne Verschlauderung= hergestellt, die
-das ausgewichene Turmeck umfaßte und im Innern die östliche und südliche
-Turmwand als Rückhalt benutzte.
-
-Unterdessen war der sehr ruinöse =Magistratschor= (Abb. 40, 41) bis auf
-den Grund abgetragen worden und wurde ganz neu wieder hergestellt mit
-neuen Fenstermaßwerken -- die alten fehlten vollständig -- und einer
-nach gegebenen Anhaltspunkten erneuerten =Galerie=.
-
-Das Dach hinter der letzteren wurde mit Kupfer gedeckt.
-
-Die Hauptarbeit der Hütte für den Herbst und Winter bildeten die Friese,
-Gesimse und Maßwerke der =nördlichen Turmgalerie= (Abb. 29).
-
-Diese Werkstücke waren meist sehr umfangreich, so daß die durch die
-Kündigung des Lagerplatzes an der Moritzkapelle hervorgerufene Beengung
-des Werkplatzes sehr unangenehm empfunden wurde.
-
-Die =Gerüste= des Turmes waren wiederholt geprüft und zu größerer
-Sicherheit möglichst bequem eingerichtet, auch mit Sprachrohr und
-elektrischer Glocke versehen worden.
-
-Gegen Ende November wurde mit der Abnahme der alten Galeriemaßwerke
-begonnen. Diese sowie die Reste des Magistratschores wurden der Stadt
-überlassen und fanden an der Stadtmauer beim Walchtor Aufstellung. Die
-meisten =Statuen= am nördlichen Seitenschiff und Brauttor sowie die
-überlebensgroße =Thomaschristusstatue= an der nördlichen Sakristei
-waren im Laufe des Jahres erneuert worden. Die Anbringung neuer Statuen
-=Luthers= und =Melanchthons= an der Anschreibtüre wurde beschlossen,
-ihre Herstellung jedoch auf das nächste Jahr verschoben. Auch sollten
-die =Epitaphien= und sonstigen =Reliefs= an der Kirchenwand teils
-ausgebessert, teils erneuert werden. Beim Eintritt des Winters waren die
-Hütte mit Herstellung der noch fehlenden Werkstücke für die Turmgalerie
-und die Modelleure mit Ergänzung der Reliefs beschäftigt.
-
-Durch eine neue Kanalisation der Abfallrohre zum Hauptkanal auf der
-Nordseite wurde eine Verbesserung des Wasserablaufes hergestellt.
-
-=1897.= Im Frühjahr konnte mit dem Versetzen an der nördlichen
-Turmgalerie begonnen werden. Ein Hindernis erwuchs durch eine vorhandene
-starke Verschlauderung der alten Gesimsstücke, welche während der
-Bauarbeiten in Funktion erhalten werden mußte, anderseits aber die
-Auswechselungsarbeiten sehr erschwerte. Es gelang durch eine besondere
-Art des Zusammengreifens der neuen Werkstücke die Schwierigkeit zu
-überwinden.
-
-Ende Mai konnte schon mit Herstellung der breiten Kupferrinne begonnen
-werden. Dann wurden die durchbrochenen Brüstungen versetzt und die
-oberen Blattkonsolen der Bogenfriese teilweise erneuert. Im Juli begann
-die Abrüstung.
-
-Zugleich mit dem Abrüsten fand eine umfangreiche Auswechselung von
-Werkstücken auf den vier Seiten des Turmes von der Galerie abwärts
-statt, so daß abgesehen vom Dachhelm der Turm Ende November frei von
-Gerüsten war. Die Restauration des Portals wurde, wie die der Portale
-überhaupt, auf später verschoben.
-
-Die Bauhütte hatte schon seit dem Frühjahr Werkstücke zum Ausbau der
-Südseite des =Querschiffsgiebels= in Arbeit genommen.
-
-Es handelte sich hier um Neuherstellung der Giebelabdeckung, eines
-Fensters, der Maßwerkgalerie und der Endigung des romanischen
-Strebepfeilers. Im Juli konnte mit dem Versetzen begonnen werden; im
-November war der ganze südliche Westgiebel wieder abgerüstet.
-
-Zur Instandsetzung des mit Zinn gedeckten =Dachhelmes des nördlichen
-Turmes= wurde bereits im Sommer ein leichtes Gerüst gebaut, da ohne
-Gerüst über den Umfang der Ausbesserung kein Urteil gewonnen werden
-konnte. Der Zustand erwies sich als so mangelhaft, daß der Bauausschuß
-beschloß, die Deckung ganz zu erneuern. Zugleich sprach er sich aus
-historischen Gründen für Beibehaltung von =Zinn= als Deckungsmaterial
-aus. Dieser Beschluß wurde jedoch nochmals schwankend, als sich
-herausstellte, daß eine große Anzahl von Löchern im Zinn auf eine
-eigentümliche Art von Korrosion zurückzuführen war, die nach Ansicht
-von Sachverständigen durch den Einfluß großer Kälte entsteht und sich
-wie eine Infektion auf andere Zinnteile überträgt.
-
-Die Entscheidung der Materialfrage wurde daher bis zum nächsten
-Frühjahre verschoben.
-
-Im Oktober wurden die =Glocken= im nördlichen Turme, deren Geläute
-während der dortigen Bauarbeiten unterblieb, untersucht und ebenso wie
-die Glockenstühle ausgebessert.
-
-Um beim Gerüstabbruch am nördlichen Turm das Holzwerk zur
-Wiederverwendung am südlichen Turm leicht transportieren zu können und
-für den Arbeitsbetrieb eine bequemere Verbindung zu erhalten, wurden im
-Sommer beide Türme durch eine hölzerne Brücke verbunden.
-
-Über die Anlage einer Heizung der Kirche wurde im Bauausschuß im Laufe
-des Jahres wiederholt, jedoch ohne Erfolg beraten. Eine weitere Frage
-bildete die Restaurierung der wertvollen =Glasmalereien=. Vorderhand
-waren jedoch keine Mittel da, um dieser Aufgabe näher zu treten.
-Unterdessen hatte die Bauleitung alle Vorarbeiten gefertigt, damit
-die Hütte während des Winters die Werkstücke zur Restaurierung des
-=südlichen Seitenschiffes= herstellen konnte.
-
-Am südlichen Turm und am Löffelholzchor wurden Gerüste aufgeschlagen
-(Abb. 32).
-
-=1898.= Bei den Wiederherstellungsarbeiten am südlichen Seitenschiff
-handelte es sich zunächst um die Tieferlegung des Daches und die
-Instandsetzung der halbvermauerten Mittelschiffenster, ferner um die
-Neuherstellung der nur als Reste vorhandenen Strebepfeilerendungen,
-um Ersatz des unförmlichen den Blasbalg der Orgel enthaltenden
-Fachwerkaufbaues durch einen kleinen steinernen Aufbau sowie um einen
-neuen Steinhelm auf dem Treppentürmchen am Südturm, schließlich um
-Restaurierung der Fenstermaßwerke und des Portales.
-
-Der größte Teil dieser Arbeiten konnte im Laufe des Jahres vollendet
-werden. Im Frühjahre wurden die Mittelschiffenster ausgebrochen, im Juli
-mit dem Aufschlagen des neuen Dachstuhles beim Orgelaufbau begonnen.
-
-Eine Verzögerung trat jedoch ein, als sich herausstellte, daß in
-früherer Zeit der Querschiffgiebel der Orgel wegen durch Ausbrüche so
-geschwächt worden war, daß mehrere handbreite Risse entstanden waren.
-Auch war der Steinverband in bedrohlicher Weise gelockert.
-
-Die dem Absturz nahen Werksteine wurden durch eine Zementbacksteinwand
-unterfangen und der ganze Giebel durch zwei miteinander verbundene
-horizontale Schlaudern, die vom Mittelschiff bis zur Außenwand
-reichten, zusammengehalten. Im August wurde der Blasbalg in dem
-neuerrichteten Dachaufbau wieder hergestellt. Auch das Versetzen der
-neuen Pfeilerendigungen, Fialen und Riesen war vor Eintritt des Winters
-beendet.
-
-In einer Ecke des Südturmes innerhalb des Mauerwerkes fand sich eine
-mit Schutt angefüllte =Treppe=, die vom Turm in die Gewölbezwickel des
-Mittelschiffes führte.
-
-Zur Neuherstellung der =Dachdeckung= am =nördlichen Turm= hatte der
-Bauausschuß sich unterdessen für die Verwendung von reinem Zinn
-ausgesprochen. Bei der im Mai begonnenen Abdeckung des alten Zinns
-zeigte sich, daß mehrere Hölzer des Dachstuhles angefault waren und
-ausgewechselt werden mußten.
-
-Im Juni konnte die neue Holzverschalung aufgebracht werden. Die
-Neudeckung des Helmes, welche Flaschnermeister =Orelli= ausführte, war
-bis zum Herbst vollendet.
-
-Auch die Wetterfahne hat derselbe nach dem Muster der alten, die
-verrostet war, neu hergestellt.
-
-[Illustration: Abb. 40. Pfinzingkapelle vor der Restaurierung.]
-
-[Illustration: Abb. 41. Pfinzingkapelle nach der Restaurierung.]
-
-Das alte Zinn wurde um den Preis von 3700 Mk. verkauft.
-
-Die =nördliche Sakristei= bot, feucht, halbfinster und vielfach
-vergittert, einen sehr unangenehmen Aufenthalt. Es wurden daher im März
-und April die Fenster verbreitert, die Gitter teilweise entfernt und der
-Fußboden ausgehoben und betoniert.
-
-Die Modellkammer war mit der Herstellung von ornamentalen Modellen auch
-in diesem Jahre beschäftigt. Daneben wurden in derselben die Statuen der
-Jungfrauen vom Brauttor, welche sich bei dieser Gelegenheit als ehemals
-=polychromiert= erwiesen, instand gesetzt und eine derselben an Stelle
-eines vorhandenen alten Gipsabgusses neu gefertigt.
-
-Dem Bildhauer Leistner wurden die Statuen =Luthers= und =Melanchthons=,
-welche das Portal am nördlichen Seitenschiff zieren sollten, in Auftrag
-gegeben.
-
-Die Rüstung des Südturmes wurde bis zur Galerie beendet, so daß die
-Bauleitung noch vor Jahresschluß mit den Aufnahmen dortselbst beginnen
-konnte.
-
-Schließlich sei noch erwähnt, daß innerhalb des Nordturmes größtenteils
-neue hölzerne Treppenläufe und unterhalb der Glocken eine Holzabdachung
-hergestellt wurde. Im südlichen Seitenschiff erhielten die Triforien
-ähnlich wie auf der Nordseite Verbindungstreppen zum Dachraum.
-
-Beim Eintritt des Winters war die Werkhütte, deren Bestand infolge der
-mangelnden Mittel verringert worden war, mit den Werksteinen für den
-Helm des südlichen =Treppenturmes= beschäftigt.
-
-=1899.= Die vorhandene kleine Anzahl von Steinmetzen fertigte den
-Winter über neben den für das =südliche Seitenschiff= noch fehlenden
-Werkstücken die Werksteine zur Restaurierung des =Brauttores= (Taf. IV).
-
-[Illustration: Abb. 42. Erneuerte Madonnenstatue am Brautportal.]
-
-Bei letzterem handelte es sich nicht nur um Auswechselung der
-beiderseitigen Postamentprofilierungen unter den Jungfrauenstatuen,
-sondern auch um Neuherstellung fast aller Baldachine. Auch das
-durchbrochene zierliche Maßwerk mußte in seinem Hauptteile erneuert
-werden.
-
-Die Statuen =Maria= (Abb. 42) und =Sebaldus= waren schon früher in
-Kalkstein erneuert worden und standen zum Versetzen bereit.
-
-Bei der in Verbindung mit der Restaurierung stattfindenden Reinigung
-stellte sich heraus, daß der größte Teil des Portales ursprünglich
-=polychromiert= war.
-
-Außer an den Jungfrauenstatuen sind die Spuren hauptsächlich an der
-Christusfigur und an den Wappen noch sichtbar.
-
-Das steinerne Dach wurde mit Kupferplatten überdeckt, und Ende Juli
-wurde nach Entfernung der Gerüste das restaurierte Portal dem Verkehr
-wieder übergeben.
-
-Die noch ausstehenden Auswechselungsarbeiten am =südlichen
-Seitenschiff=, an den Mittelteilen der Pfeiler, den Fensterbögen und den
-Fenstermaßwerken sowie dem Portale nahmen die Arbeit einiger Steinmetzen
-bis in den Herbst in Anspruch.
-
-Bei der Reinigung des südlichen Seitenschiffportales fand sich auch hier
-eine gut erkennbare, ehemals gewiß glänzende =Polychromie= vor. Selbst
-die Säulen waren mit einem bewegten Linienornament geschmückt.
-
-Das Portal erhielt ein neues Kupferdach. Auch die kupfernen Dachrinnen
-und der Kehlanschluß am Südturme wurden vervollständigt, so daß im
-Herbst das südliche Seitenschiff bis auf die Erneuerung des westlichen
-modernen Fenstermaßwerkes und der Kaff- und Sockelgesimse fertiggestellt
-war.
-
-Im März konnten schon nach den bis dahin fertiggestellten Zeichnungen
-die Steine für die =Galerie des Südturmes= bestellt werden; allein die
-Lieferung aus den in einen neuen Besitz übergegangenen Wendelsteiner
-Brüchen ging nur sehr langsam von statten. Die Zahl der Steinmetzen war
-im Juli auf 25 Mann erhöht worden. Ihre Arbeit bildeten die 78 großen
-Werkstücke der 3 Gesimsschichten an der südlichen Turmgalerie, die bis
-zum Ende des Jahres nahezu vollendet wurden.
-
-Im Juli wurde das im Nordturm unterhalb der Glocken hergestellte
-Holzdach mit Zinn verkleidet. Auf Veranlassung und mit den Mitteln
-des Vereins für Geschichte der Stadt Nürnberg wurde im November durch
-die Bauhütte im Ostchor eine =Nachgrabung= nach den =Fundamenten= der
-östlichen Hälfte der alten romanischen Kirchenanlage vorgenommen.
-
-Vor der Türe der südlichen Sakristei gezogene Gräben legten bald die
-Grundmauer der südlichen =Querschiffapsis= bloß. Bei der Aufgrabung
-zwischen Sebaldusgrab und Hochaltar fanden sich Grundmauern der
-=Hauptapsis=, welche die Reste einer Mensa enthielt und den
-kleeblattförmigen Abschluß einer zweischiffigen =Krypta= bildete.
-
-Um bei der durch Zeit und Mittel beschränkten Aufgrabung ein möglichst
-vollkommenes Ergebnis zu erzielen, wurden die Gräben auf die Südseite
-beschränkt, hier aber um so gründlicher hergestellt. Auf diese Weise
-konnte die ganze Längsmauer der sich bis zu den Vierungspfeilern
-hinziehenden Krypta aufgedeckt werden, wobei auch die aus den Schiffen
-hinabführenden =Treppen= sichtbar wurden. Von den Ergebnissen dieser
-Aufdeckungen wurden durch die Bauleitung Vermessungen, =Aufzeichnungen=
-und ein plastisches Modell hergestellt, welch letzteres in der
-Modellsammlung der Kirche seinen Platz fand (Taf. II u. III, Abb. 1).
-
-Die aufgedeckten Mauerteile waren vor dem Zuschütten auf Einladung des
-Vereins für Geschichte der Stadt Nürnberg von einer großen Zahl von
-Sachverständigen und Interessenten besichtigt worden.
-
-Gegen Ende des Jahres begann die Hütte mit der Herstellung der
-durchbrochenen Brüstungsstücke der Galerie für den =Südturm=.
-
-=1900.= Im Frühjahr 1900 konnte mit dem Versetzen der Gesimsstücke und
-der Galerie am südlichen Turm begonnen werden. Die Arbeit ließ sich
-nur auswechslungsweise vornehmen, wobei die in der Mauer liegenden
-vier Schlaudern, die übrigens unter sich nicht verbunden waren, eine
-Erschwerung bildeten. Am Turmaufbau oberhalb der Galerie mußten auf
-allen vier Seiten eine große Anzahl von Werkstücken, Bogenfriese,
-Gesimsstücke, Fenstergewände und auch glatte Quadern wegen der
-vorhandenen großen Verwitterung erneuert werden.
-
-Beim kupfernen =Dachhelm=, dessen Blechtafeln von sehr ungleicher Stärke
-waren, fand sich der Verband gelockert, das Blech durchlöchert und sehr
-beschädigt vor, so daß eine gründliche Reparatur unter Verwendung einer
-größeren Anzahl neuer Platten erforderlich wurde; auch der Blitzableiter
-und die Wetterfahne kamen zur Ausbesserung.
-
-Am =südlichen Seitenschiff= wurde in das westliche große Fenster ein
-neues Maßwerk eingesetzt. Das alte war erst in der Mitte des 19.
-Jahrhunderts in Verbindung mit dem Abbruch der damals im Innern der
-Kirche befindlichen =Mesnerwohnung= zur Ausführung gelangt, aber in den
-unverstandenen Formen der damaligen Zeit. Außerdem wurden in der zweiten
-Jahreshälfte nach den unterdessen ausgearbeiteten Plänen die für die
-Erneuerung des =Dreikönigschores= erforderlichen Werkstücke in Arbeit
-genommen und im Laufe des Jahres zum größten Teil fertig gestellt.
-
-Die Instandsetzung des Kaffgesimses und der Sockelpartien am südlichen
-Seitenschiff mußte jedoch, weil diese Wände mit Schuppen, Werksteinen
-und Gerüsthölzern verstellt waren, auf spätere Zeit verschoben werden.
-
-Nachforschungen nach einem ehemaligen inneren =Eingang= zur
-=Westchorkrypta= hatten keinen Erfolg.
-
-=1901.= Die nächste Aufgabe des Jahres bestand in der Weiterführung der
-Arbeiten am =südlichen Turm=.
-
-Es stellten sich -- wie so oft -- die Schäden an den Fenstern der
-Glockenstube als viel schlimmer heraus, als bisher angenommen war. Die
-freistehenden =Mittelpfeiler der Fensteröffnungen= zeigten sich auf
-der Nord- und Westseite vollständig zerrissen, so daß ein Herausnehmen
-derselben und ein Ersatz durch neue Pfeiler unabweislich war. Die
-Wegnahme einer solchen Stütze in einer Höhe von 40 m über der Erde und
-bei den in einem vielhundertjährigen Mauerwerk nicht mit absoluter
-Sicherheit festzustellenden Druck- und Schubverhältnissen erforderte
-natürlich große Vorsicht.
-
-Nach eingehenden Beratungen auch im Bauausschuß wurde beschlossen,
-vor der Herausnahme der Pfeiler die Fensteröffnungen provisorisch zu
-vermauern.
-
-Mit Hilfe dieses zwar nicht billigen, jedoch in Hinsicht auf den
-Zweck verhältnismäßig einfachen und dabei sicheren Mittels ging die
-=Auswechslung= ohne Störung vonstatten, so daß Mitte Juli der letzte
-Stein der provisorischen Ausmauerung wieder entfernt werden konnte. Das
-nordöstliche =Turmeck=, welches in der Kämpferhöhe des Mittelschiffes
-durch die schon früher aufgefundene Treppe in seinem Querschnitt
-bedenklich reduziert war, hatte vor diesen Arbeiten an der Glockenstube
-durch Ausmauerung die nötige Verstärkung erfahren.
-
-Danach handelte es sich um die Wiederherstellung des oberen Teiles der
-beiden =Strebepfeiler= auf der Südseite des Turmes.
-
-Bei dem westlichen dieser Pfeiler befand sich unter einem tief in die
-Mauer einbindenden und den oberen Teil des Pfeilers tragenden Baldachine
-ein überlebensgroßer =Kruzifixus=, der ebenso wie die Skulpturen an den
-Wimpergen der Pfeiler fast bis zur Unkenntlichkeit verwittert war. Der
-Kruzifixus wurde daher schon Anfang März heruntergenommen und in der
-Hütte erneuert.
-
-Da der Baldachinstein aber unmöglich ohne Gefahr für den oberen Pfeiler
-in seiner ganzen Größe herausgebrochen werden konnte, so mußte er
-in einzelnen Stücken zum Teil in schwalbenschwanzförmigem Verbande
-ausgewechselt werden.
-
-Auch der östliche Pfeiler erwies sich als so schlecht, daß er auf eine
-Höhe von 11 m vollständig abzubrechen und zu erneuern war, was besondere
-Rücksicht auf guten Verband mit dem Turmmauerwerk erforderte.
-
-Im Oktober waren diese Arbeiten am Turme beendet, so daß die Gerüste,
-die auf mehreren durch die Fenster der Glockenstube laufenden Balken
-aufruhten, entfernt werden konnten.
-
-Jetzt wurde auch das bisher eingestellte Geläute wieder in Tätigkeit
-gesetzt und die feststehende Feuerglocke, die als solche nicht mehr
-benutzt wurde, wieder läutbar gemacht.
-
-Unterhalb der Glocken war ebenso wie auf dem Nordturm ein mit Zinn
-gedecktes Schutzdach zur Wasserabführung anzubringen.
-
-Die hölzernen Treppenaufgänge im Innern des Turmes wurden verbessert.
-
-Daneben hatte die Hütte anfangs Juni mit den Versetzarbeiten an dem
-ganz zu erneuernden =Dreikönigschore= begonnen. Er wurde mit einem
-neuen Kupferdach versehen und konnte nach Aufstellung der gleichfalls
-erneuerten =Statuen= im August abgerüstet und dem Gebrauch wieder
-übergeben werden.
-
-Auch wurde den Sommer über das große Mittelschiffdach nach
-vorhergegangener Erneuerung der Lattung unter Ersatz vieler verwitterter
-Dachziegel umgedeckt.
-
-Hieran schloß sich die Umdeckung des Daches auf dem Löffelholzchor,
-wobei durch eine Umänderung des Dachstuhles zwischen den beiden Türmen
-die dortigen Dachanschnitte verbessert wurden. Bei dieser Gelegenheit
-fand sich innerhalb des Dachraumes der Giebel zwischen Chor und
-Mittelschiff mit einem Bogenfries geschmückt vor, so daß anzunehmen
-ist, daß das Chordach früher unterhalb des Giebels anschloß. Rinne,
-Abfallrohre und Blitzableiter wurden auf diesen Dächern in Kupfer wieder
-erneuert.
-
-Im Mittelschiff wurde auch der Dachstuhl selbst ausgebessert, der Schutt
-aus dem Gewölbezwickeln entfernt und der Boden gebrettert.
-
-Eine im April angestellte Untersuchung des =Löffelholzchores= hatte
-ergeben, daß im Innern einzelne Steinstücke herunterzufallen drohten,
-so daß eine Absperrung für nötig gehalten wurde. Als im November mit
-unterdessen aufgestellten Gerüsten genauer untersucht werden konnte,
-ergab sich als Ursache eine Anzahl von Bewegungen, die in den fünf
-Seiten des Chorabschlusses stattgefunden hatten. Nach Wegnahme des auf
-den Gewölben lastenden Schuttes ließen sich vom Hauptgesims bis zum
-Erdboden laufende Risse verfolgen, deren Breite bis zu 10 cm betrug.
-
-Eine alte hölzerne Verschlauderung fand sich denn auch auf dem
-Engelschor, hatte sich aber als ganz unzureichend erwiesen.
-
-Daher beschloß der Bauausschuß, im Innern eine neue radiale und im
-Äußern zwei Ringschlaudern von Eisen anzubringen, jedoch so, daß
-dieselben äußerlich nicht sichtbar sein sollten.
-
-Im übrigen waren für die Instandsetzung des Löffelholzchores bereits
-eine Anzahl von Werkstücken fertiggestellt. Die Versetzarbeiten sollten
-aber erst im nächsten Jahre beginnen.
-
-Von den an der Kirche befindlichen Grabdenkmälern wurden im laufenden
-Jahre mehrere erneuert.
-
-Dem Stadtmagistrat wurden eine Anzahl interessanter Steinstücke vom
-Dreikönigschor und der südlichen Turmgalerie zur Aufstellung an der
-Stadtmauer überlassen.
-
-=1902.= Das neue Jahr wurde in der Hauptsache durch die
-Wiederherstellung des =Löffelholzchores= in Anspruch genommen.
-
-Im Innern wurden die Risse gereinigt und ausgemauert sowie eine große
-Zahl zersprengter Werkstücke erneuert. Im Frühjahr konnten die Gerüste
-wieder entfernt werden, doch blieb die Instandsetzung der unteren
-Wandflächen, an denen des Gestühles wegen viele Gesimse abgeschlagen
-waren, ebenso wie die des =Engelchores= der späteren Innenrestauration
-vorbehalten.
-
-Auch im =Äußern= begannen im Frühjahr die Versetzarbeiten. Trotzdem
-viele Werkstücke schon im Winter fertiggestellt waren, konnte die
-benötigte Anzahl nicht mehr in diesem Jahre bearbeitet werden.
-
-Während der Versetzarbeiten fand auch die Verlegung der Schlaudern
-statt. Zunächst wurden die beiden Ringschlaudern oberhalb und unterhalb
-der Engelschorfenster, welche aus einzelnen mit Bolzen verbundenen
-Eisengliedern bestanden, in die Mauer eingelegt und mit Steinplatten
-verkleidet. Auf der Nord- wie auf der Südseite fanden die Schlaudern
-ihren Halt in den starken Turmmauern.
-
-Danach wurde die Radialschlauder in der Fußbodenhöhe des Engelschores
-verlegt. Diese, welche aus einzelnen Gabelschlaudern bestand, die
-die Ecken des Chores faßten und sich in der Mitte vereinigten, fand
-ebenfalls ihren Halt in den Turmmauern.
-
-Die äußere Wiederherstellung des Westchores nahm dann ihren Fortgang
-und war bis zum Ende des Jahres bis zur Höhe des ehernen Kruzifixus
-fortgeschritten.
-
-Am südlichen Seitenschiff waren noch die Arbeiten vom Kaffgesims ab
-zu vollenden. Die Schuppen und Gerüste, welche dies bisher verhindert
-hatten, wurden im Juni abgebrochen, so daß auch diese Arbeiten und
-daneben die Herstellung neuer kupferner Abfallrohre und einer neuen
-Kanalisation zu Ende geführt werden konnten.
-
-In Verbindung damit wurde auch der untere Teil der =Südseite des
-südlichen Turmes= in Stand gesetzt. Doch zeigten sich hier wieder
-bedenkliche Risse, welche die Anbringung einer größeren (übrigens zum
-Teil im Äußeren sichtbaren) Schlauder erforderlich machten; größte
-Vorsicht war bei den Auswechslungsarbeiten geboten. Diese Arbeit währte
-bis in den Dezember hinein.
-
-Das Relief »Mariä Verkündigung«, bisher am Nordturme, wurde an die
-nördliche Sakristei versetzt.
-
-Da nun bald mit der Wiederherstellung des =Innern der Sebalduskirche=
-begonnen werden sollte, nahm Professor =von Hauberrisser= mit Rücksicht
-auf die hierbei erforderliche ununterbrochene Anwesenheit des leitenden
-Architekten Veranlassung, der Kirchenverwaltung vorzuschlagen, den mit
-ihm bestehenden Vertrag zu lösen und denselben vom 1. Januar 1903 ab
-für alle weiteren Arbeiten mit dem Unterzeichneten abzuschließen, was
-geschah.
-
-=1903.= In diesem Jahre fand zunächst die Beendigung der
-Auswechslungsarbeiten am unteren Teile des =Westchores= statt, die von
-der Höhe des Kaffgesimses an bisher noch zurückgeblieben waren.
-
-Der bestehende =Eingang= in die =Krypta=, dessen reich profilierte
-Umrahmung aus dem 19. Jahrhundert stammte, wurde durch Wegmeißeln der
-stillosen Profile vereinfacht. Das Gleiche geschah mit der Türe, die
-reiche pseudoromanische Bänder aus dünnem Blech zeigte.
-
-Am südlichen sowohl wie am nördlichen Turm harrten noch die =romanischen
-Portale= der Restaurierung (Abb. 15, 16, 17, 18). Bei beiden Portalen,
-die ohne organische Verbindung mit dem eigentlichen Baukörper der
-Kirche sind, waren die Bogensteine nicht eigentlich verwittert, aber
-an den Kanten bei den Stoßfugen stark verletzt, die Kapitäle teils
-schlecht erneuert, teils fast ganz unkenntlich geworden und auch die
-Säulenschäfte in schlechtem Zustand.
-
-Wegen der unterdessen bei der Innenrestaurierung aufgedeckten Schäden am
-nördlichen Turm mußte jedoch die Restaurierung des dortigen Portales,
-damit der Turm nicht gleichzeitig an mehreren Stellen durch Ausbrüche
-geschwächt würde, vorläufig zurückgestellt werden.
-
-Im April wurde mit den Versetzarbeiten am =südlichen Portal= begonnen.
-Im November war dasselbe erst vollendet.
-
-Die Hütte war hauptsächlich mit der Innenrestaurierung beschäftigt,
-daher waren für die äußeren Arbeiten weniger Steinmetzen tätig als
-bisher.
-
-=1904.= Die Aufgabe, welche für das letzte Baujahr der äußeren
-Wiederherstellung noch verblieb, bestand in der Restaurierung des
-=nördlichen Turmportals= und des unteren rings um die Kirche laufenden
-Sockels, der viele Schäden zeigte und in früheren Jahren wohl oft, aber
-niemals gründlich ausgebessert worden war.
-
-Die Restaurierung am nördlichen Turmportale wurde im März begonnen
-und fand in der gleichen Weise wie am Südturm statt. Sie war im Juni
-vollendet.
-
-Dann begannen die Ausbesserungen des Sockels, der besonders am Ostchor
-eine große Anzahl neuer Quadern und sorgfältiges Ausstopfen der vielen
-ohne Mörtel vorgefundenen Lagerfugen erforderte.
-
-Mit dem Ende des Jahres war auch diese Arbeit beendet und die
-=Restaurierung= konnte als abgeschlossen gelten. Die Hütte wurde nunmehr
-im ganzen Umfange für die Zwecke der Innenrestaurierung verwendet.
-
-Daher mußte auch die Regulierung der Umgebung der Kirche auf der West-
-und Südseite, die besonders einer Verbesserung bedürfte, vorläufig
-zurückbleiben.
-
-Die =Bausammlung= der Kirche, zu welcher der Anfang schon im Jahre 1889
-durch Aufbewahrung der aufgefundenen Reste der Ostchorgalerie gemacht
-worden war, hat im Laufe der Jahre einen ziemlichen Umfang angenommen;
-sie enthält nicht nur von fast allen Teilen der Außenfassaden in
-einzelnen Stücken die hauptsächlichsten Originalreste, welche für die
-Wiederherstellung maßgebend gewesen sind, sondern auch eine große Anzahl
-von Modellen und mancherlei Fundstücke.
-
-Die =Hauptpläne= der Restaurierung überwies Professor von Hauberrisser
-dem =städtischen Archiv=. Die große Zahl der gefertigten =Detail-
-und Werkpläne= sind jedoch gleichfalls der =Sammlung= einverleibt.
-Diese selbst ist an zwei getrennten Orten untergebracht: zum Teil in
-der Westchorkrypta (Abb. 139), zum anderen Teil im Obergeschoß der
-nördlichen Sakristei.
-
-Von den Mitgliedern des =Bauauschusses= war im Laufe der Jahre
-Magistratsrat Tauber gestorben und Fabrikbesitzer von Forster und
-Ingenieur Rupprecht wegen Wohnungswechsels ausgetreten. Die Lücken
-wurden ergänzt durch Kommerzienrat Liebel, an dessen Stelle später
-Magistratsrat Häberlein trat, ferner durch Großhändler und kgl.
-Handelsrichter Heerdegen und Fabrikbesitzer Thäter.
-
-In der Vorstandschaft der =Kirchenverwaltung= war Stadtpfarrer und Dekan
-=Heller= durch Stadtpfarrer =Lotholz= abgelöst worden. Seit dessen
-Erkrankung führt Stadtpfarrer =Schiller= den Vorsitz.
-
-Stadtpfarrer Lotholz ist unterdessen gestorben, Kirchenrat Heller
-[[gestorben] 1907] steht heute der Restaurierung der Schwesterkirche St.
-Lorenz vor.
-
-Für die Beschaffung der =Mittel=, welche abgesehen von drei Lotterien
-aus den namhaften Unterstützungen seitens deutscher Fürsten, dann der
-Stadt und vieler kunstsinniger Familien und anderer Personen flossen,
-war der =Verein für die Restaurierung der Sebalduskirche= tätig, in
-dessen Vorstandschaft Justizrat Freiherr von Kreß, Justizrat Vollhardt
-und Kommerzienrat Schwanhäußer die Verwaltung führten unter dem Vorsitze
-des Kirchenrates =Michahelles=, =des eifrigsten Freundes und Förderers
-des ganzen Wiederherstellungswerkes=.
-
- =Nürnberg=, den 31. Dezember 1904. Prof. J. =Schmitz=, Architekt.
-
-
- 4. Bericht der Bauleitung über die Instandsetzung des Innern.
- 1903-1906.
-
-Bei einem Besuche der Sebalduskirche wird sogleich die
-Verschiedenartigkeit der baulichen Anlage ins Auge fallen. Denn die
-noch bestehenden Teile der engen =romanischen Basilika= bilden einen
-großen Gegensatz zum weiten =gotischen Hallenchor=: es mangelt daher die
-Einheitlichkeit der Raumwirkung. Auch in der formalen Detailausbildung
-kommt jede der beiden Hauptbauperioden charakteristisch zur Erscheinung,
-doch verleiht dies der Kirche neben dem kunstgeschichtlichen Interesse
-einen außerordentlichen malerischen Reiz. Erhöht wurde dieser noch
-durch die Fülle von wertvollen Kunstwerken, mit denen die folgenden
-Jahrhunderte die Kirche schmückten.
-
-Schon die =Gotik= hat ein Dekorationsmotiv ihrer Art in den romanischen
-Bau hineingetragen, indem sie, abgesehen von anderem statuarischem
-Schmuck, an den Pfeilern des Mittelschiffes unter Baldachinen zwölf
-Apostelstatuen anbrachte. Daneben wurde, wie sich im Laufe der
-Restauration erwiesen hat, in jener Zeit fast die ganze Kirche an
-Wänden und Gewölben mit einer einheitlichen Polychromie versehen, die
-an verschiedenen Stellen durch figürliche Darstellungen eine Steigerung
-erfuhr.
-
-Das =15. und 16. Jahrhundert= haben sodann eine Reihe weiterer
-Schmuckstücke an kostbaren Bildwerken, Epitaphien und
-Einrichtungsgegenständen hinzugefügt, welche der Verehrung des
-Kirchenpatrons, den gottesdienstlichen Zwecken und dem Gedächtnisse der
-Patrizierfamilien, die hier ihre Grabstätten besaßen, ihre Entstehung
-verdanken.
-
-[Illustration: TAFEL XI. Romanisches Dienstkapitäl des Mittelschiffes
-mit später angesetztem gotischem Baldachin.
-
-Gewölbeschlußstein im Ostchor.]
-
-In der =Barockzeit= ging freilich von der mittelalterlichen Erscheinung
-vieles -- unter anderm durch Übertünchung die farbige Wirkung des
-Innern -- verloren. Auch die hauptsächlichsten Mobiliarstücke
-wurden entfernt. Es entstand ein anderes Bild durch die Errichtung
-eines neuen mächtigen Hauptaltares, neuer Seitenaltäre, einer neuen
-Kanzel und hölzerner Emporen, welch letztere, zum Teil an den Wänden
-des Mittelschiffes angebracht und von den Triforien aus zugänglich, das
-Mittelschiff noch mehr einengten und verfinsterten.
-
-[Illustration: TAFEL XII. Statue des Apostels Johannes im Mittelschiff.]
-
-Engelsstatue von der Volckamerschen Verkündigung mit Baldachin und
-Konsole.]
-
-C. =Heideloff=, einem Hauptvertreter mittelalterlicher Romantik in der
-Architektur des 19. =Jahrhunderts=, blieb es vorbehalten, die Kirche
-von barocken Zutaten zu purifizieren, den Hauptaltar und einen Teil
-der Emporen zu entfernen und an Stelle des ersteren ein Werk eigener
-Erfindung aufzustellen. Bei der Orgel und beim Stuhlwerk schienen
-ihm Änderungen unerläßlich. Auch sonst wurde den noch vorhandenen
-nachmittelalterlichen Kunstwerken in dieser Zeit eine besondere
-Wertschätzung nicht zuteil. Die neugotische Kanzel entstand an Stelle
-der barocken als ein gemeinsames Werk von Heideloff und A. Kreling.
-
-Nunmehr sollte im Anschlusse an die 1888-1902 stattgehabte =Restauration
-des Äußeren=, die bereits durch Freilegung der Mittelschiffenster
-der Kirche eine größere Lichtzufuhr gebracht hatte, auch eine
-=Instandsetzung des Innern= der Sebalduskirche erfolgen. Mit der Leitung
-derselben betraute die Verwaltung des Vereinigten Protestantischen
-Kirchenvermögens auf Empfehlung Prof. von Hauberrissers den
-Unterzeichneten und schloß einen diesbezüglichen Vertrag am 12. Dezember
-1902 mit ihm.
-
-Niemand war darüber im Zweifel, daß es sich um eine umfangreiche und
-mehrjährige Arbeit handle, denn der Zustand der Kirche war ein sehr
-bedauernswerter. Die in den letzten Jahrhunderten ganz vernachlässigten
-Altäre, Statuen und sonstigen wertvollen Bildwerke waren zum guten
-Teil zerbrochen und ihres Schmuckes beraubt. Die Vergoldungen und die
-farbigen Gewänder der Statuen fanden sich dick mit weißer Ölfarbe
-überstrichen. Wertvolle Holzornamente sowie zierliche Eisenteile
-des 15. Jahrhunderts lagen mit Unrat vermengt in offenen Schränken
-und Kästen; dazwischen Stoffteile von alten gewebten und gestickten
-Paramenten. Schon vor einigen Jahren hatte Kirchenrat Michahelles,
-dem die Abstellung solcher Mängel sehr am Herzen lag, durch Prof. von
-Hauberrisser einen 4 m breiten neuen Schrank herstellen lassen und in
-diesem die vorhandenen kostbaren =Gobelins=, nachdem ein Verzeichnis
-derselben angefertigt worden war, unter sicheren Verschluß gebracht. Zur
-gleichen Zeit gelang es dem Unterzeichneten noch eben, aus einem zur
-Abfuhr bestimmten Schutthaufen ein steinernes =Relief=, die Auferweckung
-des Lazarus, dem Anschein nach von Veit Stoß, zu retten.
-
-Die Wände der ganzen Kirche zeigten eine gleichmäßige Tünchung in zwei
-Tönen: gelblich und violett. Die Hunderte von =Totenschildern=, welche
-die Kirche ehemals schmückten, waren bei einer beim Übergang Nürnbergs
-an Bayern stattgehabten »Säuberung« hinausgeschafft und zum Teil den
-betreffenden Familien zurückgegeben worden. Daß unter der geschmacklosen
-=Tünchung= mittelalterliche Malereien verborgen seien, die der
-Auferstehung harrten, mußte jedem mit der mittelalterlichen Kunst
-Vertrauten zweifellos scheinen.
-
-So wurde denn am 1. Januar 1903 mit den Arbeiten begonnen und zunächst,
-um während der Restaurierung den Gottesdienst möglichst wenig zu
-beeinträchtigen, die basilikale westliche Kirchenhälfte vom Ostchor,
-in welchem der Gottesdienst stattfinden sollte, durch eine Holzwand
-getrennt. Durch das Baugeschäft von G. Goll & Söhne erfolgte sodann die
-Einrüstung der Kirche, und zwar des Mittelschiffes und der Seitenschiffe
-des Löffelholzchores und der Turmhallen vom Boden bis zum Gewölbe. Von
-den =Gemälden= wurden die nachfolgenden zur kgl. Gemäldegalerie nach
-Augsburg gesendet, um dort von Konservator A. =Mayer= teils gereinigt
-und aufgefrischt, teils restauriert zu werden: Die Flügeltafeln des
-=Löffelholzaltares= (des Schreines und der Predella) (Abb. 43), die
-drei =Tafelbilder= im Löffelholzchor, die Tafel =Mariä Krönung=,
-der =Hallersche Altar=, die =Geburt Christi= (von 1478) und die
-=Auferweckung des Lazarus= von Ruprecht oberhalb der Nordtüre. Die
-übrigen kleineren Bildwerke und Skulpturen wurden in die Arbeitsräume
-der Bauhütte gebracht, während die größeren an Ort und Stelle vorläufig
-durch Einpackungen vor dem zu erwartenden Baustaub zu schützen waren.
-
-Nunmehr wurde vorsichtig mit dem Abschaben und Abklopfen der Tünche
-begonnen. Schon bald zeigten sich an den Gewölben, und zwar an den
-Rippen und Schlußsteinen, Spuren von =Polychromie=, und es dauerte nicht
-lange, bis das System der ehemaligen Bemalung des Kircheninnern klar
-gestellt werden konnte. Zwei verschiedene Arten der letzteren waren zu
-unterscheiden. Eine einfache Quaderbemalung in zwei Tönen (grau und
-rot) im Löffelholzchore, dessen Gewölbefelder außerdem einen gemalten
-Steinverband aufweisen, sowie die vorgefundene schwärzliche Tönung
-einzelner Gesimse und besonders der Säulenschäfte -- ein Anklang an die
-Verwendung von Schiefer bei den rheinischen Bauten -- dürfte als noch
-zur romanischen Bauperiode gehörig anzusprechen sein. Andererseits muß
-die in schwarz, rot, gelb und blau hergestellte Bemalung der Rippen im
-Mittel- und Seitenschiff (Taf. IX) und die Polychromie der Statuen und
-ihre teppichartigen Hintergründe (Taf. XII) dem 14. und 15. Jahrhundert
-zugewiesen werden. Für die vorgefundene Bemalung erscheint der Umstand
-bemerkenswert, daß ein einheitliches starres System nicht aufdringlich
-zutage tritt; vielmehr bietet eine je nach Gelegenheit und Veranlassung
-stattgehabte farbige Ausschmückung einzelner Teile der Kirche ein
-ungemein abwechslungsreiches und malerisches Bild.
-
-Erhöht wurde dieser Reiz durch die =figürlichen Wandmalereien=, welche
-an verschiedenen Stellen aufgedeckt wurden. Von diesen sei zunächst eine
-Figur des =Christophorus= erwähnt, welche in Riesengröße fast die ganze
-Wandfläche des südlichen Turmes innerhalb des dortigen Seitenschiffes
-bedeckt. Oberhalb derselben zeigen sich =Reste= einer noch früher
-vorhanden gewesenen und gut erkennbaren Christophorusdarstellung,
-vermischt mit Fragmenten eines ebenfalls an der gleichen Stelle
-bestandenen =Veronikatuches= mit dem Christuskopf, welches von Engeln
-gehalten wird. An einem südlichen Pfeiler des Mittelschiffes fand sich
-ein Gemälde, den =Tod Mariä= darstellend, das ehemals die Rückwand
-eines Altares dortselbst gebildet haben dürfte. Darüber Reste von
-kleineren Gemälden. An einem anderen Pfeiler beim Dreikönigsportal wurde
-ein weiteres Gemälde, die sogenannte =Gregoriusmesse=, aufgedeckt.
-An den Brüstungen der Empore im nördlichen Seitenschiff konnten nach
-Entfernung einer braunen Farbschicht hübsch gemalte Maßwerke und reiche
-=Wappen= der Patrizierfamilien, welche dort heute noch ihren Sitz haben,
-bloßgelegt werden.
-
-Mußte auf der einen Seite als Vandalismus empfunden werden, wie
-frühere Zeiten einer so kunst- und geschmackvollen Bemalung gegenüber
-durch rücksichtslose Übertünchungen verfahren waren, so erforderte
-andererseits die Stellung, welche dem nunmehrigen Befunde gegenüber
-einzunehmen war, Überlegung und Vorsicht.
-
-Das farbenfreudige Mittelalter hat diese Bemalungen offenbar in
-frischer lebhafter Wirkung hergestellt und an dieser keinen Anstoß
-genommen, während unser heutiges Farbenempfinden dem gegenüber ein
-ganz verändertes ist. Gerade die zarte Wirkung, welche die durch
-Tünchung und Wiederaufschabung in ihrer Kraft gedämpften Bemalungen
-aufwiesen, bot einen außerordentlichen Reiz, und die Gesamtwirkung war
-trotz der verschiedenen Zeiten, aus denen diese stammten, von durchaus
-harmonischer Einheitlichkeit. Der Respekt vor der Kunst der Alten
-machte außerdem größte =Zurückhaltung= bezüglich etwaiger Erneuerungen
-und gleichmäßige Fürsorge für alle alten Funde -- ob sie nun aus dem
-Mittelalter oder der Rokokozeit stammten -- zur Pflicht. Unter diesen
-Umständen trachtete der Unterzeichnete darnach, die Malereien in ihren
-vorhandenen Resten und Spuren auf das gewissenhafteste festzustellen und
-die Restaurierung in der alten Technik lediglich auf die Ergänzung der
-fehlenden, mit Sicherheit zu bestimmenden Teile zu =beschränken=, wobei
-auf die Erhaltung der beschriebenen allgemeinen malerischen Stimmung
-sorgfältig Rücksicht genommen werden sollte.
-
-[Illustration: Abb. 43. Löffelholzaltar.]
-
-Zur Ausführung solcher eigenartiger Arbeiten waren geeignete Kräfte in
-Nürnberg nicht vorhanden. Es wurde daher der als trefflicher Meister
-in seinem Fach bekannte Vergolder und Faßmaler =Franz Ruedorfer=,
-beziehungsweise die Firma Barth & Cie. in München, welcher er angehört,
-mit diesen Arbeiten betraut. Ruedorfer, der wiederholt selbst anwesend
-war, sandte eine Anzahl Gehilfen, die seine Schule genossen hatten und
-die sich, teils in Bemalung, teils in Modellieren, Formen und Gießen
-geschickt, im Laufe der ganzen Restaurierung als willige Hülfskräfte
-erwiesen.
-
-Die Abschabung der Tünche und die an einzelnen Stellen erforderliche
-Wegnahme des Verputzes hatte aber außer der Feststellung der alten
-Bemalung leider eine im höchsten Grade bedauerliche Entdeckung zur
-Folge. Es zeigten sich nämlich bauliche, den Kern des Mauerwerkes
-betreffende =Schäden=, welche von niemand bei der Inangriffnahme
-der Restaurierung erwartet worden waren. Zunächst war dies beim
-=nördlichen Turm= der Fall. Da, wo an der Ostseite des Turmes die später
-hinausgerückte Außenwand des nördlichen Seitenschiffes früher angebaut
-war, trat das innere Brockenmauerwerk ohne schützende Quaderverblendung
-zutage. Die romanischen Mauern bestehen an St. Sebald durchweg aus
-einer beiderseitigen Quaderverblendung; deren innerer Zwischenraum mit
-zum Teil sehr mangelhaftem Brockenmauerwerk ausgefüllt ist. Es zeigte
-sich ferner in dieser Ostmauer des Turmes oberhalb des Spitzbogens
-der vermauerte Zugang zu einem =Treppenhause=, welches sich in seiner
-ungefähren Lage aus dem Vorhandensein eines kleinen Fensters und
-eigenartiger vermauerter Öffnungen im linken Gaden des Turmes annähernd
-bestimmen ließ. Da dieses Treppenhaus innerhalb der Mauer lag, so war
-diese infolge des mangelnden Verbandes selbst bei einer nachträglichen
-Ausmauerung geschwächt und hatte der Belastung nicht standhalten können.
-Daher waren zahlreiche bis zu 12 cm breit klaffende Risse entstanden.
-Schleuniges Eingreifen tat not, war aber um so schwieriger, als vorerst
-keine sichere Kenntnis darüber bestand, ob das Treppenhaus ausgemauert
-oder noch hohl war. Einbrüche vorzunehmen, um hierüber Auskunft zu
-erhalten, erschien wegen der damit verbundenen Gefahr unmöglich. So
-konnte nur mit vorsichtigen Bohrungen und mit in diese eingeführter
-künstlicher Beleuchtung des 1·50 m starken =Mauerinnern= festgestellt
-werden, daß der Treppenraum mit schlechtem Brockenmauerwerk teils
-ausgemauert, teils nur zugeschüttet worden war. Bei den vorhandenen
-außerordentlich großen Belastungen ein wenig tröstliches Ergebnis.
-
-Der Arbeitsplan wurde nun, wie folgt, entworfen. Zunächst war der
-Spitzbogen zwischen Turm und Seitenschiff mit starken Rundholzstämmen
-auszubolzen und darüber eine eiserne Verschlauderung anzubringen, sodann
-wurde in die nur mangelhaft zusammenhängende Turmmauer eine Öffnung von
-der Größe weniger Backsteine eingebrochen und mit harten Backsteinen in
-Zementmörtel wieder vermauert. Durch Wiederholung dieser Arbeit gelang
-es, einen horizontalen, etwa 50 cm hohen Streifen von Backsteinmauerwerk
-einzubringen, der innerhalb der Mauer etwa wie ein eingesetzter fester
-Balken wirken mußte. Solche Streifen wurden in Abständen von 50 cm
-sechs untereinander eingebracht, und sodann die noch bestehenden
-Zwischenteile durch Quadermauerwerk -- natürlich kam jedesmal nur
-ein Quader zur Vermauerung -- ausgewechselt. Hernach gelang es durch
-vorsichtige Einbrüche in das Treppenhaus selbst auch hier den größten
-Teil des schlechten Mauerwerkes nach und nach durch gutes tragfähiges
-Zementmauerwerk zu ersetzen.
-
-Auch in der südlichen Wand des nördlichen Turmes zeigten sich in
-der Höhe des Engelchores verschiedene =Treppenläufe= innerhalb der
-Mauer, welche nicht vermauert, sondern vollständig hohl waren. Daneben
-fanden sich andere, vielleicht zur Aufnahme von Holzbalken bestimmte
-verborgene =Höhlungen=, welche den Querschnitt der Mauern verringerten.
-Es erwies sich somit, daß die romanischen Türme viele Treppenaufgänge
-innerhalb der Mauer besaßen, und daß man beim Aufbau des 75 m hohen
-nördlichen Turmes in der gotischen Zeit auf die durch die Hohlräume
-geschwächten Mauern unbedenklich weiter gebaut hatte. Den infolgedessen
-aufgetretenen Verschiebungen des Mauerwerkes war zum Teil schon bei der
-Außenrestaurierung durch starke Verschlauderungen entgegengearbeitet
-worden, ohne daß damals jedoch die Ursache schon in ihrem ganzen Umfang
-bekannt gewesen wäre.
-
-Beim =südlichen Turm= haben die angestellten Untersuchungen eine beim
-gotischen Aufbau vorgenommene Verbesserung des romanischen Unterbaues
-ergeben.
-
-So bedauerlich es nun im archäologischen Interesse auch war, so mußte
-doch der bestehenden Schäden wegen eine Einmauerung von Pfeilern
-und teilweise eine ganze Ausmauerung bei den hohlen Treppenräumen
-ausgeführt werden. Übrigens hat in jedem Falle eine genaue geometrische
-und, wo dies möglich war, auch photographische Aufnahme des Befundes
-stattgefunden.
-
-Als noch ernster erwies sich die Lage bei den beiden =romanischen
-Vierungspfeilern=, auf denen die Hauptlasten der Kirchenmauern ruhen.
-Während der Abnahme des Verputzes schon fiel ein auf der Westseite des
-=nördlichen Pfeilers= angebrachter, aber von der Mauer abgerissener
-und nur noch lose anhaftender steinerner Baldachin herab. Es ist als
-ein Glück zu betrachten, daß er nicht während des Gottesdienstes auf
-die Kirchenbesucher herabgestürzt war. Dieser Pfeiler war im übrigen
-auf allen vier Seiten durch und durch zerrissen. Da im Innern nur
-schlechtes Brockenmauerwerk zu erwarten war und die großen Mauerlasten
-(etwa 620.000 kg) lediglich auf den zerborstenen Außenquadern ruhten,
-so mußte schleunige Abhilfe getroffen werden, wenn man nicht mit einer
-Katastrophe rechnen wollte, denn der Zusammenbruch des Pfeilers mußte
-den Einsturz der nördlichen Hälfte der ganzen Mauerwand und des Giebels
-zwischen Ostchor und Basilika sowie der anstoßenden Gewölbe zur Folge
-haben.
-
-Die Ursachen, aus denen ein so bedrohlicher Zustand erwachsen war, sind
-verschiedener Art. Zunächst ist zu bedenken, daß die Vierungspfeiler
-ursprüglich Tragpfeiler einer romanischen Gewölbeanlage waren, die beim
-Umbau der Kirche in der gotischen Zeit zum Teil abgebrochen wurde, so
-daß sich in der Beanspruchung der Pfeiler eine Verschiebung ergeben
-mußte. Damals sind vielleicht schon die ersten Deformationen entstanden.
-
-Der Anbau des Ostchores und des großen Westgiebels desselben brachte
-sodann den Pfeilern neue Belastungen, während andererseits durch die
-Verbreiterung des Seitenschiffbogens und in der Barockzeit durch
-Einbrüche für Balken, Emporen und Stuhlwerk der Querschnitt der Pfeiler
-an verschiedenen Stellen weit über das zulässige Maß geschwächt und
-der Verband aufgehoben wurde. Ist aber einmal der Zusammenhang eines
-Mauerkörpers gelockert, so wird jede weitere Schädigung von um so
-schlimmeren Folgen sein. Man kann daher nur staunen über die sorglose
-Art, in der besonders die letzten Jahrhunderte das Bauwerk, welches
-schon durch die mittelalterlichen Umbauten die Einheitlichkeit der
-Konstruktion eingebüßt hatte, vernachlässigt haben.
-
-Der =südliche Pfeiler= erwies sich dem äußeren Anschein nach als in
-besserer Verfassung, doch ließen bereits vorhandene Backsteinmauerungen
-und Verschlauderungen nichts Gutes vermuten. Immerhin war am meisten
-der nördliche Pfeiler gefährdet; auch die Behörden forderten aus
-Sicherheitsgründen eine Erneuerung des Pfeilers.
-
-So hatten sich neben den künstlerischen Aufgaben noch Arbeiten ergeben,
-die in konstruktiver und technischer Beziehung große Anforderungen
-stellten und zudem außerordentliche Geldmittel erheischten. Als ein
-schätzbarer Berater der Bauleitung erwies sich bei diesen Arbeiten
-der Ingenieur =Otto Weber=, welcher bei der Lösung der mannigfaltigen
-technischen Fragen großen Anteil hatte. Aber auch Steinmetzmeister
-=Johann Göschel=, stets gewissenhaft und unermüdlich, hat sich den ihm
-gestellten Aufgaben auf das beste gewidmet.
-
-Wie sollte der nördliche Pfeiler ausgewechselt werden? Von den wenigen
-Beispielen einer solchen =Auswechslung= in der neueren Geschichte der
-Technik schien die Auswechslung im Bremer Dom von Interesse. Allein
-eine Abstützung aller in Betracht kommenden Gewölbe- und Mauerlasten,
-wie sie dort stattgefunden hatte, war hier sowohl wegen der großen Höhe
-und Unsicherheit eines Holzgerüstes als auch wegen der Feuersgefahr und
-Kosten nicht zu empfehlen, denn die profilierten Bögen boten für die
-Abstützungen nur mangelhafte Angriffsflächen und bei einem Holzgerüst
-waren Setzungen nicht zu vermeiden. Wurden die Lasten aber etwa durch
-Eisenstützen wirklich abgefangen, so ergaben sich für die Fundierung der
-letzteren in dem von romanischen Grundmauern durchzogenen, aufgefüllten
-Chorboden neue Schwierigkeiten. Aus den Beratungen erwuchs schließlich
-der Plan, den ganzen geborstenen Pfeiler mit einer =Armierung= aus
-eisernen Trägern ringförmig zu umgeben (Abb. 44 und 45) und innerhalb
-dieser Ringe unter Beobachtung der größten Vorsicht einen Quaderstein
-nach dem anderen auszuwechseln; dabei sollte auch in den Mauerkern
-möglichst tief eingedrungen und dieser durch Ausmauern und Einspritzen
-von Zementmörtel verbessert werden.
-
-Der =Bauausschuß=, der von allen Vorgängen unterrichtet war, beschloß,
-die Sicherung des Pfeilers durch die beabsichtigte Armierung sofort
-vornehmen zu lassen, die Erneuerung selbst aber erst in Verbindung mit
-der Restaurierung des Ostchores zu bewirken.
-
-Die baulichen Arbeiten in der Westhälfte der Kirche waren damit noch
-nicht erschöpft. Die =Triforien= (Abb. 4) des Mittelschiffes zeigten
-sich ursprünglich konstruktiv korrekt zwischen den Tragpfeilern der
-Joche angelegt. Sie schwächten zwar die Schildmauern, jedoch an einer
-Stelle, wo dies ohne Nachteil geschehen konnte. Die eigentlichen
-Tragpfeiler waren massiv und wurden zum Teil durch äußere Strebebögen
-gestützt. Bei der im Anfang des 14. Jahrhunderts stattgehabten
-Erweiterung der Seitenschiffe wurden die Strebebögen aber abgebrochen,
-und als durch die Erhöhung der Gewölbe die Triforien vom Dachboden aus
-nicht mehr zugänglich waren, wurden die Tragpfeiler durchlöchert, um
-eine Verbindung der einzelnen Triforien untereinander sowohl wie mit den
-Gewölbetrichtern zu schaffen. Denn letztere ermöglichten durch hölzerne
-Treppen wieder einen schmalen Zugang zu dem höher gelegten Dachboden.
-Infolge dieser Durchbrüche war aber die Sicherheit der Konstruktion
-des Mittelschiffes wesentlich beeinträchtigt. Noch schlimmer wurde die
-Sachlage, als in der Barockzeit hölzerne =Emporen=, deren Balken große
-Löcher im Mauerwerk erforderten, aus den Triforien herausgebaut und aus
-den letzteren selbst zur Erzielung eines bequemen Zuganges viele Säulen
-und Bögen entfernt wurden. Bei dem im 19. Jahrhundert erfolgten Abbruch
-dieser Emporen hatte zwar ein Wiedereinsetzen dieser Säulen, aber ohne
-jedes Verständnis für die bestehenden Schäden in der sorglosesten
-Weise stattgefunden, so daß diese »Restaurierung« nichts als eine
-oberflächliche Kaschierung war.
-
-[Illustration: Abb. 44. Modell eines zum Teil armierten Vitrumspfeilers.]
-
-Hier mußte überall in gewissenhafter und gründlicher Art Abhilfe
-geschaffen werden. Da außerdem an verschiedenen anderen Stellen der
-Kirche, z. B. an der zu einem Schrank mit Fächern aus steinernen Platten
-umgewandelten Arkade zwischen Löffelholzchor und nördlichem Turm,
-Veränderungen und Ergänzungen am Mauerkörper stattzufinden hatten, so
-kann nicht Wunder nehmen, daß über 2000 Werksteine aus Wendelsteiner
-Quarzit im Laufe des Jahres eingewechselt oder neu eingesetzt werden
-mußten.
-
-An den reizvollen romanischen =Skulpturen=, Konsolen, Kapitälen und
-sonstigem Laubwerk wurden die vielfach fehlenden Teile durch freie
-Anmodellierung in Masse mit Hilfe von Dübeln wieder neu hergestellt.
-
-Eine Anzahl von rechteckigen Vertiefungen an den Pfeilern des nördlichen
-Seitenschiffes, welche ehemals wohl =Bronzetafeln= enthielten und auf
-das Vorhandensein von Gräbern dortselbst schließen lassen, wurden in dem
-aufgedeckten Zustande belassen. Auch die Reste eines im Löffelholzchor
-aufgefundenen romanischen =Steinfußbodens= wurden zu beiden Seiten des
-Altares dortselbst wieder verwendet.
-
-Die bis jetzt beschriebenen Arbeiten füllten fast das ganze Jahre 1903
-aus; Mitte Oktober waren die Hauptgerüste gefallen und auch der in
-seiner Architektur so reich und reizvoll ausgestattete =Engelschor=,
-dessen Gewölbekappen wegen der Jahrhunderte lang stattgehabten
-Durchfeuchtung größtenteils erneuert werden mußten, fertiggestellt.
-Bis auf den tödlichen Sturz eines Tünchergesellen war alles glücklich
-vonstatten gegangen. Nun konnten die Gerüste immer weiter entfernt und
-mit den Arbeiten an den =Holzgalerien=, =Altären= und =Votivbildern=
-begonnen werden. Hier sind besonders zu nennen die steinerne
-=Kreuztragung= von Adam Kraft (Abb. 87) sowie die prächtigen Stammtafeln
-der Patriziergeschlechter =Löffelholz=, =Ebner= (Abb. 113) und =Pömer=.
-An diesen Kunstwerken fanden Ergänzungen vieler abgeschlagener Teile,
-Abschaben der weißen Übermalung und die Wiederherstellung der Vergoldung
-und Polychromie unter möglichster Schonung des alten Bestandes statt.
-
-[Illustration: Abb. 45. Armierter Vitrumspfeiler während der
-Restaurierung.]
-
-Den Hauptteil der figürlichen Plastik in der Westhälfte der Kirche
-bilden die an den Mittelschiffpfeilern angebrachten elf =Apostelstatuen=
-(Abb. 77 bis 81), welche im ganzen gut erhalten waren. Die Attribute,
-die bei einigen fehlten, waren leicht festzustellen und wurden erneuert.
-Im Mittelschiff fanden sich ferner auf der Südseite die Statue =Johannes
-des Täufers= und auf der Nordseite ein =Thomaschristus=, beide gut
-erhalten, im nördlichen Seitenschiff zunächst das Kaiserpaar =Heinrich
-und Kunigunde= (Abb. 82 und 83); der Kaiserfigur war das Szepter neu
-beizugeben. Ohne Ergänzung konnten sodann die vortreffliche Statue
-=Bischof Erhards= (Abb. 84) sowie ein =Thomaschristus= bleiben. Im
-südlichen Seitenschiff waren eine =Katharina=, eine =Helena= (Abb. 85)
-und eine =Antoniusstatue= vorhanden, bei denen teils Ergänzungen, teils
-Erneuerungen der Attribute erforderlich wurden. Für eine =Marienstatue=
-mit dem Christuskind, die sich in der südlichen Turmhalle zur Seite
-gestellt vorfand, konnte am ersten südwestlichen Mittelschiffpfeiler
-der alte Standplatz festgestellt werden. Sie wurde an demselben wieder
-aufgestellt und erhielt ein neues Szepter, das Kind einen neuen Arm. Ein
-kleiner =Thomaschristus= mit dem Ebnerwappen, der unter der Fülle von
-Statuen an diesem Pfeiler erdrückt erschien, wurde in den Löffelholzchor
-versetzt. Die =ursprüngliche Polychromie= ließ sich bei allen Statuen
-leicht ermitteln und wurde sorgältig wiederhergestellt. In vielen
-Fällen, besonders auch bei den teppichartigen, farbigen Hintergründen
-konnte sich diese Arbeit auf eine Restaurierung der im ganzen noch gut
-erhaltenen Bemalung beschränken.
-
-Auf diese Weise erhielt die bisher weiß getünchte Kirche an Pfeilern
-und Wänden einen reichen farbigen Schmuck, zu dem der lichte, etwas
-ungleichmäßige Mauerton einen glücklichen Hintergrund bildete.
-
-Noch fehlten jedoch den Pfeilern die ehemals dort angebrachten
-zahlreichen und prächtigen =Totenschilde= der Patrizier, welche in
-den alten Kupferstichen gewissenhaft dargestellt sind. Kirchenrat
-Michahelles richtete eine Anfrage und Bitte an die in Frage
-kommenden Familien um Wiederherausgabe dieser Schilde. Der Erfolg
-war hocherfreulich. Von der =von Löffelholz=schen Familie wurden 21
-Schilde (Abb. 115) überlassen, von den Familien =von Haller= 12 (Abb.
-117 und 118), =von Kreß= 7 (Abb. 116), =von Ebner= 4 (Abb. 119) und
-=von Harsdorf= 11 Schilde. Die Wiederherstellungsarbeiten wurden in der
-Bauhütte ausgeführt und die Schilde in der Kirche an Pfeilern und Wänden
-in Gruppierungen, wie sie möglichst dem früheren Bestande entsprachen,
-aufgehängt.
-
-Die Wandmalereien: =Christophorus= (Abb. 46), =Tod Mariä= und
-=Gregoriusmesse=, welche aufgedeckt worden waren, wurden durch
-Kunstmaler Pfleiderer unter Mithilfe des Konservators Professor
-Haggenmiller restauriert und die beiden letzteren mit hölzernen
-Schutztürchen versehen. In der südlichen Turmhalle fand ein neues
-brunnenartiges Becken mit Wasserleitung seinen Platz.
-
-Der Fußboden aus Wendelsteiner Quarzitplatten war fast ganz zu erneuern;
-und auch die =Glasmalereien= erforderten zwar nicht wesentliche
-Restaurationen, jedoch kleinere Ausbesserungen und neue Bleifassungen.
-In den Fenstern des Löffelholzchores gelangten sechs neue =Bildtafeln=,
-von Zettler in München nach Professor Wanderers Entwurf gefertigt, zur
-Aufstellung. Daneben wurden teils alte, teils neue Wappen angebracht.
-Stifter dieser Fenster sind die Familien von Löffelholz, von Haller, von
-Kreß, von Scheurl und von Tucher.
-
-Störend wirkten bis jetzt die =Kirchenbänke=, deren Seitenteile mit
-pseudogotischen Verzierungen aus der Mitte des 19. Jahrhunderts
-versehen waren. Die heutige Denkmalpflege verlangt da, wo nicht etwa an
-einem alten Objekt kleine Teile zu ergänzen, sondern wo neue Objekte
-zu schafren sind, =neuzeitliche= Formen. Eine gefährliche Aufgabe
-in einer so ehrwürdigen Umgebung. Dem Unterzeichneten schien es am
-zweckmäßigsten, in solchen Fällen möglichst =indifferente, einfache
-Formen= anzuwenden, welche gegenüber den vorhandenen Kunstwerken in den
-Hintergrund treten sollten. In dieser Art war schon die Gestaltung des
-Wasserbeckens im südlichen Turm und der Holzläden vor der Gregoriusmesse
-erfolgt; sie sollte auch für die späteren Arbeiten im Ostchor
-(Sakristeivertäfelung und verschiedene Eisenbeschläge) beibehalten
-werden. Daher entstanden nun auch an den Bänken neue Seitenteile mit
-einem einfachen, schlichten Schneckenabschluß. Andererseits fand
-da, wo vorhandene alte Teile dazu Veranlassung gaben, z. B. bei den
-mannigfachen eisernen Schranktüren, die Ergänzung im alten Stil und
-Charakter statt. Das geschilderte Prinzip wurde nach besten Kräften
-durchgeführt; wo eine kleine Abweichung stattfand und eine Neuschöpfung
-den Archäologen zu einem Irrtum verleiten könnte, wurde die Jahreszahl
-beigefügt.
-
-Ende März konnten die von Konservator Mayer geschickt restaurierten
-Gemälde wieder zur Aufstellung gelangen. Bei den =Predellabildern=
-des Löffelholzaltares hatte sich unter einer wertlosen Übermalung die
-mittelalterliche Darstellung der alten Stifter gefunden. Auch bei den
-anderen Bildern war hie und da eine unverständige spätere Übermalung
-entfernt worden. Namentlich die alte Vergoldung kam unter einer
-überdeckenden stumpfen Farbschicht, z. B. bei den Hintergründen des
-Halleraltares, und zwar meist gut erhalten, wieder zum Vorschein.
-
-Die alte barocke =Orgel= auf dem Engelchor erhielt ein neues Orgelwerk,
-das eine Erweiterung des Gehäuses nach den beiden Seiten zur Folge hatte
-und von Orgelbaumeister Strebel gebaut wurde.
-
-Alle Kunstschreinerarbeiten und die hiebei erforderlichen Schnitzereien
-wurden in den Werkstätten der Bauhütte gefertigt. Schließlich ist zu
-erwähnen, daß im ersten westlichen Joche des nördlichen Seitenschiffes
-eine Reihe von steinernen =Originalstatuen= vom Äußeren der Kirche,
-welche im Laufe der Jahre erneuert worden waren, zur Aufstellung
-gelangten.
-
-So konnte Ostern 1904 die Restaurierung der =Westhälfte= von St. Sebald
-nach 15monatlicher Bauzeit beendet werden; und nachdem der Bauausschuß
-die dargelegten Grundzüge für die Wiederherstellung des =Ostchores=
-genehmigt hatte, wurde sogleich mit den Arbeiten in diesem begonnen.
-
- * * * * *
-
-[Illustration: Abb. 46. Der heil. Christophorus. Wandgemälde im
-südlichen Seitenschiff.]
-
-Zunächst waren auch hier die beweglichen Kunstgegenstände in der
-Bauhütte, wo sie restauriert werden sollten, in sichere Verwahrung
-zu bringen. Sodann wurden die Bildtafeln: =Maria mit Heiligen= von
-Hans von Kulmbach 1513 (Taf. XV), =Ecce homo= aus dem Tucheraltar
-von Merian 1659, die =Kreuztragung= von 1485, die =Auferstehung= aus
-dem Muffelaltar, das =Paradies= von Kreuzfelder 1603, die Flügel des
-=Petrusaltares= mit zwölf Bildern und schließlich die Flügel des
-=Annaaltärchens= in die königl. Gemäldegalerie nach Augsburg zur
-Restaurierung durch Konservator Mayer gesendet. Zu gleichem Zwecke wurde
-eine kleinere Anzahl von Tafelbildern an Kunstmaler Bär übergeben. Dann
-war der ganze Ostchor im Innern einzurüsten, um alle Wände, Pfeiler und
-Gewölbe zu gleicher Zeit in Angriff nehmen zu können; hernach begann das
-Abschaben der Tünche.
-
-Das Ergebnis war im allgemeinen das gleiche wie in der Westhälfte. Es
-trat ein gelblicher Grundton der Wände zutage. Die Gewölbekappen, mit
-schwarzen Strichen versehen, waren etwas heller. An den =Schlußsteinen=
-fand sich die von der Westhälfte her bekannte Polychromie der übrigens
-außerordentlich reizvollen Skulpturen und eine ornamentale Bemalung
-der =Rippen= in der Nähe des Gewölbeschlusses. Ferner eine rötliche
-Tönung der Fensterleibungen. Außerdem waren aber =einzelne Partien= der
-plastischen Wanddekoration, z. B. Statuen mit zugehörigen Baldachinen
-und Rückwandflächen (Abb. 47), farbig behandelt, je nachdem wohl von
-den Patrizierfamilien, welche in den entsprechenden Jochen ihre Gräber
-und Totentafeln besaßen, eine Stiftung dazu stattgefunden hatte. Daher
-erwiesen sich einzelne Baldachine =reich polychromiert= und vergoldet,
-während ihre Nachbarn den =schlichten Steinton= zeigten.
-
-An =Wandmalereien= wurde zunächst eine an die Restaurierung von 1657
-erinnernde =Tafel= über dem Kaiserchörlein und ein =Veronikatuch=
-dortselbst aufgedeckt, bei welch letzterem die ursprünglich wohl
-vorhandenen Engel in die Apostel Petrus und Paulus umgewandelt waren,
-ferner figürliche =Fragmente= an der nördlichen und südlichen Sakristei,
-im Dreikönigschor und hinter dem Muffelaltar sowie Teppichmuster beim
-Tucheraltar und dem südwestlichen Chorpfeiler. Die Restaurierung all
-dieser Bildreste beschränkte sich auf das Notwendigste. Es wurde der
-archäologische Bestand möglichst erhalten und über ein vorsichtiges
-Austupfen der weißen Flecke innerhalb der farbigen Flächen nicht
-hinausgegangen. Die Fragmente behielten ihren Charakter als solche bei.
-
-Weitere größere =Wandmalereien= zeigten sich bei den Tucherschen
-Chorstühlen. Über dem ersten westlichen Stuhl kam nach Wegnahme des
-Kulmbachschen Bildes eine =Kreuzschleppung= von 1473 (Gedächtnis
-der Frau Barbara Steinlinger) zutage, von welcher, so schlecht sie
-auch erhalten war, ein größerer Teil, eine isometrische Darstellung
-der Stadt Jerusalem, von der Wand auf Leinwand abgezogen werden
-konnte. Merkwürdigerweise fand sich darunter eine =zweite= frühere
-=Kreuzschleppung=, ebenfalls ein Steinlingersches Gedächtnis, allerdings
-in noch schlechterem Zustande vor; es gelang jedoch auch hier einige
-Teile, hauptsächlich Köpfe, abzuziehen und so zu erhalten.
-
-Als in besserem Zustande erwiesen sich die Wandbilder beim Tucheraltar,
-nämlich eine =Pilgerstätte= und mehrere =Heiligenfiguren=. Den
-interessantesten Fund bildeten aber die in der Farbe auffallend gut
-erhaltenen =Malereien aus der Apostelgeschichte= (Abb. 106), welche
-hinter dem Petrusaltar zum Vorschein kamen. Da dieser Altar mit seiner
-alten Mensa nicht versetzt werden konnte, so mußten auch hier die
-Bilder von der Wand abgezogen werden. Sie wurden auf eine Mörtelschicht
-gebracht und hinter dem Muffelaltar aufgestellt. Das gleiche geschah
-mit dem erwähnten in Öl gemalten Pilgerbild. Die Restaurierung fast
-aller Wandmalereien führte Kunstmaler Pfleiderer aus. Die Abendmahl- und
-Ölbergdarstellung hinter dem Tucheraltar, ein Ölgemälde aus dem Jahre
-1423 wurde unter Preisgabe einer schlechten Übermalung vom Jahre 1627
-durch Konservator =Mayer= restauriert.
-
-Neben so erfreulichen Funden förderte das Abschaben der Tünche aber
-auch wieder manche =bauliche Schäden= zutage. Namentlich im romanischen
-Mauerwerk, sowohl beim Brauttor wie beim Dreikönigschor, fanden sich
-größere =Hohlräume=, die die Tragfähigkeit der Mauer schwächten und
-geschlossen werden mußten. Offene Lagerfugen waren an vielen Stellen
-zu verdichten. Immerhin waren im Ostchor lange nicht so eingreifende
-Schäden vorhanden wie in der Westhälfte, aus welcher eine Hauptaufgabe,
-die Erneuerung der jetzt zur Ostchorrestaurierung zugezogenen
-=Vierungspfeiler=, noch zu lösen war. Eine Untersuchung der Fundamente
-dieser Pfeiler sowie des Baugrundes führte nicht zu Bedenken. Die
-Bodenuntersuchung ergab mittelgroben trockenen Sand am Dreikönigsportal
-auf 9 m Tiefe, zwischen den Vierungspfeilern auf 4 m und am südlichen
-Turm auf 5·7 m, so daß sich für die nach der Tradition stattgehabte
-Fundierung des letzteren auf Pfählen keine Bestätigung ergeben hatte.
-Es konnte somit die Auswechselung am =nördlichen Pfeiler= nach dem
-früher beschriebenen Plane innerhalb der Eisenarmierung beginnen,
-nachdem vorher die benachbarten Böden abgebolzt und die auf denselben
-lastenden durch Balkenlöcher, große Risse und offene Fugen geschwächten
-Mauern instand gesetzt worden waren. Bei den Auswechselungen war größte
-Vorsicht erforderlich. Durch Hebelübertragung vergrößernde Zeigertafeln
-sollten jede Bewegung anzeigen. Auf Steinmaterial und Mörtelmischung
-wurde alle Sorgfalt verwendet und von den notwendigen neuen etwa 300
-Quadern, die der Mörtelerhärtung wegen in möglichst großen Abständen
-eingesetzt wurden, kam täglich nur ein Stück zur Auswechselung. Trotzdem
-trat eines Tages eine Bewegung in der Mittelschiffmauer ein, welche
-durch weitere Abbolzungen und Ausmauerungen zur Ruhe gebracht wurde. Der
-Zustand des =Pfeilerkernes=, welcher jetzt vollständig erkannt werden
-konnte, erwies sich noch schlechter als man vermutet hatte, sodaß keine
-der angewendeten Vorsichtsmaßregeln hätte entbehrt werden können. Im
-Juli 1905 waren die Arbeiten am nördlichen Pfeiler beendet.[VI]
-
- [VI] Unterdessen ist über diese baulichen Arbeiten in der »Zeitschrift
- für Bauwesen« 1908, S. 529 ff. eine mit ausführlichen Zeichnungen
- versehene Abhandlung des Architekten Professor =Otto Schulz=
- erschienen.
-
-Nach den gewonnenen Erfahrungen und dem Ergebnis der unterdessen
-stattgehabten weiteren Untersuchungen am =südlichen Vierungspfeiler=
-ließ sich die vollständige Erneuerung auch dieses Pfeilers, der bereits
-im Sommer armiert worden war, nicht umgehen. Es wurde daher ungesäumt
-nach der Abnahme der Kanzel und der Herstellung der nötigen Abbolzungen
-mit der Auswechselung begonnen, deren Fertigstellung erst im Juni 1906
-zu erwarten war. Zugleich fand eine Instandsetzung der ganz zerrissenen
-und durch mehrfache Erweiterungen der Orgel in ihrer Stärke verringerten
-Westwand statt, welche schon vor einigen Jahren mehrfach verschlaudert
-worden war.
-
-Von archäologischem Interesse ist es, daß die beschriebenen baulichen
-Ausbesserungen nebenbei zur Entdeckung der Reste von romanischen
-=Rundfenstern= im nördlichen Querschiff und von vielen romanischen
-=Profil=- und =Zahnschnittsteinen= führten, welch letztere beim
-gotischen Umbau in der Giebelwand, auch an einer Stelle in einem
-freistehenden Pfeiler, verwendet worden waren. Soweit es möglich war,
-wurden solche Steine nicht mehr verputzt, sondern sichtbar belassen.
-Unterhalb des Pfinzingchörleins fand sich eine Begräbnisstätte.
-
-Neben diesen eigentlichen Bauarbeiten, deren Tempo aus
-Sicherheitsgründen bei den Vierungspfeilern nicht beschleunigt
-werden konnte und die infolgedessen zwei Jahre beanspruchten,
-nahmen die übrigen Instandsetzungsarbeiten an den dekorativen und
-Mobiliargegenständen einen ungestörten Fortgang.
-
-Viele Arbeit verursachten die rings an den Chorwänden angebrachten
-steinernen =Baldachine= und =Konsolen=, deren zierliche Einzelheiten
-vielfach zertrümmert waren (Abb. 47). Es fehlten größtenteils die
-Riesenspitzen, viele Ornamente und die Strebepfeiler. Die zu den
-Baldachinen gehörenden Postamente zeigten an den Ecken genau so,
-wie dies bei den Postamenten der zweiten Figurenreihe der äußeren
-Strebepfeiler der Fall ist, Säulenbasen. Da die Baldachinenden nun
-unterhalb eine glatte Fläche ohne abschließendes Glied (Rosette oder
-Profil) hatten, so lag bei oberflächlicher Betrachtung der Gedanke
-nahe, daß ursprünglich freistehende Säulenschäfte Basis und Baldachin
-verbanden, wie dies besonders in der französischen Gotik vorkommt.
-Diese auch von Kunsthistorikern ausgesprochene Annahme erwies sich
-jedoch als irrig. Denn abgesehen davon, daß in vielen Fällen schmale,
-oft dreieckige oder viereckige Postamente zu breiten, vieleckigen
-Baldachinen gehören, trifft da, wo Baldachin und Postament in der
-Grundform übereinzustimmen scheint, die vom Baldachin aus gefällte
-Senkrechte fast nie auf die Basis. Daß die Basen gewissermaßen als
-Rückbleibsel des hier vermuteten Entwicklungsganges anzusehen sind, war
-nicht zweifelhaft. Schlechte Ergänzungen in Holz aus der Barockzeit
-wurden bei der Restaurierung der Baldachine beseitigt, jedoch in der
-Sammlung aufbewahrt.
-
-Sodann kam die Restaurierung der großen Anzahl von =Statuen= aus
-Holz, Stein und Ton an die Reihe, welche an den Pfeilern und Wänden
-des Ostchores angebracht sind. Die =Kreuzigungsgruppe von Veit Stoß=
-(Abb. 55, 56, 57), die den bisherigen Heideloffschen Hauptaltar
-schmückte, wurde, da dieser nicht mehr aufgestellt werden sollte,
-allein oberhalb des Altares angebracht. Bei ihrer Restaurierung kam
-unter der Heideloffschen Bronzierung und einer dicken Farbkruste die
-alte Polychromie, zum Teil sogar noch sehr gut erhalten, zum Vorschein.
-Sehr erfreulich war es auch, als innerhalb des Christuskörpers eine
-Papierurkunde gefunden wurde, durch welche die Autorschaft des Veit
-Stoß bei dem 1526 geschaffenen Kunstwerke bestätigt wird. Diese Urkunde
-befindet sich nach stattgehabter photographischer Aufnahme auch heute
-noch an ihrer alten Stelle.
-
-[Illustration: Abb. 47. Statue des Apostels Paulus mit Baldachin und
-Konsole im Ostchor.]
-
-Die übrigen =Statuen= im Ostchore sind teilweise von den
-Patrizierfamilien an ihren Platz gestiftet und stehen zu den Stiftern
-als Patrone in näherer Beziehung; zum anderen Teil sind sie aber ganz
-zufällig an ihren Standort gelangt und waren ursprünglich an anderer
-Stelle, ja in anderen Kirchen angebracht. Daß man dabei mit den
-manchmal vorzüglichen Kunstwerken nicht glimpflich umgegangen ist,
-zeigte der ruinöse Zustand der meisten Statuen, denen Hände, Arme und
-Füße sowie die beigegebenen Attribute oft abgeschlagen, auch hie und
-da willkürlich abgeändert waren. Wenn man, wie es in einer Rechnung
-des 17. Jahrhunderts heißt, bei der stattfindenden Restauration dem
-Hafner Auftrag erteilte, »die Götzen mit neuen leimenen (aus gebranntem
-Ton) Händen zu versehen«, so konnte dies den Wert der Kunstwerke nicht
-erhöhen; es waren oft rohe Naturabgüsse, welche weder in der Größe, noch
-in der Bewegung zu dem geschändeten Kunstwerk paßten.
-
-Bei der gegenwärtigen Restaurierung wurde der Grundsatz befolgt, da,
-wo nach Abnahme späterer Zutaten bei einer wertvollen Figur, über
-deren dargestellte Person kein Zweifel bestand, eine künstlerische
-Ergänzung einwandfrei erschien, den ästhetischen Genuß durch die
-letztere wieder zu ermöglichen. Bei minderwertigen Statuen oder da, wo
-durch eine Änderung archäologische Zweifel hätten hervorgerufen werden
-können, wurde davon abgesehen. An allen Statuen kamen die ursprüngliche
-Polychromie, dazu die Damastmuster der Gewänder zum Vorschein und
-fanden sorgfältige Restaurierung, wobei allerdings auch spätere farbige
-Übermalungen, welche zum Teil mit alten Nachrichten belegt waren,
-beachtet wurden.
-
-Am ersten freistehenden Pfeiler gegen Norden befindet sich eine
-außerordentlich schöne =Madonnenstatue=, aus Birnbaumholz geschnitten
-(Abb. 97), innerhalb eines Gehäuses, dessen steinerne Konsole und
-Baldachin noch vorhanden sind, während die =1519= von Hans von Kulmbach
-gemalten Flügel fehlen. Ihre Entdeckung scheint in den Nummern 254 und
-255 (Joseph und Zacharias) der alten Pinakothek in München gelungen zu
-sein. Die Madonna, unter deren Füßen zwei kleine Engel eine Mondsichel
-halten, während zwei andere ihr eine Krone aufs Haupt setzen, trägt auf
-beiden Händen das Jesuskind. Diese Statue, welche selbst die späteren
-Zeiten von der Übertünchung ausschlossen, zeigte noch die ursprüngliche
-Polychromie; die Ergänzung konnte sich auf einen fehlenden Fuß des
-Christuskindes beschränken.
-
-Als gröber in der Ausführung erweist sich die am gegenüberstehenden
-rechten Pfeiler befindliche allerdings frühere steinerne =Madonna=,
-deren hölzernes Christuskind nachträglich, und zwar viel später,
-aufgesetzt worden ist. Der bekrönende Baldachin, unten von Stein, im
-oberen Aufsatz von Holz, zeigt sehr zierliche Ornamentformen.
-
-Der Befund und die Restaurierung der übrigen Statuen an der Innenseite
-der Ostchorwand unter den wiederhergestellten Baldachinen soll
-nachstehend, an der Nordseite bei der großen Sakristei beginnend,
-beschrieben werden.
-
-Unter dem ersten Baldachine findet sich eine Statue aus Stein, offenbar
-der Apostel =Jakobus= der Ältere mit der Pilgertasche. Schon auf einer
-Zeichnung des 18. Jahrhunderts ist jedoch auf seiner linken Hand ein
-nachträglich aufgesetztes Kirchenmodell zu sehen. Vielleicht wollte man
-einen Sebaldus daraus machen. Die heutige Restaurierung beschränkte sich
-auf die Ergänzung des Pilgerstabes.
-
-Die hölzerne Statue des =Salvator= mit bewegtem Faltenwurf und
-ausdrucksvollem Gesichte erforderte ebenfalls, abgesehen von einer
-sorgfältigen Reinigung und Auffrischung der Polychromie, nur geringe
-Restaurierung. Die Statue wurde 1657 nach den Tucherschen Rechnungen mit
-einem steinernen Jakobus aus dem »Werkhaus in der Carthausen« nach St.
-Sebald geschafft. Der in Kupfer getriebene Heiligenschein stammt aus
-jener Zeit.
-
-Ähnlich im Charakter, aber noch viel ausdrucksvoller und gewaltiger auch
-in dem lebhaft flatternden Faltenwurf, ist die ebenfalls hölzerne Statue
-des =Andreas= von =Veit Stoß= (Abb. 89). Ihre Detailbehandlung erwies
-sich nach der Abnahme der Tünche sowohl in den realistisch behandelten
-faltenreichen Fleischteilen des Greises wie bei den Haaren als so fein,
-daß von jeder Übermalung abgesehen und nur eine zarte Lasierung, wie sie
-auch ursprünglich vorhanden gewesen zu sein schien, angewendet wurde,
-welche der Statue im allgemeinen den Holzcharakter wahrte. Einige Teile
-der Füße und Hände waren zu erneuern.
-
-Die nunmehr folgende =Johannisstatue= (Abb. 90) ist von gebranntem Ton
-und aus mehreren Stücken mit horizontalen Fugen zusammengesetzt. Sie
-stellt den Apostel mit dem Giftkelch in der linken Hand dar, während
-die Rechte eine segnende Stellung einnimmt. Beide Hände sowie Teile
-der Gewandung waren zu erneuern, wobei vorhandene Reste und eine alte
-Aufzeichnung über die ehemalige Stellung Aufschlüsse geben konnten.
-
-Gegenüber steht die derb ausgefallene steinerne Statue =Johannes des
-Täufers=. Sie war in mehrere Teile zerbrochen, welche sich jedoch, ohne
-daß bedeutende Ergänzungen nötig waren, wieder zusammensetzen ließen.
-Diese beiden Johannes zu beiden Seiten des Tucherfensters scheinen den
-ersten plastischen Schmuck der Tucherschen Begräbnisstätte gebildet
-zu haben, welchem sich dann 1657 die vorbeschriebenen drei Statuen
-anschlossen.
-
-Die folgende steinerne kleinere =Apostelstatue=, welche in Größe
-und Charakter zu den Aposteln im Mittelschiff paßt, hatte nur eine
-linke Hand, die ein Buch trägt. In der rechten Hand trug sie im 17.
-Jahrhundert ein mächtiges hölzernes Kreuz, doch war diese willkürliche
-Zutat nicht mehr vorhanden. Die Hand wurde ergänzt, ohne daß etwa durch
-Zugabe eines Attributs eine bestimmte Person gekennzeichnet worden wäre.
-Vermutlich ist die schöne Figur eine Petrusstatue.
-
-Die hinter dem Tucherschen Altar befindliche dritte =Johannesstatue=
-(der Apostel) ist von Holz und ohne Zusammenhang mit ihrer Umgebung. Sie
-läßt sich auf den ersten Blick als zu einer Kreuzigungsgruppe gehörig
-erkennen. Beide Hände fehlten und waren zu erneuern.
-
-Die nächsten beiden Statuen bilden eine Gruppe: =Verkündigung=. Am
-Sockel des Engels befindet sich das Starksche, an dem der knienden Maria
-das Imhoffsche Wappen. Die Ausbesserung der Polychromie hat sich nur auf
-Kleinigkeiten beschränkt, so daß z. B. die Bemalung der Gesichter als
-durchaus ursprünglich anzusehen ist. Das Zepter des Engels ist erneuert.
-
-Die beiden kleinen Statuen oberhalb des Sakramentshäuschens sind von
-Stein. Die rechts befindliche stand bis jetzt in einer Nische in der
-Ecke hinter dem Muffelaltar, während beim Sakramentshäuschen sich die
-nicht besonders schöne Tonfigur befand, welche jetzt an der Wand vor dem
-Muffelaltar aufgestellt ist. Der Grund für die vorgenommene Umstellung
-liegt in der schon bei oberflächlicher Betrachtung erkennbaren
-Übereinstimmung der beiden offenbar ein Ehepaar darstellenden Statuen.
-Bei der weiblichen Statue waren die Hände verletzt, bei der männlichen
-waren die Unterarme vom Hafner ergänzt. Beide machten einen jämmerlichen
-Eindruck. Auf ihren Häuptern fanden sich die Spuren ehemals vorhandener
-Kronen. Beide Figuren waren an ihrem unteren Ende in Stuck um 25 cm
-verlängert. Beim Abnehmen der Stuckmasse traten die alten steinernen
-Füße zutage. Die Frage nach den dargestellten Persönlichkeiten schien
-sich unter Beachtung aller Umstände (Vorhandensein ähnlicher Statuen
-in St. Sebald und St. Lorenz) mit =Heinrich und Kunigunde= beantworten
-zu lassen. Daher hat sich der Unterzeichnete bei der Instandsetzung
-für eine Ergänzung in diesem Sinne entschlossen. Während die Kaiserin
-in die rechte Hand das Zepter erhielt, wurde dem Kaiser das Modell des
-Bamberger Doms gegeben (Abb. 48, 49).
-
-[Illustration: Abb. 48. Statue des Kaisers Heinrich vor der
-Restaurierung.]
-
-[Illustration: Abb. 49. Statue des Kaisers Heinrich nach der
-Restaurierung.]
-
-Das nächste Joch in der Mittelachse der Kirche weist die steinernen
-Statuen des =Petrus= und =Paulus= auf, welche geringe Ergänzungen an
-den Attributen erforderten. Unterhalb des Paulus ist das Wappen der
-Nürnberger Familie Usmer angebracht.
-
-Daneben stehen zwei große hölzerne Statuen, ein =Thomaschristus= und
-eine klagende =Maria= (Abb. 91, 92). Unterhalb des ersteren fand sich
-auf der Konsole unter dem Verputz das Zeichen des =Veit Stoß=; auf der
-Konsole der Maria die Jahreszahl 1495. Die Statuen bilden offenbar mit
-den darunter befindlichen Vesperbildern von Veit Stoß (Abb. 95) eine
-gemeinsame Gruppe. Beim Thomaschristus fehlte die linke Hand und die
-Hälfte eines Fußes, auch bei der Maria waren Ergänzungen erforderlich.
-Beide übertüncht vorgefundenen Statuen haben ihren Holzcharakter wieder
-erhalten. Bemerkenswert erscheint, daß bei der Maria der über den
-linken Arm hängende Gewandzipfel nachträglich angesetzt ist. Nimmt man
-denselben weg, so weist die Komposition des Faltenwurfs an dieser Stelle
-eine große Leere auf.
-
-Die nun folgenden kleinen Statuen sind ebenfalls von Holz, stammen aber
-sowohl wegen ihrer Größe als wegen ihrer flachen Ausdehnung aus einem
-der vielen ehemaligen Altäre der Kirche. Sie stellen einen =Papst=
-und einen =Bischof= dar; eine genaue Feststellung konnte mangels
-weiterer Attribute nicht erfolgen. Erneuerungen bei den Händen und an
-den Gewändern waren erforderlich; auch die Pontifikatstäbe wurden neu
-beigegeben.
-
-Die folgende Statue hinter dem Muffelaltar zeigt ebenfalls einen nicht
-näher feststellbaren =Bischof= und ist von Stein. Sie befand sich bis
-jetzt rechts vom Hallerschen Fenster, und an ihrer Stelle war, wie
-oben erwähnt, der sogenannte Kaiser Heinrich aufgestellt. Auch bei
-der nächsten =Statue aus Ton= (bis jetzt am Sakramentshäuschen an
-Stelle Kaiser Heinrichs) läßt sich die dargestellte Persönlichkeit
-nicht feststellen. In Haltung und Ausführung macht die Figur keinen
-glücklichen Eindruck, jedoch dürfte dies hauptsächlich auf die in
-früherer Zeit ergänzten »leimenen« Hände zurückzuführen sein, von deren
-Entfernung abgesehen wurde.
-
-Um so interessanter sind die beiden folgenden, wohl auf einen und
-denselben Meister zurückzuführenden Statuen =Erasmus= (Abb. 93) und
-=Sebaldus=. Der erstere ein Bischof, trägt in der rechten Hand einen
-Haspel, das Werkzeug seines Martyriums, und in der linken ein Buch.
-Sebaldus, als Pilger dargestellt, trägt ein eigentümliches Kirchenmodell
-mit einem Dachreiter. Nachträglich und unorganisch war demselben
-ein Turm beigefügt, der bei der Restaurierung weggelassen wurde. Der
-abgeschlagene Pilgerstock wurde ergänzt. Erwähnenswert scheint, daß das
-Wappen unter dem Erasmus, ursprünglich Haller-Tetzel, durch Übermalung
-und Aufsetzen eines Lämmchens zu einem Schürstab-Großischen Wappen
-umgeändert ist.
-
-Die nächsten Statuen von Stein, =Maria= (Abb. 94) und =Elisabeth=,
-bilden wieder eine Gruppe: die Behaimsche =Heimsuchung=. Bei der
-Elisabeth waren beide Hände zu erneuern, im übrigen waren nur einige
-Ergänzungen an den Gewändern und bei der Maria Ergänzungen an den Händen
-herzustellen.
-
-Hieran schließt sich die Volckamersche =Verkündigung=, zwei große
-Statuen von Stein; der Engel, der die fehlenden Hände erhielt, von
-denen die linke Hand das Zepter trägt, und Maria, bei welcher ebenfalls
-einige, jedoch geringe Ergänzungen vorgenommen werden mußten.
-
-Ferner befinden sich unterhalb des Gesimses noch zwei kleinere Statuen
-von Stein: ein Behaimscher =Thomaschristus= und eine =Matrone=,
-letztere mit dem Volckamerschen Wappen. Neben derselben konnten betende
-Stifterporträts aufgedeckt werden.
-
-Auch die steinernen =Vesperbilder= von =Veit Stoß= (Abb. 95) machten
-eine Reihe von Ausbesserungen bei verstümmelten Händen, Gewandteilen
-und Schwertern erforderlich. Bei der =Sebaldusstatue= (Abb. 86) am
-nördlichen Vierungspfeiler konnte sich die Restaurierung auf eine
-Ergänzung des Pilgerstabes beschränken.
-
-Im übrigen ist noch zu erwähnen ein hölzerner kleiner =Thomaschristus=,
-der seinen Platz, weil er sich an keiner anderen Stelle geeigneter
-anbringen ließ, von jeher auf dem Petrusaltar gefunden hat. Bei dieser
-Figur, ebenso wie bei der schönen =Erzstatue Marias= von =Stephan Godl=
-(Abb. 98), beschränkte sich die Restauration auf eine Reinigung.
-
-Das =Sakramentshäuschen=, eine Stiftung von Muffel und Groland (Abb.
-50), ist in seiner architektonischen Gliederung außerordentlich
-zierlich und reich ausgestattet. Leider waren viele Skulpturteile
-verloren gegangen oder zertrümmert und daher mannigfache Ergänzungen
-erforderlich. Die vollständige Polychromie fand sich nach Entfernung
-eines Ölfarbanstriches vor und wurde aufgefrischt. In der Nische, welche
-mit dem Standort des Thomaschristus korrespondiert, fehlt die wohl eine
-klagende Maria darstellende Statue.
-
-Beim Schrein des =Petrusaltares= (Abb. 53, 54) waren sowohl die
-Skulpturen innerhalb des Schreines und die Predella wie auch die nach
-Augsburg zur Restauration gesendeten zwölf schönen Flügelbilder mit
-brauner Ölfarbe gleichmäßig überstrichen. Beim Abnehmen der letzteren
-kam an den Skulpturen die Polychromie in guter Erhaltung zum Vorschein,
-so daß z. B. das Glanzgold nur ganz weniger Ausbesserungen bedurfte. Die
-Mitra, die von zwei Engeln getragen wurde, fehlt. Leider fanden sich
-auch die sicherlich mit wertvollen Malereien geschmückten Predellatüren
-nicht mehr vor.
-
-Im Herbst 1905 wurde auch die =nördliche Sakristei= instand
-gesetzt. Unter der Tünche zeigte sich bald die alte Polychromie,
-welche aufgefrischt wurde. Leider hat die Sakristei, die mit ihrem
-durch eine durchbrochene Treppe zugänglichen Obergeschoß und dem
-=Kaiserchörlein= eine eigenartige reizvolle Bauanlage bildet, früher
-viele störende Umänderungen erfahren. Die Öffnungen der Treppenwand
-waren wegen baulicher Mängel vermauert und hätten ohne anderweitige
-Stützkonstruktionen nicht geöffnet werden können. Eine Tür führt
-jetzt von der Straße in den ehemals abgeschlossenen intimen Raum. Die
-=Piscina=, früher von der Sakristei und vom Chor aus benutzbar, ist mit
-ihrem Abzugsgraben noch vorhanden, dient aber jetzt, zum Teil vermauert,
-als Nische für einen Gasofen. Die alte ehemalige Ofennische wurde an der
-Ostwand entdeckt und als Bücherschrank verwendet.
-
-[Illustration: Abb. 50. Sakramentshäuschen im Ostchor.]
-
-An Stelle der kleinen alten Fenster fanden sich auf der Nordseite große
-Fenster vor; eine weitere in die östliche =Altarnische= gebrochene
-Fensteröffnung nimmt jener alle Stimmung. Andererseits aber hatte die
-Sakristei zu diesen Änderungen durch ihre Feuchtigkeit und dumpfe Luft
-Veranlassung gegeben. Rekonstruktionen waren also nicht veranlaßt und
-die neueren Arbeiten beschränkten sich daher, abgesehen von einigen
-nötigen Auswechslungen am Mauerwerk und dem Verdichten vieler offener
-Lagerfugen, auf die Herstellung einer Vertäfelung und eine Verbesserung
-der Ofenanlage.
-
-Im Chor fanden sich die =Stühle= Hans Tuchers, Sebald Schreyers und
-mehrere andere alte Stühle, welche noch in der Mitte des vorigen
-Jahrhunderts vorhanden waren, leider nicht mehr vor. Die alten
-=Handwerkerstühle= (Abb. 125) erfuhren ebenso wie die =Tucherschen
-Renaissancestühle= eine gründliche Reparatur, wobei die an den letzteren
-angebrachten zwei kleinen Schnitzereien, =St. Sebald= vom ehemaligen
-Schreyer-Stuhl (Abbildung auf dem Titelblatt) und ein =Wappen= vom
-Grundherrnstuhl, abgenommen und neben den Hauptaltar versetzt wurden.
-Heideloffsche Seitenwangen an verschiedenen alten Stühlen wurden
-entfernt und durch einfache, möglichst indifferente Formen ersetzt.
-
-Besonders schwierig gestalteten sich die Arbeiten an den =gotischen
-Chorstühlen= (Abb. 121, 122, 123), die sehr reich geschnitzt waren und
-jetzt noch Reste von außerordentlich wertvoller figürlicher Plastik
-aufweisen. Kein Mobiliargegenstand hatte sich aber, von einzelnen
-Statuen abgesehen, in einem so zertrümmerten, zusammengeflickten
-und wieder vernachlässigten Zustand gefunden wie diese Stühle.
-Zunächst mußten die Originalteile festgestellt werden, dann wurde
-eine Instandsetzung vorgenommen, bei der die fehlenden Teile in ihren
-Hauptformen in Eichenholz ergänzt, aber nicht im Detail ausgeschnitzt
-wurden. Es sollte sich die Restaurierung innerhalb des wiedergewonnenen,
-würdigen allgemeinen Eindruckes vom alten Original absondern, so daß
-besonders bei den Figuren keinerlei Vermischung mit neueren Zutaten
-auftrat.
-
-Das =Sebaldusgrab= wurde, abgesehen von einigen kleinen Ausbesserungen
-(Ergänzung von fehlenden silbernen Rosetten), einer sorgfältigen
-Reinigung unterzogen.
-
-Die beiden barocken =Seitenaltäre= wurden gründlich instandgesetzt und
-ausgebessert, wobei auch die Malereien auf der Rückseite wieder zur
-Geltung kamen. War doch sogar das Lorbeerlaub aus Zinn an den Säulen des
-Tucheraltares (Abb. 51) in früheren Zeiten in Verlust geraten.
-
-Die in der Augsburger Galerie stattgehabte Restaurierung der wertvollen
-=Tafelbilder=, welche im Mai 1906 wieder an ihrem alten Platze
-aufgestellt werden konnten, war vom schönsten Erfolge begleitet. Außer
-einer sachverständigen Reinigung hat durch die berufene Hand des
-Konservators =Mayer= eine Abnahme vieler störender Übermalungen zum
-Teil in ziemlichem Umfange stattgefunden, so daß die ursprüngliche
-Farbenwirkung in überraschender Weise wieder zur Geltung gelangt ist
-(Taf. XV).
-
-Eine der hauptsächlichsten Arbeiten im Ostchor wurde zu Anfang des
-Jahres 1906 begonnen: der Umbau der =Hauptorgel=.
-
-Die bisherige Hauptorgel von St. Sebald (Abb. 126) ist eine der ältesten
-und wohl auch interessantesten Bayerns. Sie wurde im Jahre 1444 von
-Heinrich Traxdorf erbaut und war im Ostchor über dem Trennungsbogen
-gegen das südliche Seitenschiff angebracht. Sie bestand außer aus einem
-Podium, welches auf einem hölzernen vorgekragten Gewölbe ruhte und in
-der Mitte einen kleinen Pfeifenprospekt (sogenanntes Positiv) trug, aus
-dem eigentlichen Orgelwerk, das fast die ganze Giebelwand bedeckte und
-von einem zierlichen Gehäuse umschlossen war. Der Blasebalgraum befindet
-sich hinter der Giebelmauer. Die Verbindung zwischen diesem Raume und
-dem Orgelpodium bildet eine schmale Tür in der Giebelwand. Vermutlich
-hatte die alte Orgel schon bemalte Flügel, die zum Schutze der Pfeifen
-dienten und geöffnet werden konnten. Die =Konsole=, welche die mittlere
-Endigung des Holzgewölbes unterhalb der Orgel bildet, hat die Form einer
-Teufelsfratze mit beweglichem Kiefer, der während des Orgelspieles
-in Bewegung gesetzt werden konnte. Die beiden seitlichen Konsolen
-zeigen ein dänisches und ein französisches =Wappen=, die wiederholt
-in Verbindung mit dem Kirchenpatron in St. Sebald angewendet worden
-sind. Rings um das Orgelpodium fanden sich zwischen den herabhängenden
-Maßwerken reizvolle in Holz geschnitzte =Figuren=, darunter zwei Herolde
-mit den beiden Nürnberger Wappen. Die übrigen stellen Ritter, Frauen
-und Bauern dar und sind zum Teil sehr humorvoll gehalten. Die ganze
-Orgel ist aus Eichenholz hergestellt. Zu beiden Seiten waren auf der
-Wand teppichartig großzügige =Ornamente= in grünem Ton aufgemalt und
-innerhalb derselben =musizierende Engel= dargestellt.
-
-Im Laufe der Jahrhunderte hat die Orgel freilich mannigfache
-Veränderungen erfahren und zwar in den Jahren 1572, 1658, 1691 und
-1827. Im Jahre 1658 erhielt sie neue Malereien von Daniel Preißler
-auf den wohl schon vorhandenen Flügeln, und zwar eine Reihe Porträts
-der Pfarrer und Kirchenpfleger, aber auch von Stadtmusikern und ihren
-Dirigenten. Die gesteigerten musikalischen Ansprüche hatten wiederholt
-Verbesserungen und Erweiterungen des Orgelwerkes zur Folge, so daß
-allmählich auch das Gehäuse eingreifenden Veränderungen unterworfen
-worden war, wodurch die ursprüngliche Form desselben sehr beeinträchtigt
-wurde. Unter Heideloff wurde das Podium nach vorn sowohl wie nach
-beiden Seiten bedeutend erweitert, um für einen größeren Sängerchor
-Platz zu gewinnen. Die schönen Wandmalereien waren übertüncht und durch
-Balkenwerk verbaut worden.
-
-[Illustration: Abb. 51. Partie aus dem Ostchor mit Tucheraltar,
-Sakramentshäuschen und Petrusaltar.]
-
-Beim Abbruch der Orgel ergab sich glücklicherweise aus der genauen
-Aufnahme und dem Vergleich der einzelnen Teile die Möglichkeit, das
-=ursprüngliche Orgelgehäuse= von 1444 mit völliger Sicherheit wieder
-herzustellen. Daß aber das vielfach ausgebesserte Orgelwerk den
-heutigen Ansprüchen nicht mehr genügte, erscheint begreiflich. Die
-Kirchenverwaltung entschied sich daher für Beschaffung eines neuen
-Orgelwerkes und billigte auf Grund eines Gutachtens von Hauptprediger
-Dr. Geyer den Vorschlag des Unterzeichneten, das alte Gehäuse, von
-allen späteren Zutaten befreit, zu verwenden und in Verbindung mit
-den Wandmalereien wieder vollständig instandzusetzen. Die Aufgabe,
-26 neue Register in dem engen Raum unterzubringen, war nicht leicht,
-und ein Hinausschieben des ganzen Gehäuses um 15 cm zur Erlangung
-einer größeren Tiefe konnte nicht umgangen werden. Das Orgelwerk
-selbst wurde durch Orgelbaumeister =Strebel= gebaut, während sämtliche
-Instandsetzungsarbeiten des Gehäuses und das neue Positiv mit den
-seitlichen Brüstungen in der Werkstätte der Bauhütte hergestellt wurden.
-
-Auch die =Wandmalereien= zu beiden Seiten der Orgel, die in
-überraschender Weise zum Vorschein gekommen waren, erfuhren wieder eine
-Erneuerung.
-
-Bei den Veränderungen, sowohl bei den Statuen wie an Reliefs und
-sonstigen Skulpturen, welche notwendigerweise vorgenommen werden
-mußten, hat in den meisten Fällen vorher eine photographische Aufnahme
-stattgefunden, so daß jederzeit Rechenschaft über den früheren Zustand
-gegeben werden kann. Die abgenommenen Ergänzungen selbst finden sich
-in der =Bausammlung= der Kirche aufbewahrt, die auch die gefertigten
-Hilfsmodelle und Pläne enthält. =Sepulkren= fanden sich in den Mensen
-der Altäre an verschiedenen Stellen, jedoch in bereits eröffnetem
-Zustande; zunächst im Hauptaltar mit einer Konsekrationsurkunde
-von 1379, ferner in der Mensa des Halleraltares und der südlichen
-Sakristei. Hier waren die Urkunden nur mehr als Reste vorhanden. Noch
-schlechter war der Zustand eines Holzkästchens mit vermoderter Einlage
-im Petrusaltar; im Tucheraltar fanden sich nur geringe Fragmente. Nach
-Feststellung der Urkunden und photographischer Aufnahme der Funde ließ
-das Pfarramt die letzteren wieder in ihre Höhlungen einschließen.
-
-Bis zum Juli 1905 war die gefährliche Auswechslung auch des =südlichen
-Vierungspfeilers= glücklich beendet, und es konnte nach Entfernung der
-Zwischenwände die ganze Kirche dem Gottesdienste wieder übergeben werden.
-
-Bei den mannigfaltigen und auf verschiedenen Gebieten gelegenen
-Aufgaben, welche die 3-1/2jährige Wiederherstellung mit sich brachte,
-konnte sich der Unterzeichnete der Unterstützung der schon genannten
-tüchtigen Mitarbeiter wie auch anderer Fachleute erfreuen.
-
-Das Verhältnis der Bauleitung zur protestantischen =Kirchenverwaltung=,
-unter der Vorstandschaft von Stadtpfarrer J. =Schiller=, als der
-Bauherrin, und zum Bauausschuß, als deren Vertretung, war ein durchaus
-glückliches.
-
-Der =Bauausschuß=, welcher in vielfachen Sitzungen die Berichte und
-Vorschläge des Bauleiters entgegennahm, hatte leider mitten in der
-Arbeit am 2. Juni 1905 seinen Vorsitzenden, den Hauptförderer der
-Wiederherstellung, Kirchenrat F. =Michahelles=, 1. Pfarrer an
-St. Sebald, verloren. Um ihn, den allverehrten und liebenswürdigen
-Mann, dem die Durchführung des großen Werkes sowohl durch die
-unermüdliche Beschaffung der Geldmittel wie durch die sachkundige,
-geschickte Leitung =in erster Reihe= zu danken ist, zu ehren, wurde
-im südlichen Seitenschiff seine wohlgetroffene Marmorbüste von F.
-Zadow (eine Stiftung von Justizrat Hilpert) aufgestellt. Mitglieder
-des Bauausschusses waren die Herren Baumeister und Privatier G. Goll,
-Magistratsrat H. Häberlein, Großhändler A. Heerdegen, Justizrat D.
-Hilpert, Kunstschlosser und Privatier A. Leibold und Fabriksbesitzer J.
-Thäter. Nach einer kurzen Verwesung des Vorsitzes durch Pfarrer Wunderer
-hatte die Leitung des Bauausschusses Stadtpfarrer Dr. Hagen, 1. Pfarrer
-an St. Sebald, übernommen und die Arbeiten nach Kräften gefördert und zu
-Ende geführt.
-
-[Illustration: Abb. 52. Ostchor. Ansicht gegen Westen.]
-
-Bei der Beschaffung der Geldmittel stand dem Kirchenrat Michahelles der
-=Verein für die Restaurierung der Sebalduskirche= zur Seite, in dessen
-Ausschuß als stellvertretender Vorsitzender Justizrat C. Freiherr von
-Kreß, als Schriftführer Justizrat O. Vollhardt und als Schatzmeister
-Kommerzienrat C. Schwanhäußer tätig waren.
-
-Die =Mittel= (Taf. XIII) flossen fast vollständig aus freiwilligen
-Beiträgen, bei welchen die Patrizierfamilien an erster Stelle standen.
-Auch die Kirchenverwaltung unterstützte die Wiederherstellung,
-teils durch größere Beiträge, die sie zur Abstellung der Bauschäden
-genehmigte, teils zu Zeiten, in denen ein niedriger Kassenstand
-vorhanden war, durch Vorschüsse.
-
-Allerdings sind die bei der Inangriffnahme der Restaurierung gestellten
-Aufgaben an St. Sebald noch nicht alle gelöst. Die kostbaren =Gobelins=
-(Abb. 132 bis 136) befinden sich auch heute noch in einem traurigen
-Zustande. Wohl hat die Restaurierung eines kleinen Stückes gewissermaßen
-als Probestück durch Frau Irmisch in München stattgefunden und
-berechtigt zu der Annahme, daß auch die weiteren Ausbesserungen nicht
-wie bisher nur in Paris oder Italien, sondern in Deutschland gemacht
-werden können. Allein für diese künstlerische und kostspielige Arbeit
-fehlen vollständig die Mittel. Man mußte sich bei der gegenwärtigen
-Restaurierung darauf beschränken, die zerrissenen und zerschnittenen
-Stücke notdürftig wieder zu verbinden und mit Borten und Futterstoff neu
-zu versehen.
-
-Das gleiche gilt bezüglich der wertvollen und prächtigen =Glasmalereien=
-im Ostchor (Abb. 107 bis 109), bei denen an vielen Stellen sich von
-außen durch die Einwirkungen der Atmosphäre eine dicke undurchsichtige
-Kruste gebildet hat, während die Schwarzlotaufmalung im Innern sich so
-abgelöst hat, daß sie sich mit dem Finger, wie der Kreidestrich auf
-einer Schiefertafel, wegwischen läßt. Baldige Hilfe tut not, wenn diese
-unschätzbaren Kunstwerke nicht zugrunde gehen sollen. Andererseits
-muß mit größter Vorsicht dabei zu Werke gegangen werden. Vielleicht
-verspricht ein neues Verfahren, welches die Hofglasmalerei Zettler
-in München gerade mit Rücksicht auf die Glasmalereien von St. Sebald
-erprobt hat und das in einer durchsichtigen leichten Überglasung der
-einzelnen Glasstücke besteht, zur Konservierung der Malereien gute
-Dienste zu leisten.
-
-Die Frage einer Beleuchtung und Beheizung der Kirche ist wiederholt
-beraten, jedoch noch keiner Entscheidung entgegengeführt worden.
-
- =Nürnberg=, den 15. Juli 1906. Prof. J. =Schmitz=, Architekt.
-
-
- 5. Nachtrag vom 15. Januar 1912.
-
-Jedes Gebäude, auch wenn es noch so solid konstruiert ist, verlangt eine
-=Instandhaltung= zur Abwehr der regelmäßigen Schäden, die durch Wind
-und Wetter sowie durch andere äußere und innere Einflüsse hervorgerufen
-werden. Je zierlicher die Formen und je eleganter die Konstruktionen
-sind, desto größer ist auch die Gefahr einer Beeinträchtigung. Dazu
-kommt die bedauerliche Tatsache, daß infolge der heute den zahlreichen
-Kaminen entströmenden schwefeligen Gase besonders die Sandsteine in oft
-erschreckender Weise angegriffen werden und verwittern, wovon man sich
-in Nürnberg allenthalben überzeugen kann.
-
-Die Verwaltung des Vereinigten protestantischen Kirchenvermögens
-hat sich denn auch der Einsicht nicht verschlossen, daß auch zur
-Instandhaltung der Sebalduskirche mit einem regelmäßigen Baubetrag
-gerechnet werden muß, und bringt mit demselben eine Reihe von kleineren
-Reparaturen zur Ausführung. Auf diese Weise wird es hoffentlich
-gelingen, nach und nach auch verschiedene Epitaphien am Äußeren der
-Kirche, an denen Arbeiten bislang noch nicht vordringlich schienen,
-die aber allmählich doch zugrunde gehen werden, vor Verfall zu retten.
-Unterdessen ist ein langgehegter Wunsch der Gemeinde in Erfüllung
-gegangen: die Kirche hat eine =Heizung= erhalten. Diese, die erste
-elektrische Kirchenheizung in Deutschland, hat in weiten Kreisen großes
-Interesse hervorgerufen (Zentralblatt der Bauverwaltung, Berlin,
-1912, S. 58 f.). Aus Rücksicht auf die zahlreichen Kunstschätze der
-Kirche, bei denen eine Schädigung durch periodische Erwärmung des
-ganzen Luftraumes befürchtet wurde, entschloß man sich zu einer
-Fußschemelheizung, die allgemeine Befriedigung gefunden hat. Als ganz
-besonders erfreulich muß dabei hervorgehoben werden, daß die Erscheinung
-des Kircheninnern, abgesehen von einigen kleinen nicht störenden
-Holzkästchen, nicht die geringste Änderung oder Beeinträchtigung erfuhr.
-Sind die Betriebskosten auch vorläufig noch etwas hoch, so besteht doch
-die Hoffnung, daß mit einer Verbilligung der elektrischen Kraft in
-absehbarer Zeit gerechnet werden kann.
-
-[Illustration: TAFEL XIII. Baukosten der Wiederherstellung der
-Sebalduskirche. 1885-1906.
-
-Zusammenstellung der einzelnen Arbeiten.
-
-Zusammenstellung der Einnahmen und Ausgaben.
-
-Zusammengestellt bis zum Jahre 1905 von Kirchenrat Michahelles.]
-
-Schwieriger scheint die Frage der =Beleuchtung= der Kirche sich lösen zu
-lassen und zwar besonders deshalb, weil die Beschaffung entsprechender,
-würdiger Beleuchtungskörper große Mittel erfordert. Auch die
-Instandsetzung der kostbaren Glasmalereien ist bis zum Erscheinen dieses
-Buches aus dem gleichen Grunde zurückgestellt geblieben.
-
-[Illustration: TAFEL XIV. Sebaldusgrab von Peter Vischer.]
-
-
-
-
- IV.
-
- Das Inventar der Kirche.
-
- 1. Altäre und Kanzel.
-
-
-Ausstattungs- und Einrichtungsgegenstände der Kirche St. Sebald sind so
-zahlreich, daß man ihr die nun bald 400 Jahre währende Zugehörigkeit
-zum Protestantismus kaum anmerkt. Wesentlich dem konservativen Sinn
-der Nürnberger Patrizierfamilien ist es zu danken, daß die Kirche noch
-heute eine stattliche Reihe ansehnlicher Werke birgt. Selbstverständlich
-gab es auch Zeiten, wo das Interesse an der Vergangenheit und ihren
-Zeugen erlahmte und manches kostbare Stück verloren ging. Die
-Kirchenreformation im 16. Jahrhundert hatte die Beseitigung einer großen
-Anzahl von Altären verlangt und die nach der Mitte des 17. Jahrhunderts
-durchgeführte Neuausstattung im Barockstil kostete ebenfalls mehreren
-historisch und vielleicht auch künstlerisch bedeutenden Gegenständen die
-Existenz.
-
-Die Veränderung des Inventars wird jeweils bei den einzelnen Gruppen
-geschildert.
-
- * * * * *
-
-Die Kirche hatte vor der Reformation =13 Altäre=. Eine Reihe von
-geeigneten Plätzen für Altäre war durch die Anlage des Baues gegeben. 3
-Ostchornischen, 1 Westchor, 2 Krypten nahmen schon im romanischen Bau 6
-Altäre auf, ferner der Platz vor dem Ostchor einen, dann noch einen die
-Ostkrypta, zusammmen acht. Dazu kamen im Laufe des 14. Jahrhunderts noch
-4 Altäre an den Pfeilern des Schiffes und 1 Altar, welcher den Hochaltar
-des Westchores verdrängte.
-
-Die Altäre am Ende des 15. Jahrhunderts waren:
-
-=Sebaldsaltar.= Er war der Hochaltar und befand sich im Ostchor des
-romanischen Baues, von 1372 an im neuen Ostchor an Stelle des jetzigen
-Hauptaltares. 1379 erneuert und geweiht. Die hierüber ausgestellte
-Urkunde wurde bei der letzten Wiederherstellung im Sepulkrum der Mensa
-aufgefunden und nebst den gleichfalls vorgefundenen Reliquien wieder
-in den Altar eingeschlossen.[VII] Die wohl erhaltene Urkunde hat unter
-Auflösung der Abkürzungen folgenden Wortlaut (vgl. Abb. 144 auf S. 212):
-
- Anno domini millesimo trecentesimo septuagesimo nono dedicatum
- est hoc altare in honore sancti Sewaldi, Fabiani et Sebastiani et
- quatuor doctorum et sancti Eloy et sancti Seuerij per venerabilem
- dominum dominum Lampertum episcopum Bambergensem, qui reliquias
- dictorum sanctorum in dicto altari reclusit indictione secunda
- quinto kalen. septembris eiusdem anni, in quorum testimonium
- sigillum dicti domini praesentibus est appensum.
-
- [VII] Ebenso wurden im Petrusaltar und im Sakristeialtar nicht mehr mit
- Sicherheit zu entziffernde Urkunden samt Reliquien vorgefunden
- und mit diesen wieder in die betreffenden Altäre eingeschlossen.
-
-Schopperpfründe, gestiftet am 5. Mai 1337 von Albert Schopper, 1360 neu
-dotiert durch Friedrich Schopper.
-
-Vorchtelpfründe, gestiftet 1371 von Heinrich Vorchtel, 1425 neu dotiert.
-
-1613 wurde der Altar vom Maler Leonhard Prechtel restauriert. Aus den
-Schriftstücken hierüber (im Stadtarchiv Nürnberg) geht hervor, daß der
-Altar ein Flügelaltar war, und daß sich auf den Flügeln Malereien auf
-Goldgrund befanden. Auf die Predella, die ganz zu erneuern war, malte
-Prechtel zwei »Historien«. Siehe den Hauptaltar, S. 134.
-
-[Illustration: Abb. 53. Petrusaltar (geöffnet).]
-
-=Nikolausaltar.= Er stand in der nördlichen Apsis des romanischen
-Ostchores, dann im neuen Ostchor im nördlichen Umgang als linker
-Seitenaltar. An seiner Stelle erhebt sich jetzt der 1659 im Barockstil
-errichtete Nikolaus- oder Tucheraltar (siehe S. 134).
-
-Kandelgießerpfründe, 1406 von Hartmann Kandelgießer gestiftet.
-
-=Stephansaltar.= Er stand in der südlichen Seitenapsis des romanischen
-Ostchores. Seit 1372 im südlichen Umgang des neuen Ostchores. An seiner
-Stelle erhebt sich jetzt der 1663 errichtete Altar (siehe S. 135).
-1255 eingeweiht. Ablässe 1448, 1452, 1460, 1479, 1481 und 1487. Drei
-Pfründen, die des Heinrich von Tuttenstetten, Pfarrer 1300-1307, welche
-1364 bestätigt wurde, die des Paul Muffel, deren Stiftungsjahr unbekannt
-ist, und die Pfründe des Ambrosius Stromer von 1509.
-
-[Illustration: Abb. 54. Petrusaltar (geschlossen).]
-
-Der Altar hatte ein auf Holz gemaltes Bild, welches Nikolaus Muffel
-zwischen 1436 und 1439 für 200 fl. angeschafft hatte. Er kam, als 1663
-der Barockaltar errichtet wurde, in die Lorenzkirche.
-
-=Petersaltar.= Ein Petersaltar stand schon in der alten Peterskapelle.
-Wahrscheinlich wurde dieser in die romanische Kirche, und zwar in den
-Westchor transferiert. 1274 wurde er durch einen neuen Altar ersetzt.
-
-1303 Ablaß, 1475 Ablaßbestätigung. 1372 wanderte der Altar in den neuen
-Ostchor hinter den Hochaltar, an dieselbe Stelle, an welcher jetzt
-der Ende des 15. Jahrhunderts errichtete Altar steht. Über diesen
-siehe S. 135. 1378 wird jedoch der Westchor noch Peterschor (neben
-Katharinenchor) genannt.
-
-1340 stiftet Otto Kramer von Koburg eine Pfründe, dieselbe wird 1360
-bestätigt; 1356 stiftet Adelheid Löhneisen eine Pfründe, 1372 Berthold
-Pfinzing. Das Jahr der Stiftung der Movendelpfründe der Dorothea Däschin
-ist nicht bekannt.
-
-=Katharinenaltar.= Er stand anfangs in der Westkrypta, von der Mitte des
-14. Jahrhunderts an schon im Westchor zusammen mit dem Petersaltar.
-
-Ablaßbestätigung 1298. Ablässe 1341, 1342. Pfründen: Schatzpfründe,
-gestiftet von Konrad Schatz, bestätigt 1360; Kandelgießerpfründe,
-gestiftet 1386. Siehe den Löffelholzaltar.
-
-=Johannisaltar.= Dem hl. Johannes dem Evangelisten geweiht. Er stand im
-Mittelschiff zwischen den zum Chor führenden Stufen (_sub pulpito_ oder
-_quae [ara] in medio ecclesiae sancti Sebaldi locata est_).
-
-Ablaß: 1289. Pfründen: Pömerpfründe, gestiftet 1348 von Heinrich Pömer,
-und die Fleischmannpfründe, gestiftet von Albert Fleischmann, Pfarrer
-von 1397 bis 1444.
-
-Der Johannisaltar scheint 1542 mit den beiden Frauenaltären und dem
-Zwölfbotenaltar beseitigt worden zu sein.
-
-=Zwölfbotenaltar.= Den zwölf Aposteln geweiht. Er stand an einem
-Schiffspfeiler.
-
-Ablässe 1352 und 1370. Meintaler-Pfründe, 1352 von Konrad Meintaler
-gestiftet, 1359 von der Witwe des Stifters neu dotiert.
-
-Er stand zu Beginn des 16. Jahrhunderts an einem der beiden ersten
-Ostchorpfeiler und hatte 1542 dasselbe Schicksal wie die beiden
-Frauenaltäre.
-
-=Erhardaltar.= Er stand im Schiff in der nördlichen Pfeilerreihe. Es ist
-der jetzige Halleraltar, der zwar noch in der nördlichen Pfeilerreihe
-steht, aber nicht mehr am alten Pfeiler, wo bis heute eine Erhardstatue
-verblieben ist (vgl. S. 154). Noch im 17. Jahrhundert stand der
-Erhardaltar um einen Pfeiler weiter östlich als jetzt. 1336 gestiftet
-(siehe Urkunde S. 235).
-
-Ablaß: 1360. Pfründen: Nützelpfründe, Stiftungsjahr unbekannt;
-Hallerpfründe, 1358 von Ulrich Haller gestiftet; Dietleinpfründe, 1363
-von Hans Dietlein gestiftet. Siehe den Halleraltar, S. 138.
-
-=Kunigundenaltar.= Den Heiligen Heinrich, Kunigunde und Otto geweiht. Er
-stand an einem der Schiffspfeiler.
-
-Dietlerpfründe, 1347 gestiftet von der Hensel Dietler; Tesauruspfründe,
-1354 oder vor 1354 gestiftet von Konrad Tesaurus [Schatz];
-Hallerpfründe, vor 1383 gestiftet von Ulrich Haller, und die
-Nützelpfründe, 1389 gestiftet von Elisabeth Haller.
-
-=Bartholomäusaltar.= Den Heiligen Bartholomäus und Pankratius geweiht.
-Er stand an einem der Schiffspfeiler.
-
-Ablässe 1460, 1476 und 1477. Pfinzingpfründe, 1435 von Berthold Pfinzing
-gestiftet.
-
-=Marien- und Dreikönigsaltar=, gewöhnlich =Frauenaltar= genannt. »Ad
-honorem beatae Mariae virginis et trium regum«. In der romanischen und
-gotischen Zeit in der Krypta, d. h. in der Ostkrypta, und zwar in der
-mittleren Apsis. In der späteren gotischen Zeit ist stets von zwei
-Frauenaltären die Rede.
-
-Ablässe 1283, 1284, 1289, 1341 (Wandelkerzen), 1370 und 1379. Vier
-Pfründen: Bretheimpfründe, gestiftet von Konrad Bretheim 1358, bestätigt
-1359; die Teufelpfründe, gestiftet von Konrad Teufel 1359, bestätigt
-1370, neu dotiert von Hans Teufel 1440; die Movendelpfründe des Paul
-Volckamer, deren Stiftungsjahr unbekannt ist, und Kolerpfründe,
-gestiftet von Elisabeth Koler 1402.
-
-Die beiden Frauenaltäre standen zu Beginn des 16. Jahrhunderts an den
-beiden ersten Säulen des Ostchores, an denen heute noch Marienstatuen
-angebracht sind. Sie wurden mit dem gegenüberstehenden Zwölfbotenaltar
-und dem dazwischen befindlichen Altar, wahrscheinlich dem Johannesaltar,
-auf Beschluß des Rates 1542 beseitigt, weil die Kirchenbesucher den
-Geistlichen auf der Kanzel nicht sehen konnten.
-
-=Jakobsaltar.= Den Heiligen Jakobus, Jodokus, Martinus und Christophorus
-geweiht. In der Ostkrypta, dem Frauenaltar gegenüber.
-
-1343 gestiftet von Jakob Kramer. Ablässe 1353, 1355 und 1365.
-Kramerpfründe, 1381 von Bernhard Kramer gestiftet.
-
-[Illustration: Abb. 55. Abb. 56. Abb. 57. Kreuzigungsgruppe von
-Veit Stoß. Über dem Hauptaltar im Ostchor.]
-
-=Allerseelen-Altar.= In der Westkrypta. Ablaßbrief vom 3. Mai 1360, in
-dem die Krypta als »ergastulum« (also etwa: Verließ, unterirdischer
-Raum) bezeichnet wird. Vgl. Beilage 28.
-
-Im Liber privilegiorum A des Fürstbischofs Lambrecht von Bamberg
-(Kreisarchiv Bamberg) findet sich die Abschrift einer Urkunde, nach
-welcher 1401 am 23. Mai eine Pfründe auf dem =Georgsaltar= in der Kirche
-des hl. Theobald in Nürnberg gestiftet worden ist. Jedenfalls ist
-Theobald verschrieben für Sebald, allein ein Georgsaltar in der Kirche
-Sankt Sebald ist sonst nirgends belegt.
-
-Die =jetzigen Altäre= der Kirche sind:
-
-Der =Hauptaltar=. Im Ostchor.
-
-An seiner Stelle stand der zur Barockaustattung der Kirche gehörige,
-1663 von Georg Wirsching, Schreiner von Neumarkt i. O., errichtete
-Hauptaltar als Nachfolger des gotischen, 1379 dem hl. Sebald geweihten
-Hochaltares (Abb. 30). Der Barockaltar war 1660 für 1000 fl. in Arbeit
-gegeben worden. Nach der Aufstellung wurden 200 fl. nachbezahlt.
-
-An die Stelle dieses Altars trat 1823 ein nach Zeichnungen Karl
-Alexander Heideloffs in neugotischem Stil von dem Schreiner Heil und
-dem Bildhauer Rotermundt ausgeführter Altarbau, an dem die schon
-am Barockaltar angebrachte Gruppe, Christus am Kreuz mit Maria und
-Johannes (Abb. 55, 56, 57), lebensgroße, in Holz geschnitzte und
-farbig gefaßte Figuren des Veit Stoß und seiner Schule, wieder zur
-Verwendung kam. Der Altar ist abgebildet im Sammler für Kunst und
-Altertum in Nürnberg, 1. Heft (1824), Tafel zu S. 51. Bei der letzten
-Wiederherstellung wurde dieser Heideloffsche Altar entfernt und zwischen
-den mittleren Schiffpfeilern auf einem Tragbalken die Kreuzigungsgruppe
-wieder angebracht. Bei dieser Gelegenheit wurde die Gruppe von dem ihr
-anhaftenden dicken Ölfarbenüberzug befreit, die ansehnlichen Reste alter
-Polychromierung ergänzt und im Innern des Christuskörpers folgende, nur
-noch zum Teil leserliche, aber die Autorschaft des Veit Stoß bezeugende
-Urkunde gefunden:
-
- Ihs Maria
- Adi 27 Julii 1520 jar
- ist diser got auff gericht
- durch Nicklos Wickel zw
- Nurnberg mit hilff Aug[ustin]
- -- -- -- -- -- und ist gemacht
- von Veit Stoss zw Nurnberg
- kostet -- -- -- -- --.
-
-Die von Stoß herrührende Hauptfigur der Gruppe vom Jahre 1520 soll sich
-ursprünglich auf einem zwischen zwei Pfeilern eingespannten Bogen über
-dem Sebaldusgrabe befunden haben. Die Provenienz der Seitenfiguren ist
-unbekannt. Heideloff ließ durch Bronzierung die alte Fassung der Figuren
-zudecken.
-
-Nach M. M. Mayer, Die Kirche des hl. Sebaldus (Nürnberg 1831), S. 34,
-bot der Kurfürst von Mainz 1652 durch den Bildhauer Georg Schweigger
-dem Rate von Nürnberg 1000 Dukaten für die Gruppe. Vgl. über dieselbe
-ferner: Denkmalpflege. 1904, S. 96 und 131.
-
-Die Mensa des Altars ist noch die ursprüngliche mittelalterliche und
-enthält die S. 129 (vgl. Abb. 144) erwähnte Urkunde samt den darin
-aufgezählten Reliquien.
-
-Der =Tucher=sche oder =Nikolausaltar= (Abb. 51). Im Ostchor, und zwar im
-nördlichen Umgang an Stelle des als linker Seitenaltar verwendeten alten
-Nikolausaltars (siehe S. 130). 1659 von der Familie Tucher gestiftet.
-
-Der Aufbau besteht aus Rückwand mit Gemälde, zwei flankierenden
-Säulen und einem von denselben getragenen Giebel. Architektur wie
-Bildhauerarbeit, von welch letzterer hauptsächlich der Christusknabe
-auf dem Giebel Erwähnung verdient, stammen von Georg Schweigger. Der
-Altar gehörte zur ehemaligen Barockausstattung der Kirche. Altarblatt
-mit einem =Ecce homo=, Ölgemälde auf Leinwand von Matthäus Merian dem
-Jüngeren. Unter dem Bilde die Inschrift: Er ist umb unser Sünde willen
-zerschlagen Esa. 53. Oben das Wappen der Tucher.
-
-[Illustration: Abb. 58. Geburt Christi. Von einem der Flügel des
-Löffelholzaltars.]
-
-[Illustration: Abb. 59. Legende des heil. Georg. Von einem der Flügel
-des Löffelholzaltars.]
-
-Der =Muffel=sche oder =Stephansaltar=. Im Ostchor, und zwar im südlichen
-Umgang an Stelle des als rechter Seitenaltar verwendeten alten
-Stephansaltares (siehe S. 131). 1663 von der Familie Muffel gestiftet,
-nachdem sein Vorgänger in die Lorenzkirche transferiert worden.
-
-Gegenstück zu dem Tucherschen Altar und mit diesem der hauptsächlichste
-Überrest der Barockausstattung der Kirche. Altarblatt mit der
-Auferstehung Christi, Ölgemälde auf Leinwand von Johann Franziskus
-Ermel. Unter dem Bild die Inschrift: Er ist umb unser Gerechtigkeit
-willen wieder auferweckt. Rom. 4. Oben das Wappen der Muffel.
-
-Der =Petrusaltar=. Im Ostchor an der Wand hinter dem Hauptaltar.
-Flügelaltar aus dem letzten Viertel des 15. Jahrhunderts (Abb. 53, 54).
-
-Im Schrein fünf Holzfiguren, nämlich die lebensgroße Gestalt des
-thronenden Petrus, zu beiden Seiten zwei Engel und über seinem Haupte
-zwei schwebende Engel, welche wahrscheinlich die Tiara trugen. Farbig
-gefaßt. Ein durchbrochenes reiches Stabwerk als Baldachin schließt den
-Schrein oben ab. An dem feststehenden und an dem beweglichen Flügelpaar
-zusammen in Tempera zwölf Szenen aus dem Leben des hl. Petrus, Gemälde
-aus der Schule des Wolgemut.
-
-Die Türen der Predella, ursprünglich wohl mit Gemälden geschmückt,
-fehlen und sind durch einfache Brettertüren ersetzt. Schon 1572 fand
-eine Restaurierung des Altares statt. In seinem jetzigen Zustande geht
-er auf die Restaurierung durch Konservator Andreas Mayer in Augsburg
-zurück.
-
-[Illustration: Abb. 60. Halleraltar (geschlossen).]
-
-Ein Gemälde auf Holz mit den Donatoren, dabei die Wappen der Topler,
-Haller u. a., früher an der Vorderseite der Mensa, ist jetzt an der Wand
-des nördlichen Seitenschiffes neben dem Turm angebracht. Eine an der
-rechten Seite der steinernen Mensa mit Eisen beschlagene alte Holztüre
-und der Raum, zu dem sie führt, läßt auf eine frühere Aufbewahrung von
-größeren Reliquien, eines Heiligenschreines oder dergleichen schließen.
-
-Ein =Wandgemälde mit Darstellungen aus der Apostelgeschichte=, um 1400
-(Abb. 106), fand sich bei der letzten Wiederherstellung der Kirche
-hinter dem Petrusaltar und ließ sich an eine Wand des südlichen
-Chorumganges übertragen. Vergleiche über das Bild Gebhardt, Die Anfänge
-der Tafelmalerei in Nürnberg, S. 14 und 20.
-
-Der =Katharinen=- oder =Löffelholzaltar= (Abb. 43, 58, 59). Im Westchor.
-Schrein und Predella um 1453, das übrige des Aufbaues im Empirestil vom
-Ende des 18. Jahrhunderts.
-
-[Illustration: Abb. 61. Halleraltar (geöffnet).]
-
-Im Schrein zwei in Holz geschnitzte und farbig gefaßte Figurengruppen,
-links wird die hl. Katharina gerädert, rechts wird sie enthauptet. Auf
-den beiden beweglichen Flügeln vier Gemälde auf Goldgrund, weitere
-Darstellungen aus dem Leben der hl. Katharina, innen links die
-Disputation mit den Philosophen, rechts die Verbrennung derselben,
-außen links die heiligen drei Könige, rechts der hl. Georg. Die
-Predellanische, ursprünglich mit Holzskulpturen belebt, ist jetzt leer.
-Auf den Türen der Predella innen, ebenfalls auf Goldgrund gemalt,
-sechs Halbfiguren, links die Heiligen Heinrich, Kunigunde und Otto,
-rechts Christus mit Johannes und Thomas, außen die Familienglieder des
-Stifters und zwar links die männlichen mit den Wappen der Löffelholz,
-Löffelholz-Dietner und Löffelholz-Stromer-Sachs, rechts die der
-weiblichen mit den Wappen der Löffelholz-Züngel, Löffelholz-Kreß und
-Löffelholz-Stromer.
-
-Unten an der Predella die Inschrift: »Anno domini m cccc liii an s.
-Thomas tag de Aqiin verschied frav Kunigund Wilhelm Loffelholtzin, der
-got gnadt.« In dem Innenraum der Mensa fanden sich einige Knochenreste,
-eine Gewandspange (?) und kleine ornamentale Bauteile, jetzt im
-Lapidarium der Kirche. Am Empireaufsatz das Löffelholzsche Wappen.
-
-Bezüglich der Gemälde siehe Thode, Die Malerschule von Nürnberg,
-S. 118 ff. Gebhardt, S. 145 ff.
-
-Der =Halleraltar= (Abb. 60, 61). Im Schiff am zweiten Pfeiler der
-nördlichen Arkadenreihe. Es ist der in den Urkunden des Mittelalters
-genannte Erhardaltar und stand noch im ersten Drittel des 19.
-Jahrhunderts am dritten Pfeiler derselben Reihe (siehe S. 132).
-Flügelaltar von etwa 1440-1450. Mittelbild und Innenseiten des
-beweglichen Flügelpaares: auf gemustertem Goldgrund Christus am Kreuz
-mit Maria und Johannes, links die hl. Barbara, rechts die hl. Katharina.
-Der holzgeschnitzte ornamentale obere Abschluß stammt aus der Zeit der
-letzten Wiederherstellung.
-
-Auf den Außenseiten des beweglichen Flügelpaares Christus am Ölberg mit
-den schlafenden Jüngern, unten die Stifter mit den Wappen der Haller
-und Valzner und den Wappen der Haller, Koler und Seckendorf. Auf den
-feststehenden Flügeln zwei heilige Bischöfe, bezeichnet als Erhard
-(links) und Gori (rechts), vielleicht jedoch Erasmus und Blasius. Vgl.
-Thode, Die Malerschule von Nürnberg, Frankfurt 1891; Gebhardt, a. a. O.,
-S. 90 ff., hält den Meister des Halleraltars für einen Vorläufer des
-Meisters des Tucherschen Altars in der Frauenkirche.
-
-Auf dem Altar die minderwertigen holzgeschnitzten Statuetten einer
-Verkündigung, 1470-1480.
-
-Am zweiten südlichen Chorpfeiler noch ein kleiner =Altarschrein= mit
-holzgeschnitzter Gruppe der heiligen Sippe. Außen die Verkündigung. Auf
-den Innenseiten der Flügel zur Darstellung des Mittelschreines gehörige
-Sippenbilder. Der Altar wurde bei der letzten Instandsetzung der Kirche
-durch Konservator Andreas Mayer in Augsburg wiederhergestellt.
-
-In den beiden Sakristeien sind noch die mittealterlichen =Mensen=
-vorhanden.
-
- * * * * *
-
-Die =Kanzel= am südlichen Eckpfeiler von Ostchor und Mittelschiff. 1859
-nach Krelings Entwurf von Bildhauer Lorenz Rotermundt im gotischen Stil
-ausgeführt. Reiche Schnitzereien an Stiege, Korpus und Baldachin. Braun
-gebeizt, mit reicher Vergoldung der Ornamente. Auf dem Schalldeckel
-hohe, bis an das Gewölbe reichende Pyramide; an den fünf Seiten des im
-Grundriß achtseitigen Kanzelmantels die Brustbilder Christi und von vier
-Aposteln.
-
-In einer Urkunde vom Jahre 1293 wird ein pulpitum erwähnt, das zwischen
-den westlichen Vierungspfeilern in der Längsachse seinen Platz hatte
-und sich somit auf dem durch die Ostkrypta bedingten, bis an das
-Mittelschiff reichenden Hochchor befand. Vor ihm war der Johannesaltar
-angebracht.
-
-Von der gotischen Kanzel ist nichts bekannt.
-
-1659 wurde im Zusammenhang mit der Barockausstattung der Kirche eine
-neue Kanzel errichtet, welche der Leipziger Bürger Benedikt Winkler
-stiftete und der Schreiner Leonhard Ackermann und der Bildhauer
-Georg Schweigger ausführten. Von dieser Kanzel hat sich nur die
-Figur eines auferstandenen Christus erhalten, die ehemals über dem
-Treppenaufgang angebracht war, auf dem Boden der Nürnberger Königlichen
-Kunstgewerbeschule wieder aufgefunden wurde und jetzt in einer Nische
-des Löffelholzchors aufgestellt ist.
-
-
- 2. Plastik.
-
-=Einleitung.= Der in den vierziger Jahren des 13. Jahrhunderts
-vollendete spätromanische Bau der Kirche ist auffälligerweise, abgesehen
-von der ornamentalen Behandlung der Kapitäle und einiger Konsolen, ohne
-plastischen Schmuck geblieben. Statuen und Reliefs werden nicht nur
-aus der Zeit der Erbauung, sondern auch aus der nachfolgenden Zeit bis
-zum beginnenden 14. Jahrhundert überall vermißt. Nirgends eine Spur
-ehemaliger Befestigung figürlicher Darstellungen und nicht ein einziger
-Fund, welcher vom alten Bau herzurühren scheint. Die zum Zweck der
-Feststellung des ersten Grundrisses 1899 vorgenommenen Ausgrabungen
-waren nach dieser Hinsicht erfolglos. Eine zuverlässige Erklärung des
-sonderbaren Umstandes ist nicht möglich.
-
-Erst zu Beginn des 14. Jahrhunderts, im engen Anschluß an die
-Erweiterungsbauten der beiden Seitenschiffe von St. Sebald, entfaltete
-sich in Nürnberg eine Bildhauerschule und zwar gleich mit emsiger
-Tätigkeit, denn eine Menge von Aufträgen wurden ihr zuteil. Zunächst
-waren die beiden Seitenschiffportale mit Bogenfeldern und das südliche
-mit den Statuen Katharina und Petrus auszustatten, ferner einige Statuen
-an den Strebepfeilern des nördlichen Seitenschiffes, die Figuren der
-Jungfrauen an der Brauttüre und schließlich im Innern die Statuen
-der zwölf Apostel, des Kaisers Heinrich und der Kaiserin Kunigunde
-und einige andere Figuren anzubringen. Gewiß ein weites Arbeitsfeld,
-welches der Schule Gelegenheit bot, ihr ganzes Können zu zeigen. Die
-wirtschaftlichen Verhältnisse der Stadt hatten sich ebenso wie die
-politischen sehr zu ihrem Vorteil geändert, und so hielten es die
-Patriziergeschlechter der Pfarrgemeinde für eine Ehrenpflicht, zur
-reichen Ausstattung der Kirche ausgiebige Beiträge zu leisten.
-
-Was die Qualität der Werke anlangt, so geht die größere Anzahl über die
-Mittelmäßigkeit hinaus. Eine Arbeit, die Statue der hl. Katharina (Abb.
-137, 138), ist zum Teil von hervorragender Schönheit. Überhaupt ist ein
-Streben nach Formenschönheit charakteristisch für die Gestaltung fast
-sämtlicher Bildwerke. Gesichtszüge, Haarlocken, Haltung, Draperie, alles
-will gefällig erscheinen. Mit jener hl. Katharina zeigt insbesondere
-ein Kopf am nördlichen Querschiff, möglicherweise das Bildnis des
-Meisters, sowie das Wappen mit dem sogenannten Jungfrauenadler am
-gegenüberliegenden Bestelmeyerschen Hause nahe Verwandtschaft. Die
-Arbeiten gehören stilistisch noch in die Epoche der Hochgotik und zeigen
-ebenso wie der Neubau der Seitenschiffe verwandtschaftliche Beziehungen
-zur Freiburger Schule.
-
-Die Lebensfähigkeit der ersten Nürnberger Bildhauerschule währte etwa
-ein Menschenalter. Vom Ende der dreißiger Jahre an ging die Führung in
-der Plastik von St. Sebald auf die andere Pfarrkirche St. Lorenz über,
-es folgten die Frauenkirche und der Schöne Brunnen. An plastischen
-Arbeiten aus dieser Zeit hat die Kirche St. Sebald nur zwei, die Statuen
-der Heiligen Helena und Antonius im südlichen Seitenschiff, aufzuweisen,
-welche mit den Figuren an der Vorhalle der Frauenkirche nahe verwandt
-erscheinen.
-
-Mit dem Neubau des Ostchores regte sich in der Plastik von
-St. Sebald wieder neues Leben. Nur war der Umfang der Aufträge diesmal
-verhältnismäßig gering. Es scheint, daß die unmittelbar vorausgegangenen
-Bauten und insbesondere der Ostchorbau selbst an den Opfersinn der
-Bürgerschaft zu hohe Anforderungen gestellt hatten. Und dann machte
-ein anderes früher in Nürnberg nicht gekanntes Kunstgebiet, das der
-Glasmalerei, welches zur Ausstattung der hohen Chorfenster Anlaß gab,
-der Plastik bedeutende Konkurrenz.
-
-So kam es, daß von den zahlreichen zur Aufstellung von überlebensgroßen
-Statuen geschaffenen Stellen an der Innenseite der Ostchorwand mit ihren
-originellen Konsolen und Baldachinen nur zwei mit Statuen, den Aposteln
-Petrus und Paulus, besetzt wurden, den einzigen bedeutenderen Vertretern
-der figürlichen Plastik dieser Schule. Dagegen fand jetzt das Relief
-mehr Ausbreitung dadurch, daß außen an jedem Ostchorstrebepfeiler Tafeln
-mit Passionsdarstellungen angebracht werden sollten. Die neue Schule
-hat die ihr gestellten Aufgaben mit großem Geschick gelöst. Sie hat es
-verstanden, einer derb-kräftigen Art in der Charakteristik der einzelnen
-Gestalten beredten Ausdruck zu verleihen und die Begebenheiten
-durch klare Disposition anschaulich zu erzählen, und steht damit in
-innerster Beziehung zur Nürnberger Bildhauerschule um die Wende des
-15. Jahrhunderts, die sich ebenfalls hauptsächlich auf dem Gebiete der
-Reliefkunst betätigt hat und diesen beiden Vorzügen mit ihren Weltruf
-verdankt.
-
-Zur Schule der Skulpturen am Ostchor zählt auch das überaus eigenartige
-Gehäuse des Wandtabernakels im Innern.
-
-Polychrom sind fast alle Schöpfungen der ersten Schule: bei den
-Statuen im Innern auch Konsolen und Baldachine, selbst der Hintergrund
-ist zuweilen farbig behandelt; die Bogenfelder außen an den
-Seitenschiffportalen zeigen Spuren von Farbe und Gold. Bunt behandelt
-ist bei den Werken der zweiten Schule nur das Sakramentshäuschen.
-
-Die Bildhauerschulen von St. Sebald in der Frühzeit und aus
-den siebziger Jahren des 14. Jahrhunderts repräsentieren die
-Hauptentwicklungsstufen der Steinplastik Nürnbergs während des ganzen
-Jahrhunderts, in dessen letzten Jahrzehnten nur noch die Tonplastik
-eine besondere Blüte erlebt zu haben scheint. Von den Hervorbringungen
-dieser Kunst bietet der Ostchor von St. Sebald gleichfalls einige
-bemerkenswerte Proben. Es ist von Interesse zu beobachten, wie jene
-hauptsächlichsten beiden Schulen, als Anfangs- und Endpunkt einer
-fortlaufenden Entwicklung, sich trotz aller Ähnlichkeit diametral
-entgegenstehen. Bei der ersten Schule mußten eben eine Reihe von
-Anleihen bei einer anderen Schule gemacht werden, welche auf eine große
-Vergangenheit zurückblicken konnte. Die Abhängigkeit der Nürnberger
-Schule äußerte sich infolgedessen in der Aufnahme eines ihr fremden
-Elementes, welches sich nicht einleben wollte. Bei der zweiten Schule
-ist von fremdartigen Einflüssen keine Spur mehr, die charakteristischen
-Eigenschaften der Nürnberger Bildhauerkunst bis Adam Kraft, vornehmlich
-drastische ausdrucksvolle Darstellung, sind hier bereits in die
-Erscheinung getreten.
-
-Als Arbeiten der Plastik des 15. Jahrhunderts hat die Kirche mehrere
-gefaßte Holzfiguren aufzuweisen, welche ursprünglich die Seitenaltäre
-zierten und nach Beseitigung derselben auf die immer noch leeren
-Konsolen der Ostchorwand gestellt wurden, und dann eine stattliche
-Anzahl von Epitaphien, welche an der Außenseite in der Nähe der
-Begräbnisstätten der Stifter eingelassen wurden. Den Höhepunkt in der
-Ausstattung des Baues mit Bildwerken bezeichnet das zu Ende gehende
-15. und das beginnende 16. Jahrhundert, zu welcher Zeit von den ersten
-Meistern der Nürnberger Plastik Werke Aufnahme fanden, die an dem Ruhm
-der Kirche mindestens den gleichen Anteil haben wie der Bau selbst.
-
-Eine zusammenfassende Würdigung dieser Werke unterbleibt hier, da
-dieselben nicht in Beziehung zur Geschichte des Baues stehen.
-
-Bei dem nun folgenden =Inventar der plastischen Werke=, das sich
-auf eine Aufzählung und kurze Erläuterung der einzelnen Skulpturen
-beschränkt, werden zunächst die Arbeiten am Äußeren der Kirche und
-alsdann die im Innern derselben in fortlaufender Reihenfolge behandelt
-werden.
-
-
- A. Die Plastik am Außenbau.
-
-Am Mittelfenster des Westchors die überlebensgroße Erzstatue des
-=Christus am Kreuz= (Abb. 62). 1625 gegossen von Johann Wurzelbauer, dem
-Sohn des Meisters vom Tugendbrunnen. Ersatz für das von den Gebrüdern
-Johann und Georg Starck 1482 gestiftete hölzerne Kruzifix, welches
-zuerst an dem Schwibbogen zwischen Sebalder Pfarrhaus und Moritzkapelle
-hing und 1543 nach Abbruch des Bogens an den Westchor von St. Sebald
-verbracht wurde. Der Ersatz war wahrscheinlich infolge starker
-Verwitterung dieses Kreuzes notwendig. Unten am Kreuz befindet sich eine
-Messingtafel mit den Anfangsbuchstaben der Stifter: H S G S und eine
-zweite Messingtafel mit der Inschrift:
-
- Adspicite, o homines! miseranda in imagine Christum,
- Adspicite immiti trajectum pectora ferro,
- Pectora foedatasque manus perfusaque tabe
- Ora cruentatumque caput crinesque revulsos.
- Cernite liventes atro squalore lacertos,
- Cernite eheu! plenos lacrimarum fundite rivos!
-
- Monumentum hoc, quod prisca Starckiadum pietas dicavit per Johannem
- et Georgium Starckium, fratres, renovatum est MDCXXV.
-
-Bezüglich der Sage von den »Herrgottschwärzern« siehe M. M. Mayer
-a. a. O., S. 7.
-
-[Illustration: Abb. 62. Erzkruzifix am Westchor.]
-
-=Epitaph der Ketzel= von 1453. Steinrelief an der Nordseite des
-Westchors. Oben bildliche Darstellung: Rettung der Seelen aus dem
-Fegefeuer. Darunter Inschrift: »Anno domini Mccccxxxiii iar an sontag
-nach Maria geburt starb der erber elter Heinrich Ketzell, dem got
-genad.« Darunter das Wappen der Ketzel und die Zeichen ihrer Würde als
-Ritter des Heiligen Grabes (Kreuz von vier kleinen Kreuzen umgeben),
-als Ritter des »Ordens von der Lilie oder vom Blumentopf« des Ordens
-der »Equitum ensiferorum Cypri« (Schwert, von einem S umschlungen) und
-als Ritter der hl. Katharina auf dem Berge Sinai (das halbe Rad der hl.
-Katharina). Darunter die Inschrift: »Dar nach starb sein sun Heinrich
-Ketzell am montag nach der heiligen drei kunig dag M cccc liii iar, dem
-got genad.« Dieser Heinrich Ketzel war der erste aus seiner Familie, der
-zum Heiligen Grabe zog.
-
-=Epitaph der Pfinzing= von etwa 1480. Steinrelief an der Nordseite des
-Westchors. Rechts das Wappen Pfinzing-Kreß, links Pfinzing-Lauffenholz,
-zwischen beiden die kleinen Wappen der Pfinzing und der von Plauen. Über
-den Wappen Inschrift, welche dahin noch entziffert werden kann, daß ein
-Berthold Pfinzing 1357, ein anderer Berthold Pfinzing 1479, ferner ein
-Otto und ein Sebald Pfinzing sowie des letzteren Frau Elisabeth, geb.
-Mendel, hier begraben wurden. Stark verwittert.
-
-=Epitaph der Maurer= von etwa 1458. Steinrelief an der Nordseite des
-Westchors. Christus am Kreuz mit Maria und Johannes nebst den Stiftern.
-Darunter das Wappen der Maurer und folgende Inschrift: »Von xps gepurt
-xiii^c und lviii iar an sant Ambrosius tag wart Herman Maurer vnd sein
-wirtin hie pegraben, des Sebolt Grabners anher. Anno domini xiiii^c
-lviii iar starb Sebolt Grabner.« Kopie. Das Original im Lapidarium
-der Kirche. Vgl. Redslob in den Mitteilungen aus dem Germanischen
-Nationalmuseum 1907, S. 54 (doch mit unrichtiger Jahreszahl 1448).
-
-Am ersten Pfeiler des nördlichen Seitenschiffes ein Steinrelief mit
-=Christus am Kreuz, Maria und Johannes=. Darüber die Inschrift: »Anno M
-cccclxjjj jar an sant Barbara tag verschied Burckhart Semler, dem got
-genedig sey.« Mit den Wappen der Semler und Tetzel. Kopie. Original im
-Lapidarium.
-
-An demselben Pfeiler die lebensgroße Statue der hl. =Maria= mit dem
-Christuskind und die Statuette des hl. =Christophorus=, Kopien der
-Neuzeit. Ebenfalls Kopien sind die drei Konsolen mit den Baldachinen
-(eine Konsole war von jeher leer). 1330-1335. Originale der Figuren im
-Lapidarium.
-
-Am nördlichen Seitenschiffe zwischen Turm und Portal das =Fuggersche
-Epitaph= von 1497. Steinrelief mit dem =Schutzmantelbild Mariä=.
-Unter dem Mantel Mariä die Familienglieder des Stifters. Darunter ein
-kreisrundes Medaillon mit dem Wappen der Fugger und der Inschrift: »A.
-D. 1497 am sontag nach Bartholomei tag starb Peter Fugger von Augsburg,
-der hier begraben liegt, dem gott gnädig sey. Amen.« Siehe Edwin
-Redslob, a. a. O., S. 57.
-
-Links davon das Hallersche Epitaph. Steinrelief mit =Christus am
-Kreuz=, =Maria= und =Johannes=. Links das Wappen der Haller, rechts das
-der Paumgartner. Unten knieende Familienglieder des Stifters mit den
-Wappen der Haller, Paumgartner und anderer Geschlechter. Um 1420. Stark
-verwittert.
-
-[Illustration: Abb. 63. Bogenfeld im Portal des nördlichen Seitenschiffs
-mit Darstellungen aus dem Marienleben.]
-
-=Nordportal=, beziehungsweise nördliches Eingangsportal des nördlichen
-Seitenschiffes, die sogenannte Anschreibtüre. Bogenfeld mit den
-Reliefdarstellungen des =Todes=, =Leichenbegängnisses= und der =Krönung
-Mariä= (Abb. 63), durch eine Querleiste getrennt: unten die beiden
-erstgenannten, oben die letztgenannte Darstellung. Farbig gefaßt. Um
-1310. Von derselben Werkstätte wie das Bogenfeld des Südportales.
-
-Von den =Kapitälen= der acht flankierenden Säulen an der Portalgewandung
-sind zwei ornamental bearbeitet. An den übrigen befinden sich kleine
-menschliche Gestalten, meist in kniender und betender Stellung gegen
-das Bogenfeld gerichtet. Von der gleichen Hand, jedoch ohne Spuren
-farbiger Behandlung.
-
-[Illustration: Abb. 64. Statue der Eitelkeit der Welt am nördl.
-Seitenschiff. Vorderseite.]
-
-[Illustration: Abb. 65. Statue der Eitelkeit der Welt am nördlichen
-Seitenschiff. Rückseite.]
-
-Die zwei Figuren der =Verkündigung= zu beiden Seiten des Portales
-stammen aus der Mitte des 14. Jahrhunderts. Dagegen waren die
-ursprünglichen Konsolen und die Baldachine, jetzt durch Kopien ersetzt,
-aus der Zeit des Portales.
-
-Am nächsten Strebepfeiler die lebensgroße Statue eines Jünglings,
-die =Eitelkeit der Welt= darstellend (Abb. 64, 65). Der Rücken ist
-entblößt und von Würmern zerfressen; Kröten und Schlangen kriechen
-daran. Die Figur wird von der Seite gesehen. Aus der Schule der
-Seitenschiffe. Konsole und Baldachin sind Kopien. Etwa 1310-1315. Die
-gleiche Vorstellung in einem Liede Walthers von der Vogelweide und dem
-größeren Gedichte »Der Welt Lohn« von Konrad von Würzburg ([gestorben]
-1287). Unter den Werken der Plastik ist unsere Darstellung mit denen
-am Südportal des Domes zu Worms nah verwandt und auch mit denen an den
-Münsterkirchen zu Freiburg i. B., Straßburg und Basel zu vergleichen.
-Zeitlich stellt sie die letztentstandene dieser Figuren dar (vgl. das
-Referat eines Vortrages über diesen Gegenstand von K. Schaefer im
-Jahresbericht über das 19. Vereinsjahr des Vereins für Geschichte der
-Stadt Nürnberg, 1896, S. 9 ff.).
-
-[Illustration: Abb. 66. Eine der klugen Jungfrauen am Brautportal.]
-
-An der Mauer oberhalb des Kaffgesimses ein kleines =Kreuzigungsrelief=:
-Der Gekreuzigte mit Maria und Johannes zu seinen beiden Seiten.
-Inschrift nicht mehr festzustellen. 14. Jahrhundert. Kopie. Das Original
-nicht mehr vorhanden.
-
-Am ersten Ostchorpfeiler neben der Brauttüre ein Relief mit =Christus am
-Kreuz=, =Maria= und =Johannes=. Um 1320.
-
-Darunter auf einer Steinleiste =drei Wappen=: zwischen zwei Wappen der
-Stromer das Wappen der Haller. Kopie.
-
-An dem gleichen Pfeiler hoch über diesem Kreuzigungsrelief der S. 42
-erwähnte =Kopf= (Meisterkopf?).
-
-Die =Brauttüre= oder »Ehetür«. In den Leibungen des Portales
-und unmittelbar neben demselben auf Sockeln und Konsolen die
-halblebensgroßen =Figuren der fünf klugen= (links) =und der fünf
-törichten Jungfrauen= (rechts) (Abb. 66) mit Spuren alter Bemalung. Die
-letzte der linksstehenden Figuren stammt aus der Neuzeit.
-
-Die Statuen gehören der Schule des Meisters vom südlichen Portal an,
-ebenso die Tierfiguren an den vier Konsolen. Es zeigt sich noch die
-Feinheit und der weiche Fluß in der Gewandbehandlung, dagegen bereits
-Eintönigkeit in Haltung und Köpfen. Mit Konsolen und Baldachinen aus der
-Zeit des Portales, etwa 1315 bis etwa 1320.
-
-Derselben Zeit gehören an zu beiden Seiten des Türbogens die
-halblebensgroßen Figuren des Adam und der Eva, die ersten nackten
-Gestalten in der Nürnberger statuarischen Plastik, mit den Wappen
-der Muffel und Vorchtel und am Scheitel des Bogens das Brustbild des
-segnenden =Christus=. In den Zwickelfeldern =Prophetengestalten= in
-Relief.
-
-Erst gegen Ende der vierziger Jahre des 14. Jahrhunderts wurde die
-Brauttüre durch ein zwischen die beiden Strebepfeiler eingespanntes
-=Maßwerk= zu einer Portalhalle umgestaltet.
-
-[Illustration: Abb. 67. Geißelung Christi. Stationsrelief am Ostchor.]
-
-[Illustration: Abb. 68. Kreuztragung. Stationsrelief am Ostchor.]
-
-Die Hauptteile desselben bilden ein Spitzbogen und ein demselben
-eingefügter Halbkreisbogen, die äußeren Zwickel des Spitzbogens
-sind rechteckig eingerahmt. Die leeren Flächen sind mit zierlichen,
-durchbrochen gearbeiteten Ornamenten ausgefüllt und der Halbkreisbogen
-unten mit einem ebenfalls zierlichen, durchbrochen gearbeiteten
-Bogenfries besetzt. Das Gesims des Spitzbogens ist mit Krabben besetzt.
-Weibliche Figuren tragen die Konsolen, auf welchen das Ganze zu ruhen
-scheint.
-
-Zu beiden Seiten des Maßwerks zwei dreiviertellebensgroße Figuren, neue
-Kopien von Statuen aus der Zeit um 1430: links die hl. =Maria= mit dem
-Christuskind, unten das Wappen der Topler, rechts der hl. =Sebald= mit
-dem Wappen der Schnöden. Die Originale befinden sich im Innern der
-Kirche.
-
-An der Westwand der großen Sakristei die überlebensgroße Statue
-eines =Christus mit den Wundmalen=. Christus hält mit der Linken die
-Mantelenden und weist mit der Rechten auf die Seitenwunde. An der
-Konsole halten zwei menschliche Gestalten das Wappenschild der Rieter.
-Mit Konsole und Baldachin aus der Zeit um 1400. Die Figur ist eine
-Kopie; das Original befindet sich in der Kirche.
-
-An der Nordseite der Sakristei Darstellung der =Gregoriusmesse=,
-daneben ein Relief der =Verkündigung Mariä= mit dem Helmschmuck der
-Muffel. Beide Reliefs, von denen das erstere heute durch eine Kopie
-ersetzt ist (Original im Lapidarium), befanden sich bis zur letzten
-Wiederherstellung der Kirche in der Nähe des Treppentürmchens am
-nördlichen Turm.
-
-[Illustration: Abb. 69. Passionsszenen von Adam Kraft. Schreyersches
-Begräbnis am Ostchor.]
-
-Links von der Brauttüre um die ganze Sakristei herum die meisten der
-sogenannten =Wetzrillen=, über deren Bedeutung sich die Wissenschaft
-bisher nicht klar ist. Sie finden sich auch sonst an der Kirche,
-namentlich an den Portalen.[VIII]
-
- [VIII] Über die Wetzrillen an der Sebalduskirche vgl. Otto Schulz in
- der Denkmalspflege. III (1901), S. 651.
-
-An den Pfeilern des Ostchores von der nördlichen bis zur südlichen
-Sakristei zehn Reliefdarstellungen aus der =Passion=. Die Enstehungszeit
-fällt zusammen mit der Erbauungszeit des Chores, demnach in die
-Jahre 1372-1379. Die Reliefs sind -- bis auf eines -- aus gleicher
-Schule, aber nicht von gleicher Hand. Rechteckiges Format und gleiche
-Größe. Jedes Relief hat einen anderen Patrizier zum Stifter, wie die
-beigefügten Wappen erkennen lassen.
-
-Die Darstellungen sind:
-
-1. Einzug in Jerusalem (Kopie aus der Mitte des 19. Jahrhunderts). --
-Wappen der Welser.
-
-2. Abendmahl. Kopie. -- Wappen der Groland.
-
-3. Ölberg. -- Wappen der Geuder. Vom Anfang des 15. Jahrhunderts.
-
-4. Gefangennahme. -- Wappen der Pfinzing.
-
-5. Christus vor Pilatus. -- Wappen der Geuschmid.
-
-6. Geißelung (Abb. 67). -- Wappen der Beheim.
-
-7. Dornenkrönung. -- Wappen der Sachs.
-
-8. Kreuztragung (Abb. 68). -- Wappen der Grundherr.
-
-9. Christus am Kreuz. -- Wappen der Behaim.
-
-10. Auferstehung. -- Unbekanntes Wappen.
-
-Am Ostchor zwischen den beiden Pfeilern mit dem Pfinzingschen und dem
-Geuschmidschen Passionsrelief das =Schreyersche Grabmal= (Abb. 69).
-Steinrelief von Adam Kraft, vollendet 1492.
-
-Das Relief ist dem Raum zwischen den zwei Strebepfeilern angepaßt, so
-daß sich das größere Mittelstück an die Wand und die beiden kleineren
-Seitenflügel an die Pfeiler anlehnen. Es füllt die Mauerfläche vom
-Sockel bis zum Gesims der Fensterbank und mißt in der Höhe über 2·50
-m, in der Länge beinahe 6 m. In der Mitte vor dem Relief eine eiserne,
-durchbrochen gearbeitete Laterne als Ewiglichtlampe mit der Jahrzahl
-1492. Eine neue kassettierte Holzdecke mit Kupferbedachung schützt das
-Ganze vor den Unbilden der Witterung, ein eisernes Gitter schließt nach
-außen ab. Von den Baldachinen, die zu beiden Seiten den Abschluß des
-Grabmales bilden, ist derjenige rechts erneuert. Original im Lapidarium.
-
-[Illustration: Abb. 70. Konsole mit Mönchen an einem südlichen Pfeiler
-des Ostchors.]
-
-Das Relief enthält vier Darstellungen aus der Passion: auf dem rechten
-Flügel die Kreuztragung, auf der rechten Hälfte des Mittelteiles die
-Heimkehr des Volkes vom Richtplatz, auf der linken Hälfte die Grablegung
-und auf dem linken Flügel die Auferstehung. Die einzelnen Szenen
-sind nicht streng und auch nicht äußerlich voneinander geschieden,
-sie gehen mittels eines reichen landschaftlichen Hintergrundes
-unter Anwendung der Perspektive ineinander über. Die Landschaft
-steigt fast bis an den oberen Rand empor. Die Hauptfiguren sind
-dreiviertellebensgroß. Im Vordergrund unten sind die Familien der
-Stifter in verkleinertem Maßstab mit ihren Wappen abgebildet; die
-Wappen sind links Schreyer-Kammermeister, Schreyer-Link, Schreyer,
-Schreyer-Oertel, Schreyer-Landauer, Schreyer-Marstall, Eyb, Fuchs,
-Schreyer und Kammermeister, rechts Landauer-Rothenhahn, Landauer,
-..?.., Schlüsselfelder-Landauer, Starck-Landauer, Landauer, wiederum
-Landauer und Rothenhahn. Das ganze Relief zeigt Spuren von Bemalung.
-
-Am 11. September 1490 schloß Adam Kraft mit dem Kirchenmeister Sebald
-Schreyer und dessen Neffen Matthäus Landauer in Gegenwart zweier Zeugen
-behufs Übernahme und Ausführung der Bildhauerarbeit einen detaillierten
-Vertrag ab. Siehe Neudörfer, Nachrichten, herausgegeben von Lochner,
-1875, S. 16 ff. und A. Gümbel im Repertorium für Kunstwissenschaft. XXV
-(1902), S. 360 ff. Es wurde unter anderem die Bestimmung getroffen, daß
-nur ein guter, ganzer und »unwetteressiger« Stein, bei Vach (1 Stunde
-nördlich von Fürth) oder anderswo gebrochen, zur Verwendung gelangen und
-daß die Kosten für die Ausführung 160 fl. nicht übersteigen solllen. Als
-Zehrgeld während der Arbeit wurden 50 bis 60 fl. ausgemacht. Am 7. Mai
-1492 war das Werk vollendet.
-
-[Illustration: Abb. 71. Darstellung des Jüngsten Gerichtes. Schedelsches
-Relief über der Schautüre.]
-
-Das Kraftsche Relief ist von eminent malerisch-dramatischer Wirkung,
-die figurenreichste und umfassendste Komposition Krafts (vgl. Lübke,
-Geschichte der Plastik. 1880, II, 722). Nach Lochner hätte Kraft nach
-einem Gemälde gearbeitet, möglicherweise nach einem Gemälde Wolgemuts,
-des Freundes von Sebald Schreyer. Die Behauptung scheint der Wahrheit
-zu entsprechen, da die Kraftschen Schöpfungen sonst nicht in solchem
-Maße auf malerische Wirkung berechnet sind. Allein der Entwurf für
-die Komposition selbst scheint Krafts geistiges Eigentum zu sein. In
-der Ausführung ist den Schülern mitunter manches überlassen worden.
-Ausführliches bei Daun, Adam Kraft und die Künstler seiner Zeit. Berlin
-1897, S. 19 bis 27 und 64.
-
-[Illustration: Abb. 72. Grabrelief der Holzschuher am südlichen
-Seitenschiff (Kopie aus der Barockzeit).]
-
-Schon vor 1453 hatten die miteinander verwandten und befreundeten
-Familien Schreyer und Landauer ihr Begräbnis an der Stelle des
-Kraftschen Denkmals. Unten über dem Grabgewölbe liegen noch zwei
-Grabsteine: links der Grabstein des Hans Schreyer ([gestorben] 1437) mit
-seinem und den Wappen der Eyb und Fuchs, rechts ein Grabstein mit dem
-Wappen der Landauer.
-
-Für das von Sebald Schreyer gestiftete Ewige Licht und für das
-Sakramentshäuschen wurde 1493 ein Ablaß gewährt. 1508 wurde der Ablaß
-bestätigt.
-
-An den Strebepfeilern des Ostchores waren zwei übereinander liegende
-Reihen von =Konsolen und Postamenten= zur Aufnahme zahlreicher Figuren
-bestimmt, von denen jedoch nur wenige zur Ausführung gekommen sind.
-Der oberen Reihe gehören zwei =Prophetenfiguren= an, die sich in sehr
-vergittertem Zustande an einem Strebepfeiler der Nordseite vorfanden
-und von denen die eine sich jetzt im Germanischen Museum, die andere im
-Lapidarium der Kirche befindet.
-
-Die untere Reihe von Konsolen ist mit allerlei satirischen und anderen
-Profandarstellungen, auch naturwahren Tiergestalten usw. in trefflicher
-Ausführung geschmückt (Abb. 70). Ein Teil derselben ist erneuert
-(Originale im Lapidarium). Dieser unteren Reihe gehört am siebenten
-Pfeiler des Ostchores, d. h. an dem Pfeiler, an welchem unten das Relief
-der Dornenkrönung angebracht ist, oberhalb des Kaffgesimses auf einem
-Sockel die lebensgroße Statue des hl. =Sebald= an sowie am folgenden
-Pfeiler die der hl. =Maria=, beide aus der gleichen Zeit wie die
-Passionsdarstellungen. Die Figuren sind durch besonders reich gebildete
-Baldachine hervorgehoben; ihre Hintergründe zeigen deutliche Spuren
-alter Bemalung, von der sich noch Engelsgestalten erkennen lassen.
-Ein Sockelstück auf dem Fenstergesims zwischen diesen beiden Figuren
-läßt darauf schließen, daß sie ehemals mit einer Mittelfigur zu einer
-wirkungsvollen, durch reichen Farbenschmuck ausgezeichneten Gruppe
-verreinigt waren.
-
-Die neueste Wiederherstellung der Kirche hat die meisten der
-leergebliebenen Postamente mit Propheten, Aposteln und anderen
-Heiligengestalten belebt (siehe das Kapitel über die jüngste
-Restauration S. 90).
-
-Über der Schautüre das eingerahmte Steinrelief des =Jüngsten Gerichtes=
-(Abb. 71). Die Komposition zerfällt in eine obere und untere Hälfte.
-Oben thront in der Mitte Christus, zu beiden Seiten sitzen in einem
-Bogen auf Wolken die zwölf Apostel. Die ausgesparten Zwickel über
-denselben füllen vier schwebende Engel aus, die ursprünglich mit
-Posaunen ausgerüstet waren. Zu Füßen Christi knien die fürbittenden
-Maria und Johannes, in die untere Hälfte der Komposition reichend.
-Diese wird durch eine Inschrifttafel in eine linke und rechte Hälfte
-zerlegt: hier werden die Auferstandenen von einem Engel in die
-Himmelspforte, welche Petrus hütet, geleitet, dort von einem Ungeheuer
-in den Höllenrachen befördert. Über der Inschrifttafel zwischen
-Maria und Johannes erheben sich die Toten. Links und rechts von der
-Tafel der betende Donator und das Wappen seiner Familie, nämlich
-das der Schedel. Die Inschrift lautet: »Anno domini MCCCCLXXXV die
-quarta mensis Decembris obiit peritissimvs artivm et medicine doctor
-Hermannvs Schedel, physicvs Norinbergensis, qui cvm sva familia hic
-in pace qviescit.« Die Gedenktafel ist jedenfalls eine Stiftung des
-Hartmann Schedel, des berühmten Herausgebers der nach ihm benannten 1493
-erschienenen Weltchronik, zu Ehren seines Sohnes. Die Entstehung dürfte
-in die nächsten Jahre nach 1485 fallen.
-
-Auf einem der Grabsteine befindet sich ein Steinmetzzeichen. Die
-Komposition ist noch ganz mittelalterlich. Die profilierte Umrahmung ist
-erneuert (vgl. Redslob a. a. O. S. 58 ff.).
-
-Nach M. M. Mayer, Die Kirche des hl. Sebaldus (1831), S. 15, befand
-sich früher rechts von diesem Relief eine weitere =Gedenktafel der
-Familie Schedel=, nämlich ein eingerahmtes Holztafelgemälde mit der
-=Geburt Christi=, darüber in drei Abteilungen die Inschrift: »Hartmannus
-Schedel, artium ac utriusque medicine doctor, obiit anno domini m.
-d. xiiii die xxviiii mensis Nouembris. Magdalena Schedlin, filia
-Antony Haller, obiit Anno domini m. d. v. die xiiii mensis Julii. Anne
-Schedlin, filia Alberti Heugeli, obiit anno domini M. cccc xi mensis
-Septe[mb]ris.« Das schon zu Mayers Zeit sehr verwaschene Bild war 1888
-nicht mehr vorhanden; der Rahmen befindet sich im Lapidarium.
-
-[Illustration: Abb. 73. Bogenfeld im Portal des südlichen
-Seitenschiffes.]
-
-An der Kapelle neben der südlichen Sakristei =Kruzifixus zwischen Maria
-und Johannes=. Rundfiguren des 14. Jahrhunderts. An der Konsole des
-Johannes das Wappen der Groland, unter der Maria das Wappen der Zollner.
-Kopien. Die Originale der Maria und des Johannes befinden sich in der
-Kirche.
-
-An dem nun folgenden =Dreikönigsportal= die Rundfiguren der heiligen
-drei Könige und der Maria mit dem Kinde auf Konsolen. An letzteren die
-Wappen der Holzschuher, Muffel und Frey (?). Die Figuren stammen aus
-der Zeit des Portales. Die Tympanonfüllung wird durch die Rückseite des
-holzgeschnitzten und polychrom behandelten Ebnerschen Reliefs gebildet,
-das bei der Beschreibung der Denkmäler des Innern näher behandelt wird.
-Es ist nicht unwahrscheinlich, daß das Relief, um es vor den Unbilden
-der Witterung zu schützen, umgekehrt worden ist, früher indessen einen
-Schmuck des äußeren Portals, das in gleicher Weise polychrom behandelt
-ist, bildete.
-
-[Illustration: Abb. 74. Grabrelief der Pömer am südlichen Treppenturme.]
-
-Links vom Dreikönigsportal ein =Ecce homo= mit dem Wappen der Geuschmid.
-
-Zu beiden Seiten des Portals zwei =Bischöfe=. Kopien. Die Originale in
-der Kirche.
-
-Am ersten Fenster des Seitenschiffes Doppelrelief: oben =Krönung Mariä=,
-unten der =ungläubige Thomas=. Das obere Relief ist alt, das untere
-Kopie (Original im Lapidarium).
-
-An der anderen Seite des Fensters ein =Epitaph= der =Holzschuher=,
-ursprünglich vielleicht aus der Zeit um 1430. Steinrelief mit dem
-thronenden Gott Vater, den Gekreuzigten haltend, in der Mitte, mit den
-hl. Johannes dem Täufer, Sebald und Paulus auf der linken und Petrus,
-Thomas und Christophorus auf der rechten Seite; vor den Heiligen die
-Stifter mit den Wappen der Holzschuher und Pömer links und den Wappen
-der Holzschuher und Pfinzing rechts; auf dem steinernen Tragbalken des
-Reliefs die Wappen der Holzschuher und Kreß, Holzschuher und Hummel,
-Holzschuher und Groland und Holzschuher und Haller. Offenbar Kopie der
-Barockzeit (Abb. 72).
-
-An der Wand des nächsten Joches Relief der =Auferweckung des Lazarus=,
-durch zwei Säulen dreigeteilt. Nach M. M. Mayer, a. a. O., S. 17, trug
-der obere, später in Verlust geratene Teil die Jahreszahl 1520 und das
-Wappen der Pömer. Kopie, deren oberer Teil frei ergänzt wurde; Original
-des unteren Teiles im Lapidarium (Abb. 140). Vermutlich ein Werk des
-Veit Stoß.
-
-An der Stirnseite des nächsten Strebepfeilers ein kleines Relief:
-=Christus am Ölberg=. Kopie. Über die Ölbergreliefs an St. Sebald und
-die daran erkennbare Stilentwicklung handelt im Zusammenhang E. Redslob
-in den Mitteilungen aus dem Germanischen Nationalmuseum 1907, S. 14 ff.
-
-Das von M. M. Mayer S. 17 erwähnte schon damals fast ganz verwitterte
-Relief mit dem hl. Sebaldus und zwei anderen Heiligen ist der Zeit zum
-Opfer gefallen.
-
-[Illustration: Abb. 75. Grabrelief der Haller am südlichen Turm.]
-
-=Südportal=, beziehungsweise das südliche Eingangsportal des südlichen
-Seitenschiffes:
-
-Bogenfeld mit der Reliefdarstellung des =Jüngsten Gerichtes= (Abb.
-73). Aus der mit der Erweiterung der Seitenschiffe begründeten
-Bildhauerschule. Um 1310. Der Darstellung liegt die in der gotischen
-Zeit übliche Komposition zugrunde, sie unterscheidet sich jedoch von
-den übrigen Darstellungen des 14. Jahrhunderts noch durch den Mangel
-einer sichtlichen Hervorhebung der Horizontalteilung sowie durch das
-Vorhandensein des Erzengels Michael als einer stehenden Figur. Das
-Relief zeigt ebenso wie die säulenartige Profilierung der Leibungen
-Reste alter Bemalung.
-
-Bei dem für die Komposition zur Verfügung stehenden engen Raum konnten
-die sonst nirgends fehlenden =Engel mit den Leidenswerkzeugen= nicht
-untergebracht werden oder wurden vergessen. Sie erhielten nachträglich
-in Gestalt von Statuetten ihren Platz zu beiden Seiten in der
-Bogenleibung auf dem Gesims der Kapitäle.
-
-Außerdem steht noch links auf demselben Gesims die Figur des =Abraham
-mit den Seligen im Schoß=. Dem Bildhauer schwebte wahrscheinlich
-die Komposition des Nordportales am Bamberger Dom, der sogenannten
-Fürstenpforte, vor Augen.
-
-Seitlich des Portales die nahezu lebensgroßen Statuen der hl.
-=Katharina= (Abb. 137) und des hl. =Petrus=. Beide stammen aus derselben
-Schule wie die übrigen Figuren und das Relief des Portales. Die Statue
-der hl. Katharina erinnert in ihrem Kostüm und mehr noch in ihrer
-vornehmen Haltung und in der Behandlung der Draperie an die Statuen des
-13. Jahrhunderts. Der Kopf der Statue (Abb. 138) muß ein Meisterwerk
-des 14. Jahrhunderts genannt werden. Der Schöpfer dieser Leistung war
-vielleicht der Begründer der ersten Bildhauerschule von St. Sebald.
-Kopien. Die Originale in der Kirche.
-
-Konsolen und Baldachine gehören der gleichen Zeit an, die figürlichen
-Darstellungen an den =Kapitälen= der Portalleibungen der gleichen Schule.
-
-Am Treppentürmchen des südlichen Turmes ein Hochrelief mit zwei
-Darstellungen, oben: =Christus am Ölberg= (vgl. Redslob, a. a. O., S.
-15 ff. und daselbst Tafel I), unten: =Christus als Schmerzensmann=, zu
-beiden Seiten knien fünf Familienglieder des Stifters, unter diesen
-sechs Pömersche Allianzwappen (Abb. 74). Die ganze Tafel, die Spuren
-alter Polychromie zeigt und leider stark verwittert ist, ist von einem
-kräftig profilierten steinernen Rahmen eingefaßt. Pömersche Stiftung vom
-Jahre 1396.
-
-[Illustration: Abb. 76. Türklopfer vom Brauttor.]
-
-Darunter die Inschrift: »Heinrich Pömer der erste alhier starb an St.
-Anna tag anno domini m ccc xxxj. Konrat Pömer starb an dem nehsten tag
-nach Kunigundis in der fasten anno domini m ccc lxj. Friedereich Pömer
-starb an der eilf tavsent meyd obent anno domini m ccc lxxvjj. Fraw
-Elspet Jorg Pömerin, her Gotfrid Schoppers tochter, starb am pfinztag
-nach Kungundis in der fasten anno domini m ccc lxxxxjjj.« Ferner die
-Inschrift: »Steffan Pömer starb am fritag vor Martini anno domini m ccc
-lxxxxv. Jorg Pemer starb am pfinstag nach obersten im ccc lxvj iar.«
-
-Nach Mayer, a. a. O., S. 18, sollen Tafel und Inschriften 1797
-restauriert worden sein. Die jetzigen Inschriften sind Kopien.
-
-Daneben eine eingerahmte Tafel mit vier Wappenpaaren übereinander. Links
-vier Wappen der =Pömer=, rechts von oben nach unten die Wappen der
-Rummel, Haller, Schmittmaier-Imhoff und Zollner. Um 1400.
-
-Unter dieser Tafel das Wappenschild der Pömer-Eisvogel. Um 1400.
-
-Am südlichen Turm eine Tafel mit zwei Reliefdarstellungen in einem
-mit Rosetten besetzten Rahmen. Die Tafel wird von einem Zinnenkranz
-bekrönt (Abb. 75). Oben: =Christus am Ölberg=, dabei die knienden
-Familienglieder des Stifters mit den Wappen der Fütterer und Haller.
-Unten: Die =Dreifaltigkeit= mit den Heiligen Philipp und Simon, dabei
-die knienden Familienglieder des Stifters mit den Wappen der Fütterer,
-Haller und Derrer auf der linken und den Wappen der Eglofstein und
-Grundherr auf der rechten Seite. Stiftung der Fütterer, und zwar von
-zwei verschiedenen Familien dieses Geschlechts. Um 1430.
-
-Im Bogenfeld des südlichen Turmportales das Steinrelief der
-=Kreuzauffindung= und Kreuzprobe der =Kaiserin Helena=. Die Heilige
-steht in der Mitte der beiden figurenreichen Szenen. Rechts wird das
-gefundene Kreuz weggetragen, links wird durch das Kreuz eine totkranke
-Frau geheilt. Unten knien rechts und links die Stifter mit ihren
-Familien; von den Wappen derselben sind noch die der Groß und Oertel zu
-erkennen. Vorzügliche Arbeit um 1510.
-
-Am südlichen Turm neben dem Portal die überlebensgroße Statue des
-hl. =Christophorus=. Der Märtyrer, ein Riese von Gestalt, trägt
-gesenkten Hauptes auf den Schultern das Christuskind, welches sich am
-Kopfe des Heiligen und an dessen baumähnlichen Wanderstab festhält,
-und schreitet langsam durch das Wasser. An der Konsole halten zwei
-Engel das Schlüsselfeldersche Wappen; dabei die Inschrift: »Heinrich
-Schlüsselfelder anno domini M CCCC Xlii.« Das Werk pflegt man
-vermutungsweise dem Bildhauer Hans Decker, der 1449 in den Nürnberger
-Bürgerbüchern erscheint, zuzuschreiben. Es zeigt früh entwickelten
-Naturalismus. Ein mit Kupfer gedecktes Dach schützt die Statue vor den
-Unbilden der Witterung.
-
-An der Südwestecke des südlichen Turmes in der Höhe der Glockenstube ein
-ziemlich roher, etwa lebensgroßer =Kruzifixus= aus der Zeit um 1400.
-
-Am Löffelholzchor ein kleines =Ölbergrelief=. 14. Jahrhundert.
-
-Außer dieser Steinplastik wäre am Äußeren der Kirche noch einiger
-bronzener =Türklopfer= Erwähnung zu tun, dreier prächtiger, den Ring
-haltender Löwenköpfe des romanischen Stils an der Brauttüre (Abb. 76),
-der Türe des Dreikönigsportales und der des südlichen Seitenschiffes,
-eines Türklopfers der Spätrenaissance mit stilisiertem Frauenkopf an der
-Tür des nördlichen Seitenschiffes.
-
-[Illustration: Abb. 77. Statue des Apostels Johannes im Mittelschiff.]
-
-[Illustration: Abb. 78. Statue des Apostels Philippus im Mittelschiff.]
-
-[Illustration: Abb. 79. Statue des Apostels Petrus im Mittelschiff.]
-
-[Illustration: Abb. 80. Statue des Apostels Simon im Mittelschiff.]
-
-
- B. Die Plastik im Inneren.
-
- 1. Die Plastik der Westhälfte.
-
-Die =Apostelstatuen im Mittelschiff= (Abb. 77 bis 81). Dieselben
-sind Ausläufer der mit dem Umbau der Seitenschiffe begründeten
-Bildhauerschule und zeigen teils noch die Vorteile derselben durch
-glückliche Übersetzung der charakteristischen Merkmale ins Monumentale,
-teils auch schon deutlich den Verfall der Schule. Sie gehören der Zeit
-von etwa 1315 bis 1335 an. Bei der gegenwärtigen Restaurierung wurden
-sie sämtlich von der dicken Tünchkruste, mit der eine frühere Zeit
-nicht nur die Wände der Kirche, sondern auch die Statuen überzogen
-hatte, befreit. Die alte Polychromierung mit reicher Verwendung von Gold
-und auch die teppichähnlichen Hintergründe kamen hierbei wieder zum
-Vorschein und wurden von kundiger Hand renoviert.
-
-Die Konsolen, welche die Wappen der Nürnberger Familien Ebner,
-Schreyer, Tucher, Kreß, Muffel, Knebel, Baumgartner, Neumarkter,
-Rieter tragen, haben die Gestalt von Kapitälen teils in schlichter
-Profilierung, teils mit reicher Ornamentik. Nur bei einer Konsole an der
-südlichen Pfeilerreihe findet sich figürlicher Schmuck: zwei zierliche
-Engelsfiguren flankieren einen mit Draperie umrahmten weiblichen Kopf.
-
-An einem der Pfeiler des Mittelschiffes anstatt einer Apostelfigur
-die Statue =Johannes des Täufers= aus der gleichen Werkstätte wie die
-Apostel.
-
-Ebenfalls als Ausläufer der gleichen Schule sind zu betrachten die
-beiden Statuen der heilige =Kaiser Heinrich= und =Kaiserin Kunigunde=
-(Abb. 82, 83) im nördlichen Seitenschiff. Um 1330; mit den Wappen der
-Stromer aus der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts. Das Zepter der
-Kaiserfigur ist neu.
-
-Desgleichen gehört dieser Schule die Statue des hl. Bischofs =Erhard= an
-einem Pfeiler der nördlichen Reihe an (Abb 84) (vgl. S. 132). Um 1335.
-
-Hierher sind auch zu zählen als letzte und weniger gute Vertreter dieser
-Schule vier Statuen im Ostchor an der Nordwand desselben, nämlich ein
-hl. Bischof, ein Jacobus d. Ä. (später abgeändert in Sebald) und ein
-Apostel (siehe S. 157-159).
-
-[Illustration: Abb. 81. Statue des Apostels Bartholomäus im
-Mittelschiff.]
-
-[Illustration: Abb. 82. Statue der hl. Kunigunde im nördlichen
-Seitenschiff.]
-
-Nicht in die Schule der Seitenschiffportale gehört die überlebensgroße
-Statue eines =Christus= mit den =Wundmalen= am ersten nördlichen
-Pfeiler des Mittelschiffes. Die Behandlung des Nackten ist ziemlich
-flach, die der Draperie dagegen erinnert in ihrer Vornehmheit an die
-klassizistische Richtung der romanischen Epoche. Mit Konsole und
-Baldachin aus der Zeit um 1335. An der Konsole das Wappenschild der
-Holzschuher.
-
-=Christus als Schmerzensmann.= Überlebensgroße Steinfigur mit Konsole
-und Baldachin. Im nördlichen Seitenschiff am ersten Pfeiler. Nachbildung
-des vorigen aus der Zeit um 1380. Mit dem Wappen der Pömer.
-
-=Christus als Schmerzensmann.= Halblebensgroße Steinfigur, früher am
-westlichen Pfeiler der südlichen Reihe, jetzt an der Nordwand des
-Löffelholzchores, aus der Zeit um 1400. Ohne Sockel und Baldachin. Mit
-dem Wappen der Ebner.
-
-Die hl. =Helena= (Abb. 85). Lebensgroße Steinfigur im südlichen
-Seitenschiff am ersten Pfeiler. Mit Baldachin aus der Zeit um 1350.
-Konsole mit dem Wappenschild der Ebner, welches zwei Knappen halten, aus
-der Zeit um 1320.
-
-Ebenda =Maria mit dem Kinde=, durch Krone und Zepter als Himmelskönigin
-charakterisiert. Lebensgroße Steinfigur aus dem 14. Jahrhundert. Das
-Zepter ist neu.
-
-Daneben die ebenfalls steinerne Statue der hl. =Katharina=, in der
-Gesamtkomposition der früher erwähnten ähnlich, doch roher und von
-älterem Typus. 14. Jahrhundert.
-
-Der hl. =Antonius=. Dreiviertellebensgroße Steinfigur im südlichen
-Seitenschiff am Turmpfeiler, aus der Zeit um 1350. Baldachin fehlt.
-Konsole mit dem Wappenschild der Ebner, gehalten von zwei Knappen, aus
-der Zeit um 1320.
-
-An dem letzten nördlichen Pfeiler des Mittelschiffes (zugleich
-ehemaliger Vierungspfeiler) gegenüber der Kanzel die Statue des hl.
-=Sebald= aus der Zeit um 1390 (Abb. 86). Sebald faßt mit der Rechten den
-Pilgerstab und hält mit der Linken das Modell eines gotischen, aus zwei
-Stockwerken bestehenden Chores. Stein in farbiger Fassung. Mit Konsole
-und Baldachin aus Stein. Die Konsole wird von einem Engel gebildet,
-welcher die auf einem Wappenschilde vereinigten, mit der Legende des
-Heiligen verknüpften Wappen von Dänemark und Frankreich samt den Wappen
-der Mendel, Volckamer und Haller trägt.
-
-[Illustration: Abb. 83. Statue des hl. Kaisers Heinrich im nördl.
-Seitenschiff.]
-
-[Illustration: Abb. 84. Statue des hl. Erhard im Mittelschiff.]
-
-[Illustration: Abb. 85. Statue der hl. Helena im südlichen Seitenschiff.]
-
-[Illustration: Abb. 86. Statue des hl. Sebaldus im Mittelschiff.]
-
-[Illustration: Abb. 87. Kreuzschleppung von Adam Kraft.]
-
-Am zweiten südlichen Pfeiler des Mittelschiffes ein Steinrelief mit
-der =Kreuztragung von Adam Kraft= (Abb. 87) aus dem Jahre 1496.[IX]
-Das Relief war früher an der Stadtgrabenmauer am Steig beim Zeug- oder
-Kornhaus eingemauert und wurde nach Auflassung des Grabens zu Beginn
-des 19. Jahrhunderts in die Kirche St. Sebald verbracht, wo es an der
-bezeichneten Stelle als Altaraufsatz dient.
-
- [IX] Das bei Daun, Adam Kraft und die Künstler seiner Zeit,
- Berlin 1897, S. 79, erwähnte Entstehungsjahr 1506 findet sich
- nirgends belegt. Nach 1500 könnte das Relief auch stilistich
- gar nicht mehr entstanden sein. Es ist mit den Stationen und
- namentlich, was den Hintergrund anlangt, zu nahe mit dem
- Schreyerschen Grabmal verwandt, als daß es zeitlich so weit von
- denselben abgerückt werden dürfte. Auch nach der kostümlichen
- Seite gehört die Darstellung in die neunziger Jahre des 15.
- Jahrhunderts. Es ist somit kein Grund vorhanden, an der
- Richtigkeit der überlieferten Jahrzahl 1496 zu zweifeln.
-
-Komposition wie Ausführung erinnern stark an die Kraftschen Stationen
-in der Burgschmietgasse und an das Schreyersche Grabmal am Ostchor der
-Kirche. Der obere Teil des Rahmens ist ornamental behandelt. Höhe 2·30,
-Breite 1·10 m.
-
-In der Mitte des Westchores ein eherner =Taufkessel= (Abb. 88), etwa um
-1410 entstanden. Um den Hals sowohl wie um den Kessel laufen in Reliefs
-Arkadenbögen, dort 12, hier 21, mit ebensovielen Figuren: Christus am
-Kreuz, Maria, Johannes, Apostel, Propheten und andere Heilige. Die
-übrigen Teile sind durch Ringe mehrfach profiliert und mit Weinranken
-verziert. Vor dem Hals stehen auf Postamenten, welche mit dem Fuß des
-Kessels organisch verbunden sind, in gleichen Zwischenräumen vier
-männliche Figuren, mit ihrem Häuptern gleichsam den Kessel stützend, von
-denen drei aus einer und derselben Gußform gegossen zu sein scheinen.
-Der Innenraum des Halses, der an der Nordseite mit einer Tür versehen
-ist, war für Heizung eingerichtet, um das für die Taufe bestimmte Wasser
-an Ort und Stelle wärmen zu können.
-
-[Illustration: Abb. 88. Eherner Taufkessel im Löffelholzchor.]
-
-Der Taufkessel hatte dadurch historische Berühmtheit erlangt, daß in
-ihm am 11. April 1361 der nachmalige König Wenzel getauft worden sein
-und das Taufwasser besudelt haben soll. Dabei kursierte die andere
-Erzählung, daß man beim Wärmen des Taufwassers im Pfarrhof bei St.
-Sebald mit dem Feuer unvorsichtig umging, so daß der Pfarrhof abbrannte.
-Daß der Pfarrhof 1361 abbrannte, ist urkundlich nachweisbar. Beruht
-auch jene erste Anekdote auf Wahrheit, so hat es sich damals um den
-jetzt nicht mehr vorhandenen =Taufstein= gehandelt, womit dann auch
-übereinstimmt, daß das Wasser im Pfarrhof vorgewärmt wurde.
-
-Der Taufkessel verdient weniger wegen der Ausführung des einzelnen als
-vielmehr wegen seiner originellen Gesamterscheinung Beachtung. Er ist
-das älteste bekannte Denkmal Nürnberger Gießkunst. Sein ursprünglicher
-Standort war wie der seines aus Stein gefertigten Vorgängers im Schiff
-der Kirche.
-
-1572 wurde der Kessel gereinigt und unter den Fuß eine Steinplatte
-gelegt. Der einfach profilierte Holzdeckel stammt aus der Zeit der
-Spätrenaissance.
-
-Im östlichen Joch des südlichen Seitenschiffes in einer Nische die Büste
-des Pfarrers an St. Sebald Friedrich Michahelles ([gestorben] 1903), von
-Fritz Zadow in griechischem Marmor ausgeführt.
-
-
- 2. Die Plastik im Ostchor.
-
-Es folgt zunächst die Beschreibung der Statuen an der Ostchorwand, und
-zwar derjenigen neben den Fenstern auf den vom Chorbau herrührenden
-Konsolen in fortlaufender Reihe von der Brauttüre an.
-
-[Illustration: Abb. 89. Der Apostel Andreas. Holzstatue von Veit Stoß.]
-
-Rechts über der nördlichen Sakristeitüre der Apostel =Jacobus= d. Ä. mit
-Pilgerhut, Tasche und Stab, lebensgroße Steinfigur. Um 1335. Einer der
-letzten Ausläufer der mit der Erweiterung der Seitenschiffe gegründeten
-Schule. Die »Renovierung« der Barockzeit hat den Jacobus durch Beigabe
-eines Kirchenmodells in einen hl. Sebald verwandelt.
-
-Links vom Mendelschen Fenster =Christus als Weltheiland=, die Weltkugel
-in der Linken, mit der Rechten segnend. Lebensgroße Holzfigur in der
-Art des Veit Stoß. 1657 wurde die Statue »aus dem Werkhaus in der
-Karthausen« an den jetzigen Ort verbracht (Rechnungen im Freiherrlich
-von Tucherschen Familienarchiv). Aus dieser Zeit stammt der in Kupfer
-getriebene Heiligenschein. An der Konsole das Wappen der Tucher.
-
-[Illustration: Abb. 90. Statue Johannes des Evangelisten im Ostchor.]
-
-Rechts vom Mendelschen Fenster der hl. =Andreas= mit Kreuz und Buch
-(Abb. 89). Überlebensgroße Holzfigur, ohne Zweifel von =Veit Stoß=, in
-der Naturfarbe mit leichter Andeutung der Farbe von Lippen und Augen. Um
-1495. An der Konsole das Wappen der Tucher.
-
-Links vom Tucherschen Fenster der Apostel =Johannes= (Abb. 90), den
-Giftkelch in der Linken, mit der Rechten segnend. Lebensgroße Figur von
-gebranntem Ton. Um 1410. Hände und ein Teil der Gewandung sind neu. An
-der Konsole das Wappen der Tucher.
-
-Rechts vom Tucherschen Fenster der hl. =Johannes der Täufer= mit Buch
-und Lamm in der Linken. Überlebensgroße Steinfigur. Um 1430. An der
-Konsole das Wappen der Tucher.
-
-Links vom Fürerschen Fenster ein hl. =Apostel= mit einem Buch in der
-Linken. Lebensgroße Steinfigur. Um 1335. Einer der letzten Ausläufer der
-mit der Erweiterung der Seitenschiffe gegründeten Schule. Die rechte
-Hand ist ergänzt.
-
-Rechts vom Fürerschen Fenster der Apostel =Johannes=. Lebensgroße
-Holzfigur. Jedenfalls von einer Kreuzigungsgruppe stammend. Um 1460.
-
-[Illustration: Abb. 91. Thomaschristus von Veit Stoß im Ostchor.]
-
-[Illustration: Abb. 92. Schmerzensmutter von Veit Stoß im Ostchor.]
-
-Links und rechts vom Stromerschen Fenster die beiden Holzfiguren einer
-=Verkündigung=, links der =Engel= und rechts =Maria=, knieend. Um 1460.
-Das Zepter des Engels ist erneuert. Am linken Sockel das Wappen der
-Starck, am rechten das der Imhoff.
-
-Zu beiden Seiten des Bambergischen Fensters die fast lebensgroßen
-Steinfiguren der Heiligen =Heinrich= (Abb. 48, 49) und =Kunigunde=.
-Um 1335. Wiederum letzte Ausläufer der mit der Erweiterung der
-Seitenschiffe gegründeten Schule. Die beiden Statuen waren vor der
-letzten Restaurierung bis zur Unkenntlichkeit entstellt. Die gefundenen
-Spuren berechtigten zur Ergänzung der Figuren als Diözesanheilige. Bei
-Heinrich ist das Modell des Bamberger Domes, bei Kunigunde das Zepter
-neu.
-
-Zu beiden Seiten des Maximilianfensters die überlebensgroßen
-Steinfiguren der Apostel =Paulus= und =Petrus=. Um 1375, aus der
-Zeit der Vollendung des Ostchorbaues die einzigen Statuen der
-langen Konsolen- und Baldachinreihe. Schule des Meisters des
-Sakramentshäuschens. Beide Apostel mit ihren Attributen. Gut erhalten.
-An der Konsole der Paulusstatue das Wappen der Usmer.
-
-[Illustration: Abb. 93. Statue des hl. Erasmus im Ostchor.]
-
-[Illustration: Abb. 94. Statue der Maria von der Behaimschen
-Heimsuchung.]
-
-Zu beiden Seiten des Markgrafenfensters zwei überlebensgroße Holzfiguren
-von =Veit Stoß= aus dem Jahre 1495 (an den Konsolen bezeichnet und
-datiert). =Christus als Schmerzensmann= und =Maria als Schmerzensmutter=
-(Abb. 91, 92). Die Holzfarbe ist beibehalten. An den Plinten wurden
-bei der letzten Wiederherstellung der Kirche das Zeichen des Meisters
-und die Jahrzahl aufgedeckt. An der Christusstatue sind eine Hand und
-ein Fuß ergänzt. An der Statue der Maria ist der über den rechten Arm
-geschlagene Gewandzipfel nachträglich, vermutlich von Stoß selbst,
-angefügt. Nach den Wappen an den Konsolen stellen sich beide Statuen mit
-den später behandelten drei Passionsszenen darunter als eine Stiftung
-der Familie Volckamer dar.
-
-Zu beiden Seiten des Pfinzingschen Fensters die unterlebensgroßen
-Holzfiguren eines hl. =Papstes= und eines hl. =Bischofs= aus der Zeit
-um 1470. Besondere Attribute fehlen. Die Statuen stammen vermutlich von
-einem der früheren Altäre der Kirche. Hallersche Stiftungen.
-
-Links vom Hallerschen Fenster die lebensgroße Steinfigur eines
-hl. =Bischofs=. Attribut zur näheren Bestimmung fehlt. Um 1335. Wiederum
-einer der letzten Ausläufer der mit Erweiterung der Seitenschiffe
-gegründeten Schule. Rechte Hand ergänzt. Am Sockel Wappen der Haller.
-
-Rechts vom Hallerschen Fenster die lebensgroße Terrakottafigur eines
-=Apostels=. Attribut zur näheren Bestimmung fehlt. Um 1390. Aus der
-Schule des Meisters der Tonbildwerke in der Jakobskirche. Ursprünglich
-für einen anderen Ort bestimmt. Zuletzt neben dem Bamberger Fenster.
-Rechter Fuß und linke Hand in der Barockzeit mangelhaft ergänzt.
-
-Zu beiden Seiten des Schürstabschen Fensters die überlebensgroßen
-Holzfiguren des hl. =Erasmus= (Abb. 93) und des hl. =Sebald=. Um 1450.
-Gegenstücke, vermutlich von dem gleichen Meister. Attribute zum Teile
-ergänzt. Zu den Füßen beider je ein kleines Lamm, außerdem beim
-hl. Sebaldus das Wappen der Schürstab-Groß; am Sockel der Erasmusstatue
-das Wappen der Haller-Tetzel, umgeändert in ein Wappen der
-Schürstab-Groß.
-
-Zu beiden Seiten des Behaimschen Fensters die überlebensgroßen
-Steinfiguren einer =Heimsuchung=, die Heiligen =Maria= (Abb. 94) und
-=Elisabeth=. Um 1420. Ergänzungen an den Händen der Maria und am Gewand
-der Elisabeth; die Hände der Elisabeth sind neu. An jeder Konsole das
-Wappen der Behaim.
-
-Zu beiden Seiten des Volckamerschen Fensters die überlebensgroßen
-Statuen einer =Verkündigung=, links der =Engel=, rechts =Maria=. Wie
-die beiden eben aufgeführten Statuen aus der Zeit um 1420 und aus der
-gleichen Schule. Am Engel sind Hände und Zepter neu, an der Maria nur
-weniges ergänzt. An jedem Sockel das Wappen der Volckamer.
-
-Verschiedene der erwähnten Konsolen zeigen als figürliche Darstellungen
-Fratzen, groteske Tiergestalten usf., die von einem freien Spiel der
-Phantasie zeugen.
-
-An der Wand des Bambergischen Fensters ein =Wandtabernakel= (Abb. 50)
-aus der Zeit zwischen 1372 und 1379.[X] Der in die Mauer eingelassene
-Schrein ist von einem in Relief dargestellten architektonischen Aufbau
-umgeben, welcher sich aus Strebewerk und Baldachinen zusammensetzt und
-durch eine Reihe von Figuren belebt ist. Der Aufbau ist symmetrisch,
-die Figuren korrespondieren. Der Gegenstand der Darstellung ist nicht
-historischer, sondern repräsentativer Natur. Unterhalb des Schreines
-die Einbalsamierung der Leiche Christi durch Joseph von Arimathia im
-Beisein von sechs Jüngern. Zu beiden Seiten dieser Darstellung unter
-einem Strebebogen je ein kniender leuchterhaltender Engel; darüber links
-der hl. Petrus, rechts der hl. Sebald; über diesen in Baldachingehäusen
-sitzend zwei Propheten mit Spruchbändern; in den Zwickeln zwischen der
-unteren und mittleren Etage ein Pelikan und eine Löwin mit Jungen. In
-den beiden äußeren niedrigeren Bögen unter Maßwerk oben zwei betende
-Stifter; über denselben, jedoch ohne organische Verbindung mit ihnen,
-zwei Baldachine und von hockenden Gestalten gebildete Konsolen mit
-Engeln, welche die Leidenswerkzeuge halten; unmittelbar unterhalb der
-Konsolen die Wappen der Stifter, links das der Groland, rechts das der
-Muffel. Oberhalb des Schreines die Dreifaltigkeit mit Maria und Johannes
-dem Evangelisten; über dieser Gruppe, bereits auf der Fensterbank,
-geschützt durch einen dachartigen, von einer Turmspitze gekrönten
-Baldachin Christus als Weltrichter mit Maria und Johannes dem Täufer
-als Fürbittern. Zu beiden Seiten dieser Komposition rechts Christus als
-Schmerzensmann auf einer Konsole mit einer hockenden Prophetengestalt
-und unter einem Baldachin, welcher Figur wohl links eine Maria als
-Schmerzensmutter entsprach, die jedoch nicht mehr vorhanden ist.
-Erhalten haben sich hier nur die ähnlich gebildete Konsole samt
-Baldachin.
-
- [X] Rée (Nürnberg, Berühmte Kunststätten, Nr. 5, 3. Aufl., S. 43, vgl.
- auch S. 61) datiert das Sakramentshäuschen annähernd richtig.
- Daun, a. a. O., S. 10, setzt es an den Anfang des 15. Jahrhunderts
- ohne nähere Begründung, Pückler (Die Nürnberger Bildnerkunst) gar
- erst in die Zeit von 1430 bis 1442. Er erklärt diese Zeitangabe
- nicht nur mit stilistischen Gründen, sondern auch damit, daß in
- den beiden Stiftern Peter Groland und Jakob Muffel dargestellt
- sind, welch letzterer 1442 »anscheinend schon als älterer Mann«
- verschied. Pückler hält nämlich die Heiligenfigur auf der Seite
- mit dem Muffelschen Wappen für Jacobus den Älteren, während
- dieselbe doch als Sebald genau zu erkennen ist. Es sind eben die
- beiden Hauptheiligen der Kirche Petrus und Sebald dargestellt ohne
- weitere Bezugnahme auf die Vornamen der Stifter. -- Übrigens ist
- der Stil der Figuren um 1440 gar nicht mehr möglich.
-
-[Illustration: Abb. 95. Passionsszenen von Veit Stoß im Ostchor.]
-
-[Illustration: Abb. 96. Ebnerrelief am Dreikönigsportal im Ostchor.]
-
-Das ganze Gehäuse ist farbig gefaßt. Das Eisenbeschläge der Schreintüre
-ist ornamental behandelt.
-
-Das Ganze ist, wenn auch in der Ausführung kein hervorragendes
-Kunstwerk, in der Komposition eigenartig. Es ist aus derselben
-Bildhauerwerkstatt hervorgegangen, wie die Passionsdarstellungen außen
-an den Ostchorpfeilern. Stiftung der Familien Groland und Muffel.
-
-1514 hatte sich Propst Melchior Pfinzing vergeblich bemüht, das
-Sakramentshäuschen aus der Kirche zu entfernen. In dem Jahre, in welchem
-ihm der Rat erlaubte, die Quermauer zwischen der Pfarrkirche und St.
-Moritz abzubrechen, wollte er ein neues und größeres Sakramentshäuschen
-über dem St. Nikolaus-Altar errichten und hatte schon Mittel hierfür
-gesammelt. Allein Jakob Muffel, Jakob und Leonhard Groland als
-Nachfolger der Stifter des bisherigen Tabernakels widersprachen mit
-Erfolg und ließen das alte herrichten.
-
-Drei Stufen führen zu dem Wandtabernakel empor; ein fünfteiliges
-schlichtes Eisengitter schließt das Ganze ab.
-
-Auf dem Petrusaltar steht jetzt die Holzfigur eines =Christus als
-Schmerzensmann= aus dem 17. Jahrhundert.
-
-[Illustration: Abb. 97. Madonna in der Glorie. Statue (Birnbaumholz) im
-Ostchor.]
-
-Hinter dem Hauptaltar an der Wand des Markgrafenfensters, die ganze
-Breite derselben einnehmend, ein Steinrelief mit =drei Passionsszenen=
-(Abb. 95) in ebenso vielen gleich großen Feldern von =Veit Stoß= aus dem
-Jahre 1499.
-
-Von links nach rechts das Abendmahl, der Ölberg und die Gefangennahme.
-Christus und die zwölf Jünger in der Darstellung des Abendmahls sollen
-zufolge einer schlecht beglaubigten Tradition Bildnisse der Nürnberger
-Ratsherren von 1499 sein.
-
-Auf der Säbelscheide des Türken oder Polen in der Darstellung der
-Gefangennahme das Monogramm des Veit Stoß und die Jahreszahl, die in
-ihrer Verschnörkelung erst 1863 von einem Maler Alexander Lesser aus
-Krakau hier entdeckt wurden. Im ersten Feld ist unten links der Stifter
-Paul Volckamer mit seinen beiden Söhnen und dem Familienwappen, im
-dritten Felde unten rechts seine beiden Frauen und seine drei Töchter
-mit den Wappen der Mendel und Haller in kleinem Maßstab angebracht.
-
-Das Relief ist eine der wenigen Steinarbeiten des Veit Stoß.
-
-Im Ostchor an der Wand zu beiden Seiten der Schautüre zwei Steinfiguren
-in Dreiviertellebensgröße mit Konsole und Baldachin. Die Statue links:
-=Christus als Schmerzensmann= aus der Zeit der Vollendung des Chorbaues
-mit dem Wappen der Behaim, die Statue rechts, eine =weibliche Heilige=
-mit Buch, aus der Zeit um 1400 mit dem Wappen der Volckamer.
-
-Im Bogenfeld über der Schultüre (Dreikönigsportal, vgl. oben) ein farbig
-gefaßtes Holzrelief, das die von zwei Engeln gekrönte, das Christuskind
-säugende =Madonna= (Abb. 96) darstellt. =Ebnersche Stiftung= vom Jahre
-1429.
-
-Rechts das Bildnis der Nonne Christine Ebner, Äbtissin des Klosters
-Engelthal, und die Inschrift: »Die selig Cristina Ebnerin wart geborn
-anno domini M cc lxxvii jar vnd wart lxxix jar alt vnd starb anno domini
-mccc lvi an sant Johanes tag zv weinachtn vnd lebet seliglich im orden
-zv Engeltal do liegt sie begraben bitte gott für das geschlecht der
-Ebner.«
-
-[Illustration: Abb. 98. Bronzestatuette der Maria von Stephan Godl.]
-
-Darunter die Bildnisse von fünf Familiengliedern der Ebner mit den
-Jahrzahlen 1384 bis 1490 und die Inschrift: »Anno domini M cccc xxix
-Am Erichtag nach St. Paulitag do Starb Albrecht Ebner den gott genad.
-Anno domini Mcccc xxix Am Lorentzentag Starb Agnes Pömerin Sein Hausfraw
-der gott genad.« Dabei die eine Renovierung des Reliefs bezeichnende
-Jahreszahl 1656.
-
-Das Relief ist eine der besten Bildhauerarbeiten der damaligen Zeit
-(vgl. über dasselbe Redslob, a. a. O., S. 57.)
-
-Am ersten südlichen Chorpfeiler die überlebensgroße Steinfigur einer
-=Madonna= aus der Zeit um 1380; das aus Holz geschnitzte Christuskind
-ist nachträglich angefügt. Mit Konsole und Baldachin. Maria ist als
-Himmelskönigin mit Krone und Zepter dargestellt. Die Behandlung des
-nackten Christuskindes, welches einen Granatapfel hält und die Beine
-übereinander schlägt, weist auf eine etwa 100 Jahre spätere Entstehung.
-
-An dem ersten nördlichen Chorpfeiler die aus Birnbaumholz geschnitzte
-und farbig gefaßte lebensgroße Statue einer =Madonna= mit dem
-Christuskind aus der Zeit um 1410 (Abb. 97). Maria hält mit beiden Armen
-das nackte Kind, das die Beine übereinander schlägt und mit einem Apfel
-spielt. Zwei kleine Engel tragen die Krone und zwei Engel schweben
-um die schalenförmige Mondsichel, auf welcher die Himmelskönigin
-steht. Eine sternenbesäte Tafel mit großem Strahlenkranze bildet den
-Hintergrund. Konsole und Baldachin, in Stein gearbeitet, schließen das
-Ganze nach unten und oben ab. Die Statue zählt zu den besten Arbeiten
-Nürnbergs im beginnenden 15. Jahrhundert.
-
-Das Bildwerk war ursprünglich als Schrein gedacht, der durch zwei Flügel
-geschlossen werden konnte. Es wird vermutet, daß die in der Pinakothek
-zu München befindlichen Tafelgemälde des Hans von Kulmbach mit den
-Heiligen Joseph und Zacharias die abhanden gekommenen Flügel sind.
-
-Am dritten nördlichen Chorpfeiler die halblebensgroße Erzfigur einer
-=Madonna= (Abb. 98), die als ein Werk von =Stephan Godl= erkannt
-worden ist. Um 1515. An der hübschen Holzkonsole, die gleichfalls der
-Frührenaissance angehört, das verschränkte Wappen der Eseler und der
-Propstei von St. Sebald.
-
-Mitten im Ostchor das =Sebaldusgrab=[XI] (Taf. XIV; Abb. 99). Es besteht
-aus zwei Hauptteilen: 1. dem zur Aufnahme der Reliquien des hl. Sebald
-bestimmten Schrein vom Jahre 1397 und 2. aus dem von Peter Vischer dem
-Älteren und seinen fünf Söhnen in den Jahren 1508-1519 in Erz gegossenen
-Gehäuse.
-
- [XI] Über dasselbe vergleiche insbesondere Bergau in Dohme, Kunst und
- Künstler. Bd. II, 2, Leipzig 1858; Lübke, Geschichte der
- Plastik. 1880, II; Bode, Geschichte der deutschen Plastik.
- 1885; Autenrieth, Das Sebaldusgrab Peter Vischers, historisch
- und künstlerisch betrachtet. Ansbach 1887; Rée, Nürnberg. S.
- 102 ff.; Daun, Adam Kraft und die Künstler seiner Zeit. S. 115
- ff. Zusammenstellung der Literatur über Peter Vischer und auch
- über das Sebaldusgrab findet sich bei Th. Hampe, Nürnberger
- Ratsverlässe. 1904, Bd. I, S. 50 ff. Ganz neuerdings erschien:
- Alexander Mayer, Die Genreplastik an Peter Vischers Sebaldusgrab.
- 1911. 2º.
-
-1. =Der Reliquienschrein vom Jahre 1397.= Die Form des Schreines
-ist ähnlich der eines länglichen Hauses. Eichenholz, verkleidet mit
-Silberblech, welches abwechselnd mit dem reichsstädtischen Wappen und
-dem des Schultheißen von Nürnberg in Treibarbeit gemustert ist.[XII] Auf
-dem First ein durchbrochen gearbeiteter ornamentaler Fries, welcher zwei
-Kreuzblumen auf den Giebeln verbindet.
-
- [XII] P. J. Rée, a. a. O., S. 65, will das Silberblech des Sarges
- erst 1506 hergestellt sein lassen, und zwar nach dem Vorbilde
- des mit Silberplatten belegten Schreines des 15. Jahrhunderts,
- in welchem in der Spitalkirche zum Heiligen Geist die
- Reichskleinodien aufbewahrt wurden und welcher sich jetzt im
- Germanischen Nationalmuseum befindet. Daran ist gar nicht zu
- denken. Das Verhältnis ist umgekehrt.
-
-1379 wurde der Sebaldusaltar durch einen neuen ersetzt. Auch dieser
-wird in der Mensa die Gebeine des Heiligen bewahrt haben. 1397 wurde
-für dieselben ein eigener Schrein, eine Art Sarg, beschafft und in
-der Mitte des Chores aufgestellt. Anscheinend war auch ein Sockel für
-denselben vorhanden. Alle Jahre am Tage des Heiligen (19. August) wurde
-der Sarg in feierlicher Prozession in der Kirche herumgetragen. »In
-solcher Prozession trugen die Alten Herren des Rates St. Sebaldi Sarg
-um, welcher mit Pappenrosen besteckt war, unter demselben schloff das
-Volk hin und wieder, dann sie glaubten: es würde ihnen hernach weder
-Kopf noch Rücken wehe tun« (Vgl. M. M. Mayer, a. a. O., S. 31). In
-zwei Legaten von 1412 und 1415 hatte Klara Geuder zwei Lampen beim
-Sebaldusgrab gestiftet.
-
-1461 wurde an dem Sarg ein Einbruch verübt. Seitdem fanden periodische
-Besichtigungen der darin enthaltenen Reliquien statt. So 1463, 1482,
-1503. Über die 1503 vorgenommene Besichtigung findet sich in einer
-Chronik vom Ausgange des 16. Jahrhunderts (Kreisarchiv Nürnberg, Msc.
-XIV-1/2, 106) folgender Bericht: »Nachdem auch in gebrauch gewest, St.
-Sebalds hailthumb oder gebein bißweilen zu eröffnen und zu besichtigen,
-als ist solches a^o 1503, den 22. tag julii auch geschehen; solcher
-eröfnung haben beigewohnet die herren älteren des rats, der baumeister,
-der probst und kirchenpfleger Sebaldi; die zween loßungschreiber
-haben dabei knieen und ein jeder ein brennende wachskerzen halten
-müssen; die kirchen ist unterdessen verspert gehalten und ausen mit
-einer wacht beleget worden; es ist auch der kürchenmeister außer der
-kirchen herumgegangen, ob sich etwan ein unruhe erregen wolt; so große
-sorg hat man für St. Sebalds toden-gebain getragen, das ihnen nichts
-wiederwärtiges wiederfüre, zu dem man doch damahls die zuversicht
-getragen, daß er jederman helfen könnte. Im sarg sein zwo hölzerne
-laden gestanden und in jeder zween bündel mit roten zendel eingewickelt
-gelegen, die man heraus auf eine darzu bereitete tafel gehebt; in deren
-einer sein 18 stück großer, in der andern 91 stück mittelmäsiger und
-kleiner gebein, das haupt aber in einen sonderbaren silbern kästlein,
-in der gestalt eines brustbilds, verspert gewest, welches man zu hohen
-festtägen hat pflegen auf dem altar zu setzen, wigt an silber 35 mark,
-ist gemacht worden a^o 1425. Auch ist eine ganze bildnuß St. Sebalds
-vorhanden, die man an festtagen an dem sarg aufgerichtet, wigt 21-1/2
-mark. Diese besichtigung diß heiligtums ist damals nicht geschehen
-gewest seit dem jahr 1482 und derowegen damals für gut angesehen und
-decretirt worden, hinfüro diese besichtigung alleweg nach verfliesung
-zwanzig jahren fürzunehmen, das heilthumb zu saubern und mit bisam
-in neuen zendel einzuwickeln, das ist aber zeit hero gar verblieben,
-dieweil mit ausgang der 20 jahr die änderung der religion eingefallen.«
-
-[Illustration: Abb. 99. Detail vom Sebaldusgrab.]
-
-Trotz aller Vorsicht wurde 1506 wieder eingebrochen und gestohlen. Der
-Einbruch hatte Reparaturen zur Folge. Vermutlich auf diese Renovierung
-bezieht sich die eine der beiden Inschriften, die sich auf der
-westlichen Schmalseite am Sockel finden. Sie lautet: »1506 IAR IST
-DISER SARCH FERNEIT VOR...« Die andere Inschrift berichtet von einer
-Erneuerung im Jahre 1628: »ANNO DNI MDCXXIIX IST DIESER SARCH VERNEVRT
-WORDEN.«
-
-2. =Das Gehäuse aus den Jahren= 1508-1519. Höhe 4·30, Länge 2·50 und
-Breite 1·40 m. Es setzt sich zusammen aus dem für den Sarg bestimmten
-Sockel und der Sockel und Sarg umschließenden Halle.
-
-Die Halle besteht aus drei nebeneinander stehenden Jochen mit
-ebensovielen Kuppelgewölben auf acht freistehenden Pfeilern. Halle und
-Sockel ruhen auf einer oblongen Fußplatte, welche von 16 Schnecken und
-an den Ecken von 4 Delphinen getragen wird. Die Kuppelgewölbe werden
-von pyramidenartigen, aus Architekturmotiven komponierten Aufsätzen
-überhöht. Dem Sockel des Schreines sind zwischen den Pfeilern Kandelaber
-vorgelegt, von welchen schlanke Säulchen bis zu den Scheiteln der
-Gewölbebögen reichen. Das Ganze ist mit figürlichem und ornamentalem
-Schmuck belebt. An den vier Ecken der Fußplatte vor den Säulen sitzen
-griechische und biblische Helden: Herakles und Theseus, Nimrod und
-Simson, an der Mitte jeder Seite die Kardinaltugenden Mäßigkeit,
-Klugheit, Gerechtigkeit und Tapferkeit. Die vier Seiten des Sockels
-lösen sich in Hallen auf, welche an den beiden Schmalseiten die
-Statuetten des Meisters und die des hl. Sebald, an den beiden Langseiten
-vier Reliefs mit Darstellungen aus dem Leben des Heiligen, die
-wunderbare Füllung des Weinkruges, die Bestrafung eines Spötters, Sebald
-an brennenden Eiszapfen sich wärmend und die Heilung eines Blinden,
-enthalten. Vor den Eckpfeilern der Halle sind vier Sirenen, auf Säulchen
-sitzend, als Leuchterhalter angebracht. In halber Höhe vor den acht
-Pfeilern der Halle stehen ebenfalls auf vorgelegten, mit Postamenten
-und Kapitälen versehenen Stäben die Statuetten der zwölf Apostel, der
-Hauptfigurenschmuck des Sebaldusgrabes; an den stärkeren Eckpfeilern je
-zwei, an den übrigen Pfeilern, je ein Apostel, und zwar an der Ostseite
-Andreas und Petrus, an der Südseite Johannes, Jakobus der Ältere,
-Philipp und Paulus, an der Westseite Judas Thaddäus und Matthias, an
-der Nordseite Simon, Bartholomäus, Jakobus der Jüngere und Thomas.
-Baldachine beschützen die Apostel. Die Pfeiler setzen sich über dem
-Gewölbeansatz fort und tragen die kleinen Statuetten von Propheten und
-Kirchenlehrern. Oben auf der mittleren Kuppel steht das Christuskind mit
-der Weltkugel, eine Nachbildung des gestohlenen Vischerschen Originales
-vom Ausgang des 18. Jahrhunderts. Im übrigen ist das ganze Denkmal
-reich mit kleinen figürlichen und ornamentalen Reliefs, mit Putten und
-allerlei Tierfiguren ausgestattet.
-
-Nach der stilistischen Seite ist das Sebaldusgrab eine Mischung von
-Gotik und Renaissance. Gotisch ist nicht nur die Gesamtanlage, sondern
-auch eine Reihe von Architekturteilen, ausgesprochene Renaissance
-fast die ganze Detailbehandlung und der figürliche Schmuck. Nach
-der gegenständlichen Seite zeigt sich in der Verwertung antiker
-mythologischer Gestalten der Einfluß des Humanismus.
-
-In der künstlerischen Behandlung, besonders bei den Reliefs am
-Sockel und vor allem bei den Apostelstatuen, ist der italienische,
-hauptsächlich der oberitalienische Einfluß unverkennbar. Echt deutsch
-ist der Phantasiereichtum. Seiner Originalität verdankt das Denkmal
-seinen Weltruf. Es ist die bedeutendste Schöpfung der Renaissance auf
-dem Gebiete des Erzgusses.
-
-Das schlichte spätgotische Gitter ist eine Arbeit des Schlossers Jorg
-Hames aus der Zeit der Vollendung des Vischerschen Grabmales.
-
-[Illustration: Abb. 100. Gewölbeschlußstein mit der Geburt Christi. Im
-nördlichen Seitenschiff.]
-
-[Illustration: Abb. 101. Gewölbeschlußstein mit dem hl. Sebald. In der
-nördlichen Sakristei.]
-
-Die Idee, um den Sarg des hl. Sebald eine Halle zu errichten, hatte
-bereits der Kirchenpfleger Ruprecht Haller (1474-1489). Er wandte sich
-an Peter Vischer und dieser lieferte 1488 einen noch rein gotischen,
-jetzt in Wien befindlichen Entwurf, welcher nur in der Gesamtanlage
-mit dem später ausgeführten Werke übereinstimmt. Der Plan scheiterte,
-wahrscheinlich an Geldmangel. Hallers Nachfolger Paul Volckamer
-(1489-1505) und der rührige Sebald Schreyer, Kirchenmeister von
-1482-1503, ließen den Plan nicht fallen. Allein erst unter Anton Tucher
-und Lazarus Holzschuher im Verein mit Peter Imhoff und Sigmund Fürer
-kam endlich die Idee zur Verwirklichung. Im Mai 1507 wurde der Beschluß
-gefaßt, Peter Vischer ging sogleich an die Vorarbeiten. Das Messing
-wurde von Hans und Andreas Rosner und Sebald Behaim bezogen. Nach
-Vollendung des Fundamentes kam 1508 die östliche Hälfte der unteren
-Partie, 1509 die westliche Hälfte zur Ausführung. Die entsprechenden
-Inschriften lauten: »Ein anfang dvrch mich Peter Vischer 1508« und
-»Gemacht von Peter Vischer 1509«. 1512 war die Halle vollendet, wie aus
-einer Stelle bei Cochläus, Cosmographia des Pomponius Mela, erschienen
-1512, hervorgeht, wo bereits von dem ganzen Kapellenbau die Rede ist.
-Die Ausführung des figürlichen Schmuckes zog sich bis Frühjahr 1519
-hin. Allein jetzt fehlten die Geldmittel, um Peter Vischer bezahlen
-zu können. In kurzer Zeit waren dieselben aufgetrieben, nachdem Anton
-Tucher am 17. März einen Aufruf an die leistungsfähigen Bürger erlassen
-hatte (abgedruckt bei M. M. Mayer, a. a. O., S. 31 f.). Am 19. Juli
-wurde das Grabmal aufgerichtet. Die Inschrift am Rande der Fußplatte
-lautet: »Petter Vischer pvrger zv Nurmberg machet das werck mit sein
-sunne. vn wurd folbacht im jar 1519 vnd ist allein Got dem Allmechtigen
-zu lob vnd Sanct Sebolt dem Himelfürste zv Eren mit hilff frumer leut
-vn dem allmossen bezalt.« Das Grabmal hatte ein Gewicht von 157 Ztr.
-29 lb. Peter Vischer erhielt als Bezahlung 3145 fl. 16 Schilling,
-also für den Zentner 20 fl. Von den angesehenen Bürgerfamilien hatten
-Beiträge geleistet Sebald Schreyer und Gesellschaft 117 fl. 12 Heller,
-Hans Starck 100 fl., Imhoff und Gesellschaft 60 fl., Sigmund Fürer und
-Gesellschaft 80 fl., Hans Tucher der Ältere für sich und seine Brüder 20
-fl. und für seine Gattin und deren Verwandtschaft 20-1/2 fl. usw. Siehe
-Baader, Beiträge. 1, 53.
-
-Von den Söhnen Peter Vischers des Älteren war Peter der Jüngere
-am meisten an der Arbeit beteiligt, der möglicherweise auch der
-hauptsächlichste Vermittler des oberitalienischen Einflusses war,
-während man eine Beeinflussung durch Vorbilder der römischen Renaissance
-wohl auf Peters des jüngeren Bruder, Hermann Vischer, hat zurückführen
-wollen. Siehe Seeger, Peter Vischer der Jüngere. Leipzig 1897, S. 73-121.
-
-1520 wurden an dem Sarg Reparaturen vorgenommen. 1628 fand eine
-umfassende Renovierung des ganzen Grabmales statt, welche 644 fl. 19
-[Schilling] 8 Heller kostete. »1523 wurde St. Sebaldsfest das letztemal
-gehalten, und hat zwar der rat wegen St. Sebaldsfest befohlen, den sarch
-sambt St. Sebalds gepainen allein zum weihbrunnen aus dem chor, in der
-kirchen herumb vnd wider in den chor zu tragen vnd die andern ceremonien
-zur vesper mit dem herab und hinauftragen mit den stadtpfeiffern
-einzustellen. 1524 hat man wohl St. Sebaldsfest in der kirche gefeiert,
-aber den sarch nit mer wie zuuor vmbgetragen.« Die Einstellung der
-Prozession hing jedenfalls mit der Einführung der Reformation zusammen.
-
-Besondere Beachtung verdienen endlich unter den Werken der Plastik
-noch die =Gewölbeschlußsteine= in den Seitenschiffen und im Ostchor.
-Außer einer Anzahl rein ornamental behandelter Schlußsteine finden
-wir mehrere, die groteskenartig ein von stilisiertem Blattwerk
-umrahmtes Menschenantlitz aufweisen; in den westlichen Jochen des
-südlichen Seitenschiffes ferner eine Darstellung der Kreuzigung mit
-Maria und Johannes, darüber zwei schwebende Engel und die Symbole der
-vier Evangelisten, beim Engel des Matthäus auf den Stirnseiten des
-Schlußsteines noch die Löwin und den Pelikan; sodann im nördlichen
-Seitenschiff von Osten nach Westen einen bogenschießenden Zentaur,
-eine reizvolle als Hochrelief behandelte Geburt Christi (Abb. 100) und
-den Agnus Dei; im Mittelschiff des Ostchores St. Sebaldus, eine Gruppe
-von vier Wappen (Nürnberger Jungfrauenadler, Reichsschultheißenwappen,
-einköpfiger und doppelköpfiger schwarzer Adler) und einen bärtigen Kopf
-mit Heiligenschein (Gottvater?); im Chorumgang nördlich wiederum einen
-Agnus Dei, südlich eine Madonna in der Glorie und einen Christuskopf.
-In der nördlichen Sakristei ist die kleine Statue des hl. Sebaldus als
-Schlußstein bemerkenswert (Abb. 101).
-
-Die gesamte Plastik erwies sich gelegentlich der letzten Instandsetzung
-der Kirche nach Entfernung mehrfach aufgetragener dicker Tünche als
-polychrom behandelt. Von dieser ursprünglichen Polychromierung waren
-überall noch so bedeutende Reste erhalten, daß eine Ergänzung derselben,
-ein Wiederaufleben der Bildwerke in ihren alten Farben möglich wurde.
-Beim Tympanonrelief des nördlichen Seitenschiffportales wurde aus
-archäologischen Gründen von jeder Ergänzung der aufgedeckten alten
-Polychromie abgesehen; bei einzelnen Skulpturen innerhalb der Kirche,
-insbesondere der Verkündigungsgruppe an der Nordseite des Ostchores und
-den plastischen Arbeiten des Petrusaltares, erforderten nur unbedeutende
-Teile eine geringe Ergänzung.
-
-
- 3. Die Gemälde.
-
-Die Tafelmalerei des Mittelaltares ist in der Kirche nicht durch
-erstklassige Werke vertreten. Auf diesem Gebiete ist die Sebalduskirche
-gegenüber ihrer Nebenbuhlerin, der Kirche St. Lorenz, zu kurz
-gekommen. Was sie aufzuweisen hat, sind nur Ableger der in Nürnberg
-blühenden Schulen des 15. Jahrhunderts. Um so mehr war die Kirche mit
-Wandmalereien, und zwar nicht nur mit Malereien von rein dekorativem
-Charakter, sondern mit einer großen Anzahl von in sich abgeschlossenen
-figürlichen Darstellungen ausgestattet. Dieselben gehören ebenfalls
-meist dem 15. Jahrhundert an und sind, was besonders hervorgehoben zu
-werden verdient, häufig in Öl gemalt.
-
-[Illustration: Abb. 102. Verkündigung. Holztafelgemälde im
-Löffelholzchor.]
-
-Die Tafelmalerei des 16. Jahrhunderts wird durch eine vorzügliche Arbeit
-der Frührenaissance und die des beginnenden 17. Jahrhunderts durch eine
-nicht unbedeutende Leistung repräsentiert.
-
-Im Westchor an der Südwand hängen drei gleichgroße Gemälde: die
-=Dornenkrönung= mit den Wappen der Löffelholz und Münzmeister (um
-1433), die =Geißelung= mit den Wappen der Löffelholz und Hummel (um
-1435) und die =Verkündigung= (Abb. 102) mit den Wappen der Löffelholz
-und Zollner (um 1448). Die Darstellungen sind auf Goldgrund gemalt.
-Auf den Bildern unten die Familienglieder des oder der Stifter. Die
-angeführten Datierungen beruhen auf den Forschungen Karl Gebhardts
-(a. a. O. S. 86-88), der die Verkündigung dem gleichen Meister
-wie das Imhoff-Volckamersche Epitaph mit der Geburt Christi (sieh
-unten) zuschreibt und geneigt ist, auch die beiden anderen Stücke,
-Dornenkrönung und Geißelung, diesem »Meister der Sebalder Epitaphien«,
-wie er ihn nennt, zu geben.
-
-Am ersten nördlichen Mittelschiffpfeiler ein Holztafelgemälde mit der
-=Krönung Mariä= nach dem Holzschnitte des Marienlebens Dürers von
-einem seiner Nachahmer (Abb. 103). Unten am Bild die Familienglieder
-des Stifters mit den Wappen der Imhoff, Tetzel, Holzschuher, Tucher,
-Löffelholz und Pömer. Um 1525. Imhoffsche Stiftung.
-
-An der entgegengesetzten Seite desselben Pfeilers ein Holztafelgemälde
-vom Jahre 1478, eine =Allegorie auf die Geburt Christi= darstellend.
-In der Mitte die Anbetung des Christkindes durch Maria, in den Ecken
-Moses am feurigen Busch, Aaron mit dem blühenden Stab, Gideon mit dem
-Vließ und die Porta clausa des Ezechiel, ferner in den Zwischenräumen
-der Pelikan, das Einhorn, der Phönix und der Löwe sowie die vier
-Evangelistensymbole. Es ist eine Wiederholung der zum Andenken des
-Professors Friedrich Schon ([gestorben] 1464) gestifteten Darstellung
-vom Meister des Wolfgangaltares in der Lorenzkirche (Thode, S. 53;
-Gebhardt, S. 80 ff.; Redslob in den: Mitteilungen aus dem Germanischen
-Nationalmuseum. 1907, S. 24 ff., mit Abb.), nur mit deutschen statt mit
-lateinischen Inschriften. Oben am Bild folgende Schrift: »Anno domini
-milesimo CCCC vnd in dem lxxviij jare am freitag nach sant Valentins
-tag verschied der erbar mann Vlrich Starck der elter dem got gnedig
-vnd barmhertzig sei Amen. Vorneurt 1591. 1658.« Starcksche Stiftung
-vom Jahre 1478. Infolge der inschriftlich beglaubigten Restaurierungen
-schlecht erhalten. Unten auf dem Bild die Familienglieder des Stifters
-mit den Wappen der Starck-Pirckheimer und Starck-Neudung.
-
-Am zweiten nördlichen Mittelschiffpfeiler ein Holztafelgemälde mit
-der =Verkündigung=. Von einem Meister des Überganges, Anfang des 16.
-Jahrhunderts. Unten auf dem Bild der Stifter mit seinen Familiengliedern
-und die Wappen der Ölhafen und Pfinzing. Stiftung der Ölhafen.
-
-Am zweiten südlichen Mittelschiffpfeiler Holztafelgemälde mit der
-=Taufe Christi= und anderen Szenen aus dem Leben Johannes des Täufers.
-Unten kniende Angehörige der Örtelschen Familie, dazu rechts das Wappen
-der Groß, links das der Örtel, in der Mitte die Inschrift: »Anno 1525
-den 21. Julii Starb der Erbar Sigmund Orttell. Verneut An. 74.« Murr
-wollte eben dieses Gemälde dem nach dem Zeugnis Neudörfers von Dürer
-mit Anerkennung genannten Maler Sebald Baumhauer, der in seinem Alter
-Kirchner an St. Sebald war, zuschreiben, doch, wie es scheint, ohne
-triftigen Grund.
-
-An der Ostseite des südlichen Vierungspfeilers ein Holztafelgemälde
-mit der =Beweinung Christi=. Genaue Kopie nach dem Dürerschen Original
-in der Alten Pinakothek zu München, vielleicht von Georg Gärtner
-dem Jüngeren ([gestorben] 1654). Wie das Original =Holzschuhersche
-Stiftung=.
-
-In den unteren Ecken des Bildes ist der Stifter mit seiner Familie
-abgebildet: links das Wappen der Holzschuher-Groland-Müntzer-Gruber(?),
-rechts das Wappen der Gruber. Siehe Thausing, Dürer. II. Aufl., I. Bd.,
-S. 180 ff.
-
-An der Ostseite des nördlichen Vierungspfeilers gegenüber der Kanzel
-ein Ölgemälde auf Holz, das =Jüngste Gericht=, freie Kopie nach dem
-sogenannten Kleinen Jüngsten Gericht von Rubens vom Jahre 1628. Mit
-Rahmen und einem Aufsatz. =Imhoffsche Stiftung.=
-
-Auf dem Rahmensockel sind auf Holz gemalt die Bildnisse des Stifters,
-seiner Ahnherren väterlicherseits mit den Jahrzahlen 1580 und 1628,
-Willibald Pirckheimers und seiner Gemahlin und Albrecht Dürers mit der
-Inschrift: »Effigies Alberti Düreri A^o 1509«; der Stifter hält eine
-Tafel mit einem Spruch über die Vergänglichkeit des Lebens. Diesen
-gegenüber Kreszentia, die Gattin Willibald Pirckheimers, kniend, hinter
-ihr ihr Gemahl und Albrecht Dürer stehend, letzterer mit einer Tafel,
-worauf die Inschrift, der zufolge die Gedenktafel Herrn Willibald Imhoff
-dem Älteren und dessen in Gott ruhenden lieben Voreltern von seinem
-Sohne Hans Imhoff zu Ehren aufgerichtet worden ist »anno salutis 1.
-Januarii 1628«. -- Auf dem Rahmen über dem Gemälde des Jüngsten Gerichts
-die Inschrift: »Das Gedechtnuß des Gerechten bleibt im Segen«, auf dem
-Rahmen unten zwischen diesem Gemälde und der Votivtafel: »Hans Imhoff
-Fundator«.
-
-Der ebenfalls eingerahmte Aufsatz enthält ein Gemälde auf Leinwand:
-=Allegorie auf die Vergänglichkeit= (Tod und zwei kräftige Knaben in der
-Art des Rubens). Auf dem Rahmen oben: »Memento mori«, unten MDCXXVIII.
-
-Zur Seite des Aufsatzes zwei Pyramiden in Holz geschnitzt, oben das
-Wappen der Imhoff.
-
-Die Gemälde sind wahrscheinlich Arbeiten des =Jörg Gärtner des Älteren=
-([gestorben] 1640). Über das Verhältnis dieser Stiftungstafel zu der in
-der Rochuskapelle von 1624 Ausführliches bei Stegmann, Rochuskapelle.
-1885, S. 43 ff.
-
-Im Bogenfelde des nördlichen Seitenschiffportales eine =Auferweckung des
-Lazarus=, Holztafelgemälde von =Christian Ruprecht= aus der Mitte des
-17. Jahrhunderts. Unten rechts das Wappen der von Wimpfen. Stifter des
-Bildes war Johann Friedrich von Wimpfen (hingerichtet zu Nürnberg am 29.
-August 1668).
-
-[Illustration: Abb. 103. Krönung der Maria. Holztafelgemälde im
-Mittelschiff.]
-
-Am dritten nördlichen Chorpfeiler ein Holztafelgemälde mit der hl. =Anna
-selbdritt= zwischen den Heiligen Nikolaus und Katharina vom Meister
-des Imhoffschen Altares in der Lorenzkirche. Unten auf dem Bild die
-Stifterfiguren mit den Wappen der Imhoff und Rothflasch. Von Christian
-Baer restauriert. Stiftung Konrad Imhoffs aus dem 2. oder dem Beginn
-des 3. Jahrzehnts des 15. Jahrhunderts. Vgl. Gebhardt, Die Anfänge der
-Tafelmalerei in Nürnberg, S. 40 ff., wo wesentlich aus diesem Gemälde
-die Beeinflussung des Meisters des Imhoffschen Altares durch die Kunst
-des Gentile da Fabriano nachzuweisen versucht wird (vgl. über das Bild
-auch Redslob, a. a. O. S. 28).
-
-Am zweiten nördlichen Chorpfeiler ein Holztafelgemälde mit der
-=Kreuztragung= in der Art des Wolgemut. Figurenreiche Darstellung mit
-dem an die Altenburg bei Bamberg erinnernden Kalvarienberg nach dem
-Stiche der Kreuztragung von Martin Schongauer (Thode, a. a. O. S. 193).
-Unten auf dem Bild die Familienglieder des Stifters mit den Wappen der
-Ebner, Tucher-Harsdörffer und Tucher-Rieter auf der linken und dem
-Wappen der Tucher nebst den Insignien des hl. Grabes auf der rechten
-Seite. Stiftung des Hans Tucher ([gestorben] 1491) vom Jahre 1485.
-
-Am dritten südlichen Chorpfeiler ein Holztafelgemälde mit der =Geburt
-Christi=. Maria betet vor dem Christuskinde, über welches sich ein Engel
-beugt; links kniet Joseph, und von rechts kommen zwei Hirten herbei.
-Stark übermalt. Auf der Predella der Stifter mit seinen Familiengliedern
-(Frau, vier Söhnen und fünf Töchtern) und die Wappen der Imhoff und
-Volckamer. Stiftung Konrad Imhoffs wohl aus dem Jahre 1438, dem
-Todesjahre seiner Frau Klara, einer geborenen Volckamer (vgl. Gebhardt,
-a. a. O. S. 84 ff.).
-
-An der Wand unterhalb des Mendelfensters, die ganze Breite zwischen den
-beiden Pfeilern einnehmend, ein Gemälde auf Holz von Hans Sueß, genannt
-=Hans von Kulmbach=, die =Madonna mit Heiligen=. Zum Andenken an Lorenz
-Tucher, Propst von St. Lorenz, gestiftet von dessen Stiefbruder Martin
-im Jahre 1513 (Tafel XV).
-
-Das Gemälde ist dreiteilig nach Art der gotischen Flügelaltäre, jedoch
-als Votivgemälde gestiftet. Im Mittelbild thronend die Madonna mit
-dem Christuskind, zwei über ihrem Haupte schwebende Engel halten die
-Krone, zu ihren Füßen fünf musizierende Engel, seitlich des Thrones
-links die hl. Katharina und rechts die hl. Barbara, hinter derselben
-ein Schriftband mit dem Monogramm des Meisters und der Jahrzahl 1513.
-Auf dem rechten Feld die Heiligen Johannes der Täufer und Hieronymus,
-auf dem linken Feld die Heiligen Petrus und Lorenz, vor letzterem das
-Bildnis Lorenz Tuchers, dabei das Wappen der Tucher und eine Tafel mit
-folgender Inschrift:
-
- D · O · M · ET · SS · V · M ·
- Lavrencivs Tuchervs, ivr · doc · d · lav
- ren · prepo · ratisp · cano · cvstos et vicem
- tenens · vir bonvs ervditvs integer ·
- anima deo reddita · ossa in sepvl
- chro gentilicio sita ·
- bene valeas et vigila viator qvisqvis
- es : bulla es ·
- vixit virtvose ann · LV · mens · VII · di · XV ·
- mori · ann · M · D · III · octavo · calend · april
- sola salvs servire deo : svnt
- cetera fravdes ·
-
-Die Komposition stammt von einem jetzt in Berlin befindlichen
-Entwurfe Dürers vom Jahre 1511; der Entwurf ist ziemlich genau,
-wahrscheinlich auf Wunsch des Bestellers, eingehalten, nur statt des
-einen musizierenden Engels wurden fünf angebracht. Die venezianische
-Renaissancestimmung jedoch, die sich hauptsächlich im Kolorit
-ausspricht, ist auf Kulmbachs Lehrer Jacopo de Barbari zurückzuführen.
-Das Gemälde gilt in der Kunstgeschichte als eines der besten des
-Kulmbach. (Siehe Janitschek, Geschichte der deutschen Malerei. 1890, S.
-375; Koelitz, Hans Sueß von Kulmbach und seine Werke. 1891, S. 54.).
-
-1572 wurde das Bild von Nikolaus Juvenel restauriert, neuerdings
-im Auftrage der Freiherrlich von Tucherschen Familie trefflich
-wiederhergestellt durch den Konservator Andreas Mayer in Augsburg.
-
-Über der Schautüre ein Holztafelgemälde des =Johann Kreuzfelder=, eines
-Schülers des Nikolaus Juvenel, vom Jahre 1603 mit Szenen aus dem =Leben
-der ersten Menschen= (Abb. 104). Das Gemälde nimmt die ganze Breite
-der Wand mit dem Behaimschen Fenster und den Behaimschen Statuen der
-Heimsuchung ein. Die eigentliche Bildfläche ist seitlich abgerundet, die
-seitlichen Raumflächen enthalten, ebenfalls in Tafelmalerei, Stammbäume
-der Familie Behaim mit Wappen derselben. Am oberen Teil des Rahmens drei
-runde Medaillons mit Bildnissen dreier männlicher Mitglieder der Familie
-Behaim. Das Bild selbst zeigt in reicher von allerlei Tieren belebter
-Landschaft ohne äußerliche Abgrenzung die Erschaffung der Eva, Adam und
-Eva im Paradies und die Vertreibung aus demselben. Der niederländische
-durch Juvenel vermittelte Einfluß ist unverkennbar; vorzüglich sind die
-Akte. Behaimsche Stiftung.
-
-Auf dem unteren Teil des Rahmens: »Gleichwie vor disem Thürlein klein /
-Das Endt der Welt in Stain gar fein / Ist abgebild als ist nit geringer
-/ Der Welt Anfang durch Malers Finger / Hie fürgestelt das du Mensch
-dein Leben / Von Anfang mogst betrachten eben / Wie das du nur seist
-Staub und Erden / Zu der du auch mußt wider werden / Drum leb, auch
-stirb hie seliglich / So bleibst bei Gott dort ewiglich. Renov. Anno
-1774.« Mit dem »Endt der Welt in Stain gar fein« vor der Schautüre ist
-das Relief mit dem Jüngsten Gericht gemeint (siehe S. 148). Die 1774
-vorgenommene Renovierung war nicht umfassender Natur. Auf den anderen
-Teilen des Rahmens: »Paulus, Christophorus, et Fridericus cognomine
-Behaim, Fratres, Pauli Fridericique filii et nepotes, ob praeclaram in
-successiuo et duodeno ordine maiorum suorum memoriam, picturam hanc
-fieri et ceteris familiae suae monumentis affigi curarunt anno reparatae
-per Christum salutis humanae M. D. C. III. Patriam beat prudentia.«
-Auf dem Rahmen in Holz geschnitzt ein Totenkopf mit einem Schriftband:
-»Talis terrenae vitae solet exitus esse.«
-
-[Illustration: Abb. 104. Darstellung des Paradieses. Holztaf.-Gem. von
-J. Kreuzfelder.]
-
-[Illustration: Abb. 105. Abendmahl und Ölberg. Wandgemälde im Ostchor.]
-
-Die ganze Gedenktafel wurde 1904 durch Andreas Mayer restauriert.
-
-Rechts vom Eingang zur südlichen Sakristei ein Holztafelgemälde mit
-der =Himmelfahrt Mariä= von einem mittelmäßigen Maler der Dürerschen
-Gefolgschaft. Im Vordergrunde ein geistlicher Donator mit dem Wappen der
-Ölhafen. Um die Mitte des 16. Jahrhunderts.
-
-An der Westwand der kleinen Kapelle neben dem Dreikönigsportal ein
-Holztafelgemälde mit figurenreicher =Kreuzigung=. Erste Hälfte des 16.
-Jahrhunderts.
-
-Gegenüber am Chorpfeiler ein kleines ehemals zu einem Almosenstock
-gehöriges Ölgemälde auf Holz, eine =Brotausteilung= unter Krüppel
-und Arme darstellend. Die Unterschrift lautet: »Lege[t] ewer heillig
-almüssen jn dissen stock zu enthaltung der armen leydt so burger jn
-disser stat werd vnd gostenhof (d. h. in dieser Stadt, Wöhrd und
-Gostenhof) sind durch gots willen.« 16. Jahrhundert.
-
-Auch an alten =Wandmalereien= besitzt die Kirche noch eine ansehnliche
-Zahl. Die meisten derselben wurden erst bei der letzten großen
-Wiederherstellung unter der Tünche aufgefunden und freigelegt. Einige
-von ihnen mögen wohl während des 14. und beginnenden 15. Jahrhunderts in
-Verbindung mit Mensen Altäre gebildet haben.
-
-Im südlichen Seitenschiff an der Westwand neben dem Bogen zur Turmhalle
-die Riesengestalt des hl. =Christophorus=, dazu Angehörige und Wappen
-der Familie Ebner-Vetter(?). Die Füße des Heiligen sowie die Baumwurzel
-wurden bei der letzten Restaurierung durch Professor Haggenmiller
-ergänzt. Dieser Christophorus des 15. Jahrhunderts verdeckt zum größten
-Teil die noch gewaltigere Darstellung desselben Heiligen aus dem 14.
-Jahrhundert, die ohne Zweifel künstlerisch weit bedeutender war, wie die
-oberhalb des späteren Bildes erhaltenen beiden Köpfe noch gut erkennen
-lassen. Darüber Spuren einer späteren Darstellung des Veronikatuches.
-
-Beim Dreikönigsportal die =Gregoriusmesse= mit Maria und Johannes dem
-Evangelisten. 15. Jahrhundert.
-
-Am dritten südlichen Mittelschiffpfeiler der =Tod Mariä=, frühes 15.
-Jahrhundert, dazu Reste dreier älterer Darstellungen aus der Passions-
-oder Heiligengeschichte, von denen nur der obere Teil einer =Kreuzigung=
-genauer zu erkennen ist.
-
-Im nördlichen Seitenschiffe an der aus dem Anfange des 16. Jahrhunderts
-stammenden hölzernen Empore im Steinton gehaltene =Maßwerkmalereien=,
-zwischen denen sich die =Wappen= der Haller, Holzschuher und Stromer
-einfügen.
-
-An Wandmalereien sind im Ostchor noch vorhanden:
-
-Über dem Pfinzingchörlein zwei =Prophetengestalten= mit Spruchbändern,
-aus dem ausgehenden 14. Jahrhundert. Die =Deckenmalereien= im
-=Pfinzingchörlein=, Darstellungen des Weltheilands und der vier
-Evangelistensymbole, gehören wohl erst dem Ende des 16. Jahrhunderts an.
-
-Am Kaiserchörlein oben eine =Inschrifttafel= mit der auf die
-Barockausstattung der Kirche bezüglichen Jahreszahl 1657 und ein
-=Veronikatuch=, gehalten von den Aposteln Petrus und Paulus, unter denen
-sich die ursprünglichen Engel befinden, aus dem 15. Jahrhundert.
-
-Als die Kulmbachsche Tafel zum Zweck ihrer Wiederherstellung von der
-Wand entfernt wurde, fand sich an dieser, die ganze Länge einnehmend,
-ein Ölgemälde, die =Kreuztragung Christi= mit der Figur des Herrn in
-der Mitte und einem figurenreichen Zuge von Gewappneten und Volk sowie
-den klagenden Frauen, der sich aus einem Tore der links beinahe aus der
-Vogelschau dargestellten türmereichen Stadt Jerusalem herausbewegt.
-Daneben war ganz links die Inschrift zu lesen:
-
-»Anno dni M.CCCC.lxxiij [1473] An vnser lieben frawen abent würtzweyh
-verschid frawe barbara karl steilngers [Steinlingers] haußfrawe der got
-gnedig....
-
-Darnach Anno dni... an sant valenti... [versch]id karl steinlinger
-dem... nad.«
-
-[Illustration: Abb. 106. Darstellungen aus der Apostellegende.
-Wandgemälde im Ostchor.]
-
-Die Versuche, die stark abgeblätterte und nur noch lose anhaftende
-Ölmalerei von der Wand abzuziehen, mißlangen leider bei den Resten der
-eigentlichen Darstellung der Kreuzschleppung ganz. Dagegen konnte die
-=Darstellung der Stadt Jerusalem= leidlich gut und vollständig erhalten
-werden. Vorsichtig auf Leinwand übertragen hat sie jetzt ihren Platz in
-der nördlichen Turmhalle gefunden.
-
-Unter den abgenommenen Resten dieses ganzen Ölgemäldes wurden endlich
-noch die zum Teil wohlerhaltenen Reste eines künstlerisch bedeutsamen
-Freskogemäldes entdeckt, das gleichfalls die =Kreuztragung= zum
-Gegenstande hatte und von dem die besterhaltenen Teile abgezogen und auf
-eine Mörteltafel gebracht werden konnten. Völlig unrestauriert sind sie
-auf dieser in der Bausammlung der Sebalduskirche, wo auch Photographien
-der beiden Kreuzschleppungen aufbewahrt werden, noch zu sehen. Die
-Wappen Steinlinger-Muffel, die sich darunter befinden, lassen erkennen,
-daß auch diese ältere Kreuztragung (1. Hälfte des 15. Jahrhunderts) eine
-Steinlingersche Stiftung war. Unter den übrigen Wappen läßt sich noch
-ein Großisches und eine weiteres Steinlingersches erkennen.
-
-An der Wand vor dem Tucheraltar wurde die landschaftliche Darstellung
-eines =Wallfahrtsortes= mit reicher Staffage an Pilgern und Kranken
-aufgefunden, die in der Mitte einen unbemalten Raum als Hintergrund für
-eine Heiligenstatue aufweist. Dieses dem 15. Jahrhundert entstammende
-Wandgemälde wurde von der Wand abgezogen und auf eine Mörtelplatte
-gebracht. Es befindet sich jetzt im Chorumgang an der rechten Seite des
-Petrusaltars.
-
-An der Wand bei dem Tucheraltar, zum Teil von diesem verdeckt, die
-wirkungsvollen Gestalten der hl. =Elisabeth= und des hl. =Martin=, 15.
-Jahrhundert.
-
-Hinter dem Tucheraltar unter dem Stromerfenster ein Wandgemälde in
-Öltechnik mit zwei Kompositionen (Abb. 105). Links =Abendmahl= und
-=Fußwaschung=; auf diesem Bilde links der kniende Stifter mit seinem
-Familienwappen, darüber die Inschrift: »Anno dm Mcccclxxlll Jar starb
-hanß starck vlrich starcken pruder am Donrstag vor dem heilighen Kristag
-dem got gnedig sei. amen. Anno 1627 durch Hanß Starken wieder verneurt
-worden, seines Aldters 79 Jahr.«[XIII] Rechts Christus am =Ölberg=;
-unten auf dem Gemälde in der Mitte die Wappen der Starck und Voit.
-Starcksche Stiftung von 1423.
-
- [XIII] Hans Starck, der 1627 dieses Gemälde restaurieren ließ, ist
- derselbe, der 1625 das hölzerne Kruzifix am Westchor durch einen
- Bronzeguß ersetzte.
-
-Seit 1627 bis zur Unkenntlichkeit übermalt, wurden die Bilder bei der
-letzten Wiederherstellung der Kirche durch Konservator A. Mayer wieder
-instandgesetzt.
-
-An der Wand hinter dem Petrusaltar aufgefunden gut erhaltene,
-künstlerisch wie kunsthistorisch gleich wertvolle Freskodarstellungen
-aus der =Apostellegende= (Abb. 106), die dem Anfange des 15.
-Jahrhunderts angehören (siehe oben).
-
-Das Gemälde wurde von der Wand abgezogen, auf eine Mörtelplatte
-übertragen und im Chorumgang an der Wand rechts vom Petrusaltar
-angebracht. Die Restaurierung des Bildes besorgte Kunstmaler Pfleiderer
-in München. Eine Photographie von dem Zustande vor der Restaurierung
-befindet sich in der Bausammlung.
-
-Rechts von diesem Bilde die Reste eines Wandgemäldes mit der
-=Kreuzschleppung=. Links vom Eingang zur südlichen Sakristei und
-vermutlich mit Bezug auf die Volckamersche Matronenstatue zwei
-=Stifterfiguren= mit den Wappen der Behaim und Ortlieb auf gemustertem
-Hintergrunde, in Ölmalerei ausgeführt.
-
-In der Kapelle neben dem Dreikönigsportal zeigt die Ostwand rechts
-einen =Johannes Evangelista= unter Architektur, links eine =weibliche
-Heilige=, von der jedoch nur noch der Oberkörper erhalten ist.
-
-An der Hochwand über dem Trennungsbogen zum südlichen Seitenschiff zu
-beiden Seiten der Orgel reiches grünes =Rankenornament, dazwischen
-musizierende Engel=, aus der Zeit der Erbauung des alten Orgelgehäuses.
-
-An verschiedenen Wänden und Pfeilern, zum Teil hinter Statuen, zum Teil
-hinter den Standorten ehemals vorhandener Statuen, =gemalte Wandbehänge=
-mit Granatapfel- und anderen Musterungen.
-
-In der farbigen Behandlung der Wände und Gewölbe lassen sich drei
-verschiedene Arten feststellen. Eine noch romanische Polychromie zeigt
-der Löffelholzchor. Die Wände haben Steinton, die Gurten und Rippen
-sind in Quader geteilt, hauptsächlich in roter und grauer Farbe.
-Die Kappenflächen sind durch schwarze Linien so geteilt, daß ein
-Mauerwerk aus Steinen in Ziegelgröße vorgetäuscht wird. Die Schäfte
-der Zwergsäulchen sind schwarz getönt. Diese letztere Tönung ist auch
-im Mittelschiff noch sichtbar. Im übrigen haben aber hier und in dem
-Seitenschiffe wohl in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts die
-Gurten und Rippen hauptsächlich in der Nähe der Schlußsteine farbige
-Linienornamente in abwechselnder Form und manchmal flammender Bewegung
-erhalten. Die Schlußsteine selbst sind polychrom und zum Teil vergoldet.
-
-Diese Art der farbigen Behandlung scheint nach Fertigstellung des
-Ostchores auch für den letzteren vorbildlich gewesen zu sein.
-Schlußsteine und Rippen sind -- es handelt sich hier um die dritte Art
-der Bemalung -- ähnlich behandelt. Bei den Fenstern ist jedoch eine
-gemalte rote Steinumrahmung dazu getreten und auf den Kappen ist an
-den Rippen und Gurten eine schwarze Begleitlinie gezogen; auch die
-Kappenscheitel sind durch eine solche Linie betont.
-
-
- 4. Die Glasgemälde.
-
-Ähnlich dem Entwicklungsgang der Plastik scheint auch auf dem
-Gebiete der Glasmalerei anfangs nichts oder wenigstens nicht viel
-geleistet worden zu sein. Kein einziges Stück Glasgemälde aus der
-Zeit des romanischen Baues ist erhalten. Erst seit dem Anfang des
-14. Jahrhunderts, als die gotischen Seitenschiffe gebaut und im
-romanischen Querhaus die schmalen Fenster in breitere Maßwerkfenster
-umgewandelt wurden, läßt sich eine Glasmalerschule in noch erhaltenen
-Denkmälern nachweisen. Diese breitete sich weiter aus, als mit dem
-Neubau des Ostchores (1361-1379) wiederum Gelegenheit zur Anbringung
-von Glasgemälden gegeben wurde. Eine Reihe von Patrizierfamilien hatte
-die Schmückung der einzelnen Wandabteilungen übernommen, besonders
-diejenigen Familien, die ihre Grabgrüfte am Chor, sei es innerhalb, sei
-es außerhalb desselben, hatten. Über die Hälfte der Ostchorfenster sind
-Erzeugnisse dieser um 1380 tätigen Schule.
-
-Von 1380 an trat eine Pause von über 100 Jahren ein. Die späteren
-Glasgemälde sind vereinzelte Stiftungen und hängen nicht mit einer
-baulichen Veränderung zusammen. In die Erzeugnisse dieser neuen von
-1490 bis 1520 währenden Blütezeit teilen sich jetzt mehrere Kirchen;
-insbesondere St. Lorenz mit seinem eben vollendeten Chor hat die
-Hauptleistungen der ersten Zeit an sich genommen. Das Bambergische und
-das Volckamersche Fenster (datiert 1488) in St. Sebald repräsentieren
-die erste noch den spätgotischen Stilcharakter tragende Epoche des
-Aufschwungs. Wolfgang Katzheimer ist der Meister. Eine weitere
-Entwicklungsphase in der Geschichte der Glasmalerei Nürnbergs bezeichnen
-die drei Fenster des berühmten Veit Hirschvogel: das Maximilians-,
-Markgrafen- und Pfinzingsche Fenster mit ihren prächtigen Gestalten der
-Frührenaissance und mit ihrer den Dürerschen und Kulmbachschen Werken
-nahe verwandten Formensprache. Sie zählen unstreitig zu den kostbarsten
-Kunstwerken, die die Kirche birgt.
-
-Einen Beleg für die Existenz und künstlerische Bedeutung der Nürnberger
-Glasmalerschule noch zu Beginn des 17. Jahrhunderts bildet das in seiner
-Architekturzeichnung an die Spätrenaissanceformen des Pellerhauses
-erinnernde Imhoffsche Fenster.
-
-Die übrigen Fenster der Kirche sind meist nur mit Wappenschilden von
-Geschlechtern zum Andenken an verstorbene Angehörige geschmückt. Der
-Zweck der Stiftung deckte sich ungefähr mit dem bei den Totentafeln von
-Holz.
-
-_Westchor._ Im =ersten Fenster= links =Christus am Kreuz= mit Maria und
-Johannes. Darunter die Schrift: »Für uns Er trug vnser Krankheit vnd
-lude auf sich unsere schmertzen. Esaiae am LIII Cap.« Ferner Rundscheibe
-mit dem Allianzwappen der Stockamer und Groland.
-
-Im =zweiten Fenster= im Maßwerk Wappen der Ayrer, unten zwei
-Allianzwappen der Stockamer und Dietherr. -- Die Glasgemälde mit den
-Heiligen =Jakobus= und =Bartholomäus= und die beiden Rundscheiben mit
-Evangelistensymbolen wurden 1903 nach Entwürfen von Friedrich Wanderer
-von Zettler in München ausgeführt.
-
-Im =dritten Fenster St. Lorenz und St. Sebald= sowie drei
-Löffelholzische Wappen, alles von Wanderer-Zettler, 1903.
-
-Im =vierten Fenster= Wappen der Unterholzer(?) sowie zwei Allianzwappen
-der Dietherr. Dazu =St. Johannes Ev. und St. Egidius= sowie die
-Rundscheiben mit Evangelistensymbolen von Wanderer-Zettler, 1903.
-
-Die Heiligen in dem 2., 3. und 4. Fenster stellen die Patrone der
-Nürnberger Kirchen dar und wurden von den freiherrlichen Familien der
-Kreß und Tucher (2. Fenster), Löffelholz (3. Fenster), Haller und
-Scheurl (4. Fenster) gestiftet.
-
-Im =fünften Fenster= Wappen der Löffelholz und zwei Gammersfeldersche
-Allianzwappen.
-
-Im =Fenster der südlichen Turmhalle= Wappen der Paumgärtner-Haller.
-
-_Nördliches Seitenchor._ Im =ersten Fenster= oben sechs Allianzwappen
-der Nützel.
-
-Im =zweiten Fenster=, dem kleinen Fenster über der Anschreibtüre, die
-Wappenschilde der Schlüsselfelder und Allianzwappen der Held.
-
-Im =dritten Fenster= ein hl. =Bischof= und =St. Blasius= mit Konrad und
-Wolf Haller von Hallerstein als Donatoren und zwei zugehörigen sowie
-zwei weiteren Wappenschilden der Haller.
-
-Im =vierten Fenster= die Heiligen =Sebald und Petrus=, dazwischen zwei
-Wappenschilde der Holzschuher. Im Maßwerk eine =Verkündigung Mariä=
-und darüber ein Engel mit dem Holzschuherschen Wappen. Alle diese
-Glasgemälde wohl aus der gleichen Zeit, eines derselben von 1503 datiert.
-
-Im =fünften Fenster= unten die hl. =Barbara=, darüber das Wappenschild
-der Nützel mit der Inschrift: »H. Carl Nützel Ritter Rö. Kay. May. Rath
-Starb den 18. Novem 1614.« Oben vier Ölhafensche Allianzwappen.
-
-In dem =Treppenfenster= neben der Querschiff- bzw. Ostchormauer drei
-kleine Wappen der Nützel.
-
-Es folgt die Beschreibung der Fenster im Ostchor in fortlaufender Reihe
-vom ersten Fenster der Nordwand neben der alten Querschiffmauer an:
-
-_Ostchor._ 1. Das =erste Fenster im Ostchor=. Um 1360. Zweifellos noch
-vor Beginn des Ostchorumbaues vollendet. Die Gemälde umfassen die fünf
-unteren Reihen. Die Gliederung der architektonischen Umrahmung, noch
-mehr der Zusammenhang der einzelnen Darstellungen sind unklar. Von den
-letzteren sind nur drei der Sockelreihe ihrem Inhalte nach zu erkennen,
-nämlich Christus in der Vorhölle, Grablegung und die Ausgießung des
-heiligen Geistes.
-
-[Illustration: Abb. 107. Detail vom Bamberger Fenster.]
-
-Die obere Reihe zeigt unter Baldachinarchitektur links einen
-Verkündigungsengel, im zweiten Felde dem Engel zugewendet einen bärtigen
-Mann (Verkündigung Johannis?), im dritten Felde einen hackenden Mann,
-im vierten eine spinnende Frau, vor ihr eine Wiege mit Kind (Adam und
-Eva nach dem Sündenfall?). In der mittleren Reihe links eine gekrönte
-Heilige und zwei andere nicht genauer zu deutende Figuren; im zweiten
-Feld zwei weibliche Heilige mit dicken Büchern in den Händen; im dritten
-und vierten Felde vornehme Gesellschaft im Zeitkostüm, von fraglicher
-Bedeutung. Am ganzen Gemälde ist im Laufe der Zeit viel verändert worden.
-
-Im oberen freien Teil des Fensters zwei runde Medaillons mit Wappen der
-Geuder.
-
-2. Das =Grundherrsche Fenster=. 1372-1379. Das Gemälde umfaßt die
-sechs unteren Reihen. Durch Versetzung mehrerer Felder in der
-Gesamtkomposition entstellt. Das Fenster muß sich ursprünglich an
-anderer Stelle befunden haben und wurde hierher versetzt, als man
-das Imhoffsche Fenster, dessen Maßwerkmalereien an ihrer alten
-Stelle verblieben, von hier auf die gegenüberliegende südliche Seite
-des Ostchors überführte. Die Stifterfiguren der äußeren Felder der
-unteren Reihe gehören der spätmittelalterlichen Zeit an. Im übrigen
-enthalten die zwei mittleren Felderreihen in achtpaßförmigen Kartuschen
-Darstellungen aus der Marienlegende, unten, jetzt in der zweiten Reihe,
-die Donatoren, in den äußeren Bahnen Heilige mit Attributen oder
-Schriftbändern.
-
-In den freien Teilen des Fensters acht runde Medaillons mit drei
-Grundherrschen Wappen und den Wappen der Kreß, Ebner und? (Baumstamm mit
-roten Lindenblättern auf silbernem Grunde).
-
-Im Maßwerk, eigentlich zu dem Imhoffschen Fenster gehörend, zwei Engel
-mit Blasinstrumenten in Wolken, darüber das Imhoffsche Wappen.
-17. Jahrhundert.
-
-In den beiden =Fenstern der Pfinzingempore= 2 größere und 30 kleinere
-Rundscheiben mit Pfinzingwappen.
-
-Im Maßwerk des Fensters über der großen Sakristei zwei große
-Schreyersche Allianzwappen.
-
-3. Das =Mendelsche Fenster=. 1372-1379.
-
-Das Glasgemälde umfaßt die unteren sechs Reihen und enthält neun
-=Darstellungen aus dem Marienleben=. Die dritte und sechste Reihe und
-die mittleren Felder der fünften Reihe sind mit Architektur ausgefüllt,
-die Sockelfelder weisen viermal das Wappen der Mendel auf.
-
-Im oberen freien Teil des Fensters zwei runde bekränzte Wappen der
-Tucher aus dem 16. Jahrhundert.
-
-4. Das =Tuchersche Fenster=. 1372-1379.
-
-Es umfaßt sieben Querreihen mit Darstellungen aus der Passion:
-
- 1. Reihe (von unten): Tuchersches Wappen von etwa 1550, der Stifter,
- dessen Frau, dann ein Pfinzingsches Wappen von etwa 1550.
-
- 2. Reihe: =Christus vor Pilatus= (4. Feld), =Dornenkrönung= (1., 2.
- und 3. Feld).
-
- 3. Reihe: =Kreuztragung= (4 Felder).
-
- 4. Reihe: =Christus wird ans Kreuz genagelt= (4 Felder, die, offenbar
- bei einer späteren Reparatur, unrichtig angeordnet wurden).
-
- 5. und 6. Reihe: =Kreuzigung= (8 Felder).
-
- 7. Reihe: =Architekturaufsatz=.
-
-5. Das =Fürersche Fenster=. 1372-1379.
-
-Ursprünglich das Fenster der Geuschmid. Die beiden Fürerschen
-Allianzwappen in den mittleren Feldern der zweiten Reihe stammen erst
-aus dem 16. Jahrhundert. Sie tragen die Unterschriften »Sigmund [Füerer
-der] Ellter...« und »Christann Füerer Anno dm 1325«.
-
-[Illustration: Abb. 108. Detail vom Maximiliansfenster.]
-
-Das Glasgemälde umfaßt sechs Reihen und greift mit der Bekrönung in die
-siebente Reihe über. Die Sockelreihe enthält die Wappen der Eysvogel,
-Geuschmid, Gruber und Ebner, die übrigen Reihen, abgesehen von den zwei
-erwähnten Feldern, 14 =Heilige= und =legendarische Darstellungen=.
-
-Darüber, innerhalb der Butzenverglasung, ein Scheurl-Tuchersches
-Allianzwappen mit der Jahreszahl 1480.
-
-6. Das =Stromersche Fenster=. 1372-1379, mit späteren Zutaten aus
-verschiedenen Zeiten.
-
-Das alte Glasgemälde umfaßt die Reihen 4 bis 9 und enthält in der
-untersten Reihe in den beiden mittleren Feldern zwei Stromersche
-Allianzwappen, dazu links ein Pfinzingsches, rechts ein Kolersches
-Wappen; in den nächsten vier Reihen 16 Figuren, nämlich zehn =Apostel=
-und sechs =Propheten=, alle mit Schriftbändern in den Händen, in der
-obersten Reihe einen schlichten architektonischen Abschluß, innerhalb
-desselben zwei kleine Engelsfiguren.
-
-Die Reihe 3 wurde um 1500 mit 2 Pfinzingschen Wappen sowie 4
-Stromerschen und 2 Kolerschen Allianzwappen in reicher spätgotischer
-Ornamentik ausgestattet. In der 2. Reihe außer 3 kleinen Pfinzingschen
-Allianzwappenscheiben eine große rechteckige Scheibe mit Kolerschen
-Allianzwappen von 1568, von denen die größten von einer um die Mitte
-des 19. Jahrhunderts schlecht erneuerten Engelsfigur gehalten werden.
-Innerhalb des Rahmens einer Schrifttafel finden sich an Stelle derselben
-zwei kleine, feine, offenbar profane Kabinettmalereien roh eingesetzt:
-=Begegnung zweier Männer= und eine =allegorische Frauenfigur= (die
-Hoffart?).
-
-In der untersten Reihe wiederum 3 kleine Pfinzingsche Allianzwappen (6
-Rundscheibchen), ein Wappen des Baumeisters Wolf Jakob Stromer von 1589
-und ein Wappen seiner Frau Sabina W. J. Stromerin (einer geb. Scheurl)
-von 1582 sowie ein Kolersches Allianzwappen mit der Unterschrift:
-»Hieronimus Koler anno 1592«.
-
-7. Das =Bambergische Fenster=. 1501 gemalt von Wolf Katzheimer (Abb. 107).
-
- Die Glasmalerei bedeckt vier Querreihen:
-
- 1. Reihe (von oben): Vier Bekrönungen nach Art der ornamentalen
- Schnitzereien bei Altaraufsätzen.
-
- 2. Reihe: =Bischof Lambert von Bamberg= 1374, hl. =Kaiser Heinrich=,
- hl. =Kunigunde= und =Bischof Philipp von Bamberg= 1475.
-
- 3. Reihe: Hl. =Bischof= (?), hl. =Petrus=, hl. =Paulus= und
- hl. =Georg=.
-
- 4. Reihe: =Bischof Heinrich von Bamberg= 1487, zwei Wappen von
- Bamberg und =Bischof Veit von Bamberg= 1501.
-
- Im linken Feld der Sockelreihe: Albrecht Dürer in ganzer Figur von
- C. A. Heideloff.
-
-8. Das =Maximiliansfenster= (Abb. 108). 1514 von Veit Hirschvogel
-gemalt. Von Heideloff restauriert. Es befindet sich in der Mitte des
-Ostchores, d. h. an der vornehmsten Stelle desselben, sichtbar durch das
-Mittelschiff bis zum Westchor.
-
-Das Glasgemälde nimmt, vom Fenstersockel an gerechnet, zehn Reihen ein
-und reicht mit dem halbkreisförmigen Aufbau, nach welchem das Ganze
-scheinbar als Nische gedacht ist, noch in die elfte Reihe hinüber. In
-den beiden unteren Reihen Butzenverglasung zwischen drei Säulen, in
-der dritten Reihe eine Rolle mit Inschrift. Die Reihen 4 bis 9 zeigen
-abwechselnd zwölf Wappen der Länder des Hauses Habsburg in Deutschland
-und Spanien, zwei =fürstliche Ehepaare= und =vier Heilige=, und zwar:
-
- 9. Reihe: Wappen des Königreichs Kroatien, des Erzherzogtums
- Österreich, des Herzogtums Steier und des Herzogtums Brabant.
-
- 8. Reihe: Die Heiligen Jakobus d. Ä., Andreas, Kaiser Heinrich und
- Georg.
-
- 7. Reihe: Wappen des Königreichs Ungarn[XIV], Dalmatiens, Tirols und
- des Herzogtums Kärnten.
-
- 6. Reihe: Wappen des Hauses Habsburg, Kaiser Maximilians I., dessen
- Gemahlin Maria von Burgund[XV] und das Wappen von Burgund.
-
- 5. Reihe: Das vereinigte Wappen von Kastilien, Österreich, Leon,
- Bourbon, Granada und Burgund mit Grafenkrone[XVI], Philipp I. der
- Schöne, König von Spanien, dessen Gemahlin Johanna die
- Wahnsinnige[XVII] und das vereinigte Wappen von Kastilien, Leon,
- Neapel, Sizilien und Granada mit der Königskrone.
-
- 4. Reihe: Wappen des Königreichs Leon, der Grafschaft Granada[XVIII],
- des Königreichs Neapel und des Königreichs Sizilien.
-
- 3. Reihe mit der Inschrifttafel: »Maximilianvs cristianorvm imperator
- ac septem regnorvm rex heresque archidvx avstriae plvrivm evropae
- provinciarvm princeps potentissimvs. f. f.« Darüber die Jahrzahl
- MCCCCCXIIII.
-
- [XIV] Ungarn war 1514 noch nicht im Besitze des Hauses Habsburg, erst
- seit 1526.
-
- [XV] Maria von Burgund war bereits 1482 gestorben. Allein die
- spätgotische Tracht (die Kopfbedeckung der Maria ist der Hennin)
- und das daneben befindliche Wappen von Burgund-Österreich lassen
- es als ausgeschlossen erscheinen, daß mit der Dargestellten die
- zweite Gemahlin Maximilians, Bianca Maria Sforza von Mailand,
- gemeint ist. Die Darstellung der ersten Gemahlin, der Mutter des
- in der nächsten Reihe dargestellten Königs Philipp, geschah
- jedenfalls auf besonderen Wunsch des Kaisers.
-
- [XVI] Die Grafenkrone ist nicht verständlich. Kastilien war damals
- schon lange Königreich. Übrigens trägt das andere vereinigte
- Wappen derselben Reihe, bei welchem Kastilien mit Leon die
- bevorzugte Stelle im linken oberen Feld einnimmt, die
- Königskrone.
-
- [XVII] Es kann nur der Sohn Maximilians, wenn auch schon seit 1506
- verstorben, und seine Gattin in Frage kommen. Hierfür sprechen
- in erster Linie die beigefügten Wappen, in zweiter Linie der
- Umstand, daß Maximilians Enkel, Philipps Sohn, der nachmalige
- Kaiser Karl V., damals erst 14 Jahre alt und natürlich auch
- nicht verheiratet war. In der Literatur werden die beiden
- fürstlichen Personen gewöhnlich als Karl V. und Isabella
- von Portugal bezeichnet, bei M. M. Mayer sogar als Kaiser
- Maximilian und Gemahlin, während das darüber stehende Paar
- Karl V. und Gemahlin genannt wird.
-
- [XVIII] Granada war damals Königreich.
-
-Stilistisch interessant durch den Wechsel von Spätgotik und
-Frührenaissance: Renaissancekostüm fast bei allen Figuren, gotisches
-Kostüm bei der Maria von Burgund, ausgesprochene Renaissance in der
-Architektur und in der Majuskelinschrift, dagegen noch vollständig
-gotisch der gemusterte Hintergrund bei Wappen und Figuren.
-
-Das Glasgemälde wurde hergestellt im Auftrage des Kaisers Maximilian I.
-für den Preis von 200 fl.
-
-[Illustration: Abb. 109. Detail vom Markgrafenfenster.]
-
-9. Das =Markgrafenfenster=[XIX] (Abb. 109). 1515 von Veit Hirschvogel d.
-Ä. wahrscheinlich nach einem Entwurf des Hans von Kulmbach gemalt.
-
- [XIX] Vgl. über das Fenster namentlich Friedrich H. Hofmann, Das
- Markgrafenfenster in St. Sebald zu Nürnberg. Im
- Hohenzollern-Jahrbuch. 1905, S. 67 ff.
-
-Das Gemälde nimmt vom Sockel an neun Fensterreihen ein. Das Ganze ist
-als ein architektonischer Aufbau gedacht. Der Sockel in den beiden
-untersten Reihen ist durch Fenster und Nische belebt und zeigt eine
-Inschrifttafel. Darüber erheben sich sechs Etagen mit durchlaufenden
-Wandpfeilern in den äußeren Bahnen; in der obersten Etage ist den
-Wandpfeilern je eine Säule vorgelagert, welche zugleich als Stütze für
-den reich ornamentierten bekrönenden Giebel und dessen seitliche, Engel
-tragende Aufsätze in der letzten Reihe dient. Die mittleren Bahnen der
-Reihen 3 bis 8 enthalten 12 figürliche Darstellungen, in den äußeren
-Bahnen der Reihen 3 bis 7 sind 10 Wappen angebracht. Figuren und Wappen
-sind:
-
- 8. Reihe: Die =Heiligen Maria und Johannes der Täufer=, die
- Schutzpatrone des Hauses Hohenzollern.
-
- 7. Reihe: Wappen von Brandenburg, =Friedrich der Ältere, Markgraf von
- Brandenburg-Ansbach und -Kulmbach, dessen Gemahlin Sophie von
- Polen=, Wappen von Polen.
-
- 6. Reihe: Wappen des Landes der Kassuben und Wenden, =Markgraf
- Kasimir=, =Markgraf Johann=, nachmals Vizekönig von Valencia,
- Wappen des Landes der Kassuben und Wenden.
-
- 5. Reihe: Wappen von Pommern, =Markgraf Albrecht=, Hochmeister des
- Deutschen Ordens, nachmals Herzog in Preußen, =Markgraf Georg der
- Fromme=, Wappen von Pommern.
-
- 4. Reihe: Wappen des Burggrafen von Nürnberg, =Markgraf Friedrich=,
- Domprobst zu Würzburg, =Markgraf Wilhelm=, nachmals Erzbischof
- von Riga, Wappen von Rügen.
-
- 3. Reihe: Wappen von Hohenzollern, =Markgraf Johann Albrecht=,
- nachmals Erzbischof zu Magdeburg und Bischof von Halberstadt,
- =Markgraf Gumbert=, unkenntliches Wappen.
-
- 2. Reihe mit der Inschrifttafel: »Friderich von gottes gnaden
- marggraff zu Brandenburg zu Stetin Pomern der Cassuben vnd Wenden
- herczog burggraff zu Nürnberg und fürst zu Rügen 1. 5. 15.«
-
-Die acht Markgrafen in den Reihen 6 bis 3 sind die acht Söhne Friedrichs
-und seiner Gemahlin Sophie in der Reihenfolge ihres Alters.
-
-In den äußeren Feldern der Sockelreihe befanden sich ursprünglich
-zwei Engel, ähnlich den oberen Engeln auf der Bekrönung. 1817 mußten
-dieselben zwei schlechten Medaillons mit den Bildnissen Melanchthons und
-Luthers weichen.
-
-10. Das =Pfinzingsche Fenster=. 1515 gemalt von Veit Hirschvogel d. Ä.
-
-Es umfaßt acht Querreihen: Architektur mit zwei Stockwerken. Im oberen
-Stockwerk =die Heiligen Christoph, Sebald, Maria mit dem Christuskind
-und Anna selbdritt=. Im unteren Stockwerk der =Stifter und seine
-Gemahlin= mit den Wappen der Pfinzing und Grundherr, darunter knieend
-acht Familienangehörige beiderlei Geschlechts mit ebensovielen
-Pfinzingschen Wappen. In der untersten Reihe Inschrifttafel: »Siegfridus
-Pfinzing sibi suisque MDXV.« Darunter zwei Wappen (Pfinzing-Harsdorf).
-Einzelne Stellen, hier und da sogar mit Schriftscheiben, ziemlich
-barbarisch geflickt.
-
-11. Das =Hallersche Fenster=. 1372-1379.
-
-Es umfaßt 6 Querreihen:
-
- 1. Reihe (von unten): 4 Hallersche Wappen.
-
- 2. Reihe: =Legende des hl. Georg=.
-
- 3. Reihe: Ein =heiliger Mönch= mit Buch und zangenartigem Gerät,
- =St. Leonhard=, =St. Sebastian= und ein =heiliger Fürst=
- (Hermelinüberwurf) mit Palmwedel und Reichsapfel.
-
- 4. Reihe: Die =Heiligen Katharina=, =Anna selbdritt=, =Ursula= und
- =Elisabeth=.
-
- 5. =Herodes und der betlehemitische Kindermord.=
-
- 6. Reihe: schlichter Architekturaufsatz.
-
-In der 7. Reihe zwei Hallersche Wappen (im 1. und 4. Feld) vom Jahre
-1494.
-
-[Illustration: Abb. 110. Fenster über dem südlichen Seitenschiffportal.]
-
-12. Das =Schürstabsche Fenster=. 1372-1379.
-
-Es umfaßt 7 Querreihen:
-
- 1. Reihe (von unten): Lamm Gottes, zum Schürstabschen Wappen gehörig,
- und drei Schürstabsche Allianzwappen.
-
- 2. Reihe: Hl. =Sebald=, ein kniender, den Heiligen verehrender
- =Ritter= mit dem Schürstabwappen und zwei kniende =Frauen= mit
- Stromerschen Wappen und Wappen der Graser (?).
-
- 3. Reihe: =Christus in der Vorhölle= (2 Felder), =der Auferstandene
- erscheint den heiligen Frauen= (2 Felder).
-
- 4. Reihe: Kreuzabnahme oder richtiger =Pietà=; =Grablegung=
- (je 2 Felder).
-
- 5. Reihe: =Himmelfahrt=, =Tod Mariä= (je 2 Felder).
-
- 6. und 7. Reihe: Architektur.
-
-In der 8. Reihe (1. und 4. Feld) zwei Schürstabsche Wappen von 1493,
-über jedem das Lamm Gottes.
-
-13. Das =Behaimsche Fenster=. 1372-1379.
-
-Das Glasgemälde umfaßt die sechs unteren Reihen und greift mit der
-Bekrönung in die siebente Reihe über. Die mittleren Felder der
-Sockelreihe enthalten zwei Behaimsche Allianzwappen, in den Feldern
-daneben kniende Familienangehörige mit Behaimschen Allianzwappen. Die
-mittleren Bahnen sind kompositionell zusammengefaßt, und zwar sind die
-Reihen 2 bis 7 in drei Etagen gegliedert, welche von unten nach oben die
-=Verkündigung= (eine starke gelbe Röhre vermittelt den hl. Geist, eine
-Taube, vom Munde Gott Vaters dem Ohr der Maria), =Geburt Christi= und
-die =Krönung Mariä= zeigen. In den übrigen seitlichen Feldern, abgesehen
-von den erwähnten Wappenfeldern, neben der Verkündigung zwei weitere
-Anbetende, eine männliche und eine weibliche Figur mit Allianzwappen, zu
-den beiden Seiten der Geburt und Krönung vier musizierende Engel.
-
-Im Maßwerk Medaillons mit dem zwei Behaimsche Allianzwappen, je von
-einem Engel gehalten, aus dem 16. Jahrhundert.
-
-14. Das =Volckamersche Fenster=. Etwa 1490-1500.
-
-Es umfaßt 6 Querreihen:
-
- 1. Reihe (von oben): Reiche gotische Baldachinarchitektur als
- Bekrönung.
-
- 2. Reihe: Von den Darstellungen, die diese Reihe enthielt, der
- =Verkündigung= und =Geburt=, ist nur mehr je eine Hälfte
- vorhanden, nämlich die Maria von der Verkündigung und der hl.
- Joseph von der Geburt. Sie nehmen die beiden mittleren Felder
- ein. An die Stelle der abhanden gekommenen anderen Hälften wurden
- ein Volckamersches und ein Gärtner-Schürstabsches Wappen in die
- Butzenverglasung der beiden seitlichen Felder eingefügt.
-
- 3. Reihe: =Anbetung der heiligen drei Könige=.
-
- 4. Reihe: =Beschneidung= und =Darstellung im Tempel=.
-
- 5. Reihe: Kniende männliche und weibliche Familienangehörige mit
- Volckamerschen Allianzwappen.
-
- 6. Reihe: In den mittleren Feldern zwei Wappen der Volckamer mit der
- Inschrift: »Anno domini 1488«, zu den Seiten männliche und
- weibliche Anbeterfiguren mit Spruchbändern und den Wappen der
- Stromer, Volckamer (2), Ebner und Schürstab.
-
-15. Das =Imhoffsche Fenster=. Vom Jahre 1601 (links unten in der zweiten
-Reihe datiert), die beiden untersten Wappenpaare vom Jahre 1641. Von
-Jakob Sprüngli oder Christoph Maurer (1558-1614), ebenfalls einem
-geborenen Schweizer.
-
-Das Glasgemälde umfaßt das ganze Fenster. Wirkungsvoller
-architektonischer Aufbau in kräftigen Renaissanceformen mit reichen
-Zutaten von Puttenfiguren, Festons usw. in den beiden äußeren Bahnen,
-oben die allegorischen Figuren Glaube und Liebe; in den beiden mittleren
-Bahnen 20 Einzelwappen und Allianzwappen der Imhoff, teils mit
-Wappenzier, teils von Kränzen umrahmt. Die zu diesem Fenster gehörigen
-Glasmalereien des Maßwerks sind bei der Versetzung des Fensters an
-dessen ursprünglichem Ort, nämlich in dem an der Nordseite des Ostchores
-gerade gegenüberliegenden Fenster zurückgeblieben (siehe oben).
-
-16. Das =letzte Fenster im Ostchor=. Um 1360. Das Glasgemälde war wie
-das im gegenüberstehenden Fenster befindliche wahrscheinlich schon vor
-Beginn des Ostchorneubaues vorhanden.
-
-Das Fenster ist entweder eine Paumgärtnersche Stiftung oder eine
-Stiftung der Familien Pirckheimer, Paumgärtner und Grabner, deren
-Wappen die Sockelreihe aufweist. Was die Komposition anlangt, so sind
-die beiden mittleren Bahnen zusammengefaßt und in drei Etagen mit je
-drei Feldern abgeteilt, wobei in den jeweiligen Bekrönungen zwei Giebel
-mit einem Rundbogen abwechseln; unten die =Anbetung der heiligen drei
-Könige=, in der Mitte die =Darbringung im Tempel=, zu beiden Seiten
-weibliche Figuren mit Tauben, darüber Propheten, oben der zwölfjährige
-=Jesus bei den Schriftgelehrten=, zu beiden Seiten Engel.
-
-_Südliches Seitenschiff._ Im =ersten Fenster= von der alten
-Querhausmauer an ein größeres Welsersches Wappen und vier kleinere runde
-Welsersche Allianzwappen, bei deren einem das heraldisch rechte Wappen
-durch buntes Glas ersetzt ist.
-
-Im =zweiten Fenster= ein größeres Behaimsches, drei kleinere runde
-Welsersche und ein ebensolches Ölhafensches Allianzwappen.
-
-Im =dritten Fenster Christus am Kreuz mit Maria und Johannes=, darüber
-prächtig stilisiert Helm, Helmdecke und Zimier zu einem jetzt fehlenden
-Ölhafenschen Wappen, außerdem vier kleine Rundscheiben mit dem Wappen
-der Gutschneider, Koler-Kreß, Ölhafen-Volckamer und Welser-Nützel.
-
-Im =vierten Fenster=, dem kleinen Fenster über dem Südportal, das
-Wappenschild der Pömer und ein Spruchband, auf dem M. M. Mayer noch
-die jetzt fast verschwundene Inschrift las: »Heinrich Pömer Starb Anno
-1331«, darunter zwei Donatoren (bezeichnet als Friedrich und Konrad
-Pömer) mit zwei Pömerschen Allianzwappen (Abb. 110).
-
-Im =fünften Fenster= befinden sich jetzt sechs kleine Rundscheiben
-mit Allianzwappen der Familien Dietherr, Kreß, Harsdorf, Ölhafen und
-Rohleder sowie einem Pömerschen Wappen.
-
-
- 5. Gedenktafeln, Totenschilder, Stuhlwerk, Orgeln und Glocken.
-
-=Gedenktafeln.= Diejenigen Geschlechter, deren Begräbnisstätten in
-der Kirche lagen oder welche sich durch hervorragende Stiftungen
-ausgezeichnet hatten, besaßen das Recht, große Tafeln mit Verzeichnissen
-der Vorfahren zum Andenken an dieselben in der Nähe der gestifteten
-Gegenstände aufzuhängen. Die Sitte kam zwar schon zur Zeit der
-Spätgotik auf, allein erst mit der um die Mitte des 17. Jahrhunderts
-durchgeführten Barockausstattung wurde vielfach Gebrauch davon gemacht.
-Die uns erhaltenen Gedenktafeln gehören den Patrizierfamilien Ebner,
-Fürer, Holzschuher, Kreß, Löffelholz, Pfinzing, Pömer, Scheurl, Tucher
-und Volckamer an.
-
-Der Inhalt der Tafeln hat lediglich familiengeschichtliches Interesse.
-Von künstlerischem Wert sind nur einige Tafeln durch reichere Gestaltung
-der holzgeschnitzten Rahmen, insbesondere der die Tafeln bekrönenden
-Aufsätze und Wappenschilder. Von den der Mitte des 17. Jahrhunderts
-angehörigen Gedenktafeln verdienen hervorgehoben zu werden die der
-=Löffelholz= im Westchor, die der =Kreß= mit dem Holztafelgemälde des
-segnenden Weltheilandes und dem Wappenschilde aus der Rokokozeit (Abb.
-111) und die der =Volckamer= im Ostchor vor dem Muffelschen Altar
-(Abb. 112); von den ein Jahrhundert jüngeren Tafeln im ausgesprochenen
-Rokokostil die der =Ebner= beim nördlichen Turm (Abb. 113), die der
-=Holzschuher= im südlichen Seitenschiff und die der =Fürer= im Ostchor
-beim Muffelschen Altar. In die Renaissancezeit fällt eine der vielen
-=Tucherschen Tafeln=, welche im Ostchor an der Wand des Tucherfensters
-hängt (Abb. 114). Sie zeichnet sich dadurch aus, daß in ihrer Mitte
-ein aus dem Beginn des 16. Jahrhunderts stammendes Ölgemälde aus Holz
-eingelassen ist, darstellend den Tod vor offenem Grabe mit Schriftband:
-»Was ir seit, das was ich, vnd was ich bin, das wert ir.«
-
-Auf einer anderen Tucherschen Gedächtnistafel im nördlichen Chorumgang
-hinter dem Hochaltar =Christus als Weltenrichter=, auf dem Regenbogen
-thronend. 17. Jahrhundert.
-
-=Totenschilder.= Zum Inventar der Kirche zählen nunmehr auch eine große
-Anzahl von alten Totenschildern verschiedener Patrizierfamilien. Die
-früher in der Kirche aufgehängten Schilder wurden zu Beginn des 19.
-Jahrhunderts bis auf das unten erwähnte Stromersche, das auf seinem
-alten Platz oberhalb der Stromerschen Empore im nördlichen Seitenschiff
-verblieb, den Stiftern zurückgegeben. Wie weit die jetzigen Schilder mit
-den früheren identisch sind, dürfte sich schwerlich feststellen lassen.
-Von den Totenschildern, von denen manche, insbesondere ein Hallersches,
-sowohl nach der künstlerischen wie nach der technischen Seite von
-Interesse sind und bei deren Herstellung teilweise mit den einfachsten
-Mitteln (Roßhaare, vergoldete Hanfstricke usw.) gearbeitet worden ist,
-gehören 21 der =Löffelholz=schen (Abb. 115), 7 der =Kressi=schen (Abb.
-116), 12 der =Haller=schen (Abb. 117, 118), 11 der =Harsdörfer=schen,
-4 der =Ebner=schen (Abb. 119) (hievon 2 neu) und 1 (siehe oben) der
-=Stromer=schen Familie (Abb. 120) an. Sie stammen aus der Zeit vom 14.
-bis zum 18. Jahrhundert und hängen im Westchor, im Mittelschiff und im
-nördlichen Seitenschiff in der Nähe der Grabstätten der Stifterfamilien.
-
-=Kirchenstühle und anderes Mobiliar.= Das in Eichenholz ziemlich derb
-geschnitzte =Chorgestühl= im Mittelschiff des Ostchores zwischen den
-Pfeilern stammt aus der Zeit der Vollendung des Chorneubaues zwischen
-den Jahren 1372 und 1379 (Abb. 121, 122 und 123). Die Seitenteile
-der Stühle sind mit ornamentalen, durchbrochen gearbeiteten und mit
-figürlichen Schnitzereien, Propheten, Apostel sowie andere Heilige
-und phantastische Tiergestalten darstellend, ausgestattet. An den
-Rückwänden der Chorstühle zu beiden Seiten des Altares sind jetzt
-zwei runde holzgeschnitzte Medaillons angebracht: links der heilige
-Sebald in einem Renaissanceraum, zu seinen beiden Seiten die Wappen
-von Dänemark und Frankreich, zu seinen Füßen das Schreyersche Wappen
-(vgl. Titelvignette), auf der anderen (rechten) Seite in Hochoval das
-Grundherrsche Wappen. Beide Medaillons rühren vermutlich von früheren
-Kirchenstühlen (einem Schreyerschen und einem Grundherrschen?) her.
-
-Im südlichen Seitenschiff an der Westwand neben der Turmhalle ein
-zweisitziger =Kirchenstuhl= ohne besondere Dekoration, ebenfalls aus
-Eichenholz mit zwei eingeschnittenen Wappen der =Haller= (Abb. 124).
-
-Im Löffelholz- oder Westchor ein im frühen Barockstil reichgeschnitzter
-=Stuhl= vom Jahre 1627 (Abb. 125).
-
-Ihm gegenüber einfach geschnitzter =Stuhl des Handwerks der Holz- und
-Beindrechsler= mit deren Wappen auf vergoldetem Kupfer von 1738.
-
-Im nördlichen Seitenschiff an der Turmwand hübsch ornamentierter =Stuhl=
-aus dem Anfang des 17. Jahrhunderts.
-
-Neben dem Eingange des nördlichen Seitenschiffes einfach geschnitzter
-=Stuhl des Handwerks der Bäcker=. 17. Jahrhundert.
-
-Außerdem noch zwei ganz einfache =Kirchenstühle= in der nördlichen
-Turmhalle und beim Eingange des südlichen Seitenschiffes; letzterer mit
-reicherem barockem Aufsatz mit den Emblemen des =Schuhmacherhandwerks=.
-Ferner mancherlei kräftig geschnitztes Stuhlwerk an den Wänden der
-Kirche aus verschiedenen Epochen: an der Südwand des Ostchors einfaches
-=gotisches Chorgestühl=, gegenüber an der Nordwand die =Tucherschen
-Chorstühle= unter den Gedenktafeln des Tucherschen Geschlechts aus
-der Zeit der Spätrenaissance. Der gleichen Zeit gehören auch die
-beiden =Tucherschen Paramentenschränke= an, die sich jetzt hinter dem
-Altare befinden. Weitere =Chor- und Handwerkerstühle= mit einfach
-ausgeschnittenen Stuhlwangen in verschiedenen Teilen der Kirche.
-
-Hinter dem Hochaltar zwei mit Schnitzerei verzierte =Sängerpulte= aus
-dem 17. Jahrhundert mit drehbaren Aufsätzen.
-
-Die einfachen =Chorschranken= rühren vermutlich von der Restaurierung um
-die Mitte des 17. Jahrhunderts her.
-
-Neben dem Eingange zur südlichen Sakristei und in der Pömerkapelle =je
-ein gotisches Wandschränkchen= mit hübscher holzgeschnitzter Tür und den
-alten Eisenbeschlägen.
-
-Die =Laienstühle= der Kirche aus der Mitte des 19. Jahrhunderts wurden
-bei der letzten Restaurierung derart umgeändert, daß die in plumpen
-pseudogotischen Formen gehaltenen Wangen durch einfach ausgeschnittene
-Bretter ersetzt und so dem vorhandenen alten Gestühl angepaßt wurden.
-
-[Illustration: Abb. 111. Detail vom Rahmen der Kressischen Totentafel im
-Ostchor.]
-
-[Illustration: Abb. 112. Detail vom Rahmen der Volckamerschen Totentafel
-im Ostchor.]
-
-[Illustration: Abb. 113. Rahmen der Ebnerschen Totentafel im nördlichen
-Seitenschiff.]
-
-Schließlich sei noch ein =neuer Paramentenschrank= in einfachen
-gotischen Formen erwähnt, der von Hauberrisser entworfen wurde und neben
-der südlichen Turmwand seinen Platz gefunden hat.
-
-Beim Muffelaltar ist in die Wand eine =Steinplatte= eingelassen, in der
-oben in einer kleinen Nische das Erzschildchen eingemauert ist, das
-1882 hinter einem Baldachin des Ostchors gefunden wurde. Wie die 1906
-angebrachte Inschrifttafel besagt, handelt es sich bei dem Zeichen auf
-diesem alten Schildchen offenbar um das Meisterzeichen des bisher noch
-unbekannten Erbauers des Ostchors. Vgl. Abb. 26.
-
-Die =eisernen Türen= neben dieser Steinplatte, die als Verschluß von
-Wandschränken dienen, sind alt (15. Jahrhundert) und zeichnen sich
-durch schön ornamentierte Schloßschilde und geschmackvoll geformte
-Griffe aus. Die Wandschränke beim Petrus- und Tucheraltar wurden nach
-diesem Muster mit neuen eisernen Türen versehen. Ebenfalls eine Arbeit
-der Neuzeit ist der eiserne =Opferstock= im Mittelschiff vor dem
-Löffelholz-Chor.
-
-[Illustration: Abb. 114. Details vom Rahmen der Tucherschen Totentafeln.]
-
-[Illustration: Abb. 115. Löffelholzische Totenschilder.]
-
-[Illustration: Abb. 116. Kressisches Totenschild (des Stifters der
-Kirche in Kraftshof).]
-
-=Orgeln.= Die =große Orgel= im Ostchor (Abb. 126) wurde 1444 von
-Heinrich Traxdorf für 1150 fl. erbaut. Von dem Pfeifenwerke dieser
-gotischen Orgel sowie von den im Laufe der Jahrhunderte hinzugekommenen
-Registern hat sich nichts erhalten. Bei der letzten Restaurierung (1905)
-wurde ein der modernen Orgeltechnik entsprechendes Werk aufgestellt und
-zum Teil dem alten Gehäuse eingefügt. Aber auch mit diesem waren im
-Laufe der Zeiten bereits verschiedene Veränderungen vorgenommen worden.
-Während eine Anzahl urkundlich bezeugter Verbesserungen (1480/81, um
-1520, 1572 usw.) sich wesentlich auf das Werk bezogen zu haben scheinen,
-das 1691 von Georg Siegmund Leyser, Orgelbauer in Rothenburg o. T.,
-erneuert wurde, hatten die Umbauten und Reparaturen von 1658 und 1827
-auch bedeutende Umformungen des Gehäuses zur Folge. 1658 wurde die
-Orgel der barocken Kirchenausstattung angepaßt, wobei Daniel Preißler
-die Flügel mit den Bildnissen der Scholarchen und Geistlichen an der
-Kirche und der damaligen Stadtmusiker schmückte. Diese Flügel haben
-sich indessen nicht erhalten. Bei der Ausbesserung des Werkes durch den
-Orgelbauer Augustin Ferdinand Bittner im Jahre 1827 wurden jene barocken
-Teile durch gotisch stilisierte, nach Plänen Heideloffs ausgeführte
-Teile ersetzt. Hiebei wurde nicht nur ein neues Positiv angebracht,
-sondern auch die Galerie für den Sängerchor nach beiden Seiten hin
-erweitert und mit einer hölzernen, mit gotischen Maßwerken versehenen
-Brüstung abgeschlossen.
-
-[Illustration: Abb. 117. Hallersche Totenschilder.]
-
-[Illustration: Abb. 118. Hallersches Totenschild.]
-
-Bei der letzten Wiederherstellung der Kirche ließ sich das ursprüngliche
-Gehäuse der Orgel noch zum größten Teil aus den späteren Zutaten wieder
-herausschälen und bietet sich jetzt wesentlich in seiner alten Gestalt
-dem Auge dar. Das in Eichenholz kräftig und wirkungsvoll geschnitzte
-alte Gehäuse zeichnet sich durch reichen ornamentalen und figürlichen
-Schmuck aus. Es sei dabei einerseits auf die reizvolle und eigenartige
-Bildung der Wimperge mit ihren trefflich geschnitzten Krabben und
-Kreuzblumen, andererseits auf die figuralen Darstellungen, die sich
-in das abschließende Maßwerk der vorkragenden Sängerbühne einfügen,
-besonders hingewiesen: nicht nur Adam und Eva, sondern auch Wappenhalter
-mit den Nürnberger Wappen und allerlei Gestalten aus dem Volke, Ritter,
-Knechte, Bauern usw., finden sich hier in bunter Reihe angebracht. Die
-beiden unteren Konsolen tragen wiederum die beiden in Verbindung mit
-dem heiligen Sebaldus so oft wiederkehrenden Wappen; am Scheitel des
-Gewölbes, gewissermaßen als Schlußstein eine Teufelsfratze mit einer
-Zunge aus Leder, einem Bart aus Roßhaaren und einem Unterkiefer, der
-heute noch, wie ehedem, durch das Orgelwerk in Bewegung gesetzt wird.
-
-Die Ergänzungen, die bei der letzten Restaurierung nötig wurden,
-beschränken sich in der Hauptsache auf die Bretterbrüstung zu beiden
-Seiten des gleichfalls neuen Positivs, bei dem indessen einzelne
-alte Teile zur Verwendung kommen konnten, und auf die schmalen
-Maßwerkfüllungen unterhalb der großen seitlichen Register.
-
-Über die Wandmalerei zu beiden Seiten der Orgel, die mit dieser
-inhaltlich in Beziehung steht, ist oben bereits gehandelt worden.
-
-Die =kleine Orgel= im Westchor ist 1732 am 13. Oktober gestiftet von
-Konrad Nikolaus Overdik und dessen Gattin Ursula, geb. Ebermayr, »als
-Haus Orgel zu Unterhaltung der Andacht bey der heil. Comunion in dem
-Chor nach St. Sebald«. Die Geschichte der Orgel ist übrigens bisher
-nicht völlig klargestellt. Heute wird sie von einem Muffelschen Wappen
-bekrönt, zu dessen beiden Seiten man die Jahreszahl 1776 liest. Auch die
-beiden vergoldeten Monogramme auf der Rückseite der Orgel scheinen auf
-die Patrizierfamilie Muffel hinzudeuten.
-
-[Illustration: Abb. 119. Ebnersches Totenschild.]
-
-[Illustration: Abb. 120. Stromersches Totenschild.]
-
-[Illustration: Abb. 121. Details von den Chorstühlen im Ostchor.]
-
-[Illustration: Abb. 122. Details von den Chorstühlen im Ostchor.]
-
-Sonst ist von Orgeln nur bekannt, daß 1447 eine kleinere Orgel
-gestiftet, 1570 aber wieder entfernt wurde. Auch zum Jahre 1517 wird von
-der Stiftung einer kleineren Orgel durch Hans Stauber berichtet.[XX] Von
-den Silberdrahtziehern soll 1657 eine kleine Orgel gestiftet worden sein.
-
- [XX] Vgl. Hampe, Nürnberger Ratsverlässe. Bd. 1. Nr. 1101. 1108, 1109.
-
-=Glocken. Im nördlichen Turm:=
-
-1. =Die Betglocke.= Von Johann Weißenburger in Nürnberg 1391 gegossen.
-
-Halsinschrift:
-
- O REX GLORIE VENI CVM PACE LVCAS MARCVS MATHEVS JOHANNES AVE MARIA
- GRACIA PLENA DOMINVS TECVM BENEDICTA TV IN MVLIERIBVS ET BENEDICTVS
- FRVCTVS VENTRIS TVI AMEN VITA + INTER NATOS MVLIERVM NON SVRREXIT
- MAIOR IOHANNE BAPTISTA QVI VIAM DOMINO PREPARAVIT IN HEREMO FVIT
- HOMO MISSVS A DEO CVI NOMEN IOHANNES ERAT ORA [P=] NOBIS BTE AG.
-
-Fußinschrift:
-
- ANNO DOMINI MCCCLXXXXI HEC CAMPANA EST CXXXXVIII CENTENARIIS
- ACTA PER IOHANNEM WYSSENBVRGER IN N[.V]RBERG IN VIGILIA S[=T]I
- LAVRENCII M[=R]IS A DOMINO HEINRICO PREPOSITO DE VESTENBERG GENITO
- CONPARATA REX KASPAR REX BALTHEZAR REX MELCHIOR DEVS [PPI=]CIVS ESTO
- [P=]INTCESSIONEM B[=T]I AVGVSTI +.
-
-[Illustration: Abb. 123. Details von den Chorstühlen im Ostchor.]
-
-[Illustration: Abb. 124. Hallerscher Kirchenstuhl.]
-
-[Illustration: Abb. 125. Kirchenstuhl im Löffelholzchor.]
-
-Höhe (ohne Krone) 1·30 m.
-
-Die Betglocke heißt in den Chroniken wie ihre Vorgängerin auch
-»Benedicta«. Im Jahre 1600 sollte die jetzige Betglocke durch eine neue
-ersetzt werden. Eine Ausbesserung war jedoch noch möglich. Im Laufe des
-18. Jahrhunderts fanden mehrere Reparaturen statt.
-
-Nach Städtechroniken I, 357 wäre die alte Glocke erst 1392 »an unsers
-herrn leichnames abent« [12. Juni] geweiht worden.
-
-2. Eine =Glocke= aus dem zweiten Drittel des 14. Jahrhunderts.
-
-Halsinschrift:
-
- AVE MARIA GRACIA PLENA DOMINVS TECVM BENEDI. +.
-
-Höhe (ohne Krone): 0·88 m.
-
-3. Eine =Glocke= vom Jahre 1418.
-
-Halsinschrift:
-
- Anno domini mccccxviii anno gloria patri et filio et spiritvi sancto
- et Mariae +.
-
-Höhe (ohne Krone) 0·65 m.
-
-4. Eine =Glocke= aus dem ersten Drittel des 14. Jahrhunderts.
-
-Halsinschrift:
-
- MATHEVS MARCVS LVCAS IOHANNES MARIA +.
-
-Höhe (ohne Krone): 0·56 m.
-
-Die an zweiter Stelle angeführte Glocke des nördlichen Turmes, deren
-Inschrift den Englischen Gruß enthält, dürfte identisch sein mit der
-in den Chroniken genannten »Garausglocke«, eine von den beiden kleinen
-Glocken desselben Turmes mit dem »Vesperlein«.
-
-[Illustration: Abb. 126. Orgel im Ostchor.]
-
-Im =südlichen Turm=: 1. Die =Chorglocke=. 1324 gegossen.
-
-Halsinschrift:
-
- ANNO DNI MCCCXXIIII VOX EGO SVM VITE VOCO VOS ORARE VENITE XPO
- REGNAT +.
-
-Höhe (ohne Krone): etwa 1·20 m.
-
-2. Die =Sturmglocke=. Aus dem 14. Jahrhundert.
-
-Halsinschrift:
-
- TITVLVS TRIVMPHALIS NRI SALVATORIS IHC NAZARENVS REX JVDEORVM +.
-
-Höhe (ohne Krone): etwa 1·20 m.
-
-3. Die =Stundenglocke=, auch =Schlag- oder Uhrglocke= genannt. Im
-unteren Durchbruch des Helms. 1482 von Konrad Glockengießer gegossen.
-
- Halsinschrift: »sant sebolcz schlach glock pin ich hern ruprecht
- haller hern niclas grosen vnd hern gabriel nvczel den obersten
- haubtlevten gebart ich maister cvnrat glockengisser gos mich anno
- domini 1482 +«.
-
-Höhe (ohne Krone): 1·60 m.
-
-Gotteshauspfleger Ruprecht Haller der Ältere, Hans Tucher der Ältere
-und Kirchenmeister Sebald Schreyer hatten mit Meister Konrad dem
-Glockengießer vereinbart, daß er für den Zentner der Glocke 10-1/2 fl.
-rhein. erhalten und den Zentner der alten gesprungenen Uhrglocke für 8
-fl. nehmen solle. Er erhielt 1055 fl. rhein., nach Baader, Beiträge,
-I, 61 im ganzen 1380 Pfund 5 Schilling 8 Haller. Die Glocke wurde am
-20. Juni 1483 gewogen und hatte ein Gewicht von 100 Zentnern 56 lb.
-Näheres bei Baader, ferner in den Städtechroniken, V, 480 ff. und in dem
-Manuskript XL, 3 im Stadtarchiv Nürnberg.
-
-[Illustration: Abb. 127. Eisenbeschlag vom Brauttor.]
-
-[Illustration: Abb. 128. Eisenbeschlag vom Brauttor.]
-
-Die Uhrglocke hatte zwei Vorgängerinnen. Die ältere wurde 1383, als der
-Turm oberhalb der Sturmglocke einer Ausbesserung bedurfte, ausgebessert
-und ist 1396 gesprungen. Die jüngere wurde von Meister Heinrich
-Grünwalt noch in dem gleichen Jahre gegossen und hatte ein Gewicht von
-64 Zentner 66 lb; sie zersprang am 4. Mai 1482 ebenfalls. Ihre Inschrift
-lautete: »Ich Orglogck pin · des · Rats · zu · Nürmberg · eigen · hat
-· mich · erzeugt · als man · zalt · nach · Christj · geburt · M^{o}CCC^o
-· vnd · in dem · lxxxxvj Jar · in dem · Mayen · hat mich · begabt ·
-Heinrich · grünwalt · herr · got · hilff · mir · zu · Dir · +«.
-
-4. Die =Viertelstundenglocke=. Im oberen Durchbruch des Helmes. Laut
-Inschrift, welche nur bruchstückweise entziffert werden konnte, 1494 in
-Landshut gegossen.[XXI]
-
- [XXI] Über die Einführung des Viertelstundenschlagwerkes durch Ulrich
- Grundherr vgl. Vereinsmitteilungen. VII, S. 224. -- Zu dem
- Schießen des Jahres 1493 in Landshut, so erfahren wir daselbst
- aus Kunz Has' Gedicht, hatte der Rat Herzog Georg zu Ehren
- die freiwilligen Nürnberger Schützen mit einem roten Kleid
- bedacht. Sie zogen aus unter der Führung des Schützenhauptmanns
- Ulrich Grundherr, eines der sieben Älteren Herren, der das
- Schlagwerk, wahrscheinlich als Preis, mit heimbrachte. Wie aus
- einem Ratsverlaß vom 8. Oktober 1493 hervorgeht, beschloß der
- Rat »ein neues slahglöcklein, das zu einer jeden stund viermaln
- slahe«, gießen und bei St. Sebald aufrichten zu lassen, dann
- beschloß er am 19. Oktober, »ein zimeln [kleine Glocke] 5 oder
- 6 zentnern swer... machen ze lassen und oben in sant Sebolts
- turn uber die slagglocken ze henken und zu dem slahen der
- vierteil einer hore zu gebrauchen«... und endlich am 29. Januar
- 1494 »ein gut hell slahglocklein von gutem zeug zu bestellen
- und in den turn zu s. Sebald zu henken«. Es wurde demnach 1494
- das neue Viertelschlagwerk, wohl nach Muster des in Landshut
- erschossenen, errichtet.
-
-Höhe (ohne Krone) etwa 0·50 m. Unter dem »Zeigerlein« der Chroniken wird
-diese kleine Uhrglocke zu verstehen sein.
-
-Hier mögen schließlich die schönen Kunstschmiedearbeiten an den barocken
-Holzportalen Erwähnung finden (Abb. 127 und 128).
-
-
- 6. Altargeräte, Wandteppiche, Paramente.
-
-Die mit Einführung der Reformation veränderten liturgischen
-Verhältnisse ließen einen großen Teil des alten Kirchenschatzes
-überflüssig erscheinen. Bei dieser Gelegenheit verschwanden wohl eine
-Reihe von kostbaren Paramenten und Altargeräten. Denn daß solche
-in Menge vorhanden waren, wird man bei dem auf allen Gebieten der
-Kunst und des Kunstgewerbes betätigten Stiftersinn der Nürnberger
-Geschlechter ohne weiteres annehmen dürfen. Indessen blieb der gesamte
-Kirchenornat, d. h. die Meßgewänder -- also das Überflüssigste bei
-Ausübung der neugestalteten Gottesdienste -- ungeteilt erhalten.
-Erst 1810 hat in Nürnberg die protestantische Geistlichkeit den
-aus der vorreformatorischen Zeit herübergenommenen Kirchenornat
-mit dem schwarzen Talare vertauscht. Eine weitere Reduzierung des
-Kirchenschatzes wurde schon 1552 vorgenommen; es bezeugt dies ein im
-Kreisarchiv Nürnberg aufbewahrter »Bericht wegen derer silberner vnd
-guldener clainodien, so in S. Sebalts, Laurenzen vnd vnser frauen
-kirchen gewesen a^o 1552 verschmelczt vnd dann das gold vnd silber
-verkauft worden.« Auch diesmal blieb der Ornat noch verschont. Dagegen
-wurde zu Ende des 18. Jahrhunderts, sei es aus Mangel an Interesse, sei
-es aus Geldverlegenheit, gründlich mit dem Kirchenschatz aufgeräumt und
-nur das Allernotwendigste behalten. Selbst der vorgesetzten Behörde ging
-dieses Vorgehen zu weit. Das Ende langwieriger, fast fünfmonatlicher
-Verhandlungen vom 12. Oktober 1797 bis zum 3. Februar 1798, welche die
-Aufsichtsbehörde mit den für die Veräußerungen verantwortlichen Stellen
-führte, war eine Rüge, die sich Losungsamt und Rat gefallen lassen
-mußten. Damals waren auch die Meßgewänder abhanden gekommen.[XXII]
-
-[Illustration: Abb. 129. Silbervergoldeter gotischer Kelch mit
-durchbrochenen Ornamenten.]
-
- [XXII] In den Akten über diese Verhandlungen ist ein interessantes
- Schriftstück enthalten, eine »Copia Commissions-Decrets an das
- Löbl. Losungsamt d. d. 12. Dez. 1797«. Das Dekret lautet:
-
- Commissioni subdelegatae ist zu wissen erforderlich, welche
- Objecta seit dem unterm 10^ten Decbr. 1790 ergangenen höchst
- erforderlichen Reichshofraths-Concluso veräußert, welcher modus
- bei der Veräußerung beobachtet, ob der Erlöß noch vorhanden
- oder wozu derselbe verwendet worden, auch ob -- und welche
- annoch weiteres zu veräußern räthlich und thunlich sein mögte?
-
- Worüber ein löbl. Losung-Amt den ungesäumten Bericht zu
- erstatten, auch, wie sich nunmehr von selbst verstehet, ohne
- Anfrage bei der Kaiserl. Commission und deren ausdrückliche
- Erlaubnis eine weitere Veräußerung nicht vorzunehmen hat!
-
- =Nürnberg=, den 12. Dezbr. 1797.
- Von Kaiserl. Subdelegations-Commissions wegen.
- =Schrodt=
- Kaiserl. Subdel. Kommiss. Secretair.
-
-Von den auf uns gelangten =Altargeräten= sind hervorzuheben:
-
-=Meßkelch= mit =Patene= (Abb. 129). Kelchhöhe = 22 cm,
-Patenendurchmesser = 16·5 cm. Silber, vergoldet. Um 1500. Fuß
-sechspaßförmig mit abgestuftem Rand. Bis herauf zur Mitte der Cuppa mit
-durchbrochen gearbeiteten gegossenen Blattwerkornamenten überzogen und
-mit Steinen besetzt. An den schmalen freigebliebenen Teilen des Halses
-oberhalb und unterhalb des Nodus gravierte Ornamente. Kostbare Arbeit.
-
-=Meßkelch= mit =Patene=. Kelchhöhe = 19·5 cm, Patenendurchmesser =
-15·5 cm. Silber, vergoldet. Tuchersche Stiftung vom Jahre 1522. Nodus
-mit getriebenen und eingravierten Ornamenten. Fuß sechsblattförmig mit
-Horizontalprofilierung. Am Hals oberhalb und unterhalb des Nodus die
-Inschriften graviert: JHESUS und MARIA. An der Innenseite des Fußes das
-Wappen der Tucher mit der Jahrzahl 1522 graviert. Mit dem Beschauzeichen
-Nürnberg, ohne Marke. Siehe Marc Rosenberg, Der Goldschmiede
-Merkzeichen, 2. Aufl. 1911. Nr. 3059 o.
-
-=Zwei Kannen.= Höhe je 16 cm. Silber, vergoldet. 1643. Datierung an den
-kleinen Wappen am Ende des Griffes. Auf dem Deckel das Nürnberger und
-Grundherrsche Wappen. Beschauzeichen Nürnberg und Marke. Siehe Rosenberg
-a. a. O. Nr. 3226 a und b.
-
-=Zwei Kannen.= Höhe je 33 cm. Silber, vergoldet. Laut Inschrift 1658
-zum Abendmahlsgebrauch gestiftet von Wolfgang Endter dem älteren. Die
-betreffende Inschrift hat folgenden Wortlaut:
-
-»Wolfgang Endter der Elter, Buchhändler alhier übergiebt diese Zwo
-kannen sampt einem Kelch Paten, und oblaten schächtelein Zum Gebrauch
-des Heiligen Abendmahls, der jüngst verneüerten Kirchen zu S. Sebald mit
-Herzlichem wunsch das Gott die reine seligmachende Religion bei uns, bis
-an der welt ende unverfälscht erhalten wolle.
-
- Gott! Deine Gnad hat mir beschert
- Was ist zu Danckbarkeit verehrt.
- Am Palmsonntag im Jahr Christi 1658.«
-
-Beschauzeichen Nürnberg und Marke. Siehe Rosenberg, a. a. O. Nr. 3226 e
-und f.
-
-=Abendmahlskelch= mit =Patene=. Kelchhöhe 25·5 cm, Patenendurchmesser
-17·5 cm. Silber, vergoldet. Gestiftet von Wolfgang Endter dem Älteren
-1658 (siehe oben). Fuß sechsblattförmig mit Horizontalprofilierungen.
-Am Nodus und am Fuß Gravierungen: am Nodus Blumenornamente, am Fuß
-Engelsköpfe, außerdem Blattfriese und Fruchtkränze. Auf dem Boden des
-Kelches eingraviert die Wappen des Stifters und seiner Ehegattin,
-gehalten von einem Engel, darüber die Jahrzahl 1658.
-
-Mit dem Beschauzeichen Nürnberg und Marke. Siehe Rosenberg, a. a. O. Nr.
-3226 g.
-
-Auf der Rückseite der Patene ist, von einem Kranz umrahmt, das Wappen
-des Stifters graviert, auf dem Rande ein Kreuz.
-
-[Illustration: Abb. 130. Sanduhr (ehemals an der Kanzel).]
-
-=Krankenkelch= mit =Patene=. Kelchhöhe 17 cm, Patenendurchmesser 10 cm.
-Silber vergoldet. Gestiftet von Joachim Kern und dessen Ehefrau 1675.
-Fuß sechsblattförmig. An der Rückseite des Fußrandes die eingravierte
-Inschrift: »Joachim Kern und dessen Ehewürthin Catharina 1675.«
-
-Beschauzeichen Augsburg und Marke JV (oder M?).
-
-=Etui= mit =Löffel=. Etuilänge 17 cm, Breite 4·5 cm. Beides Silber,
-teilweise vergoldet. Um 1700. An der Seite und am Deckel des Etuis
-gepunzte Darstellungen der Leidenswerkzeuge, ferner auf dem Deckel
-getriebenes Kruzifix, wovon der rechte Arm fehlt. Darüber in Gravierug
-der Hahn.
-
-Beschauzeichen Nürnberg und eine Meistermarke, die sich aus einem I, V
-und N zusammenzusetzen scheint.
-
-=Klingelbeutel.= An der Vorderseite die Gruppe Christus am Kreuz
-mit Maria Magdalena aus gegossenem und ziseliertem Silber. An der
-Rückseite rundes Schild von Silberblech, darauf das Monogramm AMM
-(ineinandergestellt) und die Jahrzahl 1723 graviert. Durchmesser des
-Schildes 6 cm. Beutel von neuem rotem Samt.
-
-=Hostienbüchse=, rund. Durchmesser 13·5 cm, Höhe 9·5 cm. Silber,
-vergoldet. Auf dem Deckel eingraviert das Bild des hl. Sebald und: 'M.
-M. W. 1744.'
-
-Beschauzeichen Nürnberg und undeutliche Marke.
-
-=Zwei Abendmahlskelche= mit =Patenen=. Kelchhöhe 28 cm,
-Patenendurchmesser 18 cm. Silber, vergoldet. Rokoko. Getriebene
-wellenförmige Ornamente an Cuppa, Nodus und Fuß. Fußrand mit
-Horizontalprofilierungen. Um 1755.
-
-Beschauzeichen Nürnberg und Marke. Siehe Rosenberg, a. a. O. Nr. 3275 b
-und c.
-
-[Illustration: Abb. 131. Leuchterengel (Hauptaltar).]
-
-=Taufbecken= mit =Kanne=. Taufbecken oval 46·5 × 34·5 cm, Kannenhöhe
-21 cm. Silber. Um 1755. Mit getriebenem Wellenornament.
-
-Beschauzeichen Nürnberg und Marke. Siehe Rosenberg, a. a. O. Nr. 3204.
-
-=Sanduhr.= (Abb. 130.) Viereckiger Behälter mit vier Uhren: 1/4, 2/4,
-3/4 und 4/4. Gehäuse 32 × 26 cm. Silber. Mit zwei Holzschuherschen
-Wappen. Oben und unten:
-
- »17 Fr. M. M. M. H. v. H. 81«
- und »17 Fr R. H. H. v. H. 81«.
-
-Die Ornamente gegossen und ziseliert, das übrige getrieben. 1906 auf der
-Historischen Ausstellung der Stadt Nürnberg, vgl. Katalog Nr. 166.
-
-=Kanne=, den beiden 1658 von W. Endter gestifteten Kannen nachgebildet.
-H. 34 cm. Silber, vergoldet. Laut Inschrift 1838 gestiftet von Therese
-Rohrmann, Witwe des Kaufmanns und Marktadjunkten Georg Peter Rohrmann.
-Vorne Spruch Joh. XV, 5.
-
-Beschauzeichen Nürnberg und Marke G (?).
-
-Ferner befinden sich in der südlichen Sakristei noch zwei kleine alte
-=Messingleuchter= ohne künstlerische Bedeutung.
-
-=In der nördlichen Sakristei=:
-
-=Zwei Altarleuchter.= H. 76·5 cm. Silber. Modern gotisch um 1830. Basis
-sechseckig, auf sechs Drachen ruhend. Schutzteller mit Zinnen, von
-Krabben getragen.
-
-=Auf dem Hauptaltar=:
-
-=Altarkruzifix.= H. 1·28 m. Der Kruzifixus aus Silber gegossen und
-ziseliert, Kreuz und Sockel Holz. Um 1700. Vorzügliche Arbeit.
-
-=Zwei Altarleuchter in Gestalt von Kerzen haltenden Engeln= (Abb. 131).
-Höhe der Figuren ohne Leuchter und Flügel 39·0 und 39·5 cm. Gegossen,
-massives Silber, vergoldet. Auf jedem das Volckamersche Wappen. Kostbare
-Arbeiten aus der Zeit um 1490.
-
-Zwei Paare gedrechselter und ein Paar zum Teil gedrechselter, zum Teil
-gegossener =Messingleuchter=; das letztere Paar aus der Barockzeit.
-
-=Auf den Rückwänden zu den Seiten des Hauptaltares= zwei holzgeschnitzte
-und bemalte, insbesondere reich vergoldete knieende =leuchtertragende
-Engel= auf Postamenten, der eine eine vortreffliche Arbeit aus der Zeit
-um 1500, der andere (rechts vom Hochaltar) eine moderne Kopie von jenem
-im Gegensinne.
-
-=Auf dem Löffelholzaltar=:
-
-=Altarkruzifix.= H. 1·31 m. Der Kruzifixus aus gegossenem und
-ziseliertem Silber, Kreuz und Sockel Holz mit reichem Silberbeschlag, an
-der Vorderseite ein sich aus M und W zusammensetzendes Monogramm. Gute
-Arbeit aus der Mitte des 17. Jahrhunderts.
-
-=Vier messinggedrehte Leuchter=, darunter zwei gleiche mit
-Löffelholzischen Allianzwappen und der Jahreszahl 1696 (auf einem
-querovalen Schildchen am Fuße).
-
-=Auf dem Muffelaltar= ein Paar kräftige gedrehte =Messingleuchter=, je
-mit dem Muffelschen Wappen am Fuße.
-
-=Auf dem Petrusaltar= ein Paar einfache gedrechselte =Messingleuchter=.
-
-=Auf dem Tucheraltar= ein Paar gedrungene messinggedrechselte =Leuchter=
-mit dem Wappen der Schnecken (2 gekreuzte Lanzenspitzen) je an ihrem
-Fuße.
-
-=Auf dem Halleraltar= und gegenüber vor der Adam Kraftschen
-Kreuzschleppung vier gleiche einfach gedrechselte =Messingleuchter=.
-
-Besonders hervorzuheben ist hier sodann noch die über der Tucherschen
-Begräbnisstätte, vor den Gedenktafeln dieses Geschlechtes aufgehängte
-=Ewiglichtlampe= aus Messing, deren Körper durchbrochen gearbeitet und
-mit schön stilisiertem Blattwerk und drei Tucherschen Wappen reich
-graviert ist. Drei groteskenartige weibliche Halbfiguren, ebenfalls aus
-Messing gegossen, stellen die Verbindung zwischen dem Körper der Lampe
-und dem Gehänge her. 16. Jahrhundert.
-
-Einige hölzerne =Barockkruzifixe und sonstige Altargeräte= sind von
-keiner künstlerischen Bedeutung.
-
-=Im Germanischen Nationalmuseum= endlich wird heute aufbewahrt:
-
-Der »=Dilherrsche=« =Pokal=. Vom Jahre 1635 (?). Silber, vergoldet.
-H. mit Deckel 47·5 cm. Am Fuß, an der Cuppa und am Deckel getriebene
-Blumen- und Rankenornamente, an der Cuppa außerdem noch Engelsköpfe und
-in Medaillons drei figürliche Darstellungen des Sündenfalles. Den Hals
-bildet die gegossene und ziselierte Figur eines Engels, welcher einen
-Totenkopf hält. Auf dem Deckel die Erdkugel mit Schlange, darauf der
-auferstandene Christus. Inschriften sind über den ganzen Pokal verteilt.
-Der Pokal soll ein Geschenk des Rates der Stadt Nürnberg an den Pfarrer
-J. M. Dilherr von St. Sebald sein.
-
-Ausführliche Beschreibung bei Essenwein, Einige Gold- und Silbergefäße
-aus dem Schatze im Germanischen Museum. In den »Mitteilungen aus dem
-Germanischen Nationalmuseum«. II, 1887, S. 45. Vgl. auch Rosenberg, a.
-a. O. Nr. 3188 d.
-
-
- Wandteppiche.
-
-Ein weitaus besseres Schicksal als die Paramente erfuhren die
-Wandteppiche, mit denen die Kirche reich ausgestattet war. Außer den
-vorhandenen zehn Gobelins existiert noch einer vom Jahre 1477 aus dem
-ehemaligen Kirchenbesitz, der auf Umwegen wieder in die Hände der
-Stifterfamilien gelangt ist[XXIII]; und noch zwei weitere Stücke dürften
-sich im 15. Jahrhundert den übrigen angereiht haben: eine Fortsetzung
-der Katharinenlegende und ein Gegenstück zum Sebaldusgobelin.
-
- [XXIII] Von einem der Teppiche, welche zur Schmückung der Gräber
- vorhanden waren, erzählt Baron Christoph v. Tucher a. a. O. S.
- 55: »Die Grabteppiche anlangend findet sich im Salbuch Hans
- VI. Tuchers de A^o 1477, welches in seinem vierten Teil sich
- ebenfalls über die von dem ältesten Tucher auszurichtenden
- Stiftungen verbreitet, am Schluß eine eigenhändige Notiz des
- Besitzers von folgendem Wortlaut:
-
- »Anno MCCCCLXXVII ad XXVI matzo so haben wir Pertold und Hans
- Tucher senior geprüder und Anthony und Langhans Tucher von
- unser geselschaft gekauft ein grabtebich mit dem englischen
- grus, der kost hott 14 guld. rh. und für das Tucher wappen
- darauf und zu füttern kost 2 gulden. Den thebich soll fürpaß
- albeg der eltist Tucher, der die jartag ausricht, pei seinen
- handen gehalden zu denselben jahrtagen.«
-
- »Dieser Teppich kam im Jahre 1884 in den Besitz der
- Antiquitätenhändler Rösch und Zimmermann dahier, wo ich
- ihn sah und für meinen Bruder Heinrich [Heinrich Freiherr
- v. Tucher Exzellenz, jetzt K. Bayer. Gesandter in Wien] um
- 4000 M kaufte. Dieser ließ ihn in den Werkstätten (fabbrica
- degli arrazzi) des Vatikans unter Cavaliere Centili für 1250
- Lire renovieren und hat mit dem ehrwürdigen Familienmonument
- von wunderbarer Schönheit eine Wand seines Arbeitszimmers
- verkleidet. Heute ist der Teppich unter Kennern gewiß 20.000
- M. wert.«
-
-[Illustration: Abb. 132. Gobelin mit Darstellungen aus der Legende des
-hl. Sebald.]
-
-[Illustration: Abb. 133. Gobelin mit Darstellungen aus der Legende des
-hl. Sebald.]
-
-Die Darstellungen sind meist dem Marienleben und den Legenden der
-beliebtesten Heiligen der Kirchengemeinde Sebald, Katharina und Helena,
-entnommen; ein Wandteppich erzählt vom »Verlorenen Sohn«, einer vom
-alten Testament.
-
-Der Entstehungszeit nach zerfallen die Teppiche bis auf einen 1497
-gestifteten Gobelin in zwei Hauptgruppen. Zur ersten Gruppe aus dem
-Beginne des 15. Jahrhunderts, für welche außer der charakteristischen
-Formensprache in der Regel eine stärkere Belebung des Hintergrundes
-mit Architektur und Landschaft bezeichnend ist, zählt auch als später
-Ausläufer der um 1450 entstandene Mariengobelin. Der zweiten Gruppe nach
-der Mitte des 15. Jahrhunderts ist bei klarer Disposition der Figuren
-dunkelfarbiger Hintergrund mit ornamental stilisierten Blumen und
-Pflanzen eigen.
-
-Über den Entstehungsort ist nichts Bestimmtes bekannt. Er ist jedenfalls
-in Nürnberg zu suchen, vermutlich in einem der beiden Frauenklöster St.
-Klara und St. Katharina. Auffällig ist, daß nachweisbar drei Teppiche
-der zweiten Gruppe allein von den Tuchern gestiftet worden sind.
-
-=Wandteppich mit sieben Darstellungen aus der Legende des hl. Sebald=
-(Abb. 132, 133). Um 1410. Mit Inschrift über den Darstellungen: der
-Leichnam des hl. Sebald schlägt einem Mönch, der ihn verhöhnt, ein
-Auge aus: »hi... ein münch sant sebolt tod leichna slug [=i] [=e] aug
-aus«[XXIV]; einer Frau, welche eine abgebrochene Kerze an der Bahre des
-hl. Sebald wieder aufrichtet, springt der zur Buße um den Arm getragene
-Ring: »hie pring [=e] fraw sant sebolt kertz[=e] die eise... fiell[=e]
-ir ab«; die Leiche des hl. Sebald wird von Ochsen gefahren: »hi zich[=e]
-ochs[=e] S sebolt leichn[=a] von popp[=e]reut g[=e] nurberg«; der
-vertauschte Käse, welchen eine Frau am Grabe des hl. Sebald opfert,
-wird in einen Stein verwandelt: »hie verwexelt fraw [=e] kes der wardt
-zu [=e] stain«; Pilger nehmen die sie überfallenden Räuber gefangen mit
-nach Rom: »hie fieng[=e] pilger[=e] die rauber und prochtens mit in gen
-rom«; die Räuber überfallen die Pilger wiederholt, aber St. Sebald lähmt
-sie: »hie wollen sie die pilger beraubt haben do erkrumpt sie«; St.
-Sebald erscheint Schiffbrüchigen: »hie wollten leut ertrincken do kam
-in S sebolt zu hilf«. Die Reihe der Darstellungen hat sich ursprünglich
-noch fortgesetzt. L. 7·28 m, H. 1·01 m. Als Hintergrund Architektur
-und Landschaft. Die Darstellungen sind äußerlich nicht getrennt. Mäßig
-gut erhalten, doch, insbesondere die braunen Fäden, durch Insekten zum
-Teil herausgefressen. Zu diesem Gobelin hat wahrscheinlich einer mit
-Darstellungen der Wunder des hl. Sebald vor seinem Tode als Gegenstück
-existiert.
-
- [XXIV] Siehe Cod. lat. 901, f. 118-135 und Cod. lat. 23.877, f. 182 ff.
- der Kgl. Hof- und Staatsbibliothek in München.
-
-=Wandteppich mit sechs Darstellungen aus dem Alten Testament.= Um 1410.
-Darstellungen: Adam und Eva im Paradies, Vertreibung aus dem Paradies,
-Samson bezwingt den Löwen, Samson wird von Delila überlistet, Bathseba
-und David, David und Michal(?). Ohne äußerliche Trennung. L. 4·30 m, H.
-0·63 m. Hintergrund blau mit Architektur und Landschaft.
-
-=Zwei Wandteppiche mit Darstellungen aus der Legende der hl. Katharina.=
-Um 1420. Die Schrift über den Darstellungen teilweise erhalten. 1.
-=Acht Darstellungen=: Wunderbare Erscheinung des Kreuzes: »hi sahen
-die heinischen (!) meister ein czeichen am himel«; Opferung von
-Weihgeschenken: »dez heiligen creuz daz erten si mit güter«; Geburt der
-Katharina: »hi wart sancta katterina geporn«; religiöse Erziehung: »hi
-bart si gelert daz si dem kreuczigten got solt din«; Unterricht durch
-den Einsiedler: »hie lert si der einsidel daz si xpm...«; Maria mit dem
-Jesuskind (Fragment); Taufe der Katharina; mystische Verlobung mit dem
-Jesuskind. Die erste Darstellung ist möglicherweise nicht der Anfang des
-Ganzen, denn vor der Schrift jener Darstellung finden sich die Worte:
-»[St. Cath]erina leb[=e]«. L. 7·43 m, H. (mit Schrift) 0·92 m. 2. =Vier
-Darstellungen=: Katharina vor dem Kaiser Maxentius, Disputation mit den
-Philosophen, Katharina tröstet die wegen ihrer Bekehrung zum Feuertode
-verurteilten Weisen, Katharina wird gegeißelt. Fragment. Schrift fehlt.
-L. 4·95 m, H. 0·82 m. Hintergrund blau mit Architektur und Blumen. Die
-Darstellungen sind äußerlich getrennt. Gut erhalten, doch das Braun
-wiederum zum Teil herausgefressen.
-
-[Illustration: Abb. 134. Gobelin mit Darstellungen aus dem Marienleben.]
-
-=Wandteppich mit zwei Darstellungen der Kreuzauffindung durch die hl.
-Helena.= Rummelsche Stiftung. Um 1420. Darstellungen: Die hl. Helena in
-Gegenwart des Kaisers Konstantin und des Gefolges bezeichnet den Platz,
-wo gegraben werden soll; von den drei gehobenen Kreuzen wird das Kreuz
-Christi an der Wunderwirkung der Auferstehung eines Toten erkannt. Unten
-links das Wappen der Rummel, rechts das Wappen der Haller. L. 1·80 m, H.
-0·85 m. Hintergrund dunkelblau, mit ornamentierten Zweigen belebt; im
-Vordergrund Blumen. Die beiden Szenen sind äußerlich nicht getrennt.
-
-=Wandteppich mit drei Darstellungen aus dem Marienleben= (Abb. 134). Um
-1450. Hallersche Stiftung. Links Verkündigung, in der Mitte Heimsuchung,
-rechts Geburt Christi. Äußerlich abgeteilt. L. 1·81 m, H. 0·88 m.
-Architektur und Landschaft als Hintergrund. Das Allianzwappen der Haller
-mit dem der Pfinzing und Schürstab in der mittleren Darstellung. Weniger
-gute Arbeit.
-
-=Zwei Wandteppiche mit Darstellungen aus der Parabel des Verlorenen
-Sohnes.= Tuchersche Stiftung. Um 1460. 1. =Fünf Darstellungen=:
-Der Jüngling auf schlechtem Lebenswandel (?), er wird von Weibern
-fortgejagt, weibliche allegorische Figur mit den Wappen der Tucher und
-Stromer, der Jüngling hütet Schweine, er kehrt zurück. L. 3·85 m, H.
-0·63 m. 2. =Vier Darstellungen=: Zu Ehren des Wiedergefundenen wird ein
-Kalb geschlachtet und ein Festmahl gehalten, der vom Feld heimkehrende
-ältere Bruder erkundigt sich bei Zimmerleuten nach dem Vorfall und
-weigert sich, an dem Festmahl teilzunehmen. Auf der letzten Darstellung
-rechts oben das Tuchersche und unten das Stromersche Wappen. L. 3·14 m,
-H. 0·63 m. Hintergrund dunkelblau mit Bäumen und anderen stilisierten
-Pflanzen, im Vordergrunde Blumen. Die Darstellungen sind durch Säulen
-getrennt. Vorzügliche Arbeit.
-
-[Illustration: Abb. 135. Gobelin mit Darstellung der Geburt Christi,
-1495.]
-
-[Illustration: Abb. 136. Mittelstück des Gobelins von 1495.]
-
-=Wandteppich mit zwei Darstellungen der Grablegung einer Heiligen=
-(Katharina?). Um 1460. Tuchersche Stiftung. Links: der Leichnam wird
-von schwebenden Engeln gebracht; rechts: der Leichnam wird von den
-Engeln ins Grab gesenkt. Ohne äußerliche Trennung. L. 1·72 m, H. 0·78 m.
-Hintergrund blau mit Blumen und Bäumen. Unten in der Mitte die Wappen
-der Tucher und Stromer.
-
-=Wandteppich mit der Darstellung der Geburt Christi und vier Heiligen=
-(Abb. 135, 136) über dem Hauptaltar. Laut Inschrift vom Jahre 1497. Die
-Darstellung der Geburt Christi mit Anbetung der Hirten und Engel in der
-Mitte, seitlich abgeschlossen durch je eine Säule, links die Heiligen
-Barbara und Johannes der Täufer, rechts ein heiliger Mönch mit Stock und
-Buch und die hl. Katharina. L. 3·04 m, H. 0·85. Als Hintergrund reiche
-Landschaft. Starke Verwendung von Gold. Oben rechts die Buchstaben D. S.
-Vorzügliche Arbeit. Der Gobelin soll ursprünglich beim Muffelschen Altar
-an der Wand gehangen haben.
-
-[Illustration: Abb. 137. Katharinenstatue. Vom Portal des südlichen
-Seitenschiffes.]
-
-=Kanzelbekleidung=: L. 3·47 m, H. 1·13 m. Seide. Karmoisin, klein
-gemustert. Unten Ornamentstreifen (H. 17 cm) und in der Mitte
-Wappenschild (H. 48·5 cm, Br. 45·5 cm) mit Auferstehung Christi.
-Applikationsstickerei. Vom Jahre 1643. Auf der Rückseite Pergament
-aufgenäht: »Achatius Hilling von Elnbogn Burger vnd Handelsmann in
-Nürnberg vnd Sabina deßen Ehew: eine geborne Waldmannin, verehrten auß
-Gottseel: Eifer in die Pfarrkirch S: Sebaldi dieße Cantzeldeck, d.
-21. Dec: Ao. 1643«. Mit zugehörigem Überhangstreifen aus dem gleichen
-Seidenstoff. 3·50 m lang, 0·30 m hoch.
-
-=Kanzelbekleidung=: L. 3·40 m, H. 1 m. Grüner, klein gemusterter
-Seidendamast mit grünen Seidenfransen. In der Mitte ein Kruzifixus
-in reicher farbiger, zum Teil in Gold gehaltener, sehr erhabener
-Applikationsstickerei. 17. Jahrhundert. Hierzu ein Überhangstreifen aus
-dem gleichen Seidenstoff, ebenfalls mit Fransen. 3·75 m lang, 0·30 m
-hoch.
-
-=Antependium= zum Tucheraltar: L. 2 m, H. 0·80 m. Großes rotes
-Rankenornament auf orangefarbenem, klein gemustertem Seidenstoff. 18.
-Jahrhundert; wohl italienische Arbeit. Unten rechts ist ein kleines,
-altes gesticktes Tucherwappen aufgenäht. Stiftung des Freiherrn Heinrich
-von Tucher.
-
-=Antependium= zum Hauptaltar: L. 4·30 m, H. 0·95 m. Roter Seidendamast
-mit großem Granatapfelmuster und rotem Fransenbesatz. Italienisch, 19.
-Jahrhundert. Links unten das Tuchersche Wappen zwischen den Buchstaben
-C und T und die Jahreszahl 1897 in Stickerei. Stiftung des Freiherrn
-Christoph von Tucher.
-
-=Antependium= vom Muffelaltar: L. 2·40 m, H. 0·75 m. Schwerer
-roter Seidendamast mit Blumenmuster und rotseidenem Fransenbesatz.
-Italienisch, 17.-18. Jahrhundert. In der Mitte unten ist ein auf
-Pergament gemaltes Muffelsches Allianzwappen mit der Jahreszahl 1704
-aufgeklebt.
-
-=Zwei Stücke eines Altarbehanges=: Je 2·50 m lang und 0·80 m hoch.
-Buntfarbige Seidenstickerei mit in Wellenlinien angeordneter Musterung
-und breiter Borte, die durch stilisiertes Blumen- und Rankenwerk
-gemustert ist. Bunte Seidenfransen. 18. Jahrhundert. Hierzu noch ein
-Stück der gleichen Borte. 1·85 m lang; 0·30 m breit.
-
-=Antependium am Löffelholzaltar=: L. 2·90 m, H. 0·80 m. Roter Sammet mit
-Goldborte. In der Mitte unten ein Löffelholzisches Allianzwappen und die
-Jahreszahl 1772 in Stickerei.
-
-=Antependium am Halleraltar=: L. 2 m, H. 0·90 m. Roter verschossener
-Seidendamast mit großen Blumen gemustert. In der Mitte unten ein
-Allianzwappen und die Jahreszahl 1746 in Stickerei.
-
-=Antependium= an der Mensa unterhalb der Kraftschen Kreuztragung: L.
-1·90 m, H. 0·90 m. Ähnlicher verschossener roter Seidendamast mit
-Blumengirlanden als Muster. In der Mitte unten die gleichen Wappen, doch
-umgestellt, und die Jahreszahl 1743 in Stickerei.
-
-=Antependium am Tucheraltar=: L. 2·30 m, H. 0·85 m. Roter Sammet mit
-Goldborte. In der Mitte unten ein Wappen der Tucher in Stickerei. Stoff
-und Borte 18. Jahrhundert.
-
-[Illustration: Abb. 138. Kopf der Katharinenstatue vom Portal des
-südlichen Seitenschiffes.]
-
-[Illustration: Abb. 139. Lapidarium in der westlichen Krypta.]
-
-=Antependium am Petrusaltar=: L. 3·60 m, H. 1·05 m. Grüngelber,
-klein gemusterter Seidendamast mit Fransenbesatz. In der Mitte unten
-Endter-Allianzwappen und die Jahreszahl 1753 in Stickerei.
-
-=Antependium am Muffelaltar=: L. 2·30 m, H. 0·85 m. Bordeauxfarbiger,
-klein gemusterter Seidendamast mit Fransenbesatz. In der Mitte unten ein
-Kressisches Allianzwappen und die Jahreszahl 1753 in Stickerei.
-
-Außer diesen Paramenten werden in der Kirche noch einige Reste von
-älteren Damaststoffen und Sammeten sowie Borten aufbewahrt. Zur
-Bekleidung des Hauptaltares und der Kanzel außerhalb der Festzeiten
-dienen neuere Behänge aus rotem Sammet.
-
-
- 7. Sammlung alter Skulpturen und Baureste. -- Büchersammlung.
-
-Die Sebalduskirche besitzt eine =Sammlung von alten Skulpturen,
-Bauresten und technischen Modellen=, die während der letzten
-Wiederherstellung von Prof. Schmitz angelegt wurde und zu ihr in
-Beziehung steht. Die Gegenstände sind an drei verschiedenen Orten
-untergebracht.
-
-Zunächst beanspruchen unsere Aufmerksamkeit mehrere zum Teil
-überlebensgroße Steinfiguren im nördlichen Seitenschiff neben der
-Turmhalle. Es befinden sich darunter Sebaldus und Maria vom Brauttor,
-Petrus und Katharina (Abb. 137, 138) vom südlichen Seitenschiffportal
-sowie andere Statuen aus Stein, die teils wegen ihrer fortgeschrittenen
-Verwitterung, teils, weil ihre Verwitterung in Bälde zu befürchten war,
-an diesen geschützten Ort verbracht und am Gebäude selbst durch Kopien
-ersetzt wurden.
-
-Das Lapidarium in der westlichen Krypta (Abb. 139) enthält sodann eine
-große Anzahl originaler Steinreste, welche ebenfalls für die während der
-Wiederherstellung erneuerten Bauteile als Vorbilder und Anhaltspunkte
-dienten. Aus der romanischen Zeit finden sich Kapitäle, Bogenfriese,
-Säulen und andere zum Teil reich skulptierte Werkstücke, aus der
-gotischen Zeit eine Reihe von sehr wertvollen Konsolen, Kapitälen,
-Baldachinen und anderen architektonischen Details. Daneben sind die
-Originale verschiedener erneuerter Epitaphien (darunter die Auferweckung
-des Lazarus von Veit Stoß) sowie mehrerer kleinerer Steinfiguren
-aufgestellt, auch andere interessante alte Bauteile, als Dachendigungen,
-Dachdeckungsmaterialien, der Rest eines romanischen Fußbodens sowie
-merkwürdige Probestücke mittelalterlicher Bautechnik wie späterer
-Restaurationen.
-
-[Illustration: Abb. 140. Auferweckung des Lazarus. Relief vom südlichen
-Seitenschiff (jetzt in der Bausammlung).]
-
-[Illustration: Abb. 141. Übermalter Holzschnitt in einem der Exemplare
-des »Liber missalis«, Bamberg 1490.]
-
-[Illustration: Abb. 142. Randverzierung in Miniaturmalerei in einem der
-Exemplare des »Liber missalis«, Bamberg 1490.]
-
-Eine Fortsetzung findet diese Sammlung in den im Obergeschoß der
-nördlichen Sakristei in Schränken und Vitrinen aufgestellten
-Gegenständen. Hier sehen wir zunächst kleinere Fundstücke, u. a. einen
-in der Türmerstube aufgefundenen Frauenschuh des 15. Jahrhunderts
-(Duplikate desselben besitzen das Germanische Museum und das Bayrische
-Nationalmuseum in München), altes Steinwerkzeug sowie sehr wertvolle
-Reste von mittelalterlichen Freskomalereien, welche ehemals die Wand
-hinter dem Marienbilde Hans von Kulmbachs oberhalb der Tucherschen
-Chorstühle schmückten (s. o., S. 176).
-
-Handelt es sich bisher um Originalstücke, so reiht sich diesen nunmehr
-im gleichen Raume neben einer Anzahl von Plänen und Photographien
-eine Sammlung von künstlerischen und technischen Modellen der letzten
-Wiederherstellung an. Die 1899 erfolgte Ausgrabung der Ostchorkrypta
-ist in einem Modell anschaulich dargestellt. Von den ausgeführten
-schwierigen konstruktiven Arbeiten dieser Zeit geben diese in kleinem
-Maßstabe als Studienmodelle sehr sorgfältig gefertigten Darstellungen
-ein interessantes und übersichtliches Bild. Da sie für eine Reihe von
-Detailfragen der Denkmalpflege die seitens der wiederherstellenden
-Architekten gewählte Methode zeigen, so bilden sie gewissermaßen ein
-kleines, aber eigenartiges Denkmalpflegemuseum, in dem für andere Fälle
-schätzenswerte Erfahrungen aufgehoben sind.
-
-Gelegentlich des Denkmalpflegetages 1905 war die Sammlung in der
-Moritzkapelle, die sie ganz ausfüllte, vereinigt und erfreute sich eines
-regen Interesses der sachverständigen Teilnehmer. Ein erläuterndes
-Schriftchen dazu verfaßte Dr. E. Reicke, Kustos an der Stadtbibliothek
-und am städtischen Archiv zu Nürnberg. Druck von J. L. Stich.
-
-[Illustration: Abb. 143. Miniaturmalerei in einem der Exemplare des
-»Liber horarum«, Bamberg 1501.]
-
-Erscheint es durchaus veranlaßt, daß sowohl die alten wie die neuen
-Teile der beschriebenen Sammlung in der Kirche selbst -- zu der sie in
-engster Beziehung stehen -- verbleiben, so muß doch bedauert werden, daß
-es an einer Pflege der Sammlung, welche vor allem katalogisiert werden
-sollte, fehlt. Es ist zu fürchten, daß die in der Krypta und Sakristei
-untergebrachten Gegenstände über kurz oder lang in Verlust geraten oder
-verkommen.
-
- * * * * *
-
-Außerdem befindet sich im Besitz der Kirche noch eine $Büchersammlung$
-von einigen hundert Bänden, die an vier verschiedenen Orten:
-im Pfarrhaus (der größte und wichtigste Teil der eigentlichen
-Kirchenbücher), im Muffelschen Altar (auch im wesentlichen
-Kirchenbücher, darunter auch einige Bände »Verkündigungen« und
-»Kindertüchlein«-Bücher), in der nördlichen Sakristei und in einem
-Schrank des kleinen Museums über dieser Sakristei (Sebald Schreyersche
-Manuskripte, alte Drucke usw.) aufbewahrt werden.
-
-Die Ehebücher beginnen bei St. Sebald mit dem Jahre 1524, die Taufbücher
-1533, die Totenbücher 1547. Die letzteren liegen etwa vom Ende des 17.
-Jahrhunderts an größtenteils in zwei Niederschriften vor und ihr Inhalt
-wiederholt sich außerdem noch einmal in den Totenbüchern des Königlichen
-Kreisarchivs.
-
-Unter den übrigen Handschriften sind von erheblichem historischem
-Interesse namentlich noch die Rechnungsbücher, die Sebald Schreyer als
-Kirchenmeister von St. Sebald geführt hat. Zwei derselben betiteln sich:
-»Einnemen S. Schreyers der zins vnd gült«; das eine reicht von 1482 bis
-1491, das andere von 1491 bis 1503. Ein drittes inhaltlich besonders
-interessantes Manuskript ist überschrieben: »Rechnung einnemens und
-ausgebens S. Schreyers von 1482 jar untz in das 1494 jar«. Es ist ein
-Folioband, während jene Schmalfoliobände sind. Alle drei Bücher sind in
-Schweinsleder gebunden, mit Granatapfelmusterpressung verziert und mit
-Messingecken und hübschen Messingschließen versehen.
-
-Ein Perpamentmanuskript, das die Legende des hl. Sebald enthält,
-gepreßter Schweinslederband in 2º mit zwei Ketten, auf der ersten Seite
-eine gute, doch etwas verdorbene Miniatur (St. Sebald darstellend),
-Ende des 15. Jahrhunderts, sowie ein Buch mit Gebeten und Hymnen, 1534
-geschrieben, Klein-2º, sind von geringerer Bedeutung.
-
-Auch unter den Drucken sind die auf Sebald Schreyer zurückgehenden,
-d. h. durch eine Stiftung dieses bedeutenden Kunstfreundes an die Kirche
-gekommenen die wertvollsten. Es sind ausweislich der kalligraphisch
-eingeschriebenen Widmungen:
-
-»Liber missalis«. Bamberg, Johann Sensenschmidt und Heinrich
-Petzensteiner, 1490, 2º. Drei auf Pergament gedruckte und mit Initialen
-(auf Goldgrund) in Handmalerei (Abb. 141, 142) auf das reichste
-geschmückte vortrefflich erhaltene Exemplare. Gleichzeitige gepreßte
-braune Ledereinbände mit Messingbeschlägen.
-
-»Liber horarum« (Pars maioris breviarii hyemalis). Bamberg, Joh.
-Pfeyl, 1501, 2º. Drei ebensolche Exemplare (Pergamentdrucke) mit
-reichem handgemaltem Initialenschmuck (Abb. 143), deren jedes überdies
-auf dem Widmungsblatte noch eine treffliche, etwa dreiviertel der
-Seite einnehmende Miniaturmalerei aufweist, zweimal Paul Volckamer
-als Mitstifter und Sebald Schreyer zu den Seiten des heiligen
-Sebald, im dritten Exemplar Sebald Schreyer und seine Frau im Gebet
-vor einem geöffneten Flügelaltar knieend, der die Madonna zwischen
-den Heiligen Rochus und Sebald einerseits, Lorenz und Sebastian
-andererseits und in der Bekrönung den Evangelisten Johannes zeigt.
-Gleichzeitige Pergamenteinbände mit gepreßten Mustern und ornamentierten
-Messingbeschlägen.
-
-Von den übrigen Drucken seien noch folgende zum großen Teil mit
-Holzschnitten geschmückte kurz angeführt:
-
-»Psalterium Romanorum« mit dem Wappen des Kardinals Albrecht von
-Brandenburg in Holzschnitt von 1520. O. O., J. (1520) und Dr.
-Pergamentdruck in Imperial-2º von prächtigster Erhaltung. Der Einband
-von 1655 mit den drei nürnbergischen und dem Imhoffschen Wappen sowie
-der Bezeichnung »Bib. Nor.« in Goldpressung und mit Messingbeschlägen.
-
-Die Propheten alle Deutsch. D. Mar. Luth. Wittenberg, Hans Lufft, 1532,
-2º.
-
-Dasselbe in der Ausgabe 1536.
-
-Desgleichen in der Ausgabe von 1571.
-
-Biblia. Doct. Mart. Luth. Wittenberg, Hans Lufft, 1571, 2º.
-
-Psalterium Davidis. Noribergae. In officina typographica Valentini
-Neuberi. 1583, Klein-8º (drei Exemplare).
-
-Veit Dieterich, Summaria über die ganze Bibel. Nürnberg, Paul Kauffmann,
-1597, 2º.
-
-Biblia. Frankfurt a. M., Johann Saur, 1606, 2º.
-
-Biblia. Wittenberg, Zacharias Schürer, 1621, 2º.
-
-Biblia. Lüneburg, Johann und Heinrich Stern, 1656, 2º.
-
-u. s. w.
-
-[Illustration: Abb. 144. Konsekrationsurkunde des Hochaltares von 1379.]
-
-[Illustration: TAFEL XV. Thronende Maria mit Heiligen.]
-
-
-
-
- Urkundliche Beilagen.
-
-
-Die folgenden Urkunden und Urkundenauszüge sind bei der besonderen
-Wichtigkeit, die sie vom Standpunkte der historischen und
-kunsthistorischen Forschung für die Geschichte der St. Sebaldkirche
-beanspruchen dürfen, ausgewählt worden. Je nach Bedeutung und Bedürfnis
-sind die einzelnen Stücke entweder in ihrem ganzen Umfange oder im
-Auszuge wiedergegeben oder ihr Inhalt nur in aller Kürze hervorgehoben
-worden. Die Originale der Urkunden bis zum Jahre 1401 sind sämtlich
-im Königlichen Allgemeinen Reichsarchiv zu München aufbewahrt.[XXV]
-Von einer ganzen Reihe weiterer Urkunden sind kurze Regesten in der
-chronologischen Übersicht (siehe S. 234) gegeben.
-
- [XXV] Siehe im übrigen den Schluß der Vorrede.
-
- 1. _Nürnberg 1255, Juli 29._
-
-_Bischof H[einricus] von Samland verleiht_ ... omnibus cum debita
-devotione venientibus ad dedicationem altaris sancti Stephani siti in
-parrochia[XXVI] sancti Sebaldi in Nurenberc penitentibus et confessis
-_40 Tage Ablaß der schweren, ein Jahr der läßlichen Sünden und eine
-halbe Carina[XXVII] von der ihnen auferlegten Buße._
-
-Datum Nurenberc anno domini 1255 in festo prenotato [sancte Margarete].
-
-_Original-Pergament. -- Siegel abgefallen._
-
- [XXVI] Statt: in parrochiali ecclesia.
-
- [XXVII] Carina, carena, quadragena, Buße durch 40tägiges Fasten.
-
- 2. _Nürnberg 1256, Oktober 1._
-
-_Bischof Heinrich von Bamberg verleiht allen Christgläubigen, welche
-die Pfarrkirche zu St. Sebald in Nürnberg_ in die dedicacionis -- _am
-Kirchweihtage -- und an den Festtagen der Apostel Petrus und Paulus und
-des hl. Sebald besuchen und ihre Almosen darreichten, einen Ablaß von 40
-Tagen und einer Carrina._
-
-Datum Nurenberc 1256 in die sancti Remigii.
-
-_Original-Pergament. -- Siegel abgefallen._
-
- 3. _Bamberg 1273, August 8._
-
-_Bischof Berthold von Bamberg ermahnt alle Christgläubigen_ -- cum
-igitur ecclesia sancti Sebaldi in Nurenberch in vitris et in quibusdam
-allis ad suum ornamentum et decorem necessariis defectum paciatur --,
-_zum Nachlaß ihrer Sünden für die Herstellung jener Bedürfnisse ihre
-hilfreiche Hand darzubieten, und erläßt allen wahrhaft Reumütigen
-nach abgelegter Beichte und Darreichung ihres Almosens 40 Tage Ablaß
-von den schweren und ein Jahr von den läßlichen Sünden und verleiht
-den Pfarrkindern, welche den Gottesdienst daselbst fleißig besuchen,
-denselben Ablaß._
-
-Datum apud Babenberch anno domini millesimo ducentesimo septuagesimo
-tercio in die beate Afre.
-
-Original-Pergament mit an rotweißer Seidenschnur anhangendem kleinem
-Fragment des bischöflichen Siegels.
-
- 4. _1274, August 17._
-
-_Bischof Berthold von Bamberg verleiht, nachdem er am 10. September
-1273_ -- hinc est, quod ob dilectionem et precum instanciam honorabilium
-virorum Chunradi buttugelarii, Marquardi sculteti et universitatis
-civium in Nurenberg in dominico die post nativitatem gloriosissime
-virginis Marie consecravimus chorum et altare parrochialis ecclesie
-sancti Seboldi -- _Chor und Altar der Pfarrkirche St. Sebald eingeweiht,
-allen wahrhaft Reumütigen, welche gebeichtet haben und dort ihre Almosen
-am Jahrtage der Einweihung des Chores und des Altares und in den
-einzelnen Monaten des Jahres spenden, je 40 Tage Ablaß von den schweren
-und ein Jahr von den leichten Sünden und ermahnt die Vorgenannten, von
-ihren Gütern_ ad monasterium sancti Sebaldi, _wo ein solcher Ablaß in
-jedem Jahre und zu den verschiedenen Zeiten gefunden werde, ihre Almosen
-darzureichen._
-
-Datum et actum anno domini 1274 16. kal. sept.
-
-_Original-Pergament mit an gelbvioletter Seidenschnur anhangendem
-beschädigtem bischöflichem Siegel._
-
- 5. _Nürnberg 1274, November 22._
-
-_Bischof Leo von Regensburg verleiht allen Christgläubigen, welche
-die Kirche St. Sebald in Nürnberg an den Festen der Reinigung, der
-Verkündigung, der Himmelfahrt und der Geburt Mariens, am Feste des hl.
-Sebald und am Jahrestag der Einweihung_ -- ac in anniversario ipsius
-ecclesie -- _in Andacht besuchen und zur Kirchenfabrik mit zerknirschtem
-Herzen und nach abgelegter Beichte Beiträge spenden, einen Ablaß von 40
-Tagen von den schweren und von 80 Tagen von den läßlichen Sünden nach
-vorausgegangenem Konsens des Diözesanbischofs._
-
-Datum Nu^erenberch anno 1274 10. kalend. decembr.
-
-_Original-Pergament mit anhangendem Fragment des bischöflichen Siegels._
-
- 6. _Nürnberg 1275, Mai 24._
-
-_Bischof Heinrich von Trient, kaiserlicher Protonotar, ermahnt, da die
-ehrbaren Bürger und das Volk zu Nürnberg die schöne Kirche daselbst
-bauen_ -- cum igitur honorabiles viri burgenses et populares opidi
-Nurenbergensis ecclesiam ibidem pulchram construant, sicut fide
-didicimus oculata -- _alle Christgläubigen, von ihren Gütern zu dem
-genannten Werke fromme Almosen zu spenden, und verleiht allen, welche
-zerknirschten Herzens und nach abgelegter Beichte zur Kirchenfabrik
-Almosen geben, einen Ablaß von 40 Tagen nach Zustimmung des Diözesans._
-
-Datum Nu^orenberg anno domini 1275 in crastino ascensionis domini.
-
-_Original-Pergament mit anhangendem bischöflichem Siegel._
-
- 7. _Bamberg 1283, November 17._
-
-_Bruder Inzilerius vom Orden des hl. Augustinus, Bischof zu Budua,
-verleiht_ omnibus corde contritis et confessis, qui cum candelis
-accensis in criptam Nurenberg ad altare beate virginis iter suum
-direxerint, cum sacerdotes, clerici et scolares constituti ibidem
-pernunctiant laudem siue antyphonam de canticis cantant eiusdem gloriose
-virginis, _Ablässe von 40 Tagen von den tödlichen und einem Jahr von den
-läßlichen Sünden nach erfolgter Zustimmung des Bischofs Berthold von
-Bamberg._
-
-Datum in Babenberg anno domini 1283 15. kal. decembr.
-
-_Original-Pergament mit an gelber Wollenschnur anhangendem Siegel._
-
- 8. _Nürnberg 1284._
-
-_Bischof Gottfried von Passau verleiht allen Christgläubigen_,
-requirentibus siue visitantibus aut recipientibus qualibet noctium ad
-laudem beate virginis seu mane ad missam, _wenn sie reumütig sind und
-gebeichtet haben, Ablässe von 40 Tagen von den tödlichen und von einem
-Jahr von den läßlichen Sünden, insbesondere aber denen_, qui veniunt
-prenotalis temporibus in criptam gloriose virginis Marie ecclesie sancti
-Seboldi Nurenbergensis.
-
-Datum ibidem anno domini 1284.
-
-_Original-Pergament. Siegel abgefallen. Nur noch die weißroten Fäden
-vorhanden._
-
- 9. _Heilsbronn 1284, April 26._
-
-_Bischof Reinboto von Eichstätt verleiht allen wahrhaft Reumütigen,
-die nach abgelegter Beichte an den Marienfesten den Marienaltar_ in
-cripta monasterii sancti Sebaldi in Nu^erenberch _in Andacht besuchen,
-Ablässe von 40 Tagen von den tödlichen und von 100 von den läßlichen
-Sünden, die Zustimmung des Diözesans vorausgesetzt._
-
-Datum apud Halsbrvnne anno domini 1284 6. kaln. maji.
-
-_Original-Pergament mit an grünweißgelber Wollenschnur anhangendem
-bischöflichem Siegel._
-
- 10. _Rom 1290._
-
-_Die Erzbischöfe_ Bonaventura Ragusinus _[Ragusa] und_ Petrus
-Arborensis [_Arborea_], _die Bischöfe_ Petronus Larinensis [_Larino_],
-Guilhelmus Dignensis [_Digne_], Petrus Tirasonensis [_Tarazona_],
-Jacobus Treventinus [_Trivento_], Theobaldus Canensis [_Canossa_],
-Guillelmus Callensis [_Cagli_], Marcellinus Turtibulensis [_Tortiboli_],
-Waldebrunus Avellonensis [_Avellino_], Egidius Urbinas [_Urbino_],
-Romanus Crohensis [_Croja_], Bonus Johannes Esculanus [_Ascoli_]
-_verleihen allen Christgläubigen, welche wahrhaft reumütig sind,
-gebeichtet haben und an einem der vielen namentlich genannten Festtage
-der Kirche St. Sebald_ causa devocionis seu peregrinacionis accesserint
-aut qui ad fabricam seu reparationem, luminaria, ornamenta uel ad alia
-necessaria dicte ecclesie manus porrexerint adiutrices _oder in der
-letzten Not der Kirche von ihrem Vermögen etwas vermachen, Ablässe von
-40 Tagen, die Zustimmung des Diözesans vorausgesetzt_.
-
-Datum Rome anno domini 1289[XXVIII] pontificatus domini Nicolai pape
-quarti anno tertio.
-
-_Original-Pergament. Von den ursprünglich zwölf anhangenden Siegeln das
-zweite abgefallen._
-
- 11. _Rom 1290._
-
-_Dieselben Erzbischöfe und Bischöfe ohne Guillelmus Callensis verleihen
-allen wahrhaft Reumütigen und Beichtenden, welche den Altar der h.
-Jungfrau Maria in der Krypta und den des h. Evangelisten Johannes unter
-dem Lettner_ (sub pulpito) _in Andacht besuchen und die Messen an diesen
-Altären hören und diese an deren Patronatsfesten in Andacht oder auf
-der Wallfahrt besuchen usw_. _(wie in der vorhergehenden Urkunde) den
-gleichen Ablaß._
-
-Datum Rome anno domini 1289[XXVIII] pontificatus domini Nicolai pape
-quarti anno tertio indictione 3^a.
-
-_Original-Pergament mit 13 an rotgelben Seidenschnüren anhangenden, zum
-Teil nur mehr fragmentarisch erhaltenen Siegeln._
-
- [XXVIII] Das dritte Regierungsjahr Papst Nikolaus' IV. reicht vom
- 15. Februar 1290 bis zum 15. Februar 1291. Auf das Jahr 1290
- weist auch dasselbe Regierungsjahr Papst Nikolaus' IV. in
- Verbindung mit der Rechnung nach der dritten Indiktion hin.
-
- 12. _Ulm 1290._
-
-_Bischof Incelerius von Budua bestätigt in Vertretung des Bischofs
-von Bamberg einen von sechs Bischöfen zugunsten der Kirche St. Sebald
-in Nürnberg erteilten Ablaß und gewährt weitere 40 Tage Ablaß von den
-schweren und ein Jahr von den läßlichen Sünden allen Christgläubigen,
-welche reumütig und nach abgelegter Beichte ihre Almosen spenden._
-
-Ad ampliorem huius rei certitudinum sigillum nostrum presentibus est
-appensum.
-
-_Datum fehlt._
-
-_Original-Pergament mit abhangendem Siegel._
-
- 13. _Bamberg 1291 Dezember 13._
-
-_Bischof Arnold von Bamberg bestätigt sämtliche von katholischen
-Bischöfen zugunsten der Kirche St. Sebald in Nürnberg erteilten und zu
-erwartenden Ablässe._
-
-Datum Babenberch anno domini millesimo ducentesimo nonagesimo primo in
-die beate Lucie.
-
-_Original-Pergament mit abhangendem Siegel._
-
- 14. _Bamberg 1298, Juli 3._
-
-_Bischof Leopold von Bamberg bestätigt alle von Erzbischöfen und
-Bischöfen zugunsten der Kirche St. Sebald in Nürnberg und des Altares
-der hl. Katharina in derselben erteilten Ablässe._
-
-Presens scriptum super eo dedimus sigilli nostri robore conmunitum.
-Actum et datum Babenberch anno domini millesimo ducentesimo nonagesimo
-V[.I]I quinto non. julii, pontificatus nostri anno secundo.
-
-_Original-Pergament mit anhangendem beschädigtem Siegel._
-
- 15. _Anagni 1299, Oktober._
-
-_Die Bischöfe Landulphus von Brixen, Stephanus von Oppido, Nicolaus
-von Capri, Nicolaus von Turibia und Romanus von Croja verleihen allen
-wahrhaft Reumütigen, welche nach abgelegter Beichte die Kirche des hl.
-Sebald jährlich an namentlich genannten Festtagen in Andacht besuchen
-und Almosen spenden_ uel quomodolibet de bonis ipsorum pro fabrica,
-luminariis et aliis dicte ecclesie ornamentis dederint uel miserint seu
-in extremis legaverint, ac omnibus, qui ter orationem dominicam siue
-pater noster supra dicte ecclesie cimiterium et pro animabus mortuorum
-Christi fidelium in eo sepultorum devote dixerint, _einen 40tägigen
-Ablaß_.
-
-In cuius rei testimonium nostra sigilla duximus presentibus apponenda.
-Datum Anagnie anno domini millesimo ducentesimo nonagesimo nono mense
-octobris, pontificatus domini Bonifacii pape octaui anno quinto.
-
-_Original-Pergament mit den anhangenden Siegeln der sechs Aussteller._
-
- 16. _1303, Juli 25._
-
-_Bischof Petrus von Basel verleiht allen wahrhaft Reumütigen, die nach
-abgelegter Beichte an namentlich genannten Festtagen am St. Petersaltar
-im Chor der St. Sebaldkirche das hl. Amt der Messe in Andacht hören_ --
-ad altare sancti Petri in choro ecclesie sancti Sebaldi missarum officia
-deuote audierint -- _einen 40tägigen Ablaß_.
-
-Datum anno domini 1303 octauo kalendis augusti.
-
-_Original-Pergament mit an rotweißer Seidenschnur anhangendem Siegel des
-Ausstellers._
-
- 17. _Nürnberg 1307, November 19._
-
-_Bischof Wulfing von Bamberg bestätigt sämtliche von katholischen
-Vätern, Patriarchen, Erzbischöfen und Bischöfen zugunsten der Kirche St.
-Sebald in Nürnberg erteilten Ablässe._
-
-Datum Nu^eremberch anno domini 1307. XIII. kalen. decembr.
-
-_Original-Pergament mit anhangendem Siegel des Ausstellers._
-
- 18. _Nürnberg 1309, Februar 14._
-
-_Vor dem Schultheißen Sigfrid vom Kammerstein und den Schöffen zu
-Nürnberg verkauft Friedrich Holzschuher, Gotteshauspfleger bei St.
-Sebald, ein in Nürnberg bei den Fleischbänken gelegenes, der Kirche St.
-Sebald gehöriges Haus an Herdegen Holzschuher._
-
-Ich Sifrit vom Kammerstein, der schultheiz, vnd wir di schepphen
-der stat zu Nu^eremberg veriehen vnd tun kunt offenlich an disen
-briefe, daz fu^er vns chom in gericht der ersam man her Friederich
-Holtschuher, des gotshovs ze sente Sebolt phleger, vnd derzevget, als
-recht was, daz er geheizen wer von den purgern, von dem rate vnd von
-den schepphen, daz er verkovfen scholt des selben gotshovs gut, sw[a^e]
-daz wer, durch des newen powes wegen an sente Sebol[t]s kirchen, daz
-man den dest baz m[o^e]cht volbringen an den apseiten. Vnd do er daz
-also wol derzevget, do gie dar der selbe her Friederich Holschuher
-mit gewaltiger hant, als er geheizen was, vnd gab hern Herdegen dem
-Holschuher vnd sinen erben recht vnd redelich ze kovfen daz aigen, daz
-des gotschovs ze sente Sebolde was, das da ligt vor der batstuben bi dem
-fleischpenken an dem ecke, ze rechtem aigen ze habenne ewichlich. Vnd
-des kovfes sind geladen gezevg her Levpolt Holschuher vnd her Albrecht
-Ebener. Vnd di sagten auch vf ir ait fu^er vns in gericht, daz her
-Friedrich Holschuher hern Herdegen dem Holschuher daz vorgenant aigen
-also ze kovfen hete geben im vnd sinen erben ze rechtem aigen ze habenne
-ewichlich. Vnd des ze eynem vrkunde, daz sin nicht vergezzen werde vnd
-auch also furbaz stete blibe, so ist geben mit vrteil von gericht dirre
-brief versigelt mit des schultheizen insigel vnd mit der stat insigel ze
-Nu^eremberg, di bede dar an hangent. Des sind gezevg di ersam levte
-her Otte Muffel, her Heinrich Eisfogel, her Heinrich Holschuher, her
-Heinrich Wigel vnd ander genvg. Der brief ist geben, do man zalt von
-gots geburt drevzehenhundert iar vnd in dem nev[n]ten iare an sente
-Valentins tag.
-
-_Original-Pergament mit dem Schultheißensiegel und dem Nürnberger
-Stadtsiegel._
-
- 19. _Mainz 1310, Januar 4._
-
-_Erzbischof P[etrus] von Mainz verleiht allen wahrhaft Reumütigen,
-welche nach abgelegter Beichte an namentlich genannten Festtagen die
-Kirche St. Sebald zu Nürnberg in Andacht besuchen und Almosen spenden,
-einen 40tägigen Ablaß._
-
-Datum Nurenberg anno domini MCCC decimo pridie non. januarii.
-
-_Original-Pergament mit anhangendem Siegel des Ausstellers._
-
- 20. _Avignon 1324._
-
-_Die Erzbischöfe_ Guillermus Soltaniensis [_Saltania_] _und_ Andreas
-Antisbarensis [_Antivari_], _die Bischöfe_ Robertus Connerensis
-[_Connor_], Guillermus Sagonensis [_Sagona_], Gregorius Feltrensis
-[_Feltre_] et Bellonensis [_Belluna_], Thomas Ythmarensis [_Imeria?_],
-Venutus Cathacensis [_Catanzaro_], Johannes Rosquillensis [_Roeskilde_],
-Nicolaus Dirivascensis [_?_], Stephanus Lubucensis [_Lebus_],
-Franciscus Cenetensis [_Ceneda_], Franciscus Ravellensis [_Ravello_],
-Domnius Cathavensis [_Catharensis = Cattaro?_] _verleihen allen wahrhaft
-Reumütigen, welche die Kirche St. Sebald an namentlich genannten
-Festtagen besuchen oder den Leib Christi und das hl_. _Öl, wenn es
-zu den Kranken getragen wird, begleiten oder bei den Exequien und
-Leichenbegängnissen in der Kirche oder auf dem Kirchhofe zugegen sind
-oder auf dem Sterbebette von ihrem Vermögen der Kirche etwas vermachen
-oder beim Abendläuten kniefällig dreimal ein Ave Maria beten_, necnon
-qui ad fabricam, luminaria, ornamenta et alia dicte ecclesie necessaria
-manus porrexerint adjutrices, _für jedes Mal einen 40tägigen Ablaß_.
-
-In cuius rei testimonium presentes litteras sigillorum nostrorum
-iussimus appensione muniri. Datum et actum Auinione anno a nativitate
-domini millesimo trecentesimo vicesimo quarto indictione septima, die
-[_Lücke_] mensis [_Lücke_] sanctissimi patris et domini nostri Johannis,
-diuina prouidencia pape XXij. amen.
-
-_Original-Pergament. Von den 13 Siegeln nur noch 8 an Seidenschnüren
-anhangend._
-
- 21. _Rom 1333, März 26._
-
-_Die Bischöfe Jacobus von Metz, Jacobus von Castro_, Benedictus sancte
-Prisce _und_ Thomas Lauerienis [_Lavaur?_] _verleihen den gleichen Ablaß
-unter denselben Voraussetzungen_.
-
-Datum Rome in palatiis nostris anno domini millesimo trecentesimo
-tricesimo tertio pontificatus domini Johannis, pape 22., mensis martii
-die 26., indiccione prima.
-
-_Original-Pergament. Von den an weißblauen oder weißbraunen
-Seidenschnüren anhangenden Siegeln die beiden ersten zerbrochen, die
-andern abgefallen._
-
- 22a. _Rom 1336, März 21._
-
-_Die Bischöfe Johannes von Anagni, Jacobus von Castro, Franciscus von
-Castellana und_ Thomas Laueriensis [_Lavaur?_] _verleihen auf Bitten des
-Konrad_ Cres [_Kreß_] _von Nürnberg den gleichen Ablaß_.
-
-Datum Rome in palaciis nostris anno domini millesimo 36, mense martii,
-indictione quarta, pontificatus domini Benedicti 12. pape anno secundo,
-mensis martii die 21.
-
-_Mit den anhangenden Siegeln der vier Bischöfe._
-
- 22b. _1338, März 3._
-
-_Bischof Leopold von Bamberg bestätigt unten an der Urkunde den von den
-vier Bischöfen erteilten Ablaß._
-
-Datum anno domini 1338, feria secunda ante Kunegundis, beate virginis,
-in quadragesima.
-
-_Original-Pergament mit den anhangenden Siegeln des Bischofs Leopold
-von Bamberg und der vier ausstellenden Bischöfe, ersteres an einem
-Pergamentstreifen, die übrigen drei an blaubraunweißen Seidenlitzen. Die
-drei letzteren stark beschädigt._
-
- 23. _1337, Mai 26._
-
-_Die Bischöfe_ Alamannus Luanensis, Petrus Calliensis [_Cagli_],
-Johannes Bregerensis [_ob Bracharensis = Braga in Spanien?_], Andreas
-Coronensis [_Coron_], Petrus Montismaranus [_Montemarano_], Nicholaus
-Nazariensis [_Nazareth_], Vincencius Perensis [_Perri_], Raymundus
-Cathaniensis [_Catania_], Sergius Pollensis [_Pola_], Jacobus de
-Vallona [_Valanea_], Bernardus Ganensis [_Ganos in Thracien_] _und_
-Paulus Fulginensis [_Foligno_] _verleihen den gleichen Ablaß unter
-den fast gleichen Voraussetzungen. Es heißt nach der Anführung der
-zum Ablaß berechtigenden Feiertage_: causa deuocionis, oracionis aut
-peregrinacionis accesserint, seu qui missis, predicacionibus, matutinis,
-vesperis aut aliis quibuscumque diuinis officiis ibidem interfuerint aut
-corpus Christi etc.
-
-Datum Avinione 26. die mensis maii anno domini 1337 et pontificatus
-domini Benedicti, pape XII., anno tertio.
-
-_Original-Pergament mit an grünen Seidenschnüren anhangenden Siegeln,
-ursprünglich 12, von denen das erste abgefallen und die übrigen mehr
-oder weniger beschädigt sind. Durch Randmalereien verziert. Oben in
-der Mitte Christus mit erhobenen Fingern, links davon Petrus, rechts
-Paulus, weiter links der hl. Laurentius, Maria mit dem Christuskinde auf
-dem Arme, neben ihr ein Betender knieend. Die drei letzten Personen in
-ganzer Figur. Unter den Betenden am Rande links ein Bischof (Nikolaus?),
-ebenso rechts ein Heiliger mit aufgerafftem Gewande [Johannes Baptista].
-Das Ganze in Deckfarben gemalt._
-
- 24. _Rom 1343, April 9._
-
-_Die Bischöfe Raymundus von Rieti, Angelus von Viterbo und Toscanella,
-Jacobus von Castellacio und Jacobus von Nepi verleihen auf Bitten des
-Nürnberger Bürgers Konrad Cresse den gleichen Ablaß unter den gleichen
-Voraussetzungen und Bischof Leopold von Bamberg bestätigt denselben._
-
-Datum Rome in palatiis nostris anno domini millesimo 343, indictione
-11., mensis aprilis die 9., pontificatus domini Clementis pape VI. anno
-eius primo.
-
-_Original-Pergament mit fünf anhangenden Siegeln. Die der ausstellenden
-Bischöfe an weißbraunen blaugeränderten Seidenborten, das nachträglich
-angehängte Siegel des Bischofs Leopold von Bamberg an einem
-Pergamentstreifen._
-
- 25a. _Rom 1350._
-
-_Die Bischöfe Johannes von Bagnorea, Mannus von Amelia und Nicolaus von
-Orti verleihen auf Bitten des Nürnberger Bürgers Sifrid Schürstab den
-gleichen Ablaß wie in der Urkunde vom 26. März 1336._
-
-Datum Rome in palatiis nostris anno domini millesimo 350, pontificatus
-domini Clementis pape sexti, indictione tertia, mensis [Lücke], anno
-eius octavo.
-
- 25b. _1353, August 24._
-
-_Bischof Leopold von Bamberg bestätigt unter obiger Urkunde diesen
-Ablaß._
-
-Datum anno domini millesimo 353 in die sancti Bartholomei apostoli.
-
-_Original-Pergament mit den an weißbraunen (ursprünglich weißroten)
-Seidenborten anhangenden Siegeln des Bischofs von Bamberg und der drei
-italienisnen Bischöfe, von denen das zweite und vierte beschädigt sind._
-
- 26. _Altenburg 1356, Juni 10._
-
-_Bischof Leopold von Bamberg bestätigt alle von Erzbischöfen und
-Bischöfen zugunsten der Kirche St. Sebald in Nürnberg und des
-Katharinenaltares in derselben erteilten Ablässe._
-
-Actum et datum castro nostro Altenburg anno domini millesimo
-trecentesimo quinquagesimo sexto feria sexta proxima ante festum
-penthecostes.
-
-_Original-Pergament mit dem anhangenden Siegel des Ausstellers._
-
- 27. _Altenburg 1358, Februar 23._
-
-_Bischof Leopold von Bamberg verleiht allen wahrhaft Reumütigen, die
-nach abgelegter Beichte der Pfarrkirche St. Sebald in Nürnberg_, que
-reformacione seu reedificacione indiget necnon in libris, calicibus
-ceterisque ecclesiarum ornamentis defectus manifestos patitur nec ipsi
-ecclesie pro restauracione predictorum sufficiunt proprie facultates,
-nisi deuotorum hominum piis subsidiis adiuuetur, _ihre Almosen spenden,
-Liebesgaben darreichen und ihre hilfreiche Hand bieten, 40 Tage
-Ablaß der schweren und ein Jahr der läßlichen Sünden und verzeiht_
-vota fracta, si ad ea redierint, peccata oblita, si memores fuerint,
-confiteantur, offensas patrum et matrum, si absque enormi fuerint
-lesione, juramenta non corporaliter, sed ex animi leuitate prestita. _Er
-befiehlt den Rektoren der Kirchen und Kapellen, daß sie den Boten von
-St. Sebald, der in den Kirchen, Kapellen und den ihnen zustehenden Orten
-Almosen heischt, treulich bei ihren Untergebenen fördern und nicht einen
-Teil der Almosen von ihm erpressen._
-
-Datum Altenburch anno domini millesimo trecentesimo quinquagesimo
-octavo, feria sexta proxima post dominicum inuocavit.
-
-_Original-Pergament mit dem anhangenden Siegel des Ausstellers._
-
- 28. _Avignon 1360, Mai 3._
-
-_Die Bischöfe_ Raphahel Archadiensis [_Arkadi_], Francisus Lapsacensis
-[_Lampsacus_], Girardus Arrigensis [_ob Ariensis, Ario?_], Albertinus
-Surmanensis [_Sirmium_], Lazarus Botrociensis [_Butrinto, Vucindro_],
-Johannes Veglegensis [_Veglia_], Johannes Agitonensis [_Agadonensis =
-Ardferten (Kerry) in Irland_], Andreas Balazensis [_Balezo_], Petrus
-Calligencis [_Cagliari_], Intardus Tartopolensis [_Tortiboli_], Avancius
-Sanxensis [_?_], Johannes Tarmopolensis [_ob Termolensis, Termulanus
-(Termoli)?_], Franciscus Huroensis [_?_], Johannes Curoensis [_?_],
-Johannes Carminensis [_Carmium_], Bertoldus Cisopolensis [_Sizebolu_],
-Augustinus Salubrensis [_Soliwri_], Philippus Lauadensis [_?_], Ricardus
-Naturensis [_Athyra in Thrazien_] _verleihen allen wahrhaft Reumütigen,
-die nach abgelegter Beichte an namentlich angeführten Tagen_ ergastulum
-uel altare ibidem, quod est consecratum in honore omnium animarum sub
-turri in ecclesia sancti Seboldi in Nurenberch _in Andacht besuchen oder
-an anderen angeführten Gottesdiensten teilnehmen und besondere Gebete
-und fromme Werke verrichten_, necnon, qui ad fabricam dicti ergastuli
-seu altaris luminaria, libros, calices seu queuis alia ornamenta manus
-porrexerint adiutrices ac qui eidem ergastulo seu altari aurum, argentum
-uel aliquid suarum facultatum in suis testamentis uel extra donauerint
-seu donari procurauerint et qui pro salubro statu domini episcopi
-Babenbergensis et pro Seyfrido Mavrer, ciuis in Nvrenberch, impetratoris
-seu prouisoris dicti ergastuli, et qui pro animabus vxoris legitime
-et liberum suorum et qui pro Vlrico Weylerio presbytero uel qui missam
-huius uel horas canonicas audierit, qui hanc litteram portauerit et
-ordinauerit Auinione, _einen 40tägigen Ablaß von den schweren Sünden_.
-
-Datum Avinione anno domini millesimo trecentesimo sexagesima, tertia
-die mensis maii, pontificatus domini nostri innocencii, pape sexti anno
-octavo.
-
-_Original-Pergament mit 20 anhangenden Siegeln, sämtlich stark
-beschädigt. Die Urkunde ist auf den Seiten und oben links und unten
-rechts von Weinlaub mit Trauben umrahmt, eine etwas unbeholfene aber
-doch charakteristische Malerei. Die erste Zeile_: Uniuersis sancte
-matris ecclesie _in verlängerter Schrift, der Buchstabe N in Uniuersis
-und die Anfangsbuchstaben S, M, E in roter Farbe ausgeführt, die
-Initiale U aber durch eine Maria-Schutz mit den armen Seelen unter ihrem
-Mantel ausgefüllt. Zwischen den Worten_ Uniuersis _und_ sancte: _der
-hl. Sebald, nach_ sancte: _der hl. Petrus und nach_ matris: _der hl.
-Leonhard._
-
- 29. _Altenburg 1360, Mai 6._
-
-_Bischof Leopold von Bamberg gestattet den Umtausch eines Hauses am
-Friedhof von St. Sebald im Eigenbesitz des Egidienklosters gegen ein
-Haus des Kirchenvermögens St. Sebald bei den Fleischbänken._
-
-Datum Altenburch feria quarta proxima post Walpurgis anno domini
-millesimo tricentesimo sexagesimo.
-
-_Original-Pergament mit anhangendem Siegel._
-
- 30. _1360, Dezember 15._
-
-_Papst Innozenz VI. verleiht zugunsten der Pfarrkirche St. Sebald_,
-quam venerabilis frater noster Lupoldus, episcopus Bambergensis, et
-nonnulli comites, barones et nobiles illarum parcium ac delecti filii
-magistri ciuium, consules totaque communitas dicte ville ad honorem dei
-et eiusdem confessoris de bonis propriis sollenniter construxisse et
-competenter dotasse..... dicuntur, _einen jährlichen Ablaß von einem
-Jahr und 40 Tagen an namentlich genannten Festtagen_.
-
-Datum Avinione XVIII. kalendas januarii, pontificatus nostri anno octauo.
-
-_Original-Pergament mit an gelbroten Seidenfäden anhangender päpstlicher
-Bulle._
-
- 31. _Altenburg 1362._
-
-_Bischof Leopold von Bamberg verleiht den wahrhaft Reumütigen und
-Beichtenden_, qui ad novam structuram parrochialis ecclesie sancti
-Sebaldi in N[.u]renberg suas largiti fuerint elemosinas necnon eidem
-caritativa subsidia et manum porrexerint adiutricem quique eciam
-personaliter laboraverint in eadem, _einen Ablaß von 40 Tagen der
-schweren und von einem Jahre der läßlichen Sünden_.
-
-Datum Altenburg anno domini 1360 secundo.
-
-_Original-Pergament mit anhangendem Siegel._
-
- 32. _Nürnberg 1364, April 30._
-
-_Revers des Pfarrers Albert Krauter, den Friedhof von St. Sebald nicht
-gegen das Rathaus zu erweitern._
-
-Nouerint vniuersi presencium inspectores, quod ego Albertus dictus
-Kravter, plebanus ecclesie parrochialis sancti Sebaldi opidi in
-Nuremberg Bambergensis dyocesis. Licet gracia dei ac erogacione
-elemosine a piis fidelibus et precipue parrochianorum meorum ac
-aliorum incolarum dicti opidi ecclesia mea prefata aucta sit secundum
-longitudinem per edificacionem noui kori, inter quem korum et domum
-olim Chunradi dicti Zenner, nunc vero Johannis Ebner, est quoddam
-spacium siue planicies empta de bonis ecclesie mee predicte et eidem
-debita excepto vno spacio vie publice, que ab antiquo in medio
-predicte planiciei solita et debita erat esse, et in eadem planicie
-cimiterium reuerendi in Christo patris ac domini mei domini... episcopi
-Bambergensis ac opidanorum sepedicti opidi consensibus accedentibus
-posset augeri. Tamen quod predicta planicies est satis modica, in
-quantum pertinet ecclesie mee, et ex opposito est pretorium et domus
-multe, in quibus continue sunt habitatores honesti et nonnunquam
-principes, duces, barones et nobiles aduene, quibus horror posset
-insurgere, si in sepedicta planicie eis tam vicina corpora mortuorum
-sepelirentur, nomine mei ac ecclesie mee prefate annui et volui ac
-presentibus ordino et volo, vt eadem planicies ad cimiterium non
-conuertatur nec dedicetur, sed antiquum cimiterium, quo ad istum
-respectum in suis finibus sit et maneat, donec ego vel alter meus
-successor et consules opidi antedicti aliter duxerint simul ordinandum.
-Volo tamen, quod sepedicta planicies via publica, que per eam transire
-ad cimiterium debet, excepta, quo ad proprietatem et omnem vsum ac
-comodum, si quod exinde euenire posset, pertineat, prout de iure debet,
-ad ecclesiam meam supradictam. Et hec omnia per reuerendum in Christo
-patrem ac dominum meum dominum Fridericum, dei gracia dignum episcopum
-ecclesie Bambergensis, desidero et exopto confirmari. In quorum
-testimonium presentes sigilli mei munimine consignaui. Datum Nuremberg
-anno domini millesimo trecentesimo sexagesimo quarto in vigilia
-apostolorum beatorum Phylippi et Jacobi.
-
-_Unten oberhalb des Bugs von anderer Hand, aber ziemlich gleichzeitig_:
-Consimilem litteram habent ciues sub sigillis pendentibus domini
-episcopi et plebani.
-
-_Original-Pergament mit dem anhangenden Siegel des Pfarrers Albert von
-St. Sebold [Pfarrsiegel]._
-
- _Stadtarchiv Nürnberg. Abgedr. Städtechroniken. I, 422 ff._
-
- 33. _Bamberg 1370, Juli 3._
-
-_Bischof Ludwig von Bamberg bestätigt auf Bitte des Berthold Teufel die
-von dessen Vater Konrad, Bürger zu Nürnberg, gestiftete Pfründe auf dem
-Marienaltar in der Krypta von St. Sebald zu Nürnberg_ -- quoddam altaris
-seu prebende beneficium in altari eiusdem beatissime Marie virginis sito
-in cripta parrochialis ecclesie sancti Sebaldi -- _und befreit sie von
-aller Last weltlicher Gewalt_.
-
-Datum et actum Bamberge anno domini 1370 feria quarta post diem beatorum
-Petri et Pauli apostolorum.
-
-_Original-Pergament. Siegel abgefallen._
-
- 34. _Nürnberg 1379, Juni 5._
-
-_Kardinal Pileus verleiht_ -- cum igitur dilectus in Christo magister
-fabrice ecclesie sancti Sebaldi Nurembergensis Bambergensis diocesis
-totaque communitas ibidem ad ipsam ecclesiam Nurembergensem specialem
-gerant deuocionem et affeccionem ipsamque reparare et sustentare,
-sicut accepimus, intendant, ad cuius perfeccionem eiusdem ecclesie
-non suppetunt facultates sintque ad hoc Christi fidelium suffragia
-necessaria et eciam oportuna -- _allen wahrhaft Reumütigen und
-Beichtenden, welche die Kirde St. Sebald an besonders genannten
-Festtagen besuchen und hilfreiche Hand bieten, Ablässe von einem Jahr
-beziehungsweise von 100 Tagen_.
-
-Datum Noremberg dicte diocesis nonis junii pontificatus sanctissimi in
-Christo patris et domini nostri domini Vrbani, divina providencia pape
-VI., anno secundo.
-
-_Original-Pergament mit an verblichener (ursprünglich roter) Kordel
-anhangendem Siegel._
-
- 35.
-
-Pau der türn zu sand Sebolt de anno 1481 in annum 1490.[XXIX]
-
-Erhöhung beder türn Sebaldi. Kirchenmaister Sebolt Schreyer, angefangen
-anno domini 1481, volbracht anno domini 1499.[XXX]
-
- [XXIX] Auf dem Einbanddeckel.
-
- [XXX] Auf dem Vorsetzblatt.
-
-1481. Item nach dem als man zalt von Cristi unseres lieben herren geburt
-vierzehenhundert und im ainundachzigisten jar, in ainem erbern rat
-verlassen ist, beide türn des gotzhauß der pfarrkirchen zu sand Sebolt
-zuerhöhen vnd zuverneuen, also und daruff sind dieselben mit gepeuen
-fürgenommen worden, und wie wol die vor und ee dann Sewolt Schreyer zu
-kirchenmaister gesetzt ist und nemlichen bei Hansen Haller, dazumalen
-kirchenmaister, zupauen angefengt sind, so ist doch solicher bau durch
-und bei dem gemelten Schreyer volbracht und verrechet worden. Demnach
-hat er zu jüngst den ganzen pau, als der zu ende kummen ist, zu allen
-seinem einnemen und ausgeben in ain rechnung gebracht und gezogen,
-alles, wie hernach begriffen ist. Und zu denselben zeiten sind oberst
-hauptleut diser stat Nurmberg gewesen her Ruprecht Haller, der alt, zu
-der zeit auch oberster pfleger des gemelten goczhaus, her Niclas Groß,
-der alt, und her Gabriel Nüczel.
-
-Item demnach und erstlich ist beschriben und verrechnet das einnemen
-soliches paus in mainung, so hernach volgt:
-
-Bl. 10': Summa summarum, das ich uberal eingenommen hab, als davor
-geschriben stat.
-
- Item aus der losungstuben entlehnet novilb 10.187 [Schilling] 4 hlr. --
- Item aus allerlei zeg gelöst " 1.057 " 14 " 8
- Item von geschicken und almusen " 184 " 14 " 2
- Item von der kirchen gelt dar zu
- eingenommen " 774 " 12 " 1
- Summa alles einnemens " 12.204 " 4 " 11
-
- Bl. 122': Summa summarum, das ich uberal ausgeben hab, als davor
- beschriben stet.
-
- Item maister Ekarius, zimmerman novilb 52 [Schilling] 10 hlr. --
- Item den zimmergesellen ausgeben " 816 " 16 " --
- Item maister Hainreichen Kugler,
- steinmeczen " 145 " 18 " --
- Item den parlieren hab ich ausgeben " 39 " 10 " --
- Item steinmeczengesellen " 1.584 " 10 " 2
- Item hantlangern oder taglonern " 346 " 1 " --
- Item deckern und iren gesellen " 47 " 4 " 8
- Item klaibern und iren gesellen " 11 " 4 " 10
- Item tunchern und iren gesellen " 6 " 8 " 6
- Item dem kirchner hab ich ausgeben " 34 " 10 " --
- Item schreinern " 16 " 6 " 2
- Item glasern " 7 " 9 " 2
- Item fur den ofen von kupfer " 60 " 6 " --
- Item fur den schlot von kupfer " 34 " 18 " 10
- Item fur die rinnen von kupfer " 42 " 18 " --
- Item kandelgiessern " 4 " 15 " 10
- Item rotschmiden " 17 " 16 " --
- Item trechslern " 1 " 14 " 8
- Item wagnern " 4 " 1 " --
- Item putnern " 3 " 10 " --
- Item segern " 15 " 10 " 4
- Item sailern ausgeben " 187 " 5 " 10
- Item maister Erharten, schmid " 138 " 19 " 2
- Item maister Niclasen Greiner,
- schlosser " 113 " 19 " 6
- Item maister Lienharten Ochsen,
- schlosser " 11 " 17 " 10
- Item maister Matenckhofer,
- schlosser " 43 " 18 " --
- Item maister Peteter, statschmid " 17 " 16 " 8
- Item Hansen Pulman, hammerschmid " 69 " 6 " 8
- Item Wilbolten Plancken, eisenmann " 70 " 15 " 4
- Item Gorgen Köppel, eisenmann " 36 " 12 " --
- Item für allerlei ander eisenwerk " 30 " 1 " 8
- Item schleifern ausgeben " 2 " 3 " 2
- Item fur pretter " 134 " 14 " 2
- Item fur thillen " 9 " 12 " 4
- Item fur allerlei holzwerk " 360 " 2 " 6
- Item fur reuhelbergstein
- [Reuhelberg im Lorenzerwald bei
- Steinbrüchlein] " 1012 " 5 " 2
- Item fur kornpergstein
- [bei Kornburg] " 14 " 14 " 8
- Item fur ziegelstein " 54 " 1 " 10
- Item fur kalk ausgeben " 57 " 8 " 8
- Item fur parstein [Gips] ausgeben " -- " 13 " 8
- Item fur harz ausgeben " -- " 8 " 10
- Item fur öl ausgeben " 6 " 7 " --
- Item fur unslit, schmer und schmir " 2 " 6 " 3
- Item kernern von kot, sand und
- ziegel zu fürn " 86 " 14 " --
- Item fur allerlei uncost " 32 " 8 " 4
- Item fur voraus und trinkgelt " 17 " 11 " 10
- Item von turndeckers arbeit zuwegen
- tragen und zufürn " 12 " 18 " 10
- Item des turndeckers belonung von
- beiden türn " 490 " 4 " --
- Item fur plei ausgeben " 12 " 16 " 4
- Item fur zin ausgeben " 3.157 " 6 " 10
- Item fur die eisine spieß oder
- spicz ausgeben " 25 " 10 " 10
- Item fur die kupferin knöpf " 55 " 12 " 8
- Item dem goldschmid die knöpf zu
- vergulden " 252 " 6 " --
- Item fur die fannen " 12 " 7 " --
- Item den malern " 10 " 11 " 2
- Item fur di orglogken [Schlaguhr] " 2.221 " 7 " --
- Item von der orglogken zu fürn und
- zu heben " 9 " 19 " --
- Item fur das schlahwerk ausgeben " 131 " 4 " --
- Item fur den wecker der turner
- ausgeben " 5 " 17 " --
- Summa alles ausgebens " 12.204 " 4 " 11
-
-S. 124: Item die vorgemelt summa ist ausgeben und verpaut worden in
-sechs jaren und in jedem derselben jar ausgeben, wie hernach:
-
- Item im 81. jar ausgeben novilb 72 [Schilling] 15 hlr. --
- Item im 82. jar ausgeben " 2.537 " 10 " 10
- Item im 83. jar ausgeben " 5.680 " 19 " 7
- Item im 84. jar ausgeben " 3.778 " 15 " 4
- Item im 85. jar ausgeben " 98 " 17 " 6
- Item im 86. jar ist ausgeben " 35 " 6 " 8
- Summa " 12.204 " 4 " 11
-
-Item zuwissen, das die obgemelt verpaut summa der 12.204 lb. novi 4
-[Schilling] 11 hlr. zu gold angeschlagen und 2 lb. novilb 2 [Schilling],
-das ist 8 lb. alt 12 [Schilling] fur 1 guldin reinisch landswerung,
-inmassen der guldin rinisch zu den selben zeiten golten hat, gerechet,
-bringt oder tut 5811 gulden rinisch landswerung und 11 [Schilling] in
-gold.
-
-_1489 wird der südliche Turm neu mit Zinn und Blei gedeckt._
-
-Bl. 126': Losungstuben und sunst.
-
-Summa summarum, das ich uberal eingenommen hab, als obgeschriben steet,
-tut novilb 1406 [Schilling] 4 hlr. --.
-
-Bl. 135': Summa summarum, das ich uberal ausgeben hab, als davor
-geschriben steet.
-
- Item zu abdecken des zins und pleis novilb 13 [Schilling] -- hlr. --
- Item gewicht und brob des
- abgedeck[t]en zins " 2 " 1 " 2
- Item gewicht des abgedeck[t]en pleis " -- " 12 " 8
- Item zimergesellen zu rüsten " 28 " 1 " 4
- Item zimergesellen abzurusten " 13 " 14 " 8
- Item holzwerk zu dem gerüst " 24 " 19 " --
- Item fur mit rustholz und prettern " 1 " 3 " --
- Item allerlei uncost " 10 " 1 " 10
- Item neuerkauft zin " 963 " 6 " 4
- Item neuerkauft plei " 51 " 15 " 6
- Item maister Ulrichs arbait mit
- giessen des zins " 7 " 13 " 10
- Item maister Ulrichs arbeit mit
- giessen des pleis " 2 " 4 " 8
- Item belonung maister Ulrichs " 262 " 10 " --
- Item für nägel ausgeben " 25 " -- " --
- Summa alles ausgebens " 1.406 " 4 " --
-
-Item zu wissen, das die obgemelt verpaut summa der 1406 lb. novi 4 hlr.
-zu gold angeschlagen und 2 lb. novi 1 [Schilling] 8 hlr., das ist 8 lb.
-alt 10 [Pfennig] fur 1 guldin r. landswerung, inmassen der guldin zu
-denselben zeiten golten hat, gerechet, bringt und tut 674 guldin rinisch
-landswerung 19 [Schilling] 6 hlr. in gold.
-
-_1490 Eindecken des nördlichen Turmes._
-
-Bl. 136': Losungstuben und sunst:
-
-Summa summarum, das ich uberal eingenommen hab, als obgeschriben stet,
-tut novilb 312 [Schilling] 10 hlr. --.
-
-Bl. 144': Summa summarum, das ich uberal ausgeben hab, als davor
-geschriben stet.
-
- Item zu abdecken des zins novilb 12 [Schilling] 10 hlr. --
- Item gewicht und brob des
- abgedeckten zins " -- " 9 " 2
- Item zimmergesellen zu rüsten " 34 " 4 " 8
- Item zimmergesellen abzurusten " 13 " 2 " --
- Item holzwerk zum gerüst und andern " 3 " 5 " --
- Item fur mit rüstholz und andern " 2 " -- " --
- Item für nägel ausgeben " 18 " 7 " 6
- Item schlossern ausgeben " 3 " 12 " 2
- Item sailern und schreinern
- ausgeben " 8 " 6 " 10
- Item allerlei uncost " 9 " 10 " 6
- Item maister Ulrichs arbeit mit
- giessen des zins " 7 " 19 " 6
- Item maister Ulrichs arbeit mit
- giessen des plei " -- " 1 " 4
- Item belonung maister Ulrichs " 197 " 10 " --
-
- Summa alles ausgebens " 310 " 18 " 8
-
-_umgewandelt in fl. rhein._: 149 fl. 5 [Schilling] in gold [2 lb. n.
-1 [Schilling] 8 hlr (8 lb. alt 10 d) = 1 fl. rh. Landeswähr.].
-
-145^b: Item so die rechnung mit dem tecken beder turn erschaut werden,
-so erfindet sich, das Cristof Lilgenweis dem goczhaus am giessen des
-zins und tecken der türn mit seiner untreu schaden zugefügt hat, nemlich
-am ersten turn am zin bei oder ob 142 guld. rh. und am plei ob 12 fl.
-r., ut fo. 128 hievor begriffen.
-
-Wer an dem andern turn ob 278 fl., ut fo. 138 hievor begriffen. Summa
-432 fl. rh. ausserhalb des schadens, so auf die gemelten turn gangen
-ist, die anderwaid zu decken.
-
-_Obwohl ihn der Rat im Loch gefangen setzte und mit ernstlicher Frage
-angriff, benannte er doch nicht mehr als 56 fl. rh. Da man damals von
-dem großen Schaden keine Kenntnis hatte, wurde er auf Fürbitte von
-Bamberg und anderen Enden ausgelassen, doch sollte er solchen bekannten
-Schaden an St. Sebald und 10 fl. an St. Lorenz ausrichten, wofür sein
-Vater und Weib Bürge wurden, laut Gerichtsbuch Cons. D. fol. 285 (auch
-an dieser Stelle eingetragen). Sabbato post Francisci anno 86._
-
-Item und als aber der obgemelt Lilgenweis gehort und vermerkt hat, daß
-der erst turn anderwaid zudecken maister Ulrichen Hubner von Bamberg
-verlassen und im entwert worden was, hat er sich vor und ee man den
-abgedeckt hat, von hinnen getan, villeicht aus ursachen, das er sich
-besorgt hat, so man sein untreu dermaß und so groß erfinden wurd, er
-mochte wider angenommen und nach seinem verdienen gefertigt werden.
-
-146^b: Suma was der ganz pau cost hat.
-
-_Die Seiten 146^b-149^b enthalten nur Zusammenstellungen der
-vorerwähnten Einnahmen und Ausgaben._
-
- _Kgl. Kreisarchiv Nürnberg._
-
- 36.
-
-Bedenken, welcher gestalt der chor und umbgang uf sant Sebalds kirchen
-möcht zu pessern sein.
-
-Actum den 27. maij 1561.
-
-_Kgl. Kreisarchiv Nürnberg. Abgedruckt in den Mitteilungen des Vereines
-für Geschichte der Stadt Nürnberg, VIII, 246 ff., wo auch noch zwei
-einschlägige Ratsverlässe und der kurze Bericht aus den Annalen des
-Ratschreibers Johannes Müllner wiedergegeben sind._
-
- 37.
-
-=Acta die Sebalder-Kirch-Thurn-Reparatur betr. Von a=: 1769 in 1770.
-
-25. März 1768: Relation über den Befund des schadhafften Thurns an der
-St. Sebalds Kirch. _Besichtigung des Turmes am 23. März 1768 durch
-Scholarch Paul Karl Welser mit dem Stadtalmosenamtspfleger Volckamer,
-Bauinspektor Stettner und Almosenamtszimmermeister Schwammbach. Der
-Dachstuhl des Helmes war, sowohl »Geschwölle« wie »Legsparren« zum
-großen Teil zusammengefault._
-
-_Das Waldamt Laurentii und das Sebaldi werden vom Stadtalmosenamt
-ersucht um_
-
- 1. _21. März 1768_ _20 Stämme [Laurentii]_
- 2. _7. April 1768_ _8 Eichen [Laurentii]_
- 3. _2. August 1768_ _3 Eichen je 24 Schuh lang [Sebaldi]_
- 4. _5. Mai 1769_ _4 fichtene Baumstämme 80 Schuh lang Gratsparren_
- _4 fichtene Baumstämme je 50 Schuh lang, 10 Zoll
- im Quadrat zu Schiftsssparren [Laurentii]._
-
-1769 Mai 24.: _Das Stadtalmosenamt ersucht_:
-
-Das löbl: Rugs Amt wird hiemit höfl. requirirt, denen Geschwornen
-der Flaschnerprofession zu intimiren, daß von denen auf der
-Herberg ankommenden und Arbeit suchenden Gesellen dem Flaschner
-Grübel Meldung getan werde, um einen tüchtigen Pursch, der zu der
-Sebalder-Kirch-Thurn-Reparatur zu gebrauchen ist, aussuchen zu können.
-
-_1769 Juli 19. schießt das Landalmosenamt 1000 fl. vor._
-
-_1769 November 7. schießt das Landalmosenamt 1500 fl. vor._
-
-_Vom Dezemzer 1769 liegt eine Liste vor, enthaltend die Berechnung der
-bisherigen Kosten und ein Verzeichnis des verwendeten Baumaterials:_
-
- Berechnung
-
-des Sebalder Kirchthurmsbaues vom 24. Octobris 1768 biß 2. Dec. 1769,
-sowohl was an Taglohn und Meisterconti, als auch an Baumaterialien
-ausgeleget und verbraucht worden ist.
-
- Denen Zimmerleuten vom 24. October bis 19. November
- 1768 für Taglohn fl. 37 23 --
- Vom 3. April 1769 bis 2. Decber 1769 für Taglohn denen
- Zimmerleuten, Flaschner- und Tünchersgesellen samt
- Meistergebühr bezahlt " 1477 11 --
- Dem Meister Schwambach Douceur " 11 -- --
- Denen Zimmergesellen und Tünchern Trankgeld " 10 -- --
- Für 29 Fuhren à 24 kr. dem Kärner " 11 36 --
- Dem Wagner für 2 Leitern " 3 -- --
- Dem Seiler für das Seil und Stangen " 183 53 --
- Dem Nagler Ruf und Heß für Nägel " 168 39 --
- Dem Schlosser Bauer für Arbeit " 88 48 --
- Den beeden Waldämtern Laurenzii et Sebaldi für 8 Eichen
- und 20 Stämm, Holzpfandung, Fuhrlohn, Anweis und
- Trankgeld " 67 44 2
- Dem Waldamt Laurenzii für 8 Fiechten zu denen 4 Grad-
- und 4 Schiftsparren Fuhrlon " 38 30 --
- Dem Schmid Klöpfel für Arbeit " 36 25 --
- Dem Flaschner Griebel für mößinge Haften und Blei zum
- Löten " 103 47 --
- Dem Orgelmacher Küttelmann für 284 Blatten zu gießen
- à 20 kr " 94 40 --
- An erkauften Zinn, nemlich 3 Centner à 50 fl.,
- 2-1/2 Centner à 49 und 14 Centner 47-1/2 lb.
- à 48 fl.= 19 Ct. 97 lb. u. an Geld " 1167 32 2
- An erkauften Blei, nemlich 2 Centner à 13 und
- 4 Centner 85 lb. à 12-1/2 = 6 Cent. 85 lb. und
- an Geld " 86 37 2
- ----------------
- fl. 3586 46 2
- Auf zweimal empfangen " 2500 -- --
- ----------------
- Mehreres ausgegeben fl. 1086 46 2
-
- Verzeichnus
-
-derjenigen Baumaterialien, welche zum Sebalder Kirchturn verbraucht
-worden vom 3. April bis 9. December 1769, als
-
- An Eichen-Holz
-
-8 Fenster-Benke, 3 dreizöllige Stollen, 3 vierzöllige Stollen, 4
-Gesims-Hölzer, 176 Bretten zum zu schallen
-
- An weichen Holz
-
-16 Stämm Brettenholz, 16 Stämm Riegelholz, 3 zweizöllige Dillen, 1
-zweizöllige Dille, 9 Schu lang, 4 Gradsparrn von 69 Schu, 4 Schiftsparrn
-von 50 Schuh, 226 Bretter zum Rüsten, 109 Latten zum Rüsten, 4
-vierzöllige Stollen.
-
- An Eisen und Nägeln
-
-122 Klammern von unterschiedlicher Länge, 42 Rund- und halbköpfige
-Nägel, 128 Nägel zweierlei Sorten, 25 große Nägel, 20 große Nägel
-anderer Gattung, 1200 Bodnägel, 500 Biennägel, 700 Rinneneisen, 6400
-Schollennägel, 3600 kleine und große Blattennägel, 30 Stück andere, 172
-Läut-Sträng, das Gerüst anzubinden.
-
-_In diesem Verzeichnis sind die Preise nicht eingesetzt._
-
-_Die vorhandenen Mittel von 2500 fl. reichten so nicht aus. Allein das
-Stadtalmosenamt hatte selbst nichts, und so wandte es sich durch das
-Losungsamt an_ derer Herren Aeltern Hochwohlgebornen Herrlichkeiten
-_am 27. Dezember 1769 und legte die oben stehende Liste bei_. _An
-dem langsamen Gange der Arbeit sei die Witterung und die_ viele
-Zeit erforderliche schwere und vierfache Zusammenfügung der Blatten
-_schuld_. _Die_ gänzliche Blattenzuschlagung _müßte bis künftiges
-Frühjahr hinausgeschoben werden. Bis jetzt müßten noch 1086 fl. 46 kr.
-2 [Schilling] nachbezahlt werden und für die Vollendung der Arbeit
-einschließlich von etwa 10 bis 11 Zentner erforderlichen Zinnes wäre
-noch ein Kapital von 2000 fl. nötig. Dieser Vorschuß könnte vielleicht
-dem_ Land Almosamt oder denen sämtlich geistlichen Aemtern per
-repartitionem abgereichet werden.
-
-_Die vorgeschlagene Repartition wurde durch Ratsverlaß vom 9. Januar
-1770 genehmigt._
-
- Repartitio
-
- bezahlt den 17. Februar 1770 Löbl. Spital- und Kloster
- St. Catharina fl. 1200·-
- bezahlt den 24. Januar 1770 " Closter Amt St. Clara " 900·-
- bezahlt den 3. Februar 1770 " Landalmoßamt " 1000·-
- " Stadtalmoßamt " 400·-
- den 3. Februar 1770 bezahlt " Marthaspital " 25·-
- den 24. Januar 1770 bezahlt " Mendel
- XII-Brüderstiftung " 400·-
- bezahlt den 26. Januar " Geistl. Güter auf dem
- Land " 500·-
- d. 24. Jan. 1770 Jobst-Stiftung zalt
- d. 25. D. 1770 St. Peter u. Paul Stift
- zalt
- d. 25. Jan. z. St. Leonh Vier Siechköbel und
- do. St. Joh. u. Sonder Siechen-St. Sondersiechen à 30 fl. " 150·-
- 1770 d. 24. Jan. zalt Heil Kreuzstiftung " 25·-
- -----------------
- Summe fl. 4600·-
-
- Losungamt
- den 18. Januar 1770
- _Städt. Archiv Nürnbeg._
-
-
-
-
- Anmerkungen.
-
-
- [1] Urkunde Kaiser Heinrichs IV. vom 19. Juli 1062, wodurch er den
- Kanonikern zu Bamberg den von seinem Vater an Nürnberg
- übertragenen Markt mit dem Zoll und der Münze an Fürth
- zurückgibt. Mon. Boic. XXIX, Nr. 406.
-
- [2] Die zuerst von Baader in seinen Beiträgen zur Kunstgeschichte
- Nürnbergs, I (Nördlingen 1860), S. 49, aufgestellte, dann von
- der kunsthistorischen Lokalforschung aufgenommene und von dieser
- in die allgemeine Kunstgeschichte übergegangene Behauptung, die
- Kirche St. Sebald sei 1256 in ihrem Hauptteile fertiggestellt
- und geweiht worden, erweist sich als nicht stichhaltig, da dies
- aus der Ablaßurkunde des Bischofs Heinrich von Bamberg vom 1.
- Oktober 1256 nicht geschlossen werden darf. Vgl. hierüber außer
- Baader insbesondere noch Sighart, Geschichte der bildenden Künste
- im Königreich Bayern, München 1862, S. 235, ferner Schnaase,
- Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter, Düsseldorf
- 1872, Bd. III, S. 348, B. Riehl, Kunsthistorische Wanderungen
- in Bayern etc., München und Leipzig 1888, S. 154 und Dehio und
- Bezold, Die kirchliche Baukunst des Abendlandes, Stuttgart 1892,
- 1, S. 500. Beim Dom zu Bamberg, mit welchem St. Sebald in engem
- baugeschichtlichem Zusammenhang steht, hat man in der Datierung
- einen ähnlichen Fehler begangen und eine Ablaßurkunde von 1274
- dahin gedeutet, als sei zu dieser Zeit noch an der Vollendung
- des Domes gearbeitet worden. Bezüglich der Einweihungsurkunde
- vom 17. August 1274 siehe das folgende Kapitel sowie Beilage
- 4. Den Inhalt der Urkunde vom 1. Oktober 1256 gibt Lang, Reg.
- B. III, 83, kurz wieder mit: »Henrici episcopi Babenbergensis
- indulgentiae pro ecclesia parochiali sancti Sebaldi in Nuremberg.
- Dat. die sancti Remigii (1. Oktober)«, spricht demnach nicht von
- einer Einweihung.
-
- [3] Über die Kapelle St. Peter wurde urkundliches Material nicht
- gefunden. Nur spätere Chroniken berichten von ihr in der
- bekannten sagenhaften Art und abweichend voneinander. Über die
- ehemalige Existenz der Kapelle jedoch -- darin stimmen alle
- Chroniken überein -- besteht kein Zweifel. Möglicherweise hat sie
- an Stelle des jetzigen Peters- oder Westchores gestanden.
-
- [4] Vgl. Otto Schulz, Die romanischen Bauteile von St. Sebald und ihre
- Instandsetzung, in der Zeitschrift für Bauwesen, Berlin 1908, S.
- 529 f., sowie bezüglich der während der letzten Restaurierung
- gemachten baugeschichtlichen Feststellungen: Derselbe, Die
- Wiederherstellung der St. Sebaldkirche in Nürnberg 1888-1905 in
- den Mitteilungen des Vereins für Geschichte der Stadt Nürnberg.
- 1905.
-
- [5] Anderweitiger Schmuck war nur spärlich vertreten. Im Mauerwerk
- des jetzigen Ostchors befinden sich Steine, welche vom
- romanischen Bau stammen. Dieselben zeigen den Zahnschnitt.
- Ein auf dem Dachboden gefundener, jetzt im Lapidarium (ehem.
- Westkrypta) aufbewahrter Stein hat Flechtwerk.
-
- [6] Für den nachträglichen Anbau der beiden Portale an die Turmhallen
- hat Prof. Schmitz nachfolgende Gründe geltend gemacht: 1. Das
- Mauerwerk der Portale hat einen auffallend weiten Vorsprung vor
- die Mauerflucht der Türme. 2. Der Steinverband zeigt, daß ein
- organischer Zusammenhang zwischen dem Mauerwerk der Portale
- und dem der Türme nicht besteht. 3. Das südliche Portal steht
- nicht in der Achse des alten Seitenschiffes. 4. Die Segmentbögen
- über den Türöffnungen im Innern haben dieselbe Form wie die der
- Portale an den gotischen Seitenschiffen. 5. Die Steinquadern der
- Dachschrägen der Portale haben sich bei der Abnahme anläßlich
- der jetzigen Restaurierung als auf allen Seiten sauber behauen
- erwiesen, was nur damit erklärt werden kann, daß sie von einem
- anderen Bau herrühren. 6. Die Bogenquadern zeigen an den
- Fugenkanten Beschädigungen, welche nicht auf Verwitterung,
- sondern auf einen stattgehabten Abbruch oder Transport deuten. 7.
- Die Profilierung des Dachgesimses ist gotisch. 8. Die Risse im
- Mauerwerk über den Segmentbögen weisen auf ein späteres Einsetzen
- der Portale hin.
-
- [7] Weese, Die Bamberger Domskulpturen, Straßburg i. E. 1897,
- S. 3 ff., und derselbe in der geschichtlichen Einleitung zu
- Aufleger, Der Dom zu Bamberg, München 1898, hat das einschlägige
- Urkundenmaterial in der Hauptsache zusammengestellt.
-
- [8] Näheres bei B. Riehl, Kunsthistorische Wanderungen durch Bayern,
- Bayerisch-Schwaben, Franken und die Pfalz, München und Leipzig
- 1888, S. 50 ff., S. 65 ff. und S. 147 f., und bei Dehio und
- Bezold, Die kirchliche Baukunst des Abendlandes, Stuttgart 1892,
- Bd. I, S. 176 ff.
-
- [9] Bei den doppelchörigen Anlagen mit westlichem Querschiff, wie sie
- den vorhin erwähnten Bauten, den Domen von Mainz und Worms
- einerseits, dem Augsburger Dom, St. Emmeram und Obermünster zu
- Regensburg und dem Dom zu Bamberg andererseits, eigen sind, war
- der Westchor fast regelmäßig dem hl. Petrus geweiht. Bezüglich
- der Sage des hl. Sebald siehe die ausführliche Wiedergabe der
- Legende bei Reicke, Geschichte der Reichsstadt Nürnberg, Nürnberg
- 1896, S. 20 ff.
-
- [10] Die Kleeblattblendbögen unter den Ostchorfenstern und an den
- Ostchorschranken des Bamberger Domes bleiben hier außer Betracht,
- da sie einer viel früheren Zeit, nämlich dem Bau von 1186-1201,
- angehören.
-
- [11] Die Maße sind selbstverständlich abgerundet. Genau betragen
- dieselben in Metern ausgedrückt bei Bamberg 24,8 : 12,6 und bei
- Nürnberg 19,75 : 7.
-
- [12] Dehio und Bezold, a. a. O. 1, 517 ff.
-
- [13] Siehe Städtechroniken: Nürnberg, Bd. I, S. 320. Verschiedene
- Angaben über die Geschichte des Klosters Ebrach beruhen auf
- freundlicher Mitteilung seitens des kgl. protestantischen
- Pfarrers am Zuchthause Ebrach, Herrn Dr. Jäger, welcher
- inzwischen seine Forschungen über das Kloster in einer
- umfassenden Arbeit niedergelegt hat: Die Klosterkirche zu Ebrach.
- Ein kunst- und kulturgeschichtliches Denkmal aus der Blütezeit
- des Zisterzienserordens. Von Dr. Johannes Jäger. Würzburg 1903,
- Stahelsche Verlagsanstalt.
-
- [14] Hier muß wiederholt betont werden, daß die Blendarkaden im
- Bamberger Ost- oder Georgenchor nichts mit denen in Ebrach zu tun
- haben, da sie einer früheren Zeit angehören. Es ist somit irrig,
- wenn Weese, Bamberger Domskulpturen, S. 10, sagt, das Innere des
- Georgenchores bilde mit der Michaelskapelle eine Gruppe, in der
- durchgehende Züge nicht zu verkennen seien. Es soll damit nicht
- bestritten werden, daß die ersten Kleeblattblendbögen in Bamberg
- von Zisterziensern vermittelt wurden, nur war eben nicht das
- Ebracher Kloster der Ausgangspunkt.
-
- [15] So M. M. Mayer, a. a. O. S. 5. Nach ihm hätte Friedrich
- Holzschuher etliche Zinse, von der Kirche an seinen Vater
- Herdegen Holzschuher verkauft, um die baufällige Kirche -- die
- eine (vielleicht nördliche) Seite war baufällig geworden -- mit
- dem Erlös wieder herstellen zu lassen. Auch Baader, Beiträge,
- I, 50, sagt, 1309 hätte eine der beiden Abseiten einzufallen
- gedroht, allein ein edler Bürger, Friedrich Holzschuher, hätte
- sich mehrerer Güter entäußert und mit dem gelösten Geld den
- Baufall gewendet. Baader weiß also nicht einmal, daß Friedrich
- Holzschuher Pfleger bei St. Sebald war und daß er ein Haus,
- dessen Besitzerin die Kirche war, als Gotteshauspfleger
- verkaufte. Baader und Mayer scheinen auf die gleiche Quelle, etwa
- auf eine Chronik, zurückzugehen, da beide von der Baufälllgkeit
- nur =eines= Seitenschiffes wissen. Rée, Nürnberg (in den
- Berühmten Kunststätten, Nr. 5), 3. Aufl. 1907, S. 39 ff. gibt
- bereits richtig die engen Raumverhältnisse als Grund für den
- Umbau an.
-
- [16] Siehe Mummenhoff, Altnürnberg (Bayerische Bibliothek, Bd. 22).
- Bamberg 1890. S. 71 ff.
-
- [17] Vgl. M. von Kramer, Die Umbauten am nördlichen Seitenschiff der
- Sebalduskirche zu Nürnberg. In der Zeitschrift für Geschichte der
- Architektur, III. Jahrgang (1909), S. 35 ff.
-
- [18] Städtechroniken, Bd. I, Einleitung; auch für das Folgende.
-
- [19] Mummenhoff, Altnürnberg, Bamberg 1890.
-
- [20] Ablaßurkunde des Bischofs Leopold von Bamberg vom 23. Februar
- 1358 (nicht 16. Februar, wie in den Städtechroniken, Bd. I, Beil.
- II, zitiert wird) im K. Bayer. Allgem. Reichsarchiv, St. Sebald
- Nr. 79: »... (ecclesia) que reformacione seu reedificacione
- indiget necnon in libris, calicibus ceterisque ecclesiarum
- ornamentis defectus manifestos patitur nec ipsi ecclesie pro
- restauracione predictorum sufficiunt proprie facultates...« --
- Ablaßurkunde des Bischofs Leopold von Bamberg vom 21. September
- 1358 im Reichsarchiv, St. Sebald Nr. 82: »... Cum igitur, sicut
- accepimus, parrochialis ecclesia sancti Sebaldi predicta in
- edificiis et aliis ornamentis ecclesiasticis defectus notabiles
- patiatur nec eidem pro restauracione predictorum proprie
- sufficiunt facultates ...«
-
- [21] Bischof Leopold von Bamberg gestattet den Umtausch. Urkunde im
- Reichsarchiv, St. Sebald Nr. 96 vom 6. Mai 1360.
-
- [22] Städtechroniken, I, 353: »Item in derselben jarzal des kunigs
- gepurt (1361) in demselben sumer da ward sant Seboltz chor
- angefangen« (Chronik bis 1434) und III, 155: »Auch kürzlich
- darnach (nach dem Ausbau und der Bemalung des Rathauses unter
- Ludwig dem Bayern) wart sant Sebolts kor angefangen und etlich
- grunft [=Gruft] abgetan und geebnet, da nun alter steent«
- (Meisterlin). Ferner Städtechroniken IV, 126: »In demselben jar
- (1361) wart sant Seboltz kor angefangen« (Jahrbücher des 15.
- Jahrhunderts). Vgl. auch Städtechroniken, IV, 61, Anm. 3.
-
- [23] Ablaßurkunde des Bischofs Leopold von Bamberg vom Jahre 1362
- im Reichsarchiv, St. Sebald Nr. 100: »... qui ad novam structuram
- parochialis ecclesie sancti Sebaldi in Nurenberg suas largiti
- fuerint elemosinas necnon eidem caritativa subsidia et manum
- porrexerint adiutricem quique etiam personaliter laboraverint in
- eadem ...«
-
- [24] Städtechroniken, I, Beil. II, wo die Urkunde, Reichsarchiv,
- St. Sebald Nr. 107, abgedruckt ist. Siehe auch Mummenhoff, Das
- Rathaus in Nürnberg, Nürnberg 1891, S. 12, wo für »im Osten des
- Rathauses« »im Westen des Rathauses« zu lesen ist.
-
- [25] Urkunde vom 17. Dezember 1364 im Reichsarchiv, St. Sebald Nr. 109.
-
- [26] Urkunde vom 23. Oktober 1365 im Reichsarchiv, St. Sebald Nr.
- 115: Bischof Friedrich von Bamberg bestätigt den für den
- Jakobsaltar präsentierten Vikar Priester Ulrich Kemnater.
-
- [27] Urkunde vom 3. Juli 1370 im Reichsarchiv, St. Sebald Nr. 124, laut
- welcher Bischof Ludwig von Bamberg die Stiftung einer Pfründe
- »in altari eiusdem beatissime Marie virginis =sito in cripta=
- parrochialis ecclesie sancti Sebaldi« bestätigt.
-
- [28] Siehe die Urkunden im Reichsarchiv, St. Sebald Nr. 125 vom 4. Juli
- 1370 (Bestätigung einer Pfründe auf den Zwölfbotenaltar), Nr. 128
- vom 11. Dezember 1371 (»Consens vnd ordinacion der Vörchtelpfrund
- auf Sant Sebalds altar«), Nr. 129 vom 11. Dezember 1371.
-
- [29] Urkunde im Reichsarchiv, St. Sebald Nr. 152, laut welcher Kardinal
- Pileus einen Ablaß für die Messe des Marienaltares erteilt.
-
- [30] Urkunde im Stadtarchiv Nürnberg, St. Sebald Nr. 39, 132 vom 20.
- Dezember 1372: Die Witwe Margareta Has erhält für ihre
- abgebrochene Brotbank eine andere an einem Pfeiler des St.
- Sebaldchores unter der Bedingung, den jährlichen Zins wie zuvor
- an die Deutschherren zu entrichten und für den Fall, daß die
- Kirchenverwaltung von St. Sebald oder der Rat die Brotbank
- erwirbt, ihre Rechte für 80 fl. abzutreten. Urkunde ebenda, Nr.
- 40, 134, vom 15. Oktober 1372: Die Kirchenpfleger von St. Sebald,
- Michael Grundherr und Heinrich Semler, verpflichten sich, die
- Brotbänke, welche die Pächter für die abgebrochenen Bänke an den
- Pfeilern des Sebalduschores erhielten, wenn notwendig, einzulösen.
-
- [31] Urkunde im Reichsarchiv, St. Sebald Nr. 146: »Cum igitur
- dilectus in Christo magister fabrice ecclesie sancti Sebaldi in
- Nurenberg Bambergensis diocesis totaque communitas ibidem ad
- ipsam ecclesiam Nurembergensem specialem gerant devocionem et
- affectionem ipsamque reparare et sustentare, sicut accepimus,
- intendant, ad cuius perfectionem eiusdem ecclesie non suppetunt
- facultates, sintque ad hoc Christi fidelium suffragia necessaria
- et etiam oportuna ...« Siehe auch Städtechroniken I, Beil. II.
- Ferner Urkunde vom 18. Juni 1379 im Reichsarchiv, St. Sebald Nr.
- 149, laut welcher Kardinal Pileus mehrere Ablässe bestätigt.
-
- [32] Städtechroniken, I, 354: »Item in derselben jarzal (1379) am
- suntag nach Bartholomei des selben jars da weihet man sant
- Seboltz chor« (Chronik bis 1434), III, 290: »darnach am suntag
- noch Bartolomei (1379) ward der neu kor an sant Sebolts kirchen
- zu Nuremberg geweihet« (Meisterlein). Siehe auch Städtechroniken,
- I, Beil. II. Bezüglich der Baukosten: Städtechroniken, IV, 126:
- »Der (sant Seboltz kor) kostet 24.000 gulden on die suppen«
- (Jahrbücher des 15. Jahrhunderts). Es können natürlich nur
- Goldgulden gemeint sein.
-
- [33] In verschiedenen Baubeschreibungen der Kirche heißt es: 7 Seiten
- des Vierzehnecks. Infolge der Unregelmäßigkeiten im Chor
- führt eine Nachmessung nicht zu einem bestimmten Ergebnis;
- jedoch spricht die Konstruktion mehr für das Sechzehneck, und
- dem regulären Achteck des Binnenchores kann auch nur dieses
- entsprechen.
-
- [34] Die Schautüre wurde erst 1480 ausgebrochen: »Item in dem jar
- (1480) da macht man die neu kirchtür zu sant Sebolt gegen dem
- rathaus und hieb pei 14 tagen hindurch.« Städtechron. IV, 361
- (Jahrbücher des 15. Jahrhunderts).
-
- [35] Hinter der Chorgalerie befand sich rings um das Dach herum ein
- Gang, von dem aus die Stadtpfeifer bei festlichen Gelegenheiten
- spielten: »Und unser pfeifer 3 und 1 pusauner gingen auf sant
- Sebald kor und pfiffen auf 2 ort zu freuden oben umb den gank«
- (1433). Städtechron. II, 24 (Endres Tucher). Ferner: »der stat
- pfeuffer waren auf dem chor sant Sebolt an sant Peter und
- Paulus tag« -- zur Feier des Krönung Sigmunds (in Rom) 1433,
- Städtechron. IV, 19 (Tuchersches Memorialbuch 1386 bis 1454).
- -- Ob sich die Chorgalerie an der Westwand fortgesetzt hat, ist
- zweifelhaft. Wenigstens wurden von der alten Galerie, wenn eine
- solche hier wirklich vorhanden war, Reste nicht aufgefunden.
- Dagegen ist ein Mauerabsatz vorhanden. Es ist noch zu bemerken,
- daß die aufgesetzte gotische Giebelwand bedeutend geringere
- Stärke hat als die alte romanische Querschiffwand.
-
- [36] Dehio und Bezold, Die kirchliche Baukunst des Abendlandes, II,
- 333 f. Max Bach im Repertorium für Kunstwissenschaft, XXIII, S.
- 377 ff. -- Bei Dehio und Bezold wird der Bau der ganzen Kirche
- in die Zeit von 1351-1414 gesetzt. Die Inschrift am nördlichen
- Chorportal spricht aber ausdrücklich von der im Jahre 1351
- erfolgten Inangriffnahme des Chorbaues; andererseits besteht
- über die frühere Entstehungszeit des Langhauses kein Zweifel,
- dessen Westportal auf Vergleiche mit Eßlingen, Reutlingen und
- Freiburg hin bestimmt in die zwanziger Jahre des 14. Jahrhunderts
- zu setzen ist. Die Angabe Bachs, daß in den Jahren 1326 und
- 1327 Altäre in der Kirche bestanden hätten, beweist für die
- Entstehungszeit des Langhauses nichts, da dieselben auch in dem
- damals noch vorhandenen romanischen Chor gestanden haben können,
- wie ja auch die romanischen Türme an den beiden Langseiten bis zu
- dem 1497 erfolgten Einsturz beibehalten worden sind.
-
- [37] Das Inventarwerk des Königreichs Württemberg nimmt drei
- Bauperioden an (Band Neckarkreis, S. 183 f.): 1324-1332 der Chor,
- 1350-1360 die drei östlichen Schiffjoche und 1400-1420 die drei
- westlichen und der Turmunterbau.
-
- [38] Vgl. für das Folgende: Neuwirth, Die Wochenrechnungen und der
- Betrieb des Prager Dombaues in den Jahren 1372-1378, Prag 1890,
- und Neuwirth, Peter Parler von Gmünd, Dombaumeister in Prag, und
- seine Familie. Prag 1891.
-
- [39] Neuwirth gibt in seinen Wochenrechnungen (S. 401) noch das Jahr
- 1333 als Geburtsjahr des Peter Parler an, entscheidet sich aber
- in seiner späteren Publikation (Peter Parler und seine Familie)
- für 1330.
-
- [40] Vgl. vor allem die ausführliche Abhandlung von Albert Gümbel,
- Meister Heinrich der Parlier der Ältere und der Schöne Brunnen,
- im 53. Jahresbericht des Historischen Vereins von Mittelfranken
- (1906). Von besonderem Interesse sind in dieser Abhandlung auch
- die Ausführungen und Nachweise über das Parlieramt, das Amt des
- städtischen Parliers (»der stat parlirer«) im 14. und zu Beginn
- des 15. Jahrhunderts in Nürnberg.
-
- [41] Es muß hier der Aufsatz von Karstanjen, Zur Verwandtschaft der
- Gmünder und Prager Meister, Repertorium für Kunstwissenssenschaft
- XVI, S. 344 ff., erwähnt werden. Karstanjen selbst sagt, daß
- Heinrich Parler als Angehöriger der Familie Parler auf seinen
- Familiennamen nicht wohl verzichten konnte, und bestreitet daher
- die von Neuwirth behauptete Identität des Heinrich Parler mit
- Heinrich von Gmünd, andererseits aber bezeichnet er ganz gegen
- diese Auffassung einen Johannes von Gmünd und einen Michael
- von Freiburg als Mitglieder der Parlerfamilie. Bezüglich des
- Heinrich Parler, von dem er nicht weiß, wo sein Wirkungskreis vor
- 1378 lag, kommt er zu dem Schluß, derselbe gehöre der dritten
- Generation der Parlerfamilie an.
-
- [42] Vgl. Gümbel, a. a. O. S. 77. Thieme und Beckers Allgemeines
- Künstler-Lexikon, III.
-
- [43] Chronik bis 1434 (1441). In den Städtechroniken, I, 349. Ferner in
- der Chronik, XIV-1/2 106, Manuskripte 52 des Kreisarchives
- Nürnberg: »Der andere turn an St. Sebalds kirch gegen der vesten
- oder dem pfarrhof ist gebauet worden anno 1345. Ist zu desselben
- bedachung gebraucht worden 104 zentner und 79 lb. zinn und 47
- centner blei«... Die beiden Angaben differieren also nur in der
- Anzahl der verwendeten Zentner Blei.
-
- [44] Chronik, XIV-1/2, 106, Manuskripte 52 im Kreisarchiv Nürnberg.
-
- [45] Belege dafür, daß der südliche, also der der Stadt zu gelegene
- Turm, eine Wächterstube hatte, sind u. a.: Octbr. (1377): »lt.
- ded. 1/2 lb. hl. von einem stübel und einem ofen zu pessern uff
- sand Seboldsturn« [= 2 Fl. 50 Kr, in G. oder 2 Fl. in S.] (Ulman
- Stromer in Beilage XI B der Städtechron. I, 261). »It. ded.
- (1388) dem türner uff sant Sebolts turne 2-1/2 [Schilling] hl.
- von dem glokhause zu pezzern, do die orglok in hangt.« »lt. ded.
- ei iterum 8-1/2 [Schilling] hl. von der orgloken zu pezzern.«
- (Ebenda, I, 268/269). Vgl. auch die Urkunde vom 23. Dezember
- 1474, Kreisarchiv Nürnberg, S I, L 113, N 17, in welcher der
- Bischof von Bamberg Absolution für die Sebalder Kirche erteilt
- wegen auf dem Turm zwischen den Wächtern verübten Totschlags.
-
- [46] So heißt es beispielsweise in der Ablaßurkunde vom 3. Mai 1360:
- »... ad ergastulum vel ad altare ibidem, quod est consecratum in
- honore omnium animarum =sub turri= in ecclesia sancti Seboldi in
- Nurenberch ...« Es ist also hier, wie auch anderwärts, nur von
- =einem= Turm die Rede.
-
- [47] »Wer sant Sebolcz zben türen gesehen hat, ee sie hoher gepaüt
- sein worden, das noch nit dreisig jar lang ist, der hat wol
- gesehen, das sie haüben weis gedegt waren mit zin wie ein
- pfifferling, das ein gute anzeigüng gab ires großen alters«
- Originalhandschrift des Lazarus Holzschuher im Besitze der
- Freiherrl. von Holzschuherschen Familie, Blatt 113^b, in den
- Städtechroniken, I, 349.
-
- [48] »In demselben jar (1361) wart sant Seboltz kor angefangen. Der
- kostet 24.000 gulden on die suppen. und so ist auf dem untern
- turn 100 und vier zentner zins und 69 lb. und 18 lb. bleis.«
- Jahrbücher des 15. Jahrhunderts in den Städtechroniken, IV,
- 126/7. Nach der Chronik bis 1434 (1441) in den Städtechroniken,
- I, 349 soll es der nördliche Turm gewesen sein.
-
- [49] »Desselben jahrs (1447) 24 september decket man sant Sebolts turn
- mit zin und machet den vergulten knopf darauf.« Jahrbücher des
- 15. Jahrhunderts in den Städtechroniken, IV, 168.
-
- [50] Die Angabe ist insofern unrichtig, als der südliche Turm erst im
- kommenden Frühjahr abgebrochen wurde: »Item 1482 nach den
- osterfeirtagen da prach man den untern turn sant Seboltz unterm
- dach ab und prach 12 wochen daran ab.« Jahrbücher des 15.
- Jahrhunderts in den Städtechroniken, IV, 367. Ferner: »Item
- adi 27. abrill (1482) prach man den turn gegen der wag ab, als
- man die alten stain noch sieht.« Tuchersche Fortsetzung zu den
- Jahrbüchern in den Städtechroniken, V, 476.
-
- [51] »Des jars (1482) da ward der unter turn zu sant Sebolt oben
- erhöht und gemaurt umb Martini und darnach umb pfingsten unten
- das alt herab gepikt in zwaien körben.« Jahrbücher des 15.
- Jahrhunderts in den Städtechroniken, IV, 368. »Item 1482 jar warn
- die zwen türn zu sant Sebolt angefangen zu pauen und am 13. tag
- monats marci hub man an zu fahen stain zu hauen und wart von rats
- wegen darzu geben die ped herrn die losunger her Ruprecht Haller
- und her Niclas Groß und Hanns Tucher der elter am Milchmarckt mit
- sampt dem kirchenmaister Sebolt Schreier.« Aus der Tucherschen
- Fortsetzung zu den Jahrbüchern in den Städtechroniken, V, 475.
-
- [52] Baader folgt, wie bereits Städtechroniken, IV, 475, Anm. 1,
- ausführlich nachgewiesen, den Aufzeichnungen des Kirchenmeisters
- Sebald Schreyer (Kirchenmeister seit 24. September 1482).
-
- [53] Nach Baader bis 1486, Tuchersche Fortsetzung und Chronik im
- Nürnberger Kreisarchiv XIV-1/2 106, Manuskripte, 1485.
-
- [54] M. M. Mayer, Die Kirche des hl. Sebaldus, Nürnberg 1831, S. 6.
-
- [55] »Item 1400 und 95 jar da machet man am ersten die virtailorglock
- auf sant Sebolt turn an sant Francißen obent.« Heinrich
- Deichslers Chronik in den Städtechroniken, V, 584, dagegen: »Anno
- 1493, hat man auf diesen (untern) thurn ein viertel-stund-glocken
- gehangen,«... Chronik im Nürnberger Kreisarchiv, XIV-1/2, 106:
- Manuskripte 52. Weder die eine noch die andere Jahreszahl ist
- übrigens richtig, es ist vielmehr 1494 zu setzen, wie es auf
- der Glocke selbst steht und durch die Ratsverlässe bestätigt
- wird. Vgl. S. 174, Text und Anmerkung. -- Auch die 1577 erfolgte
- Erneuerung der Gänge bezog sich nach jener Chronik im Kreisarchiv
- nur auf den südlichen Turm.
-
- [56] S. Christian Mayer, Die Stadt Nördlingen, ihr Leben und ihre
- Kunst im Lichte der Vorzeit, Nördlingen 1876 und 1877, 2, S. 132
- ff. Jedoch mit der Berufung Kuglers nach Nürnberg zum Zweck der
- Vollendung des Augustinerklosters hat Mayer, wie es scheint,
- unrecht. Denn Mayer berichtet ausdrücklich, daß Kugler anfangs
- der achtziger Jahre nach Nürnberg ging und aus dieser Zeit ist
- von einer Vollendung oder sonstigen wichtigeren Bauvornahmen am
- Augustinerkloster nichts bekannt. Die Nachricht dürfte demnach
- auf einem Irrtum, beziehungsweise auf einer Verwechslung beruhen.
-
- [57] Chr. Mayer, a. a. O. 2, S. 131 f.
-
- [58] Tuchersche Fortsetzung der Jahrbücher bis 1469 in den
- Städtechroniken, V, 505. Die dort beigefügte Anmerkung lautet:
- In den Band III, 339 ff. angeführten Schreyerschen Handschriften
- der Nürnberger Stadtbibliothek Will. II, 1353, finden sich Blatt
- 83-97 nach Geschlechtern geordnet verzeichnet: »Etlich gedechtnuß
- und totten oder leichschilt, so im 1493. jar zu sant Sebolt,
- alß man den core und kirchen hat weißen wollen, gehangen sind,
- die dann Sebolt Schreyer, dazumaln kirchenmeister, hat wegen
- des weißens abnemen lassen und nach dem weißen wider aufzuhohen
- verordnet.«
-
- [59] Baader, Beiträge, 2, 27.
-
- [60] Einnahmen und Ausgaben bei der Renovierung der Kirche St. Sebald
- in den Jahren 1657-1664. Ambergersammlung 270 im Stadtarchiv
- Nürnberg. Die meisten Angaben beziehen sich auf das Inventar der
- Kirche.
-
- [61] »Item in dem jar (1480) da macht man die neu kirchtür zu sant
- Sebolt gegen dem rathaus und hieb pei 14 tagen hindurch.«
- Jahrbücher des 15. Jahrhunderts in den Städtechroniken, IV, 361.
- Die Lage ist hier ungenau angegeben. Hierzu die Anmerkung 3.
- Die Lage ist genauer bezeichnet im Ratsmanual (1480, März 23):
- »Item ein neue tür zu prechen aus dem chor zu s. Sebolt neben
- sant Pangratzen cappell unter der Beheim venster. Her Karl
- Holtschuher, H. Im Hof daz bestellen zu beschehen.« Die kleine,
- noch jetzt vorhandene Pforte (später Schautüre geheißen) ist
- schmucklos. Unverletzt sind die prächtigen Glasmalereien der (an
- den Wappen kenntlichen) Behaimschen Fenster erhalten, während die
- St. Pankratiuskapelle in eine Sakristei verwandelt wurde.
-
- [62] »Des jars Marie opferung abent smorgens unter der laudas metten,
- da pran es zu sant Sebolt hinten pei den glocken: kom aus in der
- meßnerknecht stublein, im slot.« Heinrich Deichslers Chronik in
- den Städtechroniken, V, 554.
-
- [63] Ob eine Galerie, wie sie anläßlich der gegenwärtigen Restaurierung
- am Westgiebel des Ostchores angebracht wurde, ursprünglich
- vorhanden war, läßt sich nicht feststellen. Das in Beilage 36
- zitierte Gutachten vom 27. Mai 1561 wurde schon mehrmals in der
- Literatur und sonst veröffentlicht oder behandelt, so in den
- Mitteilungen des Vereines für Geschichte der Stadt Nürnberg,
- 8. Heft, 1889, S. 246 ff. Mummenhoff, Die 1561 abgebrochene
- Galerie an der St. Sebalduskirche, in dem von Hauberrisser und
- Essenwein unterzeichneten Gutachten über den gegenwärtigen
- Zustand der St. Sebalduskirche zu Nürnberg und die daraus sich
- ergebenden Arbeiten, Nürnberg 1882, Bibliothek des Germanischen
- Nationalmuseums in Nürnberg, G. 8001, 4º, usw. -- Bezüglich der
- Stadtpfeifer siehe u. a. Städtechron., I, 449 (Chronik bis 1434):
- »lt. ded. 8 lb. 8 [Schilling] hl, das der freuden tanz gekost hat
- und daz man gab umb wein und den pfeifern und mesnern und den
- turnern Sebaldi, als man alle glocken hie in der stat leutet und
- die pfeifer und trometer auf sant Sebalds kirchen pfiffen und man
- freudenfeur machet allumbundumb in der stat«... (Kaiserkrönung
- Sigmunds, 29. Juni 1433) und Städtechroniken, IV, 19 (Tuchersches
- Memorialbuch 1386-1454): »Item 1433 jar am pfingsttag ward kunig
- Sigmund gekrönt zu kaiser zu Rom und man tanzt auf dem markt umb
- das freuden feuer und der stat pfeufer warn auf dem chor sant
- Sebolt an sant Peter und Paulus tag, und des andern tags tanzt
- man auf dem haus« (Rathaus).
-
- [64] Das einschlägige Material im Stadtarchiv Nürnberg, XL, 19:
- Sebalder Schlag-Thurn. Varia de variis annis, den Sebalder
- Schlagthurn betr. etwa 1550-1616 und XL, 20: Sebalder Schlag
- Thurn, die Reparation des Sebalder Schlagthurns A^o 1647 betr.
-
- Um 1560: =Den gang auf s. Sebalds turn belangend=:
-
- Erbar weiser und gonstiger lieber herr paumeister. So der gangk
- zu s. Sewolt widerumb von stainwerk, in massen wie er itzo vor
- augen (und dann der ander auch also ist) gemacht werden, so muß
- man darzu haben 16 stuck von guttem stain, einß 6-1/2 statschuh
- reichlich lang und 3-1/2 statschuh reichlich hoch und 14 stat zol
- dieck, mer 1 st. 2-1/2 statschuh reichlich lang und in gemelter
- hoch und diecke, mer 1 st. 2 statschuh lang auch in erst gemelter
- hoch und diecken. Dieser letzten zweier stuck dorft man nicht
- besteln, sint meines bedunken vor verhanden, und so solicher
- ganng ye von stainwerk, wie obgemelt, gemacht solte werden und
- mit plei außgegoßen und versetzt wurde, so achte ich gentzlich,
- ime solt der schwank nichts mehr than vom leüten, wann ime ist
- eben, als wann ir einen stain one plei auf ein puxen schrauft, so
- pricht er oder zerspringt paldt, also do auch, wann der morther
- oder zeug (wie dann geschehen) auß den fugen kumbt, so muß das
- steinwerck auch prechen, wie dann solichs am andern thurn auch
- schein ist.
-
- E. E. W. W. diener. Jorg Ungr.
-
- Ohne Zweifel 1561 oder kurz vorher.
-
- Auf vorstehendes Schriftstück beziehen sich offenbar die beiden
- in dem Akt befindlichen und mit den Nummern 4 und 5 versehenen
- Zeichnungen. Nr. 4: »Gang auf s. Sebald schlag turn«; etwa
- 1 : 10; Zeichnung einer halben Seite des Ganges. Nr. 5:
- Durchschnitt des Ganges mit Maßangabe; etwa 1 : 20; in
- entsprechender Größe liegt dieser Zeichnung die eines
- Geländerquadrates mit Ornament bei. Unter der großen Zeichnung:
- »Item die zwo seiten des gangs auf sant Sebalts schlag durn ein
- jede gegen aufgang und nidergang ist die leng 26 stadtschuh
- weniger 3 zoll. Item die andern zwo seiten gegem mittag und
- miternacht ist ein jede 25 stadtschuh lang weniger 3 zoll«.
-
- Bei beiden großen Zeichnungen ist auf jedes Eck des Geländers
- eine Kugel von dem Durchmesser der Geländerstärke (= 10")
- gezeichnet.
-
- 1571: Unvollendetes Schriftstück. Cuntz Helzner, Parlier
- und Steinmetz, besichtigt am 5. Januar das »gelen[der]« des
- Schlagturms.
-
- 1591, 4. Sept. Besichtigung des Schlagturmes. Dach über den
- Schlagglocken schlecht infolge des Hereinregnens ist das Gebälk
- angefault. Der Schlot ebenfalls »bußwirdig«.
-
- M. Mathes Herdegen schlägt das Rüsten und die Ausbesserung des
- Schlotes (abgesehen vom Dach und Gebälk) auf etwa 20 fl. an.
-
- 1609, 13. Mai: Besichtigung des Sebalder Schlagturmes: Die
- Dachbleche oberhalb der Schlagglocke waren sehr löcherich und
- bußwürdig, sodaß durch den eingedrungenen Regen das Gebälk
- angefault war. Auch die drei Sonnenuhren an den drei Seiten
- wurden für schlecht befunden, sie waren »sehr abgewaschen und
- verdunkelt, daß die zal und stunden nicht wol mehr daran zue
- sehen«; es wurde vorgeschlagen, die Uhren mit Ölfarben zu
- »verneuern«.
-
- Durch Ratsverlaß vom 18. Mai wurde die Ausbesserung des
- Dachstuhles und die Verneuerung der Sonnenuhren mit Ölfarbe
- befohlen.
-
- 1613, 8. Jan.: Ratsverlaß: »Uff das mündlich fürbringen, daß
- ein nagel, damit die knopffstangen an dem einen turn gegen der
- wag zue s. Sebalds kirchen angehefftet gewest, durch die große
- bewegung des winds herab gefallen und zu besorgen, das vielleicht
- gefahr dabei sein möchte, ist bevohlen, dieweil albereit der
- augenschein eingenommen worden, solches mit geringen uncosten ins
- werk zuerichten. Actum freitags den 8. januarii anno 1613.
-
- Herrn paumeister«.
-
- Außerdem steht noch am Rand, offenbar auf den Turm bezüglich:
- »welchen der baumeister ampts halber zue underhalten schuldig.«
-
- Ferner: 1613. »Wegen des gerüsts uffm Sebalter schlagturn:
-
- Verzeichnus, was für personen vergangenen 11. januarii bis
- uff 16 dito wegen der zweier in der helmstangen ausgefallener
- keil halber uffm Sebalter schlagturn rüsten und dasselb wider
- abbrechen helfen.
-
- M. Georg Harsch, dachdecker, hat das gerüst gemacht,
- Michel Schwob } deckersgesellen, haben auswendig rüsten helfen,
- Cunz Scheffer }
-
- Melchior Schuler } zimmergeselln, haben auch auswendig hierzu
- } geholfen,
- Hainrich Rödl }
-
- M. Wolf Seyfert, düncher,
- Hannß Zehenter } dünchersgesellen, haben sampt iren maister
- } inwendig hinaus zugelangt.
- Georg Haidenreich }
-
- E. E. und H.
- underteniger
- David Rupprecht
- anschicker«.
-
- Schließlich Bericht einer Besichtigung des Daches und Dachstuhles
- des Schlagturmes durch den Baumeister Wolf Jakob Stromer, den
- Anschicker David Rupprecht und 3 Stadtmeister vom 15. Januar. Die
- »seuln« bei der Viertelglocke seien vor der Zeit »auch mit zin
- und plei under einander vermengt gewesen«. In dem langen Bericht
- wird hauptsächlich der schlechte Zustand der Bedachung und des
- Gebälks hervorgehoben und die »elende besserung« gerügt.
-
- 1616, 28. Mai: Ratsverlaß: »Das abgerissene zihen [Zinn] vom
- Sebalder turn widerumb bessern zu lassen.
-
- Hansen Hegel, Friderich Schwarzpecken und Nicodemum Kraußn,
- alle drei turner auf s. Sebalds turn, soll man ungeachtet ihrer
- entschuldigung ins loch gehen lassen, mit dem eltisten einen
- anfang machen und nachmals auch die andern hinab schaffen und auf
- das abgerissene zihn vom turn zu red halten, sonsten aber, was
- schadhaft worden, fürderlich wider bessern lassen und hinfüro
- monatlich eine besichtigung der türn fürnemen, damit dergleichen
- schad nit mehr geschehe; weil auch die turner so gar geringe
- besoldung haben, soll man bedacht sein, wie inen dieselbe zu
- bessern. Actum erichtags den 28. mai a^o 1616.
-
- Die herren schöpffen
- herrn paumeister.«
-
- Dazu Ratsverlaß vom 30. Mai:
-
- »Hansen Hegel, turner auf s Sebalds turn, auslassen, wie auf
- seiner sag verzeichnet, und dieselbe dem herrn paumeister und
- anschicker fürhalten, auch den augenschein einnemen und, was an
- den fenstern und sonsten zu bessern ist, bessern, auch ihnen ein
- sail, ihr speis und trank daran hinauf zu zihen, geben lassen.
- Actum donnerstags den 30. mai anno 1616.
-
- Herrn { H. J. Pömer
- { paumeister.«
-
- 1647. Ausführlicher Akt betreffs Restauration des Sebalder
- Schlagturmes. Es handelt sich um Bedachung mit Kupfer, da das
- Zinn 1593, 1613 und 1616 habe ausgebessert werden müssen und nun
- schon wieder der Reparatur bedürfe. Die Verhandlungen beginnen
- mit dem 20. Mai. Ein Überschlag über die Bedachung mit Kupfer
- wurde gefertigt und alles in allem mit 914 fl. 50 kr. berechnet,
- während bei Bedachung mit Zinn 60 Ztr. nötig wären, welche allein
- schon eine Summe von 1380 fl. geben würden (an Kupfer seien
- höchstens 20 Ztr. erforderlich). Dem Akt liegt eine Zeichnung
- des Turmdaches (etwa 1 : 80) bei, auf welcher angegeben ist, wie
- und mit welchem Metall die einzelnen Teile bedacht, wie hoch
- dieselben sind und was nun damit zu geschehen hat. Ferner liegen
- Wagzettel über verkauftes Zinn und angekauftes Kupfer bei.
-
- Das Jahr 1577, in welchem die Erneuerung der Kranzgalerie
- vorgenommen worden sein soll, findet sich unbeglaubigt bei M. M.
- Mayer, Die Kirche des heiligen Sebaldus, Nürnberg 1831, S. 6:
- 1496 wurden die beiden zierlich durchbrochenen Gänge gemacht,
- welche man aber 1577 wieder neu bauen mußte. -- Bezüglich des
- Jahres 1591 siehe auch Stadtarchiv Nürnberg, LXXVIII, 267^b, den
- Ratsverlaß vom 4. Oktober, durch welchen die Ausbesserung der
- Mängel auf St. Sebalds Schlagturm anbefohlen wird. Von den darin
- enthaltenen vier Anordnungen kommt hier die zweite in Betracht:
- »Die fürgebrachten mengel auf s. Sebalds schlagturn, soll man
- mit ehestem bessern und renofieren lassen, ehe grosserer schaden
- geschicht per herr baumeister montags 4. octobris 1591.«
-
- [65] Aus der »Untertänigen Anzeige« des Almosenamtes an das Bauamt,
- welches die Baupflicht von »solchen Gebäuden« hat und das Weitere
- zu verfügen ersucht wird, vom 4. August 1754. Stadtarchiv
- Nürnberg, Sebalder Kirche: Acta, die Reparatur der Beschädigung
- durch Einschlagen des Blitzes 1754. Ferner Stadtarchiv Nürnberg,
- XL, 18: Sebalder Kirch. Die Reparatur des durch das Wetter
- Einschlagens allda verursachten Schadens 1754 betr. Außerdem
- siehe ebenda den Ratsverlaß vom 5. August an das Bau- und das
- Stadtalmosenamt, welche aufgefordert werden, die Reparatur sobald
- wie möglich vorzunehmen, und den anderen Ratsverlaß vom 5. August
- ähnlichen Inhalts an das Bauamt.
-
- [66] Kreisarchiv Nürnberg, IV, 12/I, 248. Rentkammer-Akten 45: Akta,
- die Reparatur der Helmstange auf dem Sebalder Kirchturm betr.
- 1804 und 1805, enthaltend die amtlichen Vorverhandlungen und
- den auf 299 fl. 20 kr. berechneten Kostenvoranschlag des
- Tünchermeisters Ott. Ferner: Acta, Reparatur des Sebalder
- Kirchturms betr. 1805, mit der Rechnung Otts und XL, 35: Acta,
- die Sebalds Kirche betr. 1805-1807. Im städtischen Archiv unter
- Stadtalmosenamt Nr. 1972 noch ein weiterer Akt dieses Betreffs
- vom Jahre 1805, worin die Rüstung des Turms auf 299 fl. 20 x. und
- die Baumaterialien auf 142 fl. 40 x. veranschlagt werden.
-
- [67] Kreisarchiv Nürnberg, IV, 12/I, 255. Rentkammer-Akten 45,
- enthaltend: Akta, die Reparatur-Kosten des
- Sebaldus-Kirchen-Daches und eines Braukessels im
- Waizenbierbrauhause betr. vom Jahre 1807.
-
- [68] Siehe auch Otto Schulz, Die Wiederherstellung der Sebalduskirche in
- Nürnberg 1888-1905. Herausgegeben vom Vereine für Geschichte der
- Stadt Nürnberg. Nürnberg 1905.
-
- [69] Siehe die Artikel im Fränkischen Kurier über die Restauration der
- St. Sebalduskirche von Gustav von Bezold. 1904, Nr. 183 und 1906,
- Nr. 355.
-
- [70] Siehe Emil Reicke, Die Sammlung technischer Modelle und Pläne zu
- den Wiederherstellungsarbeiten an der Sebaldus- und Lorenzkirche
- in der Moritzkapelle. Nürnberg 1905.
-
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- Chronologische Übersicht.
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- Um 1230-1273: Erbauung der doppeltürmigen Sebalduskirche.
-
- 1255, 12. Juli: Ablaß für den Stephansaltar. M. R. A.[XXXI]
-
- 1256, 1. Oktober: Ablaß für die Kirche. M. R. A.
-
- 1273, 7. August: Ablaß für die Ausstattung der Kirche. M. R. A.
-
- 1274, 17. August: Ablaß für die Ausstattung der Kirche. M. R. A.
-
- 1274, 9. September: Einweihung des Westchores und des Altares in
- derselben zu Ehren des hl. Petrus. M. R. A.
-
- 1274, 22. November: Ablaß für die Ausstattung der Kirche. M. R. A.
-
- 1275, 24(?). März: Ablaß für die Ausstattung der Kirche. M. R. A.
-
- 1283, 17. November: Ablaß für den Marienaltar in der Krypta. M. R. A.
-
- 1284, 26 April: Ablaß für den Marienaltar in der Krypta.
-
- 1284 [26. April?]: Ablaß für den Marienaltar in der Krypta. M. R. A.
-
- 1290: Ablaß für den Marienaltar in der Krypta und für den
- Johannesaltar unter der Kanzel. M. R. A.
-
- 1290: Ablaß für das Vermögen, die Reparaturen, den Schmuck und andere
- Bedürfnisse der Kirche. M. R. A.
-
- Um 1290: Ablaß für die Kirche. M. R. A.
-
- 1291, 13. Dezember: Ablaßbestätigung für die Kirche. M. R. A.
-
- 1293 soll die Kirche ausgeweißt worden sein. N. K. A.[XXXII]
-
- 1297, 30. Mai: Die Brotbank des Hermann von Stein an der Kirche wird
- dem Kloster Engelthal vermacht. N. St. A.[XXXIII]
-
- 1298, 3. Juli: Ablaßbestätigung für den Katharinenaltar. M. R. A.
-
- 1299, Oktober: Ablaß für das Vermögen und die Ausstattung der Kirche.
- M. R. A.
-
- 1300-1307: Stiftung einer Pfründe für den Stephansaltar durch Pfarrer
- Heinrich von Tuttenstetten. N. K. A.
-
- 1303, 25. Juli: Ablaß für den Petersaltar. M. R. A.
-
- 1307, 17. November: Ablaß für die Kirche. M. R. A.
-
- 1309, 14. Februar: Gotteshauspfleger Friedrich Holzschuher verkauft
- ein der Kirche gehöriges Haus, dessen Erlös für den Neubau der
- Seitenschiffe verwendet wird. M. R. A.
-
- Von 1309 an: Erweiterung der Seitenschiffe.
-
- 1310, 4. Januar: Ablaß für den Bau der Kirche.
-
- Etwa 1310-1315: Die Steinfigur der »Eitelkeit« am nördlichen
- Seitenschiff.
-
- Etwa 1315-1320: Brauttüre, Gewände mit den Figuren der Jungfrauen.
-
- Um 1320: Steinrelief mit der Kreuzigungsgruppe neben der Brauttüre.
-
- Um 1320: Die Konsole mit dem Wappen der Ebner, welche die Steinfigur
- des hl. Antonius trägt, im südlichen Seitenschiff.
-
- Um 1320: Die Konsole mit dem Wappen der Ebner, welche die Steinfigur
- der hl. Helena trägt, im südlichen Seitenschiff.
-
- 1324: Ablaß für die Kirche. M. R. A.
-
- 1324 wird die Chorglocke gegossen. N. St. A.
-
- Etwa 1315-1335: Die Steinfigur Johannis des Täufers im Mittelschiff.
-
- Etwa 1315-1335: Die steinernen Apostelstatuen im Mittelschiff.
-
- Um 1330: Die Steinfiguren des Kaisers Heinrich und der Kaiserin
- Kunigunde im nördlichen Seitenschiff (Stromersche Stiftung).
-
- Etwa 1330-1335: Steinfiguren der Madonna und des hl. Christophorus am
- ersten Pfeiler des nördlichen Seitenschiffes. Kopien der Neuzeit.
-
- 1331 (?): Wappen der Pömer mit Inschrift im Fenster über dem südlichen
- Portal des südlichen Seitenschiffes.
-
- 1332-1340 wird das Rathaus bei der Kirche erbaut. Mummenhoff, Rathaus.
-
- 1333, 26. März: Ablaß für die Kirche. M. R. A.
-
- Um 1335: Die Steinfiguren im Ostchor: Jakobus der Ältere neben der
- Brauttüre, ein anderer Apostel neben dem Fürerschen Fenster, Kaiser
- Heinrich und Kaiserin Kunigunde neben dem Bambergischen Fenster und
- ein Bischof neben dem Hallerschen Fenster.
-
- Um 1335: Steinfigur des Christus mit den Wundmalen (Holzschuhersche
- Stiftung) im Mittelschiff.
-
- Um 1335: Die Steinfigur des hl. Erhard im Mittelschiff.
-
- 1336: Stiftung des Erhardaltars. N. K. A.
-
- 1336, 21. März: Ablaß für die Kirche. M. R. A.
-
- 1336, 26. September: Berthold Pfinzing der Alte verleiht
- Fr. Vorchheimer die Brotbank unter dem Brothaus bei der Kirche.
- N. St. A.
-
- 1337 wird die Schule bei St. Sebald erbaut. B. N. M.[XXXIV]
-
- 1337, 5. Mai: Stiftung einer Pfründe für den Sebaldusaltar durch
- Albrecht Schopper. M. R. A.
-
- 1337, 26. Mai: Ablaß für die Kirche und den Marienaltar. M. R. A.
-
- 1338, 4. Oktober: Ditel Hornlein verkauft an Berthold Tucher sein Erbe
- an der Brotbank bei S. Sebalds Kirchhof zwischen der Deutschherren
- und des Hallers Bänken.
- N. St. A.
-
- 1339, 9. Juni: P. Pinzberger verkauft seine Bank, gelegen zwischen
- seiner Mutter und der Deutschherren Bank, an Frau Gayseln.
- N. St. A.
-
- 1340: Stiftung einer Pfründe für den Petersaltar durch Otto Kramer von
- Koburg. N. K. A.
-
- Um 1340: Brauttüre, Maßwerkbogen.
-
- 1341: Ablaß für den Katharinenaltar. N. K. A.
-
- 1341, 11. Dezember: Stiftung, betreffend Beleuchtung des Frauenaltars
- in der Gruft. M. R. A.
-
- 1342 werden neue Brotläden an der Kirche errichtet. N. St. A.
-
- 1342: Ablaß für den Katharinenaltar. M. R. A.
-
- 1342, 23. April: Stiftung eines Jahrtages bei den Augustinern. Wird der
- Jahrtag nicht gehalten, so fällt der gestiftete Betrag der Kirche
- St. Sebald für ihren Bau zu. M. R. A.
-
- 1342, 13. Dezember: Stiftung einer Wandelkerze für den Frauenaltar.
- M. R. A.
-
- 1343, 9. April: Ablaß für die Kirche. M. R. A.
-
- 1343, 12. Juli: Jakob Kramer stiftet den Jakobsaltar in der Ecke
- gegenüber dem Frauenaltar. M. R. A.
-
- 1344, 18. Januar: Otto von Heydeck vertauscht an den Pfleger der
- S. Sebaldkirche die Kräme am Kirchhof, welche Pfinzingsches Erbe
- sind, und den Gaden unter den Köchen am Kirchhof, welcher das Erbe
- Ulrich Kundorfers ist, gegen vier Häuser an der Schmidgasse.
- N. St. A.
-
- 1347, 6. Februar: Stiftung einer Pfründe für den Kunigundenaltar durch
- Hensel Dietlerin. M. R. A.
-
- 1347, 18. Juli: Das Klarakloster vertauscht an Sankt Sebald einen Gaden
- bei St. Sebalds Kirchhof gegen ein Haus in der Ledergasse.
- N. St. A.
-
- 1348, 19. Februar: Thomas Köchel verkauft sein Erbe an einem Gaden
- unter den Köchen an den Brotbänken an die Pfleger von St. Sebald.
- N. St. A.
-
- 1348, 25. Juni: Stiftung einer Pfründe für den Johannesaltar durch
- Heinrich Pömer. M. R. A.
-
- 1350, 24. August: Ablaß für die Kirche. M. R. A.
-
- Um 1350: Die Steinfigur des hl. Antonius im südlichen Seitenschiff
- (Ebnersche Stiftung).
-
- Um 1350: Die Steinfigur der hl. Helena im südlichen Seitenschiff
- (Ebnersche Stiftung).
-
- 1352: Ablaß für den Zwölfbotenaltar. M. R. A.
-
- 1352, 12. Juli: Gottfried Grafe verkauft seine am Kirchhof von St.
- Sebald gelegene Brotbank, die der Quetrerin und ihrer Erben Erbe
- ist, an Kunrad Pretheim. N. St. A.
-
- 1352, 21. Dezember: Einrichtung der von Konrad Meyrntaler für den
- Zwölfbotenaltar gestifteten Pfründe. M. R. A.
-
- 1353: Ablaß für den Jakobsaltar. N. K. A.
-
- 1354, November: In einem Testament dieses Datums ist die von Konrad
- Tesaurus für den Katharinenaltar gestiftete Pfründe erwähnt.
- M. R. A.
-
- 1355, 2. Januar: Ablaß für den Jakobsaltar in der Kirche. M. R. A.
-
- 1355, 6. März: Merkel Rotensteiner gibt das Erbe, das seine Frau an der
- Bank hat, die unter der oberen Brotlaube zunächst dem Huter liegt,
- auf und verleiht dieselbe an Erhard von Heydeck. N. St. A.
-
- 1355, 5. Juli: Ablaß für den Jakobsaltar in der Kirche. M. R. A.
-
- 1355, 20. November: Heinrich Grabner stiftet ein Licht in die Kirche
- »vor unsers Herrn Leichnam«. M. R. A.
-
- 1356, 10. Juni: Bestätigung der für die Kirche und den Katharinenaltar
- von auswärtigen Bischöfen gewährten Ablässe. M. R. A.
-
- 1356: Stiftung einer Pfründe für den Petersaltar durch Adelhaid
- Löhneisen. N. K. A.
-
- 1357, 2. (21?) Juni: Dietrich Pfützinger von Rothenburg und seine Frau
- verkaufen an die Pfleger von St. Sebald ihre Rechte an der Kammer
- beim Kirchhof von St. Sebald. M. R. A.
-
- 1357, 3. Juni: Kunigund, Witwe des Otto von Forchheim, stiftet ein
- Ewiges Licht vor unseres Herrn Leichnam im Katharinenchor der
- Kirche. M. R. A.
-
- 1358, 23. Februar: Ablaß für die Kirche, weil sie eines Neubaues
- bedarf. M. R. A.
-
- 1358, 28. Mai: Konrad Kötzler begibt sich aller Ansprüche auf den Kram,
- den Konrad Praun erkauft. N. St. A.
-
- 1358, 21. September: Ablaß für den Bau und die Zier der Kirche.
- M. R. A.
-
- 1358: Stiftung einer Pfründe für den Marienaltar durch Konrad Bretheim
- und seine Ehefrau. N. K. A.
-
- 1358: Stiftung einer Pfründe für den Erhardaltar durch Ulrich Haller.
- N. K. A.
-
- 1359: Stiftung einer Pfründe für den Marienaltar durch Konrad Teufel.
- N. K. A.
-
- 1359, 29. Juni: Bernhard von Neumarkt stiftet u. a. ein Ewiges Licht
- auf das Grab seiner Ahnen vor dem Katharinenchor der Kirche.
- M. R. A.
-
- 1359, 15. Juli: Erneute Dotation der von Konrad Mayentaler für den
- Zwölfbotenaltar gestifteten Pfründe durch die Witwe des Stifters.
- M. R. A.
-
- 1359, 23. August: Kunigunde Kudorferin und ihre Söhne verkaufen ihr
- Erbe unter den Köchen, zunächst an Hermann des Grundherrn Gaden
- gelegen, den Pflegern Heinrich Vörchtel und Seitz Maurer.
- N. St. A.
-
- 1359, 22. Oktober: Bestätigung der von Konrad Bretheim und seiner
- Ehefrau für den Frauenaltar gestifteten Pfründe.
- M. R. A. N. K. A.
-
- 1359, 31. Oktober: Hermann Koburger verkauft an St. Sebald zwei
- Leibgedinge, die er auf seinen und seines Sohnes Leib, an der
- Brotbank auf St. Sebalds Kirchhof unter der Stiege gelegen, hatte.
- N. St. A.
-
- 1360: Ablaß für den Allerseelenaltar in der Westkrypta. N. K. A.
-
- 1360 wird die für den Sebaldusaltar gestiftete Schopperpfründe durch
- Friedrich Schopper neu dotiert. N. K. A.
-
- 1360: Bestätigung der für den Katharinenaltar durch Konrad Schatz
- gestifteten Pfründe. N. K. A.
-
- 1360 wird St. Sebalds Pfarrhof erbaut. N. K. A.
-
- 1360: Ablaß für den Erhardsaltar. N. K. A.
-
- 1360, 12. März: Bestätigung der von dem Nürnberger Bürger Otto Kramer
- von Koburg für den Petersaltar gestifteten Pfründe. M. R. A.
-
- 1360, 3. Mai: Ablaß für die Allerseelengruft und ihren Altar in der
- Kirche. M. R. A.
-
- 1360, 6. Mai: Der Bischof von Bamberg gestattet den Umtausch eines
- Hauses am Kirchhof von St. Sebald im Besitz des Egidienklosters
- gegen ein Haus in Besitz der Sebalduskirche. M. R. A.
-
- 1360, 15. Dezember: Ablaß für die Kirche. M. R. A.
-
- Um 1360: Die Glasgemälde in den beiden ersten Fenstern des Ostchors
- nächst den Seitenschiffen.
-
- 1360 wird der alte Chor abgebrochen. N. K. A.
-
- 1361, 25. Mai: Das Egidienkloster vertauscht die Eigenschaft zweier
- Häuser, bei dem Rathaus gelegen, gegen ein dieser Kirche gehöriges
- Haus bei den Fleischbänken. N. St. A.
-
- 1362: Ablaß für den Bau der Kirche. M. R. A.
-
- 1362, 1. Februar: Der von Jakob Haslacher besessene Kram, bei dem Kram
- des Mellwers gelegen, wird dem Konrad Süzzel, dessen Frau Agnes und
- ihren Erben zu Erbrecht übergeben. N. St. A.
-
- 1362, 24. September: Dem Hans Ebner fällt des Seitz Weigels Eigen neben
- des Eisvogels Haus am Kirchhof zu St. Sebald zu. N. St. A.
-
- 1363: Stiftung einer Pfründe für den Erhardsaltar durch Hans Dietlein.
- N. K. A.
-
- 1364: Bestätigung der Tuttenstetterpfründe des Stephansaltars.
- N. K. A.
-
- 1364, 10. März: Ablaß für die Kirche. M. R. A.
-
- 1364, 13. Mai: Der Revers des Pfarrers Albrecht Krauter, den Friedhof
- von St. Sebald nicht zu erweitern, wird durch den Bischof von
- Bamberg bestätigt. N. St. A.
-
- 1365: Ablaß für den Jakobsaltar. N. K. A.
-
- 1365, 17. April: Aus einem Kaufbrief dieses Datums geht hervor, daß
- der Besitzer des dem Verkaufe unterstellten Hauses und Gartens am
- Sand eine Lampe im Katharinenchor der Kirche vor dem Leichnam
- Christi zu beleuchten hatte. M. R. A.
-
- 1369, 10. Februar: Dem Prant Groß wird das Erbrecht an seiner eigenen
- Brotbank, zunächst am Schurstab, übertragen, welches er an Konrad
- den Wolfen und dessen Ehefrau Mechtild und deren Erben verleiht.
- N. St. A.
-
- 1369, 29. September: Pfarrer Albrecht Krauter verzichtet auf alle
- Ansprüche und Forderungen auf den Hof, die Häuser, Stadel und
- Garten vor dem Neuen Tor gelegen, das alles Friedrich Derrers
- Erbe ist. N. St. A.
-
- 1370, 5. Dezember: Die Pfleger Michel Grundherr und Heinrich Semmler
- verleihen das Erbe an einem Haus und Garten an Konrad Eberspeck und
- dessen Frau Gertraud, wofür diese auf St. Kathrein Chor vor unsers
- Herrn Leichnam das Ewige Licht zu unterhalten haben. N. St. A.
-
- 1370: Bestätigung der von Konrad Teufel für den Marienaltar gestifteten
- Pfründe. N. K. A.
-
- 1370: Ablaß für den Marienaltar. N. K. A.
-
- 1371, 18. Dezember: Stiftung der Heinrich Vörchtelpfründe für den
- Sebaldusaltar. M. R. A.
-
- 1372 wird der Petersaltar vom Westchor in den Umgang des neuen
- Ostchores an seine jetzige Stelle verbracht. N. K. A.
-
- 1372 wird der Sebaldusaltar aus dem Ostchor des romanischen Baues im
- neuen Ostchor an der Stelle des jetzigen Hauptaltars errichtet.
- N. K. A.
-
- 1372: Stiftung einer Pfründe für den Petersaltar durch Berthold
- Pfinzing. N. K. A.
-
- 1372, 15. Oktober: Die Pfleger Grundherr und Semler erklären sich
- bereit, die Brotbänke, welche den Leuten zwischen den Pfeilern
- für andere abgebrochene gegeben worden waren, einzulösen, wenn es
- erforderlich oder geraten sein würde. N. St. A.
-
- 1372, 20. Dezember: Margaret, des Eberhart Hasen sel. Witwe, erhält für
- ihre abgebrochene Brotbank eine andere an einem Pfeiler des Chores.
- N. St. A.
-
- Etwa 1372-1379: Acht Fenster mit Glasgemälden im Ostchor, und zwar die
- Fenster der Grundherr, der Mendel, der Tucher, der Fürer, der
- Stromer, der Haller, der Schürstab und der Behaim.
-
- Um 1375: Wandtabernakel im Ostchor unter dem Bambergischen Fenster,
- Groland-Muffelsche Stiftung.
-
- Um 1375: Die Steinfiguren der Madonna und des hl. Sebald auf der
- Ostseite des Ostchores.
-
- Um 1375: Die Steinreliefs mit Passionsdarstellungen an den
- Ostchorpfeilern, gestiftet von verschiedenen Familien.
-
- Um 1375: Die Steinfigur des Thomas-Christus im Ostchor neben der
- Schautüre, Behaimsche Stiftung.
-
- Um 1375: Die Steinfiguren der Apostel Petrus und Paulus im Ostchor
- neben dem Maximiliansfenster.
-
- Um 1375: Das Chorgestühl im Ostchor zwischen den Pfeilern.
-
- Um 1375: Kirchenstuhl der Haller im südlichen Seitenschiff an der
- Westwand.
-
- 1379 wird der Sebaldusaltar erneuert und geweiht.
-
- 1379, 5. Juni: Ablaß für die Vollendung des Baues der Kirche. M. R. A.
-
- 1379, 18. Juni: Bestätigung von Ablässen. M. R. A.
-
- 1379, 10. Juli: Ablaß für den Marienaltar. M. R. A.
-
- 1379 wird der Sebaldusaltar durch einen neuen Altar ersetzt. N. K. A.
-
- 1380, 1. Februar: Ablaß für die Kirche. M. R. A.
-
- Um 1380: Die Steinfigur der Madonna im Ostchor am ersten südlichen
- Pfeiler.
-
- Um 1380: Die Steinfigur des Thomas-Christus im nördlichen Seitenschiff,
- Pömersche Stiftung.
-
- Um 1380: Die Steinfigur des Christus mit den Wundmalen im nördlichen
- Seitenschiff. Pömersche Stiftung; Nachbildung des Holzschuherschen
- Christus.
-
- 1381: Stiftung einer Pfründe für den Jakobsaltar durch Bernhard Kramer.
- N. K. A.
-
- 1383: Stiftung einer Pfründe für den Kunigundenaltar durch Ulrich
- Haller. N. K. A.
-
- 1385, 29. März: Das der Pfründe des Zwölfbotenaltars gehörige Gut zu
- Steinbach wird der Pfründe des Stephansaltars überwiesen.
- M. R. A.
-
- Um 1385: Die Steinfigur eines Thomas-Christus am Wandtabernakel im
- Ostchor.
-
- 1386: Stiftung der Kandelgießerpfründe des Katharinenaltars. N. K. A.
-
- 1389, 10. Dezember: Stiftung der Nützelpfründe für den Kunigundenaltar
- durch Elisabeth, Witwe des Heinrich Haller, Schwester des Peter
- Nützel. N. St. A.
-
- Um 1390: Steinfigur des hl. Sebald im Mittelschiff mit mehreren Wappen.
-
- Um 1390: Die Tonfigur eines Apostels im Ostchor neben dem Hallerschen
- Fenster.
-
- 1391 wird die alte Betglocke gegossen. M. R. A.
-
- 1391, 11. April: Ablaß für die Kirche. N. St. A.
-
- 1392 wird die große Glocke Benedicta geweiht. N. K. A.
-
- 1396: Epitaphium der Pömer, Steinrelief am Treppentürmchen des
- südlichen Turms.
-
- 1396 wird die alte Schlagglocke gegossen. N. K. A.
-
- 1397 wird der silberne Ring des hl. Sebald gefertigt. N. K. A.
-
- Zwischen 1397 und 1444: Stiftung einer Pfründe für den Johannisaltar
- durch Pfarrer Albrecht Fleischmann. N. K. A.
-
- Um 1400: Wappen der Pömer, Steinreliefs am Treppentürmchen des
- südlichen Turmes.
-
- Um 1400: Die Steinfigur einer weiblichen Heiligen im Ostchor neben der
- Schautüre, Volckamersche Stiftung.
-
- Um 1400: Steinfigur des Christus mit den Wundmalen im nördlichen
- Seitenschiff, Ebnersche Stiftung.
-
- Um 1400: Steinfigur des Christus mit den Wundmalen an der nördlichen
- Sakristei. Kopie der Neuzeit. Rietersche Stiftung.
-
- 1402: Stiftung einer Pfründe für den Marienaltar durch Elisabeth Koler.
- N. K. A.
-
- 1406: Stiftung einer Pfründe für den Nikolaus- (späteren Tucher-)Altar
- durch Hartmann Kandelgießer. N. K. A.
-
- Um 1410: Eherner Taufkessel im Westchor.
-
- Um 1410: Die Holzfigur der Madonna im Ostchor am ersten nördlichen
- Pfeiler.
-
- Um 1410: Die Tonfigur des Apostels Johannes im Ostchor neben dem
- Tucherschen Fenster. Tuchersche Stiftung.
-
- Um 1410: Wandteppich mit Darstellungen aus dem Alten Testament.
-
- Um 1410: Wandteppich mit Darstellungen aus der Legende des hl. Sebald.
-
- 1412: Einrichtung von »heimlichen Gemachen«. N. K. A.
-
- 1412: Legat der Klara Geuder für die Stiftung einer Lampe am
- Sebaldusgrab. N. K. A.
-
- 1414: Die Häuser am Weinmarkt unter dem Kirchhof dürfen nicht höher
- gebaut werden. N. K. A.
-
- 1415: Zweites Legat der Klara Geuder für die Stiftung einer zweiten
- Lampe beim Sebaldusgrab. N. K. A.
-
- Um 1420: Zwei Wandteppiche mit Darstellungen aus der Legende der
- hl. Katharina.
-
- Um 1420: Wandteppich mit zwei Darstellungen der Kreuzauffindung durch
- die hl. Helena, Rummelsche Stiftung.
-
- Um 1420: Zwei Steinfiguren einer Verkündigung im Ostchor neben dem
- Volckamerschen Fenster, Volckamersche Stiftungen.
-
- Um 1420: Zwei Steinfiguren einer Heimsuchung im Ostchor, neben dem
- Behaimschen Fenster, Behaimsche Stiftungen.
-
- Um 1420: Epitaph der Haller, Steinrelief am nördlichen Seitenschiff.
-
- 1423: Das Wandgemälde mit dem Abendmahl, der Fußwaschung und dem Ölberg
- im Ostchor hinter dem Tucheraltar, Stiftung des Hans Starck.
-
- 1424: Stiftung für den Stephansaltar. N. K. A.
-
- 1425 wird die für den Sebaldusaltar gestiftete Vörchtelpfründe neu
- dotiert. N. K. A.
-
- 1429: Holzrelief der Madonna im Ostchor über der Schultüre, Ebnersche
- Stiftung.
-
- Um 1430: Epitaph der Fütterer, Steinrelief am südlichen Turm.
-
- Um 1430: Die Steinfigur des hl. Johannes des Täufers im Ostchor neben
- dem Tucherschen Fenster, Tuchersche Stiftung.
-
- Um 1430: Die Steinfiguren der Madonna und des hl. Sebald an der
- Brauttüre. Kopien der Neuzeit.
-
- Um 1430: Epitaph der Holzschuher, Steinrelief am südlichen
- Seitenschiff.
-
- Um 1433: Holztafelgemälde mit der Dornenkrönung im Westchor.
- Löffelholzische Stiftung.
-
- 1435: Stiftung einer Pfründe für den Bartholomäusaltar durch Berthold
- Pfinzing. N. K. A.
-
- Um 1435: Das Holztafelgemälde der Anna selbdritt im Ostchor, Stiftung
- der Familie Imhoff.
-
- Um 1435: Holztafelgemälde mit der Geißelung Christi im Westchor.
- Löffelholzische Stiftung.
-
- Zwischen 1436 und 1439: Stiftung eines Holztafelgemäldes für den
- Stephansaltar durch Nikolaus Muffel. N. K. A.
-
- 1440: Die von Konrad Teufel 1359 für den Marienaltar gestiftete Pfründe
- wird durch Hans Teufel neu dotiert. N. K. A.
-
- Etwa 1440-1450: Halleraltar.
-
- 1442: Steinfigur des hl. Christophorus am südlichen Turm, vielleicht
- von Hans Decker.
-
- 1444 wird die große Orgel im Ostchor von Heinrich Traxdorf gebaut und
- die Wand daneben mit Malereien ausgestattet. N. K. A.
-
- 1444: Stiftung für den Petersaltar. N. K. A.
-
- 1445: Stiftung für den Zwölfbotenaltar. N. K. A.
-
- 1447 wird eine kleinere Orgel gebaut. 1570 wird dieselbe wieder
- entfernt. N. K. A.
-
- 1448: Ablaß für den Stephansaltar. N. K. A.
-
- Um 1448: Holztafelgemälde mit der Verkündigung im Westchor.
- Löffelholzische Stiftung.
-
- 1450: Stiftung des Ewigen Lichts über dem Volckamerschen Grab.
- N. K. A.
-
- Um 1450: Wandteppich mit Darstellungen aus dem Marienleben, Hallersche
- Stiftung.
-
- Um 1450: Die Holzfiguren des hl. Sebald und des hl. Erasmus im Ostchor
- neben dem Schürstabschen Fenster, Hallersche und Schürstabsche
- Stiftungen.
-
- Um 1450: Das Holztafelgemälde der Geburt Christi im Ostchor, Stiftung
- der Familie Imhoff.
-
- 1452: Ablaß für den Stephansaltar. N. K. A.
-
- 1452: Stiftung für den Erhardsaltar. N. K. A.
-
- 1453: Epitaph der Ketzel, Steinrelief an der Nordseite des Westchors.
-
- 1453: Errichtung von Schrein und Predella des Katharinen- oder
- Löffelholzaltars.
-
- Um 1455: Die Holzfigur eines leuchtertragenden Engels neben dem
- Hauptaltar im Ostchor.
-
- 1458: Epitaph der Maurer, Steinrelief an der Nordseite des Westchors.
-
- 1460: Ablaß für den Stephansaltar. N. K. A.
-
- 1460: Ablaß für den Bartholomäusaltar. N. K. A.
-
- Um 1460: Wandteppich mit Darstellungen der Grablegung einer Heiligen,
- Tuchersche Stiftung.
-
- Um 1460: Zwei Wandteppiche mit Darstellungen aus der Parabel vom
- verlorenen Sohn, Tuchersche Stiftung.
-
- Um 1460: Zwei Holzfiguren einer »Verkündigung« im Ostchor neben dem
- Stromerschen Fenster, Stiftungen der Familien Starck und Imhoff.
-
- Um 1460: Die Holzfigur des Apostels Johannes im Ostchor neben dem
- Fürerschen Fenster.
-
- 1461: Diebstahl aus dem Sarg des Sebaldusgrabes. N. K. A.
-
- 1463: Epitaph der Semler, Steinrelief am ersten Pfeiler des nördlichen
- Seitenschiffes.
-
- 1463: Visitation des Bestandes im Sarg des Sebaldusgrabes. N. K. A.
-
- 1464-1466: Mehrere Ablässe für die St. Pankratiuskapelle in der Kirche.
- N. K. A.
-
- 1468: Errichtung von Kasten in der Kirche zur Geldsammlung gegen die
- Hussiten.
-
- Um 1470: Die Holzfiguren eines hl. Papstes und eines hl. Bischofs im
- Ostchor neben dem Pfinzingschen Fenster, Hallersche Stiftungen.
-
- 1473: Das Wandgemälde mit Kreuzschleppung im Ostchor unter dem Gemälde
- des Hans von Kulmbach, Steinlingersche Stiftung.
-
- 1475: Ablaßbestätigung für den Petersaltar. N. K. A.
-
- 1476: Ablaß für den Bartholomäusaltar. N. K. A.
-
- 1477: Ablaß für den Bartholomäusaltar. N. K. A.
-
- 1477 kaufen Berthold, Hans, Anton und Langhans Tucher einen Grabteppich
- mit der Darstellung des englischen Grußes. Tucher-Archiv.
-
- 1478: Das Holztafelgemälde der Allegorie auf die Geburt Christi im
- nördlichen Seitenschiff; Stiftung der Familie Starck.
-
- 1479: Ablaß für den Stephansaltar. N. K. A.
-
- 1480: Ausbruch der Schautüre im Ostchor.
-
- Um 1480 wird die Holzfigur des Christuskindes der Madonnenstatue im
- Ostchor am ersten südlichen Pfeiler angefügt.
-
- Um 1480: Epitaph der Pfinzing, Steinrelief an der Nordseite des
- Westchors.
-
- 1481: Ablaß für den Stephansaltar. N. K. A.
-
- 1481-1490: Erhöhung der Türme. N. K. A.
-
- 1482: Die Brüder Johann und Georg Starck stiften ein hölzernes Kruzifix
- an dem Schwibbogen zwischen dem Sebalder Pfarrhaus und der
- Moritzkapelle.
-
- 1482: Wiederholte Visitation des Bestandes im Sarg des Sebaldusgrabes.
- N. K. A.
-
- 1482 wird die Uhr- oder Schlagglocke gegossen. N. St. A.
-
- 1483 wird die Uhr- oder Schlagglocke aufgehängt. N. St. A.
-
- 1483: Stiftung für den Erhardsaltar. N. K. A.
-
- 1485: Das Holztafelgemälde der Kreuzigung im Ostchor, Stiftung des Hans
- Tucher.
-
- Um 1485: Petersaltar im Ostchor.
-
- Nach 1485: Epitaph der Schedel, Steinrelief des Jüngsten Gerichts am
- Ostchor über der Schautüre.
-
- Vor 1487 wird der Petersaltar im Ostchor auf Veranlassung des Nikolaus
- Topler restauriert.
-
- 1487: Ablaß für den Stephansaltar. N. K. A.
-
- 1488: Erster Entwurf des Peter Vischer für das Sebaldusgrab. N. K. A.
-
- 1490, 20. November: Morgens bricht in der Wächterstube des südlichen
- Turmes Feuer aus.
-
- Um 1490: Zwei Altarleuchter in Gestalt von kerzentragenden Engeln,
- massives Silber.
-
- Um 1490: Die Holzfigur des Christus als Weltheilandes in der Art des
- Veit Stoß im Ostchor neben dem Mendelschen Fenster, Tuchersche
- Stiftung.
-
- 1492 vollendet Adam Kraft das Schreyersche Grabmal am Ostchor.
-
- 1493 werden in das Schürstabsche Fenster im Ostchor zwei Wappen der
- Schürstab eingesetzt.
-
- 1493 wird die Viertelstundenglocke aufgehängt. N. K. A.
-
- 1493: Ablaß betreffend das von Sebald Schreyel gestiftete Ewige Licht
- und Sakramentshäuslein. N. K. A.
-
- 1493, 19. August wird die erste beglaubigte Restaurierung der Kirche
- (»geweist und verneut inwendig«) vollendet.
-
- 1495: Die Holzfiguren des Thomas-Christus und der Maria als
- Schmerzensmutter von Veit Stoß im Ostchor neben dem
- Markgrafenfenster Volckamersche Stiftungen.
-
- Um 1495: Die Holzfigur des Apostels Andreas, wohl von Veit Stoß, am
- Ostchor neben dem Mendelschen Fenster, Tuchersche Stiftung.
-
- 1496: Steinrelief der Kreuztragung von Adam Kraft im Mittelschiff.
-
- 1497: Epitaph des Peter Fugger von Augsburg, Steinrelief am nördlichen
- Seitenschiff.
-
- 1497: Wandteppich mit der Darstellung der Geburt Christi mit vier
- Heiligen.
-
- 1499: Steinrelief mit drei Passionsszenen von Veit Stoß im Ostchor
- unter dem Markgrafenfenster.
-
- Um 1500: spätgotischer Prachtkelch mit Patene von vergoldetem Silber.
-
- 1501: Das Bambergische Fenster im Ostchor, gemalt von Wolf Katzheimer.
-
- 1501: Erste Renovierung des von der Familie Starck 1578 gestifteten
- Holztafelgemäldes, Allegorie auf die Geburt Christi, im nördlichen
- Seitenschiff.
-
- 1502: Titelblätter, gemalt zu den von Paul Volckamer und Sebald
- Schreyer 1501 gestifteten Exemplaren des Liber horarum (Bamberg,
- Joh. Pfeyl, 1501).
-
- 1503: Wiederholte Visitation des Bestandes im Sarg des Sebaldusgrabes.
- N. K. A.
-
- Um 1505: Das Holztafelgemälde der Verkündigung im südlichen
- Seitenschiff, Stiftung der Familie Oelhafen.
-
- 1506: Zweiter Einbruch in den Schrein des Sebaldusgrabes. N. K. A.
-
- 1508: Bestätigung des 1493 für das Schreyersche Ewige Licht und
- Sakramentshäuschen gewährten Ablasses. N. K. A.
-
- 1508-1519: Herstellung des Sebaldusgrabes durch Peter Vischer und seine
- Söhne.
-
- 1509: Stiftung einer Pfründe für den Stephansaltar durch Ambrosius
- Stromer. N. K. A.
-
- Um 1510: Steinrelief der Kreuzauffindung und Kreuzprobe der Kaiserin
- Helena im südlichen Turmportal.
-
- 1512: Vollendung des Sebaldusgrabes ohne den figürlichen Schmuck durch
- Peter Vischer.
-
- 1513: Das Holztafelgemälde der Madonna mit Heiligen von Hans von
- Kulmbach im Ostchor, Stiftung des Martin Tucher.
-
- Um 1513: Stiftung der Tucherschen Familientafel mit dem Bild des Todes
- im Ostchor.
-
- 1514: Das Maximiliansfenster im Ostchor, gemalt von Veit Hirschvogel.
- N. K. A.
-
- 1514 will Probst Melchior Pfinzing das Wandtabernakel im Ostchor durch
- ein größeres Sakramentshäuschen über dem Nikolausaltar ersetzen.
-
- Um 1515: Die Erzfigur der Madonna von Stephan Godl im Ostchor am
- dritten nördlichen Pfeiler.
-
- 1515 erlaubt der Rat dem Michael Behaim, die Kramerkapelle in der
- Kirche am Gewölbe und an den Fenstern und Altartafeln restaurieren
- zu lassen.
-
- 1515: Das Markgrafenfenster im Ostchor, nach einem Entwurf des Hans von
- Kulmbach gemalt von Veit Hirschvogel.
-
- 1515: Das Pfinzingsche Fenster im Ostchor, gemalt von Veit Hirschvogel.
-
- 1520: Reparaturen am Sarg des Sebaldusgrabes. N. K. A.
-
- 1522: Meßkelch mit Patene von vergoldetem Silber, Tuchersche Stiftung.
-
- 1523: Letzte Prozession am Sebaldusfest. N. K. A.
-
- Um 1525: Das Holztafelgemälde der »Krönung Mariä« im Mittelschiff,
- Stiftung der Familie Imhoff.
-
- 1526: Die Kreuzigungsgruppe aus Holz von Veit Stoß im Ostchor.
-
- 1542 werden auf Beschluß des Rates die beiden Frauenaltäre, der
- gegenüberstehende Zwölfbotenaltar und der dazwischen befindliche
- Altar, wahrscheinlich der Johannisaltar, beseitigt, weil die
- Kirchenbesucher den Geistlichen auf der Kanzel nicht sehen konnten.
- N. K. A.
-
- 1543: Das von den Gebrüdern Starck an dem Schwibbogen beim Sebalder
- Pfarrhaus 1482 gestiftete hölzerne Kruzifix wird nach Abbruch des
- Bogens an den Westchor der Kirche verbracht.
-
- Um 1550: Erneuerung des untersten Teiles des Tucherschen Fensters im
- Ostchor.
-
- 1552 werden Gold- und Silbergeräte des Kirchenschatzes eingeschmolzen.
- N. K. A.
-
- 1561: Ausbesserung des Ostchores und Abnahme seiner schadhaften
- Galerie. N. K. A.
-
- 1570 wird die 1447 gestiftete kleine Orgel entfernt. N. K. A.
-
- 1571 wird die Beseitigung der baufälligen Kranzgalerie des südlichen
- Turmes geplant. N. St. A.
-
- 1571: Reparaturen an den Türmen. N. St. A.
-
- 1572 wird die große, 1444 von Heinrich Traxdorf erbaute Orgel
- renoviert. N. K. A.
-
- 1572: Renovierung des von Martin Tucher 1513 gestifteten Hans von
- Kulmbachschen Holztafelgemäldes der Madonna mit Heiligen im
- Ostchor durch Nikolaus Juvenel.
-
- 1572 wird der Petersaltar im Ostchor renoviert. N. K. A.
-
- 1574 werden acht verschiedene Wappen in das Grundherrsche Fenster im
- Ostchor eingesetzt.
-
- 1591: Reparaturen an den Türmen. N. K. A.
-
- 1591 wird zum ersten Mal der schlechte Zustand des Zinndaches am
- südlichen Turm festgestellt. N. St. A.
-
- 1591: 4. Oktober. Durch Ratsverlaß wird die Ausbesserung auf
- St. Sebalds Schlagturm befohlen. N. St. A.
-
- 1593: Ausbesserung des Zinnes am Schlagturm. N. St. A.
-
- 1600 wird die neue Betglocke gegossen. N. St. A.
-
- 1601: Das Imhoffsche Fenster im Ostchor, gemalt von Jakob Sprüngli oder
- Christoph Maurer.
-
- 1603: Das Holztafelgemälde mit Szenen aus dem Leben der ersten Menschen
- von Johann Kreuzfelder im Ostchor, Stiftung der Familie Behaim.
-
- 1609: Zweite Besichtigung und Ausbesserung des schadhaften Zinndaches
- am südlichen Turm. N. St. A.
-
- 1613: Ausbesserung des Zinns am Schlagturm. N. St. A.
-
- 1613: Erneute Besichtigung und Ausbesserung des schadhaften Zinndaches
- am südlichen Turm. N. St. A.
-
- 1613 wird der Sebaldusaltar durch Maler Leonhard Prechtel restauriert.
- N. K. A.
-
- 1614: Wappen der Nützel mit Inschrift, im fünften Fenster des
- nördlichen Seitenschiffes eingesetzt.
-
- 1614: Reparaturen am Sebaldusaltar durch Maler Leonhard Prechtel.
- N. St. A.
-
- 1616: Erneute Besichtigung und Ausbesserung des schadhaften Zinndaches
- am südlichen Turm. N. St. A.
-
- 1616: Ausbesserung des Zinns am Schlagturm. N. St. A.
-
- 1625 wird auf Veranlassung des Hans Starck das eherne Kruzifix
- am Westchor von Johann Wurzelbauer, dem Sohne des Meisters vom
- Tugendbrunnen, gegossen als Ersatz für das Starcksche hölzerne
- Kruzifix vom Jahre 1482, welches 1543 an die jetzige Stelle
- transferiert worden war.
-
- 1627: Renovierung der drei von Hans Starck 1423 gestifteten Wandgemälde
- des Abendmahles, der Fußwaschung und des Ölberges im Ostchor auf
- Veranlassung des jüngeren Hans Starck.
-
- 1628: Umfassende Renovierung des ganzen Sebaldusgrabes. N. K. A.
-
- 1628: Das Holztafelgemälde des Jüngsten Gerichtes im Ostchor, freie
- Kopie nach Rubens, wahrscheinlich von Jörg Gärtner dem Älteren
- ([gestorben] 1648), Stiftung der Familie Imhoff.
-
- 1629: Kirchenstuhl mit reichen Schnitzereien im Westchor.
-
- 1641 werden in das Imhoffsche Fenster im Ostchor zwei Wappenpaare
- eingesetzt.
-
- 1643: Zwei Abendmahlskannen von vergoldetem Silber, Grundherrsche
- Stiftung.
-
- 1643: Seidene Kanzelbekleidung mit Applikationsstickerei, gestiftet von
- Achaz Hilling von Elnbogen und seiner Ehefrau.
-
- 1647: Neubedachung des mit Zinn gedeckten südlichen Turmes mit
- Kupferplatten. N. St. A.
-
- 1647: Restaurierung des Schlagturmes. N. St. A.
-
- 1652 läßt der Kurfürst von Mainz durch Bildhauer Georg Schweigger dem
- Rat von Nürnberg 1000 Dukaten für die Kreuzigungsgruppe von Veit
- Stoß im Ostchor bieten.
-
- Vor 1654: Das Holztafelgemälde mit der Beweinung Christi im Ostchor,
- Kopie nach Dürer, wahrscheinlich von Georg Gärtner dem Jüngeren
- ([gestorben] 1654), Stiftung der Familie Holzschuher.
-
- 1656 wird das von der Familie Ebner 1429 gestiftete Madonnenrelief im
- Ostchore über der Schultüre renoviert.
-
- 1656 und 1657: Unbedeutende Renovierung des Inneren der Kirche und
- Abänderung der Emporkirche (Engelschor). N. St. A.
-
- 1657 wird von den Silberdrahtziehern eine kleine Orgel im Ostchor
- gestiftet.
-
- 1657 und folgende Jahre wird die Kirche nach dem Muster des Bamberger
- Domes von Tünchermeister Jakob Fuchs renoviert. N. St. A.
-
- 1657: Das Wandgemälde einer Inschrifttafel im Ostchor über dem
- Kaiserchörlein.
-
- 1657: Eröffnung der »Geheimen Versperr«. N. K. A.
-
- 1657-1664: Renovierung und Barockausstattung der Kirche. N. St. A.
-
- 1658 wird die große, 1444 von Heinrich Traxdorf erbaute, 1572
- renovierte Orgel im Barockstil umgebaut. N. K. A.
-
- 1658: Zweite Renovierung des von der Familie Starck 1478 gestifteten
- Holztafelgemäldes einer Allegorie auf die Geburt Christi im
- nördlichen Seitenschiff.
-
- 1658: Abendmahlskelch mit Patene und zwei Abendmahlskannen von
- vergoldetem Silber, gestiftet von Buchhändler Wolfgang Endter dem
- Älteren.
-
- 1659: Errichtung des neuen Nikolaus- oder Tucheraltars mit dem
- Ecce-Homo-Bild von Merian. N. K. A.
-
- 1659 wird im Zusammenhang mit der Barockausstattung der Kirche die neue
- Kanzel errichtet. N. K. A.
-
- Um 1660: Die Geschlechtertafeln der Löffelholz im Westchor, der Kreß
- und der Volckamer im Ostchor beim Muffelschen Altar.
-
- Um 1660: Altarkruzifix von massivem Silber mit dem Monogramm M. W.
-
- 1660-1663 erbaut Georg Wirsching den Hauptaltar an Stelle des gotischen
- Hochaltars. N. K. A.
-
- 1663: Errichtung des neuen Stephans- oder Muffelschen Altares. Das Bild
- des alten Altares wird in die Lorenzkirche verbracht. N. St. A.
-
- 1675: Abendmahlskelch mit Patene von vergoldetem Silber, gestiftet von
- Joachim Kern und dessen Ehefrau.
-
- 1691 wird das Werk der großen Orgel vom Jahre 1444 im Ostchor von Georg
- Sigmund Leyser, Orgelbauer in Rothenburg a. T., erneuert.
- N. K. A.
-
- 1700-1759. Unbedeutende Reparaturen an der Betglocke, dem Vesperlein,
- dem Zeigerlein und der Garausglocke. N. St. A.
-
- Um 1700: Etui mit Löffel von vergoldetem Silber, Altargerät.
-
- Um 1700: Altarkruzifix von massivem Silber.
-
- 1712: Aus Anlaß der Anwesenheit Karls VI. in Nürnberg wird die
- kaiserliche Küche vor der Kirche aufgeschlagen. N. St. A.
-
- 1723: Klingelbeutel mit der Gruppe Christus am Kreuz und Maria von
- massivem Silber und mit dem Monogramm M. M.
-
- 1732, 13. Oktober wird die Overdiksche Orgel im Ostchor gestiftet. Sie
- wird später auf den sogenannten Engelschor verbracht. N. K. A.
-
- 1744: Hostienbüchse von vergoldetem Silber, gestiftet von M. M. W.
-
- 1754, 3. August entsteht durch Blitzschlag auf dem Dachboden über dem
- Westchor Brand. N. St. A.
-
- 1754, 16. September: Ratsverlaß, die der Reparatur bedürftigen
- Bäckerläden bei St. Sebald betreffend. N. St. A.
-
- Um 1755: Taufbecken mit Kanne von Silber.
-
- Um 1755: Zwei Abendmahlskelche mit Patenen von vergoldetem Silber.
-
- Um 1755: Die Geschlechtertafeln der Ebner im nördlichen, der
- Holzschuher im südlichen Seitenschiff und der Fürer im Ostchor
- beim Muffelschen Altar.
-
- 1768-1769: Ausbesserung des Dachstuhles des nördlichen Turmes und
- Neubedachung mit Zinnplatten. N. St. A.
-
- 1769-1770: Reparaturen an den Türmen. N. St. A.
-
- 1774: Renovierung des von der Familie Behaim 1603 gestifteten
- Kreuzfelderschen Holztafelgemäldes mit Szenen aus dem Leben der
- ersten Menschen im Ostchor.
-
- 1781: Sanduhr mit Gehäuse von Silber, Holzschuhersche Stiftung.
-
- 1784-1785: Verhandlungen über Aufführung eines neuen Stockwerks im
- Sebalder Pfarrhof. N. St. A.
-
- 1790: Ausbesserung eines Fensterpfeilers in der Kirche. N. K. A.
-
- Um 1790: Umbau des Katharinen- oder Löffelholzaltares.
-
- 1797, 12. Oktober bis 1798, 3. Februar: Verhandlungen, die
- unberechtigte Veräußerung von Kirchengeräten und Meßgewändern
- betreffend. N. K. A.
-
- 1797 soll das 1396 gestiftete Pömersche Epitaph am südlichen
- Treppenturm restauriert worden sein.
-
- 1798: Reparatur der Bet- und Chorglocke. N. St. A.
-
- 1798: Reparatur in der Senioratswohnung. N. St. A.
-
- 1798: Ofenreparatur in der großen Sakristei. N. St. A.
-
- 1800: Reparaturen an den Wappenschilden der Kirche. N. St. A.
-
- 1800-1806 wird der Musikchor aus der Frauenkirche in die Sebalduskirche
- transferiert. N. K. A.
-
- 1802: Reparatur in der Diakonatswohnung. N. K. A.
-
- 1804 und 1805: Reparatur der Helmstangen auf den Kirchtürmen.
- N. K. A.
-
- 1805: Wiederholte Reparatur an der Fahnenstange auf dem südlichen Turm.
- N. St. A.
-
- 1807: Ausbesserung des 1647 gedeckten Kupferdaches am südlichen Turm.
- N. St. A.
-
- 1807: Reparatur des Kirchendaches. N. K. A.
-
- 1817 werden in das Markgrafenfenster im Ostchor zwei Medaillons mit den
- Bildnissen Luthers und Melanchthons eingesetzt.
-
- 1823 wird nach den Plänen K. A. Heideloffs ein neuer Hauptaltar an
- Stelle des Barockaltares vom Jahre 1663 errichtet.
-
- 1827 wird das Werk der großen Orgel vom Jahre 1444 im Ostchor wiederum
- repariert durch den Orgelbauer Augustin Ferdinand Bittner und das
- Gehäuse nach den Plänen Heideloffs umgebaut.
-
- Um 1830: Zwei große Altarleuchter von Silber.
-
- 1838: Abendmahlskanne von vergoldetem Silber, gestiftet von der
- Kaufmannswitwe Therese Rohrmann.
-
- 1859 baut Bildhauer Lorenz Rotermundt nach Krelings Entwurf die Kanzel.
-
- 1888-1906: Umfassende Restaurierung der Kirche und ihres Inventars
- unter Leitung der Architekten G. v. Hauberrisser und J. Schmitz.
-
- [XXXI] M. R. A. = Münchener Reichsarchiv.
-
- [XXXII] N. K. A. = Nürnberger Kreisarchiv.
-
- [XXXIII] N. St. A. = Nürnberger Stadtarchiv.
-
- [XXXIV] B. N. M. = Bayrisches Nationalmuseum.
-
-
-
-
- Verzeichnis der Abbildungen.
-
-
- Tafeln.
-
- I. Ansicht des Ostchors gegenüber dem Titelblatt
-
- II. Grundrisse und Details des romanischen Baues nach S. 12
-
- III. Ansicht und Schnitt des romanischen Baues " " 20
-
- IV. Das Brauttor " " 38
-
- V. Grundriß der Sebalduskirche " " 42
-
- VI. Längenschnitt der Sebalduskirche " " 48
-
- VII. Grundrißentwicklung der Strebepfeiler am Ostchor " " 56
-
- VIII. Ansicht eines Ostchorjoches " " 56
-
- IX. Seitenansicht und Schnitt eines Strebepfeilers am
- Ostchor " " 56
-
- X. Innenansicht vom Ostchor gegen das nördliche
- Seitenschiff " " 74
-
- XI. (Farbige Tafel). Romanisches Dienstkapitäl des
- Mittelschiffes mit später angesetztem gotischem
- Baldachin. -- Gewölbeschlußstein im Ostchor " " 104
-
- XII. (Farbige Tafel). Statue des Apostels Johannes im
- Mittelschiff. -- Engelsstatue von der Volckamerschen
- Verkündigung mit Baldachin und Konsole " " 104
-
- XIII. Baukosten der Wiederherstellung der Sebalduskirche
- 1885-1906 " " 128
-
- XIV. Sebaldusgrab von Peter Vischer " " 128
-
- XV. Thronende Maria mit Heiligentafelgemälde von Hans
- von Kulmbach (Tuchersche Stiftung) " " 212
-
-
- Textabbildungen.
-
- Seite
-
- 1. Modell (von oben gesehen) der ausgegrabenen Ostchorkrypta 17
-
- 2. Innenansicht gegen Osten 18
-
- 3. Innenansicht gegen den Westchor 21
-
- 4. Triforien im Mittelschiff 22
-
- 5. Partie aus dem Engelschor 23
-
- 6. Westansicht vor der Restaurierung 25
-
- 7. Ansicht vom südlichen Seitenschiff gegen Norden 27
-
- 8. Kapitäl der Dienste im Mittelschiff 28
-
- 9. Romanisches Kapitäl mit Blatt- und Bandornament 29
-
- 10. Desgleichen 29
-
- 11. Gotisches Kapitäl im Seitenschiff 29
-
- 12. Romanisches Kapitäl mit Knollenornament 29
-
- 13. Romanische Hornkonsole 30
-
- 14. Romanische Konsole 30
-
- 15. Portal am südlichen Turm 35
-
- 16., 17., 18. Romanisches Portal am südlichen Turm 37
-
- 19. Querschnitt durch das Mittelschiff und die Seitenschiffe 41
-
- 20. Portal am südlichen Seitenschiff 43
-
- 21 _a-d_. Fenstermaßwerke der Seitenschiffe 45
-
- 22., 22 _a_. Brauttor 46
-
- 23. Ostchor. Innenansicht 51
-
- 24. Innenansicht vom Ostchor gegen Nordosten 53
-
- 25. Baldachin im Ostchor 55
-
- 26. Meisterzeichen im Ostchor 63
-
- 27., 27 _a_, 27 _b_. Baldachin am Ostchor 67
-
- 28. Westansicht 69
-
- 29. Oberer Teil des nördlichen Turms 73
-
- 30. Inneres der Sebalduskirche. Ausschnitt aus dem Kupferstiche
- von J. A. Graff 1694 77
-
- 31. Ostchorpartie vor der Restaurierung 80
-
- 32. Westansicht mit den Gerüstbauten 82
-
- 33. Die aufgefundenen Reste der ehemaligen Galerie am Ostchor 87
-
- 34. Ostchorpartie nach der Restaurierung 89
-
- 35. Neuer Verkündungsengel am Ostchor 90
-
- 36. Konsole mit Ritter an einem nördlichen Pfeiler des Ostchors 91
-
- 37. Konsole mit Ritterfräulein an einem nördlichen Pfeiler des
- Ostchors 91
-
- 38. Nördliches Seitenschiff vor der Restaurierung 92
-
- 39. Nordansicht 93
-
- 40. Pfinzingkapelle vor der Restaurierung 98
-
- 41. Pfinzingkapelle nach der Restaurierung 98
-
- 42. Erneuerte Madonnenstatue am Brautportal 99
-
- 43. Löffelholzaltar 107
-
- 44. Modell eines zum Teil armierten Vitrumspfeilers 111
-
- 45. Armierter Vitrumspfeiler während der Restaurierung 112
-
- 46. Der heil. Christophorus. Wandgemälde im südlichen
- Seitenschiff 114
-
- 47. Statue des Apostels Paulus mit Baldachin und Konsole im
- Ostchor 117
-
- 48. Statue des Kaisers Heinrich vor der Restaurierung 119
-
- 49. Statue des Kaisers Heinrich nach der Restaurierung 119
-
- 50. Sakramentshäuschen im Ostchor 121
-
- 51. Partie aus dem Ostchor mit Tucheraltar, Sakramentshäuschen
- und Petrusaltar 123
-
- 52. Ostchor. Ansicht gegen Westen 125
-
- 53. Petrusaltar (geöffnet) 130
-
- 54. Petrusaltar (geschlossen) 131
-
- 55., 56., 57. Kreuzigungsgruppe von Veit Stoß. Über dem
- Hauptaltar im Ostchor 133
-
- 58. Geburt Christi. Von einem der Flügel des Löffelholzaltars 135
-
- 59. Legende des heil. Georg. Von einem der Flügel des
- Löffelholzaltars 135
-
- 60. Halleraltar (geschlossen) 136
-
- 61. Halleraltar (geöffnet) 137
-
- 62. Erzkruzifix am Westchor 141
-
- 63. Bogenfeld im Portal des nördlichen Seitenschiffs mit
- Darstellungen aus dem Marienleben 142
-
- 64. Statue der Eitelkeit der Welt am nördlichen Seitenschiff.
- Vorderseite 143
-
- 65. Desgleichen. Rückseite 143
-
- 66. Eine der klugen Jungfrauen am Brautportal 143
-
- 67. Geißelung Christi. Stationsrelief am Ostchor 144
-
- 68. Kreuztragung, Stationsrelief am Ostchor 144
-
- 69. Passionsszenen von Adam Kraft. Schreyersches Begräbnis am
- Ostchor 145
-
- 70. Konsole mit Mönchen an einem südlichen Pfeiler des Ostchors 147
-
- 71. Darstellung des Jüngsten Gerichts. Schedelsches Relief über
- der Schautüre 147
-
- 72. Grabrelief der Holzschuher am südlichen Seitenschiff (Kopie
- aus der Barockzeit) 148
-
- 73. Bogenfeld im Portal des südlichen Seitenschiffes 149
-
- 74. Grabrelief der Pömer am südlichen Treppenturm 150
-
- 75. Grabrelief der Haller am südlichen Turm 151
-
- 76. Türklopfer vom Brauttor 152
-
- 77. Statue des Apostels Johannes im Mittelschiff 153
-
- 78. Statue des Apostels Philippus im Mittelschiff 153
-
- 79. Statue des Apostels Petrus im Mittelschiff 153
-
- 80. Statue des Apostels Simon im Mittelschiff 153
-
- 81. Statue des Apostels Bartholomäus im Mittelschiff 154
-
- 82. Statue der hl. Kunigunde im nördlichen Seitenschiff 154
-
- 83. Statue des hl. Kaisers Heinrich im nördlichen Seitenschiff 155
-
- 84. Statue des hl. Erhard im Mittelschiff 155
-
- 85. Statue der hl. Helena im südlichen Seitenschiff 155
-
- 86. Statue des hl. Sebaldus im Mittelschiff 155
-
- 87. Kreuzschleppung von Adam Kraft 156
-
- 88. Eherner Taufkessel im Löffelholzchor 157
-
- 89. Der Apostel Andreas. Holzstatue von Veit Stoß 157
-
- 90. Statue Johannes des Evangelisten im Ostchor 158
-
- 91. Thomaschristus von Veit Stoß im Ostchor 158
-
- 92. Schmerzensmutter von Veit Stoß im Ostchor 158
-
- 93. Statue des hl. Erasmus im Ostchor 159
-
- 94. Statue der Maria von der Behaimschen Heimsuchung 159
-
- 95. Passionsszenen von Veit Stoß im Ostchor 161
-
- 96. Ebnerrelief am Dreikönigsportal im Ostchor 161
-
- 97. Madonna in der Glorie. Statue (Birnbaumholz) im Ostchor 162
-
- 98. Bronzestatuette der Maria von Stephan Godl 163
-
- 99. Detail vom Sebaldusgrab 165
-
- 100. Gewölbeschlußstein mit der Geburt Christi. Im nördlichen
- Seitenschiff 167
-
- 101. Gewölbeschlußstein mit dem hl. Sebald. In der nördlichen
- Sakristei 167
-
- 102. Verkündigung. Holztafelgemälde im Löffelholzchor 169
-
- 103. Krönung der Maria. Holztafelgemälde im Mittelschiff 171
-
- 104. Darstellung des Paradieses. Holztafelgemälde von Johann
- Kreuzfelder 1603 173
-
- 105. Abendmahl und Ölberg. Wandgemälde im Ostchor 173
-
- 106. Darstellungen aus der Apostellegende. Wandgemälde im Ostchor 175
-
- 107. Detail vom Bamberger Fenster 179
-
- 108. Detail vom Maximiliansfenster 181
-
- 109. Detail vom Markgrafenfenster 183
-
- 110. Fenster über dem südlichen Seitenschiffportal 186
-
- 111. Detail vom Rahmen der Kressischen Totentafel im Ostchor 189
-
- 112. Detail vom Rahmen der Volckamerschen Totentafel im Ostchor 190
-
- 113. Rahmen der Ebnerschen Totentafel im nördlichen Seitenschiff 190
-
- 114. Details vom Rahmen der Tucherschen Totentafeln 191
-
- 115. Löffelholzische Totenschilder 191
-
- 116. Kressisches Totenschild (des Stifters der Kirche in
- Kraftshof) 191
-
- 117. Hallersche Totenschilder 192
-
- 118. Hallersches Totenschild 192
-
- 119. Ebnersches Totenschild 193
-
- 120. Stromersches Totenschild 193
-
- 121., 122. Details von den Chorstühlen im Ostchor 193
-
- 123. Desgleichen 194
-
- 124. Hallerscher Kirchenstuhl 194
-
- 125. Kirchenstuhl im Löffelholzchor 194
-
- 126. Orgel im Ostchor 195
-
- 127., 128. Eisenbeschlag vom Brauttor 196
-
- 129. Silbervergoldeter gotischer Kelch mit durchbrochenen
- Ornamenten 197
-
- 130. Sanduhr (ehemals an der Kanzel) 198
-
- 131. Leuchterengel (Hauptaltar) 199
-
- 132., 133. Gobelin mit Darstellungen aus der Legende des
- hl. Sebald 201
-
- 134. Gobelin mit Darstellungen aus dem Marienleben 203
-
- 135. Gobelin mit Darstellung der Geburt Christi, 1495 204
-
- 136. Mittelstück des Gobelins von 1495 204
-
- 137. Katharinenstatue vom Portal des südlichen Seitenschiffs 205
-
- 138. Kopf der Katharinenstatue vom Portal des südlichen
- Seitenschiffs 207
-
- 139. Lapidarium in der westlichen Krypta 208
-
- 140. Auferweckung des Lazarus. Relief vom südlichen Seitenschiff
- (jetzt in der Bausammlung) 209
-
- 141. Übermalter Holzschnitt in einem der Exemplare des »Liber
- missalis«, Bamberg 1490 209
-
- 142. Randverzierung in Miniaturmalerei in einem der Exemplare des
- »Liber missalis«, Bamberg 1490 210
-
- 143. Miniaturmalerei in einem der Exemplare des »Liber horarum«,
- Bamberg 1501 211
-
- 144. Konsekrationsurkunde des Hochaltars von 1379 212
-
-
-
-
- Verzeichnis der Personen, Orte und wichtigsten Sachen.
-
- Verfaßt von $Dr. Alfred Graf$.
-
-
- A.
-
- Abendmahl (Darstellung) 115, 146, 162, 176, 238, 241.
- Abendmahlskelche 198, 241.
- Abraham (Darstellung) 151.
- Ackermann, Leonhard 138.
- Adam und Eva (Darstellung) 48, 144, 172, 179, 192.
- Alamannus Luanensis, Bischof 217.
- Albertus, Bischof von Sirmium 218.
- Albrecht, Markgraf von Brandenburg 185, 212.
- Allerseelenaltar 134, 236.
- Almosenamt, siehe Landalmosenamt.
- Altarbehänge 206.
- Altargeräte 196 ff., 241.
- Altarleuchter 199, 239, 242.
- Altenburg 171, 218, 219.
- Amelia 218.
- Anagni (Bischof Johannes) 217.
- Andreas, hl. 118, 158, 166, 184, 239.
- -- Bischof von Balezo 218.
- -- -- -- Coron 217.
- -- Erzbischof von Antivari 216.
- Angelus, Bischof von Viterbo und Toscanella 217.
- Anlage, siehe Plandispositionen und Grundrisse.
- Anna, hl. 171, 185, 238.
- Annaaltar 114.
- Anschreibtüre 76, 94, 95, 142, 143.
- Antependien 206, 208.
- Antivari (Bischof Andreas) 216.
- Antonius, hl. 112, 139, 154, 234, 235.
- Apostel (siehe auch ihre einzelnen Namen sowie Apostelgeschichte) 81,
- 104, 111, 114, 117, 118, 132, 138, 139, 148, 153, 158, 159, 166, 182,
- 188, 234, 235, 237.
- Apostelgeschichte (Darstellung aus der) 115, 136, 137, 176.
- Apsiden 19, 20, 23, 30, 31, 32, 49, 99, 130, 131, 132.
- Arbeitslöhne (siehe auch Baukosten) 70, 71, 72, 75.
- Arborea (Erzbischof Petrus) 215.
- Ardferten in Irland (Bischof Johannes) 218.
- Avignon 219.
- Avio (Bischof Girardus) 218.
- Arkadi (Bischof Raphael) 218.
- Arnold, Bischof von Bamberg 215.
- Aschaffenburg 88.
- Ascoli (Bischof Bonus Johannes) 215.
- Athyra in Thrazien (Bischof Ricardus) 218.
- Auferstehung (Darstellung) 114, 135, 146, 206.
- Auferweckung des Lazarus (Darstellung) 105, 106, 150, 170, 210.
- Augsburg, 11, 29, 105, 114, 120, 122, 136, 138, 142, 172, 198, 227,
- 239.
- Augustinerkloster 230.
- Augustinus, Bischof von Soliwri 218.
- Ausgießung des hl. Geistes (Darstellung) 179.
- Avancius Sannensis, Bischof 218.
- Avellino (Bischof Waldebrunus) 215.
- Ayrer (Familie) 178.
-
-
- B.
-
- Baden 88.
- Bagnorea (Bischof Johannes) 218.
- Balezo (Bischof Andreas) 218.
- Balier, siehe Behaim, Balier.
- Bamberg 11, 13, 14, 15, 28 ff., 33, 34, 36, 37, 38, 71, 72, 75, 129,
- 134, 151, 159, 160, 177, 182, 212 ff., 223, 226, 227, 228, 236, 239,
- 241.
- Bambergisches Fenster 182, 239.
- Bär, Christian 114, 171.
- Barbara, hl. 138, 171, 178, 206.
- Barfüßerkloster 42, 66.
- Barth & Cie. 108.
- Bartholomäus, hl. 132, 166, 178.
- Bartholomäusaltar 132, 238, 239.
- Basel 143, 216.
- Bathseba und David (Darstellung) 202.
- Bauamt 233.
- Bauausschuß 86, 88, 94 ff., 100, 102, 104, 110, 113, 124, 126.
- Bauer, Schlosser 224.
- Bauhütte 86, 88.
- Baukosten (siehe auch Arbeiterlöhne) 120 ff., 228, 230, 233.
- Baumaterial, 50, 54, 71, 72, 78, 79, 81, 83, 87, 88, 90, 94, 95, 96,
- 97, 98, 108, 111, 113, 122, 147, 222, 224, 230, 233.
- Baumeister (siehe auch Parler) 42, 44, 62, 64, 90.
- Baumgartner, siehe Paumgartner.
- Baumhauer, Sebald 170.
- Bausammlung 85, 90, 94, 100, 103, 104, 116, 124, 137, 141, 142, 144,
- 146, 148, 149, 150, 176, 208 ff., 226.
- Bauschulen 28, 32, 33, 36, 42, 61.
- Bayern 11, 58, 61, 74, 105, 122.
- Bayreuth 87.
- Begegnung zweier Männer (Darstellung) 182.
- Behaim, Heinrich, Balier 64, 65.
- -- Familie 120, 146, 160, 162, 172, 177, 186, 187, 234, 242.
- -- Christoph 172.
- -- Friedrich 172.
- -- Michael 75, 240.
- -- Paulus 172.
- -- Sebald 167.
- Behaimsches Fenster 186, 231, 237.
- Beheizung 95, 97, 121, 126, 242.
- Beleuchtung 126.
- Belluna (Bischof Gregorius) 210.
- Benedicta, siehe Betglocke.
- Benedictus, Bischof 217.
- Benediktinerorden 33.
- Bernardus, Bischof von Ganus 217.
- Bernhard von Neumarkt 236.
- Berthold, Bischof von Bamberg 15, 213, 214.
- Bertoldus, Bischof von Sizebolu 218.
- Beschneidung (Darstellung) 186.
- Betglocke (siehe auch Chorglocke) 193, 194, 237, 240, 241, 242.
- Beweinung Christi (Darstellung) 170, 241.
- Bezold, Dr. von 5.
- Bibeldrucke 212.
- Birkmann, F., Zimmermeister 88.
- Bischöfe (Darstellungen von unbekannten) 119, 150, 154, 159, 178,
- 182, 235, 239.
- Bittner, Augustin Ferdinand 191, 242.
- Blasbälge 76, 97, 122.
- Blasius, hl. 138, 178.
- Böhmen 63, 64, 65.
- Bonaventura, Erzbischof von Ragusa 215.
- Bonus Johannes, Bischof von Ascoli 215.
- Bourbon 184.
- Brabant 184.
- Braga (Bischof Johannes) 217.
- Brandenburg 185.
- Brautportal (Ehetür) 24, 47, 48, 52, 76, 86, 88, 91, 94, 95, 96, 98,
- 99, 115, 139, 143, 144, 146, 153, 157, 208, 234, 235, 238.
- Bremen 110.
- Bretheim, Konrad 132, 236.
- Brixen (Bischof Landulphus) 215.
- Brotausteilung (Darstellung) 174.
- Brotbänke 228, 234 ff.
- Brothaus 235.
- Brotläden 235.
- Brünn 63, 65.
- Büchersammlung 208, 211 ff.
- Bückeburg 90.
- Budua 214, 215.
- Burg 12, 15, 39, 57.
- Burggrafen von Nürnberg 185.
- Burgkapelle 26, 28.
- Burgschmietgasse 156.
- Burgund 36, 38, 184.
- Butrinto (Bischof Lazarus) 218.
-
-
- C.
-
- Cagli (Bischof Guillelmus) 215.
- -- (Bischof Petrus) 217.
- Cagliari (Bischof Petrus) 218.
- Canosa (Bischof Theobaldus) 215.
- Capri (Bischof Nikolaus) 215.
- Carmium (Bischof Johannes) 218.
- Castellana (Bischof Franciscus) 217.
- Castro (Bischof Jacobus) 217.
- Catania (Bischof Raymundus) 217.
- Catanzaro (Bischof Venutus) 216.
- Cattaro (Bischof Domnius) 217.
- Ceneda (Bischof Franciscus) 216, 217.
- Champagne 38.
- Chor, siehe Ost- und Westchor.
- Chorgalerie 86, 88, 228, 229.
- Chorglocke (siehe auch Betglocke) 195, 234.
- Chorschranken 189.
- Christophorus hl., 106, 112, 132, 142, 152, 174, 185, 234, 238.
- Christus, siehe Heiland.
- -- erscheint den Frauen (Darstellung) 186.
- -- in der Vorhölle (Darstellung) 179, 186.
- -- vor Pilatus (Darstellung), 146 180.
- Chunradus, buttugelarius 213.
- Cluny 36, 38.
- Connor (Bischof Robertus) 216.
- Coron (Bischof Andreas) 217.
- Cramerkapelle 75.
- Croja (Bischof Romanus) 215.
- Crucifixus, 101, 102, 134, 138, 140, 141, 142, 143, 146, 149, 152, 168,
- 178, 187, 190, 198, 200, 206, 239, 240, 241.
-
-
- D.
-
- Dalmatien 184.
- Dänemark 156, 188.
- Darbringung im Tempel (Darstellung) 186, 187.
- Däschin, Dorothea 131.
- David und Bathseba (Darstellung) 202.
- -- Michal (Darstellung) 202.
- Decker, Hans 152, 238.
- Deichsler, Heinrich 230, 231.
- Derrer, Familie 152, 236.
- Deutschherren 228.
- Deutschland 36, 38, 42, 44, 47, 126, 182.
- Dieterich, Veit 212.
- Dietherr, Familie 178, 187.
- Dietlein, Hans 132, 236.
- Dietler, Hensel 132, 235.
- Dietner, Familie 137.
- Digne (Bischof Guilhelmus) 215.
- Dilherr, J. U. 200.
- Dilherrscher Pokal 200.
- Dinkelsbühl 61, 62.
- Domnius Cathavensis, Bischof 217.
- Dornenkrönung (Darstellung) 146, 148, 169, 180, 238.
- Dreifaltigkeit (Darstellung) 152, 160.
- Drei Könige, hl. 40, 137, 149, 186, 187, 194.
- Dreikönigsaltar 132.
- Dreikönigschor 100, 101, 102, 114, 115.
- Dreikönigsportal 24, 48, 52, 76, 115, 149, 150, 153, 162, 174, 177.
- Dresden 71.
- Dürer, Albrecht 169, 170, 172, 174, 178, 182, 241.
-
-
- E.
-
- Ebermayr, Ursula 192.
- Eberspeck, Familie 236.
- Ebner, Familie 48, 111, 112, 149, 153, 154, 162, 163, 171, 174, 180,
- 182, 187, 188, 216, 234, 235, 237, 241.
- -- Albrecht 163, 216.
- -- Christine 162.
- -- Johannes (Hans) 219, 236.
- Ebrach 32, 33, 34, 36, 37, 38, 227.
- Ecce homo (Darstellung) 113, 135, 150, 241.
- Egidienkirche 26, 28.
- Egidienkloster 28, 49, 219, 236.
- Egidius, St. 178.
- -- Bischof von Urbino 215.
- Eglofstein, Familie 152.
- Ehebücher 211.
- Ehetür, siehe Brautportal.
- Eichstätt 28, 214.
- Einbalsamierung (Darstellung) 160.
- Einweihung 13, 226.
- Einzug in Jerusalem (Darstellung) 146.
- Eisvogel, Familie 152, 182, 216, 236.
- Eitel Fritz, Prinz von Preußen 95.
- Eitelkeit der Welt (Darstellung) 143, 234.
- Ekarius 221.
- Elisabeth, hl. 120, 160, 176, 185.
- Endler, Familie 197, 198, 208, 241.
- Engel (Darstellungen) 151, 153, 160, 174, 177, 179, 180, 182, 185,
- 186, 238, 239.
- Engelschor 23, 25, 75, 102, 109, 111, 113, 241.
- Engelthal 162, 163, 234.
- Englischer Gruß (Darstellung) 239.
- Enrico da Gamodia 63, 65.
- Ensinger, Baumeister 74.
- Erasmus 119, 120, 138, 160, 238.
- Erhard Bischof 111, 138, 235.
- Erhardaltar, siehe Hallerscher Altar.
- Erhardstatue 132, 154.
- Erhard, Schmiedemeister 221.
- Ermel, Joh. Franciscus 135.
- Eseler, Familie 163.
- Essenwein, 200 231.
- Eßlingen 61, 62, 64, 66, 229.
- Etui mit Löffel 198.
- Eucharius, Stadtzimmermann 70.
- Euchariuskapelle 26, 28.
- Ewiglichtlampe 146, 148.
- Eyb, Familie 146, 148.
-
-
- F.
-
- Fabianus 129.
- Feltre (Bischof Gregorius) 216.
- Fenstergitter 98.
- Feuersbrünste 76, 78, 231, 239.
- Fleischbänke 219.
- Fleischmann, Familie 132, 237.
- Foligno (Bischof Paulus) 217.
- v. Forster, Fabriksbesitzer 86, 104.
- Franciscus, Bischof von Castellana 217.
- -- -- -- Ceneda 216.
- -- -- -- Ravello 219.
- -- -- -- Lampsacus 218.
- -- Hurvensis, Bischof 218.
- Franken 74.
- Frankfurt a. M. 212.
- Fränkischer Kurier 233.
- Frankreich 32, 36, 38, 44, 156, 188.
- Frauenaltar 132, 235, 236, 240.
- Frauenschuh aus dem 15. Jahrhundert 210.
- Freiburg i. B. 44, 66, 139, 143, 229.
- Frey, Familie 149.
- Friedhof von St. Sebald 49, 219, 235, 236.
- Friedrich, Bischof von Bamberg 220, 228.
- -- d. Ä., Markgraf von Brandenburg 185.
- -- Wilhelm, Kronprinz des Deutschen Reiches 207.
- Fuchs, Familie 75, 146, 148, 241.
- Fugger, Familie 142, 234.
- Fürer, Familie 158, 188, 237, 241.
- -- Christian 180.
- Fürer, Sigmund, 167 168, 180.
- Fürersches Fenster 180, 237.
- Fürth 11, 28, 226.
- Fußböden 95, 98, 111, 113, 210.
- Fußwaschung (Darstellung) 176, 238, 241.
- Fütterer, Familie 152, 238.
-
-
- G.
-
- Gammersfelder, Familie 178.
- Ganos in Thracien (Bischof Bernardus) 217.
- Garausglocke 195, 241.
- Gärtner, Familie 186.
- -- Georg d. J. 170.
- -- Georg d. Ä. 170, 241.
- Gayselin 235.
- Geburt Christi (Darstellung) 106, 149, 168, 169, 171, 186, 203, 204,
- 238, 239, 241.
- Gefangennahme Christi (Darstellung) 146, 162.
- Geißelung Christi (Darstellung) 146, 169, 238.
- Gentili, Cavaliere 200.
- Georg, hl. 11, 137, 182, 185.
- -- Herzog van Niederbayern-Landshut 74, 196.
- -- der Fromme, Markgraf 185.
- Georgsaltar 134.
- Germanisches Nationalmuseum 86, 148, 150, 164, 200, 210, 231.
- Geuder, Familie 146, 180.
- -- Klara 164, 238.
- Geuschmid, Familie 146, 150, 180, 182.
- Geyer, Dr., Hauptprediger 124.
- Girardus Arrigensis, Bischof 218.
- Glasmalereien 24, 55, 64, 84, 97, 113, 126, 139, 177 ff., 231, 236,
- 237.
- Glasmalerschule 177, 178.
- Glocke, elektrische 96.
- Glocken und Glockenstube 66, 70, 72, 94, 97, 100, 101, 193 ff., 237,
- 240, 241, 242.
- Glockengießer, Konrad 195.
- Gnotzhamer, Niklas 70.
- Gobelins 84, 105, 126, 200, 202, 203 ff.
- Godl, Stephan 120, 163, 240.
- Goll, Baumeister (G. Goll und Söhne) 86, 105, 126.
- Gori, Bischof 138.
- Göschel, Johann 86, 89, 94, 95, 110.
- Göschel & Alt 86.
- Gostenhof 174.
- Gottesdienst 49, 50, 81, 105, 124.
- Gottfried, Bischof von Passau 214.
- Guilhelmus, Bischof von Digne 215.
- -- -- -- Cagli 215.
- Guillermus, Bischof von Sagono 216.
- -- Erzbischof von Saltania 216.
- Grablegung (Darstellung) 179, 186, 204.
- Grabner, Familie 187.
- -- Heinrich 235.
- -- Sebolt 141.
- Grafe, Gottfried 235.
- Granada 184.
- Graser, Familie, 186.
- Gregorius, Bischof von Feltre und Belluno 216.
- Gregoriusmesse (Darstellung) 106, 112, 113, 144, 174.
- Greiner, Niclas 221.
- Griebel (Grübel), Flaschner 224.
- Groland, Familie 120, 146, 149, 150, 161, 170, 178, 237.
- -- Jakob 162.
- -- Leonhard 162.
- -- Peter 160.
- Groß, Familie 120, 152, 160, 170, 176.
- -- Niclas 68, 71, 195, 220, 230.
- -- Franz 236.
- Gruber, Familie 170, 182.
- Grübel (Griebel), Flaschner 224.
- Grundherr, Familie 121, 146, 152, 180, 185, 188, 197, 237, 240, 241.
- -- Michael 228, 236.
- Grundherrsches Fenster 180, 237, 240.
- Grundrisse 29, 30, 50, 54, 60, 61.
- Grünwalt, Heinrich 196.
- Gumbert, Markgraf 185.
- Gutschneider, Familie 187.
-
-
- H.
-
- Häberlein, Hans, Magistratsrat 104, 126.
- Habsburg, Haus 182, 184.
- Hagen, Dr., Stadtpfarrer 126.
- Haggenmiller, Professor 112, 174.
- Haidenreich, Georg 232.
- Halberstadt 185.
- Haller, Familie 106, 112, 113, 119, 120, 124, 132, 136, 138, 142, 143,
- 150, 152, 156, 159, 160, 162, 174, 178, 185, 188, 189, 200, 203, 206,
- 235, 236, 237, 238, 239.
- -- Anton 149.
- -- Elisabeth 132.
- -- Hans 68, 220.
- -- Rupprecht 68, 71, 167, 220, 230.
- -- Ulrich 132, 236.
- Halleraltar (Erhardaltar) 106, 113, 124, 132, 138, 200, 206, 235, 236,
- 238, 239.
- Hallersches Fenster 113, 185, 237.
- Handschriften 211.
- Hans von Kulmbach (Hans Sueß) 113, 114, 117, 163, 171, 172, 174, 178,
- 184, 210, 239 240.
- Harsch, Georg 232.
- Harsdörffer (Harsdorf) Familie, 112, 171, 185, 187, 188.
- Has, Kunz 196.
- -- Margareta 228, 237.
- Haslacher, Jakob 236.
- Hauberrisser, Georg von, Professor 7, 80, 86, 87, 88, 89, 91, 103,
- 104, 105, 190, 231, 242.
- Hauptaltar 134, 162, 199, 206, 208, 237, 241, 242.
- Hauptversammlung der deutschen Architekten 90.
- Heerdegen, R., Handelsrichter 104, 126.
- Hegel, Hans 232.
- Heideloff, Karl Alexander 84, 105, 116, 121, 124, 134, 182, 191, 242.
- Heil, Schreiner 134.
- Heiland (Darstellung) 48, 99, 137, 138, 144, 148, 151, 154, 157, 159,
- 160, 162, 174, 188, 217, 237, 239.
- Heilige (Darstellung) 177, 180, 237.
- Heiliggeistkirche 164.
- Heiliggrabkapelle 28.
- Heilsbronn 214.
- Heimsuchung (Darstellung) 120, 160, 203, 238.
- Heinrich, Bischof von Bamberg 13, 14, 182, 213, 226.
- -- Trient 214.
- Heinrich II., Kaiser 11, 28, 111, 119, 132, 137, 139, 154, 159, 182,
- 184, 234, 235.
- Heinrich III., Kaiser 11.
- Heinrich IV., Kaiser 226.
- Heinrich von Gmünd 63, 65, 229.
- Held, Familie 178.
- Helena, hl. 112, 139, 152, 202, 203, 234, 235, 238, 240.
- Heller, Karl, Kirchenrat 104.
- Helzner, Cuntz 231.
- Herakles (Darstellung) 166.
- Herdegen, Mathes 231.
- Herodes 185.
- Hess, Nagler 224.
- Hessen 58.
- Heugel, Albert 149.
- Heydeck, Erhard von 235.
- -- Otto von 235.
- Heydenreich, Ulrich 74.
- Hieronymnus, hl. 171.
- Hilling von Elnbogen, Achatius 206, 241.
- Himmelfahrt Christi (Darstellung) 186.
- Himmelfahrt Mariae (Darstellung) 174.
- Hilpert, Justizrat 86, 126.
- Hirsauer Bauschule 33.
- Hirschvogel, Veit 178, 182, 184, 185, 240.
- Hoffart (Darstellung) 182.
- Hoffmann, Dr. 6, 14, 68.
- Hohenzollern, Haus 185.
- Holzschuher, Familie 149, 150, 154, 169, 170, 174, 178, 188, 199, 235,
- 237, 238, 241, 242.
- -- Friedrich 39, 216, 227, 234.
- -- Herdegen 39, 216, 227.
- -- Karl 231.
- -- Lazarus, 68 167, 230.
- -- Leopold 216.
- Hornlein, Ditel 235.
- Hostienbüchse, 198 241.
- Hubner (Hübner), Ulrich 72, 223.
- Hupfauf, Erhard 70.
- Hussiten 239.
-
-
- I (J).
-
- Jacobus, Bischof von Castelazio 217.
- -- -- -- Castro 217.
- -- -- -- Metz 217.
- -- -- -- Nepi 217.
- -- -- -- Trivento 215.
- -- -- -- Valanea 217.
- Jacopo de Barbari 172.
- Jakobsaltar 132, 228, 235, 236, 237.
- Jakobskirche, 160.
- Jakobus d. Ä. 117, 118, 132, 157, 160, 166, 178, 184, 235.
- Jakobus d. J. 166, 178.
- Jerusalem 115, 176.
- Jesus, siehe Heiland.
- Jesus im Tempel 187.
- Imeria (Erzbischof Thomas) 216.
- Imhoff, Familie 118, 152, 159, 168, 169, 170, 171, 180, 187, 212, 231,
- 238, 240, 241.
- -- Hans 170.
- -- Klara 171.
- -- Konrad 171.
- -- Peter,167.
- -- Wilibalt 170.
- Imhoffsches Fenster 180, 187, 240, 241.
- Ingolstadt 74.
- Initialen 212.
- Innozenz VI., Papst 219.
- Intardus, Bischof von Tortiboli 218.
- Inzilerius, Bischof von Budua 214, 215.
- Jodok von Mähren, Markgraf 63, 65.
- Jodokus, hl. 132.
- Johann, Markgraf 185.
- Johann Albrecht, Markgraf 185.
- Johanna die Wahnsinnige 184.
- Johannes, Evangelist 118, 132, 134, 137, 138, 141, 142, 143, 148, 149,
- 158, 166, 168, 174, 177, 178, 179, 187, 212, 215, 237, 238.
- -- Agitonensis, Bischof 218.
- -- Bischof von Anagni 217.
- -- -- -- Bagnorea 218.
- -- -- -- Carmium 218.
- -- -- -- Roeskilde 216.
- -- -- -- Veglia 218.
- -- Carvensis, Bischof 218.
- -- Bregivensis, Bischof 217.
- -- Tarmopolensis, Bischof 218.
- Johannes d. Täufer 111, 118, 153, 158, 164, 170, 171, 185, 206, 217,
- 234, 238.
- Johannesaltar 132, 138, 234, 235, 237, 240.
- Johannes von Gmünd 229.
- Joseph, hl. 117, 163, 186.
- Irland 218.
- Irmisch 126.
- Isabella von Portugal 184.
- Italien 126.
- Judas Thaddäus 166.
- Jungfrauen, die klugen und törichten (Darstellung) 47, 98, 99, 139,
- 143, 234.
- Jungfrauenadler 139.
- Jüngstes Gericht (Darstellung) 148, 149, 151, 170, 172, 239.
- Juvenel, Nikolaus 172, 240.
-
-
- K.
-
- Kaiserchor 114, 120, 174, 241.
- Kaiserkapelle 26.
- Kamin 95.
- Kammermeister, Familie 146.
- Kammerstein, Siegfried von 39, 216.
- Kandelgießer, Hartmann 130, 237.
- Kannen 197, 198, 199, 241, 242.
- Kanzel 19, 75, 84, 105, 116, 129, 132, 138, 206, 208, 241, 242.
- Kanzelbekleidung 206, 208, 241.
- Karl IV., Kaiser 48, 63, 65.
- Karl V., Kaiser 184.
- Karl VI., Kaiser 241.
- Kärnten 184.
- Karter, Hans 71.
- Kaschendorfer Stephan, 71.
- Kasimir, Markgraf 185.
- Kassuben 185.
- Kastilien 184.
- Katharina, hl. 112, 137, 138, 139, 141, 151, 154, 171, 185, 202, 203,
- 204, 206, 208, 215, 238.
- Katharinenaltar (Löffelholzaltar) 105, 113, 131, 137, 199, 206, 215,
- 218, 234, 235, 236, 237, 238, 242.
- Katharinenchor 131, 236.
- Katharinenkloster 202, 225.
- Katzheimer, Wolfgang 178, 182, 239.
- Kauffmann, Familie 212.
- Kauper, Magistratsrat 86.
- Kelheim 90.
- Kemnater, Ulrich 228.
- Kern, Joachim 198, 241.
- -- Katharina 198, 241.
- Kerny in Irland (Bischof Johannes) 218.
- Ketzel, Familie 238.
- -- Heinrich 141.
- Kindermord, Bethlehemitischer (Darstellung) 185.
- Kindertüchleinbücher 211.
- Kirchenbücher 211.
- Kirchengeräte 64, 242.
- Kirchenväter 81.
- Kirchweih, siehe Einweihung.
- Klarakloster 15, 202, 235.
- Klingelbeutel 198, 241.
- Klöpfel, Schmied 224.
- Kluniazenser 33.
- Knebel, Familie 153.
- Koburg 131, 235.
- Koburger, Hermann 236.
- Köchel, Thomas 235.
- Koler, Familie 138, 182, 187.
- -- Elisabeth 132, 237.
- Kolin 63, 66.
- Köln 33, 58, 66.
- Konrad von Würzburg 143.
- Konstantin, Kaiser 203.
- Köppel, Georg 221.
- Kornhaus 156.
- Kötzler, Konrad 236.
- Kraft, Adam 111, 140, 146, 147, 148, 156, 164, 206, 239.
- Krakau 162.
- Kramer Bernhard, 132, 237.
- -- Jakob 132, 235.
- -- Otto 131, 235, 236.
- Kramerkapelle 240.
- Krankenkelch 198.
- Krauß, Nikodemus 232.
- Krauter, Albert (Albrecht) 49, 219, 220, 236.
- Kreisarchiv Nürnberg 164, 196, 211, 223, 229, 230, 233, 234 ff.
- Kreling, A. 105, 138, 242.
- Kreß, Familie 112, 113, 137, 141, 150, 153, 178, 180, 187, 188, 208,
- 241.
- -- Konrad 217.
- -- Georg von, Dr., Justizrat 7, 104, 126.
- Kreuzabnahme (Darstellung) 186.
- Kreuzauffindung (Darstellung) 152, 203, 238, 240.
- Kreuzfelder, Johann 114, 172, 240, 242.
- Kreuzigung (Darstellung, siehe auch Crucifixus) 84, 116, 134, 174,
- 180, 234, 239, 240, 241.
- Kreuztragung (Darstellung) 111, 114, 115, 146, 156, 171, 174, 176,
- 180, 206, 239.
- Kroatien 184.
- Krönung Mariä (Darstellung) 106, 150, 169, 186, 240.
- Kugler, Heinrich 68, 70, 71, 74, 221, 230.
- Kulmbach 87.
- Kundorfer, Ulrich 235.
- Ku(n?)dorferin, Kunigunda 236.
- Kunigunda, hl. 111, 119, 132, 137, 139, 154, 159, 182, 234, 235.
- Kunigundenaltar 132, 235, 237.
- Kunstgewerbeschule 138.
- Küttelmann, Orgelmacher 224.
- Kuttenberg 63, 66.
-
-
- L.
-
- Lahr i. B. 88.
- Lamprecht, Fürstbischof von Bamberg 134.
- Lampsacus (Bischof Franciscus) 218.
- Landalmosenamt 78, 225.
- Landauer, Familie 146, 147, 148.
- -- Matthäus 147.
- Landesausstellung, Zweite bayrische 95.
- Landshut 61, 196.
- Landulphus, Bischof von Brixen 215.
- Langheim, Hans von 70.
- Langres 36, 38.
- Laon 32, 38.
- Lapidarium, siehe Bausammlung.
- Larino (Bischof Petronus) 215.
- Laufer Schlagturm 39, 48.
- Lauffenholz, Familie 141.
- Lavaur (Bischof Thomas) 217.
- Lazarus, Bischof von Butrinto (Vucindro) 218.
- Lebus (Bischof Stephanus) 216.
- Ledergasse 235.
- Leibold, A. 86, 126.
- Leipzig 138.
- Leistner, Georg 81, 87, 90, 95, 98.
- Leo, Bischof von Regensburg 214.
- Leon 184.
- Leonhard, hl. 185, 219.
- Leonhard, St. (Siechkobel) 225.
- Leopold, Bischof von Bamberg 215, 217, 218, 219, 227, 228.
- Lesser, Alexander 162.
- Leuchterengel 199.
- Leyser, Georg Sigmund 191, 241.
- Liber horarum 212, 239.
- -- missalis 212.
- Liebel, Kommerzienrat 104.
- Liebfrauenkirche 48, 59, 60, 61, 65, 86, 87, 138, 139, 196, 242.
- Lilgenweiß, Anna 71.
- -- Christoph 71, 223.
- Link, Familie 146.
- Lisenen 24, 72.
- Lochner 147.
- Löffelholz, Familie 105, 111, 112, 113, 131, 137, 169, 178, 188, 199,
- 206, 238, 241, 242.
- Löffelholzaltar, siehe Katharinenaltar.
- Löffelholzchor, siehe Westchor.
- Löffelholzkapelle 78.
- Löhneisen, Adelheid 131, 235.
- Lorenz, hl. 172, 212, 217.
- Lorenzkirche, St. 15, 28, 39, 44, 47, 57, 61, 66, 68, 104, 119, 131,
- 135, 139, 168, 169, 171, 177, 178, 196, 223, 241.
- Losungsstube 222, 224, 225.
- Lotholz, Stadtpfarrer 88, 104.
- Ludwig, Bischof von Bamberg 220, 228.
- Ludwig der Bayer, Kaiser 48, 228.
- Ludwig I., König von Bayern 75.
- Ludwig, Prinz von Bayern 95.
- Luitpold, Prinzregent von Bayern 80, 95.
- Luther, Martin 81, 96, 98, 185, 212, 242.
-
-
- M.
-
- Magdeburg 185.
- Magistratschor 52, 95, 96.
- Mailand 63, 65, 184.
- Main 33.
- Mainz 12, 29, 32, 33, 134, 216, 227, 241.
- Malschule 168.
- Mannus, Bischof von Amelia 218.
- Manuskripte, siehe Handschriften.
- Marcellinus, Bischof von Tortiboli 215.
- Margaretenkapelle 26.
- Maria, hl. 48, 90, 99, 112, 113, 117, 119, 120, 132, 134, 138, 141,
- 142, 143, 144, 148, 149, 154, 159, 160, 161, 162, 163, 168, 171, 174,
- 178, 180, 185, 187, 202, 208, 210, 212, 215, 217, 234, 237, 238, 239,
- 240, 241.
- Marienaltar 49, 132, 220, 228, 234, 235, 236, 237.
- Marienleben (Darstellungen) 142, 180, 202, 203, 238.
- Maria Magdalena 198.
- -- Magdalenenkirche 15.
- -- von Burgund 184.
- Markgrafenfenster 159, 162, 178, 184, 240, 242.
- Markt 48.
- Marquardus, scultetus 214.
- Marstall, Familie 146.
- Marthaspital 225.
- Martinus, hl. 132, 176.
- Matenckhofer, Schlossermeister 221.
- Matrone (Statue) 120, 177.
- Matthias von Arras 63.
- Mauern (Mauerwerk) 20, 22, 31, 36, 42, 56, 57, 79, 89, 95, 108, 109,
- 177, 226.
- Maurer, Familie 141, 238.
- -- Christoph, 187 240.
- -- Seyfried (Seitz) 218, 236.
- Mayentaler (Meyrntaler), Konrad 235, 236.
- Maxentius, Kaiser 203.
- Maximilian I., Kaiser 182, 184.
- Maximilianfenster 178, 182, 184, 240.
- Mayer, A., Konservator 105, 113, 114, 115, 122, 136, 138, 172, 174,
- 176.
- Meintaler, Konrad 132.
- Meisterlin 228.
- Mela, Pomponius 167.
- Melanchthon 81 96, 98, 185.
- Mendel, Familie 156 162, 180, 237.
- -- Elisabeth 141.
- Mendelsches Fenster 180 237.
- Mendelsche Zwölfbrüderstiftung 225.
- Merian 114, 135, 241.
- Mesnerwohnung 100.
- Meßgewänder 242.
- Messingleuchter 199, 200.
- Meßkelche 197, 240.
- Metz (Bischof Jacobus) 217.
- Meyrntaler, siehe Mayentaler.
- Michael, Erzengel (Darstellung) 151.
- Michael von Freiburg 229.
- Michahelles, Friedrich, Kirchenrat 85, 86, 90, 104, 105, 112, 124, 126,
- 157.
- Milchmarkt 230.
- Miniaturmalerei 211, 212.
- Modellsammlung, siehe Bausammlung.
- Montemarano (Bischof Petrus) 217.
- Moritzkapelle 140, 162, 210, 233.
- Muffel, Familie 120, 135, 144, 153, 160, 161, 176, 188, 192, 193, 200,
- 206, 237.
- -- Jakob 160, 162.
- -- Nikolaus 131, 238.
- -- Otte 216.
- -- Paul 131.
- Muffelaltar (Stephansaltar) 49, 114, 115, 118, 119, 131, 135, 189, 190,
- 200, 206, 208, 211, 213, 234, 236, 237, 238, 239, 240, 241.
- Müller, v., Kultusminister 88, 90, 94, 95.
- Müllner, Johannes, Ratschreiber 223.
- München 61, 80, 86, 108, 113, 117, 126, 163, 170, 176, 178, 210.
- Müntzer, Familie 170.
- Münzmeister, Familie 169.
-
-
- N.
-
- Nachgrabungen 16, 17, 20, 99, 100, 139.
- Nazareth (Bischof Nikolaus) 217.
- Neapel 184.
- Nepi (Bischof Jacobus) 217.
- Neudörfer 147, 170.
- Neudung, Familie 170.
- Neumarkt i. O. 134.
- Neumarkter, Familie 153.
- Nikolaus, Bischof von Capri 215.
- -- -- -- Orti 218.
- -- -- -- Turibia 215.
- -- Zivivascensis, Bischof 216.
- -- Bischof von Nazareth 217.
- Nikolaus, hl. 171, 217.
- Nikolaus IV., Papst 215.
- Nikolausaltar, siehe Tucheraltar.
- Nimrod (Darstellung) 166.
- Nördlingen 61, 68, 74, 230.
- Nürnberg, Architektonisches Gesamtbild 15, 57.
- -- Bauschule 28, 32, 63, 64, 74.
- -- Bildhauerschule 139, 140.
- -- Entwicklung 11, 39, 48, 49, 105.
- -- Ratsherren 162.
- -- Teppichindustrie 202.
- -- Wappen 122, 168, 192, 212.
- -- Urkunden 13, 213 ff.
- -- Zoll und Münze 226.
- Nützel, Familie 132, 178, 179, 187, 240.
- -- Gabriel 195, 220.
- -- Peter 237.
-
-
- O.
-
- Oberfranken 81.
- Oberkirchen bei Bückeburg 90.
- Ochs, Lienhart 221.
- Oertel, Familie 146, 152, 170.
- Offenstetten 90.
- Ölberg (Darstellung) 115, 138, 146, 150, 151, 152, 162, 176, 238, 247.
- Ölhafen, Familie 170, 174, 178, 187, 239.
- Opferstock 191.
- Oppido (Bischof Stephanus) 215.
- Orelli 97.
- Orgeln 76, 97, 105, 113, 116, 122, 124, 177, 191, 192, 193, 238, 240,
- 241, 242.
- Orti (Bischof Nikolaus) 228.
- Ortlieb, Familie 177.
- Österreich 184.
- Ostfranken 36.
- Ott, Tünchermeister 233.
- Otto, hl. 132, 137.
- Otto von Forchheim 236.
- Overdik, Konrad Nikolaus 192, 241.
-
-
- P.
-
- Pankratius, hl. 132.
- Pankratiuskapelle 52, 231, 239.
- Papststatue 119, 159, 239.
- Paradies (Darstellung) 114.
- Paramente 64, 196, 200, 206 ff.
- Paramentenschrank 190.
- Paris 126.
- Parler (siehe auch Balier), Heinrich d. Ä. 58, 60, 63, 65, 66, 229.
- -- Heinrich d. J. 63, 64, 65, 66, 68, 70, 71, 90.
- -- Peter 63, 64, 65, 66, 229.
- Passau 214.
- Pässe 57.
- Passionsdarstellungen 139, 146, 162, 174, 180, 237, 239.
- Patina 87.
- Paulus (Apostel) 13, 114, 119, 139, 159, 166, 174, 182, 217, 237.
- Paulus, Bischof von Foligno 217.
- Paumgartner (Baumgartner), Familie 142, 153, 178, 187.
- Pegnitz (Fluß) 12, 15, 28, 39.
- Pellerhaus 178.
- Perri (Bischof Vincencius) 217.
- Peter, Schmiedemeister 221.
- Peterschor, siehe Westchor.
- Peterskapelle 12, 14, 29, 131, 226.
- Petronus, Bischof von Larino 215.
- Petrus (Apostel) 11, 12, 13, 14, 23, 29, 30, 114, 118, 119, 135, 139,
- 151, 159, 160, 166, 172, 174, 178, 182, 208, 217, 219, 227, 237.
- Petrusaltar 114, 115, 120, 124, 129, 131, 135, 136, 162, 168, 176,
- 190, 200, 208, 216, 234, 235-240.
- Petrus, Bischof von Cagli 217.
- -- -- -- Cagliari 217.
- -- -- -- Basel 216.
- -- -- -- Montemarano 217.
- -- -- -- Tarazona 215.
- -- Erzbischof von Arborea 215.
- -- -- -- Mainz 216.
- Petzensteiner, Heinrich 212.
- Pfeil, Johann 212.
- Pfinzing, Familie 132, 141, 146, 150, 170, 180, 182, 185, 188, 203,
- 239.
- -- Berthold 131, 141, 235, 237, 238.
- -- Elisabeth 141.
- -- Melchior 161, 240.
- -- Otto 141.
- -- Sebald 141.
- -- Siegfried 185.
- Pfinzingchor 116, 174.
- Pfinzingempore 180.
- Pfingzingsche Fenster 178, 185, 240.
- Pfleiderer 112, 115, 176.
- Pfründen 130, 131, 132, 134.
- Pfützinger, Dietrich 235.
- Philipp, hl. 152, 166.
- Philipp, Bischof von Bamberg 182.
- Philipp der Schöne 184.
- Philippus Lavadensis, Bischof 218.
- Pildschnitzer, Ulrich 70.
- Pileus, Kardinal 49, 50, 220, 228.
- Pilgerstätte (Darstellung) 115.
- Pinakothek in München 117, 163, 170.
- Pinz, Hans 70.
- Pinzberger, P. 235.
- Pirkheimer, Familie 170, 187.
- Plandispositionen 29, 30, 31, 32, 38, 104.
- Planck, Wilbolt 221.
- Plauen, v., Familie 141.
- Pola (Bischof Sergius) 217.
- Polen 185.
- Pömer, Familie 111, 132, 150, 152, 154, 169, 188, 232, 234, 237, 242.
- -- Agnes 163.
- -- Elspet 152.
- -- Friedrich 152, 187.
- -- Heinrich 132, 151, 187, 235.
- -- Jorg 152.
- -- Konrad 187.
- -- Steffan 152.
- Pömerkapelle 52, 75.
- Pommern 185.
- Poppenreuth 12, 14.
- Porkirche 75.
- Prag 63, 64, 65, 66, 229.
- Prämonstratenser 33.
- Praun, Konrad 236.
- Prechtel, Leonhard 130, 240.
- Preißler, Daniel 122, 191.
- Pretheim, Konrad 235, 236.
- Propheten 81, 90, 144, 148, 166, 182, 188.
- Psalterium Davidis 212.
- -- Romanorum 212.
- Pulman, Hans 221.
-
-
- Q.
-
- Quetrerin 235.
-
-
- R.
-
- Ragusa (Erzbischof Bonaventura) 215.
- Raphael, Bischof von Arkadi 218.
- Rathaus 219, 228, 231, 235.
- Ravello (Bischof Franciscus) 217.
- Raymundus, Bischof von Catania 217.
- -- Bischof von Rieti 217.
- Rednitz 33.
- Regensburg 11, 26, 28, 29, 32, 214, 227.
- Reichsarchiv München 213, 227, 228, 234.
- Reichskleinodien 164.
- Reinbotus, Bischof von Eichstätt 214.
- Reliquien 14, 29, 30, 129, 134, 136, 163, 164.
- Reliquienschrein (Sebaldusgrab) 164, 166.
- Rettung aus dem Fegefeuer (Darstellung) 141.
- Reutlingen 66, 229.
- Ricardus, Bischof von Asthyra 218.
- Rieppel, Direktor 89.
- Rieter, Familie 153, 171, 237.
- Rieti (Bischof von Raymundus) 217.
- Riga 185.
- Robertus, Bischof von Connor 216.
- Rochus, hl. 212.
- Rochuskapelle 170.
- Rödl, Heinrich 232.
- Roeskilde (Bischof Johannes) 216.
- Rohleder, Familie 187.
- Rohrmann, Therese und Georg Peter 199, 242.
- Rom 12, 215, 217, 218, 229, 231.
- Romanus, Bischof von Croja 215.
- Rösch, Antiquitätenhändler 200.
- Rosner, Andreas und Hans 167.
- Rotensteiner, Merkel 235.
- Rotermundt, Lorenz 134, 138, 242.
- Rothenburg o. T. 191, 241.
- Rothenhahn, Familie 146, 147.
- Rothflasch, Familie 171.
- Rubens 170, 241.
- Ruedorfer, Franz 108.
- Ruf, Nagler 224.
- Rügen 185.
- Rummel, Familie 150, 152, 169, 203, 238.
- Rupprecht, David 232.
- -- Ingenieur 86, 104.
- Ruprecht 106.
-
-
- S.
-
- Sachs, Familie 137, 146.
- Sagona (Bischof Guillermus) 216.
- Sakramentshäuschen 118, 119, 120, 140, 148, 159, 160, 162, 239, 240.
- Saltania (Erzbischof Guillermus) 216.
- Salvator (Darstellung) 118.
- Samson (Darstellung) 166.
- -- bezwingt den Löwen (Darstellung) 202.
- -- wird von Delila überlistet (Darstellung) 202.
- Sanduhr 199, 242.
- Sängerbühne 94, 95, 124, 192.
- Sängerpulte 189.
- Saur, Johann 212.
- Schatz, Konrad 131, 132, 236.
- Schautüre 52, 76, 92, 162, 172, 228, 231, 239.
- Schedel, Familie 149, 239.
- -- Anne, Hermann, Hartmann und Magdalena 149.
- Scheffer, Cunz 231.
- Scheurl, Familie 113, 178, 182, 188.
- Schiller, Julius, Stadtpfarrer 104, 124.
- Schlagglocke, siehe Stundenglocke.
- Schlagturm 78.
- Schlüsselfelder, Familie 147, 152, 178.
- Schmidgasse 235.
- Schmittmaier 152.
- Schmitz, Joseph, Professor 80, 104, 105, 124, 126, 208, 226, 242.
- Schnöd, Familie 144.
- Schon, Friedrich, Professor 169.
- Schöner Brunnen 65, 139, 229.
- Schongauer, Martin 171.
- Schopper, Albrecht 130, 235.
- -- Friedrich 236.
- -- Gotfried 152.
- Schränke 210.
- Schreier, Familie 146, 147, 148, 153, 156, 180, 188, 230, 239.
- -- Sebald 68, 71, 72, 121, 147, 148, 167, 195, 211, 220.
- Schreiersches Grabmal 94, 146, 156, 239.
- Schrodt 197.
- Schwabach 74.
- Schwaben 11, 58, 61, 66, 74.
- Schwäbisch-Gmünd 58, 66.
- Schwammbach, Almosenamtszimmermeister 223, 224.
- Schwanhäuser, Kommerzienrat 104, 126.
- Schwarzpeckh, Friedrich 232.
- Schweigger, Georg 134, 135, 138, 241.
- Schwab, Michel 232.
- Schule bei St. Sebald 235.
- Schuler, Melchior 232.
- Schultüre 76, 162, 241.
- Schürer, Zacharias 212.
- Schürstab, Familie 120, 160, 186, 187, 203, 236, 237, 238, 239.
- -- Sifrid 218.
- Schürstabfenster 186, 237, 239.
- Sebald, hl. 11, 13, 14, 29, 30, 48, 90, 99, 119, 120, 121, 122, 129,
- 134, 144, 148, 154, 156, 157, 160, 163, 164, 166, 167, 178, 185,
- 188, 192, 198, 202, 208, 212, 219, 237, 238.
- Sebald, St., Pfarrei, Kirchenverwaltung 39, 48, 49, 80, 81, 85, 86,
- 87, 88, 103, 104, 124, 126, 140, 156, 163, 186, 211, 219, 220, 228,
- 236, 242.
- Sebaldsfriedhof, St., siehe Friedhof von St. Sebald.
- Sebaldusaltar 129, 130, 164, 228, 235, 236, 237, 238, 240.
- Sebaldusgrab 99, 122, 134, 163 ff., 238, 239, 240, 241.
- Sebastian, hl. 129, 185, 212.
- Seckendorf, Familie 138.
- Semler, Familie 142, 237, 238.
- -- Burckhart 142.
- -- Heinrich 228, 236.
- Sepulkren 124, 129.
- Sergius, Bischof von Pola 217.
- Seyfart, Wolf 232.
- Siechköbel 225.
- Sigmund 229, 231.
- Simon, hl. 152, 166.
- Simson, siehe Samson.
- Sippe, hl. 138.
- Sirmium (Bischof Albertinus) 218.
- Sizebolu (Bischof Bertoldus) 218.
- Sizilien 184.
- Soliwri (Bischof Augustinus) 218.
- Sonnenuhren 232.
- Sophie von Polen 185.
- Spanien 182, 217.
- Speidel, Ulrich 71.
- Speyer 33.
- Sprachrohr 96.
- Sprüngli, Jakob 187, 240.
- Stadtalmosenamt 223, 224, 225, 232.
- Stadtarchiv 50, 104, 130, 195, 211, 220, 225, 228, 230, 231, 233, 234.
- Stadtgraben 39, 48, 96, 102, 156.
- Starckius, Johannes und Georgius 141.
- Stark, Familie 118, 147, 159.
- -- Hans 168, 170, 176, 238, 239, 240, 241.
- -- Ulrich 169, 170, 176.
- Stauber, Hans 193.
- Steger, Zimmermeister 88.
- Stegmann 7.
- Steier 184.
- Steigerwald 33.
- Stein, Hermann von 234.
- Steinbach 237.
- Steinlinger, Familie 239.
- -- Barbara 115, 176.
- -- Karl 176.
- Steinmetzzeichen 31, 34, 63, 66, 90, 149, 190.
- Stephansaltar, siehe Muffelaltar.
- Stephanus, Bischof von Lebus 216.
- -- -- -- Oppido 215.
- Stern, Heinrich und Johann 212.
- Stettin 185.
- Stettner, Bauinspektor 223.
- Stich 211.
- Stockamer, Familie 178.
- Stoß, Veit 84, 105, 116, 118, 119, 120, 134, 150, 157, 158, 159, 162,
- 210, 239, 240, 241.
- Straßburg 44, 47, 143.
- Strebel 113, 124.
- Stromer, Familie 137, 143, 154, 174, 182, 186, 187, 188, 203, 204,
- 234, 237.
- -- Ambrosius 131, 240.
- -- Jakob 232.
- -- Ulmann 229.
- -- Wolf 232.
- Stromersches Fenster 182, 237.
- Stundenglocke (Schlag- oder Uhrglocke) 195, 229, 237, 239.
- Sturmglocke 195.
- Sueß, Hans, siehe Hans von Kulmbach.
- Sündenfall (Darstellung) 200.
- Süzzel, Konrad 236.
-
-
- T.
-
- Tarazona (Bischof Petrus) 215.
- Tauber, Magistratsrat 104.
- Taufbecken 199, 241.
- Taufbücher 211.
- Taufe Christi (Darstellung) 170.
- Taufkessel 156, 157, 237.
- Taufstein, 156, 157.
- Termoli (Bischof Johannes) 218.
- Tesaurus (Schatz), Konrad 132, 235.
- Teufel, Berthold 220.
- -- Hans 132, 236, 238.
- -- Konrad 220.
- Tetzel, Familie 120, 142, 160, 169.
- -- Joachim 76.
- Thäter, Fabrikbesitzer 104, 126.
- Theobald, hl. 134.
- Theobaldus, Bischof von Canosa 215.
- Theseus 166.
- Thomas (Apostel) 137, 150, 166.
- -- Bischof von Imeria 216.
- Thomas-Christusstatue 96, 111, 112, 119, 120, 237, 239.
- Thomas Laueriensis, Bischof 217.
- Thracien 217, 218.
- Tirol 184.
- Tod Mariä (Darstellung) 106, 112, 174, 186.
- Topler, Familie 136, 144.
- -- Nikolaus 239.
- Tortiboli (Bischof Marcellinus) 215.
- -- (Bischof Intardus) 218.
- Toscanella (Bischof Angelus) 217.
- Totenbücher 211.
- Totenschilder 105, 112, 114, 188.
- Traxdorf, Heinrich 122, 191, 238, 240, 241.
- Trient 214.
- Trivento (Bischof Jacobus) 215.
- Tucher, Familie 113, 118, 134, 135, 153, 157, 158, 169, 171, 172, 178,
- 180, 182, 188, 189, 197, 202, 203, 204, 206, 210, 229, 230, 231, 237,
- 238, 239, 240.
- -- Anton 167, 239.
- -- Berthold 235, 239.
- -- Christoph, Freiherr v. 200.
- -- Endres 228.
- -- Hans 68, 71, 121, 168, 195, 230, 239.
- -- Heinrich, Freiherr v. 206.
- -- Langhans 239.
- -- Lorenz 171, 172.
- -- Martin 171, 240.
- Tucheraltar (Nikolausaltar) 113, 114, 115, 122, 124, 130, 134, 135,
- 162, 176, 191, 200, 206, 237, 241.
- Tucherfenster 118, 180, 237, 240.
- Tuchersches Familienfenster 157, 158.
- Tugendbrunnen 240.
- Turibia (Bischof Nicolaus) 215.
- Türklopfer 152, 153.
- Türmerstube siehe Wächterstube.
- Tuttenstetten, Heinrich v. 131, 234, 236.
-
-
- U.
-
- Uhrglocke, siehe Stundenglocke.
- Ulrich, Flaschnermeister 222, 223.
- Ulm 61, 70.
- Unger, Jorg 231.
- Unterholzer, Familie 178.
- Urban VI., Papst 220.
- Urbino (Bischof Egidius) 215.
- Urkunden 213 ff.
- Ursula, hl. 185.
- Usmer 119, 159.
-
-
- V.
-
- Vach 147.
- Valanea (Bischof Jacobus) 217.
- Valencia 185.
- Valzner, Familie 138.
- Veglia (Bischof Johannes) 218.
- Veit, Bischof von Bamberg 182.
- Venutus, Bischof von Catanzaro 216.
- Verein für die Restaurierung der Sebalduskirche 104, 126.
- -- für Geschichte der Stadt Nürnberg 5, 7, 16, 89, 90, 99, 100, 143,
- 196, 223, 226, 231, 233.
- Vergänglichkeit (Darstellung) 170.
- Verkündigung (Darstellung) 102, 118, 120, 138, 143, 144, 158, 160,
- 168, 169, 170, 186, 203, 211, 238, 239.
- Verlorene Sohn (Darstellung) 202, 203, 204, 238.
- Veronikatuch (Darstellung) 106, 114, 174.
- Vertreibung aus dem Paradies (Darstellung) 202.
- Vesperbilder 120.
- Vesperlein 241.
- Vestenberg, Heinrich von 194.
- Vetter, Familie 174.
- Viertelstundenglocke 196, 230, 232, 239.
- Vincencius, Bischof von Perri 217.
- Vischer, Hermann 168.
- -- Peter d. Ä. 163, 164, 166, 167, 168, 239, 240.
- -- Peter d. J. 168.
- Viterbo (Bischof Angelus) 217.
- Volckamer, Familie 120, 156, 159, 160, 162, 169, 171, 177, 178, 186,
- 187, 188, 199, 223, 238, 241.
- -- Hans 68, 71.
- -- Klara 171.
- -- Paul 132, 162, 167, 212, 241.
- Volckamersches Fenster 177, 178, 186, 187.
- Vollhardt, Justizrat 104, 126.
- Vorchheimer, Fr. 235.
- Vorchtel, Familie 144, 228, 238.
- -- Heinrich 130, 236.
- Vucindro (Bischuf Lazarus) 218.
-
-
- W.
-
- Wächterstube (Türmerstube) 66, 70, 72, 74, 76, 210, 229.
- Walchtor 96.
- Waldämter 223, 224.
- Waldebrunus, Bischof von Avellino 215.
- Waldmannin, Sabina 206.
- Wallfahrtsort (Darstellung) 176.
- Walther von der Vogelweide 143.
- Wandbrunnen 83.
- Wanderer, Friedrich, Professor 113, 178.
- Wandmalereien 24, 83, 84, 105, 106, 108, 112, 114, 115, 124, 168, 169,
- 174 ff., 192, 210, 238, 239, 241.
- Wandschränkchen 189, 190, 191.
- Wandtabernakel 140, 160, 162, 237, 240.
- Wandteppiche 84, 196, 200 ff., 202, 203 ff., 238, 239.
- Weber, Otto 110.
- Weigel, Seitz 236.
- Weinmarkt 238.
- Weißenburger, Johann 193.
- Weiße Turm 39, 48.
- Weizenbierbrauhaus 78, 233.
- Welser, Familie 187.
- -- Paul Karl 223.
- Wendelstein 83, 87, 88, 94, 99, 111, 113.
- Wenden 185.
- Wenzel, König 156.
- Westfalen 57.
- Wetzrillen 146.
- Weylerius, Ulricus 219.
- Wickel, Nikolaus 134.
- Wien 167.
- Wigel, Heinrich 216.
- Wilhelm II., Deutscher Kaiser 80.
- Wilhelm, Markgraf 185.
- Wimpfen, Joh. Friedr. v. 171.
- Winkler, Benedikt 138.
- Wirsching, Georg 134, 241.
- Wittenberg 212.
- Wöhrd 174.
- Wolf, Konrad und Mechtild 236.
- Wolgemut (Michel) 135, 147, 171.
- Worms 12, 29, 143, 227.
- Wulfing, Bischof von Bamberg 216.
- Wunderer, Pfarrer 126.
- Württemberg 229.
- Würzburg 26, 33, 185.
- Wuzelbauer, Johann 240.
- Wyssen, Johannes 194.
-
-
- Z.
-
- Zacharias, hl. 117, 163.
- Zadow, F. 126, 157.
- Zehenter, Hans 232.
- Zeigerlein 241.
- Zenner, Chunradus 219.
- Zettler, Hofglasmaler 113, 126, 178.
- Zeughaus 156.
- Zimmermann 200.
- Zisterzienserorden 33, 34, 36, 38, 227.
- Zollner, Familie 149, 152, 169.
- Züngel, Familie 137.
- Zwölfbotenaltar 132, 228, 235, 236, 238, 240.
-
- * * * * *
-
-
-
-
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-Kleinbuchstaben über Buchstaben wurden als Buchstabe^Buchstabe
-dargestellt.
-
-
-
-
-
-End of the Project Gutenberg EBook of Die Sebalduskirche in Nürnberg, by
-Wilhelm Friedrich Hoffmann
-
-*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE SEBALDUSKIRCHE IN NÜRNBERG ***
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