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authornfenwick <nfenwick@pglaf.org>2025-03-03 20:46:07 -0800
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@@ -0,0 +1,8157 @@
+*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK 44049 ***
+
+ +--------------------------------------------------------------+
+ | Anmerkungen zur Transkription: |
+ | |
+ | Der Text wurde weitgehend in seiner Ursprungsform |
+ | belassen, auch in zweifelhaften Fällen wie: |
+ | "Bankroft", obwohl vermutlich jeweils George |
+ | Bancroft gemeint ist. Gesperrter und kursiver Text |
+ | ist als _Text_ markiert, Fettdruck als =Text=. |
+ | |
+ | Eine Liste der vorgenommenen Änderungen befindet sich am |
+ | Ende des Texts. |
+ | |
+ +--------------------------------------------------------------+
+
+
+
+
+ Die Hessen
+ und die andern deutschen Hilfstruppen im Kriege
+ Gross-Britanniens gegen Amerika
+ 1776-1783
+
+ Von
+ Edward J. Lowell.
+
+ Uebersetzt mit Autorisation des Verfassers
+ von
+ O. C. Freiherrn von Verschuer
+ Major z. D.
+
+ Mit 8 Plänen
+
+ Zweite, um eine Einleitung vermehrte Ausgabe.
+
+
+ Braunschweig und Leipzig
+ Verlag von Richard Sattler
+ 1902.
+
+
+
+
+ Seinem ehemaligen Regiments-Kommandeur
+
+ Herrn Generalmajor z. D. von Gersdorff
+ in Dankbarkeit und Verehrung
+ gewidmet
+ von
+ dem Uebersetzer
+
+
+
+
+Einleitung des Übersetzers.
+
+
+In vorliegendem Buche will der Verfasser das Auftreten der »Deutschen
+Hilfstruppen« in Amerika einer genauen Beleuchtung unterwerfen,
+insbesondere will er den Legenden entgegentreten, die sich in seinem
+Vaterlande im Laufe der Zeit über die Hilfstruppen -- mit dem
+Sammelnamen »Hessen« bezeichnet -- gebildet haben. Seine Anschauungen in
+Betreff der Subsidien-Verträge mit England und der an diesen beteiligten
+Fürsten stimmen im allgemeinen mit den Ansichten weiter Kreise in
+Deutschland überein, viele urteilen bei weitem schärfer, aber bei einer
+grossen Menge werden die abfälligen Urteile nach verschiedener Richtung
+hin mehr oder weniger scharf bekämpft. Wie erklärt sich dieser Zwiespalt
+der Meinungen, und wie könnte er einigermassen überbrückt werden? Er
+erklärt sich m. E. hauptsächlich dadurch, dass viele Geschichtschreiber
+die Frage des sogenannten Soldatenhandels nicht genügend im Lichte der
+damaligen Zeit betrachten, und dass diese Frage bisher nicht in ihrer
+Vielseitigkeit und mit derjenigen Gründlichkeit behandelt worden ist,
+die zur Erlangung eines objektiven Urteils unbedingt notwendig ist. Ein
+solches Urteil wird nur erlangt werden können durch eine genaue Prüfung
+und Vergleichung der bereits vorhandenen und eine Untersuchung der noch
+unbenutzt liegenden Quellen, ferner durch gleichzeitiges
+in-Betrachtziehen der politischen und militärischen Verhältnisse und
+Zustände -- und ihrer Entwickelung -- in _allen_ Staaten, die im Laufe
+des 17. und 18. Jahrhunderts je an dem Überlassen von Truppen gegen
+Subsidien beteiligt gewesen sind, und schliesslich durch ein
+sich-Vertiefen in die Anschauungen der Zeit und zwar aller Kreise: der
+Fürsten, Landstände, Offiziere, Soldaten und des Volkes. Nur aus dem
+Geiste der Zeit heraus kann das Übereinkommen deutscher Fürsten mit
+England im Jahr 1776, können die Urteile der Zeitgenossen für und wider
+-- verstanden, erklärt werden. Von grosser Bedeutung aber ist die
+Thatsache, dass die Verträge mit England und das Auftreten deutscher
+Soldtruppen in Amerika in den Zeitabschnitt fallen, der der
+französischen Revolution vorausging. Hervorragende Geister der damaligen
+Zeit bemühten sich, weiten Kreisen in Europa bei Gelegenheit des
+ungewöhnlichen Falles der Verschickung deutscher Truppen über den Ozean
+zum Bewusstsein zu bringen: _was das Überlassen von Menschen an fremde
+Souveräne gegen Geld zu bedeuten habe!_ Wie in vielen andern Dingen so
+auch in dieser Frage beginnt sich ein Wandel in den Anschauungen Bahn zu
+brechen. Das was die Fürsten und die an den Verträgen mit England
+interessierten Kreise -- im Geiste ihrer Zeit, in ihren Ideen und
+ererbten Überlieferungen befangen, sowie unter Berufung auf die
+Reichsverfassung -- zu thun für Recht hielten, wird als »Menschenhandel«
+bezeichnet. So erklärt es sich, dass bei den Verträgen des Landgrafen
+Friedrich II. und der andern beteiligten Fürsten Ausdrücke wie »Verkauf«
+und »Seelenhandel« anfangen laut zu werden, während man zu Zeiten der
+frühern Subsidien-Verträge in dem Überlassen von Truppen etwas
+Althergebrachtes, nichts Unrechtes erblickte.
+
+Viel Aufsehen hat seiner Zeit das Buch von Friedrich Kapp über den
+»Soldatenhandel« erregt. Er nennt es »Beitrag zur Kulturgeschichte des
+18. Jahrhunderts.« Niemand wird den Wert, den es hat, bestreiten. Ein
+Buch aber, das sein Entstehen einer Tendenz verdankt, wie sie der
+Verfasser im Eingang zum Ausdruck bringt, kann unmöglich Anspruch auf
+Objektivität machen. Und wer eine so leidenschaftliche Sprache wie Kapp
+führt, kann nur ein einseitiges, kein gerechtes Urteil fällen.
+
+Wie wir sehen, stützt Lowell sein Urteil über die deutschen Zustände im
+18. Jahrhundert zum grossen Teil auf die Forschungen Kapps, sowie auch
+auf Seume (dessen Zeugnis aber ebenfalls nicht kritiklos hinzunehmen
+ist). Dieser Teil des L.schen Buches wird deshalb sicher -- wenngleich
+ihn eine völlig objektive Ausdrucksweise auszeichnet -- von einer spätern
+Geschichtschreibung berichtigt und ergänzt werden. Von unbestreitbarem
+Wert wird aber ebenso sicher der Hauptteil seines Buches sein, in dem er
+-- dank seiner umfassenden und gewissenhaften Quellenforschungen --
+besser, und nebenbei fesselnder, als irgend ein Geschichtschreiber vor
+ihm, uns erzählt, von welcher Art deutsche Offiziere und Soldaten waren,
+die in der »Neuen Welt« auftraten, welche Eindrücke sie von ihr bekamen,
+und dass sie unter den schwierigsten Verhältnissen ihre Schuldigkeit
+gethan haben.
+
+Zum Schluss möchte ich noch einmal darauf hinweisen: das Vermieten von
+Truppen ist eine Erscheinung im Laufe des 17. und 18. Jahrhunderts, die
+der Geschichte einer grossen Zahl von deutschen Staaten, darunter die
+bedeutendsten, angehört. Ein dunkles Kapitel deutscher Geschichte wird
+in vorliegendem Buche in Erinnerung gebracht. Dunkel sah es mehr oder
+weniger in _allen_ deutschen Landen -- in mancher Hinsicht -- um die
+Zeit des letzten Viertels des 18. Jahrhunderts aus. Gleichzeitig wissen
+wir aber zu unserm Glück, dass dieses Dunkel einem Licht hat weichen
+müssen, das uns das 19. Jahrhundert gebracht hat.
+
+_Frankfurt_ a. M., im März 1902.
+
+ =v. Verschuer.=
+
+
+
+
+Vorwort
+
+
+Die Geschichte der deutschen Hülfstruppen, die im Revolutionskriege für
+Gross-Britannien fochten, hat von amerikanischen Geschichtsschreibern
+nicht den Grad von Beachtung gefunden, den ihre Wichtigkeit berechtigt
+erscheint zu verdienen. Es ist sehr viel Wesen davon gemacht worden,
+dass 7000 französische Soldaten und 19 000 französische Seeleute den
+Vereinigten Staaten bei der Belagerung von Yorktown beistanden, aber
+vergessen haben wir, dass eine Macht von zwischen 15 und 20 000
+Deutschen im Verlauf von 7 Jahren gegen uns kämpfte, dass mehr als
+29 000 zu diesem Zweck nach Amerika gebracht wurden, dass mehr als
+12 000 niemals nach Deutschland zurückkehrten. Ich weiss von keinem
+amerikanischen Geschichtsschreiber ausser Bankroft, der gründliche
+Studien über diesen Gegenstand in den Original-Quellen gemacht hätte;
+dem ganzen Charakter seines Werkes nach wäre es nicht angängig gewesen,
+die Geschichte der deutschen Truppen in ihren Einzelheiten zu schreiben.
+Doctor George Washington Greene hat interessante Auszüge aus 3
+Kapp'schen Büchern herausgegeben, und die Erzählungen der Baronesse
+Riedesel sind ins Englische übersetzt worden von William L. Stone Esq.,
+der auch den Teil von Eelkings »Leben von Riedesel«, welcher vom
+Revolutionskrieg handelt, übersetzt hat.
+
+Ich kann nicht behaupten, bei der Bearbeitung des vorliegenden Buches
+annähernd alle die sehr inhaltreichen Quellen, die die Bibliotheken und
+Archive in Deutschland enthielten, benutzt zu haben. Ich habe indessen
+deutsche Originalberichte von jedem wichtigen Engagement gefunden und
+von beinahe jedem Scharmützel im Revolutionskriege vom Jahr 1776 bis zum
+Ende, ausgenommen einige von den Gefechten, die in Carolina und Georgia
+stattfanden und in denen wenige, wenn überhaupt, Deutsche engagiert
+waren. Einige von diesen Berichten sind, glaube ich, niemals einem
+amerikanischen Schreiber vor Augen gekommen.
+
+In Deutschland haben die Verträge in Betreff der Überlassung von
+Hilfstruppen an Gross-Britannien und die Geschichte dieser Truppen
+mehr Beachtung gefunden als in Amerika. Zwei Geschichtsschreiber sind
+unter denen, die diesen Gegenstand behandelt haben, besonders
+hervorzuheben. Der eine ist Fritz Kapp, einst Mitglied des Reichstages
+und vordem in der Verbannung in Amerika. Diesem Buche verdanke ich
+sehr viel, direkt und indirekt, wegen der vielen Fingerzeige, die
+dasselbe enthält, besonders in den ersten fünf Kapiteln. Der
+andere Geschichtsschreiber ist Max von Eelking, Hauptmann in
+Sachsen-Meiningen'schen Diensten und korrespondierendes Mitglied des
+New-Yorker Geschichtsvereins. Seine zwei Werke, »Die deutschen
+Hilfstruppen im nordamerikanischen Befreiungskriege« und »Leben und
+Wirken des Herzoglich Braunschweigischen Generallieutenants Friedrich
+Adolf von Riedesel«, stellen die Geschichte vom deutschen Standpunkt
+aus dar. Hauptmann von Eelking stand ein sehr reichhaltiges Material
+zur Verfügung. Die Liste der für das erste Werk benutzten
+Handschriften (von denen viele Eigentum von Privatpersonen) enthält 38
+Nummern. Bei der Lebensbeschreibung von Riedesel hatte er die
+Erlaubnis, alle Briefe und Schriften, die der General hinterlassen, zu
+benutzen. Wenn Hauptmann von Eelking so viel Sorgfalt im Gebrauch des
+Materials als Fleiss in der Sammlung desselben entwickelt hätte, so
+würden seine Werke sehr wertvolle Beiträge zur amerikanischen
+Geschichte sein. Leider erleiden die Resultate seines Fleisses durch
+Ungenauigkeiten Einbusse. Ich habe ihn oft benutzen müssen, habe es
+aber mit Vorsicht gethan.
+
+Der Leser wird in diesem Buche Stellen finden, die mehr dem Gebiete der
+Biographie oder Anekdote als der reinen Geschichte angehören. Die
+Abenteuer von verhältnismässig unwichtigen Persönlichkeiten wie
+Wiederhold, Ewald oder Baronesse Riedesel sind mit ziemlicher
+Ausführlichkeit erzählt. Es war meine Aufgabe, einen Begriff davon zu
+geben, was für eine Art Leute die Hilfstruppen waren und was für einen
+Eindruck Amerika und die Amerikaner auf sie machten. Zu diesem Zweck
+habe ich mich nicht gescheut, scheinbar unbedeutenden, gewöhnlichen
+Stoff da zu verwenden, wo er charakteristisch geschienen hat, oder
+Meinungen und Beschreibungen anzuführen, die, obschon echt, irrig waren.
+
+ =Der Verfasser.=
+
+
+
+
+Inhalt.
+
+
+ Seite
+ Kapitel I. Die Fürsten 1
+
+ " II. Die Verträge 12
+
+ " III. Die Verträge vor dem Parlament 22
+
+ " IV. Die Soldaten 30
+
+ " V. Von Deutschland nach Amerika 37
+
+ " VI. Die Schlacht von Long-Island 1776 41
+
+ " VII. Von der Okkupation von New-York bis zur Wegnahme
+ von Fort Washington, 15. Sept.-16. Nov.
+ 1776 51
+
+ " VIII. Trenton, 26. Dez. 1776 64
+
+ " IX. Der Winter 1777 75
+
+ " X. Die Braunschweiger in Canada 1776 90
+
+ " XI. Baronin Riedesels Reise 1776 u. 77 98
+
+ " XII. Ticonderoga und Bennington, Juli und August 1777 108
+
+ " XIII. Stillwater, am 19. Sept. u. 7. Okt. 1777 120
+
+ " XIV. Saratoga, vom 11-16. Okt. 1777 129
+
+ " XV. Die Braunschweiger in Gefangenschaft 145
+
+ " XVI. Brandywine, Germantown und Redbank, September
+ und Oktober 1777 160
+
+ " XVII. Der Rückzug der Briten durch New-Jersey, Januar
+ bis Juli 1778 170
+
+ " XVIII. Newport, vom November 1776 bis Oktober 1779 174
+
+ " XIX. Die Umgegend von New-York 1777-79 180
+
+ " XX. Wiederholds Reise -- eine Episode -- Sept. 1779 187
+
+ " XXI. Savannah, Charleston und Pensacola, 1778-1781 195
+
+ " XXII. New-York in den Jahren 1780 u. 81 208
+
+ " XXIII. Der Feldzug im Süden im Jahre 1781 216
+
+ " XXIV. Schluss 230
+
+
+ Seite
+ =Anhang.=
+
+ A. Quellen-Verzeichnis 241
+
+ B. Die hessischen Regimenter und ihre Namen 244
+
+ C. Übersicht über die Zahl der von jedem deutschen Staat nach
+ Amerika gesandten Truppen und über die Zahl derer, die nicht
+ zurückkehrten 248
+
+ D. Verlustliste der Deutschen in den Haupt-Schlachten und
+ Gefechten des Revolutionskrieges 250
+
+
+ =Karten und Pläne.=
+
+ 1. Schlacht von Long-Island 1776 48
+
+ 2. Operationen in New-Jersey und Pennsylvanien 1776 64
+
+ 3. Affaire bei Trenton 1776 74
+
+ 4. Burgoynes Übergabe 1777 128
+
+ 5. Schlacht von Brandywine 1777 160
+
+ 6. Überfall auf Paulus Hook 1779 186
+
+ 7. Lord Cornwallis Operationen im Süden 1781 216
+
+ 8. Yorktown 1781 224
+
+
+
+
+ Die Hessen
+
+ und die andern deutschen Hülfstruppen im Kriege
+ Gross-Britanniens gegen Amerika
+ 1776-1783.
+
+
+
+
+Kapitel I.
+
+Die Fürsten.
+
+
+Die Stadt Cassel ist für den durchreisenden Fremden eine der
+anziehendsten in Mitteldeutschland. Ihre Galerien, Parks und Gärten,
+sowie ihre grossen Paläste erregen Bewunderung und Staunen. Hier brachte
+Napoleon III. die Monate seiner Gefangenschaft zu inmitten einer
+Umgebung, die ihn an die Grossartigkeit von Versailles erinnert haben
+möchte, welche den Schöpfern dieser herrlichen Anlagen wohl als Vorbild
+vorschwebte. Die Anlagen und Schlösser rührten hauptsächlich aus dem
+XVIII. Jahrhundert her, als die Augen der meisten Fürsten von Europa auf
+den französischen Hof gerichtet waren; und kein Hof folgte eifriger und
+konsequenter, in äusserem Gepränge wenigstens, dem Beispiel des
+französischen Hofes, als der des Landgrafen von Hessen-Cassel. Die
+Ausgaben für alle diese Bauten und Parkanlagen waren ungeheuer, aber es
+war im allgemeinen Geld im Staatsschatz. Das Land jedoch war arm. Die
+3-400 000 Einwohner lebten hauptsächlich vom Ackerbau, während die
+Landgrafen Finanzmänner waren. Es war ein einträglicher Handel, den sie
+betrieben. Nach der Ware, die sie verkauften oder ausliehen, war grosse
+Nachfrage im damaligen Jahrhundert, wie in allen Jahrhunderten, es waren
+eben _Menschen_, mit denen die Landgrafen von Hessen-Cassel Handel
+trieben. Daher kam es, dass Landgraf Friedrich II. und seine Leute in
+der amerikanischen Geschichte eine Rolle spielten und dass der Name
+»Hessen« eine landläufige Bezeichnung in den Vereinigten Staaten wurde.
+Die Landgrafen nahmen es nicht sonderlich genau mit den Ländern und den
+Abnehmern, mit denen sie in Verbindung traten. 1687 stellte einer
+derselben 1000 Mann den Venetianern für Geld zur Verfügung, um gegen die
+Türken zu fechten. 1702 dienten 9000 Hessen unter den Seemächten und
+1706 waren 11 500 Mann in Italien. England war der beste Kunde. Während
+eines grossen Teils des XVIII. Jahrhunderts hatte es Hessen in seinem
+Sold. Ein Teil derselben war bei der Armee des Herzogs von Cumberland
+während des Prätendenten Invasion 1745, aber es ist festgestellt, dass
+sie sich zu fechten weigerten, um einen Vertrag wegen Auslieferung der
+Gefangenen zu erlangen. Es würde für viele von ihnen günstig gewesen
+sein, wenn sie sich aus demselben Grunde geweigert hätten nach Amerika
+zu gehen. So wenig spielte bei den Landgrafen der Patriotismus oder die
+Politik eine Rolle, dass im Jahre 1743 Hessen gegenüber Hessen standen,
+6000 Mann, die in der Armee des Königs Georg III. von England und 6000
+Mann, die im gegnerischen Heere des Kaiser Karl VII. dienten.
+
+Die Landgrafen von Hessen waren nicht die einzigen Fürsten, die ihre
+Truppen in fremden Sold gaben. Im amerikanischen Revolutionskrieg
+überliessen sechs deutsche Fürsten ihre Soldaten an Gross-Britannien.
+Diese waren Friedrich II., Landgraf von Hessen-Cassel, Wilhelm, sein
+Sohn, unabhängiger Graf von Hessen-Hanau, Carl I., Herzog von
+Braunschweig, Friedrich, Fürst von Waldeck, Carl Alexander, Markgraf von
+Anspach-Bayreuth und Friedrich August, Fürst von Anhalt-Zerbst. Die
+Handlungsweise dieser Fürsten stand in keinem Einklang mit der Politik
+des Kaiserreichs und dem sittlichen Empfinden der damaligen Zeit, der
+Kaiser aber hatte keine Macht es zu verhindern, denn die Abhängigkeit
+von denjenigen Teilen des Reiches, die ausserhalb seiner Erblande lagen,
+war wenig mehr wie nur dem Namen nach vorhanden.
+
+Die Karte von Deutschland im XVIII. Jahrhundert zeigt ein
+ausserordentliches Flickwerk. Ueber den nördlichen Theil des Landes, von
+Osten nach Westen, aber nicht in ununterbrochener Folge, ziehen sich die
+Gebiete des Königs von Preussen. Die österreichischen Erblande, in einer
+ziemlich kompakten Masse, nehmen die südöstliche Ecke ein. Ueber die
+Grenzen dieser zwei grossen Mächte hinaus liegt Alles durcheinander.
+Kurfürstentümer, Herzogtümer, Erzbistümer, Besitzungen von Markgrafen,
+Landgrafen, Fürsten und freien Städten sind unentwirrbar
+zusammengewürfelt. Es gab beinahe 300 souveräne Staaten in Deutschland,
+neben über 1400 Besitzungen des hohen Adels, die direkt unter dem Kaiser
+standen und viele Souveränitätsrechte hatten. Einige von diesen 300
+Staaten waren nicht grösser als Stadtgebiete von Neu-England, viele
+nicht grösser als amerikanische counties. Auch war keiner derselben in
+sich geschlossen, die Besitztümer waren meist aus getrennten
+Länderteilen zusammengesetzt. Jedes kleine Fürstentum hatte seinen
+kleinen Fürsten mit seinem Hof und seiner Armee zu unterhalten. Die
+Fürsten waren regelrecht despotisch. Die Ueberreste von dem, was einst
+konstitutionelle Versammlungen gewesen waren, bestanden in manchen Orten
+noch (Landstände), aber sie repräsentierten im besten Falle nur einen
+kleinen Teil der Bevölkerung. Die Städte wurden durch die privilegierten
+Klassen verwaltet. Auf dem Lande war den Bauern in einigen Gegenden ein
+wenig Freiheit in der Verwaltung ihrer Orts-Angelegenheiten belassen,
+aber im allgemeinen waren die Bauern nicht viel besser daran wie
+Leibeigene und Gegenstand der Tyrannei einer Horde von Beamten, die bei
+jeder Gelegenheit sich einmischten. Der Handel war durch Zölle und
+Abgaben gehemmt; jeder kleine Staat hatte sein eigenes Finanz-System,
+Handel und Industrie waren durch Monopole beschränkt. An einigen Orten
+regelten drückende Gesetze die Kleidung und Kost der Bevölkerung.
+
+Vor Eintritt in das letzte Viertel des Jahrhunderts hatten in
+politischer Beziehung bessere Verhältnisse Platz gegriffen. Friedrich
+der Grosse von Preussen und Joseph II. von Oesterreich waren, jeder in
+seiner Art, erleuchtete Fürsten, und ihr Beispiel hatte viele von den
+besseren Souveränen bewogen, einigermassen für das Wohl des Volkes zu
+sorgen. Der Einfluss der freiheitlichen Bewegung in Frankreich machte
+sich ebenfalls fühlbar. Aber die Ideen von politischer Freiheit hatten
+selbst bei den am weitesten vorgeschrittenen Geistern in Deutschland
+kaum Eingang gefunden. Die gute oder schlechte Gesinnung des Fürsten
+stand nicht _mehr_ unter dem Einfluss der öffentlichen Meinung als der
+Zustand des Wetters. Die Lehre vom passiven Gehorsam war an der
+Tagesordnung, obschon nicht völlig unbestritten. Wenn, wie ein
+Geschichtsschreiber in Betreff politischer Verhältnisse
+auseinandersetzte, es die Pflicht des Untergebenen wäre zu gehorchen,
+selbst wenn sein Fürst aus reiner Willkür sein Leben von ihm fordern
+würde, so kann man hoffen, dass es ebenso richtig war, wenn ein anderer
+Geschichtsschreiber sagte, dass »in fürstlichen Häusern alle Tugenden
+erblich sind«.
+
+Wir wollen nun etwas eingehender die speziellen Erben aller Tugenden
+betrachten, die Söldner nach Amerika sandten.
+
+Der bedeutendste von ihnen war Friedrich II., Landgraf von
+Hessen-Cassel. Dieser Fürst war der katholische Fürst eines
+protestantischen Landes. Seine erste Gemahlin war eine englische
+Prinzessin, eine Tochter Georg II. Sie hat sich bei seinem Uebertritt
+zum Katholizismus nur von ihm getrennt und nach Hanau zurückgezogen mit
+seinem vorzüglichen Sohn, von dem ich sogleich sprechen werde.
+
+Friedrich hatte in Cassel ein fröhliches Leben geführt. Er hatte eine
+abgedankte Maitresse des Herzogs von Bouillon zu sich genommen, aber er
+hielt nicht viel von der Treue und soll mehr als 100 Kinder gehabt
+haben. Es wurde ein französisches Theater und eine Oper mit
+französischem Ballet unterhalten. Französische Abenteurer mit guten
+Empfehlungen waren willkommen und erhielten selbst verantwortliche
+Stellungen im Staat. Der Hof war nach französischem Muster eingerichtet.
+Französisch war ebenfalls -- und ist es noch lange nachher geblieben --
+die Sprache der Fürsten, Hofmänner und Diplomaten. In dieser Sprache
+korrespondierte Friedrich der Grosse mit vielen seiner Verwandten, seine
+Schwester schrieb darin ihre Memoiren, und französisch wurde gesprochen
+am Hofe des kleineren Friedrich, welchen wir vor Augen haben.
+
+Zur Zeit der amerikanischen Revolution lebte der Landgraf mit seiner
+zweiten Frau. Er war ungefähr 60 Jahre alt und scheint damals etwas
+gesetzter geworden zu sein. Er war ein tüchtiger Regent. Seine Truppen,
+durch Konscription ausgehoben und nach preussischem System gedrillt,
+bestanden aus guten Soldaten. Seine Armee zählte im Jahre 1781 22,000
+Mann, während die Bevölkerung seiner Gebiete wenig mehr als 300,000
+Seelen betrug; aber viele Fremde wurden zum Dienen angeworben. Ein Teil
+wurde nicht ununterbrochen bei der Fahne gehalten, sondern während des
+grössten Teils des Jahres beurlaubt, um nur auf einige Wochen zu den
+Uebungen eingezogen zu werden. Friedrich nahm grosses Interesse an
+seiner Armee und korrespondierte mit seinen Offizieren in Amerika um
+allen seinen Einfluss nutzbringend fühlen zu lassen. Auch bekümmerte er
+sich um die inneren Angelegenheiten des Landes und hinterliess bei
+seinem Tode einen vollen Staatsschatz. Er gründete Schulen und Museen
+und liebte wie seine Vorfahren, Prachtbauten. Als er 12,000 Mann nach
+Amerika sandte, setzte er die Steuern für deren Hinterbliebene
+herunter, und, obschon diese, traurig und niedergeschlagen, ihre Söhne
+und Brüder, die jenseits des Ozeans für fremde Interessen kämpfen
+mussten, betrauerten, so verdient Friedrich von Hessen-Cassel in
+gewisser Hinsicht Nachsicht im Urteil, da er immerhin persönliche Würde
+zeigte und einer der wenigst scrupellosen Fürsten war, die Söldner nach
+Amerika schickten.
+
+Wilhelm, der älteste Sohn und voraussichtliche Erbe Landgraf Friedrichs,
+regierte während der Revolution die unabhängige Grafschaft Hanau, die
+einige Meilen östlich von Frankfurt am Main lag. Wilhelm stand seinem
+Vater nach an Würde, kam ihm aber gleich an Sinnlichkeit. Im August
+1775, als man in Deutschland von der Nachricht der Schlacht von Bunker
+Hill noch ganz erfüllt war, beeilte sich der Erbprinz, Georg III. ein
+Regiment anzubieten »ohne die geringsten Bedingungen«. Trotz der
+Beteuerung seiner uneigennützigsten Ergebenheit erhielt er schliesslich
+einen höhern Preis für den gestellten Mann als einer seiner Mitbewerber,
+ausgenommen seinen durchlauchtigen Vater. Die Höfe von Cassel und Hanau
+standen nicht auf gutem Fusse. Seitdem der Landgraf den Glauben
+gewechselt hatte, lebte er mit seiner Gemahlin und seinen Erben in
+Streit. Aber die Lebensweise seines ältesten Sohnes unterschied sich
+nicht sehr von seiner eigenen. Als Wilhelm ein natürliches Kind zu
+unterhalten hatte, schlug er den Preis eines jeden Sackes Salz, den
+seine Unterthanen von den Salzminen brachten, um einen Kreuzer auf und
+gab die so erhaltenen Einkünfte dem Kinde. Als seine Nebenkinder die
+Zahl 74 erreicht hatten, mussten die ärmeren seiner Unterthanen mit dem
+Salz sparsam umgehen. Einer seiner Bastarde war jener General von
+Haynau, welcher in österreichischen Diensten Grausamkeiten in Italien
+1849 beging, der in Brescia Frauen peitschen liess und nachher in London
+vom Pöbel misshandelt wurde. Wilhelms Maitresse war während vieler
+Jahre ein Fräulein von Schlotheim, die ihm zuerst entlief aber von den
+eigenen Eltern zurückgeschickt wurde. Nach den Worten einer Dame in
+Cassel »konnte der hessische Adel diesen Vorteil nicht entbehren«.
+Obschon der Fürst im Jahre einige 12,000 Pfund Sterling als Subsidien
+für die Sendung von Truppen nach Amerika erhielt, so glaubt doch Kapp,
+dass er keine Steuern erliess, ausser den Frauen und Kindern der
+Soldaten der Expedition oder solche Steuern, die vom Eigentum der
+Soldaten erhoben wurden, die weder Frauen noch Kinder hatten. Dass die
+nachher erwähnten Fürsten Steuern erlassen hatten, habe ich nicht
+erfahren, aber meine Quellen mögen lückenhaft sein.
+
+Herzog Carl I. regierte über Braunschweig-Lüneburg und der Erbprinz Carl
+Wilhelm Ferdinand hatte sich mit ihm in der Regierung vereinigt. Der
+Letztere hatte eine Schwester König Georg III. geheiratet. Das Land
+hatte nur ungefähr 150,000 Einwohner und die Fürsten waren tief in
+Schulden. Carl war verschwenderisch und der siebenjährige Krieg war sehr
+kostspielig gewesen. Es waren Versuche gemacht worden, den Finanzen
+durch Alchemie aufzuhelfen, aber das Gold war im Rauchfang verflogen
+oder hatte seinen Weg in die Taschen der Alchemisten genommen, denn es
+war keins in den Schmelztöpfen gefunden worden. Ein italienischer
+Theater-Direktor erhielt ein Salair von 30,000 Thalern jedes Jahr,
+während Lessing, der bereits der Autor von »Emilia Galotti« und »Minna
+von Barnhelm« war, als Archivar für eine Kleinigkeit diente. Prinz Carl
+Wilhelm Ferdinand war ein besserer Haushalter als sein Vater. Die
+Lotterie, ein in jener Zeit modernes Mittel um Geld zu machen, war unter
+der Leitung eines Staatsministers eingerichtet worden, und brachte viel
+Geld ein, denn obschon der Herzog von Braunschweig weniger pro Kopf an
+Subsidien für die Sendung von Soldaten nach Amerika als irgend ein
+anderer Fürst erhielt, so war er doch im Stande, für sein Korps von
+4300 Mann 160,000 Pfund in die Tasche zu stecken, bevor der Krieg
+beendigt war.
+
+Die kleinen Gebiete von Anspach und Bayreuth, die zusammen ungefähr
+400,000 Seelen enthielten, waren kurz vorher unter der Regierung des
+Markgrafen Carl Alexander vereinigt worden. Keines von beiden Ländern
+war unter seinen Souveränen glücklich gewesen. Beide Länder hatten zu
+Zweigen der grossen Hohenzollern-Familie gehört, deren Hauptlinie
+bereits in Preussen den Grund zu der Macht gelegt hatte, welche ihr
+heute den ersten Platz in Europa gegeben hat. Aber den Markgrafen von
+Anspach und Bayreuth fehlte die Geschicklichkeit, welche der rauhen
+Strenge König Friedrich Wilhelms, des Vaters Friedrichs des Grossen, zu
+Grunde lag.
+
+Von diesem Friedrich Wilhelm haben wir ein lebendiges Bild in den
+Memoiren seiner Tochter Wilhelmine. Wie er seine Kinder mit dem Stock im
+Zimmer herumjagte, wie Wilhelmine sich unter dem Bett verbarg und
+Friedrich im Kloset, wie der König grosse Soldaten liebte und seiner
+Gemahlin gegenüber tobte, ist da genau erzählt. Mit der ausdrücklichen
+Absicht, ihre Geschichte heiterer zu machen, erzählt die Prinzessin, wie
+ihr Vater, der im Allgemeinen der keuscheste der Monarchen war,
+versuchte, eine Hofdame auf der Treppe zu küssen und wie sie ihn in's
+Gesicht schlug, so dass seine Nase blutete. Wilhelmine vermählte sich
+mit einem Markgrafen von Bayreuth, und ihre Schwester Friederike Louise
+mit einem Markgrafen von Anspach; letztere aber lebte nicht auf gutem
+Fusse mit ihm.
+
+Dieser Markgraf von Anspach war gutmütig in seiner Weise und gütig, wenn
+er nicht schlecht gelaunt war. Er liebte es, seinen Dienern kleine
+Gnadenbeweise zu geben, und ihnen persönlich davon Mitteilung zu machen.
+Er erlaubte bereitwillig, den Kranken Leckerbissen aus seiner Küche
+zukommen zu lassen. Wenn er nicht betrunken war, so war er geneigt, bei
+Verbrechern die Todesstrafe in Freiheitsstrafe zu verwandeln, falls sie
+sich nicht eines so schrecklichen Verbrechens schuldig gemacht hatten,
+wie der Überredung von Soldaten, zu desertieren, an seinem Hof zu
+stehlen oder zu wilddieben; aber seine militärischen Exekutionen waren
+barbarisch. Der Markgraf war regelmässig in seinem Kirchenbesuch und
+geneigt, Kirchen, Schulen und Hospitäler zu gründen. Er wäre deshalb
+wohl von seinen Unterthanen geliebt worden, wenn nicht seine ungezähmte
+Laune, und die Excesse, in die sie ihn führte, gewesen wären. Als er
+einmal gehört hatte, dass seine Hunde nicht gut gefüttert wurden, ritt
+er zu dem Haus des Mannes, der sie in Verwahrung hatte, rief ihn an die
+Thür und erschoss ihn an der eigenen Thürschwelle. Als ein Gastwirt
+wegen eines kleinen Diebstahls geklagt hatte, liess der Markgraf den
+Dieb hängen. Im Jahre 1747 war ein Dienstmädchen ohne Untersuchung
+gehängt worden, weil es einem Soldaten zur Flucht verholfen hatte. Als
+der Markgraf eines Tages aus seinem Schloss ritt, hielt er still und
+ersuchte den Wachtposten, der der Stadtwache angehörte und kein
+regulärer Soldat war, um sein Gewehr. Der arme Bursche, der nicht
+argwöhnisch war, gab es her, worauf der Markgraf ihn einen Feigling und
+Schuft nannte und ihn von zwei Husaren an den Schwänzen der Pferde durch
+den Mühlteich schleifen liess, an welcher Behandlung der Mann starb.
+Einer seiner Stallmeister, mit Namen von Reitzenstein, obschon
+habsüchtig und verderbt, war beim Volke beliebt, weil er einigemal diese
+Excesse mässigte. Bei einer Gelegenheit machte ein Schafhirt mit der
+Herde nicht schnell genug Platz für den Markgrafen wodurch Seiner
+Durchlauchtigsten Hoheit Pferd scheute. Der Markgraf forderte des
+Stallmeisters Pistolen um den Burschen niederzuschiessen. »Sie sind
+nicht geladen,« antwortete von Reitzenstein. Indessen kurz bevor sie zu
+Hause anlangten, zog der Stallmeister beide Pistolen heraus und feuerte
+sie in die Luft. Paff! Paff! »Was ist los?« schrie der erschrockene
+Markgraf. »Mein gnädiger Herr,« antwortete der andere, »ich glaube, Sie
+werden diese Nacht viel besser schlafen, nachdem sie den Krach der
+Pistolen jetzt, als eine Stunde vorher gehört haben.«
+
+Es war sehr gefährlich, des Markgrafen Handlungsweise zu kritisieren.
+1740 war ein gewisser Christoph Wilhelm von Rauber angeschuldigt,
+Karrikaturen und Schmähschriften verbreitet zu haben. Deswegen war er
+verurteilt worden, sich auf den Mund zu schlagen, doch mit der
+Verschärfung, dass es für ihn der Scharfrichter thun sollte, ferner
+sollte er sehen, wie der Letztere seine Schmähschriften verbrannte, und
+zuletzt geköpft werden, welch letztere Strafe gnädig in lebenslängliches
+Gefängnis und Konfiskation umgewandelt wurde.
+
+Carl Alexander, der Sohn dieses grausamen Markgrafen scheint etwas
+menschlicher als sein Vater gewesen zu sein. Er war in seiner Jugend
+nach Utrecht geschickt worden, um Staats-Wissenschaften zu lernen und
+dann nach Italien, wahrscheinlich um sich fürstliche Tugenden
+anzueignen. Er kehrte, durch Ausschweifungen abgelebt, zurück, welches
+sein Vater dem Reisebegleiter, Rath Meyer Schuld gab. Der letztere wurde
+in Zelle eingekerkert, sein späteres Schicksal ist unbekannt. Einer
+anderen Erzählung zufolge wurde er in Altenkirchen hingerichtet.
+
+Im Jahre 1777 war Carl Alexander, der Markgraf von Anspach und Bayreuth
+geworden, tief in Schulden und entzückt durch die Gelegenheit zwei
+seiner Regimenter in fremden Sold zu geben. Rekruten und Ersatzleute
+waren in Zeitabschnitten hinausgesandt worden, bis eine Totalsumme 2353
+erreicht war, für deren Dienste der Markgraf mehr als 100,000 Pfd.
+erhielt. Carl Alexander war der letzte Markgraf von Anspach und
+Bayreuth. Im Jahre 1791 verkaufte er beide Länder an Preussen, für eine
+Pension, von welcher er nachher in England lebte, wo er 1806 starb.
+
+Neben den Markgrafen von Anspach scheinen die Fürsten von Waldeck
+ziemlich beachtenswert. Allerdings gebrauchten sie ihr kleines Land
+hauptsächlich als Domäne um Leute für den Holländischen Markt
+aufzuziehen, aber sie selbst fochten mit Auszeichnung für dasselbe Land.
+Das Ausrüsten von Truppen für Amerika war mehr ein Neben-Geschäft, denn
+die ganze ausgeschickte Anzahl betrug nur 1225 Soldaten.
+
+Friedrich August, Fürst von Anhalt-Zerbst, kann als die Karrikatur eines
+kleinen deutschen Fürsten seiner Zeit angesehen werden. Er regierte über
+einige 20,000 Seelen, aber man kann nicht sagen, dass er sie regiert
+hat, denn die letzten 30 Jahre seines Lebens brachte er in Basel und
+Luxemburg zu. Selbst da fand er, dass seine Unterthanen ihm störend
+werden könnten, und verbot bei Strafe der Entlassung, durch eine formell
+gedruckte Ordre, dass ihn einer seiner Beamten mit den Angelegenheiten
+seines Landes behelligte. Er war nicht übermässig streng, indessen hatte
+er auf der Insel Wangeroog einen Galgen errichten lassen als
+Schreckmittel für die Austern-Stehler. Seine Armee von 2000 Mann, und
+diese noch dazu mehr auf dem Papier, zählte nicht weniger als 11
+Obersten, doch als es dazu kam, 600 Mann nach Amerika zu senden, musste
+er über die Grenzen des Landes hinausgehen, um nicht nur Soldaten
+sondern auch Offiziere zu finden. Das kleine Fürstentum war so zu sagen
+in Kommission und wurde durch einige wenige Privat-Räte verwaltet. Es
+hatte weder Kunst noch Industrie, und hatte durch Krieg, Hungersnot,
+Pest und Hochwasser gelitten. Aber es war ein Land, das sehr hohe
+Beziehungen hatte. Die Schwester des Fürsten war die Kaiserin Catharina
+II von Russland. Der Fürst selbst, obschon er fern vom Lande wohnte,
+fühlte trotzdem die Höhe seiner Stellung und hatte ein mitfühlendes Herz
+für Monarchen, wo nicht für Unterthanen. Als er hörte, dass gottlose
+Franzosen ihren König Louis XVI enthauptet hatten, verfiel er in
+Melancholie, verweigerte Essen und Trinken und starb, wie er gelebt
+hatte, als Parodie, die Karrikatur eines königlichen Märtyrers.
+
+
+
+
+Kapitel II.
+
+Die Verträge.
+
+
+Aus den Verhandlungen zwischen dem Hof von Grossbritannien und den
+deutschen Fürsten zur Anwerbung von Soldtruppen für den Krieg in Amerika
+ist ersichtlich, wie begierig man auf beiden Seiten war, zu einem
+Resultat zu gelangen. England gebrauchte Leute, die Fürsten Geld, und
+während die Letzteren sich bemühten so hohe Subsidienbeträge wie möglich
+zu bekommen, war die Hauptsorge des Kabinets von Lord North, die
+höchstmögliche Anzahl von Soldaten ohne Verzögerung zu erhalten.
+Friedrich Kapp, der deutsche Geschichtsschreiber dieses Handels, meint,
+dass Colonel William Faucitt, der Britische Kommissionär und
+General-Bevollmächtigte in dieser ganzen Angelegenheit, zu weitgehende
+Zugeständnisse bei Aufstellung der Bedingungen machte. Dies scheint
+jedoch nicht die Ansicht des Earl of Suffolk, North's Sekretär der
+auswärtigen Angelegenheiten, gewesen zu sein, da er sich fortgesetzt mit
+seinem Agenten sehr zufrieden erklärte.
+
+Das britische Kabinet war in seinen Hoffnungen, die es darauf gesetzt
+hatte, im Sommer und Herbst 1775 20,000 Mann von Russland zu bekommen,
+getäuscht worden. Ebenso zerschlugen sich die Verhandlungen in betreff
+eines sogenannten Schottischen Regiments, das gegenwärtig in
+holländischen Diensten war. Fünf Bataillone Hannoverischer Unterthanen
+Georg III. wurden nach Gibraltar und Minorca schleunigst entsandt, um
+die Engländer, die in diesen Festungen als Besatzung dient, für andere
+Zwecke frei zu machen. So war keine andere Hülfe zu gewärtigen als von
+den kleinen unabhängigen deutschen Fürstentümern.
+
+Der Erbprinz von Hessen-Cassel, gleichzeitig regierender Graf von
+Hessen-Hanau, hatte geschrieben, um Seiner Majestät von England seinen
+Eifer und seine Ergebenheit -- »dem besten der Könige« -- auszudrücken
+und ihm die Dienste seines Regiments von 500 Mann anzubieten, »alles
+Landeskinder, die ich dem Schutze Euerer Majestät anvertraue, und die
+alle mit mir bereit sind, ihr Leben und Blut in Dero Diensten zu
+opfern.« Man darf aber nicht glauben, dass der Prinz daran dachte, sein
+eigenes kostbares Leben in Gefahr zu bringen, und der Ausdruck von der
+Opferfreudigkeit seiner Unterthanen war auch nur eine reine Phrase. Der
+Fürst von Waldeck schrieb im November 1775 in ähnlicher Art, indem er
+600 Mann anbot. Seine Offiziere und Soldaten, ebenso wie ihr Fürst,
+verlangten nichts besseres, als eine Gelegenheit zu finden, sich für
+Seine Majestät zu opfern.
+
+Der Herzog von Braunschweig-Lüneburg und der Landgraf von Hessen-Cassel
+boten zwar ihre Dienste nicht an, Colonel Faucitt fand aber keine
+Schwierigkeiten in Verhandlungen mit ihnen einzutreten. Der Markgraf von
+Anspach-Bayreuth machte im Herbste 1775 ein Anerbieten von zwei
+Bataillonen, aber der betreffende Vertrag mit ihm kam erst nach mehr als
+einem Jahre zu Stande, und im Oktober 1777 wurde mit dem Fürst von
+Anhalt-Zerbst ein Übereinkommen getroffen, für dessen Zustandekommen er
+Alles that, was in seinen Kräften stand. Anerbietungen von Truppen von
+Seiten des Kurfürsten von Baiern und des Herzogs von Württemberg führten
+zu keinem Resultat, einesteils wegen der schlechten Beschaffenheit und
+Ausrüstung der angebotenen Soldaten und andernteils, Letzteren
+betreffend, wegen der Schwierigkeiten, die Friedrich der Grosse wegen
+Durchpassierens seiner Besitztümer machte. Anerbietungen mehrerer
+anderer kleiner deutscher Fürsten führten zu nichts.
+
+Der Vertrag, der zuerst abgeschlossen wurde, war der mit dem Herzog von
+Braunschweig. Er ist datiert vom 9. Januar 1776. Der Herzog stellt darin
+Sr. Britannischen Majestät 3964 Mann Infanterie und 336 unberittene
+Dragoner zur Verfügung. Dies Korps sollte auf Kosten des Herzogs
+vollkommen ausgerüstet werden, ausgenommen die Pferde der leichten
+Kavallerie. Sie sollten von Braunschweig in zwei Teilen marschieren im
+Februar und März, und der König war verpflichtet Massnahmen zu treffen,
+um Desertionen während des Marsches durch Kurfürstlich Hannoversches
+Gebiet auf dem Wege zur Küste zu verhindern. Der König sollte sie
+bezahlen und verpflegen wie seine eigenen Soldaten, und der Herzog
+sollte sich verpflichten, sein Korps in den vollen Genuss der von Sr.
+Britannischen Majestät genehmigten Geld-Verpflegung gelangen zu lassen,
+mit andern Worten, den Leuten keine niedrigere Löhnung zu zahlen und die
+Differenz in die Tasche zu stecken. Die Britische Regierung traute ihm
+jedoch nicht. Von der Zeit der Ankunft der Truppen in Amerika an wurde
+die Löhnung direkt dorthin geschickt, um sie nicht durch die Hände Sr.
+Hoheit des Herzog gehen lassen zu müssen. Diese Vorsichtsmassregel war
+bei allen deutschen Hilfstruppen angewandt worden mit Ausnahme derer von
+Hessen-Cassel, dessen Landgraf es gelang, die Geldwirtschaft selbständig
+zu führen. Die Braunschweig'schen Soldaten sollten in Britischen
+Hospitälern gepflegt werden, und die Verwundeten, die nicht mehr
+dienstfähig wären, auf Kosten des Königs nach Europa transportiert und
+in einem Hafen der Elbe oder Weser gelandet werden. Der Herzog war
+einverstanden damit, die jährlich für das Korps notwendig werdenden
+Rekruten auszuheben, zu disziplinieren und auszurüsten, aber wenn es
+sich ereignen sollte, dass eins der Regimenter, Bataillone oder eine
+Kompagnie aussergewöhnlich Verlust erleiden sollte, entweder in einer
+Schlacht, bei einer Belagerung oder durch eine Epidemie, oder durch den
+Verlust eines Transportschiffes auf der Fahrt nach Amerika, so sollte
+Se. Britannische Majestät für den Schaden aufzukommen haben an
+Offizieren und Soldaten und die Kosten tragen für die Rekruten, die
+nötig würden, um die Korps wieder auf ihren alten Etat zu bringen.
+
+Der Herzog sollte die Offiziere ernennen und die vakanten Stellen
+besetzen. Er verpflichtete sich, dazu geeignete Leute zu wählen. Die
+Rechtspflege reservierte er für sich. Es wurde festgesetzt, dass seine
+Truppen nicht zu aussergewöhnlichen Dienstleistungen herangezogen werden
+sollten, die ausser Verhältnis ständen zu den Anforderungen, wie sie an
+die übrige Armee gestellt wurden.
+
+Der König von England verpflichtete sich, Seiner Hoheit unter dem Titel
+Werbegeld für jeden Soldaten den Betrag von 30 Kronen oder 7 Pfund 4
+Schilling 4-1/2 Pence zu zahlen. Ausserdem hatte er jährlich an
+Subsidien 11,517 L. 17 S. 1-1/2 P. vom Tage der Unterzeichnung des
+Vertrages an, so lange die Truppen in seinem Sold ständen, zu zahlen,
+und das doppelte dieser Summe (also 23,035 L. 14 S. 3 P.) noch zwei
+Jahre nach Rückkehr der Truppen in das Gebiet Seiner Hoheit. In
+Anbetracht der Eile, mit der die Truppen ausgerüstet waren, gewährte Se.
+Majestät den Sold für zwei Monate vor dem Ausrücken und übernahm alle
+Unkosten von der Zeit an nach dem Verlassen ihrer Standquartiere.
+
+Noch eine Bedingung in diesem Vertrage verdient hervorgehoben zu werden,
+da sie die wohlberechtigte Entrüstung aller derer erregt hat, die dieses
+Handeln mit Menschenblut verdammt haben. Es heisst darin: »Dem Herkommen
+entsprechend sollen drei Verwundete einem Gefallenen gleich gerechnet
+werden; für einen Gefallenen soll der Satz bezahlt werden, wie er bei
+dem Werbegeld für den Einzelnen festgesetzt ist.« Diese Clausel, die in
+dem darauf folgenden Vertrag mit Hessen-Cassel nicht verzeichnet steht,
+befindet sich in dem Vertrag mit Braunschweig in demselben Artikel, in
+welchem die Bedingung betreffs Vergütung für aussergewöhnliche Verluste
+durch Schlachten, Epidemien und Schiffbrüche enthalten ist. Man könnte
+es so verstehen, dass der König von England sich verpflichtete, für
+jeden Rekruten, der an Stelle eines gefallenen Braunschweigers treten
+würde, die Kosten tragen sollte, dass aber für jeden Deserteur oder für
+jeden an einer Krankheit verstorbenen der Herzog einen anderen Mann zu
+stellen hätte, es sei denn, dass eine ungewöhnlich verheerende Epidemie
+ausbräche. Aber wenn man der Sache diese Auslegung giebt, wie verhält es
+sich mit den »drei Verwundeten«? Kapp verwirft diese Erklärung, und
+behauptet, dass für neue Rekruten Werbegeld gezahlt wurde ausser den 30
+Kronen für die Gefallenen und Verwundeten, und dass dieses Blutgeld vom
+Fürsten in die Tasche gesteckt wurde, anstatt dass es die Familien des
+Gefallenen oder der Verwundete selbst erhielt. Jedenfalls steht die
+Thatsache fest, dass der Herzog von Braunschweig kontraktlich die Summe
+von ungefähr 35 Dollars für jeden, der in der Schlacht fallen würde, und
+11 Dollars 36 cent für jeden Verkrüppelten zu bekommen hatte. Es ist
+wahrscheinlich jetzt nicht mehr möglich nachzuweisen, wieviel England in
+Wirklichkeit hierfür ausgezahlt hat. Die Bezahlung war auf den
+Rechnungen, die dem Parlament von dem Kriegs-Ministerium eingereicht
+wurden, nicht in einzelnen Posten aufgeführt. Kapp glaubt, dass dem
+Kabinet die Kritik, die dieser Punkt herausgefordert haben würde, nicht
+angenehm gewesen wäre.
+
+Der Vertrag mit Hessen-Cassel, datiert vom 15. Januar 1776; er
+unterscheidet sich von dem mit Braunschweig hauptsächlich dadurch, dass
+er sich für den deutschen Hof günstiger stellte. In erster Linie wurde
+der König von Gross-Britannien veranlasst, ein Schutz- und Trutz-Bündnis
+mit dem Landgrafen von Hessen-Cassel zu schliessen. Die Hessischen
+Truppen sollten geschlossen unter der Führung ihres Generals bleiben,
+wenn nicht die Kriegsverhältnisse eine Teilung notwendig machen würde.
+Die Kranken sollten in der Pflege der eigenen Ärzte und anderer Leute
+bleiben, welche die Hessischen Generale zu ernennen hätten; und es
+sollte ihnen Alles, was der König seinen eigenen Truppen zu Teil werden
+liesse, ebenfalls zugestanden werden. Nach diesem Vertrage war der
+Landgraf verpflichtet, 12,000 Mann aufzubringen, sie vollständig
+auszurüsten und, wenn gewünscht auch Artillerie zuzuteilen. Es wurde
+derselbe Satz Werbegeld wie an den Herzog von Braunschweig gezahlt, also
+30 Kronen oder 7 £. 4 Sch. 4-1/2 Pfg. für jeden Mann. Die Subsidien
+waren jedoch im Verhältnis höher, sie betrugen 450,000 Kronen oder
+108,281 £ 5 Sch. pro Jahr und wurden (aber nicht verdoppelt) noch ein
+weiteres Jahr nach Rückkehr der Truppen nach Hessen gezahlt. Der
+Landgraf stellte später noch mehrere kleinere Kontingente auf, für die
+er besondere Verträge abschloss. Nach ungefährer Schätzung bestand der
+Vorteil, den der Landgraf über den Herzog erlangte, darin, dass --
+abgesehen von dem obenerwähnten Blutgeld, worüber genauere Angaben
+fehlen und abgesehen von den Sporteln, die die hohen Rivalen noch
+bekamen und wenn man nur das Werbegeld und die Subsidien rechnet -- der
+Landgraf von Hessen-Cassel mehr als das Doppelte für jeden nach Amerika
+geschickten Mann wie der Herzog von Braunschweig bekam. Hierzu kam noch,
+was ausserhalb des Vertrages lag, dass der Landgraf Ansprüche auf eine
+alte Schuld vom siebenjährigen Kriege her geltend machte, die früher
+nicht anerkannt worden war. Sie betrug 41,820 £. 14 Sch. 5 Pfg.
+
+Die Verträge mit den kleineren Staaten Hessen-Hanau, Waldeck,
+Anspach-Bayreuth und Anhalt-Zerbst unterschieden sich in den Grundzügen
+nicht von den oben beschriebenen. Keiner von ihnen war für die Fürsten
+ganz so günstig wie der Vertrag mit Cassel, keiner ganz so günstig für
+England wie der mit Braunschweig. Die Blutgeld-Klausel findet sich in
+den Verträgen mit Hanau und Waldeck, aber nicht in dem mit Anspach.
+
+Von Zeit zu Zeit wurden mit mehreren der oben erwähnten kleineren
+Fürsten Händel wegen Gestellung von Ersatzmannschaften abgeschlossen.
+Jäger und Scharfschützen waren besonders gesucht.
+
+Jedes Jahr wurden Rekruten zu den verschiedenen Truppenteilen nach
+Amerika gesandt. Die Gesamtsumme der Leute setzt sich nach Kapp wie
+folgt zusammen aus:
+
+ Braunschweig 5 723
+ Hessen-Cassel 16 992
+ Hessen-Hanau 2 422
+ Anspach-Bayreuth 2 353
+ Waldeck 1 225
+ Anhalt-Zerbst 1 152
+ --------------
+ Zusammen: 29 867
+
+Von diesen segelten etwas mehr als 18 000 Mann im Jahre 1776 nach
+Amerika. Von dieser Gesamtsumme von beinahe 30,000 Mann kehrten 12,554
+nicht wieder nach Deutschland zurück. Ausser den Kontingenten, die durch
+die Verträge mit den deutschen Fürsten nach Amerika gesandt wurden,
+diente noch eine gewisse Anzahl Deutscher in Englischen Regimentern, von
+denen einige Aushebungs-Stationen am Rhein hatten.
+
+Es ist schwer zu sagen, wie diese Händel zwischen England und den
+deutschen Fürsten von der öffentlichen Meinung in Deutschland damals
+beurteilt wurden. Schlözer's »Briefwechsel«, das erste deutsche Journal
+dieser Periode, kam in Göttingen, dem Hannoverschen Gebiet Georg's III.
+zugehörig, heraus. Es enthält viele Aufsätze über den Amerikanischen
+Krieg, die alle von Englischer Seite geschrieben sind mit der einzigen
+Ausnahme eines Briefes an Baron Steuben, der auf Seiten der Kolonien
+focht. Der Brief ist obendrein von dem Herausgeber in einer den
+Amerikanern übel gesinnten Weise mit Anmerkungen versehen. Dieser Ton
+mag vielleicht Schlözer durch die Umstände aufgezwungen worden sein, da
+die Presse in Deutschland mehr geduldet als frei war. Ein interessantes
+kleines Buch wurde in Wolfenbüttel bei Braunschweig im Jahre 1778
+veröffentlicht. Es enthält eine Beschreibung von Amerika, seiner
+Produkte, Geographie, seine Geschichte und eine vorzügliche Karte. Der
+Verfasser des Buches ist den Kolonisten durchaus feindlich gesinnt. Die
+Sendung von mehr als 17000 Deutschen nach Amerika ist nur kurz, man
+möchte sagen, nebenbei erwähnt, dagegen sind die ersten Operationen in
+diesem Kriege, und speziell dieser Hilfstruppen ziemlich ausführlich
+behandelt und doch war die Anwesenheit so vieler Deutscher in Amerika
+zweifellos der Hauptgrund für das Entstehen des Buches. Auch ist es
+billig, dass in jenen Tagen ein Aufruhr viel schärfer beurteilt wurde
+als heut zu Tage, und dass ein solcher in den Augen von konservativ
+denkenden Leuten nicht als ein politischer Fehler sondern als ein
+abscheuliches Verbrechen galt.
+
+Ganz verschieden davon war die Art, in welcher die Liberalen Europas
+über den Krieg und die Söldner urteilten. Die Prinzipien, die im Begriff
+waren, der französischen Revolution die Wege zu ebnen, brachen sich
+Bahn, und einige der Darsteller dieses grossen Dramas begannen auf der
+Bühne zu erscheinen. Mirabeau, als Flüchtling in Holland weilend,
+veröffentlichte ein Pamphlet gerichtet »An die Hessen und andere
+deutsche Volksstämme, die von ihren Fürsten an England verkauft sind.«
+Es ist die Mirabeau'sche Schrift ein beredter Protest gegen die Raubgier
+der Fürsten und ein herrlicher Tribut, der dem Patriotismus der
+Amerikaner gezollt wird. Das Genie Mirabeau's konnte weit genug in die
+Zukunft sehen, um zu erkennen, dass der Nord-Amerikanische Kontinent
+einst ein Asyl für die Unterdrückten aller Nationen werden würde. Der
+gegen den Landgrafen von Hessen-Cassel geführte Schlag traf sein Ziel.
+Letzterer versuchte nicht nur die ganze Auflage des Pamphlets
+aufzukaufen, sondern veranlasste auch die Veröffentlichung einer
+Antwort, die wiederum eine Entgegnung zur Folge hatte, in welchem der
+zukünftige Tribun die Ansicht vertritt, dass ein Angriff auf die
+Freiheit der Nationen das grösste aller Verbrechen sei. In demselben
+Sinne schrieb Abbé Raynal und Andere, von denen einige zu dieser Zeit in
+Europa besser bekannt waren als Mirabeau, und gegen den ein
+Zeitungskrieg losbrach, der in den holländischen Zeitungen ausgefochten
+wurde, die damals die einflussreichsten, weil freisten auf dem Kontinent
+waren. In der Landes-Bibliothek in Cassel befindet sich ein
+interessantes kleines Pamphlet, herausgegeben im Jahre 1782 in
+französischer Sprache und ebenso in Deutsch. Dies Pamphlet war von
+Schlieffen, dem Gesandten Landgraf Friedrichs II., geschrieben. Der
+Schreiber weist auf die alte Erfahrung hin, dass die Menschen in allen
+Zeitaltern sich gegenseitig umgebracht hätten, dass die Schweizer lange
+Zeit gewöhnt gewesen als Söldner zu fechten, dass 10,000 Griechen unter
+Xenophon dasselbe gethan hätten, und er hielte es für ungerecht, seine
+Zeitgenossen für eine Sache zu tadeln, die in dem natürlichen Instinkt
+der Menschheit begründet läge. Er konstatierte, dass das gegenwärtige
+Vermieten von Truppen der zehnte Fall dieser Art seit Anfang des
+Jahrhunderts sei. Er wies auf die Wohlthaten hin, die der Landgraf
+seinem Lande hatte zu Teil werden lassen, und auf die Liebe, mit der ihn
+sein Volk verehrte. Er lenkte die Aufmerksamkeit, und dies war
+vielleicht sein bestes Argument, auf die Thatsache, dass der Landgraf
+von Hessen und der Herzog von Braunschweig so nahe mit dem englischen
+Königshaus verwandt wären, dass ihre Nachkommen eines Tages auf den
+grossbritannischen Thron berufen werden könnten. Die prahlerische
+Freiheit der Amerikaner wäre nur eine trügerische Sirene, denn die
+Geschichte bewiese, dass republikanische Regierungsformen ebenso
+tyrannisch und grausam wären wie Monarchieen.
+
+Dahingegen war der Freiherr von Gemmingen, der Gesandte des Markgrafen
+von Anspach, etwas beschämt über den Handel, den er abgeschlossen hatte.
+»Es kommt mir immer sehr hart an, mit Truppen zu handeln,« schreibt er
+an seinen Agenten in London, »aber der Markgraf ist entschlossen, die
+Sache um jeden Preis zu Stande zu bringen, um seine und seiner Vorgänger
+Schulden bezahlen zu können. Auf diese Weise wird freilich das Gute, das
+aus dem Subsidien-Vertrag entspringt, die schlechte Seite des Geschäfts
+überwiegen.« Später schreibt er: »Der Vertrag, den wir soeben
+abgeschlossen haben, ist viel günstiger, als wir erwarten konnten, wenn
+man bedenkt, dass das Anerbieten von uns aus ging und dass die
+königlichen Waffen bisher einen solchen Erfolg in Amerika gehabt haben.
+Die Sache wird natürlich in dem möglichst ungünstigsten Licht von Leuten
+angesehen werden, die es nicht verstehen, eine Staatsangelegenheit im
+Rahmen des Ganzen und nach ihren besonderen Motiven zu beurteilen. Aber
+sobald diese Leute sehen, wie fremdes Geld in unser armes Land fliessen
+wird, sobald sie sehen, dass dessen Schulden bezahlt werden, mit den
+Mitteln, die uns jetzt zufliessen, so werden sie und die ganze Welt
+entzückt sein und anerkennen, dass die Truppen, deren Pflicht es ist,
+die Feinde des Landes zu bekämpfen, den schlimmsten Feind besiegt haben,
+nämlich -- unsere Schulden. Selbst der niedrigste Soldat, der nach
+Amerika geht, gut bezahlt und wohl versorgt, wird mit seinen
+Ersparnissen zurückkehren und stolz darauf sein, für sein Vaterland und
+seinen eigenen Vorteil gearbeitet zu haben ... Ich bin im Allgemeinen
+ein erklärter Feind von solchem Handel mit Menschen; aber es giebt
+Fälle, in denen Schlechtes sich in eine Wohlthat verwandelt, und so
+verhält es sich, wenn ich mich nicht irre, in diesem Falle.«
+
+Friedrich der Grosse drückte in einem Brief an Voltaire (vom 18. Juni
+1776) seine Verachtung über die mit Menschen handelnden Fürsten aus und
+fand etwas später Gelegenheit, ihnen Hindernisse in den Weg zu legen.
+»Wäre der Landgraf aus meiner Schule hervorgegangen,« schrieb er, »so
+würde er nicht seine Unterthanen an die Engländer verkauft haben, wie
+man Vieh verkauft, um es zur Schlachtbank zu führen. Dies ist kein
+schöner Zug in dem Charakter eines Fürsten, der sich rühmt, der
+Lehrmeister von Regenten zu sein. Ein solches Handeln ist durch nichts
+Anderes als durch schmutzigen Eigennutz hervorgerufen. Ich bedauere die
+armen Hessen, die ihr Leben unglücklich und nutzlos in Amerika enden.«
+Napoleon, der dreissig Jahre später den damaligen Landgrafen von
+Hessen-Cassel (den »Grafen von Hanau« der Verträge) vertrieb, äusserte
+sich folgendermassen: »Das Fürstenhaus von Hessen-Cassel hat viele Jahre
+lang seine Unterthanen an England verkauft. Auf diese Weise haben die
+Kurfürsten solche Schätze gesammelt. Diese Habsucht ist die Ursache des
+Sturzes ihrer Dynastie.«
+
+
+
+
+Kapitel III.
+
+Die Verträge vor dem Parlament.
+
+
+Der angreifende oder sich rechtfertigende Ton der Minister der deutschen
+Despoten hatte wenig Einfluss, wenn ihre Herren sich einmal für eine
+Sache entschieden hatten. Der leidenschaftliche Protest eines jungen
+deutschen Poeten oder eines französischen Pamphletisten konnte
+schwerlich auf die Politik einen Einfluss ausüben. Der König von
+Preussen, dessen Wort in betreff des Verdingens von Soldaten für fremde
+Kriegsdienste Gesetz gewesen sein mag, zog es vor, mit Verachtung zu
+strafen, anstatt zu befehlen. Aber im Parlament von Gross-Britannien
+wurden die Verträge zwischen dem König von England und den deutschen
+Fürsten verhandelt durch verantwortliche Minister auf der einen Seite,
+und auf der andern Seite durch Staatsmänner, von denen einige eines
+Tages zur Macht gelangen konnten. Es ist richtig, dass die Majorität,
+welche die Regierung unterstützte, so erdrückend war, dass die
+Opposition keine Aussicht hatte, sie zu stürzen. Aber es lässt sich kaum
+bezweifeln, dass, obwohl die grössere Stimmenzahl auf Seiten der Tories
+im Parlament von 1776 war, das geistige Übergewicht auf Seiten der Whigs
+sich befand.
+
+Am 29. Februar 1776 beantragte Lord North, die Verträge zwischen Seiner
+Majestät und dem Landgrafen von Hessen-Cassel, dem Herzog von
+Braunschweig und dem Erbprinz von Hessen-Cassel dem »Committee of
+Supply« zu überweisen. Er sagte, dass Truppen das beste und radikalste
+Mittel wären, um Amerika zum verfassungsmässigen Gehorsam zu zwingen, da
+man Soldaten auf diese Weise schneller und zu günstigeren Bedingungen
+bekommen könnte, als durch Aushebungen in der Heimat; dass die
+gemieteten Truppen weniger kosten würden, als man erwartet hätte und
+schliesslich, dass die Truppenmacht, die sie im Stande sein würden, nach
+Amerika zu senden, genügen würde, nach menschlicher Berechnung, das Land
+zu zwingen sich zu unterwerfen, vielleicht ohne ferneres Blutvergiessen.
+
+Lord North wurde unterstützt von Mr. Cornwall, der das hohe Haus
+versicherte, dass er besser wie irgend Jemand in demselben Gelegenheit
+gehabt hätte, Mittel und Wege kennen zu lernen mit den deutschen Prinzen
+zu verhandeln und Truppen zu besorgen; dass seine jahrelange Stellung
+(als Sekretär in dem Zahlamt während des deutschen Krieges) ihm diese
+Gelegenheit gegeben hätte; und er wäre erstaunt zu hören, dass Leute,
+die mit den deutschen Verhältnissen bekannt wären, die gegenwärtigen
+Bedingungen ungünstig fänden. Er bestritt, dass die dem Herzog von
+Braunschweig im Voraus bezahlten zwei Monate Sold nichts weiter als ein
+Douceur wären, und blieb dabei, dass die Truppen unter besseren
+Bedingungen wie je zuvor zu bekommen wären, besonders wenn das Geschäft
+noch im Laufe des Jahres effektuiert werden könnte, woran er keinen
+Grund hätte zu zweifeln.
+
+Lord George Germaine verteidigte die Vorlage auf Grund der
+Notwendigkeit. Er zählte eine Reihe von Präzedenzfällen auf, um zu
+zeigen, dass in jedem Krieg oder Aufstand, England zu fremden Truppen
+seine Zuflucht hätte nehmen müssen um die Schlachten zu schlagen und das
+Land zu verteidigen. Lord Barrington, der im Innersten seines Herzens
+das allgemeine Verhalten der Regierung nicht gebilligt und der
+vergeblich den König gedrängt hatte, seine Entlassung anzunehmen, hatte
+die Vorlage in ähnlichem Sinne unterstützt. Er gab zu, dass der Handel
+kein günstiger sei, aber immerhin der beste, den man abschliessen
+könnte.
+
+Auf der anderen Seite verwarf Lord John Cavendish die Vorlage in allen
+ihren Teilen. Britannien würde sich in den Augen von ganz Europa bloss
+stellen. Er machte Einwendungen gegen jeden einzelnen Paragraphen des
+Vertrags und hob hervor, dass eine Truppenmacht von 12,000 Fremden in
+das Gebiet der britischen Krone befördert werden sollte ohne unter
+Kontrolle weder des Parlaments noch des Königs zu stehen; denn der
+Vertrag sagte ausdrücklich, »dass dieser Truppenkörper unter dem Befehl
+der Generale bleiben sollte, denen er von Seiner Hoheit (dem Landgrafen)
+anvertraut würde.«
+
+Lord Irnham zweifelte an der Kompetenz der Fürsten, solche Verträge
+abzuschliessen. Er hielt es für nicht vereinbar mit ihren Pflichten
+gegenüber dem Reiche, sie machten sich dadurch in den Augen von ganz
+Europa ehrlos und verächtlich: zur Unterstützung despotischer Gewalt
+eine Pflanzschule von Soldaten zur Verfügung zu stellen, denen, die mehr
+Geld, aber nicht mehr Recht und Wert hätten als die, die sie durch Geld
+unterwerfen wollten. Er verglich die Fürsten mit Sancho Pansa, der
+wünschte, dass wenn er ein Fürst wäre, alle seine Unterthanen Sclaven
+werden würden, die er durch Verkauf zu Geld machte.
+
+Mr. Seymour antwortete Mr. Cornwall und forderte ihn auf, einen einzigen
+Fall anzuführen, in dem dieselbe Anzahl Truppen während derselben Zeit
+der Nation so viel Geld gekostet hätte.
+
+Der Hon. James Lutrell wies darauf hin, dass bereits 150,000 Deutsche in
+Amerika wären und dass daher unter den angeworbenen Truppen leicht
+Desertionen vorkommen könnten. Edmund Brake stellte fest, dass für 1000
+Fremde ebenso viel bezahlt würde wie für 1500 Eingeborene. Sir George
+Saville behauptete, dass dies der unvorteilhafteste Handel in dieser Art
+sei, der je abgeschlossen sei, seitdem es üblich wäre, Truppen
+anzuwerben; und Alderman Bull schloss die Debatte, indem er ausrief:
+
+»Man lasse den Geschichtsschreiber nicht gezwungen sein zu sagen, dass
+die russischen und deutschen Sklaven die Söhne Englands und der Freiheit
+unterjocht haben, und dass unter der Regierung eines Fürsten aus dem
+Hause Braunschweig jeglicher schmähliche Versuch gemacht wurde, den
+Geist auszulöschen, den seine Vorfahren bezeugten und der sich trotz
+Verrat und Verfassungsbruch auf dem Throne festzusetzen wusste.« Des
+Alderman's Gesinnung war besser als seine Rhetoric, aber beides war
+gleich nutzlos. Die Vorlage wurde mit 242 Stimmen gegen 88 angenommen.
+Am 5. März 1776 beantragte der Duke of Richmond im Hause der Lords, man
+möge Seiner Majestät dem König eine Adresse unterbreiten, um ihn zu
+bitten, den Abmarsch der fremden Truppen zu inhibieren und Massregeln zu
+treffen, um die Feindseligkeiten in Amerika sofort zu sistieren. Der
+Protest drückte die Ansicht des Hauses aus über die Gefahr und die
+Schande der Verträge durch die Gross-Britannien vor ganz Europa bekennen
+müsste, dass es nicht im Stande sei, einerseits wegen Mangel an
+Soldaten, andrerseits wegen Abneigung der eigenen Leute gegen diesen
+Krieg, eine genügende Anzahl Leute für die erste Kampagne auf die Beine
+zu bringen. Es wäre traurig zu sehen, wie durch das Abziehen der
+nationalen Truppen (die ohnehin zu schwach wären für den unglücklichen
+Zweck, dem sie dienen sollten) Gross-Britannien entblösst und den
+Angriffen und dem Eindringen mächtiger Nachbarn und fremder Nachbarn
+ausgesetzt sein würde.
+
+Das Dokument wies sodann darauf hin, dass eine Aussöhnung mit den
+Kolonien der Verwendung von Fremden vorzuziehen sei, die, wenn sie so
+weit von ihrer Heimat entfernt wären und unter dem Elend des Krieges, an
+dem sie kein Interesse hätten, leiden und so oft in Versuchung kommen
+würden, die Abhängigkeit mit der Freiheit zu vertauschen, viel eher
+meutern oder desertieren, als treu bleiben und mit Seiner Majestät
+eigenen Unterthanen gemeinsam operieren würden.
+
+Indem auf die Gefahr hingedeutet, fremde Truppen in das Reich
+hineinzulassen und Klage erhoben wird, dass bereits zwei der stärksten
+Festungen von ihnen besetzt seien,[1] fährt der Protest fort: »Wir haben
+obendrein Grund zu befürchten, dass, wenn die Kolonien sehen, wie
+Gross-Britannien Bündnisse schliesst und Truppen zu ihrer Unterwerfung
+anwirbt, sie durch das gegebene Beispiel sich für berechtigt halten
+werden, Anstrengungen zu machen, um ebenfalls Beistand zu erlangen; und
+dass Frankreich, Spanien, Preussen oder andere Europäische Mächte denken
+werden, dass sie ein ebensolches Recht haben wie Hessen, Braunschweig
+und Hanau, sich in unsere inneren Angelegenheiten zu mischen.«
+
+ [1] Hannoversche Truppen waren nach Gibraltar und Port Mahon gesandt
+ worden.
+
+Darauf wurde auf die Gefahr hingewiesen, dass man verpflichtet sein
+würde, den Landgrafen von Hessen bei seinen Streitigkeiten in Europa zu
+unterstützen, und es wurde der Meinung Ausdruck gegeben, dass
+Gross-Britannien noch nie einen Vertrag eingegangen sei, der so teuer,
+so ungleich, so entehrend und in seinen Folgen so gefährlich sei.
+
+Indem der Duke of Richmond den Protest einbrachte, gab er einen kurzen
+Überblick über die Verträge, die seit 1702 mit den Landgrafen von Hessen
+abgeschlossen worden seien, und zeigte, dass die aufeinanderfolgenden
+Landgrafen mit der Zeit ihre Forderungen gesteigert hätten, und dass,
+wenn sie versuchten, günstigere Bedingungen herauszudrücken, sie niemals
+unterliessen, ihre vorhergegangene Erpressung als Grundlage für den
+neuen Vertrag dienen zu lassen und immer eine neue Forderung an
+Gross-Britannien zu stellen. Dieser Vertrag sei »offenbar ein
+gewinnsüchtiger Handel, indem man eine Anzahl Söldner in Sold nehme,
+die man kaufe und verkaufe wie das Vieh, das zur Schlachtbank geführt
+würde ... Legt man aber den Verträgen eine Alliance zu Grunde, was
+würde die Folge sein? Dass, wenn eine dieser Mächte angegriffen oder
+ohne Grund einen Angriff provozieren würde, wir sie mit allen uns zu
+Gebote stehenden Mitteln unterstützen müssten. Folglich haben wir
+wegen des Beistandes von wenigen Tausend Söldnern nicht nur doppelt zu
+bezahlen, sondern wir gehen auch eine feierliche Verpflichtung ein,
+unsere Streitkräfte zu opfern und Hülfe zu leisten, wenn der Landgraf
+oder Herzog angegriffen oder ihm sein Besitztum streitig gemacht
+wird.«
+
+Der Duke of Richmond bezeichnete es ferner als eine Gefahr, einen
+Truppenkörper von 12,000 fremden Söldnern zu haben unter dem Kommando
+eines von dessen eigenen Generalen, bei dem die Möglichkeit nicht
+ausgeschlossen sei, dass er zum Höchst-Kommandierenden befördert werden
+könne; es könne eine grosse Verwirrung entstehen durch Streitigkeiten
+zwischen dem fremden und eigenen kommandierenden General.
+
+Der Earl of Suffolk antwortete für die Regierung: »Der Tenor der
+Verträge,« sagte er, »ist kein anderer als er es bei früheren
+Gelegenheiten gewesen ist. Der gegenwärtige, das ist wahr, ist voll von
+schwülstigen hochtönenden Phrasen von einem Bündnis, und ich bin so
+offenherzig, dem edlen Herzog zu bemerken, dass ich sie nur als solche
+ansehe; und ich gehe soweit, zu sagen, dass die wahre Absicht der
+Verträge die ist, weniger ein Bündnis zu schliessen als einen
+Truppenkörper anzuwerben, den der gegenwärtige Aufstand in Amerika
+notwendig erscheinen lässt.«
+
+Indem Lord Suffolk somit die Bedingungen des Vertrages, für den er
+persönlich verantwortlich war, in das richtige Licht gesetzt hatte, fuhr
+er fort nachzuweisen, dass die Bedingungen vorteilhaft sein würden, wenn
+man die Truppen nur ein Jahr gebrauchen würde, dass man aber unter allen
+Umständen, wenn die Soldaten gebraucht würden, sich den gestellten
+Bedingungen fügen müsste.
+
+Der Earl of Carlisle war überzeugt, dass die Arbeitskräfte, die durch
+die Industrie in Anspruch genommen würden, der geringe Nutzen einer
+neuen Aushebung, wenigstens für die erste Kampagne und der Wunsch jedes
+Vaterlandsfreundes, den unglücklichen Verhältnissen ein schnelles Ende
+bereitet zu sehen, dass dies Alles die Notwendigkeit der Verwendung
+fremder Truppen genügend rechtfertigen würde. Man sollte bedenken den
+schwerfälligen Koloss, den das Reich bildete und die Operationen, die
+selbst im Falle eines Defensivkrieges nötig sein würden, und stellte
+anheim, ob es einem so unbedeutenden Stück Land, wie die Insel
+Gross-Britannien möglich sei, eine Zahl aufzubringen, die genügten, um
+Operationen zu führen, die derartige Anforderungen stellen würden.
+
+Die Debatte zog sich sehr in die Länge und wurde mit grosser Erbitterung
+geführt. Auf Seiten der Whigs klagte der Duke of Cumberland --
+»Braunschweiger zu sehen, die einst -- was ihnen zu grosser Ehre
+gereichte -- zur Verteidigung der Freiheiten der Unterthanen Verwendung
+fanden, und jetzt nach einem andern Teil des grossen Reiches gesandt
+werden, um sie der konstitutionellen Freiheiten zu berauben.« Der Duke
+of Manchester führte aus, dass _der_ Mensch für einen Söldling gehalten
+werden müsste, der für Geld um einer Sache willen kämpft, an der er
+keinen Anteil hat. Der Earl of Helburne gab die Notwendigkeit der
+Verwendung fremder Truppen nicht zu und wurde hierin von Lord Carnden
+unterstützt, der das hohe Haus fragte, ob nicht der ganze Vertrag eine
+Zusammensetzung von Schande, Niederträchtigkeit und Betrügerei wäre, wie
+sie noch nie dem Parlament zugemutet worden wäre. »Ist einer unter Ihnen
+my lords,« fragte er, »der nicht vollkommen einsieht, dass das Ganze ein
+rein gewinnsüchtiger Handel ist, bei dem von der einen Seite Truppen
+gedungen, von der andern menschliches Blut verkauft wird; und dass die
+geduldigen Opfer, zum Abschlachten verkauft, die grössten Söldlinge in
+des Wortes schlimmster Bedeutung sind?«
+
+Die Tory-Lords scheinen sich weniger an der Debatte beteiligt zu haben,
+wahrscheinlich, weil sie es für unnötig hielten zu sprechen, da sie in
+der Majorität waren. Die Vorlage wurde mit 100 gegen 32 Stimmen
+abgelehnt.
+
+Es scheint mir, als ob die Lords nicht ganz gerecht in ihrem Urteil über
+die deutschen Soldaten gewesen wären. Die meisten dieser armen Teufel
+fochten nicht um Geld, sondern weil sie es nicht ändern konnten. Die
+Leute, die wirklich »Söldlinge in des Wortes schlimmster Bedeutung«
+waren, waren der Landgraf, der Herzog und die Fürsten; aber man konnte
+von den edlen Lords kaum erwarten, dass sie dies aussprechen würden.
+
+Was die Haltung der britischen Regierung beim Anwerben der Truppen
+anbetrifft, so ist klar, dass ihr kein anderer Weg übrig blieb, wenn der
+Krieg energisch durchgeführt werden sollte. Infolge des Misskredits, in
+dem reguläre Soldaten bei den Engländern standen, war die britische
+Armee zu Friedenszeiten nicht so stark wie die Zahl, die jetzt im
+Ausland aufgebracht werden sollten. Werbungen waren mit Schwierigkeiten
+verbunden, man erhielt durch sie nur rohe Rekruten. Die Konscription ist
+ein Ding der Unmöglichkeit in England. Wenn man Leute haben wollte,
+musste Lord North sie in Deutschland suchen.
+
+Die Regierung und das Reich aber bezahlten einen enormen Preis für die
+Hilfstruppen. Die Antwort auf den Vertrag mit dem Landgrafen war die
+Unabhängigkeits-Erklärung. Die Verwendung von fremden Soldtruppen durch
+die britische Regierung wirkte zum grossen Teil mit, die Amerikaner zu
+dem Entschluss kommen zu lassen, ihre Lehnspflicht gegen die englische
+Krone abzuschütteln und Bündnisse mit deren früheren Feinden zu suchen.
+Die Gefahr, auf die in dem Protest der Lords hingewiesen worden war,
+wurde zur Wirklichkeit, und Männer von englischem Blut behaupteten, dass
+Frankreich ein ebensolches Recht wie Hessen hätte, sich in ihre inneren
+Streitigkeiten zu mischen.
+
+
+
+
+Kapitel IV.
+
+Die Soldaten.
+
+
+Die Soldaten, welche die deutschen Fürsten an England vermieteten zur
+Unterdrückung der amerikanischen Revolution wurden auf verschiedene
+Weise zusammengebracht. In Hessen-Cassel war das Land in Distrikte
+eingeteilt gewesen, von welchen jeder eine bestimmte Anzahl Rekruten für
+ein bestimmtes Regiment zu stellen hatte. Die Offiziere waren indessen
+angehalten worden, soviel Fremde wie möglich der Armee zuzuführen, um
+die eigenen Distrikte zu schonen, deren Einwohner immer bei der Hand
+sein würden, wenn man ihrer im Notfall bedürfte. Es stand in den
+Armee-Vorschriften, dass diejenigen Regiments-Kommandeure oder
+Hauptleute sich am besten empfehlen würden, wenn sie versuchten, fremde
+Rekruten einzureihen. Die zwangsweise Rekruten-Aushebung war verboten,
+doch diese Bestimmung sollte wahrscheinlich nur auf die Eingeborenen
+Anwendung finden. Jedenfalls scheint es nicht die Thätigkeit der
+Werbeoffiziere vermindert zu haben, und in den kleineren Staaten hat
+wahrscheinlich ein solches Gesetz überhaupt nicht existiert. In Anspach
+durfte Niemand ohne Erlaubnis das Land verlassen oder heiraten. Es muss
+dabei erwähnt werden, dass in diesem Fall mit Land nicht Deutschland,
+sondern die Territorien des Markgrafen gemeint waren, und dass die
+Fremden, die der Landgraf angeworben haben wollte, die Unterthanen der
+benachbarten kleinen Fürsten waren. Werbeoffiziere waren über ganz
+Deutschland hin thätig. Lüderliche Kerle, Trunkenbolde, Vagabunden und
+Leute, die politische Umtriebe machten, wurden, wenn sie nicht über 60
+Jahre alt, gesund und gut gewachsen waren, zwangsweise eingestellt. Mit
+dem Geschenk eines grossen, robusten Mannes empfahl sich ein Fürst dem
+andern in der angenehmsten Weise; in jedem Regiment waren viele
+Deserteure von anderen Staaten. Zusammen mit dieser gemischten
+Gesellschaft diente der ehrliche deutsche Bauernbursche. Es muss noch
+erwähnt werden, dass die Regimenter, die nach Amerika geschickt wurden,
+aus einem bessern Material bestanden, wie die Regimenter zu gewöhnlicher
+Zeit. --
+
+Johann Gottfried Seume, welcher später einige Bedeutung als
+Schriftsteller erlangte, war ein Opfer des Werbesystems und hat eine
+Beschreibung seiner Erlebnisse hinterlassen. Seume war Student der
+Theologie in Leipzig, doch nachdem ihm religiöse Zweifel gekommen waren,
+welche seine Freunde -- wie er wusste -- verletzen würden, machte er
+sich zu Fuss auf den Weg nach Paris, mit einem Säbel an der Seite, mit
+einigen Hemden und Bänden der Klassiker in der Reisetasche und ungefähr
+9 Thalern. Seine Reise sollte indessen eine andere Richtung nehmen.
+»Den dritten Abend übernachtete ich in Vach,« schreibt er, »und hier
+übernahm trotz allen Protest der Landgraf von Kassel, der damalige
+grosse Menschenmakler, durch seine Werber die Besorgung meiner ferneren
+Nachtquartiere nach Ziegenhain-Kassel und weiter nach der neuen Welt.
+Man brachte mich als Halbarrestanten nach der Festung Ziegenhain, wo der
+Jammergefährten aus allen Gegenden schon viele lagen, um mit dem
+nächsten Frühjahr nach Faucitts Besichtigung nach Amerika zu gehen. Ich
+ergab mich in mein Schicksal und suchte das Beste daraus zu machen, so
+schlecht es auch war. Wir lagen lange in Ziegenhain, ehe die gehörige
+Anzahl der Rekruten vom Pfluge und dem Heerwege und aus den Werbestädten
+zusammengebracht wurde. Die Geschichte dieser Periode ist bekannt genug:
+niemand war damals vor den Handlangern des Seelenverkäufers sicher;
+Überredung, List, Betrug, Gewalt, alles galt. Man fragte nicht nach den
+Mitteln zu dem verdammlichen Zwecke. Fremde aller Art wurden angehalten,
+eingesteckt, fortgeschickt. Mir zerriss man meine akademische
+Inskription, als das einzige Instrument meiner Legitimierung. Am Ende
+ärgerte ich mich weiter nicht; leben muss man überall: wo so viele
+durchkommen, wirst du es auch: über den Ozean zu schwimmen war für einen
+jungen Kerl einladend genug und zu sehen gab es jenseits auch etwas. So
+dachte ich. Während unseres Aufenthalts in Ziegenhain brauchte mich der
+alte General Gore zum Schreiben und behandelte mich mit vieler
+Freundlichkeit. Hier war denn ein wahres Quodlibet von Menschenseelen
+zusammengeschichtet, gute und schlechte, und andere, die abwechselnd
+beides waren. Meine Kameraden waren noch ein verlaufener Musensohn aus
+Jena, ein bankerotter Kaufmann aus Wien, ein Posamentierer aus Hannover,
+ein abgesetzter Postschreiber aus Gotha, ein Mönch aus Würzburg, ein
+Oberamtmann aus Meiningen, ein preussischer Husarenwachtmeister, ein
+kassierter hessischer Major von der Festung und andere von ähnlichem
+Stempel. Man kann denken, dass es an Unterhaltung nicht fehlen konnte;
+und eine blosse Skizze von dem Leben der Herren müsste eine
+unterhaltende, lehrreiche Lektüre sein. Da es den meisten gegangen war
+wie mir, oder noch schlimmer, entspann sich bald ein grosses Komplott zu
+unser aller Befreiung.«
+
+Es wurde Seume angeboten, Rädelsführer der Verschwörer zu sein, doch auf
+den Rat eines alten Feldwebels hin schlug er dies ehrenvolle Amt aus.
+»Man wollte um Mitternacht auf ein Zeichen ausziehen, der Wache stürmend
+die Gewehre wegnehmen, was sich widersetzte niederstechen, das Zeughaus
+erbrechen, die Kanonen vernageln, das Gouvernementshaus verriegeln und
+1500 Mann stark zum Thore hinaus marschieren. In drei Stunden wären wir
+über der Grenze gewesen.« Jedoch das Komplott wurde verraten, die
+Rädelsführer wurden verhaftet, unter ihnen Seume. Er wurde aber bald
+wieder freigelassen, da niemand etwas gegen ihn aussagen konnte und
+besonders weil es zu viele geworden wären, die hätten bestraft werden
+müssen. »Der Prozess begann,« sagt er, »zwei wurden zum Galgen
+verurteilt, worunter ich unfehlbar gewesen sein würde, hätte mich nicht
+der alte preussische Feldwebel gerettet. Die Übrigen mussten in grosser
+Anzahl Gassen laufen, von sechsunddreissig Malen herab bis zu zwölfen.
+Es war eine grässliche Schlächterei. Die Galgenkandidaten erhielten zwar
+nach der Todesangst unter dem Galgen Gnade, mussten aber
+sechsunddreissig Mal Gassen laufen und kamen auf Gnade des Fürsten nach
+Cassel in die Eisen. Auf unbestimmte Zeit und auf Gnade in die Eisen
+waren damals gleichbedeutende Ausdrücke und hiessen so viel als »ewig
+ohne Erlösung.« Wenigstens war die Gnade des Fürsten ein Fall, von dem
+niemand etwas wissen wollte. Mehr als dreissig wurden auf diese Weise
+grausam gezüchtigt, und Viele, unter denen auch ich war, kamen bloss
+deswegen durch, weil eine zu grosse Menge von Mitwissern hätte bestraft
+werden müssen. Einige kamen beim Abmarsch wieder los, aus Gründen, die
+sich leicht erraten lassen: denn ein Kerl, der in Cassel in den Eisen
+geht, wird von den Engländern nicht bezahlt.«
+
+Bei Truppen, wie diese es waren, waren Desertionen natürlicherweise
+etwas gewöhnliches. Der Militärdienst war gefürchtet, und in kleineren
+Staaten hätte eine gelungene Flucht den Deserteur nach wenigen Meilen
+über die Grenze gebracht. Das Volk sympathisierte mit ihm und würde ihm
+geholfen haben, wenn hierauf nicht schwere Bestrafung gestanden hätte.
+Dies war indess nicht nötig. Wenn in Württemberg Allarm geschlagen
+wurde, musste sofort die ganze Gemeinde ausrücken und 24 Stunden lang
+die Strassen, Fusspfade und Brücken besetzen, bis der Flüchtling
+gefangen war. Wenn er entschlüpfte, so musste der Ort einen Ersatzmann
+stellen, der ebenso gross war wie der Deserteur, und die Söhne der
+ersten Männer des Ortes wurden in erster Linie genommen. Dieser Befehl
+musste jeden Monat einmal von der Kanzel verlesen werden. Wer einem
+Deserteur behülflich war, verlor die Bürgerrechte, wurde zu Zwangsarbeit
+verurteilt und im Gefängnis gepeitscht. Die Gesetze in Hessen-Cassel
+scheinen etwas weniger grausam gewesen zu sein. Bauern, die einen
+Deserteur festnahmen, bekamen einen Dukaten; aber wenn ein Deserteur ein
+Dorf passierte, ohne festgenommen zu werden, so musste das Dorf für ihn
+bezahlen. Jeder Soldat, der sich über eine Meile von seiner Garnison
+entfernte, musste mit einem Pass versehen sein, und alle Personen,
+welche ihm auf eine grössere Entfernung von zu Hause begegneten, sollten
+ihn danach fragen. Ein charakteristischer Fall ereignete sich 1738. Ein
+preussischer Werbeoffizier und die Frau eines preussischen Soldaten
+verleiteten einen Anspacher Soldaten zu desertieren um sich in die
+preussische Armee einreihen zu lassen. Sie wurden durch die Anspacher
+Behörde aufgefangen. Die Frau wurde gehängt; der Offizier musste bei der
+Exekution zugegen sein und wurde dann in die Festung eingesperrt. Der
+Deserteur scheint mit dem Leben davongekommen zu sein, da er ein
+wertvolles Verkaufsobject war.
+
+Wenn der Rekrut in die Liste eingeschrieben war, musste der Offizier
+oder Unteroffizier ihn in die Garnison bringen. Dies gab natürlich
+Gelegenheit zum Entfliehen; Kapp führt aus einem Buch, das 1805 in
+Berlin gedruckt ist, die Vorsichtsmassregeln an, welche gegen diese
+Gefahr anzuwenden waren. Der Unteroffizier, der den Rekruten begleitet,
+muss Säbel und Pistolen tragen. Er muss den Rekruten vor sich her
+marschieren, ihn aber niemals zu nahe an sich herankommen lassen und ihm
+ankündigen, dass jeder verdächtige Schritt ihm das Leben kosten kann.
+Grosse Städte muss er vermeiden, ebenso Orte, wo der Rekrut vorher
+gedient hat. Es ist auch wünschenswert, den Ort zu vermeiden, wo der
+Rekrut geboren ist. Sie müssen die Nacht in einem Wirtshaus zubringen,
+dessen Besitzer Werbeoffizieren gut gesinnt ist. Der Rekrut und Offizier
+müssen sich beide auskleiden, und ihre Kleider sind vom Wirt aufzuheben.
+Wirtshäuser, wo Rekruten einquartiert werden, müssen besondere Räume
+dafür haben, möglichst eine Treppe hoch und mit vergitterten Fenstern.
+Die ganze Nacht muss ein Licht brennen, und der Unteroffizier muss seine
+Waffen dem Wirt abgeben, damit sie der Rekrut nicht wegnehmen und gegen
+ihn gebrauchen kann in der Nacht. Des Morgens bekommt er sie zurück,
+sieht nach der Ladung und dem Pulver auf der Pfanne, zieht sich an und
+ist reisefertig, bevor der Rekrut seine Kleider bekommt. Der Rekrut
+betritt ein Haus oder eine Stube zuerst; er verlässt es zuletzt. Bei den
+Mahlzeiten sitzt er mit dem Rücken an der Wand. Erscheint er
+verdächtig, fliehen zu wollen, so müssen ihm die Hosenträger und -knöpfe
+abgeschnitten werden, so dass er die Hosen mit der Hand halten muss.
+
+Ein guter Hund, der für dies Geschäft dressiert ist, wird für den
+Unteroffizier sehr zweckmässig sein. Wenn ein Unteroffizier
+unglücklicherweise gezwungen ist, einen Rekruten zu töten oder zu
+verwunden, so muss er eine Bescheinigung von der Ortsbehörde beibringen.
+Aber kein Dokument kann die Flucht eines Rekruten entschuldigen, ein
+Vorfall, der in Preussen als ganz unmöglich gar nicht der Erwähnung wert
+gehalten wird.
+
+Die Leute, die zusammengebracht waren für den Dienst in Amerika, waren
+vom militärischen Standpunkt aus von sehr verschiedenem Wert. Sie wurden
+alle von einer englischen Kommission in den Seehäfen in Empfang genommen
+und vor der Einschiffung gemustert, gewöhnlich durch Oberst Faucitt,
+welcher die Verträge abgeschlossen hatte; während einige der Regimenter
+als vorzüglich befunden wurden, zeigte es sich, dass andere zum Teil aus
+alten Leuten und aus Knaben bestanden, die den Strapazen nicht gewachsen
+waren. Einige von den Soldaten wurden infolge dessen verworfen,
+besonders in den letzten Jahren des Krieges, als es in vielen Städten
+schwieriger wurde, gute Leute zu bekommen.
+
+Es ist nach dem Quellenmaterial schwer zu beurteilen, welche Chancen ein
+gemeiner Soldat hatte zu avancieren. Seume schreibt, dass er Aussicht
+auf Avancement hatte, die aber durch die Beendigung des Krieges zerstört
+wurde, da in Friedenszeiten einer, der nicht adelig war, es nicht weiter
+als bis zum Feldwebel bringen konnte. Kapp behauptet, die Offiziere
+gehörten meistens dem niederen Adel an. Die Rangliste der hessischen
+Offiziere von 1779 weist dies nicht aus. Es zeigt sich, dass zu dieser
+Zeit mehr als die Hälfte der Offiziere nicht adelig war.
+
+Wir kommen zum Schluss zur Charakterisierung der Offiziere. Ihre Bildung
+beschränkte sich im Allgemeinen auf ein gewisses Mass von Fertigkeit im
+Schreiben und auf ein wenig barbarisches Französisch. Sie verstanden
+weder die Ursache, aus welcher die Amerikaner kämpften, noch vor allen
+Dingen die Sprache, in welcher die verschiedenen Staatsmänner ihre
+Ansprüche geltend machten. Doch, wenn sie viel mehr verstanden hätten,
+als es der Fall war, sie wären auf der Seite königlicher Vorrechte den
+Rechten des Volkes gegenüber gewesen. Ich weiss mich keines Falles zu
+erinnern, in dem nur ein an diesem Krieg beteiligter Offizier einen
+Ausdruck gebraucht hätte, der eine Übereinstimmung mit der geistigen
+freiheitlichen Bewegung des 18. Jahrhunderts gezeigt hätte. Einmal
+finden wir sie von dem Despotismus des Kongresses sprechend. Diese
+absurde Idee war ihnen wahrscheinlich durch die Engländer eingeflösst
+worden und war von der anti-amerikanischen Presse in Deutschland
+aufgenommen worden. Es lässt sich schwerlich bezweifeln, dass viele der
+Offiziere sowohl als Soldaten mit Vergnügen ihrer Thätigkeit in Amerika
+entgegensahen, schon um die Eintönigkeit des Garnisondienstes zu
+unterbrechen.
+
+Es bleibt noch zu erwähnen, dass viele der Soldaten, meist solche, die
+in Gefangenschaft geraten waren, Bürger der Republik wurden, welche sie
+helfen sollten zu unterdrücken.
+
+
+
+
+Kapitel V.
+
+Von Deutschland nach Amerika.
+
+
+Die ersten deutschen Truppen, welche nach Amerika gingen, waren die
+Braunschweiger. Diese marschierten am 22. Februar 1776, 2282 Mann stark,
+von Braunschweig ab und wurden in Stade, in der Nähe der Elbmündung,
+eingeschifft. Die zweite Braunschweiger Division, ungefähr 2000 Mann,
+schiffte sich Ende Mai ein. Die erste hessische Division brach Anfang
+März von Cassel auf und wurde in Bremerlehe, in der Nähe der
+Wesermündung, eingeschifft, die zweite Division folgte im Juni; sie
+zählten zusammen zwischen 12 und 13000 Mann. Sie waren zum grössten Teil
+ausgezeichnete und wohlausgerüstete Truppen, denn die kleine Armee des
+Landgrafen galt als eine der besten in Deutschland.
+
+Der Marsch von Braunschweig und Cassel zu den Häfen war eine
+verhältnismässig einfache Sache. Die Truppen kamen aus den Gebieten der
+eigenen Fürsten in die hannöverschen Landesteile des Königs von England
+und diese reichten bis an die See. Der Fürst von Waldeck schickte sein
+Regiment durch Cassel ohne Störung. Der Graf von Hessen-Hanau, der
+Markgraf von Anspach-Bayreuth und der Fürst von Anhalt-Zerbst hatten
+einen längeren Weg zu machen und grössere Schwierigkeiten zu überwinden.
+
+Die Truppen der letzteren sollten auf Booten den Rhein hinuntergeschickt
+werden. Abgesehen von mehreren kleinen deutschen, am Rhein gelegenen
+Staaten, welche ihnen den Durchgang verwehren konnten, war Preussen,
+dessen Territorien sie passieren mussten, im Stande, ihnen grosse
+Schwierigkeiten zu bereiten. Friedrich der Grosse versagte selbst seinem
+Neffen, dem Markgrafen von Anspach, seine Einwilligung, sein Land zu
+passieren. In einem Brief an ihn drückte er ihm sein Befremden aus, dass
+deutsche Fürsten das Blut ihrer Landeskinder für fremde Interessen
+opferten. Nebenbei war es ein kleiner Akt der Rache an England wegen
+dessen schlechten Verhaltens inbetreff des Hafens von Danzig.
+
+Seume hat von seinen Erlebnissen auf der Seereise folgende Beschreibung
+hinterlassen:
+
+»In den englischen Transportschiffen wurden wir gedrückt, geschichtet
+und gepöckelt wie die Heringe. Um Platz zu sparen hatte man keine
+Hängematten sondern Verschläge in der Tabulatur des Verdecks, das schon
+niedrig genug war, und nun lagen noch zwei Schichten übereinander. Im
+Verdecke konnte ein ausgewachsener Mann nicht gerade stehen und im
+Bettverschlage nicht gerade sitzen. Die Bettkasten waren für je sechs
+Mann. Wenn vier darin lagen, waren sie voll und die beiden letzten
+mussten hineingezwängt werden. Das war bei warmem Wetter nicht kalt: es
+war für den Einzelnen gänzlich unmöglich sich umzuwenden und ebenso
+unmöglich auf dem Rücken zu liegen. Die geradeste Richtung mit der
+schärfsten Kante war nötig. Wenn wir so auf einer Seite gehörig
+geschwitzt und gebraten hatten, rief der rechte Flügelmann: Umgewendet!
+und es wurde umgeschichtet: hatten wir nun auf der andern Seite quantum
+satis ausgehalten, rief das nämliche der linke Flügelmann. Die
+Verpflegung hielt gleichen Schritt mit der Unterbringung. Heute Speck
+und Erbsen und morgen Erbsen und Speck; zuweilen Grütze und Graupen und
+zum Schmause Pudding, den wir aus muffigem Mehl halb mit Seewasser, halb
+mit süssem Wasser und altem Schöpsenfett machen mussten. Der Speck
+mochte wohl vier oder fünf Jahre alt sein, war von beiden Seiten am
+Rande schwarzstriefig, weiter hinein gelb und hatte nur in der Mitte
+noch einen kleinen weissen Gang. Ebenso war es mit dem gesalzenen
+Rindfleisch. In dem Schiffsbrot waren oft viele Würmer, die wir als
+Schmalz mitessen mussten, wenn wir nicht die schon kleine Portion noch
+mehr reduzieren wollten: dabei war es so hart, dass wir nicht selten
+Kanonenkugeln brauchten es nur aus dem gröbsten zu zerbrechen; und doch
+erlaubte uns der Hunger selten, es einzuweichen; auch fehlte es oft an
+Wasser. Man sagte uns, und nicht ganz unwahrscheinlich, der Zwieback sei
+französisch; die Engländer hätten ihn noch im siebenjährigen Kriege den
+Franzosen abgenommen, seit der Zeit habe er in Portsmouth im Magazin
+gelegen, und nun füttere man die Deutschen damit, um wieder in Amerika
+die Franzosen unter Rochambeau und Lafayette, so Gott wolle, tot zu
+schlagen. Gott muss aber doch nicht recht gewollt haben. Das
+schwergeschwefelte Wasser lag in tiefer Verderbnis. Wenn ein Fass
+heraufgeschroten und aufgeschlagen wurde, roch es auf dem Verdeck nach
+einer Mischung von allen möglichen übeln Gerüchen. Es war angefüllt mit
+fingerlangen Würmern, und es musste durch Tücher gefüllt werden, bevor
+man es trinken konnte: und dann musste man immer noch die Nase zuhalten.
+Rum und manchmal ein wenig starkes Bier verbesserten das Getränk.«
+
+Auf diese Weise zusammengepfercht, in dicker Luft, mit schlechter
+Nahrung und faulem Wasser, viele von ihnen ungenügend bekleidet, wurden
+diese Jünglinge, alten Leute, Studenten, Kaufleute und Bauern Monate
+lang auf dem Atlantischen Ozean herumgeworfen. Viele von den Leiden der
+Reise waren zweifellos unvermeidlich, und viele von den Rekruten waren
+schon an ein hartes Leben gewöhnt. Aber Vieles, was sie zu erdulden
+hatten, war das Resultat von einem absichtlichen Mangel an Fürsorge und
+grosser Habsucht. Was soll man sagen über das britische
+Quartiermeister-Departement, das diese Leute auf die See schickte ohne
+richtiges Essen und Trinken? Was vom Herzog von Braunschweig, welcher
+seine Unterthanen nach Canada ohne haltbare Schuhe und Strümpfe schickte
+und ohne Mäntel? Oft haben Menschen ein hartes Leben freudig ertragen,
+weil sie den Grund verstanden. Aber diese armen Kerle litten für einen
+Streit, der nicht ihr eigener war, nur um für die Mittel zu sorgen zur
+Bezahlung der Schulden oder der Vergnügungen ihrer Herren.
+
+
+
+
+Kapitel VI.
+
+Die Schlacht von Long-Island, August 1776.
+
+
+Die erste hessische Division, einige 8000 Mann stark, segelte an Sandy
+Hook am 15. August 1776 vorüber und landete auf Staten Island, empfangen
+von Artillerie- und Musketen-Salven. Die Division war unter dem Befehl
+von Generallieutenant Philipp von Heister, einem alten Soldaten des
+siebenjährigen Kriegs. Es wird erzählt, dass, als Landgraf Friedrich II.
+ihn zur Führung des hessischen Expeditionkorps berief, er ihn mit den
+Worten anredete: »Heister, Ihr müsst nach Amerika gehen.« -- »Sehr gern,
+Hochfürstliche Durchlaucht, aber ich nehme mir die Freiheit einige
+Bitten auszusprechen.« -- »Und die wären?« -- »Erstens, müssten meine
+Schulden bezahlt werden, dann müsste für meine Frau und Kinder gesorgt
+werden, bis ich wiederkomme, und wenn ich fallen sollte, müsste meine
+Frau eine Pension bekommen.« Als der Landgraf dies lächelnd genehmigte,
+rief Heister aus: »Nun sollen Ew. Hochfürstliche Durchlaucht sehen, was
+dieser alte Kopf und diese alten Knochen noch leisten können.«
+
+Die Armee, welche sich auf Staten Island unter dem Oberbefehl Sir
+William Howes sammelte, zählte nach Ankunft der Hessen zwischen 25 und
+30,000 Mann. Sie wurde unterstützt durch eine Flotte unter Sir Williams
+Bruder, Lord Howe. Die gegnerische Armee unter Washington war etwa aus
+13,000-14,000 Mann zusammengesetzt, von denen nicht mehr wie 6000 Mann
+einige militärische Ausbildung genossen hatten und deren Offiziere im
+bürgerlichen Leben gross geworden waren.
+
+Die Hessen waren sehr erstaunt über den Reichtum und die Fruchtbarkeit,
+welche sie auf Staten Island vorfanden. Die Kolonisten lebten in
+bequemen Wohnhäusern, von Gemüse- und Obstgärten umgeben. Ihre
+hellroten, von zwei kleinen Pferden gezogenen Wagen erregten die
+Bewunderung der Deutschen. Ein Kolonist auf Staten Island lebte so
+angenehm wie ein deutscher Landedelmann, und es erschien den Hessen
+aussergewöhnlich, dass dies Volk sich gegen eine Regierung auflehnte,
+unter welcher es sich so vieler Segnungen erfreute. Viele Amerikaner
+waren bei der Annäherung der Hessen aus ihren Besitztümern geflohen und
+die, welche blieben, machten zuerst Miene, sich widerspenstig zu zeigen;
+aber als sie sahen, dass auf strenge Disziplin gehalten und regelrechte
+Requisitionen unternommen wurden, kehrten die Flüchtlinge zurück und es
+kam bald untereinander zu erträglichen, wenn nicht herzlichen
+Beziehungen. Die britische Regierung hoffte noch die Kolonisten zu
+versöhnen mit dem Mutterland, und strenge Befehle waren zur Vermeidung
+von Exzessen gegeben worden.
+
+Sir William Howe begann mit der Vereinigung seiner Truppen die
+Vorbereitungen zum Angriff auf die Amerikaner. Die britische Avantgarde
+unter Sir Henry Clinton, vereinigt mit den hessischen Jägern und
+Grenadieren, die vom Oberst von Donop befehligt wurden, überschritten
+die Narrows of Long Island am 22. August 1776. Ein Tagebuch, welches im
+folgenden Jahr in einem »Magazin« in Frankfurt veröffentlicht wurde,
+giebt einen genauen Bericht über diese Operation und von denen, die noch
+folgten:
+
+»22. August. Wir lichteten die Anker und segelten direkt gegen Long
+Island. Die Kriegsschiffe kamen bis auf Schussweite an das Ufer heran
+und richteten ihre Kanonen auf das Gestade. Um 8 Uhr morgens wimmelte es
+an der ganzen Küste von Booten. Um 1/2 9 Uhr hisste der Admiral die rote
+Flagge auf, und in einem Moment erreichten sämtliche Boote die Küste.
+Die Engländer und Schotten mit der Artillerie wurden zuerst
+ausgeschifft, und dann die Brigade Donop (die einzigen Hessen hier).
+Nicht eine Seele machte Widerstand gegen unser Landen. Dies war der
+zweite Fehler der Rebellen seitdem ich in Amerika bin. Der erste Fehler,
+den sie machten, war auf Staten Island, denn sie hätten dort einen
+grossen Teil der Unsrigen mit 2 6 Pfündern vernichten können, und jetzt
+hätten sie uns auch in eine schlimme Lage bringen können. Wir
+marschierten ebenfalls ungehindert durch Gravesend und kamen gegen Abend
+in Flatbush an. 300 Riflemen waren kurze Zeit vor uns dort gewesen. Wir
+schickten ihnen einige Kanonenschüsse nach, stellten unsere Pickets und
+schliefen ruhig die ganze Nacht. Ich machte eine Beute von 2 Pferden,
+von denen ich eines dem Oberst schickte, das andere meinem Diener als
+Packpferd gab.
+
+»23. August. -- Heute Morgen früh wurde der rechte Flügel unserer
+Avantgarde angegriffen. Wir brachten 2 Geschütze in Stellung und warfen
+sie zurück. Es regnete Kugeln. Hauptmann Congreve und ein Konstabler
+wurden an meiner Seite verwundet, ein Engländer bekam einen Schuss durch
+und durch. Am Nachmittag griffen sie auf der linken Seite des Dorfes an
+und zündeten mehrere Häuser an, worauf wir uns in das Dorf zurückzogen.
+Lieutenant von Donop wurde an der Brust verwundet; die Kugel streifte
+eine Rippe. Ich avancierte auf dem rechten Flügel und besetzte einen
+grossen Garten mit 150 Mann Jägern und leichter Infanterie. Als der
+Feind von hier gewichen war, unterstützte ich Lieutenant von Donop. Die
+Rebellen besetzten die Strasse mit 2 Kanonen und unsere schottischen
+Hochländer bauten eine Batterie über den Weg mit Schiessscharten für 2
+Kanonen. Ich hatte diese Arbeit zu decken und hatte den äussersten
+Posten, wurde indessen wenig belästigt.
+
+»24. August. -- Ein heisser Tag. Die Rebellen näherten sich zweimal und
+schossen mit Haubitzen, so dass unsere gesamte Artillerie in Stellung
+gebracht werden musste. Um Mittag schlief ich ein wenig, wurde aber
+durch zwei Kanonenkugeln geweckt, die mich mit Erde bedeckten. Die
+Rebellen haben einige sehr gute Schützen, doch manche darunter haben
+sehr schlechte Gewehre. Aber sie sind listig wie die Jäger. Sie
+erklimmen Bäume, kriechen auf dem Bauch wohl 150 Schritte vorwärts,
+schiessen und gehen ebenso schnell wieder zurück. Sie machen sich
+Deckungen von Ästen etc. Aber heute hatten sie grosse Verluste durch
+unsere »Grünjacken«, denn wir lassen unsere Leute nicht eher schiessen,
+als bis sie einen Mann gut auf's Korn nehmen können, so dass sie nicht
+mehr wagen, irgend etwas gegen uns zu unternehmen.
+
+»25. August. -- Wir verbarrikadierten uns in dem Dorf; des nachts
+sollten sich unsere Jäger gehörig ausruhen. Gegen 2 Uhr weckten uns die
+Rebellen aus unserem Schlummer; wir beruhigten sie schnell mit zwei
+Kanonen und einigen Flintenschüssen. Heute wurden wir wieder
+angegriffen, aber nachdem mehrere von ihnen ins Gras gebissen hatten,
+zogen sie sich zurück. Long Island ist eine wunderschöne Insel, ein
+Arkadien. Die entzückendste Gegend, voll von Wiesen, Kornfeldern, allen
+Arten von Obstbäumen und gut gebauten Häusern. Es war noch eine grosse
+Menge Vieh da, obwohl die Rebellen eine Menge mitgenommen hatten. Die
+meisten der Einwohner waren aus ihren Behausungen geflohen. Die Rebellen
+avancierten mit Macht. General Cornwallis wollte Oberst Donop
+zurückziehen, aber er blieb wo er war und verschanzte sich.
+
+»26. August. -- An diesem Tag wurden wir sehr beunruhigt und während der
+Nacht fortwährend geweckt durch die Allarmierung der Vorposten. Dies war
+nicht durch Angriffe der Rebellen verursacht, sondern meistens durch
+Deserteure, die zu uns übergehen wollten; und wenn die Engländer und die
+hessischen Grenadiere sie herankommen hörten, gaben sie sofort
+Pelotonfeuer, falls sie nicht sofort eine Antwort bekamen. Heute traf
+General von Heister mit 6 Bataillonen bei uns ein.«
+
+»27. August. -- Unserm Oberst war versprochen worden, den ersten Angriff
+zu machen, doch er hörte, dass die Engländer heute angreifen würden, und
+er hatte weder gestern Abend noch heute Morgen einen Befehl bekommen.
+Gegen 10 Uhr standen wir unter den Waffen (der Oberst hatte mit General
+von Heister gesprochen) und gegen 11 waren wir alle in Schlachtordnung.
+Auf unserer rechten und linken Seite gingen die Engländer vor und
+vernichteten die, die wir zurückwarfen. Auf dem linken Flügel, wo ich
+die Avantgarde (50 Jäger und 20 Grenadiere) kommandierte, stand Oberst
+Block mit seinem Bataillon. Hinter mir hatte ich Kapitän Mallet mit
+einer Kompagnie als Reserve. Im Zentrum griff Hauptmann von Wrede an und
+hatte das Bataillon von Minnigerode hinter sich. Auf dem rechten Flügel
+stürmte Kapitän Lory vor, unterstützt durch die 3 übrig gebliebenen
+Kompagnien des Bataillons Linsingen.«
+
+Der Verfasser, der diese Formation der Truppen beschreibt, berichtet nur
+von der Brigade, in welcher er diente. Die Hessen, welche das Zentrum
+der britischen Streitkräfte bildeten, waren an der Strasse von Flatbush
+aufgestellt. Der rechte Flügel unter Clinton und Lord Percy, mit Sir
+William Howe, war früh am Morgen aufgebrochen und es gelang ihm, den
+linken Flügel der amerikanischen Stellung bei Bedford zu umfassen und
+ihnen in den Rücken zu kommen. Nachdem Heister zur Rechten Kanonendonner
+gehört hatte, befahl er den Angriff der Hessen. Die Schlacht war im
+Wesentlichen gewonnen und verloren, bevor der erste Schuss gefallen war,
+indem die Amerikaner überflügelt wurden. Die Letzteren sahen sich in
+Gefahr, von ihren befestigten Werken abgeschnitten zu werden und flohen.
+Einige ertranken im Gowanus Creek auf der Flucht. Zwei ganze Regimenter
+wären wahrscheinlich gefangen genommen, wenn sich nicht General
+Stirling mit fünf Kompagnien Marylanders, mit denen er den Rückzug
+deckte, geopfert hätte. Von diesen fünf Kompagnien entrannen nur acht
+Mann dem Tod oder der Gefangenschaft.
+
+Kehren wir zu dem Tagebuch unseres hessischen Offiziers zurück.
+
+»Meine Jäger waren so hitzig, dass ich, kaum im Wald angelangt, mich mit
+meiner Truppe allein befand. Ich kam in die Mitte des Lagers der
+Rebellen, wo sie noch waren; sah zu meiner Linken ihr grosses Lager, zur
+Rechten ein befestigtes Werk; vor mir formierten sich 50-60 Mann zu
+einer Kolonne. Aber wir liessen ihnen keine Zeit und schlugen sie
+vollständig zurück. Viele wurden getroffen und noch mehr gefangen
+genommen. Ich verlor nicht einen einzigen Mann, so sehr fürchteten sich
+die Rebellen vor unsern Jägern. Auf dem linken Flügel ging es ebenso
+gut. Wir verloren einige Leute; abgesehen von einem Jäger, der im Dorf
+gefallen war, hatten wir keinen Toten. Am ersten Tag machten wir mehr
+als 500 Gefangene, unter denen General Stirling und ein anderer General
+waren; Oberst Johnson war gefallen. General Stirling ist einer der
+bedeutendsten unter den Rebellen, der, das Schwert in der Hand, die
+Leute zwang, gegen ihren König zu kämpfen. So lange wir keine Pferde
+hatten, wurden die Gefangenen an die Geschütze gespannt, später wurden
+sie an Bord der Kriegsschiffe gebracht. In zwei Tagen hatten wir 1100
+Mann gefangen genommen. Die Rebellen sahen sehr zerlumpt aus und hatten
+keine Hemden an. Unsere Hessen marschierten wie Hessen; sie marschierten
+tadellos, und die Engländer wie die tapfersten und besten Soldaten, sie
+verloren daher mehr wie wir. Dies war ein glücklicher Tag für uns. Die
+Rebellen hatten eine sehr günstige Stellung im Wald und wir eine sehr
+schlechte am Dorfe Flatbush. Anfangs machten sie einen guten Gebrauch
+von ihrer Stellung, sie brannten ein Haus ab und legten Feuer an eine
+Scheune bei unseren Vorposten. Aber als wir sie angriffen in ihren
+Schlupfwinkeln, liefen sie, wie es der Pöbel immer macht.«[2]
+
+ [2] Nach »Die Neuesten Staatsbegebenheiten« 1777, Frankfurt a/M. Seite
+ 110-116. Der Brief, von welchem das oben Angegebene der grösste
+ Teil ist, scheint von einem Jägeroffizier geschrieben zu sein,
+ wahrscheinlich entweder von Major von Prüschenk oder Lieutenant
+ von Grothausen.
+
+Der Herausgeber des Frankfurter Magazins, welcher das Obige
+veröffentlicht, bemerkt, dass viele Briefe von hessischen Offizieren in
+den Zeitungen erschienen sind; dass diese Offiziere sich selbst einen
+grossen Teil des Verdienstes am Siege zuschreiben, und dass,
+hinsichtlich des wohlbekannten Wertes der hessischen Soldaten sie diesen
+zweifellos haben, aber dass einige von ihnen zu wenig die
+Widerstandsfähigkeit und die militärische Ausbildung der Amerikaner in
+Betracht ziehen, »so dass der Ruhm, einen Sieg über einen ein Drittel so
+starken Feind erfochten zu haben, kein so grosser ist.« Diese Bemerkung
+ist jedenfalls am Platz, und die Überlegenheit scheint nicht zu hoch
+angegeben zu sein. Washingtons Armee hatte vor der Schlacht die Linie
+von Kingsbridge bis Flatbush besetzt. Auf Long Island sind
+wahrscheinlich nicht mehr wie 8000 Amerikaner gewesen, während die,
+welche in vorderster Linie engagiert waren, nur 4 oder 5000 zählten,
+gegen 20,000 Engländer und Deutsche.
+
+Sir William Howe giebt in seinem offiziellen Rapport den Verlust der
+Amerikaner an Toten, Verwundeten Gefangenen und Ertrunkenen auf 3300
+Mann an. Bankroft glaubt aber, dass dies eine grosse Übertreibung ist,
+denn, wenn man dem Rapport von Washington Vertrauen schenkt und eine
+genaue Untersuchung anstellt, so erreicht der Gesamtverlust der
+Amerikaner nicht ganz die Zahl von 1000, von denen 3/4 gefangen genommen
+wurden. Der englische Verlust war, nach Howe, 17 Offiziere und 301
+Unteroffiziere und Gemeine. Die Hessen hatten 2 Tote sowie 2 Offiziere
+und 23 Mann Verwundete.
+
+»Der Feind,« schreibt Oberst von Heeringen, der Kommandeur
+eines hessischen Regimentes, »hatte vor seiner Front beinahe
+undurchdringliches Dickicht, befestigte Linien und Redouten. Die
+Schützen wurden meistens mit den Bajonetten an den Bäumen
+aufgespiesst. Dies furchtsame Volk flösst eher Mitleid wie Furcht ein.
+Sie gebrauchen 1/4 Stunde zum Laden, während dessen lassen wir sie
+unsere Kugeln und Bajonette fühlen.«
+
+Unter den Gefangenen, die die Hessen machten, waren zwei Generale --
+Sullivan und Stirling. Nichts legt ein so charakteristisches Zeugnis ab
+von dem Hass und der Verachtung seitens der hessischen Offiziere
+gegenüber den undisziplinierten rebellischen Truppen ihrer Gegner, als
+der Bericht von Heeringens über diese Generale und die anderen Offiziere
+der amerikanischen Armee. »John Sullivan war ein Rechtsgelehrter und
+vorher Diener, aber ein Mann von Geist, dessen Verlust die Rebellen sehr
+beklagen werden. Unter den Gefangenen sind viele sogenannte Obersten,
+Oberstlieutenants, Majors und andere Offiziere, die indess nichts
+anderes als Mechaniker, Schneider, Schuster, Perückenmacher, Schneider
+etc. sind. Einige von ihnen wurden gründlich gehauen von unseren Leuten,
+die solche Menschen keineswegs für Offiziere gelten lassen wollten.
+Sullivan wurde zu mir gebracht, ich untersuchte ihn und fand die
+Originalbefehle Washingtons bei ihm vor, aus denen hervorgeht, dass er
+die besten Truppen unter seinem Befehl hatte, dass Alles davon abhinge,
+den Wald zu halten, und dass er 8000 Mann stark war. Die Engländer haben
+150 Tote und Verwundete »(318 sagt Sir William Howe)«. Dies verdanken
+sie mehr ihrem ungeordnetem Angriff, als dem Wert des Feindes. Es sah
+schrecklich in dem Wald aus, da wenigstens 2000 Tote und Verwundete
+dalagen. Kolonel John von den Rebellen ist tot. Ein Grenadier nahm
+ihn gefangen und schenkte ihm grossmütig das Leben, sagte ihm aber, er
+sollte sich hinter das Bataillon begeben, welches folgte, da der
+Grenadier Schütze war. Jedoch der Oberst wollte ihn ermorden, von hinten
+schlauerweise; heimlich zog er eine Pistole heraus, streifte ihn aber
+nur am Arm, worauf der Letztere ihn mit 3 oder 4 Bajonettstichen
+niedermachte.«
+
+[Illustration: SCHLACHT VON LONG ISLAND August 1776.]
+
+»Unter den gefangen genommenen Offizieren fand ich nicht einen einzigen,
+der in fremden Diensten gewesen wäre. Sie sind nichts als Rebellen und
+hiesige Bürger. Schneider Graul würde eine bedeutende Rolle hier
+spielen.« Oberst von Heeringen findet es weit ehrenwerter, für anderer
+Völker Streitigkeiten zu kämpfen, als für die eigenen. Einem Mann, der
+einst Söldner war, konnte schon eher vergeben werden, wenn er zu den
+Rebellen gehörte. »Mylord Stirling ist ein échappé de famille und gilt
+nicht als Lord in England.« Er sieht dem Lord Granby ähnlich wie ein Ei
+dem andern. General Putnam ist Metzger von Profession. Er kommt mir wie
+Metzger Fischer in Rinteln vor. Die Rebellen desertieren in grosser
+Zahl; es ist gar nichts, Obersten, Oberstlieutenants und Majors mit
+ganzen Trupps von Leuten zu uns übergehen zu sehen. Die genommene Fahne,
+die von rotem Damast gemacht ist mit dem Motto »Liberty«, erschien mit
+60 Mann vor Ralls Regiment. Sie hatten alle ihre Gewehre umgekehrt und
+die Hüte unter dem Arm, fielen auf die Knie und baten flehentlich um ihr
+Leben. Kein Regiment ist richtig uniformiert oder bewaffnet. Jeder Mann
+hat eine schlechte Flinte, solche, mit denen die hessischen Bürger am
+Himmelfahrtstag ausrücken. Stirlings Regiment jedoch hatte blau und rote
+Uniform, war drei Bataillone stark und bestand meistens aus Deutschen,
+die sich aus Pennsylvaniern rekrutierten. Es waren grosse, schöne Leute,
+die vorzügliche englische Gewehre mit Bajonett hatten. Diesem Regiment
+standen die Engländer gegenüber und da diese sie für Hessen hielten, so
+feuerten sie nicht. Doch dieser Irrtum kostete sie Oberst Grant, mehrere
+andere Offiziere und 80 Mann. Sie bekamen eine Salve. Die Engländer
+sammelten sich, griffen mit dem Bajonett an, schlugen alles zu Boden,
+und was nicht massakriert war, wurde gefangen genommen. In kurzer Zeit
+war das ganze Regiment vernichtet. Die Artillerie der Rebellen ist sehr
+schlecht, die Kanonen meist von Eisen und auf Schiffskarren gesetzt.
+
+Es ist behauptet worden, dass in dieser Schlacht die Engländer und
+Hessen keinen Pardon gaben, wenn er verlangt wurde. Oberst von Heeringen
+sagt: »Die Engländer gaben selten Pardon und forderten beständig die
+Unsrigen auf, dasselbe zu thun.« Man sagt auch von den Amerikanern, dass
+sie geglaubt haben, die Hessen gäben keinen Pardon und dass sie infolge
+dessen mit einer eigentümlichen Verzweiflung gefochten haben sollen,
+nachdem sie alle Hoffnungen aufgegeben hatten. Die Thatsache, dass sie
+beiderseitig sich nicht verstanden, mag dahin geführt haben, die
+Möglichkeit der Übergabe zu verringern; auch mag zur Erhöhung der Wut
+beigetragen haben, dass einige Amerikaner die, welche sie gefangen
+genommen, verräterisch angegriffen hatten. »Sie waren,« sagt Lieutenant
+Rüffer in seinem Tagebuch, »so furchtsam, dass sie es vorzogen zu
+fallen, als Pardon anzunehmen, da ihre Generale und Offiziere ihnen
+gesagt hatten, sie würden gehängt.« Sicherlich der komischste Beweis von
+Feigheit, der jemals gegen Soldaten erbracht worden ist.
+
+Nach dem Verlust einer so wichtigen Stellung und von so vielen Leuten im
+Verhältnis zur Zahl seiner kleinen Armee, fand es Washington nicht
+ratsam, die Befestigungen von Brooklyn länger zu halten zu suchen;
+nachdem er gesehen hatte, dass die englische Flotte sich anschickte den
+East River in Besitz zu nehmen und seine Rückzugslinie abzuschneiden,
+verliess er Long Island in der Nacht vom 29. zum 30. August und ging
+nach New-York über, wohin alle Vorräte und Kanonen, ausgenommen einige
+schwere Geschütze, die im Schmutz stecken blieben, gebracht wurden. Eine
+Mythe durchlief die Reihen der Hessen, wonach ein Befehl Washingtons in
+dem eroberten Lager gefunden worden sei, welcher sagte, da es doch
+unmöglich sei, solchen grausamen und schrecklichen Feinden, wie den
+Hessen, Widerstand zu leisten, so möchte jeder sehen, wie er am besten
+entkommen könnte. Dies war also die erste Schlacht der deutschen Truppen
+in der neuen Welt. Die Verachtung, die sie vor einem solchen
+rebellischen und undisziplinierten Feinde hatten, war nur vermehrt
+worden, eine Verachtung, welche völlig auszurotten, nur eine lange Reihe
+von Kriegs- und Unglücksjahren im Stande war.
+
+
+
+
+Kapitel VII.
+
+Von der Okkupation von New-York bis zur Wegnahme von Fort Washington,
+15. September bis 16. November 1776.
+
+
+Es existiert nicht mehr Vieles, was den jetzigen Einwohner von New-York
+an die kleine Stadt erinnern könnte, die vor 100 Jahren an der Südspitze
+von Manhattan Island lag. Es war ein hübscher Ort, mit grossen bequemen
+Häusern, die meist von gelben Ziegelsteinen gebaut waren. Die Räume
+darin waren kärglich eingerichtet, der Fussboden mit Sand bestreut, und
+die Wände mit hohem, gemalten Täfelwerk versehen. Die Büffets, die in
+den besseren Häusern von solidem Mahagoni waren, waren mit glänzendem
+zinnernen Gerät besetzt, oft auch mit solidem Silber für besondere
+Gelegenheiten. Die Strassen waren krumm und hatten Rinnen in der Mitte,
+waren aber vollständig rein und mit Bäumen besetzt. Vor dem Kriege hatte
+der Ort über 20000 Einwohner gehabt, viele aber waren bei der
+Annäherung der streitenden Armeen geflohen. Es gab dort viele Tories,
+besonders unter den Reichen.
+
+Zur Zeit, als Washington sich von Brooklyn zurückzog, wurde New-York
+verteidigt durch ein permanentes Fort, mit Namen Fort George, im Westen
+von einer Batterie, und durch provisorische Werke, die am Ufer entlang
+an verschieden Stellen aufgeworfen waren. Im Norden, landeinwärts, wurde
+der Broadway in der Nähe des Bowling Green durch eine Schanze gesperrt,
+und eine zweite befand sich in der Gegend des heutigen Centre-Market.
+Jenseits der Befestigungen lag eine Gegend, »die schönste, die ich je
+gesehen habe,« sagt ein hessischer Offizier.[3] Kornfelder, Wiesen und
+Obstgärten bedeckten das reizende Gelände, und von den Gipfeln der Berge
+und Hügel schauten die alten Kolonialhäuser, jedes mit einer Piazza und
+mit einer Ballustrade umgeben, herab in die lächelnde Landschaft. Der
+hessische Lieutenant bezeichnet sie in seinem Enthusiasmus mit
+Schlössern. Doch in der That, es war eine Vornehmheit in der Bauart der
+besten Wohnhäuser der damaligen Zeit, welche diese Bezeichnung nicht
+ganz unberechtigt erscheinen lässt.
+
+ [3] Lieutenant Hinrichs.
+
+Trotz aller Anstrengungen Washingtons und des Kongresses, im Besitz von
+New-York zu bleiben, war die Stadt doch völlig widerstandsunfähig. Die
+Engländer hatten völlige Herrschaft über den Hafen, und eine bedeutende
+Übermacht zu Lande. Als infolgedessen am 15. September 1776 die
+königlichen Truppen auf der Insel landeten, war die einzige Sorge
+Washingtons, der mehrere Tage lang Waffen und Vorräte wegschaffen liess,
+die Nachhut seiner Armee in Marsch zu setzen, bevor ihm der Rückzug von
+den Engländern abgeschnitten werden konnte. Die Landung war unter dem
+Schutz von englischen Kriegsschiffen an einer Stelle, Kips Bay genannt,
+(in der Nähe der östl. 34. Strasse) ausgeführt worden. Unser hessischer
+Lieutenant nennt es 4 Meilen von New-York, er überschätzt aber die
+Entfernung. Die Hessen waren in der Avantgarde, und wie gewöhnlich
+bildeten sie die Jäger und die Grenadiere unter von Donop. Diese
+marschierte unmittelbar auf New-York, während die englische leichte
+Infanterie und die Highlanders sich beeilten, den Inselberg, oder jetzt
+Murrayhill, zu besetzen. Unterdessen zogen die Amerikaner unter dem
+alten Israel Putmann in Eile auf den Strassen ab, die dem North River am
+nächsten lagen, in der Richtung auf Bloomingdale.
+
+Der Landung der Briten war kein Widerstand geleistet worden. Die
+neuenglische Miliz, die dieselbe hätte etwas aufhalten können, benahm
+sich sehr schlecht, und zog sich die heftigste Missbilligung seitens
+Washingtons zu. Es wird erzählt, dass ein Teil der amerikanischen Armee
+zweifellos abgeschnitten worden wäre infolge dieser Panik, wenn nicht
+Mrs. Murray Sir William Howe durch ihre gastliche Aufnahme und die
+Anziehungskraft ihres alten Madeira aufgehalten hätte. Diese
+schätzenswerte Dame hielt den britischen General 2 Stunden lang bei
+guter Laune, während ihre zerlumpten und hungrigen Landsleute seinen
+Krallen entwischten. Niemals hat wohl die Gastfreundschaft von
+Murray-Hill einer bessern Sache gedient.
+
+Am 16. September fand ein heftiges Gefecht in der Nähe von
+Manhattanville statt. Ein Teil der britischen Infanterie und zwei
+Bataillone Highlanders wurden zurückgeschlagen und waren in einer etwas
+prekären Lage, als die allgegenwärtigen Jäger und Grenadiere zu ihrer
+Unterstützung heranrückten; ebenso waren einige andere deutsche
+Regimenter in Bewegung gesetzt worden. Washington, der fürchtete, dass
+der Feind eine grössere Truppenmacht, als es in Wirklichkeit der Fall
+war, vorschieben würde, ordnete den Rückzug an. Die Engländer verloren
+280 an Toten und Verwundeten, die Amerikaner ungefähr 60. Dies Gefecht,
+in dem die letzteren sich sehr gut benahmen und den Engländern einen
+verhältnismässig schweren Verlust beibrachten, trug wesentlich dazu bei,
+ihren Mut neu zu beleben nach den Rückzügen und Misserfolgen der
+vergangenen Tage.
+
+Der britische General hatte strengen Befehl gegeben, das persönliche
+Eigentum zu respektieren, worauf sofort die reichen Besitzer der
+Landhäuser, die bei Annäherung der königlichen Streitkräfte geflohen
+waren und ihre Besitzung dem Schutz der Dienerschaft anvertraut hatten,
+zurückzukehren anfingen. Lieutenant Hinrichs von den hessischen Jägern,
+welcher am 15. Sept. Befehl erhalten hatte, Plünderungen zu verhüten,
+hatte sich hierbei die Dankbarkeit der Einwohner erworben. Er war in dem
+Gefecht am 16. verwundet und gezwungen worden sich nach ruhiger und
+guter Pflege umzusehen. Er suchte Schutz bei einer Witwe, namens Ogylby
+(Ogilvie?) in der Nähe von Hornhook am East River, und sah zu seiner
+Befriedigung die ganze Familie sich wieder vereinigen nach der durch die
+Kriegsgefahren verursachten Trennung. Grossvater, -mutter, Enkelkinder,
+zusammen mit ihren schwarzen Sklaven und deren Kindern sahen sich wieder
+und umarmten sich mit so viel Herzlichkeit, dass unser gutherziger
+Lieutenant sehr gerührt wurde und eine fieberhafte Nacht verbrachte. Es
+ist unnötig zu erwähnen, dass seine Wirte ihn mit der grössten Güte
+behandelten. Er wurde von dieser wie von andern Wunden, die er im
+Verlauf der Revolution erhielt, geheilt und starb als preussischer
+Generallieutenant im Jahr 1834.
+
+Die Stadt New-York war nur fünf Tage in den Händen der Briten gewesen,
+als in der Nacht vom 20. zum 21. Septbr. in einer kleinen Schenke in der
+Nähe von Whitehall Slip Feuer ausbrach. Das Wetter war trocken und heiss
+gewesen. Starker Wind blies von Süd-West. Das Feuer breitete sich mit
+fürchterlicher Heftigkeit aus. Die Ostseite von Broadway war bis
+Exchange Place abgebrannt. Als der Wind sich nach Südosten gedreht
+hatte, sprang das Feuer von Broadway nach Morris Street über und dehnte
+sich bis Barclay Street aus, wobei die alte Trinity Church abbrannte,
+St. Pauls aber verschont blieb. Schliesslich wurde man Herr des Feuers,
+besonders durch die Anstrengungen von Soldaten und Seeleuten. Bankroft
+behauptet bestimmt, dass dies Feuer nicht durch Brandstiftung verursacht
+wurde; die Briten und Hessen aber waren damals anderer Ansicht und
+einige moderne Geschichtsschreiber schenken ihren Berichten Glauben. Sir
+William Howe stellte in seinem Bericht fest, dass an verschiedenen
+Stellen Feuer angelegt worden sei. Eelking sagt, dass Donop in seinem
+Tagebuch verzeichnet habe, dass der Brand von einem amerikanischen
+Oberst Namens Scott, der früher Advokat gewesen war, in Szene gesetzt
+worden sei.
+
+Dieser hätte dazu 40 verwegene Leute verwendet, die, mit allerhand
+Brennstoffen versehen, an verschiedene, im Besitz von Tories befindliche
+Häuser Feuer gelegt hätten. Dieser Geschichte zufolge wurde Scott
+verhaftet und der ganze Plan geschrieben bei ihm vorgefunden. Die
+Meinung derer, welche glauben, dass das Feuer von den Whigs angelegt
+worden sei, wird durch die zweifellose Thatsache bekräftigt, dass
+mehrere einflussreiche Amerikaner zur Verbrennung New-Yorks geraten
+hatten, und dass der Plan von Washington dem Kongress vorgelegt, aber
+verworfen wurde. Andrerseits lässt sich sagen, dass Panik und
+Leidenschaft, Geschichten von Brandlegung und Gewaltthätigkeiten, die
+beständigen Begleiterscheinungen einer grossen Feuersbrunst sind.
+
+Berichte, die aus damaliger Zeit stammen, sollte man immer mit der
+grössten Vorsicht aufnehmen. Die Geschichte, welche Scott betrifft, ist,
+soviel ich weiss, durchaus unbegründet. Nur soviel ist sicher, dass
+verschiedene Personen während des Umsichgreifens des Feuers von
+englischen Soldaten getötet worden sind, und Bankroft sagt, dass ein
+armer Mensch, der zu den Tories gehörte, an den Beinen aufgehängt wurde,
+bis er starb.
+
+Am 10. Oktober 1776 schiffte General Howe den grössten Teil seiner
+Truppen aus in der Absicht, noch einmal zu versuchen Washingtons
+Rückzugslinie abzuschneiden und ihn in Manhattan Island einzuschliessen.
+Vier Tage lang waren die Briten durch widrige Winde im East River
+festgehalten worden und waren nur soweit gekommen, Hellgate am
+Nachmittag des 14. zu passieren. Die Flotte lag die nächste Nacht vor
+Anker und brach am andern Morgen um 6 Uhr auf, wurde aber durch Winde
+und Sturmfluten aufgehalten, und erreichte Frogs Neck (oder Frogs Point,
+wie es Washington nennt), nicht vor Einbruch der Dunkelheit. Hier hatte
+Howe einstweilen seine Avantgarde gelandet, Washington aber war ihm
+zuvorgekommen und hatte die Übergänge, die zum Festland führen, besetzt.
+Howe beschloss infolge dessen vorzustossen und die Landung bei East
+Chester zu bewerkstelligen. Dies gelang ihm am 18. Oktober nach einem
+heftigen Gefecht. Die britische Armee stand jene Nacht unter Waffen mit
+dem linken Flügel an eine kleine Bucht bei East Chester angelehnt, mit
+dem rechten bei New-Rochelle. Unterdessen marschierten die Amerikaner
+eiligst auf White Plains, wo sie eine starke Stellung einnahmen und
+befestigten. Gerade in diesem kritischen Zeitpunkt vereinigte sich die
+zweite hessische Division mit dem Rest der Armee. Sie bestand aus 3997
+Mann unter dem Kommando von Generallieutenant Wilhelm von Knyphausen,
+und hatte Cassel Anfang Mai verlassen. Das Waldeck'sche Regiment, 670
+Mann stark, und die zweite Waldeck'sche Jäger-Kompagnie unter Hauptmann
+Ewald waren mit dieser Division gekommen. Auf diese Weise waren die
+deutschen Korps unter dem Kommando von General von Heister auf ungefähr
+13,400 Mann gebracht worden. Die neue Division war zurückgelassen worden
+um New-Rochelle zu halten, während die Briten auf White Plains
+vorgingen.
+
+Hauptmann Ewald und seine zweite Jäger-Kompagnie brauchten nicht lange
+zu warten bevor sie in Aktion kamen. Am 23. Oktober stiessen sie bei
+einer Rekognoszierung auf eine überlegene Zahl feindlicher Schützen und
+würden zurückgetrieben sein, wenn ihnen nicht die Hochländer zu Hilfe
+gekommen wären. Ein Lieutenant und sechs Mann wurden verwundet; von
+diesen starben vier nachher. Dies ist der deutsche Bericht in Eelkings
+Buch. Ich will auch den Bericht wiedergeben, welchen General Washingtons
+Stabschef in seinem Rapport an den Präsident des Kongresses giebt: »Am
+Mittwoch war ebenfalls ein scharfes Scharmützel zwischen einem Teil von
+General Hands Schützen, ungefähr 240, und beinahe derselben Anzahl
+hessischer Jäger, in welchem die letzteren geschlagen wurden. Unsere
+Leute beerdigten 10 derselben auf dem Gefechtsfelde, machten zwei
+Gefangene, von denen einer schwer verwundet war. Wir hatten keinen
+andern Verlust als einen, wie anzunehmen, tödlich Verwundeten.«
+
+Am 28. Oktober fand Sir William Howe die Armee Washingtons vorteilhaft
+hinter dem Dorf White Plains postiert. Sie zählte etwas mehr als 13000
+Mann, von denen etwa 1500 Chatterton Hill auf dem äussersten rechten
+Flügel der amerikanischen Stellung besetzt hielten, die von der
+Hauptmacht durch den Bronx-Fluss getrennt wurden. Sir William beschloss,
+diesen rechten Flügel anzugreifen. Ein englisches und zwei hessische
+Regimenter, unterstützt durch die hessischen Grenadiere, durchwateten
+die Bronx und erkletterten die steilen und felsigen Hänge des Berges.
+Das Regiment von Lossberg musste durch einen brennenden Wald angreifen
+und dem heftigsten Feuer der Amerikaner die Stirn bieten. Sein Verlust
+an Toten und Verwundeten betrug nahezu 50 Mann. Das Resultat des Kampfes
+würde zweifelhaft geworden sein, wenn nicht Oberst Rall, der sein
+eigenes Regiment und das nach Knyphausen benannte kommandierte, auch die
+Bronx durchwatet, die Amerikaner in der Flanke gefasst und die in der
+Front angreifenden Truppen unterstützt hätte. Der Fluss war tief und die
+hessischen Soldaten zögerten hineinzugehen. Aber die Lieutenants
+Wiederhold und Briede sprangen zuerst hinein, um sie durch ihr Beispiel
+anzufeuern. Von dem erstem dieser Offiziere werden wir noch mehr hören.
+Der zweite fiel wenige Tage später bei der Einnahme von Fort Washington.
+
+Ein Teil der Amerikaner focht ganz gut bei dieser Gelegenheit, gegen
+eine weit überlegene Zahl. Sie hatten einen zweifellosen Vorteil durch
+ihre Stellung und machten einen guten Gebrauch davon, indem sie dem
+Feinde einen Verlust von ungefähr 280 Toten und Verwundeten beibrachten.
+Howe erwähnt in seinen Berichten den guten Dienst, den die englische und
+hessische Artillerie leistete. Heisters General-Adjutant sagt, dass die
+hessischen Feld-Geschütze einen solchen »Donner« machten, dass man weder
+hören noch sehen konnte. Die Amerikaner hatten nur drei kleine Kanonen
+auf dem Berge.
+
+Die amerikanische Armee war zu dieser Zeit hauptsächlich aus Milizen,
+die von den verschiedenen Staaten nach kurzen Dienstperioden gesandt
+worden waren, zusammengesetzt. Diese Milizen waren in hohem Masse
+schlecht bewaffnet und in Lumpen, undiszipliniert und befehligt von
+Offizieren, die erst vor wenigen Monaten den Schreibpult oder Pflug
+verlassen hatten. Während einige von diesen improvisierten Offizieren
+Leute von Charakter und Talent waren, hatten andere nur das Verdienst,
+Geschicklichkeit im Ausheben von Leuten zu besitzen. Die ausgehobenen
+Leute aber wollten einen solchen Offizier nicht als ihresgleichen
+betrachten und behandeln »und in seiner Eigenschaft als Offizier nicht
+höher achten als einen Besenstiel,« sagt Washington. Einige der
+Amerikaner hatten sich durch tapfere Thaten hervorgethan, aber, wie alle
+rohen Rekruten, veranlassten sie Paniken, oft in ganz unvernünftiger
+Weise. Diese Thatsachen müssen fortwährend bedacht werden, wenn nicht
+die Geschichte der Revolution unverständlich werden soll. Sir William
+Howe andererseits kommandierte eine reguläre, disziplinierte Armee,
+welche kaum in Europa übertroffen wurde und mit Allem zur Führung eines
+Krieges Wünschenswerten versehen war.
+
+Nach dem Gefecht von Chatterton Hill standen sich die Armeen drei Tage
+lang gegenüber und verstärkten ihre Verschanzungen. In der Nacht des 31.
+Oktober zog sich Washington in eine starke Stellung oberhalb White
+Plains zurück und Howe lenkte, nachdem er am folgenden Morgen die
+amerikanische Arriergarde belästigt hatte, seine Aufmerksamkeit einer
+neuen Idee zu.
+
+Auf dem höchsten Punkt von New-York Island, wo sich ein Berg 238 Fuss
+über das Niveau des Hudson erhebt, hatten die Amerikaner ein
+fünfseitiges Erdwerk gebaut, welches sie Fort Washington nannten. Das
+Fort war mit 34 Kanonen armiert, hatte aber keine Kasematten. Das
+Vorfeld eignete sich gut zur Verteidigung und war besetzt von kleineren
+Werken von geringer Stärke. Das Ganze bildete eine Barriere über das
+obere Ende von Manhattan Island, um die Engländer zu verhindern, eine
+Expedition zu Lande zu machen und sich weder sichere noch bequeme
+Winterquartiere in New-York zu verschaffen. Auf der Jersey-Seite des
+Hudson, gegenüber Fort Washington, lag Fort Lee. Zwischen diesen hatte
+General Putnam es unternommen, eine unpassierbare Barriere, die den
+Fluss gegen die Briten verschliessen sollte, zu bauen. Die Werke waren
+unter dem unmittelbaren Kommando von General Greene. Am Morgen des 9.
+Oktober indessen waren die Hindernisse durchbrochen worden, und an den
+Forts vorbei fuhren zwei britische Schiffe von 44 Geschützen jedes, eine
+Fregatte von 20 Geschützen und 3 oder 4 Tender, welche 2 amerikanische
+Ruder-Galeeren auf dem Flusse genommen oder zerstört hatten. Angesichts
+dieser Thatsachen wollte Washington das nach ihm benannte Fort
+verlassen, welches in Gefahr war, umzingelt zu werden. Greene war
+entgegengesetzter Ansicht und der Kongress teilte dessen verblendete
+Idee. Die Autorität des Höchstkommandierenden war so beschränkt, dass es
+ihm nicht gelang, seinen eigenen Ansichten Geltung zu verschaffen.
+Anstatt die Besatzung von Fort Washington zurückzuziehen, wurde sie
+verstärkt, bis Oberstlieutenant Magaw, der es befehligte, beinahe 3000
+Mann unter seinem Kommando hatte. Die Stellung, die besetzt werden
+sollte, war 2-1/2 Meile lang und schloss eine Redoute auf Laurel Hill
+mit ein.
+
+Es war am 16. November 1776, als dieses Fort durch die Armee von Sir
+William Howe gestürmt wurde. Der Angriff wurde gleichzeitig von 4
+Kolonnen gemacht, die gegen 4 verschiedene Punkte vorgingen, diejenige,
+welche den Hauptstoss führte und welcher der Ruhm des Tages gehörte, war
+aus Hessen unter Knyphausen zusammengesetzt. Diese Truppe setzte nach
+New-York Island über bei Kings-Bridge früh um 1/2-5 Uhr und war in zwei
+Kolonnen geteilt, die rechte unter Oberst Rall, die linke unter
+Generalmajor Schmidt. In letzterer war Wiederhold mit der Avantgarde.
+Während längerer Zeit mussten die Deutschen ruhig halten bleiben, bis
+die englischen Kolonnen zum Angriff angesetzt waren und denselben
+einleiteten. Unterdessen hatte Cornwallis die amerikanische Batterie auf
+Laurel Hill genommen. Earl Percy mit zwei englischen und einer
+hessischen Brigade hatte die amerikanischen Werke im Süden bedroht, und
+Oberst Sterling mit den Hochländern war hinter der Truppenabteilung, die
+Percy gegenüberstand, über den Harlem River gegangen und drohte dessen
+Rückzugslinie abzuschneiden. Hierbei mussten die Hochländer ein steiles
+Ufer hinauf angreifen und verloren dabei 90 Mann. Oberst Cadwalader, der
+in dieser Gegend die Amerikaner kommandierte, war gezwungen sich
+zurückzuziehen, und seine Leute, anstatt sich ausserhalb des Forts
+Washington zu sammeln, hatten sich in das Fort hinein gedrängt und
+behinderten dadurch die Vertheidigungs-Massregeln der eigenen Besatzung.
+
+Es war zwischen zehn und elf Uhr. Der Moment für die Hessen zu
+attaquieren, war schliesslich gekommen. Sie wateten durch einen Sumpf
+und erklommen den steilen, felsigen Berg, auf den das Fort gebaut war.
+Vergebens feuerten die Scharfschützen auf sie, vergebens überschüttete
+sie die Artillerie mit einem Hagel von Granaten und Kartätschen.
+Knyphausen selbst war fortwährend im stärksten Feuer, »so dass es ein
+Wunder war,« schreibt Wiederhold, »dass er davon kam ohne totgeschossen
+oder verwundet zu werden.« Der Boden war so steil dort, dass die Leute
+sich am Gesträuch hinaufziehen mussten. Schliesslich erreichten sie die
+Höhe, wo eine ebene Stelle war. »Vorwärts, Grenadiere!« rief Rall. Die
+Tamboure schlugen, die Hornisten bliesen, die Leute schrieen Hurrah!
+Hessen und Amerikaner mengten sich massenweise untereinander und alle
+stürzten sich wild durch einander auf das Fort los.
+
+Die Aussenwerke waren genommen und ihre Verteidiger zurückgetrieben, die
+die Verwirrung in dem Hauptfort noch vermehrten. Oberst Rall rief einen
+von seinen Kapitäns zu sich. »Hohenstein,« sagte er, »Sie sprechen
+englisch und französisch; nehmen Sie einen Tambour, befestigen Sie ein
+weisses Tuch an einem Kurzgewehr, gehen Sie in das Fort und fordern Sie
+die Übergabe.« »Ich that dies sofort,« schreibt der Kapitän, »allein sie
+feuerten beständig auf mich und den Tambour, bis wir auf die Glacies
+kamen, wo die Rebellen uns mit geschlossenen Augen hinauf geleiteten.
+Ich verlangte den Kommandanten zu sprechen. Sie schickten mir einen
+Oberst (Cadwalader) zu, welcher Unterkommandant war, dem ich folgende
+Bedingung stellte: Er sollte sofort mit der Besatzung aus dem Fort
+herausmarschieren, und sie sollten vor General von Knyphausen die Waffen
+strecken. Die ganze Munition, der Proviant und alles was dem Kongress
+gehörte, sollte getreulich angegeben werden; dagegen ich ihm meine
+Parole gäbe, dass alle vom Kommandanten an, einem jeden seine Equipage
+sollte belassen werden, und endlich sollte eine weisse Fahne sofort
+aufgehisst werden, um alle Feindseligkeiten abzubrechen. Der Kommandant
+forderte vier Stunden Bedenkzeit, die ich ihm indessen verweigerte, und
+gestattete ich ihm nur eine halbe Stunde, um sich mit seinen Offizieren
+zu besprechen. Als die halbe Stunde verflossen war, kam der Kommandant
+selbst, sein Schicksal schien ihm ungünstig. Deswegen sagte er: »Die
+Hessen machen Unmöglichkeiten möglich.« Darauf sagte ich ihm: »General
+von Knyphausen steht 100 Schritt von hier. Kommen Sie auf meine Parole
+mit und sehen Sie zu, ob er Ihnen bessere Bedingungen stellen wird.« Er
+war damit zufrieden und ging mit mir.«
+
+Magaw ergab sich Knyphausen, trotz der Nachricht von Washington, der ihn
+zu entsetzen versprach, wenn er bis zur Nacht aushalten könnte. Der
+Platz war indessen unhaltbar. Die Deutschen verloren 56 Offiziere und
+Leute tot und 276 Verwundete bei dem Angriff, die Engländer mehr als
+120. Die Amerikaner verloren weniger als 150 Tote und Verwundete, aber
+ungefähr 2800 Gefangene, unter denen einige der besten Soldaten waren.
+Sie verloren auch einen grossen Teil ihrer Artillerie, viele Waffen und
+Ausrüstungsstücke.
+
+Der Quartiermeister von dem Grenadier-Bataillon von Minnigerode sagt,
+indem er von dieser Schlacht spricht, dass, wenn nicht die Gefangenen
+gewesen wären, der Verlust der Deutschen weit grösser gewesen sein
+würde, als der von den Rebellen, und dass dies von der Art komme, wie
+die letzteren fechten. »Sie liegen einzeln hinter Bäumen, Büschen,
+Steinmauern und Felssteinen, schiessen auf grosse Distancen und mit
+Sicherheit und laufen ganz schnell weg, sobald sie gefeuert haben. Die
+Deutschen können nicht ein Drittel so weit schiessen und können viel
+weniger laufend sie erreichen, und das Terrain hier ist so, dass man die
+Feld-Artillerie bei einer Attaque selten heraufbekommen kann.«
+
+Die Hessen sollen während des Angriffs kein Pardon gegeben haben den
+Scharfschützen, die sie in den Aussenwerken und in den Gehölzen fanden.
+Die Amerikaner, von denen viele dies gesehen haben müssen, waren
+natürlich mutlos zur Zeit der Übergabe. Der Volksmund hatte böse Feinde
+aus den Hessen gemacht. Kapitän von Malsburg erzählt, dass, als er in
+das Fort hineinkam, er sich umgeben fand von Offizieren, denen Furcht
+und Besorgnis auf den Gesichtern geschrieben stand. Sie luden ihn ein in
+ihre Kaserne, drangen ihm Punsch, Wein und Kuchen auf, machten ihm
+Komplimente wegen seiner Freundlichkeit, welche sie zu erstaunen schien,
+und sagten, sie hätten so etwas nicht von einem hessischen Offizier
+erwartet. Sie baten um seinen Schutz, und er dagegen hielt ihnen eine
+Strafpredigt über die Sünde der Empörung gegen ihren guten König.
+
+Die Besatzung marschierte aus zwischen den Regimentern Rall und Lossberg
+hindurch, legte die Waffen nieder und übergab ihre Fahnen, die gelb,
+weiss und hellblau waren. Knyphausen soll auf diese »mit Verachtung«
+geblickt haben. Diese Haltung ist bezeichnend für das hessische
+Bewusstsein ihrer Stärke, doch der amerikanische Leser muss Trost finden
+in der Thatsache, dass innerhalb sechs Wochen die Fahnen der Regimenter
+Rall und von Lossberg wieder in den Händen von Washingtons Armee waren.
+
+Die Hessen erwarben sich grossen Ruhm bei dieser Aktion. Schmidt, Stirn
+und Rall, und die Truppen unter deren Befehl wurden in den Tagesbefehlen
+ehrenvoll erwähnt, und das genommene Fort wurde Fort Knyphausen genannt.
+
+
+
+
+Kapitel VIII.
+
+Trenton, 26. Dezember 1776.
+
+
+Nach der Einnahme von Fort Washington zeigte Sir William Howe eine
+ungewohnte Thätigkeit. Das Fort war am 16. November 1776 gefallen und am
+20. ging die britische Armee über den Hudson nach New-Jersey hinein.
+Fort Lee war hiermit nutzlos und unfähig zur Verteidigung geworden. Es
+wurde schleunigst geräumt und die Geschütze, Zelte und der Proviant
+darin im Stich gelassen. Mehr als 2000 Leute unter General Greene, die
+seine Besatzung gebildet hatten, entkamen notdürftig über den
+Hackensack, indem sie 73 Kranke zurückliessen. Der Zustand von
+Washingtons Armee war ein verzweifelter. Die Dienstzeit von vielen
+Milizen lief am 30. November ab. Diese waren nicht im mindesten zu
+bewegen sich wieder einreihen zu lassen, selbst für eine kurze Zeit,
+ebenso wie die Miliz von New-Jersey nicht ausrücken wollte, um ihren
+eigenen Staat zu beschützen; eine Brigade derselben löste sich auf an
+dem Tag, an dem die Briten in New-Brunswick einrückten. Washington hatte
+ein Detachement unter Lee östlich des Hudson gelassen, doch Lee
+missachtete nun Washingtons wiederholten Befehl sich mit ihm zu
+vereinigen und murrte, anstatt zu handeln. Ungefähr 2400 Mann unter Lord
+Stirling waren detachiert zum Schutz von Nord-New-Jersey und nach 4
+Tagen beordert, den oberen Lauf des Delaware zu verteidigen; und der
+Oberbefehlshaber hatte auf einmal 3500 Mann weniger unter sich. Der
+Marsch der Briten durch New-Jersey wurde kaum gestört, obwohl sich
+Washington langsam vor ihnen zurückzog und die Brücken zerstörte. Am 8.
+Dezember zog er sich über den Delaware zurück und liess auf 70 Meilen
+alle Boote an dasjenige Ufer des Flusses bringen, an dem er sich befand.
+Es entstand eine Panik in Philadelphia, und der Kongress siedelte nach
+Baltimore über. Washington fühlte sich nicht im Stande, mit seiner
+Truppenmacht den Übergang der Briten über den Fluss zu verhindern. Howe
+war indessen nicht der Mann, einen Winterfeldzug mit Energie zu
+betreiben. Er kehrte nach New-York zurück indem er Cornwallis und
+nachher Grant den Oberbefehl in New-Jersey überliess. Bankroft erzählt
+uns, dass der Staat der Plünderung und der Gewaltthätigkeit preisgegeben
+war, und dass alle Versuche, die Hessen davon abzuhalten, aufgegeben
+wurden unter der Entschuldigung, dass die Gewohnheit des Plünderns das
+Desertieren verhindern würde. »Man machte sie glauben,« führt er nach
+dem offiziellen Bericht eines britischen Offiziers an, »bevor sie
+Hessen-Cassel verliessen, sie sollten nach Amerika kommen, um sich ihr
+Privat-Vermögen zu gründen, und bisher haben sie in der That nach diesem
+Prinzip gehandelt.« Washington, auf der andern Seite, schreibt am 5.
+Februar 1777: »Eine Thatsache muss ich zu Gunsten der Hessen anführen,
+und die ist, dass unsere Leute, die gefangen genommen worden waren, im
+Allgemeinen darin übereinstimmen, dass sie von diesen eine viel bessere
+Behandlung erfuhren, als von den britischen Offizieren und Soldaten.«
+
+[Illustration: OPERATIONEN IN NEW JERSEY UND PENNSYLVANIEN. 1776.]
+
+Washington war in dem Glauben, dass die Operationen schnell wieder
+aufgenommen werden, und die Briten auf Philadelphia marschieren würden,
+so bald der Delaware zugefroren sein würde. Ein Brief, der einen oder
+zwei Tage vor Weihnachten aufgefangen wurde, bestärkte ihn in seiner
+Meinung. Es wurde von der grössten Wichtigkeit, einen Streich zu
+führen, bevor der Feind sich anschicken würde, wieder vorzugehen und
+noch vor dem letzten Dezembertag, an dem die Dienstzeit von vielen
+seiner Leute ablaufen würde.
+
+Die Art und Weise, in welcher General Grant, der britische Befehlshaber
+in New-Jersey, über die Truppen verfügte, war folgende: »Princetown und
+New-Brunswick wurden durch die englische Detachements gehalten.« Von
+Donop, der die hessischen Grenadiere und die 42. Hochländer
+kommandierte, stand in Bordentown. Rall, mit der Brigade, die für einige
+Zeit unter seinem Befehl gestanden hatte, 50 hessischen Jägern, 20
+englischen leichten Dragonern und 6 Geschützen hatte Quartier in Trenton
+bezogen. Ralls Brigade war aus 3 hessischen Regimentern zusammengesetzt,
+welche die Namen Rall, von Knyphausen und von Lossberg trugen. Sie war
+von Qualität nicht wesentlich verschieden von anderen hessischen
+Brigaden. Das Regiment von Lossberg hatte sich besonders ausgezeichnet
+bei Chatterton Hill. Das Regiment Rall war aus schlechtem Material
+gebildet, es war eins von denen, welche in der Eile formiert wurden, um
+die Zahl der Soldaten voll zu machen, die der Landgraf zu stellen hatte,
+aber Cornwallis berichtete lange nachher einem Komitee des Hauses der
+Gemeinen, dass sich Ralls Brigade bei Fort Washington die Bewunderung
+der ganzen Armee errang.
+
+Die Regimenter Rall und von Lossberg waren in dem nördlichen Teil von
+Trenton einquartiert, das Regiment von Knyphausen im südlichen, auf
+beiden Seiten der Brücke über den Assanpink. Auf dieser Brücke war eine
+Wache von 12 Mann aufgestellt. Die Soldaten lagen in den verschiedenen
+Häusern zerstreut, und bei gutem Wetter standen die Geschütze im Freien,
+von 2 oder 3 Leuten bewacht. Pickets waren auf den Strassen westlich des
+Nebenflusses vorgeschoben. Die Hauptwache bestand aus einem Offizier und
+70 Mann.
+
+Oberst Rall war ein tollkühner Offizier von der alten Schule. Man sagte,
+er habe darum gebeten, nach Trenton gelegt zu werden, weil er es für
+einen gefährlichen Posten hielt. Bei Chatterton Hill hatte er seine
+Sache sehr gut gemacht; er hatte mit seiner Brigade den amerikanischen
+rechten Flügel geworfen und das Schicksal des Tages entschieden. Er
+hatte einen Hauptanteil an der Erstürmung von Fort Washington genommen.
+Derselbe verwegene Geist, welcher in früheren Jahren ihn veranlasste mit
+den Russen unter Orloff als Volontär gegen die Türken zu kämpfen,
+leitete ihn bei jenen Gelegenheiten. Die Leichtigkeit, mit welcher er
+Siege erfochten hatte, seitdem er in Amerika war, hatte ihn mit einem
+übermütigen Vertrauen erfüllt. Die lumpigen Gesellen, welche durch
+New-Jersey hindurchgetrieben waren, möchten wohl eine Patrouille
+gefangen nehmen oder ein Picket zurückwerfen, aber sie wären, wie er
+dachte, ganz unfähig zu einem ernstlichen Angriff auf eine hessische
+Brigade. »Erdwerke!« sagte er mit einem Fluch zu Major von Dechow, der
+ihm riet, die Stadt zu befestigen; »lasst sie nur kommen! Wir werden sie
+mit dem Bajonnet empfangen;« und als derselbe Offizier ihn bat, einige
+Schuhe von New-York kommen zu lassen, erwiderte er, dass das Alles
+Unsinn sei. Er und seine Brigade wollten barfuss über das Eis nach
+Philadelphia laufen, und wenn der Herr Major keinen Teil an dieser Ehre
+haben wollte, möchte er nur wegbleiben. General Grant, der englische
+Oberbefehlshaber in New-Jersey, teilte Ralls Verachtung der Rebellen.
+Als derselbe ihm vorschlug, ein Detachement nach Maidenhead zu schicken,
+um die Verbindung zwischen Princetown und Trenton offen zu halten,
+antwortete er spöttisch, dass er die Jerseys mit einer Korporalschaft im
+Zaume halten wollte. Von Donop, der in Bordentown kommandierte, schickte
+einen Ingenieur-Hauptmann nach Trenton, um Rall zu bewegen, anzuordnen,
+dass der Ort verteidigungsfähig eingerichtet werde, aber letzterer ging
+nicht darauf ein. Erdwerke wären unnötig, sagte er. Die Rebellen wären
+Taugenichtse. Sie wären schon mehrmals unterhalb der Brücke gelandet und
+hätten unbelästigt davon kommen können, aber jetzt hätte er (Rall)
+Massregeln ergriffen. Wenn sie wiederkämen, wollte er sie nach guter Art
+zurückjagen. Er hoffte, Washington würde auch mit herüberkommen, dann
+könnte er ihn gefangen nehmen. Ralls Sorglosigkeit schien seinen
+Untergebenen so gefährlich, dass die Offiziere von dem Regiment Lossberg
+in einem Brief dem General von Heister Vorstellungen machten, aber zu
+spät.
+
+Ralls Verachtung vor seinem Feind verführte ihn, die einfachsten
+Massregeln zu vernachlässigen. Er revidierte selten einen Posten, selten
+zog er einen Offizier zu Rate. Er verweigerte es, einen Platz für die
+Sicherheit der Baggage im Fall eines Angriffes zu bezeichnen. »Unsinn,«
+sagte er, als er aufgefordert wurde, dies zu thun, »die Rebellen werden
+uns nicht schlagen.« Doch die Leute wurden fortwährend angestrengt durch
+unnötigen Wachtdienst und Hinundhermarschieren. Am 22. Dezember bekamen
+zwei Dragoner, die mit einem Brief nach Princetown geschickt worden
+waren, Feuer aus einem Walde heraus. Einer von ihnen fiel, der andere
+ritt zurück nach Trenton und meldete den Vorfall. Darauf schickte Rall 3
+Offiziere mit 800 Mann und 1 Kanone, um diesen Brief zu befördern, zur
+grossen Heiterkeit der Engländer. Das Detachement hatte bei schlechtem
+Wetter biwakieren und am nächsten Morgen zurückmarschieren müssen. Ein
+Sergeant und 15 Mann würden für diesen Dienst vollkommen genügt haben.
+
+Am 24. Dezember 1776 war eine Rekognoszierungs-Abteilung in der
+Richtung auf Pennington vorgeschickt worden, wurde aber nach einem
+Marsche von einigen Meilen zurückberufen. In der Morgendämmerung des
+25. wurde auf die Pickets nördlich der Stadt von einer kleinen
+Rekognoszierungs-Abteilung der Amerikaner ein Angriff gemacht. Der
+Feind wurde zurückgeschlagen mit einem Verlust von 6 Verwundeten auf
+Seite der Deutschen. Eine Patrouille von 30 Mann unter einem Fähnrich
+wurde eine oder zwei Meilen zur Verfolgung der zurückgehenden
+Amerikaner vorgeschickt, konnte sie aber nicht mehr einholen. Das
+Picket an dem Schnittpunkt der obern Strasse am Fluss mit der nach
+Pennington wurde daraufhin durch 10 Mann verstärkt unter Lieutenant
+Wiederhold, so dass es nunmehr aus 25 Mann im Ganzen bestand. Rall war
+nun der Ansicht, dass alle Gefahr vorüber war. Er war kürzlich gewarnt
+worden, dass ein Angriff bevorstände, und nahm als ganz bestimmt an,
+dass das Geplänkel, in welches die Pickets engagiert worden waren, der
+Angriff war, vor dem er gewarnt wurde. Leslie, der in Princetown
+kommandierte, hatte melden lassen, dass Washington sich vorbereitete,
+den Delaware zu überschreiten, aber Rall gab nicht ernstlich Acht
+darauf. Er befahl nur seinem eigenen Regiment, welches du jour hatte,
+in den Quartieren zu bleiben. Er hatte allerdings Grund sich sicher zu
+fühlen. Es war ihm bekannt, dass keine grosse Truppenmacht in seinem
+Teil von New-Jersey belassen war. Washingtons Armee lag jenseits des
+Delaware, eine zerlumpte, halbbewaffnete Bande von armen Teufeln, die
+bis vor kurzem von Staat zu Staat und von Fluss zu Fluss getrieben
+worden waren. Grosse Eisschollen schwammen, durch den Strom getrieben,
+im Delaware hin und her und machten jegliches Übergehen gefährlich. Die
+Nacht war stürmisch, selbst für Dezember, und bevor es Morgen wurde,
+fegten Schlossen und Schnee durch die Strassen. Aber drinnen war Alles
+fröhlich und lustig. Es war Weihnachtsabend. Die Deutschen, die in
+Trenton gemütlich hausten, konnten über den Sturm lachen und ruhig
+schlafen.
+
+Weit anders wurde die Nacht von der amerikanischen Armee verbracht! Die
+Truppen, unter dem unmittelbaren Befehl von Washington in ihrem Lager
+auf der Pennsylvanischen Seite des Delaware oberhalb Trenton, zählten
+nur 2400 Mann, die im Stande waren, eine anstrengende Unternehmung zu
+machen. Diese brachen um 3 Uhr nachmittags am Weihnachtstag auf, jeder
+Mann hatte Verpflegung für 3 Tage und 40 Patronen. Sie führten 18
+Feldgeschütze mit sich. Diese Truppenmacht erreichte die Fähre von Mac
+Konkey in der Abenddämmerung. Hier wurden die Boote durch Glovers
+Seeleute von Marblehead bemannt, und zwischen den schwimmenden
+Eisschollen hindurch wurde die kleine Armee über den Fluss gerudert. Ihr
+Zustand war so erbärmlich, dass ein Bote, der ihr gefolgt war, leicht
+ihre Spur verfolgen konnte »an dem Blut im Schnee von den Füssen der
+Leute, die zerrissene Schuhe trugen.«
+
+Inzwischen hatte Cadwalader den Fluss bei Dunks Fähre, unterhalb
+Trenton, überschritten, aber das Eis hatte sich gegen des Jersey-Ufer
+hin gepackt, und wenngleich die Fussmannschaften hinüber konnten, so war
+doch für die Artillerie keine Hoffnung dafür vorhanden. Die 1800 Mann,
+die diesen Teil der Unternehmung ausmachten, warteten vergeblich während
+der Dezembernacht. Um 4 Uhr morgens beorderte Cadwalader, der sicher
+glaubte, dass Washington, gleichwie er selbst, wegen der
+Schwierigkeiten, mit der die Expedition zu kämpfen hatte, umgekehrt
+wäre, seine halberfrorenen Leute nach ihrem kalten Lager zurück. »Die
+Nacht,« schreibt Thomas Rodney »war eine so bitterkalte, wie ich sie
+niemals erlebt habe.« Der Fluss war so schwierig zu überschreiten und so
+voll von Eis, dass es 4 Uhr wurde am Morgen des 26. Dezember bis die
+Truppen mit der Artillerie alle hinüber und marschbereit waren. Sie
+hatten noch 9 Meilen zu marschieren, um Trenton zu erreichen, und der
+Sturm hatte sich mit furchtbarer Heftigkeit erhoben. Die zitternden
+Soldaten erklommen einen steilen Berg und stiegen auf die Strasse hinab,
+wo die Bäume ihnen ein wenig Schutz gegen den Nordost-Sturm geben
+sollten. In Birmingham wurde die Armee in zwei Kolonnen geteilt. Die
+rechte unter Sullivan marschierte längs des Flusses, die linke unter
+Washington auf der obern Strasse. Nach einer Weile meldete Sullivan
+durch einen seiner Adjutanten an Washington, dass das Pulver nass
+geworden wäre.
+
+»Dann sagen Sie dem General,« antwortete Washington, »er solle mit dem
+Bajonnet angreifen und in die Stadt eindringen, denn die Stadt müsste
+genommen werden, und ich wäre fest entschlossen sie zu nehmen.« --
+
+Es war ungefähr 1 Stunde nach Tagesanbruch als Lieutenant Wiederhold
+seine Aussenposten eingezogen hatte. Es war eine kalte Nacht gewesen mit
+Schnee und Schlossen. Die kleine Abteilung verbarg sich in einer Hütte,
+die als Wachthaus diente. Wiederhold trat zufällig an die Thüre und sah
+hinaus. Plötzlich waren die Amerikaner vor ihm. Er rief: »An die
+Gewehre!«, und es wurden Schüsse gewechselt.
+
+»Die Aussenwachen leisteten nur geringen Widerstand,« sagt Washington,
+»obschon sie ihrer Zahl nach sich sehr tapfer hielten, indem sie
+zurückgehend fortwährend, hinter Häusern gedeckt, feuerten. Zugleich
+sahen wir, wie sich ihre Hauptabteilung formierte; -- aber nach ihren
+Bewegungen zu urteilen, schien sie unentschlossen, was zu thun.«
+
+Trommeln und Hörner erschallten in den Strassen von Trenton. Rall war
+noch im Bett und völlig schlaftrunken. Lieutenant Biel, der als
+Brigadeadjutant fungierte, scheute sich zuerst, ihn aufzuwecken, und
+eilte zu der Hauptwache, um einen Lieutenant und 40 Mann den Pickets als
+Unterstützung zu senden. Als er zum Hauptquartier zurückkehrte, lag Rall
+in seinem Nachthemd zum Fenster hinaus und schrie: »Was ist denn los?«
+Der Adjutant erwiderte ihm, ob er nicht das Feuern gehört habe. Rall
+sagte, er würde sofort unten sein, und in einem Moment war er angezogen
+und vor der Thüre. Eine Kompagnie von dem Regiment von Lossberg, welche
+Quartiere an der Strasse nach Pennington hatte, und als Avantgarde
+fungierte, hatte diese Strasse besetzt und empfing die fliehenden
+Pickets, musste sich aber sogleich in die Stadt zurückziehen. Washington
+drang bei King- und Queenstreet (jetzt Warren- und Greenstreet) ein, und
+Sullivan von der Strasse am Fluss in die Secondstreet. Einem Teil von
+Ralls Regiment gelang es, sofort sich zu formieren, und nach einer Weile
+erschien Rall selbst zu Pferde. Lieutenant Wiederhold meldete ihm, dass
+der Feind im Vordringen sei, und zwar nicht nur oberhalb der Stadt,
+sondern auch zur Rechten und Linken. Rall fragte, wie stark der Feind
+wäre. Wiederhold antwortete, dass er es nicht angeben könnte, aber er
+hätte 4 oder 5 Bataillone aus dem Walde kommen sehen und dass drei davon
+auf ihn gefeuert hätten, bevor er sich zurückzog. Rall rief, es sollte
+avanciert werden aber er schien verwirrt und nicht imstande, einen
+richtigen Entschluss zu fassen. Seine Truppen waren noch in Unordnung.
+Rall wandte sich zur Rechten in einen Garten mit Äpfelbäumen östlich der
+Stadt, und versuchte die Strasse nach Princeton in seine Gewalt zu
+bekommen. Aber er wurde durch Hands Regiment Pennsylvania
+zurückgeschlagen. Er beschloss darauf, sich einen Weg in die Stadt
+wieder zu erzwingen mit seinem und dem Regiment von Lossberg, wenigstens
+mit so vielen Leuten als zusammengebracht werden konnten. Dies soll er
+versucht haben, um seine Baggage und die Beute der vorhergehenden Wochen
+wegzuschaffen. Indessen wurde er durch einen Hagel von Blei aus Fenstern
+und Thorwegen, von hinter Bäumen und Mauern her empfangen. Die Munition
+der Hessen war nass von dem Schneesturm. Die Amerikaner erneuten den
+Angriff und die Hessen wurden weiter zurückgeworfen, als sie gekommen
+waren. -- Rall wurde durch eine Kugel tötlich verwundet, und die beiden
+deutschen Regimenter, in die grösste Verwirrung gebracht, streckten die
+Waffen.
+
+Dem Regiment Knyphausen ging es wenig besser. Als Rall den Obstgarten
+verliess und sich wieder gegen Trenton wendete, beschloss Major von
+Dechow, sich einen Weg rückwärts über die Assanpink-Brücke zu bahnen und
+sich nach Bordentown durchzuschlagen, wo Donops Truppenabtheilung lag.
+Aber es war unmöglich dies auszuführen, da Sullivan schon die Brücke
+besetzt hatte. Zwei Geschütze steckten tief in einer morastigen Stelle
+und es wurde viel Zeit verloren bei dem Versuche sie herauszuziehen.
+Dechow wurde verwundet. Einigen Soldaten gelang es, den Strom zu
+durchwaten, aber die bei weitem grössere Zahl wurde umringt und an Lord
+Stirling übergeben, mit Ausnahme der Privatbaggage und der Säbel der
+Offiziere. Die, welche entkamen, nahmen ihren Weg nach Princeton. Auch
+die Jäger und englischen Dragoner entkamen und erreichten Bordentown.
+Lieutenant Grothausen von den Jägern wurde angeschuldigt, zu früh
+zurückgegangen zu sein. Er war mit 50 Mann an der untern Flussstrasse
+postirt gewesen und zog sich bei der Annäherung von Sullivan vor diesem
+über die Assanpink-Brücke zurück. Nach Bankroft betrug die Gesamtzahl
+derer, die auf diese Weise durchkamen, 162. Washington giebt in seinem
+ersten Bericht an den Kongress die Zahl derer, welche sich ergaben, auf
+23 Offiziere und 886 Mann an. Einige, die nachher in Trenton gefunden
+wurden, erhöhten die Zahl auf 1000.
+
+Die Nachricht von dem Siege der Amerikaner wurde in New-York mit Kummer
+und Entrüstung aufgenommen.
+
+Der alte Heister, der bei Sir William Howe nicht mehr in Gunst stand,
+mag darin ein Vorzeichen seiner Abberufung gesehen haben. Er berichtete
+am 5. Januar an Schlieffen, den Minister des Landgrafen, das
+Vorgefallene. Seinem Märchen zufolge, das er berichtete, war Ralls
+Brigade von 10 000 Mann überrascht worden und das Desaster durch die
+Tollkühnheit des Obersten verursacht worden, indem er gegen die
+Übermacht vorgegangen wäre, anstatt sich sofort über den Assanpink
+zurückzuziehen. Heister giebt den Verlust von 15 Fahnen zu.
+
+Der Landgraf von Hessen-Kassel war sehr ergrimmt. Er war der Ansicht,
+dass solch ein Vorfall unmöglich gewesen wäre, wenn nicht alle Disziplin
+gelockert wäre. Er befahl, dass eine Untersuchung eingeleitet werden
+sollte, sobald die Offiziere, die als Gefangene in amerikanische Hände
+gefallen seien, ausgewechselt sein würden, und drohte, dass die, welche
+wegen schlechten Verhaltens für schuldig erachtet würden, zur strengsten
+Verantwortung gezogen werden sollten. Auch erklärte er, den Regimentern,
+welche ihre Fahnen verloren hätten, solche nicht eher wieder zu
+verleihen, als bis sie eine gleiche Anzahl vom Feinde genommen hätten.
+Er schrieb an Knyphausen, er hoffe, dass Alle, ebenso wie er, mit
+grossem Kummer und mit Scham erfüllt seien, dass es notwendig wäre,
+diese Scharte wieder auszuwetzen und dass Knyphausen nicht ruhen dürfte,
+bis seine Truppen die Erinnerung an diese unglückliche Affaire durch
+eine grosse Zahl von ausserordentlichen Thaten verwischt hätten. Der
+Landgraf kannte sich nicht in seinem Zorne. Der eigentliche Sünder gegen
+die militärischen Regeln starb in Oberst Rall. Es war die Ansicht von
+Soldaten jener Zeit und ist die Meinung von denen die die Angelegenheit
+seitdem studiert haben, dass die Niederlage und Gefangennahme der
+hessischen Brigade in Trenton durch einfache militärische
+Vorsichtsmassregeln von Seiten ihres Führers hätte verhindert werden
+können. Cornwallis sagte später einem Komitee des Hauses der Gemeinen,
+dass nach Donops Meinung Rall hätte aushalten können bis Donop zu seiner
+Unterstützung von Bordentown herangekommen wäre, wenn er die Befehle Sir
+William Howes befolgt und Redouten gebaut hätte. Rall war mehrfach
+von seinen untergebenen Offizieren gedrängt worden dies zu thun. Dass
+die unter seinem Kommando Befindlichen zur Lockerung der Disziplin
+beitrugen, wozu sie durch das Beispiel ihres Führers notwendigerweise
+verführt wurden, war natürlich. Alle fochten tapfer, viele wurden
+verwundet, doch war der Verlust an Gemeinen nur gering. Dass ein
+früherer Rückzug den Hessen ermöglicht hätte zu entkommen, ist richtig.
+Aber man sollte Soldaten nicht ernstlich dafür tadeln, dass sie ihr
+Terrain festhalten, wenn sie überfallen werden, auch ist Ralls Fehler,
+wenn es einer war, zu versuchen, sich seinen Weg eher in der Richtung
+auf Princeton als auf Bordentown zu bahnen, nicht auf die Rechnung
+seiner Untergebenen zu schreiben.
+
+[Illustration: PLAN VON DER AFFAIRE,
+
+welche am 26. Dec. 1776 bei TRENTON zwischen einem Corps von 6000
+Rebellen unter General Washington und einer Hessischen Brigade unter
+Oberst Rall stattfand.
+
+--< _Erklärung umseitig._ >--]
+
+ A. Trenton.
+
+ B. Picket von 1 Offizier und 24 Mann (Wiederhold).
+
+ C. Hauptmann Altenbocums Kompagnie vom Regiment von Lossberg, welches in
+ der Nachbarschaft einquartiert war und sich vor dem Quartier des
+ Hauptmanns formierte, während das Picket den Feind beschäftigte.
+
+ D. Picket von 1 Hauptmann, 1 Offizier und 75 Mann.
+
+ E. 1 Offizier und 50 Jäger, die sich sofort über die Brücke zurückzogen
+ (Grothausen).
+
+ F. Detachement von 1 Offizier und 30 Mann, die sich mit Donops Korps
+ vereinigten.
+
+ G. Platz, wo die Regimenter nach Verlassen der Stadt Halt machten, und
+ wo Oberst Rall den Versuch machte mit seinem und dem Regiment von
+ Lossberg einen Angriff auf die Stadt zu unternehmen, der abgeschlagen
+ wurde.
+
+ I. Platz, wo er mit den Regimentern gefangen genommen wurde.
+
+ K. Platz, wo das Regiment von Knyphausen, das die Flanke hatte decken
+ sollen, sich ebenfalls übergeben musste, nachdem es versucht die
+ Brücke zu erreichen. Die Geschütze vom Regiment von Lossberg waren
+ bei dem Regiment von Knyphausen und unglücklicherweise im Sumpf
+ stecken geblieben, und bei dem Versuch sie herauszuziehen war der
+ Moment, die Brücke zu gewinnen, verpasst worden, infolge dessen der
+ Feind sie stark besetzte.
+
+ L. Geschütze vom Regiment Lossberg.
+
+ M. Geschütze vom Regiment Knyphausen, die während der Affaire nicht beim
+ Regiment waren.
+
+ N. Geschütze vom Regiment Rall, gleich zu Anfang demontiert.
+
+ O. Angriff des Feindes vom Wald aus.
+
+ P. Vorgehen und Umzingeln der Stadt durch den Feind.
+
+ Q. 2 Bataillone des Feindes verfolgen das Regiment Knyphausen.
+
+ R. Letzte Bewegung und Angriff auf das Regiment Knyphausen.
+
+ S. Geschütze der Rebellen.
+
+ T. Platz, wo General Washington sich postiert hatte und von dem aus er
+ seine Befehle gab.
+
+Die Wichtigkeit von Trenton für die Amerikaner darf nicht nur nach dem
+numerischen Ausweis an Toten, Verwundeten und Gefangenen berechnet
+werden. Es war ein neuer Beweis für die unerfahrenen und hülflosen
+Kolonisten, dass sie sich einigermassen zu Soldaten eigneten und dass
+ihre Sache nicht hoffnungslos war. Nach einer langen Reihe von
+Missgeschick und fortwährendem Zurückweichen feuerte sie dies mit neuem
+Mute an. Bunker Hill hatte die Amerikaner belehrt, dass sie den
+britischen Regulären widerstehen könnten. Trenton bewies ihnen in einer
+Stunde der Verzweiflung, dass die gefürchteten Hessen überwunden werden
+könnten.
+
+
+
+
+Kapitel IX.
+
+Der Winter 1777.
+
+
+Die hessischen Offiziere und Soldaten, welche in Trenton gefangen
+genommen waren, mussten am 26. Dezember 1776 denselben kalten und mit
+Schnee bedeckten Weg, auf welchem die Amerikaner zum Angriff vorgegangen
+waren, zurücklegen. Wir können sie uns in ihren Uniformen zitternd vor
+Frost vorstellen, während ihre zerlumpten und barfüssigen Bezwinger
+fröhlich neben ihnen her marschierten und in der Siegesglut den eisigen
+Wind vergassen. Wieder wurde der Delaware durch die schwimmenden
+Eisstücke hindurch überschritten, und man kann überzeugt sein, dass es
+nicht die zerlumpten Amerikaner waren, deren Zähne klapperten; aber eine
+Reaktion trat ein nach so viel Mühsal und Aufregung; am nächsten Morgen
+war die Hälfte der siegreichen Armee erschöpft und dienstuntauglich. 40
+Stunden waren die Amerikaner ununterbrochen unter den Waffen gewesen und
+hatten marschiert und gefochten in Schnee und Eis eines Dezembersturmes,
+so dass nun die Natur Ruhe und Unterkunft für einige Tage forderte. Nur
+Washington war unermüdlich, und obschon die Dienstzeit eines grossen
+Teiles seiner Armee im Ablaufen begriffen war, schickte sich der grosse
+Feldherr an, aus dem errungenen Erfolg Vorteil zu ziehen.
+
+Die hessischen Offiziere wurden mit grosser Höflichkeit von den Führern
+der Amerikaner behandelt. Washington drückte sein Mitgefühl mit ihnen
+unmittelbar nach ihrer Übergabe aus. Stirling, der erst vor kurzem nach
+seiner Gefangennahme auf Long-Island ausgewechselt war, erzählte den
+Offizieren, die ihn besuchten, dass Heister ihn wie einen Bruder
+behandelt habe, und dass er sie ebenso behandeln wollte. Er begleitete
+sie bei ihrem Besuch bei General Washington und lud einige von ihnen zum
+Diner ein. Washington erwies dieselbe Höflichkeit einigen von den
+anderen. Einer von seinen Gästen hat in seinem Tagebuch einen Vermerk
+über den Eindruck hinterlassen, den der berühmteste unter den
+Amerikanern auf ihn gemacht hat: »Diesem General sieht man in seinem
+Gesicht nicht die Grösse an, welche ihm im allgemeinen beigemessen wird.
+Seine Augen haben kein Feuer, aber die freundliche Art seines Ausdrucks,
+wenn er spricht, flösst Zuneigung und Hochachtung ein.«
+
+Wiederhold schreibt: »Am 28. dinierte ich, wie gesagt, ebenso wie
+mehrere andere Offiziere, mit General Washington. Er that mir die Ehre
+an, sich viel mit mir über die unglückliche Affaire zu unterhalten, und
+da ich ihm frei heraus die Ansicht äusserte, dass unsere Massregeln
+schlecht gewesen wären, andernfalls wir nicht in seine Hände gefallen
+wären, fragte er mich, ob ich bessere Massregeln getroffen hätte und in
+welcher Weise. Darauf sagte ich Ja; erwähnte alle Fehler, welche
+begangen worden waren, und zeigte, was ich gethan haben und wie ich mit
+Ehren aus der Verlegenheit gekommen sein würde. Er billigte dies nicht
+nur, sondern sagte mir auch einiges Schmeichelhafte darüber, sowie auch
+über meine Wachsamkeit und den Widerstand, den ich mit meinen wenigen
+Leuten in der Postenlinie am Morgen des Angriffes gemacht hätte. General
+Washington ist ein zuvorkommender und eleganter Mann, aber scheint sehr
+polite und reserviert zu sein, spricht wenig und hat eine schlaue
+Physiognomie. Er ist nicht sehr gross, aber auch nicht klein, sondern
+von Mittelgrösse, und hat eine gute Figur.« Es ist interessant, sich
+diese Szene vorzustellen -- das Wohnzimmer im Farmhaus, das Feuer aus
+dickem Scheitholz, die triefenden Lichter, die Bowle mit rauchendem
+Punsch und General Washington die Kriegskunst erörternd mit seinem
+Gefangenen, der, obwohl nur ein Lieutenant, ausländischen Kriegsdienst
+kennen gelernt hat und wohl wert ist, angehört zu werden.
+
+Die Gefangenen wurden binnen Kurzem nach Pennsylvanien und Virginien
+befördert. Überall strömte das Volk zusammen, um sie zu sehen, und wenn
+den fremden Eindringlingen in ihrem Unglück manchmal mit Flüchen und
+Verwünschungen begegnet wurde, so dürfen wir diejenigen nicht zu scharf
+beurteilen, deren Söhne und Brüder von den Hülfstruppen umgebracht
+werden sollten.
+
+Wir werden beinahe finden, dass die Wage sich zu Gunsten der Amerikaner
+neigt, welche bei vielen Gelegenheiten ihren Feinden mit Vergebung und
+Freundlichkeit begegneten. Die Begleitmannschaft der Gefangenen that
+beständig ihre Pflicht und gelang es ihr, diese vor allem Schlimmeren
+als Beschimpfungen zu bewahren. Die hessischen Offiziere und Leute
+wurden von einander getrennt, und es ist nicht uninteressant, ihren
+Wanderungen bis ins Einzelne zu folgen. Die Offiziere waren in
+Philadelphia und statteten General Israel Putnam am Neujahrstag einen
+Besuch ab. »Er schüttelte jedem von uns die Hand,« sagt einer in seinem
+Tagebuch, »und wir mussten Alle ein Glas Madeira mit ihm trinken. Dieser
+alte Graubart mag ein guter, ehrlicher Mann sein, aber niemand anders
+als die Rebellen würden ihn zum General gemacht haben.«
+
+Die Offiziere wurden, nachdem sie in Dumfries und im Thal von Virginia
+einquartiert waren und viele kleine Beschwerden zu ertragen gehabt
+hatten, im Dezember 1777 nach Fredericksburg gebracht, wo sie mit
+grosser Gastfreundschaft und Güte behandelt wurden. Wiederhold wird
+förmlich pathetisch bei dem Gedanken, von seinen dortigen Freunden
+Abschied zu nehmen. Die Gefangenen hatten in grosser Gunst bei den Damen
+der Nachbarschaft gestanden, welche, wie der Lieutenant sagt, »schön,
+zuvorkommend, gütig, bescheiden und vor Allem sehr natürlich und
+ungezwungen waren.«
+
+16 Damen »ersten Ranges« verabredeten sich nebst einigen Herren, den
+Kapitän in seinem Quartier zu überraschen, wovon er vorher heimlich
+unterrichtet worden war. Er erzählt uns, dass sie kamen und nur eine
+Stunde zu bleiben beabsichtigen, doch schliesslich von 1/2-4 bis 10 Uhr
+abends blieben. General Washingtons Bruder, Schwester und Nichte waren
+darunter. Die deutschen Offiziere regalierten ihre Gäste mit Thee,
+Kaffee, Chokolade, Claret-Wein und Kuchen, und unterhielten sie mit
+Instrumental- und Vokal-Musik, an welcher sich die Damen manchmal
+beteiligten. »In Europa würden wir keinen grossen Beifall geerntet
+haben, aber hier galten wir für Meister. Sobbe spielte die Flöte, Doktor
+Oliva die Violine und ich die Guitarre. Wir wurden so mit Beifall
+überschüttet, dass wir ganz beschämt waren. Ihre Freundschaft für uns
+war zu gross. Einige von den amerikanischen jungen Herren wurden
+eifersüchtig.«
+
+Alle diese Freundlichkeit machte Eindruck auf die Gefangenen. In
+Dumfries 9 Monate vorher, hatte Wiederhold in sein Tagebuch
+niedergeschrieben, dass er lieber ein kleines Gut in Hessen besitzen
+wolle, als die grösste Besitzung in Virginia und dass Amerika für solche
+Leute gut wäre, welche zu Hause dem Galgen entronnen wären. Nun ist er
+aber beim Verlassen von Fredericksburg ganz traurig, obschon es galt,
+zur Armee nach Philadelphia zurückzukehren. Indessen hatte er
+persönliche Gründe hierfür. »Es war sicherlich eine grosse Sache, sich
+so grosser Freundschaft, ja, ich möchte sagen, Liebe zu erfreuen von
+Leuten, deren Feinde wir waren und gegen die wir bald wieder als Feinde
+auftreten mussten.
+
+Sagte doch eine Schöne zu mir, welche mir so innig zugethan war: »Wollte
+Gott, Sie könnten hier bleiben und dass ich niemals so unglücklich sein
+müsste von ihnen zu scheiden, so wie ich es morgen thun muss und
+vielleicht für immer. Aber gehen Sie, wo Ehre und Pflicht Sie hinruft
+und bleiben Sie glücklich!« Dies war Seelengrösse, wie sie nicht allen
+Rebellen innewohnt, denn sie war eine gute Amerikanerin in ihren
+Gesinnungen, schön und reich.« Kein Wunder, dass der Lieutenant die
+Meilen zählte, als er von Fredericksburg abmarschierte.
+
+Die Soldaten erreichten Philadelphia einige Tage später als die
+Offiziere. Über ihren Empfang durch die Volksmenge schreibt ein Korporal
+in seinem Tagebuch: »Gross und Klein, Alt und Jung, standen da um zu
+sehen, was für eine Sorte Sterblicher wir wären. Als wir gerade vor sie
+kamen, sahen sie uns scharf an. Die alten Weiber schrien schrecklich und
+wollten uns erwürgen, weil wir nach Amerika gekommen wären, um ihnen
+die Freiheit zu rauben. Einige Andere brachten uns trotz allen
+Schimpfens Schnaps und Brod, um es uns zu geben, aber die alten Weiber
+wollten es nicht erlauben, und uns obendrein noch erwürgen. Unsere
+amerikanische Begleitmannschaft hatte von Washington Befehl erhalten uns
+in der Stadt überall herumzuführen, damit Jedermann uns sehen sollte;
+aber das Volk drängte sich in uns hinein mit grosser Wut und
+überwältigte beinahe die Begleitmannschaft, so dass, als wir uns den
+Baracken näherten, unser kommandierender Offizier sagte: »Liebe Hessen,
+wir wollen in diese Baracken marschieren.« Wir thaten es, und das ganze
+amerikanische Detachement musste dem wütenden Volke Einhalt thun. Warum
+der amerikanische Offizier seine Gefangenen in so liebevoller Weise
+anredete, scheint nicht klar, aber ein grosser Grad von Vertraulichkeit
+scheint sich zwischen ihnen ausgebildet zu haben. Eelking erzählt eine
+Geschichte, die aber, cum grano salis, aufgenommen werden muss, dass,
+als der Transport im Herbst 1777 von Lancaster nach Winchester geführt
+wurde, und an die Grenze von Virginia kam, die pennsylvanische Eskorte
+sich weigerte, weiter zu marschieren und nicht den Fuss auf den
+geheiligten Boden setzen wollte. In der That zerstreuten sie sich, und
+alle gingen nach Hause. Die Eskorte, die von Winchester hatte kommen
+sollen, um sie zu treffen, war nicht angekommen. Der Kapitän, der das
+Kommando über die Pennsylvanier gehabt hatte, war ein Mann von grosser
+Geistesgegenwart und Menschenkenntniss. Er sagte zu den Hessen, deren
+Zuneigung er durch seine Menschlichkeit gewonnen hatte, dass sie ohne
+Eskorte weiter marschieren müssten, da er selbst nach Winchester
+vorauseilen müsste. Er vertraute den Gefangenen und versprach ihnen gute
+Behandlung bei ihrer Ankunft. Darauf verliess er sie. Die Gefangenen,
+wenn man sie überhaupt so nennen kann, denen Niemand wehrte,
+marschierten weiter in guter Ordnung. Am dritten Tage kam der alte
+Kapitän mit einer virginischen Eskorte zurück und fand alle Hessen durch
+Namensaufruf zur Stelle, nur einige gewissenlose Engländer waren
+verschwunden. Die Deutschen wurden darauf alle mit Branntwein traktiert,
+während die englischen Gefangenen ihren Marsch ohne diese Erfrischung
+wieder aufnehmen mussten. Die Hessen erhielten fortan viele
+Vergünstigungen.
+
+Washington soll die Stimmung im Volke dadurch beruhigt haben, dass er
+bekannt gab, die Hessen seien gegen ihren Willen nach Amerika gekommen.
+Das Loos der Gefangenen scheint nicht übermässig hart gewesen zu sein.
+Viele der gemeinen Soldaten vermieteten sich als Knechte auf die Farmen
+und erhielten Verpflegung und Lohn.
+
+So viele als von Washingtons kleiner Armee dienstfähig blieben,
+überschritten in den letzten drei Tagen des Dezember den Delaware wieder
+und wurden schleunigst unter Cadwaladers und Mifflins Kommando
+vereinigt. Dadurch wurde ihre Zahl auf ungefähr 5000 gebracht, von denen
+3/5 des Militärdienstes unkundig waren. Gegen diese kleine Truppenmacht
+ging Cornwallis mit einer grösseren Zahl von britischen und hessischen
+Veteranen vor. Er kam mit seiner ganzen Streitmacht von Princeton über
+Maidenhead, trotz Donops Rat, in zwei Kolonnen auf beiden Seiten des
+Assanpink zu marschieren. Am 2. Januar 1777 fand ein Geplänkel statt,
+bei dem Lieutenant von Grothausen von den Jägern, welcher von Trenton 7
+Tage vorher entkommen war, ohne seine volle Schuldigkeit gethan zu
+haben, wie behauptet wurde, fiel. Eelking erzählt, dass er von einigen
+Scharfschützen erschossen wurde, welche ihn unter dem Vorwande sich zu
+ergeben, anlockten.
+
+Am Nachmittag des 2. Januar standen sich die englische und
+amerikanische Armee auf beiden Seiten des Assanpink-Flusses
+gegenüber. Vergeblich drängten unsere Offiziere Cornwallis, sofort
+anzugreifen. Die Sonne war im Untergehen, die Brücke war erfolgreich
+verteidigt worden, die englische Armee musste den Strom durchwaten, um
+an den Feind heranzukommen, und der Ausgang schien zweifelhaft. Der
+britische General entschloss sich, den Angriff auf den folgenden Tag
+zu verschieben. Washington wagte nicht, das Schicksal Amerikas auf die
+Widerstandsfähigkeit seiner undisziplinierten Milizen hin zu
+riskieren. Die Nacht war kalt und die Strassen in gutem Zustand für
+das Passieren der Artillerie. Es wurde Holz auf die amerikanischen
+Wachtfeuer gelegt und eine Wache zurückgelassen, um es zu unterhalten.
+Inzwischen marschierte die amerikanische Armee durch die helle
+Januarnacht ab, umging Lord Cornwallis linke Flanke und griff um 9 Uhr
+morgens 3 englische Regimenter zu Fuss und 3 Kompagnien zu Pferde bei
+Princeton an. Die Amerikaner warfen sie, töteten und verwundeten
+ungefähr 200 Mann und machten 230 Gefangene, unter denen 14 britische
+Offiziere waren. Der amerikanische Verlust an Leuten war gering, aber
+schwer an Offizieren infolge eines Unfalles bei Beginn der Affaire.
+Dieser Sieg bei Princeton war das letzte Ereignis des Feldzugs,
+welches den Namen einer Schlacht verdient. Die Briten verliessen den
+grössten Theil von New-Jersey und blieben nur in New-Brunswick, Amboy
+und Paulus Hook. Aber die Vorposten der beiden Armeen unterhielten ein
+Geplänkel den ganzen Winter hindurch. So wurde am 5. Januar 1777 eine
+Abteilung von 50 Waldeckern von einer an Zahl nicht stärkern Abteilung
+Milizen angegriffen, welche 8 oder 10 töteten und die Übrigen,
+einschliesslich 2 Offizieren, zu Gefangenen machten.
+
+In dieser scharmützelnden Art der Kriegführung nahmen, so weit es die
+Hessen betraf, die Jäger oder Chasseurs, wie sie die Engländer und
+Amerikaner nannten, den Hauptanteil. Sie waren gelernte Schützen und
+rekrutierten sich aus den Jägern und Forstleuten von Deutschland. Eine
+Kompagnie derselben war mit von Heister im August 1776 nach Amerika
+gekommen, eine zweite unter Kapitän Ewald mit von Knyphausen im Oktober.
+Sie hatten sich als so nützlich erwiesen, dass ihre Zahl durch einen
+speziellen Vertrag mit dem Landgraf während des Winters 1777 auf 1067
+Mann erhöht wurde, in 5 Kompagnien formiert, von denen eine zu Pferde
+war. Andere Kompagnien wurden von Hanau und Anspach besorgt. Nach dem
+Sommer 1777 war das Korps unter dem Befehl von Oberstlieutenant von
+Wurmb, aber die Kompagnien oder detachierten Teile fochten im
+Allgemeinen getrennt. Es gab wenige Operationen von einiger Wichtigkeit,
+an welchen die Jäger nicht Teil nahmen. Wir glauben gern, dass sie
+manche kühne und glückliche Streiche ausführten, müssen aber die Achseln
+zucken, wenn wir belehrt werden, dass die amerikanischen Milizen
+breitgeränderte Hüte trugen, welche sie über die Augen herunter gezogen
+haben sollen, um sie gegen Wind und Schnee zu schützen, so dass die
+Jäger imstande waren, sich bei hellem Tage an sie heranzuschleichen und
+sie niederzumachen oder zu entwaffnen, bevor sie eine Ahnung davon
+hatten. Diese Yankees sind gewöhnlich so sehr schläfrige Kerls (Eelkings
+»Hülfstruppen« I. S. 182).
+
+Ewald erzählt uns, dass zu Anfang des Jahres 1777 Lord Cornwallis sich
+entschloss Boundbrook in New-Jersey, welches von 1000 Amerikanern unter
+Oberst Butler gehalten wurde, zu überraschen. Der Angriff sollte in 3
+Kolonnen ausgeführt werden. Die erste unter General Mattheus sollte
+einen Scheinangriff auf die Front der amerikanischen Werke machen. Die
+zweite unter Cornwallis sollte über Somerset nach links Butlers Stellung
+umgehen und sie im Rücken fassen. Die dritte sollte rechts über
+Greenbrook marschierend, dem Feinde den Rückzug nach Morristown
+abschneiden. Ewald kommandierte die Avantgarde der 1. Division. Die
+Strasse von Raritan Landing nach Boundbrook, welche in einer Länge von
+2-1/2 Meilen an der linken Seite des Raritan River entlang führt, endigt
+in einen Damm über einen Morast. Durch diesen floss ein Bach, über
+welchen eine steinerne Brücke führte. Um die Brücke und den Damm zu
+beherrschen, hatten die Amerikaner eine Brücke gebaut.
+
+Die Division brach ungefähr um 2 Uhr morgens auf. Halbwegs Boundbrook
+glaubte Ewald, der wie gewöhnlich an der Spitze war, er sähe etwas sich
+bewegen. In der Hoffnung, eine feindliche Patrouille zu überraschen,
+schickte er einen Mann mit dem Befehl zurück, dass der Rest seiner Leute
+leise nachkommen sollte. Er wurde indessen entdeckt und angerufen. Indem
+er seine Leute mit leiser Stimme heranrief, avancierte er bis dicht an
+den Feind heran, der sich als ungefähr 30 Mann stark herausstellte.
+Diese gaben eine Salve ab und verschwanden, Ewald hinter ihnen her.
+Entgegen den Befehlen gaben die Jäger auch einige Schüsse ab. Es würde
+besser gewesen sein, sagt Ewald, ihnen langsam zu folgen, da sie die
+Jäger für eine gewöhnliche Patrouille gehalten haben mochten, eine
+ebensolche, wie man auf dieser Strasse beinahe jede Nacht begegnete.
+Ewald hoffte indessen, über den Damm und in die Redoute gleichzeitig mit
+den Amerikanern zu gelangen, aber die Entfernung war zu gross und der
+Tag brach an. Er war seiner Nase nachgegangen und hatte vergessen,
+hinter sich zu sehen, bis er ungefähr 100 Schritt von der Redoute
+entfernt, sich einem heftigen Feuer ausgesetzt sah, durch welches einige
+seiner Freiwilligen verwundet wurden. Dann sah er sich um und bemerkte,
+dass seine ganze Truppe aus 1 Lieutenant und 7 Mann bestand. Mit diesen
+warf er sich auf die Brücke, die kaum 40 Schritt von der Redoute
+entfernt war und deckte sich hinter die steinerne Brustwehr. Er hoffte,
+dass mehr von seiner Abteilung zur Unterstützung kommen würden, aber es
+stellte sich heraus, dass General Mattheus der Kolonne befohlen hatte zu
+halten, da er nicht unnötig Menschenleben opfern wollte. Ewalds 7
+Schützen unterhielten das Feuer auf die Schiessscharten der Redoute und
+ihr Feuer wurde lebhaft beantwortet, aber es wurde Niemand auf beiden
+Seiten getroffen. Nach kaum 1/4 Stunde hatten sie das Vergnügen,
+heftiges Feuer jenseits der Redoute zu hören, welche von Cornwallis im
+Rücken angegriffen war. Die Besatzung verliess das Werk, und Ewald mit
+seinem Lieutenant und 7 Mann ging vor um Besitz davon zu ergreifen, und
+nahm obendrein 12 Mann gefangen. »Aber«, sagt Ewald, »es war mein
+Fehler, dass Lord Cornwallis nur 150 Gefangene und 2 Kanonen machte
+anstatt 1000 Mann. Denn der Feind war durch das Feuer der Redoute
+geweckt und bekam Zeit, mit General Lincoln zusammen zu entkommen.«
+
+Hier möge noch eine andere Anekdote von Ewald folgen, die diese
+Campagne betrifft: »Als wir zu Anfang des Jahres 1777 während des
+amerikanischen Krieges in New-Brunswick in Jersey lagen, hatte ich den
+Befehl über das äusserste Ende der Piquetlinie bei Raritan Landing an
+der Strasse nach Boundbrook. Dieser Posten konnte nur durch grosse
+Wachsamkeit und den guten Willen und die Liebe der Jäger zu mir
+gehalten werden. Wir schlugen uns täglich mit den Amerikanern herum,
+denn wir waren nur eine Meile von einander entfernt. Eines Morgens um
+das Frühjahr herum, krochen die Amerikaner unter dem Schutze eines
+dicken Nebels so nahe an einen meiner Posten heran, dass sie eins
+meiner Piquets in demselben Moment erreichte, wie eine Patrouille, die
+ich vorgeschickt hatte, und die geworfen wurde. Sie stürzten auf mich
+los so schnell sie innerhalb 200 Schritt von mir konnten.
+Glücklicherweise war ein tiefeingeschnittener Weg zwischen uns, in
+welchen ich mich mit 16 Jägern hineinwarf, indem ich Lieutenant
+Hinrichs zurief, meine rechte Flanke mit dem Rest der Leute zu decken,
+bis Kapitän von Wreden mit seiner Kompagnie heraufkäme. Gerade als ich
+den eingeschnittenen Weg erreichte, erhielt ich heftiges Feuer von
+einem Regiment leichter Infanterie unter Oberst Buttler, woraufhin
+meine Leute, welche sonst brave Burschen waren, den Kopf verloren und
+wegliefen. Erstaunt, wie man wohl glauben mag, rief ich hinter ihnen
+her: »Ihr mögt zum Teufel rennen, aber ich bleibe hier allein stehen.«
+In diesem Moment bemerkte ich, dass ein Mann, Jäger Bauer, bei mir
+stehen geblieben war. Er antwortete: »Nein, Sie sollen nicht allein
+bleiben,« und er rief den Jägern, welche sich fort machten, nach:
+»Jungens, halt, ein Schuft, der wegläuft!« Nachdem er diese Worte
+einigemal nachgerufen hatte, kamen sie alle zurück und kämpften
+als brave Burschen. Die Amerikaner, welche fortwährend ein
+ununterbrochenes Feuer unterhalten hatten, waren die schreckliche
+Verlegenheit, in der ich gewesen war, nicht gewahr geworden. Kapitän
+Wreden und die leichte Infanterie von der englischen Garde unter
+Oberst Osborne kam zu unserer Unterstützung, und die Amerikaner wurden
+mit grossem Verlust zurückgeworfen und beinahe bis nach Boundbrook
+getrieben.« Jäger Bauer, der bei dieser Gelegenheit bei Ewald stand,
+war ein unbedeutend aussehender Bursche aus dem Anspacher Distrikt.
+Ewald hatte sich erst geweigert, ihn in seine Kompagnie einzustellen
+wegen seines Äussern, doch hatte er sich durch die Vorzüglichkeit
+seines Schiessens bewegen lassen ihn einzureihen. Kurz nach der oben
+erwähnten Affaire gab Bauer einen andern Beweis seiner Verwegenheit.
+Am Morgen des 25. Mai fiel Ewald mit einer Abteilung von 11 Jägern und
+30 Dragonern in einen Hinterhalt in der Nähe von Boundbrook. Sie
+wurden umzingelt und waren in Gefahr gefangen genommen zu werden, und
+gerade in diesem Moment stürzte Ewalds Pferd und der Kapitän lag auf
+dem Wege. Als die Jäger, die eine kleine Strecke entfernt waren, das
+Pferd ihres Kapitäns reiterlos auf sie loskommen sahen, erschien Bauer
+mit zwei Andern plötzlich, um den verletzten Offizier in Sicherheit
+zu bringen. Sie trugen ihn mitten im Kugelregen zurück, und als sie
+ihn an einen sicheren Ort gebracht hatten, bemerkte Bauer, dass Ewalds
+Hut fehlte. »Wir müssen ihn wiederkriegen, sagte er, »oder sie werden
+morgen den Hut unseres Hauptmanns im Triumph nach Boundbrook
+hineintragen.« Sie liefen wieder zurück und brachten wirklich den Hut
+trotz aller Kugeln zurück.
+
+Ewald versichert, dass Oberst Reed vor dem Überfall von Trenton Donop
+zweimal besuchte, unter dem Vorwand, Gefangene auszuwechseln, aber in
+Wirklichkeit um zu rekognoszieren. Er erzählt darüber die folgende
+Geschichte:
+
+»In derselben Weise kamen die beiden Obersten Hamilton und Schmidt mit
+einem Trompeter an den Posten, welchen ich bei New-Brunswick in Jersey
+im Anfang der Campagne von 1777 festhielt, nachdem General Howe von
+New-Brunswick nach Milztown vorgegangen und wieder zurückmarschiert war.
+Sie hatten unwichtige Briefe an General Grant von zwei englischen
+Offizieren seiner Brigade, welche am Tage vorher durch ihre eigene
+Schuld gefangen genommen worden waren, indem sie zum Vergnügen
+umhergeritten waren. Ich gab diesen beiden Herren, welche sehr elegante
+und höfliche Leute waren, zu verstehen, dass ich ihre Absicht wohl
+gemerkt hätte, und gab ihnen den wohlgemeinten Rat, sich so schnell als
+möglich fortzumachen und mich so bald nicht wieder zu besuchen. Hierüber
+schienen sie sehr erstaunt zu sein, befolgten aber meinen Rat mit
+grosser Eile. Ich würde sie sicherlich zur Verhaftung nach dem
+Hauptquartier mit verbundenen Augen geschickt haben, wenn ich nicht
+gewusst hätte, dass das Volk über eine so weise Massregel gegen
+Amerikaner gelacht haben würde. Das Beste wäre, wenn solche Herren zu
+unpassender Zeit mit Botschaften kommen, sie wenigstens für einen halben
+Feldzug mit sich zu nehmen.«
+
+Ich glaube nicht im mindesten, dass Hamilton zu den britischen Vorposten
+mit der Absicht gegangen war, die ihm hier unterstellt wird, und ich
+glaube sicher, es geschah, wenn er es that, ohne Mitwissen von
+Washington. Indessen hat man keinen Grund zu bezweifeln, dass ihm Ewald
+argwöhnte und ihn in der beschriebenen Weise entliess.
+
+Es wurden nun im Winter von 1776 auf 77 Unterhandlungen eingeleitet,
+infolge deren Generallieutenant von Heister abberufen wurde von dem
+Kommando über die hessischen Truppen und Generallieutenant von
+Knyphausen ihm folgte. Lord Suffolk hatte auf die Rückberufung gedrungen
+aus dem Grunde, weil Sir William Howe nicht zufrieden war mit Heister.
+Inwieweit Sir Williams Abneigung gegen ihn an rein persönlichen Gründen
+gelegen hat, oder in wieweit der Argwohn gerechtfertigt sein mag, dass
+Heister zu sehr »auf die Erhaltung der unter seinem Befehl stehenden
+Truppen« bedacht war, ist jetzt vielleicht nicht mehr möglich zu
+entscheiden. Aber wir wissen, dass Howe bereits vor der Affaire von
+Trenton mit Heister unzufrieden war, zu einer Zeit, als die englischen
+Verluste entschieden schwerer gewesen waren als die hessischen. Heister
+hatte durch den Vertrag zwischen dem König von England und dem Landgraf
+das Recht des unmittelbaren Befehls über ungefähr die Hälfte von Sir
+William Howes Armee. Die Abmachungen in dem Vertrage waren unbestimmt
+genug, um zu vielen Streitfragen Anlass zu geben. Heister soll
+widerspenstig gewesen sein. Jedenfalls kam er mit seinem
+Oberbefehlshaber nicht gut aus. Dies dürfte ein genügender Grund gewesen
+sein, um ihn abzuberufen.
+
+Die englische Regierung zog es vor, nicht offen mit dieser Sache
+hervorzutreten, sondern die Rückberufung wurde durch den Landgraf
+veranlasst auf Grund von Heisters Gesundheit und Alter und nur »für eine
+gewisse Zeit«. Es war aber wohl begreiflich, dass der alte General in
+Ungnade von dannen ging. Der Landgraf schreibt an Knyphausen: »Nichts
+als die vollkommene Vernachlässigung aller Ordnung und Disziplin kann
+diese Schande (von Trenton) über uns gebracht haben. Ich halte es für
+sehr nötig, über die Sache mit Generallieutenant von Heister zu
+sprechen, und seine Gesundheit ist obendrein für das Klima dort drüben
+nicht stark genug. Ich schreibe ihm deshalb, hierher zu kommen für eine
+gewisse Zeit und übertrage das Kommando ad interim über meine Truppen in
+Amerika auf Sie.« Heister verstand vollkommen, dass er in Ungnade
+gefallen war und starb zwei Monate, nachdem er Cassel erreicht hatte,
+aus Kummer und Sorge.
+
+Im Anfang des Frühjahrs 1777 beliefen sich die wirklichen Besitzungen
+des Königs von England auf amerikanischem Boden auf folgende: Im Staate
+New-York: die Insel im Hafen und etwa ein kleines Stück von West Chester
+County bei Kings Bridge. In New-Jersey: Amboy, New-Brunswick und Paulus
+Hook. In Rhode Island die eigentliche Insel. Aber die Wichtigkeit dieser
+Posten war ausser allem Verhältnis zu ihrer Ausdehnung. Sir William Howe
+kommandierte eine nach modernen Begriffen allerdings kleine Armee, die
+aber gross genug war um die von Washington an Zahl zu übertreffen, und
+die aus disziplinierten Truppen, darunter viele Veteranen, gebildet war,
+während die amerikanische Armee eine veränderliche, hauptsächlich aus
+Milizen bestehende Masse war. Der Kongress hatte an einem der letzten
+Tage des Jahres 1776 bestimmt, dass Washington bevollmächtigt sei,
+auszuheben, zu organisieren und mit Offizieren zu versehen: 16
+Bataillone Infanterie, 3000 Mann leichte Kavallerie, 3 Regimenter
+Artillerie und ein Korps von Ingenieuren. Aber diese Truppen, die erste
+Armee der vereinigten Staaten, als solche, zusammen mit den 88
+Bataillonen, welche gleichzeitig von den einzelnen Staaten aufgestellt
+werden sollten, existierten bis jetzt hauptsächlich auf dem Papier. Am
+14. März 1777 schreibt Washington an den Kongress: »Nach der genauesten
+Schätzung, welche ich machen kann, erreicht unsere Gesamtstärke in
+Jersey, welche augenblicklich dienstfähig ist, nicht die Zahl 3000.
+Diese, ausgenommen 981 Mann, sind Milizen und bleiben nur bis zum
+letzten dieses Monats zum Dienst verpflichtet. Die Truppen, die in der
+Ausbildung begriffen sind, belaufen sich, einschliesslich des Personals,
+auf ungefähr 1000.« Sir William Howes Armee kann zu dieser Zeit
+schwerlich weniger als 25 000 Mann betragen haben.
+
+Die Handvoll Leute, welche die Sache der Freiheit Amerikas aufrecht
+erhielt, war ohne Geld, ohne Kredit, oft ohne Kleidung. Gegen diese
+wurde die Kriegsmacht eines grossen Reiches gesetzt, die Loyalität,
+angefeuert durch eine alte Monarchie, einen unbegrenzten Kredit,
+unberechenbare Hülfsquellen. Eine zweite britische Armee bereitete sich
+vor, von Kanada aus mit der von Sir William Howe zusammen zu operieren
+und, indem sie die Hudson-Linie besetzte, das Land in zwei Teile zu
+teilen. Die Amerikaner konnten nicht auf fremde Hilfe rechnen, bis sie
+nicht die Fähigkeit, sich selbst zu helfen, gezeigt hätten. Ihre
+Hoffnung konnte sich nur gründen auf die eigene Standhaftigkeit, und auf
+den Genius und die patriotische Tapferkeit ihres grossen Führers.
+
+
+
+
+Kapitel X.
+
+Die Braunschweiger in Canada 1776.
+
+
+Das Braunschweigische Kontingent der deutschen Truppen, welches von
+England zur Unterdrückung der Revolte in ihren Nord-Amerikanischen
+Kolonien gedungen war, wurde von Baron Friedrich Adolph von Riedesel
+befehligt. Er stammte aus einer adeligen hessischen Familie und war im
+Jahre 1738 geboren. Im Alter von 15 Jahren war er nach Marburg geschickt
+worden, um Rechtswissenschaft zu studieren, obschon er kaum schreiben
+konnte und nur einige wenige lateinische Brocken gelernt hatte. Ein
+Bataillon hessischer Infanterie stand damals in Marburg, und Riedesel
+sah lieber den Soldaten zu, als dass er den Professoren der Universität
+zuhörte. Der Major, der die Bekanntschaft des Jungen gemacht hatte,
+hoffte ihn als Rekruten zu bekommen. Er gab Riedesel den Rat, in seine
+Kompagnie mit der Aussicht auf Avancement einzutreten und sagte ihm
+obendrein, dass er mit seinem Vater gut bekannt sei und an ihn schreiben
+würde, um seine Einwilligung zu diesem Plane zu erbitten. Kurz darauf
+sagte der Major zu Riedesel, dass er von seinem Vater gehört, er habe in
+seine Einstellung eingewilligt. Der Junge war über diese Nachricht
+entzückt und wurde sofort für den Dienst gemustert. Indessen, als er
+seinem Vater schrieb, um sich zu bedanken, erhielt er eine sehr
+enttäuschende Antwort. Baron von Riedesel hatte nie etwas von dem Major
+gehört und hätte nie seinem Sohn die Erlaubnis gegeben, den für ihn
+gewählten Beruf zu verlassen. Nun aber, da der junge Mann in den Dienst
+eingetreten sei, erforderte es die Ehre, seinen Farben treu zu bleiben,
+aber er brauchte auf keine weitere Unterstützung von Seiten seines
+Vaters zu rechnen. Es blieb dem jungen Riedesel nichts übrig, als sich
+in sein Schicksal zu fügen. Die ganze Angelegenheit ist nur ein Beispiel
+von dem deutschen Rekrutierungs-System der damaligen Zeit.
+
+Der Landgraf von Hessen-Cassel, hatte einige seiner Regimenter an
+England geliehen. Riedesel ging mit seinem Bataillon dorthin mit dem
+Rang als Fähnrich. Er war indessen nicht so lange dageblieben, um die
+Sprache vollkommen zu erlernen, denn sein Regiment war nach Deutschland
+zurückbeordert worden, um am siebenjährigen Kriege Teil zu nehmen, in
+welchem England mit Preussen und einige kleinere deutsche Staaten
+Frankreich, Österreich, Russland und Schweden gegenüberstand. Von dieser
+Zeit an war Riedesels Avancement rapide. Er wurde ein Günstling von
+Prinz Ferdinand und vertauschte den hessischen Dienst mit dem
+braunschweigischen. Beim Ausbruch der amerikanischen Revolution war er
+bis zum Range eines Obersten aufgestiegen und wurde General an dem Tage,
+an dem er an der Spitze des Kontingents aus Braunschweig nach Amerika
+ausmarschierte.
+
+Riedesel sah nichts Entehrendes in der Thätigkeit, zu der er berufen
+war. Er war Soldat von dem Typus, der dem 18. Jahrhundert eigen ist, und
+in militärischen Dingen kannte er nichts anderes als seine Befehle. Er
+war überdies ein zärtlicher Gatte und Vater, und seine Frau und Kinder
+sollten ihm nach der Neuen Welt nachfolgen, sobald es die Gesundheit der
+ersteren erlauben würde. »Liebste Frau,« schrieb er von seinem ersten
+Halt, »nie habe ich mehr gelitten, als heute früh bei meiner Abreise.
+Mein Herz brach mir, und hätte ich zurückgekonnt, wer weiss was ich
+gethan hätte! Aber, meine Liebe, Gott hat mir diesen Beruf gegeben, ich
+muss ihm folgen; Pflicht und Ehre verbinden mich dazu; man muss sich
+also trösten und nicht murren.«
+
+General Riedesel brach von Braunschweig am 22. Februar 1776 nach Stade
+an der Elbe auf, an der Spitze von 2282 Mann. Die Truppen wurden
+zwischen dem 12. und 17. März eingeschifft und gingen am 22. März in
+See. Es waren 77 Soldatenfrauen mit dieser Division. Der Rest des
+braunschweigischen Kontingents marschierte im Monat Mai nach Stade. Die
+einzelnen Teile zusammen beliefen sich auf die Gesamtsumme von 4300
+Mann. Das Regiment von Hessen-Hanau, 668 Mann stark, schloss sich der
+Expedition in Portsmouth an. Die Braunschweiger wurden besichtigt und
+für den englischen Dienst gemustert durch den Oberst Faucitt, welcher
+von dem Aussehen der Soldaten nicht befriedigt war. Viele waren zu alt,
+viele nur halbwüchsige Jungen. Die Uniformen der ersten Division waren
+so schlecht, dass die englische Regierung gezwungen war, Riedesel 5000 £
+vorzuschiessen, um die Leute in Portsmouth neu auszurüsten. Er wurde von
+den englischen Lieferanten betrogen, denn als man die Kisten mit Schuhen
+auf der See öffnete fand man Damenschuhe darin enthalten. Für einen
+Feldzug in Canada waren keine Mäntel vorgesehen. Neue Uniformen für die
+erste Division wurden im Laufe des Sommers nachgeschickt.
+
+Der General war von dem Geiste seiner Truppen sehr befriedigt. »Ich
+weiss die Zufriedenheit unserer Soldaten nicht genugsam zu beschreiben,
+-- -- alles ist munter und guter Dinge,« schreibt er von Bord des
+Schiffes aus an seinen alten Chef, Prinz Ferdinand von Braunschweig.
+Bald indessen gesellte sich die Seekrankheit zu der Unbequemlichkeit auf
+den vollgepfropften Schiffen. »Die Soldaten sind meistens alle seekrank
+gewesen. Die meisten sind es noch, wie auch meine Leute«, schreibt
+Riedesel an seine Frau von Dover aus. »Der arme Koch ist es so sehr,
+dass er gar nicht arbeiten, ja nicht einmal den Kopf aufheben kann. Das
+ist eine grosse Unbequemlichkeit für uns, denn Kapitän Foy und ich
+müssen unsere Küche selbst besorgen, welches Dich belustigen würde, wenn
+Du es sähest.« Vor Beendigung der Reise war das Wasser verdorben.
+
+Die Flotte von 30 Schiffen lichtete die Anker in Portsmouth am 4. April
+und kam vor Cap Gaspé am 16. Mai an, vor Quebec am 1. Juni. Riedesel
+erhielt hier das Kommando über ein besonderes Korps, welches aus 1
+englischen und 2 deutschen Bataillonen mit 150 Canadiern und 300
+Indianern bestand und den St. Lawrence-Strom entlang zwischen Quebec und
+Montreal postiert war. »Das hiesige Land wird Dir sehr gefallen; es ist
+so schön, wie es nur sein kann,« schreibt Riedesel am 8. Juni an seine
+Frau; und weiter sagt er am 28.: »Du wirst die Gegenden hier herrlich
+finden, nur schade, dass die Kolonien noch in ihrer Kindheit sind, und
+man also Gemüse, Obst und andere dergleichen zu einem guten Tisch
+gehörige Sachen sehr selten findet; Fleisch, Geflügel und Milch aber hat
+man im Ueberfluss. Die Häuser sind alle nur von einem Stockwerk, haben
+aber inwendig viele Zimmer und sind sehr reinlich. Die Einwohner sind
+überaus höflich und dienstfertig, und ich glaube nicht, dass unsere
+Bauern bei einer ähnlichen Gelegenheit sich so artig bezeigen würden.«
+
+Nachrichten bekam man zu jener Zeit so spät, dass die Niederlage von
+Montgomery und Arnold vor Quebec am 31. Dezember 1775 in England noch
+nicht bekannt war, als die Flotte von dort absegelte. Riedesel und seine
+Begleiter hörten erst davon auf ihrem Wege den St. Lawrence-Strom
+hinauf. Kurz nach ihrer Ankunft wurde Canada von den »rebellischen«
+Truppen bis zum Nordende von Lake Champlain gesäubert, auf welchem See
+die Amerikaner eine Flotte improvisirt hatten, bestehend aus 4
+Schaluppen, 8 »Gondolas« und 3 Ruder-Galleeren. Den Sommer brachten die
+Briten damit zu, Kriegs- und Transportschiffe zu bauen, um den See
+hinauf vorzudringen. Die Truppen wurden einquartiert oder in Lager
+untergebracht den St. Lawrence- und Richelieu-Fluss entlang, und nur ein
+bedeutendes Scharmützel vermochte die gewohnte Thätigkeit des Drillens
+und Schanzenbaues und des gleichzeitig fortschreitenden Bootsbaues durch
+Rückwärtsmarschieren zu unterbrechen.
+
+Am 23. Juni wohnte General Riedesel einer feierlichen Versammlung bei in
+der früheren Jesuitenkirche in Montreal von General Carleton, dem
+Gouverneur von Canada und den Häuptlingen der fünf Nationen. Alle
+höheren Offiziere der Armee waren dazu eingeladen worden und ungefähr
+300 Indianer waren anwesend. Die europäischen Offiziere waren mit
+Stühlen auf dem Chor der Kirche versehen, der Gouverneur in der Mitte,
+den Hut auf dem Kopfe. Die Indianer sassen auf Bänken im Mittelschiff
+der Kirche und rauchten ihre Pfeifen. -- Nachdem Reden gehalten und
+verdolmetscht waren, wurden die Dienste der Indianer durch den
+englischen General angenommen, und es wurden ihnen Stellungen
+angewiesen. Die Indianer reichten den europäischen Offizieren die Hände,
+und den Generalen Carleton, Burgoyne und Phillips wurden Skalpe von
+Rebellen geschenkt. Was die englischen Herren mit diesen reizenden
+Geschenken ihrer menschenfreundlichen Bundesgenossen thaten, ist nicht
+ersichtlich. Bei einer späteren Zusammenkunft, die General Carleton mit
+Indianern mehr von Westen her abhielt, erschien einer von diesen in der
+Uniform des General Braddock, welchen er getötet zu haben behauptete.
+
+Von Montreal sagt Riedesel: »Diese Stadt ist in der That etwas feiner
+als Quebec und hat ungefähr 1600 Häuser. Sie ist von nichts anderem
+umgeben als einer Mauer mit Schiessscharten für Kanonen und Musketen,
+und was man Citadelle nennt ist ein Blockhaus in sehr schlechter
+Verfassung. Diese Werke waren im Jahre 1736 angefangen worden. Die ganze
+Insel Montreal, gleichwie auch die Stadt gehören dem Seminar.... In der
+Nähe dieses Seminars ist der beste Garten von ganz Canada, aber er ist
+nicht besser angelegt, als der von einer Privatperson bei uns zu Hause.
+Sie haben die meisten Arten der europäischen Pflanzen hier.« --
+
+Schliesslich war am 9. September der Transport fertig, um auf dem Lake
+Champlain vorzudringen. Es war indessen notwendig, wegen der
+Kriegsfahrzeuge noch einen Monat länger zu warten. Sobald diese
+vollzählig waren, übertrafen sie die der Amerikaner um mehr als das
+doppelte, sowohl an Zahl als an Gewicht. Sie waren mit aufgegriffenen
+englischen Seeleuten bemannt, während die Schaluppen und Gondolas unter
+Benedict Arnold meistens von Nicht-Seeleuten bemannt und befehligt
+waren. Das Resultat war vorauszusehen. Arnold wählte am 10. Oktober
+1776 eine unvorteilhafte Stellung zwischen Valcour Island und dem
+westlichen Ufer des Sees. Hier bestand er einen ungleichen Kampf am 11.
+und von da entwischte er in der folgenden Nacht, verwegen durch die
+Linie der britischen Flotte hindurchschlüpfend. Am 13. wurde er in der
+Nähe der Insel der vier Winde von Carleton eingeholt. Einige der Boote
+zertrümmerten, andere wurden auf den Strand gesetzt und verbrannt; nur
+fünf entkamen. Arnold und sein Haufe bewiesen die grösste Tapferkeit bis
+zu Ende; aber Tapferkeit allein konnte den Mangel an Seetüchtigkeit und
+die Minderzahl nicht ausgleichen. Einige von den Deutschen nahmen an dem
+Seegefecht vom 11. teil, und eins der Schiffe, auf dem die Hanauer
+Artillerie war, wurde durch das amerikanische Feuer zum Sinken gebracht.
+Die Soldaten und Seeleute, welche es bemannten, wurden indessen durch
+ein anderes Boot gerettet. --
+
+Unmittelbar nach diesem Seekampf besetzte Carleton Crown Point ohne
+Gegenwehr. Streifparteien wurden bis in die Nähe von Ticonderoga
+vorgetrieben. Riedesel war am 22. oder 23. Oktober dieser Festung so
+nahe, dass er sie von einem Hügel aus vollkommen sehen konnte. Er
+dachte, sie könnte wohl leicht von der britischen Armee in Canada
+genommen werden, wenn die ganze Armee in Bewegung gesetzt werden würde,
+doch er rechnete die Stärke der eigentlichen Besatzung entschieden zu
+hoch. Sir Guy Carleton hielt es für zu spät, in diesem Herbst weitere
+Eroberungen zu unternehmen. Selbst Crown Point verliess er und zog sich
+nach der Nordspitze des Sees zurück.
+
+Die Truppen wurden in Winterquartiere gelegt, die Deutschen den
+Riechelieu-Fluss entlang und in die Umgebung des Sees St. Pierre.
+Riedesels Hauptquartier war in Trois-Rivières. Man bemühte sich, die
+Anwesenheit der Soldaten nicht zu schwer auf den Einwohnern lasten zu
+lassen, abgesehen von denen, die Sympathien mit den Rebellen gezeigt
+hatten. Eine strenge Disziplin wurde aufrecht erhalten. Die Soldaten
+empfingen ihre Verpflegung und fällten sich ihr Holz zum Feuern in den
+Wäldern. Die Arbeit des Tragens des Holzes, sobald es gefällt worden war
+und des Kochens scheint den Einwohnern obgelegen zu haben. Die Soldaten
+waren versehen mit langen Hosen von dickem Tuch, die bis hoch zum Leibe
+hinauf reichten, und mit warmen Fausthandschuhen und Kapuzen.
+
+Die zweite Braunschweigische Division war im September nach einer langen
+und stürmischen Ueberfahrt in Canada angelangt. Offiziere und Leute
+waren schliesslich auf halbe Ration von verdorbenen Lebensmitteln
+gesetzt worden. Als die Division von ungefähr 2000 Mann in Quebec ankam,
+waren 19 Mann gestorben und 131 krank an Scorbut.
+
+Der lange Canadische Winter brach unmittelbar darauf herein. Er wurde
+von Riedesel zur Ausbildung der Truppen verwendet wenn das Wetter es
+erlaubte, besonders zur Ausbildung im Schiessen. Er hatte bemerkt, dass
+die Amerikaner bessere Schützen als die Deutschen waren, und er bemühte
+sich eifrig, diesem Mangel bei seinen Soldaten abzuhelfen. Im Laufe des
+Winters reiste er über 1800 Meilen im Schlitten, um die zerstreut
+liegenden Detachements zu besichtigen, und um General Carleton in Quebec
+und Montreal seine Aufwartung zu machen. An ersterem Orte war er am 31.
+Dezember 1776, als ein feierlicher Gottesdienst in der Kathedrale
+gehalten wurde zum Andenken an die Befreiung der Stadt von Arnold und
+Montgomery an diesem Tag des vergangenen Jahres. Die Feierlichkeit wurde
+geleitet von dem Bischof, und 8 unglückliche Canadier mussten öffentlich
+Busse thun, mit Stricken um den Hals, und Gott, die Kirche und König
+Georg um Verzeihung bitten dafür, dass sie den Amerikanern beigestanden
+hatten.
+
+Während des zweiten Teils des Winters gab Riedesel in Trois-Rivières
+jede Woche einen Ball, teils um sich die Zuneigung der Einwohner zu
+erwerben, teils um seine Offiziere von Thorheiten abzuhalten. Der 20.
+Januar, der Geburtstag der Königin von England, wurde mit grossem Pomp
+gefeiert. 40 Gäste waren zum Diner geladen. Gesundheiten wurden in
+Champagner ausgebracht, und eine kleine Kanone wurde nach jedem Toast
+abgefeuert wie im ersten Akte von »Hamlet«. Am Nachmittag und Abend war
+ein Ball, zu welchem nicht weniger als 37 Damen erschienen. Diesen wurde
+des Abends ein Souper serviert, wobei ihnen die Herrn aufwarteten.
+»Demoiselle de Tonnencour«, schreibt ein Augenzeuge, »erhöhte ihre Reize
+durch ihre Juwelen, aber die arme Demoiselle R--e, in ihrem schäbigen
+baumwollenen Kleid, wurde vor vielen von uns vorgezogen wegen ihrer
+natürlichen und angenehmen Art und ihrer schönen Stimme. Sie müssen
+wissen, lieber Herr, dass die kanadischen Schönen französische und
+italienische Lieder an der Tafel singen, und dass bereits mehrere Lieder
+zu Ehren von General Riedesel geschrieben und komponiert worden sind,
+und dass diese oft in Trois-Rivières gesungen werden«. Auf diese Weise,
+mit Dienst und Vergnügen, gingen die Monate dahin bis zu Anfang Juni
+1777, wo sich eine ereignisreiche Campagne für die Braunschweiger
+eröffnete.
+
+
+
+
+Kapitel XI.
+
+Baronin Riedesels Reise 1776 und 1777.
+
+
+Die Baronin von Riedesel war aufgebrochen, um sich mit ihrem Gemahl zu
+vereinigen und hatte ihre drei kleinen Töchter mit sich genommen, von
+denen die Älteste erst 4 Jahre und 9 Monate alt war und die Jüngste ein
+Säugling von 10 Wochen. Die Reise von Deutschland nach Kanada war in
+jenen Tagen keine leichte Sache, sie war weder frei von unberechenbaren
+wie wirklichen Gefahren. »Man stellte mir nicht allein die Gefahren zur
+See vor, sondern sagte mir auch, dass wir besorgen müssten von den
+Wilden gefressen zu werden; dass man sich in Amerika mit Pferdefleisch
+und Katzen ernährte; und doch schreckte mich alles dieses noch weniger
+als der Gedanke, in ein Land zu kommen, wo ich die Sprache nicht
+verstand. Inzwischen war ich auf alles gefasst, und der Gedanke, meinem
+Manne zu folgen und meine Pflichten zu erfüllen, hat mich im ganzen Lauf
+meiner Reise aufrecht erhalten.«
+
+Die Baronin verliess Wolfenbüttel in der Nähe von Braunschweig am 14.
+Mai 1776 und reiste über Calais nach England. »In Mastricht warnte man
+mich, auf meiner Hut zu sein, weil die Wege durch Strassenräuber sehr
+unsicher gemacht wurden, deren in vierzehn Tagen 130 teils gehängt,
+teils auf andere Art hingerichtet worden, welches aber noch nicht der
+vierte Teil von denen wäre, die sich noch da befänden; und dass man sie
+gleich ohne weiteren Prozess auf den Landstrassen und an den Orten
+aufhinge, wo sie ihr Wesen trieben. Diese Nachrichten setzten mich sehr
+in Furcht, und ich nahm mir vor, nicht bei Nachtzeit zu reisen; da ich
+aber sehr schlechte Pferde bekam, so musste ich doch in der Dämmerung
+durch einen Wald, wo etwas hängendes mir durch das offene Fenster in den
+Wagen hineinschlug. Ich fasste darnach, und als ich etwas rauhes fühlte,
+fragte ich was es sei? -- Es war ein Gehängter mit wollenen Strümpfen.
+Noch ganz erschrocken darüber, wurde mir noch weit mehr angst, als man
+vor einem ganz einsam stehenden Hause in diesem nämlichen Walde stille
+hielt, wo die Postillons nicht weiter fahren wollten. Der Ort hiess
+Hune, ich werde es nie vergessen! Ein Mann von ziemlich verdächtigem
+Aussehen empfing uns und führte uns in eine sehr abgelegene Stube, wo
+ich nur ein Bett fand.
+
+Es war kalt, ich liess also Feuer in einem grossen Kamin machen; unser
+ganzes Abendbrod bestand in Thee und in sehr grobem Brode. Mein treuer
+Rockel (ihr alter Diener) kam zu mir mit einem sehr ängstlichen Gesicht
+und sagte mir: »Hier ist's nicht richtig! es ist da eine Kammer voller
+Gewehre, ich glaube die andern Leute sind aus; gewiss sind es
+Spitzbuben! Ich werde aber die Nacht vor ihrer Kammer mit meinem Gewehr
+sitzen und werde mein Leben teuer verkaufen. Der andere Bediente soll in
+der Kutsche sitzen auch mit seinem Gewehr.« Alles dieses machte
+natürlich meinen Schlaf nicht ruhig, ich hatte mich auf einen Stuhl
+gesetzt und den Kopf auf das Bett gelegt. Doch schlief ich endlich ein,
+und wie gross war mein Entzücken beim Erwachen, als man mir um 4 Uhr des
+Morgens zu sagen kam, dass alles zur Abreise fertig sei, und ich darauf
+den Kopf zum Fenster herausstreckte, und in dem Walde, worin wir uns
+befanden, eine Menge Nachtigallen um uns her bemerkte, welche durch
+ihren angenehmen Gesang mir alle meine überstandene Angst vergessen
+machten.«
+
+Solcher Art waren die Unbequemlichkeiten einer Reise auf dem Kontinent
+vor 100 Jahren. Wir werden gleich sehen, was für unangenehme Abenteuer
+Fremde in England zu gewärtigen hatten. Die Baronin gelangte glücklich
+von Calais hinüber nach Dover und erreichte London mit der Post. Der
+Hotelbesitzer in Calais hatte ihr gesagt, dass es nicht sicher für sie
+sei, allein zu reisen und, nachdem er so gethan hatte, als wenn er
+eifrig gesucht hätte, stellte er ihr einen Mann vor, von dem er vorgab,
+dass er ein Gentleman sei, der eingewilligt hätte, die Begleitung zu
+übernehmen. Dieser begleitete sie bis London, wo sie in dem 4. Stock
+eines Hotels einlogiert wurde, obwohl sie gute Räume verlangt hatte. In
+ihrem Tagebuch sagt sie: »Den Tag darauf kam mein Hauswirt mit einer
+ganz verschämten Miene zu mir und fragte mich sehr ehrerbietig, ob ich
+den Menschen kenne, mit welchem ich gekommen wäre, und den ich ihm
+empfohlen so gut zu bewirten (denn ich hatte es für unschicklich
+gehalten, ihn in London mit mir essen zu lassen). Ich sagte ihm, dass es
+ein Edelmann wäre, der auf die Bitte des Herrn Guilhaudin, meines Wirts
+in Calais, mir die Gefälligkeit erzeigt hätte, mich auf der Reise zu
+begleiten. Ha! erwiederte er, dies ist einer von seinen Streichen! Es
+ist ein Lohnbedienter, ein Erzgauner, den er dazu gebraucht, seine
+Geschäfte zu machen; und wie ich Sie mit diesem Menschen im Wagen sitzen
+sah, als Sie ankamen, so muss ich Ihnen bekennen, dass ich nicht
+glaubte, dass Sie das wären, wofür Sie sich ausgäben, und also dafür
+hielt, dass diese Stuben gut genug für Sie sein würden; da ich jetzt,
+nach den Leuten, die zu Ihnen kommen, urteilen kann, dass ich mich
+geirrt habe: so bitte ich Sie sehr um Verzeihung, und ersuche Sie andere
+anzunehmen, für welche Sie mir nicht mehr bezahlen sollen, als für diese
+hier; so sehr wünsche ich mein Versehen wieder gut zu machen. Ich dankte
+ihm und bat, dass er mich doch sobald als möglich von dem Menschen
+befreien sollte, der mir aber doch noch 4 oder 6 Guineen (ich erinnere
+mir nicht mehr genau wie viel es war) für seine Begleitung abforderte.«
+
+Baronin Riedesel hatte Bekannte in London getroffen unter anderen
+Schlieffen, den Gesandten des Landgrafen von Hessen-Cassel, den Mann,
+der das grösste Geschäft bei dem Verkauf von deutschen Truppen an
+England gemacht hatte. Sie verkehrte etwas in der Gesellschaft, war aber
+wegen ihrer kleinsten Tochter viel an das Haus gefesselt. »Eines Tages«,
+schreibt sie, »hatte ich eine unangenehme Geschichte in London. Man
+hatte mir gerathen, dass ich mir ein kleines Mäntelchen und Hut kaufen
+sollte, ohne welche ich nicht ausgehen könnte. Ich war zum Essen beim
+Herrn von Hinüber, dem hannöverischen Minister. Seine Frau schlug mir
+einen Spaziergang nach St. James vor, versäumte aber, mir vorher zu
+sagen, was in unserer Kleidung wider das englische Kostüm war. Gustchen
+war nach französischer Art gekleidet, trug einen kleinen Panier
+(Reifrock) und einen hübschen, kleinen, runden Hut. Ich bemerkte, dass
+man fast mit Fingern auf uns wies und fragte nach der Ursache. Sie sagte
+mir, ich hätte einen Fächer, welchen man mit einem Hut nicht tragen
+dürfe, und meine Kleine wäre zu geputzt, daher man uns für Franzosen
+hielte, die hier schlecht angeschrieben wären.«
+
+»Den Tag darauf ging ich wieder dahin, und wir waren alle ganz auf
+englische Art gekleidet, also glaubte ich, dass man uns nicht bemerken
+würde; ich irrte mich aber, denn ich hörte wieder rufen: French women!
+pretty girl! (Französinnen! hübsche Mädchen!) Ich fragte den
+Lohnbedienten, warum man uns für Französinnen hielt, und erfuhr, dass es
+deshalb wäre, weil ich meinen Kindern Bänder angesteckt hatte. Ich riss
+sie ab und steckte sie in die Tasche, aber man begaffte mich immer noch,
+und ich hörte, dass es wegen der Hüte war, welche die Kinder in England
+von einer anderen Form trugen. Ich sah daraus, wie nötig es war, sich
+nach der Sitte des Landes zu richten, um mit Annehmlichkeit dort zu
+sein, denn der Mob (Pöbel) läuft gleich zusammen, und wenn man sich mit
+ihm in Wortwechsel einlassen wollte, so setzte man sich Beschimpfungen
+aus.«
+
+Einige Tage später reiste die Baronin nach Bristol. Sie schreibt:
+»Gleich den Tag nach meiner Ankunft rief mich meine Wirtin zu einem (wie
+sie es nannte) allerliebsten Schauspiel. Wie ich ans Fenster trat,
+erblickte ich zwei nackte Menschen, die sich mit der grössten
+Erbitterung boxten. Ich sah wie ihr Blut floss und wie die Wuth in ihren
+Augen gemalt war. Zu wenig an einen solchen hässlichen Anblick gewöhnt,
+zog ich mich geschwind in den innersten Winkel des Hauses zurück, um
+nicht das Freudengeschrei zu hören, das die Zuschauer dabei machen, wenn
+einer einen Stoss bekommt. Während meines Aufenthalts in Bristol hatte
+ich einen unangenehmen Auftritt. Ich trug ein zitzenes Kleid mit einem
+Besatz von grünem Taft. Dieses mochte den Bristolern als etwas zu
+Fremdes aufgefallen sein, denn wie ich eines Tages mit Madame Foy
+spazieren ging, versammelten sich über 100 Matrosen um uns, wiesen auf
+mich mit Fingern und riefen: French whore! (französische Hure!) Ich floh
+so geschwind als möglich in das Haus eines Kaufmanns, und nahm den
+Vorwand dort etwas zu kaufen; mittlerweile verlief sich das Volk wieder.
+Das verleidete mir aber mein Kleid, und wie ich wieder nach Hause kam,
+so schenkte ich es meiner Köchin, ob es gleich noch ganz neu war.«
+
+Frau von Riedesel blieb 10 Monate in England. Ihr Gemahl hatte ihr
+gesagt, dass sie nicht ohne Begleitung einer andern Dame reisen sollte,
+und hatte ihr die oben erwähnte Mrs. Foy empfohlen, die sich auch in
+Canada mit ihrem Mann vereinigen wollte. Diese Dame liess die Baronin
+den ganzen Sommer 1776 hindurch warten und weigerte sich schliesslich
+mit ihr zu gehen. Es war spät im Herbst und der Baronin Riedesel war
+angerathen, die Überfahrt nicht zu wagen, da sie den St. Lawrence-Strom
+mit Eis gesperrt finden möchte. Sie kehrte infolgedessen nach London
+zurück, wo sie bei liebevollen Menschen gute Wohnung fand und den
+folgenden Winter zubrachte. Die Sorge für ihre Kinder zwang sie, ein
+ruhiges Leben zu führen. Indessen wurde sie bei Hof vorgestellt, von
+welcher Ceremonie sie folgenden Bericht macht: »Man riet mir, an Hof zu
+gehen, da die Königin geäussert hätte, dass sie mich gern sehen wollte.
+Ich liess mir also eine Hofrobe machen, und Lady George Germaine
+präsentierte mich. -- Es war am Neujahrstage 1777. Ich fand das Schloss
+sehr hässlich und altfränkisch möbliert. Die Damen und Herren stellten
+sich alle in das Audienzzimmer; hierauf kam der König, welcher 3
+Kavaliere vor sich gehen hatte, in das Zimmer. Ihm folgte die Königin
+links herum. Beide gehen keinen vorbei ohne ihm was zu sagen. Am Ende
+des Saals begegnen sie sich, machen sich eine grosse Reverenz, und
+gehen dann ein jeder von ihnen dahin, wo der Andere hergekommen ist. Ich
+frug Lady Germaine, was ich zu thun hätte, und ob der König, wie ich
+gehört hätte, alle Damen küsste? Nein, antwortete sie mir, bloss die
+Engländerinnen und Marquisen, und man hat nichts weiter zu thun, als
+stille auf seinem Platz stehen zu bleiben. Wie nun der König an mich
+heran kam, war ich sehr verwundert, dass er mich küsste, und wurde
+darüber feuerrot, weil es mir ganz unerwartet kam. Er fragte mich
+sogleich, ob ich Briefe von meinem Mann hätte? Ich sagte: Ja, am 22.
+November. Er ist wohl, erwiederte er, ich habe mich express nach ihm
+erkundigt, jedermann ist mit ihm zufrieden, und ich hoffe, dass ihm die
+Kälte nichts schaden wird. Ich antwortete, ich glaubte und hoffte, dass,
+da er in einem kalten Klima geboren wäre, ihm die Kälte nicht so
+beschwerlich fallen würde. Ich hoffe es auch, sagte er; allein dieses
+versichere ich Ihnen, dass die Luft daselbst sehr gesund und klar ist.
+Hierauf machte er mir noch einen sehr freundlichen Gruss und ging
+weiter. Als er weg war, sagte ich der Lady Germaine, dass ich durch den
+Kuss des Königs nun naturalisiert wäre. Hernach kam die Königin, die
+auch sehr freundlich gegen mich war und mich fragte, ob ich schon lange
+in London wäre? Ich sagte »2 Monat«. »Ich glaubte schon länger«,
+erwiederte sie. Ich antwortete, »in London nur so lange, aber in England
+bereits 7 Monat.« Sie fragte, ob es mir hier gefiele? Ich sagte »ja;
+dass ich aber doch sehr wünschte, erst in Canada zu sein«. »Fürchten Sie
+sich denn nicht«, frug sie weiter, »vor der See? Ich liebe sie
+garnicht.« »Ich auch nicht«, erwiederte ich, »allein es ist kein ander
+Mittel, meinen Mann wiederzusehen, und ich werde mit Freunden reisen.«
+»Ich bewundere ihren Muth«, sagte sie, »denn es ist eine starke
+Unternehmung und sehr beschwerlich, zumal mit 3 Kindern.«
+
+»Aus dieser Unterredung sah ich, dass sie schon mehr von mir gehört
+hatte, und es war mir daher lieb, dass ich an den Hof gegangen war. Nach
+der Cour sah ich alle königlichen Kinder, bis auf eins, das krank war.
+Es waren ihrer 10, die ich alle bildschön fand.«
+
+»Ich ging nachher, da ich so gut aufgenommen worden, noch mehreremale
+hin. Als ich vor meiner Abreise nach Portsmouth, im Frühjahr, zu meiner
+Einschiffung von der Königin Abschied nahm, fragte sie mich nochmals, ob
+ich mich nicht vor einer solchen schrecklichen Reise fürchtete; und als
+ich ihr antwortete, dass, da mein Mann wünschte, dass ich ihm folge, ich
+es mit Mut und Vergnügen thäte, weil ich glaubte, meine Pflicht zu
+erfüllen und versichert wäre, dass sie an meinem Platz das nämliche thun
+würde; so sagte sie mir: »Ja, wie man mir aber schreibt, so thun Sie die
+Reise ohne Vorwissen ihres Mannes.« Ich erwiederte: »Da sie eine
+deutsche Prinzessin wäre, so würde sie wohl wissen, dass ich ohne den
+Willen meines Mannes dieses nicht hätte unternehmen können, weil mir das
+Geld dazu gefehlt haben würde.« »Sie haben Recht«, sagte sie, »ich
+billige Ihren Entschluss und wünsche Ihnen alles nur ersinnliche Glück.
+Wie ist der Name ihres Schiffes? Ich werde mich oft nach Ihnen
+erkundigen, und bei Ihrer Zurückkunft, hoffe ich, werden Sie mich
+besuchen.« -- Sie hat Wort gehalten und sich oft nach mir erkundigt und
+mich oft grüssen lassen.« --
+
+Baronin Riedesel schiffte sich am 15. April 1777 an Bord eines
+Kauffarteischiffes ein, welches in Gemeinschaft mit einer Flotte von 30
+Transportschiffen durch zwei Kriegsschiffe begleitet wurde. Sie kam nach
+einer ereignislosen Reise am 11. Juni in Quebec an. Nach einem Aufenthalt
+von nur einem halben Tage in Quebec reiste die unermüdliche Frau mit
+ihren drei kleinen Kindern auf schlechten Wegen und stürmischen Flüssen
+nach Chambly, wo sie schliesslich am 14. Juni ihren Gemahl fand. Sie
+konnten nur zwei glückliche Tage mit einander zubringen, weil die Armee
+im Vormarsch war, und die Baronin war genötigt nach Trois-Rivières
+zurückzukehren. Am 14. August traf sie indessen wieder bei der Armee ein,
+deren darauffolgendes Schicksal sie teilte. Ich will nur noch eins von
+ihren Abenteuern anführen, bevor ich zur Betrachtung der militärischen
+Operationen des braunschweigischen Kontingents zurückkehre:
+
+Die Baronin war von Trois-Rivières aufgebrochen, um sich mit ihrem Manne
+in Fort Edward am Hudson zu vereinigen. Die Gesellschaft reiste in 2
+Booten, von denen das eine mit dem Gepäck beladen war. Sie schreibt:
+»Die Nacht überfiel uns, und wir sahen uns genötigt, auf einer Insel zu
+landen. Das andere Fahrzeug, da es mehr beladen und nicht so gut bemannt
+war, hatte uns nicht folgen können; wir hatten daher weder Betten noch
+Licht, und was das Schlimmste war, nichts mehr zu essen; denn wir hatten
+weiter nichts auf unser Schiff mitgenommen, als was wir den Tag über zu
+gebrauchen dachten; wir fanden auf dieser Insel weiter nichts als die
+vier kahlen Wände eines verlassenen und nicht einmal ausgebauten Hauses,
+welches voller Gesträuche lag, das uns zum Nachtlager diente. Ich
+bedeckte es mit unsern Mänteln und nahm die Kissen von der Barke zu
+Hilfe, so dass wir recht gut schliefen.
+
+Den Kapitän Willoe konnte ich nicht bewegen, in die Hütte mit
+hereinzukommen und sah ihn sehr unruhig, welches ich mir gar nicht
+erklären konnte. Mittlerweile bemerkte ich einen Soldaten, der einen
+Topf ans Feuer setzte. Ich fragte ihn, was er darinnen hätte?
+»Kartoffeln, die ich mir mitgenommen habe.« Ich blickte lüstern nach
+ihnen hin; er hatte nur so wenig, dass ich es grausam fand, ihn
+derselben zu berauben, besonders da er so glücklich dabei aussah.
+Endlich aber siegte doch die Begierde, meinen Kindern davon zu geben
+über meine Bescheidenheit; ich bat also und erhielt die Hälfte, welches
+höchstens ein Dutzend sein mochten; dazu holte er aus seiner Tasche
+zwei oder drei kleine Enden Licht, die mich sehr glücklich machten, weil
+die Kinder sich fürchteten im Finstern zu bleiben. Ich gab ihm für das
+Alles einen grossen Thaler, da war er ebenso glücklich als ich.
+Inzwischen hörte ich Kapitän Willoe Befehl geben, dass man um das
+Gebäude Feuer anzünden, und dass seine Leute die ganze Nacht um dasselbe
+die Runde gehen sollten. Auch hörte ich während der ganzen Nacht Lärm
+machen, welches mich ein wenig am Schlaf hinderte. Als ich am andern
+Morgen beim Frühstück, welches ich auf einem breiten Stein, der uns zum
+Tisch diente, einnahm, den Kapitän, der in der Barke geschlafen hatte,
+nach der Ursache des Lärmes fragte, so bekannte er mir, dass wir in
+grosser Gefahr gewesen, indem diese Insel l'Isle aux Sonnettes (die
+Klapperschlangeninsel) wäre, welche von den vielen darauf befindlichen
+Klapperschlangen den Namen hätte, dass er es nicht gewusst und sehr
+erschrocken sei, als er es erfahren, und wegen der Strömung es doch
+nicht habe wagen dürfen, in der Nacht weiter zu fahren. Es wäre ihm
+daher nichts anderes übrig geblieben, als grosse Feuer und viel Lärm zu
+machen, um die Schlangen zu erschrecken und dadurch abzuhalten. Er habe
+aber die ganze Nacht aus Besorgnis für uns kein Auge zuthun können. Ich
+war über diese Erzählung sehr erschrocken und liess ihm bemerken, dass
+wir unsere Gefahr dadurch noch vergrössert hätten, dass wir uns auf das
+Gesträuch gelegt, in welchem sich die Schlangen gern verbergen. Er gab
+mir Recht und sagte mir, dass, wenn er es eher gewusst, wo wir wären, er
+alles Gesträuch vorher würde haben wegnehmen lassen oder uns gebeten
+haben würde, lieber auch in der Barke zu bleiben. Er habe es aber erst
+von einem der Leute von unserm andern Fahrzeuge erfahren, das uns später
+nachgekommen war. Wir fanden am Morgen noch allenthalben Häute und
+Schleim von diesen garstigen Tieren und eilten daher, mit unserm
+Frühstück fertig zu werden.«
+
+
+
+
+Kapitel XII.
+
+Ticonderoga und Bennington, Juli und August 1777.
+
+
+Die Operationen in Canada und auf dem Lake Champlain während des Sommers
+und Herbst 1776 waren von Sir Guy Carleton, dem britischen Gouverneur
+der Provinz, geleitet worden. Die Generale Burgoyne und Phillips und
+General Riedesel hatten unter seinem Befehl gestanden. Für den Feldzug
+von 1777 wurde indessen vom englischen Ministerium ein neues Arrangement
+getroffen. Carleton behielt die Statthalterschaft und das Kommando über
+die Truppen in Canada bei, aber die Expedition, welche über die Grenzen
+der Provinz hinaus gegen die Rebellen in New-York und Neu-England
+vorgehen sollte, wurde Burgoyne anvertraut.
+
+Generalleutnant John Burgoyne war damals 55 Jahre alt. Lord Macaulay
+beschreibt ihn als »einen Mann von Verstand, feiner Sitte und Ehre,
+einen angenehmen dramatischen Schriftsteller, einen Offizier, dessen Mut
+nie in Frage kam und dessen Brauchbarkeit zu jener Zeit einen grossen
+Ruf hatte.«
+
+Burgoyne war ein Liebling des britischen Ministeriums. Er stand sich
+nicht gut mit General Riedesel noch mit seiner Frau. Riedesel wurde sehr
+gut mit Carleton fertig, hatte aber kein Vertrauen zu Burgoyne, der
+wahrscheinlich zu sehr ein Mann des Vergnügens und Witzes war, um das
+Vertrauen des ernst angelegten deutschen Offiziers zu gewinnen. Riedesel
+beklagt sich, dass er niemals gefragt wurde, und dass Burgoynes Pläne
+ihm nicht anvertraut würden. Es ist klar, dass auf diese Weise
+Eifersucht zwischen den englischen und deutschen Truppen entstand, und
+dass Riedesel fühlte, dass ihm und seiner Truppe Ungerechtigkeit
+widerfuhr.
+
+Der Operationsplan, dessen Grundzüge von Burgoyne selbst aufgestellt
+wurden, war sehr einfach. Das Gros der Armee sollte von Canada am Lake
+Champlain hinauf nach Ticonderoga vorrücken. Wenn dies Fort genommen
+sein würde, sollte die Armee noch weiter südlich vorgeschoben werden, um
+sich mit der Armee von Sir William Howe oder einem Teil derselben, von
+Newyork kommend, zu vereinigen. Ein Korps von leichten Truppen unter
+Oberst St. Leger sollte in gleicher Höhe mit Burgoyne operieren indem es
+über Oswego nach dem Mohawk River, und an diesem entlang bis zu seiner
+Einmündung in den Hudson oberhalb Albany marschieren sollte, dort sollte
+sich diese Expedition mit der Hauptarmee vereinigen.
+
+Die Braunschweiger unter General Riedesels Befehl zählten am 1. Juni 1777
+4301 Offiziere und Mannschaften nach den Rapporten, an Effektivstärke
+3958. Das Hessen-Hanauische Regiment war im vorhergehenden Jahre in der
+Stärke von 668 Mann herübergefahren und war wahrscheinlich nicht unter
+die Zahl von 600 dienstfähigen Leuten herabgesunken. Somit würde sich
+die Gesamtstärke der Deutschen in Canada zu Beginn des Feldzuges auf
+4558 Mann belaufen, von denen 667 unter dem Befehl von Sir Guy Carleton
+belassen wurden und 3891 sich der Expedition unter Burgoyne anschlossen.
+Diese Schätzung schliesst nicht die Hanauischen Jäger ein, da dieselben
+der St. Leger'schen Expedition zugeteilt wurden. Die Gesamtstärke von
+Weissen unter Burgoyne war grösser als 8000; von diesen waren ungefähr
+250 Provinziale.
+
+Einige 500 Indianer begleiteten die Armee und thaten in erster Zeit gute
+Dienste als Kundschafter; sie stellten ihren menschlichen Brotherren die
+Skalpe der amerikanischen Soldaten vor Augen. Der Anblick fand Gefallen
+in den Augen des fashionablen Herrn, welcher die Armee ihrer Majestät
+kommandierte. Er erliess einen Befehl, dass Deserteure von seiner
+eigenen Armee gefangen und ebenfalls skalpiert werden sollten. Man hielt
+aber dafür, dass die Wilden ihre liebenswürdigen Gebräuche zu weit
+getrieben hätten, als sie Jane Mc Crea töteten, ein junges Weib, das mit
+einem Tory von der britischen Armee verlobt war und den geheimen Auftrag
+gehabt hatte, zwei Deserteure bei sich aufzunehmen und zu beschützen.
+Burgoyne wagte es indessen nicht, die Mörder hinrichten zu lassen aus
+Angst »vor dem vollkommenen Abfall der Indianer«.
+
+Bevor die Einrichtung der Eisenbahnen die Reiseroute verändert hatte,
+war die Hauptstrasse zwischen Canada einerseits und Neu-England und den
+mehr südlichen Kolonien andererseits die grosse Wasserstrasse, welche,
+indem man den St. Lawrence-Strom bei Lake St. Pierre verlässt, den
+Richelieu-Fluss hinaufführt, bei Fort St. John vorbei nach dem Lake
+Champlain, diesen See hinauf, Crown Point passierend, nach Ticonderoga.
+Bei Ticonderoga hatte der Reisende oder Eindringling zwischen zwei Wegen
+zu wählen. Entweder konnte er über die kurze Strecke bis zum Lake
+George, dann diesen schönen See hinauf bis zu seinem äussersten Ende und
+von hier nach einem Weg von 12 Meilen nach Fort Edward am Hudson
+gelangen. Dies war der gewöhnliche und leichtere Weg. Oder man konnte
+das schmale obere Ende von Lake Champlain hinauf fahren bis in die
+Gegend des heutigen Whitehall, in dem damaligen Distrikt Skenesborough
+genannt, hatte dann aber einen längern Landweg nach Fort Edward, bei
+Fort Anne vorbei, vor sich. Von Fort Edward führte der Weg den Hudson
+hinunter nach Albany und New-York. Die Hauptrichtung dieser Route geht
+von Norden nach Süden, und merkwürdig gerade, entsprechend dem
+natürlichen Charakter der Landschaft. Die ganze Entfernung von Lake St.
+Pierre bis New-York beträgt ein wenig mehr als 350 Meilen. Whitehall
+liegt ungefähr in der Mitte und Ticonderoga einige 20 Meilen nördlich
+von Whitehall.
+
+Kein Punkt zwischen dem St. Lawrence und New-York wurde für militärisch
+wichtiger erachtet als Fort Ticonderoga. Dies war derartig angelegt,
+dass es die schmale Strecke zwischen Lake Champlain und Lake George
+deckte und die Passage nach der Südspitze des ersteren Sees beherrschte.
+Das Fort war im Jahr 1755 von den Franzosen gebaut worden und Fort
+Carillon von ihnen genannt worden. Es wurde im folgenden Jahre von
+Montcalm verstärkt und im Jahre 1758 widerstand es dem Angriff einer
+englischen Armee von 15000 Mann, der grössten europäischen Armee, die in
+Amerika unter Waffen gewesen war. General Abercrombie, welcher die
+englische Armee kommandierte, machte einen derartig fehlerhaften
+Angriff, dass sein Korps mit grossen Verlusten zurückgeschlagen wurde.
+
+Im Jahre 1759 gaben die Franzosen bei Annäherung von General Amherst das
+Fort Carillon auf, dessen Werke von diesem erneuert wurden. Nun wurde es
+während beinahe 16 Jahren von den Briten gehalten, unbelästigt, bis am
+16. Mai 1776 die kleine Besatzung überrascht und das Fort genommen
+wurde, und zwar von einer Abteilung Amerikaner unter Ethan Allan »im
+Namen des Grossen Jehovah und des kontinentalen Kongresses«. Während den
+zwei Jahren, welche das Fort in amerikanischen Händen gewesen war,
+wurden grosse Anstrengungen gemacht, um es zu verstärken, und es wurde
+sehr reichlich mit Waffen, Munition und Proviant versehen. Auch ein
+neues Fort wurde auf der Ostseite des Sees auf dem Mount Independence
+gebaut. Es möchte scheinen, als ob die Amerikaner in der Grösse ihrer
+Vorbereitungen über das Ziel hinausgeschossen wären. Die Werke, welche
+eine Länge von 2-1/2 Meilen hatten, waren viel zu gross für die
+Besatzung. Obendrein konnte das Fort vollkommen von Artillerie auf dem
+Mount Defiance beherrscht werden; dieser Berg war nicht in die Linien
+mit eingeschlossen.
+
+Das Ergebnis dieser Fehler war ein sehr trauriges. Am 1. Juli 1777
+erschien Burgoynes Heer vor der Festung. Riedesel war mit den Deutschen
+auf dem östlichen Ufer des Sees und operierte gegen Mount Independence.
+Ein nur kleines Gefecht fand statt. Der amerikanische Befehlshaber St.
+Clair trat, als er sich in Gefahr sah, umzingelt zu werden, mit der
+Besatzung von ungefähr 3300 Mann den Rückzug an und liess die Forts mit
+mehr als 70 Kanonen, 200 Stück Vieh und einem grossen Magazin von
+Munition und Proviant in den Händen der britischen Armee. Die
+Überbleibsel der amerikanischen Flotte, welche in der Richtung auf
+Whitehall floh, wurde sofort von den Briten verfolgt, die nur etwas
+aufgehalten wurden durch die Notwendigkeit, eine Brücke zu durchbrechen,
+welche über den See gebaut worden war. Zwei von den fünf Schiffen wurden
+genommen, die andern drei von den zurückgehenden Amerikanern verbrannt,
+die auf diese Weise alles Material verloren, welches sie zu retten sich
+bemüht hatten.
+
+Das Gros von St. Clairs Korps ging auf der Strasse nach Hubbardton
+zurück. General Fraser blieb mit zwanzig englischen Kompagnien dicht auf
+den Fersen, unterstützt von Riedesel mit drei braunschweigischen
+Bataillonen. Fraser holte die Nachhut der Amerikaner unter Oberst Warner
+bei Hubbardton am 7. Juli ein, wurde schneidig angegriffen und in der
+Flanke gefasst. Er wäre geworfen worden, wenn ihm nicht Riedesel zu
+Hilfe gekommen wäre. Die Amerikaner wurden nun zurückgeworfen. Ihr
+Verlust ist nicht genau bekannt geworden, aber ungefähr 200 Nachzügler
+und Verwundete wurden an diesem Tage gefangen genommen. Die
+Braunschweiger hatten 22 Mann tot oder verwundet, die Briten 155. Dies
+war das erste Gefecht, welches Riedesel in Amerika mitmachte.
+
+Am 8. Juli wurde ein britisches Regiment aus Fort Anne vertrieben, aber
+die Amerikaner liessen es wieder im Stich, nachdem sie es zerstört
+hatten.
+
+Am 22. Juli erliess General von Riedesel einen Befehl gegen das
+Marodieren und drohte allen Soldaten, die dessen schuldig befunden
+wurden, in dem ersten Falle mit Prügeln, im zweiten mit vier mal
+Spiessrutenlaufen. Die Offiziere hätten zu entscheiden, was gesetzliche
+Beute wäre. Riedesel gab diesen Befehl auf Verlangen Burgoynes, welcher
+die Tory-Kolonisten der Umgegend ermutigen wollte. Die Gelegenheit, in
+Amerika zu plündern, war somit für die Braunschweiger beinahe vorüber.
+
+Das Terrain zwischen Lake Champlain und dem Hudson war so rauh, dass
+Burgoyne einen Monat gebrauchte, um seine Armee die 25 Meilen vorwärts
+zu bringen, welche zwischen Whitehall und Fort Edward lagen. »Die
+Schwierigkeit zu marschieren war gross, wurde aber in der besten
+Stimmung überwunden,« schreibt Burgoyne am 30. Juli 77 an Lord George
+Germaine. »Das Land ist vollständige Wildnis und beinahe überall hatte
+der Feind mit grossen Baumstämmen die Wege gesperrt, so dass sie quer
+und längs mit den Zweigen ineinander herübergefallen waren. Die Truppen
+mussten nicht nur an vielen Stellen, die man unmöglich umgehen konnte,
+dieselben hinwegräumen, sondern auch über 40 Brücken bauen und andere
+wieder herstellen, die eine davon, aus Bauholz bestehend, über einen
+Morast von 2 Meilen Ausdehnung.« Wir finden einen Brief von Burgoyne an
+Riedesel vom 18. Juli, in welchem er diesem zuredet, seine Offiziere die
+Bagage verringern zu lassen. Viele englische Offiziere, sagt Burgoyne,
+sind auf ein kleines Zelt und einen Reisesack reduziert worden.
+
+Die Armee begegnete nur geringem Widerstand auf ihrem Wege, obschon kein
+Tag verging, ohne dass geschossen wurde. Die Amerikaner hatten sich auf
+Saratoga zurückgezogen. Jedoch nicht vor dem 9. August konnte
+Brigade-General Fraser die Avantgarde bis Fort Miller, 7 Meilen jenseits
+Fort Edward vorschieben. Oberstlieutenant Baum folgte ihm mit den
+braunschweigischen Dragonern zu Fuss und leichter Infanterie, einigen
+canadischen Freiwilligen und 2 kleinen Kanonen. Zuerst hatte Riedesel
+vorgeschlagen, und Burgoyne hatte es gebilligt, dass Baums Korps eine
+Expedition in das Connecticut-Thal machen sollte, um Pferde und Zugvieh
+aufzutreiben. Das herzoglich braunschweigische Dragoner-Regiment wurde
+auf diese Weise auf Kosten der Amerikaner beritten gemacht, und die
+britische Armee sollte mit Packpferden versehen werden. Um die drängende
+Notwendigkeit von Lasttieren zu verstehen, müssen wir bedenken, dass die
+Armee mit Brot aus englischem Mehl und Fleisch verpflegt wurde, welches
+in England gesalzen war, und dass diese Vorräte von Lake Champlain oder
+Lake George nach dem Hudson auf den Rücken von Menschen transportiert
+werden musste. Indes, der Plan wurde geändert bevor die Kolonne Fort
+Miller passiert hatte, und anstatt nach Manchester zu marschieren, wurde
+die Expedition nach Bennington dirigiert, wo man annahm, dass die
+Amerikaner ein grosses Lager von Vorräten hätten. Riedesel nahm sich die
+Freiheit, gegen diese Befehlsänderung Einsprache zu erheben, aber
+Burgoyne hielt aus folgenden Gründen daran fest: Erstens würde es von
+grösstem Vorteil für die Armee sein, 10 oder 12 Tage lang von den
+Vorräten zu leben, welche man in Bennington finden würde. Zweitens
+wollte er (Burgoyne) mit der Haupt-Armee nach Stillwater vorgehen, so
+dass Arnold nicht im Stande sein würde, ein starkes Detachement
+abzuschicken, um Baum aufzuhalten. Drittens hatte er erfahren, dass St.
+Leger Fort Stanwix am oberen Lauf des Mohawk-River belagerte, und dass
+es wichtig sei, Arnold zu verhindern, ein starkes Korps zu dessen
+Entsatz zu entsenden. Infolgedessen brach Oberstlieutenant Baum am 11.
+August 1777 nach Bennington auf mit ungefähr 550 Weissen, von denen 374
+Deutsche waren. Ungefähr 150 Indianer schlossen sich der Expedition an.
+Dies gefiel dem Tory nicht, welcher als Führer diente. Er sagte
+Burgoyne, dass wenigstens 3000 Mann nötig wären, um des Erfolges gewiss
+zu sein, aber Burgoyne wollte und konnte auch in der That nicht so viele
+erübrigen.
+
+Am 12. erbeutete Baum einige Vorräte und Vieh in Cambridge.
+
+Am Morgen des 14. fand er einige Vorräte in Sancoik und machte 5
+Gefangene. Er meldete Burgoyne, dass Bennington von 15 oder 1800 Mann
+besetzt sei, aber dass diese wohl bei seiner Annäherung abziehen würden.
+Er wollte soweit vorgehen, dass er am andern Morgen in der Frühe den
+Feind überfallen könnte und wollte nach den eingegangenen Nachrichten
+die notwendigen Dispositionen treffen. Leute strömten in Menge herbei
+und verlangten bewaffnet zu werden. Die Indianer konnten nicht mehr im
+Zaum gehalten werden und zerstörten und nahmen alles was ihnen beliebte.
+Baum, der nicht englisch sprechen konnte, war offenbar auf die
+Versicherungen des Tory-Gouverneurs Skene angewiesen, der als eine sehr
+glaubwürdige Persönlichkeit geschienen haben mochte. Burgoyne scheint
+nicht ganz die irrigen Ansichten seines Untergebenen geteilt zu haben,
+denn er antwortete mit dem Befehl, Baum sollte nicht weiter vordringen,
+wenn er den Feind in zu grosser Stärke vorfinden würde, und sollte den
+Plan aufgeben, einen riskierten Handstreich zu unternehmen. Später an
+demselben Tage meldete Baum noch, dass er von einer 700 Mann starken
+Abteilung Rebellen angegriffen worden sei, die er mit ein paar
+Kanonenschüssen vertrieben hätte, dass aber 1800 Mann in einem günstig
+gelegenen, befestigten Lager bei Bennington ständen, und dass er auf
+Verstärkung warten wollte. Diese Meldung bekam Burgoyne während der
+Nacht, und um 8 Uhr morgens des 15. marschierte Oberstlieutenant
+Breymann auf seinen Befehl mit 642 Deutschen zu Baums Unterstützung ab.
+Breymann brach ohne Zelte, Bagage oder genügende Munition und nur mit 2
+kleinen Feldgeschützen auf. Er hatte nur 24 Meilen zu marschieren, doch
+legte er nur etwas mehr als die Hälfte der Entfernung zurück, bevor ihn
+die Nacht zum Biwakieren zwang. Es war ein regnerischer Tag und der Weg
+war schlecht, trotzdem scheint eine solche Langsamkeit einer Abteilung
+Soldaten in leichter Marschordnung, die zur Unterstützung ihrer
+Waffenbrüder vorgehen, unglaublich. Ich habe keine vollkommene
+Beschreibung der Uniform der braunschweigischen Infanterie gefunden.
+Riedesel hatte einige Änderungen eingeführt, welche der Dienst und das
+Klima erfordert hatten, aber sie war doch noch viel zu schwer. Ein
+grosser Teil von Baums Leuten waren Dragoner zu Fuss. Sie waren mit
+kurzen, dicken Flinten und schweren Säbeln bewaffnet. Man erzählte sich
+in der Armee, dass ihr Helm und Säbel allein mehr wog als die ganze
+Ausrüstung eines englischen Soldaten. Ein so ausgerüsteter Mann möchte
+zu Pferde auf einem ebenen Grunde furchteinflössend sein, aber zu Fuss,
+im August, auf einem Marsche durch den dichten Wald war er kaum einem
+amerikanischen Farmer oder Jäger in Hemdsärmeln gewachsen.
+
+Es ist klar, dass sich niemand, auch Baum selbst nicht, des Ernstes der
+Situation bewusst war. Am Vormittag des 15. schrieb Burgoyne, dass, wenn
+ein Rückzug nöthig werden sollte, er so angeordnet werden müsse, dass
+dem Feind keine Gelegenheit zu einem Erfolg gegeben werde, damit die
+Indianer nicht entmutigt würden. Deshalb musste alles erbeutete Vieh und
+die erbeuteten Wagen weggeschafft werden, und alles Mehl und Korn,
+welches man nicht mitnehmen konnte, sollte unbrauchbar gemacht werden.
+Erst später kam Burgoyne auf den Gedanken, dass man wohl besser Breymann
+ohne Artillerie vorgeschoben hätte.
+
+Oberstlieutenant Baum brachte den 15. August 1777 damit zu, sich auf
+einem Berge 4 Meilen nördlich Bennington einzugraben. Ungefähr um 9 Uhr
+morgens am 16. bemerkte er kleine Abteilungen von Leuten, zum grossen
+Teil in Hemdsärmeln und mit Vogelflinten auf der Schulter, schnell und
+geräuschlos hinter seinem verschanzten Lager vorbeipassieren. Der gute
+Offizier hielt diese Leute in Hemdsärmeln für Tories, welche seinen
+Schutz suchen wollten. Man sagt, dass viele Leute in jenem Teile des
+Landes dem Könige den Eid geleistet hätten. Im Laufe des Morgens wurde
+ein Angriff gemacht, aber mit Leichtigkeit abgeschlagen. Schliesslich um
+3 Uhr nachmittags wurden die Deutschen vollständig umzingelt, und der
+Kampf begann mit ziemlichem Ernst. Die meisten Indianer, Canadier und
+Tories machten sich aus dem Staube. Die Braunschweiger hielten 1 oder 2
+Stunden aus, bis ihre Munition anfing auszugehen. Die Amerikaner fochten
+mit Verzweiflung. Sie näherten sich bis auf 8 Schritt den Kanonen, die
+mit Kartätschen geladen waren und feuerten ihre Gewehre auf die
+Kanoniere ab. Stark, der sie kommandierte, hatte sie durch seinen Mut
+angefeuert. »Kommt nur, meine Jungens,« soll er vor dem Gefecht gesagt
+haben, wie berichtet wird, »entweder schlagen wir die Briten oder Molly
+Stark wird diese Nacht Witwe sein.« Schliesslich schlief das Feuer der
+Deutschen ein. Die Yankees stürmten noch einmal die Schanzgräben. Es
+ging Gewehrkolben gegen Säbel. Baum wurde tötlich verwundet und die
+Braunschweiger gefangen genommen.
+
+Das Gefecht mit Baums Truppen-Abteilung war vorüber, als Breymann in der
+Nähe des Gefechtsfeldes anlangte. Er giebt an, dass er die Amerikaner
+vor sich her getrieben und nur die Verfolgung abgebrochen hätte aus
+Mangel an Pulver und Blei; aber sicher ist, dass er sofort zurückging
+und in der Nacht sich ohne seine Kanonen auf und davon machte, mit einem
+Verlust von mehr als einem Drittel seiner Leute. General Burgoyne, der
+in der Frühe des 17. Nachricht von dieser unglücklichen Affaire erhielt,
+brach um 6 Uhr mit der ganzen Armee auf, um Breymann zu retten. Das Gros
+ging indessen nicht weiter als Battenkill vor, während Burgoyne selbst
+an der Spitze eines englischen Regiments soweit vordrang, bis er die auf
+dem Rückzug befindlichen Deutschen traf.
+
+Beinahe 780 Gefangene, von denen ungefähr 400 Deutsche waren, fielen in
+die Hände der Amerikaner. Von Baums Korps kehrten 365 Deutsche nicht
+wieder zurück: Breymanns Korps hatte 231 Tote, Verwundete und Vermisste.
+
+Dies Gefecht war der Anfang von Burgoynes Ende. Es bewies ihm die
+Unmöglichkeit auf Kosten des Landes zu leben und verwies ihn wieder auf
+sein englisches Ochsenfleisch und Mehl und auf seine Abhängigkeit von
+den Vorräten, die er mitzuführen im Stande war.
+
+Das Fehlschlagen der Expedition St. Legers am Mohawk ereignete sich
+ungefähr zu derselben Zeit. Oberst St. Leger hatte Montreal Anfang Juli
+mit ungefähr 750 Weissen und 1000 Indianern verlassen. Unter den
+ersteren befand sich eine Jäger-Kompagnie von Hessen-Hanau. Dieses Korps
+nahm seinen Weg am St. Lawrence und Lake Ontario entlang nach Oswego und
+von da am Oneida Lake nach Fort Stanwix am Oberlauf des Mohawk-River.
+Dies Fort war ein gut konstruiertes Erdwerk mit einer Besatzung von
+einigen 6 oder 700 Milizen unter Oberst Gansevoort. St. Leger sollte
+dies Fort nehmen und dann dem Lauf des Mohawk bis zu seiner Vereinigung
+mit dem Hudson folgen und auf diese Weise die Flanke von Gates Armee
+bedrohen. Aber das Fort wollte nicht genommen sein. Ungefähr 800
+Bewohner des Mohawk-Thales, meist von deutscher Abstammung, unter
+General Herkimer, waren im Begriff, zu seinem Entsatz vorzugehen. Diese
+wurden am 6. August 1777 im Walde von einer Übermacht von Provinzialen
+und Indianern überfallen. Nach der ersten Panik fand ein verzweifelter
+Kampf statt. Die Milizen wussten wohl, dass sie von ihren wilden Gegnern
+keinen Pardon erwarten durften. Es schien ihnen besser unter ihren
+Pfeilen oder dem Tomohawk zu fallen als dem qualvollen Messer
+ausgeliefert zu werden. Herkimer, der am Bein verwundet worden war, war
+gegen einen Baumstumpf gelehnt und leitete die Verteidigung, während er
+ruhig seine Pfeife weiter rauchte. Die Leute hatten paarweise sich
+hinter Bäumen postiert, sodass immer einer schoss, während der andere
+lud. Diese Anordnung wirkte günstig, und die Miliz begann die Oberhand
+zu gewinnen. Darauf kam noch ein Haufe von Tories aus dem Thale den
+Indianern zu Hilfe. Dies steigerte noch mehr die Wut der Amerikaner,
+denn diese neuen Feinde waren ihre Nachbarn und waren ihre Freunde
+gewesen. Der verzweifelte Kampf wurde fortgesetzt. Er hatte schon länger
+als ein und eine halbe Stunde gedauert, und 160 Milizen waren bereits
+tot, verwundet oder gefangen, als plötzlich in der Richtung von Fort
+Stanwix her Feuer gehört wurde. Oberst Gansevoort, der von Herkimers
+Annäherung unterrichtet war, hatte 250 Mann von dem Fort entsendet, um
+eine Diversion auszuführen. Diese fielen in das englische Lager ein und
+plünderten einen Teil davon. 5 Flaggen und viele Bagage fiel in die
+Hände der Abteilung von dem Fort. Durch den Kanonendonner in ihrem
+Rücken fürchteten die Tories und Indianer zwischen zwei Feuer genommen
+zu werden. Sie zogen sich zurück unter Mitnahme von einigen Gefangenen,
+die den Schrecknissen der indianischen Folterqualen entgegengingen, doch
+liessen sie viele Tote auf dem Gefechtsfelde. Was von den Milizen übrig
+blieb, zog sich nach Fort Schuyler zurück, da wo jetzt die Stadt Utica
+steht. Diese blutige Affaire ist das Gefecht von Oriskany genannt
+worden. Sie besiegelte das Schicksal von St. Legers Expedition und trug
+in Gemeinschaft mit Bennington dazu bei, das Schicksal von Burgoyne und
+der Braunschweiger zu entscheiden. Diese zwei kleinen Begebenheiten
+bilden einen Wendepunkt in der amerikanischen Geschichte.
+
+Der tapfere Herkimer erlag seinen Wunden zehn Tage nach dem Gefecht.
+Aber nach kaum einer Woche hob Benedict Arnold mit einer kleinen
+Truppenabteilung und den wieder gesammelten Milizen des Thales die
+Belagerung von Fort Stanwix auf, und St. Leger, den viele von den
+Indianern verliessen, zog sich mit den Überbleibseln seines Korps nach
+Oswego zurück, indem er seine Zelte und eine beträchtliche Bagage im
+Stich liess.
+
+Burgoyne war durch die Niederlage von Baum und St. Leger etwas
+niedergeschlagen, aber er setzte seine Hoffnung auf Hilfe von Süden her
+und fühlte sich durch die Befehle, die er von England bekommen hatte,
+gebunden.
+
+
+
+
+Kapitel XIII.
+
+Stillwater, am 19. September und 7. Oktober 1777.
+
+
+Nach der Niederlage von Bennington blieb Burgoyne noch beinahe einen
+Monat in der Umgegend von Fort Edward und hinter der Linie des
+Battenkill. Diese Zeit wurde benutzt, um Vorräte anzuhäufen und Boote
+vom Lake Champlain nach dem Lake George zu schaffen. Am 13. September
+1777 ging die Armee bei Schuylerville über den Hudson und verliess die
+rückwärtigen Verbindungslinien um einen kühnen Stoss auf Albany zur
+Vereinigung mit Sir William Howe zu machen. 180 Boote begleiteten die
+Armee, deren linke Flanke sich an den Hudson anlehnte. Diese Boote
+führten für einen Monat Lebensmittel mit sich. »Jetzt fingen wir wieder
+an in unserem lieben gesalzenen Pökelfleisch und Brot zu arbeiten,«
+schreibt ein deutscher Offizier. »Liebe Freunde, verachtet diese
+königlichen Gerichte nicht, die wirklich einen königlichen Preis kosten,
+denn der Transport von England ist gewiss nicht billig gewesen.
+Pökelfleisch Mittags und Abends. Pökelfleisch warm und kalt. Freunde!
+ungeachtet Eurer grünen Erbsen und Krebsschwänze würdet Ihr unser
+Pökelfleisch mit Ekel angesehen haben, und doch war es für uns ein
+herrliches Gericht, ohne welches wir umgekommen sein würden; und wenn
+wir später genug Pökelfleisch gehabt hätten, hätte uns unser Unglück
+nicht nach Boston geführt.« Während dessen strömten die Amerikaner,
+ermutigt durch ihren Sieg bei Bennington und ihren Erfolg im
+Mohawk-Thale, in das Lager von Gates bei Stillwater. Sie hatten keine
+Uniformen, waren aber zum grössten Teil gut bewaffnet mit Büchsen und
+Jagdgewehren, welche sie von Jugendzeit an fortwährend geführt hatten.
+Es wurde Burgoyne am 7. September gemeldet, dass ihrer 14 oder 15000
+wären. Da gab es keine andere Wahl als anzugreifen oder den Feldzug
+aufzugeben.
+
+Die Armee trat ihren Marsch nach Süden in drei Kolonnen an. Die rechte
+war unter Brigade-General Fraser, dem stürmischen Befehlshaber der
+leichten Truppen. Das Zentrum wurde von Burgoyne selbst kommandiert, und
+die linke, am Hudson, von Riedesel. Die britische Armee konnte nur
+langsam vorgehen wegen der wiederherzustellenden Wege und Brücken. Die
+Marschleistung betrug durchschnittlich 2 Meilen den Tag. Am Nachmittag
+des 19. September wurde Burgoynes mittlere Kolonne bei Freeman's Farm,
+nördlich Stillwater energisch angegriffen. Die Engländer besetzten mit
+einigen Kanonen ein ausgerodetes Stück Land. Die Amerikaner hatten keine
+Artillerie. Das Gefecht dauerte den ganzen Nachmittag, und wurde auf
+beiden Seiten mit grosser Tapferkeit geführt. Gegen Einbruch der Nacht
+kam Riedesel mit 7 Kompagnien deutscher Infanterie und 2 Kanonen
+Burgoyne zu Hilfe, griff die rechte Flanke der Amerikaner an und
+überschüttete sie mit Kartätschen. Die Engländer schlossen sich wieder
+zusammen und feuerten, und die Amerikaner wurden geworfen, nahmen aber
+ihre Verwundeten mit und ungefähr 100 Gefangene. Sie hatten ungefähr 320
+Mann verloren, die Briten annähernd zweimal soviel. Die Letzteren
+behaupteten zwar das Feld und mögen daher den Sieg beanspruchen, aber
+es war ein nutzloser Sieg, den sie nicht im Stande waren auszubeuten. Am
+20. fing Burgoyne an seine Stellung zu befestigen. Die Aussicht auf
+Erfolg war von nun ab nur durch das Zusammenwirken mit der Armee von
+Süden her bedingt -- eine Hilfe, die niemals kam.
+
+Die Deutschen leisteten Burgoyne im Laufe dieses Tages die wichtigsten
+Dienste. Breymann mit den Grenadieren und der leichten Infanterie
+zeichnete sich früh am Nachmittag aus, indem er einem englischen
+Regiment, das im Weichen begriffen war, zu Hilfe kam. Kapitän Pausch von
+der Hanauschen Artillerie mit seinen zwei Sechspfündern entschieden die
+Schlacht. Breymann und Pausch wurden beide von Burgoyne öffentlich
+belobt.
+
+Inzwischen war die Armee ernstlich im Rücken bedroht worden. Oberst
+Brown, der unter dem Befehl von General Lincoln operierte, hatte einige
+der Aussenwerke von Ticonderoga mit ungefähr 300 Gefangenen genommen,
+war aber von dem Haupt-Fort zurückgeworfen worden.
+
+Baronin Riedesel hatte die Armee auf ihrem Marsche begleitet. Sie war
+ermutigt worden, sagt sie, als sie General Burgoyne hat sagen hören,
+dass Engländer niemals zurückgingen. Jedoch wurde sie misstrauisch, als
+sie merkte, dass alle Offiziers-Frauen, die bei der Armee waren, alle
+Operations-Pläne kannten, und sie erinnerte sich, dass in der Armee des
+Prinzen Ferdinand im 7jährigen Krieg alles sehr geheim gehalten wurde.
+Nun aber waren den Amerikanern alle feindlichen Absichten bekannt und
+sie erwarteten die Engländer, wohin sie sich auch immer wandten.
+
+Frau von Riedesel war Augenzeugin der Schlacht am 19. September und
+zitterte bei jedem Schuss für das Leben ihres Gemahls. Drei verwundete
+Offiziere wurden in das Haus gebracht in dem sie wohnte, und einer von
+ihnen, der Neffe von Leuten, die in England sehr gütig gegen sie gewesen
+waren, starb wenige Tage darauf an den Folgen einer Operation. Die
+Baronin konnte seine letzten Seufzer durch die dünne Wand hören.
+
+Der Zustand der Armee wurde bald ein sehr bedenklicher. Die Lebensmittel
+wurden knapp, Wein und Kaffee schrecklich teuer. Uniformen und Kleider
+zerrissen in den Büschen und durchweichten bei dem Kampieren auf dem
+feuchten Boden, und neue konnten um keinen Preis geschafft werden. Das
+amerikanische Lager, welches man von 12 000 Mann besetzt glaubte, war so
+nahe, dass man die Trommeln und die Rufe der Soldaten deutlich hören
+konnte. Der Wald war aber so dicht, dass man es nicht sehen konnte. Die
+Engländer hatten eine Schiffbrücke über den Hudson gebaut, und es wurden
+Kundschafter hinübergeschickt, die versuchen sollten, das Lager vom
+andern Ufer aus einzusehen; dies war aber nicht möglich gewesen.
+
+Ein von Sir Henry Clinton in Geheimschrift geschriebener Brief, der vom
+10. September datiert war, langte am 21. an. Clinton kündigte seine
+Absicht an, in 10 Tagen Fort Montgomery am Hudson anzugreifen. Burgoyne
+sandte den Boten sofort zurück mit einem Briefe, der in eine silberne
+Kugel eingeschlossen war, welche Sir Henry direkt eingehändigt werden
+sollte. Dieser Brief sollte Clinton zur Eile antreiben und ihn
+veranlassen, eine Diversion zu Gunsten Burgoynes herbeizuführen. Der
+Bote nahm seinen Weg durch das feindliche Land nach Fort Montgomery,
+aber hier scheint ihn seine Geistesgegenwart verlassen zu haben. Er soll
+nämlich amerikanische Truppen für englische gehalten, nach General
+Clinton gefragt und nicht eher seinen Irrtum gemerkt haben, als bis er
+-- nicht vor Sir Henry, sondern vor den amerikanischen General geführt
+wurde. Darauf schluckte der Unglückliche die Kugel hinunter, doch wurde
+ihm ein Brechmittel verordnet, die Depesche wurde gefunden und der Bote
+als Spion gehängt.
+
+Am 6. Oktober wurden die Forts Clinton und Montgomery von Sir Henry
+Clinton gestürmt. Ein Anspachisches Regiment, ein Hessisches und 2
+Kompagnien hessischer Jäger, welche letztere erst vor kurzem von Europa
+angekommen waren, hatten an dieser Waffenthat teil genommen. Der Hudson
+stand nun den Briten vollkommen offen. Dies würde der richtige Moment
+gewesen sein, um zu Burgoynes Unterstützung einen Vorstoss zu machen,
+aber Sir William Howe hatte den grösseren Teil seiner Armee nach
+Philadelphia dirigiert und nur ein kleines Korps unter General Vaughan
+kam sengend und plündernd den Hudson hinauf.
+
+Burgoynes Situation wurde mit jedem Tage kritischer. Am 4. Oktober wurde
+die Ration der Soldaten um 1/3 heruntergesetzt. Desertionen waren
+häufiger vorgekommen trotz strenger Strafe; selbst die Todesstrafe
+verhinderte sie nicht. Kleinere Scharmützel kamen häufiger vor. Das
+Wetter war furchtbar heiss und die Armee verging vor Unthätigkeit.
+
+An dem Tage, an welchem die Leute auf kleinere Ration gesetzt worden
+waren, berief General Burgoyne einen Kriegsrat. Die Generale Phillips,
+Riedesel und Fraser waren zugegen. Burgoyne schlug ihnen vor, die Gegend
+am Fluss zu verlassen und zu versuchen, die amerikanische linke Flanke
+zu umgehen. 800 Mann sollten zum Schutz der Boote und Vorräte
+zurückgelassen werden. Der Rest der Armee sollte sich an der
+Unternehmung beteiligen. Man entgegnete aber, dass die Strassen und
+Stellungen der Amerikaner nicht bekannt wären, dass drei oder vier Tage
+nötig sein würden, um die amerikanische Flanke zu umgehen, und dass
+während dieser ganzen Zeit die Vorräte unter einer schwachen Bedeckung
+zurückgelassen werden müssten. Man kam zu keinem bestimmten Entschluss
+am 4., es wurde daher für den Abend des 5. ein zweiter Kriegsrat
+befohlen. In diesem erklärte Riedesel, dass die Lage der Armee von einer
+Beschaffenheit wäre, dass, wenn sie nicht in einem Tage den Feind
+erreichen, ihn angreifen und die Sache zur Entscheidung bringen könnte,
+es dienlicher wäre, sich wieder über den Hudson hinter den Battenkill
+zurückzuziehen, um dort die Annäherung Clintons zu erwarten. Dort könnte
+die Armee nicht von Fort George abgeschnitten werden. Fraser stimmte
+Riedesel bei. Phillips wollte keine bestimmte Meinung aussprechen, und
+Burgoyne dem es zu hart ankam, eine rückwärtige Bewegung zu machen,
+erklärte, er wollte am 7. eine Rekognoszierung vornehmen, und, wenn sich
+bei dieser zeigte, dass der Feind nicht mit Erfolg angegriffen werden
+könnte, den Rückzug antreten.
+
+Am 6. Oktober 1777 wurde für 4 Tage Verpflegung ausgegeben, und am 7. um
+10 Uhr morgens rückten 1500 Mann, unter denen 500 Deutsche waren, mit 8
+Bronze-Kanonen und 2 Haubitzen zur Rekognoszierung aus dem Lager. Die
+vier Generale beteiligten sich daran, die Expedition war aus allen
+Teilen der Armee zusammengesetzt. Sie gingen bis auf eine Anhöhe
+ungefähr 3/4 Meilen von dem amerikanischen linken Flügel entfernt vor --
+nach Riedesel eine sehr schlechte Stellung, wo man nichts vom Feinde
+sehen konnte. Brigade-General Fraser kommandierte den rechten Flügel,
+die deutschen Detachements waren im Zentrum, Major Ackland mit den
+englischen Grenadieren auf dem linken Flügel. Es wurde beschlossen, den
+Angriff abzuwarten, und Brigade-General Fraser unternahm es, die Fourage
+von zwei Scheunen wegtransportieren zu lassen. Kleine feindliche
+Detachements erschienen von Zeit zu Zeit, und man ergötzte sich daran,
+Kanonen auf sie abzufeuern, bis plötzlich ein heftiges Musketenfeuer auf
+dem linken Flügel gehört wurde, und unmittelbar darauf Acklands
+Grenadiere zurückgelaufen kamen, indem sie ihren Führer verwundet
+zurückliessen.
+
+Der deutsche linke Flügel wurde auf diese Weise entblöst und in
+Unordnung zurückgeworfen, die hessischen Kanonen in Gefahr gebracht.
+Diese blieben noch einige Zeit in Thätigkeit, wurden aber schliesslich
+genommen. Der britische rechte Flügel scheint länger als der linke und
+der übrige Teil der Linie ausgehalten zu haben, aber nach einiger Zeit
+wurde General Fraser tötlich verwundet und seine Leute zurückgedrängt,
+hielt sich jedoch in besserer Ordnung als der linke Flügel. Auch die
+Deutschen gingen in ziemlicher Auflösung zurück unter Zurücklassung
+aller zur Rekognoszierung mitgenommenen Kanonen.
+
+Die zurückgehenden Abteilungen warfen sich in eine Redoute und
+behaupteten ihre Stellungen bis zum Ende des Nachmittags trotz der
+wiederholten und verzweifelten Angriffe der Amerikaner.
+
+Oberstlieutenant Breymann hielt sich in einer kleinen Redoute auf dem
+äussersten rechten Flügel der diesseitigen Stellung. Sein Korps war
+durch die bei Bennington und am 19. September erlittenen Verluste auf
+ungefähr 500 Mann zusammengeschmolzen; 300 von diesen hatten an der
+Rekognoszierung teilgenommen und waren nun mit den übrigen in die grosse
+Redoute auf dem rechten Flügel zurückgeworfen. Der Teil der britischen
+Linie, welcher Breymanns Redoute mit der Hauptstellung verband, war frei
+von Besatzung. Die Amerikaner nahmen ihren Weg durch diese Lücke in der
+Linie, Breymann und seine 200 Mann wurden in Rücken und Flanke
+angegriffen, der Oberstlieutenant totgeschossen und die Leute entweder
+durch die Flucht gerettet oder gefangen genommen.
+
+Als die Nachricht hiervon zum Hauptkorps drang, murrten einige Engländer
+über die Haltung ihrer deutschen Bundesgenossen. Aufgebracht hierüber,
+sammelte Oberstlieutenant von Specht 4 Offiziere und ungefähr 50 Mann um
+sich, brach mit diesen auf durch den dunkeln Wald, um Breymanns Redoute
+wiederzunehmen. Er verlor den Weg und wurde durch einen verräterischen
+Führer in die Hände der Amerikaner geliefert.
+
+Die Amerikaner fochten an diesem Tage mit grosser Tapferkeit und hatten
+den Vorteil der Überlegenheit an Zahl, aber waren ohne einen
+hinlänglichen Führer. Weder Gates noch Lincoln erschienen auf dem Felde.
+Benedict Arnold, welcher kein besonderes Kommando hatte, focht mit
+seinem gewöhnlichen, keine Gefahr achtenden Mut, aber er hatte nicht das
+Talent eines Strategen. Er wurde bei der Einnahme von Breymanns Redoute
+schwer verwundet; es wäre ein Glück für ihn gewesen, wenn seine Wunde
+tötlich gewesen wäre.
+
+Es blieb Burgoynes Armee nichts anderes übrig, als sich zurückzuziehen.
+Einige Eile würde vielleicht ihr Entkommen gesichert haben, aber überall
+war Unordnung und Langsamkeit. Früh am Morgen des 8. Oktober 1777 wurden
+die Briten und Deutschen auf den Höhen, von denen man den Hudson
+übersieht, gesammelt. Hier wurde am Abend desselben Tages General Fraser
+beerdigt, an einer Stelle, welche er sich selbst als Ruheort ausgewählt
+hatte. Er war schwer verwundet in das Haus, welches Baronin Riedesel
+inne hatte, gebracht; er hatte mit ihrem Gemahl zusammen am
+siebenjährigen Kriege teilgenommen. Die Baronin hatte die Absicht, am 7.
+ein kleines Diner zu geben. »Der General Fraser,« sagt sie, »und ich
+glaube, auch die Generale Burgoyne und Phillips sollten denselben Tag
+bei mir zu Mittag essen. Ich sah viel Bewegung unter den Truppen. Mein
+Mann sagte mir, es sollte eine Rekognoszierung gemacht werden, welches
+mir nicht auffiel, weil dieses öfters geschehen. Auf meinem Rückweg nach
+Hause begegneten mir viele Wilde in ihrer Kriegskleidung und mit
+Flinten. Auf meine Frage, wo sie hingingen, riefen sie mir zu: »War!
+War!« das hiess, dass sie zur Schlacht gingen, welches mich ganz zu
+Boden schlug, und kaum war ich zurückgekommen, so hörte ich auch
+plänkeln, und nach und nach immer stärker feuern, bis endlich das Lärmen
+gar arg wurde. Es war eine erschreckliche Kanonade, und ich war mehr tot
+als lebendig. Gegen 3 Uhr nachmittags, anstatt dass meine Gäste hätten
+sollen zu mir zum Essen kommen, brachte man mir auf einer Trage den
+armen General Fraser, einen der erwarteten Mittagsgäste, tötlich
+verwundet. Unser Esstisch, der schon gedeckt war, wurde weggenommen, und
+man setzte an dessen Stelle ein Bett für den General. Ich sass in einer
+Ecke der Stube, zitternd und bebend. Der Lärm wurde immer stärker. Der
+Gedanke, dass man mir meinen Mann so bringen könnte, war mir entsetzlich
+und quälte mich unaufhörlich. Der General sagte dem Wundarzt:
+»Verschweigen Sie mir nichts! Muss ich sterben?...« Ich hörte ihn oft
+seufzend ausrufen: »Oh bad ambition! poor General Burgoyne! poor
+Mistress Fraser!««
+
+Der General kämpfte die Nacht hindurch mit dem Tode und starb am
+folgenden Morgen. Das Haus war derartig überfüllt, dass die Baronin ihre
+Kinder auf den Hausflur bringen musste, damit sie durch ihr etwaiges
+Schreien dem sterbenden Manne nicht beschwerlich fallen möchten. Sein
+Leichnam lag den ganzen Tag in ihrem Zimmer. Als sein Stab und die
+Generäle sich um sein Grab versammelt hatten, schossen die Amerikaner,
+die hiervon nichts ahnten, auf die Trauer-Versammlung. So wurde, unter
+dem Feuer der feindlichen Kanonen als Trauersalut, der tapfere Führer
+der leichten Truppen zur letzten Ruhe gebettet.
+
+Um 10 Uhr abends des 8. brach die Armee nach Norden auf. Riedesel
+kommandierte die Tête der Kolonne. Das Lazareth mit seinen 800 Insassen
+wurde zurückgelassen. Die Boote mit dem, was an Vorräten noch übrig war,
+nahmen ihren Weg langsam stromaufwärts. Die Wachtfeuer liess man
+brennen, um die amerikanischen Feldwachen zu täuschen.
+
+[Illustration: BURGOYNE'S ÜBERGABE.
+
+October 1777.]
+
+General Burgoynes Armee legte nur eine kurze Strecke in jener Nacht
+zurück und hielt dann bis zum folgenden Nachmittag. Am Abend des 9.
+besetzten die Briten das Dorf Saratoga. Während der Nacht durchwateten
+sie den Fishkill und lagerten auf der Höhe in dem Winkel zwischen
+diesem Fluss und dem Hudson. So hatte vom Abend des 7. bis zum Morgen
+des 10. Burgoyne, für welchen Zeitgewinn von allergrösster Wichtigkeit
+war, nur etwas mehr als 8 Meilen sich zurückgezogen.
+
+
+
+
+Kapitel XIV.
+
+Saratoga, vom 11. bis 16. Oktober 1777.
+
+
+In dem Lager nördlich des Fishkill machte Burgoyne Halt und nahm seinen
+Marsch von hier aus nicht wieder auf. Oberstleutnant Southerland war
+vorgeschickt worden, um eine Brücke über den Hudson bei Fort Edward zu
+bauen, wurde aber sofort wieder zurückberufen. Bei Tagesanbruch am 11.
+machte eine amerikanische Brigade einen Vorstoss über den Fishkill, nahm
+sämtliche Boote und viele Vorräte, machte einige Gefangene und zog sich
+vor einem heftigen Kartätschfeuer zurück. Den ganzen Tag lang wurde die
+englische Armee in Front und Rücken mit Kanonen beschossen.
+
+Am Abend beschied General Burgoyne die Generäle Riedesel und Phillips zu
+sich, um sich mit ihnen über das Wohl und Wehe der Armee zu
+beratschlagen. Burgoyne selbst hielt es für unmöglich, den Feind
+anzugreifen oder die eigene Stellung zu halten, wenn er im Zentrum und
+auf dem rechten Flügel angegriffen werden würde. General Riedesel machte
+deshalb den Vorschlag, in der Nacht unter Zurücklassung der Bagage
+abzuziehen, den Hudson 4 Meilen unterhalb Fort Edward zu durchwaten und
+durch die Wälder nach Fort George zu gelangen zu suchen. Es wurde aber
+keine Entscheidung getroffen.
+
+Ein anderer Kriegsrat wurde unter Hinzuziehung von zwei
+Brigade-Generälen am folgenden Nachmittag gehalten. General Riedesel
+bestand auf seinem Plan vom Tage vorher »sehr emphatisch und mit
+eindringlichen Worten«, und man stimmte dem Plan bei. Aber es war
+vergessen worden, Verpflegung an die Truppen auszugeben, und so wurde
+der Abmarsch auf abends spät verschoben. Um 10 Uhr liess Riedesel
+Burgoyne sagen, dass alles zum Abmarsch bereit sei, aber er erhielt zur
+Antwort, dass es bereits zu spät sei, um noch irgend etwas zu
+unternehmen. So wurde die letzte Chance preisgegeben, denn am andern
+Morgen war die Armee vollkommen umzingelt.
+
+Am 13. Oktober wurde ein dritter Kriegsrat, dem auch die
+Regiments-Kommandeure beiwohnten, zusammenberufen. General Burgoyne
+setzte die Hoffnungslosigkeit der Situation auseinander. Nur noch für
+fünf Tage wären Vorräte vorhanden. Das ganze britische Lager könnte von
+den feindlichen Kartätschen und Flintenkugeln erreicht werden. Gates
+Armee hätte hinter einem morastigen Hohlweg Stellung genommen, und zwar
+so, dass, wenn Burgoyne angreifen wollte, er sich so weit vom Hudson
+entfernen müsste, dass die Amerikaner den Fluss überschreiten und ihn im
+Rücken angreifen würden. Selbst wenn man den Feind erfolgreich
+angegriffen und durchbrochen haben würde, so wären doch nicht
+Lebensmittel genug vorhanden, um nach Fort George zu gelangen. Die
+Stellung, welche die Armee nunmehr einnähme, wäre im Zentrum und auf dem
+rechten Flügel unhaltbar. (Dies war die Terrainstrecke, welche
+hauptsächlich von den Deutschen besetzt war.)
+
+Burgoyne erklärte, dass niemand anders als er selbst für die Lage, in
+der sich die Armee gegenwärtig befände, verantwortlich gemacht werden
+könnte, da er niemand um Rat gefragt, sondern nur Befolgung seiner
+Befehle gefordert habe. Riedesel dankte Burgoyne für diese Erklärung, da
+hierdurch jedermann überführt würde, dass er keinen Anteil an der
+Leitung der von der Armee ausgeführten Bewegungen gehabt hätte, und bat
+daher alle englischen Offiziere, ihm dieses zu bezeugen, wenn er jemals
+zur Verantwortung gezogen werden sollte.
+
+Hierauf legte Burgoyne dem Kriegsrat folgende Fragen vor:
+
+1. Ob in der Kriegsgeschichte Beispiele wären, dass eine Armee in dieser
+Lage kapituliert hätte.
+
+2. Ob in einer solchen Lage eine Kapitulation entehrend sei.
+
+3. Ob die Armee wirklich in der Lage sei, kapitulieren zu müssen.
+
+Auf die erste Frage antworteten alle, dass die Lage der sächsischen
+Armee bei Pirna, des Generals Fink bei Maxen und des Prinzen Moritz von
+Sachsen nicht so schlimm und hülflos gewesen wäre, als die, worin sich
+gegenwärtig die Armee befände; und dass niemand die Generäle hätte
+tadeln können, die, um ihre Armeen zu retten, in solcher Lage
+kapituliert hätten; ausser, dass der König von Preussen den General v.
+Fink, jedoch hauptsächlich aus persönlicher Ungnade, kassiert hätte.
+
+Auf die zweite Frage antworteten alle, dass aus den eben angeführten
+Gründen die Kapitulation nicht entehrend sein könne. Und auf die dritte
+Frage stimmten alle darin überein, dass, wenn der General Burgoyne die
+Möglichkeit sähe, den Feind anzugreifen, sie bereit wären, ihr Blut und
+Leben aufzuopfern; wenn dies aber nicht thunlich sei, so hielten sie es
+für besser, durch eine ehrenvolle Kapitulation dem Könige die Truppen zu
+retten, als durch ein noch längeres »Anstehen« Gefahr zu laufen, wenn
+alle Lebensmittel aufgezehrt wären, sich auf Diskretion ergeben zu
+müssen; oder aber, bei einem Angriff in dieser fehlerhaften Position
+gesprengt und dann einzeln aufgerieben zu werden.
+
+Nach dieser Erklärung setzte General Burgoyne den Entwurf zu einer
+Kapitulation auf, welcher vorteilhaft schien und daher einmütig
+gebilligt wurde. Hierauf wurde ein Tambour ins feindliche Lager
+geschickt um anzuzeigen, dass man am andern Tag einen Stabsoffizier
+hinüberschicken wolle, um mit General Gates Sachen von Wichtigkeit zu
+verhandeln, und während dieser Zeit um Waffenstillstand zu bitten. Dies
+wurde von General Gates bewilligt.
+
+Am 14. vormittags 10 Uhr wurde der Major Kingston in das amerikanische
+Lager hinübergeschickt, um die Vorschläge Burgoynes zu überbringen,
+welche in der Hauptsache darin bestanden, dass seine Armee sich zu
+Kriegsgefangenen, jedoch nur unter der Bedingung ergeben wolle, dass sie
+nach Boston geführt und von da nach England eingeschifft werden sollte,
+nachdem sie sich verpflichtet haben würde, in diesem Kriege, oder bis zu
+ihrer Auswechselung, nicht gegen die Amerikaner zu dienen.
+
+General Gates nahm aber diese Vorschläge nicht an, sondern setzte einen
+andern Kapitulations-Entwurf in 6 Artikeln auf, welcher besagte, dass,
+»da General Burgoynes Armee durch wiederholte Niederlagen, Desertion,
+Krankheit etc. zusammengeschmolzen sei, die Vorräte erschöpft, die
+Dienstpferde, Bagage, Zelte genommen oder zerstört seien, ihre
+Rückzugslinien verlegt und ihr Lager umgezingelt sei, sie sich
+kriegsgefangen ergeben sollte.«
+
+Der sechste Artikel besagte, dass »sobald dieser Vertrag gebilligt und
+unterzeichnet sei, die Truppen unter dem Befehl Seiner Exzellenz des
+Generals von Burgoyne in den Retranchements, in denen sie jetzt stünden,
+das Gewehr strecken und sodann nach dem Orte ihrer weiteren Bestimmung
+marschieren sollten.«
+
+General Burgoyne liess den Kriegsrat zusammenrufen und las diese
+Propositionen des General Gates vor. Die Offiziere erklärten alle
+einmütig, dass sie lieber Hungers sterben, als solche entehrenden
+Artikel eingehen wollten. Major Kingston wurde wieder zu General Gates
+zurückgeschickt, um ihm sagen zu lassen, dass, wenn er nicht von dem 6.
+Artikel ablassen würde, die Verhandlungen sofort abgebrochen würden; die
+Armee würde eher wie ein Mann einen Verzweiflungs-Coup ausführen, als
+sich diesem Artikel unterwerfen. Der Waffenstillstand wurde hierauf
+aufgehoben.
+
+Zu aller Erstaunen langten am folgenden Morgen (15. Oktober 1777) neue
+Vorschläge von General Gates an, worin er alle von Burgoyne
+vorgeschlagenen Artikel der Hauptsache nach billigte; es wurde nur noch
+ausgemacht, dass die Armee schon an demselben Tage nachmittags um 2 Uhr
+aus ihrer Position abmarschieren sollte.
+
+Diese plötzliche Veränderung erregte bei den englischen und deutschen
+Offizieren Misstrauen. Der Kriegsrat beschloss, Gates Vorschläge
+anzunehmen, wollte aber versuchen Zeit zu gewinnen. Eine Kommission,
+bestehend aus zwei Stabsoffizieren von jeder Seite, wurde ernannt, und
+diese verhandelte über verschiedene Kleinigkeiten, die den Artikeln noch
+hinzuzufügen waren, bis 11 Uhr nachts. Die Amerikaner bewilligten alles,
+was man von ihnen verlangte. Die Engländer ihrerseits versprachen, dass
+am andern Morgen die Kapitulation von General Burgoyne unterzeichnet und
+General Gates übersandt werden würde. Der Waffenstillstand sollte
+fortdauern.
+
+Dieselbe Nacht kam ein Überläufer und sagte aus, dass er durch dritte
+Hand erfahren habe, der englische General Clinton habe nicht allein die
+Verschanzung von den Highlands erobert, sondern sei auch schon vor 8
+Tagen bis nach Esopus vorgerückt und müsse aller Wahrscheinlichkeit nach
+schon in Albany angekommen sein. Burgoyne sowohl, wie verschiedene
+andere Offiziere wurden durch diese Nachricht so begeistert, dass sie
+grosse Lust bekamen, die Kapitulation zu brechen. Es wurde noch einmal
+ein Kriegsrat zusammenberufen, welcher folgende Fragen beantworten
+sollte:
+
+»1. Ob ein Traktat, der von bevollmächtigten Kommissarien finaliter
+arrangieret sei, noch nach dem Versprechen des Generals, solchen, sobald
+die Kommissarien alles applanieret, zu unterzeichnen, mit Ehren
+gebrochen werden könne?
+
+2. Ob die eingegangenen Nachrichten so hinlänglich sicher wären, dass
+sie ein Bewegungsgrund sein könnten, einen in unserer Lage so
+vorteilhaften Akkord zu brechen?
+
+3. Ob die Armee wohl noch munteren Geist genug hätte, ihre jetzige
+Stellung bis auf den letzten Mann zu verteidigen?«
+
+Auf die erste Frage erklärten 14 Offiziere gegen 8, dass ein solcher
+Traktat ohne Verletzung der Ehre nicht gebrochen werden könne. Über die
+zweite waren die Stimmen geteilt. Die Verneinenden stützten sich darauf,
+dass der Überbringer der Nachricht alles nur vom Hörensagen hätte, und
+dass, selbst wenn General Clinton wirklich in Esopus wäre, die
+Entfernung von da doch noch so gross sein würde, dass er ihnen in ihrer
+gegenwärtigen Lage doch nicht mehr helfen könnte. Auf die dritte Frage
+war die Antwort aller Offiziere vom linken Flügel bejahend; die
+Offiziere vom Zentrum und rechten Flügel antworteten aber, dass zwar
+alle Soldaten den grössten Mut bezeigen würden, wenn es zum Angriff des
+Feindes gehen sollte, dass aber, da ihnen allen das Fehlerhafte ihrer
+Position zu gut bekannt wäre, zu befürchten stände, sie würden einen
+feindlichen Angriff nicht ebenso aushalten. Da die braunschweigischen
+Truppen hauptsächlich das Zentrum und den rechten Flügel einnahmen, so
+bezieht sich auf diese Erklärung ihrer Offiziere wahrscheinlich eine
+Bemerkung Burgoynes in einem Privatbrief »die Deutschen entmutigt und
+bereit, bei dem ersten Feuer die Waffen zu strecken.«
+
+Um doch noch Zeit zu gewinnen, wurde ein letztes Mittel versucht.
+Burgoyne schrieb nämlich am 16. früh an General Gates einen Brief, worin
+er ihm erklärte, dass er in der vergangenen Nacht von Deserteuren die
+Nachricht erhalten habe, dass er, General Gates, einen ansehnlichen Teil
+seiner Armee nach Albany detachiert hätte und zwar im Laufe der
+Unterhandlungen; dies wäre ganz gegen Treue und Glauben und er,
+Burgoyne, würde die Kapitulation nicht eher unterzeichnen, bis sich
+nicht ein Offizier seines Stabes davon überzeugt haben würde, dass die
+amerikanische Armee drei bis viermal der englischen überlegen sei. Gates
+scheint schliesslich dieses Herumführen an der Nase müde geworden zu
+sein. Er liess als Antwort sagen, dass seine Armee noch dieselbe Stärke
+wie vorher und sogar noch Verstärkung bekommen hätte; dass er es ebenso
+wenig für politisch wie vielmehr seiner Ehre nachteilig halten würde,
+die Stärke seiner Armee einem von General Burgoynes Offizieren zu
+zeigen, und dass der General wohl bedenken möchte, was er thäte, wenn er
+sein Ehrenwort bräche; er würde für die Folgen verantwortlich sein.
+Gates fügte hinzu, dass, sobald die Kapitulation unterzeichnet sein
+würde, er bereit sei, dem General Burgoyne seine ganze Armee zu zeigen,
+und er stände mit seiner Ehre dafür, dass er sie viermal so stark als
+die Britische finden würde, ungerechnet die Truppen, die jenseits des
+Hudson postiert wären. Er könne aber jetzt nicht mehr länger als eine
+Stunde Zeit zur Antwort gestatten, und würde nach Verlauf derselben sich
+genötigt sehen, die strengsten Massregeln zu ergreifen.
+
+Hierauf wurde der Kriegsrat noch einmal zusammenberufen, und Niemand
+fand sich mehr, der dem General zum Brechen seines Wortes geraten hätte.
+Burgoyne zog die Generale Phillips und Riedesel allein auf die Seite und
+bat um ihren freundschaftlichen Rat. Beide schwiegen anfänglich stille,
+bis endlich der General Riedesel erklärte, dass wenn der General
+Burgoyne in England zur Verantwortung gezogen werden sollte, er nur für
+die Bewegungen, die die Armee in eine solche Lage gebracht hätten,
+verantwortlich sein könnte, und vielleicht wegen der ersten Eröffnung
+einer Kapitulation und deswegen, weil er nicht frühzeitig genug den
+Rückzug so weit gemacht, dass man Herr der Kommunikation mit dem Fort
+George geblieben wäre. Nun aber nach allen gethanen Schritten hielt es
+Riedesel noch viel gefährlicher, den Tractat auf eine ungewisse und
+unzuverlässige Nachricht hin zu brechen.
+
+Gleicher Meinung war der Brigadier Hamilton, der hinzu kam und auch
+darüber befragt wurde. General Phillips sagte nur, dass die Lage der
+Dinge eine derartige sei, dass er weder Rat noch Hilfe ausfindig machen
+könne. Nach vielem Überlegen hin und her entschloss sich Burgoyne
+schliesslich zu unterzeichnen, und hierauf wurde die unterzeichnete
+Kapitulation an General Gates gesandt.
+
+Es übergaben sich im Ganzen 5791 Mann. Riedesel hat festgestellt, dass
+nicht mehr als 4000 von diesen dienstfähig waren. Die Zahl der
+Deutschen, die sich ergaben ist von Eelking auf 2431 festgestellt
+worden, von denen die getötet, verwundet und vermisst wurden vom 6.
+Oktober an auf 1122. Der Gesamt-Verlust der Briten und ihrer
+Hilfstruppen an Toten, Verwundeten, Gefangenen und Deserteuren während
+dieser Kampagne, einschliesslich der Verluste von St. Legers Expedition,
+betrug annähernd 9000 Köpfe.
+
+Die Tage, welche der Uebergabe vorausgegangen waren, waren Tage der
+Verwirrung gewesen. Baronin Riedesel sagt, dass sie am Abend des 9.
+Oktober in Saratoga, nachdem sie während des ganzen Tages nur eine halbe
+Stunde zurückgelegt hatten, den General Phillips gefragt habe, warum sie
+denn den Rückzug nicht fortsetzten, da es doch noch Zeit wäre. Der
+General bewunderte ihre Entschlossenheit und wünschte, sie hätte den
+Befehl über die Armee. Dieselbe Dame erwähnt, dass Burgoyne die Hälfte
+jener verhängnisvollen Nacht singend und trinkend zugebracht und sich
+mit seiner Maitresse amüsiert habe.
+
+Die Armee war dem Elend und der Unordnung anheim gefallen. Am 10.
+verpflegte die Baronin mehr als 30 Offiziere aus ihren Privat-Vorräten,
+»denn wir hatten einen Koch, der, ob er gleich ein Erzschelm war, doch
+zu allem Rat wusste, und oft des Nachts kleine Flüsse passierte, um den
+Landleuten Hämmel, Hühner und Schweine zu stehlen, die er sich nachher
+gut bezahlen liess von uns, wie wir erst in der Folge erfahren haben.«
+Diese Vorräte waren nun erschöpft, und die Dame in ihrer Verzweiflung
+rief den General-Adjutanten, der ihr gerade in den Wurf kam, zu sich
+heran, er möchte Burgoyne über den grossen Mangel, an dem die in Dienst
+verwundeten Offiziere litten, in Kenntnis setzen. Der kommandierende
+General nahm dies gut auf, kam selbst zu ihr und dankte ihr, dass sie
+ihn an seine Pflicht erinnert hätte, und gab Befehl, dass Lebensmittel
+verteilt werden sollten. Die Baronin glaubte, dass Burgoyne ihr nie
+diese Einmischung verziehen habe. Es scheint mir, nach den
+Aufzeichnungen Beider, dass eher sie und ihr Gemahl als Burgoyne einen
+heimlichen Groll hegten. Die Denkschrift, welche General Riedesel
+verfasste und von seinen Offizieren gleich nach der Übergabe
+unterzeichnet wurde, ist eine lange Anklage gegen Burgoyne und legt die
+üblen Folgen dar, dass man den Schreiber nicht um Rat gefragt oder seine
+Pläne nicht pünktlich zur Ausführung gebracht habe. Es ist klar, dass
+Riedesel Burgoyne für das Unglück der Armee verantwortlich machte, das
+Unglück, welches ihm so zu Herzen ging, dass sein Körper und seine
+Gemütsstimmung längere Zeit ernstlich darunter litten. Burgoyne schrieb
+im Frühjahr 1778, bevor er Amerika verliess an den Herzog von
+Braunschweig und pries Riedesels grosse Fähigkeiten und die Art, wie er
+die Befehle seines vorgesetzten Offiziers ausgeführt hätte. --
+Hieraufhin schrieb Riedesel einen sehr freundlichen Brief an Burgoyne,
+in welchem er ihm in seinem und seiner Offiziere Namen für die ihnen
+bewiesene Güte dankte. »Wenn auch unsere Bemühungen nicht vom Glück
+gekrönt worden sind«, fährt er fort, »so wissen wir doch wohl, dass es
+nicht Ihr Fehler war, sondern dass die Armee ein Opfer der Wechselfälle
+des Krieges geworden ist.« Dieser einzige Ausdruck des Vertrauens ist
+mit dem, was Riedesel zu andern Zeiten und an anderer Stelle sagt, nicht
+in Einklang zu bringen. Die oben erwähnte militärische Denkschrift, die
+in dem Buch der Baronin veröffentlicht ist, ist ein genügender Beweis
+dafür. In demselben Sinne sind Riedesels Bemerkungen über Burgoynes
+Feldzugs-Bericht aufgefasst. Diese Bemerkungen, welche an den Herzog von
+Braunschweig und an seine Landsleute gerichtet waren, sind datiert
+Cambridge, 8. April 1778, etwas mehr als einen Monat später als der oben
+erwähnte Brief. Sie beklagen ausdrücklich, dass General Burgoyne,
+während er von Riedesel selbst mit Anerkennung spräche, über die
+Leistungen der Truppen leicht hinwegginge. Die Klagen des deutschen
+Generals in dieser Beziehung sind aber, Burgoynes Bericht nach, nur
+wenig gerechtfertigt.
+
+Doch wir müssen zur Baronin zurückkehren. Am Nachmittag des 10. Oktober
+nahmen die Amerikaner das Feuer auf die Engländer wieder auf. »Mein Mann
+liess mir sagen, dass ich mich unverzüglich nach einem Hause begeben
+sollte, welches nicht weit von da war. Ich setzte mich in die Kalesche
+mit meinen Kindern, und kaum sind wir im Begriff bei dem Hause
+anzukommen, so sehe ich an dem jenseitigen Ufer des Hudson-Flusses sechs
+bis sieben Menschen mit Flinten, die auf uns zielen. Fast unwillkürlich
+werfe ich die Kinder in den Fond der Kalesche und mich über sie; in
+demselben Augenblick schiessen die Kerle und zerschmettern hinter mir
+einem armen englischen Soldaten, der schon blessiert war und sich auch
+nach dem Hause retten wollte, einen Arm. Gleich nach unserer Ankunft
+begann eine fürchterliche Kanonade, welche grösstenteils nach dem Hause,
+worin wir Schutz gesucht, gerichtet war, vermutlich weil die Feinde
+glaubten, da sie viel Leute dorthin strömen sahen, dass die Generalität
+sich dort befände. Ach, es waren nichts als Verwundete oder Frauen! Wir
+wurden endlich genötigt, in einem Keller unsere Zuflucht zu nehmen, wo
+ich mich in eine Ecke unweit der Thür lagerte. Meine Kinder lagen auf
+der Erde, mit ihren Köpfen auf meinem Schooss. So blieben wir die ganze
+Nacht. Ein entsetzlicher Geruch, das Geschrei der Kinder, und noch mehr
+als alles dieses, meine Angst, verhinderten mich ein Auge zuzuthun.
+
+Den andern Morgen ging die Kanonade wieder an, aber von einer andern
+Seite. Ich riet, dass alle aus dem Keller ein wenig herausgehen möchten,
+während dessen ich ihn wollte reinigen lassen, weil wir sonst alle krank
+werden würden. Man folgte meinem Rat und liess von Vielen Hand anlegen,
+was bei der weitläufigen Arbeit höchst nötig war. Wie alles heraus war,
+besah ich mir unsern Zufluchtsort; es waren drei schöne Keller, die
+recht gut gewölbt waren. Ich that den Vorschlag, dass in den einen die
+am gefährlichsten blessierten Offiziere gebracht werden sollten; die
+Frauen sollten in dem andern sein, und alle Übrigen in dem dritten, der
+dem Ausgang am nächsten war.
+
+Ich hatte gut auskehren und mit Essig räuchern lassen, und man fing
+bereits an, jeder seinen Platz einzunehmen, als neue entsetzliche
+Kanonenschüsse alles wieder in Alarm brachten. Mehrere, die kein Recht
+hatten hineinzugehen, stürzten nach der Thüre. Meine Kinder waren schon
+die Kellertreppe hinunter, und wir hätten Alle können erdrückt werden,
+wenn Gott mir nicht Kräfte geschenkt hätte, mich vor die Thür zu stellen
+und mit ausgebreiten Armen allen den Eingang zu verwehren; sonst wäre
+gewiss jemand von uns zu Schaden gekommen. Elf Kanonenkugeln gingen
+durchs Haus und wir konnten sie deutlich über unsere Köpfe hinwegrollen
+hören. Einem armen Soldaten, dem man ein Bein abnehmen wollte und
+dieserhalb auf den Tisch gelegt hatte, nahm eine Kanonenkugel
+mittlerweile das andere Bein fort. Seine Kameraden waren alle davon
+gelaufen, und wie sie wieder zu ihm kamen, fanden sie ihn in einer Ecke
+der Stube, wo er sich vor Angst hingerollt hatte, und kaum noch athmend.
+Ich war mehr tot als lebendig, doch nicht so viel über unsere eigene
+Gefahr, als über die, in welcher mein Mann schwebte, der jedoch oft
+fragen liess, wie es uns ginge, und mir sagen liess, dass er wohl wäre.
+
+Der Major Harnich und seine Frau, eine Madame Rennels, die schon ihren
+Mann verloren hatte, die Frau des guten Lieutenants, der den Tag vorher
+seine Bouillon so gutherzig mit mir geteilt hatte, die Frau des
+Kommissars und ich, wir waren die einzigen Damen, die bei der Armee
+waren. Wir sassen eben zusammen und beklagten unser Schicksal, als
+jemand hereinkam und man sich in die Ohren flüsterte und sich einander
+traurig ansah. Ich bemerkte dieses und dass auf mich Blicke geworfen
+wurden, ohne dass mir weiter etwas gesagt ward. Dieses erweckte in mir
+den schrecklichen Gedanken, dass mein Mann geblieben sei. Ich schrie
+laut auf; man versicherte mich aber, dass dieses nicht sei, sondern
+winkte mir zu, dass den Mann der armen Lieutenantin dieses Unglück
+betroffen habe. Diese wurde auch einen Augenblick nachher herausgerufen.
+Der Mann war noch nicht tot, aber eine Kanonenkugel hatte ihm den Arm
+oben an der Schulter weggenommen. Wir hörten die ganze Nacht sein
+Winseln, welches doppelt und desto grausender in diesen Kellergewölben
+wiederhallte; und der Arme starb erst gegen Morgen. Wir brachten
+übrigens diese Nacht wie die vorige zu. Indessen kam mein Mann, mich zu
+besuchen, welches meinen Kummer linderte und mir wieder Mut gab.
+
+Den Morgen darauf fingen wir an, uns ein wenig besser einzurichten. Der
+Major Harnich und seine Frau und Madame Rennels machten sich in einer
+Ecke eine kleine Stube und Gardinen davor. Man wollte mir eine andere
+Ecke ebenso zurecht machen, ich zog aber vor, nahe an der Thür zu
+bleiben, da ich auf den Fall von Feuersgefahr daselbst eher
+herauskonnte. Ich liess eine Streu machen und legte meine Betten darauf,
+wo ich mit meinen Kindern schlief, nicht weit von uns schliefen meine
+Frauen. Gegenüber waren drei englische Offiziere einquartiert, die, zwar
+blessiert, jedoch entschlossen waren, im Fall des Rückzuges nicht
+zurückzubleiben. Einer derselben war ein Kapitain Green, Adjutant des
+Generals Phillips, ein sehr schätzbarer und artiger Mann. Alle drei
+versicherten mich mit einem Eide, dass sie im Fall eines schleunigen
+Rückzuges mich nicht verlassen und ein jeder von ihnen eines meiner
+Kinder mit auf sein Pferd nehmen wollte. Für mich stand eines von meines
+Mannes Pferden immer gesattelt bereit. Öfters war mein Mann Willens,
+mich, um mich der Gefahr zu entziehen, zu den Amerikanern zu schicken;
+ich stellte ihm aber vor, dass es noch ärger als alles, was ich jetzt
+ausstehen müsste, sein würde, mit Leuten zu sein, denen ich mit Schonung
+würde begegnen müssen, während dass mein Mann sich mit ihnen
+herumschlüge; er versprach mir also, dass ich ferner der Armee folgen
+sollte. Manchmal bekam ich jedoch in der Nacht die Angst, dass er
+fortmarschiert wäre, und kroch aus meinem Keller, um zuzusehen; wenn ich
+dann die Truppen in den schon kalten Nächten um die Feuer herumliegen
+sah, so konnte ich wieder ruhiger schlafen.
+
+Auch die mir anvertrauten Sachen verursachten mir viel Unruhe. Ich hatte
+sie alle vorne in meinem Corset stecken, weil mir immer so sehr angst
+war, etwas davon zu verlieren, und ich nahm mir fest vor, in Zukunft
+mich nicht mehr mit dergleichen zu befassen. Den dritten Tag fand ich
+erst Gelegenheit und einen Augenblick, um die Wäsche zu wechseln, da man
+die Gefälligkeit hatte, mir einen kleinen Winkel hierzu einzuräumen;
+während der Zeit standen meine drei vorerwähnten Offiziere nicht weit
+davon Schildwache. Einer dieser Herrn konnte sehr natürlich das Brüllen
+einer Kuh und Blöken eines Kalbes nachahmen: und wenn meine kleine
+Tochter Fritzchen des Nachts weinte, so machte er es ihr vor, sie ward
+wieder stille und wir mussten lachen.
+
+Unser Koch verschaffte uns Essen, aber es fehlte uns an Wasser; und ich
+war öfters genötigt, um nur den Durst zu löschen, Wein zu trinken und
+auch den Kindern welchen zu geben. Es war auch fast das einzige, was
+mein Mann zu sich nahm; welches endlich unsern treuen Jäger Rockel
+ängstigte, so dass er mir eines Tages sagte: »Ich befürchte, dass der
+General aus Besorgnis, in Gefangenschaft zu geraten, des Lebens
+überdrüssig ist, weil er so viel Wein trinkt.« Die beständige Gefahr, in
+welcher mein Mann schwebte, setzte mich in ewige Angst. Ich war die
+einzige unter allen den Frauen, deren Mann nicht geblieben war oder
+sonst ein Unglück gehabt hatte, und sagte mir daher oft: »Sollte ich die
+einzige Glückliche sein?« besonders, da mein Mann Tag und Nacht so sehr
+der Gefahr ausgesetzt war. Er kam keine Nacht in das Zelt und lag alle
+Nächte draussen beim Wachtfeuer. Das alles konnte schon sein Tod sein,
+da die Nächte so nasskalt waren.
+
+Da so grosser Mangel an Wasser bei uns war, so fanden wir endlich eine
+Soldatenfrau, die den Mut hatte, Wasser vom Flusse zu holen, was keiner
+mehr unternehmen wollte, weil der Feind alle Männer, die nach dem Flusse
+gingen, auf den Kopf schoss. Dieser Frau thaten sie nichts aus Achtung
+vor ihrem Geschlecht, wie sie uns selbst hernachmals sagten.
+
+Ich suchte mich dadurch zu zerstreuen, dass ich mich viel mit unsern
+Blessierten beschäftigte. Ich machte ihnen Thee und Kaffee und bekam
+dagegen tausend Segenswünsche. Oft teilte ich auch mein Mittagsessen mit
+ihnen. Eines Tages kam ein canadischer Offizier in unsern Keller, der
+sich kaum noch aufrecht erhalten konnte. Wir kriegten endlich von ihm
+heraus, dass er fast Hungers stürbe. Ich fand mich sehr glücklich, ihm
+mein Essen anbieten zu können, welches ihn wieder zu Kräften brachte und
+mir seine Freundschaft erwarb. Bei unserer nachmaligen Zurückkunft nach
+Canada lernte ich seine Familie kennen. Eine unserer grössten
+Beschwerden war der Geruch der Wunden, wenn sie anfingen zu eitern.
+
+Einst unternahm ich die Kur eines Majors Plumfield, Adjutanten des
+Generals Phillips, dem eine kleine Flintenkugel durch die beiden Backen
+gegangen war und ihm die Zähne zerschmettert und die Zunge gestreift
+hatte. Er konnte gar nichts im Munde behalten; die Materie erstickte ihn
+fast, und er war nicht im Stande, andere Nahrung zu sich zu nehmen als
+ein wenig Bouillon oder sonst etwas Flüssiges. Wir hatten Rheinwein. Ich
+gab ihm eine Bouteille, in der Hoffnung, dass die Säure des Weines seine
+Wunde reinigen würde. Er nahm immer etwas davon in den Mund, und das
+allein that so glückliche Wirkung, dass er geheilt wurde, wodurch ich
+wieder einen Freund mehr bekam. Und so hatte ich mitten in meinen
+Leiden- und Kummerstunden Augenblicke freudigen Genusses, die mich sehr
+glücklich machten.
+
+An einem dieser Tage wünschte General Phillips mich zu besuchen und
+begleitete meinen Mann, der täglich ein- oder zweimal mit Gefahr seines
+Lebens zu mir kam. Er sah unsere Lage und hörte mich meinen Mann
+flehentlich bitten, mich im Fall eines schleunigen Rückzuges nicht
+zurückzulassen, er redete mir selbst das Wort dabei, wie er meinen
+grossen Widerwillen sah, in den Händen der Amerikaner zu sein. Beim
+Weggehen sagte er zu meinem Manne: »Nein, um zehntausend Guineen komme
+ich nicht wieder hierher, denn mein Herz ist ganz zerrissen.«
+
+Indessen verdienten nicht alle, die bei uns waren, Mitleid. Es waren
+auch Feige darunter, die um nichts in dem Keller blieben und nachmals,
+als wir in die Gefangenschaft gerieten, sich recht gut in Reihe und
+Glied stellen und paradieren konnten. Wir blieben sechs Tage in dieser
+schrecklichen Lage. Endlich sprach man von Kapitulieren, da man zu lange
+gezaudert hatte und der Rückzug nun abgeschnitten war. Es wurde ein
+Waffenstillstand gemacht, und mein Mann, der ganz erschöpft war, konnte
+in dem Hause zum erstenmal seit geraumer Zeit sich wieder einmal zu Bett
+legen. Damit seine Ruhe gar nicht gestört wurde, hatte ich ihm in einer
+kleinen Stube ein gutes Bett machen lassen und legte mich mit meinen
+Kindern und meinen beiden Frauen in einem Saal daneben schlafen. Aber
+ungefähr um 1 Uhr in der Nacht kam jemand und verlangte ihn zu sprechen.
+Mit dem grössten Widerwillen sah ich mich genötigt, ihn aufzuwecken. Ich
+bemerkte, dass ihm die Botschaft nicht angenehm war, dass er den Mann
+sogleich nach dem Hauptquartier abfertigte und sich dann verdriesslich
+wieder niederlegte. Bald darauf liess der General Burgoyne alle andern
+Generale und Stabsoffiziere zu einem Kriegsrate, der gleich am frühen
+Morgen abgehalten werden sollte, zusammenberufen, in welchem er auf
+einen erhaltenen falschen Bericht vorschlug, die Kapitulation zu
+brechen, die bereits mit dem Feinde gemacht worden. Es wurde aber
+endlich entschieden, dass dieses weder thunlich noch ratsam sei; und
+dieses war ein Glück für uns, denn die Amerikaner sagten uns nachher,
+dass, wenn wir die Kapitulation gebrochen, wir alle massakriert worden
+wären, welches sie desto leichter thun konnten, da wir nicht über 4 bis
+5000 Mann stark waren und wir ihnen Zeit gelassen hatten, über 20 000
+zusammen zu bringen.
+
+Am 16. Oktober des Morgens musste mein Mann wieder auf seinen Posten und
+ich nochmals in meinen Keller.
+
+An diesem Tage wurde unter die Offiziere, welche bis dahin nur gesalzen
+Fleisch bekommen, das die Wunden der Blessierten sehr verschlimmerte,
+viel frisches Fleisch verteilet. Die gute Frau, welche uns immer Wasser
+geholt, machte eine treffliche Suppe davon. Ich hatte allen Appetit
+verloren und die ganze Zeit nichts zu mir genommen als eine in Wein
+getunkte Brotrinde. Die blessierten Offiziere, meine Unglücksgefährten,
+schnitten das beste Stück Rindfleisch ab und präsentierten es mir mit
+einem Teller Suppe. Ich sagte ihnen, ich wäre nicht vermögend etwas zu
+essen; da sie aber sahen, wie nötig es für mich war, etwas Nahrung zu
+mir zu nehmen, so erklärten sie, dass sie selbst nicht einen Bissen
+anrühren würden, bis ich ihnen das Vergnügen gemacht hätte, davon zu
+nehmen. Ich konnte ihren freundschaftlichen Bitten nicht länger
+widerstehen, worauf sie mir versicherten, dass es sie sehr glücklich
+mache, mir das erste Gute, was sie gehabt, anbieten zu können.
+
+Den 17. Oktober wurde die Kapitulation vollzogen, Die Generale verfügten
+sich zum amerikanischen General en chef Gates, und die Truppen streckten
+das Gewehr und ergaben sich zu Kriegsgefangenen. Nun bekam die gute
+Frau, welche uns mit Gefahr ihres Lebens Wasser geholt, den Lohn ihrer
+Dienste. Jeder warf ihr ganze Hände voll Geld in ihre Schürze, und sie
+bekam zusammen über 20 Guineen. In solchen Augenblicken scheint das Herz
+für Gefühle der Dankbarkeit empfänglich zu sein.«
+
+
+
+
+Kapitel XV.
+
+Die Braunschweiger in Gefangenschaft.
+
+
+Die Bedingungen, unter welchen sich Burgoynes Armee bei Saratoga ergab,
+wurden niemals erfüllt. Die Soldaten wurden im Wesentlichen als
+Kriegsgefangene behandelt. Dieses führte zu heftigen Klagen ihrerseits
+sowohl zu jener Zeit, wie von Seiten deutscher und englischer
+Geschichtsschreiber bis auf den heutigen Tag. Es wird von Bankroft
+berichtet, dass bei der Übergabe die Konvention von den Briten dadurch
+gebrochen worden sei, dass die Kriegskasse und anderes Staatseigentum
+verheimlicht worden sei, um welches die Vereinigten Staaten auf diese
+Weise betrogen wurden. Im November 1777 schrieb Burgoyne eine
+unüberlegte und grundlose Klage gegen die Verletzungen durch die
+Amerikaner und folgerte daraus, dass er den angeblichen Bruch benutzen
+könnte, sich und seine Regierung von allen Verpflichtungen zu entbinden.
+Burgoyne verweigerte auch, die notwendigen Listen aller in die Übergabe
+einbegriffenen Personen herauszugeben. Der Kongress weigerte sich
+daraufhin, seine Armee eher einzuschiffen als bis die Kapitulation durch
+die Regierung von Grossbritannien bestätigt wäre.
+
+Es scheint mir, dass in der Behandlung dieser Angelegenheit der Kongress
+seine Ehre und die des Landes nicht richtig wahrte. Es war richtig, dass
+Gates einen schlechten Handel gemacht hatte. Aber dieser Handel war mit
+Bewusstsein gemacht worden und Burgoynes Soldaten hatten dadurch, dass
+sie die Waffen streckten, die wichtigsten der ihnen auferlegten
+Bedingungen erfüllt. Es lag nunmehr den Amerikanern ob, auch ihrerseits
+dem Vertrage nachzukommen, und schlimmstenfalls eine offenbare
+Verletzung der untergeordneten Artikel der Kapitulation oder der sehr
+deutliche Beweis der Absicht auf englischer Seite, das Wort zu brechen,
+hätte den siegreichen Teil veranlasst haben sollen, die Erfüllung seiner
+Versprechungen zurückziehen.
+
+Während der Kongress gesonnen war, die deutschen Gefangenen in Amerika
+zu behalten, beeilte sich ihr eigener Fürst keineswegs, sie wieder nach
+Europa zurückzuerlangen. Auf die Nachricht der Kapitulation von Saratoga
+schrieb der Minister des Herzogs von Braunschweig an den englischen
+Kommissionär, dass man den Leuten, die sich ergeben hätten, die
+Rückkehr nach Deutschland verwehren sollte, damit sie nicht noch andere
+von der Einreihung in die Armee abschreckten. »Schickt die
+Übriggebliebenen auf eine Eurer Inseln in Amerika, steckt sie in Europa
+auf einer von Euren Inseln, wie z. B. auf der Insel Wight fest.« Auf
+keinen Fall durften die armen Teufel nach Hause kommen.
+
+Am 17. Oktober 1777 streckten General Burgoynes Soldaten die Waffen in
+Saratoga. Dies durften sie ohne Beisein irgend einer amerikanischen
+Truppenabteilung thun. General Riedesel hatte Befehl gegeben, dass die
+Fahnen der braunschweigischen Regimenter nicht überliefert werden
+sollten. Er liess die Fahnenstangen verbrennen und verbarg die
+Fahnentücher, indem er den Amerikanern gegenüber vorgab, dass die
+letzteren auch verbrannt wären. Er verbarg sie, bis die Gefangenen
+einige Zeit in Cambridge verweilt hatten und er die Baronin in das
+Geheimnis eingeweiht hatte. Frau von Riedesel nähte sie mit Hilfe eines
+»recht ehrlichen Schneiders« in eine Matratze ein, und es wurde unter
+irgend einem Vorwand ein Offizier durch die Linie nach New-York gesandt,
+der die Matratze als Teil seines Bettes mitnahm. So wurden die
+braunschweigischen Fahnen gerettet. Burgoyne hatte sein Ehrenwort
+gegeben, dass die Offiziere nichts von dem königlichen Eigentum in ihrem
+Privat-Gepäck mitnehmen würden. Vielleicht meinte man, dass die Fahnen
+dem Herzog von Braunschweig gehörten und nicht dem König, der sie nur
+gemietet hatte in Gemeinschaft mit den Verteidigern derselben.
+
+Nachdem die Waffen niedergelegt waren, marschierten die Braunschweiger
+durch das amerikanische Lager, wo die siegreiche Armee aufgestellt war,
+um sie zu empfangen. Nicht ein Regiment war richtig uniformiert, sondern
+jeder Mann war in den Kleidern, die er auf dem Feld, in der Kirche oder
+im Bierhaus trug. Aber sie standen da wie Soldaten, in guter Ordnung und
+sehr militärisch, zur grossen Verwunderung der deutschen Offiziere.
+»Die Leute standen so still, dass wir mit Erstaunen erfüllt wurden,«
+schreibt einer, »nicht ein Mann machte Miene auch nur mit seinem
+Nebenmanne zu sprechen. Ausserdem standen die Leute alle so aufgerichtet
+im Gliede, sahen so schön und kräftig aus, dass es ein Vergnügen war sie
+anzusehen, und wir alle waren verwundert über diesen schönen
+Menschenschlag..... In der That, Englisch-Amerika übertrifft den
+grössten Teil von Europa, was die Grösse und Schönheit seiner Männer
+anlangt.«
+
+Nur wenige Offiziere in Gates Armee trugen Uniformen, und diese wenigen
+trugen sie nach ihrer eigenen Fantasie, von irgend welchem Tuch, das
+ihnen in die Hände kam. Grosse und kleine Perrücken, schwarze, weisse
+und graue zierten oder verunzierten ihre Köpfe. Einige von ihnen sahen
+aus, als trügen sie ein ganzes Schaf auf ihren Schultern. Diese grossen
+Perrücken flössten, unserem Braunschweiger zufolge, dem gewöhnlichen
+Volk grosse Ehrfurcht ein. Unter den Trägern dieser Perrücken waren
+viele 50 bis 60 Jahre alt, und nunmehr zum ersten Mal in Reihe und
+Glied, zwar etwas schwerfällig ihrer Erscheinung nach, aber durchaus
+eifrig, ohne sich zu vernachlässigen, besonders in den Wäldern. »In
+vollkommenem Ernst,« sagt der deutsche Offizier, »diese ganze Nation hat
+viel natürliche Beanlagung zum Krieg und Soldatenleben.«
+
+Als die Truppen, die sich ergeben hatten, durch die Reihen der
+Amerikaner schritten, zeigte ihnen nicht ein Mann von der siegreichen
+Armee seine Missachtung oder verhöhnte sie wegen ihres Missgeschickes.
+Die Deutschen bezeugen insgesamt, dass Offiziere sowohl wie Soldaten sie
+mit Güte und Wohlwollen behandelten. General Gates lud alle höheren
+Offiziere in sein Zelt ein und behielt die Generäle zum Mittagessen
+zurück. Schuyler erwies Frau von Riedesel besondere Artigkeit. Er kam
+ihr entgegen, als sie in das Lager kam, hob ihre Kinder aus dem Wagen,
+küsste sie und half ihr aus dem Wagen aussteigen. Nach wenigen
+ermutigenden Worten führte er sie zu General Gates, mit dem sie Burgoyne
+zusammen stehen sah, der anscheinend auf ganz freundschaftlichem Fuss
+mit ihm stand. Er sagte zu ihr, dass sie keine Angst haben sollte, denn
+ihre Leiden hätten nun ein Ende. »Ich antwortete,« schreibt die Baronin,
+»ich würde freilich Unrecht haben, noch Besorgnisse zu haben, wenn unser
+Chef keine mehr hätte und ich ihn auf einem so guten Fuss mit General
+Gates sähe.«
+
+Schuyler hatte Frau von Riedesel und ihren Kindern in seinem eigenen
+Zelt ein Mittagessen auftragen lassen (»geräucherte Zunge, Beefsteak,
+Kartoffeln, gute Butter und Brod«), und sie verbrachte drei Tage mit
+seiner Familie in Albany, wo sie mit der grössten Freundlichkeit
+behandelt wurde. Burgoyne war auch Schuylers Gast in Albany. Er machte
+Entschuldigungen dem letzteren gegenüber, dass er ihm sein Haus und
+seine Scheunen in Saratoga verbrannt hätte. »Das ist das Schicksal des
+Krieges«, erwiderte der brave Mann, »lassen Sie uns davon nicht weiter
+reden.«
+
+Die Gefangenen oder »Konventionisten«, wie sie sich nannten, traten nun
+ihren Marsch durch Massachusetts hindurch an. Das Wetter war kalt und
+die Wege schlecht. Der Marsch dauerte vom 17. Oktober bis zum 7.
+November. An einigen Orten weigerten sich die Einwohner, die Gefangenen
+in ihre Häuser aufzunehmen, und an andern Orten, wo es nötig war Halt zu
+machen, waren nicht Häuser genug, um sie zu beherbergen. Die Einwohner
+ihrerseits beklagten sich, dass die durchmarschierenden Gefangenen ihre
+Gelände verbrannten, ihr Viehfutter unbrauchbar machten und Kleider und
+Möbel aus ihren Häusern stahlen. Von allen Seiten strömte das Landvolk
+zusammen, um die Gefangenen zu sehen und man drängte sich in die Häuser,
+wo sie einquartiert waren, bis die Offiziere anfingen zu argwöhnen,
+dass die Hauswirte Geld für dieses Schauspiel nähmen.
+
+Auf diese Weise sahen die Deutschen viel von der weiblichen
+Landbevölkerung, und derselbe Offizier, der die obenerwähnte
+Beschreibung der amerikanischen Soldaten verfasst hat, hat uns die
+ersten Eindrücke von Neu-Englands Frauen auf ihn hinterlassen.
+
+»Die Frauen in allen Gegenden von Boston bis New-York sind schlank und
+gerade gewachsen, wohlgenährt ohne plump zu sein. Sie haben hübsche,
+kleine Füsse, gute, kräftige Hände und Arme, eine sehr weisse Haut und
+eine sehr gesunde Gesichtsfarbe, sodass sie sich nicht zu malen
+brauchen. Kaum eine von denen, die ich gesehen habe, hatte Pockennarben
+auf dem Gesicht; denn das Impfen ist hier schon seit vielen Jahren
+gebräuchlich. Ihre Zähne sind sehr weiss, ihre Lippen schön und ihre
+Augen lebhaft und lachend. Obendrein haben sie natürliche und
+ungezwungene Manieren, eine freie und fröhliche Miene, eine natürliche
+Sicherheit im Auftreten. Sie geben viel auf Reinlichkeit und gutes
+Schuhwerk. Sie ziehen sich sehr hübsch an, aber ihre Kleider müssen sehr
+eng anliegen..... Sie locken ihr Haar jeden Tag, machen es von hinten zu
+einem Chignon zurecht und vorn über ein Kissen von mässiger Höhe.
+Gewöhnlich gehen sie barhäuptig aus, oder setzen höchstens ein kleines
+herzförmiges Ding oder irgend eine derartige Kleinigkeit auf ihren Kopf.
+Hier und da lässt eine Land-Nymphe ihr Haar fliegen und schmückt es mit
+einem Band. Obschon die Hütte, in der sie leben, ärmlich sein mag, so
+tragen sie doch einen seidenen Mantel und Handschuh, wenn sie ausgehen.
+Sie wissen sich sehr hübsch in den Mantel zu hüllen, so dass ein
+kleiner, weisser Ellbogen daraus hervorguckt. Dann tragen sie eine Art
+gut gearbeiteten Krempenhut, unter welchem sie mit ihren schelmischen
+Augen kokett hervorsehen. In den englischen Kolonien haben die Schönen
+eine Vorliebe für Mäntel von roter Seide oder Wolle. In dieser Art
+gekleidet, läuft, springt und tanzt das junge Mädchen umher, wünscht
+Ihnen einen »Guten Morgen« oder giebt, der Frage entsprechend, eine
+schnippische Antwort. So standen sie zu Dutzenden den ganzen Weg
+entlang, liessen uns Revue passieren, lachten mokant über uns oder
+liessen von Zeit zu Zeit eine boshafte Bemerkung fallen und händigten
+uns einen Apfel ein. Wir dachten erst, dass es Mädchen aus der Stadt
+wären oder wenigstens von der zweiten Klasse, aber keineswegs! Sie waren
+die Töchter von armen Bauern, die man an ihrer Kleidung als arme Bauern
+erkennen konnte.«
+
+Der Offizier fährt mit seinen sozialen Beobachtungen fort. Es scheint,
+dass in ganz Amerika die Männer den Frauen völlig unterthan sind. Die
+letzteren gebrauchen ihre Gewalt in Kanada zum Besten der Männer, in
+New-England aber zu ihrem Ruin. Die Frauen sind extravagant. Wie sie es
+fertig bekommen, den Männern so schwer zur Last zu fallen, ist unserm
+guten Deutschen ein Rätsel, da er sieht, dass sie weder kratzen, noch
+beissen, noch Ohnmachtsanfälle bekommen. Bei all diesem setzten sie ihre
+Hoffnung auf die britische Krone. Die Frauen tragen jetzt ihren
+Sonntagsstaat an den Wochentagen. Wenn es abgetragen ist, wird Friede
+mit Grossbritannien gemacht sein, um dann neu mit allem versorgt zu
+werden.
+
+Wir kommen nun zu den Negern. Diese findet man auf den meisten Farmen
+westlich von Springfield. Die schwarze Familie lebt in einem kleinen
+Hinterhaus. »Die Neger sind sehr fruchtbar hier, wie das übrige Vieh.
+Die Jüngeren werden sehr gut gefüttert, besonders während sie noch
+Kälber sind. Überdies ist die Sklaverei sehr erträglich. Der Neger wird
+als der Knecht des Bauern angesehen; die Negerin thut die ganze grobe
+Hausarbeit; und die schwarzen Kinder warten die weissen Kinder. Der
+Neger kann für seinen Herrn zu Felde ziehen, und so sieht man nicht ein
+Regiment, in welchem sich nicht eine grosse Anzahl Schwarzer befindet;
+und es giebt gutgewachsene, starke und stämmige Burschen unter ihnen. Es
+sind auch viele Familien freier Schwarzer hier, die gute Häuser inne
+haben, Mittel besitzen und ganz nach Art der andern Bewohner leben. Es
+sieht komisch genug aus, wenn Miss Negerin ihr wolliges Haar über ein
+Kissen zurechtfrisiert, einen kleinen Hut mit Krempe auf den Kopf setzt,
+sich in ihren Mantel hüllt und in diesem Putz die Strasse
+entlanggrätschelt mit einer Negersklavin, die hinter ihr herwatschelt.«
+
+Baronin Riedesel machte ihre ersten Beobachtungen über die Amerikaner.
+Sie erzählt, dass eines Nachts ihr Mann krank war, und dass die Wache
+vor seiner Thür trank und Lärm machte. Er schickte hinaus und liess sie
+bitten ruhig zu sein, worauf sie ihren Lärm noch verdoppelten. Frau von
+Riedesel ging darauf hinaus, sagte ihnen, dass ihr Mann krank sei und
+bat sie, sie möchten weniger Geräusch machen. Darauf waren sie sofort
+ruhig, »ein Beweis«, sagt die Baronin, »das diese Nation auch Achtung
+vor unserm Geschlecht hat.« Die Bürger-Offiziere waren den Deutschen ein
+fortwährendes Rätsel. Keine Geschichte war ihnen zu aussergewöhnlich, um
+sie zu glauben. »Ihre Generale, die uns begleiteten, waren zum Teil vom
+Schuster-Handwerk und machten an den Rasttagen Stiefel für unsere
+Offiziere, besserten auch wohl die Schuhe unserer Soldaten aus. Sie
+setzten einen grossen Wert auf das gemünzte Geld, welches bei ihnen
+selten war. Einem unserer Offiziere waren seine Stiefel ganz zerrissen.
+Er sah, dass ein amerikanischer General ein gutes Paar anhatte und sagte
+ihm zum Spass: »Ich gäbe ihm gern eine Guinee dafür.« Gleich stieg der
+General vom Pferde, nahm die Guinee, gab seine Stiefeln, und setzte sich
+mit des Offiziers zerrissenen Stiefeln wieder auf.« General von
+Riedesels Gemütsstimmung zu jener Zeit war durch mangelhafte Gesundheit
+und sein Missgeschick verbittert. Wir müssen dies berücksichtigen, wenn
+wir sein Urteil hören, welches er über die Amerikaner fällt. Allerdings
+es wird erwähnt, er habe gesagt, dass er nur einen amerikanischen
+Offizier in Cambridge getroffen, vor dem er Respekt gehabt habe. Von den
+Mitgliedern des General Court of Massachusetts macht er eine merkwürdige
+Schilderung. »Man sieht in diesen Männern genau den National-Charakter
+der Eingeborenen von Neu-England; vornehmlich zeichnen sie sich vor
+andern durch die Art sich zu kleiden aus. So behaupten sie alle unter
+einer überaus dicken, runden, gelblichen Stutzperrücke eine recht
+ehrenhafte Magistratsmiene. Ihre Kleider sind nach der ganz alten
+englischen Mode, darüber sie im Winter und Sommer einen blauen
+Roquelaure mit Ärmeln tragen, den sie mit einem ledernen Riemen fest um
+den Leib schnallen. Selten sieht man einen ohne Peitsche. Meistens sind
+sie alle untersetzter Natur und mittelmässig gross, sodass es schwer
+fällt, einen vom andern zu unterscheiden, wenn sie als Delegaten ihrer
+Townships zu dem Konsul von Boston gefordert werden, oder in
+Miliz-Angelegenheiten erscheinen müssen. Nicht der zehnte Teil von ihnen
+kann geschriebene Schrift lesen und noch weniger können sie schreiben.
+Diese Kunst ist ausser bei Leuten von der Feder nur allein bei dem
+weiblichen Geschlecht anzutreffen, welches überhaupt gut erzogen wird
+und daher die Herrschaft über die Männer mehr als eine andere Nation in
+der Welt zu behaupten weiss. Die Neu-Engländer wollen alle Politici
+sein, lieben daher die Tavernen und Grog-bowl, bei welchen sie ihre
+Geschäfte abthun, und vom Morgen bis in die Nacht trinken. Sie sind im
+allerhöchsten Grad neugierig, leichtgläubig und bis zur Raserei für die
+Freiheit eingenommen, dabei aber auch zugleich so blind, dass ihnen das
+schwere Joch der Sklaverei unter ihrem Kongress, worunter sie eigentlich
+schon jetzt zu sinken anfangen, bisher noch ganz unsichtbar geblieben
+ist.«
+
+Auf der andern Seite konnten die Amerikaner, wenn wir dem oben erwähnten
+braunschweigischen Offizier glauben wollen, nicht die gesellschaftlichen
+Verhältnisse ihrer Gefangenen verstehen. »Es war den Bewohnern schwer
+begreiflich zu machen,« sagt er, »dass unsere Offiziere kein Gewerbe
+trieben.« Sie hatten geglaubt, dass es Eigensinn von ihnen wäre, keine
+andere Beschäftigung zu haben.
+
+Die deutschen »Konventionisten« wurden in Baracken auf dem Winter Hill
+bei Cambridge, Massachusetts, untergebracht, die Engländer auf dem
+benachbarten Prospekt Hill. Diese Baracken waren von den Amerikanern zu
+ihrem eigenen Gebrauch während der Belagerung von Boston errichtet
+worden und waren von der leichtesten Bauart. Der Wind blies durch die
+Wände, der Regen sickerte durch das Dach, der Schnee lag in Haufen auf
+dem Fussboden. Holz und Stroh war nur sehr knapp vorhanden, und die
+Uniformen, die einen schweren Feldzug in der Wildnis hatten aushalten
+müssen, hingen in Fetzen an den frierenden Soldaten herunter. Sie
+schnitten die Schösse von ihren Röcken ab, um sich Flicken für die
+übrigen Kleidungsstücke davon zu machen. Selbst im Hospital war es
+bitter kalt. Hoffnung und Enttäuschungen erfüllten abwechselnd die Brust
+der Gefangenen, je nachdem die Verhandlungen wegen ihrer Rückkehr nach
+England wieder aufgenommen oder abgebrochen worden waren. Einmal während
+ihres dortigen Aufenthaltes kam die Hoffnung auf Befreiung, und es
+wurden von den Deutschen Vorbereitungen getroffen, die freundliche
+Flotte zu begrüssen, von den Amerikanern aber, ihre Gefangenen nach
+Quartieren mehr im Innern des Landes zu transportieren. Die grössten
+Leiden die vielleicht die Gefangenen auszustehen gehabt hatten,
+bestanden in der Eintönigkeit ihres Gefangenenlebens. Es gab nichts zu
+thun, denn ein wenig Exerzieren ohne Gewehre kann schwerlich eine
+Beschäftigung genannt werden. Wir erfahren aus den Journalen und
+Briefen der Offiziere die Folgen dieser Unthätigkeit. Es gab
+Streitigkeiten mit der amerikanischen Wacht-Besatzung. In dieser
+Hinsicht verhielten sich indessen die Deutschen etwas besser als die
+Engländer. Riedesels Sorgfalt, die Disziplin unter seinen Leuten
+aufrecht zu erhalten, hatte man bemerkt, und die Amerikaner machten es
+sich zur Gewohnheit jeden deutschen Delinquenten seinen eigenen
+Offizieren zur Bestrafung zu überantworten.
+
+Die Lage der Soldaten, welche nicht in Burgoynes Uebergabe mit
+eingeschlossen waren, die Gefangenen von Bennington und der Gefechte
+nördlich Stillwater, war in mancher Hinsicht eine glücklichere. Diese
+begaben sich zum grösseren Teil in den Dienst Neu-Englischer Farmer.
+Vielen wurde auch erlaubt, das Lager auf dem Winter Hill zu besuchen, um
+die »Konventionisten« zum desertieren zu verleiten, wie die Deutschen
+sagen. Im Frühjahr als die Versuchung, hinaus aufs Land zu kommen, stark
+wurde, hielt es Riedesel für weise, die Pforte etwas zu öffnen und gab
+einigen Soldaten Erlaubnis auf den Farmen zu arbeiten, unter der
+Bedingung einmal in der Woche ins Lager zurückzukommen. Die deutschen
+Offiziere waren meist in den ungemütlichen Häusern in der Nähe des Hills
+oder in den Baracken selbst einquartiert. Die Generale hatten indessen
+gute Häuser in Cambridge. Niemand, ohne Ansehen des Ranges, durfte nach
+Boston kommen, Baronin Riedesel ging gelegentlich dorthin. Sie sagt,
+dass die Stadt sehr hübsch wäre, aber bewohnt von heissblütigen
+Patrioten und voll von gemeinem Volk. Frauen wollten sogar vor ihr
+ausspucken auf der Strasse. Grosses Verlangen trug die Baronin, Mrs.
+Carter, die Tochter von General Schuyler, zu besuchen. Diese Dame war
+sanft und gut wie ihre Eltern, aber ihr Mann, wie Frau von Riedesel
+meint, böse und falsch. »Sie kamen uns oft zu besuchen und assen auch
+bei uns mit den andern Generalen. Wir suchten ihnen auf alle Weise
+unsere Erkenntlichkeit zu bezeigen. Sie schienen auch viel Freundschaft
+für uns zu haben, und doch war es zur nämlichen Zeit, dass dieser
+garstige Carter, als General Howe viele Dörfer und kleine Städte
+angesteckt hatte, den Amerikanern den abscheulichen Vorschlag machte,
+unseren Generalen die Köpfe abzuhauen, diese in kleine Fässer
+einzusalzen und den Engländern für jedes angesteckte Dorf oder Städtchen
+ein solches Fässchen zu überschicken, welcher unmenschliche Vorschlag
+glücklicherweise nicht angenommen ward.«
+
+»Am 3. Juni 1778 gab ich einen Ball nebst Souper zur Feier des
+Geburtstages meines Mannes. Ich hatte alle Generale und Offiziere dazu
+eingeladen. Auch die Carters waren mit dabei. General Burgoyne liess
+absagen, nachdem er uns bis 8 Uhr abends hatte warten lassen. Er
+entschuldigte sich immer unter verschiedenem Vorwande zu uns zu kommen,
+bis zu seiner Abreise nach England, wo er kam und mir grosse
+Entschuldigungen deshalb machte, worauf ich aber nichts weiter
+antwortete als, dass es mir würde leid gethan haben, wenn er sich
+unseretwegen geniert hätte.
+
+»Man tanzte viel, und unser Koch hatte uns ein prächtiges Souper von
+mehr als 80 Kouverts zubereitet. Überdem war auch noch unser Hof und
+Garten erleuchtet. Da der Geburtstag des Königs von England Tages darauf
+als den 4. war, so wurde beschlossen, dass man sich nicht eher trennen
+wollte, bis man seine Gesundheit getrunken; welches auch mit der
+herzlichsten Anhänglichkeit an seine Person und sein Interesse
+ausgeführt wurde.«
+
+»Nie, glaube ich, ist das 'God save the King' mit mehr Enthusiasmus und
+mit aufrichtigeren Gesinnungen gesungen worden. Sogar meine ältesten
+beiden kleinen Töchter waren mit dabei, die man heruntergeholt hatte, um
+die Illumination zu sehen. Alle Augen waren voll Thränen, und es schien,
+als wenn jeder darauf stolz war, den Mut zu haben, dieses so mitten
+unter den Feinden zu wagen. Sogar die Carters hatten nicht das Herz
+sich auszuschliessen. Als die Gesellschaft auseinanderging, sah man das
+ganze Haus umringt von Amerikanern, die, als sie so viel Leute
+hineingehen und die Illumination gesehen, den Verdacht geschöpft hatten,
+dass wir eine Empörung im Sinne hätten; und wenn der mindeste Lärm
+entstanden wäre, hätte uns dieses können teuer zu stehen kommen.«
+
+»Die Amerikaner, wenn sie ihre Truppen versammeln wollen, setzen
+brennende Pechfackeln auf die Anhöhen, auf welches Signal Jeder
+herzueilet. Wir waren einmal Zeugen davon, als der General Howe eine
+Landung zu Boston versuchen wollte, um die gefangenen Truppen zu
+befreien. Man erfuhr dieses wie gewöhnlich längst voraus und steckte die
+Pechtonnen an, worauf man drei oder vier Tage nacheinander eine Menge
+Leute ohne Schuhe und Strümpfe und die Flinte auf dem Rücken eiligst
+herzulaufen sah, wodurch bald so viele Leute zusammenkamen, dass eine
+Landung zu schwer gefallen sein würde.«
+
+Im November 1778 mussten die Braunschweiger die Umgegend von Boston
+verlassen, wo sie anfingen sich etwas heimisch zu fühlen, und zu dem
+langen Marsche nach Virginien aufbrechen. Frau von Riedesel begleitete
+auch hierhin ihren Gemahl; sie hatte eine bequeme englische Kutsche
+gefunden, in welcher sie die Reise unternehmen konnte. An einem der
+Orte, an welchem ein Rasttag gehalten wurde, traf sie mit General
+Lafayette zusammen, den ihr Mann zum Essen lud. Lafayette erzählte ihr
+viel von der Gnade, die der König von England für ihn gehabt, ihm alles
+zu zeigen. Die Baronin fragte ihn, wie er es hätte über das Herz bringen
+können, soviel Gnadenbezeugungen von dem Könige anzunehmen, da er doch
+im Begriff gewesen wäre abzureisen, um gegen ihn zu fechten. Der Marquis
+schien etwas beschämt zu sein und antwortete: »Es ist wahr, der Gedanke
+ging mir durch die Seele, sodass, als mir eines Tages der König anbot,
+mir seine Flotte zeigen zu lassen, ich erwiderte, dass ich hoffte, sie
+eines Tages zu sehen, und dann heimlich wegging, um aus der Verlegenheit
+zu kommen, es noch einmal ablehnen zu müssen.«
+
+Frau von Riedesel hatte auf der Reise Gelegenheit, die Gesinnungen der
+Bewohner gegen die Gefangenen etwas zu beobachten. In einem Hause, wo
+sie übernachtete, bemerkte sie eine Menge Fleisch und bat die Wirtin,
+ihr etwas davon zu überlassen. »Ich habe vielerlei«, antwortete sie, »da
+ist Rindfleisch, Kalbfleisch und Hammelfleisch.« Der Mund wurde ihr
+schon wässrig. »Geben sie her«, sagte sie, »ich werde Sie gut bezahlen.«
+Die Wirtin schlug ihr hierauf ein Schnippchen fast unter der Nase.
+»Nichts sollt Ihr haben,« schrie sie, »warum seid Ihr aus Euerm Land
+gekommen, um uns tot zu machen und unser Hab' und Gut aufzuzehren? Nun
+seid Ihr unsere Gefangenen, so ist nun die Reihe an uns, Euch zu
+quälen.« »Seht diese armen Kinder,« antwortete die Baronin, »sie kommen
+fast um vor Hunger.« Die Frau blieb unerbittlich, bis Frau von Riedesels
+kleines, erst zweieinhalb Jahre altes Töchterchen ihre Hand ergriff und
+sagte: »Gute Frau, ich bin sehr hungrig.« Darauf nahm sie das Kind mit
+in die Stube und gab ihm ein Ei. »Nein,« sagte das Kind, »ich habe noch
+zwei Schwestern.« Das rührte die Frau, sie gab ihr drei Eier und bot der
+Mutter Brot und Milch an. Frau von Riedesel benutzte diese Gelegenheit,
+holte ihren Thee herbei, der damals etwas sehr Seltenes war und bot der
+Frau davon an. Die Baronin ging darauf in die Küche, wo sie deren Mann
+fand, der einen Schweineschwanz kaute. Diesen reichte er dann seiner
+Frau, die auch etwas daran kaute und ihn dann zurückgab. Da die Baronin
+diesem Schauspiel eifrig zusah (»mit Verwunderung und Ekel«), so reichte
+er ihr auch das beinahe ganz abgenagte Stück hin, und sie konnte nicht
+anders als es anzunehmen, that so, als ob sie davon ässe und
+praktizierte es dann sachte in das Feuer. Nun war völliger Friede
+geschlossen, und die Baronin Riedesel erhielt ihre Kartoffeln und
+machte eine gute Suppe davon.
+
+Dies war nicht der einzige Fall, dass der Baronin und ihren Kindern die
+Verpflegung vorenthalten oder ihnen wegen der Unterkunft Schwierigkeiten
+gemacht wurden. Die Leute, bei denen sie wohnte, waren gewöhnlich
+heissblütige Revolutionäre. Ein anderes Mal hatte sie ihr Nachtquartier
+in dem Haus eines Oberst Howe, dem sie ein Kompliment zu sagen glaubte,
+indem sie ihn fragte, ob er ein Verwandter des englischen Generals jenes
+Namens wäre. »Gott behüte«, antwortete er, »der ist meiner nicht wert.«
+»Dieser selbige Oberst hatte eine hübsche Tochter, 14 Jahre alt, aber
+von böser Gemütsart,« sagt Frau von Riedesel. »Ich sass mit ihr vor
+einem guten Kaminfeuer, sie sah die glühenden Kohlen an und rief aus:
+»Ha, wenn ich den König von England hier hätte! Mit welchem Vergnügen
+schnitt ich ihm den Leib auf, riss sein Herz heraus, zerlegte es, briete
+es auf den Kohlen und verzehrte es dann.« Ich blickte sie mit Abscheu an
+und sagte ihr: »Ich schäme mich fast, von einem Geschlecht zu sein, das
+fähig ist, eine solche Lust zu bekommen.«
+
+Mitte Januar 1779 erreichten die Deutschen Charlottesville in Virginia.
+Hier fanden sie keine Baracken vor und waren genötigt, sie sich selbst
+zu bauen. Bald war ein Dorf entstanden, und hier und in anderen Teilen
+von Virginia brachten sie den Rest ihrer Gefangenschaft zu. Für viele
+dauerte sie noch bis zum Ende des Krieges. Die Soldaten legten sich
+Gärten und Hühnerhöfe an. Die Offiziere kauften sich gute Reitpferde. In
+einer der Niederlassungen war von den englischen Soldaten ein kleines
+Theater gebaut worden, und es wurden Spottstücke aufgeführt, in welchem
+die Gefangenen über ihre Gewalthaber herzogen, bis man es für nötig
+hielt, der amerikanischen Miliz das Zusehen zu verbieten. General
+Riedesel kehrte im Herbst 1779 auf Ehrenwort nach New-York zurück und
+wurde bald darauf ausgewechselt. Seine Gesundheit hatte durch
+Überanstrengung, Niedergeschlagenheit und einen leichten Sonnenstich,
+der ihn in Virginia traf, stark gelitten. Nachdem er ausgewechselt
+worden war, kehrte er nach Kanada zurück und blieb im Dienst des Königs
+von England bis zum Ende des Krieges, aber er zog nicht wieder gegen die
+Amerikaner zu Felde.
+
+
+
+
+Kapitel XVI.
+
+Brandywine, Germantown und Redbank, September und Oktober 1777.
+
+
+Im Sommer 1777 wandte Sir William Howe, anstatt mit Burgoyne
+gemeinschaftlich zu operieren, seine ganze Aufmerksamkeit auf die
+Wegnahme von Philadelphia. Er ging einige Meilen von New-Brunswick aus
+vor, aber es misslang ihm, Washington zu einem entscheidenden Schlag zu
+verleiten, und so zog er sich nach Amboy zurück. Sodann wiederholte Howe
+seine Angriffsbewegung, indem er hoffte, dass Washington seine günstige
+Stellung verlassen haben würde. Er war insofern vom Glücke begünstigt,
+als die rechte Kolonne ein kleines Gefecht mit einer vorgeschobenen
+Abteilung Amerikaner unter Stirling hatte, diese vertrieb und ihr 3
+Kanonen und 80 Gefangene abnahm. Hierauf kehrte die britische Armee nach
+Amboy zurück und ging nach Staten-Island über. Hier wurde sie
+eingeschifft, und am 23. Juli war Sandy Hook geräumt. Diese Truppenmacht
+bestand aus ungefähr 18000 Mann, von denen weniger als ein viertel
+Deutsche waren. Die aus 234 Segelschiffen bestehende Flotte langte am
+30. Juli bei Cap May an, aber die Fregatten, die zum rekognoszieren
+vorgeschickt worden waren, meldeten, dass der Delaware stark verteidigt
+würde, Sir William beschloss, sich Philadelphia durch die Chesapeake
+Bay zu nähern. Am 22. August erreichte die Flotte die Mündung des
+Elk-Flusses, und am 25. und 26. wurden die Truppen in guter Ordnung und
+ohne feindliche Gegenwehr gelandet.
+
+[Illustration: SCHLACHT VON BRANDYWINE. Am 11. September 1777.]
+
+Am 3. September hatten die Jäger, welche die Avantgarde bildeten, ein
+heisses Gefecht mit der amerikanischen Arrieregarde, wobei erstere
+ungefähr 20 Tote und Verwundete verloren. Zwischen 30 und 40 Amerikaner
+wurden auf dem Gefechtsfelde beerdigt. Von dieser Zeit an waren die
+Jäger beständig vorn, sie schliefen gewissermassen auf ihren Waffen.
+
+Am 11. September hatte Washingtons Armee auf dem linken Ufer des
+Brandywine-Flusses Stellung genommen. Das Gros stand bei Chads Furt,
+während General Sullivan auf dem rechten Flügel die Übergänge weiter
+oberhalb besetzen sollte. Bei Tagesanbruch traten die Briten von Kennets
+square, 7 Meilen von Chads Furt, ihren Vormarsch an. Die rechte Kolonne
+unter General Knyphausen, marschierte gerade auf die amerikanische Front
+los, in deren Nähe sie ungefähr 10 Uhr morgens anlangte. Hier blieb
+Knyphausen den grössten Teil des Tages über stehen und unterhielt eine
+Kanonade, ohne einen ernstlichen Angriff auf den Feind zu machen.
+
+Die zweite Kolonne unter Howe und Cornwallis machte eine weite Umgehung
+nach links und fand nur geringen Widerstand, bis sie die Gabelung des
+Brandywine erreicht und glücklich passiert hatte, was eine kleine
+Abteilung hätte verhindern können. Die Amerikaner hatten aber diese
+Stelle übersehen. Washington, der durch widersprechende Befehle
+getäuscht worden war, hatte es nicht gewagt, den Fluss zu überschreiten
+und Knyphausens Division anzugreifen.
+
+Auf die Nachricht, dass Howe den Brandywine überschritten hätte, ging
+Sullivan ihm eilig entgegen. Er hatte aber keine Zeit, seine Division
+ganz zu formieren. Es scheint auch, dass er bei den Anordnungen Fehler
+gemacht hat. Ungefähr um 1/2 4 Uhr stiessen die hessischen Jäger, die
+den äussersten linken Flügel bildeten, auf die amerikanische Avantgarde,
+welche sie auf das Gros zurückdrängten. Ungefähr um diese Zeit wurde der
+Kampf ein allgemeiner. Sullivans Division wurde zurückgetrieben.
+Lafayette, der als Freiwilliger diente, erhielt eine Wunde ins Bein.
+Washington zog Greenes Division und noch zwei andere Brigaden vor, um
+Sullivans Rückzug zu decken.
+
+Sobald Knyphausen die Kanonen von Cornwallis donnern hörte, überschritt
+er den Brandywine bei Chads Furt und griff die amerikanischen
+Verschanzungen an. Diese wurden eine Zeit lang von Wayne verteidigt,
+aber die Briten waren ihm schon im Rücken, so dass er spät am Nachmittag
+seine Stellung verlassen und nach Chester hin abziehen musste.
+
+An diesem Tage waren hessische Truppen in beiden Kolonnen der britischen
+Armee. Die Jäger waren bei der Avantgarde der Division Cornwallis und
+hatten 40 Mann tot und verwundet. Die Kapitäns Ewald und Wreden
+erhielten den hessischen Orden »pour la vertu militaire« für ihr
+Verhalten bei dieser Gelegenheit. Dies war eine grosse Auszeichnung für
+sie, weil sie die ersten Offiziere vom Rang eines Hauptmanns waren, die
+mit diesem Orden dekoriert wurden. Der Gesamtverlust der britischen
+Armee in der Schlacht am Brandywine betrug 622 und der der Amerikaner
+ungefähr 1000 Mann. Unter den 10 oder 15 Kanonen, die den Amerikanern
+weggenommen wurden, waren zwei, welche in Trenton mit Ralls Brigade
+zusammen genommen worden waren.
+
+Man nahm an, dass die Amerikaner sich eiligst zurückzogen; der Herbsttag
+neigte sich zu Ende. Zwei Bataillone britischer Grenadiere wurden
+vorgeschickt, um ein kleines Dorf auf einem Berge jenseits Dilworth zu
+besetzen. Die Bataillone gingen, ermüdet durch die Anstrengungen des
+Tages und übermütig gemacht durch ihren Sieg, etwas unvorsichtig vor.
+Die Offiziere hatten nicht den Säbel gezogen. Kapitän Ewald, der die
+Tête der Kolonne von Cornwallis den ganzen Tag über kommandiert hatte,
+hatte seine Leute ruhen lassen und war, da er selbst nichts besonderes
+zu thun gehabt hatte, mit den Grenadieren zusammen vorgeritten, um das
+Terrain zu rekognoszieren. Plötzlich, 50 Schritt von dem Dorfe entfernt,
+wurden sie von heftigem Musketenfeuer empfangen. General Macwell hatte
+sich mit der amerikanischen Arriere-Garde in das Dorf hineingeworfen, um
+Washingtons Rückzug zu decken. Zu gleicher Zeit beobachtete man, dass
+eine amerikanische Abteilung um den Berg herumkam, um die Engländer in
+der linken Flanke zu fassen. Ewald galoppierte zurück, um
+Unterstützungen heranzuziehen, und brachte zwei englische Regimenter
+unter General Agnew heran, welche sofort die Amerikaner angriffen und
+die Grenadiere retteten, die schon beinahe umringt waren. Die Nacht
+machte dem Gefecht ein Ende. Der englische Verlust in dieser kleinen
+Affaire war schwer; beinahe die Hälfte der beiden Bataillone und der
+grösste Teil ihrer Offiziere fielen, laut Bericht von Ewald.
+
+Nachdem die britische Armee bei Head of Elk ausgeschifft war, hatte die
+englische Flotte die Chesapeake Bay verlassen. Inzwischen waren 7
+englische Fregatten und 14 Transportschiffe mit Proviant von New-York im
+Delaware angelangt und nach Wilmington hinaufgegangen. Zwei Tage nach
+der Schlacht am Brandywine besetzte Cornwallis diesen Ort, welcher die
+Basis für die Verpflegung der Armee von nun ab bildete.
+
+Die Engländer gingen weiter vor, ohne auf ernstlichen Widerstand zu
+stossen, obschon beständig Plänkeleien stattfanden und eine Abteilung
+unter General Wayne überrascht und geschlagen wurde. Am Morgen des 26.
+September 1777 rückte Lord Cornwallis an der Spitze von 2 englischen und
+2 hessischen Grenadier-Bataillonen in Philadelphia ein und schickte sich
+an, die Stadt zur Verteidigung einzurichten. Die Haupt-Armee lagerte
+bei Germantown. Die Hessen bildeten hier den linken Flügel, mit den
+Jägern vorn an der Strasse nach Lancaster.
+
+Am 3. Oktober 1777 um Mittag erhielt Kapitain Ewald den Besuch eines
+Mannes (»der keineswegs ein Tory war,« sagt er), dessen Besitztum er bei
+einer früheren Gelegenheit vor der Plünderung bewahrt hatte. Beim
+Weggehen sagte der Amerikaner zu ihm: »Mein Freund, seien Sie auf Ihrer
+Hut diese Nacht und morgen.« Ewald verstand den Wink und berichtete
+diese Bemerkung seinem Oberst, der es an das Hauptquartier
+weitermeldete. Die Generale nahmen keine Notiz davon, doch wir werden
+aus dem folgenden Bericht sehen, dass die Jäger auf einen Angriff
+vorbereitet waren.
+
+Auszug aus dem »Journal«, geführt bei dem Hochlöblichen Hessischen
+Feld-Jäger-Korps: »Oktober 4. Die vielen Detachements, welche der
+General Howe nach Philadelphia und Jersey geschickt, um Mud Island zu
+belagern und die Stadt zu besetzen, mochten den General Washington
+bewogen haben, besonders da er eine Verstärkung aus Virginien erhalten,
+die Königliche Armee zu attaquieren. In dieser Absicht war er aus seinem
+Lager an der Skibback-Creek aufgebrochen, und gegen 2 Uhr diesen Morgen
+erhielten wir die Nachricht von dessen Anmarsch. Der Oberstlieutenant
+von Wurmb rückte mit dem Jäger-Korps sogleich aus, liess den Vorfall an
+den General Knyphausen melden und besetzte die Brücke bei Van Doerens
+Haus, so über den Visihigging (Wissahickon) führet. Wir hörten bald
+darauf das Feuern am rechten Flügel und gegen 1/2-4 Uhr wurde das
+Jäger-Korps von einem Korps von 4000 Mann mit 4 Sechspfündern
+attaquiert. Das Korps musste auch wirklich die Brücke verlassen, setzte
+sich aber auf die gegenüberliegende Höhe und defendierte solche mit dem
+Büchsenfeuer gegen die wiederholten Versuche des Feindes sie zu
+forcieren. Die 4 feindlichen Kanonen spielten beständig auf die Jägers,
+ohne dass unsere Dreipfünder den Feind erreichen konnten. Das Feuer
+wurde inzwischen allgemein und sehr heftig auf dem rechten Flügel, bis
+gegen 9 Uhr der General-Lieutenant von Knyphausen sagen liess, dass der
+feindliche linke Flügel geschlagen sei. Hierauf attaquierte der
+Oberstlieutenant von Wurmb die Brücke aufs Neue und vertrieb den Feind
+sowohl von da, als auch der gegenüberliegenden Höhe unter einem heftigen
+Feuer. Da die Attaque durch ein langes Defilee geschehen musste, so
+hatte man feindlicherseits Zeit, sich zu retirieren; wir fanden daher
+auch nur 20 Tote -- und da die Jägers auch ohnehin schon sehr fatiguiert
+und nicht unterstützt wurden, auch nur in 300 Mann bestanden, so geschah
+keine weitere Verfolgung.
+
+»Im Centro der Armee war der Feind auf die leichte Infanterie gefallen
+und hatte solche zurückgeschlagen. Der Oberstlieutenant Musgrave warf
+sich aber mit dem 40. Regiment in ein steinern Haus, welches vom Feind
+angegriffen wurde, und wo er sich bei aufhielt, sonst hätte er
+vielleicht geschwinder und noch ehe einmal die Armee alle im Gewehr
+gewesen, solche attaquieren können. So aber attaquierte die Armee ihn,
+schlug ihn aus der Stadt heraus und in die Flucht. Er retirierte sich
+darauf in sein voriges Lager an der Skibback-Creek mit Zurücklassung von
+300 Toten, 600 blessierten und 400 Gefangenen. Der unsrige Verlust ist
+gleichwohlen 400 Tote und Blessierte, unter ersteren befand sich der
+General Agnew. Lord Cornwallis, welcher das Feuer zu Philadelphia gehört
+hatte, setzte sogleich von da 3 Grenadier-Bataillons in Marsch. Er für
+seine Person kam noch zeitig genug, um am letzten Teil der Aktion Anteil
+zu nehmen, die Bataillons kamen aber zu spät.«
+
+Es war nunmehr für Sir William Howe von der grössten Wichtigkeit seinen
+Kriegs- und Transportschiffen Eingang auf dem Delaware zwischen
+Wilmington und Philadelphia zu verschaffen. Auf diese war er in grossem
+Maasse angewiesen wegen seiner Lebensmittel und zu seiner Verbindung.
+Der Fluss war etwa 10 Meilen unterhalb Philadelphia durch spanische
+Reiter gesperrt, welche gedeckt wurden von Fort Mercer bei Redbank auf
+dem New-Jersey-Ufer und von Fort Mifflin auf einer Insel in der Nähe des
+gegenüberliegenden Ufers von Pennsylvanien. Zwischen den Forts waren
+Hindernisse in den Kanal versenkt und diese wurden wieder von Galeeren
+beschützt. Einige Boote mit Lebensmitteln waren glücklich durch alle
+diese Hindernisse hindurchgeschlüpft; die freie Schiffahrt auf dem
+Flusse war für die Briten sehr wesentlich.
+
+Oberst Karl Emil Kurt von Donop war einer der vorzüglichsten hessischen
+Obersten und war persönlicher Adjutant des Landgrafen gewesen, dessen
+Günstling er war. Er hatte im vorhergehenden Jahre ein selbständiges
+Kommando von einiger Wichtigkeit in Bordentown gehabt und hatte nun den
+Wunsch ausgedrückt wieder detachiert zu werden. Sir William Howe
+willfahrte ihm. Er wurde abgesandt um Fort Mercer zu nehmen. Donop brach
+auf am 21. Oktober 1777 mit drei Bataillone Grenadieren, 1 Regiment
+Infanterie, 4 Kompanien Jägern und 12 berittenen Jägern, alles Hessen, 8
+Feldgeschützen, die zu den Regimentern gehörten und 2 englischen
+Haubitzen. Er soll noch mehr Artillerie verlangt und daraufhin zur
+Antwort erhalten haben, wenn er sich nicht getraute das Fort
+anzugreifen, so würden es die Engländer nehmen. »Sagen Sie Ihrem
+General,« erwiderte er dem Offizier, der diese Botschaft überbrachte,
+»dass Deutsche sich nicht scheuen, dem Tod ins Auge zu schauen.« Darauf
+erklärte der Oberst denen, die um ihn waren: »Entweder wird das Fort
+bald Fort Donop heissen oder ich werde gefallen sein.« Er brach mit
+seinem Detachement auf und brachte die Nacht in Haddonfield zu. Ungefähr
+um Mittag des 22. Oktober langte er in Redbank an und ritt vor um das
+Terrain zu rekognoszieren. Das Fort war ein fünfseitiges Erdwerk mit
+Graben und Verhau. Es war zuerst von den Amerikanern in zu grossem
+Massstabe angelegt worden, aber ein Monsieur du Plessis de Mauduit, ein
+junger französischer Offizier, der von Washington dem General Christoph
+Greene zur Verteidigung des Forts beigegeben war, hatte die Ausdehnung
+des Werkes vermindert, sodass es in seiner veränderten Form ein etwas
+unregelmässiges Fünfeck bildete. Auf drei Seiten des Forts fand der
+Angreifer gedeckte Annäherung durch die Waldungen bis auf 400 Yards. Auf
+der Südseite war der Delaware. Die Besatzung bestand aus 300 Mann mit 14
+Kanonen.
+
+Nach Ankunft vor dem Fort sandte Donop einen Adjutanten, um die
+Besatzung zur Uebergabe aufzufordern. »Der König von England gebietet
+seinen aufrührerischen Unterthanen die Waffen niederzulegen«, lautete
+die Aufforderung »und sie werden gewarnt, dass, wenn sie solange zögern
+bis es zum Kampf kommen wird, kein Pardon gegeben werden wird.« Der
+Adjutant berichtete, dass er nur wenig Leute in dem Fort gesehen habe.
+
+Oberst von Donop stellte sein kleines Korps in Schlachtordnung auf.
+Seine rechte Flanke nahm Anlehnung an den Fluss, an welchem er seine 8
+Dreipfünder und 2 Haubitzen plaziert hatte. Diese wurden von einem
+Bataillon Grenadieren und von Jägern gedeckt, welche Flanke und Rücken
+gegen Truppen decken sollten, welche etwa von den Schiffen im Delaware
+ausgeschifft werden möchten. Die hessische Angriffslinie nahm den
+grösseren Teil des ganzen Weges um das Fort herum auf der Landseite ein;
+der Angriff wurde gleichzeitig von Norden und Süden gemacht. An der Tête
+eines jeden Bataillons befand sich ein Offizier, der die Sappeure
+kommandierte und 100 Mann mit Faschinen, die eilig in den Wäldern
+gemacht worden waren.
+
+Ungefähr um 4 Uhr war alles bereit. Donop forderte darauf seine
+Offiziere mit einigen Worten auf, sich tapfer zu verhalten. Sie stiegen
+alle ab und zogen ihre Säbel, nahmen ihre Plätze in der Front ihrer
+Bataillone ein, und der Angriff begann. Die Hessen gingen im Laufschritt
+vor, überstiegen die alten nicht mehr gebrauchten Linien mit ihrem
+Schlachtruf, erreichen den Verhau, wurden aber durch Wolfsgruben und
+einen Graben überrascht, zu dessen Füllung sie nicht genug Faschinen
+hatten. Drei amerikanische Galeeren, die im Flusse lagen, unterhielten
+ein lebhaftes Feuer auf die hessische rechte Flanke. Einige der Hessen
+erklommen den Wall des Hauptforts. Sie wurden sofort zurückgeworfen.
+Donop wurde, von einer Musketenkugel in die Hüfte getroffen, tötlich
+verwundet. 22 Offiziere waren tot oder verwundet, darunter die
+Kommandeure sämtlicher Bataillone. Die Hessen machten Kehrt und zogen
+sich zurück, indem sie viele Verwundete liegen liessen. Oberstlieutenant
+von Linsingen sammelte die Trümmer der Brigade und brachte sie am
+nächsten Tage unbelästigt nach Philadelphia. Zwei englische Schiffe,
+welche versucht hatten, sich an dem Kampfe zu beteiligen, waren auf den
+Grund gelaufen. Eins davon flog am nächsten Tag durch das Feuer der
+amerikanischen Galeren und schwimmenden Batterien in die Luft; das
+andere war in Brand gesteckt und verlassen worden.
+
+Die Hessen waren zurückgegangen, die Nacht war hereingebrochen, und ein
+Teil der Besatzung kam aus dem Fort heraus, um den Verhau
+wiederherzustellen und für die Verwundeten zu sorgen. Mehrere hessische
+Grenadiere wurden dicht hinter der Brustwehr vorgefunden, wohin sie sich
+verkrochen hatten und wo die Kugeln über ihre Köpfe hinweggingen. Die
+armen Kerls konnten ohne Unterstützung nichts machen und fürchteten
+sich, wegzulaufen. Sie wurden in das Fort aufgenommen. Unter denen, die
+heraus kamen, um den Verhau wieder in Stand zu setzen, war auch Kapitain
+du Plessis. Diesen rief Donop mit den Worten an: »Wer Du auch sein
+magst, trage mich von hier weg.« Du Plessis liess den Oberst in das
+Fort tragen. Als er hineingebracht wurde, riefen einige Soldaten laut,
+die entweder nicht wussten, dass seine Wunde tötlich war, oder noch
+aufgeregt von der Schlacht und eingedenk der Drohungen, mit denen sie
+noch vor wenigen Stunden begrüsst worden waren: »Wohlan, ist es
+ausgemacht, dass kein Quartier gegeben werden soll?« »Ich bin in Eurer
+Hand,« antwortete der Oberst, »Ihr könnt Euch rächen.« Du Plessis hatte
+keine Schwierigkeit, die Soldaten zu beschwichtigen, und schenkte dann
+seine ganze Aufmerksamkeit dem verwundeten Manne. »Mein Herr,« sagte der
+Letztere, »Sie scheinen ein Fremder zu sein; wer sind Sie?« »Ein
+französischer Offizier,« antwortete du Plessis. »Dann bin ich
+zufrieden,« sagte Donop auf Französisch, »ich sterbe in den Armen der
+Ehre.«
+
+Der hessische Oberst lebte noch drei Tage nach dem Angriff und
+unterhielt sich viel mit du Plessis. Er bat den Letzteren, ihm zu sagen,
+wenn der Tod nahe sein würde. Du Plessis willfahrte seiner Bitte. »Das
+ist ein frühes Ende für eine schöne Laufbahn,« sagte Donop, »aber ich
+sterbe als das Opfer meines Ehrgeizes und der Habsucht meines
+Monarchen.«[4]
+
+ [4] Eelking bestreitet die Richtigkeit des letzten Teils der Worte des
+ sterbenden Donop.
+
+Die Zahl der bei Redbank gefallenen, verwundeten und gefangen genommenen
+Hessen betrug 379, einschliesslich 22 Offiziere. Die Amerikaner hatten
+37 Tote und Verwundete.
+
+Diese brillante Verteidigung gewährte jedoch nicht andauernd dem Sieger
+die Gewalt über den Fluss. Am 9. November eröffneten die britischen
+Batterien das Feuer auf Fort Mifflin. Das Bombardement dauerte 6 Tage
+und Nächte. Mehr als 12000 Schüsse sollen dabei gefallen sein. Am 15.
+kam auch noch die englische Flotte, um sich an dem Kampf zu beteiligen.
+Ein Kriegsschiff mit 16 Vierundzwanzig-Pfündern und ein grosser Indiaman
+mit 3 Kanonen von demselben Kaliber wurden so nahe an das Fort
+herangebracht, dass man von ihrem Takelwerk Handgranaten
+hineinschleudern konnte. 5 grosse Schiffe hatten auf der andern Seite
+Aufstellung genommen. Die Landbatterien hatten 30 Geschütze. Die
+Blockhäuser des Forts, die gute Dienste geleistet hatten, waren in
+Stücke zerschossen worden. Eine Menge Kanonen waren zum Schweigen
+gebracht. In der Nacht vom 15. zog sich die Besatzung nach Fort Mercer
+zurück. Cornwallis wurde abgesandt, um es einzuschliessen, so dass
+Washington nicht im Stande war, es zu verstärken. Das Fort wurde am 20.
+November verlassen, die Baracken angezündet und die Magazine in die Luft
+gesprengt. Die amerikanischen Schiffe auf dem Flusse wurden ebenfalls
+verbrannt. Cornwallis vervollständigte die Zerstörung des Forts, dessen
+Wälle rasiert wurden.
+
+
+
+
+Kapitel XVII.
+
+Der Rückzug der Briten durch New-Jersey, Januar bis Juli 1778.
+
+
+Philadelphia scheint den Hessen nicht recht gefallen zu haben.
+Wiederhold nennt, nachdem er aus der Gefangenschaft zurückgekehrt ist
+und nach seinem gefühlvollen Abschied in Fredericksburg, die
+Quäker-Stadt »einen Sammelplatz aller Religionen und Nationen, folglich
+ein Mischmasch aller Sekten und Glaubensgenossen, nicht weniger ein
+confluens canaillorum«, und glaubt, »dass es den Städten Sodom und
+Gomorrah in Ansehung aller Laster nichts nachgiebt«.
+
+Ein anderer Offizier beklagt sich über das Klima und sagt, dass die
+Wälder und Moräste das Land ungesund machen. Diesem Beobachter zufolge
+erreichen die Pflanzen und Tiere in Pennsylvanien nicht ihre eigentliche
+Grösse, und die Menschen sind krank und neigen zu Geisteskrankheiten,
+»eine Verrückung der Sinne, die vom gepressten, nicht vom kochenden
+Blut herrührt ... Von 100 Leuten hat nicht einer eine gesunde
+Gesichtsfarbe.« Es ist wahrscheinlich, dass die Schwierigkeit, in der
+halbblockierten Stadt frische Lebensmittel zu bekommen, nicht ohne
+Einfluss auf dieses Urteil gewesen ist.
+
+Philadelphia hat seit 1778 sein Aussehen wahrscheinlich weniger
+verändert als irgend eine andere grosse Stadt der Nord-Staaten. Der
+hessische Offizier lobt die geraden Strassen, die Seitenwege mit breiten
+Steinen, die Dachrinnen und Dächer. Er lacht über die Einfalt der
+Kaufleute, die anzeigen »Tabak, so gut als der bestimportierte«, und
+stellt die Künste und Industrie als noch sehr in der Kindheit begriffen
+hin. Keinerlei Arbeit in Elfenbein, Stahl, Stuck, Knochen, Stickerei
+oder Seide wird gefertigt. »Die Engländer schicken ihnen alles dies, und
+alles, was sie schicken, ist willkommen. Und obendrein ist der
+Amerikaner und besonders der Philadelphier so eingebildet, zu glauben,
+kein Land auf der Erde wäre schöner, glücklicher, reicher oder blühender
+als ihr kaum knospender Staat.« Dies ist jedoch nicht die Ansicht des
+Briefschreibers. »Wollte mir der achtbare Graf Pen das ganze Land gegen
+mein Patent abtreten,« sagt er, »mit der Bedingung, dass ich zeitlebens
+hier wohnen sollte: kaum thäte ich es.«
+
+Anfang Dezember rückte Sir William Howe von Philadelphia ab, um einen
+Entscheidungskampf herbeizuführen. Die Armeen standen sich drei Tage
+lang in der Nähe von Chestnut-Hill, ungefähr 11 Meilen von der Stadt,
+gegenüber. Ihre Märsche, Contremärsche und Plänkeleien deuteten auf
+Vorbereitungen zur Schlacht hin; als aber der englische General merkte,
+dass Washingtons Stellung zu stark war, um sie anzugreifen, zog er sich
+stille wieder nach Philadelphia zurück.
+
+Zwei Fouragierungen wurden im Laufe dieses Monats unternommen, zu dessen
+Ende die britische Armee Winterquartiere bezog. 11 Redouten wurden
+zwischen dem Delaware und Schuylkill gebaut; deren Linie lief die
+Morris-Höhen entlang; jede war von einem Kapitän und 50 Mann besetzt,
+die alle 24 Stunden abgelöst wurden. Die Picketlinie wurde am Schuylkill
+den Provinzialen, am Delaware den hessischen Jägern anvertraut; letztere
+waren bei Holland Ferry und Greenwich Point postiert.
+
+Während Washingtons Armee bei Valley Forge beinahe an allem, was zum
+Leben notwendig ist, Mangel litt, hatten die Briten in Philadelphia
+alles, was sie wollten, und verbrachten den Winter in Ruhe, Gesundheit
+und Fröhlichkeit. Sie lagen dort nicht sehr eng; viele Häuser der
+abwesenden Rebellen wurden zu Barracken benutzt. Ein Teil der Soldaten
+fand bei den Einwohnern, die in der Stadt verblieben waren, Quartier.
+Der Dienst war leicht. Sir William Howe, der bereits um seine Abberufung
+gebeten hatte, war froh und wohlgemut. Die Stadt schien nicht sehr voll
+von Soldaten zu sein. Den Amerikanern gelang es nur insoweit, ihnen die
+Zufuhr abzuschneiden, als durch sie dieselbe sehr verteuert wurde.
+
+Am 18. Mai 1778 wurde für Sir William Howe eine Abschiedsfeier
+veranstaltet, und am 19. und 20. machte dieser General einen
+vergeblichen Versuch, ein Korps von 2500 Mann unter General Lafayette,
+der sich in die Nähe von Philadelphia gewagt hatte, gefangen zu nehmen.
+Am 24. übergab Howe das Kommando an Sir Henry Clinton. Bevor er Amerika
+verliess, sandte er schmeichelhafte Schreiben an die Kapitäns Ewald und
+Wreden von den Jägern.
+
+Inzwischen war in Philadelphia das Gerücht laut geworden, dass der König
+von Frankreich einen Vertrag mit den rebellischen Kolonien abgeschlossen
+hätte, und dass bald eine französische Flotte den Eingang zur Delaware
+Bay bedrohen und die Verbindung zu Wasser mit New-York abschneiden
+könnte. Mit andern Worten, wie die guten Deutschen es sich auslegten:
+»eine starke französische Flotte mit vielen Tausend Landtruppen und
+Kavallerie war von Brest ausgelaufen und nach Amerika unterwegs, unter
+dem Vorwand, Bundesgenossen des Kongress zu sein, in Wirklichkeit aber
+mit der Absicht, auf diesem Kontinent festen Fuss zu fassen.«
+
+Es war das Nahen der französischen Flotte, und gleichzeitig waren es die
+aus England erhaltenen Befehle, welche Sir Henry Clinton veranlassten,
+Philadelphia aufzugeben und sich nach New-York zurückzuziehen. Ein Teil
+der Baggage der Armee wurde an Bord der englischen Schiffe gebracht, und
+ungefähr 3000 Tory-Einwohner bereiteten sich vor, ihren Beschützern zu
+folgen und ihr Heimatland zu verlassen. Die Strassen, welche wie die
+einer deutschen Stadt in glücklicher Zeit ausgesehen hatten, waren nun
+verlassen. Vor vielen Häusern standen Haufen von Möbeln, um versteigert
+zu werden. Die Einwohner gingen mit traurigen Gesichtern einher, manche
+aber frohlockten im Stillen.
+
+Im Laufe des November waren die anspachischen Regimenter von New-York
+nach Philadelphia gebracht worden. Sie wurden nun wieder zu Schiff nach
+New-York befördert, anstatt an dem Marsch durch New-Jersey teilzunehmen.
+Unter den Amerikanern ging das Gerücht, dass der britische Befehlshaber
+sich auf diese beiden Regimenter nicht hätte verlassen können. Die
+Deutschen meinten, dass sie ihre Unfähigkeit im Marschieren bewiesen
+hätten. Es waren die Regimenter, die bei Ochsenfurt gemeutert hatten.
+
+Vom 14. bis 18. Juni 1778 dauerte die Räumung Philadelphias seitens der
+Engländer und Hessen. Trotzdem, dass viel Baggage zur See befördert
+worden war, zählte der Train doch noch 1500 Wagen. Die Schiffe auf den
+Werften und Stapeln wurden verbrannt. Die Amerikaner störten weder diese
+Vorbereitungen, noch bedrängten sie die abziehenden Truppen ernstlich.
+Am 18. Juni begann der Abmarsch der Armee. Der Weg führte über
+Haddonfield, Mount Holly, Monmouth Court House und die Neversink Hills
+nach Sandy Hook. Amerikanische Streifparteien zerstörten die Brücken vor
+der Front der Briten und belästigten Flanken und Rücken der Armee. Die
+Hitze war schrecklich; viele Leute starben am Sonnenstich. Die
+New-Jersey-Moskitos thaten ihre Arbeit derartig, dass die Gesichter der
+Soldaten bis zur Unkenntlichkeit angeschwollen waren. Bis zum 25. Juni
+war beinahe ein Drittel der Hessen infolge der Hitze marschunfähig an
+den Strassenrändern liegen geblieben. Es kamen auch viele Desertionen
+vor.
+
+Es ist merkwürdig, dass es angesichts dieser Schwierigkeiten den
+Amerikanern nicht gelang, den Rückzug erheblich mehr zu erschweren.
+Viele von Washingtons Unterführern hielten es für unangebracht, den
+zurückgehenden Feind anzugreifen. Diese Ansicht war hauptsächlich durch
+Charles Lee vertreten, der als ältester General-Major wohl im Stande
+war, die Ausführung von Washingtons Plänen beträchtlich zu verhindern.
+Das Gefecht von Monmouth Court House war für keinen der beiden Teile ein
+wirklicher Sieg. Die Amerikaner wurden durch Clintons Arrieregarde
+zurückgedrängt und infolge Lees Unfähigkeit und Unthätigkeit beinahe in
+die Flucht geschlagen. Es ist Thatsache, dass Washington seine Leute zum
+Stehen brachte und einen Angriff abschlug, aber der eigentliche Zweck
+dieses Tages wurde nicht erreicht. Clinton setzte seinen Marsch mit dem
+Verlust von kaum einem Wagen fort. In der ersten Woche des Juli
+erreichte die britische Armee Sandy Hook, von wo sie zu Wasser nach
+New-York übergeführt wurde.
+
+
+
+
+Kapitel XVIII.
+
+Newport, vom November 1776 bis Oktober 1779.
+
+
+Im November 1776, als die Unterwerfung des Landes in vollem Gange war,
+detachierte Sir William Howe ungefähr 7000 Mann, von denen etwa die
+Hälfte Hessen waren, zur Besetzung von Newport. Dieses Korps landete
+ohne Gegenwehr und verbrachte drei Jahre in Rhode Island, davon den
+grössten Teil in Unthätigkeit. Nur die letzten Jahre machte sich der
+Mangel an Mehl und Holz fühlbar. Unzweifelhaft konnten die Leute
+irgendwo anders besser verwendet werden. Mit 6000 oder selbst mit 4000
+Mann mehr unter seinem Kommando hätte Clinton wohl erfolgreicher und
+wirksamer auftreten können, als er zum Beistand Burgoynes vorging. Es
+lässt sich aber annehmen, dass, nachdem Sir William Howe Newport in
+Besitz genommen und keinen bessern Gebrauch mit diesen Truppen zu machen
+wusste, er wohl fürchtete, an Prestige zu verlieren, wenn er die Stadt
+wieder aufgeben würde. Im Sommer 1777, vor Eröffnung der Campagne, nahm
+er einige Regimenter aus der Besatzung heraus.
+
+Im Ganzen glaube ich nicht, dass der Dienst in Rhode Island für die
+Soldaten sehr beschwerlich gewesen ist. Wenn auch das Mehl knapp war, so
+war doch Fleisch in Menge vorhanden. Die Bewohner waren zuerst sehr
+scheu und schlossen ihre Familien ganz ab. Auf Shelter Island lief das
+Landvolk bei Annäherung der fremden Eindringlinge weg. Sie glaubten,
+sagt einer, dass die Hessen kleine Kinder aufässen. »Aber mit der Zeit,«
+schreibt ein Offizier, »wurden sie vertrauter mit uns, lernten unser
+gebrochenes Englisch verstehen, zeigten uns ihre Familien und liessen
+ihre Furcht vor uns verschwinden.«
+
+Nachdem man auf guten Fuss mit einander gekommen war, genoss man die
+grösste Behaglichkeit in den gastfreien Häusern von Newport. Die
+Einwohner bewirteten ganz nach englischer Sitte. Alle Gerichte wurden
+auf einmal auf dem Tische aufgetragen. Jeder Gast ass und trank nach
+Belieben, ohne dass er genötigt wurde. Suppe gab es selten, aber es
+standen immer vier oder fünf Sorten Gemüse auf dem Tisch, und
+Kartoffeln gab es zu jedem Gericht. Die Liste der Getränke, welche das
+vor mir liegende Journal enthält, führt auf: Punsch, Cider, starkes
+Bier, Porter, Grog, Madeira, Portwein, Claret, Sherry, Toddy, Sangaree
+und Syllabub. Man trank sich während des Mahles einander zu, und
+richtige Toaste wurden ausgebracht, nachdem das Tischtuch weggenommen
+war. Die Toaste gingen rechts herum, die Flasche zur Linken.
+
+Sir Henry Clinton war der erste Befehlshaber dieses Korps, Lord Percy
+war sein Nachfolger. Letzterer legte das Kommando im Mai 1777 nieder, um
+nach England zurückzukehren. Die Hoffnungen, die ihn nach Amerika
+geführt hatten, waren getäuscht worden, denn man erzählte sich, dass er
+beim Verlassen der Heimat geschworen hätte, nicht ohne den Olivenzweig
+des Friedens zurückkehren zu wollen. Er war beliebt in Newport, und die
+Einwohner sandten ihm eine Ergebenheits-Adresse bei seiner Abreise,
+indem sie ihm eine glückliche und angenehme Reise und eine lang
+andauernde gute Gesundheit wünschten. »Euer Excellenz erhabener Rang und
+Charakter,« fügten sie hinzu, »lassen es unnötig erscheinen, Ihnen
+irgend eine andere Segnung des Lebens zu wünschen.« Als Antwort
+versicherte ihnen seine Lordschaft, dass es die Pflicht und der Wille
+eines jeden britischen und hessischen Soldaten gewesen wäre, alle
+unschuldigen und friedlichen Einwohner zu beschützen.
+
+Die Bewohner von Newport waren mit General-Major Prescott, Lord Percys
+Nachfolger, weniger zufrieden. Sie hatten aber nicht lange unter ihm zu
+leiden. Der General hatte sich als Hauptquartier ein einsames Haus
+ungefähr 4 Meilen von Newport und eine Meile von der nächst gelegenen
+Truppe ausersehen. Betreffs seiner Sicherheit war er nur auf eine kleine
+Wache und ein Schiff angewiesen, welches nicht weit von dem Hause vor
+Anker lag. In der Nacht des 10. Juli 1777, ungefähr um Mitternacht,
+landete eine Abteilung Amerikaner unter Oberst Barton auf zwei
+Walfischbooten beim Redwood Creek, schlich sich über die Felder an
+Prescotts Hauptquartier heran, überwältigte die Wache, brach in das Haus
+ein, zog den General und seinen Adjutanten aus ihren Betten heraus und
+schleppte sie mit sich, ohne ihnen selbst Zeit zu lassen sich
+anzuziehen. Die Boote liefen glücklich Spiessruthen zwischen den
+britischen Schiffen und beförderten die Gefangenen nach Providence.
+
+Das Kommando ging nun an Majorgeneral Pigot über, und die Dinge nahmen
+ihren alten Lauf. Beständig wurden Streifzüge nach den benachbarten
+Inseln und auch auf dem Festland unternommen, um Lebensmittel oder Holz
+zu holen. Ende Juli wurde wegen Mangel an Nahrung in Newport ein
+Transport Frauen und Kinder nach Providence gesandt. Es ist aber nicht
+anzunehmen, dass die Soldaten ernstlich Not gelitten haben. Im Ganzen
+verlief das Jahr 1777 und die erste Hälfte von 1778 ruhig, obwohl die
+Amerikaner manchmal thaten, als ob sie die Insel angreifen wollten.
+Inzwischen hatte Burgoyne Ticonderoga genommen, war auf Albany
+vorgegangen und hatte sich bei Saratoga übergeben. Howe hatte
+Philadelphia eingenommen, Clinton es wieder verlassen; der König von
+Frankreich hatte den Krieg erklärt, und Stunden der Angst waren für die
+kleine Armee in Newport im Anzug.
+
+Am 15. Juli 1778 kam General Prescott, der ausgewechselt worden war, von
+New-York mit Verstärkungen. Unter diesen waren die beiden anspachischen
+Regimenter. Er verkündigte, dass die französische Flotte auf dem Wege
+nach Amerika wäre, und am 29. erschien auch diese Flotte vor Newport.
+Sie wurde von Graf d'Estaing befehligt und bestand aus 5 Schiffen mit 74
+Geschützen, 6 mit 64 und 3 mit 26 Geschützen. Um 11 Uhr morgens lagen
+diese Schiffe vor dem Hafen vor Anker. Die Insel Connanicut wurde
+alsbald von den Deutschen geräumt und von den Franzosen besetzt, die
+dort einige Vorräte, welche man nicht Zeit genug hatte mitzunehmen, in
+Besitz nahmen. Die englischen und hessischen Soldaten erwarteten eine
+sofortige Landung des Feindes auf Rhode Island. Die Stadt war in der
+grössten Verwirrung und die Tories in Verzweiflung.
+
+Der französische Admiral indessen nutzte seinen Vorteil nicht alsogleich
+aus. Es dauerte bis zum 8. August, bis er sich den Eintritt in den Hafen
+erzwang, wozu er die Batterien von Brentons Neck, Kings Fort, Goat
+Island und North Point zu passieren hatte. Die Kanonade dauerte 1-1/2
+Stunden, und das Ende davon war, dass die Flotte bei Connanicut vor
+Anker ging. Nicht ein Mann in der Stadt war verwundet worden, aber die
+Schiffe hatten starken Schaden gelitten.
+
+Die Regimenter, welche ausserhalb Newport gestanden hatten, wurden
+nunmehr herangeholt. General Sullivan war mit einer Rebellen-Armee auf
+Rhode Island gelandet. Die britischen und deutschen Soldaten standen
+wie die Schafe in dichtem Gedränge in der Stadt. Sie waren ganz
+erschöpft von den unausgesetzten Strapazen, denn seit dem Erscheinen
+der französischen Flotte war jeder brauchbare Mann bei den
+Verschanzungs-Arbeiten thätig gewesen. 4 Fregatten und 2 kleinere
+Schiffe waren verbrannt und 1 Fregatte, sowie ein anderes Schiff im
+Meere versenkt worden, um sie nicht in die Hände des Feindes fallen zu
+lassen. In Newport herrschte grosse Besorgnis, aber am 9. August kam
+Hilfe. Eine englische Flotte von 36 Segeln unter Lord Howe erschien vor
+Point Judith. Graf d'Estaing lichtete am nächsten Morgen die Anker, um
+ihm entgegenzugehen, wobei er sich einer scharfen Kanonade von Seiten
+der Strand-Batterien aussetzte. Die englische Flotte wich zurück,
+gefolgt von der französischen. Der 10. war ein Tag der Ungewissheit. Am
+11. erhob sich ein heftiger Sturm, welcher beide Flotten zerstreute.
+
+Die französische war es, welche am ersten wieder in Sicht kam. »Nun war
+alle unsere Hoffnung vergebens,« schreibt der hessische
+Quartiermeister, »wir sahen uns schon in Gedanken, weil unsere Macht
+gegen ein so starkes Korps von der Land- und Seeseite zu schwach war, in
+den Händen unserer Feinde.« Plötzlich, zur Freude und Überraschung der
+Besatzung, segelte die Flotte fort.
+
+Noch eine Woche länger blieb Sullivan vor den Verschanzungen von
+Newport, während seine Miliz-Armee immer mehr zusammenschmolz. Am Abend
+des 28. zog er sich nach dem Nordende der Insel zurück; die Engländer
+folgten ihm am 29. morgens. Die Amerikaner machten jedoch Kehrt,
+versetzten ihren Verfolgern noch einen Schlag und verliessen, ohne
+weiter belästigt zu werden, die Insel. Diese Unternehmung war sehr
+fehlerhaft geleitet worden. Die Verluste in der Affaire vom 29. betrugen
+auf jeder Seite zwischen 200 und 300 Mann; hierunter waren 128 Deutsche.
+Es war gut für die Amerikaner, dass sie sich davon machten, denn am 1.
+September langte Sir Henry Clinton mit einer Flotte und Verstärkungen im
+Hafen von Newport an.
+
+Noch länger als ein Jahr verblieben die Briten und Deutschen zwecklos
+und unthätig auf Rhode Island. Schliesslich im Oktober 1779 wurde wieder
+eine Flotte auf hoher See sichtbar, aber als sie den Sund entlang
+segelte, wurde sie als freundlich erkannt. Es ergab sich, dass sie aus
+Transportschiffen bestand, welche die Besatzung mitnehmen sollte. Sofort
+wurde die Baggage an Bord der Schiffe gebracht, der Vorrat an
+Brennmaterialien aber im Stich gelassen. Das traurige Schauspiel,
+Tory-Familien aus ihrer Heimat fliehen zu sehen, wiederholte sich hier.
+Es waren mehr da, welche mitgenommen werden wollten, als man in die
+Schiffe aufnehmen konnte; manche wurden daher gezwungen da zu bleiben
+und sich der Rache ihrer Nachbarn auszusetzen.
+
+Herzliche Beziehungen waren im Laufe der drei Jahre zwischen den Hessen
+und Bewohnern von Newport entstanden. General Prescott fürchtete, dass
+einzelne Soldaten Lust hätten, da zu bleiben, und gab den Befehl, dass
+an dem Tage, an welchem die Truppen eingeschifft würden, alle Häuser
+geschlossen werden, und sich niemand, besonders keine Frauen, an den
+Fenstern zeigen sollten. Mit klingendem Spiel und fliegenden Fahnen
+marschierten die Regimenter durch die entleerten Strassen und besetzten
+dann die Boote, welche sie nach den Schiffen befördern sollten. Die
+feindliche Besetzung von Rhode Island war beendet.
+
+
+
+
+Kapitel XIX.
+
+Die Umgegend von New-York 1777 bis 1779.
+
+
+Die Geschichte des Revolutionskrieges ist hauptsächlich die Geschichte
+einer Reihe von wichtigen Unternehmungen, welche mit wechselndem Erfolg
+gegen verschiedene Teile von Nordamerika geführt wurden. Die kämpfenden
+Armeen erschienen, fochten und verschwanden wieder. Nur die Stadt
+New-York blieb vom Sommer 1776 bis zum Herbst 1783 von britischen
+Truppen besetzt. Auf dem Land, bis auf einen kleinen Tagemarsch von
+Manhattan Island aus, kehrten die Feindseligkeiten immer wieder. Zu
+keiner Zeit während der ersten fünf Jahre konnten sich die Bewohner der
+Dörfer von Central-New-Jersey oder Südwest-Connecticut sicher fühlen.
+Die Forts am Hudson wurden genommen und wiedergenommen.
+
+Es mag nicht uninteressant sein, an dieser Stelle eine Beschreibung von
+New-York einzuflechten, wie es mit hessischen Augen während der
+britischen Besetzung angesehen wurde. Der folgende Auszug ist einem
+Briefe entnommen, welchen ein Offizier schrieb, der im Sommer 1777 mit
+Verstärkungen herüber gekommen war und dessen erste Eindrücke folgende
+sind:
+
+»Nur um Dir einen Begriff von Amerika, oder vielmehr dem kleinen
+Teilchen von Amerika, so wir jetzo noch inne haben, zu machen: so kann
+ich nicht unterlassen zu rühmen, dass es ein recht schönes, angenehmes
+und ebenes Land, und New-York, obgleich der Teil nach der See zu
+abgebrannt ist, eine der schönsten und pläsantesten Seestädte ist, so
+ich noch gesehen habe. Denn die Häuser sind nicht nur alle englischer
+Façon, regulär und schön gebaut, mithin den wahrsten Palästen ähnlich;
+sondern sie sind auch alle tapeziert und aufs kostbarste ausmöbliert. Es
+ist deswegen Schade, dass dieses Land, welches auch sehr fruchtbar ist,
+von solchen b--schen Menschen bewohnt wird, die vor Wollust und
+Üppigkeit nicht gewusst, was sie haben anfangen wollen, und daher auch
+nichts anderem als ihrem Hochmut ihren Fall zu danken haben. Jeder, der
+bei uns ihre Partei nimmt und glaubt, sie hätten eine begründete Ursache
+zur Rebellion, sollte nur einmal zur Strafe eine zeitlang unter ihnen
+sein und dabei die hiesige Verfassung kennen (denn der schlechteste Mann
+hier kann, wenn er nur etwas thun will, leben wie der reichste bei uns)
+der würde gewiss bald aus einem andern Tone sprechen und mit mir
+einsehen, dass nicht die Not, wohl aber Frevel und Wollust die Ursache
+der ganzen Rebellion sei. Denn obgleich die meisten von verlaufenem
+Lumpengesindel, das von anderen Orten vertrieben worden, abstammen, so
+sind sie doch so hoffärtig hier und treiben aller Orten, zumalen aber in
+New-York einen solchen Staat, als wohl nirgend in der Welt getrieben
+wird. Z. B. so gehen die Weibsleute hier, so fast alle sehr schön sind,
+es seien, Schusters-, Schneiders- oder Tagelöhners-Frauen (deren
+letztere jedoch sehr wenig hier sind, weil fast jeder Mensch einige
+Neger als Sklaven zu seiner Bedienung hat) täglich in zitzenen,
+nesseltuchenen und seidenen Schlendern. Welcher Staat denn, da sie das
+viele Geld von den Truppen lösen, indem sie nicht ein Salzkorn umsonst
+zu geben brauchen, täglich zunimmt. Wobei dann nichts ärgerlicher ist,
+als dass diesem Volke, welches im Grunde noch lauter Rebellen sind, von
+den Soldaten auf expressen Befehl des Königs nicht nur auf das Artigste
+muss begegnet werden, sondern auch, wie schon gedacht worden, nicht ein
+Salzkorn umsonst abgefordert werden darf. Es müssten daher auch die
+armen Soldaten Hungers sterben, wenn ihnen nicht täglich für 3 Pences
+die Schiffskost geliefert würde, welche täglich aus 1 Pfund Zwieback,
+eingesalzenem aber fast ungeniessbarem Schweinefleisch, einigen muffigen
+Erbsen, etwas Hafermehl und etwas Rum besteht, welches sie dann,
+obgleich sehr viele davon ungesund werden, erhalten muss.«
+
+Bei den Scharmützeln und kleineren Unternehmungen um New-York herum
+waren die Hessen im Allgemeinen beteiligt und es mag der Mühe wert sein,
+einen Blick auf einige dieser Ereignisse zu werfen, bevor wir uns zu den
+wichtigeren Operationen in den Süd-Staaten wenden, durch welche das
+Schicksal des Landes schliesslich entschieden wurde.
+
+Im zweiten Teil des August 1778 wurde das Jäger-Korps auf den Spyt den
+Duyvels Hills, bei Courtland's Plantation postirt. In der Frühe des 31.
+August wurde ein Kapitän mit 150 Jägern, von denen 15 beritten waren, zu
+einer Rekognoszierung gegen Phillips House vorgeschickt. Sie hatten kaum
+eine halbe Stunde Weg zurückgelegt, als sie von einer Abteilung
+Amerikaner und Indianer unter dem Chevalier Armand, welcher sich in
+einer Schlucht rechts von der Strasse in Hinterhalt gelegt hatte,
+überrascht wurden. 16 Jäger wurden getötet, verwundet oder gefangen, die
+Übrigen entkamen. Oberst von Wurmb, welcher das Jäger-Korps
+kommandierte, eilte zur Unterstützung des Detachements, sobald er das
+Feuern hörte, herbei, aber Chevalier Armand zog sich mit seinen
+Gefangenen zurück und überschritt den Phillips Manor bei East Chester,
+wo die Oberstlieutenants Cathcart, Simcoe und Emmerich mit ihren
+leichten Truppen standen.
+
+Die Oberstlieutenants erfuhren, dass Armand im Anrücken sei und
+bereiteten sofort einen Hinterhalt vor. Simcoe und Cathcart auf dem
+rechten und linken Flügel, zogen ihre Infanterie in die Wälder zurück
+und stellten sich so auf, dass sie das Defilee beherrschten, welches die
+Amerikaner und Indianer passieren mussten. Emmerichs Infanterie hatte
+Aufstellung genommen, um den Angriff zu erwarten, mit dem Befehl, sich
+vor dem Feinde zurückzuziehen. Emmerich hatte sich mit der Kavallerie
+hinter einem Hügel aufgestellt, um sich auf den angreifenden Feind zu
+werfen, sobald er in die Falle gegangen wäre. Kapitän Ewald war mit zwei
+Kompagnien Jäger von Oberstlieutenant von Wurmb zur Unterstützung von
+Emmerichs Infanterie vorgeschickt worden.
+
+Der Plan der Oberstlieutenants war mit Erfolg gekrönt worden. Ungefähr
+um 4 Uhr nachmittags erschienen die Amerikaner und Indianer auf dem
+Gefechtsfeld. Emmerichs Plänkler zogen sich vor ihnen zurück und lockten
+sie in ein Feld von indianischem Korn, wo sie plötzlich in Front, Rücken
+und beiden Flanken angegriffen wurden. Alle Indianer mit Ausnahme von
+einem, welcher den Hergang erzählen sollte, wurden getötet. Sie gehörten
+dem Stockbridge-Stamme an und wurden von Sachem Neham geführt. Ungefähr
+50 Amerikaner wurden gefangen genommen, Armand aber entkam mit einigen
+anderen durch die Büsche.
+
+Eelking bemerkt bei dieser Gelegenheit, dass dies ein Beweis ist, dass
+die Amerikaner die Verwendung von indianischen Bundesgenossen in diesem
+Kriege ebensowenig verschmähten als die Briten. Man muss aber wohl einen
+Unterschied machen zwischen der Verwendung von Indianern gegen britische
+und deutsche Soldaten, wie sie von Seiten der Amerikaner geschah, und
+der Entsendung derselben gegen die Bewohner von einsamen Farmhäusern und
+unbeschützten Gehöften, wie es beständig von den Dienern des Königs
+gehandhabt wurde. Der Stockbridge-Stamm soll durch diese Expedition, wie
+gesagt wurde, so sehr gelitten haben und so völlig entmutigt worden
+sein, dass er keinen weiteren Anteil an dem Kriege nahm.
+
+Ewald beschränkte sich nicht nur auf Erzählungen, welche den Ruhm der
+eigenen Partei verherrlichen. Neben Berichten über Trenton, Redbank und
+andern wichtigen Begebenheiten, bei welchen Hessen oder Engländer
+geschlagen wurden, behandelt er in einem besondern Kapitel die kühnen
+und glücklichen Streiche, die von kleinen Abteilungen Amerikaner geführt
+wurden. So erzählt er uns, wie im Frühjahr 1777 die Briten eine grosse
+Menge Fourage in Sag Harbor auf Long-Island angesammelt hatten und wie
+in Beziehung hierauf Colonel Meigs von Guilford in Connecticut mit
+weniger als 200 Mann in Walfisch-Booten aufbrach. In einer stürmischen
+Nacht gingen sie über den Sund, zogen ihre Boote über das Land, setzten
+sie von neuem aus, landeten bei Sag Harbor, überfielen die Wache,
+zerstörten die Vorräte, verbrannten mehrere Schiffe, nahmen eine Anzahl
+Engländer gefangen, bestiegen ihre Boote wieder und erreichten glücklich
+Guilford. Eine ähnliche Landung wurde in der Cow Bay im November 1780
+bei hellem Tage ausgeführt. Im Jahr 1781 wurde ein braunschweigischer
+Major von seinem Quartier auf der Nordseite von Long-Island
+weggeschleppt. Es war in der That zur Gewohnheit geworden, dass kleine
+Häuflein Amerikaner auf der Insel landeten, die englischen und deutschen
+Soldaten ärgerten und die Tories plünderten. Diese Streifzüge wurden mit
+grosser Kühnheit ausgeführt und bilden, Ewald zufolge, eine vollkommene
+Widerlegung der Anschuldigungen wegen Mangels an Mut in diesem Kriege,
+die einigemal gegen die Amerikaner erhoben worden sind. »Der, welcher
+gegen diese Nation gekämpft hat,« sagt er, »wird von dem Gegenteil
+überzeugt sein und wird nicht mit Verachtung von ihr reden.«
+
+Ewald erzählt mit grosser Bewunderung die schneidige Wegnahme von
+Stony-Point durch die Amerikaner unter Anthony Wayne am 16. Juli 1779.
+»Verdienen diese Menschen nicht bewundert zu werden, welche noch vor
+etlichen Jahren Rechtsgelehrte, Ärzte, Geistliche oder Landwirte waren,
+die in so kurzer Zeit sich zu vortrefflichen Offizieren bildeten, die so
+viele von unserm Stande beschämen, welche unter den Waffen grau
+geworden, und denen himmelangst werden würde, wenn sie zur Ausführung
+eines solchen Plans den Auftrag erhielten? Man wird mir vielleicht
+antworten, dass diese Menschen von Natur mit grossen Talenten zum Krieg
+begabt worden sind. Dieses kann wohl der Fall bei einem oder dem andern
+sein, aber im Ganzen ist die Natur mit ihren Ritterschlägen nicht so
+verschwenderisch. Man erlaube mir, diese Leute erwählten nicht den
+Kriegsdienst als einen Zufluchtsort, so wie ihn gewöhnlich der Adel
+wählt, nicht als ein Zuchthaus für einen ungeratenen Sohn, der auf
+Akademien nichts hat lernen wollen, wie oft der Fall bei denen von
+bürgerlichem Stande ist; sondern sie wählten diesen Stand mit dem festen
+Vornehmen, sich auf alle Art zu beeifern, ihrem Vaterlande mit Nutzen zu
+dienen und sich durch Verdienste hervorzuthun. In Erstaunen bin ich
+manchmal geraten, wenn während dem damaligen Kriege etwas Gepäck von den
+Amerikanern uns in die Hände fiel, wie jeder elende Schnapsack, in
+welchem oft nur einige Hemden und ein Paar zerrissene Beinkleider
+steckten, mit militärischen Büchern angefüllt war, z. B. die Instruktion
+des Königs von Preussen an seine Generale, Thielkes Feld-Ingenieur, die
+Parteigänger Jenny, Grandmaison und dergleichen mehr, die alle in die
+englische Sprache übersetzt waren, sind mir hundert mal durch unsere
+Leute in die Hände geraten. Dieses war eine wahre Anzeige, dass der
+Offizier in dieser Armee im Lager den Krieg studiert, welches nicht der
+Fall bei den Gegnern der Amerikaner war, wo man wohl eher die
+Mantelsäcke mit Puderbeuteln, wohlriechenden Pomadenbüchsen, Karten
+(keine Land-, sondern Spielkarten), und dann wohl obendrein manchmal
+mit einigen Romanen oder Schauspielen angefüllt fand.«
+
+Die Briten behielten zwei oder drei Plätze auf der Westseite des Hudson
+in fortwährendem Besitz. Einer dieser Plätze war Paulus Hook, jetzt
+Jersey City. Der Hook war eine aus steinigen, felsigen Bergen bestehende
+Halbinsel und teils vom Hudson, teils von einem Sumpf, der von Bächen
+und Gräben durchschnitten war, umgeben. Die Stellung, die durch sich
+selbst stark war, war mit Palisaden, Blockhäusern und Redouten
+befestigt. Sie war von einem Bataillon New-Jersey-Tories unter
+Oberstlieutenant Bushkirk besetzt.
+
+Am 18. August 1779 wurde eine Abteilung von 40 Hessen mit 2 Offizieren
+übergesetzt, um die Besatzung von Paulus Hook zu verstärken, und um 9
+Uhr abends an jenem Tag brach Bushkirk zu einer Unternehmung gegen die
+ungefähr 14 Meilen entfernte neue Brücke über den Hackensack auf.
+Inzwischen näherte sich Major Henry Lee von Virginia mit ungefähr 300
+Mann, unterstützt von Lord Stirling mit weiteren 500 Mann, der neuen
+Brücke von der entgegengesetzten Richtung her, unter dem Vorwande zu
+fouragieren. Stirling machte hier Halt, Lee aber kam während der Nacht
+bis an Paulus Hook heran, indem er an Bushkirk unbemerkt vorbeigegangen
+war. Lee entsandte einen Offizier mit einer kleinen Abteilung gegen das
+Fort, um zu rekognoszieren. Der Offizier meldete, dass die Besatzung
+unbewacht zu sein scheine. Lee ging darauf mit seinem Detachement vor.
+Sie durchwateten die Gräben, drangen in das Fort ein und überfielen eine
+Anzahl Provinziale, die in einem Blockhaus schliefen. Darauf näherten
+sie sich dem zweiten Blockhaus, das von einer kleinen Abteilung Hessen
+besetzt war. »Wer da!« rief der Posten. »Stony Point!« antworteten die
+Amerikaner. Der Posten feuerte und machte dadurch Alarm, aber der das
+Blockhaus befehligende Unteroffizier musste sich mit 10 oder
+15 Mann ergeben. Lee überfiel und besetzte darauf die Haupt-Redoute, und
+der ganze Paulus Hook schien ihm schon zu gehören. Da hatten indessen zu
+ihrem Glück ungefähr 25 Hessen ihren Verstand und ihre Geistesgegenwart
+beisammen. Sie warfen sich in eine kleine Redoute, wo sie sich mit ihrem
+Kapitän und Major Sutherland, dem Kommandeur des Postens, vereinigten,
+und weigerten sich zu ergeben. Lee, der nicht gewusst hatte, dass sich
+Hessen in dem Fort befanden und der wahrscheinlich ihre Zahl überschätzt
+hatte, machte sich, noch ehe es Tag wurde, davon, ohne selbst die
+Kanonen zu vernageln oder das Kriegs-Material zu zerstören. Er nahm
+ungefähr 150 Gefangene mit. Lee hatte den Befehl erhalten, nicht zu
+versuchen, den Platz zu behaupten, und ein beschleunigter Rückzug war
+nötig, um nicht abgeschnitten zu werden; die 25 Hessen hatten aber
+jedenfalls durch ihr tapferes Verhalten die Wegnahme oder die Zerstörung
+der Vorräte und Werke in dem Fort verhindert und ihre Partei vor der
+Schmach einer vollkommenen Niederlage gerettet.
+
+[Illustration: PLAN VON DEM ÜBERFALL
+
+eines englischen Postens auf PAULUS HOOK in der Provinz New Jersey um
+1/2-2 Uhr in der Nacht vom 18. zum 19. October 1779.
+
+--< _Erklärung umseitig._ >--]
+
+ A. Annäherung und Stellung der Rebellen auf den Höhen
+ von Bergen zur Deckung des Rückzuges.
+
+ B. Angriff auf die Brücke und Blockhaus 1, 2 und 3 und
+ auf das Fort C das mit 7 Sechspfündern armiert war,
+ die aber nicht zu Schuss kamen.
+
+ D. Barracken, in denen die 110 Mann starke englische
+ Besatzung gefangen genommen wurde.
+
+ E. Schanze, welche ein hessischer Hauptmann, 1 Offizier
+ mit 25 Mann besetzt hielt, woraufhin die Rebellen bei
+ Tagesanbruch mit ihren Gefangenen den Rückzug antraten.
+
+
+
+
+Kapitel XX.
+
+Wiederholds Reise. Eine Episode -- September 1779.
+
+
+Am 4. September 1779 erhielten die Regimenter von Knyphausen und von
+Lossberg Befehl, sich mit all' ihrer Baggage und allen transportfähigen
+Kranken zur Einschiffung bereit zu halten. Ihr Bestimmungsort war
+Quebec, wovon die Truppe aber damals nichts wusste. Die Regimenter
+Knyphausen und Lossberg waren zwei von denen, die bei Trenton in
+Gefangenschaft geraten waren. Alle, die bei dieser Gelegenheit gefangen
+genommen waren, wurden wieder ausgewechselt, und die beiden Regimenter,
+deren Überreste zu einem kombinierten Bataillon formiert worden waren,
+traten nun wieder selbstständig auf.
+
+Wiederhold hatte eine Stelle als Kapitän im Regiment von Knyphausen
+erhalten. Die beiden Regimenter waren am 8. September auf 6 Schiffen
+untergebracht worden. Wiederholds Quartier war auf dem Triton, einer
+Brig, die mit 6 kleinen Kanonen und 2 swivels (ganz kleine Kanonen, die
+auf Gabeln ruhen) armiert. Die Brig war überfüllt und sehr unbequem
+eingerichtet, und hatte zuerst eine Bemannung von 7 Mann,
+einschliesslich des Kapitäns, Kochs und Stuarts. An Hessen befanden sich
+an Bord ein Oberstlieutenant, der krank war, 2 Kapitäns, 1 Lieutenant, 1
+Fähnrich und 1 Arzt, und beinahe 2 Kompagnien Infanterie.
+
+Die Brig ging am Abend des 9. September in See, kam aber sofort in einen
+starken Wind (gale) hinein und wurde von der Flotte getrennt. Der
+Kapitän, der keine Befehle wegen seines Reiseziels bekommen hatte, war
+genötigt, am Morgen des 10. wieder nach Sandy Hook zurückzusteuern. An
+jenem Tag kam ein Schiff in Sicht, und es wurden Vorbereitungen zum
+Angriff getroffen, für den Fall, dass es ein amerikanischer Privateer
+sein sollte. Die Kanonen wurden gereinigt und geladen, und 1
+Unteroffizier mit 6 Mann mit ihrer Bedienung betraut. Das Schiff erwies
+sich jedoch als ein freundliches, ein Transportschiff mit Teilen des 44.
+englischen Regiments an Bord. Der Triton segelte in Gemeinschaft mit
+diesem Schiff weiter und vereinigte sich am Morgen des 11. mit der
+Transport-Flotte, die aus 23 Transportschiffen und Handels-Schaluppen
+bestand und von 2 kleinen Schiffen mit 20 und 14 Kanonen bedeckt wurde.
+Von einem dieser Schiffe erhielt der Triton noch 2 Matrosen -- junge,
+unerfahrene Burschen.
+
+Die Flotte stach sofort nach Ankunft des Triton in See, und am 11. und
+12. verlief alles gut. Am 13. aber trat stürmisches Wetter ein, welches
+den 14. über andauerte. Am 15. nahm der Wind noch mehr zu und wurde des
+Abends zu einem wahren Orkan. Die Flotte wurde vollkommen zerstreut, die
+Nacht war stockfinster. Ungefähr um 9 Uhr abends brach der Hauptmast
+unter der untersten Querstange ab, und bevor dieser mit seinem Tauwerk
+gänzlich weggeräumt war, brach der Vordermast kurz über dem Verdeck ab
+und stürzte über Bord. Die Brig wurde nun, den Wellen preisgegeben, hin
+und hergeworfen und lag oft ganz auf der Seite. Während der Kapitän im
+Begriff war, ein Kajütenfenster mit einem darklight (Totenfenster) zu
+vernageln und Wiederhold mit einem Licht zu seiner Hilfe bei ihm stand,
+stürzte eine Welle mit solcher Gewalt hinein, dass beide kopfüber in die
+Kajüte geworfen wurden.
+
+Darauf entstand eine neue Gefahr. Auf dem Deck hatte sich eine Kanone
+nach der andern losgerissen, rollte hin und her und stürzte schliesslich
+über das Geländer in die See. Vier davon gingen nacheinander auf diese
+Weise verloren, nahmen sogar den grossen eisernen Kessel noch mit, der
+gross genug war, um für die ganze Schiffsbesatzung darin zu kochen. Die
+fünfte Kanone öffnete sich selbst durch Hin- und Herrollen die hatch
+(eine Öffnung im Verdeck), hob sich von ihrer Lafette ab und stürzte
+durch diese Öffnung in den untern Schiffsraum, wo sie auf eine dem
+Kapitän Wiederhold gehörende grosse Kiste fiel, die Wein, Spiritus,
+Essig, Senf und dergleichen enthielt. Die Kiste und ihr Inhalt wurde in
+tausend Stücke zerschmettert, aber sie hatte dem fallenden Geschützrohr
+Einhalt gethan und den Boden der Brig vor einer schweren Beschädigung
+bewahrt.
+
+Die sechste Kanone aber, gerade über der Kajüte auf dem Hinterdecke,
+rollte noch immer hin und her und hatte bereits das Steuerrad und alles
+was ihr in den Weg kam, zertrümmert. Vier von den Matrosen konnten oder
+wollten nicht mehr arbeiten und hatten sich in ihre Betten gelegt.
+Niemand anders wollte sich, aus Furcht zerquetscht zu werden, der
+Kanone nähern. Die Soldaten lagen unter Seufzen, Weinen oder Beten umher
+und erwarteten ihr letztes Stündlein. Der Oberstlieutenant war zu krank,
+um irgend etwas zu thun. Wiederhold versuchte nun seine Leute zu
+ermutigen und sagte ihnen, dass Gott, der sie in dieser grossen Gefahr
+schweben liesse, sie auch wieder daraus erlösen könnte, wenn jeder nur
+thun wollte was er könnte, zuerst versuchen zu helfen, die Kanone über
+Bord zu werfen und dann an den Pumpen zu arbeiten, um das Schiff
+wenigstens bis zum andern Morgen über Wasser zu halten; dann würde ihnen
+der Himmel wohl Hülfe senden und entweder besseres Wetter oder ein
+Schiff zu ihrer Erlösung schicken.
+
+Wiederholds eindringliches Zureden war zuerst erfolglos. Einige der
+Soldaten »waren ganz wie verstockt, andere antworteten sie seien krank.«
+Wiederhold stellte ihnen vor, dass er selbst schon seit vier Wochen am
+kalten Fieber litte, trotzdem hätte er, da niemand zur Rettung etwas
+beitragen wollte, sich herausgemacht, um etwas für die Erhaltung aller
+zu thun. Er zweifelte auch nicht, sagte er, dass Leute unter ihnen
+wären, die mehr Kräfte als er und so viel Liebe für ihn hätten, dass sie
+ihm folgen würden und thun, was er ihnen sagte. Er versprach, bei ihnen
+auf dem Verdeck zu bleiben, selbst Hand anzulegen und ihr Schicksal zu
+teilen, in der Hoffnung das Schiff und alles an Bord zu retten. Noch
+wollte niemand folgen, bis Wiederhold schliesslich rief: »Ist denn gar
+kein Unteroffizier da, der gesund ist, der Ambition und ein hessisches
+Herz hat, dass der mir folgen und helfen will?« Hierauf kamen ein
+Sergeant und zwei Korporals, denen etwa 15 bis 20 Mann folgten. »Nun
+wohlan,« sagt Wiederhold, »kommt, lasst uns erst die Kanone in die See
+zu schmeissen suchen.« Nach mehreren Versuchen, bei welchen sie in
+beständiger Gefahr waren zerquetscht zu werden oder mit der Kanone über
+Bord zu gehen, gelang es ihnen, ihrer Herr zu werden und sie über Bord
+zu werfen. Hierbei wurde einem Soldaten der Arm zweimal gebrochen und
+Wiederholds kleiner Finger zerquetscht.
+
+Nun fing die Arbeit an den Pumpe an, in Ablösungen von 4 Mann. Jede
+Ablösung konnte es aber nur jedesmal 6 oder 8 Minuten aushalten und
+mussten sich entweder anbinden oder an dem Stumpf des grossen Mastes
+festhalten, um nicht von den Wellen weggespült zu werden. Gegen 3 oder 4
+morgens aber brach die Pumpe und konnte in der Dunkelheit nicht
+ausgebessert werden, so dass sie sich mit Ausschöpfen vermittelst eines
+Eimers behelfen mussten, bis es Tag wurde und sie die Pumpe wieder in
+Stand setzen konnten.
+
+Während die Leute in der Dunkelheit arbeiteten, fiel ein Mann über Bord,
+erfasste aber im Fallen ein Tau und rief und schrie um Hilfe. Niemand
+konnte ihn sehen oder wusste, wo er war. »Wo bist du denn,« fragte
+Wiederhold. »Hier hänge ich an dem Schiff und wenn ihr mir nicht bald
+helft, so kann ich mich nicht länger halten, muss in die See fallen und
+ersaufen.« Seine Kameraden suchten an ihn heran zu kommen, aber bevor
+sie ihn erreichen konnten, war eine Welle geschwinder als sie und spülte
+ihn wieder an Bord; und Wiederhold sagt in seinem Tagebuch »er lebt noch
+und ist gesund.«
+
+Während aller dieser Arbeit bemerkte Wiederhold, dass der
+Schiffs-Kapitän und einige Bootsleute mit einer Laterne um die auf dem
+Schiffe befestigten Boote herumgingen und versuchten, wie er glaubte,
+eins davon los zu machen. Wiederhold fragte den Kapitän, was er denn da
+mache. »O, nichts,« antwortete dieser, »ich sehe nur, ob sie fest genug
+sind.« Unter irgend einem Vorwand bat ihn Wiederhold darauf, ihm die
+Laterne für einen Augenblick zu leihen, und nachdem er sie hergegeben
+und dieselbe einem Soldaten eingehändigt hatte, nahm Wiederhold den
+Kapitain am Arm, führte ihn in die Kajüte hinunter und setzte ihn dort
+in Arrest unter Bewachung von zwei Offizieren. Dies geschah aus
+Besorgnis, dass der Kapitän mit seinen Matrosen sich von der Brig
+heimlich entfernen und die Soldaten ihrem Schicksal überlassen könnten.
+Bei Tagesanbruch fand man die Boote von den Wellen völlig zerstört. Sie
+wurden über Bord geworfen und der Schiffs-Kapitän wurde wieder in
+Freiheit gesetzt.
+
+Am 16. September lies der Wind etwas nach und am 17. klärte sich der
+Himmel auf. Die Beobachtungen, die man um Mittag anstellte, ergaben 37°
+19' nördlicher Breite, so dass die Brig bis auf die Höhe der Kaps von
+Virginien nach Süden hin getrieben war. Von der Länge hatten sie keine
+Ahnung.
+
+Die losgerissenen Segelstangen, Taue und das zerbrochene Geländer wurden
+nun weggeräumt und der Schiffsboden untersucht, aber kein Leck darin
+gefunden. Die Soldaten kamen an Deck und trockneten ihre Kleider, denn
+sie hatten keinen trockenen Faden an sich, selbst nicht in ihren
+Tornistern, alles war mit Salzwasser und Schlamm durchnässt. Die
+Matrosen befestigten an dem Stumpf des Hauptmastes einen Hilfsmast, und
+Tags darauf noch einen am Vordermast.
+
+Am 19. wurde von den Mannschaften eine Betstunde abgehalten, um Gott für
+ihre Errettung aus Sturm und Not zu danken. Es wurde ein Lied gesungen
+und der 107. Psalm vorgelesen. Selbst die Matrosen, die kein Wort von
+dem, was die Deutschen redeten, verstanden, waren sehr andächtig und
+beteten für sich.
+
+Der Triton nahm langsam seinen Weg in nördlicher Richtung und hatte
+leidliches Wetter. Einige Schiffe kamen in Sicht, keins aber kam ihnen
+zu Hilfe. Wiederhold ersann einen Plan, wie er mit seinem kaum lenkbaren
+Wrack einem Privateer, der ihn angreifen würde, Widerstand leisten
+könnte. Er nahm sich vor, seine Leute unter Deck verborgen zu halten,
+eine Bootladung Amerikaner an Bord des Triton zu locken und sie dann
+gefangen zu nehmen. Der Privateer würde dann aus Besorgnis, seine
+eigenen Leute zu treffen, nicht feuern und das Schiff auch nicht
+ersteigen können wegen der überlegenen Zahl an Hessen. Es war vielleicht
+ein Glück für Wiederhold und die Seinigen, dass die Umstände es
+verhinderten, diesen ingenieusen Plan zur Ausführung bringen zu suchen.
+
+Am Morgen des 25. September kamen die Kaps des Delaware in Sicht. Da sie
+nun genau wussten, wo sie waren, so gingen sie wieder weiter in See, um
+den Privateers aus dem Wege zu gehen. Der Wind war gut und die Hessen
+hofften Sandy Hook in achtundvierzig Stunden zu erreichen. Der Morgen
+des 26. war sehr schön. Bei Tagesanbruch wurden zwei Schiffe in einiger
+Entfernung gesehen. Wiederhold sprang voller Freude in die Kajüte und
+berichtete dem Oberstlieutenant und den anderen Offizieren das Gesehene.
+Alle zogen sich an und eilten an Deck, in der Hoffnung, dass es Schiffe
+seien, die von New-York ausgeschickt wären, um vor dem Hafen zu kreuzen
+und den Schiffen Hilfe zu leisten, die bei dem letzten Sturme Schaden
+gelitten hätten. Die fremden Schiffe segelten auf den Triton los und
+stellten sich als einen Schooner und eine Schaluppe heraus. »Aber o! wie
+sahen wir uns in unserer Hoffnung betrogen,« ruft Wiederhold aus, »denn,
+nachdem sie so nahe kamen und sie ihre aus 13 Streifen bestehende Flagge
+wehen liessen, so war unsere Freude in Leid verwandelt.«
+
+Der Schooner hatte 14 Geschütze und hiess »Mars«. Die Schaluppe, Comet
+genannt, hatte 10 Geschütze und wurde von Kapitän Decatur kommandiert.
+Um 8 Uhr morgens lagen beide mit den Breitseiten am Triton. Sie
+erteilten dem Kapitän des letzteren Befehl, ein Segel herabzulassen und
+das Steuerruder am Steuerbord anzubinden. Sodann schickte jeder
+Privateer 1 Offizier und 5 Mann an Bord; der Mars nahm den Triton ins
+Schlepptau und brachte ihn in die Barnegat Bucht, wo er vor Anker ging.
+Der Mars, welcher den Kapitän und mehrere Seeleute des Triton an Bord
+genommen hatte, geriet zwischen Klippen und kenterte. Nur zwei von der
+Bemannung ertranken; alle hatten schwimmen müssen, um sich zu retten.
+Dies ereignete sich auf zwei Kanonenschussweiten von dem Fleck, wo der
+Triton vor Anker lag. Der Kapitän des Mars hatte vorher befohlen, dass
+der hessische Oberstlieutenant auch an Bord kommen sollte,
+glücklicherweise aber war er durch sein Kranksein daran gehindert.
+
+Am 29. September wurde der Triton nach dem Little Egg-Hafen gebracht.
+Hier wurden die Gefangenen ausgeschifft. Sie kamen durch Philadelphia
+und wurden schliesslich in Reading einquartiert. Die Offiziere wurden
+ausgewechselt und kehrten im Dezember 1780 nach New-York zurück.
+
+Von den 6 Schiffen, in welchen die Regimenter von Knyphausen und
+Lossberg untergebracht waren, kehrte eins mit seiner Besatzung glücklich
+nach New-York zurück; über das Schicksal von einem habe ich nichts
+Bestimmtes ausfindig machen können; eins wurde mit Mann und Maus vom
+Meere verschlungen; zwei wurden durch den Sturm seeuntüchtig gemacht und
+nachher von amerikanischen Privateers genommen.
+
+Das noch übrige (sechste) Schiff, der »Badger«, mit einer Abteilung des
+Regiments Lossberg, verlor seinen Vorder-und Hauptmast im Sturm. Es
+wurde dann von zwei kleinen Privateers angegriffen, die sie zwei Tage
+lang verfolgten und beschossen, dann aber wegen der entschlossenen
+Haltung der Hessen wieder abziehen mussten. Am 9. Oktober jedoch griff
+ein Privateer mit 12 Geschützen den Badger an, und letzterer, der keine
+Kanonen hatte, war gezwungen sich zu ergeben. Ein Lieutenant, drei
+Fähnriche und 20 Mann, sowie die gesamte Ausrüstung der übrigen Hessen
+wurden an Bord des Privateer gebracht. Letzterer scheint zunächst den
+Badger, auf dem ein hessischer Kapitän, der krank war, mit einem Arzt
+und den meisten Gemeinen verblieben, noch in seiner Gewalt behalten zu
+haben. Den Journalen nach steht fest, dass die Fregatte Solebay am
+folgenden Tag den Badger von dem Privateer befreite und glücklich nach
+New-York brachte.
+
+
+
+
+Kapitel XXI.
+
+Savannah, Charleston und Pensacola, 1778 bis 1781.
+
+
+Das Bündnis zwischen Frankreich und den Vereinigten Staaten erhöhte die
+Möglichkeit der schliesslichen Unabhängigkeit der letzteren. Es war
+deshalb wichtig, den Amerikanern so viel Gebiet als möglich streitig zu
+machen, wenn auch nicht ihre Haupt-Armee vernichtet werden könnte. Lord
+George Germaine hoffte, dass die dünn bevölkerten südlichen Provinzen
+schnell zum Gehorsam zurückzubringen wären und dass die königliche
+Autorität vom Golf von Mexico bis zum Susquehanna-Fluss hergestellt
+werden würde.
+
+Ein weiterer Vorteil sollte dadurch gewonnen werden, dass man die Nord-
+und Südstaaten gleichzeitig besetzte. Der Sommer und Herbst waren die
+Zeit der Thätigkeit in den ersteren, Winter und Frühjahr in den
+letzteren. Der britische General, der seine Truppen zur See befördern
+konnte, brauchte nur, wenn das Wetter die Operationen behinderte, in den
+betreffenden Landesteilen soviel Truppen zurückzulassen, als zur
+Verteidigung nötig waren, und behielt so überall das Übergewicht,
+welches sehr wichtig war.
+
+Am 6. November 1778 wurden ungefähr 3500 Mann unter Oberstlieutenant
+Campbell in New-York eingeschifft. Zwei hessische Regimenter nahmen an
+dieser Expedition teil. Die Transportschiffe wurden durch schlechtes
+Wetter am Auslaufen verhindert und konnten nicht vor dem 27. Sandy Hook
+verlassen. Sie erreichten Savannah erst am 24. Dezember nach stürmischer
+Überfahrt. Die Truppe landete am 29. und schlug einige 800 Amerikaner,
+die den Versuch machten, Widerstand zu leisten, töteten und verwundeten
+ungefähr 80 und machten 400 Gefangene. Beinahe 50 Kanonen, beträchtliche
+Vorräte und mehrere Schiffe fielen in die Hände der Briten, deren
+Verlust, eingerechnet Hessen und Tories, 20 Mann tot und verwundet
+betrug.
+
+Die Stadt Savannah bestand aus ungefähr 600 leicht gebauten Häusern. Die
+meisten Einwohner waren mit den Rebellen weggelaufen und hatten soviel
+Sachen mitgenommen, als sie nur tragen konnten. Mahagonie-Möbel lagen
+zerbrochen in den Strassen -- ein trauriger Anblick. Die Hessen, erzählt
+man, hätten nicht geplündert, wie die andern Truppen. Sie waren in den
+neuen Baracken der Stadt einquartiert.
+
+Im Januar langte General Prevost von St. Augustin an, um den Befehl über
+die Armee zu übernehmen. Darauf begann die zahllose Reihe von Märschen,
+welche diese südliche Kampagne auszeichnete. Augusta wurde besetzt, dann
+wieder aufgegeben. General Lincoln ging mit einer amerikanischen Armee
+gegen Augusta vor, General Prevost entschlüpfte ihm aber heimlich und
+bedrohte Charleston. Lincoln kehrte von Georgia zurück und Prevost zog
+sich nach Johns Island an der Küste von Süd-Karolina zurück.
+Schliesslich wurde Beaufort eingenommen und Johns Island von den Briten
+verlassen, deren Haupt-Armee nach Savannah zurückkehrte.
+
+Während dieses Feldzuges ereigneten sich eine oder zwei Begebenheiten,
+die besonders die Hessen betrafen. An einem Fleck, Stono Ferry genannt,
+war ein kleines Befestigungswerk errichtet worden, ursprünglich ein
+Brückenkopf. Es war von Johns Island durch eine Wasserstrasse getrennt,
+und die Brücke, welche es einst deckte, war abgebrochen worden. Das
+Befestigungswerk war von dem Regiment von Trümbach, einem Bataillon
+Hochländern, im Ganzen 500 Mann, besetzt. Dieser Posten wurde am 19.
+Juni 1779 von Lincolns Armee angegriffen. Die Hessen wichen zuerst
+zurück, wurden aber von den Hochländern unterstützt. Sie sammelten sich
+und gingen wieder vor. Die Amerikaner zogen sich dann bei dem Herannahen
+von deutschen und schottischen Verstärkungen zurück.
+
+Ungefähr zu dieser Zeit kam es in den Gewässern um Johns Island zu zwei
+verschiedenen Gefechten zwischen hessischer Artillerie und kleinen
+Schiffen, beziehungsweise Galeeren des Feindes. Bei beiden Gelegenheiten
+waren die Hessen siegreich, zwangen den Feind zum Rückzug und machten
+die beteiligten Schiffe kampfunfähig. Es wird erzählt, dass auf einem
+derselben, der Rattlesnake, mehrere Kanonen und Fahnen, welche von Ralls
+Brigade erbeutet waren, wieder genommen wurden. Auf welche Weise diese
+Trophäen nach Süd-Karolina kamen, wird nicht erwähnt.
+
+Am 4. September 1779 erschien die französische Flotte unter Graf
+d'Estaing plötzlich vor der Mündung des Savannah-Flusses. Sofort wurden
+alle ausserhalb liegenden Detachements der britischen Armee nach
+Savannah berufen. Am 23. vereinigten sich Lincoln und seine Leute mit
+den Franzosen, die von Charleston kamen, und Freiwillige von
+Süd-Karolina strömten in ihr Lager. Während nun d'Estaing regelrechte
+Laufgräben anlegte, verstärkten die Soldaten der Besatzung mit den
+Negern der Stadt zusammen eiligst die Befestigungswerke. Für die
+französische Flotte war es in Betreff der Jahreszeit zu spät geworden,
+um mit Sicherheit an der Küste zu bleiben. d'Estaing beschloss einen
+Angriff zu versuchen. Dieser aber hätte vorher gemacht werden sollen,
+bevor britische Verstärkungen von Beaufort her eingetroffen und bevor
+ihre Werke verstärkt worden waren, oder er hätte aufgeschoben werden
+sollen, bis diese lahm gelegt waren. Der Angriff wurde am 9. Oktober
+unternommen. Franzosen sowohl wie Amerikaner schlugen sich tapfer und
+pflanzten ihre Banner auf den Wällen von Savannah auf, doch wurden sie
+mit grossen Verlusten zurückgeschlagen. Oberst von Porbeck vom Regiment
+von Wissenbach wurde in Prevosts Bericht lobend erwähnt. Eine Woche
+später segelten die Franzosen ab, während ein Teil der Amerikaner mit
+Lincoln nach Charleston zurückkehrte und die übrigen sich in ihre Heimat
+zerstreuten.
+
+Im Sommer 1779 plante Sir Henry Clinton eine Unternehmung gegen
+Charleston. Die Ausführung wurde wegen der Nähe der französischen Flotte
+verschoben, doch als diese nach Europa zurückging, wurde ein Korps von
+ungefähr 8500 Mann in New-York formiert. Dasselbe bestand aus
+Engländern, Tories und Hessen. Von den Hessen waren die 4
+Grenadier-Bataillone, 1 Regiment Infanterie und ungefähr 250 Jäger
+ausgewählt. Bei den letzteren befanden sich Kapitän Ewald und Lieutenant
+Hinrichs. Generallieutenant von Knyphausen war als Befehlshaber in
+New-York belassen worden. Sir Henry Clinton befehligte die Expedition
+persönlich. Die Soldaten wurden um den 19. Dezember eingeschifft,
+konnten aber wegen des Wetters nicht vor dem 29. in See gehen. Die Fahrt
+war eine sehr stürmische, und als in den ersten Tagen des Februar 1780
+der Hauptteil der Flotte an der Mündung des Savannah-Flusses ankam,
+fehlten eine Menge Transportschiffe. Eine Barke, die Anna, mit 30
+hessischen und anspachischen Jägern und andern Soldaten, hatte Anfang
+Januar die Masten verloren und war von einem Kriegsschiff ins Schlepptau
+genommen. Bei einem darauffolgenden Sturm riss das Tau, und die Anna
+fiel nun als segelloser Schiffs-Rumpf dem Spiel der Wellen anheim.
+Während acht Wochen wurde diese Barke mit 250 Seelen an Bord von den
+westlichen Winden fortgetrieben. Sie war nur für einen Monat und für
+100 Mann verproviantiert, so dass sich bald Hungersnot einstellte. Die
+Hunde wurden geschlachtet; zuletzt wurden die Knochen zu Mehl gerieben
+und dieses mit der Brühe aus den Fleischfässern und Hobelspänen zu einer
+Mahlzeit bereitet. Schon machte der Kapitän den schrecklichen Vorschlag,
+mit Menschenfleisch das elende Leben zu fristen und zuerst die Frauen zu
+opfern, aber alle wiesen solches mit Abscheu zurück. Endlich zeigte sich
+Land, es war die irische Küste. Das Schiff strich aber an einer Klippe
+an und erhielt ein Leck. Die Verzweiflung steigerte sich, als man
+bemerkte, dass der Kapitän von der Küste abhielt. Auf Befragen gab er
+an, dass hier keine erlaubte Anfahrt sei und den königlichen Lootsen 30
+Guineen bezahlt werden müssten. Daraufhin wurde er in dem unteren
+Schiffsraum festgesetzt, und der Obersteuermann übernahm das Kommando
+der Barke. Dieser brachte sie bis vor St. Ives in Cornwallis, von wo,
+auf Notschüsse hin, zwei Boote mit einem Lootsen und einem
+Schiffszimmermann zur Hilfe herbeieilten. Der letztere war angesichts
+der verhungerten Hessen derartig erschrocken, dass er eiligst wieder von
+dannen ruderte. Dem Lootsen gelang es, die Barke an das Land heran zu
+bringen, gerade als sie anfing zu sinken, und die Bemannung wurde
+schliesslich gerettet.
+
+Die englische Flotte wartete bei Tybee Island bis zum 9. Februar 1780,
+um die zerstreuten Transportschiffe wieder zu sammeln. Darauf ging sie
+wieder in See, und am 11. drangen alle Schiffe bis auf die grossen
+Kriegsschiffe in die Mündung des North Edisto River ein; bei Simons
+Island wurden die Truppen ausgeschifft. Einen ganzen Monat lang brachten
+die Soldaten emsig Vorräte und Geschütze an Land, um dort festen Fuss zu
+fassen, sie drangen dabei über die sandigen Inseln südwestlich von
+Charleston Harbor vor. Nicht vor dem 12. März wurde das Feuer von Wappoo
+Neck aus auf die Stadt eröffnet, und erst am 29. ging die britische
+Armee über den Ashley-Fluss. Inzwischen stiegen die Schanzen aus dem
+Sand bei Charleston wie die Pilze empor.
+
+Weder der Landung, noch dem Vordringen der feindlichen Armee wurde ein
+ernstlicher Widerstand entgegengesetzt. Die Gelegenheit, um Widerstand
+zu leisten oder wenigstens um die Briten zu beunruhigen, war jedenfalls
+genügend vorhanden, doch wäre hierfür ein fähigerer und mehr energischer
+Befehlshaber als Lincoln nötig gewesen. Die Angreifer waren nach einer
+langen und beschwerlichen Reise gelandet und hatten keine Pferde, um
+ihre Kanonen und Vorräte herbeizuschaffen. Das einzig richtige Verhalten
+für Lincoln wäre wohl gewesen, wenn er Washington nachgeahmt hätte in
+seinem Feldzug vor den Ereignissen von Philadelphia. Er hätte eine
+Schlacht wagen und falls er geschlagen worden wäre, Charleston aufgeben
+und seine Armee zum Schutz der Südstaaten erhalten sollen. Diese waren
+nun dem Morden und Plündern überliefert. Der Krieg in den Karolinas und
+in Virginien kennzeichnete sich durch einen gewissen Grad von Barbarei,
+der in den östlichen und Mittel-Staaten seinesgleichen nicht fand,
+ausgenommen die kleinen Plündereien in der Umgebung von New-York. Schon
+im vorhergehenden Jahre hatten Prevosts Soldaten diese barbarische Art
+der Kriegführung begonnen. Die Spuren ihrer Thätigkeit waren in jedem
+Hause auf den Inseln, die sie bei Charleston besetzt hatten, sichtbar.
+
+Während Lincoln seine Erdwerke in der Stadt aufwarf, erhielten die
+Engländer Verstärkungen von Savannah her. Die Kriegsschiffe, mit
+Ausnahme der schwersten, wurden gehoben, über die Sandbank gebracht und
+wiederhergestellt. Fort Moultrie verteidigte währenddessen die Stadt,
+die amerikanischen und französischen Schiffe den Hafen; zwischen diesem
+und Charleston hatten die Belagerten Schiffe versenkt, um die Einfahrt
+zu sperren. Kleine Abteilungen Amerikaner beobachteten die Bewegungen
+der Briten. Am 26. März unternahmen Sir Henry Clinton und mehrere
+Generale einen Ritt, um Colonel Patterson entgegenzugehen, welcher
+Verstärkungen von Savannah brachte. Sie kehrten glücklich zurück, obwohl
+sie ohne Escorte waren; ein Tory-Oberst und ein Hospital-Inspektor aber,
+die eine kurze Strecke hinter ihnen her ritten, wurden gefangen
+genommen.
+
+Ewald erzählt mit Befriedigung, wie er einmal auf Johns Island in South
+Karolina im Frühjahr 1780 eine Stellung rekognosziert hätte, indem er
+ruhig bis an einen feindlichen Posten herangegangen wäre, seinen Hut
+abgenommen und eine Unterhaltung mit dem befehligenden Offizier
+angeknüpft hätte. Dieser Aussenposten war von Pulaskis Legion gestellt
+worden, deren Offiziere Polen und Franzosen waren, in deren Galanterie
+der deutsche Kapitän Vertrauen hatte -- eine Galanterie, für die die
+eingeborenen Amerikaner kein Verständnis haben konnten noch wollten.
+
+Am 30. März 1780 lagerte die englische Armee einige 3000 Yards vor den
+Linien von Charleston. Gegen Abend standen die Pickets der hessischen
+Jäger etwa eine Meile vor der Stadt. Vor ihnen lag eine flache, sandige
+Ebene ohne jedes Haus oder einen Baum oder Busch. Die einzig mögliche
+Deckung gewährten einige Gräben. In der Nacht auf den 31. März wurde die
+erste Parallele eröffnet. Am folgenden Morgen begannen die Einwohner
+ihre Familien und Wertgegenstände auf Booten den Cooper River hinauf zu
+befördern, der einzige Weg, der offen geblieben war. Stromabwärts kamen
+am 7. April 700 Virginian Continentals zur Verstärkung der Besatzung.
+Sie wurden mit Glockengeläute und Artillerie-Salven empfangen. Nacht auf
+Nacht wurde die Arbeit in den Trancheen fortgesetzt. Die Artillerie des
+Verteidigers bemühte sich vergeblich, diese Arbeit zu stören.
+
+Am Nachmittag des 8. April war der Himmel mit Wolken bedeckt, es war
+Flut eingetreten und der Wind blies stark von Süden her. Sieben
+Kriegsschiffe und ein Transportschiff, in einer Linie hintereinander
+segelnd, näherten sich Fort Moultrie. An der Spitze befand sich Admiral
+Arbuthnot in einem kleinen Boot, mit dem Blei in der Hand, um die Tiefe
+zu messen. Das Feuer vom Fort aus war furchtbar. Der »Roebuck«, das
+Têtenschiff, segelte dicht an die Werke heran, gab eine Breitseite ab
+und fuhr unverletzt weiter in den Hafen. Das zweite Schiff verlor ein
+Stück von einem Mast. Ein anderes legte sich dicht vor das Fort und
+unterhielt ein unaufhörliches Feuer, so dass das ganze Schiff wie ein
+langer Blitzstrahl erschien. Das ganze Geschwader gelangte in den Hafen
+mit Ausnahme des Transportschiffes, welches auf den Grund fuhr und in
+Brand gesteckt wurde. Das schöne Bild wurde von Tausenden von Zuschauern
+beobachtet. Die Amerikaner versammelten sich auf den Wällen der Stadt,
+die Engländer und Deutschen stiegen auf ihre Belagerungswerke. Die
+Operationen in der Bai hatten ihr Interesse so sehr in Anspruch
+genommen, dass das Gefecht an Land so lange unterbrochen wurde. Sobald
+das zweite Schiff das Fort passiert hatte, verschwanden die Amerikaner
+von den Wällen von Charleston und bald darauf sah man eine Menge kleiner
+Boote auf dem Cooper River, welche die Furchtsamern der Einwohner
+wegbeförderten.
+
+Die Verbindung zwischen Fort Moultrie und Charleston war nunmehr
+abgeschnitten. Jedoch fand die britische Flotte ihr weiteres Vordringen
+durch eine Linie von versenkten Schiffen gehindert und konnte nicht den
+Cooper River hinaufsegeln, um die amerikanischen Werke im Rücken zu
+fassen. Da einige Schiffe im Fluss den Operationen des Belagerers
+hinderlich waren, wurden mehrere grosse Ruderboote über Land geschleppt.
+Das zu diesem Zweck gebrauchte Transportmittel wurde von
+hundertundvierunddreissig Negern gezogen. Die Arbeit an den Approchen
+ging unaufhörlich weiter, jedoch die Belagerung wurde dadurch, dass
+einige der schweren Geschütze und die meisten Pferde auf See verloren
+gegangen waren, etwas verlangsamt. Der Belagerungs-Park wurde durch
+Schiffsgeschütze versorgt, die mit grosser Mühe über Land von James
+Island her gebracht wurden. Am 13. April wurde von der hessischen
+Artillerie lebhaft gefeuert, wodurch mehrere Häuser in Brand gerieten.
+Sir Henry Clinton befahl seinen Batterien, das Feuer zu mässigen, damit
+der Brand gelöscht werden könnte. In der folgenden Nacht wurde die
+zweite Parallele eröffnet, bald darauf aber begannen die Amerikaner
+Gegen-Approchen anzulegen, so dass nicht nur Artillerie-, sondern auch
+Musketen-Feuer zur Verwendung kam. Jedoch am 20. waren die
+Belagerungsarbeiten so weit vorgeschritten, dass die Jäger im Stande
+waren, Leute durch die Schiessscharten der Befestigungswerke zu treffen
+und das Bedienen der Geschütze sehr gefährlich zu machen. Die dritte
+Parallele wurde in der darauffolgenden Nacht eröffnet und am 21. bot
+Lincoln, der am Tage, nachdem die Flotte Fort Moultrie passiert, seine
+Übergabe verweigert hatte, die Kapitulation an. Die Feindseligkeiten
+wurden sechs Stunden lang aufgehoben, aber nach Ablauf derselben
+erneuert, da die Generale sich über die Bedingungen nicht einigen
+konnten. Am 24. machten die Amerikaner einen Ausfall und drangen an
+einzelnen Stellen bis zur zweiten Parallele vor, wurden aber sofort
+wieder in die Stadt zurückgeworfen. Am 26. nahmen die Briten ein Fort in
+Besitz, welches den Cooper River beherrschte, sodass die Belagerten
+nunmehr völlig in Charleston eingeschlossen waren.
+
+In der Nacht zum 3. Mai ruderte eine Abteilung aus dem Lager des
+Angreifers heimlich an einen Dreimaster heran, welcher dicht vor der
+Stadt lag. Sie erkletterten das Deck, welches sie unverteidigt fanden,
+lichteten die Anker und nahmen das Schiff mit in die britischen Linien.
+Am nächsten Morgen, als sie bei der Untersuchung ihrer Beute hinunter
+stiegen, ergab es sich, dass es ein Lazarethschiff war, gefüllt mit
+Pockenkranken.
+
+Die Belagerung näherte sich ihrem Ende. In der Nacht zum 7. Mai 1780
+wurde Fort Moultrie von Seeleuten genommen. Am 8. wurden die
+Verhandlungen wegen der Übergabe wieder aufgenommen, jedoch abermals
+abgebrochen; bis schliesslich am 11. Clintons Bedingungen durchgesetzt
+wurden, welche darin bestanden, dass die Besatzung mit verhüllten Fahnen
+und klingendem Spiel (aber nicht mit einem englischen oder hessischen
+Marsch) ausmarschieren und ausserhalb derselben die Waffen niederlegen
+sollten. Die Continentals wurden kriegsgefangen, die Miliz sollte auf
+Ehrenwort in die Heimat zurückkehren. Auf Grund dieser Kapitulation
+marschierten die Continentals am 12. aus; die Musik spielte einen
+türkischen Marsch. Die Offiziere durften ihre Säbel behalten, mussten
+sie aber einige Tage später abliefern, weil sie »Unordnung« in der Stadt
+hervorrufen würden. Die Besatzung war in einen sehr zerlumpten und
+bedauerlichen Zustand herabgesunken. Sie war nicht viel mehr als halb so
+stark als die Belagerer, die amerikanische Miliz mit inbegriffen. Die
+Continentals waren ungefähr 2500 Mann stark, die englische Armee
+wenigstens 12000 Mann. Die Stadt war nur durch Erdwerke verteidigt, und
+eigentlich mehr ein verschanztes Lager als eine Festung. Der Verlust der
+Belagerer an Toten und Verwundeten ist in einem hessischen Journal auf
+265 Mann angegeben.
+
+Die Stadt Charleston hatte ungefähr 15000 Einwohner und war eine der
+reichsten und schönsten Städte in Nord-Amerika. Die grossen und schönen
+Häuser waren nicht dicht nebeneinander gebaut, sondern es war der
+bessern Luft wegen viel freier Raum gelassen. Sie waren sehr gut
+eingerichtet mit Mahagoni-Möbeln und Silbergerät, und es wurde viel auf
+Reinlichkeit gehalten. Die Strassen waren ungepflastert und sandig,
+hatten aber auf den Seiten einen schmalen Fussweg. Selbst im Mai war
+der Staub unerträglich. Die meisten reichen Familien waren bei der
+Annäherung der Briten geflohen. Es waren auch viel Deutsche und deutsche
+Juden in der Stadt, und viele Ärzte wegen des ungesunden Klimas. Die
+Frauen, wenigstens die meisten von denen, die zurückgeblieben waren,
+waren bleich und hässlich. Der Ort war natürlich voll von Negern, die
+die Hälfte der Bevölkerung ausmachten.
+
+Die Neger waren im britischen Lager angesammelt, zwei Transporte von
+ihnen waren Ende Februar von Savannah aus geholt worden. Die Sklaven der
+Rebellen waren konfisziert worden. Diese Sklaven in Süd-Karolina waren
+die am meisten heruntergekommenen auf dem Kontinent und von ihren
+frühern Besitzern am schlechtesten behandelt worden. Die Feldarbeiter
+unter ihnen erhielten, einem hessischen Journal zufolge, täglich
+gewöhnlich ein Quart Reis oder Indian corn, das sie halb gekocht assen,
+da sie es in dieser Zubereitung nahrhafter fanden als ganz gekocht.
+Viele hatten kaum einen Lappen, um ihre Blössen zu bedecken. Nur wenige
+verstanden Englisch. Am 31. Mai bekam jedes Regiment, das nach New-York
+ging, zehn Sklaven. Die Neger bildeten einen Teil der Kriegsbeute, und
+Tausende wurden zum Verkauf nach West-Indien verschifft.
+
+Anfang Juni segelte Sir Henry Clinton nach New-York. Mit ihm gingen die
+hessischen Grenadiere und Jäger, einige hessische Regimenter blieben
+zurück.
+
+Die Expeditionen nach Savannah und Charleston waren nicht die am
+weitesten entfernten, an denen die deutschen Hilfstruppen beteiligt
+waren. Im Herbst 1778 wurden ungefähr 1200 Mann Waldecker und
+Provinzials unter Generalmajor John Campbell abgesandt, um die
+Garnisonen von West-Florida zu verstärken. Sie segelten Anfang November,
+liefen Jamaica an und landeten Ende Januar 1779 in Pensacola. Pensacola
+war damals eine Stadt von ungefähr 200 hölzernen Häusern, die durch
+Forts aus Holz und Sand verteidigt wurde. Sie lag in einer Sandwüste,
+die von dichten, unermesslichen Wäldern umgeben war. Nach Georgia reiste
+man auf dem alten Handelsweg vier Wochen lang. Die Wälder wurden durch
+Indianer beunruhigt, die von den Briten für jeden feindlichen Skalp drei
+Pfund Sterling erhielten. Die Waldecker fanden unter den Indianern einen
+Landsmann, Namens Brandenstein, der in seiner Jugend aus dem
+waldeck'schen Dienst desertiert war und nach vielen Abenteuern die
+Sitten und Gewohnheiten eines indianischen Kriegers angenommen hatte.
+
+Die Besatzung von Pensacola war zuerst damit beschäftigt, die Stadt zur
+Verteidigung einzurichten. Oberstlieutenant Dickson, ein englischer
+Offizier, hielt Baton Rouge. Im Lauf des Sommers 1779 wurden ihm drei
+Kompagnien Waldecker zur Verstärkung zugesandt. Inzwischen war zwischen
+England und Spanien Krieg ausgebrochen. Don Bernardo de Galvez, der
+spanische Gouverneur von New-Orleans, war ein junger und energischer
+Mann. Er erbeutete mehrere kleine Schiffe auf dem Mississippi und in der
+Nähe seiner Mündung. Im September wurden 53 Waldecker auf dem Lake
+Pontchartrain zu Gefangenen gemacht. Die Spanier gingen gegen Baton
+Rouge vor und begannen nach zwei vergeblichen Versuchen, die Werke mit
+Sturm zu nehmen, eine regelrechte Belagerung. Dickson kapitulierte, und
+die Besatzung marschierte mit allen Kriegsehren aus dem Fort heraus. Sie
+zählten über 400, die Belagerer unter Galvez zwischen 1400 und 2000
+Mann. Beinahe die Hälfte der kapitulierenden Besatzung waren Waldecker,
+und mehr als 30 waren von dem Regiment gefallen oder verwundet.
+
+Die Nachricht von Dicksons Übergabe erreichte Pensacola am 20. Oktober,
+wurde aber zuerst mit Unglauben aufgenommen. »Ist dies nicht ein
+verwünschtes Land, um Krieg darin zu führen,« schreibt der Waldecker
+Kaplan, »wo der grössere Teil des Korps seit fünf Wochen gefangen
+genommen, 1200 Meilen Landes im Besitz des Feindes sind, und der
+kommandierende General weiss es noch nicht einmal mit Bestimmtheit.«
+
+Im März 1780 rückte ein Teil der Besatzung von Pensacola zum Entsatz von
+Mobile aus, kam aber zur Rettung dieser Stadt zu spät. Bald nach
+Rückkehr der Truppen nach Pensacola kam vor dem Hafen eine spanische
+Flotte von 21 Schiffen in Sicht, verschwand aber drei Tage später
+wieder. Die Spanier hatten das Land bis zum Pertido River in Besitz,
+überschritten diesen einmal im April, wurden aber von den Indianern
+zurückgeworfen. Indes waren letztere sehr unzuverlässige Hilfstruppen.
+Der Rest des Jahres 1780 verlief ohne jegliches Ereignis von Bedeutung
+in Florida.
+
+Anfang Januar 1781 machte Oberst von Hanxleden mit 115 Weissen und 300
+Choctaws eine Expedition gegen French Village. Sie fanden aber einen
+hartnäckigen Widerstand und wurden zurückgeschlagen. Die Zahl der Toten
+und Verwundeten auf englischer Seite war beträchtlich; unter den
+Gefallenen befand sich auch Oberst von Hanxleden. Am 9. März erschien
+eine spanische Flotte von 38 Schiffen vor Pensacola, und während der
+folgenden Nacht wurde ein Truppen-Korps auf der Insel Santa Rosa
+ausgeschifft, welche am Eingang des Hafens liegt. Von da ab nahm die
+Belagerung des Ortes ihren regelmässigen Fortgang. Am 19. lief die
+Flotte, indem sie einen günstigen Wind benutzte, bei den
+Befestigungswerken vorbei, in die Bai ein. Von Zeit zu Zeit erhielten
+die Spanier Verstärkungen. Am 15. April brachte ein Deserteur die
+Nachricht, dass Galvez 10000 Mann stark sei. Der Schreiber des Waldecker
+Journals erwähnt diese Truppenzahl als fünfzehnmal stärker als die in
+Pensacola, woraus man entnehmen kann, dass General Campbell zwischen 6
+und 700 Weisse befehligte. Die Indianer leisteten, obwohl dem Trunk
+ergeben, barbarisch und undiszipliniert, den Engländern gute Dienste.
+Schliesslich, am Morgen des 8. Mai, krepierte eine Bombe in dem
+Pulver-Magazin einer der Redouten, durch die viele pennsylvanische
+Tories, die das Werk besetzt hielten, getötet wurden und eine grosse
+Verwirrung entstand. Hieraufhin verstärkten die Spanier ihr Feuer, und
+am Nachmittag desselben Tages zog General Campbell die weisse Flagge auf
+und ergab sich unter der Bedingung, dass die ganze Besatzung nach
+New-York eingeschifft werden und bis zur Auswechselung nicht mehr gegen
+Spanien oder dessen Verbündete kämpfen sollte. Da zu jener Zeit die
+Vereinigten Staaten nicht mit Spanien verbündet waren, so konnten die
+Waldecker sofort gegen die Amerikaner Verwendung finden.
+
+
+
+
+Kapitel XXII.
+
+New-York in den Jahren 1780 und 1781.
+
+
+Als Sir Henry Clinton im Dezember 1779 nach Charleston segelte, legte er
+das Kommando über die Besatzung von New-York in die Hände des
+Generallieutenants von Knyphausen. Die regulären Truppen in und
+ausserhalb der Stadt bestanden aus etwa 6000 Engländern, Hessen und
+Anspachern. Durch Bewaffnung der Einwohner und Matrosen derjenigen
+Schiffe, welche im zugefrorenen Hafen lagen, gelang es Knyphausen, seine
+Truppen nahezu zu verdoppeln; die neuen Rekruten waren immerhin gut
+genug, um hinter den Befestigungswerken verwendet zu werden. Washington
+hingegen befehligte eine kleine, schlecht verpflegte und unbezahlte
+Armee, die im Frühjahr 1780 kaum 7000 Reguläre stark war, und selbst von
+diesen konnte nur die Hälfte dem Garnisondienst zur Verwendung im Felde
+entzogen werden.
+
+Der Winter war ungewöhnlich kalt. Sowohl der North- und East-River und
+Long-Island-Sound, als auch der Kanal zwischen Staten-Island und dem
+New-Jersey-Ufer waren zugefroren. Dies begünstigte Unternehmungen, die
+fortwährend auf beiden Seiten gemacht wurden. Im Januar landete Lord
+Stirling auf Staten-Island, fand aber die dortige Besatzung in
+Bereitschaft und kehrte nach New-Jersey mit seinen Leuten zurück, von
+denen viele durch Erfrieren von Gliedern stark gelitten hatten.
+Knyphausen traf Vorbereitungen, durch das Treibeis im Hafen hindurch
+Verstärkungen nach der Insel zu senden.
+
+Ende dieses Monats und anfangs Februar fanden Unternehmungen gegen
+Elisabethtown Newark und Youngs House statt, bei denen die Briten viele
+Gefangene machten.
+
+Mit dem Jahr 1780 war ein frischer Geist in die Kriegführung
+hineingekommen. Howe und Burgoyne hatten gehofft, nicht nur zu erobern,
+sondern auch zu versöhnen. Haus und Eigentum von Nichtkombattanten war
+bis zu einem gewissen Grade verschont geblieben. Clinton und Cornwallis,
+die nach den Weisungen von Lord George Germaine verfuhren, gaben diese
+Politik der Versöhnung auf. Expeditionen wurden nur zum Zwecke der
+Plünderung und Verwüstung unternommen. Bei diesen wurden auch die Hessen
+verwendet. Am Abend des 22. März 1780 z. B. wurde eine Abteilung von 400
+Mann, Briten und Hessen, über den Hudson gesetzt. Ungefähr um 3 Uhr
+morgens erreichten sie Haecensack, welches zu damaliger Zeit ein
+schönes, reiches Dorf war. Es wurde kein Widerstand geleistet. Nicht ein
+amerikanischer Soldat war im Orte, und niemand konnte die Barbareien
+verhindern, welche verübt wurden. Die Briten und Hessen brachen in die
+Häuser ein und beluden sich mit Beute. Alle männlichen Einwohner, deren
+sie habhaft werden konnten, wurden gefangen genommen, und nachdem das
+Rauben zu Ende war, steckten sie das Stadthaus und einige der
+Haupt-Wohngebäude in Brand. Bei Tagesanbruch kamen 5 oder 600
+Amerikaner von Pollingtown zu Hilfe, und es hätte den Eindringlingen
+schlecht ergehen können, wenn nicht ein Detachement von ungefähr 400
+Mann unter dem Parteigänger Emmerich zu ihrer Unterstützung
+herangekommen wäre. Sie wurden nach dem Hudson zurückgeworfen. Aus dem
+Tagebuch des anspach'schen Musketiers Doehla entnimmt Eelking folgende
+Stelle: »Wir machten beträchtliche Beute an Geld, silbernen Uhren,
+silbernen Tellern und Löffeln, Haushalts-Gegenständen, Kleidern, feinem
+englischen Leinen, seidenen Strümpfen, Handschuhen, Halstüchern und
+andern wertvollen seidenen Sachen und Stoffen. Meine eigene Beute, die
+ich glücklich zurückbrachte, bestand in zwei silbernen Uhren, drei Paar
+silbernen Schnallen, einem Paar Frauen-Strümpfen in Wolle, einem Paar
+Strümpfen für Männer, zwei Hemden und vier Vorhemden von feinem
+englischen Leinen, zwei feinen Tischtüchern, einem silbernen Löffel und
+einem Theelöffel, fünf spanischen Dollars und sechs Yorkschillings an
+Geld. Das andere, nämlich elf Stücke feines Leinen und über zwei Dutzend
+seidene Tücher, sechs silberne Teller und ein silberner Trinkbecher, was
+ich alles in ein Bündel zusammengeschnürt hatte, musste ich wegen des
+eiligen Marsches wegwerfen und den nacheilenden Feinden überlassen.«
+
+Knyphausen behauptet, den Amerikanern im Laufe des Winters einen Verlust
+an 65 Toten und 320 Gefangenen zugefügt zu haben. Der beginnende Sommer
+gab Gelegenheit zu wichtigerer Thätigkeit. Am Abend des 6. Juni 1780
+wurde die erste der fünf Divisionen des britischen Expeditions-Korps auf
+New-Jersey bei Elizabethtown-Point gelandet, die vier andern Divisionen
+folgten am nächsten Tage. Diese setzten sich aus beinahe sämtlichen
+regulären Truppen zusammen, die Knyphausen zu seiner Verfügung hatte.
+Die erste und zweite Division drangen durch Elizabethtown und
+Connecticut Farms vor, wo sie ziemlichen Widerstand fanden. Bei
+letzterem Ort machte die Armee Halt, die Jäger wurden gegen Springfield
+vorgeschoben. Zu jener Zeit waren die Jäger nur 300 Mann stark, da ein
+Teil des Korps in Charleston war, ein anderer in Kavallerie, oder besser
+gesagt berittene Jäger umgewandelt worden war. Diese 300 hatten an
+diesem Tage am meisten auszuhalten. Die Amerikaner fochten mit grosser
+Ausdauer und griffen wiederholt mit dem Bajonnet an. Ungefähr um 1 Uhr
+bekamen die Jäger Unterstützung, und der Feind wurde nach Springfield
+zurückgetrieben. Es begann nun ein heftiges Feuer, ungefähr um 4 Uhr
+nachmittags aber wurden die Jäger zurückbeordert in ihre erste Stellung,
+wo die Armee biwakierte. Kaum als die Pickets in einigen Häusern vor der
+Front postiert waren, wurden sie angegriffen. Die Jäger feuerten und
+schlugen die Amerikaner eine weite Strecke zurück. Die Häuser wurden
+verbrannt. Drei Geschütze wurden in Stellung gebracht, der Feind aber
+erneuerte nicht seinen Angriff. Die Jäger verloren an diesem Tage 55
+Mann an Toten und Verwundeten. Während der Dämmerung brachten Deserteure
+die Nachricht, dass Washington mit seiner Hauptarmee während der Nacht
+in Springfield erwartet würde. Daraufhin brach Knyphausen um 11 Uhr
+abends auf und kehrte nach Elizabethtown Point zurück. Am nächsten Tage
+griff Lord Stirling mit der amerikanischen Avantgarde ein englisches
+Regiment an, dieses wurde aber von zwei deutschen Regimentern
+unterstützt, infolgedessen die Amerikaner nach Elizabethtown
+zurückgeschlagen wurden. Im Lauf der nächsten Tage fanden ununterbrochen
+Scharmützel statt. Am 13. machten die berittenen Jäger den Versuch, ein
+amerikanisches Kavallerie-Picket zu überfallen und gefangen zu nehmen,
+ihr Vorhaben wurde aber verraten, und das Picket entkam. »Es ist beinahe
+unmöglich, den Feind bei irgend einer Gelegenheit zu überraschen,« sagt
+das Journal des Jäger-Korps, »weil jedes Haus, in dessen Nähe man
+kommt, sozusagen ein vorgeschobenes Picket ist; denn der Farmer, oder
+sein Sohn, oder Knecht, und selbst seine Frau und Tochter schiessen mit
+einer Flinte oder benutzen Schleichwege, um das Herannahen des Feindes
+zu melden.«
+
+Am 19. Juni hielt Sir Henry Clinton, der eben von Charleston mit den
+hessischen Grenadieren und dem Jäger-Detachement, den britischen
+Grenadieren und der leichten Infanterie und den Provincial Queens
+Rangers zurückgekehrt war, über Knyphausens Armee Revue ab. Es wurden
+Vorbereitungen zum Vormarsch getroffen, und am 23. rückten vier deutsche
+Regimenter, die Jäger, sechs Regimenter Engländer und Tories gegen
+Springfield vor. Eine Zeit lang hielten die Amerikaner die Stellung bei
+Connecticut Farms, zogen sich aber bald nach dem Schlachtfeld vom 7.
+zurück, während die englische Armee sich auf den Höhen diesseits
+Springfield entwickelte. Der Passaic River lag zwischen den beiden
+Stellungen, die Amerikaner unter Major Lee hielten die Brücke. Die
+Hessen durchwateten den Strom angesichts eines heftigen Feuers, während
+ein englisches Regiment die Brücke angriff, wodurch Lee bis auf die
+Höhen jenseits der Stadt zurückgeworfen wurde, wo er sich mit einem
+stärkeren Korps vereinigte. Die Stadt Springfield wurde genommen, und
+jenseits derselben schlugen sich die Jäger der Avantgarde eine Stunde
+lang mit dem Feinde herum. Darauf steckten die Briten die Stadt in Brand
+und zogen sich zurück. Die Jäger bildeten nunmehr die Arrieregarde und
+konnten kaum zwischen den brennenden Häusern hindurchkommen. Die
+Amerikaner drängten scharf nach und erschwerten ihnen den Rückzug.
+Ungefähr zwei Meilen von Elizabethtown wurden die Jäger von einem
+englischen Regiment aufgenommen, und der Rückzug wurde bis Elizabethtown
+Point fortgesetzt. Hier nahmen die Truppen ihre alten Stellungen ein,
+bekamen aber während der Nacht den Befehl, aus dem Lager aufzubrechen
+und nach Staten Island überzugehen. Dies geschah, und die Schiffbrücke,
+die am 11. zwischen der Insel und dem Festlande gebaut war, wurde sofort
+abgebrochen, während ein hessisches Regiment in dem Brückenkopf auf dem
+Jersey-Ufer verblieb, bis diese Operation vollendet war. Ungefähr um 3
+Uhr morgens war die ganze Armee übergegangen. Der Verlust der Jäger am
+Tage vorher war beträchtlich, vierundzwanzig Tote und Verwundete bei dem
+Angriff auf die Brücke über den Passaic-River, und wahrscheinlich
+ebensoviel jenseits des Flusses und auf dem Rückzuge.
+
+Diese Expedition nach Springfield war der letzte Versuch, den Sir Henry
+Clinton machte, um Washingtons Hauptarmee in New-Jersey anzugreifen. Der
+übrige Teil des Jahres verlief, abgesehen von dem Verrat Arnolds und der
+Hinrichtung von André in den Nordstaaten, ohne besonders wichtige
+Ereignisse; auch ist in der ersten Hälfte des Jahres 1781 kein
+Zusammenstoss zu verzeichnen, welcher als etwas anderes als ein
+Scharmützel gelten könnte.
+
+Am Abend des 2. Juli 1781 war der Parteigänger Emmerich mit hundert Mann
+nach Philipps House marschiert. Während der Nacht hatte Oberstlieutenant
+von Wurmb die Meldung bekommen, dass die amerikanische Armee auf
+New-York im Anmarsch wäre, und dass deren Avantgarde bei Sing-Sing
+beobachtet worden sei. Es wurde deshalb ein Oberstlieutenant mit 200
+Jägern und 30 Kavalleristen bei Morgengrauen abgesandt, um Nachrichten
+zu bringen und den Rückzug Emmerichs zu decken. Der Oberstlieutenant
+ging über Kingsbridge den Harlem Creek entlang, gleichzeitig einen
+Unteroffizier und 10 Mann mit dem Auftrag entsendend, die Ruinen des
+Forts Independence, welches seine Strasse beherrschte, zu
+rekognoszieren. Beim Erreichen der Höhe, auf welcher das Fort erbaut
+worden war, bemerkte der die Rekognoszierungs-Patrouille befehligende
+Sergeant Rübenkönig in nächster Nähe einige Leute. Nicht im Stande, in
+der Morgendämmerung zu unterscheiden, wer sie wären, ging er ihnen
+allein entgegen und glaubte die blauen Röcke mit den strohfarbenen
+Besätzen des Regiments von Donop, von welchem ein Teil unter Emmerichs
+Kommando war, zu erkennen. Er hätte ihnen beinahe »Guten Morgen«
+gewünscht, als ein halbes Dutzend Leute auf ihn los sprang, ihn bei den
+Haaren und dem Bandolier seiner Patronentasche fasste und versuchte, ihn
+festzuhalten. Rübenkönig aber entwand sich ihren Händen und eilte unter
+dem Ruf: »Rebellen, Rebellen!« zu seiner Abteilung.
+
+Die Avantgarde der Jäger befand sich unterdessen auf dem Engweg zwischen
+dem Hügel, auf welchem das Fort war, und Harlem River. Die Leute hatten
+ihren Rückweg durch einen Morast zu machen. Die Stelle, wo die
+Hauptabteilung aufmarschiert war, war eng und unvorteilhaft. Der erste
+Ansturm gegen die Amerikaner wurde abgeschlagen, wobei die Deutschen in
+Unordnung zurückgingen. Darauf attackierte die Kavallerie ohne Erfolg,
+die Amerikaner aber zogen sich nach den Ruinen des Forts zurück, wodurch
+die Jäger Zeit fanden, sich in Ordnung und in einer günstigen Stellung
+zu sammeln. Schliesslich wurden die Amerikaner aus ihrer Stellung
+vertrieben, wohl infolge der Annäherung von Verstärkungen auf Seiten der
+Deutschen, denn Oberstlieutenant von Wurmb traf um diese Zeit ein. Sie
+zogen sich auf eine Höhe in einer Entfernung von ungefähr 1000 Yards
+zurück, etwa 6-700 Mann stark. Emmerich hatte sich mit seiner Abteilung
+inzwischen über den Spyt den Duyvel Creek zurückgezogen, und war, da die
+Brücke in Händen des Feindes war, von den Jägern abgeschnitten worden.
+Das ganze Korps mit der Kavallerie ging deshalb vor, um die Brücke zu
+nehmen; die Amerikaner zogen sich langsam zurück. Wurmb machte hier,
+nachdem er seinen Auftrag soweit ausgeführt, und in dem Glauben, der
+Feind wollte ihn in einen Hinterhalt locken, mit seinem Detachement
+Halt und schickte Meldung an das Hauptquartier. Am Nachmittag ging die
+amerikanische Armee vor und lagerte auf Valentines Hill in einer
+Ausdehnung von Courtlands Reach bis Spyt den Duyvel. Der hessische
+Verlust in diesem Gefecht betrug 30 Mann tot und verwundet.
+
+Am 6. Juli 1781 vereinigte sich die französische Armee unter Rochambeau
+mit der von Washington vor New-York; länger als einen Monat bestand die
+Kriegführung in Scharmützeln; Sir Henry Clinton machte sich nämlich
+darauf gefasst, in New-York belagert zu werden, sobald die französische
+Flotte von West-Indien ankommen würde.
+
+Am 18. August 1781 wurde das Übergehen des Feindes über den North-River
+gemeldet. Doch noch immer wurden Clintons Augen nicht geöffnet.
+Vergebens machte Oberstlieutenant von Wurmb von den Jägern, der die
+Erlaubnis hatte, auf eigene Faust Spione auszuschicken, den
+Oberkommandierenden darauf aufmerksam, dass die vereinigte Armee auf dem
+Marsche nach Virginia begriffen sei. Der Oberstlieutenant nahm dies aus
+zwei Gründen an. Der erste war, dass Vorbereitungen getroffen wurden,
+die Amerikaner und Franzosen auf der Strasse durch New-Jersey mit
+Lebensmitteln und Fourage zu verproviantieren; der zweite, dass der
+Oberstlieutenant gehört hatte, eine Amerikanerin, die Gattin eines
+höhern französischen Offiziers, wäre angewiesen worden, nach Trenton zu
+gehen. General Clinton liess sich nicht überzeugen, bis es zu spät war,
+dieser Bewegung entgegen zu treten.
+
+Selbst nachdem ihm Washingtons Plan klar geworden war, war er nicht
+gewillt, seine ganze verfügbare Streitmacht wenigstens zu einer
+Diversion zu Gunsten von Lord Cornwallis zu verwenden. Es lässt sich
+jetzt schwer sagen, ob eine Unternehmung gegen Philadelphia oder den
+Hudson hinauf eine Umkehr der Verbündeten von Ihrem Zug nach dem Süden
+veranlasst haben würde. Clinton indessen begnügte sich damit,
+Vorbereitungen zur Einschiffung eines Korps nach Yorktown zu treffen,
+und ein Detachement unter Benedict Arnold, der kurz vorher von Virginia
+zurückgekehrt war, nach der Küste von Connecticut zu entsenden. Arnold
+erreichte an der Spitze von zwei englischen Regimentern und 100
+hessischen Jägern am 6. September New-London und stürmte das Fort,
+dessen kleine Besatzung eine verzweifelte Gegenwehr machte. Arnold
+steckte einen Teil der Stadt, die Magazine und die Schiffe auf dem
+Stapel in Brand. Die Schiffe im Hafen entkamen den Fluss hinauf.
+
+Nicht vor dem 19. Oktober kam die britische Flotte dazu, in See zu
+stechen, um Lord Cornwallis zu Hilfe zu kommen. Die hessischen
+Grenadiere und die andern Truppen waren an Bord der Kriegsschiffe
+genommen worden. Am 28. Oktober traf die Flotte am Eingang in die
+Chesapeake Bay ein, und erhielt vom Ufer aus die Nachricht von der
+Übergabe Cornwallis. »Diese zweite Burgoynade,« schreibt ein hessischer
+Offizier, »wird jedenfalls viel dazu beitragen, den Krieg zu einem
+unglücklichen Ende zu bringen.« Diese Voraussagung hat sich vom
+Standpunkt des Offiziers aus bewahrheitet. Doch jetzt müssen wir unsere
+Aufmerksamkeit auf die Ereignisse lenken, die zur Katastrophe von
+Yorktown führten.
+
+
+
+
+Kapitel XXIII.
+
+Der Feldzug im Süden im Jahre 1781.
+
+
+Als Sir Henry Clinton im Juni 1780 von Charleston absegelte, befanden
+sich zwei hessische Regimenter bei der Besatzung, die er zurückliess;
+und bald nachher kam noch ein drittes Regiment hinzu, welches von
+Savannah dorthin befördert wurde. Einen Bericht über eine Teilnahme
+dieser Regimenter an dem Feldzug, den Lord Cornwallis in Süd- und
+Nord-Carolina führte, kann ich nirgends finden. Am 16. August 1780 war
+die amerikanische Armee unter General Gates bei Camden vereinigt; am 18.
+überfiel Tarleton eine Truppen-Abteilung unter Sumter. Sechs Wochen
+später hatte sich das Blatt durch das glänzende Gefecht bei Kings
+Mountain gewendet, in welchem ungefähr 1400 Hinterwäldler einen Berg
+umzingelten und erstürmten, der von einer gleichen Zahl von britischen
+regulären Truppen und Provincials besetzt war; zwei Fünftel davon wurden
+getötet oder verwundet, der Rest gefangen genommen.
+
+[Illustration: LORD CORNWALLIS'S OPERATIONEN IM SÜDEN. 1781.]
+
+Im Oktober 1780 begab sich General Leslie mit mehreren englischen
+Regimentern, dem hessischen Regiment von Bose und einem Detachement von
+100 Jägern von New-York nach den Süd-Staaten. Sie landeten in Portsmouth
+in Virginien, verliessen diesen Ort aber bald wieder, um nach Charleston
+abzurücken, wo sie gegen Ende des Jahres eintrafen.
+
+Mit diesen Verstärkungen zur Hand, brach Lord Cornwallis von
+Wynesborough, westlich von Camden, auf und marschierte gegen General
+Greene, der auf Washingtons Wunsch zum Nachfolger von Gates ernannt
+worden war. Die britische Armee war ungefähr 3500 Mann stark. Auf die
+Nachricht, dass Morgan mit einem detachierten Korps auf der Südseite des
+Broad-River stand, beschloss Cornwallis, ihn von Greenes Hauptarmee
+abzuschneiden. Zu diesem Zwecke detachierte er Oberstlieutenant Tarleton
+mit ungefähr 1000 Mann. Tarleton sollte Morgan in der Front angreifen,
+während Cornwallis sich am linken Ufer des Broad-River entlang ziehen
+und die zurückgehenden Amerikaner gefangen nehmen wollte. Tarleton
+stiess am Morgen des 17. Januar 1781 auf Morgan. Ohne die Entwickelung
+seiner Truppen abzuwarten, warf sich der tapfere Kavallerie-Oberst auf
+den verachteten Feind. Die amerikanische Miliz, die die erste Linie
+bildete, wich zurück. Die zweite Linie, hauptsächlich aus Continentals
+bestehend, blieb stehen. Tarleton gab Befehl, dass seine Reserven
+vorgehen sollten. Die Amerikaner gingen zurück, machten aber wieder
+Front und überschütteten den Gegner mit einem heftigen und wohlgezielten
+Feuer. Dieser unerwartete Widerstand brachte die Briten in Unordnung.
+Sie schwankten. Zwei Kompagnien Virginia-Miliz machten einen
+Bajonnet-Angriff. Die Briten wichen auf allen Seiten zurück. Tarleton
+sammelte ungefähr 50 Reiter und brachte für einen Augenblick die
+Verfolgung zum Stehen. Der grösste Teil der britischen Infanterie wurde
+gefangen genommen, nur die Kavallerie entkam; und die Baggage wurde
+zerstört. Die Amerikaner machten ungefähr 500 Gefangene; ungefähr 100
+Engländer fielen. Der amerikanische Verlust belief sich nicht über 75
+Mann. Zwei Fahnen, zwei Geschütze, 35 Wagen, 300 Gewehre und 100 Pferde
+fielen in Morgans Hände. Die Geschütze waren bereits vorher genommen
+worden, einmal von Gates bei Saratoga und dann von Cornwallis bei
+Camden. Morgans Gefecht, das beinahe in der Wildnis geführt wurde, ist
+nach dem Orte Cowpens benannt worden, einem Orte, wo die Einwohner
+dieses Landstriches ihr Vieh zusammentrieben und einsalzten.
+
+Bald nach diesem Siege wurde General Morgan von Rheumatismus befallen
+und gezwungen, den Abschied zu nehmen.
+
+Nicht viele, die im Revolutionskriege gedient haben, haben ihrem Lande
+bessere Dienste geleistet wie er. Es wird eine Geschichte erzählt, dass
+er sich bei Winchester in dem Thal von Virginia ein Haus baute, und zwar
+aus Steinen, welche die hessischen Gefangenen meilenweit auf ihren
+Schultern hergeholt haben sollen. Diese Geschichte ist nicht unmöglich,
+ich habe sie aber in keiner deutschen Quelle bestätigt gefunden.
+
+Cornwallis war enttäuscht, aber nicht mutlos gemacht durch die
+Niederlage seines fähigsten Unterführers und beinahe eines Drittels
+seiner Soldaten. Am Tage nach dem Gefecht bei Cowpens vereinigte sich
+Leslies Division mit ihm. In wenigen Tagen marschierte er durch
+Nord-Carolina, indem sich Greene vor ihm zurückzog. Letzterer wurde über
+die Grenzen des Staates und über den Dan River gedrängt. Cornwallis
+liess an die Tories eine Aufforderung ergehen, sich zu erheben; diese
+zeigten sich auch dazu geneigt, eine Abteilung von ihnen wurde aber von
+einer Übermacht unter Henry Lee und Pickens angegriffen und zerstreut,
+während die andern entmutigt sich wieder nach Hause begaben.
+
+Schliesslich erhielt General Greene Verstärkungen, ging wieder vor bis
+nach Guildfield Court House in Nord-Carolina und bereitete sich zur
+Schlacht vor. Seine Armee bestand aus 1651 Continentals und über 2000
+Milizen. Lord Cornwallis befehligte 1875 Veteranen. Am 15. März 1781
+entwickelte Greene seine Armee in drei Linien. Die vorderste war aus
+Nord-Carolina-Milizen zusammengesetzt und in einem Wald hinter einem
+Gatter aufgestellt. Ein Teil dieser Linie stand an dem Rande eines
+ausgerodeten Stück Landes. Der linke Flügel derselben hatte als
+Unterstützung eine Abteilung von Schützen unter Oberstlieutenant Henry
+Lee und Oberst Campbell. Greenes zweite Linie, 300 Yards hinter der
+ersten, bestand aus Virginia-Milizen. Sie standen in dichtem Walde. Die
+dritte Linie war aus allen Continentals der Armee zusammengesetzt.
+Dieser Streitmacht gegenüber liess Lord Cornwallis nach einem
+Avantgarden-Geplänkel seine Armee in zwei Divisionen aufmarschieren. Den
+linken Flügel kommandierte Oberstlieutenant Webster, den rechten
+Brigade-General Leslie. Der rechte Flügel stiess zuerst auf die
+Nord-Carolina-Miliz, die bei dessen Annäherung zurückwich. Lee und
+Campbell mit ihren Schützen hielten tapfer aus. Die Briten gingen gegen
+die Virginia-Miliz vor. Die Engländer waren nun auf ihrer ganzen Front
+engagiert, und die Virginier verteidigten sich so tapfer, dass Lord
+Cornwallis genötigt war, seine Reserven heranzuholen. Die zweite Linie
+der Amerikaner wurde alsdann zurückgedrängt, und die Briten drangen
+weiter vor gegen die Continentals. Hierbei kamen die Engländer in dem
+dichten Wald in ziemliche Unordnung. Oberstlieutenant Webster mit seiner
+Brigade stiess zuerst auf die Continentals. Da er aber zu übereilt
+vorgegangen war, so wurde er zurückgeworfen bis hinter einen Ravin. Das
+zweite Maryland-Regiment jedoch war durch einen Angriff des zweiten
+Bataillons der englischen Garde durchbrochen worden; zwei 6-Pfünder
+wurden genommen. Das erste Maryland-Regiment und Oberst Washingtons
+Kavallerie attackierten die Garden, warfen sie zurück und nahmen die
+Geschütze wieder. Darauf feuerte Lieutenant Macleod von der britischen
+Artillerie mit zwei 3-Pfündern auf Freund und Feind. Washingtons
+Dragoner wurden geworfen. Webster ging wieder vor, unterstützt von einem
+Teil von Leslies Division, und General Greene trat mit seiner Armee den
+Rückzug an, indem er seine Geschütze, deren Pferde gefallen waren, im
+Stich lassen musste.
+
+Von den Hessen waren ein Jäger-Detachement und das Regiment von Bose an
+diesem Kampfe beteiligt. Dies Regiment stand auf dem rechten Flügel. Es
+stand während des ganzen Gefechts den Schützen unter Lee und Campbell
+gegenüber, die es mit grossem Ungestüm in Front und Rücken angriffen.
+Das Regiment hielt sich mit grosser Tapferkeit in seiner Stellung, und
+diente dem ersten Bataillon der englischen Garde, welches in Unordnung
+hatte zurückgehen müssen, als Aufnahme und Rückhalt. Eelking und
+Bancroft sprechen dem hessischen Regiment einen entscheidenden Anteil an
+dem Siege zu. Ein so bedeutender Anteil kann ihm kaum zugestanden
+werden, indessen verdienten die Soldaten und ihr Führer Oberstlieutenant
+du Puy vollkommen die ehrenvolle Erwähnung, die ihnen in dem Tagesbefehl
+von Lord Cornwallis zu Teil wurde.
+
+Das ganze Gefecht dauerte ungefähr zwei Stunden. Der ganze Verlust der
+Briten betrug 532 Mann, von denen 80 auf das Regiment von Bose kamen.
+
+Cornwallis Armee war durch diesen Sieg so zusammengeschmolzen, dass er
+gezwungen war, über die Grenzen Virginiens nach Wilmington zu
+marschieren, um ihr eine Rast zu verschaffen; die Schwerverwundeten
+musste er zurücklassen.
+
+Nachdem sich Lord Cornwallis bis zur Küste zurückgezogen hatte, wurde
+Greene Herr über die Staaten Nord- und Süd-Carolina. Vor Mitte September
+hatten die Amerikaner drei Schlachten verloren und drei Provinzen
+gewonnen. Nacheinander bei Camden, Ninety-six und Eutaw-Springs
+geschlagen, nahm Greene und die Parteigänger, die mit ihm cooperierten,
+eine Anzahl kleiner Posten durch Belagerung oder Sturm, führte die
+Kapitulation von Augusta und den Entsatz von Camden und Ninety-six
+herbei. Im Herbst 1781 hatten die Briten von den drei südlichsten
+Staaten nichts mehr im Besitz mit Ausnahme von Savannah, Charleston und
+Wilmington.
+
+Am 10. Dezember 1780 segelte Benedict Arnold, der nunmehr britischer
+Brigade-General war, an der Spitze von ungefähr 600 Mann,
+einschliesslich 100 hessische Jäger unter Kapitain Ewald, von New-York
+ab. Arnold erreichte den James-River Anfang Januar 1781. Dort stand ihm
+nichts als eine kleine Schaar Milizen unter Baron Steuben entgegen.
+Arnold steckte die Stadt Richmond mit ihren Vorräten an Tabak in Brand
+und zog sich wieder nach Portsmouth an der Mündung des James zurück.
+Nicht lange nachher gaben die Jäger einen neuen Beweis ihrer Tapferkeit.
+Am 19. März 1781 ging General Lafayette mit einer Abteilung von etwa 500
+Mann gegen die englische Stellung vor, zersprengte ein Picket von den
+Jägern und nahm es zum Teil gefangen und näherte sich der Stellung, die
+von Kapitain Ewald besetzt war. Diese war zuerst von einem
+Unteroffizier und 16 Mann gehalten worden. Der Kapitain und 19 Mann
+nahten eilig zu ihrer Unterstützung heran. Die Amerikaner mussten über
+einen schmalen Deich avancieren, der einige 30 Schritte lang war, und
+auf dem sie dicht gedrängt vorgingen. Jeder Schuss musste treffen,
+sodass neunundzwanzig totgeschossen oder verwundet wurden. Die Jäger
+verloren nur zwei Mann, und Lafayette musste sich zurückziehen. »Man
+muss nur bei solchen Gelegenheiten,« sagt Ewald, »die Hacken an den
+Stiefeln fest in die Erde schrauben und an kein Weichen denken, dann
+wird man selten Gegner finden, die uns aus solch einer Stellung
+herauswerfen.« Ewald war in diesem Gefecht am Knie verwundet worden.
+Eelking berichtet, dass Arnold nach demselben den Kapitain besucht habe.
+Ewald machte dem General Vorwürfe, dass er die Jäger nicht unterstützt
+hätte. Arnold erwiderte, er habe die Stellung für verloren gehalten. »So
+lange noch ein Jäger am Leben ist,« rief der Kapitain wütend aus, »soll
+kein -- Amerikaner über den Deich kommen.« Arnold, der sich noch als
+Amerikaner betrachtete, nahm dies übel und zeigte es dadurch, dass er es
+unterliess, das gute Verhalten der Jäger in dem Tagesbefehl zu erwähnen.
+Ewald beklagte sich hierüber bei Arnolds Adjutanten, worauf der General
+sich am folgenden Tage bei ihm entschuldigte und die Erwähnung
+nachträglich erfolgen liess. Inzwischen war Lafayette mit 1200
+Continentals nach Virginien beordert worden. Der junge General brach
+sofort mit einem Teil seiner Streitkräfte auf und liess Wayne mit dem
+Rest folgen. Zehn französische Kriegsschiffe sollten mit dem Marquis
+gemeinsam operieren. Diese trafen am 16. März unweit der Kaps von
+Virginien auf das englische Geschwader. Nach einem Gefecht von zwei
+Stunden segelte die französische Flotte nach Newport zurück, während die
+englische sich nach der Chesapeake-Bay begab. Die Verteidigung von
+Virginien hatte man ausschliesslich den Landtruppen überlassen müssen,
+diese zeigten sich aber dieser Aufgabe nicht gewachsen.
+
+Am 19. März segelte Generalmajor Phillips, derselbe, welcher bei
+Saratoga mit Burgoyne zusammen gefangen genommen worden war, von
+New-York, um das Kommando über die englischen Truppen in Virginien zu
+übernehmen. Er nahm 2000 Mann Verstärkungen mit, und beinahe dieselbe
+Zahl folgte sechs Wochen später. General Phillips machte bald nach
+seiner Ankunft einen Vorstoss von Portsmouth aus den James River hinauf,
+plünderte und steckte alles in Brand auf beiden Ufern, liess die Neger
+wegtransportieren und nach West-Indien verschiffen, zerstörte unter den
+Augen von Lafayette, der auf der Nordseite des Flusses geblieben war,
+die Magazine und setzte sich am 9. Mai in den Besitz von Petersburg, wo
+sich seine Armee mit der von Lord Cornwallis, die von Wilmington im
+Anmarsch war, vereinigen sollte. Vier Tage später starb General Phillips
+an einem heftigen Fieber und Arnold hatte wieder die Führung über die
+Armee. Am 20. jedoch traf Lord Cornwallis in Petersburg ein und sandte
+kurz darauf den Verräter nach New-York zurück.
+
+Cornwallis brach am 24. Mai von Petersburg auf, ging 25 Meilen unterhalb
+Richmond über den James River und war am 1. Juni bei Cooks Ford am North
+Anna-River in der Nähe von Hanover Court House. Von da schickte er
+Tarleton nach Charlottesville, wo der Landtag von Virginien seine
+Sitzungen abhielt. Tarleton sprengte den Landtag auseinander und nahm
+einige der Mitglieder gefangen. Inzwischen war Simcoe entsandt worden,
+um einige Magazine und Vorräte bei Point of Fork, wo der Rivanna-River
+sich in den James ergiesst, zu zerstören resp. in Besitz zu nehmen. Er
+nahm wahr, dass die Vorräte, die von General Steuben bewacht wurden,
+sich auf der Südseite des James River befanden. Es gab dort keine Furt,
+und Simcoe hatte nur einige kleine Boote. Er nahm deshalb seine
+Zuflucht zu einer Kriegslist. Indem er seine 400 Mann, die er halb
+zeigte, halb verborgen hielt, in einer langen Linie entwickelte, machte
+er Steuben glauben, dass sein Detachement die Avantgarde von Cornwallis
+Hauptarmee wäre. Und Steuben, der sich nicht überlegte, dass mit so
+wenig Kähnen zum Übersetzen eine ganze Armee kaum gefährlicher war als
+ein Detachement, zog sich unter Zurücklassung eines Teils seiner Vorräte
+zurück. 24 Mann wurden darauf über den Fluss gesetzt, und, während die
+Hälfte davon die Vorräte zerstörten, hielt der Rest Wache, ohne dass sie
+im mindesten gestört wurden.
+
+Lafayette ging nach Norden bis zum Rappahannock zurück, wo Wayne ihm
+Verstärkungen zuführte. Der Marquis wandte sich darauf in Eilmärschen
+nach Süden und Westen und postierte sich zwischen die britische Armee
+und die Vorräte des westlichen Teils des Staates. Er war jedoch noch zu
+schwach, um eine Schlacht wagen zu können. Cornwallis unternahm nichts
+gegen ihn, sondern wandte sich am 15. Juni der Küste zu. Dies gab
+Lafayette einen unstreitigen Vorteil. Er folgte Cornwallis in
+respektvoller Entfernung auf seinem Marsche. Die Armee unter Lafayette
+zählte zu jener Zeit 4500 Mann, von denen nur 1505 Reguläre waren.
+
+Es fanden auf diesem Rückmarsch nur zwei Gefechte statt; das eine am 26.
+Juni. Eine Abteilung unter Simcoe und Ewald, die die Arrieregarde der
+britischen Armee bildete, wurde von einem Detachement der Division Wayne
+angegriffen und teilweise überrascht. Die Briten und Hessen hatten gegen
+Mittag nicht weit von Williamsburg eine Rast gemacht, als die Amerikaner
+eine heftige Attacke auf sie unternahmen. Die Kavallerie jedoch war
+schnell aufgesessen, die Jäger an den Gewehren, und die Amerikaner
+wurden zurückgeschlagen mit einem Verlust von 30 oder 40 Mann auf beiden
+Seiten.
+
+[Illustration: YORKTOWN. 1781.
+
+A. Redoute, von den Franzosen genommen.
+
+B. Redoute, von den Amerikanern genommen.]
+
+In Williamsburg erhielt Lord Cornwallis den Befehl, 3000 Mann nach
+New-York zurückzusenden, welches Clinton durch die vereinigte Armee der
+Franzosen und Vereinigten Staaten bedroht glaubte. Um diesen Befehl zur
+Ausführung zu bringen, setzte Cornwallis seinen Marsch auf Portsmouth
+fort. Am 4. Juli verliess er sein Lager bei Williamsburg und marschierte
+nach Jamestown in der Absicht, den James-River zu überschreiten. Die
+Rangers unter Simcoe und die Jäger unter Ewald gingen in derselben Nacht
+über. Ein Teil der Baggage wurde am folgenden Tage übergesetzt. Am 6.
+Juli blieb Cornwallis mit der Armee in Jamestown, wo der General die
+Nachricht erhielt, dass Lafayette im Anmarsch sei, um ihn anzugreifen.
+Dies war, was Cornwallis wollte, denn er hatte eine günstige Stellung
+und eine viel grössere Zahl von regulären Truppen als Lafayette.
+
+Am Nachmittag des 6. Juli ging Lafayette vor, war aber noch im Unklaren
+darüber, ob die Hauptarmee von Lord Cornwallis oder nur seine
+Arriere-Garde auf dem linken Ufer des James wäre. Die Amerikaner gingen
+vorsichtig vor. Wayne griff mit ungefähr 500 Mann an. Die britischen
+Pickets hatten Befehl erhalten, hartnäckigen Widerstand zu leisten und
+sich dann zurückzuziehen. Ermutigt hierdurch, entwickelte Wayne auch den
+Rest seiner Brigade, sodass er mehr als 1000 Mann in Thätigkeit gesetzt
+hatte. Die übrigen Continentals der Armee folgten als Reserve. Es schien
+nunmehr Cornwallis der Augenblick zum Schlagen gekommen zu sein. Seine
+Armee war in zwei Treffen aufmarschiert. Das erste bestand aus ungefähr
+2500 Mann, das zweite, zu dem das Regiment von Bose gehörte, war etwa
+1000 Mann stark. Wayne und Lafayette merkten den Fehler, den sie
+begangen hatten und sahen, dass er am besten durch ein kühnes Wagnis
+wieder gut gemacht werden könnte. Wayne ging mit seiner Brigade vor.
+Dies brachte die Briten zum Stehen. Die feindlichen Reihen standen sich
+nur ungefähr 70 Yards gegenüber, und unterhielten gegenseitig ein
+fünfzehn Minuten langes heftiges Feuer. Da aber nunmehr die Briten
+anfingen die Amerikaner in der Flanke zu fassen, gingen letztere zurück.
+Zwei Geschütze, die den Braunschweigern bei Bennington abgenommen worden
+waren, mussten sie, da die Pferde totgeschossen waren, im Stich lassen.
+Der Verlust der Amerikaner wird auf 139 angegeben, der der Briten auf 75
+Mann.
+
+Nachdem Cornwallis in Portsmouth angekommen war, erhielt er Gegenbefehl
+und machte mit seiner ganzen Armee Halt. Er sollte Old Point Comfort
+besetzen und verteidigungsfähig einrichten, ebenso, wenn er es für
+ratsam hielte, einen andern Ort auf der Halbinsel, der sich als
+Marine-Station eignete. Nachdem sich aber die Ingenieure gegen Old Point
+Comfort ausgesprochen hatten, besetzte Cornwallis in der ersten Woche
+des August Yorktown und das gegenüber gelegene kleine Dorf Gloucester.
+Hier sammelte er schnell seine ganze Streitmacht und machte sich eilig
+daran, seine Stellung zur Verteidigung einzurichten, während Lafayette
+sich abwartend verhielt und ihn beobachtete.
+
+Gerade zu dieser Zeit war Washington benachrichtigt worden, dass die
+französische Flotte unter Count de Grasse sich anschickte, an den
+Operationen bei der Chesapeake Bay Anteil zu nehmen. Schnell und im
+Geheimen wurden Vorbereitungen getroffen, die amerikanische und
+französische Armee von New-York nach Virginien zu dirigieren. Wir haben
+gesehen, dass bereits am 18. August nach der City von New-York die
+Nachricht gekommen war, dass die Verbündeten im Begriff wären, den
+North-River zu überschreiten. Aus Mangel an Booten hatte diese Operation
+eine Woche gedauert. Sir Henry Clinton war aber, obwohl er von
+Washingtons Plan Kenntnis erhalten hatte, immer noch in der Idee
+befangen, als ob ein Angriff auf Staten Island beabsichtigt sei. Es
+dauerte bis zum 29., bis er über seinen Irrtum aufgeklärt wurde. Unter
+Zurücklassung von 4000 Mann unter General Heath zum Schutz des
+Hochlands, gingen Washington und Rochambeau in Eilmärschen gegen
+Cornwallis vor.
+
+Die verbündete Armee, die durch New-Jersey marschierte und von der das
+Schicksal des Krieges abhing, war sehr schwach. Sie bestand aus 4000
+Franzosen und 2000 Amerikanern. Nachdem Philadelphia passiert war, kam
+sie am 6. und 8. September 1781 in Head of Elk an. Der Count de Grasse
+war bereits mit 24 Schiffen in der Chesapeake Bay angekommen; er führte
+1700 Geschütze und 19 000 Seeleute mit sich. Ihm stellte sich am 5.
+September Admiral Graves mit einer geringern Streitmacht gegenüber. Die
+Schlacht dauerte zwei Stunden. Die Engländer gerieten, obwohl nicht
+vollkommen geschlagen, in einen Zustand, der sie zu jeder weitern
+Unternehmung gegen die Franzosen unfähig machte. Nach vier Tagen
+segelten sie unter Überlassung der Chesapeake Bay an de Grasse, nach
+New-York.
+
+Die Franzosen und Amerikaner, die von New-York gekommen waren,
+marschierten die Bay hinunter und vereinigten sich mit dem Korps von
+Lafayette und den französischen Truppen, die de Grasse gebracht hatte.
+Die vereinigte Armee bei Williamsburg bestand am 27. September 1781 aus
+ungefähr 7000 Franzosen, 5500 Continentals und 3500 virginischen
+Milizen. In den Reihen der Continentals waren Kompagnien von allen
+Staaten nördlich von Karolina. Die englische Armee in Yorktown war etwa
+7000 Mann stark. Von diesen gehörten nicht ganz 1100 dem Markgrafen von
+Anspach-Bayreuth, etwas mehr als 850 dem Landgrafen von Hessen-Cassel
+und der Rest, etwa 5000 Mann, dem König von Grossbritannien, welchem die
+ganze Armee Gehorsam gelobt hatte. Ungefähr 800 Seeleute fochten auf
+jeder Seite während der Belagerung. Die französische Flotte befand sich
+ausser Thätigkeit, dagegen waren die englischen Schiffe aktiv beteiligt.
+
+Yorktown bot keine starke Stellung; seine Verteidigung bestand nur aus
+Feldschanzen. Am 30. September 1781 gaben die Briten, vielleicht zu
+frühzeitig, ihre äussere Verteidigungslinie auf. In der Nacht zum 6.
+Oktober wurde die erste Parallele eröffnet. Am Nachmittag des 9. begann
+das Feuer aus der Parallele, und von da ab bis zum Ende der Belagerung
+dauerte die Kanonade beinahe ununterbrochen fort.
+
+Das erste Zusammentreffen, das stattfand, war ein Scharmützel an der
+Gloucester-Seite des Flusses, wo Simcoes Rangers, Tarletons Dragoner,
+Ewalds Jäger und ein englisches Regiment aufgestellt waren. Ihnen
+gegenüber standen mehr als 1000 Franzosen unter Choisy und de Lauzun und
+12 oder 1500 Milizen unter General Weedon. Tarleton und Simcoe hatten
+den Gebrauch der Karabiner bei ihrer Kavallerie verboten, und dies trug
+zu ihrer Niederlage bei. Am Morgen des 3. Oktober war Lauzun gemeldet
+worden, dass ausserhalb der Werke von Gloucester englische Dragoner
+ständen. Beim Vorgehen zu einer Rekognoszierung sah er eine hübsche Frau
+an der Thüre eines Hauses stehen, das am Wege lag. Lauzun müsste nicht
+Lauzun gewesen sein, wenn er vorübergegangen wäre, ohne sie anzureden.
+Sie teilte ihm mit, dass Tarleton eben bei ihr im Hause gewesen wäre,
+und den dringenden Wunsch geäussert hätte, »sich die Hand mit dem
+französischen Führer zu reichen«. »Ich versicherte ihr,« sagt Lauzun,
+»dass ich zu dem Zweck gekommen wäre, um ihm diese Befriedigung zu
+gewähren. Sie bedauerte mich sehr, indem sie, wie ich glaube, aus
+Erfahrung annahm, dass es unmöglich wäre, Tarleton Widerstand zu
+leisten.«
+
+Alsbald stiessen die französischen und englischen Dragoner aufeinander.
+Tarleton erhob seine Pistole und ging auf Lauzun los. Ein Zweikampf
+sollte beginnen, als Tarleton mit dem Pferde stürzte. Englische Dragoner
+halfen ihrem Obersten sich in Sicherheit zu bringen, aber sein Pferd
+fiel Lauzun in die Hände.
+
+Der 10. Oktober hatte eine tapfere That aufzuweisen. Major Cochrane
+hatte New-York in einem Walfischboot mit Depeschen für Lord Cornwallis
+verlassen. Er langte in der Chesapeake Bay bei hellem Tage an, lief
+Spiessruthen zwischen der französischen Flotte, die ihn lebhaft
+beschoss, und erreichte glücklich Yorktown. Dieser tapfere Mann sollte
+jedoch zum letzten Male solches Glück erlebt haben. Zwei Tage nach
+seiner Ankunft richtete er ein Geschütz mit eigener Hand. Als er über
+die Brustwehr sah, um die Wirkung seines Schusses zu beobachten, wurde
+ihm von einer Kanonenkugel der Kopf weggerissen. Lord Cornwallis stand
+dicht an seiner Seite und entging mit genauer Not demselben Schicksale.
+
+In der Nacht zum 11. Oktober wurde die zweite Parallele eröffnet. Zwei
+Redouten, gegenüber dem rechten Flügel der Stellung der Verbündeten,
+lagen in der Verlängerung dieser Parallele. Sie mussten deshalb
+notgedrungen genommen werden. Die grössere sollten die Franzosen
+stürmen; dieselbe war zum Teil mit Deutschen besetzt. Die Franzosen
+unter Befehl von Baron de Vioménil, wurden entdeckt und auf 120 Schritte
+mit Feuer empfangen. Es verging einige Zeit, bis ein Zugang zur Schanze
+hergestellt war, und als dieser passiert werden konnte, wurde der Sturm
+unternommen. 92 Franzosen fielen oder wurden verwundet bei diesem
+Angriff, der feindliche Verlust betrug 15 Tote und 50 Gefangene. Die
+kleinere Redoute wurde durch die Amerikaner genommen; sie wurde durch
+Herstellung eines Zuganges weniger aufgehalten, daher war ihr Erfolg
+schneller und mit geringeren Opfern erkämpft. 9 Mann von der Kolonne
+fielen, 31 wurden verwundet, darunter 5 Offiziere.
+
+In der Frühe des 16. Oktober wurde ein Ausfall gegen die zweite
+Parallele gemacht. Einige Augenblicke war er von Erfolg, einige Kanonen
+wurden vernagelt, aber die Briten wurden durch den Angriff der
+französischen Grenadiere alsbald wieder zurückgetrieben, und die
+Kanonen in einigen Stunden wieder gebrauchsfähig gemacht. In der
+folgenden Nacht machte Cornwallis den Versuch, seine Armee über den York
+River übersetzen zu lassen in der Absicht, zu versuchen, nach Virginien
+zu marschieren. Heftiger Wind und Regensturm, welcher alle Boote den
+Fluss hinuntertrieb, verhinderte ihn jedoch, diesen Plan zur Ausführung
+zu bringen, und die Truppen, welche bereits nach Gloucester übergesetzt
+waren, wurden am nächsten Morgen zurückgebracht, so dass die dortige
+Garnison ihre alte Stärke behielt.
+
+Die britische Artillerie war nunmehr vollkommen zum Schweigen gebracht
+und Cornwallis sah ein, dass er nicht länger aushalten konnte. Am 17.
+Oktober 1781 wurden die Verhandlungen eröffnet und am 19. die
+Kapitulation unterzeichnet und zwar unter Bedingungen, wie sie der
+Hauptsache nach General Lincoln in Charleston im vergangenen Jahr
+bewilligt waren. Am Nachmittag desselben Tages marschierten die Briten
+und Deutschen mit verhüllten Fahnen aus ihren Befestigungswerken, ihre
+Musikkorps den alten englischen Marsch spielend: »The World Turned
+Upside Down.«
+
+
+
+
+Kapitel XXIV.
+
+Schluss.
+
+
+Cornwallis Übergabe von Yorktown entschied das Schicksal des
+Revolutions-Krieges. Die Armeen ruhten während des Winters, und im
+Frühjahr 1782 kehrten die Generale Clinton und von Knyphausen nach
+Europa zurück. Sir Guy Carleton erhielt das Kommando in New-York,
+General-Lieutenant von Lossberg wurde Führer der hessischen Division. Am
+14. Dezember 1782 wurde Charleston geräumt, und am 25. November 1783,
+zwei Jahre nach dem Falle von Yorktown, segelten die letzten Hessen die
+Bai von New-York hinunter. »Ungefähr um zwei Uhr nachmittags lichteten
+wir die Anker,« sagt das Journal des Jäger-Korps, »und als die Flotte
+hinunter nach Staten Island segelte, sahen wir, wie auf mehreren Häusern
+die amerikanische Flagge gehisst wurde. Keine war indessen auf Fort
+George zu sehen. Bei Sonnenuntergang passierten wir Sandy-Hook, und als
+die Nacht hereinbrach, verschwand das Land vor unsern Augen.«
+
+Die Stärke der deutschen Hilfstruppen, welche England in Amerika von
+1776-1783 verwendete, belief sich im Durchschnitt auf nahezu 20 000
+Mann. Im Laufe der Zeit waren ungefähr 30 000 Soldaten herübergebracht
+worden, und 17 313 kehrten nach Deutschland zurück, als der Krieg
+beendet war.
+
+Für die Dienste dieser Truppen bezahlte England an Subsidien an die
+Fürsten mehr als 1 770 000 Pfund Sterling. Dies kam hinzu zu der Löhnung
+der Soldaten und zu allen Ausgaben, ausgenommen der für die Aushebung
+und Bekleidung und Ausrüstung.
+
+Es kann daher keine Frage sein, dass für eine so bedeutende Geldsumme
+Gross-Britannien ausgezeichnete Soldaten erhielt. Es ist richtig, dass
+die Deutschen mehrmals mit Unglück gefochten haben, wenn sie allein und
+ohne Gemeinschaft mit englischen Truppen dem Feinde gegenüber standen.
+Breymanns Braunschweigern wurde es bei Bennington nicht möglich, mit
+einiger Schnelligkeit vorwärts zu kommen, aber die ganze Armee Burgoynes
+war sehr langsam in ihren Bewegungen. Dieser General spricht in einem
+Privatbrief über die Deutschen bei Saratoga »als entmutigt und bereit,
+beim ersten Schuss ihre Waffen wegzuwerfen«. Und doch hatten sie im
+ersten Teil der Kampagne mit Tapferkeit gefochten und hervorragende
+Dienste geleistet, sowohl bei Hubbardton als bei Freemans Farm. Bei
+Saratoga waren die braunschweigischen Regimenter am meisten exponiert
+auf der ganzen Linie gewesen. Wenden wir uns nun zu dem Kriege in den
+mittleren Staaten, so sehen wir, wie die Hessen den Hauptanteil haben
+und mit grosser Tapferkeit bei White Plains und Fort Washington kämpfen.
+Wir sehen sie, durch den Erfolg zu vertrauensselig gemacht, bei Trenton
+überrascht und bei Red Bank geschlagen. Bei der erstem Affaire wurden
+sie in Unordnung zurückgeworfen, ihr Führer getötet, und »die Leute
+hielten nirgends Stand«. Bei der letzteren Gelegenheit fochten sie mit
+Verzweiflung und verloren 371 Offiziere und Leute von einer Stärke, die
+kaum 2500 Mann überstieg. Es würde uns zu weit führen, wenn wir genau
+die Aktionen betrachten wollten, bei denen die Deutschen nicht den
+Hauptteil der Streitkräfte des Königs ausmachten, aber ich glaube, man
+würde finden, dass nur bei wenigen Gelegenheiten während des Feldzuges
+die hessischen Soldaten Mangel an Mut oder Disziplin zeigten. Eine
+Schwierigkeit war unvermeidlich bei dem Gebrauch von Truppen
+verschiedener Nationalitäten. Eifersucht und Feindschaft entstand
+zwischen Offizieren sowohl wie Soldaten. Wir haben gesehen, dass Heister
+abberufen wurde, weil er sich nicht mit Sir William Howe auf guten Fuss
+stellen konnte, und wie Riedesel sich durch Burgoyne verletzt fühlte.
+Die Briten wurden obendrein beschuldigt, bei Auswechselung der
+Gefangenen nicht unparteiisch gehandelt zu haben; sie hätten ihre
+eigenen Offiziere ausgewechselt, während sie die hessischen Offiziere in
+Gefangenschaft belassen hätten. Riedesel ging so weit, in dieser
+Angelegenheit an Washington zu schreiben, wurde aber von diesem
+höflichst darauf aufmerksam gemacht, dass dies eine Sache wäre, auf die
+er keinen Einfluss hätte.
+
+Wir können mit Bestimmtheit annehmen, dass die Eifersucht zwischen den
+höhern Offizieren von den Untergebenen geteilt wurde. In einem Brief aus
+Brookland (Brooklyn), datiert den 7. September 1776, schreibt ein
+hessischer Kaplan: »Unsere lieben Hessen lernten ihr schweres Dasein
+ertragen, und ich bemühte mich in meinen Gebeten und Predigten sie in
+ihrem christlichen Heldenmut zu bestärken. Die Langsamkeit der
+englischen Generale machte sie unmutig, aber noch mehr die stolzen und
+beleidigenden Blicke, welche die Engländer auf die Deutschen warfen.
+Dies führte oft zu blutigen Scenen. Ein Unteroffizier, zu dem ein
+Engländer bei einem gemeinschaftlichen Trunk sagte: »-- -- Du Franzose,
+Du nimmst unsern Sold«, antwortete ruhig: »Ich bin ein Deutscher und Du
+bist ein --.« Beide zogen blank, und der Engländer wurde so schwer
+verwundet, dass er starb. Der gute Deutsche wurde nicht nur durch den
+englischen General begnadigt, sondern es wurden auch Befehle gegeben,
+dass die Engländer die Deutschen wie Brüder behandeln sollten. Alles
+dies geschieht, seitdem unsere gelehrigen Deutschen ein wenig Englisch
+gelernt haben.
+
+Es darf indessen nicht zu viel Gewicht auf solche Geschichten gelegt
+werden, von denen viele zweifellos in Amerika während des Krieges
+Verbreitung fanden. »Es ist erstaunlich,« schreibt Ewald viele Jahre
+später, »was für einen Unsinn Deserteure oft erzählten, nur ihren neuen
+Freunden zu Gefallen, um dadurch eine gute Aufnahme zu erlangen. Nachdem
+ich in Yorktown in Gefangenschaft gekommen war und die Bekanntschaft von
+mehreren französischen Offizieren gemacht hatte, fragte mich ein
+französischer General, der damals Chef des Regiments de Deux Ponts war,
+im Vertrauen, ob die Hessen mit dem englischen Dienst nicht sehr
+unzufrieden wären, da es doch für sie sehr hart gewesen wäre, immer bei
+den gewagtesten Unternehmungen verwendet worden zu sein; dass sie oft
+unnötig geopfert wären; dass sie immer die schlechtesten Quartiere und
+die schlechteste Verpflegung bekommen hätten; dass sie ungenügend
+bezahlt worden wären und an allen Dingen Mangel gelitten hätten. Über
+diese Geschichte musste ich lachen und versicherte ihn, dass kein wahres
+Wort daran sei, gerade das Gegenteil sei der Fall gewesen. Dies setzte
+den General sehr in Erstaunen, denn jeder Deserteur hätte ihn
+versichert, dass dies so gewesen wäre.«
+
+Es ist mehrfach behauptet worden, dass die deutschen Soldaten in Amerika
+in grosser Zahl desertiert seien. Diese Behauptung ist nur zum Teil
+durch Thatsachen erwiesen worden. In der Zeit, als die ersten Hessen in
+Staten-Island ankamen, liess der Kongress Flugblätter, die sie zur
+Desertion aufforderten, unter ihnen verteilen. Washington betrieb einige
+Tage nach ihrer Landung sehr eifrig die Agitation mit diesen
+Flugblättern. Die darin gemachten Versprechungen wurden von Zeit zu Zeit
+erneuert. Eine Proklamation, datiert vom 29. April 1778, verspricht
+fünfzig Acker Land jedem Soldaten, der übergeht, und jeder Hauptmann,
+der vierzig Mann mitbringen würde, sollte achthundert Acker Wald, vier
+Ochsen, einen Bullen, zwei Kühe und vier Schweine bekommen. Die
+Deserteure sollten nicht gezwungen werden, auf amerikanischer Seite zu
+fechten, sondern sich sofort an die Bebauung ihrer Güter begeben.
+Diejenigen Offiziere indessen, die sich in die Armee der Vereinigten
+Staaten einreihen lassen würden, sollten einen Rang höher bekommen als
+den, den sie in ihrer frühern Armee bekleidet hatten, und bei Korps
+Verwendung finden, die nur aus Deutschen gebildet und die
+ausschliesslich zum Grenz- und Garnison-Dienst gebraucht würden. Diese
+Versprechungen waren nicht ganz ohne Erfolg. Im August 1778 kamen zwei
+hessische Lieutenants in das Lager Washingtons; sie sprachen die
+Möglichkeit aus, dass ihnen andere Offiziere nachfolgen würden. Dies
+verwirklichte sich jedoch nicht. Ewald behauptet, dass kein anderer
+geborener hessischer Offizier desertiert sei, ich habe aber Grund
+anzunehmen, dass einige Offiziere der kleineren deutschen Staaten
+übergegangen sind.
+
+Selbst unter den Gemeinen war die Desertion geringer, als man erwartet
+haben mochte. Sie war verhältnismässig gross unter den Kriegsgefangenen.
+Die Armee, die sich im Oktober 1777 bei Saratoga ergab, war 5791 Mann
+stark, von denen 2431 Deutsche waren. Von diesen waren bis zum 1. April
+1778 655 Engländer und 160 Deutsche desertiert. Es ist kein Zweifel,
+dass fortgesetzt Anstrengungen gemacht wurden, diese und jene Gefangene
+zum Desertieren und zur Einreihung in die amerikanische Armee zu
+bewegen. Aber Washington billigte dies durchaus nicht. Am 27. Oktober
+1776 schreibt er an den Präsidenten des Kongresses: »In einem Brief von
+dem »Board of War« inbetreff der Auswechselung wird erwähnt, dass
+mehrere Gefangene, die wir gemacht hätten, eingereiht worden wären. Dies
+ist eine Maassregel, die nicht gutgeheissen werden kann, obwohl auf
+feindlicher Seite das Beispiel dazu gegeben worden ist; auch halte ich
+es aus politischen Rücksichten nicht für gut. Doch da es nun mal
+geschehen ist, so überlasse ich es dem Kongress, ihnen anzuempfehlen,
+zurückzukehren oder nicht, wie sie es für gut befinden.« Und noch
+einmal, am 30., spricht er dem Board of War dieselbe Ansicht aus, indem
+er hinzufügt: »Bevor ich die Ehre hatte, mit Ihnen über diese
+Angelegenheit zu verhandeln, war ich entschlossen, dem General Howe
+darüber Vorstellungen zu machen. Wegen der wenigen Leute, die bereits
+eingereiht sind, möchte ich nicht, dass sie wieder entlassen werden, da
+ich fürchte, dass sie bestraft werden, aber ich wünschte, dass diese
+Praxis in Zukunft aufgegeben würde.« In einem Brief vom 8. Oktober
+desselben Jahres war er noch weiter gegangen, indem er sagte, dass
+Handwerker und andere Gefangene, die zu bleiben wünschten, sollten
+veranlasst werden, zurückzukehren. Am 12. März 1778 sagt er, dass, wenn
+Gefangene von den Amerikanern eingereiht worden wären, dies ohne sein
+Wissen geschehen wäre. »Wir haben immer gegen General Howe die Anklage
+erhoben und thun es noch,« schreibt er, »dass er die Einreihung der in
+seiner Hand befindlichen Gefangenen entweder befohlen oder erlaubt
+hätte, eine gesetzwidrige Handlung, die ganz und gar dem Geist des
+Auswechselungsvertrages widerspräche.« Einige Tage später beruft er sich
+Pulaski gegenüber auf den Kongress. »Ich habe ihn darauf hingewiesen,«
+schreibt Washington, »dass die Einreihung von Gefangenen oder
+Deserteuren durch einen kürzlichen Kongressbeschluss verboten ist. Wie
+weit der Kongress geneigt sein möchte, eine Ausnahme zu machen und die
+Erlaubnis zur Annahme von Gefangenen in einzelnen detachierten Korps, in
+denen solche Leute mit weniger Gefahr als in der Linie Verwendung finden
+könnten, bin ich nicht in der Lage auszusprechen.«
+
+Es ist wahrscheinlich, dass Pulaski Deserteure angenommen hat, und es
+ist Thatsache, dass der sogenannte Chevalier Armand (in Wirklichkeit
+Marquis de la Rouerie) es gethan hat. Wiederhold sah, als er in Reading
+im Anfang des Jahres 1780 in Gefangenschaft war, zwei Schwadronen von
+Armands Korps durch die Stadt passieren. Er giebt an, dass das Korps 400
+Mann stark gewesen wäre und vollkommen aus deutschen Deserteuren
+bestanden hätte.
+
+Am 22. Mai 1778 fasste der Kongress den Beschluss, die Staaten
+anzuweisen, alle Deserteure und Gefangenen als vom Milizdienst befreit
+zu erklären und ihnen zu verbieten, als Stellvertreter in der Miliz zu
+dienen. Am 29. desselben Monats soll ein eigenartiger Vorfall im
+Cambridge passiert sein. Einige braunschweigische Offiziere fingen einen
+Deserteur ab, einen der Gefangenen von Prospect Hill. Er war im Begriff,
+sich nach Watertown davon zu machen, wo Oberst Armand eine
+Rekrutierungs-Station hatte. Der arme Teufel wurde zum Lager
+zurückbefördert, und da er der erste war, den man gefangen hatte, so
+sollte an ihm ein Exempel statuiert werden. Er wurde an einen Pfahl
+angebunden und bekam 300 Peitschenhiebe. Dann wurde ihm das Haar
+abgeschnitten und so stiess man ihn als ehrlos aus der Armee aus. Die
+Amerikaner sollen diesem Schauspiel ruhig zugesehen haben, sie hätten
+den Mann freundlich bei sich aufgenommen und im Triumph von dannen
+geführt. Eelking schenkt dieser Geschichte keinen Glauben, und wir
+wollen hoffen, dass sie nicht wahr ist. Jedenfalls erwies sich die
+Bestrafung, wenn sie wirklich stattgefunden hat, als wenig effektvoll,
+denn im Laufe der nächsten fünf Monate desertierten einige fünfzig
+Braunschweiger, auch war der Verlust an Menschen infolge von Desertion
+auf dem Marsche nach Virginia sehr bedeutend.
+
+Einige der Desertionen unter den Gefangenen waren nur scheinbar. Die
+deutschen Gefangenen verliessen ihre traurigen Hütten, auf die sie
+angewiesen waren, und wanderten fort, in der Hoffnung, New-York oder
+eine der britischen Armeen zu erreichen. Am 18. Mai 1779 schreibt
+Gouverneur Clinton an Washington über »einen Alarm an der Grenze von
+Ulster County, der durch das Erscheinen von etwa 100 Indianern und
+Tories veranlasst worden war. Dort vereinigten sie sich mit 27 Tories
+vom Ostufer des Hudson-River, meistens hessische Deserteure von den
+Konventions-Truppen. Die plötzliche Versammlung der Miliz schreckte sie
+vor weiterem Vordringen in das Land ab und verhütete, dass sie
+materiellen Schaden anrichteten«. Und im Februar 1781 schrieb General
+Greene, dass 38 von einem 40 Mann starken Detachement von Armands Legion
+zum Feind übergegangen wären und dass Baron Steuben sich veranlasst sah,
+einigen von ihnen zu befehlen, sich zu ihren Regimentern zu begeben, die
+sich in Gefangenschaft in Charlottesville befanden.
+
+Wenn es wahr ist, wie der deutsche Schreiber behauptet, und wie es
+wirklich der Fall zu sein scheint, dass Desertionen unter den Deutschen
+nicht so oft vorkamen als unter den Engländern, so ist der Grund dafür
+nicht weit zu suchen. Die Truppen waren meistenteils in Gegenden
+verwandt worden, in denen die Einwohner kein Deutsch verstanden.
+Obendrein waren die »Hessen«, wie die Hilfstruppen ohne Unterschied
+genannt wurden, Gegenstand eines eigentümlichen Schreckens unter den
+Eingeborenen. Ihr Name mag vielleicht manchmal bis auf den heutigen Tag
+als eine Art Schimpfname in einigen Land-Distrikten gehört werden. Der
+englische Deserteur war von dem Moment an, wo er den roten Rock auszog,
+nicht zu erkennen. Der Deutsche konnte kein Wort sprechen, ohne sich zu
+verraten.
+
+Weder unter den Engländern noch unter den Deutschen war die Desertion so
+vorwiegend als unter den Amerikanern. Aber hierbei muss ein grosser
+Unterschied konstatiert werden. Der britische oder deutsche Soldat
+konnte nur zum Feind desertieren. Der amerikanische Milizsoldat kehrte
+im allgemeinen in seine Heimat zurück. Die revolutionäre Miliz glich in
+vieler Hinsicht mehr den Stämmen der schottischen Hochländer in den
+Bürgerkriegen des siebzehnten und achtzehnten Jahrhunderts als modernen
+Soldaten. Sie kamen oder gingen, je nachdem der Patriotismus oder der
+Egoismus, der Enthusiasmus oder Entmutigung bei ihnen die Oberhand
+gewannen. Oft unerschrocken im Gefecht, waren sie auch oft die
+Veranlassung zu einer Panik, wie alle undisziplinierten Truppen; auch
+waren sie solch zügellose Burschen, dass es in gleicher Weise unratsam
+war für ihre Generale, ihnen zu trauen und für ihre Feinde, sie zu
+verachten.
+
+Wir haben gesehen, dass 17313 Deutsche, oder 58% von denen, die als
+Söldner herüber kamen, glücklich nach Europa zurückkehrten. Von den
+12554, die zurückblieben, ist nur ein kleiner Teil in der Schlacht
+gefallen oder an den Wunden gestorben, viele sind Krankheiten erlegen,
+viele desertiert, einige sind in Amerika zurückgeblieben, nachdem der
+Friede geschlossen war, mit Einwilligung der Behörden. Hessische
+Offiziere und Gemeine erhielten Land in Nova Scotia, und der Herzog von
+Braunschweig befahl mit einer Inhumanität, die bezeichnend für ihn ist,
+dass nicht nur Soldaten, die sich Verbrechen schuldig gemacht oder sich
+schlecht geführt hatten, sondern auch die, die körperlich zum Dienste
+untauglich waren, in Canada zurückgelassen werden sollten.
+
+Dem Landgraf von Hessen hat es nicht an Leuten gefehlt, die ihn in
+Schutz genommen haben. Diese berufen sich in erster Linie auf die
+allgemeine Schlechtigkeit der Amerikaner und auf das Verbrechen, gegen
+ihren König sich zu erheben, unter dessen Herrschaft sie nur zu
+glücklich gewesen wären; zweitens behaupten sie, dass das Handeln mit
+Soldaten den Gebräuchen des letzten Jahrhunderts entsprochen hätte, dass
+das Geld, das der Landgraf bekommen, im Interesse des Landes und Volkes
+verwandt worden wäre, und dass dieses den Handel gut geheissen hätte.
+Auf die erste Behauptung werde ich nur insoweit eingehen, als es nötig
+ist, ihren Mangel an Berechtigung nachzuweisen. Hätte sich der Landgraf
+an dem Revolutionskrieg nur um seines Zweckes willen beteiligt, so würde
+das Argument betreffend der Schlechtigkeit der Rebellen und des
+Verbrechens des Aufruhrs stichhaltig sein. Es verliert aber an
+Beweiskraft, wenn es auf einen Fürsten angewandt wird, der gemäss einer
+Politik, die in seiner Dynastie erblich war, seine Truppen dem
+Meistbietenden ausleiht. In Betreff des zweiten Arguments ist es wahr,
+dass die öffentliche Meinung in dem Gebrauch von Söldnern nichts
+Unmoralisches fand. Eine Nation, die in einen grossen Kampf verwickelt
+ist, wird sich sicherlich Hilfe holen dürfen, wo sie sie findet. Der
+einzelne Soldat des Glückes (soldier of fortune) ist lange mit zu
+grosser Nachsicht betrachtet worden. Aber Soldat des Glückes zu sein zur
+Stellvertretung, um aus seinem Blute Münzen schlagen zu lassen und in
+Gefahren zu kommen, an denen der, welcher den Vorteil geniesst, keinen
+Anteil nimmt, ist noch nie als eine würdige Beschäftigung angesehen
+worden. Und die, welche sagen, dass das hessische Volk den Handel des
+Landgrafen guthiess, verurteilen seine Unterthanen, ohne ihn selbst zu
+entschuldigen. Ein besseres Argument wurde von seinem Gesandten
+Schlieffen in der nahen Verwandtschaft zwischen dem englischen Hof und
+den Höfen von Hessen und Braunschweig gefunden. Die amerikanischen
+Provinzen hätten von einem hessischen Fürsten geerbt werden können.
+Hätten wir deshalb gesehen, dass hessische Soldaten in englischem Sold
+gegen amerikanische Rebellen ohne Geldentschädigung an den Landgrafen
+gekämpft hätten, so würde man glauben, dass sie aus politischen Gründen
+hinübergeschickt worden wären. Dies ist aber nicht möglich angesichts
+der Subsidien. Der Landgraf liess sich in einen nicht zu
+rechtfertigenden Handel ein und in dem Lichte dieses Handels muss er
+beurteilt werden.
+
+
+
+
+Anhang.
+
+A. Quellen-Verzeichnis.
+
+Gedruckte.
+
+
+ Friedrich Kapp. Der Soldatenhandel deutscher Fürsten nach Amerika.
+ Berlin 1864.
+
+ Derselbe. Dasselbe. Berlin 1874.
+
+ Derselbe. Geschichte der Deutschen im Staate New-York. New-York 1869.
+
+ Derselbe. Friedrich der Grosse und die Vereinigten Staaten von
+ Amerika. Leipzig 1871.
+
+ Derselbe. Aufsatz in Sybels Historische Zeitschrift. II. 6. 42. 1879.
+
+ Derselbe. Leben des amerikanischen Generals Friedrich Wilhelm von
+ Steuben. Berlin 1858.
+
+ Derselbe. Leben des amerikanischen Generals Johann Kalb. Stuttgart 1862.
+
+ Max von Eelking. Die deutschen Hülfstruppen im nordamerikanischen
+ Befreiungskriege, 1776-1783. Hannover 1863. 2 Bände.
+
+ Derselbe. Leben und Wirken des Herzoglich Braunschweig'schen
+ Generallieutenants Friedrich Adolf von Riedesel. Leipzig 1856. 3
+ Bände.
+
+ Generalin von Riedesel. Die Berufsreise nach Amerika. Berlin 1801.
+
+ Christian Leiste. Beschreibung des britischen Amerika zur Ersparung
+ der englischen Karten. Wolfenbüttel 1778.
+
+ F. B. Melsheimer. Tagebuch von der Reise der braunschweig'schen
+ Auxiliar-Truppen von Wolfenbüttel nach Quebec. Minden 1776.
+
+ Derselbe. Erste Fortsetzung.
+
+ J. von Ewald. Belehrungen über den Krieg, besonders über den kleinen
+ Krieg, durch Beispiele grosser Helden und kluger und tapferer
+ Männer. Schleswig 1798.
+
+ Erste Folge derselben. Schleswig 1800.
+
+ Zweite und letzte Folge derselben. Schleswig 1803.
+
+ Briefe eines Reisenden über den gegenwärtigen Zustand von Kassel mit
+ aller Freiheit geschildert. Frankfurt und Leipzig 1781.
+
+ Hochfürstlich Hessen-Casselischer Staats- und Adresskalender auf das
+ Jahr Christi 1779. Kassel.
+
+ Karl Biedermann. Deutschland im 18. Jahrhundert. Band I.
+ Deutschlands politische, materielle und soziale Zustände im 18.
+ Jahrhundert. Leipzig 1880.
+
+ Ferdinand Pfister. Der nordamerikanische Unabhängigkeits-Krieg.
+ Kassel 1864.
+
+ Friedrich II. und die neuere Geschichtsschreibung. -- Ein Beitrag
+ zur Widerlegung der Märchen über angeblichen Soldaten-Handel
+ hessischer Fürsten. Zweite, mit einer Beleuchtung Seumes vermehrte
+ Auflage. Melsungen 1879.
+
+ J. G. Seume. Sämtliche Werke. Leipzig 1835. (Mein Leben.)
+
+ Derselbe. Aufsatz in J. W. von Archenholtz's Neue Litteratur und
+ Völkerkunde. Für das Jahr 1789. Zweiter Band. (Hallifax 1782.)
+ (Schreiben aus Amerika nach Deutschland.)
+
+ August Ludwig Schlözers etc. Briefwechsel meist historischen und
+ politischen Inhalts. Göttingen 1780 bis 1782.
+
+ Derselbe. Staats-Anzeigen. 18 Bände.
+
+ Die neuesten Staatsbegebenheiten mit historischen und politischen
+ Anmerkungen. Frankfurt am Mayn und Mainz 1775. 1776. 1777. 3 Bände.
+
+ Karl Heinrich Ritter von Lang. Geschichte des vorletzten Markgrafen
+ von Brandenburg-Anspach. Anspach 1848.
+
+ J. B. Fischer. Geschichte von Anspach und Onolzbach. Anspach 1786.
+
+ Reglement für die hessische Infanterie. Kassel 1776.
+
+ Von den Hessen in Amerika, ihren Fürsten etc. 1782. (Soll von
+ Schlieffen verfasst sein.)
+
+
+Manuskripte.
+
+(Von Originalen oder Abschriften in der Königlichen Landesbibliothek in
+Kassel.)
+
+ 1. Journal von dem Hochlöbl. Hessischen Grenadier-olim-Bataillon von
+ Minnigerode, modo von Loewenstein vom 20. Januarii 1776 bis 17. Mai
+ 1784.
+
+ 2. Journal Hochfürstlichen Hessischen Grenadier-Bataillon Platte.
+ Vom 16. Februar 1776 bis 24. Mai 1784. Geführt durch den
+ Regiments-Quartiermeister Carl Bauer.
+
+ 3. Journal des Hochlöblichen Füsilier-Regimentes von Alt-Lossberg.
+ Geführt durch den Regiments-Quartier-Meister Heusser vom Ausmarsch
+ aus der Garnison Rinteln an bis zur Rückkunft des gedachten
+ Hochlöblichen Regiments aus Amerika vom 10. Merz 1776 bis den 5.
+ Oktober 1783.
+
+ 4. Geschichte von dem Hochlöblichen Füsilier-Regiment von Lossberg
+ in Form eines Tagebuchs, angefangen 1776-1783 (von Adjutant Piel).
+
+ 5. Journal vom Löblichen Garnisons-Regiment von Huyn, nachher von
+ Benning, de ao. 1776 bis medio November 1783, geführt durch mich,
+ den Regiments-Quartiermeister G. Kleinschmidt.
+
+ 6. Journal, geführt bei dem Hochlöblich Hessischen Feld-Jäger-Corps
+ während denen Campagnen der Königl. Grossbrittanischen Armee in
+ North-Amerika. Angefangen den 23. Juli 1777, von dem Tage wo der
+ Oberstlieutenant Ludwig Johann Adolf von Wurmb das Commando über das
+ Corps übernahm und geendigt den 20. April 1784, bei der erfolgten
+ retour derer sämtlich Hochfürstlich Hessischen Truppen aus Amerika.
+
+ 7. Tagebuch des Hauptmannes Wiederhold von 1776-80.
+
+ 8. Journal von dem Hochfürstl. Hessischen Hlöbl. Infanterie-Regiment
+ von Trümbach, modo General-Lieutenant von Bose, seines in ao. 1776
+ aus Hessen nach Amerika gethanen Ausmarsches, und in ao. 1783 wieder
+ gehabten Einmarsches zur Garnison Hofgeismar.
+
+ 9. Journal von dem Hochfürstlich Hessischen, des General-Major von
+ Knoblauch Löbl. Garnisons-Regiment, seit dem Amerikanischen Krieg,
+ von anno 1776 bis Ende 1783.
+
+ 10. Briefe des General-Majors von Riedesel. Tagebuch vom Capit.
+ Pausch.
+
+ (Aus der Bibliothek Seiner Hoheit des Fürsten von Waldeck.)
+
+ 11. Fragment eines Tagebuchs des Waldeck'schen Regiments
+ vom 11. April 1780 bis zum Juli 1782.
+
+ (Aus dem Archiv in Marburg.)
+
+ 12. Berichte Sr. Excellenz des Herrn General-Lieutenant
+ von Knyphausen an Serenissimum.
+
+
+
+
+B. Die hessischen Regimenter und ihre Namen.
+
+
+Der Landgraf von Hessen-Kassel schickte fünfzehn seiner Regimenter nach
+Amerika. Jedes Regiment bestand aus 650 Offizieren und Leuten in fünf
+Kompagnien. Vierzehn von diesen fünfzehn Regimentern hatten je eine
+Grenadier-Kompagnie abgeben müssen, und diese vierzehn Kompagnien mit
+noch zweien von des Landgrafen Leib-Garde waren zu vier
+Grenadier-Bataillonen zu 524 Köpfen formiert worden. Ein Jäger-Korps,
+ursprünglich aus zwei Kompagnien bestehend, begleitete die Armee. 1777
+wurde es nominell auf 1067 Köpfe vermehrt, aber ich glaube, in
+Wirklichkeit hat die Effektivstärke nie mehr wie sechs- oder
+siebenhundert betragen. Drei Kompagnien Artillerie, 588 Köpfe stark,
+wurden formiert, so dass die hessische Streitmacht aus 15
+Infanterie-Regimentern, 4 Bataillonen Grenadieren, 1 Jäger-Korps und 3
+Kompagnien Artillerie bestand. Kavallerie war nicht vorhanden, aber von
+den Jägern waren einige beritten.
+
+Ein hessisches Regiment wurde gewöhnlich nach seinem »Chef« benannt.
+Dieser »Chef« war manchmal der Oberst des Regiments, aber meistens war
+es ein Prinz oder höherer Offizier. Da die »Chefs« öfters wechselten
+oder versetzt wurden, so ist oft schwer, die Regimenter
+auseinanderzuhalten. Die Grenadier-Bataillone wurden nach ihren
+Oberstlieutenants benannt. Die folgende Liste der Regimenter und
+Bataillone, die in Amerika gedient haben, und die Änderung in ihren
+Namen, ist zum Teil einer Liste entnommen, die dem Wiederhold'schen
+Tagebuch in der Bibliothek in Kassel beigefügt ist. Ich glaube, dass sie
+im allgemeinen korrekt ist. Ich habe die Namen der Haupt-Schlachten und
+Expeditionen, an denen die einzelnen Regimenter und Bataillone
+teilgenommen haben, hinzugefügt. (Die Regimenter, die mit von Heister
+herübergekommen sind, sind mit »I. Div.«, die, welche mit von Knyphausen
+kamen, mit »II. Div.« bezeichnet.)
+
+ Gren.-Bat. von Linsingen. (I. Div. -- Long-Island, Chatterton Hill,
+ Brandywine, Redbank, Charleston.)
+
+ Gren.-Bat. von Block; 1777 von Lengerke. (Wie vorstehend.)
+
+ Gren.-Bat. von Minnigerode; 1780 von Loewenstein. (Wie vorstehend.)
+
+ Gren.-Bat. von Koehler; 1778 von Graff; 1782 von Platte. (II. Div.
+ -- Fort Washington, Charleston.)
+
+ Leib-Regiment. (I. Div. -- Chatterton Hill, Brandywine, Germantown,
+ Newport, Springfield.)
+
+ Regiment Landgraf (ab und zu Wutgenau genannt). (II. Div. -- Fort
+ Washington, Newport, Springfield.)
+
+ Regiment Erbprinz. (I. Div. -- Long-Island, Fort Washington,
+ Yorktown.)
+
+ Regiment Prinz Carl. (Newport.)
+
+ Regiment von Ditfurth. (I. Div. -- Newport, Charleston.)
+
+ Regiment von Donop. (I. Div. -- Long-Island, Fort Washington,
+ Brandywine, Germantown, Springfield.)
+
+ Füsilier-Regiment von Lossberg (auch von Alt-Lossberg). (I. Div. --
+ Long-Island, Chatterton Hill, Fort Washington, Trenton, Brandywine.)
+
+ Füsilier-Regiment von Knyphausen. (Wie vorstehend.)
+
+ Grenadier-Regiment Rall; 1777 von Woellwarth; 1778 von Trümbach;
+ 1779 d'Angelelli. (I. Div. -- Long-Island, Chatterton Hill, Fort
+ Washington, Trenton, Brandywine, Savannah.)
+
+Was von den drei letztgenannten nach Trenton übrig geblieben war, bildete
+das »Combinierte Bataillon« in der Kampagne von 1777. Im Dezember
+desselben Jahres wurden zwei Bataillone unter den Obersten von Loos und
+von Woellwarth formiert. Die drei Regimenter nahmen später ihre alte
+Formation wieder an; die beiden ersteren aber erlitten durch Sturm und
+an Gefangenen im September 1779 starke Verluste.
+
+ Regiment von Mirbach; 1780 von Jung-Lossberg. (I. Div. --
+ Long-Island, Fort Washington, Brandywine, Redbank.)
+
+ Regiment von Trümbach; 1778 von Bose. (I. Div. -- Fort Clinton,
+ Springfield, Guildford Court-House, Green-Spring, Yorktown.)
+
+ Garnisons-Regiment von Stein; 1778 von Seitz. (II. Div.)
+
+ Garnisons-Regiment von Wissenbach; 1780 von Knoblauch. (II. Div. --
+ Savannah.)
+
+ Garnisons-Regiment von Huyn; 1780 von Benning. (II. Div. -- Fort
+ Washington, Newport, Charleston.)
+
+ Garnisons-Regiment von Bünau. (II. Div. -- Fort Washington, Newport,
+ Springfield.)
+
+ Feld-Jäger-Korps. (Detachements von diesem Korps waren fast bei
+ jeder Operation beteiligt.)
+
+ (Die oben erwähnten Regimenter gehörten zu Hessen-Kassel.)
+
+ Der von Howe und Clinton kommandierten Armee waren ausserdem noch
+ folgende deutsche Regimenter zugeteilt:
+
+ Regiment Waldeck. (Fort Washington, Pensacola.)
+
+ Regiment Anspach. (Philadelphia, Newport, Springfield, Yorktown.)
+
+ Regiment Bayreuth. (Philadelphia, Newport, Yorktown.)
+
+(Die beiden zuletzt erwähnten wurden im allgemeinen die beiden
+Anspach'schen Regimenter genannt. Die Anspach'schen Jäger bildeten einen
+Teil des Hessischen Jäger-Korps.)
+
+Das Braunschweig'sche Kontingent, welches in Canada und im nördlichen
+New-York diente, war zusammengesetzt aus dem
+
+ Regiment Dragoner (zu Fuss). (Bennigton unter Baum.)
+
+ Bataillon Grenadiere. (Bennington unter Breymann, 1. Stillwater, 2.
+ Stillwater, Saratoga.)
+
+ Regiment Prinz Friedrich. (Verblieb in Ticonderoga während der
+ Saratoga-Kampagne.)
+
+ Regiment von Riedesel. (1. Stillwater, Saratoga.)
+
+ Regiment von Rhetz. (2. Kompagnie bei 1. Stillwater, Saratoga.)
+
+ Regiment von Specht. (Saratoga.)
+
+ Jäger-Bataillon oder Bataillon Barner. (1. Stillwater, Saratoga.)
+
+Das Hanauer Regiment und die Hanauer Artillerie befanden sich bei dieser
+Armee und teilten ihr Schicksal. Sie waren die einzigen Hessen bei
+Burgoynes Armee. Die Artillerie that gute Dienste in der Kampagne von
+1776 am Lake Champlain sowohl wie im Jahr 1777.
+
+Die Hanauer Jäger, wenigstens ein Teil derselben, nahmen an St. Legers
+Expedition Teil. Das Regiment von Anhalt-Zerbst erreichte Canada,
+nachdem die Feindseligkeiten in dieser Provinz vorüber waren.
+
+
+
+
+C. Übersicht über die Zahl der von jedem deutschen Staat nach Amerika
+gesandten Truppen und über die Zahl derer, die nicht zurückkehrten.
+
+
+ Braunschweig sandte 1776 4300 M.
+ im März 1777 224 "
+ April 1778 475 "
+ April 1779 286 "
+ Mai 1780 266 "
+ April 1782 172 "
+ --------
+ Im Ganzen: 5723 M.
+ Es kehrten zurück im Herbst 1783: 2708 "
+ --------
+ Es kehrten nicht zurück: 3015 M.
+
+
+ Hessen-Kassel sandte 1776 12 805 M.
+ Dezember 1777 403 "
+ März 1779 993 "
+ Mai 1780 915 "
+ April 1781 915 "
+ April 1782 961 "
+ ---------
+ Im Ganzen: 16 992 M.
+ Es kehrten zurück im Herbst 1783
+ und Frühjahr 1784: 10 492 "
+ ---------
+ Es kehrten nicht zurück: 6 500 M.
+
+
+ Hessen-Hanau sandte 2038 M.
+ Rekruten im April 1781 50 "
+ April 1782 334 "
+ --------
+ Im Ganzen: 2422 M.
+ Es kehrten zurück im Herbst 1783: 1441 "
+ --------
+ Es kehrten nicht zurück: 981 M.
+
+
+ Anspach-Bayreuth sandte 1777 1285 M.
+ im Herbst desselben Jahres an Rekruten 318 "
+ 1779 157 "
+ 1780 152 "
+ 1781 205 "
+ 1782 236 "
+ -------
+ Im Ganzen: 2353 M.
+ Es kehrten zurück im Herbst 1783: 1183 "
+ -------
+ Es kehrten nicht zurück: 1170 M.
+
+
+ Waldeck sandte 1776 670 M.
+ April 1777 89 "
+ Februar 1778 140 "
+ Mai 1779 23 "
+ April 1781 144 "
+ April 1782 159 "
+ --------
+ Im Ganzen: 1225 M.
+ Es kehrten zurück im Herbst 1783: 505 "
+ --------
+ Es kehrten nicht zurück: 720 M.
+
+
+ Anhalt-Zerbst sandte 1778 600 M.
+ im April 1779 82 "
+ im Mai 1780 50 "
+ im April 1781 420 "
+ --------
+ Im Ganzen: 1152 M.
+ Es kehrten zurück im Herbst 1783: 984 "
+ --------
+ Es kehrten nicht zurück: 168 M.
+
+
+ Gesamtsumme der Soldtruppen 29 867 M.
+ Es kehrten von diesen zurück 17 313 "
+ ---------
+ Es kehrten nicht zurück 12 554 M.
+
+Von den 12 554, die nicht zurückkehrten, sind -- nach meiner eigenen
+Schätzung --:
+
+ Gefallen oder an den Wunden gestorben 1200 M.
+ Gestorben durch Krankheit oder Unglücksfälle 6354 "
+ Desertiert 5000 "
+ --------
+ 12554 M.
+
+
+
+
+D. Verlustliste der Deutschen in den Haupt-Schlachten und Gefechten des
+Revolutionskrieges.
+
+
+ Tot. Verw. Vermisst.
+ Long-Island 2 25
+ 15. September 1776 2 16
+ 16. September 1776 1 1
+ Vom 9. bis 23. Oktober
+ (inkl. Chatterton Hill) 13 63 23
+ Fort Washington 56 276
+ Trenton 17 78
+ Assanpink (2. Jan. 1777) 4 11
+ Burgoynes Kampagne (6. Okt. 1777) 25(?) 75(?)
+ Scharmützel 3. Sept. 1777 1 19
+ Brandywine, Jäger 7 39
+ " übrigen Hessen 2(?) 16(?)
+ Redbank 82 229 60
+ Newport 19 96 13
+ Stono Ferry 9(?) 34(?)
+ Charleston 11 62
+ Springfield 25(?) 75(?)
+ Baton Rouge 25 8
+ Pensacola 15(?) 45(?)
+ Guildford Court House 15 69
+ Yorktown 53 131
+ -------------------------
+ Im Ganzen: 548 1652 127 M.
+
+
+ Druck von _Gottfr. Pätz_ in Naumburg a. S.
+
+
+
+
+
+ +--------------------------------------------------------------+
+ | Anmerkungen zur Transkription: |
+ | |
+ | Interpunktion wurde korrigiert, ohne hier |
+ | gesondert erwähnt zu werden. Im Text wurden |
+ | folgende Korrekturen vorgenommen: |
+ | |
+ | "Staaaten" in "Staaten" geändert. |
+ | S. 5 "Konspcription" in "Konscription" geändert. |
+ | S. 13 "datidrt" in "datiert" geändert. |
+ | S. 14 "Hessel" in "Hessen" geändert. |
+ | S. 19 "einer" in "eine" geändert. |
+ | S. 19 "seine" in "seiner" geändert. |
+ | S. 24 "abschliesen" in "abschliessen" geändert. |
+ | S. 28 "frühereren" in "früheren" geändert. |
+ | S. 28 "Whighs" in Whigs" geändert. |
+ | S. 34 "blos" in "bloss" geändert. |
+ | S. 36 "töden" in "töten" geändert. |
+ | S. 38 "verhältnissmässig" in "verhältnismässig" geändert. |
+ | S. 49 "Letzere" in "Letztere" geändert. |
+ | S. 49 "Pensylvaniern" in "Pennsylvaniern" geändert. |
+ | S. 54 "bliess" in "blies" geändert. |
+ | S. 55 "vorfunden" in "vorgefunden" geändert. |
+ | S. 56 "Manhatten" in "Manhattan" geändert. |
+ | S. 56 "or" in "oder" geändert. |
+ | S. 61 "bliessen" in "bliesen" geändert. |
+ | S. 61 "französich" in "französisch" geändert. |
+ | S. 62 "herausmarschiren" in "herausmarschieren" geändert. |
+ | S. 70 "Pensylvanischen" in "Pennsylvanischen" geändert. |
+ | S. 71 "zitterden" in "zitternden" geändert. |
+ | S. 71 "Abtheilung" in "Abteilung" geändert. |
+ | S. 73 "Annährung" in "Annäherung" geändert. |
+ | S. 77 "äussserte" in "äusserte" geändert. |
+ | S. 80 "Pensylvanier" in "Pennsylvanier" geändert. |
+ | S. 83 "gegehalten" in "gehalten" geändert. |
+ | S. 84 "Morgens" in "morgens" geändert. |
+ | S. 85 "Lieutnant" in "Lieutenant" geändert. |
+ | S. 85 "Anektode" in "Anekdote" geändert. |
+ | S. 87 "Triumpf" in "Triumph" geändert. |
+ | S. 87 "schell" in "schnell" geändert. |
+ | S. 88 "Oberfehlshaber" in "Oberbefehlshaber" geändert. |
+ | S. 89 "Knyphhusen" in "Knyphausen" geändert. |
+ | S. 91 "Erlaubniss" in "Erlaubnis" geändert. |
+ | S. 92 "1766" in "1776" geändert. |
+ | S. 93 "gezungen" in "gezwungen" geändert. |
+ | S. 95 "Planzen" in "Pflanzen" geändert. |
+ | S. 98 "französche" in "französische" geändert. |
+ | S.107 "der" in "des" geändert. |
+ | S.107 "dadadurch" in "dadurch" geändert. |
+ | S.120 "Lake-Champlain" in "Lake Champlain" geändert. |
+ | S.120 "grösten" in "grössten" geändert. |
+ | S.122 "zurükgeworfen" in "zurückgeworfen" geändert. |
+ | S.125 "Haubizen" in "Haubitzen" geändert. |
+ | S.151 "wenigsten" in "wenigstens" geändert. |
+ | S.151 "Grossbritanien" in "Grossbritannien" geändert. |
+ | S.152 "Geräuch" in "Geräusch" geändert. |
+ | S.154 "Winter-Hill" in "Winter Hill" geändert. |
+ | S.155 "grössen" in "grösseren" geändert. |
+ | S.155 "zurükzukommen" in "zurückzukommen" geändert. |
+ | S.158 "ich ich" in "ich" geändert. |
+ | S.167 "französicher" in "französischer" geändert. |
+ | S.168 "Galleren" in "Galeeren" geändert. |
+ | S.169 "Französich" in "Französisch" geändert. |
+ | S.188 "Tranportschiffen" in "Transportschiffen" geändert. |
+ | S.192 "Beoachtungen" in "Beobachtungen" geändert. |
+ | S.200 "Savanah" in "Savannah" geändert. |
+ | S.216 "nacher" in "nachher" geändert. |
+ | S.217 "detaschierte" in "detachierte" geändert. |
+ | S.223 "wegtranportieren" in "wegtransportieren" geändert. |
+ | S.223 "Limcoe" in "Simcoe" geändert. |
+ | S.224 "ükerlegte" in "überlegte" geändert. |
+ | S.229 "Wallfischboot" in "Walfischboot" geändert. |
+ | S.236 "Gefangeschaft" in "Gefangenschaft" geändert. |
+ | S.246 "letzgenannten" in "letztgenannten" geändert. |
+ | |
+ +--------------------------------------------------------------+
+
+
+
+
+
+End of the Project Gutenberg EBook of Die Hessen und die andern deutschen
+Hilfstruppen im Kriege gross-britanniens gegen Amerika, by Edward Jackson Lowell
+
+*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK 44049 ***
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+++ /dev/null
@@ -1,8548 +0,0 @@
-The Project Gutenberg EBook of Die Hessen und die andern deutschen
-Hilfstruppen im Kriege gross-britanniens gegen Amerika, by Edward Jackson Lowell
-
-This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
-almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or
-re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
-with this eBook or online at www.gutenberg.org
-
-
-Title: Die Hessen und die andern deutschen Hilfstruppen im Kriege gross-britanniens gegen Amerika
-
-Author: Edward Jackson Lowell
-
-Translator: O.C. Freiherr von Verschuer
-
-Release Date: October 27, 2013 [EBook #44049]
-
-Language: German
-
-Character set encoding: ISO-8859-1
-
-*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE HESSEN UND DIE ANDERN ***
-
-
-
-
-Produced by Peter Becker, Karl Eichwalder and the Online
-Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net (This
-book was produced from scanned images of public domain
-material from the Google Print project.)
-
-
-
-
-
- +--------------------------------------------------------------+
- | Anmerkungen zur Transkription: |
- | |
- | Der Text wurde weitgehend in seiner Ursprungsform |
- | belassen, auch in zweifelhaften Fällen wie: |
- | "Bankroft", obwohl vermutlich jeweils George |
- | Bancroft gemeint ist. Gesperrter und kursiver Text |
- | ist als _Text_ markiert, Fettdruck als =Text=. |
- | |
- | Eine Liste der vorgenommenen Änderungen befindet sich am |
- | Ende des Texts. |
- | |
- +--------------------------------------------------------------+
-
-
-
-
- Die Hessen
- und die andern deutschen Hilfstruppen im Kriege
- Gross-Britanniens gegen Amerika
- 1776-1783
-
- Von
- Edward J. Lowell.
-
- Uebersetzt mit Autorisation des Verfassers
- von
- O. C. Freiherrn von Verschuer
- Major z. D.
-
- Mit 8 Plänen
-
- Zweite, um eine Einleitung vermehrte Ausgabe.
-
-
- Braunschweig und Leipzig
- Verlag von Richard Sattler
- 1902.
-
-
-
-
- Seinem ehemaligen Regiments-Kommandeur
-
- Herrn Generalmajor z. D. von Gersdorff
- in Dankbarkeit und Verehrung
- gewidmet
- von
- dem Uebersetzer
-
-
-
-
-Einleitung des Übersetzers.
-
-
-In vorliegendem Buche will der Verfasser das Auftreten der »Deutschen
-Hilfstruppen« in Amerika einer genauen Beleuchtung unterwerfen,
-insbesondere will er den Legenden entgegentreten, die sich in seinem
-Vaterlande im Laufe der Zeit über die Hilfstruppen -- mit dem
-Sammelnamen »Hessen« bezeichnet -- gebildet haben. Seine Anschauungen in
-Betreff der Subsidien-Verträge mit England und der an diesen beteiligten
-Fürsten stimmen im allgemeinen mit den Ansichten weiter Kreise in
-Deutschland überein, viele urteilen bei weitem schärfer, aber bei einer
-grossen Menge werden die abfälligen Urteile nach verschiedener Richtung
-hin mehr oder weniger scharf bekämpft. Wie erklärt sich dieser Zwiespalt
-der Meinungen, und wie könnte er einigermassen überbrückt werden? Er
-erklärt sich m. E. hauptsächlich dadurch, dass viele Geschichtschreiber
-die Frage des sogenannten Soldatenhandels nicht genügend im Lichte der
-damaligen Zeit betrachten, und dass diese Frage bisher nicht in ihrer
-Vielseitigkeit und mit derjenigen Gründlichkeit behandelt worden ist,
-die zur Erlangung eines objektiven Urteils unbedingt notwendig ist. Ein
-solches Urteil wird nur erlangt werden können durch eine genaue Prüfung
-und Vergleichung der bereits vorhandenen und eine Untersuchung der noch
-unbenutzt liegenden Quellen, ferner durch gleichzeitiges
-in-Betrachtziehen der politischen und militärischen Verhältnisse und
-Zustände -- und ihrer Entwickelung -- in _allen_ Staaten, die im Laufe
-des 17. und 18. Jahrhunderts je an dem Überlassen von Truppen gegen
-Subsidien beteiligt gewesen sind, und schliesslich durch ein
-sich-Vertiefen in die Anschauungen der Zeit und zwar aller Kreise: der
-Fürsten, Landstände, Offiziere, Soldaten und des Volkes. Nur aus dem
-Geiste der Zeit heraus kann das Übereinkommen deutscher Fürsten mit
-England im Jahr 1776, können die Urteile der Zeitgenossen für und wider
--- verstanden, erklärt werden. Von grosser Bedeutung aber ist die
-Thatsache, dass die Verträge mit England und das Auftreten deutscher
-Soldtruppen in Amerika in den Zeitabschnitt fallen, der der
-französischen Revolution vorausging. Hervorragende Geister der damaligen
-Zeit bemühten sich, weiten Kreisen in Europa bei Gelegenheit des
-ungewöhnlichen Falles der Verschickung deutscher Truppen über den Ozean
-zum Bewusstsein zu bringen: _was das Überlassen von Menschen an fremde
-Souveräne gegen Geld zu bedeuten habe!_ Wie in vielen andern Dingen so
-auch in dieser Frage beginnt sich ein Wandel in den Anschauungen Bahn zu
-brechen. Das was die Fürsten und die an den Verträgen mit England
-interessierten Kreise -- im Geiste ihrer Zeit, in ihren Ideen und
-ererbten Überlieferungen befangen, sowie unter Berufung auf die
-Reichsverfassung -- zu thun für Recht hielten, wird als »Menschenhandel«
-bezeichnet. So erklärt es sich, dass bei den Verträgen des Landgrafen
-Friedrich II. und der andern beteiligten Fürsten Ausdrücke wie »Verkauf«
-und »Seelenhandel« anfangen laut zu werden, während man zu Zeiten der
-frühern Subsidien-Verträge in dem Überlassen von Truppen etwas
-Althergebrachtes, nichts Unrechtes erblickte.
-
-Viel Aufsehen hat seiner Zeit das Buch von Friedrich Kapp über den
-»Soldatenhandel« erregt. Er nennt es »Beitrag zur Kulturgeschichte des
-18. Jahrhunderts.« Niemand wird den Wert, den es hat, bestreiten. Ein
-Buch aber, das sein Entstehen einer Tendenz verdankt, wie sie der
-Verfasser im Eingang zum Ausdruck bringt, kann unmöglich Anspruch auf
-Objektivität machen. Und wer eine so leidenschaftliche Sprache wie Kapp
-führt, kann nur ein einseitiges, kein gerechtes Urteil fällen.
-
-Wie wir sehen, stützt Lowell sein Urteil über die deutschen Zustände im
-18. Jahrhundert zum grossen Teil auf die Forschungen Kapps, sowie auch
-auf Seume (dessen Zeugnis aber ebenfalls nicht kritiklos hinzunehmen
-ist). Dieser Teil des L.schen Buches wird deshalb sicher -- wenngleich
-ihn eine völlig objektive Ausdrucksweise auszeichnet -- von einer spätern
-Geschichtschreibung berichtigt und ergänzt werden. Von unbestreitbarem
-Wert wird aber ebenso sicher der Hauptteil seines Buches sein, in dem er
--- dank seiner umfassenden und gewissenhaften Quellenforschungen --
-besser, und nebenbei fesselnder, als irgend ein Geschichtschreiber vor
-ihm, uns erzählt, von welcher Art deutsche Offiziere und Soldaten waren,
-die in der »Neuen Welt« auftraten, welche Eindrücke sie von ihr bekamen,
-und dass sie unter den schwierigsten Verhältnissen ihre Schuldigkeit
-gethan haben.
-
-Zum Schluss möchte ich noch einmal darauf hinweisen: das Vermieten von
-Truppen ist eine Erscheinung im Laufe des 17. und 18. Jahrhunderts, die
-der Geschichte einer grossen Zahl von deutschen Staaten, darunter die
-bedeutendsten, angehört. Ein dunkles Kapitel deutscher Geschichte wird
-in vorliegendem Buche in Erinnerung gebracht. Dunkel sah es mehr oder
-weniger in _allen_ deutschen Landen -- in mancher Hinsicht -- um die
-Zeit des letzten Viertels des 18. Jahrhunderts aus. Gleichzeitig wissen
-wir aber zu unserm Glück, dass dieses Dunkel einem Licht hat weichen
-müssen, das uns das 19. Jahrhundert gebracht hat.
-
-_Frankfurt_ a. M., im März 1902.
-
- =v. Verschuer.=
-
-
-
-
-Vorwort
-
-
-Die Geschichte der deutschen Hülfstruppen, die im Revolutionskriege für
-Gross-Britannien fochten, hat von amerikanischen Geschichtsschreibern
-nicht den Grad von Beachtung gefunden, den ihre Wichtigkeit berechtigt
-erscheint zu verdienen. Es ist sehr viel Wesen davon gemacht worden,
-dass 7000 französische Soldaten und 19 000 französische Seeleute den
-Vereinigten Staaten bei der Belagerung von Yorktown beistanden, aber
-vergessen haben wir, dass eine Macht von zwischen 15 und 20 000
-Deutschen im Verlauf von 7 Jahren gegen uns kämpfte, dass mehr als
-29 000 zu diesem Zweck nach Amerika gebracht wurden, dass mehr als
-12 000 niemals nach Deutschland zurückkehrten. Ich weiss von keinem
-amerikanischen Geschichtsschreiber ausser Bankroft, der gründliche
-Studien über diesen Gegenstand in den Original-Quellen gemacht hätte;
-dem ganzen Charakter seines Werkes nach wäre es nicht angängig gewesen,
-die Geschichte der deutschen Truppen in ihren Einzelheiten zu schreiben.
-Doctor George Washington Greene hat interessante Auszüge aus 3
-Kapp'schen Büchern herausgegeben, und die Erzählungen der Baronesse
-Riedesel sind ins Englische übersetzt worden von William L. Stone Esq.,
-der auch den Teil von Eelkings »Leben von Riedesel«, welcher vom
-Revolutionskrieg handelt, übersetzt hat.
-
-Ich kann nicht behaupten, bei der Bearbeitung des vorliegenden Buches
-annähernd alle die sehr inhaltreichen Quellen, die die Bibliotheken und
-Archive in Deutschland enthielten, benutzt zu haben. Ich habe indessen
-deutsche Originalberichte von jedem wichtigen Engagement gefunden und
-von beinahe jedem Scharmützel im Revolutionskriege vom Jahr 1776 bis zum
-Ende, ausgenommen einige von den Gefechten, die in Carolina und Georgia
-stattfanden und in denen wenige, wenn überhaupt, Deutsche engagiert
-waren. Einige von diesen Berichten sind, glaube ich, niemals einem
-amerikanischen Schreiber vor Augen gekommen.
-
-In Deutschland haben die Verträge in Betreff der Überlassung von
-Hilfstruppen an Gross-Britannien und die Geschichte dieser Truppen
-mehr Beachtung gefunden als in Amerika. Zwei Geschichtsschreiber sind
-unter denen, die diesen Gegenstand behandelt haben, besonders
-hervorzuheben. Der eine ist Fritz Kapp, einst Mitglied des Reichstages
-und vordem in der Verbannung in Amerika. Diesem Buche verdanke ich
-sehr viel, direkt und indirekt, wegen der vielen Fingerzeige, die
-dasselbe enthält, besonders in den ersten fünf Kapiteln. Der
-andere Geschichtsschreiber ist Max von Eelking, Hauptmann in
-Sachsen-Meiningen'schen Diensten und korrespondierendes Mitglied des
-New-Yorker Geschichtsvereins. Seine zwei Werke, »Die deutschen
-Hilfstruppen im nordamerikanischen Befreiungskriege« und »Leben und
-Wirken des Herzoglich Braunschweigischen Generallieutenants Friedrich
-Adolf von Riedesel«, stellen die Geschichte vom deutschen Standpunkt
-aus dar. Hauptmann von Eelking stand ein sehr reichhaltiges Material
-zur Verfügung. Die Liste der für das erste Werk benutzten
-Handschriften (von denen viele Eigentum von Privatpersonen) enthält 38
-Nummern. Bei der Lebensbeschreibung von Riedesel hatte er die
-Erlaubnis, alle Briefe und Schriften, die der General hinterlassen, zu
-benutzen. Wenn Hauptmann von Eelking so viel Sorgfalt im Gebrauch des
-Materials als Fleiss in der Sammlung desselben entwickelt hätte, so
-würden seine Werke sehr wertvolle Beiträge zur amerikanischen
-Geschichte sein. Leider erleiden die Resultate seines Fleisses durch
-Ungenauigkeiten Einbusse. Ich habe ihn oft benutzen müssen, habe es
-aber mit Vorsicht gethan.
-
-Der Leser wird in diesem Buche Stellen finden, die mehr dem Gebiete der
-Biographie oder Anekdote als der reinen Geschichte angehören. Die
-Abenteuer von verhältnismässig unwichtigen Persönlichkeiten wie
-Wiederhold, Ewald oder Baronesse Riedesel sind mit ziemlicher
-Ausführlichkeit erzählt. Es war meine Aufgabe, einen Begriff davon zu
-geben, was für eine Art Leute die Hilfstruppen waren und was für einen
-Eindruck Amerika und die Amerikaner auf sie machten. Zu diesem Zweck
-habe ich mich nicht gescheut, scheinbar unbedeutenden, gewöhnlichen
-Stoff da zu verwenden, wo er charakteristisch geschienen hat, oder
-Meinungen und Beschreibungen anzuführen, die, obschon echt, irrig waren.
-
- =Der Verfasser.=
-
-
-
-
-Inhalt.
-
-
- Seite
- Kapitel I. Die Fürsten 1
-
- " II. Die Verträge 12
-
- " III. Die Verträge vor dem Parlament 22
-
- " IV. Die Soldaten 30
-
- " V. Von Deutschland nach Amerika 37
-
- " VI. Die Schlacht von Long-Island 1776 41
-
- " VII. Von der Okkupation von New-York bis zur Wegnahme
- von Fort Washington, 15. Sept.-16. Nov.
- 1776 51
-
- " VIII. Trenton, 26. Dez. 1776 64
-
- " IX. Der Winter 1777 75
-
- " X. Die Braunschweiger in Canada 1776 90
-
- " XI. Baronin Riedesels Reise 1776 u. 77 98
-
- " XII. Ticonderoga und Bennington, Juli und August 1777 108
-
- " XIII. Stillwater, am 19. Sept. u. 7. Okt. 1777 120
-
- " XIV. Saratoga, vom 11-16. Okt. 1777 129
-
- " XV. Die Braunschweiger in Gefangenschaft 145
-
- " XVI. Brandywine, Germantown und Redbank, September
- und Oktober 1777 160
-
- " XVII. Der Rückzug der Briten durch New-Jersey, Januar
- bis Juli 1778 170
-
- " XVIII. Newport, vom November 1776 bis Oktober 1779 174
-
- " XIX. Die Umgegend von New-York 1777-79 180
-
- " XX. Wiederholds Reise -- eine Episode -- Sept. 1779 187
-
- " XXI. Savannah, Charleston und Pensacola, 1778-1781 195
-
- " XXII. New-York in den Jahren 1780 u. 81 208
-
- " XXIII. Der Feldzug im Süden im Jahre 1781 216
-
- " XXIV. Schluss 230
-
-
- Seite
- =Anhang.=
-
- A. Quellen-Verzeichnis 241
-
- B. Die hessischen Regimenter und ihre Namen 244
-
- C. Übersicht über die Zahl der von jedem deutschen Staat nach
- Amerika gesandten Truppen und über die Zahl derer, die nicht
- zurückkehrten 248
-
- D. Verlustliste der Deutschen in den Haupt-Schlachten und
- Gefechten des Revolutionskrieges 250
-
-
- =Karten und Pläne.=
-
- 1. Schlacht von Long-Island 1776 48
-
- 2. Operationen in New-Jersey und Pennsylvanien 1776 64
-
- 3. Affaire bei Trenton 1776 74
-
- 4. Burgoynes Übergabe 1777 128
-
- 5. Schlacht von Brandywine 1777 160
-
- 6. Überfall auf Paulus Hook 1779 186
-
- 7. Lord Cornwallis Operationen im Süden 1781 216
-
- 8. Yorktown 1781 224
-
-
-
-
- Die Hessen
-
- und die andern deutschen Hülfstruppen im Kriege
- Gross-Britanniens gegen Amerika
- 1776-1783.
-
-
-
-
-Kapitel I.
-
-Die Fürsten.
-
-
-Die Stadt Cassel ist für den durchreisenden Fremden eine der
-anziehendsten in Mitteldeutschland. Ihre Galerien, Parks und Gärten,
-sowie ihre grossen Paläste erregen Bewunderung und Staunen. Hier brachte
-Napoleon III. die Monate seiner Gefangenschaft zu inmitten einer
-Umgebung, die ihn an die Grossartigkeit von Versailles erinnert haben
-möchte, welche den Schöpfern dieser herrlichen Anlagen wohl als Vorbild
-vorschwebte. Die Anlagen und Schlösser rührten hauptsächlich aus dem
-XVIII. Jahrhundert her, als die Augen der meisten Fürsten von Europa auf
-den französischen Hof gerichtet waren; und kein Hof folgte eifriger und
-konsequenter, in äusserem Gepränge wenigstens, dem Beispiel des
-französischen Hofes, als der des Landgrafen von Hessen-Cassel. Die
-Ausgaben für alle diese Bauten und Parkanlagen waren ungeheuer, aber es
-war im allgemeinen Geld im Staatsschatz. Das Land jedoch war arm. Die
-3-400 000 Einwohner lebten hauptsächlich vom Ackerbau, während die
-Landgrafen Finanzmänner waren. Es war ein einträglicher Handel, den sie
-betrieben. Nach der Ware, die sie verkauften oder ausliehen, war grosse
-Nachfrage im damaligen Jahrhundert, wie in allen Jahrhunderten, es waren
-eben _Menschen_, mit denen die Landgrafen von Hessen-Cassel Handel
-trieben. Daher kam es, dass Landgraf Friedrich II. und seine Leute in
-der amerikanischen Geschichte eine Rolle spielten und dass der Name
-»Hessen« eine landläufige Bezeichnung in den Vereinigten Staaten wurde.
-Die Landgrafen nahmen es nicht sonderlich genau mit den Ländern und den
-Abnehmern, mit denen sie in Verbindung traten. 1687 stellte einer
-derselben 1000 Mann den Venetianern für Geld zur Verfügung, um gegen die
-Türken zu fechten. 1702 dienten 9000 Hessen unter den Seemächten und
-1706 waren 11 500 Mann in Italien. England war der beste Kunde. Während
-eines grossen Teils des XVIII. Jahrhunderts hatte es Hessen in seinem
-Sold. Ein Teil derselben war bei der Armee des Herzogs von Cumberland
-während des Prätendenten Invasion 1745, aber es ist festgestellt, dass
-sie sich zu fechten weigerten, um einen Vertrag wegen Auslieferung der
-Gefangenen zu erlangen. Es würde für viele von ihnen günstig gewesen
-sein, wenn sie sich aus demselben Grunde geweigert hätten nach Amerika
-zu gehen. So wenig spielte bei den Landgrafen der Patriotismus oder die
-Politik eine Rolle, dass im Jahre 1743 Hessen gegenüber Hessen standen,
-6000 Mann, die in der Armee des Königs Georg III. von England und 6000
-Mann, die im gegnerischen Heere des Kaiser Karl VII. dienten.
-
-Die Landgrafen von Hessen waren nicht die einzigen Fürsten, die ihre
-Truppen in fremden Sold gaben. Im amerikanischen Revolutionskrieg
-überliessen sechs deutsche Fürsten ihre Soldaten an Gross-Britannien.
-Diese waren Friedrich II., Landgraf von Hessen-Cassel, Wilhelm, sein
-Sohn, unabhängiger Graf von Hessen-Hanau, Carl I., Herzog von
-Braunschweig, Friedrich, Fürst von Waldeck, Carl Alexander, Markgraf von
-Anspach-Bayreuth und Friedrich August, Fürst von Anhalt-Zerbst. Die
-Handlungsweise dieser Fürsten stand in keinem Einklang mit der Politik
-des Kaiserreichs und dem sittlichen Empfinden der damaligen Zeit, der
-Kaiser aber hatte keine Macht es zu verhindern, denn die Abhängigkeit
-von denjenigen Teilen des Reiches, die ausserhalb seiner Erblande lagen,
-war wenig mehr wie nur dem Namen nach vorhanden.
-
-Die Karte von Deutschland im XVIII. Jahrhundert zeigt ein
-ausserordentliches Flickwerk. Ueber den nördlichen Theil des Landes, von
-Osten nach Westen, aber nicht in ununterbrochener Folge, ziehen sich die
-Gebiete des Königs von Preussen. Die österreichischen Erblande, in einer
-ziemlich kompakten Masse, nehmen die südöstliche Ecke ein. Ueber die
-Grenzen dieser zwei grossen Mächte hinaus liegt Alles durcheinander.
-Kurfürstentümer, Herzogtümer, Erzbistümer, Besitzungen von Markgrafen,
-Landgrafen, Fürsten und freien Städten sind unentwirrbar
-zusammengewürfelt. Es gab beinahe 300 souveräne Staaten in Deutschland,
-neben über 1400 Besitzungen des hohen Adels, die direkt unter dem Kaiser
-standen und viele Souveränitätsrechte hatten. Einige von diesen 300
-Staaten waren nicht grösser als Stadtgebiete von Neu-England, viele
-nicht grösser als amerikanische counties. Auch war keiner derselben in
-sich geschlossen, die Besitztümer waren meist aus getrennten
-Länderteilen zusammengesetzt. Jedes kleine Fürstentum hatte seinen
-kleinen Fürsten mit seinem Hof und seiner Armee zu unterhalten. Die
-Fürsten waren regelrecht despotisch. Die Ueberreste von dem, was einst
-konstitutionelle Versammlungen gewesen waren, bestanden in manchen Orten
-noch (Landstände), aber sie repräsentierten im besten Falle nur einen
-kleinen Teil der Bevölkerung. Die Städte wurden durch die privilegierten
-Klassen verwaltet. Auf dem Lande war den Bauern in einigen Gegenden ein
-wenig Freiheit in der Verwaltung ihrer Orts-Angelegenheiten belassen,
-aber im allgemeinen waren die Bauern nicht viel besser daran wie
-Leibeigene und Gegenstand der Tyrannei einer Horde von Beamten, die bei
-jeder Gelegenheit sich einmischten. Der Handel war durch Zölle und
-Abgaben gehemmt; jeder kleine Staat hatte sein eigenes Finanz-System,
-Handel und Industrie waren durch Monopole beschränkt. An einigen Orten
-regelten drückende Gesetze die Kleidung und Kost der Bevölkerung.
-
-Vor Eintritt in das letzte Viertel des Jahrhunderts hatten in
-politischer Beziehung bessere Verhältnisse Platz gegriffen. Friedrich
-der Grosse von Preussen und Joseph II. von Oesterreich waren, jeder in
-seiner Art, erleuchtete Fürsten, und ihr Beispiel hatte viele von den
-besseren Souveränen bewogen, einigermassen für das Wohl des Volkes zu
-sorgen. Der Einfluss der freiheitlichen Bewegung in Frankreich machte
-sich ebenfalls fühlbar. Aber die Ideen von politischer Freiheit hatten
-selbst bei den am weitesten vorgeschrittenen Geistern in Deutschland
-kaum Eingang gefunden. Die gute oder schlechte Gesinnung des Fürsten
-stand nicht _mehr_ unter dem Einfluss der öffentlichen Meinung als der
-Zustand des Wetters. Die Lehre vom passiven Gehorsam war an der
-Tagesordnung, obschon nicht völlig unbestritten. Wenn, wie ein
-Geschichtsschreiber in Betreff politischer Verhältnisse
-auseinandersetzte, es die Pflicht des Untergebenen wäre zu gehorchen,
-selbst wenn sein Fürst aus reiner Willkür sein Leben von ihm fordern
-würde, so kann man hoffen, dass es ebenso richtig war, wenn ein anderer
-Geschichtsschreiber sagte, dass »in fürstlichen Häusern alle Tugenden
-erblich sind«.
-
-Wir wollen nun etwas eingehender die speziellen Erben aller Tugenden
-betrachten, die Söldner nach Amerika sandten.
-
-Der bedeutendste von ihnen war Friedrich II., Landgraf von
-Hessen-Cassel. Dieser Fürst war der katholische Fürst eines
-protestantischen Landes. Seine erste Gemahlin war eine englische
-Prinzessin, eine Tochter Georg II. Sie hat sich bei seinem Uebertritt
-zum Katholizismus nur von ihm getrennt und nach Hanau zurückgezogen mit
-seinem vorzüglichen Sohn, von dem ich sogleich sprechen werde.
-
-Friedrich hatte in Cassel ein fröhliches Leben geführt. Er hatte eine
-abgedankte Maitresse des Herzogs von Bouillon zu sich genommen, aber er
-hielt nicht viel von der Treue und soll mehr als 100 Kinder gehabt
-haben. Es wurde ein französisches Theater und eine Oper mit
-französischem Ballet unterhalten. Französische Abenteurer mit guten
-Empfehlungen waren willkommen und erhielten selbst verantwortliche
-Stellungen im Staat. Der Hof war nach französischem Muster eingerichtet.
-Französisch war ebenfalls -- und ist es noch lange nachher geblieben --
-die Sprache der Fürsten, Hofmänner und Diplomaten. In dieser Sprache
-korrespondierte Friedrich der Grosse mit vielen seiner Verwandten, seine
-Schwester schrieb darin ihre Memoiren, und französisch wurde gesprochen
-am Hofe des kleineren Friedrich, welchen wir vor Augen haben.
-
-Zur Zeit der amerikanischen Revolution lebte der Landgraf mit seiner
-zweiten Frau. Er war ungefähr 60 Jahre alt und scheint damals etwas
-gesetzter geworden zu sein. Er war ein tüchtiger Regent. Seine Truppen,
-durch Konscription ausgehoben und nach preussischem System gedrillt,
-bestanden aus guten Soldaten. Seine Armee zählte im Jahre 1781 22,000
-Mann, während die Bevölkerung seiner Gebiete wenig mehr als 300,000
-Seelen betrug; aber viele Fremde wurden zum Dienen angeworben. Ein Teil
-wurde nicht ununterbrochen bei der Fahne gehalten, sondern während des
-grössten Teils des Jahres beurlaubt, um nur auf einige Wochen zu den
-Uebungen eingezogen zu werden. Friedrich nahm grosses Interesse an
-seiner Armee und korrespondierte mit seinen Offizieren in Amerika um
-allen seinen Einfluss nutzbringend fühlen zu lassen. Auch bekümmerte er
-sich um die inneren Angelegenheiten des Landes und hinterliess bei
-seinem Tode einen vollen Staatsschatz. Er gründete Schulen und Museen
-und liebte wie seine Vorfahren, Prachtbauten. Als er 12,000 Mann nach
-Amerika sandte, setzte er die Steuern für deren Hinterbliebene
-herunter, und, obschon diese, traurig und niedergeschlagen, ihre Söhne
-und Brüder, die jenseits des Ozeans für fremde Interessen kämpfen
-mussten, betrauerten, so verdient Friedrich von Hessen-Cassel in
-gewisser Hinsicht Nachsicht im Urteil, da er immerhin persönliche Würde
-zeigte und einer der wenigst scrupellosen Fürsten war, die Söldner nach
-Amerika schickten.
-
-Wilhelm, der älteste Sohn und voraussichtliche Erbe Landgraf Friedrichs,
-regierte während der Revolution die unabhängige Grafschaft Hanau, die
-einige Meilen östlich von Frankfurt am Main lag. Wilhelm stand seinem
-Vater nach an Würde, kam ihm aber gleich an Sinnlichkeit. Im August
-1775, als man in Deutschland von der Nachricht der Schlacht von Bunker
-Hill noch ganz erfüllt war, beeilte sich der Erbprinz, Georg III. ein
-Regiment anzubieten »ohne die geringsten Bedingungen«. Trotz der
-Beteuerung seiner uneigennützigsten Ergebenheit erhielt er schliesslich
-einen höhern Preis für den gestellten Mann als einer seiner Mitbewerber,
-ausgenommen seinen durchlauchtigen Vater. Die Höfe von Cassel und Hanau
-standen nicht auf gutem Fusse. Seitdem der Landgraf den Glauben
-gewechselt hatte, lebte er mit seiner Gemahlin und seinen Erben in
-Streit. Aber die Lebensweise seines ältesten Sohnes unterschied sich
-nicht sehr von seiner eigenen. Als Wilhelm ein natürliches Kind zu
-unterhalten hatte, schlug er den Preis eines jeden Sackes Salz, den
-seine Unterthanen von den Salzminen brachten, um einen Kreuzer auf und
-gab die so erhaltenen Einkünfte dem Kinde. Als seine Nebenkinder die
-Zahl 74 erreicht hatten, mussten die ärmeren seiner Unterthanen mit dem
-Salz sparsam umgehen. Einer seiner Bastarde war jener General von
-Haynau, welcher in österreichischen Diensten Grausamkeiten in Italien
-1849 beging, der in Brescia Frauen peitschen liess und nachher in London
-vom Pöbel misshandelt wurde. Wilhelms Maitresse war während vieler
-Jahre ein Fräulein von Schlotheim, die ihm zuerst entlief aber von den
-eigenen Eltern zurückgeschickt wurde. Nach den Worten einer Dame in
-Cassel »konnte der hessische Adel diesen Vorteil nicht entbehren«.
-Obschon der Fürst im Jahre einige 12,000 Pfund Sterling als Subsidien
-für die Sendung von Truppen nach Amerika erhielt, so glaubt doch Kapp,
-dass er keine Steuern erliess, ausser den Frauen und Kindern der
-Soldaten der Expedition oder solche Steuern, die vom Eigentum der
-Soldaten erhoben wurden, die weder Frauen noch Kinder hatten. Dass die
-nachher erwähnten Fürsten Steuern erlassen hatten, habe ich nicht
-erfahren, aber meine Quellen mögen lückenhaft sein.
-
-Herzog Carl I. regierte über Braunschweig-Lüneburg und der Erbprinz Carl
-Wilhelm Ferdinand hatte sich mit ihm in der Regierung vereinigt. Der
-Letztere hatte eine Schwester König Georg III. geheiratet. Das Land
-hatte nur ungefähr 150,000 Einwohner und die Fürsten waren tief in
-Schulden. Carl war verschwenderisch und der siebenjährige Krieg war sehr
-kostspielig gewesen. Es waren Versuche gemacht worden, den Finanzen
-durch Alchemie aufzuhelfen, aber das Gold war im Rauchfang verflogen
-oder hatte seinen Weg in die Taschen der Alchemisten genommen, denn es
-war keins in den Schmelztöpfen gefunden worden. Ein italienischer
-Theater-Direktor erhielt ein Salair von 30,000 Thalern jedes Jahr,
-während Lessing, der bereits der Autor von »Emilia Galotti« und »Minna
-von Barnhelm« war, als Archivar für eine Kleinigkeit diente. Prinz Carl
-Wilhelm Ferdinand war ein besserer Haushalter als sein Vater. Die
-Lotterie, ein in jener Zeit modernes Mittel um Geld zu machen, war unter
-der Leitung eines Staatsministers eingerichtet worden, und brachte viel
-Geld ein, denn obschon der Herzog von Braunschweig weniger pro Kopf an
-Subsidien für die Sendung von Soldaten nach Amerika als irgend ein
-anderer Fürst erhielt, so war er doch im Stande, für sein Korps von
-4300 Mann 160,000 Pfund in die Tasche zu stecken, bevor der Krieg
-beendigt war.
-
-Die kleinen Gebiete von Anspach und Bayreuth, die zusammen ungefähr
-400,000 Seelen enthielten, waren kurz vorher unter der Regierung des
-Markgrafen Carl Alexander vereinigt worden. Keines von beiden Ländern
-war unter seinen Souveränen glücklich gewesen. Beide Länder hatten zu
-Zweigen der grossen Hohenzollern-Familie gehört, deren Hauptlinie
-bereits in Preussen den Grund zu der Macht gelegt hatte, welche ihr
-heute den ersten Platz in Europa gegeben hat. Aber den Markgrafen von
-Anspach und Bayreuth fehlte die Geschicklichkeit, welche der rauhen
-Strenge König Friedrich Wilhelms, des Vaters Friedrichs des Grossen, zu
-Grunde lag.
-
-Von diesem Friedrich Wilhelm haben wir ein lebendiges Bild in den
-Memoiren seiner Tochter Wilhelmine. Wie er seine Kinder mit dem Stock im
-Zimmer herumjagte, wie Wilhelmine sich unter dem Bett verbarg und
-Friedrich im Kloset, wie der König grosse Soldaten liebte und seiner
-Gemahlin gegenüber tobte, ist da genau erzählt. Mit der ausdrücklichen
-Absicht, ihre Geschichte heiterer zu machen, erzählt die Prinzessin, wie
-ihr Vater, der im Allgemeinen der keuscheste der Monarchen war,
-versuchte, eine Hofdame auf der Treppe zu küssen und wie sie ihn in's
-Gesicht schlug, so dass seine Nase blutete. Wilhelmine vermählte sich
-mit einem Markgrafen von Bayreuth, und ihre Schwester Friederike Louise
-mit einem Markgrafen von Anspach; letztere aber lebte nicht auf gutem
-Fusse mit ihm.
-
-Dieser Markgraf von Anspach war gutmütig in seiner Weise und gütig, wenn
-er nicht schlecht gelaunt war. Er liebte es, seinen Dienern kleine
-Gnadenbeweise zu geben, und ihnen persönlich davon Mitteilung zu machen.
-Er erlaubte bereitwillig, den Kranken Leckerbissen aus seiner Küche
-zukommen zu lassen. Wenn er nicht betrunken war, so war er geneigt, bei
-Verbrechern die Todesstrafe in Freiheitsstrafe zu verwandeln, falls sie
-sich nicht eines so schrecklichen Verbrechens schuldig gemacht hatten,
-wie der Überredung von Soldaten, zu desertieren, an seinem Hof zu
-stehlen oder zu wilddieben; aber seine militärischen Exekutionen waren
-barbarisch. Der Markgraf war regelmässig in seinem Kirchenbesuch und
-geneigt, Kirchen, Schulen und Hospitäler zu gründen. Er wäre deshalb
-wohl von seinen Unterthanen geliebt worden, wenn nicht seine ungezähmte
-Laune, und die Excesse, in die sie ihn führte, gewesen wären. Als er
-einmal gehört hatte, dass seine Hunde nicht gut gefüttert wurden, ritt
-er zu dem Haus des Mannes, der sie in Verwahrung hatte, rief ihn an die
-Thür und erschoss ihn an der eigenen Thürschwelle. Als ein Gastwirt
-wegen eines kleinen Diebstahls geklagt hatte, liess der Markgraf den
-Dieb hängen. Im Jahre 1747 war ein Dienstmädchen ohne Untersuchung
-gehängt worden, weil es einem Soldaten zur Flucht verholfen hatte. Als
-der Markgraf eines Tages aus seinem Schloss ritt, hielt er still und
-ersuchte den Wachtposten, der der Stadtwache angehörte und kein
-regulärer Soldat war, um sein Gewehr. Der arme Bursche, der nicht
-argwöhnisch war, gab es her, worauf der Markgraf ihn einen Feigling und
-Schuft nannte und ihn von zwei Husaren an den Schwänzen der Pferde durch
-den Mühlteich schleifen liess, an welcher Behandlung der Mann starb.
-Einer seiner Stallmeister, mit Namen von Reitzenstein, obschon
-habsüchtig und verderbt, war beim Volke beliebt, weil er einigemal diese
-Excesse mässigte. Bei einer Gelegenheit machte ein Schafhirt mit der
-Herde nicht schnell genug Platz für den Markgrafen wodurch Seiner
-Durchlauchtigsten Hoheit Pferd scheute. Der Markgraf forderte des
-Stallmeisters Pistolen um den Burschen niederzuschiessen. »Sie sind
-nicht geladen,« antwortete von Reitzenstein. Indessen kurz bevor sie zu
-Hause anlangten, zog der Stallmeister beide Pistolen heraus und feuerte
-sie in die Luft. Paff! Paff! »Was ist los?« schrie der erschrockene
-Markgraf. »Mein gnädiger Herr,« antwortete der andere, »ich glaube, Sie
-werden diese Nacht viel besser schlafen, nachdem sie den Krach der
-Pistolen jetzt, als eine Stunde vorher gehört haben.«
-
-Es war sehr gefährlich, des Markgrafen Handlungsweise zu kritisieren.
-1740 war ein gewisser Christoph Wilhelm von Rauber angeschuldigt,
-Karrikaturen und Schmähschriften verbreitet zu haben. Deswegen war er
-verurteilt worden, sich auf den Mund zu schlagen, doch mit der
-Verschärfung, dass es für ihn der Scharfrichter thun sollte, ferner
-sollte er sehen, wie der Letztere seine Schmähschriften verbrannte, und
-zuletzt geköpft werden, welch letztere Strafe gnädig in lebenslängliches
-Gefängnis und Konfiskation umgewandelt wurde.
-
-Carl Alexander, der Sohn dieses grausamen Markgrafen scheint etwas
-menschlicher als sein Vater gewesen zu sein. Er war in seiner Jugend
-nach Utrecht geschickt worden, um Staats-Wissenschaften zu lernen und
-dann nach Italien, wahrscheinlich um sich fürstliche Tugenden
-anzueignen. Er kehrte, durch Ausschweifungen abgelebt, zurück, welches
-sein Vater dem Reisebegleiter, Rath Meyer Schuld gab. Der letztere wurde
-in Zelle eingekerkert, sein späteres Schicksal ist unbekannt. Einer
-anderen Erzählung zufolge wurde er in Altenkirchen hingerichtet.
-
-Im Jahre 1777 war Carl Alexander, der Markgraf von Anspach und Bayreuth
-geworden, tief in Schulden und entzückt durch die Gelegenheit zwei
-seiner Regimenter in fremden Sold zu geben. Rekruten und Ersatzleute
-waren in Zeitabschnitten hinausgesandt worden, bis eine Totalsumme 2353
-erreicht war, für deren Dienste der Markgraf mehr als 100,000 Pfd.
-erhielt. Carl Alexander war der letzte Markgraf von Anspach und
-Bayreuth. Im Jahre 1791 verkaufte er beide Länder an Preussen, für eine
-Pension, von welcher er nachher in England lebte, wo er 1806 starb.
-
-Neben den Markgrafen von Anspach scheinen die Fürsten von Waldeck
-ziemlich beachtenswert. Allerdings gebrauchten sie ihr kleines Land
-hauptsächlich als Domäne um Leute für den Holländischen Markt
-aufzuziehen, aber sie selbst fochten mit Auszeichnung für dasselbe Land.
-Das Ausrüsten von Truppen für Amerika war mehr ein Neben-Geschäft, denn
-die ganze ausgeschickte Anzahl betrug nur 1225 Soldaten.
-
-Friedrich August, Fürst von Anhalt-Zerbst, kann als die Karrikatur eines
-kleinen deutschen Fürsten seiner Zeit angesehen werden. Er regierte über
-einige 20,000 Seelen, aber man kann nicht sagen, dass er sie regiert
-hat, denn die letzten 30 Jahre seines Lebens brachte er in Basel und
-Luxemburg zu. Selbst da fand er, dass seine Unterthanen ihm störend
-werden könnten, und verbot bei Strafe der Entlassung, durch eine formell
-gedruckte Ordre, dass ihn einer seiner Beamten mit den Angelegenheiten
-seines Landes behelligte. Er war nicht übermässig streng, indessen hatte
-er auf der Insel Wangeroog einen Galgen errichten lassen als
-Schreckmittel für die Austern-Stehler. Seine Armee von 2000 Mann, und
-diese noch dazu mehr auf dem Papier, zählte nicht weniger als 11
-Obersten, doch als es dazu kam, 600 Mann nach Amerika zu senden, musste
-er über die Grenzen des Landes hinausgehen, um nicht nur Soldaten
-sondern auch Offiziere zu finden. Das kleine Fürstentum war so zu sagen
-in Kommission und wurde durch einige wenige Privat-Räte verwaltet. Es
-hatte weder Kunst noch Industrie, und hatte durch Krieg, Hungersnot,
-Pest und Hochwasser gelitten. Aber es war ein Land, das sehr hohe
-Beziehungen hatte. Die Schwester des Fürsten war die Kaiserin Catharina
-II von Russland. Der Fürst selbst, obschon er fern vom Lande wohnte,
-fühlte trotzdem die Höhe seiner Stellung und hatte ein mitfühlendes Herz
-für Monarchen, wo nicht für Unterthanen. Als er hörte, dass gottlose
-Franzosen ihren König Louis XVI enthauptet hatten, verfiel er in
-Melancholie, verweigerte Essen und Trinken und starb, wie er gelebt
-hatte, als Parodie, die Karrikatur eines königlichen Märtyrers.
-
-
-
-
-Kapitel II.
-
-Die Verträge.
-
-
-Aus den Verhandlungen zwischen dem Hof von Grossbritannien und den
-deutschen Fürsten zur Anwerbung von Soldtruppen für den Krieg in Amerika
-ist ersichtlich, wie begierig man auf beiden Seiten war, zu einem
-Resultat zu gelangen. England gebrauchte Leute, die Fürsten Geld, und
-während die Letzteren sich bemühten so hohe Subsidienbeträge wie möglich
-zu bekommen, war die Hauptsorge des Kabinets von Lord North, die
-höchstmögliche Anzahl von Soldaten ohne Verzögerung zu erhalten.
-Friedrich Kapp, der deutsche Geschichtsschreiber dieses Handels, meint,
-dass Colonel William Faucitt, der Britische Kommissionär und
-General-Bevollmächtigte in dieser ganzen Angelegenheit, zu weitgehende
-Zugeständnisse bei Aufstellung der Bedingungen machte. Dies scheint
-jedoch nicht die Ansicht des Earl of Suffolk, North's Sekretär der
-auswärtigen Angelegenheiten, gewesen zu sein, da er sich fortgesetzt mit
-seinem Agenten sehr zufrieden erklärte.
-
-Das britische Kabinet war in seinen Hoffnungen, die es darauf gesetzt
-hatte, im Sommer und Herbst 1775 20,000 Mann von Russland zu bekommen,
-getäuscht worden. Ebenso zerschlugen sich die Verhandlungen in betreff
-eines sogenannten Schottischen Regiments, das gegenwärtig in
-holländischen Diensten war. Fünf Bataillone Hannoverischer Unterthanen
-Georg III. wurden nach Gibraltar und Minorca schleunigst entsandt, um
-die Engländer, die in diesen Festungen als Besatzung dient, für andere
-Zwecke frei zu machen. So war keine andere Hülfe zu gewärtigen als von
-den kleinen unabhängigen deutschen Fürstentümern.
-
-Der Erbprinz von Hessen-Cassel, gleichzeitig regierender Graf von
-Hessen-Hanau, hatte geschrieben, um Seiner Majestät von England seinen
-Eifer und seine Ergebenheit -- »dem besten der Könige« -- auszudrücken
-und ihm die Dienste seines Regiments von 500 Mann anzubieten, »alles
-Landeskinder, die ich dem Schutze Euerer Majestät anvertraue, und die
-alle mit mir bereit sind, ihr Leben und Blut in Dero Diensten zu
-opfern.« Man darf aber nicht glauben, dass der Prinz daran dachte, sein
-eigenes kostbares Leben in Gefahr zu bringen, und der Ausdruck von der
-Opferfreudigkeit seiner Unterthanen war auch nur eine reine Phrase. Der
-Fürst von Waldeck schrieb im November 1775 in ähnlicher Art, indem er
-600 Mann anbot. Seine Offiziere und Soldaten, ebenso wie ihr Fürst,
-verlangten nichts besseres, als eine Gelegenheit zu finden, sich für
-Seine Majestät zu opfern.
-
-Der Herzog von Braunschweig-Lüneburg und der Landgraf von Hessen-Cassel
-boten zwar ihre Dienste nicht an, Colonel Faucitt fand aber keine
-Schwierigkeiten in Verhandlungen mit ihnen einzutreten. Der Markgraf von
-Anspach-Bayreuth machte im Herbste 1775 ein Anerbieten von zwei
-Bataillonen, aber der betreffende Vertrag mit ihm kam erst nach mehr als
-einem Jahre zu Stande, und im Oktober 1777 wurde mit dem Fürst von
-Anhalt-Zerbst ein Übereinkommen getroffen, für dessen Zustandekommen er
-Alles that, was in seinen Kräften stand. Anerbietungen von Truppen von
-Seiten des Kurfürsten von Baiern und des Herzogs von Württemberg führten
-zu keinem Resultat, einesteils wegen der schlechten Beschaffenheit und
-Ausrüstung der angebotenen Soldaten und andernteils, Letzteren
-betreffend, wegen der Schwierigkeiten, die Friedrich der Grosse wegen
-Durchpassierens seiner Besitztümer machte. Anerbietungen mehrerer
-anderer kleiner deutscher Fürsten führten zu nichts.
-
-Der Vertrag, der zuerst abgeschlossen wurde, war der mit dem Herzog von
-Braunschweig. Er ist datiert vom 9. Januar 1776. Der Herzog stellt darin
-Sr. Britannischen Majestät 3964 Mann Infanterie und 336 unberittene
-Dragoner zur Verfügung. Dies Korps sollte auf Kosten des Herzogs
-vollkommen ausgerüstet werden, ausgenommen die Pferde der leichten
-Kavallerie. Sie sollten von Braunschweig in zwei Teilen marschieren im
-Februar und März, und der König war verpflichtet Massnahmen zu treffen,
-um Desertionen während des Marsches durch Kurfürstlich Hannoversches
-Gebiet auf dem Wege zur Küste zu verhindern. Der König sollte sie
-bezahlen und verpflegen wie seine eigenen Soldaten, und der Herzog
-sollte sich verpflichten, sein Korps in den vollen Genuss der von Sr.
-Britannischen Majestät genehmigten Geld-Verpflegung gelangen zu lassen,
-mit andern Worten, den Leuten keine niedrigere Löhnung zu zahlen und die
-Differenz in die Tasche zu stecken. Die Britische Regierung traute ihm
-jedoch nicht. Von der Zeit der Ankunft der Truppen in Amerika an wurde
-die Löhnung direkt dorthin geschickt, um sie nicht durch die Hände Sr.
-Hoheit des Herzog gehen lassen zu müssen. Diese Vorsichtsmassregel war
-bei allen deutschen Hilfstruppen angewandt worden mit Ausnahme derer von
-Hessen-Cassel, dessen Landgraf es gelang, die Geldwirtschaft selbständig
-zu führen. Die Braunschweig'schen Soldaten sollten in Britischen
-Hospitälern gepflegt werden, und die Verwundeten, die nicht mehr
-dienstfähig wären, auf Kosten des Königs nach Europa transportiert und
-in einem Hafen der Elbe oder Weser gelandet werden. Der Herzog war
-einverstanden damit, die jährlich für das Korps notwendig werdenden
-Rekruten auszuheben, zu disziplinieren und auszurüsten, aber wenn es
-sich ereignen sollte, dass eins der Regimenter, Bataillone oder eine
-Kompagnie aussergewöhnlich Verlust erleiden sollte, entweder in einer
-Schlacht, bei einer Belagerung oder durch eine Epidemie, oder durch den
-Verlust eines Transportschiffes auf der Fahrt nach Amerika, so sollte
-Se. Britannische Majestät für den Schaden aufzukommen haben an
-Offizieren und Soldaten und die Kosten tragen für die Rekruten, die
-nötig würden, um die Korps wieder auf ihren alten Etat zu bringen.
-
-Der Herzog sollte die Offiziere ernennen und die vakanten Stellen
-besetzen. Er verpflichtete sich, dazu geeignete Leute zu wählen. Die
-Rechtspflege reservierte er für sich. Es wurde festgesetzt, dass seine
-Truppen nicht zu aussergewöhnlichen Dienstleistungen herangezogen werden
-sollten, die ausser Verhältnis ständen zu den Anforderungen, wie sie an
-die übrige Armee gestellt wurden.
-
-Der König von England verpflichtete sich, Seiner Hoheit unter dem Titel
-Werbegeld für jeden Soldaten den Betrag von 30 Kronen oder 7 Pfund 4
-Schilling 4-1/2 Pence zu zahlen. Ausserdem hatte er jährlich an
-Subsidien 11,517 L. 17 S. 1-1/2 P. vom Tage der Unterzeichnung des
-Vertrages an, so lange die Truppen in seinem Sold ständen, zu zahlen,
-und das doppelte dieser Summe (also 23,035 L. 14 S. 3 P.) noch zwei
-Jahre nach Rückkehr der Truppen in das Gebiet Seiner Hoheit. In
-Anbetracht der Eile, mit der die Truppen ausgerüstet waren, gewährte Se.
-Majestät den Sold für zwei Monate vor dem Ausrücken und übernahm alle
-Unkosten von der Zeit an nach dem Verlassen ihrer Standquartiere.
-
-Noch eine Bedingung in diesem Vertrage verdient hervorgehoben zu werden,
-da sie die wohlberechtigte Entrüstung aller derer erregt hat, die dieses
-Handeln mit Menschenblut verdammt haben. Es heisst darin: »Dem Herkommen
-entsprechend sollen drei Verwundete einem Gefallenen gleich gerechnet
-werden; für einen Gefallenen soll der Satz bezahlt werden, wie er bei
-dem Werbegeld für den Einzelnen festgesetzt ist.« Diese Clausel, die in
-dem darauf folgenden Vertrag mit Hessen-Cassel nicht verzeichnet steht,
-befindet sich in dem Vertrag mit Braunschweig in demselben Artikel, in
-welchem die Bedingung betreffs Vergütung für aussergewöhnliche Verluste
-durch Schlachten, Epidemien und Schiffbrüche enthalten ist. Man könnte
-es so verstehen, dass der König von England sich verpflichtete, für
-jeden Rekruten, der an Stelle eines gefallenen Braunschweigers treten
-würde, die Kosten tragen sollte, dass aber für jeden Deserteur oder für
-jeden an einer Krankheit verstorbenen der Herzog einen anderen Mann zu
-stellen hätte, es sei denn, dass eine ungewöhnlich verheerende Epidemie
-ausbräche. Aber wenn man der Sache diese Auslegung giebt, wie verhält es
-sich mit den »drei Verwundeten«? Kapp verwirft diese Erklärung, und
-behauptet, dass für neue Rekruten Werbegeld gezahlt wurde ausser den 30
-Kronen für die Gefallenen und Verwundeten, und dass dieses Blutgeld vom
-Fürsten in die Tasche gesteckt wurde, anstatt dass es die Familien des
-Gefallenen oder der Verwundete selbst erhielt. Jedenfalls steht die
-Thatsache fest, dass der Herzog von Braunschweig kontraktlich die Summe
-von ungefähr 35 Dollars für jeden, der in der Schlacht fallen würde, und
-11 Dollars 36 cent für jeden Verkrüppelten zu bekommen hatte. Es ist
-wahrscheinlich jetzt nicht mehr möglich nachzuweisen, wieviel England in
-Wirklichkeit hierfür ausgezahlt hat. Die Bezahlung war auf den
-Rechnungen, die dem Parlament von dem Kriegs-Ministerium eingereicht
-wurden, nicht in einzelnen Posten aufgeführt. Kapp glaubt, dass dem
-Kabinet die Kritik, die dieser Punkt herausgefordert haben würde, nicht
-angenehm gewesen wäre.
-
-Der Vertrag mit Hessen-Cassel, datiert vom 15. Januar 1776; er
-unterscheidet sich von dem mit Braunschweig hauptsächlich dadurch, dass
-er sich für den deutschen Hof günstiger stellte. In erster Linie wurde
-der König von Gross-Britannien veranlasst, ein Schutz- und Trutz-Bündnis
-mit dem Landgrafen von Hessen-Cassel zu schliessen. Die Hessischen
-Truppen sollten geschlossen unter der Führung ihres Generals bleiben,
-wenn nicht die Kriegsverhältnisse eine Teilung notwendig machen würde.
-Die Kranken sollten in der Pflege der eigenen Ärzte und anderer Leute
-bleiben, welche die Hessischen Generale zu ernennen hätten; und es
-sollte ihnen Alles, was der König seinen eigenen Truppen zu Teil werden
-liesse, ebenfalls zugestanden werden. Nach diesem Vertrage war der
-Landgraf verpflichtet, 12,000 Mann aufzubringen, sie vollständig
-auszurüsten und, wenn gewünscht auch Artillerie zuzuteilen. Es wurde
-derselbe Satz Werbegeld wie an den Herzog von Braunschweig gezahlt, also
-30 Kronen oder 7 £. 4 Sch. 4-1/2 Pfg. für jeden Mann. Die Subsidien
-waren jedoch im Verhältnis höher, sie betrugen 450,000 Kronen oder
-108,281 £ 5 Sch. pro Jahr und wurden (aber nicht verdoppelt) noch ein
-weiteres Jahr nach Rückkehr der Truppen nach Hessen gezahlt. Der
-Landgraf stellte später noch mehrere kleinere Kontingente auf, für die
-er besondere Verträge abschloss. Nach ungefährer Schätzung bestand der
-Vorteil, den der Landgraf über den Herzog erlangte, darin, dass --
-abgesehen von dem obenerwähnten Blutgeld, worüber genauere Angaben
-fehlen und abgesehen von den Sporteln, die die hohen Rivalen noch
-bekamen und wenn man nur das Werbegeld und die Subsidien rechnet -- der
-Landgraf von Hessen-Cassel mehr als das Doppelte für jeden nach Amerika
-geschickten Mann wie der Herzog von Braunschweig bekam. Hierzu kam noch,
-was ausserhalb des Vertrages lag, dass der Landgraf Ansprüche auf eine
-alte Schuld vom siebenjährigen Kriege her geltend machte, die früher
-nicht anerkannt worden war. Sie betrug 41,820 £. 14 Sch. 5 Pfg.
-
-Die Verträge mit den kleineren Staaten Hessen-Hanau, Waldeck,
-Anspach-Bayreuth und Anhalt-Zerbst unterschieden sich in den Grundzügen
-nicht von den oben beschriebenen. Keiner von ihnen war für die Fürsten
-ganz so günstig wie der Vertrag mit Cassel, keiner ganz so günstig für
-England wie der mit Braunschweig. Die Blutgeld-Klausel findet sich in
-den Verträgen mit Hanau und Waldeck, aber nicht in dem mit Anspach.
-
-Von Zeit zu Zeit wurden mit mehreren der oben erwähnten kleineren
-Fürsten Händel wegen Gestellung von Ersatzmannschaften abgeschlossen.
-Jäger und Scharfschützen waren besonders gesucht.
-
-Jedes Jahr wurden Rekruten zu den verschiedenen Truppenteilen nach
-Amerika gesandt. Die Gesamtsumme der Leute setzt sich nach Kapp wie
-folgt zusammen aus:
-
- Braunschweig 5 723
- Hessen-Cassel 16 992
- Hessen-Hanau 2 422
- Anspach-Bayreuth 2 353
- Waldeck 1 225
- Anhalt-Zerbst 1 152
- --------------
- Zusammen: 29 867
-
-Von diesen segelten etwas mehr als 18 000 Mann im Jahre 1776 nach
-Amerika. Von dieser Gesamtsumme von beinahe 30,000 Mann kehrten 12,554
-nicht wieder nach Deutschland zurück. Ausser den Kontingenten, die durch
-die Verträge mit den deutschen Fürsten nach Amerika gesandt wurden,
-diente noch eine gewisse Anzahl Deutscher in Englischen Regimentern, von
-denen einige Aushebungs-Stationen am Rhein hatten.
-
-Es ist schwer zu sagen, wie diese Händel zwischen England und den
-deutschen Fürsten von der öffentlichen Meinung in Deutschland damals
-beurteilt wurden. Schlözer's »Briefwechsel«, das erste deutsche Journal
-dieser Periode, kam in Göttingen, dem Hannoverschen Gebiet Georg's III.
-zugehörig, heraus. Es enthält viele Aufsätze über den Amerikanischen
-Krieg, die alle von Englischer Seite geschrieben sind mit der einzigen
-Ausnahme eines Briefes an Baron Steuben, der auf Seiten der Kolonien
-focht. Der Brief ist obendrein von dem Herausgeber in einer den
-Amerikanern übel gesinnten Weise mit Anmerkungen versehen. Dieser Ton
-mag vielleicht Schlözer durch die Umstände aufgezwungen worden sein, da
-die Presse in Deutschland mehr geduldet als frei war. Ein interessantes
-kleines Buch wurde in Wolfenbüttel bei Braunschweig im Jahre 1778
-veröffentlicht. Es enthält eine Beschreibung von Amerika, seiner
-Produkte, Geographie, seine Geschichte und eine vorzügliche Karte. Der
-Verfasser des Buches ist den Kolonisten durchaus feindlich gesinnt. Die
-Sendung von mehr als 17000 Deutschen nach Amerika ist nur kurz, man
-möchte sagen, nebenbei erwähnt, dagegen sind die ersten Operationen in
-diesem Kriege, und speziell dieser Hilfstruppen ziemlich ausführlich
-behandelt und doch war die Anwesenheit so vieler Deutscher in Amerika
-zweifellos der Hauptgrund für das Entstehen des Buches. Auch ist es
-billig, dass in jenen Tagen ein Aufruhr viel schärfer beurteilt wurde
-als heut zu Tage, und dass ein solcher in den Augen von konservativ
-denkenden Leuten nicht als ein politischer Fehler sondern als ein
-abscheuliches Verbrechen galt.
-
-Ganz verschieden davon war die Art, in welcher die Liberalen Europas
-über den Krieg und die Söldner urteilten. Die Prinzipien, die im Begriff
-waren, der französischen Revolution die Wege zu ebnen, brachen sich
-Bahn, und einige der Darsteller dieses grossen Dramas begannen auf der
-Bühne zu erscheinen. Mirabeau, als Flüchtling in Holland weilend,
-veröffentlichte ein Pamphlet gerichtet »An die Hessen und andere
-deutsche Volksstämme, die von ihren Fürsten an England verkauft sind.«
-Es ist die Mirabeau'sche Schrift ein beredter Protest gegen die Raubgier
-der Fürsten und ein herrlicher Tribut, der dem Patriotismus der
-Amerikaner gezollt wird. Das Genie Mirabeau's konnte weit genug in die
-Zukunft sehen, um zu erkennen, dass der Nord-Amerikanische Kontinent
-einst ein Asyl für die Unterdrückten aller Nationen werden würde. Der
-gegen den Landgrafen von Hessen-Cassel geführte Schlag traf sein Ziel.
-Letzterer versuchte nicht nur die ganze Auflage des Pamphlets
-aufzukaufen, sondern veranlasste auch die Veröffentlichung einer
-Antwort, die wiederum eine Entgegnung zur Folge hatte, in welchem der
-zukünftige Tribun die Ansicht vertritt, dass ein Angriff auf die
-Freiheit der Nationen das grösste aller Verbrechen sei. In demselben
-Sinne schrieb Abbé Raynal und Andere, von denen einige zu dieser Zeit in
-Europa besser bekannt waren als Mirabeau, und gegen den ein
-Zeitungskrieg losbrach, der in den holländischen Zeitungen ausgefochten
-wurde, die damals die einflussreichsten, weil freisten auf dem Kontinent
-waren. In der Landes-Bibliothek in Cassel befindet sich ein
-interessantes kleines Pamphlet, herausgegeben im Jahre 1782 in
-französischer Sprache und ebenso in Deutsch. Dies Pamphlet war von
-Schlieffen, dem Gesandten Landgraf Friedrichs II., geschrieben. Der
-Schreiber weist auf die alte Erfahrung hin, dass die Menschen in allen
-Zeitaltern sich gegenseitig umgebracht hätten, dass die Schweizer lange
-Zeit gewöhnt gewesen als Söldner zu fechten, dass 10,000 Griechen unter
-Xenophon dasselbe gethan hätten, und er hielte es für ungerecht, seine
-Zeitgenossen für eine Sache zu tadeln, die in dem natürlichen Instinkt
-der Menschheit begründet läge. Er konstatierte, dass das gegenwärtige
-Vermieten von Truppen der zehnte Fall dieser Art seit Anfang des
-Jahrhunderts sei. Er wies auf die Wohlthaten hin, die der Landgraf
-seinem Lande hatte zu Teil werden lassen, und auf die Liebe, mit der ihn
-sein Volk verehrte. Er lenkte die Aufmerksamkeit, und dies war
-vielleicht sein bestes Argument, auf die Thatsache, dass der Landgraf
-von Hessen und der Herzog von Braunschweig so nahe mit dem englischen
-Königshaus verwandt wären, dass ihre Nachkommen eines Tages auf den
-grossbritannischen Thron berufen werden könnten. Die prahlerische
-Freiheit der Amerikaner wäre nur eine trügerische Sirene, denn die
-Geschichte bewiese, dass republikanische Regierungsformen ebenso
-tyrannisch und grausam wären wie Monarchieen.
-
-Dahingegen war der Freiherr von Gemmingen, der Gesandte des Markgrafen
-von Anspach, etwas beschämt über den Handel, den er abgeschlossen hatte.
-»Es kommt mir immer sehr hart an, mit Truppen zu handeln,« schreibt er
-an seinen Agenten in London, »aber der Markgraf ist entschlossen, die
-Sache um jeden Preis zu Stande zu bringen, um seine und seiner Vorgänger
-Schulden bezahlen zu können. Auf diese Weise wird freilich das Gute, das
-aus dem Subsidien-Vertrag entspringt, die schlechte Seite des Geschäfts
-überwiegen.« Später schreibt er: »Der Vertrag, den wir soeben
-abgeschlossen haben, ist viel günstiger, als wir erwarten konnten, wenn
-man bedenkt, dass das Anerbieten von uns aus ging und dass die
-königlichen Waffen bisher einen solchen Erfolg in Amerika gehabt haben.
-Die Sache wird natürlich in dem möglichst ungünstigsten Licht von Leuten
-angesehen werden, die es nicht verstehen, eine Staatsangelegenheit im
-Rahmen des Ganzen und nach ihren besonderen Motiven zu beurteilen. Aber
-sobald diese Leute sehen, wie fremdes Geld in unser armes Land fliessen
-wird, sobald sie sehen, dass dessen Schulden bezahlt werden, mit den
-Mitteln, die uns jetzt zufliessen, so werden sie und die ganze Welt
-entzückt sein und anerkennen, dass die Truppen, deren Pflicht es ist,
-die Feinde des Landes zu bekämpfen, den schlimmsten Feind besiegt haben,
-nämlich -- unsere Schulden. Selbst der niedrigste Soldat, der nach
-Amerika geht, gut bezahlt und wohl versorgt, wird mit seinen
-Ersparnissen zurückkehren und stolz darauf sein, für sein Vaterland und
-seinen eigenen Vorteil gearbeitet zu haben ... Ich bin im Allgemeinen
-ein erklärter Feind von solchem Handel mit Menschen; aber es giebt
-Fälle, in denen Schlechtes sich in eine Wohlthat verwandelt, und so
-verhält es sich, wenn ich mich nicht irre, in diesem Falle.«
-
-Friedrich der Grosse drückte in einem Brief an Voltaire (vom 18. Juni
-1776) seine Verachtung über die mit Menschen handelnden Fürsten aus und
-fand etwas später Gelegenheit, ihnen Hindernisse in den Weg zu legen.
-»Wäre der Landgraf aus meiner Schule hervorgegangen,« schrieb er, »so
-würde er nicht seine Unterthanen an die Engländer verkauft haben, wie
-man Vieh verkauft, um es zur Schlachtbank zu führen. Dies ist kein
-schöner Zug in dem Charakter eines Fürsten, der sich rühmt, der
-Lehrmeister von Regenten zu sein. Ein solches Handeln ist durch nichts
-Anderes als durch schmutzigen Eigennutz hervorgerufen. Ich bedauere die
-armen Hessen, die ihr Leben unglücklich und nutzlos in Amerika enden.«
-Napoleon, der dreissig Jahre später den damaligen Landgrafen von
-Hessen-Cassel (den »Grafen von Hanau« der Verträge) vertrieb, äusserte
-sich folgendermassen: »Das Fürstenhaus von Hessen-Cassel hat viele Jahre
-lang seine Unterthanen an England verkauft. Auf diese Weise haben die
-Kurfürsten solche Schätze gesammelt. Diese Habsucht ist die Ursache des
-Sturzes ihrer Dynastie.«
-
-
-
-
-Kapitel III.
-
-Die Verträge vor dem Parlament.
-
-
-Der angreifende oder sich rechtfertigende Ton der Minister der deutschen
-Despoten hatte wenig Einfluss, wenn ihre Herren sich einmal für eine
-Sache entschieden hatten. Der leidenschaftliche Protest eines jungen
-deutschen Poeten oder eines französischen Pamphletisten konnte
-schwerlich auf die Politik einen Einfluss ausüben. Der König von
-Preussen, dessen Wort in betreff des Verdingens von Soldaten für fremde
-Kriegsdienste Gesetz gewesen sein mag, zog es vor, mit Verachtung zu
-strafen, anstatt zu befehlen. Aber im Parlament von Gross-Britannien
-wurden die Verträge zwischen dem König von England und den deutschen
-Fürsten verhandelt durch verantwortliche Minister auf der einen Seite,
-und auf der andern Seite durch Staatsmänner, von denen einige eines
-Tages zur Macht gelangen konnten. Es ist richtig, dass die Majorität,
-welche die Regierung unterstützte, so erdrückend war, dass die
-Opposition keine Aussicht hatte, sie zu stürzen. Aber es lässt sich kaum
-bezweifeln, dass, obwohl die grössere Stimmenzahl auf Seiten der Tories
-im Parlament von 1776 war, das geistige Übergewicht auf Seiten der Whigs
-sich befand.
-
-Am 29. Februar 1776 beantragte Lord North, die Verträge zwischen Seiner
-Majestät und dem Landgrafen von Hessen-Cassel, dem Herzog von
-Braunschweig und dem Erbprinz von Hessen-Cassel dem »Committee of
-Supply« zu überweisen. Er sagte, dass Truppen das beste und radikalste
-Mittel wären, um Amerika zum verfassungsmässigen Gehorsam zu zwingen, da
-man Soldaten auf diese Weise schneller und zu günstigeren Bedingungen
-bekommen könnte, als durch Aushebungen in der Heimat; dass die
-gemieteten Truppen weniger kosten würden, als man erwartet hätte und
-schliesslich, dass die Truppenmacht, die sie im Stande sein würden, nach
-Amerika zu senden, genügen würde, nach menschlicher Berechnung, das Land
-zu zwingen sich zu unterwerfen, vielleicht ohne ferneres Blutvergiessen.
-
-Lord North wurde unterstützt von Mr. Cornwall, der das hohe Haus
-versicherte, dass er besser wie irgend Jemand in demselben Gelegenheit
-gehabt hätte, Mittel und Wege kennen zu lernen mit den deutschen Prinzen
-zu verhandeln und Truppen zu besorgen; dass seine jahrelange Stellung
-(als Sekretär in dem Zahlamt während des deutschen Krieges) ihm diese
-Gelegenheit gegeben hätte; und er wäre erstaunt zu hören, dass Leute,
-die mit den deutschen Verhältnissen bekannt wären, die gegenwärtigen
-Bedingungen ungünstig fänden. Er bestritt, dass die dem Herzog von
-Braunschweig im Voraus bezahlten zwei Monate Sold nichts weiter als ein
-Douceur wären, und blieb dabei, dass die Truppen unter besseren
-Bedingungen wie je zuvor zu bekommen wären, besonders wenn das Geschäft
-noch im Laufe des Jahres effektuiert werden könnte, woran er keinen
-Grund hätte zu zweifeln.
-
-Lord George Germaine verteidigte die Vorlage auf Grund der
-Notwendigkeit. Er zählte eine Reihe von Präzedenzfällen auf, um zu
-zeigen, dass in jedem Krieg oder Aufstand, England zu fremden Truppen
-seine Zuflucht hätte nehmen müssen um die Schlachten zu schlagen und das
-Land zu verteidigen. Lord Barrington, der im Innersten seines Herzens
-das allgemeine Verhalten der Regierung nicht gebilligt und der
-vergeblich den König gedrängt hatte, seine Entlassung anzunehmen, hatte
-die Vorlage in ähnlichem Sinne unterstützt. Er gab zu, dass der Handel
-kein günstiger sei, aber immerhin der beste, den man abschliessen
-könnte.
-
-Auf der anderen Seite verwarf Lord John Cavendish die Vorlage in allen
-ihren Teilen. Britannien würde sich in den Augen von ganz Europa bloss
-stellen. Er machte Einwendungen gegen jeden einzelnen Paragraphen des
-Vertrags und hob hervor, dass eine Truppenmacht von 12,000 Fremden in
-das Gebiet der britischen Krone befördert werden sollte ohne unter
-Kontrolle weder des Parlaments noch des Königs zu stehen; denn der
-Vertrag sagte ausdrücklich, »dass dieser Truppenkörper unter dem Befehl
-der Generale bleiben sollte, denen er von Seiner Hoheit (dem Landgrafen)
-anvertraut würde.«
-
-Lord Irnham zweifelte an der Kompetenz der Fürsten, solche Verträge
-abzuschliessen. Er hielt es für nicht vereinbar mit ihren Pflichten
-gegenüber dem Reiche, sie machten sich dadurch in den Augen von ganz
-Europa ehrlos und verächtlich: zur Unterstützung despotischer Gewalt
-eine Pflanzschule von Soldaten zur Verfügung zu stellen, denen, die mehr
-Geld, aber nicht mehr Recht und Wert hätten als die, die sie durch Geld
-unterwerfen wollten. Er verglich die Fürsten mit Sancho Pansa, der
-wünschte, dass wenn er ein Fürst wäre, alle seine Unterthanen Sclaven
-werden würden, die er durch Verkauf zu Geld machte.
-
-Mr. Seymour antwortete Mr. Cornwall und forderte ihn auf, einen einzigen
-Fall anzuführen, in dem dieselbe Anzahl Truppen während derselben Zeit
-der Nation so viel Geld gekostet hätte.
-
-Der Hon. James Lutrell wies darauf hin, dass bereits 150,000 Deutsche in
-Amerika wären und dass daher unter den angeworbenen Truppen leicht
-Desertionen vorkommen könnten. Edmund Brake stellte fest, dass für 1000
-Fremde ebenso viel bezahlt würde wie für 1500 Eingeborene. Sir George
-Saville behauptete, dass dies der unvorteilhafteste Handel in dieser Art
-sei, der je abgeschlossen sei, seitdem es üblich wäre, Truppen
-anzuwerben; und Alderman Bull schloss die Debatte, indem er ausrief:
-
-»Man lasse den Geschichtsschreiber nicht gezwungen sein zu sagen, dass
-die russischen und deutschen Sklaven die Söhne Englands und der Freiheit
-unterjocht haben, und dass unter der Regierung eines Fürsten aus dem
-Hause Braunschweig jeglicher schmähliche Versuch gemacht wurde, den
-Geist auszulöschen, den seine Vorfahren bezeugten und der sich trotz
-Verrat und Verfassungsbruch auf dem Throne festzusetzen wusste.« Des
-Alderman's Gesinnung war besser als seine Rhetoric, aber beides war
-gleich nutzlos. Die Vorlage wurde mit 242 Stimmen gegen 88 angenommen.
-Am 5. März 1776 beantragte der Duke of Richmond im Hause der Lords, man
-möge Seiner Majestät dem König eine Adresse unterbreiten, um ihn zu
-bitten, den Abmarsch der fremden Truppen zu inhibieren und Massregeln zu
-treffen, um die Feindseligkeiten in Amerika sofort zu sistieren. Der
-Protest drückte die Ansicht des Hauses aus über die Gefahr und die
-Schande der Verträge durch die Gross-Britannien vor ganz Europa bekennen
-müsste, dass es nicht im Stande sei, einerseits wegen Mangel an
-Soldaten, andrerseits wegen Abneigung der eigenen Leute gegen diesen
-Krieg, eine genügende Anzahl Leute für die erste Kampagne auf die Beine
-zu bringen. Es wäre traurig zu sehen, wie durch das Abziehen der
-nationalen Truppen (die ohnehin zu schwach wären für den unglücklichen
-Zweck, dem sie dienen sollten) Gross-Britannien entblösst und den
-Angriffen und dem Eindringen mächtiger Nachbarn und fremder Nachbarn
-ausgesetzt sein würde.
-
-Das Dokument wies sodann darauf hin, dass eine Aussöhnung mit den
-Kolonien der Verwendung von Fremden vorzuziehen sei, die, wenn sie so
-weit von ihrer Heimat entfernt wären und unter dem Elend des Krieges, an
-dem sie kein Interesse hätten, leiden und so oft in Versuchung kommen
-würden, die Abhängigkeit mit der Freiheit zu vertauschen, viel eher
-meutern oder desertieren, als treu bleiben und mit Seiner Majestät
-eigenen Unterthanen gemeinsam operieren würden.
-
-Indem auf die Gefahr hingedeutet, fremde Truppen in das Reich
-hineinzulassen und Klage erhoben wird, dass bereits zwei der stärksten
-Festungen von ihnen besetzt seien,[1] fährt der Protest fort: »Wir haben
-obendrein Grund zu befürchten, dass, wenn die Kolonien sehen, wie
-Gross-Britannien Bündnisse schliesst und Truppen zu ihrer Unterwerfung
-anwirbt, sie durch das gegebene Beispiel sich für berechtigt halten
-werden, Anstrengungen zu machen, um ebenfalls Beistand zu erlangen; und
-dass Frankreich, Spanien, Preussen oder andere Europäische Mächte denken
-werden, dass sie ein ebensolches Recht haben wie Hessen, Braunschweig
-und Hanau, sich in unsere inneren Angelegenheiten zu mischen.«
-
- [1] Hannoversche Truppen waren nach Gibraltar und Port Mahon gesandt
- worden.
-
-Darauf wurde auf die Gefahr hingewiesen, dass man verpflichtet sein
-würde, den Landgrafen von Hessen bei seinen Streitigkeiten in Europa zu
-unterstützen, und es wurde der Meinung Ausdruck gegeben, dass
-Gross-Britannien noch nie einen Vertrag eingegangen sei, der so teuer,
-so ungleich, so entehrend und in seinen Folgen so gefährlich sei.
-
-Indem der Duke of Richmond den Protest einbrachte, gab er einen kurzen
-Überblick über die Verträge, die seit 1702 mit den Landgrafen von Hessen
-abgeschlossen worden seien, und zeigte, dass die aufeinanderfolgenden
-Landgrafen mit der Zeit ihre Forderungen gesteigert hätten, und dass,
-wenn sie versuchten, günstigere Bedingungen herauszudrücken, sie niemals
-unterliessen, ihre vorhergegangene Erpressung als Grundlage für den
-neuen Vertrag dienen zu lassen und immer eine neue Forderung an
-Gross-Britannien zu stellen. Dieser Vertrag sei »offenbar ein
-gewinnsüchtiger Handel, indem man eine Anzahl Söldner in Sold nehme,
-die man kaufe und verkaufe wie das Vieh, das zur Schlachtbank geführt
-würde ... Legt man aber den Verträgen eine Alliance zu Grunde, was
-würde die Folge sein? Dass, wenn eine dieser Mächte angegriffen oder
-ohne Grund einen Angriff provozieren würde, wir sie mit allen uns zu
-Gebote stehenden Mitteln unterstützen müssten. Folglich haben wir
-wegen des Beistandes von wenigen Tausend Söldnern nicht nur doppelt zu
-bezahlen, sondern wir gehen auch eine feierliche Verpflichtung ein,
-unsere Streitkräfte zu opfern und Hülfe zu leisten, wenn der Landgraf
-oder Herzog angegriffen oder ihm sein Besitztum streitig gemacht
-wird.«
-
-Der Duke of Richmond bezeichnete es ferner als eine Gefahr, einen
-Truppenkörper von 12,000 fremden Söldnern zu haben unter dem Kommando
-eines von dessen eigenen Generalen, bei dem die Möglichkeit nicht
-ausgeschlossen sei, dass er zum Höchst-Kommandierenden befördert werden
-könne; es könne eine grosse Verwirrung entstehen durch Streitigkeiten
-zwischen dem fremden und eigenen kommandierenden General.
-
-Der Earl of Suffolk antwortete für die Regierung: »Der Tenor der
-Verträge,« sagte er, »ist kein anderer als er es bei früheren
-Gelegenheiten gewesen ist. Der gegenwärtige, das ist wahr, ist voll von
-schwülstigen hochtönenden Phrasen von einem Bündnis, und ich bin so
-offenherzig, dem edlen Herzog zu bemerken, dass ich sie nur als solche
-ansehe; und ich gehe soweit, zu sagen, dass die wahre Absicht der
-Verträge die ist, weniger ein Bündnis zu schliessen als einen
-Truppenkörper anzuwerben, den der gegenwärtige Aufstand in Amerika
-notwendig erscheinen lässt.«
-
-Indem Lord Suffolk somit die Bedingungen des Vertrages, für den er
-persönlich verantwortlich war, in das richtige Licht gesetzt hatte, fuhr
-er fort nachzuweisen, dass die Bedingungen vorteilhaft sein würden, wenn
-man die Truppen nur ein Jahr gebrauchen würde, dass man aber unter allen
-Umständen, wenn die Soldaten gebraucht würden, sich den gestellten
-Bedingungen fügen müsste.
-
-Der Earl of Carlisle war überzeugt, dass die Arbeitskräfte, die durch
-die Industrie in Anspruch genommen würden, der geringe Nutzen einer
-neuen Aushebung, wenigstens für die erste Kampagne und der Wunsch jedes
-Vaterlandsfreundes, den unglücklichen Verhältnissen ein schnelles Ende
-bereitet zu sehen, dass dies Alles die Notwendigkeit der Verwendung
-fremder Truppen genügend rechtfertigen würde. Man sollte bedenken den
-schwerfälligen Koloss, den das Reich bildete und die Operationen, die
-selbst im Falle eines Defensivkrieges nötig sein würden, und stellte
-anheim, ob es einem so unbedeutenden Stück Land, wie die Insel
-Gross-Britannien möglich sei, eine Zahl aufzubringen, die genügten, um
-Operationen zu führen, die derartige Anforderungen stellen würden.
-
-Die Debatte zog sich sehr in die Länge und wurde mit grosser Erbitterung
-geführt. Auf Seiten der Whigs klagte der Duke of Cumberland --
-»Braunschweiger zu sehen, die einst -- was ihnen zu grosser Ehre
-gereichte -- zur Verteidigung der Freiheiten der Unterthanen Verwendung
-fanden, und jetzt nach einem andern Teil des grossen Reiches gesandt
-werden, um sie der konstitutionellen Freiheiten zu berauben.« Der Duke
-of Manchester führte aus, dass _der_ Mensch für einen Söldling gehalten
-werden müsste, der für Geld um einer Sache willen kämpft, an der er
-keinen Anteil hat. Der Earl of Helburne gab die Notwendigkeit der
-Verwendung fremder Truppen nicht zu und wurde hierin von Lord Carnden
-unterstützt, der das hohe Haus fragte, ob nicht der ganze Vertrag eine
-Zusammensetzung von Schande, Niederträchtigkeit und Betrügerei wäre, wie
-sie noch nie dem Parlament zugemutet worden wäre. »Ist einer unter Ihnen
-my lords,« fragte er, »der nicht vollkommen einsieht, dass das Ganze ein
-rein gewinnsüchtiger Handel ist, bei dem von der einen Seite Truppen
-gedungen, von der andern menschliches Blut verkauft wird; und dass die
-geduldigen Opfer, zum Abschlachten verkauft, die grössten Söldlinge in
-des Wortes schlimmster Bedeutung sind?«
-
-Die Tory-Lords scheinen sich weniger an der Debatte beteiligt zu haben,
-wahrscheinlich, weil sie es für unnötig hielten zu sprechen, da sie in
-der Majorität waren. Die Vorlage wurde mit 100 gegen 32 Stimmen
-abgelehnt.
-
-Es scheint mir, als ob die Lords nicht ganz gerecht in ihrem Urteil über
-die deutschen Soldaten gewesen wären. Die meisten dieser armen Teufel
-fochten nicht um Geld, sondern weil sie es nicht ändern konnten. Die
-Leute, die wirklich »Söldlinge in des Wortes schlimmster Bedeutung«
-waren, waren der Landgraf, der Herzog und die Fürsten; aber man konnte
-von den edlen Lords kaum erwarten, dass sie dies aussprechen würden.
-
-Was die Haltung der britischen Regierung beim Anwerben der Truppen
-anbetrifft, so ist klar, dass ihr kein anderer Weg übrig blieb, wenn der
-Krieg energisch durchgeführt werden sollte. Infolge des Misskredits, in
-dem reguläre Soldaten bei den Engländern standen, war die britische
-Armee zu Friedenszeiten nicht so stark wie die Zahl, die jetzt im
-Ausland aufgebracht werden sollten. Werbungen waren mit Schwierigkeiten
-verbunden, man erhielt durch sie nur rohe Rekruten. Die Konscription ist
-ein Ding der Unmöglichkeit in England. Wenn man Leute haben wollte,
-musste Lord North sie in Deutschland suchen.
-
-Die Regierung und das Reich aber bezahlten einen enormen Preis für die
-Hilfstruppen. Die Antwort auf den Vertrag mit dem Landgrafen war die
-Unabhängigkeits-Erklärung. Die Verwendung von fremden Soldtruppen durch
-die britische Regierung wirkte zum grossen Teil mit, die Amerikaner zu
-dem Entschluss kommen zu lassen, ihre Lehnspflicht gegen die englische
-Krone abzuschütteln und Bündnisse mit deren früheren Feinden zu suchen.
-Die Gefahr, auf die in dem Protest der Lords hingewiesen worden war,
-wurde zur Wirklichkeit, und Männer von englischem Blut behaupteten, dass
-Frankreich ein ebensolches Recht wie Hessen hätte, sich in ihre inneren
-Streitigkeiten zu mischen.
-
-
-
-
-Kapitel IV.
-
-Die Soldaten.
-
-
-Die Soldaten, welche die deutschen Fürsten an England vermieteten zur
-Unterdrückung der amerikanischen Revolution wurden auf verschiedene
-Weise zusammengebracht. In Hessen-Cassel war das Land in Distrikte
-eingeteilt gewesen, von welchen jeder eine bestimmte Anzahl Rekruten für
-ein bestimmtes Regiment zu stellen hatte. Die Offiziere waren indessen
-angehalten worden, soviel Fremde wie möglich der Armee zuzuführen, um
-die eigenen Distrikte zu schonen, deren Einwohner immer bei der Hand
-sein würden, wenn man ihrer im Notfall bedürfte. Es stand in den
-Armee-Vorschriften, dass diejenigen Regiments-Kommandeure oder
-Hauptleute sich am besten empfehlen würden, wenn sie versuchten, fremde
-Rekruten einzureihen. Die zwangsweise Rekruten-Aushebung war verboten,
-doch diese Bestimmung sollte wahrscheinlich nur auf die Eingeborenen
-Anwendung finden. Jedenfalls scheint es nicht die Thätigkeit der
-Werbeoffiziere vermindert zu haben, und in den kleineren Staaten hat
-wahrscheinlich ein solches Gesetz überhaupt nicht existiert. In Anspach
-durfte Niemand ohne Erlaubnis das Land verlassen oder heiraten. Es muss
-dabei erwähnt werden, dass in diesem Fall mit Land nicht Deutschland,
-sondern die Territorien des Markgrafen gemeint waren, und dass die
-Fremden, die der Landgraf angeworben haben wollte, die Unterthanen der
-benachbarten kleinen Fürsten waren. Werbeoffiziere waren über ganz
-Deutschland hin thätig. Lüderliche Kerle, Trunkenbolde, Vagabunden und
-Leute, die politische Umtriebe machten, wurden, wenn sie nicht über 60
-Jahre alt, gesund und gut gewachsen waren, zwangsweise eingestellt. Mit
-dem Geschenk eines grossen, robusten Mannes empfahl sich ein Fürst dem
-andern in der angenehmsten Weise; in jedem Regiment waren viele
-Deserteure von anderen Staaten. Zusammen mit dieser gemischten
-Gesellschaft diente der ehrliche deutsche Bauernbursche. Es muss noch
-erwähnt werden, dass die Regimenter, die nach Amerika geschickt wurden,
-aus einem bessern Material bestanden, wie die Regimenter zu gewöhnlicher
-Zeit. --
-
-Johann Gottfried Seume, welcher später einige Bedeutung als
-Schriftsteller erlangte, war ein Opfer des Werbesystems und hat eine
-Beschreibung seiner Erlebnisse hinterlassen. Seume war Student der
-Theologie in Leipzig, doch nachdem ihm religiöse Zweifel gekommen waren,
-welche seine Freunde -- wie er wusste -- verletzen würden, machte er
-sich zu Fuss auf den Weg nach Paris, mit einem Säbel an der Seite, mit
-einigen Hemden und Bänden der Klassiker in der Reisetasche und ungefähr
-9 Thalern. Seine Reise sollte indessen eine andere Richtung nehmen.
-»Den dritten Abend übernachtete ich in Vach,« schreibt er, »und hier
-übernahm trotz allen Protest der Landgraf von Kassel, der damalige
-grosse Menschenmakler, durch seine Werber die Besorgung meiner ferneren
-Nachtquartiere nach Ziegenhain-Kassel und weiter nach der neuen Welt.
-Man brachte mich als Halbarrestanten nach der Festung Ziegenhain, wo der
-Jammergefährten aus allen Gegenden schon viele lagen, um mit dem
-nächsten Frühjahr nach Faucitts Besichtigung nach Amerika zu gehen. Ich
-ergab mich in mein Schicksal und suchte das Beste daraus zu machen, so
-schlecht es auch war. Wir lagen lange in Ziegenhain, ehe die gehörige
-Anzahl der Rekruten vom Pfluge und dem Heerwege und aus den Werbestädten
-zusammengebracht wurde. Die Geschichte dieser Periode ist bekannt genug:
-niemand war damals vor den Handlangern des Seelenverkäufers sicher;
-Überredung, List, Betrug, Gewalt, alles galt. Man fragte nicht nach den
-Mitteln zu dem verdammlichen Zwecke. Fremde aller Art wurden angehalten,
-eingesteckt, fortgeschickt. Mir zerriss man meine akademische
-Inskription, als das einzige Instrument meiner Legitimierung. Am Ende
-ärgerte ich mich weiter nicht; leben muss man überall: wo so viele
-durchkommen, wirst du es auch: über den Ozean zu schwimmen war für einen
-jungen Kerl einladend genug und zu sehen gab es jenseits auch etwas. So
-dachte ich. Während unseres Aufenthalts in Ziegenhain brauchte mich der
-alte General Gore zum Schreiben und behandelte mich mit vieler
-Freundlichkeit. Hier war denn ein wahres Quodlibet von Menschenseelen
-zusammengeschichtet, gute und schlechte, und andere, die abwechselnd
-beides waren. Meine Kameraden waren noch ein verlaufener Musensohn aus
-Jena, ein bankerotter Kaufmann aus Wien, ein Posamentierer aus Hannover,
-ein abgesetzter Postschreiber aus Gotha, ein Mönch aus Würzburg, ein
-Oberamtmann aus Meiningen, ein preussischer Husarenwachtmeister, ein
-kassierter hessischer Major von der Festung und andere von ähnlichem
-Stempel. Man kann denken, dass es an Unterhaltung nicht fehlen konnte;
-und eine blosse Skizze von dem Leben der Herren müsste eine
-unterhaltende, lehrreiche Lektüre sein. Da es den meisten gegangen war
-wie mir, oder noch schlimmer, entspann sich bald ein grosses Komplott zu
-unser aller Befreiung.«
-
-Es wurde Seume angeboten, Rädelsführer der Verschwörer zu sein, doch auf
-den Rat eines alten Feldwebels hin schlug er dies ehrenvolle Amt aus.
-»Man wollte um Mitternacht auf ein Zeichen ausziehen, der Wache stürmend
-die Gewehre wegnehmen, was sich widersetzte niederstechen, das Zeughaus
-erbrechen, die Kanonen vernageln, das Gouvernementshaus verriegeln und
-1500 Mann stark zum Thore hinaus marschieren. In drei Stunden wären wir
-über der Grenze gewesen.« Jedoch das Komplott wurde verraten, die
-Rädelsführer wurden verhaftet, unter ihnen Seume. Er wurde aber bald
-wieder freigelassen, da niemand etwas gegen ihn aussagen konnte und
-besonders weil es zu viele geworden wären, die hätten bestraft werden
-müssen. »Der Prozess begann,« sagt er, »zwei wurden zum Galgen
-verurteilt, worunter ich unfehlbar gewesen sein würde, hätte mich nicht
-der alte preussische Feldwebel gerettet. Die Übrigen mussten in grosser
-Anzahl Gassen laufen, von sechsunddreissig Malen herab bis zu zwölfen.
-Es war eine grässliche Schlächterei. Die Galgenkandidaten erhielten zwar
-nach der Todesangst unter dem Galgen Gnade, mussten aber
-sechsunddreissig Mal Gassen laufen und kamen auf Gnade des Fürsten nach
-Cassel in die Eisen. Auf unbestimmte Zeit und auf Gnade in die Eisen
-waren damals gleichbedeutende Ausdrücke und hiessen so viel als »ewig
-ohne Erlösung.« Wenigstens war die Gnade des Fürsten ein Fall, von dem
-niemand etwas wissen wollte. Mehr als dreissig wurden auf diese Weise
-grausam gezüchtigt, und Viele, unter denen auch ich war, kamen bloss
-deswegen durch, weil eine zu grosse Menge von Mitwissern hätte bestraft
-werden müssen. Einige kamen beim Abmarsch wieder los, aus Gründen, die
-sich leicht erraten lassen: denn ein Kerl, der in Cassel in den Eisen
-geht, wird von den Engländern nicht bezahlt.«
-
-Bei Truppen, wie diese es waren, waren Desertionen natürlicherweise
-etwas gewöhnliches. Der Militärdienst war gefürchtet, und in kleineren
-Staaten hätte eine gelungene Flucht den Deserteur nach wenigen Meilen
-über die Grenze gebracht. Das Volk sympathisierte mit ihm und würde ihm
-geholfen haben, wenn hierauf nicht schwere Bestrafung gestanden hätte.
-Dies war indess nicht nötig. Wenn in Württemberg Allarm geschlagen
-wurde, musste sofort die ganze Gemeinde ausrücken und 24 Stunden lang
-die Strassen, Fusspfade und Brücken besetzen, bis der Flüchtling
-gefangen war. Wenn er entschlüpfte, so musste der Ort einen Ersatzmann
-stellen, der ebenso gross war wie der Deserteur, und die Söhne der
-ersten Männer des Ortes wurden in erster Linie genommen. Dieser Befehl
-musste jeden Monat einmal von der Kanzel verlesen werden. Wer einem
-Deserteur behülflich war, verlor die Bürgerrechte, wurde zu Zwangsarbeit
-verurteilt und im Gefängnis gepeitscht. Die Gesetze in Hessen-Cassel
-scheinen etwas weniger grausam gewesen zu sein. Bauern, die einen
-Deserteur festnahmen, bekamen einen Dukaten; aber wenn ein Deserteur ein
-Dorf passierte, ohne festgenommen zu werden, so musste das Dorf für ihn
-bezahlen. Jeder Soldat, der sich über eine Meile von seiner Garnison
-entfernte, musste mit einem Pass versehen sein, und alle Personen,
-welche ihm auf eine grössere Entfernung von zu Hause begegneten, sollten
-ihn danach fragen. Ein charakteristischer Fall ereignete sich 1738. Ein
-preussischer Werbeoffizier und die Frau eines preussischen Soldaten
-verleiteten einen Anspacher Soldaten zu desertieren um sich in die
-preussische Armee einreihen zu lassen. Sie wurden durch die Anspacher
-Behörde aufgefangen. Die Frau wurde gehängt; der Offizier musste bei der
-Exekution zugegen sein und wurde dann in die Festung eingesperrt. Der
-Deserteur scheint mit dem Leben davongekommen zu sein, da er ein
-wertvolles Verkaufsobject war.
-
-Wenn der Rekrut in die Liste eingeschrieben war, musste der Offizier
-oder Unteroffizier ihn in die Garnison bringen. Dies gab natürlich
-Gelegenheit zum Entfliehen; Kapp führt aus einem Buch, das 1805 in
-Berlin gedruckt ist, die Vorsichtsmassregeln an, welche gegen diese
-Gefahr anzuwenden waren. Der Unteroffizier, der den Rekruten begleitet,
-muss Säbel und Pistolen tragen. Er muss den Rekruten vor sich her
-marschieren, ihn aber niemals zu nahe an sich herankommen lassen und ihm
-ankündigen, dass jeder verdächtige Schritt ihm das Leben kosten kann.
-Grosse Städte muss er vermeiden, ebenso Orte, wo der Rekrut vorher
-gedient hat. Es ist auch wünschenswert, den Ort zu vermeiden, wo der
-Rekrut geboren ist. Sie müssen die Nacht in einem Wirtshaus zubringen,
-dessen Besitzer Werbeoffizieren gut gesinnt ist. Der Rekrut und Offizier
-müssen sich beide auskleiden, und ihre Kleider sind vom Wirt aufzuheben.
-Wirtshäuser, wo Rekruten einquartiert werden, müssen besondere Räume
-dafür haben, möglichst eine Treppe hoch und mit vergitterten Fenstern.
-Die ganze Nacht muss ein Licht brennen, und der Unteroffizier muss seine
-Waffen dem Wirt abgeben, damit sie der Rekrut nicht wegnehmen und gegen
-ihn gebrauchen kann in der Nacht. Des Morgens bekommt er sie zurück,
-sieht nach der Ladung und dem Pulver auf der Pfanne, zieht sich an und
-ist reisefertig, bevor der Rekrut seine Kleider bekommt. Der Rekrut
-betritt ein Haus oder eine Stube zuerst; er verlässt es zuletzt. Bei den
-Mahlzeiten sitzt er mit dem Rücken an der Wand. Erscheint er
-verdächtig, fliehen zu wollen, so müssen ihm die Hosenträger und -knöpfe
-abgeschnitten werden, so dass er die Hosen mit der Hand halten muss.
-
-Ein guter Hund, der für dies Geschäft dressiert ist, wird für den
-Unteroffizier sehr zweckmässig sein. Wenn ein Unteroffizier
-unglücklicherweise gezwungen ist, einen Rekruten zu töten oder zu
-verwunden, so muss er eine Bescheinigung von der Ortsbehörde beibringen.
-Aber kein Dokument kann die Flucht eines Rekruten entschuldigen, ein
-Vorfall, der in Preussen als ganz unmöglich gar nicht der Erwähnung wert
-gehalten wird.
-
-Die Leute, die zusammengebracht waren für den Dienst in Amerika, waren
-vom militärischen Standpunkt aus von sehr verschiedenem Wert. Sie wurden
-alle von einer englischen Kommission in den Seehäfen in Empfang genommen
-und vor der Einschiffung gemustert, gewöhnlich durch Oberst Faucitt,
-welcher die Verträge abgeschlossen hatte; während einige der Regimenter
-als vorzüglich befunden wurden, zeigte es sich, dass andere zum Teil aus
-alten Leuten und aus Knaben bestanden, die den Strapazen nicht gewachsen
-waren. Einige von den Soldaten wurden infolge dessen verworfen,
-besonders in den letzten Jahren des Krieges, als es in vielen Städten
-schwieriger wurde, gute Leute zu bekommen.
-
-Es ist nach dem Quellenmaterial schwer zu beurteilen, welche Chancen ein
-gemeiner Soldat hatte zu avancieren. Seume schreibt, dass er Aussicht
-auf Avancement hatte, die aber durch die Beendigung des Krieges zerstört
-wurde, da in Friedenszeiten einer, der nicht adelig war, es nicht weiter
-als bis zum Feldwebel bringen konnte. Kapp behauptet, die Offiziere
-gehörten meistens dem niederen Adel an. Die Rangliste der hessischen
-Offiziere von 1779 weist dies nicht aus. Es zeigt sich, dass zu dieser
-Zeit mehr als die Hälfte der Offiziere nicht adelig war.
-
-Wir kommen zum Schluss zur Charakterisierung der Offiziere. Ihre Bildung
-beschränkte sich im Allgemeinen auf ein gewisses Mass von Fertigkeit im
-Schreiben und auf ein wenig barbarisches Französisch. Sie verstanden
-weder die Ursache, aus welcher die Amerikaner kämpften, noch vor allen
-Dingen die Sprache, in welcher die verschiedenen Staatsmänner ihre
-Ansprüche geltend machten. Doch, wenn sie viel mehr verstanden hätten,
-als es der Fall war, sie wären auf der Seite königlicher Vorrechte den
-Rechten des Volkes gegenüber gewesen. Ich weiss mich keines Falles zu
-erinnern, in dem nur ein an diesem Krieg beteiligter Offizier einen
-Ausdruck gebraucht hätte, der eine Übereinstimmung mit der geistigen
-freiheitlichen Bewegung des 18. Jahrhunderts gezeigt hätte. Einmal
-finden wir sie von dem Despotismus des Kongresses sprechend. Diese
-absurde Idee war ihnen wahrscheinlich durch die Engländer eingeflösst
-worden und war von der anti-amerikanischen Presse in Deutschland
-aufgenommen worden. Es lässt sich schwerlich bezweifeln, dass viele der
-Offiziere sowohl als Soldaten mit Vergnügen ihrer Thätigkeit in Amerika
-entgegensahen, schon um die Eintönigkeit des Garnisondienstes zu
-unterbrechen.
-
-Es bleibt noch zu erwähnen, dass viele der Soldaten, meist solche, die
-in Gefangenschaft geraten waren, Bürger der Republik wurden, welche sie
-helfen sollten zu unterdrücken.
-
-
-
-
-Kapitel V.
-
-Von Deutschland nach Amerika.
-
-
-Die ersten deutschen Truppen, welche nach Amerika gingen, waren die
-Braunschweiger. Diese marschierten am 22. Februar 1776, 2282 Mann stark,
-von Braunschweig ab und wurden in Stade, in der Nähe der Elbmündung,
-eingeschifft. Die zweite Braunschweiger Division, ungefähr 2000 Mann,
-schiffte sich Ende Mai ein. Die erste hessische Division brach Anfang
-März von Cassel auf und wurde in Bremerlehe, in der Nähe der
-Wesermündung, eingeschifft, die zweite Division folgte im Juni; sie
-zählten zusammen zwischen 12 und 13000 Mann. Sie waren zum grössten Teil
-ausgezeichnete und wohlausgerüstete Truppen, denn die kleine Armee des
-Landgrafen galt als eine der besten in Deutschland.
-
-Der Marsch von Braunschweig und Cassel zu den Häfen war eine
-verhältnismässig einfache Sache. Die Truppen kamen aus den Gebieten der
-eigenen Fürsten in die hannöverschen Landesteile des Königs von England
-und diese reichten bis an die See. Der Fürst von Waldeck schickte sein
-Regiment durch Cassel ohne Störung. Der Graf von Hessen-Hanau, der
-Markgraf von Anspach-Bayreuth und der Fürst von Anhalt-Zerbst hatten
-einen längeren Weg zu machen und grössere Schwierigkeiten zu überwinden.
-
-Die Truppen der letzteren sollten auf Booten den Rhein hinuntergeschickt
-werden. Abgesehen von mehreren kleinen deutschen, am Rhein gelegenen
-Staaten, welche ihnen den Durchgang verwehren konnten, war Preussen,
-dessen Territorien sie passieren mussten, im Stande, ihnen grosse
-Schwierigkeiten zu bereiten. Friedrich der Grosse versagte selbst seinem
-Neffen, dem Markgrafen von Anspach, seine Einwilligung, sein Land zu
-passieren. In einem Brief an ihn drückte er ihm sein Befremden aus, dass
-deutsche Fürsten das Blut ihrer Landeskinder für fremde Interessen
-opferten. Nebenbei war es ein kleiner Akt der Rache an England wegen
-dessen schlechten Verhaltens inbetreff des Hafens von Danzig.
-
-Seume hat von seinen Erlebnissen auf der Seereise folgende Beschreibung
-hinterlassen:
-
-»In den englischen Transportschiffen wurden wir gedrückt, geschichtet
-und gepöckelt wie die Heringe. Um Platz zu sparen hatte man keine
-Hängematten sondern Verschläge in der Tabulatur des Verdecks, das schon
-niedrig genug war, und nun lagen noch zwei Schichten übereinander. Im
-Verdecke konnte ein ausgewachsener Mann nicht gerade stehen und im
-Bettverschlage nicht gerade sitzen. Die Bettkasten waren für je sechs
-Mann. Wenn vier darin lagen, waren sie voll und die beiden letzten
-mussten hineingezwängt werden. Das war bei warmem Wetter nicht kalt: es
-war für den Einzelnen gänzlich unmöglich sich umzuwenden und ebenso
-unmöglich auf dem Rücken zu liegen. Die geradeste Richtung mit der
-schärfsten Kante war nötig. Wenn wir so auf einer Seite gehörig
-geschwitzt und gebraten hatten, rief der rechte Flügelmann: Umgewendet!
-und es wurde umgeschichtet: hatten wir nun auf der andern Seite quantum
-satis ausgehalten, rief das nämliche der linke Flügelmann. Die
-Verpflegung hielt gleichen Schritt mit der Unterbringung. Heute Speck
-und Erbsen und morgen Erbsen und Speck; zuweilen Grütze und Graupen und
-zum Schmause Pudding, den wir aus muffigem Mehl halb mit Seewasser, halb
-mit süssem Wasser und altem Schöpsenfett machen mussten. Der Speck
-mochte wohl vier oder fünf Jahre alt sein, war von beiden Seiten am
-Rande schwarzstriefig, weiter hinein gelb und hatte nur in der Mitte
-noch einen kleinen weissen Gang. Ebenso war es mit dem gesalzenen
-Rindfleisch. In dem Schiffsbrot waren oft viele Würmer, die wir als
-Schmalz mitessen mussten, wenn wir nicht die schon kleine Portion noch
-mehr reduzieren wollten: dabei war es so hart, dass wir nicht selten
-Kanonenkugeln brauchten es nur aus dem gröbsten zu zerbrechen; und doch
-erlaubte uns der Hunger selten, es einzuweichen; auch fehlte es oft an
-Wasser. Man sagte uns, und nicht ganz unwahrscheinlich, der Zwieback sei
-französisch; die Engländer hätten ihn noch im siebenjährigen Kriege den
-Franzosen abgenommen, seit der Zeit habe er in Portsmouth im Magazin
-gelegen, und nun füttere man die Deutschen damit, um wieder in Amerika
-die Franzosen unter Rochambeau und Lafayette, so Gott wolle, tot zu
-schlagen. Gott muss aber doch nicht recht gewollt haben. Das
-schwergeschwefelte Wasser lag in tiefer Verderbnis. Wenn ein Fass
-heraufgeschroten und aufgeschlagen wurde, roch es auf dem Verdeck nach
-einer Mischung von allen möglichen übeln Gerüchen. Es war angefüllt mit
-fingerlangen Würmern, und es musste durch Tücher gefüllt werden, bevor
-man es trinken konnte: und dann musste man immer noch die Nase zuhalten.
-Rum und manchmal ein wenig starkes Bier verbesserten das Getränk.«
-
-Auf diese Weise zusammengepfercht, in dicker Luft, mit schlechter
-Nahrung und faulem Wasser, viele von ihnen ungenügend bekleidet, wurden
-diese Jünglinge, alten Leute, Studenten, Kaufleute und Bauern Monate
-lang auf dem Atlantischen Ozean herumgeworfen. Viele von den Leiden der
-Reise waren zweifellos unvermeidlich, und viele von den Rekruten waren
-schon an ein hartes Leben gewöhnt. Aber Vieles, was sie zu erdulden
-hatten, war das Resultat von einem absichtlichen Mangel an Fürsorge und
-grosser Habsucht. Was soll man sagen über das britische
-Quartiermeister-Departement, das diese Leute auf die See schickte ohne
-richtiges Essen und Trinken? Was vom Herzog von Braunschweig, welcher
-seine Unterthanen nach Canada ohne haltbare Schuhe und Strümpfe schickte
-und ohne Mäntel? Oft haben Menschen ein hartes Leben freudig ertragen,
-weil sie den Grund verstanden. Aber diese armen Kerle litten für einen
-Streit, der nicht ihr eigener war, nur um für die Mittel zu sorgen zur
-Bezahlung der Schulden oder der Vergnügungen ihrer Herren.
-
-
-
-
-Kapitel VI.
-
-Die Schlacht von Long-Island, August 1776.
-
-
-Die erste hessische Division, einige 8000 Mann stark, segelte an Sandy
-Hook am 15. August 1776 vorüber und landete auf Staten Island, empfangen
-von Artillerie- und Musketen-Salven. Die Division war unter dem Befehl
-von Generallieutenant Philipp von Heister, einem alten Soldaten des
-siebenjährigen Kriegs. Es wird erzählt, dass, als Landgraf Friedrich II.
-ihn zur Führung des hessischen Expeditionkorps berief, er ihn mit den
-Worten anredete: »Heister, Ihr müsst nach Amerika gehen.« -- »Sehr gern,
-Hochfürstliche Durchlaucht, aber ich nehme mir die Freiheit einige
-Bitten auszusprechen.« -- »Und die wären?« -- »Erstens, müssten meine
-Schulden bezahlt werden, dann müsste für meine Frau und Kinder gesorgt
-werden, bis ich wiederkomme, und wenn ich fallen sollte, müsste meine
-Frau eine Pension bekommen.« Als der Landgraf dies lächelnd genehmigte,
-rief Heister aus: »Nun sollen Ew. Hochfürstliche Durchlaucht sehen, was
-dieser alte Kopf und diese alten Knochen noch leisten können.«
-
-Die Armee, welche sich auf Staten Island unter dem Oberbefehl Sir
-William Howes sammelte, zählte nach Ankunft der Hessen zwischen 25 und
-30,000 Mann. Sie wurde unterstützt durch eine Flotte unter Sir Williams
-Bruder, Lord Howe. Die gegnerische Armee unter Washington war etwa aus
-13,000-14,000 Mann zusammengesetzt, von denen nicht mehr wie 6000 Mann
-einige militärische Ausbildung genossen hatten und deren Offiziere im
-bürgerlichen Leben gross geworden waren.
-
-Die Hessen waren sehr erstaunt über den Reichtum und die Fruchtbarkeit,
-welche sie auf Staten Island vorfanden. Die Kolonisten lebten in
-bequemen Wohnhäusern, von Gemüse- und Obstgärten umgeben. Ihre
-hellroten, von zwei kleinen Pferden gezogenen Wagen erregten die
-Bewunderung der Deutschen. Ein Kolonist auf Staten Island lebte so
-angenehm wie ein deutscher Landedelmann, und es erschien den Hessen
-aussergewöhnlich, dass dies Volk sich gegen eine Regierung auflehnte,
-unter welcher es sich so vieler Segnungen erfreute. Viele Amerikaner
-waren bei der Annäherung der Hessen aus ihren Besitztümern geflohen und
-die, welche blieben, machten zuerst Miene, sich widerspenstig zu zeigen;
-aber als sie sahen, dass auf strenge Disziplin gehalten und regelrechte
-Requisitionen unternommen wurden, kehrten die Flüchtlinge zurück und es
-kam bald untereinander zu erträglichen, wenn nicht herzlichen
-Beziehungen. Die britische Regierung hoffte noch die Kolonisten zu
-versöhnen mit dem Mutterland, und strenge Befehle waren zur Vermeidung
-von Exzessen gegeben worden.
-
-Sir William Howe begann mit der Vereinigung seiner Truppen die
-Vorbereitungen zum Angriff auf die Amerikaner. Die britische Avantgarde
-unter Sir Henry Clinton, vereinigt mit den hessischen Jägern und
-Grenadieren, die vom Oberst von Donop befehligt wurden, überschritten
-die Narrows of Long Island am 22. August 1776. Ein Tagebuch, welches im
-folgenden Jahr in einem »Magazin« in Frankfurt veröffentlicht wurde,
-giebt einen genauen Bericht über diese Operation und von denen, die noch
-folgten:
-
-»22. August. Wir lichteten die Anker und segelten direkt gegen Long
-Island. Die Kriegsschiffe kamen bis auf Schussweite an das Ufer heran
-und richteten ihre Kanonen auf das Gestade. Um 8 Uhr morgens wimmelte es
-an der ganzen Küste von Booten. Um 1/2 9 Uhr hisste der Admiral die rote
-Flagge auf, und in einem Moment erreichten sämtliche Boote die Küste.
-Die Engländer und Schotten mit der Artillerie wurden zuerst
-ausgeschifft, und dann die Brigade Donop (die einzigen Hessen hier).
-Nicht eine Seele machte Widerstand gegen unser Landen. Dies war der
-zweite Fehler der Rebellen seitdem ich in Amerika bin. Der erste Fehler,
-den sie machten, war auf Staten Island, denn sie hätten dort einen
-grossen Teil der Unsrigen mit 2 6 Pfündern vernichten können, und jetzt
-hätten sie uns auch in eine schlimme Lage bringen können. Wir
-marschierten ebenfalls ungehindert durch Gravesend und kamen gegen Abend
-in Flatbush an. 300 Riflemen waren kurze Zeit vor uns dort gewesen. Wir
-schickten ihnen einige Kanonenschüsse nach, stellten unsere Pickets und
-schliefen ruhig die ganze Nacht. Ich machte eine Beute von 2 Pferden,
-von denen ich eines dem Oberst schickte, das andere meinem Diener als
-Packpferd gab.
-
-»23. August. -- Heute Morgen früh wurde der rechte Flügel unserer
-Avantgarde angegriffen. Wir brachten 2 Geschütze in Stellung und warfen
-sie zurück. Es regnete Kugeln. Hauptmann Congreve und ein Konstabler
-wurden an meiner Seite verwundet, ein Engländer bekam einen Schuss durch
-und durch. Am Nachmittag griffen sie auf der linken Seite des Dorfes an
-und zündeten mehrere Häuser an, worauf wir uns in das Dorf zurückzogen.
-Lieutenant von Donop wurde an der Brust verwundet; die Kugel streifte
-eine Rippe. Ich avancierte auf dem rechten Flügel und besetzte einen
-grossen Garten mit 150 Mann Jägern und leichter Infanterie. Als der
-Feind von hier gewichen war, unterstützte ich Lieutenant von Donop. Die
-Rebellen besetzten die Strasse mit 2 Kanonen und unsere schottischen
-Hochländer bauten eine Batterie über den Weg mit Schiessscharten für 2
-Kanonen. Ich hatte diese Arbeit zu decken und hatte den äussersten
-Posten, wurde indessen wenig belästigt.
-
-»24. August. -- Ein heisser Tag. Die Rebellen näherten sich zweimal und
-schossen mit Haubitzen, so dass unsere gesamte Artillerie in Stellung
-gebracht werden musste. Um Mittag schlief ich ein wenig, wurde aber
-durch zwei Kanonenkugeln geweckt, die mich mit Erde bedeckten. Die
-Rebellen haben einige sehr gute Schützen, doch manche darunter haben
-sehr schlechte Gewehre. Aber sie sind listig wie die Jäger. Sie
-erklimmen Bäume, kriechen auf dem Bauch wohl 150 Schritte vorwärts,
-schiessen und gehen ebenso schnell wieder zurück. Sie machen sich
-Deckungen von Ästen etc. Aber heute hatten sie grosse Verluste durch
-unsere »Grünjacken«, denn wir lassen unsere Leute nicht eher schiessen,
-als bis sie einen Mann gut auf's Korn nehmen können, so dass sie nicht
-mehr wagen, irgend etwas gegen uns zu unternehmen.
-
-»25. August. -- Wir verbarrikadierten uns in dem Dorf; des nachts
-sollten sich unsere Jäger gehörig ausruhen. Gegen 2 Uhr weckten uns die
-Rebellen aus unserem Schlummer; wir beruhigten sie schnell mit zwei
-Kanonen und einigen Flintenschüssen. Heute wurden wir wieder
-angegriffen, aber nachdem mehrere von ihnen ins Gras gebissen hatten,
-zogen sie sich zurück. Long Island ist eine wunderschöne Insel, ein
-Arkadien. Die entzückendste Gegend, voll von Wiesen, Kornfeldern, allen
-Arten von Obstbäumen und gut gebauten Häusern. Es war noch eine grosse
-Menge Vieh da, obwohl die Rebellen eine Menge mitgenommen hatten. Die
-meisten der Einwohner waren aus ihren Behausungen geflohen. Die Rebellen
-avancierten mit Macht. General Cornwallis wollte Oberst Donop
-zurückziehen, aber er blieb wo er war und verschanzte sich.
-
-»26. August. -- An diesem Tag wurden wir sehr beunruhigt und während der
-Nacht fortwährend geweckt durch die Allarmierung der Vorposten. Dies war
-nicht durch Angriffe der Rebellen verursacht, sondern meistens durch
-Deserteure, die zu uns übergehen wollten; und wenn die Engländer und die
-hessischen Grenadiere sie herankommen hörten, gaben sie sofort
-Pelotonfeuer, falls sie nicht sofort eine Antwort bekamen. Heute traf
-General von Heister mit 6 Bataillonen bei uns ein.«
-
-»27. August. -- Unserm Oberst war versprochen worden, den ersten Angriff
-zu machen, doch er hörte, dass die Engländer heute angreifen würden, und
-er hatte weder gestern Abend noch heute Morgen einen Befehl bekommen.
-Gegen 10 Uhr standen wir unter den Waffen (der Oberst hatte mit General
-von Heister gesprochen) und gegen 11 waren wir alle in Schlachtordnung.
-Auf unserer rechten und linken Seite gingen die Engländer vor und
-vernichteten die, die wir zurückwarfen. Auf dem linken Flügel, wo ich
-die Avantgarde (50 Jäger und 20 Grenadiere) kommandierte, stand Oberst
-Block mit seinem Bataillon. Hinter mir hatte ich Kapitän Mallet mit
-einer Kompagnie als Reserve. Im Zentrum griff Hauptmann von Wrede an und
-hatte das Bataillon von Minnigerode hinter sich. Auf dem rechten Flügel
-stürmte Kapitän Lory vor, unterstützt durch die 3 übrig gebliebenen
-Kompagnien des Bataillons Linsingen.«
-
-Der Verfasser, der diese Formation der Truppen beschreibt, berichtet nur
-von der Brigade, in welcher er diente. Die Hessen, welche das Zentrum
-der britischen Streitkräfte bildeten, waren an der Strasse von Flatbush
-aufgestellt. Der rechte Flügel unter Clinton und Lord Percy, mit Sir
-William Howe, war früh am Morgen aufgebrochen und es gelang ihm, den
-linken Flügel der amerikanischen Stellung bei Bedford zu umfassen und
-ihnen in den Rücken zu kommen. Nachdem Heister zur Rechten Kanonendonner
-gehört hatte, befahl er den Angriff der Hessen. Die Schlacht war im
-Wesentlichen gewonnen und verloren, bevor der erste Schuss gefallen war,
-indem die Amerikaner überflügelt wurden. Die Letzteren sahen sich in
-Gefahr, von ihren befestigten Werken abgeschnitten zu werden und flohen.
-Einige ertranken im Gowanus Creek auf der Flucht. Zwei ganze Regimenter
-wären wahrscheinlich gefangen genommen, wenn sich nicht General
-Stirling mit fünf Kompagnien Marylanders, mit denen er den Rückzug
-deckte, geopfert hätte. Von diesen fünf Kompagnien entrannen nur acht
-Mann dem Tod oder der Gefangenschaft.
-
-Kehren wir zu dem Tagebuch unseres hessischen Offiziers zurück.
-
-»Meine Jäger waren so hitzig, dass ich, kaum im Wald angelangt, mich mit
-meiner Truppe allein befand. Ich kam in die Mitte des Lagers der
-Rebellen, wo sie noch waren; sah zu meiner Linken ihr grosses Lager, zur
-Rechten ein befestigtes Werk; vor mir formierten sich 50-60 Mann zu
-einer Kolonne. Aber wir liessen ihnen keine Zeit und schlugen sie
-vollständig zurück. Viele wurden getroffen und noch mehr gefangen
-genommen. Ich verlor nicht einen einzigen Mann, so sehr fürchteten sich
-die Rebellen vor unsern Jägern. Auf dem linken Flügel ging es ebenso
-gut. Wir verloren einige Leute; abgesehen von einem Jäger, der im Dorf
-gefallen war, hatten wir keinen Toten. Am ersten Tag machten wir mehr
-als 500 Gefangene, unter denen General Stirling und ein anderer General
-waren; Oberst Johnson war gefallen. General Stirling ist einer der
-bedeutendsten unter den Rebellen, der, das Schwert in der Hand, die
-Leute zwang, gegen ihren König zu kämpfen. So lange wir keine Pferde
-hatten, wurden die Gefangenen an die Geschütze gespannt, später wurden
-sie an Bord der Kriegsschiffe gebracht. In zwei Tagen hatten wir 1100
-Mann gefangen genommen. Die Rebellen sahen sehr zerlumpt aus und hatten
-keine Hemden an. Unsere Hessen marschierten wie Hessen; sie marschierten
-tadellos, und die Engländer wie die tapfersten und besten Soldaten, sie
-verloren daher mehr wie wir. Dies war ein glücklicher Tag für uns. Die
-Rebellen hatten eine sehr günstige Stellung im Wald und wir eine sehr
-schlechte am Dorfe Flatbush. Anfangs machten sie einen guten Gebrauch
-von ihrer Stellung, sie brannten ein Haus ab und legten Feuer an eine
-Scheune bei unseren Vorposten. Aber als wir sie angriffen in ihren
-Schlupfwinkeln, liefen sie, wie es der Pöbel immer macht.«[2]
-
- [2] Nach »Die Neuesten Staatsbegebenheiten« 1777, Frankfurt a/M. Seite
- 110-116. Der Brief, von welchem das oben Angegebene der grösste
- Teil ist, scheint von einem Jägeroffizier geschrieben zu sein,
- wahrscheinlich entweder von Major von Prüschenk oder Lieutenant
- von Grothausen.
-
-Der Herausgeber des Frankfurter Magazins, welcher das Obige
-veröffentlicht, bemerkt, dass viele Briefe von hessischen Offizieren in
-den Zeitungen erschienen sind; dass diese Offiziere sich selbst einen
-grossen Teil des Verdienstes am Siege zuschreiben, und dass,
-hinsichtlich des wohlbekannten Wertes der hessischen Soldaten sie diesen
-zweifellos haben, aber dass einige von ihnen zu wenig die
-Widerstandsfähigkeit und die militärische Ausbildung der Amerikaner in
-Betracht ziehen, »so dass der Ruhm, einen Sieg über einen ein Drittel so
-starken Feind erfochten zu haben, kein so grosser ist.« Diese Bemerkung
-ist jedenfalls am Platz, und die Überlegenheit scheint nicht zu hoch
-angegeben zu sein. Washingtons Armee hatte vor der Schlacht die Linie
-von Kingsbridge bis Flatbush besetzt. Auf Long Island sind
-wahrscheinlich nicht mehr wie 8000 Amerikaner gewesen, während die,
-welche in vorderster Linie engagiert waren, nur 4 oder 5000 zählten,
-gegen 20,000 Engländer und Deutsche.
-
-Sir William Howe giebt in seinem offiziellen Rapport den Verlust der
-Amerikaner an Toten, Verwundeten Gefangenen und Ertrunkenen auf 3300
-Mann an. Bankroft glaubt aber, dass dies eine grosse Übertreibung ist,
-denn, wenn man dem Rapport von Washington Vertrauen schenkt und eine
-genaue Untersuchung anstellt, so erreicht der Gesamtverlust der
-Amerikaner nicht ganz die Zahl von 1000, von denen 3/4 gefangen genommen
-wurden. Der englische Verlust war, nach Howe, 17 Offiziere und 301
-Unteroffiziere und Gemeine. Die Hessen hatten 2 Tote sowie 2 Offiziere
-und 23 Mann Verwundete.
-
-»Der Feind,« schreibt Oberst von Heeringen, der Kommandeur
-eines hessischen Regimentes, »hatte vor seiner Front beinahe
-undurchdringliches Dickicht, befestigte Linien und Redouten. Die
-Schützen wurden meistens mit den Bajonetten an den Bäumen
-aufgespiesst. Dies furchtsame Volk flösst eher Mitleid wie Furcht ein.
-Sie gebrauchen 1/4 Stunde zum Laden, während dessen lassen wir sie
-unsere Kugeln und Bajonette fühlen.«
-
-Unter den Gefangenen, die die Hessen machten, waren zwei Generale --
-Sullivan und Stirling. Nichts legt ein so charakteristisches Zeugnis ab
-von dem Hass und der Verachtung seitens der hessischen Offiziere
-gegenüber den undisziplinierten rebellischen Truppen ihrer Gegner, als
-der Bericht von Heeringens über diese Generale und die anderen Offiziere
-der amerikanischen Armee. »John Sullivan war ein Rechtsgelehrter und
-vorher Diener, aber ein Mann von Geist, dessen Verlust die Rebellen sehr
-beklagen werden. Unter den Gefangenen sind viele sogenannte Obersten,
-Oberstlieutenants, Majors und andere Offiziere, die indess nichts
-anderes als Mechaniker, Schneider, Schuster, Perückenmacher, Schneider
-etc. sind. Einige von ihnen wurden gründlich gehauen von unseren Leuten,
-die solche Menschen keineswegs für Offiziere gelten lassen wollten.
-Sullivan wurde zu mir gebracht, ich untersuchte ihn und fand die
-Originalbefehle Washingtons bei ihm vor, aus denen hervorgeht, dass er
-die besten Truppen unter seinem Befehl hatte, dass Alles davon abhinge,
-den Wald zu halten, und dass er 8000 Mann stark war. Die Engländer haben
-150 Tote und Verwundete »(318 sagt Sir William Howe)«. Dies verdanken
-sie mehr ihrem ungeordnetem Angriff, als dem Wert des Feindes. Es sah
-schrecklich in dem Wald aus, da wenigstens 2000 Tote und Verwundete
-dalagen. Kolonel John von den Rebellen ist tot. Ein Grenadier nahm
-ihn gefangen und schenkte ihm grossmütig das Leben, sagte ihm aber, er
-sollte sich hinter das Bataillon begeben, welches folgte, da der
-Grenadier Schütze war. Jedoch der Oberst wollte ihn ermorden, von hinten
-schlauerweise; heimlich zog er eine Pistole heraus, streifte ihn aber
-nur am Arm, worauf der Letztere ihn mit 3 oder 4 Bajonettstichen
-niedermachte.«
-
-[Illustration: SCHLACHT VON LONG ISLAND August 1776.]
-
-»Unter den gefangen genommenen Offizieren fand ich nicht einen einzigen,
-der in fremden Diensten gewesen wäre. Sie sind nichts als Rebellen und
-hiesige Bürger. Schneider Graul würde eine bedeutende Rolle hier
-spielen.« Oberst von Heeringen findet es weit ehrenwerter, für anderer
-Völker Streitigkeiten zu kämpfen, als für die eigenen. Einem Mann, der
-einst Söldner war, konnte schon eher vergeben werden, wenn er zu den
-Rebellen gehörte. »Mylord Stirling ist ein échappé de famille und gilt
-nicht als Lord in England.« Er sieht dem Lord Granby ähnlich wie ein Ei
-dem andern. General Putnam ist Metzger von Profession. Er kommt mir wie
-Metzger Fischer in Rinteln vor. Die Rebellen desertieren in grosser
-Zahl; es ist gar nichts, Obersten, Oberstlieutenants und Majors mit
-ganzen Trupps von Leuten zu uns übergehen zu sehen. Die genommene Fahne,
-die von rotem Damast gemacht ist mit dem Motto »Liberty«, erschien mit
-60 Mann vor Ralls Regiment. Sie hatten alle ihre Gewehre umgekehrt und
-die Hüte unter dem Arm, fielen auf die Knie und baten flehentlich um ihr
-Leben. Kein Regiment ist richtig uniformiert oder bewaffnet. Jeder Mann
-hat eine schlechte Flinte, solche, mit denen die hessischen Bürger am
-Himmelfahrtstag ausrücken. Stirlings Regiment jedoch hatte blau und rote
-Uniform, war drei Bataillone stark und bestand meistens aus Deutschen,
-die sich aus Pennsylvaniern rekrutierten. Es waren grosse, schöne Leute,
-die vorzügliche englische Gewehre mit Bajonett hatten. Diesem Regiment
-standen die Engländer gegenüber und da diese sie für Hessen hielten, so
-feuerten sie nicht. Doch dieser Irrtum kostete sie Oberst Grant, mehrere
-andere Offiziere und 80 Mann. Sie bekamen eine Salve. Die Engländer
-sammelten sich, griffen mit dem Bajonett an, schlugen alles zu Boden,
-und was nicht massakriert war, wurde gefangen genommen. In kurzer Zeit
-war das ganze Regiment vernichtet. Die Artillerie der Rebellen ist sehr
-schlecht, die Kanonen meist von Eisen und auf Schiffskarren gesetzt.
-
-Es ist behauptet worden, dass in dieser Schlacht die Engländer und
-Hessen keinen Pardon gaben, wenn er verlangt wurde. Oberst von Heeringen
-sagt: »Die Engländer gaben selten Pardon und forderten beständig die
-Unsrigen auf, dasselbe zu thun.« Man sagt auch von den Amerikanern, dass
-sie geglaubt haben, die Hessen gäben keinen Pardon und dass sie infolge
-dessen mit einer eigentümlichen Verzweiflung gefochten haben sollen,
-nachdem sie alle Hoffnungen aufgegeben hatten. Die Thatsache, dass sie
-beiderseitig sich nicht verstanden, mag dahin geführt haben, die
-Möglichkeit der Übergabe zu verringern; auch mag zur Erhöhung der Wut
-beigetragen haben, dass einige Amerikaner die, welche sie gefangen
-genommen, verräterisch angegriffen hatten. »Sie waren,« sagt Lieutenant
-Rüffer in seinem Tagebuch, »so furchtsam, dass sie es vorzogen zu
-fallen, als Pardon anzunehmen, da ihre Generale und Offiziere ihnen
-gesagt hatten, sie würden gehängt.« Sicherlich der komischste Beweis von
-Feigheit, der jemals gegen Soldaten erbracht worden ist.
-
-Nach dem Verlust einer so wichtigen Stellung und von so vielen Leuten im
-Verhältnis zur Zahl seiner kleinen Armee, fand es Washington nicht
-ratsam, die Befestigungen von Brooklyn länger zu halten zu suchen;
-nachdem er gesehen hatte, dass die englische Flotte sich anschickte den
-East River in Besitz zu nehmen und seine Rückzugslinie abzuschneiden,
-verliess er Long Island in der Nacht vom 29. zum 30. August und ging
-nach New-York über, wohin alle Vorräte und Kanonen, ausgenommen einige
-schwere Geschütze, die im Schmutz stecken blieben, gebracht wurden. Eine
-Mythe durchlief die Reihen der Hessen, wonach ein Befehl Washingtons in
-dem eroberten Lager gefunden worden sei, welcher sagte, da es doch
-unmöglich sei, solchen grausamen und schrecklichen Feinden, wie den
-Hessen, Widerstand zu leisten, so möchte jeder sehen, wie er am besten
-entkommen könnte. Dies war also die erste Schlacht der deutschen Truppen
-in der neuen Welt. Die Verachtung, die sie vor einem solchen
-rebellischen und undisziplinierten Feinde hatten, war nur vermehrt
-worden, eine Verachtung, welche völlig auszurotten, nur eine lange Reihe
-von Kriegs- und Unglücksjahren im Stande war.
-
-
-
-
-Kapitel VII.
-
-Von der Okkupation von New-York bis zur Wegnahme von Fort Washington,
-15. September bis 16. November 1776.
-
-
-Es existiert nicht mehr Vieles, was den jetzigen Einwohner von New-York
-an die kleine Stadt erinnern könnte, die vor 100 Jahren an der Südspitze
-von Manhattan Island lag. Es war ein hübscher Ort, mit grossen bequemen
-Häusern, die meist von gelben Ziegelsteinen gebaut waren. Die Räume
-darin waren kärglich eingerichtet, der Fussboden mit Sand bestreut, und
-die Wände mit hohem, gemalten Täfelwerk versehen. Die Büffets, die in
-den besseren Häusern von solidem Mahagoni waren, waren mit glänzendem
-zinnernen Gerät besetzt, oft auch mit solidem Silber für besondere
-Gelegenheiten. Die Strassen waren krumm und hatten Rinnen in der Mitte,
-waren aber vollständig rein und mit Bäumen besetzt. Vor dem Kriege hatte
-der Ort über 20000 Einwohner gehabt, viele aber waren bei der
-Annäherung der streitenden Armeen geflohen. Es gab dort viele Tories,
-besonders unter den Reichen.
-
-Zur Zeit, als Washington sich von Brooklyn zurückzog, wurde New-York
-verteidigt durch ein permanentes Fort, mit Namen Fort George, im Westen
-von einer Batterie, und durch provisorische Werke, die am Ufer entlang
-an verschieden Stellen aufgeworfen waren. Im Norden, landeinwärts, wurde
-der Broadway in der Nähe des Bowling Green durch eine Schanze gesperrt,
-und eine zweite befand sich in der Gegend des heutigen Centre-Market.
-Jenseits der Befestigungen lag eine Gegend, »die schönste, die ich je
-gesehen habe,« sagt ein hessischer Offizier.[3] Kornfelder, Wiesen und
-Obstgärten bedeckten das reizende Gelände, und von den Gipfeln der Berge
-und Hügel schauten die alten Kolonialhäuser, jedes mit einer Piazza und
-mit einer Ballustrade umgeben, herab in die lächelnde Landschaft. Der
-hessische Lieutenant bezeichnet sie in seinem Enthusiasmus mit
-Schlössern. Doch in der That, es war eine Vornehmheit in der Bauart der
-besten Wohnhäuser der damaligen Zeit, welche diese Bezeichnung nicht
-ganz unberechtigt erscheinen lässt.
-
- [3] Lieutenant Hinrichs.
-
-Trotz aller Anstrengungen Washingtons und des Kongresses, im Besitz von
-New-York zu bleiben, war die Stadt doch völlig widerstandsunfähig. Die
-Engländer hatten völlige Herrschaft über den Hafen, und eine bedeutende
-Übermacht zu Lande. Als infolgedessen am 15. September 1776 die
-königlichen Truppen auf der Insel landeten, war die einzige Sorge
-Washingtons, der mehrere Tage lang Waffen und Vorräte wegschaffen liess,
-die Nachhut seiner Armee in Marsch zu setzen, bevor ihm der Rückzug von
-den Engländern abgeschnitten werden konnte. Die Landung war unter dem
-Schutz von englischen Kriegsschiffen an einer Stelle, Kips Bay genannt,
-(in der Nähe der östl. 34. Strasse) ausgeführt worden. Unser hessischer
-Lieutenant nennt es 4 Meilen von New-York, er überschätzt aber die
-Entfernung. Die Hessen waren in der Avantgarde, und wie gewöhnlich
-bildeten sie die Jäger und die Grenadiere unter von Donop. Diese
-marschierte unmittelbar auf New-York, während die englische leichte
-Infanterie und die Highlanders sich beeilten, den Inselberg, oder jetzt
-Murrayhill, zu besetzen. Unterdessen zogen die Amerikaner unter dem
-alten Israel Putmann in Eile auf den Strassen ab, die dem North River am
-nächsten lagen, in der Richtung auf Bloomingdale.
-
-Der Landung der Briten war kein Widerstand geleistet worden. Die
-neuenglische Miliz, die dieselbe hätte etwas aufhalten können, benahm
-sich sehr schlecht, und zog sich die heftigste Missbilligung seitens
-Washingtons zu. Es wird erzählt, dass ein Teil der amerikanischen Armee
-zweifellos abgeschnitten worden wäre infolge dieser Panik, wenn nicht
-Mrs. Murray Sir William Howe durch ihre gastliche Aufnahme und die
-Anziehungskraft ihres alten Madeira aufgehalten hätte. Diese
-schätzenswerte Dame hielt den britischen General 2 Stunden lang bei
-guter Laune, während ihre zerlumpten und hungrigen Landsleute seinen
-Krallen entwischten. Niemals hat wohl die Gastfreundschaft von
-Murray-Hill einer bessern Sache gedient.
-
-Am 16. September fand ein heftiges Gefecht in der Nähe von
-Manhattanville statt. Ein Teil der britischen Infanterie und zwei
-Bataillone Highlanders wurden zurückgeschlagen und waren in einer etwas
-prekären Lage, als die allgegenwärtigen Jäger und Grenadiere zu ihrer
-Unterstützung heranrückten; ebenso waren einige andere deutsche
-Regimenter in Bewegung gesetzt worden. Washington, der fürchtete, dass
-der Feind eine grössere Truppenmacht, als es in Wirklichkeit der Fall
-war, vorschieben würde, ordnete den Rückzug an. Die Engländer verloren
-280 an Toten und Verwundeten, die Amerikaner ungefähr 60. Dies Gefecht,
-in dem die letzteren sich sehr gut benahmen und den Engländern einen
-verhältnismässig schweren Verlust beibrachten, trug wesentlich dazu bei,
-ihren Mut neu zu beleben nach den Rückzügen und Misserfolgen der
-vergangenen Tage.
-
-Der britische General hatte strengen Befehl gegeben, das persönliche
-Eigentum zu respektieren, worauf sofort die reichen Besitzer der
-Landhäuser, die bei Annäherung der königlichen Streitkräfte geflohen
-waren und ihre Besitzung dem Schutz der Dienerschaft anvertraut hatten,
-zurückzukehren anfingen. Lieutenant Hinrichs von den hessischen Jägern,
-welcher am 15. Sept. Befehl erhalten hatte, Plünderungen zu verhüten,
-hatte sich hierbei die Dankbarkeit der Einwohner erworben. Er war in dem
-Gefecht am 16. verwundet und gezwungen worden sich nach ruhiger und
-guter Pflege umzusehen. Er suchte Schutz bei einer Witwe, namens Ogylby
-(Ogilvie?) in der Nähe von Hornhook am East River, und sah zu seiner
-Befriedigung die ganze Familie sich wieder vereinigen nach der durch die
-Kriegsgefahren verursachten Trennung. Grossvater, -mutter, Enkelkinder,
-zusammen mit ihren schwarzen Sklaven und deren Kindern sahen sich wieder
-und umarmten sich mit so viel Herzlichkeit, dass unser gutherziger
-Lieutenant sehr gerührt wurde und eine fieberhafte Nacht verbrachte. Es
-ist unnötig zu erwähnen, dass seine Wirte ihn mit der grössten Güte
-behandelten. Er wurde von dieser wie von andern Wunden, die er im
-Verlauf der Revolution erhielt, geheilt und starb als preussischer
-Generallieutenant im Jahr 1834.
-
-Die Stadt New-York war nur fünf Tage in den Händen der Briten gewesen,
-als in der Nacht vom 20. zum 21. Septbr. in einer kleinen Schenke in der
-Nähe von Whitehall Slip Feuer ausbrach. Das Wetter war trocken und heiss
-gewesen. Starker Wind blies von Süd-West. Das Feuer breitete sich mit
-fürchterlicher Heftigkeit aus. Die Ostseite von Broadway war bis
-Exchange Place abgebrannt. Als der Wind sich nach Südosten gedreht
-hatte, sprang das Feuer von Broadway nach Morris Street über und dehnte
-sich bis Barclay Street aus, wobei die alte Trinity Church abbrannte,
-St. Pauls aber verschont blieb. Schliesslich wurde man Herr des Feuers,
-besonders durch die Anstrengungen von Soldaten und Seeleuten. Bankroft
-behauptet bestimmt, dass dies Feuer nicht durch Brandstiftung verursacht
-wurde; die Briten und Hessen aber waren damals anderer Ansicht und
-einige moderne Geschichtsschreiber schenken ihren Berichten Glauben. Sir
-William Howe stellte in seinem Bericht fest, dass an verschiedenen
-Stellen Feuer angelegt worden sei. Eelking sagt, dass Donop in seinem
-Tagebuch verzeichnet habe, dass der Brand von einem amerikanischen
-Oberst Namens Scott, der früher Advokat gewesen war, in Szene gesetzt
-worden sei.
-
-Dieser hätte dazu 40 verwegene Leute verwendet, die, mit allerhand
-Brennstoffen versehen, an verschiedene, im Besitz von Tories befindliche
-Häuser Feuer gelegt hätten. Dieser Geschichte zufolge wurde Scott
-verhaftet und der ganze Plan geschrieben bei ihm vorgefunden. Die
-Meinung derer, welche glauben, dass das Feuer von den Whigs angelegt
-worden sei, wird durch die zweifellose Thatsache bekräftigt, dass
-mehrere einflussreiche Amerikaner zur Verbrennung New-Yorks geraten
-hatten, und dass der Plan von Washington dem Kongress vorgelegt, aber
-verworfen wurde. Andrerseits lässt sich sagen, dass Panik und
-Leidenschaft, Geschichten von Brandlegung und Gewaltthätigkeiten, die
-beständigen Begleiterscheinungen einer grossen Feuersbrunst sind.
-
-Berichte, die aus damaliger Zeit stammen, sollte man immer mit der
-grössten Vorsicht aufnehmen. Die Geschichte, welche Scott betrifft, ist,
-soviel ich weiss, durchaus unbegründet. Nur soviel ist sicher, dass
-verschiedene Personen während des Umsichgreifens des Feuers von
-englischen Soldaten getötet worden sind, und Bankroft sagt, dass ein
-armer Mensch, der zu den Tories gehörte, an den Beinen aufgehängt wurde,
-bis er starb.
-
-Am 10. Oktober 1776 schiffte General Howe den grössten Teil seiner
-Truppen aus in der Absicht, noch einmal zu versuchen Washingtons
-Rückzugslinie abzuschneiden und ihn in Manhattan Island einzuschliessen.
-Vier Tage lang waren die Briten durch widrige Winde im East River
-festgehalten worden und waren nur soweit gekommen, Hellgate am
-Nachmittag des 14. zu passieren. Die Flotte lag die nächste Nacht vor
-Anker und brach am andern Morgen um 6 Uhr auf, wurde aber durch Winde
-und Sturmfluten aufgehalten, und erreichte Frogs Neck (oder Frogs Point,
-wie es Washington nennt), nicht vor Einbruch der Dunkelheit. Hier hatte
-Howe einstweilen seine Avantgarde gelandet, Washington aber war ihm
-zuvorgekommen und hatte die Übergänge, die zum Festland führen, besetzt.
-Howe beschloss infolge dessen vorzustossen und die Landung bei East
-Chester zu bewerkstelligen. Dies gelang ihm am 18. Oktober nach einem
-heftigen Gefecht. Die britische Armee stand jene Nacht unter Waffen mit
-dem linken Flügel an eine kleine Bucht bei East Chester angelehnt, mit
-dem rechten bei New-Rochelle. Unterdessen marschierten die Amerikaner
-eiligst auf White Plains, wo sie eine starke Stellung einnahmen und
-befestigten. Gerade in diesem kritischen Zeitpunkt vereinigte sich die
-zweite hessische Division mit dem Rest der Armee. Sie bestand aus 3997
-Mann unter dem Kommando von Generallieutenant Wilhelm von Knyphausen,
-und hatte Cassel Anfang Mai verlassen. Das Waldeck'sche Regiment, 670
-Mann stark, und die zweite Waldeck'sche Jäger-Kompagnie unter Hauptmann
-Ewald waren mit dieser Division gekommen. Auf diese Weise waren die
-deutschen Korps unter dem Kommando von General von Heister auf ungefähr
-13,400 Mann gebracht worden. Die neue Division war zurückgelassen worden
-um New-Rochelle zu halten, während die Briten auf White Plains
-vorgingen.
-
-Hauptmann Ewald und seine zweite Jäger-Kompagnie brauchten nicht lange
-zu warten bevor sie in Aktion kamen. Am 23. Oktober stiessen sie bei
-einer Rekognoszierung auf eine überlegene Zahl feindlicher Schützen und
-würden zurückgetrieben sein, wenn ihnen nicht die Hochländer zu Hilfe
-gekommen wären. Ein Lieutenant und sechs Mann wurden verwundet; von
-diesen starben vier nachher. Dies ist der deutsche Bericht in Eelkings
-Buch. Ich will auch den Bericht wiedergeben, welchen General Washingtons
-Stabschef in seinem Rapport an den Präsident des Kongresses giebt: »Am
-Mittwoch war ebenfalls ein scharfes Scharmützel zwischen einem Teil von
-General Hands Schützen, ungefähr 240, und beinahe derselben Anzahl
-hessischer Jäger, in welchem die letzteren geschlagen wurden. Unsere
-Leute beerdigten 10 derselben auf dem Gefechtsfelde, machten zwei
-Gefangene, von denen einer schwer verwundet war. Wir hatten keinen
-andern Verlust als einen, wie anzunehmen, tödlich Verwundeten.«
-
-Am 28. Oktober fand Sir William Howe die Armee Washingtons vorteilhaft
-hinter dem Dorf White Plains postiert. Sie zählte etwas mehr als 13000
-Mann, von denen etwa 1500 Chatterton Hill auf dem äussersten rechten
-Flügel der amerikanischen Stellung besetzt hielten, die von der
-Hauptmacht durch den Bronx-Fluss getrennt wurden. Sir William beschloss,
-diesen rechten Flügel anzugreifen. Ein englisches und zwei hessische
-Regimenter, unterstützt durch die hessischen Grenadiere, durchwateten
-die Bronx und erkletterten die steilen und felsigen Hänge des Berges.
-Das Regiment von Lossberg musste durch einen brennenden Wald angreifen
-und dem heftigsten Feuer der Amerikaner die Stirn bieten. Sein Verlust
-an Toten und Verwundeten betrug nahezu 50 Mann. Das Resultat des Kampfes
-würde zweifelhaft geworden sein, wenn nicht Oberst Rall, der sein
-eigenes Regiment und das nach Knyphausen benannte kommandierte, auch die
-Bronx durchwatet, die Amerikaner in der Flanke gefasst und die in der
-Front angreifenden Truppen unterstützt hätte. Der Fluss war tief und die
-hessischen Soldaten zögerten hineinzugehen. Aber die Lieutenants
-Wiederhold und Briede sprangen zuerst hinein, um sie durch ihr Beispiel
-anzufeuern. Von dem erstem dieser Offiziere werden wir noch mehr hören.
-Der zweite fiel wenige Tage später bei der Einnahme von Fort Washington.
-
-Ein Teil der Amerikaner focht ganz gut bei dieser Gelegenheit, gegen
-eine weit überlegene Zahl. Sie hatten einen zweifellosen Vorteil durch
-ihre Stellung und machten einen guten Gebrauch davon, indem sie dem
-Feinde einen Verlust von ungefähr 280 Toten und Verwundeten beibrachten.
-Howe erwähnt in seinen Berichten den guten Dienst, den die englische und
-hessische Artillerie leistete. Heisters General-Adjutant sagt, dass die
-hessischen Feld-Geschütze einen solchen »Donner« machten, dass man weder
-hören noch sehen konnte. Die Amerikaner hatten nur drei kleine Kanonen
-auf dem Berge.
-
-Die amerikanische Armee war zu dieser Zeit hauptsächlich aus Milizen,
-die von den verschiedenen Staaten nach kurzen Dienstperioden gesandt
-worden waren, zusammengesetzt. Diese Milizen waren in hohem Masse
-schlecht bewaffnet und in Lumpen, undiszipliniert und befehligt von
-Offizieren, die erst vor wenigen Monaten den Schreibpult oder Pflug
-verlassen hatten. Während einige von diesen improvisierten Offizieren
-Leute von Charakter und Talent waren, hatten andere nur das Verdienst,
-Geschicklichkeit im Ausheben von Leuten zu besitzen. Die ausgehobenen
-Leute aber wollten einen solchen Offizier nicht als ihresgleichen
-betrachten und behandeln »und in seiner Eigenschaft als Offizier nicht
-höher achten als einen Besenstiel,« sagt Washington. Einige der
-Amerikaner hatten sich durch tapfere Thaten hervorgethan, aber, wie alle
-rohen Rekruten, veranlassten sie Paniken, oft in ganz unvernünftiger
-Weise. Diese Thatsachen müssen fortwährend bedacht werden, wenn nicht
-die Geschichte der Revolution unverständlich werden soll. Sir William
-Howe andererseits kommandierte eine reguläre, disziplinierte Armee,
-welche kaum in Europa übertroffen wurde und mit Allem zur Führung eines
-Krieges Wünschenswerten versehen war.
-
-Nach dem Gefecht von Chatterton Hill standen sich die Armeen drei Tage
-lang gegenüber und verstärkten ihre Verschanzungen. In der Nacht des 31.
-Oktober zog sich Washington in eine starke Stellung oberhalb White
-Plains zurück und Howe lenkte, nachdem er am folgenden Morgen die
-amerikanische Arriergarde belästigt hatte, seine Aufmerksamkeit einer
-neuen Idee zu.
-
-Auf dem höchsten Punkt von New-York Island, wo sich ein Berg 238 Fuss
-über das Niveau des Hudson erhebt, hatten die Amerikaner ein
-fünfseitiges Erdwerk gebaut, welches sie Fort Washington nannten. Das
-Fort war mit 34 Kanonen armiert, hatte aber keine Kasematten. Das
-Vorfeld eignete sich gut zur Verteidigung und war besetzt von kleineren
-Werken von geringer Stärke. Das Ganze bildete eine Barriere über das
-obere Ende von Manhattan Island, um die Engländer zu verhindern, eine
-Expedition zu Lande zu machen und sich weder sichere noch bequeme
-Winterquartiere in New-York zu verschaffen. Auf der Jersey-Seite des
-Hudson, gegenüber Fort Washington, lag Fort Lee. Zwischen diesen hatte
-General Putnam es unternommen, eine unpassierbare Barriere, die den
-Fluss gegen die Briten verschliessen sollte, zu bauen. Die Werke waren
-unter dem unmittelbaren Kommando von General Greene. Am Morgen des 9.
-Oktober indessen waren die Hindernisse durchbrochen worden, und an den
-Forts vorbei fuhren zwei britische Schiffe von 44 Geschützen jedes, eine
-Fregatte von 20 Geschützen und 3 oder 4 Tender, welche 2 amerikanische
-Ruder-Galeeren auf dem Flusse genommen oder zerstört hatten. Angesichts
-dieser Thatsachen wollte Washington das nach ihm benannte Fort
-verlassen, welches in Gefahr war, umzingelt zu werden. Greene war
-entgegengesetzter Ansicht und der Kongress teilte dessen verblendete
-Idee. Die Autorität des Höchstkommandierenden war so beschränkt, dass es
-ihm nicht gelang, seinen eigenen Ansichten Geltung zu verschaffen.
-Anstatt die Besatzung von Fort Washington zurückzuziehen, wurde sie
-verstärkt, bis Oberstlieutenant Magaw, der es befehligte, beinahe 3000
-Mann unter seinem Kommando hatte. Die Stellung, die besetzt werden
-sollte, war 2-1/2 Meile lang und schloss eine Redoute auf Laurel Hill
-mit ein.
-
-Es war am 16. November 1776, als dieses Fort durch die Armee von Sir
-William Howe gestürmt wurde. Der Angriff wurde gleichzeitig von 4
-Kolonnen gemacht, die gegen 4 verschiedene Punkte vorgingen, diejenige,
-welche den Hauptstoss führte und welcher der Ruhm des Tages gehörte, war
-aus Hessen unter Knyphausen zusammengesetzt. Diese Truppe setzte nach
-New-York Island über bei Kings-Bridge früh um 1/2-5 Uhr und war in zwei
-Kolonnen geteilt, die rechte unter Oberst Rall, die linke unter
-Generalmajor Schmidt. In letzterer war Wiederhold mit der Avantgarde.
-Während längerer Zeit mussten die Deutschen ruhig halten bleiben, bis
-die englischen Kolonnen zum Angriff angesetzt waren und denselben
-einleiteten. Unterdessen hatte Cornwallis die amerikanische Batterie auf
-Laurel Hill genommen. Earl Percy mit zwei englischen und einer
-hessischen Brigade hatte die amerikanischen Werke im Süden bedroht, und
-Oberst Sterling mit den Hochländern war hinter der Truppenabteilung, die
-Percy gegenüberstand, über den Harlem River gegangen und drohte dessen
-Rückzugslinie abzuschneiden. Hierbei mussten die Hochländer ein steiles
-Ufer hinauf angreifen und verloren dabei 90 Mann. Oberst Cadwalader, der
-in dieser Gegend die Amerikaner kommandierte, war gezwungen sich
-zurückzuziehen, und seine Leute, anstatt sich ausserhalb des Forts
-Washington zu sammeln, hatten sich in das Fort hinein gedrängt und
-behinderten dadurch die Vertheidigungs-Massregeln der eigenen Besatzung.
-
-Es war zwischen zehn und elf Uhr. Der Moment für die Hessen zu
-attaquieren, war schliesslich gekommen. Sie wateten durch einen Sumpf
-und erklommen den steilen, felsigen Berg, auf den das Fort gebaut war.
-Vergebens feuerten die Scharfschützen auf sie, vergebens überschüttete
-sie die Artillerie mit einem Hagel von Granaten und Kartätschen.
-Knyphausen selbst war fortwährend im stärksten Feuer, »so dass es ein
-Wunder war,« schreibt Wiederhold, »dass er davon kam ohne totgeschossen
-oder verwundet zu werden.« Der Boden war so steil dort, dass die Leute
-sich am Gesträuch hinaufziehen mussten. Schliesslich erreichten sie die
-Höhe, wo eine ebene Stelle war. »Vorwärts, Grenadiere!« rief Rall. Die
-Tamboure schlugen, die Hornisten bliesen, die Leute schrieen Hurrah!
-Hessen und Amerikaner mengten sich massenweise untereinander und alle
-stürzten sich wild durch einander auf das Fort los.
-
-Die Aussenwerke waren genommen und ihre Verteidiger zurückgetrieben, die
-die Verwirrung in dem Hauptfort noch vermehrten. Oberst Rall rief einen
-von seinen Kapitäns zu sich. »Hohenstein,« sagte er, »Sie sprechen
-englisch und französisch; nehmen Sie einen Tambour, befestigen Sie ein
-weisses Tuch an einem Kurzgewehr, gehen Sie in das Fort und fordern Sie
-die Übergabe.« »Ich that dies sofort,« schreibt der Kapitän, »allein sie
-feuerten beständig auf mich und den Tambour, bis wir auf die Glacies
-kamen, wo die Rebellen uns mit geschlossenen Augen hinauf geleiteten.
-Ich verlangte den Kommandanten zu sprechen. Sie schickten mir einen
-Oberst (Cadwalader) zu, welcher Unterkommandant war, dem ich folgende
-Bedingung stellte: Er sollte sofort mit der Besatzung aus dem Fort
-herausmarschieren, und sie sollten vor General von Knyphausen die Waffen
-strecken. Die ganze Munition, der Proviant und alles was dem Kongress
-gehörte, sollte getreulich angegeben werden; dagegen ich ihm meine
-Parole gäbe, dass alle vom Kommandanten an, einem jeden seine Equipage
-sollte belassen werden, und endlich sollte eine weisse Fahne sofort
-aufgehisst werden, um alle Feindseligkeiten abzubrechen. Der Kommandant
-forderte vier Stunden Bedenkzeit, die ich ihm indessen verweigerte, und
-gestattete ich ihm nur eine halbe Stunde, um sich mit seinen Offizieren
-zu besprechen. Als die halbe Stunde verflossen war, kam der Kommandant
-selbst, sein Schicksal schien ihm ungünstig. Deswegen sagte er: »Die
-Hessen machen Unmöglichkeiten möglich.« Darauf sagte ich ihm: »General
-von Knyphausen steht 100 Schritt von hier. Kommen Sie auf meine Parole
-mit und sehen Sie zu, ob er Ihnen bessere Bedingungen stellen wird.« Er
-war damit zufrieden und ging mit mir.«
-
-Magaw ergab sich Knyphausen, trotz der Nachricht von Washington, der ihn
-zu entsetzen versprach, wenn er bis zur Nacht aushalten könnte. Der
-Platz war indessen unhaltbar. Die Deutschen verloren 56 Offiziere und
-Leute tot und 276 Verwundete bei dem Angriff, die Engländer mehr als
-120. Die Amerikaner verloren weniger als 150 Tote und Verwundete, aber
-ungefähr 2800 Gefangene, unter denen einige der besten Soldaten waren.
-Sie verloren auch einen grossen Teil ihrer Artillerie, viele Waffen und
-Ausrüstungsstücke.
-
-Der Quartiermeister von dem Grenadier-Bataillon von Minnigerode sagt,
-indem er von dieser Schlacht spricht, dass, wenn nicht die Gefangenen
-gewesen wären, der Verlust der Deutschen weit grösser gewesen sein
-würde, als der von den Rebellen, und dass dies von der Art komme, wie
-die letzteren fechten. »Sie liegen einzeln hinter Bäumen, Büschen,
-Steinmauern und Felssteinen, schiessen auf grosse Distancen und mit
-Sicherheit und laufen ganz schnell weg, sobald sie gefeuert haben. Die
-Deutschen können nicht ein Drittel so weit schiessen und können viel
-weniger laufend sie erreichen, und das Terrain hier ist so, dass man die
-Feld-Artillerie bei einer Attaque selten heraufbekommen kann.«
-
-Die Hessen sollen während des Angriffs kein Pardon gegeben haben den
-Scharfschützen, die sie in den Aussenwerken und in den Gehölzen fanden.
-Die Amerikaner, von denen viele dies gesehen haben müssen, waren
-natürlich mutlos zur Zeit der Übergabe. Der Volksmund hatte böse Feinde
-aus den Hessen gemacht. Kapitän von Malsburg erzählt, dass, als er in
-das Fort hineinkam, er sich umgeben fand von Offizieren, denen Furcht
-und Besorgnis auf den Gesichtern geschrieben stand. Sie luden ihn ein in
-ihre Kaserne, drangen ihm Punsch, Wein und Kuchen auf, machten ihm
-Komplimente wegen seiner Freundlichkeit, welche sie zu erstaunen schien,
-und sagten, sie hätten so etwas nicht von einem hessischen Offizier
-erwartet. Sie baten um seinen Schutz, und er dagegen hielt ihnen eine
-Strafpredigt über die Sünde der Empörung gegen ihren guten König.
-
-Die Besatzung marschierte aus zwischen den Regimentern Rall und Lossberg
-hindurch, legte die Waffen nieder und übergab ihre Fahnen, die gelb,
-weiss und hellblau waren. Knyphausen soll auf diese »mit Verachtung«
-geblickt haben. Diese Haltung ist bezeichnend für das hessische
-Bewusstsein ihrer Stärke, doch der amerikanische Leser muss Trost finden
-in der Thatsache, dass innerhalb sechs Wochen die Fahnen der Regimenter
-Rall und von Lossberg wieder in den Händen von Washingtons Armee waren.
-
-Die Hessen erwarben sich grossen Ruhm bei dieser Aktion. Schmidt, Stirn
-und Rall, und die Truppen unter deren Befehl wurden in den Tagesbefehlen
-ehrenvoll erwähnt, und das genommene Fort wurde Fort Knyphausen genannt.
-
-
-
-
-Kapitel VIII.
-
-Trenton, 26. Dezember 1776.
-
-
-Nach der Einnahme von Fort Washington zeigte Sir William Howe eine
-ungewohnte Thätigkeit. Das Fort war am 16. November 1776 gefallen und am
-20. ging die britische Armee über den Hudson nach New-Jersey hinein.
-Fort Lee war hiermit nutzlos und unfähig zur Verteidigung geworden. Es
-wurde schleunigst geräumt und die Geschütze, Zelte und der Proviant
-darin im Stich gelassen. Mehr als 2000 Leute unter General Greene, die
-seine Besatzung gebildet hatten, entkamen notdürftig über den
-Hackensack, indem sie 73 Kranke zurückliessen. Der Zustand von
-Washingtons Armee war ein verzweifelter. Die Dienstzeit von vielen
-Milizen lief am 30. November ab. Diese waren nicht im mindesten zu
-bewegen sich wieder einreihen zu lassen, selbst für eine kurze Zeit,
-ebenso wie die Miliz von New-Jersey nicht ausrücken wollte, um ihren
-eigenen Staat zu beschützen; eine Brigade derselben löste sich auf an
-dem Tag, an dem die Briten in New-Brunswick einrückten. Washington hatte
-ein Detachement unter Lee östlich des Hudson gelassen, doch Lee
-missachtete nun Washingtons wiederholten Befehl sich mit ihm zu
-vereinigen und murrte, anstatt zu handeln. Ungefähr 2400 Mann unter Lord
-Stirling waren detachiert zum Schutz von Nord-New-Jersey und nach 4
-Tagen beordert, den oberen Lauf des Delaware zu verteidigen; und der
-Oberbefehlshaber hatte auf einmal 3500 Mann weniger unter sich. Der
-Marsch der Briten durch New-Jersey wurde kaum gestört, obwohl sich
-Washington langsam vor ihnen zurückzog und die Brücken zerstörte. Am 8.
-Dezember zog er sich über den Delaware zurück und liess auf 70 Meilen
-alle Boote an dasjenige Ufer des Flusses bringen, an dem er sich befand.
-Es entstand eine Panik in Philadelphia, und der Kongress siedelte nach
-Baltimore über. Washington fühlte sich nicht im Stande, mit seiner
-Truppenmacht den Übergang der Briten über den Fluss zu verhindern. Howe
-war indessen nicht der Mann, einen Winterfeldzug mit Energie zu
-betreiben. Er kehrte nach New-York zurück indem er Cornwallis und
-nachher Grant den Oberbefehl in New-Jersey überliess. Bankroft erzählt
-uns, dass der Staat der Plünderung und der Gewaltthätigkeit preisgegeben
-war, und dass alle Versuche, die Hessen davon abzuhalten, aufgegeben
-wurden unter der Entschuldigung, dass die Gewohnheit des Plünderns das
-Desertieren verhindern würde. »Man machte sie glauben,« führt er nach
-dem offiziellen Bericht eines britischen Offiziers an, »bevor sie
-Hessen-Cassel verliessen, sie sollten nach Amerika kommen, um sich ihr
-Privat-Vermögen zu gründen, und bisher haben sie in der That nach diesem
-Prinzip gehandelt.« Washington, auf der andern Seite, schreibt am 5.
-Februar 1777: »Eine Thatsache muss ich zu Gunsten der Hessen anführen,
-und die ist, dass unsere Leute, die gefangen genommen worden waren, im
-Allgemeinen darin übereinstimmen, dass sie von diesen eine viel bessere
-Behandlung erfuhren, als von den britischen Offizieren und Soldaten.«
-
-[Illustration: OPERATIONEN IN NEW JERSEY UND PENNSYLVANIEN. 1776.]
-
-Washington war in dem Glauben, dass die Operationen schnell wieder
-aufgenommen werden, und die Briten auf Philadelphia marschieren würden,
-so bald der Delaware zugefroren sein würde. Ein Brief, der einen oder
-zwei Tage vor Weihnachten aufgefangen wurde, bestärkte ihn in seiner
-Meinung. Es wurde von der grössten Wichtigkeit, einen Streich zu
-führen, bevor der Feind sich anschicken würde, wieder vorzugehen und
-noch vor dem letzten Dezembertag, an dem die Dienstzeit von vielen
-seiner Leute ablaufen würde.
-
-Die Art und Weise, in welcher General Grant, der britische Befehlshaber
-in New-Jersey, über die Truppen verfügte, war folgende: »Princetown und
-New-Brunswick wurden durch die englische Detachements gehalten.« Von
-Donop, der die hessischen Grenadiere und die 42. Hochländer
-kommandierte, stand in Bordentown. Rall, mit der Brigade, die für einige
-Zeit unter seinem Befehl gestanden hatte, 50 hessischen Jägern, 20
-englischen leichten Dragonern und 6 Geschützen hatte Quartier in Trenton
-bezogen. Ralls Brigade war aus 3 hessischen Regimentern zusammengesetzt,
-welche die Namen Rall, von Knyphausen und von Lossberg trugen. Sie war
-von Qualität nicht wesentlich verschieden von anderen hessischen
-Brigaden. Das Regiment von Lossberg hatte sich besonders ausgezeichnet
-bei Chatterton Hill. Das Regiment Rall war aus schlechtem Material
-gebildet, es war eins von denen, welche in der Eile formiert wurden, um
-die Zahl der Soldaten voll zu machen, die der Landgraf zu stellen hatte,
-aber Cornwallis berichtete lange nachher einem Komitee des Hauses der
-Gemeinen, dass sich Ralls Brigade bei Fort Washington die Bewunderung
-der ganzen Armee errang.
-
-Die Regimenter Rall und von Lossberg waren in dem nördlichen Teil von
-Trenton einquartiert, das Regiment von Knyphausen im südlichen, auf
-beiden Seiten der Brücke über den Assanpink. Auf dieser Brücke war eine
-Wache von 12 Mann aufgestellt. Die Soldaten lagen in den verschiedenen
-Häusern zerstreut, und bei gutem Wetter standen die Geschütze im Freien,
-von 2 oder 3 Leuten bewacht. Pickets waren auf den Strassen westlich des
-Nebenflusses vorgeschoben. Die Hauptwache bestand aus einem Offizier und
-70 Mann.
-
-Oberst Rall war ein tollkühner Offizier von der alten Schule. Man sagte,
-er habe darum gebeten, nach Trenton gelegt zu werden, weil er es für
-einen gefährlichen Posten hielt. Bei Chatterton Hill hatte er seine
-Sache sehr gut gemacht; er hatte mit seiner Brigade den amerikanischen
-rechten Flügel geworfen und das Schicksal des Tages entschieden. Er
-hatte einen Hauptanteil an der Erstürmung von Fort Washington genommen.
-Derselbe verwegene Geist, welcher in früheren Jahren ihn veranlasste mit
-den Russen unter Orloff als Volontär gegen die Türken zu kämpfen,
-leitete ihn bei jenen Gelegenheiten. Die Leichtigkeit, mit welcher er
-Siege erfochten hatte, seitdem er in Amerika war, hatte ihn mit einem
-übermütigen Vertrauen erfüllt. Die lumpigen Gesellen, welche durch
-New-Jersey hindurchgetrieben waren, möchten wohl eine Patrouille
-gefangen nehmen oder ein Picket zurückwerfen, aber sie wären, wie er
-dachte, ganz unfähig zu einem ernstlichen Angriff auf eine hessische
-Brigade. »Erdwerke!« sagte er mit einem Fluch zu Major von Dechow, der
-ihm riet, die Stadt zu befestigen; »lasst sie nur kommen! Wir werden sie
-mit dem Bajonnet empfangen;« und als derselbe Offizier ihn bat, einige
-Schuhe von New-York kommen zu lassen, erwiderte er, dass das Alles
-Unsinn sei. Er und seine Brigade wollten barfuss über das Eis nach
-Philadelphia laufen, und wenn der Herr Major keinen Teil an dieser Ehre
-haben wollte, möchte er nur wegbleiben. General Grant, der englische
-Oberbefehlshaber in New-Jersey, teilte Ralls Verachtung der Rebellen.
-Als derselbe ihm vorschlug, ein Detachement nach Maidenhead zu schicken,
-um die Verbindung zwischen Princetown und Trenton offen zu halten,
-antwortete er spöttisch, dass er die Jerseys mit einer Korporalschaft im
-Zaume halten wollte. Von Donop, der in Bordentown kommandierte, schickte
-einen Ingenieur-Hauptmann nach Trenton, um Rall zu bewegen, anzuordnen,
-dass der Ort verteidigungsfähig eingerichtet werde, aber letzterer ging
-nicht darauf ein. Erdwerke wären unnötig, sagte er. Die Rebellen wären
-Taugenichtse. Sie wären schon mehrmals unterhalb der Brücke gelandet und
-hätten unbelästigt davon kommen können, aber jetzt hätte er (Rall)
-Massregeln ergriffen. Wenn sie wiederkämen, wollte er sie nach guter Art
-zurückjagen. Er hoffte, Washington würde auch mit herüberkommen, dann
-könnte er ihn gefangen nehmen. Ralls Sorglosigkeit schien seinen
-Untergebenen so gefährlich, dass die Offiziere von dem Regiment Lossberg
-in einem Brief dem General von Heister Vorstellungen machten, aber zu
-spät.
-
-Ralls Verachtung vor seinem Feind verführte ihn, die einfachsten
-Massregeln zu vernachlässigen. Er revidierte selten einen Posten, selten
-zog er einen Offizier zu Rate. Er verweigerte es, einen Platz für die
-Sicherheit der Baggage im Fall eines Angriffes zu bezeichnen. »Unsinn,«
-sagte er, als er aufgefordert wurde, dies zu thun, »die Rebellen werden
-uns nicht schlagen.« Doch die Leute wurden fortwährend angestrengt durch
-unnötigen Wachtdienst und Hinundhermarschieren. Am 22. Dezember bekamen
-zwei Dragoner, die mit einem Brief nach Princetown geschickt worden
-waren, Feuer aus einem Walde heraus. Einer von ihnen fiel, der andere
-ritt zurück nach Trenton und meldete den Vorfall. Darauf schickte Rall 3
-Offiziere mit 800 Mann und 1 Kanone, um diesen Brief zu befördern, zur
-grossen Heiterkeit der Engländer. Das Detachement hatte bei schlechtem
-Wetter biwakieren und am nächsten Morgen zurückmarschieren müssen. Ein
-Sergeant und 15 Mann würden für diesen Dienst vollkommen genügt haben.
-
-Am 24. Dezember 1776 war eine Rekognoszierungs-Abteilung in der
-Richtung auf Pennington vorgeschickt worden, wurde aber nach einem
-Marsche von einigen Meilen zurückberufen. In der Morgendämmerung des
-25. wurde auf die Pickets nördlich der Stadt von einer kleinen
-Rekognoszierungs-Abteilung der Amerikaner ein Angriff gemacht. Der
-Feind wurde zurückgeschlagen mit einem Verlust von 6 Verwundeten auf
-Seite der Deutschen. Eine Patrouille von 30 Mann unter einem Fähnrich
-wurde eine oder zwei Meilen zur Verfolgung der zurückgehenden
-Amerikaner vorgeschickt, konnte sie aber nicht mehr einholen. Das
-Picket an dem Schnittpunkt der obern Strasse am Fluss mit der nach
-Pennington wurde daraufhin durch 10 Mann verstärkt unter Lieutenant
-Wiederhold, so dass es nunmehr aus 25 Mann im Ganzen bestand. Rall war
-nun der Ansicht, dass alle Gefahr vorüber war. Er war kürzlich gewarnt
-worden, dass ein Angriff bevorstände, und nahm als ganz bestimmt an,
-dass das Geplänkel, in welches die Pickets engagiert worden waren, der
-Angriff war, vor dem er gewarnt wurde. Leslie, der in Princetown
-kommandierte, hatte melden lassen, dass Washington sich vorbereitete,
-den Delaware zu überschreiten, aber Rall gab nicht ernstlich Acht
-darauf. Er befahl nur seinem eigenen Regiment, welches du jour hatte,
-in den Quartieren zu bleiben. Er hatte allerdings Grund sich sicher zu
-fühlen. Es war ihm bekannt, dass keine grosse Truppenmacht in seinem
-Teil von New-Jersey belassen war. Washingtons Armee lag jenseits des
-Delaware, eine zerlumpte, halbbewaffnete Bande von armen Teufeln, die
-bis vor kurzem von Staat zu Staat und von Fluss zu Fluss getrieben
-worden waren. Grosse Eisschollen schwammen, durch den Strom getrieben,
-im Delaware hin und her und machten jegliches Übergehen gefährlich. Die
-Nacht war stürmisch, selbst für Dezember, und bevor es Morgen wurde,
-fegten Schlossen und Schnee durch die Strassen. Aber drinnen war Alles
-fröhlich und lustig. Es war Weihnachtsabend. Die Deutschen, die in
-Trenton gemütlich hausten, konnten über den Sturm lachen und ruhig
-schlafen.
-
-Weit anders wurde die Nacht von der amerikanischen Armee verbracht! Die
-Truppen, unter dem unmittelbaren Befehl von Washington in ihrem Lager
-auf der Pennsylvanischen Seite des Delaware oberhalb Trenton, zählten
-nur 2400 Mann, die im Stande waren, eine anstrengende Unternehmung zu
-machen. Diese brachen um 3 Uhr nachmittags am Weihnachtstag auf, jeder
-Mann hatte Verpflegung für 3 Tage und 40 Patronen. Sie führten 18
-Feldgeschütze mit sich. Diese Truppenmacht erreichte die Fähre von Mac
-Konkey in der Abenddämmerung. Hier wurden die Boote durch Glovers
-Seeleute von Marblehead bemannt, und zwischen den schwimmenden
-Eisschollen hindurch wurde die kleine Armee über den Fluss gerudert. Ihr
-Zustand war so erbärmlich, dass ein Bote, der ihr gefolgt war, leicht
-ihre Spur verfolgen konnte »an dem Blut im Schnee von den Füssen der
-Leute, die zerrissene Schuhe trugen.«
-
-Inzwischen hatte Cadwalader den Fluss bei Dunks Fähre, unterhalb
-Trenton, überschritten, aber das Eis hatte sich gegen des Jersey-Ufer
-hin gepackt, und wenngleich die Fussmannschaften hinüber konnten, so war
-doch für die Artillerie keine Hoffnung dafür vorhanden. Die 1800 Mann,
-die diesen Teil der Unternehmung ausmachten, warteten vergeblich während
-der Dezembernacht. Um 4 Uhr morgens beorderte Cadwalader, der sicher
-glaubte, dass Washington, gleichwie er selbst, wegen der
-Schwierigkeiten, mit der die Expedition zu kämpfen hatte, umgekehrt
-wäre, seine halberfrorenen Leute nach ihrem kalten Lager zurück. »Die
-Nacht,« schreibt Thomas Rodney »war eine so bitterkalte, wie ich sie
-niemals erlebt habe.« Der Fluss war so schwierig zu überschreiten und so
-voll von Eis, dass es 4 Uhr wurde am Morgen des 26. Dezember bis die
-Truppen mit der Artillerie alle hinüber und marschbereit waren. Sie
-hatten noch 9 Meilen zu marschieren, um Trenton zu erreichen, und der
-Sturm hatte sich mit furchtbarer Heftigkeit erhoben. Die zitternden
-Soldaten erklommen einen steilen Berg und stiegen auf die Strasse hinab,
-wo die Bäume ihnen ein wenig Schutz gegen den Nordost-Sturm geben
-sollten. In Birmingham wurde die Armee in zwei Kolonnen geteilt. Die
-rechte unter Sullivan marschierte längs des Flusses, die linke unter
-Washington auf der obern Strasse. Nach einer Weile meldete Sullivan
-durch einen seiner Adjutanten an Washington, dass das Pulver nass
-geworden wäre.
-
-»Dann sagen Sie dem General,« antwortete Washington, »er solle mit dem
-Bajonnet angreifen und in die Stadt eindringen, denn die Stadt müsste
-genommen werden, und ich wäre fest entschlossen sie zu nehmen.« --
-
-Es war ungefähr 1 Stunde nach Tagesanbruch als Lieutenant Wiederhold
-seine Aussenposten eingezogen hatte. Es war eine kalte Nacht gewesen mit
-Schnee und Schlossen. Die kleine Abteilung verbarg sich in einer Hütte,
-die als Wachthaus diente. Wiederhold trat zufällig an die Thüre und sah
-hinaus. Plötzlich waren die Amerikaner vor ihm. Er rief: »An die
-Gewehre!«, und es wurden Schüsse gewechselt.
-
-»Die Aussenwachen leisteten nur geringen Widerstand,« sagt Washington,
-»obschon sie ihrer Zahl nach sich sehr tapfer hielten, indem sie
-zurückgehend fortwährend, hinter Häusern gedeckt, feuerten. Zugleich
-sahen wir, wie sich ihre Hauptabteilung formierte; -- aber nach ihren
-Bewegungen zu urteilen, schien sie unentschlossen, was zu thun.«
-
-Trommeln und Hörner erschallten in den Strassen von Trenton. Rall war
-noch im Bett und völlig schlaftrunken. Lieutenant Biel, der als
-Brigadeadjutant fungierte, scheute sich zuerst, ihn aufzuwecken, und
-eilte zu der Hauptwache, um einen Lieutenant und 40 Mann den Pickets als
-Unterstützung zu senden. Als er zum Hauptquartier zurückkehrte, lag Rall
-in seinem Nachthemd zum Fenster hinaus und schrie: »Was ist denn los?«
-Der Adjutant erwiderte ihm, ob er nicht das Feuern gehört habe. Rall
-sagte, er würde sofort unten sein, und in einem Moment war er angezogen
-und vor der Thüre. Eine Kompagnie von dem Regiment von Lossberg, welche
-Quartiere an der Strasse nach Pennington hatte, und als Avantgarde
-fungierte, hatte diese Strasse besetzt und empfing die fliehenden
-Pickets, musste sich aber sogleich in die Stadt zurückziehen. Washington
-drang bei King- und Queenstreet (jetzt Warren- und Greenstreet) ein, und
-Sullivan von der Strasse am Fluss in die Secondstreet. Einem Teil von
-Ralls Regiment gelang es, sofort sich zu formieren, und nach einer Weile
-erschien Rall selbst zu Pferde. Lieutenant Wiederhold meldete ihm, dass
-der Feind im Vordringen sei, und zwar nicht nur oberhalb der Stadt,
-sondern auch zur Rechten und Linken. Rall fragte, wie stark der Feind
-wäre. Wiederhold antwortete, dass er es nicht angeben könnte, aber er
-hätte 4 oder 5 Bataillone aus dem Walde kommen sehen und dass drei davon
-auf ihn gefeuert hätten, bevor er sich zurückzog. Rall rief, es sollte
-avanciert werden aber er schien verwirrt und nicht imstande, einen
-richtigen Entschluss zu fassen. Seine Truppen waren noch in Unordnung.
-Rall wandte sich zur Rechten in einen Garten mit Äpfelbäumen östlich der
-Stadt, und versuchte die Strasse nach Princeton in seine Gewalt zu
-bekommen. Aber er wurde durch Hands Regiment Pennsylvania
-zurückgeschlagen. Er beschloss darauf, sich einen Weg in die Stadt
-wieder zu erzwingen mit seinem und dem Regiment von Lossberg, wenigstens
-mit so vielen Leuten als zusammengebracht werden konnten. Dies soll er
-versucht haben, um seine Baggage und die Beute der vorhergehenden Wochen
-wegzuschaffen. Indessen wurde er durch einen Hagel von Blei aus Fenstern
-und Thorwegen, von hinter Bäumen und Mauern her empfangen. Die Munition
-der Hessen war nass von dem Schneesturm. Die Amerikaner erneuten den
-Angriff und die Hessen wurden weiter zurückgeworfen, als sie gekommen
-waren. -- Rall wurde durch eine Kugel tötlich verwundet, und die beiden
-deutschen Regimenter, in die grösste Verwirrung gebracht, streckten die
-Waffen.
-
-Dem Regiment Knyphausen ging es wenig besser. Als Rall den Obstgarten
-verliess und sich wieder gegen Trenton wendete, beschloss Major von
-Dechow, sich einen Weg rückwärts über die Assanpink-Brücke zu bahnen und
-sich nach Bordentown durchzuschlagen, wo Donops Truppenabtheilung lag.
-Aber es war unmöglich dies auszuführen, da Sullivan schon die Brücke
-besetzt hatte. Zwei Geschütze steckten tief in einer morastigen Stelle
-und es wurde viel Zeit verloren bei dem Versuche sie herauszuziehen.
-Dechow wurde verwundet. Einigen Soldaten gelang es, den Strom zu
-durchwaten, aber die bei weitem grössere Zahl wurde umringt und an Lord
-Stirling übergeben, mit Ausnahme der Privatbaggage und der Säbel der
-Offiziere. Die, welche entkamen, nahmen ihren Weg nach Princeton. Auch
-die Jäger und englischen Dragoner entkamen und erreichten Bordentown.
-Lieutenant Grothausen von den Jägern wurde angeschuldigt, zu früh
-zurückgegangen zu sein. Er war mit 50 Mann an der untern Flussstrasse
-postirt gewesen und zog sich bei der Annäherung von Sullivan vor diesem
-über die Assanpink-Brücke zurück. Nach Bankroft betrug die Gesamtzahl
-derer, die auf diese Weise durchkamen, 162. Washington giebt in seinem
-ersten Bericht an den Kongress die Zahl derer, welche sich ergaben, auf
-23 Offiziere und 886 Mann an. Einige, die nachher in Trenton gefunden
-wurden, erhöhten die Zahl auf 1000.
-
-Die Nachricht von dem Siege der Amerikaner wurde in New-York mit Kummer
-und Entrüstung aufgenommen.
-
-Der alte Heister, der bei Sir William Howe nicht mehr in Gunst stand,
-mag darin ein Vorzeichen seiner Abberufung gesehen haben. Er berichtete
-am 5. Januar an Schlieffen, den Minister des Landgrafen, das
-Vorgefallene. Seinem Märchen zufolge, das er berichtete, war Ralls
-Brigade von 10 000 Mann überrascht worden und das Desaster durch die
-Tollkühnheit des Obersten verursacht worden, indem er gegen die
-Übermacht vorgegangen wäre, anstatt sich sofort über den Assanpink
-zurückzuziehen. Heister giebt den Verlust von 15 Fahnen zu.
-
-Der Landgraf von Hessen-Kassel war sehr ergrimmt. Er war der Ansicht,
-dass solch ein Vorfall unmöglich gewesen wäre, wenn nicht alle Disziplin
-gelockert wäre. Er befahl, dass eine Untersuchung eingeleitet werden
-sollte, sobald die Offiziere, die als Gefangene in amerikanische Hände
-gefallen seien, ausgewechselt sein würden, und drohte, dass die, welche
-wegen schlechten Verhaltens für schuldig erachtet würden, zur strengsten
-Verantwortung gezogen werden sollten. Auch erklärte er, den Regimentern,
-welche ihre Fahnen verloren hätten, solche nicht eher wieder zu
-verleihen, als bis sie eine gleiche Anzahl vom Feinde genommen hätten.
-Er schrieb an Knyphausen, er hoffe, dass Alle, ebenso wie er, mit
-grossem Kummer und mit Scham erfüllt seien, dass es notwendig wäre,
-diese Scharte wieder auszuwetzen und dass Knyphausen nicht ruhen dürfte,
-bis seine Truppen die Erinnerung an diese unglückliche Affaire durch
-eine grosse Zahl von ausserordentlichen Thaten verwischt hätten. Der
-Landgraf kannte sich nicht in seinem Zorne. Der eigentliche Sünder gegen
-die militärischen Regeln starb in Oberst Rall. Es war die Ansicht von
-Soldaten jener Zeit und ist die Meinung von denen die die Angelegenheit
-seitdem studiert haben, dass die Niederlage und Gefangennahme der
-hessischen Brigade in Trenton durch einfache militärische
-Vorsichtsmassregeln von Seiten ihres Führers hätte verhindert werden
-können. Cornwallis sagte später einem Komitee des Hauses der Gemeinen,
-dass nach Donops Meinung Rall hätte aushalten können bis Donop zu seiner
-Unterstützung von Bordentown herangekommen wäre, wenn er die Befehle Sir
-William Howes befolgt und Redouten gebaut hätte. Rall war mehrfach
-von seinen untergebenen Offizieren gedrängt worden dies zu thun. Dass
-die unter seinem Kommando Befindlichen zur Lockerung der Disziplin
-beitrugen, wozu sie durch das Beispiel ihres Führers notwendigerweise
-verführt wurden, war natürlich. Alle fochten tapfer, viele wurden
-verwundet, doch war der Verlust an Gemeinen nur gering. Dass ein
-früherer Rückzug den Hessen ermöglicht hätte zu entkommen, ist richtig.
-Aber man sollte Soldaten nicht ernstlich dafür tadeln, dass sie ihr
-Terrain festhalten, wenn sie überfallen werden, auch ist Ralls Fehler,
-wenn es einer war, zu versuchen, sich seinen Weg eher in der Richtung
-auf Princeton als auf Bordentown zu bahnen, nicht auf die Rechnung
-seiner Untergebenen zu schreiben.
-
-[Illustration: PLAN VON DER AFFAIRE,
-
-welche am 26. Dec. 1776 bei TRENTON zwischen einem Corps von 6000
-Rebellen unter General Washington und einer Hessischen Brigade unter
-Oberst Rall stattfand.
-
---< _Erklärung umseitig._ >--]
-
- A. Trenton.
-
- B. Picket von 1 Offizier und 24 Mann (Wiederhold).
-
- C. Hauptmann Altenbocums Kompagnie vom Regiment von Lossberg, welches in
- der Nachbarschaft einquartiert war und sich vor dem Quartier des
- Hauptmanns formierte, während das Picket den Feind beschäftigte.
-
- D. Picket von 1 Hauptmann, 1 Offizier und 75 Mann.
-
- E. 1 Offizier und 50 Jäger, die sich sofort über die Brücke zurückzogen
- (Grothausen).
-
- F. Detachement von 1 Offizier und 30 Mann, die sich mit Donops Korps
- vereinigten.
-
- G. Platz, wo die Regimenter nach Verlassen der Stadt Halt machten, und
- wo Oberst Rall den Versuch machte mit seinem und dem Regiment von
- Lossberg einen Angriff auf die Stadt zu unternehmen, der abgeschlagen
- wurde.
-
- I. Platz, wo er mit den Regimentern gefangen genommen wurde.
-
- K. Platz, wo das Regiment von Knyphausen, das die Flanke hatte decken
- sollen, sich ebenfalls übergeben musste, nachdem es versucht die
- Brücke zu erreichen. Die Geschütze vom Regiment von Lossberg waren
- bei dem Regiment von Knyphausen und unglücklicherweise im Sumpf
- stecken geblieben, und bei dem Versuch sie herauszuziehen war der
- Moment, die Brücke zu gewinnen, verpasst worden, infolge dessen der
- Feind sie stark besetzte.
-
- L. Geschütze vom Regiment Lossberg.
-
- M. Geschütze vom Regiment Knyphausen, die während der Affaire nicht beim
- Regiment waren.
-
- N. Geschütze vom Regiment Rall, gleich zu Anfang demontiert.
-
- O. Angriff des Feindes vom Wald aus.
-
- P. Vorgehen und Umzingeln der Stadt durch den Feind.
-
- Q. 2 Bataillone des Feindes verfolgen das Regiment Knyphausen.
-
- R. Letzte Bewegung und Angriff auf das Regiment Knyphausen.
-
- S. Geschütze der Rebellen.
-
- T. Platz, wo General Washington sich postiert hatte und von dem aus er
- seine Befehle gab.
-
-Die Wichtigkeit von Trenton für die Amerikaner darf nicht nur nach dem
-numerischen Ausweis an Toten, Verwundeten und Gefangenen berechnet
-werden. Es war ein neuer Beweis für die unerfahrenen und hülflosen
-Kolonisten, dass sie sich einigermassen zu Soldaten eigneten und dass
-ihre Sache nicht hoffnungslos war. Nach einer langen Reihe von
-Missgeschick und fortwährendem Zurückweichen feuerte sie dies mit neuem
-Mute an. Bunker Hill hatte die Amerikaner belehrt, dass sie den
-britischen Regulären widerstehen könnten. Trenton bewies ihnen in einer
-Stunde der Verzweiflung, dass die gefürchteten Hessen überwunden werden
-könnten.
-
-
-
-
-Kapitel IX.
-
-Der Winter 1777.
-
-
-Die hessischen Offiziere und Soldaten, welche in Trenton gefangen
-genommen waren, mussten am 26. Dezember 1776 denselben kalten und mit
-Schnee bedeckten Weg, auf welchem die Amerikaner zum Angriff vorgegangen
-waren, zurücklegen. Wir können sie uns in ihren Uniformen zitternd vor
-Frost vorstellen, während ihre zerlumpten und barfüssigen Bezwinger
-fröhlich neben ihnen her marschierten und in der Siegesglut den eisigen
-Wind vergassen. Wieder wurde der Delaware durch die schwimmenden
-Eisstücke hindurch überschritten, und man kann überzeugt sein, dass es
-nicht die zerlumpten Amerikaner waren, deren Zähne klapperten; aber eine
-Reaktion trat ein nach so viel Mühsal und Aufregung; am nächsten Morgen
-war die Hälfte der siegreichen Armee erschöpft und dienstuntauglich. 40
-Stunden waren die Amerikaner ununterbrochen unter den Waffen gewesen und
-hatten marschiert und gefochten in Schnee und Eis eines Dezembersturmes,
-so dass nun die Natur Ruhe und Unterkunft für einige Tage forderte. Nur
-Washington war unermüdlich, und obschon die Dienstzeit eines grossen
-Teiles seiner Armee im Ablaufen begriffen war, schickte sich der grosse
-Feldherr an, aus dem errungenen Erfolg Vorteil zu ziehen.
-
-Die hessischen Offiziere wurden mit grosser Höflichkeit von den Führern
-der Amerikaner behandelt. Washington drückte sein Mitgefühl mit ihnen
-unmittelbar nach ihrer Übergabe aus. Stirling, der erst vor kurzem nach
-seiner Gefangennahme auf Long-Island ausgewechselt war, erzählte den
-Offizieren, die ihn besuchten, dass Heister ihn wie einen Bruder
-behandelt habe, und dass er sie ebenso behandeln wollte. Er begleitete
-sie bei ihrem Besuch bei General Washington und lud einige von ihnen zum
-Diner ein. Washington erwies dieselbe Höflichkeit einigen von den
-anderen. Einer von seinen Gästen hat in seinem Tagebuch einen Vermerk
-über den Eindruck hinterlassen, den der berühmteste unter den
-Amerikanern auf ihn gemacht hat: »Diesem General sieht man in seinem
-Gesicht nicht die Grösse an, welche ihm im allgemeinen beigemessen wird.
-Seine Augen haben kein Feuer, aber die freundliche Art seines Ausdrucks,
-wenn er spricht, flösst Zuneigung und Hochachtung ein.«
-
-Wiederhold schreibt: »Am 28. dinierte ich, wie gesagt, ebenso wie
-mehrere andere Offiziere, mit General Washington. Er that mir die Ehre
-an, sich viel mit mir über die unglückliche Affaire zu unterhalten, und
-da ich ihm frei heraus die Ansicht äusserte, dass unsere Massregeln
-schlecht gewesen wären, andernfalls wir nicht in seine Hände gefallen
-wären, fragte er mich, ob ich bessere Massregeln getroffen hätte und in
-welcher Weise. Darauf sagte ich Ja; erwähnte alle Fehler, welche
-begangen worden waren, und zeigte, was ich gethan haben und wie ich mit
-Ehren aus der Verlegenheit gekommen sein würde. Er billigte dies nicht
-nur, sondern sagte mir auch einiges Schmeichelhafte darüber, sowie auch
-über meine Wachsamkeit und den Widerstand, den ich mit meinen wenigen
-Leuten in der Postenlinie am Morgen des Angriffes gemacht hätte. General
-Washington ist ein zuvorkommender und eleganter Mann, aber scheint sehr
-polite und reserviert zu sein, spricht wenig und hat eine schlaue
-Physiognomie. Er ist nicht sehr gross, aber auch nicht klein, sondern
-von Mittelgrösse, und hat eine gute Figur.« Es ist interessant, sich
-diese Szene vorzustellen -- das Wohnzimmer im Farmhaus, das Feuer aus
-dickem Scheitholz, die triefenden Lichter, die Bowle mit rauchendem
-Punsch und General Washington die Kriegskunst erörternd mit seinem
-Gefangenen, der, obwohl nur ein Lieutenant, ausländischen Kriegsdienst
-kennen gelernt hat und wohl wert ist, angehört zu werden.
-
-Die Gefangenen wurden binnen Kurzem nach Pennsylvanien und Virginien
-befördert. Überall strömte das Volk zusammen, um sie zu sehen, und wenn
-den fremden Eindringlingen in ihrem Unglück manchmal mit Flüchen und
-Verwünschungen begegnet wurde, so dürfen wir diejenigen nicht zu scharf
-beurteilen, deren Söhne und Brüder von den Hülfstruppen umgebracht
-werden sollten.
-
-Wir werden beinahe finden, dass die Wage sich zu Gunsten der Amerikaner
-neigt, welche bei vielen Gelegenheiten ihren Feinden mit Vergebung und
-Freundlichkeit begegneten. Die Begleitmannschaft der Gefangenen that
-beständig ihre Pflicht und gelang es ihr, diese vor allem Schlimmeren
-als Beschimpfungen zu bewahren. Die hessischen Offiziere und Leute
-wurden von einander getrennt, und es ist nicht uninteressant, ihren
-Wanderungen bis ins Einzelne zu folgen. Die Offiziere waren in
-Philadelphia und statteten General Israel Putnam am Neujahrstag einen
-Besuch ab. »Er schüttelte jedem von uns die Hand,« sagt einer in seinem
-Tagebuch, »und wir mussten Alle ein Glas Madeira mit ihm trinken. Dieser
-alte Graubart mag ein guter, ehrlicher Mann sein, aber niemand anders
-als die Rebellen würden ihn zum General gemacht haben.«
-
-Die Offiziere wurden, nachdem sie in Dumfries und im Thal von Virginia
-einquartiert waren und viele kleine Beschwerden zu ertragen gehabt
-hatten, im Dezember 1777 nach Fredericksburg gebracht, wo sie mit
-grosser Gastfreundschaft und Güte behandelt wurden. Wiederhold wird
-förmlich pathetisch bei dem Gedanken, von seinen dortigen Freunden
-Abschied zu nehmen. Die Gefangenen hatten in grosser Gunst bei den Damen
-der Nachbarschaft gestanden, welche, wie der Lieutenant sagt, »schön,
-zuvorkommend, gütig, bescheiden und vor Allem sehr natürlich und
-ungezwungen waren.«
-
-16 Damen »ersten Ranges« verabredeten sich nebst einigen Herren, den
-Kapitän in seinem Quartier zu überraschen, wovon er vorher heimlich
-unterrichtet worden war. Er erzählt uns, dass sie kamen und nur eine
-Stunde zu bleiben beabsichtigen, doch schliesslich von 1/2-4 bis 10 Uhr
-abends blieben. General Washingtons Bruder, Schwester und Nichte waren
-darunter. Die deutschen Offiziere regalierten ihre Gäste mit Thee,
-Kaffee, Chokolade, Claret-Wein und Kuchen, und unterhielten sie mit
-Instrumental- und Vokal-Musik, an welcher sich die Damen manchmal
-beteiligten. »In Europa würden wir keinen grossen Beifall geerntet
-haben, aber hier galten wir für Meister. Sobbe spielte die Flöte, Doktor
-Oliva die Violine und ich die Guitarre. Wir wurden so mit Beifall
-überschüttet, dass wir ganz beschämt waren. Ihre Freundschaft für uns
-war zu gross. Einige von den amerikanischen jungen Herren wurden
-eifersüchtig.«
-
-Alle diese Freundlichkeit machte Eindruck auf die Gefangenen. In
-Dumfries 9 Monate vorher, hatte Wiederhold in sein Tagebuch
-niedergeschrieben, dass er lieber ein kleines Gut in Hessen besitzen
-wolle, als die grösste Besitzung in Virginia und dass Amerika für solche
-Leute gut wäre, welche zu Hause dem Galgen entronnen wären. Nun ist er
-aber beim Verlassen von Fredericksburg ganz traurig, obschon es galt,
-zur Armee nach Philadelphia zurückzukehren. Indessen hatte er
-persönliche Gründe hierfür. »Es war sicherlich eine grosse Sache, sich
-so grosser Freundschaft, ja, ich möchte sagen, Liebe zu erfreuen von
-Leuten, deren Feinde wir waren und gegen die wir bald wieder als Feinde
-auftreten mussten.
-
-Sagte doch eine Schöne zu mir, welche mir so innig zugethan war: »Wollte
-Gott, Sie könnten hier bleiben und dass ich niemals so unglücklich sein
-müsste von ihnen zu scheiden, so wie ich es morgen thun muss und
-vielleicht für immer. Aber gehen Sie, wo Ehre und Pflicht Sie hinruft
-und bleiben Sie glücklich!« Dies war Seelengrösse, wie sie nicht allen
-Rebellen innewohnt, denn sie war eine gute Amerikanerin in ihren
-Gesinnungen, schön und reich.« Kein Wunder, dass der Lieutenant die
-Meilen zählte, als er von Fredericksburg abmarschierte.
-
-Die Soldaten erreichten Philadelphia einige Tage später als die
-Offiziere. Über ihren Empfang durch die Volksmenge schreibt ein Korporal
-in seinem Tagebuch: »Gross und Klein, Alt und Jung, standen da um zu
-sehen, was für eine Sorte Sterblicher wir wären. Als wir gerade vor sie
-kamen, sahen sie uns scharf an. Die alten Weiber schrien schrecklich und
-wollten uns erwürgen, weil wir nach Amerika gekommen wären, um ihnen
-die Freiheit zu rauben. Einige Andere brachten uns trotz allen
-Schimpfens Schnaps und Brod, um es uns zu geben, aber die alten Weiber
-wollten es nicht erlauben, und uns obendrein noch erwürgen. Unsere
-amerikanische Begleitmannschaft hatte von Washington Befehl erhalten uns
-in der Stadt überall herumzuführen, damit Jedermann uns sehen sollte;
-aber das Volk drängte sich in uns hinein mit grosser Wut und
-überwältigte beinahe die Begleitmannschaft, so dass, als wir uns den
-Baracken näherten, unser kommandierender Offizier sagte: »Liebe Hessen,
-wir wollen in diese Baracken marschieren.« Wir thaten es, und das ganze
-amerikanische Detachement musste dem wütenden Volke Einhalt thun. Warum
-der amerikanische Offizier seine Gefangenen in so liebevoller Weise
-anredete, scheint nicht klar, aber ein grosser Grad von Vertraulichkeit
-scheint sich zwischen ihnen ausgebildet zu haben. Eelking erzählt eine
-Geschichte, die aber, cum grano salis, aufgenommen werden muss, dass,
-als der Transport im Herbst 1777 von Lancaster nach Winchester geführt
-wurde, und an die Grenze von Virginia kam, die pennsylvanische Eskorte
-sich weigerte, weiter zu marschieren und nicht den Fuss auf den
-geheiligten Boden setzen wollte. In der That zerstreuten sie sich, und
-alle gingen nach Hause. Die Eskorte, die von Winchester hatte kommen
-sollen, um sie zu treffen, war nicht angekommen. Der Kapitän, der das
-Kommando über die Pennsylvanier gehabt hatte, war ein Mann von grosser
-Geistesgegenwart und Menschenkenntniss. Er sagte zu den Hessen, deren
-Zuneigung er durch seine Menschlichkeit gewonnen hatte, dass sie ohne
-Eskorte weiter marschieren müssten, da er selbst nach Winchester
-vorauseilen müsste. Er vertraute den Gefangenen und versprach ihnen gute
-Behandlung bei ihrer Ankunft. Darauf verliess er sie. Die Gefangenen,
-wenn man sie überhaupt so nennen kann, denen Niemand wehrte,
-marschierten weiter in guter Ordnung. Am dritten Tage kam der alte
-Kapitän mit einer virginischen Eskorte zurück und fand alle Hessen durch
-Namensaufruf zur Stelle, nur einige gewissenlose Engländer waren
-verschwunden. Die Deutschen wurden darauf alle mit Branntwein traktiert,
-während die englischen Gefangenen ihren Marsch ohne diese Erfrischung
-wieder aufnehmen mussten. Die Hessen erhielten fortan viele
-Vergünstigungen.
-
-Washington soll die Stimmung im Volke dadurch beruhigt haben, dass er
-bekannt gab, die Hessen seien gegen ihren Willen nach Amerika gekommen.
-Das Loos der Gefangenen scheint nicht übermässig hart gewesen zu sein.
-Viele der gemeinen Soldaten vermieteten sich als Knechte auf die Farmen
-und erhielten Verpflegung und Lohn.
-
-So viele als von Washingtons kleiner Armee dienstfähig blieben,
-überschritten in den letzten drei Tagen des Dezember den Delaware wieder
-und wurden schleunigst unter Cadwaladers und Mifflins Kommando
-vereinigt. Dadurch wurde ihre Zahl auf ungefähr 5000 gebracht, von denen
-3/5 des Militärdienstes unkundig waren. Gegen diese kleine Truppenmacht
-ging Cornwallis mit einer grösseren Zahl von britischen und hessischen
-Veteranen vor. Er kam mit seiner ganzen Streitmacht von Princeton über
-Maidenhead, trotz Donops Rat, in zwei Kolonnen auf beiden Seiten des
-Assanpink zu marschieren. Am 2. Januar 1777 fand ein Geplänkel statt,
-bei dem Lieutenant von Grothausen von den Jägern, welcher von Trenton 7
-Tage vorher entkommen war, ohne seine volle Schuldigkeit gethan zu
-haben, wie behauptet wurde, fiel. Eelking erzählt, dass er von einigen
-Scharfschützen erschossen wurde, welche ihn unter dem Vorwande sich zu
-ergeben, anlockten.
-
-Am Nachmittag des 2. Januar standen sich die englische und
-amerikanische Armee auf beiden Seiten des Assanpink-Flusses
-gegenüber. Vergeblich drängten unsere Offiziere Cornwallis, sofort
-anzugreifen. Die Sonne war im Untergehen, die Brücke war erfolgreich
-verteidigt worden, die englische Armee musste den Strom durchwaten, um
-an den Feind heranzukommen, und der Ausgang schien zweifelhaft. Der
-britische General entschloss sich, den Angriff auf den folgenden Tag
-zu verschieben. Washington wagte nicht, das Schicksal Amerikas auf die
-Widerstandsfähigkeit seiner undisziplinierten Milizen hin zu
-riskieren. Die Nacht war kalt und die Strassen in gutem Zustand für
-das Passieren der Artillerie. Es wurde Holz auf die amerikanischen
-Wachtfeuer gelegt und eine Wache zurückgelassen, um es zu unterhalten.
-Inzwischen marschierte die amerikanische Armee durch die helle
-Januarnacht ab, umging Lord Cornwallis linke Flanke und griff um 9 Uhr
-morgens 3 englische Regimenter zu Fuss und 3 Kompagnien zu Pferde bei
-Princeton an. Die Amerikaner warfen sie, töteten und verwundeten
-ungefähr 200 Mann und machten 230 Gefangene, unter denen 14 britische
-Offiziere waren. Der amerikanische Verlust an Leuten war gering, aber
-schwer an Offizieren infolge eines Unfalles bei Beginn der Affaire.
-Dieser Sieg bei Princeton war das letzte Ereignis des Feldzugs,
-welches den Namen einer Schlacht verdient. Die Briten verliessen den
-grössten Theil von New-Jersey und blieben nur in New-Brunswick, Amboy
-und Paulus Hook. Aber die Vorposten der beiden Armeen unterhielten ein
-Geplänkel den ganzen Winter hindurch. So wurde am 5. Januar 1777 eine
-Abteilung von 50 Waldeckern von einer an Zahl nicht stärkern Abteilung
-Milizen angegriffen, welche 8 oder 10 töteten und die Übrigen,
-einschliesslich 2 Offizieren, zu Gefangenen machten.
-
-In dieser scharmützelnden Art der Kriegführung nahmen, so weit es die
-Hessen betraf, die Jäger oder Chasseurs, wie sie die Engländer und
-Amerikaner nannten, den Hauptanteil. Sie waren gelernte Schützen und
-rekrutierten sich aus den Jägern und Forstleuten von Deutschland. Eine
-Kompagnie derselben war mit von Heister im August 1776 nach Amerika
-gekommen, eine zweite unter Kapitän Ewald mit von Knyphausen im Oktober.
-Sie hatten sich als so nützlich erwiesen, dass ihre Zahl durch einen
-speziellen Vertrag mit dem Landgraf während des Winters 1777 auf 1067
-Mann erhöht wurde, in 5 Kompagnien formiert, von denen eine zu Pferde
-war. Andere Kompagnien wurden von Hanau und Anspach besorgt. Nach dem
-Sommer 1777 war das Korps unter dem Befehl von Oberstlieutenant von
-Wurmb, aber die Kompagnien oder detachierten Teile fochten im
-Allgemeinen getrennt. Es gab wenige Operationen von einiger Wichtigkeit,
-an welchen die Jäger nicht Teil nahmen. Wir glauben gern, dass sie
-manche kühne und glückliche Streiche ausführten, müssen aber die Achseln
-zucken, wenn wir belehrt werden, dass die amerikanischen Milizen
-breitgeränderte Hüte trugen, welche sie über die Augen herunter gezogen
-haben sollen, um sie gegen Wind und Schnee zu schützen, so dass die
-Jäger imstande waren, sich bei hellem Tage an sie heranzuschleichen und
-sie niederzumachen oder zu entwaffnen, bevor sie eine Ahnung davon
-hatten. Diese Yankees sind gewöhnlich so sehr schläfrige Kerls (Eelkings
-»Hülfstruppen« I. S. 182).
-
-Ewald erzählt uns, dass zu Anfang des Jahres 1777 Lord Cornwallis sich
-entschloss Boundbrook in New-Jersey, welches von 1000 Amerikanern unter
-Oberst Butler gehalten wurde, zu überraschen. Der Angriff sollte in 3
-Kolonnen ausgeführt werden. Die erste unter General Mattheus sollte
-einen Scheinangriff auf die Front der amerikanischen Werke machen. Die
-zweite unter Cornwallis sollte über Somerset nach links Butlers Stellung
-umgehen und sie im Rücken fassen. Die dritte sollte rechts über
-Greenbrook marschierend, dem Feinde den Rückzug nach Morristown
-abschneiden. Ewald kommandierte die Avantgarde der 1. Division. Die
-Strasse von Raritan Landing nach Boundbrook, welche in einer Länge von
-2-1/2 Meilen an der linken Seite des Raritan River entlang führt, endigt
-in einen Damm über einen Morast. Durch diesen floss ein Bach, über
-welchen eine steinerne Brücke führte. Um die Brücke und den Damm zu
-beherrschen, hatten die Amerikaner eine Brücke gebaut.
-
-Die Division brach ungefähr um 2 Uhr morgens auf. Halbwegs Boundbrook
-glaubte Ewald, der wie gewöhnlich an der Spitze war, er sähe etwas sich
-bewegen. In der Hoffnung, eine feindliche Patrouille zu überraschen,
-schickte er einen Mann mit dem Befehl zurück, dass der Rest seiner Leute
-leise nachkommen sollte. Er wurde indessen entdeckt und angerufen. Indem
-er seine Leute mit leiser Stimme heranrief, avancierte er bis dicht an
-den Feind heran, der sich als ungefähr 30 Mann stark herausstellte.
-Diese gaben eine Salve ab und verschwanden, Ewald hinter ihnen her.
-Entgegen den Befehlen gaben die Jäger auch einige Schüsse ab. Es würde
-besser gewesen sein, sagt Ewald, ihnen langsam zu folgen, da sie die
-Jäger für eine gewöhnliche Patrouille gehalten haben mochten, eine
-ebensolche, wie man auf dieser Strasse beinahe jede Nacht begegnete.
-Ewald hoffte indessen, über den Damm und in die Redoute gleichzeitig mit
-den Amerikanern zu gelangen, aber die Entfernung war zu gross und der
-Tag brach an. Er war seiner Nase nachgegangen und hatte vergessen,
-hinter sich zu sehen, bis er ungefähr 100 Schritt von der Redoute
-entfernt, sich einem heftigen Feuer ausgesetzt sah, durch welches einige
-seiner Freiwilligen verwundet wurden. Dann sah er sich um und bemerkte,
-dass seine ganze Truppe aus 1 Lieutenant und 7 Mann bestand. Mit diesen
-warf er sich auf die Brücke, die kaum 40 Schritt von der Redoute
-entfernt war und deckte sich hinter die steinerne Brustwehr. Er hoffte,
-dass mehr von seiner Abteilung zur Unterstützung kommen würden, aber es
-stellte sich heraus, dass General Mattheus der Kolonne befohlen hatte zu
-halten, da er nicht unnötig Menschenleben opfern wollte. Ewalds 7
-Schützen unterhielten das Feuer auf die Schiessscharten der Redoute und
-ihr Feuer wurde lebhaft beantwortet, aber es wurde Niemand auf beiden
-Seiten getroffen. Nach kaum 1/4 Stunde hatten sie das Vergnügen,
-heftiges Feuer jenseits der Redoute zu hören, welche von Cornwallis im
-Rücken angegriffen war. Die Besatzung verliess das Werk, und Ewald mit
-seinem Lieutenant und 7 Mann ging vor um Besitz davon zu ergreifen, und
-nahm obendrein 12 Mann gefangen. »Aber«, sagt Ewald, »es war mein
-Fehler, dass Lord Cornwallis nur 150 Gefangene und 2 Kanonen machte
-anstatt 1000 Mann. Denn der Feind war durch das Feuer der Redoute
-geweckt und bekam Zeit, mit General Lincoln zusammen zu entkommen.«
-
-Hier möge noch eine andere Anekdote von Ewald folgen, die diese
-Campagne betrifft: »Als wir zu Anfang des Jahres 1777 während des
-amerikanischen Krieges in New-Brunswick in Jersey lagen, hatte ich den
-Befehl über das äusserste Ende der Piquetlinie bei Raritan Landing an
-der Strasse nach Boundbrook. Dieser Posten konnte nur durch grosse
-Wachsamkeit und den guten Willen und die Liebe der Jäger zu mir
-gehalten werden. Wir schlugen uns täglich mit den Amerikanern herum,
-denn wir waren nur eine Meile von einander entfernt. Eines Morgens um
-das Frühjahr herum, krochen die Amerikaner unter dem Schutze eines
-dicken Nebels so nahe an einen meiner Posten heran, dass sie eins
-meiner Piquets in demselben Moment erreichte, wie eine Patrouille, die
-ich vorgeschickt hatte, und die geworfen wurde. Sie stürzten auf mich
-los so schnell sie innerhalb 200 Schritt von mir konnten.
-Glücklicherweise war ein tiefeingeschnittener Weg zwischen uns, in
-welchen ich mich mit 16 Jägern hineinwarf, indem ich Lieutenant
-Hinrichs zurief, meine rechte Flanke mit dem Rest der Leute zu decken,
-bis Kapitän von Wreden mit seiner Kompagnie heraufkäme. Gerade als ich
-den eingeschnittenen Weg erreichte, erhielt ich heftiges Feuer von
-einem Regiment leichter Infanterie unter Oberst Buttler, woraufhin
-meine Leute, welche sonst brave Burschen waren, den Kopf verloren und
-wegliefen. Erstaunt, wie man wohl glauben mag, rief ich hinter ihnen
-her: »Ihr mögt zum Teufel rennen, aber ich bleibe hier allein stehen.«
-In diesem Moment bemerkte ich, dass ein Mann, Jäger Bauer, bei mir
-stehen geblieben war. Er antwortete: »Nein, Sie sollen nicht allein
-bleiben,« und er rief den Jägern, welche sich fort machten, nach:
-»Jungens, halt, ein Schuft, der wegläuft!« Nachdem er diese Worte
-einigemal nachgerufen hatte, kamen sie alle zurück und kämpften
-als brave Burschen. Die Amerikaner, welche fortwährend ein
-ununterbrochenes Feuer unterhalten hatten, waren die schreckliche
-Verlegenheit, in der ich gewesen war, nicht gewahr geworden. Kapitän
-Wreden und die leichte Infanterie von der englischen Garde unter
-Oberst Osborne kam zu unserer Unterstützung, und die Amerikaner wurden
-mit grossem Verlust zurückgeworfen und beinahe bis nach Boundbrook
-getrieben.« Jäger Bauer, der bei dieser Gelegenheit bei Ewald stand,
-war ein unbedeutend aussehender Bursche aus dem Anspacher Distrikt.
-Ewald hatte sich erst geweigert, ihn in seine Kompagnie einzustellen
-wegen seines Äussern, doch hatte er sich durch die Vorzüglichkeit
-seines Schiessens bewegen lassen ihn einzureihen. Kurz nach der oben
-erwähnten Affaire gab Bauer einen andern Beweis seiner Verwegenheit.
-Am Morgen des 25. Mai fiel Ewald mit einer Abteilung von 11 Jägern und
-30 Dragonern in einen Hinterhalt in der Nähe von Boundbrook. Sie
-wurden umzingelt und waren in Gefahr gefangen genommen zu werden, und
-gerade in diesem Moment stürzte Ewalds Pferd und der Kapitän lag auf
-dem Wege. Als die Jäger, die eine kleine Strecke entfernt waren, das
-Pferd ihres Kapitäns reiterlos auf sie loskommen sahen, erschien Bauer
-mit zwei Andern plötzlich, um den verletzten Offizier in Sicherheit
-zu bringen. Sie trugen ihn mitten im Kugelregen zurück, und als sie
-ihn an einen sicheren Ort gebracht hatten, bemerkte Bauer, dass Ewalds
-Hut fehlte. »Wir müssen ihn wiederkriegen, sagte er, »oder sie werden
-morgen den Hut unseres Hauptmanns im Triumph nach Boundbrook
-hineintragen.« Sie liefen wieder zurück und brachten wirklich den Hut
-trotz aller Kugeln zurück.
-
-Ewald versichert, dass Oberst Reed vor dem Überfall von Trenton Donop
-zweimal besuchte, unter dem Vorwand, Gefangene auszuwechseln, aber in
-Wirklichkeit um zu rekognoszieren. Er erzählt darüber die folgende
-Geschichte:
-
-»In derselben Weise kamen die beiden Obersten Hamilton und Schmidt mit
-einem Trompeter an den Posten, welchen ich bei New-Brunswick in Jersey
-im Anfang der Campagne von 1777 festhielt, nachdem General Howe von
-New-Brunswick nach Milztown vorgegangen und wieder zurückmarschiert war.
-Sie hatten unwichtige Briefe an General Grant von zwei englischen
-Offizieren seiner Brigade, welche am Tage vorher durch ihre eigene
-Schuld gefangen genommen worden waren, indem sie zum Vergnügen
-umhergeritten waren. Ich gab diesen beiden Herren, welche sehr elegante
-und höfliche Leute waren, zu verstehen, dass ich ihre Absicht wohl
-gemerkt hätte, und gab ihnen den wohlgemeinten Rat, sich so schnell als
-möglich fortzumachen und mich so bald nicht wieder zu besuchen. Hierüber
-schienen sie sehr erstaunt zu sein, befolgten aber meinen Rat mit
-grosser Eile. Ich würde sie sicherlich zur Verhaftung nach dem
-Hauptquartier mit verbundenen Augen geschickt haben, wenn ich nicht
-gewusst hätte, dass das Volk über eine so weise Massregel gegen
-Amerikaner gelacht haben würde. Das Beste wäre, wenn solche Herren zu
-unpassender Zeit mit Botschaften kommen, sie wenigstens für einen halben
-Feldzug mit sich zu nehmen.«
-
-Ich glaube nicht im mindesten, dass Hamilton zu den britischen Vorposten
-mit der Absicht gegangen war, die ihm hier unterstellt wird, und ich
-glaube sicher, es geschah, wenn er es that, ohne Mitwissen von
-Washington. Indessen hat man keinen Grund zu bezweifeln, dass ihm Ewald
-argwöhnte und ihn in der beschriebenen Weise entliess.
-
-Es wurden nun im Winter von 1776 auf 77 Unterhandlungen eingeleitet,
-infolge deren Generallieutenant von Heister abberufen wurde von dem
-Kommando über die hessischen Truppen und Generallieutenant von
-Knyphausen ihm folgte. Lord Suffolk hatte auf die Rückberufung gedrungen
-aus dem Grunde, weil Sir William Howe nicht zufrieden war mit Heister.
-Inwieweit Sir Williams Abneigung gegen ihn an rein persönlichen Gründen
-gelegen hat, oder in wieweit der Argwohn gerechtfertigt sein mag, dass
-Heister zu sehr »auf die Erhaltung der unter seinem Befehl stehenden
-Truppen« bedacht war, ist jetzt vielleicht nicht mehr möglich zu
-entscheiden. Aber wir wissen, dass Howe bereits vor der Affaire von
-Trenton mit Heister unzufrieden war, zu einer Zeit, als die englischen
-Verluste entschieden schwerer gewesen waren als die hessischen. Heister
-hatte durch den Vertrag zwischen dem König von England und dem Landgraf
-das Recht des unmittelbaren Befehls über ungefähr die Hälfte von Sir
-William Howes Armee. Die Abmachungen in dem Vertrage waren unbestimmt
-genug, um zu vielen Streitfragen Anlass zu geben. Heister soll
-widerspenstig gewesen sein. Jedenfalls kam er mit seinem
-Oberbefehlshaber nicht gut aus. Dies dürfte ein genügender Grund gewesen
-sein, um ihn abzuberufen.
-
-Die englische Regierung zog es vor, nicht offen mit dieser Sache
-hervorzutreten, sondern die Rückberufung wurde durch den Landgraf
-veranlasst auf Grund von Heisters Gesundheit und Alter und nur »für eine
-gewisse Zeit«. Es war aber wohl begreiflich, dass der alte General in
-Ungnade von dannen ging. Der Landgraf schreibt an Knyphausen: »Nichts
-als die vollkommene Vernachlässigung aller Ordnung und Disziplin kann
-diese Schande (von Trenton) über uns gebracht haben. Ich halte es für
-sehr nötig, über die Sache mit Generallieutenant von Heister zu
-sprechen, und seine Gesundheit ist obendrein für das Klima dort drüben
-nicht stark genug. Ich schreibe ihm deshalb, hierher zu kommen für eine
-gewisse Zeit und übertrage das Kommando ad interim über meine Truppen in
-Amerika auf Sie.« Heister verstand vollkommen, dass er in Ungnade
-gefallen war und starb zwei Monate, nachdem er Cassel erreicht hatte,
-aus Kummer und Sorge.
-
-Im Anfang des Frühjahrs 1777 beliefen sich die wirklichen Besitzungen
-des Königs von England auf amerikanischem Boden auf folgende: Im Staate
-New-York: die Insel im Hafen und etwa ein kleines Stück von West Chester
-County bei Kings Bridge. In New-Jersey: Amboy, New-Brunswick und Paulus
-Hook. In Rhode Island die eigentliche Insel. Aber die Wichtigkeit dieser
-Posten war ausser allem Verhältnis zu ihrer Ausdehnung. Sir William Howe
-kommandierte eine nach modernen Begriffen allerdings kleine Armee, die
-aber gross genug war um die von Washington an Zahl zu übertreffen, und
-die aus disziplinierten Truppen, darunter viele Veteranen, gebildet war,
-während die amerikanische Armee eine veränderliche, hauptsächlich aus
-Milizen bestehende Masse war. Der Kongress hatte an einem der letzten
-Tage des Jahres 1776 bestimmt, dass Washington bevollmächtigt sei,
-auszuheben, zu organisieren und mit Offizieren zu versehen: 16
-Bataillone Infanterie, 3000 Mann leichte Kavallerie, 3 Regimenter
-Artillerie und ein Korps von Ingenieuren. Aber diese Truppen, die erste
-Armee der vereinigten Staaten, als solche, zusammen mit den 88
-Bataillonen, welche gleichzeitig von den einzelnen Staaten aufgestellt
-werden sollten, existierten bis jetzt hauptsächlich auf dem Papier. Am
-14. März 1777 schreibt Washington an den Kongress: »Nach der genauesten
-Schätzung, welche ich machen kann, erreicht unsere Gesamtstärke in
-Jersey, welche augenblicklich dienstfähig ist, nicht die Zahl 3000.
-Diese, ausgenommen 981 Mann, sind Milizen und bleiben nur bis zum
-letzten dieses Monats zum Dienst verpflichtet. Die Truppen, die in der
-Ausbildung begriffen sind, belaufen sich, einschliesslich des Personals,
-auf ungefähr 1000.« Sir William Howes Armee kann zu dieser Zeit
-schwerlich weniger als 25 000 Mann betragen haben.
-
-Die Handvoll Leute, welche die Sache der Freiheit Amerikas aufrecht
-erhielt, war ohne Geld, ohne Kredit, oft ohne Kleidung. Gegen diese
-wurde die Kriegsmacht eines grossen Reiches gesetzt, die Loyalität,
-angefeuert durch eine alte Monarchie, einen unbegrenzten Kredit,
-unberechenbare Hülfsquellen. Eine zweite britische Armee bereitete sich
-vor, von Kanada aus mit der von Sir William Howe zusammen zu operieren
-und, indem sie die Hudson-Linie besetzte, das Land in zwei Teile zu
-teilen. Die Amerikaner konnten nicht auf fremde Hilfe rechnen, bis sie
-nicht die Fähigkeit, sich selbst zu helfen, gezeigt hätten. Ihre
-Hoffnung konnte sich nur gründen auf die eigene Standhaftigkeit, und auf
-den Genius und die patriotische Tapferkeit ihres grossen Führers.
-
-
-
-
-Kapitel X.
-
-Die Braunschweiger in Canada 1776.
-
-
-Das Braunschweigische Kontingent der deutschen Truppen, welches von
-England zur Unterdrückung der Revolte in ihren Nord-Amerikanischen
-Kolonien gedungen war, wurde von Baron Friedrich Adolph von Riedesel
-befehligt. Er stammte aus einer adeligen hessischen Familie und war im
-Jahre 1738 geboren. Im Alter von 15 Jahren war er nach Marburg geschickt
-worden, um Rechtswissenschaft zu studieren, obschon er kaum schreiben
-konnte und nur einige wenige lateinische Brocken gelernt hatte. Ein
-Bataillon hessischer Infanterie stand damals in Marburg, und Riedesel
-sah lieber den Soldaten zu, als dass er den Professoren der Universität
-zuhörte. Der Major, der die Bekanntschaft des Jungen gemacht hatte,
-hoffte ihn als Rekruten zu bekommen. Er gab Riedesel den Rat, in seine
-Kompagnie mit der Aussicht auf Avancement einzutreten und sagte ihm
-obendrein, dass er mit seinem Vater gut bekannt sei und an ihn schreiben
-würde, um seine Einwilligung zu diesem Plane zu erbitten. Kurz darauf
-sagte der Major zu Riedesel, dass er von seinem Vater gehört, er habe in
-seine Einstellung eingewilligt. Der Junge war über diese Nachricht
-entzückt und wurde sofort für den Dienst gemustert. Indessen, als er
-seinem Vater schrieb, um sich zu bedanken, erhielt er eine sehr
-enttäuschende Antwort. Baron von Riedesel hatte nie etwas von dem Major
-gehört und hätte nie seinem Sohn die Erlaubnis gegeben, den für ihn
-gewählten Beruf zu verlassen. Nun aber, da der junge Mann in den Dienst
-eingetreten sei, erforderte es die Ehre, seinen Farben treu zu bleiben,
-aber er brauchte auf keine weitere Unterstützung von Seiten seines
-Vaters zu rechnen. Es blieb dem jungen Riedesel nichts übrig, als sich
-in sein Schicksal zu fügen. Die ganze Angelegenheit ist nur ein Beispiel
-von dem deutschen Rekrutierungs-System der damaligen Zeit.
-
-Der Landgraf von Hessen-Cassel, hatte einige seiner Regimenter an
-England geliehen. Riedesel ging mit seinem Bataillon dorthin mit dem
-Rang als Fähnrich. Er war indessen nicht so lange dageblieben, um die
-Sprache vollkommen zu erlernen, denn sein Regiment war nach Deutschland
-zurückbeordert worden, um am siebenjährigen Kriege Teil zu nehmen, in
-welchem England mit Preussen und einige kleinere deutsche Staaten
-Frankreich, Österreich, Russland und Schweden gegenüberstand. Von dieser
-Zeit an war Riedesels Avancement rapide. Er wurde ein Günstling von
-Prinz Ferdinand und vertauschte den hessischen Dienst mit dem
-braunschweigischen. Beim Ausbruch der amerikanischen Revolution war er
-bis zum Range eines Obersten aufgestiegen und wurde General an dem Tage,
-an dem er an der Spitze des Kontingents aus Braunschweig nach Amerika
-ausmarschierte.
-
-Riedesel sah nichts Entehrendes in der Thätigkeit, zu der er berufen
-war. Er war Soldat von dem Typus, der dem 18. Jahrhundert eigen ist, und
-in militärischen Dingen kannte er nichts anderes als seine Befehle. Er
-war überdies ein zärtlicher Gatte und Vater, und seine Frau und Kinder
-sollten ihm nach der Neuen Welt nachfolgen, sobald es die Gesundheit der
-ersteren erlauben würde. »Liebste Frau,« schrieb er von seinem ersten
-Halt, »nie habe ich mehr gelitten, als heute früh bei meiner Abreise.
-Mein Herz brach mir, und hätte ich zurückgekonnt, wer weiss was ich
-gethan hätte! Aber, meine Liebe, Gott hat mir diesen Beruf gegeben, ich
-muss ihm folgen; Pflicht und Ehre verbinden mich dazu; man muss sich
-also trösten und nicht murren.«
-
-General Riedesel brach von Braunschweig am 22. Februar 1776 nach Stade
-an der Elbe auf, an der Spitze von 2282 Mann. Die Truppen wurden
-zwischen dem 12. und 17. März eingeschifft und gingen am 22. März in
-See. Es waren 77 Soldatenfrauen mit dieser Division. Der Rest des
-braunschweigischen Kontingents marschierte im Monat Mai nach Stade. Die
-einzelnen Teile zusammen beliefen sich auf die Gesamtsumme von 4300
-Mann. Das Regiment von Hessen-Hanau, 668 Mann stark, schloss sich der
-Expedition in Portsmouth an. Die Braunschweiger wurden besichtigt und
-für den englischen Dienst gemustert durch den Oberst Faucitt, welcher
-von dem Aussehen der Soldaten nicht befriedigt war. Viele waren zu alt,
-viele nur halbwüchsige Jungen. Die Uniformen der ersten Division waren
-so schlecht, dass die englische Regierung gezwungen war, Riedesel 5000 £
-vorzuschiessen, um die Leute in Portsmouth neu auszurüsten. Er wurde von
-den englischen Lieferanten betrogen, denn als man die Kisten mit Schuhen
-auf der See öffnete fand man Damenschuhe darin enthalten. Für einen
-Feldzug in Canada waren keine Mäntel vorgesehen. Neue Uniformen für die
-erste Division wurden im Laufe des Sommers nachgeschickt.
-
-Der General war von dem Geiste seiner Truppen sehr befriedigt. »Ich
-weiss die Zufriedenheit unserer Soldaten nicht genugsam zu beschreiben,
--- -- alles ist munter und guter Dinge,« schreibt er von Bord des
-Schiffes aus an seinen alten Chef, Prinz Ferdinand von Braunschweig.
-Bald indessen gesellte sich die Seekrankheit zu der Unbequemlichkeit auf
-den vollgepfropften Schiffen. »Die Soldaten sind meistens alle seekrank
-gewesen. Die meisten sind es noch, wie auch meine Leute«, schreibt
-Riedesel an seine Frau von Dover aus. »Der arme Koch ist es so sehr,
-dass er gar nicht arbeiten, ja nicht einmal den Kopf aufheben kann. Das
-ist eine grosse Unbequemlichkeit für uns, denn Kapitän Foy und ich
-müssen unsere Küche selbst besorgen, welches Dich belustigen würde, wenn
-Du es sähest.« Vor Beendigung der Reise war das Wasser verdorben.
-
-Die Flotte von 30 Schiffen lichtete die Anker in Portsmouth am 4. April
-und kam vor Cap Gaspé am 16. Mai an, vor Quebec am 1. Juni. Riedesel
-erhielt hier das Kommando über ein besonderes Korps, welches aus 1
-englischen und 2 deutschen Bataillonen mit 150 Canadiern und 300
-Indianern bestand und den St. Lawrence-Strom entlang zwischen Quebec und
-Montreal postiert war. »Das hiesige Land wird Dir sehr gefallen; es ist
-so schön, wie es nur sein kann,« schreibt Riedesel am 8. Juni an seine
-Frau; und weiter sagt er am 28.: »Du wirst die Gegenden hier herrlich
-finden, nur schade, dass die Kolonien noch in ihrer Kindheit sind, und
-man also Gemüse, Obst und andere dergleichen zu einem guten Tisch
-gehörige Sachen sehr selten findet; Fleisch, Geflügel und Milch aber hat
-man im Ueberfluss. Die Häuser sind alle nur von einem Stockwerk, haben
-aber inwendig viele Zimmer und sind sehr reinlich. Die Einwohner sind
-überaus höflich und dienstfertig, und ich glaube nicht, dass unsere
-Bauern bei einer ähnlichen Gelegenheit sich so artig bezeigen würden.«
-
-Nachrichten bekam man zu jener Zeit so spät, dass die Niederlage von
-Montgomery und Arnold vor Quebec am 31. Dezember 1775 in England noch
-nicht bekannt war, als die Flotte von dort absegelte. Riedesel und seine
-Begleiter hörten erst davon auf ihrem Wege den St. Lawrence-Strom
-hinauf. Kurz nach ihrer Ankunft wurde Canada von den »rebellischen«
-Truppen bis zum Nordende von Lake Champlain gesäubert, auf welchem See
-die Amerikaner eine Flotte improvisirt hatten, bestehend aus 4
-Schaluppen, 8 »Gondolas« und 3 Ruder-Galleeren. Den Sommer brachten die
-Briten damit zu, Kriegs- und Transportschiffe zu bauen, um den See
-hinauf vorzudringen. Die Truppen wurden einquartiert oder in Lager
-untergebracht den St. Lawrence- und Richelieu-Fluss entlang, und nur ein
-bedeutendes Scharmützel vermochte die gewohnte Thätigkeit des Drillens
-und Schanzenbaues und des gleichzeitig fortschreitenden Bootsbaues durch
-Rückwärtsmarschieren zu unterbrechen.
-
-Am 23. Juni wohnte General Riedesel einer feierlichen Versammlung bei in
-der früheren Jesuitenkirche in Montreal von General Carleton, dem
-Gouverneur von Canada und den Häuptlingen der fünf Nationen. Alle
-höheren Offiziere der Armee waren dazu eingeladen worden und ungefähr
-300 Indianer waren anwesend. Die europäischen Offiziere waren mit
-Stühlen auf dem Chor der Kirche versehen, der Gouverneur in der Mitte,
-den Hut auf dem Kopfe. Die Indianer sassen auf Bänken im Mittelschiff
-der Kirche und rauchten ihre Pfeifen. -- Nachdem Reden gehalten und
-verdolmetscht waren, wurden die Dienste der Indianer durch den
-englischen General angenommen, und es wurden ihnen Stellungen
-angewiesen. Die Indianer reichten den europäischen Offizieren die Hände,
-und den Generalen Carleton, Burgoyne und Phillips wurden Skalpe von
-Rebellen geschenkt. Was die englischen Herren mit diesen reizenden
-Geschenken ihrer menschenfreundlichen Bundesgenossen thaten, ist nicht
-ersichtlich. Bei einer späteren Zusammenkunft, die General Carleton mit
-Indianern mehr von Westen her abhielt, erschien einer von diesen in der
-Uniform des General Braddock, welchen er getötet zu haben behauptete.
-
-Von Montreal sagt Riedesel: »Diese Stadt ist in der That etwas feiner
-als Quebec und hat ungefähr 1600 Häuser. Sie ist von nichts anderem
-umgeben als einer Mauer mit Schiessscharten für Kanonen und Musketen,
-und was man Citadelle nennt ist ein Blockhaus in sehr schlechter
-Verfassung. Diese Werke waren im Jahre 1736 angefangen worden. Die ganze
-Insel Montreal, gleichwie auch die Stadt gehören dem Seminar.... In der
-Nähe dieses Seminars ist der beste Garten von ganz Canada, aber er ist
-nicht besser angelegt, als der von einer Privatperson bei uns zu Hause.
-Sie haben die meisten Arten der europäischen Pflanzen hier.« --
-
-Schliesslich war am 9. September der Transport fertig, um auf dem Lake
-Champlain vorzudringen. Es war indessen notwendig, wegen der
-Kriegsfahrzeuge noch einen Monat länger zu warten. Sobald diese
-vollzählig waren, übertrafen sie die der Amerikaner um mehr als das
-doppelte, sowohl an Zahl als an Gewicht. Sie waren mit aufgegriffenen
-englischen Seeleuten bemannt, während die Schaluppen und Gondolas unter
-Benedict Arnold meistens von Nicht-Seeleuten bemannt und befehligt
-waren. Das Resultat war vorauszusehen. Arnold wählte am 10. Oktober
-1776 eine unvorteilhafte Stellung zwischen Valcour Island und dem
-westlichen Ufer des Sees. Hier bestand er einen ungleichen Kampf am 11.
-und von da entwischte er in der folgenden Nacht, verwegen durch die
-Linie der britischen Flotte hindurchschlüpfend. Am 13. wurde er in der
-Nähe der Insel der vier Winde von Carleton eingeholt. Einige der Boote
-zertrümmerten, andere wurden auf den Strand gesetzt und verbrannt; nur
-fünf entkamen. Arnold und sein Haufe bewiesen die grösste Tapferkeit bis
-zu Ende; aber Tapferkeit allein konnte den Mangel an Seetüchtigkeit und
-die Minderzahl nicht ausgleichen. Einige von den Deutschen nahmen an dem
-Seegefecht vom 11. teil, und eins der Schiffe, auf dem die Hanauer
-Artillerie war, wurde durch das amerikanische Feuer zum Sinken gebracht.
-Die Soldaten und Seeleute, welche es bemannten, wurden indessen durch
-ein anderes Boot gerettet. --
-
-Unmittelbar nach diesem Seekampf besetzte Carleton Crown Point ohne
-Gegenwehr. Streifparteien wurden bis in die Nähe von Ticonderoga
-vorgetrieben. Riedesel war am 22. oder 23. Oktober dieser Festung so
-nahe, dass er sie von einem Hügel aus vollkommen sehen konnte. Er
-dachte, sie könnte wohl leicht von der britischen Armee in Canada
-genommen werden, wenn die ganze Armee in Bewegung gesetzt werden würde,
-doch er rechnete die Stärke der eigentlichen Besatzung entschieden zu
-hoch. Sir Guy Carleton hielt es für zu spät, in diesem Herbst weitere
-Eroberungen zu unternehmen. Selbst Crown Point verliess er und zog sich
-nach der Nordspitze des Sees zurück.
-
-Die Truppen wurden in Winterquartiere gelegt, die Deutschen den
-Riechelieu-Fluss entlang und in die Umgebung des Sees St. Pierre.
-Riedesels Hauptquartier war in Trois-Rivières. Man bemühte sich, die
-Anwesenheit der Soldaten nicht zu schwer auf den Einwohnern lasten zu
-lassen, abgesehen von denen, die Sympathien mit den Rebellen gezeigt
-hatten. Eine strenge Disziplin wurde aufrecht erhalten. Die Soldaten
-empfingen ihre Verpflegung und fällten sich ihr Holz zum Feuern in den
-Wäldern. Die Arbeit des Tragens des Holzes, sobald es gefällt worden war
-und des Kochens scheint den Einwohnern obgelegen zu haben. Die Soldaten
-waren versehen mit langen Hosen von dickem Tuch, die bis hoch zum Leibe
-hinauf reichten, und mit warmen Fausthandschuhen und Kapuzen.
-
-Die zweite Braunschweigische Division war im September nach einer langen
-und stürmischen Ueberfahrt in Canada angelangt. Offiziere und Leute
-waren schliesslich auf halbe Ration von verdorbenen Lebensmitteln
-gesetzt worden. Als die Division von ungefähr 2000 Mann in Quebec ankam,
-waren 19 Mann gestorben und 131 krank an Scorbut.
-
-Der lange Canadische Winter brach unmittelbar darauf herein. Er wurde
-von Riedesel zur Ausbildung der Truppen verwendet wenn das Wetter es
-erlaubte, besonders zur Ausbildung im Schiessen. Er hatte bemerkt, dass
-die Amerikaner bessere Schützen als die Deutschen waren, und er bemühte
-sich eifrig, diesem Mangel bei seinen Soldaten abzuhelfen. Im Laufe des
-Winters reiste er über 1800 Meilen im Schlitten, um die zerstreut
-liegenden Detachements zu besichtigen, und um General Carleton in Quebec
-und Montreal seine Aufwartung zu machen. An ersterem Orte war er am 31.
-Dezember 1776, als ein feierlicher Gottesdienst in der Kathedrale
-gehalten wurde zum Andenken an die Befreiung der Stadt von Arnold und
-Montgomery an diesem Tag des vergangenen Jahres. Die Feierlichkeit wurde
-geleitet von dem Bischof, und 8 unglückliche Canadier mussten öffentlich
-Busse thun, mit Stricken um den Hals, und Gott, die Kirche und König
-Georg um Verzeihung bitten dafür, dass sie den Amerikanern beigestanden
-hatten.
-
-Während des zweiten Teils des Winters gab Riedesel in Trois-Rivières
-jede Woche einen Ball, teils um sich die Zuneigung der Einwohner zu
-erwerben, teils um seine Offiziere von Thorheiten abzuhalten. Der 20.
-Januar, der Geburtstag der Königin von England, wurde mit grossem Pomp
-gefeiert. 40 Gäste waren zum Diner geladen. Gesundheiten wurden in
-Champagner ausgebracht, und eine kleine Kanone wurde nach jedem Toast
-abgefeuert wie im ersten Akte von »Hamlet«. Am Nachmittag und Abend war
-ein Ball, zu welchem nicht weniger als 37 Damen erschienen. Diesen wurde
-des Abends ein Souper serviert, wobei ihnen die Herrn aufwarteten.
-»Demoiselle de Tonnencour«, schreibt ein Augenzeuge, »erhöhte ihre Reize
-durch ihre Juwelen, aber die arme Demoiselle R--e, in ihrem schäbigen
-baumwollenen Kleid, wurde vor vielen von uns vorgezogen wegen ihrer
-natürlichen und angenehmen Art und ihrer schönen Stimme. Sie müssen
-wissen, lieber Herr, dass die kanadischen Schönen französische und
-italienische Lieder an der Tafel singen, und dass bereits mehrere Lieder
-zu Ehren von General Riedesel geschrieben und komponiert worden sind,
-und dass diese oft in Trois-Rivières gesungen werden«. Auf diese Weise,
-mit Dienst und Vergnügen, gingen die Monate dahin bis zu Anfang Juni
-1777, wo sich eine ereignisreiche Campagne für die Braunschweiger
-eröffnete.
-
-
-
-
-Kapitel XI.
-
-Baronin Riedesels Reise 1776 und 1777.
-
-
-Die Baronin von Riedesel war aufgebrochen, um sich mit ihrem Gemahl zu
-vereinigen und hatte ihre drei kleinen Töchter mit sich genommen, von
-denen die Älteste erst 4 Jahre und 9 Monate alt war und die Jüngste ein
-Säugling von 10 Wochen. Die Reise von Deutschland nach Kanada war in
-jenen Tagen keine leichte Sache, sie war weder frei von unberechenbaren
-wie wirklichen Gefahren. »Man stellte mir nicht allein die Gefahren zur
-See vor, sondern sagte mir auch, dass wir besorgen müssten von den
-Wilden gefressen zu werden; dass man sich in Amerika mit Pferdefleisch
-und Katzen ernährte; und doch schreckte mich alles dieses noch weniger
-als der Gedanke, in ein Land zu kommen, wo ich die Sprache nicht
-verstand. Inzwischen war ich auf alles gefasst, und der Gedanke, meinem
-Manne zu folgen und meine Pflichten zu erfüllen, hat mich im ganzen Lauf
-meiner Reise aufrecht erhalten.«
-
-Die Baronin verliess Wolfenbüttel in der Nähe von Braunschweig am 14.
-Mai 1776 und reiste über Calais nach England. »In Mastricht warnte man
-mich, auf meiner Hut zu sein, weil die Wege durch Strassenräuber sehr
-unsicher gemacht wurden, deren in vierzehn Tagen 130 teils gehängt,
-teils auf andere Art hingerichtet worden, welches aber noch nicht der
-vierte Teil von denen wäre, die sich noch da befänden; und dass man sie
-gleich ohne weiteren Prozess auf den Landstrassen und an den Orten
-aufhinge, wo sie ihr Wesen trieben. Diese Nachrichten setzten mich sehr
-in Furcht, und ich nahm mir vor, nicht bei Nachtzeit zu reisen; da ich
-aber sehr schlechte Pferde bekam, so musste ich doch in der Dämmerung
-durch einen Wald, wo etwas hängendes mir durch das offene Fenster in den
-Wagen hineinschlug. Ich fasste darnach, und als ich etwas rauhes fühlte,
-fragte ich was es sei? -- Es war ein Gehängter mit wollenen Strümpfen.
-Noch ganz erschrocken darüber, wurde mir noch weit mehr angst, als man
-vor einem ganz einsam stehenden Hause in diesem nämlichen Walde stille
-hielt, wo die Postillons nicht weiter fahren wollten. Der Ort hiess
-Hune, ich werde es nie vergessen! Ein Mann von ziemlich verdächtigem
-Aussehen empfing uns und führte uns in eine sehr abgelegene Stube, wo
-ich nur ein Bett fand.
-
-Es war kalt, ich liess also Feuer in einem grossen Kamin machen; unser
-ganzes Abendbrod bestand in Thee und in sehr grobem Brode. Mein treuer
-Rockel (ihr alter Diener) kam zu mir mit einem sehr ängstlichen Gesicht
-und sagte mir: »Hier ist's nicht richtig! es ist da eine Kammer voller
-Gewehre, ich glaube die andern Leute sind aus; gewiss sind es
-Spitzbuben! Ich werde aber die Nacht vor ihrer Kammer mit meinem Gewehr
-sitzen und werde mein Leben teuer verkaufen. Der andere Bediente soll in
-der Kutsche sitzen auch mit seinem Gewehr.« Alles dieses machte
-natürlich meinen Schlaf nicht ruhig, ich hatte mich auf einen Stuhl
-gesetzt und den Kopf auf das Bett gelegt. Doch schlief ich endlich ein,
-und wie gross war mein Entzücken beim Erwachen, als man mir um 4 Uhr des
-Morgens zu sagen kam, dass alles zur Abreise fertig sei, und ich darauf
-den Kopf zum Fenster herausstreckte, und in dem Walde, worin wir uns
-befanden, eine Menge Nachtigallen um uns her bemerkte, welche durch
-ihren angenehmen Gesang mir alle meine überstandene Angst vergessen
-machten.«
-
-Solcher Art waren die Unbequemlichkeiten einer Reise auf dem Kontinent
-vor 100 Jahren. Wir werden gleich sehen, was für unangenehme Abenteuer
-Fremde in England zu gewärtigen hatten. Die Baronin gelangte glücklich
-von Calais hinüber nach Dover und erreichte London mit der Post. Der
-Hotelbesitzer in Calais hatte ihr gesagt, dass es nicht sicher für sie
-sei, allein zu reisen und, nachdem er so gethan hatte, als wenn er
-eifrig gesucht hätte, stellte er ihr einen Mann vor, von dem er vorgab,
-dass er ein Gentleman sei, der eingewilligt hätte, die Begleitung zu
-übernehmen. Dieser begleitete sie bis London, wo sie in dem 4. Stock
-eines Hotels einlogiert wurde, obwohl sie gute Räume verlangt hatte. In
-ihrem Tagebuch sagt sie: »Den Tag darauf kam mein Hauswirt mit einer
-ganz verschämten Miene zu mir und fragte mich sehr ehrerbietig, ob ich
-den Menschen kenne, mit welchem ich gekommen wäre, und den ich ihm
-empfohlen so gut zu bewirten (denn ich hatte es für unschicklich
-gehalten, ihn in London mit mir essen zu lassen). Ich sagte ihm, dass es
-ein Edelmann wäre, der auf die Bitte des Herrn Guilhaudin, meines Wirts
-in Calais, mir die Gefälligkeit erzeigt hätte, mich auf der Reise zu
-begleiten. Ha! erwiederte er, dies ist einer von seinen Streichen! Es
-ist ein Lohnbedienter, ein Erzgauner, den er dazu gebraucht, seine
-Geschäfte zu machen; und wie ich Sie mit diesem Menschen im Wagen sitzen
-sah, als Sie ankamen, so muss ich Ihnen bekennen, dass ich nicht
-glaubte, dass Sie das wären, wofür Sie sich ausgäben, und also dafür
-hielt, dass diese Stuben gut genug für Sie sein würden; da ich jetzt,
-nach den Leuten, die zu Ihnen kommen, urteilen kann, dass ich mich
-geirrt habe: so bitte ich Sie sehr um Verzeihung, und ersuche Sie andere
-anzunehmen, für welche Sie mir nicht mehr bezahlen sollen, als für diese
-hier; so sehr wünsche ich mein Versehen wieder gut zu machen. Ich dankte
-ihm und bat, dass er mich doch sobald als möglich von dem Menschen
-befreien sollte, der mir aber doch noch 4 oder 6 Guineen (ich erinnere
-mir nicht mehr genau wie viel es war) für seine Begleitung abforderte.«
-
-Baronin Riedesel hatte Bekannte in London getroffen unter anderen
-Schlieffen, den Gesandten des Landgrafen von Hessen-Cassel, den Mann,
-der das grösste Geschäft bei dem Verkauf von deutschen Truppen an
-England gemacht hatte. Sie verkehrte etwas in der Gesellschaft, war aber
-wegen ihrer kleinsten Tochter viel an das Haus gefesselt. »Eines Tages«,
-schreibt sie, »hatte ich eine unangenehme Geschichte in London. Man
-hatte mir gerathen, dass ich mir ein kleines Mäntelchen und Hut kaufen
-sollte, ohne welche ich nicht ausgehen könnte. Ich war zum Essen beim
-Herrn von Hinüber, dem hannöverischen Minister. Seine Frau schlug mir
-einen Spaziergang nach St. James vor, versäumte aber, mir vorher zu
-sagen, was in unserer Kleidung wider das englische Kostüm war. Gustchen
-war nach französischer Art gekleidet, trug einen kleinen Panier
-(Reifrock) und einen hübschen, kleinen, runden Hut. Ich bemerkte, dass
-man fast mit Fingern auf uns wies und fragte nach der Ursache. Sie sagte
-mir, ich hätte einen Fächer, welchen man mit einem Hut nicht tragen
-dürfe, und meine Kleine wäre zu geputzt, daher man uns für Franzosen
-hielte, die hier schlecht angeschrieben wären.«
-
-»Den Tag darauf ging ich wieder dahin, und wir waren alle ganz auf
-englische Art gekleidet, also glaubte ich, dass man uns nicht bemerken
-würde; ich irrte mich aber, denn ich hörte wieder rufen: French women!
-pretty girl! (Französinnen! hübsche Mädchen!) Ich fragte den
-Lohnbedienten, warum man uns für Französinnen hielt, und erfuhr, dass es
-deshalb wäre, weil ich meinen Kindern Bänder angesteckt hatte. Ich riss
-sie ab und steckte sie in die Tasche, aber man begaffte mich immer noch,
-und ich hörte, dass es wegen der Hüte war, welche die Kinder in England
-von einer anderen Form trugen. Ich sah daraus, wie nötig es war, sich
-nach der Sitte des Landes zu richten, um mit Annehmlichkeit dort zu
-sein, denn der Mob (Pöbel) läuft gleich zusammen, und wenn man sich mit
-ihm in Wortwechsel einlassen wollte, so setzte man sich Beschimpfungen
-aus.«
-
-Einige Tage später reiste die Baronin nach Bristol. Sie schreibt:
-»Gleich den Tag nach meiner Ankunft rief mich meine Wirtin zu einem (wie
-sie es nannte) allerliebsten Schauspiel. Wie ich ans Fenster trat,
-erblickte ich zwei nackte Menschen, die sich mit der grössten
-Erbitterung boxten. Ich sah wie ihr Blut floss und wie die Wuth in ihren
-Augen gemalt war. Zu wenig an einen solchen hässlichen Anblick gewöhnt,
-zog ich mich geschwind in den innersten Winkel des Hauses zurück, um
-nicht das Freudengeschrei zu hören, das die Zuschauer dabei machen, wenn
-einer einen Stoss bekommt. Während meines Aufenthalts in Bristol hatte
-ich einen unangenehmen Auftritt. Ich trug ein zitzenes Kleid mit einem
-Besatz von grünem Taft. Dieses mochte den Bristolern als etwas zu
-Fremdes aufgefallen sein, denn wie ich eines Tages mit Madame Foy
-spazieren ging, versammelten sich über 100 Matrosen um uns, wiesen auf
-mich mit Fingern und riefen: French whore! (französische Hure!) Ich floh
-so geschwind als möglich in das Haus eines Kaufmanns, und nahm den
-Vorwand dort etwas zu kaufen; mittlerweile verlief sich das Volk wieder.
-Das verleidete mir aber mein Kleid, und wie ich wieder nach Hause kam,
-so schenkte ich es meiner Köchin, ob es gleich noch ganz neu war.«
-
-Frau von Riedesel blieb 10 Monate in England. Ihr Gemahl hatte ihr
-gesagt, dass sie nicht ohne Begleitung einer andern Dame reisen sollte,
-und hatte ihr die oben erwähnte Mrs. Foy empfohlen, die sich auch in
-Canada mit ihrem Mann vereinigen wollte. Diese Dame liess die Baronin
-den ganzen Sommer 1776 hindurch warten und weigerte sich schliesslich
-mit ihr zu gehen. Es war spät im Herbst und der Baronin Riedesel war
-angerathen, die Überfahrt nicht zu wagen, da sie den St. Lawrence-Strom
-mit Eis gesperrt finden möchte. Sie kehrte infolgedessen nach London
-zurück, wo sie bei liebevollen Menschen gute Wohnung fand und den
-folgenden Winter zubrachte. Die Sorge für ihre Kinder zwang sie, ein
-ruhiges Leben zu führen. Indessen wurde sie bei Hof vorgestellt, von
-welcher Ceremonie sie folgenden Bericht macht: »Man riet mir, an Hof zu
-gehen, da die Königin geäussert hätte, dass sie mich gern sehen wollte.
-Ich liess mir also eine Hofrobe machen, und Lady George Germaine
-präsentierte mich. -- Es war am Neujahrstage 1777. Ich fand das Schloss
-sehr hässlich und altfränkisch möbliert. Die Damen und Herren stellten
-sich alle in das Audienzzimmer; hierauf kam der König, welcher 3
-Kavaliere vor sich gehen hatte, in das Zimmer. Ihm folgte die Königin
-links herum. Beide gehen keinen vorbei ohne ihm was zu sagen. Am Ende
-des Saals begegnen sie sich, machen sich eine grosse Reverenz, und
-gehen dann ein jeder von ihnen dahin, wo der Andere hergekommen ist. Ich
-frug Lady Germaine, was ich zu thun hätte, und ob der König, wie ich
-gehört hätte, alle Damen küsste? Nein, antwortete sie mir, bloss die
-Engländerinnen und Marquisen, und man hat nichts weiter zu thun, als
-stille auf seinem Platz stehen zu bleiben. Wie nun der König an mich
-heran kam, war ich sehr verwundert, dass er mich küsste, und wurde
-darüber feuerrot, weil es mir ganz unerwartet kam. Er fragte mich
-sogleich, ob ich Briefe von meinem Mann hätte? Ich sagte: Ja, am 22.
-November. Er ist wohl, erwiederte er, ich habe mich express nach ihm
-erkundigt, jedermann ist mit ihm zufrieden, und ich hoffe, dass ihm die
-Kälte nichts schaden wird. Ich antwortete, ich glaubte und hoffte, dass,
-da er in einem kalten Klima geboren wäre, ihm die Kälte nicht so
-beschwerlich fallen würde. Ich hoffe es auch, sagte er; allein dieses
-versichere ich Ihnen, dass die Luft daselbst sehr gesund und klar ist.
-Hierauf machte er mir noch einen sehr freundlichen Gruss und ging
-weiter. Als er weg war, sagte ich der Lady Germaine, dass ich durch den
-Kuss des Königs nun naturalisiert wäre. Hernach kam die Königin, die
-auch sehr freundlich gegen mich war und mich fragte, ob ich schon lange
-in London wäre? Ich sagte »2 Monat«. »Ich glaubte schon länger«,
-erwiederte sie. Ich antwortete, »in London nur so lange, aber in England
-bereits 7 Monat.« Sie fragte, ob es mir hier gefiele? Ich sagte »ja;
-dass ich aber doch sehr wünschte, erst in Canada zu sein«. »Fürchten Sie
-sich denn nicht«, frug sie weiter, »vor der See? Ich liebe sie
-garnicht.« »Ich auch nicht«, erwiederte ich, »allein es ist kein ander
-Mittel, meinen Mann wiederzusehen, und ich werde mit Freunden reisen.«
-»Ich bewundere ihren Muth«, sagte sie, »denn es ist eine starke
-Unternehmung und sehr beschwerlich, zumal mit 3 Kindern.«
-
-»Aus dieser Unterredung sah ich, dass sie schon mehr von mir gehört
-hatte, und es war mir daher lieb, dass ich an den Hof gegangen war. Nach
-der Cour sah ich alle königlichen Kinder, bis auf eins, das krank war.
-Es waren ihrer 10, die ich alle bildschön fand.«
-
-»Ich ging nachher, da ich so gut aufgenommen worden, noch mehreremale
-hin. Als ich vor meiner Abreise nach Portsmouth, im Frühjahr, zu meiner
-Einschiffung von der Königin Abschied nahm, fragte sie mich nochmals, ob
-ich mich nicht vor einer solchen schrecklichen Reise fürchtete; und als
-ich ihr antwortete, dass, da mein Mann wünschte, dass ich ihm folge, ich
-es mit Mut und Vergnügen thäte, weil ich glaubte, meine Pflicht zu
-erfüllen und versichert wäre, dass sie an meinem Platz das nämliche thun
-würde; so sagte sie mir: »Ja, wie man mir aber schreibt, so thun Sie die
-Reise ohne Vorwissen ihres Mannes.« Ich erwiederte: »Da sie eine
-deutsche Prinzessin wäre, so würde sie wohl wissen, dass ich ohne den
-Willen meines Mannes dieses nicht hätte unternehmen können, weil mir das
-Geld dazu gefehlt haben würde.« »Sie haben Recht«, sagte sie, »ich
-billige Ihren Entschluss und wünsche Ihnen alles nur ersinnliche Glück.
-Wie ist der Name ihres Schiffes? Ich werde mich oft nach Ihnen
-erkundigen, und bei Ihrer Zurückkunft, hoffe ich, werden Sie mich
-besuchen.« -- Sie hat Wort gehalten und sich oft nach mir erkundigt und
-mich oft grüssen lassen.« --
-
-Baronin Riedesel schiffte sich am 15. April 1777 an Bord eines
-Kauffarteischiffes ein, welches in Gemeinschaft mit einer Flotte von 30
-Transportschiffen durch zwei Kriegsschiffe begleitet wurde. Sie kam nach
-einer ereignislosen Reise am 11. Juni in Quebec an. Nach einem Aufenthalt
-von nur einem halben Tage in Quebec reiste die unermüdliche Frau mit
-ihren drei kleinen Kindern auf schlechten Wegen und stürmischen Flüssen
-nach Chambly, wo sie schliesslich am 14. Juni ihren Gemahl fand. Sie
-konnten nur zwei glückliche Tage mit einander zubringen, weil die Armee
-im Vormarsch war, und die Baronin war genötigt nach Trois-Rivières
-zurückzukehren. Am 14. August traf sie indessen wieder bei der Armee ein,
-deren darauffolgendes Schicksal sie teilte. Ich will nur noch eins von
-ihren Abenteuern anführen, bevor ich zur Betrachtung der militärischen
-Operationen des braunschweigischen Kontingents zurückkehre:
-
-Die Baronin war von Trois-Rivières aufgebrochen, um sich mit ihrem Manne
-in Fort Edward am Hudson zu vereinigen. Die Gesellschaft reiste in 2
-Booten, von denen das eine mit dem Gepäck beladen war. Sie schreibt:
-»Die Nacht überfiel uns, und wir sahen uns genötigt, auf einer Insel zu
-landen. Das andere Fahrzeug, da es mehr beladen und nicht so gut bemannt
-war, hatte uns nicht folgen können; wir hatten daher weder Betten noch
-Licht, und was das Schlimmste war, nichts mehr zu essen; denn wir hatten
-weiter nichts auf unser Schiff mitgenommen, als was wir den Tag über zu
-gebrauchen dachten; wir fanden auf dieser Insel weiter nichts als die
-vier kahlen Wände eines verlassenen und nicht einmal ausgebauten Hauses,
-welches voller Gesträuche lag, das uns zum Nachtlager diente. Ich
-bedeckte es mit unsern Mänteln und nahm die Kissen von der Barke zu
-Hilfe, so dass wir recht gut schliefen.
-
-Den Kapitän Willoe konnte ich nicht bewegen, in die Hütte mit
-hereinzukommen und sah ihn sehr unruhig, welches ich mir gar nicht
-erklären konnte. Mittlerweile bemerkte ich einen Soldaten, der einen
-Topf ans Feuer setzte. Ich fragte ihn, was er darinnen hätte?
-»Kartoffeln, die ich mir mitgenommen habe.« Ich blickte lüstern nach
-ihnen hin; er hatte nur so wenig, dass ich es grausam fand, ihn
-derselben zu berauben, besonders da er so glücklich dabei aussah.
-Endlich aber siegte doch die Begierde, meinen Kindern davon zu geben
-über meine Bescheidenheit; ich bat also und erhielt die Hälfte, welches
-höchstens ein Dutzend sein mochten; dazu holte er aus seiner Tasche
-zwei oder drei kleine Enden Licht, die mich sehr glücklich machten, weil
-die Kinder sich fürchteten im Finstern zu bleiben. Ich gab ihm für das
-Alles einen grossen Thaler, da war er ebenso glücklich als ich.
-Inzwischen hörte ich Kapitän Willoe Befehl geben, dass man um das
-Gebäude Feuer anzünden, und dass seine Leute die ganze Nacht um dasselbe
-die Runde gehen sollten. Auch hörte ich während der ganzen Nacht Lärm
-machen, welches mich ein wenig am Schlaf hinderte. Als ich am andern
-Morgen beim Frühstück, welches ich auf einem breiten Stein, der uns zum
-Tisch diente, einnahm, den Kapitän, der in der Barke geschlafen hatte,
-nach der Ursache des Lärmes fragte, so bekannte er mir, dass wir in
-grosser Gefahr gewesen, indem diese Insel l'Isle aux Sonnettes (die
-Klapperschlangeninsel) wäre, welche von den vielen darauf befindlichen
-Klapperschlangen den Namen hätte, dass er es nicht gewusst und sehr
-erschrocken sei, als er es erfahren, und wegen der Strömung es doch
-nicht habe wagen dürfen, in der Nacht weiter zu fahren. Es wäre ihm
-daher nichts anderes übrig geblieben, als grosse Feuer und viel Lärm zu
-machen, um die Schlangen zu erschrecken und dadurch abzuhalten. Er habe
-aber die ganze Nacht aus Besorgnis für uns kein Auge zuthun können. Ich
-war über diese Erzählung sehr erschrocken und liess ihm bemerken, dass
-wir unsere Gefahr dadurch noch vergrössert hätten, dass wir uns auf das
-Gesträuch gelegt, in welchem sich die Schlangen gern verbergen. Er gab
-mir Recht und sagte mir, dass, wenn er es eher gewusst, wo wir wären, er
-alles Gesträuch vorher würde haben wegnehmen lassen oder uns gebeten
-haben würde, lieber auch in der Barke zu bleiben. Er habe es aber erst
-von einem der Leute von unserm andern Fahrzeuge erfahren, das uns später
-nachgekommen war. Wir fanden am Morgen noch allenthalben Häute und
-Schleim von diesen garstigen Tieren und eilten daher, mit unserm
-Frühstück fertig zu werden.«
-
-
-
-
-Kapitel XII.
-
-Ticonderoga und Bennington, Juli und August 1777.
-
-
-Die Operationen in Canada und auf dem Lake Champlain während des Sommers
-und Herbst 1776 waren von Sir Guy Carleton, dem britischen Gouverneur
-der Provinz, geleitet worden. Die Generale Burgoyne und Phillips und
-General Riedesel hatten unter seinem Befehl gestanden. Für den Feldzug
-von 1777 wurde indessen vom englischen Ministerium ein neues Arrangement
-getroffen. Carleton behielt die Statthalterschaft und das Kommando über
-die Truppen in Canada bei, aber die Expedition, welche über die Grenzen
-der Provinz hinaus gegen die Rebellen in New-York und Neu-England
-vorgehen sollte, wurde Burgoyne anvertraut.
-
-Generalleutnant John Burgoyne war damals 55 Jahre alt. Lord Macaulay
-beschreibt ihn als »einen Mann von Verstand, feiner Sitte und Ehre,
-einen angenehmen dramatischen Schriftsteller, einen Offizier, dessen Mut
-nie in Frage kam und dessen Brauchbarkeit zu jener Zeit einen grossen
-Ruf hatte.«
-
-Burgoyne war ein Liebling des britischen Ministeriums. Er stand sich
-nicht gut mit General Riedesel noch mit seiner Frau. Riedesel wurde sehr
-gut mit Carleton fertig, hatte aber kein Vertrauen zu Burgoyne, der
-wahrscheinlich zu sehr ein Mann des Vergnügens und Witzes war, um das
-Vertrauen des ernst angelegten deutschen Offiziers zu gewinnen. Riedesel
-beklagt sich, dass er niemals gefragt wurde, und dass Burgoynes Pläne
-ihm nicht anvertraut würden. Es ist klar, dass auf diese Weise
-Eifersucht zwischen den englischen und deutschen Truppen entstand, und
-dass Riedesel fühlte, dass ihm und seiner Truppe Ungerechtigkeit
-widerfuhr.
-
-Der Operationsplan, dessen Grundzüge von Burgoyne selbst aufgestellt
-wurden, war sehr einfach. Das Gros der Armee sollte von Canada am Lake
-Champlain hinauf nach Ticonderoga vorrücken. Wenn dies Fort genommen
-sein würde, sollte die Armee noch weiter südlich vorgeschoben werden, um
-sich mit der Armee von Sir William Howe oder einem Teil derselben, von
-Newyork kommend, zu vereinigen. Ein Korps von leichten Truppen unter
-Oberst St. Leger sollte in gleicher Höhe mit Burgoyne operieren indem es
-über Oswego nach dem Mohawk River, und an diesem entlang bis zu seiner
-Einmündung in den Hudson oberhalb Albany marschieren sollte, dort sollte
-sich diese Expedition mit der Hauptarmee vereinigen.
-
-Die Braunschweiger unter General Riedesels Befehl zählten am 1. Juni 1777
-4301 Offiziere und Mannschaften nach den Rapporten, an Effektivstärke
-3958. Das Hessen-Hanauische Regiment war im vorhergehenden Jahre in der
-Stärke von 668 Mann herübergefahren und war wahrscheinlich nicht unter
-die Zahl von 600 dienstfähigen Leuten herabgesunken. Somit würde sich
-die Gesamtstärke der Deutschen in Canada zu Beginn des Feldzuges auf
-4558 Mann belaufen, von denen 667 unter dem Befehl von Sir Guy Carleton
-belassen wurden und 3891 sich der Expedition unter Burgoyne anschlossen.
-Diese Schätzung schliesst nicht die Hanauischen Jäger ein, da dieselben
-der St. Leger'schen Expedition zugeteilt wurden. Die Gesamtstärke von
-Weissen unter Burgoyne war grösser als 8000; von diesen waren ungefähr
-250 Provinziale.
-
-Einige 500 Indianer begleiteten die Armee und thaten in erster Zeit gute
-Dienste als Kundschafter; sie stellten ihren menschlichen Brotherren die
-Skalpe der amerikanischen Soldaten vor Augen. Der Anblick fand Gefallen
-in den Augen des fashionablen Herrn, welcher die Armee ihrer Majestät
-kommandierte. Er erliess einen Befehl, dass Deserteure von seiner
-eigenen Armee gefangen und ebenfalls skalpiert werden sollten. Man hielt
-aber dafür, dass die Wilden ihre liebenswürdigen Gebräuche zu weit
-getrieben hätten, als sie Jane Mc Crea töteten, ein junges Weib, das mit
-einem Tory von der britischen Armee verlobt war und den geheimen Auftrag
-gehabt hatte, zwei Deserteure bei sich aufzunehmen und zu beschützen.
-Burgoyne wagte es indessen nicht, die Mörder hinrichten zu lassen aus
-Angst »vor dem vollkommenen Abfall der Indianer«.
-
-Bevor die Einrichtung der Eisenbahnen die Reiseroute verändert hatte,
-war die Hauptstrasse zwischen Canada einerseits und Neu-England und den
-mehr südlichen Kolonien andererseits die grosse Wasserstrasse, welche,
-indem man den St. Lawrence-Strom bei Lake St. Pierre verlässt, den
-Richelieu-Fluss hinaufführt, bei Fort St. John vorbei nach dem Lake
-Champlain, diesen See hinauf, Crown Point passierend, nach Ticonderoga.
-Bei Ticonderoga hatte der Reisende oder Eindringling zwischen zwei Wegen
-zu wählen. Entweder konnte er über die kurze Strecke bis zum Lake
-George, dann diesen schönen See hinauf bis zu seinem äussersten Ende und
-von hier nach einem Weg von 12 Meilen nach Fort Edward am Hudson
-gelangen. Dies war der gewöhnliche und leichtere Weg. Oder man konnte
-das schmale obere Ende von Lake Champlain hinauf fahren bis in die
-Gegend des heutigen Whitehall, in dem damaligen Distrikt Skenesborough
-genannt, hatte dann aber einen längern Landweg nach Fort Edward, bei
-Fort Anne vorbei, vor sich. Von Fort Edward führte der Weg den Hudson
-hinunter nach Albany und New-York. Die Hauptrichtung dieser Route geht
-von Norden nach Süden, und merkwürdig gerade, entsprechend dem
-natürlichen Charakter der Landschaft. Die ganze Entfernung von Lake St.
-Pierre bis New-York beträgt ein wenig mehr als 350 Meilen. Whitehall
-liegt ungefähr in der Mitte und Ticonderoga einige 20 Meilen nördlich
-von Whitehall.
-
-Kein Punkt zwischen dem St. Lawrence und New-York wurde für militärisch
-wichtiger erachtet als Fort Ticonderoga. Dies war derartig angelegt,
-dass es die schmale Strecke zwischen Lake Champlain und Lake George
-deckte und die Passage nach der Südspitze des ersteren Sees beherrschte.
-Das Fort war im Jahr 1755 von den Franzosen gebaut worden und Fort
-Carillon von ihnen genannt worden. Es wurde im folgenden Jahre von
-Montcalm verstärkt und im Jahre 1758 widerstand es dem Angriff einer
-englischen Armee von 15000 Mann, der grössten europäischen Armee, die in
-Amerika unter Waffen gewesen war. General Abercrombie, welcher die
-englische Armee kommandierte, machte einen derartig fehlerhaften
-Angriff, dass sein Korps mit grossen Verlusten zurückgeschlagen wurde.
-
-Im Jahre 1759 gaben die Franzosen bei Annäherung von General Amherst das
-Fort Carillon auf, dessen Werke von diesem erneuert wurden. Nun wurde es
-während beinahe 16 Jahren von den Briten gehalten, unbelästigt, bis am
-16. Mai 1776 die kleine Besatzung überrascht und das Fort genommen
-wurde, und zwar von einer Abteilung Amerikaner unter Ethan Allan »im
-Namen des Grossen Jehovah und des kontinentalen Kongresses«. Während den
-zwei Jahren, welche das Fort in amerikanischen Händen gewesen war,
-wurden grosse Anstrengungen gemacht, um es zu verstärken, und es wurde
-sehr reichlich mit Waffen, Munition und Proviant versehen. Auch ein
-neues Fort wurde auf der Ostseite des Sees auf dem Mount Independence
-gebaut. Es möchte scheinen, als ob die Amerikaner in der Grösse ihrer
-Vorbereitungen über das Ziel hinausgeschossen wären. Die Werke, welche
-eine Länge von 2-1/2 Meilen hatten, waren viel zu gross für die
-Besatzung. Obendrein konnte das Fort vollkommen von Artillerie auf dem
-Mount Defiance beherrscht werden; dieser Berg war nicht in die Linien
-mit eingeschlossen.
-
-Das Ergebnis dieser Fehler war ein sehr trauriges. Am 1. Juli 1777
-erschien Burgoynes Heer vor der Festung. Riedesel war mit den Deutschen
-auf dem östlichen Ufer des Sees und operierte gegen Mount Independence.
-Ein nur kleines Gefecht fand statt. Der amerikanische Befehlshaber St.
-Clair trat, als er sich in Gefahr sah, umzingelt zu werden, mit der
-Besatzung von ungefähr 3300 Mann den Rückzug an und liess die Forts mit
-mehr als 70 Kanonen, 200 Stück Vieh und einem grossen Magazin von
-Munition und Proviant in den Händen der britischen Armee. Die
-Überbleibsel der amerikanischen Flotte, welche in der Richtung auf
-Whitehall floh, wurde sofort von den Briten verfolgt, die nur etwas
-aufgehalten wurden durch die Notwendigkeit, eine Brücke zu durchbrechen,
-welche über den See gebaut worden war. Zwei von den fünf Schiffen wurden
-genommen, die andern drei von den zurückgehenden Amerikanern verbrannt,
-die auf diese Weise alles Material verloren, welches sie zu retten sich
-bemüht hatten.
-
-Das Gros von St. Clairs Korps ging auf der Strasse nach Hubbardton
-zurück. General Fraser blieb mit zwanzig englischen Kompagnien dicht auf
-den Fersen, unterstützt von Riedesel mit drei braunschweigischen
-Bataillonen. Fraser holte die Nachhut der Amerikaner unter Oberst Warner
-bei Hubbardton am 7. Juli ein, wurde schneidig angegriffen und in der
-Flanke gefasst. Er wäre geworfen worden, wenn ihm nicht Riedesel zu
-Hilfe gekommen wäre. Die Amerikaner wurden nun zurückgeworfen. Ihr
-Verlust ist nicht genau bekannt geworden, aber ungefähr 200 Nachzügler
-und Verwundete wurden an diesem Tage gefangen genommen. Die
-Braunschweiger hatten 22 Mann tot oder verwundet, die Briten 155. Dies
-war das erste Gefecht, welches Riedesel in Amerika mitmachte.
-
-Am 8. Juli wurde ein britisches Regiment aus Fort Anne vertrieben, aber
-die Amerikaner liessen es wieder im Stich, nachdem sie es zerstört
-hatten.
-
-Am 22. Juli erliess General von Riedesel einen Befehl gegen das
-Marodieren und drohte allen Soldaten, die dessen schuldig befunden
-wurden, in dem ersten Falle mit Prügeln, im zweiten mit vier mal
-Spiessrutenlaufen. Die Offiziere hätten zu entscheiden, was gesetzliche
-Beute wäre. Riedesel gab diesen Befehl auf Verlangen Burgoynes, welcher
-die Tory-Kolonisten der Umgegend ermutigen wollte. Die Gelegenheit, in
-Amerika zu plündern, war somit für die Braunschweiger beinahe vorüber.
-
-Das Terrain zwischen Lake Champlain und dem Hudson war so rauh, dass
-Burgoyne einen Monat gebrauchte, um seine Armee die 25 Meilen vorwärts
-zu bringen, welche zwischen Whitehall und Fort Edward lagen. »Die
-Schwierigkeit zu marschieren war gross, wurde aber in der besten
-Stimmung überwunden,« schreibt Burgoyne am 30. Juli 77 an Lord George
-Germaine. »Das Land ist vollständige Wildnis und beinahe überall hatte
-der Feind mit grossen Baumstämmen die Wege gesperrt, so dass sie quer
-und längs mit den Zweigen ineinander herübergefallen waren. Die Truppen
-mussten nicht nur an vielen Stellen, die man unmöglich umgehen konnte,
-dieselben hinwegräumen, sondern auch über 40 Brücken bauen und andere
-wieder herstellen, die eine davon, aus Bauholz bestehend, über einen
-Morast von 2 Meilen Ausdehnung.« Wir finden einen Brief von Burgoyne an
-Riedesel vom 18. Juli, in welchem er diesem zuredet, seine Offiziere die
-Bagage verringern zu lassen. Viele englische Offiziere, sagt Burgoyne,
-sind auf ein kleines Zelt und einen Reisesack reduziert worden.
-
-Die Armee begegnete nur geringem Widerstand auf ihrem Wege, obschon kein
-Tag verging, ohne dass geschossen wurde. Die Amerikaner hatten sich auf
-Saratoga zurückgezogen. Jedoch nicht vor dem 9. August konnte
-Brigade-General Fraser die Avantgarde bis Fort Miller, 7 Meilen jenseits
-Fort Edward vorschieben. Oberstlieutenant Baum folgte ihm mit den
-braunschweigischen Dragonern zu Fuss und leichter Infanterie, einigen
-canadischen Freiwilligen und 2 kleinen Kanonen. Zuerst hatte Riedesel
-vorgeschlagen, und Burgoyne hatte es gebilligt, dass Baums Korps eine
-Expedition in das Connecticut-Thal machen sollte, um Pferde und Zugvieh
-aufzutreiben. Das herzoglich braunschweigische Dragoner-Regiment wurde
-auf diese Weise auf Kosten der Amerikaner beritten gemacht, und die
-britische Armee sollte mit Packpferden versehen werden. Um die drängende
-Notwendigkeit von Lasttieren zu verstehen, müssen wir bedenken, dass die
-Armee mit Brot aus englischem Mehl und Fleisch verpflegt wurde, welches
-in England gesalzen war, und dass diese Vorräte von Lake Champlain oder
-Lake George nach dem Hudson auf den Rücken von Menschen transportiert
-werden musste. Indes, der Plan wurde geändert bevor die Kolonne Fort
-Miller passiert hatte, und anstatt nach Manchester zu marschieren, wurde
-die Expedition nach Bennington dirigiert, wo man annahm, dass die
-Amerikaner ein grosses Lager von Vorräten hätten. Riedesel nahm sich die
-Freiheit, gegen diese Befehlsänderung Einsprache zu erheben, aber
-Burgoyne hielt aus folgenden Gründen daran fest: Erstens würde es von
-grösstem Vorteil für die Armee sein, 10 oder 12 Tage lang von den
-Vorräten zu leben, welche man in Bennington finden würde. Zweitens
-wollte er (Burgoyne) mit der Haupt-Armee nach Stillwater vorgehen, so
-dass Arnold nicht im Stande sein würde, ein starkes Detachement
-abzuschicken, um Baum aufzuhalten. Drittens hatte er erfahren, dass St.
-Leger Fort Stanwix am oberen Lauf des Mohawk-River belagerte, und dass
-es wichtig sei, Arnold zu verhindern, ein starkes Korps zu dessen
-Entsatz zu entsenden. Infolgedessen brach Oberstlieutenant Baum am 11.
-August 1777 nach Bennington auf mit ungefähr 550 Weissen, von denen 374
-Deutsche waren. Ungefähr 150 Indianer schlossen sich der Expedition an.
-Dies gefiel dem Tory nicht, welcher als Führer diente. Er sagte
-Burgoyne, dass wenigstens 3000 Mann nötig wären, um des Erfolges gewiss
-zu sein, aber Burgoyne wollte und konnte auch in der That nicht so viele
-erübrigen.
-
-Am 12. erbeutete Baum einige Vorräte und Vieh in Cambridge.
-
-Am Morgen des 14. fand er einige Vorräte in Sancoik und machte 5
-Gefangene. Er meldete Burgoyne, dass Bennington von 15 oder 1800 Mann
-besetzt sei, aber dass diese wohl bei seiner Annäherung abziehen würden.
-Er wollte soweit vorgehen, dass er am andern Morgen in der Frühe den
-Feind überfallen könnte und wollte nach den eingegangenen Nachrichten
-die notwendigen Dispositionen treffen. Leute strömten in Menge herbei
-und verlangten bewaffnet zu werden. Die Indianer konnten nicht mehr im
-Zaum gehalten werden und zerstörten und nahmen alles was ihnen beliebte.
-Baum, der nicht englisch sprechen konnte, war offenbar auf die
-Versicherungen des Tory-Gouverneurs Skene angewiesen, der als eine sehr
-glaubwürdige Persönlichkeit geschienen haben mochte. Burgoyne scheint
-nicht ganz die irrigen Ansichten seines Untergebenen geteilt zu haben,
-denn er antwortete mit dem Befehl, Baum sollte nicht weiter vordringen,
-wenn er den Feind in zu grosser Stärke vorfinden würde, und sollte den
-Plan aufgeben, einen riskierten Handstreich zu unternehmen. Später an
-demselben Tage meldete Baum noch, dass er von einer 700 Mann starken
-Abteilung Rebellen angegriffen worden sei, die er mit ein paar
-Kanonenschüssen vertrieben hätte, dass aber 1800 Mann in einem günstig
-gelegenen, befestigten Lager bei Bennington ständen, und dass er auf
-Verstärkung warten wollte. Diese Meldung bekam Burgoyne während der
-Nacht, und um 8 Uhr morgens des 15. marschierte Oberstlieutenant
-Breymann auf seinen Befehl mit 642 Deutschen zu Baums Unterstützung ab.
-Breymann brach ohne Zelte, Bagage oder genügende Munition und nur mit 2
-kleinen Feldgeschützen auf. Er hatte nur 24 Meilen zu marschieren, doch
-legte er nur etwas mehr als die Hälfte der Entfernung zurück, bevor ihn
-die Nacht zum Biwakieren zwang. Es war ein regnerischer Tag und der Weg
-war schlecht, trotzdem scheint eine solche Langsamkeit einer Abteilung
-Soldaten in leichter Marschordnung, die zur Unterstützung ihrer
-Waffenbrüder vorgehen, unglaublich. Ich habe keine vollkommene
-Beschreibung der Uniform der braunschweigischen Infanterie gefunden.
-Riedesel hatte einige Änderungen eingeführt, welche der Dienst und das
-Klima erfordert hatten, aber sie war doch noch viel zu schwer. Ein
-grosser Teil von Baums Leuten waren Dragoner zu Fuss. Sie waren mit
-kurzen, dicken Flinten und schweren Säbeln bewaffnet. Man erzählte sich
-in der Armee, dass ihr Helm und Säbel allein mehr wog als die ganze
-Ausrüstung eines englischen Soldaten. Ein so ausgerüsteter Mann möchte
-zu Pferde auf einem ebenen Grunde furchteinflössend sein, aber zu Fuss,
-im August, auf einem Marsche durch den dichten Wald war er kaum einem
-amerikanischen Farmer oder Jäger in Hemdsärmeln gewachsen.
-
-Es ist klar, dass sich niemand, auch Baum selbst nicht, des Ernstes der
-Situation bewusst war. Am Vormittag des 15. schrieb Burgoyne, dass, wenn
-ein Rückzug nöthig werden sollte, er so angeordnet werden müsse, dass
-dem Feind keine Gelegenheit zu einem Erfolg gegeben werde, damit die
-Indianer nicht entmutigt würden. Deshalb musste alles erbeutete Vieh und
-die erbeuteten Wagen weggeschafft werden, und alles Mehl und Korn,
-welches man nicht mitnehmen konnte, sollte unbrauchbar gemacht werden.
-Erst später kam Burgoyne auf den Gedanken, dass man wohl besser Breymann
-ohne Artillerie vorgeschoben hätte.
-
-Oberstlieutenant Baum brachte den 15. August 1777 damit zu, sich auf
-einem Berge 4 Meilen nördlich Bennington einzugraben. Ungefähr um 9 Uhr
-morgens am 16. bemerkte er kleine Abteilungen von Leuten, zum grossen
-Teil in Hemdsärmeln und mit Vogelflinten auf der Schulter, schnell und
-geräuschlos hinter seinem verschanzten Lager vorbeipassieren. Der gute
-Offizier hielt diese Leute in Hemdsärmeln für Tories, welche seinen
-Schutz suchen wollten. Man sagt, dass viele Leute in jenem Teile des
-Landes dem Könige den Eid geleistet hätten. Im Laufe des Morgens wurde
-ein Angriff gemacht, aber mit Leichtigkeit abgeschlagen. Schliesslich um
-3 Uhr nachmittags wurden die Deutschen vollständig umzingelt, und der
-Kampf begann mit ziemlichem Ernst. Die meisten Indianer, Canadier und
-Tories machten sich aus dem Staube. Die Braunschweiger hielten 1 oder 2
-Stunden aus, bis ihre Munition anfing auszugehen. Die Amerikaner fochten
-mit Verzweiflung. Sie näherten sich bis auf 8 Schritt den Kanonen, die
-mit Kartätschen geladen waren und feuerten ihre Gewehre auf die
-Kanoniere ab. Stark, der sie kommandierte, hatte sie durch seinen Mut
-angefeuert. »Kommt nur, meine Jungens,« soll er vor dem Gefecht gesagt
-haben, wie berichtet wird, »entweder schlagen wir die Briten oder Molly
-Stark wird diese Nacht Witwe sein.« Schliesslich schlief das Feuer der
-Deutschen ein. Die Yankees stürmten noch einmal die Schanzgräben. Es
-ging Gewehrkolben gegen Säbel. Baum wurde tötlich verwundet und die
-Braunschweiger gefangen genommen.
-
-Das Gefecht mit Baums Truppen-Abteilung war vorüber, als Breymann in der
-Nähe des Gefechtsfeldes anlangte. Er giebt an, dass er die Amerikaner
-vor sich her getrieben und nur die Verfolgung abgebrochen hätte aus
-Mangel an Pulver und Blei; aber sicher ist, dass er sofort zurückging
-und in der Nacht sich ohne seine Kanonen auf und davon machte, mit einem
-Verlust von mehr als einem Drittel seiner Leute. General Burgoyne, der
-in der Frühe des 17. Nachricht von dieser unglücklichen Affaire erhielt,
-brach um 6 Uhr mit der ganzen Armee auf, um Breymann zu retten. Das Gros
-ging indessen nicht weiter als Battenkill vor, während Burgoyne selbst
-an der Spitze eines englischen Regiments soweit vordrang, bis er die auf
-dem Rückzug befindlichen Deutschen traf.
-
-Beinahe 780 Gefangene, von denen ungefähr 400 Deutsche waren, fielen in
-die Hände der Amerikaner. Von Baums Korps kehrten 365 Deutsche nicht
-wieder zurück: Breymanns Korps hatte 231 Tote, Verwundete und Vermisste.
-
-Dies Gefecht war der Anfang von Burgoynes Ende. Es bewies ihm die
-Unmöglichkeit auf Kosten des Landes zu leben und verwies ihn wieder auf
-sein englisches Ochsenfleisch und Mehl und auf seine Abhängigkeit von
-den Vorräten, die er mitzuführen im Stande war.
-
-Das Fehlschlagen der Expedition St. Legers am Mohawk ereignete sich
-ungefähr zu derselben Zeit. Oberst St. Leger hatte Montreal Anfang Juli
-mit ungefähr 750 Weissen und 1000 Indianern verlassen. Unter den
-ersteren befand sich eine Jäger-Kompagnie von Hessen-Hanau. Dieses Korps
-nahm seinen Weg am St. Lawrence und Lake Ontario entlang nach Oswego und
-von da am Oneida Lake nach Fort Stanwix am Oberlauf des Mohawk-River.
-Dies Fort war ein gut konstruiertes Erdwerk mit einer Besatzung von
-einigen 6 oder 700 Milizen unter Oberst Gansevoort. St. Leger sollte
-dies Fort nehmen und dann dem Lauf des Mohawk bis zu seiner Vereinigung
-mit dem Hudson folgen und auf diese Weise die Flanke von Gates Armee
-bedrohen. Aber das Fort wollte nicht genommen sein. Ungefähr 800
-Bewohner des Mohawk-Thales, meist von deutscher Abstammung, unter
-General Herkimer, waren im Begriff, zu seinem Entsatz vorzugehen. Diese
-wurden am 6. August 1777 im Walde von einer Übermacht von Provinzialen
-und Indianern überfallen. Nach der ersten Panik fand ein verzweifelter
-Kampf statt. Die Milizen wussten wohl, dass sie von ihren wilden Gegnern
-keinen Pardon erwarten durften. Es schien ihnen besser unter ihren
-Pfeilen oder dem Tomohawk zu fallen als dem qualvollen Messer
-ausgeliefert zu werden. Herkimer, der am Bein verwundet worden war, war
-gegen einen Baumstumpf gelehnt und leitete die Verteidigung, während er
-ruhig seine Pfeife weiter rauchte. Die Leute hatten paarweise sich
-hinter Bäumen postiert, sodass immer einer schoss, während der andere
-lud. Diese Anordnung wirkte günstig, und die Miliz begann die Oberhand
-zu gewinnen. Darauf kam noch ein Haufe von Tories aus dem Thale den
-Indianern zu Hilfe. Dies steigerte noch mehr die Wut der Amerikaner,
-denn diese neuen Feinde waren ihre Nachbarn und waren ihre Freunde
-gewesen. Der verzweifelte Kampf wurde fortgesetzt. Er hatte schon länger
-als ein und eine halbe Stunde gedauert, und 160 Milizen waren bereits
-tot, verwundet oder gefangen, als plötzlich in der Richtung von Fort
-Stanwix her Feuer gehört wurde. Oberst Gansevoort, der von Herkimers
-Annäherung unterrichtet war, hatte 250 Mann von dem Fort entsendet, um
-eine Diversion auszuführen. Diese fielen in das englische Lager ein und
-plünderten einen Teil davon. 5 Flaggen und viele Bagage fiel in die
-Hände der Abteilung von dem Fort. Durch den Kanonendonner in ihrem
-Rücken fürchteten die Tories und Indianer zwischen zwei Feuer genommen
-zu werden. Sie zogen sich zurück unter Mitnahme von einigen Gefangenen,
-die den Schrecknissen der indianischen Folterqualen entgegengingen, doch
-liessen sie viele Tote auf dem Gefechtsfelde. Was von den Milizen übrig
-blieb, zog sich nach Fort Schuyler zurück, da wo jetzt die Stadt Utica
-steht. Diese blutige Affaire ist das Gefecht von Oriskany genannt
-worden. Sie besiegelte das Schicksal von St. Legers Expedition und trug
-in Gemeinschaft mit Bennington dazu bei, das Schicksal von Burgoyne und
-der Braunschweiger zu entscheiden. Diese zwei kleinen Begebenheiten
-bilden einen Wendepunkt in der amerikanischen Geschichte.
-
-Der tapfere Herkimer erlag seinen Wunden zehn Tage nach dem Gefecht.
-Aber nach kaum einer Woche hob Benedict Arnold mit einer kleinen
-Truppenabteilung und den wieder gesammelten Milizen des Thales die
-Belagerung von Fort Stanwix auf, und St. Leger, den viele von den
-Indianern verliessen, zog sich mit den Überbleibseln seines Korps nach
-Oswego zurück, indem er seine Zelte und eine beträchtliche Bagage im
-Stich liess.
-
-Burgoyne war durch die Niederlage von Baum und St. Leger etwas
-niedergeschlagen, aber er setzte seine Hoffnung auf Hilfe von Süden her
-und fühlte sich durch die Befehle, die er von England bekommen hatte,
-gebunden.
-
-
-
-
-Kapitel XIII.
-
-Stillwater, am 19. September und 7. Oktober 1777.
-
-
-Nach der Niederlage von Bennington blieb Burgoyne noch beinahe einen
-Monat in der Umgegend von Fort Edward und hinter der Linie des
-Battenkill. Diese Zeit wurde benutzt, um Vorräte anzuhäufen und Boote
-vom Lake Champlain nach dem Lake George zu schaffen. Am 13. September
-1777 ging die Armee bei Schuylerville über den Hudson und verliess die
-rückwärtigen Verbindungslinien um einen kühnen Stoss auf Albany zur
-Vereinigung mit Sir William Howe zu machen. 180 Boote begleiteten die
-Armee, deren linke Flanke sich an den Hudson anlehnte. Diese Boote
-führten für einen Monat Lebensmittel mit sich. »Jetzt fingen wir wieder
-an in unserem lieben gesalzenen Pökelfleisch und Brot zu arbeiten,«
-schreibt ein deutscher Offizier. »Liebe Freunde, verachtet diese
-königlichen Gerichte nicht, die wirklich einen königlichen Preis kosten,
-denn der Transport von England ist gewiss nicht billig gewesen.
-Pökelfleisch Mittags und Abends. Pökelfleisch warm und kalt. Freunde!
-ungeachtet Eurer grünen Erbsen und Krebsschwänze würdet Ihr unser
-Pökelfleisch mit Ekel angesehen haben, und doch war es für uns ein
-herrliches Gericht, ohne welches wir umgekommen sein würden; und wenn
-wir später genug Pökelfleisch gehabt hätten, hätte uns unser Unglück
-nicht nach Boston geführt.« Während dessen strömten die Amerikaner,
-ermutigt durch ihren Sieg bei Bennington und ihren Erfolg im
-Mohawk-Thale, in das Lager von Gates bei Stillwater. Sie hatten keine
-Uniformen, waren aber zum grössten Teil gut bewaffnet mit Büchsen und
-Jagdgewehren, welche sie von Jugendzeit an fortwährend geführt hatten.
-Es wurde Burgoyne am 7. September gemeldet, dass ihrer 14 oder 15000
-wären. Da gab es keine andere Wahl als anzugreifen oder den Feldzug
-aufzugeben.
-
-Die Armee trat ihren Marsch nach Süden in drei Kolonnen an. Die rechte
-war unter Brigade-General Fraser, dem stürmischen Befehlshaber der
-leichten Truppen. Das Zentrum wurde von Burgoyne selbst kommandiert, und
-die linke, am Hudson, von Riedesel. Die britische Armee konnte nur
-langsam vorgehen wegen der wiederherzustellenden Wege und Brücken. Die
-Marschleistung betrug durchschnittlich 2 Meilen den Tag. Am Nachmittag
-des 19. September wurde Burgoynes mittlere Kolonne bei Freeman's Farm,
-nördlich Stillwater energisch angegriffen. Die Engländer besetzten mit
-einigen Kanonen ein ausgerodetes Stück Land. Die Amerikaner hatten keine
-Artillerie. Das Gefecht dauerte den ganzen Nachmittag, und wurde auf
-beiden Seiten mit grosser Tapferkeit geführt. Gegen Einbruch der Nacht
-kam Riedesel mit 7 Kompagnien deutscher Infanterie und 2 Kanonen
-Burgoyne zu Hilfe, griff die rechte Flanke der Amerikaner an und
-überschüttete sie mit Kartätschen. Die Engländer schlossen sich wieder
-zusammen und feuerten, und die Amerikaner wurden geworfen, nahmen aber
-ihre Verwundeten mit und ungefähr 100 Gefangene. Sie hatten ungefähr 320
-Mann verloren, die Briten annähernd zweimal soviel. Die Letzteren
-behaupteten zwar das Feld und mögen daher den Sieg beanspruchen, aber
-es war ein nutzloser Sieg, den sie nicht im Stande waren auszubeuten. Am
-20. fing Burgoyne an seine Stellung zu befestigen. Die Aussicht auf
-Erfolg war von nun ab nur durch das Zusammenwirken mit der Armee von
-Süden her bedingt -- eine Hilfe, die niemals kam.
-
-Die Deutschen leisteten Burgoyne im Laufe dieses Tages die wichtigsten
-Dienste. Breymann mit den Grenadieren und der leichten Infanterie
-zeichnete sich früh am Nachmittag aus, indem er einem englischen
-Regiment, das im Weichen begriffen war, zu Hilfe kam. Kapitän Pausch von
-der Hanauschen Artillerie mit seinen zwei Sechspfündern entschieden die
-Schlacht. Breymann und Pausch wurden beide von Burgoyne öffentlich
-belobt.
-
-Inzwischen war die Armee ernstlich im Rücken bedroht worden. Oberst
-Brown, der unter dem Befehl von General Lincoln operierte, hatte einige
-der Aussenwerke von Ticonderoga mit ungefähr 300 Gefangenen genommen,
-war aber von dem Haupt-Fort zurückgeworfen worden.
-
-Baronin Riedesel hatte die Armee auf ihrem Marsche begleitet. Sie war
-ermutigt worden, sagt sie, als sie General Burgoyne hat sagen hören,
-dass Engländer niemals zurückgingen. Jedoch wurde sie misstrauisch, als
-sie merkte, dass alle Offiziers-Frauen, die bei der Armee waren, alle
-Operations-Pläne kannten, und sie erinnerte sich, dass in der Armee des
-Prinzen Ferdinand im 7jährigen Krieg alles sehr geheim gehalten wurde.
-Nun aber waren den Amerikanern alle feindlichen Absichten bekannt und
-sie erwarteten die Engländer, wohin sie sich auch immer wandten.
-
-Frau von Riedesel war Augenzeugin der Schlacht am 19. September und
-zitterte bei jedem Schuss für das Leben ihres Gemahls. Drei verwundete
-Offiziere wurden in das Haus gebracht in dem sie wohnte, und einer von
-ihnen, der Neffe von Leuten, die in England sehr gütig gegen sie gewesen
-waren, starb wenige Tage darauf an den Folgen einer Operation. Die
-Baronin konnte seine letzten Seufzer durch die dünne Wand hören.
-
-Der Zustand der Armee wurde bald ein sehr bedenklicher. Die Lebensmittel
-wurden knapp, Wein und Kaffee schrecklich teuer. Uniformen und Kleider
-zerrissen in den Büschen und durchweichten bei dem Kampieren auf dem
-feuchten Boden, und neue konnten um keinen Preis geschafft werden. Das
-amerikanische Lager, welches man von 12 000 Mann besetzt glaubte, war so
-nahe, dass man die Trommeln und die Rufe der Soldaten deutlich hören
-konnte. Der Wald war aber so dicht, dass man es nicht sehen konnte. Die
-Engländer hatten eine Schiffbrücke über den Hudson gebaut, und es wurden
-Kundschafter hinübergeschickt, die versuchen sollten, das Lager vom
-andern Ufer aus einzusehen; dies war aber nicht möglich gewesen.
-
-Ein von Sir Henry Clinton in Geheimschrift geschriebener Brief, der vom
-10. September datiert war, langte am 21. an. Clinton kündigte seine
-Absicht an, in 10 Tagen Fort Montgomery am Hudson anzugreifen. Burgoyne
-sandte den Boten sofort zurück mit einem Briefe, der in eine silberne
-Kugel eingeschlossen war, welche Sir Henry direkt eingehändigt werden
-sollte. Dieser Brief sollte Clinton zur Eile antreiben und ihn
-veranlassen, eine Diversion zu Gunsten Burgoynes herbeizuführen. Der
-Bote nahm seinen Weg durch das feindliche Land nach Fort Montgomery,
-aber hier scheint ihn seine Geistesgegenwart verlassen zu haben. Er soll
-nämlich amerikanische Truppen für englische gehalten, nach General
-Clinton gefragt und nicht eher seinen Irrtum gemerkt haben, als bis er
--- nicht vor Sir Henry, sondern vor den amerikanischen General geführt
-wurde. Darauf schluckte der Unglückliche die Kugel hinunter, doch wurde
-ihm ein Brechmittel verordnet, die Depesche wurde gefunden und der Bote
-als Spion gehängt.
-
-Am 6. Oktober wurden die Forts Clinton und Montgomery von Sir Henry
-Clinton gestürmt. Ein Anspachisches Regiment, ein Hessisches und 2
-Kompagnien hessischer Jäger, welche letztere erst vor kurzem von Europa
-angekommen waren, hatten an dieser Waffenthat teil genommen. Der Hudson
-stand nun den Briten vollkommen offen. Dies würde der richtige Moment
-gewesen sein, um zu Burgoynes Unterstützung einen Vorstoss zu machen,
-aber Sir William Howe hatte den grösseren Teil seiner Armee nach
-Philadelphia dirigiert und nur ein kleines Korps unter General Vaughan
-kam sengend und plündernd den Hudson hinauf.
-
-Burgoynes Situation wurde mit jedem Tage kritischer. Am 4. Oktober wurde
-die Ration der Soldaten um 1/3 heruntergesetzt. Desertionen waren
-häufiger vorgekommen trotz strenger Strafe; selbst die Todesstrafe
-verhinderte sie nicht. Kleinere Scharmützel kamen häufiger vor. Das
-Wetter war furchtbar heiss und die Armee verging vor Unthätigkeit.
-
-An dem Tage, an welchem die Leute auf kleinere Ration gesetzt worden
-waren, berief General Burgoyne einen Kriegsrat. Die Generale Phillips,
-Riedesel und Fraser waren zugegen. Burgoyne schlug ihnen vor, die Gegend
-am Fluss zu verlassen und zu versuchen, die amerikanische linke Flanke
-zu umgehen. 800 Mann sollten zum Schutz der Boote und Vorräte
-zurückgelassen werden. Der Rest der Armee sollte sich an der
-Unternehmung beteiligen. Man entgegnete aber, dass die Strassen und
-Stellungen der Amerikaner nicht bekannt wären, dass drei oder vier Tage
-nötig sein würden, um die amerikanische Flanke zu umgehen, und dass
-während dieser ganzen Zeit die Vorräte unter einer schwachen Bedeckung
-zurückgelassen werden müssten. Man kam zu keinem bestimmten Entschluss
-am 4., es wurde daher für den Abend des 5. ein zweiter Kriegsrat
-befohlen. In diesem erklärte Riedesel, dass die Lage der Armee von einer
-Beschaffenheit wäre, dass, wenn sie nicht in einem Tage den Feind
-erreichen, ihn angreifen und die Sache zur Entscheidung bringen könnte,
-es dienlicher wäre, sich wieder über den Hudson hinter den Battenkill
-zurückzuziehen, um dort die Annäherung Clintons zu erwarten. Dort könnte
-die Armee nicht von Fort George abgeschnitten werden. Fraser stimmte
-Riedesel bei. Phillips wollte keine bestimmte Meinung aussprechen, und
-Burgoyne dem es zu hart ankam, eine rückwärtige Bewegung zu machen,
-erklärte, er wollte am 7. eine Rekognoszierung vornehmen, und, wenn sich
-bei dieser zeigte, dass der Feind nicht mit Erfolg angegriffen werden
-könnte, den Rückzug antreten.
-
-Am 6. Oktober 1777 wurde für 4 Tage Verpflegung ausgegeben, und am 7. um
-10 Uhr morgens rückten 1500 Mann, unter denen 500 Deutsche waren, mit 8
-Bronze-Kanonen und 2 Haubitzen zur Rekognoszierung aus dem Lager. Die
-vier Generale beteiligten sich daran, die Expedition war aus allen
-Teilen der Armee zusammengesetzt. Sie gingen bis auf eine Anhöhe
-ungefähr 3/4 Meilen von dem amerikanischen linken Flügel entfernt vor --
-nach Riedesel eine sehr schlechte Stellung, wo man nichts vom Feinde
-sehen konnte. Brigade-General Fraser kommandierte den rechten Flügel,
-die deutschen Detachements waren im Zentrum, Major Ackland mit den
-englischen Grenadieren auf dem linken Flügel. Es wurde beschlossen, den
-Angriff abzuwarten, und Brigade-General Fraser unternahm es, die Fourage
-von zwei Scheunen wegtransportieren zu lassen. Kleine feindliche
-Detachements erschienen von Zeit zu Zeit, und man ergötzte sich daran,
-Kanonen auf sie abzufeuern, bis plötzlich ein heftiges Musketenfeuer auf
-dem linken Flügel gehört wurde, und unmittelbar darauf Acklands
-Grenadiere zurückgelaufen kamen, indem sie ihren Führer verwundet
-zurückliessen.
-
-Der deutsche linke Flügel wurde auf diese Weise entblöst und in
-Unordnung zurückgeworfen, die hessischen Kanonen in Gefahr gebracht.
-Diese blieben noch einige Zeit in Thätigkeit, wurden aber schliesslich
-genommen. Der britische rechte Flügel scheint länger als der linke und
-der übrige Teil der Linie ausgehalten zu haben, aber nach einiger Zeit
-wurde General Fraser tötlich verwundet und seine Leute zurückgedrängt,
-hielt sich jedoch in besserer Ordnung als der linke Flügel. Auch die
-Deutschen gingen in ziemlicher Auflösung zurück unter Zurücklassung
-aller zur Rekognoszierung mitgenommenen Kanonen.
-
-Die zurückgehenden Abteilungen warfen sich in eine Redoute und
-behaupteten ihre Stellungen bis zum Ende des Nachmittags trotz der
-wiederholten und verzweifelten Angriffe der Amerikaner.
-
-Oberstlieutenant Breymann hielt sich in einer kleinen Redoute auf dem
-äussersten rechten Flügel der diesseitigen Stellung. Sein Korps war
-durch die bei Bennington und am 19. September erlittenen Verluste auf
-ungefähr 500 Mann zusammengeschmolzen; 300 von diesen hatten an der
-Rekognoszierung teilgenommen und waren nun mit den übrigen in die grosse
-Redoute auf dem rechten Flügel zurückgeworfen. Der Teil der britischen
-Linie, welcher Breymanns Redoute mit der Hauptstellung verband, war frei
-von Besatzung. Die Amerikaner nahmen ihren Weg durch diese Lücke in der
-Linie, Breymann und seine 200 Mann wurden in Rücken und Flanke
-angegriffen, der Oberstlieutenant totgeschossen und die Leute entweder
-durch die Flucht gerettet oder gefangen genommen.
-
-Als die Nachricht hiervon zum Hauptkorps drang, murrten einige Engländer
-über die Haltung ihrer deutschen Bundesgenossen. Aufgebracht hierüber,
-sammelte Oberstlieutenant von Specht 4 Offiziere und ungefähr 50 Mann um
-sich, brach mit diesen auf durch den dunkeln Wald, um Breymanns Redoute
-wiederzunehmen. Er verlor den Weg und wurde durch einen verräterischen
-Führer in die Hände der Amerikaner geliefert.
-
-Die Amerikaner fochten an diesem Tage mit grosser Tapferkeit und hatten
-den Vorteil der Überlegenheit an Zahl, aber waren ohne einen
-hinlänglichen Führer. Weder Gates noch Lincoln erschienen auf dem Felde.
-Benedict Arnold, welcher kein besonderes Kommando hatte, focht mit
-seinem gewöhnlichen, keine Gefahr achtenden Mut, aber er hatte nicht das
-Talent eines Strategen. Er wurde bei der Einnahme von Breymanns Redoute
-schwer verwundet; es wäre ein Glück für ihn gewesen, wenn seine Wunde
-tötlich gewesen wäre.
-
-Es blieb Burgoynes Armee nichts anderes übrig, als sich zurückzuziehen.
-Einige Eile würde vielleicht ihr Entkommen gesichert haben, aber überall
-war Unordnung und Langsamkeit. Früh am Morgen des 8. Oktober 1777 wurden
-die Briten und Deutschen auf den Höhen, von denen man den Hudson
-übersieht, gesammelt. Hier wurde am Abend desselben Tages General Fraser
-beerdigt, an einer Stelle, welche er sich selbst als Ruheort ausgewählt
-hatte. Er war schwer verwundet in das Haus, welches Baronin Riedesel
-inne hatte, gebracht; er hatte mit ihrem Gemahl zusammen am
-siebenjährigen Kriege teilgenommen. Die Baronin hatte die Absicht, am 7.
-ein kleines Diner zu geben. »Der General Fraser,« sagt sie, »und ich
-glaube, auch die Generale Burgoyne und Phillips sollten denselben Tag
-bei mir zu Mittag essen. Ich sah viel Bewegung unter den Truppen. Mein
-Mann sagte mir, es sollte eine Rekognoszierung gemacht werden, welches
-mir nicht auffiel, weil dieses öfters geschehen. Auf meinem Rückweg nach
-Hause begegneten mir viele Wilde in ihrer Kriegskleidung und mit
-Flinten. Auf meine Frage, wo sie hingingen, riefen sie mir zu: »War!
-War!« das hiess, dass sie zur Schlacht gingen, welches mich ganz zu
-Boden schlug, und kaum war ich zurückgekommen, so hörte ich auch
-plänkeln, und nach und nach immer stärker feuern, bis endlich das Lärmen
-gar arg wurde. Es war eine erschreckliche Kanonade, und ich war mehr tot
-als lebendig. Gegen 3 Uhr nachmittags, anstatt dass meine Gäste hätten
-sollen zu mir zum Essen kommen, brachte man mir auf einer Trage den
-armen General Fraser, einen der erwarteten Mittagsgäste, tötlich
-verwundet. Unser Esstisch, der schon gedeckt war, wurde weggenommen, und
-man setzte an dessen Stelle ein Bett für den General. Ich sass in einer
-Ecke der Stube, zitternd und bebend. Der Lärm wurde immer stärker. Der
-Gedanke, dass man mir meinen Mann so bringen könnte, war mir entsetzlich
-und quälte mich unaufhörlich. Der General sagte dem Wundarzt:
-»Verschweigen Sie mir nichts! Muss ich sterben?...« Ich hörte ihn oft
-seufzend ausrufen: »Oh bad ambition! poor General Burgoyne! poor
-Mistress Fraser!««
-
-Der General kämpfte die Nacht hindurch mit dem Tode und starb am
-folgenden Morgen. Das Haus war derartig überfüllt, dass die Baronin ihre
-Kinder auf den Hausflur bringen musste, damit sie durch ihr etwaiges
-Schreien dem sterbenden Manne nicht beschwerlich fallen möchten. Sein
-Leichnam lag den ganzen Tag in ihrem Zimmer. Als sein Stab und die
-Generäle sich um sein Grab versammelt hatten, schossen die Amerikaner,
-die hiervon nichts ahnten, auf die Trauer-Versammlung. So wurde, unter
-dem Feuer der feindlichen Kanonen als Trauersalut, der tapfere Führer
-der leichten Truppen zur letzten Ruhe gebettet.
-
-Um 10 Uhr abends des 8. brach die Armee nach Norden auf. Riedesel
-kommandierte die Tête der Kolonne. Das Lazareth mit seinen 800 Insassen
-wurde zurückgelassen. Die Boote mit dem, was an Vorräten noch übrig war,
-nahmen ihren Weg langsam stromaufwärts. Die Wachtfeuer liess man
-brennen, um die amerikanischen Feldwachen zu täuschen.
-
-[Illustration: BURGOYNE'S ÜBERGABE.
-
-October 1777.]
-
-General Burgoynes Armee legte nur eine kurze Strecke in jener Nacht
-zurück und hielt dann bis zum folgenden Nachmittag. Am Abend des 9.
-besetzten die Briten das Dorf Saratoga. Während der Nacht durchwateten
-sie den Fishkill und lagerten auf der Höhe in dem Winkel zwischen
-diesem Fluss und dem Hudson. So hatte vom Abend des 7. bis zum Morgen
-des 10. Burgoyne, für welchen Zeitgewinn von allergrösster Wichtigkeit
-war, nur etwas mehr als 8 Meilen sich zurückgezogen.
-
-
-
-
-Kapitel XIV.
-
-Saratoga, vom 11. bis 16. Oktober 1777.
-
-
-In dem Lager nördlich des Fishkill machte Burgoyne Halt und nahm seinen
-Marsch von hier aus nicht wieder auf. Oberstleutnant Southerland war
-vorgeschickt worden, um eine Brücke über den Hudson bei Fort Edward zu
-bauen, wurde aber sofort wieder zurückberufen. Bei Tagesanbruch am 11.
-machte eine amerikanische Brigade einen Vorstoss über den Fishkill, nahm
-sämtliche Boote und viele Vorräte, machte einige Gefangene und zog sich
-vor einem heftigen Kartätschfeuer zurück. Den ganzen Tag lang wurde die
-englische Armee in Front und Rücken mit Kanonen beschossen.
-
-Am Abend beschied General Burgoyne die Generäle Riedesel und Phillips zu
-sich, um sich mit ihnen über das Wohl und Wehe der Armee zu
-beratschlagen. Burgoyne selbst hielt es für unmöglich, den Feind
-anzugreifen oder die eigene Stellung zu halten, wenn er im Zentrum und
-auf dem rechten Flügel angegriffen werden würde. General Riedesel machte
-deshalb den Vorschlag, in der Nacht unter Zurücklassung der Bagage
-abzuziehen, den Hudson 4 Meilen unterhalb Fort Edward zu durchwaten und
-durch die Wälder nach Fort George zu gelangen zu suchen. Es wurde aber
-keine Entscheidung getroffen.
-
-Ein anderer Kriegsrat wurde unter Hinzuziehung von zwei
-Brigade-Generälen am folgenden Nachmittag gehalten. General Riedesel
-bestand auf seinem Plan vom Tage vorher »sehr emphatisch und mit
-eindringlichen Worten«, und man stimmte dem Plan bei. Aber es war
-vergessen worden, Verpflegung an die Truppen auszugeben, und so wurde
-der Abmarsch auf abends spät verschoben. Um 10 Uhr liess Riedesel
-Burgoyne sagen, dass alles zum Abmarsch bereit sei, aber er erhielt zur
-Antwort, dass es bereits zu spät sei, um noch irgend etwas zu
-unternehmen. So wurde die letzte Chance preisgegeben, denn am andern
-Morgen war die Armee vollkommen umzingelt.
-
-Am 13. Oktober wurde ein dritter Kriegsrat, dem auch die
-Regiments-Kommandeure beiwohnten, zusammenberufen. General Burgoyne
-setzte die Hoffnungslosigkeit der Situation auseinander. Nur noch für
-fünf Tage wären Vorräte vorhanden. Das ganze britische Lager könnte von
-den feindlichen Kartätschen und Flintenkugeln erreicht werden. Gates
-Armee hätte hinter einem morastigen Hohlweg Stellung genommen, und zwar
-so, dass, wenn Burgoyne angreifen wollte, er sich so weit vom Hudson
-entfernen müsste, dass die Amerikaner den Fluss überschreiten und ihn im
-Rücken angreifen würden. Selbst wenn man den Feind erfolgreich
-angegriffen und durchbrochen haben würde, so wären doch nicht
-Lebensmittel genug vorhanden, um nach Fort George zu gelangen. Die
-Stellung, welche die Armee nunmehr einnähme, wäre im Zentrum und auf dem
-rechten Flügel unhaltbar. (Dies war die Terrainstrecke, welche
-hauptsächlich von den Deutschen besetzt war.)
-
-Burgoyne erklärte, dass niemand anders als er selbst für die Lage, in
-der sich die Armee gegenwärtig befände, verantwortlich gemacht werden
-könnte, da er niemand um Rat gefragt, sondern nur Befolgung seiner
-Befehle gefordert habe. Riedesel dankte Burgoyne für diese Erklärung, da
-hierdurch jedermann überführt würde, dass er keinen Anteil an der
-Leitung der von der Armee ausgeführten Bewegungen gehabt hätte, und bat
-daher alle englischen Offiziere, ihm dieses zu bezeugen, wenn er jemals
-zur Verantwortung gezogen werden sollte.
-
-Hierauf legte Burgoyne dem Kriegsrat folgende Fragen vor:
-
-1. Ob in der Kriegsgeschichte Beispiele wären, dass eine Armee in dieser
-Lage kapituliert hätte.
-
-2. Ob in einer solchen Lage eine Kapitulation entehrend sei.
-
-3. Ob die Armee wirklich in der Lage sei, kapitulieren zu müssen.
-
-Auf die erste Frage antworteten alle, dass die Lage der sächsischen
-Armee bei Pirna, des Generals Fink bei Maxen und des Prinzen Moritz von
-Sachsen nicht so schlimm und hülflos gewesen wäre, als die, worin sich
-gegenwärtig die Armee befände; und dass niemand die Generäle hätte
-tadeln können, die, um ihre Armeen zu retten, in solcher Lage
-kapituliert hätten; ausser, dass der König von Preussen den General v.
-Fink, jedoch hauptsächlich aus persönlicher Ungnade, kassiert hätte.
-
-Auf die zweite Frage antworteten alle, dass aus den eben angeführten
-Gründen die Kapitulation nicht entehrend sein könne. Und auf die dritte
-Frage stimmten alle darin überein, dass, wenn der General Burgoyne die
-Möglichkeit sähe, den Feind anzugreifen, sie bereit wären, ihr Blut und
-Leben aufzuopfern; wenn dies aber nicht thunlich sei, so hielten sie es
-für besser, durch eine ehrenvolle Kapitulation dem Könige die Truppen zu
-retten, als durch ein noch längeres »Anstehen« Gefahr zu laufen, wenn
-alle Lebensmittel aufgezehrt wären, sich auf Diskretion ergeben zu
-müssen; oder aber, bei einem Angriff in dieser fehlerhaften Position
-gesprengt und dann einzeln aufgerieben zu werden.
-
-Nach dieser Erklärung setzte General Burgoyne den Entwurf zu einer
-Kapitulation auf, welcher vorteilhaft schien und daher einmütig
-gebilligt wurde. Hierauf wurde ein Tambour ins feindliche Lager
-geschickt um anzuzeigen, dass man am andern Tag einen Stabsoffizier
-hinüberschicken wolle, um mit General Gates Sachen von Wichtigkeit zu
-verhandeln, und während dieser Zeit um Waffenstillstand zu bitten. Dies
-wurde von General Gates bewilligt.
-
-Am 14. vormittags 10 Uhr wurde der Major Kingston in das amerikanische
-Lager hinübergeschickt, um die Vorschläge Burgoynes zu überbringen,
-welche in der Hauptsache darin bestanden, dass seine Armee sich zu
-Kriegsgefangenen, jedoch nur unter der Bedingung ergeben wolle, dass sie
-nach Boston geführt und von da nach England eingeschifft werden sollte,
-nachdem sie sich verpflichtet haben würde, in diesem Kriege, oder bis zu
-ihrer Auswechselung, nicht gegen die Amerikaner zu dienen.
-
-General Gates nahm aber diese Vorschläge nicht an, sondern setzte einen
-andern Kapitulations-Entwurf in 6 Artikeln auf, welcher besagte, dass,
-»da General Burgoynes Armee durch wiederholte Niederlagen, Desertion,
-Krankheit etc. zusammengeschmolzen sei, die Vorräte erschöpft, die
-Dienstpferde, Bagage, Zelte genommen oder zerstört seien, ihre
-Rückzugslinien verlegt und ihr Lager umgezingelt sei, sie sich
-kriegsgefangen ergeben sollte.«
-
-Der sechste Artikel besagte, dass »sobald dieser Vertrag gebilligt und
-unterzeichnet sei, die Truppen unter dem Befehl Seiner Exzellenz des
-Generals von Burgoyne in den Retranchements, in denen sie jetzt stünden,
-das Gewehr strecken und sodann nach dem Orte ihrer weiteren Bestimmung
-marschieren sollten.«
-
-General Burgoyne liess den Kriegsrat zusammenrufen und las diese
-Propositionen des General Gates vor. Die Offiziere erklärten alle
-einmütig, dass sie lieber Hungers sterben, als solche entehrenden
-Artikel eingehen wollten. Major Kingston wurde wieder zu General Gates
-zurückgeschickt, um ihm sagen zu lassen, dass, wenn er nicht von dem 6.
-Artikel ablassen würde, die Verhandlungen sofort abgebrochen würden; die
-Armee würde eher wie ein Mann einen Verzweiflungs-Coup ausführen, als
-sich diesem Artikel unterwerfen. Der Waffenstillstand wurde hierauf
-aufgehoben.
-
-Zu aller Erstaunen langten am folgenden Morgen (15. Oktober 1777) neue
-Vorschläge von General Gates an, worin er alle von Burgoyne
-vorgeschlagenen Artikel der Hauptsache nach billigte; es wurde nur noch
-ausgemacht, dass die Armee schon an demselben Tage nachmittags um 2 Uhr
-aus ihrer Position abmarschieren sollte.
-
-Diese plötzliche Veränderung erregte bei den englischen und deutschen
-Offizieren Misstrauen. Der Kriegsrat beschloss, Gates Vorschläge
-anzunehmen, wollte aber versuchen Zeit zu gewinnen. Eine Kommission,
-bestehend aus zwei Stabsoffizieren von jeder Seite, wurde ernannt, und
-diese verhandelte über verschiedene Kleinigkeiten, die den Artikeln noch
-hinzuzufügen waren, bis 11 Uhr nachts. Die Amerikaner bewilligten alles,
-was man von ihnen verlangte. Die Engländer ihrerseits versprachen, dass
-am andern Morgen die Kapitulation von General Burgoyne unterzeichnet und
-General Gates übersandt werden würde. Der Waffenstillstand sollte
-fortdauern.
-
-Dieselbe Nacht kam ein Überläufer und sagte aus, dass er durch dritte
-Hand erfahren habe, der englische General Clinton habe nicht allein die
-Verschanzung von den Highlands erobert, sondern sei auch schon vor 8
-Tagen bis nach Esopus vorgerückt und müsse aller Wahrscheinlichkeit nach
-schon in Albany angekommen sein. Burgoyne sowohl, wie verschiedene
-andere Offiziere wurden durch diese Nachricht so begeistert, dass sie
-grosse Lust bekamen, die Kapitulation zu brechen. Es wurde noch einmal
-ein Kriegsrat zusammenberufen, welcher folgende Fragen beantworten
-sollte:
-
-»1. Ob ein Traktat, der von bevollmächtigten Kommissarien finaliter
-arrangieret sei, noch nach dem Versprechen des Generals, solchen, sobald
-die Kommissarien alles applanieret, zu unterzeichnen, mit Ehren
-gebrochen werden könne?
-
-2. Ob die eingegangenen Nachrichten so hinlänglich sicher wären, dass
-sie ein Bewegungsgrund sein könnten, einen in unserer Lage so
-vorteilhaften Akkord zu brechen?
-
-3. Ob die Armee wohl noch munteren Geist genug hätte, ihre jetzige
-Stellung bis auf den letzten Mann zu verteidigen?«
-
-Auf die erste Frage erklärten 14 Offiziere gegen 8, dass ein solcher
-Traktat ohne Verletzung der Ehre nicht gebrochen werden könne. Über die
-zweite waren die Stimmen geteilt. Die Verneinenden stützten sich darauf,
-dass der Überbringer der Nachricht alles nur vom Hörensagen hätte, und
-dass, selbst wenn General Clinton wirklich in Esopus wäre, die
-Entfernung von da doch noch so gross sein würde, dass er ihnen in ihrer
-gegenwärtigen Lage doch nicht mehr helfen könnte. Auf die dritte Frage
-war die Antwort aller Offiziere vom linken Flügel bejahend; die
-Offiziere vom Zentrum und rechten Flügel antworteten aber, dass zwar
-alle Soldaten den grössten Mut bezeigen würden, wenn es zum Angriff des
-Feindes gehen sollte, dass aber, da ihnen allen das Fehlerhafte ihrer
-Position zu gut bekannt wäre, zu befürchten stände, sie würden einen
-feindlichen Angriff nicht ebenso aushalten. Da die braunschweigischen
-Truppen hauptsächlich das Zentrum und den rechten Flügel einnahmen, so
-bezieht sich auf diese Erklärung ihrer Offiziere wahrscheinlich eine
-Bemerkung Burgoynes in einem Privatbrief »die Deutschen entmutigt und
-bereit, bei dem ersten Feuer die Waffen zu strecken.«
-
-Um doch noch Zeit zu gewinnen, wurde ein letztes Mittel versucht.
-Burgoyne schrieb nämlich am 16. früh an General Gates einen Brief, worin
-er ihm erklärte, dass er in der vergangenen Nacht von Deserteuren die
-Nachricht erhalten habe, dass er, General Gates, einen ansehnlichen Teil
-seiner Armee nach Albany detachiert hätte und zwar im Laufe der
-Unterhandlungen; dies wäre ganz gegen Treue und Glauben und er,
-Burgoyne, würde die Kapitulation nicht eher unterzeichnen, bis sich
-nicht ein Offizier seines Stabes davon überzeugt haben würde, dass die
-amerikanische Armee drei bis viermal der englischen überlegen sei. Gates
-scheint schliesslich dieses Herumführen an der Nase müde geworden zu
-sein. Er liess als Antwort sagen, dass seine Armee noch dieselbe Stärke
-wie vorher und sogar noch Verstärkung bekommen hätte; dass er es ebenso
-wenig für politisch wie vielmehr seiner Ehre nachteilig halten würde,
-die Stärke seiner Armee einem von General Burgoynes Offizieren zu
-zeigen, und dass der General wohl bedenken möchte, was er thäte, wenn er
-sein Ehrenwort bräche; er würde für die Folgen verantwortlich sein.
-Gates fügte hinzu, dass, sobald die Kapitulation unterzeichnet sein
-würde, er bereit sei, dem General Burgoyne seine ganze Armee zu zeigen,
-und er stände mit seiner Ehre dafür, dass er sie viermal so stark als
-die Britische finden würde, ungerechnet die Truppen, die jenseits des
-Hudson postiert wären. Er könne aber jetzt nicht mehr länger als eine
-Stunde Zeit zur Antwort gestatten, und würde nach Verlauf derselben sich
-genötigt sehen, die strengsten Massregeln zu ergreifen.
-
-Hierauf wurde der Kriegsrat noch einmal zusammenberufen, und Niemand
-fand sich mehr, der dem General zum Brechen seines Wortes geraten hätte.
-Burgoyne zog die Generale Phillips und Riedesel allein auf die Seite und
-bat um ihren freundschaftlichen Rat. Beide schwiegen anfänglich stille,
-bis endlich der General Riedesel erklärte, dass wenn der General
-Burgoyne in England zur Verantwortung gezogen werden sollte, er nur für
-die Bewegungen, die die Armee in eine solche Lage gebracht hätten,
-verantwortlich sein könnte, und vielleicht wegen der ersten Eröffnung
-einer Kapitulation und deswegen, weil er nicht frühzeitig genug den
-Rückzug so weit gemacht, dass man Herr der Kommunikation mit dem Fort
-George geblieben wäre. Nun aber nach allen gethanen Schritten hielt es
-Riedesel noch viel gefährlicher, den Tractat auf eine ungewisse und
-unzuverlässige Nachricht hin zu brechen.
-
-Gleicher Meinung war der Brigadier Hamilton, der hinzu kam und auch
-darüber befragt wurde. General Phillips sagte nur, dass die Lage der
-Dinge eine derartige sei, dass er weder Rat noch Hilfe ausfindig machen
-könne. Nach vielem Überlegen hin und her entschloss sich Burgoyne
-schliesslich zu unterzeichnen, und hierauf wurde die unterzeichnete
-Kapitulation an General Gates gesandt.
-
-Es übergaben sich im Ganzen 5791 Mann. Riedesel hat festgestellt, dass
-nicht mehr als 4000 von diesen dienstfähig waren. Die Zahl der
-Deutschen, die sich ergaben ist von Eelking auf 2431 festgestellt
-worden, von denen die getötet, verwundet und vermisst wurden vom 6.
-Oktober an auf 1122. Der Gesamt-Verlust der Briten und ihrer
-Hilfstruppen an Toten, Verwundeten, Gefangenen und Deserteuren während
-dieser Kampagne, einschliesslich der Verluste von St. Legers Expedition,
-betrug annähernd 9000 Köpfe.
-
-Die Tage, welche der Uebergabe vorausgegangen waren, waren Tage der
-Verwirrung gewesen. Baronin Riedesel sagt, dass sie am Abend des 9.
-Oktober in Saratoga, nachdem sie während des ganzen Tages nur eine halbe
-Stunde zurückgelegt hatten, den General Phillips gefragt habe, warum sie
-denn den Rückzug nicht fortsetzten, da es doch noch Zeit wäre. Der
-General bewunderte ihre Entschlossenheit und wünschte, sie hätte den
-Befehl über die Armee. Dieselbe Dame erwähnt, dass Burgoyne die Hälfte
-jener verhängnisvollen Nacht singend und trinkend zugebracht und sich
-mit seiner Maitresse amüsiert habe.
-
-Die Armee war dem Elend und der Unordnung anheim gefallen. Am 10.
-verpflegte die Baronin mehr als 30 Offiziere aus ihren Privat-Vorräten,
-»denn wir hatten einen Koch, der, ob er gleich ein Erzschelm war, doch
-zu allem Rat wusste, und oft des Nachts kleine Flüsse passierte, um den
-Landleuten Hämmel, Hühner und Schweine zu stehlen, die er sich nachher
-gut bezahlen liess von uns, wie wir erst in der Folge erfahren haben.«
-Diese Vorräte waren nun erschöpft, und die Dame in ihrer Verzweiflung
-rief den General-Adjutanten, der ihr gerade in den Wurf kam, zu sich
-heran, er möchte Burgoyne über den grossen Mangel, an dem die in Dienst
-verwundeten Offiziere litten, in Kenntnis setzen. Der kommandierende
-General nahm dies gut auf, kam selbst zu ihr und dankte ihr, dass sie
-ihn an seine Pflicht erinnert hätte, und gab Befehl, dass Lebensmittel
-verteilt werden sollten. Die Baronin glaubte, dass Burgoyne ihr nie
-diese Einmischung verziehen habe. Es scheint mir, nach den
-Aufzeichnungen Beider, dass eher sie und ihr Gemahl als Burgoyne einen
-heimlichen Groll hegten. Die Denkschrift, welche General Riedesel
-verfasste und von seinen Offizieren gleich nach der Übergabe
-unterzeichnet wurde, ist eine lange Anklage gegen Burgoyne und legt die
-üblen Folgen dar, dass man den Schreiber nicht um Rat gefragt oder seine
-Pläne nicht pünktlich zur Ausführung gebracht habe. Es ist klar, dass
-Riedesel Burgoyne für das Unglück der Armee verantwortlich machte, das
-Unglück, welches ihm so zu Herzen ging, dass sein Körper und seine
-Gemütsstimmung längere Zeit ernstlich darunter litten. Burgoyne schrieb
-im Frühjahr 1778, bevor er Amerika verliess an den Herzog von
-Braunschweig und pries Riedesels grosse Fähigkeiten und die Art, wie er
-die Befehle seines vorgesetzten Offiziers ausgeführt hätte. --
-Hieraufhin schrieb Riedesel einen sehr freundlichen Brief an Burgoyne,
-in welchem er ihm in seinem und seiner Offiziere Namen für die ihnen
-bewiesene Güte dankte. »Wenn auch unsere Bemühungen nicht vom Glück
-gekrönt worden sind«, fährt er fort, »so wissen wir doch wohl, dass es
-nicht Ihr Fehler war, sondern dass die Armee ein Opfer der Wechselfälle
-des Krieges geworden ist.« Dieser einzige Ausdruck des Vertrauens ist
-mit dem, was Riedesel zu andern Zeiten und an anderer Stelle sagt, nicht
-in Einklang zu bringen. Die oben erwähnte militärische Denkschrift, die
-in dem Buch der Baronin veröffentlicht ist, ist ein genügender Beweis
-dafür. In demselben Sinne sind Riedesels Bemerkungen über Burgoynes
-Feldzugs-Bericht aufgefasst. Diese Bemerkungen, welche an den Herzog von
-Braunschweig und an seine Landsleute gerichtet waren, sind datiert
-Cambridge, 8. April 1778, etwas mehr als einen Monat später als der oben
-erwähnte Brief. Sie beklagen ausdrücklich, dass General Burgoyne,
-während er von Riedesel selbst mit Anerkennung spräche, über die
-Leistungen der Truppen leicht hinwegginge. Die Klagen des deutschen
-Generals in dieser Beziehung sind aber, Burgoynes Bericht nach, nur
-wenig gerechtfertigt.
-
-Doch wir müssen zur Baronin zurückkehren. Am Nachmittag des 10. Oktober
-nahmen die Amerikaner das Feuer auf die Engländer wieder auf. »Mein Mann
-liess mir sagen, dass ich mich unverzüglich nach einem Hause begeben
-sollte, welches nicht weit von da war. Ich setzte mich in die Kalesche
-mit meinen Kindern, und kaum sind wir im Begriff bei dem Hause
-anzukommen, so sehe ich an dem jenseitigen Ufer des Hudson-Flusses sechs
-bis sieben Menschen mit Flinten, die auf uns zielen. Fast unwillkürlich
-werfe ich die Kinder in den Fond der Kalesche und mich über sie; in
-demselben Augenblick schiessen die Kerle und zerschmettern hinter mir
-einem armen englischen Soldaten, der schon blessiert war und sich auch
-nach dem Hause retten wollte, einen Arm. Gleich nach unserer Ankunft
-begann eine fürchterliche Kanonade, welche grösstenteils nach dem Hause,
-worin wir Schutz gesucht, gerichtet war, vermutlich weil die Feinde
-glaubten, da sie viel Leute dorthin strömen sahen, dass die Generalität
-sich dort befände. Ach, es waren nichts als Verwundete oder Frauen! Wir
-wurden endlich genötigt, in einem Keller unsere Zuflucht zu nehmen, wo
-ich mich in eine Ecke unweit der Thür lagerte. Meine Kinder lagen auf
-der Erde, mit ihren Köpfen auf meinem Schooss. So blieben wir die ganze
-Nacht. Ein entsetzlicher Geruch, das Geschrei der Kinder, und noch mehr
-als alles dieses, meine Angst, verhinderten mich ein Auge zuzuthun.
-
-Den andern Morgen ging die Kanonade wieder an, aber von einer andern
-Seite. Ich riet, dass alle aus dem Keller ein wenig herausgehen möchten,
-während dessen ich ihn wollte reinigen lassen, weil wir sonst alle krank
-werden würden. Man folgte meinem Rat und liess von Vielen Hand anlegen,
-was bei der weitläufigen Arbeit höchst nötig war. Wie alles heraus war,
-besah ich mir unsern Zufluchtsort; es waren drei schöne Keller, die
-recht gut gewölbt waren. Ich that den Vorschlag, dass in den einen die
-am gefährlichsten blessierten Offiziere gebracht werden sollten; die
-Frauen sollten in dem andern sein, und alle Übrigen in dem dritten, der
-dem Ausgang am nächsten war.
-
-Ich hatte gut auskehren und mit Essig räuchern lassen, und man fing
-bereits an, jeder seinen Platz einzunehmen, als neue entsetzliche
-Kanonenschüsse alles wieder in Alarm brachten. Mehrere, die kein Recht
-hatten hineinzugehen, stürzten nach der Thüre. Meine Kinder waren schon
-die Kellertreppe hinunter, und wir hätten Alle können erdrückt werden,
-wenn Gott mir nicht Kräfte geschenkt hätte, mich vor die Thür zu stellen
-und mit ausgebreiten Armen allen den Eingang zu verwehren; sonst wäre
-gewiss jemand von uns zu Schaden gekommen. Elf Kanonenkugeln gingen
-durchs Haus und wir konnten sie deutlich über unsere Köpfe hinwegrollen
-hören. Einem armen Soldaten, dem man ein Bein abnehmen wollte und
-dieserhalb auf den Tisch gelegt hatte, nahm eine Kanonenkugel
-mittlerweile das andere Bein fort. Seine Kameraden waren alle davon
-gelaufen, und wie sie wieder zu ihm kamen, fanden sie ihn in einer Ecke
-der Stube, wo er sich vor Angst hingerollt hatte, und kaum noch athmend.
-Ich war mehr tot als lebendig, doch nicht so viel über unsere eigene
-Gefahr, als über die, in welcher mein Mann schwebte, der jedoch oft
-fragen liess, wie es uns ginge, und mir sagen liess, dass er wohl wäre.
-
-Der Major Harnich und seine Frau, eine Madame Rennels, die schon ihren
-Mann verloren hatte, die Frau des guten Lieutenants, der den Tag vorher
-seine Bouillon so gutherzig mit mir geteilt hatte, die Frau des
-Kommissars und ich, wir waren die einzigen Damen, die bei der Armee
-waren. Wir sassen eben zusammen und beklagten unser Schicksal, als
-jemand hereinkam und man sich in die Ohren flüsterte und sich einander
-traurig ansah. Ich bemerkte dieses und dass auf mich Blicke geworfen
-wurden, ohne dass mir weiter etwas gesagt ward. Dieses erweckte in mir
-den schrecklichen Gedanken, dass mein Mann geblieben sei. Ich schrie
-laut auf; man versicherte mich aber, dass dieses nicht sei, sondern
-winkte mir zu, dass den Mann der armen Lieutenantin dieses Unglück
-betroffen habe. Diese wurde auch einen Augenblick nachher herausgerufen.
-Der Mann war noch nicht tot, aber eine Kanonenkugel hatte ihm den Arm
-oben an der Schulter weggenommen. Wir hörten die ganze Nacht sein
-Winseln, welches doppelt und desto grausender in diesen Kellergewölben
-wiederhallte; und der Arme starb erst gegen Morgen. Wir brachten
-übrigens diese Nacht wie die vorige zu. Indessen kam mein Mann, mich zu
-besuchen, welches meinen Kummer linderte und mir wieder Mut gab.
-
-Den Morgen darauf fingen wir an, uns ein wenig besser einzurichten. Der
-Major Harnich und seine Frau und Madame Rennels machten sich in einer
-Ecke eine kleine Stube und Gardinen davor. Man wollte mir eine andere
-Ecke ebenso zurecht machen, ich zog aber vor, nahe an der Thür zu
-bleiben, da ich auf den Fall von Feuersgefahr daselbst eher
-herauskonnte. Ich liess eine Streu machen und legte meine Betten darauf,
-wo ich mit meinen Kindern schlief, nicht weit von uns schliefen meine
-Frauen. Gegenüber waren drei englische Offiziere einquartiert, die, zwar
-blessiert, jedoch entschlossen waren, im Fall des Rückzuges nicht
-zurückzubleiben. Einer derselben war ein Kapitain Green, Adjutant des
-Generals Phillips, ein sehr schätzbarer und artiger Mann. Alle drei
-versicherten mich mit einem Eide, dass sie im Fall eines schleunigen
-Rückzuges mich nicht verlassen und ein jeder von ihnen eines meiner
-Kinder mit auf sein Pferd nehmen wollte. Für mich stand eines von meines
-Mannes Pferden immer gesattelt bereit. Öfters war mein Mann Willens,
-mich, um mich der Gefahr zu entziehen, zu den Amerikanern zu schicken;
-ich stellte ihm aber vor, dass es noch ärger als alles, was ich jetzt
-ausstehen müsste, sein würde, mit Leuten zu sein, denen ich mit Schonung
-würde begegnen müssen, während dass mein Mann sich mit ihnen
-herumschlüge; er versprach mir also, dass ich ferner der Armee folgen
-sollte. Manchmal bekam ich jedoch in der Nacht die Angst, dass er
-fortmarschiert wäre, und kroch aus meinem Keller, um zuzusehen; wenn ich
-dann die Truppen in den schon kalten Nächten um die Feuer herumliegen
-sah, so konnte ich wieder ruhiger schlafen.
-
-Auch die mir anvertrauten Sachen verursachten mir viel Unruhe. Ich hatte
-sie alle vorne in meinem Corset stecken, weil mir immer so sehr angst
-war, etwas davon zu verlieren, und ich nahm mir fest vor, in Zukunft
-mich nicht mehr mit dergleichen zu befassen. Den dritten Tag fand ich
-erst Gelegenheit und einen Augenblick, um die Wäsche zu wechseln, da man
-die Gefälligkeit hatte, mir einen kleinen Winkel hierzu einzuräumen;
-während der Zeit standen meine drei vorerwähnten Offiziere nicht weit
-davon Schildwache. Einer dieser Herrn konnte sehr natürlich das Brüllen
-einer Kuh und Blöken eines Kalbes nachahmen: und wenn meine kleine
-Tochter Fritzchen des Nachts weinte, so machte er es ihr vor, sie ward
-wieder stille und wir mussten lachen.
-
-Unser Koch verschaffte uns Essen, aber es fehlte uns an Wasser; und ich
-war öfters genötigt, um nur den Durst zu löschen, Wein zu trinken und
-auch den Kindern welchen zu geben. Es war auch fast das einzige, was
-mein Mann zu sich nahm; welches endlich unsern treuen Jäger Rockel
-ängstigte, so dass er mir eines Tages sagte: »Ich befürchte, dass der
-General aus Besorgnis, in Gefangenschaft zu geraten, des Lebens
-überdrüssig ist, weil er so viel Wein trinkt.« Die beständige Gefahr, in
-welcher mein Mann schwebte, setzte mich in ewige Angst. Ich war die
-einzige unter allen den Frauen, deren Mann nicht geblieben war oder
-sonst ein Unglück gehabt hatte, und sagte mir daher oft: »Sollte ich die
-einzige Glückliche sein?« besonders, da mein Mann Tag und Nacht so sehr
-der Gefahr ausgesetzt war. Er kam keine Nacht in das Zelt und lag alle
-Nächte draussen beim Wachtfeuer. Das alles konnte schon sein Tod sein,
-da die Nächte so nasskalt waren.
-
-Da so grosser Mangel an Wasser bei uns war, so fanden wir endlich eine
-Soldatenfrau, die den Mut hatte, Wasser vom Flusse zu holen, was keiner
-mehr unternehmen wollte, weil der Feind alle Männer, die nach dem Flusse
-gingen, auf den Kopf schoss. Dieser Frau thaten sie nichts aus Achtung
-vor ihrem Geschlecht, wie sie uns selbst hernachmals sagten.
-
-Ich suchte mich dadurch zu zerstreuen, dass ich mich viel mit unsern
-Blessierten beschäftigte. Ich machte ihnen Thee und Kaffee und bekam
-dagegen tausend Segenswünsche. Oft teilte ich auch mein Mittagsessen mit
-ihnen. Eines Tages kam ein canadischer Offizier in unsern Keller, der
-sich kaum noch aufrecht erhalten konnte. Wir kriegten endlich von ihm
-heraus, dass er fast Hungers stürbe. Ich fand mich sehr glücklich, ihm
-mein Essen anbieten zu können, welches ihn wieder zu Kräften brachte und
-mir seine Freundschaft erwarb. Bei unserer nachmaligen Zurückkunft nach
-Canada lernte ich seine Familie kennen. Eine unserer grössten
-Beschwerden war der Geruch der Wunden, wenn sie anfingen zu eitern.
-
-Einst unternahm ich die Kur eines Majors Plumfield, Adjutanten des
-Generals Phillips, dem eine kleine Flintenkugel durch die beiden Backen
-gegangen war und ihm die Zähne zerschmettert und die Zunge gestreift
-hatte. Er konnte gar nichts im Munde behalten; die Materie erstickte ihn
-fast, und er war nicht im Stande, andere Nahrung zu sich zu nehmen als
-ein wenig Bouillon oder sonst etwas Flüssiges. Wir hatten Rheinwein. Ich
-gab ihm eine Bouteille, in der Hoffnung, dass die Säure des Weines seine
-Wunde reinigen würde. Er nahm immer etwas davon in den Mund, und das
-allein that so glückliche Wirkung, dass er geheilt wurde, wodurch ich
-wieder einen Freund mehr bekam. Und so hatte ich mitten in meinen
-Leiden- und Kummerstunden Augenblicke freudigen Genusses, die mich sehr
-glücklich machten.
-
-An einem dieser Tage wünschte General Phillips mich zu besuchen und
-begleitete meinen Mann, der täglich ein- oder zweimal mit Gefahr seines
-Lebens zu mir kam. Er sah unsere Lage und hörte mich meinen Mann
-flehentlich bitten, mich im Fall eines schleunigen Rückzuges nicht
-zurückzulassen, er redete mir selbst das Wort dabei, wie er meinen
-grossen Widerwillen sah, in den Händen der Amerikaner zu sein. Beim
-Weggehen sagte er zu meinem Manne: »Nein, um zehntausend Guineen komme
-ich nicht wieder hierher, denn mein Herz ist ganz zerrissen.«
-
-Indessen verdienten nicht alle, die bei uns waren, Mitleid. Es waren
-auch Feige darunter, die um nichts in dem Keller blieben und nachmals,
-als wir in die Gefangenschaft gerieten, sich recht gut in Reihe und
-Glied stellen und paradieren konnten. Wir blieben sechs Tage in dieser
-schrecklichen Lage. Endlich sprach man von Kapitulieren, da man zu lange
-gezaudert hatte und der Rückzug nun abgeschnitten war. Es wurde ein
-Waffenstillstand gemacht, und mein Mann, der ganz erschöpft war, konnte
-in dem Hause zum erstenmal seit geraumer Zeit sich wieder einmal zu Bett
-legen. Damit seine Ruhe gar nicht gestört wurde, hatte ich ihm in einer
-kleinen Stube ein gutes Bett machen lassen und legte mich mit meinen
-Kindern und meinen beiden Frauen in einem Saal daneben schlafen. Aber
-ungefähr um 1 Uhr in der Nacht kam jemand und verlangte ihn zu sprechen.
-Mit dem grössten Widerwillen sah ich mich genötigt, ihn aufzuwecken. Ich
-bemerkte, dass ihm die Botschaft nicht angenehm war, dass er den Mann
-sogleich nach dem Hauptquartier abfertigte und sich dann verdriesslich
-wieder niederlegte. Bald darauf liess der General Burgoyne alle andern
-Generale und Stabsoffiziere zu einem Kriegsrate, der gleich am frühen
-Morgen abgehalten werden sollte, zusammenberufen, in welchem er auf
-einen erhaltenen falschen Bericht vorschlug, die Kapitulation zu
-brechen, die bereits mit dem Feinde gemacht worden. Es wurde aber
-endlich entschieden, dass dieses weder thunlich noch ratsam sei; und
-dieses war ein Glück für uns, denn die Amerikaner sagten uns nachher,
-dass, wenn wir die Kapitulation gebrochen, wir alle massakriert worden
-wären, welches sie desto leichter thun konnten, da wir nicht über 4 bis
-5000 Mann stark waren und wir ihnen Zeit gelassen hatten, über 20 000
-zusammen zu bringen.
-
-Am 16. Oktober des Morgens musste mein Mann wieder auf seinen Posten und
-ich nochmals in meinen Keller.
-
-An diesem Tage wurde unter die Offiziere, welche bis dahin nur gesalzen
-Fleisch bekommen, das die Wunden der Blessierten sehr verschlimmerte,
-viel frisches Fleisch verteilet. Die gute Frau, welche uns immer Wasser
-geholt, machte eine treffliche Suppe davon. Ich hatte allen Appetit
-verloren und die ganze Zeit nichts zu mir genommen als eine in Wein
-getunkte Brotrinde. Die blessierten Offiziere, meine Unglücksgefährten,
-schnitten das beste Stück Rindfleisch ab und präsentierten es mir mit
-einem Teller Suppe. Ich sagte ihnen, ich wäre nicht vermögend etwas zu
-essen; da sie aber sahen, wie nötig es für mich war, etwas Nahrung zu
-mir zu nehmen, so erklärten sie, dass sie selbst nicht einen Bissen
-anrühren würden, bis ich ihnen das Vergnügen gemacht hätte, davon zu
-nehmen. Ich konnte ihren freundschaftlichen Bitten nicht länger
-widerstehen, worauf sie mir versicherten, dass es sie sehr glücklich
-mache, mir das erste Gute, was sie gehabt, anbieten zu können.
-
-Den 17. Oktober wurde die Kapitulation vollzogen, Die Generale verfügten
-sich zum amerikanischen General en chef Gates, und die Truppen streckten
-das Gewehr und ergaben sich zu Kriegsgefangenen. Nun bekam die gute
-Frau, welche uns mit Gefahr ihres Lebens Wasser geholt, den Lohn ihrer
-Dienste. Jeder warf ihr ganze Hände voll Geld in ihre Schürze, und sie
-bekam zusammen über 20 Guineen. In solchen Augenblicken scheint das Herz
-für Gefühle der Dankbarkeit empfänglich zu sein.«
-
-
-
-
-Kapitel XV.
-
-Die Braunschweiger in Gefangenschaft.
-
-
-Die Bedingungen, unter welchen sich Burgoynes Armee bei Saratoga ergab,
-wurden niemals erfüllt. Die Soldaten wurden im Wesentlichen als
-Kriegsgefangene behandelt. Dieses führte zu heftigen Klagen ihrerseits
-sowohl zu jener Zeit, wie von Seiten deutscher und englischer
-Geschichtsschreiber bis auf den heutigen Tag. Es wird von Bankroft
-berichtet, dass bei der Übergabe die Konvention von den Briten dadurch
-gebrochen worden sei, dass die Kriegskasse und anderes Staatseigentum
-verheimlicht worden sei, um welches die Vereinigten Staaten auf diese
-Weise betrogen wurden. Im November 1777 schrieb Burgoyne eine
-unüberlegte und grundlose Klage gegen die Verletzungen durch die
-Amerikaner und folgerte daraus, dass er den angeblichen Bruch benutzen
-könnte, sich und seine Regierung von allen Verpflichtungen zu entbinden.
-Burgoyne verweigerte auch, die notwendigen Listen aller in die Übergabe
-einbegriffenen Personen herauszugeben. Der Kongress weigerte sich
-daraufhin, seine Armee eher einzuschiffen als bis die Kapitulation durch
-die Regierung von Grossbritannien bestätigt wäre.
-
-Es scheint mir, dass in der Behandlung dieser Angelegenheit der Kongress
-seine Ehre und die des Landes nicht richtig wahrte. Es war richtig, dass
-Gates einen schlechten Handel gemacht hatte. Aber dieser Handel war mit
-Bewusstsein gemacht worden und Burgoynes Soldaten hatten dadurch, dass
-sie die Waffen streckten, die wichtigsten der ihnen auferlegten
-Bedingungen erfüllt. Es lag nunmehr den Amerikanern ob, auch ihrerseits
-dem Vertrage nachzukommen, und schlimmstenfalls eine offenbare
-Verletzung der untergeordneten Artikel der Kapitulation oder der sehr
-deutliche Beweis der Absicht auf englischer Seite, das Wort zu brechen,
-hätte den siegreichen Teil veranlasst haben sollen, die Erfüllung seiner
-Versprechungen zurückziehen.
-
-Während der Kongress gesonnen war, die deutschen Gefangenen in Amerika
-zu behalten, beeilte sich ihr eigener Fürst keineswegs, sie wieder nach
-Europa zurückzuerlangen. Auf die Nachricht der Kapitulation von Saratoga
-schrieb der Minister des Herzogs von Braunschweig an den englischen
-Kommissionär, dass man den Leuten, die sich ergeben hätten, die
-Rückkehr nach Deutschland verwehren sollte, damit sie nicht noch andere
-von der Einreihung in die Armee abschreckten. »Schickt die
-Übriggebliebenen auf eine Eurer Inseln in Amerika, steckt sie in Europa
-auf einer von Euren Inseln, wie z. B. auf der Insel Wight fest.« Auf
-keinen Fall durften die armen Teufel nach Hause kommen.
-
-Am 17. Oktober 1777 streckten General Burgoynes Soldaten die Waffen in
-Saratoga. Dies durften sie ohne Beisein irgend einer amerikanischen
-Truppenabteilung thun. General Riedesel hatte Befehl gegeben, dass die
-Fahnen der braunschweigischen Regimenter nicht überliefert werden
-sollten. Er liess die Fahnenstangen verbrennen und verbarg die
-Fahnentücher, indem er den Amerikanern gegenüber vorgab, dass die
-letzteren auch verbrannt wären. Er verbarg sie, bis die Gefangenen
-einige Zeit in Cambridge verweilt hatten und er die Baronin in das
-Geheimnis eingeweiht hatte. Frau von Riedesel nähte sie mit Hilfe eines
-»recht ehrlichen Schneiders« in eine Matratze ein, und es wurde unter
-irgend einem Vorwand ein Offizier durch die Linie nach New-York gesandt,
-der die Matratze als Teil seines Bettes mitnahm. So wurden die
-braunschweigischen Fahnen gerettet. Burgoyne hatte sein Ehrenwort
-gegeben, dass die Offiziere nichts von dem königlichen Eigentum in ihrem
-Privat-Gepäck mitnehmen würden. Vielleicht meinte man, dass die Fahnen
-dem Herzog von Braunschweig gehörten und nicht dem König, der sie nur
-gemietet hatte in Gemeinschaft mit den Verteidigern derselben.
-
-Nachdem die Waffen niedergelegt waren, marschierten die Braunschweiger
-durch das amerikanische Lager, wo die siegreiche Armee aufgestellt war,
-um sie zu empfangen. Nicht ein Regiment war richtig uniformiert, sondern
-jeder Mann war in den Kleidern, die er auf dem Feld, in der Kirche oder
-im Bierhaus trug. Aber sie standen da wie Soldaten, in guter Ordnung und
-sehr militärisch, zur grossen Verwunderung der deutschen Offiziere.
-»Die Leute standen so still, dass wir mit Erstaunen erfüllt wurden,«
-schreibt einer, »nicht ein Mann machte Miene auch nur mit seinem
-Nebenmanne zu sprechen. Ausserdem standen die Leute alle so aufgerichtet
-im Gliede, sahen so schön und kräftig aus, dass es ein Vergnügen war sie
-anzusehen, und wir alle waren verwundert über diesen schönen
-Menschenschlag..... In der That, Englisch-Amerika übertrifft den
-grössten Teil von Europa, was die Grösse und Schönheit seiner Männer
-anlangt.«
-
-Nur wenige Offiziere in Gates Armee trugen Uniformen, und diese wenigen
-trugen sie nach ihrer eigenen Fantasie, von irgend welchem Tuch, das
-ihnen in die Hände kam. Grosse und kleine Perrücken, schwarze, weisse
-und graue zierten oder verunzierten ihre Köpfe. Einige von ihnen sahen
-aus, als trügen sie ein ganzes Schaf auf ihren Schultern. Diese grossen
-Perrücken flössten, unserem Braunschweiger zufolge, dem gewöhnlichen
-Volk grosse Ehrfurcht ein. Unter den Trägern dieser Perrücken waren
-viele 50 bis 60 Jahre alt, und nunmehr zum ersten Mal in Reihe und
-Glied, zwar etwas schwerfällig ihrer Erscheinung nach, aber durchaus
-eifrig, ohne sich zu vernachlässigen, besonders in den Wäldern. »In
-vollkommenem Ernst,« sagt der deutsche Offizier, »diese ganze Nation hat
-viel natürliche Beanlagung zum Krieg und Soldatenleben.«
-
-Als die Truppen, die sich ergeben hatten, durch die Reihen der
-Amerikaner schritten, zeigte ihnen nicht ein Mann von der siegreichen
-Armee seine Missachtung oder verhöhnte sie wegen ihres Missgeschickes.
-Die Deutschen bezeugen insgesamt, dass Offiziere sowohl wie Soldaten sie
-mit Güte und Wohlwollen behandelten. General Gates lud alle höheren
-Offiziere in sein Zelt ein und behielt die Generäle zum Mittagessen
-zurück. Schuyler erwies Frau von Riedesel besondere Artigkeit. Er kam
-ihr entgegen, als sie in das Lager kam, hob ihre Kinder aus dem Wagen,
-küsste sie und half ihr aus dem Wagen aussteigen. Nach wenigen
-ermutigenden Worten führte er sie zu General Gates, mit dem sie Burgoyne
-zusammen stehen sah, der anscheinend auf ganz freundschaftlichem Fuss
-mit ihm stand. Er sagte zu ihr, dass sie keine Angst haben sollte, denn
-ihre Leiden hätten nun ein Ende. »Ich antwortete,« schreibt die Baronin,
-»ich würde freilich Unrecht haben, noch Besorgnisse zu haben, wenn unser
-Chef keine mehr hätte und ich ihn auf einem so guten Fuss mit General
-Gates sähe.«
-
-Schuyler hatte Frau von Riedesel und ihren Kindern in seinem eigenen
-Zelt ein Mittagessen auftragen lassen (»geräucherte Zunge, Beefsteak,
-Kartoffeln, gute Butter und Brod«), und sie verbrachte drei Tage mit
-seiner Familie in Albany, wo sie mit der grössten Freundlichkeit
-behandelt wurde. Burgoyne war auch Schuylers Gast in Albany. Er machte
-Entschuldigungen dem letzteren gegenüber, dass er ihm sein Haus und
-seine Scheunen in Saratoga verbrannt hätte. »Das ist das Schicksal des
-Krieges«, erwiderte der brave Mann, »lassen Sie uns davon nicht weiter
-reden.«
-
-Die Gefangenen oder »Konventionisten«, wie sie sich nannten, traten nun
-ihren Marsch durch Massachusetts hindurch an. Das Wetter war kalt und
-die Wege schlecht. Der Marsch dauerte vom 17. Oktober bis zum 7.
-November. An einigen Orten weigerten sich die Einwohner, die Gefangenen
-in ihre Häuser aufzunehmen, und an andern Orten, wo es nötig war Halt zu
-machen, waren nicht Häuser genug, um sie zu beherbergen. Die Einwohner
-ihrerseits beklagten sich, dass die durchmarschierenden Gefangenen ihre
-Gelände verbrannten, ihr Viehfutter unbrauchbar machten und Kleider und
-Möbel aus ihren Häusern stahlen. Von allen Seiten strömte das Landvolk
-zusammen, um die Gefangenen zu sehen und man drängte sich in die Häuser,
-wo sie einquartiert waren, bis die Offiziere anfingen zu argwöhnen,
-dass die Hauswirte Geld für dieses Schauspiel nähmen.
-
-Auf diese Weise sahen die Deutschen viel von der weiblichen
-Landbevölkerung, und derselbe Offizier, der die obenerwähnte
-Beschreibung der amerikanischen Soldaten verfasst hat, hat uns die
-ersten Eindrücke von Neu-Englands Frauen auf ihn hinterlassen.
-
-»Die Frauen in allen Gegenden von Boston bis New-York sind schlank und
-gerade gewachsen, wohlgenährt ohne plump zu sein. Sie haben hübsche,
-kleine Füsse, gute, kräftige Hände und Arme, eine sehr weisse Haut und
-eine sehr gesunde Gesichtsfarbe, sodass sie sich nicht zu malen
-brauchen. Kaum eine von denen, die ich gesehen habe, hatte Pockennarben
-auf dem Gesicht; denn das Impfen ist hier schon seit vielen Jahren
-gebräuchlich. Ihre Zähne sind sehr weiss, ihre Lippen schön und ihre
-Augen lebhaft und lachend. Obendrein haben sie natürliche und
-ungezwungene Manieren, eine freie und fröhliche Miene, eine natürliche
-Sicherheit im Auftreten. Sie geben viel auf Reinlichkeit und gutes
-Schuhwerk. Sie ziehen sich sehr hübsch an, aber ihre Kleider müssen sehr
-eng anliegen..... Sie locken ihr Haar jeden Tag, machen es von hinten zu
-einem Chignon zurecht und vorn über ein Kissen von mässiger Höhe.
-Gewöhnlich gehen sie barhäuptig aus, oder setzen höchstens ein kleines
-herzförmiges Ding oder irgend eine derartige Kleinigkeit auf ihren Kopf.
-Hier und da lässt eine Land-Nymphe ihr Haar fliegen und schmückt es mit
-einem Band. Obschon die Hütte, in der sie leben, ärmlich sein mag, so
-tragen sie doch einen seidenen Mantel und Handschuh, wenn sie ausgehen.
-Sie wissen sich sehr hübsch in den Mantel zu hüllen, so dass ein
-kleiner, weisser Ellbogen daraus hervorguckt. Dann tragen sie eine Art
-gut gearbeiteten Krempenhut, unter welchem sie mit ihren schelmischen
-Augen kokett hervorsehen. In den englischen Kolonien haben die Schönen
-eine Vorliebe für Mäntel von roter Seide oder Wolle. In dieser Art
-gekleidet, läuft, springt und tanzt das junge Mädchen umher, wünscht
-Ihnen einen »Guten Morgen« oder giebt, der Frage entsprechend, eine
-schnippische Antwort. So standen sie zu Dutzenden den ganzen Weg
-entlang, liessen uns Revue passieren, lachten mokant über uns oder
-liessen von Zeit zu Zeit eine boshafte Bemerkung fallen und händigten
-uns einen Apfel ein. Wir dachten erst, dass es Mädchen aus der Stadt
-wären oder wenigstens von der zweiten Klasse, aber keineswegs! Sie waren
-die Töchter von armen Bauern, die man an ihrer Kleidung als arme Bauern
-erkennen konnte.«
-
-Der Offizier fährt mit seinen sozialen Beobachtungen fort. Es scheint,
-dass in ganz Amerika die Männer den Frauen völlig unterthan sind. Die
-letzteren gebrauchen ihre Gewalt in Kanada zum Besten der Männer, in
-New-England aber zu ihrem Ruin. Die Frauen sind extravagant. Wie sie es
-fertig bekommen, den Männern so schwer zur Last zu fallen, ist unserm
-guten Deutschen ein Rätsel, da er sieht, dass sie weder kratzen, noch
-beissen, noch Ohnmachtsanfälle bekommen. Bei all diesem setzten sie ihre
-Hoffnung auf die britische Krone. Die Frauen tragen jetzt ihren
-Sonntagsstaat an den Wochentagen. Wenn es abgetragen ist, wird Friede
-mit Grossbritannien gemacht sein, um dann neu mit allem versorgt zu
-werden.
-
-Wir kommen nun zu den Negern. Diese findet man auf den meisten Farmen
-westlich von Springfield. Die schwarze Familie lebt in einem kleinen
-Hinterhaus. »Die Neger sind sehr fruchtbar hier, wie das übrige Vieh.
-Die Jüngeren werden sehr gut gefüttert, besonders während sie noch
-Kälber sind. Überdies ist die Sklaverei sehr erträglich. Der Neger wird
-als der Knecht des Bauern angesehen; die Negerin thut die ganze grobe
-Hausarbeit; und die schwarzen Kinder warten die weissen Kinder. Der
-Neger kann für seinen Herrn zu Felde ziehen, und so sieht man nicht ein
-Regiment, in welchem sich nicht eine grosse Anzahl Schwarzer befindet;
-und es giebt gutgewachsene, starke und stämmige Burschen unter ihnen. Es
-sind auch viele Familien freier Schwarzer hier, die gute Häuser inne
-haben, Mittel besitzen und ganz nach Art der andern Bewohner leben. Es
-sieht komisch genug aus, wenn Miss Negerin ihr wolliges Haar über ein
-Kissen zurechtfrisiert, einen kleinen Hut mit Krempe auf den Kopf setzt,
-sich in ihren Mantel hüllt und in diesem Putz die Strasse
-entlanggrätschelt mit einer Negersklavin, die hinter ihr herwatschelt.«
-
-Baronin Riedesel machte ihre ersten Beobachtungen über die Amerikaner.
-Sie erzählt, dass eines Nachts ihr Mann krank war, und dass die Wache
-vor seiner Thür trank und Lärm machte. Er schickte hinaus und liess sie
-bitten ruhig zu sein, worauf sie ihren Lärm noch verdoppelten. Frau von
-Riedesel ging darauf hinaus, sagte ihnen, dass ihr Mann krank sei und
-bat sie, sie möchten weniger Geräusch machen. Darauf waren sie sofort
-ruhig, »ein Beweis«, sagt die Baronin, »das diese Nation auch Achtung
-vor unserm Geschlecht hat.« Die Bürger-Offiziere waren den Deutschen ein
-fortwährendes Rätsel. Keine Geschichte war ihnen zu aussergewöhnlich, um
-sie zu glauben. »Ihre Generale, die uns begleiteten, waren zum Teil vom
-Schuster-Handwerk und machten an den Rasttagen Stiefel für unsere
-Offiziere, besserten auch wohl die Schuhe unserer Soldaten aus. Sie
-setzten einen grossen Wert auf das gemünzte Geld, welches bei ihnen
-selten war. Einem unserer Offiziere waren seine Stiefel ganz zerrissen.
-Er sah, dass ein amerikanischer General ein gutes Paar anhatte und sagte
-ihm zum Spass: »Ich gäbe ihm gern eine Guinee dafür.« Gleich stieg der
-General vom Pferde, nahm die Guinee, gab seine Stiefeln, und setzte sich
-mit des Offiziers zerrissenen Stiefeln wieder auf.« General von
-Riedesels Gemütsstimmung zu jener Zeit war durch mangelhafte Gesundheit
-und sein Missgeschick verbittert. Wir müssen dies berücksichtigen, wenn
-wir sein Urteil hören, welches er über die Amerikaner fällt. Allerdings
-es wird erwähnt, er habe gesagt, dass er nur einen amerikanischen
-Offizier in Cambridge getroffen, vor dem er Respekt gehabt habe. Von den
-Mitgliedern des General Court of Massachusetts macht er eine merkwürdige
-Schilderung. »Man sieht in diesen Männern genau den National-Charakter
-der Eingeborenen von Neu-England; vornehmlich zeichnen sie sich vor
-andern durch die Art sich zu kleiden aus. So behaupten sie alle unter
-einer überaus dicken, runden, gelblichen Stutzperrücke eine recht
-ehrenhafte Magistratsmiene. Ihre Kleider sind nach der ganz alten
-englischen Mode, darüber sie im Winter und Sommer einen blauen
-Roquelaure mit Ärmeln tragen, den sie mit einem ledernen Riemen fest um
-den Leib schnallen. Selten sieht man einen ohne Peitsche. Meistens sind
-sie alle untersetzter Natur und mittelmässig gross, sodass es schwer
-fällt, einen vom andern zu unterscheiden, wenn sie als Delegaten ihrer
-Townships zu dem Konsul von Boston gefordert werden, oder in
-Miliz-Angelegenheiten erscheinen müssen. Nicht der zehnte Teil von ihnen
-kann geschriebene Schrift lesen und noch weniger können sie schreiben.
-Diese Kunst ist ausser bei Leuten von der Feder nur allein bei dem
-weiblichen Geschlecht anzutreffen, welches überhaupt gut erzogen wird
-und daher die Herrschaft über die Männer mehr als eine andere Nation in
-der Welt zu behaupten weiss. Die Neu-Engländer wollen alle Politici
-sein, lieben daher die Tavernen und Grog-bowl, bei welchen sie ihre
-Geschäfte abthun, und vom Morgen bis in die Nacht trinken. Sie sind im
-allerhöchsten Grad neugierig, leichtgläubig und bis zur Raserei für die
-Freiheit eingenommen, dabei aber auch zugleich so blind, dass ihnen das
-schwere Joch der Sklaverei unter ihrem Kongress, worunter sie eigentlich
-schon jetzt zu sinken anfangen, bisher noch ganz unsichtbar geblieben
-ist.«
-
-Auf der andern Seite konnten die Amerikaner, wenn wir dem oben erwähnten
-braunschweigischen Offizier glauben wollen, nicht die gesellschaftlichen
-Verhältnisse ihrer Gefangenen verstehen. »Es war den Bewohnern schwer
-begreiflich zu machen,« sagt er, »dass unsere Offiziere kein Gewerbe
-trieben.« Sie hatten geglaubt, dass es Eigensinn von ihnen wäre, keine
-andere Beschäftigung zu haben.
-
-Die deutschen »Konventionisten« wurden in Baracken auf dem Winter Hill
-bei Cambridge, Massachusetts, untergebracht, die Engländer auf dem
-benachbarten Prospekt Hill. Diese Baracken waren von den Amerikanern zu
-ihrem eigenen Gebrauch während der Belagerung von Boston errichtet
-worden und waren von der leichtesten Bauart. Der Wind blies durch die
-Wände, der Regen sickerte durch das Dach, der Schnee lag in Haufen auf
-dem Fussboden. Holz und Stroh war nur sehr knapp vorhanden, und die
-Uniformen, die einen schweren Feldzug in der Wildnis hatten aushalten
-müssen, hingen in Fetzen an den frierenden Soldaten herunter. Sie
-schnitten die Schösse von ihren Röcken ab, um sich Flicken für die
-übrigen Kleidungsstücke davon zu machen. Selbst im Hospital war es
-bitter kalt. Hoffnung und Enttäuschungen erfüllten abwechselnd die Brust
-der Gefangenen, je nachdem die Verhandlungen wegen ihrer Rückkehr nach
-England wieder aufgenommen oder abgebrochen worden waren. Einmal während
-ihres dortigen Aufenthaltes kam die Hoffnung auf Befreiung, und es
-wurden von den Deutschen Vorbereitungen getroffen, die freundliche
-Flotte zu begrüssen, von den Amerikanern aber, ihre Gefangenen nach
-Quartieren mehr im Innern des Landes zu transportieren. Die grössten
-Leiden die vielleicht die Gefangenen auszustehen gehabt hatten,
-bestanden in der Eintönigkeit ihres Gefangenenlebens. Es gab nichts zu
-thun, denn ein wenig Exerzieren ohne Gewehre kann schwerlich eine
-Beschäftigung genannt werden. Wir erfahren aus den Journalen und
-Briefen der Offiziere die Folgen dieser Unthätigkeit. Es gab
-Streitigkeiten mit der amerikanischen Wacht-Besatzung. In dieser
-Hinsicht verhielten sich indessen die Deutschen etwas besser als die
-Engländer. Riedesels Sorgfalt, die Disziplin unter seinen Leuten
-aufrecht zu erhalten, hatte man bemerkt, und die Amerikaner machten es
-sich zur Gewohnheit jeden deutschen Delinquenten seinen eigenen
-Offizieren zur Bestrafung zu überantworten.
-
-Die Lage der Soldaten, welche nicht in Burgoynes Uebergabe mit
-eingeschlossen waren, die Gefangenen von Bennington und der Gefechte
-nördlich Stillwater, war in mancher Hinsicht eine glücklichere. Diese
-begaben sich zum grösseren Teil in den Dienst Neu-Englischer Farmer.
-Vielen wurde auch erlaubt, das Lager auf dem Winter Hill zu besuchen, um
-die »Konventionisten« zum desertieren zu verleiten, wie die Deutschen
-sagen. Im Frühjahr als die Versuchung, hinaus aufs Land zu kommen, stark
-wurde, hielt es Riedesel für weise, die Pforte etwas zu öffnen und gab
-einigen Soldaten Erlaubnis auf den Farmen zu arbeiten, unter der
-Bedingung einmal in der Woche ins Lager zurückzukommen. Die deutschen
-Offiziere waren meist in den ungemütlichen Häusern in der Nähe des Hills
-oder in den Baracken selbst einquartiert. Die Generale hatten indessen
-gute Häuser in Cambridge. Niemand, ohne Ansehen des Ranges, durfte nach
-Boston kommen, Baronin Riedesel ging gelegentlich dorthin. Sie sagt,
-dass die Stadt sehr hübsch wäre, aber bewohnt von heissblütigen
-Patrioten und voll von gemeinem Volk. Frauen wollten sogar vor ihr
-ausspucken auf der Strasse. Grosses Verlangen trug die Baronin, Mrs.
-Carter, die Tochter von General Schuyler, zu besuchen. Diese Dame war
-sanft und gut wie ihre Eltern, aber ihr Mann, wie Frau von Riedesel
-meint, böse und falsch. »Sie kamen uns oft zu besuchen und assen auch
-bei uns mit den andern Generalen. Wir suchten ihnen auf alle Weise
-unsere Erkenntlichkeit zu bezeigen. Sie schienen auch viel Freundschaft
-für uns zu haben, und doch war es zur nämlichen Zeit, dass dieser
-garstige Carter, als General Howe viele Dörfer und kleine Städte
-angesteckt hatte, den Amerikanern den abscheulichen Vorschlag machte,
-unseren Generalen die Köpfe abzuhauen, diese in kleine Fässer
-einzusalzen und den Engländern für jedes angesteckte Dorf oder Städtchen
-ein solches Fässchen zu überschicken, welcher unmenschliche Vorschlag
-glücklicherweise nicht angenommen ward.«
-
-»Am 3. Juni 1778 gab ich einen Ball nebst Souper zur Feier des
-Geburtstages meines Mannes. Ich hatte alle Generale und Offiziere dazu
-eingeladen. Auch die Carters waren mit dabei. General Burgoyne liess
-absagen, nachdem er uns bis 8 Uhr abends hatte warten lassen. Er
-entschuldigte sich immer unter verschiedenem Vorwande zu uns zu kommen,
-bis zu seiner Abreise nach England, wo er kam und mir grosse
-Entschuldigungen deshalb machte, worauf ich aber nichts weiter
-antwortete als, dass es mir würde leid gethan haben, wenn er sich
-unseretwegen geniert hätte.
-
-»Man tanzte viel, und unser Koch hatte uns ein prächtiges Souper von
-mehr als 80 Kouverts zubereitet. Überdem war auch noch unser Hof und
-Garten erleuchtet. Da der Geburtstag des Königs von England Tages darauf
-als den 4. war, so wurde beschlossen, dass man sich nicht eher trennen
-wollte, bis man seine Gesundheit getrunken; welches auch mit der
-herzlichsten Anhänglichkeit an seine Person und sein Interesse
-ausgeführt wurde.«
-
-»Nie, glaube ich, ist das 'God save the King' mit mehr Enthusiasmus und
-mit aufrichtigeren Gesinnungen gesungen worden. Sogar meine ältesten
-beiden kleinen Töchter waren mit dabei, die man heruntergeholt hatte, um
-die Illumination zu sehen. Alle Augen waren voll Thränen, und es schien,
-als wenn jeder darauf stolz war, den Mut zu haben, dieses so mitten
-unter den Feinden zu wagen. Sogar die Carters hatten nicht das Herz
-sich auszuschliessen. Als die Gesellschaft auseinanderging, sah man das
-ganze Haus umringt von Amerikanern, die, als sie so viel Leute
-hineingehen und die Illumination gesehen, den Verdacht geschöpft hatten,
-dass wir eine Empörung im Sinne hätten; und wenn der mindeste Lärm
-entstanden wäre, hätte uns dieses können teuer zu stehen kommen.«
-
-»Die Amerikaner, wenn sie ihre Truppen versammeln wollen, setzen
-brennende Pechfackeln auf die Anhöhen, auf welches Signal Jeder
-herzueilet. Wir waren einmal Zeugen davon, als der General Howe eine
-Landung zu Boston versuchen wollte, um die gefangenen Truppen zu
-befreien. Man erfuhr dieses wie gewöhnlich längst voraus und steckte die
-Pechtonnen an, worauf man drei oder vier Tage nacheinander eine Menge
-Leute ohne Schuhe und Strümpfe und die Flinte auf dem Rücken eiligst
-herzulaufen sah, wodurch bald so viele Leute zusammenkamen, dass eine
-Landung zu schwer gefallen sein würde.«
-
-Im November 1778 mussten die Braunschweiger die Umgegend von Boston
-verlassen, wo sie anfingen sich etwas heimisch zu fühlen, und zu dem
-langen Marsche nach Virginien aufbrechen. Frau von Riedesel begleitete
-auch hierhin ihren Gemahl; sie hatte eine bequeme englische Kutsche
-gefunden, in welcher sie die Reise unternehmen konnte. An einem der
-Orte, an welchem ein Rasttag gehalten wurde, traf sie mit General
-Lafayette zusammen, den ihr Mann zum Essen lud. Lafayette erzählte ihr
-viel von der Gnade, die der König von England für ihn gehabt, ihm alles
-zu zeigen. Die Baronin fragte ihn, wie er es hätte über das Herz bringen
-können, soviel Gnadenbezeugungen von dem Könige anzunehmen, da er doch
-im Begriff gewesen wäre abzureisen, um gegen ihn zu fechten. Der Marquis
-schien etwas beschämt zu sein und antwortete: »Es ist wahr, der Gedanke
-ging mir durch die Seele, sodass, als mir eines Tages der König anbot,
-mir seine Flotte zeigen zu lassen, ich erwiderte, dass ich hoffte, sie
-eines Tages zu sehen, und dann heimlich wegging, um aus der Verlegenheit
-zu kommen, es noch einmal ablehnen zu müssen.«
-
-Frau von Riedesel hatte auf der Reise Gelegenheit, die Gesinnungen der
-Bewohner gegen die Gefangenen etwas zu beobachten. In einem Hause, wo
-sie übernachtete, bemerkte sie eine Menge Fleisch und bat die Wirtin,
-ihr etwas davon zu überlassen. »Ich habe vielerlei«, antwortete sie, »da
-ist Rindfleisch, Kalbfleisch und Hammelfleisch.« Der Mund wurde ihr
-schon wässrig. »Geben sie her«, sagte sie, »ich werde Sie gut bezahlen.«
-Die Wirtin schlug ihr hierauf ein Schnippchen fast unter der Nase.
-»Nichts sollt Ihr haben,« schrie sie, »warum seid Ihr aus Euerm Land
-gekommen, um uns tot zu machen und unser Hab' und Gut aufzuzehren? Nun
-seid Ihr unsere Gefangenen, so ist nun die Reihe an uns, Euch zu
-quälen.« »Seht diese armen Kinder,« antwortete die Baronin, »sie kommen
-fast um vor Hunger.« Die Frau blieb unerbittlich, bis Frau von Riedesels
-kleines, erst zweieinhalb Jahre altes Töchterchen ihre Hand ergriff und
-sagte: »Gute Frau, ich bin sehr hungrig.« Darauf nahm sie das Kind mit
-in die Stube und gab ihm ein Ei. »Nein,« sagte das Kind, »ich habe noch
-zwei Schwestern.« Das rührte die Frau, sie gab ihr drei Eier und bot der
-Mutter Brot und Milch an. Frau von Riedesel benutzte diese Gelegenheit,
-holte ihren Thee herbei, der damals etwas sehr Seltenes war und bot der
-Frau davon an. Die Baronin ging darauf in die Küche, wo sie deren Mann
-fand, der einen Schweineschwanz kaute. Diesen reichte er dann seiner
-Frau, die auch etwas daran kaute und ihn dann zurückgab. Da die Baronin
-diesem Schauspiel eifrig zusah (»mit Verwunderung und Ekel«), so reichte
-er ihr auch das beinahe ganz abgenagte Stück hin, und sie konnte nicht
-anders als es anzunehmen, that so, als ob sie davon ässe und
-praktizierte es dann sachte in das Feuer. Nun war völliger Friede
-geschlossen, und die Baronin Riedesel erhielt ihre Kartoffeln und
-machte eine gute Suppe davon.
-
-Dies war nicht der einzige Fall, dass der Baronin und ihren Kindern die
-Verpflegung vorenthalten oder ihnen wegen der Unterkunft Schwierigkeiten
-gemacht wurden. Die Leute, bei denen sie wohnte, waren gewöhnlich
-heissblütige Revolutionäre. Ein anderes Mal hatte sie ihr Nachtquartier
-in dem Haus eines Oberst Howe, dem sie ein Kompliment zu sagen glaubte,
-indem sie ihn fragte, ob er ein Verwandter des englischen Generals jenes
-Namens wäre. »Gott behüte«, antwortete er, »der ist meiner nicht wert.«
-»Dieser selbige Oberst hatte eine hübsche Tochter, 14 Jahre alt, aber
-von böser Gemütsart,« sagt Frau von Riedesel. »Ich sass mit ihr vor
-einem guten Kaminfeuer, sie sah die glühenden Kohlen an und rief aus:
-»Ha, wenn ich den König von England hier hätte! Mit welchem Vergnügen
-schnitt ich ihm den Leib auf, riss sein Herz heraus, zerlegte es, briete
-es auf den Kohlen und verzehrte es dann.« Ich blickte sie mit Abscheu an
-und sagte ihr: »Ich schäme mich fast, von einem Geschlecht zu sein, das
-fähig ist, eine solche Lust zu bekommen.«
-
-Mitte Januar 1779 erreichten die Deutschen Charlottesville in Virginia.
-Hier fanden sie keine Baracken vor und waren genötigt, sie sich selbst
-zu bauen. Bald war ein Dorf entstanden, und hier und in anderen Teilen
-von Virginia brachten sie den Rest ihrer Gefangenschaft zu. Für viele
-dauerte sie noch bis zum Ende des Krieges. Die Soldaten legten sich
-Gärten und Hühnerhöfe an. Die Offiziere kauften sich gute Reitpferde. In
-einer der Niederlassungen war von den englischen Soldaten ein kleines
-Theater gebaut worden, und es wurden Spottstücke aufgeführt, in welchem
-die Gefangenen über ihre Gewalthaber herzogen, bis man es für nötig
-hielt, der amerikanischen Miliz das Zusehen zu verbieten. General
-Riedesel kehrte im Herbst 1779 auf Ehrenwort nach New-York zurück und
-wurde bald darauf ausgewechselt. Seine Gesundheit hatte durch
-Überanstrengung, Niedergeschlagenheit und einen leichten Sonnenstich,
-der ihn in Virginia traf, stark gelitten. Nachdem er ausgewechselt
-worden war, kehrte er nach Kanada zurück und blieb im Dienst des Königs
-von England bis zum Ende des Krieges, aber er zog nicht wieder gegen die
-Amerikaner zu Felde.
-
-
-
-
-Kapitel XVI.
-
-Brandywine, Germantown und Redbank, September und Oktober 1777.
-
-
-Im Sommer 1777 wandte Sir William Howe, anstatt mit Burgoyne
-gemeinschaftlich zu operieren, seine ganze Aufmerksamkeit auf die
-Wegnahme von Philadelphia. Er ging einige Meilen von New-Brunswick aus
-vor, aber es misslang ihm, Washington zu einem entscheidenden Schlag zu
-verleiten, und so zog er sich nach Amboy zurück. Sodann wiederholte Howe
-seine Angriffsbewegung, indem er hoffte, dass Washington seine günstige
-Stellung verlassen haben würde. Er war insofern vom Glücke begünstigt,
-als die rechte Kolonne ein kleines Gefecht mit einer vorgeschobenen
-Abteilung Amerikaner unter Stirling hatte, diese vertrieb und ihr 3
-Kanonen und 80 Gefangene abnahm. Hierauf kehrte die britische Armee nach
-Amboy zurück und ging nach Staten-Island über. Hier wurde sie
-eingeschifft, und am 23. Juli war Sandy Hook geräumt. Diese Truppenmacht
-bestand aus ungefähr 18000 Mann, von denen weniger als ein viertel
-Deutsche waren. Die aus 234 Segelschiffen bestehende Flotte langte am
-30. Juli bei Cap May an, aber die Fregatten, die zum rekognoszieren
-vorgeschickt worden waren, meldeten, dass der Delaware stark verteidigt
-würde, Sir William beschloss, sich Philadelphia durch die Chesapeake
-Bay zu nähern. Am 22. August erreichte die Flotte die Mündung des
-Elk-Flusses, und am 25. und 26. wurden die Truppen in guter Ordnung und
-ohne feindliche Gegenwehr gelandet.
-
-[Illustration: SCHLACHT VON BRANDYWINE. Am 11. September 1777.]
-
-Am 3. September hatten die Jäger, welche die Avantgarde bildeten, ein
-heisses Gefecht mit der amerikanischen Arrieregarde, wobei erstere
-ungefähr 20 Tote und Verwundete verloren. Zwischen 30 und 40 Amerikaner
-wurden auf dem Gefechtsfelde beerdigt. Von dieser Zeit an waren die
-Jäger beständig vorn, sie schliefen gewissermassen auf ihren Waffen.
-
-Am 11. September hatte Washingtons Armee auf dem linken Ufer des
-Brandywine-Flusses Stellung genommen. Das Gros stand bei Chads Furt,
-während General Sullivan auf dem rechten Flügel die Übergänge weiter
-oberhalb besetzen sollte. Bei Tagesanbruch traten die Briten von Kennets
-square, 7 Meilen von Chads Furt, ihren Vormarsch an. Die rechte Kolonne
-unter General Knyphausen, marschierte gerade auf die amerikanische Front
-los, in deren Nähe sie ungefähr 10 Uhr morgens anlangte. Hier blieb
-Knyphausen den grössten Teil des Tages über stehen und unterhielt eine
-Kanonade, ohne einen ernstlichen Angriff auf den Feind zu machen.
-
-Die zweite Kolonne unter Howe und Cornwallis machte eine weite Umgehung
-nach links und fand nur geringen Widerstand, bis sie die Gabelung des
-Brandywine erreicht und glücklich passiert hatte, was eine kleine
-Abteilung hätte verhindern können. Die Amerikaner hatten aber diese
-Stelle übersehen. Washington, der durch widersprechende Befehle
-getäuscht worden war, hatte es nicht gewagt, den Fluss zu überschreiten
-und Knyphausens Division anzugreifen.
-
-Auf die Nachricht, dass Howe den Brandywine überschritten hätte, ging
-Sullivan ihm eilig entgegen. Er hatte aber keine Zeit, seine Division
-ganz zu formieren. Es scheint auch, dass er bei den Anordnungen Fehler
-gemacht hat. Ungefähr um 1/2 4 Uhr stiessen die hessischen Jäger, die
-den äussersten linken Flügel bildeten, auf die amerikanische Avantgarde,
-welche sie auf das Gros zurückdrängten. Ungefähr um diese Zeit wurde der
-Kampf ein allgemeiner. Sullivans Division wurde zurückgetrieben.
-Lafayette, der als Freiwilliger diente, erhielt eine Wunde ins Bein.
-Washington zog Greenes Division und noch zwei andere Brigaden vor, um
-Sullivans Rückzug zu decken.
-
-Sobald Knyphausen die Kanonen von Cornwallis donnern hörte, überschritt
-er den Brandywine bei Chads Furt und griff die amerikanischen
-Verschanzungen an. Diese wurden eine Zeit lang von Wayne verteidigt,
-aber die Briten waren ihm schon im Rücken, so dass er spät am Nachmittag
-seine Stellung verlassen und nach Chester hin abziehen musste.
-
-An diesem Tage waren hessische Truppen in beiden Kolonnen der britischen
-Armee. Die Jäger waren bei der Avantgarde der Division Cornwallis und
-hatten 40 Mann tot und verwundet. Die Kapitäns Ewald und Wreden
-erhielten den hessischen Orden »pour la vertu militaire« für ihr
-Verhalten bei dieser Gelegenheit. Dies war eine grosse Auszeichnung für
-sie, weil sie die ersten Offiziere vom Rang eines Hauptmanns waren, die
-mit diesem Orden dekoriert wurden. Der Gesamtverlust der britischen
-Armee in der Schlacht am Brandywine betrug 622 und der der Amerikaner
-ungefähr 1000 Mann. Unter den 10 oder 15 Kanonen, die den Amerikanern
-weggenommen wurden, waren zwei, welche in Trenton mit Ralls Brigade
-zusammen genommen worden waren.
-
-Man nahm an, dass die Amerikaner sich eiligst zurückzogen; der Herbsttag
-neigte sich zu Ende. Zwei Bataillone britischer Grenadiere wurden
-vorgeschickt, um ein kleines Dorf auf einem Berge jenseits Dilworth zu
-besetzen. Die Bataillone gingen, ermüdet durch die Anstrengungen des
-Tages und übermütig gemacht durch ihren Sieg, etwas unvorsichtig vor.
-Die Offiziere hatten nicht den Säbel gezogen. Kapitän Ewald, der die
-Tête der Kolonne von Cornwallis den ganzen Tag über kommandiert hatte,
-hatte seine Leute ruhen lassen und war, da er selbst nichts besonderes
-zu thun gehabt hatte, mit den Grenadieren zusammen vorgeritten, um das
-Terrain zu rekognoszieren. Plötzlich, 50 Schritt von dem Dorfe entfernt,
-wurden sie von heftigem Musketenfeuer empfangen. General Macwell hatte
-sich mit der amerikanischen Arriere-Garde in das Dorf hineingeworfen, um
-Washingtons Rückzug zu decken. Zu gleicher Zeit beobachtete man, dass
-eine amerikanische Abteilung um den Berg herumkam, um die Engländer in
-der linken Flanke zu fassen. Ewald galoppierte zurück, um
-Unterstützungen heranzuziehen, und brachte zwei englische Regimenter
-unter General Agnew heran, welche sofort die Amerikaner angriffen und
-die Grenadiere retteten, die schon beinahe umringt waren. Die Nacht
-machte dem Gefecht ein Ende. Der englische Verlust in dieser kleinen
-Affaire war schwer; beinahe die Hälfte der beiden Bataillone und der
-grösste Teil ihrer Offiziere fielen, laut Bericht von Ewald.
-
-Nachdem die britische Armee bei Head of Elk ausgeschifft war, hatte die
-englische Flotte die Chesapeake Bay verlassen. Inzwischen waren 7
-englische Fregatten und 14 Transportschiffe mit Proviant von New-York im
-Delaware angelangt und nach Wilmington hinaufgegangen. Zwei Tage nach
-der Schlacht am Brandywine besetzte Cornwallis diesen Ort, welcher die
-Basis für die Verpflegung der Armee von nun ab bildete.
-
-Die Engländer gingen weiter vor, ohne auf ernstlichen Widerstand zu
-stossen, obschon beständig Plänkeleien stattfanden und eine Abteilung
-unter General Wayne überrascht und geschlagen wurde. Am Morgen des 26.
-September 1777 rückte Lord Cornwallis an der Spitze von 2 englischen und
-2 hessischen Grenadier-Bataillonen in Philadelphia ein und schickte sich
-an, die Stadt zur Verteidigung einzurichten. Die Haupt-Armee lagerte
-bei Germantown. Die Hessen bildeten hier den linken Flügel, mit den
-Jägern vorn an der Strasse nach Lancaster.
-
-Am 3. Oktober 1777 um Mittag erhielt Kapitain Ewald den Besuch eines
-Mannes (»der keineswegs ein Tory war,« sagt er), dessen Besitztum er bei
-einer früheren Gelegenheit vor der Plünderung bewahrt hatte. Beim
-Weggehen sagte der Amerikaner zu ihm: »Mein Freund, seien Sie auf Ihrer
-Hut diese Nacht und morgen.« Ewald verstand den Wink und berichtete
-diese Bemerkung seinem Oberst, der es an das Hauptquartier
-weitermeldete. Die Generale nahmen keine Notiz davon, doch wir werden
-aus dem folgenden Bericht sehen, dass die Jäger auf einen Angriff
-vorbereitet waren.
-
-Auszug aus dem »Journal«, geführt bei dem Hochlöblichen Hessischen
-Feld-Jäger-Korps: »Oktober 4. Die vielen Detachements, welche der
-General Howe nach Philadelphia und Jersey geschickt, um Mud Island zu
-belagern und die Stadt zu besetzen, mochten den General Washington
-bewogen haben, besonders da er eine Verstärkung aus Virginien erhalten,
-die Königliche Armee zu attaquieren. In dieser Absicht war er aus seinem
-Lager an der Skibback-Creek aufgebrochen, und gegen 2 Uhr diesen Morgen
-erhielten wir die Nachricht von dessen Anmarsch. Der Oberstlieutenant
-von Wurmb rückte mit dem Jäger-Korps sogleich aus, liess den Vorfall an
-den General Knyphausen melden und besetzte die Brücke bei Van Doerens
-Haus, so über den Visihigging (Wissahickon) führet. Wir hörten bald
-darauf das Feuern am rechten Flügel und gegen 1/2-4 Uhr wurde das
-Jäger-Korps von einem Korps von 4000 Mann mit 4 Sechspfündern
-attaquiert. Das Korps musste auch wirklich die Brücke verlassen, setzte
-sich aber auf die gegenüberliegende Höhe und defendierte solche mit dem
-Büchsenfeuer gegen die wiederholten Versuche des Feindes sie zu
-forcieren. Die 4 feindlichen Kanonen spielten beständig auf die Jägers,
-ohne dass unsere Dreipfünder den Feind erreichen konnten. Das Feuer
-wurde inzwischen allgemein und sehr heftig auf dem rechten Flügel, bis
-gegen 9 Uhr der General-Lieutenant von Knyphausen sagen liess, dass der
-feindliche linke Flügel geschlagen sei. Hierauf attaquierte der
-Oberstlieutenant von Wurmb die Brücke aufs Neue und vertrieb den Feind
-sowohl von da, als auch der gegenüberliegenden Höhe unter einem heftigen
-Feuer. Da die Attaque durch ein langes Defilee geschehen musste, so
-hatte man feindlicherseits Zeit, sich zu retirieren; wir fanden daher
-auch nur 20 Tote -- und da die Jägers auch ohnehin schon sehr fatiguiert
-und nicht unterstützt wurden, auch nur in 300 Mann bestanden, so geschah
-keine weitere Verfolgung.
-
-»Im Centro der Armee war der Feind auf die leichte Infanterie gefallen
-und hatte solche zurückgeschlagen. Der Oberstlieutenant Musgrave warf
-sich aber mit dem 40. Regiment in ein steinern Haus, welches vom Feind
-angegriffen wurde, und wo er sich bei aufhielt, sonst hätte er
-vielleicht geschwinder und noch ehe einmal die Armee alle im Gewehr
-gewesen, solche attaquieren können. So aber attaquierte die Armee ihn,
-schlug ihn aus der Stadt heraus und in die Flucht. Er retirierte sich
-darauf in sein voriges Lager an der Skibback-Creek mit Zurücklassung von
-300 Toten, 600 blessierten und 400 Gefangenen. Der unsrige Verlust ist
-gleichwohlen 400 Tote und Blessierte, unter ersteren befand sich der
-General Agnew. Lord Cornwallis, welcher das Feuer zu Philadelphia gehört
-hatte, setzte sogleich von da 3 Grenadier-Bataillons in Marsch. Er für
-seine Person kam noch zeitig genug, um am letzten Teil der Aktion Anteil
-zu nehmen, die Bataillons kamen aber zu spät.«
-
-Es war nunmehr für Sir William Howe von der grössten Wichtigkeit seinen
-Kriegs- und Transportschiffen Eingang auf dem Delaware zwischen
-Wilmington und Philadelphia zu verschaffen. Auf diese war er in grossem
-Maasse angewiesen wegen seiner Lebensmittel und zu seiner Verbindung.
-Der Fluss war etwa 10 Meilen unterhalb Philadelphia durch spanische
-Reiter gesperrt, welche gedeckt wurden von Fort Mercer bei Redbank auf
-dem New-Jersey-Ufer und von Fort Mifflin auf einer Insel in der Nähe des
-gegenüberliegenden Ufers von Pennsylvanien. Zwischen den Forts waren
-Hindernisse in den Kanal versenkt und diese wurden wieder von Galeeren
-beschützt. Einige Boote mit Lebensmitteln waren glücklich durch alle
-diese Hindernisse hindurchgeschlüpft; die freie Schiffahrt auf dem
-Flusse war für die Briten sehr wesentlich.
-
-Oberst Karl Emil Kurt von Donop war einer der vorzüglichsten hessischen
-Obersten und war persönlicher Adjutant des Landgrafen gewesen, dessen
-Günstling er war. Er hatte im vorhergehenden Jahre ein selbständiges
-Kommando von einiger Wichtigkeit in Bordentown gehabt und hatte nun den
-Wunsch ausgedrückt wieder detachiert zu werden. Sir William Howe
-willfahrte ihm. Er wurde abgesandt um Fort Mercer zu nehmen. Donop brach
-auf am 21. Oktober 1777 mit drei Bataillone Grenadieren, 1 Regiment
-Infanterie, 4 Kompanien Jägern und 12 berittenen Jägern, alles Hessen, 8
-Feldgeschützen, die zu den Regimentern gehörten und 2 englischen
-Haubitzen. Er soll noch mehr Artillerie verlangt und daraufhin zur
-Antwort erhalten haben, wenn er sich nicht getraute das Fort
-anzugreifen, so würden es die Engländer nehmen. »Sagen Sie Ihrem
-General,« erwiderte er dem Offizier, der diese Botschaft überbrachte,
-»dass Deutsche sich nicht scheuen, dem Tod ins Auge zu schauen.« Darauf
-erklärte der Oberst denen, die um ihn waren: »Entweder wird das Fort
-bald Fort Donop heissen oder ich werde gefallen sein.« Er brach mit
-seinem Detachement auf und brachte die Nacht in Haddonfield zu. Ungefähr
-um Mittag des 22. Oktober langte er in Redbank an und ritt vor um das
-Terrain zu rekognoszieren. Das Fort war ein fünfseitiges Erdwerk mit
-Graben und Verhau. Es war zuerst von den Amerikanern in zu grossem
-Massstabe angelegt worden, aber ein Monsieur du Plessis de Mauduit, ein
-junger französischer Offizier, der von Washington dem General Christoph
-Greene zur Verteidigung des Forts beigegeben war, hatte die Ausdehnung
-des Werkes vermindert, sodass es in seiner veränderten Form ein etwas
-unregelmässiges Fünfeck bildete. Auf drei Seiten des Forts fand der
-Angreifer gedeckte Annäherung durch die Waldungen bis auf 400 Yards. Auf
-der Südseite war der Delaware. Die Besatzung bestand aus 300 Mann mit 14
-Kanonen.
-
-Nach Ankunft vor dem Fort sandte Donop einen Adjutanten, um die
-Besatzung zur Uebergabe aufzufordern. »Der König von England gebietet
-seinen aufrührerischen Unterthanen die Waffen niederzulegen«, lautete
-die Aufforderung »und sie werden gewarnt, dass, wenn sie solange zögern
-bis es zum Kampf kommen wird, kein Pardon gegeben werden wird.« Der
-Adjutant berichtete, dass er nur wenig Leute in dem Fort gesehen habe.
-
-Oberst von Donop stellte sein kleines Korps in Schlachtordnung auf.
-Seine rechte Flanke nahm Anlehnung an den Fluss, an welchem er seine 8
-Dreipfünder und 2 Haubitzen plaziert hatte. Diese wurden von einem
-Bataillon Grenadieren und von Jägern gedeckt, welche Flanke und Rücken
-gegen Truppen decken sollten, welche etwa von den Schiffen im Delaware
-ausgeschifft werden möchten. Die hessische Angriffslinie nahm den
-grösseren Teil des ganzen Weges um das Fort herum auf der Landseite ein;
-der Angriff wurde gleichzeitig von Norden und Süden gemacht. An der Tête
-eines jeden Bataillons befand sich ein Offizier, der die Sappeure
-kommandierte und 100 Mann mit Faschinen, die eilig in den Wäldern
-gemacht worden waren.
-
-Ungefähr um 4 Uhr war alles bereit. Donop forderte darauf seine
-Offiziere mit einigen Worten auf, sich tapfer zu verhalten. Sie stiegen
-alle ab und zogen ihre Säbel, nahmen ihre Plätze in der Front ihrer
-Bataillone ein, und der Angriff begann. Die Hessen gingen im Laufschritt
-vor, überstiegen die alten nicht mehr gebrauchten Linien mit ihrem
-Schlachtruf, erreichen den Verhau, wurden aber durch Wolfsgruben und
-einen Graben überrascht, zu dessen Füllung sie nicht genug Faschinen
-hatten. Drei amerikanische Galeeren, die im Flusse lagen, unterhielten
-ein lebhaftes Feuer auf die hessische rechte Flanke. Einige der Hessen
-erklommen den Wall des Hauptforts. Sie wurden sofort zurückgeworfen.
-Donop wurde, von einer Musketenkugel in die Hüfte getroffen, tötlich
-verwundet. 22 Offiziere waren tot oder verwundet, darunter die
-Kommandeure sämtlicher Bataillone. Die Hessen machten Kehrt und zogen
-sich zurück, indem sie viele Verwundete liegen liessen. Oberstlieutenant
-von Linsingen sammelte die Trümmer der Brigade und brachte sie am
-nächsten Tage unbelästigt nach Philadelphia. Zwei englische Schiffe,
-welche versucht hatten, sich an dem Kampfe zu beteiligen, waren auf den
-Grund gelaufen. Eins davon flog am nächsten Tag durch das Feuer der
-amerikanischen Galeren und schwimmenden Batterien in die Luft; das
-andere war in Brand gesteckt und verlassen worden.
-
-Die Hessen waren zurückgegangen, die Nacht war hereingebrochen, und ein
-Teil der Besatzung kam aus dem Fort heraus, um den Verhau
-wiederherzustellen und für die Verwundeten zu sorgen. Mehrere hessische
-Grenadiere wurden dicht hinter der Brustwehr vorgefunden, wohin sie sich
-verkrochen hatten und wo die Kugeln über ihre Köpfe hinweggingen. Die
-armen Kerls konnten ohne Unterstützung nichts machen und fürchteten
-sich, wegzulaufen. Sie wurden in das Fort aufgenommen. Unter denen, die
-heraus kamen, um den Verhau wieder in Stand zu setzen, war auch Kapitain
-du Plessis. Diesen rief Donop mit den Worten an: »Wer Du auch sein
-magst, trage mich von hier weg.« Du Plessis liess den Oberst in das
-Fort tragen. Als er hineingebracht wurde, riefen einige Soldaten laut,
-die entweder nicht wussten, dass seine Wunde tötlich war, oder noch
-aufgeregt von der Schlacht und eingedenk der Drohungen, mit denen sie
-noch vor wenigen Stunden begrüsst worden waren: »Wohlan, ist es
-ausgemacht, dass kein Quartier gegeben werden soll?« »Ich bin in Eurer
-Hand,« antwortete der Oberst, »Ihr könnt Euch rächen.« Du Plessis hatte
-keine Schwierigkeit, die Soldaten zu beschwichtigen, und schenkte dann
-seine ganze Aufmerksamkeit dem verwundeten Manne. »Mein Herr,« sagte der
-Letztere, »Sie scheinen ein Fremder zu sein; wer sind Sie?« »Ein
-französischer Offizier,« antwortete du Plessis. »Dann bin ich
-zufrieden,« sagte Donop auf Französisch, »ich sterbe in den Armen der
-Ehre.«
-
-Der hessische Oberst lebte noch drei Tage nach dem Angriff und
-unterhielt sich viel mit du Plessis. Er bat den Letzteren, ihm zu sagen,
-wenn der Tod nahe sein würde. Du Plessis willfahrte seiner Bitte. »Das
-ist ein frühes Ende für eine schöne Laufbahn,« sagte Donop, »aber ich
-sterbe als das Opfer meines Ehrgeizes und der Habsucht meines
-Monarchen.«[4]
-
- [4] Eelking bestreitet die Richtigkeit des letzten Teils der Worte des
- sterbenden Donop.
-
-Die Zahl der bei Redbank gefallenen, verwundeten und gefangen genommenen
-Hessen betrug 379, einschliesslich 22 Offiziere. Die Amerikaner hatten
-37 Tote und Verwundete.
-
-Diese brillante Verteidigung gewährte jedoch nicht andauernd dem Sieger
-die Gewalt über den Fluss. Am 9. November eröffneten die britischen
-Batterien das Feuer auf Fort Mifflin. Das Bombardement dauerte 6 Tage
-und Nächte. Mehr als 12000 Schüsse sollen dabei gefallen sein. Am 15.
-kam auch noch die englische Flotte, um sich an dem Kampf zu beteiligen.
-Ein Kriegsschiff mit 16 Vierundzwanzig-Pfündern und ein grosser Indiaman
-mit 3 Kanonen von demselben Kaliber wurden so nahe an das Fort
-herangebracht, dass man von ihrem Takelwerk Handgranaten
-hineinschleudern konnte. 5 grosse Schiffe hatten auf der andern Seite
-Aufstellung genommen. Die Landbatterien hatten 30 Geschütze. Die
-Blockhäuser des Forts, die gute Dienste geleistet hatten, waren in
-Stücke zerschossen worden. Eine Menge Kanonen waren zum Schweigen
-gebracht. In der Nacht vom 15. zog sich die Besatzung nach Fort Mercer
-zurück. Cornwallis wurde abgesandt, um es einzuschliessen, so dass
-Washington nicht im Stande war, es zu verstärken. Das Fort wurde am 20.
-November verlassen, die Baracken angezündet und die Magazine in die Luft
-gesprengt. Die amerikanischen Schiffe auf dem Flusse wurden ebenfalls
-verbrannt. Cornwallis vervollständigte die Zerstörung des Forts, dessen
-Wälle rasiert wurden.
-
-
-
-
-Kapitel XVII.
-
-Der Rückzug der Briten durch New-Jersey, Januar bis Juli 1778.
-
-
-Philadelphia scheint den Hessen nicht recht gefallen zu haben.
-Wiederhold nennt, nachdem er aus der Gefangenschaft zurückgekehrt ist
-und nach seinem gefühlvollen Abschied in Fredericksburg, die
-Quäker-Stadt »einen Sammelplatz aller Religionen und Nationen, folglich
-ein Mischmasch aller Sekten und Glaubensgenossen, nicht weniger ein
-confluens canaillorum«, und glaubt, »dass es den Städten Sodom und
-Gomorrah in Ansehung aller Laster nichts nachgiebt«.
-
-Ein anderer Offizier beklagt sich über das Klima und sagt, dass die
-Wälder und Moräste das Land ungesund machen. Diesem Beobachter zufolge
-erreichen die Pflanzen und Tiere in Pennsylvanien nicht ihre eigentliche
-Grösse, und die Menschen sind krank und neigen zu Geisteskrankheiten,
-»eine Verrückung der Sinne, die vom gepressten, nicht vom kochenden
-Blut herrührt ... Von 100 Leuten hat nicht einer eine gesunde
-Gesichtsfarbe.« Es ist wahrscheinlich, dass die Schwierigkeit, in der
-halbblockierten Stadt frische Lebensmittel zu bekommen, nicht ohne
-Einfluss auf dieses Urteil gewesen ist.
-
-Philadelphia hat seit 1778 sein Aussehen wahrscheinlich weniger
-verändert als irgend eine andere grosse Stadt der Nord-Staaten. Der
-hessische Offizier lobt die geraden Strassen, die Seitenwege mit breiten
-Steinen, die Dachrinnen und Dächer. Er lacht über die Einfalt der
-Kaufleute, die anzeigen »Tabak, so gut als der bestimportierte«, und
-stellt die Künste und Industrie als noch sehr in der Kindheit begriffen
-hin. Keinerlei Arbeit in Elfenbein, Stahl, Stuck, Knochen, Stickerei
-oder Seide wird gefertigt. »Die Engländer schicken ihnen alles dies, und
-alles, was sie schicken, ist willkommen. Und obendrein ist der
-Amerikaner und besonders der Philadelphier so eingebildet, zu glauben,
-kein Land auf der Erde wäre schöner, glücklicher, reicher oder blühender
-als ihr kaum knospender Staat.« Dies ist jedoch nicht die Ansicht des
-Briefschreibers. »Wollte mir der achtbare Graf Pen das ganze Land gegen
-mein Patent abtreten,« sagt er, »mit der Bedingung, dass ich zeitlebens
-hier wohnen sollte: kaum thäte ich es.«
-
-Anfang Dezember rückte Sir William Howe von Philadelphia ab, um einen
-Entscheidungskampf herbeizuführen. Die Armeen standen sich drei Tage
-lang in der Nähe von Chestnut-Hill, ungefähr 11 Meilen von der Stadt,
-gegenüber. Ihre Märsche, Contremärsche und Plänkeleien deuteten auf
-Vorbereitungen zur Schlacht hin; als aber der englische General merkte,
-dass Washingtons Stellung zu stark war, um sie anzugreifen, zog er sich
-stille wieder nach Philadelphia zurück.
-
-Zwei Fouragierungen wurden im Laufe dieses Monats unternommen, zu dessen
-Ende die britische Armee Winterquartiere bezog. 11 Redouten wurden
-zwischen dem Delaware und Schuylkill gebaut; deren Linie lief die
-Morris-Höhen entlang; jede war von einem Kapitän und 50 Mann besetzt,
-die alle 24 Stunden abgelöst wurden. Die Picketlinie wurde am Schuylkill
-den Provinzialen, am Delaware den hessischen Jägern anvertraut; letztere
-waren bei Holland Ferry und Greenwich Point postiert.
-
-Während Washingtons Armee bei Valley Forge beinahe an allem, was zum
-Leben notwendig ist, Mangel litt, hatten die Briten in Philadelphia
-alles, was sie wollten, und verbrachten den Winter in Ruhe, Gesundheit
-und Fröhlichkeit. Sie lagen dort nicht sehr eng; viele Häuser der
-abwesenden Rebellen wurden zu Barracken benutzt. Ein Teil der Soldaten
-fand bei den Einwohnern, die in der Stadt verblieben waren, Quartier.
-Der Dienst war leicht. Sir William Howe, der bereits um seine Abberufung
-gebeten hatte, war froh und wohlgemut. Die Stadt schien nicht sehr voll
-von Soldaten zu sein. Den Amerikanern gelang es nur insoweit, ihnen die
-Zufuhr abzuschneiden, als durch sie dieselbe sehr verteuert wurde.
-
-Am 18. Mai 1778 wurde für Sir William Howe eine Abschiedsfeier
-veranstaltet, und am 19. und 20. machte dieser General einen
-vergeblichen Versuch, ein Korps von 2500 Mann unter General Lafayette,
-der sich in die Nähe von Philadelphia gewagt hatte, gefangen zu nehmen.
-Am 24. übergab Howe das Kommando an Sir Henry Clinton. Bevor er Amerika
-verliess, sandte er schmeichelhafte Schreiben an die Kapitäns Ewald und
-Wreden von den Jägern.
-
-Inzwischen war in Philadelphia das Gerücht laut geworden, dass der König
-von Frankreich einen Vertrag mit den rebellischen Kolonien abgeschlossen
-hätte, und dass bald eine französische Flotte den Eingang zur Delaware
-Bay bedrohen und die Verbindung zu Wasser mit New-York abschneiden
-könnte. Mit andern Worten, wie die guten Deutschen es sich auslegten:
-»eine starke französische Flotte mit vielen Tausend Landtruppen und
-Kavallerie war von Brest ausgelaufen und nach Amerika unterwegs, unter
-dem Vorwand, Bundesgenossen des Kongress zu sein, in Wirklichkeit aber
-mit der Absicht, auf diesem Kontinent festen Fuss zu fassen.«
-
-Es war das Nahen der französischen Flotte, und gleichzeitig waren es die
-aus England erhaltenen Befehle, welche Sir Henry Clinton veranlassten,
-Philadelphia aufzugeben und sich nach New-York zurückzuziehen. Ein Teil
-der Baggage der Armee wurde an Bord der englischen Schiffe gebracht, und
-ungefähr 3000 Tory-Einwohner bereiteten sich vor, ihren Beschützern zu
-folgen und ihr Heimatland zu verlassen. Die Strassen, welche wie die
-einer deutschen Stadt in glücklicher Zeit ausgesehen hatten, waren nun
-verlassen. Vor vielen Häusern standen Haufen von Möbeln, um versteigert
-zu werden. Die Einwohner gingen mit traurigen Gesichtern einher, manche
-aber frohlockten im Stillen.
-
-Im Laufe des November waren die anspachischen Regimenter von New-York
-nach Philadelphia gebracht worden. Sie wurden nun wieder zu Schiff nach
-New-York befördert, anstatt an dem Marsch durch New-Jersey teilzunehmen.
-Unter den Amerikanern ging das Gerücht, dass der britische Befehlshaber
-sich auf diese beiden Regimenter nicht hätte verlassen können. Die
-Deutschen meinten, dass sie ihre Unfähigkeit im Marschieren bewiesen
-hätten. Es waren die Regimenter, die bei Ochsenfurt gemeutert hatten.
-
-Vom 14. bis 18. Juni 1778 dauerte die Räumung Philadelphias seitens der
-Engländer und Hessen. Trotzdem, dass viel Baggage zur See befördert
-worden war, zählte der Train doch noch 1500 Wagen. Die Schiffe auf den
-Werften und Stapeln wurden verbrannt. Die Amerikaner störten weder diese
-Vorbereitungen, noch bedrängten sie die abziehenden Truppen ernstlich.
-Am 18. Juni begann der Abmarsch der Armee. Der Weg führte über
-Haddonfield, Mount Holly, Monmouth Court House und die Neversink Hills
-nach Sandy Hook. Amerikanische Streifparteien zerstörten die Brücken vor
-der Front der Briten und belästigten Flanken und Rücken der Armee. Die
-Hitze war schrecklich; viele Leute starben am Sonnenstich. Die
-New-Jersey-Moskitos thaten ihre Arbeit derartig, dass die Gesichter der
-Soldaten bis zur Unkenntlichkeit angeschwollen waren. Bis zum 25. Juni
-war beinahe ein Drittel der Hessen infolge der Hitze marschunfähig an
-den Strassenrändern liegen geblieben. Es kamen auch viele Desertionen
-vor.
-
-Es ist merkwürdig, dass es angesichts dieser Schwierigkeiten den
-Amerikanern nicht gelang, den Rückzug erheblich mehr zu erschweren.
-Viele von Washingtons Unterführern hielten es für unangebracht, den
-zurückgehenden Feind anzugreifen. Diese Ansicht war hauptsächlich durch
-Charles Lee vertreten, der als ältester General-Major wohl im Stande
-war, die Ausführung von Washingtons Plänen beträchtlich zu verhindern.
-Das Gefecht von Monmouth Court House war für keinen der beiden Teile ein
-wirklicher Sieg. Die Amerikaner wurden durch Clintons Arrieregarde
-zurückgedrängt und infolge Lees Unfähigkeit und Unthätigkeit beinahe in
-die Flucht geschlagen. Es ist Thatsache, dass Washington seine Leute zum
-Stehen brachte und einen Angriff abschlug, aber der eigentliche Zweck
-dieses Tages wurde nicht erreicht. Clinton setzte seinen Marsch mit dem
-Verlust von kaum einem Wagen fort. In der ersten Woche des Juli
-erreichte die britische Armee Sandy Hook, von wo sie zu Wasser nach
-New-York übergeführt wurde.
-
-
-
-
-Kapitel XVIII.
-
-Newport, vom November 1776 bis Oktober 1779.
-
-
-Im November 1776, als die Unterwerfung des Landes in vollem Gange war,
-detachierte Sir William Howe ungefähr 7000 Mann, von denen etwa die
-Hälfte Hessen waren, zur Besetzung von Newport. Dieses Korps landete
-ohne Gegenwehr und verbrachte drei Jahre in Rhode Island, davon den
-grössten Teil in Unthätigkeit. Nur die letzten Jahre machte sich der
-Mangel an Mehl und Holz fühlbar. Unzweifelhaft konnten die Leute
-irgendwo anders besser verwendet werden. Mit 6000 oder selbst mit 4000
-Mann mehr unter seinem Kommando hätte Clinton wohl erfolgreicher und
-wirksamer auftreten können, als er zum Beistand Burgoynes vorging. Es
-lässt sich aber annehmen, dass, nachdem Sir William Howe Newport in
-Besitz genommen und keinen bessern Gebrauch mit diesen Truppen zu machen
-wusste, er wohl fürchtete, an Prestige zu verlieren, wenn er die Stadt
-wieder aufgeben würde. Im Sommer 1777, vor Eröffnung der Campagne, nahm
-er einige Regimenter aus der Besatzung heraus.
-
-Im Ganzen glaube ich nicht, dass der Dienst in Rhode Island für die
-Soldaten sehr beschwerlich gewesen ist. Wenn auch das Mehl knapp war, so
-war doch Fleisch in Menge vorhanden. Die Bewohner waren zuerst sehr
-scheu und schlossen ihre Familien ganz ab. Auf Shelter Island lief das
-Landvolk bei Annäherung der fremden Eindringlinge weg. Sie glaubten,
-sagt einer, dass die Hessen kleine Kinder aufässen. »Aber mit der Zeit,«
-schreibt ein Offizier, »wurden sie vertrauter mit uns, lernten unser
-gebrochenes Englisch verstehen, zeigten uns ihre Familien und liessen
-ihre Furcht vor uns verschwinden.«
-
-Nachdem man auf guten Fuss mit einander gekommen war, genoss man die
-grösste Behaglichkeit in den gastfreien Häusern von Newport. Die
-Einwohner bewirteten ganz nach englischer Sitte. Alle Gerichte wurden
-auf einmal auf dem Tische aufgetragen. Jeder Gast ass und trank nach
-Belieben, ohne dass er genötigt wurde. Suppe gab es selten, aber es
-standen immer vier oder fünf Sorten Gemüse auf dem Tisch, und
-Kartoffeln gab es zu jedem Gericht. Die Liste der Getränke, welche das
-vor mir liegende Journal enthält, führt auf: Punsch, Cider, starkes
-Bier, Porter, Grog, Madeira, Portwein, Claret, Sherry, Toddy, Sangaree
-und Syllabub. Man trank sich während des Mahles einander zu, und
-richtige Toaste wurden ausgebracht, nachdem das Tischtuch weggenommen
-war. Die Toaste gingen rechts herum, die Flasche zur Linken.
-
-Sir Henry Clinton war der erste Befehlshaber dieses Korps, Lord Percy
-war sein Nachfolger. Letzterer legte das Kommando im Mai 1777 nieder, um
-nach England zurückzukehren. Die Hoffnungen, die ihn nach Amerika
-geführt hatten, waren getäuscht worden, denn man erzählte sich, dass er
-beim Verlassen der Heimat geschworen hätte, nicht ohne den Olivenzweig
-des Friedens zurückkehren zu wollen. Er war beliebt in Newport, und die
-Einwohner sandten ihm eine Ergebenheits-Adresse bei seiner Abreise,
-indem sie ihm eine glückliche und angenehme Reise und eine lang
-andauernde gute Gesundheit wünschten. »Euer Excellenz erhabener Rang und
-Charakter,« fügten sie hinzu, »lassen es unnötig erscheinen, Ihnen
-irgend eine andere Segnung des Lebens zu wünschen.« Als Antwort
-versicherte ihnen seine Lordschaft, dass es die Pflicht und der Wille
-eines jeden britischen und hessischen Soldaten gewesen wäre, alle
-unschuldigen und friedlichen Einwohner zu beschützen.
-
-Die Bewohner von Newport waren mit General-Major Prescott, Lord Percys
-Nachfolger, weniger zufrieden. Sie hatten aber nicht lange unter ihm zu
-leiden. Der General hatte sich als Hauptquartier ein einsames Haus
-ungefähr 4 Meilen von Newport und eine Meile von der nächst gelegenen
-Truppe ausersehen. Betreffs seiner Sicherheit war er nur auf eine kleine
-Wache und ein Schiff angewiesen, welches nicht weit von dem Hause vor
-Anker lag. In der Nacht des 10. Juli 1777, ungefähr um Mitternacht,
-landete eine Abteilung Amerikaner unter Oberst Barton auf zwei
-Walfischbooten beim Redwood Creek, schlich sich über die Felder an
-Prescotts Hauptquartier heran, überwältigte die Wache, brach in das Haus
-ein, zog den General und seinen Adjutanten aus ihren Betten heraus und
-schleppte sie mit sich, ohne ihnen selbst Zeit zu lassen sich
-anzuziehen. Die Boote liefen glücklich Spiessruthen zwischen den
-britischen Schiffen und beförderten die Gefangenen nach Providence.
-
-Das Kommando ging nun an Majorgeneral Pigot über, und die Dinge nahmen
-ihren alten Lauf. Beständig wurden Streifzüge nach den benachbarten
-Inseln und auch auf dem Festland unternommen, um Lebensmittel oder Holz
-zu holen. Ende Juli wurde wegen Mangel an Nahrung in Newport ein
-Transport Frauen und Kinder nach Providence gesandt. Es ist aber nicht
-anzunehmen, dass die Soldaten ernstlich Not gelitten haben. Im Ganzen
-verlief das Jahr 1777 und die erste Hälfte von 1778 ruhig, obwohl die
-Amerikaner manchmal thaten, als ob sie die Insel angreifen wollten.
-Inzwischen hatte Burgoyne Ticonderoga genommen, war auf Albany
-vorgegangen und hatte sich bei Saratoga übergeben. Howe hatte
-Philadelphia eingenommen, Clinton es wieder verlassen; der König von
-Frankreich hatte den Krieg erklärt, und Stunden der Angst waren für die
-kleine Armee in Newport im Anzug.
-
-Am 15. Juli 1778 kam General Prescott, der ausgewechselt worden war, von
-New-York mit Verstärkungen. Unter diesen waren die beiden anspachischen
-Regimenter. Er verkündigte, dass die französische Flotte auf dem Wege
-nach Amerika wäre, und am 29. erschien auch diese Flotte vor Newport.
-Sie wurde von Graf d'Estaing befehligt und bestand aus 5 Schiffen mit 74
-Geschützen, 6 mit 64 und 3 mit 26 Geschützen. Um 11 Uhr morgens lagen
-diese Schiffe vor dem Hafen vor Anker. Die Insel Connanicut wurde
-alsbald von den Deutschen geräumt und von den Franzosen besetzt, die
-dort einige Vorräte, welche man nicht Zeit genug hatte mitzunehmen, in
-Besitz nahmen. Die englischen und hessischen Soldaten erwarteten eine
-sofortige Landung des Feindes auf Rhode Island. Die Stadt war in der
-grössten Verwirrung und die Tories in Verzweiflung.
-
-Der französische Admiral indessen nutzte seinen Vorteil nicht alsogleich
-aus. Es dauerte bis zum 8. August, bis er sich den Eintritt in den Hafen
-erzwang, wozu er die Batterien von Brentons Neck, Kings Fort, Goat
-Island und North Point zu passieren hatte. Die Kanonade dauerte 1-1/2
-Stunden, und das Ende davon war, dass die Flotte bei Connanicut vor
-Anker ging. Nicht ein Mann in der Stadt war verwundet worden, aber die
-Schiffe hatten starken Schaden gelitten.
-
-Die Regimenter, welche ausserhalb Newport gestanden hatten, wurden
-nunmehr herangeholt. General Sullivan war mit einer Rebellen-Armee auf
-Rhode Island gelandet. Die britischen und deutschen Soldaten standen
-wie die Schafe in dichtem Gedränge in der Stadt. Sie waren ganz
-erschöpft von den unausgesetzten Strapazen, denn seit dem Erscheinen
-der französischen Flotte war jeder brauchbare Mann bei den
-Verschanzungs-Arbeiten thätig gewesen. 4 Fregatten und 2 kleinere
-Schiffe waren verbrannt und 1 Fregatte, sowie ein anderes Schiff im
-Meere versenkt worden, um sie nicht in die Hände des Feindes fallen zu
-lassen. In Newport herrschte grosse Besorgnis, aber am 9. August kam
-Hilfe. Eine englische Flotte von 36 Segeln unter Lord Howe erschien vor
-Point Judith. Graf d'Estaing lichtete am nächsten Morgen die Anker, um
-ihm entgegenzugehen, wobei er sich einer scharfen Kanonade von Seiten
-der Strand-Batterien aussetzte. Die englische Flotte wich zurück,
-gefolgt von der französischen. Der 10. war ein Tag der Ungewissheit. Am
-11. erhob sich ein heftiger Sturm, welcher beide Flotten zerstreute.
-
-Die französische war es, welche am ersten wieder in Sicht kam. »Nun war
-alle unsere Hoffnung vergebens,« schreibt der hessische
-Quartiermeister, »wir sahen uns schon in Gedanken, weil unsere Macht
-gegen ein so starkes Korps von der Land- und Seeseite zu schwach war, in
-den Händen unserer Feinde.« Plötzlich, zur Freude und Überraschung der
-Besatzung, segelte die Flotte fort.
-
-Noch eine Woche länger blieb Sullivan vor den Verschanzungen von
-Newport, während seine Miliz-Armee immer mehr zusammenschmolz. Am Abend
-des 28. zog er sich nach dem Nordende der Insel zurück; die Engländer
-folgten ihm am 29. morgens. Die Amerikaner machten jedoch Kehrt,
-versetzten ihren Verfolgern noch einen Schlag und verliessen, ohne
-weiter belästigt zu werden, die Insel. Diese Unternehmung war sehr
-fehlerhaft geleitet worden. Die Verluste in der Affaire vom 29. betrugen
-auf jeder Seite zwischen 200 und 300 Mann; hierunter waren 128 Deutsche.
-Es war gut für die Amerikaner, dass sie sich davon machten, denn am 1.
-September langte Sir Henry Clinton mit einer Flotte und Verstärkungen im
-Hafen von Newport an.
-
-Noch länger als ein Jahr verblieben die Briten und Deutschen zwecklos
-und unthätig auf Rhode Island. Schliesslich im Oktober 1779 wurde wieder
-eine Flotte auf hoher See sichtbar, aber als sie den Sund entlang
-segelte, wurde sie als freundlich erkannt. Es ergab sich, dass sie aus
-Transportschiffen bestand, welche die Besatzung mitnehmen sollte. Sofort
-wurde die Baggage an Bord der Schiffe gebracht, der Vorrat an
-Brennmaterialien aber im Stich gelassen. Das traurige Schauspiel,
-Tory-Familien aus ihrer Heimat fliehen zu sehen, wiederholte sich hier.
-Es waren mehr da, welche mitgenommen werden wollten, als man in die
-Schiffe aufnehmen konnte; manche wurden daher gezwungen da zu bleiben
-und sich der Rache ihrer Nachbarn auszusetzen.
-
-Herzliche Beziehungen waren im Laufe der drei Jahre zwischen den Hessen
-und Bewohnern von Newport entstanden. General Prescott fürchtete, dass
-einzelne Soldaten Lust hätten, da zu bleiben, und gab den Befehl, dass
-an dem Tage, an welchem die Truppen eingeschifft würden, alle Häuser
-geschlossen werden, und sich niemand, besonders keine Frauen, an den
-Fenstern zeigen sollten. Mit klingendem Spiel und fliegenden Fahnen
-marschierten die Regimenter durch die entleerten Strassen und besetzten
-dann die Boote, welche sie nach den Schiffen befördern sollten. Die
-feindliche Besetzung von Rhode Island war beendet.
-
-
-
-
-Kapitel XIX.
-
-Die Umgegend von New-York 1777 bis 1779.
-
-
-Die Geschichte des Revolutionskrieges ist hauptsächlich die Geschichte
-einer Reihe von wichtigen Unternehmungen, welche mit wechselndem Erfolg
-gegen verschiedene Teile von Nordamerika geführt wurden. Die kämpfenden
-Armeen erschienen, fochten und verschwanden wieder. Nur die Stadt
-New-York blieb vom Sommer 1776 bis zum Herbst 1783 von britischen
-Truppen besetzt. Auf dem Land, bis auf einen kleinen Tagemarsch von
-Manhattan Island aus, kehrten die Feindseligkeiten immer wieder. Zu
-keiner Zeit während der ersten fünf Jahre konnten sich die Bewohner der
-Dörfer von Central-New-Jersey oder Südwest-Connecticut sicher fühlen.
-Die Forts am Hudson wurden genommen und wiedergenommen.
-
-Es mag nicht uninteressant sein, an dieser Stelle eine Beschreibung von
-New-York einzuflechten, wie es mit hessischen Augen während der
-britischen Besetzung angesehen wurde. Der folgende Auszug ist einem
-Briefe entnommen, welchen ein Offizier schrieb, der im Sommer 1777 mit
-Verstärkungen herüber gekommen war und dessen erste Eindrücke folgende
-sind:
-
-»Nur um Dir einen Begriff von Amerika, oder vielmehr dem kleinen
-Teilchen von Amerika, so wir jetzo noch inne haben, zu machen: so kann
-ich nicht unterlassen zu rühmen, dass es ein recht schönes, angenehmes
-und ebenes Land, und New-York, obgleich der Teil nach der See zu
-abgebrannt ist, eine der schönsten und pläsantesten Seestädte ist, so
-ich noch gesehen habe. Denn die Häuser sind nicht nur alle englischer
-Façon, regulär und schön gebaut, mithin den wahrsten Palästen ähnlich;
-sondern sie sind auch alle tapeziert und aufs kostbarste ausmöbliert. Es
-ist deswegen Schade, dass dieses Land, welches auch sehr fruchtbar ist,
-von solchen b--schen Menschen bewohnt wird, die vor Wollust und
-Üppigkeit nicht gewusst, was sie haben anfangen wollen, und daher auch
-nichts anderem als ihrem Hochmut ihren Fall zu danken haben. Jeder, der
-bei uns ihre Partei nimmt und glaubt, sie hätten eine begründete Ursache
-zur Rebellion, sollte nur einmal zur Strafe eine zeitlang unter ihnen
-sein und dabei die hiesige Verfassung kennen (denn der schlechteste Mann
-hier kann, wenn er nur etwas thun will, leben wie der reichste bei uns)
-der würde gewiss bald aus einem andern Tone sprechen und mit mir
-einsehen, dass nicht die Not, wohl aber Frevel und Wollust die Ursache
-der ganzen Rebellion sei. Denn obgleich die meisten von verlaufenem
-Lumpengesindel, das von anderen Orten vertrieben worden, abstammen, so
-sind sie doch so hoffärtig hier und treiben aller Orten, zumalen aber in
-New-York einen solchen Staat, als wohl nirgend in der Welt getrieben
-wird. Z. B. so gehen die Weibsleute hier, so fast alle sehr schön sind,
-es seien, Schusters-, Schneiders- oder Tagelöhners-Frauen (deren
-letztere jedoch sehr wenig hier sind, weil fast jeder Mensch einige
-Neger als Sklaven zu seiner Bedienung hat) täglich in zitzenen,
-nesseltuchenen und seidenen Schlendern. Welcher Staat denn, da sie das
-viele Geld von den Truppen lösen, indem sie nicht ein Salzkorn umsonst
-zu geben brauchen, täglich zunimmt. Wobei dann nichts ärgerlicher ist,
-als dass diesem Volke, welches im Grunde noch lauter Rebellen sind, von
-den Soldaten auf expressen Befehl des Königs nicht nur auf das Artigste
-muss begegnet werden, sondern auch, wie schon gedacht worden, nicht ein
-Salzkorn umsonst abgefordert werden darf. Es müssten daher auch die
-armen Soldaten Hungers sterben, wenn ihnen nicht täglich für 3 Pences
-die Schiffskost geliefert würde, welche täglich aus 1 Pfund Zwieback,
-eingesalzenem aber fast ungeniessbarem Schweinefleisch, einigen muffigen
-Erbsen, etwas Hafermehl und etwas Rum besteht, welches sie dann,
-obgleich sehr viele davon ungesund werden, erhalten muss.«
-
-Bei den Scharmützeln und kleineren Unternehmungen um New-York herum
-waren die Hessen im Allgemeinen beteiligt und es mag der Mühe wert sein,
-einen Blick auf einige dieser Ereignisse zu werfen, bevor wir uns zu den
-wichtigeren Operationen in den Süd-Staaten wenden, durch welche das
-Schicksal des Landes schliesslich entschieden wurde.
-
-Im zweiten Teil des August 1778 wurde das Jäger-Korps auf den Spyt den
-Duyvels Hills, bei Courtland's Plantation postirt. In der Frühe des 31.
-August wurde ein Kapitän mit 150 Jägern, von denen 15 beritten waren, zu
-einer Rekognoszierung gegen Phillips House vorgeschickt. Sie hatten kaum
-eine halbe Stunde Weg zurückgelegt, als sie von einer Abteilung
-Amerikaner und Indianer unter dem Chevalier Armand, welcher sich in
-einer Schlucht rechts von der Strasse in Hinterhalt gelegt hatte,
-überrascht wurden. 16 Jäger wurden getötet, verwundet oder gefangen, die
-Übrigen entkamen. Oberst von Wurmb, welcher das Jäger-Korps
-kommandierte, eilte zur Unterstützung des Detachements, sobald er das
-Feuern hörte, herbei, aber Chevalier Armand zog sich mit seinen
-Gefangenen zurück und überschritt den Phillips Manor bei East Chester,
-wo die Oberstlieutenants Cathcart, Simcoe und Emmerich mit ihren
-leichten Truppen standen.
-
-Die Oberstlieutenants erfuhren, dass Armand im Anrücken sei und
-bereiteten sofort einen Hinterhalt vor. Simcoe und Cathcart auf dem
-rechten und linken Flügel, zogen ihre Infanterie in die Wälder zurück
-und stellten sich so auf, dass sie das Defilee beherrschten, welches die
-Amerikaner und Indianer passieren mussten. Emmerichs Infanterie hatte
-Aufstellung genommen, um den Angriff zu erwarten, mit dem Befehl, sich
-vor dem Feinde zurückzuziehen. Emmerich hatte sich mit der Kavallerie
-hinter einem Hügel aufgestellt, um sich auf den angreifenden Feind zu
-werfen, sobald er in die Falle gegangen wäre. Kapitän Ewald war mit zwei
-Kompagnien Jäger von Oberstlieutenant von Wurmb zur Unterstützung von
-Emmerichs Infanterie vorgeschickt worden.
-
-Der Plan der Oberstlieutenants war mit Erfolg gekrönt worden. Ungefähr
-um 4 Uhr nachmittags erschienen die Amerikaner und Indianer auf dem
-Gefechtsfeld. Emmerichs Plänkler zogen sich vor ihnen zurück und lockten
-sie in ein Feld von indianischem Korn, wo sie plötzlich in Front, Rücken
-und beiden Flanken angegriffen wurden. Alle Indianer mit Ausnahme von
-einem, welcher den Hergang erzählen sollte, wurden getötet. Sie gehörten
-dem Stockbridge-Stamme an und wurden von Sachem Neham geführt. Ungefähr
-50 Amerikaner wurden gefangen genommen, Armand aber entkam mit einigen
-anderen durch die Büsche.
-
-Eelking bemerkt bei dieser Gelegenheit, dass dies ein Beweis ist, dass
-die Amerikaner die Verwendung von indianischen Bundesgenossen in diesem
-Kriege ebensowenig verschmähten als die Briten. Man muss aber wohl einen
-Unterschied machen zwischen der Verwendung von Indianern gegen britische
-und deutsche Soldaten, wie sie von Seiten der Amerikaner geschah, und
-der Entsendung derselben gegen die Bewohner von einsamen Farmhäusern und
-unbeschützten Gehöften, wie es beständig von den Dienern des Königs
-gehandhabt wurde. Der Stockbridge-Stamm soll durch diese Expedition, wie
-gesagt wurde, so sehr gelitten haben und so völlig entmutigt worden
-sein, dass er keinen weiteren Anteil an dem Kriege nahm.
-
-Ewald beschränkte sich nicht nur auf Erzählungen, welche den Ruhm der
-eigenen Partei verherrlichen. Neben Berichten über Trenton, Redbank und
-andern wichtigen Begebenheiten, bei welchen Hessen oder Engländer
-geschlagen wurden, behandelt er in einem besondern Kapitel die kühnen
-und glücklichen Streiche, die von kleinen Abteilungen Amerikaner geführt
-wurden. So erzählt er uns, wie im Frühjahr 1777 die Briten eine grosse
-Menge Fourage in Sag Harbor auf Long-Island angesammelt hatten und wie
-in Beziehung hierauf Colonel Meigs von Guilford in Connecticut mit
-weniger als 200 Mann in Walfisch-Booten aufbrach. In einer stürmischen
-Nacht gingen sie über den Sund, zogen ihre Boote über das Land, setzten
-sie von neuem aus, landeten bei Sag Harbor, überfielen die Wache,
-zerstörten die Vorräte, verbrannten mehrere Schiffe, nahmen eine Anzahl
-Engländer gefangen, bestiegen ihre Boote wieder und erreichten glücklich
-Guilford. Eine ähnliche Landung wurde in der Cow Bay im November 1780
-bei hellem Tage ausgeführt. Im Jahr 1781 wurde ein braunschweigischer
-Major von seinem Quartier auf der Nordseite von Long-Island
-weggeschleppt. Es war in der That zur Gewohnheit geworden, dass kleine
-Häuflein Amerikaner auf der Insel landeten, die englischen und deutschen
-Soldaten ärgerten und die Tories plünderten. Diese Streifzüge wurden mit
-grosser Kühnheit ausgeführt und bilden, Ewald zufolge, eine vollkommene
-Widerlegung der Anschuldigungen wegen Mangels an Mut in diesem Kriege,
-die einigemal gegen die Amerikaner erhoben worden sind. »Der, welcher
-gegen diese Nation gekämpft hat,« sagt er, »wird von dem Gegenteil
-überzeugt sein und wird nicht mit Verachtung von ihr reden.«
-
-Ewald erzählt mit grosser Bewunderung die schneidige Wegnahme von
-Stony-Point durch die Amerikaner unter Anthony Wayne am 16. Juli 1779.
-»Verdienen diese Menschen nicht bewundert zu werden, welche noch vor
-etlichen Jahren Rechtsgelehrte, Ärzte, Geistliche oder Landwirte waren,
-die in so kurzer Zeit sich zu vortrefflichen Offizieren bildeten, die so
-viele von unserm Stande beschämen, welche unter den Waffen grau
-geworden, und denen himmelangst werden würde, wenn sie zur Ausführung
-eines solchen Plans den Auftrag erhielten? Man wird mir vielleicht
-antworten, dass diese Menschen von Natur mit grossen Talenten zum Krieg
-begabt worden sind. Dieses kann wohl der Fall bei einem oder dem andern
-sein, aber im Ganzen ist die Natur mit ihren Ritterschlägen nicht so
-verschwenderisch. Man erlaube mir, diese Leute erwählten nicht den
-Kriegsdienst als einen Zufluchtsort, so wie ihn gewöhnlich der Adel
-wählt, nicht als ein Zuchthaus für einen ungeratenen Sohn, der auf
-Akademien nichts hat lernen wollen, wie oft der Fall bei denen von
-bürgerlichem Stande ist; sondern sie wählten diesen Stand mit dem festen
-Vornehmen, sich auf alle Art zu beeifern, ihrem Vaterlande mit Nutzen zu
-dienen und sich durch Verdienste hervorzuthun. In Erstaunen bin ich
-manchmal geraten, wenn während dem damaligen Kriege etwas Gepäck von den
-Amerikanern uns in die Hände fiel, wie jeder elende Schnapsack, in
-welchem oft nur einige Hemden und ein Paar zerrissene Beinkleider
-steckten, mit militärischen Büchern angefüllt war, z. B. die Instruktion
-des Königs von Preussen an seine Generale, Thielkes Feld-Ingenieur, die
-Parteigänger Jenny, Grandmaison und dergleichen mehr, die alle in die
-englische Sprache übersetzt waren, sind mir hundert mal durch unsere
-Leute in die Hände geraten. Dieses war eine wahre Anzeige, dass der
-Offizier in dieser Armee im Lager den Krieg studiert, welches nicht der
-Fall bei den Gegnern der Amerikaner war, wo man wohl eher die
-Mantelsäcke mit Puderbeuteln, wohlriechenden Pomadenbüchsen, Karten
-(keine Land-, sondern Spielkarten), und dann wohl obendrein manchmal
-mit einigen Romanen oder Schauspielen angefüllt fand.«
-
-Die Briten behielten zwei oder drei Plätze auf der Westseite des Hudson
-in fortwährendem Besitz. Einer dieser Plätze war Paulus Hook, jetzt
-Jersey City. Der Hook war eine aus steinigen, felsigen Bergen bestehende
-Halbinsel und teils vom Hudson, teils von einem Sumpf, der von Bächen
-und Gräben durchschnitten war, umgeben. Die Stellung, die durch sich
-selbst stark war, war mit Palisaden, Blockhäusern und Redouten
-befestigt. Sie war von einem Bataillon New-Jersey-Tories unter
-Oberstlieutenant Bushkirk besetzt.
-
-Am 18. August 1779 wurde eine Abteilung von 40 Hessen mit 2 Offizieren
-übergesetzt, um die Besatzung von Paulus Hook zu verstärken, und um 9
-Uhr abends an jenem Tag brach Bushkirk zu einer Unternehmung gegen die
-ungefähr 14 Meilen entfernte neue Brücke über den Hackensack auf.
-Inzwischen näherte sich Major Henry Lee von Virginia mit ungefähr 300
-Mann, unterstützt von Lord Stirling mit weiteren 500 Mann, der neuen
-Brücke von der entgegengesetzten Richtung her, unter dem Vorwande zu
-fouragieren. Stirling machte hier Halt, Lee aber kam während der Nacht
-bis an Paulus Hook heran, indem er an Bushkirk unbemerkt vorbeigegangen
-war. Lee entsandte einen Offizier mit einer kleinen Abteilung gegen das
-Fort, um zu rekognoszieren. Der Offizier meldete, dass die Besatzung
-unbewacht zu sein scheine. Lee ging darauf mit seinem Detachement vor.
-Sie durchwateten die Gräben, drangen in das Fort ein und überfielen eine
-Anzahl Provinziale, die in einem Blockhaus schliefen. Darauf näherten
-sie sich dem zweiten Blockhaus, das von einer kleinen Abteilung Hessen
-besetzt war. »Wer da!« rief der Posten. »Stony Point!« antworteten die
-Amerikaner. Der Posten feuerte und machte dadurch Alarm, aber der das
-Blockhaus befehligende Unteroffizier musste sich mit 10 oder
-15 Mann ergeben. Lee überfiel und besetzte darauf die Haupt-Redoute, und
-der ganze Paulus Hook schien ihm schon zu gehören. Da hatten indessen zu
-ihrem Glück ungefähr 25 Hessen ihren Verstand und ihre Geistesgegenwart
-beisammen. Sie warfen sich in eine kleine Redoute, wo sie sich mit ihrem
-Kapitän und Major Sutherland, dem Kommandeur des Postens, vereinigten,
-und weigerten sich zu ergeben. Lee, der nicht gewusst hatte, dass sich
-Hessen in dem Fort befanden und der wahrscheinlich ihre Zahl überschätzt
-hatte, machte sich, noch ehe es Tag wurde, davon, ohne selbst die
-Kanonen zu vernageln oder das Kriegs-Material zu zerstören. Er nahm
-ungefähr 150 Gefangene mit. Lee hatte den Befehl erhalten, nicht zu
-versuchen, den Platz zu behaupten, und ein beschleunigter Rückzug war
-nötig, um nicht abgeschnitten zu werden; die 25 Hessen hatten aber
-jedenfalls durch ihr tapferes Verhalten die Wegnahme oder die Zerstörung
-der Vorräte und Werke in dem Fort verhindert und ihre Partei vor der
-Schmach einer vollkommenen Niederlage gerettet.
-
-[Illustration: PLAN VON DEM ÜBERFALL
-
-eines englischen Postens auf PAULUS HOOK in der Provinz New Jersey um
-1/2-2 Uhr in der Nacht vom 18. zum 19. October 1779.
-
---< _Erklärung umseitig._ >--]
-
- A. Annäherung und Stellung der Rebellen auf den Höhen
- von Bergen zur Deckung des Rückzuges.
-
- B. Angriff auf die Brücke und Blockhaus 1, 2 und 3 und
- auf das Fort C das mit 7 Sechspfündern armiert war,
- die aber nicht zu Schuss kamen.
-
- D. Barracken, in denen die 110 Mann starke englische
- Besatzung gefangen genommen wurde.
-
- E. Schanze, welche ein hessischer Hauptmann, 1 Offizier
- mit 25 Mann besetzt hielt, woraufhin die Rebellen bei
- Tagesanbruch mit ihren Gefangenen den Rückzug antraten.
-
-
-
-
-Kapitel XX.
-
-Wiederholds Reise. Eine Episode -- September 1779.
-
-
-Am 4. September 1779 erhielten die Regimenter von Knyphausen und von
-Lossberg Befehl, sich mit all' ihrer Baggage und allen transportfähigen
-Kranken zur Einschiffung bereit zu halten. Ihr Bestimmungsort war
-Quebec, wovon die Truppe aber damals nichts wusste. Die Regimenter
-Knyphausen und Lossberg waren zwei von denen, die bei Trenton in
-Gefangenschaft geraten waren. Alle, die bei dieser Gelegenheit gefangen
-genommen waren, wurden wieder ausgewechselt, und die beiden Regimenter,
-deren Überreste zu einem kombinierten Bataillon formiert worden waren,
-traten nun wieder selbstständig auf.
-
-Wiederhold hatte eine Stelle als Kapitän im Regiment von Knyphausen
-erhalten. Die beiden Regimenter waren am 8. September auf 6 Schiffen
-untergebracht worden. Wiederholds Quartier war auf dem Triton, einer
-Brig, die mit 6 kleinen Kanonen und 2 swivels (ganz kleine Kanonen, die
-auf Gabeln ruhen) armiert. Die Brig war überfüllt und sehr unbequem
-eingerichtet, und hatte zuerst eine Bemannung von 7 Mann,
-einschliesslich des Kapitäns, Kochs und Stuarts. An Hessen befanden sich
-an Bord ein Oberstlieutenant, der krank war, 2 Kapitäns, 1 Lieutenant, 1
-Fähnrich und 1 Arzt, und beinahe 2 Kompagnien Infanterie.
-
-Die Brig ging am Abend des 9. September in See, kam aber sofort in einen
-starken Wind (gale) hinein und wurde von der Flotte getrennt. Der
-Kapitän, der keine Befehle wegen seines Reiseziels bekommen hatte, war
-genötigt, am Morgen des 10. wieder nach Sandy Hook zurückzusteuern. An
-jenem Tag kam ein Schiff in Sicht, und es wurden Vorbereitungen zum
-Angriff getroffen, für den Fall, dass es ein amerikanischer Privateer
-sein sollte. Die Kanonen wurden gereinigt und geladen, und 1
-Unteroffizier mit 6 Mann mit ihrer Bedienung betraut. Das Schiff erwies
-sich jedoch als ein freundliches, ein Transportschiff mit Teilen des 44.
-englischen Regiments an Bord. Der Triton segelte in Gemeinschaft mit
-diesem Schiff weiter und vereinigte sich am Morgen des 11. mit der
-Transport-Flotte, die aus 23 Transportschiffen und Handels-Schaluppen
-bestand und von 2 kleinen Schiffen mit 20 und 14 Kanonen bedeckt wurde.
-Von einem dieser Schiffe erhielt der Triton noch 2 Matrosen -- junge,
-unerfahrene Burschen.
-
-Die Flotte stach sofort nach Ankunft des Triton in See, und am 11. und
-12. verlief alles gut. Am 13. aber trat stürmisches Wetter ein, welches
-den 14. über andauerte. Am 15. nahm der Wind noch mehr zu und wurde des
-Abends zu einem wahren Orkan. Die Flotte wurde vollkommen zerstreut, die
-Nacht war stockfinster. Ungefähr um 9 Uhr abends brach der Hauptmast
-unter der untersten Querstange ab, und bevor dieser mit seinem Tauwerk
-gänzlich weggeräumt war, brach der Vordermast kurz über dem Verdeck ab
-und stürzte über Bord. Die Brig wurde nun, den Wellen preisgegeben, hin
-und hergeworfen und lag oft ganz auf der Seite. Während der Kapitän im
-Begriff war, ein Kajütenfenster mit einem darklight (Totenfenster) zu
-vernageln und Wiederhold mit einem Licht zu seiner Hilfe bei ihm stand,
-stürzte eine Welle mit solcher Gewalt hinein, dass beide kopfüber in die
-Kajüte geworfen wurden.
-
-Darauf entstand eine neue Gefahr. Auf dem Deck hatte sich eine Kanone
-nach der andern losgerissen, rollte hin und her und stürzte schliesslich
-über das Geländer in die See. Vier davon gingen nacheinander auf diese
-Weise verloren, nahmen sogar den grossen eisernen Kessel noch mit, der
-gross genug war, um für die ganze Schiffsbesatzung darin zu kochen. Die
-fünfte Kanone öffnete sich selbst durch Hin- und Herrollen die hatch
-(eine Öffnung im Verdeck), hob sich von ihrer Lafette ab und stürzte
-durch diese Öffnung in den untern Schiffsraum, wo sie auf eine dem
-Kapitän Wiederhold gehörende grosse Kiste fiel, die Wein, Spiritus,
-Essig, Senf und dergleichen enthielt. Die Kiste und ihr Inhalt wurde in
-tausend Stücke zerschmettert, aber sie hatte dem fallenden Geschützrohr
-Einhalt gethan und den Boden der Brig vor einer schweren Beschädigung
-bewahrt.
-
-Die sechste Kanone aber, gerade über der Kajüte auf dem Hinterdecke,
-rollte noch immer hin und her und hatte bereits das Steuerrad und alles
-was ihr in den Weg kam, zertrümmert. Vier von den Matrosen konnten oder
-wollten nicht mehr arbeiten und hatten sich in ihre Betten gelegt.
-Niemand anders wollte sich, aus Furcht zerquetscht zu werden, der
-Kanone nähern. Die Soldaten lagen unter Seufzen, Weinen oder Beten umher
-und erwarteten ihr letztes Stündlein. Der Oberstlieutenant war zu krank,
-um irgend etwas zu thun. Wiederhold versuchte nun seine Leute zu
-ermutigen und sagte ihnen, dass Gott, der sie in dieser grossen Gefahr
-schweben liesse, sie auch wieder daraus erlösen könnte, wenn jeder nur
-thun wollte was er könnte, zuerst versuchen zu helfen, die Kanone über
-Bord zu werfen und dann an den Pumpen zu arbeiten, um das Schiff
-wenigstens bis zum andern Morgen über Wasser zu halten; dann würde ihnen
-der Himmel wohl Hülfe senden und entweder besseres Wetter oder ein
-Schiff zu ihrer Erlösung schicken.
-
-Wiederholds eindringliches Zureden war zuerst erfolglos. Einige der
-Soldaten »waren ganz wie verstockt, andere antworteten sie seien krank.«
-Wiederhold stellte ihnen vor, dass er selbst schon seit vier Wochen am
-kalten Fieber litte, trotzdem hätte er, da niemand zur Rettung etwas
-beitragen wollte, sich herausgemacht, um etwas für die Erhaltung aller
-zu thun. Er zweifelte auch nicht, sagte er, dass Leute unter ihnen
-wären, die mehr Kräfte als er und so viel Liebe für ihn hätten, dass sie
-ihm folgen würden und thun, was er ihnen sagte. Er versprach, bei ihnen
-auf dem Verdeck zu bleiben, selbst Hand anzulegen und ihr Schicksal zu
-teilen, in der Hoffnung das Schiff und alles an Bord zu retten. Noch
-wollte niemand folgen, bis Wiederhold schliesslich rief: »Ist denn gar
-kein Unteroffizier da, der gesund ist, der Ambition und ein hessisches
-Herz hat, dass der mir folgen und helfen will?« Hierauf kamen ein
-Sergeant und zwei Korporals, denen etwa 15 bis 20 Mann folgten. »Nun
-wohlan,« sagt Wiederhold, »kommt, lasst uns erst die Kanone in die See
-zu schmeissen suchen.« Nach mehreren Versuchen, bei welchen sie in
-beständiger Gefahr waren zerquetscht zu werden oder mit der Kanone über
-Bord zu gehen, gelang es ihnen, ihrer Herr zu werden und sie über Bord
-zu werfen. Hierbei wurde einem Soldaten der Arm zweimal gebrochen und
-Wiederholds kleiner Finger zerquetscht.
-
-Nun fing die Arbeit an den Pumpe an, in Ablösungen von 4 Mann. Jede
-Ablösung konnte es aber nur jedesmal 6 oder 8 Minuten aushalten und
-mussten sich entweder anbinden oder an dem Stumpf des grossen Mastes
-festhalten, um nicht von den Wellen weggespült zu werden. Gegen 3 oder 4
-morgens aber brach die Pumpe und konnte in der Dunkelheit nicht
-ausgebessert werden, so dass sie sich mit Ausschöpfen vermittelst eines
-Eimers behelfen mussten, bis es Tag wurde und sie die Pumpe wieder in
-Stand setzen konnten.
-
-Während die Leute in der Dunkelheit arbeiteten, fiel ein Mann über Bord,
-erfasste aber im Fallen ein Tau und rief und schrie um Hilfe. Niemand
-konnte ihn sehen oder wusste, wo er war. »Wo bist du denn,« fragte
-Wiederhold. »Hier hänge ich an dem Schiff und wenn ihr mir nicht bald
-helft, so kann ich mich nicht länger halten, muss in die See fallen und
-ersaufen.« Seine Kameraden suchten an ihn heran zu kommen, aber bevor
-sie ihn erreichen konnten, war eine Welle geschwinder als sie und spülte
-ihn wieder an Bord; und Wiederhold sagt in seinem Tagebuch »er lebt noch
-und ist gesund.«
-
-Während aller dieser Arbeit bemerkte Wiederhold, dass der
-Schiffs-Kapitän und einige Bootsleute mit einer Laterne um die auf dem
-Schiffe befestigten Boote herumgingen und versuchten, wie er glaubte,
-eins davon los zu machen. Wiederhold fragte den Kapitän, was er denn da
-mache. »O, nichts,« antwortete dieser, »ich sehe nur, ob sie fest genug
-sind.« Unter irgend einem Vorwand bat ihn Wiederhold darauf, ihm die
-Laterne für einen Augenblick zu leihen, und nachdem er sie hergegeben
-und dieselbe einem Soldaten eingehändigt hatte, nahm Wiederhold den
-Kapitain am Arm, führte ihn in die Kajüte hinunter und setzte ihn dort
-in Arrest unter Bewachung von zwei Offizieren. Dies geschah aus
-Besorgnis, dass der Kapitän mit seinen Matrosen sich von der Brig
-heimlich entfernen und die Soldaten ihrem Schicksal überlassen könnten.
-Bei Tagesanbruch fand man die Boote von den Wellen völlig zerstört. Sie
-wurden über Bord geworfen und der Schiffs-Kapitän wurde wieder in
-Freiheit gesetzt.
-
-Am 16. September lies der Wind etwas nach und am 17. klärte sich der
-Himmel auf. Die Beobachtungen, die man um Mittag anstellte, ergaben 37°
-19' nördlicher Breite, so dass die Brig bis auf die Höhe der Kaps von
-Virginien nach Süden hin getrieben war. Von der Länge hatten sie keine
-Ahnung.
-
-Die losgerissenen Segelstangen, Taue und das zerbrochene Geländer wurden
-nun weggeräumt und der Schiffsboden untersucht, aber kein Leck darin
-gefunden. Die Soldaten kamen an Deck und trockneten ihre Kleider, denn
-sie hatten keinen trockenen Faden an sich, selbst nicht in ihren
-Tornistern, alles war mit Salzwasser und Schlamm durchnässt. Die
-Matrosen befestigten an dem Stumpf des Hauptmastes einen Hilfsmast, und
-Tags darauf noch einen am Vordermast.
-
-Am 19. wurde von den Mannschaften eine Betstunde abgehalten, um Gott für
-ihre Errettung aus Sturm und Not zu danken. Es wurde ein Lied gesungen
-und der 107. Psalm vorgelesen. Selbst die Matrosen, die kein Wort von
-dem, was die Deutschen redeten, verstanden, waren sehr andächtig und
-beteten für sich.
-
-Der Triton nahm langsam seinen Weg in nördlicher Richtung und hatte
-leidliches Wetter. Einige Schiffe kamen in Sicht, keins aber kam ihnen
-zu Hilfe. Wiederhold ersann einen Plan, wie er mit seinem kaum lenkbaren
-Wrack einem Privateer, der ihn angreifen würde, Widerstand leisten
-könnte. Er nahm sich vor, seine Leute unter Deck verborgen zu halten,
-eine Bootladung Amerikaner an Bord des Triton zu locken und sie dann
-gefangen zu nehmen. Der Privateer würde dann aus Besorgnis, seine
-eigenen Leute zu treffen, nicht feuern und das Schiff auch nicht
-ersteigen können wegen der überlegenen Zahl an Hessen. Es war vielleicht
-ein Glück für Wiederhold und die Seinigen, dass die Umstände es
-verhinderten, diesen ingenieusen Plan zur Ausführung bringen zu suchen.
-
-Am Morgen des 25. September kamen die Kaps des Delaware in Sicht. Da sie
-nun genau wussten, wo sie waren, so gingen sie wieder weiter in See, um
-den Privateers aus dem Wege zu gehen. Der Wind war gut und die Hessen
-hofften Sandy Hook in achtundvierzig Stunden zu erreichen. Der Morgen
-des 26. war sehr schön. Bei Tagesanbruch wurden zwei Schiffe in einiger
-Entfernung gesehen. Wiederhold sprang voller Freude in die Kajüte und
-berichtete dem Oberstlieutenant und den anderen Offizieren das Gesehene.
-Alle zogen sich an und eilten an Deck, in der Hoffnung, dass es Schiffe
-seien, die von New-York ausgeschickt wären, um vor dem Hafen zu kreuzen
-und den Schiffen Hilfe zu leisten, die bei dem letzten Sturme Schaden
-gelitten hätten. Die fremden Schiffe segelten auf den Triton los und
-stellten sich als einen Schooner und eine Schaluppe heraus. »Aber o! wie
-sahen wir uns in unserer Hoffnung betrogen,« ruft Wiederhold aus, »denn,
-nachdem sie so nahe kamen und sie ihre aus 13 Streifen bestehende Flagge
-wehen liessen, so war unsere Freude in Leid verwandelt.«
-
-Der Schooner hatte 14 Geschütze und hiess »Mars«. Die Schaluppe, Comet
-genannt, hatte 10 Geschütze und wurde von Kapitän Decatur kommandiert.
-Um 8 Uhr morgens lagen beide mit den Breitseiten am Triton. Sie
-erteilten dem Kapitän des letzteren Befehl, ein Segel herabzulassen und
-das Steuerruder am Steuerbord anzubinden. Sodann schickte jeder
-Privateer 1 Offizier und 5 Mann an Bord; der Mars nahm den Triton ins
-Schlepptau und brachte ihn in die Barnegat Bucht, wo er vor Anker ging.
-Der Mars, welcher den Kapitän und mehrere Seeleute des Triton an Bord
-genommen hatte, geriet zwischen Klippen und kenterte. Nur zwei von der
-Bemannung ertranken; alle hatten schwimmen müssen, um sich zu retten.
-Dies ereignete sich auf zwei Kanonenschussweiten von dem Fleck, wo der
-Triton vor Anker lag. Der Kapitän des Mars hatte vorher befohlen, dass
-der hessische Oberstlieutenant auch an Bord kommen sollte,
-glücklicherweise aber war er durch sein Kranksein daran gehindert.
-
-Am 29. September wurde der Triton nach dem Little Egg-Hafen gebracht.
-Hier wurden die Gefangenen ausgeschifft. Sie kamen durch Philadelphia
-und wurden schliesslich in Reading einquartiert. Die Offiziere wurden
-ausgewechselt und kehrten im Dezember 1780 nach New-York zurück.
-
-Von den 6 Schiffen, in welchen die Regimenter von Knyphausen und
-Lossberg untergebracht waren, kehrte eins mit seiner Besatzung glücklich
-nach New-York zurück; über das Schicksal von einem habe ich nichts
-Bestimmtes ausfindig machen können; eins wurde mit Mann und Maus vom
-Meere verschlungen; zwei wurden durch den Sturm seeuntüchtig gemacht und
-nachher von amerikanischen Privateers genommen.
-
-Das noch übrige (sechste) Schiff, der »Badger«, mit einer Abteilung des
-Regiments Lossberg, verlor seinen Vorder-und Hauptmast im Sturm. Es
-wurde dann von zwei kleinen Privateers angegriffen, die sie zwei Tage
-lang verfolgten und beschossen, dann aber wegen der entschlossenen
-Haltung der Hessen wieder abziehen mussten. Am 9. Oktober jedoch griff
-ein Privateer mit 12 Geschützen den Badger an, und letzterer, der keine
-Kanonen hatte, war gezwungen sich zu ergeben. Ein Lieutenant, drei
-Fähnriche und 20 Mann, sowie die gesamte Ausrüstung der übrigen Hessen
-wurden an Bord des Privateer gebracht. Letzterer scheint zunächst den
-Badger, auf dem ein hessischer Kapitän, der krank war, mit einem Arzt
-und den meisten Gemeinen verblieben, noch in seiner Gewalt behalten zu
-haben. Den Journalen nach steht fest, dass die Fregatte Solebay am
-folgenden Tag den Badger von dem Privateer befreite und glücklich nach
-New-York brachte.
-
-
-
-
-Kapitel XXI.
-
-Savannah, Charleston und Pensacola, 1778 bis 1781.
-
-
-Das Bündnis zwischen Frankreich und den Vereinigten Staaten erhöhte die
-Möglichkeit der schliesslichen Unabhängigkeit der letzteren. Es war
-deshalb wichtig, den Amerikanern so viel Gebiet als möglich streitig zu
-machen, wenn auch nicht ihre Haupt-Armee vernichtet werden könnte. Lord
-George Germaine hoffte, dass die dünn bevölkerten südlichen Provinzen
-schnell zum Gehorsam zurückzubringen wären und dass die königliche
-Autorität vom Golf von Mexico bis zum Susquehanna-Fluss hergestellt
-werden würde.
-
-Ein weiterer Vorteil sollte dadurch gewonnen werden, dass man die Nord-
-und Südstaaten gleichzeitig besetzte. Der Sommer und Herbst waren die
-Zeit der Thätigkeit in den ersteren, Winter und Frühjahr in den
-letzteren. Der britische General, der seine Truppen zur See befördern
-konnte, brauchte nur, wenn das Wetter die Operationen behinderte, in den
-betreffenden Landesteilen soviel Truppen zurückzulassen, als zur
-Verteidigung nötig waren, und behielt so überall das Übergewicht,
-welches sehr wichtig war.
-
-Am 6. November 1778 wurden ungefähr 3500 Mann unter Oberstlieutenant
-Campbell in New-York eingeschifft. Zwei hessische Regimenter nahmen an
-dieser Expedition teil. Die Transportschiffe wurden durch schlechtes
-Wetter am Auslaufen verhindert und konnten nicht vor dem 27. Sandy Hook
-verlassen. Sie erreichten Savannah erst am 24. Dezember nach stürmischer
-Überfahrt. Die Truppe landete am 29. und schlug einige 800 Amerikaner,
-die den Versuch machten, Widerstand zu leisten, töteten und verwundeten
-ungefähr 80 und machten 400 Gefangene. Beinahe 50 Kanonen, beträchtliche
-Vorräte und mehrere Schiffe fielen in die Hände der Briten, deren
-Verlust, eingerechnet Hessen und Tories, 20 Mann tot und verwundet
-betrug.
-
-Die Stadt Savannah bestand aus ungefähr 600 leicht gebauten Häusern. Die
-meisten Einwohner waren mit den Rebellen weggelaufen und hatten soviel
-Sachen mitgenommen, als sie nur tragen konnten. Mahagonie-Möbel lagen
-zerbrochen in den Strassen -- ein trauriger Anblick. Die Hessen, erzählt
-man, hätten nicht geplündert, wie die andern Truppen. Sie waren in den
-neuen Baracken der Stadt einquartiert.
-
-Im Januar langte General Prevost von St. Augustin an, um den Befehl über
-die Armee zu übernehmen. Darauf begann die zahllose Reihe von Märschen,
-welche diese südliche Kampagne auszeichnete. Augusta wurde besetzt, dann
-wieder aufgegeben. General Lincoln ging mit einer amerikanischen Armee
-gegen Augusta vor, General Prevost entschlüpfte ihm aber heimlich und
-bedrohte Charleston. Lincoln kehrte von Georgia zurück und Prevost zog
-sich nach Johns Island an der Küste von Süd-Karolina zurück.
-Schliesslich wurde Beaufort eingenommen und Johns Island von den Briten
-verlassen, deren Haupt-Armee nach Savannah zurückkehrte.
-
-Während dieses Feldzuges ereigneten sich eine oder zwei Begebenheiten,
-die besonders die Hessen betrafen. An einem Fleck, Stono Ferry genannt,
-war ein kleines Befestigungswerk errichtet worden, ursprünglich ein
-Brückenkopf. Es war von Johns Island durch eine Wasserstrasse getrennt,
-und die Brücke, welche es einst deckte, war abgebrochen worden. Das
-Befestigungswerk war von dem Regiment von Trümbach, einem Bataillon
-Hochländern, im Ganzen 500 Mann, besetzt. Dieser Posten wurde am 19.
-Juni 1779 von Lincolns Armee angegriffen. Die Hessen wichen zuerst
-zurück, wurden aber von den Hochländern unterstützt. Sie sammelten sich
-und gingen wieder vor. Die Amerikaner zogen sich dann bei dem Herannahen
-von deutschen und schottischen Verstärkungen zurück.
-
-Ungefähr zu dieser Zeit kam es in den Gewässern um Johns Island zu zwei
-verschiedenen Gefechten zwischen hessischer Artillerie und kleinen
-Schiffen, beziehungsweise Galeeren des Feindes. Bei beiden Gelegenheiten
-waren die Hessen siegreich, zwangen den Feind zum Rückzug und machten
-die beteiligten Schiffe kampfunfähig. Es wird erzählt, dass auf einem
-derselben, der Rattlesnake, mehrere Kanonen und Fahnen, welche von Ralls
-Brigade erbeutet waren, wieder genommen wurden. Auf welche Weise diese
-Trophäen nach Süd-Karolina kamen, wird nicht erwähnt.
-
-Am 4. September 1779 erschien die französische Flotte unter Graf
-d'Estaing plötzlich vor der Mündung des Savannah-Flusses. Sofort wurden
-alle ausserhalb liegenden Detachements der britischen Armee nach
-Savannah berufen. Am 23. vereinigten sich Lincoln und seine Leute mit
-den Franzosen, die von Charleston kamen, und Freiwillige von
-Süd-Karolina strömten in ihr Lager. Während nun d'Estaing regelrechte
-Laufgräben anlegte, verstärkten die Soldaten der Besatzung mit den
-Negern der Stadt zusammen eiligst die Befestigungswerke. Für die
-französische Flotte war es in Betreff der Jahreszeit zu spät geworden,
-um mit Sicherheit an der Küste zu bleiben. d'Estaing beschloss einen
-Angriff zu versuchen. Dieser aber hätte vorher gemacht werden sollen,
-bevor britische Verstärkungen von Beaufort her eingetroffen und bevor
-ihre Werke verstärkt worden waren, oder er hätte aufgeschoben werden
-sollen, bis diese lahm gelegt waren. Der Angriff wurde am 9. Oktober
-unternommen. Franzosen sowohl wie Amerikaner schlugen sich tapfer und
-pflanzten ihre Banner auf den Wällen von Savannah auf, doch wurden sie
-mit grossen Verlusten zurückgeschlagen. Oberst von Porbeck vom Regiment
-von Wissenbach wurde in Prevosts Bericht lobend erwähnt. Eine Woche
-später segelten die Franzosen ab, während ein Teil der Amerikaner mit
-Lincoln nach Charleston zurückkehrte und die übrigen sich in ihre Heimat
-zerstreuten.
-
-Im Sommer 1779 plante Sir Henry Clinton eine Unternehmung gegen
-Charleston. Die Ausführung wurde wegen der Nähe der französischen Flotte
-verschoben, doch als diese nach Europa zurückging, wurde ein Korps von
-ungefähr 8500 Mann in New-York formiert. Dasselbe bestand aus
-Engländern, Tories und Hessen. Von den Hessen waren die 4
-Grenadier-Bataillone, 1 Regiment Infanterie und ungefähr 250 Jäger
-ausgewählt. Bei den letzteren befanden sich Kapitän Ewald und Lieutenant
-Hinrichs. Generallieutenant von Knyphausen war als Befehlshaber in
-New-York belassen worden. Sir Henry Clinton befehligte die Expedition
-persönlich. Die Soldaten wurden um den 19. Dezember eingeschifft,
-konnten aber wegen des Wetters nicht vor dem 29. in See gehen. Die Fahrt
-war eine sehr stürmische, und als in den ersten Tagen des Februar 1780
-der Hauptteil der Flotte an der Mündung des Savannah-Flusses ankam,
-fehlten eine Menge Transportschiffe. Eine Barke, die Anna, mit 30
-hessischen und anspachischen Jägern und andern Soldaten, hatte Anfang
-Januar die Masten verloren und war von einem Kriegsschiff ins Schlepptau
-genommen. Bei einem darauffolgenden Sturm riss das Tau, und die Anna
-fiel nun als segelloser Schiffs-Rumpf dem Spiel der Wellen anheim.
-Während acht Wochen wurde diese Barke mit 250 Seelen an Bord von den
-westlichen Winden fortgetrieben. Sie war nur für einen Monat und für
-100 Mann verproviantiert, so dass sich bald Hungersnot einstellte. Die
-Hunde wurden geschlachtet; zuletzt wurden die Knochen zu Mehl gerieben
-und dieses mit der Brühe aus den Fleischfässern und Hobelspänen zu einer
-Mahlzeit bereitet. Schon machte der Kapitän den schrecklichen Vorschlag,
-mit Menschenfleisch das elende Leben zu fristen und zuerst die Frauen zu
-opfern, aber alle wiesen solches mit Abscheu zurück. Endlich zeigte sich
-Land, es war die irische Küste. Das Schiff strich aber an einer Klippe
-an und erhielt ein Leck. Die Verzweiflung steigerte sich, als man
-bemerkte, dass der Kapitän von der Küste abhielt. Auf Befragen gab er
-an, dass hier keine erlaubte Anfahrt sei und den königlichen Lootsen 30
-Guineen bezahlt werden müssten. Daraufhin wurde er in dem unteren
-Schiffsraum festgesetzt, und der Obersteuermann übernahm das Kommando
-der Barke. Dieser brachte sie bis vor St. Ives in Cornwallis, von wo,
-auf Notschüsse hin, zwei Boote mit einem Lootsen und einem
-Schiffszimmermann zur Hilfe herbeieilten. Der letztere war angesichts
-der verhungerten Hessen derartig erschrocken, dass er eiligst wieder von
-dannen ruderte. Dem Lootsen gelang es, die Barke an das Land heran zu
-bringen, gerade als sie anfing zu sinken, und die Bemannung wurde
-schliesslich gerettet.
-
-Die englische Flotte wartete bei Tybee Island bis zum 9. Februar 1780,
-um die zerstreuten Transportschiffe wieder zu sammeln. Darauf ging sie
-wieder in See, und am 11. drangen alle Schiffe bis auf die grossen
-Kriegsschiffe in die Mündung des North Edisto River ein; bei Simons
-Island wurden die Truppen ausgeschifft. Einen ganzen Monat lang brachten
-die Soldaten emsig Vorräte und Geschütze an Land, um dort festen Fuss zu
-fassen, sie drangen dabei über die sandigen Inseln südwestlich von
-Charleston Harbor vor. Nicht vor dem 12. März wurde das Feuer von Wappoo
-Neck aus auf die Stadt eröffnet, und erst am 29. ging die britische
-Armee über den Ashley-Fluss. Inzwischen stiegen die Schanzen aus dem
-Sand bei Charleston wie die Pilze empor.
-
-Weder der Landung, noch dem Vordringen der feindlichen Armee wurde ein
-ernstlicher Widerstand entgegengesetzt. Die Gelegenheit, um Widerstand
-zu leisten oder wenigstens um die Briten zu beunruhigen, war jedenfalls
-genügend vorhanden, doch wäre hierfür ein fähigerer und mehr energischer
-Befehlshaber als Lincoln nötig gewesen. Die Angreifer waren nach einer
-langen und beschwerlichen Reise gelandet und hatten keine Pferde, um
-ihre Kanonen und Vorräte herbeizuschaffen. Das einzig richtige Verhalten
-für Lincoln wäre wohl gewesen, wenn er Washington nachgeahmt hätte in
-seinem Feldzug vor den Ereignissen von Philadelphia. Er hätte eine
-Schlacht wagen und falls er geschlagen worden wäre, Charleston aufgeben
-und seine Armee zum Schutz der Südstaaten erhalten sollen. Diese waren
-nun dem Morden und Plündern überliefert. Der Krieg in den Karolinas und
-in Virginien kennzeichnete sich durch einen gewissen Grad von Barbarei,
-der in den östlichen und Mittel-Staaten seinesgleichen nicht fand,
-ausgenommen die kleinen Plündereien in der Umgebung von New-York. Schon
-im vorhergehenden Jahre hatten Prevosts Soldaten diese barbarische Art
-der Kriegführung begonnen. Die Spuren ihrer Thätigkeit waren in jedem
-Hause auf den Inseln, die sie bei Charleston besetzt hatten, sichtbar.
-
-Während Lincoln seine Erdwerke in der Stadt aufwarf, erhielten die
-Engländer Verstärkungen von Savannah her. Die Kriegsschiffe, mit
-Ausnahme der schwersten, wurden gehoben, über die Sandbank gebracht und
-wiederhergestellt. Fort Moultrie verteidigte währenddessen die Stadt,
-die amerikanischen und französischen Schiffe den Hafen; zwischen diesem
-und Charleston hatten die Belagerten Schiffe versenkt, um die Einfahrt
-zu sperren. Kleine Abteilungen Amerikaner beobachteten die Bewegungen
-der Briten. Am 26. März unternahmen Sir Henry Clinton und mehrere
-Generale einen Ritt, um Colonel Patterson entgegenzugehen, welcher
-Verstärkungen von Savannah brachte. Sie kehrten glücklich zurück, obwohl
-sie ohne Escorte waren; ein Tory-Oberst und ein Hospital-Inspektor aber,
-die eine kurze Strecke hinter ihnen her ritten, wurden gefangen
-genommen.
-
-Ewald erzählt mit Befriedigung, wie er einmal auf Johns Island in South
-Karolina im Frühjahr 1780 eine Stellung rekognosziert hätte, indem er
-ruhig bis an einen feindlichen Posten herangegangen wäre, seinen Hut
-abgenommen und eine Unterhaltung mit dem befehligenden Offizier
-angeknüpft hätte. Dieser Aussenposten war von Pulaskis Legion gestellt
-worden, deren Offiziere Polen und Franzosen waren, in deren Galanterie
-der deutsche Kapitän Vertrauen hatte -- eine Galanterie, für die die
-eingeborenen Amerikaner kein Verständnis haben konnten noch wollten.
-
-Am 30. März 1780 lagerte die englische Armee einige 3000 Yards vor den
-Linien von Charleston. Gegen Abend standen die Pickets der hessischen
-Jäger etwa eine Meile vor der Stadt. Vor ihnen lag eine flache, sandige
-Ebene ohne jedes Haus oder einen Baum oder Busch. Die einzig mögliche
-Deckung gewährten einige Gräben. In der Nacht auf den 31. März wurde die
-erste Parallele eröffnet. Am folgenden Morgen begannen die Einwohner
-ihre Familien und Wertgegenstände auf Booten den Cooper River hinauf zu
-befördern, der einzige Weg, der offen geblieben war. Stromabwärts kamen
-am 7. April 700 Virginian Continentals zur Verstärkung der Besatzung.
-Sie wurden mit Glockengeläute und Artillerie-Salven empfangen. Nacht auf
-Nacht wurde die Arbeit in den Trancheen fortgesetzt. Die Artillerie des
-Verteidigers bemühte sich vergeblich, diese Arbeit zu stören.
-
-Am Nachmittag des 8. April war der Himmel mit Wolken bedeckt, es war
-Flut eingetreten und der Wind blies stark von Süden her. Sieben
-Kriegsschiffe und ein Transportschiff, in einer Linie hintereinander
-segelnd, näherten sich Fort Moultrie. An der Spitze befand sich Admiral
-Arbuthnot in einem kleinen Boot, mit dem Blei in der Hand, um die Tiefe
-zu messen. Das Feuer vom Fort aus war furchtbar. Der »Roebuck«, das
-Têtenschiff, segelte dicht an die Werke heran, gab eine Breitseite ab
-und fuhr unverletzt weiter in den Hafen. Das zweite Schiff verlor ein
-Stück von einem Mast. Ein anderes legte sich dicht vor das Fort und
-unterhielt ein unaufhörliches Feuer, so dass das ganze Schiff wie ein
-langer Blitzstrahl erschien. Das ganze Geschwader gelangte in den Hafen
-mit Ausnahme des Transportschiffes, welches auf den Grund fuhr und in
-Brand gesteckt wurde. Das schöne Bild wurde von Tausenden von Zuschauern
-beobachtet. Die Amerikaner versammelten sich auf den Wällen der Stadt,
-die Engländer und Deutschen stiegen auf ihre Belagerungswerke. Die
-Operationen in der Bai hatten ihr Interesse so sehr in Anspruch
-genommen, dass das Gefecht an Land so lange unterbrochen wurde. Sobald
-das zweite Schiff das Fort passiert hatte, verschwanden die Amerikaner
-von den Wällen von Charleston und bald darauf sah man eine Menge kleiner
-Boote auf dem Cooper River, welche die Furchtsamern der Einwohner
-wegbeförderten.
-
-Die Verbindung zwischen Fort Moultrie und Charleston war nunmehr
-abgeschnitten. Jedoch fand die britische Flotte ihr weiteres Vordringen
-durch eine Linie von versenkten Schiffen gehindert und konnte nicht den
-Cooper River hinaufsegeln, um die amerikanischen Werke im Rücken zu
-fassen. Da einige Schiffe im Fluss den Operationen des Belagerers
-hinderlich waren, wurden mehrere grosse Ruderboote über Land geschleppt.
-Das zu diesem Zweck gebrauchte Transportmittel wurde von
-hundertundvierunddreissig Negern gezogen. Die Arbeit an den Approchen
-ging unaufhörlich weiter, jedoch die Belagerung wurde dadurch, dass
-einige der schweren Geschütze und die meisten Pferde auf See verloren
-gegangen waren, etwas verlangsamt. Der Belagerungs-Park wurde durch
-Schiffsgeschütze versorgt, die mit grosser Mühe über Land von James
-Island her gebracht wurden. Am 13. April wurde von der hessischen
-Artillerie lebhaft gefeuert, wodurch mehrere Häuser in Brand gerieten.
-Sir Henry Clinton befahl seinen Batterien, das Feuer zu mässigen, damit
-der Brand gelöscht werden könnte. In der folgenden Nacht wurde die
-zweite Parallele eröffnet, bald darauf aber begannen die Amerikaner
-Gegen-Approchen anzulegen, so dass nicht nur Artillerie-, sondern auch
-Musketen-Feuer zur Verwendung kam. Jedoch am 20. waren die
-Belagerungsarbeiten so weit vorgeschritten, dass die Jäger im Stande
-waren, Leute durch die Schiessscharten der Befestigungswerke zu treffen
-und das Bedienen der Geschütze sehr gefährlich zu machen. Die dritte
-Parallele wurde in der darauffolgenden Nacht eröffnet und am 21. bot
-Lincoln, der am Tage, nachdem die Flotte Fort Moultrie passiert, seine
-Übergabe verweigert hatte, die Kapitulation an. Die Feindseligkeiten
-wurden sechs Stunden lang aufgehoben, aber nach Ablauf derselben
-erneuert, da die Generale sich über die Bedingungen nicht einigen
-konnten. Am 24. machten die Amerikaner einen Ausfall und drangen an
-einzelnen Stellen bis zur zweiten Parallele vor, wurden aber sofort
-wieder in die Stadt zurückgeworfen. Am 26. nahmen die Briten ein Fort in
-Besitz, welches den Cooper River beherrschte, sodass die Belagerten
-nunmehr völlig in Charleston eingeschlossen waren.
-
-In der Nacht zum 3. Mai ruderte eine Abteilung aus dem Lager des
-Angreifers heimlich an einen Dreimaster heran, welcher dicht vor der
-Stadt lag. Sie erkletterten das Deck, welches sie unverteidigt fanden,
-lichteten die Anker und nahmen das Schiff mit in die britischen Linien.
-Am nächsten Morgen, als sie bei der Untersuchung ihrer Beute hinunter
-stiegen, ergab es sich, dass es ein Lazarethschiff war, gefüllt mit
-Pockenkranken.
-
-Die Belagerung näherte sich ihrem Ende. In der Nacht zum 7. Mai 1780
-wurde Fort Moultrie von Seeleuten genommen. Am 8. wurden die
-Verhandlungen wegen der Übergabe wieder aufgenommen, jedoch abermals
-abgebrochen; bis schliesslich am 11. Clintons Bedingungen durchgesetzt
-wurden, welche darin bestanden, dass die Besatzung mit verhüllten Fahnen
-und klingendem Spiel (aber nicht mit einem englischen oder hessischen
-Marsch) ausmarschieren und ausserhalb derselben die Waffen niederlegen
-sollten. Die Continentals wurden kriegsgefangen, die Miliz sollte auf
-Ehrenwort in die Heimat zurückkehren. Auf Grund dieser Kapitulation
-marschierten die Continentals am 12. aus; die Musik spielte einen
-türkischen Marsch. Die Offiziere durften ihre Säbel behalten, mussten
-sie aber einige Tage später abliefern, weil sie »Unordnung« in der Stadt
-hervorrufen würden. Die Besatzung war in einen sehr zerlumpten und
-bedauerlichen Zustand herabgesunken. Sie war nicht viel mehr als halb so
-stark als die Belagerer, die amerikanische Miliz mit inbegriffen. Die
-Continentals waren ungefähr 2500 Mann stark, die englische Armee
-wenigstens 12000 Mann. Die Stadt war nur durch Erdwerke verteidigt, und
-eigentlich mehr ein verschanztes Lager als eine Festung. Der Verlust der
-Belagerer an Toten und Verwundeten ist in einem hessischen Journal auf
-265 Mann angegeben.
-
-Die Stadt Charleston hatte ungefähr 15000 Einwohner und war eine der
-reichsten und schönsten Städte in Nord-Amerika. Die grossen und schönen
-Häuser waren nicht dicht nebeneinander gebaut, sondern es war der
-bessern Luft wegen viel freier Raum gelassen. Sie waren sehr gut
-eingerichtet mit Mahagoni-Möbeln und Silbergerät, und es wurde viel auf
-Reinlichkeit gehalten. Die Strassen waren ungepflastert und sandig,
-hatten aber auf den Seiten einen schmalen Fussweg. Selbst im Mai war
-der Staub unerträglich. Die meisten reichen Familien waren bei der
-Annäherung der Briten geflohen. Es waren auch viel Deutsche und deutsche
-Juden in der Stadt, und viele Ärzte wegen des ungesunden Klimas. Die
-Frauen, wenigstens die meisten von denen, die zurückgeblieben waren,
-waren bleich und hässlich. Der Ort war natürlich voll von Negern, die
-die Hälfte der Bevölkerung ausmachten.
-
-Die Neger waren im britischen Lager angesammelt, zwei Transporte von
-ihnen waren Ende Februar von Savannah aus geholt worden. Die Sklaven der
-Rebellen waren konfisziert worden. Diese Sklaven in Süd-Karolina waren
-die am meisten heruntergekommenen auf dem Kontinent und von ihren
-frühern Besitzern am schlechtesten behandelt worden. Die Feldarbeiter
-unter ihnen erhielten, einem hessischen Journal zufolge, täglich
-gewöhnlich ein Quart Reis oder Indian corn, das sie halb gekocht assen,
-da sie es in dieser Zubereitung nahrhafter fanden als ganz gekocht.
-Viele hatten kaum einen Lappen, um ihre Blössen zu bedecken. Nur wenige
-verstanden Englisch. Am 31. Mai bekam jedes Regiment, das nach New-York
-ging, zehn Sklaven. Die Neger bildeten einen Teil der Kriegsbeute, und
-Tausende wurden zum Verkauf nach West-Indien verschifft.
-
-Anfang Juni segelte Sir Henry Clinton nach New-York. Mit ihm gingen die
-hessischen Grenadiere und Jäger, einige hessische Regimenter blieben
-zurück.
-
-Die Expeditionen nach Savannah und Charleston waren nicht die am
-weitesten entfernten, an denen die deutschen Hilfstruppen beteiligt
-waren. Im Herbst 1778 wurden ungefähr 1200 Mann Waldecker und
-Provinzials unter Generalmajor John Campbell abgesandt, um die
-Garnisonen von West-Florida zu verstärken. Sie segelten Anfang November,
-liefen Jamaica an und landeten Ende Januar 1779 in Pensacola. Pensacola
-war damals eine Stadt von ungefähr 200 hölzernen Häusern, die durch
-Forts aus Holz und Sand verteidigt wurde. Sie lag in einer Sandwüste,
-die von dichten, unermesslichen Wäldern umgeben war. Nach Georgia reiste
-man auf dem alten Handelsweg vier Wochen lang. Die Wälder wurden durch
-Indianer beunruhigt, die von den Briten für jeden feindlichen Skalp drei
-Pfund Sterling erhielten. Die Waldecker fanden unter den Indianern einen
-Landsmann, Namens Brandenstein, der in seiner Jugend aus dem
-waldeck'schen Dienst desertiert war und nach vielen Abenteuern die
-Sitten und Gewohnheiten eines indianischen Kriegers angenommen hatte.
-
-Die Besatzung von Pensacola war zuerst damit beschäftigt, die Stadt zur
-Verteidigung einzurichten. Oberstlieutenant Dickson, ein englischer
-Offizier, hielt Baton Rouge. Im Lauf des Sommers 1779 wurden ihm drei
-Kompagnien Waldecker zur Verstärkung zugesandt. Inzwischen war zwischen
-England und Spanien Krieg ausgebrochen. Don Bernardo de Galvez, der
-spanische Gouverneur von New-Orleans, war ein junger und energischer
-Mann. Er erbeutete mehrere kleine Schiffe auf dem Mississippi und in der
-Nähe seiner Mündung. Im September wurden 53 Waldecker auf dem Lake
-Pontchartrain zu Gefangenen gemacht. Die Spanier gingen gegen Baton
-Rouge vor und begannen nach zwei vergeblichen Versuchen, die Werke mit
-Sturm zu nehmen, eine regelrechte Belagerung. Dickson kapitulierte, und
-die Besatzung marschierte mit allen Kriegsehren aus dem Fort heraus. Sie
-zählten über 400, die Belagerer unter Galvez zwischen 1400 und 2000
-Mann. Beinahe die Hälfte der kapitulierenden Besatzung waren Waldecker,
-und mehr als 30 waren von dem Regiment gefallen oder verwundet.
-
-Die Nachricht von Dicksons Übergabe erreichte Pensacola am 20. Oktober,
-wurde aber zuerst mit Unglauben aufgenommen. »Ist dies nicht ein
-verwünschtes Land, um Krieg darin zu führen,« schreibt der Waldecker
-Kaplan, »wo der grössere Teil des Korps seit fünf Wochen gefangen
-genommen, 1200 Meilen Landes im Besitz des Feindes sind, und der
-kommandierende General weiss es noch nicht einmal mit Bestimmtheit.«
-
-Im März 1780 rückte ein Teil der Besatzung von Pensacola zum Entsatz von
-Mobile aus, kam aber zur Rettung dieser Stadt zu spät. Bald nach
-Rückkehr der Truppen nach Pensacola kam vor dem Hafen eine spanische
-Flotte von 21 Schiffen in Sicht, verschwand aber drei Tage später
-wieder. Die Spanier hatten das Land bis zum Pertido River in Besitz,
-überschritten diesen einmal im April, wurden aber von den Indianern
-zurückgeworfen. Indes waren letztere sehr unzuverlässige Hilfstruppen.
-Der Rest des Jahres 1780 verlief ohne jegliches Ereignis von Bedeutung
-in Florida.
-
-Anfang Januar 1781 machte Oberst von Hanxleden mit 115 Weissen und 300
-Choctaws eine Expedition gegen French Village. Sie fanden aber einen
-hartnäckigen Widerstand und wurden zurückgeschlagen. Die Zahl der Toten
-und Verwundeten auf englischer Seite war beträchtlich; unter den
-Gefallenen befand sich auch Oberst von Hanxleden. Am 9. März erschien
-eine spanische Flotte von 38 Schiffen vor Pensacola, und während der
-folgenden Nacht wurde ein Truppen-Korps auf der Insel Santa Rosa
-ausgeschifft, welche am Eingang des Hafens liegt. Von da ab nahm die
-Belagerung des Ortes ihren regelmässigen Fortgang. Am 19. lief die
-Flotte, indem sie einen günstigen Wind benutzte, bei den
-Befestigungswerken vorbei, in die Bai ein. Von Zeit zu Zeit erhielten
-die Spanier Verstärkungen. Am 15. April brachte ein Deserteur die
-Nachricht, dass Galvez 10000 Mann stark sei. Der Schreiber des Waldecker
-Journals erwähnt diese Truppenzahl als fünfzehnmal stärker als die in
-Pensacola, woraus man entnehmen kann, dass General Campbell zwischen 6
-und 700 Weisse befehligte. Die Indianer leisteten, obwohl dem Trunk
-ergeben, barbarisch und undiszipliniert, den Engländern gute Dienste.
-Schliesslich, am Morgen des 8. Mai, krepierte eine Bombe in dem
-Pulver-Magazin einer der Redouten, durch die viele pennsylvanische
-Tories, die das Werk besetzt hielten, getötet wurden und eine grosse
-Verwirrung entstand. Hieraufhin verstärkten die Spanier ihr Feuer, und
-am Nachmittag desselben Tages zog General Campbell die weisse Flagge auf
-und ergab sich unter der Bedingung, dass die ganze Besatzung nach
-New-York eingeschifft werden und bis zur Auswechselung nicht mehr gegen
-Spanien oder dessen Verbündete kämpfen sollte. Da zu jener Zeit die
-Vereinigten Staaten nicht mit Spanien verbündet waren, so konnten die
-Waldecker sofort gegen die Amerikaner Verwendung finden.
-
-
-
-
-Kapitel XXII.
-
-New-York in den Jahren 1780 und 1781.
-
-
-Als Sir Henry Clinton im Dezember 1779 nach Charleston segelte, legte er
-das Kommando über die Besatzung von New-York in die Hände des
-Generallieutenants von Knyphausen. Die regulären Truppen in und
-ausserhalb der Stadt bestanden aus etwa 6000 Engländern, Hessen und
-Anspachern. Durch Bewaffnung der Einwohner und Matrosen derjenigen
-Schiffe, welche im zugefrorenen Hafen lagen, gelang es Knyphausen, seine
-Truppen nahezu zu verdoppeln; die neuen Rekruten waren immerhin gut
-genug, um hinter den Befestigungswerken verwendet zu werden. Washington
-hingegen befehligte eine kleine, schlecht verpflegte und unbezahlte
-Armee, die im Frühjahr 1780 kaum 7000 Reguläre stark war, und selbst von
-diesen konnte nur die Hälfte dem Garnisondienst zur Verwendung im Felde
-entzogen werden.
-
-Der Winter war ungewöhnlich kalt. Sowohl der North- und East-River und
-Long-Island-Sound, als auch der Kanal zwischen Staten-Island und dem
-New-Jersey-Ufer waren zugefroren. Dies begünstigte Unternehmungen, die
-fortwährend auf beiden Seiten gemacht wurden. Im Januar landete Lord
-Stirling auf Staten-Island, fand aber die dortige Besatzung in
-Bereitschaft und kehrte nach New-Jersey mit seinen Leuten zurück, von
-denen viele durch Erfrieren von Gliedern stark gelitten hatten.
-Knyphausen traf Vorbereitungen, durch das Treibeis im Hafen hindurch
-Verstärkungen nach der Insel zu senden.
-
-Ende dieses Monats und anfangs Februar fanden Unternehmungen gegen
-Elisabethtown Newark und Youngs House statt, bei denen die Briten viele
-Gefangene machten.
-
-Mit dem Jahr 1780 war ein frischer Geist in die Kriegführung
-hineingekommen. Howe und Burgoyne hatten gehofft, nicht nur zu erobern,
-sondern auch zu versöhnen. Haus und Eigentum von Nichtkombattanten war
-bis zu einem gewissen Grade verschont geblieben. Clinton und Cornwallis,
-die nach den Weisungen von Lord George Germaine verfuhren, gaben diese
-Politik der Versöhnung auf. Expeditionen wurden nur zum Zwecke der
-Plünderung und Verwüstung unternommen. Bei diesen wurden auch die Hessen
-verwendet. Am Abend des 22. März 1780 z. B. wurde eine Abteilung von 400
-Mann, Briten und Hessen, über den Hudson gesetzt. Ungefähr um 3 Uhr
-morgens erreichten sie Haecensack, welches zu damaliger Zeit ein
-schönes, reiches Dorf war. Es wurde kein Widerstand geleistet. Nicht ein
-amerikanischer Soldat war im Orte, und niemand konnte die Barbareien
-verhindern, welche verübt wurden. Die Briten und Hessen brachen in die
-Häuser ein und beluden sich mit Beute. Alle männlichen Einwohner, deren
-sie habhaft werden konnten, wurden gefangen genommen, und nachdem das
-Rauben zu Ende war, steckten sie das Stadthaus und einige der
-Haupt-Wohngebäude in Brand. Bei Tagesanbruch kamen 5 oder 600
-Amerikaner von Pollingtown zu Hilfe, und es hätte den Eindringlingen
-schlecht ergehen können, wenn nicht ein Detachement von ungefähr 400
-Mann unter dem Parteigänger Emmerich zu ihrer Unterstützung
-herangekommen wäre. Sie wurden nach dem Hudson zurückgeworfen. Aus dem
-Tagebuch des anspach'schen Musketiers Doehla entnimmt Eelking folgende
-Stelle: »Wir machten beträchtliche Beute an Geld, silbernen Uhren,
-silbernen Tellern und Löffeln, Haushalts-Gegenständen, Kleidern, feinem
-englischen Leinen, seidenen Strümpfen, Handschuhen, Halstüchern und
-andern wertvollen seidenen Sachen und Stoffen. Meine eigene Beute, die
-ich glücklich zurückbrachte, bestand in zwei silbernen Uhren, drei Paar
-silbernen Schnallen, einem Paar Frauen-Strümpfen in Wolle, einem Paar
-Strümpfen für Männer, zwei Hemden und vier Vorhemden von feinem
-englischen Leinen, zwei feinen Tischtüchern, einem silbernen Löffel und
-einem Theelöffel, fünf spanischen Dollars und sechs Yorkschillings an
-Geld. Das andere, nämlich elf Stücke feines Leinen und über zwei Dutzend
-seidene Tücher, sechs silberne Teller und ein silberner Trinkbecher, was
-ich alles in ein Bündel zusammengeschnürt hatte, musste ich wegen des
-eiligen Marsches wegwerfen und den nacheilenden Feinden überlassen.«
-
-Knyphausen behauptet, den Amerikanern im Laufe des Winters einen Verlust
-an 65 Toten und 320 Gefangenen zugefügt zu haben. Der beginnende Sommer
-gab Gelegenheit zu wichtigerer Thätigkeit. Am Abend des 6. Juni 1780
-wurde die erste der fünf Divisionen des britischen Expeditions-Korps auf
-New-Jersey bei Elizabethtown-Point gelandet, die vier andern Divisionen
-folgten am nächsten Tage. Diese setzten sich aus beinahe sämtlichen
-regulären Truppen zusammen, die Knyphausen zu seiner Verfügung hatte.
-Die erste und zweite Division drangen durch Elizabethtown und
-Connecticut Farms vor, wo sie ziemlichen Widerstand fanden. Bei
-letzterem Ort machte die Armee Halt, die Jäger wurden gegen Springfield
-vorgeschoben. Zu jener Zeit waren die Jäger nur 300 Mann stark, da ein
-Teil des Korps in Charleston war, ein anderer in Kavallerie, oder besser
-gesagt berittene Jäger umgewandelt worden war. Diese 300 hatten an
-diesem Tage am meisten auszuhalten. Die Amerikaner fochten mit grosser
-Ausdauer und griffen wiederholt mit dem Bajonnet an. Ungefähr um 1 Uhr
-bekamen die Jäger Unterstützung, und der Feind wurde nach Springfield
-zurückgetrieben. Es begann nun ein heftiges Feuer, ungefähr um 4 Uhr
-nachmittags aber wurden die Jäger zurückbeordert in ihre erste Stellung,
-wo die Armee biwakierte. Kaum als die Pickets in einigen Häusern vor der
-Front postiert waren, wurden sie angegriffen. Die Jäger feuerten und
-schlugen die Amerikaner eine weite Strecke zurück. Die Häuser wurden
-verbrannt. Drei Geschütze wurden in Stellung gebracht, der Feind aber
-erneuerte nicht seinen Angriff. Die Jäger verloren an diesem Tage 55
-Mann an Toten und Verwundeten. Während der Dämmerung brachten Deserteure
-die Nachricht, dass Washington mit seiner Hauptarmee während der Nacht
-in Springfield erwartet würde. Daraufhin brach Knyphausen um 11 Uhr
-abends auf und kehrte nach Elizabethtown Point zurück. Am nächsten Tage
-griff Lord Stirling mit der amerikanischen Avantgarde ein englisches
-Regiment an, dieses wurde aber von zwei deutschen Regimentern
-unterstützt, infolgedessen die Amerikaner nach Elizabethtown
-zurückgeschlagen wurden. Im Lauf der nächsten Tage fanden ununterbrochen
-Scharmützel statt. Am 13. machten die berittenen Jäger den Versuch, ein
-amerikanisches Kavallerie-Picket zu überfallen und gefangen zu nehmen,
-ihr Vorhaben wurde aber verraten, und das Picket entkam. »Es ist beinahe
-unmöglich, den Feind bei irgend einer Gelegenheit zu überraschen,« sagt
-das Journal des Jäger-Korps, »weil jedes Haus, in dessen Nähe man
-kommt, sozusagen ein vorgeschobenes Picket ist; denn der Farmer, oder
-sein Sohn, oder Knecht, und selbst seine Frau und Tochter schiessen mit
-einer Flinte oder benutzen Schleichwege, um das Herannahen des Feindes
-zu melden.«
-
-Am 19. Juni hielt Sir Henry Clinton, der eben von Charleston mit den
-hessischen Grenadieren und dem Jäger-Detachement, den britischen
-Grenadieren und der leichten Infanterie und den Provincial Queens
-Rangers zurückgekehrt war, über Knyphausens Armee Revue ab. Es wurden
-Vorbereitungen zum Vormarsch getroffen, und am 23. rückten vier deutsche
-Regimenter, die Jäger, sechs Regimenter Engländer und Tories gegen
-Springfield vor. Eine Zeit lang hielten die Amerikaner die Stellung bei
-Connecticut Farms, zogen sich aber bald nach dem Schlachtfeld vom 7.
-zurück, während die englische Armee sich auf den Höhen diesseits
-Springfield entwickelte. Der Passaic River lag zwischen den beiden
-Stellungen, die Amerikaner unter Major Lee hielten die Brücke. Die
-Hessen durchwateten den Strom angesichts eines heftigen Feuers, während
-ein englisches Regiment die Brücke angriff, wodurch Lee bis auf die
-Höhen jenseits der Stadt zurückgeworfen wurde, wo er sich mit einem
-stärkeren Korps vereinigte. Die Stadt Springfield wurde genommen, und
-jenseits derselben schlugen sich die Jäger der Avantgarde eine Stunde
-lang mit dem Feinde herum. Darauf steckten die Briten die Stadt in Brand
-und zogen sich zurück. Die Jäger bildeten nunmehr die Arrieregarde und
-konnten kaum zwischen den brennenden Häusern hindurchkommen. Die
-Amerikaner drängten scharf nach und erschwerten ihnen den Rückzug.
-Ungefähr zwei Meilen von Elizabethtown wurden die Jäger von einem
-englischen Regiment aufgenommen, und der Rückzug wurde bis Elizabethtown
-Point fortgesetzt. Hier nahmen die Truppen ihre alten Stellungen ein,
-bekamen aber während der Nacht den Befehl, aus dem Lager aufzubrechen
-und nach Staten Island überzugehen. Dies geschah, und die Schiffbrücke,
-die am 11. zwischen der Insel und dem Festlande gebaut war, wurde sofort
-abgebrochen, während ein hessisches Regiment in dem Brückenkopf auf dem
-Jersey-Ufer verblieb, bis diese Operation vollendet war. Ungefähr um 3
-Uhr morgens war die ganze Armee übergegangen. Der Verlust der Jäger am
-Tage vorher war beträchtlich, vierundzwanzig Tote und Verwundete bei dem
-Angriff auf die Brücke über den Passaic-River, und wahrscheinlich
-ebensoviel jenseits des Flusses und auf dem Rückzuge.
-
-Diese Expedition nach Springfield war der letzte Versuch, den Sir Henry
-Clinton machte, um Washingtons Hauptarmee in New-Jersey anzugreifen. Der
-übrige Teil des Jahres verlief, abgesehen von dem Verrat Arnolds und der
-Hinrichtung von André in den Nordstaaten, ohne besonders wichtige
-Ereignisse; auch ist in der ersten Hälfte des Jahres 1781 kein
-Zusammenstoss zu verzeichnen, welcher als etwas anderes als ein
-Scharmützel gelten könnte.
-
-Am Abend des 2. Juli 1781 war der Parteigänger Emmerich mit hundert Mann
-nach Philipps House marschiert. Während der Nacht hatte Oberstlieutenant
-von Wurmb die Meldung bekommen, dass die amerikanische Armee auf
-New-York im Anmarsch wäre, und dass deren Avantgarde bei Sing-Sing
-beobachtet worden sei. Es wurde deshalb ein Oberstlieutenant mit 200
-Jägern und 30 Kavalleristen bei Morgengrauen abgesandt, um Nachrichten
-zu bringen und den Rückzug Emmerichs zu decken. Der Oberstlieutenant
-ging über Kingsbridge den Harlem Creek entlang, gleichzeitig einen
-Unteroffizier und 10 Mann mit dem Auftrag entsendend, die Ruinen des
-Forts Independence, welches seine Strasse beherrschte, zu
-rekognoszieren. Beim Erreichen der Höhe, auf welcher das Fort erbaut
-worden war, bemerkte der die Rekognoszierungs-Patrouille befehligende
-Sergeant Rübenkönig in nächster Nähe einige Leute. Nicht im Stande, in
-der Morgendämmerung zu unterscheiden, wer sie wären, ging er ihnen
-allein entgegen und glaubte die blauen Röcke mit den strohfarbenen
-Besätzen des Regiments von Donop, von welchem ein Teil unter Emmerichs
-Kommando war, zu erkennen. Er hätte ihnen beinahe »Guten Morgen«
-gewünscht, als ein halbes Dutzend Leute auf ihn los sprang, ihn bei den
-Haaren und dem Bandolier seiner Patronentasche fasste und versuchte, ihn
-festzuhalten. Rübenkönig aber entwand sich ihren Händen und eilte unter
-dem Ruf: »Rebellen, Rebellen!« zu seiner Abteilung.
-
-Die Avantgarde der Jäger befand sich unterdessen auf dem Engweg zwischen
-dem Hügel, auf welchem das Fort war, und Harlem River. Die Leute hatten
-ihren Rückweg durch einen Morast zu machen. Die Stelle, wo die
-Hauptabteilung aufmarschiert war, war eng und unvorteilhaft. Der erste
-Ansturm gegen die Amerikaner wurde abgeschlagen, wobei die Deutschen in
-Unordnung zurückgingen. Darauf attackierte die Kavallerie ohne Erfolg,
-die Amerikaner aber zogen sich nach den Ruinen des Forts zurück, wodurch
-die Jäger Zeit fanden, sich in Ordnung und in einer günstigen Stellung
-zu sammeln. Schliesslich wurden die Amerikaner aus ihrer Stellung
-vertrieben, wohl infolge der Annäherung von Verstärkungen auf Seiten der
-Deutschen, denn Oberstlieutenant von Wurmb traf um diese Zeit ein. Sie
-zogen sich auf eine Höhe in einer Entfernung von ungefähr 1000 Yards
-zurück, etwa 6-700 Mann stark. Emmerich hatte sich mit seiner Abteilung
-inzwischen über den Spyt den Duyvel Creek zurückgezogen, und war, da die
-Brücke in Händen des Feindes war, von den Jägern abgeschnitten worden.
-Das ganze Korps mit der Kavallerie ging deshalb vor, um die Brücke zu
-nehmen; die Amerikaner zogen sich langsam zurück. Wurmb machte hier,
-nachdem er seinen Auftrag soweit ausgeführt, und in dem Glauben, der
-Feind wollte ihn in einen Hinterhalt locken, mit seinem Detachement
-Halt und schickte Meldung an das Hauptquartier. Am Nachmittag ging die
-amerikanische Armee vor und lagerte auf Valentines Hill in einer
-Ausdehnung von Courtlands Reach bis Spyt den Duyvel. Der hessische
-Verlust in diesem Gefecht betrug 30 Mann tot und verwundet.
-
-Am 6. Juli 1781 vereinigte sich die französische Armee unter Rochambeau
-mit der von Washington vor New-York; länger als einen Monat bestand die
-Kriegführung in Scharmützeln; Sir Henry Clinton machte sich nämlich
-darauf gefasst, in New-York belagert zu werden, sobald die französische
-Flotte von West-Indien ankommen würde.
-
-Am 18. August 1781 wurde das Übergehen des Feindes über den North-River
-gemeldet. Doch noch immer wurden Clintons Augen nicht geöffnet.
-Vergebens machte Oberstlieutenant von Wurmb von den Jägern, der die
-Erlaubnis hatte, auf eigene Faust Spione auszuschicken, den
-Oberkommandierenden darauf aufmerksam, dass die vereinigte Armee auf dem
-Marsche nach Virginia begriffen sei. Der Oberstlieutenant nahm dies aus
-zwei Gründen an. Der erste war, dass Vorbereitungen getroffen wurden,
-die Amerikaner und Franzosen auf der Strasse durch New-Jersey mit
-Lebensmitteln und Fourage zu verproviantieren; der zweite, dass der
-Oberstlieutenant gehört hatte, eine Amerikanerin, die Gattin eines
-höhern französischen Offiziers, wäre angewiesen worden, nach Trenton zu
-gehen. General Clinton liess sich nicht überzeugen, bis es zu spät war,
-dieser Bewegung entgegen zu treten.
-
-Selbst nachdem ihm Washingtons Plan klar geworden war, war er nicht
-gewillt, seine ganze verfügbare Streitmacht wenigstens zu einer
-Diversion zu Gunsten von Lord Cornwallis zu verwenden. Es lässt sich
-jetzt schwer sagen, ob eine Unternehmung gegen Philadelphia oder den
-Hudson hinauf eine Umkehr der Verbündeten von Ihrem Zug nach dem Süden
-veranlasst haben würde. Clinton indessen begnügte sich damit,
-Vorbereitungen zur Einschiffung eines Korps nach Yorktown zu treffen,
-und ein Detachement unter Benedict Arnold, der kurz vorher von Virginia
-zurückgekehrt war, nach der Küste von Connecticut zu entsenden. Arnold
-erreichte an der Spitze von zwei englischen Regimentern und 100
-hessischen Jägern am 6. September New-London und stürmte das Fort,
-dessen kleine Besatzung eine verzweifelte Gegenwehr machte. Arnold
-steckte einen Teil der Stadt, die Magazine und die Schiffe auf dem
-Stapel in Brand. Die Schiffe im Hafen entkamen den Fluss hinauf.
-
-Nicht vor dem 19. Oktober kam die britische Flotte dazu, in See zu
-stechen, um Lord Cornwallis zu Hilfe zu kommen. Die hessischen
-Grenadiere und die andern Truppen waren an Bord der Kriegsschiffe
-genommen worden. Am 28. Oktober traf die Flotte am Eingang in die
-Chesapeake Bay ein, und erhielt vom Ufer aus die Nachricht von der
-Übergabe Cornwallis. »Diese zweite Burgoynade,« schreibt ein hessischer
-Offizier, »wird jedenfalls viel dazu beitragen, den Krieg zu einem
-unglücklichen Ende zu bringen.« Diese Voraussagung hat sich vom
-Standpunkt des Offiziers aus bewahrheitet. Doch jetzt müssen wir unsere
-Aufmerksamkeit auf die Ereignisse lenken, die zur Katastrophe von
-Yorktown führten.
-
-
-
-
-Kapitel XXIII.
-
-Der Feldzug im Süden im Jahre 1781.
-
-
-Als Sir Henry Clinton im Juni 1780 von Charleston absegelte, befanden
-sich zwei hessische Regimenter bei der Besatzung, die er zurückliess;
-und bald nachher kam noch ein drittes Regiment hinzu, welches von
-Savannah dorthin befördert wurde. Einen Bericht über eine Teilnahme
-dieser Regimenter an dem Feldzug, den Lord Cornwallis in Süd- und
-Nord-Carolina führte, kann ich nirgends finden. Am 16. August 1780 war
-die amerikanische Armee unter General Gates bei Camden vereinigt; am 18.
-überfiel Tarleton eine Truppen-Abteilung unter Sumter. Sechs Wochen
-später hatte sich das Blatt durch das glänzende Gefecht bei Kings
-Mountain gewendet, in welchem ungefähr 1400 Hinterwäldler einen Berg
-umzingelten und erstürmten, der von einer gleichen Zahl von britischen
-regulären Truppen und Provincials besetzt war; zwei Fünftel davon wurden
-getötet oder verwundet, der Rest gefangen genommen.
-
-[Illustration: LORD CORNWALLIS'S OPERATIONEN IM SÜDEN. 1781.]
-
-Im Oktober 1780 begab sich General Leslie mit mehreren englischen
-Regimentern, dem hessischen Regiment von Bose und einem Detachement von
-100 Jägern von New-York nach den Süd-Staaten. Sie landeten in Portsmouth
-in Virginien, verliessen diesen Ort aber bald wieder, um nach Charleston
-abzurücken, wo sie gegen Ende des Jahres eintrafen.
-
-Mit diesen Verstärkungen zur Hand, brach Lord Cornwallis von
-Wynesborough, westlich von Camden, auf und marschierte gegen General
-Greene, der auf Washingtons Wunsch zum Nachfolger von Gates ernannt
-worden war. Die britische Armee war ungefähr 3500 Mann stark. Auf die
-Nachricht, dass Morgan mit einem detachierten Korps auf der Südseite des
-Broad-River stand, beschloss Cornwallis, ihn von Greenes Hauptarmee
-abzuschneiden. Zu diesem Zwecke detachierte er Oberstlieutenant Tarleton
-mit ungefähr 1000 Mann. Tarleton sollte Morgan in der Front angreifen,
-während Cornwallis sich am linken Ufer des Broad-River entlang ziehen
-und die zurückgehenden Amerikaner gefangen nehmen wollte. Tarleton
-stiess am Morgen des 17. Januar 1781 auf Morgan. Ohne die Entwickelung
-seiner Truppen abzuwarten, warf sich der tapfere Kavallerie-Oberst auf
-den verachteten Feind. Die amerikanische Miliz, die die erste Linie
-bildete, wich zurück. Die zweite Linie, hauptsächlich aus Continentals
-bestehend, blieb stehen. Tarleton gab Befehl, dass seine Reserven
-vorgehen sollten. Die Amerikaner gingen zurück, machten aber wieder
-Front und überschütteten den Gegner mit einem heftigen und wohlgezielten
-Feuer. Dieser unerwartete Widerstand brachte die Briten in Unordnung.
-Sie schwankten. Zwei Kompagnien Virginia-Miliz machten einen
-Bajonnet-Angriff. Die Briten wichen auf allen Seiten zurück. Tarleton
-sammelte ungefähr 50 Reiter und brachte für einen Augenblick die
-Verfolgung zum Stehen. Der grösste Teil der britischen Infanterie wurde
-gefangen genommen, nur die Kavallerie entkam; und die Baggage wurde
-zerstört. Die Amerikaner machten ungefähr 500 Gefangene; ungefähr 100
-Engländer fielen. Der amerikanische Verlust belief sich nicht über 75
-Mann. Zwei Fahnen, zwei Geschütze, 35 Wagen, 300 Gewehre und 100 Pferde
-fielen in Morgans Hände. Die Geschütze waren bereits vorher genommen
-worden, einmal von Gates bei Saratoga und dann von Cornwallis bei
-Camden. Morgans Gefecht, das beinahe in der Wildnis geführt wurde, ist
-nach dem Orte Cowpens benannt worden, einem Orte, wo die Einwohner
-dieses Landstriches ihr Vieh zusammentrieben und einsalzten.
-
-Bald nach diesem Siege wurde General Morgan von Rheumatismus befallen
-und gezwungen, den Abschied zu nehmen.
-
-Nicht viele, die im Revolutionskriege gedient haben, haben ihrem Lande
-bessere Dienste geleistet wie er. Es wird eine Geschichte erzählt, dass
-er sich bei Winchester in dem Thal von Virginia ein Haus baute, und zwar
-aus Steinen, welche die hessischen Gefangenen meilenweit auf ihren
-Schultern hergeholt haben sollen. Diese Geschichte ist nicht unmöglich,
-ich habe sie aber in keiner deutschen Quelle bestätigt gefunden.
-
-Cornwallis war enttäuscht, aber nicht mutlos gemacht durch die
-Niederlage seines fähigsten Unterführers und beinahe eines Drittels
-seiner Soldaten. Am Tage nach dem Gefecht bei Cowpens vereinigte sich
-Leslies Division mit ihm. In wenigen Tagen marschierte er durch
-Nord-Carolina, indem sich Greene vor ihm zurückzog. Letzterer wurde über
-die Grenzen des Staates und über den Dan River gedrängt. Cornwallis
-liess an die Tories eine Aufforderung ergehen, sich zu erheben; diese
-zeigten sich auch dazu geneigt, eine Abteilung von ihnen wurde aber von
-einer Übermacht unter Henry Lee und Pickens angegriffen und zerstreut,
-während die andern entmutigt sich wieder nach Hause begaben.
-
-Schliesslich erhielt General Greene Verstärkungen, ging wieder vor bis
-nach Guildfield Court House in Nord-Carolina und bereitete sich zur
-Schlacht vor. Seine Armee bestand aus 1651 Continentals und über 2000
-Milizen. Lord Cornwallis befehligte 1875 Veteranen. Am 15. März 1781
-entwickelte Greene seine Armee in drei Linien. Die vorderste war aus
-Nord-Carolina-Milizen zusammengesetzt und in einem Wald hinter einem
-Gatter aufgestellt. Ein Teil dieser Linie stand an dem Rande eines
-ausgerodeten Stück Landes. Der linke Flügel derselben hatte als
-Unterstützung eine Abteilung von Schützen unter Oberstlieutenant Henry
-Lee und Oberst Campbell. Greenes zweite Linie, 300 Yards hinter der
-ersten, bestand aus Virginia-Milizen. Sie standen in dichtem Walde. Die
-dritte Linie war aus allen Continentals der Armee zusammengesetzt.
-Dieser Streitmacht gegenüber liess Lord Cornwallis nach einem
-Avantgarden-Geplänkel seine Armee in zwei Divisionen aufmarschieren. Den
-linken Flügel kommandierte Oberstlieutenant Webster, den rechten
-Brigade-General Leslie. Der rechte Flügel stiess zuerst auf die
-Nord-Carolina-Miliz, die bei dessen Annäherung zurückwich. Lee und
-Campbell mit ihren Schützen hielten tapfer aus. Die Briten gingen gegen
-die Virginia-Miliz vor. Die Engländer waren nun auf ihrer ganzen Front
-engagiert, und die Virginier verteidigten sich so tapfer, dass Lord
-Cornwallis genötigt war, seine Reserven heranzuholen. Die zweite Linie
-der Amerikaner wurde alsdann zurückgedrängt, und die Briten drangen
-weiter vor gegen die Continentals. Hierbei kamen die Engländer in dem
-dichten Wald in ziemliche Unordnung. Oberstlieutenant Webster mit seiner
-Brigade stiess zuerst auf die Continentals. Da er aber zu übereilt
-vorgegangen war, so wurde er zurückgeworfen bis hinter einen Ravin. Das
-zweite Maryland-Regiment jedoch war durch einen Angriff des zweiten
-Bataillons der englischen Garde durchbrochen worden; zwei 6-Pfünder
-wurden genommen. Das erste Maryland-Regiment und Oberst Washingtons
-Kavallerie attackierten die Garden, warfen sie zurück und nahmen die
-Geschütze wieder. Darauf feuerte Lieutenant Macleod von der britischen
-Artillerie mit zwei 3-Pfündern auf Freund und Feind. Washingtons
-Dragoner wurden geworfen. Webster ging wieder vor, unterstützt von einem
-Teil von Leslies Division, und General Greene trat mit seiner Armee den
-Rückzug an, indem er seine Geschütze, deren Pferde gefallen waren, im
-Stich lassen musste.
-
-Von den Hessen waren ein Jäger-Detachement und das Regiment von Bose an
-diesem Kampfe beteiligt. Dies Regiment stand auf dem rechten Flügel. Es
-stand während des ganzen Gefechts den Schützen unter Lee und Campbell
-gegenüber, die es mit grossem Ungestüm in Front und Rücken angriffen.
-Das Regiment hielt sich mit grosser Tapferkeit in seiner Stellung, und
-diente dem ersten Bataillon der englischen Garde, welches in Unordnung
-hatte zurückgehen müssen, als Aufnahme und Rückhalt. Eelking und
-Bancroft sprechen dem hessischen Regiment einen entscheidenden Anteil an
-dem Siege zu. Ein so bedeutender Anteil kann ihm kaum zugestanden
-werden, indessen verdienten die Soldaten und ihr Führer Oberstlieutenant
-du Puy vollkommen die ehrenvolle Erwähnung, die ihnen in dem Tagesbefehl
-von Lord Cornwallis zu Teil wurde.
-
-Das ganze Gefecht dauerte ungefähr zwei Stunden. Der ganze Verlust der
-Briten betrug 532 Mann, von denen 80 auf das Regiment von Bose kamen.
-
-Cornwallis Armee war durch diesen Sieg so zusammengeschmolzen, dass er
-gezwungen war, über die Grenzen Virginiens nach Wilmington zu
-marschieren, um ihr eine Rast zu verschaffen; die Schwerverwundeten
-musste er zurücklassen.
-
-Nachdem sich Lord Cornwallis bis zur Küste zurückgezogen hatte, wurde
-Greene Herr über die Staaten Nord- und Süd-Carolina. Vor Mitte September
-hatten die Amerikaner drei Schlachten verloren und drei Provinzen
-gewonnen. Nacheinander bei Camden, Ninety-six und Eutaw-Springs
-geschlagen, nahm Greene und die Parteigänger, die mit ihm cooperierten,
-eine Anzahl kleiner Posten durch Belagerung oder Sturm, führte die
-Kapitulation von Augusta und den Entsatz von Camden und Ninety-six
-herbei. Im Herbst 1781 hatten die Briten von den drei südlichsten
-Staaten nichts mehr im Besitz mit Ausnahme von Savannah, Charleston und
-Wilmington.
-
-Am 10. Dezember 1780 segelte Benedict Arnold, der nunmehr britischer
-Brigade-General war, an der Spitze von ungefähr 600 Mann,
-einschliesslich 100 hessische Jäger unter Kapitain Ewald, von New-York
-ab. Arnold erreichte den James-River Anfang Januar 1781. Dort stand ihm
-nichts als eine kleine Schaar Milizen unter Baron Steuben entgegen.
-Arnold steckte die Stadt Richmond mit ihren Vorräten an Tabak in Brand
-und zog sich wieder nach Portsmouth an der Mündung des James zurück.
-Nicht lange nachher gaben die Jäger einen neuen Beweis ihrer Tapferkeit.
-Am 19. März 1781 ging General Lafayette mit einer Abteilung von etwa 500
-Mann gegen die englische Stellung vor, zersprengte ein Picket von den
-Jägern und nahm es zum Teil gefangen und näherte sich der Stellung, die
-von Kapitain Ewald besetzt war. Diese war zuerst von einem
-Unteroffizier und 16 Mann gehalten worden. Der Kapitain und 19 Mann
-nahten eilig zu ihrer Unterstützung heran. Die Amerikaner mussten über
-einen schmalen Deich avancieren, der einige 30 Schritte lang war, und
-auf dem sie dicht gedrängt vorgingen. Jeder Schuss musste treffen,
-sodass neunundzwanzig totgeschossen oder verwundet wurden. Die Jäger
-verloren nur zwei Mann, und Lafayette musste sich zurückziehen. »Man
-muss nur bei solchen Gelegenheiten,« sagt Ewald, »die Hacken an den
-Stiefeln fest in die Erde schrauben und an kein Weichen denken, dann
-wird man selten Gegner finden, die uns aus solch einer Stellung
-herauswerfen.« Ewald war in diesem Gefecht am Knie verwundet worden.
-Eelking berichtet, dass Arnold nach demselben den Kapitain besucht habe.
-Ewald machte dem General Vorwürfe, dass er die Jäger nicht unterstützt
-hätte. Arnold erwiderte, er habe die Stellung für verloren gehalten. »So
-lange noch ein Jäger am Leben ist,« rief der Kapitain wütend aus, »soll
-kein -- Amerikaner über den Deich kommen.« Arnold, der sich noch als
-Amerikaner betrachtete, nahm dies übel und zeigte es dadurch, dass er es
-unterliess, das gute Verhalten der Jäger in dem Tagesbefehl zu erwähnen.
-Ewald beklagte sich hierüber bei Arnolds Adjutanten, worauf der General
-sich am folgenden Tage bei ihm entschuldigte und die Erwähnung
-nachträglich erfolgen liess. Inzwischen war Lafayette mit 1200
-Continentals nach Virginien beordert worden. Der junge General brach
-sofort mit einem Teil seiner Streitkräfte auf und liess Wayne mit dem
-Rest folgen. Zehn französische Kriegsschiffe sollten mit dem Marquis
-gemeinsam operieren. Diese trafen am 16. März unweit der Kaps von
-Virginien auf das englische Geschwader. Nach einem Gefecht von zwei
-Stunden segelte die französische Flotte nach Newport zurück, während die
-englische sich nach der Chesapeake-Bay begab. Die Verteidigung von
-Virginien hatte man ausschliesslich den Landtruppen überlassen müssen,
-diese zeigten sich aber dieser Aufgabe nicht gewachsen.
-
-Am 19. März segelte Generalmajor Phillips, derselbe, welcher bei
-Saratoga mit Burgoyne zusammen gefangen genommen worden war, von
-New-York, um das Kommando über die englischen Truppen in Virginien zu
-übernehmen. Er nahm 2000 Mann Verstärkungen mit, und beinahe dieselbe
-Zahl folgte sechs Wochen später. General Phillips machte bald nach
-seiner Ankunft einen Vorstoss von Portsmouth aus den James River hinauf,
-plünderte und steckte alles in Brand auf beiden Ufern, liess die Neger
-wegtransportieren und nach West-Indien verschiffen, zerstörte unter den
-Augen von Lafayette, der auf der Nordseite des Flusses geblieben war,
-die Magazine und setzte sich am 9. Mai in den Besitz von Petersburg, wo
-sich seine Armee mit der von Lord Cornwallis, die von Wilmington im
-Anmarsch war, vereinigen sollte. Vier Tage später starb General Phillips
-an einem heftigen Fieber und Arnold hatte wieder die Führung über die
-Armee. Am 20. jedoch traf Lord Cornwallis in Petersburg ein und sandte
-kurz darauf den Verräter nach New-York zurück.
-
-Cornwallis brach am 24. Mai von Petersburg auf, ging 25 Meilen unterhalb
-Richmond über den James River und war am 1. Juni bei Cooks Ford am North
-Anna-River in der Nähe von Hanover Court House. Von da schickte er
-Tarleton nach Charlottesville, wo der Landtag von Virginien seine
-Sitzungen abhielt. Tarleton sprengte den Landtag auseinander und nahm
-einige der Mitglieder gefangen. Inzwischen war Simcoe entsandt worden,
-um einige Magazine und Vorräte bei Point of Fork, wo der Rivanna-River
-sich in den James ergiesst, zu zerstören resp. in Besitz zu nehmen. Er
-nahm wahr, dass die Vorräte, die von General Steuben bewacht wurden,
-sich auf der Südseite des James River befanden. Es gab dort keine Furt,
-und Simcoe hatte nur einige kleine Boote. Er nahm deshalb seine
-Zuflucht zu einer Kriegslist. Indem er seine 400 Mann, die er halb
-zeigte, halb verborgen hielt, in einer langen Linie entwickelte, machte
-er Steuben glauben, dass sein Detachement die Avantgarde von Cornwallis
-Hauptarmee wäre. Und Steuben, der sich nicht überlegte, dass mit so
-wenig Kähnen zum Übersetzen eine ganze Armee kaum gefährlicher war als
-ein Detachement, zog sich unter Zurücklassung eines Teils seiner Vorräte
-zurück. 24 Mann wurden darauf über den Fluss gesetzt, und, während die
-Hälfte davon die Vorräte zerstörten, hielt der Rest Wache, ohne dass sie
-im mindesten gestört wurden.
-
-Lafayette ging nach Norden bis zum Rappahannock zurück, wo Wayne ihm
-Verstärkungen zuführte. Der Marquis wandte sich darauf in Eilmärschen
-nach Süden und Westen und postierte sich zwischen die britische Armee
-und die Vorräte des westlichen Teils des Staates. Er war jedoch noch zu
-schwach, um eine Schlacht wagen zu können. Cornwallis unternahm nichts
-gegen ihn, sondern wandte sich am 15. Juni der Küste zu. Dies gab
-Lafayette einen unstreitigen Vorteil. Er folgte Cornwallis in
-respektvoller Entfernung auf seinem Marsche. Die Armee unter Lafayette
-zählte zu jener Zeit 4500 Mann, von denen nur 1505 Reguläre waren.
-
-Es fanden auf diesem Rückmarsch nur zwei Gefechte statt; das eine am 26.
-Juni. Eine Abteilung unter Simcoe und Ewald, die die Arrieregarde der
-britischen Armee bildete, wurde von einem Detachement der Division Wayne
-angegriffen und teilweise überrascht. Die Briten und Hessen hatten gegen
-Mittag nicht weit von Williamsburg eine Rast gemacht, als die Amerikaner
-eine heftige Attacke auf sie unternahmen. Die Kavallerie jedoch war
-schnell aufgesessen, die Jäger an den Gewehren, und die Amerikaner
-wurden zurückgeschlagen mit einem Verlust von 30 oder 40 Mann auf beiden
-Seiten.
-
-[Illustration: YORKTOWN. 1781.
-
-A. Redoute, von den Franzosen genommen.
-
-B. Redoute, von den Amerikanern genommen.]
-
-In Williamsburg erhielt Lord Cornwallis den Befehl, 3000 Mann nach
-New-York zurückzusenden, welches Clinton durch die vereinigte Armee der
-Franzosen und Vereinigten Staaten bedroht glaubte. Um diesen Befehl zur
-Ausführung zu bringen, setzte Cornwallis seinen Marsch auf Portsmouth
-fort. Am 4. Juli verliess er sein Lager bei Williamsburg und marschierte
-nach Jamestown in der Absicht, den James-River zu überschreiten. Die
-Rangers unter Simcoe und die Jäger unter Ewald gingen in derselben Nacht
-über. Ein Teil der Baggage wurde am folgenden Tage übergesetzt. Am 6.
-Juli blieb Cornwallis mit der Armee in Jamestown, wo der General die
-Nachricht erhielt, dass Lafayette im Anmarsch sei, um ihn anzugreifen.
-Dies war, was Cornwallis wollte, denn er hatte eine günstige Stellung
-und eine viel grössere Zahl von regulären Truppen als Lafayette.
-
-Am Nachmittag des 6. Juli ging Lafayette vor, war aber noch im Unklaren
-darüber, ob die Hauptarmee von Lord Cornwallis oder nur seine
-Arriere-Garde auf dem linken Ufer des James wäre. Die Amerikaner gingen
-vorsichtig vor. Wayne griff mit ungefähr 500 Mann an. Die britischen
-Pickets hatten Befehl erhalten, hartnäckigen Widerstand zu leisten und
-sich dann zurückzuziehen. Ermutigt hierdurch, entwickelte Wayne auch den
-Rest seiner Brigade, sodass er mehr als 1000 Mann in Thätigkeit gesetzt
-hatte. Die übrigen Continentals der Armee folgten als Reserve. Es schien
-nunmehr Cornwallis der Augenblick zum Schlagen gekommen zu sein. Seine
-Armee war in zwei Treffen aufmarschiert. Das erste bestand aus ungefähr
-2500 Mann, das zweite, zu dem das Regiment von Bose gehörte, war etwa
-1000 Mann stark. Wayne und Lafayette merkten den Fehler, den sie
-begangen hatten und sahen, dass er am besten durch ein kühnes Wagnis
-wieder gut gemacht werden könnte. Wayne ging mit seiner Brigade vor.
-Dies brachte die Briten zum Stehen. Die feindlichen Reihen standen sich
-nur ungefähr 70 Yards gegenüber, und unterhielten gegenseitig ein
-fünfzehn Minuten langes heftiges Feuer. Da aber nunmehr die Briten
-anfingen die Amerikaner in der Flanke zu fassen, gingen letztere zurück.
-Zwei Geschütze, die den Braunschweigern bei Bennington abgenommen worden
-waren, mussten sie, da die Pferde totgeschossen waren, im Stich lassen.
-Der Verlust der Amerikaner wird auf 139 angegeben, der der Briten auf 75
-Mann.
-
-Nachdem Cornwallis in Portsmouth angekommen war, erhielt er Gegenbefehl
-und machte mit seiner ganzen Armee Halt. Er sollte Old Point Comfort
-besetzen und verteidigungsfähig einrichten, ebenso, wenn er es für
-ratsam hielte, einen andern Ort auf der Halbinsel, der sich als
-Marine-Station eignete. Nachdem sich aber die Ingenieure gegen Old Point
-Comfort ausgesprochen hatten, besetzte Cornwallis in der ersten Woche
-des August Yorktown und das gegenüber gelegene kleine Dorf Gloucester.
-Hier sammelte er schnell seine ganze Streitmacht und machte sich eilig
-daran, seine Stellung zur Verteidigung einzurichten, während Lafayette
-sich abwartend verhielt und ihn beobachtete.
-
-Gerade zu dieser Zeit war Washington benachrichtigt worden, dass die
-französische Flotte unter Count de Grasse sich anschickte, an den
-Operationen bei der Chesapeake Bay Anteil zu nehmen. Schnell und im
-Geheimen wurden Vorbereitungen getroffen, die amerikanische und
-französische Armee von New-York nach Virginien zu dirigieren. Wir haben
-gesehen, dass bereits am 18. August nach der City von New-York die
-Nachricht gekommen war, dass die Verbündeten im Begriff wären, den
-North-River zu überschreiten. Aus Mangel an Booten hatte diese Operation
-eine Woche gedauert. Sir Henry Clinton war aber, obwohl er von
-Washingtons Plan Kenntnis erhalten hatte, immer noch in der Idee
-befangen, als ob ein Angriff auf Staten Island beabsichtigt sei. Es
-dauerte bis zum 29., bis er über seinen Irrtum aufgeklärt wurde. Unter
-Zurücklassung von 4000 Mann unter General Heath zum Schutz des
-Hochlands, gingen Washington und Rochambeau in Eilmärschen gegen
-Cornwallis vor.
-
-Die verbündete Armee, die durch New-Jersey marschierte und von der das
-Schicksal des Krieges abhing, war sehr schwach. Sie bestand aus 4000
-Franzosen und 2000 Amerikanern. Nachdem Philadelphia passiert war, kam
-sie am 6. und 8. September 1781 in Head of Elk an. Der Count de Grasse
-war bereits mit 24 Schiffen in der Chesapeake Bay angekommen; er führte
-1700 Geschütze und 19 000 Seeleute mit sich. Ihm stellte sich am 5.
-September Admiral Graves mit einer geringern Streitmacht gegenüber. Die
-Schlacht dauerte zwei Stunden. Die Engländer gerieten, obwohl nicht
-vollkommen geschlagen, in einen Zustand, der sie zu jeder weitern
-Unternehmung gegen die Franzosen unfähig machte. Nach vier Tagen
-segelten sie unter Überlassung der Chesapeake Bay an de Grasse, nach
-New-York.
-
-Die Franzosen und Amerikaner, die von New-York gekommen waren,
-marschierten die Bay hinunter und vereinigten sich mit dem Korps von
-Lafayette und den französischen Truppen, die de Grasse gebracht hatte.
-Die vereinigte Armee bei Williamsburg bestand am 27. September 1781 aus
-ungefähr 7000 Franzosen, 5500 Continentals und 3500 virginischen
-Milizen. In den Reihen der Continentals waren Kompagnien von allen
-Staaten nördlich von Karolina. Die englische Armee in Yorktown war etwa
-7000 Mann stark. Von diesen gehörten nicht ganz 1100 dem Markgrafen von
-Anspach-Bayreuth, etwas mehr als 850 dem Landgrafen von Hessen-Cassel
-und der Rest, etwa 5000 Mann, dem König von Grossbritannien, welchem die
-ganze Armee Gehorsam gelobt hatte. Ungefähr 800 Seeleute fochten auf
-jeder Seite während der Belagerung. Die französische Flotte befand sich
-ausser Thätigkeit, dagegen waren die englischen Schiffe aktiv beteiligt.
-
-Yorktown bot keine starke Stellung; seine Verteidigung bestand nur aus
-Feldschanzen. Am 30. September 1781 gaben die Briten, vielleicht zu
-frühzeitig, ihre äussere Verteidigungslinie auf. In der Nacht zum 6.
-Oktober wurde die erste Parallele eröffnet. Am Nachmittag des 9. begann
-das Feuer aus der Parallele, und von da ab bis zum Ende der Belagerung
-dauerte die Kanonade beinahe ununterbrochen fort.
-
-Das erste Zusammentreffen, das stattfand, war ein Scharmützel an der
-Gloucester-Seite des Flusses, wo Simcoes Rangers, Tarletons Dragoner,
-Ewalds Jäger und ein englisches Regiment aufgestellt waren. Ihnen
-gegenüber standen mehr als 1000 Franzosen unter Choisy und de Lauzun und
-12 oder 1500 Milizen unter General Weedon. Tarleton und Simcoe hatten
-den Gebrauch der Karabiner bei ihrer Kavallerie verboten, und dies trug
-zu ihrer Niederlage bei. Am Morgen des 3. Oktober war Lauzun gemeldet
-worden, dass ausserhalb der Werke von Gloucester englische Dragoner
-ständen. Beim Vorgehen zu einer Rekognoszierung sah er eine hübsche Frau
-an der Thüre eines Hauses stehen, das am Wege lag. Lauzun müsste nicht
-Lauzun gewesen sein, wenn er vorübergegangen wäre, ohne sie anzureden.
-Sie teilte ihm mit, dass Tarleton eben bei ihr im Hause gewesen wäre,
-und den dringenden Wunsch geäussert hätte, »sich die Hand mit dem
-französischen Führer zu reichen«. »Ich versicherte ihr,« sagt Lauzun,
-»dass ich zu dem Zweck gekommen wäre, um ihm diese Befriedigung zu
-gewähren. Sie bedauerte mich sehr, indem sie, wie ich glaube, aus
-Erfahrung annahm, dass es unmöglich wäre, Tarleton Widerstand zu
-leisten.«
-
-Alsbald stiessen die französischen und englischen Dragoner aufeinander.
-Tarleton erhob seine Pistole und ging auf Lauzun los. Ein Zweikampf
-sollte beginnen, als Tarleton mit dem Pferde stürzte. Englische Dragoner
-halfen ihrem Obersten sich in Sicherheit zu bringen, aber sein Pferd
-fiel Lauzun in die Hände.
-
-Der 10. Oktober hatte eine tapfere That aufzuweisen. Major Cochrane
-hatte New-York in einem Walfischboot mit Depeschen für Lord Cornwallis
-verlassen. Er langte in der Chesapeake Bay bei hellem Tage an, lief
-Spiessruthen zwischen der französischen Flotte, die ihn lebhaft
-beschoss, und erreichte glücklich Yorktown. Dieser tapfere Mann sollte
-jedoch zum letzten Male solches Glück erlebt haben. Zwei Tage nach
-seiner Ankunft richtete er ein Geschütz mit eigener Hand. Als er über
-die Brustwehr sah, um die Wirkung seines Schusses zu beobachten, wurde
-ihm von einer Kanonenkugel der Kopf weggerissen. Lord Cornwallis stand
-dicht an seiner Seite und entging mit genauer Not demselben Schicksale.
-
-In der Nacht zum 11. Oktober wurde die zweite Parallele eröffnet. Zwei
-Redouten, gegenüber dem rechten Flügel der Stellung der Verbündeten,
-lagen in der Verlängerung dieser Parallele. Sie mussten deshalb
-notgedrungen genommen werden. Die grössere sollten die Franzosen
-stürmen; dieselbe war zum Teil mit Deutschen besetzt. Die Franzosen
-unter Befehl von Baron de Vioménil, wurden entdeckt und auf 120 Schritte
-mit Feuer empfangen. Es verging einige Zeit, bis ein Zugang zur Schanze
-hergestellt war, und als dieser passiert werden konnte, wurde der Sturm
-unternommen. 92 Franzosen fielen oder wurden verwundet bei diesem
-Angriff, der feindliche Verlust betrug 15 Tote und 50 Gefangene. Die
-kleinere Redoute wurde durch die Amerikaner genommen; sie wurde durch
-Herstellung eines Zuganges weniger aufgehalten, daher war ihr Erfolg
-schneller und mit geringeren Opfern erkämpft. 9 Mann von der Kolonne
-fielen, 31 wurden verwundet, darunter 5 Offiziere.
-
-In der Frühe des 16. Oktober wurde ein Ausfall gegen die zweite
-Parallele gemacht. Einige Augenblicke war er von Erfolg, einige Kanonen
-wurden vernagelt, aber die Briten wurden durch den Angriff der
-französischen Grenadiere alsbald wieder zurückgetrieben, und die
-Kanonen in einigen Stunden wieder gebrauchsfähig gemacht. In der
-folgenden Nacht machte Cornwallis den Versuch, seine Armee über den York
-River übersetzen zu lassen in der Absicht, zu versuchen, nach Virginien
-zu marschieren. Heftiger Wind und Regensturm, welcher alle Boote den
-Fluss hinuntertrieb, verhinderte ihn jedoch, diesen Plan zur Ausführung
-zu bringen, und die Truppen, welche bereits nach Gloucester übergesetzt
-waren, wurden am nächsten Morgen zurückgebracht, so dass die dortige
-Garnison ihre alte Stärke behielt.
-
-Die britische Artillerie war nunmehr vollkommen zum Schweigen gebracht
-und Cornwallis sah ein, dass er nicht länger aushalten konnte. Am 17.
-Oktober 1781 wurden die Verhandlungen eröffnet und am 19. die
-Kapitulation unterzeichnet und zwar unter Bedingungen, wie sie der
-Hauptsache nach General Lincoln in Charleston im vergangenen Jahr
-bewilligt waren. Am Nachmittag desselben Tages marschierten die Briten
-und Deutschen mit verhüllten Fahnen aus ihren Befestigungswerken, ihre
-Musikkorps den alten englischen Marsch spielend: »The World Turned
-Upside Down.«
-
-
-
-
-Kapitel XXIV.
-
-Schluss.
-
-
-Cornwallis Übergabe von Yorktown entschied das Schicksal des
-Revolutions-Krieges. Die Armeen ruhten während des Winters, und im
-Frühjahr 1782 kehrten die Generale Clinton und von Knyphausen nach
-Europa zurück. Sir Guy Carleton erhielt das Kommando in New-York,
-General-Lieutenant von Lossberg wurde Führer der hessischen Division. Am
-14. Dezember 1782 wurde Charleston geräumt, und am 25. November 1783,
-zwei Jahre nach dem Falle von Yorktown, segelten die letzten Hessen die
-Bai von New-York hinunter. »Ungefähr um zwei Uhr nachmittags lichteten
-wir die Anker,« sagt das Journal des Jäger-Korps, »und als die Flotte
-hinunter nach Staten Island segelte, sahen wir, wie auf mehreren Häusern
-die amerikanische Flagge gehisst wurde. Keine war indessen auf Fort
-George zu sehen. Bei Sonnenuntergang passierten wir Sandy-Hook, und als
-die Nacht hereinbrach, verschwand das Land vor unsern Augen.«
-
-Die Stärke der deutschen Hilfstruppen, welche England in Amerika von
-1776-1783 verwendete, belief sich im Durchschnitt auf nahezu 20 000
-Mann. Im Laufe der Zeit waren ungefähr 30 000 Soldaten herübergebracht
-worden, und 17 313 kehrten nach Deutschland zurück, als der Krieg
-beendet war.
-
-Für die Dienste dieser Truppen bezahlte England an Subsidien an die
-Fürsten mehr als 1 770 000 Pfund Sterling. Dies kam hinzu zu der Löhnung
-der Soldaten und zu allen Ausgaben, ausgenommen der für die Aushebung
-und Bekleidung und Ausrüstung.
-
-Es kann daher keine Frage sein, dass für eine so bedeutende Geldsumme
-Gross-Britannien ausgezeichnete Soldaten erhielt. Es ist richtig, dass
-die Deutschen mehrmals mit Unglück gefochten haben, wenn sie allein und
-ohne Gemeinschaft mit englischen Truppen dem Feinde gegenüber standen.
-Breymanns Braunschweigern wurde es bei Bennington nicht möglich, mit
-einiger Schnelligkeit vorwärts zu kommen, aber die ganze Armee Burgoynes
-war sehr langsam in ihren Bewegungen. Dieser General spricht in einem
-Privatbrief über die Deutschen bei Saratoga »als entmutigt und bereit,
-beim ersten Schuss ihre Waffen wegzuwerfen«. Und doch hatten sie im
-ersten Teil der Kampagne mit Tapferkeit gefochten und hervorragende
-Dienste geleistet, sowohl bei Hubbardton als bei Freemans Farm. Bei
-Saratoga waren die braunschweigischen Regimenter am meisten exponiert
-auf der ganzen Linie gewesen. Wenden wir uns nun zu dem Kriege in den
-mittleren Staaten, so sehen wir, wie die Hessen den Hauptanteil haben
-und mit grosser Tapferkeit bei White Plains und Fort Washington kämpfen.
-Wir sehen sie, durch den Erfolg zu vertrauensselig gemacht, bei Trenton
-überrascht und bei Red Bank geschlagen. Bei der erstem Affaire wurden
-sie in Unordnung zurückgeworfen, ihr Führer getötet, und »die Leute
-hielten nirgends Stand«. Bei der letzteren Gelegenheit fochten sie mit
-Verzweiflung und verloren 371 Offiziere und Leute von einer Stärke, die
-kaum 2500 Mann überstieg. Es würde uns zu weit führen, wenn wir genau
-die Aktionen betrachten wollten, bei denen die Deutschen nicht den
-Hauptteil der Streitkräfte des Königs ausmachten, aber ich glaube, man
-würde finden, dass nur bei wenigen Gelegenheiten während des Feldzuges
-die hessischen Soldaten Mangel an Mut oder Disziplin zeigten. Eine
-Schwierigkeit war unvermeidlich bei dem Gebrauch von Truppen
-verschiedener Nationalitäten. Eifersucht und Feindschaft entstand
-zwischen Offizieren sowohl wie Soldaten. Wir haben gesehen, dass Heister
-abberufen wurde, weil er sich nicht mit Sir William Howe auf guten Fuss
-stellen konnte, und wie Riedesel sich durch Burgoyne verletzt fühlte.
-Die Briten wurden obendrein beschuldigt, bei Auswechselung der
-Gefangenen nicht unparteiisch gehandelt zu haben; sie hätten ihre
-eigenen Offiziere ausgewechselt, während sie die hessischen Offiziere in
-Gefangenschaft belassen hätten. Riedesel ging so weit, in dieser
-Angelegenheit an Washington zu schreiben, wurde aber von diesem
-höflichst darauf aufmerksam gemacht, dass dies eine Sache wäre, auf die
-er keinen Einfluss hätte.
-
-Wir können mit Bestimmtheit annehmen, dass die Eifersucht zwischen den
-höhern Offizieren von den Untergebenen geteilt wurde. In einem Brief aus
-Brookland (Brooklyn), datiert den 7. September 1776, schreibt ein
-hessischer Kaplan: »Unsere lieben Hessen lernten ihr schweres Dasein
-ertragen, und ich bemühte mich in meinen Gebeten und Predigten sie in
-ihrem christlichen Heldenmut zu bestärken. Die Langsamkeit der
-englischen Generale machte sie unmutig, aber noch mehr die stolzen und
-beleidigenden Blicke, welche die Engländer auf die Deutschen warfen.
-Dies führte oft zu blutigen Scenen. Ein Unteroffizier, zu dem ein
-Engländer bei einem gemeinschaftlichen Trunk sagte: »-- -- Du Franzose,
-Du nimmst unsern Sold«, antwortete ruhig: »Ich bin ein Deutscher und Du
-bist ein --.« Beide zogen blank, und der Engländer wurde so schwer
-verwundet, dass er starb. Der gute Deutsche wurde nicht nur durch den
-englischen General begnadigt, sondern es wurden auch Befehle gegeben,
-dass die Engländer die Deutschen wie Brüder behandeln sollten. Alles
-dies geschieht, seitdem unsere gelehrigen Deutschen ein wenig Englisch
-gelernt haben.
-
-Es darf indessen nicht zu viel Gewicht auf solche Geschichten gelegt
-werden, von denen viele zweifellos in Amerika während des Krieges
-Verbreitung fanden. »Es ist erstaunlich,« schreibt Ewald viele Jahre
-später, »was für einen Unsinn Deserteure oft erzählten, nur ihren neuen
-Freunden zu Gefallen, um dadurch eine gute Aufnahme zu erlangen. Nachdem
-ich in Yorktown in Gefangenschaft gekommen war und die Bekanntschaft von
-mehreren französischen Offizieren gemacht hatte, fragte mich ein
-französischer General, der damals Chef des Regiments de Deux Ponts war,
-im Vertrauen, ob die Hessen mit dem englischen Dienst nicht sehr
-unzufrieden wären, da es doch für sie sehr hart gewesen wäre, immer bei
-den gewagtesten Unternehmungen verwendet worden zu sein; dass sie oft
-unnötig geopfert wären; dass sie immer die schlechtesten Quartiere und
-die schlechteste Verpflegung bekommen hätten; dass sie ungenügend
-bezahlt worden wären und an allen Dingen Mangel gelitten hätten. Über
-diese Geschichte musste ich lachen und versicherte ihn, dass kein wahres
-Wort daran sei, gerade das Gegenteil sei der Fall gewesen. Dies setzte
-den General sehr in Erstaunen, denn jeder Deserteur hätte ihn
-versichert, dass dies so gewesen wäre.«
-
-Es ist mehrfach behauptet worden, dass die deutschen Soldaten in Amerika
-in grosser Zahl desertiert seien. Diese Behauptung ist nur zum Teil
-durch Thatsachen erwiesen worden. In der Zeit, als die ersten Hessen in
-Staten-Island ankamen, liess der Kongress Flugblätter, die sie zur
-Desertion aufforderten, unter ihnen verteilen. Washington betrieb einige
-Tage nach ihrer Landung sehr eifrig die Agitation mit diesen
-Flugblättern. Die darin gemachten Versprechungen wurden von Zeit zu Zeit
-erneuert. Eine Proklamation, datiert vom 29. April 1778, verspricht
-fünfzig Acker Land jedem Soldaten, der übergeht, und jeder Hauptmann,
-der vierzig Mann mitbringen würde, sollte achthundert Acker Wald, vier
-Ochsen, einen Bullen, zwei Kühe und vier Schweine bekommen. Die
-Deserteure sollten nicht gezwungen werden, auf amerikanischer Seite zu
-fechten, sondern sich sofort an die Bebauung ihrer Güter begeben.
-Diejenigen Offiziere indessen, die sich in die Armee der Vereinigten
-Staaten einreihen lassen würden, sollten einen Rang höher bekommen als
-den, den sie in ihrer frühern Armee bekleidet hatten, und bei Korps
-Verwendung finden, die nur aus Deutschen gebildet und die
-ausschliesslich zum Grenz- und Garnison-Dienst gebraucht würden. Diese
-Versprechungen waren nicht ganz ohne Erfolg. Im August 1778 kamen zwei
-hessische Lieutenants in das Lager Washingtons; sie sprachen die
-Möglichkeit aus, dass ihnen andere Offiziere nachfolgen würden. Dies
-verwirklichte sich jedoch nicht. Ewald behauptet, dass kein anderer
-geborener hessischer Offizier desertiert sei, ich habe aber Grund
-anzunehmen, dass einige Offiziere der kleineren deutschen Staaten
-übergegangen sind.
-
-Selbst unter den Gemeinen war die Desertion geringer, als man erwartet
-haben mochte. Sie war verhältnismässig gross unter den Kriegsgefangenen.
-Die Armee, die sich im Oktober 1777 bei Saratoga ergab, war 5791 Mann
-stark, von denen 2431 Deutsche waren. Von diesen waren bis zum 1. April
-1778 655 Engländer und 160 Deutsche desertiert. Es ist kein Zweifel,
-dass fortgesetzt Anstrengungen gemacht wurden, diese und jene Gefangene
-zum Desertieren und zur Einreihung in die amerikanische Armee zu
-bewegen. Aber Washington billigte dies durchaus nicht. Am 27. Oktober
-1776 schreibt er an den Präsidenten des Kongresses: »In einem Brief von
-dem »Board of War« inbetreff der Auswechselung wird erwähnt, dass
-mehrere Gefangene, die wir gemacht hätten, eingereiht worden wären. Dies
-ist eine Maassregel, die nicht gutgeheissen werden kann, obwohl auf
-feindlicher Seite das Beispiel dazu gegeben worden ist; auch halte ich
-es aus politischen Rücksichten nicht für gut. Doch da es nun mal
-geschehen ist, so überlasse ich es dem Kongress, ihnen anzuempfehlen,
-zurückzukehren oder nicht, wie sie es für gut befinden.« Und noch
-einmal, am 30., spricht er dem Board of War dieselbe Ansicht aus, indem
-er hinzufügt: »Bevor ich die Ehre hatte, mit Ihnen über diese
-Angelegenheit zu verhandeln, war ich entschlossen, dem General Howe
-darüber Vorstellungen zu machen. Wegen der wenigen Leute, die bereits
-eingereiht sind, möchte ich nicht, dass sie wieder entlassen werden, da
-ich fürchte, dass sie bestraft werden, aber ich wünschte, dass diese
-Praxis in Zukunft aufgegeben würde.« In einem Brief vom 8. Oktober
-desselben Jahres war er noch weiter gegangen, indem er sagte, dass
-Handwerker und andere Gefangene, die zu bleiben wünschten, sollten
-veranlasst werden, zurückzukehren. Am 12. März 1778 sagt er, dass, wenn
-Gefangene von den Amerikanern eingereiht worden wären, dies ohne sein
-Wissen geschehen wäre. »Wir haben immer gegen General Howe die Anklage
-erhoben und thun es noch,« schreibt er, »dass er die Einreihung der in
-seiner Hand befindlichen Gefangenen entweder befohlen oder erlaubt
-hätte, eine gesetzwidrige Handlung, die ganz und gar dem Geist des
-Auswechselungsvertrages widerspräche.« Einige Tage später beruft er sich
-Pulaski gegenüber auf den Kongress. »Ich habe ihn darauf hingewiesen,«
-schreibt Washington, »dass die Einreihung von Gefangenen oder
-Deserteuren durch einen kürzlichen Kongressbeschluss verboten ist. Wie
-weit der Kongress geneigt sein möchte, eine Ausnahme zu machen und die
-Erlaubnis zur Annahme von Gefangenen in einzelnen detachierten Korps, in
-denen solche Leute mit weniger Gefahr als in der Linie Verwendung finden
-könnten, bin ich nicht in der Lage auszusprechen.«
-
-Es ist wahrscheinlich, dass Pulaski Deserteure angenommen hat, und es
-ist Thatsache, dass der sogenannte Chevalier Armand (in Wirklichkeit
-Marquis de la Rouerie) es gethan hat. Wiederhold sah, als er in Reading
-im Anfang des Jahres 1780 in Gefangenschaft war, zwei Schwadronen von
-Armands Korps durch die Stadt passieren. Er giebt an, dass das Korps 400
-Mann stark gewesen wäre und vollkommen aus deutschen Deserteuren
-bestanden hätte.
-
-Am 22. Mai 1778 fasste der Kongress den Beschluss, die Staaten
-anzuweisen, alle Deserteure und Gefangenen als vom Milizdienst befreit
-zu erklären und ihnen zu verbieten, als Stellvertreter in der Miliz zu
-dienen. Am 29. desselben Monats soll ein eigenartiger Vorfall im
-Cambridge passiert sein. Einige braunschweigische Offiziere fingen einen
-Deserteur ab, einen der Gefangenen von Prospect Hill. Er war im Begriff,
-sich nach Watertown davon zu machen, wo Oberst Armand eine
-Rekrutierungs-Station hatte. Der arme Teufel wurde zum Lager
-zurückbefördert, und da er der erste war, den man gefangen hatte, so
-sollte an ihm ein Exempel statuiert werden. Er wurde an einen Pfahl
-angebunden und bekam 300 Peitschenhiebe. Dann wurde ihm das Haar
-abgeschnitten und so stiess man ihn als ehrlos aus der Armee aus. Die
-Amerikaner sollen diesem Schauspiel ruhig zugesehen haben, sie hätten
-den Mann freundlich bei sich aufgenommen und im Triumph von dannen
-geführt. Eelking schenkt dieser Geschichte keinen Glauben, und wir
-wollen hoffen, dass sie nicht wahr ist. Jedenfalls erwies sich die
-Bestrafung, wenn sie wirklich stattgefunden hat, als wenig effektvoll,
-denn im Laufe der nächsten fünf Monate desertierten einige fünfzig
-Braunschweiger, auch war der Verlust an Menschen infolge von Desertion
-auf dem Marsche nach Virginia sehr bedeutend.
-
-Einige der Desertionen unter den Gefangenen waren nur scheinbar. Die
-deutschen Gefangenen verliessen ihre traurigen Hütten, auf die sie
-angewiesen waren, und wanderten fort, in der Hoffnung, New-York oder
-eine der britischen Armeen zu erreichen. Am 18. Mai 1779 schreibt
-Gouverneur Clinton an Washington über »einen Alarm an der Grenze von
-Ulster County, der durch das Erscheinen von etwa 100 Indianern und
-Tories veranlasst worden war. Dort vereinigten sie sich mit 27 Tories
-vom Ostufer des Hudson-River, meistens hessische Deserteure von den
-Konventions-Truppen. Die plötzliche Versammlung der Miliz schreckte sie
-vor weiterem Vordringen in das Land ab und verhütete, dass sie
-materiellen Schaden anrichteten«. Und im Februar 1781 schrieb General
-Greene, dass 38 von einem 40 Mann starken Detachement von Armands Legion
-zum Feind übergegangen wären und dass Baron Steuben sich veranlasst sah,
-einigen von ihnen zu befehlen, sich zu ihren Regimentern zu begeben, die
-sich in Gefangenschaft in Charlottesville befanden.
-
-Wenn es wahr ist, wie der deutsche Schreiber behauptet, und wie es
-wirklich der Fall zu sein scheint, dass Desertionen unter den Deutschen
-nicht so oft vorkamen als unter den Engländern, so ist der Grund dafür
-nicht weit zu suchen. Die Truppen waren meistenteils in Gegenden
-verwandt worden, in denen die Einwohner kein Deutsch verstanden.
-Obendrein waren die »Hessen«, wie die Hilfstruppen ohne Unterschied
-genannt wurden, Gegenstand eines eigentümlichen Schreckens unter den
-Eingeborenen. Ihr Name mag vielleicht manchmal bis auf den heutigen Tag
-als eine Art Schimpfname in einigen Land-Distrikten gehört werden. Der
-englische Deserteur war von dem Moment an, wo er den roten Rock auszog,
-nicht zu erkennen. Der Deutsche konnte kein Wort sprechen, ohne sich zu
-verraten.
-
-Weder unter den Engländern noch unter den Deutschen war die Desertion so
-vorwiegend als unter den Amerikanern. Aber hierbei muss ein grosser
-Unterschied konstatiert werden. Der britische oder deutsche Soldat
-konnte nur zum Feind desertieren. Der amerikanische Milizsoldat kehrte
-im allgemeinen in seine Heimat zurück. Die revolutionäre Miliz glich in
-vieler Hinsicht mehr den Stämmen der schottischen Hochländer in den
-Bürgerkriegen des siebzehnten und achtzehnten Jahrhunderts als modernen
-Soldaten. Sie kamen oder gingen, je nachdem der Patriotismus oder der
-Egoismus, der Enthusiasmus oder Entmutigung bei ihnen die Oberhand
-gewannen. Oft unerschrocken im Gefecht, waren sie auch oft die
-Veranlassung zu einer Panik, wie alle undisziplinierten Truppen; auch
-waren sie solch zügellose Burschen, dass es in gleicher Weise unratsam
-war für ihre Generale, ihnen zu trauen und für ihre Feinde, sie zu
-verachten.
-
-Wir haben gesehen, dass 17313 Deutsche, oder 58% von denen, die als
-Söldner herüber kamen, glücklich nach Europa zurückkehrten. Von den
-12554, die zurückblieben, ist nur ein kleiner Teil in der Schlacht
-gefallen oder an den Wunden gestorben, viele sind Krankheiten erlegen,
-viele desertiert, einige sind in Amerika zurückgeblieben, nachdem der
-Friede geschlossen war, mit Einwilligung der Behörden. Hessische
-Offiziere und Gemeine erhielten Land in Nova Scotia, und der Herzog von
-Braunschweig befahl mit einer Inhumanität, die bezeichnend für ihn ist,
-dass nicht nur Soldaten, die sich Verbrechen schuldig gemacht oder sich
-schlecht geführt hatten, sondern auch die, die körperlich zum Dienste
-untauglich waren, in Canada zurückgelassen werden sollten.
-
-Dem Landgraf von Hessen hat es nicht an Leuten gefehlt, die ihn in
-Schutz genommen haben. Diese berufen sich in erster Linie auf die
-allgemeine Schlechtigkeit der Amerikaner und auf das Verbrechen, gegen
-ihren König sich zu erheben, unter dessen Herrschaft sie nur zu
-glücklich gewesen wären; zweitens behaupten sie, dass das Handeln mit
-Soldaten den Gebräuchen des letzten Jahrhunderts entsprochen hätte, dass
-das Geld, das der Landgraf bekommen, im Interesse des Landes und Volkes
-verwandt worden wäre, und dass dieses den Handel gut geheissen hätte.
-Auf die erste Behauptung werde ich nur insoweit eingehen, als es nötig
-ist, ihren Mangel an Berechtigung nachzuweisen. Hätte sich der Landgraf
-an dem Revolutionskrieg nur um seines Zweckes willen beteiligt, so würde
-das Argument betreffend der Schlechtigkeit der Rebellen und des
-Verbrechens des Aufruhrs stichhaltig sein. Es verliert aber an
-Beweiskraft, wenn es auf einen Fürsten angewandt wird, der gemäss einer
-Politik, die in seiner Dynastie erblich war, seine Truppen dem
-Meistbietenden ausleiht. In Betreff des zweiten Arguments ist es wahr,
-dass die öffentliche Meinung in dem Gebrauch von Söldnern nichts
-Unmoralisches fand. Eine Nation, die in einen grossen Kampf verwickelt
-ist, wird sich sicherlich Hilfe holen dürfen, wo sie sie findet. Der
-einzelne Soldat des Glückes (soldier of fortune) ist lange mit zu
-grosser Nachsicht betrachtet worden. Aber Soldat des Glückes zu sein zur
-Stellvertretung, um aus seinem Blute Münzen schlagen zu lassen und in
-Gefahren zu kommen, an denen der, welcher den Vorteil geniesst, keinen
-Anteil nimmt, ist noch nie als eine würdige Beschäftigung angesehen
-worden. Und die, welche sagen, dass das hessische Volk den Handel des
-Landgrafen guthiess, verurteilen seine Unterthanen, ohne ihn selbst zu
-entschuldigen. Ein besseres Argument wurde von seinem Gesandten
-Schlieffen in der nahen Verwandtschaft zwischen dem englischen Hof und
-den Höfen von Hessen und Braunschweig gefunden. Die amerikanischen
-Provinzen hätten von einem hessischen Fürsten geerbt werden können.
-Hätten wir deshalb gesehen, dass hessische Soldaten in englischem Sold
-gegen amerikanische Rebellen ohne Geldentschädigung an den Landgrafen
-gekämpft hätten, so würde man glauben, dass sie aus politischen Gründen
-hinübergeschickt worden wären. Dies ist aber nicht möglich angesichts
-der Subsidien. Der Landgraf liess sich in einen nicht zu
-rechtfertigenden Handel ein und in dem Lichte dieses Handels muss er
-beurteilt werden.
-
-
-
-
-Anhang.
-
-A. Quellen-Verzeichnis.
-
-Gedruckte.
-
-
- Friedrich Kapp. Der Soldatenhandel deutscher Fürsten nach Amerika.
- Berlin 1864.
-
- Derselbe. Dasselbe. Berlin 1874.
-
- Derselbe. Geschichte der Deutschen im Staate New-York. New-York 1869.
-
- Derselbe. Friedrich der Grosse und die Vereinigten Staaten von
- Amerika. Leipzig 1871.
-
- Derselbe. Aufsatz in Sybels Historische Zeitschrift. II. 6. 42. 1879.
-
- Derselbe. Leben des amerikanischen Generals Friedrich Wilhelm von
- Steuben. Berlin 1858.
-
- Derselbe. Leben des amerikanischen Generals Johann Kalb. Stuttgart 1862.
-
- Max von Eelking. Die deutschen Hülfstruppen im nordamerikanischen
- Befreiungskriege, 1776-1783. Hannover 1863. 2 Bände.
-
- Derselbe. Leben und Wirken des Herzoglich Braunschweig'schen
- Generallieutenants Friedrich Adolf von Riedesel. Leipzig 1856. 3
- Bände.
-
- Generalin von Riedesel. Die Berufsreise nach Amerika. Berlin 1801.
-
- Christian Leiste. Beschreibung des britischen Amerika zur Ersparung
- der englischen Karten. Wolfenbüttel 1778.
-
- F. B. Melsheimer. Tagebuch von der Reise der braunschweig'schen
- Auxiliar-Truppen von Wolfenbüttel nach Quebec. Minden 1776.
-
- Derselbe. Erste Fortsetzung.
-
- J. von Ewald. Belehrungen über den Krieg, besonders über den kleinen
- Krieg, durch Beispiele grosser Helden und kluger und tapferer
- Männer. Schleswig 1798.
-
- Erste Folge derselben. Schleswig 1800.
-
- Zweite und letzte Folge derselben. Schleswig 1803.
-
- Briefe eines Reisenden über den gegenwärtigen Zustand von Kassel mit
- aller Freiheit geschildert. Frankfurt und Leipzig 1781.
-
- Hochfürstlich Hessen-Casselischer Staats- und Adresskalender auf das
- Jahr Christi 1779. Kassel.
-
- Karl Biedermann. Deutschland im 18. Jahrhundert. Band I.
- Deutschlands politische, materielle und soziale Zustände im 18.
- Jahrhundert. Leipzig 1880.
-
- Ferdinand Pfister. Der nordamerikanische Unabhängigkeits-Krieg.
- Kassel 1864.
-
- Friedrich II. und die neuere Geschichtsschreibung. -- Ein Beitrag
- zur Widerlegung der Märchen über angeblichen Soldaten-Handel
- hessischer Fürsten. Zweite, mit einer Beleuchtung Seumes vermehrte
- Auflage. Melsungen 1879.
-
- J. G. Seume. Sämtliche Werke. Leipzig 1835. (Mein Leben.)
-
- Derselbe. Aufsatz in J. W. von Archenholtz's Neue Litteratur und
- Völkerkunde. Für das Jahr 1789. Zweiter Band. (Hallifax 1782.)
- (Schreiben aus Amerika nach Deutschland.)
-
- August Ludwig Schlözers etc. Briefwechsel meist historischen und
- politischen Inhalts. Göttingen 1780 bis 1782.
-
- Derselbe. Staats-Anzeigen. 18 Bände.
-
- Die neuesten Staatsbegebenheiten mit historischen und politischen
- Anmerkungen. Frankfurt am Mayn und Mainz 1775. 1776. 1777. 3 Bände.
-
- Karl Heinrich Ritter von Lang. Geschichte des vorletzten Markgrafen
- von Brandenburg-Anspach. Anspach 1848.
-
- J. B. Fischer. Geschichte von Anspach und Onolzbach. Anspach 1786.
-
- Reglement für die hessische Infanterie. Kassel 1776.
-
- Von den Hessen in Amerika, ihren Fürsten etc. 1782. (Soll von
- Schlieffen verfasst sein.)
-
-
-Manuskripte.
-
-(Von Originalen oder Abschriften in der Königlichen Landesbibliothek in
-Kassel.)
-
- 1. Journal von dem Hochlöbl. Hessischen Grenadier-olim-Bataillon von
- Minnigerode, modo von Loewenstein vom 20. Januarii 1776 bis 17. Mai
- 1784.
-
- 2. Journal Hochfürstlichen Hessischen Grenadier-Bataillon Platte.
- Vom 16. Februar 1776 bis 24. Mai 1784. Geführt durch den
- Regiments-Quartiermeister Carl Bauer.
-
- 3. Journal des Hochlöblichen Füsilier-Regimentes von Alt-Lossberg.
- Geführt durch den Regiments-Quartier-Meister Heusser vom Ausmarsch
- aus der Garnison Rinteln an bis zur Rückkunft des gedachten
- Hochlöblichen Regiments aus Amerika vom 10. Merz 1776 bis den 5.
- Oktober 1783.
-
- 4. Geschichte von dem Hochlöblichen Füsilier-Regiment von Lossberg
- in Form eines Tagebuchs, angefangen 1776-1783 (von Adjutant Piel).
-
- 5. Journal vom Löblichen Garnisons-Regiment von Huyn, nachher von
- Benning, de ao. 1776 bis medio November 1783, geführt durch mich,
- den Regiments-Quartiermeister G. Kleinschmidt.
-
- 6. Journal, geführt bei dem Hochlöblich Hessischen Feld-Jäger-Corps
- während denen Campagnen der Königl. Grossbrittanischen Armee in
- North-Amerika. Angefangen den 23. Juli 1777, von dem Tage wo der
- Oberstlieutenant Ludwig Johann Adolf von Wurmb das Commando über das
- Corps übernahm und geendigt den 20. April 1784, bei der erfolgten
- retour derer sämtlich Hochfürstlich Hessischen Truppen aus Amerika.
-
- 7. Tagebuch des Hauptmannes Wiederhold von 1776-80.
-
- 8. Journal von dem Hochfürstl. Hessischen Hlöbl. Infanterie-Regiment
- von Trümbach, modo General-Lieutenant von Bose, seines in ao. 1776
- aus Hessen nach Amerika gethanen Ausmarsches, und in ao. 1783 wieder
- gehabten Einmarsches zur Garnison Hofgeismar.
-
- 9. Journal von dem Hochfürstlich Hessischen, des General-Major von
- Knoblauch Löbl. Garnisons-Regiment, seit dem Amerikanischen Krieg,
- von anno 1776 bis Ende 1783.
-
- 10. Briefe des General-Majors von Riedesel. Tagebuch vom Capit.
- Pausch.
-
- (Aus der Bibliothek Seiner Hoheit des Fürsten von Waldeck.)
-
- 11. Fragment eines Tagebuchs des Waldeck'schen Regiments
- vom 11. April 1780 bis zum Juli 1782.
-
- (Aus dem Archiv in Marburg.)
-
- 12. Berichte Sr. Excellenz des Herrn General-Lieutenant
- von Knyphausen an Serenissimum.
-
-
-
-
-B. Die hessischen Regimenter und ihre Namen.
-
-
-Der Landgraf von Hessen-Kassel schickte fünfzehn seiner Regimenter nach
-Amerika. Jedes Regiment bestand aus 650 Offizieren und Leuten in fünf
-Kompagnien. Vierzehn von diesen fünfzehn Regimentern hatten je eine
-Grenadier-Kompagnie abgeben müssen, und diese vierzehn Kompagnien mit
-noch zweien von des Landgrafen Leib-Garde waren zu vier
-Grenadier-Bataillonen zu 524 Köpfen formiert worden. Ein Jäger-Korps,
-ursprünglich aus zwei Kompagnien bestehend, begleitete die Armee. 1777
-wurde es nominell auf 1067 Köpfe vermehrt, aber ich glaube, in
-Wirklichkeit hat die Effektivstärke nie mehr wie sechs- oder
-siebenhundert betragen. Drei Kompagnien Artillerie, 588 Köpfe stark,
-wurden formiert, so dass die hessische Streitmacht aus 15
-Infanterie-Regimentern, 4 Bataillonen Grenadieren, 1 Jäger-Korps und 3
-Kompagnien Artillerie bestand. Kavallerie war nicht vorhanden, aber von
-den Jägern waren einige beritten.
-
-Ein hessisches Regiment wurde gewöhnlich nach seinem »Chef« benannt.
-Dieser »Chef« war manchmal der Oberst des Regiments, aber meistens war
-es ein Prinz oder höherer Offizier. Da die »Chefs« öfters wechselten
-oder versetzt wurden, so ist oft schwer, die Regimenter
-auseinanderzuhalten. Die Grenadier-Bataillone wurden nach ihren
-Oberstlieutenants benannt. Die folgende Liste der Regimenter und
-Bataillone, die in Amerika gedient haben, und die Änderung in ihren
-Namen, ist zum Teil einer Liste entnommen, die dem Wiederhold'schen
-Tagebuch in der Bibliothek in Kassel beigefügt ist. Ich glaube, dass sie
-im allgemeinen korrekt ist. Ich habe die Namen der Haupt-Schlachten und
-Expeditionen, an denen die einzelnen Regimenter und Bataillone
-teilgenommen haben, hinzugefügt. (Die Regimenter, die mit von Heister
-herübergekommen sind, sind mit »I. Div.«, die, welche mit von Knyphausen
-kamen, mit »II. Div.« bezeichnet.)
-
- Gren.-Bat. von Linsingen. (I. Div. -- Long-Island, Chatterton Hill,
- Brandywine, Redbank, Charleston.)
-
- Gren.-Bat. von Block; 1777 von Lengerke. (Wie vorstehend.)
-
- Gren.-Bat. von Minnigerode; 1780 von Loewenstein. (Wie vorstehend.)
-
- Gren.-Bat. von Koehler; 1778 von Graff; 1782 von Platte. (II. Div.
- -- Fort Washington, Charleston.)
-
- Leib-Regiment. (I. Div. -- Chatterton Hill, Brandywine, Germantown,
- Newport, Springfield.)
-
- Regiment Landgraf (ab und zu Wutgenau genannt). (II. Div. -- Fort
- Washington, Newport, Springfield.)
-
- Regiment Erbprinz. (I. Div. -- Long-Island, Fort Washington,
- Yorktown.)
-
- Regiment Prinz Carl. (Newport.)
-
- Regiment von Ditfurth. (I. Div. -- Newport, Charleston.)
-
- Regiment von Donop. (I. Div. -- Long-Island, Fort Washington,
- Brandywine, Germantown, Springfield.)
-
- Füsilier-Regiment von Lossberg (auch von Alt-Lossberg). (I. Div. --
- Long-Island, Chatterton Hill, Fort Washington, Trenton, Brandywine.)
-
- Füsilier-Regiment von Knyphausen. (Wie vorstehend.)
-
- Grenadier-Regiment Rall; 1777 von Woellwarth; 1778 von Trümbach;
- 1779 d'Angelelli. (I. Div. -- Long-Island, Chatterton Hill, Fort
- Washington, Trenton, Brandywine, Savannah.)
-
-Was von den drei letztgenannten nach Trenton übrig geblieben war, bildete
-das »Combinierte Bataillon« in der Kampagne von 1777. Im Dezember
-desselben Jahres wurden zwei Bataillone unter den Obersten von Loos und
-von Woellwarth formiert. Die drei Regimenter nahmen später ihre alte
-Formation wieder an; die beiden ersteren aber erlitten durch Sturm und
-an Gefangenen im September 1779 starke Verluste.
-
- Regiment von Mirbach; 1780 von Jung-Lossberg. (I. Div. --
- Long-Island, Fort Washington, Brandywine, Redbank.)
-
- Regiment von Trümbach; 1778 von Bose. (I. Div. -- Fort Clinton,
- Springfield, Guildford Court-House, Green-Spring, Yorktown.)
-
- Garnisons-Regiment von Stein; 1778 von Seitz. (II. Div.)
-
- Garnisons-Regiment von Wissenbach; 1780 von Knoblauch. (II. Div. --
- Savannah.)
-
- Garnisons-Regiment von Huyn; 1780 von Benning. (II. Div. -- Fort
- Washington, Newport, Charleston.)
-
- Garnisons-Regiment von Bünau. (II. Div. -- Fort Washington, Newport,
- Springfield.)
-
- Feld-Jäger-Korps. (Detachements von diesem Korps waren fast bei
- jeder Operation beteiligt.)
-
- (Die oben erwähnten Regimenter gehörten zu Hessen-Kassel.)
-
- Der von Howe und Clinton kommandierten Armee waren ausserdem noch
- folgende deutsche Regimenter zugeteilt:
-
- Regiment Waldeck. (Fort Washington, Pensacola.)
-
- Regiment Anspach. (Philadelphia, Newport, Springfield, Yorktown.)
-
- Regiment Bayreuth. (Philadelphia, Newport, Yorktown.)
-
-(Die beiden zuletzt erwähnten wurden im allgemeinen die beiden
-Anspach'schen Regimenter genannt. Die Anspach'schen Jäger bildeten einen
-Teil des Hessischen Jäger-Korps.)
-
-Das Braunschweig'sche Kontingent, welches in Canada und im nördlichen
-New-York diente, war zusammengesetzt aus dem
-
- Regiment Dragoner (zu Fuss). (Bennigton unter Baum.)
-
- Bataillon Grenadiere. (Bennington unter Breymann, 1. Stillwater, 2.
- Stillwater, Saratoga.)
-
- Regiment Prinz Friedrich. (Verblieb in Ticonderoga während der
- Saratoga-Kampagne.)
-
- Regiment von Riedesel. (1. Stillwater, Saratoga.)
-
- Regiment von Rhetz. (2. Kompagnie bei 1. Stillwater, Saratoga.)
-
- Regiment von Specht. (Saratoga.)
-
- Jäger-Bataillon oder Bataillon Barner. (1. Stillwater, Saratoga.)
-
-Das Hanauer Regiment und die Hanauer Artillerie befanden sich bei dieser
-Armee und teilten ihr Schicksal. Sie waren die einzigen Hessen bei
-Burgoynes Armee. Die Artillerie that gute Dienste in der Kampagne von
-1776 am Lake Champlain sowohl wie im Jahr 1777.
-
-Die Hanauer Jäger, wenigstens ein Teil derselben, nahmen an St. Legers
-Expedition Teil. Das Regiment von Anhalt-Zerbst erreichte Canada,
-nachdem die Feindseligkeiten in dieser Provinz vorüber waren.
-
-
-
-
-C. Übersicht über die Zahl der von jedem deutschen Staat nach Amerika
-gesandten Truppen und über die Zahl derer, die nicht zurückkehrten.
-
-
- Braunschweig sandte 1776 4300 M.
- im März 1777 224 "
- April 1778 475 "
- April 1779 286 "
- Mai 1780 266 "
- April 1782 172 "
- --------
- Im Ganzen: 5723 M.
- Es kehrten zurück im Herbst 1783: 2708 "
- --------
- Es kehrten nicht zurück: 3015 M.
-
-
- Hessen-Kassel sandte 1776 12 805 M.
- Dezember 1777 403 "
- März 1779 993 "
- Mai 1780 915 "
- April 1781 915 "
- April 1782 961 "
- ---------
- Im Ganzen: 16 992 M.
- Es kehrten zurück im Herbst 1783
- und Frühjahr 1784: 10 492 "
- ---------
- Es kehrten nicht zurück: 6 500 M.
-
-
- Hessen-Hanau sandte 2038 M.
- Rekruten im April 1781 50 "
- April 1782 334 "
- --------
- Im Ganzen: 2422 M.
- Es kehrten zurück im Herbst 1783: 1441 "
- --------
- Es kehrten nicht zurück: 981 M.
-
-
- Anspach-Bayreuth sandte 1777 1285 M.
- im Herbst desselben Jahres an Rekruten 318 "
- 1779 157 "
- 1780 152 "
- 1781 205 "
- 1782 236 "
- -------
- Im Ganzen: 2353 M.
- Es kehrten zurück im Herbst 1783: 1183 "
- -------
- Es kehrten nicht zurück: 1170 M.
-
-
- Waldeck sandte 1776 670 M.
- April 1777 89 "
- Februar 1778 140 "
- Mai 1779 23 "
- April 1781 144 "
- April 1782 159 "
- --------
- Im Ganzen: 1225 M.
- Es kehrten zurück im Herbst 1783: 505 "
- --------
- Es kehrten nicht zurück: 720 M.
-
-
- Anhalt-Zerbst sandte 1778 600 M.
- im April 1779 82 "
- im Mai 1780 50 "
- im April 1781 420 "
- --------
- Im Ganzen: 1152 M.
- Es kehrten zurück im Herbst 1783: 984 "
- --------
- Es kehrten nicht zurück: 168 M.
-
-
- Gesamtsumme der Soldtruppen 29 867 M.
- Es kehrten von diesen zurück 17 313 "
- ---------
- Es kehrten nicht zurück 12 554 M.
-
-Von den 12 554, die nicht zurückkehrten, sind -- nach meiner eigenen
-Schätzung --:
-
- Gefallen oder an den Wunden gestorben 1200 M.
- Gestorben durch Krankheit oder Unglücksfälle 6354 "
- Desertiert 5000 "
- --------
- 12554 M.
-
-
-
-
-D. Verlustliste der Deutschen in den Haupt-Schlachten und Gefechten des
-Revolutionskrieges.
-
-
- Tot. Verw. Vermisst.
- Long-Island 2 25
- 15. September 1776 2 16
- 16. September 1776 1 1
- Vom 9. bis 23. Oktober
- (inkl. Chatterton Hill) 13 63 23
- Fort Washington 56 276
- Trenton 17 78
- Assanpink (2. Jan. 1777) 4 11
- Burgoynes Kampagne (6. Okt. 1777) 25(?) 75(?)
- Scharmützel 3. Sept. 1777 1 19
- Brandywine, Jäger 7 39
- " übrigen Hessen 2(?) 16(?)
- Redbank 82 229 60
- Newport 19 96 13
- Stono Ferry 9(?) 34(?)
- Charleston 11 62
- Springfield 25(?) 75(?)
- Baton Rouge 25 8
- Pensacola 15(?) 45(?)
- Guildford Court House 15 69
- Yorktown 53 131
- -------------------------
- Im Ganzen: 548 1652 127 M.
-
-
- Druck von _Gottfr. Pätz_ in Naumburg a. S.
-
-
-
-
-
- +--------------------------------------------------------------+
- | Anmerkungen zur Transkription: |
- | |
- | Interpunktion wurde korrigiert, ohne hier |
- | gesondert erwähnt zu werden. Im Text wurden |
- | folgende Korrekturen vorgenommen: |
- | |
- | "Staaaten" in "Staaten" geändert. |
- | S. 5 "Konspcription" in "Konscription" geändert. |
- | S. 13 "datidrt" in "datiert" geändert. |
- | S. 14 "Hessel" in "Hessen" geändert. |
- | S. 19 "einer" in "eine" geändert. |
- | S. 19 "seine" in "seiner" geändert. |
- | S. 24 "abschliesen" in "abschliessen" geändert. |
- | S. 28 "frühereren" in "früheren" geändert. |
- | S. 28 "Whighs" in Whigs" geändert. |
- | S. 34 "blos" in "bloss" geändert. |
- | S. 36 "töden" in "töten" geändert. |
- | S. 38 "verhältnissmässig" in "verhältnismässig" geändert. |
- | S. 49 "Letzere" in "Letztere" geändert. |
- | S. 49 "Pensylvaniern" in "Pennsylvaniern" geändert. |
- | S. 54 "bliess" in "blies" geändert. |
- | S. 55 "vorfunden" in "vorgefunden" geändert. |
- | S. 56 "Manhatten" in "Manhattan" geändert. |
- | S. 56 "or" in "oder" geändert. |
- | S. 61 "bliessen" in "bliesen" geändert. |
- | S. 61 "französich" in "französisch" geändert. |
- | S. 62 "herausmarschiren" in "herausmarschieren" geändert. |
- | S. 70 "Pensylvanischen" in "Pennsylvanischen" geändert. |
- | S. 71 "zitterden" in "zitternden" geändert. |
- | S. 71 "Abtheilung" in "Abteilung" geändert. |
- | S. 73 "Annährung" in "Annäherung" geändert. |
- | S. 77 "äussserte" in "äusserte" geändert. |
- | S. 80 "Pensylvanier" in "Pennsylvanier" geändert. |
- | S. 83 "gegehalten" in "gehalten" geändert. |
- | S. 84 "Morgens" in "morgens" geändert. |
- | S. 85 "Lieutnant" in "Lieutenant" geändert. |
- | S. 85 "Anektode" in "Anekdote" geändert. |
- | S. 87 "Triumpf" in "Triumph" geändert. |
- | S. 87 "schell" in "schnell" geändert. |
- | S. 88 "Oberfehlshaber" in "Oberbefehlshaber" geändert. |
- | S. 89 "Knyphhusen" in "Knyphausen" geändert. |
- | S. 91 "Erlaubniss" in "Erlaubnis" geändert. |
- | S. 92 "1766" in "1776" geändert. |
- | S. 93 "gezungen" in "gezwungen" geändert. |
- | S. 95 "Planzen" in "Pflanzen" geändert. |
- | S. 98 "französche" in "französische" geändert. |
- | S.107 "der" in "des" geändert. |
- | S.107 "dadadurch" in "dadurch" geändert. |
- | S.120 "Lake-Champlain" in "Lake Champlain" geändert. |
- | S.120 "grösten" in "grössten" geändert. |
- | S.122 "zurükgeworfen" in "zurückgeworfen" geändert. |
- | S.125 "Haubizen" in "Haubitzen" geändert. |
- | S.151 "wenigsten" in "wenigstens" geändert. |
- | S.151 "Grossbritanien" in "Grossbritannien" geändert. |
- | S.152 "Geräuch" in "Geräusch" geändert. |
- | S.154 "Winter-Hill" in "Winter Hill" geändert. |
- | S.155 "grössen" in "grösseren" geändert. |
- | S.155 "zurükzukommen" in "zurückzukommen" geändert. |
- | S.158 "ich ich" in "ich" geändert. |
- | S.167 "französicher" in "französischer" geändert. |
- | S.168 "Galleren" in "Galeeren" geändert. |
- | S.169 "Französich" in "Französisch" geändert. |
- | S.188 "Tranportschiffen" in "Transportschiffen" geändert. |
- | S.192 "Beoachtungen" in "Beobachtungen" geändert. |
- | S.200 "Savanah" in "Savannah" geändert. |
- | S.216 "nacher" in "nachher" geändert. |
- | S.217 "detaschierte" in "detachierte" geändert. |
- | S.223 "wegtranportieren" in "wegtransportieren" geändert. |
- | S.223 "Limcoe" in "Simcoe" geändert. |
- | S.224 "ükerlegte" in "überlegte" geändert. |
- | S.229 "Wallfischboot" in "Walfischboot" geändert. |
- | S.236 "Gefangeschaft" in "Gefangenschaft" geändert. |
- | S.246 "letzgenannten" in "letztgenannten" geändert. |
- | |
- +--------------------------------------------------------------+
-
-
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-
-End of the Project Gutenberg EBook of Die Hessen und die andern deutschen
-Hilfstruppen im Kriege gross-britanniens gegen Amerika, by Edward Jackson Lowell
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diff --git a/44049-8.zip b/44049-8.zip
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deleted file mode 100644
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--- a/44049-h.zip
+++ /dev/null
Binary files differ
diff --git a/44049-h/44049-h.htm b/44049-h/44049-h.htm
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@@ -2,7 +2,7 @@
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<title>
The Project Gutenberg eBook of Die Hessen und die andern deutschen Hilfstruppen im Kriege Gross-Britanniens gegen Amerika 1776-1783, by Edward J. Lowell.
@@ -147,58 +147,16 @@ em.gesperrt
</style>
</head>
<body>
-
-
-<pre>
-
-The Project Gutenberg EBook of Die Hessen und die andern deutschen
-Hilfstruppen im Kriege gross-britanniens gegen Amerika, by Edward Jackson Lowell
-
-This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
-almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or
-re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
-with this eBook or online at www.gutenberg.org
-
-
-Title: Die Hessen und die andern deutschen Hilfstruppen im Kriege gross-britanniens gegen Amerika
-
-Author: Edward Jackson Lowell
-
-Translator: O.C. Freiherr von Verschuer
-
-Release Date: October 27, 2013 [EBook #44049]
-
-Language: German
-
-Character set encoding: ISO-8859-1
-
-*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE HESSEN UND DIE ANDERN ***
-
-
-
-
-Produced by Peter Becker, Karl Eichwalder and the Online
-Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net (This
-book was produced from scanned images of public domain
-material from the Google Print project.)
-
-
-
-
-
-
-</pre>
-
-
+<div>*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK 44049 ***</div>
<div class='transnote'><h3>Anmerkungen zur Transkription</h3>
Der Text wurde weitgehend in seiner Ursprungsform belassen, auch
-in zweifelhaften Fällen wie:
+in zweifelhaften Fällen wie:
"Bankroft", obwohl vermutlich jeweils George Bancroft gemeint
ist.
<br />
-Interpunktion wurde korrigiert, ohne hier gesondert erwähnt zu
+Interpunktion wurde korrigiert, ohne hier gesondert erwähnt zu
werden. Eine <a href="#TN2">Liste der Korrekturen</a> befindet sich am Ende des Texts.
</div>
@@ -226,7 +184,7 @@ werden. Eine <a href="#TN2">Liste der Korrekturen</a> befindet sich am Ende des
<hr class="top" />
-<p class="center"><big>Mit 8 Plänen</big></p>
+<p class="center"><big>Mit 8 Plänen</big></p>
<hr class="bot" />
@@ -262,110 +220,110 @@ werden. Eine <a href="#TN2">Liste der Korrekturen</a> befindet sich am Ende des
-<h2><a name="Einleitung_des_UEbersetzers" id="Einleitung_des_UEbersetzers">Einleitung des Übersetzers.</a></h2>
+<h2><a name="Einleitung_des_UEbersetzers" id="Einleitung_des_UEbersetzers">Einleitung des Übersetzers.</a></h2>
<p>In vorliegendem Buche will der Verfasser das Auftreten
-der »Deutschen Hilfstruppen« in Amerika einer
+der »Deutschen Hilfstruppen« in Amerika einer
genauen Beleuchtung unterwerfen, insbesondere will er
den Legenden entgegentreten, die sich in seinem Vaterlande
-im Laufe der Zeit über die Hilfstruppen &mdash; mit
-dem Sammelnamen »Hessen« bezeichnet &mdash; gebildet haben.
-Seine Anschauungen in Betreff der Subsidien-Verträge
-mit England und der an diesen beteiligten Fürsten stimmen
+im Laufe der Zeit über die Hilfstruppen &mdash; mit
+dem Sammelnamen »Hessen« bezeichnet &mdash; gebildet haben.
+Seine Anschauungen in Betreff der Subsidien-Verträge
+mit England und der an diesen beteiligten Fürsten stimmen
im allgemeinen mit den Ansichten weiter Kreise in Deutschland
-überein, viele urteilen bei weitem schärfer, aber bei
-einer grossen Menge werden die abfälligen Urteile nach
-verschiedener Richtung hin mehr oder weniger scharf bekämpft.
-Wie erklärt sich dieser Zwiespalt der Meinungen,
-und wie könnte er einigermassen überbrückt werden? Er
-erklärt sich m. E. hauptsächlich dadurch, dass viele Geschichtschreiber
+überein, viele urteilen bei weitem schärfer, aber bei
+einer grossen Menge werden die abfälligen Urteile nach
+verschiedener Richtung hin mehr oder weniger scharf bekämpft.
+Wie erklärt sich dieser Zwiespalt der Meinungen,
+und wie könnte er einigermassen überbrückt werden? Er
+erklärt sich m. E. hauptsächlich dadurch, dass viele Geschichtschreiber
die Frage des sogenannten Soldatenhandels
-nicht genügend im Lichte der damaligen Zeit betrachten,
+nicht genügend im Lichte der damaligen Zeit betrachten,
und dass diese Frage bisher nicht in ihrer Vielseitigkeit
-und mit derjenigen Gründlichkeit behandelt
+und mit derjenigen Gründlichkeit behandelt
worden ist, die zur Erlangung eines objektiven Urteils
unbedingt notwendig ist. Ein solches Urteil wird nur
-erlangt werden können durch eine genaue Prüfung und
+erlangt werden können durch eine genaue Prüfung und
Vergleichung der bereits vorhandenen und eine Untersuchung
der noch unbenutzt liegenden Quellen, ferner
durch gleichzeitiges in-Betrachtziehen der politischen und
-militärischen Verhältnisse und Zustände &mdash; und ihrer
+militärischen Verhältnisse und Zustände &mdash; und ihrer
Entwickelung &mdash; in <em class="gesperrt">allen</em> Staaten, die im Laufe des
-17. und 18. Jahrhunderts je an dem Überlassen von
+17. und 18. Jahrhunderts je an dem Überlassen von
Truppen gegen Subsidien beteiligt gewesen sind, und
schliesslich durch ein sich-Vertiefen in die Anschauungen
-der Zeit und zwar aller Kreise: der Fürsten, Landstände,
+der Zeit und zwar aller Kreise: der Fürsten, Landstände,
Offiziere, Soldaten und des Volkes. Nur aus dem Geiste
-der Zeit heraus kann das Übereinkommen deutscher Fürsten
-mit England im Jahr 1776, können die Urteile der Zeitgenossen
-für und wider &mdash; verstanden, erklärt werden.
+der Zeit heraus kann das Übereinkommen deutscher Fürsten
+mit England im Jahr 1776, können die Urteile der Zeitgenossen
+für und wider &mdash; verstanden, erklärt werden.
Von grosser Bedeutung aber ist die Thatsache, dass die
-Verträge mit England und das Auftreten deutscher Soldtruppen
+Verträge mit England und das Auftreten deutscher Soldtruppen
in Amerika in den Zeitabschnitt fallen, der der
-französischen Revolution vorausging. Hervorragende
-Geister der damaligen Zeit bemühten sich, weiten Kreisen
-in Europa bei Gelegenheit des ungewöhnlichen Falles der
-Verschickung deutscher Truppen über den Ozean zum
-Bewusstsein zu bringen: <em class="gesperrt">was das Überlassen von
-Menschen an fremde Souveräne gegen Geld
+französischen Revolution vorausging. Hervorragende
+Geister der damaligen Zeit bemühten sich, weiten Kreisen
+in Europa bei Gelegenheit des ungewöhnlichen Falles der
+Verschickung deutscher Truppen über den Ozean zum
+Bewusstsein zu bringen: <em class="gesperrt">was das Überlassen von
+Menschen an fremde Souveräne gegen Geld
zu bedeuten habe!</em> Wie in vielen andern Dingen so
auch in dieser Frage beginnt sich ein Wandel in den
-Anschauungen Bahn zu brechen. Das was die Fürsten
-und die an den Verträgen mit England interessierten
+Anschauungen Bahn zu brechen. Das was die Fürsten
+und die an den Verträgen mit England interessierten
Kreise &mdash; im Geiste ihrer Zeit, in ihren Ideen und ererbten
-Überlieferungen befangen, sowie unter Berufung
-auf die Reichsverfassung &mdash; zu thun für Recht hielten,
-wird als »Menschenhandel« bezeichnet. So erklärt es
-sich, dass bei den Verträgen des Landgrafen Friedrich II.
-und der andern beteiligten Fürsten Ausdrücke wie »Verkauf«
-und »Seelenhandel« anfangen laut zu werden,
-während man zu Zeiten der frühern Subsidien-Verträge
-in dem Überlassen von Truppen etwas Althergebrachtes,
+Überlieferungen befangen, sowie unter Berufung
+auf die Reichsverfassung &mdash; zu thun für Recht hielten,
+wird als »Menschenhandel« bezeichnet. So erklärt es
+sich, dass bei den Verträgen des Landgrafen Friedrich II.
+und der andern beteiligten Fürsten Ausdrücke wie »Verkauf«
+und »Seelenhandel« anfangen laut zu werden,
+während man zu Zeiten der frühern Subsidien-Verträge
+in dem Überlassen von Truppen etwas Althergebrachtes,
nichts Unrechtes erblickte.</p>
<p>Viel Aufsehen hat seiner Zeit das Buch von Friedrich
-Kapp über den »Soldatenhandel« erregt. Er nennt es
-»Beitrag zur Kulturgeschichte des 18. Jahrhunderts.« Niemand
+Kapp über den »Soldatenhandel« erregt. Er nennt es
+»Beitrag zur Kulturgeschichte des 18. Jahrhunderts.« Niemand
wird den Wert, den es hat, bestreiten. Ein Buch
aber, das sein Entstehen einer Tendenz verdankt, wie sie
der Verfasser im Eingang zum Ausdruck bringt, kann
-unmöglich Anspruch auf Objektivität machen. Und wer
-eine so leidenschaftliche Sprache wie Kapp führt, kann
-nur ein einseitiges, kein gerechtes Urteil fällen.</p>
+unmöglich Anspruch auf Objektivität machen. Und wer
+eine so leidenschaftliche Sprache wie Kapp führt, kann
+nur ein einseitiges, kein gerechtes Urteil fällen.</p>
-<p>Wie wir sehen, stützt Lowell sein Urteil über die
-deutschen Zustände im 18. Jahrhundert zum grossen Teil
+<p>Wie wir sehen, stützt Lowell sein Urteil über die
+deutschen Zustände im 18. Jahrhundert zum grossen Teil
auf die Forschungen Kapps, sowie auch auf Seume (dessen
Zeugnis aber ebenfalls nicht kritiklos hinzunehmen ist).
Dieser Teil des L.schen Buches wird deshalb sicher &mdash;
-wenngleich ihn eine völlig objektive Ausdrucksweise auszeichnet
-&mdash; von einer spätern Geschichtschreibung berichtigt
-und ergänzt werden. Von unbestreitbarem Wert
+wenngleich ihn eine völlig objektive Ausdrucksweise auszeichnet
+&mdash; von einer spätern Geschichtschreibung berichtigt
+und ergänzt werden. Von unbestreitbarem Wert
wird aber ebenso sicher der Hauptteil seines Buches
sein, in dem er &mdash; dank seiner umfassenden und gewissenhaften
Quellenforschungen &mdash; besser, und nebenbei
fesselnder, als irgend ein Geschichtschreiber vor ihm, uns
-erzählt, von welcher Art deutsche Offiziere und Soldaten
-waren, die in der »Neuen Welt« auftraten, welche Eindrücke
+erzählt, von welcher Art deutsche Offiziere und Soldaten
+waren, die in der »Neuen Welt« auftraten, welche Eindrücke
sie von ihr bekamen, und dass sie unter den
-schwierigsten Verhältnissen ihre Schuldigkeit gethan haben.</p>
+schwierigsten Verhältnissen ihre Schuldigkeit gethan haben.</p>
-<p>Zum Schluss möchte ich noch einmal darauf hinweisen:
+<p>Zum Schluss möchte ich noch einmal darauf hinweisen:
das Vermieten von Truppen ist eine Erscheinung
im Laufe des 17. und 18. Jahrhunderts, die der Geschichte
einer grossen Zahl von deutschen Staaten, darunter die
-bedeutendsten, angehört. Ein dunkles Kapitel deutscher
+bedeutendsten, angehört. Ein dunkles Kapitel deutscher
Geschichte wird in vorliegendem Buche in Erinnerung
gebracht. Dunkel sah es mehr oder weniger in <em class="gesperrt">allen</em>
deutschen Landen &mdash; in mancher Hinsicht &mdash; um die
Zeit des letzten Viertels des 18. Jahrhunderts aus.
-Gleichzeitig wissen wir aber zu unserm Glück, dass dieses
-Dunkel einem Licht hat weichen müssen, das uns das
+Gleichzeitig wissen wir aber zu unserm Glück, dass dieses
+Dunkel einem Licht hat weichen müssen, das uns das
19. Jahrhundert gebracht hat.</p>
<p>
-&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<em class="gesperrt">Frankfurt</em> a. M., im März 1902.</p>
+&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<em class="gesperrt">Frankfurt</em> a. M., im März 1902.</p>
<p class="sig">
<b>v. Verschuer.</b>
</p>
@@ -377,47 +335,47 @@ Dunkel einem Licht hat weichen müssen, das uns das
<h2><a name="Vorwort" id="Vorwort">Vorwort</a></h2>
-<p>Die Geschichte der deutschen Hülfstruppen, die im
-Revolutionskriege für Gross-Britannien fochten, hat von
+<p>Die Geschichte der deutschen Hülfstruppen, die im
+Revolutionskriege für Gross-Britannien fochten, hat von
amerikanischen Geschichtsschreibern nicht den Grad von
Beachtung gefunden, den ihre Wichtigkeit berechtigt erscheint
zu verdienen. Es ist sehr viel Wesen davon gemacht
-worden, dass 7000 französische Soldaten und
-19&nbsp;000 französische Seeleute den Vereinigten Staaten bei
+worden, dass 7000 französische Soldaten und
+19&nbsp;000 französische Seeleute den Vereinigten Staaten bei
der Belagerung von Yorktown beistanden, aber vergessen
haben wir, dass eine Macht von zwischen 15 und 20&nbsp;000
-Deutschen im Verlauf von 7 Jahren gegen uns kämpfte,
+Deutschen im Verlauf von 7 Jahren gegen uns kämpfte,
dass mehr als 29&nbsp;000 zu diesem Zweck nach Amerika
gebracht wurden, dass mehr als 12&nbsp;000 niemals nach
-Deutschland zurückkehrten. Ich weiss von keinem amerikanischen
-Geschichtsschreiber ausser Bankroft, der gründliche
-Studien über diesen Gegenstand in den Original-Quellen
-gemacht hätte; dem ganzen Charakter seines
-Werkes nach wäre es nicht angängig gewesen, die Geschichte
+Deutschland zurückkehrten. Ich weiss von keinem amerikanischen
+Geschichtsschreiber ausser Bankroft, der gründliche
+Studien über diesen Gegenstand in den Original-Quellen
+gemacht hätte; dem ganzen Charakter seines
+Werkes nach wäre es nicht angängig gewesen, die Geschichte
der deutschen Truppen in ihren Einzelheiten zu
schreiben. Doctor George Washington Greene hat interessante
-Auszüge aus 3 Kapp'schen Büchern herausgegeben,
-und die Erzählungen der Baronesse Riedesel sind ins
-Englische übersetzt worden von William L. Stone Esq.,
-der auch den Teil von Eelkings »Leben von Riedesel«,
-welcher vom Revolutionskrieg handelt, übersetzt hat.
+Auszüge aus 3 Kapp'schen Büchern herausgegeben,
+und die Erzählungen der Baronesse Riedesel sind ins
+Englische übersetzt worden von William L. Stone Esq.,
+der auch den Teil von Eelkings »Leben von Riedesel«,
+welcher vom Revolutionskrieg handelt, übersetzt hat.
<span class="pagenum"><a name="Seite_X" id="Seite_X">[S. X]</a></span></p>
<p>Ich kann nicht behaupten, bei der Bearbeitung des
-vorliegenden Buches annähernd alle die sehr inhaltreichen
+vorliegenden Buches annähernd alle die sehr inhaltreichen
Quellen, die die Bibliotheken und Archive in Deutschland
enthielten, benutzt zu haben. Ich habe indessen
deutsche Originalberichte von jedem wichtigen Engagement
-gefunden und von beinahe jedem Scharmützel im Revolutionskriege
+gefunden und von beinahe jedem Scharmützel im Revolutionskriege
vom Jahr 1776 bis zum Ende, ausgenommen
einige von den Gefechten, die in Carolina und
-Georgia stattfanden und in denen wenige, wenn überhaupt,
+Georgia stattfanden und in denen wenige, wenn überhaupt,
Deutsche engagiert waren. Einige von diesen Berichten
sind, glaube ich, niemals einem amerikanischen Schreiber
vor Augen gekommen.</p>
-<p>In Deutschland haben die Verträge in Betreff der
-Überlassung von Hilfstruppen an Gross-Britannien und
+<p>In Deutschland haben die Verträge in Betreff der
+Überlassung von Hilfstruppen an Gross-Britannien und
die Geschichte dieser Truppen mehr Beachtung gefunden
als in Amerika. Zwei Geschichtsschreiber sind unter
denen, die diesen Gegenstand behandelt haben, besonders
@@ -425,41 +383,41 @@ hervorzuheben. Der eine ist Fritz Kapp, einst Mitglied
des Reichstages und vordem in der Verbannung in
Amerika. Diesem Buche verdanke ich sehr viel, direkt
und indirekt, wegen der vielen Fingerzeige, die dasselbe
-enthält, besonders in den ersten fünf Kapiteln. Der andere
+enthält, besonders in den ersten fünf Kapiteln. Der andere
Geschichtsschreiber ist Max von Eelking, Hauptmann in
Sachsen-Meiningen'schen Diensten und korrespondierendes
Mitglied des New-Yorker Geschichtsvereins. Seine zwei
-Werke, »Die deutschen Hilfstruppen im nordamerikanischen
-Befreiungskriege« und »Leben und Wirken des Herzoglich
+Werke, »Die deutschen Hilfstruppen im nordamerikanischen
+Befreiungskriege« und »Leben und Wirken des Herzoglich
Braunschweigischen Generallieutenants Friedrich Adolf
-von Riedesel«, stellen die Geschichte vom deutschen
+von Riedesel«, stellen die Geschichte vom deutschen
Standpunkt aus dar. Hauptmann von Eelking stand ein
-sehr reichhaltiges Material zur Verfügung. Die Liste der
-für das erste Werk benutzten Handschriften (von denen
-viele Eigentum von Privatpersonen) enthält 38 Nummern.
+sehr reichhaltiges Material zur Verfügung. Die Liste der
+für das erste Werk benutzten Handschriften (von denen
+viele Eigentum von Privatpersonen) enthält 38 Nummern.
Bei der Lebensbeschreibung von Riedesel hatte er die
Erlaubnis, alle Briefe und Schriften, die der General
hinterlassen, zu benutzen. Wenn Hauptmann von Eelking
<span class="pagenum"><a name="Seite_XI" id="Seite_XI">[S. XI]</a></span>
so viel Sorgfalt im Gebrauch des Materials als Fleiss
-in der Sammlung desselben entwickelt hätte, so würden
-seine Werke sehr wertvolle Beiträge zur amerikanischen
+in der Sammlung desselben entwickelt hätte, so würden
+seine Werke sehr wertvolle Beiträge zur amerikanischen
Geschichte sein. Leider erleiden die Resultate seines
Fleisses durch Ungenauigkeiten Einbusse. Ich habe ihn
-oft benutzen müssen, habe es aber mit Vorsicht gethan.</p>
+oft benutzen müssen, habe es aber mit Vorsicht gethan.</p>
<p>Der Leser wird in diesem Buche Stellen finden, die
mehr dem Gebiete der Biographie oder Anekdote als der
-reinen Geschichte angehören. Die Abenteuer von verhältnismässig
-unwichtigen Persönlichkeiten wie Wiederhold,
+reinen Geschichte angehören. Die Abenteuer von verhältnismässig
+unwichtigen Persönlichkeiten wie Wiederhold,
Ewald oder Baronesse Riedesel sind mit ziemlicher
-Ausführlichkeit erzählt. Es war meine Aufgabe, einen
-Begriff davon zu geben, was für eine Art Leute die
-Hilfstruppen waren und was für einen Eindruck Amerika
+Ausführlichkeit erzählt. Es war meine Aufgabe, einen
+Begriff davon zu geben, was für eine Art Leute die
+Hilfstruppen waren und was für einen Eindruck Amerika
und die Amerikaner auf sie machten. Zu diesem Zweck
habe ich mich nicht gescheut, scheinbar unbedeutenden,
-gewöhnlichen Stoff da zu verwenden, wo er charakteristisch
-geschienen hat, oder Meinungen und Beschreibungen anzuführen,
+gewöhnlichen Stoff da zu verwenden, wo er charakteristisch
+geschienen hat, oder Meinungen und Beschreibungen anzuführen,
die, obschon echt, irrig waren.</p>
<p class="sig">
@@ -477,9 +435,9 @@ die, obschon echt, irrig waren.</p>
<div class="center">
<table border="0" cellpadding="4" cellspacing="0" summary="Inhalt">
<tr><td align="right"></td><td align="right"></td><td align="left"></td><td align="right">Seite</td></tr>
-<tr><td align="right">Kapitel</td><td align="right">I.</td><td align="left">Die Fürsten</td><td align="right"><a href="#Seite_1">1</a></td></tr>
-<tr><td align="center">"</td><td align="right">II.</td><td align="left">Die Verträge</td><td align="right"><a href="#Seite_12">12</a></td></tr>
-<tr><td align="center">"</td><td align="right">III.</td><td align="left">Die Verträge vor dem Parlament</td><td align="right"><a href="#Seite_22">22</a></td></tr>
+<tr><td align="right">Kapitel</td><td align="right">I.</td><td align="left">Die Fürsten</td><td align="right"><a href="#Seite_1">1</a></td></tr>
+<tr><td align="center">"</td><td align="right">II.</td><td align="left">Die Verträge</td><td align="right"><a href="#Seite_12">12</a></td></tr>
+<tr><td align="center">"</td><td align="right">III.</td><td align="left">Die Verträge vor dem Parlament</td><td align="right"><a href="#Seite_22">22</a></td></tr>
<tr><td align="center">"</td><td align="right">IV.</td><td align="left">Die Soldaten</td><td align="right"><a href="#Seite_30">30</a></td></tr>
<tr><td align="center">"</td><td align="right">V.</td><td align="left">Von Deutschland nach Amerika</td><td align="right"><a href="#Seite_37">37</a></td></tr>
<tr><td align="center">"</td><td align="right">VI.</td><td align="left">Die Schlacht von Long-Island 1776</td><td align="right"><a href="#Seite_41">41</a></td></tr>
@@ -493,13 +451,13 @@ die, obschon echt, irrig waren.</p>
<tr><td align="center">"</td><td align="right">XIV.</td><td align="left">Saratoga, vom 11-16. Okt. 1777</td><td align="right"><a href="#Seite_129">129</a></td></tr>
<tr><td align="center">"</td><td align="right">XV.</td><td align="left">Die Braunschweiger in Gefangenschaft</td><td align="right"><a href="#Seite_145">145</a></td></tr>
<tr><td align="center" valign="top">"</td><td align="right" valign="top">XVI.</td><td align="left">Brandywine, Germantown und Redbank, September und Oktober 1777</td><td align="right" valign="bottom"><a href="#Seite_160">160</a></td></tr>
-<tr><td align="center" valign="top">"</td><td align="right" valign="top">XVII.</td><td align="left">Der Rückzug der Briten durch New-Jersey, Januar bis Juli 1778</td><td align="right" valign="bottom"><a href="#Seite_170">170</a></td></tr>
+<tr><td align="center" valign="top">"</td><td align="right" valign="top">XVII.</td><td align="left">Der Rückzug der Briten durch New-Jersey, Januar bis Juli 1778</td><td align="right" valign="bottom"><a href="#Seite_170">170</a></td></tr>
<tr><td align="center">"</td><td align="right">XVIII.</td><td align="left">Newport, vom November 1776 bis Oktober 1779</td><td align="right"><a href="#Seite_174">174</a></td></tr>
<tr><td align="center">"</td><td align="right">XIX.</td><td align="left">Die Umgegend von New-York 1777-79</td><td align="right"><a href="#Seite_180">180</a></td></tr>
<tr><td align="center">"</td><td align="right">XX.</td><td align="left">Wiederholds Reise &mdash; eine Episode &mdash; Sept. 1779</td><td align="right"><a href="#Seite_187">187</a></td></tr>
<tr><td align="center">"</td><td align="right">XXI.</td><td align="left">Savannah, Charleston und Pensacola, 1778-1781</td><td align="right" valign="bottom"><a href="#Seite_195">195</a></td></tr>
<tr><td align="center">"</td><td align="right">XXII.</td><td align="left">New-York in den Jahren 1780 u. 81</td><td align="right"><a href="#Seite_208">208</a></td></tr>
-<tr><td align="center">"</td><td align="right">XXIII.</td><td align="left">Der Feldzug im Süden im Jahre 1781</td><td align="right"><a href="#Seite_216">216</a></td></tr>
+<tr><td align="center">"</td><td align="right">XXIII.</td><td align="left">Der Feldzug im Süden im Jahre 1781</td><td align="right"><a href="#Seite_216">216</a></td></tr>
<tr><td align="center">"</td><td align="right">XXIV.</td><td align="left">Schluss</td><td align="right"><a href="#Seite_230">230</a></td></tr>
</table></div>
@@ -511,7 +469,7 @@ die, obschon echt, irrig waren.</p>
<tr><td align="left" colspan="2"><h3>Anhang.</h3></td><td align="right">Seite</td></tr>
<tr><td align="left">A.</td><td align="left">Quellen-Verzeichnis</td><td align="right"><a href="#Seite_241">241</a></td></tr>
<tr><td align="left">B.</td><td align="left">Die hessischen Regimenter und ihre Namen</td><td align="right"><a href="#Seite_244">244</a></td></tr>
-<tr><td align="left" valign="top">C.</td><td align="left">Übersicht über die Zahl der von jedem deutschen Staat nach Amerika gesandten Truppen und über die Zahl derer, die nicht zurückkehrten</td><td align="right" valign="bottom"><a href="#Seite_248">248</a></td></tr>
+<tr><td align="left" valign="top">C.</td><td align="left">Übersicht über die Zahl der von jedem deutschen Staat nach Amerika gesandten Truppen und über die Zahl derer, die nicht zurückkehrten</td><td align="right" valign="bottom"><a href="#Seite_248">248</a></td></tr>
<tr><td align="left" valign="top">D.</td><td align="left">Verlustliste der Deutschen in den Haupt-Schlachten und Gefechten des Revolutionskrieges</td><td align="right" valign="bottom"><a href="#Seite_250">250</a></td></tr>
</table></div>
<hr class="tb" />
@@ -519,14 +477,14 @@ die, obschon echt, irrig waren.</p>
<div class="center">
<table border="0" cellpadding="4" cellspacing="0" summary="Kartenverzeichnis">
-<tr><td align="left" colspan="2"><h3>Karten und Pläne.</h3></td></tr>
+<tr><td align="left" colspan="2"><h3>Karten und Pläne.</h3></td></tr>
<tr><td align="left">1.</td><td align="left">Schlacht von Long-Island 1776</td><td align="right"><a href="#Seite_48">48</a></td></tr>
<tr><td align="left">2.</td><td align="left">Operationen in New-Jersey und Pennsylvanien 1776</td><td align="right"><a href="#Seite_64">64</a></td></tr>
<tr><td align="left">3.</td><td align="left">Affaire bei Trenton 1776</td><td align="right"><a href="#Seite_74">74</a></td></tr>
-<tr><td align="left">4.</td><td align="left">Burgoynes Übergabe 1777</td><td align="right"><a href="#Seite_128">128</a></td></tr>
+<tr><td align="left">4.</td><td align="left">Burgoynes Übergabe 1777</td><td align="right"><a href="#Seite_128">128</a></td></tr>
<tr><td align="left">5.</td><td align="left">Schlacht von Brandywine 1777</td><td align="right"><a href="#Seite_160">160</a></td></tr>
-<tr><td align="left">6.</td><td align="left">Überfall auf Paulus Hook 1779</td><td align="right"><a href="#Seite_186">186</a></td></tr>
-<tr><td align="left">7.</td><td align="left">Lord Cornwallis Operationen im Süden 1781</td><td align="right"><a href="#Seite_216">216</a></td></tr>
+<tr><td align="left">6.</td><td align="left">Überfall auf Paulus Hook 1779</td><td align="right"><a href="#Seite_186">186</a></td></tr>
+<tr><td align="left">7.</td><td align="left">Lord Cornwallis Operationen im Süden 1781</td><td align="right"><a href="#Seite_216">216</a></td></tr>
<tr><td align="left">8.</td><td align="left">Yorktown 1781</td><td align="right"><a href="#Seite_224">224</a></td></tr>
</table></div>
<hr class="tb" />
@@ -536,7 +494,7 @@ die, obschon echt, irrig waren.</p>
<p class="center"><br /><br /><br /><br /><big><big><big>Die Hessen</big></big></big></p>
-<p class="center">und die andern deutschen Hülfstruppen im Kriege<br />
+<p class="center">und die andern deutschen Hülfstruppen im Kriege<br />
Gross-Britanniens gegen Amerika<br />
1776-1783.<br /><br /><br /><br /><br /><br /><br /></p>
<hr class="chap" />
@@ -547,421 +505,421 @@ Gross-Britanniens gegen Amerika<br />
<p><span class="pagenum"><a name="Seite_1" id="Seite_1">[S. 1]</a></span></p>
<h2><a name="Kapitel_I" id="Kapitel_I">Kapitel I.</a></h2>
-<h3>Die Fürsten.</h3>
+<h3>Die Fürsten.</h3>
-<p>Die Stadt Cassel ist für den durchreisenden
+<p>Die Stadt Cassel ist für den durchreisenden
Fremden eine der anziehendsten in Mitteldeutschland.
-Ihre Galerien, Parks und Gärten, sowie ihre grossen
-Paläste erregen Bewunderung und Staunen. Hier brachte
+Ihre Galerien, Parks und Gärten, sowie ihre grossen
+Paläste erregen Bewunderung und Staunen. Hier brachte
Napoleon III. die Monate seiner Gefangenschaft zu inmitten
einer Umgebung, die ihn an die Grossartigkeit
-von Versailles erinnert haben möchte, welche den Schöpfern
+von Versailles erinnert haben möchte, welche den Schöpfern
dieser herrlichen Anlagen wohl als Vorbild vorschwebte.
-Die Anlagen und Schlösser rührten hauptsächlich aus
+Die Anlagen und Schlösser rührten hauptsächlich aus
dem XVIII. Jahrhundert her, als die Augen der meisten
-Fürsten von Europa auf den französischen Hof gerichtet
+Fürsten von Europa auf den französischen Hof gerichtet
waren; und kein Hof folgte eifriger und konsequenter,
-in äusserem Gepränge wenigstens, dem Beispiel des französischen
+in äusserem Gepränge wenigstens, dem Beispiel des französischen
Hofes, als der des Landgrafen von Hessen-Cassel.
-Die Ausgaben für alle diese Bauten und Parkanlagen
+Die Ausgaben für alle diese Bauten und Parkanlagen
waren ungeheuer, aber es war im allgemeinen
Geld im Staatsschatz. Das Land jedoch war arm. Die
-3-400&nbsp;000 Einwohner lebten hauptsächlich vom Ackerbau,
-während die Landgrafen Finanzmänner waren. Es
-war ein einträglicher Handel, den sie betrieben. Nach
+3-400&nbsp;000 Einwohner lebten hauptsächlich vom Ackerbau,
+während die Landgrafen Finanzmänner waren. Es
+war ein einträglicher Handel, den sie betrieben. Nach
der Ware, die sie verkauften oder ausliehen, war grosse
Nachfrage im damaligen Jahrhundert, wie in allen Jahrhunderten,
es waren eben <em class="gesperrt">Menschen</em>, mit denen die
Landgrafen von Hessen-Cassel Handel trieben. Daher
kam es, dass Landgraf Friedrich II. und seine Leute
in der amerikanischen Geschichte eine Rolle spielten und
-dass der Name »Hessen« eine landläufige Bezeichnung in
+dass der Name »Hessen« eine landläufige Bezeichnung in
<span class="pagenum"><a name="Seite_2" id="Seite_2">[S. 2]</a></span>
den Vereinigten Staaten wurde. Die Landgrafen nahmen
-es nicht sonderlich genau mit den Ländern und den Abnehmern,
+es nicht sonderlich genau mit den Ländern und den Abnehmern,
mit denen sie in Verbindung traten. 1687
-stellte einer derselben 1000 Mann den Venetianern für
-Geld zur Verfügung, um gegen die Türken zu fechten.
-1702 dienten 9000 Hessen unter den Seemächten und
+stellte einer derselben 1000 Mann den Venetianern für
+Geld zur Verfügung, um gegen die Türken zu fechten.
+1702 dienten 9000 Hessen unter den Seemächten und
1706 waren 11&nbsp;500 Mann in Italien. England war der
-beste Kunde. Während eines grossen Teils des XVIII.
+beste Kunde. Während eines grossen Teils des XVIII.
Jahrhunderts hatte es Hessen in seinem Sold. Ein Teil derselben
war bei der Armee des Herzogs von Cumberland
-während des Prätendenten Invasion 1745, aber es ist
+während des Prätendenten Invasion 1745, aber es ist
festgestellt, dass sie sich zu fechten weigerten, um einen
Vertrag wegen Auslieferung der Gefangenen zu erlangen.
-Es würde für viele von ihnen günstig gewesen sein,
-wenn sie sich aus demselben Grunde geweigert hätten
+Es würde für viele von ihnen günstig gewesen sein,
+wenn sie sich aus demselben Grunde geweigert hätten
nach Amerika zu gehen. So wenig spielte bei den Landgrafen
der Patriotismus oder die Politik eine Rolle, dass
-im Jahre 1743 Hessen gegenüber Hessen standen, 6000
-Mann, die in der Armee des Königs Georg III. von
+im Jahre 1743 Hessen gegenüber Hessen standen, 6000
+Mann, die in der Armee des Königs Georg III. von
England und 6000 Mann, die im gegnerischen Heere des
Kaiser Karl VII. dienten.</p>
<p>Die Landgrafen von Hessen waren nicht die einzigen
-Fürsten, die ihre Truppen in fremden Sold gaben. Im
-amerikanischen Revolutionskrieg überliessen sechs deutsche
-Fürsten ihre Soldaten an Gross-Britannien. Diese waren
+Fürsten, die ihre Truppen in fremden Sold gaben. Im
+amerikanischen Revolutionskrieg überliessen sechs deutsche
+Fürsten ihre Soldaten an Gross-Britannien. Diese waren
Friedrich II., Landgraf von Hessen-Cassel, Wilhelm, sein
-Sohn, unabhängiger Graf von Hessen-Hanau, Carl I., Herzog
-von Braunschweig, Friedrich, Fürst von Waldeck, Carl
+Sohn, unabhängiger Graf von Hessen-Hanau, Carl I., Herzog
+von Braunschweig, Friedrich, Fürst von Waldeck, Carl
Alexander, Markgraf von Anspach-Bayreuth und Friedrich
-August, Fürst von Anhalt-Zerbst. Die Handlungsweise
-dieser Fürsten stand in keinem Einklang mit der Politik
+August, Fürst von Anhalt-Zerbst. Die Handlungsweise
+dieser Fürsten stand in keinem Einklang mit der Politik
des Kaiserreichs und dem sittlichen Empfinden der damaligen
Zeit, der Kaiser aber hatte keine Macht es zu
-verhindern, denn die Abhängigkeit von denjenigen Teilen
+verhindern, denn die Abhängigkeit von denjenigen Teilen
des Reiches, die ausserhalb seiner Erblande lagen, war
wenig mehr wie nur dem Namen nach vorhanden.
<span class="pagenum"><a name="Seite_3" id="Seite_3">[S. 3]</a></span></p>
<p>Die Karte von Deutschland im XVIII. Jahrhundert
-zeigt ein ausserordentliches Flickwerk. Ueber den nördlichen
+zeigt ein ausserordentliches Flickwerk. Ueber den nördlichen
Theil des Landes, von Osten nach Westen, aber
nicht in ununterbrochener Folge, ziehen sich die Gebiete
-des Königs von Preussen. Die österreichischen Erblande,
-in einer ziemlich kompakten Masse, nehmen die südöstliche
+des Königs von Preussen. Die österreichischen Erblande,
+in einer ziemlich kompakten Masse, nehmen die südöstliche
Ecke ein. Ueber die Grenzen dieser zwei grossen
-Mächte hinaus liegt Alles durcheinander. Kurfürstentümer,
-Herzogtümer, Erzbistümer, Besitzungen von Markgrafen,
-Landgrafen, Fürsten und freien Städten sind unentwirrbar
-zusammengewürfelt. Es gab beinahe 300
-souveräne Staaten in Deutschland, neben über 1400 Besitzungen
+Mächte hinaus liegt Alles durcheinander. Kurfürstentümer,
+Herzogtümer, Erzbistümer, Besitzungen von Markgrafen,
+Landgrafen, Fürsten und freien Städten sind unentwirrbar
+zusammengewürfelt. Es gab beinahe 300
+souveräne Staaten in Deutschland, neben über 1400 Besitzungen
des hohen Adels, die direkt unter dem Kaiser
-standen und viele Souveränitätsrechte hatten. Einige
-von diesen 300 Staaten waren nicht grösser als Stadtgebiete
-von Neu-England, viele nicht grösser als amerikanische
+standen und viele Souveränitätsrechte hatten. Einige
+von diesen 300 Staaten waren nicht grösser als Stadtgebiete
+von Neu-England, viele nicht grösser als amerikanische
counties. Auch war keiner derselben in sich
-geschlossen, die Besitztümer waren meist aus getrennten
-Länderteilen zusammengesetzt. Jedes kleine Fürstentum
-hatte seinen kleinen Fürsten mit seinem Hof und seiner
-Armee zu unterhalten. Die Fürsten waren regelrecht
+geschlossen, die Besitztümer waren meist aus getrennten
+Länderteilen zusammengesetzt. Jedes kleine Fürstentum
+hatte seinen kleinen Fürsten mit seinem Hof und seiner
+Armee zu unterhalten. Die Fürsten waren regelrecht
despotisch. Die Ueberreste von dem, was einst konstitutionelle
Versammlungen gewesen waren, bestanden in
-manchen Orten noch (Landstände), aber sie repräsentierten
-im besten Falle nur einen kleinen Teil der Bevölkerung.
-Die Städte wurden durch die privilegierten
+manchen Orten noch (Landstände), aber sie repräsentierten
+im besten Falle nur einen kleinen Teil der Bevölkerung.
+Die Städte wurden durch die privilegierten
Klassen verwaltet. Auf dem Lande war den Bauern in
einigen Gegenden ein wenig Freiheit in der Verwaltung
ihrer Orts-Angelegenheiten belassen, aber im allgemeinen
waren die Bauern nicht viel besser daran wie
Leibeigene und Gegenstand der Tyrannei einer Horde
von Beamten, die bei jeder Gelegenheit sich einmischten.
-Der Handel war durch Zölle und Abgaben gehemmt;
+Der Handel war durch Zölle und Abgaben gehemmt;
jeder kleine Staat hatte sein eigenes Finanz-System,
-Handel und Industrie waren durch Monopole beschränkt.
+Handel und Industrie waren durch Monopole beschränkt.
<span class="pagenum"><a name="Seite_4" id="Seite_4">[S. 4]</a></span>
-An einigen Orten regelten drückende Gesetze die Kleidung
-und Kost der Bevölkerung.</p>
+An einigen Orten regelten drückende Gesetze die Kleidung
+und Kost der Bevölkerung.</p>
<p>Vor Eintritt in das letzte Viertel des Jahrhunderts
-hatten in politischer Beziehung bessere Verhältnisse Platz
+hatten in politischer Beziehung bessere Verhältnisse Platz
gegriffen. Friedrich der Grosse von Preussen und
Joseph II. von Oesterreich waren, jeder in seiner Art,
-erleuchtete Fürsten, und ihr Beispiel hatte viele von den
-besseren Souveränen bewogen, einigermassen für das
+erleuchtete Fürsten, und ihr Beispiel hatte viele von den
+besseren Souveränen bewogen, einigermassen für das
Wohl des Volkes zu sorgen. Der Einfluss der freiheitlichen
Bewegung in Frankreich machte sich ebenfalls
-fühlbar. Aber die Ideen von politischer Freiheit hatten
+fühlbar. Aber die Ideen von politischer Freiheit hatten
selbst bei den am weitesten vorgeschrittenen Geistern in
Deutschland kaum Eingang gefunden. Die gute oder
-schlechte Gesinnung des Fürsten stand nicht <em class="gesperrt">mehr</em> unter
-dem Einfluss der öffentlichen Meinung als der Zustand
+schlechte Gesinnung des Fürsten stand nicht <em class="gesperrt">mehr</em> unter
+dem Einfluss der öffentlichen Meinung als der Zustand
des Wetters. Die Lehre vom passiven Gehorsam war
-an der Tagesordnung, obschon nicht völlig unbestritten.
+an der Tagesordnung, obschon nicht völlig unbestritten.
Wenn, wie ein Geschichtsschreiber in Betreff politischer
-Verhältnisse auseinandersetzte, es die Pflicht des Untergebenen
-wäre zu gehorchen, selbst wenn sein Fürst aus
-reiner Willkür sein Leben von ihm fordern würde, so
+Verhältnisse auseinandersetzte, es die Pflicht des Untergebenen
+wäre zu gehorchen, selbst wenn sein Fürst aus
+reiner Willkür sein Leben von ihm fordern würde, so
kann man hoffen, dass es ebenso richtig war, wenn ein
-anderer Geschichtsschreiber sagte, dass »in fürstlichen
-Häusern alle Tugenden erblich sind«.</p>
+anderer Geschichtsschreiber sagte, dass »in fürstlichen
+Häusern alle Tugenden erblich sind«.</p>
<p>Wir wollen nun etwas eingehender die speziellen Erben
-aller Tugenden betrachten, die Söldner nach Amerika
+aller Tugenden betrachten, die Söldner nach Amerika
sandten.</p>
<p>Der bedeutendste von ihnen war Friedrich II., Landgraf
-von Hessen-Cassel. Dieser Fürst war der katholische
-Fürst eines protestantischen Landes. Seine erste
+von Hessen-Cassel. Dieser Fürst war der katholische
+Fürst eines protestantischen Landes. Seine erste
Gemahlin war eine englische Prinzessin, eine Tochter
Georg II. Sie hat sich bei seinem Uebertritt zum Katholizismus
-nur von ihm getrennt und nach Hanau zurückgezogen
-mit seinem vorzüglichen Sohn, von dem ich sogleich
+nur von ihm getrennt und nach Hanau zurückgezogen
+mit seinem vorzüglichen Sohn, von dem ich sogleich
sprechen werde.</p>
-<p>Friedrich hatte in Cassel ein fröhliches Leben ge<span class="pagenum"><a name="Seite_5" id="Seite_5">[S. 5]</a></span>führt.
+<p>Friedrich hatte in Cassel ein fröhliches Leben ge<span class="pagenum"><a name="Seite_5" id="Seite_5">[S. 5]</a></span>führt.
Er hatte eine abgedankte Maitresse des Herzogs
von Bouillon zu sich genommen, aber er hielt nicht viel
von der Treue und soll mehr als 100 Kinder gehabt
-haben. Es wurde ein französisches Theater und eine
-Oper mit französischem Ballet unterhalten. Französische
+haben. Es wurde ein französisches Theater und eine
+Oper mit französischem Ballet unterhalten. Französische
Abenteurer mit guten Empfehlungen waren willkommen
und erhielten selbst verantwortliche Stellungen im Staat.
-Der Hof war nach französischem Muster eingerichtet.
-Französisch war ebenfalls &mdash; und ist es noch lange nachher
-geblieben &mdash; die Sprache der Fürsten, Hofmänner
+Der Hof war nach französischem Muster eingerichtet.
+Französisch war ebenfalls &mdash; und ist es noch lange nachher
+geblieben &mdash; die Sprache der Fürsten, Hofmänner
und Diplomaten. In dieser Sprache korrespondierte
Friedrich der Grosse mit vielen seiner Verwandten,
-seine Schwester schrieb darin ihre Memoiren, und französisch
+seine Schwester schrieb darin ihre Memoiren, und französisch
wurde gesprochen am Hofe des kleineren
Friedrich, welchen wir vor Augen haben.</p>
<p>Zur Zeit der amerikanischen Revolution lebte der
-Landgraf mit seiner zweiten Frau. Er war ungefähr
+Landgraf mit seiner zweiten Frau. Er war ungefähr
60 Jahre alt und scheint damals etwas gesetzter geworden
-zu sein. Er war ein tüchtiger Regent. Seine
+zu sein. Er war ein tüchtiger Regent. Seine
Truppen, durch Konscription ausgehoben und nach
preussischem System gedrillt, bestanden aus guten Soldaten.
-Seine Armee zählte im Jahre 1781 22,000 Mann,
-während die Bevölkerung seiner Gebiete wenig mehr als
+Seine Armee zählte im Jahre 1781 22,000 Mann,
+während die Bevölkerung seiner Gebiete wenig mehr als
300,000 Seelen betrug; aber viele Fremde wurden zum
Dienen angeworben. Ein Teil wurde nicht ununterbrochen
-bei der Fahne gehalten, sondern während des grössten
+bei der Fahne gehalten, sondern während des grössten
Teils des Jahres beurlaubt, um nur auf einige Wochen
zu den Uebungen eingezogen zu werden. Friedrich nahm
grosses Interesse an seiner Armee und korrespondierte
mit seinen Offizieren in Amerika um allen seinen Einfluss
-nutzbringend fühlen zu lassen. Auch bekümmerte er sich
+nutzbringend fühlen zu lassen. Auch bekümmerte er sich
um die inneren Angelegenheiten des Landes und hinterliess
bei seinem Tode einen vollen Staatsschatz. Er
-gründete Schulen und Museen und liebte wie seine Vorfahren,
+gründete Schulen und Museen und liebte wie seine Vorfahren,
Prachtbauten. Als er 12,000 Mann nach Amerika
-sandte, setzte er die Steuern für deren Hinterbliebene
+sandte, setzte er die Steuern für deren Hinterbliebene
<span class="pagenum"><a name="Seite_6" id="Seite_6">[S. 6]</a></span>
herunter, und, obschon diese, traurig und niedergeschlagen,
-ihre Söhne und Brüder, die jenseits des Ozeans für
-fremde Interessen kämpfen mussten, betrauerten, so verdient
+ihre Söhne und Brüder, die jenseits des Ozeans für
+fremde Interessen kämpfen mussten, betrauerten, so verdient
Friedrich von Hessen-Cassel in gewisser Hinsicht
-Nachsicht im Urteil, da er immerhin persönliche Würde
-zeigte und einer der wenigst scrupellosen Fürsten war,
-die Söldner nach Amerika schickten.</p>
-
-<p>Wilhelm, der älteste Sohn und voraussichtliche Erbe
-Landgraf Friedrichs, regierte während der Revolution
-die unabhängige Grafschaft Hanau, die einige Meilen
-östlich von Frankfurt am Main lag. Wilhelm stand
-seinem Vater nach an Würde, kam ihm aber gleich an
+Nachsicht im Urteil, da er immerhin persönliche Würde
+zeigte und einer der wenigst scrupellosen Fürsten war,
+die Söldner nach Amerika schickten.</p>
+
+<p>Wilhelm, der älteste Sohn und voraussichtliche Erbe
+Landgraf Friedrichs, regierte während der Revolution
+die unabhängige Grafschaft Hanau, die einige Meilen
+östlich von Frankfurt am Main lag. Wilhelm stand
+seinem Vater nach an Würde, kam ihm aber gleich an
Sinnlichkeit. Im August 1775, als man in Deutschland
von der Nachricht der Schlacht von Bunker Hill noch
-ganz erfüllt war, beeilte sich der Erbprinz, Georg III.
-ein Regiment anzubieten »ohne die geringsten Bedingungen«.
-Trotz der Beteuerung seiner uneigennützigsten
-Ergebenheit erhielt er schliesslich einen höhern Preis für
+ganz erfüllt war, beeilte sich der Erbprinz, Georg III.
+ein Regiment anzubieten »ohne die geringsten Bedingungen«.
+Trotz der Beteuerung seiner uneigennützigsten
+Ergebenheit erhielt er schliesslich einen höhern Preis für
den gestellten Mann als einer seiner Mitbewerber, ausgenommen
-seinen durchlauchtigen Vater. Die Höfe
+seinen durchlauchtigen Vater. Die Höfe
von Cassel und Hanau standen nicht auf gutem Fusse.
Seitdem der Landgraf den Glauben gewechselt hatte,
lebte er mit seiner Gemahlin und seinen Erben in Streit.
-Aber die Lebensweise seines ältesten Sohnes unterschied
+Aber die Lebensweise seines ältesten Sohnes unterschied
sich nicht sehr von seiner eigenen. Als Wilhelm ein
-natürliches Kind zu unterhalten hatte, schlug er den
+natürliches Kind zu unterhalten hatte, schlug er den
Preis eines jeden Sackes Salz, den seine Unterthanen
von den Salzminen brachten, um einen Kreuzer auf und
-gab die so erhaltenen Einkünfte dem Kinde. Als seine
+gab die so erhaltenen Einkünfte dem Kinde. Als seine
Nebenkinder die Zahl 74 erreicht hatten, mussten die
-ärmeren seiner Unterthanen mit dem Salz sparsam umgehen.
+ärmeren seiner Unterthanen mit dem Salz sparsam umgehen.
Einer seiner Bastarde war jener General von
-Haynau, welcher in österreichischen Diensten Grausamkeiten
+Haynau, welcher in österreichischen Diensten Grausamkeiten
in Italien 1849 beging, der in Brescia Frauen
-peitschen liess und nachher in London vom Pöbel misshandelt
-wurde. Wilhelms Maitresse war während vieler
+peitschen liess und nachher in London vom Pöbel misshandelt
+wurde. Wilhelms Maitresse war während vieler
<span class="pagenum"><a name="Seite_7" id="Seite_7">[S. 7]</a></span>
-Jahre ein Fräulein von Schlotheim, die ihm zuerst entlief
-aber von den eigenen Eltern zurückgeschickt wurde.
-Nach den Worten einer Dame in Cassel »konnte der
-hessische Adel diesen Vorteil nicht entbehren«. Obschon
-der Fürst im Jahre einige 12,000 Pfund Sterling als
-Subsidien für die Sendung von Truppen nach Amerika
+Jahre ein Fräulein von Schlotheim, die ihm zuerst entlief
+aber von den eigenen Eltern zurückgeschickt wurde.
+Nach den Worten einer Dame in Cassel »konnte der
+hessische Adel diesen Vorteil nicht entbehren«. Obschon
+der Fürst im Jahre einige 12,000 Pfund Sterling als
+Subsidien für die Sendung von Truppen nach Amerika
erhielt, so glaubt doch Kapp, dass er keine Steuern erliess,
ausser den Frauen und Kindern der Soldaten der
Expedition oder solche Steuern, die vom Eigentum der
Soldaten erhoben wurden, die weder Frauen noch Kinder
-hatten. Dass die nachher erwähnten Fürsten Steuern
+hatten. Dass die nachher erwähnten Fürsten Steuern
erlassen hatten, habe ich nicht erfahren, aber meine
-Quellen mögen lückenhaft sein.</p>
+Quellen mögen lückenhaft sein.</p>
-<p>Herzog Carl I. regierte über Braunschweig-Lüneburg
+<p>Herzog Carl I. regierte über Braunschweig-Lüneburg
und der Erbprinz Carl Wilhelm Ferdinand hatte
sich mit ihm in der Regierung vereinigt. Der Letztere
-hatte eine Schwester König Georg III. geheiratet. Das
-Land hatte nur ungefähr 150,000 Einwohner und die Fürsten
+hatte eine Schwester König Georg III. geheiratet. Das
+Land hatte nur ungefähr 150,000 Einwohner und die Fürsten
waren tief in Schulden. Carl war verschwenderisch und
-der siebenjährige Krieg war sehr kostspielig gewesen.
+der siebenjährige Krieg war sehr kostspielig gewesen.
Es waren Versuche gemacht worden, den Finanzen durch
Alchemie aufzuhelfen, aber das Gold war im Rauchfang
verflogen oder hatte seinen Weg in die Taschen der
Alchemisten genommen, denn es war keins in den
-Schmelztöpfen gefunden worden. Ein italienischer Theater-Direktor
+Schmelztöpfen gefunden worden. Ein italienischer Theater-Direktor
erhielt ein Salair von 30,000 Thalern jedes
-Jahr, während Lessing, der bereits der Autor von
-»Emilia Galotti« und »Minna von Barnhelm« war, als Archivar
-für eine Kleinigkeit diente. Prinz Carl Wilhelm
+Jahr, während Lessing, der bereits der Autor von
+»Emilia Galotti« und »Minna von Barnhelm« war, als Archivar
+für eine Kleinigkeit diente. Prinz Carl Wilhelm
Ferdinand war ein besserer Haushalter als sein Vater. Die
Lotterie, ein in jener Zeit modernes Mittel um Geld zu
machen, war unter der Leitung eines Staatsministers eingerichtet
worden, und brachte viel Geld ein, denn obschon
der Herzog von Braunschweig weniger pro Kopf
-an Subsidien für die Sendung von Soldaten nach Amerika
-als irgend ein anderer Fürst erhielt, so war er doch im
+an Subsidien für die Sendung von Soldaten nach Amerika
+als irgend ein anderer Fürst erhielt, so war er doch im
<span class="pagenum"><a name="Seite_8" id="Seite_8">[S. 8]</a></span>
-Stande, für sein Korps von 4300 Mann 160,000 Pfund
+Stande, für sein Korps von 4300 Mann 160,000 Pfund
in die Tasche zu stecken, bevor der Krieg beendigt war.</p>
<p>Die kleinen Gebiete von Anspach und Bayreuth, die
-zusammen ungefähr 400,000 Seelen enthielten, waren kurz
+zusammen ungefähr 400,000 Seelen enthielten, waren kurz
vorher unter der Regierung des Markgrafen Carl
-Alexander vereinigt worden. Keines von beiden Ländern
-war unter seinen Souveränen glücklich gewesen. Beide
-Länder hatten zu Zweigen der grossen Hohenzollern-Familie
-gehört, deren Hauptlinie bereits in Preussen
+Alexander vereinigt worden. Keines von beiden Ländern
+war unter seinen Souveränen glücklich gewesen. Beide
+Länder hatten zu Zweigen der grossen Hohenzollern-Familie
+gehört, deren Hauptlinie bereits in Preussen
den Grund zu der Macht gelegt hatte, welche ihr heute
den ersten Platz in Europa gegeben hat. Aber den
Markgrafen von Anspach und Bayreuth fehlte die Geschicklichkeit,
-welche der rauhen Strenge König Friedrich
+welche der rauhen Strenge König Friedrich
Wilhelms, des Vaters Friedrichs des Grossen, zu Grunde lag.</p>
<p>Von diesem Friedrich Wilhelm haben wir ein lebendiges
Bild in den Memoiren seiner Tochter Wilhelmine.
Wie er seine Kinder mit dem Stock im Zimmer herumjagte,
wie Wilhelmine sich unter dem Bett verbarg und
-Friedrich im Kloset, wie der König grosse Soldaten
-liebte und seiner Gemahlin gegenüber tobte, ist da genau
-erzählt. Mit der ausdrücklichen Absicht, ihre Geschichte
-heiterer zu machen, erzählt die Prinzessin, wie ihr Vater,
+Friedrich im Kloset, wie der König grosse Soldaten
+liebte und seiner Gemahlin gegenüber tobte, ist da genau
+erzählt. Mit der ausdrücklichen Absicht, ihre Geschichte
+heiterer zu machen, erzählt die Prinzessin, wie ihr Vater,
der im Allgemeinen der keuscheste der Monarchen war,
-versuchte, eine Hofdame auf der Treppe zu küssen und
+versuchte, eine Hofdame auf der Treppe zu küssen und
wie sie ihn in's Gesicht schlug, so dass seine Nase
-blutete. Wilhelmine vermählte sich mit einem Markgrafen
+blutete. Wilhelmine vermählte sich mit einem Markgrafen
von Bayreuth, und ihre Schwester Friederike Louise mit
einem Markgrafen von Anspach; letztere aber lebte nicht
auf gutem Fusse mit ihm.</p>
-<p>Dieser Markgraf von Anspach war gutmütig in
-seiner Weise und gütig, wenn er nicht schlecht gelaunt
+<p>Dieser Markgraf von Anspach war gutmütig in
+seiner Weise und gütig, wenn er nicht schlecht gelaunt
war. Er liebte es, seinen Dienern kleine Gnadenbeweise
-zu geben, und ihnen persönlich davon Mitteilung zu
+zu geben, und ihnen persönlich davon Mitteilung zu
machen. Er erlaubte bereitwillig, den Kranken Leckerbissen
-aus seiner Küche zukommen zu lassen. Wenn er
+aus seiner Küche zukommen zu lassen. Wenn er
nicht betrunken war, so war er geneigt, bei Verbrechern
<span class="pagenum"><a name="Seite_9" id="Seite_9">[S. 9]</a></span>
die Todesstrafe in Freiheitsstrafe zu verwandeln, falls
sie sich nicht eines so schrecklichen Verbrechens schuldig
-gemacht hatten, wie der Überredung von Soldaten, zu desertieren,
+gemacht hatten, wie der Überredung von Soldaten, zu desertieren,
an seinem Hof zu stehlen oder zu wilddieben; aber
-seine militärischen Exekutionen waren barbarisch. Der Markgraf
-war regelmässig in seinem Kirchenbesuch und geneigt,
-Kirchen, Schulen und Hospitäler zu gründen. Er
-wäre deshalb wohl von seinen Unterthanen geliebt worden,
-wenn nicht seine ungezähmte Laune, und die Excesse, in
-die sie ihn führte, gewesen wären. Als er einmal gehört
-hatte, dass seine Hunde nicht gut gefüttert wurden, ritt
+seine militärischen Exekutionen waren barbarisch. Der Markgraf
+war regelmässig in seinem Kirchenbesuch und geneigt,
+Kirchen, Schulen und Hospitäler zu gründen. Er
+wäre deshalb wohl von seinen Unterthanen geliebt worden,
+wenn nicht seine ungezähmte Laune, und die Excesse, in
+die sie ihn führte, gewesen wären. Als er einmal gehört
+hatte, dass seine Hunde nicht gut gefüttert wurden, ritt
er zu dem Haus des Mannes, der sie in Verwahrung
-hatte, rief ihn an die Thür und erschoss ihn an der
-eigenen Thürschwelle. Als ein Gastwirt wegen eines
+hatte, rief ihn an die Thür und erschoss ihn an der
+eigenen Thürschwelle. Als ein Gastwirt wegen eines
kleinen Diebstahls geklagt hatte, liess der Markgraf den
-Dieb hängen. Im Jahre 1747 war ein Dienstmädchen
-ohne Untersuchung gehängt worden, weil es einem Soldaten
+Dieb hängen. Im Jahre 1747 war ein Dienstmädchen
+ohne Untersuchung gehängt worden, weil es einem Soldaten
zur Flucht verholfen hatte. Als der Markgraf
eines Tages aus seinem Schloss ritt, hielt er still und ersuchte
-den Wachtposten, der der Stadtwache angehörte und
-kein regulärer Soldat war, um sein Gewehr. Der arme
-Bursche, der nicht argwöhnisch war, gab es her, worauf
+den Wachtposten, der der Stadtwache angehörte und
+kein regulärer Soldat war, um sein Gewehr. Der arme
+Bursche, der nicht argwöhnisch war, gab es her, worauf
der Markgraf ihn einen Feigling und Schuft nannte und
-ihn von zwei Husaren an den Schwänzen der Pferde durch
-den Mühlteich schleifen liess, an welcher Behandlung der
+ihn von zwei Husaren an den Schwänzen der Pferde durch
+den Mühlteich schleifen liess, an welcher Behandlung der
Mann starb. Einer seiner Stallmeister, mit Namen von Reitzenstein,
-obschon habsüchtig und verderbt, war beim Volke
-beliebt, weil er einigemal diese Excesse mässigte. Bei
+obschon habsüchtig und verderbt, war beim Volke
+beliebt, weil er einigemal diese Excesse mässigte. Bei
einer Gelegenheit machte ein Schafhirt mit der Herde
-nicht schnell genug Platz für den Markgrafen wodurch
+nicht schnell genug Platz für den Markgrafen wodurch
Seiner Durchlauchtigsten Hoheit Pferd scheute. Der Markgraf
forderte des Stallmeisters Pistolen um den Burschen
-niederzuschiessen. »Sie sind nicht geladen,« antwortete
+niederzuschiessen. »Sie sind nicht geladen,« antwortete
von Reitzenstein. Indessen kurz bevor sie zu Hause anlangten,
zog der Stallmeister beide Pistolen heraus und
-feuerte sie in die Luft. Paff! Paff! »Was ist los?«
+feuerte sie in die Luft. Paff! Paff! »Was ist los?«
<span class="pagenum"><a name="Seite_10" id="Seite_10">[S. 10]</a></span>
-schrie der erschrockene Markgraf. »Mein gnädiger Herr,«
-antwortete der andere, »ich glaube, Sie werden diese
+schrie der erschrockene Markgraf. »Mein gnädiger Herr,«
+antwortete der andere, »ich glaube, Sie werden diese
Nacht viel besser schlafen, nachdem sie den Krach der
-Pistolen jetzt, als eine Stunde vorher gehört haben.«</p>
+Pistolen jetzt, als eine Stunde vorher gehört haben.«</p>
-<p>Es war sehr gefährlich, des Markgrafen Handlungsweise
+<p>Es war sehr gefährlich, des Markgrafen Handlungsweise
zu kritisieren. 1740 war ein gewisser Christoph
Wilhelm von Rauber angeschuldigt, Karrikaturen und
-Schmähschriften verbreitet zu haben. Deswegen war er
+Schmähschriften verbreitet zu haben. Deswegen war er
verurteilt worden, sich auf den Mund zu schlagen, doch
-mit der Verschärfung, dass es für ihn der Scharfrichter
+mit der Verschärfung, dass es für ihn der Scharfrichter
thun sollte, ferner sollte er sehen, wie der Letztere seine
-Schmähschriften verbrannte, und zuletzt geköpft werden,
-welch letztere Strafe gnädig in lebenslängliches Gefängnis
+Schmähschriften verbrannte, und zuletzt geköpft werden,
+welch letztere Strafe gnädig in lebenslängliches Gefängnis
und Konfiskation umgewandelt wurde.</p>
<p>Carl Alexander, der Sohn dieses grausamen Markgrafen
scheint etwas menschlicher als sein Vater gewesen
zu sein. Er war in seiner Jugend nach Utrecht geschickt
worden, um Staats-Wissenschaften zu lernen und dann
-nach Italien, wahrscheinlich um sich fürstliche Tugenden
+nach Italien, wahrscheinlich um sich fürstliche Tugenden
anzueignen. Er kehrte, durch Ausschweifungen abgelebt,
-zurück, welches sein Vater dem Reisebegleiter, Rath Meyer
+zurück, welches sein Vater dem Reisebegleiter, Rath Meyer
Schuld gab. Der letztere wurde in Zelle eingekerkert,
-sein späteres Schicksal ist unbekannt. Einer anderen Erzählung
+sein späteres Schicksal ist unbekannt. Einer anderen Erzählung
zufolge wurde er in Altenkirchen hingerichtet.</p>
<p>Im Jahre 1777 war Carl Alexander, der Markgraf von
Anspach und Bayreuth geworden, tief in Schulden und
-entzückt durch die Gelegenheit zwei seiner Regimenter
+entzückt durch die Gelegenheit zwei seiner Regimenter
in fremden Sold zu geben. Rekruten und Ersatzleute
waren in Zeitabschnitten hinausgesandt worden, bis eine
-Totalsumme 2353 erreicht war, für deren Dienste der Markgraf
+Totalsumme 2353 erreicht war, für deren Dienste der Markgraf
mehr als 100,000 Pfd. erhielt. Carl Alexander war der
letzte Markgraf von Anspach und Bayreuth. Im Jahre 1791
-verkaufte er beide Länder an Preussen, für eine Pension,
+verkaufte er beide Länder an Preussen, für eine Pension,
von welcher er nachher in England lebte, wo er 1806 starb.</p>
<p>Neben den Markgrafen von Anspach scheinen die
-Fürsten von Waldeck ziemlich beachtenswert. Allerdings
+Fürsten von Waldeck ziemlich beachtenswert. Allerdings
<span class="pagenum"><a name="Seite_11" id="Seite_11">[S. 11]</a></span>
-gebrauchten sie ihr kleines Land hauptsächlich als Domäne
-um Leute für den Holländischen Markt aufzuziehen,
-aber sie selbst fochten mit Auszeichnung für dasselbe
-Land. Das Ausrüsten von Truppen für Amerika war mehr
-ein Neben-Geschäft, denn die ganze ausgeschickte Anzahl
+gebrauchten sie ihr kleines Land hauptsächlich als Domäne
+um Leute für den Holländischen Markt aufzuziehen,
+aber sie selbst fochten mit Auszeichnung für dasselbe
+Land. Das Ausrüsten von Truppen für Amerika war mehr
+ein Neben-Geschäft, denn die ganze ausgeschickte Anzahl
betrug nur 1225 Soldaten.</p>
-<p>Friedrich August, Fürst von Anhalt-Zerbst, kann als
-die Karrikatur eines kleinen deutschen Fürsten seiner Zeit
-angesehen werden. Er regierte über einige 20,000 Seelen,
+<p>Friedrich August, Fürst von Anhalt-Zerbst, kann als
+die Karrikatur eines kleinen deutschen Fürsten seiner Zeit
+angesehen werden. Er regierte über einige 20,000 Seelen,
aber man kann nicht sagen, dass er sie regiert hat, denn
die letzten 30 Jahre seines Lebens brachte er in Basel
und Luxemburg zu. Selbst da fand er, dass seine Unterthanen
-ihm störend werden könnten, und verbot bei Strafe
+ihm störend werden könnten, und verbot bei Strafe
der Entlassung, durch eine formell gedruckte Ordre, dass
ihn einer seiner Beamten mit den Angelegenheiten seines
-Landes behelligte. Er war nicht übermässig streng, indessen
+Landes behelligte. Er war nicht übermässig streng, indessen
hatte er auf der Insel Wangeroog einen Galgen
-errichten lassen als Schreckmittel für die Austern-Stehler.
+errichten lassen als Schreckmittel für die Austern-Stehler.
Seine Armee von 2000 Mann, und diese noch dazu
-mehr auf dem Papier, zählte nicht weniger als 11 Obersten,
+mehr auf dem Papier, zählte nicht weniger als 11 Obersten,
doch als es dazu kam, 600 Mann nach Amerika zu senden,
-musste er über die Grenzen des Landes hinausgehen, um
+musste er über die Grenzen des Landes hinausgehen, um
nicht nur Soldaten sondern auch Offiziere zu finden. Das
-kleine Fürstentum war so zu sagen in Kommission und
-wurde durch einige wenige Privat-Räte verwaltet. Es
+kleine Fürstentum war so zu sagen in Kommission und
+wurde durch einige wenige Privat-Räte verwaltet. Es
hatte weder Kunst noch Industrie, und hatte durch Krieg,
Hungersnot, Pest und Hochwasser gelitten. Aber es war
ein Land, das sehr hohe Beziehungen hatte. Die Schwester
-des Fürsten war die Kaiserin Catharina II von Russland.
-Der Fürst selbst, obschon er fern vom Lande wohnte, fühlte
-trotzdem die Höhe seiner Stellung und hatte ein mitfühlendes
-Herz für Monarchen, wo nicht für Unterthanen.
-Als er hörte, dass gottlose Franzosen ihren König
+des Fürsten war die Kaiserin Catharina II von Russland.
+Der Fürst selbst, obschon er fern vom Lande wohnte, fühlte
+trotzdem die Höhe seiner Stellung und hatte ein mitfühlendes
+Herz für Monarchen, wo nicht für Unterthanen.
+Als er hörte, dass gottlose Franzosen ihren König
Louis XVI enthauptet hatten, verfiel er in Melancholie, verweigerte
Essen und Trinken und starb, wie er gelebt hatte,
-als Parodie, die Karrikatur eines königlichen Märtyrers.
+als Parodie, die Karrikatur eines königlichen Märtyrers.
</p>
<hr class="chap" />
@@ -970,234 +928,234 @@ als Parodie, die Karrikatur eines königlichen Märtyrers.
<p><span class="pagenum"><a name="Seite_12" id="Seite_12">[S. 12]</a></span></p>
<h2><a name="Kapitel_II" id="Kapitel_II">Kapitel II.</a></h2>
-<h3>Die Verträge.</h3>
+<h3>Die Verträge.</h3>
<p>Aus den Verhandlungen zwischen dem Hof von
-Grossbritannien und den deutschen Fürsten zur Anwerbung
-von Soldtruppen für den Krieg in Amerika ist ersichtlich,
+Grossbritannien und den deutschen Fürsten zur Anwerbung
+von Soldtruppen für den Krieg in Amerika ist ersichtlich,
wie begierig man auf beiden Seiten war, zu einem Resultat
zu gelangen. England gebrauchte Leute, die
-Fürsten Geld, und während die Letzteren sich bemühten
-so hohe Subsidienbeträge wie möglich zu bekommen, war
-die Hauptsorge des Kabinets von Lord North, die höchstmögliche
-Anzahl von Soldaten ohne Verzögerung zu erhalten.
+Fürsten Geld, und während die Letzteren sich bemühten
+so hohe Subsidienbeträge wie möglich zu bekommen, war
+die Hauptsorge des Kabinets von Lord North, die höchstmögliche
+Anzahl von Soldaten ohne Verzögerung zu erhalten.
Friedrich Kapp, der deutsche Geschichtsschreiber
dieses Handels, meint, dass Colonel William Faucitt, der
-Britische Kommissionär und General-Bevollmächtigte in
-dieser ganzen Angelegenheit, zu weitgehende Zugeständnisse
+Britische Kommissionär und General-Bevollmächtigte in
+dieser ganzen Angelegenheit, zu weitgehende Zugeständnisse
bei Aufstellung der Bedingungen machte. Dies
scheint jedoch nicht die Ansicht des Earl of Suffolk,
-North's Sekretär der auswärtigen Angelegenheiten, gewesen
+North's Sekretär der auswärtigen Angelegenheiten, gewesen
zu sein, da er sich fortgesetzt mit seinem Agenten
-sehr zufrieden erklärte.</p>
+sehr zufrieden erklärte.</p>
<p>Das britische Kabinet war in seinen Hoffnungen, die
es darauf gesetzt hatte, im Sommer und Herbst 1775
-20,000 Mann von Russland zu bekommen, getäuscht
+20,000 Mann von Russland zu bekommen, getäuscht
worden. Ebenso zerschlugen sich die Verhandlungen
in betreff eines sogenannten Schottischen Regiments,
-das gegenwärtig in holländischen Diensten war. Fünf
+das gegenwärtig in holländischen Diensten war. Fünf
Bataillone Hannoverischer Unterthanen Georg III. wurden
nach Gibraltar und Minorca schleunigst entsandt, um die
-Engländer, die in diesen Festungen als Besatzung dient,
-für andere Zwecke frei zu machen. So war keine andere
-Hülfe zu gewärtigen als von den kleinen unabhängigen
-deutschen Fürstentümern.</p>
+Engländer, die in diesen Festungen als Besatzung dient,
+für andere Zwecke frei zu machen. So war keine andere
+Hülfe zu gewärtigen als von den kleinen unabhängigen
+deutschen Fürstentümern.</p>
<p>Der Erbprinz von Hessen-Cassel, gleichzeitig regie<span class="pagenum"><a name="Seite_13" id="Seite_13">[S. 13]</a></span>render
Graf von Hessen-Hanau, hatte geschrieben, um
-Seiner Majestät von England seinen Eifer und seine Ergebenheit
-&mdash; »dem besten der Könige« &mdash; auszudrücken und
+Seiner Majestät von England seinen Eifer und seine Ergebenheit
+&mdash; »dem besten der Könige« &mdash; auszudrücken und
ihm die Dienste seines Regiments von 500 Mann anzubieten,
-»alles Landeskinder, die ich dem Schutze Euerer
-Majestät anvertraue, und die alle mit mir bereit sind, ihr
-Leben und Blut in Dero Diensten zu opfern.« Man darf
+»alles Landeskinder, die ich dem Schutze Euerer
+Majestät anvertraue, und die alle mit mir bereit sind, ihr
+Leben und Blut in Dero Diensten zu opfern.« Man darf
aber nicht glauben, dass der Prinz daran dachte, sein
eigenes kostbares Leben in Gefahr zu bringen, und der
Ausdruck von der Opferfreudigkeit seiner Unterthanen
-war auch nur eine reine Phrase. Der Fürst von Waldeck
-schrieb im November 1775 in ähnlicher Art, indem er
+war auch nur eine reine Phrase. Der Fürst von Waldeck
+schrieb im November 1775 in ähnlicher Art, indem er
600 Mann anbot. Seine Offiziere und Soldaten, ebenso
-wie ihr Fürst, verlangten nichts besseres, als eine Gelegenheit
-zu finden, sich für Seine Majestät zu opfern.</p>
+wie ihr Fürst, verlangten nichts besseres, als eine Gelegenheit
+zu finden, sich für Seine Majestät zu opfern.</p>
-<p>Der Herzog von Braunschweig-Lüneburg und der
+<p>Der Herzog von Braunschweig-Lüneburg und der
Landgraf von Hessen-Cassel boten zwar ihre Dienste
nicht an, Colonel Faucitt fand aber keine Schwierigkeiten
in Verhandlungen mit ihnen einzutreten. Der Markgraf
von Anspach-Bayreuth machte im Herbste 1775 ein Anerbieten
von zwei Bataillonen, aber der betreffende Vertrag
mit ihm kam erst nach mehr als einem Jahre zu Stande,
-und im Oktober 1777 wurde mit dem Fürst von Anhalt-Zerbst
-ein Übereinkommen getroffen, für dessen Zustandekommen
-er Alles that, was in seinen Kräften stand.
-Anerbietungen von Truppen von Seiten des Kurfürsten
-von Baiern und des Herzogs von Württemberg führten
+und im Oktober 1777 wurde mit dem Fürst von Anhalt-Zerbst
+ein Übereinkommen getroffen, für dessen Zustandekommen
+er Alles that, was in seinen Kräften stand.
+Anerbietungen von Truppen von Seiten des Kurfürsten
+von Baiern und des Herzogs von Württemberg führten
zu keinem Resultat, einesteils wegen der schlechten Beschaffenheit
-und Ausrüstung der angebotenen Soldaten und
+und Ausrüstung der angebotenen Soldaten und
andernteils, Letzteren betreffend, wegen der Schwierigkeiten,
die Friedrich der Grosse wegen Durchpassierens
-seiner Besitztümer machte. Anerbietungen mehrerer anderer
-kleiner deutscher Fürsten führten zu nichts.</p>
+seiner Besitztümer machte. Anerbietungen mehrerer anderer
+kleiner deutscher Fürsten führten zu nichts.</p>
<p>Der Vertrag, der zuerst abgeschlossen wurde, war
der mit dem Herzog von Braunschweig. Er ist datiert
vom 9. Januar 1776. Der Herzog stellt darin Sr. Britan<span class="pagenum"><a name="Seite_14" id="Seite_14">[S. 14]</a></span>nischen
-Majestät 3964 Mann Infanterie und 336 unberittene
-Dragoner zur Verfügung. Dies Korps sollte auf
-Kosten des Herzogs vollkommen ausgerüstet werden, ausgenommen
+Majestät 3964 Mann Infanterie und 336 unberittene
+Dragoner zur Verfügung. Dies Korps sollte auf
+Kosten des Herzogs vollkommen ausgerüstet werden, ausgenommen
die Pferde der leichten Kavallerie. Sie sollten
von Braunschweig in zwei Teilen marschieren im Februar
-und März, und der König war verpflichtet Massnahmen
-zu treffen, um Desertionen während des Marsches durch
-Kurfürstlich Hannoversches Gebiet auf dem Wege zur
-Küste zu verhindern. Der König sollte sie bezahlen und
+und März, und der König war verpflichtet Massnahmen
+zu treffen, um Desertionen während des Marsches durch
+Kurfürstlich Hannoversches Gebiet auf dem Wege zur
+Küste zu verhindern. Der König sollte sie bezahlen und
verpflegen wie seine eigenen Soldaten, und der Herzog
sollte sich verpflichten, sein Korps in den vollen Genuss
-der von Sr. Britannischen Majestät genehmigten Geld-Verpflegung
+der von Sr. Britannischen Majestät genehmigten Geld-Verpflegung
gelangen zu lassen, mit andern Worten, den
-Leuten keine niedrigere Löhnung zu zahlen und die Differenz
+Leuten keine niedrigere Löhnung zu zahlen und die Differenz
in die Tasche zu stecken. Die Britische Regierung traute
ihm jedoch nicht. Von der Zeit der Ankunft der Truppen
-in Amerika an wurde die Löhnung direkt dorthin geschickt,
-um sie nicht durch die Hände Sr. Hoheit des Herzog
-gehen lassen zu müssen. Diese Vorsichtsmassregel war
+in Amerika an wurde die Löhnung direkt dorthin geschickt,
+um sie nicht durch die Hände Sr. Hoheit des Herzog
+gehen lassen zu müssen. Diese Vorsichtsmassregel war
bei allen deutschen Hilfstruppen angewandt worden mit
Ausnahme derer von Hessen-Cassel, dessen Landgraf es
-gelang, die Geldwirtschaft selbständig zu führen. Die
-Braunschweig'schen Soldaten sollten in Britischen Hospitälern
+gelang, die Geldwirtschaft selbständig zu führen. Die
+Braunschweig'schen Soldaten sollten in Britischen Hospitälern
gepflegt werden, und die Verwundeten, die nicht
-mehr dienstfähig wären, auf Kosten des Königs nach
+mehr dienstfähig wären, auf Kosten des Königs nach
Europa transportiert und in einem Hafen der Elbe oder
Weser gelandet werden. Der Herzog war einverstanden
-damit, die jährlich für das Korps notwendig werdenden
-Rekruten auszuheben, zu disziplinieren und auszurüsten,
+damit, die jährlich für das Korps notwendig werdenden
+Rekruten auszuheben, zu disziplinieren und auszurüsten,
aber wenn es sich ereignen sollte, dass eins der Regimenter,
-Bataillone oder eine Kompagnie aussergewöhnlich
+Bataillone oder eine Kompagnie aussergewöhnlich
Verlust erleiden sollte, entweder in einer Schlacht,
bei einer Belagerung oder durch eine Epidemie, oder
durch den Verlust eines Transportschiffes auf der Fahrt
-nach Amerika, so sollte Se. Britannische Majestät für den
+nach Amerika, so sollte Se. Britannische Majestät für den
Schaden aufzukommen haben an Offizieren und Soldaten
<span class="pagenum"><a name="Seite_15" id="Seite_15">[S. 15]</a></span>
-und die Kosten tragen für die Rekruten, die nötig würden,
+und die Kosten tragen für die Rekruten, die nötig würden,
um die Korps wieder auf ihren alten Etat zu bringen.</p>
<p>Der Herzog sollte die Offiziere ernennen und die
vakanten Stellen besetzen. Er verpflichtete sich, dazu
-geeignete Leute zu wählen. Die Rechtspflege reservierte
-er für sich. Es wurde festgesetzt, dass seine Truppen
-nicht zu aussergewöhnlichen Dienstleistungen herangezogen
-werden sollten, die ausser Verhältnis ständen zu den Anforderungen,
-wie sie an die übrige Armee gestellt wurden.</p>
-
-<p>Der König von England verpflichtete sich, Seiner
-Hoheit unter dem Titel Werbegeld für jeden Soldaten
+geeignete Leute zu wählen. Die Rechtspflege reservierte
+er für sich. Es wurde festgesetzt, dass seine Truppen
+nicht zu aussergewöhnlichen Dienstleistungen herangezogen
+werden sollten, die ausser Verhältnis ständen zu den Anforderungen,
+wie sie an die übrige Armee gestellt wurden.</p>
+
+<p>Der König von England verpflichtete sich, Seiner
+Hoheit unter dem Titel Werbegeld für jeden Soldaten
den Betrag von 30 Kronen oder 7 Pfund 4 Schilling
-4-1/2 Pence zu zahlen. Ausserdem hatte er jährlich an
+4-1/2 Pence zu zahlen. Ausserdem hatte er jährlich an
Subsidien 11,517 L. 17 S. 1-1/2 P. vom Tage der Unterzeichnung
des Vertrages an, so lange die Truppen in
-seinem Sold ständen, zu zahlen, und das doppelte dieser
+seinem Sold ständen, zu zahlen, und das doppelte dieser
Summe (also 23,035 L. 14 S. 3 P.) noch zwei Jahre nach
-Rückkehr der Truppen in das Gebiet Seiner Hoheit. In
-Anbetracht der Eile, mit der die Truppen ausgerüstet
-waren, gewährte Se. Majestät den Sold für zwei Monate
-vor dem Ausrücken und übernahm alle Unkosten von der
+Rückkehr der Truppen in das Gebiet Seiner Hoheit. In
+Anbetracht der Eile, mit der die Truppen ausgerüstet
+waren, gewährte Se. Majestät den Sold für zwei Monate
+vor dem Ausrücken und übernahm alle Unkosten von der
Zeit an nach dem Verlassen ihrer Standquartiere.</p>
<p>Noch eine Bedingung in diesem Vertrage verdient
-hervorgehoben zu werden, da sie die wohlberechtigte Entrüstung
+hervorgehoben zu werden, da sie die wohlberechtigte Entrüstung
aller derer erregt hat, die dieses Handeln mit
-Menschenblut verdammt haben. Es heisst darin: »Dem
+Menschenblut verdammt haben. Es heisst darin: »Dem
Herkommen entsprechend sollen drei Verwundete einem
-Gefallenen gleich gerechnet werden; für einen Gefallenen
+Gefallenen gleich gerechnet werden; für einen Gefallenen
soll der Satz bezahlt werden, wie er bei dem Werbegeld
-für den Einzelnen festgesetzt ist.« Diese Clausel, die in
+für den Einzelnen festgesetzt ist.« Diese Clausel, die in
dem darauf folgenden Vertrag mit Hessen-Cassel nicht
verzeichnet steht, befindet sich in dem Vertrag mit Braunschweig
in demselben Artikel, in welchem die Bedingung
-betreffs Vergütung für aussergewöhnliche Verluste durch
-Schlachten, Epidemien und Schiffbrüche enthalten ist.
-Man könnte es so verstehen, dass der König von Eng<span class="pagenum"><a name="Seite_16" id="Seite_16">[S. 16]</a></span>land
-sich verpflichtete, für jeden Rekruten, der an Stelle
-eines gefallenen Braunschweigers treten würde, die Kosten
-tragen sollte, dass aber für jeden Deserteur oder für
+betreffs Vergütung für aussergewöhnliche Verluste durch
+Schlachten, Epidemien und Schiffbrüche enthalten ist.
+Man könnte es so verstehen, dass der König von Eng<span class="pagenum"><a name="Seite_16" id="Seite_16">[S. 16]</a></span>land
+sich verpflichtete, für jeden Rekruten, der an Stelle
+eines gefallenen Braunschweigers treten würde, die Kosten
+tragen sollte, dass aber für jeden Deserteur oder für
jeden an einer Krankheit verstorbenen der Herzog einen
-anderen Mann zu stellen hätte, es sei denn, dass eine ungewöhnlich
-verheerende Epidemie ausbräche. Aber wenn
-man der Sache diese Auslegung giebt, wie verhält es sich
-mit den »drei Verwundeten«? Kapp verwirft diese Erklärung,
-und behauptet, dass für neue Rekruten Werbegeld
-gezahlt wurde ausser den 30 Kronen für die Gefallenen
+anderen Mann zu stellen hätte, es sei denn, dass eine ungewöhnlich
+verheerende Epidemie ausbräche. Aber wenn
+man der Sache diese Auslegung giebt, wie verhält es sich
+mit den »drei Verwundeten«? Kapp verwirft diese Erklärung,
+und behauptet, dass für neue Rekruten Werbegeld
+gezahlt wurde ausser den 30 Kronen für die Gefallenen
und Verwundeten, und dass dieses Blutgeld vom
-Fürsten in die Tasche gesteckt wurde, anstatt dass es
+Fürsten in die Tasche gesteckt wurde, anstatt dass es
die Familien des Gefallenen oder der Verwundete selbst
erhielt. Jedenfalls steht die Thatsache fest, dass der
Herzog von Braunschweig kontraktlich die Summe von
-ungefähr 35 Dollars für jeden, der in der Schlacht fallen
-würde, und 11 Dollars 36 cent für jeden Verkrüppelten
+ungefähr 35 Dollars für jeden, der in der Schlacht fallen
+würde, und 11 Dollars 36 cent für jeden Verkrüppelten
zu bekommen hatte. Es ist wahrscheinlich jetzt nicht
-mehr möglich nachzuweisen, wieviel England in Wirklichkeit
-hierfür ausgezahlt hat. Die Bezahlung war auf
+mehr möglich nachzuweisen, wieviel England in Wirklichkeit
+hierfür ausgezahlt hat. Die Bezahlung war auf
den Rechnungen, die dem Parlament von dem Kriegs-Ministerium
eingereicht wurden, nicht in einzelnen Posten
-aufgeführt. Kapp glaubt, dass dem Kabinet die Kritik,
-die dieser Punkt herausgefordert haben würde, nicht angenehm
-gewesen wäre.</p>
+aufgeführt. Kapp glaubt, dass dem Kabinet die Kritik,
+die dieser Punkt herausgefordert haben würde, nicht angenehm
+gewesen wäre.</p>
<p>Der Vertrag mit Hessen-Cassel, datiert vom 15. Januar
1776; er unterscheidet sich von dem mit Braunschweig
-hauptsächlich dadurch, dass er sich für den deutschen
-Hof günstiger stellte. In erster Linie wurde der König
-von Gross-Britannien veranlasst, ein Schutz- und Trutz-Bündnis
+hauptsächlich dadurch, dass er sich für den deutschen
+Hof günstiger stellte. In erster Linie wurde der König
+von Gross-Britannien veranlasst, ein Schutz- und Trutz-Bündnis
mit dem Landgrafen von Hessen-Cassel zu
schliessen. Die Hessischen Truppen sollten geschlossen
-unter der Führung ihres Generals bleiben, wenn nicht
-die Kriegsverhältnisse eine Teilung notwendig machen
-würde. Die Kranken sollten in der Pflege der eigenen
-Ärzte und anderer Leute bleiben, welche die Hessischen
+unter der Führung ihres Generals bleiben, wenn nicht
+die Kriegsverhältnisse eine Teilung notwendig machen
+würde. Die Kranken sollten in der Pflege der eigenen
+Ärzte und anderer Leute bleiben, welche die Hessischen
<span class="pagenum"><a name="Seite_17" id="Seite_17">[S. 17]</a></span>
-Generale zu ernennen hätten; und es sollte ihnen Alles,
-was der König seinen eigenen Truppen zu Teil werden
+Generale zu ernennen hätten; und es sollte ihnen Alles,
+was der König seinen eigenen Truppen zu Teil werden
liesse, ebenfalls zugestanden werden. Nach diesem Vertrage
war der Landgraf verpflichtet, 12,000 Mann aufzubringen,
-sie vollständig auszurüsten und, wenn gewünscht
+sie vollständig auszurüsten und, wenn gewünscht
auch Artillerie zuzuteilen. Es wurde derselbe Satz
Werbegeld wie an den Herzog von Braunschweig gezahlt,
-also 30 Kronen oder 7 £. 4 Sch. 4-1/2 Pfg. für jeden
-Mann. Die Subsidien waren jedoch im Verhältnis höher,
-sie betrugen 450,000 Kronen oder 108,281 £ 5 Sch. pro
+also 30 Kronen oder 7 £. 4 Sch. 4-1/2 Pfg. für jeden
+Mann. Die Subsidien waren jedoch im Verhältnis höher,
+sie betrugen 450,000 Kronen oder 108,281 £ 5 Sch. pro
Jahr und wurden (aber nicht verdoppelt) noch ein weiteres
-Jahr nach Rückkehr der Truppen nach Hessen gezahlt.
-Der Landgraf stellte später noch mehrere kleinere Kontingente
-auf, für die er besondere Verträge abschloss.
-Nach ungefährer Schätzung bestand der Vorteil, den der
-Landgraf über den Herzog erlangte, darin, dass &mdash; abgesehen
-von dem obenerwähnten Blutgeld, worüber genauere
+Jahr nach Rückkehr der Truppen nach Hessen gezahlt.
+Der Landgraf stellte später noch mehrere kleinere Kontingente
+auf, für die er besondere Verträge abschloss.
+Nach ungefährer Schätzung bestand der Vorteil, den der
+Landgraf über den Herzog erlangte, darin, dass &mdash; abgesehen
+von dem obenerwähnten Blutgeld, worüber genauere
Angaben fehlen und abgesehen von den Sporteln,
die die hohen Rivalen noch bekamen und wenn man nur
das Werbegeld und die Subsidien rechnet &mdash; der Landgraf
-von Hessen-Cassel mehr als das Doppelte für jeden
+von Hessen-Cassel mehr als das Doppelte für jeden
nach Amerika geschickten Mann wie der Herzog von
Braunschweig bekam. Hierzu kam noch, was ausserhalb
-des Vertrages lag, dass der Landgraf Ansprüche auf
-eine alte Schuld vom siebenjährigen Kriege her geltend
-machte, die früher nicht anerkannt worden war. Sie
-betrug 41,820 £. 14 Sch. 5 Pfg.</p>
+des Vertrages lag, dass der Landgraf Ansprüche auf
+eine alte Schuld vom siebenjährigen Kriege her geltend
+machte, die früher nicht anerkannt worden war. Sie
+betrug 41,820 £. 14 Sch. 5 Pfg.</p>
-<p>Die Verträge mit den kleineren Staaten Hessen-Hanau,
+<p>Die Verträge mit den kleineren Staaten Hessen-Hanau,
Waldeck, Anspach-Bayreuth und Anhalt-Zerbst unterschieden
-sich in den Grundzügen nicht von den oben beschriebenen.
-Keiner von ihnen war für die Fürsten ganz
-so günstig wie der Vertrag mit Cassel, keiner ganz so
-günstig für England wie der mit Braunschweig. Die
-Blutgeld-Klausel findet sich in den Verträgen mit Hanau
+sich in den Grundzügen nicht von den oben beschriebenen.
+Keiner von ihnen war für die Fürsten ganz
+so günstig wie der Vertrag mit Cassel, keiner ganz so
+günstig für England wie der mit Braunschweig. Die
+Blutgeld-Klausel findet sich in den Verträgen mit Hanau
und Waldeck, aber nicht in dem mit Anspach.</p>
-<p>Von Zeit zu Zeit wurden mit mehreren der oben er<span class="pagenum"><a name="Seite_18" id="Seite_18">[S. 18]</a></span>wähnten
-kleineren Fürsten Händel wegen Gestellung von
-Ersatzmannschaften abgeschlossen. Jäger und Scharfschützen
+<p>Von Zeit zu Zeit wurden mit mehreren der oben er<span class="pagenum"><a name="Seite_18" id="Seite_18">[S. 18]</a></span>wähnten
+kleineren Fürsten Händel wegen Gestellung von
+Ersatzmannschaften abgeschlossen. Jäger und Scharfschützen
waren besonders gesucht.</p>
<p>Jedes Jahr wurden Rekruten zu den verschiedenen
@@ -1205,7 +1163,7 @@ Truppenteilen nach Amerika gesandt. Die Gesamtsumme
der Leute setzt sich nach Kapp wie folgt zusammen aus:</p>
<div class="center">
-<table border="0" cellpadding="0" cellspacing="0" summary="Truppen nach Ländern">
+<table border="0" cellpadding="0" cellspacing="0" summary="Truppen nach Ländern">
<tr><td align="left">Braunschweig</td><td align="right">5&nbsp;723</td></tr>
<tr><td align="left">Hessen-Cassel</td><td align="right">&emsp;16&nbsp;992</td></tr>
<tr><td align="left">Hessen-Hanau</td><td align="right">2&nbsp;422</td></tr>
@@ -1219,88 +1177,88 @@ der Leute setzt sich nach Kapp wie folgt zusammen aus:</p>
<p>Von diesen segelten etwas mehr als 18&nbsp;000 Mann im
Jahre 1776 nach Amerika. Von dieser Gesamtsumme
von beinahe 30,000 Mann kehrten 12,554 nicht wieder nach
-Deutschland zurück. Ausser den Kontingenten, die durch
-die Verträge mit den deutschen Fürsten nach Amerika gesandt
+Deutschland zurück. Ausser den Kontingenten, die durch
+die Verträge mit den deutschen Fürsten nach Amerika gesandt
wurden, diente noch eine gewisse Anzahl Deutscher
in Englischen Regimentern, von denen einige Aushebungs-Stationen
am Rhein hatten.</p>
-<p>Es ist schwer zu sagen, wie diese Händel zwischen
-England und den deutschen Fürsten von der öffentlichen
+<p>Es ist schwer zu sagen, wie diese Händel zwischen
+England und den deutschen Fürsten von der öffentlichen
Meinung in Deutschland damals beurteilt wurden.
-Schlözer's »Briefwechsel«, das erste deutsche Journal
-dieser Periode, kam in Göttingen, dem Hannoverschen
-Gebiet Georg's III. zugehörig, heraus. Es enthält viele
-Aufsätze über den Amerikanischen Krieg, die alle von
+Schlözer's »Briefwechsel«, das erste deutsche Journal
+dieser Periode, kam in Göttingen, dem Hannoverschen
+Gebiet Georg's III. zugehörig, heraus. Es enthält viele
+Aufsätze über den Amerikanischen Krieg, die alle von
Englischer Seite geschrieben sind mit der einzigen Ausnahme
eines Briefes an Baron Steuben, der auf Seiten
der Kolonien focht. Der Brief ist obendrein von dem
-Herausgeber in einer den Amerikanern übel gesinnten
+Herausgeber in einer den Amerikanern übel gesinnten
Weise mit Anmerkungen versehen. Dieser Ton mag
-vielleicht Schlözer durch die Umstände aufgezwungen
+vielleicht Schlözer durch die Umstände aufgezwungen
worden sein, da die Presse in Deutschland mehr geduldet
als frei war. Ein interessantes kleines Buch wurde in
<span class="pagenum"><a name="Seite_19" id="Seite_19">[S. 19]</a></span>
-Wolfenbüttel bei Braunschweig im Jahre 1778 veröffentlicht.
-Es enthält eine Beschreibung von Amerika, seiner
-Produkte, Geographie, seine Geschichte und eine vorzügliche
+Wolfenbüttel bei Braunschweig im Jahre 1778 veröffentlicht.
+Es enthält eine Beschreibung von Amerika, seiner
+Produkte, Geographie, seine Geschichte und eine vorzügliche
Karte. Der Verfasser des Buches ist den Kolonisten
durchaus feindlich gesinnt. Die Sendung von mehr
als 17000 Deutschen nach Amerika ist nur kurz, man
-möchte sagen, nebenbei erwähnt, dagegen sind die ersten
+möchte sagen, nebenbei erwähnt, dagegen sind die ersten
Operationen in diesem Kriege, und speziell dieser Hilfstruppen
-ziemlich ausführlich behandelt und doch war
+ziemlich ausführlich behandelt und doch war
die Anwesenheit so vieler Deutscher in Amerika zweifellos
-der Hauptgrund für das Entstehen des Buches.
+der Hauptgrund für das Entstehen des Buches.
Auch ist es billig, dass in jenen Tagen ein Aufruhr viel
-schärfer beurteilt wurde als heut zu Tage, und dass ein
+schärfer beurteilt wurde als heut zu Tage, und dass ein
solcher in den Augen von konservativ denkenden Leuten
nicht als ein politischer Fehler sondern als ein abscheuliches
Verbrechen galt.</p>
<p>Ganz verschieden davon war die Art, in welcher
-die Liberalen Europas über den Krieg und die Söldner
+die Liberalen Europas über den Krieg und die Söldner
urteilten. Die Prinzipien, die im Begriff waren, der
-französischen Revolution die Wege zu ebnen, brachen
+französischen Revolution die Wege zu ebnen, brachen
sich Bahn, und einige der Darsteller dieses grossen
-Dramas begannen auf der Bühne zu erscheinen. Mirabeau,
-als Flüchtling in Holland weilend, veröffentlichte ein
-Pamphlet gerichtet »An die Hessen und andere deutsche
-Volksstämme, die von ihren Fürsten an England verkauft
-sind.« Es ist die Mirabeau'sche Schrift ein beredter
-Protest gegen die Raubgier der Fürsten und ein herrlicher
+Dramas begannen auf der Bühne zu erscheinen. Mirabeau,
+als Flüchtling in Holland weilend, veröffentlichte ein
+Pamphlet gerichtet »An die Hessen und andere deutsche
+Volksstämme, die von ihren Fürsten an England verkauft
+sind.« Es ist die Mirabeau'sche Schrift ein beredter
+Protest gegen die Raubgier der Fürsten und ein herrlicher
Tribut, der dem Patriotismus der Amerikaner
gezollt wird. Das Genie Mirabeau's konnte weit genug
in die Zukunft sehen, um zu erkennen, dass der Nord-Amerikanische
-Kontinent einst ein Asyl für die Unterdrückten
-aller Nationen werden würde. Der gegen
-den Landgrafen von Hessen-Cassel geführte Schlag traf
+Kontinent einst ein Asyl für die Unterdrückten
+aller Nationen werden würde. Der gegen
+den Landgrafen von Hessen-Cassel geführte Schlag traf
sein Ziel. Letzterer versuchte nicht nur die ganze Auflage
des Pamphlets aufzukaufen, sondern veranlasste
-auch die Veröffentlichung einer Antwort, die wiederum
+auch die Veröffentlichung einer Antwort, die wiederum
<span class="pagenum"><a name="Seite_20" id="Seite_20">[S. 20]</a></span>
-eine Entgegnung zur Folge hatte, in welchem der zukünftige
+eine Entgegnung zur Folge hatte, in welchem der zukünftige
Tribun die Ansicht vertritt, dass ein Angriff auf
-die Freiheit der Nationen das grösste aller Verbrechen
-sei. In demselben Sinne schrieb Abbé Raynal und Andere,
+die Freiheit der Nationen das grösste aller Verbrechen
+sei. In demselben Sinne schrieb Abbé Raynal und Andere,
von denen einige zu dieser Zeit in Europa besser
bekannt waren als Mirabeau, und gegen den ein Zeitungskrieg
-losbrach, der in den holländischen Zeitungen ausgefochten
+losbrach, der in den holländischen Zeitungen ausgefochten
wurde, die damals die einflussreichsten, weil
freisten auf dem Kontinent waren. In der Landes-Bibliothek
in Cassel befindet sich ein interessantes kleines
-Pamphlet, herausgegeben im Jahre 1782 in französischer
+Pamphlet, herausgegeben im Jahre 1782 in französischer
Sprache und ebenso in Deutsch. Dies Pamphlet war von
Schlieffen, dem Gesandten Landgraf Friedrichs II., geschrieben.
Der Schreiber weist auf die alte Erfahrung
hin, dass die Menschen in allen Zeitaltern sich gegenseitig
-umgebracht hätten, dass die Schweizer lange Zeit
-gewöhnt gewesen als Söldner zu fechten, dass 10,000
-Griechen unter Xenophon dasselbe gethan hätten, und er
-hielte es für ungerecht, seine Zeitgenossen für eine
-Sache zu tadeln, die in dem natürlichen Instinkt der
-Menschheit begründet läge. Er konstatierte, dass das
-gegenwärtige Vermieten von Truppen der zehnte Fall
+umgebracht hätten, dass die Schweizer lange Zeit
+gewöhnt gewesen als Söldner zu fechten, dass 10,000
+Griechen unter Xenophon dasselbe gethan hätten, und er
+hielte es für ungerecht, seine Zeitgenossen für eine
+Sache zu tadeln, die in dem natürlichen Instinkt der
+Menschheit begründet läge. Er konstatierte, dass das
+gegenwärtige Vermieten von Truppen der zehnte Fall
dieser Art seit Anfang des Jahrhunderts sei. Er wies
auf die Wohlthaten hin, die der Landgraf seinem Lande
hatte zu Teil werden lassen, und auf die Liebe, mit der
@@ -1308,30 +1266,30 @@ ihn sein Volk verehrte. Er lenkte die Aufmerksamkeit,
und dies war vielleicht sein bestes Argument, auf die
Thatsache, dass der Landgraf von Hessen und der
Herzog von Braunschweig so nahe mit dem englischen
-Königshaus verwandt wären, dass ihre Nachkommen
+Königshaus verwandt wären, dass ihre Nachkommen
eines Tages auf den grossbritannischen Thron berufen
-werden könnten. Die prahlerische Freiheit der Amerikaner
-wäre nur eine trügerische Sirene, denn die Geschichte
+werden könnten. Die prahlerische Freiheit der Amerikaner
+wäre nur eine trügerische Sirene, denn die Geschichte
bewiese, dass republikanische Regierungsformen
-ebenso tyrannisch und grausam wären wie Monarchieen.</p>
+ebenso tyrannisch und grausam wären wie Monarchieen.</p>
<p>Dahingegen war der Freiherr von Gemmingen, der
<span class="pagenum"><a name="Seite_21" id="Seite_21">[S. 21]</a></span>
-Gesandte des Markgrafen von Anspach, etwas beschämt
-über den Handel, den er abgeschlossen hatte. »Es
-kommt mir immer sehr hart an, mit Truppen zu handeln,«
-schreibt er an seinen Agenten in London, »aber der
+Gesandte des Markgrafen von Anspach, etwas beschämt
+über den Handel, den er abgeschlossen hatte. »Es
+kommt mir immer sehr hart an, mit Truppen zu handeln,«
+schreibt er an seinen Agenten in London, »aber der
Markgraf ist entschlossen, die Sache um jeden Preis zu
-Stande zu bringen, um seine und seiner Vorgänger
-Schulden bezahlen zu können. Auf diese Weise wird
+Stande zu bringen, um seine und seiner Vorgänger
+Schulden bezahlen zu können. Auf diese Weise wird
freilich das Gute, das aus dem Subsidien-Vertrag entspringt,
-die schlechte Seite des Geschäfts überwiegen.«
-Später schreibt er: »Der Vertrag, den wir soeben abgeschlossen
-haben, ist viel günstiger, als wir erwarten
+die schlechte Seite des Geschäfts überwiegen.«
+Später schreibt er: »Der Vertrag, den wir soeben abgeschlossen
+haben, ist viel günstiger, als wir erwarten
konnten, wenn man bedenkt, dass das Anerbieten von
-uns aus ging und dass die königlichen Waffen bisher
+uns aus ging und dass die königlichen Waffen bisher
einen solchen Erfolg in Amerika gehabt haben. Die
-Sache wird natürlich in dem möglichst ungünstigsten
+Sache wird natürlich in dem möglichst ungünstigsten
Licht von Leuten angesehen werden, die es nicht verstehen,
eine Staatsangelegenheit im Rahmen des Ganzen
und nach ihren besonderen Motiven zu beurteilen. Aber
@@ -1339,213 +1297,213 @@ sobald diese Leute sehen, wie fremdes Geld in unser
armes Land fliessen wird, sobald sie sehen, dass dessen
Schulden bezahlt werden, mit den Mitteln, die uns
jetzt zufliessen, so werden sie und die ganze Welt
-entzückt sein und anerkennen, dass die Truppen, deren
-Pflicht es ist, die Feinde des Landes zu bekämpfen,
-den schlimmsten Feind besiegt haben, nämlich &mdash; unsere
+entzückt sein und anerkennen, dass die Truppen, deren
+Pflicht es ist, die Feinde des Landes zu bekämpfen,
+den schlimmsten Feind besiegt haben, nämlich &mdash; unsere
Schulden. Selbst der niedrigste Soldat, der nach Amerika
geht, gut bezahlt und wohl versorgt, wird mit seinen
-Ersparnissen zurückkehren und stolz darauf sein, für
+Ersparnissen zurückkehren und stolz darauf sein, für
sein Vaterland und seinen eigenen Vorteil gearbeitet zu
-haben ... Ich bin im Allgemeinen ein erklärter Feind
-von solchem Handel mit Menschen; aber es giebt Fälle, in
+haben ... Ich bin im Allgemeinen ein erklärter Feind
+von solchem Handel mit Menschen; aber es giebt Fälle, in
denen Schlechtes sich in eine Wohlthat verwandelt, und so
-verhält es sich, wenn ich mich nicht irre, in diesem Falle.«</p>
+verhält es sich, wenn ich mich nicht irre, in diesem Falle.«</p>
-<p>Friedrich der Grosse drückte in einem Brief an
-Voltaire (vom 18. Juni 1776) seine Verachtung über die
-mit Menschen handelnden Fürsten aus und fand etwas
+<p>Friedrich der Grosse drückte in einem Brief an
+Voltaire (vom 18. Juni 1776) seine Verachtung über die
+mit Menschen handelnden Fürsten aus und fand etwas
<span class="pagenum"><a name="Seite_22" id="Seite_22">[S. 22]</a></span>
-später Gelegenheit, ihnen Hindernisse in den Weg zu
-legen. »Wäre der Landgraf aus meiner Schule hervorgegangen,«
-schrieb er, »so würde er nicht seine Unterthanen
-an die Engländer verkauft haben, wie man Vieh
-verkauft, um es zur Schlachtbank zu führen. Dies ist
-kein schöner Zug in dem Charakter eines Fürsten, der
-sich rühmt, der Lehrmeister von Regenten zu sein. Ein
+später Gelegenheit, ihnen Hindernisse in den Weg zu
+legen. »Wäre der Landgraf aus meiner Schule hervorgegangen,«
+schrieb er, »so würde er nicht seine Unterthanen
+an die Engländer verkauft haben, wie man Vieh
+verkauft, um es zur Schlachtbank zu führen. Dies ist
+kein schöner Zug in dem Charakter eines Fürsten, der
+sich rühmt, der Lehrmeister von Regenten zu sein. Ein
solches Handeln ist durch nichts Anderes als durch
schmutzigen Eigennutz hervorgerufen. Ich bedauere
-die armen Hessen, die ihr Leben unglücklich und
-nutzlos in Amerika enden.« Napoleon, der dreissig
-Jahre später den damaligen Landgrafen von Hessen-Cassel
-(den »Grafen von Hanau« der Verträge) vertrieb,
-äusserte sich folgendermassen: »Das Fürstenhaus von
+die armen Hessen, die ihr Leben unglücklich und
+nutzlos in Amerika enden.« Napoleon, der dreissig
+Jahre später den damaligen Landgrafen von Hessen-Cassel
+(den »Grafen von Hanau« der Verträge) vertrieb,
+äusserte sich folgendermassen: »Das Fürstenhaus von
Hessen-Cassel hat viele Jahre lang seine Unterthanen
-an England verkauft. Auf diese Weise haben die Kurfürsten
-solche Schätze gesammelt. Diese Habsucht ist
-die Ursache des Sturzes ihrer Dynastie.«</p>
+an England verkauft. Auf diese Weise haben die Kurfürsten
+solche Schätze gesammelt. Diese Habsucht ist
+die Ursache des Sturzes ihrer Dynastie.«</p>
<hr class="chap" />
<h2><a name="Kapitel_III" id="Kapitel_III">Kapitel III.</a></h2>
-<h3>Die Verträge vor dem Parlament.</h3>
+<h3>Die Verträge vor dem Parlament.</h3>
<p>Der angreifende oder sich rechtfertigende Ton der
Minister der deutschen Despoten hatte wenig Einfluss, wenn
-ihre Herren sich einmal für eine Sache entschieden hatten.
+ihre Herren sich einmal für eine Sache entschieden hatten.
Der leidenschaftliche Protest eines jungen deutschen Poeten
-oder eines französischen Pamphletisten konnte schwerlich
-auf die Politik einen Einfluss ausüben. Der König von
+oder eines französischen Pamphletisten konnte schwerlich
+auf die Politik einen Einfluss ausüben. Der König von
Preussen, dessen Wort in betreff des Verdingens von
-Soldaten für fremde Kriegsdienste Gesetz gewesen sein
+Soldaten für fremde Kriegsdienste Gesetz gewesen sein
mag, zog es vor, mit Verachtung zu strafen, anstatt zu
befehlen. Aber im Parlament von Gross-Britannien
-wurden die Verträge zwischen dem König von England
-und den deutschen Fürsten verhandelt durch verantwortliche
+wurden die Verträge zwischen dem König von England
+und den deutschen Fürsten verhandelt durch verantwortliche
Minister auf der einen Seite, und auf der andern
<span class="pagenum"><a name="Seite_23" id="Seite_23">[S. 23]</a></span>
-Seite durch Staatsmänner, von denen einige eines
+Seite durch Staatsmänner, von denen einige eines
Tages zur Macht gelangen konnten. Es ist richtig, dass
-die Majorität, welche die Regierung unterstützte, so erdrückend
+die Majorität, welche die Regierung unterstützte, so erdrückend
war, dass die Opposition keine Aussicht hatte,
-sie zu stürzen. Aber es lässt sich kaum bezweifeln,
-dass, obwohl die grössere Stimmenzahl auf Seiten der
-Tories im Parlament von 1776 war, das geistige Übergewicht
+sie zu stürzen. Aber es lässt sich kaum bezweifeln,
+dass, obwohl die grössere Stimmenzahl auf Seiten der
+Tories im Parlament von 1776 war, das geistige Übergewicht
auf Seiten der Whigs sich befand.</p>
<p>Am 29. Februar 1776 beantragte Lord North, die
-Verträge zwischen Seiner Majestät und dem Landgrafen
+Verträge zwischen Seiner Majestät und dem Landgrafen
von Hessen-Cassel, dem Herzog von Braunschweig und
-dem Erbprinz von Hessen-Cassel dem »Committee of
-Supply« zu überweisen. Er sagte, dass Truppen das
-beste und radikalste Mittel wären, um Amerika zum verfassungsmässigen
+dem Erbprinz von Hessen-Cassel dem »Committee of
+Supply« zu überweisen. Er sagte, dass Truppen das
+beste und radikalste Mittel wären, um Amerika zum verfassungsmässigen
Gehorsam zu zwingen, da man Soldaten
-auf diese Weise schneller und zu günstigeren Bedingungen
-bekommen könnte, als durch Aushebungen in der Heimat;
-dass die gemieteten Truppen weniger kosten würden, als
-man erwartet hätte und schliesslich, dass die Truppenmacht,
-die sie im Stande sein würden, nach Amerika
-zu senden, genügen würde, nach menschlicher Berechnung,
+auf diese Weise schneller und zu günstigeren Bedingungen
+bekommen könnte, als durch Aushebungen in der Heimat;
+dass die gemieteten Truppen weniger kosten würden, als
+man erwartet hätte und schliesslich, dass die Truppenmacht,
+die sie im Stande sein würden, nach Amerika
+zu senden, genügen würde, nach menschlicher Berechnung,
das Land zu zwingen sich zu unterwerfen, vielleicht
ohne ferneres Blutvergiessen.</p>
-<p>Lord North wurde unterstützt von Mr. Cornwall, der
+<p>Lord North wurde unterstützt von Mr. Cornwall, der
das hohe Haus versicherte, dass er besser wie irgend
-Jemand in demselben Gelegenheit gehabt hätte, Mittel
+Jemand in demselben Gelegenheit gehabt hätte, Mittel
und Wege kennen zu lernen mit den deutschen
Prinzen zu verhandeln und Truppen zu besorgen; dass
-seine jahrelange Stellung (als Sekretär in dem Zahlamt
-während des deutschen Krieges) ihm diese Gelegenheit
-gegeben hätte; und er wäre erstaunt zu hören, dass
-Leute, die mit den deutschen Verhältnissen bekannt
-wären, die gegenwärtigen Bedingungen ungünstig fänden.
+seine jahrelange Stellung (als Sekretär in dem Zahlamt
+während des deutschen Krieges) ihm diese Gelegenheit
+gegeben hätte; und er wäre erstaunt zu hören, dass
+Leute, die mit den deutschen Verhältnissen bekannt
+wären, die gegenwärtigen Bedingungen ungünstig fänden.
Er bestritt, dass die dem Herzog von Braunschweig
im Voraus bezahlten zwei Monate Sold nichts weiter
-als ein Douceur wären, und blieb dabei, dass die
+als ein Douceur wären, und blieb dabei, dass die
<span class="pagenum"><a name="Seite_24" id="Seite_24">[S. 24]</a></span>
Truppen unter besseren Bedingungen wie je zuvor zu
-bekommen wären, besonders wenn das Geschäft noch im
-Laufe des Jahres effektuiert werden könnte, woran er
-keinen Grund hätte zu zweifeln.</p>
+bekommen wären, besonders wenn das Geschäft noch im
+Laufe des Jahres effektuiert werden könnte, woran er
+keinen Grund hätte zu zweifeln.</p>
<p>Lord George Germaine verteidigte die Vorlage auf
-Grund der Notwendigkeit. Er zählte eine Reihe von
-Präzedenzfällen auf, um zu zeigen, dass in jedem Krieg
+Grund der Notwendigkeit. Er zählte eine Reihe von
+Präzedenzfällen auf, um zu zeigen, dass in jedem Krieg
oder Aufstand, England zu fremden Truppen seine Zuflucht
-hätte nehmen müssen um die Schlachten zu
+hätte nehmen müssen um die Schlachten zu
schlagen und das Land zu verteidigen. Lord Barrington,
der im Innersten seines Herzens das allgemeine
Verhalten der Regierung nicht gebilligt und der
-vergeblich den König gedrängt hatte, seine Entlassung
-anzunehmen, hatte die Vorlage in ähnlichem Sinne unterstützt.
-Er gab zu, dass der Handel kein günstiger sei,
-aber immerhin der beste, den man abschliessen könnte.</p>
+vergeblich den König gedrängt hatte, seine Entlassung
+anzunehmen, hatte die Vorlage in ähnlichem Sinne unterstützt.
+Er gab zu, dass der Handel kein günstiger sei,
+aber immerhin der beste, den man abschliessen könnte.</p>
<p>Auf der anderen Seite verwarf Lord John Cavendish
-die Vorlage in allen ihren Teilen. Britannien würde sich
+die Vorlage in allen ihren Teilen. Britannien würde sich
in den Augen von ganz Europa bloss stellen. Er machte
Einwendungen gegen jeden einzelnen Paragraphen des
Vertrags und hob hervor, dass eine Truppenmacht von
-12,000 Fremden in das Gebiet der britischen Krone befördert
+12,000 Fremden in das Gebiet der britischen Krone befördert
werden sollte ohne unter Kontrolle weder des Parlaments
-noch des Königs zu stehen; denn der Vertrag sagte ausdrücklich,
-»dass dieser Truppenkörper unter dem Befehl
+noch des Königs zu stehen; denn der Vertrag sagte ausdrücklich,
+»dass dieser Truppenkörper unter dem Befehl
der Generale bleiben sollte, denen er von Seiner Hoheit
-(dem Landgrafen) anvertraut würde.«</p>
+(dem Landgrafen) anvertraut würde.«</p>
-<p>Lord Irnham zweifelte an der Kompetenz der Fürsten,
-solche Verträge abzuschliessen. Er hielt es für nicht
-vereinbar mit ihren Pflichten gegenüber dem Reiche, sie
+<p>Lord Irnham zweifelte an der Kompetenz der Fürsten,
+solche Verträge abzuschliessen. Er hielt es für nicht
+vereinbar mit ihren Pflichten gegenüber dem Reiche, sie
machten sich dadurch in den Augen von ganz Europa
-ehrlos und verächtlich: zur Unterstützung despotischer
-Gewalt eine Pflanzschule von Soldaten zur Verfügung zu
+ehrlos und verächtlich: zur Unterstützung despotischer
+Gewalt eine Pflanzschule von Soldaten zur Verfügung zu
stellen, denen, die mehr Geld, aber nicht mehr Recht und
-Wert hätten als die, die sie durch Geld unterwerfen
-wollten. Er verglich die Fürsten mit Sancho Pansa, der
+Wert hätten als die, die sie durch Geld unterwerfen
+wollten. Er verglich die Fürsten mit Sancho Pansa, der
<span class="pagenum"><a name="Seite_25" id="Seite_25">[S. 25]</a></span>
-wünschte, dass wenn er ein Fürst wäre, alle seine Unterthanen
-Sclaven werden würden, die er durch Verkauf zu
+wünschte, dass wenn er ein Fürst wäre, alle seine Unterthanen
+Sclaven werden würden, die er durch Verkauf zu
Geld machte.</p>
<p>Mr. Seymour antwortete Mr. Cornwall und forderte
-ihn auf, einen einzigen Fall anzuführen, in dem dieselbe
-Anzahl Truppen während derselben Zeit der Nation so
-viel Geld gekostet hätte.</p>
+ihn auf, einen einzigen Fall anzuführen, in dem dieselbe
+Anzahl Truppen während derselben Zeit der Nation so
+viel Geld gekostet hätte.</p>
<p>Der Hon. James Lutrell wies darauf hin, dass bereits
-150,000 Deutsche in Amerika wären und dass daher
+150,000 Deutsche in Amerika wären und dass daher
unter den angeworbenen Truppen leicht Desertionen
-vorkommen könnten. Edmund Brake stellte fest, dass
-für 1000 Fremde ebenso viel bezahlt würde wie für
+vorkommen könnten. Edmund Brake stellte fest, dass
+für 1000 Fremde ebenso viel bezahlt würde wie für
1500 Eingeborene. Sir George Saville behauptete, dass dies
der unvorteilhafteste Handel in dieser Art sei, der je abgeschlossen
-sei, seitdem es üblich wäre, Truppen anzuwerben;
+sei, seitdem es üblich wäre, Truppen anzuwerben;
und Alderman Bull schloss die Debatte, indem er ausrief:</p>
-<p>»Man lasse den Geschichtsschreiber nicht gezwungen
+<p>»Man lasse den Geschichtsschreiber nicht gezwungen
sein zu sagen, dass die russischen und deutschen Sklaven
-die Söhne Englands und der Freiheit unterjocht haben,
-und dass unter der Regierung eines Fürsten aus
-dem Hause Braunschweig jeglicher schmähliche Versuch
-gemacht wurde, den Geist auszulöschen, den seine
+die Söhne Englands und der Freiheit unterjocht haben,
+und dass unter der Regierung eines Fürsten aus
+dem Hause Braunschweig jeglicher schmähliche Versuch
+gemacht wurde, den Geist auszulöschen, den seine
Vorfahren bezeugten und der sich trotz Verrat und Verfassungsbruch
-auf dem Throne festzusetzen wusste.«
+auf dem Throne festzusetzen wusste.«
Des Alderman's Gesinnung war besser als seine Rhetoric,
aber beides war gleich nutzlos. Die Vorlage wurde mit
-242 Stimmen gegen 88 angenommen. Am 5. März 1776
+242 Stimmen gegen 88 angenommen. Am 5. März 1776
beantragte der Duke of Richmond im Hause der Lords,
-man möge Seiner Majestät dem König eine Adresse
+man möge Seiner Majestät dem König eine Adresse
unterbreiten, um ihn zu bitten, den Abmarsch der fremden
Truppen zu inhibieren und Massregeln zu treffen, um die
Feindseligkeiten in Amerika sofort zu sistieren. Der Protest
-drückte die Ansicht des Hauses aus über die Gefahr und
-die Schande der Verträge durch die Gross-Britannien
-vor ganz Europa bekennen müsste, dass es nicht im
+drückte die Ansicht des Hauses aus über die Gefahr und
+die Schande der Verträge durch die Gross-Britannien
+vor ganz Europa bekennen müsste, dass es nicht im
Stande sei, einerseits wegen Mangel an Soldaten, andrer<span class="pagenum"><a name="Seite_26" id="Seite_26">[S. 26]</a></span>seits
wegen Abneigung der eigenen Leute gegen diesen
-Krieg, eine genügende Anzahl Leute für die erste Kampagne
-auf die Beine zu bringen. Es wäre traurig zu
+Krieg, eine genügende Anzahl Leute für die erste Kampagne
+auf die Beine zu bringen. Es wäre traurig zu
sehen, wie durch das Abziehen der nationalen Truppen
-(die ohnehin zu schwach wären für den unglücklichen
-Zweck, dem sie dienen sollten) Gross-Britannien entblösst
-und den Angriffen und dem Eindringen mächtiger Nachbarn
-und fremder Nachbarn ausgesetzt sein würde.</p>
+(die ohnehin zu schwach wären für den unglücklichen
+Zweck, dem sie dienen sollten) Gross-Britannien entblösst
+und den Angriffen und dem Eindringen mächtiger Nachbarn
+und fremder Nachbarn ausgesetzt sein würde.</p>
<p>Das Dokument wies sodann darauf hin, dass eine
-Aussöhnung mit den Kolonien der Verwendung von
+Aussöhnung mit den Kolonien der Verwendung von
Fremden vorzuziehen sei, die, wenn sie so weit von ihrer
-Heimat entfernt wären und unter dem Elend des Krieges,
-an dem sie kein Interesse hätten, leiden und so oft
-in Versuchung kommen würden, die Abhängigkeit mit
+Heimat entfernt wären und unter dem Elend des Krieges,
+an dem sie kein Interesse hätten, leiden und so oft
+in Versuchung kommen würden, die Abhängigkeit mit
der Freiheit zu vertauschen, viel eher meutern oder
-desertieren, als treu bleiben und mit Seiner Majestät
-eigenen Unterthanen gemeinsam operieren würden.</p>
+desertieren, als treu bleiben und mit Seiner Majestät
+eigenen Unterthanen gemeinsam operieren würden.</p>
<p>Indem auf die Gefahr hingedeutet, fremde Truppen
in das Reich hineinzulassen und Klage erhoben wird, dass
-bereits zwei der stärksten Festungen von ihnen besetzt
-seien,<a name="FNAnker_1_1" id="FNAnker_1_1"></a><a href="#Fussnote_1_1" class="fnanchor">[1]</a> fährt der Protest fort: »Wir haben obendrein Grund
-zu befürchten, dass, wenn die Kolonien sehen, wie Gross-Britannien
-Bündnisse schliesst und Truppen zu ihrer
+bereits zwei der stärksten Festungen von ihnen besetzt
+seien,<a name="FNAnker_1_1" id="FNAnker_1_1"></a><a href="#Fussnote_1_1" class="fnanchor">[1]</a> fährt der Protest fort: »Wir haben obendrein Grund
+zu befürchten, dass, wenn die Kolonien sehen, wie Gross-Britannien
+Bündnisse schliesst und Truppen zu ihrer
Unterwerfung anwirbt, sie durch das gegebene Beispiel
-sich für berechtigt halten werden, Anstrengungen zu
+sich für berechtigt halten werden, Anstrengungen zu
machen, um ebenfalls Beistand zu erlangen; und dass
-Frankreich, Spanien, Preussen oder andere Europäische
-Mächte denken werden, dass sie ein ebensolches Recht
+Frankreich, Spanien, Preussen oder andere Europäische
+Mächte denken werden, dass sie ein ebensolches Recht
haben wie Hessen, Braunschweig und Hanau, sich in unsere
-inneren Angelegenheiten zu mischen.«</p>
+inneren Angelegenheiten zu mischen.«</p>
<div class="footnote">
@@ -1553,148 +1511,148 @@ inneren Angelegenheiten zu mischen.«</p>
gesandt worden.</p></div>
<p>Darauf wurde auf die Gefahr hingewiesen, dass man
-verpflichtet sein würde, den Landgrafen von Hessen bei
-seinen Streitigkeiten in Europa zu unterstützen, und es
+verpflichtet sein würde, den Landgrafen von Hessen bei
+seinen Streitigkeiten in Europa zu unterstützen, und es
wurde der Meinung Ausdruck gegeben, dass
Gross-<span class="pagenum"><a name="Seite_27" id="Seite_27">[S. 27]</a></span>Britannien
noch nie einen Vertrag eingegangen sei, der
so teuer, so ungleich, so entehrend und in seinen Folgen
-so gefährlich sei.</p>
+so gefährlich sei.</p>
<p>Indem der Duke of Richmond den Protest einbrachte,
-gab er einen kurzen Überblick über die Verträge, die
+gab er einen kurzen Überblick über die Verträge, die
seit 1702 mit den Landgrafen von Hessen abgeschlossen
worden seien, und zeigte, dass die aufeinanderfolgenden
Landgrafen mit der Zeit ihre Forderungen gesteigert
-hätten, und dass, wenn sie versuchten, günstigere Bedingungen
-herauszudrücken, sie niemals unterliessen, ihre
-vorhergegangene Erpressung als Grundlage für den neuen
+hätten, und dass, wenn sie versuchten, günstigere Bedingungen
+herauszudrücken, sie niemals unterliessen, ihre
+vorhergegangene Erpressung als Grundlage für den neuen
Vertrag dienen zu lassen und immer eine neue Forderung
an Gross-Britannien zu stellen. Dieser Vertrag sei
-»offenbar ein gewinnsüchtiger Handel, indem man eine
-Anzahl Söldner in Sold nehme, die man kaufe und verkaufe
-wie das Vieh, das zur Schlachtbank geführt
-würde ... Legt man aber den Verträgen eine Alliance
-zu Grunde, was würde die Folge sein? Dass, wenn
-eine dieser Mächte angegriffen oder ohne Grund einen
-Angriff provozieren würde, wir sie mit allen uns zu
-Gebote stehenden Mitteln unterstützen müssten. Folglich
+»offenbar ein gewinnsüchtiger Handel, indem man eine
+Anzahl Söldner in Sold nehme, die man kaufe und verkaufe
+wie das Vieh, das zur Schlachtbank geführt
+würde ... Legt man aber den Verträgen eine Alliance
+zu Grunde, was würde die Folge sein? Dass, wenn
+eine dieser Mächte angegriffen oder ohne Grund einen
+Angriff provozieren würde, wir sie mit allen uns zu
+Gebote stehenden Mitteln unterstützen müssten. Folglich
haben wir wegen des Beistandes von wenigen Tausend
-Söldnern nicht nur doppelt zu bezahlen, sondern wir
-gehen auch eine feierliche Verpflichtung ein, unsere Streitkräfte
-zu opfern und Hülfe zu leisten, wenn der Landgraf
+Söldnern nicht nur doppelt zu bezahlen, sondern wir
+gehen auch eine feierliche Verpflichtung ein, unsere Streitkräfte
+zu opfern und Hülfe zu leisten, wenn der Landgraf
oder Herzog angegriffen oder ihm sein Besitztum
-streitig gemacht wird.«</p>
+streitig gemacht wird.«</p>
<p>Der Duke of Richmond bezeichnete es ferner als
-eine Gefahr, einen Truppenkörper von 12,000 fremden
-Söldnern zu haben unter dem Kommando eines von dessen
-eigenen Generalen, bei dem die Möglichkeit nicht ausgeschlossen
-sei, dass er zum Höchst-Kommandierenden
-befördert werden könne; es könne eine grosse Verwirrung
+eine Gefahr, einen Truppenkörper von 12,000 fremden
+Söldnern zu haben unter dem Kommando eines von dessen
+eigenen Generalen, bei dem die Möglichkeit nicht ausgeschlossen
+sei, dass er zum Höchst-Kommandierenden
+befördert werden könne; es könne eine grosse Verwirrung
entstehen durch Streitigkeiten zwischen dem fremden und
eigenen kommandierenden General.</p>
-<p>Der Earl of Suffolk antwortete für die Regierung:
+<p>Der Earl of Suffolk antwortete für die Regierung:
<span class="pagenum"><a name="Seite_28" id="Seite_28">[S. 28]</a></span>
-»Der Tenor der Verträge,« sagte er, »ist kein anderer
-als er es bei früheren Gelegenheiten gewesen ist. Der
-gegenwärtige, das ist wahr, ist voll von schwülstigen
-hochtönenden Phrasen von einem Bündnis, und ich bin so
+»Der Tenor der Verträge,« sagte er, »ist kein anderer
+als er es bei früheren Gelegenheiten gewesen ist. Der
+gegenwärtige, das ist wahr, ist voll von schwülstigen
+hochtönenden Phrasen von einem Bündnis, und ich bin so
offenherzig, dem edlen Herzog zu bemerken, dass ich sie
nur als solche ansehe; und ich gehe soweit, zu sagen,
-dass die wahre Absicht der Verträge die ist, weniger ein
-Bündnis zu schliessen als einen Truppenkörper anzuwerben,
-den der gegenwärtige Aufstand in Amerika notwendig
-erscheinen lässt.«</p>
+dass die wahre Absicht der Verträge die ist, weniger ein
+Bündnis zu schliessen als einen Truppenkörper anzuwerben,
+den der gegenwärtige Aufstand in Amerika notwendig
+erscheinen lässt.«</p>
<p>Indem Lord Suffolk somit die Bedingungen des Vertrages,
-für den er persönlich verantwortlich war, in das
+für den er persönlich verantwortlich war, in das
richtige Licht gesetzt hatte, fuhr er fort nachzuweisen,
-dass die Bedingungen vorteilhaft sein würden, wenn man
-die Truppen nur ein Jahr gebrauchen würde, dass man
-aber unter allen Umständen, wenn die Soldaten gebraucht
-würden, sich den gestellten Bedingungen fügen müsste.</p>
+dass die Bedingungen vorteilhaft sein würden, wenn man
+die Truppen nur ein Jahr gebrauchen würde, dass man
+aber unter allen Umständen, wenn die Soldaten gebraucht
+würden, sich den gestellten Bedingungen fügen müsste.</p>
-<p>Der Earl of Carlisle war überzeugt, dass die Arbeitskräfte,
+<p>Der Earl of Carlisle war überzeugt, dass die Arbeitskräfte,
die durch die Industrie in Anspruch genommen
-würden, der geringe Nutzen einer neuen Aushebung,
-wenigstens für die erste Kampagne und der Wunsch
-jedes Vaterlandsfreundes, den unglücklichen Verhältnissen
+würden, der geringe Nutzen einer neuen Aushebung,
+wenigstens für die erste Kampagne und der Wunsch
+jedes Vaterlandsfreundes, den unglücklichen Verhältnissen
ein schnelles Ende bereitet zu sehen, dass dies Alles die
-Notwendigkeit der Verwendung fremder Truppen genügend
-rechtfertigen würde. Man sollte bedenken den schwerfälligen
+Notwendigkeit der Verwendung fremder Truppen genügend
+rechtfertigen würde. Man sollte bedenken den schwerfälligen
Koloss, den das Reich bildete und die Operationen, die
-selbst im Falle eines Defensivkrieges nötig sein würden,
-und stellte anheim, ob es einem so unbedeutenden Stück
-Land, wie die Insel Gross-Britannien möglich sei, eine
-Zahl aufzubringen, die genügten, um Operationen zu
-führen, die derartige Anforderungen stellen würden.</p>
-
-<p>Die Debatte zog sich sehr in die Länge und wurde
-mit grosser Erbitterung geführt. Auf Seiten der Whigs
-klagte der Duke of Cumberland &mdash; »Braunschweiger zu
+selbst im Falle eines Defensivkrieges nötig sein würden,
+und stellte anheim, ob es einem so unbedeutenden Stück
+Land, wie die Insel Gross-Britannien möglich sei, eine
+Zahl aufzubringen, die genügten, um Operationen zu
+führen, die derartige Anforderungen stellen würden.</p>
+
+<p>Die Debatte zog sich sehr in die Länge und wurde
+mit grosser Erbitterung geführt. Auf Seiten der Whigs
+klagte der Duke of Cumberland &mdash; »Braunschweiger zu
sehen, die einst &mdash; was ihnen zu grosser Ehre gereichte
&mdash; zur Verteidigung der Freiheiten der Unterthanen Ver<span class="pagenum"><a name="Seite_29" id="Seite_29">[S. 29]</a></span>wendung
fanden, und jetzt nach einem andern Teil des
grossen Reiches gesandt werden, um sie der konstitutionellen
-Freiheiten zu berauben.« Der Duke of Manchester
-führte aus, dass <em class="gesperrt">der</em> Mensch für einen Söldling gehalten
-werden müsste, der für Geld um einer Sache willen
-kämpft, an der er keinen Anteil hat. Der Earl of Helburne
+Freiheiten zu berauben.« Der Duke of Manchester
+führte aus, dass <em class="gesperrt">der</em> Mensch für einen Söldling gehalten
+werden müsste, der für Geld um einer Sache willen
+kämpft, an der er keinen Anteil hat. Der Earl of Helburne
gab die Notwendigkeit der Verwendung fremder
Truppen nicht zu und wurde hierin von Lord Carnden
-unterstützt, der das hohe Haus fragte, ob nicht der ganze
-Vertrag eine Zusammensetzung von Schande, Niederträchtigkeit
-und Betrügerei wäre, wie sie noch nie dem Parlament
-zugemutet worden wäre. »Ist einer unter Ihnen
-my lords,« fragte er, »der nicht vollkommen einsieht, dass
-das Ganze ein rein gewinnsüchtiger Handel ist, bei dem
+unterstützt, der das hohe Haus fragte, ob nicht der ganze
+Vertrag eine Zusammensetzung von Schande, Niederträchtigkeit
+und Betrügerei wäre, wie sie noch nie dem Parlament
+zugemutet worden wäre. »Ist einer unter Ihnen
+my lords,« fragte er, »der nicht vollkommen einsieht, dass
+das Ganze ein rein gewinnsüchtiger Handel ist, bei dem
von der einen Seite Truppen gedungen, von der andern
menschliches Blut verkauft wird; und dass die geduldigen
-Opfer, zum Abschlachten verkauft, die grössten
-Söldlinge in des Wortes schlimmster Bedeutung sind?«</p>
+Opfer, zum Abschlachten verkauft, die grössten
+Söldlinge in des Wortes schlimmster Bedeutung sind?«</p>
<p>Die Tory-Lords scheinen sich weniger an der Debatte
-beteiligt zu haben, wahrscheinlich, weil sie es für unnötig
-hielten zu sprechen, da sie in der Majorität waren.
+beteiligt zu haben, wahrscheinlich, weil sie es für unnötig
+hielten zu sprechen, da sie in der Majorität waren.
Die Vorlage wurde mit 100 gegen 32 Stimmen abgelehnt.</p>
<p>Es scheint mir, als ob die Lords nicht ganz gerecht
-in ihrem Urteil über die deutschen Soldaten gewesen
-wären. Die meisten dieser armen Teufel fochten nicht
-um Geld, sondern weil sie es nicht ändern konnten. Die
-Leute, die wirklich »Söldlinge in des Wortes schlimmster
-Bedeutung« waren, waren der Landgraf, der Herzog und
-die Fürsten; aber man konnte von den edlen Lords kaum
-erwarten, dass sie dies aussprechen würden.</p>
+in ihrem Urteil über die deutschen Soldaten gewesen
+wären. Die meisten dieser armen Teufel fochten nicht
+um Geld, sondern weil sie es nicht ändern konnten. Die
+Leute, die wirklich »Söldlinge in des Wortes schlimmster
+Bedeutung« waren, waren der Landgraf, der Herzog und
+die Fürsten; aber man konnte von den edlen Lords kaum
+erwarten, dass sie dies aussprechen würden.</p>
<p>Was die Haltung der britischen Regierung beim Anwerben
der Truppen anbetrifft, so ist klar, dass ihr kein
-anderer Weg übrig blieb, wenn der Krieg energisch
-durchgeführt werden sollte. Infolge des Misskredits, in
-dem reguläre Soldaten bei den Engländern standen, war
+anderer Weg übrig blieb, wenn der Krieg energisch
+durchgeführt werden sollte. Infolge des Misskredits, in
+dem reguläre Soldaten bei den Engländern standen, war
die britische Armee zu Friedenszeiten nicht so stark wie
<span class="pagenum"><a name="Seite_30" id="Seite_30">[S. 30]</a></span>
die Zahl, die jetzt im Ausland aufgebracht werden
sollten. Werbungen waren mit Schwierigkeiten verbunden,
man erhielt durch sie nur rohe Rekruten. Die Konscription
-ist ein Ding der Unmöglichkeit in England.
+ist ein Ding der Unmöglichkeit in England.
Wenn man Leute haben wollte, musste Lord North sie
in Deutschland suchen.</p>
<p>Die Regierung und das Reich aber bezahlten einen
-enormen Preis für die Hilfstruppen. Die Antwort auf
-den Vertrag mit dem Landgrafen war die Unabhängigkeits-Erklärung.
+enormen Preis für die Hilfstruppen. Die Antwort auf
+den Vertrag mit dem Landgrafen war die Unabhängigkeits-Erklärung.
Die Verwendung von fremden Soldtruppen durch
die britische Regierung wirkte zum grossen Teil mit, die
Amerikaner zu dem Entschluss kommen zu lassen, ihre
-Lehnspflicht gegen die englische Krone abzuschütteln
-und Bündnisse mit deren früheren Feinden zu suchen.
+Lehnspflicht gegen die englische Krone abzuschütteln
+und Bündnisse mit deren früheren Feinden zu suchen.
Die Gefahr, auf die in dem Protest der Lords hingewiesen
-worden war, wurde zur Wirklichkeit, und Männer
+worden war, wurde zur Wirklichkeit, und Männer
von englischem Blut behaupteten, dass Frankreich ein
-ebensolches Recht wie Hessen hätte, sich in ihre inneren
+ebensolches Recht wie Hessen hätte, sich in ihre inneren
Streitigkeiten zu mischen.</p>
@@ -1705,84 +1663,84 @@ Streitigkeiten zu mischen.</p>
<h3>Die Soldaten.</h3>
-<p>Die Soldaten, welche die deutschen Fürsten an England
-vermieteten zur Unterdrückung der amerikanischen
+<p>Die Soldaten, welche die deutschen Fürsten an England
+vermieteten zur Unterdrückung der amerikanischen
Revolution wurden auf verschiedene Weise zusammengebracht.
In Hessen-Cassel war das Land in Distrikte
eingeteilt gewesen, von welchen jeder eine bestimmte
-Anzahl Rekruten für ein bestimmtes Regiment zu
+Anzahl Rekruten für ein bestimmtes Regiment zu
stellen hatte. Die Offiziere waren indessen angehalten
-worden, soviel Fremde wie möglich der Armee zuzuführen,
+worden, soviel Fremde wie möglich der Armee zuzuführen,
um die eigenen Distrikte zu schonen, deren Einwohner
-immer bei der Hand sein würden, wenn man ihrer
-im Notfall bedürfte. Es stand in den Armee-Vorschriften,
+immer bei der Hand sein würden, wenn man ihrer
+im Notfall bedürfte. Es stand in den Armee-Vorschriften,
dass diejenigen Regiments-Kommandeure oder Hauptleute
<span class="pagenum"><a name="Seite_31" id="Seite_31">[S. 31]</a></span>
-sich am besten empfehlen würden, wenn sie versuchten,
+sich am besten empfehlen würden, wenn sie versuchten,
fremde Rekruten einzureihen. Die zwangsweise Rekruten-Aushebung
war verboten, doch diese Bestimmung sollte
wahrscheinlich nur auf die Eingeborenen Anwendung
-finden. Jedenfalls scheint es nicht die Thätigkeit der
+finden. Jedenfalls scheint es nicht die Thätigkeit der
Werbeoffiziere vermindert zu haben, und in den kleineren
-Staaten hat wahrscheinlich ein solches Gesetz überhaupt
+Staaten hat wahrscheinlich ein solches Gesetz überhaupt
nicht existiert. In Anspach durfte Niemand ohne Erlaubnis
das Land verlassen oder heiraten. Es muss dabei
-erwähnt werden, dass in diesem Fall mit Land nicht
+erwähnt werden, dass in diesem Fall mit Land nicht
Deutschland, sondern die Territorien des Markgrafen gemeint
waren, und dass die Fremden, die der Landgraf
angeworben haben wollte, die Unterthanen der
-benachbarten kleinen Fürsten waren. Werbeoffiziere
-waren über ganz Deutschland hin thätig. Lüderliche
+benachbarten kleinen Fürsten waren. Werbeoffiziere
+waren über ganz Deutschland hin thätig. Lüderliche
Kerle, Trunkenbolde, Vagabunden und Leute, die politische
-Umtriebe machten, wurden, wenn sie nicht über
+Umtriebe machten, wurden, wenn sie nicht über
60 Jahre alt, gesund und gut gewachsen waren, zwangsweise
eingestellt. Mit dem Geschenk eines grossen,
-robusten Mannes empfahl sich ein Fürst dem andern in
+robusten Mannes empfahl sich ein Fürst dem andern in
der angenehmsten Weise; in jedem Regiment waren viele
Deserteure von anderen Staaten. Zusammen mit dieser
gemischten Gesellschaft diente der ehrliche deutsche
-Bauernbursche. Es muss noch erwähnt werden, dass die
+Bauernbursche. Es muss noch erwähnt werden, dass die
Regimenter, die nach Amerika geschickt wurden, aus
einem bessern Material bestanden, wie die Regimenter zu
-gewöhnlicher Zeit. &mdash;</p>
+gewöhnlicher Zeit. &mdash;</p>
-<p>Johann Gottfried Seume, welcher später einige Bedeutung
+<p>Johann Gottfried Seume, welcher später einige Bedeutung
als Schriftsteller erlangte, war ein Opfer des Werbesystems
und hat eine Beschreibung seiner Erlebnisse hinterlassen.
Seume war Student der Theologie in Leipzig, doch
-nachdem ihm religiöse Zweifel gekommen waren, welche
-seine Freunde &mdash; wie er wusste &mdash; verletzen würden, machte
+nachdem ihm religiöse Zweifel gekommen waren, welche
+seine Freunde &mdash; wie er wusste &mdash; verletzen würden, machte
er sich zu Fuss auf den Weg nach Paris, mit einem
-Säbel an der Seite, mit einigen Hemden und Bänden der
-Klassiker in der Reisetasche und ungefähr 9 Thalern.
+Säbel an der Seite, mit einigen Hemden und Bänden der
+Klassiker in der Reisetasche und ungefähr 9 Thalern.
<span class="pagenum"><a name="Seite_32" id="Seite_32">[S. 32]</a></span>
Seine Reise sollte indessen eine andere Richtung nehmen.
-»Den dritten Abend übernachtete ich in Vach,« schreibt
-er, »und hier übernahm trotz allen Protest der Landgraf
+»Den dritten Abend übernachtete ich in Vach,« schreibt
+er, »und hier übernahm trotz allen Protest der Landgraf
von Kassel, der damalige grosse Menschenmakler, durch
seine Werber die Besorgung meiner ferneren Nachtquartiere
nach Ziegenhain-Kassel und weiter nach der neuen
Welt. Man brachte mich als Halbarrestanten nach der
-Festung Ziegenhain, wo der Jammergefährten aus allen
-Gegenden schon viele lagen, um mit dem nächsten Frühjahr
+Festung Ziegenhain, wo der Jammergefährten aus allen
+Gegenden schon viele lagen, um mit dem nächsten Frühjahr
nach Faucitts Besichtigung nach Amerika zu gehen.
Ich ergab mich in mein Schicksal und suchte das Beste
daraus zu machen, so schlecht es auch war. Wir lagen
-lange in Ziegenhain, ehe die gehörige Anzahl der
+lange in Ziegenhain, ehe die gehörige Anzahl der
Rekruten vom Pfluge und dem Heerwege und aus den
-Werbestädten zusammengebracht wurde. Die Geschichte
+Werbestädten zusammengebracht wurde. Die Geschichte
dieser Periode ist bekannt genug: niemand war damals
-vor den Handlangern des Seelenverkäufers sicher; Überredung,
+vor den Handlangern des Seelenverkäufers sicher; Überredung,
List, Betrug, Gewalt, alles galt. Man fragte
nicht nach den Mitteln zu dem verdammlichen Zwecke.
Fremde aller Art wurden angehalten, eingesteckt, fortgeschickt.
Mir zerriss man meine akademische Inskription,
als das einzige Instrument meiner Legitimierung. Am
-Ende ärgerte ich mich weiter nicht; leben muss man überall:
-wo so viele durchkommen, wirst du es auch: über
-den Ozean zu schwimmen war für einen jungen Kerl einladend
+Ende ärgerte ich mich weiter nicht; leben muss man überall:
+wo so viele durchkommen, wirst du es auch: über
+den Ozean zu schwimmen war für einen jungen Kerl einladend
genug und zu sehen gab es jenseits auch etwas.
-So dachte ich. Während unseres Aufenthalts in Ziegenhain
+So dachte ich. Während unseres Aufenthalts in Ziegenhain
brauchte mich der alte General Gore zum Schreiben
und behandelte mich mit vieler Freundlichkeit. Hier war
denn ein wahres Quodlibet von Menschenseelen zusammengeschichtet,
@@ -1791,88 +1749,88 @@ abwechselnd beides waren. Meine Kameraden waren
noch ein verlaufener Musensohn aus Jena, ein bankerotter
Kaufmann aus Wien, ein Posamentierer aus Hannover,
ein abgesetzter Postschreiber aus Gotha, ein
-Mönch aus Würzburg, ein Oberamtmann aus Meiningen,
+Mönch aus Würzburg, ein Oberamtmann aus Meiningen,
<span class="pagenum"><a name="Seite_33" id="Seite_33">[S. 33]</a></span>
ein preussischer Husarenwachtmeister, ein kassierter
-hessischer Major von der Festung und andere von ähnlichem
+hessischer Major von der Festung und andere von ähnlichem
Stempel. Man kann denken, dass es an Unterhaltung
nicht fehlen konnte; und eine blosse Skizze von
-dem Leben der Herren müsste eine unterhaltende,
-lehrreiche Lektüre sein. Da es den meisten gegangen
+dem Leben der Herren müsste eine unterhaltende,
+lehrreiche Lektüre sein. Da es den meisten gegangen
war wie mir, oder noch schlimmer, entspann sich bald
-ein grosses Komplott zu unser aller Befreiung.«</p>
+ein grosses Komplott zu unser aller Befreiung.«</p>
-<p>Es wurde Seume angeboten, Rädelsführer der Verschwörer
+<p>Es wurde Seume angeboten, Rädelsführer der Verschwörer
zu sein, doch auf den Rat eines alten Feldwebels
-hin schlug er dies ehrenvolle Amt aus. »Man
+hin schlug er dies ehrenvolle Amt aus. »Man
wollte um Mitternacht auf ein Zeichen ausziehen, der
-Wache stürmend die Gewehre wegnehmen, was sich
+Wache stürmend die Gewehre wegnehmen, was sich
widersetzte niederstechen, das Zeughaus erbrechen, die
Kanonen vernageln, das Gouvernementshaus verriegeln
und 1500 Mann stark zum Thore hinaus marschieren.
-In drei Stunden wären wir über der Grenze gewesen.«
-Jedoch das Komplott wurde verraten, die Rädelsführer
+In drei Stunden wären wir über der Grenze gewesen.«
+Jedoch das Komplott wurde verraten, die Rädelsführer
wurden verhaftet, unter ihnen Seume. Er wurde aber
bald wieder freigelassen, da niemand etwas gegen ihn
aussagen konnte und besonders weil es zu viele geworden
-wären, die hätten bestraft werden müssen. »Der
-Prozess begann,« sagt er, »zwei wurden zum Galgen
-verurteilt, worunter ich unfehlbar gewesen sein würde,
-hätte mich nicht der alte preussische Feldwebel gerettet.
-Die Übrigen mussten in grosser Anzahl Gassen laufen,
-von sechsunddreissig Malen herab bis zu zwölfen. Es
-war eine grässliche Schlächterei. Die Galgenkandidaten
+wären, die hätten bestraft werden müssen. »Der
+Prozess begann,« sagt er, »zwei wurden zum Galgen
+verurteilt, worunter ich unfehlbar gewesen sein würde,
+hätte mich nicht der alte preussische Feldwebel gerettet.
+Die Übrigen mussten in grosser Anzahl Gassen laufen,
+von sechsunddreissig Malen herab bis zu zwölfen. Es
+war eine grässliche Schlächterei. Die Galgenkandidaten
erhielten zwar nach der Todesangst unter dem Galgen
Gnade, mussten aber sechsunddreissig Mal Gassen laufen
-und kamen auf Gnade des Fürsten nach Cassel in die
+und kamen auf Gnade des Fürsten nach Cassel in die
Eisen. Auf unbestimmte Zeit und auf Gnade in die
-Eisen waren damals gleichbedeutende Ausdrücke und
-hiessen so viel als »ewig ohne Erlösung.« Wenigstens
-war die Gnade des Fürsten ein Fall, von dem niemand
+Eisen waren damals gleichbedeutende Ausdrücke und
+hiessen so viel als »ewig ohne Erlösung.« Wenigstens
+war die Gnade des Fürsten ein Fall, von dem niemand
etwas wissen wollte. Mehr als dreissig wurden auf diese
<span class="pagenum"><a name="Seite_34" id="Seite_34">[S. 34]</a></span>
-Weise grausam gezüchtigt, und Viele, unter denen auch
+Weise grausam gezüchtigt, und Viele, unter denen auch
ich war, kamen bloss deswegen durch, weil eine zu grosse
-Menge von Mitwissern hätte bestraft werden müssen.
-Einige kamen beim Abmarsch wieder los, aus Gründen,
+Menge von Mitwissern hätte bestraft werden müssen.
+Einige kamen beim Abmarsch wieder los, aus Gründen,
die sich leicht erraten lassen: denn ein Kerl, der in
-Cassel in den Eisen geht, wird von den Engländern nicht
-bezahlt.«</p>
+Cassel in den Eisen geht, wird von den Engländern nicht
+bezahlt.«</p>
<p>Bei Truppen, wie diese es waren, waren Desertionen
-natürlicherweise etwas gewöhnliches. Der Militärdienst
-war gefürchtet, und in kleineren Staaten hätte eine gelungene
-Flucht den Deserteur nach wenigen Meilen über
+natürlicherweise etwas gewöhnliches. Der Militärdienst
+war gefürchtet, und in kleineren Staaten hätte eine gelungene
+Flucht den Deserteur nach wenigen Meilen über
die Grenze gebracht. Das Volk sympathisierte mit ihm
-und würde ihm geholfen haben, wenn hierauf nicht
-schwere Bestrafung gestanden hätte. Dies war indess
-nicht nötig. Wenn in Württemberg Allarm geschlagen
-wurde, musste sofort die ganze Gemeinde ausrücken und
-24 Stunden lang die Strassen, Fusspfade und Brücken
-besetzen, bis der Flüchtling gefangen war. Wenn er
-entschlüpfte, so musste der Ort einen Ersatzmann stellen,
-der ebenso gross war wie der Deserteur, und die Söhne
-der ersten Männer des Ortes wurden in erster Linie genommen.
+und würde ihm geholfen haben, wenn hierauf nicht
+schwere Bestrafung gestanden hätte. Dies war indess
+nicht nötig. Wenn in Württemberg Allarm geschlagen
+wurde, musste sofort die ganze Gemeinde ausrücken und
+24 Stunden lang die Strassen, Fusspfade und Brücken
+besetzen, bis der Flüchtling gefangen war. Wenn er
+entschlüpfte, so musste der Ort einen Ersatzmann stellen,
+der ebenso gross war wie der Deserteur, und die Söhne
+der ersten Männer des Ortes wurden in erster Linie genommen.
Dieser Befehl musste jeden Monat einmal von
-der Kanzel verlesen werden. Wer einem Deserteur behülflich
-war, verlor die Bürgerrechte, wurde zu Zwangsarbeit
-verurteilt und im Gefängnis gepeitscht. Die Gesetze
+der Kanzel verlesen werden. Wer einem Deserteur behülflich
+war, verlor die Bürgerrechte, wurde zu Zwangsarbeit
+verurteilt und im Gefängnis gepeitscht. Die Gesetze
in Hessen-Cassel scheinen etwas weniger grausam
gewesen zu sein. Bauern, die einen Deserteur festnahmen,
bekamen einen Dukaten; aber wenn ein Deserteur
ein Dorf passierte, ohne festgenommen zu werden,
-so musste das Dorf für ihn bezahlen. Jeder Soldat, der
-sich über eine Meile von seiner Garnison entfernte,
+so musste das Dorf für ihn bezahlen. Jeder Soldat, der
+sich über eine Meile von seiner Garnison entfernte,
musste mit einem Pass versehen sein, und alle Personen,
-welche ihm auf eine grössere Entfernung von zu Hause
+welche ihm auf eine grössere Entfernung von zu Hause
begegneten, sollten ihn danach fragen. Ein charakteristischer
Fall ereignete sich 1738. Ein preussischer
Werbeoffizier und die Frau eines preussischen Soldaten
<span class="pagenum"><a name="Seite_35" id="Seite_35">[S. 35]</a></span>
verleiteten einen Anspacher Soldaten zu desertieren um
sich in die preussische Armee einreihen zu lassen. Sie
-wurden durch die Anspacher Behörde aufgefangen. Die
-Frau wurde gehängt; der Offizier musste bei der Exekution
+wurden durch die Anspacher Behörde aufgefangen. Die
+Frau wurde gehängt; der Offizier musste bei der Exekution
zugegen sein und wurde dann in die Festung eingesperrt.
Der Deserteur scheint mit dem Leben davongekommen
zu sein, da er ein wertvolles Verkaufsobject
@@ -1880,100 +1838,100 @@ war.</p>
<p>Wenn der Rekrut in die Liste eingeschrieben war,
musste der Offizier oder Unteroffizier ihn in die Garnison
-bringen. Dies gab natürlich Gelegenheit zum Entfliehen;
-Kapp führt aus einem Buch, das 1805 in Berlin
+bringen. Dies gab natürlich Gelegenheit zum Entfliehen;
+Kapp führt aus einem Buch, das 1805 in Berlin
gedruckt ist, die Vorsichtsmassregeln an, welche gegen
diese Gefahr anzuwenden waren. Der Unteroffizier, der
-den Rekruten begleitet, muss Säbel und Pistolen tragen.
+den Rekruten begleitet, muss Säbel und Pistolen tragen.
Er muss den Rekruten vor sich her marschieren, ihn aber
niemals zu nahe an sich herankommen lassen und ihm
-ankündigen, dass jeder verdächtige Schritt ihm das
-Leben kosten kann. Grosse Städte muss er vermeiden,
+ankündigen, dass jeder verdächtige Schritt ihm das
+Leben kosten kann. Grosse Städte muss er vermeiden,
ebenso Orte, wo der Rekrut vorher gedient hat. Es ist
-auch wünschenswert, den Ort zu vermeiden, wo der
-Rekrut geboren ist. Sie müssen die Nacht in einem
+auch wünschenswert, den Ort zu vermeiden, wo der
+Rekrut geboren ist. Sie müssen die Nacht in einem
Wirtshaus zubringen, dessen Besitzer Werbeoffizieren gut
-gesinnt ist. Der Rekrut und Offizier müssen sich beide
+gesinnt ist. Der Rekrut und Offizier müssen sich beide
auskleiden, und ihre Kleider sind vom Wirt aufzuheben.
-Wirtshäuser, wo Rekruten einquartiert werden, müssen
-besondere Räume dafür haben, möglichst eine Treppe
+Wirtshäuser, wo Rekruten einquartiert werden, müssen
+besondere Räume dafür haben, möglichst eine Treppe
hoch und mit vergitterten Fenstern. Die ganze Nacht
muss ein Licht brennen, und der Unteroffizier muss seine
Waffen dem Wirt abgeben, damit sie der Rekrut nicht
wegnehmen und gegen ihn gebrauchen kann in der Nacht.
-Des Morgens bekommt er sie zurück, sieht nach der
+Des Morgens bekommt er sie zurück, sieht nach der
Ladung und dem Pulver auf der Pfanne, zieht sich an
und ist reisefertig, bevor der Rekrut seine Kleider bekommt.
Der Rekrut betritt ein Haus oder eine Stube
-zuerst; er verlässt es zuletzt. Bei den Mahlzeiten sitzt
+zuerst; er verlässt es zuletzt. Bei den Mahlzeiten sitzt
<span class="pagenum"><a name="Seite_36" id="Seite_36">[S. 36]</a></span>
-er mit dem Rücken an der Wand. Erscheint er verdächtig,
-fliehen zu wollen, so müssen ihm die Hosenträger
-und -knöpfe abgeschnitten werden, so dass er
+er mit dem Rücken an der Wand. Erscheint er verdächtig,
+fliehen zu wollen, so müssen ihm die Hosenträger
+und -knöpfe abgeschnitten werden, so dass er
die Hosen mit der Hand halten muss.</p>
-<p>Ein guter Hund, der für dies Geschäft dressiert
-ist, wird für den Unteroffizier sehr zweckmässig sein.
-Wenn ein Unteroffizier unglücklicherweise gezwungen ist,
-einen Rekruten zu töten oder zu verwunden, so muss er
-eine Bescheinigung von der Ortsbehörde beibringen.
+<p>Ein guter Hund, der für dies Geschäft dressiert
+ist, wird für den Unteroffizier sehr zweckmässig sein.
+Wenn ein Unteroffizier unglücklicherweise gezwungen ist,
+einen Rekruten zu töten oder zu verwunden, so muss er
+eine Bescheinigung von der Ortsbehörde beibringen.
Aber kein Dokument kann die Flucht eines Rekruten
-entschuldigen, ein Vorfall, der in Preussen als ganz unmöglich
-gar nicht der Erwähnung wert gehalten wird.</p>
+entschuldigen, ein Vorfall, der in Preussen als ganz unmöglich
+gar nicht der Erwähnung wert gehalten wird.</p>
-<p>Die Leute, die zusammengebracht waren für den
-Dienst in Amerika, waren vom militärischen Standpunkt
+<p>Die Leute, die zusammengebracht waren für den
+Dienst in Amerika, waren vom militärischen Standpunkt
aus von sehr verschiedenem Wert. Sie wurden alle von
-einer englischen Kommission in den Seehäfen in Empfang
-genommen und vor der Einschiffung gemustert, gewöhnlich
-durch Oberst Faucitt, welcher die Verträge abgeschlossen
-hatte; während einige der Regimenter als vorzüglich
+einer englischen Kommission in den Seehäfen in Empfang
+genommen und vor der Einschiffung gemustert, gewöhnlich
+durch Oberst Faucitt, welcher die Verträge abgeschlossen
+hatte; während einige der Regimenter als vorzüglich
befunden wurden, zeigte es sich, dass andere
zum Teil aus alten Leuten und aus Knaben bestanden, die
den Strapazen nicht gewachsen waren. Einige von den
Soldaten wurden infolge dessen verworfen, besonders in
-den letzten Jahren des Krieges, als es in vielen Städten
+den letzten Jahren des Krieges, als es in vielen Städten
schwieriger wurde, gute Leute zu bekommen.</p>
<p>Es ist nach dem Quellenmaterial schwer zu beurteilen,
welche Chancen ein gemeiner Soldat hatte zu
avancieren. Seume schreibt, dass er Aussicht auf Avancement
hatte, die aber durch die Beendigung des Krieges
-zerstört wurde, da in Friedenszeiten einer, der nicht
+zerstört wurde, da in Friedenszeiten einer, der nicht
adelig war, es nicht weiter als bis zum Feldwebel bringen
-konnte. Kapp behauptet, die Offiziere gehörten meistens
+konnte. Kapp behauptet, die Offiziere gehörten meistens
dem niederen Adel an. Die Rangliste der hessischen
Offiziere von 1779 weist dies nicht aus. Es zeigt sich,
-dass zu dieser Zeit mehr als die Hälfte der Offiziere
+dass zu dieser Zeit mehr als die Hälfte der Offiziere
nicht adelig war.
<span class="pagenum"><a name="Seite_37" id="Seite_37">[S. 37]</a></span></p>
<p>Wir kommen zum Schluss zur Charakterisierung der
-Offiziere. Ihre Bildung beschränkte sich im Allgemeinen
+Offiziere. Ihre Bildung beschränkte sich im Allgemeinen
auf ein gewisses Mass von Fertigkeit im Schreiben und
-auf ein wenig barbarisches Französisch. Sie verstanden
-weder die Ursache, aus welcher die Amerikaner kämpften,
+auf ein wenig barbarisches Französisch. Sie verstanden
+weder die Ursache, aus welcher die Amerikaner kämpften,
noch vor allen Dingen die Sprache, in welcher die verschiedenen
-Staatsmänner ihre Ansprüche geltend machten.
-Doch, wenn sie viel mehr verstanden hätten, als es der
-Fall war, sie wären auf der Seite königlicher Vorrechte
-den Rechten des Volkes gegenüber gewesen. Ich weiss
+Staatsmänner ihre Ansprüche geltend machten.
+Doch, wenn sie viel mehr verstanden hätten, als es der
+Fall war, sie wären auf der Seite königlicher Vorrechte
+den Rechten des Volkes gegenüber gewesen. Ich weiss
mich keines Falles zu erinnern, in dem nur ein an diesem
-Krieg beteiligter Offizier einen Ausdruck gebraucht hätte,
-der eine Übereinstimmung mit der geistigen freiheitlichen
-Bewegung des 18. Jahrhunderts gezeigt hätte. Einmal
+Krieg beteiligter Offizier einen Ausdruck gebraucht hätte,
+der eine Übereinstimmung mit der geistigen freiheitlichen
+Bewegung des 18. Jahrhunderts gezeigt hätte. Einmal
finden wir sie von dem Despotismus des Kongresses
sprechend. Diese absurde Idee war ihnen wahrscheinlich
-durch die Engländer eingeflösst worden und war von der
+durch die Engländer eingeflösst worden und war von der
anti-amerikanischen Presse in Deutschland aufgenommen
-worden. Es lässt sich schwerlich bezweifeln, dass viele
-der Offiziere sowohl als Soldaten mit Vergnügen ihrer
-Thätigkeit in Amerika entgegensahen, schon um die Eintönigkeit
+worden. Es lässt sich schwerlich bezweifeln, dass viele
+der Offiziere sowohl als Soldaten mit Vergnügen ihrer
+Thätigkeit in Amerika entgegensahen, schon um die Eintönigkeit
des Garnisondienstes zu unterbrechen.</p>
-<p>Es bleibt noch zu erwähnen, dass viele der Soldaten,
-meist solche, die in Gefangenschaft geraten waren, Bürger
-der Republik wurden, welche sie helfen sollten zu unterdrücken.</p>
+<p>Es bleibt noch zu erwähnen, dass viele der Soldaten,
+meist solche, die in Gefangenschaft geraten waren, Bürger
+der Republik wurden, welche sie helfen sollten zu unterdrücken.</p>
@@ -1986,27 +1944,27 @@ der Republik wurden, welche sie helfen sollten zu unterdrücken.</p>
<p>Die ersten deutschen Truppen, welche nach Amerika
gingen, waren die Braunschweiger. Diese marschierten
am 22. Februar 1776, 2282 Mann stark, von Braunschweig
-ab und wurden in Stade, in der Nähe der Elbmündung,
+ab und wurden in Stade, in der Nähe der Elbmündung,
eingeschifft. Die zweite Braunschweiger Divi<span class="pagenum"><a name="Seite_38" id="Seite_38">[S. 38]</a></span>sion,
-ungefähr 2000 Mann, schiffte sich Ende Mai ein.
-Die erste hessische Division brach Anfang März von
-Cassel auf und wurde in Bremerlehe, in der Nähe der
-Wesermündung, eingeschifft, die zweite Division folgte im
-Juni; sie zählten zusammen zwischen 12 und 13000 Mann.
-Sie waren zum grössten Teil ausgezeichnete und wohlausgerüstete
+ungefähr 2000 Mann, schiffte sich Ende Mai ein.
+Die erste hessische Division brach Anfang März von
+Cassel auf und wurde in Bremerlehe, in der Nähe der
+Wesermündung, eingeschifft, die zweite Division folgte im
+Juni; sie zählten zusammen zwischen 12 und 13000 Mann.
+Sie waren zum grössten Teil ausgezeichnete und wohlausgerüstete
Truppen, denn die kleine Armee des Landgrafen
galt als eine der besten in Deutschland.</p>
<p>Der Marsch von Braunschweig und Cassel zu den
-Häfen war eine verhältnismässig einfache Sache. Die
-Truppen kamen aus den Gebieten der eigenen Fürsten
-in die hannöverschen Landesteile des Königs von England
-und diese reichten bis an die See. Der Fürst von
-Waldeck schickte sein Regiment durch Cassel ohne Störung.
+Häfen war eine verhältnismässig einfache Sache. Die
+Truppen kamen aus den Gebieten der eigenen Fürsten
+in die hannöverschen Landesteile des Königs von England
+und diese reichten bis an die See. Der Fürst von
+Waldeck schickte sein Regiment durch Cassel ohne Störung.
Der Graf von Hessen-Hanau, der Markgraf von
-Anspach-Bayreuth und der Fürst von Anhalt-Zerbst hatten
-einen längeren Weg zu machen und grössere Schwierigkeiten
-zu überwinden.</p>
+Anspach-Bayreuth und der Fürst von Anhalt-Zerbst hatten
+einen längeren Weg zu machen und grössere Schwierigkeiten
+zu überwinden.</p>
<p>Die Truppen der letzteren sollten auf Booten den
Rhein hinuntergeschickt werden. Abgesehen von mehreren
@@ -2016,8 +1974,8 @@ dessen Territorien sie passieren mussten, im Stande, ihnen
grosse Schwierigkeiten zu bereiten. Friedrich der Grosse
versagte selbst seinem Neffen, dem Markgrafen von Anspach,
seine Einwilligung, sein Land zu passieren. In
-einem Brief an ihn drückte er ihm sein Befremden aus,
-dass deutsche Fürsten das Blut ihrer Landeskinder für
+einem Brief an ihn drückte er ihm sein Befremden aus,
+dass deutsche Fürsten das Blut ihrer Landeskinder für
fremde Interessen opferten. Nebenbei war es ein kleiner
Akt der Rache an England wegen dessen schlechten
Verhaltens inbetreff des Hafens von Danzig.</p>
@@ -2025,79 +1983,79 @@ Verhaltens inbetreff des Hafens von Danzig.</p>
<p>Seume hat von seinen Erlebnissen auf der Seereise
folgende Beschreibung hinterlassen:</p>
-<p>»In den englischen Transportschiffen wurden wir gedrückt,
-geschichtet und gepöckelt wie die Heringe. Um
-Platz zu sparen hatte man keine Hängematten sondern
+<p>»In den englischen Transportschiffen wurden wir gedrückt,
+geschichtet und gepöckelt wie die Heringe. Um
+Platz zu sparen hatte man keine Hängematten sondern
<span class="pagenum"><a name="Seite_39" id="Seite_39">[S. 39]</a></span>
-Verschläge in der Tabulatur des Verdecks, das schon
+Verschläge in der Tabulatur des Verdecks, das schon
niedrig genug war, und nun lagen noch zwei Schichten
-übereinander. Im Verdecke konnte ein ausgewachsener
+übereinander. Im Verdecke konnte ein ausgewachsener
Mann nicht gerade stehen und im Bettverschlage nicht
-gerade sitzen. Die Bettkasten waren für je sechs
+gerade sitzen. Die Bettkasten waren für je sechs
Mann. Wenn vier darin lagen, waren sie voll und die
-beiden letzten mussten hineingezwängt werden. Das war
-bei warmem Wetter nicht kalt: es war für den Einzelnen
-gänzlich unmöglich sich umzuwenden und ebenso unmöglich
-auf dem Rücken zu liegen. Die geradeste Richtung
-mit der schärfsten Kante war nötig. Wenn wir so auf
-einer Seite gehörig geschwitzt und gebraten hatten, rief
-der rechte Flügelmann: Umgewendet! und es wurde umgeschichtet:
+beiden letzten mussten hineingezwängt werden. Das war
+bei warmem Wetter nicht kalt: es war für den Einzelnen
+gänzlich unmöglich sich umzuwenden und ebenso unmöglich
+auf dem Rücken zu liegen. Die geradeste Richtung
+mit der schärfsten Kante war nötig. Wenn wir so auf
+einer Seite gehörig geschwitzt und gebraten hatten, rief
+der rechte Flügelmann: Umgewendet! und es wurde umgeschichtet:
hatten wir nun auf der andern Seite quantum
-satis ausgehalten, rief das nämliche der linke Flügelmann.
+satis ausgehalten, rief das nämliche der linke Flügelmann.
Die Verpflegung hielt gleichen Schritt mit der
Unterbringung. Heute Speck und Erbsen und morgen
-Erbsen und Speck; zuweilen Grütze und Graupen und
+Erbsen und Speck; zuweilen Grütze und Graupen und
zum Schmause Pudding, den wir aus muffigem Mehl halb
-mit Seewasser, halb mit süssem Wasser und altem
-Schöpsenfett machen mussten. Der Speck mochte wohl
-vier oder fünf Jahre alt sein, war von beiden Seiten am
+mit Seewasser, halb mit süssem Wasser und altem
+Schöpsenfett machen mussten. Der Speck mochte wohl
+vier oder fünf Jahre alt sein, war von beiden Seiten am
Rande schwarzstriefig, weiter hinein gelb und hatte nur
in der Mitte noch einen kleinen weissen Gang. Ebenso
war es mit dem gesalzenen Rindfleisch. In dem Schiffsbrot
-waren oft viele Würmer, die wir als Schmalz mitessen
+waren oft viele Würmer, die wir als Schmalz mitessen
mussten, wenn wir nicht die schon kleine Portion
noch mehr reduzieren wollten: dabei war es so hart, dass
wir nicht selten Kanonenkugeln brauchten es nur aus dem
-gröbsten zu zerbrechen; und doch erlaubte uns der
+gröbsten zu zerbrechen; und doch erlaubte uns der
Hunger selten, es einzuweichen; auch fehlte es oft an
Wasser. Man sagte uns, und nicht ganz unwahrscheinlich,
-der Zwieback sei französisch; die Engländer hätten
-ihn noch im siebenjährigen Kriege den Franzosen abgenommen,
+der Zwieback sei französisch; die Engländer hätten
+ihn noch im siebenjährigen Kriege den Franzosen abgenommen,
seit der Zeit habe er in Portsmouth im Magazin
-gelegen, und nun füttere man die Deutschen damit, um
+gelegen, und nun füttere man die Deutschen damit, um
<span class="pagenum"><a name="Seite_40" id="Seite_40">[S. 40]</a></span>
wieder in Amerika die Franzosen unter Rochambeau und
Lafayette, so Gott wolle, tot zu schlagen. Gott muss
aber doch nicht recht gewollt haben. Das schwergeschwefelte
Wasser lag in tiefer Verderbnis. Wenn ein
Fass heraufgeschroten und aufgeschlagen wurde, roch es
-auf dem Verdeck nach einer Mischung von allen möglichen
-übeln Gerüchen. Es war angefüllt mit fingerlangen
-Würmern, und es musste durch Tücher gefüllt
+auf dem Verdeck nach einer Mischung von allen möglichen
+übeln Gerüchen. Es war angefüllt mit fingerlangen
+Würmern, und es musste durch Tücher gefüllt
werden, bevor man es trinken konnte: und dann musste
man immer noch die Nase zuhalten. Rum und manchmal
-ein wenig starkes Bier verbesserten das Getränk.«</p>
+ein wenig starkes Bier verbesserten das Getränk.«</p>
<p>Auf diese Weise zusammengepfercht, in dicker Luft,
mit schlechter Nahrung und faulem Wasser, viele von
-ihnen ungenügend bekleidet, wurden diese Jünglinge, alten
+ihnen ungenügend bekleidet, wurden diese Jünglinge, alten
Leute, Studenten, Kaufleute und Bauern Monate lang
auf dem Atlantischen Ozean herumgeworfen. Viele von
den Leiden der Reise waren zweifellos unvermeidlich,
und viele von den Rekruten waren schon an ein hartes
-Leben gewöhnt. Aber Vieles, was sie zu erdulden hatten,
+Leben gewöhnt. Aber Vieles, was sie zu erdulden hatten,
war das Resultat von einem absichtlichen Mangel an
-Fürsorge und grosser Habsucht. Was soll man sagen
-über das britische Quartiermeister-Departement, das
+Fürsorge und grosser Habsucht. Was soll man sagen
+über das britische Quartiermeister-Departement, das
diese Leute auf die See schickte ohne richtiges Essen
und Trinken? Was vom Herzog von Braunschweig,
welcher seine Unterthanen nach Canada ohne haltbare
-Schuhe und Strümpfe schickte und ohne Mäntel? Oft haben
+Schuhe und Strümpfe schickte und ohne Mäntel? Oft haben
Menschen ein hartes Leben freudig ertragen, weil sie
den Grund verstanden. Aber diese armen Kerle litten
-für einen Streit, der nicht ihr eigener war, nur um für
+für einen Streit, der nicht ihr eigener war, nur um für
die Mittel zu sorgen zur Bezahlung der Schulden oder
-der Vergnügungen ihrer Herren.
+der Vergnügungen ihrer Herren.
</p>
@@ -2109,268 +2067,268 @@ der Vergnügungen ihrer Herren.
<h3>Die Schlacht von Long-Island, August 1776.</h3>
<p>Die erste hessische Division, einige 8000 Mann stark,
-segelte an Sandy Hook am 15. August 1776 vorüber
+segelte an Sandy Hook am 15. August 1776 vorüber
und landete auf Staten Island, empfangen von Artillerie- und
Musketen-Salven. Die Division war unter dem Befehl
von Generallieutenant Philipp von Heister, einem alten
-Soldaten des siebenjährigen Kriegs. Es wird erzählt, dass,
-als Landgraf Friedrich II. ihn zur Führung des hessischen
+Soldaten des siebenjährigen Kriegs. Es wird erzählt, dass,
+als Landgraf Friedrich II. ihn zur Führung des hessischen
Expeditionkorps berief, er ihn mit den Worten anredete:
-»Heister, Ihr müsst nach Amerika gehen.« &mdash; »Sehr
-gern, Hochfürstliche Durchlaucht, aber ich nehme mir
-die Freiheit einige Bitten auszusprechen.« &mdash; »Und die
-wären?« &mdash; »Erstens, müssten meine Schulden bezahlt
-werden, dann müsste für meine Frau und Kinder gesorgt
+»Heister, Ihr müsst nach Amerika gehen.« &mdash; »Sehr
+gern, Hochfürstliche Durchlaucht, aber ich nehme mir
+die Freiheit einige Bitten auszusprechen.« &mdash; »Und die
+wären?« &mdash; »Erstens, müssten meine Schulden bezahlt
+werden, dann müsste für meine Frau und Kinder gesorgt
werden, bis ich wiederkomme, und wenn ich fallen sollte,
-müsste meine Frau eine Pension bekommen.« Als der
-Landgraf dies lächelnd genehmigte, rief Heister aus:
-»Nun sollen Ew. Hochfürstliche Durchlaucht sehen, was
+müsste meine Frau eine Pension bekommen.« Als der
+Landgraf dies lächelnd genehmigte, rief Heister aus:
+»Nun sollen Ew. Hochfürstliche Durchlaucht sehen, was
dieser alte Kopf und diese alten Knochen noch leisten
-können.«</p>
+können.«</p>
<p>Die Armee, welche sich auf Staten Island unter dem
-Oberbefehl Sir William Howes sammelte, zählte nach Ankunft
+Oberbefehl Sir William Howes sammelte, zählte nach Ankunft
der Hessen zwischen 25 und 30,000 Mann. Sie
-wurde unterstützt durch eine Flotte unter Sir Williams
+wurde unterstützt durch eine Flotte unter Sir Williams
Bruder, Lord Howe. Die gegnerische Armee unter
Washington war etwa aus 13,000-14,000 Mann zusammengesetzt,
von denen nicht mehr wie 6000 Mann
-einige militärische Ausbildung genossen hatten und deren
-Offiziere im bürgerlichen Leben gross geworden waren.</p>
+einige militärische Ausbildung genossen hatten und deren
+Offiziere im bürgerlichen Leben gross geworden waren.</p>
-<p>Die Hessen waren sehr erstaunt über den Reichtum
+<p>Die Hessen waren sehr erstaunt über den Reichtum
und die Fruchtbarkeit, welche sie auf Staten Island vorfanden.
-Die Kolonisten lebten in bequemen Wohnhäusern,
+Die Kolonisten lebten in bequemen Wohnhäusern,
<span class="pagenum"><a name="Seite_42" id="Seite_42">[S. 42]</a></span>
-von Gemüse- und Obstgärten umgeben. Ihre hellroten,
+von Gemüse- und Obstgärten umgeben. Ihre hellroten,
von zwei kleinen Pferden gezogenen Wagen erregten die
Bewunderung der Deutschen. Ein Kolonist auf Staten
Island lebte so angenehm wie ein deutscher Landedelmann,
-und es erschien den Hessen aussergewöhnlich, dass
+und es erschien den Hessen aussergewöhnlich, dass
dies Volk sich gegen eine Regierung auflehnte, unter
welcher es sich so vieler Segnungen erfreute. Viele
-Amerikaner waren bei der Annäherung der Hessen
-aus ihren Besitztümern geflohen und die, welche blieben,
+Amerikaner waren bei der Annäherung der Hessen
+aus ihren Besitztümern geflohen und die, welche blieben,
machten zuerst Miene, sich widerspenstig zu zeigen; aber
als sie sahen, dass auf strenge Disziplin gehalten und
regelrechte Requisitionen unternommen wurden, kehrten
-die Flüchtlinge zurück und es kam bald untereinander zu
-erträglichen, wenn nicht herzlichen Beziehungen. Die
-britische Regierung hoffte noch die Kolonisten zu versöhnen
+die Flüchtlinge zurück und es kam bald untereinander zu
+erträglichen, wenn nicht herzlichen Beziehungen. Die
+britische Regierung hoffte noch die Kolonisten zu versöhnen
mit dem Mutterland, und strenge Befehle waren
zur Vermeidung von Exzessen gegeben worden.</p>
<p>Sir William Howe begann mit der Vereinigung
seiner Truppen die Vorbereitungen zum Angriff auf die
Amerikaner. Die britische Avantgarde unter Sir Henry
-Clinton, vereinigt mit den hessischen Jägern und Grenadieren,
+Clinton, vereinigt mit den hessischen Jägern und Grenadieren,
die vom Oberst von Donop befehligt wurden,
-überschritten die Narrows of Long Island am 22. August
+überschritten die Narrows of Long Island am 22. August
1776. Ein Tagebuch, welches im folgenden Jahr in
-einem »Magazin« in Frankfurt veröffentlicht wurde, giebt
-einen genauen Bericht über diese Operation und von denen,
+einem »Magazin« in Frankfurt veröffentlicht wurde, giebt
+einen genauen Bericht über diese Operation und von denen,
die noch folgten:</p>
-<p>»22. August. Wir lichteten die Anker und segelten
+<p>»22. August. Wir lichteten die Anker und segelten
direkt gegen Long Island. Die Kriegsschiffe kamen bis
auf Schussweite an das Ufer heran und richteten ihre
Kanonen auf das Gestade. Um 8 Uhr morgens wimmelte
-es an der ganzen Küste von Booten. Um 1/2 9 Uhr hisste
+es an der ganzen Küste von Booten. Um 1/2 9 Uhr hisste
der Admiral die rote Flagge auf, und in einem Moment
-erreichten sämtliche Boote die Küste. Die Engländer
+erreichten sämtliche Boote die Küste. Die Engländer
und Schotten mit der Artillerie wurden zuerst ausgeschifft,
und dann die Brigade Donop (die einzigen Hessen
<span class="pagenum"><a name="Seite_43" id="Seite_43">[S. 43]</a></span>
hier). Nicht eine Seele machte Widerstand gegen unser
Landen. Dies war der zweite Fehler der Rebellen seitdem
ich in Amerika bin. Der erste Fehler, den sie
-machten, war auf Staten Island, denn sie hätten dort
-einen grossen Teil der Unsrigen mit 2 6 Pfündern vernichten
-können, und jetzt hätten sie uns auch in eine
-schlimme Lage bringen können. Wir marschierten ebenfalls
+machten, war auf Staten Island, denn sie hätten dort
+einen grossen Teil der Unsrigen mit 2 6 Pfündern vernichten
+können, und jetzt hätten sie uns auch in eine
+schlimme Lage bringen können. Wir marschierten ebenfalls
ungehindert durch Gravesend und kamen gegen
Abend in Flatbush an. 300 Riflemen waren kurze Zeit
vor uns dort gewesen. Wir schickten ihnen einige
-Kanonenschüsse nach, stellten unsere Pickets und schliefen
+Kanonenschüsse nach, stellten unsere Pickets und schliefen
ruhig die ganze Nacht. Ich machte eine Beute von
2 Pferden, von denen ich eines dem Oberst schickte, das
andere meinem Diener als Packpferd gab.</p>
-<p>»23. August. &mdash; Heute Morgen früh wurde der rechte
-Flügel unserer Avantgarde angegriffen. Wir brachten
-2 Geschütze in Stellung und warfen sie zurück. Es
+<p>»23. August. &mdash; Heute Morgen früh wurde der rechte
+Flügel unserer Avantgarde angegriffen. Wir brachten
+2 Geschütze in Stellung und warfen sie zurück. Es
regnete Kugeln. Hauptmann Congreve und ein Konstabler
-wurden an meiner Seite verwundet, ein Engländer bekam
+wurden an meiner Seite verwundet, ein Engländer bekam
einen Schuss durch und durch. Am Nachmittag griffen
-sie auf der linken Seite des Dorfes an und zündeten
-mehrere Häuser an, worauf wir uns in das Dorf zurückzogen.
+sie auf der linken Seite des Dorfes an und zündeten
+mehrere Häuser an, worauf wir uns in das Dorf zurückzogen.
Lieutenant von Donop wurde an der Brust verwundet;
die Kugel streifte eine Rippe. Ich avancierte
-auf dem rechten Flügel und besetzte einen grossen Garten
-mit 150 Mann Jägern und leichter Infanterie. Als der
-Feind von hier gewichen war, unterstützte ich Lieutenant
+auf dem rechten Flügel und besetzte einen grossen Garten
+mit 150 Mann Jägern und leichter Infanterie. Als der
+Feind von hier gewichen war, unterstützte ich Lieutenant
von Donop. Die Rebellen besetzten die Strasse mit
-2 Kanonen und unsere schottischen Hochländer bauten
-eine Batterie über den Weg mit Schiessscharten für
+2 Kanonen und unsere schottischen Hochländer bauten
+eine Batterie über den Weg mit Schiessscharten für
2 Kanonen. Ich hatte diese Arbeit zu decken und hatte
-den äussersten Posten, wurde indessen wenig belästigt.</p>
+den äussersten Posten, wurde indessen wenig belästigt.</p>
-<p>»24. August. &mdash; Ein heisser Tag. Die Rebellen
-näherten sich zweimal und schossen mit Haubitzen, so
+<p>»24. August. &mdash; Ein heisser Tag. Die Rebellen
+näherten sich zweimal und schossen mit Haubitzen, so
dass unsere gesamte Artillerie in Stellung gebracht
werden musste. Um Mittag schlief ich ein wenig, wurde
<span class="pagenum"><a name="Seite_44" id="Seite_44">[S. 44]</a></span>
aber durch zwei Kanonenkugeln geweckt, die mich mit
Erde bedeckten. Die Rebellen haben einige sehr gute
-Schützen, doch manche darunter haben sehr schlechte
-Gewehre. Aber sie sind listig wie die Jäger. Sie erklimmen
-Bäume, kriechen auf dem Bauch wohl 150
-Schritte vorwärts, schiessen und gehen ebenso schnell
-wieder zurück. Sie machen sich Deckungen von Ästen etc.
+Schützen, doch manche darunter haben sehr schlechte
+Gewehre. Aber sie sind listig wie die Jäger. Sie erklimmen
+Bäume, kriechen auf dem Bauch wohl 150
+Schritte vorwärts, schiessen und gehen ebenso schnell
+wieder zurück. Sie machen sich Deckungen von Ästen etc.
Aber heute hatten sie grosse Verluste durch unsere
-»Grünjacken«, denn wir lassen unsere Leute nicht eher
+»Grünjacken«, denn wir lassen unsere Leute nicht eher
schiessen, als bis sie einen Mann gut auf's Korn nehmen
-können, so dass sie nicht mehr wagen, irgend etwas gegen
+können, so dass sie nicht mehr wagen, irgend etwas gegen
uns zu unternehmen.</p>
-<p>»25. August. &mdash; Wir verbarrikadierten uns in dem
-Dorf; des nachts sollten sich unsere Jäger gehörig ausruhen.
+<p>»25. August. &mdash; Wir verbarrikadierten uns in dem
+Dorf; des nachts sollten sich unsere Jäger gehörig ausruhen.
Gegen 2 Uhr weckten uns die Rebellen aus unserem
Schlummer; wir beruhigten sie schnell mit zwei
-Kanonen und einigen Flintenschüssen. Heute wurden
+Kanonen und einigen Flintenschüssen. Heute wurden
wir wieder angegriffen, aber nachdem mehrere von ihnen
-ins Gras gebissen hatten, zogen sie sich zurück. Long
-Island ist eine wunderschöne Insel, ein Arkadien. Die
-entzückendste Gegend, voll von Wiesen, Kornfeldern,
-allen Arten von Obstbäumen und gut gebauten Häusern.
+ins Gras gebissen hatten, zogen sie sich zurück. Long
+Island ist eine wunderschöne Insel, ein Arkadien. Die
+entzückendste Gegend, voll von Wiesen, Kornfeldern,
+allen Arten von Obstbäumen und gut gebauten Häusern.
Es war noch eine grosse Menge Vieh da, obwohl die
Rebellen eine Menge mitgenommen hatten. Die meisten
der Einwohner waren aus ihren Behausungen geflohen.
Die Rebellen avancierten mit Macht. General Cornwallis
-wollte Oberst Donop zurückziehen, aber er blieb wo er
+wollte Oberst Donop zurückziehen, aber er blieb wo er
war und verschanzte sich.</p>
-<p>»26. August. &mdash; An diesem Tag wurden wir sehr
-beunruhigt und während der Nacht fortwährend geweckt
+<p>»26. August. &mdash; An diesem Tag wurden wir sehr
+beunruhigt und während der Nacht fortwährend geweckt
durch die Allarmierung der Vorposten. Dies war nicht
durch Angriffe der Rebellen verursacht, sondern meistens
-durch Deserteure, die zu uns übergehen wollten; und
-wenn die Engländer und die hessischen Grenadiere sie
-herankommen hörten, gaben sie sofort Pelotonfeuer, falls
+durch Deserteure, die zu uns übergehen wollten; und
+wenn die Engländer und die hessischen Grenadiere sie
+herankommen hörten, gaben sie sofort Pelotonfeuer, falls
<span class="pagenum"><a name="Seite_45" id="Seite_45">[S. 45]</a></span>
sie nicht sofort eine Antwort bekamen. Heute traf
-General von Heister mit 6 Bataillonen bei uns ein.«</p>
+General von Heister mit 6 Bataillonen bei uns ein.«</p>
-<p>»27. August. &mdash; Unserm Oberst war versprochen
-worden, den ersten Angriff zu machen, doch er hörte,
-dass die Engländer heute angreifen würden, und er hatte
+<p>»27. August. &mdash; Unserm Oberst war versprochen
+worden, den ersten Angriff zu machen, doch er hörte,
+dass die Engländer heute angreifen würden, und er hatte
weder gestern Abend noch heute Morgen einen Befehl
bekommen. Gegen 10 Uhr standen wir unter den Waffen
(der Oberst hatte mit General von Heister gesprochen)
und gegen 11 waren wir alle in Schlachtordnung. Auf
-unserer rechten und linken Seite gingen die Engländer
-vor und vernichteten die, die wir zurückwarfen. Auf
-dem linken Flügel, wo ich die Avantgarde (50 Jäger
+unserer rechten und linken Seite gingen die Engländer
+vor und vernichteten die, die wir zurückwarfen. Auf
+dem linken Flügel, wo ich die Avantgarde (50 Jäger
und 20 Grenadiere) kommandierte, stand Oberst Block
-mit seinem Bataillon. Hinter mir hatte ich Kapitän
+mit seinem Bataillon. Hinter mir hatte ich Kapitän
Mallet mit einer Kompagnie als Reserve. Im Zentrum
griff Hauptmann von Wrede an und hatte das Bataillon
-von Minnigerode hinter sich. Auf dem rechten Flügel
-stürmte Kapitän Lory vor, unterstützt durch die 3 übrig
-gebliebenen Kompagnien des Bataillons Linsingen.«</p>
+von Minnigerode hinter sich. Auf dem rechten Flügel
+stürmte Kapitän Lory vor, unterstützt durch die 3 übrig
+gebliebenen Kompagnien des Bataillons Linsingen.«</p>
<p>Der Verfasser, der diese Formation der Truppen
beschreibt, berichtet nur von der Brigade, in welcher er
diente. Die Hessen, welche das Zentrum der britischen
-Streitkräfte bildeten, waren an der Strasse von Flatbush
-aufgestellt. Der rechte Flügel unter Clinton und Lord
-Percy, mit Sir William Howe, war früh am Morgen aufgebrochen
-und es gelang ihm, den linken Flügel der
+Streitkräfte bildeten, waren an der Strasse von Flatbush
+aufgestellt. Der rechte Flügel unter Clinton und Lord
+Percy, mit Sir William Howe, war früh am Morgen aufgebrochen
+und es gelang ihm, den linken Flügel der
amerikanischen Stellung bei Bedford zu umfassen und
-ihnen in den Rücken zu kommen. Nachdem Heister zur
-Rechten Kanonendonner gehört hatte, befahl er den Angriff
+ihnen in den Rücken zu kommen. Nachdem Heister zur
+Rechten Kanonendonner gehört hatte, befahl er den Angriff
der Hessen. Die Schlacht war im Wesentlichen
gewonnen und verloren, bevor der erste Schuss gefallen
-war, indem die Amerikaner überflügelt wurden. Die
+war, indem die Amerikaner überflügelt wurden. Die
Letzteren sahen sich in Gefahr, von ihren befestigten
Werken abgeschnitten zu werden und flohen. Einige ertranken
im Gowanus Creek auf der Flucht. Zwei ganze
-Regimenter wären wahrscheinlich gefangen genommen,
+Regimenter wären wahrscheinlich gefangen genommen,
<span class="pagenum"><a name="Seite_46" id="Seite_46">[S. 46]</a></span>
-wenn sich nicht General Stirling mit fünf Kompagnien
-Marylanders, mit denen er den Rückzug deckte, geopfert
-hätte. Von diesen fünf Kompagnien entrannen nur acht
+wenn sich nicht General Stirling mit fünf Kompagnien
+Marylanders, mit denen er den Rückzug deckte, geopfert
+hätte. Von diesen fünf Kompagnien entrannen nur acht
Mann dem Tod oder der Gefangenschaft.</p>
<p>Kehren wir zu dem Tagebuch unseres hessischen
-Offiziers zurück.</p>
+Offiziers zurück.</p>
-<p>»Meine Jäger waren so hitzig, dass ich, kaum im
+<p>»Meine Jäger waren so hitzig, dass ich, kaum im
Wald angelangt, mich mit meiner Truppe allein befand.
Ich kam in die Mitte des Lagers der Rebellen, wo sie
noch waren; sah zu meiner Linken ihr grosses Lager,
zur Rechten ein befestigtes Werk; vor mir formierten
sich 50-60 Mann zu einer Kolonne. Aber wir liessen
-ihnen keine Zeit und schlugen sie vollständig zurück.
+ihnen keine Zeit und schlugen sie vollständig zurück.
Viele wurden getroffen und noch mehr gefangen genommen.
Ich verlor nicht einen einzigen Mann, so sehr
-fürchteten sich die Rebellen vor unsern Jägern. Auf
-dem linken Flügel ging es ebenso gut. Wir verloren
-einige Leute; abgesehen von einem Jäger, der im Dorf
+fürchteten sich die Rebellen vor unsern Jägern. Auf
+dem linken Flügel ging es ebenso gut. Wir verloren
+einige Leute; abgesehen von einem Jäger, der im Dorf
gefallen war, hatten wir keinen Toten. Am ersten Tag
machten wir mehr als 500 Gefangene, unter denen
General Stirling und ein anderer General waren; Oberst
Johnson war gefallen. General Stirling ist einer der bedeutendsten
unter den Rebellen, der, das Schwert in der
-Hand, die Leute zwang, gegen ihren König zu kämpfen.
+Hand, die Leute zwang, gegen ihren König zu kämpfen.
So lange wir keine Pferde hatten, wurden die Gefangenen
-an die Geschütze gespannt, später wurden sie an Bord
+an die Geschütze gespannt, später wurden sie an Bord
der Kriegsschiffe gebracht. In zwei Tagen hatten wir
1100 Mann gefangen genommen. Die Rebellen sahen sehr
zerlumpt aus und hatten keine Hemden an. Unsere Hessen
marschierten wie Hessen; sie marschierten tadellos, und
-die Engländer wie die tapfersten und besten Soldaten,
-sie verloren daher mehr wie wir. Dies war ein glücklicher
-Tag für uns. Die Rebellen hatten eine sehr
-günstige Stellung im Wald und wir eine sehr schlechte
+die Engländer wie die tapfersten und besten Soldaten,
+sie verloren daher mehr wie wir. Dies war ein glücklicher
+Tag für uns. Die Rebellen hatten eine sehr
+günstige Stellung im Wald und wir eine sehr schlechte
am Dorfe Flatbush. Anfangs machten sie einen guten
Gebrauch von ihrer Stellung, sie brannten ein Haus ab
<span class="pagenum"><a name="Seite_47" id="Seite_47">[S. 47]</a></span>
und legten Feuer an eine Scheune bei unseren Vorposten.
Aber als wir sie angriffen in ihren Schlupfwinkeln,
-liefen sie, wie es der Pöbel immer macht.«<a name="FNAnker_2_2" id="FNAnker_2_2"></a><a href="#Fussnote_2_2" class="fnanchor">[2]</a></p>
+liefen sie, wie es der Pöbel immer macht.«<a name="FNAnker_2_2" id="FNAnker_2_2"></a><a href="#Fussnote_2_2" class="fnanchor">[2]</a></p>
<div class="footnote">
-<p><a name="Fussnote_2_2" id="Fussnote_2_2"></a><a href="#FNAnker_2_2"><span class="label">[2]</span></a> Nach »Die Neuesten Staatsbegebenheiten« 1777, Frankfurt a/M.
+<p><a name="Fussnote_2_2" id="Fussnote_2_2"></a><a href="#FNAnker_2_2"><span class="label">[2]</span></a> Nach »Die Neuesten Staatsbegebenheiten« 1777, Frankfurt a/M.
Seite 110-116. Der Brief, von welchem das oben Angegebene
-der grösste Teil ist, scheint von einem Jägeroffizier geschrieben zu sein,
-wahrscheinlich entweder von Major von Prüschenk oder Lieutenant von
+der grösste Teil ist, scheint von einem Jägeroffizier geschrieben zu sein,
+wahrscheinlich entweder von Major von Prüschenk oder Lieutenant von
Grothausen.</p></div>
<p>Der Herausgeber des Frankfurter Magazins, welcher
-das Obige veröffentlicht, bemerkt, dass viele Briefe von
+das Obige veröffentlicht, bemerkt, dass viele Briefe von
hessischen Offizieren in den Zeitungen erschienen sind;
dass diese Offiziere sich selbst einen grossen Teil des
Verdienstes am Siege zuschreiben, und dass, hinsichtlich
des wohlbekannten Wertes der hessischen Soldaten sie
diesen zweifellos haben, aber dass einige von ihnen zu
-wenig die Widerstandsfähigkeit und die militärische Ausbildung
-der Amerikaner in Betracht ziehen, »so dass der
-Ruhm, einen Sieg über einen ein Drittel so starken Feind
-erfochten zu haben, kein so grosser ist.« Diese Bemerkung
-ist jedenfalls am Platz, und die Überlegenheit
+wenig die Widerstandsfähigkeit und die militärische Ausbildung
+der Amerikaner in Betracht ziehen, »so dass der
+Ruhm, einen Sieg über einen ein Drittel so starken Feind
+erfochten zu haben, kein so grosser ist.« Diese Bemerkung
+ist jedenfalls am Platz, und die Überlegenheit
scheint nicht zu hoch angegeben zu sein. Washingtons
Armee hatte vor der Schlacht die Linie von Kingsbridge
bis Flatbush besetzt. Auf Long Island sind wahrscheinlich
-nicht mehr wie 8000 Amerikaner gewesen, während
+nicht mehr wie 8000 Amerikaner gewesen, während
die, welche in vorderster Linie engagiert waren, nur 4
-oder 5000 zählten, gegen 20,000 Engländer und Deutsche.</p>
+oder 5000 zählten, gegen 20,000 Engländer und Deutsche.</p>
<p>Sir William Howe giebt in seinem offiziellen Rapport
den Verlust der Amerikaner an Toten, Verwundeten
Gefangenen und Ertrunkenen auf 3300 Mann an.
-Bankroft glaubt aber, dass dies eine grosse Übertreibung
+Bankroft glaubt aber, dass dies eine grosse Übertreibung
ist, denn, wenn man dem Rapport von Washington
Vertrauen schenkt und eine genaue Untersuchung anstellt,
so erreicht der Gesamtverlust der Amerikaner
@@ -2381,49 +2339,49 @@ Howe, 17 Offiziere und 301 Unteroffiziere und Gemeine.
Die Hessen hatten 2 Tote sowie 2 Offiziere und 23 Mann
Verwundete.</p>
-<p>»Der Feind,« schreibt Oberst von Heeringen, der
-Kommandeur eines hessischen Regimentes, »hatte vor
+<p>»Der Feind,« schreibt Oberst von Heeringen, der
+Kommandeur eines hessischen Regimentes, »hatte vor
seiner Front beinahe undurchdringliches Dickicht, befestigte
-Linien und Redouten. Die Schützen wurden
-meistens mit den Bajonetten an den Bäumen aufgespiesst.
-Dies furchtsame Volk flösst eher Mitleid wie Furcht ein.
-Sie gebrauchen 1/4 Stunde zum Laden, während dessen
-lassen wir sie unsere Kugeln und Bajonette fühlen.«</p>
+Linien und Redouten. Die Schützen wurden
+meistens mit den Bajonetten an den Bäumen aufgespiesst.
+Dies furchtsame Volk flösst eher Mitleid wie Furcht ein.
+Sie gebrauchen 1/4 Stunde zum Laden, während dessen
+lassen wir sie unsere Kugeln und Bajonette fühlen.«</p>
<p>Unter den Gefangenen, die die Hessen machten,
waren zwei Generale &mdash; Sullivan und Stirling. Nichts
legt ein so charakteristisches Zeugnis ab von dem Hass
und der Verachtung seitens der hessischen Offiziere
-gegenüber den undisziplinierten rebellischen Truppen ihrer
-Gegner, als der Bericht von Heeringens über diese
+gegenüber den undisziplinierten rebellischen Truppen ihrer
+Gegner, als der Bericht von Heeringens über diese
Generale und die anderen Offiziere der amerikanischen
-Armee. »John Sullivan war ein Rechtsgelehrter und
+Armee. »John Sullivan war ein Rechtsgelehrter und
vorher Diener, aber ein Mann von Geist, dessen Verlust
die Rebellen sehr beklagen werden. Unter den Gefangenen
sind viele sogenannte Obersten, Oberstlieutenants,
Majors und andere Offiziere, die indess nichts anderes
-als Mechaniker, Schneider, Schuster, Perückenmacher,
-Schneider etc. sind. Einige von ihnen wurden gründlich
+als Mechaniker, Schneider, Schuster, Perückenmacher,
+Schneider etc. sind. Einige von ihnen wurden gründlich
gehauen von unseren Leuten, die solche Menschen keineswegs
-für Offiziere gelten lassen wollten. Sullivan wurde
+für Offiziere gelten lassen wollten. Sullivan wurde
zu mir gebracht, ich untersuchte ihn und fand die
Originalbefehle Washingtons bei ihm vor, aus denen hervorgeht,
dass er die besten Truppen unter seinem Befehl
hatte, dass Alles davon abhinge, den Wald zu halten,
-und dass er 8000 Mann stark war. Die Engländer haben
-150 Tote und Verwundete »(318 sagt Sir William Howe)«.
+und dass er 8000 Mann stark war. Die Engländer haben
+150 Tote und Verwundete »(318 sagt Sir William Howe)«.
Dies verdanken sie mehr ihrem ungeordnetem Angriff, als
dem Wert des Feindes. Es sah schrecklich in dem Wald
aus, da wenigstens 2000 Tote und Verwundete dalagen.
Kolonel John von den Rebellen ist tot. Ein Grenadier
<span class="pagenum"><a name="Seite_49" id="Seite_49">[S. 49]</a></span>
-nahm ihn gefangen und schenkte ihm grossmütig das
+nahm ihn gefangen und schenkte ihm grossmütig das
Leben, sagte ihm aber, er sollte sich hinter das Bataillon
-begeben, welches folgte, da der Grenadier Schütze
+begeben, welches folgte, da der Grenadier Schütze
war. Jedoch der Oberst wollte ihn ermorden, von hinten
schlauerweise; heimlich zog er eine Pistole heraus,
streifte ihn aber nur am Arm, worauf der Letztere ihn
-mit 3 oder 4 Bajonettstichen niedermachte.«</p>
+mit 3 oder 4 Bajonettstichen niedermachte.«</p>
<div class="figcenter" style="width: 600px;" >
<img src="images/illu-0065.jpg" width="600" height="427" alt="SCHLACHT VON LONG ISLAND" />
@@ -2431,40 +2389,40 @@ mit 3 oder 4 Bajonettstichen niedermachte.«</p>
August 1776.</span>
</div>
-<p>»Unter den gefangen genommenen Offizieren fand ich
+<p>»Unter den gefangen genommenen Offizieren fand ich
nicht einen einzigen, der in fremden Diensten gewesen
-wäre. Sie sind nichts als Rebellen und hiesige Bürger.
-Schneider Graul würde eine bedeutende Rolle hier
-spielen.« Oberst von Heeringen findet es weit ehrenwerter,
-für anderer Völker Streitigkeiten zu kämpfen, als
-für die eigenen. Einem Mann, der einst Söldner war,
+wäre. Sie sind nichts als Rebellen und hiesige Bürger.
+Schneider Graul würde eine bedeutende Rolle hier
+spielen.« Oberst von Heeringen findet es weit ehrenwerter,
+für anderer Völker Streitigkeiten zu kämpfen, als
+für die eigenen. Einem Mann, der einst Söldner war,
konnte schon eher vergeben werden, wenn er zu den
-Rebellen gehörte. »Mylord Stirling ist ein échappé de
-famille und gilt nicht als Lord in England.« Er sieht dem
-Lord Granby ähnlich wie ein Ei dem andern. General
+Rebellen gehörte. »Mylord Stirling ist ein échappé de
+famille und gilt nicht als Lord in England.« Er sieht dem
+Lord Granby ähnlich wie ein Ei dem andern. General
Putnam ist Metzger von Profession. Er kommt mir wie
Metzger Fischer in Rinteln vor. Die Rebellen desertieren
in grosser Zahl; es ist gar nichts, Obersten,
Oberstlieutenants und Majors mit ganzen Trupps von
-Leuten zu uns übergehen zu sehen. Die genommene
+Leuten zu uns übergehen zu sehen. Die genommene
Fahne, die von rotem Damast gemacht ist mit dem
-Motto »Liberty«, erschien mit 60 Mann vor Ralls Regiment.
+Motto »Liberty«, erschien mit 60 Mann vor Ralls Regiment.
Sie hatten alle ihre Gewehre umgekehrt und die
-Hüte unter dem Arm, fielen auf die Knie und baten
+Hüte unter dem Arm, fielen auf die Knie und baten
flehentlich um ihr Leben. Kein Regiment ist richtig
uniformiert oder bewaffnet. Jeder Mann hat eine schlechte
-Flinte, solche, mit denen die hessischen Bürger am
-Himmelfahrtstag ausrücken. Stirlings Regiment jedoch
+Flinte, solche, mit denen die hessischen Bürger am
+Himmelfahrtstag ausrücken. Stirlings Regiment jedoch
hatte blau und rote Uniform, war drei Bataillone stark und
bestand meistens aus Deutschen, die sich aus Pennsylvaniern
-rekrutierten. Es waren grosse, schöne Leute, die
-vorzügliche englische Gewehre mit Bajonett hatten.
-Diesem Regiment standen die Engländer gegenüber und
+rekrutierten. Es waren grosse, schöne Leute, die
+vorzügliche englische Gewehre mit Bajonett hatten.
+Diesem Regiment standen die Engländer gegenüber und
<span class="pagenum"><a name="Seite_50" id="Seite_50">[S. 50]</a></span>
-da diese sie für Hessen hielten, so feuerten sie nicht.
+da diese sie für Hessen hielten, so feuerten sie nicht.
Doch dieser Irrtum kostete sie Oberst Grant, mehrere
andere Offiziere und 80 Mann. Sie bekamen eine Salve.
-Die Engländer sammelten sich, griffen mit dem Bajonett
+Die Engländer sammelten sich, griffen mit dem Bajonett
an, schlugen alles zu Boden, und was nicht massakriert
war, wurde gefangen genommen. In kurzer Zeit war
das ganze Regiment vernichtet. Die Artillerie der Rebellen
@@ -2472,49 +2430,49 @@ ist sehr schlecht, die Kanonen meist von Eisen
und auf Schiffskarren gesetzt.</p>
<p>Es ist behauptet worden, dass in dieser Schlacht die
-Engländer und Hessen keinen Pardon gaben, wenn er
-verlangt wurde. Oberst von Heeringen sagt: »Die Engländer
-gaben selten Pardon und forderten beständig die
-Unsrigen auf, dasselbe zu thun.« Man sagt auch von
+Engländer und Hessen keinen Pardon gaben, wenn er
+verlangt wurde. Oberst von Heeringen sagt: »Die Engländer
+gaben selten Pardon und forderten beständig die
+Unsrigen auf, dasselbe zu thun.« Man sagt auch von
den Amerikanern, dass sie geglaubt haben, die Hessen
-gäben keinen Pardon und dass sie infolge dessen mit einer
-eigentümlichen Verzweiflung gefochten haben sollen, nachdem
+gäben keinen Pardon und dass sie infolge dessen mit einer
+eigentümlichen Verzweiflung gefochten haben sollen, nachdem
sie alle Hoffnungen aufgegeben hatten. Die Thatsache,
dass sie beiderseitig sich nicht verstanden, mag
-dahin geführt haben, die Möglichkeit der Übergabe zu
-verringern; auch mag zur Erhöhung der Wut beigetragen
+dahin geführt haben, die Möglichkeit der Übergabe zu
+verringern; auch mag zur Erhöhung der Wut beigetragen
haben, dass einige Amerikaner die, welche sie gefangen
-genommen, verräterisch angegriffen hatten. »Sie
-waren,« sagt Lieutenant Rüffer in seinem Tagebuch, »so
+genommen, verräterisch angegriffen hatten. »Sie
+waren,« sagt Lieutenant Rüffer in seinem Tagebuch, »so
furchtsam, dass sie es vorzogen zu fallen, als Pardon
anzunehmen, da ihre Generale und Offiziere ihnen gesagt
-hatten, sie würden gehängt.« Sicherlich der
+hatten, sie würden gehängt.« Sicherlich der
komischste Beweis von Feigheit, der jemals gegen Soldaten
erbracht worden ist.</p>
<p>Nach dem Verlust einer so wichtigen Stellung und
-von so vielen Leuten im Verhältnis zur Zahl seiner kleinen
+von so vielen Leuten im Verhältnis zur Zahl seiner kleinen
Armee, fand es Washington nicht ratsam, die Befestigungen
-von Brooklyn länger zu halten zu suchen; nachdem
+von Brooklyn länger zu halten zu suchen; nachdem
er gesehen hatte, dass die englische Flotte sich anschickte
-den East River in Besitz zu nehmen und seine Rückzugslinie
+den East River in Besitz zu nehmen und seine Rückzugslinie
abzuschneiden, verliess er Long Island in der Nacht
<span class="pagenum"><a name="Seite_51" id="Seite_51">[S. 51]</a></span>
-vom 29. zum 30. August und ging nach New-York über,
-wohin alle Vorräte und Kanonen, ausgenommen einige
-schwere Geschütze, die im Schmutz stecken blieben, gebracht
+vom 29. zum 30. August und ging nach New-York über,
+wohin alle Vorräte und Kanonen, ausgenommen einige
+schwere Geschütze, die im Schmutz stecken blieben, gebracht
wurden. Eine Mythe durchlief die Reihen der
Hessen, wonach ein Befehl Washingtons in dem eroberten
Lager gefunden worden sei, welcher sagte, da es doch
-unmöglich sei, solchen grausamen und schrecklichen
+unmöglich sei, solchen grausamen und schrecklichen
Feinden, wie den Hessen, Widerstand zu leisten, so
-möchte jeder sehen, wie er am besten entkommen könnte.
+möchte jeder sehen, wie er am besten entkommen könnte.
Dies war also die erste Schlacht der deutschen Truppen
in der neuen Welt. Die Verachtung, die sie vor einem
solchen rebellischen und undisziplinierten Feinde hatten,
war nur vermehrt worden, eine Verachtung, welche
-völlig auszurotten, nur eine lange Reihe von Kriegs- und
-Unglücksjahren im Stande war.</p>
+völlig auszurotten, nur eine lange Reihe von Kriegs- und
+Unglücksjahren im Stande war.</p>
@@ -2528,43 +2486,43 @@ von Fort Washington, 15. September bis
<p>Es existiert nicht mehr Vieles, was den jetzigen
Einwohner von New-York an die kleine Stadt erinnern
-könnte, die vor 100 Jahren an der Südspitze von
-Manhattan Island lag. Es war ein hübscher Ort, mit
-grossen bequemen Häusern, die meist von gelben Ziegelsteinen
-gebaut waren. Die Räume darin waren kärglich
+könnte, die vor 100 Jahren an der Südspitze von
+Manhattan Island lag. Es war ein hübscher Ort, mit
+grossen bequemen Häusern, die meist von gelben Ziegelsteinen
+gebaut waren. Die Räume darin waren kärglich
eingerichtet, der Fussboden mit Sand bestreut, und die
-Wände mit hohem, gemalten Täfelwerk versehen. Die
-Büffets, die in den besseren Häusern von solidem Mahagoni
-waren, waren mit glänzendem zinnernen Gerät besetzt,
-oft auch mit solidem Silber für besondere Gelegenheiten.
+Wände mit hohem, gemalten Täfelwerk versehen. Die
+Büffets, die in den besseren Häusern von solidem Mahagoni
+waren, waren mit glänzendem zinnernen Gerät besetzt,
+oft auch mit solidem Silber für besondere Gelegenheiten.
Die Strassen waren krumm und hatten Rinnen
-in der Mitte, waren aber vollständig rein und mit
-Bäumen besetzt. Vor dem Kriege hatte der Ort über
+in der Mitte, waren aber vollständig rein und mit
+Bäumen besetzt. Vor dem Kriege hatte der Ort über
<span class="pagenum"><a name="Seite_52" id="Seite_52">[S. 52]</a></span>
-20000 Einwohner gehabt, viele aber waren bei der Annäherung
+20000 Einwohner gehabt, viele aber waren bei der Annäherung
der streitenden Armeen geflohen. Es gab dort
viele Tories, besonders unter den Reichen.</p>
-<p>Zur Zeit, als Washington sich von Brooklyn zurückzog,
+<p>Zur Zeit, als Washington sich von Brooklyn zurückzog,
wurde New-York verteidigt durch ein permanentes
Fort, mit Namen Fort George, im Westen von einer
Batterie, und durch provisorische Werke, die am Ufer
entlang an verschieden Stellen aufgeworfen waren. Im
-Norden, landeinwärts, wurde der Broadway in der Nähe
+Norden, landeinwärts, wurde der Broadway in der Nähe
des Bowling Green durch eine Schanze gesperrt, und
eine zweite befand sich in der Gegend des heutigen
Centre-Market. Jenseits der Befestigungen lag eine
-Gegend, »die schönste, die ich je gesehen habe,« sagt ein
-hessischer Offizier.<a name="FNAnker_3_3" id="FNAnker_3_3"></a><a href="#Fussnote_3_3" class="fnanchor">[3]</a> Kornfelder, Wiesen und Obstgärten
-bedeckten das reizende Gelände, und von den Gipfeln
-der Berge und Hügel schauten die alten Kolonialhäuser,
+Gegend, »die schönste, die ich je gesehen habe,« sagt ein
+hessischer Offizier.<a name="FNAnker_3_3" id="FNAnker_3_3"></a><a href="#Fussnote_3_3" class="fnanchor">[3]</a> Kornfelder, Wiesen und Obstgärten
+bedeckten das reizende Gelände, und von den Gipfeln
+der Berge und Hügel schauten die alten Kolonialhäuser,
jedes mit einer Piazza und mit einer Ballustrade umgeben,
-herab in die lächelnde Landschaft. Der hessische
+herab in die lächelnde Landschaft. Der hessische
Lieutenant bezeichnet sie in seinem Enthusiasmus mit
-Schlössern. Doch in der That, es war eine Vornehmheit
-in der Bauart der besten Wohnhäuser der damaligen
+Schlössern. Doch in der That, es war eine Vornehmheit
+in der Bauart der besten Wohnhäuser der damaligen
Zeit, welche diese Bezeichnung nicht ganz unberechtigt
-erscheinen lässt.</p>
+erscheinen lässt.</p>
<div class="footnote">
@@ -2572,98 +2530,98 @@ erscheinen lässt.</p>
<p>Trotz aller Anstrengungen Washingtons und des
Kongresses, im Besitz von New-York zu bleiben, war die
-Stadt doch völlig widerstandsunfähig. Die Engländer
-hatten völlige Herrschaft über den Hafen, und eine bedeutende
-Übermacht zu Lande. Als infolgedessen am
-15. September 1776 die königlichen Truppen auf der
+Stadt doch völlig widerstandsunfähig. Die Engländer
+hatten völlige Herrschaft über den Hafen, und eine bedeutende
+Übermacht zu Lande. Als infolgedessen am
+15. September 1776 die königlichen Truppen auf der
Insel landeten, war die einzige Sorge Washingtons, der
-mehrere Tage lang Waffen und Vorräte wegschaffen liess,
+mehrere Tage lang Waffen und Vorräte wegschaffen liess,
die Nachhut seiner Armee in Marsch zu setzen, bevor
-ihm der Rückzug von den Engländern abgeschnitten
+ihm der Rückzug von den Engländern abgeschnitten
werden konnte. Die Landung war unter dem Schutz von
<span class="pagenum"><a name="Seite_53" id="Seite_53">[S. 53]</a></span>
englischen Kriegsschiffen an einer Stelle, Kips Bay genannt,
-(in der Nähe der östl. 34. Strasse) ausgeführt
+(in der Nähe der östl. 34. Strasse) ausgeführt
worden. Unser hessischer Lieutenant nennt es 4 Meilen
-von New-York, er überschätzt aber die Entfernung. Die
-Hessen waren in der Avantgarde, und wie gewöhnlich
-bildeten sie die Jäger und die Grenadiere unter von
+von New-York, er überschätzt aber die Entfernung. Die
+Hessen waren in der Avantgarde, und wie gewöhnlich
+bildeten sie die Jäger und die Grenadiere unter von
Donop. Diese marschierte unmittelbar auf New-York,
-während die englische leichte Infanterie und die Highlanders
+während die englische leichte Infanterie und die Highlanders
sich beeilten, den Inselberg, oder jetzt Murrayhill, zu besetzen.
Unterdessen zogen die Amerikaner unter dem
alten Israel Putmann in Eile auf den Strassen ab, die
-dem North River am nächsten lagen, in der Richtung
+dem North River am nächsten lagen, in der Richtung
auf Bloomingdale.</p>
<p>Der Landung der Briten war kein Widerstand geleistet
worden. Die neuenglische Miliz, die dieselbe
-hätte etwas aufhalten können, benahm sich sehr schlecht,
+hätte etwas aufhalten können, benahm sich sehr schlecht,
und zog sich die heftigste Missbilligung seitens Washingtons
-zu. Es wird erzählt, dass ein Teil der amerikanischen
-Armee zweifellos abgeschnitten worden wäre infolge
+zu. Es wird erzählt, dass ein Teil der amerikanischen
+Armee zweifellos abgeschnitten worden wäre infolge
dieser Panik, wenn nicht Mrs. Murray Sir William
Howe durch ihre gastliche Aufnahme und die Anziehungskraft
-ihres alten Madeira aufgehalten hätte. Diese
-schätzenswerte Dame hielt den britischen General 2 Stunden
-lang bei guter Laune, während ihre zerlumpten und hungrigen
+ihres alten Madeira aufgehalten hätte. Diese
+schätzenswerte Dame hielt den britischen General 2 Stunden
+lang bei guter Laune, während ihre zerlumpten und hungrigen
Landsleute seinen Krallen entwischten. Niemals hat
wohl die Gastfreundschaft von Murray-Hill einer bessern
Sache gedient.</p>
<p>Am 16. September fand ein heftiges Gefecht in der
-Nähe von Manhattanville statt. Ein Teil der britischen
-Infanterie und zwei Bataillone Highlanders wurden zurückgeschlagen
-und waren in einer etwas prekären Lage, als
-die allgegenwärtigen Jäger und Grenadiere zu ihrer
-Unterstützung heranrückten; ebenso waren einige andere
+Nähe von Manhattanville statt. Ein Teil der britischen
+Infanterie und zwei Bataillone Highlanders wurden zurückgeschlagen
+und waren in einer etwas prekären Lage, als
+die allgegenwärtigen Jäger und Grenadiere zu ihrer
+Unterstützung heranrückten; ebenso waren einige andere
deutsche Regimenter in Bewegung gesetzt worden.
-Washington, der fürchtete, dass der Feind eine grössere
+Washington, der fürchtete, dass der Feind eine grössere
Truppenmacht, als es in Wirklichkeit der Fall war, vor<span class="pagenum"><a name="Seite_54" id="Seite_54">[S. 54]</a></span>schieben
-würde, ordnete den Rückzug an. Die Engländer
+würde, ordnete den Rückzug an. Die Engländer
verloren 280 an Toten und Verwundeten, die Amerikaner
-ungefähr 60. Dies Gefecht, in dem die letzteren sich
-sehr gut benahmen und den Engländern einen verhältnismässig
+ungefähr 60. Dies Gefecht, in dem die letzteren sich
+sehr gut benahmen und den Engländern einen verhältnismässig
schweren Verlust beibrachten, trug wesentlich
-dazu bei, ihren Mut neu zu beleben nach den Rückzügen
+dazu bei, ihren Mut neu zu beleben nach den Rückzügen
und Misserfolgen der vergangenen Tage.</p>
<p>Der britische General hatte strengen Befehl gegeben,
-das persönliche Eigentum zu respektieren, worauf
-sofort die reichen Besitzer der Landhäuser, die bei
-Annäherung der königlichen Streitkräfte geflohen waren
+das persönliche Eigentum zu respektieren, worauf
+sofort die reichen Besitzer der Landhäuser, die bei
+Annäherung der königlichen Streitkräfte geflohen waren
und ihre Besitzung dem Schutz der Dienerschaft anvertraut
-hatten, zurückzukehren anfingen. Lieutenant Hinrichs
-von den hessischen Jägern, welcher am 15. Sept.
-Befehl erhalten hatte, Plünderungen zu verhüten, hatte
+hatten, zurückzukehren anfingen. Lieutenant Hinrichs
+von den hessischen Jägern, welcher am 15. Sept.
+Befehl erhalten hatte, Plünderungen zu verhüten, hatte
sich hierbei die Dankbarkeit der Einwohner erworben.
Er war in dem Gefecht am 16. verwundet und gezwungen
worden sich nach ruhiger und guter Pflege umzusehen.
Er suchte Schutz bei einer Witwe, namens Ogylby
-(Ogilvie?) in der Nähe von Hornhook am East River,
+(Ogilvie?) in der Nähe von Hornhook am East River,
und sah zu seiner Befriedigung die ganze Familie sich
wieder vereinigen nach der durch die Kriegsgefahren
verursachten Trennung. Grossvater, -mutter, Enkelkinder,
zusammen mit ihren schwarzen Sklaven und deren Kindern
sahen sich wieder und umarmten sich mit so viel Herzlichkeit,
-dass unser gutherziger Lieutenant sehr gerührt
-wurde und eine fieberhafte Nacht verbrachte. Es ist unnötig
-zu erwähnen, dass seine Wirte ihn mit der grössten
-Güte behandelten. Er wurde von dieser wie von andern
+dass unser gutherziger Lieutenant sehr gerührt
+wurde und eine fieberhafte Nacht verbrachte. Es ist unnötig
+zu erwähnen, dass seine Wirte ihn mit der grössten
+Güte behandelten. Er wurde von dieser wie von andern
Wunden, die er im Verlauf der Revolution erhielt, geheilt
und starb als preussischer Generallieutenant im Jahr 1834.</p>
-<p>Die Stadt New-York war nur fünf Tage in den
-Händen der Briten gewesen, als in der Nacht vom 20.
-zum 21. Septbr. in einer kleinen Schenke in der Nähe
+<p>Die Stadt New-York war nur fünf Tage in den
+Händen der Briten gewesen, als in der Nacht vom 20.
+zum 21. Septbr. in einer kleinen Schenke in der Nähe
von Whitehall Slip Feuer ausbrach. Das Wetter war
trocken und heiss gewesen. Starker Wind blies von
<span class="pagenum"><a name="Seite_55" id="Seite_55">[S. 55]</a></span>
-Süd-West. Das Feuer breitete sich mit fürchterlicher
+Süd-West. Das Feuer breitete sich mit fürchterlicher
Heftigkeit aus. Die Ostseite von Broadway war bis
Exchange Place abgebrannt. Als der Wind sich nach
-Südosten gedreht hatte, sprang das Feuer von Broadway
-nach Morris Street über und dehnte sich bis Barclay
+Südosten gedreht hatte, sprang das Feuer von Broadway
+nach Morris Street über und dehnte sich bis Barclay
Street aus, wobei die alte Trinity Church abbrannte,
St. Pauls aber verschont blieb. Schliesslich wurde
man Herr des Feuers, besonders durch die Anstrengungen
@@ -2676,53 +2634,53 @@ Howe stellte in seinem Bericht fest, dass an verschiedenen
Stellen Feuer angelegt worden sei. Eelking
sagt, dass Donop in seinem Tagebuch verzeichnet habe,
dass der Brand von einem amerikanischen Oberst Namens
-Scott, der früher Advokat gewesen war, in Szene gesetzt
+Scott, der früher Advokat gewesen war, in Szene gesetzt
worden sei.</p>
-<p>Dieser hätte dazu 40 verwegene Leute verwendet,
+<p>Dieser hätte dazu 40 verwegene Leute verwendet,
die, mit allerhand Brennstoffen versehen, an verschiedene,
-im Besitz von Tories befindliche Häuser Feuer gelegt
-hätten. Dieser Geschichte zufolge wurde Scott verhaftet
+im Besitz von Tories befindliche Häuser Feuer gelegt
+hätten. Dieser Geschichte zufolge wurde Scott verhaftet
und der ganze Plan geschrieben bei ihm vorgefunden.
Die Meinung derer, welche glauben, dass
das Feuer von den Whigs angelegt worden sei, wird
-durch die zweifellose Thatsache bekräftigt, dass mehrere
+durch die zweifellose Thatsache bekräftigt, dass mehrere
einflussreiche Amerikaner zur Verbrennung New-Yorks
geraten hatten, und dass der Plan von Washington dem
Kongress vorgelegt, aber verworfen wurde. Andrerseits
-lässt sich sagen, dass Panik und Leidenschaft, Geschichten
-von Brandlegung und Gewaltthätigkeiten, die beständigen
+lässt sich sagen, dass Panik und Leidenschaft, Geschichten
+von Brandlegung und Gewaltthätigkeiten, die beständigen
Begleiterscheinungen einer grossen Feuersbrunst sind.</p>
<p>Berichte, die aus damaliger Zeit stammen, sollte man
-immer mit der grössten Vorsicht aufnehmen. Die Geschichte,
+immer mit der grössten Vorsicht aufnehmen. Die Geschichte,
welche Scott betrifft, ist, soviel ich weiss, durchaus unbe<span class="pagenum"><a name="Seite_56" id="Seite_56">[S. 56]</a></span>
-gründet.
+gründet.
Nur soviel ist sicher, dass verschiedene Personen
-während des Umsichgreifens des Feuers von englischen
-Soldaten getötet worden sind, und Bankroft sagt,
-dass ein armer Mensch, der zu den Tories gehörte, an
-den Beinen aufgehängt wurde, bis er starb.</p>
+während des Umsichgreifens des Feuers von englischen
+Soldaten getötet worden sind, und Bankroft sagt,
+dass ein armer Mensch, der zu den Tories gehörte, an
+den Beinen aufgehängt wurde, bis er starb.</p>
<p>Am 10. Oktober 1776 schiffte General Howe den
-grössten Teil seiner Truppen aus in der Absicht, noch
-einmal zu versuchen Washingtons Rückzugslinie abzuschneiden
+grössten Teil seiner Truppen aus in der Absicht, noch
+einmal zu versuchen Washingtons Rückzugslinie abzuschneiden
und ihn in Manhatten Island einzuschliessen.
Vier Tage lang waren die Briten durch widrige Winde
im East River festgehalten worden und waren nur soweit
gekommen, Hellgate am Nachmittag des 14. zu
-passieren. Die Flotte lag die nächste Nacht vor Anker
+passieren. Die Flotte lag die nächste Nacht vor Anker
und brach am andern Morgen um 6 Uhr auf, wurde aber
durch Winde und Sturmfluten aufgehalten, und erreichte
Frogs Neck (oder Frogs Point, wie es Washington nennt),
nicht vor Einbruch der Dunkelheit. Hier hatte Howe
einstweilen seine Avantgarde gelandet, Washington aber
-war ihm zuvorgekommen und hatte die Übergänge, die
-zum Festland führen, besetzt. Howe beschloss infolge
+war ihm zuvorgekommen und hatte die Übergänge, die
+zum Festland führen, besetzt. Howe beschloss infolge
dessen vorzustossen und die Landung bei East Chester
zu bewerkstelligen. Dies gelang ihm am 18. Oktober nach
einem heftigen Gefecht. Die britische Armee stand jene
-Nacht unter Waffen mit dem linken Flügel an eine
+Nacht unter Waffen mit dem linken Flügel an eine
kleine Bucht bei East Chester angelehnt, mit dem
rechten bei New-Rochelle. Unterdessen marschierten die
Amerikaner eiligst auf White Plains, wo sie eine starke
@@ -2732,120 +2690,120 @@ Division mit dem Rest der Armee. Sie bestand aus
3997 Mann unter dem Kommando von Generallieutenant
Wilhelm von Knyphausen, und hatte Cassel Anfang Mai
verlassen. Das Waldeck'sche Regiment, 670 Mann stark,
-und die zweite Waldeck'sche Jäger-Kompagnie unter
+und die zweite Waldeck'sche Jäger-Kompagnie unter
Hauptmann Ewald waren mit dieser Division gekommen.
Auf diese Weise waren die deutschen Korps unter dem
<span class="pagenum"><a name="Seite_57" id="Seite_57">[S. 57]</a></span>
-Kommando von General von Heister auf ungefähr
+Kommando von General von Heister auf ungefähr
13,400 Mann gebracht worden. Die neue Division war
-zurückgelassen worden um New-Rochelle zu halten,
-während die Briten auf White Plains vorgingen.</p>
+zurückgelassen worden um New-Rochelle zu halten,
+während die Briten auf White Plains vorgingen.</p>
-<p>Hauptmann Ewald und seine zweite Jäger-Kompagnie
+<p>Hauptmann Ewald und seine zweite Jäger-Kompagnie
brauchten nicht lange zu warten bevor sie in Aktion kamen.
Am 23. Oktober stiessen sie bei einer Rekognoszierung
-auf eine überlegene Zahl feindlicher Schützen und würden
-zurückgetrieben sein, wenn ihnen nicht die Hochländer
-zu Hilfe gekommen wären. Ein Lieutenant und sechs
+auf eine überlegene Zahl feindlicher Schützen und würden
+zurückgetrieben sein, wenn ihnen nicht die Hochländer
+zu Hilfe gekommen wären. Ein Lieutenant und sechs
Mann wurden verwundet; von diesen starben vier nachher.
Dies ist der deutsche Bericht in Eelkings Buch.
Ich will auch den Bericht wiedergeben, welchen General
-Washingtons Stabschef in seinem Rapport an den Präsident
-des Kongresses giebt: »Am Mittwoch war ebenfalls ein
-scharfes Scharmützel zwischen einem Teil von General
-Hands Schützen, ungefähr 240, und beinahe derselben
-Anzahl hessischer Jäger, in welchem die letzteren geschlagen
+Washingtons Stabschef in seinem Rapport an den Präsident
+des Kongresses giebt: »Am Mittwoch war ebenfalls ein
+scharfes Scharmützel zwischen einem Teil von General
+Hands Schützen, ungefähr 240, und beinahe derselben
+Anzahl hessischer Jäger, in welchem die letzteren geschlagen
wurden. Unsere Leute beerdigten 10 derselben
auf dem Gefechtsfelde, machten zwei Gefangene, von
denen einer schwer verwundet war. Wir hatten keinen
-andern Verlust als einen, wie anzunehmen, tödlich Verwundeten.«</p>
+andern Verlust als einen, wie anzunehmen, tödlich Verwundeten.«</p>
<p>Am 28. Oktober fand Sir William Howe die Armee
Washingtons vorteilhaft hinter dem Dorf White Plains
-postiert. Sie zählte etwas mehr als 13000 Mann, von
-denen etwa 1500 Chatterton Hill auf dem äussersten
-rechten Flügel der amerikanischen Stellung besetzt
+postiert. Sie zählte etwas mehr als 13000 Mann, von
+denen etwa 1500 Chatterton Hill auf dem äussersten
+rechten Flügel der amerikanischen Stellung besetzt
hielten, die von der Hauptmacht durch den Bronx-Fluss
getrennt wurden. Sir William beschloss, diesen rechten
-Flügel anzugreifen. Ein englisches und zwei hessische
-Regimenter, unterstützt durch die hessischen Grenadiere,
+Flügel anzugreifen. Ein englisches und zwei hessische
+Regimenter, unterstützt durch die hessischen Grenadiere,
durchwateten die Bronx und erkletterten die steilen und
-felsigen Hänge des Berges. Das Regiment von Lossberg
+felsigen Hänge des Berges. Das Regiment von Lossberg
musste durch einen brennenden Wald angreifen und dem
heftigsten Feuer der Amerikaner die Stirn bieten. Sein
<span class="pagenum"><a name="Seite_58" id="Seite_58">[S. 58]</a></span>
Verlust an Toten und Verwundeten betrug nahezu
-50 Mann. Das Resultat des Kampfes würde zweifelhaft
+50 Mann. Das Resultat des Kampfes würde zweifelhaft
geworden sein, wenn nicht Oberst Rall, der sein eigenes
Regiment und das nach Knyphausen benannte kommandierte,
auch die Bronx durchwatet, die Amerikaner
in der Flanke gefasst und die in der Front angreifenden
-Truppen unterstützt hätte. Der Fluss war tief und die
-hessischen Soldaten zögerten hineinzugehen. Aber die
+Truppen unterstützt hätte. Der Fluss war tief und die
+hessischen Soldaten zögerten hineinzugehen. Aber die
Lieutenants Wiederhold und Briede sprangen zuerst
hinein, um sie durch ihr Beispiel anzufeuern. Von dem
-erstem dieser Offiziere werden wir noch mehr hören.
-Der zweite fiel wenige Tage später bei der Einnahme
+erstem dieser Offiziere werden wir noch mehr hören.
+Der zweite fiel wenige Tage später bei der Einnahme
von Fort Washington.</p>
<p>Ein Teil der Amerikaner focht ganz gut bei dieser
-Gelegenheit, gegen eine weit überlegene Zahl. Sie hatten
+Gelegenheit, gegen eine weit überlegene Zahl. Sie hatten
einen zweifellosen Vorteil durch ihre Stellung und machten
einen guten Gebrauch davon, indem sie dem Feinde
-einen Verlust von ungefähr 280 Toten und Verwundeten
-beibrachten. Howe erwähnt in seinen Berichten den
+einen Verlust von ungefähr 280 Toten und Verwundeten
+beibrachten. Howe erwähnt in seinen Berichten den
guten Dienst, den die englische und hessische Artillerie
leistete. Heisters General-Adjutant sagt, dass die hessischen
-Feld-Geschütze einen solchen »Donner« machten,
-dass man weder hören noch sehen konnte. Die Amerikaner
+Feld-Geschütze einen solchen »Donner« machten,
+dass man weder hören noch sehen konnte. Die Amerikaner
hatten nur drei kleine Kanonen auf dem Berge.</p>
-<p>Die amerikanische Armee war zu dieser Zeit hauptsächlich
+<p>Die amerikanische Armee war zu dieser Zeit hauptsächlich
aus Milizen, die von den verschiedenen Staaten
nach kurzen Dienstperioden gesandt worden waren, zusammengesetzt.
Diese Milizen waren in hohem Masse
schlecht bewaffnet und in Lumpen, undiszipliniert und befehligt
von Offizieren, die erst vor wenigen Monaten den
-Schreibpult oder Pflug verlassen hatten. Während einige
+Schreibpult oder Pflug verlassen hatten. Während einige
von diesen improvisierten Offizieren Leute von Charakter
und Talent waren, hatten andere nur das Verdienst, Geschicklichkeit
im Ausheben von Leuten zu besitzen.
Die ausgehobenen Leute aber wollten einen solchen
Offizier nicht als ihresgleichen betrachten und behandeln
<span class="pagenum"><a name="Seite_59" id="Seite_59">[S. 59]</a></span>
-»und in seiner Eigenschaft als Offizier nicht höher achten
-als einen Besenstiel,« sagt Washington. Einige der
+»und in seiner Eigenschaft als Offizier nicht höher achten
+als einen Besenstiel,« sagt Washington. Einige der
Amerikaner hatten sich durch tapfere Thaten hervorgethan,
aber, wie alle rohen Rekruten, veranlassten sie
-Paniken, oft in ganz unvernünftiger Weise. Diese Thatsachen
-müssen fortwährend bedacht werden, wenn nicht
-die Geschichte der Revolution unverständlich werden
+Paniken, oft in ganz unvernünftiger Weise. Diese Thatsachen
+müssen fortwährend bedacht werden, wenn nicht
+die Geschichte der Revolution unverständlich werden
soll. Sir William Howe andererseits kommandierte eine
-reguläre, disziplinierte Armee, welche kaum in Europa
-übertroffen wurde und mit Allem zur Führung eines Krieges
-Wünschenswerten versehen war.</p>
+reguläre, disziplinierte Armee, welche kaum in Europa
+übertroffen wurde und mit Allem zur Führung eines Krieges
+Wünschenswerten versehen war.</p>
<p>Nach dem Gefecht von Chatterton Hill standen sich
-die Armeen drei Tage lang gegenüber und verstärkten
+die Armeen drei Tage lang gegenüber und verstärkten
ihre Verschanzungen. In der Nacht des 31. Oktober zog
sich Washington in eine starke Stellung oberhalb White
-Plains zurück und Howe lenkte, nachdem er am folgenden
-Morgen die amerikanische Arriergarde belästigt hatte,
+Plains zurück und Howe lenkte, nachdem er am folgenden
+Morgen die amerikanische Arriergarde belästigt hatte,
seine Aufmerksamkeit einer neuen Idee zu.</p>
-<p>Auf dem höchsten Punkt von New-York Island, wo
-sich ein Berg 238 Fuss über das Niveau des Hudson
-erhebt, hatten die Amerikaner ein fünfseitiges Erdwerk
+<p>Auf dem höchsten Punkt von New-York Island, wo
+sich ein Berg 238 Fuss über das Niveau des Hudson
+erhebt, hatten die Amerikaner ein fünfseitiges Erdwerk
gebaut, welches sie Fort Washington nannten. Das Fort
war mit 34 Kanonen armiert, hatte aber keine Kasematten.
Das Vorfeld eignete sich gut zur Verteidigung
und war besetzt von kleineren Werken von geringer
-Stärke. Das Ganze bildete eine Barriere über das
-obere Ende von Manhattan Island, um die Engländer
+Stärke. Das Ganze bildete eine Barriere über das
+obere Ende von Manhattan Island, um die Engländer
zu verhindern, eine Expedition zu Lande zu
machen und sich weder sichere noch bequeme Winterquartiere
in New-York zu verschaffen. Auf der Jersey-Seite
-des Hudson, gegenüber Fort Washington, lag Fort
+des Hudson, gegenüber Fort Washington, lag Fort
Lee. Zwischen diesen hatte General Putnam es unternommen,
eine unpassierbare Barriere, die den Fluss gegen
die Briten verschliessen sollte, zu bauen. Die Werke
@@ -2853,80 +2811,80 @@ waren unter dem unmittelbaren Kommando von General
Greene. Am Morgen des 9. Oktober indessen waren die
<span class="pagenum"><a name="Seite_60" id="Seite_60">[S. 60]</a></span>
Hindernisse durchbrochen worden, und an den Forts vorbei
-fuhren zwei britische Schiffe von 44 Geschützen
-jedes, eine Fregatte von 20 Geschützen und 3 oder 4
+fuhren zwei britische Schiffe von 44 Geschützen
+jedes, eine Fregatte von 20 Geschützen und 3 oder 4
Tender, welche 2 amerikanische Ruder-Galeeren auf dem
-Flusse genommen oder zerstört hatten. Angesichts dieser
+Flusse genommen oder zerstört hatten. Angesichts dieser
Thatsachen wollte Washington das nach ihm benannte
Fort verlassen, welches in Gefahr war, umzingelt zu
werden. Greene war entgegengesetzter Ansicht und der
-Kongress teilte dessen verblendete Idee. Die Autorität
-des Höchstkommandierenden war so beschränkt, dass es
+Kongress teilte dessen verblendete Idee. Die Autorität
+des Höchstkommandierenden war so beschränkt, dass es
ihm nicht gelang, seinen eigenen Ansichten Geltung zu
verschaffen. Anstatt die Besatzung von Fort Washington
-zurückzuziehen, wurde sie verstärkt, bis Oberstlieutenant
+zurückzuziehen, wurde sie verstärkt, bis Oberstlieutenant
Magaw, der es befehligte, beinahe 3000 Mann unter
seinem Kommando hatte. Die Stellung, die besetzt
werden sollte, war 2-1/2 Meile lang und schloss eine
Redoute auf Laurel Hill mit ein.</p>
<p>Es war am 16. November 1776, als dieses Fort
-durch die Armee von Sir William Howe gestürmt wurde.
+durch die Armee von Sir William Howe gestürmt wurde.
Der Angriff wurde gleichzeitig von 4 Kolonnen gemacht,
die gegen 4 verschiedene Punkte vorgingen, diejenige,
-welche den Hauptstoss führte und welcher der Ruhm
-des Tages gehörte, war aus Hessen unter Knyphausen
+welche den Hauptstoss führte und welcher der Ruhm
+des Tages gehörte, war aus Hessen unter Knyphausen
zusammengesetzt. Diese Truppe setzte nach New-York
-Island über bei Kings-Bridge früh um 1/2-5 Uhr und war
+Island über bei Kings-Bridge früh um 1/2-5 Uhr und war
in zwei Kolonnen geteilt, die rechte unter Oberst Rall,
die linke unter Generalmajor Schmidt. In letzterer war
-Wiederhold mit der Avantgarde. Während längerer Zeit
+Wiederhold mit der Avantgarde. Während längerer Zeit
mussten die Deutschen ruhig halten bleiben, bis die englischen
Kolonnen zum Angriff angesetzt waren und denselben
einleiteten. Unterdessen hatte Cornwallis die
amerikanische Batterie auf Laurel Hill genommen. Earl
Percy mit zwei englischen und einer hessischen Brigade
-hatte die amerikanischen Werke im Süden bedroht, und
-Oberst Sterling mit den Hochländern war hinter der
-Truppenabteilung, die Percy gegenüberstand, über den
+hatte die amerikanischen Werke im Süden bedroht, und
+Oberst Sterling mit den Hochländern war hinter der
+Truppenabteilung, die Percy gegenüberstand, über den
<span class="pagenum"><a name="Seite_61" id="Seite_61">[S. 61]</a></span>
-Harlem River gegangen und drohte dessen Rückzugslinie
-abzuschneiden. Hierbei mussten die Hochländer
+Harlem River gegangen und drohte dessen Rückzugslinie
+abzuschneiden. Hierbei mussten die Hochländer
ein steiles Ufer hinauf angreifen und verloren dabei
90 Mann. Oberst Cadwalader, der in dieser Gegend die
-Amerikaner kommandierte, war gezwungen sich zurückzuziehen,
+Amerikaner kommandierte, war gezwungen sich zurückzuziehen,
und seine Leute, anstatt sich ausserhalb des
Forts Washington zu sammeln, hatten sich in das Fort
-hinein gedrängt und behinderten dadurch die Vertheidigungs-Massregeln
+hinein gedrängt und behinderten dadurch die Vertheidigungs-Massregeln
der eigenen Besatzung.</p>
<p>Es war zwischen zehn und elf Uhr. Der Moment
-für die Hessen zu attaquieren, war schliesslich gekommen.
+für die Hessen zu attaquieren, war schliesslich gekommen.
Sie wateten durch einen Sumpf und erklommen den
steilen, felsigen Berg, auf den das Fort gebaut war.
-Vergebens feuerten die Scharfschützen auf sie, vergebens
-überschüttete sie die Artillerie mit einem Hagel von
-Granaten und Kartätschen. Knyphausen selbst war fortwährend
-im stärksten Feuer, »so dass es ein Wunder
-war,« schreibt Wiederhold, »dass er davon kam ohne
-totgeschossen oder verwundet zu werden.« Der Boden
-war so steil dort, dass die Leute sich am Gesträuch
+Vergebens feuerten die Scharfschützen auf sie, vergebens
+überschüttete sie die Artillerie mit einem Hagel von
+Granaten und Kartätschen. Knyphausen selbst war fortwährend
+im stärksten Feuer, »so dass es ein Wunder
+war,« schreibt Wiederhold, »dass er davon kam ohne
+totgeschossen oder verwundet zu werden.« Der Boden
+war so steil dort, dass die Leute sich am Gesträuch
hinaufziehen mussten. Schliesslich erreichten sie die
-Höhe, wo eine ebene Stelle war. »Vorwärts, Grenadiere!«
+Höhe, wo eine ebene Stelle war. »Vorwärts, Grenadiere!«
rief Rall. Die Tamboure schlugen, die Hornisten bliesen,
die Leute schrieen Hurrah! Hessen und Amerikaner
-mengten sich massenweise untereinander und alle stürzten
+mengten sich massenweise untereinander und alle stürzten
sich wild durch einander auf das Fort los.</p>
<p>Die Aussenwerke waren genommen und ihre Verteidiger
-zurückgetrieben, die die Verwirrung in dem
+zurückgetrieben, die die Verwirrung in dem
Hauptfort noch vermehrten. Oberst Rall rief einen von
-seinen Kapitäns zu sich. »Hohenstein,« sagte er, »Sie
-sprechen englisch und französisch; nehmen Sie einen
+seinen Kapitäns zu sich. »Hohenstein,« sagte er, »Sie
+sprechen englisch und französisch; nehmen Sie einen
Tambour, befestigen Sie ein weisses Tuch an einem
Kurzgewehr, gehen Sie in das Fort und fordern Sie die
-Übergabe.« »Ich that dies sofort,« schreibt der Kapitän,
-»allein sie feuerten beständig auf mich und den Tambour,
+Übergabe.« »Ich that dies sofort,« schreibt der Kapitän,
+»allein sie feuerten beständig auf mich und den Tambour,
bis wir auf die Glacies kamen, wo die Rebellen uns mit
<span class="pagenum"><a name="Seite_62" id="Seite_62">[S. 62]</a></span>
geschlossenen Augen hinauf geleiteten. Ich verlangte
@@ -2936,8 +2894,8 @@ war, dem ich folgende Bedingung stellte: Er sollte
sofort mit der Besatzung aus dem Fort herausmarschieren,
und sie sollten vor General von Knyphausen die Waffen
strecken. Die ganze Munition, der Proviant und alles
-was dem Kongress gehörte, sollte getreulich angegeben
-werden; dagegen ich ihm meine Parole gäbe, dass alle
+was dem Kongress gehörte, sollte getreulich angegeben
+werden; dagegen ich ihm meine Parole gäbe, dass alle
vom Kommandanten an, einem jeden seine Equipage
sollte belassen werden, und endlich sollte eine weisse
Fahne sofort aufgehisst werden, um alle Feindseligkeiten
@@ -2946,71 +2904,71 @@ Bedenkzeit, die ich ihm indessen verweigerte, und gestattete
ich ihm nur eine halbe Stunde, um sich mit
seinen Offizieren zu besprechen. Als die halbe Stunde
verflossen war, kam der Kommandant selbst, sein Schicksal
-schien ihm ungünstig. Deswegen sagte er: »Die
-Hessen machen Unmöglichkeiten möglich.« Darauf sagte
-ich ihm: »General von Knyphausen steht 100 Schritt
+schien ihm ungünstig. Deswegen sagte er: »Die
+Hessen machen Unmöglichkeiten möglich.« Darauf sagte
+ich ihm: »General von Knyphausen steht 100 Schritt
von hier. Kommen Sie auf meine Parole mit und sehen
-Sie zu, ob er Ihnen bessere Bedingungen stellen wird.«
-Er war damit zufrieden und ging mit mir.«</p>
+Sie zu, ob er Ihnen bessere Bedingungen stellen wird.«
+Er war damit zufrieden und ging mit mir.«</p>
<p>Magaw ergab sich Knyphausen, trotz der Nachricht
von Washington, der ihn zu entsetzen versprach,
-wenn er bis zur Nacht aushalten könnte. Der Platz
+wenn er bis zur Nacht aushalten könnte. Der Platz
war indessen unhaltbar. Die Deutschen verloren 56
Offiziere und Leute tot und 276 Verwundete bei dem
-Angriff, die Engländer mehr als 120. Die Amerikaner
+Angriff, die Engländer mehr als 120. Die Amerikaner
verloren weniger als 150 Tote und Verwundete, aber
-ungefähr 2800 Gefangene, unter denen einige der besten
+ungefähr 2800 Gefangene, unter denen einige der besten
Soldaten waren. Sie verloren auch einen grossen Teil
-ihrer Artillerie, viele Waffen und Ausrüstungsstücke.</p>
+ihrer Artillerie, viele Waffen und Ausrüstungsstücke.</p>
<p>Der Quartiermeister von dem Grenadier-Bataillon von
Minnigerode sagt, indem er von dieser Schlacht spricht,
-dass, wenn nicht die Gefangenen gewesen wären, der
+dass, wenn nicht die Gefangenen gewesen wären, der
<span class="pagenum"><a name="Seite_63" id="Seite_63">[S. 63]</a></span>
-Verlust der Deutschen weit grösser gewesen sein würde,
+Verlust der Deutschen weit grösser gewesen sein würde,
als der von den Rebellen, und dass dies von der Art
-komme, wie die letzteren fechten. »Sie liegen einzeln hinter
-Bäumen, Büschen, Steinmauern und Felssteinen, schiessen
+komme, wie die letzteren fechten. »Sie liegen einzeln hinter
+Bäumen, Büschen, Steinmauern und Felssteinen, schiessen
auf grosse Distancen und mit Sicherheit und laufen ganz
schnell weg, sobald sie gefeuert haben. Die Deutschen
-können nicht ein Drittel so weit schiessen und können
+können nicht ein Drittel so weit schiessen und können
viel weniger laufend sie erreichen, und das Terrain hier
ist so, dass man die Feld-Artillerie bei einer Attaque
-selten heraufbekommen kann.«</p>
-
-<p>Die Hessen sollen während des Angriffs kein Pardon
-gegeben haben den Scharfschützen, die sie in den Aussenwerken
-und in den Gehölzen fanden. Die Amerikaner,
-von denen viele dies gesehen haben müssen, waren
-natürlich mutlos zur Zeit der Übergabe. Der Volksmund
-hatte böse Feinde aus den Hessen gemacht. Kapitän
-von Malsburg erzählt, dass, als er in das Fort hineinkam,
+selten heraufbekommen kann.«</p>
+
+<p>Die Hessen sollen während des Angriffs kein Pardon
+gegeben haben den Scharfschützen, die sie in den Aussenwerken
+und in den Gehölzen fanden. Die Amerikaner,
+von denen viele dies gesehen haben müssen, waren
+natürlich mutlos zur Zeit der Übergabe. Der Volksmund
+hatte böse Feinde aus den Hessen gemacht. Kapitän
+von Malsburg erzählt, dass, als er in das Fort hineinkam,
er sich umgeben fand von Offizieren, denen Furcht und
Besorgnis auf den Gesichtern geschrieben stand. Sie
luden ihn ein in ihre Kaserne, drangen ihm Punsch,
Wein und Kuchen auf, machten ihm Komplimente wegen
seiner Freundlichkeit, welche sie zu erstaunen schien,
-und sagten, sie hätten so etwas nicht von einem hessischen
+und sagten, sie hätten so etwas nicht von einem hessischen
Offizier erwartet. Sie baten um seinen Schutz,
-und er dagegen hielt ihnen eine Strafpredigt über die
-Sünde der Empörung gegen ihren guten König.</p>
+und er dagegen hielt ihnen eine Strafpredigt über die
+Sünde der Empörung gegen ihren guten König.</p>
<p>Die Besatzung marschierte aus zwischen den Regimentern
Rall und Lossberg hindurch, legte die Waffen
-nieder und übergab ihre Fahnen, die gelb, weiss
-und hellblau waren. Knyphausen soll auf diese »mit
-Verachtung« geblickt haben. Diese Haltung ist bezeichnend
-für das hessische Bewusstsein ihrer Stärke,
+nieder und übergab ihre Fahnen, die gelb, weiss
+und hellblau waren. Knyphausen soll auf diese »mit
+Verachtung« geblickt haben. Diese Haltung ist bezeichnend
+für das hessische Bewusstsein ihrer Stärke,
doch der amerikanische Leser muss Trost finden in der
Thatsache, dass innerhalb sechs Wochen die Fahnen
der Regimenter Rall und von Lossberg wieder in den
-Händen von Washingtons Armee waren.
+Händen von Washingtons Armee waren.
<span class="pagenum"><a name="Seite_64" id="Seite_64">[S. 64]</a></span></p>
<p>Die Hessen erwarben sich grossen Ruhm bei dieser
Aktion. Schmidt, Stirn und Rall, und die Truppen unter
-deren Befehl wurden in den Tagesbefehlen ehrenvoll erwähnt,
+deren Befehl wurden in den Tagesbefehlen ehrenvoll erwähnt,
und das genommene Fort wurde Fort Knyphausen
genannt.</p>
@@ -3023,62 +2981,62 @@ genannt.</p>
<p>Nach der Einnahme von Fort Washington zeigte
-Sir William Howe eine ungewohnte Thätigkeit. Das
+Sir William Howe eine ungewohnte Thätigkeit. Das
Fort war am 16. November 1776 gefallen und am 20.
-ging die britische Armee über den Hudson nach New-Jersey
-hinein. Fort Lee war hiermit nutzlos und unfähig
+ging die britische Armee über den Hudson nach New-Jersey
+hinein. Fort Lee war hiermit nutzlos und unfähig
zur Verteidigung geworden. Es wurde schleunigst
-geräumt und die Geschütze, Zelte und der Proviant darin
+geräumt und die Geschütze, Zelte und der Proviant darin
im Stich gelassen. Mehr als 2000 Leute unter General
Greene, die seine Besatzung gebildet hatten, entkamen
-notdürftig über den Hackensack, indem sie 73 Kranke
-zurückliessen. Der Zustand von Washingtons Armee
+notdürftig über den Hackensack, indem sie 73 Kranke
+zurückliessen. Der Zustand von Washingtons Armee
war ein verzweifelter. Die Dienstzeit von vielen Milizen
lief am 30. November ab. Diese waren nicht im mindesten
zu bewegen sich wieder einreihen zu lassen, selbst
-für eine kurze Zeit, ebenso wie die Miliz von New-Jersey
-nicht ausrücken wollte, um ihren eigenen Staat zu
-beschützen; eine Brigade derselben löste sich auf an dem
-Tag, an dem die Briten in New-Brunswick einrückten.
-Washington hatte ein Detachement unter Lee östlich des
+für eine kurze Zeit, ebenso wie die Miliz von New-Jersey
+nicht ausrücken wollte, um ihren eigenen Staat zu
+beschützen; eine Brigade derselben löste sich auf an dem
+Tag, an dem die Briten in New-Brunswick einrückten.
+Washington hatte ein Detachement unter Lee östlich des
Hudson gelassen, doch Lee missachtete nun Washingtons
wiederholten Befehl sich mit ihm zu vereinigen und
-murrte, anstatt zu handeln. Ungefähr 2400 Mann unter
+murrte, anstatt zu handeln. Ungefähr 2400 Mann unter
Lord Stirling waren detachiert zum Schutz von Nord-New-Jersey
und nach 4 Tagen beordert, den oberen Lauf
des Delaware zu verteidigen; und der Oberbefehlshaber
hatte auf einmal 3500 Mann weniger unter sich. Der
<span class="pagenum"><a name="Seite_65" id="Seite_65">[S. 65]</a></span>
-Marsch der Briten durch New-Jersey wurde kaum gestört,
-obwohl sich Washington langsam vor ihnen zurückzog
-und die Brücken zerstörte. Am 8. Dezember zog er
-sich über den Delaware zurück und liess auf 70 Meilen
+Marsch der Briten durch New-Jersey wurde kaum gestört,
+obwohl sich Washington langsam vor ihnen zurückzog
+und die Brücken zerstörte. Am 8. Dezember zog er
+sich über den Delaware zurück und liess auf 70 Meilen
alle Boote an dasjenige Ufer des Flusses bringen, an dem
er sich befand. Es entstand eine Panik in Philadelphia,
-und der Kongress siedelte nach Baltimore über. Washington
-fühlte sich nicht im Stande, mit seiner Truppenmacht
-den Übergang der Briten über den Fluss zu verhindern.
+und der Kongress siedelte nach Baltimore über. Washington
+fühlte sich nicht im Stande, mit seiner Truppenmacht
+den Übergang der Briten über den Fluss zu verhindern.
Howe war indessen nicht der Mann, einen
Winterfeldzug mit Energie zu betreiben. Er kehrte nach
-New-York zurück indem er Cornwallis und nachher
-Grant den Oberbefehl in New-Jersey überliess. Bankroft
-erzählt uns, dass der Staat der Plünderung und der
-Gewaltthätigkeit preisgegeben war, und dass alle Versuche,
+New-York zurück indem er Cornwallis und nachher
+Grant den Oberbefehl in New-Jersey überliess. Bankroft
+erzählt uns, dass der Staat der Plünderung und der
+Gewaltthätigkeit preisgegeben war, und dass alle Versuche,
die Hessen davon abzuhalten, aufgegeben wurden
unter der Entschuldigung, dass die Gewohnheit des
-Plünderns das Desertieren verhindern würde. »Man
-machte sie glauben,« führt er nach dem offiziellen Bericht
-eines britischen Offiziers an, »bevor sie Hessen-Cassel
+Plünderns das Desertieren verhindern würde. »Man
+machte sie glauben,« führt er nach dem offiziellen Bericht
+eines britischen Offiziers an, »bevor sie Hessen-Cassel
verliessen, sie sollten nach Amerika kommen, um
-sich ihr Privat-Vermögen zu gründen, und bisher haben
-sie in der That nach diesem Prinzip gehandelt.«
+sich ihr Privat-Vermögen zu gründen, und bisher haben
+sie in der That nach diesem Prinzip gehandelt.«
Washington, auf der andern Seite, schreibt am 5. Februar
-1777: »Eine Thatsache muss ich zu Gunsten der
-Hessen anführen, und die ist, dass unsere Leute, die
+1777: »Eine Thatsache muss ich zu Gunsten der
+Hessen anführen, und die ist, dass unsere Leute, die
gefangen genommen worden waren, im Allgemeinen darin
-übereinstimmen, dass sie von diesen eine viel bessere
+übereinstimmen, dass sie von diesen eine viel bessere
Behandlung erfuhren, als von den britischen Offizieren
-und Soldaten.«</p>
+und Soldaten.«</p>
<div class="figcenter" style="width: 600px;">
<img src="images/illu-0083.jpg" width="600" height="466" alt="OPERATIONEN IN NEW JERSEY UND PENNSYLVANIEN." />
@@ -3087,29 +3045,29 @@ und Soldaten.«</p>
<p>Washington war in dem Glauben, dass die Operationen
schnell wieder aufgenommen werden, und die
-Briten auf Philadelphia marschieren würden, so bald
-der Delaware zugefroren sein würde. Ein Brief, der
+Briten auf Philadelphia marschieren würden, so bald
+der Delaware zugefroren sein würde. Ein Brief, der
einen oder zwei Tage vor Weihnachten aufgefangen
-wurde, bestärkte ihn in seiner Meinung. Es wurde von
+wurde, bestärkte ihn in seiner Meinung. Es wurde von
<span class="pagenum"><a name="Seite_66" id="Seite_66">[S. 66]</a></span>
-der grössten Wichtigkeit, einen Streich zu führen, bevor
-der Feind sich anschicken würde, wieder vorzugehen und
+der grössten Wichtigkeit, einen Streich zu führen, bevor
+der Feind sich anschicken würde, wieder vorzugehen und
noch vor dem letzten Dezembertag, an dem die Dienstzeit
-von vielen seiner Leute ablaufen würde.</p>
+von vielen seiner Leute ablaufen würde.</p>
<p>Die Art und Weise, in welcher General Grant, der
-britische Befehlshaber in New-Jersey, über die Truppen
-verfügte, war folgende: »Princetown und New-Brunswick
-wurden durch die englische Detachements gehalten.« Von
-Donop, der die hessischen Grenadiere und die 42. Hochländer
+britische Befehlshaber in New-Jersey, über die Truppen
+verfügte, war folgende: »Princetown und New-Brunswick
+wurden durch die englische Detachements gehalten.« Von
+Donop, der die hessischen Grenadiere und die 42. Hochländer
kommandierte, stand in Bordentown. Rall, mit
-der Brigade, die für einige Zeit unter seinem Befehl
-gestanden hatte, 50 hessischen Jägern, 20 englischen
-leichten Dragonern und 6 Geschützen hatte Quartier
+der Brigade, die für einige Zeit unter seinem Befehl
+gestanden hatte, 50 hessischen Jägern, 20 englischen
+leichten Dragonern und 6 Geschützen hatte Quartier
in Trenton bezogen. Ralls Brigade war aus 3 hessischen
Regimentern zusammengesetzt, welche die Namen Rall,
von Knyphausen und von Lossberg trugen. Sie war von
-Qualität nicht wesentlich verschieden von anderen hessischen
+Qualität nicht wesentlich verschieden von anderen hessischen
Brigaden. Das Regiment von Lossberg hatte
sich besonders ausgezeichnet bei Chatterton Hill. Das
Regiment Rall war aus schlechtem Material gebildet, es
@@ -3121,217 +3079,217 @@ sich Ralls Brigade bei Fort Washington die Bewunderung
der ganzen Armee errang.</p>
<p>Die Regimenter Rall und von Lossberg waren in
-dem nördlichen Teil von Trenton einquartiert, das Regiment
-von Knyphausen im südlichen, auf beiden Seiten
-der Brücke über den Assanpink. Auf dieser Brücke
+dem nördlichen Teil von Trenton einquartiert, das Regiment
+von Knyphausen im südlichen, auf beiden Seiten
+der Brücke über den Assanpink. Auf dieser Brücke
war eine Wache von 12 Mann aufgestellt. Die Soldaten
-lagen in den verschiedenen Häusern zerstreut, und bei gutem
-Wetter standen die Geschütze im Freien, von 2 oder 3 Leuten
+lagen in den verschiedenen Häusern zerstreut, und bei gutem
+Wetter standen die Geschütze im Freien, von 2 oder 3 Leuten
bewacht. Pickets waren auf den Strassen westlich des
Nebenflusses vorgeschoben. Die Hauptwache bestand aus
einem Offizier und 70 Mann.
<span class="pagenum"><a name="Seite_67" id="Seite_67">[S. 67]</a></span></p>
-<p>Oberst Rall war ein tollkühner Offizier von der
+<p>Oberst Rall war ein tollkühner Offizier von der
alten Schule. Man sagte, er habe darum gebeten, nach
-Trenton gelegt zu werden, weil er es für einen gefährlichen
+Trenton gelegt zu werden, weil er es für einen gefährlichen
Posten hielt. Bei Chatterton Hill hatte er seine
Sache sehr gut gemacht; er hatte mit seiner Brigade
-den amerikanischen rechten Flügel geworfen und das
+den amerikanischen rechten Flügel geworfen und das
Schicksal des Tages entschieden. Er hatte einen Hauptanteil
-an der Erstürmung von Fort Washington genommen.
-Derselbe verwegene Geist, welcher in früheren Jahren
-ihn veranlasste mit den Russen unter Orloff als Volontär
-gegen die Türken zu kämpfen, leitete ihn bei jenen Gelegenheiten.
+an der Erstürmung von Fort Washington genommen.
+Derselbe verwegene Geist, welcher in früheren Jahren
+ihn veranlasste mit den Russen unter Orloff als Volontär
+gegen die Türken zu kämpfen, leitete ihn bei jenen Gelegenheiten.
Die Leichtigkeit, mit welcher er Siege erfochten
hatte, seitdem er in Amerika war, hatte ihn mit
-einem übermütigen Vertrauen erfüllt. Die lumpigen Gesellen,
+einem übermütigen Vertrauen erfüllt. Die lumpigen Gesellen,
welche durch New-Jersey hindurchgetrieben waren,
-möchten wohl eine Patrouille gefangen nehmen oder ein
-Picket zurückwerfen, aber sie wären, wie er dachte, ganz
-unfähig zu einem ernstlichen Angriff auf eine hessische
-Brigade. »Erdwerke!« sagte er mit einem Fluch zu
+möchten wohl eine Patrouille gefangen nehmen oder ein
+Picket zurückwerfen, aber sie wären, wie er dachte, ganz
+unfähig zu einem ernstlichen Angriff auf eine hessische
+Brigade. »Erdwerke!« sagte er mit einem Fluch zu
Major von Dechow, der ihm riet, die Stadt zu befestigen;
-»lasst sie nur kommen! Wir werden sie mit
-dem Bajonnet empfangen;« und als derselbe Offizier ihn
+»lasst sie nur kommen! Wir werden sie mit
+dem Bajonnet empfangen;« und als derselbe Offizier ihn
bat, einige Schuhe von New-York kommen zu lassen, erwiderte
er, dass das Alles Unsinn sei. Er und seine
-Brigade wollten barfuss über das Eis nach Philadelphia
+Brigade wollten barfuss über das Eis nach Philadelphia
laufen, und wenn der Herr Major keinen Teil an dieser
-Ehre haben wollte, möchte er nur wegbleiben. General
+Ehre haben wollte, möchte er nur wegbleiben. General
Grant, der englische Oberbefehlshaber in New-Jersey,
teilte Ralls Verachtung der Rebellen. Als derselbe ihm
vorschlug, ein Detachement nach Maidenhead zu schicken,
um die Verbindung zwischen Princetown und Trenton
-offen zu halten, antwortete er spöttisch, dass er die Jerseys
+offen zu halten, antwortete er spöttisch, dass er die Jerseys
mit einer Korporalschaft im Zaume halten wollte.
Von Donop, der in Bordentown kommandierte, schickte
einen Ingenieur-Hauptmann nach Trenton, um Rall zu
-bewegen, anzuordnen, dass der Ort verteidigungsfähig
+bewegen, anzuordnen, dass der Ort verteidigungsfähig
<span class="pagenum"><a name="Seite_68" id="Seite_68">[S. 68]</a></span>
eingerichtet werde, aber letzterer ging nicht darauf ein.
-Erdwerke wären unnötig, sagte er. Die Rebellen wären
-Taugenichtse. Sie wären schon mehrmals unterhalb der
-Brücke gelandet und hätten unbelästigt davon kommen
-können, aber jetzt hätte er (Rall) Massregeln ergriffen.
-Wenn sie wiederkämen, wollte er sie nach guter Art
-zurückjagen. Er hoffte, Washington würde auch mit
-herüberkommen, dann könnte er ihn gefangen nehmen.
-Ralls Sorglosigkeit schien seinen Untergebenen so gefährlich,
+Erdwerke wären unnötig, sagte er. Die Rebellen wären
+Taugenichtse. Sie wären schon mehrmals unterhalb der
+Brücke gelandet und hätten unbelästigt davon kommen
+können, aber jetzt hätte er (Rall) Massregeln ergriffen.
+Wenn sie wiederkämen, wollte er sie nach guter Art
+zurückjagen. Er hoffte, Washington würde auch mit
+herüberkommen, dann könnte er ihn gefangen nehmen.
+Ralls Sorglosigkeit schien seinen Untergebenen so gefährlich,
dass die Offiziere von dem Regiment Lossberg
in einem Brief dem General von Heister Vorstellungen
-machten, aber zu spät.</p>
+machten, aber zu spät.</p>
-<p>Ralls Verachtung vor seinem Feind verführte ihn,
-die einfachsten Massregeln zu vernachlässigen. Er revidierte
+<p>Ralls Verachtung vor seinem Feind verführte ihn,
+die einfachsten Massregeln zu vernachlässigen. Er revidierte
selten einen Posten, selten zog er einen Offizier
-zu Rate. Er verweigerte es, einen Platz für die Sicherheit
+zu Rate. Er verweigerte es, einen Platz für die Sicherheit
der Baggage im Fall eines Angriffes zu bezeichnen.
-»Unsinn,« sagte er, als er aufgefordert wurde, dies zu
-thun, »die Rebellen werden uns nicht schlagen.« Doch
-die Leute wurden fortwährend angestrengt durch unnötigen
+»Unsinn,« sagte er, als er aufgefordert wurde, dies zu
+thun, »die Rebellen werden uns nicht schlagen.« Doch
+die Leute wurden fortwährend angestrengt durch unnötigen
Wachtdienst und Hinundhermarschieren. Am
22. Dezember bekamen zwei Dragoner, die mit einem
Brief nach Princetown geschickt worden waren, Feuer
aus einem Walde heraus. Einer von ihnen fiel, der andere
-ritt zurück nach Trenton und meldete den Vorfall.
+ritt zurück nach Trenton und meldete den Vorfall.
Darauf schickte Rall 3 Offiziere mit 800 Mann
-und 1 Kanone, um diesen Brief zu befördern, zur
-grossen Heiterkeit der Engländer. Das Detachement
-hatte bei schlechtem Wetter biwakieren und am nächsten
-Morgen zurückmarschieren müssen. Ein Sergeant und
-15 Mann würden für diesen Dienst vollkommen genügt
+und 1 Kanone, um diesen Brief zu befördern, zur
+grossen Heiterkeit der Engländer. Das Detachement
+hatte bei schlechtem Wetter biwakieren und am nächsten
+Morgen zurückmarschieren müssen. Ein Sergeant und
+15 Mann würden für diesen Dienst vollkommen genügt
haben.</p>
<p>Am 24. Dezember 1776 war eine Rekognoszierungs-Abteilung
in der Richtung auf Pennington vorgeschickt
worden, wurde aber nach einem Marsche von einigen
-Meilen zurückberufen. In der Morgendämmerung des
+Meilen zurückberufen. In der Morgendämmerung des
<span class="pagenum"><a name="Seite_69" id="Seite_69">[S. 69]</a></span>
-25. wurde auf die Pickets nördlich der Stadt von einer
+25. wurde auf die Pickets nördlich der Stadt von einer
kleinen Rekognoszierungs-Abteilung der Amerikaner ein
-Angriff gemacht. Der Feind wurde zurückgeschlagen
+Angriff gemacht. Der Feind wurde zurückgeschlagen
mit einem Verlust von 6 Verwundeten auf Seite der
Deutschen. Eine Patrouille von 30 Mann unter einem
-Fähnrich wurde eine oder zwei Meilen zur Verfolgung
-der zurückgehenden Amerikaner vorgeschickt, konnte sie
+Fähnrich wurde eine oder zwei Meilen zur Verfolgung
+der zurückgehenden Amerikaner vorgeschickt, konnte sie
aber nicht mehr einholen. Das Picket an dem Schnittpunkt
der obern Strasse am Fluss mit der nach Pennington
-wurde daraufhin durch 10 Mann verstärkt unter
+wurde daraufhin durch 10 Mann verstärkt unter
Lieutenant Wiederhold, so dass es nunmehr aus 25 Mann
im Ganzen bestand. Rall war nun der Ansicht, dass
-alle Gefahr vorüber war. Er war kürzlich gewarnt
-worden, dass ein Angriff bevorstände, und nahm als ganz
-bestimmt an, dass das Geplänkel, in welches die Pickets
+alle Gefahr vorüber war. Er war kürzlich gewarnt
+worden, dass ein Angriff bevorstände, und nahm als ganz
+bestimmt an, dass das Geplänkel, in welches die Pickets
engagiert worden waren, der Angriff war, vor dem
er gewarnt wurde. Leslie, der in Princetown kommandierte,
hatte melden lassen, dass Washington sich vorbereitete,
-den Delaware zu überschreiten, aber Rall gab
+den Delaware zu überschreiten, aber Rall gab
nicht ernstlich Acht darauf. Er befahl nur seinem
eigenen Regiment, welches du jour hatte, in den Quartieren
zu bleiben. Er hatte allerdings Grund sich sicher
-zu fühlen. Es war ihm bekannt, dass keine grosse
+zu fühlen. Es war ihm bekannt, dass keine grosse
Truppenmacht in seinem Teil von New-Jersey belassen
war. Washingtons Armee lag jenseits des Delaware,
eine zerlumpte, halbbewaffnete Bande von armen Teufeln,
die bis vor kurzem von Staat zu Staat und von Fluss
zu Fluss getrieben worden waren. Grosse Eisschollen
schwammen, durch den Strom getrieben, im Delaware hin
-und her und machten jegliches Übergehen gefährlich.
-Die Nacht war stürmisch, selbst für Dezember, und bevor
+und her und machten jegliches Übergehen gefährlich.
+Die Nacht war stürmisch, selbst für Dezember, und bevor
es Morgen wurde, fegten Schlossen und Schnee durch die
-Strassen. Aber drinnen war Alles fröhlich und lustig.
+Strassen. Aber drinnen war Alles fröhlich und lustig.
Es war Weihnachtsabend. Die Deutschen, die in Trenton
-gemütlich hausten, konnten über den Sturm lachen und
+gemütlich hausten, konnten über den Sturm lachen und
ruhig schlafen.
<span class="pagenum"><a name="Seite_70" id="Seite_70">[S. 70]</a></span></p>
<p>Weit anders wurde die Nacht von der amerikanischen
Armee verbracht! Die Truppen, unter dem unmittelbaren
Befehl von Washington in ihrem Lager auf der Pennsylvanischen
-Seite des Delaware oberhalb Trenton, zählten
+Seite des Delaware oberhalb Trenton, zählten
nur 2400 Mann, die im Stande waren, eine anstrengende
Unternehmung zu machen. Diese brachen
um 3 Uhr nachmittags am Weihnachtstag auf, jeder
-Mann hatte Verpflegung für 3 Tage und 40 Patronen.
-Sie führten 18 Feldgeschütze mit sich. Diese Truppenmacht
-erreichte die Fähre von Mac Konkey in der
-Abenddämmerung. Hier wurden die Boote durch Glovers
+Mann hatte Verpflegung für 3 Tage und 40 Patronen.
+Sie führten 18 Feldgeschütze mit sich. Diese Truppenmacht
+erreichte die Fähre von Mac Konkey in der
+Abenddämmerung. Hier wurden die Boote durch Glovers
Seeleute von Marblehead bemannt, und zwischen den
schwimmenden Eisschollen hindurch wurde die kleine
-Armee über den Fluss gerudert. Ihr Zustand war so erbärmlich,
+Armee über den Fluss gerudert. Ihr Zustand war so erbärmlich,
dass ein Bote, der ihr gefolgt war, leicht ihre
-Spur verfolgen konnte »an dem Blut im Schnee von den
-Füssen der Leute, die zerrissene Schuhe trugen.«</p>
+Spur verfolgen konnte »an dem Blut im Schnee von den
+Füssen der Leute, die zerrissene Schuhe trugen.«</p>
<p>Inzwischen hatte Cadwalader den Fluss bei Dunks
-Fähre, unterhalb Trenton, überschritten, aber das Eis
+Fähre, unterhalb Trenton, überschritten, aber das Eis
hatte sich gegen des Jersey-Ufer hin gepackt, und wenngleich
-die Fussmannschaften hinüber konnten, so war doch
-für die Artillerie keine Hoffnung dafür vorhanden. Die
+die Fussmannschaften hinüber konnten, so war doch
+für die Artillerie keine Hoffnung dafür vorhanden. Die
1800 Mann, die diesen Teil der Unternehmung ausmachten,
-warteten vergeblich während der Dezembernacht. Um
+warteten vergeblich während der Dezembernacht. Um
4 Uhr morgens beorderte Cadwalader, der sicher glaubte,
dass Washington, gleichwie er selbst, wegen der Schwierigkeiten,
-mit der die Expedition zu kämpfen hatte, umgekehrt
-wäre, seine halberfrorenen Leute nach ihrem kalten
-Lager zurück. »Die Nacht,« schreibt Thomas Rodney
-»war eine so bitterkalte, wie ich sie niemals erlebt habe.«
-Der Fluss war so schwierig zu überschreiten und so
+mit der die Expedition zu kämpfen hatte, umgekehrt
+wäre, seine halberfrorenen Leute nach ihrem kalten
+Lager zurück. »Die Nacht,« schreibt Thomas Rodney
+»war eine so bitterkalte, wie ich sie niemals erlebt habe.«
+Der Fluss war so schwierig zu überschreiten und so
voll von Eis, dass es 4 Uhr wurde am Morgen des
26. Dezember bis die Truppen mit der Artillerie alle
-hinüber und marschbereit waren. Sie hatten noch
+hinüber und marschbereit waren. Sie hatten noch
9 Meilen zu marschieren, um Trenton zu erreichen, und
der Sturm hatte sich mit furchtbarer Heftigkeit erhoben.
<span class="pagenum"><a name="Seite_71" id="Seite_71">[S. 71]</a></span>
Die zitternden Soldaten erklommen einen steilen Berg und
-stiegen auf die Strasse hinab, wo die Bäume ihnen ein
+stiegen auf die Strasse hinab, wo die Bäume ihnen ein
wenig Schutz gegen den Nordost-Sturm geben sollten. In
Birmingham wurde die Armee in zwei Kolonnen geteilt. Die
-rechte unter Sullivan marschierte längs des Flusses, die
+rechte unter Sullivan marschierte längs des Flusses, die
linke unter Washington auf der obern Strasse. Nach einer
Weile meldete Sullivan durch einen seiner Adjutanten an
-Washington, dass das Pulver nass geworden wäre.</p>
+Washington, dass das Pulver nass geworden wäre.</p>
-<p>»Dann sagen Sie dem General,« antwortete Washington,
-»er solle mit dem Bajonnet angreifen und in die
-Stadt eindringen, denn die Stadt müsste genommen werden,
-und ich wäre fest entschlossen sie zu nehmen.« &mdash;</p>
+<p>»Dann sagen Sie dem General,« antwortete Washington,
+»er solle mit dem Bajonnet angreifen und in die
+Stadt eindringen, denn die Stadt müsste genommen werden,
+und ich wäre fest entschlossen sie zu nehmen.« &mdash;</p>
-<p>Es war ungefähr 1 Stunde nach Tagesanbruch als
+<p>Es war ungefähr 1 Stunde nach Tagesanbruch als
Lieutenant Wiederhold seine Aussenposten eingezogen
hatte. Es war eine kalte Nacht gewesen mit Schnee und
Schlossen. Die kleine Abteilung verbarg sich in einer
-Hütte, die als Wachthaus diente. Wiederhold trat zufällig
-an die Thüre und sah hinaus. Plötzlich waren die
-Amerikaner vor ihm. Er rief: »An die Gewehre!«, und
-es wurden Schüsse gewechselt.</p>
-
-<p>»Die Aussenwachen leisteten nur geringen Widerstand,«
-sagt Washington, »obschon sie ihrer Zahl nach
-sich sehr tapfer hielten, indem sie zurückgehend fortwährend,
-hinter Häusern gedeckt, feuerten. Zugleich
+Hütte, die als Wachthaus diente. Wiederhold trat zufällig
+an die Thüre und sah hinaus. Plötzlich waren die
+Amerikaner vor ihm. Er rief: »An die Gewehre!«, und
+es wurden Schüsse gewechselt.</p>
+
+<p>»Die Aussenwachen leisteten nur geringen Widerstand,«
+sagt Washington, »obschon sie ihrer Zahl nach
+sich sehr tapfer hielten, indem sie zurückgehend fortwährend,
+hinter Häusern gedeckt, feuerten. Zugleich
sahen wir, wie sich ihre Hauptabteilung formierte; &mdash;
aber nach ihren Bewegungen zu urteilen, schien sie unentschlossen,
-was zu thun.«</p>
+was zu thun.«</p>
-<p>Trommeln und Hörner erschallten in den Strassen
-von Trenton. Rall war noch im Bett und völlig schlaftrunken.
+<p>Trommeln und Hörner erschallten in den Strassen
+von Trenton. Rall war noch im Bett und völlig schlaftrunken.
Lieutenant Biel, der als Brigadeadjutant fungierte,
scheute sich zuerst, ihn aufzuwecken, und eilte zu der
Hauptwache, um einen Lieutenant und 40 Mann den
-Pickets als Unterstützung zu senden. Als er zum Hauptquartier
-zurückkehrte, lag Rall in seinem Nachthemd zum
-Fenster hinaus und schrie: »Was ist denn los?« Der
-Adjutant erwiderte ihm, ob er nicht das Feuern gehört
+Pickets als Unterstützung zu senden. Als er zum Hauptquartier
+zurückkehrte, lag Rall in seinem Nachthemd zum
+Fenster hinaus und schrie: »Was ist denn los?« Der
+Adjutant erwiderte ihm, ob er nicht das Feuern gehört
<span class="pagenum"><a name="Seite_72" id="Seite_72">[S. 72]</a></span>
-habe. Rall sagte, er würde sofort unten sein, und in
-einem Moment war er angezogen und vor der Thüre.
+habe. Rall sagte, er würde sofort unten sein, und in
+einem Moment war er angezogen und vor der Thüre.
Eine Kompagnie von dem Regiment von Lossberg, welche
Quartiere an der Strasse nach Pennington hatte, und als
Avantgarde fungierte, hatte diese Strasse besetzt und
empfing die fliehenden Pickets, musste sich aber sogleich
-in die Stadt zurückziehen. Washington drang bei King- und
+in die Stadt zurückziehen. Washington drang bei King- und
Queenstreet (jetzt Warren- und Greenstreet) ein, und
Sullivan von der Strasse am Fluss in die Secondstreet.
Einem Teil von Ralls Regiment gelang es, sofort sich
@@ -3339,116 +3297,116 @@ zu formieren, und nach einer Weile erschien Rall selbst
zu Pferde. Lieutenant Wiederhold meldete ihm, dass der
Feind im Vordringen sei, und zwar nicht nur oberhalb der
Stadt, sondern auch zur Rechten und Linken. Rall fragte,
-wie stark der Feind wäre. Wiederhold antwortete, dass
-er es nicht angeben könnte, aber er hätte 4 oder
+wie stark der Feind wäre. Wiederhold antwortete, dass
+er es nicht angeben könnte, aber er hätte 4 oder
5 Bataillone aus dem Walde kommen sehen und dass drei
-davon auf ihn gefeuert hätten, bevor er sich zurückzog.
+davon auf ihn gefeuert hätten, bevor er sich zurückzog.
Rall rief, es sollte avanciert werden aber er schien verwirrt
und nicht imstande, einen richtigen Entschluss zu
fassen. Seine Truppen waren noch in Unordnung. Rall
-wandte sich zur Rechten in einen Garten mit Äpfelbäumen
-östlich der Stadt, und versuchte die Strasse nach Princeton
+wandte sich zur Rechten in einen Garten mit Äpfelbäumen
+östlich der Stadt, und versuchte die Strasse nach Princeton
in seine Gewalt zu bekommen. Aber er wurde durch
-Hands Regiment Pennsylvania zurückgeschlagen. Er
+Hands Regiment Pennsylvania zurückgeschlagen. Er
beschloss darauf, sich einen Weg in die Stadt wieder zu
erzwingen mit seinem und dem Regiment von Lossberg,
wenigstens mit so vielen Leuten als zusammengebracht
werden konnten. Dies soll er versucht haben, um seine
Baggage und die Beute der vorhergehenden Wochen
wegzuschaffen. Indessen wurde er durch einen Hagel
-von Blei aus Fenstern und Thorwegen, von hinter Bäumen
+von Blei aus Fenstern und Thorwegen, von hinter Bäumen
und Mauern her empfangen. Die Munition der Hessen
war nass von dem Schneesturm. Die Amerikaner erneuten
-den Angriff und die Hessen wurden weiter zurückgeworfen,
+den Angriff und die Hessen wurden weiter zurückgeworfen,
als sie gekommen waren. &mdash; Rall wurde durch
<span class="pagenum"><a name="Seite_73" id="Seite_73">[S. 73]</a></span>
-eine Kugel tötlich verwundet, und die beiden deutschen
-Regimenter, in die grösste Verwirrung gebracht, streckten
+eine Kugel tötlich verwundet, und die beiden deutschen
+Regimenter, in die grösste Verwirrung gebracht, streckten
die Waffen.</p>
<p>Dem Regiment Knyphausen ging es wenig besser.
Als Rall den Obstgarten verliess und sich wieder gegen
Trenton wendete, beschloss Major von Dechow, sich einen
-Weg rückwärts über die Assanpink-Brücke zu bahnen
+Weg rückwärts über die Assanpink-Brücke zu bahnen
und sich nach Bordentown durchzuschlagen, wo Donops
-Truppenabtheilung lag. Aber es war unmöglich dies auszuführen,
-da Sullivan schon die Brücke besetzt hatte. Zwei
-Geschütze steckten tief in einer morastigen Stelle und
+Truppenabtheilung lag. Aber es war unmöglich dies auszuführen,
+da Sullivan schon die Brücke besetzt hatte. Zwei
+Geschütze steckten tief in einer morastigen Stelle und
es wurde viel Zeit verloren bei dem Versuche sie herauszuziehen.
Dechow wurde verwundet. Einigen Soldaten
gelang es, den Strom zu durchwaten, aber die bei weitem
-grössere Zahl wurde umringt und an Lord Stirling übergeben,
-mit Ausnahme der Privatbaggage und der Säbel
+grössere Zahl wurde umringt und an Lord Stirling übergeben,
+mit Ausnahme der Privatbaggage und der Säbel
der Offiziere. Die, welche entkamen, nahmen ihren Weg
-nach Princeton. Auch die Jäger und englischen Dragoner
+nach Princeton. Auch die Jäger und englischen Dragoner
entkamen und erreichten Bordentown. Lieutenant Grothausen
-von den Jägern wurde angeschuldigt, zu früh
-zurückgegangen zu sein. Er war mit 50 Mann an der untern
-Flussstrasse postirt gewesen und zog sich bei der Annäherung
-von Sullivan vor diesem über die Assanpink-Brücke
-zurück. Nach Bankroft betrug die Gesamtzahl
+von den Jägern wurde angeschuldigt, zu früh
+zurückgegangen zu sein. Er war mit 50 Mann an der untern
+Flussstrasse postirt gewesen und zog sich bei der Annäherung
+von Sullivan vor diesem über die Assanpink-Brücke
+zurück. Nach Bankroft betrug die Gesamtzahl
derer, die auf diese Weise durchkamen, 162. Washington
giebt in seinem ersten Bericht an den Kongress die Zahl
derer, welche sich ergaben, auf 23 Offiziere und 886 Mann
an. Einige, die nachher in Trenton gefunden wurden,
-erhöhten die Zahl auf 1000.</p>
+erhöhten die Zahl auf 1000.</p>
<p>Die Nachricht von dem Siege der Amerikaner wurde
-in New-York mit Kummer und Entrüstung aufgenommen.</p>
+in New-York mit Kummer und Entrüstung aufgenommen.</p>
<p>Der alte Heister, der bei Sir William Howe nicht
mehr in Gunst stand, mag darin ein Vorzeichen seiner Abberufung
gesehen haben. Er berichtete am 5. Januar an
Schlieffen, den Minister des Landgrafen, das Vorgefallene.
-Seinem Märchen zufolge, das er berichtete, war Ralls
+Seinem Märchen zufolge, das er berichtete, war Ralls
<span class="pagenum"><a name="Seite_74" id="Seite_74">[S. 74]</a></span>
-Brigade von 10&nbsp;000 Mann überrascht worden und das
-Desaster durch die Tollkühnheit des Obersten verursacht
-worden, indem er gegen die Übermacht vorgegangen
-wäre, anstatt sich sofort über den Assanpink zurückzuziehen.
+Brigade von 10&nbsp;000 Mann überrascht worden und das
+Desaster durch die Tollkühnheit des Obersten verursacht
+worden, indem er gegen die Übermacht vorgegangen
+wäre, anstatt sich sofort über den Assanpink zurückzuziehen.
Heister giebt den Verlust von 15 Fahnen zu.</p>
<p>Der Landgraf von Hessen-Kassel war sehr ergrimmt.
-Er war der Ansicht, dass solch ein Vorfall unmöglich gewesen
-wäre, wenn nicht alle Disziplin gelockert wäre. Er
+Er war der Ansicht, dass solch ein Vorfall unmöglich gewesen
+wäre, wenn nicht alle Disziplin gelockert wäre. Er
befahl, dass eine Untersuchung eingeleitet werden sollte,
sobald die Offiziere, die als Gefangene in amerikanische
-Hände gefallen seien, ausgewechselt sein würden,
+Hände gefallen seien, ausgewechselt sein würden,
und drohte, dass die, welche wegen schlechten Verhaltens
-für schuldig erachtet würden, zur strengsten Verantwortung
-gezogen werden sollten. Auch erklärte er, den
-Regimentern, welche ihre Fahnen verloren hätten, solche
+für schuldig erachtet würden, zur strengsten Verantwortung
+gezogen werden sollten. Auch erklärte er, den
+Regimentern, welche ihre Fahnen verloren hätten, solche
nicht eher wieder zu verleihen, als bis sie eine gleiche
-Anzahl vom Feinde genommen hätten. Er schrieb an
+Anzahl vom Feinde genommen hätten. Er schrieb an
Knyphausen, er hoffe, dass Alle, ebenso wie er, mit grossem
-Kummer und mit Scham erfüllt seien, dass es notwendig
-wäre, diese Scharte wieder auszuwetzen und dass Knyphausen
-nicht ruhen dürfte, bis seine Truppen die Erinnerung
-an diese unglückliche Affaire durch eine grosse Zahl
-von ausserordentlichen Thaten verwischt hätten. Der
+Kummer und mit Scham erfüllt seien, dass es notwendig
+wäre, diese Scharte wieder auszuwetzen und dass Knyphausen
+nicht ruhen dürfte, bis seine Truppen die Erinnerung
+an diese unglückliche Affaire durch eine grosse Zahl
+von ausserordentlichen Thaten verwischt hätten. Der
Landgraf kannte sich nicht in seinem Zorne. Der eigentliche
-Sünder gegen die militärischen Regeln starb in
+Sünder gegen die militärischen Regeln starb in
Oberst Rall. Es war die Ansicht von Soldaten jener
Zeit und ist die Meinung von denen die die Angelegenheit
seitdem studiert haben, dass die Niederlage und Gefangennahme
der hessischen Brigade in Trenton durch einfache
-militärische Vorsichtsmassregeln von Seiten ihres
-Führers hätte verhindert werden können. Cornwallis sagte
-später einem Komitee des Hauses der Gemeinen, dass
-nach Donops Meinung Rall hätte aushalten können bis
-Donop zu seiner Unterstützung von Bordentown herangekommen
-wäre, wenn er die Befehle Sir William Howes
-befolgt und Redouten gebaut hätte. Rall war mehr<span class="pagenum"><a name="Seite_75" id="Seite_75">[S. 75]</a></span>fach
-von seinen untergebenen Offizieren gedrängt worden
+militärische Vorsichtsmassregeln von Seiten ihres
+Führers hätte verhindert werden können. Cornwallis sagte
+später einem Komitee des Hauses der Gemeinen, dass
+nach Donops Meinung Rall hätte aushalten können bis
+Donop zu seiner Unterstützung von Bordentown herangekommen
+wäre, wenn er die Befehle Sir William Howes
+befolgt und Redouten gebaut hätte. Rall war mehr<span class="pagenum"><a name="Seite_75" id="Seite_75">[S. 75]</a></span>fach
+von seinen untergebenen Offizieren gedrängt worden
dies zu thun. Dass die unter seinem Kommando Befindlichen
zur Lockerung der Disziplin beitrugen, wozu sie
-durch das Beispiel ihres Führers notwendigerweise verführt
-wurden, war natürlich. Alle fochten tapfer, viele wurden
+durch das Beispiel ihres Führers notwendigerweise verführt
+wurden, war natürlich. Alle fochten tapfer, viele wurden
verwundet, doch war der Verlust an Gemeinen nur gering.
-Dass ein früherer Rückzug den Hessen ermöglicht hätte
+Dass ein früherer Rückzug den Hessen ermöglicht hätte
zu entkommen, ist richtig. Aber man sollte Soldaten
-nicht ernstlich dafür tadeln, dass sie ihr Terrain festhalten,
-wenn sie überfallen werden, auch ist Ralls Fehler,
+nicht ernstlich dafür tadeln, dass sie ihr Terrain festhalten,
+wenn sie überfallen werden, auch ist Ralls Fehler,
wenn es einer war, zu versuchen, sich seinen Weg eher
in der Richtung auf Princeton als auf Bordentown zu
bahnen, nicht auf die Rechnung seiner Untergebenen zu
@@ -3461,7 +3419,7 @@ schreiben.</p>
welche am 26. Dec. 1776 bei <em class="gesperrt">TRENTON</em> zwischen einem Corps von 6000 Rebellen unter General
Washington und einer Hessischen Brigade unter Oberst Rall stattfand.<br />
-&mdash;&lt; <i>Erklärung umseitig.</i> &gt;&mdash;</span>
+&mdash;&lt; <i>Erklärung umseitig.</i> &gt;&mdash;</span>
</div>
<div class="center">
@@ -3471,10 +3429,10 @@ Washington und einer Hessischen Brigade unter Oberst Rall stattfand.<br />
<tr><td valign="top" align="left">C.</td><td align="left">Hauptmann Altenbocums Kompagnie vom Regiment
von Lossberg, welches in der Nachbarschaft einquartiert
war und sich vor dem Quartier des Hauptmanns
-formierte, während das Picket den Feind beschäftigte.</td></tr>
+formierte, während das Picket den Feind beschäftigte.</td></tr>
<tr><td align="left">D.</td><td align="left">Picket von 1 Hauptmann, 1 Offizier und 75 Mann.</td></tr>
-<tr><td align="left">E.</td><td align="left">1 Offizier und 50 Jäger, die sich sofort über die Brücke
-zurückzogen (Grothausen).</td></tr>
+<tr><td align="left">E.</td><td align="left">1 Offizier und 50 Jäger, die sich sofort über die Brücke
+zurückzogen (Grothausen).</td></tr>
<tr><td valign="top" align="left">F.</td><td align="left">Detachement von 1 Offizier und 30 Mann, die sich
mit Donops Korps vereinigten.</td></tr>
<tr><td valign="top" align="left">G.</td><td align="left">Platz, wo die Regimenter nach Verlassen der Stadt Halt
@@ -3484,41 +3442,41 @@ auf die Stadt zu unternehmen, der abgeschlagen wurde.</td></tr>
<tr><td valign="top" align="left">I.</td><td align="left">Platz, wo er mit den Regimentern gefangen genommen
wurde.</td></tr>
<tr><td valign="top" align="left">K.</td><td align="left">Platz, wo das Regiment von Knyphausen, das die
-Flanke hatte decken sollen, sich ebenfalls übergeben
-musste, nachdem es versucht die Brücke zu erreichen.
-Die Geschütze vom Regiment von Lossberg waren
-bei dem Regiment von Knyphausen und unglücklicherweise
+Flanke hatte decken sollen, sich ebenfalls übergeben
+musste, nachdem es versucht die Brücke zu erreichen.
+Die Geschütze vom Regiment von Lossberg waren
+bei dem Regiment von Knyphausen und unglücklicherweise
im Sumpf stecken geblieben, und bei dem
Versuch sie herauszuziehen war der Moment, die
-Brücke zu gewinnen, verpasst worden, infolge dessen
+Brücke zu gewinnen, verpasst worden, infolge dessen
der Feind sie stark besetzte.</td></tr>
-<tr><td align="left">L.</td><td align="left">Geschütze vom Regiment Lossberg.</td></tr>
-<tr><td valign="top" align="left">M.</td><td align="left">Geschütze vom Regiment Knyphausen, die während
+<tr><td align="left">L.</td><td align="left">Geschütze vom Regiment Lossberg.</td></tr>
+<tr><td valign="top" align="left">M.</td><td align="left">Geschütze vom Regiment Knyphausen, die während
der Affaire nicht beim Regiment waren.</td></tr>
-<tr><td align="left">N.</td><td align="left">Geschütze vom Regiment Rall, gleich zu Anfang demontiert.</td></tr>
+<tr><td align="left">N.</td><td align="left">Geschütze vom Regiment Rall, gleich zu Anfang demontiert.</td></tr>
<tr><td align="left">O.</td><td align="left">Angriff des Feindes vom Wald aus.</td></tr>
<tr><td align="left">P.</td><td align="left">Vorgehen und Umzingeln der Stadt durch den Feind.</td></tr>
<tr><td align="left">Q.</td><td align="left">2 Bataillone des Feindes verfolgen das Regiment Knyphausen.</td></tr>
<tr><td align="left">R.</td><td align="left">Letzte Bewegung und Angriff auf das Regiment Knyphausen.</td></tr>
-<tr><td align="left">S.</td><td align="left">Geschütze der Rebellen.</td></tr>
+<tr><td align="left">S.</td><td align="left">Geschütze der Rebellen.</td></tr>
<tr><td align="left">T.</td><td align="left">Platz, wo General Washington sich postiert hatte und
von dem aus er seine Befehle gab.</td></tr>
</table></div>
<p>&nbsp;</p>
-<p>Die Wichtigkeit von Trenton für die Amerikaner
+<p>Die Wichtigkeit von Trenton für die Amerikaner
darf nicht nur nach dem numerischen Ausweis an Toten,
Verwundeten und Gefangenen berechnet werden. Es war
-ein neuer Beweis für die unerfahrenen und hülflosen
+ein neuer Beweis für die unerfahrenen und hülflosen
Kolonisten, dass sie sich einigermassen zu Soldaten
eigneten und dass ihre Sache nicht hoffnungslos war.
-Nach einer langen Reihe von Missgeschick und fortwährendem
-Zurückweichen feuerte sie dies mit neuem
+Nach einer langen Reihe von Missgeschick und fortwährendem
+Zurückweichen feuerte sie dies mit neuem
Mute an. Bunker Hill hatte die Amerikaner belehrt,
-dass sie den britischen Regulären widerstehen könnten.
+dass sie den britischen Regulären widerstehen könnten.
Trenton bewies ihnen in einer Stunde der Verzweiflung,
-dass die gefürchteten Hessen überwunden werden könnten.</p>
+dass die gefürchteten Hessen überwunden werden könnten.</p>
@@ -3532,535 +3490,535 @@ dass die gefürchteten Hessen überwunden werden könnten.</p>
Trenton gefangen genommen waren, mussten am 26. Dezember
1776 denselben kalten und mit Schnee bedeckten
Weg, auf welchem die Amerikaner zum Angriff vorgegangen
-waren, zurücklegen. Wir können sie uns in ihren
+waren, zurücklegen. Wir können sie uns in ihren
<span class="pagenum"><a name="Seite_76" id="Seite_76">[S. 76]</a></span>
-Uniformen zitternd vor Frost vorstellen, während ihre
-zerlumpten und barfüssigen Bezwinger fröhlich neben
+Uniformen zitternd vor Frost vorstellen, während ihre
+zerlumpten und barfüssigen Bezwinger fröhlich neben
ihnen her marschierten und in der Siegesglut den eisigen
Wind vergassen. Wieder wurde der Delaware durch die
-schwimmenden Eisstücke hindurch überschritten, und man
-kann überzeugt sein, dass es nicht die zerlumpten
-Amerikaner waren, deren Zähne klapperten; aber eine
-Reaktion trat ein nach so viel Mühsal und Aufregung;
-am nächsten Morgen war die Hälfte der siegreichen Armee
-erschöpft und dienstuntauglich. 40 Stunden waren die
+schwimmenden Eisstücke hindurch überschritten, und man
+kann überzeugt sein, dass es nicht die zerlumpten
+Amerikaner waren, deren Zähne klapperten; aber eine
+Reaktion trat ein nach so viel Mühsal und Aufregung;
+am nächsten Morgen war die Hälfte der siegreichen Armee
+erschöpft und dienstuntauglich. 40 Stunden waren die
Amerikaner ununterbrochen unter den Waffen gewesen
und hatten marschiert und gefochten in Schnee und Eis
eines Dezembersturmes, so dass nun die Natur Ruhe und
-Unterkunft für einige Tage forderte. Nur Washington
-war unermüdlich, und obschon die Dienstzeit eines grossen
+Unterkunft für einige Tage forderte. Nur Washington
+war unermüdlich, und obschon die Dienstzeit eines grossen
Teiles seiner Armee im Ablaufen begriffen war, schickte
sich der grosse Feldherr an, aus dem errungenen Erfolg
Vorteil zu ziehen.</p>
-<p>Die hessischen Offiziere wurden mit grosser Höflichkeit
-von den Führern der Amerikaner behandelt. Washington
-drückte sein Mitgefühl mit ihnen unmittelbar
-nach ihrer Übergabe aus. Stirling, der erst vor kurzem
+<p>Die hessischen Offiziere wurden mit grosser Höflichkeit
+von den Führern der Amerikaner behandelt. Washington
+drückte sein Mitgefühl mit ihnen unmittelbar
+nach ihrer Übergabe aus. Stirling, der erst vor kurzem
nach seiner Gefangennahme auf Long-Island ausgewechselt
-war, erzählte den Offizieren, die ihn besuchten, dass
+war, erzählte den Offizieren, die ihn besuchten, dass
Heister ihn wie einen Bruder behandelt habe, und dass
er sie ebenso behandeln wollte. Er begleitete sie bei
ihrem Besuch bei General Washington und lud einige
von ihnen zum Diner ein. Washington erwies dieselbe
-Höflichkeit einigen von den anderen. Einer von seinen
-Gästen hat in seinem Tagebuch einen Vermerk über den
-Eindruck hinterlassen, den der berühmteste unter den
-Amerikanern auf ihn gemacht hat: »Diesem General sieht
-man in seinem Gesicht nicht die Grösse an, welche ihm
+Höflichkeit einigen von den anderen. Einer von seinen
+Gästen hat in seinem Tagebuch einen Vermerk über den
+Eindruck hinterlassen, den der berühmteste unter den
+Amerikanern auf ihn gemacht hat: »Diesem General sieht
+man in seinem Gesicht nicht die Grösse an, welche ihm
im allgemeinen beigemessen wird. Seine Augen haben
kein Feuer, aber die freundliche Art seines Ausdrucks,
-wenn er spricht, flösst Zuneigung und Hochachtung ein.«
+wenn er spricht, flösst Zuneigung und Hochachtung ein.«
<span class="pagenum"><a name="Seite_77" id="Seite_77">[S. 77]</a></span></p>
-<p>Wiederhold schreibt: »Am 28. dinierte ich, wie gesagt,
+<p>Wiederhold schreibt: »Am 28. dinierte ich, wie gesagt,
ebenso wie mehrere andere Offiziere, mit General
Washington. Er that mir die Ehre an, sich viel mit mir
-über die unglückliche Affaire zu unterhalten, und da ich
-ihm frei heraus die Ansicht äusserte, dass unsere Massregeln
-schlecht gewesen wären, andernfalls wir nicht in
-seine Hände gefallen wären, fragte er mich, ob ich
-bessere Massregeln getroffen hätte und in welcher Weise.
-Darauf sagte ich Ja; erwähnte alle Fehler, welche begangen
+über die unglückliche Affaire zu unterhalten, und da ich
+ihm frei heraus die Ansicht äusserte, dass unsere Massregeln
+schlecht gewesen wären, andernfalls wir nicht in
+seine Hände gefallen wären, fragte er mich, ob ich
+bessere Massregeln getroffen hätte und in welcher Weise.
+Darauf sagte ich Ja; erwähnte alle Fehler, welche begangen
worden waren, und zeigte, was ich gethan haben
und wie ich mit Ehren aus der Verlegenheit gekommen sein
-würde. Er billigte dies nicht nur, sondern sagte mir auch
-einiges Schmeichelhafte darüber, sowie auch über meine
+würde. Er billigte dies nicht nur, sondern sagte mir auch
+einiges Schmeichelhafte darüber, sowie auch über meine
Wachsamkeit und den Widerstand, den ich mit meinen
wenigen Leuten in der Postenlinie am Morgen des Angriffes
-gemacht hätte. General Washington ist ein zuvorkommender
+gemacht hätte. General Washington ist ein zuvorkommender
und eleganter Mann, aber scheint sehr
polite und reserviert zu sein, spricht wenig und hat eine
schlaue Physiognomie. Er ist nicht sehr gross, aber auch
-nicht klein, sondern von Mittelgrösse, und hat eine gute
-Figur.« Es ist interessant, sich diese Szene vorzustellen &mdash; das
+nicht klein, sondern von Mittelgrösse, und hat eine gute
+Figur.« Es ist interessant, sich diese Szene vorzustellen &mdash; das
Wohnzimmer im Farmhaus, das Feuer aus dickem
Scheitholz, die triefenden Lichter, die Bowle mit
rauchendem Punsch und General Washington die Kriegskunst
-erörternd mit seinem Gefangenen, der, obwohl nur
-ein Lieutenant, ausländischen Kriegsdienst kennen gelernt
-hat und wohl wert ist, angehört zu werden.</p>
+erörternd mit seinem Gefangenen, der, obwohl nur
+ein Lieutenant, ausländischen Kriegsdienst kennen gelernt
+hat und wohl wert ist, angehört zu werden.</p>
<p>Die Gefangenen wurden binnen Kurzem nach
-Pennsylvanien und Virginien befördert. Überall strömte
+Pennsylvanien und Virginien befördert. Überall strömte
das Volk zusammen, um sie zu sehen, und wenn den fremden
-Eindringlingen in ihrem Unglück manchmal mit Flüchen
-und Verwünschungen begegnet wurde, so dürfen wir diejenigen
-nicht zu scharf beurteilen, deren Söhne und Brüder
-von den Hülfstruppen umgebracht werden sollten.</p>
+Eindringlingen in ihrem Unglück manchmal mit Flüchen
+und Verwünschungen begegnet wurde, so dürfen wir diejenigen
+nicht zu scharf beurteilen, deren Söhne und Brüder
+von den Hülfstruppen umgebracht werden sollten.</p>
<p>Wir werden beinahe finden, dass die Wage sich zu
Gunsten der Amerikaner neigt, welche bei vielen Gelegen<span class="pagenum"><a name="Seite_78" id="Seite_78">[S. 78]</a></span>heiten
ihren Feinden mit Vergebung und Freundlichkeit begegneten.
Die Begleitmannschaft der Gefangenen that
-beständig ihre Pflicht und gelang es ihr, diese vor allem
+beständig ihre Pflicht und gelang es ihr, diese vor allem
Schlimmeren als Beschimpfungen zu bewahren. Die hessischen
Offiziere und Leute wurden von einander getrennt,
und es ist nicht uninteressant, ihren Wanderungen
bis ins Einzelne zu folgen. Die Offiziere waren in Philadelphia
und statteten General Israel Putnam am Neujahrstag
-einen Besuch ab. »Er schüttelte jedem von
-uns die Hand,« sagt einer in seinem Tagebuch, »und wir
+einen Besuch ab. »Er schüttelte jedem von
+uns die Hand,« sagt einer in seinem Tagebuch, »und wir
mussten Alle ein Glas Madeira mit ihm trinken. Dieser
alte Graubart mag ein guter, ehrlicher Mann sein, aber
-niemand anders als die Rebellen würden ihn zum General
-gemacht haben.«</p>
+niemand anders als die Rebellen würden ihn zum General
+gemacht haben.«</p>
<p>Die Offiziere wurden, nachdem sie in Dumfries und
im Thal von Virginia einquartiert waren und viele kleine
Beschwerden zu ertragen gehabt hatten, im Dezember
1777 nach Fredericksburg gebracht, wo sie mit grosser
-Gastfreundschaft und Güte behandelt wurden. Wiederhold
-wird förmlich pathetisch bei dem Gedanken, von
+Gastfreundschaft und Güte behandelt wurden. Wiederhold
+wird förmlich pathetisch bei dem Gedanken, von
seinen dortigen Freunden Abschied zu nehmen. Die Gefangenen
hatten in grosser Gunst bei den Damen der
Nachbarschaft gestanden, welche, wie der Lieutenant
-sagt, »schön, zuvorkommend, gütig, bescheiden und vor
-Allem sehr natürlich und ungezwungen waren.«</p>
+sagt, »schön, zuvorkommend, gütig, bescheiden und vor
+Allem sehr natürlich und ungezwungen waren.«</p>
-<p>16 Damen »ersten Ranges« verabredeten sich nebst
-einigen Herren, den Kapitän in seinem Quartier zu überraschen,
+<p>16 Damen »ersten Ranges« verabredeten sich nebst
+einigen Herren, den Kapitän in seinem Quartier zu überraschen,
wovon er vorher heimlich unterrichtet worden war.
-Er erzählt uns, dass sie kamen und nur eine Stunde zu
+Er erzählt uns, dass sie kamen und nur eine Stunde zu
bleiben beabsichtigen, doch schliesslich von 1/2-4 bis
10 Uhr abends blieben. General Washingtons Bruder,
Schwester und Nichte waren darunter. Die deutschen
-Offiziere regalierten ihre Gäste mit Thee, Kaffee,
+Offiziere regalierten ihre Gäste mit Thee, Kaffee,
Chokolade, Claret-Wein und Kuchen, und unterhielten
sie mit Instrumental- und Vokal-Musik, an welcher sich
-die Damen manchmal beteiligten. »In Europa würden
+die Damen manchmal beteiligten. »In Europa würden
<span class="pagenum"><a name="Seite_79" id="Seite_79">[S. 79]</a></span>
wir keinen grossen Beifall geerntet haben, aber hier
-galten wir für Meister. Sobbe spielte die Flöte, Doktor
+galten wir für Meister. Sobbe spielte die Flöte, Doktor
Oliva die Violine und ich die Guitarre. Wir wurden so
-mit Beifall überschüttet, dass wir ganz beschämt waren.
-Ihre Freundschaft für uns war zu gross. Einige von
-den amerikanischen jungen Herren wurden eifersüchtig.«</p>
+mit Beifall überschüttet, dass wir ganz beschämt waren.
+Ihre Freundschaft für uns war zu gross. Einige von
+den amerikanischen jungen Herren wurden eifersüchtig.«</p>
<p>Alle diese Freundlichkeit machte Eindruck auf die
Gefangenen. In Dumfries 9 Monate vorher, hatte Wiederhold
in sein Tagebuch niedergeschrieben, dass er lieber
-ein kleines Gut in Hessen besitzen wolle, als die grösste
-Besitzung in Virginia und dass Amerika für solche Leute
-gut wäre, welche zu Hause dem Galgen entronnen wären.
+ein kleines Gut in Hessen besitzen wolle, als die grösste
+Besitzung in Virginia und dass Amerika für solche Leute
+gut wäre, welche zu Hause dem Galgen entronnen wären.
Nun ist er aber beim Verlassen von Fredericksburg ganz
traurig, obschon es galt, zur Armee nach Philadelphia
-zurückzukehren. Indessen hatte er persönliche Gründe
-hierfür. »Es war sicherlich eine grosse Sache, sich so
-grosser Freundschaft, ja, ich möchte sagen, Liebe zu erfreuen
+zurückzukehren. Indessen hatte er persönliche Gründe
+hierfür. »Es war sicherlich eine grosse Sache, sich so
+grosser Freundschaft, ja, ich möchte sagen, Liebe zu erfreuen
von Leuten, deren Feinde wir waren und gegen
die wir bald wieder als Feinde auftreten mussten.</p>
-<p>Sagte doch eine Schöne zu mir, welche mir so innig
-zugethan war: »Wollte Gott, Sie könnten hier bleiben und
-dass ich niemals so unglücklich sein müsste von ihnen zu
+<p>Sagte doch eine Schöne zu mir, welche mir so innig
+zugethan war: »Wollte Gott, Sie könnten hier bleiben und
+dass ich niemals so unglücklich sein müsste von ihnen zu
scheiden, so wie ich es morgen thun muss und vielleicht
-für immer. Aber gehen Sie, wo Ehre und Pflicht Sie
-hinruft und bleiben Sie glücklich!« Dies war Seelengrösse,
+für immer. Aber gehen Sie, wo Ehre und Pflicht Sie
+hinruft und bleiben Sie glücklich!« Dies war Seelengrösse,
wie sie nicht allen Rebellen innewohnt, denn sie
-war eine gute Amerikanerin in ihren Gesinnungen, schön
-und reich.« Kein Wunder, dass der Lieutenant die Meilen
-zählte, als er von Fredericksburg abmarschierte.</p>
+war eine gute Amerikanerin in ihren Gesinnungen, schön
+und reich.« Kein Wunder, dass der Lieutenant die Meilen
+zählte, als er von Fredericksburg abmarschierte.</p>
<p>Die Soldaten erreichten Philadelphia einige Tage
-später als die Offiziere. Über ihren Empfang durch
+später als die Offiziere. Über ihren Empfang durch
die Volksmenge schreibt ein Korporal in seinem Tagebuch:
-»Gross und Klein, Alt und Jung, standen da um
-zu sehen, was für eine Sorte Sterblicher wir wären.
+»Gross und Klein, Alt und Jung, standen da um
+zu sehen, was für eine Sorte Sterblicher wir wären.
Als wir gerade vor sie kamen, sahen sie uns scharf an.
Die alten Weiber schrien schrecklich und wollten uns
<span class="pagenum"><a name="Seite_80" id="Seite_80">[S. 80]</a></span>
-erwürgen, weil wir nach Amerika gekommen wären, um
+erwürgen, weil wir nach Amerika gekommen wären, um
ihnen die Freiheit zu rauben. Einige Andere brachten
uns trotz allen Schimpfens Schnaps und Brod, um es uns zu
geben, aber die alten Weiber wollten es nicht erlauben, und
-uns obendrein noch erwürgen. Unsere amerikanische Begleitmannschaft
+uns obendrein noch erwürgen. Unsere amerikanische Begleitmannschaft
hatte von Washington Befehl erhalten uns
-in der Stadt überall herumzuführen, damit Jedermann uns
-sehen sollte; aber das Volk drängte sich in uns hinein mit
-grosser Wut und überwältigte beinahe die Begleitmannschaft,
-so dass, als wir uns den Baracken näherten, unser
-kommandierender Offizier sagte: »Liebe Hessen, wir wollen
-in diese Baracken marschieren.« Wir thaten es, und das
-ganze amerikanische Detachement musste dem wütenden
+in der Stadt überall herumzuführen, damit Jedermann uns
+sehen sollte; aber das Volk drängte sich in uns hinein mit
+grosser Wut und überwältigte beinahe die Begleitmannschaft,
+so dass, als wir uns den Baracken näherten, unser
+kommandierender Offizier sagte: »Liebe Hessen, wir wollen
+in diese Baracken marschieren.« Wir thaten es, und das
+ganze amerikanische Detachement musste dem wütenden
Volke Einhalt thun. Warum der amerikanische Offizier
seine Gefangenen in so liebevoller Weise anredete, scheint
nicht klar, aber ein grosser Grad von Vertraulichkeit scheint
-sich zwischen ihnen ausgebildet zu haben. Eelking erzählt
+sich zwischen ihnen ausgebildet zu haben. Eelking erzählt
eine Geschichte, die aber, cum grano salis, aufgenommen
werden muss, dass, als der Transport im Herbst 1777
-von Lancaster nach Winchester geführt wurde, und an die
+von Lancaster nach Winchester geführt wurde, und an die
Grenze von Virginia kam, die pennsylvanische Eskorte sich
weigerte, weiter zu marschieren und nicht den Fuss auf
den geheiligten Boden setzen wollte. In der That zerstreuten
sie sich, und alle gingen nach Hause. Die
Eskorte, die von Winchester hatte kommen sollen, um
-sie zu treffen, war nicht angekommen. Der Kapitän,
-der das Kommando über die Pennsylvanier gehabt hatte,
+sie zu treffen, war nicht angekommen. Der Kapitän,
+der das Kommando über die Pennsylvanier gehabt hatte,
war ein Mann von grosser Geistesgegenwart und Menschenkenntniss.
Er sagte zu den Hessen, deren Zuneigung
er durch seine Menschlichkeit gewonnen hatte, dass
-sie ohne Eskorte weiter marschieren müssten, da er
-selbst nach Winchester vorauseilen müsste. Er vertraute
+sie ohne Eskorte weiter marschieren müssten, da er
+selbst nach Winchester vorauseilen müsste. Er vertraute
den Gefangenen und versprach ihnen gute Behandlung
bei ihrer Ankunft. Darauf verliess er sie. Die Gefangenen,
-wenn man sie überhaupt so nennen kann, denen
+wenn man sie überhaupt so nennen kann, denen
Niemand wehrte, marschierten weiter in guter Ordnung.
<span class="pagenum"><a name="Seite_81" id="Seite_81">[S. 81]</a></span>
-Am dritten Tage kam der alte Kapitän mit einer virginischen
-Eskorte zurück und fand alle Hessen durch
-Namensaufruf zur Stelle, nur einige gewissenlose Engländer
+Am dritten Tage kam der alte Kapitän mit einer virginischen
+Eskorte zurück und fand alle Hessen durch
+Namensaufruf zur Stelle, nur einige gewissenlose Engländer
waren verschwunden. Die Deutschen wurden
-darauf alle mit Branntwein traktiert, während die englischen
+darauf alle mit Branntwein traktiert, während die englischen
Gefangenen ihren Marsch ohne diese Erfrischung
wieder aufnehmen mussten. Die Hessen erhielten fortan
-viele Vergünstigungen.</p>
+viele Vergünstigungen.</p>
<p>Washington soll die Stimmung im Volke dadurch
beruhigt haben, dass er bekannt gab, die Hessen seien
gegen ihren Willen nach Amerika gekommen. Das Loos
-der Gefangenen scheint nicht übermässig hart gewesen zu
+der Gefangenen scheint nicht übermässig hart gewesen zu
sein. Viele der gemeinen Soldaten vermieteten sich als
Knechte auf die Farmen und erhielten Verpflegung und
Lohn.</p>
-<p>So viele als von Washingtons kleiner Armee dienstfähig
-blieben, überschritten in den letzten drei Tagen des
+<p>So viele als von Washingtons kleiner Armee dienstfähig
+blieben, überschritten in den letzten drei Tagen des
Dezember den Delaware wieder und wurden schleunigst
unter Cadwaladers und Mifflins Kommando vereinigt.
-Dadurch wurde ihre Zahl auf ungefähr 5000 gebracht,
-von denen 3/5 des Militärdienstes unkundig waren. Gegen
+Dadurch wurde ihre Zahl auf ungefähr 5000 gebracht,
+von denen 3/5 des Militärdienstes unkundig waren. Gegen
diese kleine Truppenmacht ging Cornwallis mit einer
-grösseren Zahl von britischen und hessischen Veteranen
+grösseren Zahl von britischen und hessischen Veteranen
vor. Er kam mit seiner ganzen Streitmacht von Princeton
-über Maidenhead, trotz Donops Rat, in zwei Kolonnen
+über Maidenhead, trotz Donops Rat, in zwei Kolonnen
auf beiden Seiten des Assanpink zu marschieren. Am
-2. Januar 1777 fand ein Geplänkel statt, bei dem
-Lieutenant von Grothausen von den Jägern, welcher von
+2. Januar 1777 fand ein Geplänkel statt, bei dem
+Lieutenant von Grothausen von den Jägern, welcher von
Trenton 7 Tage vorher entkommen war, ohne seine volle
Schuldigkeit gethan zu haben, wie behauptet wurde, fiel.
-Eelking erzählt, dass er von einigen Scharfschützen erschossen
+Eelking erzählt, dass er von einigen Scharfschützen erschossen
wurde, welche ihn unter dem Vorwande sich zu
ergeben, anlockten.</p>
<p>Am Nachmittag des 2. Januar standen sich die englische
und amerikanische Armee auf beiden Seiten des
<span class="pagenum"><a name="Seite_82" id="Seite_82">[S. 82]</a></span>
-Assanpink-Flusses gegenüber. Vergeblich drängten unsere
+Assanpink-Flusses gegenüber. Vergeblich drängten unsere
Offiziere Cornwallis, sofort anzugreifen. Die Sonne war
-im Untergehen, die Brücke war erfolgreich verteidigt
+im Untergehen, die Brücke war erfolgreich verteidigt
worden, die englische Armee musste den Strom durchwaten,
um an den Feind heranzukommen, und der Ausgang
schien zweifelhaft. Der britische General entschloss
sich, den Angriff auf den folgenden Tag zu verschieben.
Washington wagte nicht, das Schicksal Amerikas auf die
-Widerstandsfähigkeit seiner undisziplinierten Milizen hin
+Widerstandsfähigkeit seiner undisziplinierten Milizen hin
zu riskieren. Die Nacht war kalt und die Strassen in
-gutem Zustand für das Passieren der Artillerie. Es
+gutem Zustand für das Passieren der Artillerie. Es
wurde Holz auf die amerikanischen Wachtfeuer gelegt
-und eine Wache zurückgelassen, um es zu unterhalten.
+und eine Wache zurückgelassen, um es zu unterhalten.
Inzwischen marschierte die amerikanische Armee durch die
helle Januarnacht ab, umging Lord Cornwallis linke Flanke
und griff um 9 Uhr morgens 3 englische Regimenter zu
Fuss und 3 Kompagnien zu Pferde bei Princeton an. Die
-Amerikaner warfen sie, töteten und verwundeten ungefähr
+Amerikaner warfen sie, töteten und verwundeten ungefähr
200 Mann und machten 230 Gefangene, unter denen 14
britische Offiziere waren. Der amerikanische Verlust an
Leuten war gering, aber schwer an Offizieren infolge
eines Unfalles bei Beginn der Affaire. Dieser Sieg bei
Princeton war das letzte Ereignis des Feldzugs, welches
den Namen einer Schlacht verdient. Die Briten verliessen
-den grössten Theil von New-Jersey und blieben
+den grössten Theil von New-Jersey und blieben
nur in New-Brunswick, Amboy und Paulus Hook. Aber
-die Vorposten der beiden Armeen unterhielten ein Geplänkel
+die Vorposten der beiden Armeen unterhielten ein Geplänkel
den ganzen Winter hindurch. So wurde am
5. Januar 1777 eine Abteilung von 50 Waldeckern von
-einer an Zahl nicht stärkern Abteilung Milizen angegriffen,
-welche 8 oder 10 töteten und die Übrigen, einschliesslich
+einer an Zahl nicht stärkern Abteilung Milizen angegriffen,
+welche 8 oder 10 töteten und die Übrigen, einschliesslich
2 Offizieren, zu Gefangenen machten.</p>
-<p>In dieser scharmützelnden Art der Kriegführung
-nahmen, so weit es die Hessen betraf, die Jäger oder
-Chasseurs, wie sie die Engländer und Amerikaner nannten,
-den Hauptanteil. Sie waren gelernte Schützen und re<span class="pagenum"><a name="Seite_83" id="Seite_83">[S. 83]</a></span>krutierten
-sich aus den Jägern und Forstleuten von
+<p>In dieser scharmützelnden Art der Kriegführung
+nahmen, so weit es die Hessen betraf, die Jäger oder
+Chasseurs, wie sie die Engländer und Amerikaner nannten,
+den Hauptanteil. Sie waren gelernte Schützen und re<span class="pagenum"><a name="Seite_83" id="Seite_83">[S. 83]</a></span>krutierten
+sich aus den Jägern und Forstleuten von
Deutschland. Eine Kompagnie derselben war mit von
Heister im August 1776 nach Amerika gekommen, eine
-zweite unter Kapitän Ewald mit von Knyphausen im
-Oktober. Sie hatten sich als so nützlich erwiesen, dass
+zweite unter Kapitän Ewald mit von Knyphausen im
+Oktober. Sie hatten sich als so nützlich erwiesen, dass
ihre Zahl durch einen speziellen Vertrag mit dem Landgraf
-während des Winters 1777 auf 1067 Mann erhöht
+während des Winters 1777 auf 1067 Mann erhöht
wurde, in 5 Kompagnien formiert, von denen eine zu Pferde
war. Andere Kompagnien wurden von Hanau und Anspach
besorgt. Nach dem Sommer 1777 war das Korps
unter dem Befehl von Oberstlieutenant von Wurmb, aber
die Kompagnien oder detachierten Teile fochten im Allgemeinen
getrennt. Es gab wenige Operationen von
-einiger Wichtigkeit, an welchen die Jäger nicht Teil
-nahmen. Wir glauben gern, dass sie manche kühne und
-glückliche Streiche ausführten, müssen aber die Achseln
+einiger Wichtigkeit, an welchen die Jäger nicht Teil
+nahmen. Wir glauben gern, dass sie manche kühne und
+glückliche Streiche ausführten, müssen aber die Achseln
zucken, wenn wir belehrt werden, dass die amerikanischen
-Milizen breitgeränderte Hüte trugen, welche sie über die
+Milizen breitgeränderte Hüte trugen, welche sie über die
Augen herunter gezogen haben sollen, um sie gegen Wind
-und Schnee zu schützen, so dass die Jäger imstande
+und Schnee zu schützen, so dass die Jäger imstande
waren, sich bei hellem Tage an sie heranzuschleichen und
sie niederzumachen oder zu entwaffnen, bevor sie eine
-Ahnung davon hatten. Diese Yankees sind gewöhnlich
-so sehr schläfrige Kerls (Eelkings »Hülfstruppen« I. S. 182).</p>
+Ahnung davon hatten. Diese Yankees sind gewöhnlich
+so sehr schläfrige Kerls (Eelkings »Hülfstruppen« I. S. 182).</p>
-<p>Ewald erzählt uns, dass zu Anfang des Jahres 1777
+<p>Ewald erzählt uns, dass zu Anfang des Jahres 1777
Lord Cornwallis sich entschloss Boundbrook in New-Jersey,
welches von 1000 Amerikanern unter Oberst Butler gehalten
-wurde, zu überraschen. Der Angriff sollte in
-3 Kolonnen ausgeführt werden. Die erste unter General
+wurde, zu überraschen. Der Angriff sollte in
+3 Kolonnen ausgeführt werden. Die erste unter General
Mattheus sollte einen Scheinangriff auf die Front der
amerikanischen Werke machen. Die zweite unter Cornwallis
-sollte über Somerset nach links Butlers Stellung
-umgehen und sie im Rücken fassen. Die dritte sollte
-rechts über Greenbrook marschierend, dem Feinde den
-Rückzug nach Morristown abschneiden. Ewald kommandierte
+sollte über Somerset nach links Butlers Stellung
+umgehen und sie im Rücken fassen. Die dritte sollte
+rechts über Greenbrook marschierend, dem Feinde den
+Rückzug nach Morristown abschneiden. Ewald kommandierte
die Avantgarde der 1. Division. Die Strasse von
<span class="pagenum"><a name="Seite_84" id="Seite_84">[S. 84]</a></span>
-Raritan Landing nach Boundbrook, welche in einer Länge
+Raritan Landing nach Boundbrook, welche in einer Länge
von 2-1/2 Meilen an der linken Seite des Raritan River
-entlang führt, endigt in einen Damm über einen Morast.
-Durch diesen floss ein Bach, über welchen eine steinerne
-Brücke führte. Um die Brücke und den Damm zu beherrschen,
-hatten die Amerikaner eine Brücke gebaut.</p>
-
-<p>Die Division brach ungefähr um 2 Uhr morgens auf.
-Halbwegs Boundbrook glaubte Ewald, der wie gewöhnlich
-an der Spitze war, er sähe etwas sich bewegen. In
-der Hoffnung, eine feindliche Patrouille zu überraschen,
-schickte er einen Mann mit dem Befehl zurück, dass der
+entlang führt, endigt in einen Damm über einen Morast.
+Durch diesen floss ein Bach, über welchen eine steinerne
+Brücke führte. Um die Brücke und den Damm zu beherrschen,
+hatten die Amerikaner eine Brücke gebaut.</p>
+
+<p>Die Division brach ungefähr um 2 Uhr morgens auf.
+Halbwegs Boundbrook glaubte Ewald, der wie gewöhnlich
+an der Spitze war, er sähe etwas sich bewegen. In
+der Hoffnung, eine feindliche Patrouille zu überraschen,
+schickte er einen Mann mit dem Befehl zurück, dass der
Rest seiner Leute leise nachkommen sollte. Er wurde
indessen entdeckt und angerufen. Indem er seine Leute
mit leiser Stimme heranrief, avancierte er bis dicht an
-den Feind heran, der sich als ungefähr 30 Mann stark
+den Feind heran, der sich als ungefähr 30 Mann stark
herausstellte. Diese gaben eine Salve ab und verschwanden,
Ewald hinter ihnen her. Entgegen den Befehlen gaben
-die Jäger auch einige Schüsse ab. Es würde besser gewesen
+die Jäger auch einige Schüsse ab. Es würde besser gewesen
sein, sagt Ewald, ihnen langsam zu folgen, da sie
-die Jäger für eine gewöhnliche Patrouille gehalten haben
+die Jäger für eine gewöhnliche Patrouille gehalten haben
mochten, eine ebensolche, wie man auf dieser Strasse
beinahe jede Nacht begegnete. Ewald hoffte indessen,
-über den Damm und in die Redoute gleichzeitig mit den
+über den Damm und in die Redoute gleichzeitig mit den
Amerikanern zu gelangen, aber die Entfernung war zu
gross und der Tag brach an. Er war seiner Nase nachgegangen
und hatte vergessen, hinter sich zu sehen, bis
-er ungefähr 100 Schritt von der Redoute entfernt, sich
+er ungefähr 100 Schritt von der Redoute entfernt, sich
einem heftigen Feuer ausgesetzt sah, durch welches einige
seiner Freiwilligen verwundet wurden. Dann sah er sich
um und bemerkte, dass seine ganze Truppe aus 1 Lieutenant
und 7 Mann bestand. Mit diesen warf er sich auf die
-Brücke, die kaum 40 Schritt von der Redoute entfernt
+Brücke, die kaum 40 Schritt von der Redoute entfernt
war und deckte sich hinter die steinerne Brustwehr. Er
-hoffte, dass mehr von seiner Abteilung zur Unterstützung
-kommen würden, aber es stellte sich heraus, dass General
+hoffte, dass mehr von seiner Abteilung zur Unterstützung
+kommen würden, aber es stellte sich heraus, dass General
Mattheus der Kolonne befohlen hatte zu halten, da er
<span class="pagenum"><a name="Seite_85" id="Seite_85">[S. 85]</a></span>
-nicht unnötig Menschenleben opfern wollte. Ewalds
-7 Schützen unterhielten das Feuer auf die Schiessscharten
+nicht unnötig Menschenleben opfern wollte. Ewalds
+7 Schützen unterhielten das Feuer auf die Schiessscharten
der Redoute und ihr Feuer wurde lebhaft beantwortet,
aber es wurde Niemand auf beiden Seiten getroffen. Nach
-kaum 1/4 Stunde hatten sie das Vergnügen, heftiges Feuer
-jenseits der Redoute zu hören, welche von Cornwallis im
-Rücken angegriffen war. Die Besatzung verliess das
+kaum 1/4 Stunde hatten sie das Vergnügen, heftiges Feuer
+jenseits der Redoute zu hören, welche von Cornwallis im
+Rücken angegriffen war. Die Besatzung verliess das
Werk, und Ewald mit seinem Lieutenant und 7 Mann ging
vor um Besitz davon zu ergreifen, und nahm obendrein
-12 Mann gefangen. »Aber«, sagt Ewald, »es war mein
+12 Mann gefangen. »Aber«, sagt Ewald, »es war mein
Fehler, dass Lord Cornwallis nur 150 Gefangene und
2 Kanonen machte anstatt 1000 Mann. Denn der Feind
war durch das Feuer der Redoute geweckt und bekam
-Zeit, mit General Lincoln zusammen zu entkommen.«</p>
+Zeit, mit General Lincoln zusammen zu entkommen.«</p>
-<p>Hier möge noch eine andere Anekdote von Ewald
-folgen, die diese Campagne betrifft: »Als wir zu Anfang
-des Jahres 1777 während des amerikanischen Krieges in
+<p>Hier möge noch eine andere Anekdote von Ewald
+folgen, die diese Campagne betrifft: »Als wir zu Anfang
+des Jahres 1777 während des amerikanischen Krieges in
New-Brunswick in Jersey lagen, hatte ich den Befehl
-über das äusserste Ende der Piquetlinie bei Raritan
+über das äusserste Ende der Piquetlinie bei Raritan
Landing an der Strasse nach Boundbrook. Dieser Posten
konnte nur durch grosse Wachsamkeit und den guten
-Willen und die Liebe der Jäger zu mir gehalten werden.
-Wir schlugen uns täglich mit den Amerikanern herum,
+Willen und die Liebe der Jäger zu mir gehalten werden.
+Wir schlugen uns täglich mit den Amerikanern herum,
denn wir waren nur eine Meile von einander entfernt.
-Eines Morgens um das Frühjahr herum, krochen die
+Eines Morgens um das Frühjahr herum, krochen die
Amerikaner unter dem Schutze eines dicken Nebels so
nahe an einen meiner Posten heran, dass sie eins meiner
Piquets in demselben Moment erreichte, wie eine Patrouille,
die ich vorgeschickt hatte, und die geworfen
-wurde. Sie stürzten auf mich los so schnell sie innerhalb
-200 Schritt von mir konnten. Glücklicherweise war
+wurde. Sie stürzten auf mich los so schnell sie innerhalb
+200 Schritt von mir konnten. Glücklicherweise war
ein tiefeingeschnittener Weg zwischen uns, in welchen
-ich mich mit 16 Jägern hineinwarf, indem ich Lieutenant
+ich mich mit 16 Jägern hineinwarf, indem ich Lieutenant
Hinrichs zurief, meine rechte Flanke mit dem Rest der
-Leute zu decken, bis Kapitän von Wreden mit seiner
-Kompagnie heraufkäme. Gerade als ich den einge<span class="pagenum"><a name="Seite_86" id="Seite_86">[S. 86]</a></span>schnittenen
+Leute zu decken, bis Kapitän von Wreden mit seiner
+Kompagnie heraufkäme. Gerade als ich den einge<span class="pagenum"><a name="Seite_86" id="Seite_86">[S. 86]</a></span>schnittenen
Weg erreichte, erhielt ich heftiges Feuer von
einem Regiment leichter Infanterie unter Oberst Buttler,
woraufhin meine Leute, welche sonst brave Burschen
waren, den Kopf verloren und wegliefen. Erstaunt, wie
-man wohl glauben mag, rief ich hinter ihnen her: »Ihr
-mögt zum Teufel rennen, aber ich bleibe hier allein stehen.«
-In diesem Moment bemerkte ich, dass ein Mann, Jäger
+man wohl glauben mag, rief ich hinter ihnen her: »Ihr
+mögt zum Teufel rennen, aber ich bleibe hier allein stehen.«
+In diesem Moment bemerkte ich, dass ein Mann, Jäger
Bauer, bei mir stehen geblieben war. Er antwortete:
-»Nein, Sie sollen nicht allein bleiben,« und er rief den
-Jägern, welche sich fort machten, nach: »Jungens, halt,
-ein Schuft, der wegläuft!« Nachdem er diese Worte
-einigemal nachgerufen hatte, kamen sie alle zurück und
-kämpften als brave Burschen. Die Amerikaner, welche
-fortwährend ein ununterbrochenes Feuer unterhalten hatten,
+»Nein, Sie sollen nicht allein bleiben,« und er rief den
+Jägern, welche sich fort machten, nach: »Jungens, halt,
+ein Schuft, der wegläuft!« Nachdem er diese Worte
+einigemal nachgerufen hatte, kamen sie alle zurück und
+kämpften als brave Burschen. Die Amerikaner, welche
+fortwährend ein ununterbrochenes Feuer unterhalten hatten,
waren die schreckliche Verlegenheit, in der ich gewesen
-war, nicht gewahr geworden. Kapitän Wreden und die
+war, nicht gewahr geworden. Kapitän Wreden und die
leichte Infanterie von der englischen Garde unter Oberst
-Osborne kam zu unserer Unterstützung, und die Amerikaner
-wurden mit grossem Verlust zurückgeworfen und
-beinahe bis nach Boundbrook getrieben.« Jäger Bauer,
+Osborne kam zu unserer Unterstützung, und die Amerikaner
+wurden mit grossem Verlust zurückgeworfen und
+beinahe bis nach Boundbrook getrieben.« Jäger Bauer,
der bei dieser Gelegenheit bei Ewald stand, war ein unbedeutend
aussehender Bursche aus dem Anspacher
Distrikt. Ewald hatte sich erst geweigert, ihn in seine
-Kompagnie einzustellen wegen seines Äussern, doch hatte
-er sich durch die Vorzüglichkeit seines Schiessens bewegen
-lassen ihn einzureihen. Kurz nach der oben erwähnten
+Kompagnie einzustellen wegen seines Äussern, doch hatte
+er sich durch die Vorzüglichkeit seines Schiessens bewegen
+lassen ihn einzureihen. Kurz nach der oben erwähnten
Affaire gab Bauer einen andern Beweis seiner
Verwegenheit. Am Morgen des 25. Mai fiel Ewald mit
-einer Abteilung von 11 Jägern und 30 Dragonern in
-einen Hinterhalt in der Nähe von Boundbrook. Sie
+einer Abteilung von 11 Jägern und 30 Dragonern in
+einen Hinterhalt in der Nähe von Boundbrook. Sie
wurden umzingelt und waren in Gefahr gefangen genommen
-zu werden, und gerade in diesem Moment stürzte
-Ewalds Pferd und der Kapitän lag auf dem Wege. Als
-die Jäger, die eine kleine Strecke entfernt waren, das
-Pferd ihres Kapitäns reiterlos auf sie loskommen sahen,
-erschien Bauer mit zwei Andern plötzlich, um den ver<span class="pagenum"><a name="Seite_87" id="Seite_87">[S. 87]</a></span>
+zu werden, und gerade in diesem Moment stürzte
+Ewalds Pferd und der Kapitän lag auf dem Wege. Als
+die Jäger, die eine kleine Strecke entfernt waren, das
+Pferd ihres Kapitäns reiterlos auf sie loskommen sahen,
+erschien Bauer mit zwei Andern plötzlich, um den ver<span class="pagenum"><a name="Seite_87" id="Seite_87">[S. 87]</a></span>
letzten
Offizier in Sicherheit zu bringen. Sie trugen ihn
-mitten im Kugelregen zurück, und als sie ihn an einen
+mitten im Kugelregen zurück, und als sie ihn an einen
sicheren Ort gebracht hatten, bemerkte Bauer, dass
-Ewalds Hut fehlte. »Wir müssen ihn wiederkriegen,
-sagte er, »oder sie werden morgen den Hut unseres
-Hauptmanns im Triumph nach Boundbrook hineintragen.«
-Sie liefen wieder zurück und brachten wirklich den Hut
-trotz aller Kugeln zurück.</p>
+Ewalds Hut fehlte. »Wir müssen ihn wiederkriegen,
+sagte er, »oder sie werden morgen den Hut unseres
+Hauptmanns im Triumph nach Boundbrook hineintragen.«
+Sie liefen wieder zurück und brachten wirklich den Hut
+trotz aller Kugeln zurück.</p>
-<p>Ewald versichert, dass Oberst Reed vor dem Überfall
+<p>Ewald versichert, dass Oberst Reed vor dem Überfall
von Trenton Donop zweimal besuchte, unter dem
Vorwand, Gefangene auszuwechseln, aber in Wirklichkeit
-um zu rekognoszieren. Er erzählt darüber die folgende
+um zu rekognoszieren. Er erzählt darüber die folgende
Geschichte:</p>
-<p>»In derselben Weise kamen die beiden Obersten
+<p>»In derselben Weise kamen die beiden Obersten
Hamilton und Schmidt mit einem Trompeter an den Posten,
welchen ich bei New-Brunswick in Jersey im Anfang der
Campagne von 1777 festhielt, nachdem General Howe
von New-Brunswick nach Milztown vorgegangen und
-wieder zurückmarschiert war. Sie hatten unwichtige
+wieder zurückmarschiert war. Sie hatten unwichtige
Briefe an General Grant von zwei englischen Offizieren
seiner Brigade, welche am Tage vorher durch ihre eigene
Schuld gefangen genommen worden waren, indem sie zum
-Vergnügen umhergeritten waren. Ich gab diesen beiden
-Herren, welche sehr elegante und höfliche Leute waren,
-zu verstehen, dass ich ihre Absicht wohl gemerkt hätte,
+Vergnügen umhergeritten waren. Ich gab diesen beiden
+Herren, welche sehr elegante und höfliche Leute waren,
+zu verstehen, dass ich ihre Absicht wohl gemerkt hätte,
und gab ihnen den wohlgemeinten Rat, sich so schnell als
-möglich fortzumachen und mich so bald nicht wieder zu
-besuchen. Hierüber schienen sie sehr erstaunt zu sein,
-befolgten aber meinen Rat mit grosser Eile. Ich würde
+möglich fortzumachen und mich so bald nicht wieder zu
+besuchen. Hierüber schienen sie sehr erstaunt zu sein,
+befolgten aber meinen Rat mit grosser Eile. Ich würde
sie sicherlich zur Verhaftung nach dem Hauptquartier mit
verbundenen Augen geschickt haben, wenn ich nicht gewusst
-hätte, dass das Volk über eine so weise Massregel
-gegen Amerikaner gelacht haben würde. Das Beste wäre,
+hätte, dass das Volk über eine so weise Massregel
+gegen Amerikaner gelacht haben würde. Das Beste wäre,
wenn solche Herren zu unpassender Zeit mit Botschaften
-kommen, sie wenigstens für einen halben Feldzug mit
-sich zu nehmen.«
+kommen, sie wenigstens für einen halben Feldzug mit
+sich zu nehmen.«
<span class="pagenum"><a name="Seite_88" id="Seite_88">[S. 88]</a></span></p>
<p>Ich glaube nicht im mindesten, dass Hamilton zu den
britischen Vorposten mit der Absicht gegangen war, die ihm
hier unterstellt wird, und ich glaube sicher, es geschah, wenn
er es that, ohne Mitwissen von Washington. Indessen hat
-man keinen Grund zu bezweifeln, dass ihm Ewald argwöhnte
+man keinen Grund zu bezweifeln, dass ihm Ewald argwöhnte
und ihn in der beschriebenen Weise entliess.</p>
<p>Es wurden nun im Winter von 1776 auf 77
Unterhandlungen eingeleitet, infolge deren Generallieutenant
von Heister abberufen wurde von dem Kommando
-über die hessischen Truppen und Generallieutenant
+über die hessischen Truppen und Generallieutenant
von Knyphausen ihm folgte. Lord Suffolk hatte auf die
-Rückberufung gedrungen aus dem Grunde, weil Sir
+Rückberufung gedrungen aus dem Grunde, weil Sir
William Howe nicht zufrieden war mit Heister. Inwieweit
-Sir Williams Abneigung gegen ihn an rein persönlichen
-Gründen gelegen hat, oder in wieweit der Argwohn
-gerechtfertigt sein mag, dass Heister zu sehr »auf die
-Erhaltung der unter seinem Befehl stehenden Truppen«
-bedacht war, ist jetzt vielleicht nicht mehr möglich zu
+Sir Williams Abneigung gegen ihn an rein persönlichen
+Gründen gelegen hat, oder in wieweit der Argwohn
+gerechtfertigt sein mag, dass Heister zu sehr »auf die
+Erhaltung der unter seinem Befehl stehenden Truppen«
+bedacht war, ist jetzt vielleicht nicht mehr möglich zu
entscheiden. Aber wir wissen, dass Howe bereits vor
der Affaire von Trenton mit Heister unzufrieden war, zu
einer Zeit, als die englischen Verluste entschieden schwerer
gewesen waren als die hessischen. Heister hatte durch
-den Vertrag zwischen dem König von England und dem
-Landgraf das Recht des unmittelbaren Befehls über ungefähr
-die Hälfte von Sir William Howes Armee. Die
+den Vertrag zwischen dem König von England und dem
+Landgraf das Recht des unmittelbaren Befehls über ungefähr
+die Hälfte von Sir William Howes Armee. Die
Abmachungen in dem Vertrage waren unbestimmt genug,
um zu vielen Streitfragen Anlass zu geben. Heister soll
widerspenstig gewesen sein. Jedenfalls kam er mit seinem
-Oberbefehlshaber nicht gut aus. Dies dürfte ein genügender
+Oberbefehlshaber nicht gut aus. Dies dürfte ein genügender
Grund gewesen sein, um ihn abzuberufen.</p>
<p>Die englische Regierung zog es vor, nicht offen mit
-dieser Sache hervorzutreten, sondern die Rückberufung
+dieser Sache hervorzutreten, sondern die Rückberufung
wurde durch den Landgraf veranlasst auf Grund von
-Heisters Gesundheit und Alter und nur »für eine gewisse
-Zeit«. Es war aber wohl begreiflich, dass der alte General
+Heisters Gesundheit und Alter und nur »für eine gewisse
+Zeit«. Es war aber wohl begreiflich, dass der alte General
in Ungnade von dannen ging. Der Landgraf schreibt an
<span class="pagenum"><a name="Seite_89" id="Seite_89">[S. 89]</a></span>
-Knyphausen: »Nichts als die vollkommene Vernachlässigung
+Knyphausen: »Nichts als die vollkommene Vernachlässigung
aller Ordnung und Disziplin kann diese Schande
-(von Trenton) über uns gebracht haben. Ich halte es
-für sehr nötig, über die Sache mit Generallieutenant von
+(von Trenton) über uns gebracht haben. Ich halte es
+für sehr nötig, über die Sache mit Generallieutenant von
Heister zu sprechen, und seine Gesundheit ist obendrein
-für das Klima dort drüben nicht stark genug. Ich
-schreibe ihm deshalb, hierher zu kommen für eine gewisse
-Zeit und übertrage das Kommando ad interim über
-meine Truppen in Amerika auf Sie.« Heister verstand
+für das Klima dort drüben nicht stark genug. Ich
+schreibe ihm deshalb, hierher zu kommen für eine gewisse
+Zeit und übertrage das Kommando ad interim über
+meine Truppen in Amerika auf Sie.« Heister verstand
vollkommen, dass er in Ungnade gefallen war und starb
zwei Monate, nachdem er Cassel erreicht hatte, aus
Kummer und Sorge.</p>
-<p>Im Anfang des Frühjahrs 1777 beliefen sich die
-wirklichen Besitzungen des Königs von England auf
+<p>Im Anfang des Frühjahrs 1777 beliefen sich die
+wirklichen Besitzungen des Königs von England auf
amerikanischem Boden auf folgende: Im Staate New-York:
-die Insel im Hafen und etwa ein kleines Stück von
+die Insel im Hafen und etwa ein kleines Stück von
West Chester County bei Kings Bridge. In New-Jersey:
Amboy, New-Brunswick und Paulus Hook. In Rhode
Island die eigentliche Insel. Aber die Wichtigkeit dieser
-Posten war ausser allem Verhältnis zu ihrer Ausdehnung.
+Posten war ausser allem Verhältnis zu ihrer Ausdehnung.
Sir William Howe kommandierte eine nach modernen
Begriffen allerdings kleine Armee, die aber gross genug
-war um die von Washington an Zahl zu übertreffen, und
+war um die von Washington an Zahl zu übertreffen, und
die aus disziplinierten Truppen, darunter viele Veteranen,
-gebildet war, während die amerikanische Armee eine veränderliche,
-hauptsächlich aus Milizen bestehende Masse
+gebildet war, während die amerikanische Armee eine veränderliche,
+hauptsächlich aus Milizen bestehende Masse
war. Der Kongress hatte an einem der letzten Tage
-des Jahres 1776 bestimmt, dass Washington bevollmächtigt
+des Jahres 1776 bestimmt, dass Washington bevollmächtigt
sei, auszuheben, zu organisieren und mit Offizieren
zu versehen: 16 Bataillone Infanterie, 3000 Mann
leichte Kavallerie, 3 Regimenter Artillerie und ein Korps
@@ -4068,33 +4026,33 @@ von Ingenieuren. Aber diese Truppen, die erste Armee
der vereinigten Staaten, als solche, zusammen mit den
88 Bataillonen, welche gleichzeitig von den einzelnen
Staaten aufgestellt werden sollten, existierten bis jetzt
-hauptsächlich auf dem Papier. Am 14. März 1777
+hauptsächlich auf dem Papier. Am 14. März 1777
<span class="pagenum"><a name="Seite_90" id="Seite_90">[S. 90]</a></span>
-schreibt Washington an den Kongress: »Nach der genauesten
-Schätzung, welche ich machen kann, erreicht
-unsere Gesamtstärke in Jersey, welche augenblicklich
-dienstfähig ist, nicht die Zahl 3000. Diese, ausgenommen
+schreibt Washington an den Kongress: »Nach der genauesten
+Schätzung, welche ich machen kann, erreicht
+unsere Gesamtstärke in Jersey, welche augenblicklich
+dienstfähig ist, nicht die Zahl 3000. Diese, ausgenommen
981 Mann, sind Milizen und bleiben nur bis zum letzten
dieses Monats zum Dienst verpflichtet. Die Truppen, die
in der Ausbildung begriffen sind, belaufen sich, einschliesslich
-des Personals, auf ungefähr 1000.« Sir
+des Personals, auf ungefähr 1000.« Sir
William Howes Armee kann zu dieser Zeit schwerlich
weniger als 25&nbsp;000 Mann betragen haben.</p>
<p>Die Handvoll Leute, welche die Sache der Freiheit
Amerikas aufrecht erhielt, war ohne Geld, ohne Kredit,
oft ohne Kleidung. Gegen diese wurde die Kriegsmacht
-eines grossen Reiches gesetzt, die Loyalität, angefeuert
+eines grossen Reiches gesetzt, die Loyalität, angefeuert
durch eine alte Monarchie, einen unbegrenzten Kredit,
-unberechenbare Hülfsquellen. Eine zweite britische
+unberechenbare Hülfsquellen. Eine zweite britische
Armee bereitete sich vor, von Kanada aus mit der von
Sir William Howe zusammen zu operieren und, indem sie
die Hudson-Linie besetzte, das Land in zwei Teile zu
teilen. Die Amerikaner konnten nicht auf fremde Hilfe
-rechnen, bis sie nicht die Fähigkeit, sich selbst zu helfen,
-gezeigt hätten. Ihre Hoffnung konnte sich nur gründen
+rechnen, bis sie nicht die Fähigkeit, sich selbst zu helfen,
+gezeigt hätten. Ihre Hoffnung konnte sich nur gründen
auf die eigene Standhaftigkeit, und auf den Genius und
-die patriotische Tapferkeit ihres grossen Führers.</p>
+die patriotische Tapferkeit ihres grossen Führers.</p>
@@ -4105,7 +4063,7 @@ die patriotische Tapferkeit ihres grossen Führers.</p>
<p>Das Braunschweigische Kontingent der deutschen
-Truppen, welches von England zur Unterdrückung der
+Truppen, welches von England zur Unterdrückung der
Revolte in ihren Nord-Amerikanischen Kolonien gedungen
war, wurde von Baron Friedrich Adolph von Riedesel befehligt.
Er stammte aus einer adeligen hessischen Familie
@@ -4116,43 +4074,43 @@ Rechtswissenschaft zu studieren, obschon er kaum
schreiben konnte und nur einige wenige lateinische
Brocken gelernt hatte. Ein Bataillon hessischer Infanterie
stand damals in Marburg, und Riedesel sah lieber den
-Soldaten zu, als dass er den Professoren der Universität
-zuhörte. Der Major, der die Bekanntschaft des
+Soldaten zu, als dass er den Professoren der Universität
+zuhörte. Der Major, der die Bekanntschaft des
Jungen gemacht hatte, hoffte ihn als Rekruten zu bekommen.
Er gab Riedesel den Rat, in seine Kompagnie
mit der Aussicht auf Avancement einzutreten und sagte
ihm obendrein, dass er mit seinem Vater gut bekannt
-sei und an ihn schreiben würde, um seine Einwilligung
+sei und an ihn schreiben würde, um seine Einwilligung
zu diesem Plane zu erbitten. Kurz darauf sagte der
-Major zu Riedesel, dass er von seinem Vater gehört, er
+Major zu Riedesel, dass er von seinem Vater gehört, er
habe in seine Einstellung eingewilligt. Der Junge war
-über diese Nachricht entzückt und wurde sofort für den
+über diese Nachricht entzückt und wurde sofort für den
Dienst gemustert. Indessen, als er seinem Vater
-schrieb, um sich zu bedanken, erhielt er eine sehr enttäuschende
+schrieb, um sich zu bedanken, erhielt er eine sehr enttäuschende
Antwort. Baron von Riedesel hatte nie etwas
-von dem Major gehört und hätte nie seinem Sohn die
-Erlaubnis gegeben, den für ihn gewählten Beruf zu verlassen.
+von dem Major gehört und hätte nie seinem Sohn die
+Erlaubnis gegeben, den für ihn gewählten Beruf zu verlassen.
Nun aber, da der junge Mann in den Dienst
eingetreten sei, erforderte es die Ehre, seinen Farben treu
-zu bleiben, aber er brauchte auf keine weitere Unterstützung
+zu bleiben, aber er brauchte auf keine weitere Unterstützung
von Seiten seines Vaters zu rechnen. Es blieb
-dem jungen Riedesel nichts übrig, als sich in sein
-Schicksal zu fügen. Die ganze Angelegenheit ist nur
+dem jungen Riedesel nichts übrig, als sich in sein
+Schicksal zu fügen. Die ganze Angelegenheit ist nur
ein Beispiel von dem deutschen Rekrutierungs-System der
damaligen Zeit.</p>
<p>Der Landgraf von Hessen-Cassel, hatte einige seiner
Regimenter an England geliehen. Riedesel ging mit seinem
-Bataillon dorthin mit dem Rang als Fähnrich. Er war
+Bataillon dorthin mit dem Rang als Fähnrich. Er war
indessen nicht so lange dageblieben, um die Sprache vollkommen
zu erlernen, denn sein Regiment war nach
-Deutschland zurückbeordert worden, um am siebenjährigen
+Deutschland zurückbeordert worden, um am siebenjährigen
Kriege Teil zu nehmen, in welchem England
mit Preussen und einige kleinere deutsche Staaten
<span class="pagenum"><a name="Seite_92" id="Seite_92">[S. 92]</a></span>
-Frankreich, Österreich, Russland und Schweden gegenüberstand.
+Frankreich, Österreich, Russland und Schweden gegenüberstand.
Von dieser Zeit an war Riedesels Avancement
-rapide. Er wurde ein Günstling von Prinz Ferdinand
+rapide. Er wurde ein Günstling von Prinz Ferdinand
und vertauschte den hessischen Dienst mit dem braunschweigischen.
Beim Ausbruch der amerikanischen
Revolution war er bis zum Range eines Obersten aufgestiegen
@@ -4160,163 +4118,163 @@ und wurde General an dem Tage, an dem er an
der Spitze des Kontingents aus Braunschweig nach
Amerika ausmarschierte.</p>
-<p>Riedesel sah nichts Entehrendes in der Thätigkeit,
+<p>Riedesel sah nichts Entehrendes in der Thätigkeit,
zu der er berufen war. Er war Soldat von dem Typus,
-der dem 18. Jahrhundert eigen ist, und in militärischen
+der dem 18. Jahrhundert eigen ist, und in militärischen
Dingen kannte er nichts anderes als seine Befehle. Er
-war überdies ein zärtlicher Gatte und Vater, und seine
+war überdies ein zärtlicher Gatte und Vater, und seine
Frau und Kinder sollten ihm nach der Neuen Welt
nachfolgen, sobald es die Gesundheit der ersteren erlauben
-würde. »Liebste Frau,« schrieb er von seinem
-ersten Halt, »nie habe ich mehr gelitten, als heute früh
-bei meiner Abreise. Mein Herz brach mir, und hätte ich
-zurückgekonnt, wer weiss was ich gethan hätte! Aber,
+würde. »Liebste Frau,« schrieb er von seinem
+ersten Halt, »nie habe ich mehr gelitten, als heute früh
+bei meiner Abreise. Mein Herz brach mir, und hätte ich
+zurückgekonnt, wer weiss was ich gethan hätte! Aber,
meine Liebe, Gott hat mir diesen Beruf gegeben, ich
muss ihm folgen; Pflicht und Ehre verbinden mich dazu;
-man muss sich also trösten und nicht murren.«</p>
+man muss sich also trösten und nicht murren.«</p>
<p>General Riedesel brach von Braunschweig am
22. Februar 1776 nach Stade an der Elbe auf, an der
Spitze von 2282 Mann. Die Truppen wurden zwischen
-dem 12. und 17. März eingeschifft und gingen am 22. März
+dem 12. und 17. März eingeschifft und gingen am 22. März
in See. Es waren 77 Soldatenfrauen mit dieser Division.
Der Rest des braunschweigischen Kontingents marschierte
im Monat Mai nach Stade. Die einzelnen Teile zusammen
beliefen sich auf die Gesamtsumme von 4300
Mann. Das Regiment von Hessen-Hanau, 668 Mann
stark, schloss sich der Expedition in Portsmouth an.
-Die Braunschweiger wurden besichtigt und für den englischen
+Die Braunschweiger wurden besichtigt und für den englischen
Dienst gemustert durch den Oberst Faucitt,
welcher von dem Aussehen der Soldaten nicht befriedigt
<span class="pagenum"><a name="Seite_93" id="Seite_93">[S. 93]</a></span>
-war. Viele waren zu alt, viele nur halbwüchsige Jungen.
+war. Viele waren zu alt, viele nur halbwüchsige Jungen.
Die Uniformen der ersten Division waren so schlecht,
dass die englische Regierung gezwungen war, Riedesel
-5000 £ vorzuschiessen, um die Leute in Portsmouth neu
-auszurüsten. Er wurde von den englischen Lieferanten
+5000 £ vorzuschiessen, um die Leute in Portsmouth neu
+auszurüsten. Er wurde von den englischen Lieferanten
betrogen, denn als man die Kisten mit Schuhen auf der
-See öffnete fand man Damenschuhe darin enthalten. Für
-einen Feldzug in Canada waren keine Mäntel vorgesehen.
-Neue Uniformen für die erste Division wurden im Laufe
+See öffnete fand man Damenschuhe darin enthalten. Für
+einen Feldzug in Canada waren keine Mäntel vorgesehen.
+Neue Uniformen für die erste Division wurden im Laufe
des Sommers nachgeschickt.</p>
<p>Der General war von dem Geiste seiner Truppen sehr
-befriedigt. »Ich weiss die Zufriedenheit unserer Soldaten
+befriedigt. »Ich weiss die Zufriedenheit unserer Soldaten
nicht genugsam zu beschreiben, &mdash; &mdash; alles ist munter
-und guter Dinge,« schreibt er von Bord des Schiffes aus
+und guter Dinge,« schreibt er von Bord des Schiffes aus
an seinen alten Chef, Prinz Ferdinand von Braunschweig.
Bald indessen gesellte sich die Seekrankheit zu der Unbequemlichkeit
-auf den vollgepfropften Schiffen. »Die
+auf den vollgepfropften Schiffen. »Die
Soldaten sind meistens alle seekrank gewesen. Die meisten
-sind es noch, wie auch meine Leute«, schreibt Riedesel
-an seine Frau von Dover aus. »Der arme Koch ist es
+sind es noch, wie auch meine Leute«, schreibt Riedesel
+an seine Frau von Dover aus. »Der arme Koch ist es
so sehr, dass er gar nicht arbeiten, ja nicht einmal den
Kopf aufheben kann. Das ist eine grosse Unbequemlichkeit
-für uns, denn Kapitän Foy und ich müssen unsere
-Küche selbst besorgen, welches Dich belustigen würde,
-wenn Du es sähest.« Vor Beendigung der Reise war das
+für uns, denn Kapitän Foy und ich müssen unsere
+Küche selbst besorgen, welches Dich belustigen würde,
+wenn Du es sähest.« Vor Beendigung der Reise war das
Wasser verdorben.</p>
<p>Die Flotte von 30 Schiffen lichtete die Anker in
-Portsmouth am 4. April und kam vor Cap Gaspé am
+Portsmouth am 4. April und kam vor Cap Gaspé am
16. Mai an, vor Quebec am 1. Juni. Riedesel erhielt
-hier das Kommando über ein besonderes Korps, welches
+hier das Kommando über ein besonderes Korps, welches
aus 1 englischen und 2 deutschen Bataillonen mit 150
Canadiern und 300 Indianern bestand und den St. Lawrence-Strom
entlang zwischen Quebec und Montreal postiert
-war. »Das hiesige Land wird Dir sehr gefallen; es ist
-so schön, wie es nur sein kann,« schreibt Riedesel
+war. »Das hiesige Land wird Dir sehr gefallen; es ist
+so schön, wie es nur sein kann,« schreibt Riedesel
am 8. Juni an seine Frau; und weiter sagt er am 28.:
<span class="pagenum"><a name="Seite_94" id="Seite_94">[S. 94]</a></span>
-»Du wirst die Gegenden hier herrlich finden, nur schade,
+»Du wirst die Gegenden hier herrlich finden, nur schade,
dass die Kolonien noch in ihrer Kindheit sind, und man
-also Gemüse, Obst und andere dergleichen zu einem guten
-Tisch gehörige Sachen sehr selten findet; Fleisch, Geflügel
-und Milch aber hat man im Ueberfluss. Die Häuser sind
+also Gemüse, Obst und andere dergleichen zu einem guten
+Tisch gehörige Sachen sehr selten findet; Fleisch, Geflügel
+und Milch aber hat man im Ueberfluss. Die Häuser sind
alle nur von einem Stockwerk, haben aber inwendig viele
-Zimmer und sind sehr reinlich. Die Einwohner sind überaus
-höflich und dienstfertig, und ich glaube nicht, dass
-unsere Bauern bei einer ähnlichen Gelegenheit sich so
-artig bezeigen würden.«</p>
+Zimmer und sind sehr reinlich. Die Einwohner sind überaus
+höflich und dienstfertig, und ich glaube nicht, dass
+unsere Bauern bei einer ähnlichen Gelegenheit sich so
+artig bezeigen würden.«</p>
-<p>Nachrichten bekam man zu jener Zeit so spät, dass
+<p>Nachrichten bekam man zu jener Zeit so spät, dass
die Niederlage von Montgomery und Arnold vor Quebec
am 31. Dezember 1775 in England noch nicht bekannt
war, als die Flotte von dort absegelte. Riedesel und
-seine Begleiter hörten erst davon auf ihrem Wege den
+seine Begleiter hörten erst davon auf ihrem Wege den
St. Lawrence-Strom hinauf. Kurz nach ihrer Ankunft
-wurde Canada von den »rebellischen« Truppen bis zum
-Nordende von Lake Champlain gesäubert, auf welchem
+wurde Canada von den »rebellischen« Truppen bis zum
+Nordende von Lake Champlain gesäubert, auf welchem
See die Amerikaner eine Flotte improvisirt hatten, bestehend
-aus 4 Schaluppen, 8 »Gondolas« und 3 Ruder-Galleeren.
+aus 4 Schaluppen, 8 »Gondolas« und 3 Ruder-Galleeren.
Den Sommer brachten die Briten damit zu,
Kriegs- und Transportschiffe zu bauen, um den See hinauf
vorzudringen. Die Truppen wurden einquartiert oder
in Lager untergebracht den St. Lawrence- und Richelieu-Fluss
-entlang, und nur ein bedeutendes Scharmützel vermochte
-die gewohnte Thätigkeit des Drillens und Schanzenbaues
+entlang, und nur ein bedeutendes Scharmützel vermochte
+die gewohnte Thätigkeit des Drillens und Schanzenbaues
und des gleichzeitig fortschreitenden Bootsbaues
-durch Rückwärtsmarschieren zu unterbrechen.</p>
+durch Rückwärtsmarschieren zu unterbrechen.</p>
<p>Am 23. Juni wohnte General Riedesel einer feierlichen
-Versammlung bei in der früheren Jesuitenkirche
+Versammlung bei in der früheren Jesuitenkirche
in Montreal von General Carleton, dem Gouverneur
-von Canada und den Häuptlingen der fünf Nationen.
-Alle höheren Offiziere der Armee waren dazu eingeladen
-worden und ungefähr 300 Indianer waren anwesend. Die
-europäischen Offiziere waren mit Stühlen auf dem Chor der
+von Canada und den Häuptlingen der fünf Nationen.
+Alle höheren Offiziere der Armee waren dazu eingeladen
+worden und ungefähr 300 Indianer waren anwesend. Die
+europäischen Offiziere waren mit Stühlen auf dem Chor der
Kirche versehen, der Gouverneur in der Mitte, den Hut auf
<span class="pagenum"><a name="Seite_95" id="Seite_95">[S. 95]</a></span>
-dem Kopfe. Die Indianer sassen auf Bänken im Mittelschiff
+dem Kopfe. Die Indianer sassen auf Bänken im Mittelschiff
der Kirche und rauchten ihre Pfeifen. &mdash; Nachdem Reden
gehalten und verdolmetscht waren, wurden die Dienste
der Indianer durch den englischen General angenommen,
und es wurden ihnen Stellungen angewiesen. Die Indianer
-reichten den europäischen Offizieren die Hände, und
+reichten den europäischen Offizieren die Hände, und
den Generalen Carleton, Burgoyne und Phillips wurden
Skalpe von Rebellen geschenkt. Was die englischen
Herren mit diesen reizenden Geschenken ihrer menschenfreundlichen
Bundesgenossen thaten, ist nicht ersichtlich.
-Bei einer späteren Zusammenkunft, die General Carleton
+Bei einer späteren Zusammenkunft, die General Carleton
mit Indianern mehr von Westen her abhielt, erschien einer
von diesen in der Uniform des General Braddock, welchen
-er getötet zu haben behauptete.</p>
+er getötet zu haben behauptete.</p>
-<p>Von Montreal sagt Riedesel: »Diese Stadt ist in der
-That etwas feiner als Quebec und hat ungefähr 1600
-Häuser. Sie ist von nichts anderem umgeben als einer
-Mauer mit Schiessscharten für Kanonen und Musketen, und
+<p>Von Montreal sagt Riedesel: »Diese Stadt ist in der
+That etwas feiner als Quebec und hat ungefähr 1600
+Häuser. Sie ist von nichts anderem umgeben als einer
+Mauer mit Schiessscharten für Kanonen und Musketen, und
was man Citadelle nennt ist ein Blockhaus in sehr schlechter
Verfassung. Diese Werke waren im Jahre 1736 angefangen
worden. Die ganze Insel Montreal, gleichwie auch die
-Stadt gehören dem Seminar.... In der Nähe dieses
+Stadt gehören dem Seminar.... In der Nähe dieses
Seminars ist der beste Garten von ganz Canada, aber er
ist nicht besser angelegt, als der von einer Privatperson
bei uns zu Hause. Sie haben die meisten Arten der
-europäischen Pflanzen hier.« &mdash;</p>
+europäischen Pflanzen hier.« &mdash;</p>
<p>Schliesslich war am 9. September der Transport fertig,
um auf dem Lake Champlain vorzudringen. Es war
indessen notwendig, wegen der Kriegsfahrzeuge noch einen
-Monat länger zu warten. Sobald diese vollzählig waren,
-übertrafen sie die der Amerikaner um mehr als das
+Monat länger zu warten. Sobald diese vollzählig waren,
+übertrafen sie die der Amerikaner um mehr als das
doppelte, sowohl an Zahl als an Gewicht. Sie waren
-mit aufgegriffenen englischen Seeleuten bemannt, während
+mit aufgegriffenen englischen Seeleuten bemannt, während
die Schaluppen und Gondolas unter Benedict Arnold
meistens von Nicht-Seeleuten bemannt und befehligt
-waren. Das Resultat war vorauszusehen. Arnold wählte
+waren. Das Resultat war vorauszusehen. Arnold wählte
<span class="pagenum"><a name="Seite_96" id="Seite_96">[S. 96]</a></span>
am 10. Oktober 1776 eine unvorteilhafte Stellung
zwischen Valcour Island und dem westlichen Ufer des
Sees. Hier bestand er einen ungleichen Kampf am 11.
und von da entwischte er in der folgenden Nacht, verwegen
-durch die Linie der britischen Flotte hindurchschlüpfend.
-Am 13. wurde er in der Nähe der Insel der vier Winde von
-Carleton eingeholt. Einige der Boote zertrümmerten,
+durch die Linie der britischen Flotte hindurchschlüpfend.
+Am 13. wurde er in der Nähe der Insel der vier Winde von
+Carleton eingeholt. Einige der Boote zertrümmerten,
andere wurden auf den Strand gesetzt und verbrannt;
-nur fünf entkamen. Arnold und sein Haufe bewiesen die
-grösste Tapferkeit bis zu Ende; aber Tapferkeit allein
-konnte den Mangel an Seetüchtigkeit und die Minderzahl
+nur fünf entkamen. Arnold und sein Haufe bewiesen die
+grösste Tapferkeit bis zu Ende; aber Tapferkeit allein
+konnte den Mangel an Seetüchtigkeit und die Minderzahl
nicht ausgleichen. Einige von den Deutschen nahmen
an dem Seegefecht vom 11. teil, und eins der Schiffe,
auf dem die Hanauer Artillerie war, wurde durch das
@@ -4326,29 +4284,29 @@ ein anderes Boot gerettet. &mdash;</p>
<p>Unmittelbar nach diesem Seekampf besetzte Carleton
Crown Point ohne Gegenwehr. Streifparteien wurden
-bis in die Nähe von Ticonderoga vorgetrieben. Riedesel
+bis in die Nähe von Ticonderoga vorgetrieben. Riedesel
war am 22. oder 23. Oktober dieser Festung so nahe,
-dass er sie von einem Hügel aus vollkommen sehen konnte.
-Er dachte, sie könnte wohl leicht von der britischen Armee
+dass er sie von einem Hügel aus vollkommen sehen konnte.
+Er dachte, sie könnte wohl leicht von der britischen Armee
in Canada genommen werden, wenn die ganze Armee in
-Bewegung gesetzt werden würde, doch er rechnete die
-Stärke der eigentlichen Besatzung entschieden zu hoch.
-Sir Guy Carleton hielt es für zu spät, in diesem Herbst
+Bewegung gesetzt werden würde, doch er rechnete die
+Stärke der eigentlichen Besatzung entschieden zu hoch.
+Sir Guy Carleton hielt es für zu spät, in diesem Herbst
weitere Eroberungen zu unternehmen. Selbst Crown Point
verliess er und zog sich nach der Nordspitze des Sees
-zurück.</p>
+zurück.</p>
<p>Die Truppen wurden in Winterquartiere gelegt, die
Deutschen den Riechelieu-Fluss entlang und in die Umgebung
des Sees St. Pierre. Riedesels Hauptquartier war
-in Trois-Rivières. Man bemühte sich, die Anwesenheit
+in Trois-Rivières. Man bemühte sich, die Anwesenheit
der Soldaten nicht zu schwer auf den Einwohnern lasten
zu lassen, abgesehen von denen, die Sympathien mit den
<span class="pagenum"><a name="Seite_97" id="Seite_97">[S. 97]</a></span>
Rebellen gezeigt hatten. Eine strenge Disziplin wurde
aufrecht erhalten. Die Soldaten empfingen ihre Verpflegung
-und fällten sich ihr Holz zum Feuern in den Wäldern.
-Die Arbeit des Tragens des Holzes, sobald es gefällt
+und fällten sich ihr Holz zum Feuern in den Wäldern.
+Die Arbeit des Tragens des Holzes, sobald es gefällt
worden war und des Kochens scheint den Einwohnern
obgelegen zu haben. Die Soldaten waren versehen mit
langen Hosen von dickem Tuch, die bis hoch zum Leibe
@@ -4356,10 +4314,10 @@ hinauf reichten, und mit warmen Fausthandschuhen und
Kapuzen.</p>
<p>Die zweite Braunschweigische Division war im September
-nach einer langen und stürmischen Ueberfahrt in
+nach einer langen und stürmischen Ueberfahrt in
Canada angelangt. Offiziere und Leute waren schliesslich
auf halbe Ration von verdorbenen Lebensmitteln
-gesetzt worden. Als die Division von ungefähr 2000 Mann
+gesetzt worden. Als die Division von ungefähr 2000 Mann
in Quebec ankam, waren 19 Mann gestorben und 131 krank
an Scorbut.</p>
@@ -4367,10 +4325,10 @@ an Scorbut.</p>
herein. Er wurde von Riedesel zur Ausbildung der Truppen
verwendet wenn das Wetter es erlaubte, besonders zur
Ausbildung im Schiessen. Er hatte bemerkt, dass die
-Amerikaner bessere Schützen als die Deutschen waren,
-und er bemühte sich eifrig, diesem Mangel bei seinen
+Amerikaner bessere Schützen als die Deutschen waren,
+und er bemühte sich eifrig, diesem Mangel bei seinen
Soldaten abzuhelfen. Im Laufe des Winters reiste er
-über 1800 Meilen im Schlitten, um die zerstreut liegenden
+über 1800 Meilen im Schlitten, um die zerstreut liegenden
Detachements zu besichtigen, und um General Carleton
in Quebec und Montreal seine Aufwartung zu machen.
An ersterem Orte war er am 31. Dezember 1776, als
@@ -4378,38 +4336,38 @@ ein feierlicher Gottesdienst in der Kathedrale gehalten
wurde zum Andenken an die Befreiung der Stadt von
Arnold und Montgomery an diesem Tag des vergangenen
Jahres. Die Feierlichkeit wurde geleitet von dem Bischof,
-und 8 unglückliche Canadier mussten öffentlich Busse
+und 8 unglückliche Canadier mussten öffentlich Busse
thun, mit Stricken um den Hals, und Gott, die Kirche
-und König Georg um Verzeihung bitten dafür, dass sie
+und König Georg um Verzeihung bitten dafür, dass sie
den Amerikanern beigestanden hatten.</p>
-<p>Während des zweiten Teils des Winters gab Riedesel
+<p>Während des zweiten Teils des Winters gab Riedesel
<span class="pagenum"><a name="Seite_98" id="Seite_98">[S. 98]</a></span>
-in Trois-Rivières jede Woche einen Ball, teils um sich
+in Trois-Rivières jede Woche einen Ball, teils um sich
die Zuneigung der Einwohner zu erwerben, teils um seine
Offiziere von Thorheiten abzuhalten. Der 20. Januar,
-der Geburtstag der Königin von England, wurde mit
-grossem Pomp gefeiert. 40 Gäste waren zum Diner geladen.
+der Geburtstag der Königin von England, wurde mit
+grossem Pomp gefeiert. 40 Gäste waren zum Diner geladen.
Gesundheiten wurden in Champagner ausgebracht,
und eine kleine Kanone wurde nach jedem Toast
-abgefeuert wie im ersten Akte von »Hamlet«. Am
+abgefeuert wie im ersten Akte von »Hamlet«. Am
Nachmittag und Abend war ein Ball, zu welchem nicht
weniger als 37 Damen erschienen. Diesen wurde des
Abends ein Souper serviert, wobei ihnen die Herrn aufwarteten.
-»Demoiselle de Tonnencour«, schreibt ein
-Augenzeuge, »erhöhte ihre Reize durch ihre Juwelen, aber
-die arme Demoiselle R&mdash;e, in ihrem schäbigen baumwollenen
+»Demoiselle de Tonnencour«, schreibt ein
+Augenzeuge, »erhöhte ihre Reize durch ihre Juwelen, aber
+die arme Demoiselle R&mdash;e, in ihrem schäbigen baumwollenen
Kleid, wurde vor vielen von uns vorgezogen
-wegen ihrer natürlichen und angenehmen Art und ihrer
-schönen Stimme. Sie müssen wissen, lieber Herr, dass
-die kanadischen Schönen französische und italienische Lieder
+wegen ihrer natürlichen und angenehmen Art und ihrer
+schönen Stimme. Sie müssen wissen, lieber Herr, dass
+die kanadischen Schönen französische und italienische Lieder
an der Tafel singen, und dass bereits mehrere Lieder zu
Ehren von General Riedesel geschrieben und komponiert
-worden sind, und dass diese oft in Trois-Rivières gesungen
-werden«. Auf diese Weise, mit Dienst und Vergnügen,
+worden sind, und dass diese oft in Trois-Rivières gesungen
+werden«. Auf diese Weise, mit Dienst und Vergnügen,
gingen die Monate dahin bis zu Anfang Juni 1777, wo
-sich eine ereignisreiche Campagne für die Braunschweiger
-eröffnete.</p>
+sich eine ereignisreiche Campagne für die Braunschweiger
+eröffnete.</p>
@@ -4421,267 +4379,267 @@ eröffnete.</p>
<p>Die Baronin von Riedesel war aufgebrochen, um sich
mit ihrem Gemahl zu vereinigen und hatte ihre drei
-kleinen Töchter mit sich genommen, von denen die Älteste
-erst 4 Jahre und 9 Monate alt war und die Jüngste ein
-Säugling von 10 Wochen. Die Reise von Deutschland
+kleinen Töchter mit sich genommen, von denen die Älteste
+erst 4 Jahre und 9 Monate alt war und die Jüngste ein
+Säugling von 10 Wochen. Die Reise von Deutschland
nach Kanada war in jenen Tagen keine leichte Sache,
<span class="pagenum"><a name="Seite_99" id="Seite_99">[S. 99]</a></span>
sie war weder frei von unberechenbaren wie wirklichen
-Gefahren. »Man stellte mir nicht allein die Gefahren
+Gefahren. »Man stellte mir nicht allein die Gefahren
zur See vor, sondern sagte mir auch, dass wir
-besorgen müssten von den Wilden gefressen zu werden;
+besorgen müssten von den Wilden gefressen zu werden;
dass man sich in Amerika mit Pferdefleisch und Katzen
-ernährte; und doch schreckte mich alles dieses noch
+ernährte; und doch schreckte mich alles dieses noch
weniger als der Gedanke, in ein Land zu kommen, wo
ich die Sprache nicht verstand. Inzwischen war ich auf
alles gefasst, und der Gedanke, meinem Manne zu folgen
-und meine Pflichten zu erfüllen, hat mich im ganzen Lauf
-meiner Reise aufrecht erhalten.«</p>
+und meine Pflichten zu erfüllen, hat mich im ganzen Lauf
+meiner Reise aufrecht erhalten.«</p>
-<p>Die Baronin verliess Wolfenbüttel in der Nähe von
-Braunschweig am 14. Mai 1776 und reiste über Calais
-nach England. »In Mastricht warnte man mich, auf
-meiner Hut zu sein, weil die Wege durch Strassenräuber
+<p>Die Baronin verliess Wolfenbüttel in der Nähe von
+Braunschweig am 14. Mai 1776 und reiste über Calais
+nach England. »In Mastricht warnte man mich, auf
+meiner Hut zu sein, weil die Wege durch Strassenräuber
sehr unsicher gemacht wurden, deren in vierzehn Tagen
-130 teils gehängt, teils auf andere Art hingerichtet worden,
-welches aber noch nicht der vierte Teil von denen wäre,
-die sich noch da befänden; und dass man sie gleich ohne
+130 teils gehängt, teils auf andere Art hingerichtet worden,
+welches aber noch nicht der vierte Teil von denen wäre,
+die sich noch da befänden; und dass man sie gleich ohne
weiteren Prozess auf den Landstrassen und an den Orten
aufhinge, wo sie ihr Wesen trieben. Diese Nachrichten
setzten mich sehr in Furcht, und ich nahm mir vor, nicht
bei Nachtzeit zu reisen; da ich aber sehr schlechte Pferde
-bekam, so musste ich doch in der Dämmerung durch einen
-Wald, wo etwas hängendes mir durch das offene Fenster
+bekam, so musste ich doch in der Dämmerung durch einen
+Wald, wo etwas hängendes mir durch das offene Fenster
in den Wagen hineinschlug. Ich fasste darnach, und als ich
-etwas rauhes fühlte, fragte ich was es sei? &mdash; Es war ein
-Gehängter mit wollenen Strümpfen. Noch ganz erschrocken
-darüber, wurde mir noch weit mehr angst, als man vor
-einem ganz einsam stehenden Hause in diesem nämlichen
+etwas rauhes fühlte, fragte ich was es sei? &mdash; Es war ein
+Gehängter mit wollenen Strümpfen. Noch ganz erschrocken
+darüber, wurde mir noch weit mehr angst, als man vor
+einem ganz einsam stehenden Hause in diesem nämlichen
Walde stille hielt, wo die Postillons nicht weiter fahren
wollten. Der Ort hiess Hune, ich werde es nie vergessen!
-Ein Mann von ziemlich verdächtigem Aussehen empfing
-uns und führte uns in eine sehr abgelegene Stube, wo ich
+Ein Mann von ziemlich verdächtigem Aussehen empfing
+uns und führte uns in eine sehr abgelegene Stube, wo ich
nur ein Bett fand.</p>
<p>Es war kalt, ich liess also Feuer in einem grossen
<span class="pagenum"><a name="Seite_100" id="Seite_100">[S. 100]</a></span>
Kamin machen; unser ganzes Abendbrod bestand in Thee
und in sehr grobem Brode. Mein treuer Rockel (ihr alter
-Diener) kam zu mir mit einem sehr ängstlichen Gesicht
-und sagte mir: »Hier ist's nicht richtig! es ist da eine
+Diener) kam zu mir mit einem sehr ängstlichen Gesicht
+und sagte mir: »Hier ist's nicht richtig! es ist da eine
Kammer voller Gewehre, ich glaube die andern Leute
sind aus; gewiss sind es Spitzbuben! Ich werde aber die
Nacht vor ihrer Kammer mit meinem Gewehr sitzen und
werde mein Leben teuer verkaufen. Der andere Bediente
-soll in der Kutsche sitzen auch mit seinem Gewehr.«
-Alles dieses machte natürlich meinen Schlaf nicht ruhig,
+soll in der Kutsche sitzen auch mit seinem Gewehr.«
+Alles dieses machte natürlich meinen Schlaf nicht ruhig,
ich hatte mich auf einen Stuhl gesetzt und den Kopf auf
das Bett gelegt. Doch schlief ich endlich ein, und wie
-gross war mein Entzücken beim Erwachen, als man mir
+gross war mein Entzücken beim Erwachen, als man mir
um 4 Uhr des Morgens zu sagen kam, dass alles zur
Abreise fertig sei, und ich darauf den Kopf zum Fenster
herausstreckte, und in dem Walde, worin wir uns befanden,
eine Menge Nachtigallen um uns her bemerkte, welche
-durch ihren angenehmen Gesang mir alle meine überstandene
-Angst vergessen machten.«</p>
+durch ihren angenehmen Gesang mir alle meine überstandene
+Angst vergessen machten.«</p>
<p>Solcher Art waren die Unbequemlichkeiten einer Reise
auf dem Kontinent vor 100 Jahren. Wir werden gleich
-sehen, was für unangenehme Abenteuer Fremde in England
-zu gewärtigen hatten. Die Baronin gelangte glücklich von
-Calais hinüber nach Dover und erreichte London mit der
+sehen, was für unangenehme Abenteuer Fremde in England
+zu gewärtigen hatten. Die Baronin gelangte glücklich von
+Calais hinüber nach Dover und erreichte London mit der
Post. Der Hotelbesitzer in Calais hatte ihr gesagt, dass
-es nicht sicher für sie sei, allein zu reisen und, nachdem
-er so gethan hatte, als wenn er eifrig gesucht hätte, stellte
+es nicht sicher für sie sei, allein zu reisen und, nachdem
+er so gethan hatte, als wenn er eifrig gesucht hätte, stellte
er ihr einen Mann vor, von dem er vorgab, dass er ein
-Gentleman sei, der eingewilligt hätte, die Begleitung zu
-übernehmen. Dieser begleitete sie bis London, wo sie in
+Gentleman sei, der eingewilligt hätte, die Begleitung zu
+übernehmen. Dieser begleitete sie bis London, wo sie in
dem 4. Stock eines Hotels einlogiert wurde, obwohl sie
-gute Räume verlangt hatte. In ihrem Tagebuch sagt sie:
-»Den Tag darauf kam mein Hauswirt mit einer ganz verschämten
+gute Räume verlangt hatte. In ihrem Tagebuch sagt sie:
+»Den Tag darauf kam mein Hauswirt mit einer ganz verschämten
Miene zu mir und fragte mich sehr ehrerbietig,
ob ich den Menschen kenne, mit welchem ich gekommen
-wäre, und den ich ihm empfohlen so gut zu bewirten
+wäre, und den ich ihm empfohlen so gut zu bewirten
<span class="pagenum"><a name="Seite_101" id="Seite_101">[S. 101]</a></span>
-(denn ich hatte es für unschicklich gehalten, ihn in London
+(denn ich hatte es für unschicklich gehalten, ihn in London
mit mir essen zu lassen). Ich sagte ihm, dass es ein
-Edelmann wäre, der auf die Bitte des Herrn Guilhaudin,
-meines Wirts in Calais, mir die Gefälligkeit erzeigt hätte,
+Edelmann wäre, der auf die Bitte des Herrn Guilhaudin,
+meines Wirts in Calais, mir die Gefälligkeit erzeigt hätte,
mich auf der Reise zu begleiten. Ha! erwiederte er, dies
ist einer von seinen Streichen! Es ist ein Lohnbedienter,
-ein Erzgauner, den er dazu gebraucht, seine Geschäfte
+ein Erzgauner, den er dazu gebraucht, seine Geschäfte
zu machen; und wie ich Sie mit diesem Menschen im
Wagen sitzen sah, als Sie ankamen, so muss ich Ihnen
-bekennen, dass ich nicht glaubte, dass Sie das wären,
-wofür Sie sich ausgäben, und also dafür hielt, dass diese
-Stuben gut genug für Sie sein würden; da ich jetzt,
+bekennen, dass ich nicht glaubte, dass Sie das wären,
+wofür Sie sich ausgäben, und also dafür hielt, dass diese
+Stuben gut genug für Sie sein würden; da ich jetzt,
nach den Leuten, die zu Ihnen kommen, urteilen kann,
dass ich mich geirrt habe: so bitte ich Sie sehr um Verzeihung,
-und ersuche Sie andere anzunehmen, für welche
-Sie mir nicht mehr bezahlen sollen, als für diese hier;
-so sehr wünsche ich mein Versehen wieder gut zu machen.
+und ersuche Sie andere anzunehmen, für welche
+Sie mir nicht mehr bezahlen sollen, als für diese hier;
+so sehr wünsche ich mein Versehen wieder gut zu machen.
Ich dankte ihm und bat, dass er mich doch sobald als
-möglich von dem Menschen befreien sollte, der mir aber
+möglich von dem Menschen befreien sollte, der mir aber
doch noch 4 oder 6 Guineen (ich erinnere mir nicht mehr
-genau wie viel es war) für seine Begleitung abforderte.«</p>
+genau wie viel es war) für seine Begleitung abforderte.«</p>
<p>Baronin Riedesel hatte Bekannte in London getroffen
unter anderen Schlieffen, den Gesandten des Landgrafen
-von Hessen-Cassel, den Mann, der das grösste Geschäft
+von Hessen-Cassel, den Mann, der das grösste Geschäft
bei dem Verkauf von deutschen Truppen an England gemacht
hatte. Sie verkehrte etwas in der Gesellschaft,
war aber wegen ihrer kleinsten Tochter viel an das Haus
-gefesselt. »Eines Tages«, schreibt sie, »hatte ich eine
+gefesselt. »Eines Tages«, schreibt sie, »hatte ich eine
unangenehme Geschichte in London. Man hatte mir gerathen,
-dass ich mir ein kleines Mäntelchen und Hut
-kaufen sollte, ohne welche ich nicht ausgehen könnte. Ich
-war zum Essen beim Herrn von Hinüber, dem hannöverischen
+dass ich mir ein kleines Mäntelchen und Hut
+kaufen sollte, ohne welche ich nicht ausgehen könnte. Ich
+war zum Essen beim Herrn von Hinüber, dem hannöverischen
Minister. Seine Frau schlug mir einen Spaziergang
-nach St. James vor, versäumte aber, mir vorher zu
+nach St. James vor, versäumte aber, mir vorher zu
sagen, was in unserer Kleidung wider das englische
-Kostüm war. Gustchen war nach französischer Art ge<span class="pagenum"><a name="Seite_102" id="Seite_102">[S. 102]</a></span>kleidet,
+Kostüm war. Gustchen war nach französischer Art ge<span class="pagenum"><a name="Seite_102" id="Seite_102">[S. 102]</a></span>kleidet,
trug einen kleinen Panier (Reifrock) und einen
-hübschen, kleinen, runden Hut. Ich bemerkte, dass man
+hübschen, kleinen, runden Hut. Ich bemerkte, dass man
fast mit Fingern auf uns wies und fragte nach der Ursache.
-Sie sagte mir, ich hätte einen Fächer, welchen
-man mit einem Hut nicht tragen dürfe, und meine Kleine
-wäre zu geputzt, daher man uns für Franzosen hielte, die
-hier schlecht angeschrieben wären.«</p>
+Sie sagte mir, ich hätte einen Fächer, welchen
+man mit einem Hut nicht tragen dürfe, und meine Kleine
+wäre zu geputzt, daher man uns für Franzosen hielte, die
+hier schlecht angeschrieben wären.«</p>
-<p>»Den Tag darauf ging ich wieder dahin, und wir
+<p>»Den Tag darauf ging ich wieder dahin, und wir
waren alle ganz auf englische Art gekleidet, also glaubte
-ich, dass man uns nicht bemerken würde; ich irrte mich
-aber, denn ich hörte wieder rufen: French women! pretty
-girl! (Französinnen! hübsche Mädchen!) Ich fragte den
-Lohnbedienten, warum man uns für Französinnen hielt,
-und erfuhr, dass es deshalb wäre, weil ich meinen Kindern
-Bänder angesteckt hatte. Ich riss sie ab und steckte sie
+ich, dass man uns nicht bemerken würde; ich irrte mich
+aber, denn ich hörte wieder rufen: French women! pretty
+girl! (Französinnen! hübsche Mädchen!) Ich fragte den
+Lohnbedienten, warum man uns für Französinnen hielt,
+und erfuhr, dass es deshalb wäre, weil ich meinen Kindern
+Bänder angesteckt hatte. Ich riss sie ab und steckte sie
in die Tasche, aber man begaffte mich immer noch, und
-ich hörte, dass es wegen der Hüte war, welche die Kinder
+ich hörte, dass es wegen der Hüte war, welche die Kinder
in England von einer anderen Form trugen. Ich sah
-daraus, wie nötig es war, sich nach der Sitte des Landes
+daraus, wie nötig es war, sich nach der Sitte des Landes
zu richten, um mit Annehmlichkeit dort zu sein, denn der
-Mob (Pöbel) läuft gleich zusammen, und wenn man sich
+Mob (Pöbel) läuft gleich zusammen, und wenn man sich
mit ihm in Wortwechsel einlassen wollte, so setzte man
-sich Beschimpfungen aus.«</p>
+sich Beschimpfungen aus.«</p>
-<p>Einige Tage später reiste die Baronin nach Bristol.
-Sie schreibt: »Gleich den Tag nach meiner Ankunft rief
+<p>Einige Tage später reiste die Baronin nach Bristol.
+Sie schreibt: »Gleich den Tag nach meiner Ankunft rief
mich meine Wirtin zu einem (wie sie es nannte) allerliebsten
Schauspiel. Wie ich ans Fenster trat, erblickte
-ich zwei nackte Menschen, die sich mit der grössten Erbitterung
+ich zwei nackte Menschen, die sich mit der grössten Erbitterung
boxten. Ich sah wie ihr Blut floss und wie die
Wuth in ihren Augen gemalt war. Zu wenig an einen
-solchen hässlichen Anblick gewöhnt, zog ich mich geschwind
-in den innersten Winkel des Hauses zurück, um
-nicht das Freudengeschrei zu hören, das die Zuschauer
-dabei machen, wenn einer einen Stoss bekommt. Während
+solchen hässlichen Anblick gewöhnt, zog ich mich geschwind
+in den innersten Winkel des Hauses zurück, um
+nicht das Freudengeschrei zu hören, das die Zuschauer
+dabei machen, wenn einer einen Stoss bekommt. Während
meines Aufenthalts in Bristol hatte ich einen unangenehmen
Auftritt. Ich trug ein zitzenes Kleid mit einem Besatz
<span class="pagenum"><a name="Seite_103" id="Seite_103">[S. 103]</a></span>
-von grünem Taft. Dieses mochte den Bristolern als etwas
+von grünem Taft. Dieses mochte den Bristolern als etwas
zu Fremdes aufgefallen sein, denn wie ich eines Tages
-mit Madame Foy spazieren ging, versammelten sich über
+mit Madame Foy spazieren ging, versammelten sich über
100 Matrosen um uns, wiesen auf mich mit Fingern und
-riefen: French whore! (französische Hure!) Ich floh so
-geschwind als möglich in das Haus eines Kaufmanns,
+riefen: French whore! (französische Hure!) Ich floh so
+geschwind als möglich in das Haus eines Kaufmanns,
und nahm den Vorwand dort etwas zu kaufen; mittlerweile
verlief sich das Volk wieder. Das verleidete mir
aber mein Kleid, und wie ich wieder nach Hause kam,
-so schenkte ich es meiner Köchin, ob es gleich noch
-ganz neu war.«</p>
+so schenkte ich es meiner Köchin, ob es gleich noch
+ganz neu war.«</p>
<p>Frau von Riedesel blieb 10 Monate in England. Ihr
Gemahl hatte ihr gesagt, dass sie nicht ohne Begleitung
einer andern Dame reisen sollte, und hatte ihr die oben
-erwähnte Mrs. Foy empfohlen, die sich auch in Canada
+erwähnte Mrs. Foy empfohlen, die sich auch in Canada
mit ihrem Mann vereinigen wollte. Diese Dame liess die
Baronin den ganzen Sommer 1776 hindurch warten und
-weigerte sich schliesslich mit ihr zu gehen. Es war spät
+weigerte sich schliesslich mit ihr zu gehen. Es war spät
im Herbst und der Baronin Riedesel war angerathen, die
-Überfahrt nicht zu wagen, da sie den St. Lawrence-Strom
-mit Eis gesperrt finden möchte. Sie kehrte infolgedessen
-nach London zurück, wo sie bei liebevollen Menschen gute
+Überfahrt nicht zu wagen, da sie den St. Lawrence-Strom
+mit Eis gesperrt finden möchte. Sie kehrte infolgedessen
+nach London zurück, wo sie bei liebevollen Menschen gute
Wohnung fand und den folgenden Winter zubrachte. Die
-Sorge für ihre Kinder zwang sie, ein ruhiges Leben zu
-führen. Indessen wurde sie bei Hof vorgestellt, von
-welcher Ceremonie sie folgenden Bericht macht: »Man
-riet mir, an Hof zu gehen, da die Königin geäussert
-hätte, dass sie mich gern sehen wollte. Ich liess mir
+Sorge für ihre Kinder zwang sie, ein ruhiges Leben zu
+führen. Indessen wurde sie bei Hof vorgestellt, von
+welcher Ceremonie sie folgenden Bericht macht: »Man
+riet mir, an Hof zu gehen, da die Königin geäussert
+hätte, dass sie mich gern sehen wollte. Ich liess mir
also eine Hofrobe machen, und Lady George Germaine
-präsentierte mich. &mdash; Es war am Neujahrstage 1777. Ich
-fand das Schloss sehr hässlich und altfränkisch möbliert.
+präsentierte mich. &mdash; Es war am Neujahrstage 1777. Ich
+fand das Schloss sehr hässlich und altfränkisch möbliert.
Die Damen und Herren stellten sich alle in das Audienzzimmer;
-hierauf kam der König, welcher 3 Kavaliere vor
-sich gehen hatte, in das Zimmer. Ihm folgte die Königin
+hierauf kam der König, welcher 3 Kavaliere vor
+sich gehen hatte, in das Zimmer. Ihm folgte die Königin
links herum. Beide gehen keinen vorbei ohne ihm was
zu sagen. Am Ende des Saals begegnen sie sich, machen
<span class="pagenum"><a name="Seite_104" id="Seite_104">[S. 104]</a></span>
sich eine grosse Reverenz, und gehen dann ein jeder
von ihnen dahin, wo der Andere hergekommen ist. Ich
-frug Lady Germaine, was ich zu thun hätte, und ob der
-König, wie ich gehört hätte, alle Damen küsste? Nein,
-antwortete sie mir, bloss die Engländerinnen und Marquisen,
+frug Lady Germaine, was ich zu thun hätte, und ob der
+König, wie ich gehört hätte, alle Damen küsste? Nein,
+antwortete sie mir, bloss die Engländerinnen und Marquisen,
und man hat nichts weiter zu thun, als stille auf
-seinem Platz stehen zu bleiben. Wie nun der König an
+seinem Platz stehen zu bleiben. Wie nun der König an
mich heran kam, war ich sehr verwundert, dass er mich
-küsste, und wurde darüber feuerrot, weil es mir ganz
+küsste, und wurde darüber feuerrot, weil es mir ganz
unerwartet kam. Er fragte mich sogleich, ob ich Briefe
-von meinem Mann hätte? Ich sagte: Ja, am 22. November.
+von meinem Mann hätte? Ich sagte: Ja, am 22. November.
Er ist wohl, erwiederte er, ich habe mich express nach
ihm erkundigt, jedermann ist mit ihm zufrieden, und ich
-hoffe, dass ihm die Kälte nichts schaden wird. Ich antwortete,
+hoffe, dass ihm die Kälte nichts schaden wird. Ich antwortete,
ich glaubte und hoffte, dass, da er in einem
-kalten Klima geboren wäre, ihm die Kälte nicht so beschwerlich
-fallen würde. Ich hoffe es auch, sagte er;
+kalten Klima geboren wäre, ihm die Kälte nicht so beschwerlich
+fallen würde. Ich hoffe es auch, sagte er;
allein dieses versichere ich Ihnen, dass die Luft daselbst
sehr gesund und klar ist. Hierauf machte er mir noch
einen sehr freundlichen Gruss und ging weiter. Als er
weg war, sagte ich der Lady Germaine, dass ich durch
-den Kuss des Königs nun naturalisiert wäre. Hernach
-kam die Königin, die auch sehr freundlich gegen mich war
-und mich fragte, ob ich schon lange in London wäre?
-Ich sagte »2 Monat«. »Ich glaubte schon länger«, erwiederte
-sie. Ich antwortete, »in London nur so lange,
-aber in England bereits 7 Monat.« Sie fragte, ob es mir
-hier gefiele? Ich sagte »ja; dass ich aber doch sehr
-wünschte, erst in Canada zu sein«. »Fürchten Sie sich
-denn nicht«, frug sie weiter, »vor der See? Ich liebe sie
-garnicht.« »Ich auch nicht«, erwiederte ich, »allein es
+den Kuss des Königs nun naturalisiert wäre. Hernach
+kam die Königin, die auch sehr freundlich gegen mich war
+und mich fragte, ob ich schon lange in London wäre?
+Ich sagte »2 Monat«. »Ich glaubte schon länger«, erwiederte
+sie. Ich antwortete, »in London nur so lange,
+aber in England bereits 7 Monat.« Sie fragte, ob es mir
+hier gefiele? Ich sagte »ja; dass ich aber doch sehr
+wünschte, erst in Canada zu sein«. »Fürchten Sie sich
+denn nicht«, frug sie weiter, »vor der See? Ich liebe sie
+garnicht.« »Ich auch nicht«, erwiederte ich, »allein es
ist kein ander Mittel, meinen Mann wiederzusehen, und
-ich werde mit Freunden reisen.« »Ich bewundere
-ihren Muth«, sagte sie, »denn es ist eine starke Unternehmung
-und sehr beschwerlich, zumal mit 3 Kindern.«</p>
+ich werde mit Freunden reisen.« »Ich bewundere
+ihren Muth«, sagte sie, »denn es ist eine starke Unternehmung
+und sehr beschwerlich, zumal mit 3 Kindern.«</p>
-<p>»Aus dieser Unterredung sah ich, dass sie schon
+<p>»Aus dieser Unterredung sah ich, dass sie schon
<span class="pagenum"><a name="Seite_105" id="Seite_105">[S. 105]</a></span>
-mehr von mir gehört hatte, und es war mir daher lieb,
+mehr von mir gehört hatte, und es war mir daher lieb,
dass ich an den Hof gegangen war. Nach der Cour sah
-ich alle königlichen Kinder, bis auf eins, das krank war.
-Es waren ihrer 10, die ich alle bildschön fand.«</p>
+ich alle königlichen Kinder, bis auf eins, das krank war.
+Es waren ihrer 10, die ich alle bildschön fand.«</p>
-<p>»Ich ging nachher, da ich so gut aufgenommen
+<p>»Ich ging nachher, da ich so gut aufgenommen
worden, noch mehreremale hin. Als ich vor meiner Abreise
-nach Portsmouth, im Frühjahr, zu meiner Einschiffung
-von der Königin Abschied nahm, fragte sie
+nach Portsmouth, im Frühjahr, zu meiner Einschiffung
+von der Königin Abschied nahm, fragte sie
mich nochmals, ob ich mich nicht vor einer solchen
-schrecklichen Reise fürchtete; und als ich ihr antwortete,
-dass, da mein Mann wünschte, dass ich ihm folge, ich es
-mit Mut und Vergnügen thäte, weil ich glaubte, meine
-Pflicht zu erfüllen und versichert wäre, dass sie an meinem
-Platz das nämliche thun würde; so sagte sie mir: »Ja,
+schrecklichen Reise fürchtete; und als ich ihr antwortete,
+dass, da mein Mann wünschte, dass ich ihm folge, ich es
+mit Mut und Vergnügen thäte, weil ich glaubte, meine
+Pflicht zu erfüllen und versichert wäre, dass sie an meinem
+Platz das nämliche thun würde; so sagte sie mir: »Ja,
wie man mir aber schreibt, so thun Sie die Reise ohne
-Vorwissen ihres Mannes.« Ich erwiederte: »Da sie eine
-deutsche Prinzessin wäre, so würde sie wohl wissen, dass
-ich ohne den Willen meines Mannes dieses nicht hätte
-unternehmen können, weil mir das Geld dazu gefehlt
-haben würde.« »Sie haben Recht«, sagte sie, »ich billige
-Ihren Entschluss und wünsche Ihnen alles nur ersinnliche
-Glück. Wie ist der Name ihres Schiffes? Ich werde
-mich oft nach Ihnen erkundigen, und bei Ihrer Zurückkunft,
-hoffe ich, werden Sie mich besuchen.« &mdash; Sie hat
+Vorwissen ihres Mannes.« Ich erwiederte: »Da sie eine
+deutsche Prinzessin wäre, so würde sie wohl wissen, dass
+ich ohne den Willen meines Mannes dieses nicht hätte
+unternehmen können, weil mir das Geld dazu gefehlt
+haben würde.« »Sie haben Recht«, sagte sie, »ich billige
+Ihren Entschluss und wünsche Ihnen alles nur ersinnliche
+Glück. Wie ist der Name ihres Schiffes? Ich werde
+mich oft nach Ihnen erkundigen, und bei Ihrer Zurückkunft,
+hoffe ich, werden Sie mich besuchen.« &mdash; Sie hat
Wort gehalten und sich oft nach mir erkundigt und mich
-oft grüssen lassen.« &mdash;</p>
+oft grüssen lassen.« &mdash;</p>
<p>Baronin Riedesel schiffte sich am 15. April 1777 an
Bord eines Kauffarteischiffes ein, welches in Gemeinschaft
@@ -4689,86 +4647,86 @@ mit einer Flotte von 30 Transportschiffen durch zwei Kriegsschiffe
begleitet wurde. Sie kam nach einer ereignislosen
Reise am 11. Juni in Quebec an. Nach einem
Aufenthalt von nur einem halben Tage in Quebec reiste
-die unermüdliche Frau mit ihren drei kleinen Kindern auf
-schlechten Wegen und stürmischen Flüssen nach Chambly,
+die unermüdliche Frau mit ihren drei kleinen Kindern auf
+schlechten Wegen und stürmischen Flüssen nach Chambly,
wo sie schliesslich am 14. Juni ihren Gemahl fand. Sie
-konnten nur zwei glückliche Tage mit einander zubringen,
+konnten nur zwei glückliche Tage mit einander zubringen,
<span class="pagenum"><a name="Seite_106" id="Seite_106">[S. 106]</a></span>
weil die Armee im Vormarsch war, und die Baronin war
-genötigt nach Trois-Rivières zurückzukehren. Am
+genötigt nach Trois-Rivières zurückzukehren. Am
14. August traf sie indessen wieder bei der Armee ein,
deren darauffolgendes Schicksal sie teilte. Ich will nur
-noch eins von ihren Abenteuern anführen, bevor ich zur
-Betrachtung der militärischen Operationen des braunschweigischen
-Kontingents zurückkehre:</p>
+noch eins von ihren Abenteuern anführen, bevor ich zur
+Betrachtung der militärischen Operationen des braunschweigischen
+Kontingents zurückkehre:</p>
-<p>Die Baronin war von Trois-Rivières aufgebrochen,
+<p>Die Baronin war von Trois-Rivières aufgebrochen,
um sich mit ihrem Manne in Fort Edward am Hudson
zu vereinigen. Die Gesellschaft reiste in 2 Booten, von
-denen das eine mit dem Gepäck beladen war. Sie
-schreibt: »Die Nacht überfiel uns, und wir sahen uns
-genötigt, auf einer Insel zu landen. Das andere Fahrzeug,
+denen das eine mit dem Gepäck beladen war. Sie
+schreibt: »Die Nacht überfiel uns, und wir sahen uns
+genötigt, auf einer Insel zu landen. Das andere Fahrzeug,
da es mehr beladen und nicht so gut bemannt war,
-hatte uns nicht folgen können; wir hatten daher weder
+hatte uns nicht folgen können; wir hatten daher weder
Betten noch Licht, und was das Schlimmste war, nichts
mehr zu essen; denn wir hatten weiter nichts auf unser
-Schiff mitgenommen, als was wir den Tag über zu gebrauchen
+Schiff mitgenommen, als was wir den Tag über zu gebrauchen
dachten; wir fanden auf dieser Insel weiter
-nichts als die vier kahlen Wände eines verlassenen und
-nicht einmal ausgebauten Hauses, welches voller Gesträuche
+nichts als die vier kahlen Wände eines verlassenen und
+nicht einmal ausgebauten Hauses, welches voller Gesträuche
lag, das uns zum Nachtlager diente. Ich bedeckte
-es mit unsern Mänteln und nahm die Kissen von
+es mit unsern Mänteln und nahm die Kissen von
der Barke zu Hilfe, so dass wir recht gut schliefen.</p>
-<p>Den Kapitän Willoe konnte ich nicht bewegen, in die
-Hütte mit hereinzukommen und sah ihn sehr unruhig,
-welches ich mir gar nicht erklären konnte. Mittlerweile
+<p>Den Kapitän Willoe konnte ich nicht bewegen, in die
+Hütte mit hereinzukommen und sah ihn sehr unruhig,
+welches ich mir gar nicht erklären konnte. Mittlerweile
bemerkte ich einen Soldaten, der einen Topf ans Feuer
-setzte. Ich fragte ihn, was er darinnen hätte? »Kartoffeln,
-die ich mir mitgenommen habe.« Ich blickte lüstern nach
+setzte. Ich fragte ihn, was er darinnen hätte? »Kartoffeln,
+die ich mir mitgenommen habe.« Ich blickte lüstern nach
ihnen hin; er hatte nur so wenig, dass ich es grausam
fand, ihn derselben zu berauben, besonders da er so
-glücklich dabei aussah. Endlich aber siegte doch die
-Begierde, meinen Kindern davon zu geben über meine
-Bescheidenheit; ich bat also und erhielt die Hälfte,
-welches höchstens ein Dutzend sein mochten; dazu holte
+glücklich dabei aussah. Endlich aber siegte doch die
+Begierde, meinen Kindern davon zu geben über meine
+Bescheidenheit; ich bat also und erhielt die Hälfte,
+welches höchstens ein Dutzend sein mochten; dazu holte
<span class="pagenum"><a name="Seite_107" id="Seite_107">[S. 107]</a></span>
er aus seiner Tasche zwei oder drei kleine Enden Licht,
-die mich sehr glücklich machten, weil die Kinder sich
-fürchteten im Finstern zu bleiben. Ich gab ihm für das
-Alles einen grossen Thaler, da war er ebenso glücklich
-als ich. Inzwischen hörte ich Kapitän Willoe Befehl
-geben, dass man um das Gebäude Feuer anzünden, und
+die mich sehr glücklich machten, weil die Kinder sich
+fürchteten im Finstern zu bleiben. Ich gab ihm für das
+Alles einen grossen Thaler, da war er ebenso glücklich
+als ich. Inzwischen hörte ich Kapitän Willoe Befehl
+geben, dass man um das Gebäude Feuer anzünden, und
dass seine Leute die ganze Nacht um dasselbe die Runde
-gehen sollten. Auch hörte ich während der ganzen Nacht
-Lärm machen, welches mich ein wenig am Schlaf hinderte.
-Als ich am andern Morgen beim Frühstück, welches ich
+gehen sollten. Auch hörte ich während der ganzen Nacht
+Lärm machen, welches mich ein wenig am Schlaf hinderte.
+Als ich am andern Morgen beim Frühstück, welches ich
auf einem breiten Stein, der uns zum Tisch diente, einnahm,
-den Kapitän, der in der Barke geschlafen hatte,
-nach der Ursache des Lärmes fragte, so bekannte er mir,
+den Kapitän, der in der Barke geschlafen hatte,
+nach der Ursache des Lärmes fragte, so bekannte er mir,
dass wir in grosser Gefahr gewesen, indem diese Insel
-l'Isle aux Sonnettes (die Klapperschlangeninsel) wäre,
+l'Isle aux Sonnettes (die Klapperschlangeninsel) wäre,
welche von den vielen darauf befindlichen Klapperschlangen
-den Namen hätte, dass er es nicht gewusst
+den Namen hätte, dass er es nicht gewusst
und sehr erschrocken sei, als er es erfahren, und wegen
-der Strömung es doch nicht habe wagen dürfen, in der
-Nacht weiter zu fahren. Es wäre ihm daher nichts
-anderes übrig geblieben, als grosse Feuer und viel Lärm
+der Strömung es doch nicht habe wagen dürfen, in der
+Nacht weiter zu fahren. Es wäre ihm daher nichts
+anderes übrig geblieben, als grosse Feuer und viel Lärm
zu machen, um die Schlangen zu erschrecken und dadurch
abzuhalten. Er habe aber die ganze Nacht aus
-Besorgnis für uns kein Auge zuthun können. Ich war
-über diese Erzählung sehr erschrocken und liess ihm bemerken,
-dass wir unsere Gefahr dadurch noch vergrössert
-hätten, dass wir uns auf das Gesträuch gelegt, in welchem
+Besorgnis für uns kein Auge zuthun können. Ich war
+über diese Erzählung sehr erschrocken und liess ihm bemerken,
+dass wir unsere Gefahr dadurch noch vergrössert
+hätten, dass wir uns auf das Gesträuch gelegt, in welchem
sich die Schlangen gern verbergen. Er gab mir Recht
und sagte mir, dass, wenn er es eher gewusst, wo wir
-wären, er alles Gesträuch vorher würde haben wegnehmen
-lassen oder uns gebeten haben würde, lieber auch in der
+wären, er alles Gesträuch vorher würde haben wegnehmen
+lassen oder uns gebeten haben würde, lieber auch in der
Barke zu bleiben. Er habe es aber erst von einem der
Leute von unserm andern Fahrzeuge erfahren, das uns
-später nachgekommen war. Wir fanden am Morgen noch
-allenthalben Häute und Schleim von diesen garstigen Tieren
-und eilten daher, mit unserm Frühstück fertig zu werden.«
+später nachgekommen war. Wir fanden am Morgen noch
+allenthalben Häute und Schleim von diesen garstigen Tieren
+und eilten daher, mit unserm Frühstück fertig zu werden.«
</p>
@@ -4781,149 +4739,149 @@ und eilten daher, mit unserm Frühstück fertig zu werden.«
<p>Die Operationen in Canada und auf dem Lake
-Champlain während des Sommers und Herbst 1776 waren
+Champlain während des Sommers und Herbst 1776 waren
von Sir Guy Carleton, dem britischen Gouverneur der
Provinz, geleitet worden. Die Generale Burgoyne und
Phillips und General Riedesel hatten unter seinem Befehl
-gestanden. Für den Feldzug von 1777 wurde indessen
+gestanden. Für den Feldzug von 1777 wurde indessen
vom englischen Ministerium ein neues Arrangement getroffen.
Carleton behielt die Statthalterschaft und das
-Kommando über die Truppen in Canada bei, aber die
-Expedition, welche über die Grenzen der Provinz hinaus
+Kommando über die Truppen in Canada bei, aber die
+Expedition, welche über die Grenzen der Provinz hinaus
gegen die Rebellen in New-York und Neu-England vorgehen
sollte, wurde Burgoyne anvertraut.</p>
<p>Generalleutnant John Burgoyne war damals 55 Jahre
-alt. Lord Macaulay beschreibt ihn als »einen Mann von
+alt. Lord Macaulay beschreibt ihn als »einen Mann von
Verstand, feiner Sitte und Ehre, einen angenehmen
dramatischen Schriftsteller, einen Offizier, dessen Mut nie
in Frage kam und dessen Brauchbarkeit zu jener Zeit
-einen grossen Ruf hatte.«</p>
+einen grossen Ruf hatte.«</p>
<p>Burgoyne war ein Liebling des britischen Ministeriums.
Er stand sich nicht gut mit General Riedesel noch mit
seiner Frau. Riedesel wurde sehr gut mit Carleton fertig,
hatte aber kein Vertrauen zu Burgoyne, der wahrscheinlich
-zu sehr ein Mann des Vergnügens und Witzes war, um
+zu sehr ein Mann des Vergnügens und Witzes war, um
das Vertrauen des ernst angelegten deutschen Offiziers
zu gewinnen. Riedesel beklagt sich, dass er niemals
-gefragt wurde, und dass Burgoynes Pläne ihm nicht anvertraut
-würden. Es ist klar, dass auf diese Weise
+gefragt wurde, und dass Burgoynes Pläne ihm nicht anvertraut
+würden. Es ist klar, dass auf diese Weise
Eifersucht zwischen den englischen und deutschen Truppen
-entstand, und dass Riedesel fühlte, dass ihm und seiner
+entstand, und dass Riedesel fühlte, dass ihm und seiner
Truppe Ungerechtigkeit widerfuhr.</p>
-<p>Der Operationsplan, dessen Grundzüge von Burgoyne
+<p>Der Operationsplan, dessen Grundzüge von Burgoyne
<span class="pagenum"><a name="Seite_109" id="Seite_109">[S. 109]</a></span>
selbst aufgestellt wurden, war sehr einfach. Das Gros
der Armee sollte von Canada am Lake Champlain hinauf
-nach Ticonderoga vorrücken. Wenn dies Fort genommen
-sein würde, sollte die Armee noch weiter südlich vorgeschoben
+nach Ticonderoga vorrücken. Wenn dies Fort genommen
+sein würde, sollte die Armee noch weiter südlich vorgeschoben
werden, um sich mit der Armee von Sir William
Howe oder einem Teil derselben, von Newyork kommend,
zu vereinigen. Ein Korps von leichten Truppen unter
-Oberst St. Leger sollte in gleicher Höhe mit Burgoyne
-operieren indem es über Oswego nach dem Mohawk River,
-und an diesem entlang bis zu seiner Einmündung in den
+Oberst St. Leger sollte in gleicher Höhe mit Burgoyne
+operieren indem es über Oswego nach dem Mohawk River,
+und an diesem entlang bis zu seiner Einmündung in den
Hudson oberhalb Albany marschieren sollte, dort sollte
sich diese Expedition mit der Hauptarmee vereinigen.</p>
<p>Die Braunschweiger unter General Riedesels Befehl
-zählten am 1. Juni 1777 4301 Offiziere und Mannschaften
-nach den Rapporten, an Effektivstärke 3958. Das Hessen-Hanauische
+zählten am 1. Juni 1777 4301 Offiziere und Mannschaften
+nach den Rapporten, an Effektivstärke 3958. Das Hessen-Hanauische
Regiment war im vorhergehenden Jahre in
-der Stärke von 668 Mann herübergefahren und war wahrscheinlich
-nicht unter die Zahl von 600 dienstfähigen
-Leuten herabgesunken. Somit würde sich die Gesamtstärke
+der Stärke von 668 Mann herübergefahren und war wahrscheinlich
+nicht unter die Zahl von 600 dienstfähigen
+Leuten herabgesunken. Somit würde sich die Gesamtstärke
der Deutschen in Canada zu Beginn des Feldzuges
auf 4558 Mann belaufen, von denen 667 unter dem Befehl
von Sir Guy Carleton belassen wurden und 3891 sich
der Expedition unter Burgoyne anschlossen. Diese
-Schätzung schliesst nicht die Hanauischen Jäger ein, da
+Schätzung schliesst nicht die Hanauischen Jäger ein, da
dieselben der St. Leger'schen Expedition zugeteilt wurden.
-Die Gesamtstärke von Weissen unter Burgoyne war
-grösser als 8000; von diesen waren ungefähr 250 Provinziale.</p>
+Die Gesamtstärke von Weissen unter Burgoyne war
+grösser als 8000; von diesen waren ungefähr 250 Provinziale.</p>
<p>Einige 500 Indianer begleiteten die Armee und thaten
in erster Zeit gute Dienste als Kundschafter; sie stellten
ihren menschlichen Brotherren die Skalpe der amerikanischen
Soldaten vor Augen. Der Anblick fand Gefallen
in den Augen des fashionablen Herrn, welcher die Armee
-ihrer Majestät kommandierte. Er erliess einen Befehl,
+ihrer Majestät kommandierte. Er erliess einen Befehl,
dass Deserteure von seiner eigenen Armee gefangen
und ebenfalls skalpiert werden sollten. Man hielt aber
<span class="pagenum"><a name="Seite_110" id="Seite_110">[S. 110]</a></span>
-dafür, dass die Wilden ihre liebenswürdigen Gebräuche
-zu weit getrieben hätten, als sie Jane Mc Crea töteten,
+dafür, dass die Wilden ihre liebenswürdigen Gebräuche
+zu weit getrieben hätten, als sie Jane Mc Crea töteten,
ein junges Weib, das mit einem Tory von der britischen
Armee verlobt war und den geheimen Auftrag gehabt
-hatte, zwei Deserteure bei sich aufzunehmen und zu beschützen.
-Burgoyne wagte es indessen nicht, die Mörder
-hinrichten zu lassen aus Angst »vor dem vollkommenen
-Abfall der Indianer«.</p>
+hatte, zwei Deserteure bei sich aufzunehmen und zu beschützen.
+Burgoyne wagte es indessen nicht, die Mörder
+hinrichten zu lassen aus Angst »vor dem vollkommenen
+Abfall der Indianer«.</p>
<p>Bevor die Einrichtung der Eisenbahnen die Reiseroute
-verändert hatte, war die Hauptstrasse zwischen
-Canada einerseits und Neu-England und den mehr südlichen
+verändert hatte, war die Hauptstrasse zwischen
+Canada einerseits und Neu-England und den mehr südlichen
Kolonien andererseits die grosse Wasserstrasse,
welche, indem man den St. Lawrence-Strom bei Lake
-St. Pierre verlässt, den Richelieu-Fluss hinaufführt, bei
+St. Pierre verlässt, den Richelieu-Fluss hinaufführt, bei
Fort St. John vorbei nach dem Lake Champlain, diesen
See hinauf, Crown Point passierend, nach Ticonderoga.
Bei Ticonderoga hatte der Reisende oder Eindringling
-zwischen zwei Wegen zu wählen. Entweder konnte er
-über die kurze Strecke bis zum Lake George, dann diesen
-schönen See hinauf bis zu seinem äussersten Ende und
+zwischen zwei Wegen zu wählen. Entweder konnte er
+über die kurze Strecke bis zum Lake George, dann diesen
+schönen See hinauf bis zu seinem äussersten Ende und
von hier nach einem Weg von 12 Meilen nach Fort Edward
-am Hudson gelangen. Dies war der gewöhnliche und
+am Hudson gelangen. Dies war der gewöhnliche und
leichtere Weg. Oder man konnte das schmale obere
Ende von Lake Champlain hinauf fahren bis in die Gegend
des heutigen Whitehall, in dem damaligen Distrikt Skenesborough
-genannt, hatte dann aber einen längern Landweg
+genannt, hatte dann aber einen längern Landweg
nach Fort Edward, bei Fort Anne vorbei, vor sich. Von
-Fort Edward führte der Weg den Hudson hinunter nach
+Fort Edward führte der Weg den Hudson hinunter nach
Albany und New-York. Die Hauptrichtung dieser Route
-geht von Norden nach Süden, und merkwürdig gerade,
-entsprechend dem natürlichen Charakter der Landschaft.
+geht von Norden nach Süden, und merkwürdig gerade,
+entsprechend dem natürlichen Charakter der Landschaft.
Die ganze Entfernung von Lake St. Pierre bis New-York
-beträgt ein wenig mehr als 350 Meilen. Whitehall liegt
-ungefähr in der Mitte und Ticonderoga einige 20 Meilen
-nördlich von Whitehall.</p>
+beträgt ein wenig mehr als 350 Meilen. Whitehall liegt
+ungefähr in der Mitte und Ticonderoga einige 20 Meilen
+nördlich von Whitehall.</p>
<p>Kein Punkt zwischen dem St. Lawrence und New<span class="pagenum"><a name="Seite_111" id="Seite_111">[S. 111]</a></span>-York
-wurde für militärisch wichtiger erachtet als Fort
+wurde für militärisch wichtiger erachtet als Fort
Ticonderoga. Dies war derartig angelegt, dass es die
schmale Strecke zwischen Lake Champlain und Lake
-George deckte und die Passage nach der Südspitze des
+George deckte und die Passage nach der Südspitze des
ersteren Sees beherrschte. Das Fort war im Jahr 1755
von den Franzosen gebaut worden und Fort Carillon von
ihnen genannt worden. Es wurde im folgenden Jahre
-von Montcalm verstärkt und im Jahre 1758 widerstand
+von Montcalm verstärkt und im Jahre 1758 widerstand
es dem Angriff einer englischen Armee von 15000 Mann,
-der grössten europäischen Armee, die in Amerika unter
+der grössten europäischen Armee, die in Amerika unter
Waffen gewesen war. General Abercrombie, welcher die
englische Armee kommandierte, machte einen derartig
fehlerhaften Angriff, dass sein Korps mit grossen Verlusten
-zurückgeschlagen wurde.</p>
+zurückgeschlagen wurde.</p>
-<p>Im Jahre 1759 gaben die Franzosen bei Annäherung
+<p>Im Jahre 1759 gaben die Franzosen bei Annäherung
von General Amherst das Fort Carillon auf, dessen Werke
-von diesem erneuert wurden. Nun wurde es während
-beinahe 16 Jahren von den Briten gehalten, unbelästigt,
-bis am 16. Mai 1776 die kleine Besatzung überrascht
+von diesem erneuert wurden. Nun wurde es während
+beinahe 16 Jahren von den Briten gehalten, unbelästigt,
+bis am 16. Mai 1776 die kleine Besatzung überrascht
und das Fort genommen wurde, und zwar von einer Abteilung
-Amerikaner unter Ethan Allan »im Namen des
-Grossen Jehovah und des kontinentalen Kongresses«.
-Während den zwei Jahren, welche das Fort in amerikanischen
-Händen gewesen war, wurden grosse Anstrengungen
-gemacht, um es zu verstärken, und es wurde sehr reichlich
+Amerikaner unter Ethan Allan »im Namen des
+Grossen Jehovah und des kontinentalen Kongresses«.
+Während den zwei Jahren, welche das Fort in amerikanischen
+Händen gewesen war, wurden grosse Anstrengungen
+gemacht, um es zu verstärken, und es wurde sehr reichlich
mit Waffen, Munition und Proviant versehen. Auch
ein neues Fort wurde auf der Ostseite des Sees auf dem
-Mount Independence gebaut. Es möchte scheinen, als ob
-die Amerikaner in der Grösse ihrer Vorbereitungen über
-das Ziel hinausgeschossen wären. Die Werke, welche
-eine Länge von 2-1/2 Meilen hatten, waren viel zu gross
-für die Besatzung. Obendrein konnte das Fort vollkommen
+Mount Independence gebaut. Es möchte scheinen, als ob
+die Amerikaner in der Grösse ihrer Vorbereitungen über
+das Ziel hinausgeschossen wären. Die Werke, welche
+eine Länge von 2-1/2 Meilen hatten, waren viel zu gross
+für die Besatzung. Obendrein konnte das Fort vollkommen
von Artillerie auf dem Mount Defiance beherrscht
werden; dieser Berg war nicht in die Linien mit
eingeschlossen.</p>
@@ -4931,35 +4889,35 @@ eingeschlossen.</p>
<p>Das Ergebnis dieser Fehler war ein sehr trauriges.
<span class="pagenum"><a name="Seite_112" id="Seite_112">[S. 112]</a></span>
Am 1. Juli 1777 erschien Burgoynes Heer vor der Festung.
-Riedesel war mit den Deutschen auf dem östlichen Ufer
+Riedesel war mit den Deutschen auf dem östlichen Ufer
des Sees und operierte gegen Mount Independence. Ein
nur kleines Gefecht fand statt. Der amerikanische Befehlshaber
St. Clair trat, als er sich in Gefahr sah, umzingelt
-zu werden, mit der Besatzung von ungefähr
-3300 Mann den Rückzug an und liess die Forts mit mehr
-als 70 Kanonen, 200 Stück Vieh und einem grossen
-Magazin von Munition und Proviant in den Händen der
-britischen Armee. Die Überbleibsel der amerikanischen
+zu werden, mit der Besatzung von ungefähr
+3300 Mann den Rückzug an und liess die Forts mit mehr
+als 70 Kanonen, 200 Stück Vieh und einem grossen
+Magazin von Munition und Proviant in den Händen der
+britischen Armee. Die Überbleibsel der amerikanischen
Flotte, welche in der Richtung auf Whitehall floh, wurde
sofort von den Briten verfolgt, die nur etwas aufgehalten
-wurden durch die Notwendigkeit, eine Brücke zu durchbrechen,
-welche über den See gebaut worden war. Zwei
-von den fünf Schiffen wurden genommen, die andern drei
-von den zurückgehenden Amerikanern verbrannt, die auf
+wurden durch die Notwendigkeit, eine Brücke zu durchbrechen,
+welche über den See gebaut worden war. Zwei
+von den fünf Schiffen wurden genommen, die andern drei
+von den zurückgehenden Amerikanern verbrannt, die auf
diese Weise alles Material verloren, welches sie zu retten
-sich bemüht hatten.</p>
+sich bemüht hatten.</p>
<p>Das Gros von St. Clairs Korps ging auf der Strasse
-nach Hubbardton zurück. General Fraser blieb mit
+nach Hubbardton zurück. General Fraser blieb mit
zwanzig englischen Kompagnien dicht auf den Fersen,
-unterstützt von Riedesel mit drei braunschweigischen
+unterstützt von Riedesel mit drei braunschweigischen
Bataillonen. Fraser holte die Nachhut der Amerikaner
unter Oberst Warner bei Hubbardton am 7. Juli ein,
wurde schneidig angegriffen und in der Flanke gefasst.
-Er wäre geworfen worden, wenn ihm nicht Riedesel zu
-Hilfe gekommen wäre. Die Amerikaner wurden nun
-zurückgeworfen. Ihr Verlust ist nicht genau bekannt
-geworden, aber ungefähr 200 Nachzügler und Verwundete
+Er wäre geworfen worden, wenn ihm nicht Riedesel zu
+Hilfe gekommen wäre. Die Amerikaner wurden nun
+zurückgeworfen. Ihr Verlust ist nicht genau bekannt
+geworden, aber ungefähr 200 Nachzügler und Verwundete
wurden an diesem Tage gefangen genommen. Die Braunschweiger
hatten 22 Mann tot oder verwundet, die
Briten 155. Dies war das erste Gefecht, welches Riedesel
@@ -4967,35 +4925,35 @@ in Amerika mitmachte.</p>
<p>Am 8. Juli wurde ein britisches Regiment aus Fort
Anne vertrieben, aber die Amerikaner liessen es wieder
-im Stich, nachdem sie es zerstört hatten.
+im Stich, nachdem sie es zerstört hatten.
<span class="pagenum"><a name="Seite_113" id="Seite_113">[S. 113]</a></span></p>
<p>Am 22. Juli erliess General von Riedesel einen Befehl
gegen das Marodieren und drohte allen Soldaten, die
dessen schuldig befunden wurden, in dem ersten Falle
-mit Prügeln, im zweiten mit vier mal Spiessrutenlaufen.
-Die Offiziere hätten zu entscheiden, was gesetzliche Beute
-wäre. Riedesel gab diesen Befehl auf Verlangen Burgoynes,
+mit Prügeln, im zweiten mit vier mal Spiessrutenlaufen.
+Die Offiziere hätten zu entscheiden, was gesetzliche Beute
+wäre. Riedesel gab diesen Befehl auf Verlangen Burgoynes,
welcher die Tory-Kolonisten der Umgegend ermutigen
-wollte. Die Gelegenheit, in Amerika zu plündern,
-war somit für die Braunschweiger beinahe vorüber.</p>
+wollte. Die Gelegenheit, in Amerika zu plündern,
+war somit für die Braunschweiger beinahe vorüber.</p>
<p>Das Terrain zwischen Lake Champlain und dem
Hudson war so rauh, dass Burgoyne einen Monat gebrauchte,
-um seine Armee die 25 Meilen vorwärts zu
+um seine Armee die 25 Meilen vorwärts zu
bringen, welche zwischen Whitehall und Fort Edward
-lagen. »Die Schwierigkeit zu marschieren war gross,
-wurde aber in der besten Stimmung überwunden,« schreibt
+lagen. »Die Schwierigkeit zu marschieren war gross,
+wurde aber in der besten Stimmung überwunden,« schreibt
Burgoyne am 30. Juli 77 an Lord George Germaine.
-»Das Land ist vollständige Wildnis und beinahe überall
-hatte der Feind mit grossen Baumstämmen die Wege gesperrt,
-so dass sie quer und längs mit den Zweigen ineinander
-herübergefallen waren. Die Truppen mussten
-nicht nur an vielen Stellen, die man unmöglich umgehen
-konnte, dieselben hinwegräumen, sondern auch über 40
-Brücken bauen und andere wieder herstellen, die eine
-davon, aus Bauholz bestehend, über einen Morast von
-2 Meilen Ausdehnung.« Wir finden einen Brief von
+»Das Land ist vollständige Wildnis und beinahe überall
+hatte der Feind mit grossen Baumstämmen die Wege gesperrt,
+so dass sie quer und längs mit den Zweigen ineinander
+herübergefallen waren. Die Truppen mussten
+nicht nur an vielen Stellen, die man unmöglich umgehen
+konnte, dieselben hinwegräumen, sondern auch über 40
+Brücken bauen und andere wieder herstellen, die eine
+davon, aus Bauholz bestehend, über einen Morast von
+2 Meilen Ausdehnung.« Wir finden einen Brief von
Burgoyne an Riedesel vom 18. Juli, in welchem er diesem
zuredet, seine Offiziere die Bagage verringern zu lassen.
Viele englische Offiziere, sagt Burgoyne, sind auf ein
@@ -5004,7 +4962,7 @@ kleines Zelt und einen Reisesack reduziert worden.</p>
<p>Die Armee begegnete nur geringem Widerstand auf
ihrem Wege, obschon kein Tag verging, ohne dass geschossen
wurde. Die Amerikaner hatten sich auf Saratoga
-zurückgezogen. Jedoch nicht vor dem 9. August konnte
+zurückgezogen. Jedoch nicht vor dem 9. August konnte
Brigade-General Fraser die Avantgarde bis Fort Miller,
7 Meilen jenseits Fort Edward vorschieben. Oberstlieutenant
Baum folgte ihm mit den braunschweigischen
@@ -5017,169 +4975,169 @@ machen sollte, um Pferde und Zugvieh aufzutreiben.
Das herzoglich braunschweigische Dragoner-Regiment
wurde auf diese Weise auf Kosten der Amerikaner beritten
gemacht, und die britische Armee sollte mit Packpferden
-versehen werden. Um die drängende Notwendigkeit
-von Lasttieren zu verstehen, müssen wir bedenken,
+versehen werden. Um die drängende Notwendigkeit
+von Lasttieren zu verstehen, müssen wir bedenken,
dass die Armee mit Brot aus englischem Mehl und Fleisch
verpflegt wurde, welches in England gesalzen war, und
-dass diese Vorräte von Lake Champlain oder Lake George
-nach dem Hudson auf den Rücken von Menschen transportiert
-werden musste. Indes, der Plan wurde geändert
+dass diese Vorräte von Lake Champlain oder Lake George
+nach dem Hudson auf den Rücken von Menschen transportiert
+werden musste. Indes, der Plan wurde geändert
bevor die Kolonne Fort Miller passiert hatte, und anstatt
nach Manchester zu marschieren, wurde die Expedition
nach Bennington dirigiert, wo man annahm, dass die
-Amerikaner ein grosses Lager von Vorräten hätten.
-Riedesel nahm sich die Freiheit, gegen diese Befehlsänderung
+Amerikaner ein grosses Lager von Vorräten hätten.
+Riedesel nahm sich die Freiheit, gegen diese Befehlsänderung
Einsprache zu erheben, aber Burgoyne hielt
-aus folgenden Gründen daran fest: Erstens würde es von
-grösstem Vorteil für die Armee sein, 10 oder 12 Tage
-lang von den Vorräten zu leben, welche man in Bennington
-finden würde. Zweitens wollte er (Burgoyne) mit der
+aus folgenden Gründen daran fest: Erstens würde es von
+grösstem Vorteil für die Armee sein, 10 oder 12 Tage
+lang von den Vorräten zu leben, welche man in Bennington
+finden würde. Zweitens wollte er (Burgoyne) mit der
Haupt-Armee nach Stillwater vorgehen, so dass Arnold
-nicht im Stande sein würde, ein starkes Detachement abzuschicken,
+nicht im Stande sein würde, ein starkes Detachement abzuschicken,
um Baum aufzuhalten. Drittens hatte er
erfahren, dass St. Leger Fort Stanwix am oberen Lauf
des Mohawk-River belagerte, und dass es wichtig sei,
Arnold zu verhindern, ein starkes Korps zu dessen Entsatz
zu entsenden. Infolgedessen brach Oberstlieutenant
-Baum am 11. August 1777 nach Bennington auf mit ungefähr
+Baum am 11. August 1777 nach Bennington auf mit ungefähr
550 Weissen, von denen 374 Deutsche waren.
-Ungefähr 150 Indianer schlossen sich der Expedition an.
-Dies gefiel dem Tory nicht, welcher als Führer diente.
+Ungefähr 150 Indianer schlossen sich der Expedition an.
+Dies gefiel dem Tory nicht, welcher als Führer diente.
<span class="pagenum"><a name="Seite_115" id="Seite_115">[S. 115]</a></span>
-Er sagte Burgoyne, dass wenigstens 3000 Mann nötig
-wären, um des Erfolges gewiss zu sein, aber Burgoyne
-wollte und konnte auch in der That nicht so viele erübrigen.</p>
+Er sagte Burgoyne, dass wenigstens 3000 Mann nötig
+wären, um des Erfolges gewiss zu sein, aber Burgoyne
+wollte und konnte auch in der That nicht so viele erübrigen.</p>
-<p>Am 12. erbeutete Baum einige Vorräte und Vieh in
+<p>Am 12. erbeutete Baum einige Vorräte und Vieh in
Cambridge.</p>
-<p>Am Morgen des 14. fand er einige Vorräte in Sancoik
+<p>Am Morgen des 14. fand er einige Vorräte in Sancoik
und machte 5 Gefangene. Er meldete Burgoyne, dass
Bennington von 15 oder 1800 Mann besetzt sei, aber dass
-diese wohl bei seiner Annäherung abziehen würden. Er
+diese wohl bei seiner Annäherung abziehen würden. Er
wollte soweit vorgehen, dass er am andern Morgen in
-der Frühe den Feind überfallen könnte und wollte nach
+der Frühe den Feind überfallen könnte und wollte nach
den eingegangenen Nachrichten die notwendigen Dispositionen
-treffen. Leute strömten in Menge herbei und
+treffen. Leute strömten in Menge herbei und
verlangten bewaffnet zu werden. Die Indianer konnten
-nicht mehr im Zaum gehalten werden und zerstörten und
+nicht mehr im Zaum gehalten werden und zerstörten und
nahmen alles was ihnen beliebte. Baum, der nicht englisch
sprechen konnte, war offenbar auf die Versicherungen des
Tory-Gouverneurs Skene angewiesen, der als eine sehr
-glaubwürdige Persönlichkeit geschienen haben mochte.
+glaubwürdige Persönlichkeit geschienen haben mochte.
Burgoyne scheint nicht ganz die irrigen Ansichten seines
Untergebenen geteilt zu haben, denn er antwortete mit
dem Befehl, Baum sollte nicht weiter vordringen, wenn
-er den Feind in zu grosser Stärke vorfinden würde, und
+er den Feind in zu grosser Stärke vorfinden würde, und
sollte den Plan aufgeben, einen riskierten Handstreich zu
-unternehmen. Später an demselben Tage meldete Baum
+unternehmen. Später an demselben Tage meldete Baum
noch, dass er von einer 700 Mann starken Abteilung Rebellen
-angegriffen worden sei, die er mit ein paar Kanonenschüssen
-vertrieben hätte, dass aber 1800 Mann in einem
-günstig gelegenen, befestigten Lager bei Bennington
-ständen, und dass er auf Verstärkung warten wollte.
-Diese Meldung bekam Burgoyne während der Nacht, und
+angegriffen worden sei, die er mit ein paar Kanonenschüssen
+vertrieben hätte, dass aber 1800 Mann in einem
+günstig gelegenen, befestigten Lager bei Bennington
+ständen, und dass er auf Verstärkung warten wollte.
+Diese Meldung bekam Burgoyne während der Nacht, und
um 8 Uhr morgens des 15. marschierte Oberstlieutenant
Breymann auf seinen Befehl mit 642 Deutschen zu Baums
-Unterstützung ab. Breymann brach ohne Zelte, Bagage
-oder genügende Munition und nur mit 2 kleinen Feld<span class="pagenum"><a name="Seite_116" id="Seite_116">[S. 116]</a></span>geschützen
+Unterstützung ab. Breymann brach ohne Zelte, Bagage
+oder genügende Munition und nur mit 2 kleinen Feld<span class="pagenum"><a name="Seite_116" id="Seite_116">[S. 116]</a></span>geschützen
auf. Er hatte nur 24 Meilen zu marschieren,
-doch legte er nur etwas mehr als die Hälfte der Entfernung
-zurück, bevor ihn die Nacht zum Biwakieren
+doch legte er nur etwas mehr als die Hälfte der Entfernung
+zurück, bevor ihn die Nacht zum Biwakieren
zwang. Es war ein regnerischer Tag und der Weg war
schlecht, trotzdem scheint eine solche Langsamkeit einer
Abteilung Soldaten in leichter Marschordnung, die zur
-Unterstützung ihrer Waffenbrüder vorgehen, unglaublich.
+Unterstützung ihrer Waffenbrüder vorgehen, unglaublich.
Ich habe keine vollkommene Beschreibung der Uniform
der braunschweigischen Infanterie gefunden. Riedesel
-hatte einige Änderungen eingeführt, welche der Dienst
+hatte einige Änderungen eingeführt, welche der Dienst
und das Klima erfordert hatten, aber sie war doch noch
viel zu schwer. Ein grosser Teil von Baums Leuten
waren Dragoner zu Fuss. Sie waren mit kurzen, dicken
-Flinten und schweren Säbeln bewaffnet. Man erzählte
-sich in der Armee, dass ihr Helm und Säbel allein mehr
-wog als die ganze Ausrüstung eines englischen Soldaten.
-Ein so ausgerüsteter Mann möchte zu Pferde auf einem
-ebenen Grunde furchteinflössend sein, aber zu Fuss, im
+Flinten und schweren Säbeln bewaffnet. Man erzählte
+sich in der Armee, dass ihr Helm und Säbel allein mehr
+wog als die ganze Ausrüstung eines englischen Soldaten.
+Ein so ausgerüsteter Mann möchte zu Pferde auf einem
+ebenen Grunde furchteinflössend sein, aber zu Fuss, im
August, auf einem Marsche durch den dichten Wald war
-er kaum einem amerikanischen Farmer oder Jäger in
-Hemdsärmeln gewachsen.</p>
+er kaum einem amerikanischen Farmer oder Jäger in
+Hemdsärmeln gewachsen.</p>
<p>Es ist klar, dass sich niemand, auch Baum selbst
nicht, des Ernstes der Situation bewusst war. Am Vormittag
-des 15. schrieb Burgoyne, dass, wenn ein Rückzug
-nöthig werden sollte, er so angeordnet werden müsse,
+des 15. schrieb Burgoyne, dass, wenn ein Rückzug
+nöthig werden sollte, er so angeordnet werden müsse,
dass dem Feind keine Gelegenheit zu einem Erfolg gegeben
-werde, damit die Indianer nicht entmutigt würden.
+werde, damit die Indianer nicht entmutigt würden.
Deshalb musste alles erbeutete Vieh und die erbeuteten
Wagen weggeschafft werden, und alles Mehl und Korn,
welches man nicht mitnehmen konnte, sollte unbrauchbar
-gemacht werden. Erst später kam Burgoyne auf den
+gemacht werden. Erst später kam Burgoyne auf den
Gedanken, dass man wohl besser Breymann ohne Artillerie
-vorgeschoben hätte.</p>
+vorgeschoben hätte.</p>
<p>Oberstlieutenant Baum brachte den 15. August 1777
-damit zu, sich auf einem Berge 4 Meilen nördlich Bennington
-einzugraben. Ungefähr um 9 Uhr morgens am 16. be<span class="pagenum"><a name="Seite_117" id="Seite_117">[S. 117]</a></span>merkte
+damit zu, sich auf einem Berge 4 Meilen nördlich Bennington
+einzugraben. Ungefähr um 9 Uhr morgens am 16. be<span class="pagenum"><a name="Seite_117" id="Seite_117">[S. 117]</a></span>merkte
er kleine Abteilungen von Leuten, zum grossen
-Teil in Hemdsärmeln und mit Vogelflinten auf der Schulter,
-schnell und geräuschlos hinter seinem verschanzten Lager
+Teil in Hemdsärmeln und mit Vogelflinten auf der Schulter,
+schnell und geräuschlos hinter seinem verschanzten Lager
vorbeipassieren. Der gute Offizier hielt diese Leute in
-Hemdsärmeln für Tories, welche seinen Schutz suchen
+Hemdsärmeln für Tories, welche seinen Schutz suchen
wollten. Man sagt, dass viele Leute in jenem Teile des
-Landes dem Könige den Eid geleistet hätten. Im Laufe
+Landes dem Könige den Eid geleistet hätten. Im Laufe
des Morgens wurde ein Angriff gemacht, aber mit Leichtigkeit
abgeschlagen. Schliesslich um 3 Uhr nachmittags
-wurden die Deutschen vollständig umzingelt, und der
+wurden die Deutschen vollständig umzingelt, und der
Kampf begann mit ziemlichem Ernst. Die meisten Indianer,
Canadier und Tories machten sich aus dem Staube. Die
Braunschweiger hielten 1 oder 2 Stunden aus, bis ihre
Munition anfing auszugehen. Die Amerikaner fochten mit
-Verzweiflung. Sie näherten sich bis auf 8 Schritt den
-Kanonen, die mit Kartätschen geladen waren und feuerten
+Verzweiflung. Sie näherten sich bis auf 8 Schritt den
+Kanonen, die mit Kartätschen geladen waren und feuerten
ihre Gewehre auf die Kanoniere ab. Stark, der sie
kommandierte, hatte sie durch seinen Mut angefeuert.
-»Kommt nur, meine Jungens,« soll er vor dem Gefecht
-gesagt haben, wie berichtet wird, »entweder schlagen wir
+»Kommt nur, meine Jungens,« soll er vor dem Gefecht
+gesagt haben, wie berichtet wird, »entweder schlagen wir
die Briten oder Molly Stark wird diese Nacht Witwe
-sein.« Schliesslich schlief das Feuer der Deutschen ein.
-Die Yankees stürmten noch einmal die Schanzgräben.
-Es ging Gewehrkolben gegen Säbel. Baum wurde tötlich
+sein.« Schliesslich schlief das Feuer der Deutschen ein.
+Die Yankees stürmten noch einmal die Schanzgräben.
+Es ging Gewehrkolben gegen Säbel. Baum wurde tötlich
verwundet und die Braunschweiger gefangen genommen.</p>
-<p>Das Gefecht mit Baums Truppen-Abteilung war vorüber,
-als Breymann in der Nähe des Gefechtsfeldes anlangte.
+<p>Das Gefecht mit Baums Truppen-Abteilung war vorüber,
+als Breymann in der Nähe des Gefechtsfeldes anlangte.
Er giebt an, dass er die Amerikaner vor sich
-her getrieben und nur die Verfolgung abgebrochen hätte
+her getrieben und nur die Verfolgung abgebrochen hätte
aus Mangel an Pulver und Blei; aber sicher ist, dass er
-sofort zurückging und in der Nacht sich ohne seine
+sofort zurückging und in der Nacht sich ohne seine
Kanonen auf und davon machte, mit einem Verlust von
mehr als einem Drittel seiner Leute. General Burgoyne,
-der in der Frühe des 17. Nachricht von dieser unglücklichen
+der in der Frühe des 17. Nachricht von dieser unglücklichen
Affaire erhielt, brach um 6 Uhr mit der ganzen
Armee auf, um Breymann zu retten. Das Gros ging in<span class="pagenum"><a name="Seite_118" id="Seite_118">[S. 118]</a></span>dessen
-nicht weiter als Battenkill vor, während Burgoyne
+nicht weiter als Battenkill vor, während Burgoyne
selbst an der Spitze eines englischen Regiments soweit
-vordrang, bis er die auf dem Rückzug befindlichen
+vordrang, bis er die auf dem Rückzug befindlichen
Deutschen traf.</p>
-<p>Beinahe 780 Gefangene, von denen ungefähr 400
-Deutsche waren, fielen in die Hände der Amerikaner.
+<p>Beinahe 780 Gefangene, von denen ungefähr 400
+Deutsche waren, fielen in die Hände der Amerikaner.
Von Baums Korps kehrten 365 Deutsche nicht wieder
-zurück: Breymanns Korps hatte 231 Tote, Verwundete
+zurück: Breymanns Korps hatte 231 Tote, Verwundete
und Vermisste.</p>
<p>Dies Gefecht war der Anfang von Burgoynes Ende.
-Es bewies ihm die Unmöglichkeit auf Kosten des Landes
+Es bewies ihm die Unmöglichkeit auf Kosten des Landes
zu leben und verwies ihn wieder auf sein englisches
-Ochsenfleisch und Mehl und auf seine Abhängigkeit von
-den Vorräten, die er mitzuführen im Stande war.</p>
+Ochsenfleisch und Mehl und auf seine Abhängigkeit von
+den Vorräten, die er mitzuführen im Stande war.</p>
<p>Das Fehlschlagen der Expedition St. Legers am
-Mohawk ereignete sich ungefähr zu derselben Zeit. Oberst
-St. Leger hatte Montreal Anfang Juli mit ungefähr
+Mohawk ereignete sich ungefähr zu derselben Zeit. Oberst
+St. Leger hatte Montreal Anfang Juli mit ungefähr
750 Weissen und 1000 Indianern verlassen. Unter den
-ersteren befand sich eine Jäger-Kompagnie von Hessen-Hanau.
+ersteren befand sich eine Jäger-Kompagnie von Hessen-Hanau.
Dieses Korps nahm seinen Weg am St. Lawrence
und Lake Ontario entlang nach Oswego und von da am
Oneida Lake nach Fort Stanwix am Oberlauf des Mohawk-River.
@@ -5189,11 +5147,11 @@ Oberst Gansevoort. St. Leger sollte dies Fort nehmen
und dann dem Lauf des Mohawk bis zu seiner Vereinigung
mit dem Hudson folgen und auf diese Weise die Flanke
von Gates Armee bedrohen. Aber das Fort wollte nicht
-genommen sein. Ungefähr 800 Bewohner des Mohawk-Thales,
+genommen sein. Ungefähr 800 Bewohner des Mohawk-Thales,
meist von deutscher Abstammung, unter General
Herkimer, waren im Begriff, zu seinem Entsatz vorzugehen.
Diese wurden am 6. August 1777 im Walde von
-einer Übermacht von Provinzialen und Indianern überfallen.
+einer Übermacht von Provinzialen und Indianern überfallen.
Nach der ersten Panik fand ein verzweifelter
Kampf statt. Die Milizen wussten wohl, dass sie von
ihren wilden Gegnern keinen Pardon erwarten durften.
@@ -5202,31 +5160,31 @@ Es schien ihnen besser unter ihren Pfeilen oder dem
Tomohawk zu fallen als dem qualvollen Messer ausgeliefert
zu werden. Herkimer, der am Bein verwundet
worden war, war gegen einen Baumstumpf gelehnt und
-leitete die Verteidigung, während er ruhig seine Pfeife
+leitete die Verteidigung, während er ruhig seine Pfeife
weiter rauchte. Die Leute hatten paarweise sich hinter
-Bäumen postiert, sodass immer einer schoss, während der
-andere lud. Diese Anordnung wirkte günstig, und die
+Bäumen postiert, sodass immer einer schoss, während der
+andere lud. Diese Anordnung wirkte günstig, und die
Miliz begann die Oberhand zu gewinnen. Darauf kam
noch ein Haufe von Tories aus dem Thale den Indianern
zu Hilfe. Dies steigerte noch mehr die Wut der Amerikaner,
denn diese neuen Feinde waren ihre Nachbarn
und waren ihre Freunde gewesen. Der verzweifelte
-Kampf wurde fortgesetzt. Er hatte schon länger als ein
+Kampf wurde fortgesetzt. Er hatte schon länger als ein
und eine halbe Stunde gedauert, und 160 Milizen waren
-bereits tot, verwundet oder gefangen, als plötzlich in der
-Richtung von Fort Stanwix her Feuer gehört wurde.
-Oberst Gansevoort, der von Herkimers Annäherung unterrichtet
+bereits tot, verwundet oder gefangen, als plötzlich in der
+Richtung von Fort Stanwix her Feuer gehört wurde.
+Oberst Gansevoort, der von Herkimers Annäherung unterrichtet
war, hatte 250 Mann von dem Fort entsendet, um
-eine Diversion auszuführen. Diese fielen in das englische
-Lager ein und plünderten einen Teil davon. 5 Flaggen
-und viele Bagage fiel in die Hände der Abteilung von
-dem Fort. Durch den Kanonendonner in ihrem Rücken
-fürchteten die Tories und Indianer zwischen zwei Feuer
-genommen zu werden. Sie zogen sich zurück unter Mitnahme
+eine Diversion auszuführen. Diese fielen in das englische
+Lager ein und plünderten einen Teil davon. 5 Flaggen
+und viele Bagage fiel in die Hände der Abteilung von
+dem Fort. Durch den Kanonendonner in ihrem Rücken
+fürchteten die Tories und Indianer zwischen zwei Feuer
+genommen zu werden. Sie zogen sich zurück unter Mitnahme
von einigen Gefangenen, die den Schrecknissen
der indianischen Folterqualen entgegengingen, doch liessen
sie viele Tote auf dem Gefechtsfelde. Was von den
-Milizen übrig blieb, zog sich nach Fort Schuyler zurück,
+Milizen übrig blieb, zog sich nach Fort Schuyler zurück,
da wo jetzt die Stadt Utica steht. Diese blutige Affaire
ist das Gefecht von Oriskany genannt worden. Sie besiegelte
das Schicksal von St. Legers Expedition und
@@ -5241,13 +5199,13 @@ Tage nach dem Gefecht. Aber nach kaum einer Woche
hob Benedict Arnold mit einer kleinen Truppenabteilung
und den wieder gesammelten Milizen des Thales die Belagerung
von Fort Stanwix auf, und St. Leger, den viele
-von den Indianern verliessen, zog sich mit den Überbleibseln
-seines Korps nach Oswego zurück, indem er
-seine Zelte und eine beträchtliche Bagage im Stich liess.</p>
+von den Indianern verliessen, zog sich mit den Überbleibseln
+seines Korps nach Oswego zurück, indem er
+seine Zelte und eine beträchtliche Bagage im Stich liess.</p>
<p>Burgoyne war durch die Niederlage von Baum und
St. Leger etwas niedergeschlagen, aber er setzte seine
-Hoffnung auf Hilfe von Süden her und fühlte sich durch
+Hoffnung auf Hilfe von Süden her und fühlte sich durch
die Befehle, die er von England bekommen hatte, gebunden.</p>
@@ -5261,160 +5219,160 @@ die Befehle, die er von England bekommen hatte, gebunden.</p>
<p>Nach der Niederlage von Bennington blieb Burgoyne
noch beinahe einen Monat in der Umgegend von Fort Edward
und hinter der Linie des Battenkill. Diese Zeit wurde benutzt,
-um Vorräte anzuhäufen und Boote vom Lake Champlain
+um Vorräte anzuhäufen und Boote vom Lake Champlain
nach dem Lake George zu schaffen. Am 13. September
-1777 ging die Armee bei Schuylerville über den Hudson
-und verliess die rückwärtigen Verbindungslinien um einen
-kühnen Stoss auf Albany zur Vereinigung mit Sir William
+1777 ging die Armee bei Schuylerville über den Hudson
+und verliess die rückwärtigen Verbindungslinien um einen
+kühnen Stoss auf Albany zur Vereinigung mit Sir William
Howe zu machen. 180 Boote begleiteten die Armee,
deren linke Flanke sich an den Hudson anlehnte. Diese
-Boote führten für einen Monat Lebensmittel mit sich.
-»Jetzt fingen wir wieder an in unserem lieben gesalzenen
-Pökelfleisch und Brot zu arbeiten,« schreibt ein deutscher
-Offizier. »Liebe Freunde, verachtet diese königlichen Gerichte
-nicht, die wirklich einen königlichen Preis kosten, denn
+Boote führten für einen Monat Lebensmittel mit sich.
+»Jetzt fingen wir wieder an in unserem lieben gesalzenen
+Pökelfleisch und Brot zu arbeiten,« schreibt ein deutscher
+Offizier. »Liebe Freunde, verachtet diese königlichen Gerichte
+nicht, die wirklich einen königlichen Preis kosten, denn
der Transport von England ist gewiss nicht billig gewesen.
-Pökelfleisch Mittags und Abends. Pökelfleisch warm und
-kalt. Freunde! ungeachtet Eurer grünen Erbsen und Krebsschwänze
-würdet Ihr unser Pökelfleisch mit Ekel angesehen
+Pökelfleisch Mittags und Abends. Pökelfleisch warm und
+kalt. Freunde! ungeachtet Eurer grünen Erbsen und Krebsschwänze
+würdet Ihr unser Pökelfleisch mit Ekel angesehen
<span class="pagenum"><a name="Seite_121" id="Seite_121">[S. 121]</a></span>
-haben, und doch war es für uns ein herrliches Gericht,
-ohne welches wir umgekommen sein würden; und wenn
-wir später genug Pökelfleisch gehabt hätten, hätte uns
-unser Unglück nicht nach Boston geführt.« Während
-dessen strömten die Amerikaner, ermutigt durch ihren Sieg
+haben, und doch war es für uns ein herrliches Gericht,
+ohne welches wir umgekommen sein würden; und wenn
+wir später genug Pökelfleisch gehabt hätten, hätte uns
+unser Unglück nicht nach Boston geführt.« Während
+dessen strömten die Amerikaner, ermutigt durch ihren Sieg
bei Bennington und ihren Erfolg im Mohawk-Thale, in das
Lager von Gates bei Stillwater. Sie hatten keine Uniformen,
-waren aber zum grössten Teil gut bewaffnet mit Büchsen
-und Jagdgewehren, welche sie von Jugendzeit an fortwährend
-geführt hatten. Es wurde Burgoyne am 7. September
-gemeldet, dass ihrer 14 oder 15000 wären. Da
+waren aber zum grössten Teil gut bewaffnet mit Büchsen
+und Jagdgewehren, welche sie von Jugendzeit an fortwährend
+geführt hatten. Es wurde Burgoyne am 7. September
+gemeldet, dass ihrer 14 oder 15000 wären. Da
gab es keine andere Wahl als anzugreifen oder den Feldzug
aufzugeben.</p>
-<p>Die Armee trat ihren Marsch nach Süden in drei
+<p>Die Armee trat ihren Marsch nach Süden in drei
Kolonnen an. Die rechte war unter Brigade-General
-Fraser, dem stürmischen Befehlshaber der leichten Truppen.
+Fraser, dem stürmischen Befehlshaber der leichten Truppen.
Das Zentrum wurde von Burgoyne selbst kommandiert,
und die linke, am Hudson, von Riedesel. Die britische
Armee konnte nur langsam vorgehen wegen der wiederherzustellenden
-Wege und Brücken. Die Marschleistung
+Wege und Brücken. Die Marschleistung
betrug durchschnittlich 2 Meilen den Tag. Am Nachmittag
des 19. September wurde Burgoynes mittlere Kolonne bei
-Freeman's Farm, nördlich Stillwater energisch angegriffen.
-Die Engländer besetzten mit einigen Kanonen ein ausgerodetes
-Stück Land. Die Amerikaner hatten keine
+Freeman's Farm, nördlich Stillwater energisch angegriffen.
+Die Engländer besetzten mit einigen Kanonen ein ausgerodetes
+Stück Land. Die Amerikaner hatten keine
Artillerie. Das Gefecht dauerte den ganzen Nachmittag,
-und wurde auf beiden Seiten mit grosser Tapferkeit geführt.
+und wurde auf beiden Seiten mit grosser Tapferkeit geführt.
Gegen Einbruch der Nacht kam Riedesel mit 7 Kompagnien
deutscher Infanterie und 2 Kanonen Burgoyne zu Hilfe,
-griff die rechte Flanke der Amerikaner an und überschüttete
-sie mit Kartätschen. Die Engländer schlossen
+griff die rechte Flanke der Amerikaner an und überschüttete
+sie mit Kartätschen. Die Engländer schlossen
sich wieder zusammen und feuerten, und die Amerikaner
wurden geworfen, nahmen aber ihre Verwundeten mit und
-ungefähr 100 Gefangene. Sie hatten ungefähr 320 Mann
-verloren, die Briten annähernd zweimal soviel. Die
-Letzteren behaupteten zwar das Feld und mögen daher
+ungefähr 100 Gefangene. Sie hatten ungefähr 320 Mann
+verloren, die Briten annähernd zweimal soviel. Die
+Letzteren behaupteten zwar das Feld und mögen daher
<span class="pagenum"><a name="Seite_122" id="Seite_122">[S. 122]</a></span>
den Sieg beanspruchen, aber es war ein nutzloser Sieg,
den sie nicht im Stande waren auszubeuten. Am 20.
fing Burgoyne an seine Stellung zu befestigen. Die Aussicht
auf Erfolg war von nun ab nur durch das Zusammenwirken
-mit der Armee von Süden her bedingt &mdash; eine
+mit der Armee von Süden her bedingt &mdash; eine
Hilfe, die niemals kam.</p>
<p>Die Deutschen leisteten Burgoyne im Laufe dieses
Tages die wichtigsten Dienste. Breymann mit den Grenadieren
-und der leichten Infanterie zeichnete sich früh
+und der leichten Infanterie zeichnete sich früh
am Nachmittag aus, indem er einem englischen Regiment,
-das im Weichen begriffen war, zu Hilfe kam. Kapitän
+das im Weichen begriffen war, zu Hilfe kam. Kapitän
Pausch von der Hanauschen Artillerie mit seinen zwei
-Sechspfündern entschieden die Schlacht. Breymann und
-Pausch wurden beide von Burgoyne öffentlich belobt.</p>
+Sechspfündern entschieden die Schlacht. Breymann und
+Pausch wurden beide von Burgoyne öffentlich belobt.</p>
-<p>Inzwischen war die Armee ernstlich im Rücken bedroht
+<p>Inzwischen war die Armee ernstlich im Rücken bedroht
worden. Oberst Brown, der unter dem Befehl von
General Lincoln operierte, hatte einige der Aussenwerke
-von Ticonderoga mit ungefähr 300 Gefangenen genommen,
-war aber von dem Haupt-Fort zurückgeworfen worden.</p>
+von Ticonderoga mit ungefähr 300 Gefangenen genommen,
+war aber von dem Haupt-Fort zurückgeworfen worden.</p>
<p>Baronin Riedesel hatte die Armee auf ihrem Marsche
begleitet. Sie war ermutigt worden, sagt sie, als sie
-General Burgoyne hat sagen hören, dass Engländer niemals
-zurückgingen. Jedoch wurde sie misstrauisch, als sie
+General Burgoyne hat sagen hören, dass Engländer niemals
+zurückgingen. Jedoch wurde sie misstrauisch, als sie
merkte, dass alle Offiziers-Frauen, die bei der Armee
-waren, alle Operations-Pläne kannten, und sie erinnerte
-sich, dass in der Armee des Prinzen Ferdinand im 7jährigen
+waren, alle Operations-Pläne kannten, und sie erinnerte
+sich, dass in der Armee des Prinzen Ferdinand im 7jährigen
Krieg alles sehr geheim gehalten wurde. Nun aber waren
den Amerikanern alle feindlichen Absichten bekannt und
-sie erwarteten die Engländer, wohin sie sich auch immer
+sie erwarteten die Engländer, wohin sie sich auch immer
wandten.</p>
<p>Frau von Riedesel war Augenzeugin der Schlacht am
-19. September und zitterte bei jedem Schuss für das
+19. September und zitterte bei jedem Schuss für das
Leben ihres Gemahls. Drei verwundete Offiziere wurden
in das Haus gebracht in dem sie wohnte, und einer von
-ihnen, der Neffe von Leuten, die in England sehr gütig
+ihnen, der Neffe von Leuten, die in England sehr gütig
gegen sie gewesen waren, starb wenige Tage darauf an
<span class="pagenum"><a name="Seite_123" id="Seite_123">[S. 123]</a></span>
den Folgen einer Operation. Die Baronin konnte seine
-letzten Seufzer durch die dünne Wand hören.</p>
+letzten Seufzer durch die dünne Wand hören.</p>
<p>Der Zustand der Armee wurde bald ein sehr bedenklicher.
Die Lebensmittel wurden knapp, Wein und Kaffee
schrecklich teuer. Uniformen und Kleider zerrissen in
-den Büschen und durchweichten bei dem Kampieren auf
+den Büschen und durchweichten bei dem Kampieren auf
dem feuchten Boden, und neue konnten um keinen Preis
geschafft werden. Das amerikanische Lager, welches
man von 12&nbsp;000 Mann besetzt glaubte, war so nahe, dass
-man die Trommeln und die Rufe der Soldaten deutlich hören
+man die Trommeln und die Rufe der Soldaten deutlich hören
konnte. Der Wald war aber so dicht, dass man es nicht sehen
-konnte. Die Engländer hatten eine Schiffbrücke über den
-Hudson gebaut, und es wurden Kundschafter hinübergeschickt,
+konnte. Die Engländer hatten eine Schiffbrücke über den
+Hudson gebaut, und es wurden Kundschafter hinübergeschickt,
die versuchen sollten, das Lager vom andern Ufer
-aus einzusehen; dies war aber nicht möglich gewesen.</p>
+aus einzusehen; dies war aber nicht möglich gewesen.</p>
<p>Ein von Sir Henry Clinton in Geheimschrift geschriebener
Brief, der vom 10. September datiert war, langte am
-21. an. Clinton kündigte seine Absicht an, in 10 Tagen
+21. an. Clinton kündigte seine Absicht an, in 10 Tagen
Fort Montgomery am Hudson anzugreifen. Burgoyne
-sandte den Boten sofort zurück mit einem Briefe, der in
+sandte den Boten sofort zurück mit einem Briefe, der in
eine silberne Kugel eingeschlossen war, welche Sir Henry
-direkt eingehändigt werden sollte. Dieser Brief sollte
+direkt eingehändigt werden sollte. Dieser Brief sollte
Clinton zur Eile antreiben und ihn veranlassen, eine
-Diversion zu Gunsten Burgoynes herbeizuführen. Der
+Diversion zu Gunsten Burgoynes herbeizuführen. Der
Bote nahm seinen Weg durch das feindliche Land nach
Fort Montgomery, aber hier scheint ihn seine Geistesgegenwart
-verlassen zu haben. Er soll nämlich amerikanische
-Truppen für englische gehalten, nach General
+verlassen zu haben. Er soll nämlich amerikanische
+Truppen für englische gehalten, nach General
Clinton gefragt und nicht eher seinen Irrtum gemerkt
haben, als bis er &mdash; nicht vor Sir Henry, sondern vor den
-amerikanischen General geführt wurde. Darauf schluckte
-der Unglückliche die Kugel hinunter, doch wurde ihm
+amerikanischen General geführt wurde. Darauf schluckte
+der Unglückliche die Kugel hinunter, doch wurde ihm
ein Brechmittel verordnet, die Depesche wurde gefunden
-und der Bote als Spion gehängt.</p>
+und der Bote als Spion gehängt.</p>
<p>Am 6. Oktober wurden die Forts Clinton und
-Montgomery von Sir Henry Clinton gestürmt. Ein
+Montgomery von Sir Henry Clinton gestürmt. Ein
<span class="pagenum"><a name="Seite_124" id="Seite_124">[S. 124]</a></span>
Anspachisches Regiment, ein Hessisches und 2 Kompagnien
-hessischer Jäger, welche letztere erst vor kurzem von
+hessischer Jäger, welche letztere erst vor kurzem von
Europa angekommen waren, hatten an dieser Waffenthat
teil genommen. Der Hudson stand nun den Briten vollkommen
-offen. Dies würde der richtige Moment gewesen
-sein, um zu Burgoynes Unterstützung einen Vorstoss zu
-machen, aber Sir William Howe hatte den grösseren Teil
+offen. Dies würde der richtige Moment gewesen
+sein, um zu Burgoynes Unterstützung einen Vorstoss zu
+machen, aber Sir William Howe hatte den grösseren Teil
seiner Armee nach Philadelphia dirigiert und nur ein
kleines Korps unter General Vaughan kam sengend und
-plündernd den Hudson hinauf.</p>
+plündernd den Hudson hinauf.</p>
<p>Burgoynes Situation wurde mit jedem Tage kritischer.
Am 4. Oktober wurde die Ration der Soldaten um 1/3
-heruntergesetzt. Desertionen waren häufiger vorgekommen
+heruntergesetzt. Desertionen waren häufiger vorgekommen
trotz strenger Strafe; selbst die Todesstrafe verhinderte
-sie nicht. Kleinere Scharmützel kamen häufiger vor. Das
+sie nicht. Kleinere Scharmützel kamen häufiger vor. Das
Wetter war furchtbar heiss und die Armee verging vor
-Unthätigkeit.</p>
+Unthätigkeit.</p>
<p>An dem Tage, an welchem die Leute auf kleinere
Ration gesetzt worden waren, berief General Burgoyne
@@ -5422,189 +5380,189 @@ einen Kriegsrat. Die Generale Phillips, Riedesel und
Fraser waren zugegen. Burgoyne schlug ihnen vor, die
Gegend am Fluss zu verlassen und zu versuchen, die
amerikanische linke Flanke zu umgehen. 800 Mann
-sollten zum Schutz der Boote und Vorräte zurückgelassen
+sollten zum Schutz der Boote und Vorräte zurückgelassen
werden. Der Rest der Armee sollte sich an der Unternehmung
beteiligen. Man entgegnete aber, dass die
Strassen und Stellungen der Amerikaner nicht bekannt
-wären, dass drei oder vier Tage nötig sein würden, um
-die amerikanische Flanke zu umgehen, und dass während
-dieser ganzen Zeit die Vorräte unter einer schwachen
-Bedeckung zurückgelassen werden müssten. Man kam zu
-keinem bestimmten Entschluss am 4., es wurde daher für
+wären, dass drei oder vier Tage nötig sein würden, um
+die amerikanische Flanke zu umgehen, und dass während
+dieser ganzen Zeit die Vorräte unter einer schwachen
+Bedeckung zurückgelassen werden müssten. Man kam zu
+keinem bestimmten Entschluss am 4., es wurde daher für
den Abend des 5. ein zweiter Kriegsrat befohlen. In diesem
-erklärte Riedesel, dass die Lage der Armee von einer
-Beschaffenheit wäre, dass, wenn sie nicht in einem Tage
+erklärte Riedesel, dass die Lage der Armee von einer
+Beschaffenheit wäre, dass, wenn sie nicht in einem Tage
den Feind erreichen, ihn angreifen und die Sache zur
<span class="pagenum"><a name="Seite_125" id="Seite_125">[S. 125]</a></span>
-Entscheidung bringen könnte, es dienlicher wäre, sich
-wieder über den Hudson hinter den Battenkill zurückzuziehen,
-um dort die Annäherung Clintons zu erwarten.
-Dort könnte die Armee nicht von Fort George abgeschnitten
+Entscheidung bringen könnte, es dienlicher wäre, sich
+wieder über den Hudson hinter den Battenkill zurückzuziehen,
+um dort die Annäherung Clintons zu erwarten.
+Dort könnte die Armee nicht von Fort George abgeschnitten
werden. Fraser stimmte Riedesel bei. Phillips
wollte keine bestimmte Meinung aussprechen, und Burgoyne
-dem es zu hart ankam, eine rückwärtige Bewegung zu
-machen, erklärte, er wollte am 7. eine Rekognoszierung
+dem es zu hart ankam, eine rückwärtige Bewegung zu
+machen, erklärte, er wollte am 7. eine Rekognoszierung
vornehmen, und, wenn sich bei dieser zeigte, dass der Feind
-nicht mit Erfolg angegriffen werden könnte, den Rückzug
+nicht mit Erfolg angegriffen werden könnte, den Rückzug
antreten.</p>
-<p>Am 6. Oktober 1777 wurde für 4 Tage Verpflegung
-ausgegeben, und am 7. um 10 Uhr morgens rückten
+<p>Am 6. Oktober 1777 wurde für 4 Tage Verpflegung
+ausgegeben, und am 7. um 10 Uhr morgens rückten
1500 Mann, unter denen 500 Deutsche waren, mit 8 Bronze-Kanonen
und 2 Haubitzen zur Rekognoszierung aus dem
Lager. Die vier Generale beteiligten sich daran, die
Expedition war aus allen Teilen der Armee zusammengesetzt.
-Sie gingen bis auf eine Anhöhe ungefähr 3/4 Meilen von
-dem amerikanischen linken Flügel entfernt vor &mdash; nach
+Sie gingen bis auf eine Anhöhe ungefähr 3/4 Meilen von
+dem amerikanischen linken Flügel entfernt vor &mdash; nach
Riedesel eine sehr schlechte Stellung, wo man nichts vom
Feinde sehen konnte. Brigade-General Fraser kommandierte
-den rechten Flügel, die deutschen Detachements waren im
+den rechten Flügel, die deutschen Detachements waren im
Zentrum, Major Ackland mit den englischen Grenadieren
-auf dem linken Flügel. Es wurde beschlossen, den Angriff
+auf dem linken Flügel. Es wurde beschlossen, den Angriff
abzuwarten, und Brigade-General Fraser unternahm
es, die Fourage von zwei Scheunen wegtransportieren zu
lassen. Kleine feindliche Detachements erschienen von
-Zeit zu Zeit, und man ergötzte sich daran, Kanonen auf
-sie abzufeuern, bis plötzlich ein heftiges Musketenfeuer
-auf dem linken Flügel gehört wurde, und unmittelbar
-darauf Acklands Grenadiere zurückgelaufen kamen, indem
-sie ihren Führer verwundet zurückliessen.</p>
-
-<p>Der deutsche linke Flügel wurde auf diese Weise
-entblöst und in Unordnung zurückgeworfen, die hessischen
+Zeit zu Zeit, und man ergötzte sich daran, Kanonen auf
+sie abzufeuern, bis plötzlich ein heftiges Musketenfeuer
+auf dem linken Flügel gehört wurde, und unmittelbar
+darauf Acklands Grenadiere zurückgelaufen kamen, indem
+sie ihren Führer verwundet zurückliessen.</p>
+
+<p>Der deutsche linke Flügel wurde auf diese Weise
+entblöst und in Unordnung zurückgeworfen, die hessischen
Kanonen in Gefahr gebracht. Diese blieben noch einige
-Zeit in Thätigkeit, wurden aber schliesslich genommen.
+Zeit in Thätigkeit, wurden aber schliesslich genommen.
<span class="pagenum"><a name="Seite_126" id="Seite_126">[S. 126]</a></span>
-Der britische rechte Flügel scheint länger als der linke
-und der übrige Teil der Linie ausgehalten zu haben, aber
-nach einiger Zeit wurde General Fraser tötlich verwundet
-und seine Leute zurückgedrängt, hielt sich jedoch in
-besserer Ordnung als der linke Flügel. Auch die Deutschen
-gingen in ziemlicher Auflösung zurück unter Zurücklassung
+Der britische rechte Flügel scheint länger als der linke
+und der übrige Teil der Linie ausgehalten zu haben, aber
+nach einiger Zeit wurde General Fraser tötlich verwundet
+und seine Leute zurückgedrängt, hielt sich jedoch in
+besserer Ordnung als der linke Flügel. Auch die Deutschen
+gingen in ziemlicher Auflösung zurück unter Zurücklassung
aller zur Rekognoszierung mitgenommenen Kanonen.</p>
-<p>Die zurückgehenden Abteilungen warfen sich in eine
+<p>Die zurückgehenden Abteilungen warfen sich in eine
Redoute und behaupteten ihre Stellungen bis zum Ende
des Nachmittags trotz der wiederholten und verzweifelten
Angriffe der Amerikaner.</p>
<p>Oberstlieutenant Breymann hielt sich in einer kleinen
-Redoute auf dem äussersten rechten Flügel der diesseitigen
+Redoute auf dem äussersten rechten Flügel der diesseitigen
Stellung. Sein Korps war durch die bei Bennington und
-am 19. September erlittenen Verluste auf ungefähr
+am 19. September erlittenen Verluste auf ungefähr
500 Mann zusammengeschmolzen; 300 von diesen hatten
an der Rekognoszierung teilgenommen und waren nun
-mit den übrigen in die grosse Redoute auf dem rechten
-Flügel zurückgeworfen. Der Teil der britischen Linie,
+mit den übrigen in die grosse Redoute auf dem rechten
+Flügel zurückgeworfen. Der Teil der britischen Linie,
welcher Breymanns Redoute mit der Hauptstellung verband,
war frei von Besatzung. Die Amerikaner nahmen
-ihren Weg durch diese Lücke in der Linie, Breymann
-und seine 200 Mann wurden in Rücken und Flanke angegriffen,
+ihren Weg durch diese Lücke in der Linie, Breymann
+und seine 200 Mann wurden in Rücken und Flanke angegriffen,
der Oberstlieutenant totgeschossen und die
Leute entweder durch die Flucht gerettet oder gefangen
genommen.</p>
<p>Als die Nachricht hiervon zum Hauptkorps drang,
-murrten einige Engländer über die Haltung ihrer deutschen
-Bundesgenossen. Aufgebracht hierüber, sammelte Oberstlieutenant
-von Specht 4 Offiziere und ungefähr 50 Mann
+murrten einige Engländer über die Haltung ihrer deutschen
+Bundesgenossen. Aufgebracht hierüber, sammelte Oberstlieutenant
+von Specht 4 Offiziere und ungefähr 50 Mann
um sich, brach mit diesen auf durch den dunkeln Wald,
um Breymanns Redoute wiederzunehmen. Er verlor den
-Weg und wurde durch einen verräterischen Führer in die
-Hände der Amerikaner geliefert.</p>
+Weg und wurde durch einen verräterischen Führer in die
+Hände der Amerikaner geliefert.</p>
<p>Die Amerikaner fochten an diesem Tage mit grosser
-Tapferkeit und hatten den Vorteil der Überlegenheit an
+Tapferkeit und hatten den Vorteil der Überlegenheit an
<span class="pagenum"><a name="Seite_127" id="Seite_127">[S. 127]</a></span>
-Zahl, aber waren ohne einen hinlänglichen Führer. Weder
+Zahl, aber waren ohne einen hinlänglichen Führer. Weder
Gates noch Lincoln erschienen auf dem Felde. Benedict
Arnold, welcher kein besonderes Kommando hatte, focht
-mit seinem gewöhnlichen, keine Gefahr achtenden Mut,
+mit seinem gewöhnlichen, keine Gefahr achtenden Mut,
aber er hatte nicht das Talent eines Strategen. Er wurde
bei der Einnahme von Breymanns Redoute schwer verwundet;
-es wäre ein Glück für ihn gewesen, wenn seine
-Wunde tötlich gewesen wäre.</p>
-
-<p>Es blieb Burgoynes Armee nichts anderes übrig, als
-sich zurückzuziehen. Einige Eile würde vielleicht ihr
-Entkommen gesichert haben, aber überall war Unordnung
-und Langsamkeit. Früh am Morgen des 8. Oktober 1777
-wurden die Briten und Deutschen auf den Höhen, von
-denen man den Hudson übersieht, gesammelt. Hier wurde
+es wäre ein Glück für ihn gewesen, wenn seine
+Wunde tötlich gewesen wäre.</p>
+
+<p>Es blieb Burgoynes Armee nichts anderes übrig, als
+sich zurückzuziehen. Einige Eile würde vielleicht ihr
+Entkommen gesichert haben, aber überall war Unordnung
+und Langsamkeit. Früh am Morgen des 8. Oktober 1777
+wurden die Briten und Deutschen auf den Höhen, von
+denen man den Hudson übersieht, gesammelt. Hier wurde
am Abend desselben Tages General Fraser beerdigt, an
-einer Stelle, welche er sich selbst als Ruheort ausgewählt
+einer Stelle, welche er sich selbst als Ruheort ausgewählt
hatte. Er war schwer verwundet in das Haus, welches
Baronin Riedesel inne hatte, gebracht; er hatte mit ihrem
-Gemahl zusammen am siebenjährigen Kriege teilgenommen.
+Gemahl zusammen am siebenjährigen Kriege teilgenommen.
Die Baronin hatte die Absicht, am 7. ein kleines Diner
-zu geben. »Der General Fraser,« sagt sie, »und ich
+zu geben. »Der General Fraser,« sagt sie, »und ich
glaube, auch die Generale Burgoyne und Phillips sollten
denselben Tag bei mir zu Mittag essen. Ich sah viel
Bewegung unter den Truppen. Mein Mann sagte mir, es
sollte eine Rekognoszierung gemacht werden, welches mir
-nicht auffiel, weil dieses öfters geschehen. Auf meinem
-Rückweg nach Hause begegneten mir viele Wilde in ihrer
+nicht auffiel, weil dieses öfters geschehen. Auf meinem
+Rückweg nach Hause begegneten mir viele Wilde in ihrer
Kriegskleidung und mit Flinten. Auf meine Frage, wo
-sie hingingen, riefen sie mir zu: »War! War!« das hiess,
+sie hingingen, riefen sie mir zu: »War! War!« das hiess,
dass sie zur Schlacht gingen, welches mich ganz zu Boden
-schlug, und kaum war ich zurückgekommen, so hörte ich
-auch plänkeln, und nach und nach immer stärker feuern,
-bis endlich das Lärmen gar arg wurde. Es war eine
+schlug, und kaum war ich zurückgekommen, so hörte ich
+auch plänkeln, und nach und nach immer stärker feuern,
+bis endlich das Lärmen gar arg wurde. Es war eine
erschreckliche Kanonade, und ich war mehr tot als
lebendig. Gegen 3 Uhr nachmittags, anstatt dass meine
-Gäste hätten sollen zu mir zum Essen kommen, brachte
+Gäste hätten sollen zu mir zum Essen kommen, brachte
<span class="pagenum"><a name="Seite_128" id="Seite_128">[S. 128]</a></span>
man mir auf einer Trage den armen General Fraser,
-einen der erwarteten Mittagsgäste, tötlich verwundet.
+einen der erwarteten Mittagsgäste, tötlich verwundet.
Unser Esstisch, der schon gedeckt war, wurde weggenommen,
-und man setzte an dessen Stelle ein Bett für
+und man setzte an dessen Stelle ein Bett für
den General. Ich sass in einer Ecke der Stube, zitternd
-und bebend. Der Lärm wurde immer stärker. Der Gedanke,
-dass man mir meinen Mann so bringen könnte,
-war mir entsetzlich und quälte mich unaufhörlich. Der
-General sagte dem Wundarzt: »Verschweigen Sie mir
-nichts! Muss ich sterben?...« Ich hörte ihn oft seufzend
-ausrufen: »Oh bad ambition! poor General Burgoyne!
-poor Mistress Fraser!««</p>
-
-<p>Der General kämpfte die Nacht hindurch mit dem
+und bebend. Der Lärm wurde immer stärker. Der Gedanke,
+dass man mir meinen Mann so bringen könnte,
+war mir entsetzlich und quälte mich unaufhörlich. Der
+General sagte dem Wundarzt: »Verschweigen Sie mir
+nichts! Muss ich sterben?...« Ich hörte ihn oft seufzend
+ausrufen: »Oh bad ambition! poor General Burgoyne!
+poor Mistress Fraser!««</p>
+
+<p>Der General kämpfte die Nacht hindurch mit dem
Tode und starb am folgenden Morgen. Das Haus war
-derartig überfüllt, dass die Baronin ihre Kinder auf den
+derartig überfüllt, dass die Baronin ihre Kinder auf den
Hausflur bringen musste, damit sie durch ihr etwaiges
Schreien dem sterbenden Manne nicht beschwerlich fallen
-möchten. Sein Leichnam lag den ganzen Tag in ihrem
-Zimmer. Als sein Stab und die Generäle sich um sein
+möchten. Sein Leichnam lag den ganzen Tag in ihrem
+Zimmer. Als sein Stab und die Generäle sich um sein
Grab versammelt hatten, schossen die Amerikaner, die
hiervon nichts ahnten, auf die Trauer-Versammlung. So
wurde, unter dem Feuer der feindlichen Kanonen als
-Trauersalut, der tapfere Führer der leichten Truppen zur
+Trauersalut, der tapfere Führer der leichten Truppen zur
letzten Ruhe gebettet.</p>
<p>Um 10 Uhr abends des 8. brach die Armee nach
-Norden auf. Riedesel kommandierte die Tête der Kolonne.
-Das Lazareth mit seinen 800 Insassen wurde zurückgelassen.
-Die Boote mit dem, was an Vorräten noch
-übrig war, nahmen ihren Weg langsam stromaufwärts.
+Norden auf. Riedesel kommandierte die Tête der Kolonne.
+Das Lazareth mit seinen 800 Insassen wurde zurückgelassen.
+Die Boote mit dem, was an Vorräten noch
+übrig war, nahmen ihren Weg langsam stromaufwärts.
Die Wachtfeuer liess man brennen, um die amerikanischen
-Feldwachen zu täuschen.</p>
+Feldwachen zu täuschen.</p>
<div class="figcenter" style="width: 343px;">
<img src="images/illu-0151.jpg" width="343" height="600" alt="" />
-<span class="caption">BURGOYNE'S ÜBERGABE.<br />
+<span class="caption">BURGOYNE'S ÜBERGABE.<br />
October 1777.</span>
</div>
<p>General Burgoynes Armee legte nur eine kurze
-Strecke in jener Nacht zurück und hielt dann bis zum
+Strecke in jener Nacht zurück und hielt dann bis zum
folgenden Nachmittag. Am Abend des 9. besetzten die
-Briten das Dorf Saratoga. Während der Nacht durchwateten
-sie den Fishkill und lagerten auf der Höhe in
+Briten das Dorf Saratoga. Während der Nacht durchwateten
+sie den Fishkill und lagerten auf der Höhe in
<span class="pagenum"><a name="Seite_129" id="Seite_129">[S. 129]</a></span>
dem Winkel zwischen diesem Fluss und dem Hudson.
So hatte vom Abend des 7. bis zum Morgen des 10. Burgoyne,
-für welchen Zeitgewinn von allergrösster Wichtigkeit
-war, nur etwas mehr als 8 Meilen sich zurückgezogen.</p>
+für welchen Zeitgewinn von allergrösster Wichtigkeit
+war, nur etwas mehr als 8 Meilen sich zurückgezogen.</p>
@@ -5614,42 +5572,42 @@ war, nur etwas mehr als 8 Meilen sich zurückgezogen.</p>
<h3>Saratoga, vom 11. bis 16. Oktober 1777.</h3>
-<p>In dem Lager nördlich des Fishkill machte Burgoyne
+<p>In dem Lager nördlich des Fishkill machte Burgoyne
Halt und nahm seinen Marsch von hier aus nicht wieder
auf. Oberstleutnant Southerland war vorgeschickt worden,
-um eine Brücke über den Hudson bei Fort Edward zu
-bauen, wurde aber sofort wieder zurückberufen. Bei Tagesanbruch
+um eine Brücke über den Hudson bei Fort Edward zu
+bauen, wurde aber sofort wieder zurückberufen. Bei Tagesanbruch
am 11. machte eine amerikanische Brigade einen
-Vorstoss über den Fishkill, nahm sämtliche Boote und
-viele Vorräte, machte einige Gefangene und zog sich vor
-einem heftigen Kartätschfeuer zurück. Den ganzen Tag
-lang wurde die englische Armee in Front und Rücken
+Vorstoss über den Fishkill, nahm sämtliche Boote und
+viele Vorräte, machte einige Gefangene und zog sich vor
+einem heftigen Kartätschfeuer zurück. Den ganzen Tag
+lang wurde die englische Armee in Front und Rücken
mit Kanonen beschossen.</p>
-<p>Am Abend beschied General Burgoyne die Generäle
+<p>Am Abend beschied General Burgoyne die Generäle
Riedesel und Phillips zu sich, um sich mit ihnen
-über das Wohl und Wehe der Armee zu beratschlagen.
-Burgoyne selbst hielt es für unmöglich, den Feind anzugreifen
+über das Wohl und Wehe der Armee zu beratschlagen.
+Burgoyne selbst hielt es für unmöglich, den Feind anzugreifen
oder die eigene Stellung zu halten, wenn er
-im Zentrum und auf dem rechten Flügel angegriffen
-werden würde. General Riedesel machte deshalb den
-Vorschlag, in der Nacht unter Zurücklassung der Bagage
+im Zentrum und auf dem rechten Flügel angegriffen
+werden würde. General Riedesel machte deshalb den
+Vorschlag, in der Nacht unter Zurücklassung der Bagage
abzuziehen, den Hudson 4 Meilen unterhalb Fort Edward
-zu durchwaten und durch die Wälder nach Fort George
+zu durchwaten und durch die Wälder nach Fort George
zu gelangen zu suchen. Es wurde aber keine Entscheidung
getroffen.</p>
<p>Ein anderer Kriegsrat wurde unter Hinzuziehung
-von zwei Brigade-Generälen am folgenden Nachmittag
+von zwei Brigade-Generälen am folgenden Nachmittag
gehalten. General Riedesel bestand auf seinem Plan vom
-Tage vorher »sehr emphatisch und mit eindringlichen
+Tage vorher »sehr emphatisch und mit eindringlichen
<span class="pagenum"><a name="Seite_130" id="Seite_130">[S. 130]</a></span>
-Worten«, und man stimmte dem Plan bei. Aber es war
+Worten«, und man stimmte dem Plan bei. Aber es war
vergessen worden, Verpflegung an die Truppen auszugeben,
-und so wurde der Abmarsch auf abends spät verschoben.
+und so wurde der Abmarsch auf abends spät verschoben.
Um 10 Uhr liess Riedesel Burgoyne sagen, dass alles
zum Abmarsch bereit sei, aber er erhielt zur Antwort,
-dass es bereits zu spät sei, um noch irgend etwas zu
+dass es bereits zu spät sei, um noch irgend etwas zu
unternehmen. So wurde die letzte Chance preisgegeben,
denn am andern Morgen war die Armee vollkommen
umzingelt.</p>
@@ -5657,30 +5615,30 @@ umzingelt.</p>
<p>Am 13. Oktober wurde ein dritter Kriegsrat, dem
auch die Regiments-Kommandeure beiwohnten, zusammenberufen.
General Burgoyne setzte die Hoffnungslosigkeit
-der Situation auseinander. Nur noch für fünf Tage wären
-Vorräte vorhanden. Das ganze britische Lager könnte
-von den feindlichen Kartätschen und Flintenkugeln erreicht
-werden. Gates Armee hätte hinter einem morastigen
+der Situation auseinander. Nur noch für fünf Tage wären
+Vorräte vorhanden. Das ganze britische Lager könnte
+von den feindlichen Kartätschen und Flintenkugeln erreicht
+werden. Gates Armee hätte hinter einem morastigen
Hohlweg Stellung genommen, und zwar so, dass, wenn Burgoyne
angreifen wollte, er sich so weit vom Hudson
-entfernen müsste, dass die Amerikaner den Fluss
-überschreiten und ihn im Rücken angreifen würden.
+entfernen müsste, dass die Amerikaner den Fluss
+überschreiten und ihn im Rücken angreifen würden.
Selbst wenn man den Feind erfolgreich angegriffen
-und durchbrochen haben würde, so wären doch nicht
+und durchbrochen haben würde, so wären doch nicht
Lebensmittel genug vorhanden, um nach Fort George
zu gelangen. Die Stellung, welche die Armee nunmehr
-einnähme, wäre im Zentrum und auf dem rechten Flügel
-unhaltbar. (Dies war die Terrainstrecke, welche hauptsächlich
+einnähme, wäre im Zentrum und auf dem rechten Flügel
+unhaltbar. (Dies war die Terrainstrecke, welche hauptsächlich
von den Deutschen besetzt war.)</p>
-<p>Burgoyne erklärte, dass niemand anders als er selbst
-für die Lage, in der sich die Armee gegenwärtig befände,
-verantwortlich gemacht werden könnte, da er niemand um
+<p>Burgoyne erklärte, dass niemand anders als er selbst
+für die Lage, in der sich die Armee gegenwärtig befände,
+verantwortlich gemacht werden könnte, da er niemand um
Rat gefragt, sondern nur Befolgung seiner Befehle gefordert
-habe. Riedesel dankte Burgoyne für diese Erklärung,
-da hierdurch jedermann überführt würde, dass
-er keinen Anteil an der Leitung der von der Armee ausgeführten
-Bewegungen gehabt hätte, und bat daher alle
+habe. Riedesel dankte Burgoyne für diese Erklärung,
+da hierdurch jedermann überführt würde, dass
+er keinen Anteil an der Leitung der von der Armee ausgeführten
+Bewegungen gehabt hätte, und bat daher alle
<span class="pagenum"><a name="Seite_131" id="Seite_131">[S. 131]</a></span>
englischen Offiziere, ihm dieses zu bezeugen, wenn er
jemals zur Verantwortung gezogen werden sollte.</p>
@@ -5688,116 +5646,116 @@ jemals zur Verantwortung gezogen werden sollte.</p>
<p>Hierauf legte Burgoyne dem Kriegsrat folgende
Fragen vor:</p>
-<p>1. Ob in der Kriegsgeschichte Beispiele wären, dass
-eine Armee in dieser Lage kapituliert hätte.</p>
+<p>1. Ob in der Kriegsgeschichte Beispiele wären, dass
+eine Armee in dieser Lage kapituliert hätte.</p>
<p>2. Ob in einer solchen Lage eine Kapitulation entehrend
sei.</p>
<p>3. Ob die Armee wirklich in der Lage sei, kapitulieren
-zu müssen.</p>
+zu müssen.</p>
<p>Auf die erste Frage antworteten alle, dass die Lage
-der sächsischen Armee bei Pirna, des Generals Fink bei
+der sächsischen Armee bei Pirna, des Generals Fink bei
Maxen und des Prinzen Moritz von Sachsen nicht so
-schlimm und hülflos gewesen wäre, als die, worin sich
-gegenwärtig die Armee befände; und dass niemand die
-Generäle hätte tadeln können, die, um ihre Armeen zu
-retten, in solcher Lage kapituliert hätten; ausser, dass
-der König von Preussen den General v. Fink, jedoch
-hauptsächlich aus persönlicher Ungnade, kassiert hätte.</p>
+schlimm und hülflos gewesen wäre, als die, worin sich
+gegenwärtig die Armee befände; und dass niemand die
+Generäle hätte tadeln können, die, um ihre Armeen zu
+retten, in solcher Lage kapituliert hätten; ausser, dass
+der König von Preussen den General v. Fink, jedoch
+hauptsächlich aus persönlicher Ungnade, kassiert hätte.</p>
<p>Auf die zweite Frage antworteten alle, dass aus den
-eben angeführten Gründen die Kapitulation nicht entehrend
-sein könne. Und auf die dritte Frage stimmten alle darin
-überein, dass, wenn der General Burgoyne die Möglichkeit
-sähe, den Feind anzugreifen, sie bereit wären, ihr Blut
+eben angeführten Gründen die Kapitulation nicht entehrend
+sein könne. Und auf die dritte Frage stimmten alle darin
+überein, dass, wenn der General Burgoyne die Möglichkeit
+sähe, den Feind anzugreifen, sie bereit wären, ihr Blut
und Leben aufzuopfern; wenn dies aber nicht thunlich
-sei, so hielten sie es für besser, durch eine ehrenvolle
-Kapitulation dem Könige die Truppen zu retten, als
-durch ein noch längeres »Anstehen« Gefahr zu laufen,
-wenn alle Lebensmittel aufgezehrt wären, sich auf Diskretion
-ergeben zu müssen; oder aber, bei einem Angriff
+sei, so hielten sie es für besser, durch eine ehrenvolle
+Kapitulation dem Könige die Truppen zu retten, als
+durch ein noch längeres »Anstehen« Gefahr zu laufen,
+wenn alle Lebensmittel aufgezehrt wären, sich auf Diskretion
+ergeben zu müssen; oder aber, bei einem Angriff
in dieser fehlerhaften Position gesprengt und dann einzeln
aufgerieben zu werden.</p>
-<p>Nach dieser Erklärung setzte General Burgoyne den
+<p>Nach dieser Erklärung setzte General Burgoyne den
Entwurf zu einer Kapitulation auf, welcher vorteilhaft
-schien und daher einmütig gebilligt wurde. Hierauf wurde
+schien und daher einmütig gebilligt wurde. Hierauf wurde
ein Tambour ins feindliche Lager geschickt um anzu<span class="pagenum"><a name="Seite_132" id="Seite_132">[S. 132]</a></span>zeigen,
dass man am andern Tag einen Stabsoffizier
-hinüberschicken wolle, um mit General Gates Sachen von
-Wichtigkeit zu verhandeln, und während dieser Zeit um
+hinüberschicken wolle, um mit General Gates Sachen von
+Wichtigkeit zu verhandeln, und während dieser Zeit um
Waffenstillstand zu bitten. Dies wurde von General
Gates bewilligt.</p>
<p>Am 14. vormittags 10 Uhr wurde der Major Kingston
-in das amerikanische Lager hinübergeschickt, um die
-Vorschläge Burgoynes zu überbringen, welche in der
+in das amerikanische Lager hinübergeschickt, um die
+Vorschläge Burgoynes zu überbringen, welche in der
Hauptsache darin bestanden, dass seine Armee sich zu
Kriegsgefangenen, jedoch nur unter der Bedingung ergeben
-wolle, dass sie nach Boston geführt und von da
+wolle, dass sie nach Boston geführt und von da
nach England eingeschifft werden sollte, nachdem sie sich
-verpflichtet haben würde, in diesem Kriege, oder bis zu
+verpflichtet haben würde, in diesem Kriege, oder bis zu
ihrer Auswechselung, nicht gegen die Amerikaner zu
dienen.</p>
-<p>General Gates nahm aber diese Vorschläge nicht an,
+<p>General Gates nahm aber diese Vorschläge nicht an,
sondern setzte einen andern Kapitulations-Entwurf in
-6 Artikeln auf, welcher besagte, dass, »da General
+6 Artikeln auf, welcher besagte, dass, »da General
Burgoynes Armee durch wiederholte Niederlagen, Desertion,
-Krankheit etc. zusammengeschmolzen sei, die Vorräte
-erschöpft, die Dienstpferde, Bagage, Zelte genommen
-oder zerstört seien, ihre Rückzugslinien verlegt und ihr
+Krankheit etc. zusammengeschmolzen sei, die Vorräte
+erschöpft, die Dienstpferde, Bagage, Zelte genommen
+oder zerstört seien, ihre Rückzugslinien verlegt und ihr
Lager umgezingelt sei, sie sich kriegsgefangen ergeben
-sollte.«</p>
+sollte.«</p>
-<p>Der sechste Artikel besagte, dass »sobald dieser
+<p>Der sechste Artikel besagte, dass »sobald dieser
Vertrag gebilligt und unterzeichnet sei, die Truppen unter
dem Befehl Seiner Exzellenz des Generals von Burgoyne
-in den Retranchements, in denen sie jetzt stünden, das
+in den Retranchements, in denen sie jetzt stünden, das
Gewehr strecken und sodann nach dem Orte ihrer weiteren
-Bestimmung marschieren sollten.«</p>
+Bestimmung marschieren sollten.«</p>
<p>General Burgoyne liess den Kriegsrat zusammenrufen
und las diese Propositionen des General Gates vor.
-Die Offiziere erklärten alle einmütig, dass sie lieber
+Die Offiziere erklärten alle einmütig, dass sie lieber
Hungers sterben, als solche entehrenden Artikel eingehen
wollten. Major Kingston wurde wieder zu General Gates
-zurückgeschickt, um ihm sagen zu lassen, dass, wenn er nicht
+zurückgeschickt, um ihm sagen zu lassen, dass, wenn er nicht
<span class="pagenum"><a name="Seite_133" id="Seite_133">[S. 133]</a></span>
-von dem 6. Artikel ablassen würde, die Verhandlungen
-sofort abgebrochen würden; die Armee würde eher wie
-ein Mann einen Verzweiflungs-Coup ausführen, als sich
+von dem 6. Artikel ablassen würde, die Verhandlungen
+sofort abgebrochen würden; die Armee würde eher wie
+ein Mann einen Verzweiflungs-Coup ausführen, als sich
diesem Artikel unterwerfen. Der Waffenstillstand wurde
hierauf aufgehoben.</p>
<p>Zu aller Erstaunen langten am folgenden Morgen
-(15. Oktober 1777) neue Vorschläge von General Gates
+(15. Oktober 1777) neue Vorschläge von General Gates
an, worin er alle von Burgoyne vorgeschlagenen Artikel
der Hauptsache nach billigte; es wurde nur noch ausgemacht,
dass die Armee schon an demselben Tage
nachmittags um 2 Uhr aus ihrer Position abmarschieren
sollte.</p>
-<p>Diese plötzliche Veränderung erregte bei den englischen
+<p>Diese plötzliche Veränderung erregte bei den englischen
und deutschen Offizieren Misstrauen. Der Kriegsrat
-beschloss, Gates Vorschläge anzunehmen, wollte aber
+beschloss, Gates Vorschläge anzunehmen, wollte aber
versuchen Zeit zu gewinnen. Eine Kommission, bestehend
aus zwei Stabsoffizieren von jeder Seite, wurde ernannt,
-und diese verhandelte über verschiedene Kleinigkeiten,
-die den Artikeln noch hinzuzufügen waren, bis 11 Uhr
+und diese verhandelte über verschiedene Kleinigkeiten,
+die den Artikeln noch hinzuzufügen waren, bis 11 Uhr
nachts. Die Amerikaner bewilligten alles, was man von
-ihnen verlangte. Die Engländer ihrerseits versprachen,
+ihnen verlangte. Die Engländer ihrerseits versprachen,
dass am andern Morgen die Kapitulation von General
-Burgoyne unterzeichnet und General Gates übersandt
-werden würde. Der Waffenstillstand sollte fortdauern.</p>
+Burgoyne unterzeichnet und General Gates übersandt
+werden würde. Der Waffenstillstand sollte fortdauern.</p>
-<p>Dieselbe Nacht kam ein Überläufer und sagte aus,
+<p>Dieselbe Nacht kam ein Überläufer und sagte aus,
dass er durch dritte Hand erfahren habe, der englische
General Clinton habe nicht allein die Verschanzung von
den Highlands erobert, sondern sei auch schon vor
-8 Tagen bis nach Esopus vorgerückt und müsse aller
+8 Tagen bis nach Esopus vorgerückt und müsse aller
Wahrscheinlichkeit nach schon in Albany angekommen
sein. Burgoyne sowohl, wie verschiedene andere Offiziere
wurden durch diese Nachricht so begeistert, dass sie
@@ -5805,208 +5763,208 @@ grosse Lust bekamen, die Kapitulation zu brechen. Es
wurde noch einmal ein Kriegsrat zusammenberufen,
welcher folgende Fragen beantworten sollte:</p>
-<p>»1. Ob ein Traktat, der von bevollmächtigten
+<p>»1. Ob ein Traktat, der von bevollmächtigten
<span class="pagenum"><a name="Seite_134" id="Seite_134">[S. 134]</a></span>
Kommissarien finaliter arrangieret sei, noch nach dem
Versprechen des Generals, solchen, sobald die Kommissarien
alles applanieret, zu unterzeichnen, mit Ehren
-gebrochen werden könne?</p>
+gebrochen werden könne?</p>
-<p>2. Ob die eingegangenen Nachrichten so hinlänglich
-sicher wären, dass sie ein Bewegungsgrund sein könnten,
+<p>2. Ob die eingegangenen Nachrichten so hinlänglich
+sicher wären, dass sie ein Bewegungsgrund sein könnten,
einen in unserer Lage so vorteilhaften Akkord zu brechen?</p>
<p>3. Ob die Armee wohl noch munteren Geist genug
-hätte, ihre jetzige Stellung bis auf den letzten Mann zu
-verteidigen?«</p>
+hätte, ihre jetzige Stellung bis auf den letzten Mann zu
+verteidigen?«</p>
-<p>Auf die erste Frage erklärten 14 Offiziere gegen 8,
+<p>Auf die erste Frage erklärten 14 Offiziere gegen 8,
dass ein solcher Traktat ohne Verletzung der Ehre nicht
-gebrochen werden könne. Über die zweite waren die
-Stimmen geteilt. Die Verneinenden stützten sich darauf,
-dass der Überbringer der Nachricht alles nur vom Hörensagen
-hätte, und dass, selbst wenn General Clinton wirklich
-in Esopus wäre, die Entfernung von da doch noch
-so gross sein würde, dass er ihnen in ihrer gegenwärtigen
-Lage doch nicht mehr helfen könnte. Auf die dritte
-Frage war die Antwort aller Offiziere vom linken Flügel
-bejahend; die Offiziere vom Zentrum und rechten Flügel
-antworteten aber, dass zwar alle Soldaten den grössten
-Mut bezeigen würden, wenn es zum Angriff des Feindes
+gebrochen werden könne. Über die zweite waren die
+Stimmen geteilt. Die Verneinenden stützten sich darauf,
+dass der Überbringer der Nachricht alles nur vom Hörensagen
+hätte, und dass, selbst wenn General Clinton wirklich
+in Esopus wäre, die Entfernung von da doch noch
+so gross sein würde, dass er ihnen in ihrer gegenwärtigen
+Lage doch nicht mehr helfen könnte. Auf die dritte
+Frage war die Antwort aller Offiziere vom linken Flügel
+bejahend; die Offiziere vom Zentrum und rechten Flügel
+antworteten aber, dass zwar alle Soldaten den grössten
+Mut bezeigen würden, wenn es zum Angriff des Feindes
gehen sollte, dass aber, da ihnen allen das Fehlerhafte
-ihrer Position zu gut bekannt wäre, zu befürchten stände,
-sie würden einen feindlichen Angriff nicht ebenso aushalten.
-Da die braunschweigischen Truppen hauptsächlich
-das Zentrum und den rechten Flügel einnahmen, so
-bezieht sich auf diese Erklärung ihrer Offiziere wahrscheinlich
+ihrer Position zu gut bekannt wäre, zu befürchten stände,
+sie würden einen feindlichen Angriff nicht ebenso aushalten.
+Da die braunschweigischen Truppen hauptsächlich
+das Zentrum und den rechten Flügel einnahmen, so
+bezieht sich auf diese Erklärung ihrer Offiziere wahrscheinlich
eine Bemerkung Burgoynes in einem Privatbrief
-»die Deutschen entmutigt und bereit, bei dem ersten
-Feuer die Waffen zu strecken.«</p>
+»die Deutschen entmutigt und bereit, bei dem ersten
+Feuer die Waffen zu strecken.«</p>
<p>Um doch noch Zeit zu gewinnen, wurde ein letztes
-Mittel versucht. Burgoyne schrieb nämlich am 16. früh
-an General Gates einen Brief, worin er ihm erklärte,
+Mittel versucht. Burgoyne schrieb nämlich am 16. früh
+an General Gates einen Brief, worin er ihm erklärte,
dass er in der vergangenen Nacht von Deserteuren die
<span class="pagenum"><a name="Seite_135" id="Seite_135">[S. 135]</a></span>
Nachricht erhalten habe, dass er, General Gates, einen
ansehnlichen Teil seiner Armee nach Albany detachiert
-hätte und zwar im Laufe der Unterhandlungen; dies wäre
-ganz gegen Treue und Glauben und er, Burgoyne, würde
+hätte und zwar im Laufe der Unterhandlungen; dies wäre
+ganz gegen Treue und Glauben und er, Burgoyne, würde
die Kapitulation nicht eher unterzeichnen, bis sich nicht
-ein Offizier seines Stabes davon überzeugt haben würde,
+ein Offizier seines Stabes davon überzeugt haben würde,
dass die amerikanische Armee drei bis viermal der englischen
-überlegen sei. Gates scheint schliesslich dieses
-Herumführen an der Nase müde geworden zu sein. Er
+überlegen sei. Gates scheint schliesslich dieses
+Herumführen an der Nase müde geworden zu sein. Er
liess als Antwort sagen, dass seine Armee noch dieselbe
-Stärke wie vorher und sogar noch Verstärkung bekommen
-hätte; dass er es ebenso wenig für politisch wie vielmehr
-seiner Ehre nachteilig halten würde, die Stärke seiner
+Stärke wie vorher und sogar noch Verstärkung bekommen
+hätte; dass er es ebenso wenig für politisch wie vielmehr
+seiner Ehre nachteilig halten würde, die Stärke seiner
Armee einem von General Burgoynes Offizieren zu zeigen,
-und dass der General wohl bedenken möchte, was er
-thäte, wenn er sein Ehrenwort bräche; er würde für die
-Folgen verantwortlich sein. Gates fügte hinzu, dass,
-sobald die Kapitulation unterzeichnet sein würde, er bereit
+und dass der General wohl bedenken möchte, was er
+thäte, wenn er sein Ehrenwort bräche; er würde für die
+Folgen verantwortlich sein. Gates fügte hinzu, dass,
+sobald die Kapitulation unterzeichnet sein würde, er bereit
sei, dem General Burgoyne seine ganze Armee zu zeigen,
-und er stände mit seiner Ehre dafür, dass er sie viermal
-so stark als die Britische finden würde, ungerechnet die
-Truppen, die jenseits des Hudson postiert wären. Er
-könne aber jetzt nicht mehr länger als eine Stunde Zeit
-zur Antwort gestatten, und würde nach Verlauf derselben
-sich genötigt sehen, die strengsten Massregeln zu ergreifen.</p>
+und er stände mit seiner Ehre dafür, dass er sie viermal
+so stark als die Britische finden würde, ungerechnet die
+Truppen, die jenseits des Hudson postiert wären. Er
+könne aber jetzt nicht mehr länger als eine Stunde Zeit
+zur Antwort gestatten, und würde nach Verlauf derselben
+sich genötigt sehen, die strengsten Massregeln zu ergreifen.</p>
<p>Hierauf wurde der Kriegsrat noch einmal zusammenberufen,
und Niemand fand sich mehr, der dem General
-zum Brechen seines Wortes geraten hätte. Burgoyne zog
+zum Brechen seines Wortes geraten hätte. Burgoyne zog
die Generale Phillips und Riedesel allein auf die Seite
und bat um ihren freundschaftlichen Rat. Beide schwiegen
-anfänglich stille, bis endlich der General Riedesel erklärte,
+anfänglich stille, bis endlich der General Riedesel erklärte,
dass wenn der General Burgoyne in England zur Verantwortung
-gezogen werden sollte, er nur für die Bewegungen,
-die die Armee in eine solche Lage gebracht hätten, verantwortlich
-sein könnte, und vielleicht wegen der ersten
-Eröffnung einer Kapitulation und deswegen, weil er nicht
+gezogen werden sollte, er nur für die Bewegungen,
+die die Armee in eine solche Lage gebracht hätten, verantwortlich
+sein könnte, und vielleicht wegen der ersten
+Eröffnung einer Kapitulation und deswegen, weil er nicht
<span class="pagenum"><a name="Seite_136" id="Seite_136">[S. 136]</a></span>
-frühzeitig genug den Rückzug so weit gemacht, dass man
+frühzeitig genug den Rückzug so weit gemacht, dass man
Herr der Kommunikation mit dem Fort George geblieben
-wäre. Nun aber nach allen gethanen Schritten hielt es
-Riedesel noch viel gefährlicher, den Tractat auf eine ungewisse
-und unzuverlässige Nachricht hin zu brechen.</p>
+wäre. Nun aber nach allen gethanen Schritten hielt es
+Riedesel noch viel gefährlicher, den Tractat auf eine ungewisse
+und unzuverlässige Nachricht hin zu brechen.</p>
<p>Gleicher Meinung war der Brigadier Hamilton, der
-hinzu kam und auch darüber befragt wurde. General
+hinzu kam und auch darüber befragt wurde. General
Phillips sagte nur, dass die Lage der Dinge eine derartige
-sei, dass er weder Rat noch Hilfe ausfindig machen könne.
-Nach vielem Überlegen hin und her entschloss sich Burgoyne
+sei, dass er weder Rat noch Hilfe ausfindig machen könne.
+Nach vielem Überlegen hin und her entschloss sich Burgoyne
schliesslich zu unterzeichnen, und hierauf wurde die unterzeichnete
Kapitulation an General Gates gesandt.</p>
-<p>Es übergaben sich im Ganzen 5791 Mann. Riedesel
+<p>Es übergaben sich im Ganzen 5791 Mann. Riedesel
hat festgestellt, dass nicht mehr als 4000 von diesen
-dienstfähig waren. Die Zahl der Deutschen, die sich
+dienstfähig waren. Die Zahl der Deutschen, die sich
ergaben ist von Eelking auf 2431 festgestellt worden, von
-denen die getötet, verwundet und vermisst wurden vom
+denen die getötet, verwundet und vermisst wurden vom
6. Oktober an auf 1122. Der Gesamt-Verlust der Briten
und ihrer Hilfstruppen an Toten, Verwundeten, Gefangenen
-und Deserteuren während dieser Kampagne, einschliesslich
-der Verluste von St. Legers Expedition, betrug annähernd
-9000 Köpfe.</p>
+und Deserteuren während dieser Kampagne, einschliesslich
+der Verluste von St. Legers Expedition, betrug annähernd
+9000 Köpfe.</p>
<p>Die Tage, welche der Uebergabe vorausgegangen
waren, waren Tage der Verwirrung gewesen. Baronin
Riedesel sagt, dass sie am Abend des 9. Oktober in Saratoga,
-nachdem sie während des ganzen Tages nur eine
-halbe Stunde zurückgelegt hatten, den General Phillips
-gefragt habe, warum sie denn den Rückzug nicht fortsetzten,
-da es doch noch Zeit wäre. Der General bewunderte
-ihre Entschlossenheit und wünschte, sie hätte
-den Befehl über die Armee. Dieselbe Dame erwähnt,
-dass Burgoyne die Hälfte jener verhängnisvollen Nacht
+nachdem sie während des ganzen Tages nur eine
+halbe Stunde zurückgelegt hatten, den General Phillips
+gefragt habe, warum sie denn den Rückzug nicht fortsetzten,
+da es doch noch Zeit wäre. Der General bewunderte
+ihre Entschlossenheit und wünschte, sie hätte
+den Befehl über die Armee. Dieselbe Dame erwähnt,
+dass Burgoyne die Hälfte jener verhängnisvollen Nacht
singend und trinkend zugebracht und sich mit seiner
-Maitresse amüsiert habe.</p>
+Maitresse amüsiert habe.</p>
<p>Die Armee war dem Elend und der Unordnung
anheim gefallen. Am 10. verpflegte die Baronin mehr als
<span class="pagenum"><a name="Seite_137" id="Seite_137">[S. 137]</a></span>
-30 Offiziere aus ihren Privat-Vorräten, »denn wir hatten
+30 Offiziere aus ihren Privat-Vorräten, »denn wir hatten
einen Koch, der, ob er gleich ein Erzschelm war, doch
-zu allem Rat wusste, und oft des Nachts kleine Flüsse
-passierte, um den Landleuten Hämmel, Hühner und
+zu allem Rat wusste, und oft des Nachts kleine Flüsse
+passierte, um den Landleuten Hämmel, Hühner und
Schweine zu stehlen, die er sich nachher gut bezahlen
-liess von uns, wie wir erst in der Folge erfahren haben.«
-Diese Vorräte waren nun erschöpft, und die Dame in
+liess von uns, wie wir erst in der Folge erfahren haben.«
+Diese Vorräte waren nun erschöpft, und die Dame in
ihrer Verzweiflung rief den General-Adjutanten, der ihr
-gerade in den Wurf kam, zu sich heran, er möchte
-Burgoyne über den grossen Mangel, an dem die in Dienst
+gerade in den Wurf kam, zu sich heran, er möchte
+Burgoyne über den grossen Mangel, an dem die in Dienst
verwundeten Offiziere litten, in Kenntnis setzen. Der
kommandierende General nahm dies gut auf, kam selbst
zu ihr und dankte ihr, dass sie ihn an seine Pflicht
-erinnert hätte, und gab Befehl, dass Lebensmittel verteilt
+erinnert hätte, und gab Befehl, dass Lebensmittel verteilt
werden sollten. Die Baronin glaubte, dass Burgoyne ihr
nie diese Einmischung verziehen habe. Es scheint mir,
nach den Aufzeichnungen Beider, dass eher sie und ihr
Gemahl als Burgoyne einen heimlichen Groll hegten. Die
Denkschrift, welche General Riedesel verfasste und von
-seinen Offizieren gleich nach der Übergabe unterzeichnet
+seinen Offizieren gleich nach der Übergabe unterzeichnet
wurde, ist eine lange Anklage gegen Burgoyne und legt
-die üblen Folgen dar, dass man den Schreiber nicht
-um Rat gefragt oder seine Pläne nicht pünktlich zur
-Ausführung gebracht habe. Es ist klar, dass Riedesel
-Burgoyne für das Unglück der Armee verantwortlich
-machte, das Unglück, welches ihm so zu Herzen ging,
-dass sein Körper und seine Gemütsstimmung längere Zeit
-ernstlich darunter litten. Burgoyne schrieb im Frühjahr
+die üblen Folgen dar, dass man den Schreiber nicht
+um Rat gefragt oder seine Pläne nicht pünktlich zur
+Ausführung gebracht habe. Es ist klar, dass Riedesel
+Burgoyne für das Unglück der Armee verantwortlich
+machte, das Unglück, welches ihm so zu Herzen ging,
+dass sein Körper und seine Gemütsstimmung längere Zeit
+ernstlich darunter litten. Burgoyne schrieb im Frühjahr
1778, bevor er Amerika verliess an den Herzog von
-Braunschweig und pries Riedesels grosse Fähigkeiten und
+Braunschweig und pries Riedesels grosse Fähigkeiten und
die Art, wie er die Befehle seines vorgesetzten Offiziers
-ausgeführt hätte. &mdash; Hieraufhin schrieb Riedesel einen
+ausgeführt hätte. &mdash; Hieraufhin schrieb Riedesel einen
sehr freundlichen Brief an Burgoyne, in welchem er ihm
-in seinem und seiner Offiziere Namen für die ihnen bewiesene
-Güte dankte. »Wenn auch unsere Bemühungen
-nicht vom Glück gekrönt worden sind«, fährt er fort,
+in seinem und seiner Offiziere Namen für die ihnen bewiesene
+Güte dankte. »Wenn auch unsere Bemühungen
+nicht vom Glück gekrönt worden sind«, fährt er fort,
<span class="pagenum"><a name="Seite_138" id="Seite_138">[S. 138]</a></span>
-»so wissen wir doch wohl, dass es nicht Ihr Fehler war,
-sondern dass die Armee ein Opfer der Wechselfälle des
-Krieges geworden ist.« Dieser einzige Ausdruck des
+»so wissen wir doch wohl, dass es nicht Ihr Fehler war,
+sondern dass die Armee ein Opfer der Wechselfälle des
+Krieges geworden ist.« Dieser einzige Ausdruck des
Vertrauens ist mit dem, was Riedesel zu andern Zeiten
und an anderer Stelle sagt, nicht in Einklang zu bringen.
-Die oben erwähnte militärische Denkschrift, die in dem
-Buch der Baronin veröffentlicht ist, ist ein genügender
-Beweis dafür. In demselben Sinne sind Riedesels Bemerkungen
-über Burgoynes Feldzugs-Bericht aufgefasst.
+Die oben erwähnte militärische Denkschrift, die in dem
+Buch der Baronin veröffentlicht ist, ist ein genügender
+Beweis dafür. In demselben Sinne sind Riedesels Bemerkungen
+über Burgoynes Feldzugs-Bericht aufgefasst.
Diese Bemerkungen, welche an den Herzog von Braunschweig
und an seine Landsleute gerichtet waren, sind
datiert Cambridge, 8. April 1778, etwas mehr als einen
-Monat später als der oben erwähnte Brief. Sie beklagen
-ausdrücklich, dass General Burgoyne, während er von
-Riedesel selbst mit Anerkennung spräche, über die
+Monat später als der oben erwähnte Brief. Sie beklagen
+ausdrücklich, dass General Burgoyne, während er von
+Riedesel selbst mit Anerkennung spräche, über die
Leistungen der Truppen leicht hinwegginge. Die Klagen
des deutschen Generals in dieser Beziehung sind aber,
Burgoynes Bericht nach, nur wenig gerechtfertigt.</p>
-<p>Doch wir müssen zur Baronin zurückkehren. Am
+<p>Doch wir müssen zur Baronin zurückkehren. Am
Nachmittag des 10. Oktober nahmen die Amerikaner das
-Feuer auf die Engländer wieder auf. »Mein Mann liess
-mir sagen, dass ich mich unverzüglich nach einem Hause
+Feuer auf die Engländer wieder auf. »Mein Mann liess
+mir sagen, dass ich mich unverzüglich nach einem Hause
begeben sollte, welches nicht weit von da war. Ich setzte
mich in die Kalesche mit meinen Kindern, und kaum sind
wir im Begriff bei dem Hause anzukommen, so sehe ich
an dem jenseitigen Ufer des Hudson-Flusses sechs bis
sieben Menschen mit Flinten, die auf uns zielen. Fast
-unwillkürlich werfe ich die Kinder in den Fond der
-Kalesche und mich über sie; in demselben Augenblick
+unwillkürlich werfe ich die Kinder in den Fond der
+Kalesche und mich über sie; in demselben Augenblick
schiessen die Kerle und zerschmettern hinter mir einem
armen englischen Soldaten, der schon blessiert war und
sich auch nach dem Hause retten wollte, einen Arm.
-Gleich nach unserer Ankunft begann eine fürchterliche
-Kanonade, welche grösstenteils nach dem Hause, worin
+Gleich nach unserer Ankunft begann eine fürchterliche
+Kanonade, welche grösstenteils nach dem Hause, worin
wir Schutz gesucht, gerichtet war, vermutlich weil die
-Feinde glaubten, da sie viel Leute dorthin strömen sahen,
+Feinde glaubten, da sie viel Leute dorthin strömen sahen,
<span class="pagenum"><a name="Seite_139" id="Seite_139">[S. 139]</a></span>
-dass die Generalität sich dort befände. Ach, es waren
+dass die Generalität sich dort befände. Ach, es waren
nichts als Verwundete oder Frauen! Wir wurden endlich
-genötigt, in einem Keller unsere Zuflucht zu nehmen, wo
-ich mich in eine Ecke unweit der Thür lagerte. Meine
-Kinder lagen auf der Erde, mit ihren Köpfen auf meinem
+genötigt, in einem Keller unsere Zuflucht zu nehmen, wo
+ich mich in eine Ecke unweit der Thür lagerte. Meine
+Kinder lagen auf der Erde, mit ihren Köpfen auf meinem
Schooss. So blieben wir die ganze Nacht. Ein entsetzlicher
Geruch, das Geschrei der Kinder, und noch mehr
als alles dieses, meine Angst, verhinderten mich ein Auge
@@ -6014,40 +5972,40 @@ zuzuthun.</p>
<p>Den andern Morgen ging die Kanonade wieder an,
aber von einer andern Seite. Ich riet, dass alle aus dem
-Keller ein wenig herausgehen möchten, während dessen
+Keller ein wenig herausgehen möchten, während dessen
ich ihn wollte reinigen lassen, weil wir sonst alle krank
-werden würden. Man folgte meinem Rat und liess von
-Vielen Hand anlegen, was bei der weitläufigen Arbeit
-höchst nötig war. Wie alles heraus war, besah ich mir
-unsern Zufluchtsort; es waren drei schöne Keller, die recht
-gut gewölbt waren. Ich that den Vorschlag, dass in den
-einen die am gefährlichsten blessierten Offiziere gebracht
+werden würden. Man folgte meinem Rat und liess von
+Vielen Hand anlegen, was bei der weitläufigen Arbeit
+höchst nötig war. Wie alles heraus war, besah ich mir
+unsern Zufluchtsort; es waren drei schöne Keller, die recht
+gut gewölbt waren. Ich that den Vorschlag, dass in den
+einen die am gefährlichsten blessierten Offiziere gebracht
werden sollten; die Frauen sollten in dem andern sein,
-und alle Übrigen in dem dritten, der dem Ausgang am
-nächsten war.</p>
+und alle Übrigen in dem dritten, der dem Ausgang am
+nächsten war.</p>
-<p>Ich hatte gut auskehren und mit Essig räuchern
+<p>Ich hatte gut auskehren und mit Essig räuchern
lassen, und man fing bereits an, jeder seinen Platz einzunehmen,
-als neue entsetzliche Kanonenschüsse alles
+als neue entsetzliche Kanonenschüsse alles
wieder in Alarm brachten. Mehrere, die kein Recht
-hatten hineinzugehen, stürzten nach der Thüre. Meine
-Kinder waren schon die Kellertreppe hinunter, und wir hätten
-Alle können erdrückt werden, wenn Gott mir nicht Kräfte
-geschenkt hätte, mich vor die Thür zu stellen und mit
+hatten hineinzugehen, stürzten nach der Thüre. Meine
+Kinder waren schon die Kellertreppe hinunter, und wir hätten
+Alle können erdrückt werden, wenn Gott mir nicht Kräfte
+geschenkt hätte, mich vor die Thür zu stellen und mit
ausgebreiten Armen allen den Eingang zu verwehren;
-sonst wäre gewiss jemand von uns zu Schaden gekommen.
+sonst wäre gewiss jemand von uns zu Schaden gekommen.
Elf Kanonenkugeln gingen durchs Haus und wir konnten
-sie deutlich über unsere Köpfe hinwegrollen hören. Einem
+sie deutlich über unsere Köpfe hinwegrollen hören. Einem
armen Soldaten, dem man ein Bein abnehmen wollte und
dieserhalb auf den Tisch gelegt hatte, nahm eine Kanonen<span class="pagenum"><a name="Seite_140" id="Seite_140">[S. 140]</a></span>kugel
mittlerweile das andere Bein fort. Seine Kameraden
waren alle davon gelaufen, und wie sie wieder zu ihm
kamen, fanden sie ihn in einer Ecke der Stube, wo er
sich vor Angst hingerollt hatte, und kaum noch athmend.
-Ich war mehr tot als lebendig, doch nicht so viel über
-unsere eigene Gefahr, als über die, in welcher mein Mann
+Ich war mehr tot als lebendig, doch nicht so viel über
+unsere eigene Gefahr, als über die, in welcher mein Mann
schwebte, der jedoch oft fragen liess, wie es uns ginge,
-und mir sagen liess, dass er wohl wäre.</p>
+und mir sagen liess, dass er wohl wäre.</p>
<p>Der Major Harnich und seine Frau, eine Madame
Rennels, die schon ihren Mann verloren hatte, die Frau
@@ -6056,20 +6014,20 @@ so gutherzig mit mir geteilt hatte, die Frau des Kommissars
und ich, wir waren die einzigen Damen, die bei der Armee
waren. Wir sassen eben zusammen und beklagten unser
Schicksal, als jemand hereinkam und man sich in die
-Ohren flüsterte und sich einander traurig ansah. Ich bemerkte
+Ohren flüsterte und sich einander traurig ansah. Ich bemerkte
dieses und dass auf mich Blicke geworfen wurden,
ohne dass mir weiter etwas gesagt ward. Dieses erweckte
in mir den schrecklichen Gedanken, dass mein Mann geblieben
sei. Ich schrie laut auf; man versicherte mich
aber, dass dieses nicht sei, sondern winkte mir zu, dass
-den Mann der armen Lieutenantin dieses Unglück betroffen
+den Mann der armen Lieutenantin dieses Unglück betroffen
habe. Diese wurde auch einen Augenblick nachher
herausgerufen. Der Mann war noch nicht tot, aber
eine Kanonenkugel hatte ihm den Arm oben an der
-Schulter weggenommen. Wir hörten die ganze Nacht
+Schulter weggenommen. Wir hörten die ganze Nacht
sein Winseln, welches doppelt und desto grausender in
-diesen Kellergewölben wiederhallte; und der Arme starb
-erst gegen Morgen. Wir brachten übrigens diese Nacht
+diesen Kellergewölben wiederhallte; und der Arme starb
+erst gegen Morgen. Wir brachten übrigens diese Nacht
wie die vorige zu. Indessen kam mein Mann, mich zu
besuchen, welches meinen Kummer linderte und mir wieder
Mut gab.</p>
@@ -6080,31 +6038,31 @@ und Madame Rennels machten sich in einer Ecke eine
kleine Stube und Gardinen davor. Man wollte mir eine
<span class="pagenum"><a name="Seite_141" id="Seite_141">[S. 141]</a></span>
andere Ecke ebenso zurecht machen, ich zog aber vor,
-nahe an der Thür zu bleiben, da ich auf den Fall von
+nahe an der Thür zu bleiben, da ich auf den Fall von
Feuersgefahr daselbst eher herauskonnte. Ich liess eine
Streu machen und legte meine Betten darauf, wo ich mit
meinen Kindern schlief, nicht weit von uns schliefen
-meine Frauen. Gegenüber waren drei englische Offiziere
+meine Frauen. Gegenüber waren drei englische Offiziere
einquartiert, die, zwar blessiert, jedoch entschlossen waren,
-im Fall des Rückzuges nicht zurückzubleiben. Einer derselben
+im Fall des Rückzuges nicht zurückzubleiben. Einer derselben
war ein Kapitain Green, Adjutant des Generals
-Phillips, ein sehr schätzbarer und artiger Mann. Alle
+Phillips, ein sehr schätzbarer und artiger Mann. Alle
drei versicherten mich mit einem Eide, dass sie im Fall
-eines schleunigen Rückzuges mich nicht verlassen und
+eines schleunigen Rückzuges mich nicht verlassen und
ein jeder von ihnen eines meiner Kinder mit auf sein
-Pferd nehmen wollte. Für mich stand eines von meines
-Mannes Pferden immer gesattelt bereit. Öfters war mein
+Pferd nehmen wollte. Für mich stand eines von meines
+Mannes Pferden immer gesattelt bereit. Öfters war mein
Mann Willens, mich, um mich der Gefahr zu entziehen,
zu den Amerikanern zu schicken; ich stellte ihm aber
-vor, dass es noch ärger als alles, was ich jetzt ausstehen
-müsste, sein würde, mit Leuten zu sein, denen ich mit
-Schonung würde begegnen müssen, während dass mein
-Mann sich mit ihnen herumschlüge; er versprach mir
+vor, dass es noch ärger als alles, was ich jetzt ausstehen
+müsste, sein würde, mit Leuten zu sein, denen ich mit
+Schonung würde begegnen müssen, während dass mein
+Mann sich mit ihnen herumschlüge; er versprach mir
also, dass ich ferner der Armee folgen sollte. Manchmal
bekam ich jedoch in der Nacht die Angst, dass er fortmarschiert
-wäre, und kroch aus meinem Keller, um zuzusehen;
+wäre, und kroch aus meinem Keller, um zuzusehen;
wenn ich dann die Truppen in den schon kalten
-Nächten um die Feuer herumliegen sah, so konnte ich
+Nächten um die Feuer herumliegen sah, so konnte ich
wieder ruhiger schlafen.</p>
<p>Auch die mir anvertrauten Sachen verursachten mir
@@ -6113,84 +6071,84 @@ stecken, weil mir immer so sehr angst war, etwas davon
zu verlieren, und ich nahm mir fest vor, in Zukunft mich
nicht mehr mit dergleichen zu befassen. Den dritten Tag
fand ich erst Gelegenheit und einen Augenblick, um die
-Wäsche zu wechseln, da man die Gefälligkeit hatte, mir
-einen kleinen Winkel hierzu einzuräumen; während der
-Zeit standen meine drei vorerwähnten Offiziere nicht weit
+Wäsche zu wechseln, da man die Gefälligkeit hatte, mir
+einen kleinen Winkel hierzu einzuräumen; während der
+Zeit standen meine drei vorerwähnten Offiziere nicht weit
<span class="pagenum"><a name="Seite_142" id="Seite_142">[S. 142]</a></span>
davon Schildwache. Einer dieser Herrn konnte sehr
-natürlich das Brüllen einer Kuh und Blöken eines Kalbes
+natürlich das Brüllen einer Kuh und Blöken eines Kalbes
nachahmen: und wenn meine kleine Tochter Fritzchen
des Nachts weinte, so machte er es ihr vor, sie ward
wieder stille und wir mussten lachen.</p>
<p>Unser Koch verschaffte uns Essen, aber es fehlte
-uns an Wasser; und ich war öfters genötigt, um nur den
-Durst zu löschen, Wein zu trinken und auch den Kindern
+uns an Wasser; und ich war öfters genötigt, um nur den
+Durst zu löschen, Wein zu trinken und auch den Kindern
welchen zu geben. Es war auch fast das einzige, was
mein Mann zu sich nahm; welches endlich unsern treuen
-Jäger Rockel ängstigte, so dass er mir eines Tages sagte:
-»Ich befürchte, dass der General aus Besorgnis, in Gefangenschaft
-zu geraten, des Lebens überdrüssig ist, weil
-er so viel Wein trinkt.« Die beständige Gefahr, in welcher
+Jäger Rockel ängstigte, so dass er mir eines Tages sagte:
+»Ich befürchte, dass der General aus Besorgnis, in Gefangenschaft
+zu geraten, des Lebens überdrüssig ist, weil
+er so viel Wein trinkt.« Die beständige Gefahr, in welcher
mein Mann schwebte, setzte mich in ewige Angst. Ich
war die einzige unter allen den Frauen, deren Mann nicht
-geblieben war oder sonst ein Unglück gehabt hatte, und
-sagte mir daher oft: »Sollte ich die einzige Glückliche
-sein?« besonders, da mein Mann Tag und Nacht so sehr
+geblieben war oder sonst ein Unglück gehabt hatte, und
+sagte mir daher oft: »Sollte ich die einzige Glückliche
+sein?« besonders, da mein Mann Tag und Nacht so sehr
der Gefahr ausgesetzt war. Er kam keine Nacht in das
-Zelt und lag alle Nächte draussen beim Wachtfeuer.
-Das alles konnte schon sein Tod sein, da die Nächte so
+Zelt und lag alle Nächte draussen beim Wachtfeuer.
+Das alles konnte schon sein Tod sein, da die Nächte so
nasskalt waren.</p>
<p>Da so grosser Mangel an Wasser bei uns war, so
fanden wir endlich eine Soldatenfrau, die den Mut hatte,
Wasser vom Flusse zu holen, was keiner mehr unternehmen
-wollte, weil der Feind alle Männer, die nach
+wollte, weil der Feind alle Männer, die nach
dem Flusse gingen, auf den Kopf schoss. Dieser Frau
thaten sie nichts aus Achtung vor ihrem Geschlecht, wie
sie uns selbst hernachmals sagten.</p>
<p>Ich suchte mich dadurch zu zerstreuen, dass ich mich
-viel mit unsern Blessierten beschäftigte. Ich machte
+viel mit unsern Blessierten beschäftigte. Ich machte
ihnen Thee und Kaffee und bekam dagegen tausend
-Segenswünsche. Oft teilte ich auch mein Mittagsessen
+Segenswünsche. Oft teilte ich auch mein Mittagsessen
mit ihnen. Eines Tages kam ein canadischer Offizier in
unsern Keller, der sich kaum noch aufrecht erhalten
<span class="pagenum"><a name="Seite_143" id="Seite_143">[S. 143]</a></span>
konnte. Wir kriegten endlich von ihm heraus, dass er
-fast Hungers stürbe. Ich fand mich sehr glücklich, ihm
-mein Essen anbieten zu können, welches ihn wieder zu
-Kräften brachte und mir seine Freundschaft erwarb. Bei
-unserer nachmaligen Zurückkunft nach Canada lernte ich
-seine Familie kennen. Eine unserer grössten Beschwerden
+fast Hungers stürbe. Ich fand mich sehr glücklich, ihm
+mein Essen anbieten zu können, welches ihn wieder zu
+Kräften brachte und mir seine Freundschaft erwarb. Bei
+unserer nachmaligen Zurückkunft nach Canada lernte ich
+seine Familie kennen. Eine unserer grössten Beschwerden
war der Geruch der Wunden, wenn sie anfingen zu eitern.</p>
<p>Einst unternahm ich die Kur eines Majors Plumfield,
Adjutanten des Generals Phillips, dem eine kleine Flintenkugel
durch die beiden Backen gegangen war und ihm
-die Zähne zerschmettert und die Zunge gestreift hatte.
+die Zähne zerschmettert und die Zunge gestreift hatte.
Er konnte gar nichts im Munde behalten; die Materie
erstickte ihn fast, und er war nicht im Stande, andere
Nahrung zu sich zu nehmen als ein wenig Bouillon oder
-sonst etwas Flüssiges. Wir hatten Rheinwein. Ich gab
-ihm eine Bouteille, in der Hoffnung, dass die Säure des
-Weines seine Wunde reinigen würde. Er nahm immer
-etwas davon in den Mund, und das allein that so glückliche
+sonst etwas Flüssiges. Wir hatten Rheinwein. Ich gab
+ihm eine Bouteille, in der Hoffnung, dass die Säure des
+Weines seine Wunde reinigen würde. Er nahm immer
+etwas davon in den Mund, und das allein that so glückliche
Wirkung, dass er geheilt wurde, wodurch ich wieder
einen Freund mehr bekam. Und so hatte ich mitten in
meinen Leiden- und Kummerstunden Augenblicke freudigen
-Genusses, die mich sehr glücklich machten.</p>
+Genusses, die mich sehr glücklich machten.</p>
-<p>An einem dieser Tage wünschte General Phillips
-mich zu besuchen und begleitete meinen Mann, der täglich
+<p>An einem dieser Tage wünschte General Phillips
+mich zu besuchen und begleitete meinen Mann, der täglich
ein- oder zweimal mit Gefahr seines Lebens zu mir kam.
-Er sah unsere Lage und hörte mich meinen Mann flehentlich
-bitten, mich im Fall eines schleunigen Rückzuges
-nicht zurückzulassen, er redete mir selbst das Wort dabei,
-wie er meinen grossen Widerwillen sah, in den Händen
+Er sah unsere Lage und hörte mich meinen Mann flehentlich
+bitten, mich im Fall eines schleunigen Rückzuges
+nicht zurückzulassen, er redete mir selbst das Wort dabei,
+wie er meinen grossen Widerwillen sah, in den Händen
der Amerikaner zu sein. Beim Weggehen sagte er zu
-meinem Manne: »Nein, um zehntausend Guineen komme
-ich nicht wieder hierher, denn mein Herz ist ganz zerrissen.«</p>
+meinem Manne: »Nein, um zehntausend Guineen komme
+ich nicht wieder hierher, denn mein Herz ist ganz zerrissen.«</p>
<p>Indessen verdienten nicht alle, die bei uns waren,
Mitleid. Es waren auch Feige darunter, die um nichts
@@ -6199,32 +6157,32 @@ gerieten, sich recht gut in Reihe und Glied
stellen und paradieren konnten. Wir blieben sechs Tage
in dieser schrecklichen Lage. Endlich sprach man von
Kapitulieren, da man zu lange gezaudert hatte und der
-Rückzug nun abgeschnitten war. Es wurde ein Waffenstillstand
-gemacht, und mein Mann, der ganz erschöpft
+Rückzug nun abgeschnitten war. Es wurde ein Waffenstillstand
+gemacht, und mein Mann, der ganz erschöpft
war, konnte in dem Hause zum erstenmal seit geraumer
Zeit sich wieder einmal zu Bett legen. Damit seine Ruhe
-gar nicht gestört wurde, hatte ich ihm in einer kleinen
+gar nicht gestört wurde, hatte ich ihm in einer kleinen
Stube ein gutes Bett machen lassen und legte mich mit
meinen Kindern und meinen beiden Frauen in einem Saal
-daneben schlafen. Aber ungefähr um 1 Uhr in der Nacht
+daneben schlafen. Aber ungefähr um 1 Uhr in der Nacht
kam jemand und verlangte ihn zu sprechen. Mit dem
-grössten Widerwillen sah ich mich genötigt, ihn aufzuwecken.
+grössten Widerwillen sah ich mich genötigt, ihn aufzuwecken.
Ich bemerkte, dass ihm die Botschaft nicht angenehm
war, dass er den Mann sogleich nach dem Hauptquartier
abfertigte und sich dann verdriesslich wieder
niederlegte. Bald darauf liess der General Burgoyne
alle andern Generale und Stabsoffiziere zu einem Kriegsrate,
-der gleich am frühen Morgen abgehalten werden
+der gleich am frühen Morgen abgehalten werden
sollte, zusammenberufen, in welchem er auf einen erhaltenen
falschen Bericht vorschlug, die Kapitulation zu
brechen, die bereits mit dem Feinde gemacht worden.
Es wurde aber endlich entschieden, dass dieses weder
-thunlich noch ratsam sei; und dieses war ein Glück für
+thunlich noch ratsam sei; und dieses war ein Glück für
uns, denn die Amerikaner sagten uns nachher, dass, wenn
wir die Kapitulation gebrochen, wir alle massakriert worden
-wären, welches sie desto leichter thun konnten, da wir
-nicht über 4 bis 5000 Mann stark waren und wir ihnen
-Zeit gelassen hatten, über 20&nbsp;000 zusammen zu bringen.</p>
+wären, welches sie desto leichter thun konnten, da wir
+nicht über 4 bis 5000 Mann stark waren und wir ihnen
+Zeit gelassen hatten, über 20&nbsp;000 zusammen zu bringen.</p>
<p>Am 16. Oktober des Morgens musste mein Mann
wieder auf seinen Posten und ich nochmals in meinen
@@ -6238,28 +6196,28 @@ verteilet. Die gute Frau, welche uns immer Wasser geholt,
machte eine treffliche Suppe davon. Ich hatte allen
Appetit verloren und die ganze Zeit nichts zu mir genommen
als eine in Wein getunkte Brotrinde. Die
-blessierten Offiziere, meine Unglücksgefährten, schnitten
-das beste Stück Rindfleisch ab und präsentierten es mir
-mit einem Teller Suppe. Ich sagte ihnen, ich wäre nicht
-vermögend etwas zu essen; da sie aber sahen, wie nötig
-es für mich war, etwas Nahrung zu mir zu nehmen, so
-erklärten sie, dass sie selbst nicht einen Bissen anrühren
-würden, bis ich ihnen das Vergnügen gemacht hätte, davon
+blessierten Offiziere, meine Unglücksgefährten, schnitten
+das beste Stück Rindfleisch ab und präsentierten es mir
+mit einem Teller Suppe. Ich sagte ihnen, ich wäre nicht
+vermögend etwas zu essen; da sie aber sahen, wie nötig
+es für mich war, etwas Nahrung zu mir zu nehmen, so
+erklärten sie, dass sie selbst nicht einen Bissen anrühren
+würden, bis ich ihnen das Vergnügen gemacht hätte, davon
zu nehmen. Ich konnte ihren freundschaftlichen Bitten
-nicht länger widerstehen, worauf sie mir versicherten,
-dass es sie sehr glücklich mache, mir das erste Gute,
-was sie gehabt, anbieten zu können.</p>
+nicht länger widerstehen, worauf sie mir versicherten,
+dass es sie sehr glücklich mache, mir das erste Gute,
+was sie gehabt, anbieten zu können.</p>
<p>Den 17. Oktober wurde die Kapitulation vollzogen,
-Die Generale verfügten sich zum amerikanischen General
+Die Generale verfügten sich zum amerikanischen General
en chef Gates, und die Truppen streckten das Gewehr
und ergaben sich zu Kriegsgefangenen. Nun bekam die
gute Frau, welche uns mit Gefahr ihres Lebens Wasser
geholt, den Lohn ihrer Dienste. Jeder warf ihr ganze
-Hände voll Geld in ihre Schürze, und sie bekam zusammen
-über 20 Guineen. In solchen Augenblicken
-scheint das Herz für Gefühle der Dankbarkeit empfänglich
-zu sein.«</p>
+Hände voll Geld in ihre Schürze, und sie bekam zusammen
+über 20 Guineen. In solchen Augenblicken
+scheint das Herz für Gefühle der Dankbarkeit empfänglich
+zu sein.«</p>
@@ -6270,27 +6228,27 @@ zu sein.«</p>
<p>Die Bedingungen, unter welchen sich Burgoynes
-Armee bei Saratoga ergab, wurden niemals erfüllt. Die
+Armee bei Saratoga ergab, wurden niemals erfüllt. Die
Soldaten wurden im Wesentlichen als Kriegsgefangene
-behandelt. Dieses führte zu heftigen Klagen ihrerseits
+behandelt. Dieses führte zu heftigen Klagen ihrerseits
sowohl zu jener Zeit, wie von Seiten deutscher und englischer
Geschichtsschreiber bis auf den heutigen Tag. Es
<span class="pagenum"><a name="Seite_146" id="Seite_146">[S. 146]</a></span>
-wird von Bankroft berichtet, dass bei der Übergabe die
+wird von Bankroft berichtet, dass bei der Übergabe die
Konvention von den Briten dadurch gebrochen worden
sei, dass die Kriegskasse und anderes Staatseigentum
verheimlicht worden sei, um welches die Vereinigten
Staaten auf diese Weise betrogen wurden. Im November
-1777 schrieb Burgoyne eine unüberlegte und grundlose
+1777 schrieb Burgoyne eine unüberlegte und grundlose
Klage gegen die Verletzungen durch die Amerikaner und
folgerte daraus, dass er den angeblichen Bruch benutzen
-könnte, sich und seine Regierung von allen Verpflichtungen
+könnte, sich und seine Regierung von allen Verpflichtungen
zu entbinden. Burgoyne verweigerte auch, die
-notwendigen Listen aller in die Übergabe einbegriffenen
+notwendigen Listen aller in die Übergabe einbegriffenen
Personen herauszugeben. Der Kongress weigerte sich
daraufhin, seine Armee eher einzuschiffen als bis die Kapitulation
-durch die Regierung von Grossbritannien bestätigt
-wäre.</p>
+durch die Regierung von Grossbritannien bestätigt
+wäre.</p>
<p>Es scheint mir, dass in der Behandlung dieser Angelegenheit
der Kongress seine Ehre und die des Landes
@@ -6298,51 +6256,51 @@ nicht richtig wahrte. Es war richtig, dass Gates einen
schlechten Handel gemacht hatte. Aber dieser Handel
war mit Bewusstsein gemacht worden und Burgoynes
Soldaten hatten dadurch, dass sie die Waffen streckten,
-die wichtigsten der ihnen auferlegten Bedingungen erfüllt.
+die wichtigsten der ihnen auferlegten Bedingungen erfüllt.
Es lag nunmehr den Amerikanern ob, auch ihrerseits
dem Vertrage nachzukommen, und schlimmstenfalls eine
offenbare Verletzung der untergeordneten Artikel der
Kapitulation oder der sehr deutliche Beweis der Absicht
-auf englischer Seite, das Wort zu brechen, hätte
-den siegreichen Teil veranlasst haben sollen, die Erfüllung
-seiner Versprechungen zurückziehen.</p>
+auf englischer Seite, das Wort zu brechen, hätte
+den siegreichen Teil veranlasst haben sollen, die Erfüllung
+seiner Versprechungen zurückziehen.</p>
-<p>Während der Kongress gesonnen war, die deutschen
+<p>Während der Kongress gesonnen war, die deutschen
Gefangenen in Amerika zu behalten, beeilte sich ihr
-eigener Fürst keineswegs, sie wieder nach Europa
-zurückzuerlangen. Auf die Nachricht der Kapitulation
+eigener Fürst keineswegs, sie wieder nach Europa
+zurückzuerlangen. Auf die Nachricht der Kapitulation
von Saratoga schrieb der Minister des Herzogs von
-Braunschweig an den englischen Kommissionär, dass man
-den Leuten, die sich ergeben hätten, die Rückkehr
+Braunschweig an den englischen Kommissionär, dass man
+den Leuten, die sich ergeben hätten, die Rückkehr
<span class="pagenum"><a name="Seite_147" id="Seite_147">[S. 147]</a></span>
nach Deutschland verwehren sollte, damit sie nicht noch
andere von der Einreihung in die Armee abschreckten.
-»Schickt die Übriggebliebenen auf eine Eurer Inseln in
+»Schickt die Übriggebliebenen auf eine Eurer Inseln in
Amerika, steckt sie in Europa auf einer von Euren
-Inseln, wie z. B. auf der Insel Wight fest.« Auf keinen
+Inseln, wie z. B. auf der Insel Wight fest.« Auf keinen
Fall durften die armen Teufel nach Hause kommen.</p>
<p>Am 17. Oktober 1777 streckten General Burgoynes
Soldaten die Waffen in Saratoga. Dies durften sie ohne
Beisein irgend einer amerikanischen Truppenabteilung
thun. General Riedesel hatte Befehl gegeben, dass die
-Fahnen der braunschweigischen Regimenter nicht überliefert
+Fahnen der braunschweigischen Regimenter nicht überliefert
werden sollten. Er liess die Fahnenstangen verbrennen
-und verbarg die Fahnentücher, indem er den
-Amerikanern gegenüber vorgab, dass die letzteren auch
-verbrannt wären. Er verbarg sie, bis die Gefangenen
+und verbarg die Fahnentücher, indem er den
+Amerikanern gegenüber vorgab, dass die letzteren auch
+verbrannt wären. Er verbarg sie, bis die Gefangenen
einige Zeit in Cambridge verweilt hatten und er die
Baronin in das Geheimnis eingeweiht hatte. Frau von
-Riedesel nähte sie mit Hilfe eines »recht ehrlichen
-Schneiders« in eine Matratze ein, und es wurde unter
+Riedesel nähte sie mit Hilfe eines »recht ehrlichen
+Schneiders« in eine Matratze ein, und es wurde unter
irgend einem Vorwand ein Offizier durch die Linie nach
New-York gesandt, der die Matratze als Teil seines Bettes
mitnahm. So wurden die braunschweigischen Fahnen
gerettet. Burgoyne hatte sein Ehrenwort gegeben, dass
-die Offiziere nichts von dem königlichen Eigentum in
-ihrem Privat-Gepäck mitnehmen würden. Vielleicht
+die Offiziere nichts von dem königlichen Eigentum in
+ihrem Privat-Gepäck mitnehmen würden. Vielleicht
meinte man, dass die Fahnen dem Herzog von Braunschweig
-gehörten und nicht dem König, der sie nur gemietet
+gehörten und nicht dem König, der sie nur gemietet
hatte in Gemeinschaft mit den Verteidigern derselben.</p>
<p>Nachdem die Waffen niedergelegt waren, marschierten
@@ -6353,144 +6311,144 @@ sondern jeder Mann war in den Kleidern, die er auf dem
Feld, in der Kirche oder im Bierhaus trug. Aber sie
standen da wie Soldaten, in guter Ordnung und sehr
<span class="pagenum"><a name="Seite_148" id="Seite_148">[S. 148]</a></span>
-militärisch, zur grossen Verwunderung der deutschen
-Offiziere. »Die Leute standen so still, dass wir mit Erstaunen
-erfüllt wurden,« schreibt einer, »nicht ein Mann
+militärisch, zur grossen Verwunderung der deutschen
+Offiziere. »Die Leute standen so still, dass wir mit Erstaunen
+erfüllt wurden,« schreibt einer, »nicht ein Mann
machte Miene auch nur mit seinem Nebenmanne zu
sprechen. Ausserdem standen die Leute alle so aufgerichtet
-im Gliede, sahen so schön und kräftig aus, dass
-es ein Vergnügen war sie anzusehen, und wir alle waren
-verwundert über diesen schönen Menschenschlag.....
-In der That, Englisch-Amerika übertrifft den grössten
-Teil von Europa, was die Grösse und Schönheit seiner
-Männer anlangt.«</p>
+im Gliede, sahen so schön und kräftig aus, dass
+es ein Vergnügen war sie anzusehen, und wir alle waren
+verwundert über diesen schönen Menschenschlag.....
+In der That, Englisch-Amerika übertrifft den grössten
+Teil von Europa, was die Grösse und Schönheit seiner
+Männer anlangt.«</p>
<p>Nur wenige Offiziere in Gates Armee trugen Uniformen,
und diese wenigen trugen sie nach ihrer eigenen
Fantasie, von irgend welchem Tuch, das ihnen in die
-Hände kam. Grosse und kleine Perrücken, schwarze,
-weisse und graue zierten oder verunzierten ihre Köpfe.
-Einige von ihnen sahen aus, als trügen sie ein ganzes
-Schaf auf ihren Schultern. Diese grossen Perrücken
-flössten, unserem Braunschweiger zufolge, dem gewöhnlichen
-Volk grosse Ehrfurcht ein. Unter den Trägern
-dieser Perrücken waren viele 50 bis 60 Jahre alt, und
+Hände kam. Grosse und kleine Perrücken, schwarze,
+weisse und graue zierten oder verunzierten ihre Köpfe.
+Einige von ihnen sahen aus, als trügen sie ein ganzes
+Schaf auf ihren Schultern. Diese grossen Perrücken
+flössten, unserem Braunschweiger zufolge, dem gewöhnlichen
+Volk grosse Ehrfurcht ein. Unter den Trägern
+dieser Perrücken waren viele 50 bis 60 Jahre alt, und
nunmehr zum ersten Mal in Reihe und Glied, zwar etwas
-schwerfällig ihrer Erscheinung nach, aber durchaus eifrig,
-ohne sich zu vernachlässigen, besonders in den Wäldern.
-»In vollkommenem Ernst,« sagt der deutsche Offizier,
-»diese ganze Nation hat viel natürliche Beanlagung zum
-Krieg und Soldatenleben.«</p>
+schwerfällig ihrer Erscheinung nach, aber durchaus eifrig,
+ohne sich zu vernachlässigen, besonders in den Wäldern.
+»In vollkommenem Ernst,« sagt der deutsche Offizier,
+»diese ganze Nation hat viel natürliche Beanlagung zum
+Krieg und Soldatenleben.«</p>
<p>Als die Truppen, die sich ergeben hatten, durch die
Reihen der Amerikaner schritten, zeigte ihnen nicht ein
Mann von der siegreichen Armee seine Missachtung oder
-verhöhnte sie wegen ihres Missgeschickes. Die Deutschen
+verhöhnte sie wegen ihres Missgeschickes. Die Deutschen
bezeugen insgesamt, dass Offiziere sowohl wie Soldaten
-sie mit Güte und Wohlwollen behandelten. General Gates
-lud alle höheren Offiziere in sein Zelt ein und behielt die
-Generäle zum Mittagessen zurück. Schuyler erwies Frau
+sie mit Güte und Wohlwollen behandelten. General Gates
+lud alle höheren Offiziere in sein Zelt ein und behielt die
+Generäle zum Mittagessen zurück. Schuyler erwies Frau
von Riedesel besondere Artigkeit. Er kam ihr entgegen,
<span class="pagenum"><a name="Seite_149" id="Seite_149">[S. 149]</a></span>
als sie in das Lager kam, hob ihre Kinder aus dem
-Wagen, küsste sie und half ihr aus dem Wagen aussteigen.
-Nach wenigen ermutigenden Worten führte er
+Wagen, küsste sie und half ihr aus dem Wagen aussteigen.
+Nach wenigen ermutigenden Worten führte er
sie zu General Gates, mit dem sie Burgoyne zusammen
stehen sah, der anscheinend auf ganz freundschaftlichem
Fuss mit ihm stand. Er sagte zu ihr, dass sie keine Angst
-haben sollte, denn ihre Leiden hätten nun ein Ende. »Ich
-antwortete,« schreibt die Baronin, »ich würde freilich
+haben sollte, denn ihre Leiden hätten nun ein Ende. »Ich
+antwortete,« schreibt die Baronin, »ich würde freilich
Unrecht haben, noch Besorgnisse zu haben, wenn unser
-Chef keine mehr hätte und ich ihn auf einem so guten
-Fuss mit General Gates sähe.«</p>
+Chef keine mehr hätte und ich ihn auf einem so guten
+Fuss mit General Gates sähe.«</p>
<p>Schuyler hatte Frau von Riedesel und ihren Kindern
in seinem eigenen Zelt ein Mittagessen auftragen lassen
-(»geräucherte Zunge, Beefsteak, Kartoffeln, gute Butter
-und Brod«), und sie verbrachte drei Tage mit seiner
-Familie in Albany, wo sie mit der grössten Freundlichkeit
+(»geräucherte Zunge, Beefsteak, Kartoffeln, gute Butter
+und Brod«), und sie verbrachte drei Tage mit seiner
+Familie in Albany, wo sie mit der grössten Freundlichkeit
behandelt wurde. Burgoyne war auch Schuylers Gast
in Albany. Er machte Entschuldigungen dem letzteren
-gegenüber, dass er ihm sein Haus und seine Scheunen
-in Saratoga verbrannt hätte. »Das ist das Schicksal des
-Krieges«, erwiderte der brave Mann, »lassen Sie uns
-davon nicht weiter reden.«</p>
+gegenüber, dass er ihm sein Haus und seine Scheunen
+in Saratoga verbrannt hätte. »Das ist das Schicksal des
+Krieges«, erwiderte der brave Mann, »lassen Sie uns
+davon nicht weiter reden.«</p>
-<p>Die Gefangenen oder »Konventionisten«, wie sie sich
+<p>Die Gefangenen oder »Konventionisten«, wie sie sich
nannten, traten nun ihren Marsch durch Massachusetts
hindurch an. Das Wetter war kalt und die Wege
schlecht. Der Marsch dauerte vom 17. Oktober bis zum
7. November. An einigen Orten weigerten sich die Einwohner,
-die Gefangenen in ihre Häuser aufzunehmen,
-und an andern Orten, wo es nötig war Halt zu machen,
-waren nicht Häuser genug, um sie zu beherbergen. Die
+die Gefangenen in ihre Häuser aufzunehmen,
+und an andern Orten, wo es nötig war Halt zu machen,
+waren nicht Häuser genug, um sie zu beherbergen. Die
Einwohner ihrerseits beklagten sich, dass die durchmarschierenden
-Gefangenen ihre Gelände verbrannten,
+Gefangenen ihre Gelände verbrannten,
ihr Viehfutter unbrauchbar machten und Kleider und
-Möbel aus ihren Häusern stahlen. Von allen Seiten
-strömte das Landvolk zusammen, um die Gefangenen zu
-sehen und man drängte sich in die Häuser, wo sie ein<span class="pagenum"><a name="Seite_150" id="Seite_150">[S. 150]</a></span>quartiert
-waren, bis die Offiziere anfingen zu argwöhnen,
-dass die Hauswirte Geld für dieses Schauspiel nähmen.</p>
+Möbel aus ihren Häusern stahlen. Von allen Seiten
+strömte das Landvolk zusammen, um die Gefangenen zu
+sehen und man drängte sich in die Häuser, wo sie ein<span class="pagenum"><a name="Seite_150" id="Seite_150">[S. 150]</a></span>quartiert
+waren, bis die Offiziere anfingen zu argwöhnen,
+dass die Hauswirte Geld für dieses Schauspiel nähmen.</p>
<p>Auf diese Weise sahen die Deutschen viel von der
-weiblichen Landbevölkerung, und derselbe Offizier, der
-die obenerwähnte Beschreibung der amerikanischen Soldaten
-verfasst hat, hat uns die ersten Eindrücke von
+weiblichen Landbevölkerung, und derselbe Offizier, der
+die obenerwähnte Beschreibung der amerikanischen Soldaten
+verfasst hat, hat uns die ersten Eindrücke von
Neu-Englands Frauen auf ihn hinterlassen.</p>
-<p>»Die Frauen in allen Gegenden von Boston bis New-York
-sind schlank und gerade gewachsen, wohlgenährt
-ohne plump zu sein. Sie haben hübsche, kleine Füsse,
-gute, kräftige Hände und Arme, eine sehr weisse Haut
+<p>»Die Frauen in allen Gegenden von Boston bis New-York
+sind schlank und gerade gewachsen, wohlgenährt
+ohne plump zu sein. Sie haben hübsche, kleine Füsse,
+gute, kräftige Hände und Arme, eine sehr weisse Haut
und eine sehr gesunde Gesichtsfarbe, sodass sie sich
nicht zu malen brauchen. Kaum eine von denen, die ich
gesehen habe, hatte Pockennarben auf dem Gesicht; denn
-das Impfen ist hier schon seit vielen Jahren gebräuchlich.
-Ihre Zähne sind sehr weiss, ihre Lippen schön und
+das Impfen ist hier schon seit vielen Jahren gebräuchlich.
+Ihre Zähne sind sehr weiss, ihre Lippen schön und
ihre Augen lebhaft und lachend. Obendrein haben sie
-natürliche und ungezwungene Manieren, eine freie und
-fröhliche Miene, eine natürliche Sicherheit im Auftreten.
+natürliche und ungezwungene Manieren, eine freie und
+fröhliche Miene, eine natürliche Sicherheit im Auftreten.
Sie geben viel auf Reinlichkeit und gutes Schuhwerk.
-Sie ziehen sich sehr hübsch an, aber ihre Kleider müssen
+Sie ziehen sich sehr hübsch an, aber ihre Kleider müssen
sehr eng anliegen..... Sie locken ihr Haar jeden Tag,
machen es von hinten zu einem Chignon zurecht und vorn
-über ein Kissen von mässiger Höhe. Gewöhnlich gehen
-sie barhäuptig aus, oder setzen höchstens ein kleines
-herzförmiges Ding oder irgend eine derartige Kleinigkeit
-auf ihren Kopf. Hier und da lässt eine Land-Nymphe
-ihr Haar fliegen und schmückt es mit einem Band. Obschon
-die Hütte, in der sie leben, ärmlich sein mag, so
+über ein Kissen von mässiger Höhe. Gewöhnlich gehen
+sie barhäuptig aus, oder setzen höchstens ein kleines
+herzförmiges Ding oder irgend eine derartige Kleinigkeit
+auf ihren Kopf. Hier und da lässt eine Land-Nymphe
+ihr Haar fliegen und schmückt es mit einem Band. Obschon
+die Hütte, in der sie leben, ärmlich sein mag, so
tragen sie doch einen seidenen Mantel und Handschuh,
-wenn sie ausgehen. Sie wissen sich sehr hübsch in den
-Mantel zu hüllen, so dass ein kleiner, weisser Ellbogen
+wenn sie ausgehen. Sie wissen sich sehr hübsch in den
+Mantel zu hüllen, so dass ein kleiner, weisser Ellbogen
daraus hervorguckt. Dann tragen sie eine Art gut gearbeiteten
Krempenhut, unter welchem sie mit ihren
schelmischen Augen kokett hervorsehen. In den englischen
-Kolonien haben die Schönen eine Vorliebe für
+Kolonien haben die Schönen eine Vorliebe für
<span class="pagenum"><a name="Seite_151" id="Seite_151">[S. 151]</a></span>
-Mäntel von roter Seide oder Wolle. In dieser Art gekleidet,
-läuft, springt und tanzt das junge Mädchen
-umher, wünscht Ihnen einen »Guten Morgen« oder giebt,
+Mäntel von roter Seide oder Wolle. In dieser Art gekleidet,
+läuft, springt und tanzt das junge Mädchen
+umher, wünscht Ihnen einen »Guten Morgen« oder giebt,
der Frage entsprechend, eine schnippische Antwort. So
standen sie zu Dutzenden den ganzen Weg entlang, liessen
-uns Revue passieren, lachten mokant über uns oder liessen
+uns Revue passieren, lachten mokant über uns oder liessen
von Zeit zu Zeit eine boshafte Bemerkung fallen und
-händigten uns einen Apfel ein. Wir dachten erst, dass
-es Mädchen aus der Stadt wären oder wenigstens von der
-zweiten Klasse, aber keineswegs! Sie waren die Töchter
+händigten uns einen Apfel ein. Wir dachten erst, dass
+es Mädchen aus der Stadt wären oder wenigstens von der
+zweiten Klasse, aber keineswegs! Sie waren die Töchter
von armen Bauern, die man an ihrer Kleidung als arme
-Bauern erkennen konnte.«</p>
+Bauern erkennen konnte.«</p>
-<p>Der Offizier fährt mit seinen sozialen Beobachtungen
-fort. Es scheint, dass in ganz Amerika die Männer den
-Frauen völlig unterthan sind. Die letzteren gebrauchen
-ihre Gewalt in Kanada zum Besten der Männer, in New-England
+<p>Der Offizier fährt mit seinen sozialen Beobachtungen
+fort. Es scheint, dass in ganz Amerika die Männer den
+Frauen völlig unterthan sind. Die letzteren gebrauchen
+ihre Gewalt in Kanada zum Besten der Männer, in New-England
aber zu ihrem Ruin. Die Frauen sind extravagant.
-Wie sie es fertig bekommen, den Männern so
+Wie sie es fertig bekommen, den Männern so
schwer zur Last zu fallen, ist unserm guten Deutschen
-ein Rätsel, da er sieht, dass sie weder kratzen, noch
-beissen, noch Ohnmachtsanfälle bekommen. Bei all diesem
+ein Rätsel, da er sieht, dass sie weder kratzen, noch
+beissen, noch Ohnmachtsanfälle bekommen. Bei all diesem
setzten sie ihre Hoffnung auf die britische Krone. Die
Frauen tragen jetzt ihren Sonntagsstaat an den Wochentagen.
Wenn es abgetragen ist, wird Friede mit Grossbritannien
@@ -6500,176 +6458,176 @@ zu werden.</p>
<p>Wir kommen nun zu den Negern. Diese findet
man auf den meisten Farmen westlich von Springfield.
Die schwarze Familie lebt in einem kleinen Hinterhaus.
-»Die Neger sind sehr fruchtbar hier, wie das übrige
-Vieh. Die Jüngeren werden sehr gut gefüttert, besonders
-während sie noch Kälber sind. Überdies ist die Sklaverei
-sehr erträglich. Der Neger wird als der Knecht des
+»Die Neger sind sehr fruchtbar hier, wie das übrige
+Vieh. Die Jüngeren werden sehr gut gefüttert, besonders
+während sie noch Kälber sind. Überdies ist die Sklaverei
+sehr erträglich. Der Neger wird als der Knecht des
Bauern angesehen; die Negerin thut die ganze grobe
Hausarbeit; und die schwarzen Kinder warten die weissen
-Kinder. Der Neger kann für seinen Herrn zu Felde
+Kinder. Der Neger kann für seinen Herrn zu Felde
<span class="pagenum"><a name="Seite_152" id="Seite_152">[S. 152]</a></span>
ziehen, und so sieht man nicht ein Regiment, in welchem
sich nicht eine grosse Anzahl Schwarzer befindet; und es
-giebt gutgewachsene, starke und stämmige Burschen unter
+giebt gutgewachsene, starke und stämmige Burschen unter
ihnen. Es sind auch viele Familien freier Schwarzer
-hier, die gute Häuser inne haben, Mittel besitzen und
+hier, die gute Häuser inne haben, Mittel besitzen und
ganz nach Art der andern Bewohner leben. Es sieht
komisch genug aus, wenn Miss Negerin ihr wolliges Haar
-über ein Kissen zurechtfrisiert, einen kleinen Hut mit
-Krempe auf den Kopf setzt, sich in ihren Mantel hüllt
-und in diesem Putz die Strasse entlanggrätschelt mit
-einer Negersklavin, die hinter ihr herwatschelt.«</p>
+über ein Kissen zurechtfrisiert, einen kleinen Hut mit
+Krempe auf den Kopf setzt, sich in ihren Mantel hüllt
+und in diesem Putz die Strasse entlanggrätschelt mit
+einer Negersklavin, die hinter ihr herwatschelt.«</p>
<p>Baronin Riedesel machte ihre ersten Beobachtungen
-über die Amerikaner. Sie erzählt, dass eines Nachts ihr
-Mann krank war, und dass die Wache vor seiner Thür
-trank und Lärm machte. Er schickte hinaus und liess
-sie bitten ruhig zu sein, worauf sie ihren Lärm noch verdoppelten.
+über die Amerikaner. Sie erzählt, dass eines Nachts ihr
+Mann krank war, und dass die Wache vor seiner Thür
+trank und Lärm machte. Er schickte hinaus und liess
+sie bitten ruhig zu sein, worauf sie ihren Lärm noch verdoppelten.
Frau von Riedesel ging darauf hinaus, sagte
-ihnen, dass ihr Mann krank sei und bat sie, sie möchten
-weniger Geräusch machen. Darauf waren sie sofort ruhig,
-»ein Beweis«, sagt die Baronin, »das diese Nation auch
-Achtung vor unserm Geschlecht hat.« Die Bürger-Offiziere
-waren den Deutschen ein fortwährendes Rätsel.
-Keine Geschichte war ihnen zu aussergewöhnlich, um sie
-zu glauben. »Ihre Generale, die uns begleiteten, waren
+ihnen, dass ihr Mann krank sei und bat sie, sie möchten
+weniger Geräusch machen. Darauf waren sie sofort ruhig,
+»ein Beweis«, sagt die Baronin, »das diese Nation auch
+Achtung vor unserm Geschlecht hat.« Die Bürger-Offiziere
+waren den Deutschen ein fortwährendes Rätsel.
+Keine Geschichte war ihnen zu aussergewöhnlich, um sie
+zu glauben. »Ihre Generale, die uns begleiteten, waren
zum Teil vom Schuster-Handwerk und machten an den
-Rasttagen Stiefel für unsere Offiziere, besserten auch wohl
+Rasttagen Stiefel für unsere Offiziere, besserten auch wohl
die Schuhe unserer Soldaten aus. Sie setzten einen grossen
-Wert auf das gemünzte Geld, welches bei ihnen selten
+Wert auf das gemünzte Geld, welches bei ihnen selten
war. Einem unserer Offiziere waren seine Stiefel ganz
zerrissen. Er sah, dass ein amerikanischer General ein
-gutes Paar anhatte und sagte ihm zum Spass: »Ich gäbe
-ihm gern eine Guinee dafür.« Gleich stieg der General
+gutes Paar anhatte und sagte ihm zum Spass: »Ich gäbe
+ihm gern eine Guinee dafür.« Gleich stieg der General
vom Pferde, nahm die Guinee, gab seine Stiefeln, und
setzte sich mit des Offiziers zerrissenen Stiefeln wieder
-auf.« General von Riedesels Gemütsstimmung zu jener
+auf.« General von Riedesels Gemütsstimmung zu jener
Zeit war durch mangelhafte Gesundheit und sein Miss<span class="pagenum"><a name="Seite_153" id="Seite_153">[S. 153]</a></span>geschick
-verbittert. Wir müssen dies berücksichtigen,
-wenn wir sein Urteil hören, welches er über die Amerikaner
-fällt. Allerdings es wird erwähnt, er habe gesagt,
+verbittert. Wir müssen dies berücksichtigen,
+wenn wir sein Urteil hören, welches er über die Amerikaner
+fällt. Allerdings es wird erwähnt, er habe gesagt,
dass er nur einen amerikanischen Offizier in Cambridge
getroffen, vor dem er Respekt gehabt habe. Von den
Mitgliedern des General Court of Massachusetts macht er
-eine merkwürdige Schilderung. »Man sieht in diesen
-Männern genau den National-Charakter der Eingeborenen
+eine merkwürdige Schilderung. »Man sieht in diesen
+Männern genau den National-Charakter der Eingeborenen
von Neu-England; vornehmlich zeichnen sie sich vor
andern durch die Art sich zu kleiden aus. So behaupten
-sie alle unter einer überaus dicken, runden, gelblichen
-Stutzperrücke eine recht ehrenhafte Magistratsmiene. Ihre
-Kleider sind nach der ganz alten englischen Mode, darüber
+sie alle unter einer überaus dicken, runden, gelblichen
+Stutzperrücke eine recht ehrenhafte Magistratsmiene. Ihre
+Kleider sind nach der ganz alten englischen Mode, darüber
sie im Winter und Sommer einen blauen Roquelaure mit
-Ärmeln tragen, den sie mit einem ledernen Riemen fest
+Ärmeln tragen, den sie mit einem ledernen Riemen fest
um den Leib schnallen. Selten sieht man einen ohne
Peitsche. Meistens sind sie alle untersetzter Natur und
-mittelmässig gross, sodass es schwer fällt, einen vom
+mittelmässig gross, sodass es schwer fällt, einen vom
andern zu unterscheiden, wenn sie als Delegaten ihrer
Townships zu dem Konsul von Boston gefordert werden,
-oder in Miliz-Angelegenheiten erscheinen müssen. Nicht der
+oder in Miliz-Angelegenheiten erscheinen müssen. Nicht der
zehnte Teil von ihnen kann geschriebene Schrift lesen und
-noch weniger können sie schreiben. Diese Kunst ist ausser
+noch weniger können sie schreiben. Diese Kunst ist ausser
bei Leuten von der Feder nur allein bei dem weiblichen
-Geschlecht anzutreffen, welches überhaupt gut erzogen
-wird und daher die Herrschaft über die Männer mehr als
+Geschlecht anzutreffen, welches überhaupt gut erzogen
+wird und daher die Herrschaft über die Männer mehr als
eine andere Nation in der Welt zu behaupten weiss. Die
-Neu-Engländer wollen alle Politici sein, lieben daher die
-Tavernen und Grog-bowl, bei welchen sie ihre Geschäfte
+Neu-Engländer wollen alle Politici sein, lieben daher die
+Tavernen und Grog-bowl, bei welchen sie ihre Geschäfte
abthun, und vom Morgen bis in die Nacht trinken. Sie
-sind im allerhöchsten Grad neugierig, leichtgläubig und
-bis zur Raserei für die Freiheit eingenommen, dabei aber
+sind im allerhöchsten Grad neugierig, leichtgläubig und
+bis zur Raserei für die Freiheit eingenommen, dabei aber
auch zugleich so blind, dass ihnen das schwere Joch der
Sklaverei unter ihrem Kongress, worunter sie eigentlich
schon jetzt zu sinken anfangen, bisher noch ganz unsichtbar
-geblieben ist.«
+geblieben ist.«
<span class="pagenum"><a name="Seite_154" id="Seite_154">[S. 154]</a></span></p>
<p>Auf der andern Seite konnten die Amerikaner, wenn
-wir dem oben erwähnten braunschweigischen Offizier
-glauben wollen, nicht die gesellschaftlichen Verhältnisse
-ihrer Gefangenen verstehen. »Es war den Bewohnern
-schwer begreiflich zu machen,« sagt er, »dass unsere
-Offiziere kein Gewerbe trieben.« Sie hatten geglaubt,
-dass es Eigensinn von ihnen wäre, keine andere Beschäftigung
+wir dem oben erwähnten braunschweigischen Offizier
+glauben wollen, nicht die gesellschaftlichen Verhältnisse
+ihrer Gefangenen verstehen. »Es war den Bewohnern
+schwer begreiflich zu machen,« sagt er, »dass unsere
+Offiziere kein Gewerbe trieben.« Sie hatten geglaubt,
+dass es Eigensinn von ihnen wäre, keine andere Beschäftigung
zu haben.</p>
-<p>Die deutschen »Konventionisten« wurden in Baracken
+<p>Die deutschen »Konventionisten« wurden in Baracken
auf dem Winter Hill bei Cambridge, Massachusetts, untergebracht,
-die Engländer auf dem benachbarten Prospekt
+die Engländer auf dem benachbarten Prospekt
Hill. Diese Baracken waren von den Amerikanern zu ihrem
-eigenen Gebrauch während der Belagerung von Boston
+eigenen Gebrauch während der Belagerung von Boston
errichtet worden und waren von der leichtesten Bauart.
-Der Wind blies durch die Wände, der Regen sickerte
+Der Wind blies durch die Wände, der Regen sickerte
durch das Dach, der Schnee lag in Haufen auf dem
Fussboden. Holz und Stroh war nur sehr knapp vorhanden,
und die Uniformen, die einen schweren Feldzug
-in der Wildnis hatten aushalten müssen, hingen in Fetzen
+in der Wildnis hatten aushalten müssen, hingen in Fetzen
an den frierenden Soldaten herunter. Sie schnitten die
-Schösse von ihren Röcken ab, um sich Flicken für
-die übrigen Kleidungsstücke davon zu machen. Selbst
-im Hospital war es bitter kalt. Hoffnung und Enttäuschungen
-erfüllten abwechselnd die Brust der Gefangenen,
-je nachdem die Verhandlungen wegen ihrer Rückkehr
+Schösse von ihren Röcken ab, um sich Flicken für
+die übrigen Kleidungsstücke davon zu machen. Selbst
+im Hospital war es bitter kalt. Hoffnung und Enttäuschungen
+erfüllten abwechselnd die Brust der Gefangenen,
+je nachdem die Verhandlungen wegen ihrer Rückkehr
nach England wieder aufgenommen oder abgebrochen
-worden waren. Einmal während ihres dortigen Aufenthaltes
+worden waren. Einmal während ihres dortigen Aufenthaltes
kam die Hoffnung auf Befreiung, und es wurden
von den Deutschen Vorbereitungen getroffen, die freundliche
-Flotte zu begrüssen, von den Amerikanern aber,
+Flotte zu begrüssen, von den Amerikanern aber,
ihre Gefangenen nach Quartieren mehr im Innern des
-Landes zu transportieren. Die grössten Leiden die
+Landes zu transportieren. Die grössten Leiden die
vielleicht die Gefangenen auszustehen gehabt hatten, bestanden
-in der Eintönigkeit ihres Gefangenenlebens. Es
+in der Eintönigkeit ihres Gefangenenlebens. Es
gab nichts zu thun, denn ein wenig Exerzieren ohne Gewehre
-kann schwerlich eine Beschäftigung genannt werden.
+kann schwerlich eine Beschäftigung genannt werden.
<span class="pagenum"><a name="Seite_155" id="Seite_155">[S. 155]</a></span>
Wir erfahren aus den Journalen und Briefen der Offiziere
-die Folgen dieser Unthätigkeit. Es gab Streitigkeiten
+die Folgen dieser Unthätigkeit. Es gab Streitigkeiten
mit der amerikanischen Wacht-Besatzung. In dieser Hinsicht
verhielten sich indessen die Deutschen etwas besser
-als die Engländer. Riedesels Sorgfalt, die Disziplin unter
+als die Engländer. Riedesels Sorgfalt, die Disziplin unter
seinen Leuten aufrecht zu erhalten, hatte man bemerkt,
und die Amerikaner machten es sich zur Gewohnheit
jeden deutschen Delinquenten seinen eigenen Offizieren
-zur Bestrafung zu überantworten.</p>
+zur Bestrafung zu überantworten.</p>
<p>Die Lage der Soldaten, welche nicht in Burgoynes
Uebergabe mit eingeschlossen waren, die Gefangenen von
-Bennington und der Gefechte nördlich Stillwater, war in
-mancher Hinsicht eine glücklichere. Diese begaben sich
-zum grösseren Teil in den Dienst Neu-Englischer Farmer.
+Bennington und der Gefechte nördlich Stillwater, war in
+mancher Hinsicht eine glücklichere. Diese begaben sich
+zum grösseren Teil in den Dienst Neu-Englischer Farmer.
Vielen wurde auch erlaubt, das Lager auf dem Winter
-Hill zu besuchen, um die »Konventionisten« zum desertieren
-zu verleiten, wie die Deutschen sagen. Im Frühjahr als
+Hill zu besuchen, um die »Konventionisten« zum desertieren
+zu verleiten, wie die Deutschen sagen. Im Frühjahr als
die Versuchung, hinaus aufs Land zu kommen, stark wurde,
-hielt es Riedesel für weise, die Pforte etwas zu öffnen
+hielt es Riedesel für weise, die Pforte etwas zu öffnen
und gab einigen Soldaten Erlaubnis auf den Farmen zu
arbeiten, unter der Bedingung einmal in der Woche ins
-Lager zurückzukommen. Die deutschen Offiziere waren
-meist in den ungemütlichen Häusern in der Nähe des
+Lager zurückzukommen. Die deutschen Offiziere waren
+meist in den ungemütlichen Häusern in der Nähe des
Hills oder in den Baracken selbst einquartiert. Die
-Generale hatten indessen gute Häuser in Cambridge.
+Generale hatten indessen gute Häuser in Cambridge.
Niemand, ohne Ansehen des Ranges, durfte nach Boston
kommen, Baronin Riedesel ging gelegentlich dorthin. Sie
-sagt, dass die Stadt sehr hübsch wäre, aber bewohnt von
-heissblütigen Patrioten und voll von gemeinem Volk. Frauen
+sagt, dass die Stadt sehr hübsch wäre, aber bewohnt von
+heissblütigen Patrioten und voll von gemeinem Volk. Frauen
wollten sogar vor ihr ausspucken auf der Strasse. Grosses
Verlangen trug die Baronin, Mrs. Carter, die Tochter von
General Schuyler, zu besuchen. Diese Dame war sanft
und gut wie ihre Eltern, aber ihr Mann, wie Frau von
-Riedesel meint, böse und falsch. »Sie kamen uns oft zu
+Riedesel meint, böse und falsch. »Sie kamen uns oft zu
besuchen und assen auch bei uns mit den andern Generalen.
Wir suchten ihnen auf alle Weise unsere Erkenntlichkeit
<span class="pagenum"><a name="Seite_156" id="Seite_156">[S. 156]</a></span>
-zu bezeigen. Sie schienen auch viel Freundschaft für uns
-zu haben, und doch war es zur nämlichen Zeit, dass dieser
-garstige Carter, als General Howe viele Dörfer und kleine
-Städte angesteckt hatte, den Amerikanern den abscheulichen
-Vorschlag machte, unseren Generalen die Köpfe abzuhauen,
-diese in kleine Fässer einzusalzen und den
-Engländern für jedes angesteckte Dorf oder Städtchen
-ein solches Fässchen zu überschicken, welcher unmenschliche
-Vorschlag glücklicherweise nicht angenommen ward.«</p>
-
-<p>»Am 3. Juni 1778 gab ich einen Ball nebst Souper
+zu bezeigen. Sie schienen auch viel Freundschaft für uns
+zu haben, und doch war es zur nämlichen Zeit, dass dieser
+garstige Carter, als General Howe viele Dörfer und kleine
+Städte angesteckt hatte, den Amerikanern den abscheulichen
+Vorschlag machte, unseren Generalen die Köpfe abzuhauen,
+diese in kleine Fässer einzusalzen und den
+Engländern für jedes angesteckte Dorf oder Städtchen
+ein solches Fässchen zu überschicken, welcher unmenschliche
+Vorschlag glücklicherweise nicht angenommen ward.«</p>
+
+<p>»Am 3. Juni 1778 gab ich einen Ball nebst Souper
zur Feier des Geburtstages meines Mannes. Ich hatte
alle Generale und Offiziere dazu eingeladen. Auch die
Carters waren mit dabei. General Burgoyne liess absagen,
@@ -6678,103 +6636,103 @@ lassen. Er entschuldigte sich immer unter verschiedenem
Vorwande zu uns zu kommen, bis zu seiner Abreise nach
England, wo er kam und mir grosse Entschuldigungen
deshalb machte, worauf ich aber nichts weiter antwortete
-als, dass es mir würde leid gethan haben, wenn er sich
-unseretwegen geniert hätte.</p>
+als, dass es mir würde leid gethan haben, wenn er sich
+unseretwegen geniert hätte.</p>
-<p>»Man tanzte viel, und unser Koch hatte uns ein
-prächtiges Souper von mehr als 80 Kouverts zubereitet.
-Überdem war auch noch unser Hof und Garten erleuchtet.
-Da der Geburtstag des Königs von England Tages darauf
+<p>»Man tanzte viel, und unser Koch hatte uns ein
+prächtiges Souper von mehr als 80 Kouverts zubereitet.
+Überdem war auch noch unser Hof und Garten erleuchtet.
+Da der Geburtstag des Königs von England Tages darauf
als den 4. war, so wurde beschlossen, dass man sich nicht
eher trennen wollte, bis man seine Gesundheit getrunken;
-welches auch mit der herzlichsten Anhänglichkeit an seine
-Person und sein Interesse ausgeführt wurde.«</p>
+welches auch mit der herzlichsten Anhänglichkeit an seine
+Person und sein Interesse ausgeführt wurde.«</p>
-<p>»Nie, glaube ich, ist das 'God save the King' mit
+<p>»Nie, glaube ich, ist das 'God save the King' mit
mehr Enthusiasmus und mit aufrichtigeren Gesinnungen
-gesungen worden. Sogar meine ältesten beiden kleinen
-Töchter waren mit dabei, die man heruntergeholt hatte,
+gesungen worden. Sogar meine ältesten beiden kleinen
+Töchter waren mit dabei, die man heruntergeholt hatte,
um die Illumination zu sehen. Alle Augen waren voll
-Thränen, und es schien, als wenn jeder darauf stolz war,
+Thränen, und es schien, als wenn jeder darauf stolz war,
den Mut zu haben, dieses so mitten unter den Feinden
zu wagen. Sogar die Carters hatten nicht das Herz sich
<span class="pagenum"><a name="Seite_157" id="Seite_157">[S. 157]</a></span>
auszuschliessen. Als die Gesellschaft auseinanderging,
sah man das ganze Haus umringt von Amerikanern, die,
als sie so viel Leute hineingehen und die Illumination
-gesehen, den Verdacht geschöpft hatten, dass wir eine
-Empörung im Sinne hätten; und wenn der mindeste Lärm
-entstanden wäre, hätte uns dieses können teuer zu stehen
-kommen.«</p>
+gesehen, den Verdacht geschöpft hatten, dass wir eine
+Empörung im Sinne hätten; und wenn der mindeste Lärm
+entstanden wäre, hätte uns dieses können teuer zu stehen
+kommen.«</p>
-<p>»Die Amerikaner, wenn sie ihre Truppen versammeln
-wollen, setzen brennende Pechfackeln auf die Anhöhen,
+<p>»Die Amerikaner, wenn sie ihre Truppen versammeln
+wollen, setzen brennende Pechfackeln auf die Anhöhen,
auf welches Signal Jeder herzueilet. Wir waren einmal
Zeugen davon, als der General Howe eine Landung zu Boston
versuchen wollte, um die gefangenen Truppen zu befreien.
-Man erfuhr dieses wie gewöhnlich längst voraus und
+Man erfuhr dieses wie gewöhnlich längst voraus und
steckte die Pechtonnen an, worauf man drei oder vier
Tage nacheinander eine Menge Leute ohne Schuhe und
-Strümpfe und die Flinte auf dem Rücken eiligst herzulaufen
+Strümpfe und die Flinte auf dem Rücken eiligst herzulaufen
sah, wodurch bald so viele Leute zusammenkamen,
-dass eine Landung zu schwer gefallen sein würde.«</p>
+dass eine Landung zu schwer gefallen sein würde.«</p>
<p>Im November 1778 mussten die Braunschweiger die
Umgegend von Boston verlassen, wo sie anfingen sich
-etwas heimisch zu fühlen, und zu dem langen Marsche
+etwas heimisch zu fühlen, und zu dem langen Marsche
nach Virginien aufbrechen. Frau von Riedesel begleitete
auch hierhin ihren Gemahl; sie hatte eine bequeme
englische Kutsche gefunden, in welcher sie die Reise
unternehmen konnte. An einem der Orte, an welchem
ein Rasttag gehalten wurde, traf sie mit General Lafayette
zusammen, den ihr Mann zum Essen lud. Lafayette
-erzählte ihr viel von der Gnade, die der König von
-England für ihn gehabt, ihm alles zu zeigen. Die Baronin
-fragte ihn, wie er es hätte über das Herz bringen können,
-soviel Gnadenbezeugungen von dem Könige anzunehmen,
-da er doch im Begriff gewesen wäre abzureisen, um gegen
-ihn zu fechten. Der Marquis schien etwas beschämt zu
-sein und antwortete: »Es ist wahr, der Gedanke ging mir
-durch die Seele, sodass, als mir eines Tages der König
+erzählte ihr viel von der Gnade, die der König von
+England für ihn gehabt, ihm alles zu zeigen. Die Baronin
+fragte ihn, wie er es hätte über das Herz bringen können,
+soviel Gnadenbezeugungen von dem Könige anzunehmen,
+da er doch im Begriff gewesen wäre abzureisen, um gegen
+ihn zu fechten. Der Marquis schien etwas beschämt zu
+sein und antwortete: »Es ist wahr, der Gedanke ging mir
+durch die Seele, sodass, als mir eines Tages der König
anbot, mir seine Flotte zeigen zu lassen, ich erwiderte,
<span class="pagenum"><a name="Seite_158" id="Seite_158">[S. 158]</a></span>
dass ich hoffte, sie eines Tages zu sehen, und dann
heimlich wegging, um aus der Verlegenheit zu kommen,
-es noch einmal ablehnen zu müssen.«</p>
+es noch einmal ablehnen zu müssen.«</p>
<p>Frau von Riedesel hatte auf der Reise Gelegenheit,
die Gesinnungen der Bewohner gegen die Gefangenen etwas
-zu beobachten. In einem Hause, wo sie übernachtete,
+zu beobachten. In einem Hause, wo sie übernachtete,
bemerkte sie eine Menge Fleisch und bat die Wirtin, ihr
-etwas davon zu überlassen. »Ich habe vielerlei«, antwortete
-sie, »da ist Rindfleisch, Kalbfleisch und Hammelfleisch.«
-Der Mund wurde ihr schon wässrig. »Geben
-sie her«, sagte sie, »ich werde Sie gut bezahlen.« Die
+etwas davon zu überlassen. »Ich habe vielerlei«, antwortete
+sie, »da ist Rindfleisch, Kalbfleisch und Hammelfleisch.«
+Der Mund wurde ihr schon wässrig. »Geben
+sie her«, sagte sie, »ich werde Sie gut bezahlen.« Die
Wirtin schlug ihr hierauf ein Schnippchen fast unter
-der Nase. »Nichts sollt Ihr haben,« schrie sie, »warum
+der Nase. »Nichts sollt Ihr haben,« schrie sie, »warum
seid Ihr aus Euerm Land gekommen, um uns tot zu machen
und unser Hab' und Gut aufzuzehren? Nun seid Ihr
unsere Gefangenen, so ist nun die Reihe an uns, Euch
-zu quälen.« »Seht diese armen Kinder,« antwortete die
-Baronin, »sie kommen fast um vor Hunger.« Die Frau
+zu quälen.« »Seht diese armen Kinder,« antwortete die
+Baronin, »sie kommen fast um vor Hunger.« Die Frau
blieb unerbittlich, bis Frau von Riedesels kleines, erst
-zweieinhalb Jahre altes Töchterchen ihre Hand ergriff
-und sagte: »Gute Frau, ich bin sehr hungrig.« Darauf
+zweieinhalb Jahre altes Töchterchen ihre Hand ergriff
+und sagte: »Gute Frau, ich bin sehr hungrig.« Darauf
nahm sie das Kind mit in die Stube und gab ihm ein Ei.
-»Nein,« sagte das Kind, »ich habe noch zwei Schwestern.«
-Das rührte die Frau, sie gab ihr drei Eier und bot der
+»Nein,« sagte das Kind, »ich habe noch zwei Schwestern.«
+Das rührte die Frau, sie gab ihr drei Eier und bot der
Mutter Brot und Milch an. Frau von Riedesel benutzte
diese Gelegenheit, holte ihren Thee herbei, der damals
etwas sehr Seltenes war und bot der Frau davon an.
-Die Baronin ging darauf in die Küche, wo sie deren
+Die Baronin ging darauf in die Küche, wo sie deren
Mann fand, der einen Schweineschwanz kaute. Diesen
reichte er dann seiner Frau, die auch etwas daran kaute
-und ihn dann zurückgab. Da die Baronin diesem Schauspiel
-eifrig zusah (»mit Verwunderung und Ekel«), so
-reichte er ihr auch das beinahe ganz abgenagte Stück
+und ihn dann zurückgab. Da die Baronin diesem Schauspiel
+eifrig zusah (»mit Verwunderung und Ekel«), so
+reichte er ihr auch das beinahe ganz abgenagte Stück
hin, und sie konnte nicht anders als es anzunehmen, that
-so, als ob sie davon ässe und praktizierte es dann sachte
-in das Feuer. Nun war völliger Friede geschlossen, und
+so, als ob sie davon ässe und praktizierte es dann sachte
+in das Feuer. Nun war völliger Friede geschlossen, und
<span class="pagenum"><a name="Seite_159" id="Seite_159">[S. 159]</a></span>
die Baronin Riedesel erhielt ihre Kartoffeln und machte
eine gute Suppe davon.</p>
@@ -6782,45 +6740,45 @@ eine gute Suppe davon.</p>
<p>Dies war nicht der einzige Fall, dass der Baronin
und ihren Kindern die Verpflegung vorenthalten oder
ihnen wegen der Unterkunft Schwierigkeiten gemacht
-wurden. Die Leute, bei denen sie wohnte, waren gewöhnlich
-heissblütige Revolutionäre. Ein anderes Mal
+wurden. Die Leute, bei denen sie wohnte, waren gewöhnlich
+heissblütige Revolutionäre. Ein anderes Mal
hatte sie ihr Nachtquartier in dem Haus eines Oberst
Howe, dem sie ein Kompliment zu sagen glaubte, indem
sie ihn fragte, ob er ein Verwandter des englischen
-Generals jenes Namens wäre. »Gott behüte«, antwortete
-er, »der ist meiner nicht wert.« »Dieser selbige Oberst
-hatte eine hübsche Tochter, 14 Jahre alt, aber von böser
-Gemütsart,« sagt Frau von Riedesel. »Ich sass mit ihr
-vor einem guten Kaminfeuer, sie sah die glühenden
-Kohlen an und rief aus: »Ha, wenn ich den König von
-England hier hätte! Mit welchem Vergnügen schnitt ich
+Generals jenes Namens wäre. »Gott behüte«, antwortete
+er, »der ist meiner nicht wert.« »Dieser selbige Oberst
+hatte eine hübsche Tochter, 14 Jahre alt, aber von böser
+Gemütsart,« sagt Frau von Riedesel. »Ich sass mit ihr
+vor einem guten Kaminfeuer, sie sah die glühenden
+Kohlen an und rief aus: »Ha, wenn ich den König von
+England hier hätte! Mit welchem Vergnügen schnitt ich
ihm den Leib auf, riss sein Herz heraus, zerlegte es,
-briete es auf den Kohlen und verzehrte es dann.« Ich
-blickte sie mit Abscheu an und sagte ihr: »Ich schäme
-mich fast, von einem Geschlecht zu sein, das fähig ist,
-eine solche Lust zu bekommen.«</p>
+briete es auf den Kohlen und verzehrte es dann.« Ich
+blickte sie mit Abscheu an und sagte ihr: »Ich schäme
+mich fast, von einem Geschlecht zu sein, das fähig ist,
+eine solche Lust zu bekommen.«</p>
<p>Mitte Januar 1779 erreichten die Deutschen Charlottesville
in Virginia. Hier fanden sie keine Baracken
-vor und waren genötigt, sie sich selbst zu bauen. Bald
+vor und waren genötigt, sie sich selbst zu bauen. Bald
war ein Dorf entstanden, und hier und in anderen Teilen
von Virginia brachten sie den Rest ihrer Gefangenschaft
-zu. Für viele dauerte sie noch bis zum Ende des
-Krieges. Die Soldaten legten sich Gärten und Hühnerhöfe
+zu. Für viele dauerte sie noch bis zum Ende des
+Krieges. Die Soldaten legten sich Gärten und Hühnerhöfe
an. Die Offiziere kauften sich gute Reitpferde. In
einer der Niederlassungen war von den englischen Soldaten
ein kleines Theater gebaut worden, und es wurden
-Spottstücke aufgeführt, in welchem die Gefangenen über
-ihre Gewalthaber herzogen, bis man es für nötig hielt,
+Spottstücke aufgeführt, in welchem die Gefangenen über
+ihre Gewalthaber herzogen, bis man es für nötig hielt,
der amerikanischen Miliz das Zusehen zu verbieten.
General Riedesel kehrte im Herbst 1779 auf Ehrenwort
<span class="pagenum"><a name="Seite_160" id="Seite_160">[S. 160]</a></span>
-nach New-York zurück und wurde bald darauf ausgewechselt.
-Seine Gesundheit hatte durch Überanstrengung,
+nach New-York zurück und wurde bald darauf ausgewechselt.
+Seine Gesundheit hatte durch Überanstrengung,
Niedergeschlagenheit und einen leichten Sonnenstich, der
ihn in Virginia traf, stark gelitten. Nachdem er ausgewechselt
-worden war, kehrte er nach Kanada zurück
-und blieb im Dienst des Königs von England bis zum
+worden war, kehrte er nach Kanada zurück
+und blieb im Dienst des Königs von England bis zum
Ende des Krieges, aber er zog nicht wieder gegen die
Amerikaner zu Felde.</p>
@@ -6838,25 +6796,25 @@ mit Burgoyne gemeinschaftlich zu operieren, seine ganze
Aufmerksamkeit auf die Wegnahme von Philadelphia. Er
ging einige Meilen von New-Brunswick aus vor, aber es
misslang ihm, Washington zu einem entscheidenden Schlag
-zu verleiten, und so zog er sich nach Amboy zurück.
+zu verleiten, und so zog er sich nach Amboy zurück.
Sodann wiederholte Howe seine Angriffsbewegung, indem
-er hoffte, dass Washington seine günstige Stellung verlassen
-haben würde. Er war insofern vom Glücke begünstigt,
+er hoffte, dass Washington seine günstige Stellung verlassen
+haben würde. Er war insofern vom Glücke begünstigt,
als die rechte Kolonne ein kleines Gefecht mit
einer vorgeschobenen Abteilung Amerikaner unter Stirling
hatte, diese vertrieb und ihr 3 Kanonen und 80 Gefangene
abnahm. Hierauf kehrte die britische Armee nach Amboy
-zurück und ging nach Staten-Island über. Hier wurde
-sie eingeschifft, und am 23. Juli war Sandy Hook geräumt.
-Diese Truppenmacht bestand aus ungefähr
+zurück und ging nach Staten-Island über. Hier wurde
+sie eingeschifft, und am 23. Juli war Sandy Hook geräumt.
+Diese Truppenmacht bestand aus ungefähr
18000 Mann, von denen weniger als ein viertel Deutsche
waren. Die aus 234 Segelschiffen bestehende Flotte
langte am 30. Juli bei Cap May an, aber die Fregatten,
die zum rekognoszieren vorgeschickt worden waren,
-meldeten, dass der Delaware stark verteidigt würde,
+meldeten, dass der Delaware stark verteidigt würde,
Sir William beschloss, sich Philadelphia durch die Chesa-
-<span class="pagenum"><a name="Seite_161" id="Seite_161">[S. 161]</a></span>peake Bay zu nähern. Am 22. August erreichte die
-Flotte die Mündung des Elk-Flusses, und am 25. und 26.
+<span class="pagenum"><a name="Seite_161" id="Seite_161">[S. 161]</a></span>peake Bay zu nähern. Am 22. August erreichte die
+Flotte die Mündung des Elk-Flusses, und am 25. und 26.
wurden die Truppen in guter Ordnung und ohne feindliche
Gegenwehr gelandet.</p>
@@ -6867,101 +6825,101 @@ Gegenwehr gelandet.</p>
Am 11. September 1777.</span>
</div>
-<p>Am 3. September hatten die Jäger, welche die
+<p>Am 3. September hatten die Jäger, welche die
Avantgarde bildeten, ein heisses Gefecht mit der amerikanischen
-Arrieregarde, wobei erstere ungefähr 20 Tote
+Arrieregarde, wobei erstere ungefähr 20 Tote
und Verwundete verloren. Zwischen 30 und 40 Amerikaner
wurden auf dem Gefechtsfelde beerdigt. Von
-dieser Zeit an waren die Jäger beständig vorn, sie
+dieser Zeit an waren die Jäger beständig vorn, sie
schliefen gewissermassen auf ihren Waffen.</p>
<p>Am 11. September hatte Washingtons Armee auf
dem linken Ufer des Brandywine-Flusses Stellung genommen.
-Das Gros stand bei Chads Furt, während
-General Sullivan auf dem rechten Flügel die Übergänge
+Das Gros stand bei Chads Furt, während
+General Sullivan auf dem rechten Flügel die Übergänge
weiter oberhalb besetzen sollte. Bei Tagesanbruch traten
die Briten von Kennets square, 7 Meilen von Chads Furt,
ihren Vormarsch an. Die rechte Kolonne unter General
Knyphausen, marschierte gerade auf die amerikanische
-Front los, in deren Nähe sie ungefähr 10 Uhr morgens
-anlangte. Hier blieb Knyphausen den grössten Teil des
-Tages über stehen und unterhielt eine Kanonade, ohne
+Front los, in deren Nähe sie ungefähr 10 Uhr morgens
+anlangte. Hier blieb Knyphausen den grössten Teil des
+Tages über stehen und unterhielt eine Kanonade, ohne
einen ernstlichen Angriff auf den Feind zu machen.</p>
<p>Die zweite Kolonne unter Howe und Cornwallis
machte eine weite Umgehung nach links und fand nur
geringen Widerstand, bis sie die Gabelung des Brandywine
-erreicht und glücklich passiert hatte, was eine
-kleine Abteilung hätte verhindern können. Die Amerikaner
-hatten aber diese Stelle übersehen. Washington,
-der durch widersprechende Befehle getäuscht worden war,
-hatte es nicht gewagt, den Fluss zu überschreiten und
+erreicht und glücklich passiert hatte, was eine
+kleine Abteilung hätte verhindern können. Die Amerikaner
+hatten aber diese Stelle übersehen. Washington,
+der durch widersprechende Befehle getäuscht worden war,
+hatte es nicht gewagt, den Fluss zu überschreiten und
Knyphausens Division anzugreifen.</p>
-<p>Auf die Nachricht, dass Howe den Brandywine überschritten
-hätte, ging Sullivan ihm eilig entgegen. Er hatte
+<p>Auf die Nachricht, dass Howe den Brandywine überschritten
+hätte, ging Sullivan ihm eilig entgegen. Er hatte
aber keine Zeit, seine Division ganz zu formieren. Es
scheint auch, dass er bei den Anordnungen Fehler ge<span class="pagenum"><a name="Seite_162" id="Seite_162">[S. 162]</a></span>macht
-hat. Ungefähr um 1/2&nbsp;4 Uhr stiessen die hessischen
-Jäger, die den äussersten linken Flügel bildeten, auf die
+hat. Ungefähr um 1/2&nbsp;4 Uhr stiessen die hessischen
+Jäger, die den äussersten linken Flügel bildeten, auf die
amerikanische Avantgarde, welche sie auf das Gros
-zurückdrängten. Ungefähr um diese Zeit wurde der
-Kampf ein allgemeiner. Sullivans Division wurde zurückgetrieben.
+zurückdrängten. Ungefähr um diese Zeit wurde der
+Kampf ein allgemeiner. Sullivans Division wurde zurückgetrieben.
Lafayette, der als Freiwilliger diente, erhielt
eine Wunde ins Bein. Washington zog Greenes Division
-und noch zwei andere Brigaden vor, um Sullivans Rückzug
+und noch zwei andere Brigaden vor, um Sullivans Rückzug
zu decken.</p>
<p>Sobald Knyphausen die Kanonen von Cornwallis
-donnern hörte, überschritt er den Brandywine bei Chads
+donnern hörte, überschritt er den Brandywine bei Chads
Furt und griff die amerikanischen Verschanzungen an.
Diese wurden eine Zeit lang von Wayne verteidigt, aber
-die Briten waren ihm schon im Rücken, so dass er spät
+die Briten waren ihm schon im Rücken, so dass er spät
am Nachmittag seine Stellung verlassen und nach Chester
hin abziehen musste.</p>
<p>An diesem Tage waren hessische Truppen in beiden
-Kolonnen der britischen Armee. Die Jäger waren bei
+Kolonnen der britischen Armee. Die Jäger waren bei
der Avantgarde der Division Cornwallis und hatten
-40 Mann tot und verwundet. Die Kapitäns Ewald und
-Wreden erhielten den hessischen Orden »pour la vertu
-militaire« für ihr Verhalten bei dieser Gelegenheit. Dies
-war eine grosse Auszeichnung für sie, weil sie die ersten
+40 Mann tot und verwundet. Die Kapitäns Ewald und
+Wreden erhielten den hessischen Orden »pour la vertu
+militaire« für ihr Verhalten bei dieser Gelegenheit. Dies
+war eine grosse Auszeichnung für sie, weil sie die ersten
Offiziere vom Rang eines Hauptmanns waren, die mit
diesem Orden dekoriert wurden. Der Gesamtverlust der
britischen Armee in der Schlacht am Brandywine betrug
-622 und der der Amerikaner ungefähr 1000 Mann. Unter
+622 und der der Amerikaner ungefähr 1000 Mann. Unter
den 10 oder 15 Kanonen, die den Amerikanern weggenommen
wurden, waren zwei, welche in Trenton mit
Ralls Brigade zusammen genommen worden waren.</p>
<p>Man nahm an, dass die Amerikaner sich eiligst
-zurückzogen; der Herbsttag neigte sich zu Ende. Zwei
+zurückzogen; der Herbsttag neigte sich zu Ende. Zwei
Bataillone britischer Grenadiere wurden vorgeschickt, um
ein kleines Dorf auf einem Berge jenseits Dilworth zu
-besetzen. Die Bataillone gingen, ermüdet durch die Anstrengungen
-des Tages und übermütig gemacht durch
+besetzen. Die Bataillone gingen, ermüdet durch die Anstrengungen
+des Tages und übermütig gemacht durch
<span class="pagenum"><a name="Seite_163" id="Seite_163">[S. 163]</a></span>
ihren Sieg, etwas unvorsichtig vor. Die Offiziere hatten
-nicht den Säbel gezogen. Kapitän Ewald, der die Tête
-der Kolonne von Cornwallis den ganzen Tag über
+nicht den Säbel gezogen. Kapitän Ewald, der die Tête
+der Kolonne von Cornwallis den ganzen Tag über
kommandiert hatte, hatte seine Leute ruhen lassen und
war, da er selbst nichts besonderes zu thun gehabt hatte,
mit den Grenadieren zusammen vorgeritten, um das Terrain
-zu rekognoszieren. Plötzlich, 50 Schritt von dem Dorfe
+zu rekognoszieren. Plötzlich, 50 Schritt von dem Dorfe
entfernt, wurden sie von heftigem Musketenfeuer empfangen.
General Macwell hatte sich mit der amerikanischen Arriere-Garde
-in das Dorf hineingeworfen, um Washingtons Rückzug
+in das Dorf hineingeworfen, um Washingtons Rückzug
zu decken. Zu gleicher Zeit beobachtete man, dass
eine amerikanische Abteilung um den Berg herumkam,
-um die Engländer in der linken Flanke zu fassen. Ewald
-galoppierte zurück, um Unterstützungen heranzuziehen,
+um die Engländer in der linken Flanke zu fassen. Ewald
+galoppierte zurück, um Unterstützungen heranzuziehen,
und brachte zwei englische Regimenter unter General
Agnew heran, welche sofort die Amerikaner angriffen
und die Grenadiere retteten, die schon beinahe umringt
waren. Die Nacht machte dem Gefecht ein Ende. Der
englische Verlust in dieser kleinen Affaire war schwer;
-beinahe die Hälfte der beiden Bataillone und der grösste
+beinahe die Hälfte der beiden Bataillone und der grösste
Teil ihrer Offiziere fielen, laut Bericht von Ewald.</p>
<p>Nachdem die britische Armee bei Head of Elk ausgeschifft
@@ -6970,91 +6928,91 @@ Bay verlassen. Inzwischen waren 7 englische Fregatten
und 14 Transportschiffe mit Proviant von New-York im
Delaware angelangt und nach Wilmington hinaufgegangen.
Zwei Tage nach der Schlacht am Brandywine besetzte
-Cornwallis diesen Ort, welcher die Basis für die Verpflegung
+Cornwallis diesen Ort, welcher die Basis für die Verpflegung
der Armee von nun ab bildete.</p>
-<p>Die Engländer gingen weiter vor, ohne auf ernstlichen
-Widerstand zu stossen, obschon beständig Plänkeleien
+<p>Die Engländer gingen weiter vor, ohne auf ernstlichen
+Widerstand zu stossen, obschon beständig Plänkeleien
stattfanden und eine Abteilung unter General Wayne
-überrascht und geschlagen wurde. Am Morgen des
-26. September 1777 rückte Lord Cornwallis an der Spitze
+überrascht und geschlagen wurde. Am Morgen des
+26. September 1777 rückte Lord Cornwallis an der Spitze
von 2 englischen und 2 hessischen Grenadier-Bataillonen
in Philadelphia ein und schickte sich an, die Stadt zur
<span class="pagenum"><a name="Seite_164" id="Seite_164">[S. 164]</a></span>
Verteidigung einzurichten. Die Haupt-Armee lagerte bei
-Germantown. Die Hessen bildeten hier den linken Flügel,
-mit den Jägern vorn an der Strasse nach Lancaster.</p>
+Germantown. Die Hessen bildeten hier den linken Flügel,
+mit den Jägern vorn an der Strasse nach Lancaster.</p>
<p>Am 3. Oktober 1777 um Mittag erhielt Kapitain
-Ewald den Besuch eines Mannes (»der keineswegs ein
-Tory war,« sagt er), dessen Besitztum er bei einer
-früheren Gelegenheit vor der Plünderung bewahrt hatte.
-Beim Weggehen sagte der Amerikaner zu ihm: »Mein
-Freund, seien Sie auf Ihrer Hut diese Nacht und morgen.«
+Ewald den Besuch eines Mannes (»der keineswegs ein
+Tory war,« sagt er), dessen Besitztum er bei einer
+früheren Gelegenheit vor der Plünderung bewahrt hatte.
+Beim Weggehen sagte der Amerikaner zu ihm: »Mein
+Freund, seien Sie auf Ihrer Hut diese Nacht und morgen.«
Ewald verstand den Wink und berichtete diese Bemerkung
seinem Oberst, der es an das Hauptquartier weitermeldete.
Die Generale nahmen keine Notiz davon, doch wir werden
-aus dem folgenden Bericht sehen, dass die Jäger auf
+aus dem folgenden Bericht sehen, dass die Jäger auf
einen Angriff vorbereitet waren.</p>
-<p>Auszug aus dem »Journal«, geführt bei dem Hochlöblichen
-Hessischen Feld-Jäger-Korps: »Oktober 4. Die
+<p>Auszug aus dem »Journal«, geführt bei dem Hochlöblichen
+Hessischen Feld-Jäger-Korps: »Oktober 4. Die
vielen Detachements, welche der General Howe nach
Philadelphia und Jersey geschickt, um Mud Island
zu belagern und die Stadt zu besetzen, mochten den
General Washington bewogen haben, besonders da er
-eine Verstärkung aus Virginien erhalten, die Königliche
+eine Verstärkung aus Virginien erhalten, die Königliche
Armee zu attaquieren. In dieser Absicht war er aus
seinem Lager an der Skibback-Creek aufgebrochen, und
gegen 2 Uhr diesen Morgen erhielten wir die Nachricht
von dessen Anmarsch. Der Oberstlieutenant von Wurmb
-rückte mit dem Jäger-Korps sogleich aus, liess den Vorfall
+rückte mit dem Jäger-Korps sogleich aus, liess den Vorfall
an den General Knyphausen melden und besetzte die
-Brücke bei Van Doerens Haus, so über den Visihigging
-(Wissahickon) führet. Wir hörten bald darauf das Feuern
-am rechten Flügel und gegen 1/2-4 Uhr wurde das Jäger-Korps
-von einem Korps von 4000 Mann mit 4 Sechspfündern
+Brücke bei Van Doerens Haus, so über den Visihigging
+(Wissahickon) führet. Wir hörten bald darauf das Feuern
+am rechten Flügel und gegen 1/2-4 Uhr wurde das Jäger-Korps
+von einem Korps von 4000 Mann mit 4 Sechspfündern
attaquiert. Das Korps musste auch wirklich
-die Brücke verlassen, setzte sich aber auf die gegenüberliegende
-Höhe und defendierte solche mit dem Büchsenfeuer
+die Brücke verlassen, setzte sich aber auf die gegenüberliegende
+Höhe und defendierte solche mit dem Büchsenfeuer
gegen die wiederholten Versuche des Feindes sie
-zu forcieren. Die 4 feindlichen Kanonen spielten be<span class="pagenum"><a name="Seite_165" id="Seite_165">[S. 165]</a></span>ständig
-auf die Jägers, ohne dass unsere Dreipfünder den
+zu forcieren. Die 4 feindlichen Kanonen spielten be<span class="pagenum"><a name="Seite_165" id="Seite_165">[S. 165]</a></span>ständig
+auf die Jägers, ohne dass unsere Dreipfünder den
Feind erreichen konnten. Das Feuer wurde inzwischen
-allgemein und sehr heftig auf dem rechten Flügel, bis
+allgemein und sehr heftig auf dem rechten Flügel, bis
gegen 9 Uhr der General-Lieutenant von Knyphausen
-sagen liess, dass der feindliche linke Flügel geschlagen
+sagen liess, dass der feindliche linke Flügel geschlagen
sei. Hierauf attaquierte der Oberstlieutenant von Wurmb
-die Brücke aufs Neue und vertrieb den Feind sowohl von
-da, als auch der gegenüberliegenden Höhe unter einem
+die Brücke aufs Neue und vertrieb den Feind sowohl von
+da, als auch der gegenüberliegenden Höhe unter einem
heftigen Feuer. Da die Attaque durch ein langes Defilee
geschehen musste, so hatte man feindlicherseits Zeit, sich
zu retirieren; wir fanden daher auch nur 20 Tote &mdash; und
-da die Jägers auch ohnehin schon sehr fatiguiert und
-nicht unterstützt wurden, auch nur in 300 Mann bestanden,
+da die Jägers auch ohnehin schon sehr fatiguiert und
+nicht unterstützt wurden, auch nur in 300 Mann bestanden,
so geschah keine weitere Verfolgung.</p>
-<p>»Im Centro der Armee war der Feind auf die leichte
-Infanterie gefallen und hatte solche zurückgeschlagen.
+<p>»Im Centro der Armee war der Feind auf die leichte
+Infanterie gefallen und hatte solche zurückgeschlagen.
Der Oberstlieutenant Musgrave warf sich aber mit dem
40. Regiment in ein steinern Haus, welches vom Feind
angegriffen wurde, und wo er sich bei aufhielt, sonst
-hätte er vielleicht geschwinder und noch ehe einmal die
-Armee alle im Gewehr gewesen, solche attaquieren können.
+hätte er vielleicht geschwinder und noch ehe einmal die
+Armee alle im Gewehr gewesen, solche attaquieren können.
So aber attaquierte die Armee ihn, schlug ihn aus der
Stadt heraus und in die Flucht. Er retirierte sich darauf
in sein voriges Lager an der Skibback-Creek mit
-Zurücklassung von 300 Toten, 600 blessierten und 400 Gefangenen.
+Zurücklassung von 300 Toten, 600 blessierten und 400 Gefangenen.
Der unsrige Verlust ist gleichwohlen 400 Tote
und Blessierte, unter ersteren befand sich der General
Agnew. Lord Cornwallis, welcher das Feuer zu Philadelphia
-gehört hatte, setzte sogleich von da 3 Grenadier-Bataillons
-in Marsch. Er für seine Person kam noch zeitig genug,
+gehört hatte, setzte sogleich von da 3 Grenadier-Bataillons
+in Marsch. Er für seine Person kam noch zeitig genug,
um am letzten Teil der Aktion Anteil zu nehmen, die
-Bataillons kamen aber zu spät.«</p>
+Bataillons kamen aber zu spät.«</p>
-<p>Es war nunmehr für Sir William Howe von der
-grössten Wichtigkeit seinen Kriegs- und Transportschiffen
+<p>Es war nunmehr für Sir William Howe von der
+grössten Wichtigkeit seinen Kriegs- und Transportschiffen
Eingang auf dem Delaware zwischen Wilmington und
Philadelphia zu verschaffen. Auf diese war er in grossem
<span class="pagenum"><a name="Seite_166" id="Seite_166">[S. 166]</a></span>
@@ -7063,139 +7021,139 @@ seiner Verbindung. Der Fluss war etwa 10 Meilen
unterhalb Philadelphia durch spanische Reiter gesperrt,
welche gedeckt wurden von Fort Mercer bei Redbank
auf dem New-Jersey-Ufer und von Fort Mifflin auf einer
-Insel in der Nähe des gegenüberliegenden Ufers von
+Insel in der Nähe des gegenüberliegenden Ufers von
Pennsylvanien. Zwischen den Forts waren Hindernisse
in den Kanal versenkt und diese wurden wieder von
-Galeeren beschützt. Einige Boote mit Lebensmitteln
-waren glücklich durch alle diese Hindernisse hindurchgeschlüpft;
-die freie Schiffahrt auf dem Flusse war für
+Galeeren beschützt. Einige Boote mit Lebensmitteln
+waren glücklich durch alle diese Hindernisse hindurchgeschlüpft;
+die freie Schiffahrt auf dem Flusse war für
die Briten sehr wesentlich.</p>
<p>Oberst Karl Emil Kurt von Donop war einer der
-vorzüglichsten hessischen Obersten und war persönlicher
-Adjutant des Landgrafen gewesen, dessen Günstling er
-war. Er hatte im vorhergehenden Jahre ein selbständiges
+vorzüglichsten hessischen Obersten und war persönlicher
+Adjutant des Landgrafen gewesen, dessen Günstling er
+war. Er hatte im vorhergehenden Jahre ein selbständiges
Kommando von einiger Wichtigkeit in Bordentown gehabt
-und hatte nun den Wunsch ausgedrückt wieder detachiert
+und hatte nun den Wunsch ausgedrückt wieder detachiert
zu werden. Sir William Howe willfahrte ihm. Er wurde
abgesandt um Fort Mercer zu nehmen. Donop brach auf
am 21. Oktober 1777 mit drei Bataillone Grenadieren,
-1 Regiment Infanterie, 4 Kompanien Jägern und 12 berittenen
-Jägern, alles Hessen, 8 Feldgeschützen, die zu
-den Regimentern gehörten und 2 englischen Haubitzen.
+1 Regiment Infanterie, 4 Kompanien Jägern und 12 berittenen
+Jägern, alles Hessen, 8 Feldgeschützen, die zu
+den Regimentern gehörten und 2 englischen Haubitzen.
Er soll noch mehr Artillerie verlangt und daraufhin zur
Antwort erhalten haben, wenn er sich nicht getraute das
-Fort anzugreifen, so würden es die Engländer nehmen.
-»Sagen Sie Ihrem General,« erwiderte er dem Offizier,
-der diese Botschaft überbrachte, »dass Deutsche sich nicht
-scheuen, dem Tod ins Auge zu schauen.« Darauf erklärte
-der Oberst denen, die um ihn waren: »Entweder wird
+Fort anzugreifen, so würden es die Engländer nehmen.
+»Sagen Sie Ihrem General,« erwiderte er dem Offizier,
+der diese Botschaft überbrachte, »dass Deutsche sich nicht
+scheuen, dem Tod ins Auge zu schauen.« Darauf erklärte
+der Oberst denen, die um ihn waren: »Entweder wird
das Fort bald Fort Donop heissen oder ich werde gefallen
-sein.« Er brach mit seinem Detachement auf und brachte
-die Nacht in Haddonfield zu. Ungefähr um Mittag des
+sein.« Er brach mit seinem Detachement auf und brachte
+die Nacht in Haddonfield zu. Ungefähr um Mittag des
22. Oktober langte er in Redbank an und ritt vor um
-das Terrain zu rekognoszieren. Das Fort war ein fünf<span class="pagenum"><a name="Seite_167" id="Seite_167">[S. 167]</a></span>seitiges
+das Terrain zu rekognoszieren. Das Fort war ein fünf<span class="pagenum"><a name="Seite_167" id="Seite_167">[S. 167]</a></span>seitiges
Erdwerk mit Graben und Verhau. Es war zuerst
von den Amerikanern in zu grossem Massstabe angelegt
worden, aber ein Monsieur du Plessis de Mauduit, ein
-junger französischer Offizier, der von Washington dem
+junger französischer Offizier, der von Washington dem
General Christoph Greene zur Verteidigung des Forts
beigegeben war, hatte die Ausdehnung des Werkes vermindert,
-sodass es in seiner veränderten Form ein etwas
-unregelmässiges Fünfeck bildete. Auf drei Seiten des
-Forts fand der Angreifer gedeckte Annäherung durch die
-Waldungen bis auf 400 Yards. Auf der Südseite war der
+sodass es in seiner veränderten Form ein etwas
+unregelmässiges Fünfeck bildete. Auf drei Seiten des
+Forts fand der Angreifer gedeckte Annäherung durch die
+Waldungen bis auf 400 Yards. Auf der Südseite war der
Delaware. Die Besatzung bestand aus 300 Mann mit
14 Kanonen.</p>
<p>Nach Ankunft vor dem Fort sandte Donop einen
Adjutanten, um die Besatzung zur Uebergabe aufzufordern.
-»Der König von England gebietet seinen aufrührerischen
-Unterthanen die Waffen niederzulegen«, lautete die Aufforderung
-»und sie werden gewarnt, dass, wenn sie solange
-zögern bis es zum Kampf kommen wird, kein
-Pardon gegeben werden wird.« Der Adjutant berichtete,
+»Der König von England gebietet seinen aufrührerischen
+Unterthanen die Waffen niederzulegen«, lautete die Aufforderung
+»und sie werden gewarnt, dass, wenn sie solange
+zögern bis es zum Kampf kommen wird, kein
+Pardon gegeben werden wird.« Der Adjutant berichtete,
dass er nur wenig Leute in dem Fort gesehen habe.</p>
<p>Oberst von Donop stellte sein kleines Korps in Schlachtordnung
auf. Seine rechte Flanke nahm Anlehnung an den
-Fluss, an welchem er seine 8 Dreipfünder und 2 Haubitzen
+Fluss, an welchem er seine 8 Dreipfünder und 2 Haubitzen
plaziert hatte. Diese wurden von einem Bataillon Grenadieren
-und von Jägern gedeckt, welche Flanke und Rücken
+und von Jägern gedeckt, welche Flanke und Rücken
gegen Truppen decken sollten, welche etwa von den
-Schiffen im Delaware ausgeschifft werden möchten. Die
-hessische Angriffslinie nahm den grösseren Teil des ganzen
+Schiffen im Delaware ausgeschifft werden möchten. Die
+hessische Angriffslinie nahm den grösseren Teil des ganzen
Weges um das Fort herum auf der Landseite ein; der
-Angriff wurde gleichzeitig von Norden und Süden gemacht.
-An der Tête eines jeden Bataillons befand sich ein
+Angriff wurde gleichzeitig von Norden und Süden gemacht.
+An der Tête eines jeden Bataillons befand sich ein
Offizier, der die Sappeure kommandierte und 100 Mann mit
-Faschinen, die eilig in den Wäldern gemacht worden waren.</p>
+Faschinen, die eilig in den Wäldern gemacht worden waren.</p>
-<p>Ungefähr um 4 Uhr war alles bereit. Donop forderte
+<p>Ungefähr um 4 Uhr war alles bereit. Donop forderte
darauf seine Offiziere mit einigen Worten auf, sich tapfer
-zu verhalten. Sie stiegen alle ab und zogen ihre Säbel,
+zu verhalten. Sie stiegen alle ab und zogen ihre Säbel,
<span class="pagenum"><a name="Seite_168" id="Seite_168">[S. 168]</a></span>
-nahmen ihre Plätze in der Front ihrer Bataillone ein,
+nahmen ihre Plätze in der Front ihrer Bataillone ein,
und der Angriff begann. Die Hessen gingen im Laufschritt
-vor, überstiegen die alten nicht mehr gebrauchten
+vor, überstiegen die alten nicht mehr gebrauchten
Linien mit ihrem Schlachtruf, erreichen den Verhau,
-wurden aber durch Wolfsgruben und einen Graben überrascht,
-zu dessen Füllung sie nicht genug Faschinen
+wurden aber durch Wolfsgruben und einen Graben überrascht,
+zu dessen Füllung sie nicht genug Faschinen
hatten. Drei amerikanische Galeeren, die im Flusse lagen,
unterhielten ein lebhaftes Feuer auf die hessische rechte
Flanke. Einige der Hessen erklommen den Wall des
-Hauptforts. Sie wurden sofort zurückgeworfen. Donop
-wurde, von einer Musketenkugel in die Hüfte getroffen,
-tötlich verwundet. 22 Offiziere waren tot oder verwundet,
-darunter die Kommandeure sämtlicher Bataillone. Die
-Hessen machten Kehrt und zogen sich zurück, indem
+Hauptforts. Sie wurden sofort zurückgeworfen. Donop
+wurde, von einer Musketenkugel in die Hüfte getroffen,
+tötlich verwundet. 22 Offiziere waren tot oder verwundet,
+darunter die Kommandeure sämtlicher Bataillone. Die
+Hessen machten Kehrt und zogen sich zurück, indem
sie viele Verwundete liegen liessen. Oberstlieutenant
-von Linsingen sammelte die Trümmer der Brigade und
-brachte sie am nächsten Tage unbelästigt nach Philadelphia.
+von Linsingen sammelte die Trümmer der Brigade und
+brachte sie am nächsten Tage unbelästigt nach Philadelphia.
Zwei englische Schiffe, welche versucht hatten,
sich an dem Kampfe zu beteiligen, waren auf den Grund
-gelaufen. Eins davon flog am nächsten Tag durch das
+gelaufen. Eins davon flog am nächsten Tag durch das
Feuer der amerikanischen Galeren und schwimmenden
Batterien in die Luft; das andere war in Brand gesteckt
und verlassen worden.</p>
-<p>Die Hessen waren zurückgegangen, die Nacht war
+<p>Die Hessen waren zurückgegangen, die Nacht war
hereingebrochen, und ein Teil der Besatzung kam aus
dem Fort heraus, um den Verhau wiederherzustellen und
-für die Verwundeten zu sorgen. Mehrere hessische
+für die Verwundeten zu sorgen. Mehrere hessische
Grenadiere wurden dicht hinter der Brustwehr vorgefunden,
wohin sie sich verkrochen hatten und wo die
-Kugeln über ihre Köpfe hinweggingen. Die armen Kerls
-konnten ohne Unterstützung nichts machen und fürchteten
+Kugeln über ihre Köpfe hinweggingen. Die armen Kerls
+konnten ohne Unterstützung nichts machen und fürchteten
sich, wegzulaufen. Sie wurden in das Fort aufgenommen.
Unter denen, die heraus kamen, um den Verhau wieder
in Stand zu setzen, war auch Kapitain du Plessis. Diesen
-rief Donop mit den Worten an: »Wer Du auch sein
-magst, trage mich von hier weg.« Du Plessis liess den
+rief Donop mit den Worten an: »Wer Du auch sein
+magst, trage mich von hier weg.« Du Plessis liess den
<span class="pagenum"><a name="Seite_169" id="Seite_169">[S. 169]</a></span>
Oberst in das Fort tragen. Als er hineingebracht wurde,
riefen einige Soldaten laut, die entweder nicht wussten,
-dass seine Wunde tötlich war, oder noch aufgeregt von
+dass seine Wunde tötlich war, oder noch aufgeregt von
der Schlacht und eingedenk der Drohungen, mit denen
-sie noch vor wenigen Stunden begrüsst worden waren:
-»Wohlan, ist es ausgemacht, dass kein Quartier gegeben
-werden soll?« »Ich bin in Eurer Hand,« antwortete der
-Oberst, »Ihr könnt Euch rächen.« Du Plessis hatte keine
+sie noch vor wenigen Stunden begrüsst worden waren:
+»Wohlan, ist es ausgemacht, dass kein Quartier gegeben
+werden soll?« »Ich bin in Eurer Hand,« antwortete der
+Oberst, »Ihr könnt Euch rächen.« Du Plessis hatte keine
Schwierigkeit, die Soldaten zu beschwichtigen, und schenkte
dann seine ganze Aufmerksamkeit dem verwundeten Manne.
-»Mein Herr,« sagte der Letztere, »Sie scheinen ein
-Fremder zu sein; wer sind Sie?« »Ein französischer
-Offizier,« antwortete du Plessis. »Dann bin ich zufrieden,«
-sagte Donop auf Französisch, »ich sterbe in den
-Armen der Ehre.«</p>
+»Mein Herr,« sagte der Letztere, »Sie scheinen ein
+Fremder zu sein; wer sind Sie?« »Ein französischer
+Offizier,« antwortete du Plessis. »Dann bin ich zufrieden,«
+sagte Donop auf Französisch, »ich sterbe in den
+Armen der Ehre.«</p>
<p>Der hessische Oberst lebte noch drei Tage nach dem
Angriff und unterhielt sich viel mit du Plessis. Er bat
den Letzteren, ihm zu sagen, wenn der Tod nahe sein
-würde. Du Plessis willfahrte seiner Bitte. »Das ist ein
-frühes Ende für eine schöne Laufbahn,« sagte Donop, »aber
+würde. Du Plessis willfahrte seiner Bitte. »Das ist ein
+frühes Ende für eine schöne Laufbahn,« sagte Donop, »aber
ich sterbe als das Opfer meines Ehrgeizes und der Habsucht
-meines Monarchen.«<a name="FNAnker_4_4" id="FNAnker_4_4"></a><a href="#Fussnote_4_4" class="fnanchor">[4]</a></p>
+meines Monarchen.«<a name="FNAnker_4_4" id="FNAnker_4_4"></a><a href="#Fussnote_4_4" class="fnanchor">[4]</a></p>
<div class="footnote">
@@ -7206,111 +7164,111 @@ des sterbenden Donop.</p></div>
gefangen genommenen Hessen betrug 379, einschliesslich
22 Offiziere. Die Amerikaner hatten 37 Tote und Verwundete.</p>
-<p>Diese brillante Verteidigung gewährte jedoch nicht
-andauernd dem Sieger die Gewalt über den Fluss. Am
-9. November eröffneten die britischen Batterien das Feuer
+<p>Diese brillante Verteidigung gewährte jedoch nicht
+andauernd dem Sieger die Gewalt über den Fluss. Am
+9. November eröffneten die britischen Batterien das Feuer
auf Fort Mifflin. Das Bombardement dauerte 6 Tage
-und Nächte. Mehr als 12000 Schüsse sollen dabei gefallen
+und Nächte. Mehr als 12000 Schüsse sollen dabei gefallen
sein. Am 15. kam auch noch die englische Flotte,
um sich an dem Kampf zu beteiligen. Ein Kriegsschiff
-mit 16 Vierundzwanzig-Pfündern und ein grosser Indiaman
+mit 16 Vierundzwanzig-Pfündern und ein grosser Indiaman
mit 3 Kanonen von demselben Kaliber wurden so nahe
<span class="pagenum"><a name="Seite_170" id="Seite_170">[S. 170]</a></span>
an das Fort herangebracht, dass man von ihrem Takelwerk
Handgranaten hineinschleudern konnte. 5 grosse
Schiffe hatten auf der andern Seite Aufstellung genommen.
-Die Landbatterien hatten 30 Geschütze. Die Blockhäuser
+Die Landbatterien hatten 30 Geschütze. Die Blockhäuser
des Forts, die gute Dienste geleistet hatten, waren in
-Stücke zerschossen worden. Eine Menge Kanonen waren
+Stücke zerschossen worden. Eine Menge Kanonen waren
zum Schweigen gebracht. In der Nacht vom 15. zog
-sich die Besatzung nach Fort Mercer zurück. Cornwallis
+sich die Besatzung nach Fort Mercer zurück. Cornwallis
wurde abgesandt, um es einzuschliessen, so dass Washington
-nicht im Stande war, es zu verstärken. Das Fort wurde
-am 20. November verlassen, die Baracken angezündet
+nicht im Stande war, es zu verstärken. Das Fort wurde
+am 20. November verlassen, die Baracken angezündet
und die Magazine in die Luft gesprengt. Die amerikanischen
Schiffe auf dem Flusse wurden ebenfalls verbrannt.
-Cornwallis vervollständigte die Zerstörung des
-Forts, dessen Wälle rasiert wurden.</p>
+Cornwallis vervollständigte die Zerstörung des
+Forts, dessen Wälle rasiert wurden.</p>
<hr class="chap" />
<h2><a name="Kapitel_XVII" id="Kapitel_XVII">Kapitel XVII.</a></h2>
-<h3>Der Rückzug der Briten durch New-Jersey,
+<h3>Der Rückzug der Briten durch New-Jersey,
Januar bis Juli 1778.</h3>
<p>Philadelphia scheint den Hessen nicht recht gefallen
zu haben. Wiederhold nennt, nachdem er aus der Gefangenschaft
-zurückgekehrt ist und nach seinem gefühlvollen
-Abschied in Fredericksburg, die Quäker-Stadt
-»einen Sammelplatz aller Religionen und Nationen, folglich
+zurückgekehrt ist und nach seinem gefühlvollen
+Abschied in Fredericksburg, die Quäker-Stadt
+»einen Sammelplatz aller Religionen und Nationen, folglich
ein Mischmasch aller Sekten und Glaubensgenossen, nicht
-weniger ein confluens canaillorum«, und glaubt, »dass es
-den Städten Sodom und Gomorrah in Ansehung aller
-Laster nichts nachgiebt«.</p>
+weniger ein confluens canaillorum«, und glaubt, »dass es
+den Städten Sodom und Gomorrah in Ansehung aller
+Laster nichts nachgiebt«.</p>
-<p>Ein anderer Offizier beklagt sich über das Klima
-und sagt, dass die Wälder und Moräste das Land ungesund
+<p>Ein anderer Offizier beklagt sich über das Klima
+und sagt, dass die Wälder und Moräste das Land ungesund
machen. Diesem Beobachter zufolge erreichen
die Pflanzen und Tiere in Pennsylvanien nicht ihre eigentliche
-Grösse, und die Menschen sind krank und neigen
-zu Geisteskrankheiten, »eine Verrückung der Sinne, die
+Grösse, und die Menschen sind krank und neigen
+zu Geisteskrankheiten, »eine Verrückung der Sinne, die
<span class="pagenum"><a name="Seite_171" id="Seite_171">[S. 171]</a></span>
-vom gepressten, nicht vom kochenden Blut herrührt ...
-Von 100 Leuten hat nicht einer eine gesunde Gesichtsfarbe.«
+vom gepressten, nicht vom kochenden Blut herrührt ...
+Von 100 Leuten hat nicht einer eine gesunde Gesichtsfarbe.«
Es ist wahrscheinlich, dass die Schwierigkeit, in
der halbblockierten Stadt frische Lebensmittel zu bekommen,
nicht ohne Einfluss auf dieses Urteil gewesen ist.</p>
<p>Philadelphia hat seit 1778 sein Aussehen wahrscheinlich
-weniger verändert als irgend eine andere grosse
+weniger verändert als irgend eine andere grosse
Stadt der Nord-Staaten. Der hessische Offizier lobt die
geraden Strassen, die Seitenwege mit breiten Steinen, die
-Dachrinnen und Dächer. Er lacht über die Einfalt der
-Kaufleute, die anzeigen »Tabak, so gut als der bestimportierte«,
-und stellt die Künste und Industrie als noch
+Dachrinnen und Dächer. Er lacht über die Einfalt der
+Kaufleute, die anzeigen »Tabak, so gut als der bestimportierte«,
+und stellt die Künste und Industrie als noch
sehr in der Kindheit begriffen hin. Keinerlei Arbeit in
Elfenbein, Stahl, Stuck, Knochen, Stickerei oder Seide
-wird gefertigt. »Die Engländer schicken ihnen alles dies,
+wird gefertigt. »Die Engländer schicken ihnen alles dies,
und alles, was sie schicken, ist willkommen. Und obendrein
ist der Amerikaner und besonders der Philadelphier
-so eingebildet, zu glauben, kein Land auf der Erde wäre
-schöner, glücklicher, reicher oder blühender als ihr kaum
-knospender Staat.« Dies ist jedoch nicht die Ansicht
-des Briefschreibers. »Wollte mir der achtbare Graf Pen
-das ganze Land gegen mein Patent abtreten,« sagt er,
-»mit der Bedingung, dass ich zeitlebens hier wohnen
-sollte: kaum thäte ich es.«</p>
-
-<p>Anfang Dezember rückte Sir William Howe von
-Philadelphia ab, um einen Entscheidungskampf herbeizuführen.
+so eingebildet, zu glauben, kein Land auf der Erde wäre
+schöner, glücklicher, reicher oder blühender als ihr kaum
+knospender Staat.« Dies ist jedoch nicht die Ansicht
+des Briefschreibers. »Wollte mir der achtbare Graf Pen
+das ganze Land gegen mein Patent abtreten,« sagt er,
+»mit der Bedingung, dass ich zeitlebens hier wohnen
+sollte: kaum thäte ich es.«</p>
+
+<p>Anfang Dezember rückte Sir William Howe von
+Philadelphia ab, um einen Entscheidungskampf herbeizuführen.
Die Armeen standen sich drei Tage lang in
-der Nähe von Chestnut-Hill, ungefähr 11 Meilen von der
-Stadt, gegenüber. Ihre Märsche, Contremärsche und
-Plänkeleien deuteten auf Vorbereitungen zur Schlacht
+der Nähe von Chestnut-Hill, ungefähr 11 Meilen von der
+Stadt, gegenüber. Ihre Märsche, Contremärsche und
+Plänkeleien deuteten auf Vorbereitungen zur Schlacht
hin; als aber der englische General merkte, dass Washingtons
Stellung zu stark war, um sie anzugreifen, zog
-er sich stille wieder nach Philadelphia zurück.</p>
+er sich stille wieder nach Philadelphia zurück.</p>
<p>Zwei Fouragierungen wurden im Laufe dieses Monats
unternommen, zu dessen Ende die britische Armee Winterquartiere
bezog. 11 Redouten wurden zwischen dem
<span class="pagenum"><a name="Seite_172" id="Seite_172">[S. 172]</a></span>
Delaware und Schuylkill gebaut; deren Linie lief die
-Morris-Höhen entlang; jede war von einem Kapitän und
-50 Mann besetzt, die alle 24 Stunden abgelöst wurden.
+Morris-Höhen entlang; jede war von einem Kapitän und
+50 Mann besetzt, die alle 24 Stunden abgelöst wurden.
Die Picketlinie wurde am Schuylkill den Provinzialen,
-am Delaware den hessischen Jägern anvertraut; letztere
+am Delaware den hessischen Jägern anvertraut; letztere
waren bei Holland Ferry und Greenwich Point postiert.</p>
-<p>Während Washingtons Armee bei Valley Forge beinahe
+<p>Während Washingtons Armee bei Valley Forge beinahe
an allem, was zum Leben notwendig ist, Mangel
litt, hatten die Briten in Philadelphia alles, was sie
wollten, und verbrachten den Winter in Ruhe, Gesundheit
-und Fröhlichkeit. Sie lagen dort nicht sehr eng; viele
-Häuser der abwesenden Rebellen wurden zu Barracken
+und Fröhlichkeit. Sie lagen dort nicht sehr eng; viele
+Häuser der abwesenden Rebellen wurden zu Barracken
benutzt. Ein Teil der Soldaten fand bei den Einwohnern,
die in der Stadt verblieben waren, Quartier. Der Dienst
war leicht. Sir William Howe, der bereits um seine
@@ -7319,95 +7277,95 @@ Stadt schien nicht sehr voll von Soldaten zu sein. Den
Amerikanern gelang es nur insoweit, ihnen die Zufuhr
abzuschneiden, als durch sie dieselbe sehr verteuert wurde.</p>
-<p>Am 18. Mai 1778 wurde für Sir William Howe eine
+<p>Am 18. Mai 1778 wurde für Sir William Howe eine
Abschiedsfeier veranstaltet, und am 19. und 20. machte
dieser General einen vergeblichen Versuch, ein Korps
von 2500 Mann unter General Lafayette, der sich in die
-Nähe von Philadelphia gewagt hatte, gefangen zu nehmen.
-Am 24. übergab Howe das Kommando an Sir Henry
+Nähe von Philadelphia gewagt hatte, gefangen zu nehmen.
+Am 24. übergab Howe das Kommando an Sir Henry
Clinton. Bevor er Amerika verliess, sandte er schmeichelhafte
-Schreiben an die Kapitäns Ewald und Wreden von
-den Jägern.</p>
+Schreiben an die Kapitäns Ewald und Wreden von
+den Jägern.</p>
-<p>Inzwischen war in Philadelphia das Gerücht laut geworden,
-dass der König von Frankreich einen Vertrag
-mit den rebellischen Kolonien abgeschlossen hätte, und
-dass bald eine französische Flotte den Eingang zur Delaware
+<p>Inzwischen war in Philadelphia das Gerücht laut geworden,
+dass der König von Frankreich einen Vertrag
+mit den rebellischen Kolonien abgeschlossen hätte, und
+dass bald eine französische Flotte den Eingang zur Delaware
Bay bedrohen und die Verbindung zu Wasser mit
-New-York abschneiden könnte. Mit andern Worten, wie
-die guten Deutschen es sich auslegten: »eine starke
-französische Flotte mit vielen Tausend Landtruppen und
+New-York abschneiden könnte. Mit andern Worten, wie
+die guten Deutschen es sich auslegten: »eine starke
+französische Flotte mit vielen Tausend Landtruppen und
<span class="pagenum"><a name="Seite_173" id="Seite_173">[S. 173]</a></span>
Kavallerie war von Brest ausgelaufen und nach Amerika
unterwegs, unter dem Vorwand, Bundesgenossen des
Kongress zu sein, in Wirklichkeit aber mit der Absicht,
-auf diesem Kontinent festen Fuss zu fassen.«</p>
+auf diesem Kontinent festen Fuss zu fassen.«</p>
-<p>Es war das Nahen der französischen Flotte, und
+<p>Es war das Nahen der französischen Flotte, und
gleichzeitig waren es die aus England erhaltenen Befehle,
welche Sir Henry Clinton veranlassten, Philadelphia aufzugeben
-und sich nach New-York zurückzuziehen. Ein
+und sich nach New-York zurückzuziehen. Ein
Teil der Baggage der Armee wurde an Bord der englischen
-Schiffe gebracht, und ungefähr 3000 Tory-Einwohner
-bereiteten sich vor, ihren Beschützern zu folgen
+Schiffe gebracht, und ungefähr 3000 Tory-Einwohner
+bereiteten sich vor, ihren Beschützern zu folgen
und ihr Heimatland zu verlassen. Die Strassen, welche
-wie die einer deutschen Stadt in glücklicher Zeit ausgesehen
-hatten, waren nun verlassen. Vor vielen Häusern
-standen Haufen von Möbeln, um versteigert zu werden.
+wie die einer deutschen Stadt in glücklicher Zeit ausgesehen
+hatten, waren nun verlassen. Vor vielen Häusern
+standen Haufen von Möbeln, um versteigert zu werden.
Die Einwohner gingen mit traurigen Gesichtern einher,
manche aber frohlockten im Stillen.</p>
<p>Im Laufe des November waren die anspachischen
Regimenter von New-York nach Philadelphia gebracht
worden. Sie wurden nun wieder zu Schiff nach New-York
-befördert, anstatt an dem Marsch durch New-Jersey
-teilzunehmen. Unter den Amerikanern ging das Gerücht,
+befördert, anstatt an dem Marsch durch New-Jersey
+teilzunehmen. Unter den Amerikanern ging das Gerücht,
dass der britische Befehlshaber sich auf diese beiden Regimenter
-nicht hätte verlassen können. Die Deutschen
-meinten, dass sie ihre Unfähigkeit im Marschieren bewiesen
-hätten. Es waren die Regimenter, die bei Ochsenfurt
+nicht hätte verlassen können. Die Deutschen
+meinten, dass sie ihre Unfähigkeit im Marschieren bewiesen
+hätten. Es waren die Regimenter, die bei Ochsenfurt
gemeutert hatten.</p>
-<p>Vom 14. bis 18. Juni 1778 dauerte die Räumung
-Philadelphias seitens der Engländer und Hessen. Trotzdem,
-dass viel Baggage zur See befördert worden war,
-zählte der Train doch noch 1500 Wagen. Die Schiffe
+<p>Vom 14. bis 18. Juni 1778 dauerte die Räumung
+Philadelphias seitens der Engländer und Hessen. Trotzdem,
+dass viel Baggage zur See befördert worden war,
+zählte der Train doch noch 1500 Wagen. Die Schiffe
auf den Werften und Stapeln wurden verbrannt. Die
-Amerikaner störten weder diese Vorbereitungen, noch bedrängten
+Amerikaner störten weder diese Vorbereitungen, noch bedrängten
sie die abziehenden Truppen ernstlich. Am
18. Juni begann der Abmarsch der Armee. Der Weg
-führte über Haddonfield, Mount Holly, Monmouth Court
+führte über Haddonfield, Mount Holly, Monmouth Court
<span class="pagenum"><a name="Seite_174" id="Seite_174">[S. 174]</a></span>
House und die Neversink Hills nach Sandy Hook. Amerikanische
-Streifparteien zerstörten die Brücken vor der
-Front der Briten und belästigten Flanken und Rücken
+Streifparteien zerstörten die Brücken vor der
+Front der Briten und belästigten Flanken und Rücken
der Armee. Die Hitze war schrecklich; viele Leute
starben am Sonnenstich. Die New-Jersey-Moskitos
thaten ihre Arbeit derartig, dass die Gesichter der
Soldaten bis zur Unkenntlichkeit angeschwollen waren.
Bis zum 25. Juni war beinahe ein Drittel der Hessen infolge
-der Hitze marschunfähig an den Strassenrändern
+der Hitze marschunfähig an den Strassenrändern
liegen geblieben. Es kamen auch viele Desertionen vor.</p>
-<p>Es ist merkwürdig, dass es angesichts dieser Schwierigkeiten
-den Amerikanern nicht gelang, den Rückzug erheblich
+<p>Es ist merkwürdig, dass es angesichts dieser Schwierigkeiten
+den Amerikanern nicht gelang, den Rückzug erheblich
mehr zu erschweren. Viele von Washingtons
-Unterführern hielten es für unangebracht, den zurückgehenden
-Feind anzugreifen. Diese Ansicht war hauptsächlich
-durch Charles Lee vertreten, der als ältester
-General-Major wohl im Stande war, die Ausführung von
-Washingtons Plänen beträchtlich zu verhindern. Das
-Gefecht von Monmouth Court House war für keinen der
+Unterführern hielten es für unangebracht, den zurückgehenden
+Feind anzugreifen. Diese Ansicht war hauptsächlich
+durch Charles Lee vertreten, der als ältester
+General-Major wohl im Stande war, die Ausführung von
+Washingtons Plänen beträchtlich zu verhindern. Das
+Gefecht von Monmouth Court House war für keinen der
beiden Teile ein wirklicher Sieg. Die Amerikaner wurden
-durch Clintons Arrieregarde zurückgedrängt und infolge
-Lees Unfähigkeit und Unthätigkeit beinahe in die Flucht
+durch Clintons Arrieregarde zurückgedrängt und infolge
+Lees Unfähigkeit und Unthätigkeit beinahe in die Flucht
geschlagen. Es ist Thatsache, dass Washington seine
Leute zum Stehen brachte und einen Angriff abschlug,
aber der eigentliche Zweck dieses Tages wurde nicht erreicht.
Clinton setzte seinen Marsch mit dem Verlust
von kaum einem Wagen fort. In der ersten Woche des
Juli erreichte die britische Armee Sandy Hook, von wo
-sie zu Wasser nach New-York übergeführt wurde.</p>
+sie zu Wasser nach New-York übergeführt wurde.</p>
@@ -7420,50 +7378,50 @@ sie zu Wasser nach New-York übergeführt wurde.</p>
<p>Im November 1776, als die Unterwerfung des Landes
in vollem Gange war, detachierte Sir William Howe
<span class="pagenum"><a name="Seite_175" id="Seite_175">[S. 175]</a></span>
-ungefähr 7000 Mann, von denen etwa die Hälfte Hessen
+ungefähr 7000 Mann, von denen etwa die Hälfte Hessen
waren, zur Besetzung von Newport. Dieses Korps
landete ohne Gegenwehr und verbrachte drei Jahre in
-Rhode Island, davon den grössten Teil in Unthätigkeit.
+Rhode Island, davon den grössten Teil in Unthätigkeit.
Nur die letzten Jahre machte sich der Mangel an Mehl
-und Holz fühlbar. Unzweifelhaft konnten die Leute
+und Holz fühlbar. Unzweifelhaft konnten die Leute
irgendwo anders besser verwendet werden. Mit 6000
oder selbst mit 4000 Mann mehr unter seinem Kommando
-hätte Clinton wohl erfolgreicher und wirksamer auftreten
-können, als er zum Beistand Burgoynes vorging. Es lässt sich
+hätte Clinton wohl erfolgreicher und wirksamer auftreten
+können, als er zum Beistand Burgoynes vorging. Es lässt sich
aber annehmen, dass, nachdem Sir William Howe Newport
in Besitz genommen und keinen bessern Gebrauch
-mit diesen Truppen zu machen wusste, er wohl fürchtete,
+mit diesen Truppen zu machen wusste, er wohl fürchtete,
an Prestige zu verlieren, wenn er die Stadt wieder aufgeben
-würde. Im Sommer 1777, vor Eröffnung der Campagne,
+würde. Im Sommer 1777, vor Eröffnung der Campagne,
nahm er einige Regimenter aus der Besatzung
heraus.</p>
<p>Im Ganzen glaube ich nicht, dass der Dienst in
-Rhode Island für die Soldaten sehr beschwerlich gewesen
+Rhode Island für die Soldaten sehr beschwerlich gewesen
ist. Wenn auch das Mehl knapp war, so war doch Fleisch
in Menge vorhanden. Die Bewohner waren zuerst sehr
scheu und schlossen ihre Familien ganz ab. Auf Shelter
-Island lief das Landvolk bei Annäherung der fremden
+Island lief das Landvolk bei Annäherung der fremden
Eindringlinge weg. Sie glaubten, sagt einer, dass die
-Hessen kleine Kinder aufässen. »Aber mit der Zeit,«
-schreibt ein Offizier, »wurden sie vertrauter mit uns, lernten
+Hessen kleine Kinder aufässen. »Aber mit der Zeit,«
+schreibt ein Offizier, »wurden sie vertrauter mit uns, lernten
unser gebrochenes Englisch verstehen, zeigten uns ihre
-Familien und liessen ihre Furcht vor uns verschwinden.«</p>
+Familien und liessen ihre Furcht vor uns verschwinden.«</p>
<p>Nachdem man auf guten Fuss mit einander gekommen
-war, genoss man die grösste Behaglichkeit in
-den gastfreien Häusern von Newport. Die Einwohner
+war, genoss man die grösste Behaglichkeit in
+den gastfreien Häusern von Newport. Die Einwohner
bewirteten ganz nach englischer Sitte. Alle Gerichte
wurden auf einmal auf dem Tische aufgetragen. Jeder
-Gast ass und trank nach Belieben, ohne dass er genötigt
+Gast ass und trank nach Belieben, ohne dass er genötigt
wurde. Suppe gab es selten, aber es standen immer vier
-oder fünf Sorten Gemüse auf dem Tisch, und Kartoffeln
+oder fünf Sorten Gemüse auf dem Tisch, und Kartoffeln
<span class="pagenum"><a name="Seite_176" id="Seite_176">[S. 176]</a></span>
-gab es zu jedem Gericht. Die Liste der Getränke, welche
-das vor mir liegende Journal enthält, führt auf: Punsch,
+gab es zu jedem Gericht. Die Liste der Getränke, welche
+das vor mir liegende Journal enthält, führt auf: Punsch,
Cider, starkes Bier, Porter, Grog, Madeira, Portwein,
Claret, Sherry, Toddy, Sangaree und Syllabub. Man
-trank sich während des Mahles einander zu, und richtige
+trank sich während des Mahles einander zu, und richtige
Toaste wurden ausgebracht, nachdem das Tischtuch weggenommen
war. Die Toaste gingen rechts herum, die
Flasche zur Linken.</p>
@@ -7471,79 +7429,79 @@ Flasche zur Linken.</p>
<p>Sir Henry Clinton war der erste Befehlshaber dieses
Korps, Lord Percy war sein Nachfolger. Letzterer legte
das Kommando im Mai 1777 nieder, um nach England
-zurückzukehren. Die Hoffnungen, die ihn nach Amerika
-geführt hatten, waren getäuscht worden, denn man erzählte
+zurückzukehren. Die Hoffnungen, die ihn nach Amerika
+geführt hatten, waren getäuscht worden, denn man erzählte
sich, dass er beim Verlassen der Heimat geschworen
-hätte, nicht ohne den Olivenzweig des Friedens zurückkehren
+hätte, nicht ohne den Olivenzweig des Friedens zurückkehren
zu wollen. Er war beliebt in Newport, und die
Einwohner sandten ihm eine Ergebenheits-Adresse bei
-seiner Abreise, indem sie ihm eine glückliche und angenehme
+seiner Abreise, indem sie ihm eine glückliche und angenehme
Reise und eine lang andauernde gute Gesundheit
-wünschten. »Euer Excellenz erhabener Rang und Charakter,«
-fügten sie hinzu, »lassen es unnötig erscheinen,
+wünschten. »Euer Excellenz erhabener Rang und Charakter,«
+fügten sie hinzu, »lassen es unnötig erscheinen,
Ihnen irgend eine andere Segnung des Lebens zu
-wünschen.« Als Antwort versicherte ihnen seine Lordschaft,
+wünschen.« Als Antwort versicherte ihnen seine Lordschaft,
dass es die Pflicht und der Wille eines jeden
-britischen und hessischen Soldaten gewesen wäre, alle
-unschuldigen und friedlichen Einwohner zu beschützen.</p>
+britischen und hessischen Soldaten gewesen wäre, alle
+unschuldigen und friedlichen Einwohner zu beschützen.</p>
<p>Die Bewohner von Newport waren mit General-Major
Prescott, Lord Percys Nachfolger, weniger zufrieden.
Sie hatten aber nicht lange unter ihm zu leiden. Der
General hatte sich als Hauptquartier ein einsames Haus
-ungefähr 4 Meilen von Newport und eine Meile von der
-nächst gelegenen Truppe ausersehen. Betreffs seiner
+ungefähr 4 Meilen von Newport und eine Meile von der
+nächst gelegenen Truppe ausersehen. Betreffs seiner
Sicherheit war er nur auf eine kleine Wache und ein
Schiff angewiesen, welches nicht weit von dem Hause
-vor Anker lag. In der Nacht des 10. Juli 1777, ungefähr
+vor Anker lag. In der Nacht des 10. Juli 1777, ungefähr
um Mitternacht, landete eine Abteilung Amerikaner
<span class="pagenum"><a name="Seite_177" id="Seite_177">[S. 177]</a></span>
unter Oberst Barton auf zwei Walfischbooten beim Redwood
-Creek, schlich sich über die Felder an Prescotts
-Hauptquartier heran, überwältigte die Wache, brach
+Creek, schlich sich über die Felder an Prescotts
+Hauptquartier heran, überwältigte die Wache, brach
in das Haus ein, zog den General und seinen Adjutanten
aus ihren Betten heraus und schleppte sie mit sich, ohne
ihnen selbst Zeit zu lassen sich anzuziehen. Die Boote
-liefen glücklich Spiessruthen zwischen den britischen
-Schiffen und beförderten die Gefangenen nach Providence.</p>
+liefen glücklich Spiessruthen zwischen den britischen
+Schiffen und beförderten die Gefangenen nach Providence.</p>
<p>Das Kommando ging nun an Majorgeneral Pigot
-über, und die Dinge nahmen ihren alten Lauf. Beständig
-wurden Streifzüge nach den benachbarten Inseln und auch
+über, und die Dinge nahmen ihren alten Lauf. Beständig
+wurden Streifzüge nach den benachbarten Inseln und auch
auf dem Festland unternommen, um Lebensmittel oder
Holz zu holen. Ende Juli wurde wegen Mangel an
Nahrung in Newport ein Transport Frauen und Kinder
nach Providence gesandt. Es ist aber nicht anzunehmen,
dass die Soldaten ernstlich Not gelitten haben. Im Ganzen
-verlief das Jahr 1777 und die erste Hälfte von 1778
+verlief das Jahr 1777 und die erste Hälfte von 1778
ruhig, obwohl die Amerikaner manchmal thaten, als ob
sie die Insel angreifen wollten. Inzwischen hatte Burgoyne
Ticonderoga genommen, war auf Albany vorgegangen
-und hatte sich bei Saratoga übergeben. Howe
+und hatte sich bei Saratoga übergeben. Howe
hatte Philadelphia eingenommen, Clinton es wieder verlassen;
-der König von Frankreich hatte den Krieg erklärt,
-und Stunden der Angst waren für die kleine Armee
+der König von Frankreich hatte den Krieg erklärt,
+und Stunden der Angst waren für die kleine Armee
in Newport im Anzug.</p>
<p>Am 15. Juli 1778 kam General Prescott, der ausgewechselt
-worden war, von New-York mit Verstärkungen.
+worden war, von New-York mit Verstärkungen.
Unter diesen waren die beiden anspachischen Regimenter.
-Er verkündigte, dass die französische Flotte auf dem
-Wege nach Amerika wäre, und am 29. erschien auch
+Er verkündigte, dass die französische Flotte auf dem
+Wege nach Amerika wäre, und am 29. erschien auch
diese Flotte vor Newport. Sie wurde von Graf d'Estaing
-befehligt und bestand aus 5 Schiffen mit 74 Geschützen,
-6 mit 64 und 3 mit 26 Geschützen. Um 11 Uhr morgens
+befehligt und bestand aus 5 Schiffen mit 74 Geschützen,
+6 mit 64 und 3 mit 26 Geschützen. Um 11 Uhr morgens
lagen diese Schiffe vor dem Hafen vor Anker. Die Insel
-Connanicut wurde alsbald von den Deutschen geräumt
-und von den Franzosen besetzt, die dort einige Vorräte,
+Connanicut wurde alsbald von den Deutschen geräumt
+und von den Franzosen besetzt, die dort einige Vorräte,
<span class="pagenum"><a name="Seite_178" id="Seite_178">[S. 178]</a></span>
welche man nicht Zeit genug hatte mitzunehmen, in Besitz
nahmen. Die englischen und hessischen Soldaten
erwarteten eine sofortige Landung des Feindes auf Rhode
-Island. Die Stadt war in der grössten Verwirrung und
+Island. Die Stadt war in der grössten Verwirrung und
die Tories in Verzweiflung.</p>
-<p>Der französische Admiral indessen nutzte seinen Vorteil
+<p>Der französische Admiral indessen nutzte seinen Vorteil
nicht alsogleich aus. Es dauerte bis zum 8. August,
bis er sich den Eintritt in den Hafen erzwang, wozu er
die Batterien von Brentons Neck, Kings Fort, Goat Island
@@ -7557,50 +7515,50 @@ hatten starken Schaden gelitten.</p>
hatten, wurden nunmehr herangeholt. General Sullivan
war mit einer Rebellen-Armee auf Rhode Island gelandet.
Die britischen und deutschen Soldaten standen wie die
-Schafe in dichtem Gedränge in der Stadt. Sie waren
-ganz erschöpft von den unausgesetzten Strapazen, denn
-seit dem Erscheinen der französischen Flotte war jeder
-brauchbare Mann bei den Verschanzungs-Arbeiten thätig
+Schafe in dichtem Gedränge in der Stadt. Sie waren
+ganz erschöpft von den unausgesetzten Strapazen, denn
+seit dem Erscheinen der französischen Flotte war jeder
+brauchbare Mann bei den Verschanzungs-Arbeiten thätig
gewesen. 4 Fregatten und 2 kleinere Schiffe waren verbrannt
und 1 Fregatte, sowie ein anderes Schiff im Meere
-versenkt worden, um sie nicht in die Hände des Feindes
+versenkt worden, um sie nicht in die Hände des Feindes
fallen zu lassen. In Newport herrschte grosse Besorgnis,
aber am 9. August kam Hilfe. Eine englische Flotte von
36 Segeln unter Lord Howe erschien vor Point Judith.
-Graf d'Estaing lichtete am nächsten Morgen die Anker,
+Graf d'Estaing lichtete am nächsten Morgen die Anker,
um ihm entgegenzugehen, wobei er sich einer scharfen
Kanonade von Seiten der Strand-Batterien aussetzte. Die
-englische Flotte wich zurück, gefolgt von der französischen.
+englische Flotte wich zurück, gefolgt von der französischen.
Der 10. war ein Tag der Ungewissheit. Am 11. erhob
sich ein heftiger Sturm, welcher beide Flotten zerstreute.</p>
-<p>Die französische war es, welche am ersten wieder
-in Sicht kam. »Nun war alle unsere Hoffnung vergebens,«
+<p>Die französische war es, welche am ersten wieder
+in Sicht kam. »Nun war alle unsere Hoffnung vergebens,«
<span class="pagenum"><a name="Seite_179" id="Seite_179">[S. 179]</a></span>
-schreibt der hessische Quartiermeister, »wir sahen uns
+schreibt der hessische Quartiermeister, »wir sahen uns
schon in Gedanken, weil unsere Macht gegen ein so
starkes Korps von der Land- und Seeseite zu schwach
-war, in den Händen unserer Feinde.« Plötzlich, zur
-Freude und Überraschung der Besatzung, segelte die
+war, in den Händen unserer Feinde.« Plötzlich, zur
+Freude und Überraschung der Besatzung, segelte die
Flotte fort.</p>
-<p>Noch eine Woche länger blieb Sullivan vor den Verschanzungen
-von Newport, während seine Miliz-Armee
+<p>Noch eine Woche länger blieb Sullivan vor den Verschanzungen
+von Newport, während seine Miliz-Armee
immer mehr zusammenschmolz. Am Abend des 28. zog
-er sich nach dem Nordende der Insel zurück; die Engländer
+er sich nach dem Nordende der Insel zurück; die Engländer
folgten ihm am 29. morgens. Die Amerikaner
machten jedoch Kehrt, versetzten ihren Verfolgern noch
-einen Schlag und verliessen, ohne weiter belästigt zu
+einen Schlag und verliessen, ohne weiter belästigt zu
werden, die Insel. Diese Unternehmung war sehr fehlerhaft
geleitet worden. Die Verluste in der Affaire vom
29. betrugen auf jeder Seite zwischen 200 und 300 Mann;
-hierunter waren 128 Deutsche. Es war gut für die
+hierunter waren 128 Deutsche. Es war gut für die
Amerikaner, dass sie sich davon machten, denn am
1. September langte Sir Henry Clinton mit einer Flotte
-und Verstärkungen im Hafen von Newport an.</p>
+und Verstärkungen im Hafen von Newport an.</p>
-<p>Noch länger als ein Jahr verblieben die Briten und
-Deutschen zwecklos und unthätig auf Rhode Island.
+<p>Noch länger als ein Jahr verblieben die Briten und
+Deutschen zwecklos und unthätig auf Rhode Island.
Schliesslich im Oktober 1779 wurde wieder eine Flotte
auf hoher See sichtbar, aber als sie den Sund entlang
segelte, wurde sie als freundlich erkannt. Es ergab sich,
@@ -7617,15 +7575,15 @@ der Rache ihrer Nachbarn auszusetzen.</p>
<p>Herzliche Beziehungen waren im Laufe der drei
Jahre zwischen den Hessen und Bewohnern von Newport
<span class="pagenum"><a name="Seite_180" id="Seite_180">[S. 180]</a></span>
-entstanden. General Prescott fürchtete, dass einzelne
-Soldaten Lust hätten, da zu bleiben, und gab den Befehl,
+entstanden. General Prescott fürchtete, dass einzelne
+Soldaten Lust hätten, da zu bleiben, und gab den Befehl,
dass an dem Tage, an welchem die Truppen eingeschifft
-würden, alle Häuser geschlossen werden, und
+würden, alle Häuser geschlossen werden, und
sich niemand, besonders keine Frauen, an den Fenstern
zeigen sollten. Mit klingendem Spiel und fliegenden
Fahnen marschierten die Regimenter durch die entleerten
Strassen und besetzten dann die Boote, welche sie nach
-den Schiffen befördern sollten. Die feindliche Besetzung
+den Schiffen befördern sollten. Die feindliche Besetzung
von Rhode Island war beendet.</p>
@@ -7636,298 +7594,298 @@ von Rhode Island war beendet.</p>
<h3>Die Umgegend von New-York 1777 bis 1779.</h3>
-<p>Die Geschichte des Revolutionskrieges ist hauptsächlich
+<p>Die Geschichte des Revolutionskrieges ist hauptsächlich
die Geschichte einer Reihe von wichtigen Unternehmungen,
welche mit wechselndem Erfolg gegen verschiedene
-Teile von Nordamerika geführt wurden. Die
-kämpfenden Armeen erschienen, fochten und verschwanden
+Teile von Nordamerika geführt wurden. Die
+kämpfenden Armeen erschienen, fochten und verschwanden
wieder. Nur die Stadt New-York blieb vom Sommer 1776
bis zum Herbst 1783 von britischen Truppen besetzt.
Auf dem Land, bis auf einen kleinen Tagemarsch von
Manhattan Island aus, kehrten die Feindseligkeiten immer
-wieder. Zu keiner Zeit während der ersten fünf Jahre
-konnten sich die Bewohner der Dörfer von Central-New-Jersey
-oder Südwest-Connecticut sicher fühlen. Die Forts
+wieder. Zu keiner Zeit während der ersten fünf Jahre
+konnten sich die Bewohner der Dörfer von Central-New-Jersey
+oder Südwest-Connecticut sicher fühlen. Die Forts
am Hudson wurden genommen und wiedergenommen.</p>
<p>Es mag nicht uninteressant sein, an dieser Stelle eine
Beschreibung von New-York einzuflechten, wie es mit
-hessischen Augen während der britischen Besetzung angesehen
+hessischen Augen während der britischen Besetzung angesehen
wurde. Der folgende Auszug ist einem Briefe
entnommen, welchen ein Offizier schrieb, der im Sommer
-1777 mit Verstärkungen herüber gekommen war und dessen
-erste Eindrücke folgende sind:</p>
+1777 mit Verstärkungen herüber gekommen war und dessen
+erste Eindrücke folgende sind:</p>
-<p>»Nur um Dir einen Begriff von Amerika, oder viel<span class="pagenum"><a name="Seite_181" id="Seite_181">[S. 181]</a></span>mehr
+<p>»Nur um Dir einen Begriff von Amerika, oder viel<span class="pagenum"><a name="Seite_181" id="Seite_181">[S. 181]</a></span>mehr
dem kleinen Teilchen von Amerika, so wir jetzo
noch inne haben, zu machen: so kann ich nicht unterlassen
-zu rühmen, dass es ein recht schönes, angenehmes
+zu rühmen, dass es ein recht schönes, angenehmes
und ebenes Land, und New-York, obgleich der Teil nach
-der See zu abgebrannt ist, eine der schönsten und pläsantesten
-Seestädte ist, so ich noch gesehen habe. Denn
-die Häuser sind nicht nur alle englischer Façon, regulär
-und schön gebaut, mithin den wahrsten Palästen ähnlich;
+der See zu abgebrannt ist, eine der schönsten und pläsantesten
+Seestädte ist, so ich noch gesehen habe. Denn
+die Häuser sind nicht nur alle englischer Façon, regulär
+und schön gebaut, mithin den wahrsten Palästen ähnlich;
sondern sie sind auch alle tapeziert und aufs kostbarste
-ausmöbliert. Es ist deswegen Schade, dass dieses Land,
+ausmöbliert. Es ist deswegen Schade, dass dieses Land,
welches auch sehr fruchtbar ist, von solchen b&mdash;schen
-Menschen bewohnt wird, die vor Wollust und Üppigkeit
+Menschen bewohnt wird, die vor Wollust und Üppigkeit
nicht gewusst, was sie haben anfangen wollen, und daher
auch nichts anderem als ihrem Hochmut ihren Fall zu
danken haben. Jeder, der bei uns ihre Partei nimmt und
-glaubt, sie hätten eine begründete Ursache zur Rebellion,
+glaubt, sie hätten eine begründete Ursache zur Rebellion,
sollte nur einmal zur Strafe eine zeitlang unter ihnen sein
und dabei die hiesige Verfassung kennen (denn der
schlechteste Mann hier kann, wenn er nur etwas thun
-will, leben wie der reichste bei uns) der würde gewiss
+will, leben wie der reichste bei uns) der würde gewiss
bald aus einem andern Tone sprechen und mit mir einsehen,
dass nicht die Not, wohl aber Frevel und Wollust
die Ursache der ganzen Rebellion sei. Denn obgleich die
meisten von verlaufenem Lumpengesindel, das von anderen
Orten vertrieben worden, abstammen, so sind sie doch so
-hoffärtig hier und treiben aller Orten, zumalen aber in
+hoffärtig hier und treiben aller Orten, zumalen aber in
New-York einen solchen Staat, als wohl nirgend in der
Welt getrieben wird. Z. B. so gehen die Weibsleute hier,
-so fast alle sehr schön sind, es seien, Schusters-, Schneiders-
-oder Tagelöhners-Frauen (deren letztere jedoch sehr wenig
+so fast alle sehr schön sind, es seien, Schusters-, Schneiders-
+oder Tagelöhners-Frauen (deren letztere jedoch sehr wenig
hier sind, weil fast jeder Mensch einige Neger als Sklaven
-zu seiner Bedienung hat) täglich in zitzenen, nesseltuchenen
+zu seiner Bedienung hat) täglich in zitzenen, nesseltuchenen
und seidenen Schlendern. Welcher Staat denn, da
-sie das viele Geld von den Truppen lösen, indem sie
-nicht ein Salzkorn umsonst zu geben brauchen, täglich
-zunimmt. Wobei dann nichts ärgerlicher ist, als dass
+sie das viele Geld von den Truppen lösen, indem sie
+nicht ein Salzkorn umsonst zu geben brauchen, täglich
+zunimmt. Wobei dann nichts ärgerlicher ist, als dass
<span class="pagenum"><a name="Seite_182" id="Seite_182">[S. 182]</a></span>
diesem Volke, welches im Grunde noch lauter Rebellen sind,
-von den Soldaten auf expressen Befehl des Königs nicht nur
+von den Soldaten auf expressen Befehl des Königs nicht nur
auf das Artigste muss begegnet werden, sondern auch, wie
schon gedacht worden, nicht ein Salzkorn umsonst abgefordert
-werden darf. Es müssten daher auch die armen Soldaten
-Hungers sterben, wenn ihnen nicht täglich für 3 Pences
-die Schiffskost geliefert würde, welche täglich aus 1 Pfund
+werden darf. Es müssten daher auch die armen Soldaten
+Hungers sterben, wenn ihnen nicht täglich für 3 Pences
+die Schiffskost geliefert würde, welche täglich aus 1 Pfund
Zwieback, eingesalzenem aber fast ungeniessbarem Schweinefleisch,
einigen muffigen Erbsen, etwas Hafermehl und etwas
Rum besteht, welches sie dann, obgleich sehr viele davon
-ungesund werden, erhalten muss.«</p>
+ungesund werden, erhalten muss.«</p>
-<p>Bei den Scharmützeln und kleineren Unternehmungen
+<p>Bei den Scharmützeln und kleineren Unternehmungen
um New-York herum waren die Hessen im Allgemeinen
-beteiligt und es mag der Mühe wert sein, einen Blick auf
+beteiligt und es mag der Mühe wert sein, einen Blick auf
einige dieser Ereignisse zu werfen, bevor wir uns zu den
-wichtigeren Operationen in den Süd-Staaten wenden, durch
+wichtigeren Operationen in den Süd-Staaten wenden, durch
welche das Schicksal des Landes schliesslich entschieden
wurde.</p>
-<p>Im zweiten Teil des August 1778 wurde das Jäger-Korps
+<p>Im zweiten Teil des August 1778 wurde das Jäger-Korps
auf den Spyt den Duyvels Hills, bei Courtland's
-Plantation postirt. In der Frühe des 31. August wurde
-ein Kapitän mit 150 Jägern, von denen 15 beritten waren,
+Plantation postirt. In der Frühe des 31. August wurde
+ein Kapitän mit 150 Jägern, von denen 15 beritten waren,
zu einer Rekognoszierung gegen Phillips House vorgeschickt.
-Sie hatten kaum eine halbe Stunde Weg zurückgelegt,
+Sie hatten kaum eine halbe Stunde Weg zurückgelegt,
als sie von einer Abteilung Amerikaner und Indianer
unter dem Chevalier Armand, welcher sich in einer
Schlucht rechts von der Strasse in Hinterhalt gelegt hatte,
-überrascht wurden. 16 Jäger wurden getötet, verwundet
-oder gefangen, die Übrigen entkamen. Oberst von Wurmb,
-welcher das Jäger-Korps kommandierte, eilte zur Unterstützung
-des Detachements, sobald er das Feuern hörte,
+überrascht wurden. 16 Jäger wurden getötet, verwundet
+oder gefangen, die Übrigen entkamen. Oberst von Wurmb,
+welcher das Jäger-Korps kommandierte, eilte zur Unterstützung
+des Detachements, sobald er das Feuern hörte,
herbei, aber Chevalier Armand zog sich mit seinen Gefangenen
-zurück und überschritt den Phillips Manor bei
+zurück und überschritt den Phillips Manor bei
East Chester, wo die Oberstlieutenants Cathcart, Simcoe
und Emmerich mit ihren leichten Truppen standen.</p>
-<p>Die Oberstlieutenants erfuhren, dass Armand im An<span class="pagenum"><a name="Seite_183" id="Seite_183">[S. 183]</a></span>rücken
+<p>Die Oberstlieutenants erfuhren, dass Armand im An<span class="pagenum"><a name="Seite_183" id="Seite_183">[S. 183]</a></span>rücken
sei und bereiteten sofort einen Hinterhalt vor.
-Simcoe und Cathcart auf dem rechten und linken Flügel,
-zogen ihre Infanterie in die Wälder zurück und stellten
+Simcoe und Cathcart auf dem rechten und linken Flügel,
+zogen ihre Infanterie in die Wälder zurück und stellten
sich so auf, dass sie das Defilee beherrschten, welches die
Amerikaner und Indianer passieren mussten. Emmerichs
Infanterie hatte Aufstellung genommen, um den Angriff
-zu erwarten, mit dem Befehl, sich vor dem Feinde zurückzuziehen.
+zu erwarten, mit dem Befehl, sich vor dem Feinde zurückzuziehen.
Emmerich hatte sich mit der Kavallerie hinter
-einem Hügel aufgestellt, um sich auf den angreifenden
-Feind zu werfen, sobald er in die Falle gegangen wäre.
-Kapitän Ewald war mit zwei Kompagnien Jäger von
-Oberstlieutenant von Wurmb zur Unterstützung von
+einem Hügel aufgestellt, um sich auf den angreifenden
+Feind zu werfen, sobald er in die Falle gegangen wäre.
+Kapitän Ewald war mit zwei Kompagnien Jäger von
+Oberstlieutenant von Wurmb zur Unterstützung von
Emmerichs Infanterie vorgeschickt worden.</p>
-<p>Der Plan der Oberstlieutenants war mit Erfolg gekrönt
-worden. Ungefähr um 4 Uhr nachmittags erschienen
+<p>Der Plan der Oberstlieutenants war mit Erfolg gekrönt
+worden. Ungefähr um 4 Uhr nachmittags erschienen
die Amerikaner und Indianer auf dem Gefechtsfeld.
-Emmerichs Plänkler zogen sich vor ihnen zurück und
+Emmerichs Plänkler zogen sich vor ihnen zurück und
lockten sie in ein Feld von indianischem Korn, wo sie
-plötzlich in Front, Rücken und beiden Flanken angegriffen
+plötzlich in Front, Rücken und beiden Flanken angegriffen
wurden. Alle Indianer mit Ausnahme von einem, welcher
-den Hergang erzählen sollte, wurden getötet. Sie gehörten
+den Hergang erzählen sollte, wurden getötet. Sie gehörten
dem Stockbridge-Stamme an und wurden von Sachem
-Neham geführt. Ungefähr 50 Amerikaner wurden gefangen
+Neham geführt. Ungefähr 50 Amerikaner wurden gefangen
genommen, Armand aber entkam mit einigen
-anderen durch die Büsche.</p>
+anderen durch die Büsche.</p>
<p>Eelking bemerkt bei dieser Gelegenheit, dass dies
ein Beweis ist, dass die Amerikaner die Verwendung von
indianischen Bundesgenossen in diesem Kriege ebensowenig
-verschmähten als die Briten. Man muss aber wohl
+verschmähten als die Briten. Man muss aber wohl
einen Unterschied machen zwischen der Verwendung von
Indianern gegen britische und deutsche Soldaten, wie sie
von Seiten der Amerikaner geschah, und der Entsendung
-derselben gegen die Bewohner von einsamen Farmhäusern
-und unbeschützten Gehöften, wie es beständig von den
-Dienern des Königs gehandhabt wurde. Der Stockbridge-Stamm
+derselben gegen die Bewohner von einsamen Farmhäusern
+und unbeschützten Gehöften, wie es beständig von den
+Dienern des Königs gehandhabt wurde. Der Stockbridge-Stamm
soll durch diese Expedition, wie gesagt wurde, so
<span class="pagenum"><a name="Seite_184" id="Seite_184">[S. 184]</a></span>
-sehr gelitten haben und so völlig entmutigt worden sein,
+sehr gelitten haben und so völlig entmutigt worden sein,
dass er keinen weiteren Anteil an dem Kriege nahm.</p>
-<p>Ewald beschränkte sich nicht nur auf Erzählungen,
+<p>Ewald beschränkte sich nicht nur auf Erzählungen,
welche den Ruhm der eigenen Partei verherrlichen. Neben
-Berichten über Trenton, Redbank und andern wichtigen
-Begebenheiten, bei welchen Hessen oder Engländer geschlagen
+Berichten über Trenton, Redbank und andern wichtigen
+Begebenheiten, bei welchen Hessen oder Engländer geschlagen
wurden, behandelt er in einem besondern Kapitel
-die kühnen und glücklichen Streiche, die von kleinen Abteilungen
-Amerikaner geführt wurden. So erzählt er uns,
-wie im Frühjahr 1777 die Briten eine grosse Menge
+die kühnen und glücklichen Streiche, die von kleinen Abteilungen
+Amerikaner geführt wurden. So erzählt er uns,
+wie im Frühjahr 1777 die Briten eine grosse Menge
Fourage in Sag Harbor auf Long-Island angesammelt
hatten und wie in Beziehung hierauf Colonel Meigs von
Guilford in Connecticut mit weniger als 200 Mann in
-Walfisch-Booten aufbrach. In einer stürmischen Nacht
-gingen sie über den Sund, zogen ihre Boote über das
+Walfisch-Booten aufbrach. In einer stürmischen Nacht
+gingen sie über den Sund, zogen ihre Boote über das
Land, setzten sie von neuem aus, landeten bei Sag Harbor,
-überfielen die Wache, zerstörten die Vorräte, verbrannten
-mehrere Schiffe, nahmen eine Anzahl Engländer gefangen,
-bestiegen ihre Boote wieder und erreichten glücklich
-Guilford. Eine ähnliche Landung wurde in der Cow Bay
-im November 1780 bei hellem Tage ausgeführt. Im
+überfielen die Wache, zerstörten die Vorräte, verbrannten
+mehrere Schiffe, nahmen eine Anzahl Engländer gefangen,
+bestiegen ihre Boote wieder und erreichten glücklich
+Guilford. Eine ähnliche Landung wurde in der Cow Bay
+im November 1780 bei hellem Tage ausgeführt. Im
Jahr 1781 wurde ein braunschweigischer Major von
seinem Quartier auf der Nordseite von Long-Island weggeschleppt.
Es war in der That zur Gewohnheit geworden,
-dass kleine Häuflein Amerikaner auf der Insel
-landeten, die englischen und deutschen Soldaten ärgerten
-und die Tories plünderten. Diese Streifzüge wurden mit
-grosser Kühnheit ausgeführt und bilden, Ewald zufolge,
+dass kleine Häuflein Amerikaner auf der Insel
+landeten, die englischen und deutschen Soldaten ärgerten
+und die Tories plünderten. Diese Streifzüge wurden mit
+grosser Kühnheit ausgeführt und bilden, Ewald zufolge,
eine vollkommene Widerlegung der Anschuldigungen wegen
Mangels an Mut in diesem Kriege, die einigemal gegen
-die Amerikaner erhoben worden sind. »Der, welcher
-gegen diese Nation gekämpft hat,« sagt er, »wird von
-dem Gegenteil überzeugt sein und wird nicht mit Verachtung
-von ihr reden.«</p>
+die Amerikaner erhoben worden sind. »Der, welcher
+gegen diese Nation gekämpft hat,« sagt er, »wird von
+dem Gegenteil überzeugt sein und wird nicht mit Verachtung
+von ihr reden.«</p>
-<p>Ewald erzählt mit grosser Bewunderung die schneidige
+<p>Ewald erzählt mit grosser Bewunderung die schneidige
Wegnahme von Stony-Point durch die Amerikaner unter
<span class="pagenum"><a name="Seite_185" id="Seite_185">[S. 185]</a></span>
-Anthony Wayne am 16. Juli 1779. »Verdienen diese
+Anthony Wayne am 16. Juli 1779. »Verdienen diese
Menschen nicht bewundert zu werden, welche noch vor
-etlichen Jahren Rechtsgelehrte, Ärzte, Geistliche oder
+etlichen Jahren Rechtsgelehrte, Ärzte, Geistliche oder
Landwirte waren, die in so kurzer Zeit sich zu vortrefflichen
Offizieren bildeten, die so viele von unserm Stande
-beschämen, welche unter den Waffen grau geworden, und
-denen himmelangst werden würde, wenn sie zur Ausführung
+beschämen, welche unter den Waffen grau geworden, und
+denen himmelangst werden würde, wenn sie zur Ausführung
eines solchen Plans den Auftrag erhielten? Man
wird mir vielleicht antworten, dass diese Menschen von
Natur mit grossen Talenten zum Krieg begabt worden
sind. Dieses kann wohl der Fall bei einem oder dem
andern sein, aber im Ganzen ist die Natur mit ihren
-Ritterschlägen nicht so verschwenderisch. Man erlaube
-mir, diese Leute erwählten nicht den Kriegsdienst als
-einen Zufluchtsort, so wie ihn gewöhnlich der Adel wählt,
-nicht als ein Zuchthaus für einen ungeratenen Sohn, der
+Ritterschlägen nicht so verschwenderisch. Man erlaube
+mir, diese Leute erwählten nicht den Kriegsdienst als
+einen Zufluchtsort, so wie ihn gewöhnlich der Adel wählt,
+nicht als ein Zuchthaus für einen ungeratenen Sohn, der
auf Akademien nichts hat lernen wollen, wie oft der Fall
-bei denen von bürgerlichem Stande ist; sondern sie
-wählten diesen Stand mit dem festen Vornehmen, sich
+bei denen von bürgerlichem Stande ist; sondern sie
+wählten diesen Stand mit dem festen Vornehmen, sich
auf alle Art zu beeifern, ihrem Vaterlande mit Nutzen
zu dienen und sich durch Verdienste hervorzuthun. In
-Erstaunen bin ich manchmal geraten, wenn während dem
-damaligen Kriege etwas Gepäck von den Amerikanern
-uns in die Hände fiel, wie jeder elende Schnapsack, in
+Erstaunen bin ich manchmal geraten, wenn während dem
+damaligen Kriege etwas Gepäck von den Amerikanern
+uns in die Hände fiel, wie jeder elende Schnapsack, in
welchem oft nur einige Hemden und ein Paar zerrissene
-Beinkleider steckten, mit militärischen Büchern angefüllt
-war, z. B. die Instruktion des Königs von Preussen an
-seine Generale, Thielkes Feld-Ingenieur, die Parteigänger
+Beinkleider steckten, mit militärischen Büchern angefüllt
+war, z. B. die Instruktion des Königs von Preussen an
+seine Generale, Thielkes Feld-Ingenieur, die Parteigänger
Jenny, Grandmaison und dergleichen mehr, die alle in
-die englische Sprache übersetzt waren, sind mir hundert
-mal durch unsere Leute in die Hände geraten. Dieses
+die englische Sprache übersetzt waren, sind mir hundert
+mal durch unsere Leute in die Hände geraten. Dieses
war eine wahre Anzeige, dass der Offizier in dieser Armee
im Lager den Krieg studiert, welches nicht der Fall bei
den Gegnern der Amerikaner war, wo man wohl eher
-die Mantelsäcke mit Puderbeuteln, wohlriechenden Pomadenbüchsen,
+die Mantelsäcke mit Puderbeuteln, wohlriechenden Pomadenbüchsen,
Karten (keine Land-, sondern Spielkarten), und
<span class="pagenum"><a name="Seite_186" id="Seite_186">[S. 186]</a></span>
dann wohl obendrein manchmal mit einigen Romanen oder
-Schauspielen angefüllt fand.«</p>
+Schauspielen angefüllt fand.«</p>
-<p>Die Briten behielten zwei oder drei Plätze auf der
-Westseite des Hudson in fortwährendem Besitz. Einer
-dieser Plätze war Paulus Hook, jetzt Jersey City. Der
+<p>Die Briten behielten zwei oder drei Plätze auf der
+Westseite des Hudson in fortwährendem Besitz. Einer
+dieser Plätze war Paulus Hook, jetzt Jersey City. Der
Hook war eine aus steinigen, felsigen Bergen bestehende
Halbinsel und teils vom Hudson, teils von einem Sumpf,
-der von Bächen und Gräben durchschnitten war, umgeben.
+der von Bächen und Gräben durchschnitten war, umgeben.
Die Stellung, die durch sich selbst stark war, war mit
-Palisaden, Blockhäusern und Redouten befestigt. Sie war
+Palisaden, Blockhäusern und Redouten befestigt. Sie war
von einem Bataillon New-Jersey-Tories unter Oberstlieutenant
Bushkirk besetzt.</p>
<p>Am 18. August 1779 wurde eine Abteilung von
-40 Hessen mit 2 Offizieren übergesetzt, um die Besatzung
-von Paulus Hook zu verstärken, und um 9 Uhr abends
+40 Hessen mit 2 Offizieren übergesetzt, um die Besatzung
+von Paulus Hook zu verstärken, und um 9 Uhr abends
an jenem Tag brach Bushkirk zu einer Unternehmung
-gegen die ungefähr 14 Meilen entfernte neue Brücke über
-den Hackensack auf. Inzwischen näherte sich Major
-Henry Lee von Virginia mit ungefähr 300 Mann, unterstützt
+gegen die ungefähr 14 Meilen entfernte neue Brücke über
+den Hackensack auf. Inzwischen näherte sich Major
+Henry Lee von Virginia mit ungefähr 300 Mann, unterstützt
von Lord Stirling mit weiteren 500 Mann, der
-neuen Brücke von der entgegengesetzten Richtung her,
+neuen Brücke von der entgegengesetzten Richtung her,
unter dem Vorwande zu fouragieren. Stirling machte
-hier Halt, Lee aber kam während der Nacht bis an
+hier Halt, Lee aber kam während der Nacht bis an
Paulus Hook heran, indem er an Bushkirk unbemerkt
vorbeigegangen war. Lee entsandte einen Offizier mit
einer kleinen Abteilung gegen das Fort, um zu rekognoszieren.
Der Offizier meldete, dass die Besatzung unbewacht
zu sein scheine. Lee ging darauf mit seinem
-Detachement vor. Sie durchwateten die Gräben, drangen
-in das Fort ein und überfielen eine Anzahl Provinziale,
-die in einem Blockhaus schliefen. Darauf näherten sie
+Detachement vor. Sie durchwateten die Gräben, drangen
+in das Fort ein und überfielen eine Anzahl Provinziale,
+die in einem Blockhaus schliefen. Darauf näherten sie
sich dem zweiten Blockhaus, das von einer kleinen Abteilung
-Hessen besetzt war. »Wer da!« rief der Posten.
-»Stony Point!« antworteten die Amerikaner. Der Posten
+Hessen besetzt war. »Wer da!« rief der Posten.
+»Stony Point!« antworteten die Amerikaner. Der Posten
feuerte und machte dadurch Alarm, aber der das Blockhaus
befehligende Unteroffizier musste sich mit 10 oder
<span class="pagenum"><a name="Seite_187" id="Seite_187">[S. 187]</a></span>
-15 Mann ergeben. Lee überfiel und besetzte darauf die
+15 Mann ergeben. Lee überfiel und besetzte darauf die
Haupt-Redoute, und der ganze Paulus Hook schien ihm
-schon zu gehören. Da hatten indessen zu ihrem Glück
-ungefähr 25 Hessen ihren Verstand und ihre Geistesgegenwart
+schon zu gehören. Da hatten indessen zu ihrem Glück
+ungefähr 25 Hessen ihren Verstand und ihre Geistesgegenwart
beisammen. Sie warfen sich in eine kleine
-Redoute, wo sie sich mit ihrem Kapitän und Major
+Redoute, wo sie sich mit ihrem Kapitän und Major
Sutherland, dem Kommandeur des Postens, vereinigten,
und weigerten sich zu ergeben. Lee, der nicht gewusst
hatte, dass sich Hessen in dem Fort befanden und der
-wahrscheinlich ihre Zahl überschätzt hatte, machte sich,
+wahrscheinlich ihre Zahl überschätzt hatte, machte sich,
noch ehe es Tag wurde, davon, ohne selbst die Kanonen
-zu vernageln oder das Kriegs-Material zu zerstören. Er
-nahm ungefähr 150 Gefangene mit. Lee hatte den Befehl
+zu vernageln oder das Kriegs-Material zu zerstören. Er
+nahm ungefähr 150 Gefangene mit. Lee hatte den Befehl
erhalten, nicht zu versuchen, den Platz zu behaupten,
-und ein beschleunigter Rückzug war nötig, um nicht abgeschnitten
+und ein beschleunigter Rückzug war nötig, um nicht abgeschnitten
zu werden; die 25 Hessen hatten aber jedenfalls
durch ihr tapferes Verhalten die Wegnahme oder
-die Zerstörung der Vorräte und Werke in dem Fort verhindert
+die Zerstörung der Vorräte und Werke in dem Fort verhindert
und ihre Partei vor der Schmach einer vollkommenen
Niederlage gerettet.</p>
<div class="figcenter" style="width: 597px;">
<img src="images/illu-0213.jpg" width="597" height="600" alt="" />
-<span class="caption">PLAN VON DEM ÜBERFALL<br />
+<span class="caption">PLAN VON DEM ÜBERFALL<br />
eines englischen Postens auf PAULUS HOOK in der Provinz New Jersey um 1/2-2 Uhr
in der Nacht vom 18. zum 19. October 1779.<br />
-&mdash;&lt; <i>Erklärung umseitig.</i> &gt;&mdash;</span>
+&mdash;&lt; <i>Erklärung umseitig.</i> &gt;&mdash;</span>
</div>
<div class="center">
-<table border="0" cellpadding="0" cellspacing="0" summary="Legende zu >PLAN VON DEM ÜBERFALL">
-<tr><td valign="top" align="left">A.&emsp;</td><td align="left">Annäherung und Stellung der Rebellen auf den Höhen von Bergen zur Deckung des Rückzuges.</td></tr>
-<tr><td valign="top" align="left">B.</td><td align="left">Angriff auf die Brücke und Blockhaus 1, 2 und 3
- und auf das Fort C das mit 7 Sechspfündern armiert war, die aber nicht zu Schuss kamen.</td></tr>
+<table border="0" cellpadding="0" cellspacing="0" summary="Legende zu >PLAN VON DEM ÜBERFALL">
+<tr><td valign="top" align="left">A.&emsp;</td><td align="left">Annäherung und Stellung der Rebellen auf den Höhen von Bergen zur Deckung des Rückzuges.</td></tr>
+<tr><td valign="top" align="left">B.</td><td align="left">Angriff auf die Brücke und Blockhaus 1, 2 und 3
+ und auf das Fort C das mit 7 Sechspfündern armiert war, die aber nicht zu Schuss kamen.</td></tr>
<tr><td valign="top" align="left">D.</td><td align="left">Barracken, in denen die 110 Mann starke englische Besatzung gefangen genommen wurde.</td></tr>
<tr><td valign="top" align="left">E.</td><td align="left">Schanze, welche ein hessischer Hauptmann, 1 Offizier
-mit 25 Mann besetzt hielt, woraufhin die Rebellen bei Tagesanbruch mit ihren Gefangenen den Rückzug antraten.</td></tr>
+mit 25 Mann besetzt hielt, woraufhin die Rebellen bei Tagesanbruch mit ihren Gefangenen den Rückzug antraten.</td></tr>
</table></div>
<p>&nbsp;</p>
@@ -7941,38 +7899,38 @@ mit 25 Mann besetzt hielt, woraufhin die Rebellen bei Tagesanbruch mit ihren Gef
<p>Am 4. September 1779 erhielten die Regimenter von
Knyphausen und von Lossberg Befehl, sich mit all' ihrer
-Baggage und allen transportfähigen Kranken zur Einschiffung
+Baggage und allen transportfähigen Kranken zur Einschiffung
bereit zu halten. Ihr Bestimmungsort war
Quebec, wovon die Truppe aber damals nichts wusste.
Die Regimenter Knyphausen und Lossberg waren zwei
von denen, die bei Trenton in Gefangenschaft geraten
waren. Alle, die bei dieser Gelegenheit gefangen genommen
waren, wurden wieder ausgewechselt, und die
-beiden Regimenter, deren Überreste zu einem kombinierten
+beiden Regimenter, deren Überreste zu einem kombinierten
<span class="pagenum"><a name="Seite_188" id="Seite_188">[S. 188]</a></span>
-Bataillon formiert worden waren, traten nun wieder selbstständig
+Bataillon formiert worden waren, traten nun wieder selbstständig
auf.</p>
-<p>Wiederhold hatte eine Stelle als Kapitän im Regiment
+<p>Wiederhold hatte eine Stelle als Kapitän im Regiment
von Knyphausen erhalten. Die beiden Regimenter waren
am 8. September auf 6 Schiffen untergebracht worden.
Wiederholds Quartier war auf dem Triton, einer Brig,
die mit 6 kleinen Kanonen und 2 swivels (ganz kleine
Kanonen, die auf Gabeln ruhen) armiert. Die Brig war
-überfüllt und sehr unbequem eingerichtet, und hatte zuerst
-eine Bemannung von 7 Mann, einschliesslich des Kapitäns,
+überfüllt und sehr unbequem eingerichtet, und hatte zuerst
+eine Bemannung von 7 Mann, einschliesslich des Kapitäns,
Kochs und Stuarts. An Hessen befanden sich an Bord
-ein Oberstlieutenant, der krank war, 2 Kapitäns, 1 Lieutenant,
-1 Fähnrich und 1 Arzt, und beinahe 2 Kompagnien
+ein Oberstlieutenant, der krank war, 2 Kapitäns, 1 Lieutenant,
+1 Fähnrich und 1 Arzt, und beinahe 2 Kompagnien
Infanterie.</p>
<p>Die Brig ging am Abend des 9. September in See,
kam aber sofort in einen starken Wind (gale) hinein und
-wurde von der Flotte getrennt. Der Kapitän, der keine
+wurde von der Flotte getrennt. Der Kapitän, der keine
Befehle wegen seines Reiseziels bekommen hatte, war
-genötigt, am Morgen des 10. wieder nach Sandy Hook
-zurückzusteuern. An jenem Tag kam ein Schiff in Sicht,
-und es wurden Vorbereitungen zum Angriff getroffen, für
+genötigt, am Morgen des 10. wieder nach Sandy Hook
+zurückzusteuern. An jenem Tag kam ein Schiff in Sicht,
+und es wurden Vorbereitungen zum Angriff getroffen, für
den Fall, dass es ein amerikanischer Privateer sein sollte.
Die Kanonen wurden gereinigt und geladen, und 1 Unteroffizier
mit 6 Mann mit ihrer Bedienung betraut. Das
@@ -7988,170 +7946,170 @@ unerfahrene Burschen.</p>
<p>Die Flotte stach sofort nach Ankunft des Triton in
See, und am 11. und 12. verlief alles gut. Am 13. aber
-trat stürmisches Wetter ein, welches den 14. über an<span class="pagenum"><a name="Seite_189" id="Seite_189">[S. 189]</a></span>dauerte.
+trat stürmisches Wetter ein, welches den 14. über an<span class="pagenum"><a name="Seite_189" id="Seite_189">[S. 189]</a></span>dauerte.
Am 15. nahm der Wind noch mehr zu und
wurde des Abends zu einem wahren Orkan. Die Flotte
wurde vollkommen zerstreut, die Nacht war stockfinster.
-Ungefähr um 9 Uhr abends brach der Hauptmast unter
+Ungefähr um 9 Uhr abends brach der Hauptmast unter
der untersten Querstange ab, und bevor dieser mit seinem
-Tauwerk gänzlich weggeräumt war, brach der Vordermast
-kurz über dem Verdeck ab und stürzte über Bord.
+Tauwerk gänzlich weggeräumt war, brach der Vordermast
+kurz über dem Verdeck ab und stürzte über Bord.
Die Brig wurde nun, den Wellen preisgegeben, hin und
-hergeworfen und lag oft ganz auf der Seite. Während
-der Kapitän im Begriff war, ein Kajütenfenster mit einem
+hergeworfen und lag oft ganz auf der Seite. Während
+der Kapitän im Begriff war, ein Kajütenfenster mit einem
darklight (Totenfenster) zu vernageln und Wiederhold mit
-einem Licht zu seiner Hilfe bei ihm stand, stürzte eine
-Welle mit solcher Gewalt hinein, dass beide kopfüber in
-die Kajüte geworfen wurden.</p>
+einem Licht zu seiner Hilfe bei ihm stand, stürzte eine
+Welle mit solcher Gewalt hinein, dass beide kopfüber in
+die Kajüte geworfen wurden.</p>
<p>Darauf entstand eine neue Gefahr. Auf dem Deck
hatte sich eine Kanone nach der andern losgerissen, rollte
-hin und her und stürzte schliesslich über das Geländer
+hin und her und stürzte schliesslich über das Geländer
in die See. Vier davon gingen nacheinander auf diese
Weise verloren, nahmen sogar den grossen eisernen Kessel
-noch mit, der gross genug war, um für die ganze Schiffsbesatzung
-darin zu kochen. Die fünfte Kanone öffnete
+noch mit, der gross genug war, um für die ganze Schiffsbesatzung
+darin zu kochen. Die fünfte Kanone öffnete
sich selbst durch Hin- und Herrollen die hatch (eine
-Öffnung im Verdeck), hob sich von ihrer Lafette ab und
-stürzte durch diese Öffnung in den untern Schiffsraum,
-wo sie auf eine dem Kapitän Wiederhold gehörende grosse
+Öffnung im Verdeck), hob sich von ihrer Lafette ab und
+stürzte durch diese Öffnung in den untern Schiffsraum,
+wo sie auf eine dem Kapitän Wiederhold gehörende grosse
Kiste fiel, die Wein, Spiritus, Essig, Senf und dergleichen
enthielt. Die Kiste und ihr Inhalt wurde in tausend
-Stücke zerschmettert, aber sie hatte dem fallenden Geschützrohr
+Stücke zerschmettert, aber sie hatte dem fallenden Geschützrohr
Einhalt gethan und den Boden der Brig vor
-einer schweren Beschädigung bewahrt.</p>
+einer schweren Beschädigung bewahrt.</p>
-<p>Die sechste Kanone aber, gerade über der Kajüte
+<p>Die sechste Kanone aber, gerade über der Kajüte
auf dem Hinterdecke, rollte noch immer hin und her und
hatte bereits das Steuerrad und alles was ihr in den
-Weg kam, zertrümmert. Vier von den Matrosen konnten
+Weg kam, zertrümmert. Vier von den Matrosen konnten
oder wollten nicht mehr arbeiten und hatten sich in ihre
Betten gelegt. Niemand anders wollte sich, aus Furcht
<span class="pagenum"><a name="Seite_190" id="Seite_190">[S. 190]</a></span>
-zerquetscht zu werden, der Kanone nähern. Die Soldaten
+zerquetscht zu werden, der Kanone nähern. Die Soldaten
lagen unter Seufzen, Weinen oder Beten umher und erwarteten
-ihr letztes Stündlein. Der Oberstlieutenant war
+ihr letztes Stündlein. Der Oberstlieutenant war
zu krank, um irgend etwas zu thun. Wiederhold versuchte
nun seine Leute zu ermutigen und sagte ihnen,
dass Gott, der sie in dieser grossen Gefahr schweben
-liesse, sie auch wieder daraus erlösen könnte, wenn jeder
-nur thun wollte was er könnte, zuerst versuchen zu helfen,
-die Kanone über Bord zu werfen und dann an den
+liesse, sie auch wieder daraus erlösen könnte, wenn jeder
+nur thun wollte was er könnte, zuerst versuchen zu helfen,
+die Kanone über Bord zu werfen und dann an den
Pumpen zu arbeiten, um das Schiff wenigstens bis zum
-andern Morgen über Wasser zu halten; dann würde ihnen
-der Himmel wohl Hülfe senden und entweder besseres
-Wetter oder ein Schiff zu ihrer Erlösung schicken.</p>
+andern Morgen über Wasser zu halten; dann würde ihnen
+der Himmel wohl Hülfe senden und entweder besseres
+Wetter oder ein Schiff zu ihrer Erlösung schicken.</p>
<p>Wiederholds eindringliches Zureden war zuerst erfolglos.
-Einige der Soldaten »waren ganz wie verstockt,
-andere antworteten sie seien krank.« Wiederhold stellte
+Einige der Soldaten »waren ganz wie verstockt,
+andere antworteten sie seien krank.« Wiederhold stellte
ihnen vor, dass er selbst schon seit vier Wochen am
-kalten Fieber litte, trotzdem hätte er, da niemand zur
+kalten Fieber litte, trotzdem hätte er, da niemand zur
Rettung etwas beitragen wollte, sich herausgemacht, um
-etwas für die Erhaltung aller zu thun. Er zweifelte auch
-nicht, sagte er, dass Leute unter ihnen wären, die mehr
-Kräfte als er und so viel Liebe für ihn hätten, dass sie
-ihm folgen würden und thun, was er ihnen sagte. Er
+etwas für die Erhaltung aller zu thun. Er zweifelte auch
+nicht, sagte er, dass Leute unter ihnen wären, die mehr
+Kräfte als er und so viel Liebe für ihn hätten, dass sie
+ihm folgen würden und thun, was er ihnen sagte. Er
versprach, bei ihnen auf dem Verdeck zu bleiben, selbst
Hand anzulegen und ihr Schicksal zu teilen, in der
Hoffnung das Schiff und alles an Bord zu retten. Noch
wollte niemand folgen, bis Wiederhold schliesslich rief:
-»Ist denn gar kein Unteroffizier da, der gesund ist, der
+»Ist denn gar kein Unteroffizier da, der gesund ist, der
Ambition und ein hessisches Herz hat, dass der mir
-folgen und helfen will?« Hierauf kamen ein Sergeant
+folgen und helfen will?« Hierauf kamen ein Sergeant
und zwei Korporals, denen etwa 15 bis 20 Mann folgten.
-»Nun wohlan,« sagt Wiederhold, »kommt, lasst uns erst
-die Kanone in die See zu schmeissen suchen.« Nach
-mehreren Versuchen, bei welchen sie in beständiger Gefahr
-waren zerquetscht zu werden oder mit der Kanone über
+»Nun wohlan,« sagt Wiederhold, »kommt, lasst uns erst
+die Kanone in die See zu schmeissen suchen.« Nach
+mehreren Versuchen, bei welchen sie in beständiger Gefahr
+waren zerquetscht zu werden oder mit der Kanone über
Bord zu gehen, gelang es ihnen, ihrer Herr zu werden
<span class="pagenum"><a name="Seite_191" id="Seite_191">[S. 191]</a></span>
-und sie über Bord zu werfen. Hierbei wurde einem
+und sie über Bord zu werfen. Hierbei wurde einem
Soldaten der Arm zweimal gebrochen und Wiederholds
kleiner Finger zerquetscht.</p>
-<p>Nun fing die Arbeit an den Pumpe an, in Ablösungen
-von 4 Mann. Jede Ablösung konnte es aber nur jedesmal
+<p>Nun fing die Arbeit an den Pumpe an, in Ablösungen
+von 4 Mann. Jede Ablösung konnte es aber nur jedesmal
6 oder 8 Minuten aushalten und mussten sich entweder
anbinden oder an dem Stumpf des grossen Mastes festhalten,
-um nicht von den Wellen weggespült zu werden.
+um nicht von den Wellen weggespült zu werden.
Gegen 3 oder 4 morgens aber brach die Pumpe und
konnte in der Dunkelheit nicht ausgebessert werden, so
-dass sie sich mit Ausschöpfen vermittelst eines Eimers
+dass sie sich mit Ausschöpfen vermittelst eines Eimers
behelfen mussten, bis es Tag wurde und sie die Pumpe
wieder in Stand setzen konnten.</p>
-<p>Während die Leute in der Dunkelheit arbeiteten, fiel
-ein Mann über Bord, erfasste aber im Fallen ein Tau
+<p>Während die Leute in der Dunkelheit arbeiteten, fiel
+ein Mann über Bord, erfasste aber im Fallen ein Tau
und rief und schrie um Hilfe. Niemand konnte ihn
-sehen oder wusste, wo er war. »Wo bist du denn,«
-fragte Wiederhold. »Hier hänge ich an dem Schiff und
+sehen oder wusste, wo er war. »Wo bist du denn,«
+fragte Wiederhold. »Hier hänge ich an dem Schiff und
wenn ihr mir nicht bald helft, so kann ich mich nicht
-länger halten, muss in die See fallen und ersaufen.«
+länger halten, muss in die See fallen und ersaufen.«
Seine Kameraden suchten an ihn heran zu kommen, aber
bevor sie ihn erreichen konnten, war eine Welle geschwinder
-als sie und spülte ihn wieder an Bord; und Wiederhold
-sagt in seinem Tagebuch »er lebt noch und ist gesund.«</p>
+als sie und spülte ihn wieder an Bord; und Wiederhold
+sagt in seinem Tagebuch »er lebt noch und ist gesund.«</p>
-<p>Während aller dieser Arbeit bemerkte Wiederhold,
-dass der Schiffs-Kapitän und einige Bootsleute mit einer
+<p>Während aller dieser Arbeit bemerkte Wiederhold,
+dass der Schiffs-Kapitän und einige Bootsleute mit einer
Laterne um die auf dem Schiffe befestigten Boote herumgingen
und versuchten, wie er glaubte, eins davon los zu
-machen. Wiederhold fragte den Kapitän, was er denn
-da mache. »O, nichts,« antwortete dieser, »ich sehe nur,
-ob sie fest genug sind.« Unter irgend einem Vorwand bat
-ihn Wiederhold darauf, ihm die Laterne für einen
+machen. Wiederhold fragte den Kapitän, was er denn
+da mache. »O, nichts,« antwortete dieser, »ich sehe nur,
+ob sie fest genug sind.« Unter irgend einem Vorwand bat
+ihn Wiederhold darauf, ihm die Laterne für einen
Augenblick zu leihen, und nachdem er sie hergegeben
-und dieselbe einem Soldaten eingehändigt hatte, nahm
-Wiederhold den Kapitain am Arm, führte ihn in die
-Kajüte hinunter und setzte ihn dort in Arrest unter Be<span class="pagenum"><a name="Seite_192" id="Seite_192">[S. 192]</a></span>wachung
+und dieselbe einem Soldaten eingehändigt hatte, nahm
+Wiederhold den Kapitain am Arm, führte ihn in die
+Kajüte hinunter und setzte ihn dort in Arrest unter Be<span class="pagenum"><a name="Seite_192" id="Seite_192">[S. 192]</a></span>wachung
von zwei Offizieren. Dies geschah aus Besorgnis,
-dass der Kapitän mit seinen Matrosen sich von der Brig
-heimlich entfernen und die Soldaten ihrem Schicksal überlassen
-könnten. Bei Tagesanbruch fand man die Boote
-von den Wellen völlig zerstört. Sie wurden über Bord
-geworfen und der Schiffs-Kapitän wurde wieder in
+dass der Kapitän mit seinen Matrosen sich von der Brig
+heimlich entfernen und die Soldaten ihrem Schicksal überlassen
+könnten. Bei Tagesanbruch fand man die Boote
+von den Wellen völlig zerstört. Sie wurden über Bord
+geworfen und der Schiffs-Kapitän wurde wieder in
Freiheit gesetzt.</p>
<p>Am 16. September lies der Wind etwas nach und am
-17. klärte sich der Himmel auf. Die Beobachtungen, die
-man um Mittag anstellte, ergaben 37° 19' nördlicher
-Breite, so dass die Brig bis auf die Höhe der Kaps von
-Virginien nach Süden hin getrieben war. Von der Länge
+17. klärte sich der Himmel auf. Die Beobachtungen, die
+man um Mittag anstellte, ergaben 37° 19' nördlicher
+Breite, so dass die Brig bis auf die Höhe der Kaps von
+Virginien nach Süden hin getrieben war. Von der Länge
hatten sie keine Ahnung.</p>
<p>Die losgerissenen Segelstangen, Taue und das zerbrochene
-Geländer wurden nun weggeräumt und der
+Geländer wurden nun weggeräumt und der
Schiffsboden untersucht, aber kein Leck darin gefunden.
Die Soldaten kamen an Deck und trockneten ihre Kleider,
denn sie hatten keinen trockenen Faden an sich, selbst
nicht in ihren Tornistern, alles war mit Salzwasser und
-Schlamm durchnässt. Die Matrosen befestigten an dem
+Schlamm durchnässt. Die Matrosen befestigten an dem
Stumpf des Hauptmastes einen Hilfsmast, und Tags darauf
noch einen am Vordermast.</p>
<p>Am 19. wurde von den Mannschaften eine Betstunde
-abgehalten, um Gott für ihre Errettung aus Sturm und
+abgehalten, um Gott für ihre Errettung aus Sturm und
Not zu danken. Es wurde ein Lied gesungen und der
107. Psalm vorgelesen. Selbst die Matrosen, die kein
Wort von dem, was die Deutschen redeten, verstanden,
-waren sehr andächtig und beteten für sich.</p>
+waren sehr andächtig und beteten für sich.</p>
-<p>Der Triton nahm langsam seinen Weg in nördlicher
+<p>Der Triton nahm langsam seinen Weg in nördlicher
Richtung und hatte leidliches Wetter. Einige Schiffe
kamen in Sicht, keins aber kam ihnen zu Hilfe. Wiederhold
ersann einen Plan, wie er mit seinem kaum lenkbaren
-Wrack einem Privateer, der ihn angreifen würde,
-Widerstand leisten könnte. Er nahm sich vor, seine
+Wrack einem Privateer, der ihn angreifen würde,
+Widerstand leisten könnte. Er nahm sich vor, seine
Leute unter Deck verborgen zu halten, eine Bootladung
Amerikaner an Bord des Triton zu locken und sie dann
<span class="pagenum"><a name="Seite_193" id="Seite_193">[S. 193]</a></span>
-gefangen zu nehmen. Der Privateer würde dann aus
+gefangen zu nehmen. Der Privateer würde dann aus
Besorgnis, seine eigenen Leute zu treffen, nicht feuern
-und das Schiff auch nicht ersteigen können wegen der
-überlegenen Zahl an Hessen. Es war vielleicht ein Glück
-für Wiederhold und die Seinigen, dass die Umstände es
-verhinderten, diesen ingenieusen Plan zur Ausführung
+und das Schiff auch nicht ersteigen können wegen der
+überlegenen Zahl an Hessen. Es war vielleicht ein Glück
+für Wiederhold und die Seinigen, dass die Umstände es
+verhinderten, diesen ingenieusen Plan zur Ausführung
bringen zu suchen.</p>
<p>Am Morgen des 25. September kamen die Kaps des
@@ -8160,40 +8118,40 @@ waren, so gingen sie wieder weiter in See, um den
Privateers aus dem Wege zu gehen. Der Wind war gut
und die Hessen hofften Sandy Hook in achtundvierzig
Stunden zu erreichen. Der Morgen des 26. war sehr
-schön. Bei Tagesanbruch wurden zwei Schiffe in einiger
+schön. Bei Tagesanbruch wurden zwei Schiffe in einiger
Entfernung gesehen. Wiederhold sprang voller Freude
-in die Kajüte und berichtete dem Oberstlieutenant und
+in die Kajüte und berichtete dem Oberstlieutenant und
den anderen Offizieren das Gesehene. Alle zogen sich
an und eilten an Deck, in der Hoffnung, dass es Schiffe
-seien, die von New-York ausgeschickt wären, um vor
+seien, die von New-York ausgeschickt wären, um vor
dem Hafen zu kreuzen und den Schiffen Hilfe zu leisten,
-die bei dem letzten Sturme Schaden gelitten hätten. Die
+die bei dem letzten Sturme Schaden gelitten hätten. Die
fremden Schiffe segelten auf den Triton los und stellten
sich als einen Schooner und eine Schaluppe heraus.
-»Aber o! wie sahen wir uns in unserer Hoffnung betrogen,«
-ruft Wiederhold aus, »denn, nachdem sie so
+»Aber o! wie sahen wir uns in unserer Hoffnung betrogen,«
+ruft Wiederhold aus, »denn, nachdem sie so
nahe kamen und sie ihre aus 13 Streifen bestehende
-Flagge wehen liessen, so war unsere Freude in Leid verwandelt.«</p>
+Flagge wehen liessen, so war unsere Freude in Leid verwandelt.«</p>
-<p>Der Schooner hatte 14 Geschütze und hiess »Mars«.
-Die Schaluppe, Comet genannt, hatte 10 Geschütze und
-wurde von Kapitän Decatur kommandiert. Um 8 Uhr
+<p>Der Schooner hatte 14 Geschütze und hiess »Mars«.
+Die Schaluppe, Comet genannt, hatte 10 Geschütze und
+wurde von Kapitän Decatur kommandiert. Um 8 Uhr
morgens lagen beide mit den Breitseiten am Triton. Sie
-erteilten dem Kapitän des letzteren Befehl, ein Segel
+erteilten dem Kapitän des letzteren Befehl, ein Segel
herabzulassen und das Steuerruder am Steuerbord anzubinden.
Sodann schickte jeder Privateer 1 Offizier und
5 Mann an Bord; der Mars nahm den Triton ins Schlepptau
<span class="pagenum"><a name="Seite_194" id="Seite_194">[S. 194]</a></span>
und brachte ihn in die Barnegat Bucht, wo er vor Anker
-ging. Der Mars, welcher den Kapitän und mehrere
+ging. Der Mars, welcher den Kapitän und mehrere
Seeleute des Triton an Bord genommen hatte, geriet
zwischen Klippen und kenterte. Nur zwei von der Bemannung
-ertranken; alle hatten schwimmen müssen, um
+ertranken; alle hatten schwimmen müssen, um
sich zu retten. Dies ereignete sich auf zwei Kanonenschussweiten
von dem Fleck, wo der Triton vor Anker
-lag. Der Kapitän des Mars hatte vorher befohlen, dass
+lag. Der Kapitän des Mars hatte vorher befohlen, dass
der hessische Oberstlieutenant auch an Bord kommen
-sollte, glücklicherweise aber war er durch sein Kranksein
+sollte, glücklicherweise aber war er durch sein Kranksein
daran gehindert.</p>
<p>Am 29. September wurde der Triton nach dem Little
@@ -8201,35 +8159,35 @@ Egg-Hafen gebracht. Hier wurden die Gefangenen ausgeschifft.
Sie kamen durch Philadelphia und wurden
schliesslich in Reading einquartiert. Die Offiziere wurden
ausgewechselt und kehrten im Dezember 1780 nach New-York
-zurück.</p>
+zurück.</p>
<p>Von den 6 Schiffen, in welchen die Regimenter von
Knyphausen und Lossberg untergebracht waren, kehrte
-eins mit seiner Besatzung glücklich nach New-York zurück;
-über das Schicksal von einem habe ich nichts Bestimmtes
-ausfindig machen können; eins wurde mit Mann
+eins mit seiner Besatzung glücklich nach New-York zurück;
+über das Schicksal von einem habe ich nichts Bestimmtes
+ausfindig machen können; eins wurde mit Mann
und Maus vom Meere verschlungen; zwei wurden durch
-den Sturm seeuntüchtig gemacht und nachher von amerikanischen
+den Sturm seeuntüchtig gemacht und nachher von amerikanischen
Privateers genommen.</p>
-<p>Das noch übrige (sechste) Schiff, der »Badger«, mit
+<p>Das noch übrige (sechste) Schiff, der »Badger«, mit
einer Abteilung des Regiments Lossberg, verlor seinen
Vorder-und Hauptmast im Sturm. Es wurde dann von
zwei kleinen Privateers angegriffen, die sie zwei Tage
lang verfolgten und beschossen, dann aber wegen der
entschlossenen Haltung der Hessen wieder abziehen mussten.
-Am 9. Oktober jedoch griff ein Privateer mit 12 Geschützen
+Am 9. Oktober jedoch griff ein Privateer mit 12 Geschützen
den Badger an, und letzterer, der keine Kanonen hatte,
war gezwungen sich zu ergeben. Ein Lieutenant, drei
-Fähnriche und 20 Mann, sowie die gesamte Ausrüstung
-der übrigen Hessen wurden an Bord des Privateer gebracht.
+Fähnriche und 20 Mann, sowie die gesamte Ausrüstung
+der übrigen Hessen wurden an Bord des Privateer gebracht.
<span class="pagenum"><a name="Seite_195" id="Seite_195">[S. 195]</a></span>
-Letzterer scheint zunächst den Badger, auf dem ein
-hessischer Kapitän, der krank war, mit einem Arzt und
+Letzterer scheint zunächst den Badger, auf dem ein
+hessischer Kapitän, der krank war, mit einem Arzt und
den meisten Gemeinen verblieben, noch in seiner Gewalt
behalten zu haben. Den Journalen nach steht fest, dass
die Fregatte Solebay am folgenden Tag den Badger von
-dem Privateer befreite und glücklich nach New-York
+dem Privateer befreite und glücklich nach New-York
brachte.</p>
@@ -8240,167 +8198,167 @@ brachte.</p>
<h3>Savannah, Charleston und Pensacola, 1778 bis 1781.</h3>
-<p>Das Bündnis zwischen Frankreich und den Vereinigten
-Staaten erhöhte die Möglichkeit der schliesslichen Unabhängigkeit
+<p>Das Bündnis zwischen Frankreich und den Vereinigten
+Staaten erhöhte die Möglichkeit der schliesslichen Unabhängigkeit
der letzteren. Es war deshalb wichtig, den
-Amerikanern so viel Gebiet als möglich streitig zu
+Amerikanern so viel Gebiet als möglich streitig zu
machen, wenn auch nicht ihre Haupt-Armee vernichtet
-werden könnte. Lord George Germaine hoffte, dass die
-dünn bevölkerten südlichen Provinzen schnell zum Gehorsam
-zurückzubringen wären und dass die königliche
-Autorität vom Golf von Mexico bis zum Susquehanna-Fluss
-hergestellt werden würde.</p>
+werden könnte. Lord George Germaine hoffte, dass die
+dünn bevölkerten südlichen Provinzen schnell zum Gehorsam
+zurückzubringen wären und dass die königliche
+Autorität vom Golf von Mexico bis zum Susquehanna-Fluss
+hergestellt werden würde.</p>
<p>Ein weiterer Vorteil sollte dadurch gewonnen werden,
-dass man die Nord- und Südstaaten gleichzeitig besetzte.
-Der Sommer und Herbst waren die Zeit der Thätigkeit
-in den ersteren, Winter und Frühjahr in den letzteren.
-Der britische General, der seine Truppen zur See befördern
+dass man die Nord- und Südstaaten gleichzeitig besetzte.
+Der Sommer und Herbst waren die Zeit der Thätigkeit
+in den ersteren, Winter und Frühjahr in den letzteren.
+Der britische General, der seine Truppen zur See befördern
konnte, brauchte nur, wenn das Wetter die
Operationen behinderte, in den betreffenden Landesteilen
-soviel Truppen zurückzulassen, als zur Verteidigung nötig
-waren, und behielt so überall das Übergewicht, welches
+soviel Truppen zurückzulassen, als zur Verteidigung nötig
+waren, und behielt so überall das Übergewicht, welches
sehr wichtig war.</p>
-<p>Am 6. November 1778 wurden ungefähr 3500 Mann
+<p>Am 6. November 1778 wurden ungefähr 3500 Mann
unter Oberstlieutenant Campbell in New-York eingeschifft.
Zwei hessische Regimenter nahmen an dieser Expedition
teil. Die Transportschiffe wurden durch schlechtes Wetter
<span class="pagenum"><a name="Seite_196" id="Seite_196">[S. 196]</a></span>
am Auslaufen verhindert und konnten nicht vor dem 27.
Sandy Hook verlassen. Sie erreichten Savannah erst am
-24. Dezember nach stürmischer Überfahrt. Die Truppe
+24. Dezember nach stürmischer Überfahrt. Die Truppe
landete am 29. und schlug einige 800 Amerikaner, die
-den Versuch machten, Widerstand zu leisten, töteten und
-verwundeten ungefähr 80 und machten 400 Gefangene.
-Beinahe 50 Kanonen, beträchtliche Vorräte und mehrere
-Schiffe fielen in die Hände der Briten, deren Verlust,
+den Versuch machten, Widerstand zu leisten, töteten und
+verwundeten ungefähr 80 und machten 400 Gefangene.
+Beinahe 50 Kanonen, beträchtliche Vorräte und mehrere
+Schiffe fielen in die Hände der Briten, deren Verlust,
eingerechnet Hessen und Tories, 20 Mann tot und verwundet
betrug.</p>
-<p>Die Stadt Savannah bestand aus ungefähr 600 leicht
-gebauten Häusern. Die meisten Einwohner waren mit
+<p>Die Stadt Savannah bestand aus ungefähr 600 leicht
+gebauten Häusern. Die meisten Einwohner waren mit
den Rebellen weggelaufen und hatten soviel Sachen mitgenommen,
-als sie nur tragen konnten. Mahagonie-Möbel
+als sie nur tragen konnten. Mahagonie-Möbel
lagen zerbrochen in den Strassen &mdash; ein trauriger Anblick.
-Die Hessen, erzählt man, hätten nicht geplündert,
+Die Hessen, erzählt man, hätten nicht geplündert,
wie die andern Truppen. Sie waren in den neuen Baracken
der Stadt einquartiert.</p>
<p>Im Januar langte General Prevost von St. Augustin
-an, um den Befehl über die Armee zu übernehmen. Darauf
-begann die zahllose Reihe von Märschen, welche diese
-südliche Kampagne auszeichnete. Augusta wurde besetzt,
+an, um den Befehl über die Armee zu übernehmen. Darauf
+begann die zahllose Reihe von Märschen, welche diese
+südliche Kampagne auszeichnete. Augusta wurde besetzt,
dann wieder aufgegeben. General Lincoln ging mit einer
amerikanischen Armee gegen Augusta vor, General
-Prevost entschlüpfte ihm aber heimlich und bedrohte
-Charleston. Lincoln kehrte von Georgia zurück und
-Prevost zog sich nach Johns Island an der Küste von
-Süd-Karolina zurück. Schliesslich wurde Beaufort eingenommen
+Prevost entschlüpfte ihm aber heimlich und bedrohte
+Charleston. Lincoln kehrte von Georgia zurück und
+Prevost zog sich nach Johns Island an der Küste von
+Süd-Karolina zurück. Schliesslich wurde Beaufort eingenommen
und Johns Island von den Briten verlassen, deren
-Haupt-Armee nach Savannah zurückkehrte.</p>
+Haupt-Armee nach Savannah zurückkehrte.</p>
-<p>Während dieses Feldzuges ereigneten sich eine oder
+<p>Während dieses Feldzuges ereigneten sich eine oder
zwei Begebenheiten, die besonders die Hessen betrafen.
An einem Fleck, Stono Ferry genannt, war ein kleines
-Befestigungswerk errichtet worden, ursprünglich ein
-Brückenkopf. Es war von Johns Island durch eine
-Wasserstrasse getrennt, und die Brücke, welche es einst
+Befestigungswerk errichtet worden, ursprünglich ein
+Brückenkopf. Es war von Johns Island durch eine
+Wasserstrasse getrennt, und die Brücke, welche es einst
<span class="pagenum"><a name="Seite_197" id="Seite_197">[S. 197]</a></span>
deckte, war abgebrochen worden. Das Befestigungswerk
-war von dem Regiment von Trümbach, einem Bataillon
-Hochländern, im Ganzen 500 Mann, besetzt. Dieser
+war von dem Regiment von Trümbach, einem Bataillon
+Hochländern, im Ganzen 500 Mann, besetzt. Dieser
Posten wurde am 19. Juni 1779 von Lincolns Armee
-angegriffen. Die Hessen wichen zuerst zurück, wurden
-aber von den Hochländern unterstützt. Sie sammelten
+angegriffen. Die Hessen wichen zuerst zurück, wurden
+aber von den Hochländern unterstützt. Sie sammelten
sich und gingen wieder vor. Die Amerikaner zogen sich
dann bei dem Herannahen von deutschen und schottischen
-Verstärkungen zurück.</p>
+Verstärkungen zurück.</p>
-<p>Ungefähr zu dieser Zeit kam es in den Gewässern
+<p>Ungefähr zu dieser Zeit kam es in den Gewässern
um Johns Island zu zwei verschiedenen Gefechten zwischen
hessischer Artillerie und kleinen Schiffen, beziehungsweise
Galeeren des Feindes. Bei beiden Gelegenheiten waren
-die Hessen siegreich, zwangen den Feind zum Rückzug
-und machten die beteiligten Schiffe kampfunfähig. Es
-wird erzählt, dass auf einem derselben, der Rattlesnake,
+die Hessen siegreich, zwangen den Feind zum Rückzug
+und machten die beteiligten Schiffe kampfunfähig. Es
+wird erzählt, dass auf einem derselben, der Rattlesnake,
mehrere Kanonen und Fahnen, welche von Ralls Brigade
erbeutet waren, wieder genommen wurden. Auf welche
-Weise diese Trophäen nach Süd-Karolina kamen, wird
-nicht erwähnt.</p>
+Weise diese Trophäen nach Süd-Karolina kamen, wird
+nicht erwähnt.</p>
-<p>Am 4. September 1779 erschien die französische
-Flotte unter Graf d'Estaing plötzlich vor der Mündung
+<p>Am 4. September 1779 erschien die französische
+Flotte unter Graf d'Estaing plötzlich vor der Mündung
des Savannah-Flusses. Sofort wurden alle ausserhalb
liegenden Detachements der britischen Armee nach
Savannah berufen. Am 23. vereinigten sich Lincoln und
seine Leute mit den Franzosen, die von Charleston kamen,
-und Freiwillige von Süd-Karolina strömten in ihr Lager.
-Während nun d'Estaing regelrechte Laufgräben anlegte,
-verstärkten die Soldaten der Besatzung mit den Negern
-der Stadt zusammen eiligst die Befestigungswerke. Für
-die französische Flotte war es in Betreff der Jahreszeit
-zu spät geworden, um mit Sicherheit an der Küste zu
+und Freiwillige von Süd-Karolina strömten in ihr Lager.
+Während nun d'Estaing regelrechte Laufgräben anlegte,
+verstärkten die Soldaten der Besatzung mit den Negern
+der Stadt zusammen eiligst die Befestigungswerke. Für
+die französische Flotte war es in Betreff der Jahreszeit
+zu spät geworden, um mit Sicherheit an der Küste zu
bleiben. d'Estaing beschloss einen Angriff zu versuchen.
-Dieser aber hätte vorher gemacht werden sollen, bevor
-britische Verstärkungen von Beaufort her eingetroffen
-und bevor ihre Werke verstärkt worden waren, oder er
+Dieser aber hätte vorher gemacht werden sollen, bevor
+britische Verstärkungen von Beaufort her eingetroffen
+und bevor ihre Werke verstärkt worden waren, oder er
<span class="pagenum"><a name="Seite_198" id="Seite_198">[S. 198]</a></span>
-hätte aufgeschoben werden sollen, bis diese lahm gelegt
+hätte aufgeschoben werden sollen, bis diese lahm gelegt
waren. Der Angriff wurde am 9. Oktober unternommen.
Franzosen sowohl wie Amerikaner schlugen sich tapfer
-und pflanzten ihre Banner auf den Wällen von Savannah
-auf, doch wurden sie mit grossen Verlusten zurückgeschlagen.
+und pflanzten ihre Banner auf den Wällen von Savannah
+auf, doch wurden sie mit grossen Verlusten zurückgeschlagen.
Oberst von Porbeck vom Regiment von
-Wissenbach wurde in Prevosts Bericht lobend erwähnt.
-Eine Woche später segelten die Franzosen ab, während
+Wissenbach wurde in Prevosts Bericht lobend erwähnt.
+Eine Woche später segelten die Franzosen ab, während
ein Teil der Amerikaner mit Lincoln nach Charleston
-zurückkehrte und die übrigen sich in ihre Heimat zerstreuten.</p>
+zurückkehrte und die übrigen sich in ihre Heimat zerstreuten.</p>
<p>Im Sommer 1779 plante Sir Henry Clinton eine
-Unternehmung gegen Charleston. Die Ausführung wurde
-wegen der Nähe der französischen Flotte verschoben,
-doch als diese nach Europa zurückging, wurde ein Korps
-von ungefähr 8500 Mann in New-York formiert. Dasselbe
-bestand aus Engländern, Tories und Hessen. Von
+Unternehmung gegen Charleston. Die Ausführung wurde
+wegen der Nähe der französischen Flotte verschoben,
+doch als diese nach Europa zurückging, wurde ein Korps
+von ungefähr 8500 Mann in New-York formiert. Dasselbe
+bestand aus Engländern, Tories und Hessen. Von
den Hessen waren die 4 Grenadier-Bataillone, 1 Regiment
-Infanterie und ungefähr 250 Jäger ausgewählt. Bei den
-letzteren befanden sich Kapitän Ewald und Lieutenant
+Infanterie und ungefähr 250 Jäger ausgewählt. Bei den
+letzteren befanden sich Kapitän Ewald und Lieutenant
Hinrichs. Generallieutenant von Knyphausen war als
Befehlshaber in New-York belassen worden. Sir Henry
-Clinton befehligte die Expedition persönlich. Die Soldaten
+Clinton befehligte die Expedition persönlich. Die Soldaten
wurden um den 19. Dezember eingeschifft, konnten aber
wegen des Wetters nicht vor dem 29. in See gehen. Die
-Fahrt war eine sehr stürmische, und als in den ersten
+Fahrt war eine sehr stürmische, und als in den ersten
Tagen des Februar 1780 der Hauptteil der Flotte an der
-Mündung des Savannah-Flusses ankam, fehlten eine Menge
+Mündung des Savannah-Flusses ankam, fehlten eine Menge
Transportschiffe. Eine Barke, die Anna, mit 30 hessischen
-und anspachischen Jägern und andern Soldaten, hatte
+und anspachischen Jägern und andern Soldaten, hatte
Anfang Januar die Masten verloren und war von einem
Kriegsschiff ins Schlepptau genommen. Bei einem darauffolgenden
Sturm riss das Tau, und die Anna fiel nun als
segelloser Schiffs-Rumpf dem Spiel der Wellen anheim.
-Während acht Wochen wurde diese Barke mit 250 Seelen
+Während acht Wochen wurde diese Barke mit 250 Seelen
an Bord von den westlichen Winden fortgetrieben. Sie
<span class="pagenum"><a name="Seite_199" id="Seite_199">[S. 199]</a></span>
-war nur für einen Monat und für 100 Mann verproviantiert,
+war nur für einen Monat und für 100 Mann verproviantiert,
so dass sich bald Hungersnot einstellte. Die Hunde
wurden geschlachtet; zuletzt wurden die Knochen zu Mehl
-gerieben und dieses mit der Brühe aus den Fleischfässern
-und Hobelspänen zu einer Mahlzeit bereitet. Schon machte
-der Kapitän den schrecklichen Vorschlag, mit Menschenfleisch
+gerieben und dieses mit der Brühe aus den Fleischfässern
+und Hobelspänen zu einer Mahlzeit bereitet. Schon machte
+der Kapitän den schrecklichen Vorschlag, mit Menschenfleisch
das elende Leben zu fristen und zuerst die Frauen
-zu opfern, aber alle wiesen solches mit Abscheu zurück.
-Endlich zeigte sich Land, es war die irische Küste. Das
+zu opfern, aber alle wiesen solches mit Abscheu zurück.
+Endlich zeigte sich Land, es war die irische Küste. Das
Schiff strich aber an einer Klippe an und erhielt ein
Leck. Die Verzweiflung steigerte sich, als man bemerkte,
-dass der Kapitän von der Küste abhielt. Auf Befragen
+dass der Kapitän von der Küste abhielt. Auf Befragen
gab er an, dass hier keine erlaubte Anfahrt sei und den
-königlichen Lootsen 30 Guineen bezahlt werden müssten.
+königlichen Lootsen 30 Guineen bezahlt werden müssten.
Daraufhin wurde er in dem unteren Schiffsraum festgesetzt,
-und der Obersteuermann übernahm das Kommando der
+und der Obersteuermann übernahm das Kommando der
Barke. Dieser brachte sie bis vor St. Ives in Cornwallis,
-von wo, auf Notschüsse hin, zwei Boote mit einem Lootsen
+von wo, auf Notschüsse hin, zwei Boote mit einem Lootsen
und einem Schiffszimmermann zur Hilfe herbeieilten. Der
letztere war angesichts der verhungerten Hessen derartig
erschrocken, dass er eiligst wieder von dannen ruderte.
@@ -8412,14 +8370,14 @@ wurde schliesslich gerettet.</p>
zum 9. Februar 1780, um die zerstreuten Transportschiffe
wieder zu sammeln. Darauf ging sie wieder in See, und
am 11. drangen alle Schiffe bis auf die grossen Kriegsschiffe
-in die Mündung des North Edisto River ein; bei
+in die Mündung des North Edisto River ein; bei
Simons Island wurden die Truppen ausgeschifft. Einen
-ganzen Monat lang brachten die Soldaten emsig Vorräte
-und Geschütze an Land, um dort festen Fuss zu fassen,
-sie drangen dabei über die sandigen Inseln südwestlich
-von Charleston Harbor vor. Nicht vor dem 12. März
+ganzen Monat lang brachten die Soldaten emsig Vorräte
+und Geschütze an Land, um dort festen Fuss zu fassen,
+sie drangen dabei über die sandigen Inseln südwestlich
+von Charleston Harbor vor. Nicht vor dem 12. März
wurde das Feuer von Wappoo Neck aus auf die Stadt
-eröffnet, und erst am 29. ging die britische Armee über
+eröffnet, und erst am 29. ging die britische Armee über
<span class="pagenum"><a name="Seite_200" id="Seite_200">[S. 200]</a></span>
den Ashley-Fluss. Inzwischen stiegen die Schanzen aus
dem Sand bei Charleston wie die Pilze empor.</p>
@@ -8428,144 +8386,144 @@ dem Sand bei Charleston wie die Pilze empor.</p>
Armee wurde ein ernstlicher Widerstand entgegengesetzt.
Die Gelegenheit, um Widerstand zu leisten oder
wenigstens um die Briten zu beunruhigen, war jedenfalls
-genügend vorhanden, doch wäre hierfür ein fähigerer und
-mehr energischer Befehlshaber als Lincoln nötig gewesen.
+genügend vorhanden, doch wäre hierfür ein fähigerer und
+mehr energischer Befehlshaber als Lincoln nötig gewesen.
Die Angreifer waren nach einer langen und beschwerlichen
Reise gelandet und hatten keine Pferde, um ihre
-Kanonen und Vorräte herbeizuschaffen. Das einzig richtige
-Verhalten für Lincoln wäre wohl gewesen, wenn er
-Washington nachgeahmt hätte in seinem Feldzug vor den
-Ereignissen von Philadelphia. Er hätte eine Schlacht
-wagen und falls er geschlagen worden wäre, Charleston
-aufgeben und seine Armee zum Schutz der Südstaaten
+Kanonen und Vorräte herbeizuschaffen. Das einzig richtige
+Verhalten für Lincoln wäre wohl gewesen, wenn er
+Washington nachgeahmt hätte in seinem Feldzug vor den
+Ereignissen von Philadelphia. Er hätte eine Schlacht
+wagen und falls er geschlagen worden wäre, Charleston
+aufgeben und seine Armee zum Schutz der Südstaaten
erhalten sollen. Diese waren nun dem Morden und
-Plündern überliefert. Der Krieg in den Karolinas und
+Plündern überliefert. Der Krieg in den Karolinas und
in Virginien kennzeichnete sich durch einen gewissen Grad
-von Barbarei, der in den östlichen und Mittel-Staaten
+von Barbarei, der in den östlichen und Mittel-Staaten
seinesgleichen nicht fand, ausgenommen die kleinen
-Plündereien in der Umgebung von New-York. Schon im
+Plündereien in der Umgebung von New-York. Schon im
vorhergehenden Jahre hatten Prevosts Soldaten diese
-barbarische Art der Kriegführung begonnen. Die Spuren
-ihrer Thätigkeit waren in jedem Hause auf den Inseln,
+barbarische Art der Kriegführung begonnen. Die Spuren
+ihrer Thätigkeit waren in jedem Hause auf den Inseln,
die sie bei Charleston besetzt hatten, sichtbar.</p>
-<p>Während Lincoln seine Erdwerke in der Stadt aufwarf,
-erhielten die Engländer Verstärkungen von Savannah
+<p>Während Lincoln seine Erdwerke in der Stadt aufwarf,
+erhielten die Engländer Verstärkungen von Savannah
her. Die Kriegsschiffe, mit Ausnahme der schwersten,
-wurden gehoben, über die Sandbank gebracht und wiederhergestellt.
-Fort Moultrie verteidigte währenddessen die
-Stadt, die amerikanischen und französischen Schiffe den
+wurden gehoben, über die Sandbank gebracht und wiederhergestellt.
+Fort Moultrie verteidigte währenddessen die
+Stadt, die amerikanischen und französischen Schiffe den
Hafen; zwischen diesem und Charleston hatten die Belagerten
Schiffe versenkt, um die Einfahrt zu sperren.
Kleine Abteilungen Amerikaner beobachteten die Bewegungen
-der Briten. Am 26. März unternahmen Sir
+der Briten. Am 26. März unternahmen Sir
<span class="pagenum"><a name="Seite_201" id="Seite_201">[S. 201]</a></span>
Henry Clinton und mehrere Generale einen Ritt, um
-Colonel Patterson entgegenzugehen, welcher Verstärkungen
-von Savannah brachte. Sie kehrten glücklich zurück,
+Colonel Patterson entgegenzugehen, welcher Verstärkungen
+von Savannah brachte. Sie kehrten glücklich zurück,
obwohl sie ohne Escorte waren; ein Tory-Oberst und
ein Hospital-Inspektor aber, die eine kurze Strecke hinter
ihnen her ritten, wurden gefangen genommen.</p>
-<p>Ewald erzählt mit Befriedigung, wie er einmal auf
-Johns Island in South Karolina im Frühjahr 1780 eine
-Stellung rekognosziert hätte, indem er ruhig bis an einen
-feindlichen Posten herangegangen wäre, seinen Hut abgenommen
+<p>Ewald erzählt mit Befriedigung, wie er einmal auf
+Johns Island in South Karolina im Frühjahr 1780 eine
+Stellung rekognosziert hätte, indem er ruhig bis an einen
+feindlichen Posten herangegangen wäre, seinen Hut abgenommen
und eine Unterhaltung mit dem befehligenden
-Offizier angeknüpft hätte. Dieser Aussenposten war von
+Offizier angeknüpft hätte. Dieser Aussenposten war von
Pulaskis Legion gestellt worden, deren Offiziere Polen
und Franzosen waren, in deren Galanterie der deutsche
-Kapitän Vertrauen hatte &mdash; eine Galanterie, für die die
-eingeborenen Amerikaner kein Verständnis haben konnten
+Kapitän Vertrauen hatte &mdash; eine Galanterie, für die die
+eingeborenen Amerikaner kein Verständnis haben konnten
noch wollten.</p>
-<p>Am 30. März 1780 lagerte die englische Armee einige
+<p>Am 30. März 1780 lagerte die englische Armee einige
3000 Yards vor den Linien von Charleston. Gegen Abend
-standen die Pickets der hessischen Jäger etwa eine Meile
+standen die Pickets der hessischen Jäger etwa eine Meile
vor der Stadt. Vor ihnen lag eine flache, sandige Ebene
ohne jedes Haus oder einen Baum oder Busch. Die
-einzig mögliche Deckung gewährten einige Gräben. In
-der Nacht auf den 31. März wurde die erste Parallele
-eröffnet. Am folgenden Morgen begannen die Einwohner
-ihre Familien und Wertgegenstände auf Booten den Cooper
-River hinauf zu befördern, der einzige Weg, der offen
-geblieben war. Stromabwärts kamen am 7. April 700
-Virginian Continentals zur Verstärkung der Besatzung.
-Sie wurden mit Glockengeläute und Artillerie-Salven
+einzig mögliche Deckung gewährten einige Gräben. In
+der Nacht auf den 31. März wurde die erste Parallele
+eröffnet. Am folgenden Morgen begannen die Einwohner
+ihre Familien und Wertgegenstände auf Booten den Cooper
+River hinauf zu befördern, der einzige Weg, der offen
+geblieben war. Stromabwärts kamen am 7. April 700
+Virginian Continentals zur Verstärkung der Besatzung.
+Sie wurden mit Glockengeläute und Artillerie-Salven
empfangen. Nacht auf Nacht wurde die Arbeit in den
Trancheen fortgesetzt. Die Artillerie des Verteidigers
-bemühte sich vergeblich, diese Arbeit zu stören.</p>
+bemühte sich vergeblich, diese Arbeit zu stören.</p>
<p>Am Nachmittag des 8. April war der Himmel mit
Wolken bedeckt, es war Flut eingetreten und der Wind
-blies stark von Süden her. Sieben Kriegsschiffe und ein
+blies stark von Süden her. Sieben Kriegsschiffe und ein
<span class="pagenum"><a name="Seite_202" id="Seite_202">[S. 202]</a></span>
Transportschiff, in einer Linie hintereinander segelnd,
-näherten sich Fort Moultrie. An der Spitze befand sich
+näherten sich Fort Moultrie. An der Spitze befand sich
Admiral Arbuthnot in einem kleinen Boot, mit dem Blei
in der Hand, um die Tiefe zu messen. Das Feuer vom
-Fort aus war furchtbar. Der »Roebuck«, das Têtenschiff,
+Fort aus war furchtbar. Der »Roebuck«, das Têtenschiff,
segelte dicht an die Werke heran, gab eine Breitseite
ab und fuhr unverletzt weiter in den Hafen. Das
-zweite Schiff verlor ein Stück von einem Mast. Ein
+zweite Schiff verlor ein Stück von einem Mast. Ein
anderes legte sich dicht vor das Fort und unterhielt ein
-unaufhörliches Feuer, so dass das ganze Schiff wie ein
+unaufhörliches Feuer, so dass das ganze Schiff wie ein
langer Blitzstrahl erschien. Das ganze Geschwader gelangte
in den Hafen mit Ausnahme des Transportschiffes,
welches auf den Grund fuhr und in Brand gesteckt wurde.
-Das schöne Bild wurde von Tausenden von Zuschauern
+Das schöne Bild wurde von Tausenden von Zuschauern
beobachtet. Die Amerikaner versammelten sich auf den
-Wällen der Stadt, die Engländer und Deutschen stiegen
+Wällen der Stadt, die Engländer und Deutschen stiegen
auf ihre Belagerungswerke. Die Operationen in der Bai
hatten ihr Interesse so sehr in Anspruch genommen, dass
das Gefecht an Land so lange unterbrochen wurde. Sobald
das zweite Schiff das Fort passiert hatte, verschwanden
-die Amerikaner von den Wällen von Charleston
+die Amerikaner von den Wällen von Charleston
und bald darauf sah man eine Menge kleiner Boote auf
dem Cooper River, welche die Furchtsamern der Einwohner
-wegbeförderten.</p>
+wegbeförderten.</p>
<p>Die Verbindung zwischen Fort Moultrie und Charleston
war nunmehr abgeschnitten. Jedoch fand die britische
Flotte ihr weiteres Vordringen durch eine Linie von versenkten
Schiffen gehindert und konnte nicht den Cooper
River hinaufsegeln, um die amerikanischen Werke im
-Rücken zu fassen. Da einige Schiffe im Fluss den Operationen
+Rücken zu fassen. Da einige Schiffe im Fluss den Operationen
des Belagerers hinderlich waren, wurden mehrere
-grosse Ruderboote über Land geschleppt. Das zu diesem
+grosse Ruderboote über Land geschleppt. Das zu diesem
Zweck gebrauchte Transportmittel wurde von hundertundvierunddreissig
Negern gezogen. Die Arbeit an den
-Approchen ging unaufhörlich weiter, jedoch die Belagerung
-wurde dadurch, dass einige der schweren Geschütze und
+Approchen ging unaufhörlich weiter, jedoch die Belagerung
+wurde dadurch, dass einige der schweren Geschütze und
<span class="pagenum"><a name="Seite_203" id="Seite_203">[S. 203]</a></span>
die meisten Pferde auf See verloren gegangen waren,
etwas verlangsamt. Der Belagerungs-Park wurde durch
-Schiffsgeschütze versorgt, die mit grosser Mühe über
+Schiffsgeschütze versorgt, die mit grosser Mühe über
Land von James Island her gebracht wurden. Am
13. April wurde von der hessischen Artillerie lebhaft
-gefeuert, wodurch mehrere Häuser in Brand gerieten.
+gefeuert, wodurch mehrere Häuser in Brand gerieten.
Sir Henry Clinton befahl seinen Batterien, das Feuer zu
-mässigen, damit der Brand gelöscht werden könnte. In
-der folgenden Nacht wurde die zweite Parallele eröffnet,
+mässigen, damit der Brand gelöscht werden könnte. In
+der folgenden Nacht wurde die zweite Parallele eröffnet,
bald darauf aber begannen die Amerikaner Gegen-Approchen
anzulegen, so dass nicht nur Artillerie-, sondern
auch Musketen-Feuer zur Verwendung kam. Jedoch am
20. waren die Belagerungsarbeiten so weit vorgeschritten,
-dass die Jäger im Stande waren, Leute durch die Schiessscharten
+dass die Jäger im Stande waren, Leute durch die Schiessscharten
der Befestigungswerke zu treffen und das Bedienen
-der Geschütze sehr gefährlich zu machen. Die
-dritte Parallele wurde in der darauffolgenden Nacht eröffnet
+der Geschütze sehr gefährlich zu machen. Die
+dritte Parallele wurde in der darauffolgenden Nacht eröffnet
und am 21. bot Lincoln, der am Tage, nachdem
-die Flotte Fort Moultrie passiert, seine Übergabe verweigert
+die Flotte Fort Moultrie passiert, seine Übergabe verweigert
hatte, die Kapitulation an. Die Feindseligkeiten
wurden sechs Stunden lang aufgehoben, aber nach Ablauf
-derselben erneuert, da die Generale sich über die Bedingungen
+derselben erneuert, da die Generale sich über die Bedingungen
nicht einigen konnten. Am 24. machten die
Amerikaner einen Ausfall und drangen an einzelnen
Stellen bis zur zweiten Parallele vor, wurden aber sofort
-wieder in die Stadt zurückgeworfen. Am 26. nahmen die
+wieder in die Stadt zurückgeworfen. Am 26. nahmen die
Briten ein Fort in Besitz, welches den Cooper River beherrschte,
-sodass die Belagerten nunmehr völlig in Charleston
+sodass die Belagerten nunmehr völlig in Charleston
eingeschlossen waren.</p>
<p>In der Nacht zum 3. Mai ruderte eine Abteilung
@@ -8573,68 +8531,68 @@ aus dem Lager des Angreifers heimlich an einen Dreimaster
heran, welcher dicht vor der Stadt lag. Sie erkletterten
das Deck, welches sie unverteidigt fanden,
lichteten die Anker und nahmen das Schiff mit in die
-britischen Linien. Am nächsten Morgen, als sie bei der
+britischen Linien. Am nächsten Morgen, als sie bei der
Untersuchung ihrer Beute hinunter stiegen, ergab es
<span class="pagenum"><a name="Seite_204" id="Seite_204">[S. 204]</a></span>
-sich, dass es ein Lazarethschiff war, gefüllt mit Pockenkranken.</p>
+sich, dass es ein Lazarethschiff war, gefüllt mit Pockenkranken.</p>
-<p>Die Belagerung näherte sich ihrem Ende. In der
+<p>Die Belagerung näherte sich ihrem Ende. In der
Nacht zum 7. Mai 1780 wurde Fort Moultrie von Seeleuten
genommen. Am 8. wurden die Verhandlungen
-wegen der Übergabe wieder aufgenommen, jedoch abermals
+wegen der Übergabe wieder aufgenommen, jedoch abermals
abgebrochen; bis schliesslich am 11. Clintons Bedingungen
durchgesetzt wurden, welche darin bestanden,
-dass die Besatzung mit verhüllten Fahnen und klingendem
+dass die Besatzung mit verhüllten Fahnen und klingendem
Spiel (aber nicht mit einem englischen oder hessischen
Marsch) ausmarschieren und ausserhalb derselben die
Waffen niederlegen sollten. Die Continentals wurden
kriegsgefangen, die Miliz sollte auf Ehrenwort in die
-Heimat zurückkehren. Auf Grund dieser Kapitulation
+Heimat zurückkehren. Auf Grund dieser Kapitulation
marschierten die Continentals am 12. aus; die Musik
-spielte einen türkischen Marsch. Die Offiziere durften
-ihre Säbel behalten, mussten sie aber einige Tage später
-abliefern, weil sie »Unordnung« in der Stadt hervorrufen
-würden. Die Besatzung war in einen sehr zerlumpten
+spielte einen türkischen Marsch. Die Offiziere durften
+ihre Säbel behalten, mussten sie aber einige Tage später
+abliefern, weil sie »Unordnung« in der Stadt hervorrufen
+würden. Die Besatzung war in einen sehr zerlumpten
und bedauerlichen Zustand herabgesunken. Sie war nicht
viel mehr als halb so stark als die Belagerer, die
amerikanische Miliz mit inbegriffen. Die Continentals
-waren ungefähr 2500 Mann stark, die englische Armee
+waren ungefähr 2500 Mann stark, die englische Armee
wenigstens 12000 Mann. Die Stadt war nur durch Erdwerke
verteidigt, und eigentlich mehr ein verschanztes
Lager als eine Festung. Der Verlust der Belagerer an
Toten und Verwundeten ist in einem hessischen Journal
auf 265 Mann angegeben.</p>
-<p>Die Stadt Charleston hatte ungefähr 15000 Einwohner
-und war eine der reichsten und schönsten Städte in Nord-Amerika.
-Die grossen und schönen Häuser waren nicht
+<p>Die Stadt Charleston hatte ungefähr 15000 Einwohner
+und war eine der reichsten und schönsten Städte in Nord-Amerika.
+Die grossen und schönen Häuser waren nicht
dicht nebeneinander gebaut, sondern es war der bessern
Luft wegen viel freier Raum gelassen. Sie waren sehr
-gut eingerichtet mit Mahagoni-Möbeln und Silbergerät,
+gut eingerichtet mit Mahagoni-Möbeln und Silbergerät,
und es wurde viel auf Reinlichkeit gehalten. Die Strassen
waren ungepflastert und sandig, hatten aber auf den Seiten
<span class="pagenum"><a name="Seite_205" id="Seite_205">[S. 205]</a></span>
einen schmalen Fussweg. Selbst im Mai war der Staub
-unerträglich. Die meisten reichen Familien waren bei
-der Annäherung der Briten geflohen. Es waren auch
+unerträglich. Die meisten reichen Familien waren bei
+der Annäherung der Briten geflohen. Es waren auch
viel Deutsche und deutsche Juden in der Stadt, und viele
-Ärzte wegen des ungesunden Klimas. Die Frauen,
-wenigstens die meisten von denen, die zurückgeblieben
-waren, waren bleich und hässlich. Der Ort war natürlich
-voll von Negern, die die Hälfte der Bevölkerung ausmachten.</p>
+Ärzte wegen des ungesunden Klimas. Die Frauen,
+wenigstens die meisten von denen, die zurückgeblieben
+waren, waren bleich und hässlich. Der Ort war natürlich
+voll von Negern, die die Hälfte der Bevölkerung ausmachten.</p>
<p>Die Neger waren im britischen Lager angesammelt,
zwei Transporte von ihnen waren Ende Februar von
Savannah aus geholt worden. Die Sklaven der Rebellen
-waren konfisziert worden. Diese Sklaven in Süd-Karolina
+waren konfisziert worden. Diese Sklaven in Süd-Karolina
waren die am meisten heruntergekommenen
-auf dem Kontinent und von ihren frühern Besitzern am
+auf dem Kontinent und von ihren frühern Besitzern am
schlechtesten behandelt worden. Die Feldarbeiter unter
-ihnen erhielten, einem hessischen Journal zufolge, täglich
-gewöhnlich ein Quart Reis oder Indian corn, das sie
+ihnen erhielten, einem hessischen Journal zufolge, täglich
+gewöhnlich ein Quart Reis oder Indian corn, das sie
halb gekocht assen, da sie es in dieser Zubereitung nahrhafter
fanden als ganz gekocht. Viele hatten kaum einen
-Lappen, um ihre Blössen zu bedecken. Nur wenige verstanden
+Lappen, um ihre Blössen zu bedecken. Nur wenige verstanden
Englisch. Am 31. Mai bekam jedes Regiment,
das nach New-York ging, zehn Sklaven. Die Neger
bildeten einen Teil der Kriegsbeute, und Tausende wurden
@@ -8642,23 +8600,23 @@ zum Verkauf nach West-Indien verschifft.</p>
<p>Anfang Juni segelte Sir Henry Clinton nach New-York.
Mit ihm gingen die hessischen Grenadiere und
-Jäger, einige hessische Regimenter blieben zurück.</p>
+Jäger, einige hessische Regimenter blieben zurück.</p>
<p>Die Expeditionen nach Savannah und Charleston
waren nicht die am weitesten entfernten, an denen die
deutschen Hilfstruppen beteiligt waren. Im Herbst 1778
-wurden ungefähr 1200 Mann Waldecker und Provinzials
+wurden ungefähr 1200 Mann Waldecker und Provinzials
unter Generalmajor John Campbell abgesandt, um die
-Garnisonen von West-Florida zu verstärken. Sie segelten
+Garnisonen von West-Florida zu verstärken. Sie segelten
Anfang November, liefen Jamaica an und landeten Ende
Januar 1779 in Pensacola. Pensacola war damals eine
<span class="pagenum"><a name="Seite_206" id="Seite_206">[S. 206]</a></span>
-Stadt von ungefähr 200 hölzernen Häusern, die durch
+Stadt von ungefähr 200 hölzernen Häusern, die durch
Forts aus Holz und Sand verteidigt wurde. Sie lag in
-einer Sandwüste, die von dichten, unermesslichen Wäldern
+einer Sandwüste, die von dichten, unermesslichen Wäldern
umgeben war. Nach Georgia reiste man auf dem alten
-Handelsweg vier Wochen lang. Die Wälder wurden
-durch Indianer beunruhigt, die von den Briten für jeden
+Handelsweg vier Wochen lang. Die Wälder wurden
+durch Indianer beunruhigt, die von den Briten für jeden
feindlichen Skalp drei Pfund Sterling erhielten. Die
Waldecker fanden unter den Indianern einen Landsmann,
Namens Brandenstein, der in seiner Jugend aus dem
@@ -8666,84 +8624,84 @@ waldeck'schen Dienst desertiert war und nach vielen
Abenteuern die Sitten und Gewohnheiten eines indianischen
Kriegers angenommen hatte.</p>
-<p>Die Besatzung von Pensacola war zuerst damit beschäftigt,
+<p>Die Besatzung von Pensacola war zuerst damit beschäftigt,
die Stadt zur Verteidigung einzurichten. Oberstlieutenant
Dickson, ein englischer Offizier, hielt Baton
Rouge. Im Lauf des Sommers 1779 wurden ihm drei
-Kompagnien Waldecker zur Verstärkung zugesandt. Inzwischen
+Kompagnien Waldecker zur Verstärkung zugesandt. Inzwischen
war zwischen England und Spanien Krieg ausgebrochen.
Don Bernardo de Galvez, der spanische
Gouverneur von New-Orleans, war ein junger und energischer
Mann. Er erbeutete mehrere kleine Schiffe auf
-dem Mississippi und in der Nähe seiner Mündung. Im
+dem Mississippi und in der Nähe seiner Mündung. Im
September wurden 53 Waldecker auf dem Lake Pontchartrain
zu Gefangenen gemacht. Die Spanier gingen
gegen Baton Rouge vor und begannen nach zwei vergeblichen
Versuchen, die Werke mit Sturm zu nehmen,
eine regelrechte Belagerung. Dickson kapitulierte, und
die Besatzung marschierte mit allen Kriegsehren aus dem
-Fort heraus. Sie zählten über 400, die Belagerer unter
+Fort heraus. Sie zählten über 400, die Belagerer unter
Galvez zwischen 1400 und 2000 Mann. Beinahe die
-Hälfte der kapitulierenden Besatzung waren Waldecker,
+Hälfte der kapitulierenden Besatzung waren Waldecker,
und mehr als 30 waren von dem Regiment gefallen oder
verwundet.</p>
-<p>Die Nachricht von Dicksons Übergabe erreichte
+<p>Die Nachricht von Dicksons Übergabe erreichte
Pensacola am 20. Oktober, wurde aber zuerst mit Unglauben
-aufgenommen. »Ist dies nicht ein verwünschtes
+aufgenommen. »Ist dies nicht ein verwünschtes
<span class="pagenum"><a name="Seite_207" id="Seite_207">[S. 207]</a></span>
-Land, um Krieg darin zu führen,« schreibt der Waldecker
-Kaplan, »wo der grössere Teil des Korps seit fünf Wochen
+Land, um Krieg darin zu führen,« schreibt der Waldecker
+Kaplan, »wo der grössere Teil des Korps seit fünf Wochen
gefangen genommen, 1200 Meilen Landes im Besitz des
Feindes sind, und der kommandierende General weiss es
-noch nicht einmal mit Bestimmtheit.«</p>
+noch nicht einmal mit Bestimmtheit.«</p>
-<p>Im März 1780 rückte ein Teil der Besatzung von
+<p>Im März 1780 rückte ein Teil der Besatzung von
Pensacola zum Entsatz von Mobile aus, kam aber zur
-Rettung dieser Stadt zu spät. Bald nach Rückkehr der
+Rettung dieser Stadt zu spät. Bald nach Rückkehr der
Truppen nach Pensacola kam vor dem Hafen eine
spanische Flotte von 21 Schiffen in Sicht, verschwand
-aber drei Tage später wieder. Die Spanier hatten das
-Land bis zum Pertido River in Besitz, überschritten diesen
-einmal im April, wurden aber von den Indianern zurückgeworfen.
-Indes waren letztere sehr unzuverlässige Hilfstruppen.
+aber drei Tage später wieder. Die Spanier hatten das
+Land bis zum Pertido River in Besitz, überschritten diesen
+einmal im April, wurden aber von den Indianern zurückgeworfen.
+Indes waren letztere sehr unzuverlässige Hilfstruppen.
Der Rest des Jahres 1780 verlief ohne jegliches
Ereignis von Bedeutung in Florida.</p>
<p>Anfang Januar 1781 machte Oberst von Hanxleden
mit 115 Weissen und 300 Choctaws eine Expedition gegen
-French Village. Sie fanden aber einen hartnäckigen
-Widerstand und wurden zurückgeschlagen. Die Zahl der
-Toten und Verwundeten auf englischer Seite war beträchtlich;
+French Village. Sie fanden aber einen hartnäckigen
+Widerstand und wurden zurückgeschlagen. Die Zahl der
+Toten und Verwundeten auf englischer Seite war beträchtlich;
unter den Gefallenen befand sich auch Oberst
-von Hanxleden. Am 9. März erschien eine spanische
-Flotte von 38 Schiffen vor Pensacola, und während der
+von Hanxleden. Am 9. März erschien eine spanische
+Flotte von 38 Schiffen vor Pensacola, und während der
folgenden Nacht wurde ein Truppen-Korps auf der Insel
Santa Rosa ausgeschifft, welche am Eingang des Hafens
liegt. Von da ab nahm die Belagerung des Ortes ihren
-regelmässigen Fortgang. Am 19. lief die Flotte, indem
-sie einen günstigen Wind benutzte, bei den Befestigungswerken
+regelmässigen Fortgang. Am 19. lief die Flotte, indem
+sie einen günstigen Wind benutzte, bei den Befestigungswerken
vorbei, in die Bai ein. Von Zeit zu Zeit erhielten
-die Spanier Verstärkungen. Am 15. April brachte ein
+die Spanier Verstärkungen. Am 15. April brachte ein
Deserteur die Nachricht, dass Galvez 10000 Mann stark
-sei. Der Schreiber des Waldecker Journals erwähnt
-diese Truppenzahl als fünfzehnmal stärker als die in
+sei. Der Schreiber des Waldecker Journals erwähnt
+diese Truppenzahl als fünfzehnmal stärker als die in
Pensacola, woraus man entnehmen kann, dass General
Campbell zwischen 6 und 700 Weisse befehligte. Die
<span class="pagenum"><a name="Seite_208" id="Seite_208">[S. 208]</a></span>
Indianer leisteten, obwohl dem Trunk ergeben, barbarisch
-und undiszipliniert, den Engländern gute Dienste. Schliesslich,
+und undiszipliniert, den Engländern gute Dienste. Schliesslich,
am Morgen des 8. Mai, krepierte eine Bombe in
dem Pulver-Magazin einer der Redouten, durch die viele
pennsylvanische Tories, die das Werk besetzt hielten,
-getötet wurden und eine grosse Verwirrung entstand.
-Hieraufhin verstärkten die Spanier ihr Feuer, und am
+getötet wurden und eine grosse Verwirrung entstand.
+Hieraufhin verstärkten die Spanier ihr Feuer, und am
Nachmittag desselben Tages zog General Campbell die
weisse Flagge auf und ergab sich unter der Bedingung,
dass die ganze Besatzung nach New-York eingeschifft
werden und bis zur Auswechselung nicht mehr gegen
-Spanien oder dessen Verbündete kämpfen sollte. Da zu
-jener Zeit die Vereinigten Staaten nicht mit Spanien verbündet
+Spanien oder dessen Verbündete kämpfen sollte. Da zu
+jener Zeit die Vereinigten Staaten nicht mit Spanien verbündet
waren, so konnten die Waldecker sofort gegen
die Amerikaner Verwendung finden.</p>
@@ -8756,10 +8714,10 @@ die Amerikaner Verwendung finden.</p>
<p>Als Sir Henry Clinton im Dezember 1779 nach
-Charleston segelte, legte er das Kommando über die Besatzung
-von New-York in die Hände des Generallieutenants
-von Knyphausen. Die regulären Truppen in und
-ausserhalb der Stadt bestanden aus etwa 6000 Engländern,
+Charleston segelte, legte er das Kommando über die Besatzung
+von New-York in die Hände des Generallieutenants
+von Knyphausen. Die regulären Truppen in und
+ausserhalb der Stadt bestanden aus etwa 6000 Engländern,
Hessen und Anspachern. Durch Bewaffnung
der Einwohner und Matrosen derjenigen Schiffe, welche
im zugefrorenen Hafen lagen, gelang es Knyphausen,
@@ -8767,237 +8725,237 @@ seine Truppen nahezu zu verdoppeln; die neuen Rekruten
waren immerhin gut genug, um hinter den Befestigungswerken
verwendet zu werden. Washington hingegen befehligte
eine kleine, schlecht verpflegte und unbezahlte
-Armee, die im Frühjahr 1780 kaum 7000 Reguläre stark
-war, und selbst von diesen konnte nur die Hälfte dem
+Armee, die im Frühjahr 1780 kaum 7000 Reguläre stark
+war, und selbst von diesen konnte nur die Hälfte dem
Garnisondienst zur Verwendung im Felde entzogen
werden.
<span class="pagenum"><a name="Seite_209" id="Seite_209">[S. 209]</a></span></p>
-<p>Der Winter war ungewöhnlich kalt. Sowohl der
+<p>Der Winter war ungewöhnlich kalt. Sowohl der
North- und East-River und Long-Island-Sound, als auch
der Kanal zwischen Staten-Island und dem New-Jersey-Ufer
-waren zugefroren. Dies begünstigte Unternehmungen,
-die fortwährend auf beiden Seiten gemacht wurden. Im
+waren zugefroren. Dies begünstigte Unternehmungen,
+die fortwährend auf beiden Seiten gemacht wurden. Im
Januar landete Lord Stirling auf Staten-Island, fand aber
die dortige Besatzung in Bereitschaft und kehrte nach
-New-Jersey mit seinen Leuten zurück, von denen viele
+New-Jersey mit seinen Leuten zurück, von denen viele
durch Erfrieren von Gliedern stark gelitten hatten. Knyphausen
traf Vorbereitungen, durch das Treibeis im Hafen
-hindurch Verstärkungen nach der Insel zu senden.</p>
+hindurch Verstärkungen nach der Insel zu senden.</p>
<p>Ende dieses Monats und anfangs Februar fanden
Unternehmungen gegen Elisabethtown Newark und Youngs
House statt, bei denen die Briten viele Gefangene machten.</p>
<p>Mit dem Jahr 1780 war ein frischer Geist in die
-Kriegführung hineingekommen. Howe und Burgoyne
+Kriegführung hineingekommen. Howe und Burgoyne
hatten gehofft, nicht nur zu erobern, sondern auch zu
-versöhnen. Haus und Eigentum von Nichtkombattanten
+versöhnen. Haus und Eigentum von Nichtkombattanten
war bis zu einem gewissen Grade verschont geblieben.
Clinton und Cornwallis, die nach den Weisungen von
Lord George Germaine verfuhren, gaben diese Politik
-der Versöhnung auf. Expeditionen wurden nur zum
-Zwecke der Plünderung und Verwüstung unternommen.
+der Versöhnung auf. Expeditionen wurden nur zum
+Zwecke der Plünderung und Verwüstung unternommen.
Bei diesen wurden auch die Hessen verwendet. Am
-Abend des 22. März 1780 z. B. wurde eine Abteilung
-von 400 Mann, Briten und Hessen, über den Hudson gesetzt.
-Ungefähr um 3 Uhr morgens erreichten sie Haecensack,
-welches zu damaliger Zeit ein schönes, reiches Dorf
+Abend des 22. März 1780 z. B. wurde eine Abteilung
+von 400 Mann, Briten und Hessen, über den Hudson gesetzt.
+Ungefähr um 3 Uhr morgens erreichten sie Haecensack,
+welches zu damaliger Zeit ein schönes, reiches Dorf
war. Es wurde kein Widerstand geleistet. Nicht ein
amerikanischer Soldat war im Orte, und niemand konnte
-die Barbareien verhindern, welche verübt wurden. Die
-Briten und Hessen brachen in die Häuser ein und beluden
-sich mit Beute. Alle männlichen Einwohner, deren sie
+die Barbareien verhindern, welche verübt wurden. Die
+Briten und Hessen brachen in die Häuser ein und beluden
+sich mit Beute. Alle männlichen Einwohner, deren sie
habhaft werden konnten, wurden gefangen genommen,
und nachdem das Rauben zu Ende war, steckten sie das
-Stadthaus und einige der Haupt-Wohngebäude in Brand.
+Stadthaus und einige der Haupt-Wohngebäude in Brand.
<span class="pagenum"><a name="Seite_210" id="Seite_210">[S. 210]</a></span>
Bei Tagesanbruch kamen 5 oder 600 Amerikaner von
-Pollingtown zu Hilfe, und es hätte den Eindringlingen
-schlecht ergehen können, wenn nicht ein Detachement
-von ungefähr 400 Mann unter dem Parteigänger Emmerich
-zu ihrer Unterstützung herangekommen wäre. Sie wurden
-nach dem Hudson zurückgeworfen. Aus dem Tagebuch
+Pollingtown zu Hilfe, und es hätte den Eindringlingen
+schlecht ergehen können, wenn nicht ein Detachement
+von ungefähr 400 Mann unter dem Parteigänger Emmerich
+zu ihrer Unterstützung herangekommen wäre. Sie wurden
+nach dem Hudson zurückgeworfen. Aus dem Tagebuch
des anspach'schen Musketiers Doehla entnimmt Eelking
-folgende Stelle: »Wir machten beträchtliche Beute an
-Geld, silbernen Uhren, silbernen Tellern und Löffeln,
-Haushalts-Gegenständen, Kleidern, feinem englischen
-Leinen, seidenen Strümpfen, Handschuhen, Halstüchern
+folgende Stelle: »Wir machten beträchtliche Beute an
+Geld, silbernen Uhren, silbernen Tellern und Löffeln,
+Haushalts-Gegenständen, Kleidern, feinem englischen
+Leinen, seidenen Strümpfen, Handschuhen, Halstüchern
und andern wertvollen seidenen Sachen und Stoffen.
-Meine eigene Beute, die ich glücklich zurückbrachte, bestand
+Meine eigene Beute, die ich glücklich zurückbrachte, bestand
in zwei silbernen Uhren, drei Paar silbernen
-Schnallen, einem Paar Frauen-Strümpfen in Wolle, einem
-Paar Strümpfen für Männer, zwei Hemden und vier Vorhemden
-von feinem englischen Leinen, zwei feinen Tischtüchern,
-einem silbernen Löffel und einem Theelöffel, fünf
+Schnallen, einem Paar Frauen-Strümpfen in Wolle, einem
+Paar Strümpfen für Männer, zwei Hemden und vier Vorhemden
+von feinem englischen Leinen, zwei feinen Tischtüchern,
+einem silbernen Löffel und einem Theelöffel, fünf
spanischen Dollars und sechs Yorkschillings an Geld.
-Das andere, nämlich elf Stücke feines Leinen und über
-zwei Dutzend seidene Tücher, sechs silberne Teller und
-ein silberner Trinkbecher, was ich alles in ein Bündel
-zusammengeschnürt hatte, musste ich wegen des eiligen
-Marsches wegwerfen und den nacheilenden Feinden überlassen.«</p>
+Das andere, nämlich elf Stücke feines Leinen und über
+zwei Dutzend seidene Tücher, sechs silberne Teller und
+ein silberner Trinkbecher, was ich alles in ein Bündel
+zusammengeschnürt hatte, musste ich wegen des eiligen
+Marsches wegwerfen und den nacheilenden Feinden überlassen.«</p>
<p>Knyphausen behauptet, den Amerikanern im Laufe
des Winters einen Verlust an 65 Toten und 320 Gefangenen
-zugefügt zu haben. Der beginnende Sommer
-gab Gelegenheit zu wichtigerer Thätigkeit. Am Abend
-des 6. Juni 1780 wurde die erste der fünf Divisionen des
+zugefügt zu haben. Der beginnende Sommer
+gab Gelegenheit zu wichtigerer Thätigkeit. Am Abend
+des 6. Juni 1780 wurde die erste der fünf Divisionen des
britischen Expeditions-Korps auf New-Jersey bei Elizabethtown-Point
gelandet, die vier andern Divisionen folgten
-am nächsten Tage. Diese setzten sich aus beinahe sämtlichen
-regulären Truppen zusammen, die Knyphausen zu
-seiner Verfügung hatte. Die erste und zweite Division
+am nächsten Tage. Diese setzten sich aus beinahe sämtlichen
+regulären Truppen zusammen, die Knyphausen zu
+seiner Verfügung hatte. Die erste und zweite Division
drangen durch Elizabethtown und Connecticut Farms vor,
<span class="pagenum"><a name="Seite_211" id="Seite_211">[S. 211]</a></span>
wo sie ziemlichen Widerstand fanden. Bei letzterem Ort
-machte die Armee Halt, die Jäger wurden gegen Springfield
-vorgeschoben. Zu jener Zeit waren die Jäger nur
+machte die Armee Halt, die Jäger wurden gegen Springfield
+vorgeschoben. Zu jener Zeit waren die Jäger nur
300 Mann stark, da ein Teil des Korps in Charleston
war, ein anderer in Kavallerie, oder besser gesagt berittene
-Jäger umgewandelt worden war. Diese 300 hatten
+Jäger umgewandelt worden war. Diese 300 hatten
an diesem Tage am meisten auszuhalten. Die Amerikaner
fochten mit grosser Ausdauer und griffen wiederholt mit
-dem Bajonnet an. Ungefähr um 1 Uhr bekamen die
-Jäger Unterstützung, und der Feind wurde nach Springfield
-zurückgetrieben. Es begann nun ein heftiges Feuer,
-ungefähr um 4 Uhr nachmittags aber wurden die Jäger
-zurückbeordert in ihre erste Stellung, wo die Armee
-biwakierte. Kaum als die Pickets in einigen Häusern
+dem Bajonnet an. Ungefähr um 1 Uhr bekamen die
+Jäger Unterstützung, und der Feind wurde nach Springfield
+zurückgetrieben. Es begann nun ein heftiges Feuer,
+ungefähr um 4 Uhr nachmittags aber wurden die Jäger
+zurückbeordert in ihre erste Stellung, wo die Armee
+biwakierte. Kaum als die Pickets in einigen Häusern
vor der Front postiert waren, wurden sie angegriffen.
-Die Jäger feuerten und schlugen die Amerikaner eine
-weite Strecke zurück. Die Häuser wurden verbrannt.
-Drei Geschütze wurden in Stellung gebracht, der Feind
-aber erneuerte nicht seinen Angriff. Die Jäger verloren
+Die Jäger feuerten und schlugen die Amerikaner eine
+weite Strecke zurück. Die Häuser wurden verbrannt.
+Drei Geschütze wurden in Stellung gebracht, der Feind
+aber erneuerte nicht seinen Angriff. Die Jäger verloren
an diesem Tage 55 Mann an Toten und Verwundeten.
-Während der Dämmerung brachten Deserteure die Nachricht,
-dass Washington mit seiner Hauptarmee während
-der Nacht in Springfield erwartet würde. Daraufhin
+Während der Dämmerung brachten Deserteure die Nachricht,
+dass Washington mit seiner Hauptarmee während
+der Nacht in Springfield erwartet würde. Daraufhin
brach Knyphausen um 11 Uhr abends auf und kehrte
-nach Elizabethtown Point zurück. Am nächsten Tage
+nach Elizabethtown Point zurück. Am nächsten Tage
griff Lord Stirling mit der amerikanischen Avantgarde
ein englisches Regiment an, dieses wurde aber von zwei
-deutschen Regimentern unterstützt, infolgedessen die
-Amerikaner nach Elizabethtown zurückgeschlagen wurden.
-Im Lauf der nächsten Tage fanden ununterbrochen Scharmützel
-statt. Am 13. machten die berittenen Jäger den
-Versuch, ein amerikanisches Kavallerie-Picket zu überfallen
+deutschen Regimentern unterstützt, infolgedessen die
+Amerikaner nach Elizabethtown zurückgeschlagen wurden.
+Im Lauf der nächsten Tage fanden ununterbrochen Scharmützel
+statt. Am 13. machten die berittenen Jäger den
+Versuch, ein amerikanisches Kavallerie-Picket zu überfallen
und gefangen zu nehmen, ihr Vorhaben wurde aber
-verraten, und das Picket entkam. »Es ist beinahe unmöglich,
-den Feind bei irgend einer Gelegenheit zu überraschen,«
-sagt das Journal des Jäger-Korps, »weil jedes
+verraten, und das Picket entkam. »Es ist beinahe unmöglich,
+den Feind bei irgend einer Gelegenheit zu überraschen,«
+sagt das Journal des Jäger-Korps, »weil jedes
<span class="pagenum"><a name="Seite_212" id="Seite_212">[S. 212]</a></span>
-Haus, in dessen Nähe man kommt, sozusagen ein vorgeschobenes
+Haus, in dessen Nähe man kommt, sozusagen ein vorgeschobenes
Picket ist; denn der Farmer, oder sein Sohn,
oder Knecht, und selbst seine Frau und Tochter schiessen
mit einer Flinte oder benutzen Schleichwege, um das
-Herannahen des Feindes zu melden.«</p>
+Herannahen des Feindes zu melden.«</p>
<p>Am 19. Juni hielt Sir Henry Clinton, der eben von
Charleston mit den hessischen Grenadieren und dem
-Jäger-Detachement, den britischen Grenadieren und der
+Jäger-Detachement, den britischen Grenadieren und der
leichten Infanterie und den Provincial Queens Rangers
-zurückgekehrt war, über Knyphausens Armee Revue ab.
+zurückgekehrt war, über Knyphausens Armee Revue ab.
Es wurden Vorbereitungen zum Vormarsch getroffen, und
-am 23. rückten vier deutsche Regimenter, die Jäger,
-sechs Regimenter Engländer und Tories gegen Springfield
+am 23. rückten vier deutsche Regimenter, die Jäger,
+sechs Regimenter Engländer und Tories gegen Springfield
vor. Eine Zeit lang hielten die Amerikaner die
Stellung bei Connecticut Farms, zogen sich aber bald
-nach dem Schlachtfeld vom 7. zurück, während die englische
-Armee sich auf den Höhen diesseits Springfield
+nach dem Schlachtfeld vom 7. zurück, während die englische
+Armee sich auf den Höhen diesseits Springfield
entwickelte. Der Passaic River lag zwischen den beiden
Stellungen, die Amerikaner unter Major Lee hielten die
-Brücke. Die Hessen durchwateten den Strom angesichts
-eines heftigen Feuers, während ein englisches Regiment
-die Brücke angriff, wodurch Lee bis auf die Höhen jenseits
-der Stadt zurückgeworfen wurde, wo er sich mit
-einem stärkeren Korps vereinigte. Die Stadt Springfield
+Brücke. Die Hessen durchwateten den Strom angesichts
+eines heftigen Feuers, während ein englisches Regiment
+die Brücke angriff, wodurch Lee bis auf die Höhen jenseits
+der Stadt zurückgeworfen wurde, wo er sich mit
+einem stärkeren Korps vereinigte. Die Stadt Springfield
wurde genommen, und jenseits derselben schlugen sich
-die Jäger der Avantgarde eine Stunde lang mit dem
+die Jäger der Avantgarde eine Stunde lang mit dem
Feinde herum. Darauf steckten die Briten die Stadt in
-Brand und zogen sich zurück. Die Jäger bildeten nunmehr
+Brand und zogen sich zurück. Die Jäger bildeten nunmehr
die Arrieregarde und konnten kaum zwischen den
-brennenden Häusern hindurchkommen. Die Amerikaner
-drängten scharf nach und erschwerten ihnen den Rückzug.
-Ungefähr zwei Meilen von Elizabethtown wurden die Jäger
+brennenden Häusern hindurchkommen. Die Amerikaner
+drängten scharf nach und erschwerten ihnen den Rückzug.
+Ungefähr zwei Meilen von Elizabethtown wurden die Jäger
von einem englischen Regiment aufgenommen, und der
-Rückzug wurde bis Elizabethtown Point fortgesetzt. Hier
+Rückzug wurde bis Elizabethtown Point fortgesetzt. Hier
nahmen die Truppen ihre alten Stellungen ein, bekamen
-aber während der Nacht den Befehl, aus dem Lager auf<span class="pagenum"><a name="Seite_213" id="Seite_213">[S. 213]</a></span>zubrechen
-und nach Staten Island überzugehen. Dies
-geschah, und die Schiffbrücke, die am 11. zwischen der
+aber während der Nacht den Befehl, aus dem Lager auf<span class="pagenum"><a name="Seite_213" id="Seite_213">[S. 213]</a></span>zubrechen
+und nach Staten Island überzugehen. Dies
+geschah, und die Schiffbrücke, die am 11. zwischen der
Insel und dem Festlande gebaut war, wurde sofort abgebrochen,
-während ein hessisches Regiment in dem
-Brückenkopf auf dem Jersey-Ufer verblieb, bis diese
-Operation vollendet war. Ungefähr um 3 Uhr morgens
-war die ganze Armee übergegangen. Der Verlust der
-Jäger am Tage vorher war beträchtlich, vierundzwanzig
-Tote und Verwundete bei dem Angriff auf die Brücke
-über den Passaic-River, und wahrscheinlich ebensoviel
-jenseits des Flusses und auf dem Rückzuge.</p>
+während ein hessisches Regiment in dem
+Brückenkopf auf dem Jersey-Ufer verblieb, bis diese
+Operation vollendet war. Ungefähr um 3 Uhr morgens
+war die ganze Armee übergegangen. Der Verlust der
+Jäger am Tage vorher war beträchtlich, vierundzwanzig
+Tote und Verwundete bei dem Angriff auf die Brücke
+über den Passaic-River, und wahrscheinlich ebensoviel
+jenseits des Flusses und auf dem Rückzuge.</p>
<p>Diese Expedition nach Springfield war der letzte
Versuch, den Sir Henry Clinton machte, um Washingtons
-Hauptarmee in New-Jersey anzugreifen. Der übrige Teil
+Hauptarmee in New-Jersey anzugreifen. Der übrige Teil
des Jahres verlief, abgesehen von dem Verrat Arnolds
-und der Hinrichtung von André in den Nordstaaten, ohne
+und der Hinrichtung von André in den Nordstaaten, ohne
besonders wichtige Ereignisse; auch ist in der ersten
-Hälfte des Jahres 1781 kein Zusammenstoss zu verzeichnen,
-welcher als etwas anderes als ein Scharmützel
-gelten könnte.</p>
+Hälfte des Jahres 1781 kein Zusammenstoss zu verzeichnen,
+welcher als etwas anderes als ein Scharmützel
+gelten könnte.</p>
-<p>Am Abend des 2. Juli 1781 war der Parteigänger
+<p>Am Abend des 2. Juli 1781 war der Parteigänger
Emmerich mit hundert Mann nach Philipps House marschiert.
-Während der Nacht hatte Oberstlieutenant von Wurmb
+Während der Nacht hatte Oberstlieutenant von Wurmb
die Meldung bekommen, dass die amerikanische Armee
-auf New-York im Anmarsch wäre, und dass deren Avantgarde
+auf New-York im Anmarsch wäre, und dass deren Avantgarde
bei Sing-Sing beobachtet worden sei. Es wurde
-deshalb ein Oberstlieutenant mit 200 Jägern und 30 Kavalleristen
+deshalb ein Oberstlieutenant mit 200 Jägern und 30 Kavalleristen
bei Morgengrauen abgesandt, um Nachrichten
-zu bringen und den Rückzug Emmerichs zu decken. Der
-Oberstlieutenant ging über Kingsbridge den Harlem Creek
+zu bringen und den Rückzug Emmerichs zu decken. Der
+Oberstlieutenant ging über Kingsbridge den Harlem Creek
entlang, gleichzeitig einen Unteroffizier und 10 Mann mit
dem Auftrag entsendend, die Ruinen des Forts Independence,
welches seine Strasse beherrschte, zu rekognoszieren.
-Beim Erreichen der Höhe, auf welcher das Fort
+Beim Erreichen der Höhe, auf welcher das Fort
erbaut worden war, bemerkte der die Rekognoszierungs-Patrouille
-befehligende Sergeant Rübenkönig in nächster
+befehligende Sergeant Rübenkönig in nächster
<span class="pagenum"><a name="Seite_214" id="Seite_214">[S. 214]</a></span>
-Nähe einige Leute. Nicht im Stande, in der Morgendämmerung
-zu unterscheiden, wer sie wären, ging er
-ihnen allein entgegen und glaubte die blauen Röcke mit
-den strohfarbenen Besätzen des Regiments von Donop,
+Nähe einige Leute. Nicht im Stande, in der Morgendämmerung
+zu unterscheiden, wer sie wären, ging er
+ihnen allein entgegen und glaubte die blauen Röcke mit
+den strohfarbenen Besätzen des Regiments von Donop,
von welchem ein Teil unter Emmerichs Kommando war,
-zu erkennen. Er hätte ihnen beinahe »Guten Morgen«
-gewünscht, als ein halbes Dutzend Leute auf ihn los
+zu erkennen. Er hätte ihnen beinahe »Guten Morgen«
+gewünscht, als ein halbes Dutzend Leute auf ihn los
sprang, ihn bei den Haaren und dem Bandolier seiner
Patronentasche fasste und versuchte, ihn festzuhalten.
-Rübenkönig aber entwand sich ihren Händen und eilte
-unter dem Ruf: »Rebellen, Rebellen!« zu seiner Abteilung.</p>
+Rübenkönig aber entwand sich ihren Händen und eilte
+unter dem Ruf: »Rebellen, Rebellen!« zu seiner Abteilung.</p>
-<p>Die Avantgarde der Jäger befand sich unterdessen
-auf dem Engweg zwischen dem Hügel, auf welchem das
+<p>Die Avantgarde der Jäger befand sich unterdessen
+auf dem Engweg zwischen dem Hügel, auf welchem das
Fort war, und Harlem River. Die Leute hatten ihren
-Rückweg durch einen Morast zu machen. Die Stelle, wo
+Rückweg durch einen Morast zu machen. Die Stelle, wo
die Hauptabteilung aufmarschiert war, war eng und unvorteilhaft.
Der erste Ansturm gegen die Amerikaner
wurde abgeschlagen, wobei die Deutschen in Unordnung
-zurückgingen. Darauf attackierte die Kavallerie ohne
+zurückgingen. Darauf attackierte die Kavallerie ohne
Erfolg, die Amerikaner aber zogen sich nach den Ruinen
-des Forts zurück, wodurch die Jäger Zeit fanden, sich
-in Ordnung und in einer günstigen Stellung zu sammeln.
+des Forts zurück, wodurch die Jäger Zeit fanden, sich
+in Ordnung und in einer günstigen Stellung zu sammeln.
Schliesslich wurden die Amerikaner aus ihrer Stellung
-vertrieben, wohl infolge der Annäherung von Verstärkungen
+vertrieben, wohl infolge der Annäherung von Verstärkungen
auf Seiten der Deutschen, denn Oberstlieutenant von Wurmb
-traf um diese Zeit ein. Sie zogen sich auf eine Höhe
-in einer Entfernung von ungefähr 1000 Yards zurück,
+traf um diese Zeit ein. Sie zogen sich auf eine Höhe
+in einer Entfernung von ungefähr 1000 Yards zurück,
etwa 6-700 Mann stark. Emmerich hatte sich mit seiner
-Abteilung inzwischen über den Spyt den Duyvel Creek
-zurückgezogen, und war, da die Brücke in Händen des
-Feindes war, von den Jägern abgeschnitten worden. Das
+Abteilung inzwischen über den Spyt den Duyvel Creek
+zurückgezogen, und war, da die Brücke in Händen des
+Feindes war, von den Jägern abgeschnitten worden. Das
ganze Korps mit der Kavallerie ging deshalb vor, um
-die Brücke zu nehmen; die Amerikaner zogen sich langsam
-zurück. Wurmb machte hier, nachdem er seinen
-Auftrag soweit ausgeführt, und in dem Glauben, der Feind
+die Brücke zu nehmen; die Amerikaner zogen sich langsam
+zurück. Wurmb machte hier, nachdem er seinen
+Auftrag soweit ausgeführt, und in dem Glauben, der Feind
<span class="pagenum"><a name="Seite_215" id="Seite_215">[S. 215]</a></span>
wollte ihn in einen Hinterhalt locken, mit seinem Detachement
Halt und schickte Meldung an das Hauptquartier.
@@ -9006,47 +8964,47 @@ vor und lagerte auf Valentines Hill in einer Ausdehnung
von Courtlands Reach bis Spyt den Duyvel. Der hessische
Verlust in diesem Gefecht betrug 30 Mann tot und verwundet.</p>
-<p>Am 6. Juli 1781 vereinigte sich die französische
+<p>Am 6. Juli 1781 vereinigte sich die französische
Armee unter Rochambeau mit der von Washington vor
-New-York; länger als einen Monat bestand die Kriegführung
-in Scharmützeln; Sir Henry Clinton machte sich
-nämlich darauf gefasst, in New-York belagert zu werden,
-sobald die französische Flotte von West-Indien ankommen
-würde.</p>
-
-<p>Am 18. August 1781 wurde das Übergehen des
-Feindes über den North-River gemeldet. Doch noch
-immer wurden Clintons Augen nicht geöffnet. Vergebens
-machte Oberstlieutenant von Wurmb von den Jägern, der
+New-York; länger als einen Monat bestand die Kriegführung
+in Scharmützeln; Sir Henry Clinton machte sich
+nämlich darauf gefasst, in New-York belagert zu werden,
+sobald die französische Flotte von West-Indien ankommen
+würde.</p>
+
+<p>Am 18. August 1781 wurde das Übergehen des
+Feindes über den North-River gemeldet. Doch noch
+immer wurden Clintons Augen nicht geöffnet. Vergebens
+machte Oberstlieutenant von Wurmb von den Jägern, der
die Erlaubnis hatte, auf eigene Faust Spione auszuschicken,
den Oberkommandierenden darauf aufmerksam, dass die
vereinigte Armee auf dem Marsche nach Virginia begriffen
sei. Der Oberstlieutenant nahm dies aus zwei
-Gründen an. Der erste war, dass Vorbereitungen getroffen
+Gründen an. Der erste war, dass Vorbereitungen getroffen
wurden, die Amerikaner und Franzosen auf der Strasse
durch New-Jersey mit Lebensmitteln und Fourage zu verproviantieren;
-der zweite, dass der Oberstlieutenant gehört
-hatte, eine Amerikanerin, die Gattin eines höhern
-französischen Offiziers, wäre angewiesen worden, nach
-Trenton zu gehen. General Clinton liess sich nicht überzeugen,
-bis es zu spät war, dieser Bewegung entgegen
+der zweite, dass der Oberstlieutenant gehört
+hatte, eine Amerikanerin, die Gattin eines höhern
+französischen Offiziers, wäre angewiesen worden, nach
+Trenton zu gehen. General Clinton liess sich nicht überzeugen,
+bis es zu spät war, dieser Bewegung entgegen
zu treten.</p>
<p>Selbst nachdem ihm Washingtons Plan klar geworden
-war, war er nicht gewillt, seine ganze verfügbare Streitmacht
+war, war er nicht gewillt, seine ganze verfügbare Streitmacht
wenigstens zu einer Diversion zu Gunsten von
-Lord Cornwallis zu verwenden. Es lässt sich jetzt schwer
+Lord Cornwallis zu verwenden. Es lässt sich jetzt schwer
sagen, ob eine Unternehmung gegen Philadelphia oder
<span class="pagenum"><a name="Seite_216" id="Seite_216">[S. 216]</a></span>
-den Hudson hinauf eine Umkehr der Verbündeten von
-Ihrem Zug nach dem Süden veranlasst haben würde.
-Clinton indessen begnügte sich damit, Vorbereitungen zur
+den Hudson hinauf eine Umkehr der Verbündeten von
+Ihrem Zug nach dem Süden veranlasst haben würde.
+Clinton indessen begnügte sich damit, Vorbereitungen zur
Einschiffung eines Korps nach Yorktown zu treffen, und
ein Detachement unter Benedict Arnold, der kurz vorher
-von Virginia zurückgekehrt war, nach der Küste von
+von Virginia zurückgekehrt war, nach der Küste von
Connecticut zu entsenden. Arnold erreichte an der Spitze
von zwei englischen Regimentern und 100 hessischen
-Jägern am 6. September New-London und stürmte das
+Jägern am 6. September New-London und stürmte das
Fort, dessen kleine Besatzung eine verzweifelte Gegenwehr
machte. Arnold steckte einen Teil der Stadt, die
Magazine und die Schiffe auf dem Stapel in Brand. Die
@@ -9058,91 +9016,91 @@ kommen. Die hessischen Grenadiere und die andern
Truppen waren an Bord der Kriegsschiffe genommen
worden. Am 28. Oktober traf die Flotte am Eingang in
die Chesapeake Bay ein, und erhielt vom Ufer aus die
-Nachricht von der Übergabe Cornwallis. »Diese zweite
-Burgoynade,« schreibt ein hessischer Offizier, »wird jedenfalls
-viel dazu beitragen, den Krieg zu einem unglücklichen
-Ende zu bringen.« Diese Voraussagung hat sich
+Nachricht von der Übergabe Cornwallis. »Diese zweite
+Burgoynade,« schreibt ein hessischer Offizier, »wird jedenfalls
+viel dazu beitragen, den Krieg zu einem unglücklichen
+Ende zu bringen.« Diese Voraussagung hat sich
vom Standpunkt des Offiziers aus bewahrheitet. Doch
-jetzt müssen wir unsere Aufmerksamkeit auf die Ereignisse
-lenken, die zur Katastrophe von Yorktown führten.</p>
+jetzt müssen wir unsere Aufmerksamkeit auf die Ereignisse
+lenken, die zur Katastrophe von Yorktown führten.</p>
<hr class="chap" />
<h2><a name="Kapitel_XXIII" id="Kapitel_XXIII">Kapitel XXIII.</a></h2>
-<h3>Der Feldzug im Süden im Jahre 1781.</h3>
+<h3>Der Feldzug im Süden im Jahre 1781.</h3>
<p>Als Sir Henry Clinton im Juni 1780 von Charleston
absegelte, befanden sich zwei hessische Regimenter bei
-der Besatzung, die er zurückliess; und bald nachher kam
+der Besatzung, die er zurückliess; und bald nachher kam
noch ein drittes Regiment hinzu, welches von Savannah
-dorthin befördert wurde. Einen Bericht über eine Teil<span class="pagenum"><a name="Seite_217" id="Seite_217">[S. 217]</a></span>nahme
+dorthin befördert wurde. Einen Bericht über eine Teil<span class="pagenum"><a name="Seite_217" id="Seite_217">[S. 217]</a></span>nahme
dieser Regimenter an dem Feldzug, den Lord
-Cornwallis in Süd- und Nord-Carolina führte, kann ich
+Cornwallis in Süd- und Nord-Carolina führte, kann ich
nirgends finden. Am 16. August 1780 war die amerikanische
Armee unter General Gates bei Camden vereinigt;
-am 18. überfiel Tarleton eine Truppen-Abteilung
-unter Sumter. Sechs Wochen später hatte sich das Blatt
-durch das glänzende Gefecht bei Kings Mountain gewendet,
-in welchem ungefähr 1400 Hinterwäldler einen
-Berg umzingelten und erstürmten, der von einer gleichen
-Zahl von britischen regulären Truppen und Provincials
-besetzt war; zwei Fünftel davon wurden getötet oder
+am 18. überfiel Tarleton eine Truppen-Abteilung
+unter Sumter. Sechs Wochen später hatte sich das Blatt
+durch das glänzende Gefecht bei Kings Mountain gewendet,
+in welchem ungefähr 1400 Hinterwäldler einen
+Berg umzingelten und erstürmten, der von einer gleichen
+Zahl von britischen regulären Truppen und Provincials
+besetzt war; zwei Fünftel davon wurden getötet oder
verwundet, der Rest gefangen genommen.</p>
<div class="figcenter" style="width: 367px;">
<img src="images/illu-0246.jpg" width="367" height="600" alt="" />
-<span class="caption">LORD CORNWALLIS'S OPERATIONEN IM SÜDEN. 1781.</span>
+<span class="caption">LORD CORNWALLIS'S OPERATIONEN IM SÜDEN. 1781.</span>
</div>
<p>Im Oktober 1780 begab sich General Leslie mit
mehreren englischen Regimentern, dem hessischen Regiment
-von Bose und einem Detachement von 100 Jägern
-von New-York nach den Süd-Staaten. Sie landeten in
+von Bose und einem Detachement von 100 Jägern
+von New-York nach den Süd-Staaten. Sie landeten in
Portsmouth in Virginien, verliessen diesen Ort aber bald
-wieder, um nach Charleston abzurücken, wo sie gegen
+wieder, um nach Charleston abzurücken, wo sie gegen
Ende des Jahres eintrafen.</p>
-<p>Mit diesen Verstärkungen zur Hand, brach Lord
+<p>Mit diesen Verstärkungen zur Hand, brach Lord
Cornwallis von Wynesborough, westlich von Camden, auf
und marschierte gegen General Greene, der auf Washingtons
Wunsch zum Nachfolger von Gates ernannt worden war.
-Die britische Armee war ungefähr 3500 Mann stark.
+Die britische Armee war ungefähr 3500 Mann stark.
Auf die Nachricht, dass Morgan mit einem detachierten
-Korps auf der Südseite des Broad-River stand, beschloss
+Korps auf der Südseite des Broad-River stand, beschloss
Cornwallis, ihn von Greenes Hauptarmee abzuschneiden.
Zu diesem Zwecke detachierte er Oberstlieutenant Tarleton
-mit ungefähr 1000 Mann. Tarleton sollte Morgan in der
-Front angreifen, während Cornwallis sich am linken Ufer
-des Broad-River entlang ziehen und die zurückgehenden
+mit ungefähr 1000 Mann. Tarleton sollte Morgan in der
+Front angreifen, während Cornwallis sich am linken Ufer
+des Broad-River entlang ziehen und die zurückgehenden
Amerikaner gefangen nehmen wollte. Tarleton stiess am
Morgen des 17. Januar 1781 auf Morgan. Ohne die Entwickelung
seiner Truppen abzuwarten, warf sich der tapfere
Kavallerie-Oberst auf den verachteten Feind. Die amerikanische
-Miliz, die die erste Linie bildete, wich zurück.
+Miliz, die die erste Linie bildete, wich zurück.
<span class="pagenum"><a name="Seite_218" id="Seite_218">[S. 218]</a></span>
-Die zweite Linie, hauptsächlich aus Continentals bestehend,
+Die zweite Linie, hauptsächlich aus Continentals bestehend,
blieb stehen. Tarleton gab Befehl, dass seine Reserven
-vorgehen sollten. Die Amerikaner gingen zurück, machten
-aber wieder Front und überschütteten den Gegner mit
+vorgehen sollten. Die Amerikaner gingen zurück, machten
+aber wieder Front und überschütteten den Gegner mit
einem heftigen und wohlgezielten Feuer. Dieser unerwartete
Widerstand brachte die Briten in Unordnung.
Sie schwankten. Zwei Kompagnien Virginia-Miliz machten
einen Bajonnet-Angriff. Die Briten wichen auf allen
-Seiten zurück. Tarleton sammelte ungefähr 50 Reiter
-und brachte für einen Augenblick die Verfolgung zum
-Stehen. Der grösste Teil der britischen Infanterie wurde
+Seiten zurück. Tarleton sammelte ungefähr 50 Reiter
+und brachte für einen Augenblick die Verfolgung zum
+Stehen. Der grösste Teil der britischen Infanterie wurde
gefangen genommen, nur die Kavallerie entkam; und die
-Baggage wurde zerstört. Die Amerikaner machten ungefähr
-500 Gefangene; ungefähr 100 Engländer fielen.
-Der amerikanische Verlust belief sich nicht über 75 Mann.
-Zwei Fahnen, zwei Geschütze, 35 Wagen, 300 Gewehre
-und 100 Pferde fielen in Morgans Hände. Die Geschütze
+Baggage wurde zerstört. Die Amerikaner machten ungefähr
+500 Gefangene; ungefähr 100 Engländer fielen.
+Der amerikanische Verlust belief sich nicht über 75 Mann.
+Zwei Fahnen, zwei Geschütze, 35 Wagen, 300 Gewehre
+und 100 Pferde fielen in Morgans Hände. Die Geschütze
waren bereits vorher genommen worden, einmal von Gates
bei Saratoga und dann von Cornwallis bei Camden.
-Morgans Gefecht, das beinahe in der Wildnis geführt
+Morgans Gefecht, das beinahe in der Wildnis geführt
wurde, ist nach dem Orte Cowpens benannt worden, einem
Orte, wo die Einwohner dieses Landstriches ihr Vieh zusammentrieben
und einsalzten.</p>
@@ -9153,243 +9111,243 @@ nehmen.</p>
<p>Nicht viele, die im Revolutionskriege gedient haben,
haben ihrem Lande bessere Dienste geleistet wie er. Es
-wird eine Geschichte erzählt, dass er sich bei Winchester
+wird eine Geschichte erzählt, dass er sich bei Winchester
in dem Thal von Virginia ein Haus baute, und zwar aus
Steinen, welche die hessischen Gefangenen meilenweit auf
ihren Schultern hergeholt haben sollen. Diese Geschichte
-ist nicht unmöglich, ich habe sie aber in keiner deutschen
-Quelle bestätigt gefunden.</p>
+ist nicht unmöglich, ich habe sie aber in keiner deutschen
+Quelle bestätigt gefunden.</p>
-<p>Cornwallis war enttäuscht, aber nicht mutlos gemacht
-durch die Niederlage seines fähigsten Unterführers und
+<p>Cornwallis war enttäuscht, aber nicht mutlos gemacht
+durch die Niederlage seines fähigsten Unterführers und
<span class="pagenum"><a name="Seite_219" id="Seite_219">[S. 219]</a></span>
beinahe eines Drittels seiner Soldaten. Am Tage nach
dem Gefecht bei Cowpens vereinigte sich Leslies Division
mit ihm. In wenigen Tagen marschierte er durch Nord-Carolina,
-indem sich Greene vor ihm zurückzog. Letzterer
-wurde über die Grenzen des Staates und über den Dan
-River gedrängt. Cornwallis liess an die Tories eine Aufforderung
+indem sich Greene vor ihm zurückzog. Letzterer
+wurde über die Grenzen des Staates und über den Dan
+River gedrängt. Cornwallis liess an die Tories eine Aufforderung
ergehen, sich zu erheben; diese zeigten sich
auch dazu geneigt, eine Abteilung von ihnen wurde aber
-von einer Übermacht unter Henry Lee und Pickens angegriffen
-und zerstreut, während die andern entmutigt
+von einer Übermacht unter Henry Lee und Pickens angegriffen
+und zerstreut, während die andern entmutigt
sich wieder nach Hause begaben.</p>
-<p>Schliesslich erhielt General Greene Verstärkungen,
+<p>Schliesslich erhielt General Greene Verstärkungen,
ging wieder vor bis nach Guildfield Court House in Nord-Carolina
und bereitete sich zur Schlacht vor. Seine Armee
-bestand aus 1651 Continentals und über 2000 Milizen.
-Lord Cornwallis befehligte 1875 Veteranen. Am 15. März
+bestand aus 1651 Continentals und über 2000 Milizen.
+Lord Cornwallis befehligte 1875 Veteranen. Am 15. März
1781 entwickelte Greene seine Armee in drei Linien. Die
vorderste war aus Nord-Carolina-Milizen zusammengesetzt
und in einem Wald hinter einem Gatter aufgestellt. Ein
Teil dieser Linie stand an dem Rande eines ausgerodeten
-Stück Landes. Der linke Flügel derselben hatte als
-Unterstützung eine Abteilung von Schützen unter Oberstlieutenant
+Stück Landes. Der linke Flügel derselben hatte als
+Unterstützung eine Abteilung von Schützen unter Oberstlieutenant
Henry Lee und Oberst Campbell. Greenes
zweite Linie, 300 Yards hinter der ersten, bestand aus
Virginia-Milizen. Sie standen in dichtem Walde. Die
dritte Linie war aus allen Continentals der Armee zusammengesetzt.
-Dieser Streitmacht gegenüber liess Lord
-Cornwallis nach einem Avantgarden-Geplänkel seine Armee
-in zwei Divisionen aufmarschieren. Den linken Flügel
+Dieser Streitmacht gegenüber liess Lord
+Cornwallis nach einem Avantgarden-Geplänkel seine Armee
+in zwei Divisionen aufmarschieren. Den linken Flügel
kommandierte Oberstlieutenant Webster, den rechten
-Brigade-General Leslie. Der rechte Flügel stiess zuerst
-auf die Nord-Carolina-Miliz, die bei dessen Annäherung
-zurückwich. Lee und Campbell mit ihren Schützen hielten
+Brigade-General Leslie. Der rechte Flügel stiess zuerst
+auf die Nord-Carolina-Miliz, die bei dessen Annäherung
+zurückwich. Lee und Campbell mit ihren Schützen hielten
tapfer aus. Die Briten gingen gegen die Virginia-Miliz
-vor. Die Engländer waren nun auf ihrer ganzen Front
+vor. Die Engländer waren nun auf ihrer ganzen Front
engagiert, und die Virginier verteidigten sich so tapfer,
<span class="pagenum"><a name="Seite_220" id="Seite_220">[S. 220]</a></span>
-dass Lord Cornwallis genötigt war, seine Reserven heranzuholen.
+dass Lord Cornwallis genötigt war, seine Reserven heranzuholen.
Die zweite Linie der Amerikaner wurde alsdann
-zurückgedrängt, und die Briten drangen weiter vor gegen
-die Continentals. Hierbei kamen die Engländer in dem
+zurückgedrängt, und die Briten drangen weiter vor gegen
+die Continentals. Hierbei kamen die Engländer in dem
dichten Wald in ziemliche Unordnung. Oberstlieutenant
Webster mit seiner Brigade stiess zuerst auf die Continentals.
-Da er aber zu übereilt vorgegangen war, so
-wurde er zurückgeworfen bis hinter einen Ravin. Das
+Da er aber zu übereilt vorgegangen war, so
+wurde er zurückgeworfen bis hinter einen Ravin. Das
zweite Maryland-Regiment jedoch war durch einen Angriff
des zweiten Bataillons der englischen Garde durchbrochen
-worden; zwei 6-Pfünder wurden genommen. Das erste
+worden; zwei 6-Pfünder wurden genommen. Das erste
Maryland-Regiment und Oberst Washingtons Kavallerie
-attackierten die Garden, warfen sie zurück und nahmen
-die Geschütze wieder. Darauf feuerte Lieutenant Macleod
-von der britischen Artillerie mit zwei 3-Pfündern auf
+attackierten die Garden, warfen sie zurück und nahmen
+die Geschütze wieder. Darauf feuerte Lieutenant Macleod
+von der britischen Artillerie mit zwei 3-Pfündern auf
Freund und Feind. Washingtons Dragoner wurden geworfen.
-Webster ging wieder vor, unterstützt von einem
+Webster ging wieder vor, unterstützt von einem
Teil von Leslies Division, und General Greene trat mit
-seiner Armee den Rückzug an, indem er seine Geschütze,
+seiner Armee den Rückzug an, indem er seine Geschütze,
deren Pferde gefallen waren, im Stich lassen musste.</p>
-<p>Von den Hessen waren ein Jäger-Detachement und
+<p>Von den Hessen waren ein Jäger-Detachement und
das Regiment von Bose an diesem Kampfe beteiligt.
-Dies Regiment stand auf dem rechten Flügel. Es stand
-während des ganzen Gefechts den Schützen unter Lee
-und Campbell gegenüber, die es mit grossem Ungestüm
-in Front und Rücken angriffen. Das Regiment hielt sich
+Dies Regiment stand auf dem rechten Flügel. Es stand
+während des ganzen Gefechts den Schützen unter Lee
+und Campbell gegenüber, die es mit grossem Ungestüm
+in Front und Rücken angriffen. Das Regiment hielt sich
mit grosser Tapferkeit in seiner Stellung, und diente dem
ersten Bataillon der englischen Garde, welches in Unordnung
-hatte zurückgehen müssen, als Aufnahme und
-Rückhalt. Eelking und Bancroft sprechen dem hessischen
+hatte zurückgehen müssen, als Aufnahme und
+Rückhalt. Eelking und Bancroft sprechen dem hessischen
Regiment einen entscheidenden Anteil an dem Siege zu.
Ein so bedeutender Anteil kann ihm kaum zugestanden
-werden, indessen verdienten die Soldaten und ihr Führer
-Oberstlieutenant du Puy vollkommen die ehrenvolle Erwähnung,
+werden, indessen verdienten die Soldaten und ihr Führer
+Oberstlieutenant du Puy vollkommen die ehrenvolle Erwähnung,
die ihnen in dem Tagesbefehl von Lord Cornwallis
zu Teil wurde.
<span class="pagenum"><a name="Seite_221" id="Seite_221">[S. 221]</a></span></p>
-<p>Das ganze Gefecht dauerte ungefähr zwei Stunden.
+<p>Das ganze Gefecht dauerte ungefähr zwei Stunden.
Der ganze Verlust der Briten betrug 532 Mann, von denen
80 auf das Regiment von Bose kamen.</p>
<p>Cornwallis Armee war durch diesen Sieg so zusammengeschmolzen,
-dass er gezwungen war, über die
+dass er gezwungen war, über die
Grenzen Virginiens nach Wilmington zu marschieren, um
ihr eine Rast zu verschaffen; die Schwerverwundeten
-musste er zurücklassen.</p>
+musste er zurücklassen.</p>
-<p>Nachdem sich Lord Cornwallis bis zur Küste zurückgezogen
-hatte, wurde Greene Herr über die Staaten Nord-
-und Süd-Carolina. Vor Mitte September hatten die Amerikaner
+<p>Nachdem sich Lord Cornwallis bis zur Küste zurückgezogen
+hatte, wurde Greene Herr über die Staaten Nord-
+und Süd-Carolina. Vor Mitte September hatten die Amerikaner
drei Schlachten verloren und drei Provinzen gewonnen.
Nacheinander bei Camden, Ninety-six und Eutaw-Springs
-geschlagen, nahm Greene und die Parteigänger,
+geschlagen, nahm Greene und die Parteigänger,
die mit ihm cooperierten, eine Anzahl kleiner Posten
-durch Belagerung oder Sturm, führte die Kapitulation
+durch Belagerung oder Sturm, führte die Kapitulation
von Augusta und den Entsatz von Camden und Ninety-six
herbei. Im Herbst 1781 hatten die Briten von den drei
-südlichsten Staaten nichts mehr im Besitz mit Ausnahme
+südlichsten Staaten nichts mehr im Besitz mit Ausnahme
von Savannah, Charleston und Wilmington.</p>
<p>Am 10. Dezember 1780 segelte Benedict Arnold, der
nunmehr britischer Brigade-General war, an der Spitze
-von ungefähr 600 Mann, einschliesslich 100 hessische
-Jäger unter Kapitain Ewald, von New-York ab. Arnold
+von ungefähr 600 Mann, einschliesslich 100 hessische
+Jäger unter Kapitain Ewald, von New-York ab. Arnold
erreichte den James-River Anfang Januar 1781. Dort
stand ihm nichts als eine kleine Schaar Milizen unter
Baron Steuben entgegen. Arnold steckte die Stadt Richmond
-mit ihren Vorräten an Tabak in Brand und zog
-sich wieder nach Portsmouth an der Mündung des James
-zurück. Nicht lange nachher gaben die Jäger einen neuen
-Beweis ihrer Tapferkeit. Am 19. März 1781 ging General
+mit ihren Vorräten an Tabak in Brand und zog
+sich wieder nach Portsmouth an der Mündung des James
+zurück. Nicht lange nachher gaben die Jäger einen neuen
+Beweis ihrer Tapferkeit. Am 19. März 1781 ging General
Lafayette mit einer Abteilung von etwa 500 Mann gegen
die englische Stellung vor, zersprengte ein Picket von den
-Jägern und nahm es zum Teil gefangen und näherte sich
+Jägern und nahm es zum Teil gefangen und näherte sich
der Stellung, die von Kapitain Ewald besetzt war. Diese
<span class="pagenum"><a name="Seite_222" id="Seite_222">[S. 222]</a></span>
war zuerst von einem Unteroffizier und 16 Mann gehalten
worden. Der Kapitain und 19 Mann nahten eilig zu ihrer
-Unterstützung heran. Die Amerikaner mussten über einen
+Unterstützung heran. Die Amerikaner mussten über einen
schmalen Deich avancieren, der einige 30 Schritte lang
-war, und auf dem sie dicht gedrängt vorgingen. Jeder
+war, und auf dem sie dicht gedrängt vorgingen. Jeder
Schuss musste treffen, sodass neunundzwanzig totgeschossen
-oder verwundet wurden. Die Jäger verloren nur zwei
-Mann, und Lafayette musste sich zurückziehen. »Man
-muss nur bei solchen Gelegenheiten,« sagt Ewald, »die
+oder verwundet wurden. Die Jäger verloren nur zwei
+Mann, und Lafayette musste sich zurückziehen. »Man
+muss nur bei solchen Gelegenheiten,« sagt Ewald, »die
Hacken an den Stiefeln fest in die Erde schrauben und
an kein Weichen denken, dann wird man selten Gegner
-finden, die uns aus solch einer Stellung herauswerfen.«
+finden, die uns aus solch einer Stellung herauswerfen.«
Ewald war in diesem Gefecht am Knie verwundet worden.
Eelking berichtet, dass Arnold nach demselben den Kapitain
-besucht habe. Ewald machte dem General Vorwürfe,
-dass er die Jäger nicht unterstützt hätte. Arnold erwiderte,
-er habe die Stellung für verloren gehalten. »So
-lange noch ein Jäger am Leben ist,« rief der Kapitain
-wütend aus, »soll kein &mdash; Amerikaner über den Deich
-kommen.« Arnold, der sich noch als Amerikaner betrachtete,
-nahm dies übel und zeigte es dadurch, dass er
-es unterliess, das gute Verhalten der Jäger in dem Tagesbefehl
-zu erwähnen. Ewald beklagte sich hierüber bei
+besucht habe. Ewald machte dem General Vorwürfe,
+dass er die Jäger nicht unterstützt hätte. Arnold erwiderte,
+er habe die Stellung für verloren gehalten. »So
+lange noch ein Jäger am Leben ist,« rief der Kapitain
+wütend aus, »soll kein &mdash; Amerikaner über den Deich
+kommen.« Arnold, der sich noch als Amerikaner betrachtete,
+nahm dies übel und zeigte es dadurch, dass er
+es unterliess, das gute Verhalten der Jäger in dem Tagesbefehl
+zu erwähnen. Ewald beklagte sich hierüber bei
Arnolds Adjutanten, worauf der General sich am folgenden
-Tage bei ihm entschuldigte und die Erwähnung nachträglich
+Tage bei ihm entschuldigte und die Erwähnung nachträglich
erfolgen liess. Inzwischen war Lafayette mit
1200 Continentals nach Virginien beordert worden. Der
-junge General brach sofort mit einem Teil seiner Streitkräfte
+junge General brach sofort mit einem Teil seiner Streitkräfte
auf und liess Wayne mit dem Rest folgen. Zehn
-französische Kriegsschiffe sollten mit dem Marquis gemeinsam
-operieren. Diese trafen am 16. März unweit der
+französische Kriegsschiffe sollten mit dem Marquis gemeinsam
+operieren. Diese trafen am 16. März unweit der
Kaps von Virginien auf das englische Geschwader. Nach
-einem Gefecht von zwei Stunden segelte die französische
-Flotte nach Newport zurück, während die englische sich
+einem Gefecht von zwei Stunden segelte die französische
+Flotte nach Newport zurück, während die englische sich
nach der Chesapeake-Bay begab. Die Verteidigung von
-Virginien hatte man ausschliesslich den Landtruppen über<span class="pagenum"><a name="Seite_223" id="Seite_223">[S. 223]</a></span>lassen
-müssen, diese zeigten sich aber dieser Aufgabe
+Virginien hatte man ausschliesslich den Landtruppen über<span class="pagenum"><a name="Seite_223" id="Seite_223">[S. 223]</a></span>lassen
+müssen, diese zeigten sich aber dieser Aufgabe
nicht gewachsen.</p>
-<p>Am 19. März segelte Generalmajor Phillips, derselbe,
+<p>Am 19. März segelte Generalmajor Phillips, derselbe,
welcher bei Saratoga mit Burgoyne zusammen gefangen
genommen worden war, von New-York, um das Kommando
-über die englischen Truppen in Virginien zu übernehmen.
-Er nahm 2000 Mann Verstärkungen mit, und beinahe dieselbe
-Zahl folgte sechs Wochen später. General Phillips
+über die englischen Truppen in Virginien zu übernehmen.
+Er nahm 2000 Mann Verstärkungen mit, und beinahe dieselbe
+Zahl folgte sechs Wochen später. General Phillips
machte bald nach seiner Ankunft einen Vorstoss von
-Portsmouth aus den James River hinauf, plünderte und
+Portsmouth aus den James River hinauf, plünderte und
steckte alles in Brand auf beiden Ufern, liess die Neger
-wegtransportieren und nach West-Indien verschiffen, zerstörte
+wegtransportieren und nach West-Indien verschiffen, zerstörte
unter den Augen von Lafayette, der auf der Nordseite
des Flusses geblieben war, die Magazine und setzte
sich am 9. Mai in den Besitz von Petersburg, wo sich
seine Armee mit der von Lord Cornwallis, die von Wilmington
im Anmarsch war, vereinigen sollte. Vier Tage
-später starb General Phillips an einem heftigen Fieber
-und Arnold hatte wieder die Führung über die Armee.
+später starb General Phillips an einem heftigen Fieber
+und Arnold hatte wieder die Führung über die Armee.
Am 20. jedoch traf Lord Cornwallis in Petersburg ein
-und sandte kurz darauf den Verräter nach New-York
-zurück.</p>
+und sandte kurz darauf den Verräter nach New-York
+zurück.</p>
<p>Cornwallis brach am 24. Mai von Petersburg auf,
-ging 25 Meilen unterhalb Richmond über den James River
+ging 25 Meilen unterhalb Richmond über den James River
und war am 1. Juni bei Cooks Ford am North Anna-River
-in der Nähe von Hanover Court House. Von da schickte
+in der Nähe von Hanover Court House. Von da schickte
er Tarleton nach Charlottesville, wo der Landtag von
Virginien seine Sitzungen abhielt. Tarleton sprengte den
Landtag auseinander und nahm einige der Mitglieder gefangen.
Inzwischen war Simcoe entsandt worden, um
-einige Magazine und Vorräte bei Point of Fork, wo der
-Rivanna-River sich in den James ergiesst, zu zerstören
-resp. in Besitz zu nehmen. Er nahm wahr, dass die Vorräte,
+einige Magazine und Vorräte bei Point of Fork, wo der
+Rivanna-River sich in den James ergiesst, zu zerstören
+resp. in Besitz zu nehmen. Er nahm wahr, dass die Vorräte,
die von General Steuben bewacht wurden, sich auf
-der Südseite des James River befanden. Es gab dort
+der Südseite des James River befanden. Es gab dort
keine Furt, und Simcoe hatte nur einige kleine Boote.
<span class="pagenum"><a name="Seite_224" id="Seite_224">[S. 224]</a></span>
Er nahm deshalb seine Zuflucht zu einer Kriegslist. Indem
er seine 400 Mann, die er halb zeigte, halb verborgen
hielt, in einer langen Linie entwickelte, machte er Steuben
glauben, dass sein Detachement die Avantgarde von Cornwallis
-Hauptarmee wäre. Und Steuben, der sich nicht
-überlegte, dass mit so wenig Kähnen zum Übersetzen eine
-ganze Armee kaum gefährlicher war als ein Detachement,
-zog sich unter Zurücklassung eines Teils seiner Vorräte
-zurück. 24 Mann wurden darauf über den Fluss gesetzt,
-und, während die Hälfte davon die Vorräte zerstörten,
-hielt der Rest Wache, ohne dass sie im mindesten gestört
+Hauptarmee wäre. Und Steuben, der sich nicht
+überlegte, dass mit so wenig Kähnen zum Übersetzen eine
+ganze Armee kaum gefährlicher war als ein Detachement,
+zog sich unter Zurücklassung eines Teils seiner Vorräte
+zurück. 24 Mann wurden darauf über den Fluss gesetzt,
+und, während die Hälfte davon die Vorräte zerstörten,
+hielt der Rest Wache, ohne dass sie im mindesten gestört
wurden.</p>
<p>Lafayette ging nach Norden bis zum Rappahannock
-zurück, wo Wayne ihm Verstärkungen zuführte. Der
-Marquis wandte sich darauf in Eilmärschen nach Süden
+zurück, wo Wayne ihm Verstärkungen zuführte. Der
+Marquis wandte sich darauf in Eilmärschen nach Süden
und Westen und postierte sich zwischen die britische
-Armee und die Vorräte des westlichen Teils des Staates.
+Armee und die Vorräte des westlichen Teils des Staates.
Er war jedoch noch zu schwach, um eine Schlacht wagen
-zu können. Cornwallis unternahm nichts gegen ihn, sondern
-wandte sich am 15. Juni der Küste zu. Dies gab Lafayette
+zu können. Cornwallis unternahm nichts gegen ihn, sondern
+wandte sich am 15. Juni der Küste zu. Dies gab Lafayette
einen unstreitigen Vorteil. Er folgte Cornwallis in respektvoller
Entfernung auf seinem Marsche. Die Armee unter
-Lafayette zählte zu jener Zeit 4500 Mann, von denen nur
-1505 Reguläre waren.</p>
+Lafayette zählte zu jener Zeit 4500 Mann, von denen nur
+1505 Reguläre waren.</p>
-<p>Es fanden auf diesem Rückmarsch nur zwei Gefechte
+<p>Es fanden auf diesem Rückmarsch nur zwei Gefechte
statt; das eine am 26. Juni. Eine Abteilung unter Simcoe
und Ewald, die die Arrieregarde der britischen Armee
bildete, wurde von einem Detachement der Division Wayne
-angegriffen und teilweise überrascht. Die Briten und
+angegriffen und teilweise überrascht. Die Briten und
Hessen hatten gegen Mittag nicht weit von Williamsburg
eine Rast gemacht, als die Amerikaner eine heftige Attacke
auf sie unternahmen. Die Kavallerie jedoch war schnell
-aufgesessen, die Jäger an den Gewehren, und die Amerikaner
-wurden zurückgeschlagen mit einem Verlust von
+aufgesessen, die Jäger an den Gewehren, und die Amerikaner
+wurden zurückgeschlagen mit einem Verlust von
30 oder 40 Mann auf beiden Seiten.</p>
<div class="figcenter" style="width: 548px;">
@@ -9403,47 +9361,47 @@ B. Redoute, von den Amerikanern genommen.</span>
<p>In Williamsburg erhielt Lord Cornwallis den Befehl,
<span class="pagenum"><a name="Seite_225" id="Seite_225">[S. 225]</a></span>
-3000 Mann nach New-York zurückzusenden, welches
+3000 Mann nach New-York zurückzusenden, welches
Clinton durch die vereinigte Armee der Franzosen und
Vereinigten Staaten bedroht glaubte. Um diesen Befehl
-zur Ausführung zu bringen, setzte Cornwallis seinen
+zur Ausführung zu bringen, setzte Cornwallis seinen
Marsch auf Portsmouth fort. Am 4.Juli verliess er
sein Lager bei Williamsburg und marschierte nach Jamestown
-in der Absicht, den James-River zu überschreiten.
-Die Rangers unter Simcoe und die Jäger unter Ewald
-gingen in derselben Nacht über. Ein Teil der Baggage
-wurde am folgenden Tage übergesetzt. Am 6. Juli blieb
+in der Absicht, den James-River zu überschreiten.
+Die Rangers unter Simcoe und die Jäger unter Ewald
+gingen in derselben Nacht über. Ein Teil der Baggage
+wurde am folgenden Tage übergesetzt. Am 6. Juli blieb
Cornwallis mit der Armee in Jamestown, wo der General
die Nachricht erhielt, dass Lafayette im Anmarsch sei,
um ihn anzugreifen. Dies war, was Cornwallis wollte,
-denn er hatte eine günstige Stellung und eine viel grössere
-Zahl von regulären Truppen als Lafayette.</p>
+denn er hatte eine günstige Stellung und eine viel grössere
+Zahl von regulären Truppen als Lafayette.</p>
<p>Am Nachmittag des 6. Juli ging Lafayette vor, war
-aber noch im Unklaren darüber, ob die Hauptarmee von
+aber noch im Unklaren darüber, ob die Hauptarmee von
Lord Cornwallis oder nur seine Arriere-Garde auf dem
-linken Ufer des James wäre. Die Amerikaner gingen
-vorsichtig vor. Wayne griff mit ungefähr 500 Mann an.
-Die britischen Pickets hatten Befehl erhalten, hartnäckigen
-Widerstand zu leisten und sich dann zurückzuziehen. Ermutigt
+linken Ufer des James wäre. Die Amerikaner gingen
+vorsichtig vor. Wayne griff mit ungefähr 500 Mann an.
+Die britischen Pickets hatten Befehl erhalten, hartnäckigen
+Widerstand zu leisten und sich dann zurückzuziehen. Ermutigt
hierdurch, entwickelte Wayne auch den Rest seiner
-Brigade, sodass er mehr als 1000 Mann in Thätigkeit
-gesetzt hatte. Die übrigen Continentals der Armee folgten
+Brigade, sodass er mehr als 1000 Mann in Thätigkeit
+gesetzt hatte. Die übrigen Continentals der Armee folgten
als Reserve. Es schien nunmehr Cornwallis der Augenblick
zum Schlagen gekommen zu sein. Seine Armee
war in zwei Treffen aufmarschiert. Das erste bestand
-aus ungefähr 2500 Mann, das zweite, zu dem das Regiment
-von Bose gehörte, war etwa 1000 Mann stark. Wayne
+aus ungefähr 2500 Mann, das zweite, zu dem das Regiment
+von Bose gehörte, war etwa 1000 Mann stark. Wayne
und Lafayette merkten den Fehler, den sie begangen
-hatten und sahen, dass er am besten durch ein kühnes
-Wagnis wieder gut gemacht werden könnte. Wayne ging
+hatten und sahen, dass er am besten durch ein kühnes
+Wagnis wieder gut gemacht werden könnte. Wayne ging
mit seiner Brigade vor. Dies brachte die Briten zum
-Stehen. Die feindlichen Reihen standen sich nur ungefähr
-70 Yards gegenüber, und unterhielten gegenseitig ein
+Stehen. Die feindlichen Reihen standen sich nur ungefähr
+70 Yards gegenüber, und unterhielten gegenseitig ein
<span class="pagenum"><a name="Seite_226" id="Seite_226">[S. 226]</a></span>
-fünfzehn Minuten langes heftiges Feuer. Da aber nunmehr
+fünfzehn Minuten langes heftiges Feuer. Da aber nunmehr
die Briten anfingen die Amerikaner in der Flanke
-zu fassen, gingen letztere zurück. Zwei Geschütze, die
+zu fassen, gingen letztere zurück. Zwei Geschütze, die
den Braunschweigern bei Bennington abgenommen worden
waren, mussten sie, da die Pferde totgeschossen waren,
im Stich lassen. Der Verlust der Amerikaner wird auf
@@ -9451,136 +9409,136 @@ im Stich lassen. Der Verlust der Amerikaner wird auf
<p>Nachdem Cornwallis in Portsmouth angekommen war,
erhielt er Gegenbefehl und machte mit seiner ganzen Armee
-Halt. Er sollte Old Point Comfort besetzen und verteidigungsfähig
-einrichten, ebenso, wenn er es für ratsam
+Halt. Er sollte Old Point Comfort besetzen und verteidigungsfähig
+einrichten, ebenso, wenn er es für ratsam
hielte, einen andern Ort auf der Halbinsel, der sich als
Marine-Station eignete. Nachdem sich aber die Ingenieure
gegen Old Point Comfort ausgesprochen hatten, besetzte
Cornwallis in der ersten Woche des August Yorktown
-und das gegenüber gelegene kleine Dorf Gloucester. Hier
+und das gegenüber gelegene kleine Dorf Gloucester. Hier
sammelte er schnell seine ganze Streitmacht und machte
sich eilig daran, seine Stellung zur Verteidigung einzurichten,
-während Lafayette sich abwartend verhielt und
+während Lafayette sich abwartend verhielt und
ihn beobachtete.</p>
<p>Gerade zu dieser Zeit war Washington benachrichtigt
-worden, dass die französische Flotte unter Count de Grasse
+worden, dass die französische Flotte unter Count de Grasse
sich anschickte, an den Operationen bei der Chesapeake
Bay Anteil zu nehmen. Schnell und im Geheimen wurden
-Vorbereitungen getroffen, die amerikanische und französische
+Vorbereitungen getroffen, die amerikanische und französische
Armee von New-York nach Virginien zu dirigieren.
Wir haben gesehen, dass bereits am 18. August
nach der City von New-York die Nachricht gekommen
-war, dass die Verbündeten im Begriff wären, den North-River
-zu überschreiten. Aus Mangel an Booten hatte
+war, dass die Verbündeten im Begriff wären, den North-River
+zu überschreiten. Aus Mangel an Booten hatte
diese Operation eine Woche gedauert. Sir Henry Clinton
war aber, obwohl er von Washingtons Plan Kenntnis erhalten
hatte, immer noch in der Idee befangen, als ob
ein Angriff auf Staten Island beabsichtigt sei. Es dauerte
-bis zum 29., bis er über seinen Irrtum aufgeklärt wurde.
-Unter Zurücklassung von 4000 Mann unter General Heath
+bis zum 29., bis er über seinen Irrtum aufgeklärt wurde.
+Unter Zurücklassung von 4000 Mann unter General Heath
<span class="pagenum"><a name="Seite_227" id="Seite_227">[S. 227]</a></span>
zum Schutz des Hochlands, gingen Washington und
-Rochambeau in Eilmärschen gegen Cornwallis vor.</p>
+Rochambeau in Eilmärschen gegen Cornwallis vor.</p>
-<p>Die verbündete Armee, die durch New-Jersey marschierte
+<p>Die verbündete Armee, die durch New-Jersey marschierte
und von der das Schicksal des Krieges abhing,
war sehr schwach. Sie bestand aus 4000 Franzosen und
2000 Amerikanern. Nachdem Philadelphia passiert war,
kam sie am 6. und 8. September 1781 in Head of Elk
an. Der Count de Grasse war bereits mit 24 Schiffen
-in der Chesapeake Bay angekommen; er führte 1700 Geschütze
+in der Chesapeake Bay angekommen; er führte 1700 Geschütze
und 19 000 Seeleute mit sich. Ihm stellte sich
am 5. September Admiral Graves mit einer geringern
-Streitmacht gegenüber. Die Schlacht dauerte zwei Stunden.
-Die Engländer gerieten, obwohl nicht vollkommen geschlagen,
+Streitmacht gegenüber. Die Schlacht dauerte zwei Stunden.
+Die Engländer gerieten, obwohl nicht vollkommen geschlagen,
in einen Zustand, der sie zu jeder weitern
-Unternehmung gegen die Franzosen unfähig machte.
-Nach vier Tagen segelten sie unter Überlassung der
+Unternehmung gegen die Franzosen unfähig machte.
+Nach vier Tagen segelten sie unter Überlassung der
Chesapeake Bay an de Grasse, nach New-York.</p>
<p>Die Franzosen und Amerikaner, die von New-York
gekommen waren, marschierten die Bay hinunter und
vereinigten sich mit dem Korps von Lafayette und den
-französischen Truppen, die de Grasse gebracht hatte.
+französischen Truppen, die de Grasse gebracht hatte.
Die vereinigte Armee bei Williamsburg bestand am
-27. September 1781 aus ungefähr 7000 Franzosen, 5500
+27. September 1781 aus ungefähr 7000 Franzosen, 5500
Continentals und 3500 virginischen Milizen. In den Reihen
der Continentals waren Kompagnien von allen Staaten
-nördlich von Karolina. Die englische Armee in Yorktown
-war etwa 7000 Mann stark. Von diesen gehörten nicht
+nördlich von Karolina. Die englische Armee in Yorktown
+war etwa 7000 Mann stark. Von diesen gehörten nicht
ganz 1100 dem Markgrafen von Anspach-Bayreuth, etwas
mehr als 850 dem Landgrafen von Hessen-Cassel und
-der Rest, etwa 5000 Mann, dem König von Grossbritannien,
-welchem die ganze Armee Gehorsam gelobt hatte. Ungefähr
-800 Seeleute fochten auf jeder Seite während der
-Belagerung. Die französische Flotte befand sich ausser
-Thätigkeit, dagegen waren die englischen Schiffe aktiv
+der Rest, etwa 5000 Mann, dem König von Grossbritannien,
+welchem die ganze Armee Gehorsam gelobt hatte. Ungefähr
+800 Seeleute fochten auf jeder Seite während der
+Belagerung. Die französische Flotte befand sich ausser
+Thätigkeit, dagegen waren die englischen Schiffe aktiv
beteiligt.</p>
<p>Yorktown bot keine starke Stellung; seine Verteidigung
<span class="pagenum"><a name="Seite_228" id="Seite_228">[S. 228]</a></span>
bestand nur aus Feldschanzen. Am 30. September 1781
-gaben die Briten, vielleicht zu frühzeitig, ihre äussere
+gaben die Briten, vielleicht zu frühzeitig, ihre äussere
Verteidigungslinie auf. In der Nacht zum 6. Oktober
-wurde die erste Parallele eröffnet. Am Nachmittag des
+wurde die erste Parallele eröffnet. Am Nachmittag des
9. begann das Feuer aus der Parallele, und von da ab
bis zum Ende der Belagerung dauerte die Kanonade beinahe
ununterbrochen fort.</p>
<p>Das erste Zusammentreffen, das stattfand, war ein
-Scharmützel an der Gloucester-Seite des Flusses, wo
-Simcoes Rangers, Tarletons Dragoner, Ewalds Jäger und
-ein englisches Regiment aufgestellt waren. Ihnen gegenüber
+Scharmützel an der Gloucester-Seite des Flusses, wo
+Simcoes Rangers, Tarletons Dragoner, Ewalds Jäger und
+ein englisches Regiment aufgestellt waren. Ihnen gegenüber
standen mehr als 1000 Franzosen unter Choisy und
de Lauzun und 12 oder 1500 Milizen unter General
Weedon. Tarleton und Simcoe hatten den Gebrauch der
Karabiner bei ihrer Kavallerie verboten, und dies trug
zu ihrer Niederlage bei. Am Morgen des 3. Oktober
war Lauzun gemeldet worden, dass ausserhalb der Werke
-von Gloucester englische Dragoner ständen. Beim Vorgehen
-zu einer Rekognoszierung sah er eine hübsche Frau
-an der Thüre eines Hauses stehen, das am Wege lag.
-Lauzun müsste nicht Lauzun gewesen sein, wenn er vorübergegangen
-wäre, ohne sie anzureden. Sie teilte ihm
-mit, dass Tarleton eben bei ihr im Hause gewesen wäre,
-und den dringenden Wunsch geäussert hätte, »sich die
-Hand mit dem französischen Führer zu reichen«. »Ich
-versicherte ihr,« sagt Lauzun, »dass ich zu dem Zweck
-gekommen wäre, um ihm diese Befriedigung zu gewähren.
+von Gloucester englische Dragoner ständen. Beim Vorgehen
+zu einer Rekognoszierung sah er eine hübsche Frau
+an der Thüre eines Hauses stehen, das am Wege lag.
+Lauzun müsste nicht Lauzun gewesen sein, wenn er vorübergegangen
+wäre, ohne sie anzureden. Sie teilte ihm
+mit, dass Tarleton eben bei ihr im Hause gewesen wäre,
+und den dringenden Wunsch geäussert hätte, »sich die
+Hand mit dem französischen Führer zu reichen«. »Ich
+versicherte ihr,« sagt Lauzun, »dass ich zu dem Zweck
+gekommen wäre, um ihm diese Befriedigung zu gewähren.
Sie bedauerte mich sehr, indem sie, wie ich glaube, aus
-Erfahrung annahm, dass es unmöglich wäre, Tarleton
-Widerstand zu leisten.«</p>
+Erfahrung annahm, dass es unmöglich wäre, Tarleton
+Widerstand zu leisten.«</p>
-<p>Alsbald stiessen die französischen und englischen
+<p>Alsbald stiessen die französischen und englischen
Dragoner aufeinander. Tarleton erhob seine Pistole und
ging auf Lauzun los. Ein Zweikampf sollte beginnen, als
-Tarleton mit dem Pferde stürzte. Englische Dragoner
+Tarleton mit dem Pferde stürzte. Englische Dragoner
halfen ihrem Obersten sich in Sicherheit zu bringen, aber
-sein Pferd fiel Lauzun in die Hände.
+sein Pferd fiel Lauzun in die Hände.
<span class="pagenum"><a name="Seite_229" id="Seite_229">[S. 229]</a></span></p>
<p>Der 10. Oktober hatte eine tapfere That aufzuweisen.
Major Cochrane hatte New-York in einem Walfischboot
-mit Depeschen für Lord Cornwallis verlassen. Er langte
+mit Depeschen für Lord Cornwallis verlassen. Er langte
in der Chesapeake Bay bei hellem Tage an, lief Spiessruthen
-zwischen der französischen Flotte, die ihn lebhaft
-beschoss, und erreichte glücklich Yorktown. Dieser tapfere
-Mann sollte jedoch zum letzten Male solches Glück erlebt
+zwischen der französischen Flotte, die ihn lebhaft
+beschoss, und erreichte glücklich Yorktown. Dieser tapfere
+Mann sollte jedoch zum letzten Male solches Glück erlebt
haben. Zwei Tage nach seiner Ankunft richtete er ein
-Geschütz mit eigener Hand. Als er über die Brustwehr
+Geschütz mit eigener Hand. Als er über die Brustwehr
sah, um die Wirkung seines Schusses zu beobachten,
wurde ihm von einer Kanonenkugel der Kopf weggerissen.
Lord Cornwallis stand dicht an seiner Seite und entging
mit genauer Not demselben Schicksale.</p>
<p>In der Nacht zum 11. Oktober wurde die zweite
-Parallele eröffnet. Zwei Redouten, gegenüber dem rechten
-Flügel der Stellung der Verbündeten, lagen in der Verlängerung
+Parallele eröffnet. Zwei Redouten, gegenüber dem rechten
+Flügel der Stellung der Verbündeten, lagen in der Verlängerung
dieser Parallele. Sie mussten deshalb notgedrungen
-genommen werden. Die grössere sollten die
-Franzosen stürmen; dieselbe war zum Teil mit Deutschen
-besetzt. Die Franzosen unter Befehl von Baron de Vioménil,
+genommen werden. Die grössere sollten die
+Franzosen stürmen; dieselbe war zum Teil mit Deutschen
+besetzt. Die Franzosen unter Befehl von Baron de Vioménil,
wurden entdeckt und auf 120 Schritte mit Feuer
empfangen. Es verging einige Zeit, bis ein Zugang zur
Schanze hergestellt war, und als dieser passiert werden
@@ -9590,37 +9548,37 @@ feindliche Verlust betrug 15 Tote und 50 Gefangene. Die
kleinere Redoute wurde durch die Amerikaner genommen;
sie wurde durch Herstellung eines Zuganges weniger aufgehalten,
daher war ihr Erfolg schneller und mit geringeren
-Opfern erkämpft. 9 Mann von der Kolonne
+Opfern erkämpft. 9 Mann von der Kolonne
fielen, 31 wurden verwundet, darunter 5 Offiziere.</p>
-<p>In der Frühe des 16. Oktober wurde ein Ausfall
+<p>In der Frühe des 16. Oktober wurde ein Ausfall
gegen die zweite Parallele gemacht. Einige Augenblicke
war er von Erfolg, einige Kanonen wurden vernagelt, aber
-die Briten wurden durch den Angriff der französischen
-Grenadiere alsbald wieder zurückgetrieben, und die Kanonen
+die Briten wurden durch den Angriff der französischen
+Grenadiere alsbald wieder zurückgetrieben, und die Kanonen
<span class="pagenum"><a name="Seite_230" id="Seite_230">[S. 230]</a></span>
-in einigen Stunden wieder gebrauchsfähig gemacht. In
+in einigen Stunden wieder gebrauchsfähig gemacht. In
der folgenden Nacht machte Cornwallis den Versuch, seine
-Armee über den York River übersetzen zu lassen in der
+Armee über den York River übersetzen zu lassen in der
Absicht, zu versuchen, nach Virginien zu marschieren.
Heftiger Wind und Regensturm, welcher alle Boote den
Fluss hinuntertrieb, verhinderte ihn jedoch, diesen Plan
-zur Ausführung zu bringen, und die Truppen, welche bereits
-nach Gloucester übergesetzt waren, wurden am
-nächsten Morgen zurückgebracht, so dass die dortige
-Garnison ihre alte Stärke behielt.</p>
+zur Ausführung zu bringen, und die Truppen, welche bereits
+nach Gloucester übergesetzt waren, wurden am
+nächsten Morgen zurückgebracht, so dass die dortige
+Garnison ihre alte Stärke behielt.</p>
<p>Die britische Artillerie war nunmehr vollkommen
zum Schweigen gebracht und Cornwallis sah ein, dass er
-nicht länger aushalten konnte. Am 17. Oktober 1781
-wurden die Verhandlungen eröffnet und am 19. die Kapitulation
+nicht länger aushalten konnte. Am 17. Oktober 1781
+wurden die Verhandlungen eröffnet und am 19. die Kapitulation
unterzeichnet und zwar unter Bedingungen, wie sie
der Hauptsache nach General Lincoln in Charleston im
vergangenen Jahr bewilligt waren. Am Nachmittag desselben
Tages marschierten die Briten und Deutschen mit
-verhüllten Fahnen aus ihren Befestigungswerken, ihre
-Musikkorps den alten englischen Marsch spielend: »The
-World Turned Upside Down.«</p>
+verhüllten Fahnen aus ihren Befestigungswerken, ihre
+Musikkorps den alten englischen Marsch spielend: »The
+World Turned Upside Down.«</p>
@@ -9630,50 +9588,50 @@ World Turned Upside Down.«</p>
<h3>Schluss.</h3>
-<p>Cornwallis Übergabe von Yorktown entschied das
+<p>Cornwallis Übergabe von Yorktown entschied das
Schicksal des Revolutions-Krieges. Die Armeen ruhten
-während des Winters, und im Frühjahr 1782 kehrten die
-Generale Clinton und von Knyphausen nach Europa zurück.
+während des Winters, und im Frühjahr 1782 kehrten die
+Generale Clinton und von Knyphausen nach Europa zurück.
Sir Guy Carleton erhielt das Kommando in New-York,
-General-Lieutenant von Lossberg wurde Führer
+General-Lieutenant von Lossberg wurde Führer
der hessischen Division. Am 14. Dezember 1782 wurde
-Charleston geräumt, und am 25. November 1783, zwei
+Charleston geräumt, und am 25. November 1783, zwei
Jahre nach dem Falle von Yorktown, segelten die letzten
-Hessen die Bai von New-York hinunter. »Ungefähr um
+Hessen die Bai von New-York hinunter. »Ungefähr um
<span class="pagenum"><a name="Seite_231" id="Seite_231">[S. 231]</a></span>
-zwei Uhr nachmittags lichteten wir die Anker,« sagt das
-Journal des Jäger-Korps, »und als die Flotte hinunter
+zwei Uhr nachmittags lichteten wir die Anker,« sagt das
+Journal des Jäger-Korps, »und als die Flotte hinunter
nach Staten Island segelte, sahen wir, wie auf mehreren
-Häusern die amerikanische Flagge gehisst wurde. Keine
+Häusern die amerikanische Flagge gehisst wurde. Keine
war indessen auf Fort George zu sehen. Bei Sonnenuntergang
passierten wir Sandy-Hook, und als die Nacht
-hereinbrach, verschwand das Land vor unsern Augen.«</p>
+hereinbrach, verschwand das Land vor unsern Augen.«</p>
-<p>Die Stärke der deutschen Hilfstruppen, welche England
+<p>Die Stärke der deutschen Hilfstruppen, welche England
in Amerika von 1776-1783 verwendete, belief sich
im Durchschnitt auf nahezu 20 000 Mann. Im Laufe der
-Zeit waren ungefähr 30 000 Soldaten herübergebracht
-worden, und 17 313 kehrten nach Deutschland zurück,
+Zeit waren ungefähr 30 000 Soldaten herübergebracht
+worden, und 17 313 kehrten nach Deutschland zurück,
als der Krieg beendet war.</p>
-<p>Für die Dienste dieser Truppen bezahlte England an
-Subsidien an die Fürsten mehr als 1 770 000 Pfund Sterling.
-Dies kam hinzu zu der Löhnung der Soldaten und zu
-allen Ausgaben, ausgenommen der für die Aushebung und
-Bekleidung und Ausrüstung.</p>
+<p>Für die Dienste dieser Truppen bezahlte England an
+Subsidien an die Fürsten mehr als 1 770 000 Pfund Sterling.
+Dies kam hinzu zu der Löhnung der Soldaten und zu
+allen Ausgaben, ausgenommen der für die Aushebung und
+Bekleidung und Ausrüstung.</p>
-<p>Es kann daher keine Frage sein, dass für eine so
+<p>Es kann daher keine Frage sein, dass für eine so
bedeutende Geldsumme Gross-Britannien ausgezeichnete
Soldaten erhielt. Es ist richtig, dass die Deutschen
-mehrmals mit Unglück gefochten haben, wenn sie allein
+mehrmals mit Unglück gefochten haben, wenn sie allein
und ohne Gemeinschaft mit englischen Truppen dem Feinde
-gegenüber standen. Breymanns Braunschweigern wurde
-es bei Bennington nicht möglich, mit einiger Schnelligkeit
-vorwärts zu kommen, aber die ganze Armee Burgoynes
+gegenüber standen. Breymanns Braunschweigern wurde
+es bei Bennington nicht möglich, mit einiger Schnelligkeit
+vorwärts zu kommen, aber die ganze Armee Burgoynes
war sehr langsam in ihren Bewegungen. Dieser General
-spricht in einem Privatbrief über die Deutschen bei Saratoga
-»als entmutigt und bereit, beim ersten Schuss ihre
-Waffen wegzuwerfen«. Und doch hatten sie im ersten
+spricht in einem Privatbrief über die Deutschen bei Saratoga
+»als entmutigt und bereit, beim ersten Schuss ihre
+Waffen wegzuwerfen«. Und doch hatten sie im ersten
Teil der Kampagne mit Tapferkeit gefochten und hervorragende
Dienste geleistet, sowohl bei Hubbardton als
bei Freemans Farm. Bei Saratoga waren die braunschweigischen
@@ -9682,169 +9640,169 @@ ganzen Linie gewesen. Wenden wir uns nun zu dem
Kriege in den mittleren Staaten, so sehen wir, wie die
<span class="pagenum"><a name="Seite_232" id="Seite_232">[S. 232]</a></span>
Hessen den Hauptanteil haben und mit grosser Tapferkeit
-bei White Plains und Fort Washington kämpfen. Wir
+bei White Plains und Fort Washington kämpfen. Wir
sehen sie, durch den Erfolg zu vertrauensselig gemacht,
-bei Trenton überrascht und bei Red Bank geschlagen.
-Bei der erstem Affaire wurden sie in Unordnung zurückgeworfen,
-ihr Führer getötet, und »die Leute hielten
-nirgends Stand«. Bei der letzteren Gelegenheit fochten
+bei Trenton überrascht und bei Red Bank geschlagen.
+Bei der erstem Affaire wurden sie in Unordnung zurückgeworfen,
+ihr Führer getötet, und »die Leute hielten
+nirgends Stand«. Bei der letzteren Gelegenheit fochten
sie mit Verzweiflung und verloren 371 Offiziere und Leute
-von einer Stärke, die kaum 2500 Mann überstieg. Es
-würde uns zu weit führen, wenn wir genau die Aktionen
+von einer Stärke, die kaum 2500 Mann überstieg. Es
+würde uns zu weit führen, wenn wir genau die Aktionen
betrachten wollten, bei denen die Deutschen nicht den
-Hauptteil der Streitkräfte des Königs ausmachten, aber
-ich glaube, man würde finden, dass nur bei wenigen Gelegenheiten
-während des Feldzuges die hessischen Soldaten
+Hauptteil der Streitkräfte des Königs ausmachten, aber
+ich glaube, man würde finden, dass nur bei wenigen Gelegenheiten
+während des Feldzuges die hessischen Soldaten
Mangel an Mut oder Disziplin zeigten. Eine Schwierigkeit
war unvermeidlich bei dem Gebrauch von Truppen
-verschiedener Nationalitäten. Eifersucht und Feindschaft
+verschiedener Nationalitäten. Eifersucht und Feindschaft
entstand zwischen Offizieren sowohl wie Soldaten. Wir
haben gesehen, dass Heister abberufen wurde, weil er
sich nicht mit Sir William Howe auf guten Fuss stellen
konnte, und wie Riedesel sich durch Burgoyne verletzt
-fühlte. Die Briten wurden obendrein beschuldigt, bei Auswechselung
+fühlte. Die Briten wurden obendrein beschuldigt, bei Auswechselung
der Gefangenen nicht unparteiisch gehandelt
-zu haben; sie hätten ihre eigenen Offiziere ausgewechselt,
-während sie die hessischen Offiziere in Gefangenschaft
-belassen hätten. Riedesel ging so weit, in dieser Angelegenheit
+zu haben; sie hätten ihre eigenen Offiziere ausgewechselt,
+während sie die hessischen Offiziere in Gefangenschaft
+belassen hätten. Riedesel ging so weit, in dieser Angelegenheit
an Washington zu schreiben, wurde aber von
-diesem höflichst darauf aufmerksam gemacht, dass dies
-eine Sache wäre, auf die er keinen Einfluss hätte.</p>
+diesem höflichst darauf aufmerksam gemacht, dass dies
+eine Sache wäre, auf die er keinen Einfluss hätte.</p>
-<p>Wir können mit Bestimmtheit annehmen, dass die
-Eifersucht zwischen den höhern Offizieren von den Untergebenen
+<p>Wir können mit Bestimmtheit annehmen, dass die
+Eifersucht zwischen den höhern Offizieren von den Untergebenen
geteilt wurde. In einem Brief aus Brookland
(Brooklyn), datiert den 7. September 1776, schreibt ein
-hessischer Kaplan: »Unsere lieben Hessen lernten ihr
-schweres Dasein ertragen, und ich bemühte mich in
+hessischer Kaplan: »Unsere lieben Hessen lernten ihr
+schweres Dasein ertragen, und ich bemühte mich in
meinen Gebeten und Predigten sie in ihrem christlichen
<span class="pagenum"><a name="Seite_233" id="Seite_233">[S. 233]</a></span>
-Heldenmut zu bestärken. Die Langsamkeit der englischen
+Heldenmut zu bestärken. Die Langsamkeit der englischen
Generale machte sie unmutig, aber noch mehr die
-stolzen und beleidigenden Blicke, welche die Engländer
-auf die Deutschen warfen. Dies führte oft zu blutigen
-Scenen. Ein Unteroffizier, zu dem ein Engländer bei
-einem gemeinschaftlichen Trunk sagte: »&mdash; &mdash; Du Franzose,
-Du nimmst unsern Sold«, antwortete ruhig: »Ich bin ein
-Deutscher und Du bist ein &mdash;.« Beide zogen blank, und
-der Engländer wurde so schwer verwundet, dass er
+stolzen und beleidigenden Blicke, welche die Engländer
+auf die Deutschen warfen. Dies führte oft zu blutigen
+Scenen. Ein Unteroffizier, zu dem ein Engländer bei
+einem gemeinschaftlichen Trunk sagte: »&mdash; &mdash; Du Franzose,
+Du nimmst unsern Sold«, antwortete ruhig: »Ich bin ein
+Deutscher und Du bist ein &mdash;.« Beide zogen blank, und
+der Engländer wurde so schwer verwundet, dass er
starb. Der gute Deutsche wurde nicht nur durch den englischen
General begnadigt, sondern es wurden auch Befehle
-gegeben, dass die Engländer die Deutschen wie
-Brüder behandeln sollten. Alles dies geschieht, seitdem
+gegeben, dass die Engländer die Deutschen wie
+Brüder behandeln sollten. Alles dies geschieht, seitdem
unsere gelehrigen Deutschen ein wenig Englisch gelernt
haben.</p>
<p>Es darf indessen nicht zu viel Gewicht auf solche
Geschichten gelegt werden, von denen viele zweifellos in
-Amerika während des Krieges Verbreitung fanden. »Es
-ist erstaunlich,« schreibt Ewald viele Jahre später, »was
-für einen Unsinn Deserteure oft erzählten, nur ihren neuen
+Amerika während des Krieges Verbreitung fanden. »Es
+ist erstaunlich,« schreibt Ewald viele Jahre später, »was
+für einen Unsinn Deserteure oft erzählten, nur ihren neuen
Freunden zu Gefallen, um dadurch eine gute Aufnahme
zu erlangen. Nachdem ich in Yorktown in Gefangenschaft
gekommen war und die Bekanntschaft von mehreren
-französischen Offizieren gemacht hatte, fragte mich ein
-französischer General, der damals Chef des Regiments
+französischen Offizieren gemacht hatte, fragte mich ein
+französischer General, der damals Chef des Regiments
de Deux Ponts war, im Vertrauen, ob die Hessen mit
-dem englischen Dienst nicht sehr unzufrieden wären, da
-es doch für sie sehr hart gewesen wäre, immer bei den
+dem englischen Dienst nicht sehr unzufrieden wären, da
+es doch für sie sehr hart gewesen wäre, immer bei den
gewagtesten Unternehmungen verwendet worden zu sein;
-dass sie oft unnötig geopfert wären; dass sie immer die
+dass sie oft unnötig geopfert wären; dass sie immer die
schlechtesten Quartiere und die schlechteste Verpflegung
-bekommen hätten; dass sie ungenügend bezahlt worden
-wären und an allen Dingen Mangel gelitten hätten. Über
+bekommen hätten; dass sie ungenügend bezahlt worden
+wären und an allen Dingen Mangel gelitten hätten. Über
diese Geschichte musste ich lachen und versicherte ihn,
dass kein wahres Wort daran sei, gerade das Gegenteil
sei der Fall gewesen. Dies setzte den General sehr in
<span class="pagenum"><a name="Seite_234" id="Seite_234">[S. 234]</a></span>
-Erstaunen, denn jeder Deserteur hätte ihn versichert, dass
-dies so gewesen wäre.«</p>
+Erstaunen, denn jeder Deserteur hätte ihn versichert, dass
+dies so gewesen wäre.«</p>
<p>Es ist mehrfach behauptet worden, dass die deutschen
Soldaten in Amerika in grosser Zahl desertiert seien.
Diese Behauptung ist nur zum Teil durch Thatsachen
erwiesen worden. In der Zeit, als die ersten Hessen in
-Staten-Island ankamen, liess der Kongress Flugblätter,
+Staten-Island ankamen, liess der Kongress Flugblätter,
die sie zur Desertion aufforderten, unter ihnen verteilen.
Washington betrieb einige Tage nach ihrer Landung sehr
-eifrig die Agitation mit diesen Flugblättern. Die darin
+eifrig die Agitation mit diesen Flugblättern. Die darin
gemachten Versprechungen wurden von Zeit zu Zeit erneuert.
Eine Proklamation, datiert vom 29. April 1778,
-verspricht fünfzig Acker Land jedem Soldaten, der übergeht,
+verspricht fünfzig Acker Land jedem Soldaten, der übergeht,
und jeder Hauptmann, der vierzig Mann mitbringen
-würde, sollte achthundert Acker Wald, vier Ochsen, einen
-Bullen, zwei Kühe und vier Schweine bekommen. Die
+würde, sollte achthundert Acker Wald, vier Ochsen, einen
+Bullen, zwei Kühe und vier Schweine bekommen. Die
Deserteure sollten nicht gezwungen werden, auf amerikanischer
Seite zu fechten, sondern sich sofort an
-die Bebauung ihrer Güter begeben. Diejenigen Offiziere
+die Bebauung ihrer Güter begeben. Diejenigen Offiziere
indessen, die sich in die Armee der Vereinigten Staaten
-einreihen lassen würden, sollten einen Rang höher bekommen
-als den, den sie in ihrer frühern Armee bekleidet
+einreihen lassen würden, sollten einen Rang höher bekommen
+als den, den sie in ihrer frühern Armee bekleidet
hatten, und bei Korps Verwendung finden, die nur
aus Deutschen gebildet und die ausschliesslich zum
-Grenz- und Garnison-Dienst gebraucht würden. Diese
+Grenz- und Garnison-Dienst gebraucht würden. Diese
Versprechungen waren nicht ganz ohne Erfolg. Im August
1778 kamen zwei hessische Lieutenants in das Lager
-Washingtons; sie sprachen die Möglichkeit aus, dass ihnen
-andere Offiziere nachfolgen würden. Dies verwirklichte
+Washingtons; sie sprachen die Möglichkeit aus, dass ihnen
+andere Offiziere nachfolgen würden. Dies verwirklichte
sich jedoch nicht. Ewald behauptet, dass kein anderer
geborener hessischer Offizier desertiert sei, ich habe aber
Grund anzunehmen, dass einige Offiziere der kleineren
-deutschen Staaten übergegangen sind.</p>
+deutschen Staaten übergegangen sind.</p>
<p>Selbst unter den Gemeinen war die Desertion geringer,
-als man erwartet haben mochte. Sie war verhältnismässig
+als man erwartet haben mochte. Sie war verhältnismässig
gross unter den Kriegsgefangenen. Die
<span class="pagenum"><a name="Seite_235" id="Seite_235">[S. 235]</a></span>
Armee, die sich im Oktober 1777 bei Saratoga ergab,
war 5791 Mann stark, von denen 2431 Deutsche waren.
-Von diesen waren bis zum 1. April 1778 655 Engländer
+Von diesen waren bis zum 1. April 1778 655 Engländer
und 160 Deutsche desertiert. Es ist kein Zweifel, dass
fortgesetzt Anstrengungen gemacht wurden, diese und
jene Gefangene zum Desertieren und zur Einreihung in
die amerikanische Armee zu bewegen. Aber Washington
billigte dies durchaus nicht. Am 27. Oktober 1776
-schreibt er an den Präsidenten des Kongresses: »In einem
-Brief von dem »Board of War« inbetreff der Auswechselung
-wird erwähnt, dass mehrere Gefangene, die wir gemacht
-hätten, eingereiht worden wären. Dies ist eine Maassregel,
+schreibt er an den Präsidenten des Kongresses: »In einem
+Brief von dem »Board of War« inbetreff der Auswechselung
+wird erwähnt, dass mehrere Gefangene, die wir gemacht
+hätten, eingereiht worden wären. Dies ist eine Maassregel,
die nicht gutgeheissen werden kann, obwohl auf
feindlicher Seite das Beispiel dazu gegeben worden ist;
-auch halte ich es aus politischen Rücksichten nicht für
-gut. Doch da es nun mal geschehen ist, so überlasse
-ich es dem Kongress, ihnen anzuempfehlen, zurückzukehren
-oder nicht, wie sie es für gut befinden.« Und
+auch halte ich es aus politischen Rücksichten nicht für
+gut. Doch da es nun mal geschehen ist, so überlasse
+ich es dem Kongress, ihnen anzuempfehlen, zurückzukehren
+oder nicht, wie sie es für gut befinden.« Und
noch einmal, am 30., spricht er dem Board of War dieselbe
-Ansicht aus, indem er hinzufügt: »Bevor ich die
-Ehre hatte, mit Ihnen über diese Angelegenheit zu verhandeln,
-war ich entschlossen, dem General Howe darüber
+Ansicht aus, indem er hinzufügt: »Bevor ich die
+Ehre hatte, mit Ihnen über diese Angelegenheit zu verhandeln,
+war ich entschlossen, dem General Howe darüber
Vorstellungen zu machen. Wegen der wenigen Leute,
-die bereits eingereiht sind, möchte ich nicht, dass sie
-wieder entlassen werden, da ich fürchte, dass sie bestraft
-werden, aber ich wünschte, dass diese Praxis in Zukunft
-aufgegeben würde.« In einem Brief vom 8. Oktober desselben
+die bereits eingereiht sind, möchte ich nicht, dass sie
+wieder entlassen werden, da ich fürchte, dass sie bestraft
+werden, aber ich wünschte, dass diese Praxis in Zukunft
+aufgegeben würde.« In einem Brief vom 8. Oktober desselben
Jahres war er noch weiter gegangen, indem er
sagte, dass Handwerker und andere Gefangene, die zu
-bleiben wünschten, sollten veranlasst werden, zurückzukehren.
-Am 12. März 1778 sagt er, dass, wenn Gefangene
-von den Amerikanern eingereiht worden wären, dies ohne
-sein Wissen geschehen wäre. »Wir haben immer gegen
-General Howe die Anklage erhoben und thun es noch,«
-schreibt er, »dass er die Einreihung der in seiner Hand
+bleiben wünschten, sollten veranlasst werden, zurückzukehren.
+Am 12. März 1778 sagt er, dass, wenn Gefangene
+von den Amerikanern eingereiht worden wären, dies ohne
+sein Wissen geschehen wäre. »Wir haben immer gegen
+General Howe die Anklage erhoben und thun es noch,«
+schreibt er, »dass er die Einreihung der in seiner Hand
befindlichen Gefangenen entweder befohlen oder erlaubt
<span class="pagenum"><a name="Seite_236" id="Seite_236">[S. 236]</a></span>
-hätte, eine gesetzwidrige Handlung, die ganz und gar dem
-Geist des Auswechselungsvertrages widerspräche.« Einige
-Tage später beruft er sich Pulaski gegenüber auf den
-Kongress. »Ich habe ihn darauf hingewiesen,« schreibt
-Washington, »dass die Einreihung von Gefangenen oder
-Deserteuren durch einen kürzlichen Kongressbeschluss
-verboten ist. Wie weit der Kongress geneigt sein möchte,
+hätte, eine gesetzwidrige Handlung, die ganz und gar dem
+Geist des Auswechselungsvertrages widerspräche.« Einige
+Tage später beruft er sich Pulaski gegenüber auf den
+Kongress. »Ich habe ihn darauf hingewiesen,« schreibt
+Washington, »dass die Einreihung von Gefangenen oder
+Deserteuren durch einen kürzlichen Kongressbeschluss
+verboten ist. Wie weit der Kongress geneigt sein möchte,
eine Ausnahme zu machen und die Erlaubnis zur Annahme
von Gefangenen in einzelnen detachierten Korps,
in denen solche Leute mit weniger Gefahr als in der
-Linie Verwendung finden könnten, bin ich nicht in der
-Lage auszusprechen.«</p>
+Linie Verwendung finden könnten, bin ich nicht in der
+Lage auszusprechen.«</p>
<p>Es ist wahrscheinlich, dass Pulaski Deserteure angenommen
hat, und es ist Thatsache, dass der sogenannte
@@ -9853,19 +9811,19 @@ es gethan hat. Wiederhold sah, als er in Reading im
Anfang des Jahres 1780 in Gefangenschaft war, zwei
Schwadronen von Armands Korps durch die Stadt
passieren. Er giebt an, dass das Korps 400 Mann stark
-gewesen wäre und vollkommen aus deutschen Deserteuren
-bestanden hätte.</p>
+gewesen wäre und vollkommen aus deutschen Deserteuren
+bestanden hätte.</p>
<p>Am 22. Mai 1778 fasste der Kongress den Beschluss,
die Staaten anzuweisen, alle Deserteure und Gefangenen als
-vom Milizdienst befreit zu erklären und ihnen zu verbieten,
+vom Milizdienst befreit zu erklären und ihnen zu verbieten,
als Stellvertreter in der Miliz zu dienen. Am 29. desselben
Monats soll ein eigenartiger Vorfall im Cambridge
passiert sein. Einige braunschweigische Offiziere fingen
einen Deserteur ab, einen der Gefangenen von Prospect
Hill. Er war im Begriff, sich nach Watertown davon zu
machen, wo Oberst Armand eine Rekrutierungs-Station
-hatte. Der arme Teufel wurde zum Lager zurückbefördert,
+hatte. Der arme Teufel wurde zum Lager zurückbefördert,
und da er der erste war, den man gefangen hatte, so
sollte an ihm ein Exempel statuiert werden. Er wurde
an einen Pfahl angebunden und bekam 300 Peitschenhiebe.
@@ -9873,32 +9831,32 @@ Dann wurde ihm das Haar abgeschnitten und so
stiess man ihn als ehrlos aus der Armee aus. Die
<span class="pagenum"><a name="Seite_237" id="Seite_237">[S. 237]</a></span>
Amerikaner sollen diesem Schauspiel ruhig zugesehen
-haben, sie hätten den Mann freundlich bei sich aufgenommen
-und im Triumph von dannen geführt. Eelking
+haben, sie hätten den Mann freundlich bei sich aufgenommen
+und im Triumph von dannen geführt. Eelking
schenkt dieser Geschichte keinen Glauben, und wir wollen
hoffen, dass sie nicht wahr ist. Jedenfalls erwies sich
die Bestrafung, wenn sie wirklich stattgefunden hat, als
-wenig effektvoll, denn im Laufe der nächsten fünf Monate
-desertierten einige fünfzig Braunschweiger, auch war der
+wenig effektvoll, denn im Laufe der nächsten fünf Monate
+desertierten einige fünfzig Braunschweiger, auch war der
Verlust an Menschen infolge von Desertion auf dem
Marsche nach Virginia sehr bedeutend.</p>
<p>Einige der Desertionen unter den Gefangenen waren
nur scheinbar. Die deutschen Gefangenen verliessen ihre
-traurigen Hütten, auf die sie angewiesen waren, und
+traurigen Hütten, auf die sie angewiesen waren, und
wanderten fort, in der Hoffnung, New-York oder eine
der britischen Armeen zu erreichen. Am 18. Mai 1779
-schreibt Gouverneur Clinton an Washington über »einen
+schreibt Gouverneur Clinton an Washington über »einen
Alarm an der Grenze von Ulster County, der durch das
Erscheinen von etwa 100 Indianern und Tories veranlasst
worden war. Dort vereinigten sie sich mit 27 Tories
vom Ostufer des Hudson-River, meistens hessische Deserteure
-von den Konventions-Truppen. Die plötzliche Versammlung
+von den Konventions-Truppen. Die plötzliche Versammlung
der Miliz schreckte sie vor weiterem Vordringen
-in das Land ab und verhütete, dass sie materiellen Schaden
-anrichteten«. Und im Februar 1781 schrieb General
+in das Land ab und verhütete, dass sie materiellen Schaden
+anrichteten«. Und im Februar 1781 schrieb General
Greene, dass 38 von einem 40 Mann starken Detachement
-von Armands Legion zum Feind übergegangen wären
+von Armands Legion zum Feind übergegangen wären
und dass Baron Steuben sich veranlasst sah, einigen von
ihnen zu befehlen, sich zu ihren Regimentern zu begeben,
die sich in Gefangenschaft in Charlottesville befanden.</p>
@@ -9906,98 +9864,98 @@ die sich in Gefangenschaft in Charlottesville befanden.</p>
<p>Wenn es wahr ist, wie der deutsche Schreiber behauptet,
und wie es wirklich der Fall zu sein scheint,
dass Desertionen unter den Deutschen nicht so oft vorkamen
-als unter den Engländern, so ist der Grund dafür
+als unter den Engländern, so ist der Grund dafür
nicht weit zu suchen. Die Truppen waren meistenteils
in Gegenden verwandt worden, in denen die Einwohner
-kein Deutsch verstanden. Obendrein waren die »Hessen«,
+kein Deutsch verstanden. Obendrein waren die »Hessen«,
<span class="pagenum"><a name="Seite_238" id="Seite_238">[S. 238]</a></span>
wie die Hilfstruppen ohne Unterschied genannt wurden,
-Gegenstand eines eigentümlichen Schreckens unter den
+Gegenstand eines eigentümlichen Schreckens unter den
Eingeborenen. Ihr Name mag vielleicht manchmal bis
auf den heutigen Tag als eine Art Schimpfname in einigen
-Land-Distrikten gehört werden. Der englische Deserteur
+Land-Distrikten gehört werden. Der englische Deserteur
war von dem Moment an, wo er den roten Rock auszog,
nicht zu erkennen. Der Deutsche konnte kein Wort
sprechen, ohne sich zu verraten.</p>
-<p>Weder unter den Engländern noch unter den Deutschen
+<p>Weder unter den Engländern noch unter den Deutschen
war die Desertion so vorwiegend als unter den Amerikanern.
Aber hierbei muss ein grosser Unterschied konstatiert
werden. Der britische oder deutsche Soldat konnte
nur zum Feind desertieren. Der amerikanische Milizsoldat
-kehrte im allgemeinen in seine Heimat zurück. Die revolutionäre
-Miliz glich in vieler Hinsicht mehr den Stämmen
-der schottischen Hochländer in den Bürgerkriegen des
+kehrte im allgemeinen in seine Heimat zurück. Die revolutionäre
+Miliz glich in vieler Hinsicht mehr den Stämmen
+der schottischen Hochländer in den Bürgerkriegen des
siebzehnten und achtzehnten Jahrhunderts als modernen
Soldaten. Sie kamen oder gingen, je nachdem der
Patriotismus oder der Egoismus, der Enthusiasmus oder
Entmutigung bei ihnen die Oberhand gewannen. Oft unerschrocken
im Gefecht, waren sie auch oft die Veranlassung
zu einer Panik, wie alle undisziplinierten Truppen;
-auch waren sie solch zügellose Burschen, dass es in
-gleicher Weise unratsam war für ihre Generale, ihnen zu
-trauen und für ihre Feinde, sie zu verachten.</p>
+auch waren sie solch zügellose Burschen, dass es in
+gleicher Weise unratsam war für ihre Generale, ihnen zu
+trauen und für ihre Feinde, sie zu verachten.</p>
<p>Wir haben gesehen, dass 17313 Deutsche, oder 58%
-von denen, die als Söldner herüber kamen, glücklich nach
-Europa zurückkehrten. Von den 12554, die zurückblieben,
+von denen, die als Söldner herüber kamen, glücklich nach
+Europa zurückkehrten. Von den 12554, die zurückblieben,
ist nur ein kleiner Teil in der Schlacht gefallen oder an
den Wunden gestorben, viele sind Krankheiten erlegen,
-viele desertiert, einige sind in Amerika zurückgeblieben,
+viele desertiert, einige sind in Amerika zurückgeblieben,
nachdem der Friede geschlossen war, mit Einwilligung
-der Behörden. Hessische Offiziere und Gemeine erhielten
+der Behörden. Hessische Offiziere und Gemeine erhielten
Land in Nova Scotia, und der Herzog von Braunschweig
-befahl mit einer Inhumanität, die bezeichnend für ihn ist,
+befahl mit einer Inhumanität, die bezeichnend für ihn ist,
dass nicht nur Soldaten, die sich Verbrechen schuldig
<span class="pagenum"><a name="Seite_239" id="Seite_239">[S. 239]</a></span>
-gemacht oder sich schlecht geführt hatten, sondern auch
-die, die körperlich zum Dienste untauglich waren, in
-Canada zurückgelassen werden sollten.</p>
+gemacht oder sich schlecht geführt hatten, sondern auch
+die, die körperlich zum Dienste untauglich waren, in
+Canada zurückgelassen werden sollten.</p>
<p>Dem Landgraf von Hessen hat es nicht an Leuten
gefehlt, die ihn in Schutz genommen haben. Diese berufen
sich in erster Linie auf die allgemeine Schlechtigkeit
der Amerikaner und auf das Verbrechen, gegen ihren
-König sich zu erheben, unter dessen Herrschaft sie nur
-zu glücklich gewesen wären; zweitens behaupten sie, dass
-das Handeln mit Soldaten den Gebräuchen des letzten
-Jahrhunderts entsprochen hätte, dass das Geld, das der
+König sich zu erheben, unter dessen Herrschaft sie nur
+zu glücklich gewesen wären; zweitens behaupten sie, dass
+das Handeln mit Soldaten den Gebräuchen des letzten
+Jahrhunderts entsprochen hätte, dass das Geld, das der
Landgraf bekommen, im Interesse des Landes und Volkes
-verwandt worden wäre, und dass dieses den Handel gut
-geheissen hätte. Auf die erste Behauptung werde ich
-nur insoweit eingehen, als es nötig ist, ihren Mangel an
-Berechtigung nachzuweisen. Hätte sich der Landgraf an
+verwandt worden wäre, und dass dieses den Handel gut
+geheissen hätte. Auf die erste Behauptung werde ich
+nur insoweit eingehen, als es nötig ist, ihren Mangel an
+Berechtigung nachzuweisen. Hätte sich der Landgraf an
dem Revolutionskrieg nur um seines Zweckes willen beteiligt,
-so würde das Argument betreffend der Schlechtigkeit
+so würde das Argument betreffend der Schlechtigkeit
der Rebellen und des Verbrechens des Aufruhrs
stichhaltig sein. Es verliert aber an Beweiskraft, wenn
-es auf einen Fürsten angewandt wird, der gemäss einer
+es auf einen Fürsten angewandt wird, der gemäss einer
Politik, die in seiner Dynastie erblich war, seine Truppen
dem Meistbietenden ausleiht. In Betreff des zweiten
-Arguments ist es wahr, dass die öffentliche Meinung in
-dem Gebrauch von Söldnern nichts Unmoralisches fand.
+Arguments ist es wahr, dass die öffentliche Meinung in
+dem Gebrauch von Söldnern nichts Unmoralisches fand.
Eine Nation, die in einen grossen Kampf verwickelt ist,
-wird sich sicherlich Hilfe holen dürfen, wo sie sie findet.
-Der einzelne Soldat des Glückes (soldier of fortune) ist
+wird sich sicherlich Hilfe holen dürfen, wo sie sie findet.
+Der einzelne Soldat des Glückes (soldier of fortune) ist
lange mit zu grosser Nachsicht betrachtet worden. Aber
-Soldat des Glückes zu sein zur Stellvertretung, um aus
-seinem Blute Münzen schlagen zu lassen und in Gefahren
+Soldat des Glückes zu sein zur Stellvertretung, um aus
+seinem Blute Münzen schlagen zu lassen und in Gefahren
zu kommen, an denen der, welcher den Vorteil geniesst,
-keinen Anteil nimmt, ist noch nie als eine würdige Beschäftigung
+keinen Anteil nimmt, ist noch nie als eine würdige Beschäftigung
angesehen worden. Und die, welche sagen,
dass das hessische Volk den Handel des Landgrafen guthiess,
verurteilen seine Unterthanen, ohne ihn selbst zu
<span class="pagenum"><a name="Seite_240" id="Seite_240">[S. 240]</a></span>
entschuldigen. Ein besseres Argument wurde von seinem
Gesandten Schlieffen in der nahen Verwandtschaft zwischen
-dem englischen Hof und den Höfen von Hessen und
+dem englischen Hof und den Höfen von Hessen und
Braunschweig gefunden. Die amerikanischen Provinzen
-hätten von einem hessischen Fürsten geerbt werden können.
-Hätten wir deshalb gesehen, dass hessische Soldaten in
-englischem Sold gegen amerikanische Rebellen ohne Geldentschädigung
-an den Landgrafen gekämpft hätten, so
-würde man glauben, dass sie aus politischen Gründen
-hinübergeschickt worden wären. Dies ist aber nicht möglich
+hätten von einem hessischen Fürsten geerbt werden können.
+Hätten wir deshalb gesehen, dass hessische Soldaten in
+englischem Sold gegen amerikanische Rebellen ohne Geldentschädigung
+an den Landgrafen gekämpft hätten, so
+würde man glauben, dass sie aus politischen Gründen
+hinübergeschickt worden wären. Dies ist aber nicht möglich
angesichts der Subsidien. Der Landgraf liess sich in
einen nicht zu rechtfertigenden Handel ein und in dem
Lichte dieses Handels muss er beurteilt werden.</p>
@@ -10014,7 +9972,7 @@ Lichte dieses Handels muss er beurteilt werden.</p>
<p>
-Friedrich Kapp. Der Soldatenhandel deutscher Fürsten
+Friedrich Kapp. Der Soldatenhandel deutscher Fürsten
nach Amerika. Berlin 1864.
</p><p>
Derselbe. Dasselbe. Berlin 1874.
@@ -10034,72 +9992,72 @@ Wilhelm von Steuben. Berlin 1858.
Derselbe. Leben des amerikanischen Generals Johann
Kalb. Stuttgart 1862.
</p><p>
-Max von Eelking. Die deutschen Hülfstruppen im nordamerikanischen
-Befreiungskriege, 1776-1783. Hannover 1863. 2 Bände.
+Max von Eelking. Die deutschen Hülfstruppen im nordamerikanischen
+Befreiungskriege, 1776-1783. Hannover 1863. 2 Bände.
</p><p>
Derselbe. Leben und Wirken des Herzoglich Braunschweig'schen
Generallieutenants Friedrich Adolf
-von Riedesel. Leipzig 1856. 3 Bände.
+von Riedesel. Leipzig 1856. 3 Bände.
</p><p>
Generalin von Riedesel. Die Berufsreise nach Amerika.
Berlin 1801.
</p><p>
Christian Leiste. Beschreibung des britischen Amerika
-zur Ersparung der englischen Karten. Wolfenbüttel 1778.
+zur Ersparung der englischen Karten. Wolfenbüttel 1778.
<span class="pagenum"><a name="Seite_242" id="Seite_242">[S. 242]</a></span>
</p><p>
F. B. Melsheimer. Tagebuch von der Reise der braunschweig'schen
-Auxiliar-Truppen von Wolfenbüttel
+Auxiliar-Truppen von Wolfenbüttel
nach Quebec. Minden 1776.
</p><p>
Derselbe. Erste Fortsetzung.
</p><p>
-J. von Ewald. Belehrungen über den Krieg, besonders
-über den kleinen Krieg, durch Beispiele grosser
-Helden und kluger und tapferer Männer. Schleswig 1798.
+J. von Ewald. Belehrungen über den Krieg, besonders
+über den kleinen Krieg, durch Beispiele grosser
+Helden und kluger und tapferer Männer. Schleswig 1798.
</p><p>
Erste Folge derselben. Schleswig 1800.
</p><p>
Zweite und letzte Folge derselben. Schleswig 1803.
</p><p>
-Briefe eines Reisenden über den gegenwärtigen Zustand
+Briefe eines Reisenden über den gegenwärtigen Zustand
von Kassel mit aller Freiheit geschildert. Frankfurt
und Leipzig 1781.
</p><p>
-Hochfürstlich Hessen-Casselischer Staats- und Adresskalender
+Hochfürstlich Hessen-Casselischer Staats- und Adresskalender
auf das Jahr Christi 1779. Kassel.
</p><p>
Karl Biedermann. Deutschland im 18. Jahrhundert.
Band I. Deutschlands politische, materielle und
-soziale Zustände im 18. Jahrhundert. Leipzig 1880.
+soziale Zustände im 18. Jahrhundert. Leipzig 1880.
</p><p>
-Ferdinand Pfister. Der nordamerikanische Unabhängigkeits-Krieg.
+Ferdinand Pfister. Der nordamerikanische Unabhängigkeits-Krieg.
Kassel 1864.
</p><p>
Friedrich II. und die neuere Geschichtsschreibung. &mdash; Ein
-Beitrag zur Widerlegung der Märchen über angeblichen
-Soldaten-Handel hessischer Fürsten. Zweite,
+Beitrag zur Widerlegung der Märchen über angeblichen
+Soldaten-Handel hessischer Fürsten. Zweite,
mit einer Beleuchtung Seumes vermehrte Auflage.
Melsungen 1879.
</p><p>
-J. G. Seume. Sämtliche Werke. Leipzig 1835. (Mein Leben.)
+J. G. Seume. Sämtliche Werke. Leipzig 1835. (Mein Leben.)
</p><p>
Derselbe. Aufsatz in J. W. von Archenholtz's Neue Litteratur
-und Völkerkunde. Für das Jahr 1789. Zweiter
+und Völkerkunde. Für das Jahr 1789. Zweiter
Band. (Hallifax 1782.) (Schreiben aus Amerika
nach Deutschland.)
</p><p>
-August Ludwig Schlözers etc. Briefwechsel meist historischen
-und politischen Inhalts. Göttingen 1780 bis 1782.
+August Ludwig Schlözers etc. Briefwechsel meist historischen
+und politischen Inhalts. Göttingen 1780 bis 1782.
</p><p>
-Derselbe. Staats-Anzeigen. 18 Bände.
+Derselbe. Staats-Anzeigen. 18 Bände.
</p><p>
<span class="pagenum"><a name="Seite_243" id="Seite_243">[S. 243]</a></span>
Die neuesten Staatsbegebenheiten mit historischen und
politischen Anmerkungen. Frankfurt am Mayn und
-Mainz 1775. 1776. 1777. 3 Bände.
+Mainz 1775. 1776. 1777. 3 Bände.
</p><p>
Karl Heinrich Ritter von Lang. Geschichte des vorletzten
Markgrafen von Brandenburg-Anspach. Anspach 1848.
@@ -10107,34 +10065,34 @@ Markgrafen von Brandenburg-Anspach. Anspach 1848.
J. B. Fischer. Geschichte von Anspach und Onolzbach.
Anspach 1786.
</p><p>
-Reglement für die hessische Infanterie. Kassel 1776.
+Reglement für die hessische Infanterie. Kassel 1776.
</p><p>
-Von den Hessen in Amerika, ihren Fürsten etc. 1782.
+Von den Hessen in Amerika, ihren Fürsten etc. 1782.
(Soll von Schlieffen verfasst sein.)
</p>
<h4>Manuskripte.</h4>
-<h5>(Von Originalen oder Abschriften in der Königlichen Landesbibliothek
+<h5>(Von Originalen oder Abschriften in der Königlichen Landesbibliothek
in Kassel.)</h5>
<table border="0" cellpadding="4" cellspacing="0" summary="Manuskripte Landesbibliothek Kassel">
-<tr><td valign="top" align="left">1.</td><td align="left">Journal von dem Hochlöbl. Hessischen Grenadier-olim-Bataillon von Minnigerode, modo von Loewenstein vom 20. Januarii 1776 bis 17. Mai 1784.</td></tr>
-<tr><td valign="top" align="left">2.</td><td align="left">Journal Hochfürstlichen Hessischen Grenadier-Bataillon Platte. Vom 16. Februar 1776 bis 24. Mai 1784. Geführt durch den Regiments-Quartiermeister Carl Bauer.</td></tr>
-<tr><td valign="top" align="left">3.</td><td align="left">Journal des Hochlöblichen Füsilier-Regimentes von Alt-Lossberg. Geführt durch den Regiments-Quartier-Meister Heusser vom Ausmarsch aus der Garnison Rinteln an bis zur Rückkunft des gedachten Hochlöblichen Regiments aus Amerika vom 10. Merz 1776 bis den 5. Oktober 1783.</td></tr>
-<tr><td valign="top" align="left">4.</td><td align="left">Geschichte von dem Hochlöblichen Füsilier-Regiment von Lossberg in Form eines Tagebuchs, angefangen 1776-1783 (von Adjutant Piel).</td></tr>
-<tr><td valign="top" align="left">5.</td><td align="left">Journal vom Löblichen Garnisons-Regiment von Huyn, nachher von Benning, de ao. 1776 bis medio November 1783, geführt durch mich, den Regiments-Quartiermeister G. Kleinschmidt. <span class="pagenum"><a name="Seite_244" id="Seite_244">[S. 244]</a></span></td></tr>
-<tr><td valign="top" align="left">6.</td><td align="left">Journal, geführt bei dem Hochlöblich Hessischen Feld-Jäger-Corps während denen Campagnen der Königl. Grossbrittanischen Armee in North-Amerika. Angefangen den 23. Juli 1777, von dem Tage wo der Oberstlieutenant Ludwig Johann Adolf von Wurmb das Commando über das Corps übernahm und geendigt den 20. April 1784, bei der erfolgten retour derer sämtlich Hochfürstlich Hessischen Truppen aus Amerika.</td></tr>
+<tr><td valign="top" align="left">1.</td><td align="left">Journal von dem Hochlöbl. Hessischen Grenadier-olim-Bataillon von Minnigerode, modo von Loewenstein vom 20. Januarii 1776 bis 17. Mai 1784.</td></tr>
+<tr><td valign="top" align="left">2.</td><td align="left">Journal Hochfürstlichen Hessischen Grenadier-Bataillon Platte. Vom 16. Februar 1776 bis 24. Mai 1784. Geführt durch den Regiments-Quartiermeister Carl Bauer.</td></tr>
+<tr><td valign="top" align="left">3.</td><td align="left">Journal des Hochlöblichen Füsilier-Regimentes von Alt-Lossberg. Geführt durch den Regiments-Quartier-Meister Heusser vom Ausmarsch aus der Garnison Rinteln an bis zur Rückkunft des gedachten Hochlöblichen Regiments aus Amerika vom 10. Merz 1776 bis den 5. Oktober 1783.</td></tr>
+<tr><td valign="top" align="left">4.</td><td align="left">Geschichte von dem Hochlöblichen Füsilier-Regiment von Lossberg in Form eines Tagebuchs, angefangen 1776-1783 (von Adjutant Piel).</td></tr>
+<tr><td valign="top" align="left">5.</td><td align="left">Journal vom Löblichen Garnisons-Regiment von Huyn, nachher von Benning, de ao. 1776 bis medio November 1783, geführt durch mich, den Regiments-Quartiermeister G. Kleinschmidt. <span class="pagenum"><a name="Seite_244" id="Seite_244">[S. 244]</a></span></td></tr>
+<tr><td valign="top" align="left">6.</td><td align="left">Journal, geführt bei dem Hochlöblich Hessischen Feld-Jäger-Corps während denen Campagnen der Königl. Grossbrittanischen Armee in North-Amerika. Angefangen den 23. Juli 1777, von dem Tage wo der Oberstlieutenant Ludwig Johann Adolf von Wurmb das Commando über das Corps übernahm und geendigt den 20. April 1784, bei der erfolgten retour derer sämtlich Hochfürstlich Hessischen Truppen aus Amerika.</td></tr>
<tr><td valign="top" align="left">7.</td><td align="left">Tagebuch des Hauptmannes Wiederhold von 1776-80.</td></tr>
-<tr><td valign="top" align="left">8.</td><td align="left">Journal von dem Hochfürstl. Hessischen Hlöbl. Infanterie-Regiment von Trümbach, modo General-Lieutenant von Bose, seines in ao. 1776 aus Hessen nach Amerika gethanen Ausmarsches, und in ao. 1783 wieder gehabten Einmarsches zur Garnison Hofgeismar.</td></tr>
-<tr><td valign="top" align="left">9.</td><td align="left">Journal von dem Hochfürstlich Hessischen, des General-Major von Knoblauch Löbl. Garnisons-Regiment, seit dem Amerikanischen Krieg, von anno 1776 bis Ende 1783.</td></tr>
+<tr><td valign="top" align="left">8.</td><td align="left">Journal von dem Hochfürstl. Hessischen Hlöbl. Infanterie-Regiment von Trümbach, modo General-Lieutenant von Bose, seines in ao. 1776 aus Hessen nach Amerika gethanen Ausmarsches, und in ao. 1783 wieder gehabten Einmarsches zur Garnison Hofgeismar.</td></tr>
+<tr><td valign="top" align="left">9.</td><td align="left">Journal von dem Hochfürstlich Hessischen, des General-Major von Knoblauch Löbl. Garnisons-Regiment, seit dem Amerikanischen Krieg, von anno 1776 bis Ende 1783.</td></tr>
<tr><td valign="top" align="left">10.</td><td align="left">Briefe des General-Majors von Riedesel. Tagebuch vom Capit. Pausch.</td></tr>
</table>
-<h5>(Aus der Bibliothek Seiner Hoheit des Fürsten von Waldeck.)</h5>
+<h5>(Aus der Bibliothek Seiner Hoheit des Fürsten von Waldeck.)</h5>
<div class="left">
<table border="0" cellpadding="4" cellspacing="0" summary="Manuskripte Bibliothek Waldeck" width="100%">
@@ -10155,42 +10113,42 @@ in Kassel.)</h5>
<h3><a name="B_Die_hessischen_Regimenter_und_ihre_Namen" id="B_Die_hessischen_Regimenter_und_ihre_Namen">B. Die hessischen Regimenter und ihre Namen.</a></h3>
-<p>Der Landgraf von Hessen-Kassel schickte fünfzehn
+<p>Der Landgraf von Hessen-Kassel schickte fünfzehn
seiner Regimenter nach Amerika. Jedes Regiment bestand
-aus 650 Offizieren und Leuten in fünf Kompagnien.
+aus 650 Offizieren und Leuten in fünf Kompagnien.
<span class="pagenum"><a name="Seite_245" id="Seite_245">[S. 245]</a></span>
-Vierzehn von diesen fünfzehn Regimentern hatten je eine
-Grenadier-Kompagnie abgeben müssen, und diese vierzehn
+Vierzehn von diesen fünfzehn Regimentern hatten je eine
+Grenadier-Kompagnie abgeben müssen, und diese vierzehn
Kompagnien mit noch zweien von des Landgrafen Leib-Garde
-waren zu vier Grenadier-Bataillonen zu 524 Köpfen
-formiert worden. Ein Jäger-Korps, ursprünglich aus zwei
+waren zu vier Grenadier-Bataillonen zu 524 Köpfen
+formiert worden. Ein Jäger-Korps, ursprünglich aus zwei
Kompagnien bestehend, begleitete die Armee. 1777 wurde
-es nominell auf 1067 Köpfe vermehrt, aber ich glaube,
-in Wirklichkeit hat die Effektivstärke nie mehr wie sechs-
+es nominell auf 1067 Köpfe vermehrt, aber ich glaube,
+in Wirklichkeit hat die Effektivstärke nie mehr wie sechs-
oder siebenhundert betragen. Drei Kompagnien Artillerie,
-588 Köpfe stark, wurden formiert, so dass die hessische
+588 Köpfe stark, wurden formiert, so dass die hessische
Streitmacht aus 15 Infanterie-Regimentern, 4 Bataillonen
-Grenadieren, 1 Jäger-Korps und 3 Kompagnien Artillerie
+Grenadieren, 1 Jäger-Korps und 3 Kompagnien Artillerie
bestand. Kavallerie war nicht vorhanden, aber von den
-Jägern waren einige beritten.</p>
+Jägern waren einige beritten.</p>
-<p>Ein hessisches Regiment wurde gewöhnlich nach
-seinem »Chef« benannt. Dieser »Chef« war manchmal
+<p>Ein hessisches Regiment wurde gewöhnlich nach
+seinem »Chef« benannt. Dieser »Chef« war manchmal
der Oberst des Regiments, aber meistens war es ein Prinz
-oder höherer Offizier. Da die »Chefs« öfters wechselten
+oder höherer Offizier. Da die »Chefs« öfters wechselten
oder versetzt wurden, so ist oft schwer, die Regimenter
auseinanderzuhalten. Die Grenadier-Bataillone wurden
nach ihren Oberstlieutenants benannt. Die folgende Liste
der Regimenter und Bataillone, die in Amerika gedient
-haben, und die Änderung in ihren Namen, ist zum Teil
+haben, und die Änderung in ihren Namen, ist zum Teil
einer Liste entnommen, die dem Wiederhold'schen Tagebuch
-in der Bibliothek in Kassel beigefügt ist. Ich glaube,
+in der Bibliothek in Kassel beigefügt ist. Ich glaube,
dass sie im allgemeinen korrekt ist. Ich habe die Namen
der Haupt-Schlachten und Expeditionen, an denen die
einzelnen Regimenter und Bataillone teilgenommen haben,
-hinzugefügt. (Die Regimenter, die mit von Heister herübergekommen
-sind, sind mit »I. Div.«, die, welche mit
-von Knyphausen kamen, mit »II. Div.« bezeichnet.)</p>
+hinzugefügt. (Die Regimenter, die mit von Heister herübergekommen
+sind, sind mit »I. Div.«, die, welche mit
+von Knyphausen kamen, mit »II. Div.« bezeichnet.)</p>
<p>
Gren.-Bat. von Linsingen. (I. Div. &mdash; Long-Island,
@@ -10223,24 +10181,24 @@ Regiment von Ditfurth. (I. Div. &mdash; Newport, Charleston.)
Regiment von Donop. (I. Div. &mdash; Long-Island, Fort
Washington, Brandywine, Germantown, Springfield.)
</p><p>
-Füsilier-Regiment von Lossberg (auch von Alt-Lossberg).
+Füsilier-Regiment von Lossberg (auch von Alt-Lossberg).
(I. Div. &mdash; Long-Island, Chatterton Hill, Fort Washington,
Trenton, Brandywine.)
</p><p>
-Füsilier-Regiment von Knyphausen. (Wie vorstehend.)
+Füsilier-Regiment von Knyphausen. (Wie vorstehend.)
</p><p>
Grenadier-Regiment Rall; 1777 von Woellwarth; 1778
-von Trümbach; 1779 d'Angelelli. (I. Div. &mdash; Long-Island,
+von Trümbach; 1779 d'Angelelli. (I. Div. &mdash; Long-Island,
Chatterton Hill, Fort Washington, Trenton,
Brandywine, Savannah.)
</p>
-<p>Was von den drei letztgenannten nach Trenton übrig
-geblieben war, bildete das »Combinierte Bataillon« in
+<p>Was von den drei letztgenannten nach Trenton übrig
+geblieben war, bildete das »Combinierte Bataillon« in
der Kampagne von 1777. Im Dezember desselben Jahres
wurden zwei Bataillone unter den Obersten von Loos
und von Woellwarth formiert. Die drei Regimenter
-nahmen später ihre alte Formation wieder an; die beiden
+nahmen später ihre alte Formation wieder an; die beiden
ersteren aber erlitten durch Sturm und an Gefangenen im
September 1779 starke Verluste.</p>
@@ -10248,7 +10206,7 @@ September 1779 starke Verluste.</p>
Regiment von Mirbach; 1780 von Jung-Lossberg. (I. Div. &mdash;
Long-Island, Fort Washington, Brandywine, Redbank.)
</p><p>
-Regiment von Trümbach; 1778 von Bose. (I. Div. &mdash;
+Regiment von Trümbach; 1778 von Bose. (I. Div. &mdash;
Fort Clinton, Springfield, Guildford Court-House,
Green-Spring, Yorktown.)
@@ -10262,14 +10220,14 @@ Garnisons-Regiment von Wissenbach; 1780 von Knoblauch.
Garnisons-Regiment von Huyn; 1780 von Benning.
(II. Div. &mdash; Fort Washington, Newport, Charleston.)
</p><p>
-Garnisons-Regiment von Bünau. (II. Div. &mdash; Fort Washington,
+Garnisons-Regiment von Bünau. (II. Div. &mdash; Fort Washington,
Newport, Springfield.)
</p><p>
-Feld-Jäger-Korps. (Detachements von diesem Korps
+Feld-Jäger-Korps. (Detachements von diesem Korps
waren fast bei jeder Operation beteiligt.)
</p>
-<p>(Die oben erwähnten Regimenter gehörten zu Hessen-Kassel.)</p>
+<p>(Die oben erwähnten Regimenter gehörten zu Hessen-Kassel.)</p>
<p>Der von Howe und Clinton kommandierten Armee
waren ausserdem noch folgende deutsche Regimenter zugeteilt:</p>
@@ -10283,13 +10241,13 @@ Yorktown.)
Regiment Bayreuth. (Philadelphia, Newport, Yorktown.)
</p>
-<p>(Die beiden zuletzt erwähnten wurden im allgemeinen
+<p>(Die beiden zuletzt erwähnten wurden im allgemeinen
die beiden Anspach'schen Regimenter genannt. Die
-Anspach'schen Jäger bildeten einen Teil des Hessischen
-Jäger-Korps.)</p>
+Anspach'schen Jäger bildeten einen Teil des Hessischen
+Jäger-Korps.)</p>
<p>Das Braunschweig'sche Kontingent, welches in Canada
-und im nördlichen New-York diente, war zusammengesetzt
+und im nördlichen New-York diente, war zusammengesetzt
aus dem</p>
<p>
@@ -10299,7 +10257,7 @@ Bataillon Grenadiere. (Bennington unter Breymann,
1. Stillwater, 2. Stillwater, Saratoga.)
</p><p>
Regiment Prinz Friedrich. (Verblieb in Ticonderoga
-während der Saratoga-Kampagne.)
+während der Saratoga-Kampagne.)
</p><p>
Regiment von Riedesel. (1. Stillwater, Saratoga.)
</p><p>
@@ -10311,7 +10269,7 @@ Regiment von Specht. (Saratoga.)
<span class="pagenum"><a name="Seite_248" id="Seite_248">[S. 248]</a></span>
</p><p>
-Jäger-Bataillon oder Bataillon Barner. (1. Stillwater,
+Jäger-Bataillon oder Bataillon Barner. (1. Stillwater,
Saratoga.)
</p>
@@ -10321,19 +10279,19 @@ Sie waren die einzigen Hessen bei Burgoynes Armee.
Die Artillerie that gute Dienste in der Kampagne von
1776 am Lake Champlain sowohl wie im Jahr 1777.</p>
-<p>Die Hanauer Jäger, wenigstens ein Teil derselben,
+<p>Die Hanauer Jäger, wenigstens ein Teil derselben,
nahmen an St. Legers Expedition Teil. Das Regiment
von Anhalt-Zerbst erreichte Canada, nachdem die Feindseligkeiten
-in dieser Provinz vorüber waren.</p>
+in dieser Provinz vorüber waren.</p>
-<h3><a name="C_UEbersicht_ueber_die_Zahl_der_von_jedem_deutschen" id="C_UEbersicht_ueber_die_Zahl_der_von_jedem_deutschen">C. Übersicht über die Zahl der von jedem deutschen
-Staat nach Amerika gesandten Truppen und über die
-Zahl derer, die nicht zurückkehrten.</a></h3>
+<h3><a name="C_UEbersicht_ueber_die_Zahl_der_von_jedem_deutschen" id="C_UEbersicht_ueber_die_Zahl_der_von_jedem_deutschen">C. Übersicht über die Zahl der von jedem deutschen
+Staat nach Amerika gesandten Truppen und über die
+Zahl derer, die nicht zurückkehrten.</a></h3>
-<table border="0" style="width: 100%" rules="groups" summary="Übersicht gesandte und zurückgekehrte Truppen">
+<table border="0" style="width: 100%" rules="groups" summary="Übersicht gesandte und zurückgekehrte Truppen">
<col width="40%" />
<col width="40%" />
<col width="15%" />
@@ -10342,28 +10300,28 @@ Zahl derer, die nicht zurückkehrten.</a></h3>
<tr> <td align="right">Braunschweig sandte 1776</td><td> </td><td align="right">4300</td><td align="center">M.</td></tr>
-<tr> <td align="right">im März 1777</td><td> </td><td align="right">224</td><td align="center">"</td></tr>
+<tr> <td align="right">im März 1777</td><td> </td><td align="right">224</td><td align="center">"</td></tr>
<tr> <td align="right">April 1778</td><td> </td><td align="right">475</td><td align="center">"</td></tr>
<tr> <td align="right">April 1779</td><td> </td><td align="right">286</td><td align="center">"</td></tr>
<tr> <td align="right">Mai 1780</td><td> </td><td align="right">266</td><td align="center">"</td></tr>
<tr> <td align="right">April 1782</td><td> </td><td align="right">172</td><td align="center">"</td></tr>
<tr> <td colspan="2"></td><td colspan="2"><hr class="table" /></td></tr>
<tr> <td colspan="2" align="right">Im Ganzen:</td><td align="right">5723</td><td align="center">M.</td></tr>
-<tr> <td colspan="2" align="right">Es kehrten zurück im Herbst 1783:</td><td align="right">2708</td><td align="center">"</td></tr>
+<tr> <td colspan="2" align="right">Es kehrten zurück im Herbst 1783:</td><td align="right">2708</td><td align="center">"</td></tr>
<tr> <td colspan="2"></td><td colspan="2"><hr class="table" /></td></tr>
-<tr> <td colspan="2" align="right">Es kehrten nicht zurück:</td><td align="right">3015</td><td align="center">M.</td></tr>
+<tr> <td colspan="2" align="right">Es kehrten nicht zurück:</td><td align="right">3015</td><td align="center">M.</td></tr>
<tr><td colspan="4">&nbsp;</td></tr>
<tr> <td align="right">Hessen-Kassel sandte 1776</td><td> </td><td align="right">12&nbsp;805</td><td align="center">M.</td></tr>
<tr> <td align="right">Dezember 1777</td><td> </td><td align="right">403</td><td align="center">"</td></tr>
-<tr> <td align="right">März 1779</td><td> </td><td align="right">993</td><td align="center">"</td></tr>
+<tr> <td align="right">März 1779</td><td> </td><td align="right">993</td><td align="center">"</td></tr>
<tr> <td align="right">Mai 1780</td><td> </td><td align="right">915</td><td align="center">"</td></tr>
<tr> <td align="right">April 1781</td><td> </td><td align="right"> 915</td><td align="center">"</td></tr>
<tr> <td align="right">April 1782</td><td> </td><td align="right"> 961</td><td align="center">"</td></tr>
<tr> <td colspan="2"></td><td colspan="2"><hr class="table" /></td></tr>
<tr> <td colspan="2" align="right">Im Ganzen:</td><td align="right"> 16&nbsp;992</td><td align="center">M.</td></tr>
-<tr> <td colspan="2" align="right">Es kehrten zurück im Herbst 1783 und Frühjahr 1784:</td><td align="right"> 10&nbsp;492</td><td align="center">"</td></tr>
+<tr> <td colspan="2" align="right">Es kehrten zurück im Herbst 1783 und Frühjahr 1784:</td><td align="right"> 10&nbsp;492</td><td align="center">"</td></tr>
<tr> <td colspan="2"></td><td colspan="2"><hr class="table" /></td></tr>
-<tr> <td colspan="2" align="right">Es kehrten nicht zurück:</td><td align="right"> 6&nbsp;500</td><td align="center">M.</td></tr>
+<tr> <td colspan="2" align="right">Es kehrten nicht zurück:</td><td align="right"> 6&nbsp;500</td><td align="center">M.</td></tr>
<tr><td colspan="4">&nbsp;<span class="pagenum"><a name="Seite_249" id="Seite_249">[S. 249]</a></span></td></tr>
@@ -10373,9 +10331,9 @@ Zahl derer, die nicht zurückkehrten.</a></h3>
<tr> <td align="right">April 1782</td><td> </td><td align="right"> 334</td><td align="center">"</td></tr>
<tr> <td colspan="2"></td><td colspan="2"><hr class="table" /></td></tr>
<tr> <td colspan="2" align="right">Im Ganzen:</td><td align="right"> 2422</td><td align="center">M.</td></tr>
-<tr> <td colspan="2" align="right">Es kehrten zurück im Herbst 1783:</td><td align="right"> 1441</td><td align="center">"</td></tr>
+<tr> <td colspan="2" align="right">Es kehrten zurück im Herbst 1783:</td><td align="right"> 1441</td><td align="center">"</td></tr>
<tr> <td colspan="2"></td><td colspan="2"><hr class="table" /></td></tr>
-<tr> <td colspan="2" align="right">Es kehrten nicht zurück:</td><td align="right"> 981</td><td align="center">M.</td></tr>
+<tr> <td colspan="2" align="right">Es kehrten nicht zurück:</td><td align="right"> 981</td><td align="center">M.</td></tr>
<tr><td colspan="4">&nbsp;</td></tr>
<tr> <td align="right">Anspach-Bayreuth sandte 1777</td><td> </td><td align="right">1285</td><td align="center">M.</td></tr>
@@ -10386,9 +10344,9 @@ Zahl derer, die nicht zurückkehrten.</a></h3>
<tr> <td align="right">1782</td><td> </td><td align="right"> 236</td><td align="center">"</td></tr>
<tr> <td colspan="2"></td><td colspan="2"><hr class="table" /></td></tr>
<tr> <td colspan="2" align="right">Im Ganzen:</td><td align="right"> 2353</td><td align="center">M.</td></tr>
-<tr> <td colspan="2" align="right">Es kehrten zurück im Herbst 1783:</td><td align="right"> 1183</td><td align="center">"</td></tr>
+<tr> <td colspan="2" align="right">Es kehrten zurück im Herbst 1783:</td><td align="right"> 1183</td><td align="center">"</td></tr>
<tr> <td colspan="2"></td><td colspan="2"><hr class="table" /></td></tr>
-<tr> <td colspan="2" align="right">Es kehrten nicht zurück:</td><td align="right"> 1170</td><td align="center">M.</td></tr>
+<tr> <td colspan="2" align="right">Es kehrten nicht zurück:</td><td align="right"> 1170</td><td align="center">M.</td></tr>
<tr><td colspan="4">&nbsp;</td></tr>
<tr> <td align="right">Waldeck sandte 1776</td><td> </td><td align="right"> 670</td><td align="center">M.</td></tr>
@@ -10399,9 +10357,9 @@ Zahl derer, die nicht zurückkehrten.</a></h3>
<tr> <td align="right">April 1782</td><td> </td><td align="right">159</td><td align="center">"</td></tr>
<tr> <td colspan="2"></td><td colspan="2"><hr class="table" /></td></tr>
<tr> <td colspan="2" align="right">Im Ganzen:</td><td align="right"> 1225</td><td align="center">M.</td></tr>
-<tr> <td colspan="2" align="right">Es kehrten zurück im Herbst 1783:</td><td align="right">505</td><td align="center">"</td></tr>
+<tr> <td colspan="2" align="right">Es kehrten zurück im Herbst 1783:</td><td align="right">505</td><td align="center">"</td></tr>
<tr> <td colspan="2"></td><td colspan="2"><hr class="table" /></td></tr>
-<tr> <td colspan="2" align="right">Es kehrten nicht zurück:</td><td align="right"> 720</td><td align="center">M.</td></tr>
+<tr> <td colspan="2" align="right">Es kehrten nicht zurück:</td><td align="right"> 720</td><td align="center">M.</td></tr>
<tr><td colspan="4">&nbsp;</td></tr>
<tr> <td align="right">Anhalt-Zerbst sandte 1778</td><td> </td><td align="right">600</td><td align="center">M.</td></tr>
@@ -10410,24 +10368,24 @@ Zahl derer, die nicht zurückkehrten.</a></h3>
<tr> <td align="right">im April 1781</td><td> </td><td align="right"> 420</td><td align="center">"</td></tr>
<tr> <td colspan="2"></td><td colspan="2"><hr class="table" /></td></tr>
<tr> <td colspan="2" align="right">Im Ganzen:</td><td align="right"> 1152</td><td align="center">M.</td></tr>
-<tr> <td colspan="2" align="right">Es kehrten zurück im Herbst 1783:</td><td align="right"> 984</td><td align="center">"</td></tr>
+<tr> <td colspan="2" align="right">Es kehrten zurück im Herbst 1783:</td><td align="right"> 984</td><td align="center">"</td></tr>
<tr> <td colspan="2"></td><td colspan="2"><hr class="table" /></td></tr>
-<tr> <td colspan="2" align="right">Es kehrten nicht zurück:</td><td align="right"> 168</td><td align="center">M.</td></tr>
+<tr> <td colspan="2" align="right">Es kehrten nicht zurück:</td><td align="right"> 168</td><td align="center">M.</td></tr>
<tr><td colspan="4">&nbsp;</td></tr>
<tr> <td colspan="2" align="left">Gesamtsumme der Soldtruppen </td><td align="right">29&nbsp;867</td><td align="center">M.</td></tr>
-<tr> <td colspan="2" align="left">Es kehrten von diesen zurück </td><td align="right">17&nbsp;313</td><td align="center">"</td></tr>
+<tr> <td colspan="2" align="left">Es kehrten von diesen zurück </td><td align="right">17&nbsp;313</td><td align="center">"</td></tr>
<tr> <td colspan="2"></td><td colspan="2"><hr class="table" /></td></tr>
-<tr> <td colspan="2" align="left">Es kehrten nicht zurück</td><td align="right">12&nbsp;554</td><td align="center">M.</td></tr>
+<tr> <td colspan="2" align="left">Es kehrten nicht zurück</td><td align="right">12&nbsp;554</td><td align="center">M.</td></tr>
<tr><td colspan="4">&nbsp;<span class="pagenum"><a name="Seite_250" id="Seite_250">[S. 250]</a></span></td></tr>
-<tr> <td colspan="4" align="left">Von den 12&nbsp;554, die nicht zurückkehrten, sind &mdash;
-nach meiner eigenen Schätzung &mdash;:</td></tr>
+<tr> <td colspan="4" align="left">Von den 12&nbsp;554, die nicht zurückkehrten, sind &mdash;
+nach meiner eigenen Schätzung &mdash;:</td></tr>
<tr> <td colspan="2" align="left">Gefallen oder an den Wunden gestorben </td><td align="right">1200</td><td align="center">M.</td></tr>
-<tr> <td colspan="2" align="left">Gestorben durch Krankheit oder Unglücksfälle</td><td align="right">6354</td><td align="center">"</td></tr>
+<tr> <td colspan="2" align="left">Gestorben durch Krankheit oder Unglücksfälle</td><td align="right">6354</td><td align="center">"</td></tr>
<tr> <td colspan="2" align="left">Desertiert </td><td align="right">5000</td><td align="center">"</td></tr>
<tr> <td colspan="2"></td><td colspan="2"><hr class="table" /></td></tr>
<tr> <td colspan="2" align="left"></td><td align="right">12554</td><td align="center">M.</td></tr>
@@ -10460,9 +10418,9 @@ und Gefechten des Revolutionskrieges.</a></h3>
<tr> <td align="left">Trenton </td><td align="right"> 17</td><td> </td><td align="right"> 78</td></tr>
<tr> <td align="left">Assanpink (2. Jan. 1777) </td><td align="right"> 4</td><td> </td><td align="right"> 11</td></tr>
<tr> <td align="left">Burgoynes Kampagne (6. Okt. 1777) </td><td align="right"> 25</td><td>(?)</td><td align="right"> 75</td><td>(?)</td></tr>
-<tr> <td align="left">Scharmützel 3. Sept. 1777 </td><td align="right"> 1</td><td> </td><td align="right"> 19</td></tr>
-<tr> <td align="left">Brandywine, Jäger </td><td align="right"> 7</td><td> </td><td align="right"> 39</td></tr>
-<tr> <td align="left">&nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; " &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; übrigen Hessen</td><td align="right"> 2</td><td>(?)</td><td align="right"> 16</td><td>(?)</td></tr>
+<tr> <td align="left">Scharmützel 3. Sept. 1777 </td><td align="right"> 1</td><td> </td><td align="right"> 19</td></tr>
+<tr> <td align="left">Brandywine, Jäger </td><td align="right"> 7</td><td> </td><td align="right"> 39</td></tr>
+<tr> <td align="left">&nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; " &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; übrigen Hessen</td><td align="right"> 2</td><td>(?)</td><td align="right"> 16</td><td>(?)</td></tr>
<tr> <td align="left">Redbank </td><td align="right"> 82</td><td> </td><td align="right"> 229</td><td></td><td align="right">60</td></tr>
<tr> <td align="left">Newport </td><td align="right"> 19</td><td> </td><td align="right"> 96</td><td></td><td align="right">13</td></tr>
<tr> <td align="left">Stono Ferry </td><td align="right"> 9</td><td>(?)</td><td align="right"> 34</td><td>(?)</td></tr>
@@ -10479,461 +10437,83 @@ und Gefechten des Revolutionskrieges.</a></h3>
<hr />
<p class="center">
-Druck von <em class="gesperrt">Gottfr. Pätz</em> in Naumburg a. S.<br />
+Druck von <em class="gesperrt">Gottfr. Pätz</em> in Naumburg a. S.<br />
</p>
<div class='transnote'><h2><a id="TN2">Anmerkungen zur Transkription</a></h2>
Im Text wurden folgende Korrekturen vorgenommen:
<ul class="index">
-<li><a href="#Einleitung_des_UEbersetzers">Einl.</a> "Staaaten" in "Staaten" geändert.</li>
-<li>S. <a href="#Seite_5">5</a> "Konspcription" in "Konscription" geändert.</li>
-<li>S. <a href="#Seite_13">13</a> "datidrt" in "datiert" geändert.</li>
-<li>S. <a href="#Seite_14">14</a> "Hessel" in "Hessen" geändert.</li>
-<li>S. <a href="#Seite_19">19</a> "einer" in "eine" geändert.</li>
-<li>S. <a href="#Seite_19">19</a> "seine" in "seiner" geändert.</li>
-<li>S. <a href="#Seite_24">24</a> "abschliesen" in "abschliessen" geändert.</li>
-<li>S. <a href="#Seite_28">28</a> "frühereren" in "früheren" geändert.</li>
-<li>S. <a href="#Seite_28">28</a> "Whighs" in "Whigs" geändert.</li>
-<li>S. <a href="#Seite_34">36</a> "blos" in "bloss" geändert.</li>
-<li>S. <a href="#Seite_36">36</a> "töden" in "töten" geändert.</li>
-<li>S. <a href="#Seite_38">38</a> "verhältnissmässig" in "verhältnismässig" geändert.</li>
-<li>S. <a href="#Seite_49">49</a> "Letzere" in "Letztere" geändert.</li>
-<li>S. <a href="#Seite_49">49</a> "Pensylvaniern" in "Pennsylvaniern" geändert.</li>
-<li>S. <a href="#Seite_54">54</a> "bliess" in "blies" geändert.</li>
-<li>S. <a href="#Seite_55">55</a> "vorfunden" in "vorgefunden" geändert.</li>
-<li>S. <a href="#Seite_56">56</a> "Manhatten" in "Manhattan" geändert.</li>
-<li>S. <a href="#Seite_56">56</a> "or" in "oder" geändert.</li>
-<li>S. <a href="#Seite_61">61</a> "bliessen" in "bliesen" geändert.</li>
-<li>S. <a href="#Seite_61">61</a> "französich" in "französisch" geändert.</li>
-<li>S. <a href="#Seite_62">62</a> "herausmarschiren" in "herausmarschieren" geändert.</li>
-<li>S. <a href="#Seite_70">70</a> "Pensylvanischen" in "Pennsylvanischen" geändert.</li>
-<li>S. <a href="#Seite_71">71</a> "zitterden" in "zitternden" geändert.</li>
-<li>S. <a href="#Seite_71">71</a> "Abtheilung" in "Abteilung" geändert.</li>
-<li>S. <a href="#Seite_73">73</a> "Annährung" in "Annäherung" geändert.</li>
-<li>S. <a href="#Seite_77">77</a> "äussserte" in "äusserte" geändert.</li>
-<li>S. <a href="#Seite_80">80</a> "Pensylvanier" in "Pennsylvanier" geändert.</li>
-<li>S. <a href="#Seite_83">83</a> "gegehalten" in "gehalten" geändert.</li>
-<li>S. <a href="#Seite_84">84</a> "Morgens" in "morgens" geändert.</li>
-<li>S. <a href="#Seite_85">85</a> "Lieutnant" in "Lieutenant" geändert.</li>
-<li>S. <a href="#Seite_85">85</a> "Anektode" in "Anekdote" geändert.</li>
-<li>S. <a href="#Seite_87">87</a> "Triumpf" in "Triumph" geändert.</li>
-<li>S. <a href="#Seite_87">87</a> "schell" in "schnell" geändert.</li>
-<li>S. <a href="#Seite_88">88</a> "Oberfehlshaber" in "Oberbefehlshaber" geändert.</li>
-<li>S. <a href="#Seite_89">89</a> "Knyphhusen" in "Knyphausen" geändert.</li>
-<li>S. <a href="#Seite_91">91</a> "Erlaubniss" in "Erlaubnis" geändert.</li>
-<li>S. <a href="#Seite_92">92</a> "1766" in "1776" geändert.</li>
-<li>S. <a href="#Seite_93">93</a> "gezungen" in "gezwungen" geändert.</li>
-<li>S. <a href="#Seite_95">95</a> "Planzen" in "Pflanzen" geändert.</li>
-<li>S. <a href="#Seite_98">98</a> "französche" in "französische" geändert.</li>
-<li>S.<a href="#Seite_107">107</a> "der" in "des" geändert.</li>
-<li>S.<a href="#Seite_107">107</a> "dadadurch" in "dadurch" geändert.</li>
-<li>S.<a href="#Seite_120">120</a> "Lake-Champlain" in "Lake Champlain" geändert.</li>
-<li>S.<a href="#Seite_120">120</a> "grösten" in "grössten" geändert.</li>
-<li>S.<a href="#Seite_122">122</a> "zurükgeworfen" in "zurückgeworfen" geändert.</li>
-<li>S.<a href="#Seite_125">125</a> "Haubizen" in "Haubitzen" geändert.</li>
-<li>S.<a href="#Seite_151">151</a> "wenigsten" in "wenigstens" geändert.</li>
-<li>S.<a href="#Seite_151">151</a> "Grossbritanien" in "Grossbritannien" geändert.</li>
-<li>S.<a href="#Seite_152">152</a> "Geräuch" in "Geräusch" geändert.</li>
-<li>S.<a href="#Seite_154">154</a> "Winter-Hill" in "Winter Hill" geändert.</li>
-<li>S.<a href="#Seite_155">155</a> "grössen" in "grösseren" geändert.</li>
-<li>S.<a href="#Seite_155">155</a> "zurükzukommen" in "zurückzukommen" geändert.</li>
-<li>S.<a href="#Seite_158">158</a> "ich ich" in "ich" geändert.</li>
-<li>S.<a href="#Seite_167">167</a> "französicher" in "französischer" geändert.</li>
-<li>S.<a href="#Seite_168">168</a> "Galleren" in "Galeeren" geändert.</li>
-<li>S.<a href="#Seite_169">169</a> "Französich" in "Französisch" geändert.</li>
-<li>S.<a href="#Seite_188">188</a> "Tranportschiffen" in "Transportschiffen" geändert.</li>
-<li>S.<a href="#Seite_192">192</a> "Beoachtungen" in "Beobachtungen" geändert.</li>
-<li>S.<a href="#Seite_200">200</a> "Savanah" in "Savannah" geändert.</li>
-<li>S.<a href="#Seite_216">216</a> "nacher" in "nachher" geändert.</li>
-<li>S.<a href="#Seite_217">217</a> "detaschierte" in "detachierte" geändert.</li>
-<li>S.<a href="#Seite_223">223</a> "wegtranportieren" in "wegtransportieren" geändert.</li>
-<li>S.<a href="#Seite_223">223</a> "Limcoe" in "Simcoe" geändert.</li>
-<li>S.<a href="#Seite_224">224</a> "ükerlegte" in "überlegte" geändert.</li>
-<li>S.<a href="#Seite_229">229</a> "Wallfischboot" in "Walfischboot" geändert.</li>
-<li>S.<a href="#Seite_236">236</a> "Gefangeschaft" in "Gefangenschaft" geändert.</li>
-<li>S.<a href="#Seite_246">246</a> "letzgenannten" in "letztgenannten" geändert.</li>
+<li><a href="#Einleitung_des_UEbersetzers">Einl.</a> "Staaaten" in "Staaten" geändert.</li>
+<li>S. <a href="#Seite_5">5</a> "Konspcription" in "Konscription" geändert.</li>
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+<li>S.<a href="#Seite_246">246</a> "letzgenannten" in "letztgenannten" geändert.</li>
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-End of the Project Gutenberg EBook of Die Hessen und die andern deutschen
-Hilfstruppen im Kriege gross-britanniens gegen Amerika, by Edward Jackson Lowell
-
-*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE HESSEN UND DIE ANDERN ***
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