summaryrefslogtreecommitdiff
path: root/44049-8.txt
diff options
context:
space:
mode:
Diffstat (limited to '44049-8.txt')
-rw-r--r--44049-8.txt8548
1 files changed, 0 insertions, 8548 deletions
diff --git a/44049-8.txt b/44049-8.txt
deleted file mode 100644
index 74663fe..0000000
--- a/44049-8.txt
+++ /dev/null
@@ -1,8548 +0,0 @@
-The Project Gutenberg EBook of Die Hessen und die andern deutschen
-Hilfstruppen im Kriege gross-britanniens gegen Amerika, by Edward Jackson Lowell
-
-This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
-almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or
-re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
-with this eBook or online at www.gutenberg.org
-
-
-Title: Die Hessen und die andern deutschen Hilfstruppen im Kriege gross-britanniens gegen Amerika
-
-Author: Edward Jackson Lowell
-
-Translator: O.C. Freiherr von Verschuer
-
-Release Date: October 27, 2013 [EBook #44049]
-
-Language: German
-
-Character set encoding: ISO-8859-1
-
-*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE HESSEN UND DIE ANDERN ***
-
-
-
-
-Produced by Peter Becker, Karl Eichwalder and the Online
-Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net (This
-book was produced from scanned images of public domain
-material from the Google Print project.)
-
-
-
-
-
- +--------------------------------------------------------------+
- | Anmerkungen zur Transkription: |
- | |
- | Der Text wurde weitgehend in seiner Ursprungsform |
- | belassen, auch in zweifelhaften Fällen wie: |
- | "Bankroft", obwohl vermutlich jeweils George |
- | Bancroft gemeint ist. Gesperrter und kursiver Text |
- | ist als _Text_ markiert, Fettdruck als =Text=. |
- | |
- | Eine Liste der vorgenommenen Änderungen befindet sich am |
- | Ende des Texts. |
- | |
- +--------------------------------------------------------------+
-
-
-
-
- Die Hessen
- und die andern deutschen Hilfstruppen im Kriege
- Gross-Britanniens gegen Amerika
- 1776-1783
-
- Von
- Edward J. Lowell.
-
- Uebersetzt mit Autorisation des Verfassers
- von
- O. C. Freiherrn von Verschuer
- Major z. D.
-
- Mit 8 Plänen
-
- Zweite, um eine Einleitung vermehrte Ausgabe.
-
-
- Braunschweig und Leipzig
- Verlag von Richard Sattler
- 1902.
-
-
-
-
- Seinem ehemaligen Regiments-Kommandeur
-
- Herrn Generalmajor z. D. von Gersdorff
- in Dankbarkeit und Verehrung
- gewidmet
- von
- dem Uebersetzer
-
-
-
-
-Einleitung des Übersetzers.
-
-
-In vorliegendem Buche will der Verfasser das Auftreten der »Deutschen
-Hilfstruppen« in Amerika einer genauen Beleuchtung unterwerfen,
-insbesondere will er den Legenden entgegentreten, die sich in seinem
-Vaterlande im Laufe der Zeit über die Hilfstruppen -- mit dem
-Sammelnamen »Hessen« bezeichnet -- gebildet haben. Seine Anschauungen in
-Betreff der Subsidien-Verträge mit England und der an diesen beteiligten
-Fürsten stimmen im allgemeinen mit den Ansichten weiter Kreise in
-Deutschland überein, viele urteilen bei weitem schärfer, aber bei einer
-grossen Menge werden die abfälligen Urteile nach verschiedener Richtung
-hin mehr oder weniger scharf bekämpft. Wie erklärt sich dieser Zwiespalt
-der Meinungen, und wie könnte er einigermassen überbrückt werden? Er
-erklärt sich m. E. hauptsächlich dadurch, dass viele Geschichtschreiber
-die Frage des sogenannten Soldatenhandels nicht genügend im Lichte der
-damaligen Zeit betrachten, und dass diese Frage bisher nicht in ihrer
-Vielseitigkeit und mit derjenigen Gründlichkeit behandelt worden ist,
-die zur Erlangung eines objektiven Urteils unbedingt notwendig ist. Ein
-solches Urteil wird nur erlangt werden können durch eine genaue Prüfung
-und Vergleichung der bereits vorhandenen und eine Untersuchung der noch
-unbenutzt liegenden Quellen, ferner durch gleichzeitiges
-in-Betrachtziehen der politischen und militärischen Verhältnisse und
-Zustände -- und ihrer Entwickelung -- in _allen_ Staaten, die im Laufe
-des 17. und 18. Jahrhunderts je an dem Überlassen von Truppen gegen
-Subsidien beteiligt gewesen sind, und schliesslich durch ein
-sich-Vertiefen in die Anschauungen der Zeit und zwar aller Kreise: der
-Fürsten, Landstände, Offiziere, Soldaten und des Volkes. Nur aus dem
-Geiste der Zeit heraus kann das Übereinkommen deutscher Fürsten mit
-England im Jahr 1776, können die Urteile der Zeitgenossen für und wider
--- verstanden, erklärt werden. Von grosser Bedeutung aber ist die
-Thatsache, dass die Verträge mit England und das Auftreten deutscher
-Soldtruppen in Amerika in den Zeitabschnitt fallen, der der
-französischen Revolution vorausging. Hervorragende Geister der damaligen
-Zeit bemühten sich, weiten Kreisen in Europa bei Gelegenheit des
-ungewöhnlichen Falles der Verschickung deutscher Truppen über den Ozean
-zum Bewusstsein zu bringen: _was das Überlassen von Menschen an fremde
-Souveräne gegen Geld zu bedeuten habe!_ Wie in vielen andern Dingen so
-auch in dieser Frage beginnt sich ein Wandel in den Anschauungen Bahn zu
-brechen. Das was die Fürsten und die an den Verträgen mit England
-interessierten Kreise -- im Geiste ihrer Zeit, in ihren Ideen und
-ererbten Überlieferungen befangen, sowie unter Berufung auf die
-Reichsverfassung -- zu thun für Recht hielten, wird als »Menschenhandel«
-bezeichnet. So erklärt es sich, dass bei den Verträgen des Landgrafen
-Friedrich II. und der andern beteiligten Fürsten Ausdrücke wie »Verkauf«
-und »Seelenhandel« anfangen laut zu werden, während man zu Zeiten der
-frühern Subsidien-Verträge in dem Überlassen von Truppen etwas
-Althergebrachtes, nichts Unrechtes erblickte.
-
-Viel Aufsehen hat seiner Zeit das Buch von Friedrich Kapp über den
-»Soldatenhandel« erregt. Er nennt es »Beitrag zur Kulturgeschichte des
-18. Jahrhunderts.« Niemand wird den Wert, den es hat, bestreiten. Ein
-Buch aber, das sein Entstehen einer Tendenz verdankt, wie sie der
-Verfasser im Eingang zum Ausdruck bringt, kann unmöglich Anspruch auf
-Objektivität machen. Und wer eine so leidenschaftliche Sprache wie Kapp
-führt, kann nur ein einseitiges, kein gerechtes Urteil fällen.
-
-Wie wir sehen, stützt Lowell sein Urteil über die deutschen Zustände im
-18. Jahrhundert zum grossen Teil auf die Forschungen Kapps, sowie auch
-auf Seume (dessen Zeugnis aber ebenfalls nicht kritiklos hinzunehmen
-ist). Dieser Teil des L.schen Buches wird deshalb sicher -- wenngleich
-ihn eine völlig objektive Ausdrucksweise auszeichnet -- von einer spätern
-Geschichtschreibung berichtigt und ergänzt werden. Von unbestreitbarem
-Wert wird aber ebenso sicher der Hauptteil seines Buches sein, in dem er
--- dank seiner umfassenden und gewissenhaften Quellenforschungen --
-besser, und nebenbei fesselnder, als irgend ein Geschichtschreiber vor
-ihm, uns erzählt, von welcher Art deutsche Offiziere und Soldaten waren,
-die in der »Neuen Welt« auftraten, welche Eindrücke sie von ihr bekamen,
-und dass sie unter den schwierigsten Verhältnissen ihre Schuldigkeit
-gethan haben.
-
-Zum Schluss möchte ich noch einmal darauf hinweisen: das Vermieten von
-Truppen ist eine Erscheinung im Laufe des 17. und 18. Jahrhunderts, die
-der Geschichte einer grossen Zahl von deutschen Staaten, darunter die
-bedeutendsten, angehört. Ein dunkles Kapitel deutscher Geschichte wird
-in vorliegendem Buche in Erinnerung gebracht. Dunkel sah es mehr oder
-weniger in _allen_ deutschen Landen -- in mancher Hinsicht -- um die
-Zeit des letzten Viertels des 18. Jahrhunderts aus. Gleichzeitig wissen
-wir aber zu unserm Glück, dass dieses Dunkel einem Licht hat weichen
-müssen, das uns das 19. Jahrhundert gebracht hat.
-
-_Frankfurt_ a. M., im März 1902.
-
- =v. Verschuer.=
-
-
-
-
-Vorwort
-
-
-Die Geschichte der deutschen Hülfstruppen, die im Revolutionskriege für
-Gross-Britannien fochten, hat von amerikanischen Geschichtsschreibern
-nicht den Grad von Beachtung gefunden, den ihre Wichtigkeit berechtigt
-erscheint zu verdienen. Es ist sehr viel Wesen davon gemacht worden,
-dass 7000 französische Soldaten und 19 000 französische Seeleute den
-Vereinigten Staaten bei der Belagerung von Yorktown beistanden, aber
-vergessen haben wir, dass eine Macht von zwischen 15 und 20 000
-Deutschen im Verlauf von 7 Jahren gegen uns kämpfte, dass mehr als
-29 000 zu diesem Zweck nach Amerika gebracht wurden, dass mehr als
-12 000 niemals nach Deutschland zurückkehrten. Ich weiss von keinem
-amerikanischen Geschichtsschreiber ausser Bankroft, der gründliche
-Studien über diesen Gegenstand in den Original-Quellen gemacht hätte;
-dem ganzen Charakter seines Werkes nach wäre es nicht angängig gewesen,
-die Geschichte der deutschen Truppen in ihren Einzelheiten zu schreiben.
-Doctor George Washington Greene hat interessante Auszüge aus 3
-Kapp'schen Büchern herausgegeben, und die Erzählungen der Baronesse
-Riedesel sind ins Englische übersetzt worden von William L. Stone Esq.,
-der auch den Teil von Eelkings »Leben von Riedesel«, welcher vom
-Revolutionskrieg handelt, übersetzt hat.
-
-Ich kann nicht behaupten, bei der Bearbeitung des vorliegenden Buches
-annähernd alle die sehr inhaltreichen Quellen, die die Bibliotheken und
-Archive in Deutschland enthielten, benutzt zu haben. Ich habe indessen
-deutsche Originalberichte von jedem wichtigen Engagement gefunden und
-von beinahe jedem Scharmützel im Revolutionskriege vom Jahr 1776 bis zum
-Ende, ausgenommen einige von den Gefechten, die in Carolina und Georgia
-stattfanden und in denen wenige, wenn überhaupt, Deutsche engagiert
-waren. Einige von diesen Berichten sind, glaube ich, niemals einem
-amerikanischen Schreiber vor Augen gekommen.
-
-In Deutschland haben die Verträge in Betreff der Überlassung von
-Hilfstruppen an Gross-Britannien und die Geschichte dieser Truppen
-mehr Beachtung gefunden als in Amerika. Zwei Geschichtsschreiber sind
-unter denen, die diesen Gegenstand behandelt haben, besonders
-hervorzuheben. Der eine ist Fritz Kapp, einst Mitglied des Reichstages
-und vordem in der Verbannung in Amerika. Diesem Buche verdanke ich
-sehr viel, direkt und indirekt, wegen der vielen Fingerzeige, die
-dasselbe enthält, besonders in den ersten fünf Kapiteln. Der
-andere Geschichtsschreiber ist Max von Eelking, Hauptmann in
-Sachsen-Meiningen'schen Diensten und korrespondierendes Mitglied des
-New-Yorker Geschichtsvereins. Seine zwei Werke, »Die deutschen
-Hilfstruppen im nordamerikanischen Befreiungskriege« und »Leben und
-Wirken des Herzoglich Braunschweigischen Generallieutenants Friedrich
-Adolf von Riedesel«, stellen die Geschichte vom deutschen Standpunkt
-aus dar. Hauptmann von Eelking stand ein sehr reichhaltiges Material
-zur Verfügung. Die Liste der für das erste Werk benutzten
-Handschriften (von denen viele Eigentum von Privatpersonen) enthält 38
-Nummern. Bei der Lebensbeschreibung von Riedesel hatte er die
-Erlaubnis, alle Briefe und Schriften, die der General hinterlassen, zu
-benutzen. Wenn Hauptmann von Eelking so viel Sorgfalt im Gebrauch des
-Materials als Fleiss in der Sammlung desselben entwickelt hätte, so
-würden seine Werke sehr wertvolle Beiträge zur amerikanischen
-Geschichte sein. Leider erleiden die Resultate seines Fleisses durch
-Ungenauigkeiten Einbusse. Ich habe ihn oft benutzen müssen, habe es
-aber mit Vorsicht gethan.
-
-Der Leser wird in diesem Buche Stellen finden, die mehr dem Gebiete der
-Biographie oder Anekdote als der reinen Geschichte angehören. Die
-Abenteuer von verhältnismässig unwichtigen Persönlichkeiten wie
-Wiederhold, Ewald oder Baronesse Riedesel sind mit ziemlicher
-Ausführlichkeit erzählt. Es war meine Aufgabe, einen Begriff davon zu
-geben, was für eine Art Leute die Hilfstruppen waren und was für einen
-Eindruck Amerika und die Amerikaner auf sie machten. Zu diesem Zweck
-habe ich mich nicht gescheut, scheinbar unbedeutenden, gewöhnlichen
-Stoff da zu verwenden, wo er charakteristisch geschienen hat, oder
-Meinungen und Beschreibungen anzuführen, die, obschon echt, irrig waren.
-
- =Der Verfasser.=
-
-
-
-
-Inhalt.
-
-
- Seite
- Kapitel I. Die Fürsten 1
-
- " II. Die Verträge 12
-
- " III. Die Verträge vor dem Parlament 22
-
- " IV. Die Soldaten 30
-
- " V. Von Deutschland nach Amerika 37
-
- " VI. Die Schlacht von Long-Island 1776 41
-
- " VII. Von der Okkupation von New-York bis zur Wegnahme
- von Fort Washington, 15. Sept.-16. Nov.
- 1776 51
-
- " VIII. Trenton, 26. Dez. 1776 64
-
- " IX. Der Winter 1777 75
-
- " X. Die Braunschweiger in Canada 1776 90
-
- " XI. Baronin Riedesels Reise 1776 u. 77 98
-
- " XII. Ticonderoga und Bennington, Juli und August 1777 108
-
- " XIII. Stillwater, am 19. Sept. u. 7. Okt. 1777 120
-
- " XIV. Saratoga, vom 11-16. Okt. 1777 129
-
- " XV. Die Braunschweiger in Gefangenschaft 145
-
- " XVI. Brandywine, Germantown und Redbank, September
- und Oktober 1777 160
-
- " XVII. Der Rückzug der Briten durch New-Jersey, Januar
- bis Juli 1778 170
-
- " XVIII. Newport, vom November 1776 bis Oktober 1779 174
-
- " XIX. Die Umgegend von New-York 1777-79 180
-
- " XX. Wiederholds Reise -- eine Episode -- Sept. 1779 187
-
- " XXI. Savannah, Charleston und Pensacola, 1778-1781 195
-
- " XXII. New-York in den Jahren 1780 u. 81 208
-
- " XXIII. Der Feldzug im Süden im Jahre 1781 216
-
- " XXIV. Schluss 230
-
-
- Seite
- =Anhang.=
-
- A. Quellen-Verzeichnis 241
-
- B. Die hessischen Regimenter und ihre Namen 244
-
- C. Übersicht über die Zahl der von jedem deutschen Staat nach
- Amerika gesandten Truppen und über die Zahl derer, die nicht
- zurückkehrten 248
-
- D. Verlustliste der Deutschen in den Haupt-Schlachten und
- Gefechten des Revolutionskrieges 250
-
-
- =Karten und Pläne.=
-
- 1. Schlacht von Long-Island 1776 48
-
- 2. Operationen in New-Jersey und Pennsylvanien 1776 64
-
- 3. Affaire bei Trenton 1776 74
-
- 4. Burgoynes Übergabe 1777 128
-
- 5. Schlacht von Brandywine 1777 160
-
- 6. Überfall auf Paulus Hook 1779 186
-
- 7. Lord Cornwallis Operationen im Süden 1781 216
-
- 8. Yorktown 1781 224
-
-
-
-
- Die Hessen
-
- und die andern deutschen Hülfstruppen im Kriege
- Gross-Britanniens gegen Amerika
- 1776-1783.
-
-
-
-
-Kapitel I.
-
-Die Fürsten.
-
-
-Die Stadt Cassel ist für den durchreisenden Fremden eine der
-anziehendsten in Mitteldeutschland. Ihre Galerien, Parks und Gärten,
-sowie ihre grossen Paläste erregen Bewunderung und Staunen. Hier brachte
-Napoleon III. die Monate seiner Gefangenschaft zu inmitten einer
-Umgebung, die ihn an die Grossartigkeit von Versailles erinnert haben
-möchte, welche den Schöpfern dieser herrlichen Anlagen wohl als Vorbild
-vorschwebte. Die Anlagen und Schlösser rührten hauptsächlich aus dem
-XVIII. Jahrhundert her, als die Augen der meisten Fürsten von Europa auf
-den französischen Hof gerichtet waren; und kein Hof folgte eifriger und
-konsequenter, in äusserem Gepränge wenigstens, dem Beispiel des
-französischen Hofes, als der des Landgrafen von Hessen-Cassel. Die
-Ausgaben für alle diese Bauten und Parkanlagen waren ungeheuer, aber es
-war im allgemeinen Geld im Staatsschatz. Das Land jedoch war arm. Die
-3-400 000 Einwohner lebten hauptsächlich vom Ackerbau, während die
-Landgrafen Finanzmänner waren. Es war ein einträglicher Handel, den sie
-betrieben. Nach der Ware, die sie verkauften oder ausliehen, war grosse
-Nachfrage im damaligen Jahrhundert, wie in allen Jahrhunderten, es waren
-eben _Menschen_, mit denen die Landgrafen von Hessen-Cassel Handel
-trieben. Daher kam es, dass Landgraf Friedrich II. und seine Leute in
-der amerikanischen Geschichte eine Rolle spielten und dass der Name
-»Hessen« eine landläufige Bezeichnung in den Vereinigten Staaten wurde.
-Die Landgrafen nahmen es nicht sonderlich genau mit den Ländern und den
-Abnehmern, mit denen sie in Verbindung traten. 1687 stellte einer
-derselben 1000 Mann den Venetianern für Geld zur Verfügung, um gegen die
-Türken zu fechten. 1702 dienten 9000 Hessen unter den Seemächten und
-1706 waren 11 500 Mann in Italien. England war der beste Kunde. Während
-eines grossen Teils des XVIII. Jahrhunderts hatte es Hessen in seinem
-Sold. Ein Teil derselben war bei der Armee des Herzogs von Cumberland
-während des Prätendenten Invasion 1745, aber es ist festgestellt, dass
-sie sich zu fechten weigerten, um einen Vertrag wegen Auslieferung der
-Gefangenen zu erlangen. Es würde für viele von ihnen günstig gewesen
-sein, wenn sie sich aus demselben Grunde geweigert hätten nach Amerika
-zu gehen. So wenig spielte bei den Landgrafen der Patriotismus oder die
-Politik eine Rolle, dass im Jahre 1743 Hessen gegenüber Hessen standen,
-6000 Mann, die in der Armee des Königs Georg III. von England und 6000
-Mann, die im gegnerischen Heere des Kaiser Karl VII. dienten.
-
-Die Landgrafen von Hessen waren nicht die einzigen Fürsten, die ihre
-Truppen in fremden Sold gaben. Im amerikanischen Revolutionskrieg
-überliessen sechs deutsche Fürsten ihre Soldaten an Gross-Britannien.
-Diese waren Friedrich II., Landgraf von Hessen-Cassel, Wilhelm, sein
-Sohn, unabhängiger Graf von Hessen-Hanau, Carl I., Herzog von
-Braunschweig, Friedrich, Fürst von Waldeck, Carl Alexander, Markgraf von
-Anspach-Bayreuth und Friedrich August, Fürst von Anhalt-Zerbst. Die
-Handlungsweise dieser Fürsten stand in keinem Einklang mit der Politik
-des Kaiserreichs und dem sittlichen Empfinden der damaligen Zeit, der
-Kaiser aber hatte keine Macht es zu verhindern, denn die Abhängigkeit
-von denjenigen Teilen des Reiches, die ausserhalb seiner Erblande lagen,
-war wenig mehr wie nur dem Namen nach vorhanden.
-
-Die Karte von Deutschland im XVIII. Jahrhundert zeigt ein
-ausserordentliches Flickwerk. Ueber den nördlichen Theil des Landes, von
-Osten nach Westen, aber nicht in ununterbrochener Folge, ziehen sich die
-Gebiete des Königs von Preussen. Die österreichischen Erblande, in einer
-ziemlich kompakten Masse, nehmen die südöstliche Ecke ein. Ueber die
-Grenzen dieser zwei grossen Mächte hinaus liegt Alles durcheinander.
-Kurfürstentümer, Herzogtümer, Erzbistümer, Besitzungen von Markgrafen,
-Landgrafen, Fürsten und freien Städten sind unentwirrbar
-zusammengewürfelt. Es gab beinahe 300 souveräne Staaten in Deutschland,
-neben über 1400 Besitzungen des hohen Adels, die direkt unter dem Kaiser
-standen und viele Souveränitätsrechte hatten. Einige von diesen 300
-Staaten waren nicht grösser als Stadtgebiete von Neu-England, viele
-nicht grösser als amerikanische counties. Auch war keiner derselben in
-sich geschlossen, die Besitztümer waren meist aus getrennten
-Länderteilen zusammengesetzt. Jedes kleine Fürstentum hatte seinen
-kleinen Fürsten mit seinem Hof und seiner Armee zu unterhalten. Die
-Fürsten waren regelrecht despotisch. Die Ueberreste von dem, was einst
-konstitutionelle Versammlungen gewesen waren, bestanden in manchen Orten
-noch (Landstände), aber sie repräsentierten im besten Falle nur einen
-kleinen Teil der Bevölkerung. Die Städte wurden durch die privilegierten
-Klassen verwaltet. Auf dem Lande war den Bauern in einigen Gegenden ein
-wenig Freiheit in der Verwaltung ihrer Orts-Angelegenheiten belassen,
-aber im allgemeinen waren die Bauern nicht viel besser daran wie
-Leibeigene und Gegenstand der Tyrannei einer Horde von Beamten, die bei
-jeder Gelegenheit sich einmischten. Der Handel war durch Zölle und
-Abgaben gehemmt; jeder kleine Staat hatte sein eigenes Finanz-System,
-Handel und Industrie waren durch Monopole beschränkt. An einigen Orten
-regelten drückende Gesetze die Kleidung und Kost der Bevölkerung.
-
-Vor Eintritt in das letzte Viertel des Jahrhunderts hatten in
-politischer Beziehung bessere Verhältnisse Platz gegriffen. Friedrich
-der Grosse von Preussen und Joseph II. von Oesterreich waren, jeder in
-seiner Art, erleuchtete Fürsten, und ihr Beispiel hatte viele von den
-besseren Souveränen bewogen, einigermassen für das Wohl des Volkes zu
-sorgen. Der Einfluss der freiheitlichen Bewegung in Frankreich machte
-sich ebenfalls fühlbar. Aber die Ideen von politischer Freiheit hatten
-selbst bei den am weitesten vorgeschrittenen Geistern in Deutschland
-kaum Eingang gefunden. Die gute oder schlechte Gesinnung des Fürsten
-stand nicht _mehr_ unter dem Einfluss der öffentlichen Meinung als der
-Zustand des Wetters. Die Lehre vom passiven Gehorsam war an der
-Tagesordnung, obschon nicht völlig unbestritten. Wenn, wie ein
-Geschichtsschreiber in Betreff politischer Verhältnisse
-auseinandersetzte, es die Pflicht des Untergebenen wäre zu gehorchen,
-selbst wenn sein Fürst aus reiner Willkür sein Leben von ihm fordern
-würde, so kann man hoffen, dass es ebenso richtig war, wenn ein anderer
-Geschichtsschreiber sagte, dass »in fürstlichen Häusern alle Tugenden
-erblich sind«.
-
-Wir wollen nun etwas eingehender die speziellen Erben aller Tugenden
-betrachten, die Söldner nach Amerika sandten.
-
-Der bedeutendste von ihnen war Friedrich II., Landgraf von
-Hessen-Cassel. Dieser Fürst war der katholische Fürst eines
-protestantischen Landes. Seine erste Gemahlin war eine englische
-Prinzessin, eine Tochter Georg II. Sie hat sich bei seinem Uebertritt
-zum Katholizismus nur von ihm getrennt und nach Hanau zurückgezogen mit
-seinem vorzüglichen Sohn, von dem ich sogleich sprechen werde.
-
-Friedrich hatte in Cassel ein fröhliches Leben geführt. Er hatte eine
-abgedankte Maitresse des Herzogs von Bouillon zu sich genommen, aber er
-hielt nicht viel von der Treue und soll mehr als 100 Kinder gehabt
-haben. Es wurde ein französisches Theater und eine Oper mit
-französischem Ballet unterhalten. Französische Abenteurer mit guten
-Empfehlungen waren willkommen und erhielten selbst verantwortliche
-Stellungen im Staat. Der Hof war nach französischem Muster eingerichtet.
-Französisch war ebenfalls -- und ist es noch lange nachher geblieben --
-die Sprache der Fürsten, Hofmänner und Diplomaten. In dieser Sprache
-korrespondierte Friedrich der Grosse mit vielen seiner Verwandten, seine
-Schwester schrieb darin ihre Memoiren, und französisch wurde gesprochen
-am Hofe des kleineren Friedrich, welchen wir vor Augen haben.
-
-Zur Zeit der amerikanischen Revolution lebte der Landgraf mit seiner
-zweiten Frau. Er war ungefähr 60 Jahre alt und scheint damals etwas
-gesetzter geworden zu sein. Er war ein tüchtiger Regent. Seine Truppen,
-durch Konscription ausgehoben und nach preussischem System gedrillt,
-bestanden aus guten Soldaten. Seine Armee zählte im Jahre 1781 22,000
-Mann, während die Bevölkerung seiner Gebiete wenig mehr als 300,000
-Seelen betrug; aber viele Fremde wurden zum Dienen angeworben. Ein Teil
-wurde nicht ununterbrochen bei der Fahne gehalten, sondern während des
-grössten Teils des Jahres beurlaubt, um nur auf einige Wochen zu den
-Uebungen eingezogen zu werden. Friedrich nahm grosses Interesse an
-seiner Armee und korrespondierte mit seinen Offizieren in Amerika um
-allen seinen Einfluss nutzbringend fühlen zu lassen. Auch bekümmerte er
-sich um die inneren Angelegenheiten des Landes und hinterliess bei
-seinem Tode einen vollen Staatsschatz. Er gründete Schulen und Museen
-und liebte wie seine Vorfahren, Prachtbauten. Als er 12,000 Mann nach
-Amerika sandte, setzte er die Steuern für deren Hinterbliebene
-herunter, und, obschon diese, traurig und niedergeschlagen, ihre Söhne
-und Brüder, die jenseits des Ozeans für fremde Interessen kämpfen
-mussten, betrauerten, so verdient Friedrich von Hessen-Cassel in
-gewisser Hinsicht Nachsicht im Urteil, da er immerhin persönliche Würde
-zeigte und einer der wenigst scrupellosen Fürsten war, die Söldner nach
-Amerika schickten.
-
-Wilhelm, der älteste Sohn und voraussichtliche Erbe Landgraf Friedrichs,
-regierte während der Revolution die unabhängige Grafschaft Hanau, die
-einige Meilen östlich von Frankfurt am Main lag. Wilhelm stand seinem
-Vater nach an Würde, kam ihm aber gleich an Sinnlichkeit. Im August
-1775, als man in Deutschland von der Nachricht der Schlacht von Bunker
-Hill noch ganz erfüllt war, beeilte sich der Erbprinz, Georg III. ein
-Regiment anzubieten »ohne die geringsten Bedingungen«. Trotz der
-Beteuerung seiner uneigennützigsten Ergebenheit erhielt er schliesslich
-einen höhern Preis für den gestellten Mann als einer seiner Mitbewerber,
-ausgenommen seinen durchlauchtigen Vater. Die Höfe von Cassel und Hanau
-standen nicht auf gutem Fusse. Seitdem der Landgraf den Glauben
-gewechselt hatte, lebte er mit seiner Gemahlin und seinen Erben in
-Streit. Aber die Lebensweise seines ältesten Sohnes unterschied sich
-nicht sehr von seiner eigenen. Als Wilhelm ein natürliches Kind zu
-unterhalten hatte, schlug er den Preis eines jeden Sackes Salz, den
-seine Unterthanen von den Salzminen brachten, um einen Kreuzer auf und
-gab die so erhaltenen Einkünfte dem Kinde. Als seine Nebenkinder die
-Zahl 74 erreicht hatten, mussten die ärmeren seiner Unterthanen mit dem
-Salz sparsam umgehen. Einer seiner Bastarde war jener General von
-Haynau, welcher in österreichischen Diensten Grausamkeiten in Italien
-1849 beging, der in Brescia Frauen peitschen liess und nachher in London
-vom Pöbel misshandelt wurde. Wilhelms Maitresse war während vieler
-Jahre ein Fräulein von Schlotheim, die ihm zuerst entlief aber von den
-eigenen Eltern zurückgeschickt wurde. Nach den Worten einer Dame in
-Cassel »konnte der hessische Adel diesen Vorteil nicht entbehren«.
-Obschon der Fürst im Jahre einige 12,000 Pfund Sterling als Subsidien
-für die Sendung von Truppen nach Amerika erhielt, so glaubt doch Kapp,
-dass er keine Steuern erliess, ausser den Frauen und Kindern der
-Soldaten der Expedition oder solche Steuern, die vom Eigentum der
-Soldaten erhoben wurden, die weder Frauen noch Kinder hatten. Dass die
-nachher erwähnten Fürsten Steuern erlassen hatten, habe ich nicht
-erfahren, aber meine Quellen mögen lückenhaft sein.
-
-Herzog Carl I. regierte über Braunschweig-Lüneburg und der Erbprinz Carl
-Wilhelm Ferdinand hatte sich mit ihm in der Regierung vereinigt. Der
-Letztere hatte eine Schwester König Georg III. geheiratet. Das Land
-hatte nur ungefähr 150,000 Einwohner und die Fürsten waren tief in
-Schulden. Carl war verschwenderisch und der siebenjährige Krieg war sehr
-kostspielig gewesen. Es waren Versuche gemacht worden, den Finanzen
-durch Alchemie aufzuhelfen, aber das Gold war im Rauchfang verflogen
-oder hatte seinen Weg in die Taschen der Alchemisten genommen, denn es
-war keins in den Schmelztöpfen gefunden worden. Ein italienischer
-Theater-Direktor erhielt ein Salair von 30,000 Thalern jedes Jahr,
-während Lessing, der bereits der Autor von »Emilia Galotti« und »Minna
-von Barnhelm« war, als Archivar für eine Kleinigkeit diente. Prinz Carl
-Wilhelm Ferdinand war ein besserer Haushalter als sein Vater. Die
-Lotterie, ein in jener Zeit modernes Mittel um Geld zu machen, war unter
-der Leitung eines Staatsministers eingerichtet worden, und brachte viel
-Geld ein, denn obschon der Herzog von Braunschweig weniger pro Kopf an
-Subsidien für die Sendung von Soldaten nach Amerika als irgend ein
-anderer Fürst erhielt, so war er doch im Stande, für sein Korps von
-4300 Mann 160,000 Pfund in die Tasche zu stecken, bevor der Krieg
-beendigt war.
-
-Die kleinen Gebiete von Anspach und Bayreuth, die zusammen ungefähr
-400,000 Seelen enthielten, waren kurz vorher unter der Regierung des
-Markgrafen Carl Alexander vereinigt worden. Keines von beiden Ländern
-war unter seinen Souveränen glücklich gewesen. Beide Länder hatten zu
-Zweigen der grossen Hohenzollern-Familie gehört, deren Hauptlinie
-bereits in Preussen den Grund zu der Macht gelegt hatte, welche ihr
-heute den ersten Platz in Europa gegeben hat. Aber den Markgrafen von
-Anspach und Bayreuth fehlte die Geschicklichkeit, welche der rauhen
-Strenge König Friedrich Wilhelms, des Vaters Friedrichs des Grossen, zu
-Grunde lag.
-
-Von diesem Friedrich Wilhelm haben wir ein lebendiges Bild in den
-Memoiren seiner Tochter Wilhelmine. Wie er seine Kinder mit dem Stock im
-Zimmer herumjagte, wie Wilhelmine sich unter dem Bett verbarg und
-Friedrich im Kloset, wie der König grosse Soldaten liebte und seiner
-Gemahlin gegenüber tobte, ist da genau erzählt. Mit der ausdrücklichen
-Absicht, ihre Geschichte heiterer zu machen, erzählt die Prinzessin, wie
-ihr Vater, der im Allgemeinen der keuscheste der Monarchen war,
-versuchte, eine Hofdame auf der Treppe zu küssen und wie sie ihn in's
-Gesicht schlug, so dass seine Nase blutete. Wilhelmine vermählte sich
-mit einem Markgrafen von Bayreuth, und ihre Schwester Friederike Louise
-mit einem Markgrafen von Anspach; letztere aber lebte nicht auf gutem
-Fusse mit ihm.
-
-Dieser Markgraf von Anspach war gutmütig in seiner Weise und gütig, wenn
-er nicht schlecht gelaunt war. Er liebte es, seinen Dienern kleine
-Gnadenbeweise zu geben, und ihnen persönlich davon Mitteilung zu machen.
-Er erlaubte bereitwillig, den Kranken Leckerbissen aus seiner Küche
-zukommen zu lassen. Wenn er nicht betrunken war, so war er geneigt, bei
-Verbrechern die Todesstrafe in Freiheitsstrafe zu verwandeln, falls sie
-sich nicht eines so schrecklichen Verbrechens schuldig gemacht hatten,
-wie der Überredung von Soldaten, zu desertieren, an seinem Hof zu
-stehlen oder zu wilddieben; aber seine militärischen Exekutionen waren
-barbarisch. Der Markgraf war regelmässig in seinem Kirchenbesuch und
-geneigt, Kirchen, Schulen und Hospitäler zu gründen. Er wäre deshalb
-wohl von seinen Unterthanen geliebt worden, wenn nicht seine ungezähmte
-Laune, und die Excesse, in die sie ihn führte, gewesen wären. Als er
-einmal gehört hatte, dass seine Hunde nicht gut gefüttert wurden, ritt
-er zu dem Haus des Mannes, der sie in Verwahrung hatte, rief ihn an die
-Thür und erschoss ihn an der eigenen Thürschwelle. Als ein Gastwirt
-wegen eines kleinen Diebstahls geklagt hatte, liess der Markgraf den
-Dieb hängen. Im Jahre 1747 war ein Dienstmädchen ohne Untersuchung
-gehängt worden, weil es einem Soldaten zur Flucht verholfen hatte. Als
-der Markgraf eines Tages aus seinem Schloss ritt, hielt er still und
-ersuchte den Wachtposten, der der Stadtwache angehörte und kein
-regulärer Soldat war, um sein Gewehr. Der arme Bursche, der nicht
-argwöhnisch war, gab es her, worauf der Markgraf ihn einen Feigling und
-Schuft nannte und ihn von zwei Husaren an den Schwänzen der Pferde durch
-den Mühlteich schleifen liess, an welcher Behandlung der Mann starb.
-Einer seiner Stallmeister, mit Namen von Reitzenstein, obschon
-habsüchtig und verderbt, war beim Volke beliebt, weil er einigemal diese
-Excesse mässigte. Bei einer Gelegenheit machte ein Schafhirt mit der
-Herde nicht schnell genug Platz für den Markgrafen wodurch Seiner
-Durchlauchtigsten Hoheit Pferd scheute. Der Markgraf forderte des
-Stallmeisters Pistolen um den Burschen niederzuschiessen. »Sie sind
-nicht geladen,« antwortete von Reitzenstein. Indessen kurz bevor sie zu
-Hause anlangten, zog der Stallmeister beide Pistolen heraus und feuerte
-sie in die Luft. Paff! Paff! »Was ist los?« schrie der erschrockene
-Markgraf. »Mein gnädiger Herr,« antwortete der andere, »ich glaube, Sie
-werden diese Nacht viel besser schlafen, nachdem sie den Krach der
-Pistolen jetzt, als eine Stunde vorher gehört haben.«
-
-Es war sehr gefährlich, des Markgrafen Handlungsweise zu kritisieren.
-1740 war ein gewisser Christoph Wilhelm von Rauber angeschuldigt,
-Karrikaturen und Schmähschriften verbreitet zu haben. Deswegen war er
-verurteilt worden, sich auf den Mund zu schlagen, doch mit der
-Verschärfung, dass es für ihn der Scharfrichter thun sollte, ferner
-sollte er sehen, wie der Letztere seine Schmähschriften verbrannte, und
-zuletzt geköpft werden, welch letztere Strafe gnädig in lebenslängliches
-Gefängnis und Konfiskation umgewandelt wurde.
-
-Carl Alexander, der Sohn dieses grausamen Markgrafen scheint etwas
-menschlicher als sein Vater gewesen zu sein. Er war in seiner Jugend
-nach Utrecht geschickt worden, um Staats-Wissenschaften zu lernen und
-dann nach Italien, wahrscheinlich um sich fürstliche Tugenden
-anzueignen. Er kehrte, durch Ausschweifungen abgelebt, zurück, welches
-sein Vater dem Reisebegleiter, Rath Meyer Schuld gab. Der letztere wurde
-in Zelle eingekerkert, sein späteres Schicksal ist unbekannt. Einer
-anderen Erzählung zufolge wurde er in Altenkirchen hingerichtet.
-
-Im Jahre 1777 war Carl Alexander, der Markgraf von Anspach und Bayreuth
-geworden, tief in Schulden und entzückt durch die Gelegenheit zwei
-seiner Regimenter in fremden Sold zu geben. Rekruten und Ersatzleute
-waren in Zeitabschnitten hinausgesandt worden, bis eine Totalsumme 2353
-erreicht war, für deren Dienste der Markgraf mehr als 100,000 Pfd.
-erhielt. Carl Alexander war der letzte Markgraf von Anspach und
-Bayreuth. Im Jahre 1791 verkaufte er beide Länder an Preussen, für eine
-Pension, von welcher er nachher in England lebte, wo er 1806 starb.
-
-Neben den Markgrafen von Anspach scheinen die Fürsten von Waldeck
-ziemlich beachtenswert. Allerdings gebrauchten sie ihr kleines Land
-hauptsächlich als Domäne um Leute für den Holländischen Markt
-aufzuziehen, aber sie selbst fochten mit Auszeichnung für dasselbe Land.
-Das Ausrüsten von Truppen für Amerika war mehr ein Neben-Geschäft, denn
-die ganze ausgeschickte Anzahl betrug nur 1225 Soldaten.
-
-Friedrich August, Fürst von Anhalt-Zerbst, kann als die Karrikatur eines
-kleinen deutschen Fürsten seiner Zeit angesehen werden. Er regierte über
-einige 20,000 Seelen, aber man kann nicht sagen, dass er sie regiert
-hat, denn die letzten 30 Jahre seines Lebens brachte er in Basel und
-Luxemburg zu. Selbst da fand er, dass seine Unterthanen ihm störend
-werden könnten, und verbot bei Strafe der Entlassung, durch eine formell
-gedruckte Ordre, dass ihn einer seiner Beamten mit den Angelegenheiten
-seines Landes behelligte. Er war nicht übermässig streng, indessen hatte
-er auf der Insel Wangeroog einen Galgen errichten lassen als
-Schreckmittel für die Austern-Stehler. Seine Armee von 2000 Mann, und
-diese noch dazu mehr auf dem Papier, zählte nicht weniger als 11
-Obersten, doch als es dazu kam, 600 Mann nach Amerika zu senden, musste
-er über die Grenzen des Landes hinausgehen, um nicht nur Soldaten
-sondern auch Offiziere zu finden. Das kleine Fürstentum war so zu sagen
-in Kommission und wurde durch einige wenige Privat-Räte verwaltet. Es
-hatte weder Kunst noch Industrie, und hatte durch Krieg, Hungersnot,
-Pest und Hochwasser gelitten. Aber es war ein Land, das sehr hohe
-Beziehungen hatte. Die Schwester des Fürsten war die Kaiserin Catharina
-II von Russland. Der Fürst selbst, obschon er fern vom Lande wohnte,
-fühlte trotzdem die Höhe seiner Stellung und hatte ein mitfühlendes Herz
-für Monarchen, wo nicht für Unterthanen. Als er hörte, dass gottlose
-Franzosen ihren König Louis XVI enthauptet hatten, verfiel er in
-Melancholie, verweigerte Essen und Trinken und starb, wie er gelebt
-hatte, als Parodie, die Karrikatur eines königlichen Märtyrers.
-
-
-
-
-Kapitel II.
-
-Die Verträge.
-
-
-Aus den Verhandlungen zwischen dem Hof von Grossbritannien und den
-deutschen Fürsten zur Anwerbung von Soldtruppen für den Krieg in Amerika
-ist ersichtlich, wie begierig man auf beiden Seiten war, zu einem
-Resultat zu gelangen. England gebrauchte Leute, die Fürsten Geld, und
-während die Letzteren sich bemühten so hohe Subsidienbeträge wie möglich
-zu bekommen, war die Hauptsorge des Kabinets von Lord North, die
-höchstmögliche Anzahl von Soldaten ohne Verzögerung zu erhalten.
-Friedrich Kapp, der deutsche Geschichtsschreiber dieses Handels, meint,
-dass Colonel William Faucitt, der Britische Kommissionär und
-General-Bevollmächtigte in dieser ganzen Angelegenheit, zu weitgehende
-Zugeständnisse bei Aufstellung der Bedingungen machte. Dies scheint
-jedoch nicht die Ansicht des Earl of Suffolk, North's Sekretär der
-auswärtigen Angelegenheiten, gewesen zu sein, da er sich fortgesetzt mit
-seinem Agenten sehr zufrieden erklärte.
-
-Das britische Kabinet war in seinen Hoffnungen, die es darauf gesetzt
-hatte, im Sommer und Herbst 1775 20,000 Mann von Russland zu bekommen,
-getäuscht worden. Ebenso zerschlugen sich die Verhandlungen in betreff
-eines sogenannten Schottischen Regiments, das gegenwärtig in
-holländischen Diensten war. Fünf Bataillone Hannoverischer Unterthanen
-Georg III. wurden nach Gibraltar und Minorca schleunigst entsandt, um
-die Engländer, die in diesen Festungen als Besatzung dient, für andere
-Zwecke frei zu machen. So war keine andere Hülfe zu gewärtigen als von
-den kleinen unabhängigen deutschen Fürstentümern.
-
-Der Erbprinz von Hessen-Cassel, gleichzeitig regierender Graf von
-Hessen-Hanau, hatte geschrieben, um Seiner Majestät von England seinen
-Eifer und seine Ergebenheit -- »dem besten der Könige« -- auszudrücken
-und ihm die Dienste seines Regiments von 500 Mann anzubieten, »alles
-Landeskinder, die ich dem Schutze Euerer Majestät anvertraue, und die
-alle mit mir bereit sind, ihr Leben und Blut in Dero Diensten zu
-opfern.« Man darf aber nicht glauben, dass der Prinz daran dachte, sein
-eigenes kostbares Leben in Gefahr zu bringen, und der Ausdruck von der
-Opferfreudigkeit seiner Unterthanen war auch nur eine reine Phrase. Der
-Fürst von Waldeck schrieb im November 1775 in ähnlicher Art, indem er
-600 Mann anbot. Seine Offiziere und Soldaten, ebenso wie ihr Fürst,
-verlangten nichts besseres, als eine Gelegenheit zu finden, sich für
-Seine Majestät zu opfern.
-
-Der Herzog von Braunschweig-Lüneburg und der Landgraf von Hessen-Cassel
-boten zwar ihre Dienste nicht an, Colonel Faucitt fand aber keine
-Schwierigkeiten in Verhandlungen mit ihnen einzutreten. Der Markgraf von
-Anspach-Bayreuth machte im Herbste 1775 ein Anerbieten von zwei
-Bataillonen, aber der betreffende Vertrag mit ihm kam erst nach mehr als
-einem Jahre zu Stande, und im Oktober 1777 wurde mit dem Fürst von
-Anhalt-Zerbst ein Übereinkommen getroffen, für dessen Zustandekommen er
-Alles that, was in seinen Kräften stand. Anerbietungen von Truppen von
-Seiten des Kurfürsten von Baiern und des Herzogs von Württemberg führten
-zu keinem Resultat, einesteils wegen der schlechten Beschaffenheit und
-Ausrüstung der angebotenen Soldaten und andernteils, Letzteren
-betreffend, wegen der Schwierigkeiten, die Friedrich der Grosse wegen
-Durchpassierens seiner Besitztümer machte. Anerbietungen mehrerer
-anderer kleiner deutscher Fürsten führten zu nichts.
-
-Der Vertrag, der zuerst abgeschlossen wurde, war der mit dem Herzog von
-Braunschweig. Er ist datiert vom 9. Januar 1776. Der Herzog stellt darin
-Sr. Britannischen Majestät 3964 Mann Infanterie und 336 unberittene
-Dragoner zur Verfügung. Dies Korps sollte auf Kosten des Herzogs
-vollkommen ausgerüstet werden, ausgenommen die Pferde der leichten
-Kavallerie. Sie sollten von Braunschweig in zwei Teilen marschieren im
-Februar und März, und der König war verpflichtet Massnahmen zu treffen,
-um Desertionen während des Marsches durch Kurfürstlich Hannoversches
-Gebiet auf dem Wege zur Küste zu verhindern. Der König sollte sie
-bezahlen und verpflegen wie seine eigenen Soldaten, und der Herzog
-sollte sich verpflichten, sein Korps in den vollen Genuss der von Sr.
-Britannischen Majestät genehmigten Geld-Verpflegung gelangen zu lassen,
-mit andern Worten, den Leuten keine niedrigere Löhnung zu zahlen und die
-Differenz in die Tasche zu stecken. Die Britische Regierung traute ihm
-jedoch nicht. Von der Zeit der Ankunft der Truppen in Amerika an wurde
-die Löhnung direkt dorthin geschickt, um sie nicht durch die Hände Sr.
-Hoheit des Herzog gehen lassen zu müssen. Diese Vorsichtsmassregel war
-bei allen deutschen Hilfstruppen angewandt worden mit Ausnahme derer von
-Hessen-Cassel, dessen Landgraf es gelang, die Geldwirtschaft selbständig
-zu führen. Die Braunschweig'schen Soldaten sollten in Britischen
-Hospitälern gepflegt werden, und die Verwundeten, die nicht mehr
-dienstfähig wären, auf Kosten des Königs nach Europa transportiert und
-in einem Hafen der Elbe oder Weser gelandet werden. Der Herzog war
-einverstanden damit, die jährlich für das Korps notwendig werdenden
-Rekruten auszuheben, zu disziplinieren und auszurüsten, aber wenn es
-sich ereignen sollte, dass eins der Regimenter, Bataillone oder eine
-Kompagnie aussergewöhnlich Verlust erleiden sollte, entweder in einer
-Schlacht, bei einer Belagerung oder durch eine Epidemie, oder durch den
-Verlust eines Transportschiffes auf der Fahrt nach Amerika, so sollte
-Se. Britannische Majestät für den Schaden aufzukommen haben an
-Offizieren und Soldaten und die Kosten tragen für die Rekruten, die
-nötig würden, um die Korps wieder auf ihren alten Etat zu bringen.
-
-Der Herzog sollte die Offiziere ernennen und die vakanten Stellen
-besetzen. Er verpflichtete sich, dazu geeignete Leute zu wählen. Die
-Rechtspflege reservierte er für sich. Es wurde festgesetzt, dass seine
-Truppen nicht zu aussergewöhnlichen Dienstleistungen herangezogen werden
-sollten, die ausser Verhältnis ständen zu den Anforderungen, wie sie an
-die übrige Armee gestellt wurden.
-
-Der König von England verpflichtete sich, Seiner Hoheit unter dem Titel
-Werbegeld für jeden Soldaten den Betrag von 30 Kronen oder 7 Pfund 4
-Schilling 4-1/2 Pence zu zahlen. Ausserdem hatte er jährlich an
-Subsidien 11,517 L. 17 S. 1-1/2 P. vom Tage der Unterzeichnung des
-Vertrages an, so lange die Truppen in seinem Sold ständen, zu zahlen,
-und das doppelte dieser Summe (also 23,035 L. 14 S. 3 P.) noch zwei
-Jahre nach Rückkehr der Truppen in das Gebiet Seiner Hoheit. In
-Anbetracht der Eile, mit der die Truppen ausgerüstet waren, gewährte Se.
-Majestät den Sold für zwei Monate vor dem Ausrücken und übernahm alle
-Unkosten von der Zeit an nach dem Verlassen ihrer Standquartiere.
-
-Noch eine Bedingung in diesem Vertrage verdient hervorgehoben zu werden,
-da sie die wohlberechtigte Entrüstung aller derer erregt hat, die dieses
-Handeln mit Menschenblut verdammt haben. Es heisst darin: »Dem Herkommen
-entsprechend sollen drei Verwundete einem Gefallenen gleich gerechnet
-werden; für einen Gefallenen soll der Satz bezahlt werden, wie er bei
-dem Werbegeld für den Einzelnen festgesetzt ist.« Diese Clausel, die in
-dem darauf folgenden Vertrag mit Hessen-Cassel nicht verzeichnet steht,
-befindet sich in dem Vertrag mit Braunschweig in demselben Artikel, in
-welchem die Bedingung betreffs Vergütung für aussergewöhnliche Verluste
-durch Schlachten, Epidemien und Schiffbrüche enthalten ist. Man könnte
-es so verstehen, dass der König von England sich verpflichtete, für
-jeden Rekruten, der an Stelle eines gefallenen Braunschweigers treten
-würde, die Kosten tragen sollte, dass aber für jeden Deserteur oder für
-jeden an einer Krankheit verstorbenen der Herzog einen anderen Mann zu
-stellen hätte, es sei denn, dass eine ungewöhnlich verheerende Epidemie
-ausbräche. Aber wenn man der Sache diese Auslegung giebt, wie verhält es
-sich mit den »drei Verwundeten«? Kapp verwirft diese Erklärung, und
-behauptet, dass für neue Rekruten Werbegeld gezahlt wurde ausser den 30
-Kronen für die Gefallenen und Verwundeten, und dass dieses Blutgeld vom
-Fürsten in die Tasche gesteckt wurde, anstatt dass es die Familien des
-Gefallenen oder der Verwundete selbst erhielt. Jedenfalls steht die
-Thatsache fest, dass der Herzog von Braunschweig kontraktlich die Summe
-von ungefähr 35 Dollars für jeden, der in der Schlacht fallen würde, und
-11 Dollars 36 cent für jeden Verkrüppelten zu bekommen hatte. Es ist
-wahrscheinlich jetzt nicht mehr möglich nachzuweisen, wieviel England in
-Wirklichkeit hierfür ausgezahlt hat. Die Bezahlung war auf den
-Rechnungen, die dem Parlament von dem Kriegs-Ministerium eingereicht
-wurden, nicht in einzelnen Posten aufgeführt. Kapp glaubt, dass dem
-Kabinet die Kritik, die dieser Punkt herausgefordert haben würde, nicht
-angenehm gewesen wäre.
-
-Der Vertrag mit Hessen-Cassel, datiert vom 15. Januar 1776; er
-unterscheidet sich von dem mit Braunschweig hauptsächlich dadurch, dass
-er sich für den deutschen Hof günstiger stellte. In erster Linie wurde
-der König von Gross-Britannien veranlasst, ein Schutz- und Trutz-Bündnis
-mit dem Landgrafen von Hessen-Cassel zu schliessen. Die Hessischen
-Truppen sollten geschlossen unter der Führung ihres Generals bleiben,
-wenn nicht die Kriegsverhältnisse eine Teilung notwendig machen würde.
-Die Kranken sollten in der Pflege der eigenen Ärzte und anderer Leute
-bleiben, welche die Hessischen Generale zu ernennen hätten; und es
-sollte ihnen Alles, was der König seinen eigenen Truppen zu Teil werden
-liesse, ebenfalls zugestanden werden. Nach diesem Vertrage war der
-Landgraf verpflichtet, 12,000 Mann aufzubringen, sie vollständig
-auszurüsten und, wenn gewünscht auch Artillerie zuzuteilen. Es wurde
-derselbe Satz Werbegeld wie an den Herzog von Braunschweig gezahlt, also
-30 Kronen oder 7 £. 4 Sch. 4-1/2 Pfg. für jeden Mann. Die Subsidien
-waren jedoch im Verhältnis höher, sie betrugen 450,000 Kronen oder
-108,281 £ 5 Sch. pro Jahr und wurden (aber nicht verdoppelt) noch ein
-weiteres Jahr nach Rückkehr der Truppen nach Hessen gezahlt. Der
-Landgraf stellte später noch mehrere kleinere Kontingente auf, für die
-er besondere Verträge abschloss. Nach ungefährer Schätzung bestand der
-Vorteil, den der Landgraf über den Herzog erlangte, darin, dass --
-abgesehen von dem obenerwähnten Blutgeld, worüber genauere Angaben
-fehlen und abgesehen von den Sporteln, die die hohen Rivalen noch
-bekamen und wenn man nur das Werbegeld und die Subsidien rechnet -- der
-Landgraf von Hessen-Cassel mehr als das Doppelte für jeden nach Amerika
-geschickten Mann wie der Herzog von Braunschweig bekam. Hierzu kam noch,
-was ausserhalb des Vertrages lag, dass der Landgraf Ansprüche auf eine
-alte Schuld vom siebenjährigen Kriege her geltend machte, die früher
-nicht anerkannt worden war. Sie betrug 41,820 £. 14 Sch. 5 Pfg.
-
-Die Verträge mit den kleineren Staaten Hessen-Hanau, Waldeck,
-Anspach-Bayreuth und Anhalt-Zerbst unterschieden sich in den Grundzügen
-nicht von den oben beschriebenen. Keiner von ihnen war für die Fürsten
-ganz so günstig wie der Vertrag mit Cassel, keiner ganz so günstig für
-England wie der mit Braunschweig. Die Blutgeld-Klausel findet sich in
-den Verträgen mit Hanau und Waldeck, aber nicht in dem mit Anspach.
-
-Von Zeit zu Zeit wurden mit mehreren der oben erwähnten kleineren
-Fürsten Händel wegen Gestellung von Ersatzmannschaften abgeschlossen.
-Jäger und Scharfschützen waren besonders gesucht.
-
-Jedes Jahr wurden Rekruten zu den verschiedenen Truppenteilen nach
-Amerika gesandt. Die Gesamtsumme der Leute setzt sich nach Kapp wie
-folgt zusammen aus:
-
- Braunschweig 5 723
- Hessen-Cassel 16 992
- Hessen-Hanau 2 422
- Anspach-Bayreuth 2 353
- Waldeck 1 225
- Anhalt-Zerbst 1 152
- --------------
- Zusammen: 29 867
-
-Von diesen segelten etwas mehr als 18 000 Mann im Jahre 1776 nach
-Amerika. Von dieser Gesamtsumme von beinahe 30,000 Mann kehrten 12,554
-nicht wieder nach Deutschland zurück. Ausser den Kontingenten, die durch
-die Verträge mit den deutschen Fürsten nach Amerika gesandt wurden,
-diente noch eine gewisse Anzahl Deutscher in Englischen Regimentern, von
-denen einige Aushebungs-Stationen am Rhein hatten.
-
-Es ist schwer zu sagen, wie diese Händel zwischen England und den
-deutschen Fürsten von der öffentlichen Meinung in Deutschland damals
-beurteilt wurden. Schlözer's »Briefwechsel«, das erste deutsche Journal
-dieser Periode, kam in Göttingen, dem Hannoverschen Gebiet Georg's III.
-zugehörig, heraus. Es enthält viele Aufsätze über den Amerikanischen
-Krieg, die alle von Englischer Seite geschrieben sind mit der einzigen
-Ausnahme eines Briefes an Baron Steuben, der auf Seiten der Kolonien
-focht. Der Brief ist obendrein von dem Herausgeber in einer den
-Amerikanern übel gesinnten Weise mit Anmerkungen versehen. Dieser Ton
-mag vielleicht Schlözer durch die Umstände aufgezwungen worden sein, da
-die Presse in Deutschland mehr geduldet als frei war. Ein interessantes
-kleines Buch wurde in Wolfenbüttel bei Braunschweig im Jahre 1778
-veröffentlicht. Es enthält eine Beschreibung von Amerika, seiner
-Produkte, Geographie, seine Geschichte und eine vorzügliche Karte. Der
-Verfasser des Buches ist den Kolonisten durchaus feindlich gesinnt. Die
-Sendung von mehr als 17000 Deutschen nach Amerika ist nur kurz, man
-möchte sagen, nebenbei erwähnt, dagegen sind die ersten Operationen in
-diesem Kriege, und speziell dieser Hilfstruppen ziemlich ausführlich
-behandelt und doch war die Anwesenheit so vieler Deutscher in Amerika
-zweifellos der Hauptgrund für das Entstehen des Buches. Auch ist es
-billig, dass in jenen Tagen ein Aufruhr viel schärfer beurteilt wurde
-als heut zu Tage, und dass ein solcher in den Augen von konservativ
-denkenden Leuten nicht als ein politischer Fehler sondern als ein
-abscheuliches Verbrechen galt.
-
-Ganz verschieden davon war die Art, in welcher die Liberalen Europas
-über den Krieg und die Söldner urteilten. Die Prinzipien, die im Begriff
-waren, der französischen Revolution die Wege zu ebnen, brachen sich
-Bahn, und einige der Darsteller dieses grossen Dramas begannen auf der
-Bühne zu erscheinen. Mirabeau, als Flüchtling in Holland weilend,
-veröffentlichte ein Pamphlet gerichtet »An die Hessen und andere
-deutsche Volksstämme, die von ihren Fürsten an England verkauft sind.«
-Es ist die Mirabeau'sche Schrift ein beredter Protest gegen die Raubgier
-der Fürsten und ein herrlicher Tribut, der dem Patriotismus der
-Amerikaner gezollt wird. Das Genie Mirabeau's konnte weit genug in die
-Zukunft sehen, um zu erkennen, dass der Nord-Amerikanische Kontinent
-einst ein Asyl für die Unterdrückten aller Nationen werden würde. Der
-gegen den Landgrafen von Hessen-Cassel geführte Schlag traf sein Ziel.
-Letzterer versuchte nicht nur die ganze Auflage des Pamphlets
-aufzukaufen, sondern veranlasste auch die Veröffentlichung einer
-Antwort, die wiederum eine Entgegnung zur Folge hatte, in welchem der
-zukünftige Tribun die Ansicht vertritt, dass ein Angriff auf die
-Freiheit der Nationen das grösste aller Verbrechen sei. In demselben
-Sinne schrieb Abbé Raynal und Andere, von denen einige zu dieser Zeit in
-Europa besser bekannt waren als Mirabeau, und gegen den ein
-Zeitungskrieg losbrach, der in den holländischen Zeitungen ausgefochten
-wurde, die damals die einflussreichsten, weil freisten auf dem Kontinent
-waren. In der Landes-Bibliothek in Cassel befindet sich ein
-interessantes kleines Pamphlet, herausgegeben im Jahre 1782 in
-französischer Sprache und ebenso in Deutsch. Dies Pamphlet war von
-Schlieffen, dem Gesandten Landgraf Friedrichs II., geschrieben. Der
-Schreiber weist auf die alte Erfahrung hin, dass die Menschen in allen
-Zeitaltern sich gegenseitig umgebracht hätten, dass die Schweizer lange
-Zeit gewöhnt gewesen als Söldner zu fechten, dass 10,000 Griechen unter
-Xenophon dasselbe gethan hätten, und er hielte es für ungerecht, seine
-Zeitgenossen für eine Sache zu tadeln, die in dem natürlichen Instinkt
-der Menschheit begründet läge. Er konstatierte, dass das gegenwärtige
-Vermieten von Truppen der zehnte Fall dieser Art seit Anfang des
-Jahrhunderts sei. Er wies auf die Wohlthaten hin, die der Landgraf
-seinem Lande hatte zu Teil werden lassen, und auf die Liebe, mit der ihn
-sein Volk verehrte. Er lenkte die Aufmerksamkeit, und dies war
-vielleicht sein bestes Argument, auf die Thatsache, dass der Landgraf
-von Hessen und der Herzog von Braunschweig so nahe mit dem englischen
-Königshaus verwandt wären, dass ihre Nachkommen eines Tages auf den
-grossbritannischen Thron berufen werden könnten. Die prahlerische
-Freiheit der Amerikaner wäre nur eine trügerische Sirene, denn die
-Geschichte bewiese, dass republikanische Regierungsformen ebenso
-tyrannisch und grausam wären wie Monarchieen.
-
-Dahingegen war der Freiherr von Gemmingen, der Gesandte des Markgrafen
-von Anspach, etwas beschämt über den Handel, den er abgeschlossen hatte.
-»Es kommt mir immer sehr hart an, mit Truppen zu handeln,« schreibt er
-an seinen Agenten in London, »aber der Markgraf ist entschlossen, die
-Sache um jeden Preis zu Stande zu bringen, um seine und seiner Vorgänger
-Schulden bezahlen zu können. Auf diese Weise wird freilich das Gute, das
-aus dem Subsidien-Vertrag entspringt, die schlechte Seite des Geschäfts
-überwiegen.« Später schreibt er: »Der Vertrag, den wir soeben
-abgeschlossen haben, ist viel günstiger, als wir erwarten konnten, wenn
-man bedenkt, dass das Anerbieten von uns aus ging und dass die
-königlichen Waffen bisher einen solchen Erfolg in Amerika gehabt haben.
-Die Sache wird natürlich in dem möglichst ungünstigsten Licht von Leuten
-angesehen werden, die es nicht verstehen, eine Staatsangelegenheit im
-Rahmen des Ganzen und nach ihren besonderen Motiven zu beurteilen. Aber
-sobald diese Leute sehen, wie fremdes Geld in unser armes Land fliessen
-wird, sobald sie sehen, dass dessen Schulden bezahlt werden, mit den
-Mitteln, die uns jetzt zufliessen, so werden sie und die ganze Welt
-entzückt sein und anerkennen, dass die Truppen, deren Pflicht es ist,
-die Feinde des Landes zu bekämpfen, den schlimmsten Feind besiegt haben,
-nämlich -- unsere Schulden. Selbst der niedrigste Soldat, der nach
-Amerika geht, gut bezahlt und wohl versorgt, wird mit seinen
-Ersparnissen zurückkehren und stolz darauf sein, für sein Vaterland und
-seinen eigenen Vorteil gearbeitet zu haben ... Ich bin im Allgemeinen
-ein erklärter Feind von solchem Handel mit Menschen; aber es giebt
-Fälle, in denen Schlechtes sich in eine Wohlthat verwandelt, und so
-verhält es sich, wenn ich mich nicht irre, in diesem Falle.«
-
-Friedrich der Grosse drückte in einem Brief an Voltaire (vom 18. Juni
-1776) seine Verachtung über die mit Menschen handelnden Fürsten aus und
-fand etwas später Gelegenheit, ihnen Hindernisse in den Weg zu legen.
-»Wäre der Landgraf aus meiner Schule hervorgegangen,« schrieb er, »so
-würde er nicht seine Unterthanen an die Engländer verkauft haben, wie
-man Vieh verkauft, um es zur Schlachtbank zu führen. Dies ist kein
-schöner Zug in dem Charakter eines Fürsten, der sich rühmt, der
-Lehrmeister von Regenten zu sein. Ein solches Handeln ist durch nichts
-Anderes als durch schmutzigen Eigennutz hervorgerufen. Ich bedauere die
-armen Hessen, die ihr Leben unglücklich und nutzlos in Amerika enden.«
-Napoleon, der dreissig Jahre später den damaligen Landgrafen von
-Hessen-Cassel (den »Grafen von Hanau« der Verträge) vertrieb, äusserte
-sich folgendermassen: »Das Fürstenhaus von Hessen-Cassel hat viele Jahre
-lang seine Unterthanen an England verkauft. Auf diese Weise haben die
-Kurfürsten solche Schätze gesammelt. Diese Habsucht ist die Ursache des
-Sturzes ihrer Dynastie.«
-
-
-
-
-Kapitel III.
-
-Die Verträge vor dem Parlament.
-
-
-Der angreifende oder sich rechtfertigende Ton der Minister der deutschen
-Despoten hatte wenig Einfluss, wenn ihre Herren sich einmal für eine
-Sache entschieden hatten. Der leidenschaftliche Protest eines jungen
-deutschen Poeten oder eines französischen Pamphletisten konnte
-schwerlich auf die Politik einen Einfluss ausüben. Der König von
-Preussen, dessen Wort in betreff des Verdingens von Soldaten für fremde
-Kriegsdienste Gesetz gewesen sein mag, zog es vor, mit Verachtung zu
-strafen, anstatt zu befehlen. Aber im Parlament von Gross-Britannien
-wurden die Verträge zwischen dem König von England und den deutschen
-Fürsten verhandelt durch verantwortliche Minister auf der einen Seite,
-und auf der andern Seite durch Staatsmänner, von denen einige eines
-Tages zur Macht gelangen konnten. Es ist richtig, dass die Majorität,
-welche die Regierung unterstützte, so erdrückend war, dass die
-Opposition keine Aussicht hatte, sie zu stürzen. Aber es lässt sich kaum
-bezweifeln, dass, obwohl die grössere Stimmenzahl auf Seiten der Tories
-im Parlament von 1776 war, das geistige Übergewicht auf Seiten der Whigs
-sich befand.
-
-Am 29. Februar 1776 beantragte Lord North, die Verträge zwischen Seiner
-Majestät und dem Landgrafen von Hessen-Cassel, dem Herzog von
-Braunschweig und dem Erbprinz von Hessen-Cassel dem »Committee of
-Supply« zu überweisen. Er sagte, dass Truppen das beste und radikalste
-Mittel wären, um Amerika zum verfassungsmässigen Gehorsam zu zwingen, da
-man Soldaten auf diese Weise schneller und zu günstigeren Bedingungen
-bekommen könnte, als durch Aushebungen in der Heimat; dass die
-gemieteten Truppen weniger kosten würden, als man erwartet hätte und
-schliesslich, dass die Truppenmacht, die sie im Stande sein würden, nach
-Amerika zu senden, genügen würde, nach menschlicher Berechnung, das Land
-zu zwingen sich zu unterwerfen, vielleicht ohne ferneres Blutvergiessen.
-
-Lord North wurde unterstützt von Mr. Cornwall, der das hohe Haus
-versicherte, dass er besser wie irgend Jemand in demselben Gelegenheit
-gehabt hätte, Mittel und Wege kennen zu lernen mit den deutschen Prinzen
-zu verhandeln und Truppen zu besorgen; dass seine jahrelange Stellung
-(als Sekretär in dem Zahlamt während des deutschen Krieges) ihm diese
-Gelegenheit gegeben hätte; und er wäre erstaunt zu hören, dass Leute,
-die mit den deutschen Verhältnissen bekannt wären, die gegenwärtigen
-Bedingungen ungünstig fänden. Er bestritt, dass die dem Herzog von
-Braunschweig im Voraus bezahlten zwei Monate Sold nichts weiter als ein
-Douceur wären, und blieb dabei, dass die Truppen unter besseren
-Bedingungen wie je zuvor zu bekommen wären, besonders wenn das Geschäft
-noch im Laufe des Jahres effektuiert werden könnte, woran er keinen
-Grund hätte zu zweifeln.
-
-Lord George Germaine verteidigte die Vorlage auf Grund der
-Notwendigkeit. Er zählte eine Reihe von Präzedenzfällen auf, um zu
-zeigen, dass in jedem Krieg oder Aufstand, England zu fremden Truppen
-seine Zuflucht hätte nehmen müssen um die Schlachten zu schlagen und das
-Land zu verteidigen. Lord Barrington, der im Innersten seines Herzens
-das allgemeine Verhalten der Regierung nicht gebilligt und der
-vergeblich den König gedrängt hatte, seine Entlassung anzunehmen, hatte
-die Vorlage in ähnlichem Sinne unterstützt. Er gab zu, dass der Handel
-kein günstiger sei, aber immerhin der beste, den man abschliessen
-könnte.
-
-Auf der anderen Seite verwarf Lord John Cavendish die Vorlage in allen
-ihren Teilen. Britannien würde sich in den Augen von ganz Europa bloss
-stellen. Er machte Einwendungen gegen jeden einzelnen Paragraphen des
-Vertrags und hob hervor, dass eine Truppenmacht von 12,000 Fremden in
-das Gebiet der britischen Krone befördert werden sollte ohne unter
-Kontrolle weder des Parlaments noch des Königs zu stehen; denn der
-Vertrag sagte ausdrücklich, »dass dieser Truppenkörper unter dem Befehl
-der Generale bleiben sollte, denen er von Seiner Hoheit (dem Landgrafen)
-anvertraut würde.«
-
-Lord Irnham zweifelte an der Kompetenz der Fürsten, solche Verträge
-abzuschliessen. Er hielt es für nicht vereinbar mit ihren Pflichten
-gegenüber dem Reiche, sie machten sich dadurch in den Augen von ganz
-Europa ehrlos und verächtlich: zur Unterstützung despotischer Gewalt
-eine Pflanzschule von Soldaten zur Verfügung zu stellen, denen, die mehr
-Geld, aber nicht mehr Recht und Wert hätten als die, die sie durch Geld
-unterwerfen wollten. Er verglich die Fürsten mit Sancho Pansa, der
-wünschte, dass wenn er ein Fürst wäre, alle seine Unterthanen Sclaven
-werden würden, die er durch Verkauf zu Geld machte.
-
-Mr. Seymour antwortete Mr. Cornwall und forderte ihn auf, einen einzigen
-Fall anzuführen, in dem dieselbe Anzahl Truppen während derselben Zeit
-der Nation so viel Geld gekostet hätte.
-
-Der Hon. James Lutrell wies darauf hin, dass bereits 150,000 Deutsche in
-Amerika wären und dass daher unter den angeworbenen Truppen leicht
-Desertionen vorkommen könnten. Edmund Brake stellte fest, dass für 1000
-Fremde ebenso viel bezahlt würde wie für 1500 Eingeborene. Sir George
-Saville behauptete, dass dies der unvorteilhafteste Handel in dieser Art
-sei, der je abgeschlossen sei, seitdem es üblich wäre, Truppen
-anzuwerben; und Alderman Bull schloss die Debatte, indem er ausrief:
-
-»Man lasse den Geschichtsschreiber nicht gezwungen sein zu sagen, dass
-die russischen und deutschen Sklaven die Söhne Englands und der Freiheit
-unterjocht haben, und dass unter der Regierung eines Fürsten aus dem
-Hause Braunschweig jeglicher schmähliche Versuch gemacht wurde, den
-Geist auszulöschen, den seine Vorfahren bezeugten und der sich trotz
-Verrat und Verfassungsbruch auf dem Throne festzusetzen wusste.« Des
-Alderman's Gesinnung war besser als seine Rhetoric, aber beides war
-gleich nutzlos. Die Vorlage wurde mit 242 Stimmen gegen 88 angenommen.
-Am 5. März 1776 beantragte der Duke of Richmond im Hause der Lords, man
-möge Seiner Majestät dem König eine Adresse unterbreiten, um ihn zu
-bitten, den Abmarsch der fremden Truppen zu inhibieren und Massregeln zu
-treffen, um die Feindseligkeiten in Amerika sofort zu sistieren. Der
-Protest drückte die Ansicht des Hauses aus über die Gefahr und die
-Schande der Verträge durch die Gross-Britannien vor ganz Europa bekennen
-müsste, dass es nicht im Stande sei, einerseits wegen Mangel an
-Soldaten, andrerseits wegen Abneigung der eigenen Leute gegen diesen
-Krieg, eine genügende Anzahl Leute für die erste Kampagne auf die Beine
-zu bringen. Es wäre traurig zu sehen, wie durch das Abziehen der
-nationalen Truppen (die ohnehin zu schwach wären für den unglücklichen
-Zweck, dem sie dienen sollten) Gross-Britannien entblösst und den
-Angriffen und dem Eindringen mächtiger Nachbarn und fremder Nachbarn
-ausgesetzt sein würde.
-
-Das Dokument wies sodann darauf hin, dass eine Aussöhnung mit den
-Kolonien der Verwendung von Fremden vorzuziehen sei, die, wenn sie so
-weit von ihrer Heimat entfernt wären und unter dem Elend des Krieges, an
-dem sie kein Interesse hätten, leiden und so oft in Versuchung kommen
-würden, die Abhängigkeit mit der Freiheit zu vertauschen, viel eher
-meutern oder desertieren, als treu bleiben und mit Seiner Majestät
-eigenen Unterthanen gemeinsam operieren würden.
-
-Indem auf die Gefahr hingedeutet, fremde Truppen in das Reich
-hineinzulassen und Klage erhoben wird, dass bereits zwei der stärksten
-Festungen von ihnen besetzt seien,[1] fährt der Protest fort: »Wir haben
-obendrein Grund zu befürchten, dass, wenn die Kolonien sehen, wie
-Gross-Britannien Bündnisse schliesst und Truppen zu ihrer Unterwerfung
-anwirbt, sie durch das gegebene Beispiel sich für berechtigt halten
-werden, Anstrengungen zu machen, um ebenfalls Beistand zu erlangen; und
-dass Frankreich, Spanien, Preussen oder andere Europäische Mächte denken
-werden, dass sie ein ebensolches Recht haben wie Hessen, Braunschweig
-und Hanau, sich in unsere inneren Angelegenheiten zu mischen.«
-
- [1] Hannoversche Truppen waren nach Gibraltar und Port Mahon gesandt
- worden.
-
-Darauf wurde auf die Gefahr hingewiesen, dass man verpflichtet sein
-würde, den Landgrafen von Hessen bei seinen Streitigkeiten in Europa zu
-unterstützen, und es wurde der Meinung Ausdruck gegeben, dass
-Gross-Britannien noch nie einen Vertrag eingegangen sei, der so teuer,
-so ungleich, so entehrend und in seinen Folgen so gefährlich sei.
-
-Indem der Duke of Richmond den Protest einbrachte, gab er einen kurzen
-Überblick über die Verträge, die seit 1702 mit den Landgrafen von Hessen
-abgeschlossen worden seien, und zeigte, dass die aufeinanderfolgenden
-Landgrafen mit der Zeit ihre Forderungen gesteigert hätten, und dass,
-wenn sie versuchten, günstigere Bedingungen herauszudrücken, sie niemals
-unterliessen, ihre vorhergegangene Erpressung als Grundlage für den
-neuen Vertrag dienen zu lassen und immer eine neue Forderung an
-Gross-Britannien zu stellen. Dieser Vertrag sei »offenbar ein
-gewinnsüchtiger Handel, indem man eine Anzahl Söldner in Sold nehme,
-die man kaufe und verkaufe wie das Vieh, das zur Schlachtbank geführt
-würde ... Legt man aber den Verträgen eine Alliance zu Grunde, was
-würde die Folge sein? Dass, wenn eine dieser Mächte angegriffen oder
-ohne Grund einen Angriff provozieren würde, wir sie mit allen uns zu
-Gebote stehenden Mitteln unterstützen müssten. Folglich haben wir
-wegen des Beistandes von wenigen Tausend Söldnern nicht nur doppelt zu
-bezahlen, sondern wir gehen auch eine feierliche Verpflichtung ein,
-unsere Streitkräfte zu opfern und Hülfe zu leisten, wenn der Landgraf
-oder Herzog angegriffen oder ihm sein Besitztum streitig gemacht
-wird.«
-
-Der Duke of Richmond bezeichnete es ferner als eine Gefahr, einen
-Truppenkörper von 12,000 fremden Söldnern zu haben unter dem Kommando
-eines von dessen eigenen Generalen, bei dem die Möglichkeit nicht
-ausgeschlossen sei, dass er zum Höchst-Kommandierenden befördert werden
-könne; es könne eine grosse Verwirrung entstehen durch Streitigkeiten
-zwischen dem fremden und eigenen kommandierenden General.
-
-Der Earl of Suffolk antwortete für die Regierung: »Der Tenor der
-Verträge,« sagte er, »ist kein anderer als er es bei früheren
-Gelegenheiten gewesen ist. Der gegenwärtige, das ist wahr, ist voll von
-schwülstigen hochtönenden Phrasen von einem Bündnis, und ich bin so
-offenherzig, dem edlen Herzog zu bemerken, dass ich sie nur als solche
-ansehe; und ich gehe soweit, zu sagen, dass die wahre Absicht der
-Verträge die ist, weniger ein Bündnis zu schliessen als einen
-Truppenkörper anzuwerben, den der gegenwärtige Aufstand in Amerika
-notwendig erscheinen lässt.«
-
-Indem Lord Suffolk somit die Bedingungen des Vertrages, für den er
-persönlich verantwortlich war, in das richtige Licht gesetzt hatte, fuhr
-er fort nachzuweisen, dass die Bedingungen vorteilhaft sein würden, wenn
-man die Truppen nur ein Jahr gebrauchen würde, dass man aber unter allen
-Umständen, wenn die Soldaten gebraucht würden, sich den gestellten
-Bedingungen fügen müsste.
-
-Der Earl of Carlisle war überzeugt, dass die Arbeitskräfte, die durch
-die Industrie in Anspruch genommen würden, der geringe Nutzen einer
-neuen Aushebung, wenigstens für die erste Kampagne und der Wunsch jedes
-Vaterlandsfreundes, den unglücklichen Verhältnissen ein schnelles Ende
-bereitet zu sehen, dass dies Alles die Notwendigkeit der Verwendung
-fremder Truppen genügend rechtfertigen würde. Man sollte bedenken den
-schwerfälligen Koloss, den das Reich bildete und die Operationen, die
-selbst im Falle eines Defensivkrieges nötig sein würden, und stellte
-anheim, ob es einem so unbedeutenden Stück Land, wie die Insel
-Gross-Britannien möglich sei, eine Zahl aufzubringen, die genügten, um
-Operationen zu führen, die derartige Anforderungen stellen würden.
-
-Die Debatte zog sich sehr in die Länge und wurde mit grosser Erbitterung
-geführt. Auf Seiten der Whigs klagte der Duke of Cumberland --
-»Braunschweiger zu sehen, die einst -- was ihnen zu grosser Ehre
-gereichte -- zur Verteidigung der Freiheiten der Unterthanen Verwendung
-fanden, und jetzt nach einem andern Teil des grossen Reiches gesandt
-werden, um sie der konstitutionellen Freiheiten zu berauben.« Der Duke
-of Manchester führte aus, dass _der_ Mensch für einen Söldling gehalten
-werden müsste, der für Geld um einer Sache willen kämpft, an der er
-keinen Anteil hat. Der Earl of Helburne gab die Notwendigkeit der
-Verwendung fremder Truppen nicht zu und wurde hierin von Lord Carnden
-unterstützt, der das hohe Haus fragte, ob nicht der ganze Vertrag eine
-Zusammensetzung von Schande, Niederträchtigkeit und Betrügerei wäre, wie
-sie noch nie dem Parlament zugemutet worden wäre. »Ist einer unter Ihnen
-my lords,« fragte er, »der nicht vollkommen einsieht, dass das Ganze ein
-rein gewinnsüchtiger Handel ist, bei dem von der einen Seite Truppen
-gedungen, von der andern menschliches Blut verkauft wird; und dass die
-geduldigen Opfer, zum Abschlachten verkauft, die grössten Söldlinge in
-des Wortes schlimmster Bedeutung sind?«
-
-Die Tory-Lords scheinen sich weniger an der Debatte beteiligt zu haben,
-wahrscheinlich, weil sie es für unnötig hielten zu sprechen, da sie in
-der Majorität waren. Die Vorlage wurde mit 100 gegen 32 Stimmen
-abgelehnt.
-
-Es scheint mir, als ob die Lords nicht ganz gerecht in ihrem Urteil über
-die deutschen Soldaten gewesen wären. Die meisten dieser armen Teufel
-fochten nicht um Geld, sondern weil sie es nicht ändern konnten. Die
-Leute, die wirklich »Söldlinge in des Wortes schlimmster Bedeutung«
-waren, waren der Landgraf, der Herzog und die Fürsten; aber man konnte
-von den edlen Lords kaum erwarten, dass sie dies aussprechen würden.
-
-Was die Haltung der britischen Regierung beim Anwerben der Truppen
-anbetrifft, so ist klar, dass ihr kein anderer Weg übrig blieb, wenn der
-Krieg energisch durchgeführt werden sollte. Infolge des Misskredits, in
-dem reguläre Soldaten bei den Engländern standen, war die britische
-Armee zu Friedenszeiten nicht so stark wie die Zahl, die jetzt im
-Ausland aufgebracht werden sollten. Werbungen waren mit Schwierigkeiten
-verbunden, man erhielt durch sie nur rohe Rekruten. Die Konscription ist
-ein Ding der Unmöglichkeit in England. Wenn man Leute haben wollte,
-musste Lord North sie in Deutschland suchen.
-
-Die Regierung und das Reich aber bezahlten einen enormen Preis für die
-Hilfstruppen. Die Antwort auf den Vertrag mit dem Landgrafen war die
-Unabhängigkeits-Erklärung. Die Verwendung von fremden Soldtruppen durch
-die britische Regierung wirkte zum grossen Teil mit, die Amerikaner zu
-dem Entschluss kommen zu lassen, ihre Lehnspflicht gegen die englische
-Krone abzuschütteln und Bündnisse mit deren früheren Feinden zu suchen.
-Die Gefahr, auf die in dem Protest der Lords hingewiesen worden war,
-wurde zur Wirklichkeit, und Männer von englischem Blut behaupteten, dass
-Frankreich ein ebensolches Recht wie Hessen hätte, sich in ihre inneren
-Streitigkeiten zu mischen.
-
-
-
-
-Kapitel IV.
-
-Die Soldaten.
-
-
-Die Soldaten, welche die deutschen Fürsten an England vermieteten zur
-Unterdrückung der amerikanischen Revolution wurden auf verschiedene
-Weise zusammengebracht. In Hessen-Cassel war das Land in Distrikte
-eingeteilt gewesen, von welchen jeder eine bestimmte Anzahl Rekruten für
-ein bestimmtes Regiment zu stellen hatte. Die Offiziere waren indessen
-angehalten worden, soviel Fremde wie möglich der Armee zuzuführen, um
-die eigenen Distrikte zu schonen, deren Einwohner immer bei der Hand
-sein würden, wenn man ihrer im Notfall bedürfte. Es stand in den
-Armee-Vorschriften, dass diejenigen Regiments-Kommandeure oder
-Hauptleute sich am besten empfehlen würden, wenn sie versuchten, fremde
-Rekruten einzureihen. Die zwangsweise Rekruten-Aushebung war verboten,
-doch diese Bestimmung sollte wahrscheinlich nur auf die Eingeborenen
-Anwendung finden. Jedenfalls scheint es nicht die Thätigkeit der
-Werbeoffiziere vermindert zu haben, und in den kleineren Staaten hat
-wahrscheinlich ein solches Gesetz überhaupt nicht existiert. In Anspach
-durfte Niemand ohne Erlaubnis das Land verlassen oder heiraten. Es muss
-dabei erwähnt werden, dass in diesem Fall mit Land nicht Deutschland,
-sondern die Territorien des Markgrafen gemeint waren, und dass die
-Fremden, die der Landgraf angeworben haben wollte, die Unterthanen der
-benachbarten kleinen Fürsten waren. Werbeoffiziere waren über ganz
-Deutschland hin thätig. Lüderliche Kerle, Trunkenbolde, Vagabunden und
-Leute, die politische Umtriebe machten, wurden, wenn sie nicht über 60
-Jahre alt, gesund und gut gewachsen waren, zwangsweise eingestellt. Mit
-dem Geschenk eines grossen, robusten Mannes empfahl sich ein Fürst dem
-andern in der angenehmsten Weise; in jedem Regiment waren viele
-Deserteure von anderen Staaten. Zusammen mit dieser gemischten
-Gesellschaft diente der ehrliche deutsche Bauernbursche. Es muss noch
-erwähnt werden, dass die Regimenter, die nach Amerika geschickt wurden,
-aus einem bessern Material bestanden, wie die Regimenter zu gewöhnlicher
-Zeit. --
-
-Johann Gottfried Seume, welcher später einige Bedeutung als
-Schriftsteller erlangte, war ein Opfer des Werbesystems und hat eine
-Beschreibung seiner Erlebnisse hinterlassen. Seume war Student der
-Theologie in Leipzig, doch nachdem ihm religiöse Zweifel gekommen waren,
-welche seine Freunde -- wie er wusste -- verletzen würden, machte er
-sich zu Fuss auf den Weg nach Paris, mit einem Säbel an der Seite, mit
-einigen Hemden und Bänden der Klassiker in der Reisetasche und ungefähr
-9 Thalern. Seine Reise sollte indessen eine andere Richtung nehmen.
-»Den dritten Abend übernachtete ich in Vach,« schreibt er, »und hier
-übernahm trotz allen Protest der Landgraf von Kassel, der damalige
-grosse Menschenmakler, durch seine Werber die Besorgung meiner ferneren
-Nachtquartiere nach Ziegenhain-Kassel und weiter nach der neuen Welt.
-Man brachte mich als Halbarrestanten nach der Festung Ziegenhain, wo der
-Jammergefährten aus allen Gegenden schon viele lagen, um mit dem
-nächsten Frühjahr nach Faucitts Besichtigung nach Amerika zu gehen. Ich
-ergab mich in mein Schicksal und suchte das Beste daraus zu machen, so
-schlecht es auch war. Wir lagen lange in Ziegenhain, ehe die gehörige
-Anzahl der Rekruten vom Pfluge und dem Heerwege und aus den Werbestädten
-zusammengebracht wurde. Die Geschichte dieser Periode ist bekannt genug:
-niemand war damals vor den Handlangern des Seelenverkäufers sicher;
-Überredung, List, Betrug, Gewalt, alles galt. Man fragte nicht nach den
-Mitteln zu dem verdammlichen Zwecke. Fremde aller Art wurden angehalten,
-eingesteckt, fortgeschickt. Mir zerriss man meine akademische
-Inskription, als das einzige Instrument meiner Legitimierung. Am Ende
-ärgerte ich mich weiter nicht; leben muss man überall: wo so viele
-durchkommen, wirst du es auch: über den Ozean zu schwimmen war für einen
-jungen Kerl einladend genug und zu sehen gab es jenseits auch etwas. So
-dachte ich. Während unseres Aufenthalts in Ziegenhain brauchte mich der
-alte General Gore zum Schreiben und behandelte mich mit vieler
-Freundlichkeit. Hier war denn ein wahres Quodlibet von Menschenseelen
-zusammengeschichtet, gute und schlechte, und andere, die abwechselnd
-beides waren. Meine Kameraden waren noch ein verlaufener Musensohn aus
-Jena, ein bankerotter Kaufmann aus Wien, ein Posamentierer aus Hannover,
-ein abgesetzter Postschreiber aus Gotha, ein Mönch aus Würzburg, ein
-Oberamtmann aus Meiningen, ein preussischer Husarenwachtmeister, ein
-kassierter hessischer Major von der Festung und andere von ähnlichem
-Stempel. Man kann denken, dass es an Unterhaltung nicht fehlen konnte;
-und eine blosse Skizze von dem Leben der Herren müsste eine
-unterhaltende, lehrreiche Lektüre sein. Da es den meisten gegangen war
-wie mir, oder noch schlimmer, entspann sich bald ein grosses Komplott zu
-unser aller Befreiung.«
-
-Es wurde Seume angeboten, Rädelsführer der Verschwörer zu sein, doch auf
-den Rat eines alten Feldwebels hin schlug er dies ehrenvolle Amt aus.
-»Man wollte um Mitternacht auf ein Zeichen ausziehen, der Wache stürmend
-die Gewehre wegnehmen, was sich widersetzte niederstechen, das Zeughaus
-erbrechen, die Kanonen vernageln, das Gouvernementshaus verriegeln und
-1500 Mann stark zum Thore hinaus marschieren. In drei Stunden wären wir
-über der Grenze gewesen.« Jedoch das Komplott wurde verraten, die
-Rädelsführer wurden verhaftet, unter ihnen Seume. Er wurde aber bald
-wieder freigelassen, da niemand etwas gegen ihn aussagen konnte und
-besonders weil es zu viele geworden wären, die hätten bestraft werden
-müssen. »Der Prozess begann,« sagt er, »zwei wurden zum Galgen
-verurteilt, worunter ich unfehlbar gewesen sein würde, hätte mich nicht
-der alte preussische Feldwebel gerettet. Die Übrigen mussten in grosser
-Anzahl Gassen laufen, von sechsunddreissig Malen herab bis zu zwölfen.
-Es war eine grässliche Schlächterei. Die Galgenkandidaten erhielten zwar
-nach der Todesangst unter dem Galgen Gnade, mussten aber
-sechsunddreissig Mal Gassen laufen und kamen auf Gnade des Fürsten nach
-Cassel in die Eisen. Auf unbestimmte Zeit und auf Gnade in die Eisen
-waren damals gleichbedeutende Ausdrücke und hiessen so viel als »ewig
-ohne Erlösung.« Wenigstens war die Gnade des Fürsten ein Fall, von dem
-niemand etwas wissen wollte. Mehr als dreissig wurden auf diese Weise
-grausam gezüchtigt, und Viele, unter denen auch ich war, kamen bloss
-deswegen durch, weil eine zu grosse Menge von Mitwissern hätte bestraft
-werden müssen. Einige kamen beim Abmarsch wieder los, aus Gründen, die
-sich leicht erraten lassen: denn ein Kerl, der in Cassel in den Eisen
-geht, wird von den Engländern nicht bezahlt.«
-
-Bei Truppen, wie diese es waren, waren Desertionen natürlicherweise
-etwas gewöhnliches. Der Militärdienst war gefürchtet, und in kleineren
-Staaten hätte eine gelungene Flucht den Deserteur nach wenigen Meilen
-über die Grenze gebracht. Das Volk sympathisierte mit ihm und würde ihm
-geholfen haben, wenn hierauf nicht schwere Bestrafung gestanden hätte.
-Dies war indess nicht nötig. Wenn in Württemberg Allarm geschlagen
-wurde, musste sofort die ganze Gemeinde ausrücken und 24 Stunden lang
-die Strassen, Fusspfade und Brücken besetzen, bis der Flüchtling
-gefangen war. Wenn er entschlüpfte, so musste der Ort einen Ersatzmann
-stellen, der ebenso gross war wie der Deserteur, und die Söhne der
-ersten Männer des Ortes wurden in erster Linie genommen. Dieser Befehl
-musste jeden Monat einmal von der Kanzel verlesen werden. Wer einem
-Deserteur behülflich war, verlor die Bürgerrechte, wurde zu Zwangsarbeit
-verurteilt und im Gefängnis gepeitscht. Die Gesetze in Hessen-Cassel
-scheinen etwas weniger grausam gewesen zu sein. Bauern, die einen
-Deserteur festnahmen, bekamen einen Dukaten; aber wenn ein Deserteur ein
-Dorf passierte, ohne festgenommen zu werden, so musste das Dorf für ihn
-bezahlen. Jeder Soldat, der sich über eine Meile von seiner Garnison
-entfernte, musste mit einem Pass versehen sein, und alle Personen,
-welche ihm auf eine grössere Entfernung von zu Hause begegneten, sollten
-ihn danach fragen. Ein charakteristischer Fall ereignete sich 1738. Ein
-preussischer Werbeoffizier und die Frau eines preussischen Soldaten
-verleiteten einen Anspacher Soldaten zu desertieren um sich in die
-preussische Armee einreihen zu lassen. Sie wurden durch die Anspacher
-Behörde aufgefangen. Die Frau wurde gehängt; der Offizier musste bei der
-Exekution zugegen sein und wurde dann in die Festung eingesperrt. Der
-Deserteur scheint mit dem Leben davongekommen zu sein, da er ein
-wertvolles Verkaufsobject war.
-
-Wenn der Rekrut in die Liste eingeschrieben war, musste der Offizier
-oder Unteroffizier ihn in die Garnison bringen. Dies gab natürlich
-Gelegenheit zum Entfliehen; Kapp führt aus einem Buch, das 1805 in
-Berlin gedruckt ist, die Vorsichtsmassregeln an, welche gegen diese
-Gefahr anzuwenden waren. Der Unteroffizier, der den Rekruten begleitet,
-muss Säbel und Pistolen tragen. Er muss den Rekruten vor sich her
-marschieren, ihn aber niemals zu nahe an sich herankommen lassen und ihm
-ankündigen, dass jeder verdächtige Schritt ihm das Leben kosten kann.
-Grosse Städte muss er vermeiden, ebenso Orte, wo der Rekrut vorher
-gedient hat. Es ist auch wünschenswert, den Ort zu vermeiden, wo der
-Rekrut geboren ist. Sie müssen die Nacht in einem Wirtshaus zubringen,
-dessen Besitzer Werbeoffizieren gut gesinnt ist. Der Rekrut und Offizier
-müssen sich beide auskleiden, und ihre Kleider sind vom Wirt aufzuheben.
-Wirtshäuser, wo Rekruten einquartiert werden, müssen besondere Räume
-dafür haben, möglichst eine Treppe hoch und mit vergitterten Fenstern.
-Die ganze Nacht muss ein Licht brennen, und der Unteroffizier muss seine
-Waffen dem Wirt abgeben, damit sie der Rekrut nicht wegnehmen und gegen
-ihn gebrauchen kann in der Nacht. Des Morgens bekommt er sie zurück,
-sieht nach der Ladung und dem Pulver auf der Pfanne, zieht sich an und
-ist reisefertig, bevor der Rekrut seine Kleider bekommt. Der Rekrut
-betritt ein Haus oder eine Stube zuerst; er verlässt es zuletzt. Bei den
-Mahlzeiten sitzt er mit dem Rücken an der Wand. Erscheint er
-verdächtig, fliehen zu wollen, so müssen ihm die Hosenträger und -knöpfe
-abgeschnitten werden, so dass er die Hosen mit der Hand halten muss.
-
-Ein guter Hund, der für dies Geschäft dressiert ist, wird für den
-Unteroffizier sehr zweckmässig sein. Wenn ein Unteroffizier
-unglücklicherweise gezwungen ist, einen Rekruten zu töten oder zu
-verwunden, so muss er eine Bescheinigung von der Ortsbehörde beibringen.
-Aber kein Dokument kann die Flucht eines Rekruten entschuldigen, ein
-Vorfall, der in Preussen als ganz unmöglich gar nicht der Erwähnung wert
-gehalten wird.
-
-Die Leute, die zusammengebracht waren für den Dienst in Amerika, waren
-vom militärischen Standpunkt aus von sehr verschiedenem Wert. Sie wurden
-alle von einer englischen Kommission in den Seehäfen in Empfang genommen
-und vor der Einschiffung gemustert, gewöhnlich durch Oberst Faucitt,
-welcher die Verträge abgeschlossen hatte; während einige der Regimenter
-als vorzüglich befunden wurden, zeigte es sich, dass andere zum Teil aus
-alten Leuten und aus Knaben bestanden, die den Strapazen nicht gewachsen
-waren. Einige von den Soldaten wurden infolge dessen verworfen,
-besonders in den letzten Jahren des Krieges, als es in vielen Städten
-schwieriger wurde, gute Leute zu bekommen.
-
-Es ist nach dem Quellenmaterial schwer zu beurteilen, welche Chancen ein
-gemeiner Soldat hatte zu avancieren. Seume schreibt, dass er Aussicht
-auf Avancement hatte, die aber durch die Beendigung des Krieges zerstört
-wurde, da in Friedenszeiten einer, der nicht adelig war, es nicht weiter
-als bis zum Feldwebel bringen konnte. Kapp behauptet, die Offiziere
-gehörten meistens dem niederen Adel an. Die Rangliste der hessischen
-Offiziere von 1779 weist dies nicht aus. Es zeigt sich, dass zu dieser
-Zeit mehr als die Hälfte der Offiziere nicht adelig war.
-
-Wir kommen zum Schluss zur Charakterisierung der Offiziere. Ihre Bildung
-beschränkte sich im Allgemeinen auf ein gewisses Mass von Fertigkeit im
-Schreiben und auf ein wenig barbarisches Französisch. Sie verstanden
-weder die Ursache, aus welcher die Amerikaner kämpften, noch vor allen
-Dingen die Sprache, in welcher die verschiedenen Staatsmänner ihre
-Ansprüche geltend machten. Doch, wenn sie viel mehr verstanden hätten,
-als es der Fall war, sie wären auf der Seite königlicher Vorrechte den
-Rechten des Volkes gegenüber gewesen. Ich weiss mich keines Falles zu
-erinnern, in dem nur ein an diesem Krieg beteiligter Offizier einen
-Ausdruck gebraucht hätte, der eine Übereinstimmung mit der geistigen
-freiheitlichen Bewegung des 18. Jahrhunderts gezeigt hätte. Einmal
-finden wir sie von dem Despotismus des Kongresses sprechend. Diese
-absurde Idee war ihnen wahrscheinlich durch die Engländer eingeflösst
-worden und war von der anti-amerikanischen Presse in Deutschland
-aufgenommen worden. Es lässt sich schwerlich bezweifeln, dass viele der
-Offiziere sowohl als Soldaten mit Vergnügen ihrer Thätigkeit in Amerika
-entgegensahen, schon um die Eintönigkeit des Garnisondienstes zu
-unterbrechen.
-
-Es bleibt noch zu erwähnen, dass viele der Soldaten, meist solche, die
-in Gefangenschaft geraten waren, Bürger der Republik wurden, welche sie
-helfen sollten zu unterdrücken.
-
-
-
-
-Kapitel V.
-
-Von Deutschland nach Amerika.
-
-
-Die ersten deutschen Truppen, welche nach Amerika gingen, waren die
-Braunschweiger. Diese marschierten am 22. Februar 1776, 2282 Mann stark,
-von Braunschweig ab und wurden in Stade, in der Nähe der Elbmündung,
-eingeschifft. Die zweite Braunschweiger Division, ungefähr 2000 Mann,
-schiffte sich Ende Mai ein. Die erste hessische Division brach Anfang
-März von Cassel auf und wurde in Bremerlehe, in der Nähe der
-Wesermündung, eingeschifft, die zweite Division folgte im Juni; sie
-zählten zusammen zwischen 12 und 13000 Mann. Sie waren zum grössten Teil
-ausgezeichnete und wohlausgerüstete Truppen, denn die kleine Armee des
-Landgrafen galt als eine der besten in Deutschland.
-
-Der Marsch von Braunschweig und Cassel zu den Häfen war eine
-verhältnismässig einfache Sache. Die Truppen kamen aus den Gebieten der
-eigenen Fürsten in die hannöverschen Landesteile des Königs von England
-und diese reichten bis an die See. Der Fürst von Waldeck schickte sein
-Regiment durch Cassel ohne Störung. Der Graf von Hessen-Hanau, der
-Markgraf von Anspach-Bayreuth und der Fürst von Anhalt-Zerbst hatten
-einen längeren Weg zu machen und grössere Schwierigkeiten zu überwinden.
-
-Die Truppen der letzteren sollten auf Booten den Rhein hinuntergeschickt
-werden. Abgesehen von mehreren kleinen deutschen, am Rhein gelegenen
-Staaten, welche ihnen den Durchgang verwehren konnten, war Preussen,
-dessen Territorien sie passieren mussten, im Stande, ihnen grosse
-Schwierigkeiten zu bereiten. Friedrich der Grosse versagte selbst seinem
-Neffen, dem Markgrafen von Anspach, seine Einwilligung, sein Land zu
-passieren. In einem Brief an ihn drückte er ihm sein Befremden aus, dass
-deutsche Fürsten das Blut ihrer Landeskinder für fremde Interessen
-opferten. Nebenbei war es ein kleiner Akt der Rache an England wegen
-dessen schlechten Verhaltens inbetreff des Hafens von Danzig.
-
-Seume hat von seinen Erlebnissen auf der Seereise folgende Beschreibung
-hinterlassen:
-
-»In den englischen Transportschiffen wurden wir gedrückt, geschichtet
-und gepöckelt wie die Heringe. Um Platz zu sparen hatte man keine
-Hängematten sondern Verschläge in der Tabulatur des Verdecks, das schon
-niedrig genug war, und nun lagen noch zwei Schichten übereinander. Im
-Verdecke konnte ein ausgewachsener Mann nicht gerade stehen und im
-Bettverschlage nicht gerade sitzen. Die Bettkasten waren für je sechs
-Mann. Wenn vier darin lagen, waren sie voll und die beiden letzten
-mussten hineingezwängt werden. Das war bei warmem Wetter nicht kalt: es
-war für den Einzelnen gänzlich unmöglich sich umzuwenden und ebenso
-unmöglich auf dem Rücken zu liegen. Die geradeste Richtung mit der
-schärfsten Kante war nötig. Wenn wir so auf einer Seite gehörig
-geschwitzt und gebraten hatten, rief der rechte Flügelmann: Umgewendet!
-und es wurde umgeschichtet: hatten wir nun auf der andern Seite quantum
-satis ausgehalten, rief das nämliche der linke Flügelmann. Die
-Verpflegung hielt gleichen Schritt mit der Unterbringung. Heute Speck
-und Erbsen und morgen Erbsen und Speck; zuweilen Grütze und Graupen und
-zum Schmause Pudding, den wir aus muffigem Mehl halb mit Seewasser, halb
-mit süssem Wasser und altem Schöpsenfett machen mussten. Der Speck
-mochte wohl vier oder fünf Jahre alt sein, war von beiden Seiten am
-Rande schwarzstriefig, weiter hinein gelb und hatte nur in der Mitte
-noch einen kleinen weissen Gang. Ebenso war es mit dem gesalzenen
-Rindfleisch. In dem Schiffsbrot waren oft viele Würmer, die wir als
-Schmalz mitessen mussten, wenn wir nicht die schon kleine Portion noch
-mehr reduzieren wollten: dabei war es so hart, dass wir nicht selten
-Kanonenkugeln brauchten es nur aus dem gröbsten zu zerbrechen; und doch
-erlaubte uns der Hunger selten, es einzuweichen; auch fehlte es oft an
-Wasser. Man sagte uns, und nicht ganz unwahrscheinlich, der Zwieback sei
-französisch; die Engländer hätten ihn noch im siebenjährigen Kriege den
-Franzosen abgenommen, seit der Zeit habe er in Portsmouth im Magazin
-gelegen, und nun füttere man die Deutschen damit, um wieder in Amerika
-die Franzosen unter Rochambeau und Lafayette, so Gott wolle, tot zu
-schlagen. Gott muss aber doch nicht recht gewollt haben. Das
-schwergeschwefelte Wasser lag in tiefer Verderbnis. Wenn ein Fass
-heraufgeschroten und aufgeschlagen wurde, roch es auf dem Verdeck nach
-einer Mischung von allen möglichen übeln Gerüchen. Es war angefüllt mit
-fingerlangen Würmern, und es musste durch Tücher gefüllt werden, bevor
-man es trinken konnte: und dann musste man immer noch die Nase zuhalten.
-Rum und manchmal ein wenig starkes Bier verbesserten das Getränk.«
-
-Auf diese Weise zusammengepfercht, in dicker Luft, mit schlechter
-Nahrung und faulem Wasser, viele von ihnen ungenügend bekleidet, wurden
-diese Jünglinge, alten Leute, Studenten, Kaufleute und Bauern Monate
-lang auf dem Atlantischen Ozean herumgeworfen. Viele von den Leiden der
-Reise waren zweifellos unvermeidlich, und viele von den Rekruten waren
-schon an ein hartes Leben gewöhnt. Aber Vieles, was sie zu erdulden
-hatten, war das Resultat von einem absichtlichen Mangel an Fürsorge und
-grosser Habsucht. Was soll man sagen über das britische
-Quartiermeister-Departement, das diese Leute auf die See schickte ohne
-richtiges Essen und Trinken? Was vom Herzog von Braunschweig, welcher
-seine Unterthanen nach Canada ohne haltbare Schuhe und Strümpfe schickte
-und ohne Mäntel? Oft haben Menschen ein hartes Leben freudig ertragen,
-weil sie den Grund verstanden. Aber diese armen Kerle litten für einen
-Streit, der nicht ihr eigener war, nur um für die Mittel zu sorgen zur
-Bezahlung der Schulden oder der Vergnügungen ihrer Herren.
-
-
-
-
-Kapitel VI.
-
-Die Schlacht von Long-Island, August 1776.
-
-
-Die erste hessische Division, einige 8000 Mann stark, segelte an Sandy
-Hook am 15. August 1776 vorüber und landete auf Staten Island, empfangen
-von Artillerie- und Musketen-Salven. Die Division war unter dem Befehl
-von Generallieutenant Philipp von Heister, einem alten Soldaten des
-siebenjährigen Kriegs. Es wird erzählt, dass, als Landgraf Friedrich II.
-ihn zur Führung des hessischen Expeditionkorps berief, er ihn mit den
-Worten anredete: »Heister, Ihr müsst nach Amerika gehen.« -- »Sehr gern,
-Hochfürstliche Durchlaucht, aber ich nehme mir die Freiheit einige
-Bitten auszusprechen.« -- »Und die wären?« -- »Erstens, müssten meine
-Schulden bezahlt werden, dann müsste für meine Frau und Kinder gesorgt
-werden, bis ich wiederkomme, und wenn ich fallen sollte, müsste meine
-Frau eine Pension bekommen.« Als der Landgraf dies lächelnd genehmigte,
-rief Heister aus: »Nun sollen Ew. Hochfürstliche Durchlaucht sehen, was
-dieser alte Kopf und diese alten Knochen noch leisten können.«
-
-Die Armee, welche sich auf Staten Island unter dem Oberbefehl Sir
-William Howes sammelte, zählte nach Ankunft der Hessen zwischen 25 und
-30,000 Mann. Sie wurde unterstützt durch eine Flotte unter Sir Williams
-Bruder, Lord Howe. Die gegnerische Armee unter Washington war etwa aus
-13,000-14,000 Mann zusammengesetzt, von denen nicht mehr wie 6000 Mann
-einige militärische Ausbildung genossen hatten und deren Offiziere im
-bürgerlichen Leben gross geworden waren.
-
-Die Hessen waren sehr erstaunt über den Reichtum und die Fruchtbarkeit,
-welche sie auf Staten Island vorfanden. Die Kolonisten lebten in
-bequemen Wohnhäusern, von Gemüse- und Obstgärten umgeben. Ihre
-hellroten, von zwei kleinen Pferden gezogenen Wagen erregten die
-Bewunderung der Deutschen. Ein Kolonist auf Staten Island lebte so
-angenehm wie ein deutscher Landedelmann, und es erschien den Hessen
-aussergewöhnlich, dass dies Volk sich gegen eine Regierung auflehnte,
-unter welcher es sich so vieler Segnungen erfreute. Viele Amerikaner
-waren bei der Annäherung der Hessen aus ihren Besitztümern geflohen und
-die, welche blieben, machten zuerst Miene, sich widerspenstig zu zeigen;
-aber als sie sahen, dass auf strenge Disziplin gehalten und regelrechte
-Requisitionen unternommen wurden, kehrten die Flüchtlinge zurück und es
-kam bald untereinander zu erträglichen, wenn nicht herzlichen
-Beziehungen. Die britische Regierung hoffte noch die Kolonisten zu
-versöhnen mit dem Mutterland, und strenge Befehle waren zur Vermeidung
-von Exzessen gegeben worden.
-
-Sir William Howe begann mit der Vereinigung seiner Truppen die
-Vorbereitungen zum Angriff auf die Amerikaner. Die britische Avantgarde
-unter Sir Henry Clinton, vereinigt mit den hessischen Jägern und
-Grenadieren, die vom Oberst von Donop befehligt wurden, überschritten
-die Narrows of Long Island am 22. August 1776. Ein Tagebuch, welches im
-folgenden Jahr in einem »Magazin« in Frankfurt veröffentlicht wurde,
-giebt einen genauen Bericht über diese Operation und von denen, die noch
-folgten:
-
-»22. August. Wir lichteten die Anker und segelten direkt gegen Long
-Island. Die Kriegsschiffe kamen bis auf Schussweite an das Ufer heran
-und richteten ihre Kanonen auf das Gestade. Um 8 Uhr morgens wimmelte es
-an der ganzen Küste von Booten. Um 1/2 9 Uhr hisste der Admiral die rote
-Flagge auf, und in einem Moment erreichten sämtliche Boote die Küste.
-Die Engländer und Schotten mit der Artillerie wurden zuerst
-ausgeschifft, und dann die Brigade Donop (die einzigen Hessen hier).
-Nicht eine Seele machte Widerstand gegen unser Landen. Dies war der
-zweite Fehler der Rebellen seitdem ich in Amerika bin. Der erste Fehler,
-den sie machten, war auf Staten Island, denn sie hätten dort einen
-grossen Teil der Unsrigen mit 2 6 Pfündern vernichten können, und jetzt
-hätten sie uns auch in eine schlimme Lage bringen können. Wir
-marschierten ebenfalls ungehindert durch Gravesend und kamen gegen Abend
-in Flatbush an. 300 Riflemen waren kurze Zeit vor uns dort gewesen. Wir
-schickten ihnen einige Kanonenschüsse nach, stellten unsere Pickets und
-schliefen ruhig die ganze Nacht. Ich machte eine Beute von 2 Pferden,
-von denen ich eines dem Oberst schickte, das andere meinem Diener als
-Packpferd gab.
-
-»23. August. -- Heute Morgen früh wurde der rechte Flügel unserer
-Avantgarde angegriffen. Wir brachten 2 Geschütze in Stellung und warfen
-sie zurück. Es regnete Kugeln. Hauptmann Congreve und ein Konstabler
-wurden an meiner Seite verwundet, ein Engländer bekam einen Schuss durch
-und durch. Am Nachmittag griffen sie auf der linken Seite des Dorfes an
-und zündeten mehrere Häuser an, worauf wir uns in das Dorf zurückzogen.
-Lieutenant von Donop wurde an der Brust verwundet; die Kugel streifte
-eine Rippe. Ich avancierte auf dem rechten Flügel und besetzte einen
-grossen Garten mit 150 Mann Jägern und leichter Infanterie. Als der
-Feind von hier gewichen war, unterstützte ich Lieutenant von Donop. Die
-Rebellen besetzten die Strasse mit 2 Kanonen und unsere schottischen
-Hochländer bauten eine Batterie über den Weg mit Schiessscharten für 2
-Kanonen. Ich hatte diese Arbeit zu decken und hatte den äussersten
-Posten, wurde indessen wenig belästigt.
-
-»24. August. -- Ein heisser Tag. Die Rebellen näherten sich zweimal und
-schossen mit Haubitzen, so dass unsere gesamte Artillerie in Stellung
-gebracht werden musste. Um Mittag schlief ich ein wenig, wurde aber
-durch zwei Kanonenkugeln geweckt, die mich mit Erde bedeckten. Die
-Rebellen haben einige sehr gute Schützen, doch manche darunter haben
-sehr schlechte Gewehre. Aber sie sind listig wie die Jäger. Sie
-erklimmen Bäume, kriechen auf dem Bauch wohl 150 Schritte vorwärts,
-schiessen und gehen ebenso schnell wieder zurück. Sie machen sich
-Deckungen von Ästen etc. Aber heute hatten sie grosse Verluste durch
-unsere »Grünjacken«, denn wir lassen unsere Leute nicht eher schiessen,
-als bis sie einen Mann gut auf's Korn nehmen können, so dass sie nicht
-mehr wagen, irgend etwas gegen uns zu unternehmen.
-
-»25. August. -- Wir verbarrikadierten uns in dem Dorf; des nachts
-sollten sich unsere Jäger gehörig ausruhen. Gegen 2 Uhr weckten uns die
-Rebellen aus unserem Schlummer; wir beruhigten sie schnell mit zwei
-Kanonen und einigen Flintenschüssen. Heute wurden wir wieder
-angegriffen, aber nachdem mehrere von ihnen ins Gras gebissen hatten,
-zogen sie sich zurück. Long Island ist eine wunderschöne Insel, ein
-Arkadien. Die entzückendste Gegend, voll von Wiesen, Kornfeldern, allen
-Arten von Obstbäumen und gut gebauten Häusern. Es war noch eine grosse
-Menge Vieh da, obwohl die Rebellen eine Menge mitgenommen hatten. Die
-meisten der Einwohner waren aus ihren Behausungen geflohen. Die Rebellen
-avancierten mit Macht. General Cornwallis wollte Oberst Donop
-zurückziehen, aber er blieb wo er war und verschanzte sich.
-
-»26. August. -- An diesem Tag wurden wir sehr beunruhigt und während der
-Nacht fortwährend geweckt durch die Allarmierung der Vorposten. Dies war
-nicht durch Angriffe der Rebellen verursacht, sondern meistens durch
-Deserteure, die zu uns übergehen wollten; und wenn die Engländer und die
-hessischen Grenadiere sie herankommen hörten, gaben sie sofort
-Pelotonfeuer, falls sie nicht sofort eine Antwort bekamen. Heute traf
-General von Heister mit 6 Bataillonen bei uns ein.«
-
-»27. August. -- Unserm Oberst war versprochen worden, den ersten Angriff
-zu machen, doch er hörte, dass die Engländer heute angreifen würden, und
-er hatte weder gestern Abend noch heute Morgen einen Befehl bekommen.
-Gegen 10 Uhr standen wir unter den Waffen (der Oberst hatte mit General
-von Heister gesprochen) und gegen 11 waren wir alle in Schlachtordnung.
-Auf unserer rechten und linken Seite gingen die Engländer vor und
-vernichteten die, die wir zurückwarfen. Auf dem linken Flügel, wo ich
-die Avantgarde (50 Jäger und 20 Grenadiere) kommandierte, stand Oberst
-Block mit seinem Bataillon. Hinter mir hatte ich Kapitän Mallet mit
-einer Kompagnie als Reserve. Im Zentrum griff Hauptmann von Wrede an und
-hatte das Bataillon von Minnigerode hinter sich. Auf dem rechten Flügel
-stürmte Kapitän Lory vor, unterstützt durch die 3 übrig gebliebenen
-Kompagnien des Bataillons Linsingen.«
-
-Der Verfasser, der diese Formation der Truppen beschreibt, berichtet nur
-von der Brigade, in welcher er diente. Die Hessen, welche das Zentrum
-der britischen Streitkräfte bildeten, waren an der Strasse von Flatbush
-aufgestellt. Der rechte Flügel unter Clinton und Lord Percy, mit Sir
-William Howe, war früh am Morgen aufgebrochen und es gelang ihm, den
-linken Flügel der amerikanischen Stellung bei Bedford zu umfassen und
-ihnen in den Rücken zu kommen. Nachdem Heister zur Rechten Kanonendonner
-gehört hatte, befahl er den Angriff der Hessen. Die Schlacht war im
-Wesentlichen gewonnen und verloren, bevor der erste Schuss gefallen war,
-indem die Amerikaner überflügelt wurden. Die Letzteren sahen sich in
-Gefahr, von ihren befestigten Werken abgeschnitten zu werden und flohen.
-Einige ertranken im Gowanus Creek auf der Flucht. Zwei ganze Regimenter
-wären wahrscheinlich gefangen genommen, wenn sich nicht General
-Stirling mit fünf Kompagnien Marylanders, mit denen er den Rückzug
-deckte, geopfert hätte. Von diesen fünf Kompagnien entrannen nur acht
-Mann dem Tod oder der Gefangenschaft.
-
-Kehren wir zu dem Tagebuch unseres hessischen Offiziers zurück.
-
-»Meine Jäger waren so hitzig, dass ich, kaum im Wald angelangt, mich mit
-meiner Truppe allein befand. Ich kam in die Mitte des Lagers der
-Rebellen, wo sie noch waren; sah zu meiner Linken ihr grosses Lager, zur
-Rechten ein befestigtes Werk; vor mir formierten sich 50-60 Mann zu
-einer Kolonne. Aber wir liessen ihnen keine Zeit und schlugen sie
-vollständig zurück. Viele wurden getroffen und noch mehr gefangen
-genommen. Ich verlor nicht einen einzigen Mann, so sehr fürchteten sich
-die Rebellen vor unsern Jägern. Auf dem linken Flügel ging es ebenso
-gut. Wir verloren einige Leute; abgesehen von einem Jäger, der im Dorf
-gefallen war, hatten wir keinen Toten. Am ersten Tag machten wir mehr
-als 500 Gefangene, unter denen General Stirling und ein anderer General
-waren; Oberst Johnson war gefallen. General Stirling ist einer der
-bedeutendsten unter den Rebellen, der, das Schwert in der Hand, die
-Leute zwang, gegen ihren König zu kämpfen. So lange wir keine Pferde
-hatten, wurden die Gefangenen an die Geschütze gespannt, später wurden
-sie an Bord der Kriegsschiffe gebracht. In zwei Tagen hatten wir 1100
-Mann gefangen genommen. Die Rebellen sahen sehr zerlumpt aus und hatten
-keine Hemden an. Unsere Hessen marschierten wie Hessen; sie marschierten
-tadellos, und die Engländer wie die tapfersten und besten Soldaten, sie
-verloren daher mehr wie wir. Dies war ein glücklicher Tag für uns. Die
-Rebellen hatten eine sehr günstige Stellung im Wald und wir eine sehr
-schlechte am Dorfe Flatbush. Anfangs machten sie einen guten Gebrauch
-von ihrer Stellung, sie brannten ein Haus ab und legten Feuer an eine
-Scheune bei unseren Vorposten. Aber als wir sie angriffen in ihren
-Schlupfwinkeln, liefen sie, wie es der Pöbel immer macht.«[2]
-
- [2] Nach »Die Neuesten Staatsbegebenheiten« 1777, Frankfurt a/M. Seite
- 110-116. Der Brief, von welchem das oben Angegebene der grösste
- Teil ist, scheint von einem Jägeroffizier geschrieben zu sein,
- wahrscheinlich entweder von Major von Prüschenk oder Lieutenant
- von Grothausen.
-
-Der Herausgeber des Frankfurter Magazins, welcher das Obige
-veröffentlicht, bemerkt, dass viele Briefe von hessischen Offizieren in
-den Zeitungen erschienen sind; dass diese Offiziere sich selbst einen
-grossen Teil des Verdienstes am Siege zuschreiben, und dass,
-hinsichtlich des wohlbekannten Wertes der hessischen Soldaten sie diesen
-zweifellos haben, aber dass einige von ihnen zu wenig die
-Widerstandsfähigkeit und die militärische Ausbildung der Amerikaner in
-Betracht ziehen, »so dass der Ruhm, einen Sieg über einen ein Drittel so
-starken Feind erfochten zu haben, kein so grosser ist.« Diese Bemerkung
-ist jedenfalls am Platz, und die Überlegenheit scheint nicht zu hoch
-angegeben zu sein. Washingtons Armee hatte vor der Schlacht die Linie
-von Kingsbridge bis Flatbush besetzt. Auf Long Island sind
-wahrscheinlich nicht mehr wie 8000 Amerikaner gewesen, während die,
-welche in vorderster Linie engagiert waren, nur 4 oder 5000 zählten,
-gegen 20,000 Engländer und Deutsche.
-
-Sir William Howe giebt in seinem offiziellen Rapport den Verlust der
-Amerikaner an Toten, Verwundeten Gefangenen und Ertrunkenen auf 3300
-Mann an. Bankroft glaubt aber, dass dies eine grosse Übertreibung ist,
-denn, wenn man dem Rapport von Washington Vertrauen schenkt und eine
-genaue Untersuchung anstellt, so erreicht der Gesamtverlust der
-Amerikaner nicht ganz die Zahl von 1000, von denen 3/4 gefangen genommen
-wurden. Der englische Verlust war, nach Howe, 17 Offiziere und 301
-Unteroffiziere und Gemeine. Die Hessen hatten 2 Tote sowie 2 Offiziere
-und 23 Mann Verwundete.
-
-»Der Feind,« schreibt Oberst von Heeringen, der Kommandeur
-eines hessischen Regimentes, »hatte vor seiner Front beinahe
-undurchdringliches Dickicht, befestigte Linien und Redouten. Die
-Schützen wurden meistens mit den Bajonetten an den Bäumen
-aufgespiesst. Dies furchtsame Volk flösst eher Mitleid wie Furcht ein.
-Sie gebrauchen 1/4 Stunde zum Laden, während dessen lassen wir sie
-unsere Kugeln und Bajonette fühlen.«
-
-Unter den Gefangenen, die die Hessen machten, waren zwei Generale --
-Sullivan und Stirling. Nichts legt ein so charakteristisches Zeugnis ab
-von dem Hass und der Verachtung seitens der hessischen Offiziere
-gegenüber den undisziplinierten rebellischen Truppen ihrer Gegner, als
-der Bericht von Heeringens über diese Generale und die anderen Offiziere
-der amerikanischen Armee. »John Sullivan war ein Rechtsgelehrter und
-vorher Diener, aber ein Mann von Geist, dessen Verlust die Rebellen sehr
-beklagen werden. Unter den Gefangenen sind viele sogenannte Obersten,
-Oberstlieutenants, Majors und andere Offiziere, die indess nichts
-anderes als Mechaniker, Schneider, Schuster, Perückenmacher, Schneider
-etc. sind. Einige von ihnen wurden gründlich gehauen von unseren Leuten,
-die solche Menschen keineswegs für Offiziere gelten lassen wollten.
-Sullivan wurde zu mir gebracht, ich untersuchte ihn und fand die
-Originalbefehle Washingtons bei ihm vor, aus denen hervorgeht, dass er
-die besten Truppen unter seinem Befehl hatte, dass Alles davon abhinge,
-den Wald zu halten, und dass er 8000 Mann stark war. Die Engländer haben
-150 Tote und Verwundete »(318 sagt Sir William Howe)«. Dies verdanken
-sie mehr ihrem ungeordnetem Angriff, als dem Wert des Feindes. Es sah
-schrecklich in dem Wald aus, da wenigstens 2000 Tote und Verwundete
-dalagen. Kolonel John von den Rebellen ist tot. Ein Grenadier nahm
-ihn gefangen und schenkte ihm grossmütig das Leben, sagte ihm aber, er
-sollte sich hinter das Bataillon begeben, welches folgte, da der
-Grenadier Schütze war. Jedoch der Oberst wollte ihn ermorden, von hinten
-schlauerweise; heimlich zog er eine Pistole heraus, streifte ihn aber
-nur am Arm, worauf der Letztere ihn mit 3 oder 4 Bajonettstichen
-niedermachte.«
-
-[Illustration: SCHLACHT VON LONG ISLAND August 1776.]
-
-»Unter den gefangen genommenen Offizieren fand ich nicht einen einzigen,
-der in fremden Diensten gewesen wäre. Sie sind nichts als Rebellen und
-hiesige Bürger. Schneider Graul würde eine bedeutende Rolle hier
-spielen.« Oberst von Heeringen findet es weit ehrenwerter, für anderer
-Völker Streitigkeiten zu kämpfen, als für die eigenen. Einem Mann, der
-einst Söldner war, konnte schon eher vergeben werden, wenn er zu den
-Rebellen gehörte. »Mylord Stirling ist ein échappé de famille und gilt
-nicht als Lord in England.« Er sieht dem Lord Granby ähnlich wie ein Ei
-dem andern. General Putnam ist Metzger von Profession. Er kommt mir wie
-Metzger Fischer in Rinteln vor. Die Rebellen desertieren in grosser
-Zahl; es ist gar nichts, Obersten, Oberstlieutenants und Majors mit
-ganzen Trupps von Leuten zu uns übergehen zu sehen. Die genommene Fahne,
-die von rotem Damast gemacht ist mit dem Motto »Liberty«, erschien mit
-60 Mann vor Ralls Regiment. Sie hatten alle ihre Gewehre umgekehrt und
-die Hüte unter dem Arm, fielen auf die Knie und baten flehentlich um ihr
-Leben. Kein Regiment ist richtig uniformiert oder bewaffnet. Jeder Mann
-hat eine schlechte Flinte, solche, mit denen die hessischen Bürger am
-Himmelfahrtstag ausrücken. Stirlings Regiment jedoch hatte blau und rote
-Uniform, war drei Bataillone stark und bestand meistens aus Deutschen,
-die sich aus Pennsylvaniern rekrutierten. Es waren grosse, schöne Leute,
-die vorzügliche englische Gewehre mit Bajonett hatten. Diesem Regiment
-standen die Engländer gegenüber und da diese sie für Hessen hielten, so
-feuerten sie nicht. Doch dieser Irrtum kostete sie Oberst Grant, mehrere
-andere Offiziere und 80 Mann. Sie bekamen eine Salve. Die Engländer
-sammelten sich, griffen mit dem Bajonett an, schlugen alles zu Boden,
-und was nicht massakriert war, wurde gefangen genommen. In kurzer Zeit
-war das ganze Regiment vernichtet. Die Artillerie der Rebellen ist sehr
-schlecht, die Kanonen meist von Eisen und auf Schiffskarren gesetzt.
-
-Es ist behauptet worden, dass in dieser Schlacht die Engländer und
-Hessen keinen Pardon gaben, wenn er verlangt wurde. Oberst von Heeringen
-sagt: »Die Engländer gaben selten Pardon und forderten beständig die
-Unsrigen auf, dasselbe zu thun.« Man sagt auch von den Amerikanern, dass
-sie geglaubt haben, die Hessen gäben keinen Pardon und dass sie infolge
-dessen mit einer eigentümlichen Verzweiflung gefochten haben sollen,
-nachdem sie alle Hoffnungen aufgegeben hatten. Die Thatsache, dass sie
-beiderseitig sich nicht verstanden, mag dahin geführt haben, die
-Möglichkeit der Übergabe zu verringern; auch mag zur Erhöhung der Wut
-beigetragen haben, dass einige Amerikaner die, welche sie gefangen
-genommen, verräterisch angegriffen hatten. »Sie waren,« sagt Lieutenant
-Rüffer in seinem Tagebuch, »so furchtsam, dass sie es vorzogen zu
-fallen, als Pardon anzunehmen, da ihre Generale und Offiziere ihnen
-gesagt hatten, sie würden gehängt.« Sicherlich der komischste Beweis von
-Feigheit, der jemals gegen Soldaten erbracht worden ist.
-
-Nach dem Verlust einer so wichtigen Stellung und von so vielen Leuten im
-Verhältnis zur Zahl seiner kleinen Armee, fand es Washington nicht
-ratsam, die Befestigungen von Brooklyn länger zu halten zu suchen;
-nachdem er gesehen hatte, dass die englische Flotte sich anschickte den
-East River in Besitz zu nehmen und seine Rückzugslinie abzuschneiden,
-verliess er Long Island in der Nacht vom 29. zum 30. August und ging
-nach New-York über, wohin alle Vorräte und Kanonen, ausgenommen einige
-schwere Geschütze, die im Schmutz stecken blieben, gebracht wurden. Eine
-Mythe durchlief die Reihen der Hessen, wonach ein Befehl Washingtons in
-dem eroberten Lager gefunden worden sei, welcher sagte, da es doch
-unmöglich sei, solchen grausamen und schrecklichen Feinden, wie den
-Hessen, Widerstand zu leisten, so möchte jeder sehen, wie er am besten
-entkommen könnte. Dies war also die erste Schlacht der deutschen Truppen
-in der neuen Welt. Die Verachtung, die sie vor einem solchen
-rebellischen und undisziplinierten Feinde hatten, war nur vermehrt
-worden, eine Verachtung, welche völlig auszurotten, nur eine lange Reihe
-von Kriegs- und Unglücksjahren im Stande war.
-
-
-
-
-Kapitel VII.
-
-Von der Okkupation von New-York bis zur Wegnahme von Fort Washington,
-15. September bis 16. November 1776.
-
-
-Es existiert nicht mehr Vieles, was den jetzigen Einwohner von New-York
-an die kleine Stadt erinnern könnte, die vor 100 Jahren an der Südspitze
-von Manhattan Island lag. Es war ein hübscher Ort, mit grossen bequemen
-Häusern, die meist von gelben Ziegelsteinen gebaut waren. Die Räume
-darin waren kärglich eingerichtet, der Fussboden mit Sand bestreut, und
-die Wände mit hohem, gemalten Täfelwerk versehen. Die Büffets, die in
-den besseren Häusern von solidem Mahagoni waren, waren mit glänzendem
-zinnernen Gerät besetzt, oft auch mit solidem Silber für besondere
-Gelegenheiten. Die Strassen waren krumm und hatten Rinnen in der Mitte,
-waren aber vollständig rein und mit Bäumen besetzt. Vor dem Kriege hatte
-der Ort über 20000 Einwohner gehabt, viele aber waren bei der
-Annäherung der streitenden Armeen geflohen. Es gab dort viele Tories,
-besonders unter den Reichen.
-
-Zur Zeit, als Washington sich von Brooklyn zurückzog, wurde New-York
-verteidigt durch ein permanentes Fort, mit Namen Fort George, im Westen
-von einer Batterie, und durch provisorische Werke, die am Ufer entlang
-an verschieden Stellen aufgeworfen waren. Im Norden, landeinwärts, wurde
-der Broadway in der Nähe des Bowling Green durch eine Schanze gesperrt,
-und eine zweite befand sich in der Gegend des heutigen Centre-Market.
-Jenseits der Befestigungen lag eine Gegend, »die schönste, die ich je
-gesehen habe,« sagt ein hessischer Offizier.[3] Kornfelder, Wiesen und
-Obstgärten bedeckten das reizende Gelände, und von den Gipfeln der Berge
-und Hügel schauten die alten Kolonialhäuser, jedes mit einer Piazza und
-mit einer Ballustrade umgeben, herab in die lächelnde Landschaft. Der
-hessische Lieutenant bezeichnet sie in seinem Enthusiasmus mit
-Schlössern. Doch in der That, es war eine Vornehmheit in der Bauart der
-besten Wohnhäuser der damaligen Zeit, welche diese Bezeichnung nicht
-ganz unberechtigt erscheinen lässt.
-
- [3] Lieutenant Hinrichs.
-
-Trotz aller Anstrengungen Washingtons und des Kongresses, im Besitz von
-New-York zu bleiben, war die Stadt doch völlig widerstandsunfähig. Die
-Engländer hatten völlige Herrschaft über den Hafen, und eine bedeutende
-Übermacht zu Lande. Als infolgedessen am 15. September 1776 die
-königlichen Truppen auf der Insel landeten, war die einzige Sorge
-Washingtons, der mehrere Tage lang Waffen und Vorräte wegschaffen liess,
-die Nachhut seiner Armee in Marsch zu setzen, bevor ihm der Rückzug von
-den Engländern abgeschnitten werden konnte. Die Landung war unter dem
-Schutz von englischen Kriegsschiffen an einer Stelle, Kips Bay genannt,
-(in der Nähe der östl. 34. Strasse) ausgeführt worden. Unser hessischer
-Lieutenant nennt es 4 Meilen von New-York, er überschätzt aber die
-Entfernung. Die Hessen waren in der Avantgarde, und wie gewöhnlich
-bildeten sie die Jäger und die Grenadiere unter von Donop. Diese
-marschierte unmittelbar auf New-York, während die englische leichte
-Infanterie und die Highlanders sich beeilten, den Inselberg, oder jetzt
-Murrayhill, zu besetzen. Unterdessen zogen die Amerikaner unter dem
-alten Israel Putmann in Eile auf den Strassen ab, die dem North River am
-nächsten lagen, in der Richtung auf Bloomingdale.
-
-Der Landung der Briten war kein Widerstand geleistet worden. Die
-neuenglische Miliz, die dieselbe hätte etwas aufhalten können, benahm
-sich sehr schlecht, und zog sich die heftigste Missbilligung seitens
-Washingtons zu. Es wird erzählt, dass ein Teil der amerikanischen Armee
-zweifellos abgeschnitten worden wäre infolge dieser Panik, wenn nicht
-Mrs. Murray Sir William Howe durch ihre gastliche Aufnahme und die
-Anziehungskraft ihres alten Madeira aufgehalten hätte. Diese
-schätzenswerte Dame hielt den britischen General 2 Stunden lang bei
-guter Laune, während ihre zerlumpten und hungrigen Landsleute seinen
-Krallen entwischten. Niemals hat wohl die Gastfreundschaft von
-Murray-Hill einer bessern Sache gedient.
-
-Am 16. September fand ein heftiges Gefecht in der Nähe von
-Manhattanville statt. Ein Teil der britischen Infanterie und zwei
-Bataillone Highlanders wurden zurückgeschlagen und waren in einer etwas
-prekären Lage, als die allgegenwärtigen Jäger und Grenadiere zu ihrer
-Unterstützung heranrückten; ebenso waren einige andere deutsche
-Regimenter in Bewegung gesetzt worden. Washington, der fürchtete, dass
-der Feind eine grössere Truppenmacht, als es in Wirklichkeit der Fall
-war, vorschieben würde, ordnete den Rückzug an. Die Engländer verloren
-280 an Toten und Verwundeten, die Amerikaner ungefähr 60. Dies Gefecht,
-in dem die letzteren sich sehr gut benahmen und den Engländern einen
-verhältnismässig schweren Verlust beibrachten, trug wesentlich dazu bei,
-ihren Mut neu zu beleben nach den Rückzügen und Misserfolgen der
-vergangenen Tage.
-
-Der britische General hatte strengen Befehl gegeben, das persönliche
-Eigentum zu respektieren, worauf sofort die reichen Besitzer der
-Landhäuser, die bei Annäherung der königlichen Streitkräfte geflohen
-waren und ihre Besitzung dem Schutz der Dienerschaft anvertraut hatten,
-zurückzukehren anfingen. Lieutenant Hinrichs von den hessischen Jägern,
-welcher am 15. Sept. Befehl erhalten hatte, Plünderungen zu verhüten,
-hatte sich hierbei die Dankbarkeit der Einwohner erworben. Er war in dem
-Gefecht am 16. verwundet und gezwungen worden sich nach ruhiger und
-guter Pflege umzusehen. Er suchte Schutz bei einer Witwe, namens Ogylby
-(Ogilvie?) in der Nähe von Hornhook am East River, und sah zu seiner
-Befriedigung die ganze Familie sich wieder vereinigen nach der durch die
-Kriegsgefahren verursachten Trennung. Grossvater, -mutter, Enkelkinder,
-zusammen mit ihren schwarzen Sklaven und deren Kindern sahen sich wieder
-und umarmten sich mit so viel Herzlichkeit, dass unser gutherziger
-Lieutenant sehr gerührt wurde und eine fieberhafte Nacht verbrachte. Es
-ist unnötig zu erwähnen, dass seine Wirte ihn mit der grössten Güte
-behandelten. Er wurde von dieser wie von andern Wunden, die er im
-Verlauf der Revolution erhielt, geheilt und starb als preussischer
-Generallieutenant im Jahr 1834.
-
-Die Stadt New-York war nur fünf Tage in den Händen der Briten gewesen,
-als in der Nacht vom 20. zum 21. Septbr. in einer kleinen Schenke in der
-Nähe von Whitehall Slip Feuer ausbrach. Das Wetter war trocken und heiss
-gewesen. Starker Wind blies von Süd-West. Das Feuer breitete sich mit
-fürchterlicher Heftigkeit aus. Die Ostseite von Broadway war bis
-Exchange Place abgebrannt. Als der Wind sich nach Südosten gedreht
-hatte, sprang das Feuer von Broadway nach Morris Street über und dehnte
-sich bis Barclay Street aus, wobei die alte Trinity Church abbrannte,
-St. Pauls aber verschont blieb. Schliesslich wurde man Herr des Feuers,
-besonders durch die Anstrengungen von Soldaten und Seeleuten. Bankroft
-behauptet bestimmt, dass dies Feuer nicht durch Brandstiftung verursacht
-wurde; die Briten und Hessen aber waren damals anderer Ansicht und
-einige moderne Geschichtsschreiber schenken ihren Berichten Glauben. Sir
-William Howe stellte in seinem Bericht fest, dass an verschiedenen
-Stellen Feuer angelegt worden sei. Eelking sagt, dass Donop in seinem
-Tagebuch verzeichnet habe, dass der Brand von einem amerikanischen
-Oberst Namens Scott, der früher Advokat gewesen war, in Szene gesetzt
-worden sei.
-
-Dieser hätte dazu 40 verwegene Leute verwendet, die, mit allerhand
-Brennstoffen versehen, an verschiedene, im Besitz von Tories befindliche
-Häuser Feuer gelegt hätten. Dieser Geschichte zufolge wurde Scott
-verhaftet und der ganze Plan geschrieben bei ihm vorgefunden. Die
-Meinung derer, welche glauben, dass das Feuer von den Whigs angelegt
-worden sei, wird durch die zweifellose Thatsache bekräftigt, dass
-mehrere einflussreiche Amerikaner zur Verbrennung New-Yorks geraten
-hatten, und dass der Plan von Washington dem Kongress vorgelegt, aber
-verworfen wurde. Andrerseits lässt sich sagen, dass Panik und
-Leidenschaft, Geschichten von Brandlegung und Gewaltthätigkeiten, die
-beständigen Begleiterscheinungen einer grossen Feuersbrunst sind.
-
-Berichte, die aus damaliger Zeit stammen, sollte man immer mit der
-grössten Vorsicht aufnehmen. Die Geschichte, welche Scott betrifft, ist,
-soviel ich weiss, durchaus unbegründet. Nur soviel ist sicher, dass
-verschiedene Personen während des Umsichgreifens des Feuers von
-englischen Soldaten getötet worden sind, und Bankroft sagt, dass ein
-armer Mensch, der zu den Tories gehörte, an den Beinen aufgehängt wurde,
-bis er starb.
-
-Am 10. Oktober 1776 schiffte General Howe den grössten Teil seiner
-Truppen aus in der Absicht, noch einmal zu versuchen Washingtons
-Rückzugslinie abzuschneiden und ihn in Manhattan Island einzuschliessen.
-Vier Tage lang waren die Briten durch widrige Winde im East River
-festgehalten worden und waren nur soweit gekommen, Hellgate am
-Nachmittag des 14. zu passieren. Die Flotte lag die nächste Nacht vor
-Anker und brach am andern Morgen um 6 Uhr auf, wurde aber durch Winde
-und Sturmfluten aufgehalten, und erreichte Frogs Neck (oder Frogs Point,
-wie es Washington nennt), nicht vor Einbruch der Dunkelheit. Hier hatte
-Howe einstweilen seine Avantgarde gelandet, Washington aber war ihm
-zuvorgekommen und hatte die Übergänge, die zum Festland führen, besetzt.
-Howe beschloss infolge dessen vorzustossen und die Landung bei East
-Chester zu bewerkstelligen. Dies gelang ihm am 18. Oktober nach einem
-heftigen Gefecht. Die britische Armee stand jene Nacht unter Waffen mit
-dem linken Flügel an eine kleine Bucht bei East Chester angelehnt, mit
-dem rechten bei New-Rochelle. Unterdessen marschierten die Amerikaner
-eiligst auf White Plains, wo sie eine starke Stellung einnahmen und
-befestigten. Gerade in diesem kritischen Zeitpunkt vereinigte sich die
-zweite hessische Division mit dem Rest der Armee. Sie bestand aus 3997
-Mann unter dem Kommando von Generallieutenant Wilhelm von Knyphausen,
-und hatte Cassel Anfang Mai verlassen. Das Waldeck'sche Regiment, 670
-Mann stark, und die zweite Waldeck'sche Jäger-Kompagnie unter Hauptmann
-Ewald waren mit dieser Division gekommen. Auf diese Weise waren die
-deutschen Korps unter dem Kommando von General von Heister auf ungefähr
-13,400 Mann gebracht worden. Die neue Division war zurückgelassen worden
-um New-Rochelle zu halten, während die Briten auf White Plains
-vorgingen.
-
-Hauptmann Ewald und seine zweite Jäger-Kompagnie brauchten nicht lange
-zu warten bevor sie in Aktion kamen. Am 23. Oktober stiessen sie bei
-einer Rekognoszierung auf eine überlegene Zahl feindlicher Schützen und
-würden zurückgetrieben sein, wenn ihnen nicht die Hochländer zu Hilfe
-gekommen wären. Ein Lieutenant und sechs Mann wurden verwundet; von
-diesen starben vier nachher. Dies ist der deutsche Bericht in Eelkings
-Buch. Ich will auch den Bericht wiedergeben, welchen General Washingtons
-Stabschef in seinem Rapport an den Präsident des Kongresses giebt: »Am
-Mittwoch war ebenfalls ein scharfes Scharmützel zwischen einem Teil von
-General Hands Schützen, ungefähr 240, und beinahe derselben Anzahl
-hessischer Jäger, in welchem die letzteren geschlagen wurden. Unsere
-Leute beerdigten 10 derselben auf dem Gefechtsfelde, machten zwei
-Gefangene, von denen einer schwer verwundet war. Wir hatten keinen
-andern Verlust als einen, wie anzunehmen, tödlich Verwundeten.«
-
-Am 28. Oktober fand Sir William Howe die Armee Washingtons vorteilhaft
-hinter dem Dorf White Plains postiert. Sie zählte etwas mehr als 13000
-Mann, von denen etwa 1500 Chatterton Hill auf dem äussersten rechten
-Flügel der amerikanischen Stellung besetzt hielten, die von der
-Hauptmacht durch den Bronx-Fluss getrennt wurden. Sir William beschloss,
-diesen rechten Flügel anzugreifen. Ein englisches und zwei hessische
-Regimenter, unterstützt durch die hessischen Grenadiere, durchwateten
-die Bronx und erkletterten die steilen und felsigen Hänge des Berges.
-Das Regiment von Lossberg musste durch einen brennenden Wald angreifen
-und dem heftigsten Feuer der Amerikaner die Stirn bieten. Sein Verlust
-an Toten und Verwundeten betrug nahezu 50 Mann. Das Resultat des Kampfes
-würde zweifelhaft geworden sein, wenn nicht Oberst Rall, der sein
-eigenes Regiment und das nach Knyphausen benannte kommandierte, auch die
-Bronx durchwatet, die Amerikaner in der Flanke gefasst und die in der
-Front angreifenden Truppen unterstützt hätte. Der Fluss war tief und die
-hessischen Soldaten zögerten hineinzugehen. Aber die Lieutenants
-Wiederhold und Briede sprangen zuerst hinein, um sie durch ihr Beispiel
-anzufeuern. Von dem erstem dieser Offiziere werden wir noch mehr hören.
-Der zweite fiel wenige Tage später bei der Einnahme von Fort Washington.
-
-Ein Teil der Amerikaner focht ganz gut bei dieser Gelegenheit, gegen
-eine weit überlegene Zahl. Sie hatten einen zweifellosen Vorteil durch
-ihre Stellung und machten einen guten Gebrauch davon, indem sie dem
-Feinde einen Verlust von ungefähr 280 Toten und Verwundeten beibrachten.
-Howe erwähnt in seinen Berichten den guten Dienst, den die englische und
-hessische Artillerie leistete. Heisters General-Adjutant sagt, dass die
-hessischen Feld-Geschütze einen solchen »Donner« machten, dass man weder
-hören noch sehen konnte. Die Amerikaner hatten nur drei kleine Kanonen
-auf dem Berge.
-
-Die amerikanische Armee war zu dieser Zeit hauptsächlich aus Milizen,
-die von den verschiedenen Staaten nach kurzen Dienstperioden gesandt
-worden waren, zusammengesetzt. Diese Milizen waren in hohem Masse
-schlecht bewaffnet und in Lumpen, undiszipliniert und befehligt von
-Offizieren, die erst vor wenigen Monaten den Schreibpult oder Pflug
-verlassen hatten. Während einige von diesen improvisierten Offizieren
-Leute von Charakter und Talent waren, hatten andere nur das Verdienst,
-Geschicklichkeit im Ausheben von Leuten zu besitzen. Die ausgehobenen
-Leute aber wollten einen solchen Offizier nicht als ihresgleichen
-betrachten und behandeln »und in seiner Eigenschaft als Offizier nicht
-höher achten als einen Besenstiel,« sagt Washington. Einige der
-Amerikaner hatten sich durch tapfere Thaten hervorgethan, aber, wie alle
-rohen Rekruten, veranlassten sie Paniken, oft in ganz unvernünftiger
-Weise. Diese Thatsachen müssen fortwährend bedacht werden, wenn nicht
-die Geschichte der Revolution unverständlich werden soll. Sir William
-Howe andererseits kommandierte eine reguläre, disziplinierte Armee,
-welche kaum in Europa übertroffen wurde und mit Allem zur Führung eines
-Krieges Wünschenswerten versehen war.
-
-Nach dem Gefecht von Chatterton Hill standen sich die Armeen drei Tage
-lang gegenüber und verstärkten ihre Verschanzungen. In der Nacht des 31.
-Oktober zog sich Washington in eine starke Stellung oberhalb White
-Plains zurück und Howe lenkte, nachdem er am folgenden Morgen die
-amerikanische Arriergarde belästigt hatte, seine Aufmerksamkeit einer
-neuen Idee zu.
-
-Auf dem höchsten Punkt von New-York Island, wo sich ein Berg 238 Fuss
-über das Niveau des Hudson erhebt, hatten die Amerikaner ein
-fünfseitiges Erdwerk gebaut, welches sie Fort Washington nannten. Das
-Fort war mit 34 Kanonen armiert, hatte aber keine Kasematten. Das
-Vorfeld eignete sich gut zur Verteidigung und war besetzt von kleineren
-Werken von geringer Stärke. Das Ganze bildete eine Barriere über das
-obere Ende von Manhattan Island, um die Engländer zu verhindern, eine
-Expedition zu Lande zu machen und sich weder sichere noch bequeme
-Winterquartiere in New-York zu verschaffen. Auf der Jersey-Seite des
-Hudson, gegenüber Fort Washington, lag Fort Lee. Zwischen diesen hatte
-General Putnam es unternommen, eine unpassierbare Barriere, die den
-Fluss gegen die Briten verschliessen sollte, zu bauen. Die Werke waren
-unter dem unmittelbaren Kommando von General Greene. Am Morgen des 9.
-Oktober indessen waren die Hindernisse durchbrochen worden, und an den
-Forts vorbei fuhren zwei britische Schiffe von 44 Geschützen jedes, eine
-Fregatte von 20 Geschützen und 3 oder 4 Tender, welche 2 amerikanische
-Ruder-Galeeren auf dem Flusse genommen oder zerstört hatten. Angesichts
-dieser Thatsachen wollte Washington das nach ihm benannte Fort
-verlassen, welches in Gefahr war, umzingelt zu werden. Greene war
-entgegengesetzter Ansicht und der Kongress teilte dessen verblendete
-Idee. Die Autorität des Höchstkommandierenden war so beschränkt, dass es
-ihm nicht gelang, seinen eigenen Ansichten Geltung zu verschaffen.
-Anstatt die Besatzung von Fort Washington zurückzuziehen, wurde sie
-verstärkt, bis Oberstlieutenant Magaw, der es befehligte, beinahe 3000
-Mann unter seinem Kommando hatte. Die Stellung, die besetzt werden
-sollte, war 2-1/2 Meile lang und schloss eine Redoute auf Laurel Hill
-mit ein.
-
-Es war am 16. November 1776, als dieses Fort durch die Armee von Sir
-William Howe gestürmt wurde. Der Angriff wurde gleichzeitig von 4
-Kolonnen gemacht, die gegen 4 verschiedene Punkte vorgingen, diejenige,
-welche den Hauptstoss führte und welcher der Ruhm des Tages gehörte, war
-aus Hessen unter Knyphausen zusammengesetzt. Diese Truppe setzte nach
-New-York Island über bei Kings-Bridge früh um 1/2-5 Uhr und war in zwei
-Kolonnen geteilt, die rechte unter Oberst Rall, die linke unter
-Generalmajor Schmidt. In letzterer war Wiederhold mit der Avantgarde.
-Während längerer Zeit mussten die Deutschen ruhig halten bleiben, bis
-die englischen Kolonnen zum Angriff angesetzt waren und denselben
-einleiteten. Unterdessen hatte Cornwallis die amerikanische Batterie auf
-Laurel Hill genommen. Earl Percy mit zwei englischen und einer
-hessischen Brigade hatte die amerikanischen Werke im Süden bedroht, und
-Oberst Sterling mit den Hochländern war hinter der Truppenabteilung, die
-Percy gegenüberstand, über den Harlem River gegangen und drohte dessen
-Rückzugslinie abzuschneiden. Hierbei mussten die Hochländer ein steiles
-Ufer hinauf angreifen und verloren dabei 90 Mann. Oberst Cadwalader, der
-in dieser Gegend die Amerikaner kommandierte, war gezwungen sich
-zurückzuziehen, und seine Leute, anstatt sich ausserhalb des Forts
-Washington zu sammeln, hatten sich in das Fort hinein gedrängt und
-behinderten dadurch die Vertheidigungs-Massregeln der eigenen Besatzung.
-
-Es war zwischen zehn und elf Uhr. Der Moment für die Hessen zu
-attaquieren, war schliesslich gekommen. Sie wateten durch einen Sumpf
-und erklommen den steilen, felsigen Berg, auf den das Fort gebaut war.
-Vergebens feuerten die Scharfschützen auf sie, vergebens überschüttete
-sie die Artillerie mit einem Hagel von Granaten und Kartätschen.
-Knyphausen selbst war fortwährend im stärksten Feuer, »so dass es ein
-Wunder war,« schreibt Wiederhold, »dass er davon kam ohne totgeschossen
-oder verwundet zu werden.« Der Boden war so steil dort, dass die Leute
-sich am Gesträuch hinaufziehen mussten. Schliesslich erreichten sie die
-Höhe, wo eine ebene Stelle war. »Vorwärts, Grenadiere!« rief Rall. Die
-Tamboure schlugen, die Hornisten bliesen, die Leute schrieen Hurrah!
-Hessen und Amerikaner mengten sich massenweise untereinander und alle
-stürzten sich wild durch einander auf das Fort los.
-
-Die Aussenwerke waren genommen und ihre Verteidiger zurückgetrieben, die
-die Verwirrung in dem Hauptfort noch vermehrten. Oberst Rall rief einen
-von seinen Kapitäns zu sich. »Hohenstein,« sagte er, »Sie sprechen
-englisch und französisch; nehmen Sie einen Tambour, befestigen Sie ein
-weisses Tuch an einem Kurzgewehr, gehen Sie in das Fort und fordern Sie
-die Übergabe.« »Ich that dies sofort,« schreibt der Kapitän, »allein sie
-feuerten beständig auf mich und den Tambour, bis wir auf die Glacies
-kamen, wo die Rebellen uns mit geschlossenen Augen hinauf geleiteten.
-Ich verlangte den Kommandanten zu sprechen. Sie schickten mir einen
-Oberst (Cadwalader) zu, welcher Unterkommandant war, dem ich folgende
-Bedingung stellte: Er sollte sofort mit der Besatzung aus dem Fort
-herausmarschieren, und sie sollten vor General von Knyphausen die Waffen
-strecken. Die ganze Munition, der Proviant und alles was dem Kongress
-gehörte, sollte getreulich angegeben werden; dagegen ich ihm meine
-Parole gäbe, dass alle vom Kommandanten an, einem jeden seine Equipage
-sollte belassen werden, und endlich sollte eine weisse Fahne sofort
-aufgehisst werden, um alle Feindseligkeiten abzubrechen. Der Kommandant
-forderte vier Stunden Bedenkzeit, die ich ihm indessen verweigerte, und
-gestattete ich ihm nur eine halbe Stunde, um sich mit seinen Offizieren
-zu besprechen. Als die halbe Stunde verflossen war, kam der Kommandant
-selbst, sein Schicksal schien ihm ungünstig. Deswegen sagte er: »Die
-Hessen machen Unmöglichkeiten möglich.« Darauf sagte ich ihm: »General
-von Knyphausen steht 100 Schritt von hier. Kommen Sie auf meine Parole
-mit und sehen Sie zu, ob er Ihnen bessere Bedingungen stellen wird.« Er
-war damit zufrieden und ging mit mir.«
-
-Magaw ergab sich Knyphausen, trotz der Nachricht von Washington, der ihn
-zu entsetzen versprach, wenn er bis zur Nacht aushalten könnte. Der
-Platz war indessen unhaltbar. Die Deutschen verloren 56 Offiziere und
-Leute tot und 276 Verwundete bei dem Angriff, die Engländer mehr als
-120. Die Amerikaner verloren weniger als 150 Tote und Verwundete, aber
-ungefähr 2800 Gefangene, unter denen einige der besten Soldaten waren.
-Sie verloren auch einen grossen Teil ihrer Artillerie, viele Waffen und
-Ausrüstungsstücke.
-
-Der Quartiermeister von dem Grenadier-Bataillon von Minnigerode sagt,
-indem er von dieser Schlacht spricht, dass, wenn nicht die Gefangenen
-gewesen wären, der Verlust der Deutschen weit grösser gewesen sein
-würde, als der von den Rebellen, und dass dies von der Art komme, wie
-die letzteren fechten. »Sie liegen einzeln hinter Bäumen, Büschen,
-Steinmauern und Felssteinen, schiessen auf grosse Distancen und mit
-Sicherheit und laufen ganz schnell weg, sobald sie gefeuert haben. Die
-Deutschen können nicht ein Drittel so weit schiessen und können viel
-weniger laufend sie erreichen, und das Terrain hier ist so, dass man die
-Feld-Artillerie bei einer Attaque selten heraufbekommen kann.«
-
-Die Hessen sollen während des Angriffs kein Pardon gegeben haben den
-Scharfschützen, die sie in den Aussenwerken und in den Gehölzen fanden.
-Die Amerikaner, von denen viele dies gesehen haben müssen, waren
-natürlich mutlos zur Zeit der Übergabe. Der Volksmund hatte böse Feinde
-aus den Hessen gemacht. Kapitän von Malsburg erzählt, dass, als er in
-das Fort hineinkam, er sich umgeben fand von Offizieren, denen Furcht
-und Besorgnis auf den Gesichtern geschrieben stand. Sie luden ihn ein in
-ihre Kaserne, drangen ihm Punsch, Wein und Kuchen auf, machten ihm
-Komplimente wegen seiner Freundlichkeit, welche sie zu erstaunen schien,
-und sagten, sie hätten so etwas nicht von einem hessischen Offizier
-erwartet. Sie baten um seinen Schutz, und er dagegen hielt ihnen eine
-Strafpredigt über die Sünde der Empörung gegen ihren guten König.
-
-Die Besatzung marschierte aus zwischen den Regimentern Rall und Lossberg
-hindurch, legte die Waffen nieder und übergab ihre Fahnen, die gelb,
-weiss und hellblau waren. Knyphausen soll auf diese »mit Verachtung«
-geblickt haben. Diese Haltung ist bezeichnend für das hessische
-Bewusstsein ihrer Stärke, doch der amerikanische Leser muss Trost finden
-in der Thatsache, dass innerhalb sechs Wochen die Fahnen der Regimenter
-Rall und von Lossberg wieder in den Händen von Washingtons Armee waren.
-
-Die Hessen erwarben sich grossen Ruhm bei dieser Aktion. Schmidt, Stirn
-und Rall, und die Truppen unter deren Befehl wurden in den Tagesbefehlen
-ehrenvoll erwähnt, und das genommene Fort wurde Fort Knyphausen genannt.
-
-
-
-
-Kapitel VIII.
-
-Trenton, 26. Dezember 1776.
-
-
-Nach der Einnahme von Fort Washington zeigte Sir William Howe eine
-ungewohnte Thätigkeit. Das Fort war am 16. November 1776 gefallen und am
-20. ging die britische Armee über den Hudson nach New-Jersey hinein.
-Fort Lee war hiermit nutzlos und unfähig zur Verteidigung geworden. Es
-wurde schleunigst geräumt und die Geschütze, Zelte und der Proviant
-darin im Stich gelassen. Mehr als 2000 Leute unter General Greene, die
-seine Besatzung gebildet hatten, entkamen notdürftig über den
-Hackensack, indem sie 73 Kranke zurückliessen. Der Zustand von
-Washingtons Armee war ein verzweifelter. Die Dienstzeit von vielen
-Milizen lief am 30. November ab. Diese waren nicht im mindesten zu
-bewegen sich wieder einreihen zu lassen, selbst für eine kurze Zeit,
-ebenso wie die Miliz von New-Jersey nicht ausrücken wollte, um ihren
-eigenen Staat zu beschützen; eine Brigade derselben löste sich auf an
-dem Tag, an dem die Briten in New-Brunswick einrückten. Washington hatte
-ein Detachement unter Lee östlich des Hudson gelassen, doch Lee
-missachtete nun Washingtons wiederholten Befehl sich mit ihm zu
-vereinigen und murrte, anstatt zu handeln. Ungefähr 2400 Mann unter Lord
-Stirling waren detachiert zum Schutz von Nord-New-Jersey und nach 4
-Tagen beordert, den oberen Lauf des Delaware zu verteidigen; und der
-Oberbefehlshaber hatte auf einmal 3500 Mann weniger unter sich. Der
-Marsch der Briten durch New-Jersey wurde kaum gestört, obwohl sich
-Washington langsam vor ihnen zurückzog und die Brücken zerstörte. Am 8.
-Dezember zog er sich über den Delaware zurück und liess auf 70 Meilen
-alle Boote an dasjenige Ufer des Flusses bringen, an dem er sich befand.
-Es entstand eine Panik in Philadelphia, und der Kongress siedelte nach
-Baltimore über. Washington fühlte sich nicht im Stande, mit seiner
-Truppenmacht den Übergang der Briten über den Fluss zu verhindern. Howe
-war indessen nicht der Mann, einen Winterfeldzug mit Energie zu
-betreiben. Er kehrte nach New-York zurück indem er Cornwallis und
-nachher Grant den Oberbefehl in New-Jersey überliess. Bankroft erzählt
-uns, dass der Staat der Plünderung und der Gewaltthätigkeit preisgegeben
-war, und dass alle Versuche, die Hessen davon abzuhalten, aufgegeben
-wurden unter der Entschuldigung, dass die Gewohnheit des Plünderns das
-Desertieren verhindern würde. »Man machte sie glauben,« führt er nach
-dem offiziellen Bericht eines britischen Offiziers an, »bevor sie
-Hessen-Cassel verliessen, sie sollten nach Amerika kommen, um sich ihr
-Privat-Vermögen zu gründen, und bisher haben sie in der That nach diesem
-Prinzip gehandelt.« Washington, auf der andern Seite, schreibt am 5.
-Februar 1777: »Eine Thatsache muss ich zu Gunsten der Hessen anführen,
-und die ist, dass unsere Leute, die gefangen genommen worden waren, im
-Allgemeinen darin übereinstimmen, dass sie von diesen eine viel bessere
-Behandlung erfuhren, als von den britischen Offizieren und Soldaten.«
-
-[Illustration: OPERATIONEN IN NEW JERSEY UND PENNSYLVANIEN. 1776.]
-
-Washington war in dem Glauben, dass die Operationen schnell wieder
-aufgenommen werden, und die Briten auf Philadelphia marschieren würden,
-so bald der Delaware zugefroren sein würde. Ein Brief, der einen oder
-zwei Tage vor Weihnachten aufgefangen wurde, bestärkte ihn in seiner
-Meinung. Es wurde von der grössten Wichtigkeit, einen Streich zu
-führen, bevor der Feind sich anschicken würde, wieder vorzugehen und
-noch vor dem letzten Dezembertag, an dem die Dienstzeit von vielen
-seiner Leute ablaufen würde.
-
-Die Art und Weise, in welcher General Grant, der britische Befehlshaber
-in New-Jersey, über die Truppen verfügte, war folgende: »Princetown und
-New-Brunswick wurden durch die englische Detachements gehalten.« Von
-Donop, der die hessischen Grenadiere und die 42. Hochländer
-kommandierte, stand in Bordentown. Rall, mit der Brigade, die für einige
-Zeit unter seinem Befehl gestanden hatte, 50 hessischen Jägern, 20
-englischen leichten Dragonern und 6 Geschützen hatte Quartier in Trenton
-bezogen. Ralls Brigade war aus 3 hessischen Regimentern zusammengesetzt,
-welche die Namen Rall, von Knyphausen und von Lossberg trugen. Sie war
-von Qualität nicht wesentlich verschieden von anderen hessischen
-Brigaden. Das Regiment von Lossberg hatte sich besonders ausgezeichnet
-bei Chatterton Hill. Das Regiment Rall war aus schlechtem Material
-gebildet, es war eins von denen, welche in der Eile formiert wurden, um
-die Zahl der Soldaten voll zu machen, die der Landgraf zu stellen hatte,
-aber Cornwallis berichtete lange nachher einem Komitee des Hauses der
-Gemeinen, dass sich Ralls Brigade bei Fort Washington die Bewunderung
-der ganzen Armee errang.
-
-Die Regimenter Rall und von Lossberg waren in dem nördlichen Teil von
-Trenton einquartiert, das Regiment von Knyphausen im südlichen, auf
-beiden Seiten der Brücke über den Assanpink. Auf dieser Brücke war eine
-Wache von 12 Mann aufgestellt. Die Soldaten lagen in den verschiedenen
-Häusern zerstreut, und bei gutem Wetter standen die Geschütze im Freien,
-von 2 oder 3 Leuten bewacht. Pickets waren auf den Strassen westlich des
-Nebenflusses vorgeschoben. Die Hauptwache bestand aus einem Offizier und
-70 Mann.
-
-Oberst Rall war ein tollkühner Offizier von der alten Schule. Man sagte,
-er habe darum gebeten, nach Trenton gelegt zu werden, weil er es für
-einen gefährlichen Posten hielt. Bei Chatterton Hill hatte er seine
-Sache sehr gut gemacht; er hatte mit seiner Brigade den amerikanischen
-rechten Flügel geworfen und das Schicksal des Tages entschieden. Er
-hatte einen Hauptanteil an der Erstürmung von Fort Washington genommen.
-Derselbe verwegene Geist, welcher in früheren Jahren ihn veranlasste mit
-den Russen unter Orloff als Volontär gegen die Türken zu kämpfen,
-leitete ihn bei jenen Gelegenheiten. Die Leichtigkeit, mit welcher er
-Siege erfochten hatte, seitdem er in Amerika war, hatte ihn mit einem
-übermütigen Vertrauen erfüllt. Die lumpigen Gesellen, welche durch
-New-Jersey hindurchgetrieben waren, möchten wohl eine Patrouille
-gefangen nehmen oder ein Picket zurückwerfen, aber sie wären, wie er
-dachte, ganz unfähig zu einem ernstlichen Angriff auf eine hessische
-Brigade. »Erdwerke!« sagte er mit einem Fluch zu Major von Dechow, der
-ihm riet, die Stadt zu befestigen; »lasst sie nur kommen! Wir werden sie
-mit dem Bajonnet empfangen;« und als derselbe Offizier ihn bat, einige
-Schuhe von New-York kommen zu lassen, erwiderte er, dass das Alles
-Unsinn sei. Er und seine Brigade wollten barfuss über das Eis nach
-Philadelphia laufen, und wenn der Herr Major keinen Teil an dieser Ehre
-haben wollte, möchte er nur wegbleiben. General Grant, der englische
-Oberbefehlshaber in New-Jersey, teilte Ralls Verachtung der Rebellen.
-Als derselbe ihm vorschlug, ein Detachement nach Maidenhead zu schicken,
-um die Verbindung zwischen Princetown und Trenton offen zu halten,
-antwortete er spöttisch, dass er die Jerseys mit einer Korporalschaft im
-Zaume halten wollte. Von Donop, der in Bordentown kommandierte, schickte
-einen Ingenieur-Hauptmann nach Trenton, um Rall zu bewegen, anzuordnen,
-dass der Ort verteidigungsfähig eingerichtet werde, aber letzterer ging
-nicht darauf ein. Erdwerke wären unnötig, sagte er. Die Rebellen wären
-Taugenichtse. Sie wären schon mehrmals unterhalb der Brücke gelandet und
-hätten unbelästigt davon kommen können, aber jetzt hätte er (Rall)
-Massregeln ergriffen. Wenn sie wiederkämen, wollte er sie nach guter Art
-zurückjagen. Er hoffte, Washington würde auch mit herüberkommen, dann
-könnte er ihn gefangen nehmen. Ralls Sorglosigkeit schien seinen
-Untergebenen so gefährlich, dass die Offiziere von dem Regiment Lossberg
-in einem Brief dem General von Heister Vorstellungen machten, aber zu
-spät.
-
-Ralls Verachtung vor seinem Feind verführte ihn, die einfachsten
-Massregeln zu vernachlässigen. Er revidierte selten einen Posten, selten
-zog er einen Offizier zu Rate. Er verweigerte es, einen Platz für die
-Sicherheit der Baggage im Fall eines Angriffes zu bezeichnen. »Unsinn,«
-sagte er, als er aufgefordert wurde, dies zu thun, »die Rebellen werden
-uns nicht schlagen.« Doch die Leute wurden fortwährend angestrengt durch
-unnötigen Wachtdienst und Hinundhermarschieren. Am 22. Dezember bekamen
-zwei Dragoner, die mit einem Brief nach Princetown geschickt worden
-waren, Feuer aus einem Walde heraus. Einer von ihnen fiel, der andere
-ritt zurück nach Trenton und meldete den Vorfall. Darauf schickte Rall 3
-Offiziere mit 800 Mann und 1 Kanone, um diesen Brief zu befördern, zur
-grossen Heiterkeit der Engländer. Das Detachement hatte bei schlechtem
-Wetter biwakieren und am nächsten Morgen zurückmarschieren müssen. Ein
-Sergeant und 15 Mann würden für diesen Dienst vollkommen genügt haben.
-
-Am 24. Dezember 1776 war eine Rekognoszierungs-Abteilung in der
-Richtung auf Pennington vorgeschickt worden, wurde aber nach einem
-Marsche von einigen Meilen zurückberufen. In der Morgendämmerung des
-25. wurde auf die Pickets nördlich der Stadt von einer kleinen
-Rekognoszierungs-Abteilung der Amerikaner ein Angriff gemacht. Der
-Feind wurde zurückgeschlagen mit einem Verlust von 6 Verwundeten auf
-Seite der Deutschen. Eine Patrouille von 30 Mann unter einem Fähnrich
-wurde eine oder zwei Meilen zur Verfolgung der zurückgehenden
-Amerikaner vorgeschickt, konnte sie aber nicht mehr einholen. Das
-Picket an dem Schnittpunkt der obern Strasse am Fluss mit der nach
-Pennington wurde daraufhin durch 10 Mann verstärkt unter Lieutenant
-Wiederhold, so dass es nunmehr aus 25 Mann im Ganzen bestand. Rall war
-nun der Ansicht, dass alle Gefahr vorüber war. Er war kürzlich gewarnt
-worden, dass ein Angriff bevorstände, und nahm als ganz bestimmt an,
-dass das Geplänkel, in welches die Pickets engagiert worden waren, der
-Angriff war, vor dem er gewarnt wurde. Leslie, der in Princetown
-kommandierte, hatte melden lassen, dass Washington sich vorbereitete,
-den Delaware zu überschreiten, aber Rall gab nicht ernstlich Acht
-darauf. Er befahl nur seinem eigenen Regiment, welches du jour hatte,
-in den Quartieren zu bleiben. Er hatte allerdings Grund sich sicher zu
-fühlen. Es war ihm bekannt, dass keine grosse Truppenmacht in seinem
-Teil von New-Jersey belassen war. Washingtons Armee lag jenseits des
-Delaware, eine zerlumpte, halbbewaffnete Bande von armen Teufeln, die
-bis vor kurzem von Staat zu Staat und von Fluss zu Fluss getrieben
-worden waren. Grosse Eisschollen schwammen, durch den Strom getrieben,
-im Delaware hin und her und machten jegliches Übergehen gefährlich. Die
-Nacht war stürmisch, selbst für Dezember, und bevor es Morgen wurde,
-fegten Schlossen und Schnee durch die Strassen. Aber drinnen war Alles
-fröhlich und lustig. Es war Weihnachtsabend. Die Deutschen, die in
-Trenton gemütlich hausten, konnten über den Sturm lachen und ruhig
-schlafen.
-
-Weit anders wurde die Nacht von der amerikanischen Armee verbracht! Die
-Truppen, unter dem unmittelbaren Befehl von Washington in ihrem Lager
-auf der Pennsylvanischen Seite des Delaware oberhalb Trenton, zählten
-nur 2400 Mann, die im Stande waren, eine anstrengende Unternehmung zu
-machen. Diese brachen um 3 Uhr nachmittags am Weihnachtstag auf, jeder
-Mann hatte Verpflegung für 3 Tage und 40 Patronen. Sie führten 18
-Feldgeschütze mit sich. Diese Truppenmacht erreichte die Fähre von Mac
-Konkey in der Abenddämmerung. Hier wurden die Boote durch Glovers
-Seeleute von Marblehead bemannt, und zwischen den schwimmenden
-Eisschollen hindurch wurde die kleine Armee über den Fluss gerudert. Ihr
-Zustand war so erbärmlich, dass ein Bote, der ihr gefolgt war, leicht
-ihre Spur verfolgen konnte »an dem Blut im Schnee von den Füssen der
-Leute, die zerrissene Schuhe trugen.«
-
-Inzwischen hatte Cadwalader den Fluss bei Dunks Fähre, unterhalb
-Trenton, überschritten, aber das Eis hatte sich gegen des Jersey-Ufer
-hin gepackt, und wenngleich die Fussmannschaften hinüber konnten, so war
-doch für die Artillerie keine Hoffnung dafür vorhanden. Die 1800 Mann,
-die diesen Teil der Unternehmung ausmachten, warteten vergeblich während
-der Dezembernacht. Um 4 Uhr morgens beorderte Cadwalader, der sicher
-glaubte, dass Washington, gleichwie er selbst, wegen der
-Schwierigkeiten, mit der die Expedition zu kämpfen hatte, umgekehrt
-wäre, seine halberfrorenen Leute nach ihrem kalten Lager zurück. »Die
-Nacht,« schreibt Thomas Rodney »war eine so bitterkalte, wie ich sie
-niemals erlebt habe.« Der Fluss war so schwierig zu überschreiten und so
-voll von Eis, dass es 4 Uhr wurde am Morgen des 26. Dezember bis die
-Truppen mit der Artillerie alle hinüber und marschbereit waren. Sie
-hatten noch 9 Meilen zu marschieren, um Trenton zu erreichen, und der
-Sturm hatte sich mit furchtbarer Heftigkeit erhoben. Die zitternden
-Soldaten erklommen einen steilen Berg und stiegen auf die Strasse hinab,
-wo die Bäume ihnen ein wenig Schutz gegen den Nordost-Sturm geben
-sollten. In Birmingham wurde die Armee in zwei Kolonnen geteilt. Die
-rechte unter Sullivan marschierte längs des Flusses, die linke unter
-Washington auf der obern Strasse. Nach einer Weile meldete Sullivan
-durch einen seiner Adjutanten an Washington, dass das Pulver nass
-geworden wäre.
-
-»Dann sagen Sie dem General,« antwortete Washington, »er solle mit dem
-Bajonnet angreifen und in die Stadt eindringen, denn die Stadt müsste
-genommen werden, und ich wäre fest entschlossen sie zu nehmen.« --
-
-Es war ungefähr 1 Stunde nach Tagesanbruch als Lieutenant Wiederhold
-seine Aussenposten eingezogen hatte. Es war eine kalte Nacht gewesen mit
-Schnee und Schlossen. Die kleine Abteilung verbarg sich in einer Hütte,
-die als Wachthaus diente. Wiederhold trat zufällig an die Thüre und sah
-hinaus. Plötzlich waren die Amerikaner vor ihm. Er rief: »An die
-Gewehre!«, und es wurden Schüsse gewechselt.
-
-»Die Aussenwachen leisteten nur geringen Widerstand,« sagt Washington,
-»obschon sie ihrer Zahl nach sich sehr tapfer hielten, indem sie
-zurückgehend fortwährend, hinter Häusern gedeckt, feuerten. Zugleich
-sahen wir, wie sich ihre Hauptabteilung formierte; -- aber nach ihren
-Bewegungen zu urteilen, schien sie unentschlossen, was zu thun.«
-
-Trommeln und Hörner erschallten in den Strassen von Trenton. Rall war
-noch im Bett und völlig schlaftrunken. Lieutenant Biel, der als
-Brigadeadjutant fungierte, scheute sich zuerst, ihn aufzuwecken, und
-eilte zu der Hauptwache, um einen Lieutenant und 40 Mann den Pickets als
-Unterstützung zu senden. Als er zum Hauptquartier zurückkehrte, lag Rall
-in seinem Nachthemd zum Fenster hinaus und schrie: »Was ist denn los?«
-Der Adjutant erwiderte ihm, ob er nicht das Feuern gehört habe. Rall
-sagte, er würde sofort unten sein, und in einem Moment war er angezogen
-und vor der Thüre. Eine Kompagnie von dem Regiment von Lossberg, welche
-Quartiere an der Strasse nach Pennington hatte, und als Avantgarde
-fungierte, hatte diese Strasse besetzt und empfing die fliehenden
-Pickets, musste sich aber sogleich in die Stadt zurückziehen. Washington
-drang bei King- und Queenstreet (jetzt Warren- und Greenstreet) ein, und
-Sullivan von der Strasse am Fluss in die Secondstreet. Einem Teil von
-Ralls Regiment gelang es, sofort sich zu formieren, und nach einer Weile
-erschien Rall selbst zu Pferde. Lieutenant Wiederhold meldete ihm, dass
-der Feind im Vordringen sei, und zwar nicht nur oberhalb der Stadt,
-sondern auch zur Rechten und Linken. Rall fragte, wie stark der Feind
-wäre. Wiederhold antwortete, dass er es nicht angeben könnte, aber er
-hätte 4 oder 5 Bataillone aus dem Walde kommen sehen und dass drei davon
-auf ihn gefeuert hätten, bevor er sich zurückzog. Rall rief, es sollte
-avanciert werden aber er schien verwirrt und nicht imstande, einen
-richtigen Entschluss zu fassen. Seine Truppen waren noch in Unordnung.
-Rall wandte sich zur Rechten in einen Garten mit Äpfelbäumen östlich der
-Stadt, und versuchte die Strasse nach Princeton in seine Gewalt zu
-bekommen. Aber er wurde durch Hands Regiment Pennsylvania
-zurückgeschlagen. Er beschloss darauf, sich einen Weg in die Stadt
-wieder zu erzwingen mit seinem und dem Regiment von Lossberg, wenigstens
-mit so vielen Leuten als zusammengebracht werden konnten. Dies soll er
-versucht haben, um seine Baggage und die Beute der vorhergehenden Wochen
-wegzuschaffen. Indessen wurde er durch einen Hagel von Blei aus Fenstern
-und Thorwegen, von hinter Bäumen und Mauern her empfangen. Die Munition
-der Hessen war nass von dem Schneesturm. Die Amerikaner erneuten den
-Angriff und die Hessen wurden weiter zurückgeworfen, als sie gekommen
-waren. -- Rall wurde durch eine Kugel tötlich verwundet, und die beiden
-deutschen Regimenter, in die grösste Verwirrung gebracht, streckten die
-Waffen.
-
-Dem Regiment Knyphausen ging es wenig besser. Als Rall den Obstgarten
-verliess und sich wieder gegen Trenton wendete, beschloss Major von
-Dechow, sich einen Weg rückwärts über die Assanpink-Brücke zu bahnen und
-sich nach Bordentown durchzuschlagen, wo Donops Truppenabtheilung lag.
-Aber es war unmöglich dies auszuführen, da Sullivan schon die Brücke
-besetzt hatte. Zwei Geschütze steckten tief in einer morastigen Stelle
-und es wurde viel Zeit verloren bei dem Versuche sie herauszuziehen.
-Dechow wurde verwundet. Einigen Soldaten gelang es, den Strom zu
-durchwaten, aber die bei weitem grössere Zahl wurde umringt und an Lord
-Stirling übergeben, mit Ausnahme der Privatbaggage und der Säbel der
-Offiziere. Die, welche entkamen, nahmen ihren Weg nach Princeton. Auch
-die Jäger und englischen Dragoner entkamen und erreichten Bordentown.
-Lieutenant Grothausen von den Jägern wurde angeschuldigt, zu früh
-zurückgegangen zu sein. Er war mit 50 Mann an der untern Flussstrasse
-postirt gewesen und zog sich bei der Annäherung von Sullivan vor diesem
-über die Assanpink-Brücke zurück. Nach Bankroft betrug die Gesamtzahl
-derer, die auf diese Weise durchkamen, 162. Washington giebt in seinem
-ersten Bericht an den Kongress die Zahl derer, welche sich ergaben, auf
-23 Offiziere und 886 Mann an. Einige, die nachher in Trenton gefunden
-wurden, erhöhten die Zahl auf 1000.
-
-Die Nachricht von dem Siege der Amerikaner wurde in New-York mit Kummer
-und Entrüstung aufgenommen.
-
-Der alte Heister, der bei Sir William Howe nicht mehr in Gunst stand,
-mag darin ein Vorzeichen seiner Abberufung gesehen haben. Er berichtete
-am 5. Januar an Schlieffen, den Minister des Landgrafen, das
-Vorgefallene. Seinem Märchen zufolge, das er berichtete, war Ralls
-Brigade von 10 000 Mann überrascht worden und das Desaster durch die
-Tollkühnheit des Obersten verursacht worden, indem er gegen die
-Übermacht vorgegangen wäre, anstatt sich sofort über den Assanpink
-zurückzuziehen. Heister giebt den Verlust von 15 Fahnen zu.
-
-Der Landgraf von Hessen-Kassel war sehr ergrimmt. Er war der Ansicht,
-dass solch ein Vorfall unmöglich gewesen wäre, wenn nicht alle Disziplin
-gelockert wäre. Er befahl, dass eine Untersuchung eingeleitet werden
-sollte, sobald die Offiziere, die als Gefangene in amerikanische Hände
-gefallen seien, ausgewechselt sein würden, und drohte, dass die, welche
-wegen schlechten Verhaltens für schuldig erachtet würden, zur strengsten
-Verantwortung gezogen werden sollten. Auch erklärte er, den Regimentern,
-welche ihre Fahnen verloren hätten, solche nicht eher wieder zu
-verleihen, als bis sie eine gleiche Anzahl vom Feinde genommen hätten.
-Er schrieb an Knyphausen, er hoffe, dass Alle, ebenso wie er, mit
-grossem Kummer und mit Scham erfüllt seien, dass es notwendig wäre,
-diese Scharte wieder auszuwetzen und dass Knyphausen nicht ruhen dürfte,
-bis seine Truppen die Erinnerung an diese unglückliche Affaire durch
-eine grosse Zahl von ausserordentlichen Thaten verwischt hätten. Der
-Landgraf kannte sich nicht in seinem Zorne. Der eigentliche Sünder gegen
-die militärischen Regeln starb in Oberst Rall. Es war die Ansicht von
-Soldaten jener Zeit und ist die Meinung von denen die die Angelegenheit
-seitdem studiert haben, dass die Niederlage und Gefangennahme der
-hessischen Brigade in Trenton durch einfache militärische
-Vorsichtsmassregeln von Seiten ihres Führers hätte verhindert werden
-können. Cornwallis sagte später einem Komitee des Hauses der Gemeinen,
-dass nach Donops Meinung Rall hätte aushalten können bis Donop zu seiner
-Unterstützung von Bordentown herangekommen wäre, wenn er die Befehle Sir
-William Howes befolgt und Redouten gebaut hätte. Rall war mehrfach
-von seinen untergebenen Offizieren gedrängt worden dies zu thun. Dass
-die unter seinem Kommando Befindlichen zur Lockerung der Disziplin
-beitrugen, wozu sie durch das Beispiel ihres Führers notwendigerweise
-verführt wurden, war natürlich. Alle fochten tapfer, viele wurden
-verwundet, doch war der Verlust an Gemeinen nur gering. Dass ein
-früherer Rückzug den Hessen ermöglicht hätte zu entkommen, ist richtig.
-Aber man sollte Soldaten nicht ernstlich dafür tadeln, dass sie ihr
-Terrain festhalten, wenn sie überfallen werden, auch ist Ralls Fehler,
-wenn es einer war, zu versuchen, sich seinen Weg eher in der Richtung
-auf Princeton als auf Bordentown zu bahnen, nicht auf die Rechnung
-seiner Untergebenen zu schreiben.
-
-[Illustration: PLAN VON DER AFFAIRE,
-
-welche am 26. Dec. 1776 bei TRENTON zwischen einem Corps von 6000
-Rebellen unter General Washington und einer Hessischen Brigade unter
-Oberst Rall stattfand.
-
---< _Erklärung umseitig._ >--]
-
- A. Trenton.
-
- B. Picket von 1 Offizier und 24 Mann (Wiederhold).
-
- C. Hauptmann Altenbocums Kompagnie vom Regiment von Lossberg, welches in
- der Nachbarschaft einquartiert war und sich vor dem Quartier des
- Hauptmanns formierte, während das Picket den Feind beschäftigte.
-
- D. Picket von 1 Hauptmann, 1 Offizier und 75 Mann.
-
- E. 1 Offizier und 50 Jäger, die sich sofort über die Brücke zurückzogen
- (Grothausen).
-
- F. Detachement von 1 Offizier und 30 Mann, die sich mit Donops Korps
- vereinigten.
-
- G. Platz, wo die Regimenter nach Verlassen der Stadt Halt machten, und
- wo Oberst Rall den Versuch machte mit seinem und dem Regiment von
- Lossberg einen Angriff auf die Stadt zu unternehmen, der abgeschlagen
- wurde.
-
- I. Platz, wo er mit den Regimentern gefangen genommen wurde.
-
- K. Platz, wo das Regiment von Knyphausen, das die Flanke hatte decken
- sollen, sich ebenfalls übergeben musste, nachdem es versucht die
- Brücke zu erreichen. Die Geschütze vom Regiment von Lossberg waren
- bei dem Regiment von Knyphausen und unglücklicherweise im Sumpf
- stecken geblieben, und bei dem Versuch sie herauszuziehen war der
- Moment, die Brücke zu gewinnen, verpasst worden, infolge dessen der
- Feind sie stark besetzte.
-
- L. Geschütze vom Regiment Lossberg.
-
- M. Geschütze vom Regiment Knyphausen, die während der Affaire nicht beim
- Regiment waren.
-
- N. Geschütze vom Regiment Rall, gleich zu Anfang demontiert.
-
- O. Angriff des Feindes vom Wald aus.
-
- P. Vorgehen und Umzingeln der Stadt durch den Feind.
-
- Q. 2 Bataillone des Feindes verfolgen das Regiment Knyphausen.
-
- R. Letzte Bewegung und Angriff auf das Regiment Knyphausen.
-
- S. Geschütze der Rebellen.
-
- T. Platz, wo General Washington sich postiert hatte und von dem aus er
- seine Befehle gab.
-
-Die Wichtigkeit von Trenton für die Amerikaner darf nicht nur nach dem
-numerischen Ausweis an Toten, Verwundeten und Gefangenen berechnet
-werden. Es war ein neuer Beweis für die unerfahrenen und hülflosen
-Kolonisten, dass sie sich einigermassen zu Soldaten eigneten und dass
-ihre Sache nicht hoffnungslos war. Nach einer langen Reihe von
-Missgeschick und fortwährendem Zurückweichen feuerte sie dies mit neuem
-Mute an. Bunker Hill hatte die Amerikaner belehrt, dass sie den
-britischen Regulären widerstehen könnten. Trenton bewies ihnen in einer
-Stunde der Verzweiflung, dass die gefürchteten Hessen überwunden werden
-könnten.
-
-
-
-
-Kapitel IX.
-
-Der Winter 1777.
-
-
-Die hessischen Offiziere und Soldaten, welche in Trenton gefangen
-genommen waren, mussten am 26. Dezember 1776 denselben kalten und mit
-Schnee bedeckten Weg, auf welchem die Amerikaner zum Angriff vorgegangen
-waren, zurücklegen. Wir können sie uns in ihren Uniformen zitternd vor
-Frost vorstellen, während ihre zerlumpten und barfüssigen Bezwinger
-fröhlich neben ihnen her marschierten und in der Siegesglut den eisigen
-Wind vergassen. Wieder wurde der Delaware durch die schwimmenden
-Eisstücke hindurch überschritten, und man kann überzeugt sein, dass es
-nicht die zerlumpten Amerikaner waren, deren Zähne klapperten; aber eine
-Reaktion trat ein nach so viel Mühsal und Aufregung; am nächsten Morgen
-war die Hälfte der siegreichen Armee erschöpft und dienstuntauglich. 40
-Stunden waren die Amerikaner ununterbrochen unter den Waffen gewesen und
-hatten marschiert und gefochten in Schnee und Eis eines Dezembersturmes,
-so dass nun die Natur Ruhe und Unterkunft für einige Tage forderte. Nur
-Washington war unermüdlich, und obschon die Dienstzeit eines grossen
-Teiles seiner Armee im Ablaufen begriffen war, schickte sich der grosse
-Feldherr an, aus dem errungenen Erfolg Vorteil zu ziehen.
-
-Die hessischen Offiziere wurden mit grosser Höflichkeit von den Führern
-der Amerikaner behandelt. Washington drückte sein Mitgefühl mit ihnen
-unmittelbar nach ihrer Übergabe aus. Stirling, der erst vor kurzem nach
-seiner Gefangennahme auf Long-Island ausgewechselt war, erzählte den
-Offizieren, die ihn besuchten, dass Heister ihn wie einen Bruder
-behandelt habe, und dass er sie ebenso behandeln wollte. Er begleitete
-sie bei ihrem Besuch bei General Washington und lud einige von ihnen zum
-Diner ein. Washington erwies dieselbe Höflichkeit einigen von den
-anderen. Einer von seinen Gästen hat in seinem Tagebuch einen Vermerk
-über den Eindruck hinterlassen, den der berühmteste unter den
-Amerikanern auf ihn gemacht hat: »Diesem General sieht man in seinem
-Gesicht nicht die Grösse an, welche ihm im allgemeinen beigemessen wird.
-Seine Augen haben kein Feuer, aber die freundliche Art seines Ausdrucks,
-wenn er spricht, flösst Zuneigung und Hochachtung ein.«
-
-Wiederhold schreibt: »Am 28. dinierte ich, wie gesagt, ebenso wie
-mehrere andere Offiziere, mit General Washington. Er that mir die Ehre
-an, sich viel mit mir über die unglückliche Affaire zu unterhalten, und
-da ich ihm frei heraus die Ansicht äusserte, dass unsere Massregeln
-schlecht gewesen wären, andernfalls wir nicht in seine Hände gefallen
-wären, fragte er mich, ob ich bessere Massregeln getroffen hätte und in
-welcher Weise. Darauf sagte ich Ja; erwähnte alle Fehler, welche
-begangen worden waren, und zeigte, was ich gethan haben und wie ich mit
-Ehren aus der Verlegenheit gekommen sein würde. Er billigte dies nicht
-nur, sondern sagte mir auch einiges Schmeichelhafte darüber, sowie auch
-über meine Wachsamkeit und den Widerstand, den ich mit meinen wenigen
-Leuten in der Postenlinie am Morgen des Angriffes gemacht hätte. General
-Washington ist ein zuvorkommender und eleganter Mann, aber scheint sehr
-polite und reserviert zu sein, spricht wenig und hat eine schlaue
-Physiognomie. Er ist nicht sehr gross, aber auch nicht klein, sondern
-von Mittelgrösse, und hat eine gute Figur.« Es ist interessant, sich
-diese Szene vorzustellen -- das Wohnzimmer im Farmhaus, das Feuer aus
-dickem Scheitholz, die triefenden Lichter, die Bowle mit rauchendem
-Punsch und General Washington die Kriegskunst erörternd mit seinem
-Gefangenen, der, obwohl nur ein Lieutenant, ausländischen Kriegsdienst
-kennen gelernt hat und wohl wert ist, angehört zu werden.
-
-Die Gefangenen wurden binnen Kurzem nach Pennsylvanien und Virginien
-befördert. Überall strömte das Volk zusammen, um sie zu sehen, und wenn
-den fremden Eindringlingen in ihrem Unglück manchmal mit Flüchen und
-Verwünschungen begegnet wurde, so dürfen wir diejenigen nicht zu scharf
-beurteilen, deren Söhne und Brüder von den Hülfstruppen umgebracht
-werden sollten.
-
-Wir werden beinahe finden, dass die Wage sich zu Gunsten der Amerikaner
-neigt, welche bei vielen Gelegenheiten ihren Feinden mit Vergebung und
-Freundlichkeit begegneten. Die Begleitmannschaft der Gefangenen that
-beständig ihre Pflicht und gelang es ihr, diese vor allem Schlimmeren
-als Beschimpfungen zu bewahren. Die hessischen Offiziere und Leute
-wurden von einander getrennt, und es ist nicht uninteressant, ihren
-Wanderungen bis ins Einzelne zu folgen. Die Offiziere waren in
-Philadelphia und statteten General Israel Putnam am Neujahrstag einen
-Besuch ab. »Er schüttelte jedem von uns die Hand,« sagt einer in seinem
-Tagebuch, »und wir mussten Alle ein Glas Madeira mit ihm trinken. Dieser
-alte Graubart mag ein guter, ehrlicher Mann sein, aber niemand anders
-als die Rebellen würden ihn zum General gemacht haben.«
-
-Die Offiziere wurden, nachdem sie in Dumfries und im Thal von Virginia
-einquartiert waren und viele kleine Beschwerden zu ertragen gehabt
-hatten, im Dezember 1777 nach Fredericksburg gebracht, wo sie mit
-grosser Gastfreundschaft und Güte behandelt wurden. Wiederhold wird
-förmlich pathetisch bei dem Gedanken, von seinen dortigen Freunden
-Abschied zu nehmen. Die Gefangenen hatten in grosser Gunst bei den Damen
-der Nachbarschaft gestanden, welche, wie der Lieutenant sagt, »schön,
-zuvorkommend, gütig, bescheiden und vor Allem sehr natürlich und
-ungezwungen waren.«
-
-16 Damen »ersten Ranges« verabredeten sich nebst einigen Herren, den
-Kapitän in seinem Quartier zu überraschen, wovon er vorher heimlich
-unterrichtet worden war. Er erzählt uns, dass sie kamen und nur eine
-Stunde zu bleiben beabsichtigen, doch schliesslich von 1/2-4 bis 10 Uhr
-abends blieben. General Washingtons Bruder, Schwester und Nichte waren
-darunter. Die deutschen Offiziere regalierten ihre Gäste mit Thee,
-Kaffee, Chokolade, Claret-Wein und Kuchen, und unterhielten sie mit
-Instrumental- und Vokal-Musik, an welcher sich die Damen manchmal
-beteiligten. »In Europa würden wir keinen grossen Beifall geerntet
-haben, aber hier galten wir für Meister. Sobbe spielte die Flöte, Doktor
-Oliva die Violine und ich die Guitarre. Wir wurden so mit Beifall
-überschüttet, dass wir ganz beschämt waren. Ihre Freundschaft für uns
-war zu gross. Einige von den amerikanischen jungen Herren wurden
-eifersüchtig.«
-
-Alle diese Freundlichkeit machte Eindruck auf die Gefangenen. In
-Dumfries 9 Monate vorher, hatte Wiederhold in sein Tagebuch
-niedergeschrieben, dass er lieber ein kleines Gut in Hessen besitzen
-wolle, als die grösste Besitzung in Virginia und dass Amerika für solche
-Leute gut wäre, welche zu Hause dem Galgen entronnen wären. Nun ist er
-aber beim Verlassen von Fredericksburg ganz traurig, obschon es galt,
-zur Armee nach Philadelphia zurückzukehren. Indessen hatte er
-persönliche Gründe hierfür. »Es war sicherlich eine grosse Sache, sich
-so grosser Freundschaft, ja, ich möchte sagen, Liebe zu erfreuen von
-Leuten, deren Feinde wir waren und gegen die wir bald wieder als Feinde
-auftreten mussten.
-
-Sagte doch eine Schöne zu mir, welche mir so innig zugethan war: »Wollte
-Gott, Sie könnten hier bleiben und dass ich niemals so unglücklich sein
-müsste von ihnen zu scheiden, so wie ich es morgen thun muss und
-vielleicht für immer. Aber gehen Sie, wo Ehre und Pflicht Sie hinruft
-und bleiben Sie glücklich!« Dies war Seelengrösse, wie sie nicht allen
-Rebellen innewohnt, denn sie war eine gute Amerikanerin in ihren
-Gesinnungen, schön und reich.« Kein Wunder, dass der Lieutenant die
-Meilen zählte, als er von Fredericksburg abmarschierte.
-
-Die Soldaten erreichten Philadelphia einige Tage später als die
-Offiziere. Über ihren Empfang durch die Volksmenge schreibt ein Korporal
-in seinem Tagebuch: »Gross und Klein, Alt und Jung, standen da um zu
-sehen, was für eine Sorte Sterblicher wir wären. Als wir gerade vor sie
-kamen, sahen sie uns scharf an. Die alten Weiber schrien schrecklich und
-wollten uns erwürgen, weil wir nach Amerika gekommen wären, um ihnen
-die Freiheit zu rauben. Einige Andere brachten uns trotz allen
-Schimpfens Schnaps und Brod, um es uns zu geben, aber die alten Weiber
-wollten es nicht erlauben, und uns obendrein noch erwürgen. Unsere
-amerikanische Begleitmannschaft hatte von Washington Befehl erhalten uns
-in der Stadt überall herumzuführen, damit Jedermann uns sehen sollte;
-aber das Volk drängte sich in uns hinein mit grosser Wut und
-überwältigte beinahe die Begleitmannschaft, so dass, als wir uns den
-Baracken näherten, unser kommandierender Offizier sagte: »Liebe Hessen,
-wir wollen in diese Baracken marschieren.« Wir thaten es, und das ganze
-amerikanische Detachement musste dem wütenden Volke Einhalt thun. Warum
-der amerikanische Offizier seine Gefangenen in so liebevoller Weise
-anredete, scheint nicht klar, aber ein grosser Grad von Vertraulichkeit
-scheint sich zwischen ihnen ausgebildet zu haben. Eelking erzählt eine
-Geschichte, die aber, cum grano salis, aufgenommen werden muss, dass,
-als der Transport im Herbst 1777 von Lancaster nach Winchester geführt
-wurde, und an die Grenze von Virginia kam, die pennsylvanische Eskorte
-sich weigerte, weiter zu marschieren und nicht den Fuss auf den
-geheiligten Boden setzen wollte. In der That zerstreuten sie sich, und
-alle gingen nach Hause. Die Eskorte, die von Winchester hatte kommen
-sollen, um sie zu treffen, war nicht angekommen. Der Kapitän, der das
-Kommando über die Pennsylvanier gehabt hatte, war ein Mann von grosser
-Geistesgegenwart und Menschenkenntniss. Er sagte zu den Hessen, deren
-Zuneigung er durch seine Menschlichkeit gewonnen hatte, dass sie ohne
-Eskorte weiter marschieren müssten, da er selbst nach Winchester
-vorauseilen müsste. Er vertraute den Gefangenen und versprach ihnen gute
-Behandlung bei ihrer Ankunft. Darauf verliess er sie. Die Gefangenen,
-wenn man sie überhaupt so nennen kann, denen Niemand wehrte,
-marschierten weiter in guter Ordnung. Am dritten Tage kam der alte
-Kapitän mit einer virginischen Eskorte zurück und fand alle Hessen durch
-Namensaufruf zur Stelle, nur einige gewissenlose Engländer waren
-verschwunden. Die Deutschen wurden darauf alle mit Branntwein traktiert,
-während die englischen Gefangenen ihren Marsch ohne diese Erfrischung
-wieder aufnehmen mussten. Die Hessen erhielten fortan viele
-Vergünstigungen.
-
-Washington soll die Stimmung im Volke dadurch beruhigt haben, dass er
-bekannt gab, die Hessen seien gegen ihren Willen nach Amerika gekommen.
-Das Loos der Gefangenen scheint nicht übermässig hart gewesen zu sein.
-Viele der gemeinen Soldaten vermieteten sich als Knechte auf die Farmen
-und erhielten Verpflegung und Lohn.
-
-So viele als von Washingtons kleiner Armee dienstfähig blieben,
-überschritten in den letzten drei Tagen des Dezember den Delaware wieder
-und wurden schleunigst unter Cadwaladers und Mifflins Kommando
-vereinigt. Dadurch wurde ihre Zahl auf ungefähr 5000 gebracht, von denen
-3/5 des Militärdienstes unkundig waren. Gegen diese kleine Truppenmacht
-ging Cornwallis mit einer grösseren Zahl von britischen und hessischen
-Veteranen vor. Er kam mit seiner ganzen Streitmacht von Princeton über
-Maidenhead, trotz Donops Rat, in zwei Kolonnen auf beiden Seiten des
-Assanpink zu marschieren. Am 2. Januar 1777 fand ein Geplänkel statt,
-bei dem Lieutenant von Grothausen von den Jägern, welcher von Trenton 7
-Tage vorher entkommen war, ohne seine volle Schuldigkeit gethan zu
-haben, wie behauptet wurde, fiel. Eelking erzählt, dass er von einigen
-Scharfschützen erschossen wurde, welche ihn unter dem Vorwande sich zu
-ergeben, anlockten.
-
-Am Nachmittag des 2. Januar standen sich die englische und
-amerikanische Armee auf beiden Seiten des Assanpink-Flusses
-gegenüber. Vergeblich drängten unsere Offiziere Cornwallis, sofort
-anzugreifen. Die Sonne war im Untergehen, die Brücke war erfolgreich
-verteidigt worden, die englische Armee musste den Strom durchwaten, um
-an den Feind heranzukommen, und der Ausgang schien zweifelhaft. Der
-britische General entschloss sich, den Angriff auf den folgenden Tag
-zu verschieben. Washington wagte nicht, das Schicksal Amerikas auf die
-Widerstandsfähigkeit seiner undisziplinierten Milizen hin zu
-riskieren. Die Nacht war kalt und die Strassen in gutem Zustand für
-das Passieren der Artillerie. Es wurde Holz auf die amerikanischen
-Wachtfeuer gelegt und eine Wache zurückgelassen, um es zu unterhalten.
-Inzwischen marschierte die amerikanische Armee durch die helle
-Januarnacht ab, umging Lord Cornwallis linke Flanke und griff um 9 Uhr
-morgens 3 englische Regimenter zu Fuss und 3 Kompagnien zu Pferde bei
-Princeton an. Die Amerikaner warfen sie, töteten und verwundeten
-ungefähr 200 Mann und machten 230 Gefangene, unter denen 14 britische
-Offiziere waren. Der amerikanische Verlust an Leuten war gering, aber
-schwer an Offizieren infolge eines Unfalles bei Beginn der Affaire.
-Dieser Sieg bei Princeton war das letzte Ereignis des Feldzugs,
-welches den Namen einer Schlacht verdient. Die Briten verliessen den
-grössten Theil von New-Jersey und blieben nur in New-Brunswick, Amboy
-und Paulus Hook. Aber die Vorposten der beiden Armeen unterhielten ein
-Geplänkel den ganzen Winter hindurch. So wurde am 5. Januar 1777 eine
-Abteilung von 50 Waldeckern von einer an Zahl nicht stärkern Abteilung
-Milizen angegriffen, welche 8 oder 10 töteten und die Übrigen,
-einschliesslich 2 Offizieren, zu Gefangenen machten.
-
-In dieser scharmützelnden Art der Kriegführung nahmen, so weit es die
-Hessen betraf, die Jäger oder Chasseurs, wie sie die Engländer und
-Amerikaner nannten, den Hauptanteil. Sie waren gelernte Schützen und
-rekrutierten sich aus den Jägern und Forstleuten von Deutschland. Eine
-Kompagnie derselben war mit von Heister im August 1776 nach Amerika
-gekommen, eine zweite unter Kapitän Ewald mit von Knyphausen im Oktober.
-Sie hatten sich als so nützlich erwiesen, dass ihre Zahl durch einen
-speziellen Vertrag mit dem Landgraf während des Winters 1777 auf 1067
-Mann erhöht wurde, in 5 Kompagnien formiert, von denen eine zu Pferde
-war. Andere Kompagnien wurden von Hanau und Anspach besorgt. Nach dem
-Sommer 1777 war das Korps unter dem Befehl von Oberstlieutenant von
-Wurmb, aber die Kompagnien oder detachierten Teile fochten im
-Allgemeinen getrennt. Es gab wenige Operationen von einiger Wichtigkeit,
-an welchen die Jäger nicht Teil nahmen. Wir glauben gern, dass sie
-manche kühne und glückliche Streiche ausführten, müssen aber die Achseln
-zucken, wenn wir belehrt werden, dass die amerikanischen Milizen
-breitgeränderte Hüte trugen, welche sie über die Augen herunter gezogen
-haben sollen, um sie gegen Wind und Schnee zu schützen, so dass die
-Jäger imstande waren, sich bei hellem Tage an sie heranzuschleichen und
-sie niederzumachen oder zu entwaffnen, bevor sie eine Ahnung davon
-hatten. Diese Yankees sind gewöhnlich so sehr schläfrige Kerls (Eelkings
-»Hülfstruppen« I. S. 182).
-
-Ewald erzählt uns, dass zu Anfang des Jahres 1777 Lord Cornwallis sich
-entschloss Boundbrook in New-Jersey, welches von 1000 Amerikanern unter
-Oberst Butler gehalten wurde, zu überraschen. Der Angriff sollte in 3
-Kolonnen ausgeführt werden. Die erste unter General Mattheus sollte
-einen Scheinangriff auf die Front der amerikanischen Werke machen. Die
-zweite unter Cornwallis sollte über Somerset nach links Butlers Stellung
-umgehen und sie im Rücken fassen. Die dritte sollte rechts über
-Greenbrook marschierend, dem Feinde den Rückzug nach Morristown
-abschneiden. Ewald kommandierte die Avantgarde der 1. Division. Die
-Strasse von Raritan Landing nach Boundbrook, welche in einer Länge von
-2-1/2 Meilen an der linken Seite des Raritan River entlang führt, endigt
-in einen Damm über einen Morast. Durch diesen floss ein Bach, über
-welchen eine steinerne Brücke führte. Um die Brücke und den Damm zu
-beherrschen, hatten die Amerikaner eine Brücke gebaut.
-
-Die Division brach ungefähr um 2 Uhr morgens auf. Halbwegs Boundbrook
-glaubte Ewald, der wie gewöhnlich an der Spitze war, er sähe etwas sich
-bewegen. In der Hoffnung, eine feindliche Patrouille zu überraschen,
-schickte er einen Mann mit dem Befehl zurück, dass der Rest seiner Leute
-leise nachkommen sollte. Er wurde indessen entdeckt und angerufen. Indem
-er seine Leute mit leiser Stimme heranrief, avancierte er bis dicht an
-den Feind heran, der sich als ungefähr 30 Mann stark herausstellte.
-Diese gaben eine Salve ab und verschwanden, Ewald hinter ihnen her.
-Entgegen den Befehlen gaben die Jäger auch einige Schüsse ab. Es würde
-besser gewesen sein, sagt Ewald, ihnen langsam zu folgen, da sie die
-Jäger für eine gewöhnliche Patrouille gehalten haben mochten, eine
-ebensolche, wie man auf dieser Strasse beinahe jede Nacht begegnete.
-Ewald hoffte indessen, über den Damm und in die Redoute gleichzeitig mit
-den Amerikanern zu gelangen, aber die Entfernung war zu gross und der
-Tag brach an. Er war seiner Nase nachgegangen und hatte vergessen,
-hinter sich zu sehen, bis er ungefähr 100 Schritt von der Redoute
-entfernt, sich einem heftigen Feuer ausgesetzt sah, durch welches einige
-seiner Freiwilligen verwundet wurden. Dann sah er sich um und bemerkte,
-dass seine ganze Truppe aus 1 Lieutenant und 7 Mann bestand. Mit diesen
-warf er sich auf die Brücke, die kaum 40 Schritt von der Redoute
-entfernt war und deckte sich hinter die steinerne Brustwehr. Er hoffte,
-dass mehr von seiner Abteilung zur Unterstützung kommen würden, aber es
-stellte sich heraus, dass General Mattheus der Kolonne befohlen hatte zu
-halten, da er nicht unnötig Menschenleben opfern wollte. Ewalds 7
-Schützen unterhielten das Feuer auf die Schiessscharten der Redoute und
-ihr Feuer wurde lebhaft beantwortet, aber es wurde Niemand auf beiden
-Seiten getroffen. Nach kaum 1/4 Stunde hatten sie das Vergnügen,
-heftiges Feuer jenseits der Redoute zu hören, welche von Cornwallis im
-Rücken angegriffen war. Die Besatzung verliess das Werk, und Ewald mit
-seinem Lieutenant und 7 Mann ging vor um Besitz davon zu ergreifen, und
-nahm obendrein 12 Mann gefangen. »Aber«, sagt Ewald, »es war mein
-Fehler, dass Lord Cornwallis nur 150 Gefangene und 2 Kanonen machte
-anstatt 1000 Mann. Denn der Feind war durch das Feuer der Redoute
-geweckt und bekam Zeit, mit General Lincoln zusammen zu entkommen.«
-
-Hier möge noch eine andere Anekdote von Ewald folgen, die diese
-Campagne betrifft: »Als wir zu Anfang des Jahres 1777 während des
-amerikanischen Krieges in New-Brunswick in Jersey lagen, hatte ich den
-Befehl über das äusserste Ende der Piquetlinie bei Raritan Landing an
-der Strasse nach Boundbrook. Dieser Posten konnte nur durch grosse
-Wachsamkeit und den guten Willen und die Liebe der Jäger zu mir
-gehalten werden. Wir schlugen uns täglich mit den Amerikanern herum,
-denn wir waren nur eine Meile von einander entfernt. Eines Morgens um
-das Frühjahr herum, krochen die Amerikaner unter dem Schutze eines
-dicken Nebels so nahe an einen meiner Posten heran, dass sie eins
-meiner Piquets in demselben Moment erreichte, wie eine Patrouille, die
-ich vorgeschickt hatte, und die geworfen wurde. Sie stürzten auf mich
-los so schnell sie innerhalb 200 Schritt von mir konnten.
-Glücklicherweise war ein tiefeingeschnittener Weg zwischen uns, in
-welchen ich mich mit 16 Jägern hineinwarf, indem ich Lieutenant
-Hinrichs zurief, meine rechte Flanke mit dem Rest der Leute zu decken,
-bis Kapitän von Wreden mit seiner Kompagnie heraufkäme. Gerade als ich
-den eingeschnittenen Weg erreichte, erhielt ich heftiges Feuer von
-einem Regiment leichter Infanterie unter Oberst Buttler, woraufhin
-meine Leute, welche sonst brave Burschen waren, den Kopf verloren und
-wegliefen. Erstaunt, wie man wohl glauben mag, rief ich hinter ihnen
-her: »Ihr mögt zum Teufel rennen, aber ich bleibe hier allein stehen.«
-In diesem Moment bemerkte ich, dass ein Mann, Jäger Bauer, bei mir
-stehen geblieben war. Er antwortete: »Nein, Sie sollen nicht allein
-bleiben,« und er rief den Jägern, welche sich fort machten, nach:
-»Jungens, halt, ein Schuft, der wegläuft!« Nachdem er diese Worte
-einigemal nachgerufen hatte, kamen sie alle zurück und kämpften
-als brave Burschen. Die Amerikaner, welche fortwährend ein
-ununterbrochenes Feuer unterhalten hatten, waren die schreckliche
-Verlegenheit, in der ich gewesen war, nicht gewahr geworden. Kapitän
-Wreden und die leichte Infanterie von der englischen Garde unter
-Oberst Osborne kam zu unserer Unterstützung, und die Amerikaner wurden
-mit grossem Verlust zurückgeworfen und beinahe bis nach Boundbrook
-getrieben.« Jäger Bauer, der bei dieser Gelegenheit bei Ewald stand,
-war ein unbedeutend aussehender Bursche aus dem Anspacher Distrikt.
-Ewald hatte sich erst geweigert, ihn in seine Kompagnie einzustellen
-wegen seines Äussern, doch hatte er sich durch die Vorzüglichkeit
-seines Schiessens bewegen lassen ihn einzureihen. Kurz nach der oben
-erwähnten Affaire gab Bauer einen andern Beweis seiner Verwegenheit.
-Am Morgen des 25. Mai fiel Ewald mit einer Abteilung von 11 Jägern und
-30 Dragonern in einen Hinterhalt in der Nähe von Boundbrook. Sie
-wurden umzingelt und waren in Gefahr gefangen genommen zu werden, und
-gerade in diesem Moment stürzte Ewalds Pferd und der Kapitän lag auf
-dem Wege. Als die Jäger, die eine kleine Strecke entfernt waren, das
-Pferd ihres Kapitäns reiterlos auf sie loskommen sahen, erschien Bauer
-mit zwei Andern plötzlich, um den verletzten Offizier in Sicherheit
-zu bringen. Sie trugen ihn mitten im Kugelregen zurück, und als sie
-ihn an einen sicheren Ort gebracht hatten, bemerkte Bauer, dass Ewalds
-Hut fehlte. »Wir müssen ihn wiederkriegen, sagte er, »oder sie werden
-morgen den Hut unseres Hauptmanns im Triumph nach Boundbrook
-hineintragen.« Sie liefen wieder zurück und brachten wirklich den Hut
-trotz aller Kugeln zurück.
-
-Ewald versichert, dass Oberst Reed vor dem Überfall von Trenton Donop
-zweimal besuchte, unter dem Vorwand, Gefangene auszuwechseln, aber in
-Wirklichkeit um zu rekognoszieren. Er erzählt darüber die folgende
-Geschichte:
-
-»In derselben Weise kamen die beiden Obersten Hamilton und Schmidt mit
-einem Trompeter an den Posten, welchen ich bei New-Brunswick in Jersey
-im Anfang der Campagne von 1777 festhielt, nachdem General Howe von
-New-Brunswick nach Milztown vorgegangen und wieder zurückmarschiert war.
-Sie hatten unwichtige Briefe an General Grant von zwei englischen
-Offizieren seiner Brigade, welche am Tage vorher durch ihre eigene
-Schuld gefangen genommen worden waren, indem sie zum Vergnügen
-umhergeritten waren. Ich gab diesen beiden Herren, welche sehr elegante
-und höfliche Leute waren, zu verstehen, dass ich ihre Absicht wohl
-gemerkt hätte, und gab ihnen den wohlgemeinten Rat, sich so schnell als
-möglich fortzumachen und mich so bald nicht wieder zu besuchen. Hierüber
-schienen sie sehr erstaunt zu sein, befolgten aber meinen Rat mit
-grosser Eile. Ich würde sie sicherlich zur Verhaftung nach dem
-Hauptquartier mit verbundenen Augen geschickt haben, wenn ich nicht
-gewusst hätte, dass das Volk über eine so weise Massregel gegen
-Amerikaner gelacht haben würde. Das Beste wäre, wenn solche Herren zu
-unpassender Zeit mit Botschaften kommen, sie wenigstens für einen halben
-Feldzug mit sich zu nehmen.«
-
-Ich glaube nicht im mindesten, dass Hamilton zu den britischen Vorposten
-mit der Absicht gegangen war, die ihm hier unterstellt wird, und ich
-glaube sicher, es geschah, wenn er es that, ohne Mitwissen von
-Washington. Indessen hat man keinen Grund zu bezweifeln, dass ihm Ewald
-argwöhnte und ihn in der beschriebenen Weise entliess.
-
-Es wurden nun im Winter von 1776 auf 77 Unterhandlungen eingeleitet,
-infolge deren Generallieutenant von Heister abberufen wurde von dem
-Kommando über die hessischen Truppen und Generallieutenant von
-Knyphausen ihm folgte. Lord Suffolk hatte auf die Rückberufung gedrungen
-aus dem Grunde, weil Sir William Howe nicht zufrieden war mit Heister.
-Inwieweit Sir Williams Abneigung gegen ihn an rein persönlichen Gründen
-gelegen hat, oder in wieweit der Argwohn gerechtfertigt sein mag, dass
-Heister zu sehr »auf die Erhaltung der unter seinem Befehl stehenden
-Truppen« bedacht war, ist jetzt vielleicht nicht mehr möglich zu
-entscheiden. Aber wir wissen, dass Howe bereits vor der Affaire von
-Trenton mit Heister unzufrieden war, zu einer Zeit, als die englischen
-Verluste entschieden schwerer gewesen waren als die hessischen. Heister
-hatte durch den Vertrag zwischen dem König von England und dem Landgraf
-das Recht des unmittelbaren Befehls über ungefähr die Hälfte von Sir
-William Howes Armee. Die Abmachungen in dem Vertrage waren unbestimmt
-genug, um zu vielen Streitfragen Anlass zu geben. Heister soll
-widerspenstig gewesen sein. Jedenfalls kam er mit seinem
-Oberbefehlshaber nicht gut aus. Dies dürfte ein genügender Grund gewesen
-sein, um ihn abzuberufen.
-
-Die englische Regierung zog es vor, nicht offen mit dieser Sache
-hervorzutreten, sondern die Rückberufung wurde durch den Landgraf
-veranlasst auf Grund von Heisters Gesundheit und Alter und nur »für eine
-gewisse Zeit«. Es war aber wohl begreiflich, dass der alte General in
-Ungnade von dannen ging. Der Landgraf schreibt an Knyphausen: »Nichts
-als die vollkommene Vernachlässigung aller Ordnung und Disziplin kann
-diese Schande (von Trenton) über uns gebracht haben. Ich halte es für
-sehr nötig, über die Sache mit Generallieutenant von Heister zu
-sprechen, und seine Gesundheit ist obendrein für das Klima dort drüben
-nicht stark genug. Ich schreibe ihm deshalb, hierher zu kommen für eine
-gewisse Zeit und übertrage das Kommando ad interim über meine Truppen in
-Amerika auf Sie.« Heister verstand vollkommen, dass er in Ungnade
-gefallen war und starb zwei Monate, nachdem er Cassel erreicht hatte,
-aus Kummer und Sorge.
-
-Im Anfang des Frühjahrs 1777 beliefen sich die wirklichen Besitzungen
-des Königs von England auf amerikanischem Boden auf folgende: Im Staate
-New-York: die Insel im Hafen und etwa ein kleines Stück von West Chester
-County bei Kings Bridge. In New-Jersey: Amboy, New-Brunswick und Paulus
-Hook. In Rhode Island die eigentliche Insel. Aber die Wichtigkeit dieser
-Posten war ausser allem Verhältnis zu ihrer Ausdehnung. Sir William Howe
-kommandierte eine nach modernen Begriffen allerdings kleine Armee, die
-aber gross genug war um die von Washington an Zahl zu übertreffen, und
-die aus disziplinierten Truppen, darunter viele Veteranen, gebildet war,
-während die amerikanische Armee eine veränderliche, hauptsächlich aus
-Milizen bestehende Masse war. Der Kongress hatte an einem der letzten
-Tage des Jahres 1776 bestimmt, dass Washington bevollmächtigt sei,
-auszuheben, zu organisieren und mit Offizieren zu versehen: 16
-Bataillone Infanterie, 3000 Mann leichte Kavallerie, 3 Regimenter
-Artillerie und ein Korps von Ingenieuren. Aber diese Truppen, die erste
-Armee der vereinigten Staaten, als solche, zusammen mit den 88
-Bataillonen, welche gleichzeitig von den einzelnen Staaten aufgestellt
-werden sollten, existierten bis jetzt hauptsächlich auf dem Papier. Am
-14. März 1777 schreibt Washington an den Kongress: »Nach der genauesten
-Schätzung, welche ich machen kann, erreicht unsere Gesamtstärke in
-Jersey, welche augenblicklich dienstfähig ist, nicht die Zahl 3000.
-Diese, ausgenommen 981 Mann, sind Milizen und bleiben nur bis zum
-letzten dieses Monats zum Dienst verpflichtet. Die Truppen, die in der
-Ausbildung begriffen sind, belaufen sich, einschliesslich des Personals,
-auf ungefähr 1000.« Sir William Howes Armee kann zu dieser Zeit
-schwerlich weniger als 25 000 Mann betragen haben.
-
-Die Handvoll Leute, welche die Sache der Freiheit Amerikas aufrecht
-erhielt, war ohne Geld, ohne Kredit, oft ohne Kleidung. Gegen diese
-wurde die Kriegsmacht eines grossen Reiches gesetzt, die Loyalität,
-angefeuert durch eine alte Monarchie, einen unbegrenzten Kredit,
-unberechenbare Hülfsquellen. Eine zweite britische Armee bereitete sich
-vor, von Kanada aus mit der von Sir William Howe zusammen zu operieren
-und, indem sie die Hudson-Linie besetzte, das Land in zwei Teile zu
-teilen. Die Amerikaner konnten nicht auf fremde Hilfe rechnen, bis sie
-nicht die Fähigkeit, sich selbst zu helfen, gezeigt hätten. Ihre
-Hoffnung konnte sich nur gründen auf die eigene Standhaftigkeit, und auf
-den Genius und die patriotische Tapferkeit ihres grossen Führers.
-
-
-
-
-Kapitel X.
-
-Die Braunschweiger in Canada 1776.
-
-
-Das Braunschweigische Kontingent der deutschen Truppen, welches von
-England zur Unterdrückung der Revolte in ihren Nord-Amerikanischen
-Kolonien gedungen war, wurde von Baron Friedrich Adolph von Riedesel
-befehligt. Er stammte aus einer adeligen hessischen Familie und war im
-Jahre 1738 geboren. Im Alter von 15 Jahren war er nach Marburg geschickt
-worden, um Rechtswissenschaft zu studieren, obschon er kaum schreiben
-konnte und nur einige wenige lateinische Brocken gelernt hatte. Ein
-Bataillon hessischer Infanterie stand damals in Marburg, und Riedesel
-sah lieber den Soldaten zu, als dass er den Professoren der Universität
-zuhörte. Der Major, der die Bekanntschaft des Jungen gemacht hatte,
-hoffte ihn als Rekruten zu bekommen. Er gab Riedesel den Rat, in seine
-Kompagnie mit der Aussicht auf Avancement einzutreten und sagte ihm
-obendrein, dass er mit seinem Vater gut bekannt sei und an ihn schreiben
-würde, um seine Einwilligung zu diesem Plane zu erbitten. Kurz darauf
-sagte der Major zu Riedesel, dass er von seinem Vater gehört, er habe in
-seine Einstellung eingewilligt. Der Junge war über diese Nachricht
-entzückt und wurde sofort für den Dienst gemustert. Indessen, als er
-seinem Vater schrieb, um sich zu bedanken, erhielt er eine sehr
-enttäuschende Antwort. Baron von Riedesel hatte nie etwas von dem Major
-gehört und hätte nie seinem Sohn die Erlaubnis gegeben, den für ihn
-gewählten Beruf zu verlassen. Nun aber, da der junge Mann in den Dienst
-eingetreten sei, erforderte es die Ehre, seinen Farben treu zu bleiben,
-aber er brauchte auf keine weitere Unterstützung von Seiten seines
-Vaters zu rechnen. Es blieb dem jungen Riedesel nichts übrig, als sich
-in sein Schicksal zu fügen. Die ganze Angelegenheit ist nur ein Beispiel
-von dem deutschen Rekrutierungs-System der damaligen Zeit.
-
-Der Landgraf von Hessen-Cassel, hatte einige seiner Regimenter an
-England geliehen. Riedesel ging mit seinem Bataillon dorthin mit dem
-Rang als Fähnrich. Er war indessen nicht so lange dageblieben, um die
-Sprache vollkommen zu erlernen, denn sein Regiment war nach Deutschland
-zurückbeordert worden, um am siebenjährigen Kriege Teil zu nehmen, in
-welchem England mit Preussen und einige kleinere deutsche Staaten
-Frankreich, Österreich, Russland und Schweden gegenüberstand. Von dieser
-Zeit an war Riedesels Avancement rapide. Er wurde ein Günstling von
-Prinz Ferdinand und vertauschte den hessischen Dienst mit dem
-braunschweigischen. Beim Ausbruch der amerikanischen Revolution war er
-bis zum Range eines Obersten aufgestiegen und wurde General an dem Tage,
-an dem er an der Spitze des Kontingents aus Braunschweig nach Amerika
-ausmarschierte.
-
-Riedesel sah nichts Entehrendes in der Thätigkeit, zu der er berufen
-war. Er war Soldat von dem Typus, der dem 18. Jahrhundert eigen ist, und
-in militärischen Dingen kannte er nichts anderes als seine Befehle. Er
-war überdies ein zärtlicher Gatte und Vater, und seine Frau und Kinder
-sollten ihm nach der Neuen Welt nachfolgen, sobald es die Gesundheit der
-ersteren erlauben würde. »Liebste Frau,« schrieb er von seinem ersten
-Halt, »nie habe ich mehr gelitten, als heute früh bei meiner Abreise.
-Mein Herz brach mir, und hätte ich zurückgekonnt, wer weiss was ich
-gethan hätte! Aber, meine Liebe, Gott hat mir diesen Beruf gegeben, ich
-muss ihm folgen; Pflicht und Ehre verbinden mich dazu; man muss sich
-also trösten und nicht murren.«
-
-General Riedesel brach von Braunschweig am 22. Februar 1776 nach Stade
-an der Elbe auf, an der Spitze von 2282 Mann. Die Truppen wurden
-zwischen dem 12. und 17. März eingeschifft und gingen am 22. März in
-See. Es waren 77 Soldatenfrauen mit dieser Division. Der Rest des
-braunschweigischen Kontingents marschierte im Monat Mai nach Stade. Die
-einzelnen Teile zusammen beliefen sich auf die Gesamtsumme von 4300
-Mann. Das Regiment von Hessen-Hanau, 668 Mann stark, schloss sich der
-Expedition in Portsmouth an. Die Braunschweiger wurden besichtigt und
-für den englischen Dienst gemustert durch den Oberst Faucitt, welcher
-von dem Aussehen der Soldaten nicht befriedigt war. Viele waren zu alt,
-viele nur halbwüchsige Jungen. Die Uniformen der ersten Division waren
-so schlecht, dass die englische Regierung gezwungen war, Riedesel 5000 £
-vorzuschiessen, um die Leute in Portsmouth neu auszurüsten. Er wurde von
-den englischen Lieferanten betrogen, denn als man die Kisten mit Schuhen
-auf der See öffnete fand man Damenschuhe darin enthalten. Für einen
-Feldzug in Canada waren keine Mäntel vorgesehen. Neue Uniformen für die
-erste Division wurden im Laufe des Sommers nachgeschickt.
-
-Der General war von dem Geiste seiner Truppen sehr befriedigt. »Ich
-weiss die Zufriedenheit unserer Soldaten nicht genugsam zu beschreiben,
--- -- alles ist munter und guter Dinge,« schreibt er von Bord des
-Schiffes aus an seinen alten Chef, Prinz Ferdinand von Braunschweig.
-Bald indessen gesellte sich die Seekrankheit zu der Unbequemlichkeit auf
-den vollgepfropften Schiffen. »Die Soldaten sind meistens alle seekrank
-gewesen. Die meisten sind es noch, wie auch meine Leute«, schreibt
-Riedesel an seine Frau von Dover aus. »Der arme Koch ist es so sehr,
-dass er gar nicht arbeiten, ja nicht einmal den Kopf aufheben kann. Das
-ist eine grosse Unbequemlichkeit für uns, denn Kapitän Foy und ich
-müssen unsere Küche selbst besorgen, welches Dich belustigen würde, wenn
-Du es sähest.« Vor Beendigung der Reise war das Wasser verdorben.
-
-Die Flotte von 30 Schiffen lichtete die Anker in Portsmouth am 4. April
-und kam vor Cap Gaspé am 16. Mai an, vor Quebec am 1. Juni. Riedesel
-erhielt hier das Kommando über ein besonderes Korps, welches aus 1
-englischen und 2 deutschen Bataillonen mit 150 Canadiern und 300
-Indianern bestand und den St. Lawrence-Strom entlang zwischen Quebec und
-Montreal postiert war. »Das hiesige Land wird Dir sehr gefallen; es ist
-so schön, wie es nur sein kann,« schreibt Riedesel am 8. Juni an seine
-Frau; und weiter sagt er am 28.: »Du wirst die Gegenden hier herrlich
-finden, nur schade, dass die Kolonien noch in ihrer Kindheit sind, und
-man also Gemüse, Obst und andere dergleichen zu einem guten Tisch
-gehörige Sachen sehr selten findet; Fleisch, Geflügel und Milch aber hat
-man im Ueberfluss. Die Häuser sind alle nur von einem Stockwerk, haben
-aber inwendig viele Zimmer und sind sehr reinlich. Die Einwohner sind
-überaus höflich und dienstfertig, und ich glaube nicht, dass unsere
-Bauern bei einer ähnlichen Gelegenheit sich so artig bezeigen würden.«
-
-Nachrichten bekam man zu jener Zeit so spät, dass die Niederlage von
-Montgomery und Arnold vor Quebec am 31. Dezember 1775 in England noch
-nicht bekannt war, als die Flotte von dort absegelte. Riedesel und seine
-Begleiter hörten erst davon auf ihrem Wege den St. Lawrence-Strom
-hinauf. Kurz nach ihrer Ankunft wurde Canada von den »rebellischen«
-Truppen bis zum Nordende von Lake Champlain gesäubert, auf welchem See
-die Amerikaner eine Flotte improvisirt hatten, bestehend aus 4
-Schaluppen, 8 »Gondolas« und 3 Ruder-Galleeren. Den Sommer brachten die
-Briten damit zu, Kriegs- und Transportschiffe zu bauen, um den See
-hinauf vorzudringen. Die Truppen wurden einquartiert oder in Lager
-untergebracht den St. Lawrence- und Richelieu-Fluss entlang, und nur ein
-bedeutendes Scharmützel vermochte die gewohnte Thätigkeit des Drillens
-und Schanzenbaues und des gleichzeitig fortschreitenden Bootsbaues durch
-Rückwärtsmarschieren zu unterbrechen.
-
-Am 23. Juni wohnte General Riedesel einer feierlichen Versammlung bei in
-der früheren Jesuitenkirche in Montreal von General Carleton, dem
-Gouverneur von Canada und den Häuptlingen der fünf Nationen. Alle
-höheren Offiziere der Armee waren dazu eingeladen worden und ungefähr
-300 Indianer waren anwesend. Die europäischen Offiziere waren mit
-Stühlen auf dem Chor der Kirche versehen, der Gouverneur in der Mitte,
-den Hut auf dem Kopfe. Die Indianer sassen auf Bänken im Mittelschiff
-der Kirche und rauchten ihre Pfeifen. -- Nachdem Reden gehalten und
-verdolmetscht waren, wurden die Dienste der Indianer durch den
-englischen General angenommen, und es wurden ihnen Stellungen
-angewiesen. Die Indianer reichten den europäischen Offizieren die Hände,
-und den Generalen Carleton, Burgoyne und Phillips wurden Skalpe von
-Rebellen geschenkt. Was die englischen Herren mit diesen reizenden
-Geschenken ihrer menschenfreundlichen Bundesgenossen thaten, ist nicht
-ersichtlich. Bei einer späteren Zusammenkunft, die General Carleton mit
-Indianern mehr von Westen her abhielt, erschien einer von diesen in der
-Uniform des General Braddock, welchen er getötet zu haben behauptete.
-
-Von Montreal sagt Riedesel: »Diese Stadt ist in der That etwas feiner
-als Quebec und hat ungefähr 1600 Häuser. Sie ist von nichts anderem
-umgeben als einer Mauer mit Schiessscharten für Kanonen und Musketen,
-und was man Citadelle nennt ist ein Blockhaus in sehr schlechter
-Verfassung. Diese Werke waren im Jahre 1736 angefangen worden. Die ganze
-Insel Montreal, gleichwie auch die Stadt gehören dem Seminar.... In der
-Nähe dieses Seminars ist der beste Garten von ganz Canada, aber er ist
-nicht besser angelegt, als der von einer Privatperson bei uns zu Hause.
-Sie haben die meisten Arten der europäischen Pflanzen hier.« --
-
-Schliesslich war am 9. September der Transport fertig, um auf dem Lake
-Champlain vorzudringen. Es war indessen notwendig, wegen der
-Kriegsfahrzeuge noch einen Monat länger zu warten. Sobald diese
-vollzählig waren, übertrafen sie die der Amerikaner um mehr als das
-doppelte, sowohl an Zahl als an Gewicht. Sie waren mit aufgegriffenen
-englischen Seeleuten bemannt, während die Schaluppen und Gondolas unter
-Benedict Arnold meistens von Nicht-Seeleuten bemannt und befehligt
-waren. Das Resultat war vorauszusehen. Arnold wählte am 10. Oktober
-1776 eine unvorteilhafte Stellung zwischen Valcour Island und dem
-westlichen Ufer des Sees. Hier bestand er einen ungleichen Kampf am 11.
-und von da entwischte er in der folgenden Nacht, verwegen durch die
-Linie der britischen Flotte hindurchschlüpfend. Am 13. wurde er in der
-Nähe der Insel der vier Winde von Carleton eingeholt. Einige der Boote
-zertrümmerten, andere wurden auf den Strand gesetzt und verbrannt; nur
-fünf entkamen. Arnold und sein Haufe bewiesen die grösste Tapferkeit bis
-zu Ende; aber Tapferkeit allein konnte den Mangel an Seetüchtigkeit und
-die Minderzahl nicht ausgleichen. Einige von den Deutschen nahmen an dem
-Seegefecht vom 11. teil, und eins der Schiffe, auf dem die Hanauer
-Artillerie war, wurde durch das amerikanische Feuer zum Sinken gebracht.
-Die Soldaten und Seeleute, welche es bemannten, wurden indessen durch
-ein anderes Boot gerettet. --
-
-Unmittelbar nach diesem Seekampf besetzte Carleton Crown Point ohne
-Gegenwehr. Streifparteien wurden bis in die Nähe von Ticonderoga
-vorgetrieben. Riedesel war am 22. oder 23. Oktober dieser Festung so
-nahe, dass er sie von einem Hügel aus vollkommen sehen konnte. Er
-dachte, sie könnte wohl leicht von der britischen Armee in Canada
-genommen werden, wenn die ganze Armee in Bewegung gesetzt werden würde,
-doch er rechnete die Stärke der eigentlichen Besatzung entschieden zu
-hoch. Sir Guy Carleton hielt es für zu spät, in diesem Herbst weitere
-Eroberungen zu unternehmen. Selbst Crown Point verliess er und zog sich
-nach der Nordspitze des Sees zurück.
-
-Die Truppen wurden in Winterquartiere gelegt, die Deutschen den
-Riechelieu-Fluss entlang und in die Umgebung des Sees St. Pierre.
-Riedesels Hauptquartier war in Trois-Rivières. Man bemühte sich, die
-Anwesenheit der Soldaten nicht zu schwer auf den Einwohnern lasten zu
-lassen, abgesehen von denen, die Sympathien mit den Rebellen gezeigt
-hatten. Eine strenge Disziplin wurde aufrecht erhalten. Die Soldaten
-empfingen ihre Verpflegung und fällten sich ihr Holz zum Feuern in den
-Wäldern. Die Arbeit des Tragens des Holzes, sobald es gefällt worden war
-und des Kochens scheint den Einwohnern obgelegen zu haben. Die Soldaten
-waren versehen mit langen Hosen von dickem Tuch, die bis hoch zum Leibe
-hinauf reichten, und mit warmen Fausthandschuhen und Kapuzen.
-
-Die zweite Braunschweigische Division war im September nach einer langen
-und stürmischen Ueberfahrt in Canada angelangt. Offiziere und Leute
-waren schliesslich auf halbe Ration von verdorbenen Lebensmitteln
-gesetzt worden. Als die Division von ungefähr 2000 Mann in Quebec ankam,
-waren 19 Mann gestorben und 131 krank an Scorbut.
-
-Der lange Canadische Winter brach unmittelbar darauf herein. Er wurde
-von Riedesel zur Ausbildung der Truppen verwendet wenn das Wetter es
-erlaubte, besonders zur Ausbildung im Schiessen. Er hatte bemerkt, dass
-die Amerikaner bessere Schützen als die Deutschen waren, und er bemühte
-sich eifrig, diesem Mangel bei seinen Soldaten abzuhelfen. Im Laufe des
-Winters reiste er über 1800 Meilen im Schlitten, um die zerstreut
-liegenden Detachements zu besichtigen, und um General Carleton in Quebec
-und Montreal seine Aufwartung zu machen. An ersterem Orte war er am 31.
-Dezember 1776, als ein feierlicher Gottesdienst in der Kathedrale
-gehalten wurde zum Andenken an die Befreiung der Stadt von Arnold und
-Montgomery an diesem Tag des vergangenen Jahres. Die Feierlichkeit wurde
-geleitet von dem Bischof, und 8 unglückliche Canadier mussten öffentlich
-Busse thun, mit Stricken um den Hals, und Gott, die Kirche und König
-Georg um Verzeihung bitten dafür, dass sie den Amerikanern beigestanden
-hatten.
-
-Während des zweiten Teils des Winters gab Riedesel in Trois-Rivières
-jede Woche einen Ball, teils um sich die Zuneigung der Einwohner zu
-erwerben, teils um seine Offiziere von Thorheiten abzuhalten. Der 20.
-Januar, der Geburtstag der Königin von England, wurde mit grossem Pomp
-gefeiert. 40 Gäste waren zum Diner geladen. Gesundheiten wurden in
-Champagner ausgebracht, und eine kleine Kanone wurde nach jedem Toast
-abgefeuert wie im ersten Akte von »Hamlet«. Am Nachmittag und Abend war
-ein Ball, zu welchem nicht weniger als 37 Damen erschienen. Diesen wurde
-des Abends ein Souper serviert, wobei ihnen die Herrn aufwarteten.
-»Demoiselle de Tonnencour«, schreibt ein Augenzeuge, »erhöhte ihre Reize
-durch ihre Juwelen, aber die arme Demoiselle R--e, in ihrem schäbigen
-baumwollenen Kleid, wurde vor vielen von uns vorgezogen wegen ihrer
-natürlichen und angenehmen Art und ihrer schönen Stimme. Sie müssen
-wissen, lieber Herr, dass die kanadischen Schönen französische und
-italienische Lieder an der Tafel singen, und dass bereits mehrere Lieder
-zu Ehren von General Riedesel geschrieben und komponiert worden sind,
-und dass diese oft in Trois-Rivières gesungen werden«. Auf diese Weise,
-mit Dienst und Vergnügen, gingen die Monate dahin bis zu Anfang Juni
-1777, wo sich eine ereignisreiche Campagne für die Braunschweiger
-eröffnete.
-
-
-
-
-Kapitel XI.
-
-Baronin Riedesels Reise 1776 und 1777.
-
-
-Die Baronin von Riedesel war aufgebrochen, um sich mit ihrem Gemahl zu
-vereinigen und hatte ihre drei kleinen Töchter mit sich genommen, von
-denen die Älteste erst 4 Jahre und 9 Monate alt war und die Jüngste ein
-Säugling von 10 Wochen. Die Reise von Deutschland nach Kanada war in
-jenen Tagen keine leichte Sache, sie war weder frei von unberechenbaren
-wie wirklichen Gefahren. »Man stellte mir nicht allein die Gefahren zur
-See vor, sondern sagte mir auch, dass wir besorgen müssten von den
-Wilden gefressen zu werden; dass man sich in Amerika mit Pferdefleisch
-und Katzen ernährte; und doch schreckte mich alles dieses noch weniger
-als der Gedanke, in ein Land zu kommen, wo ich die Sprache nicht
-verstand. Inzwischen war ich auf alles gefasst, und der Gedanke, meinem
-Manne zu folgen und meine Pflichten zu erfüllen, hat mich im ganzen Lauf
-meiner Reise aufrecht erhalten.«
-
-Die Baronin verliess Wolfenbüttel in der Nähe von Braunschweig am 14.
-Mai 1776 und reiste über Calais nach England. »In Mastricht warnte man
-mich, auf meiner Hut zu sein, weil die Wege durch Strassenräuber sehr
-unsicher gemacht wurden, deren in vierzehn Tagen 130 teils gehängt,
-teils auf andere Art hingerichtet worden, welches aber noch nicht der
-vierte Teil von denen wäre, die sich noch da befänden; und dass man sie
-gleich ohne weiteren Prozess auf den Landstrassen und an den Orten
-aufhinge, wo sie ihr Wesen trieben. Diese Nachrichten setzten mich sehr
-in Furcht, und ich nahm mir vor, nicht bei Nachtzeit zu reisen; da ich
-aber sehr schlechte Pferde bekam, so musste ich doch in der Dämmerung
-durch einen Wald, wo etwas hängendes mir durch das offene Fenster in den
-Wagen hineinschlug. Ich fasste darnach, und als ich etwas rauhes fühlte,
-fragte ich was es sei? -- Es war ein Gehängter mit wollenen Strümpfen.
-Noch ganz erschrocken darüber, wurde mir noch weit mehr angst, als man
-vor einem ganz einsam stehenden Hause in diesem nämlichen Walde stille
-hielt, wo die Postillons nicht weiter fahren wollten. Der Ort hiess
-Hune, ich werde es nie vergessen! Ein Mann von ziemlich verdächtigem
-Aussehen empfing uns und führte uns in eine sehr abgelegene Stube, wo
-ich nur ein Bett fand.
-
-Es war kalt, ich liess also Feuer in einem grossen Kamin machen; unser
-ganzes Abendbrod bestand in Thee und in sehr grobem Brode. Mein treuer
-Rockel (ihr alter Diener) kam zu mir mit einem sehr ängstlichen Gesicht
-und sagte mir: »Hier ist's nicht richtig! es ist da eine Kammer voller
-Gewehre, ich glaube die andern Leute sind aus; gewiss sind es
-Spitzbuben! Ich werde aber die Nacht vor ihrer Kammer mit meinem Gewehr
-sitzen und werde mein Leben teuer verkaufen. Der andere Bediente soll in
-der Kutsche sitzen auch mit seinem Gewehr.« Alles dieses machte
-natürlich meinen Schlaf nicht ruhig, ich hatte mich auf einen Stuhl
-gesetzt und den Kopf auf das Bett gelegt. Doch schlief ich endlich ein,
-und wie gross war mein Entzücken beim Erwachen, als man mir um 4 Uhr des
-Morgens zu sagen kam, dass alles zur Abreise fertig sei, und ich darauf
-den Kopf zum Fenster herausstreckte, und in dem Walde, worin wir uns
-befanden, eine Menge Nachtigallen um uns her bemerkte, welche durch
-ihren angenehmen Gesang mir alle meine überstandene Angst vergessen
-machten.«
-
-Solcher Art waren die Unbequemlichkeiten einer Reise auf dem Kontinent
-vor 100 Jahren. Wir werden gleich sehen, was für unangenehme Abenteuer
-Fremde in England zu gewärtigen hatten. Die Baronin gelangte glücklich
-von Calais hinüber nach Dover und erreichte London mit der Post. Der
-Hotelbesitzer in Calais hatte ihr gesagt, dass es nicht sicher für sie
-sei, allein zu reisen und, nachdem er so gethan hatte, als wenn er
-eifrig gesucht hätte, stellte er ihr einen Mann vor, von dem er vorgab,
-dass er ein Gentleman sei, der eingewilligt hätte, die Begleitung zu
-übernehmen. Dieser begleitete sie bis London, wo sie in dem 4. Stock
-eines Hotels einlogiert wurde, obwohl sie gute Räume verlangt hatte. In
-ihrem Tagebuch sagt sie: »Den Tag darauf kam mein Hauswirt mit einer
-ganz verschämten Miene zu mir und fragte mich sehr ehrerbietig, ob ich
-den Menschen kenne, mit welchem ich gekommen wäre, und den ich ihm
-empfohlen so gut zu bewirten (denn ich hatte es für unschicklich
-gehalten, ihn in London mit mir essen zu lassen). Ich sagte ihm, dass es
-ein Edelmann wäre, der auf die Bitte des Herrn Guilhaudin, meines Wirts
-in Calais, mir die Gefälligkeit erzeigt hätte, mich auf der Reise zu
-begleiten. Ha! erwiederte er, dies ist einer von seinen Streichen! Es
-ist ein Lohnbedienter, ein Erzgauner, den er dazu gebraucht, seine
-Geschäfte zu machen; und wie ich Sie mit diesem Menschen im Wagen sitzen
-sah, als Sie ankamen, so muss ich Ihnen bekennen, dass ich nicht
-glaubte, dass Sie das wären, wofür Sie sich ausgäben, und also dafür
-hielt, dass diese Stuben gut genug für Sie sein würden; da ich jetzt,
-nach den Leuten, die zu Ihnen kommen, urteilen kann, dass ich mich
-geirrt habe: so bitte ich Sie sehr um Verzeihung, und ersuche Sie andere
-anzunehmen, für welche Sie mir nicht mehr bezahlen sollen, als für diese
-hier; so sehr wünsche ich mein Versehen wieder gut zu machen. Ich dankte
-ihm und bat, dass er mich doch sobald als möglich von dem Menschen
-befreien sollte, der mir aber doch noch 4 oder 6 Guineen (ich erinnere
-mir nicht mehr genau wie viel es war) für seine Begleitung abforderte.«
-
-Baronin Riedesel hatte Bekannte in London getroffen unter anderen
-Schlieffen, den Gesandten des Landgrafen von Hessen-Cassel, den Mann,
-der das grösste Geschäft bei dem Verkauf von deutschen Truppen an
-England gemacht hatte. Sie verkehrte etwas in der Gesellschaft, war aber
-wegen ihrer kleinsten Tochter viel an das Haus gefesselt. »Eines Tages«,
-schreibt sie, »hatte ich eine unangenehme Geschichte in London. Man
-hatte mir gerathen, dass ich mir ein kleines Mäntelchen und Hut kaufen
-sollte, ohne welche ich nicht ausgehen könnte. Ich war zum Essen beim
-Herrn von Hinüber, dem hannöverischen Minister. Seine Frau schlug mir
-einen Spaziergang nach St. James vor, versäumte aber, mir vorher zu
-sagen, was in unserer Kleidung wider das englische Kostüm war. Gustchen
-war nach französischer Art gekleidet, trug einen kleinen Panier
-(Reifrock) und einen hübschen, kleinen, runden Hut. Ich bemerkte, dass
-man fast mit Fingern auf uns wies und fragte nach der Ursache. Sie sagte
-mir, ich hätte einen Fächer, welchen man mit einem Hut nicht tragen
-dürfe, und meine Kleine wäre zu geputzt, daher man uns für Franzosen
-hielte, die hier schlecht angeschrieben wären.«
-
-»Den Tag darauf ging ich wieder dahin, und wir waren alle ganz auf
-englische Art gekleidet, also glaubte ich, dass man uns nicht bemerken
-würde; ich irrte mich aber, denn ich hörte wieder rufen: French women!
-pretty girl! (Französinnen! hübsche Mädchen!) Ich fragte den
-Lohnbedienten, warum man uns für Französinnen hielt, und erfuhr, dass es
-deshalb wäre, weil ich meinen Kindern Bänder angesteckt hatte. Ich riss
-sie ab und steckte sie in die Tasche, aber man begaffte mich immer noch,
-und ich hörte, dass es wegen der Hüte war, welche die Kinder in England
-von einer anderen Form trugen. Ich sah daraus, wie nötig es war, sich
-nach der Sitte des Landes zu richten, um mit Annehmlichkeit dort zu
-sein, denn der Mob (Pöbel) läuft gleich zusammen, und wenn man sich mit
-ihm in Wortwechsel einlassen wollte, so setzte man sich Beschimpfungen
-aus.«
-
-Einige Tage später reiste die Baronin nach Bristol. Sie schreibt:
-»Gleich den Tag nach meiner Ankunft rief mich meine Wirtin zu einem (wie
-sie es nannte) allerliebsten Schauspiel. Wie ich ans Fenster trat,
-erblickte ich zwei nackte Menschen, die sich mit der grössten
-Erbitterung boxten. Ich sah wie ihr Blut floss und wie die Wuth in ihren
-Augen gemalt war. Zu wenig an einen solchen hässlichen Anblick gewöhnt,
-zog ich mich geschwind in den innersten Winkel des Hauses zurück, um
-nicht das Freudengeschrei zu hören, das die Zuschauer dabei machen, wenn
-einer einen Stoss bekommt. Während meines Aufenthalts in Bristol hatte
-ich einen unangenehmen Auftritt. Ich trug ein zitzenes Kleid mit einem
-Besatz von grünem Taft. Dieses mochte den Bristolern als etwas zu
-Fremdes aufgefallen sein, denn wie ich eines Tages mit Madame Foy
-spazieren ging, versammelten sich über 100 Matrosen um uns, wiesen auf
-mich mit Fingern und riefen: French whore! (französische Hure!) Ich floh
-so geschwind als möglich in das Haus eines Kaufmanns, und nahm den
-Vorwand dort etwas zu kaufen; mittlerweile verlief sich das Volk wieder.
-Das verleidete mir aber mein Kleid, und wie ich wieder nach Hause kam,
-so schenkte ich es meiner Köchin, ob es gleich noch ganz neu war.«
-
-Frau von Riedesel blieb 10 Monate in England. Ihr Gemahl hatte ihr
-gesagt, dass sie nicht ohne Begleitung einer andern Dame reisen sollte,
-und hatte ihr die oben erwähnte Mrs. Foy empfohlen, die sich auch in
-Canada mit ihrem Mann vereinigen wollte. Diese Dame liess die Baronin
-den ganzen Sommer 1776 hindurch warten und weigerte sich schliesslich
-mit ihr zu gehen. Es war spät im Herbst und der Baronin Riedesel war
-angerathen, die Überfahrt nicht zu wagen, da sie den St. Lawrence-Strom
-mit Eis gesperrt finden möchte. Sie kehrte infolgedessen nach London
-zurück, wo sie bei liebevollen Menschen gute Wohnung fand und den
-folgenden Winter zubrachte. Die Sorge für ihre Kinder zwang sie, ein
-ruhiges Leben zu führen. Indessen wurde sie bei Hof vorgestellt, von
-welcher Ceremonie sie folgenden Bericht macht: »Man riet mir, an Hof zu
-gehen, da die Königin geäussert hätte, dass sie mich gern sehen wollte.
-Ich liess mir also eine Hofrobe machen, und Lady George Germaine
-präsentierte mich. -- Es war am Neujahrstage 1777. Ich fand das Schloss
-sehr hässlich und altfränkisch möbliert. Die Damen und Herren stellten
-sich alle in das Audienzzimmer; hierauf kam der König, welcher 3
-Kavaliere vor sich gehen hatte, in das Zimmer. Ihm folgte die Königin
-links herum. Beide gehen keinen vorbei ohne ihm was zu sagen. Am Ende
-des Saals begegnen sie sich, machen sich eine grosse Reverenz, und
-gehen dann ein jeder von ihnen dahin, wo der Andere hergekommen ist. Ich
-frug Lady Germaine, was ich zu thun hätte, und ob der König, wie ich
-gehört hätte, alle Damen küsste? Nein, antwortete sie mir, bloss die
-Engländerinnen und Marquisen, und man hat nichts weiter zu thun, als
-stille auf seinem Platz stehen zu bleiben. Wie nun der König an mich
-heran kam, war ich sehr verwundert, dass er mich küsste, und wurde
-darüber feuerrot, weil es mir ganz unerwartet kam. Er fragte mich
-sogleich, ob ich Briefe von meinem Mann hätte? Ich sagte: Ja, am 22.
-November. Er ist wohl, erwiederte er, ich habe mich express nach ihm
-erkundigt, jedermann ist mit ihm zufrieden, und ich hoffe, dass ihm die
-Kälte nichts schaden wird. Ich antwortete, ich glaubte und hoffte, dass,
-da er in einem kalten Klima geboren wäre, ihm die Kälte nicht so
-beschwerlich fallen würde. Ich hoffe es auch, sagte er; allein dieses
-versichere ich Ihnen, dass die Luft daselbst sehr gesund und klar ist.
-Hierauf machte er mir noch einen sehr freundlichen Gruss und ging
-weiter. Als er weg war, sagte ich der Lady Germaine, dass ich durch den
-Kuss des Königs nun naturalisiert wäre. Hernach kam die Königin, die
-auch sehr freundlich gegen mich war und mich fragte, ob ich schon lange
-in London wäre? Ich sagte »2 Monat«. »Ich glaubte schon länger«,
-erwiederte sie. Ich antwortete, »in London nur so lange, aber in England
-bereits 7 Monat.« Sie fragte, ob es mir hier gefiele? Ich sagte »ja;
-dass ich aber doch sehr wünschte, erst in Canada zu sein«. »Fürchten Sie
-sich denn nicht«, frug sie weiter, »vor der See? Ich liebe sie
-garnicht.« »Ich auch nicht«, erwiederte ich, »allein es ist kein ander
-Mittel, meinen Mann wiederzusehen, und ich werde mit Freunden reisen.«
-»Ich bewundere ihren Muth«, sagte sie, »denn es ist eine starke
-Unternehmung und sehr beschwerlich, zumal mit 3 Kindern.«
-
-»Aus dieser Unterredung sah ich, dass sie schon mehr von mir gehört
-hatte, und es war mir daher lieb, dass ich an den Hof gegangen war. Nach
-der Cour sah ich alle königlichen Kinder, bis auf eins, das krank war.
-Es waren ihrer 10, die ich alle bildschön fand.«
-
-»Ich ging nachher, da ich so gut aufgenommen worden, noch mehreremale
-hin. Als ich vor meiner Abreise nach Portsmouth, im Frühjahr, zu meiner
-Einschiffung von der Königin Abschied nahm, fragte sie mich nochmals, ob
-ich mich nicht vor einer solchen schrecklichen Reise fürchtete; und als
-ich ihr antwortete, dass, da mein Mann wünschte, dass ich ihm folge, ich
-es mit Mut und Vergnügen thäte, weil ich glaubte, meine Pflicht zu
-erfüllen und versichert wäre, dass sie an meinem Platz das nämliche thun
-würde; so sagte sie mir: »Ja, wie man mir aber schreibt, so thun Sie die
-Reise ohne Vorwissen ihres Mannes.« Ich erwiederte: »Da sie eine
-deutsche Prinzessin wäre, so würde sie wohl wissen, dass ich ohne den
-Willen meines Mannes dieses nicht hätte unternehmen können, weil mir das
-Geld dazu gefehlt haben würde.« »Sie haben Recht«, sagte sie, »ich
-billige Ihren Entschluss und wünsche Ihnen alles nur ersinnliche Glück.
-Wie ist der Name ihres Schiffes? Ich werde mich oft nach Ihnen
-erkundigen, und bei Ihrer Zurückkunft, hoffe ich, werden Sie mich
-besuchen.« -- Sie hat Wort gehalten und sich oft nach mir erkundigt und
-mich oft grüssen lassen.« --
-
-Baronin Riedesel schiffte sich am 15. April 1777 an Bord eines
-Kauffarteischiffes ein, welches in Gemeinschaft mit einer Flotte von 30
-Transportschiffen durch zwei Kriegsschiffe begleitet wurde. Sie kam nach
-einer ereignislosen Reise am 11. Juni in Quebec an. Nach einem Aufenthalt
-von nur einem halben Tage in Quebec reiste die unermüdliche Frau mit
-ihren drei kleinen Kindern auf schlechten Wegen und stürmischen Flüssen
-nach Chambly, wo sie schliesslich am 14. Juni ihren Gemahl fand. Sie
-konnten nur zwei glückliche Tage mit einander zubringen, weil die Armee
-im Vormarsch war, und die Baronin war genötigt nach Trois-Rivières
-zurückzukehren. Am 14. August traf sie indessen wieder bei der Armee ein,
-deren darauffolgendes Schicksal sie teilte. Ich will nur noch eins von
-ihren Abenteuern anführen, bevor ich zur Betrachtung der militärischen
-Operationen des braunschweigischen Kontingents zurückkehre:
-
-Die Baronin war von Trois-Rivières aufgebrochen, um sich mit ihrem Manne
-in Fort Edward am Hudson zu vereinigen. Die Gesellschaft reiste in 2
-Booten, von denen das eine mit dem Gepäck beladen war. Sie schreibt:
-»Die Nacht überfiel uns, und wir sahen uns genötigt, auf einer Insel zu
-landen. Das andere Fahrzeug, da es mehr beladen und nicht so gut bemannt
-war, hatte uns nicht folgen können; wir hatten daher weder Betten noch
-Licht, und was das Schlimmste war, nichts mehr zu essen; denn wir hatten
-weiter nichts auf unser Schiff mitgenommen, als was wir den Tag über zu
-gebrauchen dachten; wir fanden auf dieser Insel weiter nichts als die
-vier kahlen Wände eines verlassenen und nicht einmal ausgebauten Hauses,
-welches voller Gesträuche lag, das uns zum Nachtlager diente. Ich
-bedeckte es mit unsern Mänteln und nahm die Kissen von der Barke zu
-Hilfe, so dass wir recht gut schliefen.
-
-Den Kapitän Willoe konnte ich nicht bewegen, in die Hütte mit
-hereinzukommen und sah ihn sehr unruhig, welches ich mir gar nicht
-erklären konnte. Mittlerweile bemerkte ich einen Soldaten, der einen
-Topf ans Feuer setzte. Ich fragte ihn, was er darinnen hätte?
-»Kartoffeln, die ich mir mitgenommen habe.« Ich blickte lüstern nach
-ihnen hin; er hatte nur so wenig, dass ich es grausam fand, ihn
-derselben zu berauben, besonders da er so glücklich dabei aussah.
-Endlich aber siegte doch die Begierde, meinen Kindern davon zu geben
-über meine Bescheidenheit; ich bat also und erhielt die Hälfte, welches
-höchstens ein Dutzend sein mochten; dazu holte er aus seiner Tasche
-zwei oder drei kleine Enden Licht, die mich sehr glücklich machten, weil
-die Kinder sich fürchteten im Finstern zu bleiben. Ich gab ihm für das
-Alles einen grossen Thaler, da war er ebenso glücklich als ich.
-Inzwischen hörte ich Kapitän Willoe Befehl geben, dass man um das
-Gebäude Feuer anzünden, und dass seine Leute die ganze Nacht um dasselbe
-die Runde gehen sollten. Auch hörte ich während der ganzen Nacht Lärm
-machen, welches mich ein wenig am Schlaf hinderte. Als ich am andern
-Morgen beim Frühstück, welches ich auf einem breiten Stein, der uns zum
-Tisch diente, einnahm, den Kapitän, der in der Barke geschlafen hatte,
-nach der Ursache des Lärmes fragte, so bekannte er mir, dass wir in
-grosser Gefahr gewesen, indem diese Insel l'Isle aux Sonnettes (die
-Klapperschlangeninsel) wäre, welche von den vielen darauf befindlichen
-Klapperschlangen den Namen hätte, dass er es nicht gewusst und sehr
-erschrocken sei, als er es erfahren, und wegen der Strömung es doch
-nicht habe wagen dürfen, in der Nacht weiter zu fahren. Es wäre ihm
-daher nichts anderes übrig geblieben, als grosse Feuer und viel Lärm zu
-machen, um die Schlangen zu erschrecken und dadurch abzuhalten. Er habe
-aber die ganze Nacht aus Besorgnis für uns kein Auge zuthun können. Ich
-war über diese Erzählung sehr erschrocken und liess ihm bemerken, dass
-wir unsere Gefahr dadurch noch vergrössert hätten, dass wir uns auf das
-Gesträuch gelegt, in welchem sich die Schlangen gern verbergen. Er gab
-mir Recht und sagte mir, dass, wenn er es eher gewusst, wo wir wären, er
-alles Gesträuch vorher würde haben wegnehmen lassen oder uns gebeten
-haben würde, lieber auch in der Barke zu bleiben. Er habe es aber erst
-von einem der Leute von unserm andern Fahrzeuge erfahren, das uns später
-nachgekommen war. Wir fanden am Morgen noch allenthalben Häute und
-Schleim von diesen garstigen Tieren und eilten daher, mit unserm
-Frühstück fertig zu werden.«
-
-
-
-
-Kapitel XII.
-
-Ticonderoga und Bennington, Juli und August 1777.
-
-
-Die Operationen in Canada und auf dem Lake Champlain während des Sommers
-und Herbst 1776 waren von Sir Guy Carleton, dem britischen Gouverneur
-der Provinz, geleitet worden. Die Generale Burgoyne und Phillips und
-General Riedesel hatten unter seinem Befehl gestanden. Für den Feldzug
-von 1777 wurde indessen vom englischen Ministerium ein neues Arrangement
-getroffen. Carleton behielt die Statthalterschaft und das Kommando über
-die Truppen in Canada bei, aber die Expedition, welche über die Grenzen
-der Provinz hinaus gegen die Rebellen in New-York und Neu-England
-vorgehen sollte, wurde Burgoyne anvertraut.
-
-Generalleutnant John Burgoyne war damals 55 Jahre alt. Lord Macaulay
-beschreibt ihn als »einen Mann von Verstand, feiner Sitte und Ehre,
-einen angenehmen dramatischen Schriftsteller, einen Offizier, dessen Mut
-nie in Frage kam und dessen Brauchbarkeit zu jener Zeit einen grossen
-Ruf hatte.«
-
-Burgoyne war ein Liebling des britischen Ministeriums. Er stand sich
-nicht gut mit General Riedesel noch mit seiner Frau. Riedesel wurde sehr
-gut mit Carleton fertig, hatte aber kein Vertrauen zu Burgoyne, der
-wahrscheinlich zu sehr ein Mann des Vergnügens und Witzes war, um das
-Vertrauen des ernst angelegten deutschen Offiziers zu gewinnen. Riedesel
-beklagt sich, dass er niemals gefragt wurde, und dass Burgoynes Pläne
-ihm nicht anvertraut würden. Es ist klar, dass auf diese Weise
-Eifersucht zwischen den englischen und deutschen Truppen entstand, und
-dass Riedesel fühlte, dass ihm und seiner Truppe Ungerechtigkeit
-widerfuhr.
-
-Der Operationsplan, dessen Grundzüge von Burgoyne selbst aufgestellt
-wurden, war sehr einfach. Das Gros der Armee sollte von Canada am Lake
-Champlain hinauf nach Ticonderoga vorrücken. Wenn dies Fort genommen
-sein würde, sollte die Armee noch weiter südlich vorgeschoben werden, um
-sich mit der Armee von Sir William Howe oder einem Teil derselben, von
-Newyork kommend, zu vereinigen. Ein Korps von leichten Truppen unter
-Oberst St. Leger sollte in gleicher Höhe mit Burgoyne operieren indem es
-über Oswego nach dem Mohawk River, und an diesem entlang bis zu seiner
-Einmündung in den Hudson oberhalb Albany marschieren sollte, dort sollte
-sich diese Expedition mit der Hauptarmee vereinigen.
-
-Die Braunschweiger unter General Riedesels Befehl zählten am 1. Juni 1777
-4301 Offiziere und Mannschaften nach den Rapporten, an Effektivstärke
-3958. Das Hessen-Hanauische Regiment war im vorhergehenden Jahre in der
-Stärke von 668 Mann herübergefahren und war wahrscheinlich nicht unter
-die Zahl von 600 dienstfähigen Leuten herabgesunken. Somit würde sich
-die Gesamtstärke der Deutschen in Canada zu Beginn des Feldzuges auf
-4558 Mann belaufen, von denen 667 unter dem Befehl von Sir Guy Carleton
-belassen wurden und 3891 sich der Expedition unter Burgoyne anschlossen.
-Diese Schätzung schliesst nicht die Hanauischen Jäger ein, da dieselben
-der St. Leger'schen Expedition zugeteilt wurden. Die Gesamtstärke von
-Weissen unter Burgoyne war grösser als 8000; von diesen waren ungefähr
-250 Provinziale.
-
-Einige 500 Indianer begleiteten die Armee und thaten in erster Zeit gute
-Dienste als Kundschafter; sie stellten ihren menschlichen Brotherren die
-Skalpe der amerikanischen Soldaten vor Augen. Der Anblick fand Gefallen
-in den Augen des fashionablen Herrn, welcher die Armee ihrer Majestät
-kommandierte. Er erliess einen Befehl, dass Deserteure von seiner
-eigenen Armee gefangen und ebenfalls skalpiert werden sollten. Man hielt
-aber dafür, dass die Wilden ihre liebenswürdigen Gebräuche zu weit
-getrieben hätten, als sie Jane Mc Crea töteten, ein junges Weib, das mit
-einem Tory von der britischen Armee verlobt war und den geheimen Auftrag
-gehabt hatte, zwei Deserteure bei sich aufzunehmen und zu beschützen.
-Burgoyne wagte es indessen nicht, die Mörder hinrichten zu lassen aus
-Angst »vor dem vollkommenen Abfall der Indianer«.
-
-Bevor die Einrichtung der Eisenbahnen die Reiseroute verändert hatte,
-war die Hauptstrasse zwischen Canada einerseits und Neu-England und den
-mehr südlichen Kolonien andererseits die grosse Wasserstrasse, welche,
-indem man den St. Lawrence-Strom bei Lake St. Pierre verlässt, den
-Richelieu-Fluss hinaufführt, bei Fort St. John vorbei nach dem Lake
-Champlain, diesen See hinauf, Crown Point passierend, nach Ticonderoga.
-Bei Ticonderoga hatte der Reisende oder Eindringling zwischen zwei Wegen
-zu wählen. Entweder konnte er über die kurze Strecke bis zum Lake
-George, dann diesen schönen See hinauf bis zu seinem äussersten Ende und
-von hier nach einem Weg von 12 Meilen nach Fort Edward am Hudson
-gelangen. Dies war der gewöhnliche und leichtere Weg. Oder man konnte
-das schmale obere Ende von Lake Champlain hinauf fahren bis in die
-Gegend des heutigen Whitehall, in dem damaligen Distrikt Skenesborough
-genannt, hatte dann aber einen längern Landweg nach Fort Edward, bei
-Fort Anne vorbei, vor sich. Von Fort Edward führte der Weg den Hudson
-hinunter nach Albany und New-York. Die Hauptrichtung dieser Route geht
-von Norden nach Süden, und merkwürdig gerade, entsprechend dem
-natürlichen Charakter der Landschaft. Die ganze Entfernung von Lake St.
-Pierre bis New-York beträgt ein wenig mehr als 350 Meilen. Whitehall
-liegt ungefähr in der Mitte und Ticonderoga einige 20 Meilen nördlich
-von Whitehall.
-
-Kein Punkt zwischen dem St. Lawrence und New-York wurde für militärisch
-wichtiger erachtet als Fort Ticonderoga. Dies war derartig angelegt,
-dass es die schmale Strecke zwischen Lake Champlain und Lake George
-deckte und die Passage nach der Südspitze des ersteren Sees beherrschte.
-Das Fort war im Jahr 1755 von den Franzosen gebaut worden und Fort
-Carillon von ihnen genannt worden. Es wurde im folgenden Jahre von
-Montcalm verstärkt und im Jahre 1758 widerstand es dem Angriff einer
-englischen Armee von 15000 Mann, der grössten europäischen Armee, die in
-Amerika unter Waffen gewesen war. General Abercrombie, welcher die
-englische Armee kommandierte, machte einen derartig fehlerhaften
-Angriff, dass sein Korps mit grossen Verlusten zurückgeschlagen wurde.
-
-Im Jahre 1759 gaben die Franzosen bei Annäherung von General Amherst das
-Fort Carillon auf, dessen Werke von diesem erneuert wurden. Nun wurde es
-während beinahe 16 Jahren von den Briten gehalten, unbelästigt, bis am
-16. Mai 1776 die kleine Besatzung überrascht und das Fort genommen
-wurde, und zwar von einer Abteilung Amerikaner unter Ethan Allan »im
-Namen des Grossen Jehovah und des kontinentalen Kongresses«. Während den
-zwei Jahren, welche das Fort in amerikanischen Händen gewesen war,
-wurden grosse Anstrengungen gemacht, um es zu verstärken, und es wurde
-sehr reichlich mit Waffen, Munition und Proviant versehen. Auch ein
-neues Fort wurde auf der Ostseite des Sees auf dem Mount Independence
-gebaut. Es möchte scheinen, als ob die Amerikaner in der Grösse ihrer
-Vorbereitungen über das Ziel hinausgeschossen wären. Die Werke, welche
-eine Länge von 2-1/2 Meilen hatten, waren viel zu gross für die
-Besatzung. Obendrein konnte das Fort vollkommen von Artillerie auf dem
-Mount Defiance beherrscht werden; dieser Berg war nicht in die Linien
-mit eingeschlossen.
-
-Das Ergebnis dieser Fehler war ein sehr trauriges. Am 1. Juli 1777
-erschien Burgoynes Heer vor der Festung. Riedesel war mit den Deutschen
-auf dem östlichen Ufer des Sees und operierte gegen Mount Independence.
-Ein nur kleines Gefecht fand statt. Der amerikanische Befehlshaber St.
-Clair trat, als er sich in Gefahr sah, umzingelt zu werden, mit der
-Besatzung von ungefähr 3300 Mann den Rückzug an und liess die Forts mit
-mehr als 70 Kanonen, 200 Stück Vieh und einem grossen Magazin von
-Munition und Proviant in den Händen der britischen Armee. Die
-Überbleibsel der amerikanischen Flotte, welche in der Richtung auf
-Whitehall floh, wurde sofort von den Briten verfolgt, die nur etwas
-aufgehalten wurden durch die Notwendigkeit, eine Brücke zu durchbrechen,
-welche über den See gebaut worden war. Zwei von den fünf Schiffen wurden
-genommen, die andern drei von den zurückgehenden Amerikanern verbrannt,
-die auf diese Weise alles Material verloren, welches sie zu retten sich
-bemüht hatten.
-
-Das Gros von St. Clairs Korps ging auf der Strasse nach Hubbardton
-zurück. General Fraser blieb mit zwanzig englischen Kompagnien dicht auf
-den Fersen, unterstützt von Riedesel mit drei braunschweigischen
-Bataillonen. Fraser holte die Nachhut der Amerikaner unter Oberst Warner
-bei Hubbardton am 7. Juli ein, wurde schneidig angegriffen und in der
-Flanke gefasst. Er wäre geworfen worden, wenn ihm nicht Riedesel zu
-Hilfe gekommen wäre. Die Amerikaner wurden nun zurückgeworfen. Ihr
-Verlust ist nicht genau bekannt geworden, aber ungefähr 200 Nachzügler
-und Verwundete wurden an diesem Tage gefangen genommen. Die
-Braunschweiger hatten 22 Mann tot oder verwundet, die Briten 155. Dies
-war das erste Gefecht, welches Riedesel in Amerika mitmachte.
-
-Am 8. Juli wurde ein britisches Regiment aus Fort Anne vertrieben, aber
-die Amerikaner liessen es wieder im Stich, nachdem sie es zerstört
-hatten.
-
-Am 22. Juli erliess General von Riedesel einen Befehl gegen das
-Marodieren und drohte allen Soldaten, die dessen schuldig befunden
-wurden, in dem ersten Falle mit Prügeln, im zweiten mit vier mal
-Spiessrutenlaufen. Die Offiziere hätten zu entscheiden, was gesetzliche
-Beute wäre. Riedesel gab diesen Befehl auf Verlangen Burgoynes, welcher
-die Tory-Kolonisten der Umgegend ermutigen wollte. Die Gelegenheit, in
-Amerika zu plündern, war somit für die Braunschweiger beinahe vorüber.
-
-Das Terrain zwischen Lake Champlain und dem Hudson war so rauh, dass
-Burgoyne einen Monat gebrauchte, um seine Armee die 25 Meilen vorwärts
-zu bringen, welche zwischen Whitehall und Fort Edward lagen. »Die
-Schwierigkeit zu marschieren war gross, wurde aber in der besten
-Stimmung überwunden,« schreibt Burgoyne am 30. Juli 77 an Lord George
-Germaine. »Das Land ist vollständige Wildnis und beinahe überall hatte
-der Feind mit grossen Baumstämmen die Wege gesperrt, so dass sie quer
-und längs mit den Zweigen ineinander herübergefallen waren. Die Truppen
-mussten nicht nur an vielen Stellen, die man unmöglich umgehen konnte,
-dieselben hinwegräumen, sondern auch über 40 Brücken bauen und andere
-wieder herstellen, die eine davon, aus Bauholz bestehend, über einen
-Morast von 2 Meilen Ausdehnung.« Wir finden einen Brief von Burgoyne an
-Riedesel vom 18. Juli, in welchem er diesem zuredet, seine Offiziere die
-Bagage verringern zu lassen. Viele englische Offiziere, sagt Burgoyne,
-sind auf ein kleines Zelt und einen Reisesack reduziert worden.
-
-Die Armee begegnete nur geringem Widerstand auf ihrem Wege, obschon kein
-Tag verging, ohne dass geschossen wurde. Die Amerikaner hatten sich auf
-Saratoga zurückgezogen. Jedoch nicht vor dem 9. August konnte
-Brigade-General Fraser die Avantgarde bis Fort Miller, 7 Meilen jenseits
-Fort Edward vorschieben. Oberstlieutenant Baum folgte ihm mit den
-braunschweigischen Dragonern zu Fuss und leichter Infanterie, einigen
-canadischen Freiwilligen und 2 kleinen Kanonen. Zuerst hatte Riedesel
-vorgeschlagen, und Burgoyne hatte es gebilligt, dass Baums Korps eine
-Expedition in das Connecticut-Thal machen sollte, um Pferde und Zugvieh
-aufzutreiben. Das herzoglich braunschweigische Dragoner-Regiment wurde
-auf diese Weise auf Kosten der Amerikaner beritten gemacht, und die
-britische Armee sollte mit Packpferden versehen werden. Um die drängende
-Notwendigkeit von Lasttieren zu verstehen, müssen wir bedenken, dass die
-Armee mit Brot aus englischem Mehl und Fleisch verpflegt wurde, welches
-in England gesalzen war, und dass diese Vorräte von Lake Champlain oder
-Lake George nach dem Hudson auf den Rücken von Menschen transportiert
-werden musste. Indes, der Plan wurde geändert bevor die Kolonne Fort
-Miller passiert hatte, und anstatt nach Manchester zu marschieren, wurde
-die Expedition nach Bennington dirigiert, wo man annahm, dass die
-Amerikaner ein grosses Lager von Vorräten hätten. Riedesel nahm sich die
-Freiheit, gegen diese Befehlsänderung Einsprache zu erheben, aber
-Burgoyne hielt aus folgenden Gründen daran fest: Erstens würde es von
-grösstem Vorteil für die Armee sein, 10 oder 12 Tage lang von den
-Vorräten zu leben, welche man in Bennington finden würde. Zweitens
-wollte er (Burgoyne) mit der Haupt-Armee nach Stillwater vorgehen, so
-dass Arnold nicht im Stande sein würde, ein starkes Detachement
-abzuschicken, um Baum aufzuhalten. Drittens hatte er erfahren, dass St.
-Leger Fort Stanwix am oberen Lauf des Mohawk-River belagerte, und dass
-es wichtig sei, Arnold zu verhindern, ein starkes Korps zu dessen
-Entsatz zu entsenden. Infolgedessen brach Oberstlieutenant Baum am 11.
-August 1777 nach Bennington auf mit ungefähr 550 Weissen, von denen 374
-Deutsche waren. Ungefähr 150 Indianer schlossen sich der Expedition an.
-Dies gefiel dem Tory nicht, welcher als Führer diente. Er sagte
-Burgoyne, dass wenigstens 3000 Mann nötig wären, um des Erfolges gewiss
-zu sein, aber Burgoyne wollte und konnte auch in der That nicht so viele
-erübrigen.
-
-Am 12. erbeutete Baum einige Vorräte und Vieh in Cambridge.
-
-Am Morgen des 14. fand er einige Vorräte in Sancoik und machte 5
-Gefangene. Er meldete Burgoyne, dass Bennington von 15 oder 1800 Mann
-besetzt sei, aber dass diese wohl bei seiner Annäherung abziehen würden.
-Er wollte soweit vorgehen, dass er am andern Morgen in der Frühe den
-Feind überfallen könnte und wollte nach den eingegangenen Nachrichten
-die notwendigen Dispositionen treffen. Leute strömten in Menge herbei
-und verlangten bewaffnet zu werden. Die Indianer konnten nicht mehr im
-Zaum gehalten werden und zerstörten und nahmen alles was ihnen beliebte.
-Baum, der nicht englisch sprechen konnte, war offenbar auf die
-Versicherungen des Tory-Gouverneurs Skene angewiesen, der als eine sehr
-glaubwürdige Persönlichkeit geschienen haben mochte. Burgoyne scheint
-nicht ganz die irrigen Ansichten seines Untergebenen geteilt zu haben,
-denn er antwortete mit dem Befehl, Baum sollte nicht weiter vordringen,
-wenn er den Feind in zu grosser Stärke vorfinden würde, und sollte den
-Plan aufgeben, einen riskierten Handstreich zu unternehmen. Später an
-demselben Tage meldete Baum noch, dass er von einer 700 Mann starken
-Abteilung Rebellen angegriffen worden sei, die er mit ein paar
-Kanonenschüssen vertrieben hätte, dass aber 1800 Mann in einem günstig
-gelegenen, befestigten Lager bei Bennington ständen, und dass er auf
-Verstärkung warten wollte. Diese Meldung bekam Burgoyne während der
-Nacht, und um 8 Uhr morgens des 15. marschierte Oberstlieutenant
-Breymann auf seinen Befehl mit 642 Deutschen zu Baums Unterstützung ab.
-Breymann brach ohne Zelte, Bagage oder genügende Munition und nur mit 2
-kleinen Feldgeschützen auf. Er hatte nur 24 Meilen zu marschieren, doch
-legte er nur etwas mehr als die Hälfte der Entfernung zurück, bevor ihn
-die Nacht zum Biwakieren zwang. Es war ein regnerischer Tag und der Weg
-war schlecht, trotzdem scheint eine solche Langsamkeit einer Abteilung
-Soldaten in leichter Marschordnung, die zur Unterstützung ihrer
-Waffenbrüder vorgehen, unglaublich. Ich habe keine vollkommene
-Beschreibung der Uniform der braunschweigischen Infanterie gefunden.
-Riedesel hatte einige Änderungen eingeführt, welche der Dienst und das
-Klima erfordert hatten, aber sie war doch noch viel zu schwer. Ein
-grosser Teil von Baums Leuten waren Dragoner zu Fuss. Sie waren mit
-kurzen, dicken Flinten und schweren Säbeln bewaffnet. Man erzählte sich
-in der Armee, dass ihr Helm und Säbel allein mehr wog als die ganze
-Ausrüstung eines englischen Soldaten. Ein so ausgerüsteter Mann möchte
-zu Pferde auf einem ebenen Grunde furchteinflössend sein, aber zu Fuss,
-im August, auf einem Marsche durch den dichten Wald war er kaum einem
-amerikanischen Farmer oder Jäger in Hemdsärmeln gewachsen.
-
-Es ist klar, dass sich niemand, auch Baum selbst nicht, des Ernstes der
-Situation bewusst war. Am Vormittag des 15. schrieb Burgoyne, dass, wenn
-ein Rückzug nöthig werden sollte, er so angeordnet werden müsse, dass
-dem Feind keine Gelegenheit zu einem Erfolg gegeben werde, damit die
-Indianer nicht entmutigt würden. Deshalb musste alles erbeutete Vieh und
-die erbeuteten Wagen weggeschafft werden, und alles Mehl und Korn,
-welches man nicht mitnehmen konnte, sollte unbrauchbar gemacht werden.
-Erst später kam Burgoyne auf den Gedanken, dass man wohl besser Breymann
-ohne Artillerie vorgeschoben hätte.
-
-Oberstlieutenant Baum brachte den 15. August 1777 damit zu, sich auf
-einem Berge 4 Meilen nördlich Bennington einzugraben. Ungefähr um 9 Uhr
-morgens am 16. bemerkte er kleine Abteilungen von Leuten, zum grossen
-Teil in Hemdsärmeln und mit Vogelflinten auf der Schulter, schnell und
-geräuschlos hinter seinem verschanzten Lager vorbeipassieren. Der gute
-Offizier hielt diese Leute in Hemdsärmeln für Tories, welche seinen
-Schutz suchen wollten. Man sagt, dass viele Leute in jenem Teile des
-Landes dem Könige den Eid geleistet hätten. Im Laufe des Morgens wurde
-ein Angriff gemacht, aber mit Leichtigkeit abgeschlagen. Schliesslich um
-3 Uhr nachmittags wurden die Deutschen vollständig umzingelt, und der
-Kampf begann mit ziemlichem Ernst. Die meisten Indianer, Canadier und
-Tories machten sich aus dem Staube. Die Braunschweiger hielten 1 oder 2
-Stunden aus, bis ihre Munition anfing auszugehen. Die Amerikaner fochten
-mit Verzweiflung. Sie näherten sich bis auf 8 Schritt den Kanonen, die
-mit Kartätschen geladen waren und feuerten ihre Gewehre auf die
-Kanoniere ab. Stark, der sie kommandierte, hatte sie durch seinen Mut
-angefeuert. »Kommt nur, meine Jungens,« soll er vor dem Gefecht gesagt
-haben, wie berichtet wird, »entweder schlagen wir die Briten oder Molly
-Stark wird diese Nacht Witwe sein.« Schliesslich schlief das Feuer der
-Deutschen ein. Die Yankees stürmten noch einmal die Schanzgräben. Es
-ging Gewehrkolben gegen Säbel. Baum wurde tötlich verwundet und die
-Braunschweiger gefangen genommen.
-
-Das Gefecht mit Baums Truppen-Abteilung war vorüber, als Breymann in der
-Nähe des Gefechtsfeldes anlangte. Er giebt an, dass er die Amerikaner
-vor sich her getrieben und nur die Verfolgung abgebrochen hätte aus
-Mangel an Pulver und Blei; aber sicher ist, dass er sofort zurückging
-und in der Nacht sich ohne seine Kanonen auf und davon machte, mit einem
-Verlust von mehr als einem Drittel seiner Leute. General Burgoyne, der
-in der Frühe des 17. Nachricht von dieser unglücklichen Affaire erhielt,
-brach um 6 Uhr mit der ganzen Armee auf, um Breymann zu retten. Das Gros
-ging indessen nicht weiter als Battenkill vor, während Burgoyne selbst
-an der Spitze eines englischen Regiments soweit vordrang, bis er die auf
-dem Rückzug befindlichen Deutschen traf.
-
-Beinahe 780 Gefangene, von denen ungefähr 400 Deutsche waren, fielen in
-die Hände der Amerikaner. Von Baums Korps kehrten 365 Deutsche nicht
-wieder zurück: Breymanns Korps hatte 231 Tote, Verwundete und Vermisste.
-
-Dies Gefecht war der Anfang von Burgoynes Ende. Es bewies ihm die
-Unmöglichkeit auf Kosten des Landes zu leben und verwies ihn wieder auf
-sein englisches Ochsenfleisch und Mehl und auf seine Abhängigkeit von
-den Vorräten, die er mitzuführen im Stande war.
-
-Das Fehlschlagen der Expedition St. Legers am Mohawk ereignete sich
-ungefähr zu derselben Zeit. Oberst St. Leger hatte Montreal Anfang Juli
-mit ungefähr 750 Weissen und 1000 Indianern verlassen. Unter den
-ersteren befand sich eine Jäger-Kompagnie von Hessen-Hanau. Dieses Korps
-nahm seinen Weg am St. Lawrence und Lake Ontario entlang nach Oswego und
-von da am Oneida Lake nach Fort Stanwix am Oberlauf des Mohawk-River.
-Dies Fort war ein gut konstruiertes Erdwerk mit einer Besatzung von
-einigen 6 oder 700 Milizen unter Oberst Gansevoort. St. Leger sollte
-dies Fort nehmen und dann dem Lauf des Mohawk bis zu seiner Vereinigung
-mit dem Hudson folgen und auf diese Weise die Flanke von Gates Armee
-bedrohen. Aber das Fort wollte nicht genommen sein. Ungefähr 800
-Bewohner des Mohawk-Thales, meist von deutscher Abstammung, unter
-General Herkimer, waren im Begriff, zu seinem Entsatz vorzugehen. Diese
-wurden am 6. August 1777 im Walde von einer Übermacht von Provinzialen
-und Indianern überfallen. Nach der ersten Panik fand ein verzweifelter
-Kampf statt. Die Milizen wussten wohl, dass sie von ihren wilden Gegnern
-keinen Pardon erwarten durften. Es schien ihnen besser unter ihren
-Pfeilen oder dem Tomohawk zu fallen als dem qualvollen Messer
-ausgeliefert zu werden. Herkimer, der am Bein verwundet worden war, war
-gegen einen Baumstumpf gelehnt und leitete die Verteidigung, während er
-ruhig seine Pfeife weiter rauchte. Die Leute hatten paarweise sich
-hinter Bäumen postiert, sodass immer einer schoss, während der andere
-lud. Diese Anordnung wirkte günstig, und die Miliz begann die Oberhand
-zu gewinnen. Darauf kam noch ein Haufe von Tories aus dem Thale den
-Indianern zu Hilfe. Dies steigerte noch mehr die Wut der Amerikaner,
-denn diese neuen Feinde waren ihre Nachbarn und waren ihre Freunde
-gewesen. Der verzweifelte Kampf wurde fortgesetzt. Er hatte schon länger
-als ein und eine halbe Stunde gedauert, und 160 Milizen waren bereits
-tot, verwundet oder gefangen, als plötzlich in der Richtung von Fort
-Stanwix her Feuer gehört wurde. Oberst Gansevoort, der von Herkimers
-Annäherung unterrichtet war, hatte 250 Mann von dem Fort entsendet, um
-eine Diversion auszuführen. Diese fielen in das englische Lager ein und
-plünderten einen Teil davon. 5 Flaggen und viele Bagage fiel in die
-Hände der Abteilung von dem Fort. Durch den Kanonendonner in ihrem
-Rücken fürchteten die Tories und Indianer zwischen zwei Feuer genommen
-zu werden. Sie zogen sich zurück unter Mitnahme von einigen Gefangenen,
-die den Schrecknissen der indianischen Folterqualen entgegengingen, doch
-liessen sie viele Tote auf dem Gefechtsfelde. Was von den Milizen übrig
-blieb, zog sich nach Fort Schuyler zurück, da wo jetzt die Stadt Utica
-steht. Diese blutige Affaire ist das Gefecht von Oriskany genannt
-worden. Sie besiegelte das Schicksal von St. Legers Expedition und trug
-in Gemeinschaft mit Bennington dazu bei, das Schicksal von Burgoyne und
-der Braunschweiger zu entscheiden. Diese zwei kleinen Begebenheiten
-bilden einen Wendepunkt in der amerikanischen Geschichte.
-
-Der tapfere Herkimer erlag seinen Wunden zehn Tage nach dem Gefecht.
-Aber nach kaum einer Woche hob Benedict Arnold mit einer kleinen
-Truppenabteilung und den wieder gesammelten Milizen des Thales die
-Belagerung von Fort Stanwix auf, und St. Leger, den viele von den
-Indianern verliessen, zog sich mit den Überbleibseln seines Korps nach
-Oswego zurück, indem er seine Zelte und eine beträchtliche Bagage im
-Stich liess.
-
-Burgoyne war durch die Niederlage von Baum und St. Leger etwas
-niedergeschlagen, aber er setzte seine Hoffnung auf Hilfe von Süden her
-und fühlte sich durch die Befehle, die er von England bekommen hatte,
-gebunden.
-
-
-
-
-Kapitel XIII.
-
-Stillwater, am 19. September und 7. Oktober 1777.
-
-
-Nach der Niederlage von Bennington blieb Burgoyne noch beinahe einen
-Monat in der Umgegend von Fort Edward und hinter der Linie des
-Battenkill. Diese Zeit wurde benutzt, um Vorräte anzuhäufen und Boote
-vom Lake Champlain nach dem Lake George zu schaffen. Am 13. September
-1777 ging die Armee bei Schuylerville über den Hudson und verliess die
-rückwärtigen Verbindungslinien um einen kühnen Stoss auf Albany zur
-Vereinigung mit Sir William Howe zu machen. 180 Boote begleiteten die
-Armee, deren linke Flanke sich an den Hudson anlehnte. Diese Boote
-führten für einen Monat Lebensmittel mit sich. »Jetzt fingen wir wieder
-an in unserem lieben gesalzenen Pökelfleisch und Brot zu arbeiten,«
-schreibt ein deutscher Offizier. »Liebe Freunde, verachtet diese
-königlichen Gerichte nicht, die wirklich einen königlichen Preis kosten,
-denn der Transport von England ist gewiss nicht billig gewesen.
-Pökelfleisch Mittags und Abends. Pökelfleisch warm und kalt. Freunde!
-ungeachtet Eurer grünen Erbsen und Krebsschwänze würdet Ihr unser
-Pökelfleisch mit Ekel angesehen haben, und doch war es für uns ein
-herrliches Gericht, ohne welches wir umgekommen sein würden; und wenn
-wir später genug Pökelfleisch gehabt hätten, hätte uns unser Unglück
-nicht nach Boston geführt.« Während dessen strömten die Amerikaner,
-ermutigt durch ihren Sieg bei Bennington und ihren Erfolg im
-Mohawk-Thale, in das Lager von Gates bei Stillwater. Sie hatten keine
-Uniformen, waren aber zum grössten Teil gut bewaffnet mit Büchsen und
-Jagdgewehren, welche sie von Jugendzeit an fortwährend geführt hatten.
-Es wurde Burgoyne am 7. September gemeldet, dass ihrer 14 oder 15000
-wären. Da gab es keine andere Wahl als anzugreifen oder den Feldzug
-aufzugeben.
-
-Die Armee trat ihren Marsch nach Süden in drei Kolonnen an. Die rechte
-war unter Brigade-General Fraser, dem stürmischen Befehlshaber der
-leichten Truppen. Das Zentrum wurde von Burgoyne selbst kommandiert, und
-die linke, am Hudson, von Riedesel. Die britische Armee konnte nur
-langsam vorgehen wegen der wiederherzustellenden Wege und Brücken. Die
-Marschleistung betrug durchschnittlich 2 Meilen den Tag. Am Nachmittag
-des 19. September wurde Burgoynes mittlere Kolonne bei Freeman's Farm,
-nördlich Stillwater energisch angegriffen. Die Engländer besetzten mit
-einigen Kanonen ein ausgerodetes Stück Land. Die Amerikaner hatten keine
-Artillerie. Das Gefecht dauerte den ganzen Nachmittag, und wurde auf
-beiden Seiten mit grosser Tapferkeit geführt. Gegen Einbruch der Nacht
-kam Riedesel mit 7 Kompagnien deutscher Infanterie und 2 Kanonen
-Burgoyne zu Hilfe, griff die rechte Flanke der Amerikaner an und
-überschüttete sie mit Kartätschen. Die Engländer schlossen sich wieder
-zusammen und feuerten, und die Amerikaner wurden geworfen, nahmen aber
-ihre Verwundeten mit und ungefähr 100 Gefangene. Sie hatten ungefähr 320
-Mann verloren, die Briten annähernd zweimal soviel. Die Letzteren
-behaupteten zwar das Feld und mögen daher den Sieg beanspruchen, aber
-es war ein nutzloser Sieg, den sie nicht im Stande waren auszubeuten. Am
-20. fing Burgoyne an seine Stellung zu befestigen. Die Aussicht auf
-Erfolg war von nun ab nur durch das Zusammenwirken mit der Armee von
-Süden her bedingt -- eine Hilfe, die niemals kam.
-
-Die Deutschen leisteten Burgoyne im Laufe dieses Tages die wichtigsten
-Dienste. Breymann mit den Grenadieren und der leichten Infanterie
-zeichnete sich früh am Nachmittag aus, indem er einem englischen
-Regiment, das im Weichen begriffen war, zu Hilfe kam. Kapitän Pausch von
-der Hanauschen Artillerie mit seinen zwei Sechspfündern entschieden die
-Schlacht. Breymann und Pausch wurden beide von Burgoyne öffentlich
-belobt.
-
-Inzwischen war die Armee ernstlich im Rücken bedroht worden. Oberst
-Brown, der unter dem Befehl von General Lincoln operierte, hatte einige
-der Aussenwerke von Ticonderoga mit ungefähr 300 Gefangenen genommen,
-war aber von dem Haupt-Fort zurückgeworfen worden.
-
-Baronin Riedesel hatte die Armee auf ihrem Marsche begleitet. Sie war
-ermutigt worden, sagt sie, als sie General Burgoyne hat sagen hören,
-dass Engländer niemals zurückgingen. Jedoch wurde sie misstrauisch, als
-sie merkte, dass alle Offiziers-Frauen, die bei der Armee waren, alle
-Operations-Pläne kannten, und sie erinnerte sich, dass in der Armee des
-Prinzen Ferdinand im 7jährigen Krieg alles sehr geheim gehalten wurde.
-Nun aber waren den Amerikanern alle feindlichen Absichten bekannt und
-sie erwarteten die Engländer, wohin sie sich auch immer wandten.
-
-Frau von Riedesel war Augenzeugin der Schlacht am 19. September und
-zitterte bei jedem Schuss für das Leben ihres Gemahls. Drei verwundete
-Offiziere wurden in das Haus gebracht in dem sie wohnte, und einer von
-ihnen, der Neffe von Leuten, die in England sehr gütig gegen sie gewesen
-waren, starb wenige Tage darauf an den Folgen einer Operation. Die
-Baronin konnte seine letzten Seufzer durch die dünne Wand hören.
-
-Der Zustand der Armee wurde bald ein sehr bedenklicher. Die Lebensmittel
-wurden knapp, Wein und Kaffee schrecklich teuer. Uniformen und Kleider
-zerrissen in den Büschen und durchweichten bei dem Kampieren auf dem
-feuchten Boden, und neue konnten um keinen Preis geschafft werden. Das
-amerikanische Lager, welches man von 12 000 Mann besetzt glaubte, war so
-nahe, dass man die Trommeln und die Rufe der Soldaten deutlich hören
-konnte. Der Wald war aber so dicht, dass man es nicht sehen konnte. Die
-Engländer hatten eine Schiffbrücke über den Hudson gebaut, und es wurden
-Kundschafter hinübergeschickt, die versuchen sollten, das Lager vom
-andern Ufer aus einzusehen; dies war aber nicht möglich gewesen.
-
-Ein von Sir Henry Clinton in Geheimschrift geschriebener Brief, der vom
-10. September datiert war, langte am 21. an. Clinton kündigte seine
-Absicht an, in 10 Tagen Fort Montgomery am Hudson anzugreifen. Burgoyne
-sandte den Boten sofort zurück mit einem Briefe, der in eine silberne
-Kugel eingeschlossen war, welche Sir Henry direkt eingehändigt werden
-sollte. Dieser Brief sollte Clinton zur Eile antreiben und ihn
-veranlassen, eine Diversion zu Gunsten Burgoynes herbeizuführen. Der
-Bote nahm seinen Weg durch das feindliche Land nach Fort Montgomery,
-aber hier scheint ihn seine Geistesgegenwart verlassen zu haben. Er soll
-nämlich amerikanische Truppen für englische gehalten, nach General
-Clinton gefragt und nicht eher seinen Irrtum gemerkt haben, als bis er
--- nicht vor Sir Henry, sondern vor den amerikanischen General geführt
-wurde. Darauf schluckte der Unglückliche die Kugel hinunter, doch wurde
-ihm ein Brechmittel verordnet, die Depesche wurde gefunden und der Bote
-als Spion gehängt.
-
-Am 6. Oktober wurden die Forts Clinton und Montgomery von Sir Henry
-Clinton gestürmt. Ein Anspachisches Regiment, ein Hessisches und 2
-Kompagnien hessischer Jäger, welche letztere erst vor kurzem von Europa
-angekommen waren, hatten an dieser Waffenthat teil genommen. Der Hudson
-stand nun den Briten vollkommen offen. Dies würde der richtige Moment
-gewesen sein, um zu Burgoynes Unterstützung einen Vorstoss zu machen,
-aber Sir William Howe hatte den grösseren Teil seiner Armee nach
-Philadelphia dirigiert und nur ein kleines Korps unter General Vaughan
-kam sengend und plündernd den Hudson hinauf.
-
-Burgoynes Situation wurde mit jedem Tage kritischer. Am 4. Oktober wurde
-die Ration der Soldaten um 1/3 heruntergesetzt. Desertionen waren
-häufiger vorgekommen trotz strenger Strafe; selbst die Todesstrafe
-verhinderte sie nicht. Kleinere Scharmützel kamen häufiger vor. Das
-Wetter war furchtbar heiss und die Armee verging vor Unthätigkeit.
-
-An dem Tage, an welchem die Leute auf kleinere Ration gesetzt worden
-waren, berief General Burgoyne einen Kriegsrat. Die Generale Phillips,
-Riedesel und Fraser waren zugegen. Burgoyne schlug ihnen vor, die Gegend
-am Fluss zu verlassen und zu versuchen, die amerikanische linke Flanke
-zu umgehen. 800 Mann sollten zum Schutz der Boote und Vorräte
-zurückgelassen werden. Der Rest der Armee sollte sich an der
-Unternehmung beteiligen. Man entgegnete aber, dass die Strassen und
-Stellungen der Amerikaner nicht bekannt wären, dass drei oder vier Tage
-nötig sein würden, um die amerikanische Flanke zu umgehen, und dass
-während dieser ganzen Zeit die Vorräte unter einer schwachen Bedeckung
-zurückgelassen werden müssten. Man kam zu keinem bestimmten Entschluss
-am 4., es wurde daher für den Abend des 5. ein zweiter Kriegsrat
-befohlen. In diesem erklärte Riedesel, dass die Lage der Armee von einer
-Beschaffenheit wäre, dass, wenn sie nicht in einem Tage den Feind
-erreichen, ihn angreifen und die Sache zur Entscheidung bringen könnte,
-es dienlicher wäre, sich wieder über den Hudson hinter den Battenkill
-zurückzuziehen, um dort die Annäherung Clintons zu erwarten. Dort könnte
-die Armee nicht von Fort George abgeschnitten werden. Fraser stimmte
-Riedesel bei. Phillips wollte keine bestimmte Meinung aussprechen, und
-Burgoyne dem es zu hart ankam, eine rückwärtige Bewegung zu machen,
-erklärte, er wollte am 7. eine Rekognoszierung vornehmen, und, wenn sich
-bei dieser zeigte, dass der Feind nicht mit Erfolg angegriffen werden
-könnte, den Rückzug antreten.
-
-Am 6. Oktober 1777 wurde für 4 Tage Verpflegung ausgegeben, und am 7. um
-10 Uhr morgens rückten 1500 Mann, unter denen 500 Deutsche waren, mit 8
-Bronze-Kanonen und 2 Haubitzen zur Rekognoszierung aus dem Lager. Die
-vier Generale beteiligten sich daran, die Expedition war aus allen
-Teilen der Armee zusammengesetzt. Sie gingen bis auf eine Anhöhe
-ungefähr 3/4 Meilen von dem amerikanischen linken Flügel entfernt vor --
-nach Riedesel eine sehr schlechte Stellung, wo man nichts vom Feinde
-sehen konnte. Brigade-General Fraser kommandierte den rechten Flügel,
-die deutschen Detachements waren im Zentrum, Major Ackland mit den
-englischen Grenadieren auf dem linken Flügel. Es wurde beschlossen, den
-Angriff abzuwarten, und Brigade-General Fraser unternahm es, die Fourage
-von zwei Scheunen wegtransportieren zu lassen. Kleine feindliche
-Detachements erschienen von Zeit zu Zeit, und man ergötzte sich daran,
-Kanonen auf sie abzufeuern, bis plötzlich ein heftiges Musketenfeuer auf
-dem linken Flügel gehört wurde, und unmittelbar darauf Acklands
-Grenadiere zurückgelaufen kamen, indem sie ihren Führer verwundet
-zurückliessen.
-
-Der deutsche linke Flügel wurde auf diese Weise entblöst und in
-Unordnung zurückgeworfen, die hessischen Kanonen in Gefahr gebracht.
-Diese blieben noch einige Zeit in Thätigkeit, wurden aber schliesslich
-genommen. Der britische rechte Flügel scheint länger als der linke und
-der übrige Teil der Linie ausgehalten zu haben, aber nach einiger Zeit
-wurde General Fraser tötlich verwundet und seine Leute zurückgedrängt,
-hielt sich jedoch in besserer Ordnung als der linke Flügel. Auch die
-Deutschen gingen in ziemlicher Auflösung zurück unter Zurücklassung
-aller zur Rekognoszierung mitgenommenen Kanonen.
-
-Die zurückgehenden Abteilungen warfen sich in eine Redoute und
-behaupteten ihre Stellungen bis zum Ende des Nachmittags trotz der
-wiederholten und verzweifelten Angriffe der Amerikaner.
-
-Oberstlieutenant Breymann hielt sich in einer kleinen Redoute auf dem
-äussersten rechten Flügel der diesseitigen Stellung. Sein Korps war
-durch die bei Bennington und am 19. September erlittenen Verluste auf
-ungefähr 500 Mann zusammengeschmolzen; 300 von diesen hatten an der
-Rekognoszierung teilgenommen und waren nun mit den übrigen in die grosse
-Redoute auf dem rechten Flügel zurückgeworfen. Der Teil der britischen
-Linie, welcher Breymanns Redoute mit der Hauptstellung verband, war frei
-von Besatzung. Die Amerikaner nahmen ihren Weg durch diese Lücke in der
-Linie, Breymann und seine 200 Mann wurden in Rücken und Flanke
-angegriffen, der Oberstlieutenant totgeschossen und die Leute entweder
-durch die Flucht gerettet oder gefangen genommen.
-
-Als die Nachricht hiervon zum Hauptkorps drang, murrten einige Engländer
-über die Haltung ihrer deutschen Bundesgenossen. Aufgebracht hierüber,
-sammelte Oberstlieutenant von Specht 4 Offiziere und ungefähr 50 Mann um
-sich, brach mit diesen auf durch den dunkeln Wald, um Breymanns Redoute
-wiederzunehmen. Er verlor den Weg und wurde durch einen verräterischen
-Führer in die Hände der Amerikaner geliefert.
-
-Die Amerikaner fochten an diesem Tage mit grosser Tapferkeit und hatten
-den Vorteil der Überlegenheit an Zahl, aber waren ohne einen
-hinlänglichen Führer. Weder Gates noch Lincoln erschienen auf dem Felde.
-Benedict Arnold, welcher kein besonderes Kommando hatte, focht mit
-seinem gewöhnlichen, keine Gefahr achtenden Mut, aber er hatte nicht das
-Talent eines Strategen. Er wurde bei der Einnahme von Breymanns Redoute
-schwer verwundet; es wäre ein Glück für ihn gewesen, wenn seine Wunde
-tötlich gewesen wäre.
-
-Es blieb Burgoynes Armee nichts anderes übrig, als sich zurückzuziehen.
-Einige Eile würde vielleicht ihr Entkommen gesichert haben, aber überall
-war Unordnung und Langsamkeit. Früh am Morgen des 8. Oktober 1777 wurden
-die Briten und Deutschen auf den Höhen, von denen man den Hudson
-übersieht, gesammelt. Hier wurde am Abend desselben Tages General Fraser
-beerdigt, an einer Stelle, welche er sich selbst als Ruheort ausgewählt
-hatte. Er war schwer verwundet in das Haus, welches Baronin Riedesel
-inne hatte, gebracht; er hatte mit ihrem Gemahl zusammen am
-siebenjährigen Kriege teilgenommen. Die Baronin hatte die Absicht, am 7.
-ein kleines Diner zu geben. »Der General Fraser,« sagt sie, »und ich
-glaube, auch die Generale Burgoyne und Phillips sollten denselben Tag
-bei mir zu Mittag essen. Ich sah viel Bewegung unter den Truppen. Mein
-Mann sagte mir, es sollte eine Rekognoszierung gemacht werden, welches
-mir nicht auffiel, weil dieses öfters geschehen. Auf meinem Rückweg nach
-Hause begegneten mir viele Wilde in ihrer Kriegskleidung und mit
-Flinten. Auf meine Frage, wo sie hingingen, riefen sie mir zu: »War!
-War!« das hiess, dass sie zur Schlacht gingen, welches mich ganz zu
-Boden schlug, und kaum war ich zurückgekommen, so hörte ich auch
-plänkeln, und nach und nach immer stärker feuern, bis endlich das Lärmen
-gar arg wurde. Es war eine erschreckliche Kanonade, und ich war mehr tot
-als lebendig. Gegen 3 Uhr nachmittags, anstatt dass meine Gäste hätten
-sollen zu mir zum Essen kommen, brachte man mir auf einer Trage den
-armen General Fraser, einen der erwarteten Mittagsgäste, tötlich
-verwundet. Unser Esstisch, der schon gedeckt war, wurde weggenommen, und
-man setzte an dessen Stelle ein Bett für den General. Ich sass in einer
-Ecke der Stube, zitternd und bebend. Der Lärm wurde immer stärker. Der
-Gedanke, dass man mir meinen Mann so bringen könnte, war mir entsetzlich
-und quälte mich unaufhörlich. Der General sagte dem Wundarzt:
-»Verschweigen Sie mir nichts! Muss ich sterben?...« Ich hörte ihn oft
-seufzend ausrufen: »Oh bad ambition! poor General Burgoyne! poor
-Mistress Fraser!««
-
-Der General kämpfte die Nacht hindurch mit dem Tode und starb am
-folgenden Morgen. Das Haus war derartig überfüllt, dass die Baronin ihre
-Kinder auf den Hausflur bringen musste, damit sie durch ihr etwaiges
-Schreien dem sterbenden Manne nicht beschwerlich fallen möchten. Sein
-Leichnam lag den ganzen Tag in ihrem Zimmer. Als sein Stab und die
-Generäle sich um sein Grab versammelt hatten, schossen die Amerikaner,
-die hiervon nichts ahnten, auf die Trauer-Versammlung. So wurde, unter
-dem Feuer der feindlichen Kanonen als Trauersalut, der tapfere Führer
-der leichten Truppen zur letzten Ruhe gebettet.
-
-Um 10 Uhr abends des 8. brach die Armee nach Norden auf. Riedesel
-kommandierte die Tête der Kolonne. Das Lazareth mit seinen 800 Insassen
-wurde zurückgelassen. Die Boote mit dem, was an Vorräten noch übrig war,
-nahmen ihren Weg langsam stromaufwärts. Die Wachtfeuer liess man
-brennen, um die amerikanischen Feldwachen zu täuschen.
-
-[Illustration: BURGOYNE'S ÜBERGABE.
-
-October 1777.]
-
-General Burgoynes Armee legte nur eine kurze Strecke in jener Nacht
-zurück und hielt dann bis zum folgenden Nachmittag. Am Abend des 9.
-besetzten die Briten das Dorf Saratoga. Während der Nacht durchwateten
-sie den Fishkill und lagerten auf der Höhe in dem Winkel zwischen
-diesem Fluss und dem Hudson. So hatte vom Abend des 7. bis zum Morgen
-des 10. Burgoyne, für welchen Zeitgewinn von allergrösster Wichtigkeit
-war, nur etwas mehr als 8 Meilen sich zurückgezogen.
-
-
-
-
-Kapitel XIV.
-
-Saratoga, vom 11. bis 16. Oktober 1777.
-
-
-In dem Lager nördlich des Fishkill machte Burgoyne Halt und nahm seinen
-Marsch von hier aus nicht wieder auf. Oberstleutnant Southerland war
-vorgeschickt worden, um eine Brücke über den Hudson bei Fort Edward zu
-bauen, wurde aber sofort wieder zurückberufen. Bei Tagesanbruch am 11.
-machte eine amerikanische Brigade einen Vorstoss über den Fishkill, nahm
-sämtliche Boote und viele Vorräte, machte einige Gefangene und zog sich
-vor einem heftigen Kartätschfeuer zurück. Den ganzen Tag lang wurde die
-englische Armee in Front und Rücken mit Kanonen beschossen.
-
-Am Abend beschied General Burgoyne die Generäle Riedesel und Phillips zu
-sich, um sich mit ihnen über das Wohl und Wehe der Armee zu
-beratschlagen. Burgoyne selbst hielt es für unmöglich, den Feind
-anzugreifen oder die eigene Stellung zu halten, wenn er im Zentrum und
-auf dem rechten Flügel angegriffen werden würde. General Riedesel machte
-deshalb den Vorschlag, in der Nacht unter Zurücklassung der Bagage
-abzuziehen, den Hudson 4 Meilen unterhalb Fort Edward zu durchwaten und
-durch die Wälder nach Fort George zu gelangen zu suchen. Es wurde aber
-keine Entscheidung getroffen.
-
-Ein anderer Kriegsrat wurde unter Hinzuziehung von zwei
-Brigade-Generälen am folgenden Nachmittag gehalten. General Riedesel
-bestand auf seinem Plan vom Tage vorher »sehr emphatisch und mit
-eindringlichen Worten«, und man stimmte dem Plan bei. Aber es war
-vergessen worden, Verpflegung an die Truppen auszugeben, und so wurde
-der Abmarsch auf abends spät verschoben. Um 10 Uhr liess Riedesel
-Burgoyne sagen, dass alles zum Abmarsch bereit sei, aber er erhielt zur
-Antwort, dass es bereits zu spät sei, um noch irgend etwas zu
-unternehmen. So wurde die letzte Chance preisgegeben, denn am andern
-Morgen war die Armee vollkommen umzingelt.
-
-Am 13. Oktober wurde ein dritter Kriegsrat, dem auch die
-Regiments-Kommandeure beiwohnten, zusammenberufen. General Burgoyne
-setzte die Hoffnungslosigkeit der Situation auseinander. Nur noch für
-fünf Tage wären Vorräte vorhanden. Das ganze britische Lager könnte von
-den feindlichen Kartätschen und Flintenkugeln erreicht werden. Gates
-Armee hätte hinter einem morastigen Hohlweg Stellung genommen, und zwar
-so, dass, wenn Burgoyne angreifen wollte, er sich so weit vom Hudson
-entfernen müsste, dass die Amerikaner den Fluss überschreiten und ihn im
-Rücken angreifen würden. Selbst wenn man den Feind erfolgreich
-angegriffen und durchbrochen haben würde, so wären doch nicht
-Lebensmittel genug vorhanden, um nach Fort George zu gelangen. Die
-Stellung, welche die Armee nunmehr einnähme, wäre im Zentrum und auf dem
-rechten Flügel unhaltbar. (Dies war die Terrainstrecke, welche
-hauptsächlich von den Deutschen besetzt war.)
-
-Burgoyne erklärte, dass niemand anders als er selbst für die Lage, in
-der sich die Armee gegenwärtig befände, verantwortlich gemacht werden
-könnte, da er niemand um Rat gefragt, sondern nur Befolgung seiner
-Befehle gefordert habe. Riedesel dankte Burgoyne für diese Erklärung, da
-hierdurch jedermann überführt würde, dass er keinen Anteil an der
-Leitung der von der Armee ausgeführten Bewegungen gehabt hätte, und bat
-daher alle englischen Offiziere, ihm dieses zu bezeugen, wenn er jemals
-zur Verantwortung gezogen werden sollte.
-
-Hierauf legte Burgoyne dem Kriegsrat folgende Fragen vor:
-
-1. Ob in der Kriegsgeschichte Beispiele wären, dass eine Armee in dieser
-Lage kapituliert hätte.
-
-2. Ob in einer solchen Lage eine Kapitulation entehrend sei.
-
-3. Ob die Armee wirklich in der Lage sei, kapitulieren zu müssen.
-
-Auf die erste Frage antworteten alle, dass die Lage der sächsischen
-Armee bei Pirna, des Generals Fink bei Maxen und des Prinzen Moritz von
-Sachsen nicht so schlimm und hülflos gewesen wäre, als die, worin sich
-gegenwärtig die Armee befände; und dass niemand die Generäle hätte
-tadeln können, die, um ihre Armeen zu retten, in solcher Lage
-kapituliert hätten; ausser, dass der König von Preussen den General v.
-Fink, jedoch hauptsächlich aus persönlicher Ungnade, kassiert hätte.
-
-Auf die zweite Frage antworteten alle, dass aus den eben angeführten
-Gründen die Kapitulation nicht entehrend sein könne. Und auf die dritte
-Frage stimmten alle darin überein, dass, wenn der General Burgoyne die
-Möglichkeit sähe, den Feind anzugreifen, sie bereit wären, ihr Blut und
-Leben aufzuopfern; wenn dies aber nicht thunlich sei, so hielten sie es
-für besser, durch eine ehrenvolle Kapitulation dem Könige die Truppen zu
-retten, als durch ein noch längeres »Anstehen« Gefahr zu laufen, wenn
-alle Lebensmittel aufgezehrt wären, sich auf Diskretion ergeben zu
-müssen; oder aber, bei einem Angriff in dieser fehlerhaften Position
-gesprengt und dann einzeln aufgerieben zu werden.
-
-Nach dieser Erklärung setzte General Burgoyne den Entwurf zu einer
-Kapitulation auf, welcher vorteilhaft schien und daher einmütig
-gebilligt wurde. Hierauf wurde ein Tambour ins feindliche Lager
-geschickt um anzuzeigen, dass man am andern Tag einen Stabsoffizier
-hinüberschicken wolle, um mit General Gates Sachen von Wichtigkeit zu
-verhandeln, und während dieser Zeit um Waffenstillstand zu bitten. Dies
-wurde von General Gates bewilligt.
-
-Am 14. vormittags 10 Uhr wurde der Major Kingston in das amerikanische
-Lager hinübergeschickt, um die Vorschläge Burgoynes zu überbringen,
-welche in der Hauptsache darin bestanden, dass seine Armee sich zu
-Kriegsgefangenen, jedoch nur unter der Bedingung ergeben wolle, dass sie
-nach Boston geführt und von da nach England eingeschifft werden sollte,
-nachdem sie sich verpflichtet haben würde, in diesem Kriege, oder bis zu
-ihrer Auswechselung, nicht gegen die Amerikaner zu dienen.
-
-General Gates nahm aber diese Vorschläge nicht an, sondern setzte einen
-andern Kapitulations-Entwurf in 6 Artikeln auf, welcher besagte, dass,
-»da General Burgoynes Armee durch wiederholte Niederlagen, Desertion,
-Krankheit etc. zusammengeschmolzen sei, die Vorräte erschöpft, die
-Dienstpferde, Bagage, Zelte genommen oder zerstört seien, ihre
-Rückzugslinien verlegt und ihr Lager umgezingelt sei, sie sich
-kriegsgefangen ergeben sollte.«
-
-Der sechste Artikel besagte, dass »sobald dieser Vertrag gebilligt und
-unterzeichnet sei, die Truppen unter dem Befehl Seiner Exzellenz des
-Generals von Burgoyne in den Retranchements, in denen sie jetzt stünden,
-das Gewehr strecken und sodann nach dem Orte ihrer weiteren Bestimmung
-marschieren sollten.«
-
-General Burgoyne liess den Kriegsrat zusammenrufen und las diese
-Propositionen des General Gates vor. Die Offiziere erklärten alle
-einmütig, dass sie lieber Hungers sterben, als solche entehrenden
-Artikel eingehen wollten. Major Kingston wurde wieder zu General Gates
-zurückgeschickt, um ihm sagen zu lassen, dass, wenn er nicht von dem 6.
-Artikel ablassen würde, die Verhandlungen sofort abgebrochen würden; die
-Armee würde eher wie ein Mann einen Verzweiflungs-Coup ausführen, als
-sich diesem Artikel unterwerfen. Der Waffenstillstand wurde hierauf
-aufgehoben.
-
-Zu aller Erstaunen langten am folgenden Morgen (15. Oktober 1777) neue
-Vorschläge von General Gates an, worin er alle von Burgoyne
-vorgeschlagenen Artikel der Hauptsache nach billigte; es wurde nur noch
-ausgemacht, dass die Armee schon an demselben Tage nachmittags um 2 Uhr
-aus ihrer Position abmarschieren sollte.
-
-Diese plötzliche Veränderung erregte bei den englischen und deutschen
-Offizieren Misstrauen. Der Kriegsrat beschloss, Gates Vorschläge
-anzunehmen, wollte aber versuchen Zeit zu gewinnen. Eine Kommission,
-bestehend aus zwei Stabsoffizieren von jeder Seite, wurde ernannt, und
-diese verhandelte über verschiedene Kleinigkeiten, die den Artikeln noch
-hinzuzufügen waren, bis 11 Uhr nachts. Die Amerikaner bewilligten alles,
-was man von ihnen verlangte. Die Engländer ihrerseits versprachen, dass
-am andern Morgen die Kapitulation von General Burgoyne unterzeichnet und
-General Gates übersandt werden würde. Der Waffenstillstand sollte
-fortdauern.
-
-Dieselbe Nacht kam ein Überläufer und sagte aus, dass er durch dritte
-Hand erfahren habe, der englische General Clinton habe nicht allein die
-Verschanzung von den Highlands erobert, sondern sei auch schon vor 8
-Tagen bis nach Esopus vorgerückt und müsse aller Wahrscheinlichkeit nach
-schon in Albany angekommen sein. Burgoyne sowohl, wie verschiedene
-andere Offiziere wurden durch diese Nachricht so begeistert, dass sie
-grosse Lust bekamen, die Kapitulation zu brechen. Es wurde noch einmal
-ein Kriegsrat zusammenberufen, welcher folgende Fragen beantworten
-sollte:
-
-»1. Ob ein Traktat, der von bevollmächtigten Kommissarien finaliter
-arrangieret sei, noch nach dem Versprechen des Generals, solchen, sobald
-die Kommissarien alles applanieret, zu unterzeichnen, mit Ehren
-gebrochen werden könne?
-
-2. Ob die eingegangenen Nachrichten so hinlänglich sicher wären, dass
-sie ein Bewegungsgrund sein könnten, einen in unserer Lage so
-vorteilhaften Akkord zu brechen?
-
-3. Ob die Armee wohl noch munteren Geist genug hätte, ihre jetzige
-Stellung bis auf den letzten Mann zu verteidigen?«
-
-Auf die erste Frage erklärten 14 Offiziere gegen 8, dass ein solcher
-Traktat ohne Verletzung der Ehre nicht gebrochen werden könne. Über die
-zweite waren die Stimmen geteilt. Die Verneinenden stützten sich darauf,
-dass der Überbringer der Nachricht alles nur vom Hörensagen hätte, und
-dass, selbst wenn General Clinton wirklich in Esopus wäre, die
-Entfernung von da doch noch so gross sein würde, dass er ihnen in ihrer
-gegenwärtigen Lage doch nicht mehr helfen könnte. Auf die dritte Frage
-war die Antwort aller Offiziere vom linken Flügel bejahend; die
-Offiziere vom Zentrum und rechten Flügel antworteten aber, dass zwar
-alle Soldaten den grössten Mut bezeigen würden, wenn es zum Angriff des
-Feindes gehen sollte, dass aber, da ihnen allen das Fehlerhafte ihrer
-Position zu gut bekannt wäre, zu befürchten stände, sie würden einen
-feindlichen Angriff nicht ebenso aushalten. Da die braunschweigischen
-Truppen hauptsächlich das Zentrum und den rechten Flügel einnahmen, so
-bezieht sich auf diese Erklärung ihrer Offiziere wahrscheinlich eine
-Bemerkung Burgoynes in einem Privatbrief »die Deutschen entmutigt und
-bereit, bei dem ersten Feuer die Waffen zu strecken.«
-
-Um doch noch Zeit zu gewinnen, wurde ein letztes Mittel versucht.
-Burgoyne schrieb nämlich am 16. früh an General Gates einen Brief, worin
-er ihm erklärte, dass er in der vergangenen Nacht von Deserteuren die
-Nachricht erhalten habe, dass er, General Gates, einen ansehnlichen Teil
-seiner Armee nach Albany detachiert hätte und zwar im Laufe der
-Unterhandlungen; dies wäre ganz gegen Treue und Glauben und er,
-Burgoyne, würde die Kapitulation nicht eher unterzeichnen, bis sich
-nicht ein Offizier seines Stabes davon überzeugt haben würde, dass die
-amerikanische Armee drei bis viermal der englischen überlegen sei. Gates
-scheint schliesslich dieses Herumführen an der Nase müde geworden zu
-sein. Er liess als Antwort sagen, dass seine Armee noch dieselbe Stärke
-wie vorher und sogar noch Verstärkung bekommen hätte; dass er es ebenso
-wenig für politisch wie vielmehr seiner Ehre nachteilig halten würde,
-die Stärke seiner Armee einem von General Burgoynes Offizieren zu
-zeigen, und dass der General wohl bedenken möchte, was er thäte, wenn er
-sein Ehrenwort bräche; er würde für die Folgen verantwortlich sein.
-Gates fügte hinzu, dass, sobald die Kapitulation unterzeichnet sein
-würde, er bereit sei, dem General Burgoyne seine ganze Armee zu zeigen,
-und er stände mit seiner Ehre dafür, dass er sie viermal so stark als
-die Britische finden würde, ungerechnet die Truppen, die jenseits des
-Hudson postiert wären. Er könne aber jetzt nicht mehr länger als eine
-Stunde Zeit zur Antwort gestatten, und würde nach Verlauf derselben sich
-genötigt sehen, die strengsten Massregeln zu ergreifen.
-
-Hierauf wurde der Kriegsrat noch einmal zusammenberufen, und Niemand
-fand sich mehr, der dem General zum Brechen seines Wortes geraten hätte.
-Burgoyne zog die Generale Phillips und Riedesel allein auf die Seite und
-bat um ihren freundschaftlichen Rat. Beide schwiegen anfänglich stille,
-bis endlich der General Riedesel erklärte, dass wenn der General
-Burgoyne in England zur Verantwortung gezogen werden sollte, er nur für
-die Bewegungen, die die Armee in eine solche Lage gebracht hätten,
-verantwortlich sein könnte, und vielleicht wegen der ersten Eröffnung
-einer Kapitulation und deswegen, weil er nicht frühzeitig genug den
-Rückzug so weit gemacht, dass man Herr der Kommunikation mit dem Fort
-George geblieben wäre. Nun aber nach allen gethanen Schritten hielt es
-Riedesel noch viel gefährlicher, den Tractat auf eine ungewisse und
-unzuverlässige Nachricht hin zu brechen.
-
-Gleicher Meinung war der Brigadier Hamilton, der hinzu kam und auch
-darüber befragt wurde. General Phillips sagte nur, dass die Lage der
-Dinge eine derartige sei, dass er weder Rat noch Hilfe ausfindig machen
-könne. Nach vielem Überlegen hin und her entschloss sich Burgoyne
-schliesslich zu unterzeichnen, und hierauf wurde die unterzeichnete
-Kapitulation an General Gates gesandt.
-
-Es übergaben sich im Ganzen 5791 Mann. Riedesel hat festgestellt, dass
-nicht mehr als 4000 von diesen dienstfähig waren. Die Zahl der
-Deutschen, die sich ergaben ist von Eelking auf 2431 festgestellt
-worden, von denen die getötet, verwundet und vermisst wurden vom 6.
-Oktober an auf 1122. Der Gesamt-Verlust der Briten und ihrer
-Hilfstruppen an Toten, Verwundeten, Gefangenen und Deserteuren während
-dieser Kampagne, einschliesslich der Verluste von St. Legers Expedition,
-betrug annähernd 9000 Köpfe.
-
-Die Tage, welche der Uebergabe vorausgegangen waren, waren Tage der
-Verwirrung gewesen. Baronin Riedesel sagt, dass sie am Abend des 9.
-Oktober in Saratoga, nachdem sie während des ganzen Tages nur eine halbe
-Stunde zurückgelegt hatten, den General Phillips gefragt habe, warum sie
-denn den Rückzug nicht fortsetzten, da es doch noch Zeit wäre. Der
-General bewunderte ihre Entschlossenheit und wünschte, sie hätte den
-Befehl über die Armee. Dieselbe Dame erwähnt, dass Burgoyne die Hälfte
-jener verhängnisvollen Nacht singend und trinkend zugebracht und sich
-mit seiner Maitresse amüsiert habe.
-
-Die Armee war dem Elend und der Unordnung anheim gefallen. Am 10.
-verpflegte die Baronin mehr als 30 Offiziere aus ihren Privat-Vorräten,
-»denn wir hatten einen Koch, der, ob er gleich ein Erzschelm war, doch
-zu allem Rat wusste, und oft des Nachts kleine Flüsse passierte, um den
-Landleuten Hämmel, Hühner und Schweine zu stehlen, die er sich nachher
-gut bezahlen liess von uns, wie wir erst in der Folge erfahren haben.«
-Diese Vorräte waren nun erschöpft, und die Dame in ihrer Verzweiflung
-rief den General-Adjutanten, der ihr gerade in den Wurf kam, zu sich
-heran, er möchte Burgoyne über den grossen Mangel, an dem die in Dienst
-verwundeten Offiziere litten, in Kenntnis setzen. Der kommandierende
-General nahm dies gut auf, kam selbst zu ihr und dankte ihr, dass sie
-ihn an seine Pflicht erinnert hätte, und gab Befehl, dass Lebensmittel
-verteilt werden sollten. Die Baronin glaubte, dass Burgoyne ihr nie
-diese Einmischung verziehen habe. Es scheint mir, nach den
-Aufzeichnungen Beider, dass eher sie und ihr Gemahl als Burgoyne einen
-heimlichen Groll hegten. Die Denkschrift, welche General Riedesel
-verfasste und von seinen Offizieren gleich nach der Übergabe
-unterzeichnet wurde, ist eine lange Anklage gegen Burgoyne und legt die
-üblen Folgen dar, dass man den Schreiber nicht um Rat gefragt oder seine
-Pläne nicht pünktlich zur Ausführung gebracht habe. Es ist klar, dass
-Riedesel Burgoyne für das Unglück der Armee verantwortlich machte, das
-Unglück, welches ihm so zu Herzen ging, dass sein Körper und seine
-Gemütsstimmung längere Zeit ernstlich darunter litten. Burgoyne schrieb
-im Frühjahr 1778, bevor er Amerika verliess an den Herzog von
-Braunschweig und pries Riedesels grosse Fähigkeiten und die Art, wie er
-die Befehle seines vorgesetzten Offiziers ausgeführt hätte. --
-Hieraufhin schrieb Riedesel einen sehr freundlichen Brief an Burgoyne,
-in welchem er ihm in seinem und seiner Offiziere Namen für die ihnen
-bewiesene Güte dankte. »Wenn auch unsere Bemühungen nicht vom Glück
-gekrönt worden sind«, fährt er fort, »so wissen wir doch wohl, dass es
-nicht Ihr Fehler war, sondern dass die Armee ein Opfer der Wechselfälle
-des Krieges geworden ist.« Dieser einzige Ausdruck des Vertrauens ist
-mit dem, was Riedesel zu andern Zeiten und an anderer Stelle sagt, nicht
-in Einklang zu bringen. Die oben erwähnte militärische Denkschrift, die
-in dem Buch der Baronin veröffentlicht ist, ist ein genügender Beweis
-dafür. In demselben Sinne sind Riedesels Bemerkungen über Burgoynes
-Feldzugs-Bericht aufgefasst. Diese Bemerkungen, welche an den Herzog von
-Braunschweig und an seine Landsleute gerichtet waren, sind datiert
-Cambridge, 8. April 1778, etwas mehr als einen Monat später als der oben
-erwähnte Brief. Sie beklagen ausdrücklich, dass General Burgoyne,
-während er von Riedesel selbst mit Anerkennung spräche, über die
-Leistungen der Truppen leicht hinwegginge. Die Klagen des deutschen
-Generals in dieser Beziehung sind aber, Burgoynes Bericht nach, nur
-wenig gerechtfertigt.
-
-Doch wir müssen zur Baronin zurückkehren. Am Nachmittag des 10. Oktober
-nahmen die Amerikaner das Feuer auf die Engländer wieder auf. »Mein Mann
-liess mir sagen, dass ich mich unverzüglich nach einem Hause begeben
-sollte, welches nicht weit von da war. Ich setzte mich in die Kalesche
-mit meinen Kindern, und kaum sind wir im Begriff bei dem Hause
-anzukommen, so sehe ich an dem jenseitigen Ufer des Hudson-Flusses sechs
-bis sieben Menschen mit Flinten, die auf uns zielen. Fast unwillkürlich
-werfe ich die Kinder in den Fond der Kalesche und mich über sie; in
-demselben Augenblick schiessen die Kerle und zerschmettern hinter mir
-einem armen englischen Soldaten, der schon blessiert war und sich auch
-nach dem Hause retten wollte, einen Arm. Gleich nach unserer Ankunft
-begann eine fürchterliche Kanonade, welche grösstenteils nach dem Hause,
-worin wir Schutz gesucht, gerichtet war, vermutlich weil die Feinde
-glaubten, da sie viel Leute dorthin strömen sahen, dass die Generalität
-sich dort befände. Ach, es waren nichts als Verwundete oder Frauen! Wir
-wurden endlich genötigt, in einem Keller unsere Zuflucht zu nehmen, wo
-ich mich in eine Ecke unweit der Thür lagerte. Meine Kinder lagen auf
-der Erde, mit ihren Köpfen auf meinem Schooss. So blieben wir die ganze
-Nacht. Ein entsetzlicher Geruch, das Geschrei der Kinder, und noch mehr
-als alles dieses, meine Angst, verhinderten mich ein Auge zuzuthun.
-
-Den andern Morgen ging die Kanonade wieder an, aber von einer andern
-Seite. Ich riet, dass alle aus dem Keller ein wenig herausgehen möchten,
-während dessen ich ihn wollte reinigen lassen, weil wir sonst alle krank
-werden würden. Man folgte meinem Rat und liess von Vielen Hand anlegen,
-was bei der weitläufigen Arbeit höchst nötig war. Wie alles heraus war,
-besah ich mir unsern Zufluchtsort; es waren drei schöne Keller, die
-recht gut gewölbt waren. Ich that den Vorschlag, dass in den einen die
-am gefährlichsten blessierten Offiziere gebracht werden sollten; die
-Frauen sollten in dem andern sein, und alle Übrigen in dem dritten, der
-dem Ausgang am nächsten war.
-
-Ich hatte gut auskehren und mit Essig räuchern lassen, und man fing
-bereits an, jeder seinen Platz einzunehmen, als neue entsetzliche
-Kanonenschüsse alles wieder in Alarm brachten. Mehrere, die kein Recht
-hatten hineinzugehen, stürzten nach der Thüre. Meine Kinder waren schon
-die Kellertreppe hinunter, und wir hätten Alle können erdrückt werden,
-wenn Gott mir nicht Kräfte geschenkt hätte, mich vor die Thür zu stellen
-und mit ausgebreiten Armen allen den Eingang zu verwehren; sonst wäre
-gewiss jemand von uns zu Schaden gekommen. Elf Kanonenkugeln gingen
-durchs Haus und wir konnten sie deutlich über unsere Köpfe hinwegrollen
-hören. Einem armen Soldaten, dem man ein Bein abnehmen wollte und
-dieserhalb auf den Tisch gelegt hatte, nahm eine Kanonenkugel
-mittlerweile das andere Bein fort. Seine Kameraden waren alle davon
-gelaufen, und wie sie wieder zu ihm kamen, fanden sie ihn in einer Ecke
-der Stube, wo er sich vor Angst hingerollt hatte, und kaum noch athmend.
-Ich war mehr tot als lebendig, doch nicht so viel über unsere eigene
-Gefahr, als über die, in welcher mein Mann schwebte, der jedoch oft
-fragen liess, wie es uns ginge, und mir sagen liess, dass er wohl wäre.
-
-Der Major Harnich und seine Frau, eine Madame Rennels, die schon ihren
-Mann verloren hatte, die Frau des guten Lieutenants, der den Tag vorher
-seine Bouillon so gutherzig mit mir geteilt hatte, die Frau des
-Kommissars und ich, wir waren die einzigen Damen, die bei der Armee
-waren. Wir sassen eben zusammen und beklagten unser Schicksal, als
-jemand hereinkam und man sich in die Ohren flüsterte und sich einander
-traurig ansah. Ich bemerkte dieses und dass auf mich Blicke geworfen
-wurden, ohne dass mir weiter etwas gesagt ward. Dieses erweckte in mir
-den schrecklichen Gedanken, dass mein Mann geblieben sei. Ich schrie
-laut auf; man versicherte mich aber, dass dieses nicht sei, sondern
-winkte mir zu, dass den Mann der armen Lieutenantin dieses Unglück
-betroffen habe. Diese wurde auch einen Augenblick nachher herausgerufen.
-Der Mann war noch nicht tot, aber eine Kanonenkugel hatte ihm den Arm
-oben an der Schulter weggenommen. Wir hörten die ganze Nacht sein
-Winseln, welches doppelt und desto grausender in diesen Kellergewölben
-wiederhallte; und der Arme starb erst gegen Morgen. Wir brachten
-übrigens diese Nacht wie die vorige zu. Indessen kam mein Mann, mich zu
-besuchen, welches meinen Kummer linderte und mir wieder Mut gab.
-
-Den Morgen darauf fingen wir an, uns ein wenig besser einzurichten. Der
-Major Harnich und seine Frau und Madame Rennels machten sich in einer
-Ecke eine kleine Stube und Gardinen davor. Man wollte mir eine andere
-Ecke ebenso zurecht machen, ich zog aber vor, nahe an der Thür zu
-bleiben, da ich auf den Fall von Feuersgefahr daselbst eher
-herauskonnte. Ich liess eine Streu machen und legte meine Betten darauf,
-wo ich mit meinen Kindern schlief, nicht weit von uns schliefen meine
-Frauen. Gegenüber waren drei englische Offiziere einquartiert, die, zwar
-blessiert, jedoch entschlossen waren, im Fall des Rückzuges nicht
-zurückzubleiben. Einer derselben war ein Kapitain Green, Adjutant des
-Generals Phillips, ein sehr schätzbarer und artiger Mann. Alle drei
-versicherten mich mit einem Eide, dass sie im Fall eines schleunigen
-Rückzuges mich nicht verlassen und ein jeder von ihnen eines meiner
-Kinder mit auf sein Pferd nehmen wollte. Für mich stand eines von meines
-Mannes Pferden immer gesattelt bereit. Öfters war mein Mann Willens,
-mich, um mich der Gefahr zu entziehen, zu den Amerikanern zu schicken;
-ich stellte ihm aber vor, dass es noch ärger als alles, was ich jetzt
-ausstehen müsste, sein würde, mit Leuten zu sein, denen ich mit Schonung
-würde begegnen müssen, während dass mein Mann sich mit ihnen
-herumschlüge; er versprach mir also, dass ich ferner der Armee folgen
-sollte. Manchmal bekam ich jedoch in der Nacht die Angst, dass er
-fortmarschiert wäre, und kroch aus meinem Keller, um zuzusehen; wenn ich
-dann die Truppen in den schon kalten Nächten um die Feuer herumliegen
-sah, so konnte ich wieder ruhiger schlafen.
-
-Auch die mir anvertrauten Sachen verursachten mir viel Unruhe. Ich hatte
-sie alle vorne in meinem Corset stecken, weil mir immer so sehr angst
-war, etwas davon zu verlieren, und ich nahm mir fest vor, in Zukunft
-mich nicht mehr mit dergleichen zu befassen. Den dritten Tag fand ich
-erst Gelegenheit und einen Augenblick, um die Wäsche zu wechseln, da man
-die Gefälligkeit hatte, mir einen kleinen Winkel hierzu einzuräumen;
-während der Zeit standen meine drei vorerwähnten Offiziere nicht weit
-davon Schildwache. Einer dieser Herrn konnte sehr natürlich das Brüllen
-einer Kuh und Blöken eines Kalbes nachahmen: und wenn meine kleine
-Tochter Fritzchen des Nachts weinte, so machte er es ihr vor, sie ward
-wieder stille und wir mussten lachen.
-
-Unser Koch verschaffte uns Essen, aber es fehlte uns an Wasser; und ich
-war öfters genötigt, um nur den Durst zu löschen, Wein zu trinken und
-auch den Kindern welchen zu geben. Es war auch fast das einzige, was
-mein Mann zu sich nahm; welches endlich unsern treuen Jäger Rockel
-ängstigte, so dass er mir eines Tages sagte: »Ich befürchte, dass der
-General aus Besorgnis, in Gefangenschaft zu geraten, des Lebens
-überdrüssig ist, weil er so viel Wein trinkt.« Die beständige Gefahr, in
-welcher mein Mann schwebte, setzte mich in ewige Angst. Ich war die
-einzige unter allen den Frauen, deren Mann nicht geblieben war oder
-sonst ein Unglück gehabt hatte, und sagte mir daher oft: »Sollte ich die
-einzige Glückliche sein?« besonders, da mein Mann Tag und Nacht so sehr
-der Gefahr ausgesetzt war. Er kam keine Nacht in das Zelt und lag alle
-Nächte draussen beim Wachtfeuer. Das alles konnte schon sein Tod sein,
-da die Nächte so nasskalt waren.
-
-Da so grosser Mangel an Wasser bei uns war, so fanden wir endlich eine
-Soldatenfrau, die den Mut hatte, Wasser vom Flusse zu holen, was keiner
-mehr unternehmen wollte, weil der Feind alle Männer, die nach dem Flusse
-gingen, auf den Kopf schoss. Dieser Frau thaten sie nichts aus Achtung
-vor ihrem Geschlecht, wie sie uns selbst hernachmals sagten.
-
-Ich suchte mich dadurch zu zerstreuen, dass ich mich viel mit unsern
-Blessierten beschäftigte. Ich machte ihnen Thee und Kaffee und bekam
-dagegen tausend Segenswünsche. Oft teilte ich auch mein Mittagsessen mit
-ihnen. Eines Tages kam ein canadischer Offizier in unsern Keller, der
-sich kaum noch aufrecht erhalten konnte. Wir kriegten endlich von ihm
-heraus, dass er fast Hungers stürbe. Ich fand mich sehr glücklich, ihm
-mein Essen anbieten zu können, welches ihn wieder zu Kräften brachte und
-mir seine Freundschaft erwarb. Bei unserer nachmaligen Zurückkunft nach
-Canada lernte ich seine Familie kennen. Eine unserer grössten
-Beschwerden war der Geruch der Wunden, wenn sie anfingen zu eitern.
-
-Einst unternahm ich die Kur eines Majors Plumfield, Adjutanten des
-Generals Phillips, dem eine kleine Flintenkugel durch die beiden Backen
-gegangen war und ihm die Zähne zerschmettert und die Zunge gestreift
-hatte. Er konnte gar nichts im Munde behalten; die Materie erstickte ihn
-fast, und er war nicht im Stande, andere Nahrung zu sich zu nehmen als
-ein wenig Bouillon oder sonst etwas Flüssiges. Wir hatten Rheinwein. Ich
-gab ihm eine Bouteille, in der Hoffnung, dass die Säure des Weines seine
-Wunde reinigen würde. Er nahm immer etwas davon in den Mund, und das
-allein that so glückliche Wirkung, dass er geheilt wurde, wodurch ich
-wieder einen Freund mehr bekam. Und so hatte ich mitten in meinen
-Leiden- und Kummerstunden Augenblicke freudigen Genusses, die mich sehr
-glücklich machten.
-
-An einem dieser Tage wünschte General Phillips mich zu besuchen und
-begleitete meinen Mann, der täglich ein- oder zweimal mit Gefahr seines
-Lebens zu mir kam. Er sah unsere Lage und hörte mich meinen Mann
-flehentlich bitten, mich im Fall eines schleunigen Rückzuges nicht
-zurückzulassen, er redete mir selbst das Wort dabei, wie er meinen
-grossen Widerwillen sah, in den Händen der Amerikaner zu sein. Beim
-Weggehen sagte er zu meinem Manne: »Nein, um zehntausend Guineen komme
-ich nicht wieder hierher, denn mein Herz ist ganz zerrissen.«
-
-Indessen verdienten nicht alle, die bei uns waren, Mitleid. Es waren
-auch Feige darunter, die um nichts in dem Keller blieben und nachmals,
-als wir in die Gefangenschaft gerieten, sich recht gut in Reihe und
-Glied stellen und paradieren konnten. Wir blieben sechs Tage in dieser
-schrecklichen Lage. Endlich sprach man von Kapitulieren, da man zu lange
-gezaudert hatte und der Rückzug nun abgeschnitten war. Es wurde ein
-Waffenstillstand gemacht, und mein Mann, der ganz erschöpft war, konnte
-in dem Hause zum erstenmal seit geraumer Zeit sich wieder einmal zu Bett
-legen. Damit seine Ruhe gar nicht gestört wurde, hatte ich ihm in einer
-kleinen Stube ein gutes Bett machen lassen und legte mich mit meinen
-Kindern und meinen beiden Frauen in einem Saal daneben schlafen. Aber
-ungefähr um 1 Uhr in der Nacht kam jemand und verlangte ihn zu sprechen.
-Mit dem grössten Widerwillen sah ich mich genötigt, ihn aufzuwecken. Ich
-bemerkte, dass ihm die Botschaft nicht angenehm war, dass er den Mann
-sogleich nach dem Hauptquartier abfertigte und sich dann verdriesslich
-wieder niederlegte. Bald darauf liess der General Burgoyne alle andern
-Generale und Stabsoffiziere zu einem Kriegsrate, der gleich am frühen
-Morgen abgehalten werden sollte, zusammenberufen, in welchem er auf
-einen erhaltenen falschen Bericht vorschlug, die Kapitulation zu
-brechen, die bereits mit dem Feinde gemacht worden. Es wurde aber
-endlich entschieden, dass dieses weder thunlich noch ratsam sei; und
-dieses war ein Glück für uns, denn die Amerikaner sagten uns nachher,
-dass, wenn wir die Kapitulation gebrochen, wir alle massakriert worden
-wären, welches sie desto leichter thun konnten, da wir nicht über 4 bis
-5000 Mann stark waren und wir ihnen Zeit gelassen hatten, über 20 000
-zusammen zu bringen.
-
-Am 16. Oktober des Morgens musste mein Mann wieder auf seinen Posten und
-ich nochmals in meinen Keller.
-
-An diesem Tage wurde unter die Offiziere, welche bis dahin nur gesalzen
-Fleisch bekommen, das die Wunden der Blessierten sehr verschlimmerte,
-viel frisches Fleisch verteilet. Die gute Frau, welche uns immer Wasser
-geholt, machte eine treffliche Suppe davon. Ich hatte allen Appetit
-verloren und die ganze Zeit nichts zu mir genommen als eine in Wein
-getunkte Brotrinde. Die blessierten Offiziere, meine Unglücksgefährten,
-schnitten das beste Stück Rindfleisch ab und präsentierten es mir mit
-einem Teller Suppe. Ich sagte ihnen, ich wäre nicht vermögend etwas zu
-essen; da sie aber sahen, wie nötig es für mich war, etwas Nahrung zu
-mir zu nehmen, so erklärten sie, dass sie selbst nicht einen Bissen
-anrühren würden, bis ich ihnen das Vergnügen gemacht hätte, davon zu
-nehmen. Ich konnte ihren freundschaftlichen Bitten nicht länger
-widerstehen, worauf sie mir versicherten, dass es sie sehr glücklich
-mache, mir das erste Gute, was sie gehabt, anbieten zu können.
-
-Den 17. Oktober wurde die Kapitulation vollzogen, Die Generale verfügten
-sich zum amerikanischen General en chef Gates, und die Truppen streckten
-das Gewehr und ergaben sich zu Kriegsgefangenen. Nun bekam die gute
-Frau, welche uns mit Gefahr ihres Lebens Wasser geholt, den Lohn ihrer
-Dienste. Jeder warf ihr ganze Hände voll Geld in ihre Schürze, und sie
-bekam zusammen über 20 Guineen. In solchen Augenblicken scheint das Herz
-für Gefühle der Dankbarkeit empfänglich zu sein.«
-
-
-
-
-Kapitel XV.
-
-Die Braunschweiger in Gefangenschaft.
-
-
-Die Bedingungen, unter welchen sich Burgoynes Armee bei Saratoga ergab,
-wurden niemals erfüllt. Die Soldaten wurden im Wesentlichen als
-Kriegsgefangene behandelt. Dieses führte zu heftigen Klagen ihrerseits
-sowohl zu jener Zeit, wie von Seiten deutscher und englischer
-Geschichtsschreiber bis auf den heutigen Tag. Es wird von Bankroft
-berichtet, dass bei der Übergabe die Konvention von den Briten dadurch
-gebrochen worden sei, dass die Kriegskasse und anderes Staatseigentum
-verheimlicht worden sei, um welches die Vereinigten Staaten auf diese
-Weise betrogen wurden. Im November 1777 schrieb Burgoyne eine
-unüberlegte und grundlose Klage gegen die Verletzungen durch die
-Amerikaner und folgerte daraus, dass er den angeblichen Bruch benutzen
-könnte, sich und seine Regierung von allen Verpflichtungen zu entbinden.
-Burgoyne verweigerte auch, die notwendigen Listen aller in die Übergabe
-einbegriffenen Personen herauszugeben. Der Kongress weigerte sich
-daraufhin, seine Armee eher einzuschiffen als bis die Kapitulation durch
-die Regierung von Grossbritannien bestätigt wäre.
-
-Es scheint mir, dass in der Behandlung dieser Angelegenheit der Kongress
-seine Ehre und die des Landes nicht richtig wahrte. Es war richtig, dass
-Gates einen schlechten Handel gemacht hatte. Aber dieser Handel war mit
-Bewusstsein gemacht worden und Burgoynes Soldaten hatten dadurch, dass
-sie die Waffen streckten, die wichtigsten der ihnen auferlegten
-Bedingungen erfüllt. Es lag nunmehr den Amerikanern ob, auch ihrerseits
-dem Vertrage nachzukommen, und schlimmstenfalls eine offenbare
-Verletzung der untergeordneten Artikel der Kapitulation oder der sehr
-deutliche Beweis der Absicht auf englischer Seite, das Wort zu brechen,
-hätte den siegreichen Teil veranlasst haben sollen, die Erfüllung seiner
-Versprechungen zurückziehen.
-
-Während der Kongress gesonnen war, die deutschen Gefangenen in Amerika
-zu behalten, beeilte sich ihr eigener Fürst keineswegs, sie wieder nach
-Europa zurückzuerlangen. Auf die Nachricht der Kapitulation von Saratoga
-schrieb der Minister des Herzogs von Braunschweig an den englischen
-Kommissionär, dass man den Leuten, die sich ergeben hätten, die
-Rückkehr nach Deutschland verwehren sollte, damit sie nicht noch andere
-von der Einreihung in die Armee abschreckten. »Schickt die
-Übriggebliebenen auf eine Eurer Inseln in Amerika, steckt sie in Europa
-auf einer von Euren Inseln, wie z. B. auf der Insel Wight fest.« Auf
-keinen Fall durften die armen Teufel nach Hause kommen.
-
-Am 17. Oktober 1777 streckten General Burgoynes Soldaten die Waffen in
-Saratoga. Dies durften sie ohne Beisein irgend einer amerikanischen
-Truppenabteilung thun. General Riedesel hatte Befehl gegeben, dass die
-Fahnen der braunschweigischen Regimenter nicht überliefert werden
-sollten. Er liess die Fahnenstangen verbrennen und verbarg die
-Fahnentücher, indem er den Amerikanern gegenüber vorgab, dass die
-letzteren auch verbrannt wären. Er verbarg sie, bis die Gefangenen
-einige Zeit in Cambridge verweilt hatten und er die Baronin in das
-Geheimnis eingeweiht hatte. Frau von Riedesel nähte sie mit Hilfe eines
-»recht ehrlichen Schneiders« in eine Matratze ein, und es wurde unter
-irgend einem Vorwand ein Offizier durch die Linie nach New-York gesandt,
-der die Matratze als Teil seines Bettes mitnahm. So wurden die
-braunschweigischen Fahnen gerettet. Burgoyne hatte sein Ehrenwort
-gegeben, dass die Offiziere nichts von dem königlichen Eigentum in ihrem
-Privat-Gepäck mitnehmen würden. Vielleicht meinte man, dass die Fahnen
-dem Herzog von Braunschweig gehörten und nicht dem König, der sie nur
-gemietet hatte in Gemeinschaft mit den Verteidigern derselben.
-
-Nachdem die Waffen niedergelegt waren, marschierten die Braunschweiger
-durch das amerikanische Lager, wo die siegreiche Armee aufgestellt war,
-um sie zu empfangen. Nicht ein Regiment war richtig uniformiert, sondern
-jeder Mann war in den Kleidern, die er auf dem Feld, in der Kirche oder
-im Bierhaus trug. Aber sie standen da wie Soldaten, in guter Ordnung und
-sehr militärisch, zur grossen Verwunderung der deutschen Offiziere.
-»Die Leute standen so still, dass wir mit Erstaunen erfüllt wurden,«
-schreibt einer, »nicht ein Mann machte Miene auch nur mit seinem
-Nebenmanne zu sprechen. Ausserdem standen die Leute alle so aufgerichtet
-im Gliede, sahen so schön und kräftig aus, dass es ein Vergnügen war sie
-anzusehen, und wir alle waren verwundert über diesen schönen
-Menschenschlag..... In der That, Englisch-Amerika übertrifft den
-grössten Teil von Europa, was die Grösse und Schönheit seiner Männer
-anlangt.«
-
-Nur wenige Offiziere in Gates Armee trugen Uniformen, und diese wenigen
-trugen sie nach ihrer eigenen Fantasie, von irgend welchem Tuch, das
-ihnen in die Hände kam. Grosse und kleine Perrücken, schwarze, weisse
-und graue zierten oder verunzierten ihre Köpfe. Einige von ihnen sahen
-aus, als trügen sie ein ganzes Schaf auf ihren Schultern. Diese grossen
-Perrücken flössten, unserem Braunschweiger zufolge, dem gewöhnlichen
-Volk grosse Ehrfurcht ein. Unter den Trägern dieser Perrücken waren
-viele 50 bis 60 Jahre alt, und nunmehr zum ersten Mal in Reihe und
-Glied, zwar etwas schwerfällig ihrer Erscheinung nach, aber durchaus
-eifrig, ohne sich zu vernachlässigen, besonders in den Wäldern. »In
-vollkommenem Ernst,« sagt der deutsche Offizier, »diese ganze Nation hat
-viel natürliche Beanlagung zum Krieg und Soldatenleben.«
-
-Als die Truppen, die sich ergeben hatten, durch die Reihen der
-Amerikaner schritten, zeigte ihnen nicht ein Mann von der siegreichen
-Armee seine Missachtung oder verhöhnte sie wegen ihres Missgeschickes.
-Die Deutschen bezeugen insgesamt, dass Offiziere sowohl wie Soldaten sie
-mit Güte und Wohlwollen behandelten. General Gates lud alle höheren
-Offiziere in sein Zelt ein und behielt die Generäle zum Mittagessen
-zurück. Schuyler erwies Frau von Riedesel besondere Artigkeit. Er kam
-ihr entgegen, als sie in das Lager kam, hob ihre Kinder aus dem Wagen,
-küsste sie und half ihr aus dem Wagen aussteigen. Nach wenigen
-ermutigenden Worten führte er sie zu General Gates, mit dem sie Burgoyne
-zusammen stehen sah, der anscheinend auf ganz freundschaftlichem Fuss
-mit ihm stand. Er sagte zu ihr, dass sie keine Angst haben sollte, denn
-ihre Leiden hätten nun ein Ende. »Ich antwortete,« schreibt die Baronin,
-»ich würde freilich Unrecht haben, noch Besorgnisse zu haben, wenn unser
-Chef keine mehr hätte und ich ihn auf einem so guten Fuss mit General
-Gates sähe.«
-
-Schuyler hatte Frau von Riedesel und ihren Kindern in seinem eigenen
-Zelt ein Mittagessen auftragen lassen (»geräucherte Zunge, Beefsteak,
-Kartoffeln, gute Butter und Brod«), und sie verbrachte drei Tage mit
-seiner Familie in Albany, wo sie mit der grössten Freundlichkeit
-behandelt wurde. Burgoyne war auch Schuylers Gast in Albany. Er machte
-Entschuldigungen dem letzteren gegenüber, dass er ihm sein Haus und
-seine Scheunen in Saratoga verbrannt hätte. »Das ist das Schicksal des
-Krieges«, erwiderte der brave Mann, »lassen Sie uns davon nicht weiter
-reden.«
-
-Die Gefangenen oder »Konventionisten«, wie sie sich nannten, traten nun
-ihren Marsch durch Massachusetts hindurch an. Das Wetter war kalt und
-die Wege schlecht. Der Marsch dauerte vom 17. Oktober bis zum 7.
-November. An einigen Orten weigerten sich die Einwohner, die Gefangenen
-in ihre Häuser aufzunehmen, und an andern Orten, wo es nötig war Halt zu
-machen, waren nicht Häuser genug, um sie zu beherbergen. Die Einwohner
-ihrerseits beklagten sich, dass die durchmarschierenden Gefangenen ihre
-Gelände verbrannten, ihr Viehfutter unbrauchbar machten und Kleider und
-Möbel aus ihren Häusern stahlen. Von allen Seiten strömte das Landvolk
-zusammen, um die Gefangenen zu sehen und man drängte sich in die Häuser,
-wo sie einquartiert waren, bis die Offiziere anfingen zu argwöhnen,
-dass die Hauswirte Geld für dieses Schauspiel nähmen.
-
-Auf diese Weise sahen die Deutschen viel von der weiblichen
-Landbevölkerung, und derselbe Offizier, der die obenerwähnte
-Beschreibung der amerikanischen Soldaten verfasst hat, hat uns die
-ersten Eindrücke von Neu-Englands Frauen auf ihn hinterlassen.
-
-»Die Frauen in allen Gegenden von Boston bis New-York sind schlank und
-gerade gewachsen, wohlgenährt ohne plump zu sein. Sie haben hübsche,
-kleine Füsse, gute, kräftige Hände und Arme, eine sehr weisse Haut und
-eine sehr gesunde Gesichtsfarbe, sodass sie sich nicht zu malen
-brauchen. Kaum eine von denen, die ich gesehen habe, hatte Pockennarben
-auf dem Gesicht; denn das Impfen ist hier schon seit vielen Jahren
-gebräuchlich. Ihre Zähne sind sehr weiss, ihre Lippen schön und ihre
-Augen lebhaft und lachend. Obendrein haben sie natürliche und
-ungezwungene Manieren, eine freie und fröhliche Miene, eine natürliche
-Sicherheit im Auftreten. Sie geben viel auf Reinlichkeit und gutes
-Schuhwerk. Sie ziehen sich sehr hübsch an, aber ihre Kleider müssen sehr
-eng anliegen..... Sie locken ihr Haar jeden Tag, machen es von hinten zu
-einem Chignon zurecht und vorn über ein Kissen von mässiger Höhe.
-Gewöhnlich gehen sie barhäuptig aus, oder setzen höchstens ein kleines
-herzförmiges Ding oder irgend eine derartige Kleinigkeit auf ihren Kopf.
-Hier und da lässt eine Land-Nymphe ihr Haar fliegen und schmückt es mit
-einem Band. Obschon die Hütte, in der sie leben, ärmlich sein mag, so
-tragen sie doch einen seidenen Mantel und Handschuh, wenn sie ausgehen.
-Sie wissen sich sehr hübsch in den Mantel zu hüllen, so dass ein
-kleiner, weisser Ellbogen daraus hervorguckt. Dann tragen sie eine Art
-gut gearbeiteten Krempenhut, unter welchem sie mit ihren schelmischen
-Augen kokett hervorsehen. In den englischen Kolonien haben die Schönen
-eine Vorliebe für Mäntel von roter Seide oder Wolle. In dieser Art
-gekleidet, läuft, springt und tanzt das junge Mädchen umher, wünscht
-Ihnen einen »Guten Morgen« oder giebt, der Frage entsprechend, eine
-schnippische Antwort. So standen sie zu Dutzenden den ganzen Weg
-entlang, liessen uns Revue passieren, lachten mokant über uns oder
-liessen von Zeit zu Zeit eine boshafte Bemerkung fallen und händigten
-uns einen Apfel ein. Wir dachten erst, dass es Mädchen aus der Stadt
-wären oder wenigstens von der zweiten Klasse, aber keineswegs! Sie waren
-die Töchter von armen Bauern, die man an ihrer Kleidung als arme Bauern
-erkennen konnte.«
-
-Der Offizier fährt mit seinen sozialen Beobachtungen fort. Es scheint,
-dass in ganz Amerika die Männer den Frauen völlig unterthan sind. Die
-letzteren gebrauchen ihre Gewalt in Kanada zum Besten der Männer, in
-New-England aber zu ihrem Ruin. Die Frauen sind extravagant. Wie sie es
-fertig bekommen, den Männern so schwer zur Last zu fallen, ist unserm
-guten Deutschen ein Rätsel, da er sieht, dass sie weder kratzen, noch
-beissen, noch Ohnmachtsanfälle bekommen. Bei all diesem setzten sie ihre
-Hoffnung auf die britische Krone. Die Frauen tragen jetzt ihren
-Sonntagsstaat an den Wochentagen. Wenn es abgetragen ist, wird Friede
-mit Grossbritannien gemacht sein, um dann neu mit allem versorgt zu
-werden.
-
-Wir kommen nun zu den Negern. Diese findet man auf den meisten Farmen
-westlich von Springfield. Die schwarze Familie lebt in einem kleinen
-Hinterhaus. »Die Neger sind sehr fruchtbar hier, wie das übrige Vieh.
-Die Jüngeren werden sehr gut gefüttert, besonders während sie noch
-Kälber sind. Überdies ist die Sklaverei sehr erträglich. Der Neger wird
-als der Knecht des Bauern angesehen; die Negerin thut die ganze grobe
-Hausarbeit; und die schwarzen Kinder warten die weissen Kinder. Der
-Neger kann für seinen Herrn zu Felde ziehen, und so sieht man nicht ein
-Regiment, in welchem sich nicht eine grosse Anzahl Schwarzer befindet;
-und es giebt gutgewachsene, starke und stämmige Burschen unter ihnen. Es
-sind auch viele Familien freier Schwarzer hier, die gute Häuser inne
-haben, Mittel besitzen und ganz nach Art der andern Bewohner leben. Es
-sieht komisch genug aus, wenn Miss Negerin ihr wolliges Haar über ein
-Kissen zurechtfrisiert, einen kleinen Hut mit Krempe auf den Kopf setzt,
-sich in ihren Mantel hüllt und in diesem Putz die Strasse
-entlanggrätschelt mit einer Negersklavin, die hinter ihr herwatschelt.«
-
-Baronin Riedesel machte ihre ersten Beobachtungen über die Amerikaner.
-Sie erzählt, dass eines Nachts ihr Mann krank war, und dass die Wache
-vor seiner Thür trank und Lärm machte. Er schickte hinaus und liess sie
-bitten ruhig zu sein, worauf sie ihren Lärm noch verdoppelten. Frau von
-Riedesel ging darauf hinaus, sagte ihnen, dass ihr Mann krank sei und
-bat sie, sie möchten weniger Geräusch machen. Darauf waren sie sofort
-ruhig, »ein Beweis«, sagt die Baronin, »das diese Nation auch Achtung
-vor unserm Geschlecht hat.« Die Bürger-Offiziere waren den Deutschen ein
-fortwährendes Rätsel. Keine Geschichte war ihnen zu aussergewöhnlich, um
-sie zu glauben. »Ihre Generale, die uns begleiteten, waren zum Teil vom
-Schuster-Handwerk und machten an den Rasttagen Stiefel für unsere
-Offiziere, besserten auch wohl die Schuhe unserer Soldaten aus. Sie
-setzten einen grossen Wert auf das gemünzte Geld, welches bei ihnen
-selten war. Einem unserer Offiziere waren seine Stiefel ganz zerrissen.
-Er sah, dass ein amerikanischer General ein gutes Paar anhatte und sagte
-ihm zum Spass: »Ich gäbe ihm gern eine Guinee dafür.« Gleich stieg der
-General vom Pferde, nahm die Guinee, gab seine Stiefeln, und setzte sich
-mit des Offiziers zerrissenen Stiefeln wieder auf.« General von
-Riedesels Gemütsstimmung zu jener Zeit war durch mangelhafte Gesundheit
-und sein Missgeschick verbittert. Wir müssen dies berücksichtigen, wenn
-wir sein Urteil hören, welches er über die Amerikaner fällt. Allerdings
-es wird erwähnt, er habe gesagt, dass er nur einen amerikanischen
-Offizier in Cambridge getroffen, vor dem er Respekt gehabt habe. Von den
-Mitgliedern des General Court of Massachusetts macht er eine merkwürdige
-Schilderung. »Man sieht in diesen Männern genau den National-Charakter
-der Eingeborenen von Neu-England; vornehmlich zeichnen sie sich vor
-andern durch die Art sich zu kleiden aus. So behaupten sie alle unter
-einer überaus dicken, runden, gelblichen Stutzperrücke eine recht
-ehrenhafte Magistratsmiene. Ihre Kleider sind nach der ganz alten
-englischen Mode, darüber sie im Winter und Sommer einen blauen
-Roquelaure mit Ärmeln tragen, den sie mit einem ledernen Riemen fest um
-den Leib schnallen. Selten sieht man einen ohne Peitsche. Meistens sind
-sie alle untersetzter Natur und mittelmässig gross, sodass es schwer
-fällt, einen vom andern zu unterscheiden, wenn sie als Delegaten ihrer
-Townships zu dem Konsul von Boston gefordert werden, oder in
-Miliz-Angelegenheiten erscheinen müssen. Nicht der zehnte Teil von ihnen
-kann geschriebene Schrift lesen und noch weniger können sie schreiben.
-Diese Kunst ist ausser bei Leuten von der Feder nur allein bei dem
-weiblichen Geschlecht anzutreffen, welches überhaupt gut erzogen wird
-und daher die Herrschaft über die Männer mehr als eine andere Nation in
-der Welt zu behaupten weiss. Die Neu-Engländer wollen alle Politici
-sein, lieben daher die Tavernen und Grog-bowl, bei welchen sie ihre
-Geschäfte abthun, und vom Morgen bis in die Nacht trinken. Sie sind im
-allerhöchsten Grad neugierig, leichtgläubig und bis zur Raserei für die
-Freiheit eingenommen, dabei aber auch zugleich so blind, dass ihnen das
-schwere Joch der Sklaverei unter ihrem Kongress, worunter sie eigentlich
-schon jetzt zu sinken anfangen, bisher noch ganz unsichtbar geblieben
-ist.«
-
-Auf der andern Seite konnten die Amerikaner, wenn wir dem oben erwähnten
-braunschweigischen Offizier glauben wollen, nicht die gesellschaftlichen
-Verhältnisse ihrer Gefangenen verstehen. »Es war den Bewohnern schwer
-begreiflich zu machen,« sagt er, »dass unsere Offiziere kein Gewerbe
-trieben.« Sie hatten geglaubt, dass es Eigensinn von ihnen wäre, keine
-andere Beschäftigung zu haben.
-
-Die deutschen »Konventionisten« wurden in Baracken auf dem Winter Hill
-bei Cambridge, Massachusetts, untergebracht, die Engländer auf dem
-benachbarten Prospekt Hill. Diese Baracken waren von den Amerikanern zu
-ihrem eigenen Gebrauch während der Belagerung von Boston errichtet
-worden und waren von der leichtesten Bauart. Der Wind blies durch die
-Wände, der Regen sickerte durch das Dach, der Schnee lag in Haufen auf
-dem Fussboden. Holz und Stroh war nur sehr knapp vorhanden, und die
-Uniformen, die einen schweren Feldzug in der Wildnis hatten aushalten
-müssen, hingen in Fetzen an den frierenden Soldaten herunter. Sie
-schnitten die Schösse von ihren Röcken ab, um sich Flicken für die
-übrigen Kleidungsstücke davon zu machen. Selbst im Hospital war es
-bitter kalt. Hoffnung und Enttäuschungen erfüllten abwechselnd die Brust
-der Gefangenen, je nachdem die Verhandlungen wegen ihrer Rückkehr nach
-England wieder aufgenommen oder abgebrochen worden waren. Einmal während
-ihres dortigen Aufenthaltes kam die Hoffnung auf Befreiung, und es
-wurden von den Deutschen Vorbereitungen getroffen, die freundliche
-Flotte zu begrüssen, von den Amerikanern aber, ihre Gefangenen nach
-Quartieren mehr im Innern des Landes zu transportieren. Die grössten
-Leiden die vielleicht die Gefangenen auszustehen gehabt hatten,
-bestanden in der Eintönigkeit ihres Gefangenenlebens. Es gab nichts zu
-thun, denn ein wenig Exerzieren ohne Gewehre kann schwerlich eine
-Beschäftigung genannt werden. Wir erfahren aus den Journalen und
-Briefen der Offiziere die Folgen dieser Unthätigkeit. Es gab
-Streitigkeiten mit der amerikanischen Wacht-Besatzung. In dieser
-Hinsicht verhielten sich indessen die Deutschen etwas besser als die
-Engländer. Riedesels Sorgfalt, die Disziplin unter seinen Leuten
-aufrecht zu erhalten, hatte man bemerkt, und die Amerikaner machten es
-sich zur Gewohnheit jeden deutschen Delinquenten seinen eigenen
-Offizieren zur Bestrafung zu überantworten.
-
-Die Lage der Soldaten, welche nicht in Burgoynes Uebergabe mit
-eingeschlossen waren, die Gefangenen von Bennington und der Gefechte
-nördlich Stillwater, war in mancher Hinsicht eine glücklichere. Diese
-begaben sich zum grösseren Teil in den Dienst Neu-Englischer Farmer.
-Vielen wurde auch erlaubt, das Lager auf dem Winter Hill zu besuchen, um
-die »Konventionisten« zum desertieren zu verleiten, wie die Deutschen
-sagen. Im Frühjahr als die Versuchung, hinaus aufs Land zu kommen, stark
-wurde, hielt es Riedesel für weise, die Pforte etwas zu öffnen und gab
-einigen Soldaten Erlaubnis auf den Farmen zu arbeiten, unter der
-Bedingung einmal in der Woche ins Lager zurückzukommen. Die deutschen
-Offiziere waren meist in den ungemütlichen Häusern in der Nähe des Hills
-oder in den Baracken selbst einquartiert. Die Generale hatten indessen
-gute Häuser in Cambridge. Niemand, ohne Ansehen des Ranges, durfte nach
-Boston kommen, Baronin Riedesel ging gelegentlich dorthin. Sie sagt,
-dass die Stadt sehr hübsch wäre, aber bewohnt von heissblütigen
-Patrioten und voll von gemeinem Volk. Frauen wollten sogar vor ihr
-ausspucken auf der Strasse. Grosses Verlangen trug die Baronin, Mrs.
-Carter, die Tochter von General Schuyler, zu besuchen. Diese Dame war
-sanft und gut wie ihre Eltern, aber ihr Mann, wie Frau von Riedesel
-meint, böse und falsch. »Sie kamen uns oft zu besuchen und assen auch
-bei uns mit den andern Generalen. Wir suchten ihnen auf alle Weise
-unsere Erkenntlichkeit zu bezeigen. Sie schienen auch viel Freundschaft
-für uns zu haben, und doch war es zur nämlichen Zeit, dass dieser
-garstige Carter, als General Howe viele Dörfer und kleine Städte
-angesteckt hatte, den Amerikanern den abscheulichen Vorschlag machte,
-unseren Generalen die Köpfe abzuhauen, diese in kleine Fässer
-einzusalzen und den Engländern für jedes angesteckte Dorf oder Städtchen
-ein solches Fässchen zu überschicken, welcher unmenschliche Vorschlag
-glücklicherweise nicht angenommen ward.«
-
-»Am 3. Juni 1778 gab ich einen Ball nebst Souper zur Feier des
-Geburtstages meines Mannes. Ich hatte alle Generale und Offiziere dazu
-eingeladen. Auch die Carters waren mit dabei. General Burgoyne liess
-absagen, nachdem er uns bis 8 Uhr abends hatte warten lassen. Er
-entschuldigte sich immer unter verschiedenem Vorwande zu uns zu kommen,
-bis zu seiner Abreise nach England, wo er kam und mir grosse
-Entschuldigungen deshalb machte, worauf ich aber nichts weiter
-antwortete als, dass es mir würde leid gethan haben, wenn er sich
-unseretwegen geniert hätte.
-
-»Man tanzte viel, und unser Koch hatte uns ein prächtiges Souper von
-mehr als 80 Kouverts zubereitet. Überdem war auch noch unser Hof und
-Garten erleuchtet. Da der Geburtstag des Königs von England Tages darauf
-als den 4. war, so wurde beschlossen, dass man sich nicht eher trennen
-wollte, bis man seine Gesundheit getrunken; welches auch mit der
-herzlichsten Anhänglichkeit an seine Person und sein Interesse
-ausgeführt wurde.«
-
-»Nie, glaube ich, ist das 'God save the King' mit mehr Enthusiasmus und
-mit aufrichtigeren Gesinnungen gesungen worden. Sogar meine ältesten
-beiden kleinen Töchter waren mit dabei, die man heruntergeholt hatte, um
-die Illumination zu sehen. Alle Augen waren voll Thränen, und es schien,
-als wenn jeder darauf stolz war, den Mut zu haben, dieses so mitten
-unter den Feinden zu wagen. Sogar die Carters hatten nicht das Herz
-sich auszuschliessen. Als die Gesellschaft auseinanderging, sah man das
-ganze Haus umringt von Amerikanern, die, als sie so viel Leute
-hineingehen und die Illumination gesehen, den Verdacht geschöpft hatten,
-dass wir eine Empörung im Sinne hätten; und wenn der mindeste Lärm
-entstanden wäre, hätte uns dieses können teuer zu stehen kommen.«
-
-»Die Amerikaner, wenn sie ihre Truppen versammeln wollen, setzen
-brennende Pechfackeln auf die Anhöhen, auf welches Signal Jeder
-herzueilet. Wir waren einmal Zeugen davon, als der General Howe eine
-Landung zu Boston versuchen wollte, um die gefangenen Truppen zu
-befreien. Man erfuhr dieses wie gewöhnlich längst voraus und steckte die
-Pechtonnen an, worauf man drei oder vier Tage nacheinander eine Menge
-Leute ohne Schuhe und Strümpfe und die Flinte auf dem Rücken eiligst
-herzulaufen sah, wodurch bald so viele Leute zusammenkamen, dass eine
-Landung zu schwer gefallen sein würde.«
-
-Im November 1778 mussten die Braunschweiger die Umgegend von Boston
-verlassen, wo sie anfingen sich etwas heimisch zu fühlen, und zu dem
-langen Marsche nach Virginien aufbrechen. Frau von Riedesel begleitete
-auch hierhin ihren Gemahl; sie hatte eine bequeme englische Kutsche
-gefunden, in welcher sie die Reise unternehmen konnte. An einem der
-Orte, an welchem ein Rasttag gehalten wurde, traf sie mit General
-Lafayette zusammen, den ihr Mann zum Essen lud. Lafayette erzählte ihr
-viel von der Gnade, die der König von England für ihn gehabt, ihm alles
-zu zeigen. Die Baronin fragte ihn, wie er es hätte über das Herz bringen
-können, soviel Gnadenbezeugungen von dem Könige anzunehmen, da er doch
-im Begriff gewesen wäre abzureisen, um gegen ihn zu fechten. Der Marquis
-schien etwas beschämt zu sein und antwortete: »Es ist wahr, der Gedanke
-ging mir durch die Seele, sodass, als mir eines Tages der König anbot,
-mir seine Flotte zeigen zu lassen, ich erwiderte, dass ich hoffte, sie
-eines Tages zu sehen, und dann heimlich wegging, um aus der Verlegenheit
-zu kommen, es noch einmal ablehnen zu müssen.«
-
-Frau von Riedesel hatte auf der Reise Gelegenheit, die Gesinnungen der
-Bewohner gegen die Gefangenen etwas zu beobachten. In einem Hause, wo
-sie übernachtete, bemerkte sie eine Menge Fleisch und bat die Wirtin,
-ihr etwas davon zu überlassen. »Ich habe vielerlei«, antwortete sie, »da
-ist Rindfleisch, Kalbfleisch und Hammelfleisch.« Der Mund wurde ihr
-schon wässrig. »Geben sie her«, sagte sie, »ich werde Sie gut bezahlen.«
-Die Wirtin schlug ihr hierauf ein Schnippchen fast unter der Nase.
-»Nichts sollt Ihr haben,« schrie sie, »warum seid Ihr aus Euerm Land
-gekommen, um uns tot zu machen und unser Hab' und Gut aufzuzehren? Nun
-seid Ihr unsere Gefangenen, so ist nun die Reihe an uns, Euch zu
-quälen.« »Seht diese armen Kinder,« antwortete die Baronin, »sie kommen
-fast um vor Hunger.« Die Frau blieb unerbittlich, bis Frau von Riedesels
-kleines, erst zweieinhalb Jahre altes Töchterchen ihre Hand ergriff und
-sagte: »Gute Frau, ich bin sehr hungrig.« Darauf nahm sie das Kind mit
-in die Stube und gab ihm ein Ei. »Nein,« sagte das Kind, »ich habe noch
-zwei Schwestern.« Das rührte die Frau, sie gab ihr drei Eier und bot der
-Mutter Brot und Milch an. Frau von Riedesel benutzte diese Gelegenheit,
-holte ihren Thee herbei, der damals etwas sehr Seltenes war und bot der
-Frau davon an. Die Baronin ging darauf in die Küche, wo sie deren Mann
-fand, der einen Schweineschwanz kaute. Diesen reichte er dann seiner
-Frau, die auch etwas daran kaute und ihn dann zurückgab. Da die Baronin
-diesem Schauspiel eifrig zusah (»mit Verwunderung und Ekel«), so reichte
-er ihr auch das beinahe ganz abgenagte Stück hin, und sie konnte nicht
-anders als es anzunehmen, that so, als ob sie davon ässe und
-praktizierte es dann sachte in das Feuer. Nun war völliger Friede
-geschlossen, und die Baronin Riedesel erhielt ihre Kartoffeln und
-machte eine gute Suppe davon.
-
-Dies war nicht der einzige Fall, dass der Baronin und ihren Kindern die
-Verpflegung vorenthalten oder ihnen wegen der Unterkunft Schwierigkeiten
-gemacht wurden. Die Leute, bei denen sie wohnte, waren gewöhnlich
-heissblütige Revolutionäre. Ein anderes Mal hatte sie ihr Nachtquartier
-in dem Haus eines Oberst Howe, dem sie ein Kompliment zu sagen glaubte,
-indem sie ihn fragte, ob er ein Verwandter des englischen Generals jenes
-Namens wäre. »Gott behüte«, antwortete er, »der ist meiner nicht wert.«
-»Dieser selbige Oberst hatte eine hübsche Tochter, 14 Jahre alt, aber
-von böser Gemütsart,« sagt Frau von Riedesel. »Ich sass mit ihr vor
-einem guten Kaminfeuer, sie sah die glühenden Kohlen an und rief aus:
-»Ha, wenn ich den König von England hier hätte! Mit welchem Vergnügen
-schnitt ich ihm den Leib auf, riss sein Herz heraus, zerlegte es, briete
-es auf den Kohlen und verzehrte es dann.« Ich blickte sie mit Abscheu an
-und sagte ihr: »Ich schäme mich fast, von einem Geschlecht zu sein, das
-fähig ist, eine solche Lust zu bekommen.«
-
-Mitte Januar 1779 erreichten die Deutschen Charlottesville in Virginia.
-Hier fanden sie keine Baracken vor und waren genötigt, sie sich selbst
-zu bauen. Bald war ein Dorf entstanden, und hier und in anderen Teilen
-von Virginia brachten sie den Rest ihrer Gefangenschaft zu. Für viele
-dauerte sie noch bis zum Ende des Krieges. Die Soldaten legten sich
-Gärten und Hühnerhöfe an. Die Offiziere kauften sich gute Reitpferde. In
-einer der Niederlassungen war von den englischen Soldaten ein kleines
-Theater gebaut worden, und es wurden Spottstücke aufgeführt, in welchem
-die Gefangenen über ihre Gewalthaber herzogen, bis man es für nötig
-hielt, der amerikanischen Miliz das Zusehen zu verbieten. General
-Riedesel kehrte im Herbst 1779 auf Ehrenwort nach New-York zurück und
-wurde bald darauf ausgewechselt. Seine Gesundheit hatte durch
-Überanstrengung, Niedergeschlagenheit und einen leichten Sonnenstich,
-der ihn in Virginia traf, stark gelitten. Nachdem er ausgewechselt
-worden war, kehrte er nach Kanada zurück und blieb im Dienst des Königs
-von England bis zum Ende des Krieges, aber er zog nicht wieder gegen die
-Amerikaner zu Felde.
-
-
-
-
-Kapitel XVI.
-
-Brandywine, Germantown und Redbank, September und Oktober 1777.
-
-
-Im Sommer 1777 wandte Sir William Howe, anstatt mit Burgoyne
-gemeinschaftlich zu operieren, seine ganze Aufmerksamkeit auf die
-Wegnahme von Philadelphia. Er ging einige Meilen von New-Brunswick aus
-vor, aber es misslang ihm, Washington zu einem entscheidenden Schlag zu
-verleiten, und so zog er sich nach Amboy zurück. Sodann wiederholte Howe
-seine Angriffsbewegung, indem er hoffte, dass Washington seine günstige
-Stellung verlassen haben würde. Er war insofern vom Glücke begünstigt,
-als die rechte Kolonne ein kleines Gefecht mit einer vorgeschobenen
-Abteilung Amerikaner unter Stirling hatte, diese vertrieb und ihr 3
-Kanonen und 80 Gefangene abnahm. Hierauf kehrte die britische Armee nach
-Amboy zurück und ging nach Staten-Island über. Hier wurde sie
-eingeschifft, und am 23. Juli war Sandy Hook geräumt. Diese Truppenmacht
-bestand aus ungefähr 18000 Mann, von denen weniger als ein viertel
-Deutsche waren. Die aus 234 Segelschiffen bestehende Flotte langte am
-30. Juli bei Cap May an, aber die Fregatten, die zum rekognoszieren
-vorgeschickt worden waren, meldeten, dass der Delaware stark verteidigt
-würde, Sir William beschloss, sich Philadelphia durch die Chesapeake
-Bay zu nähern. Am 22. August erreichte die Flotte die Mündung des
-Elk-Flusses, und am 25. und 26. wurden die Truppen in guter Ordnung und
-ohne feindliche Gegenwehr gelandet.
-
-[Illustration: SCHLACHT VON BRANDYWINE. Am 11. September 1777.]
-
-Am 3. September hatten die Jäger, welche die Avantgarde bildeten, ein
-heisses Gefecht mit der amerikanischen Arrieregarde, wobei erstere
-ungefähr 20 Tote und Verwundete verloren. Zwischen 30 und 40 Amerikaner
-wurden auf dem Gefechtsfelde beerdigt. Von dieser Zeit an waren die
-Jäger beständig vorn, sie schliefen gewissermassen auf ihren Waffen.
-
-Am 11. September hatte Washingtons Armee auf dem linken Ufer des
-Brandywine-Flusses Stellung genommen. Das Gros stand bei Chads Furt,
-während General Sullivan auf dem rechten Flügel die Übergänge weiter
-oberhalb besetzen sollte. Bei Tagesanbruch traten die Briten von Kennets
-square, 7 Meilen von Chads Furt, ihren Vormarsch an. Die rechte Kolonne
-unter General Knyphausen, marschierte gerade auf die amerikanische Front
-los, in deren Nähe sie ungefähr 10 Uhr morgens anlangte. Hier blieb
-Knyphausen den grössten Teil des Tages über stehen und unterhielt eine
-Kanonade, ohne einen ernstlichen Angriff auf den Feind zu machen.
-
-Die zweite Kolonne unter Howe und Cornwallis machte eine weite Umgehung
-nach links und fand nur geringen Widerstand, bis sie die Gabelung des
-Brandywine erreicht und glücklich passiert hatte, was eine kleine
-Abteilung hätte verhindern können. Die Amerikaner hatten aber diese
-Stelle übersehen. Washington, der durch widersprechende Befehle
-getäuscht worden war, hatte es nicht gewagt, den Fluss zu überschreiten
-und Knyphausens Division anzugreifen.
-
-Auf die Nachricht, dass Howe den Brandywine überschritten hätte, ging
-Sullivan ihm eilig entgegen. Er hatte aber keine Zeit, seine Division
-ganz zu formieren. Es scheint auch, dass er bei den Anordnungen Fehler
-gemacht hat. Ungefähr um 1/2 4 Uhr stiessen die hessischen Jäger, die
-den äussersten linken Flügel bildeten, auf die amerikanische Avantgarde,
-welche sie auf das Gros zurückdrängten. Ungefähr um diese Zeit wurde der
-Kampf ein allgemeiner. Sullivans Division wurde zurückgetrieben.
-Lafayette, der als Freiwilliger diente, erhielt eine Wunde ins Bein.
-Washington zog Greenes Division und noch zwei andere Brigaden vor, um
-Sullivans Rückzug zu decken.
-
-Sobald Knyphausen die Kanonen von Cornwallis donnern hörte, überschritt
-er den Brandywine bei Chads Furt und griff die amerikanischen
-Verschanzungen an. Diese wurden eine Zeit lang von Wayne verteidigt,
-aber die Briten waren ihm schon im Rücken, so dass er spät am Nachmittag
-seine Stellung verlassen und nach Chester hin abziehen musste.
-
-An diesem Tage waren hessische Truppen in beiden Kolonnen der britischen
-Armee. Die Jäger waren bei der Avantgarde der Division Cornwallis und
-hatten 40 Mann tot und verwundet. Die Kapitäns Ewald und Wreden
-erhielten den hessischen Orden »pour la vertu militaire« für ihr
-Verhalten bei dieser Gelegenheit. Dies war eine grosse Auszeichnung für
-sie, weil sie die ersten Offiziere vom Rang eines Hauptmanns waren, die
-mit diesem Orden dekoriert wurden. Der Gesamtverlust der britischen
-Armee in der Schlacht am Brandywine betrug 622 und der der Amerikaner
-ungefähr 1000 Mann. Unter den 10 oder 15 Kanonen, die den Amerikanern
-weggenommen wurden, waren zwei, welche in Trenton mit Ralls Brigade
-zusammen genommen worden waren.
-
-Man nahm an, dass die Amerikaner sich eiligst zurückzogen; der Herbsttag
-neigte sich zu Ende. Zwei Bataillone britischer Grenadiere wurden
-vorgeschickt, um ein kleines Dorf auf einem Berge jenseits Dilworth zu
-besetzen. Die Bataillone gingen, ermüdet durch die Anstrengungen des
-Tages und übermütig gemacht durch ihren Sieg, etwas unvorsichtig vor.
-Die Offiziere hatten nicht den Säbel gezogen. Kapitän Ewald, der die
-Tête der Kolonne von Cornwallis den ganzen Tag über kommandiert hatte,
-hatte seine Leute ruhen lassen und war, da er selbst nichts besonderes
-zu thun gehabt hatte, mit den Grenadieren zusammen vorgeritten, um das
-Terrain zu rekognoszieren. Plötzlich, 50 Schritt von dem Dorfe entfernt,
-wurden sie von heftigem Musketenfeuer empfangen. General Macwell hatte
-sich mit der amerikanischen Arriere-Garde in das Dorf hineingeworfen, um
-Washingtons Rückzug zu decken. Zu gleicher Zeit beobachtete man, dass
-eine amerikanische Abteilung um den Berg herumkam, um die Engländer in
-der linken Flanke zu fassen. Ewald galoppierte zurück, um
-Unterstützungen heranzuziehen, und brachte zwei englische Regimenter
-unter General Agnew heran, welche sofort die Amerikaner angriffen und
-die Grenadiere retteten, die schon beinahe umringt waren. Die Nacht
-machte dem Gefecht ein Ende. Der englische Verlust in dieser kleinen
-Affaire war schwer; beinahe die Hälfte der beiden Bataillone und der
-grösste Teil ihrer Offiziere fielen, laut Bericht von Ewald.
-
-Nachdem die britische Armee bei Head of Elk ausgeschifft war, hatte die
-englische Flotte die Chesapeake Bay verlassen. Inzwischen waren 7
-englische Fregatten und 14 Transportschiffe mit Proviant von New-York im
-Delaware angelangt und nach Wilmington hinaufgegangen. Zwei Tage nach
-der Schlacht am Brandywine besetzte Cornwallis diesen Ort, welcher die
-Basis für die Verpflegung der Armee von nun ab bildete.
-
-Die Engländer gingen weiter vor, ohne auf ernstlichen Widerstand zu
-stossen, obschon beständig Plänkeleien stattfanden und eine Abteilung
-unter General Wayne überrascht und geschlagen wurde. Am Morgen des 26.
-September 1777 rückte Lord Cornwallis an der Spitze von 2 englischen und
-2 hessischen Grenadier-Bataillonen in Philadelphia ein und schickte sich
-an, die Stadt zur Verteidigung einzurichten. Die Haupt-Armee lagerte
-bei Germantown. Die Hessen bildeten hier den linken Flügel, mit den
-Jägern vorn an der Strasse nach Lancaster.
-
-Am 3. Oktober 1777 um Mittag erhielt Kapitain Ewald den Besuch eines
-Mannes (»der keineswegs ein Tory war,« sagt er), dessen Besitztum er bei
-einer früheren Gelegenheit vor der Plünderung bewahrt hatte. Beim
-Weggehen sagte der Amerikaner zu ihm: »Mein Freund, seien Sie auf Ihrer
-Hut diese Nacht und morgen.« Ewald verstand den Wink und berichtete
-diese Bemerkung seinem Oberst, der es an das Hauptquartier
-weitermeldete. Die Generale nahmen keine Notiz davon, doch wir werden
-aus dem folgenden Bericht sehen, dass die Jäger auf einen Angriff
-vorbereitet waren.
-
-Auszug aus dem »Journal«, geführt bei dem Hochlöblichen Hessischen
-Feld-Jäger-Korps: »Oktober 4. Die vielen Detachements, welche der
-General Howe nach Philadelphia und Jersey geschickt, um Mud Island zu
-belagern und die Stadt zu besetzen, mochten den General Washington
-bewogen haben, besonders da er eine Verstärkung aus Virginien erhalten,
-die Königliche Armee zu attaquieren. In dieser Absicht war er aus seinem
-Lager an der Skibback-Creek aufgebrochen, und gegen 2 Uhr diesen Morgen
-erhielten wir die Nachricht von dessen Anmarsch. Der Oberstlieutenant
-von Wurmb rückte mit dem Jäger-Korps sogleich aus, liess den Vorfall an
-den General Knyphausen melden und besetzte die Brücke bei Van Doerens
-Haus, so über den Visihigging (Wissahickon) führet. Wir hörten bald
-darauf das Feuern am rechten Flügel und gegen 1/2-4 Uhr wurde das
-Jäger-Korps von einem Korps von 4000 Mann mit 4 Sechspfündern
-attaquiert. Das Korps musste auch wirklich die Brücke verlassen, setzte
-sich aber auf die gegenüberliegende Höhe und defendierte solche mit dem
-Büchsenfeuer gegen die wiederholten Versuche des Feindes sie zu
-forcieren. Die 4 feindlichen Kanonen spielten beständig auf die Jägers,
-ohne dass unsere Dreipfünder den Feind erreichen konnten. Das Feuer
-wurde inzwischen allgemein und sehr heftig auf dem rechten Flügel, bis
-gegen 9 Uhr der General-Lieutenant von Knyphausen sagen liess, dass der
-feindliche linke Flügel geschlagen sei. Hierauf attaquierte der
-Oberstlieutenant von Wurmb die Brücke aufs Neue und vertrieb den Feind
-sowohl von da, als auch der gegenüberliegenden Höhe unter einem heftigen
-Feuer. Da die Attaque durch ein langes Defilee geschehen musste, so
-hatte man feindlicherseits Zeit, sich zu retirieren; wir fanden daher
-auch nur 20 Tote -- und da die Jägers auch ohnehin schon sehr fatiguiert
-und nicht unterstützt wurden, auch nur in 300 Mann bestanden, so geschah
-keine weitere Verfolgung.
-
-»Im Centro der Armee war der Feind auf die leichte Infanterie gefallen
-und hatte solche zurückgeschlagen. Der Oberstlieutenant Musgrave warf
-sich aber mit dem 40. Regiment in ein steinern Haus, welches vom Feind
-angegriffen wurde, und wo er sich bei aufhielt, sonst hätte er
-vielleicht geschwinder und noch ehe einmal die Armee alle im Gewehr
-gewesen, solche attaquieren können. So aber attaquierte die Armee ihn,
-schlug ihn aus der Stadt heraus und in die Flucht. Er retirierte sich
-darauf in sein voriges Lager an der Skibback-Creek mit Zurücklassung von
-300 Toten, 600 blessierten und 400 Gefangenen. Der unsrige Verlust ist
-gleichwohlen 400 Tote und Blessierte, unter ersteren befand sich der
-General Agnew. Lord Cornwallis, welcher das Feuer zu Philadelphia gehört
-hatte, setzte sogleich von da 3 Grenadier-Bataillons in Marsch. Er für
-seine Person kam noch zeitig genug, um am letzten Teil der Aktion Anteil
-zu nehmen, die Bataillons kamen aber zu spät.«
-
-Es war nunmehr für Sir William Howe von der grössten Wichtigkeit seinen
-Kriegs- und Transportschiffen Eingang auf dem Delaware zwischen
-Wilmington und Philadelphia zu verschaffen. Auf diese war er in grossem
-Maasse angewiesen wegen seiner Lebensmittel und zu seiner Verbindung.
-Der Fluss war etwa 10 Meilen unterhalb Philadelphia durch spanische
-Reiter gesperrt, welche gedeckt wurden von Fort Mercer bei Redbank auf
-dem New-Jersey-Ufer und von Fort Mifflin auf einer Insel in der Nähe des
-gegenüberliegenden Ufers von Pennsylvanien. Zwischen den Forts waren
-Hindernisse in den Kanal versenkt und diese wurden wieder von Galeeren
-beschützt. Einige Boote mit Lebensmitteln waren glücklich durch alle
-diese Hindernisse hindurchgeschlüpft; die freie Schiffahrt auf dem
-Flusse war für die Briten sehr wesentlich.
-
-Oberst Karl Emil Kurt von Donop war einer der vorzüglichsten hessischen
-Obersten und war persönlicher Adjutant des Landgrafen gewesen, dessen
-Günstling er war. Er hatte im vorhergehenden Jahre ein selbständiges
-Kommando von einiger Wichtigkeit in Bordentown gehabt und hatte nun den
-Wunsch ausgedrückt wieder detachiert zu werden. Sir William Howe
-willfahrte ihm. Er wurde abgesandt um Fort Mercer zu nehmen. Donop brach
-auf am 21. Oktober 1777 mit drei Bataillone Grenadieren, 1 Regiment
-Infanterie, 4 Kompanien Jägern und 12 berittenen Jägern, alles Hessen, 8
-Feldgeschützen, die zu den Regimentern gehörten und 2 englischen
-Haubitzen. Er soll noch mehr Artillerie verlangt und daraufhin zur
-Antwort erhalten haben, wenn er sich nicht getraute das Fort
-anzugreifen, so würden es die Engländer nehmen. »Sagen Sie Ihrem
-General,« erwiderte er dem Offizier, der diese Botschaft überbrachte,
-»dass Deutsche sich nicht scheuen, dem Tod ins Auge zu schauen.« Darauf
-erklärte der Oberst denen, die um ihn waren: »Entweder wird das Fort
-bald Fort Donop heissen oder ich werde gefallen sein.« Er brach mit
-seinem Detachement auf und brachte die Nacht in Haddonfield zu. Ungefähr
-um Mittag des 22. Oktober langte er in Redbank an und ritt vor um das
-Terrain zu rekognoszieren. Das Fort war ein fünfseitiges Erdwerk mit
-Graben und Verhau. Es war zuerst von den Amerikanern in zu grossem
-Massstabe angelegt worden, aber ein Monsieur du Plessis de Mauduit, ein
-junger französischer Offizier, der von Washington dem General Christoph
-Greene zur Verteidigung des Forts beigegeben war, hatte die Ausdehnung
-des Werkes vermindert, sodass es in seiner veränderten Form ein etwas
-unregelmässiges Fünfeck bildete. Auf drei Seiten des Forts fand der
-Angreifer gedeckte Annäherung durch die Waldungen bis auf 400 Yards. Auf
-der Südseite war der Delaware. Die Besatzung bestand aus 300 Mann mit 14
-Kanonen.
-
-Nach Ankunft vor dem Fort sandte Donop einen Adjutanten, um die
-Besatzung zur Uebergabe aufzufordern. »Der König von England gebietet
-seinen aufrührerischen Unterthanen die Waffen niederzulegen«, lautete
-die Aufforderung »und sie werden gewarnt, dass, wenn sie solange zögern
-bis es zum Kampf kommen wird, kein Pardon gegeben werden wird.« Der
-Adjutant berichtete, dass er nur wenig Leute in dem Fort gesehen habe.
-
-Oberst von Donop stellte sein kleines Korps in Schlachtordnung auf.
-Seine rechte Flanke nahm Anlehnung an den Fluss, an welchem er seine 8
-Dreipfünder und 2 Haubitzen plaziert hatte. Diese wurden von einem
-Bataillon Grenadieren und von Jägern gedeckt, welche Flanke und Rücken
-gegen Truppen decken sollten, welche etwa von den Schiffen im Delaware
-ausgeschifft werden möchten. Die hessische Angriffslinie nahm den
-grösseren Teil des ganzen Weges um das Fort herum auf der Landseite ein;
-der Angriff wurde gleichzeitig von Norden und Süden gemacht. An der Tête
-eines jeden Bataillons befand sich ein Offizier, der die Sappeure
-kommandierte und 100 Mann mit Faschinen, die eilig in den Wäldern
-gemacht worden waren.
-
-Ungefähr um 4 Uhr war alles bereit. Donop forderte darauf seine
-Offiziere mit einigen Worten auf, sich tapfer zu verhalten. Sie stiegen
-alle ab und zogen ihre Säbel, nahmen ihre Plätze in der Front ihrer
-Bataillone ein, und der Angriff begann. Die Hessen gingen im Laufschritt
-vor, überstiegen die alten nicht mehr gebrauchten Linien mit ihrem
-Schlachtruf, erreichen den Verhau, wurden aber durch Wolfsgruben und
-einen Graben überrascht, zu dessen Füllung sie nicht genug Faschinen
-hatten. Drei amerikanische Galeeren, die im Flusse lagen, unterhielten
-ein lebhaftes Feuer auf die hessische rechte Flanke. Einige der Hessen
-erklommen den Wall des Hauptforts. Sie wurden sofort zurückgeworfen.
-Donop wurde, von einer Musketenkugel in die Hüfte getroffen, tötlich
-verwundet. 22 Offiziere waren tot oder verwundet, darunter die
-Kommandeure sämtlicher Bataillone. Die Hessen machten Kehrt und zogen
-sich zurück, indem sie viele Verwundete liegen liessen. Oberstlieutenant
-von Linsingen sammelte die Trümmer der Brigade und brachte sie am
-nächsten Tage unbelästigt nach Philadelphia. Zwei englische Schiffe,
-welche versucht hatten, sich an dem Kampfe zu beteiligen, waren auf den
-Grund gelaufen. Eins davon flog am nächsten Tag durch das Feuer der
-amerikanischen Galeren und schwimmenden Batterien in die Luft; das
-andere war in Brand gesteckt und verlassen worden.
-
-Die Hessen waren zurückgegangen, die Nacht war hereingebrochen, und ein
-Teil der Besatzung kam aus dem Fort heraus, um den Verhau
-wiederherzustellen und für die Verwundeten zu sorgen. Mehrere hessische
-Grenadiere wurden dicht hinter der Brustwehr vorgefunden, wohin sie sich
-verkrochen hatten und wo die Kugeln über ihre Köpfe hinweggingen. Die
-armen Kerls konnten ohne Unterstützung nichts machen und fürchteten
-sich, wegzulaufen. Sie wurden in das Fort aufgenommen. Unter denen, die
-heraus kamen, um den Verhau wieder in Stand zu setzen, war auch Kapitain
-du Plessis. Diesen rief Donop mit den Worten an: »Wer Du auch sein
-magst, trage mich von hier weg.« Du Plessis liess den Oberst in das
-Fort tragen. Als er hineingebracht wurde, riefen einige Soldaten laut,
-die entweder nicht wussten, dass seine Wunde tötlich war, oder noch
-aufgeregt von der Schlacht und eingedenk der Drohungen, mit denen sie
-noch vor wenigen Stunden begrüsst worden waren: »Wohlan, ist es
-ausgemacht, dass kein Quartier gegeben werden soll?« »Ich bin in Eurer
-Hand,« antwortete der Oberst, »Ihr könnt Euch rächen.« Du Plessis hatte
-keine Schwierigkeit, die Soldaten zu beschwichtigen, und schenkte dann
-seine ganze Aufmerksamkeit dem verwundeten Manne. »Mein Herr,« sagte der
-Letztere, »Sie scheinen ein Fremder zu sein; wer sind Sie?« »Ein
-französischer Offizier,« antwortete du Plessis. »Dann bin ich
-zufrieden,« sagte Donop auf Französisch, »ich sterbe in den Armen der
-Ehre.«
-
-Der hessische Oberst lebte noch drei Tage nach dem Angriff und
-unterhielt sich viel mit du Plessis. Er bat den Letzteren, ihm zu sagen,
-wenn der Tod nahe sein würde. Du Plessis willfahrte seiner Bitte. »Das
-ist ein frühes Ende für eine schöne Laufbahn,« sagte Donop, »aber ich
-sterbe als das Opfer meines Ehrgeizes und der Habsucht meines
-Monarchen.«[4]
-
- [4] Eelking bestreitet die Richtigkeit des letzten Teils der Worte des
- sterbenden Donop.
-
-Die Zahl der bei Redbank gefallenen, verwundeten und gefangen genommenen
-Hessen betrug 379, einschliesslich 22 Offiziere. Die Amerikaner hatten
-37 Tote und Verwundete.
-
-Diese brillante Verteidigung gewährte jedoch nicht andauernd dem Sieger
-die Gewalt über den Fluss. Am 9. November eröffneten die britischen
-Batterien das Feuer auf Fort Mifflin. Das Bombardement dauerte 6 Tage
-und Nächte. Mehr als 12000 Schüsse sollen dabei gefallen sein. Am 15.
-kam auch noch die englische Flotte, um sich an dem Kampf zu beteiligen.
-Ein Kriegsschiff mit 16 Vierundzwanzig-Pfündern und ein grosser Indiaman
-mit 3 Kanonen von demselben Kaliber wurden so nahe an das Fort
-herangebracht, dass man von ihrem Takelwerk Handgranaten
-hineinschleudern konnte. 5 grosse Schiffe hatten auf der andern Seite
-Aufstellung genommen. Die Landbatterien hatten 30 Geschütze. Die
-Blockhäuser des Forts, die gute Dienste geleistet hatten, waren in
-Stücke zerschossen worden. Eine Menge Kanonen waren zum Schweigen
-gebracht. In der Nacht vom 15. zog sich die Besatzung nach Fort Mercer
-zurück. Cornwallis wurde abgesandt, um es einzuschliessen, so dass
-Washington nicht im Stande war, es zu verstärken. Das Fort wurde am 20.
-November verlassen, die Baracken angezündet und die Magazine in die Luft
-gesprengt. Die amerikanischen Schiffe auf dem Flusse wurden ebenfalls
-verbrannt. Cornwallis vervollständigte die Zerstörung des Forts, dessen
-Wälle rasiert wurden.
-
-
-
-
-Kapitel XVII.
-
-Der Rückzug der Briten durch New-Jersey, Januar bis Juli 1778.
-
-
-Philadelphia scheint den Hessen nicht recht gefallen zu haben.
-Wiederhold nennt, nachdem er aus der Gefangenschaft zurückgekehrt ist
-und nach seinem gefühlvollen Abschied in Fredericksburg, die
-Quäker-Stadt »einen Sammelplatz aller Religionen und Nationen, folglich
-ein Mischmasch aller Sekten und Glaubensgenossen, nicht weniger ein
-confluens canaillorum«, und glaubt, »dass es den Städten Sodom und
-Gomorrah in Ansehung aller Laster nichts nachgiebt«.
-
-Ein anderer Offizier beklagt sich über das Klima und sagt, dass die
-Wälder und Moräste das Land ungesund machen. Diesem Beobachter zufolge
-erreichen die Pflanzen und Tiere in Pennsylvanien nicht ihre eigentliche
-Grösse, und die Menschen sind krank und neigen zu Geisteskrankheiten,
-»eine Verrückung der Sinne, die vom gepressten, nicht vom kochenden
-Blut herrührt ... Von 100 Leuten hat nicht einer eine gesunde
-Gesichtsfarbe.« Es ist wahrscheinlich, dass die Schwierigkeit, in der
-halbblockierten Stadt frische Lebensmittel zu bekommen, nicht ohne
-Einfluss auf dieses Urteil gewesen ist.
-
-Philadelphia hat seit 1778 sein Aussehen wahrscheinlich weniger
-verändert als irgend eine andere grosse Stadt der Nord-Staaten. Der
-hessische Offizier lobt die geraden Strassen, die Seitenwege mit breiten
-Steinen, die Dachrinnen und Dächer. Er lacht über die Einfalt der
-Kaufleute, die anzeigen »Tabak, so gut als der bestimportierte«, und
-stellt die Künste und Industrie als noch sehr in der Kindheit begriffen
-hin. Keinerlei Arbeit in Elfenbein, Stahl, Stuck, Knochen, Stickerei
-oder Seide wird gefertigt. »Die Engländer schicken ihnen alles dies, und
-alles, was sie schicken, ist willkommen. Und obendrein ist der
-Amerikaner und besonders der Philadelphier so eingebildet, zu glauben,
-kein Land auf der Erde wäre schöner, glücklicher, reicher oder blühender
-als ihr kaum knospender Staat.« Dies ist jedoch nicht die Ansicht des
-Briefschreibers. »Wollte mir der achtbare Graf Pen das ganze Land gegen
-mein Patent abtreten,« sagt er, »mit der Bedingung, dass ich zeitlebens
-hier wohnen sollte: kaum thäte ich es.«
-
-Anfang Dezember rückte Sir William Howe von Philadelphia ab, um einen
-Entscheidungskampf herbeizuführen. Die Armeen standen sich drei Tage
-lang in der Nähe von Chestnut-Hill, ungefähr 11 Meilen von der Stadt,
-gegenüber. Ihre Märsche, Contremärsche und Plänkeleien deuteten auf
-Vorbereitungen zur Schlacht hin; als aber der englische General merkte,
-dass Washingtons Stellung zu stark war, um sie anzugreifen, zog er sich
-stille wieder nach Philadelphia zurück.
-
-Zwei Fouragierungen wurden im Laufe dieses Monats unternommen, zu dessen
-Ende die britische Armee Winterquartiere bezog. 11 Redouten wurden
-zwischen dem Delaware und Schuylkill gebaut; deren Linie lief die
-Morris-Höhen entlang; jede war von einem Kapitän und 50 Mann besetzt,
-die alle 24 Stunden abgelöst wurden. Die Picketlinie wurde am Schuylkill
-den Provinzialen, am Delaware den hessischen Jägern anvertraut; letztere
-waren bei Holland Ferry und Greenwich Point postiert.
-
-Während Washingtons Armee bei Valley Forge beinahe an allem, was zum
-Leben notwendig ist, Mangel litt, hatten die Briten in Philadelphia
-alles, was sie wollten, und verbrachten den Winter in Ruhe, Gesundheit
-und Fröhlichkeit. Sie lagen dort nicht sehr eng; viele Häuser der
-abwesenden Rebellen wurden zu Barracken benutzt. Ein Teil der Soldaten
-fand bei den Einwohnern, die in der Stadt verblieben waren, Quartier.
-Der Dienst war leicht. Sir William Howe, der bereits um seine Abberufung
-gebeten hatte, war froh und wohlgemut. Die Stadt schien nicht sehr voll
-von Soldaten zu sein. Den Amerikanern gelang es nur insoweit, ihnen die
-Zufuhr abzuschneiden, als durch sie dieselbe sehr verteuert wurde.
-
-Am 18. Mai 1778 wurde für Sir William Howe eine Abschiedsfeier
-veranstaltet, und am 19. und 20. machte dieser General einen
-vergeblichen Versuch, ein Korps von 2500 Mann unter General Lafayette,
-der sich in die Nähe von Philadelphia gewagt hatte, gefangen zu nehmen.
-Am 24. übergab Howe das Kommando an Sir Henry Clinton. Bevor er Amerika
-verliess, sandte er schmeichelhafte Schreiben an die Kapitäns Ewald und
-Wreden von den Jägern.
-
-Inzwischen war in Philadelphia das Gerücht laut geworden, dass der König
-von Frankreich einen Vertrag mit den rebellischen Kolonien abgeschlossen
-hätte, und dass bald eine französische Flotte den Eingang zur Delaware
-Bay bedrohen und die Verbindung zu Wasser mit New-York abschneiden
-könnte. Mit andern Worten, wie die guten Deutschen es sich auslegten:
-»eine starke französische Flotte mit vielen Tausend Landtruppen und
-Kavallerie war von Brest ausgelaufen und nach Amerika unterwegs, unter
-dem Vorwand, Bundesgenossen des Kongress zu sein, in Wirklichkeit aber
-mit der Absicht, auf diesem Kontinent festen Fuss zu fassen.«
-
-Es war das Nahen der französischen Flotte, und gleichzeitig waren es die
-aus England erhaltenen Befehle, welche Sir Henry Clinton veranlassten,
-Philadelphia aufzugeben und sich nach New-York zurückzuziehen. Ein Teil
-der Baggage der Armee wurde an Bord der englischen Schiffe gebracht, und
-ungefähr 3000 Tory-Einwohner bereiteten sich vor, ihren Beschützern zu
-folgen und ihr Heimatland zu verlassen. Die Strassen, welche wie die
-einer deutschen Stadt in glücklicher Zeit ausgesehen hatten, waren nun
-verlassen. Vor vielen Häusern standen Haufen von Möbeln, um versteigert
-zu werden. Die Einwohner gingen mit traurigen Gesichtern einher, manche
-aber frohlockten im Stillen.
-
-Im Laufe des November waren die anspachischen Regimenter von New-York
-nach Philadelphia gebracht worden. Sie wurden nun wieder zu Schiff nach
-New-York befördert, anstatt an dem Marsch durch New-Jersey teilzunehmen.
-Unter den Amerikanern ging das Gerücht, dass der britische Befehlshaber
-sich auf diese beiden Regimenter nicht hätte verlassen können. Die
-Deutschen meinten, dass sie ihre Unfähigkeit im Marschieren bewiesen
-hätten. Es waren die Regimenter, die bei Ochsenfurt gemeutert hatten.
-
-Vom 14. bis 18. Juni 1778 dauerte die Räumung Philadelphias seitens der
-Engländer und Hessen. Trotzdem, dass viel Baggage zur See befördert
-worden war, zählte der Train doch noch 1500 Wagen. Die Schiffe auf den
-Werften und Stapeln wurden verbrannt. Die Amerikaner störten weder diese
-Vorbereitungen, noch bedrängten sie die abziehenden Truppen ernstlich.
-Am 18. Juni begann der Abmarsch der Armee. Der Weg führte über
-Haddonfield, Mount Holly, Monmouth Court House und die Neversink Hills
-nach Sandy Hook. Amerikanische Streifparteien zerstörten die Brücken vor
-der Front der Briten und belästigten Flanken und Rücken der Armee. Die
-Hitze war schrecklich; viele Leute starben am Sonnenstich. Die
-New-Jersey-Moskitos thaten ihre Arbeit derartig, dass die Gesichter der
-Soldaten bis zur Unkenntlichkeit angeschwollen waren. Bis zum 25. Juni
-war beinahe ein Drittel der Hessen infolge der Hitze marschunfähig an
-den Strassenrändern liegen geblieben. Es kamen auch viele Desertionen
-vor.
-
-Es ist merkwürdig, dass es angesichts dieser Schwierigkeiten den
-Amerikanern nicht gelang, den Rückzug erheblich mehr zu erschweren.
-Viele von Washingtons Unterführern hielten es für unangebracht, den
-zurückgehenden Feind anzugreifen. Diese Ansicht war hauptsächlich durch
-Charles Lee vertreten, der als ältester General-Major wohl im Stande
-war, die Ausführung von Washingtons Plänen beträchtlich zu verhindern.
-Das Gefecht von Monmouth Court House war für keinen der beiden Teile ein
-wirklicher Sieg. Die Amerikaner wurden durch Clintons Arrieregarde
-zurückgedrängt und infolge Lees Unfähigkeit und Unthätigkeit beinahe in
-die Flucht geschlagen. Es ist Thatsache, dass Washington seine Leute zum
-Stehen brachte und einen Angriff abschlug, aber der eigentliche Zweck
-dieses Tages wurde nicht erreicht. Clinton setzte seinen Marsch mit dem
-Verlust von kaum einem Wagen fort. In der ersten Woche des Juli
-erreichte die britische Armee Sandy Hook, von wo sie zu Wasser nach
-New-York übergeführt wurde.
-
-
-
-
-Kapitel XVIII.
-
-Newport, vom November 1776 bis Oktober 1779.
-
-
-Im November 1776, als die Unterwerfung des Landes in vollem Gange war,
-detachierte Sir William Howe ungefähr 7000 Mann, von denen etwa die
-Hälfte Hessen waren, zur Besetzung von Newport. Dieses Korps landete
-ohne Gegenwehr und verbrachte drei Jahre in Rhode Island, davon den
-grössten Teil in Unthätigkeit. Nur die letzten Jahre machte sich der
-Mangel an Mehl und Holz fühlbar. Unzweifelhaft konnten die Leute
-irgendwo anders besser verwendet werden. Mit 6000 oder selbst mit 4000
-Mann mehr unter seinem Kommando hätte Clinton wohl erfolgreicher und
-wirksamer auftreten können, als er zum Beistand Burgoynes vorging. Es
-lässt sich aber annehmen, dass, nachdem Sir William Howe Newport in
-Besitz genommen und keinen bessern Gebrauch mit diesen Truppen zu machen
-wusste, er wohl fürchtete, an Prestige zu verlieren, wenn er die Stadt
-wieder aufgeben würde. Im Sommer 1777, vor Eröffnung der Campagne, nahm
-er einige Regimenter aus der Besatzung heraus.
-
-Im Ganzen glaube ich nicht, dass der Dienst in Rhode Island für die
-Soldaten sehr beschwerlich gewesen ist. Wenn auch das Mehl knapp war, so
-war doch Fleisch in Menge vorhanden. Die Bewohner waren zuerst sehr
-scheu und schlossen ihre Familien ganz ab. Auf Shelter Island lief das
-Landvolk bei Annäherung der fremden Eindringlinge weg. Sie glaubten,
-sagt einer, dass die Hessen kleine Kinder aufässen. »Aber mit der Zeit,«
-schreibt ein Offizier, »wurden sie vertrauter mit uns, lernten unser
-gebrochenes Englisch verstehen, zeigten uns ihre Familien und liessen
-ihre Furcht vor uns verschwinden.«
-
-Nachdem man auf guten Fuss mit einander gekommen war, genoss man die
-grösste Behaglichkeit in den gastfreien Häusern von Newport. Die
-Einwohner bewirteten ganz nach englischer Sitte. Alle Gerichte wurden
-auf einmal auf dem Tische aufgetragen. Jeder Gast ass und trank nach
-Belieben, ohne dass er genötigt wurde. Suppe gab es selten, aber es
-standen immer vier oder fünf Sorten Gemüse auf dem Tisch, und
-Kartoffeln gab es zu jedem Gericht. Die Liste der Getränke, welche das
-vor mir liegende Journal enthält, führt auf: Punsch, Cider, starkes
-Bier, Porter, Grog, Madeira, Portwein, Claret, Sherry, Toddy, Sangaree
-und Syllabub. Man trank sich während des Mahles einander zu, und
-richtige Toaste wurden ausgebracht, nachdem das Tischtuch weggenommen
-war. Die Toaste gingen rechts herum, die Flasche zur Linken.
-
-Sir Henry Clinton war der erste Befehlshaber dieses Korps, Lord Percy
-war sein Nachfolger. Letzterer legte das Kommando im Mai 1777 nieder, um
-nach England zurückzukehren. Die Hoffnungen, die ihn nach Amerika
-geführt hatten, waren getäuscht worden, denn man erzählte sich, dass er
-beim Verlassen der Heimat geschworen hätte, nicht ohne den Olivenzweig
-des Friedens zurückkehren zu wollen. Er war beliebt in Newport, und die
-Einwohner sandten ihm eine Ergebenheits-Adresse bei seiner Abreise,
-indem sie ihm eine glückliche und angenehme Reise und eine lang
-andauernde gute Gesundheit wünschten. »Euer Excellenz erhabener Rang und
-Charakter,« fügten sie hinzu, »lassen es unnötig erscheinen, Ihnen
-irgend eine andere Segnung des Lebens zu wünschen.« Als Antwort
-versicherte ihnen seine Lordschaft, dass es die Pflicht und der Wille
-eines jeden britischen und hessischen Soldaten gewesen wäre, alle
-unschuldigen und friedlichen Einwohner zu beschützen.
-
-Die Bewohner von Newport waren mit General-Major Prescott, Lord Percys
-Nachfolger, weniger zufrieden. Sie hatten aber nicht lange unter ihm zu
-leiden. Der General hatte sich als Hauptquartier ein einsames Haus
-ungefähr 4 Meilen von Newport und eine Meile von der nächst gelegenen
-Truppe ausersehen. Betreffs seiner Sicherheit war er nur auf eine kleine
-Wache und ein Schiff angewiesen, welches nicht weit von dem Hause vor
-Anker lag. In der Nacht des 10. Juli 1777, ungefähr um Mitternacht,
-landete eine Abteilung Amerikaner unter Oberst Barton auf zwei
-Walfischbooten beim Redwood Creek, schlich sich über die Felder an
-Prescotts Hauptquartier heran, überwältigte die Wache, brach in das Haus
-ein, zog den General und seinen Adjutanten aus ihren Betten heraus und
-schleppte sie mit sich, ohne ihnen selbst Zeit zu lassen sich
-anzuziehen. Die Boote liefen glücklich Spiessruthen zwischen den
-britischen Schiffen und beförderten die Gefangenen nach Providence.
-
-Das Kommando ging nun an Majorgeneral Pigot über, und die Dinge nahmen
-ihren alten Lauf. Beständig wurden Streifzüge nach den benachbarten
-Inseln und auch auf dem Festland unternommen, um Lebensmittel oder Holz
-zu holen. Ende Juli wurde wegen Mangel an Nahrung in Newport ein
-Transport Frauen und Kinder nach Providence gesandt. Es ist aber nicht
-anzunehmen, dass die Soldaten ernstlich Not gelitten haben. Im Ganzen
-verlief das Jahr 1777 und die erste Hälfte von 1778 ruhig, obwohl die
-Amerikaner manchmal thaten, als ob sie die Insel angreifen wollten.
-Inzwischen hatte Burgoyne Ticonderoga genommen, war auf Albany
-vorgegangen und hatte sich bei Saratoga übergeben. Howe hatte
-Philadelphia eingenommen, Clinton es wieder verlassen; der König von
-Frankreich hatte den Krieg erklärt, und Stunden der Angst waren für die
-kleine Armee in Newport im Anzug.
-
-Am 15. Juli 1778 kam General Prescott, der ausgewechselt worden war, von
-New-York mit Verstärkungen. Unter diesen waren die beiden anspachischen
-Regimenter. Er verkündigte, dass die französische Flotte auf dem Wege
-nach Amerika wäre, und am 29. erschien auch diese Flotte vor Newport.
-Sie wurde von Graf d'Estaing befehligt und bestand aus 5 Schiffen mit 74
-Geschützen, 6 mit 64 und 3 mit 26 Geschützen. Um 11 Uhr morgens lagen
-diese Schiffe vor dem Hafen vor Anker. Die Insel Connanicut wurde
-alsbald von den Deutschen geräumt und von den Franzosen besetzt, die
-dort einige Vorräte, welche man nicht Zeit genug hatte mitzunehmen, in
-Besitz nahmen. Die englischen und hessischen Soldaten erwarteten eine
-sofortige Landung des Feindes auf Rhode Island. Die Stadt war in der
-grössten Verwirrung und die Tories in Verzweiflung.
-
-Der französische Admiral indessen nutzte seinen Vorteil nicht alsogleich
-aus. Es dauerte bis zum 8. August, bis er sich den Eintritt in den Hafen
-erzwang, wozu er die Batterien von Brentons Neck, Kings Fort, Goat
-Island und North Point zu passieren hatte. Die Kanonade dauerte 1-1/2
-Stunden, und das Ende davon war, dass die Flotte bei Connanicut vor
-Anker ging. Nicht ein Mann in der Stadt war verwundet worden, aber die
-Schiffe hatten starken Schaden gelitten.
-
-Die Regimenter, welche ausserhalb Newport gestanden hatten, wurden
-nunmehr herangeholt. General Sullivan war mit einer Rebellen-Armee auf
-Rhode Island gelandet. Die britischen und deutschen Soldaten standen
-wie die Schafe in dichtem Gedränge in der Stadt. Sie waren ganz
-erschöpft von den unausgesetzten Strapazen, denn seit dem Erscheinen
-der französischen Flotte war jeder brauchbare Mann bei den
-Verschanzungs-Arbeiten thätig gewesen. 4 Fregatten und 2 kleinere
-Schiffe waren verbrannt und 1 Fregatte, sowie ein anderes Schiff im
-Meere versenkt worden, um sie nicht in die Hände des Feindes fallen zu
-lassen. In Newport herrschte grosse Besorgnis, aber am 9. August kam
-Hilfe. Eine englische Flotte von 36 Segeln unter Lord Howe erschien vor
-Point Judith. Graf d'Estaing lichtete am nächsten Morgen die Anker, um
-ihm entgegenzugehen, wobei er sich einer scharfen Kanonade von Seiten
-der Strand-Batterien aussetzte. Die englische Flotte wich zurück,
-gefolgt von der französischen. Der 10. war ein Tag der Ungewissheit. Am
-11. erhob sich ein heftiger Sturm, welcher beide Flotten zerstreute.
-
-Die französische war es, welche am ersten wieder in Sicht kam. »Nun war
-alle unsere Hoffnung vergebens,« schreibt der hessische
-Quartiermeister, »wir sahen uns schon in Gedanken, weil unsere Macht
-gegen ein so starkes Korps von der Land- und Seeseite zu schwach war, in
-den Händen unserer Feinde.« Plötzlich, zur Freude und Überraschung der
-Besatzung, segelte die Flotte fort.
-
-Noch eine Woche länger blieb Sullivan vor den Verschanzungen von
-Newport, während seine Miliz-Armee immer mehr zusammenschmolz. Am Abend
-des 28. zog er sich nach dem Nordende der Insel zurück; die Engländer
-folgten ihm am 29. morgens. Die Amerikaner machten jedoch Kehrt,
-versetzten ihren Verfolgern noch einen Schlag und verliessen, ohne
-weiter belästigt zu werden, die Insel. Diese Unternehmung war sehr
-fehlerhaft geleitet worden. Die Verluste in der Affaire vom 29. betrugen
-auf jeder Seite zwischen 200 und 300 Mann; hierunter waren 128 Deutsche.
-Es war gut für die Amerikaner, dass sie sich davon machten, denn am 1.
-September langte Sir Henry Clinton mit einer Flotte und Verstärkungen im
-Hafen von Newport an.
-
-Noch länger als ein Jahr verblieben die Briten und Deutschen zwecklos
-und unthätig auf Rhode Island. Schliesslich im Oktober 1779 wurde wieder
-eine Flotte auf hoher See sichtbar, aber als sie den Sund entlang
-segelte, wurde sie als freundlich erkannt. Es ergab sich, dass sie aus
-Transportschiffen bestand, welche die Besatzung mitnehmen sollte. Sofort
-wurde die Baggage an Bord der Schiffe gebracht, der Vorrat an
-Brennmaterialien aber im Stich gelassen. Das traurige Schauspiel,
-Tory-Familien aus ihrer Heimat fliehen zu sehen, wiederholte sich hier.
-Es waren mehr da, welche mitgenommen werden wollten, als man in die
-Schiffe aufnehmen konnte; manche wurden daher gezwungen da zu bleiben
-und sich der Rache ihrer Nachbarn auszusetzen.
-
-Herzliche Beziehungen waren im Laufe der drei Jahre zwischen den Hessen
-und Bewohnern von Newport entstanden. General Prescott fürchtete, dass
-einzelne Soldaten Lust hätten, da zu bleiben, und gab den Befehl, dass
-an dem Tage, an welchem die Truppen eingeschifft würden, alle Häuser
-geschlossen werden, und sich niemand, besonders keine Frauen, an den
-Fenstern zeigen sollten. Mit klingendem Spiel und fliegenden Fahnen
-marschierten die Regimenter durch die entleerten Strassen und besetzten
-dann die Boote, welche sie nach den Schiffen befördern sollten. Die
-feindliche Besetzung von Rhode Island war beendet.
-
-
-
-
-Kapitel XIX.
-
-Die Umgegend von New-York 1777 bis 1779.
-
-
-Die Geschichte des Revolutionskrieges ist hauptsächlich die Geschichte
-einer Reihe von wichtigen Unternehmungen, welche mit wechselndem Erfolg
-gegen verschiedene Teile von Nordamerika geführt wurden. Die kämpfenden
-Armeen erschienen, fochten und verschwanden wieder. Nur die Stadt
-New-York blieb vom Sommer 1776 bis zum Herbst 1783 von britischen
-Truppen besetzt. Auf dem Land, bis auf einen kleinen Tagemarsch von
-Manhattan Island aus, kehrten die Feindseligkeiten immer wieder. Zu
-keiner Zeit während der ersten fünf Jahre konnten sich die Bewohner der
-Dörfer von Central-New-Jersey oder Südwest-Connecticut sicher fühlen.
-Die Forts am Hudson wurden genommen und wiedergenommen.
-
-Es mag nicht uninteressant sein, an dieser Stelle eine Beschreibung von
-New-York einzuflechten, wie es mit hessischen Augen während der
-britischen Besetzung angesehen wurde. Der folgende Auszug ist einem
-Briefe entnommen, welchen ein Offizier schrieb, der im Sommer 1777 mit
-Verstärkungen herüber gekommen war und dessen erste Eindrücke folgende
-sind:
-
-»Nur um Dir einen Begriff von Amerika, oder vielmehr dem kleinen
-Teilchen von Amerika, so wir jetzo noch inne haben, zu machen: so kann
-ich nicht unterlassen zu rühmen, dass es ein recht schönes, angenehmes
-und ebenes Land, und New-York, obgleich der Teil nach der See zu
-abgebrannt ist, eine der schönsten und pläsantesten Seestädte ist, so
-ich noch gesehen habe. Denn die Häuser sind nicht nur alle englischer
-Façon, regulär und schön gebaut, mithin den wahrsten Palästen ähnlich;
-sondern sie sind auch alle tapeziert und aufs kostbarste ausmöbliert. Es
-ist deswegen Schade, dass dieses Land, welches auch sehr fruchtbar ist,
-von solchen b--schen Menschen bewohnt wird, die vor Wollust und
-Üppigkeit nicht gewusst, was sie haben anfangen wollen, und daher auch
-nichts anderem als ihrem Hochmut ihren Fall zu danken haben. Jeder, der
-bei uns ihre Partei nimmt und glaubt, sie hätten eine begründete Ursache
-zur Rebellion, sollte nur einmal zur Strafe eine zeitlang unter ihnen
-sein und dabei die hiesige Verfassung kennen (denn der schlechteste Mann
-hier kann, wenn er nur etwas thun will, leben wie der reichste bei uns)
-der würde gewiss bald aus einem andern Tone sprechen und mit mir
-einsehen, dass nicht die Not, wohl aber Frevel und Wollust die Ursache
-der ganzen Rebellion sei. Denn obgleich die meisten von verlaufenem
-Lumpengesindel, das von anderen Orten vertrieben worden, abstammen, so
-sind sie doch so hoffärtig hier und treiben aller Orten, zumalen aber in
-New-York einen solchen Staat, als wohl nirgend in der Welt getrieben
-wird. Z. B. so gehen die Weibsleute hier, so fast alle sehr schön sind,
-es seien, Schusters-, Schneiders- oder Tagelöhners-Frauen (deren
-letztere jedoch sehr wenig hier sind, weil fast jeder Mensch einige
-Neger als Sklaven zu seiner Bedienung hat) täglich in zitzenen,
-nesseltuchenen und seidenen Schlendern. Welcher Staat denn, da sie das
-viele Geld von den Truppen lösen, indem sie nicht ein Salzkorn umsonst
-zu geben brauchen, täglich zunimmt. Wobei dann nichts ärgerlicher ist,
-als dass diesem Volke, welches im Grunde noch lauter Rebellen sind, von
-den Soldaten auf expressen Befehl des Königs nicht nur auf das Artigste
-muss begegnet werden, sondern auch, wie schon gedacht worden, nicht ein
-Salzkorn umsonst abgefordert werden darf. Es müssten daher auch die
-armen Soldaten Hungers sterben, wenn ihnen nicht täglich für 3 Pences
-die Schiffskost geliefert würde, welche täglich aus 1 Pfund Zwieback,
-eingesalzenem aber fast ungeniessbarem Schweinefleisch, einigen muffigen
-Erbsen, etwas Hafermehl und etwas Rum besteht, welches sie dann,
-obgleich sehr viele davon ungesund werden, erhalten muss.«
-
-Bei den Scharmützeln und kleineren Unternehmungen um New-York herum
-waren die Hessen im Allgemeinen beteiligt und es mag der Mühe wert sein,
-einen Blick auf einige dieser Ereignisse zu werfen, bevor wir uns zu den
-wichtigeren Operationen in den Süd-Staaten wenden, durch welche das
-Schicksal des Landes schliesslich entschieden wurde.
-
-Im zweiten Teil des August 1778 wurde das Jäger-Korps auf den Spyt den
-Duyvels Hills, bei Courtland's Plantation postirt. In der Frühe des 31.
-August wurde ein Kapitän mit 150 Jägern, von denen 15 beritten waren, zu
-einer Rekognoszierung gegen Phillips House vorgeschickt. Sie hatten kaum
-eine halbe Stunde Weg zurückgelegt, als sie von einer Abteilung
-Amerikaner und Indianer unter dem Chevalier Armand, welcher sich in
-einer Schlucht rechts von der Strasse in Hinterhalt gelegt hatte,
-überrascht wurden. 16 Jäger wurden getötet, verwundet oder gefangen, die
-Übrigen entkamen. Oberst von Wurmb, welcher das Jäger-Korps
-kommandierte, eilte zur Unterstützung des Detachements, sobald er das
-Feuern hörte, herbei, aber Chevalier Armand zog sich mit seinen
-Gefangenen zurück und überschritt den Phillips Manor bei East Chester,
-wo die Oberstlieutenants Cathcart, Simcoe und Emmerich mit ihren
-leichten Truppen standen.
-
-Die Oberstlieutenants erfuhren, dass Armand im Anrücken sei und
-bereiteten sofort einen Hinterhalt vor. Simcoe und Cathcart auf dem
-rechten und linken Flügel, zogen ihre Infanterie in die Wälder zurück
-und stellten sich so auf, dass sie das Defilee beherrschten, welches die
-Amerikaner und Indianer passieren mussten. Emmerichs Infanterie hatte
-Aufstellung genommen, um den Angriff zu erwarten, mit dem Befehl, sich
-vor dem Feinde zurückzuziehen. Emmerich hatte sich mit der Kavallerie
-hinter einem Hügel aufgestellt, um sich auf den angreifenden Feind zu
-werfen, sobald er in die Falle gegangen wäre. Kapitän Ewald war mit zwei
-Kompagnien Jäger von Oberstlieutenant von Wurmb zur Unterstützung von
-Emmerichs Infanterie vorgeschickt worden.
-
-Der Plan der Oberstlieutenants war mit Erfolg gekrönt worden. Ungefähr
-um 4 Uhr nachmittags erschienen die Amerikaner und Indianer auf dem
-Gefechtsfeld. Emmerichs Plänkler zogen sich vor ihnen zurück und lockten
-sie in ein Feld von indianischem Korn, wo sie plötzlich in Front, Rücken
-und beiden Flanken angegriffen wurden. Alle Indianer mit Ausnahme von
-einem, welcher den Hergang erzählen sollte, wurden getötet. Sie gehörten
-dem Stockbridge-Stamme an und wurden von Sachem Neham geführt. Ungefähr
-50 Amerikaner wurden gefangen genommen, Armand aber entkam mit einigen
-anderen durch die Büsche.
-
-Eelking bemerkt bei dieser Gelegenheit, dass dies ein Beweis ist, dass
-die Amerikaner die Verwendung von indianischen Bundesgenossen in diesem
-Kriege ebensowenig verschmähten als die Briten. Man muss aber wohl einen
-Unterschied machen zwischen der Verwendung von Indianern gegen britische
-und deutsche Soldaten, wie sie von Seiten der Amerikaner geschah, und
-der Entsendung derselben gegen die Bewohner von einsamen Farmhäusern und
-unbeschützten Gehöften, wie es beständig von den Dienern des Königs
-gehandhabt wurde. Der Stockbridge-Stamm soll durch diese Expedition, wie
-gesagt wurde, so sehr gelitten haben und so völlig entmutigt worden
-sein, dass er keinen weiteren Anteil an dem Kriege nahm.
-
-Ewald beschränkte sich nicht nur auf Erzählungen, welche den Ruhm der
-eigenen Partei verherrlichen. Neben Berichten über Trenton, Redbank und
-andern wichtigen Begebenheiten, bei welchen Hessen oder Engländer
-geschlagen wurden, behandelt er in einem besondern Kapitel die kühnen
-und glücklichen Streiche, die von kleinen Abteilungen Amerikaner geführt
-wurden. So erzählt er uns, wie im Frühjahr 1777 die Briten eine grosse
-Menge Fourage in Sag Harbor auf Long-Island angesammelt hatten und wie
-in Beziehung hierauf Colonel Meigs von Guilford in Connecticut mit
-weniger als 200 Mann in Walfisch-Booten aufbrach. In einer stürmischen
-Nacht gingen sie über den Sund, zogen ihre Boote über das Land, setzten
-sie von neuem aus, landeten bei Sag Harbor, überfielen die Wache,
-zerstörten die Vorräte, verbrannten mehrere Schiffe, nahmen eine Anzahl
-Engländer gefangen, bestiegen ihre Boote wieder und erreichten glücklich
-Guilford. Eine ähnliche Landung wurde in der Cow Bay im November 1780
-bei hellem Tage ausgeführt. Im Jahr 1781 wurde ein braunschweigischer
-Major von seinem Quartier auf der Nordseite von Long-Island
-weggeschleppt. Es war in der That zur Gewohnheit geworden, dass kleine
-Häuflein Amerikaner auf der Insel landeten, die englischen und deutschen
-Soldaten ärgerten und die Tories plünderten. Diese Streifzüge wurden mit
-grosser Kühnheit ausgeführt und bilden, Ewald zufolge, eine vollkommene
-Widerlegung der Anschuldigungen wegen Mangels an Mut in diesem Kriege,
-die einigemal gegen die Amerikaner erhoben worden sind. »Der, welcher
-gegen diese Nation gekämpft hat,« sagt er, »wird von dem Gegenteil
-überzeugt sein und wird nicht mit Verachtung von ihr reden.«
-
-Ewald erzählt mit grosser Bewunderung die schneidige Wegnahme von
-Stony-Point durch die Amerikaner unter Anthony Wayne am 16. Juli 1779.
-»Verdienen diese Menschen nicht bewundert zu werden, welche noch vor
-etlichen Jahren Rechtsgelehrte, Ärzte, Geistliche oder Landwirte waren,
-die in so kurzer Zeit sich zu vortrefflichen Offizieren bildeten, die so
-viele von unserm Stande beschämen, welche unter den Waffen grau
-geworden, und denen himmelangst werden würde, wenn sie zur Ausführung
-eines solchen Plans den Auftrag erhielten? Man wird mir vielleicht
-antworten, dass diese Menschen von Natur mit grossen Talenten zum Krieg
-begabt worden sind. Dieses kann wohl der Fall bei einem oder dem andern
-sein, aber im Ganzen ist die Natur mit ihren Ritterschlägen nicht so
-verschwenderisch. Man erlaube mir, diese Leute erwählten nicht den
-Kriegsdienst als einen Zufluchtsort, so wie ihn gewöhnlich der Adel
-wählt, nicht als ein Zuchthaus für einen ungeratenen Sohn, der auf
-Akademien nichts hat lernen wollen, wie oft der Fall bei denen von
-bürgerlichem Stande ist; sondern sie wählten diesen Stand mit dem festen
-Vornehmen, sich auf alle Art zu beeifern, ihrem Vaterlande mit Nutzen zu
-dienen und sich durch Verdienste hervorzuthun. In Erstaunen bin ich
-manchmal geraten, wenn während dem damaligen Kriege etwas Gepäck von den
-Amerikanern uns in die Hände fiel, wie jeder elende Schnapsack, in
-welchem oft nur einige Hemden und ein Paar zerrissene Beinkleider
-steckten, mit militärischen Büchern angefüllt war, z. B. die Instruktion
-des Königs von Preussen an seine Generale, Thielkes Feld-Ingenieur, die
-Parteigänger Jenny, Grandmaison und dergleichen mehr, die alle in die
-englische Sprache übersetzt waren, sind mir hundert mal durch unsere
-Leute in die Hände geraten. Dieses war eine wahre Anzeige, dass der
-Offizier in dieser Armee im Lager den Krieg studiert, welches nicht der
-Fall bei den Gegnern der Amerikaner war, wo man wohl eher die
-Mantelsäcke mit Puderbeuteln, wohlriechenden Pomadenbüchsen, Karten
-(keine Land-, sondern Spielkarten), und dann wohl obendrein manchmal
-mit einigen Romanen oder Schauspielen angefüllt fand.«
-
-Die Briten behielten zwei oder drei Plätze auf der Westseite des Hudson
-in fortwährendem Besitz. Einer dieser Plätze war Paulus Hook, jetzt
-Jersey City. Der Hook war eine aus steinigen, felsigen Bergen bestehende
-Halbinsel und teils vom Hudson, teils von einem Sumpf, der von Bächen
-und Gräben durchschnitten war, umgeben. Die Stellung, die durch sich
-selbst stark war, war mit Palisaden, Blockhäusern und Redouten
-befestigt. Sie war von einem Bataillon New-Jersey-Tories unter
-Oberstlieutenant Bushkirk besetzt.
-
-Am 18. August 1779 wurde eine Abteilung von 40 Hessen mit 2 Offizieren
-übergesetzt, um die Besatzung von Paulus Hook zu verstärken, und um 9
-Uhr abends an jenem Tag brach Bushkirk zu einer Unternehmung gegen die
-ungefähr 14 Meilen entfernte neue Brücke über den Hackensack auf.
-Inzwischen näherte sich Major Henry Lee von Virginia mit ungefähr 300
-Mann, unterstützt von Lord Stirling mit weiteren 500 Mann, der neuen
-Brücke von der entgegengesetzten Richtung her, unter dem Vorwande zu
-fouragieren. Stirling machte hier Halt, Lee aber kam während der Nacht
-bis an Paulus Hook heran, indem er an Bushkirk unbemerkt vorbeigegangen
-war. Lee entsandte einen Offizier mit einer kleinen Abteilung gegen das
-Fort, um zu rekognoszieren. Der Offizier meldete, dass die Besatzung
-unbewacht zu sein scheine. Lee ging darauf mit seinem Detachement vor.
-Sie durchwateten die Gräben, drangen in das Fort ein und überfielen eine
-Anzahl Provinziale, die in einem Blockhaus schliefen. Darauf näherten
-sie sich dem zweiten Blockhaus, das von einer kleinen Abteilung Hessen
-besetzt war. »Wer da!« rief der Posten. »Stony Point!« antworteten die
-Amerikaner. Der Posten feuerte und machte dadurch Alarm, aber der das
-Blockhaus befehligende Unteroffizier musste sich mit 10 oder
-15 Mann ergeben. Lee überfiel und besetzte darauf die Haupt-Redoute, und
-der ganze Paulus Hook schien ihm schon zu gehören. Da hatten indessen zu
-ihrem Glück ungefähr 25 Hessen ihren Verstand und ihre Geistesgegenwart
-beisammen. Sie warfen sich in eine kleine Redoute, wo sie sich mit ihrem
-Kapitän und Major Sutherland, dem Kommandeur des Postens, vereinigten,
-und weigerten sich zu ergeben. Lee, der nicht gewusst hatte, dass sich
-Hessen in dem Fort befanden und der wahrscheinlich ihre Zahl überschätzt
-hatte, machte sich, noch ehe es Tag wurde, davon, ohne selbst die
-Kanonen zu vernageln oder das Kriegs-Material zu zerstören. Er nahm
-ungefähr 150 Gefangene mit. Lee hatte den Befehl erhalten, nicht zu
-versuchen, den Platz zu behaupten, und ein beschleunigter Rückzug war
-nötig, um nicht abgeschnitten zu werden; die 25 Hessen hatten aber
-jedenfalls durch ihr tapferes Verhalten die Wegnahme oder die Zerstörung
-der Vorräte und Werke in dem Fort verhindert und ihre Partei vor der
-Schmach einer vollkommenen Niederlage gerettet.
-
-[Illustration: PLAN VON DEM ÜBERFALL
-
-eines englischen Postens auf PAULUS HOOK in der Provinz New Jersey um
-1/2-2 Uhr in der Nacht vom 18. zum 19. October 1779.
-
---< _Erklärung umseitig._ >--]
-
- A. Annäherung und Stellung der Rebellen auf den Höhen
- von Bergen zur Deckung des Rückzuges.
-
- B. Angriff auf die Brücke und Blockhaus 1, 2 und 3 und
- auf das Fort C das mit 7 Sechspfündern armiert war,
- die aber nicht zu Schuss kamen.
-
- D. Barracken, in denen die 110 Mann starke englische
- Besatzung gefangen genommen wurde.
-
- E. Schanze, welche ein hessischer Hauptmann, 1 Offizier
- mit 25 Mann besetzt hielt, woraufhin die Rebellen bei
- Tagesanbruch mit ihren Gefangenen den Rückzug antraten.
-
-
-
-
-Kapitel XX.
-
-Wiederholds Reise. Eine Episode -- September 1779.
-
-
-Am 4. September 1779 erhielten die Regimenter von Knyphausen und von
-Lossberg Befehl, sich mit all' ihrer Baggage und allen transportfähigen
-Kranken zur Einschiffung bereit zu halten. Ihr Bestimmungsort war
-Quebec, wovon die Truppe aber damals nichts wusste. Die Regimenter
-Knyphausen und Lossberg waren zwei von denen, die bei Trenton in
-Gefangenschaft geraten waren. Alle, die bei dieser Gelegenheit gefangen
-genommen waren, wurden wieder ausgewechselt, und die beiden Regimenter,
-deren Überreste zu einem kombinierten Bataillon formiert worden waren,
-traten nun wieder selbstständig auf.
-
-Wiederhold hatte eine Stelle als Kapitän im Regiment von Knyphausen
-erhalten. Die beiden Regimenter waren am 8. September auf 6 Schiffen
-untergebracht worden. Wiederholds Quartier war auf dem Triton, einer
-Brig, die mit 6 kleinen Kanonen und 2 swivels (ganz kleine Kanonen, die
-auf Gabeln ruhen) armiert. Die Brig war überfüllt und sehr unbequem
-eingerichtet, und hatte zuerst eine Bemannung von 7 Mann,
-einschliesslich des Kapitäns, Kochs und Stuarts. An Hessen befanden sich
-an Bord ein Oberstlieutenant, der krank war, 2 Kapitäns, 1 Lieutenant, 1
-Fähnrich und 1 Arzt, und beinahe 2 Kompagnien Infanterie.
-
-Die Brig ging am Abend des 9. September in See, kam aber sofort in einen
-starken Wind (gale) hinein und wurde von der Flotte getrennt. Der
-Kapitän, der keine Befehle wegen seines Reiseziels bekommen hatte, war
-genötigt, am Morgen des 10. wieder nach Sandy Hook zurückzusteuern. An
-jenem Tag kam ein Schiff in Sicht, und es wurden Vorbereitungen zum
-Angriff getroffen, für den Fall, dass es ein amerikanischer Privateer
-sein sollte. Die Kanonen wurden gereinigt und geladen, und 1
-Unteroffizier mit 6 Mann mit ihrer Bedienung betraut. Das Schiff erwies
-sich jedoch als ein freundliches, ein Transportschiff mit Teilen des 44.
-englischen Regiments an Bord. Der Triton segelte in Gemeinschaft mit
-diesem Schiff weiter und vereinigte sich am Morgen des 11. mit der
-Transport-Flotte, die aus 23 Transportschiffen und Handels-Schaluppen
-bestand und von 2 kleinen Schiffen mit 20 und 14 Kanonen bedeckt wurde.
-Von einem dieser Schiffe erhielt der Triton noch 2 Matrosen -- junge,
-unerfahrene Burschen.
-
-Die Flotte stach sofort nach Ankunft des Triton in See, und am 11. und
-12. verlief alles gut. Am 13. aber trat stürmisches Wetter ein, welches
-den 14. über andauerte. Am 15. nahm der Wind noch mehr zu und wurde des
-Abends zu einem wahren Orkan. Die Flotte wurde vollkommen zerstreut, die
-Nacht war stockfinster. Ungefähr um 9 Uhr abends brach der Hauptmast
-unter der untersten Querstange ab, und bevor dieser mit seinem Tauwerk
-gänzlich weggeräumt war, brach der Vordermast kurz über dem Verdeck ab
-und stürzte über Bord. Die Brig wurde nun, den Wellen preisgegeben, hin
-und hergeworfen und lag oft ganz auf der Seite. Während der Kapitän im
-Begriff war, ein Kajütenfenster mit einem darklight (Totenfenster) zu
-vernageln und Wiederhold mit einem Licht zu seiner Hilfe bei ihm stand,
-stürzte eine Welle mit solcher Gewalt hinein, dass beide kopfüber in die
-Kajüte geworfen wurden.
-
-Darauf entstand eine neue Gefahr. Auf dem Deck hatte sich eine Kanone
-nach der andern losgerissen, rollte hin und her und stürzte schliesslich
-über das Geländer in die See. Vier davon gingen nacheinander auf diese
-Weise verloren, nahmen sogar den grossen eisernen Kessel noch mit, der
-gross genug war, um für die ganze Schiffsbesatzung darin zu kochen. Die
-fünfte Kanone öffnete sich selbst durch Hin- und Herrollen die hatch
-(eine Öffnung im Verdeck), hob sich von ihrer Lafette ab und stürzte
-durch diese Öffnung in den untern Schiffsraum, wo sie auf eine dem
-Kapitän Wiederhold gehörende grosse Kiste fiel, die Wein, Spiritus,
-Essig, Senf und dergleichen enthielt. Die Kiste und ihr Inhalt wurde in
-tausend Stücke zerschmettert, aber sie hatte dem fallenden Geschützrohr
-Einhalt gethan und den Boden der Brig vor einer schweren Beschädigung
-bewahrt.
-
-Die sechste Kanone aber, gerade über der Kajüte auf dem Hinterdecke,
-rollte noch immer hin und her und hatte bereits das Steuerrad und alles
-was ihr in den Weg kam, zertrümmert. Vier von den Matrosen konnten oder
-wollten nicht mehr arbeiten und hatten sich in ihre Betten gelegt.
-Niemand anders wollte sich, aus Furcht zerquetscht zu werden, der
-Kanone nähern. Die Soldaten lagen unter Seufzen, Weinen oder Beten umher
-und erwarteten ihr letztes Stündlein. Der Oberstlieutenant war zu krank,
-um irgend etwas zu thun. Wiederhold versuchte nun seine Leute zu
-ermutigen und sagte ihnen, dass Gott, der sie in dieser grossen Gefahr
-schweben liesse, sie auch wieder daraus erlösen könnte, wenn jeder nur
-thun wollte was er könnte, zuerst versuchen zu helfen, die Kanone über
-Bord zu werfen und dann an den Pumpen zu arbeiten, um das Schiff
-wenigstens bis zum andern Morgen über Wasser zu halten; dann würde ihnen
-der Himmel wohl Hülfe senden und entweder besseres Wetter oder ein
-Schiff zu ihrer Erlösung schicken.
-
-Wiederholds eindringliches Zureden war zuerst erfolglos. Einige der
-Soldaten »waren ganz wie verstockt, andere antworteten sie seien krank.«
-Wiederhold stellte ihnen vor, dass er selbst schon seit vier Wochen am
-kalten Fieber litte, trotzdem hätte er, da niemand zur Rettung etwas
-beitragen wollte, sich herausgemacht, um etwas für die Erhaltung aller
-zu thun. Er zweifelte auch nicht, sagte er, dass Leute unter ihnen
-wären, die mehr Kräfte als er und so viel Liebe für ihn hätten, dass sie
-ihm folgen würden und thun, was er ihnen sagte. Er versprach, bei ihnen
-auf dem Verdeck zu bleiben, selbst Hand anzulegen und ihr Schicksal zu
-teilen, in der Hoffnung das Schiff und alles an Bord zu retten. Noch
-wollte niemand folgen, bis Wiederhold schliesslich rief: »Ist denn gar
-kein Unteroffizier da, der gesund ist, der Ambition und ein hessisches
-Herz hat, dass der mir folgen und helfen will?« Hierauf kamen ein
-Sergeant und zwei Korporals, denen etwa 15 bis 20 Mann folgten. »Nun
-wohlan,« sagt Wiederhold, »kommt, lasst uns erst die Kanone in die See
-zu schmeissen suchen.« Nach mehreren Versuchen, bei welchen sie in
-beständiger Gefahr waren zerquetscht zu werden oder mit der Kanone über
-Bord zu gehen, gelang es ihnen, ihrer Herr zu werden und sie über Bord
-zu werfen. Hierbei wurde einem Soldaten der Arm zweimal gebrochen und
-Wiederholds kleiner Finger zerquetscht.
-
-Nun fing die Arbeit an den Pumpe an, in Ablösungen von 4 Mann. Jede
-Ablösung konnte es aber nur jedesmal 6 oder 8 Minuten aushalten und
-mussten sich entweder anbinden oder an dem Stumpf des grossen Mastes
-festhalten, um nicht von den Wellen weggespült zu werden. Gegen 3 oder 4
-morgens aber brach die Pumpe und konnte in der Dunkelheit nicht
-ausgebessert werden, so dass sie sich mit Ausschöpfen vermittelst eines
-Eimers behelfen mussten, bis es Tag wurde und sie die Pumpe wieder in
-Stand setzen konnten.
-
-Während die Leute in der Dunkelheit arbeiteten, fiel ein Mann über Bord,
-erfasste aber im Fallen ein Tau und rief und schrie um Hilfe. Niemand
-konnte ihn sehen oder wusste, wo er war. »Wo bist du denn,« fragte
-Wiederhold. »Hier hänge ich an dem Schiff und wenn ihr mir nicht bald
-helft, so kann ich mich nicht länger halten, muss in die See fallen und
-ersaufen.« Seine Kameraden suchten an ihn heran zu kommen, aber bevor
-sie ihn erreichen konnten, war eine Welle geschwinder als sie und spülte
-ihn wieder an Bord; und Wiederhold sagt in seinem Tagebuch »er lebt noch
-und ist gesund.«
-
-Während aller dieser Arbeit bemerkte Wiederhold, dass der
-Schiffs-Kapitän und einige Bootsleute mit einer Laterne um die auf dem
-Schiffe befestigten Boote herumgingen und versuchten, wie er glaubte,
-eins davon los zu machen. Wiederhold fragte den Kapitän, was er denn da
-mache. »O, nichts,« antwortete dieser, »ich sehe nur, ob sie fest genug
-sind.« Unter irgend einem Vorwand bat ihn Wiederhold darauf, ihm die
-Laterne für einen Augenblick zu leihen, und nachdem er sie hergegeben
-und dieselbe einem Soldaten eingehändigt hatte, nahm Wiederhold den
-Kapitain am Arm, führte ihn in die Kajüte hinunter und setzte ihn dort
-in Arrest unter Bewachung von zwei Offizieren. Dies geschah aus
-Besorgnis, dass der Kapitän mit seinen Matrosen sich von der Brig
-heimlich entfernen und die Soldaten ihrem Schicksal überlassen könnten.
-Bei Tagesanbruch fand man die Boote von den Wellen völlig zerstört. Sie
-wurden über Bord geworfen und der Schiffs-Kapitän wurde wieder in
-Freiheit gesetzt.
-
-Am 16. September lies der Wind etwas nach und am 17. klärte sich der
-Himmel auf. Die Beobachtungen, die man um Mittag anstellte, ergaben 37°
-19' nördlicher Breite, so dass die Brig bis auf die Höhe der Kaps von
-Virginien nach Süden hin getrieben war. Von der Länge hatten sie keine
-Ahnung.
-
-Die losgerissenen Segelstangen, Taue und das zerbrochene Geländer wurden
-nun weggeräumt und der Schiffsboden untersucht, aber kein Leck darin
-gefunden. Die Soldaten kamen an Deck und trockneten ihre Kleider, denn
-sie hatten keinen trockenen Faden an sich, selbst nicht in ihren
-Tornistern, alles war mit Salzwasser und Schlamm durchnässt. Die
-Matrosen befestigten an dem Stumpf des Hauptmastes einen Hilfsmast, und
-Tags darauf noch einen am Vordermast.
-
-Am 19. wurde von den Mannschaften eine Betstunde abgehalten, um Gott für
-ihre Errettung aus Sturm und Not zu danken. Es wurde ein Lied gesungen
-und der 107. Psalm vorgelesen. Selbst die Matrosen, die kein Wort von
-dem, was die Deutschen redeten, verstanden, waren sehr andächtig und
-beteten für sich.
-
-Der Triton nahm langsam seinen Weg in nördlicher Richtung und hatte
-leidliches Wetter. Einige Schiffe kamen in Sicht, keins aber kam ihnen
-zu Hilfe. Wiederhold ersann einen Plan, wie er mit seinem kaum lenkbaren
-Wrack einem Privateer, der ihn angreifen würde, Widerstand leisten
-könnte. Er nahm sich vor, seine Leute unter Deck verborgen zu halten,
-eine Bootladung Amerikaner an Bord des Triton zu locken und sie dann
-gefangen zu nehmen. Der Privateer würde dann aus Besorgnis, seine
-eigenen Leute zu treffen, nicht feuern und das Schiff auch nicht
-ersteigen können wegen der überlegenen Zahl an Hessen. Es war vielleicht
-ein Glück für Wiederhold und die Seinigen, dass die Umstände es
-verhinderten, diesen ingenieusen Plan zur Ausführung bringen zu suchen.
-
-Am Morgen des 25. September kamen die Kaps des Delaware in Sicht. Da sie
-nun genau wussten, wo sie waren, so gingen sie wieder weiter in See, um
-den Privateers aus dem Wege zu gehen. Der Wind war gut und die Hessen
-hofften Sandy Hook in achtundvierzig Stunden zu erreichen. Der Morgen
-des 26. war sehr schön. Bei Tagesanbruch wurden zwei Schiffe in einiger
-Entfernung gesehen. Wiederhold sprang voller Freude in die Kajüte und
-berichtete dem Oberstlieutenant und den anderen Offizieren das Gesehene.
-Alle zogen sich an und eilten an Deck, in der Hoffnung, dass es Schiffe
-seien, die von New-York ausgeschickt wären, um vor dem Hafen zu kreuzen
-und den Schiffen Hilfe zu leisten, die bei dem letzten Sturme Schaden
-gelitten hätten. Die fremden Schiffe segelten auf den Triton los und
-stellten sich als einen Schooner und eine Schaluppe heraus. »Aber o! wie
-sahen wir uns in unserer Hoffnung betrogen,« ruft Wiederhold aus, »denn,
-nachdem sie so nahe kamen und sie ihre aus 13 Streifen bestehende Flagge
-wehen liessen, so war unsere Freude in Leid verwandelt.«
-
-Der Schooner hatte 14 Geschütze und hiess »Mars«. Die Schaluppe, Comet
-genannt, hatte 10 Geschütze und wurde von Kapitän Decatur kommandiert.
-Um 8 Uhr morgens lagen beide mit den Breitseiten am Triton. Sie
-erteilten dem Kapitän des letzteren Befehl, ein Segel herabzulassen und
-das Steuerruder am Steuerbord anzubinden. Sodann schickte jeder
-Privateer 1 Offizier und 5 Mann an Bord; der Mars nahm den Triton ins
-Schlepptau und brachte ihn in die Barnegat Bucht, wo er vor Anker ging.
-Der Mars, welcher den Kapitän und mehrere Seeleute des Triton an Bord
-genommen hatte, geriet zwischen Klippen und kenterte. Nur zwei von der
-Bemannung ertranken; alle hatten schwimmen müssen, um sich zu retten.
-Dies ereignete sich auf zwei Kanonenschussweiten von dem Fleck, wo der
-Triton vor Anker lag. Der Kapitän des Mars hatte vorher befohlen, dass
-der hessische Oberstlieutenant auch an Bord kommen sollte,
-glücklicherweise aber war er durch sein Kranksein daran gehindert.
-
-Am 29. September wurde der Triton nach dem Little Egg-Hafen gebracht.
-Hier wurden die Gefangenen ausgeschifft. Sie kamen durch Philadelphia
-und wurden schliesslich in Reading einquartiert. Die Offiziere wurden
-ausgewechselt und kehrten im Dezember 1780 nach New-York zurück.
-
-Von den 6 Schiffen, in welchen die Regimenter von Knyphausen und
-Lossberg untergebracht waren, kehrte eins mit seiner Besatzung glücklich
-nach New-York zurück; über das Schicksal von einem habe ich nichts
-Bestimmtes ausfindig machen können; eins wurde mit Mann und Maus vom
-Meere verschlungen; zwei wurden durch den Sturm seeuntüchtig gemacht und
-nachher von amerikanischen Privateers genommen.
-
-Das noch übrige (sechste) Schiff, der »Badger«, mit einer Abteilung des
-Regiments Lossberg, verlor seinen Vorder-und Hauptmast im Sturm. Es
-wurde dann von zwei kleinen Privateers angegriffen, die sie zwei Tage
-lang verfolgten und beschossen, dann aber wegen der entschlossenen
-Haltung der Hessen wieder abziehen mussten. Am 9. Oktober jedoch griff
-ein Privateer mit 12 Geschützen den Badger an, und letzterer, der keine
-Kanonen hatte, war gezwungen sich zu ergeben. Ein Lieutenant, drei
-Fähnriche und 20 Mann, sowie die gesamte Ausrüstung der übrigen Hessen
-wurden an Bord des Privateer gebracht. Letzterer scheint zunächst den
-Badger, auf dem ein hessischer Kapitän, der krank war, mit einem Arzt
-und den meisten Gemeinen verblieben, noch in seiner Gewalt behalten zu
-haben. Den Journalen nach steht fest, dass die Fregatte Solebay am
-folgenden Tag den Badger von dem Privateer befreite und glücklich nach
-New-York brachte.
-
-
-
-
-Kapitel XXI.
-
-Savannah, Charleston und Pensacola, 1778 bis 1781.
-
-
-Das Bündnis zwischen Frankreich und den Vereinigten Staaten erhöhte die
-Möglichkeit der schliesslichen Unabhängigkeit der letzteren. Es war
-deshalb wichtig, den Amerikanern so viel Gebiet als möglich streitig zu
-machen, wenn auch nicht ihre Haupt-Armee vernichtet werden könnte. Lord
-George Germaine hoffte, dass die dünn bevölkerten südlichen Provinzen
-schnell zum Gehorsam zurückzubringen wären und dass die königliche
-Autorität vom Golf von Mexico bis zum Susquehanna-Fluss hergestellt
-werden würde.
-
-Ein weiterer Vorteil sollte dadurch gewonnen werden, dass man die Nord-
-und Südstaaten gleichzeitig besetzte. Der Sommer und Herbst waren die
-Zeit der Thätigkeit in den ersteren, Winter und Frühjahr in den
-letzteren. Der britische General, der seine Truppen zur See befördern
-konnte, brauchte nur, wenn das Wetter die Operationen behinderte, in den
-betreffenden Landesteilen soviel Truppen zurückzulassen, als zur
-Verteidigung nötig waren, und behielt so überall das Übergewicht,
-welches sehr wichtig war.
-
-Am 6. November 1778 wurden ungefähr 3500 Mann unter Oberstlieutenant
-Campbell in New-York eingeschifft. Zwei hessische Regimenter nahmen an
-dieser Expedition teil. Die Transportschiffe wurden durch schlechtes
-Wetter am Auslaufen verhindert und konnten nicht vor dem 27. Sandy Hook
-verlassen. Sie erreichten Savannah erst am 24. Dezember nach stürmischer
-Überfahrt. Die Truppe landete am 29. und schlug einige 800 Amerikaner,
-die den Versuch machten, Widerstand zu leisten, töteten und verwundeten
-ungefähr 80 und machten 400 Gefangene. Beinahe 50 Kanonen, beträchtliche
-Vorräte und mehrere Schiffe fielen in die Hände der Briten, deren
-Verlust, eingerechnet Hessen und Tories, 20 Mann tot und verwundet
-betrug.
-
-Die Stadt Savannah bestand aus ungefähr 600 leicht gebauten Häusern. Die
-meisten Einwohner waren mit den Rebellen weggelaufen und hatten soviel
-Sachen mitgenommen, als sie nur tragen konnten. Mahagonie-Möbel lagen
-zerbrochen in den Strassen -- ein trauriger Anblick. Die Hessen, erzählt
-man, hätten nicht geplündert, wie die andern Truppen. Sie waren in den
-neuen Baracken der Stadt einquartiert.
-
-Im Januar langte General Prevost von St. Augustin an, um den Befehl über
-die Armee zu übernehmen. Darauf begann die zahllose Reihe von Märschen,
-welche diese südliche Kampagne auszeichnete. Augusta wurde besetzt, dann
-wieder aufgegeben. General Lincoln ging mit einer amerikanischen Armee
-gegen Augusta vor, General Prevost entschlüpfte ihm aber heimlich und
-bedrohte Charleston. Lincoln kehrte von Georgia zurück und Prevost zog
-sich nach Johns Island an der Küste von Süd-Karolina zurück.
-Schliesslich wurde Beaufort eingenommen und Johns Island von den Briten
-verlassen, deren Haupt-Armee nach Savannah zurückkehrte.
-
-Während dieses Feldzuges ereigneten sich eine oder zwei Begebenheiten,
-die besonders die Hessen betrafen. An einem Fleck, Stono Ferry genannt,
-war ein kleines Befestigungswerk errichtet worden, ursprünglich ein
-Brückenkopf. Es war von Johns Island durch eine Wasserstrasse getrennt,
-und die Brücke, welche es einst deckte, war abgebrochen worden. Das
-Befestigungswerk war von dem Regiment von Trümbach, einem Bataillon
-Hochländern, im Ganzen 500 Mann, besetzt. Dieser Posten wurde am 19.
-Juni 1779 von Lincolns Armee angegriffen. Die Hessen wichen zuerst
-zurück, wurden aber von den Hochländern unterstützt. Sie sammelten sich
-und gingen wieder vor. Die Amerikaner zogen sich dann bei dem Herannahen
-von deutschen und schottischen Verstärkungen zurück.
-
-Ungefähr zu dieser Zeit kam es in den Gewässern um Johns Island zu zwei
-verschiedenen Gefechten zwischen hessischer Artillerie und kleinen
-Schiffen, beziehungsweise Galeeren des Feindes. Bei beiden Gelegenheiten
-waren die Hessen siegreich, zwangen den Feind zum Rückzug und machten
-die beteiligten Schiffe kampfunfähig. Es wird erzählt, dass auf einem
-derselben, der Rattlesnake, mehrere Kanonen und Fahnen, welche von Ralls
-Brigade erbeutet waren, wieder genommen wurden. Auf welche Weise diese
-Trophäen nach Süd-Karolina kamen, wird nicht erwähnt.
-
-Am 4. September 1779 erschien die französische Flotte unter Graf
-d'Estaing plötzlich vor der Mündung des Savannah-Flusses. Sofort wurden
-alle ausserhalb liegenden Detachements der britischen Armee nach
-Savannah berufen. Am 23. vereinigten sich Lincoln und seine Leute mit
-den Franzosen, die von Charleston kamen, und Freiwillige von
-Süd-Karolina strömten in ihr Lager. Während nun d'Estaing regelrechte
-Laufgräben anlegte, verstärkten die Soldaten der Besatzung mit den
-Negern der Stadt zusammen eiligst die Befestigungswerke. Für die
-französische Flotte war es in Betreff der Jahreszeit zu spät geworden,
-um mit Sicherheit an der Küste zu bleiben. d'Estaing beschloss einen
-Angriff zu versuchen. Dieser aber hätte vorher gemacht werden sollen,
-bevor britische Verstärkungen von Beaufort her eingetroffen und bevor
-ihre Werke verstärkt worden waren, oder er hätte aufgeschoben werden
-sollen, bis diese lahm gelegt waren. Der Angriff wurde am 9. Oktober
-unternommen. Franzosen sowohl wie Amerikaner schlugen sich tapfer und
-pflanzten ihre Banner auf den Wällen von Savannah auf, doch wurden sie
-mit grossen Verlusten zurückgeschlagen. Oberst von Porbeck vom Regiment
-von Wissenbach wurde in Prevosts Bericht lobend erwähnt. Eine Woche
-später segelten die Franzosen ab, während ein Teil der Amerikaner mit
-Lincoln nach Charleston zurückkehrte und die übrigen sich in ihre Heimat
-zerstreuten.
-
-Im Sommer 1779 plante Sir Henry Clinton eine Unternehmung gegen
-Charleston. Die Ausführung wurde wegen der Nähe der französischen Flotte
-verschoben, doch als diese nach Europa zurückging, wurde ein Korps von
-ungefähr 8500 Mann in New-York formiert. Dasselbe bestand aus
-Engländern, Tories und Hessen. Von den Hessen waren die 4
-Grenadier-Bataillone, 1 Regiment Infanterie und ungefähr 250 Jäger
-ausgewählt. Bei den letzteren befanden sich Kapitän Ewald und Lieutenant
-Hinrichs. Generallieutenant von Knyphausen war als Befehlshaber in
-New-York belassen worden. Sir Henry Clinton befehligte die Expedition
-persönlich. Die Soldaten wurden um den 19. Dezember eingeschifft,
-konnten aber wegen des Wetters nicht vor dem 29. in See gehen. Die Fahrt
-war eine sehr stürmische, und als in den ersten Tagen des Februar 1780
-der Hauptteil der Flotte an der Mündung des Savannah-Flusses ankam,
-fehlten eine Menge Transportschiffe. Eine Barke, die Anna, mit 30
-hessischen und anspachischen Jägern und andern Soldaten, hatte Anfang
-Januar die Masten verloren und war von einem Kriegsschiff ins Schlepptau
-genommen. Bei einem darauffolgenden Sturm riss das Tau, und die Anna
-fiel nun als segelloser Schiffs-Rumpf dem Spiel der Wellen anheim.
-Während acht Wochen wurde diese Barke mit 250 Seelen an Bord von den
-westlichen Winden fortgetrieben. Sie war nur für einen Monat und für
-100 Mann verproviantiert, so dass sich bald Hungersnot einstellte. Die
-Hunde wurden geschlachtet; zuletzt wurden die Knochen zu Mehl gerieben
-und dieses mit der Brühe aus den Fleischfässern und Hobelspänen zu einer
-Mahlzeit bereitet. Schon machte der Kapitän den schrecklichen Vorschlag,
-mit Menschenfleisch das elende Leben zu fristen und zuerst die Frauen zu
-opfern, aber alle wiesen solches mit Abscheu zurück. Endlich zeigte sich
-Land, es war die irische Küste. Das Schiff strich aber an einer Klippe
-an und erhielt ein Leck. Die Verzweiflung steigerte sich, als man
-bemerkte, dass der Kapitän von der Küste abhielt. Auf Befragen gab er
-an, dass hier keine erlaubte Anfahrt sei und den königlichen Lootsen 30
-Guineen bezahlt werden müssten. Daraufhin wurde er in dem unteren
-Schiffsraum festgesetzt, und der Obersteuermann übernahm das Kommando
-der Barke. Dieser brachte sie bis vor St. Ives in Cornwallis, von wo,
-auf Notschüsse hin, zwei Boote mit einem Lootsen und einem
-Schiffszimmermann zur Hilfe herbeieilten. Der letztere war angesichts
-der verhungerten Hessen derartig erschrocken, dass er eiligst wieder von
-dannen ruderte. Dem Lootsen gelang es, die Barke an das Land heran zu
-bringen, gerade als sie anfing zu sinken, und die Bemannung wurde
-schliesslich gerettet.
-
-Die englische Flotte wartete bei Tybee Island bis zum 9. Februar 1780,
-um die zerstreuten Transportschiffe wieder zu sammeln. Darauf ging sie
-wieder in See, und am 11. drangen alle Schiffe bis auf die grossen
-Kriegsschiffe in die Mündung des North Edisto River ein; bei Simons
-Island wurden die Truppen ausgeschifft. Einen ganzen Monat lang brachten
-die Soldaten emsig Vorräte und Geschütze an Land, um dort festen Fuss zu
-fassen, sie drangen dabei über die sandigen Inseln südwestlich von
-Charleston Harbor vor. Nicht vor dem 12. März wurde das Feuer von Wappoo
-Neck aus auf die Stadt eröffnet, und erst am 29. ging die britische
-Armee über den Ashley-Fluss. Inzwischen stiegen die Schanzen aus dem
-Sand bei Charleston wie die Pilze empor.
-
-Weder der Landung, noch dem Vordringen der feindlichen Armee wurde ein
-ernstlicher Widerstand entgegengesetzt. Die Gelegenheit, um Widerstand
-zu leisten oder wenigstens um die Briten zu beunruhigen, war jedenfalls
-genügend vorhanden, doch wäre hierfür ein fähigerer und mehr energischer
-Befehlshaber als Lincoln nötig gewesen. Die Angreifer waren nach einer
-langen und beschwerlichen Reise gelandet und hatten keine Pferde, um
-ihre Kanonen und Vorräte herbeizuschaffen. Das einzig richtige Verhalten
-für Lincoln wäre wohl gewesen, wenn er Washington nachgeahmt hätte in
-seinem Feldzug vor den Ereignissen von Philadelphia. Er hätte eine
-Schlacht wagen und falls er geschlagen worden wäre, Charleston aufgeben
-und seine Armee zum Schutz der Südstaaten erhalten sollen. Diese waren
-nun dem Morden und Plündern überliefert. Der Krieg in den Karolinas und
-in Virginien kennzeichnete sich durch einen gewissen Grad von Barbarei,
-der in den östlichen und Mittel-Staaten seinesgleichen nicht fand,
-ausgenommen die kleinen Plündereien in der Umgebung von New-York. Schon
-im vorhergehenden Jahre hatten Prevosts Soldaten diese barbarische Art
-der Kriegführung begonnen. Die Spuren ihrer Thätigkeit waren in jedem
-Hause auf den Inseln, die sie bei Charleston besetzt hatten, sichtbar.
-
-Während Lincoln seine Erdwerke in der Stadt aufwarf, erhielten die
-Engländer Verstärkungen von Savannah her. Die Kriegsschiffe, mit
-Ausnahme der schwersten, wurden gehoben, über die Sandbank gebracht und
-wiederhergestellt. Fort Moultrie verteidigte währenddessen die Stadt,
-die amerikanischen und französischen Schiffe den Hafen; zwischen diesem
-und Charleston hatten die Belagerten Schiffe versenkt, um die Einfahrt
-zu sperren. Kleine Abteilungen Amerikaner beobachteten die Bewegungen
-der Briten. Am 26. März unternahmen Sir Henry Clinton und mehrere
-Generale einen Ritt, um Colonel Patterson entgegenzugehen, welcher
-Verstärkungen von Savannah brachte. Sie kehrten glücklich zurück, obwohl
-sie ohne Escorte waren; ein Tory-Oberst und ein Hospital-Inspektor aber,
-die eine kurze Strecke hinter ihnen her ritten, wurden gefangen
-genommen.
-
-Ewald erzählt mit Befriedigung, wie er einmal auf Johns Island in South
-Karolina im Frühjahr 1780 eine Stellung rekognosziert hätte, indem er
-ruhig bis an einen feindlichen Posten herangegangen wäre, seinen Hut
-abgenommen und eine Unterhaltung mit dem befehligenden Offizier
-angeknüpft hätte. Dieser Aussenposten war von Pulaskis Legion gestellt
-worden, deren Offiziere Polen und Franzosen waren, in deren Galanterie
-der deutsche Kapitän Vertrauen hatte -- eine Galanterie, für die die
-eingeborenen Amerikaner kein Verständnis haben konnten noch wollten.
-
-Am 30. März 1780 lagerte die englische Armee einige 3000 Yards vor den
-Linien von Charleston. Gegen Abend standen die Pickets der hessischen
-Jäger etwa eine Meile vor der Stadt. Vor ihnen lag eine flache, sandige
-Ebene ohne jedes Haus oder einen Baum oder Busch. Die einzig mögliche
-Deckung gewährten einige Gräben. In der Nacht auf den 31. März wurde die
-erste Parallele eröffnet. Am folgenden Morgen begannen die Einwohner
-ihre Familien und Wertgegenstände auf Booten den Cooper River hinauf zu
-befördern, der einzige Weg, der offen geblieben war. Stromabwärts kamen
-am 7. April 700 Virginian Continentals zur Verstärkung der Besatzung.
-Sie wurden mit Glockengeläute und Artillerie-Salven empfangen. Nacht auf
-Nacht wurde die Arbeit in den Trancheen fortgesetzt. Die Artillerie des
-Verteidigers bemühte sich vergeblich, diese Arbeit zu stören.
-
-Am Nachmittag des 8. April war der Himmel mit Wolken bedeckt, es war
-Flut eingetreten und der Wind blies stark von Süden her. Sieben
-Kriegsschiffe und ein Transportschiff, in einer Linie hintereinander
-segelnd, näherten sich Fort Moultrie. An der Spitze befand sich Admiral
-Arbuthnot in einem kleinen Boot, mit dem Blei in der Hand, um die Tiefe
-zu messen. Das Feuer vom Fort aus war furchtbar. Der »Roebuck«, das
-Têtenschiff, segelte dicht an die Werke heran, gab eine Breitseite ab
-und fuhr unverletzt weiter in den Hafen. Das zweite Schiff verlor ein
-Stück von einem Mast. Ein anderes legte sich dicht vor das Fort und
-unterhielt ein unaufhörliches Feuer, so dass das ganze Schiff wie ein
-langer Blitzstrahl erschien. Das ganze Geschwader gelangte in den Hafen
-mit Ausnahme des Transportschiffes, welches auf den Grund fuhr und in
-Brand gesteckt wurde. Das schöne Bild wurde von Tausenden von Zuschauern
-beobachtet. Die Amerikaner versammelten sich auf den Wällen der Stadt,
-die Engländer und Deutschen stiegen auf ihre Belagerungswerke. Die
-Operationen in der Bai hatten ihr Interesse so sehr in Anspruch
-genommen, dass das Gefecht an Land so lange unterbrochen wurde. Sobald
-das zweite Schiff das Fort passiert hatte, verschwanden die Amerikaner
-von den Wällen von Charleston und bald darauf sah man eine Menge kleiner
-Boote auf dem Cooper River, welche die Furchtsamern der Einwohner
-wegbeförderten.
-
-Die Verbindung zwischen Fort Moultrie und Charleston war nunmehr
-abgeschnitten. Jedoch fand die britische Flotte ihr weiteres Vordringen
-durch eine Linie von versenkten Schiffen gehindert und konnte nicht den
-Cooper River hinaufsegeln, um die amerikanischen Werke im Rücken zu
-fassen. Da einige Schiffe im Fluss den Operationen des Belagerers
-hinderlich waren, wurden mehrere grosse Ruderboote über Land geschleppt.
-Das zu diesem Zweck gebrauchte Transportmittel wurde von
-hundertundvierunddreissig Negern gezogen. Die Arbeit an den Approchen
-ging unaufhörlich weiter, jedoch die Belagerung wurde dadurch, dass
-einige der schweren Geschütze und die meisten Pferde auf See verloren
-gegangen waren, etwas verlangsamt. Der Belagerungs-Park wurde durch
-Schiffsgeschütze versorgt, die mit grosser Mühe über Land von James
-Island her gebracht wurden. Am 13. April wurde von der hessischen
-Artillerie lebhaft gefeuert, wodurch mehrere Häuser in Brand gerieten.
-Sir Henry Clinton befahl seinen Batterien, das Feuer zu mässigen, damit
-der Brand gelöscht werden könnte. In der folgenden Nacht wurde die
-zweite Parallele eröffnet, bald darauf aber begannen die Amerikaner
-Gegen-Approchen anzulegen, so dass nicht nur Artillerie-, sondern auch
-Musketen-Feuer zur Verwendung kam. Jedoch am 20. waren die
-Belagerungsarbeiten so weit vorgeschritten, dass die Jäger im Stande
-waren, Leute durch die Schiessscharten der Befestigungswerke zu treffen
-und das Bedienen der Geschütze sehr gefährlich zu machen. Die dritte
-Parallele wurde in der darauffolgenden Nacht eröffnet und am 21. bot
-Lincoln, der am Tage, nachdem die Flotte Fort Moultrie passiert, seine
-Übergabe verweigert hatte, die Kapitulation an. Die Feindseligkeiten
-wurden sechs Stunden lang aufgehoben, aber nach Ablauf derselben
-erneuert, da die Generale sich über die Bedingungen nicht einigen
-konnten. Am 24. machten die Amerikaner einen Ausfall und drangen an
-einzelnen Stellen bis zur zweiten Parallele vor, wurden aber sofort
-wieder in die Stadt zurückgeworfen. Am 26. nahmen die Briten ein Fort in
-Besitz, welches den Cooper River beherrschte, sodass die Belagerten
-nunmehr völlig in Charleston eingeschlossen waren.
-
-In der Nacht zum 3. Mai ruderte eine Abteilung aus dem Lager des
-Angreifers heimlich an einen Dreimaster heran, welcher dicht vor der
-Stadt lag. Sie erkletterten das Deck, welches sie unverteidigt fanden,
-lichteten die Anker und nahmen das Schiff mit in die britischen Linien.
-Am nächsten Morgen, als sie bei der Untersuchung ihrer Beute hinunter
-stiegen, ergab es sich, dass es ein Lazarethschiff war, gefüllt mit
-Pockenkranken.
-
-Die Belagerung näherte sich ihrem Ende. In der Nacht zum 7. Mai 1780
-wurde Fort Moultrie von Seeleuten genommen. Am 8. wurden die
-Verhandlungen wegen der Übergabe wieder aufgenommen, jedoch abermals
-abgebrochen; bis schliesslich am 11. Clintons Bedingungen durchgesetzt
-wurden, welche darin bestanden, dass die Besatzung mit verhüllten Fahnen
-und klingendem Spiel (aber nicht mit einem englischen oder hessischen
-Marsch) ausmarschieren und ausserhalb derselben die Waffen niederlegen
-sollten. Die Continentals wurden kriegsgefangen, die Miliz sollte auf
-Ehrenwort in die Heimat zurückkehren. Auf Grund dieser Kapitulation
-marschierten die Continentals am 12. aus; die Musik spielte einen
-türkischen Marsch. Die Offiziere durften ihre Säbel behalten, mussten
-sie aber einige Tage später abliefern, weil sie »Unordnung« in der Stadt
-hervorrufen würden. Die Besatzung war in einen sehr zerlumpten und
-bedauerlichen Zustand herabgesunken. Sie war nicht viel mehr als halb so
-stark als die Belagerer, die amerikanische Miliz mit inbegriffen. Die
-Continentals waren ungefähr 2500 Mann stark, die englische Armee
-wenigstens 12000 Mann. Die Stadt war nur durch Erdwerke verteidigt, und
-eigentlich mehr ein verschanztes Lager als eine Festung. Der Verlust der
-Belagerer an Toten und Verwundeten ist in einem hessischen Journal auf
-265 Mann angegeben.
-
-Die Stadt Charleston hatte ungefähr 15000 Einwohner und war eine der
-reichsten und schönsten Städte in Nord-Amerika. Die grossen und schönen
-Häuser waren nicht dicht nebeneinander gebaut, sondern es war der
-bessern Luft wegen viel freier Raum gelassen. Sie waren sehr gut
-eingerichtet mit Mahagoni-Möbeln und Silbergerät, und es wurde viel auf
-Reinlichkeit gehalten. Die Strassen waren ungepflastert und sandig,
-hatten aber auf den Seiten einen schmalen Fussweg. Selbst im Mai war
-der Staub unerträglich. Die meisten reichen Familien waren bei der
-Annäherung der Briten geflohen. Es waren auch viel Deutsche und deutsche
-Juden in der Stadt, und viele Ärzte wegen des ungesunden Klimas. Die
-Frauen, wenigstens die meisten von denen, die zurückgeblieben waren,
-waren bleich und hässlich. Der Ort war natürlich voll von Negern, die
-die Hälfte der Bevölkerung ausmachten.
-
-Die Neger waren im britischen Lager angesammelt, zwei Transporte von
-ihnen waren Ende Februar von Savannah aus geholt worden. Die Sklaven der
-Rebellen waren konfisziert worden. Diese Sklaven in Süd-Karolina waren
-die am meisten heruntergekommenen auf dem Kontinent und von ihren
-frühern Besitzern am schlechtesten behandelt worden. Die Feldarbeiter
-unter ihnen erhielten, einem hessischen Journal zufolge, täglich
-gewöhnlich ein Quart Reis oder Indian corn, das sie halb gekocht assen,
-da sie es in dieser Zubereitung nahrhafter fanden als ganz gekocht.
-Viele hatten kaum einen Lappen, um ihre Blössen zu bedecken. Nur wenige
-verstanden Englisch. Am 31. Mai bekam jedes Regiment, das nach New-York
-ging, zehn Sklaven. Die Neger bildeten einen Teil der Kriegsbeute, und
-Tausende wurden zum Verkauf nach West-Indien verschifft.
-
-Anfang Juni segelte Sir Henry Clinton nach New-York. Mit ihm gingen die
-hessischen Grenadiere und Jäger, einige hessische Regimenter blieben
-zurück.
-
-Die Expeditionen nach Savannah und Charleston waren nicht die am
-weitesten entfernten, an denen die deutschen Hilfstruppen beteiligt
-waren. Im Herbst 1778 wurden ungefähr 1200 Mann Waldecker und
-Provinzials unter Generalmajor John Campbell abgesandt, um die
-Garnisonen von West-Florida zu verstärken. Sie segelten Anfang November,
-liefen Jamaica an und landeten Ende Januar 1779 in Pensacola. Pensacola
-war damals eine Stadt von ungefähr 200 hölzernen Häusern, die durch
-Forts aus Holz und Sand verteidigt wurde. Sie lag in einer Sandwüste,
-die von dichten, unermesslichen Wäldern umgeben war. Nach Georgia reiste
-man auf dem alten Handelsweg vier Wochen lang. Die Wälder wurden durch
-Indianer beunruhigt, die von den Briten für jeden feindlichen Skalp drei
-Pfund Sterling erhielten. Die Waldecker fanden unter den Indianern einen
-Landsmann, Namens Brandenstein, der in seiner Jugend aus dem
-waldeck'schen Dienst desertiert war und nach vielen Abenteuern die
-Sitten und Gewohnheiten eines indianischen Kriegers angenommen hatte.
-
-Die Besatzung von Pensacola war zuerst damit beschäftigt, die Stadt zur
-Verteidigung einzurichten. Oberstlieutenant Dickson, ein englischer
-Offizier, hielt Baton Rouge. Im Lauf des Sommers 1779 wurden ihm drei
-Kompagnien Waldecker zur Verstärkung zugesandt. Inzwischen war zwischen
-England und Spanien Krieg ausgebrochen. Don Bernardo de Galvez, der
-spanische Gouverneur von New-Orleans, war ein junger und energischer
-Mann. Er erbeutete mehrere kleine Schiffe auf dem Mississippi und in der
-Nähe seiner Mündung. Im September wurden 53 Waldecker auf dem Lake
-Pontchartrain zu Gefangenen gemacht. Die Spanier gingen gegen Baton
-Rouge vor und begannen nach zwei vergeblichen Versuchen, die Werke mit
-Sturm zu nehmen, eine regelrechte Belagerung. Dickson kapitulierte, und
-die Besatzung marschierte mit allen Kriegsehren aus dem Fort heraus. Sie
-zählten über 400, die Belagerer unter Galvez zwischen 1400 und 2000
-Mann. Beinahe die Hälfte der kapitulierenden Besatzung waren Waldecker,
-und mehr als 30 waren von dem Regiment gefallen oder verwundet.
-
-Die Nachricht von Dicksons Übergabe erreichte Pensacola am 20. Oktober,
-wurde aber zuerst mit Unglauben aufgenommen. »Ist dies nicht ein
-verwünschtes Land, um Krieg darin zu führen,« schreibt der Waldecker
-Kaplan, »wo der grössere Teil des Korps seit fünf Wochen gefangen
-genommen, 1200 Meilen Landes im Besitz des Feindes sind, und der
-kommandierende General weiss es noch nicht einmal mit Bestimmtheit.«
-
-Im März 1780 rückte ein Teil der Besatzung von Pensacola zum Entsatz von
-Mobile aus, kam aber zur Rettung dieser Stadt zu spät. Bald nach
-Rückkehr der Truppen nach Pensacola kam vor dem Hafen eine spanische
-Flotte von 21 Schiffen in Sicht, verschwand aber drei Tage später
-wieder. Die Spanier hatten das Land bis zum Pertido River in Besitz,
-überschritten diesen einmal im April, wurden aber von den Indianern
-zurückgeworfen. Indes waren letztere sehr unzuverlässige Hilfstruppen.
-Der Rest des Jahres 1780 verlief ohne jegliches Ereignis von Bedeutung
-in Florida.
-
-Anfang Januar 1781 machte Oberst von Hanxleden mit 115 Weissen und 300
-Choctaws eine Expedition gegen French Village. Sie fanden aber einen
-hartnäckigen Widerstand und wurden zurückgeschlagen. Die Zahl der Toten
-und Verwundeten auf englischer Seite war beträchtlich; unter den
-Gefallenen befand sich auch Oberst von Hanxleden. Am 9. März erschien
-eine spanische Flotte von 38 Schiffen vor Pensacola, und während der
-folgenden Nacht wurde ein Truppen-Korps auf der Insel Santa Rosa
-ausgeschifft, welche am Eingang des Hafens liegt. Von da ab nahm die
-Belagerung des Ortes ihren regelmässigen Fortgang. Am 19. lief die
-Flotte, indem sie einen günstigen Wind benutzte, bei den
-Befestigungswerken vorbei, in die Bai ein. Von Zeit zu Zeit erhielten
-die Spanier Verstärkungen. Am 15. April brachte ein Deserteur die
-Nachricht, dass Galvez 10000 Mann stark sei. Der Schreiber des Waldecker
-Journals erwähnt diese Truppenzahl als fünfzehnmal stärker als die in
-Pensacola, woraus man entnehmen kann, dass General Campbell zwischen 6
-und 700 Weisse befehligte. Die Indianer leisteten, obwohl dem Trunk
-ergeben, barbarisch und undiszipliniert, den Engländern gute Dienste.
-Schliesslich, am Morgen des 8. Mai, krepierte eine Bombe in dem
-Pulver-Magazin einer der Redouten, durch die viele pennsylvanische
-Tories, die das Werk besetzt hielten, getötet wurden und eine grosse
-Verwirrung entstand. Hieraufhin verstärkten die Spanier ihr Feuer, und
-am Nachmittag desselben Tages zog General Campbell die weisse Flagge auf
-und ergab sich unter der Bedingung, dass die ganze Besatzung nach
-New-York eingeschifft werden und bis zur Auswechselung nicht mehr gegen
-Spanien oder dessen Verbündete kämpfen sollte. Da zu jener Zeit die
-Vereinigten Staaten nicht mit Spanien verbündet waren, so konnten die
-Waldecker sofort gegen die Amerikaner Verwendung finden.
-
-
-
-
-Kapitel XXII.
-
-New-York in den Jahren 1780 und 1781.
-
-
-Als Sir Henry Clinton im Dezember 1779 nach Charleston segelte, legte er
-das Kommando über die Besatzung von New-York in die Hände des
-Generallieutenants von Knyphausen. Die regulären Truppen in und
-ausserhalb der Stadt bestanden aus etwa 6000 Engländern, Hessen und
-Anspachern. Durch Bewaffnung der Einwohner und Matrosen derjenigen
-Schiffe, welche im zugefrorenen Hafen lagen, gelang es Knyphausen, seine
-Truppen nahezu zu verdoppeln; die neuen Rekruten waren immerhin gut
-genug, um hinter den Befestigungswerken verwendet zu werden. Washington
-hingegen befehligte eine kleine, schlecht verpflegte und unbezahlte
-Armee, die im Frühjahr 1780 kaum 7000 Reguläre stark war, und selbst von
-diesen konnte nur die Hälfte dem Garnisondienst zur Verwendung im Felde
-entzogen werden.
-
-Der Winter war ungewöhnlich kalt. Sowohl der North- und East-River und
-Long-Island-Sound, als auch der Kanal zwischen Staten-Island und dem
-New-Jersey-Ufer waren zugefroren. Dies begünstigte Unternehmungen, die
-fortwährend auf beiden Seiten gemacht wurden. Im Januar landete Lord
-Stirling auf Staten-Island, fand aber die dortige Besatzung in
-Bereitschaft und kehrte nach New-Jersey mit seinen Leuten zurück, von
-denen viele durch Erfrieren von Gliedern stark gelitten hatten.
-Knyphausen traf Vorbereitungen, durch das Treibeis im Hafen hindurch
-Verstärkungen nach der Insel zu senden.
-
-Ende dieses Monats und anfangs Februar fanden Unternehmungen gegen
-Elisabethtown Newark und Youngs House statt, bei denen die Briten viele
-Gefangene machten.
-
-Mit dem Jahr 1780 war ein frischer Geist in die Kriegführung
-hineingekommen. Howe und Burgoyne hatten gehofft, nicht nur zu erobern,
-sondern auch zu versöhnen. Haus und Eigentum von Nichtkombattanten war
-bis zu einem gewissen Grade verschont geblieben. Clinton und Cornwallis,
-die nach den Weisungen von Lord George Germaine verfuhren, gaben diese
-Politik der Versöhnung auf. Expeditionen wurden nur zum Zwecke der
-Plünderung und Verwüstung unternommen. Bei diesen wurden auch die Hessen
-verwendet. Am Abend des 22. März 1780 z. B. wurde eine Abteilung von 400
-Mann, Briten und Hessen, über den Hudson gesetzt. Ungefähr um 3 Uhr
-morgens erreichten sie Haecensack, welches zu damaliger Zeit ein
-schönes, reiches Dorf war. Es wurde kein Widerstand geleistet. Nicht ein
-amerikanischer Soldat war im Orte, und niemand konnte die Barbareien
-verhindern, welche verübt wurden. Die Briten und Hessen brachen in die
-Häuser ein und beluden sich mit Beute. Alle männlichen Einwohner, deren
-sie habhaft werden konnten, wurden gefangen genommen, und nachdem das
-Rauben zu Ende war, steckten sie das Stadthaus und einige der
-Haupt-Wohngebäude in Brand. Bei Tagesanbruch kamen 5 oder 600
-Amerikaner von Pollingtown zu Hilfe, und es hätte den Eindringlingen
-schlecht ergehen können, wenn nicht ein Detachement von ungefähr 400
-Mann unter dem Parteigänger Emmerich zu ihrer Unterstützung
-herangekommen wäre. Sie wurden nach dem Hudson zurückgeworfen. Aus dem
-Tagebuch des anspach'schen Musketiers Doehla entnimmt Eelking folgende
-Stelle: »Wir machten beträchtliche Beute an Geld, silbernen Uhren,
-silbernen Tellern und Löffeln, Haushalts-Gegenständen, Kleidern, feinem
-englischen Leinen, seidenen Strümpfen, Handschuhen, Halstüchern und
-andern wertvollen seidenen Sachen und Stoffen. Meine eigene Beute, die
-ich glücklich zurückbrachte, bestand in zwei silbernen Uhren, drei Paar
-silbernen Schnallen, einem Paar Frauen-Strümpfen in Wolle, einem Paar
-Strümpfen für Männer, zwei Hemden und vier Vorhemden von feinem
-englischen Leinen, zwei feinen Tischtüchern, einem silbernen Löffel und
-einem Theelöffel, fünf spanischen Dollars und sechs Yorkschillings an
-Geld. Das andere, nämlich elf Stücke feines Leinen und über zwei Dutzend
-seidene Tücher, sechs silberne Teller und ein silberner Trinkbecher, was
-ich alles in ein Bündel zusammengeschnürt hatte, musste ich wegen des
-eiligen Marsches wegwerfen und den nacheilenden Feinden überlassen.«
-
-Knyphausen behauptet, den Amerikanern im Laufe des Winters einen Verlust
-an 65 Toten und 320 Gefangenen zugefügt zu haben. Der beginnende Sommer
-gab Gelegenheit zu wichtigerer Thätigkeit. Am Abend des 6. Juni 1780
-wurde die erste der fünf Divisionen des britischen Expeditions-Korps auf
-New-Jersey bei Elizabethtown-Point gelandet, die vier andern Divisionen
-folgten am nächsten Tage. Diese setzten sich aus beinahe sämtlichen
-regulären Truppen zusammen, die Knyphausen zu seiner Verfügung hatte.
-Die erste und zweite Division drangen durch Elizabethtown und
-Connecticut Farms vor, wo sie ziemlichen Widerstand fanden. Bei
-letzterem Ort machte die Armee Halt, die Jäger wurden gegen Springfield
-vorgeschoben. Zu jener Zeit waren die Jäger nur 300 Mann stark, da ein
-Teil des Korps in Charleston war, ein anderer in Kavallerie, oder besser
-gesagt berittene Jäger umgewandelt worden war. Diese 300 hatten an
-diesem Tage am meisten auszuhalten. Die Amerikaner fochten mit grosser
-Ausdauer und griffen wiederholt mit dem Bajonnet an. Ungefähr um 1 Uhr
-bekamen die Jäger Unterstützung, und der Feind wurde nach Springfield
-zurückgetrieben. Es begann nun ein heftiges Feuer, ungefähr um 4 Uhr
-nachmittags aber wurden die Jäger zurückbeordert in ihre erste Stellung,
-wo die Armee biwakierte. Kaum als die Pickets in einigen Häusern vor der
-Front postiert waren, wurden sie angegriffen. Die Jäger feuerten und
-schlugen die Amerikaner eine weite Strecke zurück. Die Häuser wurden
-verbrannt. Drei Geschütze wurden in Stellung gebracht, der Feind aber
-erneuerte nicht seinen Angriff. Die Jäger verloren an diesem Tage 55
-Mann an Toten und Verwundeten. Während der Dämmerung brachten Deserteure
-die Nachricht, dass Washington mit seiner Hauptarmee während der Nacht
-in Springfield erwartet würde. Daraufhin brach Knyphausen um 11 Uhr
-abends auf und kehrte nach Elizabethtown Point zurück. Am nächsten Tage
-griff Lord Stirling mit der amerikanischen Avantgarde ein englisches
-Regiment an, dieses wurde aber von zwei deutschen Regimentern
-unterstützt, infolgedessen die Amerikaner nach Elizabethtown
-zurückgeschlagen wurden. Im Lauf der nächsten Tage fanden ununterbrochen
-Scharmützel statt. Am 13. machten die berittenen Jäger den Versuch, ein
-amerikanisches Kavallerie-Picket zu überfallen und gefangen zu nehmen,
-ihr Vorhaben wurde aber verraten, und das Picket entkam. »Es ist beinahe
-unmöglich, den Feind bei irgend einer Gelegenheit zu überraschen,« sagt
-das Journal des Jäger-Korps, »weil jedes Haus, in dessen Nähe man
-kommt, sozusagen ein vorgeschobenes Picket ist; denn der Farmer, oder
-sein Sohn, oder Knecht, und selbst seine Frau und Tochter schiessen mit
-einer Flinte oder benutzen Schleichwege, um das Herannahen des Feindes
-zu melden.«
-
-Am 19. Juni hielt Sir Henry Clinton, der eben von Charleston mit den
-hessischen Grenadieren und dem Jäger-Detachement, den britischen
-Grenadieren und der leichten Infanterie und den Provincial Queens
-Rangers zurückgekehrt war, über Knyphausens Armee Revue ab. Es wurden
-Vorbereitungen zum Vormarsch getroffen, und am 23. rückten vier deutsche
-Regimenter, die Jäger, sechs Regimenter Engländer und Tories gegen
-Springfield vor. Eine Zeit lang hielten die Amerikaner die Stellung bei
-Connecticut Farms, zogen sich aber bald nach dem Schlachtfeld vom 7.
-zurück, während die englische Armee sich auf den Höhen diesseits
-Springfield entwickelte. Der Passaic River lag zwischen den beiden
-Stellungen, die Amerikaner unter Major Lee hielten die Brücke. Die
-Hessen durchwateten den Strom angesichts eines heftigen Feuers, während
-ein englisches Regiment die Brücke angriff, wodurch Lee bis auf die
-Höhen jenseits der Stadt zurückgeworfen wurde, wo er sich mit einem
-stärkeren Korps vereinigte. Die Stadt Springfield wurde genommen, und
-jenseits derselben schlugen sich die Jäger der Avantgarde eine Stunde
-lang mit dem Feinde herum. Darauf steckten die Briten die Stadt in Brand
-und zogen sich zurück. Die Jäger bildeten nunmehr die Arrieregarde und
-konnten kaum zwischen den brennenden Häusern hindurchkommen. Die
-Amerikaner drängten scharf nach und erschwerten ihnen den Rückzug.
-Ungefähr zwei Meilen von Elizabethtown wurden die Jäger von einem
-englischen Regiment aufgenommen, und der Rückzug wurde bis Elizabethtown
-Point fortgesetzt. Hier nahmen die Truppen ihre alten Stellungen ein,
-bekamen aber während der Nacht den Befehl, aus dem Lager aufzubrechen
-und nach Staten Island überzugehen. Dies geschah, und die Schiffbrücke,
-die am 11. zwischen der Insel und dem Festlande gebaut war, wurde sofort
-abgebrochen, während ein hessisches Regiment in dem Brückenkopf auf dem
-Jersey-Ufer verblieb, bis diese Operation vollendet war. Ungefähr um 3
-Uhr morgens war die ganze Armee übergegangen. Der Verlust der Jäger am
-Tage vorher war beträchtlich, vierundzwanzig Tote und Verwundete bei dem
-Angriff auf die Brücke über den Passaic-River, und wahrscheinlich
-ebensoviel jenseits des Flusses und auf dem Rückzuge.
-
-Diese Expedition nach Springfield war der letzte Versuch, den Sir Henry
-Clinton machte, um Washingtons Hauptarmee in New-Jersey anzugreifen. Der
-übrige Teil des Jahres verlief, abgesehen von dem Verrat Arnolds und der
-Hinrichtung von André in den Nordstaaten, ohne besonders wichtige
-Ereignisse; auch ist in der ersten Hälfte des Jahres 1781 kein
-Zusammenstoss zu verzeichnen, welcher als etwas anderes als ein
-Scharmützel gelten könnte.
-
-Am Abend des 2. Juli 1781 war der Parteigänger Emmerich mit hundert Mann
-nach Philipps House marschiert. Während der Nacht hatte Oberstlieutenant
-von Wurmb die Meldung bekommen, dass die amerikanische Armee auf
-New-York im Anmarsch wäre, und dass deren Avantgarde bei Sing-Sing
-beobachtet worden sei. Es wurde deshalb ein Oberstlieutenant mit 200
-Jägern und 30 Kavalleristen bei Morgengrauen abgesandt, um Nachrichten
-zu bringen und den Rückzug Emmerichs zu decken. Der Oberstlieutenant
-ging über Kingsbridge den Harlem Creek entlang, gleichzeitig einen
-Unteroffizier und 10 Mann mit dem Auftrag entsendend, die Ruinen des
-Forts Independence, welches seine Strasse beherrschte, zu
-rekognoszieren. Beim Erreichen der Höhe, auf welcher das Fort erbaut
-worden war, bemerkte der die Rekognoszierungs-Patrouille befehligende
-Sergeant Rübenkönig in nächster Nähe einige Leute. Nicht im Stande, in
-der Morgendämmerung zu unterscheiden, wer sie wären, ging er ihnen
-allein entgegen und glaubte die blauen Röcke mit den strohfarbenen
-Besätzen des Regiments von Donop, von welchem ein Teil unter Emmerichs
-Kommando war, zu erkennen. Er hätte ihnen beinahe »Guten Morgen«
-gewünscht, als ein halbes Dutzend Leute auf ihn los sprang, ihn bei den
-Haaren und dem Bandolier seiner Patronentasche fasste und versuchte, ihn
-festzuhalten. Rübenkönig aber entwand sich ihren Händen und eilte unter
-dem Ruf: »Rebellen, Rebellen!« zu seiner Abteilung.
-
-Die Avantgarde der Jäger befand sich unterdessen auf dem Engweg zwischen
-dem Hügel, auf welchem das Fort war, und Harlem River. Die Leute hatten
-ihren Rückweg durch einen Morast zu machen. Die Stelle, wo die
-Hauptabteilung aufmarschiert war, war eng und unvorteilhaft. Der erste
-Ansturm gegen die Amerikaner wurde abgeschlagen, wobei die Deutschen in
-Unordnung zurückgingen. Darauf attackierte die Kavallerie ohne Erfolg,
-die Amerikaner aber zogen sich nach den Ruinen des Forts zurück, wodurch
-die Jäger Zeit fanden, sich in Ordnung und in einer günstigen Stellung
-zu sammeln. Schliesslich wurden die Amerikaner aus ihrer Stellung
-vertrieben, wohl infolge der Annäherung von Verstärkungen auf Seiten der
-Deutschen, denn Oberstlieutenant von Wurmb traf um diese Zeit ein. Sie
-zogen sich auf eine Höhe in einer Entfernung von ungefähr 1000 Yards
-zurück, etwa 6-700 Mann stark. Emmerich hatte sich mit seiner Abteilung
-inzwischen über den Spyt den Duyvel Creek zurückgezogen, und war, da die
-Brücke in Händen des Feindes war, von den Jägern abgeschnitten worden.
-Das ganze Korps mit der Kavallerie ging deshalb vor, um die Brücke zu
-nehmen; die Amerikaner zogen sich langsam zurück. Wurmb machte hier,
-nachdem er seinen Auftrag soweit ausgeführt, und in dem Glauben, der
-Feind wollte ihn in einen Hinterhalt locken, mit seinem Detachement
-Halt und schickte Meldung an das Hauptquartier. Am Nachmittag ging die
-amerikanische Armee vor und lagerte auf Valentines Hill in einer
-Ausdehnung von Courtlands Reach bis Spyt den Duyvel. Der hessische
-Verlust in diesem Gefecht betrug 30 Mann tot und verwundet.
-
-Am 6. Juli 1781 vereinigte sich die französische Armee unter Rochambeau
-mit der von Washington vor New-York; länger als einen Monat bestand die
-Kriegführung in Scharmützeln; Sir Henry Clinton machte sich nämlich
-darauf gefasst, in New-York belagert zu werden, sobald die französische
-Flotte von West-Indien ankommen würde.
-
-Am 18. August 1781 wurde das Übergehen des Feindes über den North-River
-gemeldet. Doch noch immer wurden Clintons Augen nicht geöffnet.
-Vergebens machte Oberstlieutenant von Wurmb von den Jägern, der die
-Erlaubnis hatte, auf eigene Faust Spione auszuschicken, den
-Oberkommandierenden darauf aufmerksam, dass die vereinigte Armee auf dem
-Marsche nach Virginia begriffen sei. Der Oberstlieutenant nahm dies aus
-zwei Gründen an. Der erste war, dass Vorbereitungen getroffen wurden,
-die Amerikaner und Franzosen auf der Strasse durch New-Jersey mit
-Lebensmitteln und Fourage zu verproviantieren; der zweite, dass der
-Oberstlieutenant gehört hatte, eine Amerikanerin, die Gattin eines
-höhern französischen Offiziers, wäre angewiesen worden, nach Trenton zu
-gehen. General Clinton liess sich nicht überzeugen, bis es zu spät war,
-dieser Bewegung entgegen zu treten.
-
-Selbst nachdem ihm Washingtons Plan klar geworden war, war er nicht
-gewillt, seine ganze verfügbare Streitmacht wenigstens zu einer
-Diversion zu Gunsten von Lord Cornwallis zu verwenden. Es lässt sich
-jetzt schwer sagen, ob eine Unternehmung gegen Philadelphia oder den
-Hudson hinauf eine Umkehr der Verbündeten von Ihrem Zug nach dem Süden
-veranlasst haben würde. Clinton indessen begnügte sich damit,
-Vorbereitungen zur Einschiffung eines Korps nach Yorktown zu treffen,
-und ein Detachement unter Benedict Arnold, der kurz vorher von Virginia
-zurückgekehrt war, nach der Küste von Connecticut zu entsenden. Arnold
-erreichte an der Spitze von zwei englischen Regimentern und 100
-hessischen Jägern am 6. September New-London und stürmte das Fort,
-dessen kleine Besatzung eine verzweifelte Gegenwehr machte. Arnold
-steckte einen Teil der Stadt, die Magazine und die Schiffe auf dem
-Stapel in Brand. Die Schiffe im Hafen entkamen den Fluss hinauf.
-
-Nicht vor dem 19. Oktober kam die britische Flotte dazu, in See zu
-stechen, um Lord Cornwallis zu Hilfe zu kommen. Die hessischen
-Grenadiere und die andern Truppen waren an Bord der Kriegsschiffe
-genommen worden. Am 28. Oktober traf die Flotte am Eingang in die
-Chesapeake Bay ein, und erhielt vom Ufer aus die Nachricht von der
-Übergabe Cornwallis. »Diese zweite Burgoynade,« schreibt ein hessischer
-Offizier, »wird jedenfalls viel dazu beitragen, den Krieg zu einem
-unglücklichen Ende zu bringen.« Diese Voraussagung hat sich vom
-Standpunkt des Offiziers aus bewahrheitet. Doch jetzt müssen wir unsere
-Aufmerksamkeit auf die Ereignisse lenken, die zur Katastrophe von
-Yorktown führten.
-
-
-
-
-Kapitel XXIII.
-
-Der Feldzug im Süden im Jahre 1781.
-
-
-Als Sir Henry Clinton im Juni 1780 von Charleston absegelte, befanden
-sich zwei hessische Regimenter bei der Besatzung, die er zurückliess;
-und bald nachher kam noch ein drittes Regiment hinzu, welches von
-Savannah dorthin befördert wurde. Einen Bericht über eine Teilnahme
-dieser Regimenter an dem Feldzug, den Lord Cornwallis in Süd- und
-Nord-Carolina führte, kann ich nirgends finden. Am 16. August 1780 war
-die amerikanische Armee unter General Gates bei Camden vereinigt; am 18.
-überfiel Tarleton eine Truppen-Abteilung unter Sumter. Sechs Wochen
-später hatte sich das Blatt durch das glänzende Gefecht bei Kings
-Mountain gewendet, in welchem ungefähr 1400 Hinterwäldler einen Berg
-umzingelten und erstürmten, der von einer gleichen Zahl von britischen
-regulären Truppen und Provincials besetzt war; zwei Fünftel davon wurden
-getötet oder verwundet, der Rest gefangen genommen.
-
-[Illustration: LORD CORNWALLIS'S OPERATIONEN IM SÜDEN. 1781.]
-
-Im Oktober 1780 begab sich General Leslie mit mehreren englischen
-Regimentern, dem hessischen Regiment von Bose und einem Detachement von
-100 Jägern von New-York nach den Süd-Staaten. Sie landeten in Portsmouth
-in Virginien, verliessen diesen Ort aber bald wieder, um nach Charleston
-abzurücken, wo sie gegen Ende des Jahres eintrafen.
-
-Mit diesen Verstärkungen zur Hand, brach Lord Cornwallis von
-Wynesborough, westlich von Camden, auf und marschierte gegen General
-Greene, der auf Washingtons Wunsch zum Nachfolger von Gates ernannt
-worden war. Die britische Armee war ungefähr 3500 Mann stark. Auf die
-Nachricht, dass Morgan mit einem detachierten Korps auf der Südseite des
-Broad-River stand, beschloss Cornwallis, ihn von Greenes Hauptarmee
-abzuschneiden. Zu diesem Zwecke detachierte er Oberstlieutenant Tarleton
-mit ungefähr 1000 Mann. Tarleton sollte Morgan in der Front angreifen,
-während Cornwallis sich am linken Ufer des Broad-River entlang ziehen
-und die zurückgehenden Amerikaner gefangen nehmen wollte. Tarleton
-stiess am Morgen des 17. Januar 1781 auf Morgan. Ohne die Entwickelung
-seiner Truppen abzuwarten, warf sich der tapfere Kavallerie-Oberst auf
-den verachteten Feind. Die amerikanische Miliz, die die erste Linie
-bildete, wich zurück. Die zweite Linie, hauptsächlich aus Continentals
-bestehend, blieb stehen. Tarleton gab Befehl, dass seine Reserven
-vorgehen sollten. Die Amerikaner gingen zurück, machten aber wieder
-Front und überschütteten den Gegner mit einem heftigen und wohlgezielten
-Feuer. Dieser unerwartete Widerstand brachte die Briten in Unordnung.
-Sie schwankten. Zwei Kompagnien Virginia-Miliz machten einen
-Bajonnet-Angriff. Die Briten wichen auf allen Seiten zurück. Tarleton
-sammelte ungefähr 50 Reiter und brachte für einen Augenblick die
-Verfolgung zum Stehen. Der grösste Teil der britischen Infanterie wurde
-gefangen genommen, nur die Kavallerie entkam; und die Baggage wurde
-zerstört. Die Amerikaner machten ungefähr 500 Gefangene; ungefähr 100
-Engländer fielen. Der amerikanische Verlust belief sich nicht über 75
-Mann. Zwei Fahnen, zwei Geschütze, 35 Wagen, 300 Gewehre und 100 Pferde
-fielen in Morgans Hände. Die Geschütze waren bereits vorher genommen
-worden, einmal von Gates bei Saratoga und dann von Cornwallis bei
-Camden. Morgans Gefecht, das beinahe in der Wildnis geführt wurde, ist
-nach dem Orte Cowpens benannt worden, einem Orte, wo die Einwohner
-dieses Landstriches ihr Vieh zusammentrieben und einsalzten.
-
-Bald nach diesem Siege wurde General Morgan von Rheumatismus befallen
-und gezwungen, den Abschied zu nehmen.
-
-Nicht viele, die im Revolutionskriege gedient haben, haben ihrem Lande
-bessere Dienste geleistet wie er. Es wird eine Geschichte erzählt, dass
-er sich bei Winchester in dem Thal von Virginia ein Haus baute, und zwar
-aus Steinen, welche die hessischen Gefangenen meilenweit auf ihren
-Schultern hergeholt haben sollen. Diese Geschichte ist nicht unmöglich,
-ich habe sie aber in keiner deutschen Quelle bestätigt gefunden.
-
-Cornwallis war enttäuscht, aber nicht mutlos gemacht durch die
-Niederlage seines fähigsten Unterführers und beinahe eines Drittels
-seiner Soldaten. Am Tage nach dem Gefecht bei Cowpens vereinigte sich
-Leslies Division mit ihm. In wenigen Tagen marschierte er durch
-Nord-Carolina, indem sich Greene vor ihm zurückzog. Letzterer wurde über
-die Grenzen des Staates und über den Dan River gedrängt. Cornwallis
-liess an die Tories eine Aufforderung ergehen, sich zu erheben; diese
-zeigten sich auch dazu geneigt, eine Abteilung von ihnen wurde aber von
-einer Übermacht unter Henry Lee und Pickens angegriffen und zerstreut,
-während die andern entmutigt sich wieder nach Hause begaben.
-
-Schliesslich erhielt General Greene Verstärkungen, ging wieder vor bis
-nach Guildfield Court House in Nord-Carolina und bereitete sich zur
-Schlacht vor. Seine Armee bestand aus 1651 Continentals und über 2000
-Milizen. Lord Cornwallis befehligte 1875 Veteranen. Am 15. März 1781
-entwickelte Greene seine Armee in drei Linien. Die vorderste war aus
-Nord-Carolina-Milizen zusammengesetzt und in einem Wald hinter einem
-Gatter aufgestellt. Ein Teil dieser Linie stand an dem Rande eines
-ausgerodeten Stück Landes. Der linke Flügel derselben hatte als
-Unterstützung eine Abteilung von Schützen unter Oberstlieutenant Henry
-Lee und Oberst Campbell. Greenes zweite Linie, 300 Yards hinter der
-ersten, bestand aus Virginia-Milizen. Sie standen in dichtem Walde. Die
-dritte Linie war aus allen Continentals der Armee zusammengesetzt.
-Dieser Streitmacht gegenüber liess Lord Cornwallis nach einem
-Avantgarden-Geplänkel seine Armee in zwei Divisionen aufmarschieren. Den
-linken Flügel kommandierte Oberstlieutenant Webster, den rechten
-Brigade-General Leslie. Der rechte Flügel stiess zuerst auf die
-Nord-Carolina-Miliz, die bei dessen Annäherung zurückwich. Lee und
-Campbell mit ihren Schützen hielten tapfer aus. Die Briten gingen gegen
-die Virginia-Miliz vor. Die Engländer waren nun auf ihrer ganzen Front
-engagiert, und die Virginier verteidigten sich so tapfer, dass Lord
-Cornwallis genötigt war, seine Reserven heranzuholen. Die zweite Linie
-der Amerikaner wurde alsdann zurückgedrängt, und die Briten drangen
-weiter vor gegen die Continentals. Hierbei kamen die Engländer in dem
-dichten Wald in ziemliche Unordnung. Oberstlieutenant Webster mit seiner
-Brigade stiess zuerst auf die Continentals. Da er aber zu übereilt
-vorgegangen war, so wurde er zurückgeworfen bis hinter einen Ravin. Das
-zweite Maryland-Regiment jedoch war durch einen Angriff des zweiten
-Bataillons der englischen Garde durchbrochen worden; zwei 6-Pfünder
-wurden genommen. Das erste Maryland-Regiment und Oberst Washingtons
-Kavallerie attackierten die Garden, warfen sie zurück und nahmen die
-Geschütze wieder. Darauf feuerte Lieutenant Macleod von der britischen
-Artillerie mit zwei 3-Pfündern auf Freund und Feind. Washingtons
-Dragoner wurden geworfen. Webster ging wieder vor, unterstützt von einem
-Teil von Leslies Division, und General Greene trat mit seiner Armee den
-Rückzug an, indem er seine Geschütze, deren Pferde gefallen waren, im
-Stich lassen musste.
-
-Von den Hessen waren ein Jäger-Detachement und das Regiment von Bose an
-diesem Kampfe beteiligt. Dies Regiment stand auf dem rechten Flügel. Es
-stand während des ganzen Gefechts den Schützen unter Lee und Campbell
-gegenüber, die es mit grossem Ungestüm in Front und Rücken angriffen.
-Das Regiment hielt sich mit grosser Tapferkeit in seiner Stellung, und
-diente dem ersten Bataillon der englischen Garde, welches in Unordnung
-hatte zurückgehen müssen, als Aufnahme und Rückhalt. Eelking und
-Bancroft sprechen dem hessischen Regiment einen entscheidenden Anteil an
-dem Siege zu. Ein so bedeutender Anteil kann ihm kaum zugestanden
-werden, indessen verdienten die Soldaten und ihr Führer Oberstlieutenant
-du Puy vollkommen die ehrenvolle Erwähnung, die ihnen in dem Tagesbefehl
-von Lord Cornwallis zu Teil wurde.
-
-Das ganze Gefecht dauerte ungefähr zwei Stunden. Der ganze Verlust der
-Briten betrug 532 Mann, von denen 80 auf das Regiment von Bose kamen.
-
-Cornwallis Armee war durch diesen Sieg so zusammengeschmolzen, dass er
-gezwungen war, über die Grenzen Virginiens nach Wilmington zu
-marschieren, um ihr eine Rast zu verschaffen; die Schwerverwundeten
-musste er zurücklassen.
-
-Nachdem sich Lord Cornwallis bis zur Küste zurückgezogen hatte, wurde
-Greene Herr über die Staaten Nord- und Süd-Carolina. Vor Mitte September
-hatten die Amerikaner drei Schlachten verloren und drei Provinzen
-gewonnen. Nacheinander bei Camden, Ninety-six und Eutaw-Springs
-geschlagen, nahm Greene und die Parteigänger, die mit ihm cooperierten,
-eine Anzahl kleiner Posten durch Belagerung oder Sturm, führte die
-Kapitulation von Augusta und den Entsatz von Camden und Ninety-six
-herbei. Im Herbst 1781 hatten die Briten von den drei südlichsten
-Staaten nichts mehr im Besitz mit Ausnahme von Savannah, Charleston und
-Wilmington.
-
-Am 10. Dezember 1780 segelte Benedict Arnold, der nunmehr britischer
-Brigade-General war, an der Spitze von ungefähr 600 Mann,
-einschliesslich 100 hessische Jäger unter Kapitain Ewald, von New-York
-ab. Arnold erreichte den James-River Anfang Januar 1781. Dort stand ihm
-nichts als eine kleine Schaar Milizen unter Baron Steuben entgegen.
-Arnold steckte die Stadt Richmond mit ihren Vorräten an Tabak in Brand
-und zog sich wieder nach Portsmouth an der Mündung des James zurück.
-Nicht lange nachher gaben die Jäger einen neuen Beweis ihrer Tapferkeit.
-Am 19. März 1781 ging General Lafayette mit einer Abteilung von etwa 500
-Mann gegen die englische Stellung vor, zersprengte ein Picket von den
-Jägern und nahm es zum Teil gefangen und näherte sich der Stellung, die
-von Kapitain Ewald besetzt war. Diese war zuerst von einem
-Unteroffizier und 16 Mann gehalten worden. Der Kapitain und 19 Mann
-nahten eilig zu ihrer Unterstützung heran. Die Amerikaner mussten über
-einen schmalen Deich avancieren, der einige 30 Schritte lang war, und
-auf dem sie dicht gedrängt vorgingen. Jeder Schuss musste treffen,
-sodass neunundzwanzig totgeschossen oder verwundet wurden. Die Jäger
-verloren nur zwei Mann, und Lafayette musste sich zurückziehen. »Man
-muss nur bei solchen Gelegenheiten,« sagt Ewald, »die Hacken an den
-Stiefeln fest in die Erde schrauben und an kein Weichen denken, dann
-wird man selten Gegner finden, die uns aus solch einer Stellung
-herauswerfen.« Ewald war in diesem Gefecht am Knie verwundet worden.
-Eelking berichtet, dass Arnold nach demselben den Kapitain besucht habe.
-Ewald machte dem General Vorwürfe, dass er die Jäger nicht unterstützt
-hätte. Arnold erwiderte, er habe die Stellung für verloren gehalten. »So
-lange noch ein Jäger am Leben ist,« rief der Kapitain wütend aus, »soll
-kein -- Amerikaner über den Deich kommen.« Arnold, der sich noch als
-Amerikaner betrachtete, nahm dies übel und zeigte es dadurch, dass er es
-unterliess, das gute Verhalten der Jäger in dem Tagesbefehl zu erwähnen.
-Ewald beklagte sich hierüber bei Arnolds Adjutanten, worauf der General
-sich am folgenden Tage bei ihm entschuldigte und die Erwähnung
-nachträglich erfolgen liess. Inzwischen war Lafayette mit 1200
-Continentals nach Virginien beordert worden. Der junge General brach
-sofort mit einem Teil seiner Streitkräfte auf und liess Wayne mit dem
-Rest folgen. Zehn französische Kriegsschiffe sollten mit dem Marquis
-gemeinsam operieren. Diese trafen am 16. März unweit der Kaps von
-Virginien auf das englische Geschwader. Nach einem Gefecht von zwei
-Stunden segelte die französische Flotte nach Newport zurück, während die
-englische sich nach der Chesapeake-Bay begab. Die Verteidigung von
-Virginien hatte man ausschliesslich den Landtruppen überlassen müssen,
-diese zeigten sich aber dieser Aufgabe nicht gewachsen.
-
-Am 19. März segelte Generalmajor Phillips, derselbe, welcher bei
-Saratoga mit Burgoyne zusammen gefangen genommen worden war, von
-New-York, um das Kommando über die englischen Truppen in Virginien zu
-übernehmen. Er nahm 2000 Mann Verstärkungen mit, und beinahe dieselbe
-Zahl folgte sechs Wochen später. General Phillips machte bald nach
-seiner Ankunft einen Vorstoss von Portsmouth aus den James River hinauf,
-plünderte und steckte alles in Brand auf beiden Ufern, liess die Neger
-wegtransportieren und nach West-Indien verschiffen, zerstörte unter den
-Augen von Lafayette, der auf der Nordseite des Flusses geblieben war,
-die Magazine und setzte sich am 9. Mai in den Besitz von Petersburg, wo
-sich seine Armee mit der von Lord Cornwallis, die von Wilmington im
-Anmarsch war, vereinigen sollte. Vier Tage später starb General Phillips
-an einem heftigen Fieber und Arnold hatte wieder die Führung über die
-Armee. Am 20. jedoch traf Lord Cornwallis in Petersburg ein und sandte
-kurz darauf den Verräter nach New-York zurück.
-
-Cornwallis brach am 24. Mai von Petersburg auf, ging 25 Meilen unterhalb
-Richmond über den James River und war am 1. Juni bei Cooks Ford am North
-Anna-River in der Nähe von Hanover Court House. Von da schickte er
-Tarleton nach Charlottesville, wo der Landtag von Virginien seine
-Sitzungen abhielt. Tarleton sprengte den Landtag auseinander und nahm
-einige der Mitglieder gefangen. Inzwischen war Simcoe entsandt worden,
-um einige Magazine und Vorräte bei Point of Fork, wo der Rivanna-River
-sich in den James ergiesst, zu zerstören resp. in Besitz zu nehmen. Er
-nahm wahr, dass die Vorräte, die von General Steuben bewacht wurden,
-sich auf der Südseite des James River befanden. Es gab dort keine Furt,
-und Simcoe hatte nur einige kleine Boote. Er nahm deshalb seine
-Zuflucht zu einer Kriegslist. Indem er seine 400 Mann, die er halb
-zeigte, halb verborgen hielt, in einer langen Linie entwickelte, machte
-er Steuben glauben, dass sein Detachement die Avantgarde von Cornwallis
-Hauptarmee wäre. Und Steuben, der sich nicht überlegte, dass mit so
-wenig Kähnen zum Übersetzen eine ganze Armee kaum gefährlicher war als
-ein Detachement, zog sich unter Zurücklassung eines Teils seiner Vorräte
-zurück. 24 Mann wurden darauf über den Fluss gesetzt, und, während die
-Hälfte davon die Vorräte zerstörten, hielt der Rest Wache, ohne dass sie
-im mindesten gestört wurden.
-
-Lafayette ging nach Norden bis zum Rappahannock zurück, wo Wayne ihm
-Verstärkungen zuführte. Der Marquis wandte sich darauf in Eilmärschen
-nach Süden und Westen und postierte sich zwischen die britische Armee
-und die Vorräte des westlichen Teils des Staates. Er war jedoch noch zu
-schwach, um eine Schlacht wagen zu können. Cornwallis unternahm nichts
-gegen ihn, sondern wandte sich am 15. Juni der Küste zu. Dies gab
-Lafayette einen unstreitigen Vorteil. Er folgte Cornwallis in
-respektvoller Entfernung auf seinem Marsche. Die Armee unter Lafayette
-zählte zu jener Zeit 4500 Mann, von denen nur 1505 Reguläre waren.
-
-Es fanden auf diesem Rückmarsch nur zwei Gefechte statt; das eine am 26.
-Juni. Eine Abteilung unter Simcoe und Ewald, die die Arrieregarde der
-britischen Armee bildete, wurde von einem Detachement der Division Wayne
-angegriffen und teilweise überrascht. Die Briten und Hessen hatten gegen
-Mittag nicht weit von Williamsburg eine Rast gemacht, als die Amerikaner
-eine heftige Attacke auf sie unternahmen. Die Kavallerie jedoch war
-schnell aufgesessen, die Jäger an den Gewehren, und die Amerikaner
-wurden zurückgeschlagen mit einem Verlust von 30 oder 40 Mann auf beiden
-Seiten.
-
-[Illustration: YORKTOWN. 1781.
-
-A. Redoute, von den Franzosen genommen.
-
-B. Redoute, von den Amerikanern genommen.]
-
-In Williamsburg erhielt Lord Cornwallis den Befehl, 3000 Mann nach
-New-York zurückzusenden, welches Clinton durch die vereinigte Armee der
-Franzosen und Vereinigten Staaten bedroht glaubte. Um diesen Befehl zur
-Ausführung zu bringen, setzte Cornwallis seinen Marsch auf Portsmouth
-fort. Am 4. Juli verliess er sein Lager bei Williamsburg und marschierte
-nach Jamestown in der Absicht, den James-River zu überschreiten. Die
-Rangers unter Simcoe und die Jäger unter Ewald gingen in derselben Nacht
-über. Ein Teil der Baggage wurde am folgenden Tage übergesetzt. Am 6.
-Juli blieb Cornwallis mit der Armee in Jamestown, wo der General die
-Nachricht erhielt, dass Lafayette im Anmarsch sei, um ihn anzugreifen.
-Dies war, was Cornwallis wollte, denn er hatte eine günstige Stellung
-und eine viel grössere Zahl von regulären Truppen als Lafayette.
-
-Am Nachmittag des 6. Juli ging Lafayette vor, war aber noch im Unklaren
-darüber, ob die Hauptarmee von Lord Cornwallis oder nur seine
-Arriere-Garde auf dem linken Ufer des James wäre. Die Amerikaner gingen
-vorsichtig vor. Wayne griff mit ungefähr 500 Mann an. Die britischen
-Pickets hatten Befehl erhalten, hartnäckigen Widerstand zu leisten und
-sich dann zurückzuziehen. Ermutigt hierdurch, entwickelte Wayne auch den
-Rest seiner Brigade, sodass er mehr als 1000 Mann in Thätigkeit gesetzt
-hatte. Die übrigen Continentals der Armee folgten als Reserve. Es schien
-nunmehr Cornwallis der Augenblick zum Schlagen gekommen zu sein. Seine
-Armee war in zwei Treffen aufmarschiert. Das erste bestand aus ungefähr
-2500 Mann, das zweite, zu dem das Regiment von Bose gehörte, war etwa
-1000 Mann stark. Wayne und Lafayette merkten den Fehler, den sie
-begangen hatten und sahen, dass er am besten durch ein kühnes Wagnis
-wieder gut gemacht werden könnte. Wayne ging mit seiner Brigade vor.
-Dies brachte die Briten zum Stehen. Die feindlichen Reihen standen sich
-nur ungefähr 70 Yards gegenüber, und unterhielten gegenseitig ein
-fünfzehn Minuten langes heftiges Feuer. Da aber nunmehr die Briten
-anfingen die Amerikaner in der Flanke zu fassen, gingen letztere zurück.
-Zwei Geschütze, die den Braunschweigern bei Bennington abgenommen worden
-waren, mussten sie, da die Pferde totgeschossen waren, im Stich lassen.
-Der Verlust der Amerikaner wird auf 139 angegeben, der der Briten auf 75
-Mann.
-
-Nachdem Cornwallis in Portsmouth angekommen war, erhielt er Gegenbefehl
-und machte mit seiner ganzen Armee Halt. Er sollte Old Point Comfort
-besetzen und verteidigungsfähig einrichten, ebenso, wenn er es für
-ratsam hielte, einen andern Ort auf der Halbinsel, der sich als
-Marine-Station eignete. Nachdem sich aber die Ingenieure gegen Old Point
-Comfort ausgesprochen hatten, besetzte Cornwallis in der ersten Woche
-des August Yorktown und das gegenüber gelegene kleine Dorf Gloucester.
-Hier sammelte er schnell seine ganze Streitmacht und machte sich eilig
-daran, seine Stellung zur Verteidigung einzurichten, während Lafayette
-sich abwartend verhielt und ihn beobachtete.
-
-Gerade zu dieser Zeit war Washington benachrichtigt worden, dass die
-französische Flotte unter Count de Grasse sich anschickte, an den
-Operationen bei der Chesapeake Bay Anteil zu nehmen. Schnell und im
-Geheimen wurden Vorbereitungen getroffen, die amerikanische und
-französische Armee von New-York nach Virginien zu dirigieren. Wir haben
-gesehen, dass bereits am 18. August nach der City von New-York die
-Nachricht gekommen war, dass die Verbündeten im Begriff wären, den
-North-River zu überschreiten. Aus Mangel an Booten hatte diese Operation
-eine Woche gedauert. Sir Henry Clinton war aber, obwohl er von
-Washingtons Plan Kenntnis erhalten hatte, immer noch in der Idee
-befangen, als ob ein Angriff auf Staten Island beabsichtigt sei. Es
-dauerte bis zum 29., bis er über seinen Irrtum aufgeklärt wurde. Unter
-Zurücklassung von 4000 Mann unter General Heath zum Schutz des
-Hochlands, gingen Washington und Rochambeau in Eilmärschen gegen
-Cornwallis vor.
-
-Die verbündete Armee, die durch New-Jersey marschierte und von der das
-Schicksal des Krieges abhing, war sehr schwach. Sie bestand aus 4000
-Franzosen und 2000 Amerikanern. Nachdem Philadelphia passiert war, kam
-sie am 6. und 8. September 1781 in Head of Elk an. Der Count de Grasse
-war bereits mit 24 Schiffen in der Chesapeake Bay angekommen; er führte
-1700 Geschütze und 19 000 Seeleute mit sich. Ihm stellte sich am 5.
-September Admiral Graves mit einer geringern Streitmacht gegenüber. Die
-Schlacht dauerte zwei Stunden. Die Engländer gerieten, obwohl nicht
-vollkommen geschlagen, in einen Zustand, der sie zu jeder weitern
-Unternehmung gegen die Franzosen unfähig machte. Nach vier Tagen
-segelten sie unter Überlassung der Chesapeake Bay an de Grasse, nach
-New-York.
-
-Die Franzosen und Amerikaner, die von New-York gekommen waren,
-marschierten die Bay hinunter und vereinigten sich mit dem Korps von
-Lafayette und den französischen Truppen, die de Grasse gebracht hatte.
-Die vereinigte Armee bei Williamsburg bestand am 27. September 1781 aus
-ungefähr 7000 Franzosen, 5500 Continentals und 3500 virginischen
-Milizen. In den Reihen der Continentals waren Kompagnien von allen
-Staaten nördlich von Karolina. Die englische Armee in Yorktown war etwa
-7000 Mann stark. Von diesen gehörten nicht ganz 1100 dem Markgrafen von
-Anspach-Bayreuth, etwas mehr als 850 dem Landgrafen von Hessen-Cassel
-und der Rest, etwa 5000 Mann, dem König von Grossbritannien, welchem die
-ganze Armee Gehorsam gelobt hatte. Ungefähr 800 Seeleute fochten auf
-jeder Seite während der Belagerung. Die französische Flotte befand sich
-ausser Thätigkeit, dagegen waren die englischen Schiffe aktiv beteiligt.
-
-Yorktown bot keine starke Stellung; seine Verteidigung bestand nur aus
-Feldschanzen. Am 30. September 1781 gaben die Briten, vielleicht zu
-frühzeitig, ihre äussere Verteidigungslinie auf. In der Nacht zum 6.
-Oktober wurde die erste Parallele eröffnet. Am Nachmittag des 9. begann
-das Feuer aus der Parallele, und von da ab bis zum Ende der Belagerung
-dauerte die Kanonade beinahe ununterbrochen fort.
-
-Das erste Zusammentreffen, das stattfand, war ein Scharmützel an der
-Gloucester-Seite des Flusses, wo Simcoes Rangers, Tarletons Dragoner,
-Ewalds Jäger und ein englisches Regiment aufgestellt waren. Ihnen
-gegenüber standen mehr als 1000 Franzosen unter Choisy und de Lauzun und
-12 oder 1500 Milizen unter General Weedon. Tarleton und Simcoe hatten
-den Gebrauch der Karabiner bei ihrer Kavallerie verboten, und dies trug
-zu ihrer Niederlage bei. Am Morgen des 3. Oktober war Lauzun gemeldet
-worden, dass ausserhalb der Werke von Gloucester englische Dragoner
-ständen. Beim Vorgehen zu einer Rekognoszierung sah er eine hübsche Frau
-an der Thüre eines Hauses stehen, das am Wege lag. Lauzun müsste nicht
-Lauzun gewesen sein, wenn er vorübergegangen wäre, ohne sie anzureden.
-Sie teilte ihm mit, dass Tarleton eben bei ihr im Hause gewesen wäre,
-und den dringenden Wunsch geäussert hätte, »sich die Hand mit dem
-französischen Führer zu reichen«. »Ich versicherte ihr,« sagt Lauzun,
-»dass ich zu dem Zweck gekommen wäre, um ihm diese Befriedigung zu
-gewähren. Sie bedauerte mich sehr, indem sie, wie ich glaube, aus
-Erfahrung annahm, dass es unmöglich wäre, Tarleton Widerstand zu
-leisten.«
-
-Alsbald stiessen die französischen und englischen Dragoner aufeinander.
-Tarleton erhob seine Pistole und ging auf Lauzun los. Ein Zweikampf
-sollte beginnen, als Tarleton mit dem Pferde stürzte. Englische Dragoner
-halfen ihrem Obersten sich in Sicherheit zu bringen, aber sein Pferd
-fiel Lauzun in die Hände.
-
-Der 10. Oktober hatte eine tapfere That aufzuweisen. Major Cochrane
-hatte New-York in einem Walfischboot mit Depeschen für Lord Cornwallis
-verlassen. Er langte in der Chesapeake Bay bei hellem Tage an, lief
-Spiessruthen zwischen der französischen Flotte, die ihn lebhaft
-beschoss, und erreichte glücklich Yorktown. Dieser tapfere Mann sollte
-jedoch zum letzten Male solches Glück erlebt haben. Zwei Tage nach
-seiner Ankunft richtete er ein Geschütz mit eigener Hand. Als er über
-die Brustwehr sah, um die Wirkung seines Schusses zu beobachten, wurde
-ihm von einer Kanonenkugel der Kopf weggerissen. Lord Cornwallis stand
-dicht an seiner Seite und entging mit genauer Not demselben Schicksale.
-
-In der Nacht zum 11. Oktober wurde die zweite Parallele eröffnet. Zwei
-Redouten, gegenüber dem rechten Flügel der Stellung der Verbündeten,
-lagen in der Verlängerung dieser Parallele. Sie mussten deshalb
-notgedrungen genommen werden. Die grössere sollten die Franzosen
-stürmen; dieselbe war zum Teil mit Deutschen besetzt. Die Franzosen
-unter Befehl von Baron de Vioménil, wurden entdeckt und auf 120 Schritte
-mit Feuer empfangen. Es verging einige Zeit, bis ein Zugang zur Schanze
-hergestellt war, und als dieser passiert werden konnte, wurde der Sturm
-unternommen. 92 Franzosen fielen oder wurden verwundet bei diesem
-Angriff, der feindliche Verlust betrug 15 Tote und 50 Gefangene. Die
-kleinere Redoute wurde durch die Amerikaner genommen; sie wurde durch
-Herstellung eines Zuganges weniger aufgehalten, daher war ihr Erfolg
-schneller und mit geringeren Opfern erkämpft. 9 Mann von der Kolonne
-fielen, 31 wurden verwundet, darunter 5 Offiziere.
-
-In der Frühe des 16. Oktober wurde ein Ausfall gegen die zweite
-Parallele gemacht. Einige Augenblicke war er von Erfolg, einige Kanonen
-wurden vernagelt, aber die Briten wurden durch den Angriff der
-französischen Grenadiere alsbald wieder zurückgetrieben, und die
-Kanonen in einigen Stunden wieder gebrauchsfähig gemacht. In der
-folgenden Nacht machte Cornwallis den Versuch, seine Armee über den York
-River übersetzen zu lassen in der Absicht, zu versuchen, nach Virginien
-zu marschieren. Heftiger Wind und Regensturm, welcher alle Boote den
-Fluss hinuntertrieb, verhinderte ihn jedoch, diesen Plan zur Ausführung
-zu bringen, und die Truppen, welche bereits nach Gloucester übergesetzt
-waren, wurden am nächsten Morgen zurückgebracht, so dass die dortige
-Garnison ihre alte Stärke behielt.
-
-Die britische Artillerie war nunmehr vollkommen zum Schweigen gebracht
-und Cornwallis sah ein, dass er nicht länger aushalten konnte. Am 17.
-Oktober 1781 wurden die Verhandlungen eröffnet und am 19. die
-Kapitulation unterzeichnet und zwar unter Bedingungen, wie sie der
-Hauptsache nach General Lincoln in Charleston im vergangenen Jahr
-bewilligt waren. Am Nachmittag desselben Tages marschierten die Briten
-und Deutschen mit verhüllten Fahnen aus ihren Befestigungswerken, ihre
-Musikkorps den alten englischen Marsch spielend: »The World Turned
-Upside Down.«
-
-
-
-
-Kapitel XXIV.
-
-Schluss.
-
-
-Cornwallis Übergabe von Yorktown entschied das Schicksal des
-Revolutions-Krieges. Die Armeen ruhten während des Winters, und im
-Frühjahr 1782 kehrten die Generale Clinton und von Knyphausen nach
-Europa zurück. Sir Guy Carleton erhielt das Kommando in New-York,
-General-Lieutenant von Lossberg wurde Führer der hessischen Division. Am
-14. Dezember 1782 wurde Charleston geräumt, und am 25. November 1783,
-zwei Jahre nach dem Falle von Yorktown, segelten die letzten Hessen die
-Bai von New-York hinunter. »Ungefähr um zwei Uhr nachmittags lichteten
-wir die Anker,« sagt das Journal des Jäger-Korps, »und als die Flotte
-hinunter nach Staten Island segelte, sahen wir, wie auf mehreren Häusern
-die amerikanische Flagge gehisst wurde. Keine war indessen auf Fort
-George zu sehen. Bei Sonnenuntergang passierten wir Sandy-Hook, und als
-die Nacht hereinbrach, verschwand das Land vor unsern Augen.«
-
-Die Stärke der deutschen Hilfstruppen, welche England in Amerika von
-1776-1783 verwendete, belief sich im Durchschnitt auf nahezu 20 000
-Mann. Im Laufe der Zeit waren ungefähr 30 000 Soldaten herübergebracht
-worden, und 17 313 kehrten nach Deutschland zurück, als der Krieg
-beendet war.
-
-Für die Dienste dieser Truppen bezahlte England an Subsidien an die
-Fürsten mehr als 1 770 000 Pfund Sterling. Dies kam hinzu zu der Löhnung
-der Soldaten und zu allen Ausgaben, ausgenommen der für die Aushebung
-und Bekleidung und Ausrüstung.
-
-Es kann daher keine Frage sein, dass für eine so bedeutende Geldsumme
-Gross-Britannien ausgezeichnete Soldaten erhielt. Es ist richtig, dass
-die Deutschen mehrmals mit Unglück gefochten haben, wenn sie allein und
-ohne Gemeinschaft mit englischen Truppen dem Feinde gegenüber standen.
-Breymanns Braunschweigern wurde es bei Bennington nicht möglich, mit
-einiger Schnelligkeit vorwärts zu kommen, aber die ganze Armee Burgoynes
-war sehr langsam in ihren Bewegungen. Dieser General spricht in einem
-Privatbrief über die Deutschen bei Saratoga »als entmutigt und bereit,
-beim ersten Schuss ihre Waffen wegzuwerfen«. Und doch hatten sie im
-ersten Teil der Kampagne mit Tapferkeit gefochten und hervorragende
-Dienste geleistet, sowohl bei Hubbardton als bei Freemans Farm. Bei
-Saratoga waren die braunschweigischen Regimenter am meisten exponiert
-auf der ganzen Linie gewesen. Wenden wir uns nun zu dem Kriege in den
-mittleren Staaten, so sehen wir, wie die Hessen den Hauptanteil haben
-und mit grosser Tapferkeit bei White Plains und Fort Washington kämpfen.
-Wir sehen sie, durch den Erfolg zu vertrauensselig gemacht, bei Trenton
-überrascht und bei Red Bank geschlagen. Bei der erstem Affaire wurden
-sie in Unordnung zurückgeworfen, ihr Führer getötet, und »die Leute
-hielten nirgends Stand«. Bei der letzteren Gelegenheit fochten sie mit
-Verzweiflung und verloren 371 Offiziere und Leute von einer Stärke, die
-kaum 2500 Mann überstieg. Es würde uns zu weit führen, wenn wir genau
-die Aktionen betrachten wollten, bei denen die Deutschen nicht den
-Hauptteil der Streitkräfte des Königs ausmachten, aber ich glaube, man
-würde finden, dass nur bei wenigen Gelegenheiten während des Feldzuges
-die hessischen Soldaten Mangel an Mut oder Disziplin zeigten. Eine
-Schwierigkeit war unvermeidlich bei dem Gebrauch von Truppen
-verschiedener Nationalitäten. Eifersucht und Feindschaft entstand
-zwischen Offizieren sowohl wie Soldaten. Wir haben gesehen, dass Heister
-abberufen wurde, weil er sich nicht mit Sir William Howe auf guten Fuss
-stellen konnte, und wie Riedesel sich durch Burgoyne verletzt fühlte.
-Die Briten wurden obendrein beschuldigt, bei Auswechselung der
-Gefangenen nicht unparteiisch gehandelt zu haben; sie hätten ihre
-eigenen Offiziere ausgewechselt, während sie die hessischen Offiziere in
-Gefangenschaft belassen hätten. Riedesel ging so weit, in dieser
-Angelegenheit an Washington zu schreiben, wurde aber von diesem
-höflichst darauf aufmerksam gemacht, dass dies eine Sache wäre, auf die
-er keinen Einfluss hätte.
-
-Wir können mit Bestimmtheit annehmen, dass die Eifersucht zwischen den
-höhern Offizieren von den Untergebenen geteilt wurde. In einem Brief aus
-Brookland (Brooklyn), datiert den 7. September 1776, schreibt ein
-hessischer Kaplan: »Unsere lieben Hessen lernten ihr schweres Dasein
-ertragen, und ich bemühte mich in meinen Gebeten und Predigten sie in
-ihrem christlichen Heldenmut zu bestärken. Die Langsamkeit der
-englischen Generale machte sie unmutig, aber noch mehr die stolzen und
-beleidigenden Blicke, welche die Engländer auf die Deutschen warfen.
-Dies führte oft zu blutigen Scenen. Ein Unteroffizier, zu dem ein
-Engländer bei einem gemeinschaftlichen Trunk sagte: »-- -- Du Franzose,
-Du nimmst unsern Sold«, antwortete ruhig: »Ich bin ein Deutscher und Du
-bist ein --.« Beide zogen blank, und der Engländer wurde so schwer
-verwundet, dass er starb. Der gute Deutsche wurde nicht nur durch den
-englischen General begnadigt, sondern es wurden auch Befehle gegeben,
-dass die Engländer die Deutschen wie Brüder behandeln sollten. Alles
-dies geschieht, seitdem unsere gelehrigen Deutschen ein wenig Englisch
-gelernt haben.
-
-Es darf indessen nicht zu viel Gewicht auf solche Geschichten gelegt
-werden, von denen viele zweifellos in Amerika während des Krieges
-Verbreitung fanden. »Es ist erstaunlich,« schreibt Ewald viele Jahre
-später, »was für einen Unsinn Deserteure oft erzählten, nur ihren neuen
-Freunden zu Gefallen, um dadurch eine gute Aufnahme zu erlangen. Nachdem
-ich in Yorktown in Gefangenschaft gekommen war und die Bekanntschaft von
-mehreren französischen Offizieren gemacht hatte, fragte mich ein
-französischer General, der damals Chef des Regiments de Deux Ponts war,
-im Vertrauen, ob die Hessen mit dem englischen Dienst nicht sehr
-unzufrieden wären, da es doch für sie sehr hart gewesen wäre, immer bei
-den gewagtesten Unternehmungen verwendet worden zu sein; dass sie oft
-unnötig geopfert wären; dass sie immer die schlechtesten Quartiere und
-die schlechteste Verpflegung bekommen hätten; dass sie ungenügend
-bezahlt worden wären und an allen Dingen Mangel gelitten hätten. Über
-diese Geschichte musste ich lachen und versicherte ihn, dass kein wahres
-Wort daran sei, gerade das Gegenteil sei der Fall gewesen. Dies setzte
-den General sehr in Erstaunen, denn jeder Deserteur hätte ihn
-versichert, dass dies so gewesen wäre.«
-
-Es ist mehrfach behauptet worden, dass die deutschen Soldaten in Amerika
-in grosser Zahl desertiert seien. Diese Behauptung ist nur zum Teil
-durch Thatsachen erwiesen worden. In der Zeit, als die ersten Hessen in
-Staten-Island ankamen, liess der Kongress Flugblätter, die sie zur
-Desertion aufforderten, unter ihnen verteilen. Washington betrieb einige
-Tage nach ihrer Landung sehr eifrig die Agitation mit diesen
-Flugblättern. Die darin gemachten Versprechungen wurden von Zeit zu Zeit
-erneuert. Eine Proklamation, datiert vom 29. April 1778, verspricht
-fünfzig Acker Land jedem Soldaten, der übergeht, und jeder Hauptmann,
-der vierzig Mann mitbringen würde, sollte achthundert Acker Wald, vier
-Ochsen, einen Bullen, zwei Kühe und vier Schweine bekommen. Die
-Deserteure sollten nicht gezwungen werden, auf amerikanischer Seite zu
-fechten, sondern sich sofort an die Bebauung ihrer Güter begeben.
-Diejenigen Offiziere indessen, die sich in die Armee der Vereinigten
-Staaten einreihen lassen würden, sollten einen Rang höher bekommen als
-den, den sie in ihrer frühern Armee bekleidet hatten, und bei Korps
-Verwendung finden, die nur aus Deutschen gebildet und die
-ausschliesslich zum Grenz- und Garnison-Dienst gebraucht würden. Diese
-Versprechungen waren nicht ganz ohne Erfolg. Im August 1778 kamen zwei
-hessische Lieutenants in das Lager Washingtons; sie sprachen die
-Möglichkeit aus, dass ihnen andere Offiziere nachfolgen würden. Dies
-verwirklichte sich jedoch nicht. Ewald behauptet, dass kein anderer
-geborener hessischer Offizier desertiert sei, ich habe aber Grund
-anzunehmen, dass einige Offiziere der kleineren deutschen Staaten
-übergegangen sind.
-
-Selbst unter den Gemeinen war die Desertion geringer, als man erwartet
-haben mochte. Sie war verhältnismässig gross unter den Kriegsgefangenen.
-Die Armee, die sich im Oktober 1777 bei Saratoga ergab, war 5791 Mann
-stark, von denen 2431 Deutsche waren. Von diesen waren bis zum 1. April
-1778 655 Engländer und 160 Deutsche desertiert. Es ist kein Zweifel,
-dass fortgesetzt Anstrengungen gemacht wurden, diese und jene Gefangene
-zum Desertieren und zur Einreihung in die amerikanische Armee zu
-bewegen. Aber Washington billigte dies durchaus nicht. Am 27. Oktober
-1776 schreibt er an den Präsidenten des Kongresses: »In einem Brief von
-dem »Board of War« inbetreff der Auswechselung wird erwähnt, dass
-mehrere Gefangene, die wir gemacht hätten, eingereiht worden wären. Dies
-ist eine Maassregel, die nicht gutgeheissen werden kann, obwohl auf
-feindlicher Seite das Beispiel dazu gegeben worden ist; auch halte ich
-es aus politischen Rücksichten nicht für gut. Doch da es nun mal
-geschehen ist, so überlasse ich es dem Kongress, ihnen anzuempfehlen,
-zurückzukehren oder nicht, wie sie es für gut befinden.« Und noch
-einmal, am 30., spricht er dem Board of War dieselbe Ansicht aus, indem
-er hinzufügt: »Bevor ich die Ehre hatte, mit Ihnen über diese
-Angelegenheit zu verhandeln, war ich entschlossen, dem General Howe
-darüber Vorstellungen zu machen. Wegen der wenigen Leute, die bereits
-eingereiht sind, möchte ich nicht, dass sie wieder entlassen werden, da
-ich fürchte, dass sie bestraft werden, aber ich wünschte, dass diese
-Praxis in Zukunft aufgegeben würde.« In einem Brief vom 8. Oktober
-desselben Jahres war er noch weiter gegangen, indem er sagte, dass
-Handwerker und andere Gefangene, die zu bleiben wünschten, sollten
-veranlasst werden, zurückzukehren. Am 12. März 1778 sagt er, dass, wenn
-Gefangene von den Amerikanern eingereiht worden wären, dies ohne sein
-Wissen geschehen wäre. »Wir haben immer gegen General Howe die Anklage
-erhoben und thun es noch,« schreibt er, »dass er die Einreihung der in
-seiner Hand befindlichen Gefangenen entweder befohlen oder erlaubt
-hätte, eine gesetzwidrige Handlung, die ganz und gar dem Geist des
-Auswechselungsvertrages widerspräche.« Einige Tage später beruft er sich
-Pulaski gegenüber auf den Kongress. »Ich habe ihn darauf hingewiesen,«
-schreibt Washington, »dass die Einreihung von Gefangenen oder
-Deserteuren durch einen kürzlichen Kongressbeschluss verboten ist. Wie
-weit der Kongress geneigt sein möchte, eine Ausnahme zu machen und die
-Erlaubnis zur Annahme von Gefangenen in einzelnen detachierten Korps, in
-denen solche Leute mit weniger Gefahr als in der Linie Verwendung finden
-könnten, bin ich nicht in der Lage auszusprechen.«
-
-Es ist wahrscheinlich, dass Pulaski Deserteure angenommen hat, und es
-ist Thatsache, dass der sogenannte Chevalier Armand (in Wirklichkeit
-Marquis de la Rouerie) es gethan hat. Wiederhold sah, als er in Reading
-im Anfang des Jahres 1780 in Gefangenschaft war, zwei Schwadronen von
-Armands Korps durch die Stadt passieren. Er giebt an, dass das Korps 400
-Mann stark gewesen wäre und vollkommen aus deutschen Deserteuren
-bestanden hätte.
-
-Am 22. Mai 1778 fasste der Kongress den Beschluss, die Staaten
-anzuweisen, alle Deserteure und Gefangenen als vom Milizdienst befreit
-zu erklären und ihnen zu verbieten, als Stellvertreter in der Miliz zu
-dienen. Am 29. desselben Monats soll ein eigenartiger Vorfall im
-Cambridge passiert sein. Einige braunschweigische Offiziere fingen einen
-Deserteur ab, einen der Gefangenen von Prospect Hill. Er war im Begriff,
-sich nach Watertown davon zu machen, wo Oberst Armand eine
-Rekrutierungs-Station hatte. Der arme Teufel wurde zum Lager
-zurückbefördert, und da er der erste war, den man gefangen hatte, so
-sollte an ihm ein Exempel statuiert werden. Er wurde an einen Pfahl
-angebunden und bekam 300 Peitschenhiebe. Dann wurde ihm das Haar
-abgeschnitten und so stiess man ihn als ehrlos aus der Armee aus. Die
-Amerikaner sollen diesem Schauspiel ruhig zugesehen haben, sie hätten
-den Mann freundlich bei sich aufgenommen und im Triumph von dannen
-geführt. Eelking schenkt dieser Geschichte keinen Glauben, und wir
-wollen hoffen, dass sie nicht wahr ist. Jedenfalls erwies sich die
-Bestrafung, wenn sie wirklich stattgefunden hat, als wenig effektvoll,
-denn im Laufe der nächsten fünf Monate desertierten einige fünfzig
-Braunschweiger, auch war der Verlust an Menschen infolge von Desertion
-auf dem Marsche nach Virginia sehr bedeutend.
-
-Einige der Desertionen unter den Gefangenen waren nur scheinbar. Die
-deutschen Gefangenen verliessen ihre traurigen Hütten, auf die sie
-angewiesen waren, und wanderten fort, in der Hoffnung, New-York oder
-eine der britischen Armeen zu erreichen. Am 18. Mai 1779 schreibt
-Gouverneur Clinton an Washington über »einen Alarm an der Grenze von
-Ulster County, der durch das Erscheinen von etwa 100 Indianern und
-Tories veranlasst worden war. Dort vereinigten sie sich mit 27 Tories
-vom Ostufer des Hudson-River, meistens hessische Deserteure von den
-Konventions-Truppen. Die plötzliche Versammlung der Miliz schreckte sie
-vor weiterem Vordringen in das Land ab und verhütete, dass sie
-materiellen Schaden anrichteten«. Und im Februar 1781 schrieb General
-Greene, dass 38 von einem 40 Mann starken Detachement von Armands Legion
-zum Feind übergegangen wären und dass Baron Steuben sich veranlasst sah,
-einigen von ihnen zu befehlen, sich zu ihren Regimentern zu begeben, die
-sich in Gefangenschaft in Charlottesville befanden.
-
-Wenn es wahr ist, wie der deutsche Schreiber behauptet, und wie es
-wirklich der Fall zu sein scheint, dass Desertionen unter den Deutschen
-nicht so oft vorkamen als unter den Engländern, so ist der Grund dafür
-nicht weit zu suchen. Die Truppen waren meistenteils in Gegenden
-verwandt worden, in denen die Einwohner kein Deutsch verstanden.
-Obendrein waren die »Hessen«, wie die Hilfstruppen ohne Unterschied
-genannt wurden, Gegenstand eines eigentümlichen Schreckens unter den
-Eingeborenen. Ihr Name mag vielleicht manchmal bis auf den heutigen Tag
-als eine Art Schimpfname in einigen Land-Distrikten gehört werden. Der
-englische Deserteur war von dem Moment an, wo er den roten Rock auszog,
-nicht zu erkennen. Der Deutsche konnte kein Wort sprechen, ohne sich zu
-verraten.
-
-Weder unter den Engländern noch unter den Deutschen war die Desertion so
-vorwiegend als unter den Amerikanern. Aber hierbei muss ein grosser
-Unterschied konstatiert werden. Der britische oder deutsche Soldat
-konnte nur zum Feind desertieren. Der amerikanische Milizsoldat kehrte
-im allgemeinen in seine Heimat zurück. Die revolutionäre Miliz glich in
-vieler Hinsicht mehr den Stämmen der schottischen Hochländer in den
-Bürgerkriegen des siebzehnten und achtzehnten Jahrhunderts als modernen
-Soldaten. Sie kamen oder gingen, je nachdem der Patriotismus oder der
-Egoismus, der Enthusiasmus oder Entmutigung bei ihnen die Oberhand
-gewannen. Oft unerschrocken im Gefecht, waren sie auch oft die
-Veranlassung zu einer Panik, wie alle undisziplinierten Truppen; auch
-waren sie solch zügellose Burschen, dass es in gleicher Weise unratsam
-war für ihre Generale, ihnen zu trauen und für ihre Feinde, sie zu
-verachten.
-
-Wir haben gesehen, dass 17313 Deutsche, oder 58% von denen, die als
-Söldner herüber kamen, glücklich nach Europa zurückkehrten. Von den
-12554, die zurückblieben, ist nur ein kleiner Teil in der Schlacht
-gefallen oder an den Wunden gestorben, viele sind Krankheiten erlegen,
-viele desertiert, einige sind in Amerika zurückgeblieben, nachdem der
-Friede geschlossen war, mit Einwilligung der Behörden. Hessische
-Offiziere und Gemeine erhielten Land in Nova Scotia, und der Herzog von
-Braunschweig befahl mit einer Inhumanität, die bezeichnend für ihn ist,
-dass nicht nur Soldaten, die sich Verbrechen schuldig gemacht oder sich
-schlecht geführt hatten, sondern auch die, die körperlich zum Dienste
-untauglich waren, in Canada zurückgelassen werden sollten.
-
-Dem Landgraf von Hessen hat es nicht an Leuten gefehlt, die ihn in
-Schutz genommen haben. Diese berufen sich in erster Linie auf die
-allgemeine Schlechtigkeit der Amerikaner und auf das Verbrechen, gegen
-ihren König sich zu erheben, unter dessen Herrschaft sie nur zu
-glücklich gewesen wären; zweitens behaupten sie, dass das Handeln mit
-Soldaten den Gebräuchen des letzten Jahrhunderts entsprochen hätte, dass
-das Geld, das der Landgraf bekommen, im Interesse des Landes und Volkes
-verwandt worden wäre, und dass dieses den Handel gut geheissen hätte.
-Auf die erste Behauptung werde ich nur insoweit eingehen, als es nötig
-ist, ihren Mangel an Berechtigung nachzuweisen. Hätte sich der Landgraf
-an dem Revolutionskrieg nur um seines Zweckes willen beteiligt, so würde
-das Argument betreffend der Schlechtigkeit der Rebellen und des
-Verbrechens des Aufruhrs stichhaltig sein. Es verliert aber an
-Beweiskraft, wenn es auf einen Fürsten angewandt wird, der gemäss einer
-Politik, die in seiner Dynastie erblich war, seine Truppen dem
-Meistbietenden ausleiht. In Betreff des zweiten Arguments ist es wahr,
-dass die öffentliche Meinung in dem Gebrauch von Söldnern nichts
-Unmoralisches fand. Eine Nation, die in einen grossen Kampf verwickelt
-ist, wird sich sicherlich Hilfe holen dürfen, wo sie sie findet. Der
-einzelne Soldat des Glückes (soldier of fortune) ist lange mit zu
-grosser Nachsicht betrachtet worden. Aber Soldat des Glückes zu sein zur
-Stellvertretung, um aus seinem Blute Münzen schlagen zu lassen und in
-Gefahren zu kommen, an denen der, welcher den Vorteil geniesst, keinen
-Anteil nimmt, ist noch nie als eine würdige Beschäftigung angesehen
-worden. Und die, welche sagen, dass das hessische Volk den Handel des
-Landgrafen guthiess, verurteilen seine Unterthanen, ohne ihn selbst zu
-entschuldigen. Ein besseres Argument wurde von seinem Gesandten
-Schlieffen in der nahen Verwandtschaft zwischen dem englischen Hof und
-den Höfen von Hessen und Braunschweig gefunden. Die amerikanischen
-Provinzen hätten von einem hessischen Fürsten geerbt werden können.
-Hätten wir deshalb gesehen, dass hessische Soldaten in englischem Sold
-gegen amerikanische Rebellen ohne Geldentschädigung an den Landgrafen
-gekämpft hätten, so würde man glauben, dass sie aus politischen Gründen
-hinübergeschickt worden wären. Dies ist aber nicht möglich angesichts
-der Subsidien. Der Landgraf liess sich in einen nicht zu
-rechtfertigenden Handel ein und in dem Lichte dieses Handels muss er
-beurteilt werden.
-
-
-
-
-Anhang.
-
-A. Quellen-Verzeichnis.
-
-Gedruckte.
-
-
- Friedrich Kapp. Der Soldatenhandel deutscher Fürsten nach Amerika.
- Berlin 1864.
-
- Derselbe. Dasselbe. Berlin 1874.
-
- Derselbe. Geschichte der Deutschen im Staate New-York. New-York 1869.
-
- Derselbe. Friedrich der Grosse und die Vereinigten Staaten von
- Amerika. Leipzig 1871.
-
- Derselbe. Aufsatz in Sybels Historische Zeitschrift. II. 6. 42. 1879.
-
- Derselbe. Leben des amerikanischen Generals Friedrich Wilhelm von
- Steuben. Berlin 1858.
-
- Derselbe. Leben des amerikanischen Generals Johann Kalb. Stuttgart 1862.
-
- Max von Eelking. Die deutschen Hülfstruppen im nordamerikanischen
- Befreiungskriege, 1776-1783. Hannover 1863. 2 Bände.
-
- Derselbe. Leben und Wirken des Herzoglich Braunschweig'schen
- Generallieutenants Friedrich Adolf von Riedesel. Leipzig 1856. 3
- Bände.
-
- Generalin von Riedesel. Die Berufsreise nach Amerika. Berlin 1801.
-
- Christian Leiste. Beschreibung des britischen Amerika zur Ersparung
- der englischen Karten. Wolfenbüttel 1778.
-
- F. B. Melsheimer. Tagebuch von der Reise der braunschweig'schen
- Auxiliar-Truppen von Wolfenbüttel nach Quebec. Minden 1776.
-
- Derselbe. Erste Fortsetzung.
-
- J. von Ewald. Belehrungen über den Krieg, besonders über den kleinen
- Krieg, durch Beispiele grosser Helden und kluger und tapferer
- Männer. Schleswig 1798.
-
- Erste Folge derselben. Schleswig 1800.
-
- Zweite und letzte Folge derselben. Schleswig 1803.
-
- Briefe eines Reisenden über den gegenwärtigen Zustand von Kassel mit
- aller Freiheit geschildert. Frankfurt und Leipzig 1781.
-
- Hochfürstlich Hessen-Casselischer Staats- und Adresskalender auf das
- Jahr Christi 1779. Kassel.
-
- Karl Biedermann. Deutschland im 18. Jahrhundert. Band I.
- Deutschlands politische, materielle und soziale Zustände im 18.
- Jahrhundert. Leipzig 1880.
-
- Ferdinand Pfister. Der nordamerikanische Unabhängigkeits-Krieg.
- Kassel 1864.
-
- Friedrich II. und die neuere Geschichtsschreibung. -- Ein Beitrag
- zur Widerlegung der Märchen über angeblichen Soldaten-Handel
- hessischer Fürsten. Zweite, mit einer Beleuchtung Seumes vermehrte
- Auflage. Melsungen 1879.
-
- J. G. Seume. Sämtliche Werke. Leipzig 1835. (Mein Leben.)
-
- Derselbe. Aufsatz in J. W. von Archenholtz's Neue Litteratur und
- Völkerkunde. Für das Jahr 1789. Zweiter Band. (Hallifax 1782.)
- (Schreiben aus Amerika nach Deutschland.)
-
- August Ludwig Schlözers etc. Briefwechsel meist historischen und
- politischen Inhalts. Göttingen 1780 bis 1782.
-
- Derselbe. Staats-Anzeigen. 18 Bände.
-
- Die neuesten Staatsbegebenheiten mit historischen und politischen
- Anmerkungen. Frankfurt am Mayn und Mainz 1775. 1776. 1777. 3 Bände.
-
- Karl Heinrich Ritter von Lang. Geschichte des vorletzten Markgrafen
- von Brandenburg-Anspach. Anspach 1848.
-
- J. B. Fischer. Geschichte von Anspach und Onolzbach. Anspach 1786.
-
- Reglement für die hessische Infanterie. Kassel 1776.
-
- Von den Hessen in Amerika, ihren Fürsten etc. 1782. (Soll von
- Schlieffen verfasst sein.)
-
-
-Manuskripte.
-
-(Von Originalen oder Abschriften in der Königlichen Landesbibliothek in
-Kassel.)
-
- 1. Journal von dem Hochlöbl. Hessischen Grenadier-olim-Bataillon von
- Minnigerode, modo von Loewenstein vom 20. Januarii 1776 bis 17. Mai
- 1784.
-
- 2. Journal Hochfürstlichen Hessischen Grenadier-Bataillon Platte.
- Vom 16. Februar 1776 bis 24. Mai 1784. Geführt durch den
- Regiments-Quartiermeister Carl Bauer.
-
- 3. Journal des Hochlöblichen Füsilier-Regimentes von Alt-Lossberg.
- Geführt durch den Regiments-Quartier-Meister Heusser vom Ausmarsch
- aus der Garnison Rinteln an bis zur Rückkunft des gedachten
- Hochlöblichen Regiments aus Amerika vom 10. Merz 1776 bis den 5.
- Oktober 1783.
-
- 4. Geschichte von dem Hochlöblichen Füsilier-Regiment von Lossberg
- in Form eines Tagebuchs, angefangen 1776-1783 (von Adjutant Piel).
-
- 5. Journal vom Löblichen Garnisons-Regiment von Huyn, nachher von
- Benning, de ao. 1776 bis medio November 1783, geführt durch mich,
- den Regiments-Quartiermeister G. Kleinschmidt.
-
- 6. Journal, geführt bei dem Hochlöblich Hessischen Feld-Jäger-Corps
- während denen Campagnen der Königl. Grossbrittanischen Armee in
- North-Amerika. Angefangen den 23. Juli 1777, von dem Tage wo der
- Oberstlieutenant Ludwig Johann Adolf von Wurmb das Commando über das
- Corps übernahm und geendigt den 20. April 1784, bei der erfolgten
- retour derer sämtlich Hochfürstlich Hessischen Truppen aus Amerika.
-
- 7. Tagebuch des Hauptmannes Wiederhold von 1776-80.
-
- 8. Journal von dem Hochfürstl. Hessischen Hlöbl. Infanterie-Regiment
- von Trümbach, modo General-Lieutenant von Bose, seines in ao. 1776
- aus Hessen nach Amerika gethanen Ausmarsches, und in ao. 1783 wieder
- gehabten Einmarsches zur Garnison Hofgeismar.
-
- 9. Journal von dem Hochfürstlich Hessischen, des General-Major von
- Knoblauch Löbl. Garnisons-Regiment, seit dem Amerikanischen Krieg,
- von anno 1776 bis Ende 1783.
-
- 10. Briefe des General-Majors von Riedesel. Tagebuch vom Capit.
- Pausch.
-
- (Aus der Bibliothek Seiner Hoheit des Fürsten von Waldeck.)
-
- 11. Fragment eines Tagebuchs des Waldeck'schen Regiments
- vom 11. April 1780 bis zum Juli 1782.
-
- (Aus dem Archiv in Marburg.)
-
- 12. Berichte Sr. Excellenz des Herrn General-Lieutenant
- von Knyphausen an Serenissimum.
-
-
-
-
-B. Die hessischen Regimenter und ihre Namen.
-
-
-Der Landgraf von Hessen-Kassel schickte fünfzehn seiner Regimenter nach
-Amerika. Jedes Regiment bestand aus 650 Offizieren und Leuten in fünf
-Kompagnien. Vierzehn von diesen fünfzehn Regimentern hatten je eine
-Grenadier-Kompagnie abgeben müssen, und diese vierzehn Kompagnien mit
-noch zweien von des Landgrafen Leib-Garde waren zu vier
-Grenadier-Bataillonen zu 524 Köpfen formiert worden. Ein Jäger-Korps,
-ursprünglich aus zwei Kompagnien bestehend, begleitete die Armee. 1777
-wurde es nominell auf 1067 Köpfe vermehrt, aber ich glaube, in
-Wirklichkeit hat die Effektivstärke nie mehr wie sechs- oder
-siebenhundert betragen. Drei Kompagnien Artillerie, 588 Köpfe stark,
-wurden formiert, so dass die hessische Streitmacht aus 15
-Infanterie-Regimentern, 4 Bataillonen Grenadieren, 1 Jäger-Korps und 3
-Kompagnien Artillerie bestand. Kavallerie war nicht vorhanden, aber von
-den Jägern waren einige beritten.
-
-Ein hessisches Regiment wurde gewöhnlich nach seinem »Chef« benannt.
-Dieser »Chef« war manchmal der Oberst des Regiments, aber meistens war
-es ein Prinz oder höherer Offizier. Da die »Chefs« öfters wechselten
-oder versetzt wurden, so ist oft schwer, die Regimenter
-auseinanderzuhalten. Die Grenadier-Bataillone wurden nach ihren
-Oberstlieutenants benannt. Die folgende Liste der Regimenter und
-Bataillone, die in Amerika gedient haben, und die Änderung in ihren
-Namen, ist zum Teil einer Liste entnommen, die dem Wiederhold'schen
-Tagebuch in der Bibliothek in Kassel beigefügt ist. Ich glaube, dass sie
-im allgemeinen korrekt ist. Ich habe die Namen der Haupt-Schlachten und
-Expeditionen, an denen die einzelnen Regimenter und Bataillone
-teilgenommen haben, hinzugefügt. (Die Regimenter, die mit von Heister
-herübergekommen sind, sind mit »I. Div.«, die, welche mit von Knyphausen
-kamen, mit »II. Div.« bezeichnet.)
-
- Gren.-Bat. von Linsingen. (I. Div. -- Long-Island, Chatterton Hill,
- Brandywine, Redbank, Charleston.)
-
- Gren.-Bat. von Block; 1777 von Lengerke. (Wie vorstehend.)
-
- Gren.-Bat. von Minnigerode; 1780 von Loewenstein. (Wie vorstehend.)
-
- Gren.-Bat. von Koehler; 1778 von Graff; 1782 von Platte. (II. Div.
- -- Fort Washington, Charleston.)
-
- Leib-Regiment. (I. Div. -- Chatterton Hill, Brandywine, Germantown,
- Newport, Springfield.)
-
- Regiment Landgraf (ab und zu Wutgenau genannt). (II. Div. -- Fort
- Washington, Newport, Springfield.)
-
- Regiment Erbprinz. (I. Div. -- Long-Island, Fort Washington,
- Yorktown.)
-
- Regiment Prinz Carl. (Newport.)
-
- Regiment von Ditfurth. (I. Div. -- Newport, Charleston.)
-
- Regiment von Donop. (I. Div. -- Long-Island, Fort Washington,
- Brandywine, Germantown, Springfield.)
-
- Füsilier-Regiment von Lossberg (auch von Alt-Lossberg). (I. Div. --
- Long-Island, Chatterton Hill, Fort Washington, Trenton, Brandywine.)
-
- Füsilier-Regiment von Knyphausen. (Wie vorstehend.)
-
- Grenadier-Regiment Rall; 1777 von Woellwarth; 1778 von Trümbach;
- 1779 d'Angelelli. (I. Div. -- Long-Island, Chatterton Hill, Fort
- Washington, Trenton, Brandywine, Savannah.)
-
-Was von den drei letztgenannten nach Trenton übrig geblieben war, bildete
-das »Combinierte Bataillon« in der Kampagne von 1777. Im Dezember
-desselben Jahres wurden zwei Bataillone unter den Obersten von Loos und
-von Woellwarth formiert. Die drei Regimenter nahmen später ihre alte
-Formation wieder an; die beiden ersteren aber erlitten durch Sturm und
-an Gefangenen im September 1779 starke Verluste.
-
- Regiment von Mirbach; 1780 von Jung-Lossberg. (I. Div. --
- Long-Island, Fort Washington, Brandywine, Redbank.)
-
- Regiment von Trümbach; 1778 von Bose. (I. Div. -- Fort Clinton,
- Springfield, Guildford Court-House, Green-Spring, Yorktown.)
-
- Garnisons-Regiment von Stein; 1778 von Seitz. (II. Div.)
-
- Garnisons-Regiment von Wissenbach; 1780 von Knoblauch. (II. Div. --
- Savannah.)
-
- Garnisons-Regiment von Huyn; 1780 von Benning. (II. Div. -- Fort
- Washington, Newport, Charleston.)
-
- Garnisons-Regiment von Bünau. (II. Div. -- Fort Washington, Newport,
- Springfield.)
-
- Feld-Jäger-Korps. (Detachements von diesem Korps waren fast bei
- jeder Operation beteiligt.)
-
- (Die oben erwähnten Regimenter gehörten zu Hessen-Kassel.)
-
- Der von Howe und Clinton kommandierten Armee waren ausserdem noch
- folgende deutsche Regimenter zugeteilt:
-
- Regiment Waldeck. (Fort Washington, Pensacola.)
-
- Regiment Anspach. (Philadelphia, Newport, Springfield, Yorktown.)
-
- Regiment Bayreuth. (Philadelphia, Newport, Yorktown.)
-
-(Die beiden zuletzt erwähnten wurden im allgemeinen die beiden
-Anspach'schen Regimenter genannt. Die Anspach'schen Jäger bildeten einen
-Teil des Hessischen Jäger-Korps.)
-
-Das Braunschweig'sche Kontingent, welches in Canada und im nördlichen
-New-York diente, war zusammengesetzt aus dem
-
- Regiment Dragoner (zu Fuss). (Bennigton unter Baum.)
-
- Bataillon Grenadiere. (Bennington unter Breymann, 1. Stillwater, 2.
- Stillwater, Saratoga.)
-
- Regiment Prinz Friedrich. (Verblieb in Ticonderoga während der
- Saratoga-Kampagne.)
-
- Regiment von Riedesel. (1. Stillwater, Saratoga.)
-
- Regiment von Rhetz. (2. Kompagnie bei 1. Stillwater, Saratoga.)
-
- Regiment von Specht. (Saratoga.)
-
- Jäger-Bataillon oder Bataillon Barner. (1. Stillwater, Saratoga.)
-
-Das Hanauer Regiment und die Hanauer Artillerie befanden sich bei dieser
-Armee und teilten ihr Schicksal. Sie waren die einzigen Hessen bei
-Burgoynes Armee. Die Artillerie that gute Dienste in der Kampagne von
-1776 am Lake Champlain sowohl wie im Jahr 1777.
-
-Die Hanauer Jäger, wenigstens ein Teil derselben, nahmen an St. Legers
-Expedition Teil. Das Regiment von Anhalt-Zerbst erreichte Canada,
-nachdem die Feindseligkeiten in dieser Provinz vorüber waren.
-
-
-
-
-C. Übersicht über die Zahl der von jedem deutschen Staat nach Amerika
-gesandten Truppen und über die Zahl derer, die nicht zurückkehrten.
-
-
- Braunschweig sandte 1776 4300 M.
- im März 1777 224 "
- April 1778 475 "
- April 1779 286 "
- Mai 1780 266 "
- April 1782 172 "
- --------
- Im Ganzen: 5723 M.
- Es kehrten zurück im Herbst 1783: 2708 "
- --------
- Es kehrten nicht zurück: 3015 M.
-
-
- Hessen-Kassel sandte 1776 12 805 M.
- Dezember 1777 403 "
- März 1779 993 "
- Mai 1780 915 "
- April 1781 915 "
- April 1782 961 "
- ---------
- Im Ganzen: 16 992 M.
- Es kehrten zurück im Herbst 1783
- und Frühjahr 1784: 10 492 "
- ---------
- Es kehrten nicht zurück: 6 500 M.
-
-
- Hessen-Hanau sandte 2038 M.
- Rekruten im April 1781 50 "
- April 1782 334 "
- --------
- Im Ganzen: 2422 M.
- Es kehrten zurück im Herbst 1783: 1441 "
- --------
- Es kehrten nicht zurück: 981 M.
-
-
- Anspach-Bayreuth sandte 1777 1285 M.
- im Herbst desselben Jahres an Rekruten 318 "
- 1779 157 "
- 1780 152 "
- 1781 205 "
- 1782 236 "
- -------
- Im Ganzen: 2353 M.
- Es kehrten zurück im Herbst 1783: 1183 "
- -------
- Es kehrten nicht zurück: 1170 M.
-
-
- Waldeck sandte 1776 670 M.
- April 1777 89 "
- Februar 1778 140 "
- Mai 1779 23 "
- April 1781 144 "
- April 1782 159 "
- --------
- Im Ganzen: 1225 M.
- Es kehrten zurück im Herbst 1783: 505 "
- --------
- Es kehrten nicht zurück: 720 M.
-
-
- Anhalt-Zerbst sandte 1778 600 M.
- im April 1779 82 "
- im Mai 1780 50 "
- im April 1781 420 "
- --------
- Im Ganzen: 1152 M.
- Es kehrten zurück im Herbst 1783: 984 "
- --------
- Es kehrten nicht zurück: 168 M.
-
-
- Gesamtsumme der Soldtruppen 29 867 M.
- Es kehrten von diesen zurück 17 313 "
- ---------
- Es kehrten nicht zurück 12 554 M.
-
-Von den 12 554, die nicht zurückkehrten, sind -- nach meiner eigenen
-Schätzung --:
-
- Gefallen oder an den Wunden gestorben 1200 M.
- Gestorben durch Krankheit oder Unglücksfälle 6354 "
- Desertiert 5000 "
- --------
- 12554 M.
-
-
-
-
-D. Verlustliste der Deutschen in den Haupt-Schlachten und Gefechten des
-Revolutionskrieges.
-
-
- Tot. Verw. Vermisst.
- Long-Island 2 25
- 15. September 1776 2 16
- 16. September 1776 1 1
- Vom 9. bis 23. Oktober
- (inkl. Chatterton Hill) 13 63 23
- Fort Washington 56 276
- Trenton 17 78
- Assanpink (2. Jan. 1777) 4 11
- Burgoynes Kampagne (6. Okt. 1777) 25(?) 75(?)
- Scharmützel 3. Sept. 1777 1 19
- Brandywine, Jäger 7 39
- " übrigen Hessen 2(?) 16(?)
- Redbank 82 229 60
- Newport 19 96 13
- Stono Ferry 9(?) 34(?)
- Charleston 11 62
- Springfield 25(?) 75(?)
- Baton Rouge 25 8
- Pensacola 15(?) 45(?)
- Guildford Court House 15 69
- Yorktown 53 131
- -------------------------
- Im Ganzen: 548 1652 127 M.
-
-
- Druck von _Gottfr. Pätz_ in Naumburg a. S.
-
-
-
-
-
- +--------------------------------------------------------------+
- | Anmerkungen zur Transkription: |
- | |
- | Interpunktion wurde korrigiert, ohne hier |
- | gesondert erwähnt zu werden. Im Text wurden |
- | folgende Korrekturen vorgenommen: |
- | |
- | "Staaaten" in "Staaten" geändert. |
- | S. 5 "Konspcription" in "Konscription" geändert. |
- | S. 13 "datidrt" in "datiert" geändert. |
- | S. 14 "Hessel" in "Hessen" geändert. |
- | S. 19 "einer" in "eine" geändert. |
- | S. 19 "seine" in "seiner" geändert. |
- | S. 24 "abschliesen" in "abschliessen" geändert. |
- | S. 28 "frühereren" in "früheren" geändert. |
- | S. 28 "Whighs" in Whigs" geändert. |
- | S. 34 "blos" in "bloss" geändert. |
- | S. 36 "töden" in "töten" geändert. |
- | S. 38 "verhältnissmässig" in "verhältnismässig" geändert. |
- | S. 49 "Letzere" in "Letztere" geändert. |
- | S. 49 "Pensylvaniern" in "Pennsylvaniern" geändert. |
- | S. 54 "bliess" in "blies" geändert. |
- | S. 55 "vorfunden" in "vorgefunden" geändert. |
- | S. 56 "Manhatten" in "Manhattan" geändert. |
- | S. 56 "or" in "oder" geändert. |
- | S. 61 "bliessen" in "bliesen" geändert. |
- | S. 61 "französich" in "französisch" geändert. |
- | S. 62 "herausmarschiren" in "herausmarschieren" geändert. |
- | S. 70 "Pensylvanischen" in "Pennsylvanischen" geändert. |
- | S. 71 "zitterden" in "zitternden" geändert. |
- | S. 71 "Abtheilung" in "Abteilung" geändert. |
- | S. 73 "Annährung" in "Annäherung" geändert. |
- | S. 77 "äussserte" in "äusserte" geändert. |
- | S. 80 "Pensylvanier" in "Pennsylvanier" geändert. |
- | S. 83 "gegehalten" in "gehalten" geändert. |
- | S. 84 "Morgens" in "morgens" geändert. |
- | S. 85 "Lieutnant" in "Lieutenant" geändert. |
- | S. 85 "Anektode" in "Anekdote" geändert. |
- | S. 87 "Triumpf" in "Triumph" geändert. |
- | S. 87 "schell" in "schnell" geändert. |
- | S. 88 "Oberfehlshaber" in "Oberbefehlshaber" geändert. |
- | S. 89 "Knyphhusen" in "Knyphausen" geändert. |
- | S. 91 "Erlaubniss" in "Erlaubnis" geändert. |
- | S. 92 "1766" in "1776" geändert. |
- | S. 93 "gezungen" in "gezwungen" geändert. |
- | S. 95 "Planzen" in "Pflanzen" geändert. |
- | S. 98 "französche" in "französische" geändert. |
- | S.107 "der" in "des" geändert. |
- | S.107 "dadadurch" in "dadurch" geändert. |
- | S.120 "Lake-Champlain" in "Lake Champlain" geändert. |
- | S.120 "grösten" in "grössten" geändert. |
- | S.122 "zurükgeworfen" in "zurückgeworfen" geändert. |
- | S.125 "Haubizen" in "Haubitzen" geändert. |
- | S.151 "wenigsten" in "wenigstens" geändert. |
- | S.151 "Grossbritanien" in "Grossbritannien" geändert. |
- | S.152 "Geräuch" in "Geräusch" geändert. |
- | S.154 "Winter-Hill" in "Winter Hill" geändert. |
- | S.155 "grössen" in "grösseren" geändert. |
- | S.155 "zurükzukommen" in "zurückzukommen" geändert. |
- | S.158 "ich ich" in "ich" geändert. |
- | S.167 "französicher" in "französischer" geändert. |
- | S.168 "Galleren" in "Galeeren" geändert. |
- | S.169 "Französich" in "Französisch" geändert. |
- | S.188 "Tranportschiffen" in "Transportschiffen" geändert. |
- | S.192 "Beoachtungen" in "Beobachtungen" geändert. |
- | S.200 "Savanah" in "Savannah" geändert. |
- | S.216 "nacher" in "nachher" geändert. |
- | S.217 "detaschierte" in "detachierte" geändert. |
- | S.223 "wegtranportieren" in "wegtransportieren" geändert. |
- | S.223 "Limcoe" in "Simcoe" geändert. |
- | S.224 "ükerlegte" in "überlegte" geändert. |
- | S.229 "Wallfischboot" in "Walfischboot" geändert. |
- | S.236 "Gefangeschaft" in "Gefangenschaft" geändert. |
- | S.246 "letzgenannten" in "letztgenannten" geändert. |
- | |
- +--------------------------------------------------------------+
-
-
-
-
-
-End of the Project Gutenberg EBook of Die Hessen und die andern deutschen
-Hilfstruppen im Kriege gross-britanniens gegen Amerika, by Edward Jackson Lowell
-
-*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE HESSEN UND DIE ANDERN ***
-
-***** This file should be named 44049-8.txt or 44049-8.zip *****
-This and all associated files of various formats will be found in:
- http://www.gutenberg.org/4/4/0/4/44049/
-
-Produced by Peter Becker, Karl Eichwalder and the Online
-Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net (This
-book was produced from scanned images of public domain
-material from the Google Print project.)
-
-
-Updated editions will replace the previous one--the old editions
-will be renamed.
-
-Creating the works from public domain print editions means that no
-one owns a United States copyright in these works, so the Foundation
-(and you!) can copy and distribute it in the United States without
-permission and without paying copyright royalties. Special rules,
-set forth in the General Terms of Use part of this license, apply to
-copying and distributing Project Gutenberg-tm electronic works to
-protect the PROJECT GUTENBERG-tm concept and trademark. Project
-Gutenberg is a registered trademark, and may not be used if you
-charge for the eBooks, unless you receive specific permission. If you
-do not charge anything for copies of this eBook, complying with the
-rules is very easy. You may use this eBook for nearly any purpose
-such as creation of derivative works, reports, performances and
-research. They may be modified and printed and given away--you may do
-practically ANYTHING with public domain eBooks. Redistribution is
-subject to the trademark license, especially commercial
-redistribution.
-
-
-
-*** START: FULL LICENSE ***
-
-THE FULL PROJECT GUTENBERG LICENSE
-PLEASE READ THIS BEFORE YOU DISTRIBUTE OR USE THIS WORK
-
-To protect the Project Gutenberg-tm mission of promoting the free
-distribution of electronic works, by using or distributing this work
-(or any other work associated in any way with the phrase "Project
-Gutenberg"), you agree to comply with all the terms of the Full Project
-Gutenberg-tm License available with this file or online at
- www.gutenberg.org/license.
-
-
-Section 1. General Terms of Use and Redistributing Project Gutenberg-tm
-electronic works
-
-1.A. By reading or using any part of this Project Gutenberg-tm
-electronic work, you indicate that you have read, understand, agree to
-and accept all the terms of this license and intellectual property
-(trademark/copyright) agreement. If you do not agree to abide by all
-the terms of this agreement, you must cease using and return or destroy
-all copies of Project Gutenberg-tm electronic works in your possession.
-If you paid a fee for obtaining a copy of or access to a Project
-Gutenberg-tm electronic work and you do not agree to be bound by the
-terms of this agreement, you may obtain a refund from the person or
-entity to whom you paid the fee as set forth in paragraph 1.E.8.
-
-1.B. "Project Gutenberg" is a registered trademark. It may only be
-used on or associated in any way with an electronic work by people who
-agree to be bound by the terms of this agreement. There are a few
-things that you can do with most Project Gutenberg-tm electronic works
-even without complying with the full terms of this agreement. See
-paragraph 1.C below. There are a lot of things you can do with Project
-Gutenberg-tm electronic works if you follow the terms of this agreement
-and help preserve free future access to Project Gutenberg-tm electronic
-works. See paragraph 1.E below.
-
-1.C. The Project Gutenberg Literary Archive Foundation ("the Foundation"
-or PGLAF), owns a compilation copyright in the collection of Project
-Gutenberg-tm electronic works. Nearly all the individual works in the
-collection are in the public domain in the United States. If an
-individual work is in the public domain in the United States and you are
-located in the United States, we do not claim a right to prevent you from
-copying, distributing, performing, displaying or creating derivative
-works based on the work as long as all references to Project Gutenberg
-are removed. Of course, we hope that you will support the Project
-Gutenberg-tm mission of promoting free access to electronic works by
-freely sharing Project Gutenberg-tm works in compliance with the terms of
-this agreement for keeping the Project Gutenberg-tm name associated with
-the work. You can easily comply with the terms of this agreement by
-keeping this work in the same format with its attached full Project
-Gutenberg-tm License when you share it without charge with others.
-
-1.D. The copyright laws of the place where you are located also govern
-what you can do with this work. Copyright laws in most countries are in
-a constant state of change. If you are outside the United States, check
-the laws of your country in addition to the terms of this agreement
-before downloading, copying, displaying, performing, distributing or
-creating derivative works based on this work or any other Project
-Gutenberg-tm work. The Foundation makes no representations concerning
-the copyright status of any work in any country outside the United
-States.
-
-1.E. Unless you have removed all references to Project Gutenberg:
-
-1.E.1. The following sentence, with active links to, or other immediate
-access to, the full Project Gutenberg-tm License must appear prominently
-whenever any copy of a Project Gutenberg-tm work (any work on which the
-phrase "Project Gutenberg" appears, or with which the phrase "Project
-Gutenberg" is associated) is accessed, displayed, performed, viewed,
-copied or distributed:
-
-This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
-almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or
-re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
-with this eBook or online at www.gutenberg.org
-
-1.E.2. If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is derived
-from the public domain (does not contain a notice indicating that it is
-posted with permission of the copyright holder), the work can be copied
-and distributed to anyone in the United States without paying any fees
-or charges. If you are redistributing or providing access to a work
-with the phrase "Project Gutenberg" associated with or appearing on the
-work, you must comply either with the requirements of paragraphs 1.E.1
-through 1.E.7 or obtain permission for the use of the work and the
-Project Gutenberg-tm trademark as set forth in paragraphs 1.E.8 or
-1.E.9.
-
-1.E.3. If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is posted
-with the permission of the copyright holder, your use and distribution
-must comply with both paragraphs 1.E.1 through 1.E.7 and any additional
-terms imposed by the copyright holder. Additional terms will be linked
-to the Project Gutenberg-tm License for all works posted with the
-permission of the copyright holder found at the beginning of this work.
-
-1.E.4. Do not unlink or detach or remove the full Project Gutenberg-tm
-License terms from this work, or any files containing a part of this
-work or any other work associated with Project Gutenberg-tm.
-
-1.E.5. Do not copy, display, perform, distribute or redistribute this
-electronic work, or any part of this electronic work, without
-prominently displaying the sentence set forth in paragraph 1.E.1 with
-active links or immediate access to the full terms of the Project
-Gutenberg-tm License.
-
-1.E.6. You may convert to and distribute this work in any binary,
-compressed, marked up, nonproprietary or proprietary form, including any
-word processing or hypertext form. However, if you provide access to or
-distribute copies of a Project Gutenberg-tm work in a format other than
-"Plain Vanilla ASCII" or other format used in the official version
-posted on the official Project Gutenberg-tm web site (www.gutenberg.org),
-you must, at no additional cost, fee or expense to the user, provide a
-copy, a means of exporting a copy, or a means of obtaining a copy upon
-request, of the work in its original "Plain Vanilla ASCII" or other
-form. Any alternate format must include the full Project Gutenberg-tm
-License as specified in paragraph 1.E.1.
-
-1.E.7. Do not charge a fee for access to, viewing, displaying,
-performing, copying or distributing any Project Gutenberg-tm works
-unless you comply with paragraph 1.E.8 or 1.E.9.
-
-1.E.8. You may charge a reasonable fee for copies of or providing
-access to or distributing Project Gutenberg-tm electronic works provided
-that
-
-- You pay a royalty fee of 20% of the gross profits you derive from
- the use of Project Gutenberg-tm works calculated using the method
- you already use to calculate your applicable taxes. The fee is
- owed to the owner of the Project Gutenberg-tm trademark, but he
- has agreed to donate royalties under this paragraph to the
- Project Gutenberg Literary Archive Foundation. Royalty payments
- must be paid within 60 days following each date on which you
- prepare (or are legally required to prepare) your periodic tax
- returns. Royalty payments should be clearly marked as such and
- sent to the Project Gutenberg Literary Archive Foundation at the
- address specified in Section 4, "Information about donations to
- the Project Gutenberg Literary Archive Foundation."
-
-- You provide a full refund of any money paid by a user who notifies
- you in writing (or by e-mail) within 30 days of receipt that s/he
- does not agree to the terms of the full Project Gutenberg-tm
- License. You must require such a user to return or
- destroy all copies of the works possessed in a physical medium
- and discontinue all use of and all access to other copies of
- Project Gutenberg-tm works.
-
-- You provide, in accordance with paragraph 1.F.3, a full refund of any
- money paid for a work or a replacement copy, if a defect in the
- electronic work is discovered and reported to you within 90 days
- of receipt of the work.
-
-- You comply with all other terms of this agreement for free
- distribution of Project Gutenberg-tm works.
-
-1.E.9. If you wish to charge a fee or distribute a Project Gutenberg-tm
-electronic work or group of works on different terms than are set
-forth in this agreement, you must obtain permission in writing from
-both the Project Gutenberg Literary Archive Foundation and Michael
-Hart, the owner of the Project Gutenberg-tm trademark. Contact the
-Foundation as set forth in Section 3 below.
-
-1.F.
-
-1.F.1. Project Gutenberg volunteers and employees expend considerable
-effort to identify, do copyright research on, transcribe and proofread
-public domain works in creating the Project Gutenberg-tm
-collection. Despite these efforts, Project Gutenberg-tm electronic
-works, and the medium on which they may be stored, may contain
-"Defects," such as, but not limited to, incomplete, inaccurate or
-corrupt data, transcription errors, a copyright or other intellectual
-property infringement, a defective or damaged disk or other medium, a
-computer virus, or computer codes that damage or cannot be read by
-your equipment.
-
-1.F.2. LIMITED WARRANTY, DISCLAIMER OF DAMAGES - Except for the "Right
-of Replacement or Refund" described in paragraph 1.F.3, the Project
-Gutenberg Literary Archive Foundation, the owner of the Project
-Gutenberg-tm trademark, and any other party distributing a Project
-Gutenberg-tm electronic work under this agreement, disclaim all
-liability to you for damages, costs and expenses, including legal
-fees. YOU AGREE THAT YOU HAVE NO REMEDIES FOR NEGLIGENCE, STRICT
-LIABILITY, BREACH OF WARRANTY OR BREACH OF CONTRACT EXCEPT THOSE
-PROVIDED IN PARAGRAPH 1.F.3. YOU AGREE THAT THE FOUNDATION, THE
-TRADEMARK OWNER, AND ANY DISTRIBUTOR UNDER THIS AGREEMENT WILL NOT BE
-LIABLE TO YOU FOR ACTUAL, DIRECT, INDIRECT, CONSEQUENTIAL, PUNITIVE OR
-INCIDENTAL DAMAGES EVEN IF YOU GIVE NOTICE OF THE POSSIBILITY OF SUCH
-DAMAGE.
-
-1.F.3. LIMITED RIGHT OF REPLACEMENT OR REFUND - If you discover a
-defect in this electronic work within 90 days of receiving it, you can
-receive a refund of the money (if any) you paid for it by sending a
-written explanation to the person you received the work from. If you
-received the work on a physical medium, you must return the medium with
-your written explanation. The person or entity that provided you with
-the defective work may elect to provide a replacement copy in lieu of a
-refund. If you received the work electronically, the person or entity
-providing it to you may choose to give you a second opportunity to
-receive the work electronically in lieu of a refund. If the second copy
-is also defective, you may demand a refund in writing without further
-opportunities to fix the problem.
-
-1.F.4. Except for the limited right of replacement or refund set forth
-in paragraph 1.F.3, this work is provided to you 'AS-IS', WITH NO OTHER
-WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, INCLUDING BUT NOT LIMITED TO
-WARRANTIES OF MERCHANTABILITY OR FITNESS FOR ANY PURPOSE.
-
-1.F.5. Some states do not allow disclaimers of certain implied
-warranties or the exclusion or limitation of certain types of damages.
-If any disclaimer or limitation set forth in this agreement violates the
-law of the state applicable to this agreement, the agreement shall be
-interpreted to make the maximum disclaimer or limitation permitted by
-the applicable state law. The invalidity or unenforceability of any
-provision of this agreement shall not void the remaining provisions.
-
-1.F.6. INDEMNITY - You agree to indemnify and hold the Foundation, the
-trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone
-providing copies of Project Gutenberg-tm electronic works in accordance
-with this agreement, and any volunteers associated with the production,
-promotion and distribution of Project Gutenberg-tm electronic works,
-harmless from all liability, costs and expenses, including legal fees,
-that arise directly or indirectly from any of the following which you do
-or cause to occur: (a) distribution of this or any Project Gutenberg-tm
-work, (b) alteration, modification, or additions or deletions to any
-Project Gutenberg-tm work, and (c) any Defect you cause.
-
-
-Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg-tm
-
-Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
-electronic works in formats readable by the widest variety of computers
-including obsolete, old, middle-aged and new computers. It exists
-because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
-people in all walks of life.
-
-Volunteers and financial support to provide volunteers with the
-assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
-goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
-remain freely available for generations to come. In 2001, the Project
-Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
-and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations.
-To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
-and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
-and the Foundation information page at www.gutenberg.org
-
-
-Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive
-Foundation
-
-The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
-501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
-state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
-Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification
-number is 64-6221541. Contributions to the Project Gutenberg
-Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
-permitted by U.S. federal laws and your state's laws.
-
-The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
-Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
-throughout numerous locations. Its business office is located at 809
-North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887. Email
-contact links and up to date contact information can be found at the
-Foundation's web site and official page at www.gutenberg.org/contact
-
-For additional contact information:
- Dr. Gregory B. Newby
- Chief Executive and Director
- gbnewby@pglaf.org
-
-Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg
-Literary Archive Foundation
-
-Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
-spread public support and donations to carry out its mission of
-increasing the number of public domain and licensed works that can be
-freely distributed in machine readable form accessible by the widest
-array of equipment including outdated equipment. Many small donations
-($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
-status with the IRS.
-
-The Foundation is committed to complying with the laws regulating
-charities and charitable donations in all 50 states of the United
-States. Compliance requirements are not uniform and it takes a
-considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
-with these requirements. We do not solicit donations in locations
-where we have not received written confirmation of compliance. To
-SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any
-particular state visit www.gutenberg.org/donate
-
-While we cannot and do not solicit contributions from states where we
-have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
-against accepting unsolicited donations from donors in such states who
-approach us with offers to donate.
-
-International donations are gratefully accepted, but we cannot make
-any statements concerning tax treatment of donations received from
-outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff.
-
-Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
-methods and addresses. Donations are accepted in a number of other
-ways including checks, online payments and credit card donations.
-To donate, please visit: www.gutenberg.org/donate
-
-
-Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic
-works.
-
-Professor Michael S. Hart was the originator of the Project Gutenberg-tm
-concept of a library of electronic works that could be freely shared
-with anyone. For forty years, he produced and distributed Project
-Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.
-
-Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
-editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S.
-unless a copyright notice is included. Thus, we do not necessarily
-keep eBooks in compliance with any particular paper edition.
-
-Most people start at our Web site which has the main PG search facility:
-
- www.gutenberg.org
-
-This Web site includes information about Project Gutenberg-tm,
-including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
-Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
-subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks.
-