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Freiherr von Verschuer - -Release Date: October 27, 2013 [EBook #44049] - -Language: German - -Character set encoding: ISO-8859-1 - -*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE HESSEN UND DIE ANDERN *** - - - - -Produced by Peter Becker, Karl Eichwalder and the Online -Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net (This -book was produced from scanned images of public domain -material from the Google Print project.) - - - - - - +--------------------------------------------------------------+ - | Anmerkungen zur Transkription: | - | | - | Der Text wurde weitgehend in seiner Ursprungsform | - | belassen, auch in zweifelhaften Fällen wie: | - | "Bankroft", obwohl vermutlich jeweils George | - | Bancroft gemeint ist. Gesperrter und kursiver Text | - | ist als _Text_ markiert, Fettdruck als =Text=. | - | | - | Eine Liste der vorgenommenen Änderungen befindet sich am | - | Ende des Texts. | - | | - +--------------------------------------------------------------+ - - - - - Die Hessen - und die andern deutschen Hilfstruppen im Kriege - Gross-Britanniens gegen Amerika - 1776-1783 - - Von - Edward J. Lowell. - - Uebersetzt mit Autorisation des Verfassers - von - O. C. Freiherrn von Verschuer - Major z. D. - - Mit 8 Plänen - - Zweite, um eine Einleitung vermehrte Ausgabe. - - - Braunschweig und Leipzig - Verlag von Richard Sattler - 1902. - - - - - Seinem ehemaligen Regiments-Kommandeur - - Herrn Generalmajor z. D. von Gersdorff - in Dankbarkeit und Verehrung - gewidmet - von - dem Uebersetzer - - - - -Einleitung des Übersetzers. - - -In vorliegendem Buche will der Verfasser das Auftreten der »Deutschen -Hilfstruppen« in Amerika einer genauen Beleuchtung unterwerfen, -insbesondere will er den Legenden entgegentreten, die sich in seinem -Vaterlande im Laufe der Zeit über die Hilfstruppen -- mit dem -Sammelnamen »Hessen« bezeichnet -- gebildet haben. Seine Anschauungen in -Betreff der Subsidien-Verträge mit England und der an diesen beteiligten -Fürsten stimmen im allgemeinen mit den Ansichten weiter Kreise in -Deutschland überein, viele urteilen bei weitem schärfer, aber bei einer -grossen Menge werden die abfälligen Urteile nach verschiedener Richtung -hin mehr oder weniger scharf bekämpft. Wie erklärt sich dieser Zwiespalt -der Meinungen, und wie könnte er einigermassen überbrückt werden? Er -erklärt sich m. E. hauptsächlich dadurch, dass viele Geschichtschreiber -die Frage des sogenannten Soldatenhandels nicht genügend im Lichte der -damaligen Zeit betrachten, und dass diese Frage bisher nicht in ihrer -Vielseitigkeit und mit derjenigen Gründlichkeit behandelt worden ist, -die zur Erlangung eines objektiven Urteils unbedingt notwendig ist. Ein -solches Urteil wird nur erlangt werden können durch eine genaue Prüfung -und Vergleichung der bereits vorhandenen und eine Untersuchung der noch -unbenutzt liegenden Quellen, ferner durch gleichzeitiges -in-Betrachtziehen der politischen und militärischen Verhältnisse und -Zustände -- und ihrer Entwickelung -- in _allen_ Staaten, die im Laufe -des 17. und 18. Jahrhunderts je an dem Überlassen von Truppen gegen -Subsidien beteiligt gewesen sind, und schliesslich durch ein -sich-Vertiefen in die Anschauungen der Zeit und zwar aller Kreise: der -Fürsten, Landstände, Offiziere, Soldaten und des Volkes. Nur aus dem -Geiste der Zeit heraus kann das Übereinkommen deutscher Fürsten mit -England im Jahr 1776, können die Urteile der Zeitgenossen für und wider --- verstanden, erklärt werden. Von grosser Bedeutung aber ist die -Thatsache, dass die Verträge mit England und das Auftreten deutscher -Soldtruppen in Amerika in den Zeitabschnitt fallen, der der -französischen Revolution vorausging. Hervorragende Geister der damaligen -Zeit bemühten sich, weiten Kreisen in Europa bei Gelegenheit des -ungewöhnlichen Falles der Verschickung deutscher Truppen über den Ozean -zum Bewusstsein zu bringen: _was das Überlassen von Menschen an fremde -Souveräne gegen Geld zu bedeuten habe!_ Wie in vielen andern Dingen so -auch in dieser Frage beginnt sich ein Wandel in den Anschauungen Bahn zu -brechen. Das was die Fürsten und die an den Verträgen mit England -interessierten Kreise -- im Geiste ihrer Zeit, in ihren Ideen und -ererbten Überlieferungen befangen, sowie unter Berufung auf die -Reichsverfassung -- zu thun für Recht hielten, wird als »Menschenhandel« -bezeichnet. So erklärt es sich, dass bei den Verträgen des Landgrafen -Friedrich II. und der andern beteiligten Fürsten Ausdrücke wie »Verkauf« -und »Seelenhandel« anfangen laut zu werden, während man zu Zeiten der -frühern Subsidien-Verträge in dem Überlassen von Truppen etwas -Althergebrachtes, nichts Unrechtes erblickte. - -Viel Aufsehen hat seiner Zeit das Buch von Friedrich Kapp über den -»Soldatenhandel« erregt. Er nennt es »Beitrag zur Kulturgeschichte des -18. Jahrhunderts.« Niemand wird den Wert, den es hat, bestreiten. Ein -Buch aber, das sein Entstehen einer Tendenz verdankt, wie sie der -Verfasser im Eingang zum Ausdruck bringt, kann unmöglich Anspruch auf -Objektivität machen. Und wer eine so leidenschaftliche Sprache wie Kapp -führt, kann nur ein einseitiges, kein gerechtes Urteil fällen. - -Wie wir sehen, stützt Lowell sein Urteil über die deutschen Zustände im -18. Jahrhundert zum grossen Teil auf die Forschungen Kapps, sowie auch -auf Seume (dessen Zeugnis aber ebenfalls nicht kritiklos hinzunehmen -ist). Dieser Teil des L.schen Buches wird deshalb sicher -- wenngleich -ihn eine völlig objektive Ausdrucksweise auszeichnet -- von einer spätern -Geschichtschreibung berichtigt und ergänzt werden. Von unbestreitbarem -Wert wird aber ebenso sicher der Hauptteil seines Buches sein, in dem er --- dank seiner umfassenden und gewissenhaften Quellenforschungen -- -besser, und nebenbei fesselnder, als irgend ein Geschichtschreiber vor -ihm, uns erzählt, von welcher Art deutsche Offiziere und Soldaten waren, -die in der »Neuen Welt« auftraten, welche Eindrücke sie von ihr bekamen, -und dass sie unter den schwierigsten Verhältnissen ihre Schuldigkeit -gethan haben. - -Zum Schluss möchte ich noch einmal darauf hinweisen: das Vermieten von -Truppen ist eine Erscheinung im Laufe des 17. und 18. Jahrhunderts, die -der Geschichte einer grossen Zahl von deutschen Staaten, darunter die -bedeutendsten, angehört. Ein dunkles Kapitel deutscher Geschichte wird -in vorliegendem Buche in Erinnerung gebracht. Dunkel sah es mehr oder -weniger in _allen_ deutschen Landen -- in mancher Hinsicht -- um die -Zeit des letzten Viertels des 18. Jahrhunderts aus. Gleichzeitig wissen -wir aber zu unserm Glück, dass dieses Dunkel einem Licht hat weichen -müssen, das uns das 19. Jahrhundert gebracht hat. - -_Frankfurt_ a. M., im März 1902. - - =v. Verschuer.= - - - - -Vorwort - - -Die Geschichte der deutschen Hülfstruppen, die im Revolutionskriege für -Gross-Britannien fochten, hat von amerikanischen Geschichtsschreibern -nicht den Grad von Beachtung gefunden, den ihre Wichtigkeit berechtigt -erscheint zu verdienen. Es ist sehr viel Wesen davon gemacht worden, -dass 7000 französische Soldaten und 19 000 französische Seeleute den -Vereinigten Staaten bei der Belagerung von Yorktown beistanden, aber -vergessen haben wir, dass eine Macht von zwischen 15 und 20 000 -Deutschen im Verlauf von 7 Jahren gegen uns kämpfte, dass mehr als -29 000 zu diesem Zweck nach Amerika gebracht wurden, dass mehr als -12 000 niemals nach Deutschland zurückkehrten. Ich weiss von keinem -amerikanischen Geschichtsschreiber ausser Bankroft, der gründliche -Studien über diesen Gegenstand in den Original-Quellen gemacht hätte; -dem ganzen Charakter seines Werkes nach wäre es nicht angängig gewesen, -die Geschichte der deutschen Truppen in ihren Einzelheiten zu schreiben. -Doctor George Washington Greene hat interessante Auszüge aus 3 -Kapp'schen Büchern herausgegeben, und die Erzählungen der Baronesse -Riedesel sind ins Englische übersetzt worden von William L. Stone Esq., -der auch den Teil von Eelkings »Leben von Riedesel«, welcher vom -Revolutionskrieg handelt, übersetzt hat. - -Ich kann nicht behaupten, bei der Bearbeitung des vorliegenden Buches -annähernd alle die sehr inhaltreichen Quellen, die die Bibliotheken und -Archive in Deutschland enthielten, benutzt zu haben. Ich habe indessen -deutsche Originalberichte von jedem wichtigen Engagement gefunden und -von beinahe jedem Scharmützel im Revolutionskriege vom Jahr 1776 bis zum -Ende, ausgenommen einige von den Gefechten, die in Carolina und Georgia -stattfanden und in denen wenige, wenn überhaupt, Deutsche engagiert -waren. Einige von diesen Berichten sind, glaube ich, niemals einem -amerikanischen Schreiber vor Augen gekommen. - -In Deutschland haben die Verträge in Betreff der Überlassung von -Hilfstruppen an Gross-Britannien und die Geschichte dieser Truppen -mehr Beachtung gefunden als in Amerika. Zwei Geschichtsschreiber sind -unter denen, die diesen Gegenstand behandelt haben, besonders -hervorzuheben. Der eine ist Fritz Kapp, einst Mitglied des Reichstages -und vordem in der Verbannung in Amerika. Diesem Buche verdanke ich -sehr viel, direkt und indirekt, wegen der vielen Fingerzeige, die -dasselbe enthält, besonders in den ersten fünf Kapiteln. Der -andere Geschichtsschreiber ist Max von Eelking, Hauptmann in -Sachsen-Meiningen'schen Diensten und korrespondierendes Mitglied des -New-Yorker Geschichtsvereins. Seine zwei Werke, »Die deutschen -Hilfstruppen im nordamerikanischen Befreiungskriege« und »Leben und -Wirken des Herzoglich Braunschweigischen Generallieutenants Friedrich -Adolf von Riedesel«, stellen die Geschichte vom deutschen Standpunkt -aus dar. Hauptmann von Eelking stand ein sehr reichhaltiges Material -zur Verfügung. Die Liste der für das erste Werk benutzten -Handschriften (von denen viele Eigentum von Privatpersonen) enthält 38 -Nummern. Bei der Lebensbeschreibung von Riedesel hatte er die -Erlaubnis, alle Briefe und Schriften, die der General hinterlassen, zu -benutzen. Wenn Hauptmann von Eelking so viel Sorgfalt im Gebrauch des -Materials als Fleiss in der Sammlung desselben entwickelt hätte, so -würden seine Werke sehr wertvolle Beiträge zur amerikanischen -Geschichte sein. Leider erleiden die Resultate seines Fleisses durch -Ungenauigkeiten Einbusse. Ich habe ihn oft benutzen müssen, habe es -aber mit Vorsicht gethan. - -Der Leser wird in diesem Buche Stellen finden, die mehr dem Gebiete der -Biographie oder Anekdote als der reinen Geschichte angehören. Die -Abenteuer von verhältnismässig unwichtigen Persönlichkeiten wie -Wiederhold, Ewald oder Baronesse Riedesel sind mit ziemlicher -Ausführlichkeit erzählt. Es war meine Aufgabe, einen Begriff davon zu -geben, was für eine Art Leute die Hilfstruppen waren und was für einen -Eindruck Amerika und die Amerikaner auf sie machten. Zu diesem Zweck -habe ich mich nicht gescheut, scheinbar unbedeutenden, gewöhnlichen -Stoff da zu verwenden, wo er charakteristisch geschienen hat, oder -Meinungen und Beschreibungen anzuführen, die, obschon echt, irrig waren. - - =Der Verfasser.= - - - - -Inhalt. - - - Seite - Kapitel I. Die Fürsten 1 - - " II. Die Verträge 12 - - " III. Die Verträge vor dem Parlament 22 - - " IV. Die Soldaten 30 - - " V. Von Deutschland nach Amerika 37 - - " VI. Die Schlacht von Long-Island 1776 41 - - " VII. Von der Okkupation von New-York bis zur Wegnahme - von Fort Washington, 15. Sept.-16. Nov. - 1776 51 - - " VIII. Trenton, 26. Dez. 1776 64 - - " IX. Der Winter 1777 75 - - " X. Die Braunschweiger in Canada 1776 90 - - " XI. Baronin Riedesels Reise 1776 u. 77 98 - - " XII. Ticonderoga und Bennington, Juli und August 1777 108 - - " XIII. Stillwater, am 19. Sept. u. 7. Okt. 1777 120 - - " XIV. Saratoga, vom 11-16. Okt. 1777 129 - - " XV. Die Braunschweiger in Gefangenschaft 145 - - " XVI. Brandywine, Germantown und Redbank, September - und Oktober 1777 160 - - " XVII. Der Rückzug der Briten durch New-Jersey, Januar - bis Juli 1778 170 - - " XVIII. Newport, vom November 1776 bis Oktober 1779 174 - - " XIX. Die Umgegend von New-York 1777-79 180 - - " XX. Wiederholds Reise -- eine Episode -- Sept. 1779 187 - - " XXI. Savannah, Charleston und Pensacola, 1778-1781 195 - - " XXII. New-York in den Jahren 1780 u. 81 208 - - " XXIII. Der Feldzug im Süden im Jahre 1781 216 - - " XXIV. Schluss 230 - - - Seite - =Anhang.= - - A. Quellen-Verzeichnis 241 - - B. Die hessischen Regimenter und ihre Namen 244 - - C. Übersicht über die Zahl der von jedem deutschen Staat nach - Amerika gesandten Truppen und über die Zahl derer, die nicht - zurückkehrten 248 - - D. Verlustliste der Deutschen in den Haupt-Schlachten und - Gefechten des Revolutionskrieges 250 - - - =Karten und Pläne.= - - 1. Schlacht von Long-Island 1776 48 - - 2. Operationen in New-Jersey und Pennsylvanien 1776 64 - - 3. Affaire bei Trenton 1776 74 - - 4. Burgoynes Übergabe 1777 128 - - 5. Schlacht von Brandywine 1777 160 - - 6. Überfall auf Paulus Hook 1779 186 - - 7. Lord Cornwallis Operationen im Süden 1781 216 - - 8. Yorktown 1781 224 - - - - - Die Hessen - - und die andern deutschen Hülfstruppen im Kriege - Gross-Britanniens gegen Amerika - 1776-1783. - - - - -Kapitel I. - -Die Fürsten. - - -Die Stadt Cassel ist für den durchreisenden Fremden eine der -anziehendsten in Mitteldeutschland. Ihre Galerien, Parks und Gärten, -sowie ihre grossen Paläste erregen Bewunderung und Staunen. Hier brachte -Napoleon III. die Monate seiner Gefangenschaft zu inmitten einer -Umgebung, die ihn an die Grossartigkeit von Versailles erinnert haben -möchte, welche den Schöpfern dieser herrlichen Anlagen wohl als Vorbild -vorschwebte. Die Anlagen und Schlösser rührten hauptsächlich aus dem -XVIII. Jahrhundert her, als die Augen der meisten Fürsten von Europa auf -den französischen Hof gerichtet waren; und kein Hof folgte eifriger und -konsequenter, in äusserem Gepränge wenigstens, dem Beispiel des -französischen Hofes, als der des Landgrafen von Hessen-Cassel. Die -Ausgaben für alle diese Bauten und Parkanlagen waren ungeheuer, aber es -war im allgemeinen Geld im Staatsschatz. Das Land jedoch war arm. Die -3-400 000 Einwohner lebten hauptsächlich vom Ackerbau, während die -Landgrafen Finanzmänner waren. Es war ein einträglicher Handel, den sie -betrieben. Nach der Ware, die sie verkauften oder ausliehen, war grosse -Nachfrage im damaligen Jahrhundert, wie in allen Jahrhunderten, es waren -eben _Menschen_, mit denen die Landgrafen von Hessen-Cassel Handel -trieben. Daher kam es, dass Landgraf Friedrich II. und seine Leute in -der amerikanischen Geschichte eine Rolle spielten und dass der Name -»Hessen« eine landläufige Bezeichnung in den Vereinigten Staaten wurde. -Die Landgrafen nahmen es nicht sonderlich genau mit den Ländern und den -Abnehmern, mit denen sie in Verbindung traten. 1687 stellte einer -derselben 1000 Mann den Venetianern für Geld zur Verfügung, um gegen die -Türken zu fechten. 1702 dienten 9000 Hessen unter den Seemächten und -1706 waren 11 500 Mann in Italien. England war der beste Kunde. Während -eines grossen Teils des XVIII. Jahrhunderts hatte es Hessen in seinem -Sold. Ein Teil derselben war bei der Armee des Herzogs von Cumberland -während des Prätendenten Invasion 1745, aber es ist festgestellt, dass -sie sich zu fechten weigerten, um einen Vertrag wegen Auslieferung der -Gefangenen zu erlangen. Es würde für viele von ihnen günstig gewesen -sein, wenn sie sich aus demselben Grunde geweigert hätten nach Amerika -zu gehen. So wenig spielte bei den Landgrafen der Patriotismus oder die -Politik eine Rolle, dass im Jahre 1743 Hessen gegenüber Hessen standen, -6000 Mann, die in der Armee des Königs Georg III. von England und 6000 -Mann, die im gegnerischen Heere des Kaiser Karl VII. dienten. - -Die Landgrafen von Hessen waren nicht die einzigen Fürsten, die ihre -Truppen in fremden Sold gaben. Im amerikanischen Revolutionskrieg -überliessen sechs deutsche Fürsten ihre Soldaten an Gross-Britannien. -Diese waren Friedrich II., Landgraf von Hessen-Cassel, Wilhelm, sein -Sohn, unabhängiger Graf von Hessen-Hanau, Carl I., Herzog von -Braunschweig, Friedrich, Fürst von Waldeck, Carl Alexander, Markgraf von -Anspach-Bayreuth und Friedrich August, Fürst von Anhalt-Zerbst. Die -Handlungsweise dieser Fürsten stand in keinem Einklang mit der Politik -des Kaiserreichs und dem sittlichen Empfinden der damaligen Zeit, der -Kaiser aber hatte keine Macht es zu verhindern, denn die Abhängigkeit -von denjenigen Teilen des Reiches, die ausserhalb seiner Erblande lagen, -war wenig mehr wie nur dem Namen nach vorhanden. - -Die Karte von Deutschland im XVIII. Jahrhundert zeigt ein -ausserordentliches Flickwerk. Ueber den nördlichen Theil des Landes, von -Osten nach Westen, aber nicht in ununterbrochener Folge, ziehen sich die -Gebiete des Königs von Preussen. Die österreichischen Erblande, in einer -ziemlich kompakten Masse, nehmen die südöstliche Ecke ein. Ueber die -Grenzen dieser zwei grossen Mächte hinaus liegt Alles durcheinander. -Kurfürstentümer, Herzogtümer, Erzbistümer, Besitzungen von Markgrafen, -Landgrafen, Fürsten und freien Städten sind unentwirrbar -zusammengewürfelt. Es gab beinahe 300 souveräne Staaten in Deutschland, -neben über 1400 Besitzungen des hohen Adels, die direkt unter dem Kaiser -standen und viele Souveränitätsrechte hatten. Einige von diesen 300 -Staaten waren nicht grösser als Stadtgebiete von Neu-England, viele -nicht grösser als amerikanische counties. Auch war keiner derselben in -sich geschlossen, die Besitztümer waren meist aus getrennten -Länderteilen zusammengesetzt. Jedes kleine Fürstentum hatte seinen -kleinen Fürsten mit seinem Hof und seiner Armee zu unterhalten. Die -Fürsten waren regelrecht despotisch. Die Ueberreste von dem, was einst -konstitutionelle Versammlungen gewesen waren, bestanden in manchen Orten -noch (Landstände), aber sie repräsentierten im besten Falle nur einen -kleinen Teil der Bevölkerung. Die Städte wurden durch die privilegierten -Klassen verwaltet. Auf dem Lande war den Bauern in einigen Gegenden ein -wenig Freiheit in der Verwaltung ihrer Orts-Angelegenheiten belassen, -aber im allgemeinen waren die Bauern nicht viel besser daran wie -Leibeigene und Gegenstand der Tyrannei einer Horde von Beamten, die bei -jeder Gelegenheit sich einmischten. Der Handel war durch Zölle und -Abgaben gehemmt; jeder kleine Staat hatte sein eigenes Finanz-System, -Handel und Industrie waren durch Monopole beschränkt. An einigen Orten -regelten drückende Gesetze die Kleidung und Kost der Bevölkerung. - -Vor Eintritt in das letzte Viertel des Jahrhunderts hatten in -politischer Beziehung bessere Verhältnisse Platz gegriffen. Friedrich -der Grosse von Preussen und Joseph II. von Oesterreich waren, jeder in -seiner Art, erleuchtete Fürsten, und ihr Beispiel hatte viele von den -besseren Souveränen bewogen, einigermassen für das Wohl des Volkes zu -sorgen. Der Einfluss der freiheitlichen Bewegung in Frankreich machte -sich ebenfalls fühlbar. Aber die Ideen von politischer Freiheit hatten -selbst bei den am weitesten vorgeschrittenen Geistern in Deutschland -kaum Eingang gefunden. Die gute oder schlechte Gesinnung des Fürsten -stand nicht _mehr_ unter dem Einfluss der öffentlichen Meinung als der -Zustand des Wetters. Die Lehre vom passiven Gehorsam war an der -Tagesordnung, obschon nicht völlig unbestritten. Wenn, wie ein -Geschichtsschreiber in Betreff politischer Verhältnisse -auseinandersetzte, es die Pflicht des Untergebenen wäre zu gehorchen, -selbst wenn sein Fürst aus reiner Willkür sein Leben von ihm fordern -würde, so kann man hoffen, dass es ebenso richtig war, wenn ein anderer -Geschichtsschreiber sagte, dass »in fürstlichen Häusern alle Tugenden -erblich sind«. - -Wir wollen nun etwas eingehender die speziellen Erben aller Tugenden -betrachten, die Söldner nach Amerika sandten. - -Der bedeutendste von ihnen war Friedrich II., Landgraf von -Hessen-Cassel. Dieser Fürst war der katholische Fürst eines -protestantischen Landes. Seine erste Gemahlin war eine englische -Prinzessin, eine Tochter Georg II. Sie hat sich bei seinem Uebertritt -zum Katholizismus nur von ihm getrennt und nach Hanau zurückgezogen mit -seinem vorzüglichen Sohn, von dem ich sogleich sprechen werde. - -Friedrich hatte in Cassel ein fröhliches Leben geführt. Er hatte eine -abgedankte Maitresse des Herzogs von Bouillon zu sich genommen, aber er -hielt nicht viel von der Treue und soll mehr als 100 Kinder gehabt -haben. Es wurde ein französisches Theater und eine Oper mit -französischem Ballet unterhalten. Französische Abenteurer mit guten -Empfehlungen waren willkommen und erhielten selbst verantwortliche -Stellungen im Staat. Der Hof war nach französischem Muster eingerichtet. -Französisch war ebenfalls -- und ist es noch lange nachher geblieben -- -die Sprache der Fürsten, Hofmänner und Diplomaten. In dieser Sprache -korrespondierte Friedrich der Grosse mit vielen seiner Verwandten, seine -Schwester schrieb darin ihre Memoiren, und französisch wurde gesprochen -am Hofe des kleineren Friedrich, welchen wir vor Augen haben. - -Zur Zeit der amerikanischen Revolution lebte der Landgraf mit seiner -zweiten Frau. Er war ungefähr 60 Jahre alt und scheint damals etwas -gesetzter geworden zu sein. Er war ein tüchtiger Regent. Seine Truppen, -durch Konscription ausgehoben und nach preussischem System gedrillt, -bestanden aus guten Soldaten. Seine Armee zählte im Jahre 1781 22,000 -Mann, während die Bevölkerung seiner Gebiete wenig mehr als 300,000 -Seelen betrug; aber viele Fremde wurden zum Dienen angeworben. Ein Teil -wurde nicht ununterbrochen bei der Fahne gehalten, sondern während des -grössten Teils des Jahres beurlaubt, um nur auf einige Wochen zu den -Uebungen eingezogen zu werden. Friedrich nahm grosses Interesse an -seiner Armee und korrespondierte mit seinen Offizieren in Amerika um -allen seinen Einfluss nutzbringend fühlen zu lassen. Auch bekümmerte er -sich um die inneren Angelegenheiten des Landes und hinterliess bei -seinem Tode einen vollen Staatsschatz. Er gründete Schulen und Museen -und liebte wie seine Vorfahren, Prachtbauten. Als er 12,000 Mann nach -Amerika sandte, setzte er die Steuern für deren Hinterbliebene -herunter, und, obschon diese, traurig und niedergeschlagen, ihre Söhne -und Brüder, die jenseits des Ozeans für fremde Interessen kämpfen -mussten, betrauerten, so verdient Friedrich von Hessen-Cassel in -gewisser Hinsicht Nachsicht im Urteil, da er immerhin persönliche Würde -zeigte und einer der wenigst scrupellosen Fürsten war, die Söldner nach -Amerika schickten. - -Wilhelm, der älteste Sohn und voraussichtliche Erbe Landgraf Friedrichs, -regierte während der Revolution die unabhängige Grafschaft Hanau, die -einige Meilen östlich von Frankfurt am Main lag. Wilhelm stand seinem -Vater nach an Würde, kam ihm aber gleich an Sinnlichkeit. Im August -1775, als man in Deutschland von der Nachricht der Schlacht von Bunker -Hill noch ganz erfüllt war, beeilte sich der Erbprinz, Georg III. ein -Regiment anzubieten »ohne die geringsten Bedingungen«. Trotz der -Beteuerung seiner uneigennützigsten Ergebenheit erhielt er schliesslich -einen höhern Preis für den gestellten Mann als einer seiner Mitbewerber, -ausgenommen seinen durchlauchtigen Vater. Die Höfe von Cassel und Hanau -standen nicht auf gutem Fusse. Seitdem der Landgraf den Glauben -gewechselt hatte, lebte er mit seiner Gemahlin und seinen Erben in -Streit. Aber die Lebensweise seines ältesten Sohnes unterschied sich -nicht sehr von seiner eigenen. Als Wilhelm ein natürliches Kind zu -unterhalten hatte, schlug er den Preis eines jeden Sackes Salz, den -seine Unterthanen von den Salzminen brachten, um einen Kreuzer auf und -gab die so erhaltenen Einkünfte dem Kinde. Als seine Nebenkinder die -Zahl 74 erreicht hatten, mussten die ärmeren seiner Unterthanen mit dem -Salz sparsam umgehen. Einer seiner Bastarde war jener General von -Haynau, welcher in österreichischen Diensten Grausamkeiten in Italien -1849 beging, der in Brescia Frauen peitschen liess und nachher in London -vom Pöbel misshandelt wurde. Wilhelms Maitresse war während vieler -Jahre ein Fräulein von Schlotheim, die ihm zuerst entlief aber von den -eigenen Eltern zurückgeschickt wurde. Nach den Worten einer Dame in -Cassel »konnte der hessische Adel diesen Vorteil nicht entbehren«. -Obschon der Fürst im Jahre einige 12,000 Pfund Sterling als Subsidien -für die Sendung von Truppen nach Amerika erhielt, so glaubt doch Kapp, -dass er keine Steuern erliess, ausser den Frauen und Kindern der -Soldaten der Expedition oder solche Steuern, die vom Eigentum der -Soldaten erhoben wurden, die weder Frauen noch Kinder hatten. Dass die -nachher erwähnten Fürsten Steuern erlassen hatten, habe ich nicht -erfahren, aber meine Quellen mögen lückenhaft sein. - -Herzog Carl I. regierte über Braunschweig-Lüneburg und der Erbprinz Carl -Wilhelm Ferdinand hatte sich mit ihm in der Regierung vereinigt. Der -Letztere hatte eine Schwester König Georg III. geheiratet. Das Land -hatte nur ungefähr 150,000 Einwohner und die Fürsten waren tief in -Schulden. Carl war verschwenderisch und der siebenjährige Krieg war sehr -kostspielig gewesen. Es waren Versuche gemacht worden, den Finanzen -durch Alchemie aufzuhelfen, aber das Gold war im Rauchfang verflogen -oder hatte seinen Weg in die Taschen der Alchemisten genommen, denn es -war keins in den Schmelztöpfen gefunden worden. Ein italienischer -Theater-Direktor erhielt ein Salair von 30,000 Thalern jedes Jahr, -während Lessing, der bereits der Autor von »Emilia Galotti« und »Minna -von Barnhelm« war, als Archivar für eine Kleinigkeit diente. Prinz Carl -Wilhelm Ferdinand war ein besserer Haushalter als sein Vater. Die -Lotterie, ein in jener Zeit modernes Mittel um Geld zu machen, war unter -der Leitung eines Staatsministers eingerichtet worden, und brachte viel -Geld ein, denn obschon der Herzog von Braunschweig weniger pro Kopf an -Subsidien für die Sendung von Soldaten nach Amerika als irgend ein -anderer Fürst erhielt, so war er doch im Stande, für sein Korps von -4300 Mann 160,000 Pfund in die Tasche zu stecken, bevor der Krieg -beendigt war. - -Die kleinen Gebiete von Anspach und Bayreuth, die zusammen ungefähr -400,000 Seelen enthielten, waren kurz vorher unter der Regierung des -Markgrafen Carl Alexander vereinigt worden. Keines von beiden Ländern -war unter seinen Souveränen glücklich gewesen. Beide Länder hatten zu -Zweigen der grossen Hohenzollern-Familie gehört, deren Hauptlinie -bereits in Preussen den Grund zu der Macht gelegt hatte, welche ihr -heute den ersten Platz in Europa gegeben hat. Aber den Markgrafen von -Anspach und Bayreuth fehlte die Geschicklichkeit, welche der rauhen -Strenge König Friedrich Wilhelms, des Vaters Friedrichs des Grossen, zu -Grunde lag. - -Von diesem Friedrich Wilhelm haben wir ein lebendiges Bild in den -Memoiren seiner Tochter Wilhelmine. Wie er seine Kinder mit dem Stock im -Zimmer herumjagte, wie Wilhelmine sich unter dem Bett verbarg und -Friedrich im Kloset, wie der König grosse Soldaten liebte und seiner -Gemahlin gegenüber tobte, ist da genau erzählt. Mit der ausdrücklichen -Absicht, ihre Geschichte heiterer zu machen, erzählt die Prinzessin, wie -ihr Vater, der im Allgemeinen der keuscheste der Monarchen war, -versuchte, eine Hofdame auf der Treppe zu küssen und wie sie ihn in's -Gesicht schlug, so dass seine Nase blutete. Wilhelmine vermählte sich -mit einem Markgrafen von Bayreuth, und ihre Schwester Friederike Louise -mit einem Markgrafen von Anspach; letztere aber lebte nicht auf gutem -Fusse mit ihm. - -Dieser Markgraf von Anspach war gutmütig in seiner Weise und gütig, wenn -er nicht schlecht gelaunt war. Er liebte es, seinen Dienern kleine -Gnadenbeweise zu geben, und ihnen persönlich davon Mitteilung zu machen. -Er erlaubte bereitwillig, den Kranken Leckerbissen aus seiner Küche -zukommen zu lassen. Wenn er nicht betrunken war, so war er geneigt, bei -Verbrechern die Todesstrafe in Freiheitsstrafe zu verwandeln, falls sie -sich nicht eines so schrecklichen Verbrechens schuldig gemacht hatten, -wie der Überredung von Soldaten, zu desertieren, an seinem Hof zu -stehlen oder zu wilddieben; aber seine militärischen Exekutionen waren -barbarisch. Der Markgraf war regelmässig in seinem Kirchenbesuch und -geneigt, Kirchen, Schulen und Hospitäler zu gründen. Er wäre deshalb -wohl von seinen Unterthanen geliebt worden, wenn nicht seine ungezähmte -Laune, und die Excesse, in die sie ihn führte, gewesen wären. Als er -einmal gehört hatte, dass seine Hunde nicht gut gefüttert wurden, ritt -er zu dem Haus des Mannes, der sie in Verwahrung hatte, rief ihn an die -Thür und erschoss ihn an der eigenen Thürschwelle. Als ein Gastwirt -wegen eines kleinen Diebstahls geklagt hatte, liess der Markgraf den -Dieb hängen. Im Jahre 1747 war ein Dienstmädchen ohne Untersuchung -gehängt worden, weil es einem Soldaten zur Flucht verholfen hatte. Als -der Markgraf eines Tages aus seinem Schloss ritt, hielt er still und -ersuchte den Wachtposten, der der Stadtwache angehörte und kein -regulärer Soldat war, um sein Gewehr. Der arme Bursche, der nicht -argwöhnisch war, gab es her, worauf der Markgraf ihn einen Feigling und -Schuft nannte und ihn von zwei Husaren an den Schwänzen der Pferde durch -den Mühlteich schleifen liess, an welcher Behandlung der Mann starb. -Einer seiner Stallmeister, mit Namen von Reitzenstein, obschon -habsüchtig und verderbt, war beim Volke beliebt, weil er einigemal diese -Excesse mässigte. Bei einer Gelegenheit machte ein Schafhirt mit der -Herde nicht schnell genug Platz für den Markgrafen wodurch Seiner -Durchlauchtigsten Hoheit Pferd scheute. Der Markgraf forderte des -Stallmeisters Pistolen um den Burschen niederzuschiessen. »Sie sind -nicht geladen,« antwortete von Reitzenstein. Indessen kurz bevor sie zu -Hause anlangten, zog der Stallmeister beide Pistolen heraus und feuerte -sie in die Luft. Paff! Paff! »Was ist los?« schrie der erschrockene -Markgraf. »Mein gnädiger Herr,« antwortete der andere, »ich glaube, Sie -werden diese Nacht viel besser schlafen, nachdem sie den Krach der -Pistolen jetzt, als eine Stunde vorher gehört haben.« - -Es war sehr gefährlich, des Markgrafen Handlungsweise zu kritisieren. -1740 war ein gewisser Christoph Wilhelm von Rauber angeschuldigt, -Karrikaturen und Schmähschriften verbreitet zu haben. Deswegen war er -verurteilt worden, sich auf den Mund zu schlagen, doch mit der -Verschärfung, dass es für ihn der Scharfrichter thun sollte, ferner -sollte er sehen, wie der Letztere seine Schmähschriften verbrannte, und -zuletzt geköpft werden, welch letztere Strafe gnädig in lebenslängliches -Gefängnis und Konfiskation umgewandelt wurde. - -Carl Alexander, der Sohn dieses grausamen Markgrafen scheint etwas -menschlicher als sein Vater gewesen zu sein. Er war in seiner Jugend -nach Utrecht geschickt worden, um Staats-Wissenschaften zu lernen und -dann nach Italien, wahrscheinlich um sich fürstliche Tugenden -anzueignen. Er kehrte, durch Ausschweifungen abgelebt, zurück, welches -sein Vater dem Reisebegleiter, Rath Meyer Schuld gab. Der letztere wurde -in Zelle eingekerkert, sein späteres Schicksal ist unbekannt. Einer -anderen Erzählung zufolge wurde er in Altenkirchen hingerichtet. - -Im Jahre 1777 war Carl Alexander, der Markgraf von Anspach und Bayreuth -geworden, tief in Schulden und entzückt durch die Gelegenheit zwei -seiner Regimenter in fremden Sold zu geben. Rekruten und Ersatzleute -waren in Zeitabschnitten hinausgesandt worden, bis eine Totalsumme 2353 -erreicht war, für deren Dienste der Markgraf mehr als 100,000 Pfd. -erhielt. Carl Alexander war der letzte Markgraf von Anspach und -Bayreuth. Im Jahre 1791 verkaufte er beide Länder an Preussen, für eine -Pension, von welcher er nachher in England lebte, wo er 1806 starb. - -Neben den Markgrafen von Anspach scheinen die Fürsten von Waldeck -ziemlich beachtenswert. Allerdings gebrauchten sie ihr kleines Land -hauptsächlich als Domäne um Leute für den Holländischen Markt -aufzuziehen, aber sie selbst fochten mit Auszeichnung für dasselbe Land. -Das Ausrüsten von Truppen für Amerika war mehr ein Neben-Geschäft, denn -die ganze ausgeschickte Anzahl betrug nur 1225 Soldaten. - -Friedrich August, Fürst von Anhalt-Zerbst, kann als die Karrikatur eines -kleinen deutschen Fürsten seiner Zeit angesehen werden. Er regierte über -einige 20,000 Seelen, aber man kann nicht sagen, dass er sie regiert -hat, denn die letzten 30 Jahre seines Lebens brachte er in Basel und -Luxemburg zu. Selbst da fand er, dass seine Unterthanen ihm störend -werden könnten, und verbot bei Strafe der Entlassung, durch eine formell -gedruckte Ordre, dass ihn einer seiner Beamten mit den Angelegenheiten -seines Landes behelligte. Er war nicht übermässig streng, indessen hatte -er auf der Insel Wangeroog einen Galgen errichten lassen als -Schreckmittel für die Austern-Stehler. Seine Armee von 2000 Mann, und -diese noch dazu mehr auf dem Papier, zählte nicht weniger als 11 -Obersten, doch als es dazu kam, 600 Mann nach Amerika zu senden, musste -er über die Grenzen des Landes hinausgehen, um nicht nur Soldaten -sondern auch Offiziere zu finden. Das kleine Fürstentum war so zu sagen -in Kommission und wurde durch einige wenige Privat-Räte verwaltet. Es -hatte weder Kunst noch Industrie, und hatte durch Krieg, Hungersnot, -Pest und Hochwasser gelitten. Aber es war ein Land, das sehr hohe -Beziehungen hatte. Die Schwester des Fürsten war die Kaiserin Catharina -II von Russland. Der Fürst selbst, obschon er fern vom Lande wohnte, -fühlte trotzdem die Höhe seiner Stellung und hatte ein mitfühlendes Herz -für Monarchen, wo nicht für Unterthanen. Als er hörte, dass gottlose -Franzosen ihren König Louis XVI enthauptet hatten, verfiel er in -Melancholie, verweigerte Essen und Trinken und starb, wie er gelebt -hatte, als Parodie, die Karrikatur eines königlichen Märtyrers. - - - - -Kapitel II. - -Die Verträge. - - -Aus den Verhandlungen zwischen dem Hof von Grossbritannien und den -deutschen Fürsten zur Anwerbung von Soldtruppen für den Krieg in Amerika -ist ersichtlich, wie begierig man auf beiden Seiten war, zu einem -Resultat zu gelangen. England gebrauchte Leute, die Fürsten Geld, und -während die Letzteren sich bemühten so hohe Subsidienbeträge wie möglich -zu bekommen, war die Hauptsorge des Kabinets von Lord North, die -höchstmögliche Anzahl von Soldaten ohne Verzögerung zu erhalten. -Friedrich Kapp, der deutsche Geschichtsschreiber dieses Handels, meint, -dass Colonel William Faucitt, der Britische Kommissionär und -General-Bevollmächtigte in dieser ganzen Angelegenheit, zu weitgehende -Zugeständnisse bei Aufstellung der Bedingungen machte. Dies scheint -jedoch nicht die Ansicht des Earl of Suffolk, North's Sekretär der -auswärtigen Angelegenheiten, gewesen zu sein, da er sich fortgesetzt mit -seinem Agenten sehr zufrieden erklärte. - -Das britische Kabinet war in seinen Hoffnungen, die es darauf gesetzt -hatte, im Sommer und Herbst 1775 20,000 Mann von Russland zu bekommen, -getäuscht worden. Ebenso zerschlugen sich die Verhandlungen in betreff -eines sogenannten Schottischen Regiments, das gegenwärtig in -holländischen Diensten war. Fünf Bataillone Hannoverischer Unterthanen -Georg III. wurden nach Gibraltar und Minorca schleunigst entsandt, um -die Engländer, die in diesen Festungen als Besatzung dient, für andere -Zwecke frei zu machen. So war keine andere Hülfe zu gewärtigen als von -den kleinen unabhängigen deutschen Fürstentümern. - -Der Erbprinz von Hessen-Cassel, gleichzeitig regierender Graf von -Hessen-Hanau, hatte geschrieben, um Seiner Majestät von England seinen -Eifer und seine Ergebenheit -- »dem besten der Könige« -- auszudrücken -und ihm die Dienste seines Regiments von 500 Mann anzubieten, »alles -Landeskinder, die ich dem Schutze Euerer Majestät anvertraue, und die -alle mit mir bereit sind, ihr Leben und Blut in Dero Diensten zu -opfern.« Man darf aber nicht glauben, dass der Prinz daran dachte, sein -eigenes kostbares Leben in Gefahr zu bringen, und der Ausdruck von der -Opferfreudigkeit seiner Unterthanen war auch nur eine reine Phrase. Der -Fürst von Waldeck schrieb im November 1775 in ähnlicher Art, indem er -600 Mann anbot. Seine Offiziere und Soldaten, ebenso wie ihr Fürst, -verlangten nichts besseres, als eine Gelegenheit zu finden, sich für -Seine Majestät zu opfern. - -Der Herzog von Braunschweig-Lüneburg und der Landgraf von Hessen-Cassel -boten zwar ihre Dienste nicht an, Colonel Faucitt fand aber keine -Schwierigkeiten in Verhandlungen mit ihnen einzutreten. Der Markgraf von -Anspach-Bayreuth machte im Herbste 1775 ein Anerbieten von zwei -Bataillonen, aber der betreffende Vertrag mit ihm kam erst nach mehr als -einem Jahre zu Stande, und im Oktober 1777 wurde mit dem Fürst von -Anhalt-Zerbst ein Übereinkommen getroffen, für dessen Zustandekommen er -Alles that, was in seinen Kräften stand. Anerbietungen von Truppen von -Seiten des Kurfürsten von Baiern und des Herzogs von Württemberg führten -zu keinem Resultat, einesteils wegen der schlechten Beschaffenheit und -Ausrüstung der angebotenen Soldaten und andernteils, Letzteren -betreffend, wegen der Schwierigkeiten, die Friedrich der Grosse wegen -Durchpassierens seiner Besitztümer machte. Anerbietungen mehrerer -anderer kleiner deutscher Fürsten führten zu nichts. - -Der Vertrag, der zuerst abgeschlossen wurde, war der mit dem Herzog von -Braunschweig. Er ist datiert vom 9. Januar 1776. Der Herzog stellt darin -Sr. Britannischen Majestät 3964 Mann Infanterie und 336 unberittene -Dragoner zur Verfügung. Dies Korps sollte auf Kosten des Herzogs -vollkommen ausgerüstet werden, ausgenommen die Pferde der leichten -Kavallerie. Sie sollten von Braunschweig in zwei Teilen marschieren im -Februar und März, und der König war verpflichtet Massnahmen zu treffen, -um Desertionen während des Marsches durch Kurfürstlich Hannoversches -Gebiet auf dem Wege zur Küste zu verhindern. Der König sollte sie -bezahlen und verpflegen wie seine eigenen Soldaten, und der Herzog -sollte sich verpflichten, sein Korps in den vollen Genuss der von Sr. -Britannischen Majestät genehmigten Geld-Verpflegung gelangen zu lassen, -mit andern Worten, den Leuten keine niedrigere Löhnung zu zahlen und die -Differenz in die Tasche zu stecken. Die Britische Regierung traute ihm -jedoch nicht. Von der Zeit der Ankunft der Truppen in Amerika an wurde -die Löhnung direkt dorthin geschickt, um sie nicht durch die Hände Sr. -Hoheit des Herzog gehen lassen zu müssen. Diese Vorsichtsmassregel war -bei allen deutschen Hilfstruppen angewandt worden mit Ausnahme derer von -Hessen-Cassel, dessen Landgraf es gelang, die Geldwirtschaft selbständig -zu führen. Die Braunschweig'schen Soldaten sollten in Britischen -Hospitälern gepflegt werden, und die Verwundeten, die nicht mehr -dienstfähig wären, auf Kosten des Königs nach Europa transportiert und -in einem Hafen der Elbe oder Weser gelandet werden. Der Herzog war -einverstanden damit, die jährlich für das Korps notwendig werdenden -Rekruten auszuheben, zu disziplinieren und auszurüsten, aber wenn es -sich ereignen sollte, dass eins der Regimenter, Bataillone oder eine -Kompagnie aussergewöhnlich Verlust erleiden sollte, entweder in einer -Schlacht, bei einer Belagerung oder durch eine Epidemie, oder durch den -Verlust eines Transportschiffes auf der Fahrt nach Amerika, so sollte -Se. Britannische Majestät für den Schaden aufzukommen haben an -Offizieren und Soldaten und die Kosten tragen für die Rekruten, die -nötig würden, um die Korps wieder auf ihren alten Etat zu bringen. - -Der Herzog sollte die Offiziere ernennen und die vakanten Stellen -besetzen. Er verpflichtete sich, dazu geeignete Leute zu wählen. Die -Rechtspflege reservierte er für sich. Es wurde festgesetzt, dass seine -Truppen nicht zu aussergewöhnlichen Dienstleistungen herangezogen werden -sollten, die ausser Verhältnis ständen zu den Anforderungen, wie sie an -die übrige Armee gestellt wurden. - -Der König von England verpflichtete sich, Seiner Hoheit unter dem Titel -Werbegeld für jeden Soldaten den Betrag von 30 Kronen oder 7 Pfund 4 -Schilling 4-1/2 Pence zu zahlen. Ausserdem hatte er jährlich an -Subsidien 11,517 L. 17 S. 1-1/2 P. vom Tage der Unterzeichnung des -Vertrages an, so lange die Truppen in seinem Sold ständen, zu zahlen, -und das doppelte dieser Summe (also 23,035 L. 14 S. 3 P.) noch zwei -Jahre nach Rückkehr der Truppen in das Gebiet Seiner Hoheit. In -Anbetracht der Eile, mit der die Truppen ausgerüstet waren, gewährte Se. -Majestät den Sold für zwei Monate vor dem Ausrücken und übernahm alle -Unkosten von der Zeit an nach dem Verlassen ihrer Standquartiere. - -Noch eine Bedingung in diesem Vertrage verdient hervorgehoben zu werden, -da sie die wohlberechtigte Entrüstung aller derer erregt hat, die dieses -Handeln mit Menschenblut verdammt haben. Es heisst darin: »Dem Herkommen -entsprechend sollen drei Verwundete einem Gefallenen gleich gerechnet -werden; für einen Gefallenen soll der Satz bezahlt werden, wie er bei -dem Werbegeld für den Einzelnen festgesetzt ist.« Diese Clausel, die in -dem darauf folgenden Vertrag mit Hessen-Cassel nicht verzeichnet steht, -befindet sich in dem Vertrag mit Braunschweig in demselben Artikel, in -welchem die Bedingung betreffs Vergütung für aussergewöhnliche Verluste -durch Schlachten, Epidemien und Schiffbrüche enthalten ist. Man könnte -es so verstehen, dass der König von England sich verpflichtete, für -jeden Rekruten, der an Stelle eines gefallenen Braunschweigers treten -würde, die Kosten tragen sollte, dass aber für jeden Deserteur oder für -jeden an einer Krankheit verstorbenen der Herzog einen anderen Mann zu -stellen hätte, es sei denn, dass eine ungewöhnlich verheerende Epidemie -ausbräche. Aber wenn man der Sache diese Auslegung giebt, wie verhält es -sich mit den »drei Verwundeten«? Kapp verwirft diese Erklärung, und -behauptet, dass für neue Rekruten Werbegeld gezahlt wurde ausser den 30 -Kronen für die Gefallenen und Verwundeten, und dass dieses Blutgeld vom -Fürsten in die Tasche gesteckt wurde, anstatt dass es die Familien des -Gefallenen oder der Verwundete selbst erhielt. Jedenfalls steht die -Thatsache fest, dass der Herzog von Braunschweig kontraktlich die Summe -von ungefähr 35 Dollars für jeden, der in der Schlacht fallen würde, und -11 Dollars 36 cent für jeden Verkrüppelten zu bekommen hatte. Es ist -wahrscheinlich jetzt nicht mehr möglich nachzuweisen, wieviel England in -Wirklichkeit hierfür ausgezahlt hat. Die Bezahlung war auf den -Rechnungen, die dem Parlament von dem Kriegs-Ministerium eingereicht -wurden, nicht in einzelnen Posten aufgeführt. Kapp glaubt, dass dem -Kabinet die Kritik, die dieser Punkt herausgefordert haben würde, nicht -angenehm gewesen wäre. - -Der Vertrag mit Hessen-Cassel, datiert vom 15. Januar 1776; er -unterscheidet sich von dem mit Braunschweig hauptsächlich dadurch, dass -er sich für den deutschen Hof günstiger stellte. In erster Linie wurde -der König von Gross-Britannien veranlasst, ein Schutz- und Trutz-Bündnis -mit dem Landgrafen von Hessen-Cassel zu schliessen. Die Hessischen -Truppen sollten geschlossen unter der Führung ihres Generals bleiben, -wenn nicht die Kriegsverhältnisse eine Teilung notwendig machen würde. -Die Kranken sollten in der Pflege der eigenen Ärzte und anderer Leute -bleiben, welche die Hessischen Generale zu ernennen hätten; und es -sollte ihnen Alles, was der König seinen eigenen Truppen zu Teil werden -liesse, ebenfalls zugestanden werden. Nach diesem Vertrage war der -Landgraf verpflichtet, 12,000 Mann aufzubringen, sie vollständig -auszurüsten und, wenn gewünscht auch Artillerie zuzuteilen. Es wurde -derselbe Satz Werbegeld wie an den Herzog von Braunschweig gezahlt, also -30 Kronen oder 7 £. 4 Sch. 4-1/2 Pfg. für jeden Mann. Die Subsidien -waren jedoch im Verhältnis höher, sie betrugen 450,000 Kronen oder -108,281 £ 5 Sch. pro Jahr und wurden (aber nicht verdoppelt) noch ein -weiteres Jahr nach Rückkehr der Truppen nach Hessen gezahlt. Der -Landgraf stellte später noch mehrere kleinere Kontingente auf, für die -er besondere Verträge abschloss. Nach ungefährer Schätzung bestand der -Vorteil, den der Landgraf über den Herzog erlangte, darin, dass -- -abgesehen von dem obenerwähnten Blutgeld, worüber genauere Angaben -fehlen und abgesehen von den Sporteln, die die hohen Rivalen noch -bekamen und wenn man nur das Werbegeld und die Subsidien rechnet -- der -Landgraf von Hessen-Cassel mehr als das Doppelte für jeden nach Amerika -geschickten Mann wie der Herzog von Braunschweig bekam. Hierzu kam noch, -was ausserhalb des Vertrages lag, dass der Landgraf Ansprüche auf eine -alte Schuld vom siebenjährigen Kriege her geltend machte, die früher -nicht anerkannt worden war. Sie betrug 41,820 £. 14 Sch. 5 Pfg. - -Die Verträge mit den kleineren Staaten Hessen-Hanau, Waldeck, -Anspach-Bayreuth und Anhalt-Zerbst unterschieden sich in den Grundzügen -nicht von den oben beschriebenen. Keiner von ihnen war für die Fürsten -ganz so günstig wie der Vertrag mit Cassel, keiner ganz so günstig für -England wie der mit Braunschweig. Die Blutgeld-Klausel findet sich in -den Verträgen mit Hanau und Waldeck, aber nicht in dem mit Anspach. - -Von Zeit zu Zeit wurden mit mehreren der oben erwähnten kleineren -Fürsten Händel wegen Gestellung von Ersatzmannschaften abgeschlossen. -Jäger und Scharfschützen waren besonders gesucht. - -Jedes Jahr wurden Rekruten zu den verschiedenen Truppenteilen nach -Amerika gesandt. Die Gesamtsumme der Leute setzt sich nach Kapp wie -folgt zusammen aus: - - Braunschweig 5 723 - Hessen-Cassel 16 992 - Hessen-Hanau 2 422 - Anspach-Bayreuth 2 353 - Waldeck 1 225 - Anhalt-Zerbst 1 152 - -------------- - Zusammen: 29 867 - -Von diesen segelten etwas mehr als 18 000 Mann im Jahre 1776 nach -Amerika. Von dieser Gesamtsumme von beinahe 30,000 Mann kehrten 12,554 -nicht wieder nach Deutschland zurück. Ausser den Kontingenten, die durch -die Verträge mit den deutschen Fürsten nach Amerika gesandt wurden, -diente noch eine gewisse Anzahl Deutscher in Englischen Regimentern, von -denen einige Aushebungs-Stationen am Rhein hatten. - -Es ist schwer zu sagen, wie diese Händel zwischen England und den -deutschen Fürsten von der öffentlichen Meinung in Deutschland damals -beurteilt wurden. Schlözer's »Briefwechsel«, das erste deutsche Journal -dieser Periode, kam in Göttingen, dem Hannoverschen Gebiet Georg's III. -zugehörig, heraus. Es enthält viele Aufsätze über den Amerikanischen -Krieg, die alle von Englischer Seite geschrieben sind mit der einzigen -Ausnahme eines Briefes an Baron Steuben, der auf Seiten der Kolonien -focht. Der Brief ist obendrein von dem Herausgeber in einer den -Amerikanern übel gesinnten Weise mit Anmerkungen versehen. Dieser Ton -mag vielleicht Schlözer durch die Umstände aufgezwungen worden sein, da -die Presse in Deutschland mehr geduldet als frei war. Ein interessantes -kleines Buch wurde in Wolfenbüttel bei Braunschweig im Jahre 1778 -veröffentlicht. Es enthält eine Beschreibung von Amerika, seiner -Produkte, Geographie, seine Geschichte und eine vorzügliche Karte. Der -Verfasser des Buches ist den Kolonisten durchaus feindlich gesinnt. Die -Sendung von mehr als 17000 Deutschen nach Amerika ist nur kurz, man -möchte sagen, nebenbei erwähnt, dagegen sind die ersten Operationen in -diesem Kriege, und speziell dieser Hilfstruppen ziemlich ausführlich -behandelt und doch war die Anwesenheit so vieler Deutscher in Amerika -zweifellos der Hauptgrund für das Entstehen des Buches. Auch ist es -billig, dass in jenen Tagen ein Aufruhr viel schärfer beurteilt wurde -als heut zu Tage, und dass ein solcher in den Augen von konservativ -denkenden Leuten nicht als ein politischer Fehler sondern als ein -abscheuliches Verbrechen galt. - -Ganz verschieden davon war die Art, in welcher die Liberalen Europas -über den Krieg und die Söldner urteilten. Die Prinzipien, die im Begriff -waren, der französischen Revolution die Wege zu ebnen, brachen sich -Bahn, und einige der Darsteller dieses grossen Dramas begannen auf der -Bühne zu erscheinen. Mirabeau, als Flüchtling in Holland weilend, -veröffentlichte ein Pamphlet gerichtet »An die Hessen und andere -deutsche Volksstämme, die von ihren Fürsten an England verkauft sind.« -Es ist die Mirabeau'sche Schrift ein beredter Protest gegen die Raubgier -der Fürsten und ein herrlicher Tribut, der dem Patriotismus der -Amerikaner gezollt wird. Das Genie Mirabeau's konnte weit genug in die -Zukunft sehen, um zu erkennen, dass der Nord-Amerikanische Kontinent -einst ein Asyl für die Unterdrückten aller Nationen werden würde. Der -gegen den Landgrafen von Hessen-Cassel geführte Schlag traf sein Ziel. -Letzterer versuchte nicht nur die ganze Auflage des Pamphlets -aufzukaufen, sondern veranlasste auch die Veröffentlichung einer -Antwort, die wiederum eine Entgegnung zur Folge hatte, in welchem der -zukünftige Tribun die Ansicht vertritt, dass ein Angriff auf die -Freiheit der Nationen das grösste aller Verbrechen sei. In demselben -Sinne schrieb Abbé Raynal und Andere, von denen einige zu dieser Zeit in -Europa besser bekannt waren als Mirabeau, und gegen den ein -Zeitungskrieg losbrach, der in den holländischen Zeitungen ausgefochten -wurde, die damals die einflussreichsten, weil freisten auf dem Kontinent -waren. In der Landes-Bibliothek in Cassel befindet sich ein -interessantes kleines Pamphlet, herausgegeben im Jahre 1782 in -französischer Sprache und ebenso in Deutsch. Dies Pamphlet war von -Schlieffen, dem Gesandten Landgraf Friedrichs II., geschrieben. Der -Schreiber weist auf die alte Erfahrung hin, dass die Menschen in allen -Zeitaltern sich gegenseitig umgebracht hätten, dass die Schweizer lange -Zeit gewöhnt gewesen als Söldner zu fechten, dass 10,000 Griechen unter -Xenophon dasselbe gethan hätten, und er hielte es für ungerecht, seine -Zeitgenossen für eine Sache zu tadeln, die in dem natürlichen Instinkt -der Menschheit begründet läge. Er konstatierte, dass das gegenwärtige -Vermieten von Truppen der zehnte Fall dieser Art seit Anfang des -Jahrhunderts sei. Er wies auf die Wohlthaten hin, die der Landgraf -seinem Lande hatte zu Teil werden lassen, und auf die Liebe, mit der ihn -sein Volk verehrte. Er lenkte die Aufmerksamkeit, und dies war -vielleicht sein bestes Argument, auf die Thatsache, dass der Landgraf -von Hessen und der Herzog von Braunschweig so nahe mit dem englischen -Königshaus verwandt wären, dass ihre Nachkommen eines Tages auf den -grossbritannischen Thron berufen werden könnten. Die prahlerische -Freiheit der Amerikaner wäre nur eine trügerische Sirene, denn die -Geschichte bewiese, dass republikanische Regierungsformen ebenso -tyrannisch und grausam wären wie Monarchieen. - -Dahingegen war der Freiherr von Gemmingen, der Gesandte des Markgrafen -von Anspach, etwas beschämt über den Handel, den er abgeschlossen hatte. -»Es kommt mir immer sehr hart an, mit Truppen zu handeln,« schreibt er -an seinen Agenten in London, »aber der Markgraf ist entschlossen, die -Sache um jeden Preis zu Stande zu bringen, um seine und seiner Vorgänger -Schulden bezahlen zu können. Auf diese Weise wird freilich das Gute, das -aus dem Subsidien-Vertrag entspringt, die schlechte Seite des Geschäfts -überwiegen.« Später schreibt er: »Der Vertrag, den wir soeben -abgeschlossen haben, ist viel günstiger, als wir erwarten konnten, wenn -man bedenkt, dass das Anerbieten von uns aus ging und dass die -königlichen Waffen bisher einen solchen Erfolg in Amerika gehabt haben. -Die Sache wird natürlich in dem möglichst ungünstigsten Licht von Leuten -angesehen werden, die es nicht verstehen, eine Staatsangelegenheit im -Rahmen des Ganzen und nach ihren besonderen Motiven zu beurteilen. Aber -sobald diese Leute sehen, wie fremdes Geld in unser armes Land fliessen -wird, sobald sie sehen, dass dessen Schulden bezahlt werden, mit den -Mitteln, die uns jetzt zufliessen, so werden sie und die ganze Welt -entzückt sein und anerkennen, dass die Truppen, deren Pflicht es ist, -die Feinde des Landes zu bekämpfen, den schlimmsten Feind besiegt haben, -nämlich -- unsere Schulden. Selbst der niedrigste Soldat, der nach -Amerika geht, gut bezahlt und wohl versorgt, wird mit seinen -Ersparnissen zurückkehren und stolz darauf sein, für sein Vaterland und -seinen eigenen Vorteil gearbeitet zu haben ... Ich bin im Allgemeinen -ein erklärter Feind von solchem Handel mit Menschen; aber es giebt -Fälle, in denen Schlechtes sich in eine Wohlthat verwandelt, und so -verhält es sich, wenn ich mich nicht irre, in diesem Falle.« - -Friedrich der Grosse drückte in einem Brief an Voltaire (vom 18. Juni -1776) seine Verachtung über die mit Menschen handelnden Fürsten aus und -fand etwas später Gelegenheit, ihnen Hindernisse in den Weg zu legen. -»Wäre der Landgraf aus meiner Schule hervorgegangen,« schrieb er, »so -würde er nicht seine Unterthanen an die Engländer verkauft haben, wie -man Vieh verkauft, um es zur Schlachtbank zu führen. Dies ist kein -schöner Zug in dem Charakter eines Fürsten, der sich rühmt, der -Lehrmeister von Regenten zu sein. Ein solches Handeln ist durch nichts -Anderes als durch schmutzigen Eigennutz hervorgerufen. Ich bedauere die -armen Hessen, die ihr Leben unglücklich und nutzlos in Amerika enden.« -Napoleon, der dreissig Jahre später den damaligen Landgrafen von -Hessen-Cassel (den »Grafen von Hanau« der Verträge) vertrieb, äusserte -sich folgendermassen: »Das Fürstenhaus von Hessen-Cassel hat viele Jahre -lang seine Unterthanen an England verkauft. Auf diese Weise haben die -Kurfürsten solche Schätze gesammelt. Diese Habsucht ist die Ursache des -Sturzes ihrer Dynastie.« - - - - -Kapitel III. - -Die Verträge vor dem Parlament. - - -Der angreifende oder sich rechtfertigende Ton der Minister der deutschen -Despoten hatte wenig Einfluss, wenn ihre Herren sich einmal für eine -Sache entschieden hatten. Der leidenschaftliche Protest eines jungen -deutschen Poeten oder eines französischen Pamphletisten konnte -schwerlich auf die Politik einen Einfluss ausüben. Der König von -Preussen, dessen Wort in betreff des Verdingens von Soldaten für fremde -Kriegsdienste Gesetz gewesen sein mag, zog es vor, mit Verachtung zu -strafen, anstatt zu befehlen. Aber im Parlament von Gross-Britannien -wurden die Verträge zwischen dem König von England und den deutschen -Fürsten verhandelt durch verantwortliche Minister auf der einen Seite, -und auf der andern Seite durch Staatsmänner, von denen einige eines -Tages zur Macht gelangen konnten. Es ist richtig, dass die Majorität, -welche die Regierung unterstützte, so erdrückend war, dass die -Opposition keine Aussicht hatte, sie zu stürzen. Aber es lässt sich kaum -bezweifeln, dass, obwohl die grössere Stimmenzahl auf Seiten der Tories -im Parlament von 1776 war, das geistige Übergewicht auf Seiten der Whigs -sich befand. - -Am 29. Februar 1776 beantragte Lord North, die Verträge zwischen Seiner -Majestät und dem Landgrafen von Hessen-Cassel, dem Herzog von -Braunschweig und dem Erbprinz von Hessen-Cassel dem »Committee of -Supply« zu überweisen. Er sagte, dass Truppen das beste und radikalste -Mittel wären, um Amerika zum verfassungsmässigen Gehorsam zu zwingen, da -man Soldaten auf diese Weise schneller und zu günstigeren Bedingungen -bekommen könnte, als durch Aushebungen in der Heimat; dass die -gemieteten Truppen weniger kosten würden, als man erwartet hätte und -schliesslich, dass die Truppenmacht, die sie im Stande sein würden, nach -Amerika zu senden, genügen würde, nach menschlicher Berechnung, das Land -zu zwingen sich zu unterwerfen, vielleicht ohne ferneres Blutvergiessen. - -Lord North wurde unterstützt von Mr. Cornwall, der das hohe Haus -versicherte, dass er besser wie irgend Jemand in demselben Gelegenheit -gehabt hätte, Mittel und Wege kennen zu lernen mit den deutschen Prinzen -zu verhandeln und Truppen zu besorgen; dass seine jahrelange Stellung -(als Sekretär in dem Zahlamt während des deutschen Krieges) ihm diese -Gelegenheit gegeben hätte; und er wäre erstaunt zu hören, dass Leute, -die mit den deutschen Verhältnissen bekannt wären, die gegenwärtigen -Bedingungen ungünstig fänden. Er bestritt, dass die dem Herzog von -Braunschweig im Voraus bezahlten zwei Monate Sold nichts weiter als ein -Douceur wären, und blieb dabei, dass die Truppen unter besseren -Bedingungen wie je zuvor zu bekommen wären, besonders wenn das Geschäft -noch im Laufe des Jahres effektuiert werden könnte, woran er keinen -Grund hätte zu zweifeln. - -Lord George Germaine verteidigte die Vorlage auf Grund der -Notwendigkeit. Er zählte eine Reihe von Präzedenzfällen auf, um zu -zeigen, dass in jedem Krieg oder Aufstand, England zu fremden Truppen -seine Zuflucht hätte nehmen müssen um die Schlachten zu schlagen und das -Land zu verteidigen. Lord Barrington, der im Innersten seines Herzens -das allgemeine Verhalten der Regierung nicht gebilligt und der -vergeblich den König gedrängt hatte, seine Entlassung anzunehmen, hatte -die Vorlage in ähnlichem Sinne unterstützt. Er gab zu, dass der Handel -kein günstiger sei, aber immerhin der beste, den man abschliessen -könnte. - -Auf der anderen Seite verwarf Lord John Cavendish die Vorlage in allen -ihren Teilen. Britannien würde sich in den Augen von ganz Europa bloss -stellen. Er machte Einwendungen gegen jeden einzelnen Paragraphen des -Vertrags und hob hervor, dass eine Truppenmacht von 12,000 Fremden in -das Gebiet der britischen Krone befördert werden sollte ohne unter -Kontrolle weder des Parlaments noch des Königs zu stehen; denn der -Vertrag sagte ausdrücklich, »dass dieser Truppenkörper unter dem Befehl -der Generale bleiben sollte, denen er von Seiner Hoheit (dem Landgrafen) -anvertraut würde.« - -Lord Irnham zweifelte an der Kompetenz der Fürsten, solche Verträge -abzuschliessen. Er hielt es für nicht vereinbar mit ihren Pflichten -gegenüber dem Reiche, sie machten sich dadurch in den Augen von ganz -Europa ehrlos und verächtlich: zur Unterstützung despotischer Gewalt -eine Pflanzschule von Soldaten zur Verfügung zu stellen, denen, die mehr -Geld, aber nicht mehr Recht und Wert hätten als die, die sie durch Geld -unterwerfen wollten. Er verglich die Fürsten mit Sancho Pansa, der -wünschte, dass wenn er ein Fürst wäre, alle seine Unterthanen Sclaven -werden würden, die er durch Verkauf zu Geld machte. - -Mr. Seymour antwortete Mr. Cornwall und forderte ihn auf, einen einzigen -Fall anzuführen, in dem dieselbe Anzahl Truppen während derselben Zeit -der Nation so viel Geld gekostet hätte. - -Der Hon. James Lutrell wies darauf hin, dass bereits 150,000 Deutsche in -Amerika wären und dass daher unter den angeworbenen Truppen leicht -Desertionen vorkommen könnten. Edmund Brake stellte fest, dass für 1000 -Fremde ebenso viel bezahlt würde wie für 1500 Eingeborene. Sir George -Saville behauptete, dass dies der unvorteilhafteste Handel in dieser Art -sei, der je abgeschlossen sei, seitdem es üblich wäre, Truppen -anzuwerben; und Alderman Bull schloss die Debatte, indem er ausrief: - -»Man lasse den Geschichtsschreiber nicht gezwungen sein zu sagen, dass -die russischen und deutschen Sklaven die Söhne Englands und der Freiheit -unterjocht haben, und dass unter der Regierung eines Fürsten aus dem -Hause Braunschweig jeglicher schmähliche Versuch gemacht wurde, den -Geist auszulöschen, den seine Vorfahren bezeugten und der sich trotz -Verrat und Verfassungsbruch auf dem Throne festzusetzen wusste.« Des -Alderman's Gesinnung war besser als seine Rhetoric, aber beides war -gleich nutzlos. Die Vorlage wurde mit 242 Stimmen gegen 88 angenommen. -Am 5. März 1776 beantragte der Duke of Richmond im Hause der Lords, man -möge Seiner Majestät dem König eine Adresse unterbreiten, um ihn zu -bitten, den Abmarsch der fremden Truppen zu inhibieren und Massregeln zu -treffen, um die Feindseligkeiten in Amerika sofort zu sistieren. Der -Protest drückte die Ansicht des Hauses aus über die Gefahr und die -Schande der Verträge durch die Gross-Britannien vor ganz Europa bekennen -müsste, dass es nicht im Stande sei, einerseits wegen Mangel an -Soldaten, andrerseits wegen Abneigung der eigenen Leute gegen diesen -Krieg, eine genügende Anzahl Leute für die erste Kampagne auf die Beine -zu bringen. Es wäre traurig zu sehen, wie durch das Abziehen der -nationalen Truppen (die ohnehin zu schwach wären für den unglücklichen -Zweck, dem sie dienen sollten) Gross-Britannien entblösst und den -Angriffen und dem Eindringen mächtiger Nachbarn und fremder Nachbarn -ausgesetzt sein würde. - -Das Dokument wies sodann darauf hin, dass eine Aussöhnung mit den -Kolonien der Verwendung von Fremden vorzuziehen sei, die, wenn sie so -weit von ihrer Heimat entfernt wären und unter dem Elend des Krieges, an -dem sie kein Interesse hätten, leiden und so oft in Versuchung kommen -würden, die Abhängigkeit mit der Freiheit zu vertauschen, viel eher -meutern oder desertieren, als treu bleiben und mit Seiner Majestät -eigenen Unterthanen gemeinsam operieren würden. - -Indem auf die Gefahr hingedeutet, fremde Truppen in das Reich -hineinzulassen und Klage erhoben wird, dass bereits zwei der stärksten -Festungen von ihnen besetzt seien,[1] fährt der Protest fort: »Wir haben -obendrein Grund zu befürchten, dass, wenn die Kolonien sehen, wie -Gross-Britannien Bündnisse schliesst und Truppen zu ihrer Unterwerfung -anwirbt, sie durch das gegebene Beispiel sich für berechtigt halten -werden, Anstrengungen zu machen, um ebenfalls Beistand zu erlangen; und -dass Frankreich, Spanien, Preussen oder andere Europäische Mächte denken -werden, dass sie ein ebensolches Recht haben wie Hessen, Braunschweig -und Hanau, sich in unsere inneren Angelegenheiten zu mischen.« - - [1] Hannoversche Truppen waren nach Gibraltar und Port Mahon gesandt - worden. - -Darauf wurde auf die Gefahr hingewiesen, dass man verpflichtet sein -würde, den Landgrafen von Hessen bei seinen Streitigkeiten in Europa zu -unterstützen, und es wurde der Meinung Ausdruck gegeben, dass -Gross-Britannien noch nie einen Vertrag eingegangen sei, der so teuer, -so ungleich, so entehrend und in seinen Folgen so gefährlich sei. - -Indem der Duke of Richmond den Protest einbrachte, gab er einen kurzen -Überblick über die Verträge, die seit 1702 mit den Landgrafen von Hessen -abgeschlossen worden seien, und zeigte, dass die aufeinanderfolgenden -Landgrafen mit der Zeit ihre Forderungen gesteigert hätten, und dass, -wenn sie versuchten, günstigere Bedingungen herauszudrücken, sie niemals -unterliessen, ihre vorhergegangene Erpressung als Grundlage für den -neuen Vertrag dienen zu lassen und immer eine neue Forderung an -Gross-Britannien zu stellen. Dieser Vertrag sei »offenbar ein -gewinnsüchtiger Handel, indem man eine Anzahl Söldner in Sold nehme, -die man kaufe und verkaufe wie das Vieh, das zur Schlachtbank geführt -würde ... Legt man aber den Verträgen eine Alliance zu Grunde, was -würde die Folge sein? Dass, wenn eine dieser Mächte angegriffen oder -ohne Grund einen Angriff provozieren würde, wir sie mit allen uns zu -Gebote stehenden Mitteln unterstützen müssten. Folglich haben wir -wegen des Beistandes von wenigen Tausend Söldnern nicht nur doppelt zu -bezahlen, sondern wir gehen auch eine feierliche Verpflichtung ein, -unsere Streitkräfte zu opfern und Hülfe zu leisten, wenn der Landgraf -oder Herzog angegriffen oder ihm sein Besitztum streitig gemacht -wird.« - -Der Duke of Richmond bezeichnete es ferner als eine Gefahr, einen -Truppenkörper von 12,000 fremden Söldnern zu haben unter dem Kommando -eines von dessen eigenen Generalen, bei dem die Möglichkeit nicht -ausgeschlossen sei, dass er zum Höchst-Kommandierenden befördert werden -könne; es könne eine grosse Verwirrung entstehen durch Streitigkeiten -zwischen dem fremden und eigenen kommandierenden General. - -Der Earl of Suffolk antwortete für die Regierung: »Der Tenor der -Verträge,« sagte er, »ist kein anderer als er es bei früheren -Gelegenheiten gewesen ist. Der gegenwärtige, das ist wahr, ist voll von -schwülstigen hochtönenden Phrasen von einem Bündnis, und ich bin so -offenherzig, dem edlen Herzog zu bemerken, dass ich sie nur als solche -ansehe; und ich gehe soweit, zu sagen, dass die wahre Absicht der -Verträge die ist, weniger ein Bündnis zu schliessen als einen -Truppenkörper anzuwerben, den der gegenwärtige Aufstand in Amerika -notwendig erscheinen lässt.« - -Indem Lord Suffolk somit die Bedingungen des Vertrages, für den er -persönlich verantwortlich war, in das richtige Licht gesetzt hatte, fuhr -er fort nachzuweisen, dass die Bedingungen vorteilhaft sein würden, wenn -man die Truppen nur ein Jahr gebrauchen würde, dass man aber unter allen -Umständen, wenn die Soldaten gebraucht würden, sich den gestellten -Bedingungen fügen müsste. - -Der Earl of Carlisle war überzeugt, dass die Arbeitskräfte, die durch -die Industrie in Anspruch genommen würden, der geringe Nutzen einer -neuen Aushebung, wenigstens für die erste Kampagne und der Wunsch jedes -Vaterlandsfreundes, den unglücklichen Verhältnissen ein schnelles Ende -bereitet zu sehen, dass dies Alles die Notwendigkeit der Verwendung -fremder Truppen genügend rechtfertigen würde. Man sollte bedenken den -schwerfälligen Koloss, den das Reich bildete und die Operationen, die -selbst im Falle eines Defensivkrieges nötig sein würden, und stellte -anheim, ob es einem so unbedeutenden Stück Land, wie die Insel -Gross-Britannien möglich sei, eine Zahl aufzubringen, die genügten, um -Operationen zu führen, die derartige Anforderungen stellen würden. - -Die Debatte zog sich sehr in die Länge und wurde mit grosser Erbitterung -geführt. Auf Seiten der Whigs klagte der Duke of Cumberland -- -»Braunschweiger zu sehen, die einst -- was ihnen zu grosser Ehre -gereichte -- zur Verteidigung der Freiheiten der Unterthanen Verwendung -fanden, und jetzt nach einem andern Teil des grossen Reiches gesandt -werden, um sie der konstitutionellen Freiheiten zu berauben.« Der Duke -of Manchester führte aus, dass _der_ Mensch für einen Söldling gehalten -werden müsste, der für Geld um einer Sache willen kämpft, an der er -keinen Anteil hat. Der Earl of Helburne gab die Notwendigkeit der -Verwendung fremder Truppen nicht zu und wurde hierin von Lord Carnden -unterstützt, der das hohe Haus fragte, ob nicht der ganze Vertrag eine -Zusammensetzung von Schande, Niederträchtigkeit und Betrügerei wäre, wie -sie noch nie dem Parlament zugemutet worden wäre. »Ist einer unter Ihnen -my lords,« fragte er, »der nicht vollkommen einsieht, dass das Ganze ein -rein gewinnsüchtiger Handel ist, bei dem von der einen Seite Truppen -gedungen, von der andern menschliches Blut verkauft wird; und dass die -geduldigen Opfer, zum Abschlachten verkauft, die grössten Söldlinge in -des Wortes schlimmster Bedeutung sind?« - -Die Tory-Lords scheinen sich weniger an der Debatte beteiligt zu haben, -wahrscheinlich, weil sie es für unnötig hielten zu sprechen, da sie in -der Majorität waren. Die Vorlage wurde mit 100 gegen 32 Stimmen -abgelehnt. - -Es scheint mir, als ob die Lords nicht ganz gerecht in ihrem Urteil über -die deutschen Soldaten gewesen wären. Die meisten dieser armen Teufel -fochten nicht um Geld, sondern weil sie es nicht ändern konnten. Die -Leute, die wirklich »Söldlinge in des Wortes schlimmster Bedeutung« -waren, waren der Landgraf, der Herzog und die Fürsten; aber man konnte -von den edlen Lords kaum erwarten, dass sie dies aussprechen würden. - -Was die Haltung der britischen Regierung beim Anwerben der Truppen -anbetrifft, so ist klar, dass ihr kein anderer Weg übrig blieb, wenn der -Krieg energisch durchgeführt werden sollte. Infolge des Misskredits, in -dem reguläre Soldaten bei den Engländern standen, war die britische -Armee zu Friedenszeiten nicht so stark wie die Zahl, die jetzt im -Ausland aufgebracht werden sollten. Werbungen waren mit Schwierigkeiten -verbunden, man erhielt durch sie nur rohe Rekruten. Die Konscription ist -ein Ding der Unmöglichkeit in England. Wenn man Leute haben wollte, -musste Lord North sie in Deutschland suchen. - -Die Regierung und das Reich aber bezahlten einen enormen Preis für die -Hilfstruppen. Die Antwort auf den Vertrag mit dem Landgrafen war die -Unabhängigkeits-Erklärung. Die Verwendung von fremden Soldtruppen durch -die britische Regierung wirkte zum grossen Teil mit, die Amerikaner zu -dem Entschluss kommen zu lassen, ihre Lehnspflicht gegen die englische -Krone abzuschütteln und Bündnisse mit deren früheren Feinden zu suchen. -Die Gefahr, auf die in dem Protest der Lords hingewiesen worden war, -wurde zur Wirklichkeit, und Männer von englischem Blut behaupteten, dass -Frankreich ein ebensolches Recht wie Hessen hätte, sich in ihre inneren -Streitigkeiten zu mischen. - - - - -Kapitel IV. - -Die Soldaten. - - -Die Soldaten, welche die deutschen Fürsten an England vermieteten zur -Unterdrückung der amerikanischen Revolution wurden auf verschiedene -Weise zusammengebracht. In Hessen-Cassel war das Land in Distrikte -eingeteilt gewesen, von welchen jeder eine bestimmte Anzahl Rekruten für -ein bestimmtes Regiment zu stellen hatte. Die Offiziere waren indessen -angehalten worden, soviel Fremde wie möglich der Armee zuzuführen, um -die eigenen Distrikte zu schonen, deren Einwohner immer bei der Hand -sein würden, wenn man ihrer im Notfall bedürfte. Es stand in den -Armee-Vorschriften, dass diejenigen Regiments-Kommandeure oder -Hauptleute sich am besten empfehlen würden, wenn sie versuchten, fremde -Rekruten einzureihen. Die zwangsweise Rekruten-Aushebung war verboten, -doch diese Bestimmung sollte wahrscheinlich nur auf die Eingeborenen -Anwendung finden. Jedenfalls scheint es nicht die Thätigkeit der -Werbeoffiziere vermindert zu haben, und in den kleineren Staaten hat -wahrscheinlich ein solches Gesetz überhaupt nicht existiert. In Anspach -durfte Niemand ohne Erlaubnis das Land verlassen oder heiraten. Es muss -dabei erwähnt werden, dass in diesem Fall mit Land nicht Deutschland, -sondern die Territorien des Markgrafen gemeint waren, und dass die -Fremden, die der Landgraf angeworben haben wollte, die Unterthanen der -benachbarten kleinen Fürsten waren. Werbeoffiziere waren über ganz -Deutschland hin thätig. Lüderliche Kerle, Trunkenbolde, Vagabunden und -Leute, die politische Umtriebe machten, wurden, wenn sie nicht über 60 -Jahre alt, gesund und gut gewachsen waren, zwangsweise eingestellt. Mit -dem Geschenk eines grossen, robusten Mannes empfahl sich ein Fürst dem -andern in der angenehmsten Weise; in jedem Regiment waren viele -Deserteure von anderen Staaten. Zusammen mit dieser gemischten -Gesellschaft diente der ehrliche deutsche Bauernbursche. Es muss noch -erwähnt werden, dass die Regimenter, die nach Amerika geschickt wurden, -aus einem bessern Material bestanden, wie die Regimenter zu gewöhnlicher -Zeit. -- - -Johann Gottfried Seume, welcher später einige Bedeutung als -Schriftsteller erlangte, war ein Opfer des Werbesystems und hat eine -Beschreibung seiner Erlebnisse hinterlassen. Seume war Student der -Theologie in Leipzig, doch nachdem ihm religiöse Zweifel gekommen waren, -welche seine Freunde -- wie er wusste -- verletzen würden, machte er -sich zu Fuss auf den Weg nach Paris, mit einem Säbel an der Seite, mit -einigen Hemden und Bänden der Klassiker in der Reisetasche und ungefähr -9 Thalern. Seine Reise sollte indessen eine andere Richtung nehmen. -»Den dritten Abend übernachtete ich in Vach,« schreibt er, »und hier -übernahm trotz allen Protest der Landgraf von Kassel, der damalige -grosse Menschenmakler, durch seine Werber die Besorgung meiner ferneren -Nachtquartiere nach Ziegenhain-Kassel und weiter nach der neuen Welt. -Man brachte mich als Halbarrestanten nach der Festung Ziegenhain, wo der -Jammergefährten aus allen Gegenden schon viele lagen, um mit dem -nächsten Frühjahr nach Faucitts Besichtigung nach Amerika zu gehen. Ich -ergab mich in mein Schicksal und suchte das Beste daraus zu machen, so -schlecht es auch war. Wir lagen lange in Ziegenhain, ehe die gehörige -Anzahl der Rekruten vom Pfluge und dem Heerwege und aus den Werbestädten -zusammengebracht wurde. Die Geschichte dieser Periode ist bekannt genug: -niemand war damals vor den Handlangern des Seelenverkäufers sicher; -Überredung, List, Betrug, Gewalt, alles galt. Man fragte nicht nach den -Mitteln zu dem verdammlichen Zwecke. Fremde aller Art wurden angehalten, -eingesteckt, fortgeschickt. Mir zerriss man meine akademische -Inskription, als das einzige Instrument meiner Legitimierung. Am Ende -ärgerte ich mich weiter nicht; leben muss man überall: wo so viele -durchkommen, wirst du es auch: über den Ozean zu schwimmen war für einen -jungen Kerl einladend genug und zu sehen gab es jenseits auch etwas. So -dachte ich. Während unseres Aufenthalts in Ziegenhain brauchte mich der -alte General Gore zum Schreiben und behandelte mich mit vieler -Freundlichkeit. Hier war denn ein wahres Quodlibet von Menschenseelen -zusammengeschichtet, gute und schlechte, und andere, die abwechselnd -beides waren. Meine Kameraden waren noch ein verlaufener Musensohn aus -Jena, ein bankerotter Kaufmann aus Wien, ein Posamentierer aus Hannover, -ein abgesetzter Postschreiber aus Gotha, ein Mönch aus Würzburg, ein -Oberamtmann aus Meiningen, ein preussischer Husarenwachtmeister, ein -kassierter hessischer Major von der Festung und andere von ähnlichem -Stempel. Man kann denken, dass es an Unterhaltung nicht fehlen konnte; -und eine blosse Skizze von dem Leben der Herren müsste eine -unterhaltende, lehrreiche Lektüre sein. Da es den meisten gegangen war -wie mir, oder noch schlimmer, entspann sich bald ein grosses Komplott zu -unser aller Befreiung.« - -Es wurde Seume angeboten, Rädelsführer der Verschwörer zu sein, doch auf -den Rat eines alten Feldwebels hin schlug er dies ehrenvolle Amt aus. -»Man wollte um Mitternacht auf ein Zeichen ausziehen, der Wache stürmend -die Gewehre wegnehmen, was sich widersetzte niederstechen, das Zeughaus -erbrechen, die Kanonen vernageln, das Gouvernementshaus verriegeln und -1500 Mann stark zum Thore hinaus marschieren. In drei Stunden wären wir -über der Grenze gewesen.« Jedoch das Komplott wurde verraten, die -Rädelsführer wurden verhaftet, unter ihnen Seume. Er wurde aber bald -wieder freigelassen, da niemand etwas gegen ihn aussagen konnte und -besonders weil es zu viele geworden wären, die hätten bestraft werden -müssen. »Der Prozess begann,« sagt er, »zwei wurden zum Galgen -verurteilt, worunter ich unfehlbar gewesen sein würde, hätte mich nicht -der alte preussische Feldwebel gerettet. Die Übrigen mussten in grosser -Anzahl Gassen laufen, von sechsunddreissig Malen herab bis zu zwölfen. -Es war eine grässliche Schlächterei. Die Galgenkandidaten erhielten zwar -nach der Todesangst unter dem Galgen Gnade, mussten aber -sechsunddreissig Mal Gassen laufen und kamen auf Gnade des Fürsten nach -Cassel in die Eisen. Auf unbestimmte Zeit und auf Gnade in die Eisen -waren damals gleichbedeutende Ausdrücke und hiessen so viel als »ewig -ohne Erlösung.« Wenigstens war die Gnade des Fürsten ein Fall, von dem -niemand etwas wissen wollte. Mehr als dreissig wurden auf diese Weise -grausam gezüchtigt, und Viele, unter denen auch ich war, kamen bloss -deswegen durch, weil eine zu grosse Menge von Mitwissern hätte bestraft -werden müssen. Einige kamen beim Abmarsch wieder los, aus Gründen, die -sich leicht erraten lassen: denn ein Kerl, der in Cassel in den Eisen -geht, wird von den Engländern nicht bezahlt.« - -Bei Truppen, wie diese es waren, waren Desertionen natürlicherweise -etwas gewöhnliches. Der Militärdienst war gefürchtet, und in kleineren -Staaten hätte eine gelungene Flucht den Deserteur nach wenigen Meilen -über die Grenze gebracht. Das Volk sympathisierte mit ihm und würde ihm -geholfen haben, wenn hierauf nicht schwere Bestrafung gestanden hätte. -Dies war indess nicht nötig. Wenn in Württemberg Allarm geschlagen -wurde, musste sofort die ganze Gemeinde ausrücken und 24 Stunden lang -die Strassen, Fusspfade und Brücken besetzen, bis der Flüchtling -gefangen war. Wenn er entschlüpfte, so musste der Ort einen Ersatzmann -stellen, der ebenso gross war wie der Deserteur, und die Söhne der -ersten Männer des Ortes wurden in erster Linie genommen. Dieser Befehl -musste jeden Monat einmal von der Kanzel verlesen werden. Wer einem -Deserteur behülflich war, verlor die Bürgerrechte, wurde zu Zwangsarbeit -verurteilt und im Gefängnis gepeitscht. Die Gesetze in Hessen-Cassel -scheinen etwas weniger grausam gewesen zu sein. Bauern, die einen -Deserteur festnahmen, bekamen einen Dukaten; aber wenn ein Deserteur ein -Dorf passierte, ohne festgenommen zu werden, so musste das Dorf für ihn -bezahlen. Jeder Soldat, der sich über eine Meile von seiner Garnison -entfernte, musste mit einem Pass versehen sein, und alle Personen, -welche ihm auf eine grössere Entfernung von zu Hause begegneten, sollten -ihn danach fragen. Ein charakteristischer Fall ereignete sich 1738. Ein -preussischer Werbeoffizier und die Frau eines preussischen Soldaten -verleiteten einen Anspacher Soldaten zu desertieren um sich in die -preussische Armee einreihen zu lassen. Sie wurden durch die Anspacher -Behörde aufgefangen. Die Frau wurde gehängt; der Offizier musste bei der -Exekution zugegen sein und wurde dann in die Festung eingesperrt. Der -Deserteur scheint mit dem Leben davongekommen zu sein, da er ein -wertvolles Verkaufsobject war. - -Wenn der Rekrut in die Liste eingeschrieben war, musste der Offizier -oder Unteroffizier ihn in die Garnison bringen. Dies gab natürlich -Gelegenheit zum Entfliehen; Kapp führt aus einem Buch, das 1805 in -Berlin gedruckt ist, die Vorsichtsmassregeln an, welche gegen diese -Gefahr anzuwenden waren. Der Unteroffizier, der den Rekruten begleitet, -muss Säbel und Pistolen tragen. Er muss den Rekruten vor sich her -marschieren, ihn aber niemals zu nahe an sich herankommen lassen und ihm -ankündigen, dass jeder verdächtige Schritt ihm das Leben kosten kann. -Grosse Städte muss er vermeiden, ebenso Orte, wo der Rekrut vorher -gedient hat. Es ist auch wünschenswert, den Ort zu vermeiden, wo der -Rekrut geboren ist. Sie müssen die Nacht in einem Wirtshaus zubringen, -dessen Besitzer Werbeoffizieren gut gesinnt ist. Der Rekrut und Offizier -müssen sich beide auskleiden, und ihre Kleider sind vom Wirt aufzuheben. -Wirtshäuser, wo Rekruten einquartiert werden, müssen besondere Räume -dafür haben, möglichst eine Treppe hoch und mit vergitterten Fenstern. -Die ganze Nacht muss ein Licht brennen, und der Unteroffizier muss seine -Waffen dem Wirt abgeben, damit sie der Rekrut nicht wegnehmen und gegen -ihn gebrauchen kann in der Nacht. Des Morgens bekommt er sie zurück, -sieht nach der Ladung und dem Pulver auf der Pfanne, zieht sich an und -ist reisefertig, bevor der Rekrut seine Kleider bekommt. Der Rekrut -betritt ein Haus oder eine Stube zuerst; er verlässt es zuletzt. Bei den -Mahlzeiten sitzt er mit dem Rücken an der Wand. Erscheint er -verdächtig, fliehen zu wollen, so müssen ihm die Hosenträger und -knöpfe -abgeschnitten werden, so dass er die Hosen mit der Hand halten muss. - -Ein guter Hund, der für dies Geschäft dressiert ist, wird für den -Unteroffizier sehr zweckmässig sein. Wenn ein Unteroffizier -unglücklicherweise gezwungen ist, einen Rekruten zu töten oder zu -verwunden, so muss er eine Bescheinigung von der Ortsbehörde beibringen. -Aber kein Dokument kann die Flucht eines Rekruten entschuldigen, ein -Vorfall, der in Preussen als ganz unmöglich gar nicht der Erwähnung wert -gehalten wird. - -Die Leute, die zusammengebracht waren für den Dienst in Amerika, waren -vom militärischen Standpunkt aus von sehr verschiedenem Wert. Sie wurden -alle von einer englischen Kommission in den Seehäfen in Empfang genommen -und vor der Einschiffung gemustert, gewöhnlich durch Oberst Faucitt, -welcher die Verträge abgeschlossen hatte; während einige der Regimenter -als vorzüglich befunden wurden, zeigte es sich, dass andere zum Teil aus -alten Leuten und aus Knaben bestanden, die den Strapazen nicht gewachsen -waren. Einige von den Soldaten wurden infolge dessen verworfen, -besonders in den letzten Jahren des Krieges, als es in vielen Städten -schwieriger wurde, gute Leute zu bekommen. - -Es ist nach dem Quellenmaterial schwer zu beurteilen, welche Chancen ein -gemeiner Soldat hatte zu avancieren. Seume schreibt, dass er Aussicht -auf Avancement hatte, die aber durch die Beendigung des Krieges zerstört -wurde, da in Friedenszeiten einer, der nicht adelig war, es nicht weiter -als bis zum Feldwebel bringen konnte. Kapp behauptet, die Offiziere -gehörten meistens dem niederen Adel an. Die Rangliste der hessischen -Offiziere von 1779 weist dies nicht aus. Es zeigt sich, dass zu dieser -Zeit mehr als die Hälfte der Offiziere nicht adelig war. - -Wir kommen zum Schluss zur Charakterisierung der Offiziere. Ihre Bildung -beschränkte sich im Allgemeinen auf ein gewisses Mass von Fertigkeit im -Schreiben und auf ein wenig barbarisches Französisch. Sie verstanden -weder die Ursache, aus welcher die Amerikaner kämpften, noch vor allen -Dingen die Sprache, in welcher die verschiedenen Staatsmänner ihre -Ansprüche geltend machten. Doch, wenn sie viel mehr verstanden hätten, -als es der Fall war, sie wären auf der Seite königlicher Vorrechte den -Rechten des Volkes gegenüber gewesen. Ich weiss mich keines Falles zu -erinnern, in dem nur ein an diesem Krieg beteiligter Offizier einen -Ausdruck gebraucht hätte, der eine Übereinstimmung mit der geistigen -freiheitlichen Bewegung des 18. Jahrhunderts gezeigt hätte. Einmal -finden wir sie von dem Despotismus des Kongresses sprechend. Diese -absurde Idee war ihnen wahrscheinlich durch die Engländer eingeflösst -worden und war von der anti-amerikanischen Presse in Deutschland -aufgenommen worden. Es lässt sich schwerlich bezweifeln, dass viele der -Offiziere sowohl als Soldaten mit Vergnügen ihrer Thätigkeit in Amerika -entgegensahen, schon um die Eintönigkeit des Garnisondienstes zu -unterbrechen. - -Es bleibt noch zu erwähnen, dass viele der Soldaten, meist solche, die -in Gefangenschaft geraten waren, Bürger der Republik wurden, welche sie -helfen sollten zu unterdrücken. - - - - -Kapitel V. - -Von Deutschland nach Amerika. - - -Die ersten deutschen Truppen, welche nach Amerika gingen, waren die -Braunschweiger. Diese marschierten am 22. Februar 1776, 2282 Mann stark, -von Braunschweig ab und wurden in Stade, in der Nähe der Elbmündung, -eingeschifft. Die zweite Braunschweiger Division, ungefähr 2000 Mann, -schiffte sich Ende Mai ein. Die erste hessische Division brach Anfang -März von Cassel auf und wurde in Bremerlehe, in der Nähe der -Wesermündung, eingeschifft, die zweite Division folgte im Juni; sie -zählten zusammen zwischen 12 und 13000 Mann. Sie waren zum grössten Teil -ausgezeichnete und wohlausgerüstete Truppen, denn die kleine Armee des -Landgrafen galt als eine der besten in Deutschland. - -Der Marsch von Braunschweig und Cassel zu den Häfen war eine -verhältnismässig einfache Sache. Die Truppen kamen aus den Gebieten der -eigenen Fürsten in die hannöverschen Landesteile des Königs von England -und diese reichten bis an die See. Der Fürst von Waldeck schickte sein -Regiment durch Cassel ohne Störung. Der Graf von Hessen-Hanau, der -Markgraf von Anspach-Bayreuth und der Fürst von Anhalt-Zerbst hatten -einen längeren Weg zu machen und grössere Schwierigkeiten zu überwinden. - -Die Truppen der letzteren sollten auf Booten den Rhein hinuntergeschickt -werden. Abgesehen von mehreren kleinen deutschen, am Rhein gelegenen -Staaten, welche ihnen den Durchgang verwehren konnten, war Preussen, -dessen Territorien sie passieren mussten, im Stande, ihnen grosse -Schwierigkeiten zu bereiten. Friedrich der Grosse versagte selbst seinem -Neffen, dem Markgrafen von Anspach, seine Einwilligung, sein Land zu -passieren. In einem Brief an ihn drückte er ihm sein Befremden aus, dass -deutsche Fürsten das Blut ihrer Landeskinder für fremde Interessen -opferten. Nebenbei war es ein kleiner Akt der Rache an England wegen -dessen schlechten Verhaltens inbetreff des Hafens von Danzig. - -Seume hat von seinen Erlebnissen auf der Seereise folgende Beschreibung -hinterlassen: - -»In den englischen Transportschiffen wurden wir gedrückt, geschichtet -und gepöckelt wie die Heringe. Um Platz zu sparen hatte man keine -Hängematten sondern Verschläge in der Tabulatur des Verdecks, das schon -niedrig genug war, und nun lagen noch zwei Schichten übereinander. Im -Verdecke konnte ein ausgewachsener Mann nicht gerade stehen und im -Bettverschlage nicht gerade sitzen. Die Bettkasten waren für je sechs -Mann. Wenn vier darin lagen, waren sie voll und die beiden letzten -mussten hineingezwängt werden. Das war bei warmem Wetter nicht kalt: es -war für den Einzelnen gänzlich unmöglich sich umzuwenden und ebenso -unmöglich auf dem Rücken zu liegen. Die geradeste Richtung mit der -schärfsten Kante war nötig. Wenn wir so auf einer Seite gehörig -geschwitzt und gebraten hatten, rief der rechte Flügelmann: Umgewendet! -und es wurde umgeschichtet: hatten wir nun auf der andern Seite quantum -satis ausgehalten, rief das nämliche der linke Flügelmann. Die -Verpflegung hielt gleichen Schritt mit der Unterbringung. Heute Speck -und Erbsen und morgen Erbsen und Speck; zuweilen Grütze und Graupen und -zum Schmause Pudding, den wir aus muffigem Mehl halb mit Seewasser, halb -mit süssem Wasser und altem Schöpsenfett machen mussten. Der Speck -mochte wohl vier oder fünf Jahre alt sein, war von beiden Seiten am -Rande schwarzstriefig, weiter hinein gelb und hatte nur in der Mitte -noch einen kleinen weissen Gang. Ebenso war es mit dem gesalzenen -Rindfleisch. In dem Schiffsbrot waren oft viele Würmer, die wir als -Schmalz mitessen mussten, wenn wir nicht die schon kleine Portion noch -mehr reduzieren wollten: dabei war es so hart, dass wir nicht selten -Kanonenkugeln brauchten es nur aus dem gröbsten zu zerbrechen; und doch -erlaubte uns der Hunger selten, es einzuweichen; auch fehlte es oft an -Wasser. Man sagte uns, und nicht ganz unwahrscheinlich, der Zwieback sei -französisch; die Engländer hätten ihn noch im siebenjährigen Kriege den -Franzosen abgenommen, seit der Zeit habe er in Portsmouth im Magazin -gelegen, und nun füttere man die Deutschen damit, um wieder in Amerika -die Franzosen unter Rochambeau und Lafayette, so Gott wolle, tot zu -schlagen. Gott muss aber doch nicht recht gewollt haben. Das -schwergeschwefelte Wasser lag in tiefer Verderbnis. Wenn ein Fass -heraufgeschroten und aufgeschlagen wurde, roch es auf dem Verdeck nach -einer Mischung von allen möglichen übeln Gerüchen. Es war angefüllt mit -fingerlangen Würmern, und es musste durch Tücher gefüllt werden, bevor -man es trinken konnte: und dann musste man immer noch die Nase zuhalten. -Rum und manchmal ein wenig starkes Bier verbesserten das Getränk.« - -Auf diese Weise zusammengepfercht, in dicker Luft, mit schlechter -Nahrung und faulem Wasser, viele von ihnen ungenügend bekleidet, wurden -diese Jünglinge, alten Leute, Studenten, Kaufleute und Bauern Monate -lang auf dem Atlantischen Ozean herumgeworfen. Viele von den Leiden der -Reise waren zweifellos unvermeidlich, und viele von den Rekruten waren -schon an ein hartes Leben gewöhnt. Aber Vieles, was sie zu erdulden -hatten, war das Resultat von einem absichtlichen Mangel an Fürsorge und -grosser Habsucht. Was soll man sagen über das britische -Quartiermeister-Departement, das diese Leute auf die See schickte ohne -richtiges Essen und Trinken? Was vom Herzog von Braunschweig, welcher -seine Unterthanen nach Canada ohne haltbare Schuhe und Strümpfe schickte -und ohne Mäntel? Oft haben Menschen ein hartes Leben freudig ertragen, -weil sie den Grund verstanden. Aber diese armen Kerle litten für einen -Streit, der nicht ihr eigener war, nur um für die Mittel zu sorgen zur -Bezahlung der Schulden oder der Vergnügungen ihrer Herren. - - - - -Kapitel VI. - -Die Schlacht von Long-Island, August 1776. - - -Die erste hessische Division, einige 8000 Mann stark, segelte an Sandy -Hook am 15. August 1776 vorüber und landete auf Staten Island, empfangen -von Artillerie- und Musketen-Salven. Die Division war unter dem Befehl -von Generallieutenant Philipp von Heister, einem alten Soldaten des -siebenjährigen Kriegs. Es wird erzählt, dass, als Landgraf Friedrich II. -ihn zur Führung des hessischen Expeditionkorps berief, er ihn mit den -Worten anredete: »Heister, Ihr müsst nach Amerika gehen.« -- »Sehr gern, -Hochfürstliche Durchlaucht, aber ich nehme mir die Freiheit einige -Bitten auszusprechen.« -- »Und die wären?« -- »Erstens, müssten meine -Schulden bezahlt werden, dann müsste für meine Frau und Kinder gesorgt -werden, bis ich wiederkomme, und wenn ich fallen sollte, müsste meine -Frau eine Pension bekommen.« Als der Landgraf dies lächelnd genehmigte, -rief Heister aus: »Nun sollen Ew. Hochfürstliche Durchlaucht sehen, was -dieser alte Kopf und diese alten Knochen noch leisten können.« - -Die Armee, welche sich auf Staten Island unter dem Oberbefehl Sir -William Howes sammelte, zählte nach Ankunft der Hessen zwischen 25 und -30,000 Mann. Sie wurde unterstützt durch eine Flotte unter Sir Williams -Bruder, Lord Howe. Die gegnerische Armee unter Washington war etwa aus -13,000-14,000 Mann zusammengesetzt, von denen nicht mehr wie 6000 Mann -einige militärische Ausbildung genossen hatten und deren Offiziere im -bürgerlichen Leben gross geworden waren. - -Die Hessen waren sehr erstaunt über den Reichtum und die Fruchtbarkeit, -welche sie auf Staten Island vorfanden. Die Kolonisten lebten in -bequemen Wohnhäusern, von Gemüse- und Obstgärten umgeben. Ihre -hellroten, von zwei kleinen Pferden gezogenen Wagen erregten die -Bewunderung der Deutschen. Ein Kolonist auf Staten Island lebte so -angenehm wie ein deutscher Landedelmann, und es erschien den Hessen -aussergewöhnlich, dass dies Volk sich gegen eine Regierung auflehnte, -unter welcher es sich so vieler Segnungen erfreute. Viele Amerikaner -waren bei der Annäherung der Hessen aus ihren Besitztümern geflohen und -die, welche blieben, machten zuerst Miene, sich widerspenstig zu zeigen; -aber als sie sahen, dass auf strenge Disziplin gehalten und regelrechte -Requisitionen unternommen wurden, kehrten die Flüchtlinge zurück und es -kam bald untereinander zu erträglichen, wenn nicht herzlichen -Beziehungen. Die britische Regierung hoffte noch die Kolonisten zu -versöhnen mit dem Mutterland, und strenge Befehle waren zur Vermeidung -von Exzessen gegeben worden. - -Sir William Howe begann mit der Vereinigung seiner Truppen die -Vorbereitungen zum Angriff auf die Amerikaner. Die britische Avantgarde -unter Sir Henry Clinton, vereinigt mit den hessischen Jägern und -Grenadieren, die vom Oberst von Donop befehligt wurden, überschritten -die Narrows of Long Island am 22. August 1776. Ein Tagebuch, welches im -folgenden Jahr in einem »Magazin« in Frankfurt veröffentlicht wurde, -giebt einen genauen Bericht über diese Operation und von denen, die noch -folgten: - -»22. August. Wir lichteten die Anker und segelten direkt gegen Long -Island. Die Kriegsschiffe kamen bis auf Schussweite an das Ufer heran -und richteten ihre Kanonen auf das Gestade. Um 8 Uhr morgens wimmelte es -an der ganzen Küste von Booten. Um 1/2 9 Uhr hisste der Admiral die rote -Flagge auf, und in einem Moment erreichten sämtliche Boote die Küste. -Die Engländer und Schotten mit der Artillerie wurden zuerst -ausgeschifft, und dann die Brigade Donop (die einzigen Hessen hier). -Nicht eine Seele machte Widerstand gegen unser Landen. Dies war der -zweite Fehler der Rebellen seitdem ich in Amerika bin. Der erste Fehler, -den sie machten, war auf Staten Island, denn sie hätten dort einen -grossen Teil der Unsrigen mit 2 6 Pfündern vernichten können, und jetzt -hätten sie uns auch in eine schlimme Lage bringen können. Wir -marschierten ebenfalls ungehindert durch Gravesend und kamen gegen Abend -in Flatbush an. 300 Riflemen waren kurze Zeit vor uns dort gewesen. Wir -schickten ihnen einige Kanonenschüsse nach, stellten unsere Pickets und -schliefen ruhig die ganze Nacht. Ich machte eine Beute von 2 Pferden, -von denen ich eines dem Oberst schickte, das andere meinem Diener als -Packpferd gab. - -»23. August. -- Heute Morgen früh wurde der rechte Flügel unserer -Avantgarde angegriffen. Wir brachten 2 Geschütze in Stellung und warfen -sie zurück. Es regnete Kugeln. Hauptmann Congreve und ein Konstabler -wurden an meiner Seite verwundet, ein Engländer bekam einen Schuss durch -und durch. Am Nachmittag griffen sie auf der linken Seite des Dorfes an -und zündeten mehrere Häuser an, worauf wir uns in das Dorf zurückzogen. -Lieutenant von Donop wurde an der Brust verwundet; die Kugel streifte -eine Rippe. Ich avancierte auf dem rechten Flügel und besetzte einen -grossen Garten mit 150 Mann Jägern und leichter Infanterie. Als der -Feind von hier gewichen war, unterstützte ich Lieutenant von Donop. Die -Rebellen besetzten die Strasse mit 2 Kanonen und unsere schottischen -Hochländer bauten eine Batterie über den Weg mit Schiessscharten für 2 -Kanonen. Ich hatte diese Arbeit zu decken und hatte den äussersten -Posten, wurde indessen wenig belästigt. - -»24. August. -- Ein heisser Tag. Die Rebellen näherten sich zweimal und -schossen mit Haubitzen, so dass unsere gesamte Artillerie in Stellung -gebracht werden musste. Um Mittag schlief ich ein wenig, wurde aber -durch zwei Kanonenkugeln geweckt, die mich mit Erde bedeckten. Die -Rebellen haben einige sehr gute Schützen, doch manche darunter haben -sehr schlechte Gewehre. Aber sie sind listig wie die Jäger. Sie -erklimmen Bäume, kriechen auf dem Bauch wohl 150 Schritte vorwärts, -schiessen und gehen ebenso schnell wieder zurück. Sie machen sich -Deckungen von Ästen etc. Aber heute hatten sie grosse Verluste durch -unsere »Grünjacken«, denn wir lassen unsere Leute nicht eher schiessen, -als bis sie einen Mann gut auf's Korn nehmen können, so dass sie nicht -mehr wagen, irgend etwas gegen uns zu unternehmen. - -»25. August. -- Wir verbarrikadierten uns in dem Dorf; des nachts -sollten sich unsere Jäger gehörig ausruhen. Gegen 2 Uhr weckten uns die -Rebellen aus unserem Schlummer; wir beruhigten sie schnell mit zwei -Kanonen und einigen Flintenschüssen. Heute wurden wir wieder -angegriffen, aber nachdem mehrere von ihnen ins Gras gebissen hatten, -zogen sie sich zurück. Long Island ist eine wunderschöne Insel, ein -Arkadien. Die entzückendste Gegend, voll von Wiesen, Kornfeldern, allen -Arten von Obstbäumen und gut gebauten Häusern. Es war noch eine grosse -Menge Vieh da, obwohl die Rebellen eine Menge mitgenommen hatten. Die -meisten der Einwohner waren aus ihren Behausungen geflohen. Die Rebellen -avancierten mit Macht. General Cornwallis wollte Oberst Donop -zurückziehen, aber er blieb wo er war und verschanzte sich. - -»26. August. -- An diesem Tag wurden wir sehr beunruhigt und während der -Nacht fortwährend geweckt durch die Allarmierung der Vorposten. Dies war -nicht durch Angriffe der Rebellen verursacht, sondern meistens durch -Deserteure, die zu uns übergehen wollten; und wenn die Engländer und die -hessischen Grenadiere sie herankommen hörten, gaben sie sofort -Pelotonfeuer, falls sie nicht sofort eine Antwort bekamen. Heute traf -General von Heister mit 6 Bataillonen bei uns ein.« - -»27. August. -- Unserm Oberst war versprochen worden, den ersten Angriff -zu machen, doch er hörte, dass die Engländer heute angreifen würden, und -er hatte weder gestern Abend noch heute Morgen einen Befehl bekommen. -Gegen 10 Uhr standen wir unter den Waffen (der Oberst hatte mit General -von Heister gesprochen) und gegen 11 waren wir alle in Schlachtordnung. -Auf unserer rechten und linken Seite gingen die Engländer vor und -vernichteten die, die wir zurückwarfen. Auf dem linken Flügel, wo ich -die Avantgarde (50 Jäger und 20 Grenadiere) kommandierte, stand Oberst -Block mit seinem Bataillon. Hinter mir hatte ich Kapitän Mallet mit -einer Kompagnie als Reserve. Im Zentrum griff Hauptmann von Wrede an und -hatte das Bataillon von Minnigerode hinter sich. Auf dem rechten Flügel -stürmte Kapitän Lory vor, unterstützt durch die 3 übrig gebliebenen -Kompagnien des Bataillons Linsingen.« - -Der Verfasser, der diese Formation der Truppen beschreibt, berichtet nur -von der Brigade, in welcher er diente. Die Hessen, welche das Zentrum -der britischen Streitkräfte bildeten, waren an der Strasse von Flatbush -aufgestellt. Der rechte Flügel unter Clinton und Lord Percy, mit Sir -William Howe, war früh am Morgen aufgebrochen und es gelang ihm, den -linken Flügel der amerikanischen Stellung bei Bedford zu umfassen und -ihnen in den Rücken zu kommen. Nachdem Heister zur Rechten Kanonendonner -gehört hatte, befahl er den Angriff der Hessen. Die Schlacht war im -Wesentlichen gewonnen und verloren, bevor der erste Schuss gefallen war, -indem die Amerikaner überflügelt wurden. Die Letzteren sahen sich in -Gefahr, von ihren befestigten Werken abgeschnitten zu werden und flohen. -Einige ertranken im Gowanus Creek auf der Flucht. Zwei ganze Regimenter -wären wahrscheinlich gefangen genommen, wenn sich nicht General -Stirling mit fünf Kompagnien Marylanders, mit denen er den Rückzug -deckte, geopfert hätte. Von diesen fünf Kompagnien entrannen nur acht -Mann dem Tod oder der Gefangenschaft. - -Kehren wir zu dem Tagebuch unseres hessischen Offiziers zurück. - -»Meine Jäger waren so hitzig, dass ich, kaum im Wald angelangt, mich mit -meiner Truppe allein befand. Ich kam in die Mitte des Lagers der -Rebellen, wo sie noch waren; sah zu meiner Linken ihr grosses Lager, zur -Rechten ein befestigtes Werk; vor mir formierten sich 50-60 Mann zu -einer Kolonne. Aber wir liessen ihnen keine Zeit und schlugen sie -vollständig zurück. Viele wurden getroffen und noch mehr gefangen -genommen. Ich verlor nicht einen einzigen Mann, so sehr fürchteten sich -die Rebellen vor unsern Jägern. Auf dem linken Flügel ging es ebenso -gut. Wir verloren einige Leute; abgesehen von einem Jäger, der im Dorf -gefallen war, hatten wir keinen Toten. Am ersten Tag machten wir mehr -als 500 Gefangene, unter denen General Stirling und ein anderer General -waren; Oberst Johnson war gefallen. General Stirling ist einer der -bedeutendsten unter den Rebellen, der, das Schwert in der Hand, die -Leute zwang, gegen ihren König zu kämpfen. So lange wir keine Pferde -hatten, wurden die Gefangenen an die Geschütze gespannt, später wurden -sie an Bord der Kriegsschiffe gebracht. In zwei Tagen hatten wir 1100 -Mann gefangen genommen. Die Rebellen sahen sehr zerlumpt aus und hatten -keine Hemden an. Unsere Hessen marschierten wie Hessen; sie marschierten -tadellos, und die Engländer wie die tapfersten und besten Soldaten, sie -verloren daher mehr wie wir. Dies war ein glücklicher Tag für uns. Die -Rebellen hatten eine sehr günstige Stellung im Wald und wir eine sehr -schlechte am Dorfe Flatbush. Anfangs machten sie einen guten Gebrauch -von ihrer Stellung, sie brannten ein Haus ab und legten Feuer an eine -Scheune bei unseren Vorposten. Aber als wir sie angriffen in ihren -Schlupfwinkeln, liefen sie, wie es der Pöbel immer macht.«[2] - - [2] Nach »Die Neuesten Staatsbegebenheiten« 1777, Frankfurt a/M. Seite - 110-116. Der Brief, von welchem das oben Angegebene der grösste - Teil ist, scheint von einem Jägeroffizier geschrieben zu sein, - wahrscheinlich entweder von Major von Prüschenk oder Lieutenant - von Grothausen. - -Der Herausgeber des Frankfurter Magazins, welcher das Obige -veröffentlicht, bemerkt, dass viele Briefe von hessischen Offizieren in -den Zeitungen erschienen sind; dass diese Offiziere sich selbst einen -grossen Teil des Verdienstes am Siege zuschreiben, und dass, -hinsichtlich des wohlbekannten Wertes der hessischen Soldaten sie diesen -zweifellos haben, aber dass einige von ihnen zu wenig die -Widerstandsfähigkeit und die militärische Ausbildung der Amerikaner in -Betracht ziehen, »so dass der Ruhm, einen Sieg über einen ein Drittel so -starken Feind erfochten zu haben, kein so grosser ist.« Diese Bemerkung -ist jedenfalls am Platz, und die Überlegenheit scheint nicht zu hoch -angegeben zu sein. Washingtons Armee hatte vor der Schlacht die Linie -von Kingsbridge bis Flatbush besetzt. Auf Long Island sind -wahrscheinlich nicht mehr wie 8000 Amerikaner gewesen, während die, -welche in vorderster Linie engagiert waren, nur 4 oder 5000 zählten, -gegen 20,000 Engländer und Deutsche. - -Sir William Howe giebt in seinem offiziellen Rapport den Verlust der -Amerikaner an Toten, Verwundeten Gefangenen und Ertrunkenen auf 3300 -Mann an. Bankroft glaubt aber, dass dies eine grosse Übertreibung ist, -denn, wenn man dem Rapport von Washington Vertrauen schenkt und eine -genaue Untersuchung anstellt, so erreicht der Gesamtverlust der -Amerikaner nicht ganz die Zahl von 1000, von denen 3/4 gefangen genommen -wurden. Der englische Verlust war, nach Howe, 17 Offiziere und 301 -Unteroffiziere und Gemeine. Die Hessen hatten 2 Tote sowie 2 Offiziere -und 23 Mann Verwundete. - -»Der Feind,« schreibt Oberst von Heeringen, der Kommandeur -eines hessischen Regimentes, »hatte vor seiner Front beinahe -undurchdringliches Dickicht, befestigte Linien und Redouten. Die -Schützen wurden meistens mit den Bajonetten an den Bäumen -aufgespiesst. Dies furchtsame Volk flösst eher Mitleid wie Furcht ein. -Sie gebrauchen 1/4 Stunde zum Laden, während dessen lassen wir sie -unsere Kugeln und Bajonette fühlen.« - -Unter den Gefangenen, die die Hessen machten, waren zwei Generale -- -Sullivan und Stirling. Nichts legt ein so charakteristisches Zeugnis ab -von dem Hass und der Verachtung seitens der hessischen Offiziere -gegenüber den undisziplinierten rebellischen Truppen ihrer Gegner, als -der Bericht von Heeringens über diese Generale und die anderen Offiziere -der amerikanischen Armee. »John Sullivan war ein Rechtsgelehrter und -vorher Diener, aber ein Mann von Geist, dessen Verlust die Rebellen sehr -beklagen werden. Unter den Gefangenen sind viele sogenannte Obersten, -Oberstlieutenants, Majors und andere Offiziere, die indess nichts -anderes als Mechaniker, Schneider, Schuster, Perückenmacher, Schneider -etc. sind. Einige von ihnen wurden gründlich gehauen von unseren Leuten, -die solche Menschen keineswegs für Offiziere gelten lassen wollten. -Sullivan wurde zu mir gebracht, ich untersuchte ihn und fand die -Originalbefehle Washingtons bei ihm vor, aus denen hervorgeht, dass er -die besten Truppen unter seinem Befehl hatte, dass Alles davon abhinge, -den Wald zu halten, und dass er 8000 Mann stark war. Die Engländer haben -150 Tote und Verwundete »(318 sagt Sir William Howe)«. Dies verdanken -sie mehr ihrem ungeordnetem Angriff, als dem Wert des Feindes. Es sah -schrecklich in dem Wald aus, da wenigstens 2000 Tote und Verwundete -dalagen. Kolonel John von den Rebellen ist tot. Ein Grenadier nahm -ihn gefangen und schenkte ihm grossmütig das Leben, sagte ihm aber, er -sollte sich hinter das Bataillon begeben, welches folgte, da der -Grenadier Schütze war. Jedoch der Oberst wollte ihn ermorden, von hinten -schlauerweise; heimlich zog er eine Pistole heraus, streifte ihn aber -nur am Arm, worauf der Letztere ihn mit 3 oder 4 Bajonettstichen -niedermachte.« - -[Illustration: SCHLACHT VON LONG ISLAND August 1776.] - -»Unter den gefangen genommenen Offizieren fand ich nicht einen einzigen, -der in fremden Diensten gewesen wäre. Sie sind nichts als Rebellen und -hiesige Bürger. Schneider Graul würde eine bedeutende Rolle hier -spielen.« Oberst von Heeringen findet es weit ehrenwerter, für anderer -Völker Streitigkeiten zu kämpfen, als für die eigenen. Einem Mann, der -einst Söldner war, konnte schon eher vergeben werden, wenn er zu den -Rebellen gehörte. »Mylord Stirling ist ein échappé de famille und gilt -nicht als Lord in England.« Er sieht dem Lord Granby ähnlich wie ein Ei -dem andern. General Putnam ist Metzger von Profession. Er kommt mir wie -Metzger Fischer in Rinteln vor. Die Rebellen desertieren in grosser -Zahl; es ist gar nichts, Obersten, Oberstlieutenants und Majors mit -ganzen Trupps von Leuten zu uns übergehen zu sehen. Die genommene Fahne, -die von rotem Damast gemacht ist mit dem Motto »Liberty«, erschien mit -60 Mann vor Ralls Regiment. Sie hatten alle ihre Gewehre umgekehrt und -die Hüte unter dem Arm, fielen auf die Knie und baten flehentlich um ihr -Leben. Kein Regiment ist richtig uniformiert oder bewaffnet. Jeder Mann -hat eine schlechte Flinte, solche, mit denen die hessischen Bürger am -Himmelfahrtstag ausrücken. Stirlings Regiment jedoch hatte blau und rote -Uniform, war drei Bataillone stark und bestand meistens aus Deutschen, -die sich aus Pennsylvaniern rekrutierten. Es waren grosse, schöne Leute, -die vorzügliche englische Gewehre mit Bajonett hatten. Diesem Regiment -standen die Engländer gegenüber und da diese sie für Hessen hielten, so -feuerten sie nicht. Doch dieser Irrtum kostete sie Oberst Grant, mehrere -andere Offiziere und 80 Mann. Sie bekamen eine Salve. Die Engländer -sammelten sich, griffen mit dem Bajonett an, schlugen alles zu Boden, -und was nicht massakriert war, wurde gefangen genommen. In kurzer Zeit -war das ganze Regiment vernichtet. Die Artillerie der Rebellen ist sehr -schlecht, die Kanonen meist von Eisen und auf Schiffskarren gesetzt. - -Es ist behauptet worden, dass in dieser Schlacht die Engländer und -Hessen keinen Pardon gaben, wenn er verlangt wurde. Oberst von Heeringen -sagt: »Die Engländer gaben selten Pardon und forderten beständig die -Unsrigen auf, dasselbe zu thun.« Man sagt auch von den Amerikanern, dass -sie geglaubt haben, die Hessen gäben keinen Pardon und dass sie infolge -dessen mit einer eigentümlichen Verzweiflung gefochten haben sollen, -nachdem sie alle Hoffnungen aufgegeben hatten. Die Thatsache, dass sie -beiderseitig sich nicht verstanden, mag dahin geführt haben, die -Möglichkeit der Übergabe zu verringern; auch mag zur Erhöhung der Wut -beigetragen haben, dass einige Amerikaner die, welche sie gefangen -genommen, verräterisch angegriffen hatten. »Sie waren,« sagt Lieutenant -Rüffer in seinem Tagebuch, »so furchtsam, dass sie es vorzogen zu -fallen, als Pardon anzunehmen, da ihre Generale und Offiziere ihnen -gesagt hatten, sie würden gehängt.« Sicherlich der komischste Beweis von -Feigheit, der jemals gegen Soldaten erbracht worden ist. - -Nach dem Verlust einer so wichtigen Stellung und von so vielen Leuten im -Verhältnis zur Zahl seiner kleinen Armee, fand es Washington nicht -ratsam, die Befestigungen von Brooklyn länger zu halten zu suchen; -nachdem er gesehen hatte, dass die englische Flotte sich anschickte den -East River in Besitz zu nehmen und seine Rückzugslinie abzuschneiden, -verliess er Long Island in der Nacht vom 29. zum 30. August und ging -nach New-York über, wohin alle Vorräte und Kanonen, ausgenommen einige -schwere Geschütze, die im Schmutz stecken blieben, gebracht wurden. Eine -Mythe durchlief die Reihen der Hessen, wonach ein Befehl Washingtons in -dem eroberten Lager gefunden worden sei, welcher sagte, da es doch -unmöglich sei, solchen grausamen und schrecklichen Feinden, wie den -Hessen, Widerstand zu leisten, so möchte jeder sehen, wie er am besten -entkommen könnte. Dies war also die erste Schlacht der deutschen Truppen -in der neuen Welt. Die Verachtung, die sie vor einem solchen -rebellischen und undisziplinierten Feinde hatten, war nur vermehrt -worden, eine Verachtung, welche völlig auszurotten, nur eine lange Reihe -von Kriegs- und Unglücksjahren im Stande war. - - - - -Kapitel VII. - -Von der Okkupation von New-York bis zur Wegnahme von Fort Washington, -15. September bis 16. November 1776. - - -Es existiert nicht mehr Vieles, was den jetzigen Einwohner von New-York -an die kleine Stadt erinnern könnte, die vor 100 Jahren an der Südspitze -von Manhattan Island lag. Es war ein hübscher Ort, mit grossen bequemen -Häusern, die meist von gelben Ziegelsteinen gebaut waren. Die Räume -darin waren kärglich eingerichtet, der Fussboden mit Sand bestreut, und -die Wände mit hohem, gemalten Täfelwerk versehen. Die Büffets, die in -den besseren Häusern von solidem Mahagoni waren, waren mit glänzendem -zinnernen Gerät besetzt, oft auch mit solidem Silber für besondere -Gelegenheiten. Die Strassen waren krumm und hatten Rinnen in der Mitte, -waren aber vollständig rein und mit Bäumen besetzt. Vor dem Kriege hatte -der Ort über 20000 Einwohner gehabt, viele aber waren bei der -Annäherung der streitenden Armeen geflohen. Es gab dort viele Tories, -besonders unter den Reichen. - -Zur Zeit, als Washington sich von Brooklyn zurückzog, wurde New-York -verteidigt durch ein permanentes Fort, mit Namen Fort George, im Westen -von einer Batterie, und durch provisorische Werke, die am Ufer entlang -an verschieden Stellen aufgeworfen waren. Im Norden, landeinwärts, wurde -der Broadway in der Nähe des Bowling Green durch eine Schanze gesperrt, -und eine zweite befand sich in der Gegend des heutigen Centre-Market. -Jenseits der Befestigungen lag eine Gegend, »die schönste, die ich je -gesehen habe,« sagt ein hessischer Offizier.[3] Kornfelder, Wiesen und -Obstgärten bedeckten das reizende Gelände, und von den Gipfeln der Berge -und Hügel schauten die alten Kolonialhäuser, jedes mit einer Piazza und -mit einer Ballustrade umgeben, herab in die lächelnde Landschaft. Der -hessische Lieutenant bezeichnet sie in seinem Enthusiasmus mit -Schlössern. Doch in der That, es war eine Vornehmheit in der Bauart der -besten Wohnhäuser der damaligen Zeit, welche diese Bezeichnung nicht -ganz unberechtigt erscheinen lässt. - - [3] Lieutenant Hinrichs. - -Trotz aller Anstrengungen Washingtons und des Kongresses, im Besitz von -New-York zu bleiben, war die Stadt doch völlig widerstandsunfähig. Die -Engländer hatten völlige Herrschaft über den Hafen, und eine bedeutende -Übermacht zu Lande. Als infolgedessen am 15. September 1776 die -königlichen Truppen auf der Insel landeten, war die einzige Sorge -Washingtons, der mehrere Tage lang Waffen und Vorräte wegschaffen liess, -die Nachhut seiner Armee in Marsch zu setzen, bevor ihm der Rückzug von -den Engländern abgeschnitten werden konnte. Die Landung war unter dem -Schutz von englischen Kriegsschiffen an einer Stelle, Kips Bay genannt, -(in der Nähe der östl. 34. Strasse) ausgeführt worden. Unser hessischer -Lieutenant nennt es 4 Meilen von New-York, er überschätzt aber die -Entfernung. Die Hessen waren in der Avantgarde, und wie gewöhnlich -bildeten sie die Jäger und die Grenadiere unter von Donop. Diese -marschierte unmittelbar auf New-York, während die englische leichte -Infanterie und die Highlanders sich beeilten, den Inselberg, oder jetzt -Murrayhill, zu besetzen. Unterdessen zogen die Amerikaner unter dem -alten Israel Putmann in Eile auf den Strassen ab, die dem North River am -nächsten lagen, in der Richtung auf Bloomingdale. - -Der Landung der Briten war kein Widerstand geleistet worden. Die -neuenglische Miliz, die dieselbe hätte etwas aufhalten können, benahm -sich sehr schlecht, und zog sich die heftigste Missbilligung seitens -Washingtons zu. Es wird erzählt, dass ein Teil der amerikanischen Armee -zweifellos abgeschnitten worden wäre infolge dieser Panik, wenn nicht -Mrs. Murray Sir William Howe durch ihre gastliche Aufnahme und die -Anziehungskraft ihres alten Madeira aufgehalten hätte. Diese -schätzenswerte Dame hielt den britischen General 2 Stunden lang bei -guter Laune, während ihre zerlumpten und hungrigen Landsleute seinen -Krallen entwischten. Niemals hat wohl die Gastfreundschaft von -Murray-Hill einer bessern Sache gedient. - -Am 16. September fand ein heftiges Gefecht in der Nähe von -Manhattanville statt. Ein Teil der britischen Infanterie und zwei -Bataillone Highlanders wurden zurückgeschlagen und waren in einer etwas -prekären Lage, als die allgegenwärtigen Jäger und Grenadiere zu ihrer -Unterstützung heranrückten; ebenso waren einige andere deutsche -Regimenter in Bewegung gesetzt worden. Washington, der fürchtete, dass -der Feind eine grössere Truppenmacht, als es in Wirklichkeit der Fall -war, vorschieben würde, ordnete den Rückzug an. Die Engländer verloren -280 an Toten und Verwundeten, die Amerikaner ungefähr 60. Dies Gefecht, -in dem die letzteren sich sehr gut benahmen und den Engländern einen -verhältnismässig schweren Verlust beibrachten, trug wesentlich dazu bei, -ihren Mut neu zu beleben nach den Rückzügen und Misserfolgen der -vergangenen Tage. - -Der britische General hatte strengen Befehl gegeben, das persönliche -Eigentum zu respektieren, worauf sofort die reichen Besitzer der -Landhäuser, die bei Annäherung der königlichen Streitkräfte geflohen -waren und ihre Besitzung dem Schutz der Dienerschaft anvertraut hatten, -zurückzukehren anfingen. Lieutenant Hinrichs von den hessischen Jägern, -welcher am 15. Sept. Befehl erhalten hatte, Plünderungen zu verhüten, -hatte sich hierbei die Dankbarkeit der Einwohner erworben. Er war in dem -Gefecht am 16. verwundet und gezwungen worden sich nach ruhiger und -guter Pflege umzusehen. Er suchte Schutz bei einer Witwe, namens Ogylby -(Ogilvie?) in der Nähe von Hornhook am East River, und sah zu seiner -Befriedigung die ganze Familie sich wieder vereinigen nach der durch die -Kriegsgefahren verursachten Trennung. Grossvater, -mutter, Enkelkinder, -zusammen mit ihren schwarzen Sklaven und deren Kindern sahen sich wieder -und umarmten sich mit so viel Herzlichkeit, dass unser gutherziger -Lieutenant sehr gerührt wurde und eine fieberhafte Nacht verbrachte. Es -ist unnötig zu erwähnen, dass seine Wirte ihn mit der grössten Güte -behandelten. Er wurde von dieser wie von andern Wunden, die er im -Verlauf der Revolution erhielt, geheilt und starb als preussischer -Generallieutenant im Jahr 1834. - -Die Stadt New-York war nur fünf Tage in den Händen der Briten gewesen, -als in der Nacht vom 20. zum 21. Septbr. in einer kleinen Schenke in der -Nähe von Whitehall Slip Feuer ausbrach. Das Wetter war trocken und heiss -gewesen. Starker Wind blies von Süd-West. Das Feuer breitete sich mit -fürchterlicher Heftigkeit aus. Die Ostseite von Broadway war bis -Exchange Place abgebrannt. Als der Wind sich nach Südosten gedreht -hatte, sprang das Feuer von Broadway nach Morris Street über und dehnte -sich bis Barclay Street aus, wobei die alte Trinity Church abbrannte, -St. Pauls aber verschont blieb. Schliesslich wurde man Herr des Feuers, -besonders durch die Anstrengungen von Soldaten und Seeleuten. Bankroft -behauptet bestimmt, dass dies Feuer nicht durch Brandstiftung verursacht -wurde; die Briten und Hessen aber waren damals anderer Ansicht und -einige moderne Geschichtsschreiber schenken ihren Berichten Glauben. Sir -William Howe stellte in seinem Bericht fest, dass an verschiedenen -Stellen Feuer angelegt worden sei. Eelking sagt, dass Donop in seinem -Tagebuch verzeichnet habe, dass der Brand von einem amerikanischen -Oberst Namens Scott, der früher Advokat gewesen war, in Szene gesetzt -worden sei. - -Dieser hätte dazu 40 verwegene Leute verwendet, die, mit allerhand -Brennstoffen versehen, an verschiedene, im Besitz von Tories befindliche -Häuser Feuer gelegt hätten. Dieser Geschichte zufolge wurde Scott -verhaftet und der ganze Plan geschrieben bei ihm vorgefunden. Die -Meinung derer, welche glauben, dass das Feuer von den Whigs angelegt -worden sei, wird durch die zweifellose Thatsache bekräftigt, dass -mehrere einflussreiche Amerikaner zur Verbrennung New-Yorks geraten -hatten, und dass der Plan von Washington dem Kongress vorgelegt, aber -verworfen wurde. Andrerseits lässt sich sagen, dass Panik und -Leidenschaft, Geschichten von Brandlegung und Gewaltthätigkeiten, die -beständigen Begleiterscheinungen einer grossen Feuersbrunst sind. - -Berichte, die aus damaliger Zeit stammen, sollte man immer mit der -grössten Vorsicht aufnehmen. Die Geschichte, welche Scott betrifft, ist, -soviel ich weiss, durchaus unbegründet. Nur soviel ist sicher, dass -verschiedene Personen während des Umsichgreifens des Feuers von -englischen Soldaten getötet worden sind, und Bankroft sagt, dass ein -armer Mensch, der zu den Tories gehörte, an den Beinen aufgehängt wurde, -bis er starb. - -Am 10. Oktober 1776 schiffte General Howe den grössten Teil seiner -Truppen aus in der Absicht, noch einmal zu versuchen Washingtons -Rückzugslinie abzuschneiden und ihn in Manhattan Island einzuschliessen. -Vier Tage lang waren die Briten durch widrige Winde im East River -festgehalten worden und waren nur soweit gekommen, Hellgate am -Nachmittag des 14. zu passieren. Die Flotte lag die nächste Nacht vor -Anker und brach am andern Morgen um 6 Uhr auf, wurde aber durch Winde -und Sturmfluten aufgehalten, und erreichte Frogs Neck (oder Frogs Point, -wie es Washington nennt), nicht vor Einbruch der Dunkelheit. Hier hatte -Howe einstweilen seine Avantgarde gelandet, Washington aber war ihm -zuvorgekommen und hatte die Übergänge, die zum Festland führen, besetzt. -Howe beschloss infolge dessen vorzustossen und die Landung bei East -Chester zu bewerkstelligen. Dies gelang ihm am 18. Oktober nach einem -heftigen Gefecht. Die britische Armee stand jene Nacht unter Waffen mit -dem linken Flügel an eine kleine Bucht bei East Chester angelehnt, mit -dem rechten bei New-Rochelle. Unterdessen marschierten die Amerikaner -eiligst auf White Plains, wo sie eine starke Stellung einnahmen und -befestigten. Gerade in diesem kritischen Zeitpunkt vereinigte sich die -zweite hessische Division mit dem Rest der Armee. Sie bestand aus 3997 -Mann unter dem Kommando von Generallieutenant Wilhelm von Knyphausen, -und hatte Cassel Anfang Mai verlassen. Das Waldeck'sche Regiment, 670 -Mann stark, und die zweite Waldeck'sche Jäger-Kompagnie unter Hauptmann -Ewald waren mit dieser Division gekommen. Auf diese Weise waren die -deutschen Korps unter dem Kommando von General von Heister auf ungefähr -13,400 Mann gebracht worden. Die neue Division war zurückgelassen worden -um New-Rochelle zu halten, während die Briten auf White Plains -vorgingen. - -Hauptmann Ewald und seine zweite Jäger-Kompagnie brauchten nicht lange -zu warten bevor sie in Aktion kamen. Am 23. Oktober stiessen sie bei -einer Rekognoszierung auf eine überlegene Zahl feindlicher Schützen und -würden zurückgetrieben sein, wenn ihnen nicht die Hochländer zu Hilfe -gekommen wären. Ein Lieutenant und sechs Mann wurden verwundet; von -diesen starben vier nachher. Dies ist der deutsche Bericht in Eelkings -Buch. Ich will auch den Bericht wiedergeben, welchen General Washingtons -Stabschef in seinem Rapport an den Präsident des Kongresses giebt: »Am -Mittwoch war ebenfalls ein scharfes Scharmützel zwischen einem Teil von -General Hands Schützen, ungefähr 240, und beinahe derselben Anzahl -hessischer Jäger, in welchem die letzteren geschlagen wurden. Unsere -Leute beerdigten 10 derselben auf dem Gefechtsfelde, machten zwei -Gefangene, von denen einer schwer verwundet war. Wir hatten keinen -andern Verlust als einen, wie anzunehmen, tödlich Verwundeten.« - -Am 28. Oktober fand Sir William Howe die Armee Washingtons vorteilhaft -hinter dem Dorf White Plains postiert. Sie zählte etwas mehr als 13000 -Mann, von denen etwa 1500 Chatterton Hill auf dem äussersten rechten -Flügel der amerikanischen Stellung besetzt hielten, die von der -Hauptmacht durch den Bronx-Fluss getrennt wurden. Sir William beschloss, -diesen rechten Flügel anzugreifen. Ein englisches und zwei hessische -Regimenter, unterstützt durch die hessischen Grenadiere, durchwateten -die Bronx und erkletterten die steilen und felsigen Hänge des Berges. -Das Regiment von Lossberg musste durch einen brennenden Wald angreifen -und dem heftigsten Feuer der Amerikaner die Stirn bieten. Sein Verlust -an Toten und Verwundeten betrug nahezu 50 Mann. Das Resultat des Kampfes -würde zweifelhaft geworden sein, wenn nicht Oberst Rall, der sein -eigenes Regiment und das nach Knyphausen benannte kommandierte, auch die -Bronx durchwatet, die Amerikaner in der Flanke gefasst und die in der -Front angreifenden Truppen unterstützt hätte. Der Fluss war tief und die -hessischen Soldaten zögerten hineinzugehen. Aber die Lieutenants -Wiederhold und Briede sprangen zuerst hinein, um sie durch ihr Beispiel -anzufeuern. Von dem erstem dieser Offiziere werden wir noch mehr hören. -Der zweite fiel wenige Tage später bei der Einnahme von Fort Washington. - -Ein Teil der Amerikaner focht ganz gut bei dieser Gelegenheit, gegen -eine weit überlegene Zahl. Sie hatten einen zweifellosen Vorteil durch -ihre Stellung und machten einen guten Gebrauch davon, indem sie dem -Feinde einen Verlust von ungefähr 280 Toten und Verwundeten beibrachten. -Howe erwähnt in seinen Berichten den guten Dienst, den die englische und -hessische Artillerie leistete. Heisters General-Adjutant sagt, dass die -hessischen Feld-Geschütze einen solchen »Donner« machten, dass man weder -hören noch sehen konnte. Die Amerikaner hatten nur drei kleine Kanonen -auf dem Berge. - -Die amerikanische Armee war zu dieser Zeit hauptsächlich aus Milizen, -die von den verschiedenen Staaten nach kurzen Dienstperioden gesandt -worden waren, zusammengesetzt. Diese Milizen waren in hohem Masse -schlecht bewaffnet und in Lumpen, undiszipliniert und befehligt von -Offizieren, die erst vor wenigen Monaten den Schreibpult oder Pflug -verlassen hatten. Während einige von diesen improvisierten Offizieren -Leute von Charakter und Talent waren, hatten andere nur das Verdienst, -Geschicklichkeit im Ausheben von Leuten zu besitzen. Die ausgehobenen -Leute aber wollten einen solchen Offizier nicht als ihresgleichen -betrachten und behandeln »und in seiner Eigenschaft als Offizier nicht -höher achten als einen Besenstiel,« sagt Washington. Einige der -Amerikaner hatten sich durch tapfere Thaten hervorgethan, aber, wie alle -rohen Rekruten, veranlassten sie Paniken, oft in ganz unvernünftiger -Weise. Diese Thatsachen müssen fortwährend bedacht werden, wenn nicht -die Geschichte der Revolution unverständlich werden soll. Sir William -Howe andererseits kommandierte eine reguläre, disziplinierte Armee, -welche kaum in Europa übertroffen wurde und mit Allem zur Führung eines -Krieges Wünschenswerten versehen war. - -Nach dem Gefecht von Chatterton Hill standen sich die Armeen drei Tage -lang gegenüber und verstärkten ihre Verschanzungen. In der Nacht des 31. -Oktober zog sich Washington in eine starke Stellung oberhalb White -Plains zurück und Howe lenkte, nachdem er am folgenden Morgen die -amerikanische Arriergarde belästigt hatte, seine Aufmerksamkeit einer -neuen Idee zu. - -Auf dem höchsten Punkt von New-York Island, wo sich ein Berg 238 Fuss -über das Niveau des Hudson erhebt, hatten die Amerikaner ein -fünfseitiges Erdwerk gebaut, welches sie Fort Washington nannten. Das -Fort war mit 34 Kanonen armiert, hatte aber keine Kasematten. Das -Vorfeld eignete sich gut zur Verteidigung und war besetzt von kleineren -Werken von geringer Stärke. Das Ganze bildete eine Barriere über das -obere Ende von Manhattan Island, um die Engländer zu verhindern, eine -Expedition zu Lande zu machen und sich weder sichere noch bequeme -Winterquartiere in New-York zu verschaffen. Auf der Jersey-Seite des -Hudson, gegenüber Fort Washington, lag Fort Lee. Zwischen diesen hatte -General Putnam es unternommen, eine unpassierbare Barriere, die den -Fluss gegen die Briten verschliessen sollte, zu bauen. Die Werke waren -unter dem unmittelbaren Kommando von General Greene. Am Morgen des 9. -Oktober indessen waren die Hindernisse durchbrochen worden, und an den -Forts vorbei fuhren zwei britische Schiffe von 44 Geschützen jedes, eine -Fregatte von 20 Geschützen und 3 oder 4 Tender, welche 2 amerikanische -Ruder-Galeeren auf dem Flusse genommen oder zerstört hatten. Angesichts -dieser Thatsachen wollte Washington das nach ihm benannte Fort -verlassen, welches in Gefahr war, umzingelt zu werden. Greene war -entgegengesetzter Ansicht und der Kongress teilte dessen verblendete -Idee. Die Autorität des Höchstkommandierenden war so beschränkt, dass es -ihm nicht gelang, seinen eigenen Ansichten Geltung zu verschaffen. -Anstatt die Besatzung von Fort Washington zurückzuziehen, wurde sie -verstärkt, bis Oberstlieutenant Magaw, der es befehligte, beinahe 3000 -Mann unter seinem Kommando hatte. Die Stellung, die besetzt werden -sollte, war 2-1/2 Meile lang und schloss eine Redoute auf Laurel Hill -mit ein. - -Es war am 16. November 1776, als dieses Fort durch die Armee von Sir -William Howe gestürmt wurde. Der Angriff wurde gleichzeitig von 4 -Kolonnen gemacht, die gegen 4 verschiedene Punkte vorgingen, diejenige, -welche den Hauptstoss führte und welcher der Ruhm des Tages gehörte, war -aus Hessen unter Knyphausen zusammengesetzt. Diese Truppe setzte nach -New-York Island über bei Kings-Bridge früh um 1/2-5 Uhr und war in zwei -Kolonnen geteilt, die rechte unter Oberst Rall, die linke unter -Generalmajor Schmidt. In letzterer war Wiederhold mit der Avantgarde. -Während längerer Zeit mussten die Deutschen ruhig halten bleiben, bis -die englischen Kolonnen zum Angriff angesetzt waren und denselben -einleiteten. Unterdessen hatte Cornwallis die amerikanische Batterie auf -Laurel Hill genommen. Earl Percy mit zwei englischen und einer -hessischen Brigade hatte die amerikanischen Werke im Süden bedroht, und -Oberst Sterling mit den Hochländern war hinter der Truppenabteilung, die -Percy gegenüberstand, über den Harlem River gegangen und drohte dessen -Rückzugslinie abzuschneiden. Hierbei mussten die Hochländer ein steiles -Ufer hinauf angreifen und verloren dabei 90 Mann. Oberst Cadwalader, der -in dieser Gegend die Amerikaner kommandierte, war gezwungen sich -zurückzuziehen, und seine Leute, anstatt sich ausserhalb des Forts -Washington zu sammeln, hatten sich in das Fort hinein gedrängt und -behinderten dadurch die Vertheidigungs-Massregeln der eigenen Besatzung. - -Es war zwischen zehn und elf Uhr. Der Moment für die Hessen zu -attaquieren, war schliesslich gekommen. Sie wateten durch einen Sumpf -und erklommen den steilen, felsigen Berg, auf den das Fort gebaut war. -Vergebens feuerten die Scharfschützen auf sie, vergebens überschüttete -sie die Artillerie mit einem Hagel von Granaten und Kartätschen. -Knyphausen selbst war fortwährend im stärksten Feuer, »so dass es ein -Wunder war,« schreibt Wiederhold, »dass er davon kam ohne totgeschossen -oder verwundet zu werden.« Der Boden war so steil dort, dass die Leute -sich am Gesträuch hinaufziehen mussten. Schliesslich erreichten sie die -Höhe, wo eine ebene Stelle war. »Vorwärts, Grenadiere!« rief Rall. Die -Tamboure schlugen, die Hornisten bliesen, die Leute schrieen Hurrah! -Hessen und Amerikaner mengten sich massenweise untereinander und alle -stürzten sich wild durch einander auf das Fort los. - -Die Aussenwerke waren genommen und ihre Verteidiger zurückgetrieben, die -die Verwirrung in dem Hauptfort noch vermehrten. Oberst Rall rief einen -von seinen Kapitäns zu sich. »Hohenstein,« sagte er, »Sie sprechen -englisch und französisch; nehmen Sie einen Tambour, befestigen Sie ein -weisses Tuch an einem Kurzgewehr, gehen Sie in das Fort und fordern Sie -die Übergabe.« »Ich that dies sofort,« schreibt der Kapitän, »allein sie -feuerten beständig auf mich und den Tambour, bis wir auf die Glacies -kamen, wo die Rebellen uns mit geschlossenen Augen hinauf geleiteten. -Ich verlangte den Kommandanten zu sprechen. Sie schickten mir einen -Oberst (Cadwalader) zu, welcher Unterkommandant war, dem ich folgende -Bedingung stellte: Er sollte sofort mit der Besatzung aus dem Fort -herausmarschieren, und sie sollten vor General von Knyphausen die Waffen -strecken. Die ganze Munition, der Proviant und alles was dem Kongress -gehörte, sollte getreulich angegeben werden; dagegen ich ihm meine -Parole gäbe, dass alle vom Kommandanten an, einem jeden seine Equipage -sollte belassen werden, und endlich sollte eine weisse Fahne sofort -aufgehisst werden, um alle Feindseligkeiten abzubrechen. Der Kommandant -forderte vier Stunden Bedenkzeit, die ich ihm indessen verweigerte, und -gestattete ich ihm nur eine halbe Stunde, um sich mit seinen Offizieren -zu besprechen. Als die halbe Stunde verflossen war, kam der Kommandant -selbst, sein Schicksal schien ihm ungünstig. Deswegen sagte er: »Die -Hessen machen Unmöglichkeiten möglich.« Darauf sagte ich ihm: »General -von Knyphausen steht 100 Schritt von hier. Kommen Sie auf meine Parole -mit und sehen Sie zu, ob er Ihnen bessere Bedingungen stellen wird.« Er -war damit zufrieden und ging mit mir.« - -Magaw ergab sich Knyphausen, trotz der Nachricht von Washington, der ihn -zu entsetzen versprach, wenn er bis zur Nacht aushalten könnte. Der -Platz war indessen unhaltbar. Die Deutschen verloren 56 Offiziere und -Leute tot und 276 Verwundete bei dem Angriff, die Engländer mehr als -120. Die Amerikaner verloren weniger als 150 Tote und Verwundete, aber -ungefähr 2800 Gefangene, unter denen einige der besten Soldaten waren. -Sie verloren auch einen grossen Teil ihrer Artillerie, viele Waffen und -Ausrüstungsstücke. - -Der Quartiermeister von dem Grenadier-Bataillon von Minnigerode sagt, -indem er von dieser Schlacht spricht, dass, wenn nicht die Gefangenen -gewesen wären, der Verlust der Deutschen weit grösser gewesen sein -würde, als der von den Rebellen, und dass dies von der Art komme, wie -die letzteren fechten. »Sie liegen einzeln hinter Bäumen, Büschen, -Steinmauern und Felssteinen, schiessen auf grosse Distancen und mit -Sicherheit und laufen ganz schnell weg, sobald sie gefeuert haben. Die -Deutschen können nicht ein Drittel so weit schiessen und können viel -weniger laufend sie erreichen, und das Terrain hier ist so, dass man die -Feld-Artillerie bei einer Attaque selten heraufbekommen kann.« - -Die Hessen sollen während des Angriffs kein Pardon gegeben haben den -Scharfschützen, die sie in den Aussenwerken und in den Gehölzen fanden. -Die Amerikaner, von denen viele dies gesehen haben müssen, waren -natürlich mutlos zur Zeit der Übergabe. Der Volksmund hatte böse Feinde -aus den Hessen gemacht. Kapitän von Malsburg erzählt, dass, als er in -das Fort hineinkam, er sich umgeben fand von Offizieren, denen Furcht -und Besorgnis auf den Gesichtern geschrieben stand. Sie luden ihn ein in -ihre Kaserne, drangen ihm Punsch, Wein und Kuchen auf, machten ihm -Komplimente wegen seiner Freundlichkeit, welche sie zu erstaunen schien, -und sagten, sie hätten so etwas nicht von einem hessischen Offizier -erwartet. Sie baten um seinen Schutz, und er dagegen hielt ihnen eine -Strafpredigt über die Sünde der Empörung gegen ihren guten König. - -Die Besatzung marschierte aus zwischen den Regimentern Rall und Lossberg -hindurch, legte die Waffen nieder und übergab ihre Fahnen, die gelb, -weiss und hellblau waren. Knyphausen soll auf diese »mit Verachtung« -geblickt haben. Diese Haltung ist bezeichnend für das hessische -Bewusstsein ihrer Stärke, doch der amerikanische Leser muss Trost finden -in der Thatsache, dass innerhalb sechs Wochen die Fahnen der Regimenter -Rall und von Lossberg wieder in den Händen von Washingtons Armee waren. - -Die Hessen erwarben sich grossen Ruhm bei dieser Aktion. Schmidt, Stirn -und Rall, und die Truppen unter deren Befehl wurden in den Tagesbefehlen -ehrenvoll erwähnt, und das genommene Fort wurde Fort Knyphausen genannt. - - - - -Kapitel VIII. - -Trenton, 26. Dezember 1776. - - -Nach der Einnahme von Fort Washington zeigte Sir William Howe eine -ungewohnte Thätigkeit. Das Fort war am 16. November 1776 gefallen und am -20. ging die britische Armee über den Hudson nach New-Jersey hinein. -Fort Lee war hiermit nutzlos und unfähig zur Verteidigung geworden. Es -wurde schleunigst geräumt und die Geschütze, Zelte und der Proviant -darin im Stich gelassen. Mehr als 2000 Leute unter General Greene, die -seine Besatzung gebildet hatten, entkamen notdürftig über den -Hackensack, indem sie 73 Kranke zurückliessen. Der Zustand von -Washingtons Armee war ein verzweifelter. Die Dienstzeit von vielen -Milizen lief am 30. November ab. Diese waren nicht im mindesten zu -bewegen sich wieder einreihen zu lassen, selbst für eine kurze Zeit, -ebenso wie die Miliz von New-Jersey nicht ausrücken wollte, um ihren -eigenen Staat zu beschützen; eine Brigade derselben löste sich auf an -dem Tag, an dem die Briten in New-Brunswick einrückten. Washington hatte -ein Detachement unter Lee östlich des Hudson gelassen, doch Lee -missachtete nun Washingtons wiederholten Befehl sich mit ihm zu -vereinigen und murrte, anstatt zu handeln. Ungefähr 2400 Mann unter Lord -Stirling waren detachiert zum Schutz von Nord-New-Jersey und nach 4 -Tagen beordert, den oberen Lauf des Delaware zu verteidigen; und der -Oberbefehlshaber hatte auf einmal 3500 Mann weniger unter sich. Der -Marsch der Briten durch New-Jersey wurde kaum gestört, obwohl sich -Washington langsam vor ihnen zurückzog und die Brücken zerstörte. Am 8. -Dezember zog er sich über den Delaware zurück und liess auf 70 Meilen -alle Boote an dasjenige Ufer des Flusses bringen, an dem er sich befand. -Es entstand eine Panik in Philadelphia, und der Kongress siedelte nach -Baltimore über. Washington fühlte sich nicht im Stande, mit seiner -Truppenmacht den Übergang der Briten über den Fluss zu verhindern. Howe -war indessen nicht der Mann, einen Winterfeldzug mit Energie zu -betreiben. Er kehrte nach New-York zurück indem er Cornwallis und -nachher Grant den Oberbefehl in New-Jersey überliess. Bankroft erzählt -uns, dass der Staat der Plünderung und der Gewaltthätigkeit preisgegeben -war, und dass alle Versuche, die Hessen davon abzuhalten, aufgegeben -wurden unter der Entschuldigung, dass die Gewohnheit des Plünderns das -Desertieren verhindern würde. »Man machte sie glauben,« führt er nach -dem offiziellen Bericht eines britischen Offiziers an, »bevor sie -Hessen-Cassel verliessen, sie sollten nach Amerika kommen, um sich ihr -Privat-Vermögen zu gründen, und bisher haben sie in der That nach diesem -Prinzip gehandelt.« Washington, auf der andern Seite, schreibt am 5. -Februar 1777: »Eine Thatsache muss ich zu Gunsten der Hessen anführen, -und die ist, dass unsere Leute, die gefangen genommen worden waren, im -Allgemeinen darin übereinstimmen, dass sie von diesen eine viel bessere -Behandlung erfuhren, als von den britischen Offizieren und Soldaten.« - -[Illustration: OPERATIONEN IN NEW JERSEY UND PENNSYLVANIEN. 1776.] - -Washington war in dem Glauben, dass die Operationen schnell wieder -aufgenommen werden, und die Briten auf Philadelphia marschieren würden, -so bald der Delaware zugefroren sein würde. Ein Brief, der einen oder -zwei Tage vor Weihnachten aufgefangen wurde, bestärkte ihn in seiner -Meinung. Es wurde von der grössten Wichtigkeit, einen Streich zu -führen, bevor der Feind sich anschicken würde, wieder vorzugehen und -noch vor dem letzten Dezembertag, an dem die Dienstzeit von vielen -seiner Leute ablaufen würde. - -Die Art und Weise, in welcher General Grant, der britische Befehlshaber -in New-Jersey, über die Truppen verfügte, war folgende: »Princetown und -New-Brunswick wurden durch die englische Detachements gehalten.« Von -Donop, der die hessischen Grenadiere und die 42. Hochländer -kommandierte, stand in Bordentown. Rall, mit der Brigade, die für einige -Zeit unter seinem Befehl gestanden hatte, 50 hessischen Jägern, 20 -englischen leichten Dragonern und 6 Geschützen hatte Quartier in Trenton -bezogen. Ralls Brigade war aus 3 hessischen Regimentern zusammengesetzt, -welche die Namen Rall, von Knyphausen und von Lossberg trugen. Sie war -von Qualität nicht wesentlich verschieden von anderen hessischen -Brigaden. Das Regiment von Lossberg hatte sich besonders ausgezeichnet -bei Chatterton Hill. Das Regiment Rall war aus schlechtem Material -gebildet, es war eins von denen, welche in der Eile formiert wurden, um -die Zahl der Soldaten voll zu machen, die der Landgraf zu stellen hatte, -aber Cornwallis berichtete lange nachher einem Komitee des Hauses der -Gemeinen, dass sich Ralls Brigade bei Fort Washington die Bewunderung -der ganzen Armee errang. - -Die Regimenter Rall und von Lossberg waren in dem nördlichen Teil von -Trenton einquartiert, das Regiment von Knyphausen im südlichen, auf -beiden Seiten der Brücke über den Assanpink. Auf dieser Brücke war eine -Wache von 12 Mann aufgestellt. Die Soldaten lagen in den verschiedenen -Häusern zerstreut, und bei gutem Wetter standen die Geschütze im Freien, -von 2 oder 3 Leuten bewacht. Pickets waren auf den Strassen westlich des -Nebenflusses vorgeschoben. Die Hauptwache bestand aus einem Offizier und -70 Mann. - -Oberst Rall war ein tollkühner Offizier von der alten Schule. Man sagte, -er habe darum gebeten, nach Trenton gelegt zu werden, weil er es für -einen gefährlichen Posten hielt. Bei Chatterton Hill hatte er seine -Sache sehr gut gemacht; er hatte mit seiner Brigade den amerikanischen -rechten Flügel geworfen und das Schicksal des Tages entschieden. Er -hatte einen Hauptanteil an der Erstürmung von Fort Washington genommen. -Derselbe verwegene Geist, welcher in früheren Jahren ihn veranlasste mit -den Russen unter Orloff als Volontär gegen die Türken zu kämpfen, -leitete ihn bei jenen Gelegenheiten. Die Leichtigkeit, mit welcher er -Siege erfochten hatte, seitdem er in Amerika war, hatte ihn mit einem -übermütigen Vertrauen erfüllt. Die lumpigen Gesellen, welche durch -New-Jersey hindurchgetrieben waren, möchten wohl eine Patrouille -gefangen nehmen oder ein Picket zurückwerfen, aber sie wären, wie er -dachte, ganz unfähig zu einem ernstlichen Angriff auf eine hessische -Brigade. »Erdwerke!« sagte er mit einem Fluch zu Major von Dechow, der -ihm riet, die Stadt zu befestigen; »lasst sie nur kommen! Wir werden sie -mit dem Bajonnet empfangen;« und als derselbe Offizier ihn bat, einige -Schuhe von New-York kommen zu lassen, erwiderte er, dass das Alles -Unsinn sei. Er und seine Brigade wollten barfuss über das Eis nach -Philadelphia laufen, und wenn der Herr Major keinen Teil an dieser Ehre -haben wollte, möchte er nur wegbleiben. General Grant, der englische -Oberbefehlshaber in New-Jersey, teilte Ralls Verachtung der Rebellen. -Als derselbe ihm vorschlug, ein Detachement nach Maidenhead zu schicken, -um die Verbindung zwischen Princetown und Trenton offen zu halten, -antwortete er spöttisch, dass er die Jerseys mit einer Korporalschaft im -Zaume halten wollte. Von Donop, der in Bordentown kommandierte, schickte -einen Ingenieur-Hauptmann nach Trenton, um Rall zu bewegen, anzuordnen, -dass der Ort verteidigungsfähig eingerichtet werde, aber letzterer ging -nicht darauf ein. Erdwerke wären unnötig, sagte er. Die Rebellen wären -Taugenichtse. Sie wären schon mehrmals unterhalb der Brücke gelandet und -hätten unbelästigt davon kommen können, aber jetzt hätte er (Rall) -Massregeln ergriffen. Wenn sie wiederkämen, wollte er sie nach guter Art -zurückjagen. Er hoffte, Washington würde auch mit herüberkommen, dann -könnte er ihn gefangen nehmen. Ralls Sorglosigkeit schien seinen -Untergebenen so gefährlich, dass die Offiziere von dem Regiment Lossberg -in einem Brief dem General von Heister Vorstellungen machten, aber zu -spät. - -Ralls Verachtung vor seinem Feind verführte ihn, die einfachsten -Massregeln zu vernachlässigen. Er revidierte selten einen Posten, selten -zog er einen Offizier zu Rate. Er verweigerte es, einen Platz für die -Sicherheit der Baggage im Fall eines Angriffes zu bezeichnen. »Unsinn,« -sagte er, als er aufgefordert wurde, dies zu thun, »die Rebellen werden -uns nicht schlagen.« Doch die Leute wurden fortwährend angestrengt durch -unnötigen Wachtdienst und Hinundhermarschieren. Am 22. Dezember bekamen -zwei Dragoner, die mit einem Brief nach Princetown geschickt worden -waren, Feuer aus einem Walde heraus. Einer von ihnen fiel, der andere -ritt zurück nach Trenton und meldete den Vorfall. Darauf schickte Rall 3 -Offiziere mit 800 Mann und 1 Kanone, um diesen Brief zu befördern, zur -grossen Heiterkeit der Engländer. Das Detachement hatte bei schlechtem -Wetter biwakieren und am nächsten Morgen zurückmarschieren müssen. Ein -Sergeant und 15 Mann würden für diesen Dienst vollkommen genügt haben. - -Am 24. Dezember 1776 war eine Rekognoszierungs-Abteilung in der -Richtung auf Pennington vorgeschickt worden, wurde aber nach einem -Marsche von einigen Meilen zurückberufen. In der Morgendämmerung des -25. wurde auf die Pickets nördlich der Stadt von einer kleinen -Rekognoszierungs-Abteilung der Amerikaner ein Angriff gemacht. Der -Feind wurde zurückgeschlagen mit einem Verlust von 6 Verwundeten auf -Seite der Deutschen. Eine Patrouille von 30 Mann unter einem Fähnrich -wurde eine oder zwei Meilen zur Verfolgung der zurückgehenden -Amerikaner vorgeschickt, konnte sie aber nicht mehr einholen. Das -Picket an dem Schnittpunkt der obern Strasse am Fluss mit der nach -Pennington wurde daraufhin durch 10 Mann verstärkt unter Lieutenant -Wiederhold, so dass es nunmehr aus 25 Mann im Ganzen bestand. Rall war -nun der Ansicht, dass alle Gefahr vorüber war. Er war kürzlich gewarnt -worden, dass ein Angriff bevorstände, und nahm als ganz bestimmt an, -dass das Geplänkel, in welches die Pickets engagiert worden waren, der -Angriff war, vor dem er gewarnt wurde. Leslie, der in Princetown -kommandierte, hatte melden lassen, dass Washington sich vorbereitete, -den Delaware zu überschreiten, aber Rall gab nicht ernstlich Acht -darauf. Er befahl nur seinem eigenen Regiment, welches du jour hatte, -in den Quartieren zu bleiben. Er hatte allerdings Grund sich sicher zu -fühlen. Es war ihm bekannt, dass keine grosse Truppenmacht in seinem -Teil von New-Jersey belassen war. Washingtons Armee lag jenseits des -Delaware, eine zerlumpte, halbbewaffnete Bande von armen Teufeln, die -bis vor kurzem von Staat zu Staat und von Fluss zu Fluss getrieben -worden waren. Grosse Eisschollen schwammen, durch den Strom getrieben, -im Delaware hin und her und machten jegliches Übergehen gefährlich. Die -Nacht war stürmisch, selbst für Dezember, und bevor es Morgen wurde, -fegten Schlossen und Schnee durch die Strassen. Aber drinnen war Alles -fröhlich und lustig. Es war Weihnachtsabend. Die Deutschen, die in -Trenton gemütlich hausten, konnten über den Sturm lachen und ruhig -schlafen. - -Weit anders wurde die Nacht von der amerikanischen Armee verbracht! Die -Truppen, unter dem unmittelbaren Befehl von Washington in ihrem Lager -auf der Pennsylvanischen Seite des Delaware oberhalb Trenton, zählten -nur 2400 Mann, die im Stande waren, eine anstrengende Unternehmung zu -machen. Diese brachen um 3 Uhr nachmittags am Weihnachtstag auf, jeder -Mann hatte Verpflegung für 3 Tage und 40 Patronen. Sie führten 18 -Feldgeschütze mit sich. Diese Truppenmacht erreichte die Fähre von Mac -Konkey in der Abenddämmerung. Hier wurden die Boote durch Glovers -Seeleute von Marblehead bemannt, und zwischen den schwimmenden -Eisschollen hindurch wurde die kleine Armee über den Fluss gerudert. Ihr -Zustand war so erbärmlich, dass ein Bote, der ihr gefolgt war, leicht -ihre Spur verfolgen konnte »an dem Blut im Schnee von den Füssen der -Leute, die zerrissene Schuhe trugen.« - -Inzwischen hatte Cadwalader den Fluss bei Dunks Fähre, unterhalb -Trenton, überschritten, aber das Eis hatte sich gegen des Jersey-Ufer -hin gepackt, und wenngleich die Fussmannschaften hinüber konnten, so war -doch für die Artillerie keine Hoffnung dafür vorhanden. Die 1800 Mann, -die diesen Teil der Unternehmung ausmachten, warteten vergeblich während -der Dezembernacht. Um 4 Uhr morgens beorderte Cadwalader, der sicher -glaubte, dass Washington, gleichwie er selbst, wegen der -Schwierigkeiten, mit der die Expedition zu kämpfen hatte, umgekehrt -wäre, seine halberfrorenen Leute nach ihrem kalten Lager zurück. »Die -Nacht,« schreibt Thomas Rodney »war eine so bitterkalte, wie ich sie -niemals erlebt habe.« Der Fluss war so schwierig zu überschreiten und so -voll von Eis, dass es 4 Uhr wurde am Morgen des 26. Dezember bis die -Truppen mit der Artillerie alle hinüber und marschbereit waren. Sie -hatten noch 9 Meilen zu marschieren, um Trenton zu erreichen, und der -Sturm hatte sich mit furchtbarer Heftigkeit erhoben. Die zitternden -Soldaten erklommen einen steilen Berg und stiegen auf die Strasse hinab, -wo die Bäume ihnen ein wenig Schutz gegen den Nordost-Sturm geben -sollten. In Birmingham wurde die Armee in zwei Kolonnen geteilt. Die -rechte unter Sullivan marschierte längs des Flusses, die linke unter -Washington auf der obern Strasse. Nach einer Weile meldete Sullivan -durch einen seiner Adjutanten an Washington, dass das Pulver nass -geworden wäre. - -»Dann sagen Sie dem General,« antwortete Washington, »er solle mit dem -Bajonnet angreifen und in die Stadt eindringen, denn die Stadt müsste -genommen werden, und ich wäre fest entschlossen sie zu nehmen.« -- - -Es war ungefähr 1 Stunde nach Tagesanbruch als Lieutenant Wiederhold -seine Aussenposten eingezogen hatte. Es war eine kalte Nacht gewesen mit -Schnee und Schlossen. Die kleine Abteilung verbarg sich in einer Hütte, -die als Wachthaus diente. Wiederhold trat zufällig an die Thüre und sah -hinaus. Plötzlich waren die Amerikaner vor ihm. Er rief: »An die -Gewehre!«, und es wurden Schüsse gewechselt. - -»Die Aussenwachen leisteten nur geringen Widerstand,« sagt Washington, -»obschon sie ihrer Zahl nach sich sehr tapfer hielten, indem sie -zurückgehend fortwährend, hinter Häusern gedeckt, feuerten. Zugleich -sahen wir, wie sich ihre Hauptabteilung formierte; -- aber nach ihren -Bewegungen zu urteilen, schien sie unentschlossen, was zu thun.« - -Trommeln und Hörner erschallten in den Strassen von Trenton. Rall war -noch im Bett und völlig schlaftrunken. Lieutenant Biel, der als -Brigadeadjutant fungierte, scheute sich zuerst, ihn aufzuwecken, und -eilte zu der Hauptwache, um einen Lieutenant und 40 Mann den Pickets als -Unterstützung zu senden. Als er zum Hauptquartier zurückkehrte, lag Rall -in seinem Nachthemd zum Fenster hinaus und schrie: »Was ist denn los?« -Der Adjutant erwiderte ihm, ob er nicht das Feuern gehört habe. Rall -sagte, er würde sofort unten sein, und in einem Moment war er angezogen -und vor der Thüre. Eine Kompagnie von dem Regiment von Lossberg, welche -Quartiere an der Strasse nach Pennington hatte, und als Avantgarde -fungierte, hatte diese Strasse besetzt und empfing die fliehenden -Pickets, musste sich aber sogleich in die Stadt zurückziehen. Washington -drang bei King- und Queenstreet (jetzt Warren- und Greenstreet) ein, und -Sullivan von der Strasse am Fluss in die Secondstreet. Einem Teil von -Ralls Regiment gelang es, sofort sich zu formieren, und nach einer Weile -erschien Rall selbst zu Pferde. Lieutenant Wiederhold meldete ihm, dass -der Feind im Vordringen sei, und zwar nicht nur oberhalb der Stadt, -sondern auch zur Rechten und Linken. Rall fragte, wie stark der Feind -wäre. Wiederhold antwortete, dass er es nicht angeben könnte, aber er -hätte 4 oder 5 Bataillone aus dem Walde kommen sehen und dass drei davon -auf ihn gefeuert hätten, bevor er sich zurückzog. Rall rief, es sollte -avanciert werden aber er schien verwirrt und nicht imstande, einen -richtigen Entschluss zu fassen. Seine Truppen waren noch in Unordnung. -Rall wandte sich zur Rechten in einen Garten mit Äpfelbäumen östlich der -Stadt, und versuchte die Strasse nach Princeton in seine Gewalt zu -bekommen. Aber er wurde durch Hands Regiment Pennsylvania -zurückgeschlagen. Er beschloss darauf, sich einen Weg in die Stadt -wieder zu erzwingen mit seinem und dem Regiment von Lossberg, wenigstens -mit so vielen Leuten als zusammengebracht werden konnten. Dies soll er -versucht haben, um seine Baggage und die Beute der vorhergehenden Wochen -wegzuschaffen. Indessen wurde er durch einen Hagel von Blei aus Fenstern -und Thorwegen, von hinter Bäumen und Mauern her empfangen. Die Munition -der Hessen war nass von dem Schneesturm. Die Amerikaner erneuten den -Angriff und die Hessen wurden weiter zurückgeworfen, als sie gekommen -waren. -- Rall wurde durch eine Kugel tötlich verwundet, und die beiden -deutschen Regimenter, in die grösste Verwirrung gebracht, streckten die -Waffen. - -Dem Regiment Knyphausen ging es wenig besser. Als Rall den Obstgarten -verliess und sich wieder gegen Trenton wendete, beschloss Major von -Dechow, sich einen Weg rückwärts über die Assanpink-Brücke zu bahnen und -sich nach Bordentown durchzuschlagen, wo Donops Truppenabtheilung lag. -Aber es war unmöglich dies auszuführen, da Sullivan schon die Brücke -besetzt hatte. Zwei Geschütze steckten tief in einer morastigen Stelle -und es wurde viel Zeit verloren bei dem Versuche sie herauszuziehen. -Dechow wurde verwundet. Einigen Soldaten gelang es, den Strom zu -durchwaten, aber die bei weitem grössere Zahl wurde umringt und an Lord -Stirling übergeben, mit Ausnahme der Privatbaggage und der Säbel der -Offiziere. Die, welche entkamen, nahmen ihren Weg nach Princeton. Auch -die Jäger und englischen Dragoner entkamen und erreichten Bordentown. -Lieutenant Grothausen von den Jägern wurde angeschuldigt, zu früh -zurückgegangen zu sein. Er war mit 50 Mann an der untern Flussstrasse -postirt gewesen und zog sich bei der Annäherung von Sullivan vor diesem -über die Assanpink-Brücke zurück. Nach Bankroft betrug die Gesamtzahl -derer, die auf diese Weise durchkamen, 162. Washington giebt in seinem -ersten Bericht an den Kongress die Zahl derer, welche sich ergaben, auf -23 Offiziere und 886 Mann an. Einige, die nachher in Trenton gefunden -wurden, erhöhten die Zahl auf 1000. - -Die Nachricht von dem Siege der Amerikaner wurde in New-York mit Kummer -und Entrüstung aufgenommen. - -Der alte Heister, der bei Sir William Howe nicht mehr in Gunst stand, -mag darin ein Vorzeichen seiner Abberufung gesehen haben. Er berichtete -am 5. Januar an Schlieffen, den Minister des Landgrafen, das -Vorgefallene. Seinem Märchen zufolge, das er berichtete, war Ralls -Brigade von 10 000 Mann überrascht worden und das Desaster durch die -Tollkühnheit des Obersten verursacht worden, indem er gegen die -Übermacht vorgegangen wäre, anstatt sich sofort über den Assanpink -zurückzuziehen. Heister giebt den Verlust von 15 Fahnen zu. - -Der Landgraf von Hessen-Kassel war sehr ergrimmt. Er war der Ansicht, -dass solch ein Vorfall unmöglich gewesen wäre, wenn nicht alle Disziplin -gelockert wäre. Er befahl, dass eine Untersuchung eingeleitet werden -sollte, sobald die Offiziere, die als Gefangene in amerikanische Hände -gefallen seien, ausgewechselt sein würden, und drohte, dass die, welche -wegen schlechten Verhaltens für schuldig erachtet würden, zur strengsten -Verantwortung gezogen werden sollten. Auch erklärte er, den Regimentern, -welche ihre Fahnen verloren hätten, solche nicht eher wieder zu -verleihen, als bis sie eine gleiche Anzahl vom Feinde genommen hätten. -Er schrieb an Knyphausen, er hoffe, dass Alle, ebenso wie er, mit -grossem Kummer und mit Scham erfüllt seien, dass es notwendig wäre, -diese Scharte wieder auszuwetzen und dass Knyphausen nicht ruhen dürfte, -bis seine Truppen die Erinnerung an diese unglückliche Affaire durch -eine grosse Zahl von ausserordentlichen Thaten verwischt hätten. Der -Landgraf kannte sich nicht in seinem Zorne. Der eigentliche Sünder gegen -die militärischen Regeln starb in Oberst Rall. Es war die Ansicht von -Soldaten jener Zeit und ist die Meinung von denen die die Angelegenheit -seitdem studiert haben, dass die Niederlage und Gefangennahme der -hessischen Brigade in Trenton durch einfache militärische -Vorsichtsmassregeln von Seiten ihres Führers hätte verhindert werden -können. Cornwallis sagte später einem Komitee des Hauses der Gemeinen, -dass nach Donops Meinung Rall hätte aushalten können bis Donop zu seiner -Unterstützung von Bordentown herangekommen wäre, wenn er die Befehle Sir -William Howes befolgt und Redouten gebaut hätte. Rall war mehrfach -von seinen untergebenen Offizieren gedrängt worden dies zu thun. Dass -die unter seinem Kommando Befindlichen zur Lockerung der Disziplin -beitrugen, wozu sie durch das Beispiel ihres Führers notwendigerweise -verführt wurden, war natürlich. Alle fochten tapfer, viele wurden -verwundet, doch war der Verlust an Gemeinen nur gering. Dass ein -früherer Rückzug den Hessen ermöglicht hätte zu entkommen, ist richtig. -Aber man sollte Soldaten nicht ernstlich dafür tadeln, dass sie ihr -Terrain festhalten, wenn sie überfallen werden, auch ist Ralls Fehler, -wenn es einer war, zu versuchen, sich seinen Weg eher in der Richtung -auf Princeton als auf Bordentown zu bahnen, nicht auf die Rechnung -seiner Untergebenen zu schreiben. - -[Illustration: PLAN VON DER AFFAIRE, - -welche am 26. Dec. 1776 bei TRENTON zwischen einem Corps von 6000 -Rebellen unter General Washington und einer Hessischen Brigade unter -Oberst Rall stattfand. - ---< _Erklärung umseitig._ >--] - - A. Trenton. - - B. Picket von 1 Offizier und 24 Mann (Wiederhold). - - C. Hauptmann Altenbocums Kompagnie vom Regiment von Lossberg, welches in - der Nachbarschaft einquartiert war und sich vor dem Quartier des - Hauptmanns formierte, während das Picket den Feind beschäftigte. - - D. Picket von 1 Hauptmann, 1 Offizier und 75 Mann. - - E. 1 Offizier und 50 Jäger, die sich sofort über die Brücke zurückzogen - (Grothausen). - - F. Detachement von 1 Offizier und 30 Mann, die sich mit Donops Korps - vereinigten. - - G. Platz, wo die Regimenter nach Verlassen der Stadt Halt machten, und - wo Oberst Rall den Versuch machte mit seinem und dem Regiment von - Lossberg einen Angriff auf die Stadt zu unternehmen, der abgeschlagen - wurde. - - I. Platz, wo er mit den Regimentern gefangen genommen wurde. - - K. Platz, wo das Regiment von Knyphausen, das die Flanke hatte decken - sollen, sich ebenfalls übergeben musste, nachdem es versucht die - Brücke zu erreichen. Die Geschütze vom Regiment von Lossberg waren - bei dem Regiment von Knyphausen und unglücklicherweise im Sumpf - stecken geblieben, und bei dem Versuch sie herauszuziehen war der - Moment, die Brücke zu gewinnen, verpasst worden, infolge dessen der - Feind sie stark besetzte. - - L. Geschütze vom Regiment Lossberg. - - M. Geschütze vom Regiment Knyphausen, die während der Affaire nicht beim - Regiment waren. - - N. Geschütze vom Regiment Rall, gleich zu Anfang demontiert. - - O. Angriff des Feindes vom Wald aus. - - P. Vorgehen und Umzingeln der Stadt durch den Feind. - - Q. 2 Bataillone des Feindes verfolgen das Regiment Knyphausen. - - R. Letzte Bewegung und Angriff auf das Regiment Knyphausen. - - S. Geschütze der Rebellen. - - T. Platz, wo General Washington sich postiert hatte und von dem aus er - seine Befehle gab. - -Die Wichtigkeit von Trenton für die Amerikaner darf nicht nur nach dem -numerischen Ausweis an Toten, Verwundeten und Gefangenen berechnet -werden. Es war ein neuer Beweis für die unerfahrenen und hülflosen -Kolonisten, dass sie sich einigermassen zu Soldaten eigneten und dass -ihre Sache nicht hoffnungslos war. Nach einer langen Reihe von -Missgeschick und fortwährendem Zurückweichen feuerte sie dies mit neuem -Mute an. Bunker Hill hatte die Amerikaner belehrt, dass sie den -britischen Regulären widerstehen könnten. Trenton bewies ihnen in einer -Stunde der Verzweiflung, dass die gefürchteten Hessen überwunden werden -könnten. - - - - -Kapitel IX. - -Der Winter 1777. - - -Die hessischen Offiziere und Soldaten, welche in Trenton gefangen -genommen waren, mussten am 26. Dezember 1776 denselben kalten und mit -Schnee bedeckten Weg, auf welchem die Amerikaner zum Angriff vorgegangen -waren, zurücklegen. Wir können sie uns in ihren Uniformen zitternd vor -Frost vorstellen, während ihre zerlumpten und barfüssigen Bezwinger -fröhlich neben ihnen her marschierten und in der Siegesglut den eisigen -Wind vergassen. Wieder wurde der Delaware durch die schwimmenden -Eisstücke hindurch überschritten, und man kann überzeugt sein, dass es -nicht die zerlumpten Amerikaner waren, deren Zähne klapperten; aber eine -Reaktion trat ein nach so viel Mühsal und Aufregung; am nächsten Morgen -war die Hälfte der siegreichen Armee erschöpft und dienstuntauglich. 40 -Stunden waren die Amerikaner ununterbrochen unter den Waffen gewesen und -hatten marschiert und gefochten in Schnee und Eis eines Dezembersturmes, -so dass nun die Natur Ruhe und Unterkunft für einige Tage forderte. Nur -Washington war unermüdlich, und obschon die Dienstzeit eines grossen -Teiles seiner Armee im Ablaufen begriffen war, schickte sich der grosse -Feldherr an, aus dem errungenen Erfolg Vorteil zu ziehen. - -Die hessischen Offiziere wurden mit grosser Höflichkeit von den Führern -der Amerikaner behandelt. Washington drückte sein Mitgefühl mit ihnen -unmittelbar nach ihrer Übergabe aus. Stirling, der erst vor kurzem nach -seiner Gefangennahme auf Long-Island ausgewechselt war, erzählte den -Offizieren, die ihn besuchten, dass Heister ihn wie einen Bruder -behandelt habe, und dass er sie ebenso behandeln wollte. Er begleitete -sie bei ihrem Besuch bei General Washington und lud einige von ihnen zum -Diner ein. Washington erwies dieselbe Höflichkeit einigen von den -anderen. Einer von seinen Gästen hat in seinem Tagebuch einen Vermerk -über den Eindruck hinterlassen, den der berühmteste unter den -Amerikanern auf ihn gemacht hat: »Diesem General sieht man in seinem -Gesicht nicht die Grösse an, welche ihm im allgemeinen beigemessen wird. -Seine Augen haben kein Feuer, aber die freundliche Art seines Ausdrucks, -wenn er spricht, flösst Zuneigung und Hochachtung ein.« - -Wiederhold schreibt: »Am 28. dinierte ich, wie gesagt, ebenso wie -mehrere andere Offiziere, mit General Washington. Er that mir die Ehre -an, sich viel mit mir über die unglückliche Affaire zu unterhalten, und -da ich ihm frei heraus die Ansicht äusserte, dass unsere Massregeln -schlecht gewesen wären, andernfalls wir nicht in seine Hände gefallen -wären, fragte er mich, ob ich bessere Massregeln getroffen hätte und in -welcher Weise. Darauf sagte ich Ja; erwähnte alle Fehler, welche -begangen worden waren, und zeigte, was ich gethan haben und wie ich mit -Ehren aus der Verlegenheit gekommen sein würde. Er billigte dies nicht -nur, sondern sagte mir auch einiges Schmeichelhafte darüber, sowie auch -über meine Wachsamkeit und den Widerstand, den ich mit meinen wenigen -Leuten in der Postenlinie am Morgen des Angriffes gemacht hätte. General -Washington ist ein zuvorkommender und eleganter Mann, aber scheint sehr -polite und reserviert zu sein, spricht wenig und hat eine schlaue -Physiognomie. Er ist nicht sehr gross, aber auch nicht klein, sondern -von Mittelgrösse, und hat eine gute Figur.« Es ist interessant, sich -diese Szene vorzustellen -- das Wohnzimmer im Farmhaus, das Feuer aus -dickem Scheitholz, die triefenden Lichter, die Bowle mit rauchendem -Punsch und General Washington die Kriegskunst erörternd mit seinem -Gefangenen, der, obwohl nur ein Lieutenant, ausländischen Kriegsdienst -kennen gelernt hat und wohl wert ist, angehört zu werden. - -Die Gefangenen wurden binnen Kurzem nach Pennsylvanien und Virginien -befördert. Überall strömte das Volk zusammen, um sie zu sehen, und wenn -den fremden Eindringlingen in ihrem Unglück manchmal mit Flüchen und -Verwünschungen begegnet wurde, so dürfen wir diejenigen nicht zu scharf -beurteilen, deren Söhne und Brüder von den Hülfstruppen umgebracht -werden sollten. - -Wir werden beinahe finden, dass die Wage sich zu Gunsten der Amerikaner -neigt, welche bei vielen Gelegenheiten ihren Feinden mit Vergebung und -Freundlichkeit begegneten. Die Begleitmannschaft der Gefangenen that -beständig ihre Pflicht und gelang es ihr, diese vor allem Schlimmeren -als Beschimpfungen zu bewahren. Die hessischen Offiziere und Leute -wurden von einander getrennt, und es ist nicht uninteressant, ihren -Wanderungen bis ins Einzelne zu folgen. Die Offiziere waren in -Philadelphia und statteten General Israel Putnam am Neujahrstag einen -Besuch ab. »Er schüttelte jedem von uns die Hand,« sagt einer in seinem -Tagebuch, »und wir mussten Alle ein Glas Madeira mit ihm trinken. Dieser -alte Graubart mag ein guter, ehrlicher Mann sein, aber niemand anders -als die Rebellen würden ihn zum General gemacht haben.« - -Die Offiziere wurden, nachdem sie in Dumfries und im Thal von Virginia -einquartiert waren und viele kleine Beschwerden zu ertragen gehabt -hatten, im Dezember 1777 nach Fredericksburg gebracht, wo sie mit -grosser Gastfreundschaft und Güte behandelt wurden. Wiederhold wird -förmlich pathetisch bei dem Gedanken, von seinen dortigen Freunden -Abschied zu nehmen. Die Gefangenen hatten in grosser Gunst bei den Damen -der Nachbarschaft gestanden, welche, wie der Lieutenant sagt, »schön, -zuvorkommend, gütig, bescheiden und vor Allem sehr natürlich und -ungezwungen waren.« - -16 Damen »ersten Ranges« verabredeten sich nebst einigen Herren, den -Kapitän in seinem Quartier zu überraschen, wovon er vorher heimlich -unterrichtet worden war. Er erzählt uns, dass sie kamen und nur eine -Stunde zu bleiben beabsichtigen, doch schliesslich von 1/2-4 bis 10 Uhr -abends blieben. General Washingtons Bruder, Schwester und Nichte waren -darunter. Die deutschen Offiziere regalierten ihre Gäste mit Thee, -Kaffee, Chokolade, Claret-Wein und Kuchen, und unterhielten sie mit -Instrumental- und Vokal-Musik, an welcher sich die Damen manchmal -beteiligten. »In Europa würden wir keinen grossen Beifall geerntet -haben, aber hier galten wir für Meister. Sobbe spielte die Flöte, Doktor -Oliva die Violine und ich die Guitarre. Wir wurden so mit Beifall -überschüttet, dass wir ganz beschämt waren. Ihre Freundschaft für uns -war zu gross. Einige von den amerikanischen jungen Herren wurden -eifersüchtig.« - -Alle diese Freundlichkeit machte Eindruck auf die Gefangenen. In -Dumfries 9 Monate vorher, hatte Wiederhold in sein Tagebuch -niedergeschrieben, dass er lieber ein kleines Gut in Hessen besitzen -wolle, als die grösste Besitzung in Virginia und dass Amerika für solche -Leute gut wäre, welche zu Hause dem Galgen entronnen wären. Nun ist er -aber beim Verlassen von Fredericksburg ganz traurig, obschon es galt, -zur Armee nach Philadelphia zurückzukehren. Indessen hatte er -persönliche Gründe hierfür. »Es war sicherlich eine grosse Sache, sich -so grosser Freundschaft, ja, ich möchte sagen, Liebe zu erfreuen von -Leuten, deren Feinde wir waren und gegen die wir bald wieder als Feinde -auftreten mussten. - -Sagte doch eine Schöne zu mir, welche mir so innig zugethan war: »Wollte -Gott, Sie könnten hier bleiben und dass ich niemals so unglücklich sein -müsste von ihnen zu scheiden, so wie ich es morgen thun muss und -vielleicht für immer. Aber gehen Sie, wo Ehre und Pflicht Sie hinruft -und bleiben Sie glücklich!« Dies war Seelengrösse, wie sie nicht allen -Rebellen innewohnt, denn sie war eine gute Amerikanerin in ihren -Gesinnungen, schön und reich.« Kein Wunder, dass der Lieutenant die -Meilen zählte, als er von Fredericksburg abmarschierte. - -Die Soldaten erreichten Philadelphia einige Tage später als die -Offiziere. Über ihren Empfang durch die Volksmenge schreibt ein Korporal -in seinem Tagebuch: »Gross und Klein, Alt und Jung, standen da um zu -sehen, was für eine Sorte Sterblicher wir wären. Als wir gerade vor sie -kamen, sahen sie uns scharf an. Die alten Weiber schrien schrecklich und -wollten uns erwürgen, weil wir nach Amerika gekommen wären, um ihnen -die Freiheit zu rauben. Einige Andere brachten uns trotz allen -Schimpfens Schnaps und Brod, um es uns zu geben, aber die alten Weiber -wollten es nicht erlauben, und uns obendrein noch erwürgen. Unsere -amerikanische Begleitmannschaft hatte von Washington Befehl erhalten uns -in der Stadt überall herumzuführen, damit Jedermann uns sehen sollte; -aber das Volk drängte sich in uns hinein mit grosser Wut und -überwältigte beinahe die Begleitmannschaft, so dass, als wir uns den -Baracken näherten, unser kommandierender Offizier sagte: »Liebe Hessen, -wir wollen in diese Baracken marschieren.« Wir thaten es, und das ganze -amerikanische Detachement musste dem wütenden Volke Einhalt thun. Warum -der amerikanische Offizier seine Gefangenen in so liebevoller Weise -anredete, scheint nicht klar, aber ein grosser Grad von Vertraulichkeit -scheint sich zwischen ihnen ausgebildet zu haben. Eelking erzählt eine -Geschichte, die aber, cum grano salis, aufgenommen werden muss, dass, -als der Transport im Herbst 1777 von Lancaster nach Winchester geführt -wurde, und an die Grenze von Virginia kam, die pennsylvanische Eskorte -sich weigerte, weiter zu marschieren und nicht den Fuss auf den -geheiligten Boden setzen wollte. In der That zerstreuten sie sich, und -alle gingen nach Hause. Die Eskorte, die von Winchester hatte kommen -sollen, um sie zu treffen, war nicht angekommen. Der Kapitän, der das -Kommando über die Pennsylvanier gehabt hatte, war ein Mann von grosser -Geistesgegenwart und Menschenkenntniss. Er sagte zu den Hessen, deren -Zuneigung er durch seine Menschlichkeit gewonnen hatte, dass sie ohne -Eskorte weiter marschieren müssten, da er selbst nach Winchester -vorauseilen müsste. Er vertraute den Gefangenen und versprach ihnen gute -Behandlung bei ihrer Ankunft. Darauf verliess er sie. Die Gefangenen, -wenn man sie überhaupt so nennen kann, denen Niemand wehrte, -marschierten weiter in guter Ordnung. Am dritten Tage kam der alte -Kapitän mit einer virginischen Eskorte zurück und fand alle Hessen durch -Namensaufruf zur Stelle, nur einige gewissenlose Engländer waren -verschwunden. Die Deutschen wurden darauf alle mit Branntwein traktiert, -während die englischen Gefangenen ihren Marsch ohne diese Erfrischung -wieder aufnehmen mussten. Die Hessen erhielten fortan viele -Vergünstigungen. - -Washington soll die Stimmung im Volke dadurch beruhigt haben, dass er -bekannt gab, die Hessen seien gegen ihren Willen nach Amerika gekommen. -Das Loos der Gefangenen scheint nicht übermässig hart gewesen zu sein. -Viele der gemeinen Soldaten vermieteten sich als Knechte auf die Farmen -und erhielten Verpflegung und Lohn. - -So viele als von Washingtons kleiner Armee dienstfähig blieben, -überschritten in den letzten drei Tagen des Dezember den Delaware wieder -und wurden schleunigst unter Cadwaladers und Mifflins Kommando -vereinigt. Dadurch wurde ihre Zahl auf ungefähr 5000 gebracht, von denen -3/5 des Militärdienstes unkundig waren. Gegen diese kleine Truppenmacht -ging Cornwallis mit einer grösseren Zahl von britischen und hessischen -Veteranen vor. Er kam mit seiner ganzen Streitmacht von Princeton über -Maidenhead, trotz Donops Rat, in zwei Kolonnen auf beiden Seiten des -Assanpink zu marschieren. Am 2. Januar 1777 fand ein Geplänkel statt, -bei dem Lieutenant von Grothausen von den Jägern, welcher von Trenton 7 -Tage vorher entkommen war, ohne seine volle Schuldigkeit gethan zu -haben, wie behauptet wurde, fiel. Eelking erzählt, dass er von einigen -Scharfschützen erschossen wurde, welche ihn unter dem Vorwande sich zu -ergeben, anlockten. - -Am Nachmittag des 2. Januar standen sich die englische und -amerikanische Armee auf beiden Seiten des Assanpink-Flusses -gegenüber. Vergeblich drängten unsere Offiziere Cornwallis, sofort -anzugreifen. Die Sonne war im Untergehen, die Brücke war erfolgreich -verteidigt worden, die englische Armee musste den Strom durchwaten, um -an den Feind heranzukommen, und der Ausgang schien zweifelhaft. Der -britische General entschloss sich, den Angriff auf den folgenden Tag -zu verschieben. Washington wagte nicht, das Schicksal Amerikas auf die -Widerstandsfähigkeit seiner undisziplinierten Milizen hin zu -riskieren. Die Nacht war kalt und die Strassen in gutem Zustand für -das Passieren der Artillerie. Es wurde Holz auf die amerikanischen -Wachtfeuer gelegt und eine Wache zurückgelassen, um es zu unterhalten. -Inzwischen marschierte die amerikanische Armee durch die helle -Januarnacht ab, umging Lord Cornwallis linke Flanke und griff um 9 Uhr -morgens 3 englische Regimenter zu Fuss und 3 Kompagnien zu Pferde bei -Princeton an. Die Amerikaner warfen sie, töteten und verwundeten -ungefähr 200 Mann und machten 230 Gefangene, unter denen 14 britische -Offiziere waren. Der amerikanische Verlust an Leuten war gering, aber -schwer an Offizieren infolge eines Unfalles bei Beginn der Affaire. -Dieser Sieg bei Princeton war das letzte Ereignis des Feldzugs, -welches den Namen einer Schlacht verdient. Die Briten verliessen den -grössten Theil von New-Jersey und blieben nur in New-Brunswick, Amboy -und Paulus Hook. Aber die Vorposten der beiden Armeen unterhielten ein -Geplänkel den ganzen Winter hindurch. So wurde am 5. Januar 1777 eine -Abteilung von 50 Waldeckern von einer an Zahl nicht stärkern Abteilung -Milizen angegriffen, welche 8 oder 10 töteten und die Übrigen, -einschliesslich 2 Offizieren, zu Gefangenen machten. - -In dieser scharmützelnden Art der Kriegführung nahmen, so weit es die -Hessen betraf, die Jäger oder Chasseurs, wie sie die Engländer und -Amerikaner nannten, den Hauptanteil. Sie waren gelernte Schützen und -rekrutierten sich aus den Jägern und Forstleuten von Deutschland. Eine -Kompagnie derselben war mit von Heister im August 1776 nach Amerika -gekommen, eine zweite unter Kapitän Ewald mit von Knyphausen im Oktober. -Sie hatten sich als so nützlich erwiesen, dass ihre Zahl durch einen -speziellen Vertrag mit dem Landgraf während des Winters 1777 auf 1067 -Mann erhöht wurde, in 5 Kompagnien formiert, von denen eine zu Pferde -war. Andere Kompagnien wurden von Hanau und Anspach besorgt. Nach dem -Sommer 1777 war das Korps unter dem Befehl von Oberstlieutenant von -Wurmb, aber die Kompagnien oder detachierten Teile fochten im -Allgemeinen getrennt. Es gab wenige Operationen von einiger Wichtigkeit, -an welchen die Jäger nicht Teil nahmen. Wir glauben gern, dass sie -manche kühne und glückliche Streiche ausführten, müssen aber die Achseln -zucken, wenn wir belehrt werden, dass die amerikanischen Milizen -breitgeränderte Hüte trugen, welche sie über die Augen herunter gezogen -haben sollen, um sie gegen Wind und Schnee zu schützen, so dass die -Jäger imstande waren, sich bei hellem Tage an sie heranzuschleichen und -sie niederzumachen oder zu entwaffnen, bevor sie eine Ahnung davon -hatten. Diese Yankees sind gewöhnlich so sehr schläfrige Kerls (Eelkings -»Hülfstruppen« I. S. 182). - -Ewald erzählt uns, dass zu Anfang des Jahres 1777 Lord Cornwallis sich -entschloss Boundbrook in New-Jersey, welches von 1000 Amerikanern unter -Oberst Butler gehalten wurde, zu überraschen. Der Angriff sollte in 3 -Kolonnen ausgeführt werden. Die erste unter General Mattheus sollte -einen Scheinangriff auf die Front der amerikanischen Werke machen. Die -zweite unter Cornwallis sollte über Somerset nach links Butlers Stellung -umgehen und sie im Rücken fassen. Die dritte sollte rechts über -Greenbrook marschierend, dem Feinde den Rückzug nach Morristown -abschneiden. Ewald kommandierte die Avantgarde der 1. Division. Die -Strasse von Raritan Landing nach Boundbrook, welche in einer Länge von -2-1/2 Meilen an der linken Seite des Raritan River entlang führt, endigt -in einen Damm über einen Morast. Durch diesen floss ein Bach, über -welchen eine steinerne Brücke führte. Um die Brücke und den Damm zu -beherrschen, hatten die Amerikaner eine Brücke gebaut. - -Die Division brach ungefähr um 2 Uhr morgens auf. Halbwegs Boundbrook -glaubte Ewald, der wie gewöhnlich an der Spitze war, er sähe etwas sich -bewegen. In der Hoffnung, eine feindliche Patrouille zu überraschen, -schickte er einen Mann mit dem Befehl zurück, dass der Rest seiner Leute -leise nachkommen sollte. Er wurde indessen entdeckt und angerufen. Indem -er seine Leute mit leiser Stimme heranrief, avancierte er bis dicht an -den Feind heran, der sich als ungefähr 30 Mann stark herausstellte. -Diese gaben eine Salve ab und verschwanden, Ewald hinter ihnen her. -Entgegen den Befehlen gaben die Jäger auch einige Schüsse ab. Es würde -besser gewesen sein, sagt Ewald, ihnen langsam zu folgen, da sie die -Jäger für eine gewöhnliche Patrouille gehalten haben mochten, eine -ebensolche, wie man auf dieser Strasse beinahe jede Nacht begegnete. -Ewald hoffte indessen, über den Damm und in die Redoute gleichzeitig mit -den Amerikanern zu gelangen, aber die Entfernung war zu gross und der -Tag brach an. Er war seiner Nase nachgegangen und hatte vergessen, -hinter sich zu sehen, bis er ungefähr 100 Schritt von der Redoute -entfernt, sich einem heftigen Feuer ausgesetzt sah, durch welches einige -seiner Freiwilligen verwundet wurden. Dann sah er sich um und bemerkte, -dass seine ganze Truppe aus 1 Lieutenant und 7 Mann bestand. Mit diesen -warf er sich auf die Brücke, die kaum 40 Schritt von der Redoute -entfernt war und deckte sich hinter die steinerne Brustwehr. Er hoffte, -dass mehr von seiner Abteilung zur Unterstützung kommen würden, aber es -stellte sich heraus, dass General Mattheus der Kolonne befohlen hatte zu -halten, da er nicht unnötig Menschenleben opfern wollte. Ewalds 7 -Schützen unterhielten das Feuer auf die Schiessscharten der Redoute und -ihr Feuer wurde lebhaft beantwortet, aber es wurde Niemand auf beiden -Seiten getroffen. Nach kaum 1/4 Stunde hatten sie das Vergnügen, -heftiges Feuer jenseits der Redoute zu hören, welche von Cornwallis im -Rücken angegriffen war. Die Besatzung verliess das Werk, und Ewald mit -seinem Lieutenant und 7 Mann ging vor um Besitz davon zu ergreifen, und -nahm obendrein 12 Mann gefangen. »Aber«, sagt Ewald, »es war mein -Fehler, dass Lord Cornwallis nur 150 Gefangene und 2 Kanonen machte -anstatt 1000 Mann. Denn der Feind war durch das Feuer der Redoute -geweckt und bekam Zeit, mit General Lincoln zusammen zu entkommen.« - -Hier möge noch eine andere Anekdote von Ewald folgen, die diese -Campagne betrifft: »Als wir zu Anfang des Jahres 1777 während des -amerikanischen Krieges in New-Brunswick in Jersey lagen, hatte ich den -Befehl über das äusserste Ende der Piquetlinie bei Raritan Landing an -der Strasse nach Boundbrook. Dieser Posten konnte nur durch grosse -Wachsamkeit und den guten Willen und die Liebe der Jäger zu mir -gehalten werden. Wir schlugen uns täglich mit den Amerikanern herum, -denn wir waren nur eine Meile von einander entfernt. Eines Morgens um -das Frühjahr herum, krochen die Amerikaner unter dem Schutze eines -dicken Nebels so nahe an einen meiner Posten heran, dass sie eins -meiner Piquets in demselben Moment erreichte, wie eine Patrouille, die -ich vorgeschickt hatte, und die geworfen wurde. Sie stürzten auf mich -los so schnell sie innerhalb 200 Schritt von mir konnten. -Glücklicherweise war ein tiefeingeschnittener Weg zwischen uns, in -welchen ich mich mit 16 Jägern hineinwarf, indem ich Lieutenant -Hinrichs zurief, meine rechte Flanke mit dem Rest der Leute zu decken, -bis Kapitän von Wreden mit seiner Kompagnie heraufkäme. Gerade als ich -den eingeschnittenen Weg erreichte, erhielt ich heftiges Feuer von -einem Regiment leichter Infanterie unter Oberst Buttler, woraufhin -meine Leute, welche sonst brave Burschen waren, den Kopf verloren und -wegliefen. Erstaunt, wie man wohl glauben mag, rief ich hinter ihnen -her: »Ihr mögt zum Teufel rennen, aber ich bleibe hier allein stehen.« -In diesem Moment bemerkte ich, dass ein Mann, Jäger Bauer, bei mir -stehen geblieben war. Er antwortete: »Nein, Sie sollen nicht allein -bleiben,« und er rief den Jägern, welche sich fort machten, nach: -»Jungens, halt, ein Schuft, der wegläuft!« Nachdem er diese Worte -einigemal nachgerufen hatte, kamen sie alle zurück und kämpften -als brave Burschen. Die Amerikaner, welche fortwährend ein -ununterbrochenes Feuer unterhalten hatten, waren die schreckliche -Verlegenheit, in der ich gewesen war, nicht gewahr geworden. Kapitän -Wreden und die leichte Infanterie von der englischen Garde unter -Oberst Osborne kam zu unserer Unterstützung, und die Amerikaner wurden -mit grossem Verlust zurückgeworfen und beinahe bis nach Boundbrook -getrieben.« Jäger Bauer, der bei dieser Gelegenheit bei Ewald stand, -war ein unbedeutend aussehender Bursche aus dem Anspacher Distrikt. -Ewald hatte sich erst geweigert, ihn in seine Kompagnie einzustellen -wegen seines Äussern, doch hatte er sich durch die Vorzüglichkeit -seines Schiessens bewegen lassen ihn einzureihen. Kurz nach der oben -erwähnten Affaire gab Bauer einen andern Beweis seiner Verwegenheit. -Am Morgen des 25. Mai fiel Ewald mit einer Abteilung von 11 Jägern und -30 Dragonern in einen Hinterhalt in der Nähe von Boundbrook. Sie -wurden umzingelt und waren in Gefahr gefangen genommen zu werden, und -gerade in diesem Moment stürzte Ewalds Pferd und der Kapitän lag auf -dem Wege. Als die Jäger, die eine kleine Strecke entfernt waren, das -Pferd ihres Kapitäns reiterlos auf sie loskommen sahen, erschien Bauer -mit zwei Andern plötzlich, um den verletzten Offizier in Sicherheit -zu bringen. Sie trugen ihn mitten im Kugelregen zurück, und als sie -ihn an einen sicheren Ort gebracht hatten, bemerkte Bauer, dass Ewalds -Hut fehlte. »Wir müssen ihn wiederkriegen, sagte er, »oder sie werden -morgen den Hut unseres Hauptmanns im Triumph nach Boundbrook -hineintragen.« Sie liefen wieder zurück und brachten wirklich den Hut -trotz aller Kugeln zurück. - -Ewald versichert, dass Oberst Reed vor dem Überfall von Trenton Donop -zweimal besuchte, unter dem Vorwand, Gefangene auszuwechseln, aber in -Wirklichkeit um zu rekognoszieren. Er erzählt darüber die folgende -Geschichte: - -»In derselben Weise kamen die beiden Obersten Hamilton und Schmidt mit -einem Trompeter an den Posten, welchen ich bei New-Brunswick in Jersey -im Anfang der Campagne von 1777 festhielt, nachdem General Howe von -New-Brunswick nach Milztown vorgegangen und wieder zurückmarschiert war. -Sie hatten unwichtige Briefe an General Grant von zwei englischen -Offizieren seiner Brigade, welche am Tage vorher durch ihre eigene -Schuld gefangen genommen worden waren, indem sie zum Vergnügen -umhergeritten waren. Ich gab diesen beiden Herren, welche sehr elegante -und höfliche Leute waren, zu verstehen, dass ich ihre Absicht wohl -gemerkt hätte, und gab ihnen den wohlgemeinten Rat, sich so schnell als -möglich fortzumachen und mich so bald nicht wieder zu besuchen. Hierüber -schienen sie sehr erstaunt zu sein, befolgten aber meinen Rat mit -grosser Eile. Ich würde sie sicherlich zur Verhaftung nach dem -Hauptquartier mit verbundenen Augen geschickt haben, wenn ich nicht -gewusst hätte, dass das Volk über eine so weise Massregel gegen -Amerikaner gelacht haben würde. Das Beste wäre, wenn solche Herren zu -unpassender Zeit mit Botschaften kommen, sie wenigstens für einen halben -Feldzug mit sich zu nehmen.« - -Ich glaube nicht im mindesten, dass Hamilton zu den britischen Vorposten -mit der Absicht gegangen war, die ihm hier unterstellt wird, und ich -glaube sicher, es geschah, wenn er es that, ohne Mitwissen von -Washington. Indessen hat man keinen Grund zu bezweifeln, dass ihm Ewald -argwöhnte und ihn in der beschriebenen Weise entliess. - -Es wurden nun im Winter von 1776 auf 77 Unterhandlungen eingeleitet, -infolge deren Generallieutenant von Heister abberufen wurde von dem -Kommando über die hessischen Truppen und Generallieutenant von -Knyphausen ihm folgte. Lord Suffolk hatte auf die Rückberufung gedrungen -aus dem Grunde, weil Sir William Howe nicht zufrieden war mit Heister. -Inwieweit Sir Williams Abneigung gegen ihn an rein persönlichen Gründen -gelegen hat, oder in wieweit der Argwohn gerechtfertigt sein mag, dass -Heister zu sehr »auf die Erhaltung der unter seinem Befehl stehenden -Truppen« bedacht war, ist jetzt vielleicht nicht mehr möglich zu -entscheiden. Aber wir wissen, dass Howe bereits vor der Affaire von -Trenton mit Heister unzufrieden war, zu einer Zeit, als die englischen -Verluste entschieden schwerer gewesen waren als die hessischen. Heister -hatte durch den Vertrag zwischen dem König von England und dem Landgraf -das Recht des unmittelbaren Befehls über ungefähr die Hälfte von Sir -William Howes Armee. Die Abmachungen in dem Vertrage waren unbestimmt -genug, um zu vielen Streitfragen Anlass zu geben. Heister soll -widerspenstig gewesen sein. Jedenfalls kam er mit seinem -Oberbefehlshaber nicht gut aus. Dies dürfte ein genügender Grund gewesen -sein, um ihn abzuberufen. - -Die englische Regierung zog es vor, nicht offen mit dieser Sache -hervorzutreten, sondern die Rückberufung wurde durch den Landgraf -veranlasst auf Grund von Heisters Gesundheit und Alter und nur »für eine -gewisse Zeit«. Es war aber wohl begreiflich, dass der alte General in -Ungnade von dannen ging. Der Landgraf schreibt an Knyphausen: »Nichts -als die vollkommene Vernachlässigung aller Ordnung und Disziplin kann -diese Schande (von Trenton) über uns gebracht haben. Ich halte es für -sehr nötig, über die Sache mit Generallieutenant von Heister zu -sprechen, und seine Gesundheit ist obendrein für das Klima dort drüben -nicht stark genug. Ich schreibe ihm deshalb, hierher zu kommen für eine -gewisse Zeit und übertrage das Kommando ad interim über meine Truppen in -Amerika auf Sie.« Heister verstand vollkommen, dass er in Ungnade -gefallen war und starb zwei Monate, nachdem er Cassel erreicht hatte, -aus Kummer und Sorge. - -Im Anfang des Frühjahrs 1777 beliefen sich die wirklichen Besitzungen -des Königs von England auf amerikanischem Boden auf folgende: Im Staate -New-York: die Insel im Hafen und etwa ein kleines Stück von West Chester -County bei Kings Bridge. In New-Jersey: Amboy, New-Brunswick und Paulus -Hook. In Rhode Island die eigentliche Insel. Aber die Wichtigkeit dieser -Posten war ausser allem Verhältnis zu ihrer Ausdehnung. Sir William Howe -kommandierte eine nach modernen Begriffen allerdings kleine Armee, die -aber gross genug war um die von Washington an Zahl zu übertreffen, und -die aus disziplinierten Truppen, darunter viele Veteranen, gebildet war, -während die amerikanische Armee eine veränderliche, hauptsächlich aus -Milizen bestehende Masse war. Der Kongress hatte an einem der letzten -Tage des Jahres 1776 bestimmt, dass Washington bevollmächtigt sei, -auszuheben, zu organisieren und mit Offizieren zu versehen: 16 -Bataillone Infanterie, 3000 Mann leichte Kavallerie, 3 Regimenter -Artillerie und ein Korps von Ingenieuren. Aber diese Truppen, die erste -Armee der vereinigten Staaten, als solche, zusammen mit den 88 -Bataillonen, welche gleichzeitig von den einzelnen Staaten aufgestellt -werden sollten, existierten bis jetzt hauptsächlich auf dem Papier. Am -14. März 1777 schreibt Washington an den Kongress: »Nach der genauesten -Schätzung, welche ich machen kann, erreicht unsere Gesamtstärke in -Jersey, welche augenblicklich dienstfähig ist, nicht die Zahl 3000. -Diese, ausgenommen 981 Mann, sind Milizen und bleiben nur bis zum -letzten dieses Monats zum Dienst verpflichtet. Die Truppen, die in der -Ausbildung begriffen sind, belaufen sich, einschliesslich des Personals, -auf ungefähr 1000.« Sir William Howes Armee kann zu dieser Zeit -schwerlich weniger als 25 000 Mann betragen haben. - -Die Handvoll Leute, welche die Sache der Freiheit Amerikas aufrecht -erhielt, war ohne Geld, ohne Kredit, oft ohne Kleidung. Gegen diese -wurde die Kriegsmacht eines grossen Reiches gesetzt, die Loyalität, -angefeuert durch eine alte Monarchie, einen unbegrenzten Kredit, -unberechenbare Hülfsquellen. Eine zweite britische Armee bereitete sich -vor, von Kanada aus mit der von Sir William Howe zusammen zu operieren -und, indem sie die Hudson-Linie besetzte, das Land in zwei Teile zu -teilen. Die Amerikaner konnten nicht auf fremde Hilfe rechnen, bis sie -nicht die Fähigkeit, sich selbst zu helfen, gezeigt hätten. Ihre -Hoffnung konnte sich nur gründen auf die eigene Standhaftigkeit, und auf -den Genius und die patriotische Tapferkeit ihres grossen Führers. - - - - -Kapitel X. - -Die Braunschweiger in Canada 1776. - - -Das Braunschweigische Kontingent der deutschen Truppen, welches von -England zur Unterdrückung der Revolte in ihren Nord-Amerikanischen -Kolonien gedungen war, wurde von Baron Friedrich Adolph von Riedesel -befehligt. Er stammte aus einer adeligen hessischen Familie und war im -Jahre 1738 geboren. Im Alter von 15 Jahren war er nach Marburg geschickt -worden, um Rechtswissenschaft zu studieren, obschon er kaum schreiben -konnte und nur einige wenige lateinische Brocken gelernt hatte. Ein -Bataillon hessischer Infanterie stand damals in Marburg, und Riedesel -sah lieber den Soldaten zu, als dass er den Professoren der Universität -zuhörte. Der Major, der die Bekanntschaft des Jungen gemacht hatte, -hoffte ihn als Rekruten zu bekommen. Er gab Riedesel den Rat, in seine -Kompagnie mit der Aussicht auf Avancement einzutreten und sagte ihm -obendrein, dass er mit seinem Vater gut bekannt sei und an ihn schreiben -würde, um seine Einwilligung zu diesem Plane zu erbitten. Kurz darauf -sagte der Major zu Riedesel, dass er von seinem Vater gehört, er habe in -seine Einstellung eingewilligt. Der Junge war über diese Nachricht -entzückt und wurde sofort für den Dienst gemustert. Indessen, als er -seinem Vater schrieb, um sich zu bedanken, erhielt er eine sehr -enttäuschende Antwort. Baron von Riedesel hatte nie etwas von dem Major -gehört und hätte nie seinem Sohn die Erlaubnis gegeben, den für ihn -gewählten Beruf zu verlassen. Nun aber, da der junge Mann in den Dienst -eingetreten sei, erforderte es die Ehre, seinen Farben treu zu bleiben, -aber er brauchte auf keine weitere Unterstützung von Seiten seines -Vaters zu rechnen. Es blieb dem jungen Riedesel nichts übrig, als sich -in sein Schicksal zu fügen. Die ganze Angelegenheit ist nur ein Beispiel -von dem deutschen Rekrutierungs-System der damaligen Zeit. - -Der Landgraf von Hessen-Cassel, hatte einige seiner Regimenter an -England geliehen. Riedesel ging mit seinem Bataillon dorthin mit dem -Rang als Fähnrich. Er war indessen nicht so lange dageblieben, um die -Sprache vollkommen zu erlernen, denn sein Regiment war nach Deutschland -zurückbeordert worden, um am siebenjährigen Kriege Teil zu nehmen, in -welchem England mit Preussen und einige kleinere deutsche Staaten -Frankreich, Österreich, Russland und Schweden gegenüberstand. Von dieser -Zeit an war Riedesels Avancement rapide. Er wurde ein Günstling von -Prinz Ferdinand und vertauschte den hessischen Dienst mit dem -braunschweigischen. Beim Ausbruch der amerikanischen Revolution war er -bis zum Range eines Obersten aufgestiegen und wurde General an dem Tage, -an dem er an der Spitze des Kontingents aus Braunschweig nach Amerika -ausmarschierte. - -Riedesel sah nichts Entehrendes in der Thätigkeit, zu der er berufen -war. Er war Soldat von dem Typus, der dem 18. Jahrhundert eigen ist, und -in militärischen Dingen kannte er nichts anderes als seine Befehle. Er -war überdies ein zärtlicher Gatte und Vater, und seine Frau und Kinder -sollten ihm nach der Neuen Welt nachfolgen, sobald es die Gesundheit der -ersteren erlauben würde. »Liebste Frau,« schrieb er von seinem ersten -Halt, »nie habe ich mehr gelitten, als heute früh bei meiner Abreise. -Mein Herz brach mir, und hätte ich zurückgekonnt, wer weiss was ich -gethan hätte! Aber, meine Liebe, Gott hat mir diesen Beruf gegeben, ich -muss ihm folgen; Pflicht und Ehre verbinden mich dazu; man muss sich -also trösten und nicht murren.« - -General Riedesel brach von Braunschweig am 22. Februar 1776 nach Stade -an der Elbe auf, an der Spitze von 2282 Mann. Die Truppen wurden -zwischen dem 12. und 17. März eingeschifft und gingen am 22. März in -See. Es waren 77 Soldatenfrauen mit dieser Division. Der Rest des -braunschweigischen Kontingents marschierte im Monat Mai nach Stade. Die -einzelnen Teile zusammen beliefen sich auf die Gesamtsumme von 4300 -Mann. Das Regiment von Hessen-Hanau, 668 Mann stark, schloss sich der -Expedition in Portsmouth an. Die Braunschweiger wurden besichtigt und -für den englischen Dienst gemustert durch den Oberst Faucitt, welcher -von dem Aussehen der Soldaten nicht befriedigt war. Viele waren zu alt, -viele nur halbwüchsige Jungen. Die Uniformen der ersten Division waren -so schlecht, dass die englische Regierung gezwungen war, Riedesel 5000 £ -vorzuschiessen, um die Leute in Portsmouth neu auszurüsten. Er wurde von -den englischen Lieferanten betrogen, denn als man die Kisten mit Schuhen -auf der See öffnete fand man Damenschuhe darin enthalten. Für einen -Feldzug in Canada waren keine Mäntel vorgesehen. Neue Uniformen für die -erste Division wurden im Laufe des Sommers nachgeschickt. - -Der General war von dem Geiste seiner Truppen sehr befriedigt. »Ich -weiss die Zufriedenheit unserer Soldaten nicht genugsam zu beschreiben, --- -- alles ist munter und guter Dinge,« schreibt er von Bord des -Schiffes aus an seinen alten Chef, Prinz Ferdinand von Braunschweig. -Bald indessen gesellte sich die Seekrankheit zu der Unbequemlichkeit auf -den vollgepfropften Schiffen. »Die Soldaten sind meistens alle seekrank -gewesen. Die meisten sind es noch, wie auch meine Leute«, schreibt -Riedesel an seine Frau von Dover aus. »Der arme Koch ist es so sehr, -dass er gar nicht arbeiten, ja nicht einmal den Kopf aufheben kann. Das -ist eine grosse Unbequemlichkeit für uns, denn Kapitän Foy und ich -müssen unsere Küche selbst besorgen, welches Dich belustigen würde, wenn -Du es sähest.« Vor Beendigung der Reise war das Wasser verdorben. - -Die Flotte von 30 Schiffen lichtete die Anker in Portsmouth am 4. April -und kam vor Cap Gaspé am 16. Mai an, vor Quebec am 1. Juni. Riedesel -erhielt hier das Kommando über ein besonderes Korps, welches aus 1 -englischen und 2 deutschen Bataillonen mit 150 Canadiern und 300 -Indianern bestand und den St. Lawrence-Strom entlang zwischen Quebec und -Montreal postiert war. »Das hiesige Land wird Dir sehr gefallen; es ist -so schön, wie es nur sein kann,« schreibt Riedesel am 8. Juni an seine -Frau; und weiter sagt er am 28.: »Du wirst die Gegenden hier herrlich -finden, nur schade, dass die Kolonien noch in ihrer Kindheit sind, und -man also Gemüse, Obst und andere dergleichen zu einem guten Tisch -gehörige Sachen sehr selten findet; Fleisch, Geflügel und Milch aber hat -man im Ueberfluss. Die Häuser sind alle nur von einem Stockwerk, haben -aber inwendig viele Zimmer und sind sehr reinlich. Die Einwohner sind -überaus höflich und dienstfertig, und ich glaube nicht, dass unsere -Bauern bei einer ähnlichen Gelegenheit sich so artig bezeigen würden.« - -Nachrichten bekam man zu jener Zeit so spät, dass die Niederlage von -Montgomery und Arnold vor Quebec am 31. Dezember 1775 in England noch -nicht bekannt war, als die Flotte von dort absegelte. Riedesel und seine -Begleiter hörten erst davon auf ihrem Wege den St. Lawrence-Strom -hinauf. Kurz nach ihrer Ankunft wurde Canada von den »rebellischen« -Truppen bis zum Nordende von Lake Champlain gesäubert, auf welchem See -die Amerikaner eine Flotte improvisirt hatten, bestehend aus 4 -Schaluppen, 8 »Gondolas« und 3 Ruder-Galleeren. Den Sommer brachten die -Briten damit zu, Kriegs- und Transportschiffe zu bauen, um den See -hinauf vorzudringen. Die Truppen wurden einquartiert oder in Lager -untergebracht den St. Lawrence- und Richelieu-Fluss entlang, und nur ein -bedeutendes Scharmützel vermochte die gewohnte Thätigkeit des Drillens -und Schanzenbaues und des gleichzeitig fortschreitenden Bootsbaues durch -Rückwärtsmarschieren zu unterbrechen. - -Am 23. Juni wohnte General Riedesel einer feierlichen Versammlung bei in -der früheren Jesuitenkirche in Montreal von General Carleton, dem -Gouverneur von Canada und den Häuptlingen der fünf Nationen. Alle -höheren Offiziere der Armee waren dazu eingeladen worden und ungefähr -300 Indianer waren anwesend. Die europäischen Offiziere waren mit -Stühlen auf dem Chor der Kirche versehen, der Gouverneur in der Mitte, -den Hut auf dem Kopfe. Die Indianer sassen auf Bänken im Mittelschiff -der Kirche und rauchten ihre Pfeifen. -- Nachdem Reden gehalten und -verdolmetscht waren, wurden die Dienste der Indianer durch den -englischen General angenommen, und es wurden ihnen Stellungen -angewiesen. Die Indianer reichten den europäischen Offizieren die Hände, -und den Generalen Carleton, Burgoyne und Phillips wurden Skalpe von -Rebellen geschenkt. Was die englischen Herren mit diesen reizenden -Geschenken ihrer menschenfreundlichen Bundesgenossen thaten, ist nicht -ersichtlich. Bei einer späteren Zusammenkunft, die General Carleton mit -Indianern mehr von Westen her abhielt, erschien einer von diesen in der -Uniform des General Braddock, welchen er getötet zu haben behauptete. - -Von Montreal sagt Riedesel: »Diese Stadt ist in der That etwas feiner -als Quebec und hat ungefähr 1600 Häuser. Sie ist von nichts anderem -umgeben als einer Mauer mit Schiessscharten für Kanonen und Musketen, -und was man Citadelle nennt ist ein Blockhaus in sehr schlechter -Verfassung. Diese Werke waren im Jahre 1736 angefangen worden. Die ganze -Insel Montreal, gleichwie auch die Stadt gehören dem Seminar.... In der -Nähe dieses Seminars ist der beste Garten von ganz Canada, aber er ist -nicht besser angelegt, als der von einer Privatperson bei uns zu Hause. -Sie haben die meisten Arten der europäischen Pflanzen hier.« -- - -Schliesslich war am 9. September der Transport fertig, um auf dem Lake -Champlain vorzudringen. Es war indessen notwendig, wegen der -Kriegsfahrzeuge noch einen Monat länger zu warten. Sobald diese -vollzählig waren, übertrafen sie die der Amerikaner um mehr als das -doppelte, sowohl an Zahl als an Gewicht. Sie waren mit aufgegriffenen -englischen Seeleuten bemannt, während die Schaluppen und Gondolas unter -Benedict Arnold meistens von Nicht-Seeleuten bemannt und befehligt -waren. Das Resultat war vorauszusehen. Arnold wählte am 10. Oktober -1776 eine unvorteilhafte Stellung zwischen Valcour Island und dem -westlichen Ufer des Sees. Hier bestand er einen ungleichen Kampf am 11. -und von da entwischte er in der folgenden Nacht, verwegen durch die -Linie der britischen Flotte hindurchschlüpfend. Am 13. wurde er in der -Nähe der Insel der vier Winde von Carleton eingeholt. Einige der Boote -zertrümmerten, andere wurden auf den Strand gesetzt und verbrannt; nur -fünf entkamen. Arnold und sein Haufe bewiesen die grösste Tapferkeit bis -zu Ende; aber Tapferkeit allein konnte den Mangel an Seetüchtigkeit und -die Minderzahl nicht ausgleichen. Einige von den Deutschen nahmen an dem -Seegefecht vom 11. teil, und eins der Schiffe, auf dem die Hanauer -Artillerie war, wurde durch das amerikanische Feuer zum Sinken gebracht. -Die Soldaten und Seeleute, welche es bemannten, wurden indessen durch -ein anderes Boot gerettet. -- - -Unmittelbar nach diesem Seekampf besetzte Carleton Crown Point ohne -Gegenwehr. Streifparteien wurden bis in die Nähe von Ticonderoga -vorgetrieben. Riedesel war am 22. oder 23. Oktober dieser Festung so -nahe, dass er sie von einem Hügel aus vollkommen sehen konnte. Er -dachte, sie könnte wohl leicht von der britischen Armee in Canada -genommen werden, wenn die ganze Armee in Bewegung gesetzt werden würde, -doch er rechnete die Stärke der eigentlichen Besatzung entschieden zu -hoch. Sir Guy Carleton hielt es für zu spät, in diesem Herbst weitere -Eroberungen zu unternehmen. Selbst Crown Point verliess er und zog sich -nach der Nordspitze des Sees zurück. - -Die Truppen wurden in Winterquartiere gelegt, die Deutschen den -Riechelieu-Fluss entlang und in die Umgebung des Sees St. Pierre. -Riedesels Hauptquartier war in Trois-Rivières. Man bemühte sich, die -Anwesenheit der Soldaten nicht zu schwer auf den Einwohnern lasten zu -lassen, abgesehen von denen, die Sympathien mit den Rebellen gezeigt -hatten. Eine strenge Disziplin wurde aufrecht erhalten. Die Soldaten -empfingen ihre Verpflegung und fällten sich ihr Holz zum Feuern in den -Wäldern. Die Arbeit des Tragens des Holzes, sobald es gefällt worden war -und des Kochens scheint den Einwohnern obgelegen zu haben. Die Soldaten -waren versehen mit langen Hosen von dickem Tuch, die bis hoch zum Leibe -hinauf reichten, und mit warmen Fausthandschuhen und Kapuzen. - -Die zweite Braunschweigische Division war im September nach einer langen -und stürmischen Ueberfahrt in Canada angelangt. Offiziere und Leute -waren schliesslich auf halbe Ration von verdorbenen Lebensmitteln -gesetzt worden. Als die Division von ungefähr 2000 Mann in Quebec ankam, -waren 19 Mann gestorben und 131 krank an Scorbut. - -Der lange Canadische Winter brach unmittelbar darauf herein. Er wurde -von Riedesel zur Ausbildung der Truppen verwendet wenn das Wetter es -erlaubte, besonders zur Ausbildung im Schiessen. Er hatte bemerkt, dass -die Amerikaner bessere Schützen als die Deutschen waren, und er bemühte -sich eifrig, diesem Mangel bei seinen Soldaten abzuhelfen. Im Laufe des -Winters reiste er über 1800 Meilen im Schlitten, um die zerstreut -liegenden Detachements zu besichtigen, und um General Carleton in Quebec -und Montreal seine Aufwartung zu machen. An ersterem Orte war er am 31. -Dezember 1776, als ein feierlicher Gottesdienst in der Kathedrale -gehalten wurde zum Andenken an die Befreiung der Stadt von Arnold und -Montgomery an diesem Tag des vergangenen Jahres. Die Feierlichkeit wurde -geleitet von dem Bischof, und 8 unglückliche Canadier mussten öffentlich -Busse thun, mit Stricken um den Hals, und Gott, die Kirche und König -Georg um Verzeihung bitten dafür, dass sie den Amerikanern beigestanden -hatten. - -Während des zweiten Teils des Winters gab Riedesel in Trois-Rivières -jede Woche einen Ball, teils um sich die Zuneigung der Einwohner zu -erwerben, teils um seine Offiziere von Thorheiten abzuhalten. Der 20. -Januar, der Geburtstag der Königin von England, wurde mit grossem Pomp -gefeiert. 40 Gäste waren zum Diner geladen. Gesundheiten wurden in -Champagner ausgebracht, und eine kleine Kanone wurde nach jedem Toast -abgefeuert wie im ersten Akte von »Hamlet«. Am Nachmittag und Abend war -ein Ball, zu welchem nicht weniger als 37 Damen erschienen. Diesen wurde -des Abends ein Souper serviert, wobei ihnen die Herrn aufwarteten. -»Demoiselle de Tonnencour«, schreibt ein Augenzeuge, »erhöhte ihre Reize -durch ihre Juwelen, aber die arme Demoiselle R--e, in ihrem schäbigen -baumwollenen Kleid, wurde vor vielen von uns vorgezogen wegen ihrer -natürlichen und angenehmen Art und ihrer schönen Stimme. Sie müssen -wissen, lieber Herr, dass die kanadischen Schönen französische und -italienische Lieder an der Tafel singen, und dass bereits mehrere Lieder -zu Ehren von General Riedesel geschrieben und komponiert worden sind, -und dass diese oft in Trois-Rivières gesungen werden«. Auf diese Weise, -mit Dienst und Vergnügen, gingen die Monate dahin bis zu Anfang Juni -1777, wo sich eine ereignisreiche Campagne für die Braunschweiger -eröffnete. - - - - -Kapitel XI. - -Baronin Riedesels Reise 1776 und 1777. - - -Die Baronin von Riedesel war aufgebrochen, um sich mit ihrem Gemahl zu -vereinigen und hatte ihre drei kleinen Töchter mit sich genommen, von -denen die Älteste erst 4 Jahre und 9 Monate alt war und die Jüngste ein -Säugling von 10 Wochen. Die Reise von Deutschland nach Kanada war in -jenen Tagen keine leichte Sache, sie war weder frei von unberechenbaren -wie wirklichen Gefahren. »Man stellte mir nicht allein die Gefahren zur -See vor, sondern sagte mir auch, dass wir besorgen müssten von den -Wilden gefressen zu werden; dass man sich in Amerika mit Pferdefleisch -und Katzen ernährte; und doch schreckte mich alles dieses noch weniger -als der Gedanke, in ein Land zu kommen, wo ich die Sprache nicht -verstand. Inzwischen war ich auf alles gefasst, und der Gedanke, meinem -Manne zu folgen und meine Pflichten zu erfüllen, hat mich im ganzen Lauf -meiner Reise aufrecht erhalten.« - -Die Baronin verliess Wolfenbüttel in der Nähe von Braunschweig am 14. -Mai 1776 und reiste über Calais nach England. »In Mastricht warnte man -mich, auf meiner Hut zu sein, weil die Wege durch Strassenräuber sehr -unsicher gemacht wurden, deren in vierzehn Tagen 130 teils gehängt, -teils auf andere Art hingerichtet worden, welches aber noch nicht der -vierte Teil von denen wäre, die sich noch da befänden; und dass man sie -gleich ohne weiteren Prozess auf den Landstrassen und an den Orten -aufhinge, wo sie ihr Wesen trieben. Diese Nachrichten setzten mich sehr -in Furcht, und ich nahm mir vor, nicht bei Nachtzeit zu reisen; da ich -aber sehr schlechte Pferde bekam, so musste ich doch in der Dämmerung -durch einen Wald, wo etwas hängendes mir durch das offene Fenster in den -Wagen hineinschlug. Ich fasste darnach, und als ich etwas rauhes fühlte, -fragte ich was es sei? -- Es war ein Gehängter mit wollenen Strümpfen. -Noch ganz erschrocken darüber, wurde mir noch weit mehr angst, als man -vor einem ganz einsam stehenden Hause in diesem nämlichen Walde stille -hielt, wo die Postillons nicht weiter fahren wollten. Der Ort hiess -Hune, ich werde es nie vergessen! Ein Mann von ziemlich verdächtigem -Aussehen empfing uns und führte uns in eine sehr abgelegene Stube, wo -ich nur ein Bett fand. - -Es war kalt, ich liess also Feuer in einem grossen Kamin machen; unser -ganzes Abendbrod bestand in Thee und in sehr grobem Brode. Mein treuer -Rockel (ihr alter Diener) kam zu mir mit einem sehr ängstlichen Gesicht -und sagte mir: »Hier ist's nicht richtig! es ist da eine Kammer voller -Gewehre, ich glaube die andern Leute sind aus; gewiss sind es -Spitzbuben! Ich werde aber die Nacht vor ihrer Kammer mit meinem Gewehr -sitzen und werde mein Leben teuer verkaufen. Der andere Bediente soll in -der Kutsche sitzen auch mit seinem Gewehr.« Alles dieses machte -natürlich meinen Schlaf nicht ruhig, ich hatte mich auf einen Stuhl -gesetzt und den Kopf auf das Bett gelegt. Doch schlief ich endlich ein, -und wie gross war mein Entzücken beim Erwachen, als man mir um 4 Uhr des -Morgens zu sagen kam, dass alles zur Abreise fertig sei, und ich darauf -den Kopf zum Fenster herausstreckte, und in dem Walde, worin wir uns -befanden, eine Menge Nachtigallen um uns her bemerkte, welche durch -ihren angenehmen Gesang mir alle meine überstandene Angst vergessen -machten.« - -Solcher Art waren die Unbequemlichkeiten einer Reise auf dem Kontinent -vor 100 Jahren. Wir werden gleich sehen, was für unangenehme Abenteuer -Fremde in England zu gewärtigen hatten. Die Baronin gelangte glücklich -von Calais hinüber nach Dover und erreichte London mit der Post. Der -Hotelbesitzer in Calais hatte ihr gesagt, dass es nicht sicher für sie -sei, allein zu reisen und, nachdem er so gethan hatte, als wenn er -eifrig gesucht hätte, stellte er ihr einen Mann vor, von dem er vorgab, -dass er ein Gentleman sei, der eingewilligt hätte, die Begleitung zu -übernehmen. Dieser begleitete sie bis London, wo sie in dem 4. Stock -eines Hotels einlogiert wurde, obwohl sie gute Räume verlangt hatte. In -ihrem Tagebuch sagt sie: »Den Tag darauf kam mein Hauswirt mit einer -ganz verschämten Miene zu mir und fragte mich sehr ehrerbietig, ob ich -den Menschen kenne, mit welchem ich gekommen wäre, und den ich ihm -empfohlen so gut zu bewirten (denn ich hatte es für unschicklich -gehalten, ihn in London mit mir essen zu lassen). Ich sagte ihm, dass es -ein Edelmann wäre, der auf die Bitte des Herrn Guilhaudin, meines Wirts -in Calais, mir die Gefälligkeit erzeigt hätte, mich auf der Reise zu -begleiten. Ha! erwiederte er, dies ist einer von seinen Streichen! Es -ist ein Lohnbedienter, ein Erzgauner, den er dazu gebraucht, seine -Geschäfte zu machen; und wie ich Sie mit diesem Menschen im Wagen sitzen -sah, als Sie ankamen, so muss ich Ihnen bekennen, dass ich nicht -glaubte, dass Sie das wären, wofür Sie sich ausgäben, und also dafür -hielt, dass diese Stuben gut genug für Sie sein würden; da ich jetzt, -nach den Leuten, die zu Ihnen kommen, urteilen kann, dass ich mich -geirrt habe: so bitte ich Sie sehr um Verzeihung, und ersuche Sie andere -anzunehmen, für welche Sie mir nicht mehr bezahlen sollen, als für diese -hier; so sehr wünsche ich mein Versehen wieder gut zu machen. Ich dankte -ihm und bat, dass er mich doch sobald als möglich von dem Menschen -befreien sollte, der mir aber doch noch 4 oder 6 Guineen (ich erinnere -mir nicht mehr genau wie viel es war) für seine Begleitung abforderte.« - -Baronin Riedesel hatte Bekannte in London getroffen unter anderen -Schlieffen, den Gesandten des Landgrafen von Hessen-Cassel, den Mann, -der das grösste Geschäft bei dem Verkauf von deutschen Truppen an -England gemacht hatte. Sie verkehrte etwas in der Gesellschaft, war aber -wegen ihrer kleinsten Tochter viel an das Haus gefesselt. »Eines Tages«, -schreibt sie, »hatte ich eine unangenehme Geschichte in London. Man -hatte mir gerathen, dass ich mir ein kleines Mäntelchen und Hut kaufen -sollte, ohne welche ich nicht ausgehen könnte. Ich war zum Essen beim -Herrn von Hinüber, dem hannöverischen Minister. Seine Frau schlug mir -einen Spaziergang nach St. James vor, versäumte aber, mir vorher zu -sagen, was in unserer Kleidung wider das englische Kostüm war. Gustchen -war nach französischer Art gekleidet, trug einen kleinen Panier -(Reifrock) und einen hübschen, kleinen, runden Hut. Ich bemerkte, dass -man fast mit Fingern auf uns wies und fragte nach der Ursache. Sie sagte -mir, ich hätte einen Fächer, welchen man mit einem Hut nicht tragen -dürfe, und meine Kleine wäre zu geputzt, daher man uns für Franzosen -hielte, die hier schlecht angeschrieben wären.« - -»Den Tag darauf ging ich wieder dahin, und wir waren alle ganz auf -englische Art gekleidet, also glaubte ich, dass man uns nicht bemerken -würde; ich irrte mich aber, denn ich hörte wieder rufen: French women! -pretty girl! (Französinnen! hübsche Mädchen!) Ich fragte den -Lohnbedienten, warum man uns für Französinnen hielt, und erfuhr, dass es -deshalb wäre, weil ich meinen Kindern Bänder angesteckt hatte. Ich riss -sie ab und steckte sie in die Tasche, aber man begaffte mich immer noch, -und ich hörte, dass es wegen der Hüte war, welche die Kinder in England -von einer anderen Form trugen. Ich sah daraus, wie nötig es war, sich -nach der Sitte des Landes zu richten, um mit Annehmlichkeit dort zu -sein, denn der Mob (Pöbel) läuft gleich zusammen, und wenn man sich mit -ihm in Wortwechsel einlassen wollte, so setzte man sich Beschimpfungen -aus.« - -Einige Tage später reiste die Baronin nach Bristol. Sie schreibt: -»Gleich den Tag nach meiner Ankunft rief mich meine Wirtin zu einem (wie -sie es nannte) allerliebsten Schauspiel. Wie ich ans Fenster trat, -erblickte ich zwei nackte Menschen, die sich mit der grössten -Erbitterung boxten. Ich sah wie ihr Blut floss und wie die Wuth in ihren -Augen gemalt war. Zu wenig an einen solchen hässlichen Anblick gewöhnt, -zog ich mich geschwind in den innersten Winkel des Hauses zurück, um -nicht das Freudengeschrei zu hören, das die Zuschauer dabei machen, wenn -einer einen Stoss bekommt. Während meines Aufenthalts in Bristol hatte -ich einen unangenehmen Auftritt. Ich trug ein zitzenes Kleid mit einem -Besatz von grünem Taft. Dieses mochte den Bristolern als etwas zu -Fremdes aufgefallen sein, denn wie ich eines Tages mit Madame Foy -spazieren ging, versammelten sich über 100 Matrosen um uns, wiesen auf -mich mit Fingern und riefen: French whore! (französische Hure!) Ich floh -so geschwind als möglich in das Haus eines Kaufmanns, und nahm den -Vorwand dort etwas zu kaufen; mittlerweile verlief sich das Volk wieder. -Das verleidete mir aber mein Kleid, und wie ich wieder nach Hause kam, -so schenkte ich es meiner Köchin, ob es gleich noch ganz neu war.« - -Frau von Riedesel blieb 10 Monate in England. Ihr Gemahl hatte ihr -gesagt, dass sie nicht ohne Begleitung einer andern Dame reisen sollte, -und hatte ihr die oben erwähnte Mrs. Foy empfohlen, die sich auch in -Canada mit ihrem Mann vereinigen wollte. Diese Dame liess die Baronin -den ganzen Sommer 1776 hindurch warten und weigerte sich schliesslich -mit ihr zu gehen. Es war spät im Herbst und der Baronin Riedesel war -angerathen, die Überfahrt nicht zu wagen, da sie den St. Lawrence-Strom -mit Eis gesperrt finden möchte. Sie kehrte infolgedessen nach London -zurück, wo sie bei liebevollen Menschen gute Wohnung fand und den -folgenden Winter zubrachte. Die Sorge für ihre Kinder zwang sie, ein -ruhiges Leben zu führen. Indessen wurde sie bei Hof vorgestellt, von -welcher Ceremonie sie folgenden Bericht macht: »Man riet mir, an Hof zu -gehen, da die Königin geäussert hätte, dass sie mich gern sehen wollte. -Ich liess mir also eine Hofrobe machen, und Lady George Germaine -präsentierte mich. -- Es war am Neujahrstage 1777. Ich fand das Schloss -sehr hässlich und altfränkisch möbliert. Die Damen und Herren stellten -sich alle in das Audienzzimmer; hierauf kam der König, welcher 3 -Kavaliere vor sich gehen hatte, in das Zimmer. Ihm folgte die Königin -links herum. Beide gehen keinen vorbei ohne ihm was zu sagen. Am Ende -des Saals begegnen sie sich, machen sich eine grosse Reverenz, und -gehen dann ein jeder von ihnen dahin, wo der Andere hergekommen ist. Ich -frug Lady Germaine, was ich zu thun hätte, und ob der König, wie ich -gehört hätte, alle Damen küsste? Nein, antwortete sie mir, bloss die -Engländerinnen und Marquisen, und man hat nichts weiter zu thun, als -stille auf seinem Platz stehen zu bleiben. Wie nun der König an mich -heran kam, war ich sehr verwundert, dass er mich küsste, und wurde -darüber feuerrot, weil es mir ganz unerwartet kam. Er fragte mich -sogleich, ob ich Briefe von meinem Mann hätte? Ich sagte: Ja, am 22. -November. Er ist wohl, erwiederte er, ich habe mich express nach ihm -erkundigt, jedermann ist mit ihm zufrieden, und ich hoffe, dass ihm die -Kälte nichts schaden wird. Ich antwortete, ich glaubte und hoffte, dass, -da er in einem kalten Klima geboren wäre, ihm die Kälte nicht so -beschwerlich fallen würde. Ich hoffe es auch, sagte er; allein dieses -versichere ich Ihnen, dass die Luft daselbst sehr gesund und klar ist. -Hierauf machte er mir noch einen sehr freundlichen Gruss und ging -weiter. Als er weg war, sagte ich der Lady Germaine, dass ich durch den -Kuss des Königs nun naturalisiert wäre. Hernach kam die Königin, die -auch sehr freundlich gegen mich war und mich fragte, ob ich schon lange -in London wäre? Ich sagte »2 Monat«. »Ich glaubte schon länger«, -erwiederte sie. Ich antwortete, »in London nur so lange, aber in England -bereits 7 Monat.« Sie fragte, ob es mir hier gefiele? Ich sagte »ja; -dass ich aber doch sehr wünschte, erst in Canada zu sein«. »Fürchten Sie -sich denn nicht«, frug sie weiter, »vor der See? Ich liebe sie -garnicht.« »Ich auch nicht«, erwiederte ich, »allein es ist kein ander -Mittel, meinen Mann wiederzusehen, und ich werde mit Freunden reisen.« -»Ich bewundere ihren Muth«, sagte sie, »denn es ist eine starke -Unternehmung und sehr beschwerlich, zumal mit 3 Kindern.« - -»Aus dieser Unterredung sah ich, dass sie schon mehr von mir gehört -hatte, und es war mir daher lieb, dass ich an den Hof gegangen war. Nach -der Cour sah ich alle königlichen Kinder, bis auf eins, das krank war. -Es waren ihrer 10, die ich alle bildschön fand.« - -»Ich ging nachher, da ich so gut aufgenommen worden, noch mehreremale -hin. Als ich vor meiner Abreise nach Portsmouth, im Frühjahr, zu meiner -Einschiffung von der Königin Abschied nahm, fragte sie mich nochmals, ob -ich mich nicht vor einer solchen schrecklichen Reise fürchtete; und als -ich ihr antwortete, dass, da mein Mann wünschte, dass ich ihm folge, ich -es mit Mut und Vergnügen thäte, weil ich glaubte, meine Pflicht zu -erfüllen und versichert wäre, dass sie an meinem Platz das nämliche thun -würde; so sagte sie mir: »Ja, wie man mir aber schreibt, so thun Sie die -Reise ohne Vorwissen ihres Mannes.« Ich erwiederte: »Da sie eine -deutsche Prinzessin wäre, so würde sie wohl wissen, dass ich ohne den -Willen meines Mannes dieses nicht hätte unternehmen können, weil mir das -Geld dazu gefehlt haben würde.« »Sie haben Recht«, sagte sie, »ich -billige Ihren Entschluss und wünsche Ihnen alles nur ersinnliche Glück. -Wie ist der Name ihres Schiffes? Ich werde mich oft nach Ihnen -erkundigen, und bei Ihrer Zurückkunft, hoffe ich, werden Sie mich -besuchen.« -- Sie hat Wort gehalten und sich oft nach mir erkundigt und -mich oft grüssen lassen.« -- - -Baronin Riedesel schiffte sich am 15. April 1777 an Bord eines -Kauffarteischiffes ein, welches in Gemeinschaft mit einer Flotte von 30 -Transportschiffen durch zwei Kriegsschiffe begleitet wurde. Sie kam nach -einer ereignislosen Reise am 11. Juni in Quebec an. Nach einem Aufenthalt -von nur einem halben Tage in Quebec reiste die unermüdliche Frau mit -ihren drei kleinen Kindern auf schlechten Wegen und stürmischen Flüssen -nach Chambly, wo sie schliesslich am 14. Juni ihren Gemahl fand. Sie -konnten nur zwei glückliche Tage mit einander zubringen, weil die Armee -im Vormarsch war, und die Baronin war genötigt nach Trois-Rivières -zurückzukehren. Am 14. August traf sie indessen wieder bei der Armee ein, -deren darauffolgendes Schicksal sie teilte. Ich will nur noch eins von -ihren Abenteuern anführen, bevor ich zur Betrachtung der militärischen -Operationen des braunschweigischen Kontingents zurückkehre: - -Die Baronin war von Trois-Rivières aufgebrochen, um sich mit ihrem Manne -in Fort Edward am Hudson zu vereinigen. Die Gesellschaft reiste in 2 -Booten, von denen das eine mit dem Gepäck beladen war. Sie schreibt: -»Die Nacht überfiel uns, und wir sahen uns genötigt, auf einer Insel zu -landen. Das andere Fahrzeug, da es mehr beladen und nicht so gut bemannt -war, hatte uns nicht folgen können; wir hatten daher weder Betten noch -Licht, und was das Schlimmste war, nichts mehr zu essen; denn wir hatten -weiter nichts auf unser Schiff mitgenommen, als was wir den Tag über zu -gebrauchen dachten; wir fanden auf dieser Insel weiter nichts als die -vier kahlen Wände eines verlassenen und nicht einmal ausgebauten Hauses, -welches voller Gesträuche lag, das uns zum Nachtlager diente. Ich -bedeckte es mit unsern Mänteln und nahm die Kissen von der Barke zu -Hilfe, so dass wir recht gut schliefen. - -Den Kapitän Willoe konnte ich nicht bewegen, in die Hütte mit -hereinzukommen und sah ihn sehr unruhig, welches ich mir gar nicht -erklären konnte. Mittlerweile bemerkte ich einen Soldaten, der einen -Topf ans Feuer setzte. Ich fragte ihn, was er darinnen hätte? -»Kartoffeln, die ich mir mitgenommen habe.« Ich blickte lüstern nach -ihnen hin; er hatte nur so wenig, dass ich es grausam fand, ihn -derselben zu berauben, besonders da er so glücklich dabei aussah. -Endlich aber siegte doch die Begierde, meinen Kindern davon zu geben -über meine Bescheidenheit; ich bat also und erhielt die Hälfte, welches -höchstens ein Dutzend sein mochten; dazu holte er aus seiner Tasche -zwei oder drei kleine Enden Licht, die mich sehr glücklich machten, weil -die Kinder sich fürchteten im Finstern zu bleiben. Ich gab ihm für das -Alles einen grossen Thaler, da war er ebenso glücklich als ich. -Inzwischen hörte ich Kapitän Willoe Befehl geben, dass man um das -Gebäude Feuer anzünden, und dass seine Leute die ganze Nacht um dasselbe -die Runde gehen sollten. Auch hörte ich während der ganzen Nacht Lärm -machen, welches mich ein wenig am Schlaf hinderte. Als ich am andern -Morgen beim Frühstück, welches ich auf einem breiten Stein, der uns zum -Tisch diente, einnahm, den Kapitän, der in der Barke geschlafen hatte, -nach der Ursache des Lärmes fragte, so bekannte er mir, dass wir in -grosser Gefahr gewesen, indem diese Insel l'Isle aux Sonnettes (die -Klapperschlangeninsel) wäre, welche von den vielen darauf befindlichen -Klapperschlangen den Namen hätte, dass er es nicht gewusst und sehr -erschrocken sei, als er es erfahren, und wegen der Strömung es doch -nicht habe wagen dürfen, in der Nacht weiter zu fahren. Es wäre ihm -daher nichts anderes übrig geblieben, als grosse Feuer und viel Lärm zu -machen, um die Schlangen zu erschrecken und dadurch abzuhalten. Er habe -aber die ganze Nacht aus Besorgnis für uns kein Auge zuthun können. Ich -war über diese Erzählung sehr erschrocken und liess ihm bemerken, dass -wir unsere Gefahr dadurch noch vergrössert hätten, dass wir uns auf das -Gesträuch gelegt, in welchem sich die Schlangen gern verbergen. Er gab -mir Recht und sagte mir, dass, wenn er es eher gewusst, wo wir wären, er -alles Gesträuch vorher würde haben wegnehmen lassen oder uns gebeten -haben würde, lieber auch in der Barke zu bleiben. Er habe es aber erst -von einem der Leute von unserm andern Fahrzeuge erfahren, das uns später -nachgekommen war. Wir fanden am Morgen noch allenthalben Häute und -Schleim von diesen garstigen Tieren und eilten daher, mit unserm -Frühstück fertig zu werden.« - - - - -Kapitel XII. - -Ticonderoga und Bennington, Juli und August 1777. - - -Die Operationen in Canada und auf dem Lake Champlain während des Sommers -und Herbst 1776 waren von Sir Guy Carleton, dem britischen Gouverneur -der Provinz, geleitet worden. Die Generale Burgoyne und Phillips und -General Riedesel hatten unter seinem Befehl gestanden. Für den Feldzug -von 1777 wurde indessen vom englischen Ministerium ein neues Arrangement -getroffen. Carleton behielt die Statthalterschaft und das Kommando über -die Truppen in Canada bei, aber die Expedition, welche über die Grenzen -der Provinz hinaus gegen die Rebellen in New-York und Neu-England -vorgehen sollte, wurde Burgoyne anvertraut. - -Generalleutnant John Burgoyne war damals 55 Jahre alt. Lord Macaulay -beschreibt ihn als »einen Mann von Verstand, feiner Sitte und Ehre, -einen angenehmen dramatischen Schriftsteller, einen Offizier, dessen Mut -nie in Frage kam und dessen Brauchbarkeit zu jener Zeit einen grossen -Ruf hatte.« - -Burgoyne war ein Liebling des britischen Ministeriums. Er stand sich -nicht gut mit General Riedesel noch mit seiner Frau. Riedesel wurde sehr -gut mit Carleton fertig, hatte aber kein Vertrauen zu Burgoyne, der -wahrscheinlich zu sehr ein Mann des Vergnügens und Witzes war, um das -Vertrauen des ernst angelegten deutschen Offiziers zu gewinnen. Riedesel -beklagt sich, dass er niemals gefragt wurde, und dass Burgoynes Pläne -ihm nicht anvertraut würden. Es ist klar, dass auf diese Weise -Eifersucht zwischen den englischen und deutschen Truppen entstand, und -dass Riedesel fühlte, dass ihm und seiner Truppe Ungerechtigkeit -widerfuhr. - -Der Operationsplan, dessen Grundzüge von Burgoyne selbst aufgestellt -wurden, war sehr einfach. Das Gros der Armee sollte von Canada am Lake -Champlain hinauf nach Ticonderoga vorrücken. Wenn dies Fort genommen -sein würde, sollte die Armee noch weiter südlich vorgeschoben werden, um -sich mit der Armee von Sir William Howe oder einem Teil derselben, von -Newyork kommend, zu vereinigen. Ein Korps von leichten Truppen unter -Oberst St. Leger sollte in gleicher Höhe mit Burgoyne operieren indem es -über Oswego nach dem Mohawk River, und an diesem entlang bis zu seiner -Einmündung in den Hudson oberhalb Albany marschieren sollte, dort sollte -sich diese Expedition mit der Hauptarmee vereinigen. - -Die Braunschweiger unter General Riedesels Befehl zählten am 1. Juni 1777 -4301 Offiziere und Mannschaften nach den Rapporten, an Effektivstärke -3958. Das Hessen-Hanauische Regiment war im vorhergehenden Jahre in der -Stärke von 668 Mann herübergefahren und war wahrscheinlich nicht unter -die Zahl von 600 dienstfähigen Leuten herabgesunken. Somit würde sich -die Gesamtstärke der Deutschen in Canada zu Beginn des Feldzuges auf -4558 Mann belaufen, von denen 667 unter dem Befehl von Sir Guy Carleton -belassen wurden und 3891 sich der Expedition unter Burgoyne anschlossen. -Diese Schätzung schliesst nicht die Hanauischen Jäger ein, da dieselben -der St. Leger'schen Expedition zugeteilt wurden. Die Gesamtstärke von -Weissen unter Burgoyne war grösser als 8000; von diesen waren ungefähr -250 Provinziale. - -Einige 500 Indianer begleiteten die Armee und thaten in erster Zeit gute -Dienste als Kundschafter; sie stellten ihren menschlichen Brotherren die -Skalpe der amerikanischen Soldaten vor Augen. Der Anblick fand Gefallen -in den Augen des fashionablen Herrn, welcher die Armee ihrer Majestät -kommandierte. Er erliess einen Befehl, dass Deserteure von seiner -eigenen Armee gefangen und ebenfalls skalpiert werden sollten. Man hielt -aber dafür, dass die Wilden ihre liebenswürdigen Gebräuche zu weit -getrieben hätten, als sie Jane Mc Crea töteten, ein junges Weib, das mit -einem Tory von der britischen Armee verlobt war und den geheimen Auftrag -gehabt hatte, zwei Deserteure bei sich aufzunehmen und zu beschützen. -Burgoyne wagte es indessen nicht, die Mörder hinrichten zu lassen aus -Angst »vor dem vollkommenen Abfall der Indianer«. - -Bevor die Einrichtung der Eisenbahnen die Reiseroute verändert hatte, -war die Hauptstrasse zwischen Canada einerseits und Neu-England und den -mehr südlichen Kolonien andererseits die grosse Wasserstrasse, welche, -indem man den St. Lawrence-Strom bei Lake St. Pierre verlässt, den -Richelieu-Fluss hinaufführt, bei Fort St. John vorbei nach dem Lake -Champlain, diesen See hinauf, Crown Point passierend, nach Ticonderoga. -Bei Ticonderoga hatte der Reisende oder Eindringling zwischen zwei Wegen -zu wählen. Entweder konnte er über die kurze Strecke bis zum Lake -George, dann diesen schönen See hinauf bis zu seinem äussersten Ende und -von hier nach einem Weg von 12 Meilen nach Fort Edward am Hudson -gelangen. Dies war der gewöhnliche und leichtere Weg. Oder man konnte -das schmale obere Ende von Lake Champlain hinauf fahren bis in die -Gegend des heutigen Whitehall, in dem damaligen Distrikt Skenesborough -genannt, hatte dann aber einen längern Landweg nach Fort Edward, bei -Fort Anne vorbei, vor sich. Von Fort Edward führte der Weg den Hudson -hinunter nach Albany und New-York. Die Hauptrichtung dieser Route geht -von Norden nach Süden, und merkwürdig gerade, entsprechend dem -natürlichen Charakter der Landschaft. Die ganze Entfernung von Lake St. -Pierre bis New-York beträgt ein wenig mehr als 350 Meilen. Whitehall -liegt ungefähr in der Mitte und Ticonderoga einige 20 Meilen nördlich -von Whitehall. - -Kein Punkt zwischen dem St. Lawrence und New-York wurde für militärisch -wichtiger erachtet als Fort Ticonderoga. Dies war derartig angelegt, -dass es die schmale Strecke zwischen Lake Champlain und Lake George -deckte und die Passage nach der Südspitze des ersteren Sees beherrschte. -Das Fort war im Jahr 1755 von den Franzosen gebaut worden und Fort -Carillon von ihnen genannt worden. Es wurde im folgenden Jahre von -Montcalm verstärkt und im Jahre 1758 widerstand es dem Angriff einer -englischen Armee von 15000 Mann, der grössten europäischen Armee, die in -Amerika unter Waffen gewesen war. General Abercrombie, welcher die -englische Armee kommandierte, machte einen derartig fehlerhaften -Angriff, dass sein Korps mit grossen Verlusten zurückgeschlagen wurde. - -Im Jahre 1759 gaben die Franzosen bei Annäherung von General Amherst das -Fort Carillon auf, dessen Werke von diesem erneuert wurden. Nun wurde es -während beinahe 16 Jahren von den Briten gehalten, unbelästigt, bis am -16. Mai 1776 die kleine Besatzung überrascht und das Fort genommen -wurde, und zwar von einer Abteilung Amerikaner unter Ethan Allan »im -Namen des Grossen Jehovah und des kontinentalen Kongresses«. Während den -zwei Jahren, welche das Fort in amerikanischen Händen gewesen war, -wurden grosse Anstrengungen gemacht, um es zu verstärken, und es wurde -sehr reichlich mit Waffen, Munition und Proviant versehen. Auch ein -neues Fort wurde auf der Ostseite des Sees auf dem Mount Independence -gebaut. Es möchte scheinen, als ob die Amerikaner in der Grösse ihrer -Vorbereitungen über das Ziel hinausgeschossen wären. Die Werke, welche -eine Länge von 2-1/2 Meilen hatten, waren viel zu gross für die -Besatzung. Obendrein konnte das Fort vollkommen von Artillerie auf dem -Mount Defiance beherrscht werden; dieser Berg war nicht in die Linien -mit eingeschlossen. - -Das Ergebnis dieser Fehler war ein sehr trauriges. Am 1. Juli 1777 -erschien Burgoynes Heer vor der Festung. Riedesel war mit den Deutschen -auf dem östlichen Ufer des Sees und operierte gegen Mount Independence. -Ein nur kleines Gefecht fand statt. Der amerikanische Befehlshaber St. -Clair trat, als er sich in Gefahr sah, umzingelt zu werden, mit der -Besatzung von ungefähr 3300 Mann den Rückzug an und liess die Forts mit -mehr als 70 Kanonen, 200 Stück Vieh und einem grossen Magazin von -Munition und Proviant in den Händen der britischen Armee. Die -Überbleibsel der amerikanischen Flotte, welche in der Richtung auf -Whitehall floh, wurde sofort von den Briten verfolgt, die nur etwas -aufgehalten wurden durch die Notwendigkeit, eine Brücke zu durchbrechen, -welche über den See gebaut worden war. Zwei von den fünf Schiffen wurden -genommen, die andern drei von den zurückgehenden Amerikanern verbrannt, -die auf diese Weise alles Material verloren, welches sie zu retten sich -bemüht hatten. - -Das Gros von St. Clairs Korps ging auf der Strasse nach Hubbardton -zurück. General Fraser blieb mit zwanzig englischen Kompagnien dicht auf -den Fersen, unterstützt von Riedesel mit drei braunschweigischen -Bataillonen. Fraser holte die Nachhut der Amerikaner unter Oberst Warner -bei Hubbardton am 7. Juli ein, wurde schneidig angegriffen und in der -Flanke gefasst. Er wäre geworfen worden, wenn ihm nicht Riedesel zu -Hilfe gekommen wäre. Die Amerikaner wurden nun zurückgeworfen. Ihr -Verlust ist nicht genau bekannt geworden, aber ungefähr 200 Nachzügler -und Verwundete wurden an diesem Tage gefangen genommen. Die -Braunschweiger hatten 22 Mann tot oder verwundet, die Briten 155. Dies -war das erste Gefecht, welches Riedesel in Amerika mitmachte. - -Am 8. Juli wurde ein britisches Regiment aus Fort Anne vertrieben, aber -die Amerikaner liessen es wieder im Stich, nachdem sie es zerstört -hatten. - -Am 22. Juli erliess General von Riedesel einen Befehl gegen das -Marodieren und drohte allen Soldaten, die dessen schuldig befunden -wurden, in dem ersten Falle mit Prügeln, im zweiten mit vier mal -Spiessrutenlaufen. Die Offiziere hätten zu entscheiden, was gesetzliche -Beute wäre. Riedesel gab diesen Befehl auf Verlangen Burgoynes, welcher -die Tory-Kolonisten der Umgegend ermutigen wollte. Die Gelegenheit, in -Amerika zu plündern, war somit für die Braunschweiger beinahe vorüber. - -Das Terrain zwischen Lake Champlain und dem Hudson war so rauh, dass -Burgoyne einen Monat gebrauchte, um seine Armee die 25 Meilen vorwärts -zu bringen, welche zwischen Whitehall und Fort Edward lagen. »Die -Schwierigkeit zu marschieren war gross, wurde aber in der besten -Stimmung überwunden,« schreibt Burgoyne am 30. Juli 77 an Lord George -Germaine. »Das Land ist vollständige Wildnis und beinahe überall hatte -der Feind mit grossen Baumstämmen die Wege gesperrt, so dass sie quer -und längs mit den Zweigen ineinander herübergefallen waren. Die Truppen -mussten nicht nur an vielen Stellen, die man unmöglich umgehen konnte, -dieselben hinwegräumen, sondern auch über 40 Brücken bauen und andere -wieder herstellen, die eine davon, aus Bauholz bestehend, über einen -Morast von 2 Meilen Ausdehnung.« Wir finden einen Brief von Burgoyne an -Riedesel vom 18. Juli, in welchem er diesem zuredet, seine Offiziere die -Bagage verringern zu lassen. Viele englische Offiziere, sagt Burgoyne, -sind auf ein kleines Zelt und einen Reisesack reduziert worden. - -Die Armee begegnete nur geringem Widerstand auf ihrem Wege, obschon kein -Tag verging, ohne dass geschossen wurde. Die Amerikaner hatten sich auf -Saratoga zurückgezogen. Jedoch nicht vor dem 9. August konnte -Brigade-General Fraser die Avantgarde bis Fort Miller, 7 Meilen jenseits -Fort Edward vorschieben. Oberstlieutenant Baum folgte ihm mit den -braunschweigischen Dragonern zu Fuss und leichter Infanterie, einigen -canadischen Freiwilligen und 2 kleinen Kanonen. Zuerst hatte Riedesel -vorgeschlagen, und Burgoyne hatte es gebilligt, dass Baums Korps eine -Expedition in das Connecticut-Thal machen sollte, um Pferde und Zugvieh -aufzutreiben. Das herzoglich braunschweigische Dragoner-Regiment wurde -auf diese Weise auf Kosten der Amerikaner beritten gemacht, und die -britische Armee sollte mit Packpferden versehen werden. Um die drängende -Notwendigkeit von Lasttieren zu verstehen, müssen wir bedenken, dass die -Armee mit Brot aus englischem Mehl und Fleisch verpflegt wurde, welches -in England gesalzen war, und dass diese Vorräte von Lake Champlain oder -Lake George nach dem Hudson auf den Rücken von Menschen transportiert -werden musste. Indes, der Plan wurde geändert bevor die Kolonne Fort -Miller passiert hatte, und anstatt nach Manchester zu marschieren, wurde -die Expedition nach Bennington dirigiert, wo man annahm, dass die -Amerikaner ein grosses Lager von Vorräten hätten. Riedesel nahm sich die -Freiheit, gegen diese Befehlsänderung Einsprache zu erheben, aber -Burgoyne hielt aus folgenden Gründen daran fest: Erstens würde es von -grösstem Vorteil für die Armee sein, 10 oder 12 Tage lang von den -Vorräten zu leben, welche man in Bennington finden würde. Zweitens -wollte er (Burgoyne) mit der Haupt-Armee nach Stillwater vorgehen, so -dass Arnold nicht im Stande sein würde, ein starkes Detachement -abzuschicken, um Baum aufzuhalten. Drittens hatte er erfahren, dass St. -Leger Fort Stanwix am oberen Lauf des Mohawk-River belagerte, und dass -es wichtig sei, Arnold zu verhindern, ein starkes Korps zu dessen -Entsatz zu entsenden. Infolgedessen brach Oberstlieutenant Baum am 11. -August 1777 nach Bennington auf mit ungefähr 550 Weissen, von denen 374 -Deutsche waren. Ungefähr 150 Indianer schlossen sich der Expedition an. -Dies gefiel dem Tory nicht, welcher als Führer diente. Er sagte -Burgoyne, dass wenigstens 3000 Mann nötig wären, um des Erfolges gewiss -zu sein, aber Burgoyne wollte und konnte auch in der That nicht so viele -erübrigen. - -Am 12. erbeutete Baum einige Vorräte und Vieh in Cambridge. - -Am Morgen des 14. fand er einige Vorräte in Sancoik und machte 5 -Gefangene. Er meldete Burgoyne, dass Bennington von 15 oder 1800 Mann -besetzt sei, aber dass diese wohl bei seiner Annäherung abziehen würden. -Er wollte soweit vorgehen, dass er am andern Morgen in der Frühe den -Feind überfallen könnte und wollte nach den eingegangenen Nachrichten -die notwendigen Dispositionen treffen. Leute strömten in Menge herbei -und verlangten bewaffnet zu werden. Die Indianer konnten nicht mehr im -Zaum gehalten werden und zerstörten und nahmen alles was ihnen beliebte. -Baum, der nicht englisch sprechen konnte, war offenbar auf die -Versicherungen des Tory-Gouverneurs Skene angewiesen, der als eine sehr -glaubwürdige Persönlichkeit geschienen haben mochte. Burgoyne scheint -nicht ganz die irrigen Ansichten seines Untergebenen geteilt zu haben, -denn er antwortete mit dem Befehl, Baum sollte nicht weiter vordringen, -wenn er den Feind in zu grosser Stärke vorfinden würde, und sollte den -Plan aufgeben, einen riskierten Handstreich zu unternehmen. Später an -demselben Tage meldete Baum noch, dass er von einer 700 Mann starken -Abteilung Rebellen angegriffen worden sei, die er mit ein paar -Kanonenschüssen vertrieben hätte, dass aber 1800 Mann in einem günstig -gelegenen, befestigten Lager bei Bennington ständen, und dass er auf -Verstärkung warten wollte. Diese Meldung bekam Burgoyne während der -Nacht, und um 8 Uhr morgens des 15. marschierte Oberstlieutenant -Breymann auf seinen Befehl mit 642 Deutschen zu Baums Unterstützung ab. -Breymann brach ohne Zelte, Bagage oder genügende Munition und nur mit 2 -kleinen Feldgeschützen auf. Er hatte nur 24 Meilen zu marschieren, doch -legte er nur etwas mehr als die Hälfte der Entfernung zurück, bevor ihn -die Nacht zum Biwakieren zwang. Es war ein regnerischer Tag und der Weg -war schlecht, trotzdem scheint eine solche Langsamkeit einer Abteilung -Soldaten in leichter Marschordnung, die zur Unterstützung ihrer -Waffenbrüder vorgehen, unglaublich. Ich habe keine vollkommene -Beschreibung der Uniform der braunschweigischen Infanterie gefunden. -Riedesel hatte einige Änderungen eingeführt, welche der Dienst und das -Klima erfordert hatten, aber sie war doch noch viel zu schwer. Ein -grosser Teil von Baums Leuten waren Dragoner zu Fuss. Sie waren mit -kurzen, dicken Flinten und schweren Säbeln bewaffnet. Man erzählte sich -in der Armee, dass ihr Helm und Säbel allein mehr wog als die ganze -Ausrüstung eines englischen Soldaten. Ein so ausgerüsteter Mann möchte -zu Pferde auf einem ebenen Grunde furchteinflössend sein, aber zu Fuss, -im August, auf einem Marsche durch den dichten Wald war er kaum einem -amerikanischen Farmer oder Jäger in Hemdsärmeln gewachsen. - -Es ist klar, dass sich niemand, auch Baum selbst nicht, des Ernstes der -Situation bewusst war. Am Vormittag des 15. schrieb Burgoyne, dass, wenn -ein Rückzug nöthig werden sollte, er so angeordnet werden müsse, dass -dem Feind keine Gelegenheit zu einem Erfolg gegeben werde, damit die -Indianer nicht entmutigt würden. Deshalb musste alles erbeutete Vieh und -die erbeuteten Wagen weggeschafft werden, und alles Mehl und Korn, -welches man nicht mitnehmen konnte, sollte unbrauchbar gemacht werden. -Erst später kam Burgoyne auf den Gedanken, dass man wohl besser Breymann -ohne Artillerie vorgeschoben hätte. - -Oberstlieutenant Baum brachte den 15. August 1777 damit zu, sich auf -einem Berge 4 Meilen nördlich Bennington einzugraben. Ungefähr um 9 Uhr -morgens am 16. bemerkte er kleine Abteilungen von Leuten, zum grossen -Teil in Hemdsärmeln und mit Vogelflinten auf der Schulter, schnell und -geräuschlos hinter seinem verschanzten Lager vorbeipassieren. Der gute -Offizier hielt diese Leute in Hemdsärmeln für Tories, welche seinen -Schutz suchen wollten. Man sagt, dass viele Leute in jenem Teile des -Landes dem Könige den Eid geleistet hätten. Im Laufe des Morgens wurde -ein Angriff gemacht, aber mit Leichtigkeit abgeschlagen. Schliesslich um -3 Uhr nachmittags wurden die Deutschen vollständig umzingelt, und der -Kampf begann mit ziemlichem Ernst. Die meisten Indianer, Canadier und -Tories machten sich aus dem Staube. Die Braunschweiger hielten 1 oder 2 -Stunden aus, bis ihre Munition anfing auszugehen. Die Amerikaner fochten -mit Verzweiflung. Sie näherten sich bis auf 8 Schritt den Kanonen, die -mit Kartätschen geladen waren und feuerten ihre Gewehre auf die -Kanoniere ab. Stark, der sie kommandierte, hatte sie durch seinen Mut -angefeuert. »Kommt nur, meine Jungens,« soll er vor dem Gefecht gesagt -haben, wie berichtet wird, »entweder schlagen wir die Briten oder Molly -Stark wird diese Nacht Witwe sein.« Schliesslich schlief das Feuer der -Deutschen ein. Die Yankees stürmten noch einmal die Schanzgräben. Es -ging Gewehrkolben gegen Säbel. Baum wurde tötlich verwundet und die -Braunschweiger gefangen genommen. - -Das Gefecht mit Baums Truppen-Abteilung war vorüber, als Breymann in der -Nähe des Gefechtsfeldes anlangte. Er giebt an, dass er die Amerikaner -vor sich her getrieben und nur die Verfolgung abgebrochen hätte aus -Mangel an Pulver und Blei; aber sicher ist, dass er sofort zurückging -und in der Nacht sich ohne seine Kanonen auf und davon machte, mit einem -Verlust von mehr als einem Drittel seiner Leute. General Burgoyne, der -in der Frühe des 17. Nachricht von dieser unglücklichen Affaire erhielt, -brach um 6 Uhr mit der ganzen Armee auf, um Breymann zu retten. Das Gros -ging indessen nicht weiter als Battenkill vor, während Burgoyne selbst -an der Spitze eines englischen Regiments soweit vordrang, bis er die auf -dem Rückzug befindlichen Deutschen traf. - -Beinahe 780 Gefangene, von denen ungefähr 400 Deutsche waren, fielen in -die Hände der Amerikaner. Von Baums Korps kehrten 365 Deutsche nicht -wieder zurück: Breymanns Korps hatte 231 Tote, Verwundete und Vermisste. - -Dies Gefecht war der Anfang von Burgoynes Ende. Es bewies ihm die -Unmöglichkeit auf Kosten des Landes zu leben und verwies ihn wieder auf -sein englisches Ochsenfleisch und Mehl und auf seine Abhängigkeit von -den Vorräten, die er mitzuführen im Stande war. - -Das Fehlschlagen der Expedition St. Legers am Mohawk ereignete sich -ungefähr zu derselben Zeit. Oberst St. Leger hatte Montreal Anfang Juli -mit ungefähr 750 Weissen und 1000 Indianern verlassen. Unter den -ersteren befand sich eine Jäger-Kompagnie von Hessen-Hanau. Dieses Korps -nahm seinen Weg am St. Lawrence und Lake Ontario entlang nach Oswego und -von da am Oneida Lake nach Fort Stanwix am Oberlauf des Mohawk-River. -Dies Fort war ein gut konstruiertes Erdwerk mit einer Besatzung von -einigen 6 oder 700 Milizen unter Oberst Gansevoort. St. Leger sollte -dies Fort nehmen und dann dem Lauf des Mohawk bis zu seiner Vereinigung -mit dem Hudson folgen und auf diese Weise die Flanke von Gates Armee -bedrohen. Aber das Fort wollte nicht genommen sein. Ungefähr 800 -Bewohner des Mohawk-Thales, meist von deutscher Abstammung, unter -General Herkimer, waren im Begriff, zu seinem Entsatz vorzugehen. Diese -wurden am 6. August 1777 im Walde von einer Übermacht von Provinzialen -und Indianern überfallen. Nach der ersten Panik fand ein verzweifelter -Kampf statt. Die Milizen wussten wohl, dass sie von ihren wilden Gegnern -keinen Pardon erwarten durften. Es schien ihnen besser unter ihren -Pfeilen oder dem Tomohawk zu fallen als dem qualvollen Messer -ausgeliefert zu werden. Herkimer, der am Bein verwundet worden war, war -gegen einen Baumstumpf gelehnt und leitete die Verteidigung, während er -ruhig seine Pfeife weiter rauchte. Die Leute hatten paarweise sich -hinter Bäumen postiert, sodass immer einer schoss, während der andere -lud. Diese Anordnung wirkte günstig, und die Miliz begann die Oberhand -zu gewinnen. Darauf kam noch ein Haufe von Tories aus dem Thale den -Indianern zu Hilfe. Dies steigerte noch mehr die Wut der Amerikaner, -denn diese neuen Feinde waren ihre Nachbarn und waren ihre Freunde -gewesen. Der verzweifelte Kampf wurde fortgesetzt. Er hatte schon länger -als ein und eine halbe Stunde gedauert, und 160 Milizen waren bereits -tot, verwundet oder gefangen, als plötzlich in der Richtung von Fort -Stanwix her Feuer gehört wurde. Oberst Gansevoort, der von Herkimers -Annäherung unterrichtet war, hatte 250 Mann von dem Fort entsendet, um -eine Diversion auszuführen. Diese fielen in das englische Lager ein und -plünderten einen Teil davon. 5 Flaggen und viele Bagage fiel in die -Hände der Abteilung von dem Fort. Durch den Kanonendonner in ihrem -Rücken fürchteten die Tories und Indianer zwischen zwei Feuer genommen -zu werden. Sie zogen sich zurück unter Mitnahme von einigen Gefangenen, -die den Schrecknissen der indianischen Folterqualen entgegengingen, doch -liessen sie viele Tote auf dem Gefechtsfelde. Was von den Milizen übrig -blieb, zog sich nach Fort Schuyler zurück, da wo jetzt die Stadt Utica -steht. Diese blutige Affaire ist das Gefecht von Oriskany genannt -worden. Sie besiegelte das Schicksal von St. Legers Expedition und trug -in Gemeinschaft mit Bennington dazu bei, das Schicksal von Burgoyne und -der Braunschweiger zu entscheiden. Diese zwei kleinen Begebenheiten -bilden einen Wendepunkt in der amerikanischen Geschichte. - -Der tapfere Herkimer erlag seinen Wunden zehn Tage nach dem Gefecht. -Aber nach kaum einer Woche hob Benedict Arnold mit einer kleinen -Truppenabteilung und den wieder gesammelten Milizen des Thales die -Belagerung von Fort Stanwix auf, und St. Leger, den viele von den -Indianern verliessen, zog sich mit den Überbleibseln seines Korps nach -Oswego zurück, indem er seine Zelte und eine beträchtliche Bagage im -Stich liess. - -Burgoyne war durch die Niederlage von Baum und St. Leger etwas -niedergeschlagen, aber er setzte seine Hoffnung auf Hilfe von Süden her -und fühlte sich durch die Befehle, die er von England bekommen hatte, -gebunden. - - - - -Kapitel XIII. - -Stillwater, am 19. September und 7. Oktober 1777. - - -Nach der Niederlage von Bennington blieb Burgoyne noch beinahe einen -Monat in der Umgegend von Fort Edward und hinter der Linie des -Battenkill. Diese Zeit wurde benutzt, um Vorräte anzuhäufen und Boote -vom Lake Champlain nach dem Lake George zu schaffen. Am 13. September -1777 ging die Armee bei Schuylerville über den Hudson und verliess die -rückwärtigen Verbindungslinien um einen kühnen Stoss auf Albany zur -Vereinigung mit Sir William Howe zu machen. 180 Boote begleiteten die -Armee, deren linke Flanke sich an den Hudson anlehnte. Diese Boote -führten für einen Monat Lebensmittel mit sich. »Jetzt fingen wir wieder -an in unserem lieben gesalzenen Pökelfleisch und Brot zu arbeiten,« -schreibt ein deutscher Offizier. »Liebe Freunde, verachtet diese -königlichen Gerichte nicht, die wirklich einen königlichen Preis kosten, -denn der Transport von England ist gewiss nicht billig gewesen. -Pökelfleisch Mittags und Abends. Pökelfleisch warm und kalt. Freunde! -ungeachtet Eurer grünen Erbsen und Krebsschwänze würdet Ihr unser -Pökelfleisch mit Ekel angesehen haben, und doch war es für uns ein -herrliches Gericht, ohne welches wir umgekommen sein würden; und wenn -wir später genug Pökelfleisch gehabt hätten, hätte uns unser Unglück -nicht nach Boston geführt.« Während dessen strömten die Amerikaner, -ermutigt durch ihren Sieg bei Bennington und ihren Erfolg im -Mohawk-Thale, in das Lager von Gates bei Stillwater. Sie hatten keine -Uniformen, waren aber zum grössten Teil gut bewaffnet mit Büchsen und -Jagdgewehren, welche sie von Jugendzeit an fortwährend geführt hatten. -Es wurde Burgoyne am 7. September gemeldet, dass ihrer 14 oder 15000 -wären. Da gab es keine andere Wahl als anzugreifen oder den Feldzug -aufzugeben. - -Die Armee trat ihren Marsch nach Süden in drei Kolonnen an. Die rechte -war unter Brigade-General Fraser, dem stürmischen Befehlshaber der -leichten Truppen. Das Zentrum wurde von Burgoyne selbst kommandiert, und -die linke, am Hudson, von Riedesel. Die britische Armee konnte nur -langsam vorgehen wegen der wiederherzustellenden Wege und Brücken. Die -Marschleistung betrug durchschnittlich 2 Meilen den Tag. Am Nachmittag -des 19. September wurde Burgoynes mittlere Kolonne bei Freeman's Farm, -nördlich Stillwater energisch angegriffen. Die Engländer besetzten mit -einigen Kanonen ein ausgerodetes Stück Land. Die Amerikaner hatten keine -Artillerie. Das Gefecht dauerte den ganzen Nachmittag, und wurde auf -beiden Seiten mit grosser Tapferkeit geführt. Gegen Einbruch der Nacht -kam Riedesel mit 7 Kompagnien deutscher Infanterie und 2 Kanonen -Burgoyne zu Hilfe, griff die rechte Flanke der Amerikaner an und -überschüttete sie mit Kartätschen. Die Engländer schlossen sich wieder -zusammen und feuerten, und die Amerikaner wurden geworfen, nahmen aber -ihre Verwundeten mit und ungefähr 100 Gefangene. Sie hatten ungefähr 320 -Mann verloren, die Briten annähernd zweimal soviel. Die Letzteren -behaupteten zwar das Feld und mögen daher den Sieg beanspruchen, aber -es war ein nutzloser Sieg, den sie nicht im Stande waren auszubeuten. Am -20. fing Burgoyne an seine Stellung zu befestigen. Die Aussicht auf -Erfolg war von nun ab nur durch das Zusammenwirken mit der Armee von -Süden her bedingt -- eine Hilfe, die niemals kam. - -Die Deutschen leisteten Burgoyne im Laufe dieses Tages die wichtigsten -Dienste. Breymann mit den Grenadieren und der leichten Infanterie -zeichnete sich früh am Nachmittag aus, indem er einem englischen -Regiment, das im Weichen begriffen war, zu Hilfe kam. Kapitän Pausch von -der Hanauschen Artillerie mit seinen zwei Sechspfündern entschieden die -Schlacht. Breymann und Pausch wurden beide von Burgoyne öffentlich -belobt. - -Inzwischen war die Armee ernstlich im Rücken bedroht worden. Oberst -Brown, der unter dem Befehl von General Lincoln operierte, hatte einige -der Aussenwerke von Ticonderoga mit ungefähr 300 Gefangenen genommen, -war aber von dem Haupt-Fort zurückgeworfen worden. - -Baronin Riedesel hatte die Armee auf ihrem Marsche begleitet. Sie war -ermutigt worden, sagt sie, als sie General Burgoyne hat sagen hören, -dass Engländer niemals zurückgingen. Jedoch wurde sie misstrauisch, als -sie merkte, dass alle Offiziers-Frauen, die bei der Armee waren, alle -Operations-Pläne kannten, und sie erinnerte sich, dass in der Armee des -Prinzen Ferdinand im 7jährigen Krieg alles sehr geheim gehalten wurde. -Nun aber waren den Amerikanern alle feindlichen Absichten bekannt und -sie erwarteten die Engländer, wohin sie sich auch immer wandten. - -Frau von Riedesel war Augenzeugin der Schlacht am 19. September und -zitterte bei jedem Schuss für das Leben ihres Gemahls. Drei verwundete -Offiziere wurden in das Haus gebracht in dem sie wohnte, und einer von -ihnen, der Neffe von Leuten, die in England sehr gütig gegen sie gewesen -waren, starb wenige Tage darauf an den Folgen einer Operation. Die -Baronin konnte seine letzten Seufzer durch die dünne Wand hören. - -Der Zustand der Armee wurde bald ein sehr bedenklicher. Die Lebensmittel -wurden knapp, Wein und Kaffee schrecklich teuer. Uniformen und Kleider -zerrissen in den Büschen und durchweichten bei dem Kampieren auf dem -feuchten Boden, und neue konnten um keinen Preis geschafft werden. Das -amerikanische Lager, welches man von 12 000 Mann besetzt glaubte, war so -nahe, dass man die Trommeln und die Rufe der Soldaten deutlich hören -konnte. Der Wald war aber so dicht, dass man es nicht sehen konnte. Die -Engländer hatten eine Schiffbrücke über den Hudson gebaut, und es wurden -Kundschafter hinübergeschickt, die versuchen sollten, das Lager vom -andern Ufer aus einzusehen; dies war aber nicht möglich gewesen. - -Ein von Sir Henry Clinton in Geheimschrift geschriebener Brief, der vom -10. September datiert war, langte am 21. an. Clinton kündigte seine -Absicht an, in 10 Tagen Fort Montgomery am Hudson anzugreifen. Burgoyne -sandte den Boten sofort zurück mit einem Briefe, der in eine silberne -Kugel eingeschlossen war, welche Sir Henry direkt eingehändigt werden -sollte. Dieser Brief sollte Clinton zur Eile antreiben und ihn -veranlassen, eine Diversion zu Gunsten Burgoynes herbeizuführen. Der -Bote nahm seinen Weg durch das feindliche Land nach Fort Montgomery, -aber hier scheint ihn seine Geistesgegenwart verlassen zu haben. Er soll -nämlich amerikanische Truppen für englische gehalten, nach General -Clinton gefragt und nicht eher seinen Irrtum gemerkt haben, als bis er --- nicht vor Sir Henry, sondern vor den amerikanischen General geführt -wurde. Darauf schluckte der Unglückliche die Kugel hinunter, doch wurde -ihm ein Brechmittel verordnet, die Depesche wurde gefunden und der Bote -als Spion gehängt. - -Am 6. Oktober wurden die Forts Clinton und Montgomery von Sir Henry -Clinton gestürmt. Ein Anspachisches Regiment, ein Hessisches und 2 -Kompagnien hessischer Jäger, welche letztere erst vor kurzem von Europa -angekommen waren, hatten an dieser Waffenthat teil genommen. Der Hudson -stand nun den Briten vollkommen offen. Dies würde der richtige Moment -gewesen sein, um zu Burgoynes Unterstützung einen Vorstoss zu machen, -aber Sir William Howe hatte den grösseren Teil seiner Armee nach -Philadelphia dirigiert und nur ein kleines Korps unter General Vaughan -kam sengend und plündernd den Hudson hinauf. - -Burgoynes Situation wurde mit jedem Tage kritischer. Am 4. Oktober wurde -die Ration der Soldaten um 1/3 heruntergesetzt. Desertionen waren -häufiger vorgekommen trotz strenger Strafe; selbst die Todesstrafe -verhinderte sie nicht. Kleinere Scharmützel kamen häufiger vor. Das -Wetter war furchtbar heiss und die Armee verging vor Unthätigkeit. - -An dem Tage, an welchem die Leute auf kleinere Ration gesetzt worden -waren, berief General Burgoyne einen Kriegsrat. Die Generale Phillips, -Riedesel und Fraser waren zugegen. Burgoyne schlug ihnen vor, die Gegend -am Fluss zu verlassen und zu versuchen, die amerikanische linke Flanke -zu umgehen. 800 Mann sollten zum Schutz der Boote und Vorräte -zurückgelassen werden. Der Rest der Armee sollte sich an der -Unternehmung beteiligen. Man entgegnete aber, dass die Strassen und -Stellungen der Amerikaner nicht bekannt wären, dass drei oder vier Tage -nötig sein würden, um die amerikanische Flanke zu umgehen, und dass -während dieser ganzen Zeit die Vorräte unter einer schwachen Bedeckung -zurückgelassen werden müssten. Man kam zu keinem bestimmten Entschluss -am 4., es wurde daher für den Abend des 5. ein zweiter Kriegsrat -befohlen. In diesem erklärte Riedesel, dass die Lage der Armee von einer -Beschaffenheit wäre, dass, wenn sie nicht in einem Tage den Feind -erreichen, ihn angreifen und die Sache zur Entscheidung bringen könnte, -es dienlicher wäre, sich wieder über den Hudson hinter den Battenkill -zurückzuziehen, um dort die Annäherung Clintons zu erwarten. Dort könnte -die Armee nicht von Fort George abgeschnitten werden. Fraser stimmte -Riedesel bei. Phillips wollte keine bestimmte Meinung aussprechen, und -Burgoyne dem es zu hart ankam, eine rückwärtige Bewegung zu machen, -erklärte, er wollte am 7. eine Rekognoszierung vornehmen, und, wenn sich -bei dieser zeigte, dass der Feind nicht mit Erfolg angegriffen werden -könnte, den Rückzug antreten. - -Am 6. Oktober 1777 wurde für 4 Tage Verpflegung ausgegeben, und am 7. um -10 Uhr morgens rückten 1500 Mann, unter denen 500 Deutsche waren, mit 8 -Bronze-Kanonen und 2 Haubitzen zur Rekognoszierung aus dem Lager. Die -vier Generale beteiligten sich daran, die Expedition war aus allen -Teilen der Armee zusammengesetzt. Sie gingen bis auf eine Anhöhe -ungefähr 3/4 Meilen von dem amerikanischen linken Flügel entfernt vor -- -nach Riedesel eine sehr schlechte Stellung, wo man nichts vom Feinde -sehen konnte. Brigade-General Fraser kommandierte den rechten Flügel, -die deutschen Detachements waren im Zentrum, Major Ackland mit den -englischen Grenadieren auf dem linken Flügel. Es wurde beschlossen, den -Angriff abzuwarten, und Brigade-General Fraser unternahm es, die Fourage -von zwei Scheunen wegtransportieren zu lassen. Kleine feindliche -Detachements erschienen von Zeit zu Zeit, und man ergötzte sich daran, -Kanonen auf sie abzufeuern, bis plötzlich ein heftiges Musketenfeuer auf -dem linken Flügel gehört wurde, und unmittelbar darauf Acklands -Grenadiere zurückgelaufen kamen, indem sie ihren Führer verwundet -zurückliessen. - -Der deutsche linke Flügel wurde auf diese Weise entblöst und in -Unordnung zurückgeworfen, die hessischen Kanonen in Gefahr gebracht. -Diese blieben noch einige Zeit in Thätigkeit, wurden aber schliesslich -genommen. Der britische rechte Flügel scheint länger als der linke und -der übrige Teil der Linie ausgehalten zu haben, aber nach einiger Zeit -wurde General Fraser tötlich verwundet und seine Leute zurückgedrängt, -hielt sich jedoch in besserer Ordnung als der linke Flügel. Auch die -Deutschen gingen in ziemlicher Auflösung zurück unter Zurücklassung -aller zur Rekognoszierung mitgenommenen Kanonen. - -Die zurückgehenden Abteilungen warfen sich in eine Redoute und -behaupteten ihre Stellungen bis zum Ende des Nachmittags trotz der -wiederholten und verzweifelten Angriffe der Amerikaner. - -Oberstlieutenant Breymann hielt sich in einer kleinen Redoute auf dem -äussersten rechten Flügel der diesseitigen Stellung. Sein Korps war -durch die bei Bennington und am 19. September erlittenen Verluste auf -ungefähr 500 Mann zusammengeschmolzen; 300 von diesen hatten an der -Rekognoszierung teilgenommen und waren nun mit den übrigen in die grosse -Redoute auf dem rechten Flügel zurückgeworfen. Der Teil der britischen -Linie, welcher Breymanns Redoute mit der Hauptstellung verband, war frei -von Besatzung. Die Amerikaner nahmen ihren Weg durch diese Lücke in der -Linie, Breymann und seine 200 Mann wurden in Rücken und Flanke -angegriffen, der Oberstlieutenant totgeschossen und die Leute entweder -durch die Flucht gerettet oder gefangen genommen. - -Als die Nachricht hiervon zum Hauptkorps drang, murrten einige Engländer -über die Haltung ihrer deutschen Bundesgenossen. Aufgebracht hierüber, -sammelte Oberstlieutenant von Specht 4 Offiziere und ungefähr 50 Mann um -sich, brach mit diesen auf durch den dunkeln Wald, um Breymanns Redoute -wiederzunehmen. Er verlor den Weg und wurde durch einen verräterischen -Führer in die Hände der Amerikaner geliefert. - -Die Amerikaner fochten an diesem Tage mit grosser Tapferkeit und hatten -den Vorteil der Überlegenheit an Zahl, aber waren ohne einen -hinlänglichen Führer. Weder Gates noch Lincoln erschienen auf dem Felde. -Benedict Arnold, welcher kein besonderes Kommando hatte, focht mit -seinem gewöhnlichen, keine Gefahr achtenden Mut, aber er hatte nicht das -Talent eines Strategen. Er wurde bei der Einnahme von Breymanns Redoute -schwer verwundet; es wäre ein Glück für ihn gewesen, wenn seine Wunde -tötlich gewesen wäre. - -Es blieb Burgoynes Armee nichts anderes übrig, als sich zurückzuziehen. -Einige Eile würde vielleicht ihr Entkommen gesichert haben, aber überall -war Unordnung und Langsamkeit. Früh am Morgen des 8. Oktober 1777 wurden -die Briten und Deutschen auf den Höhen, von denen man den Hudson -übersieht, gesammelt. Hier wurde am Abend desselben Tages General Fraser -beerdigt, an einer Stelle, welche er sich selbst als Ruheort ausgewählt -hatte. Er war schwer verwundet in das Haus, welches Baronin Riedesel -inne hatte, gebracht; er hatte mit ihrem Gemahl zusammen am -siebenjährigen Kriege teilgenommen. Die Baronin hatte die Absicht, am 7. -ein kleines Diner zu geben. »Der General Fraser,« sagt sie, »und ich -glaube, auch die Generale Burgoyne und Phillips sollten denselben Tag -bei mir zu Mittag essen. Ich sah viel Bewegung unter den Truppen. Mein -Mann sagte mir, es sollte eine Rekognoszierung gemacht werden, welches -mir nicht auffiel, weil dieses öfters geschehen. Auf meinem Rückweg nach -Hause begegneten mir viele Wilde in ihrer Kriegskleidung und mit -Flinten. Auf meine Frage, wo sie hingingen, riefen sie mir zu: »War! -War!« das hiess, dass sie zur Schlacht gingen, welches mich ganz zu -Boden schlug, und kaum war ich zurückgekommen, so hörte ich auch -plänkeln, und nach und nach immer stärker feuern, bis endlich das Lärmen -gar arg wurde. Es war eine erschreckliche Kanonade, und ich war mehr tot -als lebendig. Gegen 3 Uhr nachmittags, anstatt dass meine Gäste hätten -sollen zu mir zum Essen kommen, brachte man mir auf einer Trage den -armen General Fraser, einen der erwarteten Mittagsgäste, tötlich -verwundet. Unser Esstisch, der schon gedeckt war, wurde weggenommen, und -man setzte an dessen Stelle ein Bett für den General. Ich sass in einer -Ecke der Stube, zitternd und bebend. Der Lärm wurde immer stärker. Der -Gedanke, dass man mir meinen Mann so bringen könnte, war mir entsetzlich -und quälte mich unaufhörlich. Der General sagte dem Wundarzt: -»Verschweigen Sie mir nichts! Muss ich sterben?...« Ich hörte ihn oft -seufzend ausrufen: »Oh bad ambition! poor General Burgoyne! poor -Mistress Fraser!«« - -Der General kämpfte die Nacht hindurch mit dem Tode und starb am -folgenden Morgen. Das Haus war derartig überfüllt, dass die Baronin ihre -Kinder auf den Hausflur bringen musste, damit sie durch ihr etwaiges -Schreien dem sterbenden Manne nicht beschwerlich fallen möchten. Sein -Leichnam lag den ganzen Tag in ihrem Zimmer. Als sein Stab und die -Generäle sich um sein Grab versammelt hatten, schossen die Amerikaner, -die hiervon nichts ahnten, auf die Trauer-Versammlung. So wurde, unter -dem Feuer der feindlichen Kanonen als Trauersalut, der tapfere Führer -der leichten Truppen zur letzten Ruhe gebettet. - -Um 10 Uhr abends des 8. brach die Armee nach Norden auf. Riedesel -kommandierte die Tête der Kolonne. Das Lazareth mit seinen 800 Insassen -wurde zurückgelassen. Die Boote mit dem, was an Vorräten noch übrig war, -nahmen ihren Weg langsam stromaufwärts. Die Wachtfeuer liess man -brennen, um die amerikanischen Feldwachen zu täuschen. - -[Illustration: BURGOYNE'S ÜBERGABE. - -October 1777.] - -General Burgoynes Armee legte nur eine kurze Strecke in jener Nacht -zurück und hielt dann bis zum folgenden Nachmittag. Am Abend des 9. -besetzten die Briten das Dorf Saratoga. Während der Nacht durchwateten -sie den Fishkill und lagerten auf der Höhe in dem Winkel zwischen -diesem Fluss und dem Hudson. So hatte vom Abend des 7. bis zum Morgen -des 10. Burgoyne, für welchen Zeitgewinn von allergrösster Wichtigkeit -war, nur etwas mehr als 8 Meilen sich zurückgezogen. - - - - -Kapitel XIV. - -Saratoga, vom 11. bis 16. Oktober 1777. - - -In dem Lager nördlich des Fishkill machte Burgoyne Halt und nahm seinen -Marsch von hier aus nicht wieder auf. Oberstleutnant Southerland war -vorgeschickt worden, um eine Brücke über den Hudson bei Fort Edward zu -bauen, wurde aber sofort wieder zurückberufen. Bei Tagesanbruch am 11. -machte eine amerikanische Brigade einen Vorstoss über den Fishkill, nahm -sämtliche Boote und viele Vorräte, machte einige Gefangene und zog sich -vor einem heftigen Kartätschfeuer zurück. Den ganzen Tag lang wurde die -englische Armee in Front und Rücken mit Kanonen beschossen. - -Am Abend beschied General Burgoyne die Generäle Riedesel und Phillips zu -sich, um sich mit ihnen über das Wohl und Wehe der Armee zu -beratschlagen. Burgoyne selbst hielt es für unmöglich, den Feind -anzugreifen oder die eigene Stellung zu halten, wenn er im Zentrum und -auf dem rechten Flügel angegriffen werden würde. General Riedesel machte -deshalb den Vorschlag, in der Nacht unter Zurücklassung der Bagage -abzuziehen, den Hudson 4 Meilen unterhalb Fort Edward zu durchwaten und -durch die Wälder nach Fort George zu gelangen zu suchen. Es wurde aber -keine Entscheidung getroffen. - -Ein anderer Kriegsrat wurde unter Hinzuziehung von zwei -Brigade-Generälen am folgenden Nachmittag gehalten. General Riedesel -bestand auf seinem Plan vom Tage vorher »sehr emphatisch und mit -eindringlichen Worten«, und man stimmte dem Plan bei. Aber es war -vergessen worden, Verpflegung an die Truppen auszugeben, und so wurde -der Abmarsch auf abends spät verschoben. Um 10 Uhr liess Riedesel -Burgoyne sagen, dass alles zum Abmarsch bereit sei, aber er erhielt zur -Antwort, dass es bereits zu spät sei, um noch irgend etwas zu -unternehmen. So wurde die letzte Chance preisgegeben, denn am andern -Morgen war die Armee vollkommen umzingelt. - -Am 13. Oktober wurde ein dritter Kriegsrat, dem auch die -Regiments-Kommandeure beiwohnten, zusammenberufen. General Burgoyne -setzte die Hoffnungslosigkeit der Situation auseinander. Nur noch für -fünf Tage wären Vorräte vorhanden. Das ganze britische Lager könnte von -den feindlichen Kartätschen und Flintenkugeln erreicht werden. Gates -Armee hätte hinter einem morastigen Hohlweg Stellung genommen, und zwar -so, dass, wenn Burgoyne angreifen wollte, er sich so weit vom Hudson -entfernen müsste, dass die Amerikaner den Fluss überschreiten und ihn im -Rücken angreifen würden. Selbst wenn man den Feind erfolgreich -angegriffen und durchbrochen haben würde, so wären doch nicht -Lebensmittel genug vorhanden, um nach Fort George zu gelangen. Die -Stellung, welche die Armee nunmehr einnähme, wäre im Zentrum und auf dem -rechten Flügel unhaltbar. (Dies war die Terrainstrecke, welche -hauptsächlich von den Deutschen besetzt war.) - -Burgoyne erklärte, dass niemand anders als er selbst für die Lage, in -der sich die Armee gegenwärtig befände, verantwortlich gemacht werden -könnte, da er niemand um Rat gefragt, sondern nur Befolgung seiner -Befehle gefordert habe. Riedesel dankte Burgoyne für diese Erklärung, da -hierdurch jedermann überführt würde, dass er keinen Anteil an der -Leitung der von der Armee ausgeführten Bewegungen gehabt hätte, und bat -daher alle englischen Offiziere, ihm dieses zu bezeugen, wenn er jemals -zur Verantwortung gezogen werden sollte. - -Hierauf legte Burgoyne dem Kriegsrat folgende Fragen vor: - -1. Ob in der Kriegsgeschichte Beispiele wären, dass eine Armee in dieser -Lage kapituliert hätte. - -2. Ob in einer solchen Lage eine Kapitulation entehrend sei. - -3. Ob die Armee wirklich in der Lage sei, kapitulieren zu müssen. - -Auf die erste Frage antworteten alle, dass die Lage der sächsischen -Armee bei Pirna, des Generals Fink bei Maxen und des Prinzen Moritz von -Sachsen nicht so schlimm und hülflos gewesen wäre, als die, worin sich -gegenwärtig die Armee befände; und dass niemand die Generäle hätte -tadeln können, die, um ihre Armeen zu retten, in solcher Lage -kapituliert hätten; ausser, dass der König von Preussen den General v. -Fink, jedoch hauptsächlich aus persönlicher Ungnade, kassiert hätte. - -Auf die zweite Frage antworteten alle, dass aus den eben angeführten -Gründen die Kapitulation nicht entehrend sein könne. Und auf die dritte -Frage stimmten alle darin überein, dass, wenn der General Burgoyne die -Möglichkeit sähe, den Feind anzugreifen, sie bereit wären, ihr Blut und -Leben aufzuopfern; wenn dies aber nicht thunlich sei, so hielten sie es -für besser, durch eine ehrenvolle Kapitulation dem Könige die Truppen zu -retten, als durch ein noch längeres »Anstehen« Gefahr zu laufen, wenn -alle Lebensmittel aufgezehrt wären, sich auf Diskretion ergeben zu -müssen; oder aber, bei einem Angriff in dieser fehlerhaften Position -gesprengt und dann einzeln aufgerieben zu werden. - -Nach dieser Erklärung setzte General Burgoyne den Entwurf zu einer -Kapitulation auf, welcher vorteilhaft schien und daher einmütig -gebilligt wurde. Hierauf wurde ein Tambour ins feindliche Lager -geschickt um anzuzeigen, dass man am andern Tag einen Stabsoffizier -hinüberschicken wolle, um mit General Gates Sachen von Wichtigkeit zu -verhandeln, und während dieser Zeit um Waffenstillstand zu bitten. Dies -wurde von General Gates bewilligt. - -Am 14. vormittags 10 Uhr wurde der Major Kingston in das amerikanische -Lager hinübergeschickt, um die Vorschläge Burgoynes zu überbringen, -welche in der Hauptsache darin bestanden, dass seine Armee sich zu -Kriegsgefangenen, jedoch nur unter der Bedingung ergeben wolle, dass sie -nach Boston geführt und von da nach England eingeschifft werden sollte, -nachdem sie sich verpflichtet haben würde, in diesem Kriege, oder bis zu -ihrer Auswechselung, nicht gegen die Amerikaner zu dienen. - -General Gates nahm aber diese Vorschläge nicht an, sondern setzte einen -andern Kapitulations-Entwurf in 6 Artikeln auf, welcher besagte, dass, -»da General Burgoynes Armee durch wiederholte Niederlagen, Desertion, -Krankheit etc. zusammengeschmolzen sei, die Vorräte erschöpft, die -Dienstpferde, Bagage, Zelte genommen oder zerstört seien, ihre -Rückzugslinien verlegt und ihr Lager umgezingelt sei, sie sich -kriegsgefangen ergeben sollte.« - -Der sechste Artikel besagte, dass »sobald dieser Vertrag gebilligt und -unterzeichnet sei, die Truppen unter dem Befehl Seiner Exzellenz des -Generals von Burgoyne in den Retranchements, in denen sie jetzt stünden, -das Gewehr strecken und sodann nach dem Orte ihrer weiteren Bestimmung -marschieren sollten.« - -General Burgoyne liess den Kriegsrat zusammenrufen und las diese -Propositionen des General Gates vor. Die Offiziere erklärten alle -einmütig, dass sie lieber Hungers sterben, als solche entehrenden -Artikel eingehen wollten. Major Kingston wurde wieder zu General Gates -zurückgeschickt, um ihm sagen zu lassen, dass, wenn er nicht von dem 6. -Artikel ablassen würde, die Verhandlungen sofort abgebrochen würden; die -Armee würde eher wie ein Mann einen Verzweiflungs-Coup ausführen, als -sich diesem Artikel unterwerfen. Der Waffenstillstand wurde hierauf -aufgehoben. - -Zu aller Erstaunen langten am folgenden Morgen (15. Oktober 1777) neue -Vorschläge von General Gates an, worin er alle von Burgoyne -vorgeschlagenen Artikel der Hauptsache nach billigte; es wurde nur noch -ausgemacht, dass die Armee schon an demselben Tage nachmittags um 2 Uhr -aus ihrer Position abmarschieren sollte. - -Diese plötzliche Veränderung erregte bei den englischen und deutschen -Offizieren Misstrauen. Der Kriegsrat beschloss, Gates Vorschläge -anzunehmen, wollte aber versuchen Zeit zu gewinnen. Eine Kommission, -bestehend aus zwei Stabsoffizieren von jeder Seite, wurde ernannt, und -diese verhandelte über verschiedene Kleinigkeiten, die den Artikeln noch -hinzuzufügen waren, bis 11 Uhr nachts. Die Amerikaner bewilligten alles, -was man von ihnen verlangte. Die Engländer ihrerseits versprachen, dass -am andern Morgen die Kapitulation von General Burgoyne unterzeichnet und -General Gates übersandt werden würde. Der Waffenstillstand sollte -fortdauern. - -Dieselbe Nacht kam ein Überläufer und sagte aus, dass er durch dritte -Hand erfahren habe, der englische General Clinton habe nicht allein die -Verschanzung von den Highlands erobert, sondern sei auch schon vor 8 -Tagen bis nach Esopus vorgerückt und müsse aller Wahrscheinlichkeit nach -schon in Albany angekommen sein. Burgoyne sowohl, wie verschiedene -andere Offiziere wurden durch diese Nachricht so begeistert, dass sie -grosse Lust bekamen, die Kapitulation zu brechen. Es wurde noch einmal -ein Kriegsrat zusammenberufen, welcher folgende Fragen beantworten -sollte: - -»1. Ob ein Traktat, der von bevollmächtigten Kommissarien finaliter -arrangieret sei, noch nach dem Versprechen des Generals, solchen, sobald -die Kommissarien alles applanieret, zu unterzeichnen, mit Ehren -gebrochen werden könne? - -2. Ob die eingegangenen Nachrichten so hinlänglich sicher wären, dass -sie ein Bewegungsgrund sein könnten, einen in unserer Lage so -vorteilhaften Akkord zu brechen? - -3. Ob die Armee wohl noch munteren Geist genug hätte, ihre jetzige -Stellung bis auf den letzten Mann zu verteidigen?« - -Auf die erste Frage erklärten 14 Offiziere gegen 8, dass ein solcher -Traktat ohne Verletzung der Ehre nicht gebrochen werden könne. Über die -zweite waren die Stimmen geteilt. Die Verneinenden stützten sich darauf, -dass der Überbringer der Nachricht alles nur vom Hörensagen hätte, und -dass, selbst wenn General Clinton wirklich in Esopus wäre, die -Entfernung von da doch noch so gross sein würde, dass er ihnen in ihrer -gegenwärtigen Lage doch nicht mehr helfen könnte. Auf die dritte Frage -war die Antwort aller Offiziere vom linken Flügel bejahend; die -Offiziere vom Zentrum und rechten Flügel antworteten aber, dass zwar -alle Soldaten den grössten Mut bezeigen würden, wenn es zum Angriff des -Feindes gehen sollte, dass aber, da ihnen allen das Fehlerhafte ihrer -Position zu gut bekannt wäre, zu befürchten stände, sie würden einen -feindlichen Angriff nicht ebenso aushalten. Da die braunschweigischen -Truppen hauptsächlich das Zentrum und den rechten Flügel einnahmen, so -bezieht sich auf diese Erklärung ihrer Offiziere wahrscheinlich eine -Bemerkung Burgoynes in einem Privatbrief »die Deutschen entmutigt und -bereit, bei dem ersten Feuer die Waffen zu strecken.« - -Um doch noch Zeit zu gewinnen, wurde ein letztes Mittel versucht. -Burgoyne schrieb nämlich am 16. früh an General Gates einen Brief, worin -er ihm erklärte, dass er in der vergangenen Nacht von Deserteuren die -Nachricht erhalten habe, dass er, General Gates, einen ansehnlichen Teil -seiner Armee nach Albany detachiert hätte und zwar im Laufe der -Unterhandlungen; dies wäre ganz gegen Treue und Glauben und er, -Burgoyne, würde die Kapitulation nicht eher unterzeichnen, bis sich -nicht ein Offizier seines Stabes davon überzeugt haben würde, dass die -amerikanische Armee drei bis viermal der englischen überlegen sei. Gates -scheint schliesslich dieses Herumführen an der Nase müde geworden zu -sein. Er liess als Antwort sagen, dass seine Armee noch dieselbe Stärke -wie vorher und sogar noch Verstärkung bekommen hätte; dass er es ebenso -wenig für politisch wie vielmehr seiner Ehre nachteilig halten würde, -die Stärke seiner Armee einem von General Burgoynes Offizieren zu -zeigen, und dass der General wohl bedenken möchte, was er thäte, wenn er -sein Ehrenwort bräche; er würde für die Folgen verantwortlich sein. -Gates fügte hinzu, dass, sobald die Kapitulation unterzeichnet sein -würde, er bereit sei, dem General Burgoyne seine ganze Armee zu zeigen, -und er stände mit seiner Ehre dafür, dass er sie viermal so stark als -die Britische finden würde, ungerechnet die Truppen, die jenseits des -Hudson postiert wären. Er könne aber jetzt nicht mehr länger als eine -Stunde Zeit zur Antwort gestatten, und würde nach Verlauf derselben sich -genötigt sehen, die strengsten Massregeln zu ergreifen. - -Hierauf wurde der Kriegsrat noch einmal zusammenberufen, und Niemand -fand sich mehr, der dem General zum Brechen seines Wortes geraten hätte. -Burgoyne zog die Generale Phillips und Riedesel allein auf die Seite und -bat um ihren freundschaftlichen Rat. Beide schwiegen anfänglich stille, -bis endlich der General Riedesel erklärte, dass wenn der General -Burgoyne in England zur Verantwortung gezogen werden sollte, er nur für -die Bewegungen, die die Armee in eine solche Lage gebracht hätten, -verantwortlich sein könnte, und vielleicht wegen der ersten Eröffnung -einer Kapitulation und deswegen, weil er nicht frühzeitig genug den -Rückzug so weit gemacht, dass man Herr der Kommunikation mit dem Fort -George geblieben wäre. Nun aber nach allen gethanen Schritten hielt es -Riedesel noch viel gefährlicher, den Tractat auf eine ungewisse und -unzuverlässige Nachricht hin zu brechen. - -Gleicher Meinung war der Brigadier Hamilton, der hinzu kam und auch -darüber befragt wurde. General Phillips sagte nur, dass die Lage der -Dinge eine derartige sei, dass er weder Rat noch Hilfe ausfindig machen -könne. Nach vielem Überlegen hin und her entschloss sich Burgoyne -schliesslich zu unterzeichnen, und hierauf wurde die unterzeichnete -Kapitulation an General Gates gesandt. - -Es übergaben sich im Ganzen 5791 Mann. Riedesel hat festgestellt, dass -nicht mehr als 4000 von diesen dienstfähig waren. Die Zahl der -Deutschen, die sich ergaben ist von Eelking auf 2431 festgestellt -worden, von denen die getötet, verwundet und vermisst wurden vom 6. -Oktober an auf 1122. Der Gesamt-Verlust der Briten und ihrer -Hilfstruppen an Toten, Verwundeten, Gefangenen und Deserteuren während -dieser Kampagne, einschliesslich der Verluste von St. Legers Expedition, -betrug annähernd 9000 Köpfe. - -Die Tage, welche der Uebergabe vorausgegangen waren, waren Tage der -Verwirrung gewesen. Baronin Riedesel sagt, dass sie am Abend des 9. -Oktober in Saratoga, nachdem sie während des ganzen Tages nur eine halbe -Stunde zurückgelegt hatten, den General Phillips gefragt habe, warum sie -denn den Rückzug nicht fortsetzten, da es doch noch Zeit wäre. Der -General bewunderte ihre Entschlossenheit und wünschte, sie hätte den -Befehl über die Armee. Dieselbe Dame erwähnt, dass Burgoyne die Hälfte -jener verhängnisvollen Nacht singend und trinkend zugebracht und sich -mit seiner Maitresse amüsiert habe. - -Die Armee war dem Elend und der Unordnung anheim gefallen. Am 10. -verpflegte die Baronin mehr als 30 Offiziere aus ihren Privat-Vorräten, -»denn wir hatten einen Koch, der, ob er gleich ein Erzschelm war, doch -zu allem Rat wusste, und oft des Nachts kleine Flüsse passierte, um den -Landleuten Hämmel, Hühner und Schweine zu stehlen, die er sich nachher -gut bezahlen liess von uns, wie wir erst in der Folge erfahren haben.« -Diese Vorräte waren nun erschöpft, und die Dame in ihrer Verzweiflung -rief den General-Adjutanten, der ihr gerade in den Wurf kam, zu sich -heran, er möchte Burgoyne über den grossen Mangel, an dem die in Dienst -verwundeten Offiziere litten, in Kenntnis setzen. Der kommandierende -General nahm dies gut auf, kam selbst zu ihr und dankte ihr, dass sie -ihn an seine Pflicht erinnert hätte, und gab Befehl, dass Lebensmittel -verteilt werden sollten. Die Baronin glaubte, dass Burgoyne ihr nie -diese Einmischung verziehen habe. Es scheint mir, nach den -Aufzeichnungen Beider, dass eher sie und ihr Gemahl als Burgoyne einen -heimlichen Groll hegten. Die Denkschrift, welche General Riedesel -verfasste und von seinen Offizieren gleich nach der Übergabe -unterzeichnet wurde, ist eine lange Anklage gegen Burgoyne und legt die -üblen Folgen dar, dass man den Schreiber nicht um Rat gefragt oder seine -Pläne nicht pünktlich zur Ausführung gebracht habe. Es ist klar, dass -Riedesel Burgoyne für das Unglück der Armee verantwortlich machte, das -Unglück, welches ihm so zu Herzen ging, dass sein Körper und seine -Gemütsstimmung längere Zeit ernstlich darunter litten. Burgoyne schrieb -im Frühjahr 1778, bevor er Amerika verliess an den Herzog von -Braunschweig und pries Riedesels grosse Fähigkeiten und die Art, wie er -die Befehle seines vorgesetzten Offiziers ausgeführt hätte. -- -Hieraufhin schrieb Riedesel einen sehr freundlichen Brief an Burgoyne, -in welchem er ihm in seinem und seiner Offiziere Namen für die ihnen -bewiesene Güte dankte. »Wenn auch unsere Bemühungen nicht vom Glück -gekrönt worden sind«, fährt er fort, »so wissen wir doch wohl, dass es -nicht Ihr Fehler war, sondern dass die Armee ein Opfer der Wechselfälle -des Krieges geworden ist.« Dieser einzige Ausdruck des Vertrauens ist -mit dem, was Riedesel zu andern Zeiten und an anderer Stelle sagt, nicht -in Einklang zu bringen. Die oben erwähnte militärische Denkschrift, die -in dem Buch der Baronin veröffentlicht ist, ist ein genügender Beweis -dafür. In demselben Sinne sind Riedesels Bemerkungen über Burgoynes -Feldzugs-Bericht aufgefasst. Diese Bemerkungen, welche an den Herzog von -Braunschweig und an seine Landsleute gerichtet waren, sind datiert -Cambridge, 8. April 1778, etwas mehr als einen Monat später als der oben -erwähnte Brief. Sie beklagen ausdrücklich, dass General Burgoyne, -während er von Riedesel selbst mit Anerkennung spräche, über die -Leistungen der Truppen leicht hinwegginge. Die Klagen des deutschen -Generals in dieser Beziehung sind aber, Burgoynes Bericht nach, nur -wenig gerechtfertigt. - -Doch wir müssen zur Baronin zurückkehren. Am Nachmittag des 10. Oktober -nahmen die Amerikaner das Feuer auf die Engländer wieder auf. »Mein Mann -liess mir sagen, dass ich mich unverzüglich nach einem Hause begeben -sollte, welches nicht weit von da war. Ich setzte mich in die Kalesche -mit meinen Kindern, und kaum sind wir im Begriff bei dem Hause -anzukommen, so sehe ich an dem jenseitigen Ufer des Hudson-Flusses sechs -bis sieben Menschen mit Flinten, die auf uns zielen. Fast unwillkürlich -werfe ich die Kinder in den Fond der Kalesche und mich über sie; in -demselben Augenblick schiessen die Kerle und zerschmettern hinter mir -einem armen englischen Soldaten, der schon blessiert war und sich auch -nach dem Hause retten wollte, einen Arm. Gleich nach unserer Ankunft -begann eine fürchterliche Kanonade, welche grösstenteils nach dem Hause, -worin wir Schutz gesucht, gerichtet war, vermutlich weil die Feinde -glaubten, da sie viel Leute dorthin strömen sahen, dass die Generalität -sich dort befände. Ach, es waren nichts als Verwundete oder Frauen! Wir -wurden endlich genötigt, in einem Keller unsere Zuflucht zu nehmen, wo -ich mich in eine Ecke unweit der Thür lagerte. Meine Kinder lagen auf -der Erde, mit ihren Köpfen auf meinem Schooss. So blieben wir die ganze -Nacht. Ein entsetzlicher Geruch, das Geschrei der Kinder, und noch mehr -als alles dieses, meine Angst, verhinderten mich ein Auge zuzuthun. - -Den andern Morgen ging die Kanonade wieder an, aber von einer andern -Seite. Ich riet, dass alle aus dem Keller ein wenig herausgehen möchten, -während dessen ich ihn wollte reinigen lassen, weil wir sonst alle krank -werden würden. Man folgte meinem Rat und liess von Vielen Hand anlegen, -was bei der weitläufigen Arbeit höchst nötig war. Wie alles heraus war, -besah ich mir unsern Zufluchtsort; es waren drei schöne Keller, die -recht gut gewölbt waren. Ich that den Vorschlag, dass in den einen die -am gefährlichsten blessierten Offiziere gebracht werden sollten; die -Frauen sollten in dem andern sein, und alle Übrigen in dem dritten, der -dem Ausgang am nächsten war. - -Ich hatte gut auskehren und mit Essig räuchern lassen, und man fing -bereits an, jeder seinen Platz einzunehmen, als neue entsetzliche -Kanonenschüsse alles wieder in Alarm brachten. Mehrere, die kein Recht -hatten hineinzugehen, stürzten nach der Thüre. Meine Kinder waren schon -die Kellertreppe hinunter, und wir hätten Alle können erdrückt werden, -wenn Gott mir nicht Kräfte geschenkt hätte, mich vor die Thür zu stellen -und mit ausgebreiten Armen allen den Eingang zu verwehren; sonst wäre -gewiss jemand von uns zu Schaden gekommen. Elf Kanonenkugeln gingen -durchs Haus und wir konnten sie deutlich über unsere Köpfe hinwegrollen -hören. Einem armen Soldaten, dem man ein Bein abnehmen wollte und -dieserhalb auf den Tisch gelegt hatte, nahm eine Kanonenkugel -mittlerweile das andere Bein fort. Seine Kameraden waren alle davon -gelaufen, und wie sie wieder zu ihm kamen, fanden sie ihn in einer Ecke -der Stube, wo er sich vor Angst hingerollt hatte, und kaum noch athmend. -Ich war mehr tot als lebendig, doch nicht so viel über unsere eigene -Gefahr, als über die, in welcher mein Mann schwebte, der jedoch oft -fragen liess, wie es uns ginge, und mir sagen liess, dass er wohl wäre. - -Der Major Harnich und seine Frau, eine Madame Rennels, die schon ihren -Mann verloren hatte, die Frau des guten Lieutenants, der den Tag vorher -seine Bouillon so gutherzig mit mir geteilt hatte, die Frau des -Kommissars und ich, wir waren die einzigen Damen, die bei der Armee -waren. Wir sassen eben zusammen und beklagten unser Schicksal, als -jemand hereinkam und man sich in die Ohren flüsterte und sich einander -traurig ansah. Ich bemerkte dieses und dass auf mich Blicke geworfen -wurden, ohne dass mir weiter etwas gesagt ward. Dieses erweckte in mir -den schrecklichen Gedanken, dass mein Mann geblieben sei. Ich schrie -laut auf; man versicherte mich aber, dass dieses nicht sei, sondern -winkte mir zu, dass den Mann der armen Lieutenantin dieses Unglück -betroffen habe. Diese wurde auch einen Augenblick nachher herausgerufen. -Der Mann war noch nicht tot, aber eine Kanonenkugel hatte ihm den Arm -oben an der Schulter weggenommen. Wir hörten die ganze Nacht sein -Winseln, welches doppelt und desto grausender in diesen Kellergewölben -wiederhallte; und der Arme starb erst gegen Morgen. Wir brachten -übrigens diese Nacht wie die vorige zu. Indessen kam mein Mann, mich zu -besuchen, welches meinen Kummer linderte und mir wieder Mut gab. - -Den Morgen darauf fingen wir an, uns ein wenig besser einzurichten. Der -Major Harnich und seine Frau und Madame Rennels machten sich in einer -Ecke eine kleine Stube und Gardinen davor. Man wollte mir eine andere -Ecke ebenso zurecht machen, ich zog aber vor, nahe an der Thür zu -bleiben, da ich auf den Fall von Feuersgefahr daselbst eher -herauskonnte. Ich liess eine Streu machen und legte meine Betten darauf, -wo ich mit meinen Kindern schlief, nicht weit von uns schliefen meine -Frauen. Gegenüber waren drei englische Offiziere einquartiert, die, zwar -blessiert, jedoch entschlossen waren, im Fall des Rückzuges nicht -zurückzubleiben. Einer derselben war ein Kapitain Green, Adjutant des -Generals Phillips, ein sehr schätzbarer und artiger Mann. Alle drei -versicherten mich mit einem Eide, dass sie im Fall eines schleunigen -Rückzuges mich nicht verlassen und ein jeder von ihnen eines meiner -Kinder mit auf sein Pferd nehmen wollte. Für mich stand eines von meines -Mannes Pferden immer gesattelt bereit. Öfters war mein Mann Willens, -mich, um mich der Gefahr zu entziehen, zu den Amerikanern zu schicken; -ich stellte ihm aber vor, dass es noch ärger als alles, was ich jetzt -ausstehen müsste, sein würde, mit Leuten zu sein, denen ich mit Schonung -würde begegnen müssen, während dass mein Mann sich mit ihnen -herumschlüge; er versprach mir also, dass ich ferner der Armee folgen -sollte. Manchmal bekam ich jedoch in der Nacht die Angst, dass er -fortmarschiert wäre, und kroch aus meinem Keller, um zuzusehen; wenn ich -dann die Truppen in den schon kalten Nächten um die Feuer herumliegen -sah, so konnte ich wieder ruhiger schlafen. - -Auch die mir anvertrauten Sachen verursachten mir viel Unruhe. Ich hatte -sie alle vorne in meinem Corset stecken, weil mir immer so sehr angst -war, etwas davon zu verlieren, und ich nahm mir fest vor, in Zukunft -mich nicht mehr mit dergleichen zu befassen. Den dritten Tag fand ich -erst Gelegenheit und einen Augenblick, um die Wäsche zu wechseln, da man -die Gefälligkeit hatte, mir einen kleinen Winkel hierzu einzuräumen; -während der Zeit standen meine drei vorerwähnten Offiziere nicht weit -davon Schildwache. Einer dieser Herrn konnte sehr natürlich das Brüllen -einer Kuh und Blöken eines Kalbes nachahmen: und wenn meine kleine -Tochter Fritzchen des Nachts weinte, so machte er es ihr vor, sie ward -wieder stille und wir mussten lachen. - -Unser Koch verschaffte uns Essen, aber es fehlte uns an Wasser; und ich -war öfters genötigt, um nur den Durst zu löschen, Wein zu trinken und -auch den Kindern welchen zu geben. Es war auch fast das einzige, was -mein Mann zu sich nahm; welches endlich unsern treuen Jäger Rockel -ängstigte, so dass er mir eines Tages sagte: »Ich befürchte, dass der -General aus Besorgnis, in Gefangenschaft zu geraten, des Lebens -überdrüssig ist, weil er so viel Wein trinkt.« Die beständige Gefahr, in -welcher mein Mann schwebte, setzte mich in ewige Angst. Ich war die -einzige unter allen den Frauen, deren Mann nicht geblieben war oder -sonst ein Unglück gehabt hatte, und sagte mir daher oft: »Sollte ich die -einzige Glückliche sein?« besonders, da mein Mann Tag und Nacht so sehr -der Gefahr ausgesetzt war. Er kam keine Nacht in das Zelt und lag alle -Nächte draussen beim Wachtfeuer. Das alles konnte schon sein Tod sein, -da die Nächte so nasskalt waren. - -Da so grosser Mangel an Wasser bei uns war, so fanden wir endlich eine -Soldatenfrau, die den Mut hatte, Wasser vom Flusse zu holen, was keiner -mehr unternehmen wollte, weil der Feind alle Männer, die nach dem Flusse -gingen, auf den Kopf schoss. Dieser Frau thaten sie nichts aus Achtung -vor ihrem Geschlecht, wie sie uns selbst hernachmals sagten. - -Ich suchte mich dadurch zu zerstreuen, dass ich mich viel mit unsern -Blessierten beschäftigte. Ich machte ihnen Thee und Kaffee und bekam -dagegen tausend Segenswünsche. Oft teilte ich auch mein Mittagsessen mit -ihnen. Eines Tages kam ein canadischer Offizier in unsern Keller, der -sich kaum noch aufrecht erhalten konnte. Wir kriegten endlich von ihm -heraus, dass er fast Hungers stürbe. Ich fand mich sehr glücklich, ihm -mein Essen anbieten zu können, welches ihn wieder zu Kräften brachte und -mir seine Freundschaft erwarb. Bei unserer nachmaligen Zurückkunft nach -Canada lernte ich seine Familie kennen. Eine unserer grössten -Beschwerden war der Geruch der Wunden, wenn sie anfingen zu eitern. - -Einst unternahm ich die Kur eines Majors Plumfield, Adjutanten des -Generals Phillips, dem eine kleine Flintenkugel durch die beiden Backen -gegangen war und ihm die Zähne zerschmettert und die Zunge gestreift -hatte. Er konnte gar nichts im Munde behalten; die Materie erstickte ihn -fast, und er war nicht im Stande, andere Nahrung zu sich zu nehmen als -ein wenig Bouillon oder sonst etwas Flüssiges. Wir hatten Rheinwein. Ich -gab ihm eine Bouteille, in der Hoffnung, dass die Säure des Weines seine -Wunde reinigen würde. Er nahm immer etwas davon in den Mund, und das -allein that so glückliche Wirkung, dass er geheilt wurde, wodurch ich -wieder einen Freund mehr bekam. Und so hatte ich mitten in meinen -Leiden- und Kummerstunden Augenblicke freudigen Genusses, die mich sehr -glücklich machten. - -An einem dieser Tage wünschte General Phillips mich zu besuchen und -begleitete meinen Mann, der täglich ein- oder zweimal mit Gefahr seines -Lebens zu mir kam. Er sah unsere Lage und hörte mich meinen Mann -flehentlich bitten, mich im Fall eines schleunigen Rückzuges nicht -zurückzulassen, er redete mir selbst das Wort dabei, wie er meinen -grossen Widerwillen sah, in den Händen der Amerikaner zu sein. Beim -Weggehen sagte er zu meinem Manne: »Nein, um zehntausend Guineen komme -ich nicht wieder hierher, denn mein Herz ist ganz zerrissen.« - -Indessen verdienten nicht alle, die bei uns waren, Mitleid. Es waren -auch Feige darunter, die um nichts in dem Keller blieben und nachmals, -als wir in die Gefangenschaft gerieten, sich recht gut in Reihe und -Glied stellen und paradieren konnten. Wir blieben sechs Tage in dieser -schrecklichen Lage. Endlich sprach man von Kapitulieren, da man zu lange -gezaudert hatte und der Rückzug nun abgeschnitten war. Es wurde ein -Waffenstillstand gemacht, und mein Mann, der ganz erschöpft war, konnte -in dem Hause zum erstenmal seit geraumer Zeit sich wieder einmal zu Bett -legen. Damit seine Ruhe gar nicht gestört wurde, hatte ich ihm in einer -kleinen Stube ein gutes Bett machen lassen und legte mich mit meinen -Kindern und meinen beiden Frauen in einem Saal daneben schlafen. Aber -ungefähr um 1 Uhr in der Nacht kam jemand und verlangte ihn zu sprechen. -Mit dem grössten Widerwillen sah ich mich genötigt, ihn aufzuwecken. Ich -bemerkte, dass ihm die Botschaft nicht angenehm war, dass er den Mann -sogleich nach dem Hauptquartier abfertigte und sich dann verdriesslich -wieder niederlegte. Bald darauf liess der General Burgoyne alle andern -Generale und Stabsoffiziere zu einem Kriegsrate, der gleich am frühen -Morgen abgehalten werden sollte, zusammenberufen, in welchem er auf -einen erhaltenen falschen Bericht vorschlug, die Kapitulation zu -brechen, die bereits mit dem Feinde gemacht worden. Es wurde aber -endlich entschieden, dass dieses weder thunlich noch ratsam sei; und -dieses war ein Glück für uns, denn die Amerikaner sagten uns nachher, -dass, wenn wir die Kapitulation gebrochen, wir alle massakriert worden -wären, welches sie desto leichter thun konnten, da wir nicht über 4 bis -5000 Mann stark waren und wir ihnen Zeit gelassen hatten, über 20 000 -zusammen zu bringen. - -Am 16. Oktober des Morgens musste mein Mann wieder auf seinen Posten und -ich nochmals in meinen Keller. - -An diesem Tage wurde unter die Offiziere, welche bis dahin nur gesalzen -Fleisch bekommen, das die Wunden der Blessierten sehr verschlimmerte, -viel frisches Fleisch verteilet. Die gute Frau, welche uns immer Wasser -geholt, machte eine treffliche Suppe davon. Ich hatte allen Appetit -verloren und die ganze Zeit nichts zu mir genommen als eine in Wein -getunkte Brotrinde. Die blessierten Offiziere, meine Unglücksgefährten, -schnitten das beste Stück Rindfleisch ab und präsentierten es mir mit -einem Teller Suppe. Ich sagte ihnen, ich wäre nicht vermögend etwas zu -essen; da sie aber sahen, wie nötig es für mich war, etwas Nahrung zu -mir zu nehmen, so erklärten sie, dass sie selbst nicht einen Bissen -anrühren würden, bis ich ihnen das Vergnügen gemacht hätte, davon zu -nehmen. Ich konnte ihren freundschaftlichen Bitten nicht länger -widerstehen, worauf sie mir versicherten, dass es sie sehr glücklich -mache, mir das erste Gute, was sie gehabt, anbieten zu können. - -Den 17. Oktober wurde die Kapitulation vollzogen, Die Generale verfügten -sich zum amerikanischen General en chef Gates, und die Truppen streckten -das Gewehr und ergaben sich zu Kriegsgefangenen. Nun bekam die gute -Frau, welche uns mit Gefahr ihres Lebens Wasser geholt, den Lohn ihrer -Dienste. Jeder warf ihr ganze Hände voll Geld in ihre Schürze, und sie -bekam zusammen über 20 Guineen. In solchen Augenblicken scheint das Herz -für Gefühle der Dankbarkeit empfänglich zu sein.« - - - - -Kapitel XV. - -Die Braunschweiger in Gefangenschaft. - - -Die Bedingungen, unter welchen sich Burgoynes Armee bei Saratoga ergab, -wurden niemals erfüllt. Die Soldaten wurden im Wesentlichen als -Kriegsgefangene behandelt. Dieses führte zu heftigen Klagen ihrerseits -sowohl zu jener Zeit, wie von Seiten deutscher und englischer -Geschichtsschreiber bis auf den heutigen Tag. Es wird von Bankroft -berichtet, dass bei der Übergabe die Konvention von den Briten dadurch -gebrochen worden sei, dass die Kriegskasse und anderes Staatseigentum -verheimlicht worden sei, um welches die Vereinigten Staaten auf diese -Weise betrogen wurden. Im November 1777 schrieb Burgoyne eine -unüberlegte und grundlose Klage gegen die Verletzungen durch die -Amerikaner und folgerte daraus, dass er den angeblichen Bruch benutzen -könnte, sich und seine Regierung von allen Verpflichtungen zu entbinden. -Burgoyne verweigerte auch, die notwendigen Listen aller in die Übergabe -einbegriffenen Personen herauszugeben. Der Kongress weigerte sich -daraufhin, seine Armee eher einzuschiffen als bis die Kapitulation durch -die Regierung von Grossbritannien bestätigt wäre. - -Es scheint mir, dass in der Behandlung dieser Angelegenheit der Kongress -seine Ehre und die des Landes nicht richtig wahrte. Es war richtig, dass -Gates einen schlechten Handel gemacht hatte. Aber dieser Handel war mit -Bewusstsein gemacht worden und Burgoynes Soldaten hatten dadurch, dass -sie die Waffen streckten, die wichtigsten der ihnen auferlegten -Bedingungen erfüllt. Es lag nunmehr den Amerikanern ob, auch ihrerseits -dem Vertrage nachzukommen, und schlimmstenfalls eine offenbare -Verletzung der untergeordneten Artikel der Kapitulation oder der sehr -deutliche Beweis der Absicht auf englischer Seite, das Wort zu brechen, -hätte den siegreichen Teil veranlasst haben sollen, die Erfüllung seiner -Versprechungen zurückziehen. - -Während der Kongress gesonnen war, die deutschen Gefangenen in Amerika -zu behalten, beeilte sich ihr eigener Fürst keineswegs, sie wieder nach -Europa zurückzuerlangen. Auf die Nachricht der Kapitulation von Saratoga -schrieb der Minister des Herzogs von Braunschweig an den englischen -Kommissionär, dass man den Leuten, die sich ergeben hätten, die -Rückkehr nach Deutschland verwehren sollte, damit sie nicht noch andere -von der Einreihung in die Armee abschreckten. »Schickt die -Übriggebliebenen auf eine Eurer Inseln in Amerika, steckt sie in Europa -auf einer von Euren Inseln, wie z. B. auf der Insel Wight fest.« Auf -keinen Fall durften die armen Teufel nach Hause kommen. - -Am 17. Oktober 1777 streckten General Burgoynes Soldaten die Waffen in -Saratoga. Dies durften sie ohne Beisein irgend einer amerikanischen -Truppenabteilung thun. General Riedesel hatte Befehl gegeben, dass die -Fahnen der braunschweigischen Regimenter nicht überliefert werden -sollten. Er liess die Fahnenstangen verbrennen und verbarg die -Fahnentücher, indem er den Amerikanern gegenüber vorgab, dass die -letzteren auch verbrannt wären. Er verbarg sie, bis die Gefangenen -einige Zeit in Cambridge verweilt hatten und er die Baronin in das -Geheimnis eingeweiht hatte. Frau von Riedesel nähte sie mit Hilfe eines -»recht ehrlichen Schneiders« in eine Matratze ein, und es wurde unter -irgend einem Vorwand ein Offizier durch die Linie nach New-York gesandt, -der die Matratze als Teil seines Bettes mitnahm. So wurden die -braunschweigischen Fahnen gerettet. Burgoyne hatte sein Ehrenwort -gegeben, dass die Offiziere nichts von dem königlichen Eigentum in ihrem -Privat-Gepäck mitnehmen würden. Vielleicht meinte man, dass die Fahnen -dem Herzog von Braunschweig gehörten und nicht dem König, der sie nur -gemietet hatte in Gemeinschaft mit den Verteidigern derselben. - -Nachdem die Waffen niedergelegt waren, marschierten die Braunschweiger -durch das amerikanische Lager, wo die siegreiche Armee aufgestellt war, -um sie zu empfangen. Nicht ein Regiment war richtig uniformiert, sondern -jeder Mann war in den Kleidern, die er auf dem Feld, in der Kirche oder -im Bierhaus trug. Aber sie standen da wie Soldaten, in guter Ordnung und -sehr militärisch, zur grossen Verwunderung der deutschen Offiziere. -»Die Leute standen so still, dass wir mit Erstaunen erfüllt wurden,« -schreibt einer, »nicht ein Mann machte Miene auch nur mit seinem -Nebenmanne zu sprechen. Ausserdem standen die Leute alle so aufgerichtet -im Gliede, sahen so schön und kräftig aus, dass es ein Vergnügen war sie -anzusehen, und wir alle waren verwundert über diesen schönen -Menschenschlag..... In der That, Englisch-Amerika übertrifft den -grössten Teil von Europa, was die Grösse und Schönheit seiner Männer -anlangt.« - -Nur wenige Offiziere in Gates Armee trugen Uniformen, und diese wenigen -trugen sie nach ihrer eigenen Fantasie, von irgend welchem Tuch, das -ihnen in die Hände kam. Grosse und kleine Perrücken, schwarze, weisse -und graue zierten oder verunzierten ihre Köpfe. Einige von ihnen sahen -aus, als trügen sie ein ganzes Schaf auf ihren Schultern. Diese grossen -Perrücken flössten, unserem Braunschweiger zufolge, dem gewöhnlichen -Volk grosse Ehrfurcht ein. Unter den Trägern dieser Perrücken waren -viele 50 bis 60 Jahre alt, und nunmehr zum ersten Mal in Reihe und -Glied, zwar etwas schwerfällig ihrer Erscheinung nach, aber durchaus -eifrig, ohne sich zu vernachlässigen, besonders in den Wäldern. »In -vollkommenem Ernst,« sagt der deutsche Offizier, »diese ganze Nation hat -viel natürliche Beanlagung zum Krieg und Soldatenleben.« - -Als die Truppen, die sich ergeben hatten, durch die Reihen der -Amerikaner schritten, zeigte ihnen nicht ein Mann von der siegreichen -Armee seine Missachtung oder verhöhnte sie wegen ihres Missgeschickes. -Die Deutschen bezeugen insgesamt, dass Offiziere sowohl wie Soldaten sie -mit Güte und Wohlwollen behandelten. General Gates lud alle höheren -Offiziere in sein Zelt ein und behielt die Generäle zum Mittagessen -zurück. Schuyler erwies Frau von Riedesel besondere Artigkeit. Er kam -ihr entgegen, als sie in das Lager kam, hob ihre Kinder aus dem Wagen, -küsste sie und half ihr aus dem Wagen aussteigen. Nach wenigen -ermutigenden Worten führte er sie zu General Gates, mit dem sie Burgoyne -zusammen stehen sah, der anscheinend auf ganz freundschaftlichem Fuss -mit ihm stand. Er sagte zu ihr, dass sie keine Angst haben sollte, denn -ihre Leiden hätten nun ein Ende. »Ich antwortete,« schreibt die Baronin, -»ich würde freilich Unrecht haben, noch Besorgnisse zu haben, wenn unser -Chef keine mehr hätte und ich ihn auf einem so guten Fuss mit General -Gates sähe.« - -Schuyler hatte Frau von Riedesel und ihren Kindern in seinem eigenen -Zelt ein Mittagessen auftragen lassen (»geräucherte Zunge, Beefsteak, -Kartoffeln, gute Butter und Brod«), und sie verbrachte drei Tage mit -seiner Familie in Albany, wo sie mit der grössten Freundlichkeit -behandelt wurde. Burgoyne war auch Schuylers Gast in Albany. Er machte -Entschuldigungen dem letzteren gegenüber, dass er ihm sein Haus und -seine Scheunen in Saratoga verbrannt hätte. »Das ist das Schicksal des -Krieges«, erwiderte der brave Mann, »lassen Sie uns davon nicht weiter -reden.« - -Die Gefangenen oder »Konventionisten«, wie sie sich nannten, traten nun -ihren Marsch durch Massachusetts hindurch an. Das Wetter war kalt und -die Wege schlecht. Der Marsch dauerte vom 17. Oktober bis zum 7. -November. An einigen Orten weigerten sich die Einwohner, die Gefangenen -in ihre Häuser aufzunehmen, und an andern Orten, wo es nötig war Halt zu -machen, waren nicht Häuser genug, um sie zu beherbergen. Die Einwohner -ihrerseits beklagten sich, dass die durchmarschierenden Gefangenen ihre -Gelände verbrannten, ihr Viehfutter unbrauchbar machten und Kleider und -Möbel aus ihren Häusern stahlen. Von allen Seiten strömte das Landvolk -zusammen, um die Gefangenen zu sehen und man drängte sich in die Häuser, -wo sie einquartiert waren, bis die Offiziere anfingen zu argwöhnen, -dass die Hauswirte Geld für dieses Schauspiel nähmen. - -Auf diese Weise sahen die Deutschen viel von der weiblichen -Landbevölkerung, und derselbe Offizier, der die obenerwähnte -Beschreibung der amerikanischen Soldaten verfasst hat, hat uns die -ersten Eindrücke von Neu-Englands Frauen auf ihn hinterlassen. - -»Die Frauen in allen Gegenden von Boston bis New-York sind schlank und -gerade gewachsen, wohlgenährt ohne plump zu sein. Sie haben hübsche, -kleine Füsse, gute, kräftige Hände und Arme, eine sehr weisse Haut und -eine sehr gesunde Gesichtsfarbe, sodass sie sich nicht zu malen -brauchen. Kaum eine von denen, die ich gesehen habe, hatte Pockennarben -auf dem Gesicht; denn das Impfen ist hier schon seit vielen Jahren -gebräuchlich. Ihre Zähne sind sehr weiss, ihre Lippen schön und ihre -Augen lebhaft und lachend. Obendrein haben sie natürliche und -ungezwungene Manieren, eine freie und fröhliche Miene, eine natürliche -Sicherheit im Auftreten. Sie geben viel auf Reinlichkeit und gutes -Schuhwerk. Sie ziehen sich sehr hübsch an, aber ihre Kleider müssen sehr -eng anliegen..... Sie locken ihr Haar jeden Tag, machen es von hinten zu -einem Chignon zurecht und vorn über ein Kissen von mässiger Höhe. -Gewöhnlich gehen sie barhäuptig aus, oder setzen höchstens ein kleines -herzförmiges Ding oder irgend eine derartige Kleinigkeit auf ihren Kopf. -Hier und da lässt eine Land-Nymphe ihr Haar fliegen und schmückt es mit -einem Band. Obschon die Hütte, in der sie leben, ärmlich sein mag, so -tragen sie doch einen seidenen Mantel und Handschuh, wenn sie ausgehen. -Sie wissen sich sehr hübsch in den Mantel zu hüllen, so dass ein -kleiner, weisser Ellbogen daraus hervorguckt. Dann tragen sie eine Art -gut gearbeiteten Krempenhut, unter welchem sie mit ihren schelmischen -Augen kokett hervorsehen. In den englischen Kolonien haben die Schönen -eine Vorliebe für Mäntel von roter Seide oder Wolle. In dieser Art -gekleidet, läuft, springt und tanzt das junge Mädchen umher, wünscht -Ihnen einen »Guten Morgen« oder giebt, der Frage entsprechend, eine -schnippische Antwort. So standen sie zu Dutzenden den ganzen Weg -entlang, liessen uns Revue passieren, lachten mokant über uns oder -liessen von Zeit zu Zeit eine boshafte Bemerkung fallen und händigten -uns einen Apfel ein. Wir dachten erst, dass es Mädchen aus der Stadt -wären oder wenigstens von der zweiten Klasse, aber keineswegs! Sie waren -die Töchter von armen Bauern, die man an ihrer Kleidung als arme Bauern -erkennen konnte.« - -Der Offizier fährt mit seinen sozialen Beobachtungen fort. Es scheint, -dass in ganz Amerika die Männer den Frauen völlig unterthan sind. Die -letzteren gebrauchen ihre Gewalt in Kanada zum Besten der Männer, in -New-England aber zu ihrem Ruin. Die Frauen sind extravagant. Wie sie es -fertig bekommen, den Männern so schwer zur Last zu fallen, ist unserm -guten Deutschen ein Rätsel, da er sieht, dass sie weder kratzen, noch -beissen, noch Ohnmachtsanfälle bekommen. Bei all diesem setzten sie ihre -Hoffnung auf die britische Krone. Die Frauen tragen jetzt ihren -Sonntagsstaat an den Wochentagen. Wenn es abgetragen ist, wird Friede -mit Grossbritannien gemacht sein, um dann neu mit allem versorgt zu -werden. - -Wir kommen nun zu den Negern. Diese findet man auf den meisten Farmen -westlich von Springfield. Die schwarze Familie lebt in einem kleinen -Hinterhaus. »Die Neger sind sehr fruchtbar hier, wie das übrige Vieh. -Die Jüngeren werden sehr gut gefüttert, besonders während sie noch -Kälber sind. Überdies ist die Sklaverei sehr erträglich. Der Neger wird -als der Knecht des Bauern angesehen; die Negerin thut die ganze grobe -Hausarbeit; und die schwarzen Kinder warten die weissen Kinder. Der -Neger kann für seinen Herrn zu Felde ziehen, und so sieht man nicht ein -Regiment, in welchem sich nicht eine grosse Anzahl Schwarzer befindet; -und es giebt gutgewachsene, starke und stämmige Burschen unter ihnen. Es -sind auch viele Familien freier Schwarzer hier, die gute Häuser inne -haben, Mittel besitzen und ganz nach Art der andern Bewohner leben. Es -sieht komisch genug aus, wenn Miss Negerin ihr wolliges Haar über ein -Kissen zurechtfrisiert, einen kleinen Hut mit Krempe auf den Kopf setzt, -sich in ihren Mantel hüllt und in diesem Putz die Strasse -entlanggrätschelt mit einer Negersklavin, die hinter ihr herwatschelt.« - -Baronin Riedesel machte ihre ersten Beobachtungen über die Amerikaner. -Sie erzählt, dass eines Nachts ihr Mann krank war, und dass die Wache -vor seiner Thür trank und Lärm machte. Er schickte hinaus und liess sie -bitten ruhig zu sein, worauf sie ihren Lärm noch verdoppelten. Frau von -Riedesel ging darauf hinaus, sagte ihnen, dass ihr Mann krank sei und -bat sie, sie möchten weniger Geräusch machen. Darauf waren sie sofort -ruhig, »ein Beweis«, sagt die Baronin, »das diese Nation auch Achtung -vor unserm Geschlecht hat.« Die Bürger-Offiziere waren den Deutschen ein -fortwährendes Rätsel. Keine Geschichte war ihnen zu aussergewöhnlich, um -sie zu glauben. »Ihre Generale, die uns begleiteten, waren zum Teil vom -Schuster-Handwerk und machten an den Rasttagen Stiefel für unsere -Offiziere, besserten auch wohl die Schuhe unserer Soldaten aus. Sie -setzten einen grossen Wert auf das gemünzte Geld, welches bei ihnen -selten war. Einem unserer Offiziere waren seine Stiefel ganz zerrissen. -Er sah, dass ein amerikanischer General ein gutes Paar anhatte und sagte -ihm zum Spass: »Ich gäbe ihm gern eine Guinee dafür.« Gleich stieg der -General vom Pferde, nahm die Guinee, gab seine Stiefeln, und setzte sich -mit des Offiziers zerrissenen Stiefeln wieder auf.« General von -Riedesels Gemütsstimmung zu jener Zeit war durch mangelhafte Gesundheit -und sein Missgeschick verbittert. Wir müssen dies berücksichtigen, wenn -wir sein Urteil hören, welches er über die Amerikaner fällt. Allerdings -es wird erwähnt, er habe gesagt, dass er nur einen amerikanischen -Offizier in Cambridge getroffen, vor dem er Respekt gehabt habe. Von den -Mitgliedern des General Court of Massachusetts macht er eine merkwürdige -Schilderung. »Man sieht in diesen Männern genau den National-Charakter -der Eingeborenen von Neu-England; vornehmlich zeichnen sie sich vor -andern durch die Art sich zu kleiden aus. So behaupten sie alle unter -einer überaus dicken, runden, gelblichen Stutzperrücke eine recht -ehrenhafte Magistratsmiene. Ihre Kleider sind nach der ganz alten -englischen Mode, darüber sie im Winter und Sommer einen blauen -Roquelaure mit Ärmeln tragen, den sie mit einem ledernen Riemen fest um -den Leib schnallen. Selten sieht man einen ohne Peitsche. Meistens sind -sie alle untersetzter Natur und mittelmässig gross, sodass es schwer -fällt, einen vom andern zu unterscheiden, wenn sie als Delegaten ihrer -Townships zu dem Konsul von Boston gefordert werden, oder in -Miliz-Angelegenheiten erscheinen müssen. Nicht der zehnte Teil von ihnen -kann geschriebene Schrift lesen und noch weniger können sie schreiben. -Diese Kunst ist ausser bei Leuten von der Feder nur allein bei dem -weiblichen Geschlecht anzutreffen, welches überhaupt gut erzogen wird -und daher die Herrschaft über die Männer mehr als eine andere Nation in -der Welt zu behaupten weiss. Die Neu-Engländer wollen alle Politici -sein, lieben daher die Tavernen und Grog-bowl, bei welchen sie ihre -Geschäfte abthun, und vom Morgen bis in die Nacht trinken. Sie sind im -allerhöchsten Grad neugierig, leichtgläubig und bis zur Raserei für die -Freiheit eingenommen, dabei aber auch zugleich so blind, dass ihnen das -schwere Joch der Sklaverei unter ihrem Kongress, worunter sie eigentlich -schon jetzt zu sinken anfangen, bisher noch ganz unsichtbar geblieben -ist.« - -Auf der andern Seite konnten die Amerikaner, wenn wir dem oben erwähnten -braunschweigischen Offizier glauben wollen, nicht die gesellschaftlichen -Verhältnisse ihrer Gefangenen verstehen. »Es war den Bewohnern schwer -begreiflich zu machen,« sagt er, »dass unsere Offiziere kein Gewerbe -trieben.« Sie hatten geglaubt, dass es Eigensinn von ihnen wäre, keine -andere Beschäftigung zu haben. - -Die deutschen »Konventionisten« wurden in Baracken auf dem Winter Hill -bei Cambridge, Massachusetts, untergebracht, die Engländer auf dem -benachbarten Prospekt Hill. Diese Baracken waren von den Amerikanern zu -ihrem eigenen Gebrauch während der Belagerung von Boston errichtet -worden und waren von der leichtesten Bauart. Der Wind blies durch die -Wände, der Regen sickerte durch das Dach, der Schnee lag in Haufen auf -dem Fussboden. Holz und Stroh war nur sehr knapp vorhanden, und die -Uniformen, die einen schweren Feldzug in der Wildnis hatten aushalten -müssen, hingen in Fetzen an den frierenden Soldaten herunter. Sie -schnitten die Schösse von ihren Röcken ab, um sich Flicken für die -übrigen Kleidungsstücke davon zu machen. Selbst im Hospital war es -bitter kalt. Hoffnung und Enttäuschungen erfüllten abwechselnd die Brust -der Gefangenen, je nachdem die Verhandlungen wegen ihrer Rückkehr nach -England wieder aufgenommen oder abgebrochen worden waren. Einmal während -ihres dortigen Aufenthaltes kam die Hoffnung auf Befreiung, und es -wurden von den Deutschen Vorbereitungen getroffen, die freundliche -Flotte zu begrüssen, von den Amerikanern aber, ihre Gefangenen nach -Quartieren mehr im Innern des Landes zu transportieren. Die grössten -Leiden die vielleicht die Gefangenen auszustehen gehabt hatten, -bestanden in der Eintönigkeit ihres Gefangenenlebens. Es gab nichts zu -thun, denn ein wenig Exerzieren ohne Gewehre kann schwerlich eine -Beschäftigung genannt werden. Wir erfahren aus den Journalen und -Briefen der Offiziere die Folgen dieser Unthätigkeit. Es gab -Streitigkeiten mit der amerikanischen Wacht-Besatzung. In dieser -Hinsicht verhielten sich indessen die Deutschen etwas besser als die -Engländer. Riedesels Sorgfalt, die Disziplin unter seinen Leuten -aufrecht zu erhalten, hatte man bemerkt, und die Amerikaner machten es -sich zur Gewohnheit jeden deutschen Delinquenten seinen eigenen -Offizieren zur Bestrafung zu überantworten. - -Die Lage der Soldaten, welche nicht in Burgoynes Uebergabe mit -eingeschlossen waren, die Gefangenen von Bennington und der Gefechte -nördlich Stillwater, war in mancher Hinsicht eine glücklichere. Diese -begaben sich zum grösseren Teil in den Dienst Neu-Englischer Farmer. -Vielen wurde auch erlaubt, das Lager auf dem Winter Hill zu besuchen, um -die »Konventionisten« zum desertieren zu verleiten, wie die Deutschen -sagen. Im Frühjahr als die Versuchung, hinaus aufs Land zu kommen, stark -wurde, hielt es Riedesel für weise, die Pforte etwas zu öffnen und gab -einigen Soldaten Erlaubnis auf den Farmen zu arbeiten, unter der -Bedingung einmal in der Woche ins Lager zurückzukommen. Die deutschen -Offiziere waren meist in den ungemütlichen Häusern in der Nähe des Hills -oder in den Baracken selbst einquartiert. Die Generale hatten indessen -gute Häuser in Cambridge. Niemand, ohne Ansehen des Ranges, durfte nach -Boston kommen, Baronin Riedesel ging gelegentlich dorthin. Sie sagt, -dass die Stadt sehr hübsch wäre, aber bewohnt von heissblütigen -Patrioten und voll von gemeinem Volk. Frauen wollten sogar vor ihr -ausspucken auf der Strasse. Grosses Verlangen trug die Baronin, Mrs. -Carter, die Tochter von General Schuyler, zu besuchen. Diese Dame war -sanft und gut wie ihre Eltern, aber ihr Mann, wie Frau von Riedesel -meint, böse und falsch. »Sie kamen uns oft zu besuchen und assen auch -bei uns mit den andern Generalen. Wir suchten ihnen auf alle Weise -unsere Erkenntlichkeit zu bezeigen. Sie schienen auch viel Freundschaft -für uns zu haben, und doch war es zur nämlichen Zeit, dass dieser -garstige Carter, als General Howe viele Dörfer und kleine Städte -angesteckt hatte, den Amerikanern den abscheulichen Vorschlag machte, -unseren Generalen die Köpfe abzuhauen, diese in kleine Fässer -einzusalzen und den Engländern für jedes angesteckte Dorf oder Städtchen -ein solches Fässchen zu überschicken, welcher unmenschliche Vorschlag -glücklicherweise nicht angenommen ward.« - -»Am 3. Juni 1778 gab ich einen Ball nebst Souper zur Feier des -Geburtstages meines Mannes. Ich hatte alle Generale und Offiziere dazu -eingeladen. Auch die Carters waren mit dabei. General Burgoyne liess -absagen, nachdem er uns bis 8 Uhr abends hatte warten lassen. Er -entschuldigte sich immer unter verschiedenem Vorwande zu uns zu kommen, -bis zu seiner Abreise nach England, wo er kam und mir grosse -Entschuldigungen deshalb machte, worauf ich aber nichts weiter -antwortete als, dass es mir würde leid gethan haben, wenn er sich -unseretwegen geniert hätte. - -»Man tanzte viel, und unser Koch hatte uns ein prächtiges Souper von -mehr als 80 Kouverts zubereitet. Überdem war auch noch unser Hof und -Garten erleuchtet. Da der Geburtstag des Königs von England Tages darauf -als den 4. war, so wurde beschlossen, dass man sich nicht eher trennen -wollte, bis man seine Gesundheit getrunken; welches auch mit der -herzlichsten Anhänglichkeit an seine Person und sein Interesse -ausgeführt wurde.« - -»Nie, glaube ich, ist das 'God save the King' mit mehr Enthusiasmus und -mit aufrichtigeren Gesinnungen gesungen worden. Sogar meine ältesten -beiden kleinen Töchter waren mit dabei, die man heruntergeholt hatte, um -die Illumination zu sehen. Alle Augen waren voll Thränen, und es schien, -als wenn jeder darauf stolz war, den Mut zu haben, dieses so mitten -unter den Feinden zu wagen. Sogar die Carters hatten nicht das Herz -sich auszuschliessen. Als die Gesellschaft auseinanderging, sah man das -ganze Haus umringt von Amerikanern, die, als sie so viel Leute -hineingehen und die Illumination gesehen, den Verdacht geschöpft hatten, -dass wir eine Empörung im Sinne hätten; und wenn der mindeste Lärm -entstanden wäre, hätte uns dieses können teuer zu stehen kommen.« - -»Die Amerikaner, wenn sie ihre Truppen versammeln wollen, setzen -brennende Pechfackeln auf die Anhöhen, auf welches Signal Jeder -herzueilet. Wir waren einmal Zeugen davon, als der General Howe eine -Landung zu Boston versuchen wollte, um die gefangenen Truppen zu -befreien. Man erfuhr dieses wie gewöhnlich längst voraus und steckte die -Pechtonnen an, worauf man drei oder vier Tage nacheinander eine Menge -Leute ohne Schuhe und Strümpfe und die Flinte auf dem Rücken eiligst -herzulaufen sah, wodurch bald so viele Leute zusammenkamen, dass eine -Landung zu schwer gefallen sein würde.« - -Im November 1778 mussten die Braunschweiger die Umgegend von Boston -verlassen, wo sie anfingen sich etwas heimisch zu fühlen, und zu dem -langen Marsche nach Virginien aufbrechen. Frau von Riedesel begleitete -auch hierhin ihren Gemahl; sie hatte eine bequeme englische Kutsche -gefunden, in welcher sie die Reise unternehmen konnte. An einem der -Orte, an welchem ein Rasttag gehalten wurde, traf sie mit General -Lafayette zusammen, den ihr Mann zum Essen lud. Lafayette erzählte ihr -viel von der Gnade, die der König von England für ihn gehabt, ihm alles -zu zeigen. Die Baronin fragte ihn, wie er es hätte über das Herz bringen -können, soviel Gnadenbezeugungen von dem Könige anzunehmen, da er doch -im Begriff gewesen wäre abzureisen, um gegen ihn zu fechten. Der Marquis -schien etwas beschämt zu sein und antwortete: »Es ist wahr, der Gedanke -ging mir durch die Seele, sodass, als mir eines Tages der König anbot, -mir seine Flotte zeigen zu lassen, ich erwiderte, dass ich hoffte, sie -eines Tages zu sehen, und dann heimlich wegging, um aus der Verlegenheit -zu kommen, es noch einmal ablehnen zu müssen.« - -Frau von Riedesel hatte auf der Reise Gelegenheit, die Gesinnungen der -Bewohner gegen die Gefangenen etwas zu beobachten. In einem Hause, wo -sie übernachtete, bemerkte sie eine Menge Fleisch und bat die Wirtin, -ihr etwas davon zu überlassen. »Ich habe vielerlei«, antwortete sie, »da -ist Rindfleisch, Kalbfleisch und Hammelfleisch.« Der Mund wurde ihr -schon wässrig. »Geben sie her«, sagte sie, »ich werde Sie gut bezahlen.« -Die Wirtin schlug ihr hierauf ein Schnippchen fast unter der Nase. -»Nichts sollt Ihr haben,« schrie sie, »warum seid Ihr aus Euerm Land -gekommen, um uns tot zu machen und unser Hab' und Gut aufzuzehren? Nun -seid Ihr unsere Gefangenen, so ist nun die Reihe an uns, Euch zu -quälen.« »Seht diese armen Kinder,« antwortete die Baronin, »sie kommen -fast um vor Hunger.« Die Frau blieb unerbittlich, bis Frau von Riedesels -kleines, erst zweieinhalb Jahre altes Töchterchen ihre Hand ergriff und -sagte: »Gute Frau, ich bin sehr hungrig.« Darauf nahm sie das Kind mit -in die Stube und gab ihm ein Ei. »Nein,« sagte das Kind, »ich habe noch -zwei Schwestern.« Das rührte die Frau, sie gab ihr drei Eier und bot der -Mutter Brot und Milch an. Frau von Riedesel benutzte diese Gelegenheit, -holte ihren Thee herbei, der damals etwas sehr Seltenes war und bot der -Frau davon an. Die Baronin ging darauf in die Küche, wo sie deren Mann -fand, der einen Schweineschwanz kaute. Diesen reichte er dann seiner -Frau, die auch etwas daran kaute und ihn dann zurückgab. Da die Baronin -diesem Schauspiel eifrig zusah (»mit Verwunderung und Ekel«), so reichte -er ihr auch das beinahe ganz abgenagte Stück hin, und sie konnte nicht -anders als es anzunehmen, that so, als ob sie davon ässe und -praktizierte es dann sachte in das Feuer. Nun war völliger Friede -geschlossen, und die Baronin Riedesel erhielt ihre Kartoffeln und -machte eine gute Suppe davon. - -Dies war nicht der einzige Fall, dass der Baronin und ihren Kindern die -Verpflegung vorenthalten oder ihnen wegen der Unterkunft Schwierigkeiten -gemacht wurden. Die Leute, bei denen sie wohnte, waren gewöhnlich -heissblütige Revolutionäre. Ein anderes Mal hatte sie ihr Nachtquartier -in dem Haus eines Oberst Howe, dem sie ein Kompliment zu sagen glaubte, -indem sie ihn fragte, ob er ein Verwandter des englischen Generals jenes -Namens wäre. »Gott behüte«, antwortete er, »der ist meiner nicht wert.« -»Dieser selbige Oberst hatte eine hübsche Tochter, 14 Jahre alt, aber -von böser Gemütsart,« sagt Frau von Riedesel. »Ich sass mit ihr vor -einem guten Kaminfeuer, sie sah die glühenden Kohlen an und rief aus: -»Ha, wenn ich den König von England hier hätte! Mit welchem Vergnügen -schnitt ich ihm den Leib auf, riss sein Herz heraus, zerlegte es, briete -es auf den Kohlen und verzehrte es dann.« Ich blickte sie mit Abscheu an -und sagte ihr: »Ich schäme mich fast, von einem Geschlecht zu sein, das -fähig ist, eine solche Lust zu bekommen.« - -Mitte Januar 1779 erreichten die Deutschen Charlottesville in Virginia. -Hier fanden sie keine Baracken vor und waren genötigt, sie sich selbst -zu bauen. Bald war ein Dorf entstanden, und hier und in anderen Teilen -von Virginia brachten sie den Rest ihrer Gefangenschaft zu. Für viele -dauerte sie noch bis zum Ende des Krieges. Die Soldaten legten sich -Gärten und Hühnerhöfe an. Die Offiziere kauften sich gute Reitpferde. In -einer der Niederlassungen war von den englischen Soldaten ein kleines -Theater gebaut worden, und es wurden Spottstücke aufgeführt, in welchem -die Gefangenen über ihre Gewalthaber herzogen, bis man es für nötig -hielt, der amerikanischen Miliz das Zusehen zu verbieten. General -Riedesel kehrte im Herbst 1779 auf Ehrenwort nach New-York zurück und -wurde bald darauf ausgewechselt. Seine Gesundheit hatte durch -Überanstrengung, Niedergeschlagenheit und einen leichten Sonnenstich, -der ihn in Virginia traf, stark gelitten. Nachdem er ausgewechselt -worden war, kehrte er nach Kanada zurück und blieb im Dienst des Königs -von England bis zum Ende des Krieges, aber er zog nicht wieder gegen die -Amerikaner zu Felde. - - - - -Kapitel XVI. - -Brandywine, Germantown und Redbank, September und Oktober 1777. - - -Im Sommer 1777 wandte Sir William Howe, anstatt mit Burgoyne -gemeinschaftlich zu operieren, seine ganze Aufmerksamkeit auf die -Wegnahme von Philadelphia. Er ging einige Meilen von New-Brunswick aus -vor, aber es misslang ihm, Washington zu einem entscheidenden Schlag zu -verleiten, und so zog er sich nach Amboy zurück. Sodann wiederholte Howe -seine Angriffsbewegung, indem er hoffte, dass Washington seine günstige -Stellung verlassen haben würde. Er war insofern vom Glücke begünstigt, -als die rechte Kolonne ein kleines Gefecht mit einer vorgeschobenen -Abteilung Amerikaner unter Stirling hatte, diese vertrieb und ihr 3 -Kanonen und 80 Gefangene abnahm. Hierauf kehrte die britische Armee nach -Amboy zurück und ging nach Staten-Island über. Hier wurde sie -eingeschifft, und am 23. Juli war Sandy Hook geräumt. Diese Truppenmacht -bestand aus ungefähr 18000 Mann, von denen weniger als ein viertel -Deutsche waren. Die aus 234 Segelschiffen bestehende Flotte langte am -30. Juli bei Cap May an, aber die Fregatten, die zum rekognoszieren -vorgeschickt worden waren, meldeten, dass der Delaware stark verteidigt -würde, Sir William beschloss, sich Philadelphia durch die Chesapeake -Bay zu nähern. Am 22. August erreichte die Flotte die Mündung des -Elk-Flusses, und am 25. und 26. wurden die Truppen in guter Ordnung und -ohne feindliche Gegenwehr gelandet. - -[Illustration: SCHLACHT VON BRANDYWINE. Am 11. September 1777.] - -Am 3. September hatten die Jäger, welche die Avantgarde bildeten, ein -heisses Gefecht mit der amerikanischen Arrieregarde, wobei erstere -ungefähr 20 Tote und Verwundete verloren. Zwischen 30 und 40 Amerikaner -wurden auf dem Gefechtsfelde beerdigt. Von dieser Zeit an waren die -Jäger beständig vorn, sie schliefen gewissermassen auf ihren Waffen. - -Am 11. September hatte Washingtons Armee auf dem linken Ufer des -Brandywine-Flusses Stellung genommen. Das Gros stand bei Chads Furt, -während General Sullivan auf dem rechten Flügel die Übergänge weiter -oberhalb besetzen sollte. Bei Tagesanbruch traten die Briten von Kennets -square, 7 Meilen von Chads Furt, ihren Vormarsch an. Die rechte Kolonne -unter General Knyphausen, marschierte gerade auf die amerikanische Front -los, in deren Nähe sie ungefähr 10 Uhr morgens anlangte. Hier blieb -Knyphausen den grössten Teil des Tages über stehen und unterhielt eine -Kanonade, ohne einen ernstlichen Angriff auf den Feind zu machen. - -Die zweite Kolonne unter Howe und Cornwallis machte eine weite Umgehung -nach links und fand nur geringen Widerstand, bis sie die Gabelung des -Brandywine erreicht und glücklich passiert hatte, was eine kleine -Abteilung hätte verhindern können. Die Amerikaner hatten aber diese -Stelle übersehen. Washington, der durch widersprechende Befehle -getäuscht worden war, hatte es nicht gewagt, den Fluss zu überschreiten -und Knyphausens Division anzugreifen. - -Auf die Nachricht, dass Howe den Brandywine überschritten hätte, ging -Sullivan ihm eilig entgegen. Er hatte aber keine Zeit, seine Division -ganz zu formieren. Es scheint auch, dass er bei den Anordnungen Fehler -gemacht hat. Ungefähr um 1/2 4 Uhr stiessen die hessischen Jäger, die -den äussersten linken Flügel bildeten, auf die amerikanische Avantgarde, -welche sie auf das Gros zurückdrängten. Ungefähr um diese Zeit wurde der -Kampf ein allgemeiner. Sullivans Division wurde zurückgetrieben. -Lafayette, der als Freiwilliger diente, erhielt eine Wunde ins Bein. -Washington zog Greenes Division und noch zwei andere Brigaden vor, um -Sullivans Rückzug zu decken. - -Sobald Knyphausen die Kanonen von Cornwallis donnern hörte, überschritt -er den Brandywine bei Chads Furt und griff die amerikanischen -Verschanzungen an. Diese wurden eine Zeit lang von Wayne verteidigt, -aber die Briten waren ihm schon im Rücken, so dass er spät am Nachmittag -seine Stellung verlassen und nach Chester hin abziehen musste. - -An diesem Tage waren hessische Truppen in beiden Kolonnen der britischen -Armee. Die Jäger waren bei der Avantgarde der Division Cornwallis und -hatten 40 Mann tot und verwundet. Die Kapitäns Ewald und Wreden -erhielten den hessischen Orden »pour la vertu militaire« für ihr -Verhalten bei dieser Gelegenheit. Dies war eine grosse Auszeichnung für -sie, weil sie die ersten Offiziere vom Rang eines Hauptmanns waren, die -mit diesem Orden dekoriert wurden. Der Gesamtverlust der britischen -Armee in der Schlacht am Brandywine betrug 622 und der der Amerikaner -ungefähr 1000 Mann. Unter den 10 oder 15 Kanonen, die den Amerikanern -weggenommen wurden, waren zwei, welche in Trenton mit Ralls Brigade -zusammen genommen worden waren. - -Man nahm an, dass die Amerikaner sich eiligst zurückzogen; der Herbsttag -neigte sich zu Ende. Zwei Bataillone britischer Grenadiere wurden -vorgeschickt, um ein kleines Dorf auf einem Berge jenseits Dilworth zu -besetzen. Die Bataillone gingen, ermüdet durch die Anstrengungen des -Tages und übermütig gemacht durch ihren Sieg, etwas unvorsichtig vor. -Die Offiziere hatten nicht den Säbel gezogen. Kapitän Ewald, der die -Tête der Kolonne von Cornwallis den ganzen Tag über kommandiert hatte, -hatte seine Leute ruhen lassen und war, da er selbst nichts besonderes -zu thun gehabt hatte, mit den Grenadieren zusammen vorgeritten, um das -Terrain zu rekognoszieren. Plötzlich, 50 Schritt von dem Dorfe entfernt, -wurden sie von heftigem Musketenfeuer empfangen. General Macwell hatte -sich mit der amerikanischen Arriere-Garde in das Dorf hineingeworfen, um -Washingtons Rückzug zu decken. Zu gleicher Zeit beobachtete man, dass -eine amerikanische Abteilung um den Berg herumkam, um die Engländer in -der linken Flanke zu fassen. Ewald galoppierte zurück, um -Unterstützungen heranzuziehen, und brachte zwei englische Regimenter -unter General Agnew heran, welche sofort die Amerikaner angriffen und -die Grenadiere retteten, die schon beinahe umringt waren. Die Nacht -machte dem Gefecht ein Ende. Der englische Verlust in dieser kleinen -Affaire war schwer; beinahe die Hälfte der beiden Bataillone und der -grösste Teil ihrer Offiziere fielen, laut Bericht von Ewald. - -Nachdem die britische Armee bei Head of Elk ausgeschifft war, hatte die -englische Flotte die Chesapeake Bay verlassen. Inzwischen waren 7 -englische Fregatten und 14 Transportschiffe mit Proviant von New-York im -Delaware angelangt und nach Wilmington hinaufgegangen. Zwei Tage nach -der Schlacht am Brandywine besetzte Cornwallis diesen Ort, welcher die -Basis für die Verpflegung der Armee von nun ab bildete. - -Die Engländer gingen weiter vor, ohne auf ernstlichen Widerstand zu -stossen, obschon beständig Plänkeleien stattfanden und eine Abteilung -unter General Wayne überrascht und geschlagen wurde. Am Morgen des 26. -September 1777 rückte Lord Cornwallis an der Spitze von 2 englischen und -2 hessischen Grenadier-Bataillonen in Philadelphia ein und schickte sich -an, die Stadt zur Verteidigung einzurichten. Die Haupt-Armee lagerte -bei Germantown. Die Hessen bildeten hier den linken Flügel, mit den -Jägern vorn an der Strasse nach Lancaster. - -Am 3. Oktober 1777 um Mittag erhielt Kapitain Ewald den Besuch eines -Mannes (»der keineswegs ein Tory war,« sagt er), dessen Besitztum er bei -einer früheren Gelegenheit vor der Plünderung bewahrt hatte. Beim -Weggehen sagte der Amerikaner zu ihm: »Mein Freund, seien Sie auf Ihrer -Hut diese Nacht und morgen.« Ewald verstand den Wink und berichtete -diese Bemerkung seinem Oberst, der es an das Hauptquartier -weitermeldete. Die Generale nahmen keine Notiz davon, doch wir werden -aus dem folgenden Bericht sehen, dass die Jäger auf einen Angriff -vorbereitet waren. - -Auszug aus dem »Journal«, geführt bei dem Hochlöblichen Hessischen -Feld-Jäger-Korps: »Oktober 4. Die vielen Detachements, welche der -General Howe nach Philadelphia und Jersey geschickt, um Mud Island zu -belagern und die Stadt zu besetzen, mochten den General Washington -bewogen haben, besonders da er eine Verstärkung aus Virginien erhalten, -die Königliche Armee zu attaquieren. In dieser Absicht war er aus seinem -Lager an der Skibback-Creek aufgebrochen, und gegen 2 Uhr diesen Morgen -erhielten wir die Nachricht von dessen Anmarsch. Der Oberstlieutenant -von Wurmb rückte mit dem Jäger-Korps sogleich aus, liess den Vorfall an -den General Knyphausen melden und besetzte die Brücke bei Van Doerens -Haus, so über den Visihigging (Wissahickon) führet. Wir hörten bald -darauf das Feuern am rechten Flügel und gegen 1/2-4 Uhr wurde das -Jäger-Korps von einem Korps von 4000 Mann mit 4 Sechspfündern -attaquiert. Das Korps musste auch wirklich die Brücke verlassen, setzte -sich aber auf die gegenüberliegende Höhe und defendierte solche mit dem -Büchsenfeuer gegen die wiederholten Versuche des Feindes sie zu -forcieren. Die 4 feindlichen Kanonen spielten beständig auf die Jägers, -ohne dass unsere Dreipfünder den Feind erreichen konnten. Das Feuer -wurde inzwischen allgemein und sehr heftig auf dem rechten Flügel, bis -gegen 9 Uhr der General-Lieutenant von Knyphausen sagen liess, dass der -feindliche linke Flügel geschlagen sei. Hierauf attaquierte der -Oberstlieutenant von Wurmb die Brücke aufs Neue und vertrieb den Feind -sowohl von da, als auch der gegenüberliegenden Höhe unter einem heftigen -Feuer. Da die Attaque durch ein langes Defilee geschehen musste, so -hatte man feindlicherseits Zeit, sich zu retirieren; wir fanden daher -auch nur 20 Tote -- und da die Jägers auch ohnehin schon sehr fatiguiert -und nicht unterstützt wurden, auch nur in 300 Mann bestanden, so geschah -keine weitere Verfolgung. - -»Im Centro der Armee war der Feind auf die leichte Infanterie gefallen -und hatte solche zurückgeschlagen. Der Oberstlieutenant Musgrave warf -sich aber mit dem 40. Regiment in ein steinern Haus, welches vom Feind -angegriffen wurde, und wo er sich bei aufhielt, sonst hätte er -vielleicht geschwinder und noch ehe einmal die Armee alle im Gewehr -gewesen, solche attaquieren können. So aber attaquierte die Armee ihn, -schlug ihn aus der Stadt heraus und in die Flucht. Er retirierte sich -darauf in sein voriges Lager an der Skibback-Creek mit Zurücklassung von -300 Toten, 600 blessierten und 400 Gefangenen. Der unsrige Verlust ist -gleichwohlen 400 Tote und Blessierte, unter ersteren befand sich der -General Agnew. Lord Cornwallis, welcher das Feuer zu Philadelphia gehört -hatte, setzte sogleich von da 3 Grenadier-Bataillons in Marsch. Er für -seine Person kam noch zeitig genug, um am letzten Teil der Aktion Anteil -zu nehmen, die Bataillons kamen aber zu spät.« - -Es war nunmehr für Sir William Howe von der grössten Wichtigkeit seinen -Kriegs- und Transportschiffen Eingang auf dem Delaware zwischen -Wilmington und Philadelphia zu verschaffen. Auf diese war er in grossem -Maasse angewiesen wegen seiner Lebensmittel und zu seiner Verbindung. -Der Fluss war etwa 10 Meilen unterhalb Philadelphia durch spanische -Reiter gesperrt, welche gedeckt wurden von Fort Mercer bei Redbank auf -dem New-Jersey-Ufer und von Fort Mifflin auf einer Insel in der Nähe des -gegenüberliegenden Ufers von Pennsylvanien. Zwischen den Forts waren -Hindernisse in den Kanal versenkt und diese wurden wieder von Galeeren -beschützt. Einige Boote mit Lebensmitteln waren glücklich durch alle -diese Hindernisse hindurchgeschlüpft; die freie Schiffahrt auf dem -Flusse war für die Briten sehr wesentlich. - -Oberst Karl Emil Kurt von Donop war einer der vorzüglichsten hessischen -Obersten und war persönlicher Adjutant des Landgrafen gewesen, dessen -Günstling er war. Er hatte im vorhergehenden Jahre ein selbständiges -Kommando von einiger Wichtigkeit in Bordentown gehabt und hatte nun den -Wunsch ausgedrückt wieder detachiert zu werden. Sir William Howe -willfahrte ihm. Er wurde abgesandt um Fort Mercer zu nehmen. Donop brach -auf am 21. Oktober 1777 mit drei Bataillone Grenadieren, 1 Regiment -Infanterie, 4 Kompanien Jägern und 12 berittenen Jägern, alles Hessen, 8 -Feldgeschützen, die zu den Regimentern gehörten und 2 englischen -Haubitzen. Er soll noch mehr Artillerie verlangt und daraufhin zur -Antwort erhalten haben, wenn er sich nicht getraute das Fort -anzugreifen, so würden es die Engländer nehmen. »Sagen Sie Ihrem -General,« erwiderte er dem Offizier, der diese Botschaft überbrachte, -»dass Deutsche sich nicht scheuen, dem Tod ins Auge zu schauen.« Darauf -erklärte der Oberst denen, die um ihn waren: »Entweder wird das Fort -bald Fort Donop heissen oder ich werde gefallen sein.« Er brach mit -seinem Detachement auf und brachte die Nacht in Haddonfield zu. Ungefähr -um Mittag des 22. Oktober langte er in Redbank an und ritt vor um das -Terrain zu rekognoszieren. Das Fort war ein fünfseitiges Erdwerk mit -Graben und Verhau. Es war zuerst von den Amerikanern in zu grossem -Massstabe angelegt worden, aber ein Monsieur du Plessis de Mauduit, ein -junger französischer Offizier, der von Washington dem General Christoph -Greene zur Verteidigung des Forts beigegeben war, hatte die Ausdehnung -des Werkes vermindert, sodass es in seiner veränderten Form ein etwas -unregelmässiges Fünfeck bildete. Auf drei Seiten des Forts fand der -Angreifer gedeckte Annäherung durch die Waldungen bis auf 400 Yards. Auf -der Südseite war der Delaware. Die Besatzung bestand aus 300 Mann mit 14 -Kanonen. - -Nach Ankunft vor dem Fort sandte Donop einen Adjutanten, um die -Besatzung zur Uebergabe aufzufordern. »Der König von England gebietet -seinen aufrührerischen Unterthanen die Waffen niederzulegen«, lautete -die Aufforderung »und sie werden gewarnt, dass, wenn sie solange zögern -bis es zum Kampf kommen wird, kein Pardon gegeben werden wird.« Der -Adjutant berichtete, dass er nur wenig Leute in dem Fort gesehen habe. - -Oberst von Donop stellte sein kleines Korps in Schlachtordnung auf. -Seine rechte Flanke nahm Anlehnung an den Fluss, an welchem er seine 8 -Dreipfünder und 2 Haubitzen plaziert hatte. Diese wurden von einem -Bataillon Grenadieren und von Jägern gedeckt, welche Flanke und Rücken -gegen Truppen decken sollten, welche etwa von den Schiffen im Delaware -ausgeschifft werden möchten. Die hessische Angriffslinie nahm den -grösseren Teil des ganzen Weges um das Fort herum auf der Landseite ein; -der Angriff wurde gleichzeitig von Norden und Süden gemacht. An der Tête -eines jeden Bataillons befand sich ein Offizier, der die Sappeure -kommandierte und 100 Mann mit Faschinen, die eilig in den Wäldern -gemacht worden waren. - -Ungefähr um 4 Uhr war alles bereit. Donop forderte darauf seine -Offiziere mit einigen Worten auf, sich tapfer zu verhalten. Sie stiegen -alle ab und zogen ihre Säbel, nahmen ihre Plätze in der Front ihrer -Bataillone ein, und der Angriff begann. Die Hessen gingen im Laufschritt -vor, überstiegen die alten nicht mehr gebrauchten Linien mit ihrem -Schlachtruf, erreichen den Verhau, wurden aber durch Wolfsgruben und -einen Graben überrascht, zu dessen Füllung sie nicht genug Faschinen -hatten. Drei amerikanische Galeeren, die im Flusse lagen, unterhielten -ein lebhaftes Feuer auf die hessische rechte Flanke. Einige der Hessen -erklommen den Wall des Hauptforts. Sie wurden sofort zurückgeworfen. -Donop wurde, von einer Musketenkugel in die Hüfte getroffen, tötlich -verwundet. 22 Offiziere waren tot oder verwundet, darunter die -Kommandeure sämtlicher Bataillone. Die Hessen machten Kehrt und zogen -sich zurück, indem sie viele Verwundete liegen liessen. Oberstlieutenant -von Linsingen sammelte die Trümmer der Brigade und brachte sie am -nächsten Tage unbelästigt nach Philadelphia. Zwei englische Schiffe, -welche versucht hatten, sich an dem Kampfe zu beteiligen, waren auf den -Grund gelaufen. Eins davon flog am nächsten Tag durch das Feuer der -amerikanischen Galeren und schwimmenden Batterien in die Luft; das -andere war in Brand gesteckt und verlassen worden. - -Die Hessen waren zurückgegangen, die Nacht war hereingebrochen, und ein -Teil der Besatzung kam aus dem Fort heraus, um den Verhau -wiederherzustellen und für die Verwundeten zu sorgen. Mehrere hessische -Grenadiere wurden dicht hinter der Brustwehr vorgefunden, wohin sie sich -verkrochen hatten und wo die Kugeln über ihre Köpfe hinweggingen. Die -armen Kerls konnten ohne Unterstützung nichts machen und fürchteten -sich, wegzulaufen. Sie wurden in das Fort aufgenommen. Unter denen, die -heraus kamen, um den Verhau wieder in Stand zu setzen, war auch Kapitain -du Plessis. Diesen rief Donop mit den Worten an: »Wer Du auch sein -magst, trage mich von hier weg.« Du Plessis liess den Oberst in das -Fort tragen. Als er hineingebracht wurde, riefen einige Soldaten laut, -die entweder nicht wussten, dass seine Wunde tötlich war, oder noch -aufgeregt von der Schlacht und eingedenk der Drohungen, mit denen sie -noch vor wenigen Stunden begrüsst worden waren: »Wohlan, ist es -ausgemacht, dass kein Quartier gegeben werden soll?« »Ich bin in Eurer -Hand,« antwortete der Oberst, »Ihr könnt Euch rächen.« Du Plessis hatte -keine Schwierigkeit, die Soldaten zu beschwichtigen, und schenkte dann -seine ganze Aufmerksamkeit dem verwundeten Manne. »Mein Herr,« sagte der -Letztere, »Sie scheinen ein Fremder zu sein; wer sind Sie?« »Ein -französischer Offizier,« antwortete du Plessis. »Dann bin ich -zufrieden,« sagte Donop auf Französisch, »ich sterbe in den Armen der -Ehre.« - -Der hessische Oberst lebte noch drei Tage nach dem Angriff und -unterhielt sich viel mit du Plessis. Er bat den Letzteren, ihm zu sagen, -wenn der Tod nahe sein würde. Du Plessis willfahrte seiner Bitte. »Das -ist ein frühes Ende für eine schöne Laufbahn,« sagte Donop, »aber ich -sterbe als das Opfer meines Ehrgeizes und der Habsucht meines -Monarchen.«[4] - - [4] Eelking bestreitet die Richtigkeit des letzten Teils der Worte des - sterbenden Donop. - -Die Zahl der bei Redbank gefallenen, verwundeten und gefangen genommenen -Hessen betrug 379, einschliesslich 22 Offiziere. Die Amerikaner hatten -37 Tote und Verwundete. - -Diese brillante Verteidigung gewährte jedoch nicht andauernd dem Sieger -die Gewalt über den Fluss. Am 9. November eröffneten die britischen -Batterien das Feuer auf Fort Mifflin. Das Bombardement dauerte 6 Tage -und Nächte. Mehr als 12000 Schüsse sollen dabei gefallen sein. Am 15. -kam auch noch die englische Flotte, um sich an dem Kampf zu beteiligen. -Ein Kriegsschiff mit 16 Vierundzwanzig-Pfündern und ein grosser Indiaman -mit 3 Kanonen von demselben Kaliber wurden so nahe an das Fort -herangebracht, dass man von ihrem Takelwerk Handgranaten -hineinschleudern konnte. 5 grosse Schiffe hatten auf der andern Seite -Aufstellung genommen. Die Landbatterien hatten 30 Geschütze. Die -Blockhäuser des Forts, die gute Dienste geleistet hatten, waren in -Stücke zerschossen worden. Eine Menge Kanonen waren zum Schweigen -gebracht. In der Nacht vom 15. zog sich die Besatzung nach Fort Mercer -zurück. Cornwallis wurde abgesandt, um es einzuschliessen, so dass -Washington nicht im Stande war, es zu verstärken. Das Fort wurde am 20. -November verlassen, die Baracken angezündet und die Magazine in die Luft -gesprengt. Die amerikanischen Schiffe auf dem Flusse wurden ebenfalls -verbrannt. Cornwallis vervollständigte die Zerstörung des Forts, dessen -Wälle rasiert wurden. - - - - -Kapitel XVII. - -Der Rückzug der Briten durch New-Jersey, Januar bis Juli 1778. - - -Philadelphia scheint den Hessen nicht recht gefallen zu haben. -Wiederhold nennt, nachdem er aus der Gefangenschaft zurückgekehrt ist -und nach seinem gefühlvollen Abschied in Fredericksburg, die -Quäker-Stadt »einen Sammelplatz aller Religionen und Nationen, folglich -ein Mischmasch aller Sekten und Glaubensgenossen, nicht weniger ein -confluens canaillorum«, und glaubt, »dass es den Städten Sodom und -Gomorrah in Ansehung aller Laster nichts nachgiebt«. - -Ein anderer Offizier beklagt sich über das Klima und sagt, dass die -Wälder und Moräste das Land ungesund machen. Diesem Beobachter zufolge -erreichen die Pflanzen und Tiere in Pennsylvanien nicht ihre eigentliche -Grösse, und die Menschen sind krank und neigen zu Geisteskrankheiten, -»eine Verrückung der Sinne, die vom gepressten, nicht vom kochenden -Blut herrührt ... Von 100 Leuten hat nicht einer eine gesunde -Gesichtsfarbe.« Es ist wahrscheinlich, dass die Schwierigkeit, in der -halbblockierten Stadt frische Lebensmittel zu bekommen, nicht ohne -Einfluss auf dieses Urteil gewesen ist. - -Philadelphia hat seit 1778 sein Aussehen wahrscheinlich weniger -verändert als irgend eine andere grosse Stadt der Nord-Staaten. Der -hessische Offizier lobt die geraden Strassen, die Seitenwege mit breiten -Steinen, die Dachrinnen und Dächer. Er lacht über die Einfalt der -Kaufleute, die anzeigen »Tabak, so gut als der bestimportierte«, und -stellt die Künste und Industrie als noch sehr in der Kindheit begriffen -hin. Keinerlei Arbeit in Elfenbein, Stahl, Stuck, Knochen, Stickerei -oder Seide wird gefertigt. »Die Engländer schicken ihnen alles dies, und -alles, was sie schicken, ist willkommen. Und obendrein ist der -Amerikaner und besonders der Philadelphier so eingebildet, zu glauben, -kein Land auf der Erde wäre schöner, glücklicher, reicher oder blühender -als ihr kaum knospender Staat.« Dies ist jedoch nicht die Ansicht des -Briefschreibers. »Wollte mir der achtbare Graf Pen das ganze Land gegen -mein Patent abtreten,« sagt er, »mit der Bedingung, dass ich zeitlebens -hier wohnen sollte: kaum thäte ich es.« - -Anfang Dezember rückte Sir William Howe von Philadelphia ab, um einen -Entscheidungskampf herbeizuführen. Die Armeen standen sich drei Tage -lang in der Nähe von Chestnut-Hill, ungefähr 11 Meilen von der Stadt, -gegenüber. Ihre Märsche, Contremärsche und Plänkeleien deuteten auf -Vorbereitungen zur Schlacht hin; als aber der englische General merkte, -dass Washingtons Stellung zu stark war, um sie anzugreifen, zog er sich -stille wieder nach Philadelphia zurück. - -Zwei Fouragierungen wurden im Laufe dieses Monats unternommen, zu dessen -Ende die britische Armee Winterquartiere bezog. 11 Redouten wurden -zwischen dem Delaware und Schuylkill gebaut; deren Linie lief die -Morris-Höhen entlang; jede war von einem Kapitän und 50 Mann besetzt, -die alle 24 Stunden abgelöst wurden. Die Picketlinie wurde am Schuylkill -den Provinzialen, am Delaware den hessischen Jägern anvertraut; letztere -waren bei Holland Ferry und Greenwich Point postiert. - -Während Washingtons Armee bei Valley Forge beinahe an allem, was zum -Leben notwendig ist, Mangel litt, hatten die Briten in Philadelphia -alles, was sie wollten, und verbrachten den Winter in Ruhe, Gesundheit -und Fröhlichkeit. Sie lagen dort nicht sehr eng; viele Häuser der -abwesenden Rebellen wurden zu Barracken benutzt. Ein Teil der Soldaten -fand bei den Einwohnern, die in der Stadt verblieben waren, Quartier. -Der Dienst war leicht. Sir William Howe, der bereits um seine Abberufung -gebeten hatte, war froh und wohlgemut. Die Stadt schien nicht sehr voll -von Soldaten zu sein. Den Amerikanern gelang es nur insoweit, ihnen die -Zufuhr abzuschneiden, als durch sie dieselbe sehr verteuert wurde. - -Am 18. Mai 1778 wurde für Sir William Howe eine Abschiedsfeier -veranstaltet, und am 19. und 20. machte dieser General einen -vergeblichen Versuch, ein Korps von 2500 Mann unter General Lafayette, -der sich in die Nähe von Philadelphia gewagt hatte, gefangen zu nehmen. -Am 24. übergab Howe das Kommando an Sir Henry Clinton. Bevor er Amerika -verliess, sandte er schmeichelhafte Schreiben an die Kapitäns Ewald und -Wreden von den Jägern. - -Inzwischen war in Philadelphia das Gerücht laut geworden, dass der König -von Frankreich einen Vertrag mit den rebellischen Kolonien abgeschlossen -hätte, und dass bald eine französische Flotte den Eingang zur Delaware -Bay bedrohen und die Verbindung zu Wasser mit New-York abschneiden -könnte. Mit andern Worten, wie die guten Deutschen es sich auslegten: -»eine starke französische Flotte mit vielen Tausend Landtruppen und -Kavallerie war von Brest ausgelaufen und nach Amerika unterwegs, unter -dem Vorwand, Bundesgenossen des Kongress zu sein, in Wirklichkeit aber -mit der Absicht, auf diesem Kontinent festen Fuss zu fassen.« - -Es war das Nahen der französischen Flotte, und gleichzeitig waren es die -aus England erhaltenen Befehle, welche Sir Henry Clinton veranlassten, -Philadelphia aufzugeben und sich nach New-York zurückzuziehen. Ein Teil -der Baggage der Armee wurde an Bord der englischen Schiffe gebracht, und -ungefähr 3000 Tory-Einwohner bereiteten sich vor, ihren Beschützern zu -folgen und ihr Heimatland zu verlassen. Die Strassen, welche wie die -einer deutschen Stadt in glücklicher Zeit ausgesehen hatten, waren nun -verlassen. Vor vielen Häusern standen Haufen von Möbeln, um versteigert -zu werden. Die Einwohner gingen mit traurigen Gesichtern einher, manche -aber frohlockten im Stillen. - -Im Laufe des November waren die anspachischen Regimenter von New-York -nach Philadelphia gebracht worden. Sie wurden nun wieder zu Schiff nach -New-York befördert, anstatt an dem Marsch durch New-Jersey teilzunehmen. -Unter den Amerikanern ging das Gerücht, dass der britische Befehlshaber -sich auf diese beiden Regimenter nicht hätte verlassen können. Die -Deutschen meinten, dass sie ihre Unfähigkeit im Marschieren bewiesen -hätten. Es waren die Regimenter, die bei Ochsenfurt gemeutert hatten. - -Vom 14. bis 18. Juni 1778 dauerte die Räumung Philadelphias seitens der -Engländer und Hessen. Trotzdem, dass viel Baggage zur See befördert -worden war, zählte der Train doch noch 1500 Wagen. Die Schiffe auf den -Werften und Stapeln wurden verbrannt. Die Amerikaner störten weder diese -Vorbereitungen, noch bedrängten sie die abziehenden Truppen ernstlich. -Am 18. Juni begann der Abmarsch der Armee. Der Weg führte über -Haddonfield, Mount Holly, Monmouth Court House und die Neversink Hills -nach Sandy Hook. Amerikanische Streifparteien zerstörten die Brücken vor -der Front der Briten und belästigten Flanken und Rücken der Armee. Die -Hitze war schrecklich; viele Leute starben am Sonnenstich. Die -New-Jersey-Moskitos thaten ihre Arbeit derartig, dass die Gesichter der -Soldaten bis zur Unkenntlichkeit angeschwollen waren. Bis zum 25. Juni -war beinahe ein Drittel der Hessen infolge der Hitze marschunfähig an -den Strassenrändern liegen geblieben. Es kamen auch viele Desertionen -vor. - -Es ist merkwürdig, dass es angesichts dieser Schwierigkeiten den -Amerikanern nicht gelang, den Rückzug erheblich mehr zu erschweren. -Viele von Washingtons Unterführern hielten es für unangebracht, den -zurückgehenden Feind anzugreifen. Diese Ansicht war hauptsächlich durch -Charles Lee vertreten, der als ältester General-Major wohl im Stande -war, die Ausführung von Washingtons Plänen beträchtlich zu verhindern. -Das Gefecht von Monmouth Court House war für keinen der beiden Teile ein -wirklicher Sieg. Die Amerikaner wurden durch Clintons Arrieregarde -zurückgedrängt und infolge Lees Unfähigkeit und Unthätigkeit beinahe in -die Flucht geschlagen. Es ist Thatsache, dass Washington seine Leute zum -Stehen brachte und einen Angriff abschlug, aber der eigentliche Zweck -dieses Tages wurde nicht erreicht. Clinton setzte seinen Marsch mit dem -Verlust von kaum einem Wagen fort. In der ersten Woche des Juli -erreichte die britische Armee Sandy Hook, von wo sie zu Wasser nach -New-York übergeführt wurde. - - - - -Kapitel XVIII. - -Newport, vom November 1776 bis Oktober 1779. - - -Im November 1776, als die Unterwerfung des Landes in vollem Gange war, -detachierte Sir William Howe ungefähr 7000 Mann, von denen etwa die -Hälfte Hessen waren, zur Besetzung von Newport. Dieses Korps landete -ohne Gegenwehr und verbrachte drei Jahre in Rhode Island, davon den -grössten Teil in Unthätigkeit. Nur die letzten Jahre machte sich der -Mangel an Mehl und Holz fühlbar. Unzweifelhaft konnten die Leute -irgendwo anders besser verwendet werden. Mit 6000 oder selbst mit 4000 -Mann mehr unter seinem Kommando hätte Clinton wohl erfolgreicher und -wirksamer auftreten können, als er zum Beistand Burgoynes vorging. Es -lässt sich aber annehmen, dass, nachdem Sir William Howe Newport in -Besitz genommen und keinen bessern Gebrauch mit diesen Truppen zu machen -wusste, er wohl fürchtete, an Prestige zu verlieren, wenn er die Stadt -wieder aufgeben würde. Im Sommer 1777, vor Eröffnung der Campagne, nahm -er einige Regimenter aus der Besatzung heraus. - -Im Ganzen glaube ich nicht, dass der Dienst in Rhode Island für die -Soldaten sehr beschwerlich gewesen ist. Wenn auch das Mehl knapp war, so -war doch Fleisch in Menge vorhanden. Die Bewohner waren zuerst sehr -scheu und schlossen ihre Familien ganz ab. Auf Shelter Island lief das -Landvolk bei Annäherung der fremden Eindringlinge weg. Sie glaubten, -sagt einer, dass die Hessen kleine Kinder aufässen. »Aber mit der Zeit,« -schreibt ein Offizier, »wurden sie vertrauter mit uns, lernten unser -gebrochenes Englisch verstehen, zeigten uns ihre Familien und liessen -ihre Furcht vor uns verschwinden.« - -Nachdem man auf guten Fuss mit einander gekommen war, genoss man die -grösste Behaglichkeit in den gastfreien Häusern von Newport. Die -Einwohner bewirteten ganz nach englischer Sitte. Alle Gerichte wurden -auf einmal auf dem Tische aufgetragen. Jeder Gast ass und trank nach -Belieben, ohne dass er genötigt wurde. Suppe gab es selten, aber es -standen immer vier oder fünf Sorten Gemüse auf dem Tisch, und -Kartoffeln gab es zu jedem Gericht. Die Liste der Getränke, welche das -vor mir liegende Journal enthält, führt auf: Punsch, Cider, starkes -Bier, Porter, Grog, Madeira, Portwein, Claret, Sherry, Toddy, Sangaree -und Syllabub. Man trank sich während des Mahles einander zu, und -richtige Toaste wurden ausgebracht, nachdem das Tischtuch weggenommen -war. Die Toaste gingen rechts herum, die Flasche zur Linken. - -Sir Henry Clinton war der erste Befehlshaber dieses Korps, Lord Percy -war sein Nachfolger. Letzterer legte das Kommando im Mai 1777 nieder, um -nach England zurückzukehren. Die Hoffnungen, die ihn nach Amerika -geführt hatten, waren getäuscht worden, denn man erzählte sich, dass er -beim Verlassen der Heimat geschworen hätte, nicht ohne den Olivenzweig -des Friedens zurückkehren zu wollen. Er war beliebt in Newport, und die -Einwohner sandten ihm eine Ergebenheits-Adresse bei seiner Abreise, -indem sie ihm eine glückliche und angenehme Reise und eine lang -andauernde gute Gesundheit wünschten. »Euer Excellenz erhabener Rang und -Charakter,« fügten sie hinzu, »lassen es unnötig erscheinen, Ihnen -irgend eine andere Segnung des Lebens zu wünschen.« Als Antwort -versicherte ihnen seine Lordschaft, dass es die Pflicht und der Wille -eines jeden britischen und hessischen Soldaten gewesen wäre, alle -unschuldigen und friedlichen Einwohner zu beschützen. - -Die Bewohner von Newport waren mit General-Major Prescott, Lord Percys -Nachfolger, weniger zufrieden. Sie hatten aber nicht lange unter ihm zu -leiden. Der General hatte sich als Hauptquartier ein einsames Haus -ungefähr 4 Meilen von Newport und eine Meile von der nächst gelegenen -Truppe ausersehen. Betreffs seiner Sicherheit war er nur auf eine kleine -Wache und ein Schiff angewiesen, welches nicht weit von dem Hause vor -Anker lag. In der Nacht des 10. Juli 1777, ungefähr um Mitternacht, -landete eine Abteilung Amerikaner unter Oberst Barton auf zwei -Walfischbooten beim Redwood Creek, schlich sich über die Felder an -Prescotts Hauptquartier heran, überwältigte die Wache, brach in das Haus -ein, zog den General und seinen Adjutanten aus ihren Betten heraus und -schleppte sie mit sich, ohne ihnen selbst Zeit zu lassen sich -anzuziehen. Die Boote liefen glücklich Spiessruthen zwischen den -britischen Schiffen und beförderten die Gefangenen nach Providence. - -Das Kommando ging nun an Majorgeneral Pigot über, und die Dinge nahmen -ihren alten Lauf. Beständig wurden Streifzüge nach den benachbarten -Inseln und auch auf dem Festland unternommen, um Lebensmittel oder Holz -zu holen. Ende Juli wurde wegen Mangel an Nahrung in Newport ein -Transport Frauen und Kinder nach Providence gesandt. Es ist aber nicht -anzunehmen, dass die Soldaten ernstlich Not gelitten haben. Im Ganzen -verlief das Jahr 1777 und die erste Hälfte von 1778 ruhig, obwohl die -Amerikaner manchmal thaten, als ob sie die Insel angreifen wollten. -Inzwischen hatte Burgoyne Ticonderoga genommen, war auf Albany -vorgegangen und hatte sich bei Saratoga übergeben. Howe hatte -Philadelphia eingenommen, Clinton es wieder verlassen; der König von -Frankreich hatte den Krieg erklärt, und Stunden der Angst waren für die -kleine Armee in Newport im Anzug. - -Am 15. Juli 1778 kam General Prescott, der ausgewechselt worden war, von -New-York mit Verstärkungen. Unter diesen waren die beiden anspachischen -Regimenter. Er verkündigte, dass die französische Flotte auf dem Wege -nach Amerika wäre, und am 29. erschien auch diese Flotte vor Newport. -Sie wurde von Graf d'Estaing befehligt und bestand aus 5 Schiffen mit 74 -Geschützen, 6 mit 64 und 3 mit 26 Geschützen. Um 11 Uhr morgens lagen -diese Schiffe vor dem Hafen vor Anker. Die Insel Connanicut wurde -alsbald von den Deutschen geräumt und von den Franzosen besetzt, die -dort einige Vorräte, welche man nicht Zeit genug hatte mitzunehmen, in -Besitz nahmen. Die englischen und hessischen Soldaten erwarteten eine -sofortige Landung des Feindes auf Rhode Island. Die Stadt war in der -grössten Verwirrung und die Tories in Verzweiflung. - -Der französische Admiral indessen nutzte seinen Vorteil nicht alsogleich -aus. Es dauerte bis zum 8. August, bis er sich den Eintritt in den Hafen -erzwang, wozu er die Batterien von Brentons Neck, Kings Fort, Goat -Island und North Point zu passieren hatte. Die Kanonade dauerte 1-1/2 -Stunden, und das Ende davon war, dass die Flotte bei Connanicut vor -Anker ging. Nicht ein Mann in der Stadt war verwundet worden, aber die -Schiffe hatten starken Schaden gelitten. - -Die Regimenter, welche ausserhalb Newport gestanden hatten, wurden -nunmehr herangeholt. General Sullivan war mit einer Rebellen-Armee auf -Rhode Island gelandet. Die britischen und deutschen Soldaten standen -wie die Schafe in dichtem Gedränge in der Stadt. Sie waren ganz -erschöpft von den unausgesetzten Strapazen, denn seit dem Erscheinen -der französischen Flotte war jeder brauchbare Mann bei den -Verschanzungs-Arbeiten thätig gewesen. 4 Fregatten und 2 kleinere -Schiffe waren verbrannt und 1 Fregatte, sowie ein anderes Schiff im -Meere versenkt worden, um sie nicht in die Hände des Feindes fallen zu -lassen. In Newport herrschte grosse Besorgnis, aber am 9. August kam -Hilfe. Eine englische Flotte von 36 Segeln unter Lord Howe erschien vor -Point Judith. Graf d'Estaing lichtete am nächsten Morgen die Anker, um -ihm entgegenzugehen, wobei er sich einer scharfen Kanonade von Seiten -der Strand-Batterien aussetzte. Die englische Flotte wich zurück, -gefolgt von der französischen. Der 10. war ein Tag der Ungewissheit. Am -11. erhob sich ein heftiger Sturm, welcher beide Flotten zerstreute. - -Die französische war es, welche am ersten wieder in Sicht kam. »Nun war -alle unsere Hoffnung vergebens,« schreibt der hessische -Quartiermeister, »wir sahen uns schon in Gedanken, weil unsere Macht -gegen ein so starkes Korps von der Land- und Seeseite zu schwach war, in -den Händen unserer Feinde.« Plötzlich, zur Freude und Überraschung der -Besatzung, segelte die Flotte fort. - -Noch eine Woche länger blieb Sullivan vor den Verschanzungen von -Newport, während seine Miliz-Armee immer mehr zusammenschmolz. Am Abend -des 28. zog er sich nach dem Nordende der Insel zurück; die Engländer -folgten ihm am 29. morgens. Die Amerikaner machten jedoch Kehrt, -versetzten ihren Verfolgern noch einen Schlag und verliessen, ohne -weiter belästigt zu werden, die Insel. Diese Unternehmung war sehr -fehlerhaft geleitet worden. Die Verluste in der Affaire vom 29. betrugen -auf jeder Seite zwischen 200 und 300 Mann; hierunter waren 128 Deutsche. -Es war gut für die Amerikaner, dass sie sich davon machten, denn am 1. -September langte Sir Henry Clinton mit einer Flotte und Verstärkungen im -Hafen von Newport an. - -Noch länger als ein Jahr verblieben die Briten und Deutschen zwecklos -und unthätig auf Rhode Island. Schliesslich im Oktober 1779 wurde wieder -eine Flotte auf hoher See sichtbar, aber als sie den Sund entlang -segelte, wurde sie als freundlich erkannt. Es ergab sich, dass sie aus -Transportschiffen bestand, welche die Besatzung mitnehmen sollte. Sofort -wurde die Baggage an Bord der Schiffe gebracht, der Vorrat an -Brennmaterialien aber im Stich gelassen. Das traurige Schauspiel, -Tory-Familien aus ihrer Heimat fliehen zu sehen, wiederholte sich hier. -Es waren mehr da, welche mitgenommen werden wollten, als man in die -Schiffe aufnehmen konnte; manche wurden daher gezwungen da zu bleiben -und sich der Rache ihrer Nachbarn auszusetzen. - -Herzliche Beziehungen waren im Laufe der drei Jahre zwischen den Hessen -und Bewohnern von Newport entstanden. General Prescott fürchtete, dass -einzelne Soldaten Lust hätten, da zu bleiben, und gab den Befehl, dass -an dem Tage, an welchem die Truppen eingeschifft würden, alle Häuser -geschlossen werden, und sich niemand, besonders keine Frauen, an den -Fenstern zeigen sollten. Mit klingendem Spiel und fliegenden Fahnen -marschierten die Regimenter durch die entleerten Strassen und besetzten -dann die Boote, welche sie nach den Schiffen befördern sollten. Die -feindliche Besetzung von Rhode Island war beendet. - - - - -Kapitel XIX. - -Die Umgegend von New-York 1777 bis 1779. - - -Die Geschichte des Revolutionskrieges ist hauptsächlich die Geschichte -einer Reihe von wichtigen Unternehmungen, welche mit wechselndem Erfolg -gegen verschiedene Teile von Nordamerika geführt wurden. Die kämpfenden -Armeen erschienen, fochten und verschwanden wieder. Nur die Stadt -New-York blieb vom Sommer 1776 bis zum Herbst 1783 von britischen -Truppen besetzt. Auf dem Land, bis auf einen kleinen Tagemarsch von -Manhattan Island aus, kehrten die Feindseligkeiten immer wieder. Zu -keiner Zeit während der ersten fünf Jahre konnten sich die Bewohner der -Dörfer von Central-New-Jersey oder Südwest-Connecticut sicher fühlen. -Die Forts am Hudson wurden genommen und wiedergenommen. - -Es mag nicht uninteressant sein, an dieser Stelle eine Beschreibung von -New-York einzuflechten, wie es mit hessischen Augen während der -britischen Besetzung angesehen wurde. Der folgende Auszug ist einem -Briefe entnommen, welchen ein Offizier schrieb, der im Sommer 1777 mit -Verstärkungen herüber gekommen war und dessen erste Eindrücke folgende -sind: - -»Nur um Dir einen Begriff von Amerika, oder vielmehr dem kleinen -Teilchen von Amerika, so wir jetzo noch inne haben, zu machen: so kann -ich nicht unterlassen zu rühmen, dass es ein recht schönes, angenehmes -und ebenes Land, und New-York, obgleich der Teil nach der See zu -abgebrannt ist, eine der schönsten und pläsantesten Seestädte ist, so -ich noch gesehen habe. Denn die Häuser sind nicht nur alle englischer -Façon, regulär und schön gebaut, mithin den wahrsten Palästen ähnlich; -sondern sie sind auch alle tapeziert und aufs kostbarste ausmöbliert. Es -ist deswegen Schade, dass dieses Land, welches auch sehr fruchtbar ist, -von solchen b--schen Menschen bewohnt wird, die vor Wollust und -Üppigkeit nicht gewusst, was sie haben anfangen wollen, und daher auch -nichts anderem als ihrem Hochmut ihren Fall zu danken haben. Jeder, der -bei uns ihre Partei nimmt und glaubt, sie hätten eine begründete Ursache -zur Rebellion, sollte nur einmal zur Strafe eine zeitlang unter ihnen -sein und dabei die hiesige Verfassung kennen (denn der schlechteste Mann -hier kann, wenn er nur etwas thun will, leben wie der reichste bei uns) -der würde gewiss bald aus einem andern Tone sprechen und mit mir -einsehen, dass nicht die Not, wohl aber Frevel und Wollust die Ursache -der ganzen Rebellion sei. Denn obgleich die meisten von verlaufenem -Lumpengesindel, das von anderen Orten vertrieben worden, abstammen, so -sind sie doch so hoffärtig hier und treiben aller Orten, zumalen aber in -New-York einen solchen Staat, als wohl nirgend in der Welt getrieben -wird. Z. B. so gehen die Weibsleute hier, so fast alle sehr schön sind, -es seien, Schusters-, Schneiders- oder Tagelöhners-Frauen (deren -letztere jedoch sehr wenig hier sind, weil fast jeder Mensch einige -Neger als Sklaven zu seiner Bedienung hat) täglich in zitzenen, -nesseltuchenen und seidenen Schlendern. Welcher Staat denn, da sie das -viele Geld von den Truppen lösen, indem sie nicht ein Salzkorn umsonst -zu geben brauchen, täglich zunimmt. Wobei dann nichts ärgerlicher ist, -als dass diesem Volke, welches im Grunde noch lauter Rebellen sind, von -den Soldaten auf expressen Befehl des Königs nicht nur auf das Artigste -muss begegnet werden, sondern auch, wie schon gedacht worden, nicht ein -Salzkorn umsonst abgefordert werden darf. Es müssten daher auch die -armen Soldaten Hungers sterben, wenn ihnen nicht täglich für 3 Pences -die Schiffskost geliefert würde, welche täglich aus 1 Pfund Zwieback, -eingesalzenem aber fast ungeniessbarem Schweinefleisch, einigen muffigen -Erbsen, etwas Hafermehl und etwas Rum besteht, welches sie dann, -obgleich sehr viele davon ungesund werden, erhalten muss.« - -Bei den Scharmützeln und kleineren Unternehmungen um New-York herum -waren die Hessen im Allgemeinen beteiligt und es mag der Mühe wert sein, -einen Blick auf einige dieser Ereignisse zu werfen, bevor wir uns zu den -wichtigeren Operationen in den Süd-Staaten wenden, durch welche das -Schicksal des Landes schliesslich entschieden wurde. - -Im zweiten Teil des August 1778 wurde das Jäger-Korps auf den Spyt den -Duyvels Hills, bei Courtland's Plantation postirt. In der Frühe des 31. -August wurde ein Kapitän mit 150 Jägern, von denen 15 beritten waren, zu -einer Rekognoszierung gegen Phillips House vorgeschickt. Sie hatten kaum -eine halbe Stunde Weg zurückgelegt, als sie von einer Abteilung -Amerikaner und Indianer unter dem Chevalier Armand, welcher sich in -einer Schlucht rechts von der Strasse in Hinterhalt gelegt hatte, -überrascht wurden. 16 Jäger wurden getötet, verwundet oder gefangen, die -Übrigen entkamen. Oberst von Wurmb, welcher das Jäger-Korps -kommandierte, eilte zur Unterstützung des Detachements, sobald er das -Feuern hörte, herbei, aber Chevalier Armand zog sich mit seinen -Gefangenen zurück und überschritt den Phillips Manor bei East Chester, -wo die Oberstlieutenants Cathcart, Simcoe und Emmerich mit ihren -leichten Truppen standen. - -Die Oberstlieutenants erfuhren, dass Armand im Anrücken sei und -bereiteten sofort einen Hinterhalt vor. Simcoe und Cathcart auf dem -rechten und linken Flügel, zogen ihre Infanterie in die Wälder zurück -und stellten sich so auf, dass sie das Defilee beherrschten, welches die -Amerikaner und Indianer passieren mussten. Emmerichs Infanterie hatte -Aufstellung genommen, um den Angriff zu erwarten, mit dem Befehl, sich -vor dem Feinde zurückzuziehen. Emmerich hatte sich mit der Kavallerie -hinter einem Hügel aufgestellt, um sich auf den angreifenden Feind zu -werfen, sobald er in die Falle gegangen wäre. Kapitän Ewald war mit zwei -Kompagnien Jäger von Oberstlieutenant von Wurmb zur Unterstützung von -Emmerichs Infanterie vorgeschickt worden. - -Der Plan der Oberstlieutenants war mit Erfolg gekrönt worden. Ungefähr -um 4 Uhr nachmittags erschienen die Amerikaner und Indianer auf dem -Gefechtsfeld. Emmerichs Plänkler zogen sich vor ihnen zurück und lockten -sie in ein Feld von indianischem Korn, wo sie plötzlich in Front, Rücken -und beiden Flanken angegriffen wurden. Alle Indianer mit Ausnahme von -einem, welcher den Hergang erzählen sollte, wurden getötet. Sie gehörten -dem Stockbridge-Stamme an und wurden von Sachem Neham geführt. Ungefähr -50 Amerikaner wurden gefangen genommen, Armand aber entkam mit einigen -anderen durch die Büsche. - -Eelking bemerkt bei dieser Gelegenheit, dass dies ein Beweis ist, dass -die Amerikaner die Verwendung von indianischen Bundesgenossen in diesem -Kriege ebensowenig verschmähten als die Briten. Man muss aber wohl einen -Unterschied machen zwischen der Verwendung von Indianern gegen britische -und deutsche Soldaten, wie sie von Seiten der Amerikaner geschah, und -der Entsendung derselben gegen die Bewohner von einsamen Farmhäusern und -unbeschützten Gehöften, wie es beständig von den Dienern des Königs -gehandhabt wurde. Der Stockbridge-Stamm soll durch diese Expedition, wie -gesagt wurde, so sehr gelitten haben und so völlig entmutigt worden -sein, dass er keinen weiteren Anteil an dem Kriege nahm. - -Ewald beschränkte sich nicht nur auf Erzählungen, welche den Ruhm der -eigenen Partei verherrlichen. Neben Berichten über Trenton, Redbank und -andern wichtigen Begebenheiten, bei welchen Hessen oder Engländer -geschlagen wurden, behandelt er in einem besondern Kapitel die kühnen -und glücklichen Streiche, die von kleinen Abteilungen Amerikaner geführt -wurden. So erzählt er uns, wie im Frühjahr 1777 die Briten eine grosse -Menge Fourage in Sag Harbor auf Long-Island angesammelt hatten und wie -in Beziehung hierauf Colonel Meigs von Guilford in Connecticut mit -weniger als 200 Mann in Walfisch-Booten aufbrach. In einer stürmischen -Nacht gingen sie über den Sund, zogen ihre Boote über das Land, setzten -sie von neuem aus, landeten bei Sag Harbor, überfielen die Wache, -zerstörten die Vorräte, verbrannten mehrere Schiffe, nahmen eine Anzahl -Engländer gefangen, bestiegen ihre Boote wieder und erreichten glücklich -Guilford. Eine ähnliche Landung wurde in der Cow Bay im November 1780 -bei hellem Tage ausgeführt. Im Jahr 1781 wurde ein braunschweigischer -Major von seinem Quartier auf der Nordseite von Long-Island -weggeschleppt. Es war in der That zur Gewohnheit geworden, dass kleine -Häuflein Amerikaner auf der Insel landeten, die englischen und deutschen -Soldaten ärgerten und die Tories plünderten. Diese Streifzüge wurden mit -grosser Kühnheit ausgeführt und bilden, Ewald zufolge, eine vollkommene -Widerlegung der Anschuldigungen wegen Mangels an Mut in diesem Kriege, -die einigemal gegen die Amerikaner erhoben worden sind. »Der, welcher -gegen diese Nation gekämpft hat,« sagt er, »wird von dem Gegenteil -überzeugt sein und wird nicht mit Verachtung von ihr reden.« - -Ewald erzählt mit grosser Bewunderung die schneidige Wegnahme von -Stony-Point durch die Amerikaner unter Anthony Wayne am 16. Juli 1779. -»Verdienen diese Menschen nicht bewundert zu werden, welche noch vor -etlichen Jahren Rechtsgelehrte, Ärzte, Geistliche oder Landwirte waren, -die in so kurzer Zeit sich zu vortrefflichen Offizieren bildeten, die so -viele von unserm Stande beschämen, welche unter den Waffen grau -geworden, und denen himmelangst werden würde, wenn sie zur Ausführung -eines solchen Plans den Auftrag erhielten? Man wird mir vielleicht -antworten, dass diese Menschen von Natur mit grossen Talenten zum Krieg -begabt worden sind. Dieses kann wohl der Fall bei einem oder dem andern -sein, aber im Ganzen ist die Natur mit ihren Ritterschlägen nicht so -verschwenderisch. Man erlaube mir, diese Leute erwählten nicht den -Kriegsdienst als einen Zufluchtsort, so wie ihn gewöhnlich der Adel -wählt, nicht als ein Zuchthaus für einen ungeratenen Sohn, der auf -Akademien nichts hat lernen wollen, wie oft der Fall bei denen von -bürgerlichem Stande ist; sondern sie wählten diesen Stand mit dem festen -Vornehmen, sich auf alle Art zu beeifern, ihrem Vaterlande mit Nutzen zu -dienen und sich durch Verdienste hervorzuthun. In Erstaunen bin ich -manchmal geraten, wenn während dem damaligen Kriege etwas Gepäck von den -Amerikanern uns in die Hände fiel, wie jeder elende Schnapsack, in -welchem oft nur einige Hemden und ein Paar zerrissene Beinkleider -steckten, mit militärischen Büchern angefüllt war, z. B. die Instruktion -des Königs von Preussen an seine Generale, Thielkes Feld-Ingenieur, die -Parteigänger Jenny, Grandmaison und dergleichen mehr, die alle in die -englische Sprache übersetzt waren, sind mir hundert mal durch unsere -Leute in die Hände geraten. Dieses war eine wahre Anzeige, dass der -Offizier in dieser Armee im Lager den Krieg studiert, welches nicht der -Fall bei den Gegnern der Amerikaner war, wo man wohl eher die -Mantelsäcke mit Puderbeuteln, wohlriechenden Pomadenbüchsen, Karten -(keine Land-, sondern Spielkarten), und dann wohl obendrein manchmal -mit einigen Romanen oder Schauspielen angefüllt fand.« - -Die Briten behielten zwei oder drei Plätze auf der Westseite des Hudson -in fortwährendem Besitz. Einer dieser Plätze war Paulus Hook, jetzt -Jersey City. Der Hook war eine aus steinigen, felsigen Bergen bestehende -Halbinsel und teils vom Hudson, teils von einem Sumpf, der von Bächen -und Gräben durchschnitten war, umgeben. Die Stellung, die durch sich -selbst stark war, war mit Palisaden, Blockhäusern und Redouten -befestigt. Sie war von einem Bataillon New-Jersey-Tories unter -Oberstlieutenant Bushkirk besetzt. - -Am 18. August 1779 wurde eine Abteilung von 40 Hessen mit 2 Offizieren -übergesetzt, um die Besatzung von Paulus Hook zu verstärken, und um 9 -Uhr abends an jenem Tag brach Bushkirk zu einer Unternehmung gegen die -ungefähr 14 Meilen entfernte neue Brücke über den Hackensack auf. -Inzwischen näherte sich Major Henry Lee von Virginia mit ungefähr 300 -Mann, unterstützt von Lord Stirling mit weiteren 500 Mann, der neuen -Brücke von der entgegengesetzten Richtung her, unter dem Vorwande zu -fouragieren. Stirling machte hier Halt, Lee aber kam während der Nacht -bis an Paulus Hook heran, indem er an Bushkirk unbemerkt vorbeigegangen -war. Lee entsandte einen Offizier mit einer kleinen Abteilung gegen das -Fort, um zu rekognoszieren. Der Offizier meldete, dass die Besatzung -unbewacht zu sein scheine. Lee ging darauf mit seinem Detachement vor. -Sie durchwateten die Gräben, drangen in das Fort ein und überfielen eine -Anzahl Provinziale, die in einem Blockhaus schliefen. Darauf näherten -sie sich dem zweiten Blockhaus, das von einer kleinen Abteilung Hessen -besetzt war. »Wer da!« rief der Posten. »Stony Point!« antworteten die -Amerikaner. Der Posten feuerte und machte dadurch Alarm, aber der das -Blockhaus befehligende Unteroffizier musste sich mit 10 oder -15 Mann ergeben. Lee überfiel und besetzte darauf die Haupt-Redoute, und -der ganze Paulus Hook schien ihm schon zu gehören. Da hatten indessen zu -ihrem Glück ungefähr 25 Hessen ihren Verstand und ihre Geistesgegenwart -beisammen. Sie warfen sich in eine kleine Redoute, wo sie sich mit ihrem -Kapitän und Major Sutherland, dem Kommandeur des Postens, vereinigten, -und weigerten sich zu ergeben. Lee, der nicht gewusst hatte, dass sich -Hessen in dem Fort befanden und der wahrscheinlich ihre Zahl überschätzt -hatte, machte sich, noch ehe es Tag wurde, davon, ohne selbst die -Kanonen zu vernageln oder das Kriegs-Material zu zerstören. Er nahm -ungefähr 150 Gefangene mit. Lee hatte den Befehl erhalten, nicht zu -versuchen, den Platz zu behaupten, und ein beschleunigter Rückzug war -nötig, um nicht abgeschnitten zu werden; die 25 Hessen hatten aber -jedenfalls durch ihr tapferes Verhalten die Wegnahme oder die Zerstörung -der Vorräte und Werke in dem Fort verhindert und ihre Partei vor der -Schmach einer vollkommenen Niederlage gerettet. - -[Illustration: PLAN VON DEM ÜBERFALL - -eines englischen Postens auf PAULUS HOOK in der Provinz New Jersey um -1/2-2 Uhr in der Nacht vom 18. zum 19. October 1779. - ---< _Erklärung umseitig._ >--] - - A. Annäherung und Stellung der Rebellen auf den Höhen - von Bergen zur Deckung des Rückzuges. - - B. Angriff auf die Brücke und Blockhaus 1, 2 und 3 und - auf das Fort C das mit 7 Sechspfündern armiert war, - die aber nicht zu Schuss kamen. - - D. Barracken, in denen die 110 Mann starke englische - Besatzung gefangen genommen wurde. - - E. Schanze, welche ein hessischer Hauptmann, 1 Offizier - mit 25 Mann besetzt hielt, woraufhin die Rebellen bei - Tagesanbruch mit ihren Gefangenen den Rückzug antraten. - - - - -Kapitel XX. - -Wiederholds Reise. Eine Episode -- September 1779. - - -Am 4. September 1779 erhielten die Regimenter von Knyphausen und von -Lossberg Befehl, sich mit all' ihrer Baggage und allen transportfähigen -Kranken zur Einschiffung bereit zu halten. Ihr Bestimmungsort war -Quebec, wovon die Truppe aber damals nichts wusste. Die Regimenter -Knyphausen und Lossberg waren zwei von denen, die bei Trenton in -Gefangenschaft geraten waren. Alle, die bei dieser Gelegenheit gefangen -genommen waren, wurden wieder ausgewechselt, und die beiden Regimenter, -deren Überreste zu einem kombinierten Bataillon formiert worden waren, -traten nun wieder selbstständig auf. - -Wiederhold hatte eine Stelle als Kapitän im Regiment von Knyphausen -erhalten. Die beiden Regimenter waren am 8. September auf 6 Schiffen -untergebracht worden. Wiederholds Quartier war auf dem Triton, einer -Brig, die mit 6 kleinen Kanonen und 2 swivels (ganz kleine Kanonen, die -auf Gabeln ruhen) armiert. Die Brig war überfüllt und sehr unbequem -eingerichtet, und hatte zuerst eine Bemannung von 7 Mann, -einschliesslich des Kapitäns, Kochs und Stuarts. An Hessen befanden sich -an Bord ein Oberstlieutenant, der krank war, 2 Kapitäns, 1 Lieutenant, 1 -Fähnrich und 1 Arzt, und beinahe 2 Kompagnien Infanterie. - -Die Brig ging am Abend des 9. September in See, kam aber sofort in einen -starken Wind (gale) hinein und wurde von der Flotte getrennt. Der -Kapitän, der keine Befehle wegen seines Reiseziels bekommen hatte, war -genötigt, am Morgen des 10. wieder nach Sandy Hook zurückzusteuern. An -jenem Tag kam ein Schiff in Sicht, und es wurden Vorbereitungen zum -Angriff getroffen, für den Fall, dass es ein amerikanischer Privateer -sein sollte. Die Kanonen wurden gereinigt und geladen, und 1 -Unteroffizier mit 6 Mann mit ihrer Bedienung betraut. Das Schiff erwies -sich jedoch als ein freundliches, ein Transportschiff mit Teilen des 44. -englischen Regiments an Bord. Der Triton segelte in Gemeinschaft mit -diesem Schiff weiter und vereinigte sich am Morgen des 11. mit der -Transport-Flotte, die aus 23 Transportschiffen und Handels-Schaluppen -bestand und von 2 kleinen Schiffen mit 20 und 14 Kanonen bedeckt wurde. -Von einem dieser Schiffe erhielt der Triton noch 2 Matrosen -- junge, -unerfahrene Burschen. - -Die Flotte stach sofort nach Ankunft des Triton in See, und am 11. und -12. verlief alles gut. Am 13. aber trat stürmisches Wetter ein, welches -den 14. über andauerte. Am 15. nahm der Wind noch mehr zu und wurde des -Abends zu einem wahren Orkan. Die Flotte wurde vollkommen zerstreut, die -Nacht war stockfinster. Ungefähr um 9 Uhr abends brach der Hauptmast -unter der untersten Querstange ab, und bevor dieser mit seinem Tauwerk -gänzlich weggeräumt war, brach der Vordermast kurz über dem Verdeck ab -und stürzte über Bord. Die Brig wurde nun, den Wellen preisgegeben, hin -und hergeworfen und lag oft ganz auf der Seite. Während der Kapitän im -Begriff war, ein Kajütenfenster mit einem darklight (Totenfenster) zu -vernageln und Wiederhold mit einem Licht zu seiner Hilfe bei ihm stand, -stürzte eine Welle mit solcher Gewalt hinein, dass beide kopfüber in die -Kajüte geworfen wurden. - -Darauf entstand eine neue Gefahr. Auf dem Deck hatte sich eine Kanone -nach der andern losgerissen, rollte hin und her und stürzte schliesslich -über das Geländer in die See. Vier davon gingen nacheinander auf diese -Weise verloren, nahmen sogar den grossen eisernen Kessel noch mit, der -gross genug war, um für die ganze Schiffsbesatzung darin zu kochen. Die -fünfte Kanone öffnete sich selbst durch Hin- und Herrollen die hatch -(eine Öffnung im Verdeck), hob sich von ihrer Lafette ab und stürzte -durch diese Öffnung in den untern Schiffsraum, wo sie auf eine dem -Kapitän Wiederhold gehörende grosse Kiste fiel, die Wein, Spiritus, -Essig, Senf und dergleichen enthielt. Die Kiste und ihr Inhalt wurde in -tausend Stücke zerschmettert, aber sie hatte dem fallenden Geschützrohr -Einhalt gethan und den Boden der Brig vor einer schweren Beschädigung -bewahrt. - -Die sechste Kanone aber, gerade über der Kajüte auf dem Hinterdecke, -rollte noch immer hin und her und hatte bereits das Steuerrad und alles -was ihr in den Weg kam, zertrümmert. Vier von den Matrosen konnten oder -wollten nicht mehr arbeiten und hatten sich in ihre Betten gelegt. -Niemand anders wollte sich, aus Furcht zerquetscht zu werden, der -Kanone nähern. Die Soldaten lagen unter Seufzen, Weinen oder Beten umher -und erwarteten ihr letztes Stündlein. Der Oberstlieutenant war zu krank, -um irgend etwas zu thun. Wiederhold versuchte nun seine Leute zu -ermutigen und sagte ihnen, dass Gott, der sie in dieser grossen Gefahr -schweben liesse, sie auch wieder daraus erlösen könnte, wenn jeder nur -thun wollte was er könnte, zuerst versuchen zu helfen, die Kanone über -Bord zu werfen und dann an den Pumpen zu arbeiten, um das Schiff -wenigstens bis zum andern Morgen über Wasser zu halten; dann würde ihnen -der Himmel wohl Hülfe senden und entweder besseres Wetter oder ein -Schiff zu ihrer Erlösung schicken. - -Wiederholds eindringliches Zureden war zuerst erfolglos. Einige der -Soldaten »waren ganz wie verstockt, andere antworteten sie seien krank.« -Wiederhold stellte ihnen vor, dass er selbst schon seit vier Wochen am -kalten Fieber litte, trotzdem hätte er, da niemand zur Rettung etwas -beitragen wollte, sich herausgemacht, um etwas für die Erhaltung aller -zu thun. Er zweifelte auch nicht, sagte er, dass Leute unter ihnen -wären, die mehr Kräfte als er und so viel Liebe für ihn hätten, dass sie -ihm folgen würden und thun, was er ihnen sagte. Er versprach, bei ihnen -auf dem Verdeck zu bleiben, selbst Hand anzulegen und ihr Schicksal zu -teilen, in der Hoffnung das Schiff und alles an Bord zu retten. Noch -wollte niemand folgen, bis Wiederhold schliesslich rief: »Ist denn gar -kein Unteroffizier da, der gesund ist, der Ambition und ein hessisches -Herz hat, dass der mir folgen und helfen will?« Hierauf kamen ein -Sergeant und zwei Korporals, denen etwa 15 bis 20 Mann folgten. »Nun -wohlan,« sagt Wiederhold, »kommt, lasst uns erst die Kanone in die See -zu schmeissen suchen.« Nach mehreren Versuchen, bei welchen sie in -beständiger Gefahr waren zerquetscht zu werden oder mit der Kanone über -Bord zu gehen, gelang es ihnen, ihrer Herr zu werden und sie über Bord -zu werfen. Hierbei wurde einem Soldaten der Arm zweimal gebrochen und -Wiederholds kleiner Finger zerquetscht. - -Nun fing die Arbeit an den Pumpe an, in Ablösungen von 4 Mann. Jede -Ablösung konnte es aber nur jedesmal 6 oder 8 Minuten aushalten und -mussten sich entweder anbinden oder an dem Stumpf des grossen Mastes -festhalten, um nicht von den Wellen weggespült zu werden. Gegen 3 oder 4 -morgens aber brach die Pumpe und konnte in der Dunkelheit nicht -ausgebessert werden, so dass sie sich mit Ausschöpfen vermittelst eines -Eimers behelfen mussten, bis es Tag wurde und sie die Pumpe wieder in -Stand setzen konnten. - -Während die Leute in der Dunkelheit arbeiteten, fiel ein Mann über Bord, -erfasste aber im Fallen ein Tau und rief und schrie um Hilfe. Niemand -konnte ihn sehen oder wusste, wo er war. »Wo bist du denn,« fragte -Wiederhold. »Hier hänge ich an dem Schiff und wenn ihr mir nicht bald -helft, so kann ich mich nicht länger halten, muss in die See fallen und -ersaufen.« Seine Kameraden suchten an ihn heran zu kommen, aber bevor -sie ihn erreichen konnten, war eine Welle geschwinder als sie und spülte -ihn wieder an Bord; und Wiederhold sagt in seinem Tagebuch »er lebt noch -und ist gesund.« - -Während aller dieser Arbeit bemerkte Wiederhold, dass der -Schiffs-Kapitän und einige Bootsleute mit einer Laterne um die auf dem -Schiffe befestigten Boote herumgingen und versuchten, wie er glaubte, -eins davon los zu machen. Wiederhold fragte den Kapitän, was er denn da -mache. »O, nichts,« antwortete dieser, »ich sehe nur, ob sie fest genug -sind.« Unter irgend einem Vorwand bat ihn Wiederhold darauf, ihm die -Laterne für einen Augenblick zu leihen, und nachdem er sie hergegeben -und dieselbe einem Soldaten eingehändigt hatte, nahm Wiederhold den -Kapitain am Arm, führte ihn in die Kajüte hinunter und setzte ihn dort -in Arrest unter Bewachung von zwei Offizieren. Dies geschah aus -Besorgnis, dass der Kapitän mit seinen Matrosen sich von der Brig -heimlich entfernen und die Soldaten ihrem Schicksal überlassen könnten. -Bei Tagesanbruch fand man die Boote von den Wellen völlig zerstört. Sie -wurden über Bord geworfen und der Schiffs-Kapitän wurde wieder in -Freiheit gesetzt. - -Am 16. September lies der Wind etwas nach und am 17. klärte sich der -Himmel auf. Die Beobachtungen, die man um Mittag anstellte, ergaben 37° -19' nördlicher Breite, so dass die Brig bis auf die Höhe der Kaps von -Virginien nach Süden hin getrieben war. Von der Länge hatten sie keine -Ahnung. - -Die losgerissenen Segelstangen, Taue und das zerbrochene Geländer wurden -nun weggeräumt und der Schiffsboden untersucht, aber kein Leck darin -gefunden. Die Soldaten kamen an Deck und trockneten ihre Kleider, denn -sie hatten keinen trockenen Faden an sich, selbst nicht in ihren -Tornistern, alles war mit Salzwasser und Schlamm durchnässt. Die -Matrosen befestigten an dem Stumpf des Hauptmastes einen Hilfsmast, und -Tags darauf noch einen am Vordermast. - -Am 19. wurde von den Mannschaften eine Betstunde abgehalten, um Gott für -ihre Errettung aus Sturm und Not zu danken. Es wurde ein Lied gesungen -und der 107. Psalm vorgelesen. Selbst die Matrosen, die kein Wort von -dem, was die Deutschen redeten, verstanden, waren sehr andächtig und -beteten für sich. - -Der Triton nahm langsam seinen Weg in nördlicher Richtung und hatte -leidliches Wetter. Einige Schiffe kamen in Sicht, keins aber kam ihnen -zu Hilfe. Wiederhold ersann einen Plan, wie er mit seinem kaum lenkbaren -Wrack einem Privateer, der ihn angreifen würde, Widerstand leisten -könnte. Er nahm sich vor, seine Leute unter Deck verborgen zu halten, -eine Bootladung Amerikaner an Bord des Triton zu locken und sie dann -gefangen zu nehmen. Der Privateer würde dann aus Besorgnis, seine -eigenen Leute zu treffen, nicht feuern und das Schiff auch nicht -ersteigen können wegen der überlegenen Zahl an Hessen. Es war vielleicht -ein Glück für Wiederhold und die Seinigen, dass die Umstände es -verhinderten, diesen ingenieusen Plan zur Ausführung bringen zu suchen. - -Am Morgen des 25. September kamen die Kaps des Delaware in Sicht. Da sie -nun genau wussten, wo sie waren, so gingen sie wieder weiter in See, um -den Privateers aus dem Wege zu gehen. Der Wind war gut und die Hessen -hofften Sandy Hook in achtundvierzig Stunden zu erreichen. Der Morgen -des 26. war sehr schön. Bei Tagesanbruch wurden zwei Schiffe in einiger -Entfernung gesehen. Wiederhold sprang voller Freude in die Kajüte und -berichtete dem Oberstlieutenant und den anderen Offizieren das Gesehene. -Alle zogen sich an und eilten an Deck, in der Hoffnung, dass es Schiffe -seien, die von New-York ausgeschickt wären, um vor dem Hafen zu kreuzen -und den Schiffen Hilfe zu leisten, die bei dem letzten Sturme Schaden -gelitten hätten. Die fremden Schiffe segelten auf den Triton los und -stellten sich als einen Schooner und eine Schaluppe heraus. »Aber o! wie -sahen wir uns in unserer Hoffnung betrogen,« ruft Wiederhold aus, »denn, -nachdem sie so nahe kamen und sie ihre aus 13 Streifen bestehende Flagge -wehen liessen, so war unsere Freude in Leid verwandelt.« - -Der Schooner hatte 14 Geschütze und hiess »Mars«. Die Schaluppe, Comet -genannt, hatte 10 Geschütze und wurde von Kapitän Decatur kommandiert. -Um 8 Uhr morgens lagen beide mit den Breitseiten am Triton. Sie -erteilten dem Kapitän des letzteren Befehl, ein Segel herabzulassen und -das Steuerruder am Steuerbord anzubinden. Sodann schickte jeder -Privateer 1 Offizier und 5 Mann an Bord; der Mars nahm den Triton ins -Schlepptau und brachte ihn in die Barnegat Bucht, wo er vor Anker ging. -Der Mars, welcher den Kapitän und mehrere Seeleute des Triton an Bord -genommen hatte, geriet zwischen Klippen und kenterte. Nur zwei von der -Bemannung ertranken; alle hatten schwimmen müssen, um sich zu retten. -Dies ereignete sich auf zwei Kanonenschussweiten von dem Fleck, wo der -Triton vor Anker lag. Der Kapitän des Mars hatte vorher befohlen, dass -der hessische Oberstlieutenant auch an Bord kommen sollte, -glücklicherweise aber war er durch sein Kranksein daran gehindert. - -Am 29. September wurde der Triton nach dem Little Egg-Hafen gebracht. -Hier wurden die Gefangenen ausgeschifft. Sie kamen durch Philadelphia -und wurden schliesslich in Reading einquartiert. Die Offiziere wurden -ausgewechselt und kehrten im Dezember 1780 nach New-York zurück. - -Von den 6 Schiffen, in welchen die Regimenter von Knyphausen und -Lossberg untergebracht waren, kehrte eins mit seiner Besatzung glücklich -nach New-York zurück; über das Schicksal von einem habe ich nichts -Bestimmtes ausfindig machen können; eins wurde mit Mann und Maus vom -Meere verschlungen; zwei wurden durch den Sturm seeuntüchtig gemacht und -nachher von amerikanischen Privateers genommen. - -Das noch übrige (sechste) Schiff, der »Badger«, mit einer Abteilung des -Regiments Lossberg, verlor seinen Vorder-und Hauptmast im Sturm. Es -wurde dann von zwei kleinen Privateers angegriffen, die sie zwei Tage -lang verfolgten und beschossen, dann aber wegen der entschlossenen -Haltung der Hessen wieder abziehen mussten. Am 9. Oktober jedoch griff -ein Privateer mit 12 Geschützen den Badger an, und letzterer, der keine -Kanonen hatte, war gezwungen sich zu ergeben. Ein Lieutenant, drei -Fähnriche und 20 Mann, sowie die gesamte Ausrüstung der übrigen Hessen -wurden an Bord des Privateer gebracht. Letzterer scheint zunächst den -Badger, auf dem ein hessischer Kapitän, der krank war, mit einem Arzt -und den meisten Gemeinen verblieben, noch in seiner Gewalt behalten zu -haben. Den Journalen nach steht fest, dass die Fregatte Solebay am -folgenden Tag den Badger von dem Privateer befreite und glücklich nach -New-York brachte. - - - - -Kapitel XXI. - -Savannah, Charleston und Pensacola, 1778 bis 1781. - - -Das Bündnis zwischen Frankreich und den Vereinigten Staaten erhöhte die -Möglichkeit der schliesslichen Unabhängigkeit der letzteren. Es war -deshalb wichtig, den Amerikanern so viel Gebiet als möglich streitig zu -machen, wenn auch nicht ihre Haupt-Armee vernichtet werden könnte. Lord -George Germaine hoffte, dass die dünn bevölkerten südlichen Provinzen -schnell zum Gehorsam zurückzubringen wären und dass die königliche -Autorität vom Golf von Mexico bis zum Susquehanna-Fluss hergestellt -werden würde. - -Ein weiterer Vorteil sollte dadurch gewonnen werden, dass man die Nord- -und Südstaaten gleichzeitig besetzte. Der Sommer und Herbst waren die -Zeit der Thätigkeit in den ersteren, Winter und Frühjahr in den -letzteren. Der britische General, der seine Truppen zur See befördern -konnte, brauchte nur, wenn das Wetter die Operationen behinderte, in den -betreffenden Landesteilen soviel Truppen zurückzulassen, als zur -Verteidigung nötig waren, und behielt so überall das Übergewicht, -welches sehr wichtig war. - -Am 6. November 1778 wurden ungefähr 3500 Mann unter Oberstlieutenant -Campbell in New-York eingeschifft. Zwei hessische Regimenter nahmen an -dieser Expedition teil. Die Transportschiffe wurden durch schlechtes -Wetter am Auslaufen verhindert und konnten nicht vor dem 27. Sandy Hook -verlassen. Sie erreichten Savannah erst am 24. Dezember nach stürmischer -Überfahrt. Die Truppe landete am 29. und schlug einige 800 Amerikaner, -die den Versuch machten, Widerstand zu leisten, töteten und verwundeten -ungefähr 80 und machten 400 Gefangene. Beinahe 50 Kanonen, beträchtliche -Vorräte und mehrere Schiffe fielen in die Hände der Briten, deren -Verlust, eingerechnet Hessen und Tories, 20 Mann tot und verwundet -betrug. - -Die Stadt Savannah bestand aus ungefähr 600 leicht gebauten Häusern. Die -meisten Einwohner waren mit den Rebellen weggelaufen und hatten soviel -Sachen mitgenommen, als sie nur tragen konnten. Mahagonie-Möbel lagen -zerbrochen in den Strassen -- ein trauriger Anblick. Die Hessen, erzählt -man, hätten nicht geplündert, wie die andern Truppen. Sie waren in den -neuen Baracken der Stadt einquartiert. - -Im Januar langte General Prevost von St. Augustin an, um den Befehl über -die Armee zu übernehmen. Darauf begann die zahllose Reihe von Märschen, -welche diese südliche Kampagne auszeichnete. Augusta wurde besetzt, dann -wieder aufgegeben. General Lincoln ging mit einer amerikanischen Armee -gegen Augusta vor, General Prevost entschlüpfte ihm aber heimlich und -bedrohte Charleston. Lincoln kehrte von Georgia zurück und Prevost zog -sich nach Johns Island an der Küste von Süd-Karolina zurück. -Schliesslich wurde Beaufort eingenommen und Johns Island von den Briten -verlassen, deren Haupt-Armee nach Savannah zurückkehrte. - -Während dieses Feldzuges ereigneten sich eine oder zwei Begebenheiten, -die besonders die Hessen betrafen. An einem Fleck, Stono Ferry genannt, -war ein kleines Befestigungswerk errichtet worden, ursprünglich ein -Brückenkopf. Es war von Johns Island durch eine Wasserstrasse getrennt, -und die Brücke, welche es einst deckte, war abgebrochen worden. Das -Befestigungswerk war von dem Regiment von Trümbach, einem Bataillon -Hochländern, im Ganzen 500 Mann, besetzt. Dieser Posten wurde am 19. -Juni 1779 von Lincolns Armee angegriffen. Die Hessen wichen zuerst -zurück, wurden aber von den Hochländern unterstützt. Sie sammelten sich -und gingen wieder vor. Die Amerikaner zogen sich dann bei dem Herannahen -von deutschen und schottischen Verstärkungen zurück. - -Ungefähr zu dieser Zeit kam es in den Gewässern um Johns Island zu zwei -verschiedenen Gefechten zwischen hessischer Artillerie und kleinen -Schiffen, beziehungsweise Galeeren des Feindes. Bei beiden Gelegenheiten -waren die Hessen siegreich, zwangen den Feind zum Rückzug und machten -die beteiligten Schiffe kampfunfähig. Es wird erzählt, dass auf einem -derselben, der Rattlesnake, mehrere Kanonen und Fahnen, welche von Ralls -Brigade erbeutet waren, wieder genommen wurden. Auf welche Weise diese -Trophäen nach Süd-Karolina kamen, wird nicht erwähnt. - -Am 4. September 1779 erschien die französische Flotte unter Graf -d'Estaing plötzlich vor der Mündung des Savannah-Flusses. Sofort wurden -alle ausserhalb liegenden Detachements der britischen Armee nach -Savannah berufen. Am 23. vereinigten sich Lincoln und seine Leute mit -den Franzosen, die von Charleston kamen, und Freiwillige von -Süd-Karolina strömten in ihr Lager. Während nun d'Estaing regelrechte -Laufgräben anlegte, verstärkten die Soldaten der Besatzung mit den -Negern der Stadt zusammen eiligst die Befestigungswerke. Für die -französische Flotte war es in Betreff der Jahreszeit zu spät geworden, -um mit Sicherheit an der Küste zu bleiben. d'Estaing beschloss einen -Angriff zu versuchen. Dieser aber hätte vorher gemacht werden sollen, -bevor britische Verstärkungen von Beaufort her eingetroffen und bevor -ihre Werke verstärkt worden waren, oder er hätte aufgeschoben werden -sollen, bis diese lahm gelegt waren. Der Angriff wurde am 9. Oktober -unternommen. Franzosen sowohl wie Amerikaner schlugen sich tapfer und -pflanzten ihre Banner auf den Wällen von Savannah auf, doch wurden sie -mit grossen Verlusten zurückgeschlagen. Oberst von Porbeck vom Regiment -von Wissenbach wurde in Prevosts Bericht lobend erwähnt. Eine Woche -später segelten die Franzosen ab, während ein Teil der Amerikaner mit -Lincoln nach Charleston zurückkehrte und die übrigen sich in ihre Heimat -zerstreuten. - -Im Sommer 1779 plante Sir Henry Clinton eine Unternehmung gegen -Charleston. Die Ausführung wurde wegen der Nähe der französischen Flotte -verschoben, doch als diese nach Europa zurückging, wurde ein Korps von -ungefähr 8500 Mann in New-York formiert. Dasselbe bestand aus -Engländern, Tories und Hessen. Von den Hessen waren die 4 -Grenadier-Bataillone, 1 Regiment Infanterie und ungefähr 250 Jäger -ausgewählt. Bei den letzteren befanden sich Kapitän Ewald und Lieutenant -Hinrichs. Generallieutenant von Knyphausen war als Befehlshaber in -New-York belassen worden. Sir Henry Clinton befehligte die Expedition -persönlich. Die Soldaten wurden um den 19. Dezember eingeschifft, -konnten aber wegen des Wetters nicht vor dem 29. in See gehen. Die Fahrt -war eine sehr stürmische, und als in den ersten Tagen des Februar 1780 -der Hauptteil der Flotte an der Mündung des Savannah-Flusses ankam, -fehlten eine Menge Transportschiffe. Eine Barke, die Anna, mit 30 -hessischen und anspachischen Jägern und andern Soldaten, hatte Anfang -Januar die Masten verloren und war von einem Kriegsschiff ins Schlepptau -genommen. Bei einem darauffolgenden Sturm riss das Tau, und die Anna -fiel nun als segelloser Schiffs-Rumpf dem Spiel der Wellen anheim. -Während acht Wochen wurde diese Barke mit 250 Seelen an Bord von den -westlichen Winden fortgetrieben. Sie war nur für einen Monat und für -100 Mann verproviantiert, so dass sich bald Hungersnot einstellte. Die -Hunde wurden geschlachtet; zuletzt wurden die Knochen zu Mehl gerieben -und dieses mit der Brühe aus den Fleischfässern und Hobelspänen zu einer -Mahlzeit bereitet. Schon machte der Kapitän den schrecklichen Vorschlag, -mit Menschenfleisch das elende Leben zu fristen und zuerst die Frauen zu -opfern, aber alle wiesen solches mit Abscheu zurück. Endlich zeigte sich -Land, es war die irische Küste. Das Schiff strich aber an einer Klippe -an und erhielt ein Leck. Die Verzweiflung steigerte sich, als man -bemerkte, dass der Kapitän von der Küste abhielt. Auf Befragen gab er -an, dass hier keine erlaubte Anfahrt sei und den königlichen Lootsen 30 -Guineen bezahlt werden müssten. Daraufhin wurde er in dem unteren -Schiffsraum festgesetzt, und der Obersteuermann übernahm das Kommando -der Barke. Dieser brachte sie bis vor St. Ives in Cornwallis, von wo, -auf Notschüsse hin, zwei Boote mit einem Lootsen und einem -Schiffszimmermann zur Hilfe herbeieilten. Der letztere war angesichts -der verhungerten Hessen derartig erschrocken, dass er eiligst wieder von -dannen ruderte. Dem Lootsen gelang es, die Barke an das Land heran zu -bringen, gerade als sie anfing zu sinken, und die Bemannung wurde -schliesslich gerettet. - -Die englische Flotte wartete bei Tybee Island bis zum 9. Februar 1780, -um die zerstreuten Transportschiffe wieder zu sammeln. Darauf ging sie -wieder in See, und am 11. drangen alle Schiffe bis auf die grossen -Kriegsschiffe in die Mündung des North Edisto River ein; bei Simons -Island wurden die Truppen ausgeschifft. Einen ganzen Monat lang brachten -die Soldaten emsig Vorräte und Geschütze an Land, um dort festen Fuss zu -fassen, sie drangen dabei über die sandigen Inseln südwestlich von -Charleston Harbor vor. Nicht vor dem 12. März wurde das Feuer von Wappoo -Neck aus auf die Stadt eröffnet, und erst am 29. ging die britische -Armee über den Ashley-Fluss. Inzwischen stiegen die Schanzen aus dem -Sand bei Charleston wie die Pilze empor. - -Weder der Landung, noch dem Vordringen der feindlichen Armee wurde ein -ernstlicher Widerstand entgegengesetzt. Die Gelegenheit, um Widerstand -zu leisten oder wenigstens um die Briten zu beunruhigen, war jedenfalls -genügend vorhanden, doch wäre hierfür ein fähigerer und mehr energischer -Befehlshaber als Lincoln nötig gewesen. Die Angreifer waren nach einer -langen und beschwerlichen Reise gelandet und hatten keine Pferde, um -ihre Kanonen und Vorräte herbeizuschaffen. Das einzig richtige Verhalten -für Lincoln wäre wohl gewesen, wenn er Washington nachgeahmt hätte in -seinem Feldzug vor den Ereignissen von Philadelphia. Er hätte eine -Schlacht wagen und falls er geschlagen worden wäre, Charleston aufgeben -und seine Armee zum Schutz der Südstaaten erhalten sollen. Diese waren -nun dem Morden und Plündern überliefert. Der Krieg in den Karolinas und -in Virginien kennzeichnete sich durch einen gewissen Grad von Barbarei, -der in den östlichen und Mittel-Staaten seinesgleichen nicht fand, -ausgenommen die kleinen Plündereien in der Umgebung von New-York. Schon -im vorhergehenden Jahre hatten Prevosts Soldaten diese barbarische Art -der Kriegführung begonnen. Die Spuren ihrer Thätigkeit waren in jedem -Hause auf den Inseln, die sie bei Charleston besetzt hatten, sichtbar. - -Während Lincoln seine Erdwerke in der Stadt aufwarf, erhielten die -Engländer Verstärkungen von Savannah her. Die Kriegsschiffe, mit -Ausnahme der schwersten, wurden gehoben, über die Sandbank gebracht und -wiederhergestellt. Fort Moultrie verteidigte währenddessen die Stadt, -die amerikanischen und französischen Schiffe den Hafen; zwischen diesem -und Charleston hatten die Belagerten Schiffe versenkt, um die Einfahrt -zu sperren. Kleine Abteilungen Amerikaner beobachteten die Bewegungen -der Briten. Am 26. März unternahmen Sir Henry Clinton und mehrere -Generale einen Ritt, um Colonel Patterson entgegenzugehen, welcher -Verstärkungen von Savannah brachte. Sie kehrten glücklich zurück, obwohl -sie ohne Escorte waren; ein Tory-Oberst und ein Hospital-Inspektor aber, -die eine kurze Strecke hinter ihnen her ritten, wurden gefangen -genommen. - -Ewald erzählt mit Befriedigung, wie er einmal auf Johns Island in South -Karolina im Frühjahr 1780 eine Stellung rekognosziert hätte, indem er -ruhig bis an einen feindlichen Posten herangegangen wäre, seinen Hut -abgenommen und eine Unterhaltung mit dem befehligenden Offizier -angeknüpft hätte. Dieser Aussenposten war von Pulaskis Legion gestellt -worden, deren Offiziere Polen und Franzosen waren, in deren Galanterie -der deutsche Kapitän Vertrauen hatte -- eine Galanterie, für die die -eingeborenen Amerikaner kein Verständnis haben konnten noch wollten. - -Am 30. März 1780 lagerte die englische Armee einige 3000 Yards vor den -Linien von Charleston. Gegen Abend standen die Pickets der hessischen -Jäger etwa eine Meile vor der Stadt. Vor ihnen lag eine flache, sandige -Ebene ohne jedes Haus oder einen Baum oder Busch. Die einzig mögliche -Deckung gewährten einige Gräben. In der Nacht auf den 31. März wurde die -erste Parallele eröffnet. Am folgenden Morgen begannen die Einwohner -ihre Familien und Wertgegenstände auf Booten den Cooper River hinauf zu -befördern, der einzige Weg, der offen geblieben war. Stromabwärts kamen -am 7. April 700 Virginian Continentals zur Verstärkung der Besatzung. -Sie wurden mit Glockengeläute und Artillerie-Salven empfangen. Nacht auf -Nacht wurde die Arbeit in den Trancheen fortgesetzt. Die Artillerie des -Verteidigers bemühte sich vergeblich, diese Arbeit zu stören. - -Am Nachmittag des 8. April war der Himmel mit Wolken bedeckt, es war -Flut eingetreten und der Wind blies stark von Süden her. Sieben -Kriegsschiffe und ein Transportschiff, in einer Linie hintereinander -segelnd, näherten sich Fort Moultrie. An der Spitze befand sich Admiral -Arbuthnot in einem kleinen Boot, mit dem Blei in der Hand, um die Tiefe -zu messen. Das Feuer vom Fort aus war furchtbar. Der »Roebuck«, das -Têtenschiff, segelte dicht an die Werke heran, gab eine Breitseite ab -und fuhr unverletzt weiter in den Hafen. Das zweite Schiff verlor ein -Stück von einem Mast. Ein anderes legte sich dicht vor das Fort und -unterhielt ein unaufhörliches Feuer, so dass das ganze Schiff wie ein -langer Blitzstrahl erschien. Das ganze Geschwader gelangte in den Hafen -mit Ausnahme des Transportschiffes, welches auf den Grund fuhr und in -Brand gesteckt wurde. Das schöne Bild wurde von Tausenden von Zuschauern -beobachtet. Die Amerikaner versammelten sich auf den Wällen der Stadt, -die Engländer und Deutschen stiegen auf ihre Belagerungswerke. Die -Operationen in der Bai hatten ihr Interesse so sehr in Anspruch -genommen, dass das Gefecht an Land so lange unterbrochen wurde. Sobald -das zweite Schiff das Fort passiert hatte, verschwanden die Amerikaner -von den Wällen von Charleston und bald darauf sah man eine Menge kleiner -Boote auf dem Cooper River, welche die Furchtsamern der Einwohner -wegbeförderten. - -Die Verbindung zwischen Fort Moultrie und Charleston war nunmehr -abgeschnitten. Jedoch fand die britische Flotte ihr weiteres Vordringen -durch eine Linie von versenkten Schiffen gehindert und konnte nicht den -Cooper River hinaufsegeln, um die amerikanischen Werke im Rücken zu -fassen. Da einige Schiffe im Fluss den Operationen des Belagerers -hinderlich waren, wurden mehrere grosse Ruderboote über Land geschleppt. -Das zu diesem Zweck gebrauchte Transportmittel wurde von -hundertundvierunddreissig Negern gezogen. Die Arbeit an den Approchen -ging unaufhörlich weiter, jedoch die Belagerung wurde dadurch, dass -einige der schweren Geschütze und die meisten Pferde auf See verloren -gegangen waren, etwas verlangsamt. Der Belagerungs-Park wurde durch -Schiffsgeschütze versorgt, die mit grosser Mühe über Land von James -Island her gebracht wurden. Am 13. April wurde von der hessischen -Artillerie lebhaft gefeuert, wodurch mehrere Häuser in Brand gerieten. -Sir Henry Clinton befahl seinen Batterien, das Feuer zu mässigen, damit -der Brand gelöscht werden könnte. In der folgenden Nacht wurde die -zweite Parallele eröffnet, bald darauf aber begannen die Amerikaner -Gegen-Approchen anzulegen, so dass nicht nur Artillerie-, sondern auch -Musketen-Feuer zur Verwendung kam. Jedoch am 20. waren die -Belagerungsarbeiten so weit vorgeschritten, dass die Jäger im Stande -waren, Leute durch die Schiessscharten der Befestigungswerke zu treffen -und das Bedienen der Geschütze sehr gefährlich zu machen. Die dritte -Parallele wurde in der darauffolgenden Nacht eröffnet und am 21. bot -Lincoln, der am Tage, nachdem die Flotte Fort Moultrie passiert, seine -Übergabe verweigert hatte, die Kapitulation an. Die Feindseligkeiten -wurden sechs Stunden lang aufgehoben, aber nach Ablauf derselben -erneuert, da die Generale sich über die Bedingungen nicht einigen -konnten. Am 24. machten die Amerikaner einen Ausfall und drangen an -einzelnen Stellen bis zur zweiten Parallele vor, wurden aber sofort -wieder in die Stadt zurückgeworfen. Am 26. nahmen die Briten ein Fort in -Besitz, welches den Cooper River beherrschte, sodass die Belagerten -nunmehr völlig in Charleston eingeschlossen waren. - -In der Nacht zum 3. Mai ruderte eine Abteilung aus dem Lager des -Angreifers heimlich an einen Dreimaster heran, welcher dicht vor der -Stadt lag. Sie erkletterten das Deck, welches sie unverteidigt fanden, -lichteten die Anker und nahmen das Schiff mit in die britischen Linien. -Am nächsten Morgen, als sie bei der Untersuchung ihrer Beute hinunter -stiegen, ergab es sich, dass es ein Lazarethschiff war, gefüllt mit -Pockenkranken. - -Die Belagerung näherte sich ihrem Ende. In der Nacht zum 7. Mai 1780 -wurde Fort Moultrie von Seeleuten genommen. Am 8. wurden die -Verhandlungen wegen der Übergabe wieder aufgenommen, jedoch abermals -abgebrochen; bis schliesslich am 11. Clintons Bedingungen durchgesetzt -wurden, welche darin bestanden, dass die Besatzung mit verhüllten Fahnen -und klingendem Spiel (aber nicht mit einem englischen oder hessischen -Marsch) ausmarschieren und ausserhalb derselben die Waffen niederlegen -sollten. Die Continentals wurden kriegsgefangen, die Miliz sollte auf -Ehrenwort in die Heimat zurückkehren. Auf Grund dieser Kapitulation -marschierten die Continentals am 12. aus; die Musik spielte einen -türkischen Marsch. Die Offiziere durften ihre Säbel behalten, mussten -sie aber einige Tage später abliefern, weil sie »Unordnung« in der Stadt -hervorrufen würden. Die Besatzung war in einen sehr zerlumpten und -bedauerlichen Zustand herabgesunken. Sie war nicht viel mehr als halb so -stark als die Belagerer, die amerikanische Miliz mit inbegriffen. Die -Continentals waren ungefähr 2500 Mann stark, die englische Armee -wenigstens 12000 Mann. Die Stadt war nur durch Erdwerke verteidigt, und -eigentlich mehr ein verschanztes Lager als eine Festung. Der Verlust der -Belagerer an Toten und Verwundeten ist in einem hessischen Journal auf -265 Mann angegeben. - -Die Stadt Charleston hatte ungefähr 15000 Einwohner und war eine der -reichsten und schönsten Städte in Nord-Amerika. Die grossen und schönen -Häuser waren nicht dicht nebeneinander gebaut, sondern es war der -bessern Luft wegen viel freier Raum gelassen. Sie waren sehr gut -eingerichtet mit Mahagoni-Möbeln und Silbergerät, und es wurde viel auf -Reinlichkeit gehalten. Die Strassen waren ungepflastert und sandig, -hatten aber auf den Seiten einen schmalen Fussweg. Selbst im Mai war -der Staub unerträglich. Die meisten reichen Familien waren bei der -Annäherung der Briten geflohen. Es waren auch viel Deutsche und deutsche -Juden in der Stadt, und viele Ärzte wegen des ungesunden Klimas. Die -Frauen, wenigstens die meisten von denen, die zurückgeblieben waren, -waren bleich und hässlich. Der Ort war natürlich voll von Negern, die -die Hälfte der Bevölkerung ausmachten. - -Die Neger waren im britischen Lager angesammelt, zwei Transporte von -ihnen waren Ende Februar von Savannah aus geholt worden. Die Sklaven der -Rebellen waren konfisziert worden. Diese Sklaven in Süd-Karolina waren -die am meisten heruntergekommenen auf dem Kontinent und von ihren -frühern Besitzern am schlechtesten behandelt worden. Die Feldarbeiter -unter ihnen erhielten, einem hessischen Journal zufolge, täglich -gewöhnlich ein Quart Reis oder Indian corn, das sie halb gekocht assen, -da sie es in dieser Zubereitung nahrhafter fanden als ganz gekocht. -Viele hatten kaum einen Lappen, um ihre Blössen zu bedecken. Nur wenige -verstanden Englisch. Am 31. Mai bekam jedes Regiment, das nach New-York -ging, zehn Sklaven. Die Neger bildeten einen Teil der Kriegsbeute, und -Tausende wurden zum Verkauf nach West-Indien verschifft. - -Anfang Juni segelte Sir Henry Clinton nach New-York. Mit ihm gingen die -hessischen Grenadiere und Jäger, einige hessische Regimenter blieben -zurück. - -Die Expeditionen nach Savannah und Charleston waren nicht die am -weitesten entfernten, an denen die deutschen Hilfstruppen beteiligt -waren. Im Herbst 1778 wurden ungefähr 1200 Mann Waldecker und -Provinzials unter Generalmajor John Campbell abgesandt, um die -Garnisonen von West-Florida zu verstärken. Sie segelten Anfang November, -liefen Jamaica an und landeten Ende Januar 1779 in Pensacola. Pensacola -war damals eine Stadt von ungefähr 200 hölzernen Häusern, die durch -Forts aus Holz und Sand verteidigt wurde. Sie lag in einer Sandwüste, -die von dichten, unermesslichen Wäldern umgeben war. Nach Georgia reiste -man auf dem alten Handelsweg vier Wochen lang. Die Wälder wurden durch -Indianer beunruhigt, die von den Briten für jeden feindlichen Skalp drei -Pfund Sterling erhielten. Die Waldecker fanden unter den Indianern einen -Landsmann, Namens Brandenstein, der in seiner Jugend aus dem -waldeck'schen Dienst desertiert war und nach vielen Abenteuern die -Sitten und Gewohnheiten eines indianischen Kriegers angenommen hatte. - -Die Besatzung von Pensacola war zuerst damit beschäftigt, die Stadt zur -Verteidigung einzurichten. Oberstlieutenant Dickson, ein englischer -Offizier, hielt Baton Rouge. Im Lauf des Sommers 1779 wurden ihm drei -Kompagnien Waldecker zur Verstärkung zugesandt. Inzwischen war zwischen -England und Spanien Krieg ausgebrochen. Don Bernardo de Galvez, der -spanische Gouverneur von New-Orleans, war ein junger und energischer -Mann. Er erbeutete mehrere kleine Schiffe auf dem Mississippi und in der -Nähe seiner Mündung. Im September wurden 53 Waldecker auf dem Lake -Pontchartrain zu Gefangenen gemacht. Die Spanier gingen gegen Baton -Rouge vor und begannen nach zwei vergeblichen Versuchen, die Werke mit -Sturm zu nehmen, eine regelrechte Belagerung. Dickson kapitulierte, und -die Besatzung marschierte mit allen Kriegsehren aus dem Fort heraus. Sie -zählten über 400, die Belagerer unter Galvez zwischen 1400 und 2000 -Mann. Beinahe die Hälfte der kapitulierenden Besatzung waren Waldecker, -und mehr als 30 waren von dem Regiment gefallen oder verwundet. - -Die Nachricht von Dicksons Übergabe erreichte Pensacola am 20. Oktober, -wurde aber zuerst mit Unglauben aufgenommen. »Ist dies nicht ein -verwünschtes Land, um Krieg darin zu führen,« schreibt der Waldecker -Kaplan, »wo der grössere Teil des Korps seit fünf Wochen gefangen -genommen, 1200 Meilen Landes im Besitz des Feindes sind, und der -kommandierende General weiss es noch nicht einmal mit Bestimmtheit.« - -Im März 1780 rückte ein Teil der Besatzung von Pensacola zum Entsatz von -Mobile aus, kam aber zur Rettung dieser Stadt zu spät. Bald nach -Rückkehr der Truppen nach Pensacola kam vor dem Hafen eine spanische -Flotte von 21 Schiffen in Sicht, verschwand aber drei Tage später -wieder. Die Spanier hatten das Land bis zum Pertido River in Besitz, -überschritten diesen einmal im April, wurden aber von den Indianern -zurückgeworfen. Indes waren letztere sehr unzuverlässige Hilfstruppen. -Der Rest des Jahres 1780 verlief ohne jegliches Ereignis von Bedeutung -in Florida. - -Anfang Januar 1781 machte Oberst von Hanxleden mit 115 Weissen und 300 -Choctaws eine Expedition gegen French Village. Sie fanden aber einen -hartnäckigen Widerstand und wurden zurückgeschlagen. Die Zahl der Toten -und Verwundeten auf englischer Seite war beträchtlich; unter den -Gefallenen befand sich auch Oberst von Hanxleden. Am 9. März erschien -eine spanische Flotte von 38 Schiffen vor Pensacola, und während der -folgenden Nacht wurde ein Truppen-Korps auf der Insel Santa Rosa -ausgeschifft, welche am Eingang des Hafens liegt. Von da ab nahm die -Belagerung des Ortes ihren regelmässigen Fortgang. Am 19. lief die -Flotte, indem sie einen günstigen Wind benutzte, bei den -Befestigungswerken vorbei, in die Bai ein. Von Zeit zu Zeit erhielten -die Spanier Verstärkungen. Am 15. April brachte ein Deserteur die -Nachricht, dass Galvez 10000 Mann stark sei. Der Schreiber des Waldecker -Journals erwähnt diese Truppenzahl als fünfzehnmal stärker als die in -Pensacola, woraus man entnehmen kann, dass General Campbell zwischen 6 -und 700 Weisse befehligte. Die Indianer leisteten, obwohl dem Trunk -ergeben, barbarisch und undiszipliniert, den Engländern gute Dienste. -Schliesslich, am Morgen des 8. Mai, krepierte eine Bombe in dem -Pulver-Magazin einer der Redouten, durch die viele pennsylvanische -Tories, die das Werk besetzt hielten, getötet wurden und eine grosse -Verwirrung entstand. Hieraufhin verstärkten die Spanier ihr Feuer, und -am Nachmittag desselben Tages zog General Campbell die weisse Flagge auf -und ergab sich unter der Bedingung, dass die ganze Besatzung nach -New-York eingeschifft werden und bis zur Auswechselung nicht mehr gegen -Spanien oder dessen Verbündete kämpfen sollte. Da zu jener Zeit die -Vereinigten Staaten nicht mit Spanien verbündet waren, so konnten die -Waldecker sofort gegen die Amerikaner Verwendung finden. - - - - -Kapitel XXII. - -New-York in den Jahren 1780 und 1781. - - -Als Sir Henry Clinton im Dezember 1779 nach Charleston segelte, legte er -das Kommando über die Besatzung von New-York in die Hände des -Generallieutenants von Knyphausen. Die regulären Truppen in und -ausserhalb der Stadt bestanden aus etwa 6000 Engländern, Hessen und -Anspachern. Durch Bewaffnung der Einwohner und Matrosen derjenigen -Schiffe, welche im zugefrorenen Hafen lagen, gelang es Knyphausen, seine -Truppen nahezu zu verdoppeln; die neuen Rekruten waren immerhin gut -genug, um hinter den Befestigungswerken verwendet zu werden. Washington -hingegen befehligte eine kleine, schlecht verpflegte und unbezahlte -Armee, die im Frühjahr 1780 kaum 7000 Reguläre stark war, und selbst von -diesen konnte nur die Hälfte dem Garnisondienst zur Verwendung im Felde -entzogen werden. - -Der Winter war ungewöhnlich kalt. Sowohl der North- und East-River und -Long-Island-Sound, als auch der Kanal zwischen Staten-Island und dem -New-Jersey-Ufer waren zugefroren. Dies begünstigte Unternehmungen, die -fortwährend auf beiden Seiten gemacht wurden. Im Januar landete Lord -Stirling auf Staten-Island, fand aber die dortige Besatzung in -Bereitschaft und kehrte nach New-Jersey mit seinen Leuten zurück, von -denen viele durch Erfrieren von Gliedern stark gelitten hatten. -Knyphausen traf Vorbereitungen, durch das Treibeis im Hafen hindurch -Verstärkungen nach der Insel zu senden. - -Ende dieses Monats und anfangs Februar fanden Unternehmungen gegen -Elisabethtown Newark und Youngs House statt, bei denen die Briten viele -Gefangene machten. - -Mit dem Jahr 1780 war ein frischer Geist in die Kriegführung -hineingekommen. Howe und Burgoyne hatten gehofft, nicht nur zu erobern, -sondern auch zu versöhnen. Haus und Eigentum von Nichtkombattanten war -bis zu einem gewissen Grade verschont geblieben. Clinton und Cornwallis, -die nach den Weisungen von Lord George Germaine verfuhren, gaben diese -Politik der Versöhnung auf. Expeditionen wurden nur zum Zwecke der -Plünderung und Verwüstung unternommen. Bei diesen wurden auch die Hessen -verwendet. Am Abend des 22. März 1780 z. B. wurde eine Abteilung von 400 -Mann, Briten und Hessen, über den Hudson gesetzt. Ungefähr um 3 Uhr -morgens erreichten sie Haecensack, welches zu damaliger Zeit ein -schönes, reiches Dorf war. Es wurde kein Widerstand geleistet. Nicht ein -amerikanischer Soldat war im Orte, und niemand konnte die Barbareien -verhindern, welche verübt wurden. Die Briten und Hessen brachen in die -Häuser ein und beluden sich mit Beute. Alle männlichen Einwohner, deren -sie habhaft werden konnten, wurden gefangen genommen, und nachdem das -Rauben zu Ende war, steckten sie das Stadthaus und einige der -Haupt-Wohngebäude in Brand. Bei Tagesanbruch kamen 5 oder 600 -Amerikaner von Pollingtown zu Hilfe, und es hätte den Eindringlingen -schlecht ergehen können, wenn nicht ein Detachement von ungefähr 400 -Mann unter dem Parteigänger Emmerich zu ihrer Unterstützung -herangekommen wäre. Sie wurden nach dem Hudson zurückgeworfen. Aus dem -Tagebuch des anspach'schen Musketiers Doehla entnimmt Eelking folgende -Stelle: »Wir machten beträchtliche Beute an Geld, silbernen Uhren, -silbernen Tellern und Löffeln, Haushalts-Gegenständen, Kleidern, feinem -englischen Leinen, seidenen Strümpfen, Handschuhen, Halstüchern und -andern wertvollen seidenen Sachen und Stoffen. Meine eigene Beute, die -ich glücklich zurückbrachte, bestand in zwei silbernen Uhren, drei Paar -silbernen Schnallen, einem Paar Frauen-Strümpfen in Wolle, einem Paar -Strümpfen für Männer, zwei Hemden und vier Vorhemden von feinem -englischen Leinen, zwei feinen Tischtüchern, einem silbernen Löffel und -einem Theelöffel, fünf spanischen Dollars und sechs Yorkschillings an -Geld. Das andere, nämlich elf Stücke feines Leinen und über zwei Dutzend -seidene Tücher, sechs silberne Teller und ein silberner Trinkbecher, was -ich alles in ein Bündel zusammengeschnürt hatte, musste ich wegen des -eiligen Marsches wegwerfen und den nacheilenden Feinden überlassen.« - -Knyphausen behauptet, den Amerikanern im Laufe des Winters einen Verlust -an 65 Toten und 320 Gefangenen zugefügt zu haben. Der beginnende Sommer -gab Gelegenheit zu wichtigerer Thätigkeit. Am Abend des 6. Juni 1780 -wurde die erste der fünf Divisionen des britischen Expeditions-Korps auf -New-Jersey bei Elizabethtown-Point gelandet, die vier andern Divisionen -folgten am nächsten Tage. Diese setzten sich aus beinahe sämtlichen -regulären Truppen zusammen, die Knyphausen zu seiner Verfügung hatte. -Die erste und zweite Division drangen durch Elizabethtown und -Connecticut Farms vor, wo sie ziemlichen Widerstand fanden. Bei -letzterem Ort machte die Armee Halt, die Jäger wurden gegen Springfield -vorgeschoben. Zu jener Zeit waren die Jäger nur 300 Mann stark, da ein -Teil des Korps in Charleston war, ein anderer in Kavallerie, oder besser -gesagt berittene Jäger umgewandelt worden war. Diese 300 hatten an -diesem Tage am meisten auszuhalten. Die Amerikaner fochten mit grosser -Ausdauer und griffen wiederholt mit dem Bajonnet an. Ungefähr um 1 Uhr -bekamen die Jäger Unterstützung, und der Feind wurde nach Springfield -zurückgetrieben. Es begann nun ein heftiges Feuer, ungefähr um 4 Uhr -nachmittags aber wurden die Jäger zurückbeordert in ihre erste Stellung, -wo die Armee biwakierte. Kaum als die Pickets in einigen Häusern vor der -Front postiert waren, wurden sie angegriffen. Die Jäger feuerten und -schlugen die Amerikaner eine weite Strecke zurück. Die Häuser wurden -verbrannt. Drei Geschütze wurden in Stellung gebracht, der Feind aber -erneuerte nicht seinen Angriff. Die Jäger verloren an diesem Tage 55 -Mann an Toten und Verwundeten. Während der Dämmerung brachten Deserteure -die Nachricht, dass Washington mit seiner Hauptarmee während der Nacht -in Springfield erwartet würde. Daraufhin brach Knyphausen um 11 Uhr -abends auf und kehrte nach Elizabethtown Point zurück. Am nächsten Tage -griff Lord Stirling mit der amerikanischen Avantgarde ein englisches -Regiment an, dieses wurde aber von zwei deutschen Regimentern -unterstützt, infolgedessen die Amerikaner nach Elizabethtown -zurückgeschlagen wurden. Im Lauf der nächsten Tage fanden ununterbrochen -Scharmützel statt. Am 13. machten die berittenen Jäger den Versuch, ein -amerikanisches Kavallerie-Picket zu überfallen und gefangen zu nehmen, -ihr Vorhaben wurde aber verraten, und das Picket entkam. »Es ist beinahe -unmöglich, den Feind bei irgend einer Gelegenheit zu überraschen,« sagt -das Journal des Jäger-Korps, »weil jedes Haus, in dessen Nähe man -kommt, sozusagen ein vorgeschobenes Picket ist; denn der Farmer, oder -sein Sohn, oder Knecht, und selbst seine Frau und Tochter schiessen mit -einer Flinte oder benutzen Schleichwege, um das Herannahen des Feindes -zu melden.« - -Am 19. Juni hielt Sir Henry Clinton, der eben von Charleston mit den -hessischen Grenadieren und dem Jäger-Detachement, den britischen -Grenadieren und der leichten Infanterie und den Provincial Queens -Rangers zurückgekehrt war, über Knyphausens Armee Revue ab. Es wurden -Vorbereitungen zum Vormarsch getroffen, und am 23. rückten vier deutsche -Regimenter, die Jäger, sechs Regimenter Engländer und Tories gegen -Springfield vor. Eine Zeit lang hielten die Amerikaner die Stellung bei -Connecticut Farms, zogen sich aber bald nach dem Schlachtfeld vom 7. -zurück, während die englische Armee sich auf den Höhen diesseits -Springfield entwickelte. Der Passaic River lag zwischen den beiden -Stellungen, die Amerikaner unter Major Lee hielten die Brücke. Die -Hessen durchwateten den Strom angesichts eines heftigen Feuers, während -ein englisches Regiment die Brücke angriff, wodurch Lee bis auf die -Höhen jenseits der Stadt zurückgeworfen wurde, wo er sich mit einem -stärkeren Korps vereinigte. Die Stadt Springfield wurde genommen, und -jenseits derselben schlugen sich die Jäger der Avantgarde eine Stunde -lang mit dem Feinde herum. Darauf steckten die Briten die Stadt in Brand -und zogen sich zurück. Die Jäger bildeten nunmehr die Arrieregarde und -konnten kaum zwischen den brennenden Häusern hindurchkommen. Die -Amerikaner drängten scharf nach und erschwerten ihnen den Rückzug. -Ungefähr zwei Meilen von Elizabethtown wurden die Jäger von einem -englischen Regiment aufgenommen, und der Rückzug wurde bis Elizabethtown -Point fortgesetzt. Hier nahmen die Truppen ihre alten Stellungen ein, -bekamen aber während der Nacht den Befehl, aus dem Lager aufzubrechen -und nach Staten Island überzugehen. Dies geschah, und die Schiffbrücke, -die am 11. zwischen der Insel und dem Festlande gebaut war, wurde sofort -abgebrochen, während ein hessisches Regiment in dem Brückenkopf auf dem -Jersey-Ufer verblieb, bis diese Operation vollendet war. Ungefähr um 3 -Uhr morgens war die ganze Armee übergegangen. Der Verlust der Jäger am -Tage vorher war beträchtlich, vierundzwanzig Tote und Verwundete bei dem -Angriff auf die Brücke über den Passaic-River, und wahrscheinlich -ebensoviel jenseits des Flusses und auf dem Rückzuge. - -Diese Expedition nach Springfield war der letzte Versuch, den Sir Henry -Clinton machte, um Washingtons Hauptarmee in New-Jersey anzugreifen. Der -übrige Teil des Jahres verlief, abgesehen von dem Verrat Arnolds und der -Hinrichtung von André in den Nordstaaten, ohne besonders wichtige -Ereignisse; auch ist in der ersten Hälfte des Jahres 1781 kein -Zusammenstoss zu verzeichnen, welcher als etwas anderes als ein -Scharmützel gelten könnte. - -Am Abend des 2. Juli 1781 war der Parteigänger Emmerich mit hundert Mann -nach Philipps House marschiert. Während der Nacht hatte Oberstlieutenant -von Wurmb die Meldung bekommen, dass die amerikanische Armee auf -New-York im Anmarsch wäre, und dass deren Avantgarde bei Sing-Sing -beobachtet worden sei. Es wurde deshalb ein Oberstlieutenant mit 200 -Jägern und 30 Kavalleristen bei Morgengrauen abgesandt, um Nachrichten -zu bringen und den Rückzug Emmerichs zu decken. Der Oberstlieutenant -ging über Kingsbridge den Harlem Creek entlang, gleichzeitig einen -Unteroffizier und 10 Mann mit dem Auftrag entsendend, die Ruinen des -Forts Independence, welches seine Strasse beherrschte, zu -rekognoszieren. Beim Erreichen der Höhe, auf welcher das Fort erbaut -worden war, bemerkte der die Rekognoszierungs-Patrouille befehligende -Sergeant Rübenkönig in nächster Nähe einige Leute. Nicht im Stande, in -der Morgendämmerung zu unterscheiden, wer sie wären, ging er ihnen -allein entgegen und glaubte die blauen Röcke mit den strohfarbenen -Besätzen des Regiments von Donop, von welchem ein Teil unter Emmerichs -Kommando war, zu erkennen. Er hätte ihnen beinahe »Guten Morgen« -gewünscht, als ein halbes Dutzend Leute auf ihn los sprang, ihn bei den -Haaren und dem Bandolier seiner Patronentasche fasste und versuchte, ihn -festzuhalten. Rübenkönig aber entwand sich ihren Händen und eilte unter -dem Ruf: »Rebellen, Rebellen!« zu seiner Abteilung. - -Die Avantgarde der Jäger befand sich unterdessen auf dem Engweg zwischen -dem Hügel, auf welchem das Fort war, und Harlem River. Die Leute hatten -ihren Rückweg durch einen Morast zu machen. Die Stelle, wo die -Hauptabteilung aufmarschiert war, war eng und unvorteilhaft. Der erste -Ansturm gegen die Amerikaner wurde abgeschlagen, wobei die Deutschen in -Unordnung zurückgingen. Darauf attackierte die Kavallerie ohne Erfolg, -die Amerikaner aber zogen sich nach den Ruinen des Forts zurück, wodurch -die Jäger Zeit fanden, sich in Ordnung und in einer günstigen Stellung -zu sammeln. Schliesslich wurden die Amerikaner aus ihrer Stellung -vertrieben, wohl infolge der Annäherung von Verstärkungen auf Seiten der -Deutschen, denn Oberstlieutenant von Wurmb traf um diese Zeit ein. Sie -zogen sich auf eine Höhe in einer Entfernung von ungefähr 1000 Yards -zurück, etwa 6-700 Mann stark. Emmerich hatte sich mit seiner Abteilung -inzwischen über den Spyt den Duyvel Creek zurückgezogen, und war, da die -Brücke in Händen des Feindes war, von den Jägern abgeschnitten worden. -Das ganze Korps mit der Kavallerie ging deshalb vor, um die Brücke zu -nehmen; die Amerikaner zogen sich langsam zurück. Wurmb machte hier, -nachdem er seinen Auftrag soweit ausgeführt, und in dem Glauben, der -Feind wollte ihn in einen Hinterhalt locken, mit seinem Detachement -Halt und schickte Meldung an das Hauptquartier. Am Nachmittag ging die -amerikanische Armee vor und lagerte auf Valentines Hill in einer -Ausdehnung von Courtlands Reach bis Spyt den Duyvel. Der hessische -Verlust in diesem Gefecht betrug 30 Mann tot und verwundet. - -Am 6. Juli 1781 vereinigte sich die französische Armee unter Rochambeau -mit der von Washington vor New-York; länger als einen Monat bestand die -Kriegführung in Scharmützeln; Sir Henry Clinton machte sich nämlich -darauf gefasst, in New-York belagert zu werden, sobald die französische -Flotte von West-Indien ankommen würde. - -Am 18. August 1781 wurde das Übergehen des Feindes über den North-River -gemeldet. Doch noch immer wurden Clintons Augen nicht geöffnet. -Vergebens machte Oberstlieutenant von Wurmb von den Jägern, der die -Erlaubnis hatte, auf eigene Faust Spione auszuschicken, den -Oberkommandierenden darauf aufmerksam, dass die vereinigte Armee auf dem -Marsche nach Virginia begriffen sei. Der Oberstlieutenant nahm dies aus -zwei Gründen an. Der erste war, dass Vorbereitungen getroffen wurden, -die Amerikaner und Franzosen auf der Strasse durch New-Jersey mit -Lebensmitteln und Fourage zu verproviantieren; der zweite, dass der -Oberstlieutenant gehört hatte, eine Amerikanerin, die Gattin eines -höhern französischen Offiziers, wäre angewiesen worden, nach Trenton zu -gehen. General Clinton liess sich nicht überzeugen, bis es zu spät war, -dieser Bewegung entgegen zu treten. - -Selbst nachdem ihm Washingtons Plan klar geworden war, war er nicht -gewillt, seine ganze verfügbare Streitmacht wenigstens zu einer -Diversion zu Gunsten von Lord Cornwallis zu verwenden. Es lässt sich -jetzt schwer sagen, ob eine Unternehmung gegen Philadelphia oder den -Hudson hinauf eine Umkehr der Verbündeten von Ihrem Zug nach dem Süden -veranlasst haben würde. Clinton indessen begnügte sich damit, -Vorbereitungen zur Einschiffung eines Korps nach Yorktown zu treffen, -und ein Detachement unter Benedict Arnold, der kurz vorher von Virginia -zurückgekehrt war, nach der Küste von Connecticut zu entsenden. Arnold -erreichte an der Spitze von zwei englischen Regimentern und 100 -hessischen Jägern am 6. September New-London und stürmte das Fort, -dessen kleine Besatzung eine verzweifelte Gegenwehr machte. Arnold -steckte einen Teil der Stadt, die Magazine und die Schiffe auf dem -Stapel in Brand. Die Schiffe im Hafen entkamen den Fluss hinauf. - -Nicht vor dem 19. Oktober kam die britische Flotte dazu, in See zu -stechen, um Lord Cornwallis zu Hilfe zu kommen. Die hessischen -Grenadiere und die andern Truppen waren an Bord der Kriegsschiffe -genommen worden. Am 28. Oktober traf die Flotte am Eingang in die -Chesapeake Bay ein, und erhielt vom Ufer aus die Nachricht von der -Übergabe Cornwallis. »Diese zweite Burgoynade,« schreibt ein hessischer -Offizier, »wird jedenfalls viel dazu beitragen, den Krieg zu einem -unglücklichen Ende zu bringen.« Diese Voraussagung hat sich vom -Standpunkt des Offiziers aus bewahrheitet. Doch jetzt müssen wir unsere -Aufmerksamkeit auf die Ereignisse lenken, die zur Katastrophe von -Yorktown führten. - - - - -Kapitel XXIII. - -Der Feldzug im Süden im Jahre 1781. - - -Als Sir Henry Clinton im Juni 1780 von Charleston absegelte, befanden -sich zwei hessische Regimenter bei der Besatzung, die er zurückliess; -und bald nachher kam noch ein drittes Regiment hinzu, welches von -Savannah dorthin befördert wurde. Einen Bericht über eine Teilnahme -dieser Regimenter an dem Feldzug, den Lord Cornwallis in Süd- und -Nord-Carolina führte, kann ich nirgends finden. Am 16. August 1780 war -die amerikanische Armee unter General Gates bei Camden vereinigt; am 18. -überfiel Tarleton eine Truppen-Abteilung unter Sumter. Sechs Wochen -später hatte sich das Blatt durch das glänzende Gefecht bei Kings -Mountain gewendet, in welchem ungefähr 1400 Hinterwäldler einen Berg -umzingelten und erstürmten, der von einer gleichen Zahl von britischen -regulären Truppen und Provincials besetzt war; zwei Fünftel davon wurden -getötet oder verwundet, der Rest gefangen genommen. - -[Illustration: LORD CORNWALLIS'S OPERATIONEN IM SÜDEN. 1781.] - -Im Oktober 1780 begab sich General Leslie mit mehreren englischen -Regimentern, dem hessischen Regiment von Bose und einem Detachement von -100 Jägern von New-York nach den Süd-Staaten. Sie landeten in Portsmouth -in Virginien, verliessen diesen Ort aber bald wieder, um nach Charleston -abzurücken, wo sie gegen Ende des Jahres eintrafen. - -Mit diesen Verstärkungen zur Hand, brach Lord Cornwallis von -Wynesborough, westlich von Camden, auf und marschierte gegen General -Greene, der auf Washingtons Wunsch zum Nachfolger von Gates ernannt -worden war. Die britische Armee war ungefähr 3500 Mann stark. Auf die -Nachricht, dass Morgan mit einem detachierten Korps auf der Südseite des -Broad-River stand, beschloss Cornwallis, ihn von Greenes Hauptarmee -abzuschneiden. Zu diesem Zwecke detachierte er Oberstlieutenant Tarleton -mit ungefähr 1000 Mann. Tarleton sollte Morgan in der Front angreifen, -während Cornwallis sich am linken Ufer des Broad-River entlang ziehen -und die zurückgehenden Amerikaner gefangen nehmen wollte. Tarleton -stiess am Morgen des 17. Januar 1781 auf Morgan. Ohne die Entwickelung -seiner Truppen abzuwarten, warf sich der tapfere Kavallerie-Oberst auf -den verachteten Feind. Die amerikanische Miliz, die die erste Linie -bildete, wich zurück. Die zweite Linie, hauptsächlich aus Continentals -bestehend, blieb stehen. Tarleton gab Befehl, dass seine Reserven -vorgehen sollten. Die Amerikaner gingen zurück, machten aber wieder -Front und überschütteten den Gegner mit einem heftigen und wohlgezielten -Feuer. Dieser unerwartete Widerstand brachte die Briten in Unordnung. -Sie schwankten. Zwei Kompagnien Virginia-Miliz machten einen -Bajonnet-Angriff. Die Briten wichen auf allen Seiten zurück. Tarleton -sammelte ungefähr 50 Reiter und brachte für einen Augenblick die -Verfolgung zum Stehen. Der grösste Teil der britischen Infanterie wurde -gefangen genommen, nur die Kavallerie entkam; und die Baggage wurde -zerstört. Die Amerikaner machten ungefähr 500 Gefangene; ungefähr 100 -Engländer fielen. Der amerikanische Verlust belief sich nicht über 75 -Mann. Zwei Fahnen, zwei Geschütze, 35 Wagen, 300 Gewehre und 100 Pferde -fielen in Morgans Hände. Die Geschütze waren bereits vorher genommen -worden, einmal von Gates bei Saratoga und dann von Cornwallis bei -Camden. Morgans Gefecht, das beinahe in der Wildnis geführt wurde, ist -nach dem Orte Cowpens benannt worden, einem Orte, wo die Einwohner -dieses Landstriches ihr Vieh zusammentrieben und einsalzten. - -Bald nach diesem Siege wurde General Morgan von Rheumatismus befallen -und gezwungen, den Abschied zu nehmen. - -Nicht viele, die im Revolutionskriege gedient haben, haben ihrem Lande -bessere Dienste geleistet wie er. Es wird eine Geschichte erzählt, dass -er sich bei Winchester in dem Thal von Virginia ein Haus baute, und zwar -aus Steinen, welche die hessischen Gefangenen meilenweit auf ihren -Schultern hergeholt haben sollen. Diese Geschichte ist nicht unmöglich, -ich habe sie aber in keiner deutschen Quelle bestätigt gefunden. - -Cornwallis war enttäuscht, aber nicht mutlos gemacht durch die -Niederlage seines fähigsten Unterführers und beinahe eines Drittels -seiner Soldaten. Am Tage nach dem Gefecht bei Cowpens vereinigte sich -Leslies Division mit ihm. In wenigen Tagen marschierte er durch -Nord-Carolina, indem sich Greene vor ihm zurückzog. Letzterer wurde über -die Grenzen des Staates und über den Dan River gedrängt. Cornwallis -liess an die Tories eine Aufforderung ergehen, sich zu erheben; diese -zeigten sich auch dazu geneigt, eine Abteilung von ihnen wurde aber von -einer Übermacht unter Henry Lee und Pickens angegriffen und zerstreut, -während die andern entmutigt sich wieder nach Hause begaben. - -Schliesslich erhielt General Greene Verstärkungen, ging wieder vor bis -nach Guildfield Court House in Nord-Carolina und bereitete sich zur -Schlacht vor. Seine Armee bestand aus 1651 Continentals und über 2000 -Milizen. Lord Cornwallis befehligte 1875 Veteranen. Am 15. März 1781 -entwickelte Greene seine Armee in drei Linien. Die vorderste war aus -Nord-Carolina-Milizen zusammengesetzt und in einem Wald hinter einem -Gatter aufgestellt. Ein Teil dieser Linie stand an dem Rande eines -ausgerodeten Stück Landes. Der linke Flügel derselben hatte als -Unterstützung eine Abteilung von Schützen unter Oberstlieutenant Henry -Lee und Oberst Campbell. Greenes zweite Linie, 300 Yards hinter der -ersten, bestand aus Virginia-Milizen. Sie standen in dichtem Walde. Die -dritte Linie war aus allen Continentals der Armee zusammengesetzt. -Dieser Streitmacht gegenüber liess Lord Cornwallis nach einem -Avantgarden-Geplänkel seine Armee in zwei Divisionen aufmarschieren. Den -linken Flügel kommandierte Oberstlieutenant Webster, den rechten -Brigade-General Leslie. Der rechte Flügel stiess zuerst auf die -Nord-Carolina-Miliz, die bei dessen Annäherung zurückwich. Lee und -Campbell mit ihren Schützen hielten tapfer aus. Die Briten gingen gegen -die Virginia-Miliz vor. Die Engländer waren nun auf ihrer ganzen Front -engagiert, und die Virginier verteidigten sich so tapfer, dass Lord -Cornwallis genötigt war, seine Reserven heranzuholen. Die zweite Linie -der Amerikaner wurde alsdann zurückgedrängt, und die Briten drangen -weiter vor gegen die Continentals. Hierbei kamen die Engländer in dem -dichten Wald in ziemliche Unordnung. Oberstlieutenant Webster mit seiner -Brigade stiess zuerst auf die Continentals. Da er aber zu übereilt -vorgegangen war, so wurde er zurückgeworfen bis hinter einen Ravin. Das -zweite Maryland-Regiment jedoch war durch einen Angriff des zweiten -Bataillons der englischen Garde durchbrochen worden; zwei 6-Pfünder -wurden genommen. Das erste Maryland-Regiment und Oberst Washingtons -Kavallerie attackierten die Garden, warfen sie zurück und nahmen die -Geschütze wieder. Darauf feuerte Lieutenant Macleod von der britischen -Artillerie mit zwei 3-Pfündern auf Freund und Feind. Washingtons -Dragoner wurden geworfen. Webster ging wieder vor, unterstützt von einem -Teil von Leslies Division, und General Greene trat mit seiner Armee den -Rückzug an, indem er seine Geschütze, deren Pferde gefallen waren, im -Stich lassen musste. - -Von den Hessen waren ein Jäger-Detachement und das Regiment von Bose an -diesem Kampfe beteiligt. Dies Regiment stand auf dem rechten Flügel. Es -stand während des ganzen Gefechts den Schützen unter Lee und Campbell -gegenüber, die es mit grossem Ungestüm in Front und Rücken angriffen. -Das Regiment hielt sich mit grosser Tapferkeit in seiner Stellung, und -diente dem ersten Bataillon der englischen Garde, welches in Unordnung -hatte zurückgehen müssen, als Aufnahme und Rückhalt. Eelking und -Bancroft sprechen dem hessischen Regiment einen entscheidenden Anteil an -dem Siege zu. Ein so bedeutender Anteil kann ihm kaum zugestanden -werden, indessen verdienten die Soldaten und ihr Führer Oberstlieutenant -du Puy vollkommen die ehrenvolle Erwähnung, die ihnen in dem Tagesbefehl -von Lord Cornwallis zu Teil wurde. - -Das ganze Gefecht dauerte ungefähr zwei Stunden. Der ganze Verlust der -Briten betrug 532 Mann, von denen 80 auf das Regiment von Bose kamen. - -Cornwallis Armee war durch diesen Sieg so zusammengeschmolzen, dass er -gezwungen war, über die Grenzen Virginiens nach Wilmington zu -marschieren, um ihr eine Rast zu verschaffen; die Schwerverwundeten -musste er zurücklassen. - -Nachdem sich Lord Cornwallis bis zur Küste zurückgezogen hatte, wurde -Greene Herr über die Staaten Nord- und Süd-Carolina. Vor Mitte September -hatten die Amerikaner drei Schlachten verloren und drei Provinzen -gewonnen. Nacheinander bei Camden, Ninety-six und Eutaw-Springs -geschlagen, nahm Greene und die Parteigänger, die mit ihm cooperierten, -eine Anzahl kleiner Posten durch Belagerung oder Sturm, führte die -Kapitulation von Augusta und den Entsatz von Camden und Ninety-six -herbei. Im Herbst 1781 hatten die Briten von den drei südlichsten -Staaten nichts mehr im Besitz mit Ausnahme von Savannah, Charleston und -Wilmington. - -Am 10. Dezember 1780 segelte Benedict Arnold, der nunmehr britischer -Brigade-General war, an der Spitze von ungefähr 600 Mann, -einschliesslich 100 hessische Jäger unter Kapitain Ewald, von New-York -ab. Arnold erreichte den James-River Anfang Januar 1781. Dort stand ihm -nichts als eine kleine Schaar Milizen unter Baron Steuben entgegen. -Arnold steckte die Stadt Richmond mit ihren Vorräten an Tabak in Brand -und zog sich wieder nach Portsmouth an der Mündung des James zurück. -Nicht lange nachher gaben die Jäger einen neuen Beweis ihrer Tapferkeit. -Am 19. März 1781 ging General Lafayette mit einer Abteilung von etwa 500 -Mann gegen die englische Stellung vor, zersprengte ein Picket von den -Jägern und nahm es zum Teil gefangen und näherte sich der Stellung, die -von Kapitain Ewald besetzt war. Diese war zuerst von einem -Unteroffizier und 16 Mann gehalten worden. Der Kapitain und 19 Mann -nahten eilig zu ihrer Unterstützung heran. Die Amerikaner mussten über -einen schmalen Deich avancieren, der einige 30 Schritte lang war, und -auf dem sie dicht gedrängt vorgingen. Jeder Schuss musste treffen, -sodass neunundzwanzig totgeschossen oder verwundet wurden. Die Jäger -verloren nur zwei Mann, und Lafayette musste sich zurückziehen. »Man -muss nur bei solchen Gelegenheiten,« sagt Ewald, »die Hacken an den -Stiefeln fest in die Erde schrauben und an kein Weichen denken, dann -wird man selten Gegner finden, die uns aus solch einer Stellung -herauswerfen.« Ewald war in diesem Gefecht am Knie verwundet worden. -Eelking berichtet, dass Arnold nach demselben den Kapitain besucht habe. -Ewald machte dem General Vorwürfe, dass er die Jäger nicht unterstützt -hätte. Arnold erwiderte, er habe die Stellung für verloren gehalten. »So -lange noch ein Jäger am Leben ist,« rief der Kapitain wütend aus, »soll -kein -- Amerikaner über den Deich kommen.« Arnold, der sich noch als -Amerikaner betrachtete, nahm dies übel und zeigte es dadurch, dass er es -unterliess, das gute Verhalten der Jäger in dem Tagesbefehl zu erwähnen. -Ewald beklagte sich hierüber bei Arnolds Adjutanten, worauf der General -sich am folgenden Tage bei ihm entschuldigte und die Erwähnung -nachträglich erfolgen liess. Inzwischen war Lafayette mit 1200 -Continentals nach Virginien beordert worden. Der junge General brach -sofort mit einem Teil seiner Streitkräfte auf und liess Wayne mit dem -Rest folgen. Zehn französische Kriegsschiffe sollten mit dem Marquis -gemeinsam operieren. Diese trafen am 16. März unweit der Kaps von -Virginien auf das englische Geschwader. Nach einem Gefecht von zwei -Stunden segelte die französische Flotte nach Newport zurück, während die -englische sich nach der Chesapeake-Bay begab. Die Verteidigung von -Virginien hatte man ausschliesslich den Landtruppen überlassen müssen, -diese zeigten sich aber dieser Aufgabe nicht gewachsen. - -Am 19. März segelte Generalmajor Phillips, derselbe, welcher bei -Saratoga mit Burgoyne zusammen gefangen genommen worden war, von -New-York, um das Kommando über die englischen Truppen in Virginien zu -übernehmen. Er nahm 2000 Mann Verstärkungen mit, und beinahe dieselbe -Zahl folgte sechs Wochen später. General Phillips machte bald nach -seiner Ankunft einen Vorstoss von Portsmouth aus den James River hinauf, -plünderte und steckte alles in Brand auf beiden Ufern, liess die Neger -wegtransportieren und nach West-Indien verschiffen, zerstörte unter den -Augen von Lafayette, der auf der Nordseite des Flusses geblieben war, -die Magazine und setzte sich am 9. Mai in den Besitz von Petersburg, wo -sich seine Armee mit der von Lord Cornwallis, die von Wilmington im -Anmarsch war, vereinigen sollte. Vier Tage später starb General Phillips -an einem heftigen Fieber und Arnold hatte wieder die Führung über die -Armee. Am 20. jedoch traf Lord Cornwallis in Petersburg ein und sandte -kurz darauf den Verräter nach New-York zurück. - -Cornwallis brach am 24. Mai von Petersburg auf, ging 25 Meilen unterhalb -Richmond über den James River und war am 1. Juni bei Cooks Ford am North -Anna-River in der Nähe von Hanover Court House. Von da schickte er -Tarleton nach Charlottesville, wo der Landtag von Virginien seine -Sitzungen abhielt. Tarleton sprengte den Landtag auseinander und nahm -einige der Mitglieder gefangen. Inzwischen war Simcoe entsandt worden, -um einige Magazine und Vorräte bei Point of Fork, wo der Rivanna-River -sich in den James ergiesst, zu zerstören resp. in Besitz zu nehmen. Er -nahm wahr, dass die Vorräte, die von General Steuben bewacht wurden, -sich auf der Südseite des James River befanden. Es gab dort keine Furt, -und Simcoe hatte nur einige kleine Boote. Er nahm deshalb seine -Zuflucht zu einer Kriegslist. Indem er seine 400 Mann, die er halb -zeigte, halb verborgen hielt, in einer langen Linie entwickelte, machte -er Steuben glauben, dass sein Detachement die Avantgarde von Cornwallis -Hauptarmee wäre. Und Steuben, der sich nicht überlegte, dass mit so -wenig Kähnen zum Übersetzen eine ganze Armee kaum gefährlicher war als -ein Detachement, zog sich unter Zurücklassung eines Teils seiner Vorräte -zurück. 24 Mann wurden darauf über den Fluss gesetzt, und, während die -Hälfte davon die Vorräte zerstörten, hielt der Rest Wache, ohne dass sie -im mindesten gestört wurden. - -Lafayette ging nach Norden bis zum Rappahannock zurück, wo Wayne ihm -Verstärkungen zuführte. Der Marquis wandte sich darauf in Eilmärschen -nach Süden und Westen und postierte sich zwischen die britische Armee -und die Vorräte des westlichen Teils des Staates. Er war jedoch noch zu -schwach, um eine Schlacht wagen zu können. Cornwallis unternahm nichts -gegen ihn, sondern wandte sich am 15. Juni der Küste zu. Dies gab -Lafayette einen unstreitigen Vorteil. Er folgte Cornwallis in -respektvoller Entfernung auf seinem Marsche. Die Armee unter Lafayette -zählte zu jener Zeit 4500 Mann, von denen nur 1505 Reguläre waren. - -Es fanden auf diesem Rückmarsch nur zwei Gefechte statt; das eine am 26. -Juni. Eine Abteilung unter Simcoe und Ewald, die die Arrieregarde der -britischen Armee bildete, wurde von einem Detachement der Division Wayne -angegriffen und teilweise überrascht. Die Briten und Hessen hatten gegen -Mittag nicht weit von Williamsburg eine Rast gemacht, als die Amerikaner -eine heftige Attacke auf sie unternahmen. Die Kavallerie jedoch war -schnell aufgesessen, die Jäger an den Gewehren, und die Amerikaner -wurden zurückgeschlagen mit einem Verlust von 30 oder 40 Mann auf beiden -Seiten. - -[Illustration: YORKTOWN. 1781. - -A. Redoute, von den Franzosen genommen. - -B. Redoute, von den Amerikanern genommen.] - -In Williamsburg erhielt Lord Cornwallis den Befehl, 3000 Mann nach -New-York zurückzusenden, welches Clinton durch die vereinigte Armee der -Franzosen und Vereinigten Staaten bedroht glaubte. Um diesen Befehl zur -Ausführung zu bringen, setzte Cornwallis seinen Marsch auf Portsmouth -fort. Am 4. Juli verliess er sein Lager bei Williamsburg und marschierte -nach Jamestown in der Absicht, den James-River zu überschreiten. Die -Rangers unter Simcoe und die Jäger unter Ewald gingen in derselben Nacht -über. Ein Teil der Baggage wurde am folgenden Tage übergesetzt. Am 6. -Juli blieb Cornwallis mit der Armee in Jamestown, wo der General die -Nachricht erhielt, dass Lafayette im Anmarsch sei, um ihn anzugreifen. -Dies war, was Cornwallis wollte, denn er hatte eine günstige Stellung -und eine viel grössere Zahl von regulären Truppen als Lafayette. - -Am Nachmittag des 6. Juli ging Lafayette vor, war aber noch im Unklaren -darüber, ob die Hauptarmee von Lord Cornwallis oder nur seine -Arriere-Garde auf dem linken Ufer des James wäre. Die Amerikaner gingen -vorsichtig vor. Wayne griff mit ungefähr 500 Mann an. Die britischen -Pickets hatten Befehl erhalten, hartnäckigen Widerstand zu leisten und -sich dann zurückzuziehen. Ermutigt hierdurch, entwickelte Wayne auch den -Rest seiner Brigade, sodass er mehr als 1000 Mann in Thätigkeit gesetzt -hatte. Die übrigen Continentals der Armee folgten als Reserve. Es schien -nunmehr Cornwallis der Augenblick zum Schlagen gekommen zu sein. Seine -Armee war in zwei Treffen aufmarschiert. Das erste bestand aus ungefähr -2500 Mann, das zweite, zu dem das Regiment von Bose gehörte, war etwa -1000 Mann stark. Wayne und Lafayette merkten den Fehler, den sie -begangen hatten und sahen, dass er am besten durch ein kühnes Wagnis -wieder gut gemacht werden könnte. Wayne ging mit seiner Brigade vor. -Dies brachte die Briten zum Stehen. Die feindlichen Reihen standen sich -nur ungefähr 70 Yards gegenüber, und unterhielten gegenseitig ein -fünfzehn Minuten langes heftiges Feuer. Da aber nunmehr die Briten -anfingen die Amerikaner in der Flanke zu fassen, gingen letztere zurück. -Zwei Geschütze, die den Braunschweigern bei Bennington abgenommen worden -waren, mussten sie, da die Pferde totgeschossen waren, im Stich lassen. -Der Verlust der Amerikaner wird auf 139 angegeben, der der Briten auf 75 -Mann. - -Nachdem Cornwallis in Portsmouth angekommen war, erhielt er Gegenbefehl -und machte mit seiner ganzen Armee Halt. Er sollte Old Point Comfort -besetzen und verteidigungsfähig einrichten, ebenso, wenn er es für -ratsam hielte, einen andern Ort auf der Halbinsel, der sich als -Marine-Station eignete. Nachdem sich aber die Ingenieure gegen Old Point -Comfort ausgesprochen hatten, besetzte Cornwallis in der ersten Woche -des August Yorktown und das gegenüber gelegene kleine Dorf Gloucester. -Hier sammelte er schnell seine ganze Streitmacht und machte sich eilig -daran, seine Stellung zur Verteidigung einzurichten, während Lafayette -sich abwartend verhielt und ihn beobachtete. - -Gerade zu dieser Zeit war Washington benachrichtigt worden, dass die -französische Flotte unter Count de Grasse sich anschickte, an den -Operationen bei der Chesapeake Bay Anteil zu nehmen. Schnell und im -Geheimen wurden Vorbereitungen getroffen, die amerikanische und -französische Armee von New-York nach Virginien zu dirigieren. Wir haben -gesehen, dass bereits am 18. August nach der City von New-York die -Nachricht gekommen war, dass die Verbündeten im Begriff wären, den -North-River zu überschreiten. Aus Mangel an Booten hatte diese Operation -eine Woche gedauert. Sir Henry Clinton war aber, obwohl er von -Washingtons Plan Kenntnis erhalten hatte, immer noch in der Idee -befangen, als ob ein Angriff auf Staten Island beabsichtigt sei. Es -dauerte bis zum 29., bis er über seinen Irrtum aufgeklärt wurde. Unter -Zurücklassung von 4000 Mann unter General Heath zum Schutz des -Hochlands, gingen Washington und Rochambeau in Eilmärschen gegen -Cornwallis vor. - -Die verbündete Armee, die durch New-Jersey marschierte und von der das -Schicksal des Krieges abhing, war sehr schwach. Sie bestand aus 4000 -Franzosen und 2000 Amerikanern. Nachdem Philadelphia passiert war, kam -sie am 6. und 8. September 1781 in Head of Elk an. Der Count de Grasse -war bereits mit 24 Schiffen in der Chesapeake Bay angekommen; er führte -1700 Geschütze und 19 000 Seeleute mit sich. Ihm stellte sich am 5. -September Admiral Graves mit einer geringern Streitmacht gegenüber. Die -Schlacht dauerte zwei Stunden. Die Engländer gerieten, obwohl nicht -vollkommen geschlagen, in einen Zustand, der sie zu jeder weitern -Unternehmung gegen die Franzosen unfähig machte. Nach vier Tagen -segelten sie unter Überlassung der Chesapeake Bay an de Grasse, nach -New-York. - -Die Franzosen und Amerikaner, die von New-York gekommen waren, -marschierten die Bay hinunter und vereinigten sich mit dem Korps von -Lafayette und den französischen Truppen, die de Grasse gebracht hatte. -Die vereinigte Armee bei Williamsburg bestand am 27. September 1781 aus -ungefähr 7000 Franzosen, 5500 Continentals und 3500 virginischen -Milizen. In den Reihen der Continentals waren Kompagnien von allen -Staaten nördlich von Karolina. Die englische Armee in Yorktown war etwa -7000 Mann stark. Von diesen gehörten nicht ganz 1100 dem Markgrafen von -Anspach-Bayreuth, etwas mehr als 850 dem Landgrafen von Hessen-Cassel -und der Rest, etwa 5000 Mann, dem König von Grossbritannien, welchem die -ganze Armee Gehorsam gelobt hatte. Ungefähr 800 Seeleute fochten auf -jeder Seite während der Belagerung. Die französische Flotte befand sich -ausser Thätigkeit, dagegen waren die englischen Schiffe aktiv beteiligt. - -Yorktown bot keine starke Stellung; seine Verteidigung bestand nur aus -Feldschanzen. Am 30. September 1781 gaben die Briten, vielleicht zu -frühzeitig, ihre äussere Verteidigungslinie auf. In der Nacht zum 6. -Oktober wurde die erste Parallele eröffnet. Am Nachmittag des 9. begann -das Feuer aus der Parallele, und von da ab bis zum Ende der Belagerung -dauerte die Kanonade beinahe ununterbrochen fort. - -Das erste Zusammentreffen, das stattfand, war ein Scharmützel an der -Gloucester-Seite des Flusses, wo Simcoes Rangers, Tarletons Dragoner, -Ewalds Jäger und ein englisches Regiment aufgestellt waren. Ihnen -gegenüber standen mehr als 1000 Franzosen unter Choisy und de Lauzun und -12 oder 1500 Milizen unter General Weedon. Tarleton und Simcoe hatten -den Gebrauch der Karabiner bei ihrer Kavallerie verboten, und dies trug -zu ihrer Niederlage bei. Am Morgen des 3. Oktober war Lauzun gemeldet -worden, dass ausserhalb der Werke von Gloucester englische Dragoner -ständen. Beim Vorgehen zu einer Rekognoszierung sah er eine hübsche Frau -an der Thüre eines Hauses stehen, das am Wege lag. Lauzun müsste nicht -Lauzun gewesen sein, wenn er vorübergegangen wäre, ohne sie anzureden. -Sie teilte ihm mit, dass Tarleton eben bei ihr im Hause gewesen wäre, -und den dringenden Wunsch geäussert hätte, »sich die Hand mit dem -französischen Führer zu reichen«. »Ich versicherte ihr,« sagt Lauzun, -»dass ich zu dem Zweck gekommen wäre, um ihm diese Befriedigung zu -gewähren. Sie bedauerte mich sehr, indem sie, wie ich glaube, aus -Erfahrung annahm, dass es unmöglich wäre, Tarleton Widerstand zu -leisten.« - -Alsbald stiessen die französischen und englischen Dragoner aufeinander. -Tarleton erhob seine Pistole und ging auf Lauzun los. Ein Zweikampf -sollte beginnen, als Tarleton mit dem Pferde stürzte. Englische Dragoner -halfen ihrem Obersten sich in Sicherheit zu bringen, aber sein Pferd -fiel Lauzun in die Hände. - -Der 10. Oktober hatte eine tapfere That aufzuweisen. Major Cochrane -hatte New-York in einem Walfischboot mit Depeschen für Lord Cornwallis -verlassen. Er langte in der Chesapeake Bay bei hellem Tage an, lief -Spiessruthen zwischen der französischen Flotte, die ihn lebhaft -beschoss, und erreichte glücklich Yorktown. Dieser tapfere Mann sollte -jedoch zum letzten Male solches Glück erlebt haben. Zwei Tage nach -seiner Ankunft richtete er ein Geschütz mit eigener Hand. Als er über -die Brustwehr sah, um die Wirkung seines Schusses zu beobachten, wurde -ihm von einer Kanonenkugel der Kopf weggerissen. Lord Cornwallis stand -dicht an seiner Seite und entging mit genauer Not demselben Schicksale. - -In der Nacht zum 11. Oktober wurde die zweite Parallele eröffnet. Zwei -Redouten, gegenüber dem rechten Flügel der Stellung der Verbündeten, -lagen in der Verlängerung dieser Parallele. Sie mussten deshalb -notgedrungen genommen werden. Die grössere sollten die Franzosen -stürmen; dieselbe war zum Teil mit Deutschen besetzt. Die Franzosen -unter Befehl von Baron de Vioménil, wurden entdeckt und auf 120 Schritte -mit Feuer empfangen. Es verging einige Zeit, bis ein Zugang zur Schanze -hergestellt war, und als dieser passiert werden konnte, wurde der Sturm -unternommen. 92 Franzosen fielen oder wurden verwundet bei diesem -Angriff, der feindliche Verlust betrug 15 Tote und 50 Gefangene. Die -kleinere Redoute wurde durch die Amerikaner genommen; sie wurde durch -Herstellung eines Zuganges weniger aufgehalten, daher war ihr Erfolg -schneller und mit geringeren Opfern erkämpft. 9 Mann von der Kolonne -fielen, 31 wurden verwundet, darunter 5 Offiziere. - -In der Frühe des 16. Oktober wurde ein Ausfall gegen die zweite -Parallele gemacht. Einige Augenblicke war er von Erfolg, einige Kanonen -wurden vernagelt, aber die Briten wurden durch den Angriff der -französischen Grenadiere alsbald wieder zurückgetrieben, und die -Kanonen in einigen Stunden wieder gebrauchsfähig gemacht. In der -folgenden Nacht machte Cornwallis den Versuch, seine Armee über den York -River übersetzen zu lassen in der Absicht, zu versuchen, nach Virginien -zu marschieren. Heftiger Wind und Regensturm, welcher alle Boote den -Fluss hinuntertrieb, verhinderte ihn jedoch, diesen Plan zur Ausführung -zu bringen, und die Truppen, welche bereits nach Gloucester übergesetzt -waren, wurden am nächsten Morgen zurückgebracht, so dass die dortige -Garnison ihre alte Stärke behielt. - -Die britische Artillerie war nunmehr vollkommen zum Schweigen gebracht -und Cornwallis sah ein, dass er nicht länger aushalten konnte. Am 17. -Oktober 1781 wurden die Verhandlungen eröffnet und am 19. die -Kapitulation unterzeichnet und zwar unter Bedingungen, wie sie der -Hauptsache nach General Lincoln in Charleston im vergangenen Jahr -bewilligt waren. Am Nachmittag desselben Tages marschierten die Briten -und Deutschen mit verhüllten Fahnen aus ihren Befestigungswerken, ihre -Musikkorps den alten englischen Marsch spielend: »The World Turned -Upside Down.« - - - - -Kapitel XXIV. - -Schluss. - - -Cornwallis Übergabe von Yorktown entschied das Schicksal des -Revolutions-Krieges. Die Armeen ruhten während des Winters, und im -Frühjahr 1782 kehrten die Generale Clinton und von Knyphausen nach -Europa zurück. Sir Guy Carleton erhielt das Kommando in New-York, -General-Lieutenant von Lossberg wurde Führer der hessischen Division. Am -14. Dezember 1782 wurde Charleston geräumt, und am 25. November 1783, -zwei Jahre nach dem Falle von Yorktown, segelten die letzten Hessen die -Bai von New-York hinunter. »Ungefähr um zwei Uhr nachmittags lichteten -wir die Anker,« sagt das Journal des Jäger-Korps, »und als die Flotte -hinunter nach Staten Island segelte, sahen wir, wie auf mehreren Häusern -die amerikanische Flagge gehisst wurde. Keine war indessen auf Fort -George zu sehen. Bei Sonnenuntergang passierten wir Sandy-Hook, und als -die Nacht hereinbrach, verschwand das Land vor unsern Augen.« - -Die Stärke der deutschen Hilfstruppen, welche England in Amerika von -1776-1783 verwendete, belief sich im Durchschnitt auf nahezu 20 000 -Mann. Im Laufe der Zeit waren ungefähr 30 000 Soldaten herübergebracht -worden, und 17 313 kehrten nach Deutschland zurück, als der Krieg -beendet war. - -Für die Dienste dieser Truppen bezahlte England an Subsidien an die -Fürsten mehr als 1 770 000 Pfund Sterling. Dies kam hinzu zu der Löhnung -der Soldaten und zu allen Ausgaben, ausgenommen der für die Aushebung -und Bekleidung und Ausrüstung. - -Es kann daher keine Frage sein, dass für eine so bedeutende Geldsumme -Gross-Britannien ausgezeichnete Soldaten erhielt. Es ist richtig, dass -die Deutschen mehrmals mit Unglück gefochten haben, wenn sie allein und -ohne Gemeinschaft mit englischen Truppen dem Feinde gegenüber standen. -Breymanns Braunschweigern wurde es bei Bennington nicht möglich, mit -einiger Schnelligkeit vorwärts zu kommen, aber die ganze Armee Burgoynes -war sehr langsam in ihren Bewegungen. Dieser General spricht in einem -Privatbrief über die Deutschen bei Saratoga »als entmutigt und bereit, -beim ersten Schuss ihre Waffen wegzuwerfen«. Und doch hatten sie im -ersten Teil der Kampagne mit Tapferkeit gefochten und hervorragende -Dienste geleistet, sowohl bei Hubbardton als bei Freemans Farm. Bei -Saratoga waren die braunschweigischen Regimenter am meisten exponiert -auf der ganzen Linie gewesen. Wenden wir uns nun zu dem Kriege in den -mittleren Staaten, so sehen wir, wie die Hessen den Hauptanteil haben -und mit grosser Tapferkeit bei White Plains und Fort Washington kämpfen. -Wir sehen sie, durch den Erfolg zu vertrauensselig gemacht, bei Trenton -überrascht und bei Red Bank geschlagen. Bei der erstem Affaire wurden -sie in Unordnung zurückgeworfen, ihr Führer getötet, und »die Leute -hielten nirgends Stand«. Bei der letzteren Gelegenheit fochten sie mit -Verzweiflung und verloren 371 Offiziere und Leute von einer Stärke, die -kaum 2500 Mann überstieg. Es würde uns zu weit führen, wenn wir genau -die Aktionen betrachten wollten, bei denen die Deutschen nicht den -Hauptteil der Streitkräfte des Königs ausmachten, aber ich glaube, man -würde finden, dass nur bei wenigen Gelegenheiten während des Feldzuges -die hessischen Soldaten Mangel an Mut oder Disziplin zeigten. Eine -Schwierigkeit war unvermeidlich bei dem Gebrauch von Truppen -verschiedener Nationalitäten. Eifersucht und Feindschaft entstand -zwischen Offizieren sowohl wie Soldaten. Wir haben gesehen, dass Heister -abberufen wurde, weil er sich nicht mit Sir William Howe auf guten Fuss -stellen konnte, und wie Riedesel sich durch Burgoyne verletzt fühlte. -Die Briten wurden obendrein beschuldigt, bei Auswechselung der -Gefangenen nicht unparteiisch gehandelt zu haben; sie hätten ihre -eigenen Offiziere ausgewechselt, während sie die hessischen Offiziere in -Gefangenschaft belassen hätten. Riedesel ging so weit, in dieser -Angelegenheit an Washington zu schreiben, wurde aber von diesem -höflichst darauf aufmerksam gemacht, dass dies eine Sache wäre, auf die -er keinen Einfluss hätte. - -Wir können mit Bestimmtheit annehmen, dass die Eifersucht zwischen den -höhern Offizieren von den Untergebenen geteilt wurde. In einem Brief aus -Brookland (Brooklyn), datiert den 7. September 1776, schreibt ein -hessischer Kaplan: »Unsere lieben Hessen lernten ihr schweres Dasein -ertragen, und ich bemühte mich in meinen Gebeten und Predigten sie in -ihrem christlichen Heldenmut zu bestärken. Die Langsamkeit der -englischen Generale machte sie unmutig, aber noch mehr die stolzen und -beleidigenden Blicke, welche die Engländer auf die Deutschen warfen. -Dies führte oft zu blutigen Scenen. Ein Unteroffizier, zu dem ein -Engländer bei einem gemeinschaftlichen Trunk sagte: »-- -- Du Franzose, -Du nimmst unsern Sold«, antwortete ruhig: »Ich bin ein Deutscher und Du -bist ein --.« Beide zogen blank, und der Engländer wurde so schwer -verwundet, dass er starb. Der gute Deutsche wurde nicht nur durch den -englischen General begnadigt, sondern es wurden auch Befehle gegeben, -dass die Engländer die Deutschen wie Brüder behandeln sollten. Alles -dies geschieht, seitdem unsere gelehrigen Deutschen ein wenig Englisch -gelernt haben. - -Es darf indessen nicht zu viel Gewicht auf solche Geschichten gelegt -werden, von denen viele zweifellos in Amerika während des Krieges -Verbreitung fanden. »Es ist erstaunlich,« schreibt Ewald viele Jahre -später, »was für einen Unsinn Deserteure oft erzählten, nur ihren neuen -Freunden zu Gefallen, um dadurch eine gute Aufnahme zu erlangen. Nachdem -ich in Yorktown in Gefangenschaft gekommen war und die Bekanntschaft von -mehreren französischen Offizieren gemacht hatte, fragte mich ein -französischer General, der damals Chef des Regiments de Deux Ponts war, -im Vertrauen, ob die Hessen mit dem englischen Dienst nicht sehr -unzufrieden wären, da es doch für sie sehr hart gewesen wäre, immer bei -den gewagtesten Unternehmungen verwendet worden zu sein; dass sie oft -unnötig geopfert wären; dass sie immer die schlechtesten Quartiere und -die schlechteste Verpflegung bekommen hätten; dass sie ungenügend -bezahlt worden wären und an allen Dingen Mangel gelitten hätten. Über -diese Geschichte musste ich lachen und versicherte ihn, dass kein wahres -Wort daran sei, gerade das Gegenteil sei der Fall gewesen. Dies setzte -den General sehr in Erstaunen, denn jeder Deserteur hätte ihn -versichert, dass dies so gewesen wäre.« - -Es ist mehrfach behauptet worden, dass die deutschen Soldaten in Amerika -in grosser Zahl desertiert seien. Diese Behauptung ist nur zum Teil -durch Thatsachen erwiesen worden. In der Zeit, als die ersten Hessen in -Staten-Island ankamen, liess der Kongress Flugblätter, die sie zur -Desertion aufforderten, unter ihnen verteilen. Washington betrieb einige -Tage nach ihrer Landung sehr eifrig die Agitation mit diesen -Flugblättern. Die darin gemachten Versprechungen wurden von Zeit zu Zeit -erneuert. Eine Proklamation, datiert vom 29. April 1778, verspricht -fünfzig Acker Land jedem Soldaten, der übergeht, und jeder Hauptmann, -der vierzig Mann mitbringen würde, sollte achthundert Acker Wald, vier -Ochsen, einen Bullen, zwei Kühe und vier Schweine bekommen. Die -Deserteure sollten nicht gezwungen werden, auf amerikanischer Seite zu -fechten, sondern sich sofort an die Bebauung ihrer Güter begeben. -Diejenigen Offiziere indessen, die sich in die Armee der Vereinigten -Staaten einreihen lassen würden, sollten einen Rang höher bekommen als -den, den sie in ihrer frühern Armee bekleidet hatten, und bei Korps -Verwendung finden, die nur aus Deutschen gebildet und die -ausschliesslich zum Grenz- und Garnison-Dienst gebraucht würden. Diese -Versprechungen waren nicht ganz ohne Erfolg. Im August 1778 kamen zwei -hessische Lieutenants in das Lager Washingtons; sie sprachen die -Möglichkeit aus, dass ihnen andere Offiziere nachfolgen würden. Dies -verwirklichte sich jedoch nicht. Ewald behauptet, dass kein anderer -geborener hessischer Offizier desertiert sei, ich habe aber Grund -anzunehmen, dass einige Offiziere der kleineren deutschen Staaten -übergegangen sind. - -Selbst unter den Gemeinen war die Desertion geringer, als man erwartet -haben mochte. Sie war verhältnismässig gross unter den Kriegsgefangenen. -Die Armee, die sich im Oktober 1777 bei Saratoga ergab, war 5791 Mann -stark, von denen 2431 Deutsche waren. Von diesen waren bis zum 1. April -1778 655 Engländer und 160 Deutsche desertiert. Es ist kein Zweifel, -dass fortgesetzt Anstrengungen gemacht wurden, diese und jene Gefangene -zum Desertieren und zur Einreihung in die amerikanische Armee zu -bewegen. Aber Washington billigte dies durchaus nicht. Am 27. Oktober -1776 schreibt er an den Präsidenten des Kongresses: »In einem Brief von -dem »Board of War« inbetreff der Auswechselung wird erwähnt, dass -mehrere Gefangene, die wir gemacht hätten, eingereiht worden wären. Dies -ist eine Maassregel, die nicht gutgeheissen werden kann, obwohl auf -feindlicher Seite das Beispiel dazu gegeben worden ist; auch halte ich -es aus politischen Rücksichten nicht für gut. Doch da es nun mal -geschehen ist, so überlasse ich es dem Kongress, ihnen anzuempfehlen, -zurückzukehren oder nicht, wie sie es für gut befinden.« Und noch -einmal, am 30., spricht er dem Board of War dieselbe Ansicht aus, indem -er hinzufügt: »Bevor ich die Ehre hatte, mit Ihnen über diese -Angelegenheit zu verhandeln, war ich entschlossen, dem General Howe -darüber Vorstellungen zu machen. Wegen der wenigen Leute, die bereits -eingereiht sind, möchte ich nicht, dass sie wieder entlassen werden, da -ich fürchte, dass sie bestraft werden, aber ich wünschte, dass diese -Praxis in Zukunft aufgegeben würde.« In einem Brief vom 8. Oktober -desselben Jahres war er noch weiter gegangen, indem er sagte, dass -Handwerker und andere Gefangene, die zu bleiben wünschten, sollten -veranlasst werden, zurückzukehren. Am 12. März 1778 sagt er, dass, wenn -Gefangene von den Amerikanern eingereiht worden wären, dies ohne sein -Wissen geschehen wäre. »Wir haben immer gegen General Howe die Anklage -erhoben und thun es noch,« schreibt er, »dass er die Einreihung der in -seiner Hand befindlichen Gefangenen entweder befohlen oder erlaubt -hätte, eine gesetzwidrige Handlung, die ganz und gar dem Geist des -Auswechselungsvertrages widerspräche.« Einige Tage später beruft er sich -Pulaski gegenüber auf den Kongress. »Ich habe ihn darauf hingewiesen,« -schreibt Washington, »dass die Einreihung von Gefangenen oder -Deserteuren durch einen kürzlichen Kongressbeschluss verboten ist. Wie -weit der Kongress geneigt sein möchte, eine Ausnahme zu machen und die -Erlaubnis zur Annahme von Gefangenen in einzelnen detachierten Korps, in -denen solche Leute mit weniger Gefahr als in der Linie Verwendung finden -könnten, bin ich nicht in der Lage auszusprechen.« - -Es ist wahrscheinlich, dass Pulaski Deserteure angenommen hat, und es -ist Thatsache, dass der sogenannte Chevalier Armand (in Wirklichkeit -Marquis de la Rouerie) es gethan hat. Wiederhold sah, als er in Reading -im Anfang des Jahres 1780 in Gefangenschaft war, zwei Schwadronen von -Armands Korps durch die Stadt passieren. Er giebt an, dass das Korps 400 -Mann stark gewesen wäre und vollkommen aus deutschen Deserteuren -bestanden hätte. - -Am 22. Mai 1778 fasste der Kongress den Beschluss, die Staaten -anzuweisen, alle Deserteure und Gefangenen als vom Milizdienst befreit -zu erklären und ihnen zu verbieten, als Stellvertreter in der Miliz zu -dienen. Am 29. desselben Monats soll ein eigenartiger Vorfall im -Cambridge passiert sein. Einige braunschweigische Offiziere fingen einen -Deserteur ab, einen der Gefangenen von Prospect Hill. Er war im Begriff, -sich nach Watertown davon zu machen, wo Oberst Armand eine -Rekrutierungs-Station hatte. Der arme Teufel wurde zum Lager -zurückbefördert, und da er der erste war, den man gefangen hatte, so -sollte an ihm ein Exempel statuiert werden. Er wurde an einen Pfahl -angebunden und bekam 300 Peitschenhiebe. Dann wurde ihm das Haar -abgeschnitten und so stiess man ihn als ehrlos aus der Armee aus. Die -Amerikaner sollen diesem Schauspiel ruhig zugesehen haben, sie hätten -den Mann freundlich bei sich aufgenommen und im Triumph von dannen -geführt. Eelking schenkt dieser Geschichte keinen Glauben, und wir -wollen hoffen, dass sie nicht wahr ist. Jedenfalls erwies sich die -Bestrafung, wenn sie wirklich stattgefunden hat, als wenig effektvoll, -denn im Laufe der nächsten fünf Monate desertierten einige fünfzig -Braunschweiger, auch war der Verlust an Menschen infolge von Desertion -auf dem Marsche nach Virginia sehr bedeutend. - -Einige der Desertionen unter den Gefangenen waren nur scheinbar. Die -deutschen Gefangenen verliessen ihre traurigen Hütten, auf die sie -angewiesen waren, und wanderten fort, in der Hoffnung, New-York oder -eine der britischen Armeen zu erreichen. Am 18. Mai 1779 schreibt -Gouverneur Clinton an Washington über »einen Alarm an der Grenze von -Ulster County, der durch das Erscheinen von etwa 100 Indianern und -Tories veranlasst worden war. Dort vereinigten sie sich mit 27 Tories -vom Ostufer des Hudson-River, meistens hessische Deserteure von den -Konventions-Truppen. Die plötzliche Versammlung der Miliz schreckte sie -vor weiterem Vordringen in das Land ab und verhütete, dass sie -materiellen Schaden anrichteten«. Und im Februar 1781 schrieb General -Greene, dass 38 von einem 40 Mann starken Detachement von Armands Legion -zum Feind übergegangen wären und dass Baron Steuben sich veranlasst sah, -einigen von ihnen zu befehlen, sich zu ihren Regimentern zu begeben, die -sich in Gefangenschaft in Charlottesville befanden. - -Wenn es wahr ist, wie der deutsche Schreiber behauptet, und wie es -wirklich der Fall zu sein scheint, dass Desertionen unter den Deutschen -nicht so oft vorkamen als unter den Engländern, so ist der Grund dafür -nicht weit zu suchen. Die Truppen waren meistenteils in Gegenden -verwandt worden, in denen die Einwohner kein Deutsch verstanden. -Obendrein waren die »Hessen«, wie die Hilfstruppen ohne Unterschied -genannt wurden, Gegenstand eines eigentümlichen Schreckens unter den -Eingeborenen. Ihr Name mag vielleicht manchmal bis auf den heutigen Tag -als eine Art Schimpfname in einigen Land-Distrikten gehört werden. Der -englische Deserteur war von dem Moment an, wo er den roten Rock auszog, -nicht zu erkennen. Der Deutsche konnte kein Wort sprechen, ohne sich zu -verraten. - -Weder unter den Engländern noch unter den Deutschen war die Desertion so -vorwiegend als unter den Amerikanern. Aber hierbei muss ein grosser -Unterschied konstatiert werden. Der britische oder deutsche Soldat -konnte nur zum Feind desertieren. Der amerikanische Milizsoldat kehrte -im allgemeinen in seine Heimat zurück. Die revolutionäre Miliz glich in -vieler Hinsicht mehr den Stämmen der schottischen Hochländer in den -Bürgerkriegen des siebzehnten und achtzehnten Jahrhunderts als modernen -Soldaten. Sie kamen oder gingen, je nachdem der Patriotismus oder der -Egoismus, der Enthusiasmus oder Entmutigung bei ihnen die Oberhand -gewannen. Oft unerschrocken im Gefecht, waren sie auch oft die -Veranlassung zu einer Panik, wie alle undisziplinierten Truppen; auch -waren sie solch zügellose Burschen, dass es in gleicher Weise unratsam -war für ihre Generale, ihnen zu trauen und für ihre Feinde, sie zu -verachten. - -Wir haben gesehen, dass 17313 Deutsche, oder 58% von denen, die als -Söldner herüber kamen, glücklich nach Europa zurückkehrten. Von den -12554, die zurückblieben, ist nur ein kleiner Teil in der Schlacht -gefallen oder an den Wunden gestorben, viele sind Krankheiten erlegen, -viele desertiert, einige sind in Amerika zurückgeblieben, nachdem der -Friede geschlossen war, mit Einwilligung der Behörden. Hessische -Offiziere und Gemeine erhielten Land in Nova Scotia, und der Herzog von -Braunschweig befahl mit einer Inhumanität, die bezeichnend für ihn ist, -dass nicht nur Soldaten, die sich Verbrechen schuldig gemacht oder sich -schlecht geführt hatten, sondern auch die, die körperlich zum Dienste -untauglich waren, in Canada zurückgelassen werden sollten. - -Dem Landgraf von Hessen hat es nicht an Leuten gefehlt, die ihn in -Schutz genommen haben. Diese berufen sich in erster Linie auf die -allgemeine Schlechtigkeit der Amerikaner und auf das Verbrechen, gegen -ihren König sich zu erheben, unter dessen Herrschaft sie nur zu -glücklich gewesen wären; zweitens behaupten sie, dass das Handeln mit -Soldaten den Gebräuchen des letzten Jahrhunderts entsprochen hätte, dass -das Geld, das der Landgraf bekommen, im Interesse des Landes und Volkes -verwandt worden wäre, und dass dieses den Handel gut geheissen hätte. -Auf die erste Behauptung werde ich nur insoweit eingehen, als es nötig -ist, ihren Mangel an Berechtigung nachzuweisen. Hätte sich der Landgraf -an dem Revolutionskrieg nur um seines Zweckes willen beteiligt, so würde -das Argument betreffend der Schlechtigkeit der Rebellen und des -Verbrechens des Aufruhrs stichhaltig sein. Es verliert aber an -Beweiskraft, wenn es auf einen Fürsten angewandt wird, der gemäss einer -Politik, die in seiner Dynastie erblich war, seine Truppen dem -Meistbietenden ausleiht. In Betreff des zweiten Arguments ist es wahr, -dass die öffentliche Meinung in dem Gebrauch von Söldnern nichts -Unmoralisches fand. Eine Nation, die in einen grossen Kampf verwickelt -ist, wird sich sicherlich Hilfe holen dürfen, wo sie sie findet. Der -einzelne Soldat des Glückes (soldier of fortune) ist lange mit zu -grosser Nachsicht betrachtet worden. Aber Soldat des Glückes zu sein zur -Stellvertretung, um aus seinem Blute Münzen schlagen zu lassen und in -Gefahren zu kommen, an denen der, welcher den Vorteil geniesst, keinen -Anteil nimmt, ist noch nie als eine würdige Beschäftigung angesehen -worden. Und die, welche sagen, dass das hessische Volk den Handel des -Landgrafen guthiess, verurteilen seine Unterthanen, ohne ihn selbst zu -entschuldigen. Ein besseres Argument wurde von seinem Gesandten -Schlieffen in der nahen Verwandtschaft zwischen dem englischen Hof und -den Höfen von Hessen und Braunschweig gefunden. Die amerikanischen -Provinzen hätten von einem hessischen Fürsten geerbt werden können. -Hätten wir deshalb gesehen, dass hessische Soldaten in englischem Sold -gegen amerikanische Rebellen ohne Geldentschädigung an den Landgrafen -gekämpft hätten, so würde man glauben, dass sie aus politischen Gründen -hinübergeschickt worden wären. Dies ist aber nicht möglich angesichts -der Subsidien. Der Landgraf liess sich in einen nicht zu -rechtfertigenden Handel ein und in dem Lichte dieses Handels muss er -beurteilt werden. - - - - -Anhang. - -A. Quellen-Verzeichnis. - -Gedruckte. - - - Friedrich Kapp. Der Soldatenhandel deutscher Fürsten nach Amerika. - Berlin 1864. - - Derselbe. Dasselbe. Berlin 1874. - - Derselbe. Geschichte der Deutschen im Staate New-York. New-York 1869. - - Derselbe. Friedrich der Grosse und die Vereinigten Staaten von - Amerika. Leipzig 1871. - - Derselbe. Aufsatz in Sybels Historische Zeitschrift. II. 6. 42. 1879. - - Derselbe. Leben des amerikanischen Generals Friedrich Wilhelm von - Steuben. Berlin 1858. - - Derselbe. Leben des amerikanischen Generals Johann Kalb. Stuttgart 1862. - - Max von Eelking. Die deutschen Hülfstruppen im nordamerikanischen - Befreiungskriege, 1776-1783. Hannover 1863. 2 Bände. - - Derselbe. Leben und Wirken des Herzoglich Braunschweig'schen - Generallieutenants Friedrich Adolf von Riedesel. Leipzig 1856. 3 - Bände. - - Generalin von Riedesel. Die Berufsreise nach Amerika. Berlin 1801. - - Christian Leiste. Beschreibung des britischen Amerika zur Ersparung - der englischen Karten. Wolfenbüttel 1778. - - F. B. Melsheimer. Tagebuch von der Reise der braunschweig'schen - Auxiliar-Truppen von Wolfenbüttel nach Quebec. Minden 1776. - - Derselbe. Erste Fortsetzung. - - J. von Ewald. Belehrungen über den Krieg, besonders über den kleinen - Krieg, durch Beispiele grosser Helden und kluger und tapferer - Männer. Schleswig 1798. - - Erste Folge derselben. Schleswig 1800. - - Zweite und letzte Folge derselben. Schleswig 1803. - - Briefe eines Reisenden über den gegenwärtigen Zustand von Kassel mit - aller Freiheit geschildert. Frankfurt und Leipzig 1781. - - Hochfürstlich Hessen-Casselischer Staats- und Adresskalender auf das - Jahr Christi 1779. Kassel. - - Karl Biedermann. Deutschland im 18. Jahrhundert. Band I. - Deutschlands politische, materielle und soziale Zustände im 18. - Jahrhundert. Leipzig 1880. - - Ferdinand Pfister. Der nordamerikanische Unabhängigkeits-Krieg. - Kassel 1864. - - Friedrich II. und die neuere Geschichtsschreibung. -- Ein Beitrag - zur Widerlegung der Märchen über angeblichen Soldaten-Handel - hessischer Fürsten. Zweite, mit einer Beleuchtung Seumes vermehrte - Auflage. Melsungen 1879. - - J. G. Seume. Sämtliche Werke. Leipzig 1835. (Mein Leben.) - - Derselbe. Aufsatz in J. W. von Archenholtz's Neue Litteratur und - Völkerkunde. Für das Jahr 1789. Zweiter Band. (Hallifax 1782.) - (Schreiben aus Amerika nach Deutschland.) - - August Ludwig Schlözers etc. Briefwechsel meist historischen und - politischen Inhalts. Göttingen 1780 bis 1782. - - Derselbe. Staats-Anzeigen. 18 Bände. - - Die neuesten Staatsbegebenheiten mit historischen und politischen - Anmerkungen. Frankfurt am Mayn und Mainz 1775. 1776. 1777. 3 Bände. - - Karl Heinrich Ritter von Lang. Geschichte des vorletzten Markgrafen - von Brandenburg-Anspach. Anspach 1848. - - J. B. Fischer. Geschichte von Anspach und Onolzbach. Anspach 1786. - - Reglement für die hessische Infanterie. Kassel 1776. - - Von den Hessen in Amerika, ihren Fürsten etc. 1782. (Soll von - Schlieffen verfasst sein.) - - -Manuskripte. - -(Von Originalen oder Abschriften in der Königlichen Landesbibliothek in -Kassel.) - - 1. Journal von dem Hochlöbl. Hessischen Grenadier-olim-Bataillon von - Minnigerode, modo von Loewenstein vom 20. Januarii 1776 bis 17. Mai - 1784. - - 2. Journal Hochfürstlichen Hessischen Grenadier-Bataillon Platte. - Vom 16. Februar 1776 bis 24. Mai 1784. Geführt durch den - Regiments-Quartiermeister Carl Bauer. - - 3. Journal des Hochlöblichen Füsilier-Regimentes von Alt-Lossberg. - Geführt durch den Regiments-Quartier-Meister Heusser vom Ausmarsch - aus der Garnison Rinteln an bis zur Rückkunft des gedachten - Hochlöblichen Regiments aus Amerika vom 10. Merz 1776 bis den 5. - Oktober 1783. - - 4. Geschichte von dem Hochlöblichen Füsilier-Regiment von Lossberg - in Form eines Tagebuchs, angefangen 1776-1783 (von Adjutant Piel). - - 5. Journal vom Löblichen Garnisons-Regiment von Huyn, nachher von - Benning, de ao. 1776 bis medio November 1783, geführt durch mich, - den Regiments-Quartiermeister G. Kleinschmidt. - - 6. Journal, geführt bei dem Hochlöblich Hessischen Feld-Jäger-Corps - während denen Campagnen der Königl. Grossbrittanischen Armee in - North-Amerika. Angefangen den 23. Juli 1777, von dem Tage wo der - Oberstlieutenant Ludwig Johann Adolf von Wurmb das Commando über das - Corps übernahm und geendigt den 20. April 1784, bei der erfolgten - retour derer sämtlich Hochfürstlich Hessischen Truppen aus Amerika. - - 7. Tagebuch des Hauptmannes Wiederhold von 1776-80. - - 8. Journal von dem Hochfürstl. Hessischen Hlöbl. Infanterie-Regiment - von Trümbach, modo General-Lieutenant von Bose, seines in ao. 1776 - aus Hessen nach Amerika gethanen Ausmarsches, und in ao. 1783 wieder - gehabten Einmarsches zur Garnison Hofgeismar. - - 9. Journal von dem Hochfürstlich Hessischen, des General-Major von - Knoblauch Löbl. Garnisons-Regiment, seit dem Amerikanischen Krieg, - von anno 1776 bis Ende 1783. - - 10. Briefe des General-Majors von Riedesel. Tagebuch vom Capit. - Pausch. - - (Aus der Bibliothek Seiner Hoheit des Fürsten von Waldeck.) - - 11. Fragment eines Tagebuchs des Waldeck'schen Regiments - vom 11. April 1780 bis zum Juli 1782. - - (Aus dem Archiv in Marburg.) - - 12. Berichte Sr. Excellenz des Herrn General-Lieutenant - von Knyphausen an Serenissimum. - - - - -B. Die hessischen Regimenter und ihre Namen. - - -Der Landgraf von Hessen-Kassel schickte fünfzehn seiner Regimenter nach -Amerika. Jedes Regiment bestand aus 650 Offizieren und Leuten in fünf -Kompagnien. Vierzehn von diesen fünfzehn Regimentern hatten je eine -Grenadier-Kompagnie abgeben müssen, und diese vierzehn Kompagnien mit -noch zweien von des Landgrafen Leib-Garde waren zu vier -Grenadier-Bataillonen zu 524 Köpfen formiert worden. Ein Jäger-Korps, -ursprünglich aus zwei Kompagnien bestehend, begleitete die Armee. 1777 -wurde es nominell auf 1067 Köpfe vermehrt, aber ich glaube, in -Wirklichkeit hat die Effektivstärke nie mehr wie sechs- oder -siebenhundert betragen. Drei Kompagnien Artillerie, 588 Köpfe stark, -wurden formiert, so dass die hessische Streitmacht aus 15 -Infanterie-Regimentern, 4 Bataillonen Grenadieren, 1 Jäger-Korps und 3 -Kompagnien Artillerie bestand. Kavallerie war nicht vorhanden, aber von -den Jägern waren einige beritten. - -Ein hessisches Regiment wurde gewöhnlich nach seinem »Chef« benannt. -Dieser »Chef« war manchmal der Oberst des Regiments, aber meistens war -es ein Prinz oder höherer Offizier. Da die »Chefs« öfters wechselten -oder versetzt wurden, so ist oft schwer, die Regimenter -auseinanderzuhalten. Die Grenadier-Bataillone wurden nach ihren -Oberstlieutenants benannt. Die folgende Liste der Regimenter und -Bataillone, die in Amerika gedient haben, und die Änderung in ihren -Namen, ist zum Teil einer Liste entnommen, die dem Wiederhold'schen -Tagebuch in der Bibliothek in Kassel beigefügt ist. Ich glaube, dass sie -im allgemeinen korrekt ist. Ich habe die Namen der Haupt-Schlachten und -Expeditionen, an denen die einzelnen Regimenter und Bataillone -teilgenommen haben, hinzugefügt. (Die Regimenter, die mit von Heister -herübergekommen sind, sind mit »I. Div.«, die, welche mit von Knyphausen -kamen, mit »II. Div.« bezeichnet.) - - Gren.-Bat. von Linsingen. (I. Div. -- Long-Island, Chatterton Hill, - Brandywine, Redbank, Charleston.) - - Gren.-Bat. von Block; 1777 von Lengerke. (Wie vorstehend.) - - Gren.-Bat. von Minnigerode; 1780 von Loewenstein. (Wie vorstehend.) - - Gren.-Bat. von Koehler; 1778 von Graff; 1782 von Platte. (II. Div. - -- Fort Washington, Charleston.) - - Leib-Regiment. (I. Div. -- Chatterton Hill, Brandywine, Germantown, - Newport, Springfield.) - - Regiment Landgraf (ab und zu Wutgenau genannt). (II. Div. -- Fort - Washington, Newport, Springfield.) - - Regiment Erbprinz. (I. Div. -- Long-Island, Fort Washington, - Yorktown.) - - Regiment Prinz Carl. (Newport.) - - Regiment von Ditfurth. (I. Div. -- Newport, Charleston.) - - Regiment von Donop. (I. Div. -- Long-Island, Fort Washington, - Brandywine, Germantown, Springfield.) - - Füsilier-Regiment von Lossberg (auch von Alt-Lossberg). (I. Div. -- - Long-Island, Chatterton Hill, Fort Washington, Trenton, Brandywine.) - - Füsilier-Regiment von Knyphausen. (Wie vorstehend.) - - Grenadier-Regiment Rall; 1777 von Woellwarth; 1778 von Trümbach; - 1779 d'Angelelli. (I. Div. -- Long-Island, Chatterton Hill, Fort - Washington, Trenton, Brandywine, Savannah.) - -Was von den drei letztgenannten nach Trenton übrig geblieben war, bildete -das »Combinierte Bataillon« in der Kampagne von 1777. Im Dezember -desselben Jahres wurden zwei Bataillone unter den Obersten von Loos und -von Woellwarth formiert. Die drei Regimenter nahmen später ihre alte -Formation wieder an; die beiden ersteren aber erlitten durch Sturm und -an Gefangenen im September 1779 starke Verluste. - - Regiment von Mirbach; 1780 von Jung-Lossberg. (I. Div. -- - Long-Island, Fort Washington, Brandywine, Redbank.) - - Regiment von Trümbach; 1778 von Bose. (I. Div. -- Fort Clinton, - Springfield, Guildford Court-House, Green-Spring, Yorktown.) - - Garnisons-Regiment von Stein; 1778 von Seitz. (II. Div.) - - Garnisons-Regiment von Wissenbach; 1780 von Knoblauch. (II. Div. -- - Savannah.) - - Garnisons-Regiment von Huyn; 1780 von Benning. (II. Div. -- Fort - Washington, Newport, Charleston.) - - Garnisons-Regiment von Bünau. (II. Div. -- Fort Washington, Newport, - Springfield.) - - Feld-Jäger-Korps. (Detachements von diesem Korps waren fast bei - jeder Operation beteiligt.) - - (Die oben erwähnten Regimenter gehörten zu Hessen-Kassel.) - - Der von Howe und Clinton kommandierten Armee waren ausserdem noch - folgende deutsche Regimenter zugeteilt: - - Regiment Waldeck. (Fort Washington, Pensacola.) - - Regiment Anspach. (Philadelphia, Newport, Springfield, Yorktown.) - - Regiment Bayreuth. (Philadelphia, Newport, Yorktown.) - -(Die beiden zuletzt erwähnten wurden im allgemeinen die beiden -Anspach'schen Regimenter genannt. Die Anspach'schen Jäger bildeten einen -Teil des Hessischen Jäger-Korps.) - -Das Braunschweig'sche Kontingent, welches in Canada und im nördlichen -New-York diente, war zusammengesetzt aus dem - - Regiment Dragoner (zu Fuss). (Bennigton unter Baum.) - - Bataillon Grenadiere. (Bennington unter Breymann, 1. Stillwater, 2. - Stillwater, Saratoga.) - - Regiment Prinz Friedrich. (Verblieb in Ticonderoga während der - Saratoga-Kampagne.) - - Regiment von Riedesel. (1. Stillwater, Saratoga.) - - Regiment von Rhetz. (2. Kompagnie bei 1. Stillwater, Saratoga.) - - Regiment von Specht. (Saratoga.) - - Jäger-Bataillon oder Bataillon Barner. (1. Stillwater, Saratoga.) - -Das Hanauer Regiment und die Hanauer Artillerie befanden sich bei dieser -Armee und teilten ihr Schicksal. Sie waren die einzigen Hessen bei -Burgoynes Armee. Die Artillerie that gute Dienste in der Kampagne von -1776 am Lake Champlain sowohl wie im Jahr 1777. - -Die Hanauer Jäger, wenigstens ein Teil derselben, nahmen an St. Legers -Expedition Teil. Das Regiment von Anhalt-Zerbst erreichte Canada, -nachdem die Feindseligkeiten in dieser Provinz vorüber waren. - - - - -C. Übersicht über die Zahl der von jedem deutschen Staat nach Amerika -gesandten Truppen und über die Zahl derer, die nicht zurückkehrten. - - - Braunschweig sandte 1776 4300 M. - im März 1777 224 " - April 1778 475 " - April 1779 286 " - Mai 1780 266 " - April 1782 172 " - -------- - Im Ganzen: 5723 M. - Es kehrten zurück im Herbst 1783: 2708 " - -------- - Es kehrten nicht zurück: 3015 M. - - - Hessen-Kassel sandte 1776 12 805 M. - Dezember 1777 403 " - März 1779 993 " - Mai 1780 915 " - April 1781 915 " - April 1782 961 " - --------- - Im Ganzen: 16 992 M. - Es kehrten zurück im Herbst 1783 - und Frühjahr 1784: 10 492 " - --------- - Es kehrten nicht zurück: 6 500 M. - - - Hessen-Hanau sandte 2038 M. - Rekruten im April 1781 50 " - April 1782 334 " - -------- - Im Ganzen: 2422 M. - Es kehrten zurück im Herbst 1783: 1441 " - -------- - Es kehrten nicht zurück: 981 M. - - - Anspach-Bayreuth sandte 1777 1285 M. - im Herbst desselben Jahres an Rekruten 318 " - 1779 157 " - 1780 152 " - 1781 205 " - 1782 236 " - ------- - Im Ganzen: 2353 M. - Es kehrten zurück im Herbst 1783: 1183 " - ------- - Es kehrten nicht zurück: 1170 M. - - - Waldeck sandte 1776 670 M. - April 1777 89 " - Februar 1778 140 " - Mai 1779 23 " - April 1781 144 " - April 1782 159 " - -------- - Im Ganzen: 1225 M. - Es kehrten zurück im Herbst 1783: 505 " - -------- - Es kehrten nicht zurück: 720 M. - - - Anhalt-Zerbst sandte 1778 600 M. - im April 1779 82 " - im Mai 1780 50 " - im April 1781 420 " - -------- - Im Ganzen: 1152 M. - Es kehrten zurück im Herbst 1783: 984 " - -------- - Es kehrten nicht zurück: 168 M. - - - Gesamtsumme der Soldtruppen 29 867 M. - Es kehrten von diesen zurück 17 313 " - --------- - Es kehrten nicht zurück 12 554 M. - -Von den 12 554, die nicht zurückkehrten, sind -- nach meiner eigenen -Schätzung --: - - Gefallen oder an den Wunden gestorben 1200 M. - Gestorben durch Krankheit oder Unglücksfälle 6354 " - Desertiert 5000 " - -------- - 12554 M. - - - - -D. Verlustliste der Deutschen in den Haupt-Schlachten und Gefechten des -Revolutionskrieges. - - - Tot. Verw. Vermisst. - Long-Island 2 25 - 15. September 1776 2 16 - 16. September 1776 1 1 - Vom 9. bis 23. Oktober - (inkl. Chatterton Hill) 13 63 23 - Fort Washington 56 276 - Trenton 17 78 - Assanpink (2. Jan. 1777) 4 11 - Burgoynes Kampagne (6. Okt. 1777) 25(?) 75(?) - Scharmützel 3. Sept. 1777 1 19 - Brandywine, Jäger 7 39 - " übrigen Hessen 2(?) 16(?) - Redbank 82 229 60 - Newport 19 96 13 - Stono Ferry 9(?) 34(?) - Charleston 11 62 - Springfield 25(?) 75(?) - Baton Rouge 25 8 - Pensacola 15(?) 45(?) - Guildford Court House 15 69 - Yorktown 53 131 - ------------------------- - Im Ganzen: 548 1652 127 M. - - - Druck von _Gottfr. Pätz_ in Naumburg a. S. - - - - - - +--------------------------------------------------------------+ - | Anmerkungen zur Transkription: | - | | - | Interpunktion wurde korrigiert, ohne hier | - | gesondert erwähnt zu werden. Im Text wurden | - | folgende Korrekturen vorgenommen: | - | | - | "Staaaten" in "Staaten" geändert. | - | S. 5 "Konspcription" in "Konscription" geändert. | - | S. 13 "datidrt" in "datiert" geändert. | - | S. 14 "Hessel" in "Hessen" geändert. | - | S. 19 "einer" in "eine" geändert. | - | S. 19 "seine" in "seiner" geändert. | - | S. 24 "abschliesen" in "abschliessen" geändert. | - | S. 28 "frühereren" in "früheren" geändert. | - | S. 28 "Whighs" in Whigs" geändert. | - | S. 34 "blos" in "bloss" geändert. | - | S. 36 "töden" in "töten" geändert. | - | S. 38 "verhältnissmässig" in "verhältnismässig" geändert. | - | S. 49 "Letzere" in "Letztere" geändert. | - | S. 49 "Pensylvaniern" in "Pennsylvaniern" geändert. | - | S. 54 "bliess" in "blies" geändert. | - | S. 55 "vorfunden" in "vorgefunden" geändert. | - | S. 56 "Manhatten" in "Manhattan" geändert. | - | S. 56 "or" in "oder" geändert. | - | S. 61 "bliessen" in "bliesen" geändert. | - | S. 61 "französich" in "französisch" geändert. | - | S. 62 "herausmarschiren" in "herausmarschieren" geändert. | - | S. 70 "Pensylvanischen" in "Pennsylvanischen" geändert. | - | S. 71 "zitterden" in "zitternden" geändert. | - | S. 71 "Abtheilung" in "Abteilung" geändert. | - | S. 73 "Annährung" in "Annäherung" geändert. | - | S. 77 "äussserte" in "äusserte" geändert. | - | S. 80 "Pensylvanier" in "Pennsylvanier" geändert. | - | S. 83 "gegehalten" in "gehalten" geändert. | - | S. 84 "Morgens" in "morgens" geändert. | - | S. 85 "Lieutnant" in "Lieutenant" geändert. | - | S. 85 "Anektode" in "Anekdote" geändert. | - | S. 87 "Triumpf" in "Triumph" geändert. | - | S. 87 "schell" in "schnell" geändert. | - | S. 88 "Oberfehlshaber" in "Oberbefehlshaber" geändert. | - | S. 89 "Knyphhusen" in "Knyphausen" geändert. | - | S. 91 "Erlaubniss" in "Erlaubnis" geändert. | - | S. 92 "1766" in "1776" geändert. | - | S. 93 "gezungen" in "gezwungen" geändert. | - | S. 95 "Planzen" in "Pflanzen" geändert. | - | S. 98 "französche" in "französische" geändert. | - | S.107 "der" in "des" geändert. | - | S.107 "dadadurch" in "dadurch" geändert. | - | S.120 "Lake-Champlain" in "Lake Champlain" geändert. | - | S.120 "grösten" in "grössten" geändert. | - | S.122 "zurükgeworfen" in "zurückgeworfen" geändert. | - | S.125 "Haubizen" in "Haubitzen" geändert. | - | S.151 "wenigsten" in "wenigstens" geändert. | - | S.151 "Grossbritanien" in "Grossbritannien" geändert. | - | S.152 "Geräuch" in "Geräusch" geändert. | - | S.154 "Winter-Hill" in "Winter Hill" geändert. | - | S.155 "grössen" in "grösseren" geändert. | - | S.155 "zurükzukommen" in "zurückzukommen" geändert. | - | S.158 "ich ich" in "ich" geändert. | - | S.167 "französicher" in "französischer" geändert. | - | S.168 "Galleren" in "Galeeren" geändert. | - | S.169 "Französich" in "Französisch" geändert. | - | S.188 "Tranportschiffen" in "Transportschiffen" geändert. | - | S.192 "Beoachtungen" in "Beobachtungen" geändert. | - | S.200 "Savanah" in "Savannah" geändert. | - | S.216 "nacher" in "nachher" geändert. | - | S.217 "detaschierte" in "detachierte" geändert. | - | S.223 "wegtranportieren" in "wegtransportieren" geändert. | - | S.223 "Limcoe" in "Simcoe" geändert. | - | S.224 "ükerlegte" in "überlegte" geändert. | - | S.229 "Wallfischboot" in "Walfischboot" geändert. | - | S.236 "Gefangeschaft" in "Gefangenschaft" geändert. | - | S.246 "letzgenannten" in "letztgenannten" geändert. | - | | - +--------------------------------------------------------------+ - - - - - -End of the Project Gutenberg EBook of Die Hessen und die andern deutschen -Hilfstruppen im Kriege gross-britanniens gegen Amerika, by Edward Jackson Lowell - -*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE HESSEN UND DIE ANDERN *** - -***** This file should be named 44049-8.txt or 44049-8.zip ***** -This and all associated files of various formats will be found in: - http://www.gutenberg.org/4/4/0/4/44049/ - -Produced by Peter Becker, Karl Eichwalder and the Online -Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net (This -book was produced from scanned images of public domain -material from the Google Print project.) - - -Updated editions will replace the previous one--the old editions -will be renamed. - -Creating the works from public domain print editions means that no -one owns a United States copyright in these works, so the Foundation -(and you!) can copy and distribute it in the United States without -permission and without paying copyright royalties. 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